Die Nachwahlrally geht weiter: Abflüsse aus Gold-ETPs halten unvermindert an

Die Abflüsse aus Gold-ETP setzten sich stetig fort. Insgesamt summierten sie sich auf fast 173 Mio. USD, was in diesem Jahr dem Wochenrekord entspricht. Bei ETPs, die auf breit aufgestellten Rohstoffkörben beruhen, kam es zu Zuflüssen in Höhe von 41 Mio. USD. Der Trend der letzten zwei Wochen kehrte sich um, da sich die Anleger um Diversifizierung bemühten. Da die Möglichkeit einer Einigung auf dem OPEC-Treffen optimistisch beurteilt wurde, flossen in Rohöl-ETPs 18 Mio. USD. Damit belaufen sich die Zuflüsse der letzten vier Wochen auf 236 Mio. USD, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Den vollständigen Überblick mit Charts finden Sie links als PDF.

Gold-ETPs (A0LP78) verzeichneten in der zweiten Woche hintereinander Abflüsse, die mit 173 Mio. USD einen Jahresrekord erreichten. Die Goldpreise gerieten unter erhöhten Druck, als sie unter die psychologisch wichtige Marke von 1200 USD/oz. fielen. Der Grund für den Einbruch waren Befürchtungen, dass die Fed die Zinsen 2017 aufgrund der zunehmenden Inflation weiter anheben könnte. Wir sind der Überzeugung, dass dieses Szenario wenig wahrscheinlich ist und dass die Anleger lediglich empfindlich auf die hohe Volatilität des US-Dollar reagieren. Zugleich dämpfen die nach der Euphorie über Trumps Wahlsieg steigenden Aktienmärkte und Anleiherenditen die Risikobereitschaft, was den Goldpreis weiter drückt. Im Großen und Ganzen aber werden die Anleger die politische Unsicherheit berücksichtigen, wenn die Populisten in 70 % Europas (nach BIP) in den Umfragen zulegen. Auch wenn wir im Vorfeld der Zinsanhebung mit einer länger andauernden Preisschwäche rechnen, finden wir, dass sich bei Gold angesichts der dauerhaften Inflationsrisiken und der politischen Unsicherheit derzeit eine hervorragende Kaufgelegenheit bietet. „Silber, das Edelmetall mit den meisten industriellen Anwendungen, war einmal mehr der Außenseiter. Es verzeichnete anders als seine Pendants im Edelmetallkomplex Zuflüsse, die sich auf 15 Mio. USD beliefen” erklärt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions bei ETF Securities.

Nach Erreichen eines 17-Monatshoch verzeichneten Palladium-ETPs (A0N62E) aufgrund von Gewinnmitnahmen Abflüsse in Höhe von 5 Mio. USD. „Palladium scheint auf Kosten von Platin hinzuzugewinnen, da das World Platinum Investment Council das Platindefizit für 2017 auf nur noch 170.000 Unzen absenkte und Johnson Matthey das Palladiumdefizit auf 651.000 Unzen aufwärts korrigierte“, so Jan-Hendrik Hein.

Bei breit aufgestellten Rohstoff-ETPs kam es zu Zuflüssen in Höhe von 41 Mio. USD. Der Trend der letzten zwei Wochen kehrte sich um, da sich die Anleger um Diversifizierung bemühten.

Der technische Ausverkauf der letzten zwei Wochen lockt die Schnäppchenjäger in Schwellenmarktanleihe-ETPs, da die Fundamentaldaten wieder die Oberhand über die Stimmung gewinnen. Insgesamt betrugen die Zuflüsse 39 Mio. USD. „Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass die Kreditwürdigkeit der Schwellenländer besser ist, als gewöhnlich angenommen wird. Die Kurse haben entsprechend noch Spielraum nach oben “, erläutert Hein.

Da das OPEC-Treffen optimistisch beurteilt wird, kam es bei Rohöl-ETPs (A0KRJX)zu Zuflüssen in Höhe von 18 Mio. USD. Damit belaufen sich die Zuflüsse der letzten vier Wochen auf insgesamt 236 Mio. USD. „Die Ölpreise schlossen in der Woche höher, was größtenteils dem wieder aufkeimenden Optimismus über die OPEC-Förderkürzungen zu verdanken ist. Da aber ein Durchbruch auf dem OPEC-Treffen in dieser Woche wenig wahrscheinlich ist, erwarten wir, dass die Ölpreise ihre Volatilität beibehalten werden“ so Hein weiter. Aufgrund der steigenden US-Ölproduktion besteht die Gefahr, dass sich am Überangebot auf dem Rohölmarkt nichts ändern wird. Die Bohraktivitäten stiegen auf den höchsten Stand seit Ende Januar, und Trump hat sich verpflichtet, die Beschränkungen, die für die Förderung der einheimischen Energieträger Schieferöl, Gas und Kohle gelten, in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit aufzuheben.

Wichtige Ereignisse in der nächsten Woche. Die Kapitalströme der Energie-ETPs werden je nach Ausgang des OPEC-Treffens in Wien am Mittwoch volatil bleiben. Die am Freitag veröffentlichten Beschäftigungsdaten werden wohl weitere Einblicke in die Gesundheit des US-Arbeitsmarkts bieten.

Positive Wachstumsaussichten für die Region Asien-Pazifik

von Timothy Orchard, CIO für Asien-Pazifik (ex Japan) bei Fidelity International:

Für Asien war 2016 ein ereignisreiches Jahr, denn wieder einmal waren die Märkte häufigen Stimmungsschwankungen ausgesetzt. In der ersten Jahreshälfte stand die Anfälligkeit des kreditgetriebenen Wirtschaftswachstums in China im Fokus der Anleger und war ausschlaggebend für das schlechtere Abschneiden der Region. Diese Sorgen traten in der zweiten Jahreshälfte jedoch zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen rückten die vergleichsweise attraktiven Bewertungen und ein möglicher Gewinnanstieg ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Auf längere Sicht sollten Anleger ihr Augenmerk jedoch vor allem darauf richten, ob und wie die diversen Reformpläne an den wichtigen Märkten umgesetzt werden. Indien zum Beispiel hat Fortschritte bei seiner großen Steuerreform erzielt. Besondere Beachtung fand unlängst die Entscheidung der indischen Regierung, große Banknoten aus dem Verkehr zu ziehen, um der Schattenwirtschaft das Wasser abzugraben. Diese Maßnahme wird das Wachstum in nächster Zeit zwar unweigerlich bremsen. Sie zeugt jedoch von Ministerpräsident Modis ungebrochenem Reformwillen. Zudem ist es Indien gelungen, sein Doppeldefizit zu senken und den Preisauftrieb zu verlangsamen. Damit ist Spielraum für weitere Zinssenkungen vorhanden. Der Konjunkturabschwung mag zwar noch längere Zeit anhalten, und in nicht allzu ferner Zukunft könnte die Wiederwahl Modis für Unruhe an den Märkten sorgen. Auf längere Sicht ist der Ausblick für Indien aber unverändert gut. Auch Indonesien ist mit seiner Landreform und der jüngsten Steueramnestie auf einem guten Weg.

China erleichtert Zugang für ausländische Investoren

In China geht der Balanceakt weiter. So strebt Peking einerseits ein ausreichend hohes nominales Wachstum an, während andererseits der langsame Umbau der Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen Konsummodell weg von einer auf Sachanlageinvestitionen basierten Struktur fortgesetzt wird. Parallel dazu schreitet die Öffnung des chinesischen Marktes für ausländische Investoren voran. Jüngste Beispiele sind höhere Quoten für so genannte „Qualified Foreign Institutional Investor“ (QFII) sowie das Stock-Connect-Programm, was ausländischen Anlegern den Zugang zu den an der Börse in Shenzhen gehandelt Titeln eröffnet. Sobald die vollständige Übertragbarkeit zwischen Anlageklassen erreicht ist und inländische Aktien in die diversen Indizes aufgenommen wurden, wird China den Löwenanteil am regionalen Index stellen.

In einer Zeit mit zunehmenden geopolitischen Risiken sind die genannten Reformen ein Beleg für die vergleichsweise günstigen Rahmenbedingungen in Asien. Dass die asiatischen Schwellenländer nicht zwangsläufig aufgrund unternehmensspezifischer und politischer Faktoren mit einem massiven Abschlag gegenüber ihren westlichen Pendants gehandelt werden sollten, scheint uns plausibel. Das gilt vor allem in Anbetracht der turbulenten Entwicklungen in anderen Teilen der Welt, angefangen von der Teilannexion eines souveränen europäischen Staates über den Brexit bis hin zu den Unsicherheiten infolge der US-Präsidentschaftswahl.

Ferner fürchten viele, dass höhere Zinsen in den USA den asiatischen Ländern das Leben schwer machen könnten. Der aktuelle Konjunkturzyklus mag sich zwar in etlichen Punkten von früheren unterscheiden. Dennoch sollte ein Blick auf die Entwicklung der asiatischen Märkte in den vorangegangenen Zyklen für Beruhigung sorgen: Denn in einem Umfeld mit steigenden Zinsen in den USA haben sich Asiens Märkte in der Vergangenheit behauptet, was dem Umstand geschuldet sein mag, dass höhere Zinsen meist mit robustem weltwirtschaftlichem Wachstum einhergehen.

Aktuell sind die asiatischen Märkte verglichen mit den entwickelten Märkten im Westen günstig bewertet. Zudem haben sie ansehnliche Fortschritte bei ihren Reformvorhaben erzielt und ihren zyklischen Gewinnabschwung bereits hinter sich. Alles in allem scheinen sie damit gut aufgestellt für langfristiges Wachstum.

US-Moats profitieren von US-Wahlergebnissen

Die Aktienkurse der US-Moats, Unternehmen mit einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil, haben durch den Wahlsieg von Donald Trump mehrheitlich profitiert. „Aufatmen konnten vor allem der Gesundheits- und Bankensektor“, erklärt Uwe Eberle, Head of International Business Development and Distribution bei VanEck. Pharma-Giganten wie Amgen, McKesson und AmerisourceBergen hätten unter Clinton stärkere Regulierungen und Preiskontrollen gedroht. Ihre Aktienkurse konnten sich – nachdem die Titel in der Woche vor der Wahl mehrheitlich abgestoßen wurden – in den darauffolgenden zwei Tagen im unteren zweistelligen Prozentbereich erholen. Auftrieb erfuhren durch die Trump-Wahl auch die Moats im Bankensektor, der ebenfalls von geringerer Regulierung und höheren Zinsen profitieren könnte. Richtungsweisend war hier insbesondere die Entwicklung von Wells Fargo, dessen Aktienkurs in den Tagen nach der US-Wahl um mehr als 13 Prozent anstieg.

Einbußen unter anderem bei Technologiefirmen

Die Ungewissheit hinsichtlich der Einwanderungspolitik und Handelsbeziehungen der Vereinigten Staaten belastet vor allem den Technologiesektor. Zum einen sind diese Unternehmen verstärkt auf qualifizierte ausländische Fachkräfte angewiesen, zum anderen unterhalten sie wichtige Geschäftsbeziehungen mit Mexiko und Lateinamerika. So wurden die Titel wie Amazon.com, Western Union und Salesforce.com in den Tagen nach der US-Wahl stark abgestoßen. Außerhalb dieses Sektors litt beispielsweise auch Starbucks nach der US-Wahl verstärkt unter Abverkäufen.

Der VanEck Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF ist der erste in Europa zugelassene ETF, der Zugang zu Titeln amerikanischer Unternehmen mit einem Economic MoatTM Rating of Wide von Morningstar® bietet. Auf Grundlage der Idee von „economic moats“, das heißt langfristigen strukturellen Wettbewerbsvorteilen, hat Morningstar einen Aktienresearch- und Bewertungsprozess entwickelt, auf dem der zugrundeliegende Index basiert. VonJahresbeginn bis zum 15. November 2016 konnte der Morningstar Wide Moat Focus Index den S&P 500® Index um 12,43 Prozent outperformen. Bei einer noch langfristigeren Betrachtung resultiert aus den Daten von Morningstar, dass der Index den S&P 500® Index auchin den vergangenen fünf Jahren bis zum 15. November 2016 übertroffen hat (15,99 Prozent gegenüber 14,05 Prozent auf annualisierter Basis).

(Stand Daten: 15.11.2016)

Über VanEck:
VanEck steht für intelligente Investment Strategien, die gezielt attraktive Möglichkeiten im Markt aufgreifen. Seit Gründung im Jahr 1955 ist das Unternehmen ein Vorreiter für globale Investments und stellt traditionell und unabhängig vom Marktumfeld, die Interessen seiner Kunden allen anderen voran. Bis heute ist VanEck dieser Tradition verpflichtet und bietet vorausschauende, aktive und passive Investment Portfolios in den Bereichen Rohstoffe, Schwellenmärkte, Edelmetalle, Renten sowie weiteren alternativen Anlageklassen an.
Der Morningstar® Wide Moat Focus IndexSM wurde von Morningstar, Inc. entwickelt und wird von dem Finanzdienstleister gepflegt. Der Market Vectors Morningstar US Wide Moat UCITS ETF ist kein Morningstar Produkt und wird nicht von Morningstar vermarktet oder vertrieben. Morningstar, Inc. übernimmt keine Haftung für den ETF. Der Index bietet Zugang zu Unternehmen mit einem Morningstar Economic Rating „Wide“, die zum niedrigsten gegenwärtigen Marktpreis/Fair Value Ratio handeln. Moat und Fair Value Bewertung werden vom Morningstar Research Team ausgegeben.

Marktausblick 2017: Trump und die Folgen

Die Kapitalmärkte stehen vor einer sanften Zinswende. „Die Talsohle bei den Zinsen ist durchschritten. Die Renditen werden moderat steigen“, sagt Jens Wilhelm, im Vorstand der Union Asset Management Holding AG zuständig für Portfoliomanagement und Immobilien. Eine leichte Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität gepaart mit anziehenden Inflationserwartungen in Europa und den USA setzt demnach im Jahr 2017 den Rahmen für die Börsen. „Ein Ende des Niedrigzinsumfelds zeichnet sich damit noch nicht ab. Denn im historischen Vergleich bleiben die Zinsen vor allem in der Eurozone niedrig“, ordnet Wilhelm die Entwicklung ein. „Wir erleben aber eine spürbare Veränderung.“ Daneben sieht er die politische Unsicherheit sowie die stärker divergierende Geldpolitik im Euroraum und in den USA als wesentliche Einflussfaktoren für 2017. „Flexibel und international anlegen ist das Gebot der Stunde“, rät der Kapitalmarktstratege.

