Gold: Politische und administrative Unsicherheit hebt das Sicherheitsbedürfnis

Gold-ETPs verzeichneten aufgrund der politischen und administrativen Unsicherheit in der vierten Woche in Folge starke Zuflüsse. Bei Rohöl wurden trotz der OPEC-Förderkürzungen zum vierten Mal hintereinander Gewinne mitgenommen. Bei Erdgas-ETPs kam es zu den höchsten Zuflüssen seit Juni 2015. Kupfer weist die höchsten Abflüsse seit 14 Wochen auf. Es entwickelt sich damit gegen den Trend der übrigen Industriemetalle, bei denen wir Zuflüsse verzeichneten. US-Dollar-Positionen werden abgestoßen, da der Fed wegen der fehlenden Klarheit der Trump-Administration die Hände gebunden sind, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Den vollständigen Überblick mit Charts finden Sie links als PDF.

Gold-ETPs (A0N62G) verzeichneten aufgrund der politischen und administrativen Unsicherheit starke Zuflüsse, die in der vierten Woche in Folge einen Zahn zulegten. Seine defensiven Merkmale machen Gold zu einem bevorzugten Anlagewert, da die Eurozone kurz vor den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden mit einer hohen politischen Unsicherheit behaftet ist. Die EZB hat andererseits eine vorübergehende Abweichung vom Kapitalschlüssel angedeutet, um in Zusammenhang mit ihrem quantitativen Lockerungsprogramm die Probleme mit dem begrenzten Anleihepool zu umgehen. Wahrscheinlich wird die Ausweitung der quantitativen Lockerung den Euro noch mehr unter Druck setzen und Gold als Versicherung gegen die geldpolitische Abwertung ins Zentrum des Anlegerinteresses rücken. „Die Zuflüsse in Gold befanden sich in der vergangenen Woche mit insgesamt 192,1 Mio. USD entsprechend auf einem 30-Wochen-Hoch“, ergänzt Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Bei Rohöl (A0KRJX) wurden trotz der OPEC-Förderkürzungen zum vierten Mal hintereinander Gewinne mitgenommen. OPEC-Generalsekretär Barkindo zeigte sich zuversichtlich, dass das Kartell die Einhaltung der vereinbarten Förderkürzung gegenüber Januar verbessern und dauerhaft über 90 Prozent halten könne. Die Anleger sind davon allerdings weniger überzeugt. „Unseres Erachtens wird der Druck auf die Rohölpreise kurzfristig nicht nachlassen, da die Förderung und die Lagerbestände in den USA weiter zunehmen. Die Abflüsse aus Rohöl-ETPs, in der vergangenen Woche immerhin 12 Mio. USD, betrafen hauptsächlich Rohöl der Sorte WTI“, sagt Hein.

Bei Erdgas-ETPs (A0KRJ3) kam es nach einem Preisrückgang um weitere 6,6 Prozent zu den höchsten Zuflüssen seit Juni 2015. Die Erdgaspreise fielen auf den tiefsten Stand seit Anfang November, da das in den USA für die Jahreszeit zu warme Wetter überall die Nachfrage einbrechen ließ. „Der scharfe Preisrückgang hat die Schnäppchenjäger auf den Plan gerufen, sodass es bei Erdgas mit 12,8 Mio. USD zu den höchsten Zuflüssen seit 20 Monaten kam“, sagt Hein.

Kupfer (A0KRJU) verzeichnete gegen den Trend der übrigen Industrie­metalle die höchsten Abflüsse seit 14 Wochen. Die Gewinnmitnahmen der Anleger beliefen sich in der zurückliegenden Woche auf insgesamt 21,9 Mio. USD. Der Kupferpreis selbst profitierte von Ausfällen, die beinahe 12 Prozent der globalen Förderleistung betreffen. Sollten sie noch einige Wochen andauern, wird der Kupfermarkt wahrscheinlich auch 2017 ein Angebotsdefizit aufweisen. „Die tiefen Investitionseinschnitte, die in den letzten Jahren zu beobachten waren, brauchen länger, bis sie zu einer wesentlichen Verringerung des Angebots führen. Die Kupferbestände könnten daher noch einige Jahre lang erhöht bleiben“, sagt Hein.

US-Dollar-ETPs verzeichneten mit 7 Mio. USD in der dritten Woche in Folge Abflüsse. „Die fehlende Klarheit der Trump-Administration wirkt sich negativ aus. Wir rechnen für die kommenden Wochen mit einer anhaltenden US-Dollar-Schwäche, da die Fed vor der Veröffentlichung des Haushaltsplans von Präsident Trump, die für Mitte März erwartet wird, nicht an den Zinsen rühren wird“, sagt Hein.

Wird der Höhenflug anhalten?

von Sebastiaan Reinders, leitender Portfoliomanager für US-Hochzinsanleihen bei NN Investment Partners.

Seit Trumps Wahl im November letzten Jahres erlebten Investoren einen beachtlichen Höhenflug. Seit der US-Wahl sind die Aktienmärkte über 10 Prozent gestiegen und die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen haben mehr als 50 Basispunkte zugelegt (Stand: 10. Februar 2017). Deshalb sind die Erwartungen hoch, dass die Versprechungen des neuen Präsidenten das US-Wachstum beschleunigen werden.  Die Volatilität ist extrem niedrig und preist, nach Ansicht von NN Investment Partners, viele Risiken, die nach wie vor vorhanden sind, nicht ein. Die Ungewissheit im Hinblick auf die Implementierung der neuen Gesetzgebung ist groß, doch die politische Linie bleibt unklar. Aufgrund dieser Unsicherheit ist es entscheidend, eine aktive Investmentstrategie bei einem Vermögensverwalter zu haben, der gesamtwirtschaftliche Erkenntnisse mit einem starken Fokus auf der Kreditanalyse nach demBottom-up-Prinzip kombinieren kann. Trumps Weisungen können den Konjunkturzyklus erheblich beeinflussen - mit unterschiedlichen Auswirkungen auf industrielle Teilsektoren, wie nachfolgend näher beschrieben.

Die Zinsen sind als Reaktion auf die wachstumsfreundliche Regierung und die Notwendigkeit, die Inflation einzudämmen, gestiegen. Jedoch sind die Auswirkungen höherer Zinsen nicht ausschließlich positiv. Höhere Kreditzinsen werden hoch verschuldete Unternehmen beeinträchtigen, da sie die Zinsaufwendungen und mit der Zeit auch die Ausfälle erhöhen. Trump räumt niedrigeren Körperschaftssteuersätzen und niedrigeren persönlichen Steuersätzen ebenfalls Priorität ein. Diese Steuerpolitik wird vermutlich Finanzinstituten zugutekommen. Einfach ausgedrückt: Wenn Schuldner mehr Geld zur Verfügung haben, gibt es mehr Mittel, um bestehende Kredite zu tilgen und/oder zusätzliche Kredite aufzunehmen. Demnach müssen niedrigere Steuern natürlich aus anderen Haushaltsquellen finanziert werden. Eine solche Quelle, die vorgeschlagen wurde, ist die Abschaffung der steuerlichen Absetzbarkeit von Zinsaufwänden. Ähnlich wie bei den bereits erwähnten Auswirkungen von höheren Kreditzinsen würden hoch verschuldete Unternehmen unverhältnismäßig stark darunter leiden, wenn sie Zinsaufwendungen nicht mehr steuerlich geltend machen könnten, was dann wiederum der Gewinnspanne der Banken auf Grundlage der Aktiva-Qualität schaden würde. Niedrigere Steuern wären also durchaus positiv, aber die Finanzierung dieser Kürzungen könnte weitreichende negative Auswirkungen auf Unternehmen und Finanzinstitute haben.

In seiner ersten Amtswoche ernannte Präsident Trump den Republikaner Ajit Pai zum Vorsitzenden der Federal Communications CommissionPai hat nach allgemeiner Auffassung eine wohlgesonnenere Haltung gegenüber Industriekonsolidierung als sein Vorgänger Tom Wheeler. Es gibt mehrere Telekommunikationsunternehmen, die potenzielle Zusammenführungen erwogen haben, aber dadurch abgeschreckt wurden, dass sie die regulatorische Genehmigung möglicherweise nicht erhalten würden. Folglich gibt es vermehrte Spekulationen über Fusionen von Telekommunikationsunternehmen oder Mischzusammenschlüssen zwischen Kabel- und Telekommunikationsunternehmen, die Anlagechancen hervorbringen. Eine zunehmende Konsolidierung könnte ebenfalls negative Auswirkungen auf Unternehmen haben, die als Lieferanten dieser konsolidierenden Unternehmen dienen, wie z.B. Betreiber von Sendemasten. Darüber hinaus befürchten Unternehmen aus dem Technologiesektor und anderen Branchen, dass Trumps jüngste Einwanderungsrichtlinie und seine Äußerungen über den Erhalt von Arbeitsplätzen in den USA auf Änderungen bei den Visa-Vorschriften hindeuten. Technologieunternehmen, einschließlich IT-Beratungsfirmen, sind häufig auf ausländische Talente angewiesen. Viele dieser Arbeitskräfte werden durch H-1B-Visa1 abgesichert, von denen bereits einige ängstlich auf die Verlängerung blicken.

Das Gesundheitswesen bleibt aus politischer Sicht ebenfalls ein Hauptschwerpunkt. Da die Republikaner die Präsidentschaft, den Senat und das Repräsentantenhaus kontrollieren, ist die Aufhebung von Teilen des Affordable Care Act (ACA) einer der ersten Punkte auf ihrer Agenda. Ohne eine Mehrheit von 60 Stimmen im Senat können die Republikaner das Gesetz zwar nicht komplett kippen, aber durch Anordnung des US-Präsidenten und Schlichtung können sie Kernbereiche aus dem ACA streichen. Während die Republikaner ihre Pläne stets als „widerrufen und ersetzen“ betitelt haben, ist die größte Frage weiterhin, wie und wann sie „ersetzt“ werden. Das sorgt für Unsicherheit bei Investoren und schafft Anlagechancen bei Managern, die nach dem Bottom-up-Ansatz arbeiten und die Einzeltitelauswahl in den Mittelpunkt stellen.

Bei der Kapitalisierung der Chancen in diesem unbekannten Terrain spielen aktive Manager eine große Rolle, meint NN IP. Aktive Manager mit einem starken Fokus auf der Kreditauswahl können Investoren bei der Ausnutzung der Vorteile unterstützen und gleichermaßen die Unternehmen meiden, die in diesem neuen Umfeld leiden würden. Manager, die die Marktzyklen im Griff haben, können Verluste minimieren und ihre passiven Gegenspieler übertreffen. Zwei Aspekte werden sich laut NN IP 2017 erneut als Erfolgsstrategie erweisen: Größere gesamtwirtschaftliche Themen zu beherrschen und gleichzeitig einen starken Fokus auf der fundamentalen Kreditanalyse zu bewahren.


1) Das H-1B Visum beinhaltet eine klassische Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung für die USA. Die Kategorie ermöglicht eine befristete Arbeitsaufnahme für ausländische Personen mit einem akademischen Abschluss bzw. einem entsprechenden Äquivalent, bei einem US-Unternehmen. Das H-1B Visum ist unternehmensgebunden, d. h. offizieller Antragsteller ist das US-Unternehmen für den zukünftigen Mitarbeiter. Unabdingbare Voraussetzung ist folglich ein konkretes Stellenangebot in den Vereinigten Staaten von einem US-Arbeitgeber. Quelle: https://www.usvisaservice.de/visum-usa/arbeitsvisum/h1b-visum/

 

Flexible Regelauslegung der EZB belastet den Euro

Die Märkte haben die Bewertung des Euro abwärts korrigiert, da die Chancen für eine Präsidentschaft von Le Pen und ihrem populistischen Front National in den zurückliegenden Wochen zugenommen haben. Der von politischer Unsicherheit geplagte Euro konnte weder von der Aufhellung des zugrunde liegenden wirtschaftlichen Umfelds noch von der Verbesserung der Positionierung auf dem Terminmarkt profitieren.

Das quantitative Lockerungsprogramm der EZB scheint zwar am Limit zu sein, doch ist die Notenbank offenbar bereit, von ihrem Kapitalschlüssel abzuweichen und die Anleihen höher verschuldeter Länder zu kaufen. Dies dürfte den Euro im Laufe von 2017 weiter unter Druck setzen, meint Martin Arnold, FX & Macro Strategist bei ETF Securities. Das vollständige Research Paper mit Charts finden Sie links als PDF.

Politik führt zu Neubewertung des Euro

Da die Eurozone an der politischen Unsicherheit zu zerbrechen droht, ist die Konsensprognose der Analysten für das EUR/USD-Währungspaar 2017 gefallen. Lag sie Ende 2016 für das erste Quartal 2017 noch bei rund 1,07, so beträgt sie derzeit gerade einmal 1,04. Unseren Erwartungen zufolge wird der Euro am Ende des ersten Quartals ungefähr bei 1,08 stehen, da die politische Unsicherheit wieder nachlässt.

Der von der politischen Unsicherheit beschädigte Euro konnte von der Verbesserung des zugrunde liegenden wirtschaftlichen Umfelds bisher nicht profitieren. Blickt man auf den Bloomberg Eurozone Economic Surprise Index, so wird deutlich, dass der Euro ohne die quantitative Lockerung der EZB und die aktuelle Unsicherheit des politischen Umfelds gegenüber dem US-Dollar wesentlich höher stehen könnte.

Auch wenn der Populismus und die immer engstirnigere Haltung der Wähler in den USA und Europa eindeutig Ähnlichkeiten besitzen, könnten ihre Auswirkungen auf die jeweilige Währung nicht unterschiedlicher sein. Nachdem Le Pen die Einführung des Francs versprochen hat, könnten ihre Chancen auf einen Sieg bei den französischen Präsidentschaftswahlen durchaus dazu führen, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar in Richtung Parität fällt. Dies steht in starkem Kontrast zur Dollarstärke, die auf den Wahlsieg von Trump folgte. Die EUR/USD-Parität als Folge eines Wahlsiegs von Le Pen ist jedoch nicht unser Basisszenario.

Wirtschaft bedingt andere Geldpolitik

Daneben bestehen zwischen den USA und Europa Unterschiede wirtschaftlicher Art: In der Eurozone ist die Arbeitslosigkeit nach wie vor erhöht, und aufgrund der Überkapazitäten bleibt das Lohnwachstum wohl noch einige Zeit gedämpft. Das Überangebot an Arbeitskräften lässt es unwahrscheinlich werden, dass die Kerninflation 2017 wie in den USA Auftrieb erhält.

Global nehmen die Inflationserwartungen allerdings zu. Mit dem Schwinden des Ölpreiseffekts ist der Preisauftrieb in der Eurozone weit über die Konsens­erwartungen und sogar über unsere optimistische Prognose hinaus gestiegen. Die Inflation der Eurozone hat mittlerweile den höchsten Stand seit März 2013 erreicht und befindet sich nun „unter, aber nahe“ 2,0 Prozent, der EZB-Zielmarke. Hierbei ist von Bedeutung, dass die Inflation in den kommenden Monaten wahrscheinlich nicht über das Ziel der Notenbank hinausschießen und die EZB „über den jüngsten Anstieg der Inflation hinwegsehen“ wird.

EZB nähert sich dem Limit

Während die US-Notenbank längst eine restriktive Haltung eingenommen hat, befindet sich die Geldpolitik der EZB weiterhin im Expansionsmodus.

