Gold: Politische und administrative Unsicherheit hebt das Sicherheitsbedürfnis

Gold-ETPs verzeichneten aufgrund der politischen und administrativen Unsicherheit in der vierten Woche in Folge starke Zuflüsse. Bei Rohöl wurden trotz der OPEC-Förderkürzungen zum vierten Mal hintereinander Gewinne mitgenommen. Bei Erdgas-ETPs kam es zu den höchsten Zuflüssen seit Juni 2015. Kupfer weist die höchsten Abflüsse seit 14 Wochen auf. Es entwickelt sich damit gegen den Trend der übrigen Industriemetalle, bei denen wir Zuflüsse verzeichneten. US-Dollar-Positionen werden abgestoßen, da der Fed wegen der fehlenden Klarheit der Trump-Administration die Hände gebunden sind, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Den vollständigen Überblick mit Charts finden Sie links als PDF.

Gold-ETPs (A0N62G) verzeichneten aufgrund der politischen und administrativen Unsicherheit starke Zuflüsse, die in der vierten Woche in Folge einen Zahn zulegten. Seine defensiven Merkmale machen Gold zu einem bevorzugten Anlagewert, da die Eurozone kurz vor den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden mit einer hohen politischen Unsicherheit behaftet ist. Die EZB hat andererseits eine vorübergehende Abweichung vom Kapitalschlüssel angedeutet, um in Zusammenhang mit ihrem quantitativen Lockerungsprogramm die Probleme mit dem begrenzten Anleihepool zu umgehen. Wahrscheinlich wird die Ausweitung der quantitativen Lockerung den Euro noch mehr unter Druck setzen und Gold als Versicherung gegen die geldpolitische Abwertung ins Zentrum des Anlegerinteresses rücken. „Die Zuflüsse in Gold befanden sich in der vergangenen Woche mit insgesamt 192,1 Mio. USD entsprechend auf einem 30-Wochen-Hoch“, ergänzt Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Bei Rohöl (A0KRJX) wurden trotz der OPEC-Förderkürzungen zum vierten Mal hintereinander Gewinne mitgenommen. OPEC-Generalsekretär Barkindo zeigte sich zuversichtlich, dass das Kartell die Einhaltung der vereinbarten Förderkürzung gegenüber Januar verbessern und dauerhaft über 90 Prozent halten könne. Die Anleger sind davon allerdings weniger überzeugt. „Unseres Erachtens wird der Druck auf die Rohölpreise kurzfristig nicht nachlassen, da die Förderung und die Lagerbestände in den USA weiter zunehmen. Die Abflüsse aus Rohöl-ETPs, in der vergangenen Woche immerhin 12 Mio. USD, betrafen hauptsächlich Rohöl der Sorte WTI“, sagt Hein.

Bei Erdgas-ETPs (A0KRJ3) kam es nach einem Preisrückgang um weitere 6,6 Prozent zu den höchsten Zuflüssen seit Juni 2015. Die Erdgaspreise fielen auf den tiefsten Stand seit Anfang November, da das in den USA für die Jahreszeit zu warme Wetter überall die Nachfrage einbrechen ließ. „Der scharfe Preisrückgang hat die Schnäppchenjäger auf den Plan gerufen, sodass es bei Erdgas mit 12,8 Mio. USD zu den höchsten Zuflüssen seit 20 Monaten kam“, sagt Hein.

Kupfer (A0KRJU) verzeichnete gegen den Trend der übrigen Industrie­metalle die höchsten Abflüsse seit 14 Wochen. Die Gewinnmitnahmen der Anleger beliefen sich in der zurückliegenden Woche auf insgesamt 21,9 Mio. USD. Der Kupferpreis selbst profitierte von Ausfällen, die beinahe 12 Prozent der globalen Förderleistung betreffen. Sollten sie noch einige Wochen andauern, wird der Kupfermarkt wahrscheinlich auch 2017 ein Angebotsdefizit aufweisen. „Die tiefen Investitionseinschnitte, die in den letzten Jahren zu beobachten waren, brauchen länger, bis sie zu einer wesentlichen Verringerung des Angebots führen. Die Kupferbestände könnten daher noch einige Jahre lang erhöht bleiben“, sagt Hein.

US-Dollar-ETPs verzeichneten mit 7 Mio. USD in der dritten Woche in Folge Abflüsse. „Die fehlende Klarheit der Trump-Administration wirkt sich negativ aus. Wir rechnen für die kommenden Wochen mit einer anhaltenden US-Dollar-Schwäche, da die Fed vor der Veröffentlichung des Haushaltsplans von Präsident Trump, die für Mitte März erwartet wird, nicht an den Zinsen rühren wird“, sagt Hein.

Wird der Höhenflug anhalten?

von Sebastiaan Reinders, leitender Portfoliomanager für US-Hochzinsanleihen bei NN Investment Partners.

Seit Trumps Wahl im November letzten Jahres erlebten Investoren einen beachtlichen Höhenflug. Seit der US-Wahl sind die Aktienmärkte über 10 Prozent gestiegen und die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen haben mehr als 50 Basispunkte zugelegt (Stand: 10. Februar 2017). Deshalb sind die Erwartungen hoch, dass die Versprechungen des neuen Präsidenten das US-Wachstum beschleunigen werden.  Die Volatilität ist extrem niedrig und preist, nach Ansicht von NN Investment Partners, viele Risiken, die nach wie vor vorhanden sind, nicht ein. Die Ungewissheit im Hinblick auf die Implementierung der neuen Gesetzgebung ist groß, doch die politische Linie bleibt unklar. Aufgrund dieser Unsicherheit ist es entscheidend, eine aktive Investmentstrategie bei einem Vermögensverwalter zu haben, der gesamtwirtschaftliche Erkenntnisse mit einem starken Fokus auf der Kreditanalyse nach demBottom-up-Prinzip kombinieren kann. Trumps Weisungen können den Konjunkturzyklus erheblich beeinflussen - mit unterschiedlichen Auswirkungen auf industrielle Teilsektoren, wie nachfolgend näher beschrieben.

Die Zinsen sind als Reaktion auf die wachstumsfreundliche Regierung und die Notwendigkeit, die Inflation einzudämmen, gestiegen. Jedoch sind die Auswirkungen höherer Zinsen nicht ausschließlich positiv. Höhere Kreditzinsen werden hoch verschuldete Unternehmen beeinträchtigen, da sie die Zinsaufwendungen und mit der Zeit auch die Ausfälle erhöhen. Trump räumt niedrigeren Körperschaftssteuersätzen und niedrigeren persönlichen Steuersätzen ebenfalls Priorität ein. Diese Steuerpolitik wird vermutlich Finanzinstituten zugutekommen. Einfach ausgedrückt: Wenn Schuldner mehr Geld zur Verfügung haben, gibt es mehr Mittel, um bestehende Kredite zu tilgen und/oder zusätzliche Kredite aufzunehmen. Demnach müssen niedrigere Steuern natürlich aus anderen Haushaltsquellen finanziert werden. Eine solche Quelle, die vorgeschlagen wurde, ist die Abschaffung der steuerlichen Absetzbarkeit von Zinsaufwänden. Ähnlich wie bei den bereits erwähnten Auswirkungen von höheren Kreditzinsen würden hoch verschuldete Unternehmen unverhältnismäßig stark darunter leiden, wenn sie Zinsaufwendungen nicht mehr steuerlich geltend machen könnten, was dann wiederum der Gewinnspanne der Banken auf Grundlage der Aktiva-Qualität schaden würde. Niedrigere Steuern wären also durchaus positiv, aber die Finanzierung dieser Kürzungen könnte weitreichende negative Auswirkungen auf Unternehmen und Finanzinstitute haben.

In seiner ersten Amtswoche ernannte Präsident Trump den Republikaner Ajit Pai zum Vorsitzenden der Federal Communications CommissionPai hat nach allgemeiner Auffassung eine wohlgesonnenere Haltung gegenüber Industriekonsolidierung als sein Vorgänger Tom Wheeler. Es gibt mehrere Telekommunikationsunternehmen, die potenzielle Zusammenführungen erwogen haben, aber dadurch abgeschreckt wurden, dass sie die regulatorische Genehmigung möglicherweise nicht erhalten würden. Folglich gibt es vermehrte Spekulationen über Fusionen von Telekommunikationsunternehmen oder Mischzusammenschlüssen zwischen Kabel- und Telekommunikationsunternehmen, die Anlagechancen hervorbringen. Eine zunehmende Konsolidierung könnte ebenfalls negative Auswirkungen auf Unternehmen haben, die als Lieferanten dieser konsolidierenden Unternehmen dienen, wie z.B. Betreiber von Sendemasten. Darüber hinaus befürchten Unternehmen aus dem Technologiesektor und anderen Branchen, dass Trumps jüngste Einwanderungsrichtlinie und seine Äußerungen über den Erhalt von Arbeitsplätzen in den USA auf Änderungen bei den Visa-Vorschriften hindeuten. Technologieunternehmen, einschließlich IT-Beratungsfirmen, sind häufig auf ausländische Talente angewiesen. Viele dieser Arbeitskräfte werden durch H-1B-Visa1 abgesichert, von denen bereits einige ängstlich auf die Verlängerung blicken.

Das Gesundheitswesen bleibt aus politischer Sicht ebenfalls ein Hauptschwerpunkt. Da die Republikaner die Präsidentschaft, den Senat und das Repräsentantenhaus kontrollieren, ist die Aufhebung von Teilen des Affordable Care Act (ACA) einer der ersten Punkte auf ihrer Agenda. Ohne eine Mehrheit von 60 Stimmen im Senat können die Republikaner das Gesetz zwar nicht komplett kippen, aber durch Anordnung des US-Präsidenten und Schlichtung können sie Kernbereiche aus dem ACA streichen. Während die Republikaner ihre Pläne stets als „widerrufen und ersetzen“ betitelt haben, ist die größte Frage weiterhin, wie und wann sie „ersetzt“ werden. Das sorgt für Unsicherheit bei Investoren und schafft Anlagechancen bei Managern, die nach dem Bottom-up-Ansatz arbeiten und die Einzeltitelauswahl in den Mittelpunkt stellen.

Bei der Kapitalisierung der Chancen in diesem unbekannten Terrain spielen aktive Manager eine große Rolle, meint NN IP. Aktive Manager mit einem starken Fokus auf der Kreditauswahl können Investoren bei der Ausnutzung der Vorteile unterstützen und gleichermaßen die Unternehmen meiden, die in diesem neuen Umfeld leiden würden. Manager, die die Marktzyklen im Griff haben, können Verluste minimieren und ihre passiven Gegenspieler übertreffen. Zwei Aspekte werden sich laut NN IP 2017 erneut als Erfolgsstrategie erweisen: Größere gesamtwirtschaftliche Themen zu beherrschen und gleichzeitig einen starken Fokus auf der fundamentalen Kreditanalyse zu bewahren.


1) Das H-1B Visum beinhaltet eine klassische Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung für die USA. Die Kategorie ermöglicht eine befristete Arbeitsaufnahme für ausländische Personen mit einem akademischen Abschluss bzw. einem entsprechenden Äquivalent, bei einem US-Unternehmen. Das H-1B Visum ist unternehmensgebunden, d. h. offizieller Antragsteller ist das US-Unternehmen für den zukünftigen Mitarbeiter. Unabdingbare Voraussetzung ist folglich ein konkretes Stellenangebot in den Vereinigten Staaten von einem US-Arbeitgeber. Quelle: https://www.usvisaservice.de/visum-usa/arbeitsvisum/h1b-visum/

 

Flexible Regelauslegung der EZB belastet den Euro

Die Märkte haben die Bewertung des Euro abwärts korrigiert, da die Chancen für eine Präsidentschaft von Le Pen und ihrem populistischen Front National in den zurückliegenden Wochen zugenommen haben. Der von politischer Unsicherheit geplagte Euro konnte weder von der Aufhellung des zugrunde liegenden wirtschaftlichen Umfelds noch von der Verbesserung der Positionierung auf dem Terminmarkt profitieren.

Das quantitative Lockerungsprogramm der EZB scheint zwar am Limit zu sein, doch ist die Notenbank offenbar bereit, von ihrem Kapitalschlüssel abzuweichen und die Anleihen höher verschuldeter Länder zu kaufen. Dies dürfte den Euro im Laufe von 2017 weiter unter Druck setzen, meint Martin Arnold, FX & Macro Strategist bei ETF Securities. Das vollständige Research Paper mit Charts finden Sie links als PDF.

Politik führt zu Neubewertung des Euro

Da die Eurozone an der politischen Unsicherheit zu zerbrechen droht, ist die Konsensprognose der Analysten für das EUR/USD-Währungspaar 2017 gefallen. Lag sie Ende 2016 für das erste Quartal 2017 noch bei rund 1,07, so beträgt sie derzeit gerade einmal 1,04. Unseren Erwartungen zufolge wird der Euro am Ende des ersten Quartals ungefähr bei 1,08 stehen, da die politische Unsicherheit wieder nachlässt.

Der von der politischen Unsicherheit beschädigte Euro konnte von der Verbesserung des zugrunde liegenden wirtschaftlichen Umfelds bisher nicht profitieren. Blickt man auf den Bloomberg Eurozone Economic Surprise Index, so wird deutlich, dass der Euro ohne die quantitative Lockerung der EZB und die aktuelle Unsicherheit des politischen Umfelds gegenüber dem US-Dollar wesentlich höher stehen könnte.

Auch wenn der Populismus und die immer engstirnigere Haltung der Wähler in den USA und Europa eindeutig Ähnlichkeiten besitzen, könnten ihre Auswirkungen auf die jeweilige Währung nicht unterschiedlicher sein. Nachdem Le Pen die Einführung des Francs versprochen hat, könnten ihre Chancen auf einen Sieg bei den französischen Präsidentschaftswahlen durchaus dazu führen, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar in Richtung Parität fällt. Dies steht in starkem Kontrast zur Dollarstärke, die auf den Wahlsieg von Trump folgte. Die EUR/USD-Parität als Folge eines Wahlsiegs von Le Pen ist jedoch nicht unser Basisszenario.

Wirtschaft bedingt andere Geldpolitik

Daneben bestehen zwischen den USA und Europa Unterschiede wirtschaftlicher Art: In der Eurozone ist die Arbeitslosigkeit nach wie vor erhöht, und aufgrund der Überkapazitäten bleibt das Lohnwachstum wohl noch einige Zeit gedämpft. Das Überangebot an Arbeitskräften lässt es unwahrscheinlich werden, dass die Kerninflation 2017 wie in den USA Auftrieb erhält.