„Die US-Präsidentschaftswahlen endeten mit einem Paukenschlag, der enorme Auswirkungen auf die Kapitalmärkte im kommenden Jahr hat“, betont Wilhelm. „Seit klar ist, dass Donald Trump ins Oval Office einzieht, preisen die Börsen anziehende Inflationsraten ein.“ Die Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die neue Regierung durch Ausgabenprogramme die Konjunktur kurzfristig anschieben und die Teuerung in den Vereinigten Staaten befeuern wird.

Trump und US-Konjunktur: Kurzfristig positive Effekte

Wilhelm plädiert für einen genauen Blick auf die zu erwartenden Veränderungen: „Man muss kurzfristige und langfristige Auswirkungen auf das US-Wachstum unterscheiden. Für 2017 ist tatsächlich mit einem zusätzlichen Wachstumsschub von ca. 1 Prozent zu rechnen.“ Andererseits wächst das Staatsdefizit durch die hohen Ausgaben. Zudem kostet verstärkter Protektionismus mittelfristig Wachstum und schwächt die Wirtschaft. „Die Quittung kommt erst später und spielt daher an der Börse noch keine Rolle“, erläutert Wilhelm. Insgesamt dürfte der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den USA mit 1,8 Prozent im kommenden Jahr überschaubar bleiben. „Mit Trumps Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik werden die langfristigen Probleme der US-Wirtschaft nicht gelöst“, betont der Experte. „Die schwache Produktivitätsentwicklung und die geringe private Investitionstätigkeit bleiben auch in Zeiten staatlicher Ausgabeprogramme große Hemmschuhe.“

Fed: Zinserhöhungen voraus, aber der Dollar bremst

Die Zinsprognosen für die USA haben sich mit dem überraschenden Ausgang der Präsidentschaftswahlen grundlegend geändert. Wilhelm rechnet nun mit bis zu drei Anhebungen der Leitzinsen durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed): „Der Zinsschritt im Dezember ist so gut wie sicher. Im kommenden Jahr dürften dann ein bis zwei weitere folgen.“ Einen steileren Zinsanhebungspfad hält er hingegen für unwahrscheinlich, zumal die Fed auch die weitere Entwicklung des US-Dollars genau verfolgen dürfte. „Wir sehen den US-Dollar in einer Phase der Stärke und halten die Parität gegenüber dem Euro für möglich“, so Wilhelm. „Ein aufwertender Dollar bremst das Wachstum, das wird die Fed nicht unberücksichtigt lassen.“

US-Renditen steigen mit abnehmender Dynamik

Wilhelm rechnet mit moderat steigenden Renditen bei US-Staatsanleihen: „Zum Jahresende erwarten wir bei den Papieren mit zehnjähriger Laufzeit ein Renditeniveau von 2,8 Prozent.“ Die USA bewegen sich somit in Richtung eines Zinsniveaus, das zuletzt Ende 2013 erreicht wurde.

Europa unter (politischer) Spannung

Beim Blick auf Europa hebt der Kapitalmarktstratege die politischen Risiken hervor, stehen doch mit Frankreich, den Niederlanden und Deutschland Wahlen in drei wichtigen Euro-Ländern an: „Die Populisten sind auch in Europa auf dem Vormarsch, und in Sachen Brexit hat noch keiner einen Plan. Politischer Dauerstress ist somit vorprogrammiert“, betont Wilhelm. Dabei wird es nach seiner Einschätzung immer schwerer, politische Ereignisse und vor allem deren Wirkung auf die Kapitalmärkte zu antizipieren. Umso wichtiger sei ein flexibler, reaktionsschneller Investmentansatz.

Trotz aller politischen Herausforderungen sieht Wilhelm an den europäischen Kapitalmärkten durchaus Chancen. Die Konjunktur beschreibt er als robust und rechnet mit einer Steigerung des BIP in der Eurozone um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Durch höhere Exporte in die USA sollten auch europäische Unternehmen vom Trump-Effekt profitieren“, erwartet Wilhelm. Ferner wird die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) locker bleiben. „Mario Draghi wird das Anleiheankaufprogramm über das Frühjahr hinaus verlängern“, meint Wilhelm. Das derzeit viel diskutierte Tapering, also das Herunterfahren der Ankäufe, hält er aktuell noch nicht für realistisch. Bei den Teuerungsraten sei allenfalls ein leichter Anstieg zu erwarten.

Leicht steigende Bundrenditen

Die europäischen Rentenmärkte dürften vor diesem Hintergrund mit deutlich weniger starken Renditeanstiegen konfrontiert sein als ihre US-amerikanischen Pendants. „Die Bundesanleihe bleibt der sicherste Hafen der Eurozone, das begrenzt den Renditeanstieg“, fasst Wilhelm seine Prognose von 0,7 Prozent zum Jahresende für zehnjährige Papiere zusammen. „Wir erleben auch in Europa eine kleine Zinswende, allerdings auf sehr niedrigem Niveau“, so Wilhelm. Deutlich skeptischer ist er für Anleihen aus der Euro-Peripherie, bei denen vor allem in Phasen der politischen Unsicherheit rund um die Wahlen mit Renditeaufschlägen und folglich fallenden Kursen zu rechnen ist.

Unternehmensanleihen weiter gut unterstützt

Hingegen bleibt das Umfeld für Unternehmensanleihen weiter aussichtsreich. „Überschaubare Inflation und moderates Wachstum sind keine schlechten Nachrichten für Corporate Bonds“, erläutert Wilhelm. „Die Unterstützung durch die Anleihekäufe der EZB wirkt ebenfalls positiv. Andererseits ist die Anlageklasse aufgrund der starken Kursentwicklung der vergangenen Jahre bereits ambitioniert bewertet.“

Aktien mit Kurspotenzial, Chancen bei Rohstoffen

Auch für Aktien bleibt der Kapitalmarkstratege optimistisch gestimmt: „Insbesondere US-Werte legen zur Zeit eine Trump-Rally hin.“ Angesichts der robusten Konjunktur traut er den Unternehmen Gewinnsteigerungen von fünf Prozent in den Vereinigten Staaten und sieben Prozent in der Eurozone zu. Zudem seien Aktien gerade im Vergleich zu Anleihen nach wie vor günstig bewertet. „Aktien sind auch im kommenden Jahr eine unverzichtbare Renditequelle“, ist Wilhelm überzeugt.

Nachdem bereits 2016 ein gutes Jahr für Rohstoffe war, sieht Wilhelm auch für diese Anlageklasse weiterhin Chancen. Sollte sich die OPEC auf eine Deckelung der Ölförderung einigen, befindet sich der Rohölmarkt nach Prognosen von Union Investment auf dem besten Weg ins Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage. „Preise von 55 US-Dollar je Barrel der Sorte Brent sind durchaus möglich, sobald der Produktionsüberhang abgebaut ist“, analysiert Wilhelm. „Bei Industrie- und einigen Edelmetallen wirken sich die Angebotskürzungen der letzten Jahre positiv aus.“

Emerging Markets: Selektion ist Trumpf

Die im Nachgang zur Wahl des neuen US-Präsidenten stark gewachsene Skepsis gegenüber den Schwellenländern teilt Wilhelm nur bedingt. „Ein stärkerer US-Dollar und eine mehr nach innen gerichtete amerikanische Volkswirtschaft bedeuten Gegenwind für die Emerging Markets“, erläutert der Stratege. „Auf der anderen Seite haben diese Länder in den vergangenen drei Jahren den perfekten Sturm aus festerem Dollar, China- und Rohstoffpreisschwäche überstanden.“ Das Segment sei somit wesentlich robuster geworden. „Allerdings wird bei Anlagen in den Schwellenländern die Differenzierung künftig noch wichtiger“, betont Wilhelm.

Anlagegrundsätze für 2017

2017 wird nach Einschätzung des Kapitalmarktstrategen ein Jahr, in dem sich Flexibilität auszahlt. Mit deutlichen Schwankungen in allen Marktsegmenten sei zu rechnen. „Moderne Multi-Asset-Lösungen sind in diesem anspruchsvollen Kapitalmarktumfeld das Mittel der Wahl, um flexibel zu reagieren und kurzfristig sich bietende Chancen zu nutzen“, so Wilhelm. „Dabei lohnt sich mehr denn je ein Blick über den europäischen Tellerrand.“ Und schließlich: „Nach Trump und Brexit sollten Investoren erst einmal auf Reflationierung setzen. Wir rechnen mit weiter leicht steigenden Zinsen und unter Schwankungen aufwärts gerichteten Aktienmärkten“, zieht Wilhelm ein positives Fazit.

Aktienmärkte dürften 2017 von mehr Wachstum und Inflation profitieren

von Dominic Rossi, Global Chief Investment Officer für Aktien bei Fidelity International:

„Kaum etwas wird die Aktienmärkte im kommenden Jahr so sehr beeinflussen wie der neue US-Präsident. Donald Trumps Motto „Amerika zuerst“ dürfte 2017 zu einem Mantra für Anleger werden. Zwar müssen sie angesichts der Unwägbarkeiten der Trump-Regierung mit Phasen hoher Volatilität rechnen. Auch werden die Rahmenbedingungen für hoch bewertete defensive Werte schwieriger. Insgesamt aber dürfte die Politik der künftigen US-Regierung Risikoanlagen unterstützen.

Dabei wird insbesondere der US-Markt seine globale Vormachtstellung behaupten. Denn Trump geht es vor allem um eines: Wachstum. Die neue Regierung wird der US-Wirtschaft über Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben neuen Schwung verleihen. Und das ist für amerikanische Unternehmen gut. Deren Gewinne sind, nach zwei Jahren Stagnation, schon vor der Wahl gestiegen. Wir gehen basierend auf unserem internen Prognosemodell von einem Gewinnwachstum von 11,2 Prozent und einer Eigenkapitalrendite von 16,2 Prozent für 2017 aus.

Dazu könnte eine Rückholung der Barmittel in Höhe von einer Billion US-Dollar, die die S&P-500-Firmen auf ihren Bilanzen im Ausland haben, für Investitionen, Fusionen und Übernahmen sowie für höhere Renditen für Aktionäre über Dividenden und Aktienrückkäufe sorgen. In Europa dürften zwar die anstehenden Wahlen für mehr Schwankungen sorgen, insgesamt wäre eine stärkere US-Wirtschaft für den europäischen Markt aber positiv. Nicht ganz so eindeutig ist der Ausblick für die Schwellenländer. Zwar bedeutet ein kräftigeres US-Wachstum auch für sie günstigere Rahmenbedingungen. Aber nur, wenn protektionistische Maßnahmen ausbleiben. Zudem würden manche Emerging Markets unter einem stärkeren Dollar, der Gegenwind für die Rohstoffpreise bedeutet, leiden.

Auf Branchenebene dürften Pharma- und Finanzwerte sowie ausgewählte Technologieunternehmen profitieren. Banken sollte die Reflationierung der Wirtschaft sowie eine weniger strenge Regulierung unter Trump zugutekommen. Pharmatitel wiederum dürften sich aufgrund ihrer Innovationskraft, ihrer prall gefüllten Medikamenten-Pipeline und ihrer attraktiven Bewertung nach der zuletzt schwachen Performance gut entwickeln.“

von Charles McKenzie, Global Chief Investment Officer für Anleihen bei Fidelity International:

„Auch wenn die Renditen zuletzt gestiegen sind, brachte dieses Jahr Anleiheinvestoren doch solide Erträge. Seit Jahresbeginn sind die Renditen von Staatsanleihen per Saldo gefallen und die Zins-Spreads von Unternehmensanleihen zurückgegangen. Das wird sich 2017 allerdings kaum wiederholen. Vielmehr wird es noch schwieriger, ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen. 

Dabei müssen sich Anleger aber keine Sorgen machen, dass sich der derzeitige Trend steigender Renditen bei Staatsanleihen fortsetzen wird und es zu einer Umkehr am Rentenmarkt kommt. Denn die langfristigen Trends, die die Renditen in den vergangenen zehn Jahren niedrig gehalten haben, sind intakt. Dazu zählen die schwache Produktivität, geringes Wachstum, die Alterung der Bevölkerung und die Staatsverschuldung. Zwar sehen wir Wachstum, es wird aber nicht so stark ausfallen, dass es massive Zinsstraffungen geben wird. Für die USA erwarten wir, dass die Federal Reserve die Zinsen 2017 um einen halben Prozentpunkt anhebt. Dagegen wird die Geldpolitik in der Eurozone und in Japan wohl unterstützend bleiben. 

Staatsanleihen bieten aber trotz des jüngsten Renditenanstiegs keine ausreichende Kompensation für die Risiken. Zudem ist der Konjunktur- und Kreditzyklus weit vorangeschritten, was wiederum für Unternehmensanleihen die erhöhte Gefahr von Ausfallrisiken mit sich bringt. Deshalb bleiben Anleihen insgesamt eine Herausforderung. Ein Abrücken von traditionellen Benchmarks kann helfen, unerwünschte Konzentrationsrisiken zu mindern. Dazu kommt die schwache Marktliquidität, die ebenfalls nicht für passive Benchmark-Strategien spricht. 

Stattdessen ist eine flexible Strategie entscheidend, die breit diversifiziert, alle Segmente des Unternehmensanleihemarktes berücksichtigt und Extremrisiken dynamisch absichert. Idealerweise nutzen Anleger einen Mix aus drei Strategien: Erstens ist es wichtig, von den unterschiedlichen Zinszyklen zu profitieren, indem sie ihre Durationsquellen diversifizieren. Zweitens sollten sie über die Beimischung von inflationsindexierten Anleihen nachdenken. Und drittens Unternehmensanleihen berücksichtigen. Dort ist das Investment-Grade-Segment interessant, da es noch ausreichendes Wertpotenzial bietet. Zudem rechnen wir damit, dass Anleger auf der Suche nach Rendite von Staats- in Unternehmensanleihen umschichten werden. Auskömmliche laufende Erträge bieten zwar Hochzinsanleihen. Da diese aber in etwa fair bewertet sind, ist der Risikopuffer, den die Papiere bei einer steigenden Volatilität bieten, sehr dünn.“

von James Bateman, Global Chief Investment Officer für Multi Asset bei Fidelity International:

„Auch 2017 könnte ein Jahr voller Überraschungen werden, die sich per definitionem nicht vorhersagen lassen. Aber einige Themen sollten Anleger im Hinterkopf behalten. Dazu gehört – nach Trumps Wahlsieg – eine Wiederaufnahme fiskalpolitischer Stimulusmaßnahmen, um die Wirtschaft in den Industrieländern anzukurbeln. Wenn es so kommt, könnte das das Ende der Blase an den Anleihemärkten bedeuten. 