So umfangreich war die Bilanz der EZB noch nie. Da sich jedoch die quantitativen Lockerungsbemühungen dem Limit nähern, lässt auch der Anstieg der Bilanzsumme nach. Andererseits gibt es Anzeichen, dass die EZB den aktuellen Rahmen des Wertpapierkaufprogramms verlassen könnte, um ihre Bilanz und die Geldmenge der Eurozone noch einmal auszuweiten.

Der Euro sollte zwar davon profitieren, falls die EZB ihre Anleihekäufe bis zum Jahresende ohne größere Verwerfungen auf den Zinsmärkten einstellen kann, doch lastet auf ihm die Möglichkeit des erneuten geldpolitischen Druckaufbaus.

Aus der jüngsten Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung des EZB-Rates geht hervor, dass die Notenbank „begrenzte und temporäre Abweichungen“ vom Kapital­schlüssel in Betracht zieht. Es steht also die Möglichkeit im Raum, dass das am BIP orientierte breite Anleihekaufprogramm in ein schuldengewichtetes Programm überführt wird. Dieser Schritt würde höher verschuldete Länder wie Italien bevorteilen und den Euro im zweiten Halbjahr 2017 unter Druck setzen.

Was preisen die Märkte ein?

Auf den Terminmärkten hat sich die Positionierung von den extrem tiefen Niveaus erholt, auch wenn die Anleger im Euro unter dem Strich weiterhin short positioniert sind. Allerdings ist der Euro schwächer bewertet, als seine historische Beziehung zum Terminmarkt andeutet. In den Optionspreisen hingegen drückt sich die Erwartung aus, dass der Euro unter den G10-Währungen am zweitschlechtesten gegenüber dem US-Dollar abschneiden wird. So pessimistisch sah der Optionsmarkt den Euro zuletzt im Juni 2016.

Wir erwarten, dass sich der Euro in den kommenden Monaten bei rund 1,08 festigt, da sichtbar wird, dass der Front National von Le Pen die französischen Präsidentschaftswahlen wohl nicht gewinnen kann. Trotzdem wird die Volatilität anhalten. Außerdem könnten die zusätzlichen Wertpapierkäufe und die flexible Regelauslegung der EZB den Euro im zweiten Halbjahr 2017 wieder auf das aktuelle Niveau drücken.

Divergente Inflationstrends in den Industrienationen

Die Inflationstrends in den Industrienationen werden dieses Jahr sehr unterschiedlich ausfallen. Dieser Ansicht ist Arif Husain, Portfoliomanager und Head of International Fixed Income bei T. Rowe Price. Einige Länder wie die USA oder Großbritannien hätten einen nachhaltigeren Preisdruck zu erwarten, während der jetzige Inflationsanstieg für die Eurozone nur temporär ausfallen dürfte.

In Großbritannien treibe die starke Abwertung des Pfunds die Importkosten in die Höhe, wodurch auch der Trend einer zunehmenden Inflation fortgeführt werden könnte. „Es ist wahrscheinlich, dass die Bank of England das Inflationsziel von zwei Prozent in diesem Jahr übertreffen wird. Dies könnte Rückwirkungen auf die geldpolitische Haltung der Zentralbank haben – gerade in einer Zeit, die ohnehin stark durch Unsicherheit geprägt ist. Das gilt insbesondere auch angesichts der anstehenden Brexit-Verhandlungen“, erklärt Husain. 

„Ich bin weiterhin besorgt, dass die Bank of England im Moment keine stichhaltige Begründung für weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen hat. Denn die Inflation steigt und die Arbeitslosigkeit ist niedrig, also gibt es keinen Grund für die Zentralbank, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Das macht britische Gilts sehr anfällig gegenüber dem drohenden Ende der quantitativen Lockerungen“, ergänzt Portfoliomanager Quentin Fitzsimmons. Dem Experten zufolge werden auch die USA im neuen Jahr mit steigendem Preisdruck konfrontiert werden. Denn in der US-amerikanischen Ökonomie herrsche beinahe Vollbeschäftigung und auch die von der Trump-Regierung geplanten steuerlichen Anreize würden ein Umfeld schaffen, in dem Lohnanstiege sehr wahrscheinlich seien.

In der Eurozone würde die Entwicklung hingegen voraussichtlich anders verlaufen als in den USA oder in Großbritannien. Insbesondere die Arbeitslosenquote von beinahe zehn Prozent illustriere die Problematik in Europa. Der reale Preisdruck bleibe deshalb wohl weiterhin niedrig. Der momentane Anstieg der Gesamtinflation sei hauptsächlich auf den erhöhten Ölpreis zurückzuführen. Portfoliomanager Kenneth Orchard schätzt die Chancen für einen nachhaltigen Anstieg des Inflationsniveaus daher niedrig ein: „Auch die Europäische Zentralbank wird sich bewusst sein, dass die momentane Gesamtinflation dem Einfluss der gestiegenen Energiepreise geschuldet ist und in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich wegfallen dürfte“. Die Kerninflation liege seit fast vier Jahren unter einem Prozent und die Möglichkeit, einen anhaltenden Aufwärtstrend innerhalb der nächsten zwölf Monate zu erleben, ist sehr gering.“

Vor diesem Hintergrund böte sich für globale Anleiheportfolios eher eine Untergewichtung von Gilts an. „Stattdessen haben wir unser globales Bonds-Portfolio um amerikanische inflationsgebundene Anleihen erweitert“, sagt Orchard. Derweil sieht sich das Fixed-Income-Team darin bestätigt, dass deutsche Bundesanleihen in der gegenwärtigen Situation noch Value bieten. Angesichts der erhöhten politischen Unsicherheit in den USA und der erwarteten restriktiveren Gelpolitik der amerikanischen Federal Reserve könnten Bundesanleihen zum sicheren Hafen für Anleger werden, die Alternative zu amerikanischen Treasuries suchen.

Synchroner globaler Konjunkturaufschwung

Das Kapitalmarktjahr 2017 wird ein Jahr des Umbruchs. „Die Rahmenbedingungen für Investoren ändern sich rasant“, sagt Jens Wilhelm, im Vorstand von Union Investment zuständig für Portfoliomanagement, Immobilien und Infrastruktur. Bei Politik, Konjunktur, Inflation und Zentralbanken ist seiner Einschätzung nach mit Trendwechseln im Vergleich zu den Vorjahren zu rechnen. „Seit Beginn der Dekade war das Umfeld zwar herausfordernd, aber durch einige Konstanten geprägt. Das ändert sich gerade“, erläutert er. „Wir sehen erste Anzeichen eines Wandels im Marktregime. Anleger sollten sich darauf einstellen.“

Globaler Konjunkturaufschwung synchronisiert und stabilisiert sich

Einen erheblichen Unterschied zu den vergangenen Jahren stellt nach Auffassung von Wilhelm das konjunkturelle Umfeld dar. Lange lasteten zwei Probleme schwer auf der Weltwirtschaft: Zum einen war das globale Wachstum nur von moderater Stärke. Zum anderen gab es keinen parallelen, gleichzeitigen Aufschwung in den wichtigen Regionen. Stattdessen war die Entwicklung sogar oft gegenläufig. „Die Eurozone wurde in den letzten zwei Jahren wirtschaftlich von der Schwäche in den Emerging Markets ausgebremst – davor war es genau umgekehrt.“ Dieses Problem verliert 2017 an Bedeutung. „Erstmals seit Langem sind alle wichtigen Wirtschaftsräume gleichlaufend im Aufschwung“, sagt das Vorstandsmitglied und ergänzt mit Blick auf die globale Konjunktur: „Synchronität schafft Stabilität.“

Im Ergebnis lassen die Prognosen von Union Investment ein weltweites Wachstum zwischen 3,0 und 3,5 Prozent erwarten. Dabei dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA um 1,8 Prozent zulegen, teilweise bedingt durch den unterstützenden Politikmix des neuen Präsidenten aus expansiver Fiskalpolitik und Deregulierung. „Donald Trump verleiht der US-Konjunktur eine zweite Luft“, fasst Wilhelm zusammen. Langfristig sieht er jedoch Fragezeichen hinter den Wachstumswirkungen der Trump’schen Wirtschaftspolitik. Für die Eurozone ist Wilhelm optimistisch. „Konjunkturell hat der Euroraum das Schlimmste hinter sich.“ Er rechnet mit einem BIP-Zuwachs von 1,5 Prozent. Als tragende Säule sieht das Vorstandsmitglied dabei nach wie vor die deutsche Volkswirtschaft, der er ein Plus von 1,7 Prozent zutraut. Aber auch einige Peripherieländer wie Spanien mit voraussichtlich 2,6 Prozent dürften 2017 spürbar wachsen.

Inflation auf dem Weg zur Normalität

Damit stuft Wilhelm das Wachstumsumfeld robuster ein als noch in den Vorjahren. „Eine Rückkehr zu Vorkrisenniveaus ist diese Entwicklung aber nicht“, schränkt er ein. Daher ist die angesprungene Inflation auch kein Grund zur Beunruhigung. „Die Wachstumskräfte sind noch nicht dynamisch genug, um über Zweitrundeneffekte eine nachhaltig steigende Inflation zu verursachen“, stellt er klar. Vielmehr sieht er die Entwicklung vor allem in statistischen Basiseffekten aus der Stabilisierung der Rohstoffpreise begründet und verweist auf die geringen Steigerungen bei der Kerninflation, also ohne Nahrungsmittel und Energie. „Was wir bei der Teuerung derzeit beobachten, ist eine Gesundung von den gefährlich niedrigen Raten der letzten Jahre. Daher ist die etwas höhere Inflation zunächst einmal eine gute Nachricht.“ Die Vorhersagen von Union Investment für 2017 liegen bei 1,3 Prozent für den Euroraum. Allerdings wächst laut Wilhelm mit der anziehenden Inflation auch der Druck auf die Sparer, ihr Vermögen vor Kaufkraftentzug zu schützen. „Niedrigzins und höhere Teuerung sind Gift für Festgeld oder Sparbuch. Beides sind akute Bedrohungen für den Wohlstand in Deutschland“, warnt das Vorstandsmitglied.

Geldpolitischer Ausnahmezustand läuft aus

Die weltweit anziehende Konjunktur und eine leicht höhere Inflation sind nach Einschätzung des Kapitalmarktstrategen die wesentlichen Gründe dafür, dass der geldpolitische Ausnahmezustand seinem Ende entgegengeht. „In den USA haben wir die Zinswende bereits hinter uns. Wir rechnen damit, dass 2017 noch zwei bis maximal drei Zinsschritte folgen werden“, skizziert Wilhelm die Erwartung an die US-Notenbank Federal Reserve. Auch in Europa zeichnet sich seiner Meinung nach perspektivisch das Ende der ultralockeren Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) ab: „Die Signale sind klar: Die EZB will aus den Anleiheankäufen aussteigen.“ Mit der Verringerung des monatlichen Volumens auf 60 Milliarden Euro ist – trotz der zeitlichen Verlängerung des Programms – ein erster Drosselungsschritt gemacht. „Die EZB wird ihre Tapering-Marschroute beibehalten“, sagt er.

Politische Risiken ernst nehmen, aber nicht überbewerten

Die politischen Rahmenbedingungen waren bereits im vergangenen Jahr maßgeblich für die Bewegungen an den Kapitalmärkten. „Das wird sich 2017 nicht ändern“, fasst Wilhelm mit Blick auf die Wahlen in der Eurozone, den Start der Brexit-Verhandlungen und das erste Amtsjahr des neuen US-Präsidenten die Aussichten zusammen. „Die Welt ist konfliktträchtiger und damit unsicherer geworden.“ Für die Kapitalmärkte haben die politischen Risiken in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Allerdings verweist der Vorstand auf die hohen wechselseitigen Abhängigkeiten in einer eng vernetzten Welt. „Am Ende erliegen Staatenlenker dann doch den Sachzwängen, trotz aller zwischenzeitlichen Aufgeregtheit“, analysiert Wilhelm.

Den Aufstieg populistischer Parteien in Europa sieht Wilhelm mit Sorge. Allerdings erwartet er mit Blick auf das laufende Jahr keine Verschärfung der Lage durch Wahlsiege EU-kritischer Kräfte: „Weder in den Niederlanden noch in Frankreich oder Deutschland ist ein Trump-Moment im Sinne einer Regierungsübernahme durch einen der Außenseiter wahrscheinlich.“ Auch für Italien geht der Kapitalmarktstratege davon aus, dass im Falle vorgezogener Neuwahlen der Regierungskurs sich nicht grundlegend ändern wird. „Am Ende wird in Rom nicht an der Einbindung in die EU gerüttelt werden“, verweist er mit Blick auf die Abhängigkeit des Landes vom Rest des Kontinents.

Zu früh für einen Abgesang auf das Niedrigrenditeumfeld

Diese fundamentalen Veränderungen führen zu einem einsetzenden Wechsel der Attraktivität von Anlageklassen, Regionen und Investmentstilen. Ob diese bereits im Jahr 2016 begonnene Rotation – auch als Reflationierungs-Trade bezeichnet – in unverminderter Stärke anhält, hängt laut Jens Wilhelm vor allem vom Konjunktur- und Inflationsbild ab. „Wir sehen eine Verbesserung, aber keine Wachstumsexplosion. Es ist daher noch zu früh für einen Abgesang auf das Niedrigrenditeumfeld“, folgert er.

Mit Blick auf die einzelnen Assetklassen hält er das Umfeld vor allem für sichere Rentenanlagen für herausfordernd: „Höheres Wachstum und steigende Inflation bedeuten Gegenwind für sichere Anleihen. Wir rechnen daher mit moderat anziehenden Renditen.“ Bei deutschen Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit erwartet er bis zum Ende des Jahres einen Anstieg auf 0,8 Prozent. Hier wirkt das Ankaufprogramm der EZB weiter bremsend auf die Renditeentwicklung. In den USA, wo die Unterstützung durch die Notenbank praktisch bereits weggefallen ist und zudem das Wachstum höher liegt, geht Wilhelm für zehnjährige Staatspapiere von einem Renditeniveau von 2,8 Prozent Ende 2017 aus. Die hohe Zinsdifferenz stützt dabei den US-Dollar, gerade gegenüber dem Euro. „In den kommenden Monaten ist die Parität möglich“, meint er.

Bei Aktien sind laut Wilhelm weitere Kursanstiege im mittleren einstelligen Bereich realistisch. „Wichtig ist der Qualitätsunterschied zu den Vorjahren“, stellt er heraus. „2017 dürften die Unternehmen erstmals seit Langem wieder deutliche Ertragssteigerungen einfahren. Kursanstiege an der Börse sind damit gewinnseitig gut unterfüttert und nicht mehr nur das Resultat höherer Bewertungen.“ In den USA hält Wilhelm ein Gewinnplus von fünf Prozent für wahrscheinlich, in Europa sogar über zehn Prozent. „Höhere Unternehmensgewinne sind der beste Treibstoff für höhere Kurse“, unterstreicht er.

Wilhelm rät Anlegern: „Das Börsenjahr droht unruhig zu werden, da vieles im Umbruch ist. Investoren sollten die Ruhe bewahren und sich nicht von vorübergehenden Turbulenzen nervös machen lassen.“ Darüber hinaus verweist er auf die mit den Veränderungen verbundenen Chancen. „Richtungswechsel an den Kapitalmärkten bergen immer auch Ertragsperspektiven. Flexibilität und Aktivität sind dabei der Schlüssel zum Anlageerfolg“, ist Wilhelm zuversichtlich.