Global nehmen die Inflationserwartungen allerdings zu. Mit dem Schwinden des Ölpreiseffekts ist der Preisauftrieb in der Eurozone weit über die Konsens­erwartungen und sogar über unsere optimistische Prognose hinaus gestiegen. Die Inflation der Eurozone hat mittlerweile den höchsten Stand seit März 2013 erreicht und befindet sich nun „unter, aber nahe“ 2,0 Prozent, der EZB-Zielmarke. Hierbei ist von Bedeutung, dass die Inflation in den kommenden Monaten wahrscheinlich nicht über das Ziel der Notenbank hinausschießen und die EZB „über den jüngsten Anstieg der Inflation hinwegsehen“ wird.

EZB nähert sich dem Limit

Während die US-Notenbank längst eine restriktive Haltung eingenommen hat, befindet sich die Geldpolitik der EZB weiterhin im Expansionsmodus.

So umfangreich war die Bilanz der EZB noch nie. Da sich jedoch die quantitativen Lockerungsbemühungen dem Limit nähern, lässt auch der Anstieg der Bilanzsumme nach. Andererseits gibt es Anzeichen, dass die EZB den aktuellen Rahmen des Wertpapierkaufprogramms verlassen könnte, um ihre Bilanz und die Geldmenge der Eurozone noch einmal auszuweiten.

Der Euro sollte zwar davon profitieren, falls die EZB ihre Anleihekäufe bis zum Jahresende ohne größere Verwerfungen auf den Zinsmärkten einstellen kann, doch lastet auf ihm die Möglichkeit des erneuten geldpolitischen Druckaufbaus.

Aus der jüngsten Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung des EZB-Rates geht hervor, dass die Notenbank „begrenzte und temporäre Abweichungen“ vom Kapital­schlüssel in Betracht zieht. Es steht also die Möglichkeit im Raum, dass das am BIP orientierte breite Anleihekaufprogramm in ein schuldengewichtetes Programm überführt wird. Dieser Schritt würde höher verschuldete Länder wie Italien bevorteilen und den Euro im zweiten Halbjahr 2017 unter Druck setzen.

Was preisen die Märkte ein?

Auf den Terminmärkten hat sich die Positionierung von den extrem tiefen Niveaus erholt, auch wenn die Anleger im Euro unter dem Strich weiterhin short positioniert sind. Allerdings ist der Euro schwächer bewertet, als seine historische Beziehung zum Terminmarkt andeutet. In den Optionspreisen hingegen drückt sich die Erwartung aus, dass der Euro unter den G10-Währungen am zweitschlechtesten gegenüber dem US-Dollar abschneiden wird. So pessimistisch sah der Optionsmarkt den Euro zuletzt im Juni 2016.

Wir erwarten, dass sich der Euro in den kommenden Monaten bei rund 1,08 festigt, da sichtbar wird, dass der Front National von Le Pen die französischen Präsidentschaftswahlen wohl nicht gewinnen kann. Trotzdem wird die Volatilität anhalten. Außerdem könnten die zusätzlichen Wertpapierkäufe und die flexible Regelauslegung der EZB den Euro im zweiten Halbjahr 2017 wieder auf das aktuelle Niveau drücken.

Divergente Inflationstrends in den Industrienationen

Die Inflationstrends in den Industrienationen werden dieses Jahr sehr unterschiedlich ausfallen. Dieser Ansicht ist Arif Husain, Portfoliomanager und Head of International Fixed Income bei T. Rowe Price. Einige Länder wie die USA oder Großbritannien hätten einen nachhaltigeren Preisdruck zu erwarten, während der jetzige Inflationsanstieg für die Eurozone nur temporär ausfallen dürfte.

In Großbritannien treibe die starke Abwertung des Pfunds die Importkosten in die Höhe, wodurch auch der Trend einer zunehmenden Inflation fortgeführt werden könnte. „Es ist wahrscheinlich, dass die Bank of England das Inflationsziel von zwei Prozent in diesem Jahr übertreffen wird. Dies könnte Rückwirkungen auf die geldpolitische Haltung der Zentralbank haben – gerade in einer Zeit, die ohnehin stark durch Unsicherheit geprägt ist. Das gilt insbesondere auch angesichts der anstehenden Brexit-Verhandlungen“, erklärt Husain. 

„Ich bin weiterhin besorgt, dass die Bank of England im Moment keine stichhaltige Begründung für weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen hat. Denn die Inflation steigt und die Arbeitslosigkeit ist niedrig, also gibt es keinen Grund für die Zentralbank, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Das macht britische Gilts sehr anfällig gegenüber dem drohenden Ende der quantitativen Lockerungen“, ergänzt Portfoliomanager Quentin Fitzsimmons. Dem Experten zufolge werden auch die USA im neuen Jahr mit steigendem Preisdruck konfrontiert werden. Denn in der US-amerikanischen Ökonomie herrsche beinahe Vollbeschäftigung und auch die von der Trump-Regierung geplanten steuerlichen Anreize würden ein Umfeld schaffen, in dem Lohnanstiege sehr wahrscheinlich seien.

In der Eurozone würde die Entwicklung hingegen voraussichtlich anders verlaufen als in den USA oder in Großbritannien. Insbesondere die Arbeitslosenquote von beinahe zehn Prozent illustriere die Problematik in Europa. Der reale Preisdruck bleibe deshalb wohl weiterhin niedrig. Der momentane Anstieg der Gesamtinflation sei hauptsächlich auf den erhöhten Ölpreis zurückzuführen. Portfoliomanager Kenneth Orchard schätzt die Chancen für einen nachhaltigen Anstieg des Inflationsniveaus daher niedrig ein: „Auch die Europäische Zentralbank wird sich bewusst sein, dass die momentane Gesamtinflation dem Einfluss der gestiegenen Energiepreise geschuldet ist und in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich wegfallen dürfte“. Die Kerninflation liege seit fast vier Jahren unter einem Prozent und die Möglichkeit, einen anhaltenden Aufwärtstrend innerhalb der nächsten zwölf Monate zu erleben, ist sehr gering.“

Vor diesem Hintergrund böte sich für globale Anleiheportfolios eher eine Untergewichtung von Gilts an. „Stattdessen haben wir unser globales Bonds-Portfolio um amerikanische inflationsgebundene Anleihen erweitert“, sagt Orchard. Derweil sieht sich das Fixed-Income-Team darin bestätigt, dass deutsche Bundesanleihen in der gegenwärtigen Situation noch Value bieten. Angesichts der erhöhten politischen Unsicherheit in den USA und der erwarteten restriktiveren Gelpolitik der amerikanischen Federal Reserve könnten Bundesanleihen zum sicheren Hafen für Anleger werden, die Alternative zu amerikanischen Treasuries suchen.

Synchroner globaler Konjunkturaufschwung

Das Kapitalmarktjahr 2017 wird ein Jahr des Umbruchs. „Die Rahmenbedingungen für Investoren ändern sich rasant“, sagt Jens Wilhelm, im Vorstand von Union Investment zuständig für Portfoliomanagement, Immobilien und Infrastruktur. Bei Politik, Konjunktur, Inflation und Zentralbanken ist seiner Einschätzung nach mit Trendwechseln im Vergleich zu den Vorjahren zu rechnen. „Seit Beginn der Dekade war das Umfeld zwar herausfordernd, aber durch einige Konstanten geprägt. Das ändert sich gerade“, erläutert er. „Wir sehen erste Anzeichen eines Wandels im Marktregime. Anleger sollten sich darauf einstellen.“

Globaler Konjunkturaufschwung synchronisiert und stabilisiert sich

Einen erheblichen Unterschied zu den vergangenen Jahren stellt nach Auffassung von Wilhelm das konjunkturelle Umfeld dar. Lange lasteten zwei Probleme schwer auf der Weltwirtschaft: Zum einen war das globale Wachstum nur von moderater Stärke. Zum anderen gab es keinen parallelen, gleichzeitigen Aufschwung in den wichtigen Regionen. Stattdessen war die Entwicklung sogar oft gegenläufig. „Die Eurozone wurde in den letzten zwei Jahren wirtschaftlich von der Schwäche in den Emerging Markets ausgebremst – davor war es genau umgekehrt.“ Dieses Problem verliert 2017 an Bedeutung. „Erstmals seit Langem sind alle wichtigen Wirtschaftsräume gleichlaufend im Aufschwung“, sagt das Vorstandsmitglied und ergänzt mit Blick auf die globale Konjunktur: „Synchronität schafft Stabilität.“

Im Ergebnis lassen die Prognosen von Union Investment ein weltweites Wachstum zwischen 3,0 und 3,5 Prozent erwarten. Dabei dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA um 1,8 Prozent zulegen, teilweise bedingt durch den unterstützenden Politikmix des neuen Präsidenten aus expansiver Fiskalpolitik und Deregulierung. „Donald Trump verleiht der US-Konjunktur eine zweite Luft“, fasst Wilhelm zusammen. Langfristig sieht er jedoch Fragezeichen hinter den Wachstumswirkungen der Trump’schen Wirtschaftspolitik. Für die Eurozone ist Wilhelm optimistisch. „Konjunkturell hat der Euroraum das Schlimmste hinter sich.“ Er rechnet mit einem BIP-Zuwachs von 1,5 Prozent. Als tragende Säule sieht das Vorstandsmitglied dabei nach wie vor die deutsche Volkswirtschaft, der er ein Plus von 1,7 Prozent zutraut. Aber auch einige Peripherieländer wie Spanien mit voraussichtlich 2,6 Prozent dürften 2017 spürbar wachsen.

Inflation auf dem Weg zur Normalität

Damit stuft Wilhelm das Wachstumsumfeld robuster ein als noch in den Vorjahren. „Eine Rückkehr zu Vorkrisenniveaus ist diese Entwicklung aber nicht“, schränkt er ein. Daher ist die angesprungene Inflation auch kein Grund zur Beunruhigung. „Die Wachstumskräfte sind noch nicht dynamisch genug, um über Zweitrundeneffekte eine nachhaltig steigende Inflation zu verursachen“, stellt er klar. Vielmehr sieht er die Entwicklung vor allem in statistischen Basiseffekten aus der Stabilisierung der Rohstoffpreise begründet und verweist auf die geringen Steigerungen bei der Kerninflation, also ohne Nahrungsmittel und Energie. „Was wir bei der Teuerung derzeit beobachten, ist eine Gesundung von den gefährlich niedrigen Raten der letzten Jahre. Daher ist die etwas höhere Inflation zunächst einmal eine gute Nachricht.“ Die Vorhersagen von Union Investment für 2017 liegen bei 1,3 Prozent für den Euroraum. Allerdings wächst laut Wilhelm mit der anziehenden Inflation auch der Druck auf die Sparer, ihr Vermögen vor Kaufkraftentzug zu schützen. „Niedrigzins und höhere Teuerung sind Gift für Festgeld oder Sparbuch. Beides sind akute Bedrohungen für den Wohlstand in Deutschland“, warnt das Vorstandsmitglied.

Geldpolitischer Ausnahmezustand läuft aus

Die weltweit anziehende Konjunktur und eine leicht höhere Inflation sind nach Einschätzung des Kapitalmarktstrategen die wesentlichen Gründe dafür, dass der geldpolitische Ausnahmezustand seinem Ende entgegengeht. „In den USA haben wir die Zinswende bereits hinter uns. Wir rechnen damit, dass 2017 noch zwei bis maximal drei Zinsschritte folgen werden“, skizziert Wilhelm die Erwartung an die US-Notenbank Federal Reserve. Auch in Europa zeichnet sich seiner Meinung nach perspektivisch das Ende der ultralockeren Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) ab: „Die Signale sind klar: Die EZB will aus den Anleiheankäufen aussteigen.“ Mit der Verringerung des monatlichen Volumens auf 60 Milliarden Euro ist – trotz der zeitlichen Verlängerung des Programms – ein erster Drosselungsschritt gemacht. „Die EZB wird ihre Tapering-Marschroute beibehalten“, sagt er.

Politische Risiken ernst nehmen, aber nicht überbewerten

Die politischen Rahmenbedingungen waren bereits im vergangenen Jahr maßgeblich für die Bewegungen an den Kapitalmärkten. „Das wird sich 2017 nicht ändern“, fasst Wilhelm mit Blick auf die Wahlen in der Eurozone, den Start der Brexit-Verhandlungen und das erste Amtsjahr des neuen US-Präsidenten die Aussichten zusammen. „Die Welt ist konfliktträchtiger und damit unsicherer geworden.“ Für die Kapitalmärkte haben die politischen Risiken in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Allerdings verweist der Vorstand auf die hohen wechselseitigen Abhängigkeiten in einer eng vernetzten Welt. „Am Ende erliegen Staatenlenker dann doch den Sachzwängen, trotz aller zwischenzeitlichen Aufgeregtheit“, analysiert Wilhelm.

Den Aufstieg populistischer Parteien in Europa sieht Wilhelm mit Sorge. Allerdings erwartet er mit Blick auf das laufende Jahr keine Verschärfung der Lage durch Wahlsiege EU-kritischer Kräfte: „Weder in den Niederlanden noch in Frankreich oder Deutschland ist ein Trump-Moment im Sinne einer Regierungsübernahme durch einen der Außenseiter wahrscheinlich.“ Auch für Italien geht der Kapitalmarktstratege davon aus, dass im Falle vorgezogener Neuwahlen der Regierungskurs sich nicht grundlegend ändern wird. „Am Ende wird in Rom nicht an der Einbindung in die EU gerüttelt werden“, verweist er mit Blick auf die Abhängigkeit des Landes vom Rest des Kontinents.

Zu früh für einen Abgesang auf das Niedrigrenditeumfeld

Diese fundamentalen Veränderungen führen zu einem einsetzenden Wechsel der Attraktivität von Anlageklassen, Regionen und Investmentstilen. Ob diese bereits im Jahr 2016 begonnene Rotation – auch als Reflationierungs-Trade bezeichnet – in unverminderter Stärke anhält, hängt laut Jens Wilhelm vor allem vom Konjunktur- und Inflationsbild ab. „Wir sehen eine Verbesserung, aber keine Wachstumsexplosion. Es ist daher noch zu früh für einen Abgesang auf das Niedrigrenditeumfeld“, folgert er.

