Der Ölpreiserholung und ihren Risiken zum Trotz: Zuflüsse in Rohöl-ETPs auf dem höchsten Stand 2017

Die Zuflüsse in Rohöl-ETPs stiegen in der vergangenen Woche auf 38 Mio. USD, obwohl erwartet wird, dass das Rohölangebot zunehmen und die weitere Erholung der Preise deckeln wird. Die Abflüsse aus Gold-ETPs erreichten den höchsten Stand in diesem Jahr, so dass sich die Zuflüsse der vergangenen vier Wochen wieder umkehrten. Die Zuflüsse in diversifizierte Rohstoffkorb-ETPs setzten ihren Anstieg in der sechsten Woche in Folge fort, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Diesen finden Sie links als PDF mit Charts.

Die Zuflüsse in Rohöl-ETPs (A0KRJX) stiegen auf 38 Mio. USD, obwohl erwartet wird, dass das Rohölangebot zunehmen und die weitere Erholung der Preise deckeln wird. In der zurückliegenden Woche erhielten die Rohölpreise nicht nur vom schwächeren Dollar Unterstützung, sondern profitierten auch vom Optimismus rund um die Umsetzung der politischen Maßnahmen Trumps zur Stützung der Öl- und Gasbranche. Rohöl lief entsprechend volatil in einer Spanne seitwärts. Andererseits deuten die steigenden Rohölbestände darauf hin, dass mehr Abwärtspotenzial besteht. Da die gestiegenen Preise die Förderung von Schieferöl in den USA wieder lukrativ werden lässt, nahm die Anzahl der Bohrplattformen laut Baker Hughes in der vergangenen Woche so stark wie zuletzt im April 2013 zu. „Obwohl die Förderkürzung der OPEC und einiger Nicht-OPEC-Länder gut anlief, besteht die Gefahr, dass das steigende US-Ölangebot das Aufwärtspotenzial der Preise nach oben hin begrenzt“, sagt Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Die Abflüsse aus Gold-ETPs (A0LP78) erreichten mit 80 Mio. USD ihren diesjährigen Höchststand und hoben damit die Zuflüsse der vergangenen vier Wochen wieder auf. Die Goldpreise gerieten in der zurückliegenden Woche aufgrund der Stärke des US-Dollar, der von Trump befeuerten Aktienrally und der steigenden Renditen von US-Anleihen unter Druck und gaben um 1,3 Prozent nach. Der Dow Jones Industrial Average schloss zum ersten Mal über der viel beachteten Marke von 20.000 Punkten, und auch der S&P 500 Index kletterte auf neue Hochs. Die laufende Berichtssaison der US-Unternehmen signalisiert Stärke, da 34 Prozent der Unternehmen ein Gewinnwachstum von durchschnittlich 4,4 Prozent meldeten, was der Aktienrally zusätzlich Auftrieb verlieh. Der zunehmende Risikoappetit lenkt die Anleger allerdings von den Risiken der extrem protektionistischen Haltung ab, die sich in den ersten Amtshandlungen des gerade erst vereidigten US-Präsidenten Trump äußert, zum Beispiel in der Kündigung der Transpazifischen Partnerschaft TPP. „Auf der dieswöchigen Sitzung des Offenmarktausschusses bleibt die Fed wohl im Warte- und Beobachtungsmodus, und wir rechnen nicht damit, dass sie großen Einfluss auf die Ölpreise nehmen wird“, sagt Hein.

„Die Zuflüsse in diversifizierte Rohstoffkorb-ETPs betrugen in dieser Woche 14,5 Mio. USD. Sie nehmen seit sechs Wochen durchgehend zu, da die Anleger durch die Diversifizierung in breit aufgestellte Körbe vom Preisaufschwung der Rohstoffe profitieren wollen“, bemerkt Hein.

Die Zuflüsse in globale Aktien-ETPs gewinnen angeführt vom Goldminen- und Robotik-Aktien weiter an Dynamik. Infolge der Rekordbewertungen auf den globalen Aktienmärkten sind die Anleger wählerisch geworden und investieren thematisch in Aktienkörbe wie Goldminen- und Robotikindizes. „In globale Aktien-ETPs flossen insgesamt 6,6 Mio. USD“, sagt Hein.

Die Zuflüsse in Industriemetall-ETPs (A0SVX7) stiegen zum achten Mal hintereinander, wobei breit aufgestellte Körbe und Kupfer mit 5,8 Mio. USD beziehungsweise 3,9 Mio. USD die Spitzenplätze belegten. „Nach Angaben der International Copper Study Group hat China das Angebotsdefizit des Kupfermarkts mit einer erheblichen Produktionsausweitung beseitigt, sodass wir in Kürze mit nachgebenden Preisen rechnen“, sagt Hein.

„From Paris with Love“

Das Verhältnis von Franzosen und Deutschen ist traditionell eher kühl. Im Spannungsfeld zwischen kulinarischer Faszination und kulturellen Gegensätzen stehen die zwei europäischen Schwergewichte oft mehr aus Vernunft als aus echter Verbundenheit zusammen. Erstaunlich harmonisch läuft die Zusammenarbeit jedoch bei der Geldanlage: Französische Fondsboutiquen haben bei deutschen Investoren einen ausgezeichneten Ruf. 

Mit Sycomore Asset Management startet nun ein unabhängiger Pariser Stockpicker in Deutschland durch. Der 2001 gegründete Vermögensverwalter ist die erste unabhängige Fondsboutique, die eine eigene Nachhaltigkeitsanalyse aufgebaut und als festen Bestandteil des gesamten Investmentprozesses verankert hat. Das Management-Team kombiniert dabei die fundamentale Aktienanalyse mit einer ausgeprägten qualitativen Unternehmensbewertung. Dazu gehören sowohl persönliche Gespräche mit dem Top-Management der Firmen als auch mit seinen Kunden und Wettbewerbern. Mit diesem proprietären Investmentprozess setzt sich Sycomore AM zum Ziel, unterbewertete Aktien und nachhaltige Erträge zu identifizieren.

Emeric Préaubert, einer der vier Gründungspartnern und Manager des Flaggschiff-Fonds Sycomore Partners (ISIN: FR0010601906), sieht den Schritt auf den deutschen Markt als Meilenstein in der Unternehmensentwicklung: „Unabhängige Assetmanager bieten ihren Kunden Exzellenz in bestimmten Nischen, denn als Boutique ist man nur erfolgreich, wenn man sich auf Strategien und Regionen konzentriert, die man wirklich beherrscht. Bei Sycomore zum Beispiel kombinieren wir fundamentale und nicht-finanzielle Aspekte in der Aktienanalyse und setzen auf high-conviction Stockpicking in Europa. In diesem Segment gehören wir in Frankreich schon jetzt zu den Top Ten von über 600 französischen Boutiquen.“

Dass auch institutionelle Investoren aus Deutschland an diesem Ansatz Interesse haben, bestätigt David Czupryna, Head of Sycomore Asset Management Deutschland, Österreich und Schweiz: „Gerade in Deutschland gibt es bei den Versicherungen und Versorgungswerken viele mittelständische Player, die offen nach spezifischen Anlagestrategien, ergebnisorientierter Vermögensverwaltung sowie einem unternehmerischen Spirit suchen, der insbesondere für Fondsboutiquen typisch ist.“ 

Large bis Small Cap: Acht aktuelle Lieblingsaktien der Franzosen in Deutschland

Nicht nur Investoren sucht Sycomore AM in Deutschland. Auch am deutschen Aktienmarkt haben Préaubert und seine Kollegen eine ganze Reihe hochwertiger Aktienperlen identifiziert, die mit exzellenten Wachstumszahlen, erfolgreicher Internationalisierung, hoher Marktdurchdringung und mit stabilen Nachfrage- und Ertragsaussichten glänzen können. „Bei den deutschen Small-Caps lieben wir zum Beispiel das IT-Systemhaus Cancom und Zooplus, den erfolgreichsten Online-Händler für Heimtierbedarf. Zwar stammen die Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Branchen, aber beide Management-Teams haben uns mit stetigem Umsatzwachstum, soliden Gewinnen und einer tragfähigen und nachhaltigen Wachstumsstrategie überzeugt“, so Préaubert.  

Im Mid-Cap-Segment schätzen die Sycomore-Fondsmanager derzeit besonders die Aktien von Brenntag, ETS Eventim, der Kion Group und von Wirecard. „Kion hat als größter Gabelstapler-Hersteller in Europa nicht nur die Marktführerschaft erreicht, sondern mit der Übernahme von Dematic auch den Sprung in die USA geschafft. Zudem hat das Management ein klares Konzept für wichtigste Zukunftsthemen wie E-Mobilität und der digitalen Transformation und wird vom strukturellen Wandel wie E-Commerz, Automatisierung der Logistik und dem Ausbau der batteriebetriebenen Staplerflotten profitieren“, so Préaubert. Auch die Verbesserung der EBIT-Marge von 9,5 auf 12 Prozent bis 2018 und ein Nachhaltigkeits-Rating im eigens von Sycomore entwickelten SPICE-Modell von 3.5 (von möglichen 5 Punkten) machen die Wiesbadener zu einem Liebling der Pariser Assetmanager. Aktuell ist Sycomore Selection Responsable (ISIN: FR0011169341) in die Kion Group investiert.

Auch deutsche Schwergewichte wie BMW und Fresenius Medical Care sind beliebte Bestandteile der Pariser Stockpicking-Portfolios, die sich überwiegend auf europäische und Euroraum-Aktien konzentrieren.

Nachhaltigkeitsanalyse mit dem SPICE-Modell: Zur Risikoanalyse und als Themenfonds

Nicht alle Fonds von Sycomore sind ausgewiesene Nachhaltigkeitsfonds. Préaubert und seine 15 Kollegen im Portfoliomanagement nutzen die nach dem SPICE-Modell ermittelten Nachhaltigkeits-Ratings vor allem zur Risikokontrolle, um die qualitativ werthaltigsten Aktien zu identifizieren. Für die ausgewiesenen Nachhaltigkeits-Fonds ist dagegen ein Mindest-Score festgeschrieben, der das Investmentuniversum definiert.

Der Erfolg gibt dem Managementansatz von Préaubert und seinen Kollegen Recht: Der Sycomore Partners, ein High-Conviction-Fonds mit europäischen All-Cap Aktien, erzielte seit Auflegung eine Outperformance von 40 Prozent gegenüber dem Euro-Stoxx TR bei einer um 13 Prozentpunkte niedrigeren Volatität. Das macht den Fonds zu einem beliebten Baustein im Portfolio von institutionellen Kunden. Seit Auflagestart 2011 erzielte der Nachhaltigkeitsfonds Sycomore Selection Responsable an 88 Prozent der Tage eine Outperformance gegenüber dem Euro STOXX Net TR. Weitere thematisch fokussierte Nachhaltigkeitsfonds werden in Deutschland folgen.

Mit seinem Fokus auf fundamentale Analysen und einem intensiven qualitativen Bewertungsprozess hat sich Sycomore in seinem Heimatmarkt einen ausgezeichneten Ruf als Spezialist für europäische Aktien erworben und verwaltet heute ein Vermögen von rund 5 Milliarden Euro in 18 Fonds sowie zahlreichen Spezialmandaten. Zu den überwiegend institutionellen Kunden gehören heute Pensionsfonds wie die ERAFP und die FRR, zwei der größten staatlichen Versorgungswerke Frankreichs, so wie auch Versicherer und Banken.

„From Paris with Love“: Diese deutschen Aktien finden die Franzosen sexy

Nr. 1: Cancom SE
Die Münchner IT-Dienstleister haben eine erfolgreiche Entwicklung vom Computer-Händler zum IT-Dienstleister mit Fokussierung auf den Bereich Cloud-Computing geschafft. Das sichert den Münchnern nicht nur schnelles Wachstum und eine verbesserte Rentabilität, im Vergleich zu Wettbewerbern scheint Cancom auch signifikant unterbewertet.

Nr. 2: Zooplus AG
Der erfolgreiche Online-Händler für Haustierbedarf hat sich frühzeitig die Marktführerschaft in einem nicht-zyklischen Segment gesichtert. Insgesamt werden in diesem Markt etwa 25 Milliarden Euro umgesetzt, wobei der Online-Umsatz von aktuell 3-4 Prozent in den nächsten Jahren auf über 15 Prozent wachsen dürfte. Mit der aus Eigenmitteln finanzierten internationalen Expansion ergibt sich eine Wachstumsprognose von bis zu 20 Prozent pro Jahr in den kommenden 3 Jahren.

Nr. 3: Brenntag AG
Brenntag ist der weltweit größte Vermarkter von Chemieprodukten. Das defensive Businessmodell als Logistik- und Vertriebsprofi, hohe Eintrittsbarrieren durch Sicherheits- und Zertifizierungsanforderungen und globale Trends wie Outsourcing von Vertrieb und Transport lassen weiterhin stabile Ertragsprognosen erwarten. Ein erfahrenes Management und Konsolidierungspotenziale in diesem Segment machen Brenntag zu einem interessanten Zielinvestment.  

Nr. 4: ETS Eventim AG
Eventim ist der größte Vermarkter von Konzert- und Sportveranstaltungen in Europa. Mit über 200.000 Events pro Jahr bedient das Unternehmen nicht nur einen wachsenden Markt. Auch das Gewinnwachstum ist zweistellig, dank solidem Businessmodell, wachsendem Marktanteil und der internationalen Expansion in neue Länder. Weitere Wachstumschancen liegen im Bereich M&A und einer möglichen Monetarisierung der Datenbank mit über 30 Millionen Kunden.

Nr. 5: Kion Group AG
Kion hat als größter Gabelstapler-Hersteller in Europa nicht nur die Marktführerschaft erreicht, sondern mit der Übernahme von Dematic auch den Sprung in die USA geschafft. Zudem hat das Management ein klares Konzept für wichtigste Zukunftsthemen wie E-Mobilität und der digitalen Transformation und wird vom strukturellen Wandel wie E-Commerz, Automatisierung der Logistik und dem Ausbau der batteriebetriebenen Staplerflotten profitieren.

Nr. 6: Wirecard AG
Der innovative Anbieter von Online- und mobilen Zahlungslösungen profitiert besonders von strukturellen Trends wie Mobile Payment, E-Commerce und Outsourcing. Mit eigener Technologie und der vertikalen Integration von Business-Prozessen ist Wirecard nicht nur gegenüber dem Wettbewerb gut aufgestellt. M&A-Chancen, der Markteintritt in den USA und einem stabilen Cash-Flow aus Provisionen pro Transaktion stehen die Zeichen auch weiter auf Wachstum.

Nr. 7: BMW
Eine starke Marke im Premiumsegment mit erstklassiger Marge und ausreichend Reserven, diese Position dauerhaft zu verteidigen.

Nr. 8: Fresenius Medical Care
Der Spezialist für Nierenerkrankungen und Dialyseeinrichtungen ist nicht nur Marktführer in seinem Segment, er profitiert auch von demografischen Trends und expandiert erfolgreich in weitere medizinische Services wie medizinischen Management- und Betreuungsdienstleistungen.

Starker Primärmarkt für Wandelanleihen trotz Unsicherheiten

Den weltweiten Finanzmärkten stellen sich im Jahr 2017 diverse politische Unwägbarkeiten entgegen. So wird der neue US-Präsident Donald Trump beispielsweise die Themen Deregulierung, Steuerreform, Infrastrukturprojekte und auch die Frage der Immigration näher beleuchten. Allein diese Punkte sorgen bei Investoren für Unbehagen, da die zu erwartenden Entscheidungen und deren Konsequenzen derzeit unkalkulierbar sind. Entgegen der Annahme, dass sich dies negativ auf den Kapitalmarkt auswirken könnte, wurden in der ersten Januarhälfte bereist mehr Wandelanleihen am Primärmarkt emittiert, als in den drei Jahren zuvor. Einige große Emissionen sorgten dabei für Aufsehen.

„Neben den politischen Entscheidungen auf Regierungsebene sehen wir, dass die Geldpolitik der Zentralbanken weiter auseinander treibt“, sagt Gerrit Bahlo, Credit Analyst bei Man Conver- tibles. „Während die Federal Reserve Bank in den USA weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt hat, bleibt die Europäische Zentralbank womöglich bis Ende dieses Jahres weiterhin bei ihrer lockeren Zinspolitik. Ebenso wird in diesem Jahr die Frage, in welcher Form Großbritanni- en aus der Europäischen Union (EU) austritt sowie ihre anschließende Beziehung zur EU detail- lierter und klarer diskutiert werden. Bereits diese beiden Faktoren illustrieren, wie komplex das Jahr 2017 werden könnte. Mitunter sehen wir darin mögliche Gründe, weshalb der Primärmarkt für Wandelanleihen so stark in das neue Jahr gestartet ist. Bis zur Monatsmitte wurden an den globalen Kapitalmärkten neue Papiere mit einem Volumen von circa drei Milliarden US-Dollar emittiert. Das entspricht bereits dem gesamten Januarvolumen der vergangenen drei Jahre. Hervorzuheben sind dabei die Emissionen von drei Unternehmen. Der Reifenhersteller Michelin und der Kabelhersteller Prysmian aus Europa sowie das Energieunternehmen Nabors aus den USA konnten Wandelanleihen von jeweils rund 500 Millionen US-Dollar am Markt platzieren. Wandelanleihen verbinden als hybrides Derivat die beiden Welten Unternehmensanleihen und Aktien. Bei steigenden Zinsen und einer überwiegend positiven Weltkonjunktur sind sie gerade bei erhöhter Unsicherheit seitens Investoren gefragt.“

Investieren in chinesische Aktien im Jahr des Hahns

von Laura Luo, Head of Hong Kong China Equities bei Barings Hong Kong.

Menschen, die im Jahr des Hahns geboren wurden, sind für die Leichtigkeit bekannt, mit der sie Kontakt zu anderen aufnehmen und Anleger in chinesischen Aktien werden in den kommenden Monaten für eine Kontaktaufnahme ihren Blick auf die neue US-Regierung richten, um Anhaltspunkte für die zukünftige Richtung zu bekommen. Die derzeitige Haltung von Präsident Donald Trump legt mögliche Handelsdifferenzen mit China nahe. Fakt ist jedoch, dass es darüber bisher keine Gewissheit gibt und wir nehmen im Hinblick auf seine Präsidentschaft vorerst eine abwartende Haltung ein. Unsere übergeordnete Einschätzung ändert sich dadurch nicht – wir behalten unsere optimistische Einschätzung für den chinesischen Aktienmarkt bei. Allerdings distanzieren wir uns von Exportunternehmen, bis wir Klarheit von der neuen US-Regierung erhalten.

Die Unsicherheit über die zukünftigen Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten sorgte am chinesischen Aktienmarkt für Unruhe und das Jahr 2016 ging demzufolge etwas holprig zu Ende. Der MSCI China Index fiel im vierten Quartal um 8% und trat in den ersten Wochen des Jahres 2017 auf der Stelle. Umsichtigen Stockpickern ist bewusst, dass ein Großteil dieser Entwicklung auf die Marktstimmung sowie auf die Einsicht zurückzuführen ist, dass jegliche Prognosen für 2017 aufgrund der geopolitischen Schocks des Jahres 2016 kaum mehr als Rätselraten sind. Was wir jedoch wissen ist, dass Währungsbewegungen, Handelsbeziehungen und geopolitische Spannungen allesamt Bereiche sind, die im Jahr des Hahns von Unsicherheit geprägt sind.

Das Schicksal von Reformen

Unsicherheit geht nicht nur von externen, sondern auch von internen Quellen aus. Der 19. Parteikongress im vierten Quartal könnte mit einer neuen Führungsriege enden und möglicherweise Veränderungen an Xi Jinpings Wirtschaftsreformen einläuten. Die jüngsten dieser Reformen befassen sich mit der Angebotsseite und den Staatsbetrieben. Sie nahmen 2016 ihren Anfang mit dem Ende der Ein-Kind-Politik und wurden seitdem kontinuierlich umgesetzt. Auch wenn der unmittelbare und eher vordergründige Einfluss solcher Initiativen auf das Kredit- und Beschäftigungswachstum wahrscheinlich eher kurzlebig ist, dürften sie dennoch auf lange Sicht das Wirtschaftswachstum stabilisieren und fördern. Darüber hinaus führte das Senken von Unternehmenskosten und des Verschuldungsgrads sowie das Reduzieren von übermäßigen Kapazitäten Ende 2016 für viele Unternehmen zu einer Ertragswende. Wie nachhaltig diese ist oder die längerfristigen Vorteile für die einzelnen Unternehmen sind, weiß man noch nicht.

Die geldpolitische Lockerung für das Ankurbeln der Wirtschaft dürfte dieses Jahr weiter reduziert werden. Allerdings dürften aggressivere Staatsausgaben und spezielle Anleiheemissionen ebenso wie PPP-Projekte weiter durchgeführt werden, um insbesondere im ersten Halbjahr neues Kapital in die Wirtschaft zu schleusen. Wir können beobachten, dass nach wie vor viele Branchen von den anlaufenden Infrastrukturprojekten profitieren, da diese die Nachfrage im Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffsektor sowie in der Bauindustrie ankurbeln. Nichtsdestotrotz ist uns bewusst, dass die Bemühungen von Präsident Jinping für eine bessere Umsetzung von Reformen und zur Einführung neuer Initiativen von geopolitischen Spannungen belastet werden könnten. Wir werden all diese Themen genau verfolgen und das Auftreten von Volatilität dafür nutzen, Aktien mit positiven Wachstumsaussichten auf einem attraktiven Preisniveau zu selektieren. Schließlich kann Unsicherheit auch Chancen hervorbringen.

Das Alte bleibt, das Neue kommt

In den letzten Jahren lag unser Fokus auf Unternehmen, die von dem Strukturwandel der chinesischen Wirtschaft und dem wachsenden Dienstleistungssektor aller Wahrscheinlichkeit nach profitieren dürften. Dieses Jahr stellen wir allerdings ein stärkeres Gleichgewicht zwischen solchen Unternehmen und den traditionelleren, zyklischen Industrie- und Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffunternehmen her, die die chinesische Wirtschaft in den vergangenen Jahren dominierten.

In diesem Zusammenhang erwähnten wir bereits die angebotsseitigen Reformen, die zur Bewältigung von Problemen wie der Überkapazität eingeführt wurden. Zusammen mit aggressiveren staatlichen Ausgaben und Inventaraufstockungen  erzeugen diese Bemühungen positive Impulse, unter anderem für die Kohle-, Stahl- und Zementindustrie. Die Aufstockung der Lagerbestände als Reaktion auf neue Infrastrukturprojekte findet in allen Bereichen, angefangen von Baustoffen bis Schwerlastmaschinen, statt. Wir werden die Entwicklungen genau beobachten, um zu sehen, ob diese Dynamik auch in der zweiten Jahreshälfte fortgesetzt werden kann, wenn die Unternehmen von einer höheren Basis aus agieren und der externe Druck auf den chinesischen Markt seinen Tribut fordert. Insofern die angebotsseitigen Reformen längerfristig erfolgreich sind, besteht durchaus die Chance, dass die langfristigen Wachstumsaussichten für diese Unternehmen deutlich Auftrieb erhalten. Das ist der Grund dafür, weshalb wir den zyklischen Industrie- und Betriebsstoffsektoren nach längerer Zeit nun positiver gegenüberstehen.

Darüber hinaus sind wir nach wie vor Fürsprecher der Unternehmen, die von dem steigenden Konsum sowie der Technologieverbesserung und dem Trend der Industrieautomation in China profitieren. Die Entwicklung des zunehmenden Binnenkonsums ist derzeit noch in vollem Gange und nach wie vor ein positiver Faktor für Unternehmen, die sich auf das Inland konzentrieren. Auch die Inflation dürfte sich dieses Jahr erholen, was ein Segen für jene Firmen ist, die über die Preissetzungsmacht verfügen, um davon zu profitieren. Einige Unternehmen des „neuen Chinas“, die ein enormes und nachhaltiges Wachstumsniveau erfordern, dürften hingegen Schwierigkeiten haben, ihre gegenwärtigen Bewertungen in einem volatilen Markt zu rechtfertigen. Dennoch wird ein Ausverkauf am Markt dieses Jahr Chancen mit Blick auf Qualitätsunternehmen eröffnen, auch wenn diese derzeit noch teuer sind.

Eine Strategie, die für die anstehenden Herausforderungen gerüstet ist

Uns bleibt nur abzuwarten, welche Haltung Trump mit Blick auf den Handel einnimmt und ob die angebotsseitigen Reformen von Jinping das Wachstum tatsächlich stabilisieren und die Binnenwirtschaft ankurbeln. Im Laufe der Zeit wird es unweigerlich zu einer erhöhten Volatilität kommen. Ungeachtet dessen konnten wir anhand unseres ausgewogenen Titelselektionsprozesses nach dem Bottom-up-Ansatz Chancen im Inland aufspüren, und zwar sowohl in Chinas New Economy als auch den traditionellen, zyklischen Sektoren, die derzeit einen Wandel bei den Ertragserwartungen durchlaufen. Ein solches Gleichgewicht  ist unserer Auffassung nach in unsicheren Zeiten wichtig. Da das Bewertungsniveau aktuell angemessen ist, dürften die von uns gehaltenen Unternehmen über das Potenzial verfügen, mittel- bis langfristig kräftige Erträge zu erwirtschaften.

Trotz steigenden US-Anleiherenditen und stärkerem US-Dollar: EMD wird weiter gut performen

von Marcelo Assalin, Head of Emerging Market Debt bei NN Investment Partners.

Trotz Volatilität war 2016 ein außerordentlich gutes Jahr für Emerging Market Debt (EMD). Hart- und Lokalwährungsanleihen sowie EM-Unternehmensanleihen rentierten um gut 10 %. NN Investment Partners glaubt, dass EM trotz einiger Negativfaktoren auf kurze Sicht gut aufgestellt sind, um bei steigenden US-Anleiherenditen und einem stärkeren Dollar auch weiterhin positiv abzuschneiden. Die Hauptgründe für diese Annahme liegen in den wirtschaftlichen Aussichten für die Emerging Markets sowie ihren Außenhandelsbilanzen. Diese haben sich deutlich verbessert. Die Realzinsen bewegen sich auf hohem Niveau, die Inflation geht zurück und EM-Währungen sind unterbewertet. Auch die festeren Rohstoffpreise tragen zum Wachstum der EM-Volkswirtschaften bei. 

Marcelo Assalin kommentiert:

„Die Renditen auf US-Anleihen sind nach den Wahlen steil nach oben geschossen. Die Anlegerschaft erwartet von der neuen Regierung in den USA eine deutliche fiskalische Expansion. Mittelfristig könnte das höhere Inflation und höhere Zinsen bedeuten. Steigende Zinsen in den USA sind für festverzinsliche Anlageformen allgemein und EMD im Besonderen ungünstig, doch bislang hat sich EMD äußerst widerstandsfähig gezeigt. Das dürfte vor allem an der Verbesserung der EM-Rahmendaten in den letzten Jahren liegen. Anfang 2016 übertrafen die Konjunkturdaten die Erwartungen – zum Jahresende beschleunigte sich die Dynamik sogar noch. 2017 dürfte der konjunkturelle Schwung in den Industrieländern zusammen mit den stabilen bis steigenden Rohstoffpreisen für die EM positiv sein.“

Assalin weiterhin: „Neben der steigenden Wirtschaftsleistung ist der deutliche Rückgang des Außenfinanzierungsbedarfs in den EM ein weiterer Positivfaktor. Möglich wurde dies durch den Abbau von Leistungsbilanzdefiziten in den meisten EM-Ländern. Nach Jahren erhöhter Raten sinkt nun auch die Inflation in den EM, während die Realzinsen immer noch hoch sind. Die Kurse von EM-Währungen liegen immer noch deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt. All dies trägt zu einem günstigen Umfeld für die EM bei. Auch die Erholung der Rohstoffpreise dürfte die Wachstumsentwicklung an den EM begünstigen. Zudem werden einige wichtige EM-Volkswirtschaften, wie Russland und Brasilien, die Rezession hinter sich lassen. Nach zwei Jahren der Stagnation dürften beide Länder 2017 wieder positive Zuwachsraten schreiben. Die chinesische Wirtschaftsleistung kann sich weiter auf eine günstige Geld- und Fiskalpolitik stützen. Hinzu kommt die voraussichtliche Ausweitung des positiven Wachstumsdifferenzials zwischen den Schwellenländern und der entwickelten Welt.“

„So liegen die Renditen im EM-Anleiheuniversum bei knapp 7 % für Lokal- und nahezu 6 % für Hartwährungsanleihen“, meint Assalin. „Angesichts der sich erholenden Rahmendaten sind derartige Renditen an den EM zweifelsohne attraktiv, vor allem im Vergleich zu den 0,3 %, die Bundesanleihen derzeit abwerfen. Dieses Renditegefälle bleibt eine der wichtigsten Triebkräfte der Kapitalströme“.

Assalin führt fort: „Im Hinblick auf die Aussichten der EM darf auch ein Hinweis auf den politischen Wandel in den USA nicht fehlen. Das größte Risiko für Investoren und Finanzmärkte besteht in einem Szenario, in dem sich Trump streitfreudig zeigt, wenn es bei fiskalischen oder handelspolitischen Fragen zu Konflikten mit den Republikanern im Kongress kommt. Falls Trump Handelszölle auf importierte Waren aus den EM einführen sollte, würde das zweifellos negative Auswirkungen auf den Export der EM haben. Insbesondere für solche Länder, die starke Handelsbeziehungen zu den USA pflegen. Allerdings sind wir der Ansicht, dass sich Trump auf Wachstum konzentrieren wird, was den EM zu Gute kommen sollte.“

Assalin rechnet mit einem weiteren positiven Jahr für EMD: „Wir erwarten einen Anstieg der Renditen auf 10-jährige US-Schatzanleihen auf gut 3 % bis Ende 2017. Doch werden sich EMD-Spreads nicht zwangsläufig ausweiten. Wenn die US-Zinsen in der Vergangenheit aufgrund besserer Wachstumsaussichten stiegen, verengten sich die EMD-Spreads. Klettern die Renditen auf 10-jährige Treasuries also auf bis zu 3 %, sollten die Spreads im Hard-Currency-Segment sowohl bei Staats- als auch Unternehmensanleihen in Richtung 300 Bp. sinken. Im Ergebnis könnte die Asset-Klasse Gesamterträge von 5-6 % abwerfen.“

„Unsere Prognose für Lokalwährungsanleihen ist ähnlich. Die Rendite des GBI-EM-Index dürfte bei 4-6 % liegen, wobei dies vor allem der Zinskongruenz der Assetklasse zu verdanken sein wird, die mit knapp 7 % rentiert. Bei einem anziehenden US-Dollar wäre der Beitrag von EM-Währungen indessen erwartungsgemäß leicht negativ.“

Investoren sollten bei EU-Aktien sehr selektiv vorgehen

Das noch junge Jahr 2017 wird für die europäischen Aktienmärkte voraussichtlich relativ turbulent: Politische Richtungswahlen sowie eine anhaltende Sektorrotation nach dem Ende der 30-jährigen Anleihehausse dürften die Entwicklung nachhaltig beeinflussen. Doch europäische Unternehmen bieten trotzdem interessante Ertragsmöglichkeiten, sagt Niall Gallagher, Investment Director für europäische Aktien bei GAM. Dem Experten zufolge wird die Titelauswahl dabei von entscheidender Bedeutung sein.

Unabhängig vom Ausgang der kommenden Wahlen in Europa steht für Gallagher fest: „Unternehmen, die ihre Umsätze weltweit erwirtschaften und sowohl von positiven technologischen Umwälzungen als auch vom Wachstum des E-Commerce profitieren, bleiben attraktiv. Trotzdem ist eine hohe Selektivität unverzichtbar.“ Gallagher rät den Anlegern dazu, sehr genau auf die Bewertungen zu achten – zumal der europäische Markt aktuell leicht über dem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der letzten 30 Jahre notiere.

Bond-Proxies könnten an Attraktivität einbüßen

Sollte Donald Trump seine fiskalpolitische Agenda im kommenden Jahr wie angekündigt umsetzen, dürften höhere US-Inflationserwartungen die US-Notenbank dazu ermutigen, die kurzfristigen Zinsen heraufzusetzen. Dies hätte laut Gallagher weltweit steigende Kapitalkosten zur Folge. Anleihen würden die größten Verluste verzeichnen, doch auch an den Aktienmärkten würde dies nicht spurlos vorübergehen. „Wenn die weltweite Flut an billigem Geld abebbt, wird die Bewertungsprämie von Titeln, die ein geringes Wachstum und ‚anleihenähnliche‘ Merkmale aufweisen, am europäischen Markt sinken. Neben globalen Konsumgüterkonzernen werden auch Titel von börsennotierten Immobiliengesellschaften und ausgewählten Industrieunternehmen sowie der Großteil des Pharmasektors durch die höheren Zinssätze belastet werden. Die als gering wahrgenommenen Schwankungen der Gewinne all dieser Unternehmen stützen seit Langem die Bewertungen, die durch ihr Gewinnwachstumspotenzial nicht gerechtfertigt sind“, erklärt Gallagher. 

Hohe Nachfrage nach Konsum- und Luxusgütern in China ungebrochen

China dürfte diese geld- und fiskalpolitischen Impulse nochmals verstärken – unabhängig davon, inwieweit die angedachten US-Strafzölle tatsächlich eingeführt werden. Das Wachstumsziel von sechs Prozent habe positive Auswirkungen auf Rohstoffunternehmen in Europa, und auch der steigende Konsum kurbelt den Wachstumsmotor an. Die Stärkung des Binnenkonsums erscheint Gallagher neben dem Kampf gegen die Korruption eindeutig ein Ziel der chinesischen Regierung zu sein – und sei es nur, um weiter von den Einfuhrabgaben zu profitieren. „Strengere Zollkontrollen bei Reisenden, die aus Europa zurückkehren, sowie jüngste Vorstöße zur Senkung der Einfuhrabgaben für Produktkategorien wie Kosmetika werden die starke latente Nachfrage nach Konsum- und Luxusgütern der 300 Millionen Menschen umfassenden Mittelschicht in China weiterhin stützen. Unternehmen, die in den Aufbau einer physischen Präsenz in China investiert haben, dürften in allen Teilen ihres breiten Produktportfolios profitieren. Das umfasst Lederwaren, Schmuck, Wein und Spirituosen genauso wie Kosmetika und Reiseartikel“, sagt Gallagher.

Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden könnten Marktschwankungen auslösen

Ein „Extremrisiko“ stellt für Investment Director Gallagher vor allem die Präsidentschaftswahl in Frankreich im Mai 2017 dar: „Ein Sieg von Marine Le Pen würde das Euro-Projekt durch ein unerträgliches Maß an Unsicherheit belasten. Sollten die französischen Wähler hingegen die von Francois Fillon oder einem anderen reformwilligen Kandidaten vorgeschlagenen arbeitsmarktpolitischen Änderungen unterstützen, würde dies von den Märkten wahrscheinlich sehr positiv aufgenommen werden.“

Angesichts der Unsicherheit über die anstehenden Wahlgänge auch in Deutschland und den Niederlanden rät Gallagher Anlegern, dass sie bei Investments in europäische Aktien ein außergewöhnlich hohes Maß an Selektivität an den Tag legen sollten.  Der europäische Aktienmarkt bietet dem Experten zufolge eine Vielzahl von Möglichkeiten auch wenn die Anlageklasse selbstverständlich nicht frei von Herausforderungen ist. Bei einer umsichtigen Titelauswahl sind aber weiterhin attraktive Erträge möglich“, schließt Gallagher.

Kurshalten im Jahr des Feuer-Hahns

Gemäß der chinesischen Astrologie steht der Hahn dafür, stets den Überblick zu behalten und einen starken Charakter zu haben. Das Element Feuer bedeutet Stärke und soll symbolisieren, eigene Überzeugungen nachdrücklich zu vertreten. Eric C. Moffat, Manager des Asia Opportunities Fund von T. Rowe Price, erklärt was das morgen beginnende chinesische Neuhjahr – das Jahr des Feuer-Hans – für Investoren mit sich bringen könnte.

„Aus makroökonomischer Sicht hat sich China wieder stabilisiert. Das zeigen die neusten Wirtschaftsdaten der zweitgrößten Ökonomie der Welt. Wir sind jedoch weiterhin der Meinung, dass China mittel- bis langfristig deutlich mehr strukturelle Reformen benötigt, um ein qualitativ hochwertiges und langsameres Wachstum zu erreichen. Im letzten Jahr sorgte die Immobilien- und Infrastrukturentwicklung, die von wirtschaftlichen Stimuli angetrieben wurde, für ein stärkeres Wachstum. Obwohl diese Aktivitäten auch im kommenden Jahr positiv für das Wachstum sein dürften, mehren sich auch Bedenken hinsichtlich eines Anstiegs der Schulden. Investoren sollten sich deshalb auf zahlreiche Störfaktoren einstellen, vor allem im Hinblick auf den Abbau ausländischer Devisenreserven, einen überhitzten Immobilienmarkt und Chinas Verhältnis zum neuen US-Präsidenten Donald Trump. Auch den Ende des Jahres anstehenden Kongress der kommunistischen Partei Chinas sollten Investoren auf dem Zettel haben. Dieser Kreis aus Angst und Hoffnung ist mit Blick auf China allerdings nichts Neues. Chinas Transformation zu einer konsum- und dienstleistungsbasierten Volkswirtschaft sorgt auch im neuen Jahr für attraktive Möglichkeiten im Bereich der Wachstumstitel.“

US Dollar Downside

The US Dollar is on a downward trend that has gathered momentum and has room to run. Speculative futures positioning remains elevated and weak payrolls next week could catalyse an unwind. The EUR and GBP look most likely to benefit from further moves lower in the US Dollar, says ETF Securities in their weekly Investment Insight.

Talked lower

Next Friday, 2017’s first US nonfarm payroll report will be released and could determine the near term fate of the US Dollar. The widely monitored DXY dollar basket has moved 2.9% lower over the month, retracing a portion of the sharp 7.1% rally experienced in the fourth quarter of last year. A strong payroll figure could re-ignite rate hike expectations and put the US Federal Reserve’s (Fed) March meeting back into play (rate hike currently priced at around 20%*), while a weak slate could confirm predictions that the Fed will adopt a more dovish stance than is currently being suggested. We believe it is likely that the US Dollar has further room to run lower in the coming months as the Fed remains on the side-lines (i.e. does not hike rates in March) and extended speculative positioning unwinds. This is most likely to be witnessed against the GBP and EUR, as the JPY has already experienced a considerable correction and oil-related currencies remain subject to supply concerns.

Rhetoric from Trump’s administration, specifically him and his Treasury secretary nominee, Steven Mnuchin, also has potential to weigh on the US Dollar from a sentiment perspective. Both figures have emphasised the detrimental effect of an “excessively strong US Dollar” on the wider American economy and further comments could add to bearish momentum currently surrounding the currency.

Overstretched and overdone

Speculative futures positioning data suggests that net long US Dollar positions have moderated somewhat in recent weeks. However, gross long US Dollar positions remain considerably elevated and short positing near record lows (see Figure 1), so further correction potential remains. Technically speaking, while momentum indicators turned lower for the US Dollar at the start of the year, they remain on an established downward trend and some way from bottoming. The EUR/USD is trading near its 38.2% Fibonacci retracement at 1.07, and any break could see it head towards its 100 daily moving average (DMA) of 1.082. Meanwhile, the GBP/USD recently broke through its 50 DMA and has potential to head towards its own 38.2% Fibonacci retracement at 1.28.

Das Jahr des Feuer-Hahns in China bietet Chancen für Anleger

von Wolfgang Fickus, Mitglied des Investmentkomitees, Comgest.

In diesen Tagen begehen Chinesen in aller Welt ihr Neujahrsfest. Die traditionellen Bräuche sollen Glück und Wohlstand im neuen Jahr sicherstellen. Wirtschaftlich zumindest waren die Götter in den letzten Jahren gnädig: China, bisher in der westlichen Wahrnehmung „die verlängerte Werkbank der Welt“, vollzieht derzeit einen rasanten Wandel.

Der Inlandskonsum des Landes wächst, getragen von der steigenden Nachfrage an Waren und Dienstleistungen einer immer breiter werdenden Mittelschicht. Dafür stehen Unternehmen wie Kweichow Moutai, dank der Premiummarke gleichen Namens Marktführer für hochwertige Spirituosen, China Life, führender Anbieter für Lebensversicherungen oder Netease, ein führender Anbieter für Onlinespiele in China.

Das Internet ist in China die dominierende Marketingplattform – schon heute werden hier 20 Prozent des weltweiten Umsatzes für mobile Digitalwerbung erzielt. Chinesische Internetunternehmen wie Tencent oder Baidu etwa gehören laut dem MIT Technologie Ranking zu den innovativsten Unternehmen der Welt.

Wir glauben vor diesem Hintergrund, dass sich der ökonomische Wandel in China fortsetzen wird – mit entsprechenden Chancen durch die rasante Marktöffnung des chinesischen Aktienmarkt. Dank der Stock- Connect-Programme der lokalen Börsen Schanghai, Shenzen mit Hongkong haben Investoren erstmals direkten Zugang zu 1.447 chinesischen A-Aktien. Die Börsen Schanghai und Shenzen verzeichneten 2016 rund 22 Prozent der weltweiten Börsenumsätze in Aktien — aber nur ein Prozent der chinesischen Marktkapitalisierung befindet sich derzeit in ausländischer Hand. Im Leben eines Schwellenland-Fondsmanagers ist dies eine einmalige Gelegenheit.

Kann der Optimismus nach den Wahlen von Dauer sein?

In den Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen, mehr aber noch in den Tagen direkt danach, sahen die Investoren die US-Wirtschaft und den amerikanischen Aktienmarkt wieder optimistischer. Die Hoffnung auf eine expansive Fiskalpolitik durch niedrigere Unternehmens- und Einkommensteuern, höhere Infrastrukturausgaben und eine weniger strenge Regulierung nach dem Amtsantritt von Donald Trump ließen Aktien auf Rekordhochs steigen und sorgten für höhere US-Staatsanleiherenditen.

Nach den Wahlen lagen nicht mehr defensive Aktien wie Versorgerwerte und REITs vorn, sondern risikoreichere, zyklische Finanz- und Grundstoffaktienwerte, die hinter dem Markt zurückgeblieben waren. Offensichtlich gingen die Investoren von einem höheren US-Wirtschaftswachstum aus. Die Erwartung einer steigenden US-Inflation sorgte unterdessen für höhere Staatsanleiherenditen, und die Hoffnung auf Steuererleichterungen für repatriierte Auslandsgewinne amerikanischer Unternehmen trug zum Rückgang der Unternehmensanleihespreads bei.

Nach den Wahlen reagierten die Märkte geradezu euphorisch. Angesichts der Wirtschaftslage – und der schon sehr langen Dauer des derzeitigen Konjunkturzyklus – muss man sich aber fragen, ob dies nachhaltig sein kann. Zurzeit ist man an den Märkten sehr davon überzeugt, dass die neue Regierung das Wachstum fördert und die Wirtschaft voranbringt, auch wenn die Einzelheiten von Trumps Plänen noch weitgehend im Dunkeln liegen. Es kann daher leicht zu Enttäuschungen kommen. Die positiven Aspekte von Trumps Politik sind in den Kursen vielleicht schon enthalten, die negativen, wachstumsdämpfenden, hingegen nicht.

Im Folgenden untersuchen wir mögliche Fallstricke, die Investoren vielleicht übersehen, und die Nachhaltigkeit der Kursrallye. Die aktuelle Ausgabe „Märkte Aktuell“ von MFS Investment Management finden Sie links als PDF. Sie beleuchtet:

  • Auf die US-Wahlen reagierten die Märkte zunächst euphorisch. Aufgrund der Wirtschaftslage muss man aber an der Nachhaltigkeit zweifeln.
  • Der US-Dollar, höhere Zinsen und teureres Öl schaden den Unternehmensgewinnen. Interessant wird auch die Reaktion der Fed sein, wenn Trumps Wirtschaftspolitik klarer wird.
  • Die Marktteilnehmer haben vor allem die positiven Aspekte von Trumps recht allgemein gehaltenen Vorschlägen registriert – wie Steuersenkungen und Deregulierung. Die möglichen Probleme durch andere Ideen – wie eine massive Einschränkung der Einwanderung und des Welthandels – wurden ignoriert. Enttäuschungen sind vorprogrammiert.

Pound will remain supported in the near-term

by Martin Arnold, Director - FX & Macro Strategist bei ETF Securities.