Inflation auf dem Vormarsch – wie nachhaltig ist diese Entwicklung?

von Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Die relativ hohen Inflationsraten in Dezember und Januar (in Deutschland + 1,7 Prozent und + 1,9 Prozent) lassen an den Kapitalmärkten die Erwartungen auf ein nachhaltiges Anziehen der weltweiten Inflation wachsen. Schon jetzt macht vereinzelt der Begriff der „Reflation“ die Runde. Glaubt man den Äußerungen der Offiziellen der Europäischen Zentralbank (EZB), handelt es sich allerdings nicht um eine dauerhafte Entwicklung. So werden die Inflationsraten von Dezember und Januar vor allem auf deutlich gestiegene Energiepreise zurückgeführt.

Die monatlich veröffentlichten Steigerungsraten der Gesamtinflation und einzelner Inflationskomponenten beziehen sich jeweils auf die Preisentwicklung im Verhältnis zum gleichen Monat des Vorjahres. Vor genau einem Jahr befanden sich die globalen Kapitalmärkte in einem ausgeprägten Konsolidierungsmodus, der beispielsweise dem DAX mit einem Minus von knapp 20 Prozent innerhalb von 6 Wochen den schlechtesten Jahresstart seit Bestehen des Index bescherte.

Eine Ursache dafür war der rasante Verfall der Rohölnotierungen, die zeitweise unter 30 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) lagen. Diese Preise sind somit die Grundlage für die Berechnung der Ölpreissteigerung Anfang 2017. Dabei sind die jeweiligen monatsdurchschnittlichen Preise die relevanten Ausgangsdaten, im Januar und Februar 2016 jeweils rund 40 US-Dollar. Verglichen mit den derzeitigen Notierungen von rund 55 US-Dollar, entspricht dies einer Preissteigerung von 37,5 Prozent.

Auch wenn die inflationsrelevanten Energiekomponenten nicht ausschließlich die Entwicklung des Rohölpreises widerspiegeln, ist anzunehmen, dass die Februar-Inflationsrate für Deutschland auf einem vergleichbar hohen Niveau wie im Januar liegen wird. Unter der Annahme, dass der Preis für Rohöl in den kommenden Monaten in etwa auf dem aktuellen Niveau verharrt, wird sich der preissteigernde Effekt des Ölpreises in den kommenden Monaten allerdings abschwächen. Im März und April 2016 lagen die durchschnittlichen Rohölpreise bei rund 45 US-Dollar, um danach auf Werte zwischen rund 50 US-Dollar und 55 US-Dollar im weiteren Jahresverlauf anzusteigen.

Damit bleibt die Frage nach den sogenannten Zweitrundeneffekten, also dem möglichen Eintreten einer nach oben gerichteten Lohn- und Preisspirale. Vor allem die Lohnabschlüsse hängen von den allgemeinen Inflationserwartungen ab. Steigen diese, werden in der Folge stärker steigende Löhne gefordert. Jüngste Daten der EZB legen jedoch nur eine durchschnittliche Inflationserwartung für 2017 in Höhe von 1,4 Prozent nahe. In Deutschland könnte es dabei angesichts einer relativ niedrigen Arbeitslosenrate zu höherem Lohndruck kommen. Allerdings hat die EZB nicht ausschließlich die deutsche, sondern die Inflationsrate des gesamten Europäischen Währungsraums im Blick. In diesem liegt die Arbeitslosenquote noch immer bei knapp 10 Prozent und dürfte damit den Preisdruck dämpfen. 

Im Gesamtjahr 2017 wird die Inflationsrate daher noch nicht an den Zielwert der EZB von „nahe, aber unter 2 Prozent“ heranreichen. Die Befürchtung einer deflationären Entwicklung ist allerdings vorerst nicht mehr gegeben.

Für Anleger besteht angesichts eines voraussichtlich noch mindestens bis Jahresende manifestierten Null- bzw. Negativzinsniveaus noch dringender als schon in den letzten Jahren die Notwendigkeit einer durchdachten Anlagestrategie, um einen realen Kapitalverlust zu vermeiden.

Was das Jahr des Hahnes für China bereithält

Der Astrologie kommt in China traditionell eine große Bedeutung zu. Das Jahr 2017 ist dem chinesischen Kalender zufolge das Jahr des Hahns. Den in diesem Sternzeichen Geborenen wird gemeinhin Genauigkeit und Intuition attestiert – aber auch, dass sie nicht unbedingt mit dem Strom schwimmen. Wird das Jahr im Zeichen des Hahnes eine höhere Volatilität für den Renminbi mit sich bringen? Michael Lai, Investment Director bei GAM, analysiert die mögliche Entwicklung der chinesischen Währung im laufenden Jahr und erklärt, wo sich Anlagemöglichkeiten bieten.

Die Zeiten für den Renminbi sind derzeit schwierig: Die chinesische Währung gab in den letzten Monaten aufgrund eines stärkeren US-Dollars drastisch nach. Grund dafür waren die Erwartungen steigender US-Zinsen. Auch die Rally in der ersten Januarwoche blieb nur von kurzer Dauer – bereits nach zwei Tagen wertete der Renminbi noch weiter ab als zuvor. „Die chinesische Zentralbank muss nun eine komplexe Situation bewältigen. Die chinesischen Behörden sind letztlich mit einem „7-3“-Dilemma konfrontiert. Sie müssen sicherstellen, dass der Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar nicht unter sieben Renminbi fällt und gleichzeitig gewährleisten, dass die gesamten Devisenreserven die Marke von drei Trillionen US-Dollar nicht unterschreiten“, fasst Michael Lai die aktuelle Situation zusammen.

Kapitalkontrollen als Antwort auf schwache Währung

Die Regierung hat zuletzt auf Kapitalkontrollen zurückgegriffen, um der Situation Herr zu werden. „Im Unternehmenssektor hat die Regierung ihre Kontrollen der Auslandstransfers in der Höhe von über fünf Millionen US-Dollar verstärkt. Zudem wurde der Geldbetrag, den Einzelpersonen ins Ausland überweisen können, beschränkt. China hat Kapitalabflüsse zwar nicht ausdrücklich verboten, nachdem es gerade erst Reservewährungsstatus beim IWF erlangt hat. Aufgrund der veränderten gesamtwirtschaftlichen Fundamentaldaten seit dem Regierungswechsel in den USA muss die Regierung jedoch eine Gratwanderung vollziehen“, so Lai.

Darüber hinaus rechnet der Experte mit einer weiteren Abwertung der chinesischen Währung: „Die Talfahrt des Renminbi wird voraussichtlich auch 2017 weiter anhalten, da der US-Dollar aufgrund der von US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellten Steueranreize zulegen dürfte. Steigende Zinsen und ein stärkerer US-Dollar wirken sich im Allgemeinen negativ auf Schwellenmarktwährungen aus. Es ist wahrscheinlich, dass die Behörden im Verlauf des Jahres 2017 einen leichten Rückgang des Renminbi ausgleichen werden. Dennoch werden sie ihm von Zeit zu Zeit wie im Januar eine Trendwende ermöglichen, damit Spekulanten nicht auf den Gedanken kommen, es handele sich um eine risikolose Wette.“

Zyklische Konsumgüter favorisiert

Angesichts des weltweit reflationären Umfelds nimmt Lai an, dass chinesische Zykliker und Substanzwertsektoren, darunter Rohstoffe, Energie sowie Titel aus der Industrie und der Bauwirtschaft profitieren werden. Bei den „New-Economy“-Sektoren favorisiert der Experte zyklische Konsumgüter, insbesondere Gaming und Online-Dienste, die vom Einzelhandel, Tourismus und Sportbekleidungsgeschäften angeboten werden. Das Gaming-Segment habe sich gut erholt: Die monatlichen Bruttoumsätze verbesserten sich stetig, und auch das profitablere Premiumsegment erlebe einen Aufschwung.

„Angesichts des schärferen Tons in der US-Geldpolitik rechnen wir jedoch nicht mit einer positiven Entwicklung der defensiven Sektoren, darunter anleiheähnliche Aktien wie etwa von Telekom- und Versorgungsunternehmen“, so Lai. „Wir gehen davon aus, dass die Zinsen nach dem jahrelangen Abwärtstrend weltweit langsam wieder anziehen. Dies steht mit dem globalen Paradigmenwechsel im Zusammenhang: Regierungen tätigen orthodoxere keynesianische Staatsausgaben zur Förderung des Wachstums.“

Ruhiges China für 2017 erwartet

Die kontrollierte Abwertung der eigenen Währung gegenüber einem immer stärker werdenden US-Dollar sowie das proaktive Verhalten im überhitzen Immobilien- und volatilen Anleihemarkt sind laut dem Experten deutliche Anzeichen dafür, dass China wirtschaftliche Stabilität bevorzugt. Das Land werde seine Priorität zudem auf einen reibungslosen Wechsel der obersten Führungsmitglieder beim 19. Parteikongress Ende 2017 legen. „Wir gehen davon aus, dass die Regierung den L-förmigen Wirtschaftswachstumspfad weiterverfolgt und möglicherweise sogar einen kleinen Rückzieher bei strukturellen Reformen macht, um die soziale Stabilität zu erhalten. Für 2017 rechnen wir somit mit einem eher ruhigen Umfeld für China. Das bedeutet jedoch auch, dass das Land weder ein starker Motor für die Schwellenmärkte sein dürfte, noch seine Nachbarländer oder Handelspartner herunterziehen wird“, analysiert Lai.

Mehr Protektionismus in den USA dürfte für China keine große Bedrohung darstellen, da es erneut Handelsblockadestrategien anwenden und seine Vormachtstellung in der asiatischen Region ausbauen könne. „China hat diese bereits mit dem ehrgeizigen Infrastrukturprojekt ‚One Belt One Road‘ eingeleitet. Weitere asiatische Länder wie Malaysia und die Philippinen sind bereit, mit China zusammenzuarbeiten, um mehr ausländische Direktinvestitionen zu erhalten. In einer Zeit, in der sich die USA auf interne Belange konzentrieren, orientiert sich China mehr nach außen und könnte schneller eine weltweite Führungsposition erlangen“, schließt Michael Lai.

Qualitätsaktien bieten Schutz in unruhigen Zeiten

von Daniel Roberts, Fondsmanager des Fidelity Global Dividend Fund.

„Qualitätsaktien bieten Anlegern einen gewissen Schutz, sollten die Märkte ins Minus drehen. Sie sollten auch in diesem Jahr in keinem Anlegerportfolio fehlen“, meint Daniel Roberts, Fondsmanager des Fidelity Global Dividend Fund. Im reflationären Umfeld des letzten Jahres gab es vereinzelt gute Chancen, Qualitätsaktien mit deutlichem Kursabschlag zu erwerben, die zudem eine solide wachsende Dividende aufweisen.

Derzeitige Ausschüttungsrendite von knapp drei Prozent

Da Dividenden wesentlich zur Gesamtrendite des Fonds beitrügen, sei es deshalb wichtig, dass sie nachhaltig seien und nicht zulasten des Kapitalwachstums gingen. Mithilfe dieser Strategie sei es seit Fondsauflage vor fünf Jahren gelungen, in jedem Jahr eine höhere Ausschüttung zu bieten. Derzeit beläuft sich die Ausschüttungsrendite des Fonds auf 2,92 Prozent*.

Nicht alle Qualitätsaktien über einen Kamm scheren

„Eine leichte Konjunkturbelebung und Hinweise auf eine Reflationierung der Wirtschaft lösten 2016 eine massive Umschichtung aus Qualitäts- in Substanzaktien – so genannte Value-Aktien – aus. Zugleich stießen Anleger anleiheähnliche Titel, etwa von Versorgern und Grundbedarfsgüterfirmen, ab. Sie wandten sich Aktien zu, die vom Reflationsthema profitieren, allen voran Finanzwerten“, so Roberts.

Bei dieser Rotation wurden alle Qualitätsaktien über einen Kamm geschoren und die Vorteile dieser doch sehr verschiedenen defensiven Branchen völlig ausgeblendet. Viele Qualitätsaktien aus den genannten Industriezweigen mit attraktiven, sich bessernden Fundamentaldaten werden deshalb nun mit erheblichen Bewertungsabschlägen gehandelt.

Er fügt hinzu: „Inzwischen erscheinen die Bewertungen doch recht hoch. Damit die Kurse weiter steigen können, müssen die Gewinne deutlich zulegen. Da die Gewinnmargen der Unternehmen aber bereits recht hoch sind, ist es fraglich, wie sie einen solchen Gewinnanstieg bewerkstelligen sollen. Das Umfeld für Ertragsanleger beurteilt Daniel Roberts nach wie vor optimistisch: „Für mich stehen vernünftig bewertete Qualitätsunternehmen, die Gewinne und Dividenden kontinuierlich steigern bzw. aufstocken können, auch weiterhin im Fokus.“

* Quelle: Fidelity International, 1. Februar 2017. Rendite der Anteilsklasse A-QINC(G)-EUR des Fidelity Global Dividend Fund.

Gute Perspektiven für die US-Wirtschaft

Interview mit Dr. Andreas Busch, Senior Analyst Economics des Anleihemanagers Bantleon.

Zweifelsohne besteht ein Risiko, dass Donald Trump mit umfangreichen protektionistischen Maßnahmen die US-Wirtschaft massiv belastet. »Lässt man dieses Schreckensszenario jedoch außen vor,  dann präsentiert sich die amerikanische Wirtschaft in einer rundum erfreulichen Verfassung«, sagt Dr. Andreas Busch, Senior Analyst Economics des Anleihemanagers Bantleon. Vor allem der Nachholbedarf von Unternehmen bei Investitionen, aber auch der Wohnungsbau und der private Konsum sollten die Konjunktur im Jahr 2017 anschieben. »Insgesamt sehen wir die US-Wirtschaft in einer guten Ausgangslage für ein deutlich anziehendes BIP-Wachstum von 2,5% in diesem Jahr.« Und diese Prognose basiert auf konservativen Zahlen. Möglich ist Busch zufolge sogar ein noch stärkeres Wachstum.

Herr Dr. Busch, 2016 ist die US-Wirtschaft mit 1,6% so langsam gewachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Wie ist die Ausgangslage für dieses Jahr? 

Dr. Andreas Busch: Lässt man die Unwägbarkeiten beiseite, die durch die unklare wirtschaftspolitische Marschrichtung der neuen Regierung Trump entstanden sind, präsentiert sich die US-Wirtschaft in einer rundum erfreulichen Verfassung. Wir hatten bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die drei wichtigsten Bremskräfte, die das BIP-Wachstum in den zurückliegenden Quartalen gedämpft hatten, inzwischen der Vergangenheit angehören: Sowohl der Einbruch der Investitionen in der Ölförderindustrie um mehr als 70% als auch der Gegenwind von der über 20%-igen US-Dollar-Aufwertung sowie der Abbau der zu hohen Lagerbestände sind mittlerweile verdaut. 

Welche Kräfte werden 2017 die Konjunktur antreiben?