Mit Blick auf die einzelnen Assetklassen hält er das Umfeld vor allem für sichere Rentenanlagen für herausfordernd: „Höheres Wachstum und steigende Inflation bedeuten Gegenwind für sichere Anleihen. Wir rechnen daher mit moderat anziehenden Renditen.“ Bei deutschen Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit erwartet er bis zum Ende des Jahres einen Anstieg auf 0,8 Prozent. Hier wirkt das Ankaufprogramm der EZB weiter bremsend auf die Renditeentwicklung. In den USA, wo die Unterstützung durch die Notenbank praktisch bereits weggefallen ist und zudem das Wachstum höher liegt, geht Wilhelm für zehnjährige Staatspapiere von einem Renditeniveau von 2,8 Prozent Ende 2017 aus. Die hohe Zinsdifferenz stützt dabei den US-Dollar, gerade gegenüber dem Euro. „In den kommenden Monaten ist die Parität möglich“, meint er.

Bei Aktien sind laut Wilhelm weitere Kursanstiege im mittleren einstelligen Bereich realistisch. „Wichtig ist der Qualitätsunterschied zu den Vorjahren“, stellt er heraus. „2017 dürften die Unternehmen erstmals seit Langem wieder deutliche Ertragssteigerungen einfahren. Kursanstiege an der Börse sind damit gewinnseitig gut unterfüttert und nicht mehr nur das Resultat höherer Bewertungen.“ In den USA hält Wilhelm ein Gewinnplus von fünf Prozent für wahrscheinlich, in Europa sogar über zehn Prozent. „Höhere Unternehmensgewinne sind der beste Treibstoff für höhere Kurse“, unterstreicht er.

Wilhelm rät Anlegern: „Das Börsenjahr droht unruhig zu werden, da vieles im Umbruch ist. Investoren sollten die Ruhe bewahren und sich nicht von vorübergehenden Turbulenzen nervös machen lassen.“ Darüber hinaus verweist er auf die mit den Veränderungen verbundenen Chancen. „Richtungswechsel an den Kapitalmärkten bergen immer auch Ertragsperspektiven. Flexibilität und Aktivität sind dabei der Schlüssel zum Anlageerfolg“, ist Wilhelm zuversichtlich.

Inflation auf dem Vormarsch – wie nachhaltig ist diese Entwicklung?

von Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Die relativ hohen Inflationsraten in Dezember und Januar (in Deutschland + 1,7 Prozent und + 1,9 Prozent) lassen an den Kapitalmärkten die Erwartungen auf ein nachhaltiges Anziehen der weltweiten Inflation wachsen. Schon jetzt macht vereinzelt der Begriff der „Reflation“ die Runde. Glaubt man den Äußerungen der Offiziellen der Europäischen Zentralbank (EZB), handelt es sich allerdings nicht um eine dauerhafte Entwicklung. So werden die Inflationsraten von Dezember und Januar vor allem auf deutlich gestiegene Energiepreise zurückgeführt.

Die monatlich veröffentlichten Steigerungsraten der Gesamtinflation und einzelner Inflationskomponenten beziehen sich jeweils auf die Preisentwicklung im Verhältnis zum gleichen Monat des Vorjahres. Vor genau einem Jahr befanden sich die globalen Kapitalmärkte in einem ausgeprägten Konsolidierungsmodus, der beispielsweise dem DAX mit einem Minus von knapp 20 Prozent innerhalb von 6 Wochen den schlechtesten Jahresstart seit Bestehen des Index bescherte.

Eine Ursache dafür war der rasante Verfall der Rohölnotierungen, die zeitweise unter 30 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) lagen. Diese Preise sind somit die Grundlage für die Berechnung der Ölpreissteigerung Anfang 2017. Dabei sind die jeweiligen monatsdurchschnittlichen Preise die relevanten Ausgangsdaten, im Januar und Februar 2016 jeweils rund 40 US-Dollar. Verglichen mit den derzeitigen Notierungen von rund 55 US-Dollar, entspricht dies einer Preissteigerung von 37,5 Prozent.

Auch wenn die inflationsrelevanten Energiekomponenten nicht ausschließlich die Entwicklung des Rohölpreises widerspiegeln, ist anzunehmen, dass die Februar-Inflationsrate für Deutschland auf einem vergleichbar hohen Niveau wie im Januar liegen wird. Unter der Annahme, dass der Preis für Rohöl in den kommenden Monaten in etwa auf dem aktuellen Niveau verharrt, wird sich der preissteigernde Effekt des Ölpreises in den kommenden Monaten allerdings abschwächen. Im März und April 2016 lagen die durchschnittlichen Rohölpreise bei rund 45 US-Dollar, um danach auf Werte zwischen rund 50 US-Dollar und 55 US-Dollar im weiteren Jahresverlauf anzusteigen.

Damit bleibt die Frage nach den sogenannten Zweitrundeneffekten, also dem möglichen Eintreten einer nach oben gerichteten Lohn- und Preisspirale. Vor allem die Lohnabschlüsse hängen von den allgemeinen Inflationserwartungen ab. Steigen diese, werden in der Folge stärker steigende Löhne gefordert. Jüngste Daten der EZB legen jedoch nur eine durchschnittliche Inflationserwartung für 2017 in Höhe von 1,4 Prozent nahe. In Deutschland könnte es dabei angesichts einer relativ niedrigen Arbeitslosenrate zu höherem Lohndruck kommen. Allerdings hat die EZB nicht ausschließlich die deutsche, sondern die Inflationsrate des gesamten Europäischen Währungsraums im Blick. In diesem liegt die Arbeitslosenquote noch immer bei knapp 10 Prozent und dürfte damit den Preisdruck dämpfen. 

Im Gesamtjahr 2017 wird die Inflationsrate daher noch nicht an den Zielwert der EZB von „nahe, aber unter 2 Prozent“ heranreichen. Die Befürchtung einer deflationären Entwicklung ist allerdings vorerst nicht mehr gegeben.

Für Anleger besteht angesichts eines voraussichtlich noch mindestens bis Jahresende manifestierten Null- bzw. Negativzinsniveaus noch dringender als schon in den letzten Jahren die Notwendigkeit einer durchdachten Anlagestrategie, um einen realen Kapitalverlust zu vermeiden.

Was das Jahr des Hahnes für China bereithält

Der Astrologie kommt in China traditionell eine große Bedeutung zu. Das Jahr 2017 ist dem chinesischen Kalender zufolge das Jahr des Hahns. Den in diesem Sternzeichen Geborenen wird gemeinhin Genauigkeit und Intuition attestiert – aber auch, dass sie nicht unbedingt mit dem Strom schwimmen. Wird das Jahr im Zeichen des Hahnes eine höhere Volatilität für den Renminbi mit sich bringen? Michael Lai, Investment Director bei GAM, analysiert die mögliche Entwicklung der chinesischen Währung im laufenden Jahr und erklärt, wo sich Anlagemöglichkeiten bieten.

Die Zeiten für den Renminbi sind derzeit schwierig: Die chinesische Währung gab in den letzten Monaten aufgrund eines stärkeren US-Dollars drastisch nach. Grund dafür waren die Erwartungen steigender US-Zinsen. Auch die Rally in der ersten Januarwoche blieb nur von kurzer Dauer – bereits nach zwei Tagen wertete der Renminbi noch weiter ab als zuvor. „Die chinesische Zentralbank muss nun eine komplexe Situation bewältigen. Die chinesischen Behörden sind letztlich mit einem „7-3“-Dilemma konfrontiert. Sie müssen sicherstellen, dass der Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar nicht unter sieben Renminbi fällt und gleichzeitig gewährleisten, dass die gesamten Devisenreserven die Marke von drei Trillionen US-Dollar nicht unterschreiten“, fasst Michael Lai die aktuelle Situation zusammen.

Kapitalkontrollen als Antwort auf schwache Währung

Die Regierung hat zuletzt auf Kapitalkontrollen zurückgegriffen, um der Situation Herr zu werden. „Im Unternehmenssektor hat die Regierung ihre Kontrollen der Auslandstransfers in der Höhe von über fünf Millionen US-Dollar verstärkt. Zudem wurde der Geldbetrag, den Einzelpersonen ins Ausland überweisen können, beschränkt. China hat Kapitalabflüsse zwar nicht ausdrücklich verboten, nachdem es gerade erst Reservewährungsstatus beim IWF erlangt hat. Aufgrund der veränderten gesamtwirtschaftlichen Fundamentaldaten seit dem Regierungswechsel in den USA muss die Regierung jedoch eine Gratwanderung vollziehen“, so Lai.

Darüber hinaus rechnet der Experte mit einer weiteren Abwertung der chinesischen Währung: „Die Talfahrt des Renminbi wird voraussichtlich auch 2017 weiter anhalten, da der US-Dollar aufgrund der von US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellten Steueranreize zulegen dürfte. Steigende Zinsen und ein stärkerer US-Dollar wirken sich im Allgemeinen negativ auf Schwellenmarktwährungen aus. Es ist wahrscheinlich, dass die Behörden im Verlauf des Jahres 2017 einen leichten Rückgang des Renminbi ausgleichen werden. Dennoch werden sie ihm von Zeit zu Zeit wie im Januar eine Trendwende ermöglichen, damit Spekulanten nicht auf den Gedanken kommen, es handele sich um eine risikolose Wette.“

Zyklische Konsumgüter favorisiert

Angesichts des weltweit reflationären Umfelds nimmt Lai an, dass chinesische Zykliker und Substanzwertsektoren, darunter Rohstoffe, Energie sowie Titel aus der Industrie und der Bauwirtschaft profitieren werden. Bei den „New-Economy“-Sektoren favorisiert der Experte zyklische Konsumgüter, insbesondere Gaming und Online-Dienste, die vom Einzelhandel, Tourismus und Sportbekleidungsgeschäften angeboten werden. Das Gaming-Segment habe sich gut erholt: Die monatlichen Bruttoumsätze verbesserten sich stetig, und auch das profitablere Premiumsegment erlebe einen Aufschwung.

„Angesichts des schärferen Tons in der US-Geldpolitik rechnen wir jedoch nicht mit einer positiven Entwicklung der defensiven Sektoren, darunter anleiheähnliche Aktien wie etwa von Telekom- und Versorgungsunternehmen“, so Lai. „Wir gehen davon aus, dass die Zinsen nach dem jahrelangen Abwärtstrend weltweit langsam wieder anziehen. Dies steht mit dem globalen Paradigmenwechsel im Zusammenhang: Regierungen tätigen orthodoxere keynesianische Staatsausgaben zur Förderung des Wachstums.“

Ruhiges China für 2017 erwartet

Die kontrollierte Abwertung der eigenen Währung gegenüber einem immer stärker werdenden US-Dollar sowie das proaktive Verhalten im überhitzen Immobilien- und volatilen Anleihemarkt sind laut dem Experten deutliche Anzeichen dafür, dass China wirtschaftliche Stabilität bevorzugt. Das Land werde seine Priorität zudem auf einen reibungslosen Wechsel der obersten Führungsmitglieder beim 19. Parteikongress Ende 2017 legen. „Wir gehen davon aus, dass die Regierung den L-förmigen Wirtschaftswachstumspfad weiterverfolgt und möglicherweise sogar einen kleinen Rückzieher bei strukturellen Reformen macht, um die soziale Stabilität zu erhalten. Für 2017 rechnen wir somit mit einem eher ruhigen Umfeld für China. Das bedeutet jedoch auch, dass das Land weder ein starker Motor für die Schwellenmärkte sein dürfte, noch seine Nachbarländer oder Handelspartner herunterziehen wird“, analysiert Lai.

Mehr Protektionismus in den USA dürfte für China keine große Bedrohung darstellen, da es erneut Handelsblockadestrategien anwenden und seine Vormachtstellung in der asiatischen Region ausbauen könne. „China hat diese bereits mit dem ehrgeizigen Infrastrukturprojekt ‚One Belt One Road‘ eingeleitet. Weitere asiatische Länder wie Malaysia und die Philippinen sind bereit, mit China zusammenzuarbeiten, um mehr ausländische Direktinvestitionen zu erhalten. In einer Zeit, in der sich die USA auf interne Belange konzentrieren, orientiert sich China mehr nach außen und könnte schneller eine weltweite Führungsposition erlangen“, schließt Michael Lai.

Qualitätsaktien bieten Schutz in unruhigen Zeiten

von Daniel Roberts, Fondsmanager des Fidelity Global Dividend Fund.

„Qualitätsaktien bieten Anlegern einen gewissen Schutz, sollten die Märkte ins Minus drehen. Sie sollten auch in diesem Jahr in keinem Anlegerportfolio fehlen“, meint Daniel Roberts, Fondsmanager des Fidelity Global Dividend Fund. Im reflationären Umfeld des letzten Jahres gab es vereinzelt gute Chancen, Qualitätsaktien mit deutlichem Kursabschlag zu erwerben, die zudem eine solide wachsende Dividende aufweisen.

Derzeitige Ausschüttungsrendite von knapp drei Prozent

Da Dividenden wesentlich zur Gesamtrendite des Fonds beitrügen, sei es deshalb wichtig, dass sie nachhaltig seien und nicht zulasten des Kapitalwachstums gingen. Mithilfe dieser Strategie sei es seit Fondsauflage vor fünf Jahren gelungen, in jedem Jahr eine höhere Ausschüttung zu bieten. Derzeit beläuft sich die Ausschüttungsrendite des Fonds auf 2,92 Prozent*.

Nicht alle Qualitätsaktien über einen Kamm scheren

„Eine leichte Konjunkturbelebung und Hinweise auf eine Reflationierung der Wirtschaft lösten 2016 eine massive Umschichtung aus Qualitäts- in Substanzaktien – so genannte Value-Aktien – aus. Zugleich stießen Anleger anleiheähnliche Titel, etwa von Versorgern und Grundbedarfsgüterfirmen, ab. Sie wandten sich Aktien zu, die vom Reflationsthema profitieren, allen voran Finanzwerten“, so Roberts.

Bei dieser Rotation wurden alle Qualitätsaktien über einen Kamm geschoren und die Vorteile dieser doch sehr verschiedenen defensiven Branchen völlig ausgeblendet. Viele Qualitätsaktien aus den genannten Industriezweigen mit attraktiven, sich bessernden Fundamentaldaten werden deshalb nun mit erheblichen Bewertungsabschlägen gehandelt.