We expect the Pound will remain supported in the near-term, as negotiations begin and investors gain an understanding of the underlying issues and the timeframe for the exit process. A 'hard Brexit' is not our favoured scenario, but Sterling is likely to remain volatile and range bound in trading in 2017, as details of the Government's negotiations with the EU trickle through to the public. Although range bound, investors will have plenty of opportunity to get exposure to the Pound, as it is likely to be a wide range - from 1.21-1.27 against the US Dollar.

The Supreme Court has upheld the High Court's decision that requires the UK Parliament to vote to trigger Article 50 in order to invoke the two-year negotiation timeline to exit the EU. Brexit is still likely to happen, but is likely to be delayed by a government debate on whether and when to trigger it.

Today's Supreme Court decision was widely anticipated, with GBP rebounding in recent days from its post-EU Referendum lows. UK Prime Minister May appears to have been resigned to the fact that the UK Parliament would have some say in the Brexit outcome, after last week indicating that lawmakers would vote on the final Brexit framework. However, the Supreme court decision is another blow to the PM, who has taken a hard line in trying to implement what she terms 'the will of the people'.

The free movement of people and EU budget contributions were both critical determinants for the UK voters in deciding to leave the EU. Although these will remain two of the main goals for the Conservatives, it remains to be seen who the UK Government will be negotiating with, with many elections on the continent over the next two years. Indeed, the Socialists have lost the EU Parliament Presidency which could potentially split the Parliament and make any Brexit negotiations with the UK more messy and acrimonious.

We expect the Pound will remain supported in the near-term, as negotiations begin and investors gain an understanding of the underlying issues and the timeframe for the exit process. A 'hard Brexit' is not our favoured scenario, but Sterling is likely to remain volatile and range bound in trading in 2017, as details of the Government's negotiations with the EU trickle through to the public. Although range bound, investors will have plenty of opportunity to get exposure to the Pound, as it is likely to be a wide range - from 1.21-1.27 against the US Dollar.

Bei europäischen Hochzinsanleihen ist Selektivität essenziell

Der Markt für europäische Hochzinsanleihen ist momentan robust, doch das unsichere politische Umfeld könnte künftig für erhöhte Volatilität sorgen. Daher sollten Investoren im Jahr 2017 verstärkt auf Anleihenselektion setzen, sagt Mike Della Vedova, Portfoliomanager der European High Yield Bond Strategie von T. Rowe Price. „Politik und Geldpolitik könnten den eigentlich robusten Markt für europäische Hochzinsanleihen aus dem Tritt bringen. Wir denken daher, dass eine kluge Anleihenselektion 2017 die wichtigste Quelle absoluter und relativer Erträge sein wird“, erklärt er. Die technischen Faktoren seien gut, und auch die Europäische Zentralbank (EZB) sorge derzeit für Unterstützung. Allerdings könnten die Wahlen in Europa, die Brexit-Verhandlungen und die Entwicklung in China die Marktteilnehmer im Jahresverlauf verunsichern. „Zudem haben die Märkte einen Erfolg der Politik Donald Trumps eingepreist. Wir beobachten daher genau, wie die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen vonstattengeht“, so Della Vedova.

Niedrige Ausfallquoten, stabiles Emissionsvolumen

Der Anleihe-Experte rechnet im laufenden Jahr mit weiterhin niedrigen Ausfallquoten, während das Volumen der Neuemissionen gegenüber 2016 nur wenig abfallen könnte. „Der Markt dürfte in diesen Wochen so richtig in das neue Jahr starten. Investoren sollten das Emissionsgeschehen nun genau beobachten, denn das hochqualitative BB-Segment, das den Anfang macht, wird die Richtung für die anderen Segmente des Marktes weisen“, erläutert Della Vedova. Dabei komme es auch auf das Timing an. Das gelte aufgrund der bald beginnenden Brexit-Verhandlungen insbesondere bei Emittenten aus dem Vereinigten Königreich.

Ob die Kapitalflüsse im Markt für Unterstützung sorgen oder nicht, sei vor allem von der Geldpolitik abhängig. Zwar habe der Wahlsieg Donald Trumps für eine Rotation von Anlagekapital aus den Anleihe- in die Aktienmärkte gesorgt. „Das High-Yield-Segment hat sich jedoch bislang gut gehalten, denn viele Marktteilnehmer erwarten, dass die Wachstumspolitik auch für eine Verlängerung des Kreditzyklus sorgen könnte“, beobachtet Della Vedova. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn die US-Notenbank Fed den Rhythmus zukünftiger Zinsschritte weiter verschärfe. Die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen sorge vorerst weiter für ein unterstützendes Umfeld in Europa. Die lockere Geldpolitik sei jedoch an die Belebung der Inflation gekoppelt. „Anleger sollten daher ein Auge auf die Inflationsentwicklung in der Eurozone haben“, so der Experte. 

Politik sorgt für Risiken und Chancen

Die größten Risiken seien derzeit die anstehenden Wahlen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden sowie der Verlauf der Brexit-Verhandlungen. Zudem blieben Kapitalabflüsse aus China wie schon 2016 ein wichtiger Einflussfaktor. „Jede dieser Entwicklungen könnte für Volatilität und eine größere Risikoaversion an den Märkten sorgen – und die europäischen High-Yield-Märkte reagieren für gewöhnlich sehr sensibel auf Veränderungen des Marktsentiments“, gibt Della Vedova zu bedenken.

Mögliche Unterstützung für die europäischen Märkte könnte dagegen aus den USA kommen. Denn derzeit sei ein Erfolg der Politik des neuen US-Präsidenten eingepreist. „Die Märkte glauben an Donald Trump und bevorzugen US-amerikanische Anleihen. Allerdings ist noch nicht klar, in welchem Maße, in welcher Geschwindigkeit und mit welchem Erfolg die Ankündigungen auch in die Tat umgesetzt werden – und davon könnte abhängen, welche Region 2017 die Nase vorne hat“, erklärt Della Vedova.

Preissteigerungen und Zentralbankpolitik – 2017 bietet Aussicht auf Veränderungen am Fixed-Income-Markt

Das vergangene Investmentjahr stand im Zeichen einer ganzen Reihe unerwarteter Ereignisse. Auch das noch junge Jahr 2017 wird Überraschungen bieten, doch einige Veränderungen zeichnen sich bereits jetzt ab. Tim Haywood, Investment Director im Bereich Fixed Income bei GAM, erläutert einzelne Entwicklungen, die das Jahr prägen dürften.

„Wir gehen davon aus, dass eine ‚Belebung‘ des Preisniveaus bevorsteht. Am wahrscheinlichsten ist, dass mehrere geringfügige Erhöhungen zusammengenommen zu einem moderaten Preisanstieg beitragen, sich aber kein langfristig anhaltendes Inflationsumfeld bildet“, prognostiziert Haywood. Das führt der GAM-Experte auf verschiedene Faktoren zurück. Erstens deuteten die jüngsten Konjunkturdaten auf einen allmählichen Anstieg der Preise hin, insbesondere in den USA, wo unter anderem die steigenden Wohnungs- und Treibstoffkosten im November zum vierten Mal hintereinander die monatliche Inflation steigen ließen. „Wenn wir jedoch über die volatilen Komponenten Lebensmittel und Energie hinausblicken, zieht die Inflation im Dienstleistungssektor bereits seit über zwölf Monaten an. Am deutlichsten zeigt sich dies im Gesundheitssektor, wo Pflegedienstleistungen nicht einfach ins Ausland ausgelagert werden können.“

Falls der neue US-Präsident Donald Trump seine Pläne zur Begrenzung der Wettbewerbsfähigkeit im Ausland produzierter Güter in den USA in die Tat umsetzt, würde das die Preise ebenfalls in die Höhe treiben. Auf der anderen Seite des Atlantiks sei besonders Großbritannien anfällig für einen Inflationsschock aufgrund der Währungsschwäche, obwohl sich die Binnenwirtschaft seit dem Brexit-Referendum als überraschend widerstandsfähig erwiesen habe.

Nominalanleihen könnten gegenwärtig eine interessante Anlageoption sein

Traditionell haben die Ölpreise einen starken Einfluss auf Inflation und Inflationsprognosen. Allerdings ist es Haywood zufolge unrealistisch, dass der Barrel-Preis signifikant ansteigt – selbst nach den jüngsten Fördermengenkürzungen der OPEC-Mitglieder. Denn in den ersten Tagen des Jahres 2017 habe sich der Preis pro Barrel Brent-Rohöl um die 57 US-Dollar bewegt – eine drastische Erholung im Vergleich zum Tiefststand des Jahres 2016 von 27,88 US-Dollar. Dieser starke Anstieg dürfte jedoch geringere Auswirkungen auf die Inflationsdaten haben, da der Basiseffekt allmählich wegfalle.

„Unserer Meinung nach signalisiert keiner dieser Faktoren, weder einzeln noch in der Kombination, ein Umfeld mit anhaltend erhöhter Inflation: Die Risiken sind nuancierter. Es handelt sich um eine Reduzierung des Angebots, nicht etwa darum, dass die Nachfrage nicht gedeckt wird. Die Fördermengenkürzungen der OPEC sind ein perfektes Beispiel dafür“, so Haywood. Die mäßigen Zahlen für den Welthandel untermauerten diese Einschätzung zusätzlich. Das Lohnwachstum sei ebenfalls immer noch moderat. Es stellt sich die Frage, wie Anleger in dieser Situation profitieren können: „Da inflationsgebundene Anleihen unattraktive Realzinsen bieten, aber sehr sensibel auf die Zinssätze reagieren, sind Short-Positionen in Nominalanleihen die attraktivere Option“, schlussfolgert Haywood.

Wirksamkeit der Zentralbankpolitik unter der Lupe

Neben Preissteigerungen ist laut Haywood die Geldpolitik ein entscheidender Einflussfaktor am Fixed-Income-Horizont: „Die geldpolitischen Maßnahmen werden zunehmend hinterfragt und der Druck auf Regierungen, alternative Strategien anzubieten, nimmt zu. In den USA werden die Gründe für einen Aufschub der Normalisierung immer weniger und schwächer. Das gilt auch für die Zahl der Gegner eines solchen Richtungswechsels“, sagt Haywood. Während die Entscheidung der US-Notenbank zur Anhebung der Zinssätze im Dezember als sichere Sache angesehen worden sei, wäre es nun durchaus möglich, dass es im laufenden Jahr mehr als die beiden Zinserhöhungen geben werde, die der Markt derzeit eingepreist habe.

„In Europa deutet die von der Europäischen Zentralbank beschlossene ‚Drosselung‘ unter einem anderen Namen – de facto also gleicher Betrag, verteilt auf einen längeren Zeitraum – auf Spannungen im Zentralbankrat hin“, meint der Experte. Dies ließe die Staatsanleiherenditen kurz steigen, obwohl der Markt offenbar auf das Versprechen des EZB-Präsidenten Mario Draghi von 2012 vertraut, alles Notwendige zu tun. „Ohne die Zentralbankkäufe könnten die Renditen von Kernanleihen am langen Ende der Kurve unserer Meinung nach potenziell um etwa 50 Basispunkte steigen, um dem Anstieg der Inflation, der positiven Wachstumsdynamik und der signifikanten Veränderung der offiziellen Angebots- und Nachfragedynamik Rechnung zu tragen.“ In Japan könnte die Unsicherheit nach den US-Wahlen den Wert des Yen noch weiter in die Höhe treiben. Dies wäre schlecht für die Exporte und die Inflation Japans. Damit werde die Möglichkeit, dass die japanischen Konsumenten mit Helikoptergeld überschüttet werden, zu einer realistischeren Sorge, betont Haywood.

Schwellenländer wieder im Aufwind

Das Tempo der Verkaufswelle zum Jahresende habe Anlass zur Reduzierung von Short-Strategien in den Industrieländern gegeben, da die Märkte der Schwellenländer jetzt ein attraktiveres Ziel für Anlagen zu sein scheinen. Sie böten weiterhin gute Chancen zur Wertentwicklung. Hier fasst GAM-Experte Haywood vor allem Brasilien und Mexiko ins Auge. „Mexiko, wo der Markt derzeit nach allen Maßstäben billig ist, sollte man auf der Rechnung haben, wenn sich zeigt, wie sich die US-Politik entwickelt.“

An den Devisenmärkten sei die Volatilität nach wie vor erhöht und die Anleger dürfen Haywoods Meinung nach das Risiko eines starken US-Dollar nicht außer Acht lassen. „Auf die Anleihemärkte der Industrieländer kommen zahlreiche Belastungen zu, darunter fallen Zinserhöhungen statt -senkungen, eine geringere quantitative Lockerung, ein höheres Emissionsvolumen und ein Inflationsimpuls, insbesondere in Ländern mit schwächeren Währungen. Dagegen scheinen die Herausforderungen für die Schwellenmärkte gut durch ihre positiven Fundamentaldaten aufgewogen zu werden“, analysiert Haywood.

Der Trump-Effekt steht auf dünnem Eis

Die Börsen scheinen sich gerade in einer paradoxen Geisteshaltung zu befinden. Auf der einen Seite herrscht Unsicherheit über die Frage, wohin der neue US-Präsident Trump die nominal größte Volkswirtschaft der Welt steuern wird. Steht mit dem Motto „America first“ wirklich die Rückkehr des Protektionismus an? Auf der anderen Seite ist das aktuelle konjunkturelle Umfeld positiv. Die Zentralbanken weltweit inkl. der US-Notenbank Fed scheuen zu große Eingriffe in die Märkte, sämtliche (Börsen-)Frühindikatoren zeigen nach oben und die Gewinne der US-Firmen steigen. Zudem begrüßen viele Börsianer Trumps Pläne für fiskalische Maßnahmen. Was ist also in den kommenden Monaten von der größten Volkswirtschaft der Welt und der Wall Street zu erwarten?

Trump wird Ergebnisse frühestens 2018 liefern können

So mancher Augur lässt sich aktuell hinreißen, die Amtseinführung der Trump-Administration mit dem Startschuss für einen Konjunkturboom in den USA sowie einem damit verbundenen Anziehen der Aktienmärkte gleichzusetzen. Schließlich kündigte der neue US-Präsident im Wahlkampf massive Ausweitungen der Staatsausgaben zugunsten der maroden Infrastruktur an. Allerdings ist die Lage bei genauerem Hinsehen diffiziler: Trotz der zuletzt überwiegend guten Konjunkturindikatoren lassen die jüngsten Steigerungen der Hypothekenzinsen sowie der festere Dollar, der Gegenwind für die Exportzahlen darstellt, für das Jahr 2017 eine Konjunkturberuhigung erwarten. Sollten die angekündigten Investitionen tatsächlich vorgenommen werden, dürfte dieser Stimulus wahrscheinlich erst in 2018 wirken. Derartige staatliche Maßnahmen müssen lange Zeit im Voraus geplant werden und auch die Umsetzung dürfte angesichts niedriger Arbeitslosenzahlen im Bausektor und Fachkräftemangel schwer sein. Selbst wenn künftig die angekündigten rund 100 Mrd. US-Dollar in die Infrastruktur investiert werden, entspräche dies letztlich nur 0,5% des gesamten US-Bruttosozialprodukts.

Verschuldung ist ein entscheidender Faktor bei Konjunkturentwicklung

Ein entscheidender Grund für die aktuelle Unsicherheit ist die Verschuldung in den Vereinigten Staaten. Grundsätzlich gilt: Je stärker eine Volkswirtschaft verschuldet ist, desto mehr wirken sich Zinssteigerungen konjunkturbremsend aus. Da die US-Staatsverschuldung in Wirklichkeit wesentlich höher ist als die offiziell ausgewiesenen 108% – de facto liegt diese bei 140% – könnten Zinssteigerungen in diesem Jahr für wenig erfreuliche Konjunkturmeldungen sorgen. Rechnet man die Schulden der US-Unternehmen und Verbraucher hinzu, so verdoppelt sich diese Zahl noch einmal. Vor diesem Hintergrund liegt Trump in seiner Annahme falsch, wonach die US-Notenbank Fed die Zinsen bisher zu niedrig gehalten hätte.

Für 2017 wurden von der Fed nun drei Zinserhöhungen angekündigt. Hintergrund ist ein möglicher Inflationsanstieg und ein Gegensteuern bei höherem Staatsdefizit durch Infrastrukturprogramme sowie Steuersenkungen für Firmen und reiche US-Privatpersonen. Ob es aber in diesem Jahr tatsächlich zu einem US-Konjunkturboom und dabei höheren Inflationsraten mit einer Notenbank-Bremsung in der Folge kommen wird, ist fraglich. Wahrscheinlicher ist, dass die konjunkturellen Bäume in den USA nicht in den Himmel wachsen und sogar hinter Europa zurückbleiben. Der Trump-Effekt könnte ab 2018 wirken, steht aber auf dünnem Eis.

Aktienrückkäufe erneut dominierender Nachfragefaktor an der Wall Street

Die große Frage ist, wie viele seiner Ankündigungen der neue Präsident wahr machen wird oder nicht. Historisch gesehen "vergessen" die Präsidenten die Hälfte ihrer Versprechungen. Positiv für die Wall Street wäre ein Rückholprozess der in Steueroasen liegenden Unternehmens-Billionen in die USA. Diese würden weniger für Investitionen, sondern eher für Aktienrückkäufe eingesetzt werden. Der Grund: Auf diese Weise lassen sich Gewinnwachstumsziele schnell erreichen, was für viele CEOs eine große Motivation darstellen dürfte. Investitionen sollten zwar nach der Zurückhaltung der vergangenen Jahre auch auf dem Plan stehen. Allerdings ist fraglich, ob Unternehmen in einem reifen Konjunkturzyklus noch stark investieren. 
Die Aktienrückkäufe erklären auch die bessere Entwicklung des US-Marktes in den vergangenen Jahren im Vergleich zu anderen Börsen. Die Nachfrage nach Aktien wurde künstlich gesteigert, wodurch sich eine rechnerische Erhöhung des Gewinns pro Aktie durch Vernichtung aufgekaufter Aktien ergab. Beides führte zu Kurssteigerungen. Sollte in den USA der Trump-Versuch zur Wirtschaftsbelebung durch mehr Staatsschulden misslingen, z.B. weil steigende Zinsen den Aufschwung abwürgen, so kann es im Verlauf des zweiten Halbjahres zu einer anderen Situation kommen. Bei dann wieder aufkommenden Konjunkturbedenken könnten sich die vorgenommenen Zinserhöhungen als Fehler herausstellen.

Unsere Allokation: USA untergewichten und Europa übergewichten

Der Jahresstart an den Börsen weltweit war durchaus vielversprechend. Das Jahr 2017 hat gute Chancen, diesen freundlichen Start weiterzuschreiben. Wir bleiben bei unserer grundsätzlichen Einschätzung und haben US-Aktien zugunsten von Werten aus der Eurozone untergewichtet. Die Bewertungsniveaus haben in der Breite in Europa mehr Luft nach oben, während der US-Markt hier weniger Spielraum hat. Dennoch gefallen uns Aktien starker, solider US-Firmen mit stabilen Geschäftsmodellen. Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass im aktuellen Umfeld die Wahrscheinlichkeit von Konsolidierungen im Markt hoch ist. Als Puffer können kurzlaufende US-Staatsanleihen sowie ausgewählte Unternehmensanleihen von US-Firmen mit starkem Free-Cash-Flow und hoher Stabilität bei konjunkturellen Schwankungen als Beimischung eine Option sein.

Über die Dr. Jens Ehrhardt Gruppe
Die DJE Kapital AG ist seit über 40 Jahren als unabhängige Vermögensverwaltung am Kapitalmarkt aktiv. Das Unternehmen aus Pullach bei München verwaltet mit ca. 100 Mitarbeitern (davon rund 20 Fondsmanager und Analysten) aktuell rund 11 Milliarden Euro (Stand: 31.12.2016) in den Bereichen individuelle Vermögensverwaltung, institutionelles Asset Management sowie Publikumsfonds. Vorstandsvorsitzender ist Dr. Jens Ehrhardt, sein Stellvertreter Dr. Jan Ehrhardt. Kern des Anlageprozesses und aller Investmententscheidungen ist die FMM-Methode (fundamental, monetär, markttechnisch), welche auf dem hauseigenen, unabhängigen Research basiert. Der Anspruch der DJE Kapital AG ist, ihren Kunden weitsichtige Kapitalmarktexpertise in allen Marktphasen zu bieten.

Gold und US-Dollar wieder in der Gunst der Anleger

Gold verzeichnet in der vierten Woche in Folge Zuflüsse, diesmal im größten Umfang seit 16 Wochen. Bei Schwellenmarktanleihen kam es zu den höchsten Zuflüssen seit acht Wochen. Bei Short-JPY-ETPs erreichten die Gewinnmitnahmen den höchsten Stand seit April 2016. Landwirtschaftsrohstoffe verzeichneten mit 13,5 Mio. USD die höchsten Zuflüsse seit sechs Wochen, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Den vollständigen Überblick mit Charts finden Sie links als PDF.

Gold verzeichnet in der vierten Woche in Folge Zuflüsse, diesmal im größten Umfang seit 16 Wochen. In Long-Gold-ETPs (A0LP78) flossen 65,4 Mio. USD. Das sind die höchsten Zuflüsse im gesamten Rohstoffbereich, da die Rally des US-Dollar etwas ins Stocken kam und die US-Inflation zum ersten Mal seit 2014 die Marke von 2 Prozent durchbrach. Ausschlaggebend für die Entwicklung von Gold sind in den kommenden Monaten – insbesondere zu Beginn der Ausgabenpolitik der Trump-Präsidentschaft – die Inflation und die Möglichkeiten der Fed, mit ihr umzugehen. Die Preise könnten sich in den nächsten Monaten der 3 Prozent-Marke bedrohlich nähern, und wenn die Fed die Zinsen nicht anhebt, werden die fallenden Realzinsen Gold stärken. „Trotzdem steckt bei Präsident Trumps Wachstumspolitik der Teufel im Detail. Ob die Auswirkungen 2017 oder – unseren Erwartungen zufolge – eher erst 2018 spürbar sind, könnte die Zugewinne von Gold beschränken“, sagte Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Bei Schwellenmarktanleihen kam es zu den höchsten Zuflüssen seit acht Wochen. Schwellenmarktanleihe-ETPs verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse in Höhe von 22 Mio. USD, da Anleger weiterhin im Schwellenmarktbereich nach höheren Renditen suchten. „Bei den höher rentierlichen Schwellenmarktanleihe-ETPs kam es nun in der dritten Woche in Folge zu Zuflüssen“, sagte Hein.

Bei Short-JPY-ETPs erreichten die Gewinnmitnahmen den höchsten Stand seit April 2016. Anleger reduzierten ihre Positionen in US-Dollar gegenüber dem Yen zum zwölften Mal hintereinander, da der deutliche Rückgang der japanischen Währung sein Momentum zu verlieren scheint. „Die widersprüchlichen Äußerungen der neugewählten US-Entscheidungsträger zwangen den Dollar, in den zurückliegenden Wochen gegenüber dem Yen volatil in einer Spanne zu pendeln, wobei die Abflüsse aus ETPs, mit denen man sich in Yen gegenüber Dollar short positionieren kann, in der vergangenen Woche 13,8 Mio. USD betrugen“, sagte Hein.

Die Rekordzuflüsse in Wetten gegen Rohstoffwährungen beliefen sich auf 7,4 Mio. USD. Aufgrund der restriktiven Bemerkungen der Fed-Vorsitzenden Yellen und der Bedenken, dass die Politik des neuen Präsidenten Trump eine Konjunkturverlangsamung in China verschärfen könnte, gingen die Anleger Rekordpositionen in US-Dollar ein, auf deren Gegenseite ein Korb von Rohstoffwährungen stand (australischer Dollar, norwegische Krone, kanadischer Dollar und Neuseeland-Dollar). „Dieser Position kommt zugute, dass die Ölpreise am oberen Ende ihrer jüngsten Spanne verharren, denn aufgrund der zunehmenden US-Produktion bleiben die Abwärtsrisiken hoch“, sagte Hein.

Agrarrohstoffe verzeichneten mit 18,3 Mio. USD die höchsten Zuflüsse seit sechs Wochen, die sich auf diversifizierte Körbe (21 Prozent), Weizen (22 Prozent) und Kakao (49 Prozent) verteilten. Der Trend hin zu diversifizierten Anlagen beschränkt sich nicht auf Landwirtschaft: Auch in den Sektoren Energie, Industriemetalle und Lebendvieh flossen im vergangenen Monat die meisten Gelder in diversifizierte Rohstoffkorb-ETPs. „Bei Kakao scheinen die Schnäppchenjäger die treibende Kraft zu sein, da er im vorigen Jahr von allen Agrarrohstoffen am schlechtesten abschnitt und im vergangenen Monat als einziger negativ rentierte“, sagte Hein.

Europäische Immobilieninvestoren richten sich auf verlängerten Marktzyklus ein

Niedrige Zinsen, niedrige Renditen: In den Immobilienstrategien der europäischen Investoren kristallisiert sich bei der Frage, wie lange die aktuelle Marktphase noch andauern könnte, eine klare Antwort heraus. Die professionellen Immobilienanleger richten sich mehrheitlich auf einen um weitere ein bis zwei Jahre anhaltenden Marktzyklus ein, in dem die grundlegenden Bedingungen fortbestehen. Entsprechend gestiegen ist die grundsätzliche Bereitschaft der Investoren, für diese Phase Abstriche bei der Verzinsung von Immobilienanlagen zu akzeptieren. Im Investmentjahr 2017 gilt stärker denn je die Losung, zusätzliche Risiken zu umgehen und erfolgreiche Immobilienstrategien zu entwickeln, die der Erwartung „lower for longer“ Rechnung tragen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle, im halbjährlichen Turnus durchgeführte Immobilien-Investitionsklimastudie von Union Investment, für die diesmal 175 Immobilien-Investoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien repräsentativ befragt wurden.

In allen drei Befragungsregionen zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Fortsetzung des aktuellen Immobilienmarktzyklus für die nächsten ein bis zwei Jahre ist für fast jeden zweiten befragten Anlageprofi, unabhängig ob in Berlin, London oder Paris, eine ausgemachte Angelegenheit. Insgesamt 27 Prozent der Befragten erwarten sogar, dass der bereits seit acht Jahren bestehende Marktzyklus für weitere drei Jahre in die Verlängerung gehen wird. 38 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass der aktuelle Immobilienmarktzyklus zumindest auch noch im Jahr 2018 anhalten wird. Dabei richten die Immobilieninvestoren angesichts der gestiegenen makroökonomischen und geopolitischen Unsicherheiten ihre Anlagestrategie noch stärker als im Vorjahr auf „geringere Renditen bei gleichem Risiko“ aus: Der Anteil derjenigen, die ihre Risikostruktur beibehalten und dafür bei den selbst gesetzten oder vom Kunden vorgegebenen Renditezielen Abstriche in Kauf zu nehmen bereit sind, ist von 56 Prozent bei der letzten Befragung im Sommer 2016 auf jetzt 64 Prozent gestiegen. Entsprechend ist der Anteil der Unternehmen, die sich bereit zeigen, explizit höhere Risiken einzugehen, um zum Beispiel die Belastung aus sinkenden Ankaufsrenditen zu kompensieren, von vorher 35 Prozent auf jetzt nur noch 30 Prozent gesunken.

Spiegelbildlich passt hierzu die Erwartung von mehr als der Hälfte der Investoren, dass man die gesteckten Renditeziele in den nächsten drei Jahren nicht erreichen wird. „Die Suche nach der richtigen Balance wird auch 2017 das Investmentgeschehen in Europa prägen. Die hohe Kapitalverfügbarkeit erfordert es, dass risikoaverse Investoren einerseits die Marktbearbeitung in ihren europäischen Kernmärkten massiv verstärken, sich aber andererseits auch Renditepotenziale in Opportunitätsmärkten erschließen. Das dürfte dazu führen, dass 2017 das Transaktionsvolumen in den CEE-Märkten aber auch in der südlichen europäischen Peripherie signifikant steigen wird“, sagt Olaf Janßen, Leiter Immobilienresearch bei der Union Investment Real Estate GmbH, Hamburg. Wie die Union Investment-Studie zeigt, ist eine verstärkte Allokation der Immobilienanlagen außerhalb Europas nur für einen verschwindend geringen Anteil der Investoren eine Ausweichoption. Investitionen in Europa zugunsten außereuropäischer Märkte zurückzufahren, beabsichtigen gerade einmal 6 Prozent der befragten Immobilienprofis.

Unterschiedliche Erwartungen bezüglich der Brexit-Auswirkungen

Die grundsätzlich positive Erwartung der Investoren an die europäischen Gewerbeimmobilienmärkte wird vielfach in der Studie deutlich. So rechnen 35 Prozent der Befragten für das laufende Investmentjahr mit einem steigenden Transaktionsvolumen in Europa, weitere 45 Prozent erwarten ein Transaktionsvolumen auf dem Niveau des Vorjahres. Die Beurteilung der Investitionsrahmenbedingungen fällt in den drei Befragungsregionen jedoch so uneinheitlich aus wie lange nicht mehr.

Aus Sicht der französischen Investoren zeigt sich ihr Heimatmarkt heute deutlich besser aufgestellt als noch 2016. Gut ein Drittel der Investoren sieht für die französischen Büroimmobilienmärkte wie auch für den Einzelhandelssektor in den kommenden zwölf Monaten ein verbessertes bzw. deutlich verbessertes Investitionsklima. Jeder zweite geht von gleichbleibenden Rahmenbedingungen aus. Demgegenüber fällt die Beurteilung des Investitionsklimas in Großbritannien durch die lokalen Akteure deutlich skeptischer aus. Jeder zweite britische Studienteilnehmer erwartet für 2017 eine zum Teil deutliche Verschlechterung des Klimas für Immobilieninvestitionen auf der Insel. Korrespondierend hierzu befürchtet mit über 75 Prozent die deutliche Mehrheit der in UK befragten Investoren, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage in Großbritannien in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird. Überraschend dabei ist, dass der Einfluss des Brexit auf den britischen Immobilienmarkt derzeit noch von verhältnismäßig wenigen UK-Investoren als besonders hoch eingeschätzt wird. 52 Prozent der britischen Investoren messen dem Brexit in der Befragung einen nur mäßigen Einfluss und 38 Prozent sogar einen geringen Einfluss auf den britischen Immobilienmarkt bei. Von Außen fällt die Bewertung der Folgewirkungen für den britischen Immobilienmarkt etwas kritischer aus. 33 Prozent der deutschen und 21 Prozent der französischen Profianleger glauben, dass der Brexit den britischen Immobilienmarkt stark verändern wird.

UK-Index fällt weiter zurück

Klare Spuren hat das Anti-EU-Referendum der Briten im Investitionsklimaindex hinterlassen. Bereits vor dem Brexit hatte die Stimmung der britischen Investoren, gemessen am Klimaindex, ihren tiefsten Stand seit 2012 erreicht. Nach dem Brexit verlor der Klimaindex in UK noch einmal rund drei Punkte und erreicht nun mit 61,2 Punkten einen neuen Tiefststand. Damit fällt der UK-Index noch weiter hinter die nationalen Indizes in Deutschland (66,5 Punkte; minus 1,0 Punkte gegenüber der letzten Erhebung) und Frankreich (68,6 Punkte; plus 1,7 Punkte) zurück. Beeinflusst wird das Bild vor allem durch die Veränderungen bei den Erwartungen: Während der Erwartungsindikator in Frankreich bereits in der dritten Befragungswelle in Folge gestiegen ist, verliert dieser in Deutschland und bricht in UK regelrecht ein. „Die starken Ausschläge in beide Richtungen, nach unten in Großbritannien und nach oben in Frankreich, zeigen wie stark Investorenstimmungen durch Sondereffekte beeinflusst werden“, sagt Olaf Janßen. „Aktuell beeinflussen politische Entscheidungen die Märkte sehr stark.“

Über die Union Investment-Umfrage
Der Immobilien-Investitionsklimaindex von Union Investment wird seit 2005 (seit Frühjahr 2008 halbjährlich) unter den europäischen Immobilien-Investoren ermittelt. Der Index berechnet sich aus den vier Teilindikatoren „Marktstruktur“, „Rahmenbedingungen“, „Standortbedingungen“ und „Erwartungen“, die mit jeweils 25 Prozent gewichtet werden. Für den Index befragte das Marktforschungsinstitut Ipsos im Zeitraum Oktober bis Dezember 2016 insgesamt 175 Immobilienunternehmen und institutionelle Immobilienanleger in Deutschland, (n=64), Frankreich (n=61) und Großbritannien (n=50).

Europäische Aktien bleiben erste Wahl

von Guillaume Dalibot, Fondsmanager des europäischen Aktienfonds Echiquier Agressor bei La Financière de l’Echiquier.

2017 wird ein gutes Jahr für europäische Aktien! Zwar stehen in den kommenden Monaten eine Reihe wichtiger politischer Ereignisse an, deren Ausgang mehr als ungewiss ist und viele Beobachter ängstlich in die Zukunft blicken lässt. Rein wirtschaftlich betrachtet gibt es jedoch viel Anlass zu Optimismus. Neben einem schwachen Euro, der zahlreichen Industriesektoren zu einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil verhilft, deuten weitere makroökonomische Faktoren auf ein anhaltendes Wirtschaftswachstum in Europa hin. Die Märkte scheinen vermeintlich bedrohliche Ereignisse, wie etwa die Wahlausgänge in Frankreich, Niederlande oder Deutschland schon längst eingepreist zu haben – eventuell auftretende Kurseinbrüche sollten daher nur kurzfristiger Natur sein.

Trotz der allgemein guten Vorzeichen, bleibt Stock-Picking das Gebot der Stunde. Aussichtsreiche Unternehmen am Markt zu finden, die gleichzeitig attraktiv bewertet sind, stellt eine große Herausforderung dar. Sich im Anlagestil nicht einschränken zu lassen kann sich dabei für Investoren besonders auszahlen. Für den auf europäische Aktien spezialisierten Echiquier Agressor verfolgen wir einen opportunistischen Ansatz. Das heißt, dass wir in besonderen Fällen starke Verwerfungen am Markt ausnutzen. So etwa im zweiten Halbjahr vergangenen Jahres, als nach dem Brexit-Referendum vor allem zyklische europäische Werte stark unter Druck gerieten. Wir haben die Gelegenheit hier genutzt und vielversprechende Unternehmen zugekauft. Dies erklärt auch die Aufstockung unseres Finanzportfolios – etwa mit Titeln wie dem französischen Rückversicherer SCOR – das jetzt den drittgrößten Wirtschaftssektor im Gesamtportfolio ausmacht. Aktuell liegt die Portfolioverteilung bei rund 70 Prozent Value- und 30 Prozent Growth-Werten. Je nach Marktentwicklung ist aber eine erneute Umschichtung hin zu mehr Growth in 2017 nicht auszuschließen. In den kommenden Wochen werden wir weiterhin ein wachsames Augen haben auf attraktive Growth-Aktien sowie auf besonders zinssensible Titel, die in jüngster Zeit Abschläge verbuchen mussten. Gleichzeitig meiden wir aktuell zyklische Werte bei denen die positiven Wachstumssignale schon übermäßig eingepreist sind.

Viele positive Veränderungen sprechen für Volkswagen

Im Automobil- und Landwirtschaftssektor sehen wir aktuell attraktive und günstig bewertete Unternehmen. So haben wir kürzlich die VW-Aktie mit ins Portfolio aufgenommen. Nach dem Bekanntwerden des Abgasskandals, hat die Aktie massiv an Wert verloren und uns eine sehr attraktive Einstiegsgelegenheit geboten. Trotz nach wie vor bestehender Herausforderungen beim deutschen Autobauer sind wir von der Strategie und Qualität des neuen Führungsteams bei VW überzeugt. Ohne VW in Schutz nehmen zu wollen hat der Abgasskandal aus unserer Sicht für die Unternehmenskultur im Nachhinein eine äußert positive Wendung genommen. Für Effizienz- und Profitabilitätssteigerung sehen wir viel Luft nach oben und jeder Schritt in diese Richtung wird sich für die VW-Aktie auszahlen. Auch von der Produktseite her betrachtet wird VW den Markt mit der Lancierung vielversprechender Neuheiten überraschen. Während das frühere Konzern-Management dem Thema Elektromobilität eher skeptisch gegenüberstand, ist das neue Führungsteam hier weitaus offensiver unterwegs.

Mit der Aktie von CNH Industrial haben wir in einen der drei marktführenden Player in der Produktion von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen investiert, wobei CNH vor allem den brasilianischen und nordamerikanischen Markt im Fokus hat. Wir gehen davon aus, dass die seit drei Jahren anhaltende Krise im Landwirtschaftssektor seine Talsohle erreicht hat. Das Unternehmen dürfte von einer Erholung besonders stark profitieren, da es seine Kostenstruktur zuletzt deutlich verbessert hat. Aktuell wird der Titel unserer Meinung nach unter Wert gehandelt, da der Markt die Margen unterschätzt, die CNH in den nächsten zwei bis drei Jahren erzielen kann.

Echiquier Agressor mit 25 Jahren Track-Record

Bei den €uro-FundAwards 2017, konnte sich der Echiquier Agressor in der Kategorie Aktienfonds Europa mit Großbritannien auf 20-Jahres-Sicht als bester Fonds durchsetzen. Seit Auflage im November 1991 legte der Fonds um 1.888 Prozent zu, wobei die jährliche durchschnittliche Performance bei rund 12,5 Prozent liegt. Die €uro-FundAwards werden jährlich von den Redaktionen von Euro, Euro am Sonntag und Börse Online an die besten Fonds innerhalb einer Kategorie und innerhalb eines bestimmten Zeitraums verliehen.

Fondsmanager verraten ihre Vorsätze für 2017

Im letzten Jahr führte die Befürchtung einer globalen Rezession zu einer starken Zunahme der weltweiten Risikoaversion. Nach einem schwierigen Start endete das Jahr 2016 dennoch mit einem positiven Ausklang und der Hoffnung auf eine Reflation der Weltwirtschaft. Die Erwartung eines besseren Gleichgewichts zwischen Geld- und Fiskalpolitik ließ die Anleihenrenditen und die Rohstoffpreise steigen. Was haben wir aus 2016 gelernt? Portfoliomanager blicken auf das Jahr 2016 zurück und verraten ihre Vorsätze für 2017.

Ewout van Schaick, Head of Multi-Asset Portfolios bei NN Investment Partners und Lead Portfolio Manager des First Class Multi-Asset Fund: Dank besserer Konjunkturdaten und der Erwartung einer expansiveren Fiskalpolitik begann das Jahr 2017 an den Märkten für Risikoanlagen mit der gleichen positiven Stimmung wie es 2016 endete. Die wichtigsten Investmenttrends der letzten Monate waren steigende Aktienkurse, höhere Staatsanleihenrenditen, engere Kreditspreads, ein stärkerer US-Dollar und eine Rotation aus niedriger Volatilität in zyklischere Aktien. Diese Trends, die nach dem Brexit-Referendum eingesetzt hatten und durch die US-Wahlen noch verstärkt wurden, werden wahrscheinlich noch etwas länger andauern.

2017 wird jedoch definitiv für mehr Spannung sorgen. Es bleibt abzuwarten, ob es der Regierung Trump gelingt, die hohen Erwartungen an die Fiskalpolitik zu erfüllen, oder ob sie die Anti-Globalisierungs-Rhetorik mit Maßnahmen umsetzt, die mehr Schaden verursachen. Von Zeit zu Zeit werden politische Risiken in den Vordergrund treten, insbesondere in Europa. Am 15. März werden die Niederlande den Auftakt für den gut gefüllten Wahlkalender geben. Zur gleichen Zeit könnten die Schwellenländer, die mit einem stärkeren US-Dollar und höheren US-Zinsen zurechtkommen müssen, anfälliger für negative Kapitalströme werden, die ebenfalls gewisse Marktschwankungen hervorrufen könnten. Wir werden unsere Portfolios weiter so ausrichten, dass wir von bestehenden Trends und dem stärkeren wirtschaftlichen Hintergrund profitieren, während wir versuchen, Abwärtsrisiken infolge unerwarteter Ereignisse zu begrenzen. Im letzten Jahr generierten wir mit begrenzter Portfoliovolatilität attraktive Erträge. Dies würden wir 2017 gerne wiederholen.

Sebastiaan Reinders, Lead Portfolio Manager, US High Yield bei NN Investment Partners: Unser Vorsatz für das neue Jahr: Anlagechancen nutzen, die sich aus der vor uns liegenden unvermeidlichen Volatilität ergeben, indem wir unsere Portfolios jetzt darauf ausrichten.

Zum Jahresende nahmen die Finanzmärkte eine immer niedrigere Volatilität vorweg. Dies setzte sich auch in der ersten Woche des Jahres 2017 fort und viele andere Indikatoren für die Risikobereitschaft, wie das Wirtschaftswachstum und die Inflation, geben ebenfalls wieder positive Signale. Wir sind zwar der Ansicht, dass 2017 ein gutes Jahr für Anleger in Hochzinsanleihen sein wird, stellen aber auch fest, dass die aktuellen Bewertungsniveaus die Risiken nicht kompensieren. Unserer Meinung nach kommen in diesem Jahr unerwartete Ereignisse auf uns zu, die Chancen schaffen werden. Und obwohl es immer schwierig ist, zu sagen, wann sich solche Chancen bieten, stellen wir sicher, dass unsere Portfolios bereit sind, davon zu profitieren. Der Markt kann sehr schnell und auf verschiedene Weise aus seiner Selbstzufriedenheit aufgerüttelt werden. Im Augenblick sehen wir jedoch Trump und die Zinssätze als wahrscheinlichste Störfaktoren an. Wenn sich die Konsenserwartung eines kräftigen Wirtschaftswachstums dank der Politik der Regierung Trump als falsch erweist und das Wachstum nicht beschleunigt, könnten Hochzinsanleihen als Anlageklasse ins Hintertreffen geraten. Wir betreten erneut Neuland und sind der Ansicht, dass die Auswahl der Unternehmensanleihen enorm wichtig ist.

Falls das Wachstum enttäuscht, werden Hochzinswerte teuer erscheinen, die Unterschiede unter den Anleihenkursen werden zunehmen und für Anleger mit Fokus auf die Kreditauswahl werden sich mehr Chancen bieten. Sollte das Wachstum schneller beschleunigen oder großer Finanzierungsbedarf für die Fiskalpolitik bestehen, dürften die Zinssätze schneller steigen. In diesem Fall würden Hochzinsanleihen davon profitieren, da die Kreditspreads als Puffer dienen und steigende Zinsen abfangen können. Wir sind jedoch vorsichtig, da der Ausgangspunkt der Spreads diesmal niedriger ist. Wir erwarten zwar nicht, dass sich die phänomenalen Erträge von Hochzinsanlagen aus dem Jahr 2016 wiederholen, doch die US-Hochzinswerte dürften sich gut entwickeln und 2017 Erträge abwerfen, die in etwa dem Kupon entsprechen. Manager mit Fokus auf robustes Research und Kreditauswahl sind optimal in der Lage, um von diesen Ereignissen zu profitieren. Die Beta-Positionierung wird im Laufe des Jahres 2017 eine Rolle spielen, und wir richten uns darauf aus, doch die Kreditauswahl wird entscheidend sein.

Hans van Zwol, Senior Portfolio Manager, Global Fixed Income bei NN Investment Partners: In den letzten 25 Jahren sanken die Zinssätze nahezu geradlinig auf die spektakulär niedrigen Niveaus des Jahres 2016. Bei diesen Niveaus gibt es nicht mehr viel Spielraum für noch niedrigere Zinssätze. Wir rechnen zwar nicht mit einem starken Anstieg. Die Anleger müssen sich jedoch darauf einstellen, dass die hohen Erträge der letzten Jahrzehnte nicht mehr so selbstverständlich sein werden. Mein Vorsatz für 2017 lautet, den Kunden zusammen mit meinen Kollegen weiter dabei zu helfen, bestmöglich mit diesem potenziell schwierigen Umfeld für festverzinsliche Anlagen zurechtzukommen. Wir helfen ihnen, optimale Anleihenportfolios aufzubauen und geben Ratschläge für angemessene Reaktionen.