Busch: Die fundamentalen Aufschwungskräfte gewinnen wieder an Bedeutung. Eine besondere Rolle spielt dabei der Nachholbedarf bei den Investitionen. Im Unternehmenssektor hat die Nachfrage nach Kapitalgütern während vier Quartalen stagniert. Die Investitionsquote, also der Anteil der Netto-Investitionen am BIP, ist in diesem Zuge wieder auf ihren langfristigen Trend zurückgefallen. Von Überkapazitäten, die während einer längeren Aufschwungsphase entstehen können, ist folglich nach wie vor nichts zu sehen. Im Gegenteil – der Bedarf für Erweiterungsinvestitionen ist zuletzt sogar gestiegen und dürfte ein wichtiger Treiber des BIP-Wachstums im laufenden Jahr sein.

Welche Bedeutung haben die privaten Investitionen?

Busch: Bei den Investitionen der privaten Haushalte, also dem Wohnungsbau, sieht die Lage ähnlich aus. Hier liegt die Investitionstätigkeit sogar noch unter dem langfristigen Trend, was sich auch in der historisch tiefen Eigenheimquote und den niedrigen Leerstandsraten von Mietobjekten spiegelt. Deshalb dürfte der private Wohnungsbau in den kommenden Jahren ebenfalls ein wichtiger Wachstumsmotor sein. Dieser positive Ausblick für den Immobilienmarkt stützt sich auch auf die erfolgreiche Entschuldung der privaten Haushalte. Mit gut 100% des verfügbaren Jahreseinkommens hat sich der Schuldenstand der US-Bürger inzwischen um knapp ein Viertel gegenüber dem Höchststand aus dem Jahr 2007 reduziert. Gleichzeitig ist die Schuldendienstquote – das ist die Summe der Zins- und Tilgungszahlungen in Relation zum verfügbaren Einkommen – mit rund 10% auf einen neuen historischen Tiefstand gesunken. 

Und wie sieht es mit dem privaten Konsum aus?

Busch: Der private Konsum hat wegen des erfolgreichen Schuldenabbaus ebenfalls zusätzliches Potential. Dies resultiert auch aus der Tatsache, dass die US-Bürger zuletzt relativ viel gespart haben. Üblicherweise nimmt die Spartätigkeit ab, wenn die Vermögen, wie aktuell zu beobachten, zulegen. In den vergangenen drei Jahren haben die privaten Haushalte aber ungeachtet der Vermögenszuwächse nicht weniger, sondern mehr gespart. Wir werten dies indes primär als ein vorübergehendes Vorsichtssparen, das im Windschatten eines beschleunigenden Konjunkturaufschwungs mit anhaltender Arbeitsmarkterholung und stärkerem Lohnwachstum sukzessive an Bedeutung verlieren wird – der Konsum erhält im Gegenzug einen zusätzlichen Schub. 

Was bedeuten diese positiven Rahmenbedingungen für das Wachstum der US-Wirtschaft?

Busch: Insgesamt sehen wir die US-Wirtschaft in einer guten Ausgangslage für ein deutlich anziehendes BIP-Wachstum von 2,5% in diesem Jahr. Die Risiken bei dieser Prognose sind dabei zweigeteilt. Auf der einen Seite lastet der Konfrontationskurs der neuen Regierung Trump auf dem Ausblick. Kommt es zu einer Eskalation der Handelskonflikte, würde das BIP-Wachstum unweigerlich gebremst. Auf der anderen Seite sehen wir bei den wichtigsten gesamtwirtschaftlichen Nachfragekomponenten positives Überraschungspotential. So rechnen wir bei den Anlageinvestitionen mit einer Beschleunigung auf lediglich 4% p.a. – nach einer Stagnation 2016. Gemessen an Werten von über 10% p.a. in den vergangenen Aufschwungsphasen ist das konservativ. Ähnlich vorsichtig sind wir beim Konsumwachstum, das im laufenden Jahr bei rund 2,5% liegen dürfte, was ebenfalls weniger ist als in vergleichbaren Aufschwüngen. Die Möglichkeit, dass sich diese beiden wichtigsten gesamtwirtschaftlichen Nachfragekomponenten dynamischer entwickeln und damit das BIP noch stärker anschieben als von uns im Basisszenario veranschlagt, ist somit nicht zu vernachlässigen.

Schwindendes Vertrauen in die Märkte unterstützt den Goldpreis

Nach der irrationalen Euphorie im Zuge der Trump-Wahl kehren die Märkte allmählich zur Normalität zurück. So lautet die Einschätzung von Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds von VanEck. Allerdings blieben die Marktteilnehmer nahezu „besessen“ von der neuen US-Regierung – ähnlich wie von den Entscheidungen der Federal Reserve seit der letzten Finanzkrise. Das zeige beispielsweise die erneute Schwäche des US-Dollars (USD) infolge kontroverser Aussagen und Handlungen des Präsidenten und führender Regierungsvertreter.

Aussagen zum US-Dollar verunsichern die Märkte

Trump legte zuletzt nahe, dass eine starke Landeswährung nicht unbedingt im besten Interesse der Vereinigten Staaten sei. Auch der zukünftige Finanzminister Steven Mnuchin tätigte Aussagen, die als für den USD nicht stützend interpretiert wurden. Darüber hinaus belasten kontroverse Erlässe und die handelsfeindliche Haltung des Präsidenten das Vertrauen der Investoren in die US-Regierung: „Die Märkte beginnen damit, die tatsächlichen Risiken durch Trump einzupreisen“, erklärt Foster.

Gold und Goldaktien auf der Überholspur

Gold und Goldaktien haben einen äußerst starken Start ins neue Jahr hingelegt, nachdem sie zum Ende des vergangenen Jahres überverkauft waren. Während der Goldkurs im Januar um 5,1 Prozent anstieg, legte der NYSE Arca Gold Miners Index um 13,7 Prozent zu. Der MVIS Global Junior Gold Miners Index, der die Entwicklung von Small-Caps im globalen Goldsektor modelliert, erzielte sogar Kursgewinne in Höhe von 17,9 Prozent. „Solange sich die Zinsen weiterhin auf mikroskopischem Niveau und US-Aktien auf Höchstständen verharren, bleibt Gold für uns die offensichtliche Wahl als sicherer Hafen“, so Foster.

Den vollständigen Marktkommentar von VanEck mit Charts finden Sie links als PDF.

Politische Unsicherheit: Sichere Anlagen rücken in den Blickpunkt

Die starken Zuflüsse in Gold-ETPs von 141 Mio. USD waren eine Folge der politischen Unsicherheiten, die die Marktstimmung prägen, während die Zuflüsse in Platin-ETPs auf den Autoabsatz zurückgingen. Die Zuflüsse in Robotik-ETFs betragen für Februar bereits 80 Mio. USD, da die Kurse wöchentlich neue Hochstände erreichen. In Industriemetall-ETPs flossen 22 Mio. USD, da die Anleger die beabsichtigte Lockerung des indonesischen Ausfuhrverbots für Eisenerz in Frage stellten, so ETF Securities im wöchentlicher Rohstoffüberblick. Die vollständige Analyse mit Charts finden Sie links als PDF.

Die starken Zuflüsse in Gold-ETPs (A0LP78) waren eine Folge der politischen Unsicherheiten, die die Marktstimmung prägen. In Gold-ETPs flossen in der vergangenen Woche 141 Mio. USD, da die Goldpreise um 1,1 Prozent auf fast 1.242 USD/oz. zulegten. Wir sehen den Goldpreis Ende des Jahres bei 1.230 USD/oz., da die Notenbanken bei den Zinsen einen schärferen Ton anschlagen werden. „Zuvor könnten der schwächere US-Dollar und das Niedrigzinsumfeld – eventuell unterstützt von politischen Ereignissen wie den Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland – den Goldpreis noch bis zur Jahresmitte auf 1.300 USD/oz steigen lassen“, sagt Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Das zunehmende Interesse an Zukunftssektoren ist für Robotik-ETFs (A12GJD) ein gutes Zeichen. In der zurückliegenden Woche kam es zum dritten Mal hintereinander zu zweistelligen Zuflüssen in Robotik-ETFs, da der Basisindex Woche für Woche neue Höchststände erreicht und allein in diesem Jahr 9 Prozent zulegte. „Die Zuflüsse betrugen im Februar 2017 bisher insgesamt 80 Mio. USD, was dem höchsten monatlichen Zufluss seit Auflegung im Oktober 2014 entspricht“, sagt Hein.

Die Anleger erhöhten ihr Engagement in Industriemetallen (A0SVX7), da sie die beabsichtigte Lockerung des indonesischen Ausfuhrverbots für Eisenerz in Frage stellten. Die Ankündigung hatte im Januar zunächst die Industriemetallpreise belastet, da bei einer Aufhebung der seit 2014 gültigen Exportsperre mit einem Anstieg des globalen Angebots zu rechnen war. Jenes wird sich aber wohl in Grenzen halten, zumal Unternehmen, die bereits Aufbereitungsanlagen bauen, für bis zu fünf Jahre kostenlose Lieferungen erhalten. „Die Nickelpreise fielen nach der Ankündigung um 8 Prozent, stiegen dann aber wieder stark an, sodass in Nickel-ETPs (A0KRJ4) 11 Mio. USD und in Industriemetall-ETPs 24,4 Mio. USD flossen“, sagt Hein.

Auch Edelmetalle mit industriellen Anwendungen besaßen eine gewisse Zugkraft. Platin-ETPs (A0N62D) verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse von 8,6 Mio. USD, da sein Preis aufgrund des in den meisten großen Volkswirtschaften unerwartet guten Autoabsatzes um 1,7 Prozent anzog. „Die Volatilität des südafrikanischen Rand und das immer vorhandene Potenzial für politische Unruhen werden wohl auch künftig die Metalle der Platingruppe zurückhalten“, sagt Hein.

Da sich die Fördermengen in den USA weiter erholen, erlebten Rohöl-ETPs in der dritten Woche in Folge Abflüsse. Die Abflüsse beliefen sich in der vergangenen Woche auf 32,2 Mio. USD, wobei Rohöl der Sorte WTI (A0KRJX) verkauft wurde, während es bei Brent-ETPs (A1N49P) zu Zuflüssen in Höhe von 10 Mio. USD kam. Hierin äußert sich die traditionelle Sichtweise, dass Rohöl der Sorte Brent eher von der Erschöpfung der europäischen Ölfelder und der OPEC-Förderpolitik betroffen ist, während die Sorte WTI hauptsächlich von der US-Produktion von Schieferöl abhängt. „Unseres Erachtens wird der Druck auf die Rohölpreise kurzfristig nicht nachlassen, da die Förderung und die Lagerbestände in den USA weiter zunehmen“, sagt Hein.

„Anhaltender Trend zur Spezialisierung und verstärkte Internationalisierung“

Die Investmentstatistik 2016 des Fondsverbands BVI kommentiert Michael Schneider, Geschäftsführer der Service-KVG IntReal:

An der BVI-Investmentstatistik 2016 lassen sich grundlegende Entwicklungen am Markt für institutionelle Immobilien-Investments ablesen: Erstens die anhaltend hohe Nachfrage nach der Assetklasse Immobilien allgemein. Das Nettofondsvermögen der in der Statistik erfassten offenen Immobilien-Spezial-AIF liegt mit 64,5 Milliarden Euro zum 31. Dezember um 17,8 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Der Netto-Mittelzufluss über alle in der Statistik erfassten Initiatoren war im Jahr 2016 mit 8,4 Milliarden Euro ebenfalls überdurchschnittlich hoch. 

Das starke Wachstum von Mandaten, bei denen Administration und Immobilienmanagement von jeweils eigenständigen Akteuren übernommen werden, zeugt vom anhaltenden Trend zur Spezialisierung in der Immobilienfondsverwaltung – der zweite Trend bei institutionellen Investments. Das zeigt sich auch am starken Wachstum des Bereichs Partnerfonds bei IntReal. Das Volumen der über die IntReal-Plattform administrierten Partnerfonds (Assets under Administrations, AuA) lag zum Jahresende 2016 mit 7,7 Milliarden Euro um 56 Prozent höher als Ende 2015. 

Anleger setzen verstärkt auf die Zusammenarbeit mit spezialisierten Managern, sowohl im Hinblick auf Objektarten als auch regional. Zudem wächst der Anteil international ausgerichteter Investment-Konzepte im deutschen Markt weiter. Anleger fragen danach, weil sie ihre Portfolien stärker diversifizieren wollen. Aufseiten der Asset Manager wiederum ist ein stärkeres Engagement internationaler Adressen zu beobachten, die Produkte für Anleger aus Deutschland auflegen. Für alle diese Gruppen sind Master-/Service-KVG-Lösungen häufig die erste Wahl.

Wir bei IntReal freuen uns und sind stolz im Jahr 2016 gemeinsam mit unseren Fondspartnern einen der höchsten Nettomittelzuflüsse in der Branche erzielt zu haben. Beim administrierten Fondsvolumen ist IntReal unter den in der BVI-Statistik für Immobilien-Spezialfonds erfassten Anbietern mit einem Anteil von 9,3 Prozent die Nr. 2; zählt man das Geschäftsbesorgungsmandat der Warburg-HIH Invest Real Estate hinzu, ist die Service-KVG mit 9,9 Mrd. Euro administriertem Netto-Fondsvolumen die klare Nr. 1.

Von diesen Technologie-Trends können Anleger 2017 profitieren

Der Technologie-Sektor wächst rasant, umfasst ein breites Themenspektrum und bietet entsprechend viele Anlage-Möglichkeiten für Rendite-Jäger. Umso wichtiger wird es für Anleger sein, die für 2017 relevanten Themen ausfindig zu machen. Mark Hawtin, Investment Director bei GAM, stellt die aus seiner Sicht sechs wichtigsten Technologie-Themen für 2017 vor und erklärt, warum Hardware künftig nicht mehr die wichtigste Rolle spielen wird.

1. Künstliche Intelligenz: Deep Learning hoch im Kurs

McKinsey berechnete im Jahr 2011, dass im Laufe der nächsten zehn Jahre bis zu 100 Millionen Arbeitsplätze durch die Automatisierung vernichtet würden – seither sorgt das Thema künstliche Intelligenz regelmäßig für Schlagzeilen. Als revolutionär hat sich das sogenannte „Deep Learning“ erwiesen – die Technologie, die es beispielsweise Netflix ermöglicht,  persönlich zugeschnittene Empfehlungen für jeden Nutzer zu erstellen. Aus dem verbesserten Nutzererlebnis folgt eine gesteigerte Nachfrage und stärkere Kundenbindung, die dem Unternehmen widerrum höhere Umsätze einbringt. Im Einzelhandelssektor ist Amazon beim Thema künstliche Intelligenz führend. Das Unternehmen begleitet Nutzer überall im Internet auf Schritt und Tritt und passt seine Kaufvorschläge entsprechend der besuchten Webseiten an.

Namhafte Großunternehmen nutzen diese Technologie bislang am intensivsten. Sie verfügen über enorme Datenbestände, die von der Systemoptimierung mittels künstlicher Intelligenz besonders profitieren. Amazon, Facebook, Google und Microsoft sind Vorreiter, wenn es darum geht, mit künstlicher Intelligenz das Nutzererlebnis sowie die Kauflust zu steigern. 

2. Speicherplatz: Der Bedarf wächst

Alles, womit uns die Technologie begeistert, erfordert Speicherplatz. Doch ausgerechnet bei diesem Thema verschlechtert sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zusehends. Erstmals seit elf Jahren stieg der Preis für Silizium-Wafer, dem Grundstoff für Speicherchips. Zugleich verdoppelte sich der Aktienkurs einiger Speicherhersteller im Zuge des Nachfrageanstiegs seit 2015. Aufgrund hoher Gewinne im Dezember korrigierte Micron seine Prognose für das laufende Quartal nach oben und rechnet nun mit einem Anstieg seiner Gewinnmargen auf bis zu 34 Prozent. Auch der Konkurrent Western Digital hat seine Gewinnprognosen inzwischen nach oben korrigiert.