Er fügt hinzu: „Inzwischen erscheinen die Bewertungen doch recht hoch. Damit die Kurse weiter steigen können, müssen die Gewinne deutlich zulegen. Da die Gewinnmargen der Unternehmen aber bereits recht hoch sind, ist es fraglich, wie sie einen solchen Gewinnanstieg bewerkstelligen sollen. Das Umfeld für Ertragsanleger beurteilt Daniel Roberts nach wie vor optimistisch: „Für mich stehen vernünftig bewertete Qualitätsunternehmen, die Gewinne und Dividenden kontinuierlich steigern bzw. aufstocken können, auch weiterhin im Fokus.“

* Quelle: Fidelity International, 1. Februar 2017. Rendite der Anteilsklasse A-QINC(G)-EUR des Fidelity Global Dividend Fund.

Gute Perspektiven für die US-Wirtschaft

Interview mit Dr. Andreas Busch, Senior Analyst Economics des Anleihemanagers Bantleon.

Zweifelsohne besteht ein Risiko, dass Donald Trump mit umfangreichen protektionistischen Maßnahmen die US-Wirtschaft massiv belastet. »Lässt man dieses Schreckensszenario jedoch außen vor,  dann präsentiert sich die amerikanische Wirtschaft in einer rundum erfreulichen Verfassung«, sagt Dr. Andreas Busch, Senior Analyst Economics des Anleihemanagers Bantleon. Vor allem der Nachholbedarf von Unternehmen bei Investitionen, aber auch der Wohnungsbau und der private Konsum sollten die Konjunktur im Jahr 2017 anschieben. »Insgesamt sehen wir die US-Wirtschaft in einer guten Ausgangslage für ein deutlich anziehendes BIP-Wachstum von 2,5% in diesem Jahr.« Und diese Prognose basiert auf konservativen Zahlen. Möglich ist Busch zufolge sogar ein noch stärkeres Wachstum.

Herr Dr. Busch, 2016 ist die US-Wirtschaft mit 1,6% so langsam gewachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Wie ist die Ausgangslage für dieses Jahr? 

Dr. Andreas Busch: Lässt man die Unwägbarkeiten beiseite, die durch die unklare wirtschaftspolitische Marschrichtung der neuen Regierung Trump entstanden sind, präsentiert sich die US-Wirtschaft in einer rundum erfreulichen Verfassung. Wir hatten bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die drei wichtigsten Bremskräfte, die das BIP-Wachstum in den zurückliegenden Quartalen gedämpft hatten, inzwischen der Vergangenheit angehören: Sowohl der Einbruch der Investitionen in der Ölförderindustrie um mehr als 70% als auch der Gegenwind von der über 20%-igen US-Dollar-Aufwertung sowie der Abbau der zu hohen Lagerbestände sind mittlerweile verdaut. 

Welche Kräfte werden 2017 die Konjunktur antreiben?

Busch: Die fundamentalen Aufschwungskräfte gewinnen wieder an Bedeutung. Eine besondere Rolle spielt dabei der Nachholbedarf bei den Investitionen. Im Unternehmenssektor hat die Nachfrage nach Kapitalgütern während vier Quartalen stagniert. Die Investitionsquote, also der Anteil der Netto-Investitionen am BIP, ist in diesem Zuge wieder auf ihren langfristigen Trend zurückgefallen. Von Überkapazitäten, die während einer längeren Aufschwungsphase entstehen können, ist folglich nach wie vor nichts zu sehen. Im Gegenteil – der Bedarf für Erweiterungsinvestitionen ist zuletzt sogar gestiegen und dürfte ein wichtiger Treiber des BIP-Wachstums im laufenden Jahr sein.

Welche Bedeutung haben die privaten Investitionen?

Busch: Bei den Investitionen der privaten Haushalte, also dem Wohnungsbau, sieht die Lage ähnlich aus. Hier liegt die Investitionstätigkeit sogar noch unter dem langfristigen Trend, was sich auch in der historisch tiefen Eigenheimquote und den niedrigen Leerstandsraten von Mietobjekten spiegelt. Deshalb dürfte der private Wohnungsbau in den kommenden Jahren ebenfalls ein wichtiger Wachstumsmotor sein. Dieser positive Ausblick für den Immobilienmarkt stützt sich auch auf die erfolgreiche Entschuldung der privaten Haushalte. Mit gut 100% des verfügbaren Jahreseinkommens hat sich der Schuldenstand der US-Bürger inzwischen um knapp ein Viertel gegenüber dem Höchststand aus dem Jahr 2007 reduziert. Gleichzeitig ist die Schuldendienstquote – das ist die Summe der Zins- und Tilgungszahlungen in Relation zum verfügbaren Einkommen – mit rund 10% auf einen neuen historischen Tiefstand gesunken. 

Und wie sieht es mit dem privaten Konsum aus?

Busch: Der private Konsum hat wegen des erfolgreichen Schuldenabbaus ebenfalls zusätzliches Potential. Dies resultiert auch aus der Tatsache, dass die US-Bürger zuletzt relativ viel gespart haben. Üblicherweise nimmt die Spartätigkeit ab, wenn die Vermögen, wie aktuell zu beobachten, zulegen. In den vergangenen drei Jahren haben die privaten Haushalte aber ungeachtet der Vermögenszuwächse nicht weniger, sondern mehr gespart. Wir werten dies indes primär als ein vorübergehendes Vorsichtssparen, das im Windschatten eines beschleunigenden Konjunkturaufschwungs mit anhaltender Arbeitsmarkterholung und stärkerem Lohnwachstum sukzessive an Bedeutung verlieren wird – der Konsum erhält im Gegenzug einen zusätzlichen Schub. 

Was bedeuten diese positiven Rahmenbedingungen für das Wachstum der US-Wirtschaft?

Busch: Insgesamt sehen wir die US-Wirtschaft in einer guten Ausgangslage für ein deutlich anziehendes BIP-Wachstum von 2,5% in diesem Jahr. Die Risiken bei dieser Prognose sind dabei zweigeteilt. Auf der einen Seite lastet der Konfrontationskurs der neuen Regierung Trump auf dem Ausblick. Kommt es zu einer Eskalation der Handelskonflikte, würde das BIP-Wachstum unweigerlich gebremst. Auf der anderen Seite sehen wir bei den wichtigsten gesamtwirtschaftlichen Nachfragekomponenten positives Überraschungspotential. So rechnen wir bei den Anlageinvestitionen mit einer Beschleunigung auf lediglich 4% p.a. – nach einer Stagnation 2016. Gemessen an Werten von über 10% p.a. in den vergangenen Aufschwungsphasen ist das konservativ. Ähnlich vorsichtig sind wir beim Konsumwachstum, das im laufenden Jahr bei rund 2,5% liegen dürfte, was ebenfalls weniger ist als in vergleichbaren Aufschwüngen. Die Möglichkeit, dass sich diese beiden wichtigsten gesamtwirtschaftlichen Nachfragekomponenten dynamischer entwickeln und damit das BIP noch stärker anschieben als von uns im Basisszenario veranschlagt, ist somit nicht zu vernachlässigen.

Schwindendes Vertrauen in die Märkte unterstützt den Goldpreis

Nach der irrationalen Euphorie im Zuge der Trump-Wahl kehren die Märkte allmählich zur Normalität zurück. So lautet die Einschätzung von Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds von VanEck. Allerdings blieben die Marktteilnehmer nahezu „besessen“ von der neuen US-Regierung – ähnlich wie von den Entscheidungen der Federal Reserve seit der letzten Finanzkrise. Das zeige beispielsweise die erneute Schwäche des US-Dollars (USD) infolge kontroverser Aussagen und Handlungen des Präsidenten und führender Regierungsvertreter.

Aussagen zum US-Dollar verunsichern die Märkte

Trump legte zuletzt nahe, dass eine starke Landeswährung nicht unbedingt im besten Interesse der Vereinigten Staaten sei. Auch der zukünftige Finanzminister Steven Mnuchin tätigte Aussagen, die als für den USD nicht stützend interpretiert wurden. Darüber hinaus belasten kontroverse Erlässe und die handelsfeindliche Haltung des Präsidenten das Vertrauen der Investoren in die US-Regierung: „Die Märkte beginnen damit, die tatsächlichen Risiken durch Trump einzupreisen“, erklärt Foster.

Gold und Goldaktien auf der Überholspur

Gold und Goldaktien haben einen äußerst starken Start ins neue Jahr hingelegt, nachdem sie zum Ende des vergangenen Jahres überverkauft waren. Während der Goldkurs im Januar um 5,1 Prozent anstieg, legte der NYSE Arca Gold Miners Index um 13,7 Prozent zu. Der MVIS Global Junior Gold Miners Index, der die Entwicklung von Small-Caps im globalen Goldsektor modelliert, erzielte sogar Kursgewinne in Höhe von 17,9 Prozent. „Solange sich die Zinsen weiterhin auf mikroskopischem Niveau und US-Aktien auf Höchstständen verharren, bleibt Gold für uns die offensichtliche Wahl als sicherer Hafen“, so Foster.

Den vollständigen Marktkommentar von VanEck mit Charts finden Sie links als PDF.

Politische Unsicherheit: Sichere Anlagen rücken in den Blickpunkt

Die starken Zuflüsse in Gold-ETPs von 141 Mio. USD waren eine Folge der politischen Unsicherheiten, die die Marktstimmung prägen, während die Zuflüsse in Platin-ETPs auf den Autoabsatz zurückgingen. Die Zuflüsse in Robotik-ETFs betragen für Februar bereits 80 Mio. USD, da die Kurse wöchentlich neue Hochstände erreichen. In Industriemetall-ETPs flossen 22 Mio. USD, da die Anleger die beabsichtigte Lockerung des indonesischen Ausfuhrverbots für Eisenerz in Frage stellten, so ETF Securities im wöchentlicher Rohstoffüberblick. Die vollständige Analyse mit Charts finden Sie links als PDF.

Die starken Zuflüsse in Gold-ETPs (A0LP78) waren eine Folge der politischen Unsicherheiten, die die Marktstimmung prägen. In Gold-ETPs flossen in der vergangenen Woche 141 Mio. USD, da die Goldpreise um 1,1 Prozent auf fast 1.242 USD/oz. zulegten. Wir sehen den Goldpreis Ende des Jahres bei 1.230 USD/oz., da die Notenbanken bei den Zinsen einen schärferen Ton anschlagen werden. „Zuvor könnten der schwächere US-Dollar und das Niedrigzinsumfeld – eventuell unterstützt von politischen Ereignissen wie den Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland – den Goldpreis noch bis zur Jahresmitte auf 1.300 USD/oz steigen lassen“, sagt Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Das zunehmende Interesse an Zukunftssektoren ist für Robotik-ETFs (A12GJD) ein gutes Zeichen. In der zurückliegenden Woche kam es zum dritten Mal hintereinander zu zweistelligen Zuflüssen in Robotik-ETFs, da der Basisindex Woche für Woche neue Höchststände erreicht und allein in diesem Jahr 9 Prozent zulegte. „Die Zuflüsse betrugen im Februar 2017 bisher insgesamt 80 Mio. USD, was dem höchsten monatlichen Zufluss seit Auflegung im Oktober 2014 entspricht“, sagt Hein.

Die Anleger erhöhten ihr Engagement in Industriemetallen (A0SVX7), da sie die beabsichtigte Lockerung des indonesischen Ausfuhrverbots für Eisenerz in Frage stellten. Die Ankündigung hatte im Januar zunächst die Industriemetallpreise belastet, da bei einer Aufhebung der seit 2014 gültigen Exportsperre mit einem Anstieg des globalen Angebots zu rechnen war. Jenes wird sich aber wohl in Grenzen halten, zumal Unternehmen, die bereits Aufbereitungsanlagen bauen, für bis zu fünf Jahre kostenlose Lieferungen erhalten. „Die Nickelpreise fielen nach der Ankündigung um 8 Prozent, stiegen dann aber wieder stark an, sodass in Nickel-ETPs (A0KRJ4) 11 Mio. USD und in Industriemetall-ETPs 24,4 Mio. USD flossen“, sagt Hein.

Auch Edelmetalle mit industriellen Anwendungen besaßen eine gewisse Zugkraft. Platin-ETPs (A0N62D) verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse von 8,6 Mio. USD, da sein Preis aufgrund des in den meisten großen Volkswirtschaften unerwartet guten Autoabsatzes um 1,7 Prozent anzog. „Die Volatilität des südafrikanischen Rand und das immer vorhandene Potenzial für politische Unruhen werden wohl auch künftig die Metalle der Platingruppe zurückhalten“, sagt Hein.

Da sich die Fördermengen in den USA weiter erholen, erlebten Rohöl-ETPs in der dritten Woche in Folge Abflüsse. Die Abflüsse beliefen sich in der vergangenen Woche auf 32,2 Mio. USD, wobei Rohöl der Sorte WTI (A0KRJX) verkauft wurde, während es bei Brent-ETPs (A1N49P) zu Zuflüssen in Höhe von 10 Mio. USD kam. Hierin äußert sich die traditionelle Sichtweise, dass Rohöl der Sorte Brent eher von der Erschöpfung der europäischen Ölfelder und der OPEC-Förderpolitik betroffen ist, während die Sorte WTI hauptsächlich von der US-Produktion von Schieferöl abhängt. „Unseres Erachtens wird der Druck auf die Rohölpreise kurzfristig nicht nachlassen, da die Förderung und die Lagerbestände in den USA weiter zunehmen“, sagt Hein.

„Anhaltender Trend zur Spezialisierung und verstärkte Internationalisierung“

Die Investmentstatistik 2016 des Fondsverbands BVI kommentiert Michael Schneider, Geschäftsführer der Service-KVG IntReal:

An der BVI-Investmentstatistik 2016 lassen sich grundlegende Entwicklungen am Markt für institutionelle Immobilien-Investments ablesen: Erstens die anhaltend hohe Nachfrage nach der Assetklasse Immobilien allgemein. Das Nettofondsvermögen der in der Statistik erfassten offenen Immobilien-Spezial-AIF liegt mit 64,5 Milliarden Euro zum 31. Dezember um 17,8 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Der Netto-Mittelzufluss über alle in der Statistik erfassten Initiatoren war im Jahr 2016 mit 8,4 Milliarden Euro ebenfalls überdurchschnittlich hoch. 

Das starke Wachstum von Mandaten, bei denen Administration und Immobilienmanagement von jeweils eigenständigen Akteuren übernommen werden, zeugt vom anhaltenden Trend zur Spezialisierung in der Immobilienfondsverwaltung – der zweite Trend bei institutionellen Investments. Das zeigt sich auch am starken Wachstum des Bereichs Partnerfonds bei IntReal. Das Volumen der über die IntReal-Plattform administrierten Partnerfonds (Assets under Administrations, AuA) lag zum Jahresende 2016 mit 7,7 Milliarden Euro um 56 Prozent höher als Ende 2015. 

