Der Ölpreiserholung und ihren Risiken zum Trotz: Zuflüsse in Rohöl-ETPs auf dem höchsten Stand 2017

Die Zuflüsse in Rohöl-ETPs stiegen in der vergangenen Woche auf 38 Mio. USD, obwohl erwartet wird, dass das Rohölangebot zunehmen und die weitere Erholung der Preise deckeln wird. Die Abflüsse aus Gold-ETPs erreichten den höchsten Stand in diesem Jahr, so dass sich die Zuflüsse der vergangenen vier Wochen wieder umkehrten. Die Zuflüsse in diversifizierte Rohstoffkorb-ETPs setzten ihren Anstieg in der sechsten Woche in Folge fort, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Diesen finden Sie links als PDF mit Charts.

Die Zuflüsse in Rohöl-ETPs (A0KRJX) stiegen auf 38 Mio. USD, obwohl erwartet wird, dass das Rohölangebot zunehmen und die weitere Erholung der Preise deckeln wird. In der zurückliegenden Woche erhielten die Rohölpreise nicht nur vom schwächeren Dollar Unterstützung, sondern profitierten auch vom Optimismus rund um die Umsetzung der politischen Maßnahmen Trumps zur Stützung der Öl- und Gasbranche. Rohöl lief entsprechend volatil in einer Spanne seitwärts. Andererseits deuten die steigenden Rohölbestände darauf hin, dass mehr Abwärtspotenzial besteht. Da die gestiegenen Preise die Förderung von Schieferöl in den USA wieder lukrativ werden lässt, nahm die Anzahl der Bohrplattformen laut Baker Hughes in der vergangenen Woche so stark wie zuletzt im April 2013 zu. „Obwohl die Förderkürzung der OPEC und einiger Nicht-OPEC-Länder gut anlief, besteht die Gefahr, dass das steigende US-Ölangebot das Aufwärtspotenzial der Preise nach oben hin begrenzt“, sagt Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Die Abflüsse aus Gold-ETPs (A0LP78) erreichten mit 80 Mio. USD ihren diesjährigen Höchststand und hoben damit die Zuflüsse der vergangenen vier Wochen wieder auf. Die Goldpreise gerieten in der zurückliegenden Woche aufgrund der Stärke des US-Dollar, der von Trump befeuerten Aktienrally und der steigenden Renditen von US-Anleihen unter Druck und gaben um 1,3 Prozent nach. Der Dow Jones Industrial Average schloss zum ersten Mal über der viel beachteten Marke von 20.000 Punkten, und auch der S&P 500 Index kletterte auf neue Hochs. Die laufende Berichtssaison der US-Unternehmen signalisiert Stärke, da 34 Prozent der Unternehmen ein Gewinnwachstum von durchschnittlich 4,4 Prozent meldeten, was der Aktienrally zusätzlich Auftrieb verlieh. Der zunehmende Risikoappetit lenkt die Anleger allerdings von den Risiken der extrem protektionistischen Haltung ab, die sich in den ersten Amtshandlungen des gerade erst vereidigten US-Präsidenten Trump äußert, zum Beispiel in der Kündigung der Transpazifischen Partnerschaft TPP. „Auf der dieswöchigen Sitzung des Offenmarktausschusses bleibt die Fed wohl im Warte- und Beobachtungsmodus, und wir rechnen nicht damit, dass sie großen Einfluss auf die Ölpreise nehmen wird“, sagt Hein.

„Die Zuflüsse in diversifizierte Rohstoffkorb-ETPs betrugen in dieser Woche 14,5 Mio. USD. Sie nehmen seit sechs Wochen durchgehend zu, da die Anleger durch die Diversifizierung in breit aufgestellte Körbe vom Preisaufschwung der Rohstoffe profitieren wollen“, bemerkt Hein.

Die Zuflüsse in globale Aktien-ETPs gewinnen angeführt vom Goldminen- und Robotik-Aktien weiter an Dynamik. Infolge der Rekordbewertungen auf den globalen Aktienmärkten sind die Anleger wählerisch geworden und investieren thematisch in Aktienkörbe wie Goldminen- und Robotikindizes. „In globale Aktien-ETPs flossen insgesamt 6,6 Mio. USD“, sagt Hein.

Die Zuflüsse in Industriemetall-ETPs (A0SVX7) stiegen zum achten Mal hintereinander, wobei breit aufgestellte Körbe und Kupfer mit 5,8 Mio. USD beziehungsweise 3,9 Mio. USD die Spitzenplätze belegten. „Nach Angaben der International Copper Study Group hat China das Angebotsdefizit des Kupfermarkts mit einer erheblichen Produktionsausweitung beseitigt, sodass wir in Kürze mit nachgebenden Preisen rechnen“, sagt Hein.

„From Paris with Love“

Das Verhältnis von Franzosen und Deutschen ist traditionell eher kühl. Im Spannungsfeld zwischen kulinarischer Faszination und kulturellen Gegensätzen stehen die zwei europäischen Schwergewichte oft mehr aus Vernunft als aus echter Verbundenheit zusammen. Erstaunlich harmonisch läuft die Zusammenarbeit jedoch bei der Geldanlage: Französische Fondsboutiquen haben bei deutschen Investoren einen ausgezeichneten Ruf. 

Mit Sycomore Asset Management startet nun ein unabhängiger Pariser Stockpicker in Deutschland durch. Der 2001 gegründete Vermögensverwalter ist die erste unabhängige Fondsboutique, die eine eigene Nachhaltigkeitsanalyse aufgebaut und als festen Bestandteil des gesamten Investmentprozesses verankert hat. Das Management-Team kombiniert dabei die fundamentale Aktienanalyse mit einer ausgeprägten qualitativen Unternehmensbewertung. Dazu gehören sowohl persönliche Gespräche mit dem Top-Management der Firmen als auch mit seinen Kunden und Wettbewerbern. Mit diesem proprietären Investmentprozess setzt sich Sycomore AM zum Ziel, unterbewertete Aktien und nachhaltige Erträge zu identifizieren.

Emeric Préaubert, einer der vier Gründungspartnern und Manager des Flaggschiff-Fonds Sycomore Partners (ISIN: FR0010601906), sieht den Schritt auf den deutschen Markt als Meilenstein in der Unternehmensentwicklung: „Unabhängige Assetmanager bieten ihren Kunden Exzellenz in bestimmten Nischen, denn als Boutique ist man nur erfolgreich, wenn man sich auf Strategien und Regionen konzentriert, die man wirklich beherrscht. Bei Sycomore zum Beispiel kombinieren wir fundamentale und nicht-finanzielle Aspekte in der Aktienanalyse und setzen auf high-conviction Stockpicking in Europa. In diesem Segment gehören wir in Frankreich schon jetzt zu den Top Ten von über 600 französischen Boutiquen.“

Dass auch institutionelle Investoren aus Deutschland an diesem Ansatz Interesse haben, bestätigt David Czupryna, Head of Sycomore Asset Management Deutschland, Österreich und Schweiz: „Gerade in Deutschland gibt es bei den Versicherungen und Versorgungswerken viele mittelständische Player, die offen nach spezifischen Anlagestrategien, ergebnisorientierter Vermögensverwaltung sowie einem unternehmerischen Spirit suchen, der insbesondere für Fondsboutiquen typisch ist.“ 

Large bis Small Cap: Acht aktuelle Lieblingsaktien der Franzosen in Deutschland

Nicht nur Investoren sucht Sycomore AM in Deutschland. Auch am deutschen Aktienmarkt haben Préaubert und seine Kollegen eine ganze Reihe hochwertiger Aktienperlen identifiziert, die mit exzellenten Wachstumszahlen, erfolgreicher Internationalisierung, hoher Marktdurchdringung und mit stabilen Nachfrage- und Ertragsaussichten glänzen können. „Bei den deutschen Small-Caps lieben wir zum Beispiel das IT-Systemhaus Cancom und Zooplus, den erfolgreichsten Online-Händler für Heimtierbedarf. Zwar stammen die Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Branchen, aber beide Management-Teams haben uns mit stetigem Umsatzwachstum, soliden Gewinnen und einer tragfähigen und nachhaltigen Wachstumsstrategie überzeugt“, so Préaubert.  

Im Mid-Cap-Segment schätzen die Sycomore-Fondsmanager derzeit besonders die Aktien von Brenntag, ETS Eventim, der Kion Group und von Wirecard. „Kion hat als größter Gabelstapler-Hersteller in Europa nicht nur die Marktführerschaft erreicht, sondern mit der Übernahme von Dematic auch den Sprung in die USA geschafft. Zudem hat das Management ein klares Konzept für wichtigste Zukunftsthemen wie E-Mobilität und der digitalen Transformation und wird vom strukturellen Wandel wie E-Commerz, Automatisierung der Logistik und dem Ausbau der batteriebetriebenen Staplerflotten profitieren“, so Préaubert. Auch die Verbesserung der EBIT-Marge von 9,5 auf 12 Prozent bis 2018 und ein Nachhaltigkeits-Rating im eigens von Sycomore entwickelten SPICE-Modell von 3.5 (von möglichen 5 Punkten) machen die Wiesbadener zu einem Liebling der Pariser Assetmanager. Aktuell ist Sycomore Selection Responsable (ISIN: FR0011169341) in die Kion Group investiert.

Auch deutsche Schwergewichte wie BMW und Fresenius Medical Care sind beliebte Bestandteile der Pariser Stockpicking-Portfolios, die sich überwiegend auf europäische und Euroraum-Aktien konzentrieren.

Nachhaltigkeitsanalyse mit dem SPICE-Modell: Zur Risikoanalyse und als Themenfonds

Nicht alle Fonds von Sycomore sind ausgewiesene Nachhaltigkeitsfonds. Préaubert und seine 15 Kollegen im Portfoliomanagement nutzen die nach dem SPICE-Modell ermittelten Nachhaltigkeits-Ratings vor allem zur Risikokontrolle, um die qualitativ werthaltigsten Aktien zu identifizieren. Für die ausgewiesenen Nachhaltigkeits-Fonds ist dagegen ein Mindest-Score festgeschrieben, der das Investmentuniversum definiert.

Der Erfolg gibt dem Managementansatz von Préaubert und seinen Kollegen Recht: Der Sycomore Partners, ein High-Conviction-Fonds mit europäischen All-Cap Aktien, erzielte seit Auflegung eine Outperformance von 40 Prozent gegenüber dem Euro-Stoxx TR bei einer um 13 Prozentpunkte niedrigeren Volatität. Das macht den Fonds zu einem beliebten Baustein im Portfolio von institutionellen Kunden. Seit Auflagestart 2011 erzielte der Nachhaltigkeitsfonds Sycomore Selection Responsable an 88 Prozent der Tage eine Outperformance gegenüber dem Euro STOXX Net TR. Weitere thematisch fokussierte Nachhaltigkeitsfonds werden in Deutschland folgen.

Mit seinem Fokus auf fundamentale Analysen und einem intensiven qualitativen Bewertungsprozess hat sich Sycomore in seinem Heimatmarkt einen ausgezeichneten Ruf als Spezialist für europäische Aktien erworben und verwaltet heute ein Vermögen von rund 5 Milliarden Euro in 18 Fonds sowie zahlreichen Spezialmandaten. Zu den überwiegend institutionellen Kunden gehören heute Pensionsfonds wie die ERAFP und die FRR, zwei der größten staatlichen Versorgungswerke Frankreichs, so wie auch Versicherer und Banken.

„From Paris with Love“: Diese deutschen Aktien finden die Franzosen sexy

Nr. 1: Cancom SE
Die Münchner IT-Dienstleister haben eine erfolgreiche Entwicklung vom Computer-Händler zum IT-Dienstleister mit Fokussierung auf den Bereich Cloud-Computing geschafft. Das sichert den Münchnern nicht nur schnelles Wachstum und eine verbesserte Rentabilität, im Vergleich zu Wettbewerbern scheint Cancom auch signifikant unterbewertet.

Nr. 2: Zooplus AG
Der erfolgreiche Online-Händler für Haustierbedarf hat sich frühzeitig die Marktführerschaft in einem nicht-zyklischen Segment gesichtert. Insgesamt werden in diesem Markt etwa 25 Milliarden Euro umgesetzt, wobei der Online-Umsatz von aktuell 3-4 Prozent in den nächsten Jahren auf über 15 Prozent wachsen dürfte. Mit der aus Eigenmitteln finanzierten internationalen Expansion ergibt sich eine Wachstumsprognose von bis zu 20 Prozent pro Jahr in den kommenden 3 Jahren.

Nr. 3: Brenntag AG
Brenntag ist der weltweit größte Vermarkter von Chemieprodukten. Das defensive Businessmodell als Logistik- und Vertriebsprofi, hohe Eintrittsbarrieren durch Sicherheits- und Zertifizierungsanforderungen und globale Trends wie Outsourcing von Vertrieb und Transport lassen weiterhin stabile Ertragsprognosen erwarten. Ein erfahrenes Management und Konsolidierungspotenziale in diesem Segment machen Brenntag zu einem interessanten Zielinvestment.  