Bislang unterschätzt der Markt die Kraft und Bedeutung des Speicherthemas im Jahr 2017. Viele Anleger scheuen sich nach dem – durch den schwächeren PC-Absatz in Schwellenländern verursachten – Rückgang im Jahr 2015, wieder in diesen Bereich zu investieren. Angesichts der starken Preisanstiege ist der Lockruf des Speicherthemas jedoch nur schwer zu ignorieren.

3. Cloud Computing: Software der Zukunft

Nur ein Prozent der weltweiten IT-Ausgaben fließen derzeit in Cloud-Computing-Ressourcen. Gleichzeitig setzen jedoch bereits über 60 Prozent aller neuen Software-Applikationen eine Cloud-Infrastruktur voraus. Unternehmen werden ihre Investitionen erhöhen müssen, um die Software der Zukunft nutzen zu können. Große Unternehmen beschäftigen sich nun zunehmend mit der Massenverschiebung von Infrastruktur in die Cloud. Laut einer Umfrage von Bernstein ist der Anteil der CIOs, die angeben, dass eine öffentliche Cloud in fünf Jahren einen bedeutenden Teil ihres IT-Bestandes ausmachen wird, in den letzten zwölf Monaten von 24 Prozent auf 51 Prozent gestiegen. Microsoft und Amazon bieten attraktive Möglichkeiten für ein entsprechendes Engagement. Amazon soll laut Prognosen bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts genauso viel Umsatz mit IT-Dienstleistungen erzielen wie mit seinem Einzelhandelsgeschäft, wobei die Gewinne beim IT-Geschäft deutlich höher ausfallen dürften.

4. Wachstumswerte: Trendwende wahrscheinlich

Wachstumswerte haben in den letzten 24 Monaten im Vergleich zu Substanztiteln so stark verloren, dass eine Trendwende so gut wie sicher erscheint. Google und Facebook sind derzeit für 2018 noch günstiger bewertet als die hochkapitalisierten „alten“ Technologiewerte Microsoft und Texas Instruments – dieses Szenario dürfte jedoch unhaltbar sein. US-Präsident Donald Trump könnte am Markt eine Rotation in Wachstumstitel auslösen, wenn das Reflationsthema an Bedeutung gewinnt und die Risikobereitschaft wieder zunimmt. Dies würde etwaige Zinserhöhungen kompensieren. Die Geschichte lehrt, dass das Ertragspotenzial extrem positiv ist, wenn Wachstumswerte wieder in der Anlegergunst steigen: 2013 wurden wir zuletzt Zeuge einer enormen Outperformance von Wachstumswerten. Im Jahr 2017 könnte es erneut zu einer solchen Wende kommen.

5. Sicherheit: „Big Data“-Unternehmen profitieren 

Das Thema Sicherheit gewinnt wieder an Bedeutung. Mit der Ausbreitung mobiler Geräte und der Verlagerung von Daten in die Cloud wird es zunehmend schwieriger, Cyber-Angriffe mit isolierten Schutzmaßnahmen abzuwehren. Das Erkennen von Angriffen und die Einleitung von Gegenmaßnahmen werden eine erheblich wichtigere Rolle als die Vorbeugung spielen. Hier ist das Datenvolumen entscheidend, um zwischen Gewinner- und Verliereraktien zu unterscheiden. So verfügt beispielsweise Symantec über 30 Millionen Privatnutzer, 175 Millionen Installationen in Unternehmen und hat mehr als drei Billionen Zeilen schädlicher Codes in seinen Datenbanken, zu denen pro Sekunde 250.000 hinzukommen. Symantec besitzt durch diesen Schatz an Daten – Stichwort „Big Data“ – einen Vorteil bei der Erkennung von Bedrohungen, der in der Branche seinesgleichen sucht.

6. Customer Lifecycle Management: die allumfassende Marketing-Strategie

Online-Werbung hat sich zum Customer Lifecycle Management gemausert – das Management der Kundenbeziehung über den gesamten Einkaufszyklus hinweg. Hierbei geht es unter anderem darum, wie Kunden, vom Moment an, wo sie auf eine Werbeanzeige klicken, bis zum Ende des Konsumzyklus betreut und gebunden werden. Das Kundenmanagement war lange Zeit sehr modular aufgebaut: Client Relationship Management (CRM), Marketing, Kundensupport. Wir sehen jedoch einen starken Trend zu End-to-End-Lösungen. Das Customer Lifecycle Management, das traditionell nur durch Werbebudgets finanziert wurde, hat heute Zugriff auf die gesamten Marketingbudgets, die sich weltweit auf über eine Billion US-Dollar belaufen. Neben Facebook und Google sind hier auch Unternehmen wie Salesforce, Pegasystems und Adobe stark investiert.

Auf Software setzen

Hardware wird immer mehr an Bedeutung verlieren. Obwohl die Meldungen über neue Geräte, faltbare Bildschirme, virtuelle Realität, Drohnen und das vernetzte Zuhause nicht abreißen, handelt es sich hierbei nur um Evolutionen, aber nicht um Revolutionen. Während man leicht in Begeisterung über Dinge verfällt, die man sehen und anfassen kann, ist dies bei kryptischen Codezeilen nicht ganz so einfach. Worauf es aber in erster Linie ankommt, sind die Software und die Anwendungen, die auf diesen Geräten ausgeführt werden, um unser Bedürfnis nach Sinneseindrücken zu befriedigen. Die Software hält alles zusammen –  und Kommunikation und Interaktion sind am Ende das, worauf es ankommt.

Dividendenaktien sind auch bei steigenden Zinsen wertvoll im Depot

Die US-Notenbank hat bereits die US-Leitzinsen auf 0,75% erhöht und setzt den eingeschlagenen Zinssteigerungspfad fort. Für 2017 werden drei Zinsschritte der Fed erwartet, so dass Anleger sich vermehrt Gedanken darüber machen, wie sich ihre Anlagen in diesem Umfeld schlagen werden.

Eine Untersuchung von smart-invest anhand historischer Daten zeigt, dass Dividendenaktien in Zinssteigerungsphasen im Durchschnitt schlechter abschneiden, als Aktien von Unternehmen, die keine Dividende zahlen. Heißt dies, Anleger sollten sich von Dividendenaktien trennen? „Nein, wir sehen Dividendenaktien immer noch als die richtige Wahl für risikobewusste und langfristig orientierte Anleger an“, stellt Arne Sand, Geschäftsführer und Portfoliomanager bei smart-invest, klar.

Die Gründe für diese Einschätzung sind wie folgt: Dividendenaktien liefern langfristig über alle Zinsphasen einen Mehrwert. Über einen Zeitraum von über 60 Jahren konnte eine Überrendite von 2,3% pro Jahr erzielt werden. Zudem ist die Zusammensetzung eines Portfolios aus Dividendenaktien wichtig. Die Qualität und das Wachstum der Unternehmen, eine günstige Bewertung und die Diversifikation über verschiedene Sektoren sind entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Investition. „Ein wichtiges Ergebnis ist zudem, dass sich bei Marktverwerfungen eine Investition in qualitativ hochwerte Dividendenaktien immer auszahlt, ganz gleich in welcher Zinsphase“, stellt Sand klar.

Die vollständige Analyse von smart-invest finden Sie im links angehängten Trimesterbericht.

Höhere Volatilität bietet Chancen

von George Efstathopoulos, Multi-Asset-Experte bei Fidelity International.

Weltweit beherrschen beispiellose politische und wirtschaftliche Unsicherheiten die Schlagzeilen. Zugleich gehen die Kennzahlen zur Aktienvolatilität zurück. Dieser Widerspruch erklärt sich wie folgt: Teil des Problems ist, dass die aktuellen Kennzahlen zur Marktvolatilität als Risikobarometer zu wünschen übrig lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass schwankungsarme Phasen Anleger zu selbstzufrieden machen und dem Hang zur Konsenspositionierung Vorschub leisten. Die Folge ist ein sich selbst verstärkender Trend an den Märkten mit noch weniger Volatilität, mit dem jedoch zugleich die Gefahr eines plötzlichen Stimmungsumschwungs steigt.

In den letzten vier Jahren wurde dieses Anlegerverhalten durch die Politik der Zentralbanken noch verstärkt. Ungewöhnlich niedrige Zinsen und Anleihenkäufe haben Anleger in riskantere Anlageklassen getrieben. Das hat die Preise angefacht und die Volatilität gedämpft. Tatsächlich ist die realisierte Aktienvolatilität* gegenwärtig nicht weit von den 2006/2007 erreichten Allzeittiefs entfernt. Sporadische Überraschungen haben jedoch immer wieder massive Kursverluste ausgelöst und verdeutlichen die mit dem aktuellen Umfeld einhergehenden Risiken. 

An den Märkten dreht der Wind

Aber langsam dreht sich an den Märkten der Wind. Die US-Notenbank hat den Politikwechsel bereits vollzogen und erhöht die Zinsen. Auch die Europäische Zentralbank und die Bank von Japan haben ihre Taktik geändert, nachdem ihre geldpolitischen Maßnahmen mit Negativzinsen und immer neuen quantitativen Lockerungen zunehmend wirkungslos verpufften. Den Pfad der quantitativen Lockerung haben sie zwar noch nicht ganz verlassen. Anleger können sich aber nicht länger darauf verlassen, dass die Zentralbanken automatisch den Geldhahn weiter aufdrehen und Wirtschaft und Märkte stützen, wenn sich die Lage verschlechtert.

Ein Beleg, dass die Geldpolitik ihre tragende Rolle für Wirtschaft und Finanzmärkte an die Haushaltspolitik abgeben hat, könnte der jüngste Volatilitätsrückgang bei Aktien und die starke Ausrichtung vieler Portfolios auf mehr Wachstum und Inflation sein. 

Höhere Aktienschwankungen nicht per se schlecht

Allerdings ist die Wirkung haushaltspolitischer Maßnahmen eine andere. So fällt als Erstes die starke Rotation an den Aktienmärkten seit Anfang November auf: Defensive anleihenähnliche Aktien sind in der Gunst der Anleger zurückgefallen, die vermehrt in traditionell zyklische Aktien mit höherer Volatilität umschichten. Seitdem ist die Volatilität von Portfolios mit niedrigem Risikofaktor höher als von solchen, die auf die Faktoren Qualität, Wachstum und Substanz setzen. Auch auf Einzeltitelebene hat die Volatilität zugenommen und ist bei anderen Anlageklassen wie Staatsanleihen aus Kernländern und an den Devisenmärkten ebenfalls auf dem Vormarsch.

Stärkerer Einfluss fundamentaler Faktoren auf Renditen erwartet

Anleger sollten daher mit tendenziell höheren Schwankungen bei Aktien und möglicherweise stärkeren Kursausschlägen im Vorfeld und nach wichtigen bevorstehenden Ereignissen rechnen.

Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein. Da die verzerrende Wirkung der quantitativen Lockerungen nachlassen dürfte, werden fundamentale Faktoren die Renditen künftig wohl wieder stärker beeinflussen. Höhere Volatilität und das Abebben des ständigen Wechselbads aus Risikoscheu und Risikobereitschaft sollten eine bessere Diversifizierung von Portfolios ermöglichen. Darüber hinaus ist die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen tendenziell niedriger, wenn die Aktienvolatilität zunimmt. Beides ist für eine effiziente Asset-Allokation vorteilhafter.

Mit höherer Volatilität und niedrigeren Korrelationen steigen zu guter Letzt auch die Alpha-Chancen für aktive Manager, die talentiert und flexibel genug sind, um sie zu ihrem Vorteil zu nutzen. Das ist wichtig in einer Welt, in der die erwarteten Renditen niedrig bleiben, die Inflation anzieht und der dauerhafte Schutz vor Verlusten teuer ist.


*Grundlage der Berechnung ist die über einen gleitenden 3-Jahreszeitraum ermittelte Volatilität der annualisierten 90-Tage-Volatilität der täglichen Gesamtrendite des MSCI World Index.

Die Märkte werden irrationaler

Investmententscheidungen und insbesondere die Analyse von Unternehmensbewertungen werden zunehmend von verhaltensökonomischen Faktoren beeinflusst. Das verstärkt den Herdentrieb an den Märkten. „Der Einfluss des menschlichen Verhaltens auf die Märkte ist so hoch wie selten zuvor. Immer mehr Investoren laufen Gefahr, ihren eigenen irrationalen Entscheidungen zum Opfer zu fallen“, erklärt Sacha El Khoury, Fondsmanagerin und Expertin für europäische Aktien bei BMO Global Asset Management. Besonders besorgniserregend sei ein immer stärker werdender Trend zum sogenannten „anchoring“, bei dem Entscheidungsprozesse von irrelevanten Informationen beeinflusst werden.

Gerade in der alltäglichen Arbeit vieler Analysten ist diese Vorgehensweise fest verankert. Denn um Prognosen über zukünftige Unternehmenswerte zu erstellen, stützen sie sich auf Hochrechnungen. Diese Praxis birgt grundliegende Schwächen: So werden nicht nur fundamentale Branchenentwicklungen ignoriert, sondern auch irrationale Marktbewegungen gefördert. „In übermäßig euphorischen Phasen steigen so die Erwartungen, was die Kurse künstlich in die Höhe treibt. Gleichzeitig nimmt damit auch die Fallhöhe für potentielle Rückschläge zu“, erklärt El Khoury.  In stark pessimistischen Phasen hingegen würden sich Analysten auf einen Strom sensationalistischer Negativnachrichten fixieren, wodurch die Erwartungen auf ein unrealistisch tiefes Level gedrückt würden. El Khoury rät, bei der Titelauswahl nicht zu viel auf das aktuelle Marktsentiment zu geben. „Sektoren, die von einem Großteil der Anleger übersehen oder sogar bewusst gemieden werden, weisen häufig hochqualitative Titel auf, deren niedrige Bewertungen exzellente Chancen bieten“, so die Expertin.

Luxustitel – im Abwärtsstrudel gefangen?

Ein passendes Beispiel für die Auswirkungen des „anchoring“ ist die Baisse am Markt für Luxusgüter, der sich eigentlich durch liquiditätsstarke Unternehmen mit unglaublich hoher Preissetzungsmacht und hohen Gewinnen auszeichnet. Der Boom dieses Sektors fand ein abruptes Ende in 2013, als China seinen Anti-Korruptionskurs verschärfte und härter gegen vermeintliche „Zuwendungen“ vorging. Die Folge: Rund ein Drittel des Marktvolumens wurde vernichtet – vermutlich permanent. Die Branche hatte bis dahin von einem rapiden Wachstum im Einzelhandel und exzessiver Nachfrage auf dem chinesischen Markt profitiert. Aufgrund dieser langfristigen Wachstumsperiode stützten sich die Prognosen auf die zum damaligen Zeitpunkt konstant zweistelligen Wachstumsraten. Nicht wenige Marktteilnehmer wurden so in ihren hohen Erwartungen enttäuscht.