Anleger setzen verstärkt auf die Zusammenarbeit mit spezialisierten Managern, sowohl im Hinblick auf Objektarten als auch regional. Zudem wächst der Anteil international ausgerichteter Investment-Konzepte im deutschen Markt weiter. Anleger fragen danach, weil sie ihre Portfolien stärker diversifizieren wollen. Aufseiten der Asset Manager wiederum ist ein stärkeres Engagement internationaler Adressen zu beobachten, die Produkte für Anleger aus Deutschland auflegen. Für alle diese Gruppen sind Master-/Service-KVG-Lösungen häufig die erste Wahl.

Wir bei IntReal freuen uns und sind stolz im Jahr 2016 gemeinsam mit unseren Fondspartnern einen der höchsten Nettomittelzuflüsse in der Branche erzielt zu haben. Beim administrierten Fondsvolumen ist IntReal unter den in der BVI-Statistik für Immobilien-Spezialfonds erfassten Anbietern mit einem Anteil von 9,3 Prozent die Nr. 2; zählt man das Geschäftsbesorgungsmandat der Warburg-HIH Invest Real Estate hinzu, ist die Service-KVG mit 9,9 Mrd. Euro administriertem Netto-Fondsvolumen die klare Nr. 1.

Von diesen Technologie-Trends können Anleger 2017 profitieren

Der Technologie-Sektor wächst rasant, umfasst ein breites Themenspektrum und bietet entsprechend viele Anlage-Möglichkeiten für Rendite-Jäger. Umso wichtiger wird es für Anleger sein, die für 2017 relevanten Themen ausfindig zu machen. Mark Hawtin, Investment Director bei GAM, stellt die aus seiner Sicht sechs wichtigsten Technologie-Themen für 2017 vor und erklärt, warum Hardware künftig nicht mehr die wichtigste Rolle spielen wird.

1. Künstliche Intelligenz: Deep Learning hoch im Kurs

McKinsey berechnete im Jahr 2011, dass im Laufe der nächsten zehn Jahre bis zu 100 Millionen Arbeitsplätze durch die Automatisierung vernichtet würden – seither sorgt das Thema künstliche Intelligenz regelmäßig für Schlagzeilen. Als revolutionär hat sich das sogenannte „Deep Learning“ erwiesen – die Technologie, die es beispielsweise Netflix ermöglicht,  persönlich zugeschnittene Empfehlungen für jeden Nutzer zu erstellen. Aus dem verbesserten Nutzererlebnis folgt eine gesteigerte Nachfrage und stärkere Kundenbindung, die dem Unternehmen widerrum höhere Umsätze einbringt. Im Einzelhandelssektor ist Amazon beim Thema künstliche Intelligenz führend. Das Unternehmen begleitet Nutzer überall im Internet auf Schritt und Tritt und passt seine Kaufvorschläge entsprechend der besuchten Webseiten an.

Namhafte Großunternehmen nutzen diese Technologie bislang am intensivsten. Sie verfügen über enorme Datenbestände, die von der Systemoptimierung mittels künstlicher Intelligenz besonders profitieren. Amazon, Facebook, Google und Microsoft sind Vorreiter, wenn es darum geht, mit künstlicher Intelligenz das Nutzererlebnis sowie die Kauflust zu steigern. 

2. Speicherplatz: Der Bedarf wächst

Alles, womit uns die Technologie begeistert, erfordert Speicherplatz. Doch ausgerechnet bei diesem Thema verschlechtert sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zusehends. Erstmals seit elf Jahren stieg der Preis für Silizium-Wafer, dem Grundstoff für Speicherchips. Zugleich verdoppelte sich der Aktienkurs einiger Speicherhersteller im Zuge des Nachfrageanstiegs seit 2015. Aufgrund hoher Gewinne im Dezember korrigierte Micron seine Prognose für das laufende Quartal nach oben und rechnet nun mit einem Anstieg seiner Gewinnmargen auf bis zu 34 Prozent. Auch der Konkurrent Western Digital hat seine Gewinnprognosen inzwischen nach oben korrigiert.

Bislang unterschätzt der Markt die Kraft und Bedeutung des Speicherthemas im Jahr 2017. Viele Anleger scheuen sich nach dem – durch den schwächeren PC-Absatz in Schwellenländern verursachten – Rückgang im Jahr 2015, wieder in diesen Bereich zu investieren. Angesichts der starken Preisanstiege ist der Lockruf des Speicherthemas jedoch nur schwer zu ignorieren.

3. Cloud Computing: Software der Zukunft

Nur ein Prozent der weltweiten IT-Ausgaben fließen derzeit in Cloud-Computing-Ressourcen. Gleichzeitig setzen jedoch bereits über 60 Prozent aller neuen Software-Applikationen eine Cloud-Infrastruktur voraus. Unternehmen werden ihre Investitionen erhöhen müssen, um die Software der Zukunft nutzen zu können. Große Unternehmen beschäftigen sich nun zunehmend mit der Massenverschiebung von Infrastruktur in die Cloud. Laut einer Umfrage von Bernstein ist der Anteil der CIOs, die angeben, dass eine öffentliche Cloud in fünf Jahren einen bedeutenden Teil ihres IT-Bestandes ausmachen wird, in den letzten zwölf Monaten von 24 Prozent auf 51 Prozent gestiegen. Microsoft und Amazon bieten attraktive Möglichkeiten für ein entsprechendes Engagement. Amazon soll laut Prognosen bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts genauso viel Umsatz mit IT-Dienstleistungen erzielen wie mit seinem Einzelhandelsgeschäft, wobei die Gewinne beim IT-Geschäft deutlich höher ausfallen dürften.

4. Wachstumswerte: Trendwende wahrscheinlich

Wachstumswerte haben in den letzten 24 Monaten im Vergleich zu Substanztiteln so stark verloren, dass eine Trendwende so gut wie sicher erscheint. Google und Facebook sind derzeit für 2018 noch günstiger bewertet als die hochkapitalisierten „alten“ Technologiewerte Microsoft und Texas Instruments – dieses Szenario dürfte jedoch unhaltbar sein. US-Präsident Donald Trump könnte am Markt eine Rotation in Wachstumstitel auslösen, wenn das Reflationsthema an Bedeutung gewinnt und die Risikobereitschaft wieder zunimmt. Dies würde etwaige Zinserhöhungen kompensieren. Die Geschichte lehrt, dass das Ertragspotenzial extrem positiv ist, wenn Wachstumswerte wieder in der Anlegergunst steigen: 2013 wurden wir zuletzt Zeuge einer enormen Outperformance von Wachstumswerten. Im Jahr 2017 könnte es erneut zu einer solchen Wende kommen.

5. Sicherheit: „Big Data“-Unternehmen profitieren 

Das Thema Sicherheit gewinnt wieder an Bedeutung. Mit der Ausbreitung mobiler Geräte und der Verlagerung von Daten in die Cloud wird es zunehmend schwieriger, Cyber-Angriffe mit isolierten Schutzmaßnahmen abzuwehren. Das Erkennen von Angriffen und die Einleitung von Gegenmaßnahmen werden eine erheblich wichtigere Rolle als die Vorbeugung spielen. Hier ist das Datenvolumen entscheidend, um zwischen Gewinner- und Verliereraktien zu unterscheiden. So verfügt beispielsweise Symantec über 30 Millionen Privatnutzer, 175 Millionen Installationen in Unternehmen und hat mehr als drei Billionen Zeilen schädlicher Codes in seinen Datenbanken, zu denen pro Sekunde 250.000 hinzukommen. Symantec besitzt durch diesen Schatz an Daten – Stichwort „Big Data“ – einen Vorteil bei der Erkennung von Bedrohungen, der in der Branche seinesgleichen sucht.

6. Customer Lifecycle Management: die allumfassende Marketing-Strategie

Online-Werbung hat sich zum Customer Lifecycle Management gemausert – das Management der Kundenbeziehung über den gesamten Einkaufszyklus hinweg. Hierbei geht es unter anderem darum, wie Kunden, vom Moment an, wo sie auf eine Werbeanzeige klicken, bis zum Ende des Konsumzyklus betreut und gebunden werden. Das Kundenmanagement war lange Zeit sehr modular aufgebaut: Client Relationship Management (CRM), Marketing, Kundensupport. Wir sehen jedoch einen starken Trend zu End-to-End-Lösungen. Das Customer Lifecycle Management, das traditionell nur durch Werbebudgets finanziert wurde, hat heute Zugriff auf die gesamten Marketingbudgets, die sich weltweit auf über eine Billion US-Dollar belaufen. Neben Facebook und Google sind hier auch Unternehmen wie Salesforce, Pegasystems und Adobe stark investiert.

Auf Software setzen

Hardware wird immer mehr an Bedeutung verlieren. Obwohl die Meldungen über neue Geräte, faltbare Bildschirme, virtuelle Realität, Drohnen und das vernetzte Zuhause nicht abreißen, handelt es sich hierbei nur um Evolutionen, aber nicht um Revolutionen. Während man leicht in Begeisterung über Dinge verfällt, die man sehen und anfassen kann, ist dies bei kryptischen Codezeilen nicht ganz so einfach. Worauf es aber in erster Linie ankommt, sind die Software und die Anwendungen, die auf diesen Geräten ausgeführt werden, um unser Bedürfnis nach Sinneseindrücken zu befriedigen. Die Software hält alles zusammen –  und Kommunikation und Interaktion sind am Ende das, worauf es ankommt.

Dividendenaktien sind auch bei steigenden Zinsen wertvoll im Depot

Die US-Notenbank hat bereits die US-Leitzinsen auf 0,75% erhöht und setzt den eingeschlagenen Zinssteigerungspfad fort. Für 2017 werden drei Zinsschritte der Fed erwartet, so dass Anleger sich vermehrt Gedanken darüber machen, wie sich ihre Anlagen in diesem Umfeld schlagen werden.

Eine Untersuchung von smart-invest anhand historischer Daten zeigt, dass Dividendenaktien in Zinssteigerungsphasen im Durchschnitt schlechter abschneiden, als Aktien von Unternehmen, die keine Dividende zahlen. Heißt dies, Anleger sollten sich von Dividendenaktien trennen? „Nein, wir sehen Dividendenaktien immer noch als die richtige Wahl für risikobewusste und langfristig orientierte Anleger an“, stellt Arne Sand, Geschäftsführer und Portfoliomanager bei smart-invest, klar.

Die Gründe für diese Einschätzung sind wie folgt: Dividendenaktien liefern langfristig über alle Zinsphasen einen Mehrwert. Über einen Zeitraum von über 60 Jahren konnte eine Überrendite von 2,3% pro Jahr erzielt werden. Zudem ist die Zusammensetzung eines Portfolios aus Dividendenaktien wichtig. Die Qualität und das Wachstum der Unternehmen, eine günstige Bewertung und die Diversifikation über verschiedene Sektoren sind entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Investition. „Ein wichtiges Ergebnis ist zudem, dass sich bei Marktverwerfungen eine Investition in qualitativ hochwerte Dividendenaktien immer auszahlt, ganz gleich in welcher Zinsphase“, stellt Sand klar.

Die vollständige Analyse von smart-invest finden Sie im links angehängten Trimesterbericht.

Höhere Volatilität bietet Chancen

von George Efstathopoulos, Multi-Asset-Experte bei Fidelity International.

Weltweit beherrschen beispiellose politische und wirtschaftliche Unsicherheiten die Schlagzeilen. Zugleich gehen die Kennzahlen zur Aktienvolatilität zurück. Dieser Widerspruch erklärt sich wie folgt: Teil des Problems ist, dass die aktuellen Kennzahlen zur Marktvolatilität als Risikobarometer zu wünschen übrig lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass schwankungsarme Phasen Anleger zu selbstzufrieden machen und dem Hang zur Konsenspositionierung Vorschub leisten. Die Folge ist ein sich selbst verstärkender Trend an den Märkten mit noch weniger Volatilität, mit dem jedoch zugleich die Gefahr eines plötzlichen Stimmungsumschwungs steigt.

In den letzten vier Jahren wurde dieses Anlegerverhalten durch die Politik der Zentralbanken noch verstärkt. Ungewöhnlich niedrige Zinsen und Anleihenkäufe haben Anleger in riskantere Anlageklassen getrieben. Das hat die Preise angefacht und die Volatilität gedämpft. Tatsächlich ist die realisierte Aktienvolatilität* gegenwärtig nicht weit von den 2006/2007 erreichten Allzeittiefs entfernt. Sporadische Überraschungen haben jedoch immer wieder massive Kursverluste ausgelöst und verdeutlichen die mit dem aktuellen Umfeld einhergehenden Risiken. 

An den Märkten dreht der Wind

Aber langsam dreht sich an den Märkten der Wind. Die US-Notenbank hat den Politikwechsel bereits vollzogen und erhöht die Zinsen. Auch die Europäische Zentralbank und die Bank von Japan haben ihre Taktik geändert, nachdem ihre geldpolitischen Maßnahmen mit Negativzinsen und immer neuen quantitativen Lockerungen zunehmend wirkungslos verpufften. Den Pfad der quantitativen Lockerung haben sie zwar noch nicht ganz verlassen. Anleger können sich aber nicht länger darauf verlassen, dass die Zentralbanken automatisch den Geldhahn weiter aufdrehen und Wirtschaft und Märkte stützen, wenn sich die Lage verschlechtert.

Ein Beleg, dass die Geldpolitik ihre tragende Rolle für Wirtschaft und Finanzmärkte an die Haushaltspolitik abgeben hat, könnte der jüngste Volatilitätsrückgang bei Aktien und die starke Ausrichtung vieler Portfolios auf mehr Wachstum und Inflation sein. 

Höhere Aktienschwankungen nicht per se schlecht

Allerdings ist die Wirkung haushaltspolitischer Maßnahmen eine andere. So fällt als Erstes die starke Rotation an den Aktienmärkten seit Anfang November auf: Defensive anleihenähnliche Aktien sind in der Gunst der Anleger zurückgefallen, die vermehrt in traditionell zyklische Aktien mit höherer Volatilität umschichten. Seitdem ist die Volatilität von Portfolios mit niedrigem Risikofaktor höher als von solchen, die auf die Faktoren Qualität, Wachstum und Substanz setzen. Auch auf Einzeltitelebene hat die Volatilität zugenommen und ist bei anderen Anlageklassen wie Staatsanleihen aus Kernländern und an den Devisenmärkten ebenfalls auf dem Vormarsch.