Carl Ghielen, Senior Portfolio Manager, Equity Value bei NN Investment Partners: Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte an Dynamik gewinnen, und wir erwarten, dass sich das Reflationsthema, das im letzten Jahr eingesetzt hat, auch 2017 fortsetzt. Steigende Inflationserwartungen und höhere langfristigeAnleihenrenditen führten zu einem signifikanten Wechsel der Führungspositionen am Aktienmarkt und kamen dem Value-Stil zugute. Unserer Meinung nach bietet diese Rotation hervorragende Chancen für unsere wertorientierte Dividendenstrategie. Im Dividendenbereich erscheinen die strapazierten Bewertungen beliebter defensiver Aktien mit geringer Volatilität (Immobilien, regulierte Versorger und Basiskonsumgüter) anfällig für einen Anstieg der Anleihenrenditen. Banken und Versicherungsgesellschaften dürften jedoch von der steiler werdenden Renditekurve profitieren. Die Kombination von Dividendenrendite und Dividendenwachstum ist die einzige Möglichkeit, in diesem neuen Reflationsumfeld zu bestehen, und unsere Portfolios sind gut darauf ausgerichtet.

Jasper van Ingen, Senior Portfolio Manager Convertible Bonds: Als Anleger in Wandelanleihen haben wir das Chancenverhältnis auf unserer Seite. Das ist kein Zaubertrick, sondern ergibt sich aus der Tatsache, dass man bei einer positiven Bewegung einer bestimmten zugrunde liegenden Aktie mehr gewinnen kann als man bei einer gleich großen negativen Bewegung verlieren würde. Dies wird als positive Konvexität bezeichnet. Diese positive Konvexität kann ein sehr leistungsfähiges Instrument sein, um langfristig attraktive risikobereinigte Erträge zu erzielen. An volatilen Märkten ist es sogar noch vorteilhafter. Und volatile Märkte sind genau das, was wir 2017 erwarten.

Beim Rückblick auf das Jahr 2016 wurden wir an einige wichtige Anlagegrundsätze erinnert: die Bedeutung der geographischen Diversifikation, der Währungsabsicherung und vor allem daran, das Unerwartete zu erwarten. Wie im Jahr 2016 gibt es auch 2017 viele Dinge, die man im Auge behalten sollte: Die Wahlen in Deutschland und Frankreich, die Entwicklung der italienischen Bankenkrise, die ersten Schritte der Regierung Trump und den Zinskurs der US-Notenbank, um nur einige zu nennen. Es ist nur menschlich, zu überschätzen, wie weit wir die Dinge vorhersagen können: Diesmal wollen wir diesen Fehler nicht machen. Statt zu versuchen, den Ausgang binärer Ereignisse vorherzusagen, konzentrieren wir uns darauf, Unternehmen zu identifizieren, die Cashflows erwirtschaften und von freundlichen langfristigen Trends profitieren, von denen es genügend gibt.

Investoren im Spannungsfeld von Signal und Rauschen

Brad Tank, Chief Investment Officer – Fixed Income beim unabhängigen US-Asset-Manager Neuberger Berman, kommentiert die Folgen des US-Regierungswechsels und gibt einen Ausblick für 2017.

Die wesentlichen Fakten zu finden – und daran festzuhalten – wird in den kommenden Monaten besonders wichtig für Investoren.

Mit Trumps Amtseinführung im Rücken ist jetzt ein guter Zeitpunkt, zu überlegen, wie Investoren im derzeit stürmischen Umfeld ihren Weg machen können. Besonders treffend im aktuellen Kontext ist wohl der Begriff „Signal-zu-Rauschen“-Verhältnis.

Laut Wikipedia ist dieses Verhältnis eine Messgröße in Wissenschaft und Technik, die das Niveau des gewünschten Signals mit dem Niveau der Hintergrundgeräusche vergleicht. Es wird definiert als das Verhältnis der Signalleistung zur Rauschleistung. Derzeit agieren wir in einem Umfeld, in dem das Signal extrem schwach ist. Es ist also sehr schwierig, herauszufinden, was echte Signale sind.

Es ist nicht lange her, da hörte ich auf meinen Reisen den allgemeinen Tenor: „Ich kann es kaum erwarten, dass die US-Wahl vorbei ist." Ich teilte dieses Gefühl und die Vorstellung war, dass all die verrückten Sachen, die wir erlebten, abklingen und Dinge wieder normal werden würden.

Heute denke ich, die Dinge werden nicht wieder normal werden. Im Gegenteil, der Groll der Parteien bezüglich der aktuellen Fragen ist weiterhin sehr groß. Außerdem warfen die Wahlen neues Licht auf viele Fakten und dieser Prozess dauert noch an. Hinzu kommt ein Präsident, der in Echtzeit laut denkt und ein Umfeld, in dem echte Signale extrem schwach sind. Dem müssen die Anleger sich stellen – Ich fürchte, dies ist die Realität in der neuen Umgebung.

Was können Anleger also tun? Zunächst konzentrieren sie sich auf wichtige Fakten und nutzen ein Verfahren, um das Rauschen auszublenden. 

Einen Filter einsetzen

Schaut man sich an, was die neue Regierung vorgeschlagen hat, zeigt sich, dass es eine sehr ehrgeizige Agenda mit tiefgreifenden Reformen ist – unter anderem zur Abgabenordnung, zur Rolle des Staates im Gesundheitswesen oder Einwanderung. Das sind wirklich komplexe Themen. Dies zeigt sich etwa in all der Berichterstattung, im Lärm und in der Rhetorik rund um die Abgabenordnung. Das Thema beherrschte die Finanznachrichten den Großteil der vergangenen Woche und ist sehr schwer zu erklären, so dass die Kommentatoren sich oft an beängstigenden und oft irreführenden Schlagzeilen festklammern. Hier die Fakten aus dem Lärm zu sortieren, erfordert viel Konzentration.

Für uns lauten einige der wichtigsten Fakten wie folgt: Von allen Zielen auf der Tagesordnung der neuen Regierung dürfte keines mehr Auswirkungen auf die Märkte und die Bewertung einzelner Aktien und Anleihen haben als die Steuerreform. Angesichts dieser Tatsache konzentrieren wir uns auf den Prozess, auf das Handwerk der Gesetzgebung und wer daran arbeitet. Es geht darum, die Perspektive der Autoren und anderen, die wesentlichen Einfluss auf den Zeitrahmen, auf Verabschiedung und Umsetzung haben, zu verstehen. Es ist nicht klar, wie viel Transparenz hier gegeben ist, doch ich denke, Ausgangspunkt für die Analyse muss ein Dokument sein, das schon seit sieben Monaten vorliegt: der Haushaltsentwurf der Republikaner. Die Frage ist nun, wie viel davon übrigbleibt, bis wir die Ziellinie erreichen. 

Die Perspektive eines großen Analysten einnehmen

Zweitens gilt es alle Neuigkeiten und Informationen zu verarbeiten, so wie ein großer Aktien- oder Anleihen-Analyst bei der Analyse eines Unternehmens. Ich habe das Glück, hier bei Neuberger Berman mit vielen von ihnen zusammen zu arbeiten, und sie alle haben einen Ansatz: Daten, Fakten und Erfahrungen übertrumpfen jede Meinung. Aber an den Märkten spielt Meinung natürlich eine Rolle. Bei der Beurteilung der Ansichten eines CEO, CFO oder Sell-Side-Analysten ist es von größter Bedeutung, die Erfolgsbilanz, Glaubwürdigkeit und Tendenzen des Absenders zu verstehen. Wenn Sie diese Felder für einen Absender nicht prüfen können, lautet die einfache Schlussfolgerung daraus, die Nachricht abzulehnen. 

Dies bedeutet allerdings nicht, nur Standpunkte zu suchen, die mit den eigenen übereinstimmen – im Gegenteil. Ich bin ein regelmäßiger Leser der Kolumne von Paul Krugman, gerade weil er wirtschaftliche und politische Fragen oft ganz anders sieht als ich. Doch er äußert sich in einer so konsistenten und klaren Art und Weise, dass ich verstehe, worauf seine Ansichten beruhen.

Den historischen Kontext herstellen

Und schließlich sind die großen Themen des Tages in der Regel nur ein Punkt in der Zeit und unmöglich zu verstehen ohne ein Verständnis für den Verlauf der Geschichte.

In Folge der Finanzkrise schrieben Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff ein aufschlussreiches Buch mit dem Titel “This Time Is Different: Eight Centuries of Financial Folly“, das die weltverändernden Events, die wir gerade erleben, einordnet. Jeder in unserem Geschäftsfeld sollte ihre Erläuterungen gelesen haben.

Spannungen mit China zum Thema Handel etwa sind nicht erst in den in den letzten paar Jahren entstanden. Vor neunzehn Jahren hat der Architekt John Gray in dem Buch „False Dawn: The Delusions of Global Capitalism“ bereits vorhergesagt, dass Chinas Form des Kapitalismus schließlich mit dem Westen kollidieren wird.

Und in Russland sind Putins Abenteuer in der Ukraine und auf der Krim der Höhepunkt von mehr als 100 Jahren des Kampfes mit dem Westen. Zum Verständnis der Dynamik empfehle ich dringend “The Great Game: The Struggle for Empire in Central Asia” von Peter Hopkirk, geschrieben im Jahre 1992.

Auf der Suche nach einer Perspektive auf die kommenden Entwicklungen, kann dies Investoren helfen, die entsprechenden Signale zu finden und sich nicht im Lärm zu verlieren, der 2017 ganz sicher weiter mitschwingt.


Den gesamten Kommentar in englischer Sprache finden Sie hier: http://www.nb.com/pages/public/en-us/insights/signal-to-noise-ratio.aspx

Außergewöhnlicher Stimmungsumschwung an den Märkten in 2016

Das Jahr 2016 wird als das Jahr in die Geschichtsbücher eingehen, in dem zahlreiche Erwartungen auf den Kopf gestellt wurden. Dessen ist sich Paul Niven, Leiter Multi-Asset-Investment bei BMO Global Asset Management, sicher. In der Politik habe der britische Premierminister David Cameron mit dem Brexit-Votum alles verzockt. Und Trump habe zuerst seine republikanischen Wettstreiter geschlagen und dann entgegen aller Prognosen die US-Präsidentschaft gewonnen. Auf den Finanzmärkten hätten Anleger mit ihrer Reaktion auf Japans und Europas Mühen, die Zinsen ins Negative zu drücken, gezeigt, dass es zu viel des Guten sei. „Noch in den Anfangswochen des vergangenen Jahres war die Stimmung geprägt von einer möglichen US-amerikanischen Rezession, wirtschaftlichen und finanziellen Verlusten aufgrund des Ölpreiseinbruchs sowie einer Konjunkturabschwächung Chinas“, sagt Niven. „Entsprechend außergewöhnlich war der dann folgende Stimmungsumschwung.“ 

Anstieg an den Aktienmärkten unwahrscheinlich

Obwohl der S&P 500 und der FTSE 100 neue Rekordhochs verzeichnen, halten die starken Schwankungen an den Aktienmärkten seit 2014 an – sowohl gesamtwirtschaftlich als auch bezogen auf die jeweiligen Landeswährungen. Angesichts der Tatsache, dass die Unternehmensgewinne in den vergangenen zweieinhalb Jahren stagnierten, sei es einigermaßen überraschend, dass die Märkte weiterhin gestiegen seien und sich die Bewertungen historischen Höchstständen genähert hätten. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Aktienbewertungen über das aktuelle Niveau steigen werden“, meint Paul Niven. „Die Voraussetzung für weitere Anstiege wären nachhaltige Verbesserungen bei den Unternehmensgewinnen.“

Die Schwankungen auf den Aktienmärkten seien im historischen Kontext allerdings nicht überdimensional, sondern hätten in vielen Fällen lediglich mehrjährige Trends ein Stück weit umgekehrt. Die künftige Entwicklung hänge auch von den Bewegungen auf den Anleihemärkten ab, die wiederum auf Prognosen hinsichtlich Inflation und Wachstum reagieren. „Ein Anstieg der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf 2,4 Prozent bzw. des britischen Pendants von 0,25 Prozent auf 1,45 Prozent ist zwar ein beachtlicher Sprung, allerdings bleiben die Kosten für Kreditaufnahmen auf ihren Tiefständen“, sagt Niven. Die Annahme, dass die Renditen für Anleihen steigen werden, beruhe auf deutlichen Anzeichen des Lohndrucks und drohenden Kapazitätsengpässen in den USA. Hinzu komme eine allgemeine Bewegung weg von geldpolitischen Maßnahmen hin zu expansiven fiskalen Konjunkturprogrammen. „Es ist wahrscheinlich, dass die Inflation zur Jahresmitte steigen wird“, prognostiziert der Experte. 

Trotz bestehender Herausforderungen in lokalen Märkten halten sich europäische Aktien insgesamt gut im Hinblick auf den reflationären Trend. So neigen europäische Aktien zu besseren Ergebnissen, wenn Anleiherenditen steigen und der Euro fällt. „Dennoch bleibt Europa hinter den Erwartungen zurück“, sagt Niven. „Die offensichtlichsten Gründe sind politische Risiken wie etwa das jüngste Referendum in Italien und die von Anlegern geforderten höheren Risikoaufschläge.“ 

Richtungswechsel in Politik und Wirtschaft

Mit Blick auf die Wahl Donald Trumps, den Brexit und den zunehmenden Nationalismus in einigen entwickelten Volkswirtschaften sowie einen neuen Fokus auf innerpolitische Interessen könnte 2016 eine weltweite Trendwende darstellen. Nach Einschätzung von Paul Niven könnte dies die globale Wirtschaft und die Finanzmärkte erheblich beeinflussen: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir die Talsohle bei Inflation und Renditen von Staatsanleihen durchschritten haben.“ Außerdem sei es überraschend, wie positiv die Märkte mitunter auf den Trump-Sieg reagiert hätten. Denn vor der US-Wahl habe alles darauf hingedeutet, dass ein Präsident namens Trump von den Märkten negativ aufgefasst würde. „Derzeit können wir zwar abschätzen in welche Richtung die Veränderungen gehen, die durch Trumps Politik ausgelöst werden dürften, nicht jedoch ihr Ausmaß. Sein Sieg ist das jüngste Ereignis in einer Serie von außergewöhnlichen Ereignissen, die einen Richtungswechsel in Politik und Wirtschaft signalisieren.“

„Einstiegschancen am japanischen Markt sind so gut wie seit langem nicht mehr“

Tiefe Bewertungen sorgen Anfang 2017 für langfristige Investmentchancen am japanischen Markt. Dieser Ansicht ist Sebastien Mallet, Porftoliomanager der Global Value Equity Strategie von T. Rowe Price. „Die Euphorie über die Wirtschaftspolitik des japanischen Premierministers Shinzo Abe dürfte endgültig verflogen sein – das sorgt für niedrige Bewertungen. Das sind gute Nachrichten für Anleger, die nach Chancen bei Substanzwerten suchen“, erklärt er. Nach einer jahrzehntelangen Abwärtsbewegung hätten sich die Anleger am japanischen Markt eine kurzfristige Perspektive angewöhnt. Dabei gerieten jedoch die Fundamentaldaten aus dem Blick. Auch kurzfristig, so Mallet, könnte der japanische Markt profitieren: „Japanische Aktien reagieren für gewöhnlich besonders sensibel auf positive makroökonomische Signale. Daher dürfte auch der Optimismus rund um den Amtsantritt von Donald Trump für steigende Kurse sorgen.“

Gemessen an Kriterien wie Gewinn, freien Cash Flows oder Buchwert seien die Bewertungen am japanischen Markt noch immer sehr niedrig, erläutert Mallet. Über 60 Prozent der japanischen Firmen würden derzeit unter dem Widerbeschaffungswert gehandelt. Zudem seien die Abweichungen zwischen den Bewertungen einzelner Unternehmen größer als in anderen entwickelten Märkten. „Solche Abweichungen gleichen sich in der Regel früher oder später aus, und daraus ergeben sich gute Gelegenheiten bei starken Unternehmen, die derzeit vom Markt eher missachtet werden“, betont der Experte. 

Unternehmen haben ihre Eigenkapitalrenditen gesteigert

Doch auch jenseits der Bewertungen erkennt Sebastien Mallet substanzielle Verbesserungen auf Unternehmensebene. Obwohl die „Abenomics“ genannte Wirtschaftspolitik  des Premierministers nicht für den erhofften Wachstums- und Inflationsschub gesorgt habe, habe sie eine Veränderung in den Führungsebenen vieler Unternehmen angestoßen. „Zahlreiche Firmen ernennen nun unabhängige Vorstandsmitglieder, die sich stärker auf Dividenden und Rückkaufprogramme konzentrieren und einen Mehrwert für die Investoren schaffen“, sagt Mallet. In der Folge seien die Eigenkapitalrenditen in Japan 2016 erstmals seit zwei Jahrzehnten über das europäische Niveau gestiegen. „Das ist ein echter Wandel, gerade in einem Land, in dem Veränderungen – besonders auf Unternehmensebene – für gewöhnlich große Hürden überwinden müssen.“

Japanische Aktien profitieren von globalem Optimismus

Schließlich könne auch der Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump für Aufwind am japanischen Markt sorgen. „Es ist noch zu früh, um beurteilen zu können, ob Trump einen echten Aufschwung bewirkt. Aber die Märkte scheinen fest daran zu glauben und rechnen daher mit Zinserhöhungen“, so Mallet. Das stärke den US-Dollar und schwäche den Yen. Zudem sei auch der globale Einkaufsmanagerindex im vergangenen Sommer unerwartet gestiegen. Von beiden Entwicklungen profitierten die japanischen Unternehmen besonders, denn ihre Gewinne seien stark vom Weltmarkt getrieben. „Die fundamentalen Chancen bestehen jedoch unabhängig von solchen zyklischen Signalen“, unterstreicht der Experte. „Wer in langen Zeithorizonten denkt, kann sich die kurzfristige Orientierung des japanischen Marktes zunutze machen. Derzeit sind die Bedingungen für einen Einstieg so gut wie lange nicht mehr.“

Kehrtwende hat begonnen – Hedgefonds-Branche optimistisch für 2017

Das vergangene Jahr wurde von einer Reihe an politischen und makroökonomischen Ereignissen bestimmt. Trotz aller Widrigkeiten rund um das Brexit-Votum, die US-Präsidentschaftswahl oder die niedrigen Rohstoffpreise konnte die Hedgefonds-Branche das Jahr 2016 insgesamt positiv beenden. Vor diesem Hintergrund gibt die Branche trotz anhaltender Herausforderungen einen optimistischen Ausblick auf das Jahr 2017.

„Die aktuelle Situation der Kapitalmärkte lässt sich unserer Ansicht nach wie folgt zusammenfassen: Aktien erscheinen teuer, Anleihen sind nicht günstig und das Risiko eines größeren Schocks ist überdurchschnittlich hoch. Gibt es dennoch Gründe zur Freude? Aus Sicht von Hedgefonds: Absolut“, sagt das Team von Man FRM in ihrer aktuellen Monatsstudie1. „Ein Großteil der Frustration im vergangenen Jahr war auf die hohe Korrelation zwischen makroökonomischen Faktoren und eine geringe Volatilität von Risikoaktiva zurückzuführen. Unserer Ansicht nach könnten sich beide Faktoren dieses Jahr ändern. Die Europäische Zentralbank, die US-Zentralbank Federal Reserve und die japanische Zentralbank Bank of Japan driften erstmalig seit einem Jahrzehnt in ihren Strategien auseinander. Zudem könnte die Normalisierung der Zinssätze zu einer rationaleren und individuell differenzierteren Preisgestaltung von Risikoaktiva führen. Die anbahnende Kehrtwende hat unserer Meinung nach bereits begonnen. Seit einigen Monaten entwickeln sich die Erträge von Hedgefonds positiv. Dies spiegelt auch der HRFX Global Hedge Fund Index wider, der jüngst für den Dezember +0,86 Prozent erzielte und damit den fünften Monat in Folge mit einem Plus beendete. Insgesamt erreichte der Index auf Jahressicht ein Plus von 2.50 Prozent. Vor diesem Hintergrund blicken wir optimistisch gestimmt auf das begonnene Jahr 2017.“

1) FRM Early View – Dezember 2016, vom 9. Januar 2017

Crude prices at risk

The November oil accord is likely to do little in the face of strong Iraqi exports and growing US production. Momentum underpinning oil prices is wavering and a downside correction is likely in the short term. Beyond Q1-17, the fundamental outlook for oil is more positive as global demand marches higher, says ETF Securities. Please finds ETF Securities' weekly investment insights attached on the lest.

Volatility abound

The OPEC/non-OPEC compliance and monitoring committee, charged with ensuring successful implementation of the November accord (which entailed a 1.2mbpd reduction in output), will meet for the first time this weekend as uncertainty continues to drive fluctuations in global oil markets. While statements professing compliance by key oil ministers in Saudi Arabia and Algeria have kept prices elevated (supported somewhat by reports of falling production in the latest monthly OPEC report), downside risks loom. Participants continue to be wary of whether Iraq will comply with the deal, as the nation has been asked to reduce production by the second largest amount (within OPEC) in spite of its challenging economic circumstances. Meanwhile, output and exports in the US continue to expand in the higher-price environment. Our view is that oil prices are likely to come under further pressure in the coming month as considerable downside risks overcome market optimism over the November agreement, which in itself is only expected to last until June.

Risks ahead

During last week’s Global Energy Forum in Abu Dhabi, senior cartel officials from Saudi Arabia, Kuwait and Algeria all publically announced commitment to the November production agreement and some even stated a willingness to exceed requirements in order to see the deal work. While on the surface this appears very positive, the reality is that risks actually emanate from OPEC’s second largest producer, Iraq, where oil exports hit an unprecedented level in December. Therefore, the success of the landmark accord still remains in the balance and in any case, is only expected to be a feature of the oil market for a short six months. Also, with oil prices above the key $50/bbl level, US oil production is ramping up quickly (see Figure 1), with the Energy Information Administration (EIA) reporting that oil output has hit an eight month high. This creates a landscape where support for oil prices looks fragile and a downward correction looks likely.

From a technical perspective, momentum indicators appear to be waning for crude benchmarks and point to moves lower in coming sessions. Speculative futures positioning for Brent and WTI crude oil has moderated in recent weeks but still remains at levels that suggest downward correction potential. Any move lower in oil prices is likely to face resistance from their 8th December lows of around $52.8/bbl and $50.9/bbl for Brent and WTI respectively, which sits near their current 50 dmas.

Prospects diverge

While the short-term outlook above is broadly negative for the oil-exporting currency complex (CAD and NOK), prospects are not uniform. The CAD has the benefit of 76% of its exports going to the US and accordingly is directly exposed to the improving growth outlook there. Meanwhile, Norway is still struggling through a structural transition away from oil industries while growth and inflation are moderating, painting a less positive picture for the NOK. Beyond Q1-17, we expect to continue to see the global oil market returning to a balanced state and offering further upside to crude prices.

Ungewisse Zeiten

von Daniel Hardt, Fondsmanager bei alpha beta asset management.

Nun tritt also ein, was vor einem halben Jahr noch als unmöglich erachtet wurde: Donald Trump wird am Freitag als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Ein Mann also, der mittels Nachrichtendiensten wie z.B. Twitter gerne seine Einschätzungen direkt an die Weltbevölkerung und somit auch an die Kapitalmärkte richtet. An für sich muss dies keine negative Eigentschaft sein, sie wird allerdings zum Unsicherheitsfaktor für Anleger, wenn diese Botschaften einzelne Unternehmen, Sektoren oder Länder betreffen und überraschende, negative Veränderungen beinhalten. Namhafte Automobilhersteller, Mexiko, China und nun auch die Pharmaindustrie haben dies bereits am eigenen Leib erfahren müssen. Dabei darf aber auch nicht verschwiegen werden, dass auf der anderen Seite der Bankensektor, die großen Industrieunternehmen und auch Taiwan von Donald Trumps Ankündigungen profitieren konnten.

Donald Trump fällt in eine Zeit, die bereits mit einer erhöhten Ungewissheit zurecht kommen muss. Die Europäische Union, die von ihren Kritikern ohnehin schon lange als nahezu handlungsunfähig eingeschätzt wird, kämpft um ihre Existenz und der geplante Austritt Großbritanniens lässt große wirtschaftliche und politische Machtverschiebungen in Europa in Zukunft erahnen. Die britische Premierministerin Theresa May versucht dies alles in ein positives Licht zu stellen, eine ähnliche Stimme auf europäischer Seite, die in Veränderungen auch eine Chance sieht, fehlt leider. So bleibt auf dem alten Kontintent der Eindruck, dass sich in Zukunft vieles nur verschlechtern kann, und die Ungewissheit über die Zukunft wird somit einseitig zur Last.

Ein wichtiger Grund dafür ist die anhaltende Krise der Europäischen Währungsunion. Ihre Widersacher gewinnen in vielen Mitgliedsländern an Zuspruch und es erscheint nicht mehr sicher, ob ein Einzug in politische Ämter ausbleiben wird. Im Fokus steht dabei auch Italien und seine Banken, die unter einem Berg uneinbringlicher Kredite leiden, der sich mittlerweile auf 200 Milliarden Euro beläuft. Eine staatliche Bankenrettung für die Bank Monte dei Paschi di Siena, deren Rettung durch private Investoren scheiterte, erscheint mittlerweile unausweichlich und die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch die Ratingsagentur DBRS in der letzten Woche erschwert die Finanzierung des Staates und der Banken zusätzlich. All dies erhöht den Frust in der Bevölkerung auf den Euro und macht es den Euro-Befürwortern schwer, die Vorteile einer gemeinsamen Währungsunion darzulegen und konstruktive Strukturveränderungen zu erarbeiten. Die politische und wirtschaftliche Zukunft Italiens kann somit ebenfalls als ungewiss bezeichnet werden.

Für viele Investoren stellt sich folglich in diesen unberechenbaren Zeiten die Frage, wie sich das eigene Portfolio gegen einen großen Strukturbruch schützen lässt. Die aktuellen Korrelationen der Anlagen untereinander müssen hinterfragt und Klumpenrisiken vermieden werden. Helfen können dabei Daten aus vergangenen Krisenzeiten, um ein Portfolio möglichst robust aufzustellen. Manchmal hilft auch die Hinzunahme von krisenfesten Anlageklassen, wie z.B. Gold, die besonders in den Fällen eines Währungsverfalls oder von Panik für eine erhöhte Stabilität im Portfolio sorgen können. Diese Gefahr sehen wir aber aktuell nicht als akut an, da uns die Erfahrung lehrt, dass sich viele Krisenszenarien der Vergangenheit niemals materialisiert haben. Es lohnt sich daher, auch in der heutigen Ungewissheit einen klaren Kopf zu behalten und die Chancen niemals aus den Augen zu verlieren.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf abam-gmbh.com.

Konsumwachstum – das überzeugendste Argument für Investitionen in China

Chinesische Aktien bieten langfristig attraktive  Renditen und – angesichts des langsamen Weltwirtschaftswachstums – die notwendige Diversifikation, so Peng Yao, Fondsmanager – Asiatische Aktien, Union Bancaire Privée.

Immer wieder wurden die Größe Chinas, die rapide wachsende Wirtschaft des Landes und die führende Rolle, die dem Land in den kommenden Jahrzehnten zukommen soll, mit Superlativen beschrieben. Obwohl die meisten dieser Behauptungen gut belegt und weitgehend korrekt sind, wird das Thema des chinesischen Konsumwachstums zu oft übersehen oder  missverstanden. Es wird daher von den meisten aktiven Managern nicht berücksichtigt und ist auch in den passiven Anlageformen deutlich untervertreten.

Chinas „Konsum-Story“ gewinnt rasch an Bedeutung, sodass in der großen Auswahl der A-Aktien zahlreiche der attraktivsten Anlagegelegenheiten zu finden sind. Die Stichworte lauten dabei Urbanisierung und Konsum. Anscheinend hat der Markt diesen Trend einfach deshalb noch nicht voll eingepreist, weil dessen Tempo von der höchsten Stadtbevölkerung der Weltgeschichte vorgegeben wird. Und für alle China-Kritiker: Das Land könnte auch als echte gegen den Markttrend gerichtete Anlagegelegenheit erachtet werden. 

Ein neuer Motor für die chinesische Wirtschaft, eine neue Konsumkultur

Der Anteil der Bevölkerung, die nach der Deng-Xiaoping-Ära geboren wurde, erreichte vor kurzem den Höhepunkt: 2015 machte sie mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung aus. Diese Zahl dürfte in fünf Jahren auf zwei Drittel anwachsen. Das Konsumverhalten dieser Generation prägt bereits jetzt die Politik-, Wirtschafts-, Unternehmens- und Soziallandschaft Chinas.

Sie wurden in den 1980er Jahren geboren und wuchsen danach in einer Zeit noch nie dagewesener Stabilität und relativen Wohlstands auf, sodass sie über genügend Geld verfügen und sich nicht scheuen, dieses für das eigene Wohlbefinden, die Selbstverwirklichung und für Unterhaltung auszugeben. 

Urbanisierung ist einer der Schlüsselfaktoren des wirtschaftlichen Wandlungsprozesses – weg von der von staatseigenen Betrieben (State Owned Enterprises; SOE) beherrschten Schwerindustrie hin zu einer Wirtschaft, die auf dem Privatsektor beruht und von Binnenkonsum, Tourismus und Dienstleistungen getragen wird.

Es herrscht – zu Recht – die Überzeugung, dass Investitionen am Aktienmarkt professionelles Know-how und fachliche Erfahrung erfordern. Selbstverständlich bedarf es lokaler Marktkenntnisse und Erfahrung vor Ort, um in China zu den langfristigen Gewinnern zu gehören, denn der chinesische Markt ist tatsächlich volatil und voller Unwägbarkeiten. An Anlagegelegenheiten fehlt es hingegen nicht. Obwohl die Wirtschaftslage heute ungünstiger ist als in der Vergangenheit, ist eine harte Landung unwahrscheinlich. Schließlich ist die derzeitige Situation das Ergebnis einer ganzen Reihe von Wirtschaftsreformen und sollte nicht als grundsätzliche Wachstumsverlangsamung interpretiert werden. Bisher waren die Branchen des Sekundärsektors – allen voran die Immobilienbranche – die Triebfedern des Binnenwachstums. Mit den neuen Reformen soll nun der Beitrag der Branchen des Tertiärsektors erhöht werden: Gemäß der Erklärung, die mit dem 13. Fünfjahresplan abgegeben wurde, möchte China das 2010 verzeichnete BIP und Pro-Kopf-Einkommen der Stadt- und der Landbevölkerung bis 2020 verdoppeln. Dieses Ziel könnte zu einer ausgeglicheneren, integrativeren und nachhaltigeren Entwicklung führen.

Durch diese Reformen werden langfristig ausgerichteten Investoren äußerst interessante Anlagegelegenheiten in der „New Economy“ Chinas eröffnet – insbesondere in den Bereichen nationale Verteidigung, Luftfahrt, mit alternativen Energiequellen betriebene Automobile, Gesundheitsdienste, IT, Robotik und TMT (Technologie, Medien und Telekommunikation). Im 12. und 13. Fünfjahresplan lag der Schwerpunkt im Wesentlichen auf diesen Sektoren. Einige dieser Branchen sind in den westlichen Staaten bereits relativ ausgereift, in China ist dies jedoch noch nicht der Fall. Für aktive Investoren besteht die Herausforderung darin, Fachkompetenzen in China zu finden und Unternehmen mit einem Management zu ermitteln, das diese Firmen zu wirtschaftlichem Erfolg führen kann. Zusätzliches Bottom-up-Research ist für die Auswahl von anlagefähigen Titeln und Wertpapieren mit Wachstumspotenzial zentral.

Es wird davon ausgegangen, dass die chinesischen Aktienmärkte auf kurze Sicht volatil sein könnten, dank den Gewinnern der „New Economy“ aber allmählich wieder einen normalen Trend einschlagen werden. Aufgrund des mangelnden Vertrauens von Marktteilnehmern in die staatseigenen Sektoren kann die allgemeine Investitionsbereitschaft sehr kurzfristig kippen. Daher empfiehlt es sich, diese volatilen Sektoren wie beispielsweise staatseigene Banken zu meiden. Thematische und auf Konsum beruhende Investmentchancen dürften sich weitgehend positiv entwickeln. Was die Liquidität betrifft, so wird die chinesische Regierung mit dem Auftrag, die angebotsseitigen Reformen demnächst abzuschließen, wohl kaum weitere geld- oder fiskalpolitische Maßnahmen ergreifen, sondern wird an Offenmarktgeschäfte auf einem moderaten Niveau festhalten. Durch dieses positive Umfeld wird der Markt erneut an Stabilität gewinnen. Während die Immobilienpreise langfristig hoch bleiben und die Anleiherenditen sinken dürften, werden Aktien – insbesondere die unterbewerteten Titel der rapide wachsenden Sektoren – ein größeres Gewinnpotenzial bieten als andere Anlagen. Neue Anlagegelegenheiten, die sich aufgrund des stärkeren Konsumwachstums eröffnen, werden an den Märkten die Treiber für Alpha bleiben.

A-Aktien und H-Aktien – ein ungleiches Paar

In der Vergangenheit erhielten die meisten Anleger nur über H-Aktien Zugang zu Investitionen in China. Mit der Öffnung des chinesischen Binnenmarkts haben die Anleger heute die Gelegenheit, ihr Exposure über A-Aktien auf diese rascher wachsenden Segmente auszuweiten (der MSCI China Index enthält 51 und der MSCI China A Index 338 Titel zyklischer Konsumgüter, Grundbedarfsgüter, aus dem Gesundheitswesen und der Informationstechnologie). Es wird eine Untergruppe von Unternehmen ermittelt, aus der Aktien ausgewählt werden können, die hochwertiger und günstiger sind als die Titel aus entsprechenden Segmenten des H-Aktienmarkts. Zudem können Anleger die Risiken im Zusammenhang mit der Restrukturierung der „Old Economy“ (Industrie, Werkstoffsektor, Energie, Finanzen usw.) besser steuern, denn am A-Aktienmarkt können sie in diesen Sektoren aus 480 Aktien auswählen, während ihnen am H-Aktienmarkt gerade 97 Titel zur Verfügung stehen. Am A-Aktienmarkt können die Anleger zudem in Segmente investieren, die praktisch nicht zugänglich wären, wenn das Universum auf in Hongkong notierte Aktien beschränkt wäre.

Fazit

Es gibt Anzeichen dafür, dass 2016 ein Jahr der Trendwende für China war – nicht nur in Bezug auf die Wirtschaft, sondern auch bei der Deregulierung der Finanzmärkte und bei chinesischen Aktien. A-Aktien sind nicht nur eine Diversifikationsquelle für das China-Engagement der Anleger, sondern bieten auch Zugang zu einem größeren Pool von Anlagegelegenheiten. Viele davon gehen eng mit dem Wirtschaftswandel Chinas einher. Der Konsum Chinas wird weiter an Bedeutung gewinnen und so erfahrenen Managern die Möglichkeit bieten, Marktineffizienzen zu nutzen.

Konjunktur- und Kapitalmarktausblick 2017 – Trump oder noch mehr?

von Carsten Mumm, Leiter der Vermögensverwaltung bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Auch 2017 wird wieder ein anspruchsvolles Jahr für Kapitalanleger werden. Fundamental sind die Aussichten grundsätzlich günstig. Die globale Konjunktur wird voraussichtlich etwas stär- ker als noch in 2016 wachsen. Außerdem werden zumindest die europäische und die japani- sche Notenbank ihre Geldpolitik weiterhin sehr expansiv ausrichten, wodurch die Zinsen auf niedrigen Niveaus verharren werden. Von der US-Notenbank werden zwar mindestens zwei weitere Leitzinserhöhungen erwartet, allerdings dürfte das nicht zu einem nachhaltigen Ab- bremsen der volkswirtschaftlichen Entwicklung führen. In vielen Industrienationen stehen zu- dem fiskalische Impulse durch staatlich finanzierte Ausgabenprogramme auf der Agenda. Ins- besondere in den USA wurden höhere Staatsausgaben für Infrastrukturinvestitionen und gleichzeitig niedrigere Einkommen- und Unternehmenssteuern angekündigt. Beide Effekte fördern Investitionen, Beschäftigung und damit auch den Konsum. Da der US-Arbeitsmarkt allerdings schon heute nahezu ein Vollbeschäftigungsniveau erreicht hat, dürften auch die Löhne steigen. Die ohnehin aufgrund des steigenden Ölpreises anziehende Inflation bekommt dadurch weiteren Anschub, weshalb die Zinsen steigen. Davon wiederum profitieren insbe- sondere US-Banken. Die Maßnahmen könnten somit zu einem sich selbst tragenden Auf- schwung der amerikanischen Volkswirtschaft führen und damit auch die globale Dynamik stüt- zen.

Die zukünftige politische Ausrichtung der US-Regierung wird für die Kapitalmärkte generell eine entscheidende Rolle spielen. Durch veränderte geopolitische Konstellationen, wie z.B. eine Annäherung der USA an Russland oder eine Konfrontation zwischen den USA und China könnten sich völlig neue Chancen aber auch Risiken für die globalen Börsen ergeben. Immer- hin gibt es auch noch einige politische Unwägbarkeiten, die im Wahlkampf angekündigt wur- den: den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, die Ausweisung von Millionen illegaler Einwanderer, die Neuverhandlung bestehender Freihandelsabkommen usw. Alle Aktionen würden sich mehr oder weniger negativ auf die US-Ökonomie und weitere besonders export- orientierte Volkswirtschaften auswirken, u.a. durch einen nachlassenden Freihandel. Zudem besteht die Gefahr, dass die Inflation deutlicher als gewünscht anzieht und die US-Notenbank sich zu klaren Leitzinsanhebungen veranlasst sieht. Nicht zuletzt führen Ausgabenerhöhungen in Kombination mit Steuersenkungen unweigerlich zu steigenden Schulden des ohnehin mit knapp 20 Billionen US-Dollar oder über 100 Prozent des BIP bereits hoch verschuldeten Staa- tes, wodurch Zinsen weiter steigen könnten.

Doch es bestehen noch weitere Risiken, insbesondere durch die politische Situation in Euro- pa. Einerseits könnten die Verhandlungen zur Art und Weise des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union für Turbulenzen sorgen. Vor allem aber stehen mit den Parla- mentswahlen in den Niederlanden, den Präsidentschaftswahlen in Frankreich und den Bun- destagswahlen in Deutschland drei für die politische Ausrichtung und den Zusammenhalt Eu- ropas richtungsweisende Entscheide auf der Agenda. Möglicherweise wird noch eine vorge- zogene Neuwahl in Italien hinzukommen. In allen Staaten finden eurokritische Parteien zu- nehmend Gehör. Somit könnte jede einzelne Wahl zu einem Belastungstest für die nach wie vor angeschlagene Eurozone werden.

Aktien
Die Aussichten für die Aktienmärkte sind vor diesem Hintergrund moderat positiv, dürften aber durch zwischenzeitliche heftige Schwankungen geprägt sein. Natürlich können die Kurse auch deutlicher steigen, etwa durch eine von den USA ausgehende Belebung des globalen BIP- Wachstums. Aufgrund der politischen Unwägbarkeiten ist heute allerdings kaum prognosti- zierbar, in welche Richtung sich die Aktienkurse tatsächlich entwickeln werden.

Renten
Die Zinsen werden zumindest in Europa selbst bei einem leichten Anstieg im Segment länge- rer Laufzeiten niedrig bleiben. Angesichts der steigenden Inflation wird die Erzielung einer positiven Realrendite nach Abzug der Inflation somit kaum möglich sein. Tagesgelder werden weiterhin mit maximal null Prozent verzinst, da die EZB die Leitzinsen voraussichtlich nicht anheben wird. Banken zahlen somit negative Einlagenzinsen bei der Notenbank und geben diese zumindest an institutionelle Anleger weiter. Folglich überwiegen auf der Zinsseite die Risiken deutlich gegenüber den Chancen.

Rohstoffe
Die erwartete konjunkturelle Entwicklung spricht für weiter steigende oder zumindest stabile Rohölpreise. Auch der jüngste OPEC-Beschluss sollte die Notierungen unterstützen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob dieser tatsächlich umgesetzt wird.

Auf den Goldnotierungen lasteten in den letzten Wochen der erwartete Zinsanstieg in den USA und der feste US-Dollar. Allerdings dürften diese Effekte schon weitgehend im Goldpreis enthalten sein. Nach dem rasanten Kursverfall ist eine Gegenbewegung in den kommenden Monaten daher nicht auszuschließen. Vor allem aber ist Gold als eine Art Versicherung zu verstehen und in dieser Funktion ein sinnvoller Bestandteil eines breit diversifizierten Anlage- portfolios. Auch wenn die Funktion als sicherer Hafen in den letzten Jahren kaum zum Tragen kam, ist doch davon auszugehen, dass Gold in zukünftigen Krisenphasen wieder als Zuflucht sicherheitssuchender Anleger dient.

Währungen
Die konjunkturelle Dynamik und höhere Zinsniveau in den USA im Vergleich zur Eurozone lassen einen zunächst weiter anziehenden Kurs des US-Dollar vs. Euro erwarten. Auch die bestehenden politischen Unsicherheiten in Europa und die hohen Erwartungen an den neuen US-Präsidenten dürften den Dollar unterstützen bzw. die Gemeinschaftswährung belasten. Daher ist das zeitweilige Unterschreiten der Parität von einem US-Dollar zu einem Euro realis- tisch. Unter der Annahme, dass die Vorschusslorbeeren für Donald Trump im Laufe des Jah- res aber auch einmal in Frage gestellt werden, ist ein Wiedererstarken des Euro gegen Ende des Jahres anzunehmen. Zudem wird im zweiten Halbjahr 2017 der Blick der Marktteilnehmer auch wieder auf die EZB gerichtet werden, die sich zum weiteren Vorgehen bzgl. des Wertpa- pierkaufprogrammes ab 2018 äußern muss. Eine weitere Reduzierung des Kaufvolumens ist aus heutiger Sicht wahrscheinlich und dürfte den Euro dann stützen.

Der längerfristige Blick: was bedeuten die dauerhaft politischen Börsen für Kapitalanleger?

Die Europäische Zentralbank kann durch die niedrigen Zinsen und die Liquiditätsflut nur Zeit erkaufen, die von den nationalen Regierungen zur Umsetzung dringend notwendiger Struktur- reformen genutzt werden müsste. Aufgrund der steigenden Inflationsraten wird die EZB ihre ultra-expansive Geldpolitik jedoch nicht mehr allzu lange weiterführen können. Bisher erfolgten jedoch keine ausreichenden Reformen. Im Gegenteil besteht derzeit in kaum einem Punkt Einigkeit. Dies gibt eurokritischen Strömungen immer wieder neuen Anschub. Vor allem die drängenden Probleme, wie die Bewältigung der Flüchtlingsströme, die Staatsschuldenkrise oder der zunehmende politische Populismus bedürfen aber einer gemeinsamen Linie.

Für Anleger kommt es in den kommenden Jahren daher vor allem darauf an, die latenten gro- ßen Risiken zu vermeiden. Eine deutliche Kursbewegung in den kommenden 3 – 5 Jahren ist wahrscheinlich. Dabei sind grundsätzlich drei Szenarien denkbar:

a) „Der Sturm“:
In mehreren Eurostaaten nehmen eurokritische Parteien und Meinungsmacher Überhand. Es folgt eine Kette von Austritten aus der Währungsunion und schließlich das Ende der Eurozone in ihren heutigen Grenzen. Zudem verschärft sich der globale Trend zum Protektionismus. Der Freihandel wird durch Zölle und andere Handelshemmnisse erheblich eingeschränkt. Beste- hende Handelsbeziehungen werden gekappt. Die Folgen wären erhebliche Turbulenzen an den Kapitalmärkten mit kollabierenden Kursen von Aktien und Euro, sinkenden Zinsen für Bundesanleihen und einem stark steigenden Goldpreis.

b) „Das Grau-in-Grau“:
Dieses Szenario entspricht der Situation der letzten Jahre. Der große Wurf mit einer klaren politischen Agenda fehlt sowohl in den USA als auch in der Eurozone. Dadurch ergeben sich immer wieder einzelne Rückschläge für die Kapitalmärkte. Die Notenbanken sorgen mit einer dauerhaft expansiven Geldpolitik dafür, dass der Zusammenbruch vorerst verhindert wird. Zinsen bleiben nahe dem Nullniveau. An den Aktienmärkten ergibt sich kein eindeutiger Trend.

c) „Der Sonnenschein“:
In der Eurozone erfolgt ein politischer Schulterschluss mit einer Fokussierung auf notwendige Strukturreformen. Die eurokritischen Parteien verlieren an Einfluss. Die Schuldensituation rela- tiviert sich durch ein überdurchschnittliches Wachstum, das u.a. durch die Digitalisierung an- geschoben werden könnte. Die Folge sind haussierende Aktienmärkte, steigende Zinsen und Rohstoffkurse sowie ein Wiedererstarken des Euro.