Die Langzeitfolgen zeigen sich beispielsweise am Schweizer Uhrenhersteller Swatch. In 2016 wurden 26,5 Prozent der sich im Streubesitz befindlichen Aktien leerverkauft. Noch im Januar 2017 war die Aktie der am vierthäufigsten leerverkaufte Titel im STOXX Euro 600. Das Unternehmen verlor in den vergangenen Jahren fast 45 Prozent seines Börsenwertes. Ein unglaublicher Tiefflug, insbesondere für ein Unternehmen mit so starken Wettbewerbsvorteilen: Preissetzungskraft, ein Quasi-Monopol am Schweizer Uhrenmarkt, ein exzellentes Management und eine starke Liquiditätsrate. Trotz dieser komfortablen Ausgangslage könnte Swatch zu seinem derzeitigen Marktvolumen nicht einmal seine Kapitalkosten für die kommenden fünf Jahre decken. Mit seinen starken Wettbewerbsvorteilen dürfte Swatch diese zyklische Schwäche hinter sich lassen und zurück zu strukturell verbesserter Profitabilität finden können. Zum jetzigen Zeitpunkt sind diese positiven Aussichten allerdings nicht eingepreist.

Fokus auf Fundamentaldaten

Benjamin Graham, der gemeinhin als Vater des Value Investing gilt, gab sinngemäß zu verstehen, dass man keine Information über das exakte Gewicht einer Person benötige, um einschätzen zu können, ob diese über- oder untergewichtig sei. Genauso scheint es naheliegend, dass Prognosen und Analysen zu Einzeltiteln aussichtslos und nicht zielführend sein können: Der Gewinn eines Investments hängt in erster Linie vom Preis ab, der zu Beginn bezahlt wurde. Um verhaltensökonomische Fallen zu vermeiden, bietet sich ein fundamentales Bottom-up Stock-Picking an: Dabei sollten Investoren den Fokus auf qualitative Unternehmen mit effektivem Management legen. El Khoury und ihr Team sind davon überzeugt, dass solche Titel auf lange Sicht die bessere Performance liefern werden.

Überzeugende Gründe für europäische Small Caps

von Charles Anniss, Portfoliomanager Small und Mid Caps / European Equities Team – Union Bancaire Privée.

Es gibt überzeugende Gründe, Anfang 2017 in kleinere Unternehmen zu investieren: Europäische Small Caps sind dank einer Reihe von Merkmalen eine attraktive Assetklasse für die aktive Titelselektion; sie warfen in der Vergangenheit eine gute Rendite ab. Europäische Small Caps gehören größtenteils konjunktursensiblen Marktsegmenten wie Industriegütern, der IT-Branche sowie Dienstleistungen an. Diese Sektoren schneiden regelmäßig besser in steigenden makroökonomischen Phasen ab und steuern zum Wirtschaftswachstum bei, wie etwa zurzeit in einer Reihe europäischer Länder. Ein solides Gewinnwachstum von rund 15 Prozent im Jahr 2016, bei einer leichten Unterentwicklung und ähnlichen Gewinnprognosen für dieses Jahr, sind Faktoren, die darauf hindeuten, dass kleinere Unternehmen unterbewertet sind und im Vergleich zum Gesamtmarkt attraktive Bewertungen bieten, die weitgehend ihren langfristigen historischen Werten entsprechen. Politische Risiken im Laufe des Jahres 2017 werden sicherlich für eine erhöhte Volatilität sorgen, bieten aber interessante Kaufgelegenheiten angesichts des steigenden Wirtschaftsumfelds und der weiterhin angepassten Geldpolitik.

Das Small-Cap-Universum bietet Anlegern eine große Auswahl; es besteht  aus mehr als 1.500 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 0,2 Mrd. Euro und 5 Mrd. Euro. Ein Großteil dieser Unternehmen sind schnell wachsende, innovative Start ups – oft aus spannenden Nischenbereichen. Im Small-Cap-Universum sind aber auch einige angeschlagene Unternehmen zu finden, die in dieses Marktsegment abgeglitten sind, weil sie mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben oder sich mit langfristigen strukturellen Herausforderungen konfrontiert sehen. UBP fokussiert sich  auf die ersteren – gut geführte, finanzstarke Unternehmen, die über einen Wettbewerbsvorteil verfügen und eine positive interne und externe Wachstumsdynamik aufweisen. Ein sorgfältiger Screening- und Research-Prozess hilft, die besten Unternehmen herauszufiltern.

Für Small Cap-Unternehmen werden wesentlich weniger Analystenberichte erstellt als für größere Marktteilnehmer – eins der interessantesten Differenzierungsmerkmale dieser Assetklasse. Das Small Cap-Segment  zwischen 0,2 und 0,5 Mrd. Euro wird im Durchschnitt von drei Sell-Side Analysten abgedeckt; bei Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 0,5 Mrd. und 1 Mrd. Euro sind es rund fünf Analysten. Im Vergleich dazu werden Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 15 Mrd. Euro von etwa 24 Sell-Side Analysten recherchiert. Die geringe Berichterstattung beschränkt sich zudem oft auf einzelne Länder und kann von daher zu Marktineffizienzen mit interessanten Kursanomalien führen. Ein geduldiger Stock Picker kann bei der Titelauswahl auf exzellente unterbewertete Unternehmen mit überzeugenden Geschäftsmodellen stoßen.

Die Bilanzen von Small Caps sind in einer besonders guten Verfassung: Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA liegt unter 1,3. Unternehmen konnten sich 2016 sogar leicht verschulden, um preiswerte Akquisitionen zur Konsolidierung ihrer Endmärkte zu tätigen. Sie steigerten somit ihre Gewinne, was wiederum mit einem höheren Cashflow belohnt wurde. Diese Entwicklung wird auch 2017 anhalten, da Unternehmen auch in einem Umfeld relativ schwachen (wenn auch anziehenden) Wachstums expandieren möchten. Zudem haben seit Jahresanfang die europäischen M&A-Aktivitäten insgesamt deutlich zugenommen, da Unternehmen ihre Bilanzen effizienter nutzen möchten; hiervon profitieren wiederum das Small- und Mid Cap-Segment. 

Sektorenübergreifend agieren

von Suneil Mahindru, Manager des Goldman Sachs Global Equity Partners Portfolios und CIO für internationale Aktien bei Goldman Sachs Asset Management.

In den acht Jahren seit der Finanzkrise haben die Finanzmärkte und Anleger viel Zeit damit verbracht, auf die Wirtschafts- und Zentralbankpolitik zu reagieren. Ein schwaches Wirtschaftswachstum bremste die Umsatz- und Ertragsentwicklung vieler Unternehmen. Gleichzeitig blähten niedrige Zinsen und Renditen jene Anlageklassen mit Aussicht auf Wachstum und Renditen künstlich auf. Unter dem Strich entstand eine achtjährige Hausse für Aktien, die es leicht machte, Renditen auf Beta-Basis zu erzielen. Die Generierung von Alpha war deutlich schwieriger.

In vielerlei Hinsicht haben wir jetzt einen Wendepunkt erreicht, da die Währungs- und Fiskalpolitik bereit scheint, aus ihren alten Mechanismen auszubrechen. Zunächst sprechen zwei Dinge für einen anhaltenden Bullenmarkt bei Aktien: Erstens sehen wir ein größeres Potenzial für wirtschaftliches Wachstum und Ertragszuwächse. Zweitens stehen uns politische Unwägbarkeiten bevor. Zentral ist allerdings, dass einige Unternehmen hieraus mit deutlich stärkeren Wachstumsprofilen hervorgehen dürften als andere. Dadurch könnte sich ein Vorteil für aktive Anleger gegenüber lediglich reagierenden Anlegern ergeben.

Im Folgenden werfen wir einen genaueren Blick auf die Sektoren Finanzen, Verbraucherindustrie, Gesundheit und Infrastruktur:

Finanzwerte: Im Aufwind dank Trumponomics

Für Banken gibt es eine Vielzahl unterstützender Faktoren, die praktisch sofort zu einem Anstieg der Erträge führen könnten. Steigende Zinsen würden die Netto-Zinsmarge nach oben schnellen lassen, während ein verbessertes Wirtschaftswachstum und weniger strenge Regularien dem Kreditwachstum und der Handelsaktivität zugutekämen. All dies könnte zu einem Anstieg des Umsatzwachstums führen. Gerade US-Banken, die in der Regel hohen Steuersätzen unterliegen, dürften von Trumps Plänen bezüglich niedrigerer Unternehmenssteuersätze profitieren.

Wir betrachten Bankaktien in Erwartung steigender Zinsen und eines höheren Renditepotenzials für Aktionäre bereits seit einigen Quartalen positiv. Und in der Tat haben US-Banken-Titel mittlerweile stark zugelegt. Diese Rallye ist größtenteils berechtigt, wenngleich die Frage ist, in welchem Maß das künftige Ertragspotenzial bereits in den Kursen eingepreist ist. Auch europäische Banken könnten von einem sich stabilisierenden regulatorischen Umfeld und stärkerem globalen Wachstum profitieren. Zwar haben auch ihre Titel an Wert gewonnen, sie werden jedoch weiterhin mit einem 30-prozentigen Abschlag gegenüber ihren US-Pendants gehandelt.1

Verbraucherindustrie: Zyklische Güter im Vorteil

Die Rahmenbedingungen für US-Konsumenten sind weiterhin vielversprechend. Auf dem US-Arbeitsmarkt herrscht laut Fed nun Vollbeschäftigung2 und der Konsumklimaindex weist Höchststände auf.3 Mittelfristig könnten sich Konsumenten dennoch einigen Problemen gegenüber sehen. Dazu zählen höhere Kosten für Produkte aufgrund einer protektionistischen Handelspolitik und/oder steigender Inflation, höhere Hypothekenraten, Unsicherheit bezüglich Gesundheitsversicherung und -kosten sowie höhere Benzinpreise.

Falls die Politik wachstumsfördernd eingreifen sollte und ein stabiles Konsumklima den Konjunkturzyklus verlängert, könnten zyklische Konsumgüter von steigenden Umsätzen profitieren. Unternehmen in diesem Bereich benötigen jedoch die erforderliche Preissetzungsmacht, Flexibilität in der Lieferkette und Kostenstruktur, um mit der erwarteten Inflation bei Löhnen und anderen Herstellungskosten zurechtzukommen.

Aktien von Unternehmen aus dem Sektor nichtzyklische Güter haben hingegen an Wert verloren. Für viele Unternehmen ergeben sich Probleme aus höheren Herstellungskosten, einer Beeinträchtigung der Lieferkette aufgrund neuer Handelsbestimmungen und schwachen Endmärkten in den Schwellenländern.

Gesundheitssektor: Anleger sollten von Fusionen profitieren

Analog zur zuletzt schwachen Performance des Gesundheitssektors wachsen die Bedenken, dass die Preis- und Volumentrends der Branche unter Druck geraten. Diese hatten ursprünglich die Erträge auf breiter Front wachsen lassen. Die Aufhebung des Affordable Care Act in den USA könnte sich allerdings negativ auf die Volumina auswirken.

Steigender Preisdruck bei Medikamenten dürfte auf viele Gesundheitstitel noch stärkere Auswirkungen haben, insbesondere auf Pharma- und Biotech-Unternehmen. Der öffentliche Druck, Medikamentenpreise zu reduzieren, dürfte also zunehmen. Aufgrund dieser Herausforderungen könnten sich jedoch Chancen bei der Einzeltitelauswahl ergeben. Daher werden wir uns weiter auf Unternehmen mit starken Entwicklungspipelines konzentrieren. Wir sind überzeugt, dass es zu mehr Fusionen und Übernahmen kommen könnte, da Unternehmen vor einem möglichen Zinsanstieg versuchen werden, Pipelines in einem unproblematischeren regulatorischen Umfeld zu kaufen. 

Infrastruktur: Nicht nur Fiskalpolitik spricht für den Sektor

Unserer Einschätzung nach könnte eine expansionistischere Haushaltspolitik in vielen Regionen zu mehr Infrastrukturausgaben führen. Aktien von Infrastruktur-Konstrukteuren, wie Maschinenbauunternehmen und Baufirmen, sind generell die ersten, die von steigenden Ausgaben profitieren. Entsprechend konnten sie seit den US-Wahlen zulegen. Wir denken jedoch, dass ein Ertragswachstum bereits eingepreist ist, dieses allerdings noch einige Jahre auf sich warten lassen wird. Schließlich dauert die Genehmigung und Finanzierung von Infrastrukturprojekten seine Zeit.

Unsere Prognose für die Infrastruktur-Eigentümer – sprich Titel, denen Vermögenswerte wie Eisenbahnen, Flughäfen oder Mobilfunkmasten zugrunde liegen – fällt weitaus positiver aus. Da Regierungen vermehrt auf Public-private-Partnerships setzen, werden auch mehr Infrastruktureinrichtungen für öffentliche Investoren zugänglich. Der voraussichtliche Anstieg der Staatsausgaben ist jedoch nur einer von vielen Gründen, warum wir die langfristigen Aussichten dieses Sektors äußerst positiv sehen. Globale Infrastrukturanlagen haben in der Vergangenheit attraktive Renditen, langfristiges Wachstum und Widerstandsfähigkeit in einem Umfeld mit hoher Inflation und steigenden Zinsen geboten. Anleger sollten ihre Portfolios weiterhin mit Anlagen diversifizieren, die diese attraktiven Merkmale aufweisen.

Quellen:
1) Gleitendes 12-Monats-Kurs-Buchwert-Verhältnis mit Hilfe von Factset, per 12. Januar 2017
2) US-Arbeitsministerium, US Congressional Budget Office, Haver Analytics
3) Conference Board, Haver Analytics, Goldman Sachs Global Investment Research

Fünf Dinge, die ich in Davos gelernt habe

Huw van Steenis, Global Head of Strategy bei Schroders: Populismus, Automatisierung und langfristiges Investieren – Er berichtet von seinen wichtigsten Eindrücken vom Weltwirtschaftsforum 2017.

Die Stimmung in Davos war die uneinheitlichste seit Jahren. Einige amerikanische Firmenbosse zeigten sich demonstrativ optimistisch in der Frage, das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen und einen Regimewandel in der Steuer-, Regulierungs- und Handelspolitik herbeizuführen. Andere hingegen, vor allem europäische Politiker, äußerten sich deutlich pessimistischer. Doch mit wem man auch sprach, die vorherrschenden Themen waren die enormen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die durch Populismus, Globalisierung, umwälzende Technologien, Migrationskrise und Ungleichheit entstehen. Man war sich uneins, wie sich die Risiken am besten beherrschen ließen. Hingegen wurde allseits vermutet, dass diese als Impuls des Wandels fungieren. Die Diskussionen wurden nicht nur von denen beeinflusst, die anwesend waren, sondern auch von denen, die fehlten. Präsident Trump war die dunkle Materie des Weltwirtschaftsforums von Davos. Man weiß nicht viel über dunkle Materie, aber es ist bekannt, dass sie 95 % des Universums ausmacht und eine enorme Gravitationskraft besitzt. Die noch unbekannten Auswirkungen der Präsidentschaft Trumps standen wie große dunkle Fragezeichen über Davos. 