Nr. 4: ETS Eventim AG
Eventim ist der größte Vermarkter von Konzert- und Sportveranstaltungen in Europa. Mit über 200.000 Events pro Jahr bedient das Unternehmen nicht nur einen wachsenden Markt. Auch das Gewinnwachstum ist zweistellig, dank solidem Businessmodell, wachsendem Marktanteil und der internationalen Expansion in neue Länder. Weitere Wachstumschancen liegen im Bereich M&A und einer möglichen Monetarisierung der Datenbank mit über 30 Millionen Kunden.

Nr. 5: Kion Group AG
Kion hat als größter Gabelstapler-Hersteller in Europa nicht nur die Marktführerschaft erreicht, sondern mit der Übernahme von Dematic auch den Sprung in die USA geschafft. Zudem hat das Management ein klares Konzept für wichtigste Zukunftsthemen wie E-Mobilität und der digitalen Transformation und wird vom strukturellen Wandel wie E-Commerz, Automatisierung der Logistik und dem Ausbau der batteriebetriebenen Staplerflotten profitieren.

Nr. 6: Wirecard AG
Der innovative Anbieter von Online- und mobilen Zahlungslösungen profitiert besonders von strukturellen Trends wie Mobile Payment, E-Commerce und Outsourcing. Mit eigener Technologie und der vertikalen Integration von Business-Prozessen ist Wirecard nicht nur gegenüber dem Wettbewerb gut aufgestellt. M&A-Chancen, der Markteintritt in den USA und einem stabilen Cash-Flow aus Provisionen pro Transaktion stehen die Zeichen auch weiter auf Wachstum.

Nr. 7: BMW
Eine starke Marke im Premiumsegment mit erstklassiger Marge und ausreichend Reserven, diese Position dauerhaft zu verteidigen.

Nr. 8: Fresenius Medical Care
Der Spezialist für Nierenerkrankungen und Dialyseeinrichtungen ist nicht nur Marktführer in seinem Segment, er profitiert auch von demografischen Trends und expandiert erfolgreich in weitere medizinische Services wie medizinischen Management- und Betreuungsdienstleistungen.

Starker Primärmarkt für Wandelanleihen trotz Unsicherheiten

Den weltweiten Finanzmärkten stellen sich im Jahr 2017 diverse politische Unwägbarkeiten entgegen. So wird der neue US-Präsident Donald Trump beispielsweise die Themen Deregulierung, Steuerreform, Infrastrukturprojekte und auch die Frage der Immigration näher beleuchten. Allein diese Punkte sorgen bei Investoren für Unbehagen, da die zu erwartenden Entscheidungen und deren Konsequenzen derzeit unkalkulierbar sind. Entgegen der Annahme, dass sich dies negativ auf den Kapitalmarkt auswirken könnte, wurden in der ersten Januarhälfte bereist mehr Wandelanleihen am Primärmarkt emittiert, als in den drei Jahren zuvor. Einige große Emissionen sorgten dabei für Aufsehen.

„Neben den politischen Entscheidungen auf Regierungsebene sehen wir, dass die Geldpolitik der Zentralbanken weiter auseinander treibt“, sagt Gerrit Bahlo, Credit Analyst bei Man Conver- tibles. „Während die Federal Reserve Bank in den USA weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt hat, bleibt die Europäische Zentralbank womöglich bis Ende dieses Jahres weiterhin bei ihrer lockeren Zinspolitik. Ebenso wird in diesem Jahr die Frage, in welcher Form Großbritanni- en aus der Europäischen Union (EU) austritt sowie ihre anschließende Beziehung zur EU detail- lierter und klarer diskutiert werden. Bereits diese beiden Faktoren illustrieren, wie komplex das Jahr 2017 werden könnte. Mitunter sehen wir darin mögliche Gründe, weshalb der Primärmarkt für Wandelanleihen so stark in das neue Jahr gestartet ist. Bis zur Monatsmitte wurden an den globalen Kapitalmärkten neue Papiere mit einem Volumen von circa drei Milliarden US-Dollar emittiert. Das entspricht bereits dem gesamten Januarvolumen der vergangenen drei Jahre. Hervorzuheben sind dabei die Emissionen von drei Unternehmen. Der Reifenhersteller Michelin und der Kabelhersteller Prysmian aus Europa sowie das Energieunternehmen Nabors aus den USA konnten Wandelanleihen von jeweils rund 500 Millionen US-Dollar am Markt platzieren. Wandelanleihen verbinden als hybrides Derivat die beiden Welten Unternehmensanleihen und Aktien. Bei steigenden Zinsen und einer überwiegend positiven Weltkonjunktur sind sie gerade bei erhöhter Unsicherheit seitens Investoren gefragt.“

Investieren in chinesische Aktien im Jahr des Hahns

von Laura Luo, Head of Hong Kong China Equities bei Barings Hong Kong.

Menschen, die im Jahr des Hahns geboren wurden, sind für die Leichtigkeit bekannt, mit der sie Kontakt zu anderen aufnehmen und Anleger in chinesischen Aktien werden in den kommenden Monaten für eine Kontaktaufnahme ihren Blick auf die neue US-Regierung richten, um Anhaltspunkte für die zukünftige Richtung zu bekommen. Die derzeitige Haltung von Präsident Donald Trump legt mögliche Handelsdifferenzen mit China nahe. Fakt ist jedoch, dass es darüber bisher keine Gewissheit gibt und wir nehmen im Hinblick auf seine Präsidentschaft vorerst eine abwartende Haltung ein. Unsere übergeordnete Einschätzung ändert sich dadurch nicht – wir behalten unsere optimistische Einschätzung für den chinesischen Aktienmarkt bei. Allerdings distanzieren wir uns von Exportunternehmen, bis wir Klarheit von der neuen US-Regierung erhalten.

Die Unsicherheit über die zukünftigen Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten sorgte am chinesischen Aktienmarkt für Unruhe und das Jahr 2016 ging demzufolge etwas holprig zu Ende. Der MSCI China Index fiel im vierten Quartal um 8% und trat in den ersten Wochen des Jahres 2017 auf der Stelle. Umsichtigen Stockpickern ist bewusst, dass ein Großteil dieser Entwicklung auf die Marktstimmung sowie auf die Einsicht zurückzuführen ist, dass jegliche Prognosen für 2017 aufgrund der geopolitischen Schocks des Jahres 2016 kaum mehr als Rätselraten sind. Was wir jedoch wissen ist, dass Währungsbewegungen, Handelsbeziehungen und geopolitische Spannungen allesamt Bereiche sind, die im Jahr des Hahns von Unsicherheit geprägt sind.

Das Schicksal von Reformen

Unsicherheit geht nicht nur von externen, sondern auch von internen Quellen aus. Der 19. Parteikongress im vierten Quartal könnte mit einer neuen Führungsriege enden und möglicherweise Veränderungen an Xi Jinpings Wirtschaftsreformen einläuten. Die jüngsten dieser Reformen befassen sich mit der Angebotsseite und den Staatsbetrieben. Sie nahmen 2016 ihren Anfang mit dem Ende der Ein-Kind-Politik und wurden seitdem kontinuierlich umgesetzt. Auch wenn der unmittelbare und eher vordergründige Einfluss solcher Initiativen auf das Kredit- und Beschäftigungswachstum wahrscheinlich eher kurzlebig ist, dürften sie dennoch auf lange Sicht das Wirtschaftswachstum stabilisieren und fördern. Darüber hinaus führte das Senken von Unternehmenskosten und des Verschuldungsgrads sowie das Reduzieren von übermäßigen Kapazitäten Ende 2016 für viele Unternehmen zu einer Ertragswende. Wie nachhaltig diese ist oder die längerfristigen Vorteile für die einzelnen Unternehmen sind, weiß man noch nicht.

Die geldpolitische Lockerung für das Ankurbeln der Wirtschaft dürfte dieses Jahr weiter reduziert werden. Allerdings dürften aggressivere Staatsausgaben und spezielle Anleiheemissionen ebenso wie PPP-Projekte weiter durchgeführt werden, um insbesondere im ersten Halbjahr neues Kapital in die Wirtschaft zu schleusen. Wir können beobachten, dass nach wie vor viele Branchen von den anlaufenden Infrastrukturprojekten profitieren, da diese die Nachfrage im Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffsektor sowie in der Bauindustrie ankurbeln. Nichtsdestotrotz ist uns bewusst, dass die Bemühungen von Präsident Jinping für eine bessere Umsetzung von Reformen und zur Einführung neuer Initiativen von geopolitischen Spannungen belastet werden könnten. Wir werden all diese Themen genau verfolgen und das Auftreten von Volatilität dafür nutzen, Aktien mit positiven Wachstumsaussichten auf einem attraktiven Preisniveau zu selektieren. Schließlich kann Unsicherheit auch Chancen hervorbringen.

Das Alte bleibt, das Neue kommt

In den letzten Jahren lag unser Fokus auf Unternehmen, die von dem Strukturwandel der chinesischen Wirtschaft und dem wachsenden Dienstleistungssektor aller Wahrscheinlichkeit nach profitieren dürften. Dieses Jahr stellen wir allerdings ein stärkeres Gleichgewicht zwischen solchen Unternehmen und den traditionelleren, zyklischen Industrie- und Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffunternehmen her, die die chinesische Wirtschaft in den vergangenen Jahren dominierten.

In diesem Zusammenhang erwähnten wir bereits die angebotsseitigen Reformen, die zur Bewältigung von Problemen wie der Überkapazität eingeführt wurden. Zusammen mit aggressiveren staatlichen Ausgaben und Inventaraufstockungen  erzeugen diese Bemühungen positive Impulse, unter anderem für die Kohle-, Stahl- und Zementindustrie. Die Aufstockung der Lagerbestände als Reaktion auf neue Infrastrukturprojekte findet in allen Bereichen, angefangen von Baustoffen bis Schwerlastmaschinen, statt. Wir werden die Entwicklungen genau beobachten, um zu sehen, ob diese Dynamik auch in der zweiten Jahreshälfte fortgesetzt werden kann, wenn die Unternehmen von einer höheren Basis aus agieren und der externe Druck auf den chinesischen Markt seinen Tribut fordert. Insofern die angebotsseitigen Reformen längerfristig erfolgreich sind, besteht durchaus die Chance, dass die langfristigen Wachstumsaussichten für diese Unternehmen deutlich Auftrieb erhalten. Das ist der Grund dafür, weshalb wir den zyklischen Industrie- und Betriebsstoffsektoren nach längerer Zeit nun positiver gegenüberstehen.

Darüber hinaus sind wir nach wie vor Fürsprecher der Unternehmen, die von dem steigenden Konsum sowie der Technologieverbesserung und dem Trend der Industrieautomation in China profitieren. Die Entwicklung des zunehmenden Binnenkonsums ist derzeit noch in vollem Gange und nach wie vor ein positiver Faktor für Unternehmen, die sich auf das Inland konzentrieren. Auch die Inflation dürfte sich dieses Jahr erholen, was ein Segen für jene Firmen ist, die über die Preissetzungsmacht verfügen, um davon zu profitieren. Einige Unternehmen des „neuen Chinas“, die ein enormes und nachhaltiges Wachstumsniveau erfordern, dürften hingegen Schwierigkeiten haben, ihre gegenwärtigen Bewertungen in einem volatilen Markt zu rechtfertigen. Dennoch wird ein Ausverkauf am Markt dieses Jahr Chancen mit Blick auf Qualitätsunternehmen eröffnen, auch wenn diese derzeit noch teuer sind.

Eine Strategie, die für die anstehenden Herausforderungen gerüstet ist

Uns bleibt nur abzuwarten, welche Haltung Trump mit Blick auf den Handel einnimmt und ob die angebotsseitigen Reformen von Jinping das Wachstum tatsächlich stabilisieren und die Binnenwirtschaft ankurbeln. Im Laufe der Zeit wird es unweigerlich zu einer erhöhten Volatilität kommen. Ungeachtet dessen konnten wir anhand unseres ausgewogenen Titelselektionsprozesses nach dem Bottom-up-Ansatz Chancen im Inland aufspüren, und zwar sowohl in Chinas New Economy als auch den traditionellen, zyklischen Sektoren, die derzeit einen Wandel bei den Ertragserwartungen durchlaufen. Ein solches Gleichgewicht  ist unserer Auffassung nach in unsicheren Zeiten wichtig. Da das Bewertungsniveau aktuell angemessen ist, dürften die von uns gehaltenen Unternehmen über das Potenzial verfügen, mittel- bis langfristig kräftige Erträge zu erwirtschaften.

Trotz steigenden US-Anleiherenditen und stärkerem US-Dollar: EMD wird weiter gut performen

von Marcelo Assalin, Head of Emerging Market Debt bei NN Investment Partners.