Stärkerer Einfluss fundamentaler Faktoren auf Renditen erwartet

Anleger sollten daher mit tendenziell höheren Schwankungen bei Aktien und möglicherweise stärkeren Kursausschlägen im Vorfeld und nach wichtigen bevorstehenden Ereignissen rechnen.

Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein. Da die verzerrende Wirkung der quantitativen Lockerungen nachlassen dürfte, werden fundamentale Faktoren die Renditen künftig wohl wieder stärker beeinflussen. Höhere Volatilität und das Abebben des ständigen Wechselbads aus Risikoscheu und Risikobereitschaft sollten eine bessere Diversifizierung von Portfolios ermöglichen. Darüber hinaus ist die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen tendenziell niedriger, wenn die Aktienvolatilität zunimmt. Beides ist für eine effiziente Asset-Allokation vorteilhafter.

Mit höherer Volatilität und niedrigeren Korrelationen steigen zu guter Letzt auch die Alpha-Chancen für aktive Manager, die talentiert und flexibel genug sind, um sie zu ihrem Vorteil zu nutzen. Das ist wichtig in einer Welt, in der die erwarteten Renditen niedrig bleiben, die Inflation anzieht und der dauerhafte Schutz vor Verlusten teuer ist.


*Grundlage der Berechnung ist die über einen gleitenden 3-Jahreszeitraum ermittelte Volatilität der annualisierten 90-Tage-Volatilität der täglichen Gesamtrendite des MSCI World Index.

Die Märkte werden irrationaler

Investmententscheidungen und insbesondere die Analyse von Unternehmensbewertungen werden zunehmend von verhaltensökonomischen Faktoren beeinflusst. Das verstärkt den Herdentrieb an den Märkten. „Der Einfluss des menschlichen Verhaltens auf die Märkte ist so hoch wie selten zuvor. Immer mehr Investoren laufen Gefahr, ihren eigenen irrationalen Entscheidungen zum Opfer zu fallen“, erklärt Sacha El Khoury, Fondsmanagerin und Expertin für europäische Aktien bei BMO Global Asset Management. Besonders besorgniserregend sei ein immer stärker werdender Trend zum sogenannten „anchoring“, bei dem Entscheidungsprozesse von irrelevanten Informationen beeinflusst werden.

Gerade in der alltäglichen Arbeit vieler Analysten ist diese Vorgehensweise fest verankert. Denn um Prognosen über zukünftige Unternehmenswerte zu erstellen, stützen sie sich auf Hochrechnungen. Diese Praxis birgt grundliegende Schwächen: So werden nicht nur fundamentale Branchenentwicklungen ignoriert, sondern auch irrationale Marktbewegungen gefördert. „In übermäßig euphorischen Phasen steigen so die Erwartungen, was die Kurse künstlich in die Höhe treibt. Gleichzeitig nimmt damit auch die Fallhöhe für potentielle Rückschläge zu“, erklärt El Khoury.  In stark pessimistischen Phasen hingegen würden sich Analysten auf einen Strom sensationalistischer Negativnachrichten fixieren, wodurch die Erwartungen auf ein unrealistisch tiefes Level gedrückt würden. El Khoury rät, bei der Titelauswahl nicht zu viel auf das aktuelle Marktsentiment zu geben. „Sektoren, die von einem Großteil der Anleger übersehen oder sogar bewusst gemieden werden, weisen häufig hochqualitative Titel auf, deren niedrige Bewertungen exzellente Chancen bieten“, so die Expertin.

Luxustitel – im Abwärtsstrudel gefangen?

Ein passendes Beispiel für die Auswirkungen des „anchoring“ ist die Baisse am Markt für Luxusgüter, der sich eigentlich durch liquiditätsstarke Unternehmen mit unglaublich hoher Preissetzungsmacht und hohen Gewinnen auszeichnet. Der Boom dieses Sektors fand ein abruptes Ende in 2013, als China seinen Anti-Korruptionskurs verschärfte und härter gegen vermeintliche „Zuwendungen“ vorging. Die Folge: Rund ein Drittel des Marktvolumens wurde vernichtet – vermutlich permanent. Die Branche hatte bis dahin von einem rapiden Wachstum im Einzelhandel und exzessiver Nachfrage auf dem chinesischen Markt profitiert. Aufgrund dieser langfristigen Wachstumsperiode stützten sich die Prognosen auf die zum damaligen Zeitpunkt konstant zweistelligen Wachstumsraten. Nicht wenige Marktteilnehmer wurden so in ihren hohen Erwartungen enttäuscht.

Die Langzeitfolgen zeigen sich beispielsweise am Schweizer Uhrenhersteller Swatch. In 2016 wurden 26,5 Prozent der sich im Streubesitz befindlichen Aktien leerverkauft. Noch im Januar 2017 war die Aktie der am vierthäufigsten leerverkaufte Titel im STOXX Euro 600. Das Unternehmen verlor in den vergangenen Jahren fast 45 Prozent seines Börsenwertes. Ein unglaublicher Tiefflug, insbesondere für ein Unternehmen mit so starken Wettbewerbsvorteilen: Preissetzungskraft, ein Quasi-Monopol am Schweizer Uhrenmarkt, ein exzellentes Management und eine starke Liquiditätsrate. Trotz dieser komfortablen Ausgangslage könnte Swatch zu seinem derzeitigen Marktvolumen nicht einmal seine Kapitalkosten für die kommenden fünf Jahre decken. Mit seinen starken Wettbewerbsvorteilen dürfte Swatch diese zyklische Schwäche hinter sich lassen und zurück zu strukturell verbesserter Profitabilität finden können. Zum jetzigen Zeitpunkt sind diese positiven Aussichten allerdings nicht eingepreist.

Fokus auf Fundamentaldaten

Benjamin Graham, der gemeinhin als Vater des Value Investing gilt, gab sinngemäß zu verstehen, dass man keine Information über das exakte Gewicht einer Person benötige, um einschätzen zu können, ob diese über- oder untergewichtig sei. Genauso scheint es naheliegend, dass Prognosen und Analysen zu Einzeltiteln aussichtslos und nicht zielführend sein können: Der Gewinn eines Investments hängt in erster Linie vom Preis ab, der zu Beginn bezahlt wurde. Um verhaltensökonomische Fallen zu vermeiden, bietet sich ein fundamentales Bottom-up Stock-Picking an: Dabei sollten Investoren den Fokus auf qualitative Unternehmen mit effektivem Management legen. El Khoury und ihr Team sind davon überzeugt, dass solche Titel auf lange Sicht die bessere Performance liefern werden.

Überzeugende Gründe für europäische Small Caps

von Charles Anniss, Portfoliomanager Small und Mid Caps / European Equities Team – Union Bancaire Privée.

Es gibt überzeugende Gründe, Anfang 2017 in kleinere Unternehmen zu investieren: Europäische Small Caps sind dank einer Reihe von Merkmalen eine attraktive Assetklasse für die aktive Titelselektion; sie warfen in der Vergangenheit eine gute Rendite ab. Europäische Small Caps gehören größtenteils konjunktursensiblen Marktsegmenten wie Industriegütern, der IT-Branche sowie Dienstleistungen an. Diese Sektoren schneiden regelmäßig besser in steigenden makroökonomischen Phasen ab und steuern zum Wirtschaftswachstum bei, wie etwa zurzeit in einer Reihe europäischer Länder. Ein solides Gewinnwachstum von rund 15 Prozent im Jahr 2016, bei einer leichten Unterentwicklung und ähnlichen Gewinnprognosen für dieses Jahr, sind Faktoren, die darauf hindeuten, dass kleinere Unternehmen unterbewertet sind und im Vergleich zum Gesamtmarkt attraktive Bewertungen bieten, die weitgehend ihren langfristigen historischen Werten entsprechen. Politische Risiken im Laufe des Jahres 2017 werden sicherlich für eine erhöhte Volatilität sorgen, bieten aber interessante Kaufgelegenheiten angesichts des steigenden Wirtschaftsumfelds und der weiterhin angepassten Geldpolitik.

Das Small-Cap-Universum bietet Anlegern eine große Auswahl; es besteht  aus mehr als 1.500 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 0,2 Mrd. Euro und 5 Mrd. Euro. Ein Großteil dieser Unternehmen sind schnell wachsende, innovative Start ups – oft aus spannenden Nischenbereichen. Im Small-Cap-Universum sind aber auch einige angeschlagene Unternehmen zu finden, die in dieses Marktsegment abgeglitten sind, weil sie mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben oder sich mit langfristigen strukturellen Herausforderungen konfrontiert sehen. UBP fokussiert sich  auf die ersteren – gut geführte, finanzstarke Unternehmen, die über einen Wettbewerbsvorteil verfügen und eine positive interne und externe Wachstumsdynamik aufweisen. Ein sorgfältiger Screening- und Research-Prozess hilft, die besten Unternehmen herauszufiltern.

Für Small Cap-Unternehmen werden wesentlich weniger Analystenberichte erstellt als für größere Marktteilnehmer – eins der interessantesten Differenzierungsmerkmale dieser Assetklasse. Das Small Cap-Segment  zwischen 0,2 und 0,5 Mrd. Euro wird im Durchschnitt von drei Sell-Side Analysten abgedeckt; bei Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 0,5 Mrd. und 1 Mrd. Euro sind es rund fünf Analysten. Im Vergleich dazu werden Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 15 Mrd. Euro von etwa 24 Sell-Side Analysten recherchiert. Die geringe Berichterstattung beschränkt sich zudem oft auf einzelne Länder und kann von daher zu Marktineffizienzen mit interessanten Kursanomalien führen. Ein geduldiger Stock Picker kann bei der Titelauswahl auf exzellente unterbewertete Unternehmen mit überzeugenden Geschäftsmodellen stoßen.

Die Bilanzen von Small Caps sind in einer besonders guten Verfassung: Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA liegt unter 1,3. Unternehmen konnten sich 2016 sogar leicht verschulden, um preiswerte Akquisitionen zur Konsolidierung ihrer Endmärkte zu tätigen. Sie steigerten somit ihre Gewinne, was wiederum mit einem höheren Cashflow belohnt wurde. Diese Entwicklung wird auch 2017 anhalten, da Unternehmen auch in einem Umfeld relativ schwachen (wenn auch anziehenden) Wachstums expandieren möchten. Zudem haben seit Jahresanfang die europäischen M&A-Aktivitäten insgesamt deutlich zugenommen, da Unternehmen ihre Bilanzen effizienter nutzen möchten; hiervon profitieren wiederum das Small- und Mid Cap-Segment. 

Sektorenübergreifend agieren

von Suneil Mahindru, Manager des Goldman Sachs Global Equity Partners Portfolios und CIO für internationale Aktien bei Goldman Sachs Asset Management.

In den acht Jahren seit der Finanzkrise haben die Finanzmärkte und Anleger viel Zeit damit verbracht, auf die Wirtschafts- und Zentralbankpolitik zu reagieren. Ein schwaches Wirtschaftswachstum bremste die Umsatz- und Ertragsentwicklung vieler Unternehmen. Gleichzeitig blähten niedrige Zinsen und Renditen jene Anlageklassen mit Aussicht auf Wachstum und Renditen künstlich auf. Unter dem Strich entstand eine achtjährige Hausse für Aktien, die es leicht machte, Renditen auf Beta-Basis zu erzielen. Die Generierung von Alpha war deutlich schwieriger.

In vielerlei Hinsicht haben wir jetzt einen Wendepunkt erreicht, da die Währungs- und Fiskalpolitik bereit scheint, aus ihren alten Mechanismen auszubrechen. Zunächst sprechen zwei Dinge für einen anhaltenden Bullenmarkt bei Aktien: Erstens sehen wir ein größeres Potenzial für wirtschaftliches Wachstum und Ertragszuwächse. Zweitens stehen uns politische Unwägbarkeiten bevor. Zentral ist allerdings, dass einige Unternehmen hieraus mit deutlich stärkeren Wachstumsprofilen hervorgehen dürften als andere. Dadurch könnte sich ein Vorteil für aktive Anleger gegenüber lediglich reagierenden Anlegern ergeben.

Im Folgenden werfen wir einen genaueren Blick auf die Sektoren Finanzen, Verbraucherindustrie, Gesundheit und Infrastruktur:

Finanzwerte: Im Aufwind dank Trumponomics

Für Banken gibt es eine Vielzahl unterstützender Faktoren, die praktisch sofort zu einem Anstieg der Erträge führen könnten. Steigende Zinsen würden die Netto-Zinsmarge nach oben schnellen lassen, während ein verbessertes Wirtschaftswachstum und weniger strenge Regularien dem Kreditwachstum und der Handelsaktivität zugutekämen. All dies könnte zu einem Anstieg des Umsatzwachstums führen. Gerade US-Banken, die in der Regel hohen Steuersätzen unterliegen, dürften von Trumps Plänen bezüglich niedrigerer Unternehmenssteuersätze profitieren.

Wir betrachten Bankaktien in Erwartung steigender Zinsen und eines höheren Renditepotenzials für Aktionäre bereits seit einigen Quartalen positiv. Und in der Tat haben US-Banken-Titel mittlerweile stark zugelegt. Diese Rallye ist größtenteils berechtigt, wenngleich die Frage ist, in welchem Maß das künftige Ertragspotenzial bereits in den Kursen eingepreist ist. Auch europäische Banken könnten von einem sich stabilisierenden regulatorischen Umfeld und stärkerem globalen Wachstum profitieren. Zwar haben auch ihre Titel an Wert gewonnen, sie werden jedoch weiterhin mit einem 30-prozentigen Abschlag gegenüber ihren US-Pendants gehandelt.1

Verbraucherindustrie: Zyklische Güter im Vorteil

Die Rahmenbedingungen für US-Konsumenten sind weiterhin vielversprechend. Auf dem US-Arbeitsmarkt herrscht laut Fed nun Vollbeschäftigung2 und der Konsumklimaindex weist Höchststände auf.3 Mittelfristig könnten sich Konsumenten dennoch einigen Problemen gegenüber sehen. Dazu zählen höhere Kosten für Produkte aufgrund einer protektionistischen Handelspolitik und/oder steigender Inflation, höhere Hypothekenraten, Unsicherheit bezüglich Gesundheitsversicherung und -kosten sowie höhere Benzinpreise.