1. Automatisierung und Arbeitsplätze

Ich registriere eine drastische Veränderung in der wahrgenommenen Bedrohung von Arbeitsplätzen durch Automatisierung und die vierte industrielle Revolution. Das Beratungsunternehmen McKinsey veröffentlichte neue Studien, denen zufolge in den USA zwischen 1997 und 2007 86 % der Arbeitsplatzverluste in der Produktion auf die steigende Produktivität und 14 % auf den Handel zurückzuführen waren. Aber damit nicht genug – 1,1 Mrd. Arbeitskräfte und 15,8 Bio. USD an Löhnen und Gehältern sind Aktivitäten zuzuordnen, die heute aus technischer Sicht automatisierbar sind.

Nehmen wir nur die Finanzwirtschaft: Hier beginnen Banker und Versicherungschefs, mit denen ich sprach, nun ernsthaft auf das niedrige Wachstum und die niedrigen Renditen zu reagieren. So entwerfen sie konkrete Pläne zur Effizienzsteigerung. Der diesjährige Bericht „Disruptive Innovation in Financial Services“ war aufschlussreich: In früheren Jahren hatten die Roundtable-Teilnehmer die Dimension der Phänomene Blockchain und digitale Identität ausgelotet. Dieses Jahr beschränkten sie sich darauf, Notizen darüber auszutauschen, wie sich Partnerschaften mit Technologieunternehmen am besten automatisieren und managen lassen. Eine Prognose des Berichts war vielsagend: Regulatorische Technologie oder „Regtech“ könnte im Compliance-Bereich 50.000 Jobs auslöschen. In Davos führte ich unter Führungskräften von Finanzinstituten und Vertretern verschiedener anderer Beratungsunternehmen, die ich dort traf, eine informelle Befragung durch. Sie ergab, dass in den kommenden drei bis fünf Jahren die Automatisierung von 10–30 % der Aktivitäten der jeweiligen Organisationen zu erwarten ist. Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf Angestellte und das lebenslange Lernen sind enorm. Führende Technologieunternehmen wie Google oder Facebook zeigten sich hingegen weitaus optimistischer, vollkommen neuartige Jobs schaffen zu können.

2. Populismus

Die Auswirkungen des Populismus waren die größte Sorge der Anwesenden. Seine Manifestationen werden in den kommenden Jahren wohl zu den wichtigsten Markttreibern zählen. Überraschend für mich war jedoch der fehlende Konsens über die Ursachen des Populismuses und der Protestpolitik, geschweige denn deren Konsequenzen. Die Stagnation der Realeinkommen und die vielfältigen Herausforderungen für die wirtschaftliche und nationale Identität sind komplexe Probleme, die schwer zu lösen sind. Auffallend war, dass der chinesische Präsident Xi die Globalisierung am vehementesten verteidigte. Er argumentierte, dass sie Millionen Menschen von Armut befreit. Was bedeutet das für Anleger?

Ich vermute, dass Anlagen in westlichen Ländern zunehmend eine immer größere Ähnlichkeit zu Anlagen in Schwellenländern entwickeln werden. Dort ist ein genaues Verständnis des betreffenden Landesrisiko und der politischen Ökonomie unabdingbar. Schwellenländer lehren uns auch, dass Populismus oft inflationär ist.

Zweitens müssen wir unsere Investitionen in Zeiten erhöhter Unsicherheit tätigen. Die Gefahr von „Wie-du-mir-so-ich-dir“-Streitigkeiten beschäftigte viele Politiker und Führungskräfte. Was die Fähigkeit der Briten anbelangt, stärkere Handelsbeziehungen als die bisherigen zu schmieden, waren sich die Teilnehmer verständlicherweise uneinig. Aber es ging nicht nur um Handelspolitik, sondern auch darum, die Vorteile der Globalisierung der Finanzmärkte weiterhin kritisch unter die Lupe zu nehmen. Nach dem Treffen hatte ich den Eindruck, dass die Aufsplitterung der Märkte für Finanzdienstleistungen mit der Errichtung finanzieller Mauern durch verschiedene Länder zunehmen wird. Einerseits kann eine stärkere Abschottung im Bankensystem dazu beitragen, Schocks abzufedern. Andererseits hat sie vermutlich negative Auswirkungen auf das Wachstum, sofern die Märkte die Lücke nicht schließen können. Die Bankenkrise hat uns gelehrt, dass Europa vielfältigere Möglichkeiten zur Refinanzierung von Unternehmen und des Infrastruktursektors bitter nötig hat. Doch die von mir geführten Gespräche machten mir deutlich, dass die von der Europäischen Kommission geplante Kapitalmarktunion zur Mobilisierung und Kanalisierung von Kapital kein Thema ist, bis die Brexit-Frage gelöst ist.

3. Regimewandel

Was bedeutet ein politischer Regimewandel für Zentralbanken und die Preise von Finanzanlagen? Das Thema wurde heftig debattiert. Während sich die meisten darüber einig waren, dass der Reflationshandel insbesondere in den USA der wichtigste Wendepunkt für Vermögenspreise sein wird – und vermutlich das Ende des 30-jährigen Bullenmarktes für Anleihen – gab es kaum Konsens darüber, wie reibungslos der Übergang verlaufen wird. Angesichts dessen, dass wir 2016 an die praktischen Grenzen der Geldpolitik gestoßen sind – man denke nur an die gefährlichen Experimente mit Negativzinsen – verwundert es kaum, dass die Anleger einen Wandel in der Steuer-, Regulierungs- und Handelspolitik herbeisehnen. Die Auswirkungen auf Vermögenspreise, Marktliquidität, Volkswirtschaften von Schwellenländern und Kapitalflüsse in Schwellenländer zählten zu den wichtigsten Themen von Zentralbankern, Bankern und Anlegern. Während hinsichtlich des Umfangs des Regimewandels verschiedenste Schlussfolgerungen gezogen wurden, kristallisierten sich doch einige Themen heraus.

Meine Ansicht, dass die Korrelationen zwischen Anlageklassen infolge der Einschränkung der quantitativen Lockerungspolitik durch die Zentralbanken dramatisch fallen sollten, stieß auf Zustimmung. Eine breitere Verteilung der Ergebnisse und eine größere Divergenz von Vermögenswerten, Sektoren und Wertpapier-Performance könnte sich für scharfsinnige Anleger ebenfalls als positiv erweisen.

Als nächstes sollten wir über Vermögenswerte nachdenken, deren Kurse von der quantitativen Lockerungspolitik nach oben getragen wurden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Zinsen in den USA schneller steigen, sollten die Anreize eine höhere Inflation zur Folge haben. Während sich die Märkte an moderat handelnde Zentralbanken und „länger niedrigere Zinsen“ gewöhnt haben, ist der Ausstieg aus dem außergewöhnlichen Finanzexperiment alles andere als klar. Er wird voraussichtlich viel stärkere Neubewertungen und Rotationen nach sich ziehen als bisher. In den Korridoren von Davos war die Diskussion über Staatsanleihen der europäischen Peripherie allgegenwärtig. Die Fiskalpolitik in der Eurozone befindet sich weitgehend im Tiefschlaf und sie reicht trotz verringerter Belastung durch die Geldpolitik nicht aus, um Strukturprobleme zu lösen. Kapitalgeber vermuten daher, dass die Europäische Zentralbank weiterhin eine moderate Politik betreiben und ihre quantitative Lockerungspolitik schrittweise zurückfahren wird. Demzufolge könnten uns die Negativzinsen bis 2019 erhalten bleiben. Die Neubewertung zehnjähriger US-Staatsanleihen könnte ihnen aber einen Strich durch diese Rechnung machen. Auf der positiven Seite ist anzumerken, dass der jüngste Inflationsanstieg in Deutschland und das zunehmende globale Wachstum viel schneller zu einer Anpassung der europäischen Zinssätze führen könnten.

Meine Treffen mit Politikern und Bankern zeigten auch eine Änderung des Ansatzes zur Bankenregulierung. Vor allem da europäischen Politikern zunehmend bewusst wird, wie sehr die Bankenregulierung nach Basel IV das europäische Wachstum hemmen könnte. Der Höhepunkt der regulatorischen Unsicherheit liegt jedoch vermutlich hinter uns.

4. Langzeitanlagen

Die Notwendigkeit, Langzeitanlagen durch den Nebel der erhöhten Unsicherheit hindurch abzusichern, ist zu einem wichtigen Thema geworden. Eine der interessantesten Roundtable-Diskussionen in Davos, an denen ich teilnahm, war die zum Thema „Focusing Capital on the Long Term“ (Langfristig orientiertes Anlegen). Hier kamen Eigentümerseite, Anleger und CEOs zusammen, um über die Förderung von Langzeitinvestitionen zu sprechen. Neuen Studien zufolge hätten Langzeitanlagen in den USA fünf Millionen Jobs und 1 Bio. US-Dollar Mehrwert schaffen können. Doch die Unsicherheit bewirkt, dass geschäftliche Entscheidungen kurzfristiger ausgerichtet werden. Sir Martin Sorrell, Vorsitzender von WPP, und Kevin Ellis, Vorsitzender von PwC UK, diskutierten am Tag danach bei BBC eingehender über dieses Thema. So schütteten S&P-500-Unternehmen in fünf der sechs letzten Quartale Dividenden aus und führten Aktienrückkäufe durch, anstatt die Investitionen signifikant zu erhöhen.

Zur Bekämpfung kurzer Anlagehorizonte können praktische und politische Schritte ergriffen werden, doch im Lauf der Woche kristallisierten sich zwei breitere Spannungsfelder für Langzeitinvestitionen heraus. Die pessimistischeren Institutionen verspürten in Anbetracht der erhöhten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten eine zugrunde liegende Nervosität in der Frage des richtigen Risikoaufschlages für ein Projekt im Umfang von zehn bis dreißig Jahren. Diese Nervosität war unter europäischen Unternehmen am stärksten zu spüren. Auch hatte ich Gelegenheit, mit dem britischen Finanzminister darüber zu sprechen, wie Unternehmen und Anlegern am besten geholfen werden kann, den von ihm so genannten „Brexit-Nebel“ zu durchblicken. Optimistischere Anleger äußerten sich eher besorgt darüber, dass die Zinsen infolge der sich erholenden Weltwirtschaft und einer steigenden Inflation viel stärker angepasst werden könnten als erwartet. Aus diesem Grund wollten sie in der Hoffnung auf höhere Renditen noch warten. Hoffen lässt hingegen der enorme Fokus auf Unternehmen, die sich auf längerfristige Themen – insbesondere Technologie und Gesundheit – konzentrieren, sowie ein weit stärkerer Fokus auf die sozialen Auswirkungen von Investitionen.

5. Prognosen

Die Verbesserung von Prognosen war ein Thema, das von Davos 17 in einer Reihe von Workshops überraschend erfolgreich bearbeitet wurde. In einer Zeit, in der der Wert von Prognosen und Meinungsumfragen stark angezweifelt wird, war eine so aufschlussreiche Workshopreihe ein Lichtblick. Es ging darum, Vorurteile zu erkennen und Anpassungen vorzunehmen, Gruppendenken und Echokammer-Effekte abzubauen. Auch wurde dazu aufgerufen eine breite Palette an neuen Datenerkenntnissen zu integrieren und aus Fehlern schlicht zu lernen. Es wurde betont, dass die Zentralbanken Fehler begingen, indem sie zum Beispiel von einer friktionsfreien Wirtschaft ohne nach beiden Seiten ausschlagenden Kreditexzessen ausgingen und Banken und finanzielle Multiplikatoren ignorierten. Ihre Modelle waren ihrer Konstruktion nach Schönwettermodelle. Als die Krise begann, boten sie keinen nützlichen Rahmen, auf den man sich hätte stützen können, sodass auf die Finanzgeschichte zurückgegriffen werden musste. Obwohl einige Fortschritte erzielt wurden, gelangte ich zu der Erkenntnis, dass einer der größten politischen Fehler des Jahres 2016 die Negativzinsen waren – ein Signal, dass noch viel zu tun ist. Einer der Vortragenden meinte, dass die Probleme in den Sozialwissenschaften auf eine Überbewertung komplexer Theorien zurückzuführen sind und dass es besser gewesen wäre, sich auf die Lösung praktischer Probleme zu konzentrieren. Als Anleger kann ich dem beipflichten. Aus Daten gewonnene Erkenntnisse zur Lösung von Anlageproblemen zu verwenden, ist entscheidend für die Erhaltung eines Anlagevorsprungs. Wir waren uns einig in folgender Erkenntnis: „Kein Mensch kann eine Maschine schlagen, aber keine Maschine kann einen Menschen mit einer Maschine schlagen.“

Und letztendlich …

​Niemand kann der Reichhaltigkeit und Breite der außergewöhnlichen Diskussionen und Gespräche in einer Zusammenfassung im vollen Umfang gerecht werden. Das jährliche Weltwirtschaftsforum in Davos bietet meiner Meinung nach eine exzellente Möglichkeit, um Meinungen über Probleme auf Makro- wie auf Mikroebene auszutauschen. Es vertieft mein Verständnis der in den Anlagemärkten vertretenen Meinungen und des Denkens von Politikern, Anlegern, Technologieunternehmern, Kapitalgebern und Industriellen.

Über Huw van Steenis
Huw van Steenis ist Global Head of Strategy bei Schroders. Er unterstützt Schroders bei der Entwicklung und Umsetzung von langfristigen Zielen sowie der Reaktion auf Veränderungen in der Finanzdienstleistungsbranche. Er ist seit 2016 für Schroders tätig und hat seinen Sitz in London. Huv van Steenis ist Mitglied der Gruppe „Disruptive Innovation in Financial Services“ des Weltwirtschaftsforums. Bis vor kurzem war er Mitglied des „Agenda Council on Banking“ des Weltwirtschaftsforums.

Über Schroders
Ein unabhängiger Vermögensverwalter, Investmenterfahrung seit 1804, angelsächsische Tradition, deutsche Wurzeln, global und aktiv – das ist Schroders. Innovative Investmentlösungen eröffnen vielfältige Möglichkeiten und bieten den Zugang zu den unterschiedlichsten Anlageformen: Aktien, Anleihen, Immobilien, Alternative Investments und Multi-Asset-Lösungen. Die Unabhängigkeit ermöglicht es Schroders, sein umfassendes Wissen und die gesamte Erfahrung allein auf das Kerngeschäft zu konzentrieren: das Managen von Investmentfonds.

Dieser Artikel erschien zuerst auf schroders.de.

„Mögest du in interessanten Zeiten leben“

von HyungJin Lee, Head of Asian Equities bei Barings in Hong Kong.

In Asien gibt es einen alten chinesischen Fluch, der lautet: „Mögest du in interessanten Zeiten leben“. Der Fluch ist nicht so widersprüchlich, wie es zunächst scheint. Die Redewendung macht deutlich, dass bewegte Zeiten zwar erfolgreich Geschichte schreiben, sie aber möglicherweise nicht so vielversprechend sind wie tatsächlich gelebte Erfahrung. Unserer Ansicht nach sind die „interessanten Zeiten“ von heute kein Fluch, sondern eine Zeit, um Chancen zu ergreifen. Wir investieren vor einem langfristigen Zeithorizont und sind der Auffassung, dass 2017 ein positives Umfeld für das Aufspüren von günstig bewerteten Unternehmen bieten könnte, die ein überzeugendes Aufwärtspotenzial und gleichzeitig ein voraussichtlich starkes Ertragswachstum aufweisen. Für den Ausblick für Asien und die starken zugrundeliegenden Wachstumsfaktoren der Region bleiben wir realistisch und nicht pessimistisch eingestellt, auch wenn die zunehmende Unsicherheit eine höhere Volatilität nach sich ziehen könnte.