Trotz Volatilität war 2016 ein außerordentlich gutes Jahr für Emerging Market Debt (EMD). Hart- und Lokalwährungsanleihen sowie EM-Unternehmensanleihen rentierten um gut 10 %. NN Investment Partners glaubt, dass EM trotz einiger Negativfaktoren auf kurze Sicht gut aufgestellt sind, um bei steigenden US-Anleiherenditen und einem stärkeren Dollar auch weiterhin positiv abzuschneiden. Die Hauptgründe für diese Annahme liegen in den wirtschaftlichen Aussichten für die Emerging Markets sowie ihren Außenhandelsbilanzen. Diese haben sich deutlich verbessert. Die Realzinsen bewegen sich auf hohem Niveau, die Inflation geht zurück und EM-Währungen sind unterbewertet. Auch die festeren Rohstoffpreise tragen zum Wachstum der EM-Volkswirtschaften bei. 

Marcelo Assalin kommentiert:

„Die Renditen auf US-Anleihen sind nach den Wahlen steil nach oben geschossen. Die Anlegerschaft erwartet von der neuen Regierung in den USA eine deutliche fiskalische Expansion. Mittelfristig könnte das höhere Inflation und höhere Zinsen bedeuten. Steigende Zinsen in den USA sind für festverzinsliche Anlageformen allgemein und EMD im Besonderen ungünstig, doch bislang hat sich EMD äußerst widerstandsfähig gezeigt. Das dürfte vor allem an der Verbesserung der EM-Rahmendaten in den letzten Jahren liegen. Anfang 2016 übertrafen die Konjunkturdaten die Erwartungen – zum Jahresende beschleunigte sich die Dynamik sogar noch. 2017 dürfte der konjunkturelle Schwung in den Industrieländern zusammen mit den stabilen bis steigenden Rohstoffpreisen für die EM positiv sein.“

Assalin weiterhin: „Neben der steigenden Wirtschaftsleistung ist der deutliche Rückgang des Außenfinanzierungsbedarfs in den EM ein weiterer Positivfaktor. Möglich wurde dies durch den Abbau von Leistungsbilanzdefiziten in den meisten EM-Ländern. Nach Jahren erhöhter Raten sinkt nun auch die Inflation in den EM, während die Realzinsen immer noch hoch sind. Die Kurse von EM-Währungen liegen immer noch deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt. All dies trägt zu einem günstigen Umfeld für die EM bei. Auch die Erholung der Rohstoffpreise dürfte die Wachstumsentwicklung an den EM begünstigen. Zudem werden einige wichtige EM-Volkswirtschaften, wie Russland und Brasilien, die Rezession hinter sich lassen. Nach zwei Jahren der Stagnation dürften beide Länder 2017 wieder positive Zuwachsraten schreiben. Die chinesische Wirtschaftsleistung kann sich weiter auf eine günstige Geld- und Fiskalpolitik stützen. Hinzu kommt die voraussichtliche Ausweitung des positiven Wachstumsdifferenzials zwischen den Schwellenländern und der entwickelten Welt.“

„So liegen die Renditen im EM-Anleiheuniversum bei knapp 7 % für Lokal- und nahezu 6 % für Hartwährungsanleihen“, meint Assalin. „Angesichts der sich erholenden Rahmendaten sind derartige Renditen an den EM zweifelsohne attraktiv, vor allem im Vergleich zu den 0,3 %, die Bundesanleihen derzeit abwerfen. Dieses Renditegefälle bleibt eine der wichtigsten Triebkräfte der Kapitalströme“.

Assalin führt fort: „Im Hinblick auf die Aussichten der EM darf auch ein Hinweis auf den politischen Wandel in den USA nicht fehlen. Das größte Risiko für Investoren und Finanzmärkte besteht in einem Szenario, in dem sich Trump streitfreudig zeigt, wenn es bei fiskalischen oder handelspolitischen Fragen zu Konflikten mit den Republikanern im Kongress kommt. Falls Trump Handelszölle auf importierte Waren aus den EM einführen sollte, würde das zweifellos negative Auswirkungen auf den Export der EM haben. Insbesondere für solche Länder, die starke Handelsbeziehungen zu den USA pflegen. Allerdings sind wir der Ansicht, dass sich Trump auf Wachstum konzentrieren wird, was den EM zu Gute kommen sollte.“

Assalin rechnet mit einem weiteren positiven Jahr für EMD: „Wir erwarten einen Anstieg der Renditen auf 10-jährige US-Schatzanleihen auf gut 3 % bis Ende 2017. Doch werden sich EMD-Spreads nicht zwangsläufig ausweiten. Wenn die US-Zinsen in der Vergangenheit aufgrund besserer Wachstumsaussichten stiegen, verengten sich die EMD-Spreads. Klettern die Renditen auf 10-jährige Treasuries also auf bis zu 3 %, sollten die Spreads im Hard-Currency-Segment sowohl bei Staats- als auch Unternehmensanleihen in Richtung 300 Bp. sinken. Im Ergebnis könnte die Asset-Klasse Gesamterträge von 5-6 % abwerfen.“

„Unsere Prognose für Lokalwährungsanleihen ist ähnlich. Die Rendite des GBI-EM-Index dürfte bei 4-6 % liegen, wobei dies vor allem der Zinskongruenz der Assetklasse zu verdanken sein wird, die mit knapp 7 % rentiert. Bei einem anziehenden US-Dollar wäre der Beitrag von EM-Währungen indessen erwartungsgemäß leicht negativ.“

Investoren sollten bei EU-Aktien sehr selektiv vorgehen

Das noch junge Jahr 2017 wird für die europäischen Aktienmärkte voraussichtlich relativ turbulent: Politische Richtungswahlen sowie eine anhaltende Sektorrotation nach dem Ende der 30-jährigen Anleihehausse dürften die Entwicklung nachhaltig beeinflussen. Doch europäische Unternehmen bieten trotzdem interessante Ertragsmöglichkeiten, sagt Niall Gallagher, Investment Director für europäische Aktien bei GAM. Dem Experten zufolge wird die Titelauswahl dabei von entscheidender Bedeutung sein.

Unabhängig vom Ausgang der kommenden Wahlen in Europa steht für Gallagher fest: „Unternehmen, die ihre Umsätze weltweit erwirtschaften und sowohl von positiven technologischen Umwälzungen als auch vom Wachstum des E-Commerce profitieren, bleiben attraktiv. Trotzdem ist eine hohe Selektivität unverzichtbar.“ Gallagher rät den Anlegern dazu, sehr genau auf die Bewertungen zu achten – zumal der europäische Markt aktuell leicht über dem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der letzten 30 Jahre notiere.

Bond-Proxies könnten an Attraktivität einbüßen

Sollte Donald Trump seine fiskalpolitische Agenda im kommenden Jahr wie angekündigt umsetzen, dürften höhere US-Inflationserwartungen die US-Notenbank dazu ermutigen, die kurzfristigen Zinsen heraufzusetzen. Dies hätte laut Gallagher weltweit steigende Kapitalkosten zur Folge. Anleihen würden die größten Verluste verzeichnen, doch auch an den Aktienmärkten würde dies nicht spurlos vorübergehen. „Wenn die weltweite Flut an billigem Geld abebbt, wird die Bewertungsprämie von Titeln, die ein geringes Wachstum und ‚anleihenähnliche‘ Merkmale aufweisen, am europäischen Markt sinken. Neben globalen Konsumgüterkonzernen werden auch Titel von börsennotierten Immobiliengesellschaften und ausgewählten Industrieunternehmen sowie der Großteil des Pharmasektors durch die höheren Zinssätze belastet werden. Die als gering wahrgenommenen Schwankungen der Gewinne all dieser Unternehmen stützen seit Langem die Bewertungen, die durch ihr Gewinnwachstumspotenzial nicht gerechtfertigt sind“, erklärt Gallagher. 

Hohe Nachfrage nach Konsum- und Luxusgütern in China ungebrochen

China dürfte diese geld- und fiskalpolitischen Impulse nochmals verstärken – unabhängig davon, inwieweit die angedachten US-Strafzölle tatsächlich eingeführt werden. Das Wachstumsziel von sechs Prozent habe positive Auswirkungen auf Rohstoffunternehmen in Europa, und auch der steigende Konsum kurbelt den Wachstumsmotor an. Die Stärkung des Binnenkonsums erscheint Gallagher neben dem Kampf gegen die Korruption eindeutig ein Ziel der chinesischen Regierung zu sein – und sei es nur, um weiter von den Einfuhrabgaben zu profitieren. „Strengere Zollkontrollen bei Reisenden, die aus Europa zurückkehren, sowie jüngste Vorstöße zur Senkung der Einfuhrabgaben für Produktkategorien wie Kosmetika werden die starke latente Nachfrage nach Konsum- und Luxusgütern der 300 Millionen Menschen umfassenden Mittelschicht in China weiterhin stützen. Unternehmen, die in den Aufbau einer physischen Präsenz in China investiert haben, dürften in allen Teilen ihres breiten Produktportfolios profitieren. Das umfasst Lederwaren, Schmuck, Wein und Spirituosen genauso wie Kosmetika und Reiseartikel“, sagt Gallagher.

Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden könnten Marktschwankungen auslösen

Ein „Extremrisiko“ stellt für Investment Director Gallagher vor allem die Präsidentschaftswahl in Frankreich im Mai 2017 dar: „Ein Sieg von Marine Le Pen würde das Euro-Projekt durch ein unerträgliches Maß an Unsicherheit belasten. Sollten die französischen Wähler hingegen die von Francois Fillon oder einem anderen reformwilligen Kandidaten vorgeschlagenen arbeitsmarktpolitischen Änderungen unterstützen, würde dies von den Märkten wahrscheinlich sehr positiv aufgenommen werden.“

Angesichts der Unsicherheit über die anstehenden Wahlgänge auch in Deutschland und den Niederlanden rät Gallagher Anlegern, dass sie bei Investments in europäische Aktien ein außergewöhnlich hohes Maß an Selektivität an den Tag legen sollten.  Der europäische Aktienmarkt bietet dem Experten zufolge eine Vielzahl von Möglichkeiten auch wenn die Anlageklasse selbstverständlich nicht frei von Herausforderungen ist. Bei einer umsichtigen Titelauswahl sind aber weiterhin attraktive Erträge möglich“, schließt Gallagher.

Kurshalten im Jahr des Feuer-Hahns

Gemäß der chinesischen Astrologie steht der Hahn dafür, stets den Überblick zu behalten und einen starken Charakter zu haben. Das Element Feuer bedeutet Stärke und soll symbolisieren, eigene Überzeugungen nachdrücklich zu vertreten. Eric C. Moffat, Manager des Asia Opportunities Fund von T. Rowe Price, erklärt was das morgen beginnende chinesische Neuhjahr – das Jahr des Feuer-Hans – für Investoren mit sich bringen könnte.

„Aus makroökonomischer Sicht hat sich China wieder stabilisiert. Das zeigen die neusten Wirtschaftsdaten der zweitgrößten Ökonomie der Welt. Wir sind jedoch weiterhin der Meinung, dass China mittel- bis langfristig deutlich mehr strukturelle Reformen benötigt, um ein qualitativ hochwertiges und langsameres Wachstum zu erreichen. Im letzten Jahr sorgte die Immobilien- und Infrastrukturentwicklung, die von wirtschaftlichen Stimuli angetrieben wurde, für ein stärkeres Wachstum. Obwohl diese Aktivitäten auch im kommenden Jahr positiv für das Wachstum sein dürften, mehren sich auch Bedenken hinsichtlich eines Anstiegs der Schulden. Investoren sollten sich deshalb auf zahlreiche Störfaktoren einstellen, vor allem im Hinblick auf den Abbau ausländischer Devisenreserven, einen überhitzten Immobilienmarkt und Chinas Verhältnis zum neuen US-Präsidenten Donald Trump. Auch den Ende des Jahres anstehenden Kongress der kommunistischen Partei Chinas sollten Investoren auf dem Zettel haben. Dieser Kreis aus Angst und Hoffnung ist mit Blick auf China allerdings nichts Neues. Chinas Transformation zu einer konsum- und dienstleistungsbasierten Volkswirtschaft sorgt auch im neuen Jahr für attraktive Möglichkeiten im Bereich der Wachstumstitel.“

US Dollar Downside

The US Dollar is on a downward trend that has gathered momentum and has room to run. Speculative futures positioning remains elevated and weak payrolls next week could catalyse an unwind. The EUR and GBP look most likely to benefit from further moves lower in the US Dollar, says ETF Securities in their weekly Investment Insight.

Talked lower

Next Friday, 2017’s first US nonfarm payroll report will be released and could determine the near term fate of the US Dollar. The widely monitored DXY dollar basket has moved 2.9% lower over the month, retracing a portion of the sharp 7.1% rally experienced in the fourth quarter of last year. A strong payroll figure could re-ignite rate hike expectations and put the US Federal Reserve’s (Fed) March meeting back into play (rate hike currently priced at around 20%*), while a weak slate could confirm predictions that the Fed will adopt a more dovish stance than is currently being suggested. We believe it is likely that the US Dollar has further room to run lower in the coming months as the Fed remains on the side-lines (i.e. does not hike rates in March) and extended speculative positioning unwinds. This is most likely to be witnessed against the GBP and EUR, as the JPY has already experienced a considerable correction and oil-related currencies remain subject to supply concerns.