Anleger sollten mit stärkerem Wachstum und höherer Inflation rechnen, auch wenn ich zu bedenken gebe, dass die Zinsen weniger schnell steigen könnten als vom Markt erwartet. Denn aller Voraussicht nach
werden die Regierungen Druck auf ihre „unabhängigen“ Zentralbanken ausüben, vorübergehend höhere Inflationsraten als Preis für eine Belebung ihrer schleppenden Wirtschaft zu tolerieren. Bis auf weiteres mag die Duration der erklärte Feind sein, aber dennoch gibt es nach wie vor Bereiche mit Wertpotenzial an den Anleihemärkten. Hierzu gehören vor allem Schwellenländeranleihen in Landeswährung. Sie könnten Anlegern ähnliches Aufwärtspotenzial wie Emerging-Markets-Aktien bieten, jedoch bei deutlich weniger Abwärtsrisiko und ausgestattet mit erheblichem Renditepuffer.

Auf der Aktienseite dürften Dividendentitel, die den Bullenmarkt seit 2009 kräftig angetrieben haben, viel von ihrem Glanz verlieren, wenn die Zinsen den Nullpunkt hinter sich lassen. Denn damit kehrt sich auch die Suche nach Rendite um, die Anleger dazu zwang, immer höhere Risiken einzugehen. Value-Aktien mussten seit der Finanzkrise erheblich Federn lassen. Ihnen könnte nun ein Comeback bevorstehen. Ob über aktive oder Smart-Beta-Strategien: Eine Anlage in Value-Aktien dürfte verglichen mit dem Gesamtmarkt bessere Resultate hervorbringen.

Ganz gleich, wie sich die Wirtschaftspolitik Trumps mittelfristig auswirkt: Schon heute sollten wir mit höherer Volatilität rechnen. Denn Trump und die Geopolitik insgesamt werden die Märkte zwischen Angst und Gier schwanken lassen. Von den möglichen politischen Umwälzungen in Europa im Zuge der Neuverhandlung der Beziehung zwischen Großbritannien und der Eurozone und den Wahlen in Frankreich und Deutschland ganz zu schweigen. Sie könnten eine kurzzeitige Trendumkehr an den Aktien- und Anleihemärkten sowie bei den Sektoren bewirken. Für Anleger ist es daher vermutlich sinnvoll, sich gegen Extremereignisse etwas abzusichern – beispielsweise über Engagements am Gold- und Ölmarkt. Zudem dürfte sich aktives Management ebenso auszahlen wie der Kauf von Risikoanlagen nach Schwächephasen und deren Reduzierung nach Erreichen von Bestmarken. Eine statische Allokation ist in 2017 aus heutiger Sicht jedenfalls nicht zu empfehlen.“

Emerging Markets: Eine Post-Trump-Bewertung

von Erik Knutzen, Chief Investment Officer – Multi Asset Class beim unabhängigen US-Asset-Manager Neuberger Berman.

„Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung. Was tun Sie, Sir?"

Diese viel zitierten Worte von John Maynard Keynes sind sehr passend in diesen überraschenden Zeiten. Im Oktober betonte ich noch die Chancen von Emerging-Market-Aktien und -Anleihen. Als Argumente für Aktien nannte ich die sich verbessernden wirtschaftlichen Fundamentaldaten und die attraktiven Preis-Gewinn-Verhältnisse, während ich bei Anleihen ihre relativ hohen Erträge lobte. Das ist passé. 

Letzte Woche hat unser Asset-Allocation-Committee den Rahmen für unsere Vermögensallokation in den globalen Märkten in den nächsten zwölf Monaten neu gesteckt: Infolge des unerwarteten Sieges von Donald Trump und der Aussicht auf ein Wirtschaftsprogramm mit niedrigeren Steuern, weniger bürokratischen Aufwand und erhöhten Regierungsausgaben heben wir unsere Einschätzung für US-Aktien in den nächsten zwölf Monaten auf leichte Übergewichtung an. Zur gleichen Zeit haben wir beschlossen, unsere 12-Monats-Prognose für Schwellenländer-Aktien und Emerging Market Debt zu senken.

Unser neuer, vorsichtiger Umgang mit den Schwellenländern ist von der Erkenntnis getrieben, dass sich das Umfeld verändert hat – und weiter schnell verändert. Aufgrund der Mischung aus höheren US-Zinsen, einem stärkeren Dollar und der Möglichkeit steigender Spannungen im Handel haben wir keine andere Wahl, als unsere Einschätzung zu den Emerging Markets zu überdenken. Und wie Keynes feststellte, ist es wichtig, sich die Flexibilität zu bewahren, schnell zu reagieren, wenn sich die Lage ändert.

Emerging Markets: Langfristig gute Chancen

Aber dieser Sinneswandel ist keine "deep sell"-Mentalität. Es gibt weiterhin tragfähige Argumente für Investments in den Schwellenländern und wenn man aktuelle Marktbewegungen verfolgt, sind Anleiherenditen und das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei Aktien attraktiver als zuvor. Und während unsere Aktien- und Anleihen-Teams bei den kurzfristigen Aussichten in den Emerging Markets eher vorsichtig sind, sehen sie langfristig weiterhin verlockende Chancen in Schwellenländern. 

Sicher, Aktien gerieten stark unter Druck und Währungsverluste waren ein großer Störfaktor für die Performance. Doch es ist töricht, die aufstrebenden Märkte als einen monolithischen Block zu betrachten. Sie haben weiter viel Potenzial. Hartwährungsanleihen etwa werfen 5,8% ab und auch Rohstoffe haben nach der Wahl weiter ihre relative Outperformance geliefert. Tatsächlich könnten ausgewählte Schwellenländer von der US-Wachstumspolitik sehr profitieren.

Mögliche Handelsbeschränkungen etwa hätten weit mehr Auswirkungen auf Lateinamerika als auf Asien. Der "Mehrwert" der asiatischen Exporteure ist nicht leicht zu ersetzen. Und wenn Präsident Trumps viel gepriesene Infrastruktur-Ausgaben umgesetzt werden, steigert das auch die Nachfrage nach ausgewählten Rohstoffen und speziellem Know-how in Ingenieurwesen und Technologie. Außerdem ist zu bedenken, dass wenn die USA ihre heimische Energie- und Kohle-Produktion hochfährt, dies auch den Schwellenländern hilft, weil viele davon Nettoverbraucher sind.

Allerdings, China bietet weiterhin Anlass zur Sorge. Während die kurzfristige Position positiv bleibt, bestehen Risiken, dass die jüngsten Konjunkturmaßnahmen Blasen verursachen und auch die Abwertung der Währung ruft Besorgnis hervor, vor allem im Trump-Lager. Wie China in den nächsten zwölf Monaten reagiert, ist von entscheidender Bedeutung, nicht nur für die Emerging Markets, sondern für uns alle.

In den Graben gefahren

Vor diesem Hintergrund ist es ein vernünftiger Ansatz, mehr heimische Unternehmen ins Portfolio zu nehmen, die eine geringe Verschuldung aufweisen und zu einem vernünftigen Preis gehandelt werden. Dies kann dazu beitragen, die Gefahren durch Zinssensitivität und verminderten Welthandel zu minimieren.

In den Anleihemärkten hat der Trump-Sieg zweifellos negative Auswirkungen, sie erleben sowohl höhere Zinsen als auch steigende Risikoaversion. Steigendes Wachstum und die Reduzierung der Leistungsbilanzdefizite vieler Schwellenländer sollte jedoch helfen, das Risiko etwas zu mindern.

Keynes war übrigens nicht nur renommierter Ökonom, sondern auch begeisterter Kunstsammler. Auf dem Höhepunkt des ersten Weltkrieges reiste er nach Paris, um einen Not-Verkauf impressionistischer Kunst besuchen. Unter den Gemälden, die er kaufte, war auch Cézannes „Stillleben mit Äpfeln“. Zurück in England fuhr er nach Sussex, um seine Freunde von der Bloomsbury Group zu besuchen. In der Nähe ihres Hauses blieb sein Auto im Schlamm stecken. Nicht in der Lage, alle Bilder selbst zu tragen, versteckte Keynes den Cézanne hinter einem Baum in einem Graben, um ihn später abzuholen.

Heute scheint es, als wenn die Emerging Markets alle im Graben landen. Aber sie haben im Schnitt höhere Wachstumsraten, günstigere Demographie-Aussichten und verfügen über bessere Bilanzen als die Industrie-Länder. Genau wie beim Cézanne-Gemälde, wird die Zeit ihren Wert zeigen.


 

Den gesamten Kommentar in englischer Sprache finden Sie hier: http://www.nb.com/pages/public/en-us/insights/emerging-markets-a-post-trump-assessment.aspx

Opec-Treffen im Fokus

„Nach der US-Wahl sind die globalen Finanzmärkte nach wie vor dabei, die Erwartungen neu zu justieren. Die Überzeugung, dass die USA Wachstum durch steigende Fiskalausgaben anstatt QE-Programme und Sparmaßnahmen schaffen wollen hat große Reaktionen bei sämtlichen Assetklassen ausgelöst und Aktien, Anleiherenditen und den US-Dollar steigen lassen“, sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank. Ein starker Dollar neige dazu, einen negativen Einfluss auf den Rohstoffsektor zu haben. Dennoch hätten die Erwartungen an steigende Infrastrukturausgaben (nicht nur in China) und ein möglicher Opec-Deal am kommenden Mittwoch bisher Unterstützung für den Industriemetall- und Energiesektor geliefert.

Gold und insbesondere Silber hingegen bleiben weiter unter Druck. Grund dafür sei der aktuelle Fokus der Investoren auf andere Assetklassen. „In Anbetracht des starken Dollars lohnt jedoch ein Blick auf den Goldpreis in anderen Währungen. Insbesondere die Währungen in China und Indien, den zwei größten Käufern von physischem Gold weltweit, sind in den vergangenen Wochen schwächer geworden“, sagt Hansen. Mit Blick auf 2017 glaubt Hansen jedoch nicht, dass die Renditen und der Dollar über den Januar hinaus weiter steigen werden. „Sollte sich diese Annahme bestätigen und die Inflation weiter steigen, könnte die Unterstützung für Gold und Silber wiederhergestellt werden“, sagt Hansen.

Die Ölmärkte haben seit September wieder Fahrt aufgenommen. Damals begann die Opec, inmitten eines steigenden Angebots und fallenden Preisen, bei einem Meeting in Algier auf einen Beschluss zur Produktionskürzung hinzuarbeiten. „Wir glauben, dass die Opec ihre Produktion kürzen wird. Jedoch haben die Fragen, um wie viel die gekürzt wird und von welchen Opec-Mitgliedern, die Ölpreise seit Monaten stagnieren lassen“, sagt Hansen. Eine erfolgreiche Einigung dürfte die Ölpreise wieder über die Marke von 50 USD pro Barrel steigen lassen, während ein schwaches Abkommen den Kurs wieder unter 45 USD pro Barrel drücken könnte. „Auch wenn wir glauben, dass zu einem Beschluss kommen wird, bleibt die Frage, wie geschlossen das Kartell bleibt, wenn sie diesen präsentieren wird“, sagt Hansen abschließend.

Den vollständigen Rohstoffkommentar auf Englisch mit Grafiken finden Sie links.

Singapur – Aufgeschlossen für Geschäfte

von Jason Pidcock, Manager des Jupiter Asia Pacific Income SICAV.

Eigentlich meide ich bei meinem Fonds Volkswirtschaften und Unternehmen, bei denen sich die Regierungen stark involvieren. Singapur ist der Markt, wo ich meine eigene Regel breche. Warum? Weil dort die Regierung denkt und funktioniert wie ein Unternehmen.

Eine Erfolgsgeschichte

Wie Hongkong ist Singapur ein kleines Land, das stark von seiner Kolonialvergangenheit profitiert hat. Die Infrastrukturausgaben, die es als britischen Handelsposten etabliert haben, seine Achtung der Rechtsstaatlichkeit und die relative politische Autonomie haben alle dazu beigetragen, die Grundmauern für ein modernes globales Finanzzentrum zu legen. Darüber hinaus hat Singapur in den 50 Jahren seit seiner Unabhängigkeit vom benachbarten Malaysia wohl einige der besten politischen Führungsriegen weltweit gehabt. Clevere Regierungen haben die Wirtschaft mitgesteuert und die Früchte ihrer gewissenhaften Führung lassen sich heute an der übergroßen Wirtschaftsstärke sowie der fiskalischen Robustheit ablesen.

Eine der wichtigsten Entscheidungen der Regierung war die Identifizierung bestimmter Industriesektoren, in denen Singapur ein Kompetenzzentrum werden konnte. Sie hat umfangreiche Privatinvestitionen der weltgrößten Akteure in diesen Bereichen angelockt und ihnen im Gegenzug eine Kombination aus Steuervergünstigungen, einer hervorragenden Infrastruktur, einem geschäftsfreundlichen Umfeld und einer großartigen Lebensqualität geboten. Dieser Plan hatte durchschlagenden Erfolg und hat dazu beigetragen, Singapur zu einem globalen Player in Sektoren wie Pharmazie und Technologie zu machen.