Falls die Politik wachstumsfördernd eingreifen sollte und ein stabiles Konsumklima den Konjunkturzyklus verlängert, könnten zyklische Konsumgüter von steigenden Umsätzen profitieren. Unternehmen in diesem Bereich benötigen jedoch die erforderliche Preissetzungsmacht, Flexibilität in der Lieferkette und Kostenstruktur, um mit der erwarteten Inflation bei Löhnen und anderen Herstellungskosten zurechtzukommen.

Aktien von Unternehmen aus dem Sektor nichtzyklische Güter haben hingegen an Wert verloren. Für viele Unternehmen ergeben sich Probleme aus höheren Herstellungskosten, einer Beeinträchtigung der Lieferkette aufgrund neuer Handelsbestimmungen und schwachen Endmärkten in den Schwellenländern.

Gesundheitssektor: Anleger sollten von Fusionen profitieren

Analog zur zuletzt schwachen Performance des Gesundheitssektors wachsen die Bedenken, dass die Preis- und Volumentrends der Branche unter Druck geraten. Diese hatten ursprünglich die Erträge auf breiter Front wachsen lassen. Die Aufhebung des Affordable Care Act in den USA könnte sich allerdings negativ auf die Volumina auswirken.

Steigender Preisdruck bei Medikamenten dürfte auf viele Gesundheitstitel noch stärkere Auswirkungen haben, insbesondere auf Pharma- und Biotech-Unternehmen. Der öffentliche Druck, Medikamentenpreise zu reduzieren, dürfte also zunehmen. Aufgrund dieser Herausforderungen könnten sich jedoch Chancen bei der Einzeltitelauswahl ergeben. Daher werden wir uns weiter auf Unternehmen mit starken Entwicklungspipelines konzentrieren. Wir sind überzeugt, dass es zu mehr Fusionen und Übernahmen kommen könnte, da Unternehmen vor einem möglichen Zinsanstieg versuchen werden, Pipelines in einem unproblematischeren regulatorischen Umfeld zu kaufen. 

Infrastruktur: Nicht nur Fiskalpolitik spricht für den Sektor

Unserer Einschätzung nach könnte eine expansionistischere Haushaltspolitik in vielen Regionen zu mehr Infrastrukturausgaben führen. Aktien von Infrastruktur-Konstrukteuren, wie Maschinenbauunternehmen und Baufirmen, sind generell die ersten, die von steigenden Ausgaben profitieren. Entsprechend konnten sie seit den US-Wahlen zulegen. Wir denken jedoch, dass ein Ertragswachstum bereits eingepreist ist, dieses allerdings noch einige Jahre auf sich warten lassen wird. Schließlich dauert die Genehmigung und Finanzierung von Infrastrukturprojekten seine Zeit.

Unsere Prognose für die Infrastruktur-Eigentümer – sprich Titel, denen Vermögenswerte wie Eisenbahnen, Flughäfen oder Mobilfunkmasten zugrunde liegen – fällt weitaus positiver aus. Da Regierungen vermehrt auf Public-private-Partnerships setzen, werden auch mehr Infrastruktureinrichtungen für öffentliche Investoren zugänglich. Der voraussichtliche Anstieg der Staatsausgaben ist jedoch nur einer von vielen Gründen, warum wir die langfristigen Aussichten dieses Sektors äußerst positiv sehen. Globale Infrastrukturanlagen haben in der Vergangenheit attraktive Renditen, langfristiges Wachstum und Widerstandsfähigkeit in einem Umfeld mit hoher Inflation und steigenden Zinsen geboten. Anleger sollten ihre Portfolios weiterhin mit Anlagen diversifizieren, die diese attraktiven Merkmale aufweisen.

Quellen:
1) Gleitendes 12-Monats-Kurs-Buchwert-Verhältnis mit Hilfe von Factset, per 12. Januar 2017
2) US-Arbeitsministerium, US Congressional Budget Office, Haver Analytics
3) Conference Board, Haver Analytics, Goldman Sachs Global Investment Research

Fünf Dinge, die ich in Davos gelernt habe

Huw van Steenis, Global Head of Strategy bei Schroders: Populismus, Automatisierung und langfristiges Investieren – Er berichtet von seinen wichtigsten Eindrücken vom Weltwirtschaftsforum 2017.

Die Stimmung in Davos war die uneinheitlichste seit Jahren. Einige amerikanische Firmenbosse zeigten sich demonstrativ optimistisch in der Frage, das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen und einen Regimewandel in der Steuer-, Regulierungs- und Handelspolitik herbeizuführen. Andere hingegen, vor allem europäische Politiker, äußerten sich deutlich pessimistischer. Doch mit wem man auch sprach, die vorherrschenden Themen waren die enormen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die durch Populismus, Globalisierung, umwälzende Technologien, Migrationskrise und Ungleichheit entstehen. Man war sich uneins, wie sich die Risiken am besten beherrschen ließen. Hingegen wurde allseits vermutet, dass diese als Impuls des Wandels fungieren. Die Diskussionen wurden nicht nur von denen beeinflusst, die anwesend waren, sondern auch von denen, die fehlten. Präsident Trump war die dunkle Materie des Weltwirtschaftsforums von Davos. Man weiß nicht viel über dunkle Materie, aber es ist bekannt, dass sie 95 % des Universums ausmacht und eine enorme Gravitationskraft besitzt. Die noch unbekannten Auswirkungen der Präsidentschaft Trumps standen wie große dunkle Fragezeichen über Davos. 

1. Automatisierung und Arbeitsplätze

Ich registriere eine drastische Veränderung in der wahrgenommenen Bedrohung von Arbeitsplätzen durch Automatisierung und die vierte industrielle Revolution. Das Beratungsunternehmen McKinsey veröffentlichte neue Studien, denen zufolge in den USA zwischen 1997 und 2007 86 % der Arbeitsplatzverluste in der Produktion auf die steigende Produktivität und 14 % auf den Handel zurückzuführen waren. Aber damit nicht genug – 1,1 Mrd. Arbeitskräfte und 15,8 Bio. USD an Löhnen und Gehältern sind Aktivitäten zuzuordnen, die heute aus technischer Sicht automatisierbar sind.

Nehmen wir nur die Finanzwirtschaft: Hier beginnen Banker und Versicherungschefs, mit denen ich sprach, nun ernsthaft auf das niedrige Wachstum und die niedrigen Renditen zu reagieren. So entwerfen sie konkrete Pläne zur Effizienzsteigerung. Der diesjährige Bericht „Disruptive Innovation in Financial Services“ war aufschlussreich: In früheren Jahren hatten die Roundtable-Teilnehmer die Dimension der Phänomene Blockchain und digitale Identität ausgelotet. Dieses Jahr beschränkten sie sich darauf, Notizen darüber auszutauschen, wie sich Partnerschaften mit Technologieunternehmen am besten automatisieren und managen lassen. Eine Prognose des Berichts war vielsagend: Regulatorische Technologie oder „Regtech“ könnte im Compliance-Bereich 50.000 Jobs auslöschen. In Davos führte ich unter Führungskräften von Finanzinstituten und Vertretern verschiedener anderer Beratungsunternehmen, die ich dort traf, eine informelle Befragung durch. Sie ergab, dass in den kommenden drei bis fünf Jahren die Automatisierung von 10–30 % der Aktivitäten der jeweiligen Organisationen zu erwarten ist. Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf Angestellte und das lebenslange Lernen sind enorm. Führende Technologieunternehmen wie Google oder Facebook zeigten sich hingegen weitaus optimistischer, vollkommen neuartige Jobs schaffen zu können.

2. Populismus

Die Auswirkungen des Populismus waren die größte Sorge der Anwesenden. Seine Manifestationen werden in den kommenden Jahren wohl zu den wichtigsten Markttreibern zählen. Überraschend für mich war jedoch der fehlende Konsens über die Ursachen des Populismuses und der Protestpolitik, geschweige denn deren Konsequenzen. Die Stagnation der Realeinkommen und die vielfältigen Herausforderungen für die wirtschaftliche und nationale Identität sind komplexe Probleme, die schwer zu lösen sind. Auffallend war, dass der chinesische Präsident Xi die Globalisierung am vehementesten verteidigte. Er argumentierte, dass sie Millionen Menschen von Armut befreit. Was bedeutet das für Anleger?

Ich vermute, dass Anlagen in westlichen Ländern zunehmend eine immer größere Ähnlichkeit zu Anlagen in Schwellenländern entwickeln werden. Dort ist ein genaues Verständnis des betreffenden Landesrisiko und der politischen Ökonomie unabdingbar. Schwellenländer lehren uns auch, dass Populismus oft inflationär ist.

Zweitens müssen wir unsere Investitionen in Zeiten erhöhter Unsicherheit tätigen. Die Gefahr von „Wie-du-mir-so-ich-dir“-Streitigkeiten beschäftigte viele Politiker und Führungskräfte. Was die Fähigkeit der Briten anbelangt, stärkere Handelsbeziehungen als die bisherigen zu schmieden, waren sich die Teilnehmer verständlicherweise uneinig. Aber es ging nicht nur um Handelspolitik, sondern auch darum, die Vorteile der Globalisierung der Finanzmärkte weiterhin kritisch unter die Lupe zu nehmen. Nach dem Treffen hatte ich den Eindruck, dass die Aufsplitterung der Märkte für Finanzdienstleistungen mit der Errichtung finanzieller Mauern durch verschiedene Länder zunehmen wird. Einerseits kann eine stärkere Abschottung im Bankensystem dazu beitragen, Schocks abzufedern. Andererseits hat sie vermutlich negative Auswirkungen auf das Wachstum, sofern die Märkte die Lücke nicht schließen können. Die Bankenkrise hat uns gelehrt, dass Europa vielfältigere Möglichkeiten zur Refinanzierung von Unternehmen und des Infrastruktursektors bitter nötig hat. Doch die von mir geführten Gespräche machten mir deutlich, dass die von der Europäischen Kommission geplante Kapitalmarktunion zur Mobilisierung und Kanalisierung von Kapital kein Thema ist, bis die Brexit-Frage gelöst ist.

3. Regimewandel

Was bedeutet ein politischer Regimewandel für Zentralbanken und die Preise von Finanzanlagen? Das Thema wurde heftig debattiert. Während sich die meisten darüber einig waren, dass der Reflationshandel insbesondere in den USA der wichtigste Wendepunkt für Vermögenspreise sein wird – und vermutlich das Ende des 30-jährigen Bullenmarktes für Anleihen – gab es kaum Konsens darüber, wie reibungslos der Übergang verlaufen wird. Angesichts dessen, dass wir 2016 an die praktischen Grenzen der Geldpolitik gestoßen sind – man denke nur an die gefährlichen Experimente mit Negativzinsen – verwundert es kaum, dass die Anleger einen Wandel in der Steuer-, Regulierungs- und Handelspolitik herbeisehnen. Die Auswirkungen auf Vermögenspreise, Marktliquidität, Volkswirtschaften von Schwellenländern und Kapitalflüsse in Schwellenländer zählten zu den wichtigsten Themen von Zentralbankern, Bankern und Anlegern. Während hinsichtlich des Umfangs des Regimewandels verschiedenste Schlussfolgerungen gezogen wurden, kristallisierten sich doch einige Themen heraus.

Meine Ansicht, dass die Korrelationen zwischen Anlageklassen infolge der Einschränkung der quantitativen Lockerungspolitik durch die Zentralbanken dramatisch fallen sollten, stieß auf Zustimmung. Eine breitere Verteilung der Ergebnisse und eine größere Divergenz von Vermögenswerten, Sektoren und Wertpapier-Performance könnte sich für scharfsinnige Anleger ebenfalls als positiv erweisen.

Als nächstes sollten wir über Vermögenswerte nachdenken, deren Kurse von der quantitativen Lockerungspolitik nach oben getragen wurden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Zinsen in den USA schneller steigen, sollten die Anreize eine höhere Inflation zur Folge haben. Während sich die Märkte an moderat handelnde Zentralbanken und „länger niedrigere Zinsen“ gewöhnt haben, ist der Ausstieg aus dem außergewöhnlichen Finanzexperiment alles andere als klar. Er wird voraussichtlich viel stärkere Neubewertungen und Rotationen nach sich ziehen als bisher. In den Korridoren von Davos war die Diskussion über Staatsanleihen der europäischen Peripherie allgegenwärtig. Die Fiskalpolitik in der Eurozone befindet sich weitgehend im Tiefschlaf und sie reicht trotz verringerter Belastung durch die Geldpolitik nicht aus, um Strukturprobleme zu lösen. Kapitalgeber vermuten daher, dass die Europäische Zentralbank weiterhin eine moderate Politik betreiben und ihre quantitative Lockerungspolitik schrittweise zurückfahren wird. Demzufolge könnten uns die Negativzinsen bis 2019 erhalten bleiben. Die Neubewertung zehnjähriger US-Staatsanleihen könnte ihnen aber einen Strich durch diese Rechnung machen. Auf der positiven Seite ist anzumerken, dass der jüngste Inflationsanstieg in Deutschland und das zunehmende globale Wachstum viel schneller zu einer Anpassung der europäischen Zinssätze führen könnten.

Meine Treffen mit Politikern und Bankern zeigten auch eine Änderung des Ansatzes zur Bankenregulierung. Vor allem da europäischen Politikern zunehmend bewusst wird, wie sehr die Bankenregulierung nach Basel IV das europäische Wachstum hemmen könnte. Der Höhepunkt der regulatorischen Unsicherheit liegt jedoch vermutlich hinter uns.

4. Langzeitanlagen

Die Notwendigkeit, Langzeitanlagen durch den Nebel der erhöhten Unsicherheit hindurch abzusichern, ist zu einem wichtigen Thema geworden. Eine der interessantesten Roundtable-Diskussionen in Davos, an denen ich teilnahm, war die zum Thema „Focusing Capital on the Long Term“ (Langfristig orientiertes Anlegen). Hier kamen Eigentümerseite, Anleger und CEOs zusammen, um über die Förderung von Langzeitinvestitionen zu sprechen. Neuen Studien zufolge hätten Langzeitanlagen in den USA fünf Millionen Jobs und 1 Bio. US-Dollar Mehrwert schaffen können. Doch die Unsicherheit bewirkt, dass geschäftliche Entscheidungen kurzfristiger ausgerichtet werden. Sir Martin Sorrell, Vorsitzender von WPP, und Kevin Ellis, Vorsitzender von PwC UK, diskutierten am Tag danach bei BBC eingehender über dieses Thema. So schütteten S&P-500-Unternehmen in fünf der sechs letzten Quartale Dividenden aus und führten Aktienrückkäufe durch, anstatt die Investitionen signifikant zu erhöhen.