Rhetoric from Trump’s administration, specifically him and his Treasury secretary nominee, Steven Mnuchin, also has potential to weigh on the US Dollar from a sentiment perspective. Both figures have emphasised the detrimental effect of an “excessively strong US Dollar” on the wider American economy and further comments could add to bearish momentum currently surrounding the currency.

Overstretched and overdone

Speculative futures positioning data suggests that net long US Dollar positions have moderated somewhat in recent weeks. However, gross long US Dollar positions remain considerably elevated and short positing near record lows (see Figure 1), so further correction potential remains. Technically speaking, while momentum indicators turned lower for the US Dollar at the start of the year, they remain on an established downward trend and some way from bottoming. The EUR/USD is trading near its 38.2% Fibonacci retracement at 1.07, and any break could see it head towards its 100 daily moving average (DMA) of 1.082. Meanwhile, the GBP/USD recently broke through its 50 DMA and has potential to head towards its own 38.2% Fibonacci retracement at 1.28.

Das Jahr des Feuer-Hahns in China bietet Chancen für Anleger

von Wolfgang Fickus, Mitglied des Investmentkomitees, Comgest.

In diesen Tagen begehen Chinesen in aller Welt ihr Neujahrsfest. Die traditionellen Bräuche sollen Glück und Wohlstand im neuen Jahr sicherstellen. Wirtschaftlich zumindest waren die Götter in den letzten Jahren gnädig: China, bisher in der westlichen Wahrnehmung „die verlängerte Werkbank der Welt“, vollzieht derzeit einen rasanten Wandel.

Der Inlandskonsum des Landes wächst, getragen von der steigenden Nachfrage an Waren und Dienstleistungen einer immer breiter werdenden Mittelschicht. Dafür stehen Unternehmen wie Kweichow Moutai, dank der Premiummarke gleichen Namens Marktführer für hochwertige Spirituosen, China Life, führender Anbieter für Lebensversicherungen oder Netease, ein führender Anbieter für Onlinespiele in China.

Das Internet ist in China die dominierende Marketingplattform – schon heute werden hier 20 Prozent des weltweiten Umsatzes für mobile Digitalwerbung erzielt. Chinesische Internetunternehmen wie Tencent oder Baidu etwa gehören laut dem MIT Technologie Ranking zu den innovativsten Unternehmen der Welt.

Wir glauben vor diesem Hintergrund, dass sich der ökonomische Wandel in China fortsetzen wird – mit entsprechenden Chancen durch die rasante Marktöffnung des chinesischen Aktienmarkt. Dank der Stock- Connect-Programme der lokalen Börsen Schanghai, Shenzen mit Hongkong haben Investoren erstmals direkten Zugang zu 1.447 chinesischen A-Aktien. Die Börsen Schanghai und Shenzen verzeichneten 2016 rund 22 Prozent der weltweiten Börsenumsätze in Aktien — aber nur ein Prozent der chinesischen Marktkapitalisierung befindet sich derzeit in ausländischer Hand. Im Leben eines Schwellenland-Fondsmanagers ist dies eine einmalige Gelegenheit.

Kann der Optimismus nach den Wahlen von Dauer sein?

In den Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen, mehr aber noch in den Tagen direkt danach, sahen die Investoren die US-Wirtschaft und den amerikanischen Aktienmarkt wieder optimistischer. Die Hoffnung auf eine expansive Fiskalpolitik durch niedrigere Unternehmens- und Einkommensteuern, höhere Infrastrukturausgaben und eine weniger strenge Regulierung nach dem Amtsantritt von Donald Trump ließen Aktien auf Rekordhochs steigen und sorgten für höhere US-Staatsanleiherenditen.

Nach den Wahlen lagen nicht mehr defensive Aktien wie Versorgerwerte und REITs vorn, sondern risikoreichere, zyklische Finanz- und Grundstoffaktienwerte, die hinter dem Markt zurückgeblieben waren. Offensichtlich gingen die Investoren von einem höheren US-Wirtschaftswachstum aus. Die Erwartung einer steigenden US-Inflation sorgte unterdessen für höhere Staatsanleiherenditen, und die Hoffnung auf Steuererleichterungen für repatriierte Auslandsgewinne amerikanischer Unternehmen trug zum Rückgang der Unternehmensanleihespreads bei.

Nach den Wahlen reagierten die Märkte geradezu euphorisch. Angesichts der Wirtschaftslage – und der schon sehr langen Dauer des derzeitigen Konjunkturzyklus – muss man sich aber fragen, ob dies nachhaltig sein kann. Zurzeit ist man an den Märkten sehr davon überzeugt, dass die neue Regierung das Wachstum fördert und die Wirtschaft voranbringt, auch wenn die Einzelheiten von Trumps Plänen noch weitgehend im Dunkeln liegen. Es kann daher leicht zu Enttäuschungen kommen. Die positiven Aspekte von Trumps Politik sind in den Kursen vielleicht schon enthalten, die negativen, wachstumsdämpfenden, hingegen nicht.

Im Folgenden untersuchen wir mögliche Fallstricke, die Investoren vielleicht übersehen, und die Nachhaltigkeit der Kursrallye. Die aktuelle Ausgabe „Märkte Aktuell“ von MFS Investment Management finden Sie links als PDF. Sie beleuchtet:

  • Auf die US-Wahlen reagierten die Märkte zunächst euphorisch. Aufgrund der Wirtschaftslage muss man aber an der Nachhaltigkeit zweifeln.
  • Der US-Dollar, höhere Zinsen und teureres Öl schaden den Unternehmensgewinnen. Interessant wird auch die Reaktion der Fed sein, wenn Trumps Wirtschaftspolitik klarer wird.
  • Die Marktteilnehmer haben vor allem die positiven Aspekte von Trumps recht allgemein gehaltenen Vorschlägen registriert – wie Steuersenkungen und Deregulierung. Die möglichen Probleme durch andere Ideen – wie eine massive Einschränkung der Einwanderung und des Welthandels – wurden ignoriert. Enttäuschungen sind vorprogrammiert.

Pound will remain supported in the near-term

by Martin Arnold, Director - FX & Macro Strategist bei ETF Securities.

We expect the Pound will remain supported in the near-term, as negotiations begin and investors gain an understanding of the underlying issues and the timeframe for the exit process. A 'hard Brexit' is not our favoured scenario, but Sterling is likely to remain volatile and range bound in trading in 2017, as details of the Government's negotiations with the EU trickle through to the public. Although range bound, investors will have plenty of opportunity to get exposure to the Pound, as it is likely to be a wide range - from 1.21-1.27 against the US Dollar.

The Supreme Court has upheld the High Court's decision that requires the UK Parliament to vote to trigger Article 50 in order to invoke the two-year negotiation timeline to exit the EU. Brexit is still likely to happen, but is likely to be delayed by a government debate on whether and when to trigger it.

Today's Supreme Court decision was widely anticipated, with GBP rebounding in recent days from its post-EU Referendum lows. UK Prime Minister May appears to have been resigned to the fact that the UK Parliament would have some say in the Brexit outcome, after last week indicating that lawmakers would vote on the final Brexit framework. However, the Supreme court decision is another blow to the PM, who has taken a hard line in trying to implement what she terms 'the will of the people'.

The free movement of people and EU budget contributions were both critical determinants for the UK voters in deciding to leave the EU. Although these will remain two of the main goals for the Conservatives, it remains to be seen who the UK Government will be negotiating with, with many elections on the continent over the next two years. Indeed, the Socialists have lost the EU Parliament Presidency which could potentially split the Parliament and make any Brexit negotiations with the UK more messy and acrimonious.

We expect the Pound will remain supported in the near-term, as negotiations begin and investors gain an understanding of the underlying issues and the timeframe for the exit process. A 'hard Brexit' is not our favoured scenario, but Sterling is likely to remain volatile and range bound in trading in 2017, as details of the Government's negotiations with the EU trickle through to the public. Although range bound, investors will have plenty of opportunity to get exposure to the Pound, as it is likely to be a wide range - from 1.21-1.27 against the US Dollar.

Bei europäischen Hochzinsanleihen ist Selektivität essenziell

Der Markt für europäische Hochzinsanleihen ist momentan robust, doch das unsichere politische Umfeld könnte künftig für erhöhte Volatilität sorgen. Daher sollten Investoren im Jahr 2017 verstärkt auf Anleihenselektion setzen, sagt Mike Della Vedova, Portfoliomanager der European High Yield Bond Strategie von T. Rowe Price. „Politik und Geldpolitik könnten den eigentlich robusten Markt für europäische Hochzinsanleihen aus dem Tritt bringen. Wir denken daher, dass eine kluge Anleihenselektion 2017 die wichtigste Quelle absoluter und relativer Erträge sein wird“, erklärt er. Die technischen Faktoren seien gut, und auch die Europäische Zentralbank (EZB) sorge derzeit für Unterstützung. Allerdings könnten die Wahlen in Europa, die Brexit-Verhandlungen und die Entwicklung in China die Marktteilnehmer im Jahresverlauf verunsichern. „Zudem haben die Märkte einen Erfolg der Politik Donald Trumps eingepreist. Wir beobachten daher genau, wie die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen vonstattengeht“, so Della Vedova.

Niedrige Ausfallquoten, stabiles Emissionsvolumen

Der Anleihe-Experte rechnet im laufenden Jahr mit weiterhin niedrigen Ausfallquoten, während das Volumen der Neuemissionen gegenüber 2016 nur wenig abfallen könnte. „Der Markt dürfte in diesen Wochen so richtig in das neue Jahr starten. Investoren sollten das Emissionsgeschehen nun genau beobachten, denn das hochqualitative BB-Segment, das den Anfang macht, wird die Richtung für die anderen Segmente des Marktes weisen“, erläutert Della Vedova. Dabei komme es auch auf das Timing an. Das gelte aufgrund der bald beginnenden Brexit-Verhandlungen insbesondere bei Emittenten aus dem Vereinigten Königreich.

Ob die Kapitalflüsse im Markt für Unterstützung sorgen oder nicht, sei vor allem von der Geldpolitik abhängig. Zwar habe der Wahlsieg Donald Trumps für eine Rotation von Anlagekapital aus den Anleihe- in die Aktienmärkte gesorgt. „Das High-Yield-Segment hat sich jedoch bislang gut gehalten, denn viele Marktteilnehmer erwarten, dass die Wachstumspolitik auch für eine Verlängerung des Kreditzyklus sorgen könnte“, beobachtet Della Vedova. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn die US-Notenbank Fed den Rhythmus zukünftiger Zinsschritte weiter verschärfe. Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen sorge vorerst weiter für ein unterstützendes Umfeld in Europa. Die lockere Geldpolitik sei jedoch an die Belebung der Inflation gekoppelt. „Anleger sollten daher ein Auge auf die Inflationsentwicklung in der Eurozone haben“, so der Experte. 

Politik sorgt für Risiken und Chancen

Die größten Risiken seien derzeit die anstehenden Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden sowie der Verlauf der Brexit-Verhandlungen. Zudem blieben Kapitalabflüsse aus China wie schon 2016 ein wichtiger Einflussfaktor. „Jede dieser Entwicklungen könnte für Volatilität und eine größere Risikoaversion an den Märkten sorgen – und die europäischen High-Yield-Märkte reagieren für gewöhnlich sehr sensibel auf Veränderungen des Marktsentiments“, gibt Della Vedova zu bedenken.

Mögliche Unterstützung für die europäischen Märkte könnte dagegen aus den USA kommen. Denn derzeit sei ein Erfolg der Politik des neuen US-Präsidenten eingepreist. „Die Märkte glauben an Donald Trump und bevorzugen US-amerikanische Anleihen. Allerdings ist noch nicht klar, in welchem Maße, in welcher Geschwindigkeit und mit welchem Erfolg die Ankündigungen auch in die Tat umgesetzt werden – und davon könnte abhängen, welche Region 2017 die Nase vorne hat“, erklärt Della Vedova.

Preissteigerungen und Zentralbankpolitik – 2017 bietet Aussicht auf Veränderungen am Fixed-Income-Markt

Das vergangene Investmentjahr stand im Zeichen einer ganzen Reihe unerwarteter Ereignisse. Auch das noch junge Jahr 2017 wird Überraschungen bieten, doch einige Veränderungen zeichnen sich bereits jetzt ab. Tim Haywood, Investment Director im Bereich Fixed Income bei GAM, erläutert einzelne Entwicklungen, die das Jahr prägen dürften.