Ein internationaler Markt

In Singapurs Wirtschaftsmodell übertreffen seine Importe und Exporte bei weitem seine Binnenwirtschaft. Das macht das Land zu einer sehr offenen Wirtschaft, die stark vom Tempo des Welthandels beeinflusst wird. Wenn der Welthandel nachlässt, wie er es in den letzten Jahren getan hat, dann kann das Wirtschaftswachstum in Singapur den gleichen Weg einschlagen. Trotzdem wachsen einige Sektoren bei diesem Szenario sogar weiter, während andere einbrechen. Deshalb fühlen wir uns mit unseren Positionen in Singapur wohl, auch wenn seine BIP-Wachstumsraten im Vergleich zu schneller wachsenden, asiatischen Schwellenländern relativ niedrig wirken. Warum? Weil wir in Singapur nicht auf die gleiche Art und Weise investieren wie in anderen Schwellenländern. Auf den Philippinen möchten wir uns beispielsweise vor allem auf den heimischen Konsum ausrichten, da wir die Aussichten für die lokale Wirtschaft sehr optimistisch beurteilen. Im Gegensatz dazu könnte das Wachstum in Singapur noch für einige Zeit niedrig sein. Aber das bedeutet nicht, dass die Unternehmen keine ansehnlichen Erträge liefern.

Das Wichtigste ist, dass die Qualität der Unternehmen in Singapur sehr hoch ist. Trotz der begrenzten verfügbaren Fläche sind dort über 7.000 multinationale Unternehmen tätig, darunter 20 der weltgrößten Konzerne. Gemeinsam mit Hongkong ist Singapur für multinationale Firmen eines der führenden Länder, wenn es um den Sitz ihrer globalen Aktivitäten geht - ein Trend, der meiner Erwartung nach andauern wird, da sich die Balance des globalen Wirtschaftseinflusses Richtung Osten verschiebt.

Wie ich investiere

Besonders attraktiv bei Aktien aus Singapur sind für mich die gesunden Dividendenrenditen, die es dort gibt. Zu den Unternehmen mit Sitz in Singapur zählen viele reife, gut geführte Firmen mit einer großenteils globalen Ausrichtung, was zu ihrem Status als nachhaltige und hohe Dividendenquellen beiträgt. Und da die lokalen und globalen Volkswirtschaften nur langsam wachsen, sind die Zinsen in Singapur sehr niedrig, was die Attraktivität eines ertragreichen Unternehmens steigert, da für lokale Anleger der Unterschied zwischen Anleiherenditen und Unternehmenserträgen groß ist. Gleichzeitig ist die Währung in der Regel stabil: Die Regierung ist ein Nettogläubiger und fördert die Preisstabilität, indem sie die Währung in ziemlich engen Bahnen managt. In Singapur wurde 2002 der erste Real Estate Investment Trust (REIT) gelistet. Heute hat sich der Aktienmarkt durch diese Kapitalgesellschaften im Immobiliensektor gewandelt. Gelistete REITS machen fast 10 Prozent der Gesamtkapitalisierung des singapurischen Marktes aus und mit Renditen von etwa 6-7 Prozent bieten sie üblicherweise einen attraktiven Zugang zum florierenden Immobiliensektor sowie regelmäßige Erträge.

Stabil, attraktiv und profitabel

Da Singapur ein Stadtstaat ist, kann seine Regierung anders planen als die meisten anderen Länder. Diese kann beispielsweise sicherstellen, dass das gesamte Transportsystem sinnvoll miteinander verbunden und die lokale Infrastruktur zugunsten der lokalen Bevölkerung mit der neusten Technologie ausgestattet ist. Außerdem kann sie den besten lokalen investierbaren Unternehmen lukrative Verträge anbieten. Wie auch die anderen Industrieländer der Region spürt Singapur allmählich die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen seiner alternden Bevölkerung. Während dieses Thema in jedem Markt die Frage nach den Abhängigkeitsquotienten aufwirft, hebt es aber auch die Art von Unternehmen hervor, die in den kommenden Jahren florieren könnten, z.B. in den Bereichen Tourismus und Gesundheit. Robotertechnik und eine weitere Urbanisierung könnten ebenfalls die Produktivitätsrückgänge einer alternden Bevölkerung wettmachen.

Das läuft auf einen Markt hinaus, der eine gewisse Stabilität und Vorhersehbarkeit, die selbst für ein Industrieland unüblich sind, mit einigen der profitabelsten und produktivsten Unternehmen der Welt kombiniert - und das alles im Rahmen einer starken Kultur, diese Gewinne in Form von Dividenden an die Aktionäre zurückzugeben. Zudem erlaubt mir die anlagefreundliche Kultur in Singapur, mit einigen der bestgeführten Dividendenzahlern der Welt zu kommunizieren, sie zu verstehen und letztendlich in sie zu investieren. Das macht das Land zu einem wichtigen Bestandteil des Jupiter Asia Pacific Income SICAV Fonds.

Zunehmende Volatilität fordert einen starken aktiven Anlageansatz im Anleihebereich

von Hervé Hanoune, Leiter Fixed Income bei Vontobel Asset Management.

Die Entscheidung der US-Wähler für Donald Trump kam überraschend − für die Wahlforscher wie auch die Finanzmärkte. Nach anfänglichen Turbulenzen erholten sich die Finanzmärkte bald wieder und antizipierten zunächst die positiven Seiten von Trumps Programm. Dazu gehört die Verbesserung der regulatorischen Rahmenbedingungen in den USA, geplante Infrastrukturausgaben, aber auch Steuersenkungen für Haushalte und Unternehmen, was die wirtschaftliche Aktivität insgesamt beflügeln würde. Gleichzeitig gab es aber auch immer wieder Phasen der Ernüchterung. Zum einen bleibt die Unsicherheit mit Blick auf Trumps politischen Kurs bestehen und zum anderen dürften geplante fiskalische Stimulus-Massnahmen die Inflation anheizen. Wir gehen davon aus, dass auch künftig die Volatilität an den Märkten hoch bleibt.

Doch was bedeutet dies für Anleiheanleger? Die Zunahme der Volatilität legt einen sehr aktiven Anlageansatz nahe, denn Anleihen bieten zu jeder Zeit Wertpotenzial. Aktuell erachten wir Unternehmensobligationen als weiter interessant, teilweise im Investment Grade-Bereich aber vor allem bei Hochzinsanleihen, Hybridanleihen und Schwellenländern. Die Gewinnentwicklung von Unternehmen ist weltweit relativ stabil und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession ist gering, was für geringe Kredit-Ausfallraten spricht. Weiterhin erachten wir Anleihen aus der europäischen Peripherie als interessant, allen voran Portugal. Nicht minder wichtig ist das Thema Währungen. Wir bearbeiten das Thema aktiv über liquide Instrumente mit begrenztem Risiko (Optionen) und erachten Währungen als wichtige Renditequelle im Portfoliokontext. Gerade der ‚Greenback‘ dürfte von der Zinsdifferenz gegenüber asiatischen Währungen profitieren. Hierzu gehören der chinesische Renminbi, der koreanische Won und der Singapur Dollar. Diversifikation ist dabei jedoch entscheidend, das heisst wir vermeiden stets, dass ein bestimmtes Thema die Risikoallokation unseres Portfolios dominiert. Zudem halten wir als Absicherung gegen eine höhere Volatilität eine Long-Position im Volatilitätsindex VIX. Dieser bezieht sich auf den S&P 500 und drückt die erwartete Schwankungsbreite des Marktes aus. Ein hoher Wert weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte lassen einen eher ruhigen Markt erwarten, der sich ohne große Kursschwankungen bewegen wird.

Kurzfristiges Wachstum und langfristige Risiken

von Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

Unsere längerfristigen Risikoszenarien fokussieren sich auf Europa, Japan und China. Alle drei Länder bzw. Regionen leiden unter einer wachsenden Schuldenlast und haben bei der Umsetzung von Strukturreformen, die zu einem nachhaltigeren Wirtschaftswachstum beitragen könnten, kaum Fortschritte erzielt. Politische Unterstützung kam vor allem von den Notenbanken, die mit immer extremeren Maßnahmen Vermögenswerte aufgebläht und die Volatilität unterdrückt haben. Fiskalische Stimuli tragen zu einer Verstärkung dieser Ungleichgewichte bei, helfen aber auch, die Wirtschaft zu stützen.

Wir halten die Ungleichgewichte in den genannten Ländern bzw. Regionen für höchst problematisch und gehen davon aus, dass sich der Neuausrichtungsprozess volatil gestalten wird. Da das Potenzial der Geldpolitik praktisch ausgeschöpft ist, könnten die Märkte einem neuen Regime entgegensteuern, was das Umfeld für Risikoanlagen noch schwerer gestalten würde. Kurzfristige Faktoren deuten nichtsdestotrotz darauf hin, dass dies allerdings erst einmal unwahrscheinlich ist. Trotzdem halten wir schon jetzt Ausschau nach Impulsgebern, die eine solche Veränderung herbeiführen könnten.

Europa: Politische Spannungslinien

Wenn am Markt ein kurzfristiges Risiko für einen Regimewechsel besteht, müsste der Impuls dafür aus der Eurozone kommen. Frankreich und Deutschland stehen 2017 Wahlen ins Haus. Angesichts der bevorstehenden Wahlen sowie der erhöhten Staatsausgaben für Flüchtlinge und Sicherheit ist die Fiskalpolitik in der Eurozone vom Spar- auf den Lockerungsmodus umgeschwenkt. Die Europäische Kommission toleriert bereits gewisse Haushaltsabweichungen und dürfte die Regeln für die Eurozone weiter flexibilisieren und sich noch entgegenkommender zeigen. Die Europäische Zentralbank (EZB) verschafft mit ihren Anleihekäufen den Staaten ebenfalls Spielraum für höhere Schulden, die einen Teil der Stimulierungslast von der EZB nehmen würden. Fiskalausgaben würden außerdem der EZB mehr Anleihen zum Kauf einbringen und damit Sorgen vor einer Drosselung der Käufe mangels EZB-fähiger Papiere zerstreuen.

Aus unserer Sicht haben diese politischen Herausforderungen das Potenzial, die bestehenden Spannungslinien in der Eurozone und Europa als Ganzes zu vertiefen. Da Europa in der Regel eine Politik der kleinen Schritte betreibt, dürften diese Spannungslinien weiter zunehmen, bis schlussendlich eine Krise entschiedenere Maßnahmen zur Reformierung der EU auslöst.

Japan: Monetärpolitik und die Gefahr einer ausufernden Inflation

In Japan hat sich ein großer Schuldenberg angehäuft. Dieser wird jedoch zum größten Teil von den Japanern selbst getragen, die nach wie vor Vertrauen in die Kreditwürdigkeit ihres Staates haben. Die Staatsschulden dürften im Zuge neuer fiskalischer Stimuli weiter steigen. Allerdings hat die Bank of Japan mit ihrem jüngsten geldpolitischen Ansatz eine clevere Möglichkeit zur Finanzierung dieser Schulden gefunden, ohne gleich den Übergang zum Helikoptergeld ankündigen zu müssen. Je mehr Anleihen die Regierung ausgibt, desto mehr wird die japanische Notenbank im Rahmen ihrer Politik aufkaufen, um die 10-jährigen Zinsen nahe null zu halten. Mit der Zeit dürfte diese Dynamik schließlich zu Inflation führen, die laut Notenbank den Zielwert von 2 Prozent künftig auch überschreiten darf, dann aber möglicherweise nur noch schwer einzudämmen sein wird. Inflation würde der Schuldensituation der Regierung sicherlich zugutekommen, auf der anderen Seite jedoch die Ersparnisse einer alternden Bevölkerung von Anlegern heimischer Anleihen aufzehren. Dies könnte einen Wendepunkt für die inländische Unterstützung japanischer Staatspapiere bedeuten, wenngleich dies kurzfristig eher unwahrscheinlich erscheint.

China: Stabilität und Nachhaltigkeit

China hat die am stärksten wachsende Verschuldung, zu der vor allem der Privatsektor des Landes beiträgt (neben den Staatsbetrieben). Unsere Sorge besteht darin, dass mit einem Teil dieser Schulden unproduktive Vermögenswerte finanziert und diese letztendlich massive Zahlungsausfälle verursachen werden, da sie das für die Schuldenrefinanzierung benötigte Wachstum nicht liefern können. Irgendwann wird Chinas Privatsektor an den Punkt kommen, an dem an einem Abbau der Schulden kein Weg mehr vorbeiführt. Sollte diese Entschuldung wiederum durch Insolvenzen vollzogen werden, sehen wir die Notwendigkeit einer umfassenden Bankenrekapitalisierung. Kurzfristig fokussiert sich die Regierung jedoch eher auf Stabilität als auf Reformen (das Bruttoinlandsprodukt wuchs das dritte Quartal in Folge um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und daran dürfte sich bis zum nationalen Volkskongress Ende 2017 auch nichts ändern.

USA: Trump-Wahlsieg mindert Chancen einer baldigen Leitzinserhöhung

Am 9. November wurde Donald J. Trump zum designierten US-Präsidenten gewählt und die republikanische Partei konnte sich in beiden Kongresskammern die Mehrheit sichern. Viele Umfragen hatten bis zuletzt auf ein enges Rennen hingedeutet, das Ergebnis kam für die Märkte dann aber doch überraschend. Es ist gut möglich, dass die US-Notenbank Fed aufgrund des Wahlausgangs die Zinsen in naher Zukunft nicht erhöhen wird. Die Erwartungen dass sich die Fed im Dezember abermals in Zurückhaltung übt, dürften die US-Zinsen auf kurze Sicht sinken lassen. Der Markt muss das Wahlergebnis und dessen potenzielle politische Auswirkungen erst noch verdauen und in dieser Zeit werden die Spreads unter Druck bleiben. Sollten restriktivere finanzielle Bedingungen zu einer Abkühlung der US-Wirtschaft führen, könnten die Umsätze und Gewinne der Unternehmen unter Druck geraten werden.

Fazit: Ausloten der kurz- und langfristigen Szenarien

Im heutigen Umfeld sollten Anlagen in Zinspapieren unserer Ansicht nach dazu dienen, die Differenzen zwischen dem kurz- und dem langfristigen Ausblick abzuwägen. Wir sind der Auffassung, dass der relativ positive kurzfristige Ausblick dafür spricht, das Engagement in höher rentierlichen Sektoren des Rentenmarkts beizubehalten. Allerdings deuten die langfristigen Risiken letztendlich darauf hin, dass das Umfeld für Wirtschaftswachstum und Risikoanlagen schwieriger wird. Ein solches langfristiges Base-Case-Szenario dürfte sich schwer vermeiden lassen.