Konkrete Wahrscheinlichkeiten sind bei dieser Betrachtung unerheblich. Denn in jedem poten- ziellen Szenario muss das Portfolio eines Anlegers jeweils anders aufgestellt sein – vor allem um katastrophale Entwicklungen zu vermeiden. Auch ein Szenario mit einer geringen Wahr- scheinlichkeit kann eintreten! Daher sollten Anleger schon heute ihre Anlagestrategie überprü- fen und die folgenden drei Grundregeln der Kapitalanlage beachten:

1) Eine breite Risikostreuung:
Diese fängt bei Liquidität, Anleihen und Aktien an. Darüber hinaus sollten aber auch andere Anlagen, wie Rohstoffe, Edelmetalle, oder Immobilien berücksichtigt werden. Jede Anlage- klasse kann in einem der möglichen Szenarien zur Stabilisierung des Portfolios beitragen.

2) Ein dynamisches Management:
Es bringt nichts, sich z.B. eine feste Aktienquote statisch ins Depot zu legen. Im Falle eines Sturms an den Börsen könnten die Verluste daraus schnell zu groß werden. Investitionsquo- ten und Einzelinvestments müssen daher laufend beobachtet und bei Bedarf an die aktuelle Marktsituation angepasst werden.

3) Eine stringente Risikoreduzierung:
Wie schon 2016 gezeigt hat, können jederzeit unerwartete Risikofaktoren auftreten, die zu erheblichen Verlusten führen können. Das kann die stringente Umsetzung einer vorab defi- nierten Verlustbegrenzungsstrategie bewirken.

„Trumps Wirtschaftspolitik wird für Veränderungen sorgen“

Reflation lautet das Stichwort, das zu Beginn des Jahres 2017 in aller Munde ist. Dabei sollte nach Meinung von Steven Bell, Chef-Ökonom von BMO Global Asset Management, insbesondere die Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten für Veränderungen sorgen: „Donald Trumps Bekenntnis, die Haushaltsausgaben auszuweiten, und seine handelspolitische Haltung beeinflussen den Ausblick für das Jahr 2017 maßgeblich.“

Allerdings weist Bell auf einen grundlegenden Unterschied hin, der für den bedeutenden Wirtschaftsraum USA besteht: „Andere Länder, die im Vergleich zu den USA eine hohe Arbeitslosigkeit und ungenutzte Kapazitäten aufweisen, dürften von wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Vermeidung einer Deflation profitieren. In den USA könnte diese Politik hingegen zu einer höheren Inflation sowie steigenden Importkosten und Zinsen führen.“

Wirtschaft in den USA zeigt sich robust

Nach Ansicht des Experten wird sich Trumps expansive Fiskalpolitik mit geplanten Steuersenkungen und Haushaltsausgaben in Höhe von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aber weiter positiv auf die ohnehin bereits robuste wirtschaftliche Lage der USA auswirken. Verbraucher profitierten von soliden Finanzen, geringer Verschuldung und einer angemessenen Einkommenssteigerung, was wiederum den Konsum fördere. Diese guten Voraussetzungen hatten schon vor Trumps Wahlsieg dazu geführt, dass der Gewinn pro Aktie für Unternehmen im S&P 500 gestiegen ist und dieser Trend sich fortsetzte.

Weitere Veränderungen könnten den USA nach Meinung des Chef-Ökonomen aufgrund von Trumps handelspolitischem Engagement bevorstehen. Als Beispiele hierfür nennt Bell das angekündigte harte Vorgehen für den Handel mit Mexiko und China sowie die mögliche Einführung einer Grenzsteuer für Unternehmen, die ihre Produktionsstätten außerhalb der USA erweitern, um die dort hergestellten Waren dann wiederum in die Vereinigten Staaten einzuführen. Durch seine Bemühungen, Exporte zu subventionieren und Importe mit Strafen zu belegen, konnte Trump bereits vereinzelte Erfolge verbuchen. So hat etwa der Automobilhersteller Ford die Planungen für ein Werk in Mexiko zugunsten des Standorts Michigan eingestellt. „Entscheidend ist, wie gemäßigt Trump künftig mit innen- oder außenpolitischen Spannungen umgehen wird. Denn grundsätzlich besteht das Risiko, dass die Finanzmärkte mit Angstverkäufen reagieren“, erklärt Bell.

Weltwirtschaft befindet sich auf Erholungskurs

Unabhängig von den USA sprechen nach Ansicht von Bell die Anzeichen aber schon länger dafür, dass sich die Weltwirtschaft auf Erholungskurs befindet. So hat zum Beispiel der JPMorgan Global Manufacturing PMI nach mehreren Jahren im Mai 2016 endlich ins Positive gedreht. Für die wirtschaftliche Erholung habe die Geldpolitik eine wichtige Rolle gespielt, auch wenn nun die Grenzen dieser Politik deutlich würden. „Es ist an der Zeit, dass das Ruder wieder an die Finanzbehörden übergeben wird. Trump wird dabei wohl vorangehen, und es bleibt abzuwarten, welche Länder seinem Beispiel folgen“, so Bell.

Chinas Aufwärtstrend beeinflusst die gesamte Region

Die allgemeine wirtschaftliche Erholung zeigt sich dem Experten zufolge auch besonders am Beispiel Chinas. Die Unterstützung der Immobilienmärkte durch den Staat sowie steigende öffentliche Investitionen hätten dazu beigetragen, dass sich das Land in letzter Zeit positiv entwickelt hat, wie auch die Daten des Purchasing Managers' Index aus China belegen. Zudem zeichne sich auch bei den privaten Investitionen aktuell eine Trendwende ab. „Die Regierung wird bis zur Plenarsitzung des Zentralkomitees im Oktober 2017 ihren proaktiven Kurs beibehalten. Deshalb erwarten wir, dass der wirtschaftliche Aufwärtstrend weiter anhält und positive Auswirkungen auf die ganze Region haben wird“, sagt Bell.

Europa zeigt Stärke unter Industrieländern

Dagegen habe Großbritannien unter den Folgen des Brexit-Referendums zu leiden. So sei zum Beispiel das britische Pfund Sterling merklich gefallen, die Wirtschafts- und Beschäftigungszahlen zeigten sich schwach und der Umfang der Investitionen gehe zurück. Im Unterschied dazu habe sich die europäische Wirtschaft gut entwickelt. Laut des von der Citigroup errechneten Economic Surprise Index ist Europa derzeit die stärkste Region unter den Industrieländern.

Alles in allem ist der Experte der Ansicht, dass höhere US-Zinsen und ein starker Dollar es den Märkten im Jahr 2017 schwermachen könnten. „Aktien gehören zwar zu unserer bevorzugten Anlageklasse. Allerdings könnten starke Wirtschaftsdaten für eine Rallye bei Anleihen und damit ab einem bestimmten Punkt zu fallenden Aktienkursen sorgen“, sagt Bell. Bei den Sektoren rechnet der Experte damit, dass sich die jüngsten Trends fortsetzen und zyklische Aktien die Erwartungen übertreffen könnten, während defensive Aktien, sogenannte Bond Proxies, zu kämpfen haben. Schwierig dagegen blieben aufgrund des starken Dollar und steigender Kosten die Aussichten für Schwellenländer. „Aus unserer Sicht könnten 2017 europäische Aktien endlich die Enttäuschungen der vergangenen fünf Jahre überwinden und sich überdurchschnittlich gut entwickeln“, lautet Bells Prognose.

Währungsausblick 2017

Martin Arnold, Director – FX & Macro Strategist bei ETF Securities, erwartet 2017 folgende Bewegungen bei den wichtigsten Währungen:

  • Rückschlag für den US-Dollar, gefolgt von einer Kurserholung
  • Das britische Pfund sollte von einer geringeren Unsicherheit in Bezug auf den Brexit profitieren
  • Euro wird schwächer, da politische Turbulenzen die EZB in Zugzwang bringen
  • Kurzfristige Stärkung des japanischen Yen

US-Dollar

Der starke Anstieg des US-Dollars wird nach der zu erwartenden Zinserhöhung der FED wohl erst einmal aussetzen. Aber obwohl die FED ihre Prognose für weitere Zinsanhebungen in 2017 erhöht hat, könnte sie die eigenen Erwartungen möglicherweise nicht erfüllen. Die FED will eine „Hochdruck-“Ökonomie fahren, weshalb wir erwarten, dass der US-Dollar leiden wird, da die Zentralbank an Glaubwürdigkeit in der Inflationsbekämpfung verlieren wird. Sobald die FED akzeptiert, dass sie beim Anheben der Zinsen aggressiver sein muss, denken wir, dass der US-Dollar sich - im zweiten Halbjahr 2017 - wieder erholen wird.

Britisches Pfund

Das britische Pfund hat dieses Jahr von allen Währungen der G10 Staaten am schlechtesten abgeschnitten und dabei ein 30-Jahres-Tief erreicht. Das EU Referendum hat dem Pfund einen schweren Schlag versetzt, aber die Bilanzen der Unternehmen wurden durch das fallende Pfund aufgebessert. Die Unsicherheit, welche im Umfeld des EU Referendums entstanden ist und die das Pfund stark belastet hat, wird nachlassen. Wir glauben zwar, dass das Pfund derzeit am strukturellen Tiefpunkt ist, erwarten aber noch eine gewisse Volatilität, welche die kommende Entscheidung des Supreme Courts zum Brexit begleiten wird.

Euro

Da über 70 Prozent der Eurozone (gemessen am BIP) für 2017/18 Wahlen angesetzt haben, ist anzunehmen, dass die politische Unsicherheit mögliche Zuwächse beim Euro limitieren wird. Ohne einen Katalysator, welcher die Inflation antreibt, wird die EZB voraussichtlich weiterhin auf andere Impulse zum Anregen der Wirtschaft setzen. Diese könnten ein Renditekurvenmanagement beinhalten, um den monetären Transmissionsmechanismus zu stärken, was den Euro weiter nach unten drücken sollte.

Japanischer Yen

Der japanische Yen wird Anfang 2017 davon profitieren, dass politische Unsicherheit und Sorgen bezüglich der aufgeblähten Anleihen- und Aktienmärkte zunehmen werden. Dennoch erwarten wir, dass der Yen Ende 2017 niedriger stehen wird, da japanische Investoren im Ausland nach profitableren Anlagen suchen werden.

Der Einfluss von US Grenzzöllen auf die Märkte

Der neue amerikanische Präsident Donald Trump hat über den Wahlkampf und die in den ersten Interviews seine Position zu einer Stärkung der amerikanischen Wirtschaft klargemacht. Dazu gehört wohl auch die Einführung einer so genannten „Border Tax“. Investoren sind jetzt dabei, sich auf die Wahrscheinlichkeit der Einführung einer „Border Tax“ im Rahmen von Änderungen des amerikanischen Steuerrechts zu konzentrieren.

„Diese Border Tax würde wie eine Kombination aus Einfuhrzöllen und einer Exportsubvention wirken“, sagt Gavyn Davies – einer der Gründer und Chairman der Fulcrum Asset Management. In seiner Studie erklärt Davies den möglichen Reformansatz, der wahrscheinlich WTO-Regularien zuwider läuft und der auch zu Vergeltungsmaßnahmen anderer Staaten führen könnte.

„Simulationen zeigen, dass dieser Teil amerikanischer Steuerreformen in einem stärkeren Dollar resultieren könnte, aber auch gegenläufige Effekte in der Inflationsrate der USA, beim Wirtschaftswachstum und – möglicherweise – auch bei Aktienpreisen mit sich bringen könnte“. Jede mögliche Änderung des amerikanischen Steuersystems würde sicherlich ihre Effekte erst über viele Jahre hinweg entfalten, Konsequenzen für die Märkte könnten aber schon 2017 sichtbar werden, wenn der Gesetzgebungsprozess im Kongress beginnt.
 
Details entnehmen sie bitte dem beigefügten Research-Dokument in englischer Sprache.
 

Gavyn Davies ist einer der Gründer und Chairman von Fulcrum Asset Management. Das in London ansässige Unternehmen verwaltet in vom großen makroökonomischen Gesamtbild abgeleiteten Multi-Asset-Strategien Mittel, die vornehmlich von institutionellen Investoren stammen. Vor der Gründung von Fulcrum Asset Management war Gavyn Davies 15 Jahre lang Chefvolkswirt von Goldman Sachs.

US Aktien sind teuer, zurecht!

Qualitätsunternehmen, die eine starke Wettbewerbspositionen, gute Bilanzen, eine hohe Profitabilität haben und entsprechende Cash-Flows generieren, dürfen teurer sein. Mit einem durchschnittlichen Forward -KGV von 16,9 (25-Jahres Durchschnitt: 15,9) und KBV von 2,7 (25-Jahres Durchschnitt: 2,9) sind US Unternehmen im relativen Vergleich derzeit sicherlich schon gut bewertet, auch wenn sich dies im langfristigen historischen Vergleich wieder relativiert. Auch aufgrund der geringeren Markt-Volatilität und der sehr hohen Liquidität und Markttiefe sind US-Aktienanlagen systematisch teurer bewertet als beispielsweise europäische Aktienanlagen.

Besonders hervorzuheben ist die sehr komfortable Liquiditätsausstattung qualitativ hochwertiger US-Unternehmen, die von der robusten konjunkturellen Entwicklung und der anhaltend guten Margensituation profitieren und deshalb weiterhin auf einem Mehrjahreshoch notiert.Die durchschnittliche Free-Cash-Flow Rendite von 8,7% und eine Dividendenrendite von 2,6% zeigt, dass eine Vielzahl von US Unternehmen ordentliche Renditen erwirtschaften und weiterhin bereit sind, diese mit Ihren Aktionären zu teilen. Aus unserer Sicht bleiben Aktien als Sachwerte auch in 2017 alternativlos und sind im Vergleich zu den sehr teuer bepreisten Anleihen noch moderat bewertet, die einen implizites KGV von knapp 42 (10-jährige US Treasury-Renditen bei 2,4% per 16. Januar 2017, Quelle: Factset Research) haben. Darüber hinaus ist die USA trotz dem fortgeschrittenen Konjunkturzyklus noch sehr weit von einer Blasenbildung entfernt. Beispielhaft hatten US-Aktien im Höhepunkt der Technologieblase im Jahr 2000 ein Shiller CAPE Ratio von ca. 44, wohingegen derzeit der normalisierte Shiller-KGV Wert bei knapp 28 liegt (20-jahres Durchschnitt bei 27).

Nachdem in den letzten zwei Jahren sich die Gewinnsituation und Eigenkapitalrendite getrieben durch den schwächeren Energiesektor sich leicht negativ entwickelt hat, wird für das Jahr 2017 ein Gewinnwachstum von 12 % und eine Eigenkapitalrendite von 16,2 % erwartet (Quelle: Factset Research).

Auch im historischen Vergleich mit europäischen Aktien zeigt sich der strukturelle Bewertungsunterschied, dass US-Qualitätsaktien systematisch teurer gehandelt werden als ihre europäischen Pendants, sowohl was das KGV als auch das Shiller CAPE betrifft. So überrascht es nicht, dass das durchschnittliche KGV von US Unternehmen beispielsweise seit 2010 bei 16,4 liegt, europäische Unternehmen jedoch mit durchschnittlich 13,8 KGV notiert haben.

Die relative Performance beider Märkte spricht eine klare Sprache – trotz fortlaufend „höherer“ Bewertung der US-Märkte: während der S&P 500 seit Anfang 2010 bis Ende 2016 eine Rendite von 12,8% p.a. (in USD) erwirtschaften konnte, haben europäische Aktien in diesem Zeitraum nur 4,65% (in EUR) verdient (Quelle: Factset Research, Dividenden reinvestiert, S&P 500 Performance ist deshalb in USD angegeben um den positiven Währungseinfluss seitens der USD-Aufwertung zu eliminieren).

Qualität hat eben seinen Preis!

Wirtschaftswachstum in Amerika stärker als gedacht

Die zuletzt veröffentlichten Wirtschaftswachstumsdaten sind stärker als erwartet ausgefallen. Im 3. Quartal 2016 legte das Bruttoinlandsprodukt in USA um 3,5 % p.a. zu, was den stärksten Anstieg seit zwei Jahren bedeutet hat. Getragen wird die positive Konjunkturentwicklung weiterhin von konsumfreudigen US-Verbrauchern, zumal sich die Arbeitsmarktsituation weiter verbessert hat. Mit einer Arbeitslosenquote von derzeit niedrigen 4,7% stiegen die Gehälter der Beschäftigten im Jahresvergleich um durchschnittlich 2,9 % an, welches der höchste Zuwachs seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist.

Dass die wirtschaftliche Aktivität in den USA weiter gut unterstützt ist, liegt vor allem an dem soliden Beschäftigungswachstum, den steigenden Löhnen und dem stabilen Immobilienmarkt. Neben den Konsumenten könnten mit der überraschenden Wahl von Donald Trump als US-Präsident nun auch zukünftig höhere Staatsausgaben und die amerikanische Industrie zusätzlich das US-Wirtschaftswachstum befeuern. Schon im Nachgang der Wahl von Trump haben die Kapitalmarktzinsen stark nach oben korrigiert, vor allem die expansive Fiskalpolitik, Deregulierung von einzelnen Sektoren und Steuererleichterungen könnten ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 0,5% p.a. für die USA bedeuten.

Dadurch dürfte sich zukünftig die konjunkturelle Entwicklung in den USA noch stärker im Vergleich zu Europa unterscheiden, das derzeit mit ganz anderen Problemen beschäftigt ist. Nicht zuletzt spiegeln auch die Zinssätze für 10-jährige Staatsanleihen dieses Wachstumsdifferential das derzeit vorherrscht. Während 10-jährige US-Staatsanleihen mit 2,40% Rendite notieren, verzinsen sich die europäischen Pendants aktuell nur mit 0,3%.

Auch wenn die zukünftige Politik und tatsächliche Umsetzungsmöglichkeiten Trumps Ideen noch in den Sternen stehen, so wird er doch an seiner Kern-Aussage gemessen werden, die USA mehr nach innen gerichtet wieder zur Wirtschaftsmacht zu machen. Die Sektoren, die durch die zukünftige Politik am meisten unterstützt werden, sollten im Bereich der Banken/Financials, Industrie und Konsumgüter zu finden sein. Wenig überraschend waren genau diese Sektoren im Nachgang der US-Präsidentschaftswahl die klaren Performancegewinner. Aber auch generell zeigt sich die Gewinn- und Margensituation von US-amerikanischen Unternehmen weiterhin als sehr attraktiv, auch wenn diese kaum mehr ausbaufähig sind. Aber unterstützt durch die gute Wirtschaftsaktivität dürfte das Niveau der der Free Cash Flow Marge sich weiter auf dem hohen Niveau halten können und gut abgesichert sein. Entsprechend sind die Aussichten für US-Aktien auch für das kommende Jahr 2017 bestens unterstützt und bieten auch für die kommenden Monate ein attraktives Potential.

Dies gilt umso mehr für ausschüttungsorientierte Investoren, die auch im Jahr 2017 an US-Aktien nicht vorbeikommen können.

USA bleibt der wichtigste Markt für ausschüttungsorientierte Investoren

Die weiter sehr hohe Profitabilität der S&P 500 Unternehmen übersetzt sich auch in entsprechende Cash-Bestände, die trotz hoher laufender Ausschüttungen der Unternehmen sich auf hohem Niveau stabilisiert haben. Sowohl der Operative Cash-Flow (+5,2%) als auch der Free-Cash-Flow (+15,0%) der S&P 500 Unternehmen haben sich in der Jahresbetrachtung gesteigert (Q3-2015 bis Q3-2016, Quelle: FactSet Research, Cash and Investment Quarterly). Attraktive Aussichten für Dividendenjäger, da derzeit die kumulierte Aktionärsrendite (Dividendenrendite: 2% und Aktienrückkaufrendite: 2,9%) für den S&P 500 per 31.12.2016 bei 4,9% liegt.

Durch die weiter sehr gute Gewinnmargensituation von US-Unternehmen und die mit dem Sieg von Trump in Aussicht gestellte Steuerreformen auf börsennotierte Konzerne dürften Dividenden-Ausschüttungen und auch Aktienrückkäufe gut unterstützt sein und zukünftig zunehmen. Die Unternehmen sollen demnach deutliche Steuervorteile haben, wenn sie die im Ausland erwirtschafteten Gewinne wieder in die USA transferieren und dort auch versteuern. Das könnte dazu führen, dass Milliarden von US-Dollar in Aktienrückkäufe investiert werden, mit der Folge, dass die Aktienkurse und Bewertungen weiter gut unterstützt bleiben. Auch wenn Aktienrückkäufe diesseits des Atlantiks zu Unrecht noch weiter negativ beurteilt werden, so haben US-amerikanische Unternehmen mit Aktienrückkäufen gute Erfahrungen gemacht, zumal diese bzw. Anleger auch steuerliche Vorteile lukrieren können, wenn Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen.

Entscheidend dabei ist, mit welchen Mitteln (eigenes Cash oder Schulden?) und zu welchen Kursen die Rückkäufe getätigt werden. Dabei sind insbesondere diejenigen Unternehmen zu favorisieren, die ihre Aktien aus eigener Kraft zurückkaufen können und die im relativen Vergleich eine günstigere Börsenbewertung aufweisen.

Dementsprechend sollten ausschüttungsorientierte Anleger in ein qualitativ hochwertiges Portfolio von US-Unternehmen investieren, und somit auch strukturelle Vorteile des weltweit größten Kapitalmarkts für sich nutzen.

Der Einfluss steigender Zinsen auf Wandelanleihen

von Brice Perin, Portfoliomanager des Generali Investments SICAV Absolute Return Convertible Bond.

Sowohl in den USA als auch in Europa berücksichtigen Anleger bei der Asset-Allokation zunehmend die potenziellen Folgen steigender Zinsen. Insbesondere diejenigen, die einen höheren Anteil an festverzinslichen Werten halten, müssen sich von vornherein gegen Risiken absichern, um den Marktwert ihrer Anlagen zu schützen.

Eine mögliche Lösung besteht darin, in Anlageklassen zu investieren, die kaum oder negativ mit Zinsen korrelieren. Während eine Erhöhung des Aktienanteils für die meisten dieser Anleger möglicherweise zu aggressiv wäre, sind Wandelanleihen aus unserer Sicht eine optimale und ausgewogene Anlagelösung. Tatsächlich lässt sich rückblickend festhalten, dass diese Anlageklasse in Zeiten steigender Zinsen eine starke Performance vorweisen konnte – z. B. zwischen 1999 und 2000 oder zwischen 2002 und 2003. Die vergleichsweise geringe Korrelation mit Zinsen ist hauptsächlich auf die Konstruktion von Wandelanleihen als Mischform aus einer Anleihekomponente und einer Aktienoption sowie auf die strukturell geringere Duration bei Auflegung und im Durchschnitt zurückzuführen. Aufgrund ihres konvexen Profils nimmt die Zinssensitivität von Wandelanleihen bei Kursanstiegen faktisch ab, während ihre Aktiensensitivität steigt.

Dennoch sind Wandelanleihen nicht vollständig immun gegenüber Zinsänderungsrisiken, da die jeweils zugrundeliegende Aktienexposure einiger Sektoren wie z. B. der Immobilien- oder Versorgungsbranche unter einem möglichen Anstieg leiden könnte. Wandelanleihen, die strukturell auf diese Sektoren ausgerichtet sind, würden dem Trend indirekt entsprechend ihres Deltas folgen.

Im aktuellen Marktumfeld und nach einer starken Branchenrotation Ende 2016, auf die ein Ausverkauf speziell in den genannten Segmenten folgte, ist ihr Delta jedoch stark gesunken, weshalb ein solch nachträglicher Effekt begrenzt wird.

All diese Gründe sprechen für Wandelanleihen als attraktive Alternative für Anleger, die Schutz vor steigenden Zinsen suchen, aber nicht in Aktien anlegen wollen, denn Wandelanleihen bieten in Zeiten steigender Zinsen einen gewissen Schutz sowohl vor einer höheren Volatilität auf den Aktienmärkten als auch vor den Kursrisiken von Standardanleihen.

Rally bei Rohstoffen treibt Gewinnmitnahmen – und den Aufbau von Positionen

Rohöl-, Industriemetall- und Gold-ETPs verzeichnen Zuflüsse, da der Kursaufschwung Anleger anzieht. Bei Palladium-ETPs kommt es nach der extrem starken Rally zu Gewinnmitnahmen. Zuflüsse in Short-ETPs für europäische Aktien auf dem höchsten Stand seit Juli 2016, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Den vollständigen Kommentar finden Sie links als PDF.

Da Saudi-Arabien zur Freude der Anleger die Förderquote einhält, fließen zum ersten Mal seit November 2016 wieder Gelder in Rohöl-ETPs. Long-Rohöl-ETPs (A1N49P) verzeichneten in der letzten Woche Zuflüsse in Höhe von 44,2 Mio. USD, da die Ölpreise ihre Verluste zu Wochenanfang wieder aufholten. Aus der Erklärung des saudischen Energieministers al-Falih geht hervor, dass sein Land die Ölproduktion mehr als zur Quotenerfüllung notwendig gesenkt hat und dass es sie im nächsten Monat noch weiter zurückfahren könnte. Wir raten jedoch zur Vorsicht, da Saudi-Arabiens Eigenverbrauch im Winter nachlässt und seine Ölexporte gleich bleiben könnten. „Da der Preis für Öl der Sorte WTI seit Anfang Dezember 2016 über 50 USD/Barrel steht, sind außerdem die Förderung und die Exporte der USA steil angestiegen. In der ersten Januarwoche war die US-Produktion um 2,9 % höher als in der ersten Dezemberwoche“, sagte Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Gold-ETPs (A0LP78) verzeichneten in der dritten Woche in Folge Zuflüsse, und zwar diesmal in Höhe von 22,3 Mio. USD. Dies deutet darauf hin, dass die Anleger ihre optimistischen zyklischen Positionen mit strategischen Hedges kombinieren. Trotz der Rally bei Aktien und zyklischen Rohstoffen in den ersten zwei Wochen des Jahres besteht für Anleger Grund zur Vorsicht, da sich die „Trump-Rally“ als flüchtig erweisen könnte. Zwar scheinen viele Vorhaben des gewählten Präsidenten wachstumsfreundlich, aber Details über ihre Umsetzung sind bislang kaum bekannt. „Entsprechend hoch ist das Enttäuschungsrisiko. Seit Jahresanfang verlor der US-Dollar (DXY) rund 2%, während Gold in demselben Zeitraum beinahe 5% hinzugewinnen konnte. Die Vagheit von Trump finden manche Anleger beunruhigend“, sagte Hein.

Gewinnmitnahmen sorgen bei Palladium-ETPs (A0N62E) für Abflüsse in Höhe von 117,7 Mio. USD. Palladium startete mit Gewinnen von fast 11 % sehr stark in das Jahr, sodass der Großteil der Verluste aus dem Dezember wettgemacht wurde. Johnson Matthey rechnet für dieses Jahr mit einer unveränderten Fördermenge, während die Nachfrage vor allem aus dem Autosektor zunehmen wird. „Das Angebot von Palladium dürfte daher im sechsten Jahr in Folge hinter der Nachfrage zurückbleiben“, sagte Hein.

Aufgrund der Rally der Industriemetalle befinden sich die Zuflüsse in breit aufgestellte Metallkörbe auf dem höchsten Stand seit November 2016. Der schwächere US-Dollar (in dem die meisten Rohstoffe abgerechnet werden) führte in Verbindung mit starken chinesischen Rohstoffimporten dazu, dass sich der Aufschwung der Metallpreise fortsetzte. So wurden in der letzten Woche Industriemetallkorb-ETPs im Wert von 23,3 Mio. USD gekauft, außerdem flossen weitere 10 Mio. USD in die ETPs einzelner Industriemetalle (A0SVX7). „Der Markt konnte das Fehlen von Einzelheiten über Trumps Investitionspläne und die Lockerung des indonesischen Ausfuhrverbots für Erze weitgehend abschütteln“, sagte Hein.

Die Anleger hoben ihre Short-Positionen in europäischen Aktien so stark wie seit September 2015 nicht mehr an. Die Zuflüsse von 5,00 Mio. USD in Short-DAX-ETPs und von 7,8 Mio. USD in Short-FTSE100-ETPs zeigen, dass nach der starken Aktienrally antizyklische Positionen aufgestockt werden. Die zunehmende Bedeutung der Automatisierung in einer immer älter werdenden Welt, in der die Verfügbarkeit günstiger Fremdarbeiter sinkt, führte indessen zu einem steigenden Anlegerinteresse an Robotikaktien. „In der letzten Woche verzeichneten diese Themen-ETFs mit 10,2 Mio. USD die höchsten Zuflüssen seit Oktober. Es waren auch zum 18. wöchentliche Zuflüsse hintereinander“, sagte Hein.

Was könnte der Trump-Effekt für Anleger bedeuten?

Viele Marktteilnehmer hat Trumps Wahlsieg im November auf dem falschen Fuß erwischt. Aber trotz anfänglicher Bedenken im Markt hat der S&P 500 Index seit der Wahl um rund 6 Prozent* zugelegt. Am Freitag wird Donald Trump als neuer Präsident der USA vereidigt. Nick Peters, Multi-Asset-Fondsmanager bei Fidelity International, fragt sich deshalb, was der Trump-Effekt für Anleger bedeuten könnte.

„Ich habe beschlossen, die Gewinne der US-Rally mitzunehmen. In den USA sowie rund um den Globus wächst die Wirtschaft stärker als noch vor einem Jahr. Aber die guten Nachrichten scheinen in den Kursen eingepreist zu sein. In den vergangenen Wochen sind sie so stark gestiegen wie selten zuvor. Damit ist die Gefahr einer Enttäuschung groß. Viele Anleger hoffen auf eine ,Trumpflation‘, also eine durch Trumps Wirtschaftspolitik bewirkte Rückkehr der Inflation“, so Nick Peters.

„Im vergangenen Jahr hatte ich den Eindruck, dass die Märkte zufriedenstellende Daten pessimistisch bewertet haben. Heute kommt es mir so vor, als würden starke Daten allzu optimistisch interpretiert. Uns könnten daher bei einer Enttäuschung ziemliche Marktturbulenzen mit erhöhter Volatilität drohen. Aber wie 2016 zeigt, können selbst Jahre mit starken Schwankungen infolge politischer Ereignisse für Anleger lohnend sein“, erläutert Peters.

Trump-Blase

Seit der Wahl hat sich der Performance-Abstand zwischen den einzelnen Branchen deutlich vergrößert. Gestiegen sind vor allem die Kurse der Branchen, die von der Reflation profitieren dürften.

Nick Peters: „Am meisten beunruhigt mich, dass die Kurse von Industriewerten im S&P 500 seit dem Wahltag um 7,8 Prozent* nach oben geschnellt sind. Grund ist die Erwartung, höhere Infrastrukturausgaben unter Trump würden die Nachfrage nach Industrieprodukten und damit die Gewinne von Industrieunternehmen anheizen. Aber diese Blase könnte platzen, denn fraglich ist, ob Trump seine vollmundigen Wahlkampfversprechen überhaupt einlösen kann. Zudem haben Infrastrukturprojekte lange Vorlaufzeiten. Höhere Infrastrukturausgaben werden sich daher vermutlich erst nach Monaten, wenn nicht gar Jahren, positiv bemerkbar machen.“

„Vielversprechender ist meines Erachtens der Ausblick für Finanzaktien im S&P 500. Seit dem 8. November haben sie in Erwartung steigender Zinsen und weniger strenger Regulierung 17 Prozent* zugelegt. Diesen Trend halte ich für langlebiger, da die These der länger niedrigen Zinsen zuletzt doch überzogen war. Und da die Inflation wohl anziehen wird, rechnen wir künftig mit steigenden Zinsen.“

„Versorger und Grundbedarfsgüter aus dem S&P 500 haben zwar nur etwa 2 Prozent* eingebüßt. Zwischenzeitlich summierte sich ihr Minus aber auf über 5 Prozent*. Mit der Aussicht auf höhere Zinsen werden diese beiden Branchen – trotz möglicherweise weiterhin positiver Renditen – dem Markt vermutlich hinterherhinken. Aber wegen des unsicheren Ausblicks und der unter einem Präsidenten Trump befürchteten höheren geopolitischen Risiken sollten Anleger defensive Branchen nicht vernachlässigen“, so Peters.

Europäische Value-Aktien mit höherem Wertpotenzial

„Value-Aktien und zyklischere Marktbereiche haben in den vergangenen Monaten weitaus besser als Wachstumsaktien abgeschnitten. In ihren nunmehr höheren Kursen in den USA sind die besseren Konjunkturdaten aber weitgehend berücksichtigt.

Wenn Value-Titel den Markt weiterhin übertreffen können, dann in Europa. Schon jetzt profitiert die Region von einer Wachstumsbelebung auf dem heimischen Markt. Ein beschleunigtes Weltwirtschaftswachstum kommt Europa tendenziell stärker als anderen Regionen zugute. Wegen der politischen Risiken sollten Anleger ihr Engagement in Europa aber sehr sorgfältig prüfen“, erläutert Peters.

Höhere Renditen unter demokratischen Präsidenten in der Vergangenheit

Nach gängiger Auffassung sind die Republikaner markt- und unternehmerfreundlicher als die Demokraten, stehen sie doch für niedrige Steuern und weniger staatliche Eingriffe. Analysen von Fidelity International haben indes ergeben, dass sich der amerikanische Aktienmarkt unter demokratischer Präsidentschaft in der Vergangenheit tendenziell besser geschlagen hat (Grafik 1).

Grafik 1: Annualisierte Renditen des S&P 500 während der US-Präsidentschaften von 1929-2017**

Currencies 2017: Stellt die Politik die Fundamentaldaten wieder in den Schatten?

von Ugo Lancioni, Senior Portfolio Manager und Head of Global Currency bei Neuberger Berman.

Im Laufe des Jahres 2016 sahen wir relativ große Spannbreiten bei den Preisen für die wichtigsten Währungen gegenüber dem US-Dollar – im Durchschnitt 14,4 %. Doch trotz der Ausschläge beendeten fast alle Währungen das Jahr nahezu unverändert. Die Ausnahme war das britische Pfund, das nach der Abstimmung Großbritanniens dafür, die Europäische Union zu verlassen, eine deutliche Abwertung erlebt hat. Die Dynamik des Marktes wurde oft angetrieben von großen Verschiebungen vor wichtigen politischen Ereignissen, statt durch allmähliche Anpassungen an grundlegende Veränderungen.

Aus Sicht des Währungsmarktes waren die wichtigsten Ereignisse die Brexit-Abstimmung, Donald Trumps Sieg bei den US-Wahlen und zahlreiche OPEC-Treffen zu der Frage, die Ölförderung einzuschränken oder nicht.

Anfang 2017 werden viele dieser Ereignisse noch nachhallen – angefangen mit Donald Trumps Amtseinführung diese Woche. Seit seinem Wahlsieg sind die Inflationserwartungen, in Vorgriff auf die Wirtschaftspolitik, die er während seiner Wahlkampagne versprochen hat, deutlich gestiegen. Der Markt wird genau hinsehen, in welchem Ausmaß diese Versprechen umgesetzt werden. In einer Pressekonferenz verkündete er, dass er der "größte Job-Schöpfer, den Gott je erschaffen habe“ werden wolle. Doch einige der sogenannten Trump-Trades (US-Dollar Long, Zinsen Short und Aktien Long), hat der Markt bereits zurückgenommen, da Trump kaum Details zu den geplanten Maßnahmen veröffentlicht hat.

In Europa beginnt im März für das Vereinigte Königreich offiziell der Prozess zum Verlassen der EU, genauso wie die niederländischen Wahlen. Die französischen, deutschen und möglicherweise italienischen Wahlen sind dann auf den Rest des Jahres verteilt. Trotz dieser politischen Ablenkungen ist es wichtig, sich weiterhin auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren.

Ein guter Start

Das neue Jahr begann positiv: Die US-Aktienmärkte erreichten ein Allzeithoch bei relativ niedriger Risikoaversion, trotz der großen politischen Unsicherheit. In den USA sind die Fundamentaldaten robust, Tendenz steigend. Und mit der US-Notenbank, die ihren Leitzins im Jahr 2017 voraussichtlich zwei- bis dreimal hochsetzen wird, könnte auch der US-Dollar steigen. Obwohl die letzten US-Inlandsdaten sehr stark gewesen sind, glauben wir jedoch, dass dies bereits in den Dollar-Preis eingeflossen ist. Sollten die Daten dieses Maß an Optimismus also nicht rechtfertigen, insbesondere im Hinblick auf die Umsetzung der Politik Trumps, wird der Dollar-Kurs leiden.

Der europäische Kontinent, der drei Jahre lang hinter den USA lag, holt langsam auf. Viele Indikatoren zeigen in Richtung stärkeres Wachstum für das Jahr 2017. Im Dezember erweiterte die Europäische Zentralbank ihr Quantitative-Easing-Programm, allerdings auf einem geringeren Niveau. Der Markt geht jedoch nicht davon aus, dass die EZB ihre Maßnahmen weiter zurückfährt, was in einem expansiven Umfeld die Zinsen in Europa hochtreiben und den stärkeren US-Dollar ausgleichen könnte.

Gewinner und Verlierer

Also wo sollten Anleger mit Blick auf Währungen nach Investments suchen? Unserer Analyse zufolge sind skandinavische Währungen, die eng mit der Europäischen Handelsblock verbunden sind, weiter deutlich unterbewertet: zwischen 15 und 20 % im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen. Schwedische Daten, zum Beispiel, waren in letzter Zeit viel stärker und die Kombination von stärkeren Daten und höherer Inflation könnte die schwedische Krone steigen lassen. Wir glauben generell, dass die skandinavischen Länder andere G10-Staaten in diesem Jahr übertreffen werden.

In Bezug auf überbewertete Währungen zeigt unsere Analyse, dass der Schweizer Franken gegenüber anderen wichtigen Währungen deutlich überbewertet ist. Die Schweizer Nationalbank verfolgt eine negative Zinspolitik und ist aktiv an den Währungsmärkten, um eine Aufwertung des Frankens zu mildern. Dennoch, wenn die Zinsen weltweit steigen, wird der Schweizer Franken unter Druck geraten.

Abgesehen davon hat der japanischen Yen im vierten Quartal 2016 dramatisch verloren. Wir glauben, dass der Yen anfällig ist für eine Korrektur, vor allem, wenn die Märkte bei renditestarken Anlagen einige Turbulenzen erleben.

Rohstoffabhängige Währungen, wie der australischen Dollar, der Neuseeland-Dollar und der kanadische Dollar, könnten im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen eher unterdurchschnittlich abschneiden. Im Anschluss an die Popularität des Carry-Trade im zweiten Halbjahr 2016 sind diese Währungen aus Sicht der langfristigen Fundamentalen überbewertet. Sollte die Volatilität steigen, können wir erwarten, dass diese Währungen unter Druck geraten.

Schließlich hat China die Gewichtungen im Korb der Währungen verändert, um den Renminbi zu stabilisieren und das Gewicht des US-Dollars verringern. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf aggressive Interventionen, um Kapitalabflüsse aus dem Land zu begrenzen. Anleger sollten die Situation in China genau beobachten, da die globalen Auswirkungen der Entwicklung Chinas und seiner Währung ganz erheblich sein können.

Abschließend möchte ich sagen, es gibt Spielraum für weitere schrittweise US-Dollar-Aufwertung im Jahr 2017, wenn die Daten stark bleiben. Eine kurzfristige Korrektur ist jedoch zu erwarten, da der Markt die Erfolgswahrscheinlichkeit der Politik der neuen Regierung bewerten will. Die Details müssen erst vorgestellt werden. Europäische Währungen bieten gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aus einer längerfristigen Perspektive, wenn wir in eine expansive Phase eintreten. Politische Unsicherheit wird uns voraussichtlich noch eine Weile begleiten.

Beginn der Trump-Präsidentschaft – Investoren sollten Kurs halten

Am Ende dieser Woche wird Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt und die ganze Welt schaut gespannt nach Washington. Den ersten 100 Tagen einer neuen Präsidentschaft kommen traditionell eine große Bedeutung zu, doch unter Trump könnten die Märkte besonders nervös auf jede Amtshandlung des Neu-Präsidenten reagieren. Das aktuell relativ unsichere Marktumfeld bietet David Eiswert, Portfoliomanager Global Focused Growth Equity Strategy von T. Rowe Price, zufolge daher alle Voraussetzungen für eine erhöhte Volatilität sowie Aktien- und Sektorrotationen. „Für Investoren ist es derzeit besonders wichtig, genau zu wissen, welche Aktien sie kaufen wollen, um in Schwächephasen des Marktes dann auch beherzt zugreifen zu können.“

Markt erwartet traditionelle republikansiche Wirtschaftspolitk von Trump

Die zentrale Frage sei, ob der neue amerikanische Präsident den populistischen Kurs aus dem Wahlkampf beibehalte oder eine herkömmliche republikanische Politik verfolge, die die US-Wirtschaft stimulieren könne. „Der Markt geht derzeit eher davon aus, dass Trump auf eine verantwortungsvolle republikanische Wirtschaftspolitik einschwenken wird und von seinen populistischen Ankündigungen absieht. Ob es tatsächlich so kommt, bleibt allerdings abzuwarten. Kurzfristig ist es daher ratsam, ausreichend Liquidität bereitzuhalten, um zuschlagen zu können, wenn eine Intervention – oder auch nur ein Tweet – von Präsident Trump wieder einmal für Erschütterungen bei einzelnen Aktien oder ganzen Sektoren sorgt“, erklärt David Eiswert.

Trotz der ingesamt hohen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit gibt es einige Maßnahmen, die die neue Administration mit einiger Gewissheit angehen wird. So erwartet der Investmentexperte, dass die Steuersätze für Unternehmen und Privatpersonen gesenkt werden. Das sei vor allem für US-amerikanische Unternehmen, die einen recht hohen Steuersatz zahlen müssten, eine gute Nachricht. Außerdem hält Eiswert eine Verlangsamung und teilweise Aufhebung von Regulierungsbestrebungen für wahrscheinlich. „Reformen in der Regulierungspraxis könnten besonders Pharmaunternehmen zugutekommen, die dann mehr Spielraum bei der Preisgestaltung hätten“, so Eiswert. Im Rahmen von Produktinnovationen wären dann theoretisch sogar Preiserhöhungen denkbar. Auch Finanzunternehmen könnten von weniger Regulierung profitieren.

Konträre Investments bieten attraktive Anlagechancen

Die generell positive Reaktion des Marktes auf die Wahl Trumps sei allerdings mit Vorsicht zu genießen. Die Kursgewinne nach der Wahl beruhten vor allem auf der sogenannten „election honeymoon“ – den Flitterwochen, in die sich Märkte und Politik nach Wahlen gerne begeben. Daher sei es umso wichtiger, dass Investoren langfristig planten und entsprechende Anlageentscheidungen träfen. Die aktuelle Situation sei zwar vor allem für Finanzunternehmen und Pharmafirmen von Vorteil, dennoch sei Selektivität derzeit Trumpf.

So hätten beispielsweise Basiskonsumgüter und Schwellenländer-Titel in den Wochen nach der US-Präsidentschaftswahl einen Dämpfer erlitten, was auch vor dem Hintergrund der erwarteten sukzessiven Zinserhöhungen durch die amerikanische Zentralbank nachvollziehbar sei. „Wir sind immer auf der Suche nach konträren Investments, die angemessene Chancen bieten. Derzeit schauen wir daher auch verstärkt auf die Emerging Markets – allerdings mit der gebotenen Umsicht. Auch einige Konsumgüter-Firmen könnten attraktive Möglichkeiten bieten. Unser Hauptaugenmerk liegt aber nach wie vor darauf, individuelle Unternehmen zu identifizieren, die auf lange Sicht überdurchschnittliches Wachstumspotenzial haben“, sagt Eiswert. Diese Unternehmen macht der Portfoliomanager momentan im IT-Sektor und im Bereich der Nicht-Basiskonsumgüter aus – gerade auch, weil diese Marktsegmente zuletzt nicht sehr in der Gunst der Anleger standen.