„Wir gehen davon aus, dass eine ‚Belebung‘ des Preisniveaus bevorsteht. Am wahrscheinlichsten ist, dass mehrere geringfügige Erhöhungen zusammengenommen zu einem moderaten Preisanstieg beitragen, sich aber kein langfristig anhaltendes Inflationsumfeld bildet“, prognostiziert Haywood. Das führt der GAM-Experte auf verschiedene Faktoren zurück. Erstens deuteten die jüngsten Konjunkturdaten auf einen allmählichen Anstieg der Preise hin, insbesondere in den USA, wo unter anderem die steigenden Wohnungs- und Treibstoffkosten im November zum vierten Mal hintereinander die monatliche Inflation steigen ließen. „Wenn wir jedoch über die volatilen Komponenten Lebensmittel und Energie hinausblicken, zieht die Inflation im Dienstleistungssektor bereits seit über zwölf Monaten an. Am deutlichsten zeigt sich dies im Gesundheitssektor, wo Pflegedienstleistungen nicht einfach ins Ausland ausgelagert werden können.“

Falls der neue US-Präsident Donald Trump seine Pläne zur Begrenzung der Wettbewerbsfähigkeit im Ausland produzierter Güter in den USA in die Tat umsetzt, würde das die Preise ebenfalls in die Höhe treiben. Auf der anderen Seite des Atlantiks sei besonders Großbritannien anfällig für einen Inflationsschock aufgrund der Währungsschwäche, obwohl sich die Binnenwirtschaft seit dem Brexit-Referendum als überraschend widerstandsfähig erwiesen habe.

Nominalanleihen könnten gegenwärtig eine interessante Anlageoption sein

Traditionell haben die Ölpreise einen starken Einfluss auf Inflation und Inflationsprognosen. Allerdings ist es Haywood zufolge unrealistisch, dass der Barrel-Preis signifikant ansteigt – selbst nach den jüngsten Fördermengenkürzungen der OPEC-Mitglieder. Denn in den ersten Tagen des Jahres 2017 habe sich der Preis pro Barrel Brent-Rohöl um die 57 US-Dollar bewegt – eine drastische Erholung im Vergleich zum Tiefststand des Jahres 2016 von 27,88 US-Dollar. Dieser starke Anstieg dürfte jedoch geringere Auswirkungen auf die Inflationsdaten haben, da der Basiseffekt allmählich wegfalle.

„Unserer Meinung nach signalisiert keiner dieser Faktoren, weder einzeln noch in der Kombination, ein Umfeld mit anhaltend erhöhter Inflation: Die Risiken sind nuancierter. Es handelt sich um eine Reduzierung des Angebots, nicht etwa darum, dass die Nachfrage nicht gedeckt wird. Die Fördermengenkürzungen der OPEC sind ein perfektes Beispiel dafür“, so Haywood. Die mäßigen Zahlen für den Welthandel untermauerten diese Einschätzung zusätzlich. Das Lohnwachstum sei ebenfalls immer noch moderat. Es stellt sich die Frage, wie Anleger in dieser Situation profitieren können: „Da inflationsgebundene Anleihen unattraktive Realzinsen bieten, aber sehr sensibel auf die Zinssätze reagieren, sind Short-Positionen in Nominalanleihen die attraktivere Option“, schlussfolgert Haywood.

Wirksamkeit der Zentralbankpolitik unter der Lupe

Neben Preissteigerungen ist laut Haywood die Geldpolitik ein entscheidender Einflussfaktor am Fixed-Income-Horizont: „Die geldpolitischen Maßnahmen werden zunehmend hinterfragt und der Druck auf Regierungen, alternative Strategien anzubieten, nimmt zu. In den USA werden die Gründe für einen Aufschub der Normalisierung immer weniger und schwächer. Das gilt auch für die Zahl der Gegner eines solchen Richtungswechsels“, sagt Haywood. Während die Entscheidung der US-Notenbank zur Anhebung der Zinssätze im Dezember als sichere Sache angesehen worden sei, wäre es nun durchaus möglich, dass es im laufenden Jahr mehr als die beiden Zinserhöhungen geben werde, die der Markt derzeit eingepreist habe.

„In Europa deutet die von der Europäischen Zentralbank beschlossene ‚Drosselung‘ unter einem anderen Namen – de facto also gleicher Betrag, verteilt auf einen längeren Zeitraum – auf Spannungen im Zentralbankrat hin“, meint der Experte. Dies ließe die Staatsanleiherenditen kurz steigen, obwohl der Markt offenbar auf das Versprechen des EZB-Präsidenten Mario Draghi von 2012 vertraut, alles Notwendige zu tun. „Ohne die Zentralbankkäufe könnten die Renditen von Kernanleihen am langen Ende der Kurve unserer Meinung nach potenziell um etwa 50 Basispunkte steigen, um dem Anstieg der Inflation, der positiven Wachstumsdynamik und der signifikanten Veränderung der offiziellen Angebots- und Nachfragedynamik Rechnung zu tragen.“ In Japan könnte die Unsicherheit nach den US-Wahlen den Wert des Yen noch weiter in die Höhe treiben. Dies wäre schlecht für die Exporte und die Inflation Japans. Damit werde die Möglichkeit, dass die japanischen Konsumenten mit Helikoptergeld überschüttet werden, zu einer realistischeren Sorge, betont Haywood.

Schwellenländer wieder im Aufwind

Das Tempo der Verkaufswelle zum Jahresende habe Anlass zur Reduzierung von Short-Strategien in den Industrieländern gegeben, da die Märkte der Schwellenländer jetzt ein attraktiveres Ziel für Anlagen zu sein scheinen. Sie böten weiterhin gute Chancen zur Wertentwicklung. Hier fasst GAM-Experte Haywood vor allem Brasilien und Mexiko ins Auge. „Mexiko, wo der Markt derzeit nach allen Maßstäben billig ist, sollte man auf der Rechnung haben, wenn sich zeigt, wie sich die US-Politik entwickelt.“

An den Devisenmärkten sei die Volatilität nach wie vor erhöht und die Anleger dürfen Haywoods Meinung nach das Risiko eines starken US-Dollar nicht außer Acht lassen. „Auf die Anleihemärkte der Industrieländer kommen zahlreiche Belastungen zu, darunter fallen Zinserhöhungen statt -senkungen, eine geringere quantitative Lockerung, ein höheres Emissionsvolumen und ein Inflationsimpuls, insbesondere in Ländern mit schwächeren Währungen. Dagegen scheinen die Herausforderungen für die Schwellenmärkte gut durch ihre positiven Fundamentaldaten aufgewogen zu werden“, analysiert Haywood.

Der Trump-Effekt steht auf dünnem Eis

Die Börsen scheinen sich gerade in einer paradoxen Geisteshaltung zu befinden. Auf der einen Seite herrscht Unsicherheit über die Frage, wohin der neue US-Präsident Trump die nominal größte Volkswirtschaft der Welt steuern wird. Steht mit dem Motto „America first“ wirklich die Rückkehr des Protektionismus an? Auf der anderen Seite ist das aktuelle konjunkturelle Umfeld positiv. Die Zentralbanken weltweit inkl. der US-Notenbank Fed scheuen zu große Eingriffe in die Märkte, sämtliche (Börsen-)Frühindikatoren zeigen nach oben und die Gewinne der US-Firmen steigen. Zudem begrüßen viele Börsianer Trumps Pläne für fiskalische Maßnahmen. Was ist also in den kommenden Monaten von der größten Volkswirtschaft der Welt und der Wall Street zu erwarten?

Trump wird Ergebnisse frühestens 2018 liefern können

So mancher Augur lässt sich aktuell hinreißen, die Amtseinführung der Trump-Administration mit dem Startschuss für einen Konjunkturboom in den USA sowie einem damit verbundenen Anziehen der Aktienmärkte gleichzusetzen. Schließlich kündigte der neue US-Präsident im Wahlkampf massive Ausweitungen der Staatsausgaben zugunsten der maroden Infrastruktur an. Allerdings ist die Lage bei genauerem Hinsehen diffiziler: Trotz der zuletzt überwiegend guten Konjunkturindikatoren lassen die jüngsten Steigerungen der Hypothekenzinsen sowie der festere Dollar, der Gegenwind für die Exportzahlen darstellt, für das Jahr 2017 eine Konjunkturberuhigung erwarten. Sollten die angekündigten Investitionen tatsächlich vorgenommen werden, dürfte dieser Stimulus wahrscheinlich erst in 2018 wirken. Derartige staatliche Maßnahmen müssen lange Zeit im Voraus geplant werden und auch die Umsetzung dürfte angesichts niedriger Arbeitslosenzahlen im Bausektor und Fachkräftemangel schwer sein. Selbst wenn künftig die angekündigten rund 100 Mrd. US-Dollar in die Infrastruktur investiert werden, entspräche dies letztlich nur 0,5% des gesamten US-Bruttosozialprodukts.

Verschuldung ist ein entscheidender Faktor bei Konjunkturentwicklung

Ein entscheidender Grund für die aktuelle Unsicherheit ist die Verschuldung in den Vereinigten Staaten. Grundsätzlich gilt: Je stärker eine Volkswirtschaft verschuldet ist, desto mehr wirken sich Zinssteigerungen konjunkturbremsend aus. Da die US-Staatsverschuldung in Wirklichkeit wesentlich höher ist als die offiziell ausgewiesenen 108% – de facto liegt diese bei 140% – könnten Zinssteigerungen in diesem Jahr für wenig erfreuliche Konjunkturmeldungen sorgen. Rechnet man die Schulden der US-Unternehmen und Verbraucher hinzu, so verdoppelt sich diese Zahl noch einmal. Vor diesem Hintergrund liegt Trump in seiner Annahme falsch, wonach die US-Notenbank Fed die Zinsen bisher zu niedrig gehalten hätte.

Für 2017 wurden von der Fed nun drei Zinserhöhungen angekündigt. Hintergrund ist ein möglicher Inflationsanstieg und ein Gegensteuern bei höherem Staatsdefizit durch Infrastrukturprogramme sowie Steuersenkungen für Firmen und reiche US-Privatpersonen. Ob es aber in diesem Jahr tatsächlich zu einem US-Konjunkturboom und dabei höheren Inflationsraten mit einer Notenbank-Bremsung in der Folge kommen wird, ist fraglich. Wahrscheinlicher ist, dass die konjunkturellen Bäume in den USA nicht in den Himmel wachsen und sogar hinter Europa zurückbleiben. Der Trump-Effekt könnte ab 2018 wirken, steht aber auf dünnem Eis.

Aktienrückkäufe erneut dominierender Nachfragefaktor an der Wall Street

Die große Frage ist, wie viele seiner Ankündigungen der neue Präsident wahr machen wird oder nicht. Historisch gesehen "vergessen" die Präsidenten die Hälfte ihrer Versprechungen. Positiv für die Wall Street wäre ein Rückholprozess der in Steueroasen liegenden Unternehmens-Billionen in die USA. Diese würden weniger für Investitionen, sondern eher für Aktienrückkäufe eingesetzt werden. Der Grund: Auf diese Weise lassen sich Gewinnwachstumsziele schnell erreichen, was für viele CEOs eine große Motivation darstellen dürfte. Investitionen sollten zwar nach der Zurückhaltung der vergangenen Jahre auch auf dem Plan stehen. Allerdings ist fraglich, ob Unternehmen in einem reifen Konjunkturzyklus noch stark investieren. 
Die Aktienrückkäufe erklären auch die bessere Entwicklung des US-Marktes in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Börsen. Die Nachfrage nach Aktien wurde künstlich gesteigert, wodurch sich eine rechnerische Erhöhung des Gewinns pro Aktie durch Vernichtung aufgekaufter Aktien ergab. Beides führte zu Kurssteigerungen. Sollte in den USA der Trump-Versuch zur Wirtschaftsbelebung durch mehr Staatsschulden misslingen, z.B. weil steigende Zinsen den Aufschwung abwürgen, so kann es im Verlauf des zweiten Halbjahres zu einer anderen Situation kommen. Bei dann wieder aufkommenden Konjunkturbedenken könnten sich die vorgenommenen Zinserhöhungen als Fehler herausstellen.

Unsere Allokation: USA untergewichten und Europa übergewichten

Der Jahresstart an den Börsen weltweit war durchaus vielversprechend. Das Jahr 2017 hat gute Chancen, diesen freundlichen Start weiterzuschreiben. Wir bleiben bei unserer grundsätzlichen Einschätzung und haben US-Aktien zugunsten von Werten aus der Eurozone untergewichtet. Die Bewertungsniveaus haben in der Breite in Europa mehr Luft nach oben, während der US-Markt hier weniger Spielraum hat. Dennoch gefallen uns Aktien starker, solider US-Firmen mit stabilen Geschäftsmodellen. Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass im aktuellen Umfeld die Wahrscheinlichkeit von Konsolidierungen im Markt hoch ist. Als Puffer können kurzlaufende US-Staatsanleihen sowie ausgewählte Unternehmensanleihen von US-Firmen mit starkem Free-Cash-Flow und hoher Stabilität bei konjunkturellen Schwankungen als Beimischung eine Option sein.

Über die Dr. Jens Ehrhardt Gruppe
Die DJE Kapital AG ist seit über 40 Jahren als unabhängige Vermögensverwaltung am Kapitalmarkt aktiv. Das Unternehmen aus Pullach bei München verwaltet mit ca. 100 Mitarbeitern (davon rund 20 Fondsmanager und Analysten) aktuell rund 11 Milliarden Euro (Stand: 31.12.2016) in den Bereichen individuelle Vermögensverwaltung, institutionelles Asset Management sowie Publikumsfonds. Vorstandsvorsitzender ist Dr. Jens Ehrhardt, sein Stellvertreter Dr. Jan Ehrhardt. Kern des Anlageprozesses und aller Investmententscheidungen ist die FMM-Methode (fundamental, monetär, markttechnisch), welche auf dem hauseigenen, unabhängigen Research basiert. Der Anspruch der DJE Kapital AG ist, ihren Kunden weitsichtige Kapitalmarktexpertise in allen Marktphasen zu bieten.