Es ist am wahrscheinlichsten, dass die Politik in den nächsten sechs bis zwölf Monaten akkommodierend bleibt und das Wirtschaftswachstum in den meisten großen Volkswirtschaften unweit bzw. leicht über der Trendrate verharren wird. Dieses Umfeld hat bisher sehr förderlich auf die Risikonachfrage am Rentenmarkt gewirkt. Wir sind uns jedoch auch der potenziellen Risiken für dieses Szenario sowie der Möglichkeit bewusst, dass regimeverändernde Katalysatoren ohne große Vorwarnung auftauchen könnten. Diese Herausforderung gehen wir vorzugsweise durch Strategien an, die Long- und Short-Positionen kombinieren, um das Rendite- und Kurspotenzial zu erhalten und gleichzeitig eine Absicherung gegen das Risiko systemischer Veränderungen der Spreads oder Zinssätze zu bieten.

Eine Gefahr kann eine andere verbergen

„Im Gegensatz dazu, was landläufig behauptet wird, stellt Donald Trumps Wahlsieg keinen fundamentalen Bruch dar – zumindest nicht für die Finanzmärkte“, sagt Christopher Dembik, Head of Macro Analysis bei der Saxo Bank. Daher habe die US-Notenbank keinen Grund dafür, die für den kommenden Dezember erwartete Zinserhöhung zu verschieben.

Doch eine Gefahr könne eine andere verbergen. Kurzfristig sei nämlich das größte Problem nicht eine US-Rezession, sondern die mögliche Rückkehr der politischen Unsicherheit in Italien. „Sollte dort Ministerpräsident Matteo Renzi das Referendum über die Verfassungsreform an diesem Sonntag verlieren, könnte das Land wieder in eine politische Instabilität zurückfallen“, sagt Dembik.

Zudem sei der Dezember ein guter Zeitpunkt, um sowohl gute als auch schlechte Nachrichten zu verkünden. „Japans Versuche aus dem wirtschaftlichen Teufelskreis auszubrechen waren nicht erfolgreich, daher ist das Land der aufgehende Sonne der Hauptverlierer dieses Jahres“, sagt Dembik. Auch Polen habe sich mit der Herabsetzung des Renteneintrittsalters einen ordentlichen Fehltritt geleistet, da es eine Maßnahme sei, die nicht budgetiert ist und zwangsläufig zu Steuererhöhungen führen werde. Ägypten hingegen sei positiv hervorzuheben. „Das Land hat eine Lektion gelernt: Eine schwache Wirtschaft braucht eine schwache Währung. Nun bewegt es sich in die richtige Richtung“, sagt Dembik abschließend.

Den vollständigen Kommentar auf Englisch mit Grafiken finden Sie links.

T. Rowe Price - Marktausblick 2017

Trotz des ungleichen Wachstums bieten Aktien- und Rentenmärkte auch im Jahr 2017 attraktive Chancen für Anleger – davon sind die Investmentexperten von T. Rowe Price überzeugt.  Während die Stimmung an den globalen Aktienmärkten angesichts des fortgeschrittenen Bullenmarkts zunehmend geteilt ist, dürften in den USA die Gewinne beim S&P 500 in den kommenden beiden Jahren wieder anziehen. Die Märkte für festverzinsliche Wertpapiere sollten aufgrund sich ausweitender Spreads gute Anlagemöglichkeiten eröffnen. Auch die Aussichten für das Wachstum der Schwellenländer sind positiv. 

Leichte Verbesserung der Weltwirtschaft erwartet

Das Wirtschaftswachstum hat im zweiten Halbjahr 2016 angezogen, da die Auswirkungen der Rohstoffpreiseinbrüche zurückgehen. 2017 wird die Weltwirtschaft zunehmend unter dem Einfluss der Notenbanken stehen. So dürfte die Federal Reserve (Fed) in den USA schrittweise die Normalisierung ihrer Geldpolitik fortsetzen und voraussichtlich bereits im Dezember 2016 die Zinsen erhöhen. Die solide Entwicklung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt in Richtung Vollbeschäftigung dürfte den Kurs der Fed stützen: Laut des Anfang November veröffentlichten Arbeitsmarktberichts der US-Regierung setzte sich der Beschäftigungsaufbau weiter fort. „Die US-Wirtschaft hat Spielraum, sich weiterzuentwickeln, das kurzfristige Rezessionsrisiko ist gering“, sagt Alan Levenson, US-Chefvolkswirt bei T. Rowe Price.
Außerhalb der USA testen die Industriestaaten mit ihrer expansiven Geldpolitik die Grenzen aus. Die Leitzinsen liegen seit geraumer Zeit weitgehend bei null. Gleichzeitig bleibt die Inflation in diesen Ländern meist unter den Zielen der Zentralbanken zurück. Eine niedrige Inflation dürfte sich auch in den Emerging Markets abzeichnen, wenn sich die Währungen stabilisieren. 

Der Schuldenabbau erfolgt in den Industrieländern auf unterschiedlichen Pfaden. In den USA und Großbritannien verringern sich die Schuldenniveaus tendenziell. Dagegen treten die restlichen entwickelten Märkte – mit Ausnahme von Japan – eher auf der Stelle oder verzeichnen steigende Verbindlichkeiten. In einigen anderen aufstrebenden Volkswirtschaften sind die Schulden sogar deutlich gestiegen. So beträgt Chinas Schuldenlast inzwischen mehr als 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

„Wir erwarten eine leichte Verbesserung des globalen wirtschaftlichen Umfelds im Jahr 2017 – unterstützt durch das Anziehen des Wachstums in den USA, Kanada, Brasilien und Russland. Dennoch könnten durch Entschuldungen und Restrukturierungen Schwierigkeiten entstehen“, lautet die Prognose von US-Chefvolkswirt Levenson für die Entwicklung der Weltwirtschaft.

Makroökonomische und politische Entwicklungen dominieren globale Aktienmärkte

Eine längere Phase steigender Kurse ist der Grund dafür, dass die Stimmung an den globalen Aktienmärkten zunehmend geteilt ist. Einerseits bietet der Markt Chancen, mit einer selektiven Aktienauswahl Erfolge zu verbuchen. Andererseits steigen im Zuge der hohen Bewertungen auch die Marktrisiken. 

In diesem Umfeld gehören politische Ungewissheit und Wähler-Protest inzwischen zur Tagesordnung. Diese Phänomene bringen zum Ausdruck, dass die Menschen in zahlreichen Ländern die wirtschaftliche Ungleichheit verstärkt in Frage stellen. Darauf könnten die politischen Verantwortlichen mit fiskalischen Impulsen reagieren, um konjunkturelle Schwankungen auszugleichen.

„Solange der Bullenmarkt andauert, dominieren makroökonomische und politische Entwicklungen wie die Aussichten für China, die Sorge über Europa und die Volatilität bei Energie- und Rohstoffpreisen die globalen Aktienmärkte wie nie zuvor“, lautet die Einschätzung von Chris Alderson, Leiter des Teams für globale Aktien bei T. Rowe Price.

Zwar sollten angemessene Bewertungen, ein moderates globales Gewinnwachstum sowie kapitalstarke Unternehmensbilanzen den globalen Aktienmärkten im Jahr 2017 Rückenwind verleihen. Dennoch sollten Anleger ihre Renditeerwartungen zurückschrauben. „Für geduldige, langfristig ausgerichtete Investoren bietet Unsicherheiten in der Regel Kaufgelegenheiten. Wir setzen weiterhin auf globale Aktien, auch wenn die Renditen moderater ausfallen dürften“, sagt Alderson.

Insbesondere die Fundamentaldaten der Schwellenländeraktien dürften sich unterschiedlich zeigen. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Auswahl einzelner Titel. Emerging-Market-Aktien, die langfristiges Wachstum versprechen, sollten wieder an Stärke gewinnen und so Renditechancen in einem Umfeld bieten, in dem die Weltwirtschaft langsamer wächst. „Die Titelauswahl, sowohl in den entwickelten Ländern als auch in den Schwellenländern, wird noch wichtiger, um positive Renditen zu erzielen“, fasst der Experte für globale Aktien zusammen. 

Amerikanische Aktien: Gewinne beim S&P 500 ziehen wieder an 

Für US-Aktien gilt im Jahr 2017, dass steigende Zinssätze mit steigenden Aktienkursen einhergehen können, insbesondere wenn die Renditen unter fünf Prozent liegen. „Wir glauben nicht, dass langsam steigende Zinsen über die nächsten 12 bis 18 Monate für Aktien zum Stolperstein werden“, betont Larry Puglia, Portfoliomanager und verantwortlich für die US Large Cap Growth Equity Strategy von T. Rowe Price.

Eine Trendwende zeichnet sich allerdings für defensive Sektoren mit geringer Volatilität ab: „Unternehmen aus der Versorgungs-, Telekommunikations- und Grundnahrungsmittelbranche haben im Jahr 2016 gut abgeschnitten. Das könnte sich jedoch ab 2017 ändern“, so die Prognose des Portfoliomanagers. Dagegen seien die Aussichten für die Indizes Russell 1000 Growth, Russell Mid-Cap Growth und Russell 2000 Value positiv. „Informationstechnologie und Gesundheitswesen sind aus unserer Sicht die Branchen mit den attraktivsten Bewertungen“, sagt Puglia.

Die Erträge des S & P 500 dürften in den Jahren 2017 und 2018 wieder anziehen, was auf eine deutliche Verbesserung der Energiepreise zurückzuführen ist. Allerdings seien die Analysteneinschätzungen manchmal zu optimistisch, sodass nach Ansicht des Experten auch Vorsicht geboten ist. Denn die Dividendenrendite bei zehnjährigen Staatsanleihen befindet sich bereits in der Nähe ihres Allzeithochs. 

Globale Rentenmärkte: Straffung der US-Zinspolitik bietet Chancen

„Historisch niedrige Renditen bleiben offenbar in vielen internationalen Rentenmärkten weiterhin bestehen. Im Gegensatz dazu dürften die Leitzinsen in den USA allmählich erhöht werden“, sagt Quentin Fitzsimmons, Co-Portfoliomanager des Global Aggregate Bond Funds bei T. Rowe Price. Nach Meinung des Experten sei auf der ganzen Welt die Geduld für die expansive Geldpolitik der Zentralbanken vorhanden, solange das Wirtschaftswachstum niedrig bleibt. Für Anleger bietet das Zusammenspiel von langsamer, aber erkennbarer Straffung der Zinspolitik in den USA und einer festen Verankerung der japanischen und kerneuropäischen Anleiherenditen sogar signifikante Chancen, die Spread-Ausdehnungen zwischen den internationalen Märkten und die Variationen der Zinsstrukturkurven zu nutzen.

„Die Investoren hinterfragen sowohl das Gleichgewicht zwischen Geld- und Finanzpolitik, als auch die stärkere Abhängigkeit der Finanzpolitik und die damit verbundenen Auswirkungen auf festverzinslichen Anlagen“, erklärt Fitzsimmons. „Zugleich treibt die Erholung der Ölpreise die bislang schwachen Inflationsraten, was wiederum eine Neubewertung von festverzinslichen Wertpapieren erfordert.“ Anleger, die weltweit in fest verzinsliche Papiere investieren, werden nach Ansicht des Portfoliomanagers weiterhin belohnt, weil sie verschiedene Länderkonjunkturzyklen miteinander verknüpfen. Insbesondere bei Staatsanleihen, die traditionell nicht Teil des globalen festverzinslichen Anlageuniversums sind, bieten sich Möglichkeiten. 

Die Kreditmärkte profitieren weiterhin von der Bilanzausweitung und den Ankaufprogrammen der Zentralbanken sowie von der Unsicherheit an den Energiemärkten. Bleibt die Volatilität in diesem Umfeld gering, kann sich eine entsprechende Titelauswahl für Anleger auszahlen. 

Wachstumsaussichten für Emerging Markets positiv

„Nach einem bislang sehr starken Jahr sind Investoren sowohl auf internationalen als auch auf inländischen Emerging Markets für 2017 generell bullisch eingestellt“, sagt Samy Muaddi, Portfoliomanager und bei T. Rowe Price verantwortlich für die Emerging Markets Corporate Bond Strategy. Zahlreiche Faktoren sprechen für langfristige Anlagen in dieser Assetklasse. So haben sich dank entschiedener politischer Reformen in den Schlüsselmärkten, der gestrafften Haushaltsbudgets, der gesunden Leistungsbilanzen und der Stärkung der Wachstumsaussichten die makroökonomischen Fundamentaldaten in den Schwellenländern allmählich verbessert.

Auch aus fiskalischer Perspektive sind die Schwellenländer heute weniger anfällig, da die Prognosen für die Staatsverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt in den Schwellenländern deutlich unter denen der G7-Volkswirtschaften liegen. Dennoch sind sowohl die Geldpolitik der Schwellenländer als auch die Inflationserwartungen zunehmend uneinheitlich. Während Länder wie Russland, Brasilien und Indien die Zinsen senken dürften, werden andere Länder wie Südafrika und Kolumbien sie wahrscheinlich erhöhen. 

Die neuen politischen Führungen in Märkten wie Brasilien, Argentinien und Indonesien tragen dazu bei, die positiven Marktveränderungen voranzutreiben. „Nach mehreren Jahren des relativ geringen Wachstums haben die Schwellenländer begonnen, die entwickelten Märkte zu überholen“, so die Einschätzung von Portfoliomanager Muaddi.

Dagegen stellen Chinas wirtschaftliche Transformation und die erhebliche Schuldenlast wesentliche globale Risiken dar, die es zu managen gilt. Entsprechend sollte sich das Wachstum langfristig verlangsamen. Gleichzeitig dürfte sich die Volatilität fortsetzen, da die Effektivität der staatlichen Anreize nachlässt. Weitere Risiken sind die politische Unsicherheit in den USA sowie die Richtung, die der Dollar einschlägt. „Dennoch erkennen die Anleger zunehmend an, dass das Engagement in Schwellenländer-Unternehmensanleihen im aktuellen Niedrigzinsumfeld dazu beitragen kann, das Anleihenportfolio zu diversifizieren und die Rendite zu erhöhen“, erklärt Muaddi.