Hinsichtlich des Energiesektors ist Eiswert dagegen skeptisch. Das Überangebot am Markt werde durch eine potenzielle Ausweitung der Energieförderung in den USA unter Trump noch vergrößert: „Zusätzliche Verfügbarkeit am Energiemarkt erhöht den Abwärtsdruck auf die globalen Preise mittelfristig“. Auch Eiswerts Blick auf Industriegüter und Rohstoffe ist wenig enthusiastisch. „Selbst wenn die USA ihre Infrastrukturausgaben drastisch erhöhen, macht das global gesehen nur einen relativ begrenzten Teil der Gesamtnachfrage aus. Viele Industriegüter- und Rohstoff-Unternehmen sind aber weltweit aktiv. Daher halten wir uns bei Bewertungen in diesem Bereich zurück“, erläutert Eiswert.

Letzlich sei es unter den gegebenen Bedingungen besonders empfehlenswert, einzelne Unternehmensaktien genau zu analysieren, um die Auswirkungen etwaiger politischer Richtungsänderungen abschätzen zu können. „Im Laufe des Jahres wird es zentral sein, Enttäuschungen zu vermeiden. Als überzeugte Stockpicker bleiben wir unserer Anlagephilosophie treu: Fundierte Kenntnisse über individuelle Unternehmen ermöglichen es uns, bisher unentdecktes Wachstumspotenzial zu finden. Das gilt unter Trump genauso wie zuvor.“

Promises to plans

Focus on the EUR/USD will intensify next week as Trump is inaugurated and the ECB meets for the first time in 2017. Longer term risks to the EUR/USD remain skewed to the downside as inflationary pressures mount in the US. The EUR/GBP appears increasingly overvalued and a downward correction could be in store, says ETF Securities. Please find the full foreign exchange trade idea with charts attached on the right.

Time for action

In 2017, the investment landscape will be dominated by the ability of politicians in the US and Europe to deliver on promises of change made last year. Next week, President Elect Trump will be inaugurated as the 45th president of the US and his landmark speech will be scrutinised by market participants for signs of what proposed policy measures will take priority at the start of his four year term. Meanwhile, the European Central Bank (ECB) will meet for the first time in 2017, placing market focus on the EUR/USD exchange rate which has recently rebounded from fifteen year lows. Our view is that in the short term the EUR/USD could tick modestly higher but will face technical resistance and in the longer term risks remain skewed to the downside. A better short term opportunity involving the EUR exists against the GBP, where negative sentiment has pushed the pair to expensive levels and a downward correction could be looming.

Inflation risks

The USD has lost ground so far this year as US treasury yields have moderated (down approximately 30bps*) and the market pricing of interest rate rises for 2017 has fallen from three to two. The EUR/USD has accordingly risen to around 1.064 (see Figure 1), which is near its 23.6% Fibonacci retracement level*, a resistance established in December last year. With Trump expected to enact considerable fiscal stimulus measures, wage growth at the fastest rate since the recession and climbing energy prices, the risks to inflation are skewed to the upside. Over the next quarter, higher inflation risks have the potential to prompt the US Federal Reserve to pursue a more hawkish interest rate tightening cycle than is currently being expected which could see the EUR/USD fall back again towards the 1.04 level and potentially beyond.

Brexit clarity

The EUR/GBP has recently climbed as Sterling has shown vulnerability to speculation over whether Brexit will entail an exit from the single market. Theresa May’s recent interview with Sky paid testament to this and highlighted the volatility we could expect from the currency in the coming two and a half months. However, the EUR is not insulated from its own political threats as elections in France, Netherlands and Germany this year raise the risks of a Eurozone break-up. In the near term, we believe the GBP could climb from current levels as negative speculation proves overdone and resilient economic performance continues. This dynamic could see the EUR/GBP fall back to its 50 daily moving average of 0.85, a fall of 2.8%*.

2017 dürfte die Grundlage für einen Gold-Bullenmarkt legen

Das Jahr 2017 dürfte den Grundstein für einen langfristigen Gold-Bullenmarkt legen. „Trotz jüngster Konsolidierung aufgrund des erstarkten US-Dollars sehen wir ein langfristig konstruktives Umfeld für Gold“, sagt Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds von VanEck. Der Experte begründet diese Prognose mit den finanziellen Risiken eines zunehmenden politischen Populismus, insbesondere in Europa, sowie der Möglichkeit einer erstarkten Nachfrage aufgrund eines erstmaligen Standards für islamkonforme Goldinvestments.

Zunehmende politische Instabilität bedroht EU

Entscheidend sei in den kommenden Monaten die politische Entwicklung, insbesondere innerhalb der Europäischen Union (EU). Das abgelehnte Verfassungsreferendum in Italien habe EU-kritische Oppositionsparteien gestärkt. Deren Anhänger werfen den regierenden Parteien vor, nach der Weltwirtschaftskrise nur auf die Koordinierung von Regulierungen, währungspolitischen Experimenten, Einschränkungen und Schuldenexpansionen gesetzt zu haben, die keine neuen Jobs hervorbrachten. „Zudem wird erst die tatsächliche Umsetzung des Brexit die realen Auswirkungen für die EU-Wirtschaft offenbaren“, so Foster. Auch bei den anstehenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland dürften populistische Parteien eine große Rolle spielen. Aus einer zunehmenden Instabilität der europäischen Einheit würde Gold gestärkt herausgehen.

Standard für islamkonforme Goldinvestments dürfte Nachfrage ankurbeln

Die zweite positive Entwicklung für Gold könnte sich aus dem Shari’ah Standard für Gold ergeben, festgelegt durch die Accounting and Auditing Organization for Islamic Financial Institutions (AAOIFI). Dieser Standard bietet erstmals eine Grundlage für islamkonforme Goldinvestments, sowohl in physisches Gold als auch Goldminenaktien. Zuvor konnten islamische Haushalte nur in Gold investieren, indem sie ihr Geld in Schmuck anlegten. „Mit diesem neuen Regelwerk könnte die Nachfrage nach Goldbarren und -aktien, Münzen sowie ETPs in einer der bevölkerungsreichsten Religionsgruppen ansteigen“, erklärt Foster.

Grundsteinlegung für einen langfristigen Bullenmarkt

„Wir gehen davon aus, dass einige Risiken, die weltweit getragen werden, in 2017 die Stärke des Aktienmarktes und des US-Dollars reduzieren werden, was sich positiv für Gold auswirken sollte. Trumps Politik, insbesondere in Bezug auf Handelsabkommen,Einwanderungspolitik und Staatsverschuldung sowie die Unsicherheiten in Europa und Unruhen in Nahost gehören zu den Risiken, die den Goldkurs langfristig stärken könnten“, so Foster. Aus historischer Sicht profitieren von einem für Gold konstruktiven Umfeld vor allem Goldaktien. So beispielsweise in 2016: Während der Goldpreis um 8,6 Prozent anstieg, konnte der NYSE Arca Gold Miners Net Total Return Index (GDMNTR) um 54 Prozent zulegen. Der MVIS Global Junior Gold Miners Index erzielte sogar Kursgewinne in Höhe von 75 Prozent. Grund dafür seien vor allem starke Einsparungen und operative Ergebnisse.

Time to say goodbye

von Dennis Ehlert, Portfoliomanager bei BANTLEON.

Man muss nicht lange suchen, um in den Medien und Foren auf überspitzte Kommentare zu den jüngst heftig gestiegenen Inflationsraten in den USA, Großbritannien und der Eurozone zu stoßen. Auf den ersten Blick scheint die Sorge auch durchaus nahe liegend. In den USA ist seit unserer Prognose vom September 2016, gemessen am monatlichen Verbraucherpreisindex, die Inflationsrate von 1,1% auf 1,7% gestiegen. In Großbritannien hat sie sich sogar von 0,6% auf 1,2% verdoppelt. Spitzenreiter ist jedoch mit einer Erhöhung von 0,4% auf 1,1% die Eurozone.

Insgesamt haben Anleger, die im September 2016 unserer Empfehlung für inflationsindexierte Staatsanleihen gefolgt sind, bisher alles richtig gemacht. So erzielten – gemessen an der jeweiligen Staatsanleihe mit 10-jähriger Restlaufzeit – inflationsindexierte Staatsanleihen von Anfang September 2016 bis Anfang Januar 2017 in Großbritannien einen Mehrertrag von knapp 4% im Vergleich zu gleichlaufenden nominellen Anleihen. In Deutschland waren es etwas mehr als 3,5% und in den USA etwa 2,0%.

Die Gründe für den starken Inflationsanstieg sind unterschiedlich. Donald Trump will mit seinem Paradigmenwechsel in der internationalen Wirtschaftspolitik der heimischen Industrie und Produktion wieder neuen Aufschwung verleihen. Es ist zwar noch nicht absehbar, ob seine Idee niedriger Steuern, massiver Staatsausgaben und einer Distanzierung vom internationalen Freihandel sich als ein holpriger »Trumpelpfad« mit Sackgasse oder doch als wirksame Lösung herausstellt. Aber dennoch haben allein seine Ankündigungen zu einem massiven Renditeanstieg über die gesamte Zinskurve und in der Folge zu steigenden Inflationserwartungen geführt. Zudem vereinbarten die OPEC-Länder und Russland am Jahresende eine Senkung der Ölproduktion, die einen unmittelbaren Anstieg des Rohölpreises um knapp 13% zur Folge hatte. Entsprechend scheinen die an den Finanzmärkten eingepreisten Inflationserwartungen für die nächsten zehn Jahre nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Jedoch war zuletzt aufgrund der sich stabilisierenden Ölpreise zwischen 50 und 55 US-Dollar pro Barrel eine Seitwärtsbewegung zu beobachten.

In Großbritannien hat zusätzlich die Abwertung des Pfunds dazu geführt, dass die Finanzmarktakteure mittelfristig Inflationsraten weit über dem 2%-Ziel der Bank of England erwarten. Seit Oktober 2016 pendeln die eingepreisten Inflationserwartungen zwischen 3,4% und 3,6%. Entsprechend verhält sich auch das britische Pfund gegenüber dem Euro und dem US-Dollar. Von einer weiteren massiven Abwertung des Pfunds ist derzeit nicht auszugehen.

In der Eurozone haben vor allem Basiseffekte der Ölpreise die Inflation in die Höhe getrieben. Die Kerninflationsrate, welche Energiepreise, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak nicht berücksichtigt, liegt seit Juli des vergangenen Jahres nahezu unverändert zwischen 0,8% und 0,9%. Ohne den massiven Anstieg des Rohölpreises im Vergleich zum Vorjahr wären die tatsächlichen Inflationsraten sowie die an den Märkten eingepreisten Erwartungen wesentlich tiefer ausgefallen.

Die Entwicklung der vergangenen vier Monate sollten Anleger aber nicht fortschreiben. Der erwähnte Basiseffekt der Ölpreise, der maßgeblich die Inflationsraten in die Höhe getrieben hat, wird im 1. Quartal 2017 allmählich verschwinden. In Großbritannien ist ein vergleichbarer Anstieg der Inflationserwartungen nur über eine weitere massive Abwertung des Pfunds, weiter stark steigende Ölpreise oder über ein überraschendes Wiederbeleben der britischen Wirtschaft möglich. Jedoch  sind derzeit alle drei Szenarien kurz- bis mittelfristig unwahrscheinlich. Deshalb raten wir, im 1. Quartal 2017 die Positionen der inflationsindexierten Staatsanleihen aus Großbritannien mit Gewinn zu verkaufen und stattdessen in inflationsindexierte Staatsanleihen aus der Eurozone oder den USA zu investieren. Dort sehen wir aufgrund der sich positiv entwickelnden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch weiterhin Potential, auch wenn mit einer langsameren Dynamik zu rechnen ist.

Rohstoffe: „Kaufe im Januar und verkaufe im Mai“

Die meisten saisonalen Analysen von Aktien und Rohstoffen halten einer statistischen Prüfung nicht stand, so ETF Securities. Der Einsatz einer Handelsstrategie nach dem Motto „Kaufe im Januar und verkaufe im Mai“ lieferte aber bessere statistische Ergebnisse als Haltestrategien auf Einzelmonatsbasis. Darüber hinaus bietet die Strategie im Vergleich zur Benchmark überzeugende Ergebnisse und es bestätigt sich, dass sie sich nicht für Aktien eignet. Die größten Erfolgschancen innerhalb der Strategie weisen Körbe mit allen Rohstoffen, der Landwirtschaftssektor und Industriemetalle auf, zeigt James Butterfill, Head of Research & Investment Strategy bei ETF Securities, im Ausblick für 2017.

Rohstoffe sind von ähnlichen saisonalen Veränderungen betroffen wie Aktien

Der Zusatz „Verkaufe im Mai und kaufe erneut am St. Leger Day“ basiert auf einem bekannten saisonalen Effekt an den Aktienmärkten. Bestehen dieselben saisonalen Effekte auch an den Rohstoffmärkten? Und was noch wichtiger ist, sind sie von Bedeutung?

Aus historischer Sicht finden sich Belege ähnlicher saisonaler Trends bei Rohstoffen wie auch bei Aktien. Der nachfolgende Chart hebt die durchschnittliche Monatsperformance für Aktien und Rohstoffe hervor und zeigt dabei die Gemeinsamkeiten im saisonalen Verhalten auf. Dabei entwickeln sich Rohstoffe von August bis November allerdings tendenziell besonders schwach.

Aus der Analyse lässt sich schließen, dass sich Rohstoffe von Januar bis April in der Regel besonders gut, im Oktober und November hingegen am schlechtesten entwickeln.

Halten die saisonalen Effekte einer statistischen Prüfung stand?

Wir haben unsere saisonale Analyse der Prüfung mittels eines Regressions-Tools unterzogen, um die statistische Signifikanz des Effekts zu ermitteln. Zu diesem Zweck sind p-Werte unseres Erachtens am besten geeignet. P-Werte beurteilen, inwieweit die Daten das Argument stützen, dass eine zufällige Zahl ebenso gültig wäre. Je höher der p-Wert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass dies zutrifft, und desto geringer die Signifikanz der Ergebnisse. Ein Wert unter 10% wird als statistisch signifikant erachtet.

Die Regressions-Analyse ergibt für Rohstoffe einen p-Wert von 54%. Wir schließen daraus, dass saisonale Bewegungen statistisch gesehen nicht von Bedeutung sind. Das gleiche gilt aber auch für die Weltaktienmärkte, die mit 37% zwar einen besseren, aber dennoch hohen p-Wert aufweisen.

Dabei sind aber einige interessante Trends erkennbar. Von 1957 bis 1991 lagen die p-Werte bei 62%, fielen in den letzten 20 bzw. zehn Jahren aber auf 54% bzw.52%. Dies deutet darauf hin, dass die statistische Relevanz saisonaler Auswirkungen allmählich zunimmt.

Warum weisen Rohstoffe saisonale Veränderungen auf?

Rohstoffe weisen in der Regel saisonale Tendenzen in Bezug auf die Angebots- und Nachfrageveränderungen im Jahresverlauf auf. Ein gutes Beispiel ist der Energiesektor. Bei Gas wird die höchste Nachfrage im Winter verzeichnet, während Erdöl am stärksten in den Sommermonaten nachgefragt wird. Wenn die Fahrsaison daraufhin endet, sinkt auch die Nachfrage. Dies erklärt, warum die p-Werte für Industriemetalle, die in der Gewinnung sehr energieintensiv sind, und für Erdöl mit 38% bzw. 45% deutlich unter dem Durchschnitt liegen.

Landwirtschaft unterliegt ebenfalls starken saisonalen Schwankungen beim Wetter und beim Anbauzyklus. Agrarrohstoffe entwickeln sich in Regenphasen tendenziell am besten. Da die Niederschlagsmenge als Messgröße für Qualität und Volumen herangezogen werden kann, gilt dies vor allem für den Anbauzyklus.

Die Strategie in einem Portfolio

Letzten Endes hält die saisonale Analyse von Aktien und Rohstoffen einer statistischen Prüfung auf Einzelmonatsbasis nicht stand. Allerdings bleiben die saisonalen Effekte bei Rohstoffen auf Sicht eines Jahres intakt. Wir haben eine einfache Handelsstrategie entwickelt, bei der ein Korb aller Rohstoffe Anfang Januar erworben und Ende April verkauft wird, woraufhin die Barmittel für den Rest des Jahres gehalten werden. Die Strategie erwirtschaftet seit 1991 annualisierte Erträge von 6,8%, verglichen mit 6,6% bei Aktien.

Die Rohstoff-Strategie hat ihre Benchmark deutlich öfter übertroffen als eine vergleichbare Strategie für die Weltaktienmärkte. Erstere liefert 60% der Zeit positive Ergebnisse, bei Aktien sind es nur 35%. Dies bestätigt, dass die klassische saisonale Strategie für Aktien im Vergleich zur Benchmark nicht funktioniert, wohingegen sie für Rohstoffe potenziell sinnvoll sein kann.

Unsere Portfolioanalyse dieser Strategie lieferte im Vergleich zum BCOM-Referenzindex auf volatilitätsbereinigter Basis ebenso attraktive Erträge. Die Strategie mindert die Volatilität deutlich, und steigert dabei die Erträge bei einer Sharpe-Ratio von 0,32.

Teilt man den Rohstoffkomplex in Teilindizes auf, werden deutliche Unterschiede in der Performance der saisonalen Strategie deutlich. Gold scheint nicht auf saisonale Effekte zu reagieren, sodass die saisonale Strategie keine nennenswerte Outperformance zur Folge hatte. Erdöl entwickelt sich in der Strategie aufgrund der Schwankungsanfälligkeit ebenfalls weniger gut.

Die Anwendung der Strategie bei Rohstoffen mit ausgeprägteren saisonalen Effekten wie Landwirtschaft – und dabei besonders Getreide – lieferte die attraktivsten positiven Ergebnisse.

Überblick

Der Analyse auf Monatsbasis mangelt es an statistischer Signifikanz. Auf Sicht eines ganzen Jahres ist allerdings eine erstaunliche Übereinstimmung der Ergebnisse erkennbar, vor allem im Vergleich mit Aktien. Zwar erfolgt die Portfolioanalyse „in-sample“. Allerdings weisen Rohstoffe gut etablierte saisonale Bewegungen auf, die nur schwer zu unterbrechen sind. Dies deutet darauf hin, dass künftig ähnliche Muster zu beobachten sein dürften.

Wie entwickelt sich die Weltwirtschaft weiter?

von David Lafferty, Chefstratege, Natixis Global Asset Management.

Das Jahr 2016 war weltweit von grundlegenden Umwälzungen geprägt – vom Brexit-Referendum über die Zinswende bis hin zur Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Auf den ersten Blick würde man vermutlich annehmen, dass sich unsere Zukunftseinschätzungen für die Konjunktur und die Kapitalmärkte dadurch maßgeblich verändert hätten. Ironischerweise setzten sich die meisten Trends, die wir im Vorfeld bereits erwartet hatten, entweder fort oder sind durch die Ereignisse des Jahres 2016 sogar noch verstärkt worden. Wir rechnen seit einiger Zeit damit, dass die Weltwirtschaft allmählich wieder Fahrt aufnimmt: Dies dürfte zu einem moderaten Anstieg der Unternehmensgewinne sowie der Aktienkurse führen. Gleichzeitig sollte dadurch der Aufwärtsdruck auf die Zinsen ansteigen, was wiederum die Anleihenerträge belasten würde. Die jüngsten Marktentwicklungen haben an diesen allgemeinen Themen zwar nichts geändert, allerdings sind wir bei unserem Konjunkturausblick und für unsere Marktauffassungen inzwischen nicht mehr so zuversichtlich.

Die Weltwirtschaft nimmt Fahrt auf

Die meisten etablierten Volkswirtschaften dümpelten im Jahr 2016 eher vor sich hin und legten ein zwar positives, aber letztlich unterdurchschnittliches Wachstum vor. Für 2017 rechnen wir mit einem etwas kräftigeren Wachstum. In den USA sollte der Mix aus Steuersenkungen, Infrastrukturausgaben und Deregulierungen, die die Trump-Administration in Aussicht gestellt hat, das reale BIP-Wachstum von knapp 2,0% auf fast 3,0% nach oben treiben. Die Kombination von Einkommensteuererleichterungen und einem gestiegenen Vertrauen sollte wiederum auch dem Konsum einen moderaten Schub geben, während ein Infrastruktur-Programm dazu beitragen könnte, den längerfristigen Trend lediglich mäßiger Staatsausgaben zu beenden. Derweil könnten eine niedrigere Unternehmensbesteuerung sowie ein Abbau der aufsichtsrechtlichen Bürokratie den lang erwarteten Anstieg der Investitionsausgaben nach sich ziehen. Beeinträchtigt werden könnte der US-Wachstumstrend aber durch etwas höhere Zinsen sowie den negativen Effekt eines stärkeren US-Dollars auf die Exporte. Insgesamt sollte das US-Wachstum also anziehen – wenn auch nicht in rasantem Tempo.

In Europa sollte das Wachstum ebenfalls ansteigen, denn es gibt bereits erste Anzeichen dafür, dass die Deflationsängste auf dem Kontinent allmählich in den Hintergrund rücken. Gleichzeitig lässt der Fokus auf die Sparpolitik insgesamt weiter nach, so dass wir für das nächste Jahr eine etwas größere haushaltspolitische Flexibilität erwarten. Sicherlich gilt es nach wie vor Hürden zu überwinden, aber was die Rezession in Spanien, Portugal und Griechenland betrifft, so scheint das Schlimmste mittlerweile hinter uns zu liegen. Allerdings befürchten wir, dass das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU eher ziemlich ungeordnet verlaufen wird. Dies sollte den allgemeinen, positiveren Aufwärtstrend in Europa aber nicht zum Stillstand bringen. Obwohl sich die britische Wirtschaft seit dem Referendum als robust erwiesen hat, dürfte die volle Tragweite dieser Entscheidung jedoch erst in den Brexit-Verhandlungen zutage treten. Deshalb könnte es beim Wirtschaftswachstum in Großbritannien noch Ausreißer nach unten geben. In Asien erwarten wir für Japan keine grundlegenden Veränderungen. Die politischen Entscheidungsträger werden zwar auch weiterhin an den diversen Stellschrauben der „Abenomics“ drehen, doch es wird ihnen vermutlich nicht gelingen, das langfristige Problem dieses Landes in Bezug auf seine demografische Entwicklung zu lösen. Derweil ist und bleibt China weiter die große Unbekannte. Der für die Jahre 2014 und 2015 befürchtete Konjunkturabschwung ist zwar mittlerweile gestoppt worden, doch die Schuldenblase, auf der das aktuelle Wachstum letztlich basiert, ist auf lange Sicht nicht mehr tragbar. Es lässt sich aber unmöglich vorhersagen, ob diese Blase bereits 2017 platzen wird. Wir gehen davon aus, dass die Chinesen die große Zahl Not leidender Kredite innerhalb des Bankensystems auch weiterhin kaschieren können, während die Überschusskapazitäten in der Industrie schrittweise abgebaut werden. Dabei handelt es sich jedoch um nichts anderes als das sprichwörtliche Pfeifen im Walde, und die Lage Chinas stellt deshalb die größte Gefahr für unseren ansonsten moderat positiven globalen Ausblick dar.

Die Stabilisierung des chinesischen Wirtschaftswachstums hat dazu geführt, dass sich auch das Wachstum in vielen Schwellenländern wieder erholt hat. Darüber hinaus haben sich die Rohstoffpreise inzwischen ebenfalls wieder gefangen und steigen allmählich sogar wieder an. Dies sollte bedeutenden Schwellenländern wie Russland, Brasilien oder Mexiko zugute kommen. Die Märkte haben zwar nach wie vor mit Problemen auf der Angebotsseite sowie mit zwischenzeitlichen Schwächephasen in einzelnen Volkswirtschaften zu kämpfen, doch insgesamt sollte das Weltwirtschaftswachstum weiter anziehen.

Aktien: Übertrieben optimistische Hochrechnungen

Unsere Prognosen für ein steigendes Weltwirtschaftswachstum sollte die Möglichkeit bieten, dass die Haussephase an den Aktienmärkten, die 2009 eingesetzt hatte, auch noch 2017 anhält. Nachdem die Phase der Gewinneinbußen im Energiesektor hinter uns liegt, wird das US-Gewinnwachstum ebenfalls wieder ins Plus drehen. Allerdings erscheint uns die grundsätzliche Bottom-Up-Prognose, die für den S&P 500®-Index im nächsten Jahr ein Gewinnwachstum von nahezu 12% vorhersagt, wie üblich viel zu optimistisch. Die wachstumsfördernden Maßnahmen, die Donald Trump wahrscheinlich umsetzen wird, haben uns jedoch dazu veranlasst, auch unsere Top Down-Auffassungen nach oben zu korrigieren und statt eines Gewinnwachstums von 3% bis 5% (das schon im Jahr 2016 bei weitem nicht erreicht worden ist) für das nächste Jahr von 5% bis 7% auszugehen. Das wäre natürlich ebenfalls eine Verbesserung, die jedoch immer noch deutlich unter den Erwartungen des breiten Marktes liegt.

Die für Aktienanleger entscheidende Frage: Kann dieses Wachstum zu den aktuellen KGVs noch hinzugerechnet werden oder gehen die Bewertungen bei steigenden Gewinnen zurück? Das erst genannte Szenario mit hohen Gewinnen und stabilen bis steigenden KGVs könnte dazu führen, dass US-Aktien sehr gute Erträge vorlegen. Leider rechnen wir aber eher mit dem letzt genannten Szenario – nämlich, dass die derzeit hohen KGVs zukünftige Gewinnanstiege bereits größtenteils berücksichtigen. Obwohl der Optimismus im Hinblick auf Aktien durchaus zunehmen könnte, dürfte diese Zuversicht durch eine steigende Inflation sowie eine strengere Geldmarktpolitik der US-Notenbank – zwei Faktoren, die eher nicht für höhere KGVs sprechen – gedämpft werden. Darüber hinaus ist es durchaus möglich, dass die Kursrallye, die nach der US-Wahl eingesetzt hat, einen Teil der Aktienerträge des Jahres 2017 bereits vorweggenommen hat. In diesem Fall könnten zuversichtliche Anleger von der Zukunft noch Gewinne erwarten, die aber schon erfolgt sind. Schließlich könnte auch die fast schon unisono vorgegebene Prognose eines stärkeren US-Dollars die Gewinne exportorientierter Unternehmen belasten. Vor diesem Hintergrund bleiben wir zwar letztlich zuversichtlich, dass US-Aktien im nächsten Jahr solide Kursgewinne vorlegen werden, sind dabei aber vielleicht nicht so übertrieben optimistisch gestimmt wie der breite Markt.

Wie bereits oben erläutert, dürfte das Wachstum sowohl in den Nicht-US-Industriestaaten als auch in den Schwellenländern zwar ebenfalls wieder anziehen, vermutlich aber nicht so kräftig wie in den USA. Dank der vergleichsweise schwächeren Währungen sollte aber auch dieser Aufwärtstrend höhere Gewinne zur Folge haben. Der größte Unterschied besteht aber voraussichtlich bei den Bewertungen. So sind Aktien aus der Eurozone sowie aus Großbritannien momentan keineswegs attraktiv bewertet und spiegeln nach wie vor die Brexit-Ängste sowie das insgesamt lediglich mäßige Wachstum wider. Und auch mit Japan können sich die Anleger immer noch nicht anfreunden. Derweil haben Schwellenländeraktien und deren Bewertungen im Jahr 2016 zwar deutlich zugelegt, sind aber auch weiterhin etwas attraktiver. Deshalb ist damit zu rechnen, dass ein etwas höheres Gewinnwachstum international einen Anstieg der Aktienkurse nach sich ziehen wird. Schließlich fehlt dort die Belastung durch ein überhöhtes Bewertungsniveau. So erwarten wir, dass Nicht-US-Aktien ebenso wie ihre Pendants aus den USA 2017 zwar solide, wenn auch unspektakuläre Erträge vorlegen werden.

Wie entwickeln sich Anleihen?

Die Ängste vor einer sogenannten Trumpflation, einem Wachstum in Kombination mit einer Inflation, haben die Renditen in die Höhe schießen lassen und Anleiheinvestoren in Panik versetzt. Diese Vorhersage einer Wechselwirkung erscheint jedoch durchaus angebracht, beruht der jüngste Anstieg der nominalen Zinsen doch auf beiden Renditekomponenten: höheren realen Zinsen und einem kräftigeren Wachstum sowie gestiegenen Inflationsaufgeldern. Doch ebenso wie bei Aktien gilt auch diese Prognose unter dem Vorbehalt, dass die Trumpflation an den Anleihemärkten bereits im Jahr 2016 größtenteils eingepreist worden ist. Werden steigende Zinsen also die Erträge hoch qualitativer Staatsanleihen auch im Jahr 2017 beeinträchtigen? Möglicherweise, aber die Katastrophe, die einige Investoren befürchten, könnte ausbleiben. Weltweit sind die Zinsen nämlich bereits deutlich angestiegen, so dass auch die Renditen, die Mitte 2016 noch auf Rekordtiefs gefallen waren, Anfang 2017 wieder etwas höher sein sollten. Halten wir hoch qualitative Anleihen nach wie vor für vergleichsweise unattraktiv? Ja, aber in Zukunft könnten diese Papiere zumindest nicht mehr so magere Erträge vorlegen wie zuletzt noch. Bei Anleihen hoher Qualität setzen wir auch weiterhin auf inflationsgeschützte Papiere, die zumindest eine der Risikoquellen, nämlich eine höhere Inflation, abfedern können. Für in den USA steuerpflichtige Anleger haben Kommunalanleihen durch die geplante Senkung des Grenzsteuersatzes entgegen allen Erwartungen sogar an Attraktivität GEWONNEN und eben nicht verloren. Da sich Kommunalobligationen nach der US-Wahl unterdurchschnittlich entwickelten, hat sich die Renditedifferenz gegenüber US-Staatsanleihen zuletzt sogar noch ausgeweitet. Daran würde auch die geplante Senkung des Spitzensteuersatzes (von 39,6% auf 33,0%) nichts ändern.

Auf Unternehmensebene ist unser ausgeprägter Optimismus mittlerweile etwas geschwunden. Im letzten Jahr eröffneten mit BBB eingestufte Anleihen, Hochzinspapiere, Wandelanleihen und Bankenkredite unserer Meinung nach noch viel versprechende Anlagechancen. Viele der dafür seinerzeit maßgeblichen Faktoren sind noch heute relevant. Dazu zählen etwa ein lediglich moderates Laufzeiten- bzw. Rollover-Risiko, eine geringe Wahrscheinlichkeit für eine Rezession sowie der Carry-Vorteil gegenüber Papieren höherer Qualität. Allerdings spiegelt sich dieses rosige Szenario in Form engerer Credit-Spreads und höherer Kurse bereits jetzt in sämtlichen Segmenten des Marktes für Unternehmensanleihen wider. Bei engeren Zinsdifferenzen sind Unternehmensanleihen aber auch mit einer höheren Zinssensitivität behaftet.  Auf Gesamtertragsbasis finden wir Unternehmensanleihen deshalb zwar nach wie vor interessanter als Staatspapiere, doch der Abstand zwischen diesen beiden Segmenten des Anleihenmarktes hat sich mittlerweile etwas verkürzt.

Risiken und Unsicherheit

Zusammengefasst haben wir unsere Auffassungen im Vergleich zu unserem Investmentausblick für 2016 zwar etwas modifiziert, jedoch nicht grundlegend verändert. Wird sich mit Blick auf die Portfoliostrukturierung 2017 also lediglich das letzte Jahr in etwa wiederholen? Das glauben wir eher nicht. Schließlich stellen diese Investmentprognosen zwar unsere Basis-Szenarios dar, doch aus diversen Gründen sind die Korridore für Abweichungen nach oben und unten inzwischen deutlich größer geworden:

1) Wegen des klaren Wahlsiegs der Republikaner in allen Kammern des US-Kongresses kann der Markt derzeit eine extreme Zuversicht in eine Präsidentschaft Donald Trumps einpreisen. Allerdings berücksichtigen die Märkte die sehr konkrete Möglichkeit schwerwiegender politischer oder personeller Fehlentscheidungen im Zusammenhang mit China, etwa bei der Zoll- und Handelspolitik, Russland oder bisher größtenteils ebenso wenig wie die negativen Konsequenzen für Unternehmen, die der designierte US-Präsident ins Visier nehmen könnte.

2) Ein ungeordneter und destruktiver Austrittsprozess im Zusammenhang mit dem Brexit könnte sowohl Großbritannien als auch die EU stärker in Mitleidenschaft ziehen als der breite Markt es derzeit noch für möglich hält. So könnte es sich als übertrieben optimistisch erweisen, davon auszugehen, dass die Verhandlungen auf vernünftige Art und Weise geführt werden und es schon irgendwie klappen wird.

3) Die Inflationsrisiken sind weltweit mittlerweile erheblich größer als zu jedem anderen Zeitpunkt nach der globalen Finanzkrise. Dadurch steigt wiederum die Gefahr einer aggressiv ausgerichteten Fed, die befürchten könnte, mit der Inflationskurve und/oder einem unkontrollierten Anstieg des US-Dollars nicht Schritt halten zu können. Beide Tendenzen könnten das Wachstum der weltweit größten Volkswirtschaft beeinträchtigen. In Verbindung mit einem kräftigeren Wachstum sowie dem Umstand, dass sich die Investoren zurzeit aus Anleihen zurückziehen, könnten die Zinsen zu einem Höhenflug ansetzen – und das in einer hoch verschuldeten Welt. Dadurch wiederum würden die Wachstumsimpulse, die von anderen Quellen ausgehen, wieder mehr als zunichte gemacht werden.

4) Mit jedem Jahr, das ins Land geht, steigt auch die Schuldenlast in fast jedem Segment der chinesischen Wirtschaft weiter an, während es den dortigen politischen Entscheidungsträgern nicht gelingt, wirklich grundlegende Reformen auf den Weg zu bringen. Durch die Kontrolle sowohl der größten Kreditgeber (Banken) als auch der größten Kreditnehmer (Staatsunternehmen) können die Chinesen dieses „Spiel auf Zeit“ noch eine Weile weiter fortsetzen. Sie können damit das mathematische Grundgesetz von „Boom-and-Bust“-Kreditzyklen jedoch nicht außer Kraft setzen. Deshalb wächst die Gefahr im Zusammenhang mit China auf Tagesbasis – auch wenn wir letztlich natürlich nicht vorhersagen können, wann die Blase platzen wird.

Deshalb rechnen wir damit, dass die Geduld der Anleger trotz einer wieder anziehenden Weltwirtschaft im kommenden Jahr ziemlich auf die Probe gestellt werden wird.

Bonds und Aktien in Zeiten steigender Zinsen

Dieter Wermuth, Head of Macroeconomic Research bei Wermuth Asset Management, analysiert die derzeitigen Aussichten für Aktien, Bonds und den Euro-Wechselkurs:

Anleihen USA: Da die Fed dabei ist, die Leitzinsen im Jahr 2017 angesichts von Vollbeschäftigung und Inflationsraten in der Nähe der Zielwerte weiter zu erhöhen, hat sich die Stimmung am amerikanischen Rentenmarkt verschlechtert. Seit vergangenem Sommer sind die Renditen der zehnjährigen Treasuries um rund 100 Basispunkte gestiegen und befinden sich inzwischen real wieder im positiven Bereich. Europäische und japanische Bonds haben darauf mit Kursverlusten reagiert. Zumindest im Euroland mehren sich im Übrigen die Anzeichen, dass die Inflation nun endlich anzieht, was ein zusätzlicher Grund für die Kursschwäche ist.

Anleihen Euroraum: Die EZB geht bisher davon aus, dass sie ihre Bilanz durch den Ankauf von Anleihen mindestens bis zum Jahresende weiter stark ausweiten muss und dass es generell keine Alternative zu ihrer sehr expansiven Politik gibt. Ich bezweifle das. Infolge der zweieinhalbjährigen Abwertung des Euro und des Anstiegs der Weltmarktpreise für Rohstoffe steckt inzwischen eine Menge an Inflation in der Pipeline Eurolands. Auch die einigermaßen robuste Konjunktur trägt dazu bei, dass sich die Preise leichter als bisher erhöhen lassen. Last but not least galt in der Vergangenheit stets, dass Bundesbank und EZB über kurz oder lang mit ihrer Zinspolitik der Fed folgten. Es wird diesmal nicht anders sein. Ich gehe daher davon aus, dass Mario Draghi etwa um die Jahresmitte einen Kurswechsel ankündigen wird.

Aktien weltweit: Das wird die Bondmärkte weiter schwächen und Aktien als wichtigste Anlagealternative attraktiver machen. Aktien sind gemessen an ihrem Kurs-Gewinnverhältnis teuer – das gilt für alle wichtigen Märkte des OECD-Raums und auch für China. Gemessen an den Risikoprämien, also im Vergleich zu Bonds, sind sie eher billig und daher ein Kauf. Am teuersten sind nach meiner Analyse amerikanische Aktien, gefolgt von japanischen. Am billigsten – vermutlich aber am riskantesten – sind chinesische Werte.

Euro: Solange von der Fed, nicht aber von der EZB, erwartet wird, dass sie die Zinsen erhöht, so lange dürfte der Euro schwach bleiben. Angesichts sehr guter Fundamentalfaktoren, insbesondere im Vergleich zu den USA, dürfte der Euro aber kräftig aufwerten, sobald klar ist, dass die EZB demnächst die Zinsen erhöhen wird. Ich erwarte, dass die Kursverluste zum Dollar, die es seit Mitte 2014 gab, dann wieder wettgemacht werden. Das heißt, der Euro könnte auf 1,40 Dollar steigen.

Die ausführliche Analyse in englischer Sprache finden Sie im Anhang.

Diese konträren Investments versprechen 2017 Anlageerfolg

Die Finanzmärkte wurden im vergangenen Jahr von einigen Ereignissen in Politik und Wirtschaft überrascht – Phasen mit hoher Volatilität waren die logische Folge. Einiges deutet darauf hin, dass auch das gerade angebrochene Jahr 2017 von Unsicherheit geprägt werden könnte. Wie können Anleger in diesem schwierigen Umfeld erfolgreich sein? Zum Beispiel, indem sie gegen den Strom schwimmen – und auf konträre Investments setzen. Verschiedene Investmentexperten von GAM haben attraktive Anlagemöglichkeiten identifiziert und geben in den folgenden Kurz-Statements hilfreiche Tipps.

Aufwind für Windturbinenhersteller

von Gianmarco Mondani, CIO des nicht-direktionalen Aktienteams.

Nach Donald Trumps Wahlsieg erfasste eine massive Verkaufswelle die Aktien von Windturbinenherstellern: Anleger befürchteten, dass das Umsatzwachstum einbrechen könnte, falls die USA ihre Haltung gegenüber dem Klimawandel aufweichen. „Wir sind zuversichtlich, dass der Markt überreagiert hat und die Aussichten für das Umsatzwachstum der Windturbinenhersteller – angetrieben von der Entwicklung in den Schwellenländern – nach wie vor gültig sind. Die höhere Effizienz neuer Turbinen macht die Windkraft verglichen mit eher konventionellen Energieformen zunehmend wettbewerbsfähiger“, sagt Gianmarco Mondani.

Britische Standardwerte mit Langzeitpotenzial

von Chris Morrison, Investmentmanager für britische Aktien.

Der Index der größten britischen Unternehmen, FTSE 100, entwickelt sich seit über zehn Jahren schwächer als sein Pendant FTSE 250, der Unternehmen mittlerer Kapitalisierung abbildet. Die Einschätzung, dass Übernahmen der größten Unternehmen unwahrscheinlich sind, erkläre nur zum Teil, warum diese sich schwächer entwickelt haben. Ein genauerer Blick verrät indes, dass die operative Performance dieser Gruppe von Unternehmen stark variiert hat – der Gewinn pro Aktie der Unternehmen im FTSE 250 hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdreifacht, beim FTSE 100 änderte sich diese Kennzahl hingegen nicht. „Verantwortlich für diese ungleiche Entwicklung ist letztlich das schwache Abschneiden von Sektoren mit Rohstoffbezug und – mit Abstrichen – von Banken. Hierbei handelt es sich um sehr zyklische Sektoren, in denen die Gewinne dazu neigen, zum Mittelwert zurückzukehren. Aktuell weist der FTSE 100 niedrigere langfristige Bewertungen auf und bietet mehr Spielraum für eine Gewinnerholung – eine interessante Kombination für wertorientierte Anleger mit langfristigem Anlagehorizont“, erklärt der Experte.

Zyklische europäische Aktien bieten Entwicklungschancen

von Niall Gallagher, Investment Director für europäische Aktien.

„Zyklische Aktien aus der Eurozone mit einem Schwerpunkt auf der Binnenkonjunktur dürften sich im kommenden Jahr gut entwickeln“, prognostiziert Niall Gallagher. „Die guten Nachrichten aus dem Euroraum – erfreuliche Konjunkturdaten, gute Einkaufsmanagerindizes und positive Kreditimpulse – fanden im Zuge der Berichterstattung um die US-Präsidentschaftswahl und die Probleme italienischer Banken kaum Beachtung.“ Der Citigroup Economic Surprise Index belege, dass die Konjunktur anziehe und die Kreditschöpfung sich weiterhin auf einem guten Niveau befinde. „Beide Kennzahlen zeigen, dass die europäische Wirtschaft weiter auf einem soliden Wachstumskurs ist. Wir sind zuversichtlich, dass dies auch eine Weile so bleiben wird“, so Gallagher.

Nachfrageüberhang bei deutschen Wohnimmobilien

von Oliver Maslowski, Portfoliomanager für deutsche Aktien.

„Steigende Renditen deutscher Bundesanleihen bieten Einstiegsmöglichkeiten in den deutschen Wohnimmobiliensektor. Viele Marktteilnehmer rechnen grundsätzlich mit einem weiteren Anstieg der Renditen, was den Appetit der Anleger auf deutsche Wohnimmobilien dämpft“, sagt Oliver Maslowski. Einen wichtigen Faktor ließen viele Investoren dabei allerdings häufig außer Acht: die Nachfrage. Aktuell bestehe im Wohnimmobilienbereich in Deutschland eine Nachfrage nach 400.000 neuen Einheiten pro Jahr, doch es würden lediglich 250.000 Wohneinheiten gebaut. Von diesen seien höchstens 60.000 zu erschwinglichen Preisen verfügbar. „Für konträre Anlagen im Immobilienbereich wäre eine weiterhin lockere Geldpolitik in Europa sehr förderlich. Eine Verlängerung bis Ende 2017 würde bedeuten, dass ein drastischer Anstieg der Zinssätze ausbleibt. Das würde ein freundliches Umfeld ohne größere nachteilige Effekte für die Renditen von Wohnimmobiliengesellschaften schaffen“, sagt Oliver Maslowski.

Wer auf den Dollar setzt, könnte profitieren

von John Lambert, Investmentmanager für globale Aktien. 

Eine vielversprechende konträre Position im Jahr 2017 ist John Lambert zufolge der US-amerikanische Dollar. „Seit dem Beginn der Dollar-Hausse im Jahr 2014 sind Positionen in der US-Währung weltweit mit Abstand am beliebtesten gewesen". Doch das US-Haushaltsdefizit steigt bereits an: Ein zyklisches Phänomen, das normalerweise nur bei einer Rezession zu beobachten ist. „Dennoch will Donald Trump die Steuern spürbar senken und die Ausgaben erhöhen, wodurch sich das strukturelle Defizit weiter erhöhen wird. Daher muss die Frage erlaubt sein: Wer wird dies finanzieren, und was für ein Zinssatz wird dazu nötig sein? Trotz des weit verbreiteten Optimismus muten die Fundamentaldaten der Währung schwach an. Für konträre Anleger natürlich eine interessante Kombination“, schließt Lambert.

Erneuerbare Energien in den USA – trotz Trump

von Roberto Cominotto, Investment Director für Energieaktien. 

„Zahlreiche Anleger befürchten momentan, dass die neue Trump-Regierung die Wachstumsaussichten von Unternehmen im Bereich erneuerbarer Energien negativ beeinflussen wird. Wir streben daher an, gezielt US-Unternehmen zu kaufen, wenn diese eine Schwächephase haben. Denn es gibt mindestens drei gute Argumente für die Perspektive der Renewables in den USA: Erstens, die Zielvorgaben zur Nutzung erneuerbarer Energien auf bundesstaatlicher Ebene. Zweitens, die entsprechenden Zielvorgaben auf Unternehmensebene. Und schließlich die steuerliche Förderung auf Bundesebene. Die künftige Regierung könnte potenziell nur den dritten Punkt aktiv ändern. Doch die steuerliche Förderung von Windkraft- und Solaranlagen wurde erst im Dezember 2015 durch den republikanisch kontrollierten US-Kongress um fünf Jahre verlängert – eine Aufhebung ist daher unwahrscheinlich“, erklärt Cominotto.