Gold und US-Dollar wieder in der Gunst der Anleger

Gold verzeichnet in der vierten Woche in Folge Zuflüsse, diesmal im größten Umfang seit 16 Wochen. Bei Schwellenmarktanleihen kam es zu den höchsten Zuflüssen seit acht Wochen. Bei Short-JPY-ETPs erreichten die Gewinnmitnahmen den höchsten Stand seit April 2016. Landwirtschaftsrohstoffe verzeichneten mit 13,5 Mio. USD die höchsten Zuflüsse seit sechs Wochen, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Den vollständigen Überblick mit Charts finden Sie links als PDF.

Gold verzeichnet in der vierten Woche in Folge Zuflüsse, diesmal im größten Umfang seit 16 Wochen. In Long-Gold-ETPs (A0LP78) flossen 65,4 Mio. USD. Das sind die höchsten Zuflüsse im gesamten Rohstoffbereich, da die Rally des US-Dollar etwas ins Stocken kam und die US-Inflation zum ersten Mal seit 2014 die Marke von 2 Prozent durchbrach. Ausschlaggebend für die Entwicklung von Gold sind in den kommenden Monaten – insbesondere zu Beginn der Ausgabenpolitik der Trump-Präsidentschaft – die Inflation und die Möglichkeiten der Fed, mit ihr umzugehen. Die Preise könnten sich in den nächsten Monaten der 3 Prozent-Marke bedrohlich nähern, und wenn die Fed die Zinsen nicht anhebt, werden die fallenden Realzinsen Gold stärken. „Trotzdem steckt bei Präsident Trumps Wachstumspolitik der Teufel im Detail. Ob die Auswirkungen 2017 oder – unseren Erwartungen zufolge – eher erst 2018 spürbar sind, könnte die Zugewinne von Gold beschränken“, sagte Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Bei Schwellenmarktanleihen kam es zu den höchsten Zuflüssen seit acht Wochen. Schwellenmarktanleihe-ETPs verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse in Höhe von 22 Mio. USD, da Anleger weiterhin im Schwellenmarktbereich nach höheren Renditen suchten. „Bei den höher rentierlichen Schwellenmarktanleihe-ETPs kam es nun in der dritten Woche in Folge zu Zuflüssen“, sagte Hein.

Bei Short-JPY-ETPs erreichten die Gewinnmitnahmen den höchsten Stand seit April 2016. Anleger reduzierten ihre Positionen in US-Dollar gegenüber dem Yen zum zwölften Mal hintereinander, da der deutliche Rückgang der japanischen Währung sein Momentum zu verlieren scheint. „Die widersprüchlichen Äußerungen der neugewählten US-Entscheidungsträger zwangen den Dollar, in den zurückliegenden Wochen gegenüber dem Yen volatil in einer Spanne zu pendeln, wobei die Abflüsse aus ETPs, mit denen man sich in Yen gegenüber Dollar short positionieren kann, in der vergangenen Woche 13,8 Mio. USD betrugen“, sagte Hein.

Die Rekordzuflüsse in Wetten gegen Rohstoffwährungen beliefen sich auf 7,4 Mio. USD. Aufgrund der restriktiven Bemerkungen der Fed-Vorsitzenden Yellen und der Bedenken, dass die Politik des neuen Präsidenten Trump eine Konjunkturverlangsamung in China verschärfen könnte, gingen die Anleger Rekordpositionen in US-Dollar ein, auf deren Gegenseite ein Korb von Rohstoffwährungen stand (australischer Dollar, norwegische Krone, kanadischer Dollar und Neuseeland-Dollar). „Dieser Position kommt zugute, dass die Ölpreise am oberen Ende ihrer jüngsten Spanne verharren, denn aufgrund der zunehmenden US-Produktion bleiben die Abwärtsrisiken hoch“, sagte Hein.

Agrarrohstoffe verzeichneten mit 18,3 Mio. USD die höchsten Zuflüsse seit sechs Wochen, die sich auf diversifizierte Körbe (21 Prozent), Weizen (22 Prozent) und Kakao (49 Prozent) verteilten. Der Trend hin zu diversifizierten Anlagen beschränkt sich nicht auf Landwirtschaft: Auch in den Sektoren Energie, Industriemetalle und Lebendvieh flossen im vergangenen Monat die meisten Gelder in diversifizierte Rohstoffkorb-ETPs. „Bei Kakao scheinen die Schnäppchenjäger die treibende Kraft zu sein, da er im vorigen Jahr von allen Agrarrohstoffen am schlechtesten abschnitt und im vergangenen Monat als einziger negativ rentierte“, sagte Hein.

Europäische Immobilieninvestoren richten sich auf verlängerten Marktzyklus ein

Niedrige Zinsen, niedrige Renditen: In den Immobilienstrategien der europäischen Investoren kristallisiert sich bei der Frage, wie lange die aktuelle Marktphase noch andauern könnte, eine klare Antwort heraus. Die professionellen Immobilienanleger richten sich mehrheitlich auf einen um weitere ein bis zwei Jahre anhaltenden Marktzyklus ein, in dem die grundlegenden Bedingungen fortbestehen. Entsprechend gestiegen ist die grundsätzliche Bereitschaft der Investoren, für diese Phase Abstriche bei der Verzinsung von Immobilienanlagen zu akzeptieren. Im Investmentjahr 2017 gilt stärker denn je die Losung, zusätzliche Risiken zu umgehen und erfolgreiche Immobilienstrategien zu entwickeln, die der Erwartung „lower for longer“ Rechnung tragen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle, im halbjährlichen Turnus durchgeführte Immobilien-Investitionsklimastudie von Union Investment, für die diesmal 175 Immobilien-Investoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien repräsentativ befragt wurden.

In allen drei Befragungsregionen zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Fortsetzung des aktuellen Immobilienmarktzyklus für die nächsten ein bis zwei Jahre ist für fast jeden zweiten befragten Anlageprofi, unabhängig ob in Berlin, London oder Paris, eine ausgemachte Angelegenheit. Insgesamt 27 Prozent der Befragten erwarten sogar, dass der bereits seit acht Jahren bestehende Marktzyklus für weitere drei Jahre in die Verlängerung gehen wird. 38 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass der aktuelle Immobilienmarktzyklus zumindest auch noch im Jahr 2018 anhalten wird. Dabei richten die Immobilieninvestoren angesichts der gestiegenen makroökonomischen und geopolitischen Unsicherheiten ihre Anlagestrategie noch stärker als im Vorjahr auf „geringere Renditen bei gleichem Risiko“ aus: Der Anteil derjenigen, die ihre Risikostruktur beibehalten und dafür bei den selbst gesetzten oder vom Kunden vorgegebenen Renditezielen Abstriche in Kauf zu nehmen bereit sind, ist von 56 Prozent bei der letzten Befragung im Sommer 2016 auf jetzt 64 Prozent gestiegen. Entsprechend ist der Anteil der Unternehmen, die sich bereit zeigen, explizit höhere Risiken einzugehen, um zum Beispiel die Belastung aus sinkenden Ankaufsrenditen zu kompensieren, von vorher 35 Prozent auf jetzt nur noch 30 Prozent gesunken.

Spiegelbildlich passt hierzu die Erwartung von mehr als der Hälfte der Investoren, dass man die gesteckten Renditeziele in den nächsten drei Jahren nicht erreichen wird. „Die Suche nach der richtigen Balance wird auch 2017 das Investmentgeschehen in Europa prägen. Die hohe Kapitalverfügbarkeit erfordert es, dass risikoaverse Investoren einerseits die Marktbearbeitung in ihren europäischen Kernmärkten massiv verstärken, sich aber andererseits auch Renditepotenziale in Opportunitätsmärkten erschließen. Das dürfte dazu führen, dass 2017 das Transaktionsvolumen in den CEE-Märkten aber auch in der südlichen europäischen Peripherie signifikant steigen wird“, sagt Olaf Janßen, Leiter Immobilienresearch bei der Union Investment Real Estate GmbH, Hamburg. Wie die Union Investment-Studie zeigt, ist eine verstärkte Allokation der Immobilienanlagen außerhalb Europas nur für einen verschwindend geringen Anteil der Investoren eine Ausweichoption. Investitionen in Europa zugunsten außereuropäischer Märkte zurückzufahren, beabsichtigen gerade einmal 6 Prozent der befragten Immobilienprofis.

Unterschiedliche Erwartungen bezüglich der Brexit-Auswirkungen

Die grundsätzlich positive Erwartung der Investoren an die europäischen Gewerbeimmobilienmärkte wird vielfach in der Studie deutlich. So rechnen 35 Prozent der Befragten für das laufende Investmentjahr mit einem steigenden Transaktionsvolumen in Europa, weitere 45 Prozent erwarten ein Transaktionsvolumen auf dem Niveau des Vorjahres. Die Beurteilung der Investitionsrahmenbedingungen fällt in den drei Befragungsregionen jedoch so uneinheitlich aus wie lange nicht mehr.

Aus Sicht der französischen Investoren zeigt sich ihr Heimatmarkt heute deutlich besser aufgestellt als noch 2016. Gut ein Drittel der Investoren sieht für die französischen Büroimmobilienmärkte wie auch für den Einzelhandelssektor in den kommenden zwölf Monaten ein verbessertes bzw. deutlich verbessertes Investitionsklima. Jeder zweite geht von gleichbleibenden Rahmenbedingungen aus. Demgegenüber fällt die Beurteilung des Investitionsklimas in Großbritannien durch die lokalen Akteure deutlich skeptischer aus. Jeder zweite britische Studienteilnehmer erwartet für 2017 eine zum Teil deutliche Verschlechterung des Klimas für Immobilieninvestitionen auf der Insel. Korrespondierend hierzu befürchtet mit über 75 Prozent die deutliche Mehrheit der in UK befragten Investoren, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage in Großbritannien in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird. Überraschend dabei ist, dass der Einfluss des Brexit auf den britischen Immobilienmarkt derzeit noch von verhältnismäßig wenigen UK-Investoren als besonders hoch eingeschätzt wird. 52 Prozent der britischen Investoren messen dem Brexit in der Befragung einen nur mäßigen Einfluss und 38 Prozent sogar einen geringen Einfluss auf den britischen Immobilienmarkt bei. Von Außen fällt die Bewertung der Folgewirkungen für den britischen Immobilienmarkt etwas kritischer aus. 33 Prozent der deutschen und 21 Prozent der französischen Profianleger glauben, dass der Brexit den britischen Immobilienmarkt stark verändern wird.

UK-Index fällt weiter zurück

Klare Spuren hat das Anti-EU-Referendum der Briten im Investitionsklimaindex hinterlassen. Bereits vor dem Brexit hatte die Stimmung der britischen Investoren, gemessen am Klimaindex, ihren tiefsten Stand seit 2012 erreicht. Nach dem Brexit verlor der Klimaindex in UK noch einmal rund drei Punkte und erreicht nun mit 61,2 Punkten einen neuen Tiefststand. Damit fällt der UK-Index noch weiter hinter die nationalen Indizes in Deutschland (66,5 Punkte; minus 1,0 Punkte gegenüber der letzten Erhebung) und Frankreich (68,6 Punkte; plus 1,7 Punkte) zurück. Beeinflusst wird das Bild vor allem durch die Veränderungen bei den Erwartungen: Während der Erwartungsindikator in Frankreich bereits in der dritten Befragungswelle in Folge gestiegen ist, verliert dieser in Deutschland und bricht in UK regelrecht ein. „Die starken Ausschläge in beide Richtungen, nach unten in Großbritannien und nach oben in Frankreich, zeigen wie stark Investorenstimmungen durch Sondereffekte beeinflusst werden“, sagt Olaf Janßen. „Aktuell beeinflussen politische Entscheidungen die Märkte sehr stark.“

Über die Union Investment-Umfrage
Der Immobilien-Investitionsklimaindex von Union Investment wird seit 2005 (seit Frühjahr 2008 halbjährlich) unter den europäischen Immobilien-Investoren ermittelt. Der Index berechnet sich aus den vier Teilindikatoren „Marktstruktur“, „Rahmenbedingungen“, „Standortbedingungen“ und „Erwartungen“, die mit jeweils 25 Prozent gewichtet werden. Für den Index befragte das Marktforschungsinstitut Ipsos im Zeitraum Oktober bis Dezember 2016 insgesamt 175 Immobilienunternehmen und institutionelle Immobilienanleger in Deutschland, (n=64), Frankreich (n=61) und Großbritannien (n=50).

Europäische Aktien bleiben erste Wahl

von Guillaume Dalibot, Fondsmanager des europäischen Aktienfonds Echiquier Agressor bei La Financière de l’Echiquier.