China immer noch am "Kredittropf"

von Joep Huntjens, Lead Portfolio Manager, Asian Debt Hard Currency & EM Corporate Debt bei NN Investment Partners.

Chinas Wirtschaft ist in diesem Jahr mit geradezu unheimlicher Gleichmäßigkeit gewachsen. Das BIP legte im dritten Quartal um 6,7 Prozent zu und damit um genau dieselbe Zuwachsrate wie in den beiden vorangegangenen Quartalen. Der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes, der die Anlegerstimmung maßgeblich beeinflusst, stieg im Jahresverlauf überwiegend stetig an. In der zweiten Jahreshälfte 2015 ging es noch abwärts. Anlegern vermittelt eine solche Beständigkeit ein Gefühl der Sicherheit. Entsprechend verbuchte der asiatische Markt für US-Dollar-Anleihen im bisherigen Jahresverlauf einen Zuwachs von 8,2 Prozent (Stand Oktober 2016).

Das Problem ist allerdings, dass China sich weiterhin auf staatliche Konjunkturfördermaßnahmen – und höhere Schulden – verlässt, um seine wirtschaftlichen Ziele zu erreichen. Seit der globalen Finanzkrise hat sich die Verschuldung auf 250 Prozent der Wirtschaftsleistung vervierfacht. Die Verschuldung wird vor allem durch die Kreditvergabe an chinesische Unternehmen forciert. Tatsächlich hat das Land hier bereits ein Niveau erreicht, das weit über dem anderer Emerging Markts und vielfach sogar über dem durchschnittlichen Schuldenstand entwickelter Volkswirtschaften liegt.

Chinas Fokus auf wirtschaftliche Stabilität kann nur eines bedeuten: Zentrale Marktreformvorhaben sind zum Erliegen gekommen. Das zeigt sich vor allem im Bereich der Staatsunternehmen, Dreh- und Angelpunkt der chinesischen Wirtschaft. Genau hier setzt die chinesische Industriepolitik an, um die Entwicklungsziele des Landes umzusetzen. Im vergangenen Jahr betrug die Gesamtkapitalrendite des staatlichen Sektors geschätzte 2,8 Prozent gegenüber 10,5 Prozent in der Privatwirtschaft. Grund: mangelnder Wettbewerb am Markt und Überkapazitäten. 

Bislang versucht Peking, ineffizienter Unternehmensführung vor allem dadurch beizukommen, dass diese Großunternehmen mit anderen zu noch größeren Konglomeraten verschmolzen werden. Seit Ende 2014 fanden Fusionen im Werte von rund einer Billion US-Dollar statt. Doch das wird die Grundprobleme von Überkapazitäten und ineffizienter Ressourcenverteilung kaum lösen. Mit Massenentlassungen ist kaum zu rechnen, denn die Regierung fürchtet soziale Unruhen. Langfristig wäre es sicher angeraten, die Beschäftigten verlusteschreibender Staatsunternehmen allmählich in den rasch wachsenden Konsum- und Dienstleistungssektor des Landes umzulenken. Eine geringere BIP-Zuwachsrate (so um die 5 Prozent) ist jedenfalls unendlich viel besser als ein qualitativ schlechtes und wenig nachhaltiges Wachstum, das sich nur über den „Kredittropf“ am Leben erhalten lässt.

Während China also an seinen Reformen herumbastelt, ist es seinen asiatischen Kollegen Indien und Indonesien in diesem Jahr gelungen, weitreichende Reformen durchzusetzen. Indiens Premierminister Narendra Modi hat über die Parteigrenzen hinweg auf die Verabschiedung neuer Gesetzesvorhaben hingewirkt, wie etwa die Reform des Insolvenzrechts sowie die Einführung einer landesweit einheitlichen Mehrwertsteuer. Wie Modi musste auch Indonesiens Präsident Jokowi in den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit zahlreiche politische Hindernisse überwinden. Dies gelang ihm u. a. durch eine Kabinettsumbildung und die Berufung von Experten in Schlüsselpositionen. Damit war Jokowi Erfolg beschieden: Seit letztem Juli hat der Staat im Wege des weltweit effektivsten Steueramnestieprogramms über sieben Milliarden US-Dollar eingenommen.

Zugegebenermaßen stellen sich Indien und Indonesien andere Probleme als China. Manche Kritiker mögen darauf hinweisen, dass das Schließen infrastruktureller Lücken und die Verbesserung bürokratischer Prozesse vergleichsweise einfache Aufgaben sind. Doch im Gegensatz zu China verfügen Indien und Indonesien über weit weniger Kontrolle über Investments und Investitionen, da staatliche Unternehmen in diesen Ländern eine deutlich geringere Rolle spielen. Daher müssen Indien und Indonesien ihre Steuereinnahmen erhöhen und einen größeren Teil dieser Einnahmen zur Finanzierung von Infrastrukturausgaben aufwenden. Zudem sind sie auf die Investitionen von Privatanlegern angewiesen.

So haben Indien und Indonesien es nicht etwa mit Staatsausgaben und steigenden Schulden, sondern durch eine robuste Konsumentwicklung geschafft, hohe Wachstumsraten zu erzielen. Die indische Wirtschaft wuchs im ersten und zweiten Quartal um 7,9 bzw. 7,1 Prozent, während sich die Zuwachsrate für Indonesien in diesem Jahr auf durchschnittlich 5 Prozent beläuft. Mit Umsetzung dieser Reformen dürfte sich die Wirtschaftsleistung der beiden Länder noch weiter verbessern, und das bedeutet vor allem: qualitativ hochwertiges, nachhaltiges Wachstum!

The Trump environmental paradox

by François Perrin, Portfolio Manager at East Capital.

The election of Donald Trump as US President is raising a number of questions for the future of US environmental policy. Will the US drop out of the Paris agreement on climate change? Are oil, unconventional gas and coal on the verge of a new boom? Will the “Investment Tax Credit” (ITC) and the “Clean Power Plan” supporting non-fossil energy sources survive the Trump administration?

Before the flood

We will most likely not have answers to these questions until after a couple of months. Recently, we met with the management of Vestas Wind Power, the world’s largest wind turbine company, who told us that if the ITC was part of a much larger tax credit scheme approved by a Republican Congress - and in that sense more difficult to dismantle - the forthcoming administration could more easily abandon the Clean Power Plan. The potential lifting of trade barriers would also create more volatile business conditions. Global environmental players will therefore not be immune to required adaptation of their business models, and sub-par global industry growth may be feared in the years to come for US and European players.

And this is the Trump environmental paradox. A turnaround by the US policy makers on environmental industries would structurally weaken the US and European players through the next cycle. Chinese environmental leaders are set to benefit the most from this paradox.

Setting up the scene

Of all the challenges facing China, there is one that nobody can undermine and that is making the headlines both within the country and abroad: pollution.

Three decades of massive industrialisation and rapid investment-led economic growth have led to dramatic consequences for the environment and the day-to-day life of Chinese people. And this is not a hoax… Wechat, the largest Chinese social messaging application, with 850 million monthly active users, offers an unbiased testimony on the concerns of the population during each and every pollution peak. Since 2000, the Chinese government has progressively ramped up policy support and large investments in environmental protection. The “war against pollution” is expected to reach RMB 2.5 trillion (more than the whole GDP of Denmark) per year by 2020, or 2.7% of China’s GDP, versus less than 1% in 2000.

Go back to the end of the nineties; less than 80 listed companies, either on China onshore or offshore markets, were offering exposure to environmental protection industries, defined as generating at least 20% of their turnover in environmental technologies, infrastructure or services. Chinese onshore and offshore markets have welcomed on average 14 initial public offerings of environmental companies per year over the last 15 years, bringing the total today to 350 equities offering exposure to this structural investment trend (see graph 1).

Graph 1: Number of IPO in China environmental universe (China onshore & China offshore) since 2000Source: East Capital, October 2016

With environmental protection industries promoted at the strategic emerging industries level in 2011 by the Chinese government, and leveraging on a growing number of companies active in the space, it is therefore easily understandable why under the 12th Five Year Plan (2010-2015), China became the largest cleantech market in the world, with almost 50% of worldwide investments.

This trend will not stop. Our recent discussions with the Shenzhen Stock Exchange management confirmed that more than 100 environmental companies are in the pipeline for a listing in the years to come. 

Environmental allocation and risk/return profile optimisation

For various reasons, the opportunities offered by Chinese environmental companies have so far been largely ignored by international investors. These reasons include: difficulties in gaining access to the companies, lack of research coverage, inability to invest in China A-share market, and so on. Since 2010 and the launch of the 12th Five Year Plan, environmental portfolios would have however benefited from an exposure to China (see graph 2).

Graph 2: Annualised risk and return profiles of Top 100 Environmental companies, equally weighted in USD, Dec 2009 - Sep 2016

Sources: East Capital, UBS Quant Research, October 2016

Over the last 7 years, the top 100 China A+H environmental companies have largely outperformed their top 100 global environmental peers. The Top 100 China A+H environmental universe offers a much better risk and return profile than the global universe. The additional volatility inherent to the Chinese markets is largely compensated by the additional returns generated.

China Environmental strategy: 30% exposure in global allocation?

China’s environmental companies’ market capitalisation currently represents one third of the global environmental universe market capitalisation (see graph 3).

Graph 3: Total market cap - Top 100 environmental companies (USD)

Sources: East Capital, UBS Quant Research, October 2016

The total market cap of the largest 100 Chinese environmental companies has increased from USD 310bn at the end of 2009, to USD 580bn at the end of 3Q16.

In terms of allocation from a global environmental portfolio, at least 30% allocation to China A+H should be required to match economic and financial realities of environmental protection industries today. Besides, China environmental universe today offers one of the most attractive growth profiles among worldwide markets (cf. table 1).

 Table 1: Aggregate financial statistics

Aggregate statistics China environmental universe Global environmental universe MSCI AC World Index
P/E                             15.4                              16.5                     15.2
Price / book                               1.9                                1.9                       2.0
Hist. earnings growth                               5.4                               -5.6                      -0.2
For. earnings growth                             15.4                                5.6                     11.1
PE growth                               1.0                                3.0                       1.4
Return on equity                             13.6                              11.7                     13.3
Debt / equity ratio                                47                                 75                        49


Sources: Sources: East Capital, UBS PAS. November 2016. Global environmental universe based on top 100 environmental protection companies listed in developed markets (equally-weighted index).

On each and every aggregate statistic, the East Capital China Environmental universe offers a stronger profile. 

Chinese environmental stocks are focusing on domestic opportunities

Chinese environmental stocks are primarily focusing on environmental opportunities in China. These are domestic-driven companies with extremely limited exposure to foreign markets so far, with the exception of the solar module producers. Whether or not President Trump will cancel climate change deals, the Clean Power Plan or ITC scheme will not change the current level of air pollution in Beijing and the growing discontent of the Chinese population.

China will continue to invest. Under the coming 13th Five Year Plan covering 2016-2020, the government environmental efforts will be focusing on water and waste management. These areas will account for RMB 4trn (USD 580bn), almost half of the overall environmental investment plan. They are by definition domestic and local issues, far from Washington politics. Unlike the potential “USD 1trn over a 10-year period” US infrastructure plan, the Chinese investments are already in the execution phase.

The best illustration lies in the recent targeted fiscal stimulus launched by the government in the form of “public-private partnership” projects. For the first nine months of 2016, more than RMB 1.5trn worth of PPP projects have been launched, with 15% of the investment focusing on water and waste management (water supply, water treatment, waste treatment, soil remediation, sewage, etc.). Under the 13th Five Year Plan, the total budget allocated to PPP is to reach RMB 12.5trn, twice the hypothetical US infrastructure plan.

As highlighted above, two out of the seven 2025 strategic emerging industries are environment-related industries: clean energy and electric vehicles. The government is therefore allocating consistent and substantial financial resources to meet these goals. They will ensure that within each and every clean technology, the leading domestic players will occupy a strategic and dominant position at a global level in their next growth phase. Any weaknesses in terms of competition coming from the US will foster the dominance of Chinese companies in these technologies. BYD is already producing more electric vehicle batteries and electric vehicles than Tesla.

Market perspectives

From a timing perspective, the onshore Chinese market is expected to remain a sweet spot in the coming weeks. Supporting macroeconomic numbers, fiscal stimulus in the form of PPP, and a relatively accommodative monetary policy should ensure stability during the forthcoming political transition.

We have observed recently an increase in securities accounts’ activity and margin financing, and they have reached their highest levels since January this year. The Shanghai Composite Index is gaining momentum, as well as trading. All of these factors indicate a recovery of A-share market sentiment.

Chinese companies’ 3Q 2016 numbers have been above expectations. Q3 earnings of the vast majority of A-share listed companies exceeded market consensus. Non-financials’ net profit increased by 19% in Q3, and financials rose by 3.5%. Given that 4Q 2015 was a quarter of weak earnings, FY16 earnings may exceed market consensus.

Historically, the A-share market has a low correlation with overseas market trends (the correlation coefficient between the CSI 300 and the S&P 500/FTSE 100 is only 13%/15% in the past year). The endogenous situation has a stronger influence on the A-share market performance, while how much effect overseas sentiment will have on the A-share market depends on the correlation between the overseas events and China's economy and policies. As it is too early to tell what changes could happen in US economic policies and policies towards China, the near-term impact on the A-share market will be neutral.

In the medium to long term, the impact of Trump's victory on China's economy is likely to be felt through three major channels: the short-term Fed policy reaction and USD movement; a potential fiscal stimulus package in the US that could boost global demand; and the new administration's tariff and trade policies on China. It is still difficult to ascertain these possible changes and their impact on the A-share market.

It is worth noting that Chinese environmental companies are not exposed to Renminbi fluctuations. Following the foreign exchange volatility episode recorded at the beginning of the year, foreign debt, if any, has been converted back into Renminbi through the year and the sector’s import dependency is close to nil.

Time to invest

With the Shenzhen Hong Kong Stock Connect launch around the corner, there will be a strong focus on China's new economy related investment opportunities. The environmental space stands out in that context (see also our article from August 2016, Shenzhen Hong Kong Stock Connect - Welcome aboard China Inc.).