Biotechnologie

von Christophe Eggmann, Investment Director für Gesundheitsaktien.

„Die Bewertungskennzahlen von Biotechnologie-Unternehmen sind während des US-Wahlkampfs auf ein Rekordtief gesunken. Der Wahlsieg der Republikaner lässt allerdings Gutes für den Sektor erwarten, etwa eine weniger starke Regulierung der Arzneimittelpreise, eine Senkung der Unternehmenssteuern, einschließlich Steuerbegünstigungen für die Rückführung von ausländischen Gewinnen und eine Zunahme der Fusions- und Übernahmeaktivität“, sagt Christophe Eggmann.

Wer hat Angst vor den Lithium-Bären?

von Duncan Goodwin, Head of Global Resources Equities Barings, und Alex Scott, Investment Analyst, Baring Global Resources Equities Barings.

Im Januar 2016 veröffentlichten wir „Enabling a Revolution“, eine informative Abhandlung, die unsere Gedanken und Einschätzungen zum steigenden Aufkommen von Elektrofahrzeugen sowie dessen Einfluss auf den Lithium-Markt und die Investitionstätigkeit in globalen Rohstoffaktien umfasst.

Nachfolgend noch einmal die Kernpunkte unserer These. Erstens würden rückläufige Preise für Lithium-Ionen- Batterien die wirtschaftliche Substitution von Benzin- und Dieselfahrzeugen zugunsten von Elektrofahrzeugen vorantreiben, da die Kosten sinken und die Auswahl zunimmt.

Im Detail schätzten wir, dass die Kosten bis Anfang der 2020er Jahre von fast 500 USD/kWh auf unter 100 USD/kWh sinken würden.

Zweitens berechneten wir, dass dieser Preisrückgang aufgrund einer Verzehnfachung der Nachfrage für Lithium-Ionen- Batterien zu einer mehr als 2,5-mal höheren Nachfrage von Lithium-Derivaten führen würde. Diese Prognose basiert auf unseren Hochrechnungen für den Neuabsatz von Elektrofahrzeugen von 7% im Jahr 2020 (dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von über 20%).

Drittens prognostizierten wir, dass die „angekündigten“, „geplanten“ und sich „im Bau“ befindlichen Lagerstätten für Lithium nicht ausreichen werden, um die gesteigerte Nachfrage zu bedienen. Darüber hinaus erachteten wir unsere Annahmen zur Nachfrage aufgrund der steigenden Nachfrage von Energienetzen und -speicherung, dezentraler Speicherung und anderen Transportfahrzeugen wie Fähren und Bussen als konservativ.

Viertens gingen wir davon aus, dass dies in etwa zu einer Verdoppelung des Lithium-Preises von 6.500 USD/t im Jahr 2015 auf 12.000 USD/t im Jahr 2020 führen würde. Zusammengefasst erwarteten wir, dass der exponentielle Nachfrageanstieg die Preise für Lithium-Derivate vom heutigen Tag bis ins Jahr 2020 nach oben treiben würde.

Zu guter Letzt waren wir der Auffassung, dass kurzfristige Angebotssteigerungen, auch wenn diese termingerecht auf den Markt kämen, von einem oligopolistisch  disziplinierten Markt gesteuert würden, auf dem Preiserhöhungen von 10-15% pro Jahr durchgesetzt werden. In diesem Zusammenhang waren wir außerdem der Meinung, dass Preissteigerungen durch Verzögerungen aufgrund technischer Schwierigkeiten noch beschleunigt werden könnten. Auf Grundlage dieser Analysen investierten wir in erstklassige, existierende Produzenten oder in Hersteller, die kurz vor der Markteinführung standen, allen voran Albemarle und Orocobre.

Was passiert ist

Die von uns prognostizierte  Wachstumsdynamik entwickelte sich ziemlich genau entsprechend unseren Erwartungen. Die Umsätze bei Elektrofahrzeugen weltweit stiegen mit einer Wachstumsrate von 36%, was unserer Prognose von 35% für 2016 entspricht. Internationale Automobilhersteller – oder Originalteilehersteller  (OEMs) im Sprachgebrauch des Marktes – führen auch weiterhin Investitionen durch und gehen davon aus, das Elektrofahrzeuge einen steigenden Anteil des Absatzes ausmachen werden.

So äußerte der Vorstandsvorsitzende von BMW beispielsweise, dass das Unternehmen „systematisch alle Marken und Modellreihen elektrifizieren wird“ und gab an, dass er sich vorstellen könne, dass reine Elektroautos bereits bis zum Jahr 2025 25% der Absätze ausmachen werden. 

Auf dem Autosalon in Paris im September 2016 enthüllte BMW den neuen i3, ein reines Elektrofahrzeug mit einer Reichweite von 186 Meilen. Andere Unternehmen wie Audi, Volkswagen, Daimler und GM wollen in der Annahme einer zukünftig höheren Nachfrage entweder neue Modelle einführen oder bestehende Modellreihen erweitern.

Die Ausweitung der Produktionskapazitäten ist vor allem aufgrund der Tatsache möglich, dass die Batteriepreise nach wie vor rapide sinken. Tesla gab unlängst bekannt, dass die Batteriekosten mittlerweile  unter 190 USD/kWh liegen.

Materialhersteller in der Lieferkette hoben zwischenzeitlich  ihre Prognosen für die Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen weltweit an und nahmen entsprechende Anpassungen ihrer Produktionspläne vor. Der Kathodenhersteller Umicore kündigte das Vorhaben an, die Kapazitäten für die Nickel- Mangan-Kobalt-Herstellung (NMC) zu verdreifachen, womit das Unternehmen seinen Ausblick für Elektrofahrzeuge auf 3% im Jahr 2020 anhebt und einräumt, dass es auch noch höher gehen könnte.

Die Preise für Lithium kletterten indes weiter nach oben. In China (ein kleiner Spotmarkt) stiegen die Preise für Lithiumcarbonat-Äquivalent (LCE) auf über 22.000 USD/t und stehen mittlerweile, obwohl sie zwischenzeitlich zurückgegangen sind, immer noch bei über 17.500 USD/t.

Auch die in längerfristigen Verträgen fixierten Preise sind mittlerweile  gestiegen und reichen von 8.000 USD/t am unteren Ende bis hin zu 12.000 USD/t (unser geschätzter Preis im Jahr 2020).

Der Ausblick für Lithium

Die Angebotsperspektive dürfte die Preise auch weiterhin stützen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass es bei der Erreichung der maximalen Kapazität bei neuen Projekten zu Verzögerungen kam. Sowohl Orocobre als auch Galaxy Resources mussten technisch bedingte Verzögerungen entweder beim Produktionsstart oder beim Erreichen der kommerziellen  Produktion hinnehmen.

Orocobre beispielsweise errichtete 3900 Meter über dem Meeresspiegel eine neue Anlage und damit die erste seit vielen Jahren, die in dieser Höhe gebaut wurde. Dies bringt allerdings zahlreiche Herausforderungen mit sich. Beispielsweise wurden die Trockner, die zur Entfernung der Feuchtigkeit vom ursprünglichen Solekonzentrat verwendet wurden, bestellt, um in dieser Höhenlage effizient arbeiten zu können. Vom Hersteller wurden jedoch Trockner geliefert, die ausschließlich auf Meereshöhe eingesetzt werden konnten, wodurch es zu Verzögerungen kam. Die „Feinheit“ des Konzentratertrags führte zu Problemen durch Filterverstopfungen. Das Unternehmen führt Änderungen durch, um dieses Problem zu beheben und zeitnah betriebsbereit zu sein. All diese Faktoren verzögerten eine voll kommerzielle Produktion um drei bis vier Monate.

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine kommerzielle Produktion nicht erreicht wird oder dass in der Zwischenzeit nichts produziert wurde. Tatsache ist, dass die Produktion über die letzten drei Quartale hinweg kontinuierlich erhöht wurde, während die verschiedenen Probleme bei der Inbetriebnahme aus dem Weg geräumt wurden, mit denen alle neuen Bergbau- Startups zu kämpfen haben.

Das Problem dabei ist, dass manche Analysten, trotz des Informationsflusses seitens der Unternehmen zu diesen Schwierigkeiten, in ihren Modellen den ursprünglichen Plan für den Produktionshochlauf zugrunde legen, ohne eine Berichtigung der Verzögerungen vorzunehmen, und
dementsprechend  zu der Schlussfolgerung kommen, dass ein Überangebot am Markt herrscht oder, wie in diesem Fall, dass ein Unternehmen in betrieblichen Schwierigkeiten steckt, was sachlich falsch ist.

Ansonsten versuchen bestehende Unternehmen, junge Bergbaufirmen und verarbeitende Unternehmen zu übernehmen, um den Zugang zu Ressourcen zu erschweren und eine oligopolistische  Marktstruktur beizubehalten.

SQM bezahlte 25 Mio. USD für eine Beteiligung von 50% am Cauchari-Olaroz-Projekt von Lithium Americas in Argentinien. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Probleme von SQM in Chile macht die Diversifikation der Lithiumvorkommen aus strategischer Sicht Sinn, auch wenn der Zeitrahmen, um das Werk zur Produktion zu bringen (Vollproduktion bis 2019), unglaublich ambitioniert  erscheint, wenn man die Schwierigkeiten des direkten Nachbarn bedenkt (Orocobre an der Salar de Olaroz liegt tatsächlich am Highway gegenüber). Von der vollständigen Finanzierung bis zur Produktion dauerte es dort mehr als sieben Jahre. Cauchari-Olaroz ist immer noch nicht voll finanziert.

Albemarle übernahm Jiangli New Materials, ein Lohnfertiger in der Provinz Jiangxi in China. Albemarle versucht, 50% des weltweiten  Nachfragewachstums für sich zu gewinnen. Die Akquisition hilft dem Unternehmen bei der Umwandlung der Spodumen-Ausbringung außerhalb von Greenbushes. Durch die Transaktion entsteht jedoch keine neue Produktion, die das weltweite Angebot erweitert, da Albemarle zuvor Spodumen von Australien nach Jiangli für eine Umwandlung in Lithiumcarbonat und Hydroxid zum Verkauf in China transportierte.

Fazit

Wir müssen letztlich anerkennen, dass der Ausblick für Lithium von der Nachfrage bestimmt wird. Unsere eigenen Prognosen ergaben eine vergleichsweise konservative Einschätzung, die wir jedoch überdenken werden, wenn sich der Ausblick für die Nachfrage weiter verbessert.

Bei der Art der Preisgestaltung gab es unserer Auffassung nach einen fundamentalen Wandel. Der Trend geht zu langfristigen Verträgen, durch die die Hersteller ihre Kunden in dem Bestreben halten können, von einem zukünftigen Nachfrageanstieg zu profitieren. In diesem Umfeld bevorzugen wir auch weiterhin bestehende Produzenten und wir halten demzufolge an unseren Positionen in Albemarle und Orocobre fest oder stocken diese auf. Außerdem führten wir vor diesem Hintergrund eine Position in Galaxy Resources ein, die derzeit auf volle Produktionskapazität hochfahren.

Im Bereich Global Resources sind mittlerweile 6,7% des Fondsvolumens direkt in Lithium-Produzenten investiert und fast 15% in Unternehmen, die eine direkte Verbindung zum Elektrofahrzeugmarkt aufweisen.

Wandelanleihen – vier aufzuklärende Irrtümer

von Tarek Saber Head of Convertible Bonds & Lead Portfolio Manager Convertible Bonds bei NN Investment Partners.

Wandelanleihen (Convertibles oder auch CBs) bieten interessante Diversifikationschancen. Dennoch zögern manche institutionelle Investoren, in diesen Markt zu investieren. Die Vorteile von Wandelanleihen, die die Kursgewinnchancen von Aktien mit der anleihetypischen Absicherung nach unten kombinieren, sind zu überzeugend, um sie zu ignorieren. Deshalb möchte ich in dieser Kolumne auf vier der häufigsten Irrtümer eingehen, denen Investoren bei Wandelanleihen erliegen.

Irrtum Nr. 1: Der Wandelanleihemarkt ist relativ klein (300 Milliarden US-Dollar) und daher bei Marktturbulenzen der Gefahr von Engpässen und Illiquidität ausgesetzt

Zugegebenermaßen: Würde sich jeder Großanleger am besten des Wandelanleihemarktes bedienen, könnte Liquidität in der Tat knapp werden. In der Realität ist das jedoch nicht der Fall, sodass reichlich Investmentchancen bestehen. Und auch wenn die Liquidität nicht mehr so üppig ist wie vor 2008, so liegt Wandelanleihen stets ein Aktienwert zugrunde, der die Kursentwicklung zügelt. Trotz der starken Abwanderung von Emittenten an den klassischen Anleihemarkt infolge des anhaltenden Zinsverfalls in den letzten Jahren ist das Emissionsvolumen bei Wandelanleihen mit rund 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr in etwa gleichgeblieben.

Irrtum Nr. 2: Wandelanleihen werfen weniger Zinsen ab als klassische Fixed-Income-Produkte – reine Hochzinsanleihen beispielsweise rentieren weit höher – und ihre Renditen bleiben hinter denen reiner Aktienanlagen zurück.

Die Verzinsung von Wandelanleihen ist nicht so hoch wie bei einigen anderen Anleiheprodukten. Doch durch ihre Verknüpfung mit Aktien (Kapitalbeteiligung) können Wandelanleihen aktienähnliche Erträge mit sehr viel weniger Volatilität abwerfen. Dieses Aufwärtspotenzial macht die geringere Verzinsung mehr als wett. Zudem schneiden Wandelanleihen auch bei niedrigrentierlichen Konstellationen positiv ab, wie sich in Japan beobachten ließ.

Wandelanleihen bieten dem Anleger Konvexität. Das bedeutet, dass Investoren zu zwei Dritteln an einer positiven Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktie teilhaben. Aktienanlegern, die auf die gesamten 100 Prozent abzielen, mag das eher mager erscheinen. Dabei sollte man indes nicht vergessen, dass Wandelanleihen bei fallenden Märkten Absicherung nach unten bieten und dabei gleichzeitig das Aufwärtspotenzial von Aktien weitgehend erfassen. Das Risk-on/Risk-off-Spiel, das taktische Investoren so gerne spielen, ist mit Unwägbarkeiten behaftet. Bei ausgewogenen Wandelanleihen („balanced CBs“) geschieht das jedoch automatisch. Die Renditen von Wandelanleihen sind seit jeher mit denen von Aktien vergleichbar, allerdings nur ungefähr halb so volatil.

Irrtum Nr. 3: Wir verfügen bereits über einen guten Mix aus Anleihen und Aktien. Warum sollten wir das unnötig verkomplizieren?

Niemand weiß, wohin die Märkte morgen drehen. Für Investoren besteht das größte Dilemma in der Asset-Allokation. Hier kann die Investition in Wandelanleihen eine Lösung bieten, da CBs die Vorteile beider Märkte kombinieren. Convertibles verstärken die Diversifikationsvorteile bestehender Anleiheinvestments. Sie korrelieren negativ mit Staatsanleihen, ihre Korrelation gegenüber Investment-Grade-Titeln ist gering. Momentan weisen Wandelanleihen eine 90%ige Korrelation zu Aktien und eine 60%ige gegenüber High Yield auf. Dieses Segment ist noch weitgehend unbekanntes Terrain. Zudem ist unklar, wie sich die Zinsen entwickeln werden. Man sollte dabei nicht vergessen, dass CBs in Zeiten steigender Zinsen seit jeher gut abschneiden. Wir sehen uns hier Neuland gegenüber, die Zeiten sind von Unwägbarkeiten geprägt. Es bedarf also einer Anpassung unseres investiven Denkens und der Bereitschaft, sich strategisch neu auszurichten.

Irrtum Nr. 4: Uns fehlt die Expertise. Es handelt sich hier um einen Nischenmarkt, der wenig Orientierung bietet und bislang noch weitgehend unerforscht ist.

Wenn auch die Zahl der Assetmanager im CB-Segment geringer sein mag als für andere Assetklassen, so gibt es doch zahlreiche Vermögensverwalter, die auf dieses Segment spezialisiert sind. Der Wechsel von einem Manager zum anderen ist weitaus einfacher, als ein ganzes hauseigenes Team zu rekrutieren und gegebenenfalls zu entlassen. Auf diese Weise kann man auch optimal von den potenziellen Renditen profitieren, die Wandelanleihen bieten. Gerade wegen der hohen Zahl nicht gerateter Wandelanleihen ist gründliches Credit Research unerlässlich.

Unser vierstufiger disziplinierter Investmentprozess setzt sich folgendermaßen zusammen:

  1. Zunächst einmal überprüfen wir das CB-Universum auf Konvexität. Balanced Convertibles bieten aufgrund der Konvergenz von Aktien und Wandelanleihen in steigenden Märkten ein unbegrenztes Aufwärtspotenzial. Umgekehrt besteht Kapitalschutz durch die Wertuntergrenze, solange das Kredit- bzw. Ausfallrisiko nicht zunimmt.
  2. Dann analysieren wir das CB-Universum auf Kreditqualität. Ziel ist es, Emittenten herauszufiltern, die den Kapitalbetrag der Anleihe bei Fälligkeit zurückzahlen können, denn diese Unternehmen verfügen über die entsprechende Kapitalstärke, wenn es hart auf hart kommt.
  3. Drittens identifizieren wir die potenziellen Treiber einer positiven Kursentwicklung der zugrunde liegenden Aktie. Dabei verankern wir die langfristigen strukturellen Treiber anhand von Themen. Healthcare Spending, Cloud Computing, Zunahme des Online-Konsums und Alterung der Bevölkerung weltweit, das sind nur einige der Themen, die wir als langfristige Wachstumstrends identifiziert haben. Ob sie sich künftig sogar noch verstärken oder etwas nachlassen – sie werden keinesfalls ins Stocken geraten.
  4. Und schließlich spielen auch Portfoliostrukturierung und Risikomanagement eine entscheidende Rolle für Disziplin und Transparenz.

China and the Fed: how different this time?

es ist nun genau ein Jahr her, dass die internationalen Märkte durch eine unangemessene Verschärfung des FED-Kurses und einer plötzlichen Abwertung der chinesischen Währung in die Knie gezwungen wurden. Innerhalb von nur wenigen Wochen hatten die globalen Aktienmärkte 18 Prozent Kursverluste zu verzeichnen. Könnte sich solch ein Szenario dieses Jahr wiederholen? So gibt es doch einige Parallelen zu den Entwicklungen im Vorjahr. Es gibt aber auch einige erhebliche Unterschiede.  

Obwohl die US-Notenbank FED die Zügel in ihrer Geldpolitik wieder angezogen hat, zeigen die Schock-Modelle von Fulcrum, dass in diesem Jahr eher ein positiver Impuls durch die steigende wirtschaftliche Aktivität zu erwarten ist, gibt sich Gavyn Davies – einer der Gründer und Chairman der Fulcrum Asset Management, zuversichtlich. Auch die Risiken einer erneuten Währungsabwertung in China erscheinen gegenüber Vorjahr wesentlich niedriger. Dagegen sind neue Sorgen am Horizont aufgekommen – so zum Beispiel die Einstellung der kommenden Trump-Administration zum Thema Protektionismus gegen China und Mexiko.

Den vollständigen Kommentar von Fulcrum Research finden Sie links als PDF mit Grafiken. 

Gavyn Davies ist einer der Gründer und Chairman von Fulcrum Asset Management. Das in London ansässige Unternehmen verwaltet in vom großen makroökonomischen Gesamtbild abgeleiteten Multi-Asset-Strategien Mittel, die vornehmlich von institutionellen Investoren stammen. Vor der Gründung von Fulcrum Asset Management war Gavyn Davies 15 Jahre lang Chefvolkswirt von Goldman Sachs.

Trump-Wahl führt zum größten Wandel der Marktstimmung seit der Finanzkrise

Aviva Investors erwartet für das erste Quartal, dass die sogenannten Trumponomics, die angestrebte Wirtschaftspolitik Donald Trumps, ein stärkeres Wachstum, eine steigende Inflation und somit auch die Rallyes und höheren Renditen in einigen Finanzmärkten unterstützen werden.

Der Sieg von Donald Trump an den Wahlurnen am 9. November 2016 hat die globalen Märkte signifikant beeinflusst. Er führte zu einer starken Aktien-Rallye in entwickelten Märkten und ließ die Renditen an allen wichtigen Anleihemärkte ansteigen. Die Marktbewegungen folgten den Anzeichen im vergangenen Jahr, dass die Reflation, die von Investoren zu dieser Zeit weitgehend unterschätzt wurde, über die Deflation triumphieren würde.

Aviva Investors rechnet damit, dass die globalen Wachstumsaussichten eine höhere Inflation unterstützen. Zudem erwartet das Investmenthaus, dass die Weltwirtschaft 2017 und 2018 das höchste Wachstum seit 2011 aufweisen wird, insbesondere wenn andere Länder den USA bei der Implementierung einer expansiveren Fiskalpolitik folgen sollten.

Ian Pizer, Head of Investment Strategy bei Aviva Investors, kommentiert:

"Eine signifikante Steuerreform könnte in den USA ein potentieller Game-Changer sein und würde 2017 Aktien in entwickelten Märkten unterstützen, während die erhöhten Infrastruktur-Ausgaben den Industrie- und Rohstoffsektor ankurbeln würden.“

"Der Aufwärtstrend bei den globalen Renditen wird sich fortsetzen und den europäischen sowie US-Finanzwerten helfen, obwohl die Zentralbankpolitik im Euroraum und in Japan zu einem zunehmend unterschiedlichen Ausblick gegenüber den USA führen könnte. Zudem sollten die Zentralbanken weiterhin am Kauf von Unternehmensanleihen festhalten, da die Spreads im Verhältnis zu den Bewertungen in anderen Assetklassen weiterhin attraktiv sind."

"In den Schwellenländern dürften sich die Unternehmensgewinne weiterhin zusammen mit den Fundamentaldaten erholen, doch die Bedrohung durch einen verstärkten globalen Protektionismus würde Schwellenländeraktien härter treffen als andere Aktienmärkte. Zudem würde eine Stärkung des Protektionismus die Erholung der Fundamentaldaten bei Schwellenmarktanleihen herausfordern."

Weitere Themen aus dem Quartalsausblick:

  • Aktien entwickelte Märkte: Tech-Unternehmen könnten von der Möglichkeit profitieren, Cashbestände zu einem viel zu reduzierten Steuersatz zurückzuführen.
  • Emerging Markets-Aktien: Die chinesische Politik sollte weiterhin unterstützend wirken, aber die Stärke des US-Dollars könnte Gegenwind bedeuten.
  • Globale Zinsen: Aufgrund eines weltweit unterschiedlichen politischen Ausblicks sind Unsicherheit und Volatilität die Schlagworte.
  • Kreditmarkt: Auch wenn sich die Fundamentaldaten verschlechtert haben, dürften die Ausfälle niedrig bleiben.
  • Schwellenmarktanleihen: Lokalwährungen werden gegenüber Hartwährung und Unternehmensanleihen bevorzugt.
  • Immobilien: Der britische Immobiliensektor steht vor Herausforderungen. Kurzfristig werden in Europa höhere Erträge erwartet, während sich das Angebot in den USA verbessern dürfte.

Den vollständigen Quartalsausblick in Englisch finden Sie unter dem folgenden Link: https://www.avivainvestors.com/en-gb/adviser/house-view-q1-2017.html

Schwellenländer bieten Pharmaunternehmen gute Wachstumschancen

Das Wachstum der Schwellenländer bietet für die großen Pharmaunternehmen langfristige Entwicklungsmöglichkeiten. „Die traditionelle Sicht, dass Gewinn- und Rentabilitätssteigerungen im Pharmasektor nur in den Industrieländern möglich sind, gerät zunehmend ins Wanken“, sagt Yo Takatsuki, Associate Director im Bereich Governance und Sustainable Investment bei BMO Global Asset Management. „Denn während in den Gesundheitssystemen der Industrienationen Einsparungen im Vordergrund stehen, schießen die Gesundheitsausgaben der Emerging Markets in die Höhe“, so Takatsuki weiter. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass das Branchenwachstum in den großen Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indien, China, Mexiko oder der Türkei künftig jährlich im zweistelligen Bereich liegt. Zum Vergleich: In den Industriestaaten wird lediglich von einem einstelligen Wachstum ausgegangen.

Die steigende Bedeutung der Emerging Markets für die Pharmabranche zeigt sich darüber hinaus auch am wachsenden Anteil der Nicht-Industrieländer am internationalen Pharmamarkt: So belegt die Studie „Pharma emerging markets 2.0“ von Strategy & Research, dass er bis Ende 2016 voraussichtlich fast ein Drittel des Marktes ausmachen wird. Und die Unternehmensberatung McKinsey rechnet sogar damit, dass die Schwellenländer bis 2020 mit 190 Milliarden US-Dollar zusätzlichem Absatz zu einer der Hauptwachstumsquellen für den Pharmavertrieb werden.

Immense Herausforderungen für die Pharmabranche

„Obwohl die Marktentwicklung der Branche insgesamt in die Hände spielt, haben die meisten Pharmaunternehmen außerhalb der Industrieländer auch zahlreiche Rückschläge erlitten“, sagt Takatsuki. So sei eines der Hindernisse, dass die aufstrebenden Märkte wie eine homogene Einheit behandelt werden. „Länderspezifische Besonderheiten werden dabei vernachlässigt. Die Markteintrittstrategien sind nicht individuell auf das Land zugeschnitten und verfehlen somit ihr eigentliches Ziel“, stellt Takatsuki fest. Viele Unternehmen hätten aber verstanden, dass sie mit Standardlösungen langfristig nicht am wirtschaftlichen Fortschritt der Länder teilhaben können.

Unterschätzt würden zudem die gesetzlichen Anforderungen im Ausland. Denn anders als in den Industrieländern könnten sich Gesetze und Genehmigungsprozesse in Schwellenländern schnell ändern und seien wenig vorhersehbar. „Das stellt die Unternehmen vor immense Herausforderungen. Durch Übernahmen und Neueinstellungen braucht es immer mehr Kapazitäten vor Ort – das kostet viel Zeit und Energie, häufig mehr als zu Beginn dafür veranschlagt wird“, erläutert Takatsuki. Weitere Herausforderungen, die Pharmaunternehmen mit einkalkulieren müssten, seien Korruption, der schwache Schutz geistigen Eigentums sowie der schlechte Zugang zu Gesundheitsinfrastruktur und -dienstleistungen. Letzterer gilt als eines der größten Entwicklungshindernisse im Gesundheitsbereich. „Ein Scheitern an diesen Hürden hätte fatale Auswirkungen – auch aus übergeordneter Perspektive. Denn eine nachhaltige Entwicklung wäre somit undenkbar, und noch immer sind zwei Milliarden Menschen gesundheitlich unterversorgt“, schließt Takatsuki.

Die Debatte über Substanz- oder Wachstumswerte in Europa verschleiert schwache Fundamentaldaten

Franz Weis, Portfoliomanager des auf Qualitätswachstumswerte spezialisierten internationalen Vermögensverwalters Comgest, hinterfragt die aktuelle Debatte um Substanz- oder Wachstumswerte und erläutert seine Einschätzung der Investment-Trends 2017:

„Die Rally der Substanzwerte hatte die europäischen Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte 2016 fest im Griff. Donald Trumps Sieg bei den Präsidentschaftswahlen kam insbesondere den Finanzwerten zugute, dem urtypischen Substanzwertsektor. Der MSCI Europe Value Index übertraf den MSCI Europe Growth Index zwischen Ende Juli und Ende Dezember um nahezu 15%. Das erwies sich als die stärkste Verlagerung zugunsten von Substanzaktien seit der globalen Finanzkrise. Solche Verlagerungen haben starke kurzfristige Auswirkungen auf die Performance und beeinflussen die Entscheidungen der Anleger. Einer aktuellen Händlerumfrage zufolge glauben 54% der Teilnehmer, dass die Rally der Substanzwerte sich bis weit ins Jahr 2017 hinein fortsetzen wird, während lediglich 13% der Ansicht sind, dass sie bereits vorbei sei1. Sehr wahrscheinlich wird die „Substanz- oder Wachstumswerte“- Debatte 2017 weiter andauern.

Aber wie sieht es mit den Fundamentaldaten der jüngsten Substanzwerte-Rally aus? Aufgrund des Anstiegs der Rohstoffpreise fallen die Gewinnschätzungen für Energie- und Rohstoffwerte für 2017 und 2018 unter der Voraussetzung, dass die jüngste Preiserholung des Sektors anhält, positiver aus. Seit November heizten Finanztitel die Substanzwerte-Rally weiter an, da steigende Zinssätze die Stimmung in diesem Sektor beflügeln. Allerdings gehen die Prognosen für den Gewinn je Aktie für europäische Finanztitel für 2016 bis 2018 weiter zurück. Die Strategie-Roadmap von Unicredit für 2016 bis 20192 ist das neueste Beispiel für die mangelnde Stabilität des Gewinnwachstums europäischer Banken. Die Bank konzentriert sich auf Vermögensveräußerungen, Filialschließungen, Personalabbau und eine Kapitalerhöhung bei einem organischen Umsatzwachstumsziel von bescheidenen 0,6%.

Es wird erwartet, dass sich das Gewinnwachstum europäischer Substanzwerte kräftig beschleunigt, von minus 2% im Jahr 2016 auf 18% im Jahr 2017. Substanzaktien haben von einer Neubewertung des Kurs- Gewinn-Verhältnisses (KGV) profitiert, während sich Wachstumstitel in den vergangenen Monaten erheblich verbilligt haben. Für Substanzwerte wird für den Zeitraum von 2016 bis 2018 ein jährliches Gewinnwachstum von rund 9% angenommen. Dieses Wachstum hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise von der Erholung der Rohstoffpreise, steigender Kreditnachfrage und einem kontinuierlichen Anstieg der Zinssätze. Die entscheidende Frage ist, wie dies mit den Konjunkturprognosen zusammenpasst, die keine nennenswerte Steigerung des derzeit recht moderaten Wachstumstempos voraussagen. Anfang 2017 werden europäische Substanzwerte mit einem KGV von 13,5 gehandelt, was unserer Ansicht nach kaum ein „Schnäppchen“ ist und ihnen für 2017 wenig Spielraum für Gewinnenttäuschungen lässt.

Auf der anderen Seite glauben wir, dass sich das Risiko-Rendite-Profil von Qualitätswachstumstiteln in den vergangenen zwölf Monaten deutlich verbessert hat. Die Portfoliounternehmen unseres Flaggschiff-Fonds Comgest Growth Europe werden derzeit mit einem KGV von 20 bei einem erwarteten gleichmäßigen Anstieg des Gewinns je Aktie von 10% für 2016, 2017 und 2018 gehandelt. Damit setzt sich der kontinuierliche Gewinntrend der Vergangenheit fort, der auf Umsetzung, Innovation, regionaler Expansion und dem Wachstum von Marktnischen basiert, in denen sich die Unternehmen aus unserem Portfolio bewegen. Ihr Wachstumskurs hängt stärker von strukturellen Wachstumstrends und unternehmensspezifischen Initiativen ab als von schwer zu prognostizierenden und volatilen Konjunkturzyklen. Für uns ist es wichtig, uns von Anfang an auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren, statt auf Makrovariablen oder Stilrotationen zu setzen.

Ist die „Substanz- oder Wachstumswerte“-Debatte unterm Strich für langfristige Anleger von Bedeutung? Unserer Ansicht nach erzeugt sie nur Störgeräusche, die von wichtigen Fundamentaldaten wie einem nachhaltigen Gewinnzuwachs und der Generierung von freiem Cashflows ablenken. Im schlimmsten Fall geht es dabei nur darum, einem Trend hinterherzulaufen. Wir werden unsere Aufmerksamkeit 2017 weiterhin fest auf die Bottom-up-Fundamentaldaten richten. In den ersten Monaten des neuen Jahres werden Unternehmen weltweit ihre Wachstumsprognosen für 2017 vorlegen. Das wird die Anleger auf den Boden der Tatsachen zurückholen und darüber entscheiden, ob sie sich wieder stärker auf die Fundamentaldaten konzentrieren, statt sich weiter der „Substanz- oder Wachstumswerte“-Debatte zu widmen.“

Schwäche des US-Dollar kommt Edelmetallen zugute

Uneinheitliche Wirtschaftsdaten sowie das Protokoll der Dezember-Sitzung der Fed belasteten den US-Dollar, sodass 69 Mio. USD in Edelmetalle flossen. Bei ETPs, die die EUR/USD-Entwicklung long nachbilden, wurden die Engagements in der letzten Woche um 95,7 Mio. USD reduziert. Nach dem deutlichen Anstieg der US-Rohöllagerbestände und den milden Temperaturen in den USA gingen die Energiepreise in der letzten Woche zurück. Den vollständigen wöchentlichen Rohstoffüberblick von ETF Securities finden Sie links als PDF mit Charts.

Der Goldpreis stieg innerhalb einer Woche um 1,4 %, nachdem sich der US-Dollar wegen des gemäßigten Fed-Protokolls abgeschwächt hatte. Gold-ETPs (A0N62G) verzeichneten in der letzten Woche Zuflüsse in Höhe von 40,5 Mio. USD. Aus dem Protokoll der Dezember-Sitzung des Offenmarktausschusses ging hervor, dass die Fed die Wachstumsaussichten der US-Wirtschaft optimistisch beurteilt, sodass sie mehr Spielraum für Zinssteigerungen sieht. Doch sei der Ausblick nach wie vor mit Risiken behaftet, und zwar insbesondere durch die Fiskalpolitik und die negativen Folgen der Dollar-Stärke. Unter dem Strich korrigierte der Markt die Zahl der erwarteten Zinsanhebungen abwärts, wobei die erste erst im Juni stattfinden soll. „Die Abschwächung des Dollar kam zusammen mit den stärkeren amerikanischen und chinesischen Daten aus dem verarbeitenden Gewerbe auch den Platin- und Palladiumpreisen zugute, die in der letzten Woche um 5,7 % beziehungsweise 10,2 % zulegten“, sagte Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Bei ETPs, die die Entwicklung des Währungspaars EUR/USD long nachbilden, wurden die Positionen gekürzt. Laut US-Arbeitsmarktbericht nahm das Lohnwachstum im Dezember trotz der enttäuschenden Zugewinne von nur 156.000 Stellen um 0,4 % zu – so viel wie seit 2009 nicht mehr. „Die uneinheitlichen Beschäftigungszahlen und das Fed-Protokoll stoppten den seit November laufenden Anstieg des US-Dollar, sodass einige Anleger ihre optimistische Einschätzung revidierten. So flossen aus ETPs, mit denen man sich in USD short und in EUR long positionieren kann, in der letzten Woche 95,7 Mio. USD“, sagte Hein.

Nachdem die US-Energiebehörde einen deutlichen Anstieg der Destillatbestände gemeldet hatte, wurden aus Rohöl-ETPs (A1N49P) 17,9 Mio. USD abgezogen. Der Rohölpreis bewegte sich zunächst leicht aufwärts, als bekannt wurde, dass Saudi-Arabien seine Rohölförderung seit Oktober um mindestens 486.000 Barrel pro Tag gesenkt hatte. Einen Teil seiner Gewinne musste er aber wieder abgeben, da die US-Lagerbestände von Benzin und Diesel in derselben Woche zusätzlich um 18 Millionen Barrel wuchsen. Darüber hinaus brachen die Preise für US-Erdgas und CO2-Emissionen in der letzten Woche um 10,8 % beziehungsweise um 23 % ein. „Ausgelöst wurden die Preisrückgänge von Wetterberichten, die mildere Temperaturen in den USA voraussagten, und dem Preisverfall der EU-Emissionszuteilungen im Emissionshandelssystem“, sagte Hein.

Wichtige Ereignisse in der nächsten Woche. „Die Anleger werden sich die Industrieproduktionsdaten und Arbeitslosenzahlen der Eurozone genau ansehen, um die Wirksamkeit der geldpolitischen Anreize der EZB zu beurteilen. Auch der Preisauftrieb bei den Einzelhandelsumsätzen in China und den USA wird unter den Marktteilnehmern Beachtung finden“, sagte Hein.

Fixed-Income-Ausblick 2017

von Mark Holman, CEO TwentyFour Asset Management, London.

Die US-Notenbank Fed dürfte sich nach dem Ausbleiben von Marktstörungen seit ihrer jüngsten Zinserhöhung sowie von den in Aussicht gestellten Konjunkturmaßnahmen des künftigen US- Präsidenten ermutigt fühlen. Die Inflation bewegt sich langsam auf ihren Zielwert zu und die Fed wird bei weiterer Annäherung vermutlich handeln. Wir erwarten deshalb für 2017 zwei oder drei Zinsschritte. Die Entwicklung von Anleihen mit längeren Laufzeiten wird schwieriger vorherzusagen sein, da die Zinsbewegung nach oben in den vergangenen Monaten bereits kräftig war. Wir gehen davon aus, dass 10-jährige US-Staatsanleihen das Jahr bei 2,75 bis 3 Prozent beenden werden, aber sie könnten zwischenzeitlich durchaus darüber hinausschießen. Diese Prognose schließt jedoch keine Marktüberraschungen ein. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass die Zinswaffe der Fed bereits neu geladen ist und sich als kraftvolles Instrument erweisen könnte, Risiken aus dem Markt zu nehmen, wenn Überraschungen jeglicher Art das Wachstum oder die Stabilität in den USA gefährden sollten.

In Großbritannien haben wir als einzig wirklich bedeutendes Ereignis den Schock über das Brexit- Referendum, wobei sich die grundlegenden Folgen für die Realwirtschaft erst noch zeigen werden. Diese vorherzusagen ist schwierig, aber wir gehen zunächst einmal davon aus, dass sie mit Sicherheit negativ sind. Wir sind uns lediglich unsicher, wie negativ oder über welchen Zeitraum sie sich erstrecken. Wir haben zudem die nach Abwertung des Britischen Pfunds importierte Inflation im Blick, die das Land 2017 treffen wird. Die Entwicklung der Renditen für britische Staatsanleihen in diesem Umfeld vorherzusagen ist eine Herausforderung. Insgesamt erwarten wir jedoch zum Ende des Jahres höhere Anleihe-Renditen und einen Markt, der Probleme damit haben wird, positive Renditen zu erzielen. Unser Anlagekomitee geht davon aus, dass die britische Zentralbank die Zinsen das ganze Jahr über nicht antasten wird, räumt aber ein, dass Gouverneur Mark Carney jederzeit so oder auch anders vorgehen könnte.

In der Eurozone hat EZB-Präsident Mario Draghi bereits ein „Tapering“ angekündigt, auch wenn er sich weigert, es so zu nennen. Von April bis Dezember wird die EZB 60 Mrd. EUR pro Monat ankaufen, statt 80 Mrd. EUR pro Monat, wie es das gegenwärtige Programm noch vorsieht. Wir glauben, dass dies notwendig ist, da sich allmählich unerwünschte Folgen auf den Märkten einstellen. Während wir davon ausgehen, dass die Zinsen 2017 unverändert bleiben, glauben wir, dass Draghi im September 2017 den nächsten Schritt zum Rückzug aus dem Anleihekaufprogramm ankündigen muss. Und während dies Staatsanleihen stützen wird, müssen wir ebenso die zahlreichen politischen Ereignisse in Europa im kommenden Jahr zur Kenntnis nehmen. Dies veranlasst uns zu mehr Vorsicht im Hinblick auf Europa. Die politischen Ereignisse könnten sich zwar wie beim gescheiterten Verfassungsreferendum des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi ohne Kurseinbruch vollziehen. Bei diesen ultraniedrigen Renditen ist es das Risiko in unseren Augen jedoch nicht wert.

Auf der anderen Seite des Risikospektrums haben wir zum Glück die Unternehmensanleihen. Unter Donald Trump als Präsidenten wird sich der US-Konjunkturzyklus unseres Erachtens um mindestens ein oder zwei Jahre verlängern Dies sorgt bei uns für größeres Vertrauen in US-Anleihen. In diesem Markt rechnen wir 2017 mit sicheren Renditen, die für USD-Hochzins-Anleihen bei etwa 6 Prozent liegen dürften. Beim Britischen Pfund, das wir gegenüber dem Euro bevorzugen, haben wir bereits einen „Brexit-Puffer“ eingepreist und sind so zumindest in dieser Beziehung gegen politische Ereignisse in Europa im Jahr 2017 abgesichert. Wir gehen davon aus, dass Investment-Grade- Anleihen ihre erwarteten Renditen annähernd erreichen dürften, da ein Anstieg bei den Renditen für britische Staatsanleihen durch eine leichte Verringerung der Spreads kompensiert wird. Bei GBP- Hochzins-Anleihen liegt die Ausgangsrendite von 5,22 Prozent nahezu 200 Basispunkte über dem Euro-Index, was unserer Ansicht nach das Brexit-Risiko gegenüber dem politischen Risiko in Europa mehr als ausgleicht. Insgesamt erwarten wir, dass Hochzins-Anleihen 2017 mehr oder weniger ihre erwarteten Renditen erreichen werden. In Bezug auf Asset Backed Securities (ABS), die von stabilen Fundamentaldaten und einer nicht vorhandenen Duration getragen sind, erwarten wir ein ähnliches Jahr wie 2016. Investment-Grade-Anleihen, die wir im Monument Bond Fund halten (wir verwenden dieses Beispiel, um uns von dem weitestgehend mit AAA bewerteten Index zu entfernen) sollten eine Rendite von etwa 3 Prozent erbringen, während wir für Hochzins-ABS ansehnliche 6 Prozent prognostizieren.

Kommen wir schließlich zu den von uns am meisten favorisierten Sub-Sektoren. Zwei sind hervorzuheben, beide jedoch mit einem Risiko höherer Volatilität behaftet. Damit eignen sie sich unseres Erachtens für Mischportfolios. Der Banken-Sub-Sektor der Additional Tier-1-Anleihen sollte von günstigeren Gesetzesvorschriften und mehr Transparenz profitieren, wie auch von allgemein besseren Fundamentaldaten aus Anleihen-Perspektive. Ein sorgfältig zusammengestelltes Portfolio von AT1-Anleihen dürfte 2017 eine Rendite von etwa 7 bis 8 Prozent erbringen. Unsere zweite Top- Auswahl sind europäische CLOs. Auf diese Weise kann man sich Zugang zum europäischen besicherten Hochzins-Kreditsektor verschaffen. Diese Papiere haben eine variable Verzinsung und sind generell besser besichert als Hochzins-Anleihen. CLO-Tranchen mit BB-Rating beispielsweise haben gegenwärtig eine Rendite von Libor plus 650 Basispunkte, was selbst ohne Kursgewinne in Anbetracht des Risikos als sehr gute Rendite betrachtet werden kann.

Einmal mehr möchte ich den Nutzen eines aktiven Managements betonen, auch wenn sich die Märkte 2016 nicht so stark oder in der Weise entwickelten, wie es die Anleger erwartet haben. Gewöhnlich ist das nicht der Fall und es ist ratsam sowie eine nützliche Informationsquelle, nach jedem Ereignis aus dem Verhalten der Märkte zu lernen. 2017 hat das Potenzial, mit mindestens so vielen Überraschungen wie 2016 aufzuwarten – wenn nicht sogar mit mehr. Wenn solche Überraschungen eintreten, werden sich Möglichkeiten eröffnen. Daher sollten Anleger momentan nicht allzu viel Risiko eingehen. Es gilt wachsam zu sein und Chancen zu nutzen, wenn sie sich bieten.

Erneuerbare Energien weiter auf dem Vormarsch

von Charlie Thomas, Fondsmanager des Jupiter Global Ecology Growth SICAV.

Was folgt auf 2016 - ein Jahr des Umbruchs, in dem vieles anders kam, als die meisten es erwartet hatten? Da wir uns auf Kapitalanlagen im Bereich Umweltlösungen konzentrieren, waren wir mit dieser Frage erst kürzlich konfrontiert: Wie wird sich die Wahl des US-Präsidenten Donald Trump auf die Dynamik z.B. in Bereichen wie der Bekämpfung des Klimawandels auswirken?