2017 wird ein gutes Jahr für europäische Aktien! Zwar stehen in den kommenden Monaten eine Reihe wichtiger politischer Ereignisse an, deren Ausgang mehr als ungewiss ist und viele Beobachter ängstlich in die Zukunft blicken lässt. Rein wirtschaftlich betrachtet gibt es jedoch viel Anlass zu Optimismus. Neben einem schwachen Euro, der zahlreichen Industriesektoren zu einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil verhilft, deuten weitere makroökonomische Faktoren auf ein anhaltendes Wirtschaftswachstum in Europa hin. Die Märkte scheinen vermeintlich bedrohliche Ereignisse, wie etwa die Wahlausgänge in Frankreich, Niederlande oder Deutschland schon längst eingepreist zu haben – eventuell auftretende Kurseinbrüche sollten daher nur kurzfristiger Natur sein.

Trotz der allgemein guten Vorzeichen, bleibt Stock-Picking das Gebot der Stunde. Aussichtsreiche Unternehmen am Markt zu finden, die gleichzeitig attraktiv bewertet sind, stellt eine große Herausforderung dar. Sich im Anlagestil nicht einschränken zu lassen kann sich dabei für Investoren besonders auszahlen. Für den auf europäische Aktien spezialisierten Echiquier Agressor verfolgen wir einen opportunistischen Ansatz. Das heißt, dass wir in besonderen Fällen starke Verwerfungen am Markt ausnutzen. So etwa im zweiten Halbjahr vergangenen Jahres, als nach dem Brexit-Referendum vor allem zyklische europäische Werte stark unter Druck gerieten. Wir haben die Gelegenheit hier genutzt und vielversprechende Unternehmen zugekauft. Dies erklärt auch die Aufstockung unseres Finanzportfolios – etwa mit Titeln wie dem französischen Rückversicherer SCOR – das jetzt den drittgrößten Wirtschaftssektor im Gesamtportfolio ausmacht. Aktuell liegt die Portfolioverteilung bei rund 70 Prozent Value- und 30 Prozent Growth-Werten. Je nach Marktentwicklung ist aber eine erneute Umschichtung hin zu mehr Growth in 2017 nicht auszuschließen. In den kommenden Wochen werden wir weiterhin ein wachsames Augen haben auf attraktive Growth-Aktien sowie auf besonders zinssensible Titel, die in jüngster Zeit Abschläge verbuchen mussten. Gleichzeitig meiden wir aktuell zyklische Werte bei denen die positiven Wachstumssignale schon übermäßig eingepreist sind.

Viele positive Veränderungen sprechen für Volkswagen

Im Automobil- und Landwirtschaftssektor sehen wir aktuell attraktive und günstig bewertete Unternehmen. So haben wir kürzlich die VW-Aktie mit ins Portfolio aufgenommen. Nach dem Bekanntwerden des Abgasskandals, hat die Aktie massiv an Wert verloren und uns eine sehr attraktive Einstiegsgelegenheit geboten. Trotz nach wie vor bestehender Herausforderungen beim deutschen Autobauer sind wir von der Strategie und Qualität des neuen Führungsteams bei VW überzeugt. Ohne VW in Schutz nehmen zu wollen hat der Abgasskandal aus unserer Sicht für die Unternehmenskultur im Nachhinein eine äußert positive Wendung genommen. Für Effizienz- und Profitabilitätssteigerung sehen wir viel Luft nach oben und jeder Schritt in diese Richtung wird sich für die VW-Aktie auszahlen. Auch von der Produktseite her betrachtet wird VW den Markt mit der Lancierung vielversprechender Neuheiten überraschen. Während das frühere Konzern-Management dem Thema Elektromobilität eher skeptisch gegenüberstand, ist das neue Führungsteam hier weitaus offensiver unterwegs.

Mit der Aktie von CNH Industrial haben wir in einen der drei marktführenden Player in der Produktion von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen investiert, wobei CNH vor allem den brasilianischen und nordamerikanischen Markt im Fokus hat. Wir gehen davon aus, dass die seit drei Jahren anhaltende Krise im Landwirtschaftssektor seine Talsohle erreicht hat. Das Unternehmen dürfte von einer Erholung besonders stark profitieren, da es seine Kostenstruktur zuletzt deutlich verbessert hat. Aktuell wird der Titel unserer Meinung nach unter Wert gehandelt, da der Markt die Margen unterschätzt, die CNH in den nächsten zwei bis drei Jahren erzielen kann.

Echiquier Agressor mit 25 Jahren Track-Record

Bei den €uro-FundAwards 2017, konnte sich der Echiquier Agressor in der Kategorie Aktienfonds Europa mit Großbritannien auf 20-Jahres-Sicht als bester Fonds durchsetzen. Seit Auflage im November 1991 legte der Fonds um 1.888 Prozent zu, wobei die jährliche durchschnittliche Performance bei rund 12,5 Prozent liegt. Die €uro-FundAwards werden jährlich von den Redaktionen von Euro, Euro am Sonntag und Börse Online an die besten Fonds innerhalb einer Kategorie und innerhalb eines bestimmten Zeitraums verliehen.

Fondsmanager verraten ihre Vorsätze für 2017

Im letzten Jahr führte die Befürchtung einer globalen Rezession zu einer starken Zunahme der weltweiten Risikoaversion. Nach einem schwierigen Start endete das Jahr 2016 dennoch mit einem positiven Ausklang und der Hoffnung auf eine Reflation der Weltwirtschaft. Die Erwartung eines besseren Gleichgewichts zwischen Geld- und Fiskalpolitik ließ die Anleihenrenditen und die Rohstoffpreise steigen. Was haben wir aus 2016 gelernt? Portfoliomanager blicken auf das Jahr 2016 zurück und verraten ihre Vorsätze für 2017.

Ewout van Schaick, Head of Multi-Asset Portfolios bei NN Investment Partners und Lead Portfolio Manager des First Class Multi-Asset Fund: Dank besserer Konjunkturdaten und der Erwartung einer expansiveren Fiskalpolitik begann das Jahr 2017 an den Märkten für Risikoanlagen mit der gleichen positiven Stimmung wie es 2016 endete. Die wichtigsten Investmenttrends der letzten Monate waren steigende Aktienkurse, höhere Staatsanleihenrenditen, engere Kreditspreads, ein stärkerer US-Dollar und eine Rotation aus niedriger Volatilität in zyklischere Aktien. Diese Trends, die nach dem Brexit-Referendum eingesetzt hatten und durch die US-Wahlen noch verstärkt wurden, werden wahrscheinlich noch etwas länger andauern.

2017 wird jedoch definitiv für mehr Spannung sorgen. Es bleibt abzuwarten, ob es der Regierung Trump gelingt, die hohen Erwartungen an die Fiskalpolitik zu erfüllen, oder ob sie die Anti-Globalisierungs-Rhetorik mit Maßnahmen umsetzt, die mehr Schaden verursachen. Von Zeit zu Zeit werden politische Risiken in den Vordergrund treten, insbesondere in Europa. Am 15. März werden die Niederlande den Auftakt für den gut gefüllten Wahlkalender geben. Zur gleichen Zeit könnten die Schwellenländer, die mit einem stärkeren US-Dollar und höheren US-Zinsen zurechtkommen müssen, anfälliger für negative Kapitalströme werden, die ebenfalls gewisse Marktschwankungen hervorrufen könnten. Wir werden unsere Portfolios weiter so ausrichten, dass wir von bestehenden Trends und dem stärkeren wirtschaftlichen Hintergrund profitieren, während wir versuchen, Abwärtsrisiken infolge unerwarteter Ereignisse zu begrenzen. Im letzten Jahr generierten wir mit begrenzter Portfoliovolatilität attraktive Erträge. Dies würden wir 2017 gerne wiederholen.

Sebastiaan Reinders, Lead Portfolio Manager, US High Yield bei NN Investment Partners: Unser Vorsatz für das neue Jahr: Anlagechancen nutzen, die sich aus der vor uns liegenden unvermeidlichen Volatilität ergeben, indem wir unsere Portfolios jetzt darauf ausrichten.

Zum Jahresende nahmen die Finanzmärkte eine immer niedrigere Volatilität vorweg. Dies setzte sich auch in der ersten Woche des Jahres 2017 fort und viele andere Indikatoren für die Risikobereitschaft, wie das Wirtschaftswachstum und die Inflation, geben ebenfalls wieder positive Signale. Wir sind zwar der Ansicht, dass 2017 ein gutes Jahr für Anleger in Hochzinsanleihen sein wird, stellen aber auch fest, dass die aktuellen Bewertungsniveaus die Risiken nicht kompensieren. Unserer Meinung nach kommen in diesem Jahr unerwartete Ereignisse auf uns zu, die Chancen schaffen werden. Und obwohl es immer schwierig ist, zu sagen, wann sich solche Chancen bieten, stellen wir sicher, dass unsere Portfolios bereit sind, davon zu profitieren. Der Markt kann sehr schnell und auf verschiedene Weise aus seiner Selbstzufriedenheit aufgerüttelt werden. Im Augenblick sehen wir jedoch Trump und die Zinssätze als wahrscheinlichste Störfaktoren an. Wenn sich die Konsenserwartung eines kräftigen Wirtschaftswachstums dank der Politik der Regierung Trump als falsch erweist und das Wachstum nicht beschleunigt, könnten Hochzinsanleihen als Anlageklasse ins Hintertreffen geraten. Wir betreten erneut Neuland und sind der Ansicht, dass die Auswahl der Unternehmensanleihen enorm wichtig ist.

Falls das Wachstum enttäuscht, werden Hochzinswerte teuer erscheinen, die Unterschiede unter den Anleihenkursen werden zunehmen und für Anleger mit Fokus auf die Kreditauswahl werden sich mehr Chancen bieten. Sollte das Wachstum schneller beschleunigen oder großer Finanzierungsbedarf für die Fiskalpolitik bestehen, dürften die Zinssätze schneller steigen. In diesem Fall würden Hochzinsanleihen davon profitieren, da die Kreditspreads als Puffer dienen und steigende Zinsen abfangen können. Wir sind jedoch vorsichtig, da der Ausgangspunkt der Spreads diesmal niedriger ist. Wir erwarten zwar nicht, dass sich die phänomenalen Erträge von Hochzinsanlagen aus dem Jahr 2016 wiederholen, doch die US-Hochzinswerte dürften sich gut entwickeln und 2017 Erträge abwerfen, die in etwa dem Kupon entsprechen. Manager mit Fokus auf robustes Research und Kreditauswahl sind optimal in der Lage, um von diesen Ereignissen zu profitieren. Die Beta-Positionierung wird im Laufe des Jahres 2017 eine Rolle spielen, und wir richten uns darauf aus, doch die Kreditauswahl wird entscheidend sein.

Hans van Zwol, Senior Portfolio Manager, Global Fixed Income bei NN Investment Partners: In den letzten 25 Jahren sanken die Zinssätze nahezu geradlinig auf die spektakulär niedrigen Niveaus des Jahres 2016. Bei diesen Niveaus gibt es nicht mehr viel Spielraum für noch niedrigere Zinssätze. Wir rechnen zwar nicht mit einem starken Anstieg. Die Anleger müssen sich jedoch darauf einstellen, dass die hohen Erträge der letzten Jahrzehnte nicht mehr so selbstverständlich sein werden. Mein Vorsatz für 2017 lautet, den Kunden zusammen mit meinen Kollegen weiter dabei zu helfen, bestmöglich mit diesem potenziell schwierigen Umfeld für festverzinsliche Anlagen zurechtzukommen. Wir helfen ihnen, optimale Anleihenportfolios aufzubauen und geben Ratschläge für angemessene Reaktionen.

Carl Ghielen, Senior Portfolio Manager, Equity Value bei NN Investment Partners: Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte an Dynamik gewinnen, und wir erwarten, dass sich das Reflationsthema, das im letzten Jahr eingesetzt hat, auch 2017 fortsetzt. Steigende Inflationserwartungen und höhere langfristigeAnleihenrenditen führten zu einem signifikanten Wechsel der Führungspositionen am Aktienmarkt und kamen dem Value-Stil zugute. Unserer Meinung nach bietet diese Rotation hervorragende Chancen für unsere wertorientierte Dividendenstrategie. Im Dividendenbereich erscheinen die strapazierten Bewertungen beliebter defensiver Aktien mit geringer Volatilität (Immobilien, regulierte Versorger und Basiskonsumgüter) anfällig für einen Anstieg der Anleihenrenditen. Banken und Versicherungsgesellschaften dürften jedoch von der steiler werdenden Renditekurve profitieren. Die Kombination von Dividendenrendite und Dividendenwachstum ist die einzige Möglichkeit, in diesem neuen Reflationsumfeld zu bestehen, und unsere Portfolios sind gut darauf ausgerichtet.