The Trump environmental paradox should therefore invite a revision of the existing environmental asset allocation. To match the economic reality of environmental technology markets today and tomorrow, a 30% allocation toward the China environmental space has to be considered. Trading at a price to earnings ratio of 14x for an estimated earnings per share growth at 19% (price earning to growth ratio at 0.7) and a return on equity at 17.5%, such China Environmental strategy would be positioned to seize these opportunities and to contribute to an optimisation of global portfolios.

This article was first published on eastcapital.com.

We look ahead to Wednesday

by George Palmer, Portfolio Manager at Waverton.

The “recovery” since the Global Financial Crisis has not been a recovery for all, and in fact has only really served the owners of significant amount of assets, particularly where funded by cheap debt.  The everyday worker across a range of industries and seniorities, on the other hand, has struggled without significant improvements to their life or lot.  “The economically disenfranchised are now fighting back and overthrowing the elite” appears to be the conclusion drawn from the results of both the Brexit and Presidential votes.  Political rhetoric and media comment has now started to point to Quantitative Easing as a source of this inequality and concluded that its replacement by some sort of fiscal stimulus could start the necessary reversal. 

Rhetoric aside, a test of this notion will come next week in the Autumn Statement. Mark Carney splurged more QE immediately after the Brexit decision – will the new Chancellor of the Exchequer, Phillip Hammond, signal the start of some sort of stimulus that is non monetary?  The “Haves” and the “Have Nots” will be hoping he does; the “Have Yachts” will likely still be musing as to why democracy has not allowed the status quo to be quite as quo as they desired.

George Osborne’s Budgets and Autumn Statements were defined by a general intent to cut deficits, budgets and taxes on the entrepreneur.  If Hammond is going to stimulate an economy that is entering a period of uncertainty it is unlikely that he will be able to cut all three.  He has already abandoned the prospect of balancing the books and Wednesday 23rd will give us an idea on tax cuts.

In line with Mr Trump’s promises of improved infrastructure (not just walls) to provide growth and jobs, the expectation is that Mr Hammond will similarly spend the windfall of expanded deficits and unbalanced budgets on some sort of infrastructure.  And arguably there is capacity to do so – the lack of investment (ex Olympics) since the Financial Crisis means its share of GDP has been falling steeply (as shown in the chart below).  We await Wednesday with bated breath to see what sort of Autumn Statement the Chancellor is prepared to make.

Source: Factset

This article was first published on waverton.co.uk. Waverton Investment Management is represented by Active Fund Placement GmbH ï www.fundplacement.de.

Barings - Marktausblick 2017

von Marino Valensise, Head of Multi Asset bei Barings.

Im Jahr 2017 werden unserer Einschätzung nach drei Hauptthemen zum Tragen kommen: Geopolitik, Maßnahmen der Zentralbanken und Bewertungen. All diese Themen werden 2017 Anlagechancen für Investoren hervorbringen, jedoch stets in Verbindung mit Volatilität.

Geopolitik

Zunächst einmal sind politische Überraschungen das Thema des Jahres 2016. Nur wenige Marktteilnehmer sagten den Brexit voraus und auch der Sieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen wurde von den Märkten nicht erwartet. Der Brexit wird unserer Auffassung nach ein zentrales Thema für Großbritannien sein, für den Rest der Welt dürfte er jedoch wesentlich weniger von Bedeutung sein.

Mit Blick auf die USA gehen wir davon aus, dass die bevorstehende Präsidentschaft von Donald Trump den Pfad für das globale Wirtschaftswachstum insgesamt nicht maßgeblich verändern wird. Trumps Wahlkampfrhetorik konzentrierte sich auf zwei primäre Versprechen. Erstens die Steigerung von Wirtschaftswachstum durch Infrastrukturprojekte, die hauptsächlich durch die Fiskalpolitik finanziert werden. Zweitens der Schutz von US-Unternehmen vor der Konkurrenz sowie der Schutz der US-Arbeiter vor ausländischen Billigarbeitskräften, möglicherweise durch das Zurückholen vieler der über die letzten Jahrzehnte verloren gegangenen Arbeitsstellen in die USA. In diesen Bereichen könnte er zwar Fortschritte erzielen, er dürfte sich unserer Einschätzung nach letztendlich aber doch gezwungen sehen, viele seiner Wahlversprechen abzuschwächen. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass das globale Wachstum auf einem moderaten, aber wenig spektakulären Niveau weiter zunehmen wird. Für die Schwellenländer treten indes neue Risiken hervor, da sich die Stimmung zunehmend protektionistisch auflädt.

In Europa ist der politische Kalender 2017 durch die Wahlen unter anderem in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden bereits voll. Nachdem die Märkte den Ausgang der Wahlen in Großbritannien und den USA falsch bewertet hatten, nähern sie sich nun im Zuge des Aufstiegs potenziell stärker werdender nationalistischer Parteien der realen Möglichkeit politischer Überraschungen an. Einige Buchmacher schreiben der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen bei Frankreichs Parlamentswahlen im kommenden Frühling sogar bereits gute Chancen zu. Obgleich uns bewusst ist, dass noch einige politische Unbekannte vorhanden sind, behalten wir unsere Einschätzung für das globale Wachstum von mäßigen, aber stabilen realen circa 3% bei.

Zentralbanken

Die Maßnahmen der Zentralbanken dürften unseres Erachtens im Jahr 2017 ein wichtiger Einflussfaktor sein. Zwar dürften die politischen Vorgehensweisen dem globalen Wachstum weiterhin zuträglich sein, der Grenznutzen wird jedoch wesentlich geringer ausfallen als in der Vergangenheit. Die Zentralbanken werden die Definitionen für ihre Mandate allmählich ausdehnen, Inflationskontrolle hintanstellen und eine gewisse Abweichung tolerieren. Stattdessen werden sie sich auf die Bekämpfung politischer Risiken und die Wahrung eines Mindestniveaus an Wirtschaftswachstum konzentrieren. Da die Zentralbanken das Inflationsniveau unserer Einschätzung nach nicht allzu stringent im Zaum halten werden, gehen wir von einem widrigeren Umfeld an den Staatsanleihemärkten der wichtigsten Industriestaaten aus, allen voran in den USA. Die Mischung aus Fed-Politik und Inflation wird darüber entscheiden, was mit dem US-Dollar passiert. Dies ist ein wichtiger und richtungsweisender Faktor für das Gewinnwachstum je Aktie in den USA und – was eventuell noch wichtiger ist – in den Schwellenländern.

Im Jahr 2017 wird man unserer Auffassung nach höhere Staatsanleiherenditen beobachten können, was den leistungsorientierten Vorsorgeplänen, die durch immer weiter steigende Verbindlichkeiten unter Druck geraten sind, eine große Erleichterung verschaffen dürfte. Auch Geschäftsbanken profitieren von höheren Renditen und steileren Kurven. Am Rentenmarkt könnten in jenen Anlageklassen Chancen zu finden sein, die ein relativ geringes Zinsänderungsrisiko aufweisen und dafür gleichzeitig Zugang zu Unternehmensrisiken bieten (wie US-Hochzinsanleihen).

Bewertungen

Das dritte Thema, das wir genau verfolgen, sind die Bewertungen von Vermögenswerten. Nach mehreren Jahren der ultralockeren Geldpolitik gibt es nur noch wenige Märkte, die offensichtlich einen Mehrwert bieten. Dies gilt für das gesamte Spektrum, angefangen von Aktien, die zu ihrer exakten Bewertung gehandelt werden, über Anleihen, die wenig Rendite bieten, bis hin zu einem fair bewerteten Immobiliensektor. Anleger werden flexibler sein und an mehreren Märkten intensiver suchen müssen, um Wertpotenzial zu finden.
 
Für traditionelle Mischfonds (die sogenannten 60/40-Portfolios) wird es schwierig werden. Zunächst müssen Anleger bei der Betapositionierung dynamischer agieren. Anschließend müssen sie auf der Aktienseite mit sektorbasierten, thematischen und faktorbasierten Investitionen sowie mit Hilfe der Wertpapierauswahl Alpha identifizieren. Investoren müssen sich die Illiquiditätsprämie mancher Anlageklassen zunutze machen, insofern sie dafür die Erlaubnis ihrer Kunden erhalten.

Fazit

Anleger sollten sich auf Volatilität gefasst machen. Zwar kann man nach wie vor von Investmentchancen profitieren, mit Blick auf das Verhältnis von Rendite zu Volatilität dürfte es jedoch ein enttäuschendes Jahr werden. Die Portfoliodiversifizierung wird eine noch größere Herausforderung darstellen als gewohnt, da Aktien und Staatsanleihen gleichzeitig unter Druck geraten dürften. Auch gehen wir davon aus, dass Währungen in globalen Multi-Asset-Portfolios weiterhin eine starke Quelle sowohl für die Rendite als auch die Volatilität darstellen. Devisen könnten sich als wirksame Möglichkeit zur Diversifizierung von Multi-Asset-Portfolios herausstellen und weniger liquide Anlageklassen könnten sich in diesem Umfeld nächstes Jahr letztendlich als ein sichererer Hafen erweisen.

Reflation unter Trump? Abflüsse aus Gold und Schwellenmarktanleihen

Gold-ETPs verzeichneten mit 83 Mio. USD einen wöchentlichen Abfluss in Jahresrekordhöhe. Im Zuge der Trump-Reflationswette kam es bei Schwellenmarktanleihe-ETPs mit insgesamt 55 Mio. USD zu den ersten bedeutenden Ausflüssen in diesem Jahr. In Rohöl-ETPs flossen in der letzten Woche zusätzlich 49 Mio. USD, sodass sich die Gesamtzuflüsse der letzten vier Wochen mittlerweile auf 258 Mio. USD belaufen. Die Anleger setzen darauf, dass die OPEC auf ihrem nächsten Treffen eine Einigung erzielen kann, so ETF Securities im wöchentlicher Rohstoffüberblick.

Gold-ETPs (A0N62G) verzeichneten mit 83 Mio. USD einen wöchentlichen Abfluss in Jahresrekordhöhe. Wir beobachteten bereits zu Jahresanfang ein vergleichbares Verhalten, als Anleger erwarteten, dass die Fed auf der damals anstehenden Sitzung die Zinsen anheben würde. Diesmal jedoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung laut Terminmarkt mit 94 % so hoch wie im ganzen Jahr noch nicht. In diesem Jahr verzeichnete Gold überwiegend Zuflüsse, wobei die Rückgaben nur 28 % der Kapitalströme ausmachten. „Obwohl die Zuflüsse in Gold-Short-ETPs wie zwischen 2007 und 2012 zunehmen, kam es in diesem Jahr zu Netto-Zuflüsse von lediglich 87.000 USD. Dies legt nahe, dass die Anleger ihre bestehenden Goldbestände trotz der jüngsten Schwäche behalten möchten. Als wahrscheinliche Gründe hierfür kommen der steigende Inflationsausblick und die politische Instabilität in Frage", sagt Jan-Hendrik Hein, Associate Director - Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Wir können bei den Kapitalströmen ferner bedeutende regionale Unterschiede erkennen. In den USA ansässige Anleger, die in US-Dollar rechnen, ziehen sich mit einem viel höheren Tempo aus Gold zurück als ihre in Europa ansässigen Pendants. „Dies ist wahrscheinlich eine Folge der neuen USD-Stärke, die den nicht in US-Dollar rechnenden Goldanlegern trotz der Schwäche des Basiswerts einen Währungsvorteil verschafft“, so Hein.

Im Zuge der Trump-Reflationswette kam es bei Schwellenmarktanleihe-ETPs mit insgesamt 55 Mio. USD zu den ersten bedeutenden Ausflüssen in diesem Jahr. Die Renditedifferenz zwischen den Lokalwährungsanleihen der Schwellenmärkte und den europäischen Anleihen befindet sich auf einem Mehrjahreshoch von über 5 %. „Wir bleiben bei unserer Ansicht, dass Schwellenländer kreditwürdiger als allgemein angenommen sind und dass aus diesem Grund Spielraum für weitere Kurszuwächse besteht. Unserer Meinung nach ist jeder technische Rücklauf eine gute Gelegenheit, um in Schwellenmarktanleihen einzusteigen“, erklärt Hein.

In Rohöl-ETPs (A1N49) flossen in der letzten Woche zusätzlich 49 Mio. USD, sodass sich die Gesamtzuflüsse der letzten vier Wochen mittlerweile auf 258 Mio. USD belaufen. Die Anleger setzen darauf, dass die OPEC auf ihrem Treffen am 30. November eine Einigung erzielen kann. Eine von der OPEC vermittelte Angebotskürzung wird unseres Erachtens jedoch immer unwahrscheinlicher. Zwischen den OPEC- und Nicht-OPEC-Ländern herrscht zwar ein hektisches Hin und Her, das uns aber einer Förderbegrenzung bisher kaum näher brachte. Bei WTI etwa führte die wachsende Skepsis zu einem Anstieg der Short-

Positionen um 56 %, im letzten Monat allein um 39 %. Die Verpflichtung der OPEC ist letztlich von der Beteiligung der Nicht-OPEC-Länder abhängig. Da aber große Nicht-OPEC-Länder wie Russland, Kasachstan und Brasilien nach den Investitionen der letzten Jahre neue Förderkapazitäten ans Netz bringen, erscheinen die Chancen für eine konkrete Vereinbarung gering. „Unseren Erwartungen zufolge werden die Ölpreise im Vorfeld der OPEC-Sitzung Mitte nächster Woche volatil bleiben“, sagt Hein.

Wichtige Ereignisse in der nächsten Woche. „Da der Markt eine Zinsanhebung im Dezember mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eingepreist hat, werden die Anleger dem Sitzungsprotokoll der Fed am Mittwoch nicht mehr allzu große Aufmerksamkeit schenken. Stattdessen wird das am gleichen Tag erscheinende Herbstgutachten zur britischen Finanz- und Wirtschaftspolitik im Zentrum des Interesses stehen", so Hein abschließend.

Entwicklung des Goldpreises deutet auf höhere Inflationswahrscheinlichkeit hin

Der Goldmarkt verzeichnete nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten zunächst umfangreiche Handelsaktivität, die selbst den bisherigen Rekordtag nach dem Brexit-Votum um ein Vierfaches überstieg. Doch bereits einen Tag später notierte das Edelmetall wieder auf dem gleichen Niveau wie vor den Wahlen, zwischenzeitlich ging der Golpreis sogar zurück. Was ist also zukünftig zu erwarten? John Lambert, Investment Director bei GAM, analysiert die Lage.