Genau diese Dynamik gilt es nicht aus den Augen zu verlieren. 2016 wird mir nicht nur als ein Jahr politischer Umbrüche, sondern auch als ein Jahr in Erinnerung bleiben, in dem sich die Veränderungen durch kohlenstoffarme Technologien und nachhaltige Infrastruktur erstaunlich beschleunigt haben.

Nehmen wir zum Beispiel Elektrofahrzeuge. Die weltweite Automobilindustrie geriet letztes Jahr als Folge des Abgasskandals bei VW-Dieselfahrzeugen nahezu unter Generalverdacht und die größten Automobilkonzerne werden dieses Jahr verstärkt auf eine vollständige Elektrifizierung ihrer Fahrzeuge setzen. Berücksichtigt man ferner den raschen Fortschritt im Bereich Fahrzeugautomatisierung, können wir feststellen, dass sich eine Branche, die sich seit der Ära von Fords „Tin Lizzie“ nicht grundlegend verändert hat, definitiv im Umbruch befindet.

Dies ist typisch für unsere Zeit, in der schwache Signale der Veränderung rasch laut und deutlich vernehmbar werden. Einerseits sind das gute Nachrichten für aktive Anleger, die auf der Suche nach Unternehmen sind, die von diesen Entwicklungen profitieren wollen. Andererseits sind damit aber Risiken verbunden. Auch wenn die Erwartungen im Hinblick auf die Inflation im Jahr 2017 deutlich gestiegen sind, ist uns bewusst, dass die globalen Wachstumserwartungen gedämpft bleiben. Vor diesem Hintergrund können Wachstumsquellen in einer Welt mit geringem Wachstum gelegentlich Anzeichen für eine Überbewertung aufweisen.

Unser Ausblick für 2017 basiert auf der Annahme, dass unser Mehrthemen-Ansatz bei Kapitalanlagen eine wichtige Rolle spielen wird. Schließlich versorgt er uns mit der nötigen Flexibilität, um in unterschiedliche Themen mit attraktiven Chancen und Bewertungen zu investieren. Trumps Wahlsieg stützt beispielsweise die Annahme, dass steuerliche Anreize wieder vermehrt zum Einsatz kommen. Mit baureifen Projekten, die sich in erster Linie auf Wasserinfrastruktur und nachhaltige Transportsysteme konzentrieren – vertrautes Terrain für Umweltinvestoren –, gehen wir davon aus, dass auf dem Markt weiterhin eine starke Nachfrage nach Unternehmen in diesen Bereichen herrschen wird. Zudem könnten die Bewertungen über das, was wir als angemessen erachten, hinausgehen.

2017 könnten auch auf dem Markt für Elektrofahrzeuge entscheidende Veränderungen eintreten. So sind eine erhebliche Zunahme der Modellankündigungen zahlreicher Hersteller von herkömmlichen Fahrzeugen zu erwarten sowie eine generell höhere Produktakzeptanz. Die Elektrofahrzeugbranche könnte ein stetiges Wachstum von 50 Prozent erzielen, das zwar von einer niedrigen Basis ausgeht, aber Symbolkraft für einen dauerhaften langfristigen Umbruch im Transportwesen haben könnte.

Wir sehen ferner Anzeichen dafür, dass sich der Siegeszug der erneuerbaren Energien gegenüber den konventionellen Energien fortsetzen wird, obwohl sich das Wachstumstempo unter Umständen verlangsamen könnte. Investoren, die vor dem Hintergrund niedriger Zinssätze auf der Suche nach vorhersehbaren Kapitalflüssen sind, haben in den vergangenen Jahren zu einer Stärkung der Kapitalanlagen in erneuerbare Energien beigetragen. Die erneuerbaren Energien sind mittlerweile technisch fast ausgereift und für Investoren interessant geworden. Wir beobachten daher die Auflegung neuer Formen von Anlageklassen in Umweltprojekte, wie festverzinsliche und Infrastruktur-Anlagen. Derartige diversifizierte Anlagen können für Investoren, die über ein Exposure in diesen Bereichen verfügen oder aufbauen wollen, eine wichtige Rolle spielen.

Alternative Credit: Die wichtigsten Trends in 2017

von Gabriella Kindert, Head of Alternative Credit bei NN Investment Partners.

Der Vernetzungsgrad und die wechselseitige Abhängigkeit haben in den letzten zehn Jahren in den meisten Branchen zugenommen, auch im Finanzdienstleistungssektor. Mit der digitalen Transformation entstehen neue Geschäftsmodelle.

Seit der Krise im Jahr 2008 wurden bis heute 19 Mrd. EUR in Fintech-Unternehmen investiert (CB Insight, 2016), wobei Hunderte von ihnen Neugründungen waren. Auch wenn diese Zahl im Zusammenhang mit den Bilanzen des gesamten Finanzsektors (28 Bio. EUR) oder mit den jüngsten Strafzahlungen einiger Banken nicht sehr hoch erscheinen mag, gibt es zahlreiche Aspekte, die sich in der Finanzdienstleistungslandschaft momentan zweifelsohne ändern. Die Erwartungen der Kunden sorgen für Veränderungen der Geschäftsmodelle. Es entstehen neue Partnerschaften sowie Methoden zur Vernetzung von Kreditnehmern und Kreditgebern.

Nachfolgend die jüngsten Trends und einige Kernprognosen für 2017 im Bereich alternative Kredite in Europa:

1. Banken werden weiterhin ihre Bilanzen schrumpfen und in neue Geschäftsmodelle und Partnerschaften investieren

Europa ist stark von Banken abhängig. Zur Bewertung des Kredit-Ökosystems muss man zuerst die Entwicklungen im Bankensektor betrachten. Die Banken haben ihre Bilanzen seit der Krise dezimiert. 2008 betrug die Bilanzsumme der Banken in der Eurozone 33 Bio. EUR. Sie ging bis 2015 auf 28 Bio. EUR zurück (EZB, 2016). Um diese Zahl in einen Zusammenhang zu bringen: Dieser Rückgang ist höher als die zusammengelegten Bilanzen von fünf großen Banken (Rabobank, ING, ABNAMRO, Deutsche Bank und Unicredit) zum 30. Juni 2016.

Die Profitabilität hat sich dieses Jahr nicht wirklich verbessert. Die Zinsen sind weiterhin niedrig, die Kapitalanforderungen sind gestiegen und die Compliance-Richtlinien sowie die Strafmaßnahmen sind nach wie vor streng.

Finanztitel markierten in der ersten Jahreshälfte 2016 in vielerlei Hinsicht rückläufige Trends, darunter bei den Erträgen und bei den Einlagen. Die Nettozinsmarge der als Top-10 gelisteten Banken innerhalb des Sektors sank weiter auf unter 1,5%, was strukturell gesehen niedriger ist als in den USA. Die Eigenkapitalrendite lag bei 5,8%, und bleibt damit hinter den Kapitalkosten zurück, die schätzungsweise etwa 9% betragen. Die anhaltend niedrige Profitabilität stellt eine große Herausforderung dar, insbesondere weil sie mit einer niedrigen Kapitalbasis und steigenden Kapitalanforderungen einhergeht.

Perspektivisch wird das quantitative Lockerungsprogramm ausgeweitet, sodass jegliche Zinsanhebungen in immer weitere Ferne rücken. Dieses Umfeld zwingt die Banken dazu, mit all ihren wichtigen Ressourcen effizienter umzugehen: Personal, Branchennetzwerk, Systeme und ihre Bilanzen. In der Praxis bedeutet dies die Schließung von Filialen, Personalabbau, eine weitere Konsolidierung und ein strengeres Bilanzmanagement. Seit dem Höhepunkt 2008 wurden bis 2016 über 350.000 Jobs abgebaut. Das erscheint viel, aber von 2000 bis 2008 sind im Bankensektor fast 1 Million neue Jobs entstanden. Daher könnten noch weitere Stellen abgebaut werden. (Diese Zahlen basieren auf börsennotierten Banken, die ca. 80% der Bilanzsumme des europäischen Bankensektors ausmachen.)

Die Banken werden weitere Möglichkeiten im Bereich alternative Kredite ins Visier nehmen und ihre Kooperationen mit institutionellen Investoren und Fintech-Unternehmen ausbauen. Das schafft neue attraktive Chancen für Investoren oder potenzielle Partner, die vielleicht nicht so großvolumige Finanzierungen durchführen oder deren Risikomanagement-Kapazitäten beschränkt sind, deren Bilanzen aber noch Kapazität aufweisen oder die ihre Geschäfte effizienter ausführen möchten.

2. Politische Unterstützung für alternative Kredite wird zunehmen

Der Finanzierungsbedarf in der europäischen Wirtschaft ist nach wie vor höher als je zuvor. Das Gefühl, dass Europa dem Wirtschaftswachstum der USA hinterherhinkt, ist so weit verbreitet wie nie zuvor. Die Notwendigkeit für diversifiziertere Finanzierungsquellen ist in Europa dringlicher denn je.

Es gibt starke Anzeichen dafür, dass immer mehr wichtige politische Entscheidungsträger in Europa beim Thema Finanzierung zunehmend zu alternativen Quellen tendieren. Eine übermäßige Abhängigkeit von den Banken hat Europa zu anfällig gemacht und die Wirtschaftsentwicklung gebremst. Deshalb muss man die Widerstandsfähigkeit erhöhen, indem die Finanzierungsquellen für die europäische Wirtschaft diversifiziert werden.

Diese Verwundbarkeit Europas wird durch die Basel IV-Debatte in den letzten Monaten klar verdeutlicht. Das vorgeschlagene Regelwerk, das vor einigen Wochen in Santiago diskutiert wurde, favorisiert einen Regimewechsel in Richtung eines weniger risikobasierten Ansatzes beim Kreditrisiko. Das müsste angeglichen und in die Kapitalanforderungen der europäischen Banken (Kapitaldirektive) aufgenommen werden - mit sehr deutlichen potenziellen Auswirkungen auf die Wirtschaft, einschließlich des Hypothekenkreditgeschäfts. Vorschläge zur Erhöhung der Kapitalanforderungen für Portfolios mit geringerer Risikogewichtung, wie z.B. Hypothekendarlehen, treffen europäische Banken unverhältnismäßig stark (Fitch, 2016).

Da das europäische Bankensystem etwa 75% der Wirtschaft finanziert, sind die potenziellen negativen Auswirkungen viel höher. Im Gegensatz dazu werden nur 25% der US-Wirtschaft von Banken finanziert. Sie basiert zum großen Teil auf dem Kapitalmarkt, und langfristige Wohnimmobilienrisiken sind durch staatliche Behörden gedeckt (Fannie Mae und Freddie Mac). Diese Diversifikation ermöglicht es den US-Banken, mit leichteren Bilanzen zu operieren. Außerdem haben neue Richtlinien geringere Auswirkungen.

Europäische Banken sind anfälliger für einen Regimewechsel und könnten dazu gezwungen werden, ihre Direktkredite an Unternehmen und Haushalte zu reduzieren. Was noch wichtiger ist: Jede dieser nachteiligen Veränderungen bei der Kreditkapazität hat einen direkten Einfluss auf die Wirtschaft. Europäische Banken leisteten verständlicherweise großen Widerstand gegen diesen Vorschlag.

Dies verdeutlicht die tiefe Verwundbarkeit, wie Olivier Guersent, Generaldirektor für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmarktunion in der EU, diesen Monat betonte: „Wir müssen die Quote am Verbriefungsmarkt festlegen, um sicherzustellen, dass es einen Markt gibt. Regelwerke nützen nichts, wenn es keinen Markt mehr gibt."

Das deutet darauf hin, dass die Entwicklung neuer Kanäle für alternative Kredite, der Verbriefungsmarkt und Initiativen der Kapitalmarktunion stärker unterstützt werden dürften. Es wird vermutlich auch genauere Untersuchungen und folglich Richtlinien geben, um Konsistenz sowie mehr Wettbewerbsgleichheit zwischen den Risiken von Banken und Nicht-Banken sowie Transparenz für Anleger in Bezug auf die Risiken, die sie eingehen, zu gewährleisten.

3. Institutionelle Investoren werden Alternative Fixed Income Produkte zunehmend akzeptieren

Die Suche nach Rendite bleibt in einem ertragsarmen, volatilen Umfeld ein wichtiges Thema. Diejenigen, die mit der illiquiden Natur der Anlageklasse umgehen können und diese akzeptieren, werden in Privatkrediten einen sicheren Hafen finden. Diese Vermögenswerte haben eine eingeschränkte Liquidität und marktnahe Bewertungen (mark-to-market), folglich erscheinen sie stabil.

Institutionelle Investoren (Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds, etc.) eignen sich von Natur aus eher für eine Beteiligung an der Finanzierung der Wirtschaft, da sie einen großen Anteil der langfristigen Rücklagen einnehmen. Die Infrastruktur, um dies zu vereinfachen, bleibt jedoch meistens bei den Banken, und die Investitionen müssen über die Kapitalmärkte und Partnerschaften kanalisiert werden. Die Partnerschaften haben nur schleppend zugenommen. Bei diesen Institutionen ist noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten, auch auf Ebene der Verwaltungsräte.

Zu guter Letzt scheinen Investoren hohe Renditeerwartungen an Private Debt Instrumenten zu haben, die gesteuert werden müssen. Momentan geht ein großer Anteil der Investitionen in die riskanteste Kategorie bei Privatkrediten (z.B. Direktkredite mit Renditeerwartungen von 6-10%). Das potenzielle Privatkredituniversum ist viel größer als das Universum von Krediten an Unternehmen aus dem Sub-Investment-Grade-Bereich mit dem gleichen Renditepotenzial (6-10%). Europäische Banken haben eine Nettozinsmarge von etwa 1,5% und vergeben Kredite zu einem durchschnittlichen Zinssatz von 2,5%. Der Großteil der traditionellen Bankprodukte sind sicherere Vermögenswerte. Diese können eine hervorragende Alternative zu traditionellen Anleiheprodukten sein. Einige dieser neuen Anlageklassen (wie niederländische Hypotheken) standen in jüngster Zeit in der Gunst von vielen institutionellen Anlegern, und es werden wahrscheinlich noch viele ähnliche Produktinitiativen stattfinden.

4. Fintechs werden reifer und regulierter mit neuen Kooperationen

Viele Unternehmen wurden mit dem Ziel gegründet, ein neues Geschäftsmodell in der Finanzdienstleistungsbranche einzuführen. 2017 wird für Fintechs vermutlich ein wichtiges Jahr, da viele dieser Geschäftsmodelle auf ihre Skalierbarkeit und ihre Fähigkeit, unter zunehmenden regulatorischen Kontrollen zu operieren, getestet werden. Der Markt wird die großen Unterschiede zwischen bestimmten Untersegmenten von Fintech-Unternehmen erkennen. Dienstleistungen im Bereich Zahlung und Blockchain werden wahrscheinlich die größte Disruption verursachen, und Privatkunden werden ihre Einlagen weiter diversifizieren.

Einigen neuen Unternehmen wird schlichtweg das Geld zur Unterstützung ihres Geschäftsmodells ausgehen. Der Markt wird vermutlich den wahren Wertbeitrag von „smarten Algorithmen" testen. Mit zunehmender wechselseitiger Abhängigkeit werden mögliche Ausfälle negative Auswirkungen auf andere Unternehmen innerhalb des Sektors haben. Fintech-Unternehmen werden außerdem erkennen, wie wichtig es ist, in einem regulierten Umfeld zu operieren, um Vertrauen aufzubauen und ihr Geschäftsmodell zu skalieren. Regulierungen ab einer gewissen Unternehmensgröße sind unvermeidlich und leider extrem teuer (Systeme, Know Your Customer [KYC], Kosten für Compliance und Risikomanagement). Im Gegensatz dazu gehören Risikomanagement und Compliance zu den Kernkompetenzen von Banken, und die damit verbundenen Kosten sind bereits inhärent.

Anstatt Fintech-Unternehmen als Wettbewerber anzusehen, werden Finanzdienstleister eher neue Möglichkeiten überprüfen, um Kooperationsmodelle für einen gegenseitigen Nutzen zu entwickeln. Darüber hinaus werden sie bewerten, bis zu welchem Grad sie innovative Geschäftsideen in ihr etabliertes Setup integrieren können. Viele Finanzdienstleistungsunternehmen (z.B. BBVA, Santander, Goldman Sachs, JP Morgan) haben etablierte Inkubationszentren, spezielle Aktivitäten im Bereich Risikokapital und M&A-Abteilungen, um die interessantesten Gelegenheiten zu ergreifen.

Eine neue Umfrage von Roland Berger bestätigt, dass über 85% der Fintech-Unternehmen eine stärkere Kooperation mit etablierten Banken erwarten. Der wichtigste Grund, der genannt wurde, war der Zugang zu einem größeren Kundenstamm. Dieser Ansatz kann gewährleisten, dass Geschäfts- oder Produktinnovationen in einem regulierten Umfeld skaliert werden können, eine Komfort-Zone geschaffen wird und letztendlich eine kritische Masse generiert wird.

Active managers wrong-footed on sector allocation in 2016

In 2016, only 8% of Europe managers and 14% of US managers outperformed their benchmarks net of fees. 39% of emerging markets managers could beat their benchmarks net of fees. The main reason for the weak performance of active managers in Europe and the US was the sector allocation. Over the whole year, the majority of funds had an underweight in energy and materials and those two sectors showed the best performance. On the other side, the overweights in healthcare and consumer staples hurt as those sectors showed the weakest performance. In addition and related to that, the value style outperformed growth and the majority of manager apply a growth style. Last but not least, the majority of active managers had a small- and mid-cap-bias and this market-cap spectrum only performed in line with the market or even underperformed in Europe.

In December, sectors like telecom, energy, utilities and financials showed the best performance. As the majority of the funds are underweight in those sectors, the sector allocation had a significant negative effect. As a consequence, only 20% of US-managers and 22% of Europe managers could beat their benchmark. In the emerging markets, 48% of the managers outperformed net of fees.

Please find the full January 2017 edition of the ifund research news including charts and a summary of manager meetings attached on the left.

Schwellenländeraktien: Erster realer Gewinnzuwachs seit 2013 erwartet

von Mathieu Nègre, Head of Global Emerging Equities – Union Bancaire Privée. 

Laut Bloombergs veröffentlichten Konsensschätzungen werden die Schwellenländeraktienmärkte dieses Jahr mit 14 Prozent das stärkste Gewinnwachstum verzeichnen. Im Vergleich dazu werden für die Märkte in den USA voraussichtlich zwölf Prozent, in der EU 13 Prozent und in Japan sieben Prozent erwartet. Von den Schwellenländeraktienmärkten dürfte die EMEA-Region mit 16 Prozent das Feld anführen, gefolgt von Lateinamerika mit 15 Prozent und Asien mit 13 Prozent. Auf den ersten Blick erscheint die für 2017 erwartete Gewinnsteigerung von 14 Prozent im Vergleich zu 2016 wie eine Verlangsamung. Die Ergebnisse für das Gewinnwachstum in 2016 basierten jedoch auf Unternehmensverlusten von 2015; diese waren 2016 in die Gewinnzone zurückgekehrt. Wird dieser Effekt ausgeklammert und ausschließlich Unternehmen mit positiven Gewinnen berücksichtigt, ist 2016 allerdings das dritte Jahr in Folge gewesen, in denen Unternehmen Gewinnrückgänge verzeichneten. 2017 wird somit zum ersten Mal seit 2013 wieder ein realer Gewinnzuwachs erwartet.

Das Gewinnwachstum weist für 2017 zwischen den einzelnen Schwellenländern allerdings beträchtliche Unterschiede auf: Unter den größeren Ländern werden  Südafrika (25 Prozent), Indien (22 Prozent) und Mexiko (20 Prozent) die höchsten Wachstumswerte zugeschrieben. Für Malaysia, die Philippinen und Thailand wird lediglich eine Zunahme im einstelligen Bereich vorausgesagt. Dazwischen liegen China, Brasilien und Russland, deren Gewinne rund 13-15 Prozent wachsen dürften. Als stärkste Wachstumssektoren in den Schwellenländern werden der Energiesektor (27 Prozent), Industriewerte (22 Prozent), IT (21 Prozent) und der Gesundheitssektor (20 Prozent) gewertet. Dicht gefolgt werden sie von zyklischen und nichtzyklischen Konsumgütern sowie von Telekommunikationsdienstleistungen, die ein Gewinnwachstum von rund 18 Prozent verzeichnen dürften. Die Vorhersagen für den Finanzsektor (acht Prozent), Werkstoffe (zwei Prozent) und die Versorgungsbranche (ein Prozent) sind  am pessimistischsten. 

Sicherlich werden diese Prognosen in den kommenden Monaten noch deutlich revidiert werden, wenn die neue US-Regierung ihre wirtschaftlichen Prioritäten festgelegt hat. Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird einige Zeit in Anspruch nehmen; es wird sogar noch länger dauern, bis Analysten ihre Gewinnerwartungen angepasst haben. Zurzeit bestehen noch zu viele Unsicherheiten in Bezug auf die neue Ausrichtung der US-Wirtschaftspolitik. Dennoch ist es möglich, einige Risiken auf Basis bereits bekannter Fakten in Bezug auf das Gewinnwachstum zu diskutieren: Ein klares Wahlversprechen von Trump war das Ankurbeln von Infrastrukturinvestitionen durch eine expansive Fiskalpolitik. Dies dürfte die Gewinnprognosen für den Werkstoffsektor und Rohstoffproduzenten wie Brasilien, Südafrika und Russland positiv beeinflussen. Auf Russland wird sich allerdings die angekündigte erhöhte Schieferölproduktion der USA negativ auswirken, da durch das steigende Angebot Ölpreise betroffen wären. Aus demselben Grund könnte es im Energiesektor der Schwellenländer zu Gewinnkorrekturen kommen. 

Außerdem machte Trump im Wahlkampf deutlich, dass er die Zuwanderung und den internationalen Handel beschränken würde. Dafür stehen verschiedenste Handlungsoptionen zur Verfügung – von günstigen und relativ leicht umsetzbaren Maßnahmen, wie etwa kommunikativ Handelspartner als Währungsmanipulatoren zu bezeichnen, bis hin zu kostspieligen Veränderungen wie die flächendeckende Einführung von Importzöllen. Jede dieser Handlungen könnte Schwellenländergewinne in unterschiedlichem Maße beeinträchtigen. Obwohl eine Prognose derzeit schwierig ist, dürften Mexiko, Südkorea und Taiwan am ehesten von Gewinnrevisionen betroffen sein. Große Länder wie Indien, Brasilien und Indonesien, die nicht so stark exportabhängig sind, kämen glimpflicher davon. 

Die Tragweite der Handelsrestriktionen dürfte dadurch beschränkt werden, dass diese auch mit Kosten für US-Verbraucher und amerikanische Unternehmen verbunden sind. Hierdurch steigt allerdings die Gefahr, dass aufgrund von unrealistischen Szenarien zu pessimistische Einschätzungen für exportierende Schwellenländer abgegeben werden. Man darf nicht vergessen, dass der Handel zwischen den Schwellenländern in den letzten Jahren zugenommen hat und, dass die Schwellenländer insgesamt in geringerem Umfang auf den Handel mit den USA angewiesen sind. Die anhaltende Neuausrichtung des chinesischen Wirtschaftsmodells mit einem stark expandierenden Dienstleistungssektor und steigendem Konsum könnte helfen und mögliche Schocks durch die USA-Maßnahmen abfedern. Das Zinsumfeld könnte als weiterer Faktor die Schwellenländer belasten. Eine längere Phase expansiver Fiskalpolitik in den USA könnte zu höheren Zinsen führen, was sich wiederum negativ auf das Gewinnwachstum in den Ländern auswirken würde, die von Auslandskrediten abhängig sind. Zwei Staaten mit einem großen Leistungsbilanzdefizit sind zum Beispiel die Türkei und Südafrika.

Zu guter Letzt dürften bei möglichen Gewinnkorrekturen auch die Wechselkurse eine wichtige Rolle spielen. In der Woche nach der amerikanischen Wahl verlor der JP Morgan EM Currency Index gegenüber dem US-Dollar mehr als vier Prozent. Von diesem Gesamtwert einmal abgesehen, gibt es eine große Anzahl von Schwellenländern, die von der wahrgenommenen Wechselkursanfälligkeit abhängig sind. Aus naheliegenden Gründen war der mexikanische Peso am stärksten betroffen. Er gab im selben Zeitraum  zwölf Prozent gegenüber dem US-Dollar nach. Danach folgten der brasilianische Real und der südafrikanische Rand, zwei hochverzinste Währungen, die vor den Wahlen bevorzugt für Carry Trades eingesetzt wurden. Sie fielen gegenüber dem US-Dollar um acht Prozent. In diesen Ländern werden bei Unternehmen mit einer hohen Verschuldung in Fremdwährungen oder hohen Importkosten wahrscheinlich Abwärtskorrekturen für die Gewinnprognosen vorgenommen werden müssen, während sie für Exporteure nach oben revidiert werden könnten. Am anderen Ende des Spektrums sind Länder wie Indien und China, deren Währungen keine erheblichen Schwankungen verzeichneten.

Ein großer Unterschied zwischen der derzeitigen potenziellen Aufwertung des US-Dollars und früheren Schwellenländerkrisen wie beispielsweise 1994 und 1997 besteht darin, dass die meisten Währungen mittlerweile frei schwanken und sich rasch an Veränderungen anpassen, wie dies derzeit beim mexikanischen Peso, brasilianischen Real und südafrikanischen Rand der Fall ist. Durch den Wertverlust ihrer Währungen sind diese Länder bereits wettbewerbsfähiger geworden und haben somit eine mögliche Anhebung der Zölle  teilweise ausgeglichen. 

Zusammengefasst: Obwohl derzeit nicht ganz sicher ist, wie sich die Gewinnsituation in diesem Jahr gestalten wird, dürfte sich die Gewinnerholung der Schwellenländer aus dem vergangenen Jahr weiter fortsetzen. Eine zentrale Annahme bei dieser Einschätzung ist, dass Restriktionen des US-Handels aufgrund ihrer möglichen negativen Folgen für US-Unternehmen und amerikanische Verbraucher überschaubar bleiben werden, während die neue US-Regierung die geplante Ausdehnung ihrer Fiskalpolitik vorantreiben dürfte. Innerhalb der Schwellenländer und der Sektoren könnten so Gewinne aus Ländern und von Unternehmen, die von US-Exporten abhängig oder stark in Fremdwährungen verschuldet sind, zu Unternehmen abwandern, die von höheren Rohstoffpreisen, einem niedrigen Wechselkurs, geringer Verschuldung und wachsendem Binnenkonsum profitieren. Schwellenländeraktien werden als Assetklasse somit weiterhin von der wahrscheinlichen Konjunkturerholung und ihrem demografischen Potenzial profitieren.

Was die Märkte im Jahr 2017 bewegt – ein Ausblick der GAM-Experten

Das vergangene Jahr war vor allen eins: turbulent. Es war geprägt von zahlreichen, teilweise sehr überraschenden Ereignissen in Politik, Wirtschaft und an den Finanzmärkten. Daher fragen sich viele Investoren, welche Entwicklungen das gerade angebrochene Jahr prägen könnten und worauf sie besonders achten sollten. Aus diesem Grund geben Anlageexperten von GAM mit Investmentexpertisen aus unterschiedlichen Bereichen in den folgenden Kurz-Statements einen Ausblick auf das Jahr 2017 und erläutern, welche Ereignisse ihrer Einschätzung nach eine zentrale Rolle spielen dürften.

Vorhang auf für... Fed und EZB

von Larry Hatheway, Chefökonom und Head GAM Investment Solutions.

„Die Geldpolitik wird 2017 für die Finanzmärkte ein entscheidender Faktor sein. Die Zentralbanken stehen hier klar im Mittelpunkt“, sagt Larry Hatheway. Es stelle sich die Frage, wie die US-Notenbank (Fed) auf die milliardenschweren Infrastrukturpläne des designierten US-Präsidenten Donald Trump reagieren werde. Außerdem sei noch unklar, wie weit Fed-Präsidentin Janet Yellen und ihre Kollegen angesichts der guten Beschäftigungszahlen die Geldpolitik an eine fiskalische Expansion in den USA anpassen werden. In Europa hat die Europäische Zentralbank (EZB) bereits eine leichte Drosselung ihrer künftigen Wertpapierkäufe angekündigt. „Sofern das Wachstum robust bleibt und höhere Ölpreise die Inflation in der Eurozone ankurbeln, würden die Entwicklungen in den USA und Europa die Ausrichtung auf weltweit höhere Anleihenrenditen rechtfertigen. Es bleibt abzuwarten, ob eine heftige Marktreaktion oder Schlimmeres vermieden werden kann, wenn beide Zentralbanken ihre Geldpolitik straffen“, so Hatheway.

Richtungswahlen entscheiden über die Zukunft Europas

von Charlie Hepworth, Investment Director des Multi Asset Class Solutions Team von GAM.

„Das Jahr 2016 war ohne Zweifel ein Jahr der politischen Schocks und endete bezeichnender Weise mit der Niederlage des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi bei seinem Reformreferendum. Wer dachte, dass 2016 an überraschenden politischen Wendungen kaum zu überbieten sei, könnte 2017 eines Besseren belehrt werden: In den Niederlanden, Frankreich und Deutschland stehen Parlamentswahlen an – in diesen Ländern werden fast 40 Prozent des gesamten europäischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet“, so Charlie Hepworth. Starke Stimmengewinne nationalistischer Parteien bei diesen Wahlen könnten den europäischen Traum erschüttern, und selbst das Aus des Euro ist dem Experten zufolge im ungünstigsten Fall nicht auszuschließen. 

Frankreich am Scheideweg – Republikanische Wirtschaftsreformen oder Populismus? 

von Niall Gallagher, Investment Director für europäische Aktien. 

„Die französischen Präsidentschaftswahlen haben aus unserer Sicht zentrale Bedeutung. Ein Wahlsieg von François Fillon könnte den längst überfälligen strukturellen Wandel in der Wirtschaft bringen“, erklärt Niall Gallagher. Trotz der weitverbreiteten Negativ-Meinungen sei Frankreich allerdings eine höchst produktive Volkswirtschaft, die bedeutende technologische Innovationen erbringe. Zudem sei das Bildungssystem hervorragend. Übermäßige Regulierung, Bürokratie und überhöhte Steuern seien jedoch hinderlich. „Jeder Schritt, der die Steuerlast und den staatlichen Einfluss verringert und das Leben für Unternehmer und Wertschöpfer leichter macht, könnte das Wirtschaftswachstum in Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas, stärken“, analysiert Gallagher.

 von Enzo Puntillo, Head of Fixed Income in Zürich. 

Im Gegensatz zu anderen populistischen Parteien in Europa, scheine Marine Le Pen von der Front National eine klare politische Agenda zu haben. Laut Enzo Puntillo würde ein Wahlsieg der Politikerin die Gefahr bergen, dass Frankreich aus der Eurozone herausgerissen wird. „Würde Frankreich aus der Eurozone ausscheiden, hätte das nicht nur verheerende Auswirkungen auf Europa. Der Abwertungstrend des Euro gegenüber dem US-amerikanischen Dollar könnte weiter an Fahrt gewinnen, was Auswirkungen auf alle Investments hätte, die sensibel auf den Dollarkurs reagieren“, erläutert der Experte.

Unsicherheit über künftigen Kurs der USA

von Tim Haywood, Investment Director für festverzinsliche Absolute-Return-Strategien.

Vergleiche zwischen der Amtszeit von Ronald Reagan und der beginnenden Präsidentschaft von Donald Trump rufen bei Tim Haywood Bedenken hervor: „Die ‚Visionen‘ beider Politiker sind möglicherweise ähnlich. Doch als Reagan Präsident wurde, bewegten sich die Anleiherenditen auf einem Allzeithoch und die Kurse entsprechend auf einem Allzeittief. Vor dem Start der Trump-Administration ist es genau anders herum“, erläutert Haywood. Während Reagan zu Beginn der größten Aktienhausse der jüngeren Geschichte regierte, werde die erste Amtszeit von Trump wohl von steigenden Zinsen geprägt werden. Zudem trieben Sorgen um eine deutlich schnellere Straffung der US-Zinsen die Kreditmärkte um: „Das Problem passiver Anlagen besteht darin, dass die entsprechenden Indizes nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. Das heißt, dass die Emittenten mit den meisten ausstehenden Anleihen die bedeutendsten Indexkomponenten sind. Und nachdem die Renditen mittlerweile so weit gesunken sind, verfügen einige Emittenten über sehr wenig Spielraum, um einen schnellen Zinsanstieg abzufangen“, so Haywood.

Japan: Auftrieb für den Arbeitsmarkt

von Reiko Mito, Portfoliomanagerin für japanische Aktien.

„Die japanische Regierung plant derzeit einer Reihe von Arbeitsmarktreformen. So soll erstens die steuerliche Ehegattenvergünstigung überarbeitet werden, denn momentan haben Frauen in Teilzeitbeschäftigung keinen Anreiz, mehr als eine bestimmte Stundenanzahl zu arbeiten. Zweitens sollen Steuervergünstigungen für die Beschäftigung von Au-pairs eingeführt werden, damit berufstätige Mütter eher Au-pairs einstellen. Außerdem sollen ausländische Au-pairs einen leichteren Zugang zum japanischen Arbeitsmarkt bekommen. Die Maßnahmen sollen dazu beitragen, die demografischen Probleme in Japan zu lindern“, sagt Mito. 

Energie: Sanktionen gegen den Iran und der Ölpreis

von Roberto Cominotto, Investment Director für Energieaktien.

Nach der Aufhebung der Sanktionen im Januar 2016 hat der Iran seine Ölproduktion kräftig angekurbelt. Das von den USA angeregte Atomabkommen wurde von Präsident Barack Obama ohne Zustimmung des republikanischen Kongresses unterzeichnet und wird von Donald Trump scharf kritisiert. Eine Mehrheit der Republikaner ist für eine Wiederaufnahme der Sanktionen gegen den Iran oder zumindest für Neuverhandlungen des Atomabkommens. „Eine solche Entwicklung könnte die Ölförderung im Iran erheblich beeinträchtigen, während das Angebot am Markt ohnehin knapper wird. Dies würde zu höheren Ölpreisen führen“, erläutert Roberto Cominotto.

Weichen im US-Gesundheitssystems werden neu gestellt

von Christophe Eggmann, Investment Director für Healthcare-Aktien.

Der Fokus im Bereich Healthcare-Investments richtet sich auf die USA. „Es besteht eine gewisse Unsicherheit darüber, wie der Mechanismus zur Aufhebung der Krankenversicherung für rund 20 Millionen Menschen aussehen soll“, so Eggmann. „Tom Price, der voraussichtliche Gesundheits- und Sozialminister der Trump-Administration, hat jedoch einen Plan. Sein ‚Empowering Patients First Act‘ soll die Versicherungsdeckung in eine fundamental andere Richtung lenken: Die obligatorische Versicherung und medizinische Versorgung soll durch einen marktwirtschaftlichen Ansatz ersetzt werden. In diesem Stadium lässt sich schwer sagen, wer die Gewinner und Verlierer sein werden. Wir erwarten aber nicht, dass diese Reformen den Lebensnerv der Branche gefährden. Venture Capital wird wohl auch weiterhin den Innovations- und Produktzyklus antreiben.“

In Europa lohnt sich der Blick über die Schlagzeilen hinaus

Der Brexit, die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, das gescheiterte Verfassungsreferendum in Italien – es waren Themen wie diese, die 2016 für Investoren zu einem von politischer Unsicherheit geprägten Jahr machten. Und es sind Themen wie diese, die auch 2017 bestimmen dürften. Diese Ansicht vertritt zumindest Dean Tenerelli, Portfoliomanager der European Equity Strategy von T. Rowe Price, insbesondere mit Blick auf Großbritannien: „Die Entscheidung für den Brexit war ein entscheidender Moment für Europa, aber ihre gesamte Tragweite ist nach wie vor nicht absehbar. Die Zahl der mit dem Brexit zusammenhängenden Faktoren, die den Markt beeinflussen könnten, ist bemerkenswert hoch.“ Hinzu kämen eine Reihe von Wahlen in verschiedenen europäischen Ländern sowie die Unsicherheit über den künftigen Kurs der Notenbanken und die Wirkung der bisherigen geldpolitischen Maßnahmen.

Anleger sollten ganz genau hinschauen

Der Fondsmanager empfiehlt Investoren jedoch, sich nicht ausschließlich auf die politisch geprägten Schlagzeilen zu konzentrieren. Wer das tut, könnte nämlich viele positive Entwicklungen verpassen. „Die Lage in Europa verbessert sich“, erläutert Tenerelli. „Es gibt Hinweise auf eine milde Erholung. Auch die globalen Wachstumserwartungen sind positiver als noch vor zwölf Monaten.“ Dazu beigetragen hätten unter anderem die wachstumsorientierte wirtschaftspolitische Haltung von Donald Trump und die Stabilisierung der chinesischen Konjunktur. 

Ein Blick auf den Aktienmarkt zeige zudem, dass die Bewertungen vernünftig seien und Spielraum für eine substanzielle Erholung böten, falls es zu einem nachhaltigen Anstieg der Unternehmensgewinne käme. „Die Gewinnerwartungen scheinen einen Tiefpunkt erreicht zu haben“, erklärt Tenerelli. „Inzwischen gibt es Anzeichen dafür, dass sich das Momentum dreht. Die jahrelangen Gewinnrevisionen nach unten könnten damit ein Ende finden.“ Den Kern der europäischen Investmentstory bilde aber nach wie vor das Bewertungsargument – insbesondere im Vergleich zu anderen Regionen. „Relativ zu anderen globalen Märkten weisen europäische Aktien einen deutlichen Bewertungsabschlag auf. Vor allem die Bewertungsunterschiede zwischen Europa und den USA sind derzeit groß“, so Tenerelli weiter. 

Der Bankensektor erholt sich allmählich

Gleichzeitig gehörten viele negative Einflüsse der vergangenen Jahre inzwischen tatsächlich der Vergangenheit an – etwa die Wachstumsschwäche der Schwellenländer oder der Preisverfall auf den Rohstoffmärkten. „Inzwischen leistet selbst Europas Bankensektor wieder einen Beitrag zur Geschichte rund um das wiederauflebende Gewinnwachstum“, erläutert der Fondsmanager. „Nachdem die Gewinnerwartungen in den vergangenen Jahren auf sehr niedrige Niveaus gefallen waren, gab es zuletzt tatsächlich einige positive Überraschungen.“ Weil die Zinskurve derzeit steiler werde und die Zinsen einen Boden gefunden hätten, sei der Ausblick für Banken insgesamt positiver. Schließlich bestehe deren Geschäftsmodell daraus, sich kurzfristig Geld zu leihen und es langfristig zu verleihen, um vom Anstieg der Zinskurve zu profitieren. Zudem habe sich auch das regulatorische Umfeld der europäischen Finanzbranche stabilisiert. Tenerelli hat daher seine bisherige Untergewichtung der Branche reduziert, konzentriert sich aber weiterhin auf Qualitätstitel innerhalb des Sektors.

Ausgebaut hat Tenerelli zudem sein Engagement in regulierten italienischen Versorgungsunternehmen. „Italien leidet sicher unter einer Reihe von Problemen“, erklärt der Experte. „Die regulierten Versorger des Landes durchlaufen derzeit jedoch eine vom Staat initiierte Phase der Konsolidierung. Die größeren Unternehmen der Branche könnten daher vom Bestreben der Regierung profitieren, die Zahl der kleinen, ineffizienten Versorger zu reduzieren.“

Rohstoffausblick 2017

Zwar werden Rohstoffe von vielen Markteilnehmern als eine einzige Anlageklasse erachtet. Tatsächlich weist aber jeder Rohstoff eigene fundamentale Treiber auf, so Nitesh Shah, Commodity Strategist bei ETF Securities. Die Korrelation zwischen Rohstoffen ist historisch gesehen relativ gering. In diesem Ausblick geben wir einen Überblick über unsere Ansichten zu den wichtigsten Rohstoffen innerhalb jeder Unterkategorie. Den vollständigen Ausblick von ETF Securities für 2017 finden Sie hier.

Gold und Silber: kurzfristig unter Druck, mittelfristig stark

Wir gehen weiter davon aus, dass die Fed die Zinsen im Dezember 2016 erhöhen wird. Zwar waren die Präsidentschaftswahlen mit einer gewissen politischen Unsicherheit behaftet. Trumps wachstumsfördernde Politik dürfte sich aber inflationär auswirken. Die Gold- und Silberpreise dürften im Vorfeld der Zinserhöhung kurzfristig unter Druck geraten. Die Fed wird unseres Erachtens aber hinter der Kurve zurückbleiben und die Zinsen nicht so schnell erhöhen wie die Inflation steigt, sodass die Realzinsen sehr niedrig bleiben. Gemäß den neuesten Dotplot-Prognosen des geldpolitischen Ausschusses der Fed zu angemessenen Maßnahmen dürfte die Zentralbank die Zinsen 2017 nur zweimal anheben. Niedrige Realzinsen wirken günstig auf den Goldpreis. Unseres Erachtens liegt der faire Wert von Gold bei 1440 USD/oz. (aktueller Preis: 1190 USD/oz.).

Silber ist eng mit Gold korreliert, sodass der Silberpreis ebenfalls steigen dürfte. Im Gegensatz zu Gold, das wie eine Währung behandelt wird, wird der Silberpreis auch durch das physische Angebot und die Nachfrage bestimmt. Unter Berücksichtigung der rückläufigen Mineninvestitionen und einer zunehmenden Aktivität im Industriesektor schätzen wir den fairen

Wert von Silber auf 23 USD/oz. (aktueller Preis: 17 USD/oz.). Die spekulativen Gold- und Silberpositionen haben ausgehend von ihren im Juli verzeichneten Hochs nachgegeben, bleiben aber erhöht, da die Anleger eine Absicherung gegen geopolitische Risiken anstreben. Das Verfassungsreferendum in Italien, die Präsidentschaftswahlen in Frankreich und die Bundestagswahlen in Deutschland sind nur einige der im kommenden Jahr anstehenden politischen Ereignisse. Wann und ob Großbritannien den EU-Austrittsprozess in Gang setzen wird, ist nach wie vor unklar. Der zunehmende Populismus stellt eine Gefahr für die Stabilität dar, und die Anleger werden eine Absicherung gegen dieses Risiko anstreben.

Ölmarkt weiter auf dem Weg zu einem Gleichgewicht

Unseres Erachtens dürfte der Ölpreis weiter in einer Spanne zwischen 40-55 USD/Barrel verharren, bis es zu deutlichen Produktionskürzungen kommt.

Der Markt nähert sich weiter einem Angebots-Nachfrage-Gleichgewicht an. Der Weg dahin ist aber steinig. Seit dem Beginn des Ölpreisverfalls im November 2014 wurden die Investitionen in die Öl- und Gasbranche um beinahe 1 Bio. USD gekürzt. Dies dürfte das Angebot ab 2017 allmählich schmälern.

Die OPEC hat zudem Produktionskürzungen von 33,4 Mio. Barrel (September 2016) auf 32,5-33 Mio. Barrel in Aussicht gestellt. Allerdings hängt die Bereitschaft der OPEC vom Engagement der Länder außerhalb der OPEC ab. Auf den vorbereitenden Sitzungen zwischen den OPEC- und einigen Nicht-OPEC-Mitgliedsstaaten konnten bisher keine Fortschritte in Richtung einer Einigung erzielt werden. In großen Nicht- OPEC-Ländern wie Russland, Brasilien und Kasachstan werden neue Produktionsanlagen in Betrieb genommen, in die vor Jahren investiert wurde. Zudem wollen zahlreiche OPEC-Mitglieder von Produktionskürzungen ausgenommen werden, wodurch Länder wie Saudi-Arabien und andere Mitglieder des Golf-Kooperationsrates die Last zu tragen hätten.

Trotz dieser Schwierigkeiten könnte der Markt bereits im ersten Quartal 2017 zu einem Gleichgewicht finden, sofern es der OPEC auf ihrer Sitzung am 30. November gelingt, die Produktionskürzungen unter den Mitgliedsstaaten aufzuteilen und danach an den Förderquoten festzuhalten. Unseres Erachtens dürfte die OPEC aber erst im zweiten Quartal 2017 in der Lage sein, die Produktion auf 33 Mio. Barrel zu drosseln, und der Markt würde entsprechend erst im dritten Quartal 2017 zu einem Gleichgewicht finden.

Die Ölförderung in den USA wird weiterhin preissensibel bleiben. Angesichts der kurzfristigen Breakeven-Preise für Schieferöl von 40 USD/Barrel dürfte die US-Produktion wachsen. Dies dürfte das Aufwärtspotenzial der Preise in der ersten Hälfte des neuen Jahres auf 55 USD/Barrel begrenzen.