Zur Bekämpfung kurzer Anlagehorizonte können praktische und politische Schritte ergriffen werden, doch im Lauf der Woche kristallisierten sich zwei breitere Spannungsfelder für Langzeitinvestitionen heraus. Die pessimistischeren Institutionen verspürten in Anbetracht der erhöhten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten eine zugrunde liegende Nervosität in der Frage des richtigen Risikoaufschlages für ein Projekt im Umfang von zehn bis dreißig Jahren. Diese Nervosität war unter europäischen Unternehmen am stärksten zu spüren. Auch hatte ich Gelegenheit, mit dem britischen Finanzminister darüber zu sprechen, wie Unternehmen und Anlegern am besten geholfen werden kann, den von ihm so genannten „Brexit-Nebel“ zu durchblicken. Optimistischere Anleger äußerten sich eher besorgt darüber, dass die Zinsen infolge der sich erholenden Weltwirtschaft und einer steigenden Inflation viel stärker angepasst werden könnten als erwartet. Aus diesem Grund wollten sie in der Hoffnung auf höhere Renditen noch warten. Hoffen lässt hingegen der enorme Fokus auf Unternehmen, die sich auf längerfristige Themen – insbesondere Technologie und Gesundheit – konzentrieren, sowie ein weit stärkerer Fokus auf die sozialen Auswirkungen von Investitionen.

5. Prognosen

Die Verbesserung von Prognosen war ein Thema, das von Davos 17 in einer Reihe von Workshops überraschend erfolgreich bearbeitet wurde. In einer Zeit, in der der Wert von Prognosen und Meinungsumfragen stark angezweifelt wird, war eine so aufschlussreiche Workshopreihe ein Lichtblick. Es ging darum, Vorurteile zu erkennen und Anpassungen vorzunehmen, Gruppendenken und Echokammer-Effekte abzubauen. Auch wurde dazu aufgerufen eine breite Palette an neuen Datenerkenntnissen zu integrieren und aus Fehlern schlicht zu lernen. Es wurde betont, dass die Zentralbanken Fehler begingen, indem sie zum Beispiel von einer friktionsfreien Wirtschaft ohne nach beiden Seiten ausschlagenden Kreditexzessen ausgingen und Banken und finanzielle Multiplikatoren ignorierten. Ihre Modelle waren ihrer Konstruktion nach Schönwettermodelle. Als die Krise begann, boten sie keinen nützlichen Rahmen, auf den man sich hätte stützen können, sodass auf die Finanzgeschichte zurückgegriffen werden musste. Obwohl einige Fortschritte erzielt wurden, gelangte ich zu der Erkenntnis, dass einer der größten politischen Fehler des Jahres 2016 die Negativzinsen waren – ein Signal, dass noch viel zu tun ist. Einer der Vortragenden meinte, dass die Probleme in den Sozialwissenschaften auf eine Überbewertung komplexer Theorien zurückzuführen sind und dass es besser gewesen wäre, sich auf die Lösung praktischer Probleme zu konzentrieren. Als Anleger kann ich dem beipflichten. Aus Daten gewonnene Erkenntnisse zur Lösung von Anlageproblemen zu verwenden, ist entscheidend für die Erhaltung eines Anlagevorsprungs. Wir waren uns einig in folgender Erkenntnis: „Kein Mensch kann eine Maschine schlagen, aber keine Maschine kann einen Menschen mit einer Maschine schlagen.“

Und letztendlich …

​Niemand kann der Reichhaltigkeit und Breite der außergewöhnlichen Diskussionen und Gespräche in einer Zusammenfassung im vollen Umfang gerecht werden. Das jährliche Weltwirtschaftsforum in Davos bietet meiner Meinung nach eine exzellente Möglichkeit, um Meinungen über Probleme auf Makro- wie auf Mikroebene auszutauschen. Es vertieft mein Verständnis der in den Anlagemärkten vertretenen Meinungen und des Denkens von Politikern, Anlegern, Technologieunternehmern, Kapitalgebern und Industriellen.

Über Huw van Steenis
Huw van Steenis ist Global Head of Strategy bei Schroders. Er unterstützt Schroders bei der Entwicklung und Umsetzung von langfristigen Zielen sowie der Reaktion auf Veränderungen in der Finanzdienstleistungsbranche. Er ist seit 2016 für Schroders tätig und hat seinen Sitz in London. Huv van Steenis ist Mitglied der Gruppe „Disruptive Innovation in Financial Services“ des Weltwirtschaftsforums. Bis vor kurzem war er Mitglied des „Agenda Council on Banking“ des Weltwirtschaftsforums.

Über Schroders
Ein unabhängiger Vermögensverwalter, Investmenterfahrung seit 1804, angelsächsische Tradition, deutsche Wurzeln, global und aktiv – das ist Schroders. Innovative Investmentlösungen eröffnen vielfältige Möglichkeiten und bieten den Zugang zu den unterschiedlichsten Anlageformen: Aktien, Anleihen, Immobilien, Alternative Investments und Multi-Asset-Lösungen. Die Unabhängigkeit ermöglicht es Schroders, sein umfassendes Wissen und die gesamte Erfahrung allein auf das Kerngeschäft zu konzentrieren: das Managen von Investmentfonds.

Dieser Artikel erschien zuerst auf schroders.de.

„Mögest du in interessanten Zeiten leben“

von HyungJin Lee, Head of Asian Equities bei Barings in Hong Kong.

In Asien gibt es einen alten chinesischen Fluch, der lautet: „Mögest du in interessanten Zeiten leben“. Der Fluch ist nicht so widersprüchlich, wie es zunächst scheint. Die Redewendung macht deutlich, dass bewegte Zeiten zwar erfolgreich Geschichte schreiben, sie aber möglicherweise nicht so vielversprechend sind wie tatsächlich gelebte Erfahrung. Unserer Ansicht nach sind die „interessanten Zeiten“ von heute kein Fluch, sondern eine Zeit, um Chancen zu ergreifen. Wir investieren vor einem langfristigen Zeithorizont und sind der Auffassung, dass 2017 ein positives Umfeld für das Aufspüren von günstig bewerteten Unternehmen bieten könnte, die ein überzeugendes Aufwärtspotenzial und gleichzeitig ein voraussichtlich starkes Ertragswachstum aufweisen. Für den Ausblick für Asien und die starken zugrundeliegenden Wachstumsfaktoren der Region bleiben wir realistisch und nicht pessimistisch eingestellt, auch wenn die zunehmende Unsicherheit eine höhere Volatilität nach sich ziehen könnte.

Interessante Zeiten und altmodisches Wachstum

Viele Marktteilnehmer werden sich fragen, ob dieses Jahr frische Kräfte entstehen, die die Märkte neugestalten und die neue Normalität von gestern wegfegen. Da die Politik in den Industrieländern auf den Kopf gestellt wurde und das Zinsniveau in den USA einem Aufwärtstrend folgt, gehen die Einschätzungen für den Ausblick für 2017 auseinander. Es scheint, als würden wir heute eher in „interessanten Zeiten“ leben, als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in den letzten Jahren. Aber die augenscheinlich positive Bedeutung dieser alten chinesischen Redewendung täuscht über ihren wahren Sinngehalt hinweg. Es handelt sich nicht um einen Segen, sondern um einen Fluch, der eine Vorahnung beinhaltet und darauf hindeutet, dass die Dramatik in bewegten Zeiten ein schlechtes Omen für den Aufbau von Wohlstand und Reichtum ist.

Unserer Ansicht nach sind die „interessanten Zeiten“ von heute jedoch kein Fluch, sondern eine Zeit, um Chancen zu ergreifen. Wir erwähnten häufig, dass Asien einer der wenigen Investitionsbereiche ist, wo die wichtigsten treibenden Faktoren für den Aktienmarkt noch „altmodisch“ sind und auf dem Wachstum von Wirtschaft und Unternehmensgewinnen aufbauen, anstatt auf Rohstoffzyklen und Geld- und Fiskalpolitik.

Diese altmodischen Treiber wirken noch immer und untermauern die fortwährende Transformation der Region. Wir finden hier beständige strukturelle Wachstumstreiber wie den demografischen Wandel, ein steigendes Einkommensniveau und die Entstehung innovativer Spitzenunternehmen.

Als aktive Manager, die nach dem Bottom-up-Ansatz vorgehen, können wir die für uns attraktivsten Wachstumsbereiche genau festlegen und uns in diesen direkt auf Unternehmensebene engagieren. Im Konsumsegment sehen wir beispielsweise eine Transformation des Einzelhandels aufgrund steigender Einkommen. Wir erkennen Chancen im Bereich von modernen Convenience Stores, die sich über ganz Südostasien erstrecken sowie Opportunitäten durch die zunehmende Nutzung von sozialen Medien seitens der Unternehmen, um Waren und Dienstleistungen an ihre Kunden zu vermarkten und zu verkaufen.

Obwohl wir also eine Neubeurteilung von Risiko und Ertrag beobachten können, was der Rally des amerikanischen Aktienmarkts der letzten Monate, basierend auf der Aussicht auf Steuersenkungen und Deregulierung, der Erholung des Ölpreises von den Tiefstständen im letzten Jahr sowie der Marktkorrektur in Russland zuzuschreiben ist, sind wir nach wie vor der Auffassung, dass im Bereich der asiatischen Aktien auch weiterhin überzeugende Anlagechancen zu finden sind.

Der China-Faktor

China stellt den größten Markt innerhalb der Region dar und die Entwicklungen des Landes sind somit für die Wertentwicklung des asiatischen Aktienmarkts im Jahr 2017 und darüber hinaus von entscheidender Bedeutung. Die sich leicht abschwächende Wachstumsrate könnte zwar tatsächlich Herausforderungen mit sich bringen, mit einem geschätzten realen BIP von 6% für letztes Jahr liegt sie dennoch höher als bei vielen anderen großen Volkswirtschaften. Darüber hinaus deutet der aktuelle Trend des Einkaufsmanagerindex des Landes für das verarbeitende Gewerbe darauf hin, dass China das Ende der Talsohle des Zyklus erreicht hat und auf dem Weg der Erholung ist. Eine stärkere Wirtschaftstätigkeit in China könnte anderen asiatischen Märkten, angefangen von den ASEAN-Ländern bis Korea, mit denen das Land wirtschaftlich eng verbunden ist, Auftrieb verleihen.

Riskante Geschäfte?

Wir sind keine blauäugigen Optimisten. Wahrscheinlich erkennen wir mögliche Fallstricke klarer und schneller als die meisten anderen, wir wissen aber auch, dass eine realistische Beurteilung des Risikos dazu beitragen kann, diese zu vermeiden und sie zusätzlich zu besseren Anlageergebnissen führt.

Die Handelspolitik der neuen Regierung in den USA ist derzeit wahrscheinlich das wichtigste Thema in den Köpfen der Anleger. Wir behalten die Entwicklungen diesbezüglich weiterhin genau im Auge. Bisher ist unklar, welche Veränderungen die neue Regierung in der Handelspolitik vornehmen wird, wir stellen jedoch fest, dass alle Anzeichen der chinesischen Landesführung für einen kontinuierlichen Vorstoß in Richtung offener und freier internationaler Märkte stehen. In der Vergangenheit wirkten sich Zinserhöhungen durch die Federal Reserve und ein stärker werdender US-Dollar negativ auf risikobehaftete Anlagen wie Schwellenländeraktien aus. Wenn die Zinsen jedoch als Reaktion auf Preisveränderungen durch eine zunehmende Unternehmenstätigkeit steigen,

wie es eventuell in den Industriestaaten zu beobachten sein wird, war das in der Vergangenheit positiv für asiatische Volkswirtschaften. Steigende Zinsen wirken sich ceteris paribus also nicht unbedingt nachteilig auf risikobehaftete Vermögenswerte aus.

Mit Blick auf Rohstoffe ist korrekt, dass Asien für viele international gehandelte Rohstoffe als Preisnehmer und nicht als Preissetzer fungiert. Allerdings liegen die Preiserhöhungen immer noch deutlich unter den Niveaus, die auf dem Höhepunkt des „Superzyklus“ verzeichnet wurden, als viele dieser Volkswirtschaften in rasantem Tempo wuchsen.

Fazit

Bei unseren spezialisierten Research-Teams handelt es sich um regionale Experten, die die volle Breite des Aktienuniversums der Schwellen- und Frontier-Märkte abdecken. Dadurch sind wir in der Lage, Anlagechancen entlang des gesamten Spektrums zu identifizieren und zu nutzen, angefangen von China bis hin zu kleineren Grenzmärkten wie Sri Lanka. Für die nahe Zukunft scheint es so, als würden Inlands- und Auslandsnachfrage auf regionaler Ebene auch weiterhin stabil bleiben und es gibt vielversprechende Anzeichen für eine aufkeimende Erholung in China. Auch wenn es im kommenden Jahr zu Phasen mit erhöhter Volatilität kommen kann, behalten wir, wie sonst auch, im Hinterkopf, dass diese Phasen gute Kaufgelegenheiten hervorbringen können.

Wir gehen insbesondere davon aus, dass sich die grundlegenden Trends, die sich derzeit in der Region entwickeln, auch langfristig weiter entfalten werden. Vor diesem Hintergrund ist unsere langfristige Einschätzung für asiatische Aktien nicht allzu stark von Faktoren wie den kurzfristigen Zinsen oder den Auf und Abs der täglichen Ölpreisbewegungen abhängig. Sie basiert vielmehr auf unserer Fähigkeit, Unternehmen zu identifizieren, die die entsprechenden Eigenschaften aufweisen, um die ohnehin bereits starke Wachstumsprognose für Asien noch zu übertreffen und dann in diese zu investieren. Investitionen in Unternehmen, die auf zentrale Faktoren wie eine steigende Inlandsnachfrage und eine aufstrebende Mittelschicht ausgerichtet sind sowie Anlagen in Unternehmen mit langfristigen Wettbewerbsvorteilen dürften sich auf lange Sicht vorteilhaft für uns erweisen. Als Anleger in asiatische Aktien gehen wir seit vielen Jahren auf diese Weise vor und wir werden dies auch im Jahr 2017 entsprechend fortführen.