Jasper van Ingen, Senior Portfolio Manager Convertible Bonds: Als Anleger in Wandelanleihen haben wir das Chancenverhältnis auf unserer Seite. Das ist kein Zaubertrick, sondern ergibt sich aus der Tatsache, dass man bei einer positiven Bewegung einer bestimmten zugrunde liegenden Aktie mehr gewinnen kann als man bei einer gleich großen negativen Bewegung verlieren würde. Dies wird als positive Konvexität bezeichnet. Diese positive Konvexität kann ein sehr leistungsfähiges Instrument sein, um langfristig attraktive risikobereinigte Erträge zu erzielen. An volatilen Märkten ist es sogar noch vorteilhafter. Und volatile Märkte sind genau das, was wir 2017 erwarten.

Beim Rückblick auf das Jahr 2016 wurden wir an einige wichtige Anlagegrundsätze erinnert: die Bedeutung der geographischen Diversifikation, der Währungsabsicherung und vor allem daran, das Unerwartete zu erwarten. Wie im Jahr 2016 gibt es auch 2017 viele Dinge, die man im Auge behalten sollte: Die Wahlen in Deutschland und Frankreich, die Entwicklung der italienischen Bankenkrise, die ersten Schritte der Regierung Trump und den Zinskurs der US-Notenbank, um nur einige zu nennen. Es ist nur menschlich, zu überschätzen, wie weit wir die Dinge vorhersagen können: Diesmal wollen wir diesen Fehler nicht machen. Statt zu versuchen, den Ausgang binärer Ereignisse vorherzusagen, konzentrieren wir uns darauf, Unternehmen zu identifizieren, die Cashflows erwirtschaften und von freundlichen langfristigen Trends profitieren, von denen es genügend gibt.

Investoren im Spannungsfeld von Signal und Rauschen

Brad Tank, Chief Investment Officer – Fixed Income beim unabhängigen US-Asset-Manager Neuberger Berman, kommentiert die Folgen des US-Regierungswechsels und gibt einen Ausblick für 2017.

Die wesentlichen Fakten zu finden – und daran festzuhalten – wird in den kommenden Monaten besonders wichtig für Investoren.

Mit Trumps Amtseinführung im Rücken ist jetzt ein guter Zeitpunkt, zu überlegen, wie Investoren im derzeit stürmischen Umfeld ihren Weg machen können. Besonders treffend im aktuellen Kontext ist wohl der Begriff „Signal-zu-Rauschen“-Verhältnis.

Laut Wikipedia ist dieses Verhältnis eine Messgröße in Wissenschaft und Technik, die das Niveau des gewünschten Signals mit dem Niveau der Hintergrundgeräusche vergleicht. Es wird definiert als das Verhältnis der Signalleistung zur Rauschleistung. Derzeit agieren wir in einem Umfeld, in dem das Signal extrem schwach ist. Es ist also sehr schwierig, herauszufinden, was echte Signale sind.

Es ist nicht lange her, da hörte ich auf meinen Reisen den allgemeinen Tenor: „Ich kann es kaum erwarten, dass die US-Wahl vorbei ist." Ich teilte dieses Gefühl und die Vorstellung war, dass all die verrückten Sachen, die wir erlebten, abklingen und Dinge wieder normal werden würden.

Heute denke ich, die Dinge werden nicht wieder normal werden. Im Gegenteil, der Groll der Parteien bezüglich der aktuellen Fragen ist weiterhin sehr groß. Außerdem warfen die Wahlen neues Licht auf viele Fakten und dieser Prozess dauert noch an. Hinzu kommt ein Präsident, der in Echtzeit laut denkt und ein Umfeld, in dem echte Signale extrem schwach sind. Dem müssen die Anleger sich stellen – Ich fürchte, dies ist die Realität in der neuen Umgebung.

Was können Anleger also tun? Zunächst konzentrieren sie sich auf wichtige Fakten und nutzen ein Verfahren, um das Rauschen auszublenden. 

Einen Filter einsetzen

Schaut man sich an, was die neue Regierung vorgeschlagen hat, zeigt sich, dass es eine sehr ehrgeizige Agenda mit tiefgreifenden Reformen ist – unter anderem zur Abgabenordnung, zur Rolle des Staates im Gesundheitswesen oder Einwanderung. Das sind wirklich komplexe Themen. Dies zeigt sich etwa in all der Berichterstattung, im Lärm und in der Rhetorik rund um die Abgabenordnung. Das Thema beherrschte die Finanznachrichten den Großteil der vergangenen Woche und ist sehr schwer zu erklären, so dass die Kommentatoren sich oft an beängstigenden und oft irreführenden Schlagzeilen festklammern. Hier die Fakten aus dem Lärm zu sortieren, erfordert viel Konzentration.

Für uns lauten einige der wichtigsten Fakten wie folgt: Von allen Zielen auf der Tagesordnung der neuen Regierung dürfte keines mehr Auswirkungen auf die Märkte und die Bewertung einzelner Aktien und Anleihen haben als die Steuerreform. Angesichts dieser Tatsache konzentrieren wir uns auf den Prozess, auf das Handwerk der Gesetzgebung und wer daran arbeitet. Es geht darum, die Perspektive der Autoren und anderen, die wesentlichen Einfluss auf den Zeitrahmen, auf Verabschiedung und Umsetzung haben, zu verstehen. Es ist nicht klar, wie viel Transparenz hier gegeben ist, doch ich denke, Ausgangspunkt für die Analyse muss ein Dokument sein, das schon seit sieben Monaten vorliegt: der Haushaltsentwurf der Republikaner. Die Frage ist nun, wie viel davon übrigbleibt, bis wir die Ziellinie erreichen. 

Die Perspektive eines großen Analysten einnehmen

Zweitens gilt es alle Neuigkeiten und Informationen zu verarbeiten, so wie ein großer Aktien- oder Anleihen-Analyst bei der Analyse eines Unternehmens. Ich habe das Glück, hier bei Neuberger Berman mit vielen von ihnen zusammen zu arbeiten, und sie alle haben einen Ansatz: Daten, Fakten und Erfahrungen übertrumpfen jede Meinung. Aber an den Märkten spielt Meinung natürlich eine Rolle. Bei der Beurteilung der Ansichten eines CEO, CFO oder Sell-Side-Analysten ist es von größter Bedeutung, die Erfolgsbilanz, Glaubwürdigkeit und Tendenzen des Absenders zu verstehen. Wenn Sie diese Felder für einen Absender nicht prüfen können, lautet die einfache Schlussfolgerung daraus, die Nachricht abzulehnen. 

Dies bedeutet allerdings nicht, nur Standpunkte zu suchen, die mit den eigenen übereinstimmen – im Gegenteil. Ich bin ein regelmäßiger Leser der Kolumne von Paul Krugman, gerade weil er wirtschaftliche und politische Fragen oft ganz anders sieht als ich. Doch er äußert sich in einer so konsistenten und klaren Art und Weise, dass ich verstehe, worauf seine Ansichten beruhen.

Den historischen Kontext herstellen

Und schließlich sind die großen Themen des Tages in der Regel nur ein Punkt in der Zeit und unmöglich zu verstehen ohne ein Verständnis für den Verlauf der Geschichte.

In Folge der Finanzkrise schrieben Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff ein aufschlussreiches Buch mit dem Titel “This Time Is Different: Eight Centuries of Financial Folly“, das die weltverändernden Events, die wir gerade erleben, einordnet. Jeder in unserem Geschäftsfeld sollte ihre Erläuterungen gelesen haben.

Spannungen mit China zum Thema Handel etwa sind nicht erst in den in den letzten paar Jahren entstanden. Vor neunzehn Jahren hat der Architekt John Gray in dem Buch „False Dawn: The Delusions of Global Capitalism“ bereits vorhergesagt, dass Chinas Form des Kapitalismus schließlich mit dem Westen kollidieren wird.

Und in Russland sind Putins Abenteuer in der Ukraine und auf der Krim der Höhepunkt von mehr als 100 Jahren des Kampfes mit dem Westen. Zum Verständnis der Dynamik empfehle ich dringend “The Great Game: The Struggle for Empire in Central Asia” von Peter Hopkirk, geschrieben im Jahre 1992.

Auf der Suche nach einer Perspektive auf die kommenden Entwicklungen, kann dies Investoren helfen, die entsprechenden Signale zu finden und sich nicht im Lärm zu verlieren, der 2017 ganz sicher weiter mitschwingt.


Den gesamten Kommentar in englischer Sprache finden Sie hier: http://www.nb.com/pages/public/en-us/insights/signal-to-noise-ratio.aspx

Außergewöhnlicher Stimmungsumschwung an den Märkten in 2016

Das Jahr 2016 wird als das Jahr in die Geschichtsbücher eingehen, in dem zahlreiche Erwartungen auf den Kopf gestellt wurden. Dessen ist sich Paul Niven, Leiter Multi-Asset-Investment bei BMO Global Asset Management, sicher. In der Politik habe der britische Premierminister David Cameron mit dem Brexit-Votum alles verzockt. Und Trump habe zuerst seine republikanischen Wettstreiter geschlagen und dann entgegen aller Prognosen die US-Präsidentschaft gewonnen. Auf den Finanzmärkten hätten Anleger mit ihrer Reaktion auf Japans und Europas Mühen, die Zinsen ins Negative zu drücken, gezeigt, dass es zu viel des Guten sei. „Noch in den Anfangswochen des vergangenen Jahres war die Stimmung geprägt von einer möglichen US-amerikanischen Rezession, wirtschaftlichen und finanziellen Verlusten aufgrund des Ölpreiseinbruchs sowie einer Konjunkturabschwächung Chinas“, sagt Niven. „Entsprechend außergewöhnlich war der dann folgende Stimmungsumschwung.“ 

Anstieg an den Aktienmärkten unwahrscheinlich

Obwohl der S&P 500 und der FTSE 100 neue Rekordhochs verzeichnen, halten die starken Schwankungen an den Aktienmärkten seit 2014 an – sowohl gesamtwirtschaftlich als auch bezogen auf die jeweiligen Landeswährungen. Angesichts der Tatsache, dass die Unternehmensgewinne in den vergangenen zweieinhalb Jahren stagnierten, sei es einigermaßen überraschend, dass die Märkte weiterhin gestiegen seien und sich die Bewertungen historischen Höchstständen genähert hätten. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Aktienbewertungen über das aktuelle Niveau steigen werden“, meint Paul Niven. „Die Voraussetzung für weitere Anstiege wären nachhaltige Verbesserungen bei den Unternehmensgewinnen.“

Die Schwankungen auf den Aktienmärkten seien im historischen Kontext allerdings nicht überdimensional, sondern hätten in vielen Fällen lediglich mehrjährige Trends ein Stück weit umgekehrt. Die künftige Entwicklung hänge auch von den Bewegungen auf den Anleihemärkten ab, die wiederum auf Prognosen hinsichtlich Inflation und Wachstum reagieren. „Ein Anstieg der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf 2,4 Prozent bzw. des britischen Pendants von 0,25 Prozent auf 1,45 Prozent ist zwar ein beachtlicher Sprung, allerdings bleiben die Kosten für Kreditaufnahmen auf ihren Tiefständen“, sagt Niven. Die Annahme, dass die Renditen für Anleihen steigen werden, beruhe auf deutlichen Anzeichen des Lohndrucks und drohenden Kapazitätsengpässen in den USA. Hinzu komme eine allgemeine Bewegung weg von geldpolitischen Maßnahmen hin zu expansiven fiskalen Konjunkturprogrammen. „Es ist wahrscheinlich, dass die Inflation zur Jahresmitte steigen wird“, prognostiziert der Experte. 

Trotz bestehender Herausforderungen in lokalen Märkten halten sich europäische Aktien insgesamt gut im Hinblick auf den reflationären Trend. So neigen europäische Aktien zu besseren Ergebnissen, wenn Anleiherenditen steigen und der Euro fällt. „Dennoch bleibt Europa hinter den Erwartungen zurück“, sagt Niven. „Die offensichtlichsten Gründe sind politische Risiken wie etwa das jüngste Referendum in Italien und die von Anlegern geforderten höheren Risikoaufschläge.“ 

Richtungswechsel in Politik und Wirtschaft

Mit Blick auf die Wahl Donald Trumps, den Brexit und den zunehmenden Nationalismus in einigen entwickelten Volkswirtschaften sowie einen neuen Fokus auf innerpolitische Interessen könnte 2016 eine weltweite Trendwende darstellen. Nach Einschätzung von Paul Niven könnte dies die globale Wirtschaft und die Finanzmärkte erheblich beeinflussen: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir die Talsohle bei Inflation und Renditen von Staatsanleihen durchschritten haben.“ Außerdem sei es überraschend, wie positiv die Märkte mitunter auf den Trump-Sieg reagiert hätten. Denn vor der US-Wahl habe alles darauf hingedeutet, dass ein Präsident namens Trump von den Märkten negativ aufgefasst würde. „Derzeit können wir zwar abschätzen in welche Richtung die Veränderungen gehen, die durch Trumps Politik ausgelöst werden dürften, nicht jedoch ihr Ausmaß. Sein Sieg ist das jüngste Ereignis in einer Serie von außergewöhnlichen Ereignissen, die einen Richtungswechsel in Politik und Wirtschaft signalisieren.“