Das Versprechen des designierten Präsidenten Donald Trump, auf eine Energieunabhängigkeit hinzuarbeiten, könnte einen Anstieg der US-Ölförderung nach sich ziehen. Dieses Ziel soll allerdings erst auf Sicht von sechs Jahren erreicht werden, sodass in diesem Jahr nicht mehr mit einem Anstieg der Produktion zu rechnen ist.

Sollte es in der zweiten Hälfte 2017 zu deutlichen Produktionskürzungen kommen und die Produktionsdefizite die erhöhten Lagerbestände sinken lassen, dürfte der Ölpreis auf über 55 USD/Barrel klettern.

Korrektur bei Industriemetallen vor nächster Rally

Industriemetalle verzeichneten 2016 eine starke Rally, da die Angebotsdefizite zunehmend ins Bewusstsein gerückt sind. Selbst Kupfer, das sich in der ersten Jahreshälfte schwach entwickelt hatte, verbuchte in den letzten Wochen einen starken Anstieg. Da sich aus fundamentaler Sicht kaum etwas verändert hat, befürchten wir, dass die Gewinne zum Teil durch umfangreiche spekulative Käufe aus China bedingt sind, sodass kurzfristig eine Korrektur möglich ist.

Im Vorfeld des 19. Nationalkongresses der Kommunistischen Partei Chinas im Herbst 2017 streben die chinesischen Behörden politische Stabilität an. Dies könnte zur Folge haben, dass die Reformpläne in den Hintergrund rücken und die Überproduktion einiger Metalle in China weiter anhält.

Der zunehmende Populismus in anderen Teilen der Welt dürfte höhere Infrastrukturausgaben nach sich ziehen, was wiederum die Nachfrage nach Industrierohstoffen beflügeln dürfte. Beispielsweise hat Donald Trump bis zu 1 Bio. USD an Infrastrukturausgaben versprochen (diese sollen durch eine Kombination aus Steuergutschriften und Krediten des Privatsektors finanziert werden). Dies dürfte nach der oben beschriebenen kurzfristigen Korrektur einen Anstieg der

Industriemetallpreise nach sich ziehen. Auch andere politische Risiken könnten sich auf die Preise für Industriemetalle auswirken. So haben z.B. die Philippinen kürzlich mit einem Verbot von Erzausfuhren gedroht. Das Verhältnis von Präsident Duterte zu den USA dürfte sich unter der Regierung Trump allerdings verbessern. Aufgrund der neuen politischen Annäherung an China dürften zudem zumindest die größten Abnehmer weiterhin von Erzexporten profitieren.

La Niña dürfte für bessere Wachstumsbedingungen in der Landwirtschaft sorgen

Das zu erwartende Wetterphänomen La Niña dürfte im Sommer auf der Südhalbkugel für kühlere Temperaturen sorgen und damit die Hitzeschäden bei Arabica-Kaffee, Mais und Sojabohnen begrenzen. Die aktuelle Regensaison hat zu einer starken Blütenbildung bei den Kaffeesträuchern in Brasilien geführt, was auf eine gute Ernte in diesem Jahr schließen lässt.

Eine stärkere Schneedecke in Nordamerika während La Niña könnte zudem Winterweizen zugutekommen. Die Reservoirs in Indien sind – nach der enttäuschenden Monsunzeit im letzten Jahr – dank der wieder normalen Regenmenge in diesem Jahr nun wieder gefüllt. Diese günstigen Bedingungen dürften zu einem Rückgang des Produktionsdefizits bei Zucker beitragen. Die Aufhebung der Produktionsobergrenze für Zucker im Oktober 2017 durch die EU dürfte zu einem Anstieg des Angebots an Zuckerrüben in Europa führen und die Nachfrage nach Rohrohrzucker senken, was die Preise ebenfalls belasten dürfte.

What the Year of the Fire Rooster holds in store for us

In the Chinese calendar, the current year – the Year of the Fire Monkey – is also drawing to a close. The prediction that it would be a year full of changes that could affect coming years arguably has proven to be true. Unexpected political events, including the Brexit vote and the results of the US presidential election, shook the capital markets, yet none of these headlines resulted in any severe, lasting market disruptions. With regard to (geo)politics, the global economy and monetary policy, will the focus now shift back more toward fundamental drivers?

To begin with, the new year also promises to be a highly political one. In the US, President-Elect Donald J. Trump will take office on 20 January 2017. So far, it is unclear which of his campaign promises Trump will ultimately be able to fulfil. In Europe, the Dutch, French, Germans and possibly even the Italians will go to the polls and in the spring the Brexit negotiations are set to begin. Worries about gains by populist parties may cause politicians to focus more on pandering to voters and less on implementing structural reforms in super election year 2017.

Nevertheless, the global economy has proven to be quite resilient in the face of the recent unexpected developments. In virtually every major region, the economy is now trending upward or has at least stabilized. This, combined with a recovery in commodity prices, should mean that consumer prices will continue to increase over the next few months; i.e., for the time being, signs seem to be pointing toward reflation instead of deflation.

Unlike in the US, though, inflation in the Eurozone and Japan should be significantly lower than the central banks’ targeted level. The divergence in monetary policy on different continents therefore continues to be a central theme for investors. All in all, global monetary policy remains expansionary. However, as inflation rates gradually return to normal, there are increasing signs that central-bank liquidity may reach its peak in the foreseeable future – possibly by the beginning of 2018.

What does this augur for the financial markets?

The prevailing “reflation theme” is currently supporting the equity markets. Still, the super election year 2017 could cause some surprises and occasional financial market volatility (although investors seem to have grown accustomed to the unexpected).

With inflation expected to increase and central banks likely not to adopt further expansionary measures, upward pressure on yields in the bond markets will persist, especially in the US. For the time being the Dollar’s strength should continue, given diverging monetary policies.

In an environment of lower trend growth, alpha will continue to predominate. One thing is certain: 2017 will be another exciting year. It’s a good thing that the Chinese calendar year beginning on 28 January is the Year of the Fire Rooster – because strong-willed fire roosters remain cool-headed, even when facing unexpected situations.

Please find the latest Capital Markets Monthly attached on the left or at Allianz Global Investors.

Der Bullenmarkt bei US-Aktien dürfte auch 2017 weiter anhalten

Die weltweiten Aktienmärkte haben im vergangenen Jahr immer wieder Phasen hoher Volatilität erlebt. Anfang des Jahres sorgten Bedenken hinsichtlich des globalen Wirtschaftswachstums und der Verfall der Rohstoffpreise für Kursschwankungen – später im Jahr das überraschende Brexit-Votum und der Wahlsieg Donald Trumps. In diesem schwierigen Umfeld hat der US-amerikanische Aktienmarkt sich als robust erwiesen. Aufgrund der teils hohen Bewertungen gab es über das Jahr gesehen zwar eine Rotation in günstiger bewertete Märkte. Larry Puglia, Portfoliomanager der T. Rowe Price Blue Chip Growth Strategy, ist aber der Meinung, dass es auch im aktuellen Marktumfeld immer noch interessante Investmentmöglichkeiten im US-Universum gibt und der Bullenmarkt sich auch in diesem Jahr fortsetzen dürfte.

Günstigere Bewertungen bieten nicht zwingend bessere Anlagechancen

„Die Bewertungen insgesamt sind weiterhin recht attraktiv, selbst dann, wenn die Ertragsaussichten künftig möglicherweise etwas bescheidener ausfallen. Das gilt vor allem im Vergleich zu den niedrigen Erträgen, die Staatsanleihen liefern. So war die Spanne zwischen den Gewinnrenditen von amerikanischen Aktien und zehnjährigen US-Staatsanleihen zum Ende des letzten Jahres so attraktiv wie nie zuvor“, erklärt Puglia. Die Free-Cashflow-Renditen vieler Unternehmen lagen im Bereich von zehn Prozent und somit wesentlich über den knapp zwei Prozent, die zehnjährige US-Staatsanleihen geboten haben. „Allein diese Zahlen scheinen zu zeigen, dass US-Aktien fortlaufend Value bieten“, so der Portfoliomanager.

Zwar sei das Bewertungsniveau des amerikanischen Marktes höher als das anderer entwickelter Aktienmärkte, doch Puglia sieht darin keinen Nachteil für Investoren: Die günstigeren Bewertungen, beispielsweise an den europäischen Aktienmärkten, bedeuten nicht unbedingt, dass es dort auch bessere Anlagemöglichkeiten gibt. Die Gründe für das niedrige europäische Bewertungsniveau sieht Puglia im nach wie vor schwachen Wirtschaftswachstum, bisher kaum wirkungsvollen Anreizprogrammen, negativen Zinsen und der Anfälligkeit nahezu der gesamten Region für politische Risiken begründet. „Die kommende Präsidentschaft Donald Trumps ist zwar eindeutig ein Element der Unsicherheit im US-amerikanischen Kontext, doch die Wirtschaft wächst weiterhin stärker als in allen anderen wichtigen Volkswirtschaften. Zudem ist davon auszugehen, dass sich die Gewinne der US-Unternehmen im laufenden Jahr verbessern werden. Aufgrund dieser Entwicklungen ergibt es durchaus Sinn, dass das Bewertungsniveau von US-Aktien höher ist – ganz einfach, weil auch die Ertragsaussichten besser erscheinen.“ Die Tatsache, dass sich die Aktienbewertungen in den USA in der Nähe von Allzeithochs bewegen, sei daher nahezu irrelevant. „Wir sind der Meinung, dass amerikanische Standardwerte derzeit angemessen bewertet sind“.

Gerade in volatilen Zeiten ist der richtige Blickwinkel zentral

Noch ist nicht abzusehen, welche Entwicklungen die Aktienmärkte in 2017 besonders beschäftigen werden. Laut Portfoliomanager Larry Puglia ist es daher besonders wichtig, einen langen Anlagehorizont zu verfolgen und sich nicht von kurzfristigen Marktschwankungen beeinflussen zu lassen. „Wenn wir kurze Phasen der Underperformance erleben, reagieren wir nicht indem wir unsere Strategie grundlegend ändern. Wir bauen unsere Portfolios zielgerichtet so auf, dass sie in vielen verschiedenen Marktszenarien stabile Erträge erwirtschaften können – und nicht nur in einem bestimmten wirtschaftlichen Umfeld funktionieren. Auf diese Weise bieten wir Investoren langfristige Anlagelösungen und können Investmentchancen nutzen, wenn sie sich ergeben: Setzen am Markt beispielsweise relativ wenige Investoren auf Wachstumsaktien, dann sind die Aktien von Qualitätsunternehmen häufig zu günstigen Preisen zu haben“, schließt Puglia.

Rosige Zukunft für Indiens Wirtschaft

von Avinash Vazirani, Fondsmanager des Jupiter India Select SICAV.

Die indische Wirtschaft wird 2017 infolge der unerwarteten Demonetarisierung der Regierung voraussichtlich einigen kurzfristigen Turbulenzen ausgesetzt sein. Entwicklungen, wie die Einführung einer nationalen Steuer auf Güter und Dienstleistungen (GST) sowie mögliche niedrigere Zinssätze, dürften sich auf lange Sicht für die Zukunft des Landes jedoch positiv auswirken.

Anfang November gab Premierminister Modi bekannt, dass größere Banknoten künftig kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr sein werden. Insbesondere die alten 500-Rupien- und 1.000-Rupien-Scheine werden in Geschäften nicht mehr angenommen. Sie können jedoch bei Banken eingezahlt werden. Die aus dem Umlauf genommenen Scheine entsprechen ca. 86 Prozent des in Indien im Umlauf befindlichen Bargelds bzw. etwa 220 Mrd. USD.(1) Die Regierung will damit nicht erfasste Vermögen bzw. Schwarzgelder eindämmen.

Dies führt kurzfristig zu Problemen, da die indische Wirtschaft überwiegend mit Bargeld funktioniert und vor dieser Änderung 98 Prozent der Geschäftstransaktionen in bar erfolgten. Doch andererseits dürften auf lange Sicht enorme positive Auswirkungen auf die indische Wirtschaft erkennbar werden. Die Maßnahme wird zu einer Vermögensübertragung von den Schwarzgeldbesitzern auf die Regierung führen. Letztere kann diese Gelder für höhere Investitionen in die Infrastruktur oder höhere Leistungen für die ärmeren Bevölkerungsschichten verwenden, die einen größeren Konsumbedarf haben.

Die Regierung legte den Grundstein für diese Maßnahme bereits durch die Eröffnung von fast 270 Mio. neuen Bankkonten im Rahmen ihrer Initiative Pradhan Mantri Jan – Dhan Yojana (2). Auf diese Weise kann sie leichter Geld an Menschen mit niedrigem Einkommen ausgeben. Das neue „Direct Benefit Transfer Scheme“, das als weltweit größtes Sozialversicherungssystem angekündigt wurde, ermöglicht der Regierung, Unterstützungszahlungen direkt auf die Bankkonten der Begünstigten zu überweisen, anstatt sie in Subventionen fließen zu lassen.

Die nationale Steuer auf Güter und Dienstleistungen wird bis April 2017 umgesetzt. Die gestaffelte Steuertabelle ist bereits fertiggestellt und ein Entwurf des GST-Gesetzes wurde dem Parlament zur Erörterung vorgelegt. Indien wird aus dieser bahnbrechenden Reform voraussichtlich erheblichen und weitreichenden Nutzen ziehen. Die Überführung der unterschiedlichen Regelungen für Steuern in den einzelnen indischen Bundesstaaten in ein einheitliches Steuersystem erhöht nicht nur die Einnahmen der Zentralregierung, sie treibt auch die Wirtschafts-Formalisierung beträchtlich voran, senkt die Logistikkosten der Unternehmen und steigert so die Effizienz erheblich. Zusammengenommen werden diese Maßnahmen das Steuereinkommen des Staates deutlich erhöhen.

Es wird einige Monate dauern, bis diese langfristigen positiven Faktoren greifen und während dieser Phase wird eine gewisse Unsicherheit vorherrschen. In den nächsten beiden Quartalen wird das Bruttoinlandsprodukt wahrscheinlich nicht wachsen, da sich die Konsumausgaben aufgrund mangelnder Liquidität voraussichtlich abschwächen werden. In den kommenden Monaten zeichnen sich aber auch positive Entwicklungen ab, wie eine Verschiebung von Sachanlagen zu Finanzanlagen, die öffentlichen Banken und Finanztechnologieunternehmen zugutekommen dürfte. Der organisierte, Steuer zahlende Sektor wird auf Kosten der Steuerhinterzieher profitieren. Und eine Zinssenkung hätte für viele Unternehmen niedrigere Fremdkapitalkosten zur Folge. Wir werden es hier mit einem Szenario zu tun haben, in dem auf kurzfristige Nachteile auch langfristige Vorteile folgen. Unsere langfristige Prognose für die Binnenwirtschaft und den Aktienmarkt in Indien ist jedenfalls nach wie vor sehr positiv.

Quelle:
(1) Citi Research (Economics), India Economics View, 15.11.16
(2) Pradhan Mantri Jan Dhan Yojana, http://www.pmjdy.gov.in/account

Mehr Vertrauen in Schwellenländer-Aktien

von Ross Teverson, Fondsmanager des Jupiter Global Emerging Markets Equity Unconstrained SICAV.

2016 war ein Jahr dramatischer politischer Veränderungen – angefangen mit der Amtsenthebung von Dilma Rousseff in Brasilien, der Wahl des selbst ernannten „The Punisher“ Rodrigo Duterte auf den Philippinen bis hin zur EU-Austrittsentscheidung Großbritanniens. Und schlussendlich der Wahl eines Mannes ohne jegliche politische Erfahrung zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Viel wichtiger für Anleger sind jedoch meiner Meinung nach die langfristigen Investmentchancen in Schwellenländer-Aktien, die sich aus einer Kombination aus attraktiven Bewertungen, fortlaufenden strukturellen Veränderungen und sich verbessernden Fundamentaldaten von Unternehmen ergeben. Gelegentlich kann eine zu starke Konzentration auf politische Entwicklungen diese Chancen verdecken.

Nach unserer Auffassung besteht kein Mangel an Aktien aus Frontier Markets und Schwellenländern, die 2017 und in den Jahren danach ein erhebliches Gewinnwachstum erzielen könnten. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Titel ist so groß, dass sie in unserer Strategie um ihre Position konkurrieren müssen – ein Zeichen für die Attraktivität von Aktien aus Schwellenländern mit Blick auf das neue Jahr.

Dennoch sind einige Anmerkungen zu den politischen Entwicklungen und Auswirkungen auf Kapitalanlagen in Schwellenländern angebracht. In Brasilien öffnete der Petrobras-Skandal, der den Hintergrund für die Amtsenthebung von Dilma Rousseff bildete, dem Volk die Augen für das Ausmaß der Korruption in ihrem Land. Zudem sollte die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft ihre Befugnisse endlich wirksam einsetzt, auf lange Sicht als positiv betrachtet werden. Kurzfristige politische Unwägbarkeiten in Brasilien könnten sich letztendlich positiv auf die Staatsführung ausführen und einige der langfristigen Risiken für Anleger verringern. Was den Brexit anbelangt, haben uns das Ergebnis des Referendums und die darauf folgende Schwäche des britischen Pfunds daran erinnert, dass Schwellenländer kein Monopol für politisches Risiko besitzen. Sie weisen in mehrfacher Hinsicht andere Risiken als Industriestaaten auf. Wir halten es für zentral, Kapitalanlagen mit unterschiedlichen Risiken für die Portfoliodiversifizierung einzusetzen.

Wichtiger als politische oder makroökonomische Entwicklungen ist allerdings das Niveau der Bewertungen von Schwellenländer-Aktien. Diese Bewertungen bleiben im Vergleich zur historischen Wertentwicklung und zu den Industriestaaten attraktiv, sogar nach der Erholung der Tiefständen im ersten Quartal 2016. Außerdem sind viele Anleger in dieser Anlageklasse untergewichtet. Betrachtet man diese Faktoren gemeinsam, besteht ein Potenzial für erhebliche Kapitalflüsse in Schwellenländer und für einen Aufwärtstrend bei Aktien. Hierfür müsste die Zuversicht der Anleger in die Zukunft noch weiter wachsen.

Was aber könnte hierzu veranlassen? Ich bin überzeugt, dass es eine Reihe von Unternehmen aus Schwellenländern gibt, die von den laufenden strukturellen Veränderungen auf eine Weise und in einem Umfang profitieren können, die bzw. der nur in weniger reifen Volkswirtschaften möglich ist. Hierzu gehören die günstigere demografische Entwicklung in vielen Schwellenländern, die steigende Marktdurchdringung von Gütern oder Dienstleistungen und leicht zu erzielende Produktivitätsgewinne aus Kapitalanlagen in Technologien und Infrastruktur. Das Problem in den vergangenen Jahren war die Tatsache, dass die Gewinne in dieser Anlageklasse trotz der geschilderten positiven langfristigen Veränderungen als Ganzes enttäuschend waren. Aber das ändert sich jetzt. Das letzte Jahr dürfte sich als das erste Jahr seit 2013 erweisen, in dem Aktien aus Schwellenländern im Jahresvergleich einen steigenden Gesamtgewinn je Aktie erzielen und dieser Trend der Gewinnsteigerung wird wohl auch 2017 anhalten.

Der lange Zyklus setzt sich fort

von Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

In gewisser Hinsicht stellt unsere Prognose für das neue Jahr eine Fortsetzung desselben langen Zyklus dar, von dem wir bereits Anfang 2016 ausgingen. Der wichtigste Unterschied für das Jahr 2017 besteht in vier sich abzeichnenden Veränderungsprozessen:

  1. Die Globalisierung wird vom wachsenden Populismus herausgefordert, was weitere Risiken heraufbeschwört.
  2. Statt Sorgen um geringes Wachstum richtet sich der Fokus auf die steigende Inflation.
  3. Nach Jahren der Fokussierung auf die Geldpolitik rückt nun die Fiskalpolitik stärker ins Blickfeld.
  4. Die Bedenken im Hinblick auf neue Regulierungsvorschriften schwinden und es besteht Hoffnung auf mehr Deregulierung.  


Von Globalität zu Populismus

Die größte Veränderung im gegenwärtigen Umfeld ist das Abrücken vom omnipräsenten Globalisierungstrend, der mit immer größeren grenzüberschreitende Handelsflüssen einherging. Nach Jahren des verlangsamten Wirtschaftswachstums und steigenden Wohlstandsgefälles ist die Unterstützung für Parteien mit populistischeren Botschaften – häufig ausgerichtet auf eine lockerere Fiskalpolitik, Einwanderungsreformen und/oder eine protektionistische Handelspolitik – in den vergangenen Jahren konstant gestiegen. Der Populismus konnte 2016 mit der Entscheidung Großbritanniens für den Austritt aus der Europäischen Union und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten zwei wichtige Siege verbuchen. Angesichts ihrer potenziellen Auswirkung auf Europa und der erhöhten Wahrscheinlichkeit, dass die Handelspolitik stärker von Protektionismus geprägt wird, werden wir die Entwicklung populistischer Trends im Jahr 2017 genauestens beobachten.

Von Stagnation zu Inflation

Unser letztjähriger Ausblick war geprägt von geringer Inflation und nominalem Wachstum. Bereits damals zeichnete sich ab, dass bei beiden Faktoren höhere Kennzahlen erwartet werden. Für 2017 ist von weniger Sorgen bezüglich einer potenziellen säkularen Stagnation auszugehen. Stattdessen dürfte in den USA ein Paradigmenwechsel zugunsten eines stärker von der Inflation geprägten Systems zu beobachten sein.

Die Inflationstendenzen und Wahrscheinlichkeit einer restriktiveren Geldpolitik als Gegenreaktion legen nahe, dass die Zinssätze in den USA 2017 weiter steigen werden. Die verschiedenen Sektoren am Aktienmarkt dürften unterschiedlich auf ein Umfeld steigender Zinsen und höherer Inflation reagieren. Finanztitel sollten sich überdurchschnittlich entwickeln, während sich Aktien, die in der Vergangenheit höhere Erträge oder geringere Volatilität auswiesen, möglicherweise schwächer entwickeln als der breite Aktienmarkt. Dazu zählen wir u.a. Versorger oder nichtzyklische Konsumgüter. Auch Real-Estate-Investment-Trusts könnten unter Druck geraten. Wir gehen jedoch von einer teilweisen Kompensierung aus, da eine steigende Inflation zu höheren Mieten führt - im Gegensatz zu den negativen Auswirkungen, die eine Inflation aufgrund steigender Herstellungskosten auf nichtzyklische Konsumgüter haben könnte.

Von Geldpolitik zu Fiskalpolitik

Die Divergenzen in der Geldpolitik dürften im kommenden Jahr nochmals extremer werden. Unserer Einschätzung nach wird die US-Notenbank die Zinssätze mindestens zweimal erhöhen, während die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan weiter die Grenzen der Lockerungsfähigkeit ihrer Politik austesten werden. Obwohl sich das Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks weiter schleppend vollzieht, verlagert sich der Schwerpunkt aus zwei Gründen hin zu höheren Staatsausgaben: einerseits als Gegenreaktion auf die jahrelange Sparpolitik, andererseits aufgrund der Erkenntnis, dass es Infrastrukturverbesserungen bedarf. Diese Veränderung könnte für einen besseren Politikmix sorgen, der das Wachstum und die Unternehmensgewinne stützt. Möglich ist allerdings auch, dass Verschuldung und Inflation in die Höhe schnellen und eine höhere Volatilität bei Industrie- und Schwellenländeranlagen entsteht.

Wir sind überzeugt, dass die geringe Inflation in Europa und die andauernden EZB-Anleihekäufe die Bundesanleihen weiter unterstützen werden. Im Vergleich zu den USA könnte die abweichende Geldpolitik zudem den Euro in die Parität mit dem US-Dollar treiben. Ebenso wie die Schwellenländer, die am stärksten unter dem Wandel der Fed-Politik litten, sind die schwächeren Volkswirtschaften am Rande Europas einer volatilitätsbedingten Erhöhung der Kreditkosten ausgesetzt. Allerdings haben einige der schwächeren Schwellenländer ihr gegenwärtiges Leistungsbilanzdefizit mittlerweile reduziert und dürften nun eher in der Lage sein, Belastungen standzuhalten. Die Politik der BoJ, die darauf zielt, die Zinskurve in Japan zu kontrollieren, wird vermutlich den Abwärtsdruck auf den Yen aufrechterhalten. Dennoch sehen wir ein geringes Abwärtspotenzial für Renditen auf japanische Staatsanleihen. Aus quantitativer Sicht hat die geldpolitische Lockerung die Bewertungen von Aktien- und Anleihe-Portfolios auf ein hohes Level gehievt, doch die Unterschiede in diesen Märkten bleiben historisch gesehen groß. Da sich die Geldpolitik in Richtung fiskalpolitische Lockerung entwickelt, wird sich diese Streuung 2017 potentiell verringern, wovon wertorientierte Anlagestrategien profitieren könnten.

Von Regulierung zu Deregulierung

Die Aussicht bevorstehender höherer Staatsausgaben hat bereits einige Aufmerksamkeit erregt. Dabei könnte ein Deregulierungsschub sogar noch stärkere Auswirkungen auf das Wachstum und die Märkte im Jahr 2017 haben. So zielen die von Donald Trump in den USA vorgeschlagenen Gesetzesänderungen auf einen verbesserten Kapitalzugang und den Abbau von Barrieren für Geschäftsgründungen ab. In Europa wurde die Unterstützung der Unternehmen zugunsten des Brexits von der Sorge über eine ausufernde Regulierung getragen. Zudem haben europäische Finanzinstitute begonnen, sich gegen die Regulierungswelle nach der Krise aufzulehnen. Währenddessen ist China weiterhin auf der Suche nach dem richtigen Mix aus Regulierung und Stimulierung, mit dem Strukturreformen vorangetrieben und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum aufrechterhalten werden soll. Wir werden daher das Ausmaß der Regulierungsdivergenz in der globalen Wirtschaft und das Potenzial für eine Deregulierung des Wettbewerbs genauestens im Auge behalten.

In den USA dürften Änderungen der bestehenden Finanzgesetzgebung das Kreditwachstum anregen und Probleme aufgrund schwieriger Finanzierungsbedingungen lindern. Diese hatten sich aus höheren Zinsen und einer stärkeren Währung ergeben. Eine Lockerung des Regulierungskorsetts dürfte zudem das Kreditwachstum in Europa ankurbeln. Die Nachfrage nach Unternehmens- und Haushaltskrediten dürfte schwach bleiben und wir gehen davon aus, dass sich beim Wachstum und der Inflation auch 2017 keine Aufwärtsdynamik entwickeln wird. In Großbritannien erwarten wir – unabhängig davon, in welche Richtung sich die Regulierung entwickelt – dass sich der Trend steigender Compliance-Kosten in nächster Zeit fortsetzen wird. Zusammen mit schwachen Wachstums- und Inflationsaussichten im Zuge der sich abzeichnenden Auswirkungen des Brexit wird dies die Rentabilitätsaussichten belasten.

Den vollständigen Investment Outlook 2017 von Goldman Sachs Asset Management finden Sie auf Englisch links als PDF.

Auswirkungen eines „harten Brexit“

Ein „harter Brexit“ zählt nicht zu unserem Hauptszenario. Wir rechnen mit einem „Mittelweg“ ähnlich dem EFTA-Modell, dem die Schweiz angehört. Nach dem Einspruch der britischen Regierung beim Supreme Court gegen das High-Court-Urteil zum Auslösen von Artikel 50 wäre die Einleitung des Brexit im März 2017 das „Best Case“-Szenario.

Wir rechnen mit einer Versteilung der britischen Gilt-Kurve, da der britische Haushalt eine Neubewertung von Staatsanleihen nach sich zieht. Unterdessen dürfte sich die Rally britischer Aktien abschwächen, da die Vorteile eines schwächeren Pfund Sterling nachlassen, so Martin Arnold, Director - FX & Macro Strategist - bei ETF Securities, im Ausblick für 2017.

Wofür steht die EU?

Jedes Mitgliedsland der Europäischen Union hält sich an vier fundamentale Prinzipien:

  • Freier Warenverkehr;
  • Dienstleistungsfreiheit;
  • Freier Kapital- und Zahlungsverkehr; und
  • Personenfreizügigkeit.

Die Verhandlungen zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU sind mit erheblicher Unsicherheit verbunden. Eins scheint jedoch sicher zu sein: Der Zugang zum Binnenmarkt wird nicht kostenlos gewährt.

Ein „harter Brexit“ würde vermutlich zu einer Handelsbeziehung zwischen Großbritannien und der EU über die Welthandelsorganisation (World Trade Organisation, WTO) führen. Der Handel zwischen Großbritannien unterläge dann Zöllen und anderen Barrieren, die EU-Haushaltszahlungen würden eingestellt und die Einwanderung eingedämmt.

Zollunion vs. freier Handel ...

Eine Zollunion ermöglicht Ländern wie der Türkei, Andorra und San Marino, am freien Warenverkehr mit EU- Mitgliedsstaaten teilzunehmen. Allerdings können diese Länder keine freien Handelsabkommen mit anderen Nicht-EU- Ländern schließen und sind an die EU-Handelsvereinbarungen mit dem Rest der Welt gebunden. Ein reines Freihandelsabkommen wäre schwieriger zu bewerkstelligen und würde mühsame Verhandlungen nach sich ziehen (das Abkommen mit Kanada war erst nach sieben Jahren ausgehandelt). Eine solche Vereinbarung würde (im Gegensatz zu einer Zollunion) aber für Dienstleistungen gelten, und Großbritannien könnte uneingeschränkt Vereinbarungen mit Drittparteien abschließen.

... und EFTA und EWR

Dagegen ermöglicht das Abkommen zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) drei der vier Mitgliedsstaaten der Europäischen Freihandelsassoziation (European Free Trade Association, EFTA), nämlich Norwegen, Island und Liechtenstein, den Zugang zum EU-Binnenmarkt. Diese Länder müssen aber den vier „Grundfreiheiten“ der EU (mit bestimmten Ausnahmen, z.B. Landwirtschaft und Fischereipolitik) zustimmen und finanzielle Beiträge zum EU-Haushalt leisten. Alle EFTA-Mitglieder (einschließlich der Schweiz) haben die Möglichkeit, Handelsabkommen mit anderen Ländern außerhalb der EU zu schließen. Die Schweiz ist allerdings kein Teil des EWR, verfügt aber über eine Reihe bilateraler Abkommen mit der EU, welche den Handel und die Personenfreizügigkeit sowie den freien Kapital- und Zahlungsverkehr regeln. Dennoch tragen alle EFTA-Mitglieder zum EU-Haushalt bei.

Ein „harter Brexit“ zählt nicht zu unserem Hauptszenario. Wir rechnen eher mit einem „Mittelweg“ ähnlich dem EFTA-/EWR-Modell. Die Festlegung einer endgültigen Struktur wird jedoch jahrelange Verhandlungen erfordern. Dabei stellt sich die Frage, ob Großbritannien nach dem Verlassen der EU Teil des EWR bleiben wird.

Die Entscheidung des High Court hat die Pläne der Regierung, Artikel 50 bis März 2017 auszulösen, fürs Erste zunichte gemacht. Ein Einspruch beim Supreme Court dürfte hinausgezögert werden, sodass sich der Zeitplan der Regierung höchstens als „Best-Case“-Szenario erweist.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Personenfreizügigkeit und die Beiträge zum EU-Haushalt waren für die britischen Wähler zentrale Aspekte bei der Entscheidung, die EU zu verlassen. Eine Folge könnten jedoch niedrigere Löhne sein, da die Zahl der Arbeitskräfte bei einem „harten Brexit“ abnimmt. Lohnveränderungen sind stark mit Veränderungen an der Zahl der in Großbritannien tätigen, nicht-britischen Arbeitnehmer korreliert.

Angesichts der Unsicherheit über das endgültige Abkommen mit der EU verschieben die Unternehmen allenfalls wichtige Investitionsentscheidungen, was wiederum zum dauerhaften Rückgang des Wirtschaftswachstums beiträgt. Daher ist es nicht überraschend, dass mit einem Einbruch der Wirtschaftsaktivität auch ein Rückgang der Nachfrage nach Arbeitskräften einhergeht.

Ein „harter Brexit“ wäre der britischen Wirtschaft abträglich, die in hohem Maße auf Finanzdienstleistungen angewiesen ist. Laut einer Schätzung des britischen Finanzministeriums dürfte die britische Wirtschaft über einen 15-Jahres-Zeitraum innerhalb der EU um 3,4-4,3% des BIP besser dastehen. Eine Änderung der Vorschriften im Hinblick auf die Vereinbarungen für den Zugang zum Finanzsektor („Passporting“) würde einen Rückgang der operativen Tätigkeit vieler Unternehmen in Großbritannien nach sich ziehen.

Darüber hinaus dürfte auch die Unsicherheit in Bezug auf die politische Landschaft der EU abschreckend bei Unternehmensinvestitionen wirken, da populistische Parteien in Europa zunehmend Zuspruch erfahren. Eine fragmentiertere Politik in Europa könnte sich negativ auf den Finanzdienstleistungssektor auswirken.

Auswirkungen auf den Haushalt

Der britische Finanzminister hatte für den Fall eines Austritts Großbritanniens aus der EU einen Ausgleich wegfallender EU-Zahlungen an Landwirte, Wissenschaftler und Universitäten garantiert. Schätzungen des Finanzministeriums zufolge beliefen sich diese Kosten 2014-15 auf rund 6 Mrd. GBP.

Zwar entwickeln sich die Prognosen zum öffentlichen Finanzierungssaldo (Public Sector Net Borrowing, PSNB) generell in die richtige Richtung. Allerdings wurde der Betrag, den die Regierung aufzunehmen hätte, deutlich unterschätzt. Im März 2016 prognostizierte das OBR (Office for Budget Responsibility) eine Schuldentilgung der Regierung bis 2019-20 – ein Jahr später als in den Haushaltsprognosen von März 2015 angegeben. Das PSNB-Niveau konnte bis September um 2,3 Mrd. GBP gesenkt werden. Dies ist aber deutlich weniger als die zur Erreichung der Haushaltsprognosen erforderlichen 20,5 Mrd. GBP.

Auswirkungen auf den Markt

Am Anleihemarkt rechnen wir mit einer leichten Versteilung der Gilt-Kurve, da das kurze Ende nach wie vor an die offiziellen Leitzinsen gekoppelt ist. Am langen Ende könnte es hingegen zu einer moderaten Neubewertung kommen, wenn erneut Sorgen über eine mögliche Aufblähung des britischen Haushalts aufkommen. Eine Weitung des Gilt-Bund-Spreads dürfte auf lange Sicht dennoch günstig auf den GBP wirken, wenn die wirtschaftlichen Auswirkungen immer deutlicher werden.

Darüber hinaus scheinen die Negativmeldungen zu einem „harten Brexit“ unseres Erachtens bereits eingepreist zu sein. Bei Aktien kam es zu deutlichen Unterschieden bei der Performance des FTSE100 und des FTSE 250. Ersterer hat seit dem EU-Referendum um über 10% zugelegt, während es bei Letzterem im selben Zeitraum nur beinahe 3% waren. Die Unternehmen des FTSE100 erwirtschaften rund 75% ihrer Umsätze im Ausland, sodass die Abwertung des GBP diese Umsätze beflügelt hat. Trotz der Unterschiede könnte sich die Lücke unseres Erachtens 2017 aus zwei Gründen schließen. Erstens wurde der FTSE250, wie das Pfund, überproportional stark von den Negativmeldungen zu einem „harten Brexit“ getroffen. Zweitens dürften sich die Umsatzvorteile im Ausland umkehren, wenn das Pfund Sterling wieder aufwertet, vor allem gegenüber dem Euro. Dies würde die Lücke zwischen den beiden Aktienbenchmarks verringern.

Mit Schwung ins neue Jahr

2016 legte der Goldpreis eine Achterbahnfahrt hin. Nachdem das gelbe Metall in der ersten Jahreshälfte um rund 25 Prozent zulegen konnte, verlor es in der zweiten Jahreshälfte den Großteil der Gewinne wieder. Zum Jahresende schloss das Edelmetall mit einem Plus von 7,6 Prozent bei einem Kurs von 1.141 US-Dollar pro Feinunze ab. „Interessanterweise haben die großen Ereignisse des vergangenen Jahres, die von Analysten und Marktteilnehmern als positiv für die Goldpreisentwicklung vorhergesagt wurden, dem Edelmetall keinen Schub verliehen. Weder der Brexit, noch die Wahl von Donald Trump gaben dem Goldpreis neue Impulse; sie haben eher das Gegenteil bewirkt“, sagt Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer bei der Stabilitas GmbH. Auch das oft angeführte Argument eines starken Dollars als Grund für einen schwachen Goldpreis griff im vergangenen Jahr nicht. „Schlussendlich haben wir – aus welchen Gründen auch immer – im ersten Halbjahr starke Zuflüsse und im zweiten Halbjahr starke Abflüsse in den Gold-ETFs gesehen. Das war der maßgebliche Einflussfaktor für die Goldpreisentwicklung“, sagt Siegel. Beachtenswert ist allerdings die Zinswende. Der ersten Zinsanhebung im Dezember 2015 folgte die starke Goldpreis-Rallye im ersten Halbjahr 2016. „Es bleibt abzuwarten, ob auch die zweite Zinsanhebung im vergangenen Dezember mit etwas Zeitverzögerung einen ähnlich starken Impuls auf den Goldpreis haben wird“, sagt Siegel. Der kleine Bruder Silber hat seine Korrelation zu Gold beibehalten und legte auf Jahressicht um 18,9 Prozent zu.

Mit Blick auf das neue Jahr sprechen die Fundamentaldaten nach wie vor für einen langfristigen Aufwärtstrend beim Goldpreis. Anleger sollten weiterhin die Inflationsraten im Auge behalten. „Wenn diese weiter steigen und die Zentralbanken zu weiteren Zinsanhebungen zwingen, werden Staatsanleihen extrem unter Druck geraten. In solch einem Szenario wird der Goldpreis aufgrund fehlender Anlagealternativen haussieren“, sagt Siegel.

Platin und Palladium entwickelten sich 2016 uneinheitlich. Platin schloss das Jahr fast unverändert mit einem leichten Plus von 1,3 Prozent ab. Das Industriemetall notiert mit einem Kurs von 902 USD pro Feinunze weiterhin unter der psychologisch wichtigen Marke von 1.000 USD pro Feinunze. Ganz anders war die Entwicklung von Palladium. Insbesondere ab der Jahresmitte legte das weiße Metall eine starke Rallye hin, bevor ihm zum Jahresende etwas die Luft ausging. Dennoch steht unter dem Strich ein Gewinn von 20,9 Prozent. „Wie auch in den vergangenen Jahren ist es schwierig, valide Gründe für die Kursentwicklungen in diesem kleinen Markt zu finden, der im Grunde aus jeweils drei bis vier Produzenten und Händlern besteht, die die Preise bestimmen. Dementsprechend ist auch eine vernünftige Prognose für das neue Jahr kaum zu tätigen“, sagt Siegel.

Die Aktien der Minengesellschaften entwickelten sich parallel zu den physischen Metallen. Einer Rallye im ersten Halbjahr 2016 folgte eine starke Abkühlung. „Nachdem die Minenaktien Ende 2015 extrem unterbewertet waren, konnten sie das im Laufe des vergangenen Jahres wieder ausgleichen und waren zur Jahresmitte erneut auf einem ordentlichen Bewertungsniveau, bevor sie in der zweiten Jahreshälfte zurückfielen“, sagt Siegel. Dennoch haben die Minenaktien eine relative Stärke zu den physischen Metallen behauptet. „Insgesamt haben die Minenwerte weniger verloren als etwa der Goldpreis. Mit Blick auf die Zinswende, die Inflationsproblematik und die ordentliche Bewertung sind wir für 2017 wieder sehr positiv gestimmt“, sagt Siegel.

Die Basismetalle scheinen zum Ende des vergangenen Jahres die Bodenbildung abgeschlossen zu haben und generierten solide Gewinne. Jahressieger war Zink mit einem Plus von 59,8 Prozent. Aber auch Kupfer (+17,7 Prozent), Nickel (+14,1 Prozent), Aluminium (+12,3 Prozent) und Blei (+10,9 Prozent) konnten zweistellige Gewinne verbuchen. „Nach der Stabilisierung bei den Basismetallen werden nun auch die ersten Kaufsignale gesetzt, allen voran bei Zink“, sagt Siegel abschließend.

Inflationsanstieg treibt Anleihemärkte

von Ariel Bezalel, Fondsmanager des Jupiter Dynamic Bond SICAV.

Wird die Weltwirtschaft nach einer langanhaltenden Deflationsphase die Rückkehr der Inflation erleben? Während die Welt weiterhin von andauernden wirtschaftlichen Ungleichgewichten belastet wird, deuten verschiedene Faktoren tatsächlich auf einen beginnenden Inflationsanstieg hin. Marktindikatoren wie die Breakeven-Inflationsrate legen in Großbritannien, den USA und Deutschland zu und sorgen so für Aufwärtsdruck bei den Renditen von Staatsanleihen. In China entwickelt sich das Wirtschaftswachstum gut.

Diese Konjunkturbelebung spiegelt sich in widerstandsfähigen Rohstoffpreisen und besseren Daten aus dem US-Dienstleistungssektor sowie höheren Löhnen wider und zeigt sich auch in Europa, wo die Reflationspolitik der EZB beginnt, Früchte zu tragen. Das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen wurde vom Markt als weiteres Inflationssignal aufgefasst. Donald Trump hat sich wiederholt für höhere Fiskalausgaben ausgesprochen und plant, entsprechende Maßnahmen durch die Ausgabe von Anleihen zu finanzieren. Ein bedeutendes, schuldenfinanziertes Infrastrukturprogramm könnte die Konjunktur antreiben und einen erheblichen Inflationsanstieg nach sich ziehen.

Alles schaut auf die Zentralbanken

Was sind die möglichen Folgen für die Anleihemärkte? Das Inflationsrisiko war einer der Hauptgründe für unseren jüngsten Entschluss, die Portfolioduration zu verkürzen. Durch eine Reduzierung des Durationsrisikos um mehr als die Hälfte waren unsere Portfolios in der Lage, dem jüngsten Aufwärtsdruck bei den Anleiherenditen standzuhalten. Nichtsdestotrotz haben US-Staatsanleihen seit den US-Wahlen erheblich an Boden verloren und ein Risiko weiterer Instabilität verbleibt.

Eine Straffung der Geldpolitik seitens der Federal Reserve, wenn auch in mehreren Schritten, ist alles andere als günstig für die Art von staatlicher Anreizpolitik, die unter Trump zu erwarten ist. Paradoxerweise muss der kommende Präsident darauf vertrauen, dass die jeweiligen Anleihekaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of Japan (BoJ) die Zinsen unten halten und so die Anleger auf der Jagd nach Rendite in den Markt für US-Staatsanleihen treiben, während die Regierung gleichzeitig nach Fremdkapital für Infrastrukturprogramme sucht. Obschon dieser Ansatz kurzfristig funktionieren kann, schafft er eine zerbrechliche Dynamik auf den Anleihemärkten, die leicht umschlagen könnte, sollten die EZB oder die BoJ ihre Geldpolitik aus nationalen Gründen ändern oder die Inflation tatsächlich überraschend stark zulegen. Auch den Aufwärtsdruck auf den US-Dollar gilt es zu beachten, da eine Aufwertung für Schwellenländer mit hohen Verbindlichkeiten in US-Dollar ein Risiko darstellt.

Schwellenländeranleihen im Blick behalten

Trotz des schwierigen Umfelds bleiben wir mit Blick auf die Zukunft positiv gestimmt. Wir werden weiter den unbeschränkten Ansatz unserer Strategie nutzen, um die besten Chancen in den globalen Anleihemärkten auszuwählen, während wir gleichzeitig bestrebt sind, die Risiken zu mindern. Bei Unternehmensanleihen konzentrieren wir uns auf Titel mit kurzen Laufzeiten und angemessenem Carry. Daneben achten wir auf besondere Situationen, die uns die Möglichkeit für erhebliche Kapitalzuwächse bieten. Darüber hinaus sind wir in Schwellenländern wie Indien und Argentinien aktiv: zwei Länder mit günstigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, die uns attraktive Renditen bieten, ohne dabei Abstriche bei der Kreditqualität machen zu müssen.