„Der Goldbergbau hat in den letzten Jahren einen schweren Abschwung durchgemacht. Die Kostenfaktoren wurden massiv reduziert, die Wartungsinvestitionen zurückgeschraubt und die Explorationsaktivitäten praktisch komplett eingestellt. Dennoch können Edelmetalle für Anleger immer noch ergiebige Chancen bieten“, erklärt John Lambert. 

Das Minenangebot dürfte dem Experten zufolge auch in den kommenden Jahren unter erheblichem Druck stehen: „Auf der einen Seite werden die Fundamentaldaten des Goldpreises dadurch gestützt. Der Goldpreis ist jedoch mehr als nur das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage und wird von gesamtwirtschaftlichen Größen wie Inflation, Zinssätzen und Kreditkonditionen beeinflusst“, so Lambert. Gold gelte traditionell als Absicherung gegen extreme Entwicklungen in Wirtschaft und Politik. Dass es sich bei Goldinvestments um eine Art eine Versicherungspolice für ein defensives Portfolio handelt, sei auch in diesem Jahr durch Ereignisse wie die Einführung von Negativzinsen durch die Bank of Japan oder den Brexit bestätigt worden.

Goldpreis als Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung 

Die Entwicklung des Goldpreises in diesem Jahr deutet jedoch auf mehr als ein zufälliges Zusammentreffen unwahrscheinlicher Ereignisse hin, so der Experte. „Gold ist dem Rest von uns häufig ein oder zwei Schritte voraus. Damit stellt sich die Frage, ob der Goldpreis noch etwas Wesentlicheres signalisieren könnte. Konträre Anleger müssen sich also schwierige Fragen stellen. Zum Beispiel, ob das exzessive Gelddrucken der Zentralbanken nun schließlich doch zu einer Inflation führt. Oder was wäre, wenn statt der anhaltenden Stagnation eine langfristige Stagflation einsetzt.“

Dafür gibt es bedeutende Präzedenzfälle, die jedoch außerhalb des Erfahrungsbereichs von fast allen Marktteilnehmern liegen. Die potenzielle Wachstumsrate der US-Wirtschaft ist sehr niedrig, während die Schuldenhöhe des Staats und der Unternehmen unangenehm hoch sei und immer noch steige. „Die Kombination von schwacher Wirtschaftsentwicklung und hohen Schulden ist schlecht. Denn bei einem niedrigen realen Wachstum ist ein nominales Wachstum eigentlich die einzige Alternative. Diese jedoch geht unweigerlich mit einer Inflation einher. Während immer ausgefallenere Alternativen in der Geldpolitik und – zunehmend auch in der Fiskalpolitik – vorgeschlagen werden, scheint der Goldpreis die möglichen Konsequenzen schneller als die meisten anderen erfasst zu haben. Die Fiskalpolitik hat, insbesondere mit Unterstützung durch die Geldpolitik, offensichtlich einen stärker inflationären Effekt als eine quantitative Lockerung“, sagt Lambert.

Silber übernimmt die Führung

Nicht zu unterschätzen sei auch das Verhältnis zwischen Gold- und Silberpreis. „Die Schätzungen variieren hier stark, aber die US Geological Survey und andere Studien zeigen, dass die Silbervorkommen in der Erdkruste etwa zwanzig Mal größer sind als die Goldvorkommen. Silber hat sich in diesem Jahr besser entwickelt als Gold. Damit ist ein langjähriger entgegengesetzter Trend umgeschlagen, der zu einem historisch strapazierten Verhältnis geführt hat: eine Feinunze Gold war so viel wert wie 80 Unzen Silber“, erläutert Lambert. In früheren Zyklen wurden Höchstwerte in diesem Verhältnis nur nach wirtschaftlichen Krisen oder Abschwüngen erreicht, zum Beispiel in den Jahren 1992, 2002 und 2009. Da Silber aufgrund seiner stärkeren industriellen Verwendung sensibler auf die Wirtschaftsaktivität reagiere, übernehme es während reflationärer Aufwärtszyklen, in denen beide Preise steigen, in der Regel die Führungsrolle. „Es deutet alles darauf hin, dass dieses wichtige Verhältnis einen neuen Trend gebildet hat und die höhere Inflationswahrscheinlichkeit bestätigt“, schließt Lambert.

Hongkong bleibt für Anleger weiter vielversprechend

von Jason Pidcock, Manager des Jupiter Asia Pacific Income SICAV.

Vor 20 Jahren machten inländische Unternehmen aus Hongkong aufgrund der schnell wachsenden lokalen Wirtschaft einen großen Teil eines typischen asiatischen Aktienportfolios aus. Heutzutage ist Hongkong für Anleger immer noch ein wichtiger Markt, aber die an der dortigen Börse gelisteten Unternehmen sind nun internationaler ausgerichtet. Die lokale Wirtschaft wächst in letzter Zeit langsamer. Da Hongkong sich aber langsam in eine regionale Drehscheibe verwandelt hat, sind einige der größten und erfolgreichsten Unternehmen aus China und der gesamten Region hier an der Börse gelistet und haben häufig ihren Firmensitz in Hongkong.

Hongkong wird oft als die freieste Wirtschaft der Welt angesehen: eine Unternehmerstadt, in der die Steuern niedrig sind. Da in Hongkong auf Dividenden keine Abgeltungssteuer erhoben wird, schütten die Unternehmen lieber Gewinne an ihre Anleger aus, als Aktien zurückzukaufen. Das kommt ertragsorientierten Anlegern zugute und behagt auch den Unternehmern, die Hauptaktionäre in ihren eigenen Unternehmen sind. Eine Vergütung in Form von steuerfreien Dividenden ist besser als steuerpflichtige Gehälter.

Ein Zentrum für die Region

Hongkong ist für viele auch immer noch das Tor zu China. Obwohl Hongkongs Integration in das Festland weiterhin schnell voranschreitet, bleibt es durch seinen Status als Sonderverwaltungszone mit eigenem Rechtssystem (basierend auf dem englischen Common Law) und eigener Währung noch mindestens bis 2047 geschützt. Im Gegensatz zum chinesischen Renminbi wird der Hongkong-Dollar (HKD) international frei gehandelt und ist an den US-Dollar gekoppelt. Diese Vorteile haben dazu beigetragen, dass Hongkong zu dem Markt wurde, an dem sich die größten Unternehmen mit regionalen und auf dem Festland Chinas ansässigen Geschäftstätigkeiten notieren ließen - häufig zusätzlich zu den weniger zugänglichen Heimatmärkten. Dazu zählen beispielsweise führende chinesische Internet-Unternehmen wie Tencent oder AIA. Letzteres ist ein internationaler Versicherungsriese, der in der gesamten Asien-Pazifik-Region tätig und die einzige lizensierte internationale Lebensversicherung ist, die ihre Produkte auf dem chinesischen Festland verkaufen darf. Auch wenn nicht alle chinesischen Unternehmen, die an der Hongkonger Börse notiert sind, derzeit Dividenden auszahlen, haben viele jedoch das Potenzial, als Quelle für künftige steigende, regelmäßige Erträge zu dienen. Zudem ist es wahrscheinlich, dass die Art von Unternehmen, die ich in der Region mag, dort an der Börse notiert ist. Dazu zählen vor allem große liquide Unternehmen mit guter Unternehmensführung, einer guten Erfolgsbilanz und einer umgänglichen Geschäftsleitung.

Die Internationalisierung hat für Hongkong aber auch Nachteile. Die Koppelung des HKD an den US-Dollar bedeutet, dass sich die lokalen Zinsen im Einklang mit den US-Zinsen bewegen. Der lokale Konjunkturzyklus kann deshalb manchmal von den Entwicklungen in China und der gesamten Region abweichen und war unter anderem der Grund für die Inflation - und die nachfolgende Deflation - am lokalen Immobilienmarkt. Das wiederum hat große Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und deshalb wird die Immobilienkreditvergabe der Banken aktuell etwas in Mitleidenschaft gezogen, da es immer mehr faule Kredite gibt.

Der Ausblick für lokale Unternehmen...

Hongkong ist eine zyklische Volkswirtschaft, deren Wachstum den vorherrschenden Trends in der Weltwirtschaft ausgesetzt ist. Das liegt an ihren engen Handelsbeziehungen mit den globalen und insbesondere den chinesischen Handelsströmen sowie an dem Einfluss der USA über die Währung. Vieles wird deshalb davon abhängen, welche Richtung die Weltwirtschaft einschlägt. Und auch wenn ich davon überzeugt bin, dass die lokale Wirtschaft mit einer erwarteten Zinsanhebung in den USA umgehen kann, macht es die Sache sicherlich nicht einfacher. 
Die Integration mit China ist ebenfalls ein zweischneidiges Schwert für Hongkong. Wenn seine Verbindungen mit dem Festland enger werden, schwindet sein Status als erste Anlaufstelle für Auswärtige und es muss zunehmend mit Shanghai, Peking und anderen Städten konkurrieren, wo es immer mehr Expatriates gibt und die Rechtssysteme reformiert und verständlicher werden.

Hongkong kann aber durchaus als Chinas Haupthandelszentrum in Erscheinung treten, zumal nur wenige Länder zwei haben - und da spricht vieles zu seinen Gunsten. In Hongkong wird Kantonesisch und Englisch gesprochen, in Shanghai nur Mandarin. Die Menschen aus anderen Teilen der Region, wie Taiwan, können freier nach Hongkong reisen als auf das Festland. Viele Unternehmen haben bereits ihren Sitz in Hongkong und es gibt immer ein verständliches Maß an Schwerfälligkeit. Andererseits sind Unternehmer oft mobil. Zu guter Letzt könnten ein natürlicher Hafen, eine vortreffliche Infrastruktur, der Cluster-Effekt und ein geringes politisches Risiko die ausschlaggebenden Punkte sein. Aber das ist ein mehrjähriger Prozess und es wird sich so schnell nichts ändern. Fürs Erste bleibt Hongkong ein guter Ort, um Geschäfte zu machen, und eine unermessliche, vielfältige Quelle für hochqualitative Unternehmen.

...und für unsere Ausrichtung auf Hongkong

Meine Positionierung in Hongkong basiert stark auf der Titelauswahl nach dem Bottom-up Ansatz: Ein Unternehmen wird aufgrund seines Profils ausgewählt und nicht, weil ich auf die lokale Wirtschaft setze. Hier würde ein Anleger beispielsweise eine Bank oder eine Wohnimmobiliengesellschaft kaufen. Der Fonds hält weder noch. Auch wenn ich den Ausblick für die lokale Wirtschaft selbst nicht besonders optimistisch beurteilen, sollten die hochqualitativen Unternehmen im Portfolio, die den Großteil ihrer Erträge anderswo erwirtschaften, meines Erachtens gut positioniert sein, um jegliche lokalen Rückschläge zu meistern und ihr Potenzial zu entfalten.

USA unter Trump: isoliert oder wirtschaftsfreundlich?

Die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten war für viele überraschend. Besonders deshalb, weil die meisten Wahlprognosen bis zuletzt einen Wahlsieg von Hillary Clinton vorhersagten. „Es fühlt sich an wie ein Déjà Vu“, sagt Nikolaj Schmidt, Chief International Economist bei T. Rowe Price, mit Blick auf den Brexit. Denn auch beim Votum über den britischen EU-Austritt stellten sich beinahe sämtliche Prognosen als falsch heraus.

Eine gemäßigtere Haltung?

Ähnlich wie nach dem Brexit-Votum litten die Finanzmärkte auch unter der Entscheidung für Donald Trump. So fiel der S&P 500 Index Future am Tag des Ergebnisses zwischen 20 Uhr abends und Mitternacht um 5,7 Prozent. „Die Kurse erholten sich jedoch schnell. In seiner Dankesrede schlug Trump nämlich einen ungewohnt versöhnlichen Ton an und versprach ein großes Infrastruktur-Programm sowie den Aufbau von Beziehungen mit anderen Nationen. Die Märkte haben dies als eine Art Trostpflaster angenommen und dabei ignoriert, dass wir immer noch sehr wenig über die innen- und außenpolitischen Strategien Trumps wissen“, stellt Schmidt fest.

Nach Meinung des Experten wird Trump seine radikale Haltung aus dem Wahlkampf einschränken, sobald er im Oval Office sitzt: „Er wird eine praktikablere, unternehmensfreundliche Stellung einnehmen und verstehen, dass es nicht im Interesse Amerikas ist, eine Politik der himmelhohen Zölle und der strikten Isolation zu betreiben.“ Sollte beispielsweise grenznahe Handel mit Mexiko aufgrund der Mauer-Pläne zum Erliegen kommen, hätten vor allem amerikanischen Autohersteller mit großen Verlusten zu kämpfen.

China als möglicher Gewinner

Sollte Trump jedoch an seinen Isolationsvorstellungen festhalten, sieht Schmidt eine einmalige Chance für China, sich im Zentrum des globalen Handelsnetzwerks zu positionieren. Die Volksrepublik arbeitet bereits daran, ein panasiatisches Freihandelsabkommen mit einer Vielzahl strategischer Partner der USA wie Japan, Südkorea oder Australien auszuhandeln. „Kurzfristig wären isolierte Vereinigte Staaten ein Störfaktor, auf lange Sicht würde dies aber perfekt in den Plan Chinas passen, den Renminbi zu internationalisieren. Die Geschäfte der USA würden derweil zurückgehen“, prognostiziert Schmidt.

In seiner Dankesrede sprach Trump den Erfolg seiner Kampagne der Bewegung seiner Wähler und weniger der republikanischen Partei zu. Dies zeige laut Schmidt, dass, obwohl der Präsident und die Mehrheit im Kongress republikanisch sein werden, viele Verhandlungen notwendig sind, um das Land in die richtige Richtung zu lenken. „Jetzt hoffen und erwarten wir, dass das System der ‚Checks and Balances‘ und die Tatsache, dass Trump mit etablierten republikanischen Kongressabgeordneten zusammenarbeiten muss, ein sicherer Anker sein werden.“