Interessante Zeiten und altmodisches Wachstum

Viele Marktteilnehmer werden sich fragen, ob dieses Jahr frische Kräfte entstehen, die die Märkte neugestalten und die neue Normalität von gestern wegfegen. Da die Politik in den Industrieländern auf den Kopf gestellt wurde und das Zinsniveau in den USA einem Aufwärtstrend folgt, gehen die Einschätzungen für den Ausblick für 2017 auseinander. Es scheint, als würden wir heute eher in „interessanten Zeiten“ leben, als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in den letzten Jahren. Aber die augenscheinlich positive Bedeutung dieser alten chinesischen Redewendung täuscht über ihren wahren Sinngehalt hinweg. Es handelt sich nicht um einen Segen, sondern um einen Fluch, der eine Vorahnung beinhaltet und darauf hindeutet, dass die Dramatik in bewegten Zeiten ein schlechtes Omen für den Aufbau von Wohlstand und Reichtum ist.

Unserer Ansicht nach sind die „interessanten Zeiten“ von heute jedoch kein Fluch, sondern eine Zeit, um Chancen zu ergreifen. Wir erwähnten häufig, dass Asien einer der wenigen Investitionsbereiche ist, wo die wichtigsten treibenden Faktoren für den Aktienmarkt noch „altmodisch“ sind und auf dem Wachstum von Wirtschaft und Unternehmensgewinnen aufbauen, anstatt auf Rohstoffzyklen und Geld- und Fiskalpolitik.

Diese altmodischen Treiber wirken noch immer und untermauern die fortwährende Transformation der Region. Wir finden hier beständige strukturelle Wachstumstreiber wie den demografischen Wandel, ein steigendes Einkommensniveau und die Entstehung innovativer Spitzenunternehmen.

Als aktive Manager, die nach dem Bottom-up-Ansatz vorgehen, können wir die für uns attraktivsten Wachstumsbereiche genau festlegen und uns in diesen direkt auf Unternehmensebene engagieren. Im Konsumsegment sehen wir beispielsweise eine Transformation des Einzelhandels aufgrund steigender Einkommen. Wir erkennen Chancen im Bereich von modernen Convenience Stores, die sich über ganz Südostasien erstrecken sowie Opportunitäten durch die zunehmende Nutzung von sozialen Medien seitens der Unternehmen, um Waren und Dienstleistungen an ihre Kunden zu vermarkten und zu verkaufen.

Obwohl wir also eine Neubeurteilung von Risiko und Ertrag beobachten können, was der Rally des amerikanischen Aktienmarkts der letzten Monate, basierend auf der Aussicht auf Steuersenkungen und Deregulierung, der Erholung des Ölpreises von den Tiefstständen im letzten Jahr sowie der Marktkorrektur in Russland zuzuschreiben ist, sind wir nach wie vor der Auffassung, dass im Bereich der asiatischen Aktien auch weiterhin überzeugende Anlagechancen zu finden sind.

Der China-Faktor

China stellt den größten Markt innerhalb der Region dar und die Entwicklungen des Landes sind somit für die Wertentwicklung des asiatischen Aktienmarkts im Jahr 2017 und darüber hinaus von entscheidender Bedeutung. Die sich leicht abschwächende Wachstumsrate könnte zwar tatsächlich Herausforderungen mit sich bringen, mit einem geschätzten realen BIP von 6% für letztes Jahr liegt sie dennoch höher als bei vielen anderen großen Volkswirtschaften. Darüber hinaus deutet der aktuelle Trend des Einkaufsmanagerindex des Landes für das verarbeitende Gewerbe darauf hin, dass China das Ende der Talsohle des Zyklus erreicht hat und auf dem Weg der Erholung ist. Eine stärkere Wirtschaftstätigkeit in China könnte anderen asiatischen Märkten, angefangen von den ASEAN-Ländern bis Korea, mit denen das Land wirtschaftlich eng verbunden ist, Auftrieb verleihen.

Riskante Geschäfte?

Wir sind keine blauäugigen Optimisten. Wahrscheinlich erkennen wir mögliche Fallstricke klarer und schneller als die meisten anderen, wir wissen aber auch, dass eine realistische Beurteilung des Risikos dazu beitragen kann, diese zu vermeiden und sie zusätzlich zu besseren Anlageergebnissen führt.

Die Handelspolitik der neuen Regierung in den USA ist derzeit wahrscheinlich das wichtigste Thema in den Köpfen der Anleger. Wir behalten die Entwicklungen diesbezüglich weiterhin genau im Auge. Bisher ist unklar, welche Veränderungen die neue Regierung in der Handelspolitik vornehmen wird, wir stellen jedoch fest, dass alle Anzeichen der chinesischen Landesführung für einen kontinuierlichen Vorstoß in Richtung offener und freier internationaler Märkte stehen. In der Vergangenheit wirkten sich Zinserhöhungen durch die Federal Reserve und ein stärker werdender US-Dollar negativ auf risikobehaftete Anlagen wie Schwellenländeraktien aus. Wenn die Zinsen jedoch als Reaktion auf Preisveränderungen durch eine zunehmende Unternehmenstätigkeit steigen,

wie es eventuell in den Industriestaaten zu beobachten sein wird, war das in der Vergangenheit positiv für asiatische Volkswirtschaften. Steigende Zinsen wirken sich ceteris paribus also nicht unbedingt nachteilig auf risikobehaftete Vermögenswerte aus.

Mit Blick auf Rohstoffe ist korrekt, dass Asien für viele international gehandelte Rohstoffe als Preisnehmer und nicht als Preissetzer fungiert. Allerdings liegen die Preiserhöhungen immer noch deutlich unter den Niveaus, die auf dem Höhepunkt des „Superzyklus“ verzeichnet wurden, als viele dieser Volkswirtschaften in rasantem Tempo wuchsen.

Fazit

Bei unseren spezialisierten Research-Teams handelt es sich um regionale Experten, die die volle Breite des Aktienuniversums der Schwellen- und Frontier-Märkte abdecken. Dadurch sind wir in der Lage, Anlagechancen entlang des gesamten Spektrums zu identifizieren und zu nutzen, angefangen von China bis hin zu kleineren Grenzmärkten wie Sri Lanka. Für die nahe Zukunft scheint es so, als würden Inlands- und Auslandsnachfrage auf regionaler Ebene auch weiterhin stabil bleiben und es gibt vielversprechende Anzeichen für eine aufkeimende Erholung in China. Auch wenn es im kommenden Jahr zu Phasen mit erhöhter Volatilität kommen kann, behalten wir, wie sonst auch, im Hinterkopf, dass diese Phasen gute Kaufgelegenheiten hervorbringen können.

Wir gehen insbesondere davon aus, dass sich die grundlegenden Trends, die sich derzeit in der Region entwickeln, auch langfristig weiter entfalten werden. Vor diesem Hintergrund ist unsere langfristige Einschätzung für asiatische Aktien nicht allzu stark von Faktoren wie den kurzfristigen Zinsen oder den Auf und Abs der täglichen Ölpreisbewegungen abhängig. Sie basiert vielmehr auf unserer Fähigkeit, Unternehmen zu identifizieren, die die entsprechenden Eigenschaften aufweisen, um die ohnehin bereits starke Wachstumsprognose für Asien noch zu übertreffen und dann in diese zu investieren. Investitionen in Unternehmen, die auf zentrale Faktoren wie eine steigende Inlandsnachfrage und eine aufstrebende Mittelschicht ausgerichtet sind sowie Anlagen in Unternehmen mit langfristigen Wettbewerbsvorteilen dürften sich auf lange Sicht vorteilhaft für uns erweisen. Als Anleger in asiatische Aktien gehen wir seit vielen Jahren auf diese Weise vor und wir werden dies auch im Jahr 2017 entsprechend fortführen.

Unternehmensanleihen bleiben 2017 eine gute Wahl

von Mondher Bettaieb, Leiter Corporate Bonds bei Vontobel Asset Management.

Die grundlegende Frage für 2017 lautet: Wie können Anleiheinvestoren im aktuellen Niedrigzinsumfeld noch ansprechende Renditen erzielen? Die klare Antwort: mit Unternehmensanleihen. Höhere Spreads und verlässliche Zinskupons aus Anleihen von Qualitätsunternehmen sorgen für einen insgesamt positiven Carry. Und daran dürfte sich auch 2017 nichts ändern. Dieses für Unternehmensanleihen günstige Umfeld bezeichnen wir als „Spread Carry Run“.

Aber blicken wir zunächst in die USA. Die Folgen des Politikwechsels unter Donald Trump für die Wirtschaft werden sich frühestens Ende des ersten Halbjahres zeigen. Die Chancen stehen gut, dass die Inflation nicht weiter steigt. So würde sich etwa die Aufhebung von Obamas Gesundheitsreform preishemmend auswirken. Wir glauben daher, dass die Renditen nicht mehr deutlich weiter steigen werden und die große Neubewertung möglicherweise schon hinter uns liegt. Wichtiger aber ist, dass die Renditeschwankungen in den USA nicht auf die Spreads von Unternehmensanleihen übergegriffen haben. Deren Risikoaufschläge sind nach der Wahl Trumps sogar gesunken.

„Höhere Spreads und verlässliche Zinskupons aus Anleihen von Qualitätsunternehmen sorgen für einen insgesamt positiven Carry. Und daran dürfte sich auch 2017 nichts ändern.“

Die Trump-Präsidentschaft schafft überdies attraktive Anlagechancen in bestimmten Branchen. Ich denke dabei in den USA besonders an den Banken-, Energie- und Bausektor. Steilere Renditekurven kommen US-Banken zugute, denn steigende Nettozinsmargen wirken sich günstig auf ihre Profitabilität aus. Eine US-Wirtschaft auf Wachstumskurs bedeutet im Allgemeinen auch, dass die Ausfallquoten sinken und sich die Asset-Qualität der Banken bessert.

Gerechnet wird ferner mit weniger Neuemissionen amerikanischer Unternehmensanleihen in diesem Jahr verglichen mit dem Rekordjahr 2016. Auch der Anstieg der M&A-Transaktionen hat sich verlangsamt. Zugleich werden amerikanische Firmen verstärkt in Europa erwirtschaftete Gewinne zurück ins Land holen. Auch das dürfte sich positiv auf die Spreads von Unternehmensanleihen auswirken. Zu guter Letzt dürften Anleger aus Asien und Europa angesichts der attraktiveren Renditen auch weiter US-Anleihen kaufen. Anleiheinvestoren auf der Suche nach höheren Kupons und Potenzial für eine Spread-Verengung bei zugleich begrenzter Volatilität sollten bei US-Unternehmensanleihen − und insbesondere solchen aus dem mittleren Ratingsegment von A bis BBB − fündig werden.

Und auch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt eine Stütze. Der von Draghi als Vertrauensbeweis in die europäische Wirtschaft bezeichnete Beschluss der EZB sieht die Verlängerung ihres aktuellen Programms zum Ankauf von Unternehmensanleihen (CSPP) bis Ende 2017 vor. Zugleich wird das Volumen der monatlichen Anleihenkäufe von 80 Mrd. EUR auf 60 Mrd. EUR reduziert. Die positive Wirkung des reibungslos laufenden CSPP ist unstrittig. Seit dem Start des Programms im Juni letzten Jahres haben die europäischen Währungshüter bis Ende November Unternehmensanleihen im Volumen von 48 Mrd. EUR gekauft. Das entspricht im Schnitt Käufen von 8 Mrd. EUR pro Monat und könnte reichen, um das gesamte geschätzte Nettoangebot in diesem Jahr aufzukaufen. Unsere Analysten erwarten für 2017 ein Nettoemissionsvolumen bei europäischen Unternehmensanleihen aus dem Nichtfinanzsektor von etwa 75 Mrd. EUR. Allein die Nachfrage der EZB wäre demnach ausreichend, um das gesamte Angebot zu absorbieren, selbst wenn die Zentralbank ihre Unternehmensanleihenkäufe auf 6 Mrd. EUR pro Monat verringert.

Nun zur Inflation, die in diesem Jahr weltweit wohl kaum wesentlich steigen wird. Der Preisauftrieb beschleunigt sich nämlich nur dann, wenn zugleich wieder mehr in Produktionsanlagen investiert wird. Da aber die Unternehmen nach wie vor nur über geringe Preissetzungsmacht verfügen, dürften sie überall auf der Welt höhere Investitionen scheuen. Wegen der Inflation mache ich mir daher keine allzu großen Sorgen.

Hochzinsanleihen sollten nach unserer Einschätzung in diesem Jahr in keinem Anlegerportfolio fehlen. Kuponerträge bleiben eine der besten Möglichkeiten, im aktuellen Umfeld eine nennenswerte Rendite zu erzielen. Im letzten Jahr haben sich die Spreads zwar verengt. Aber noch liegen sie über den 2014 nach der Lehman-Pleite erreichten engsten Niveaus. Nach aktuellen Prognosen dürften die Ausfallraten um ihre langjährigen Durchschnittswerte bzw. darunter tendieren. Hochzinsanleihen zeichnen sich zudem durch eine der kürzesten Durationen im Festzinsuniversum aus. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang europäische Hochzinsanleihen, die man leicht übersieht, wenn man nur die Rendite im Blick hat. In den USA liegt die Rendite im Schnitt bei rund 6% , in Europa bei etwa 3% . Dafür gibt es gute Gründe.

US-Staatsanleihen rentieren rund 240 Basispunkte über Bunds. Durch Absichern des Währungsrisikos schmilzt jedoch der Großteil des Renditeplus dahin. Zugleich haben europäische Hochzinspapiere eine kürzere Duration als ihre US-Pendants, während in Europa mehr Anleihen der Ratingkategorie BB und weniger der Kategorie B zu finden sind als in den USA. Wir empfehlen High-Yield-Anlegern daher, nicht nur auf die Spreads, sondern auch auf das Rating zu schauen und den Durationsunterschied zu berücksichtigen. Werden auch diese Faktoren in den Vergleich mit einbezogen, sind die Spreads am europäischen Hochzinsmarkt um einiges weiter als am US- Markt.

„Kuponerträge bleiben eine der besten Möglichkeiten, im aktuellen Umfeld eine nennenswerte Rendite zu erzielen.“

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren für globale Unternehmensanleihen deutet sich der Beginn eines Goldilocks-Szenarios an: Die Wirtschaft nimmt Fahrt auf, die Inflation beschleunigt sich in Richtung Zielmarke, die Zentralbanken erwägen Zinsstraffungen und die meisten Vermögenswerte entwickeln sich nach wie vor gut. Bei diesen Rahmenbedingungen sind wir für 2017 zuversichtlich. Anlegern raten wir Ruhe zu bewahren und zu einem weiteren Engagement in Unternehmensanleihen.

Wachstumsimpulse stützen weltweite Rallye

von Suneil Mahindru, Manager des Goldman Sachs Global Equity Partners Portfolios und CIO für internationale Aktien bei Goldman Sachs Asset Management.

Wachsender Populismus und ein stagnierendes Wirtschaftswachstum sorgen für tiefgreifende Veränderungen des Makroumfelds. Die ersten Erschütterungen erlebten wir 2016 im Zuge des Brexit-Referendums und der US-Wahlen. Für das Jahr 2017 rechnen wir damit, dass die neue US-Regierung für einschneidende Umwälzungen sorgen wird, die sich in vielerlei Hinsicht auf Aktienanleger auswirken werden. Das makroökonomische Umfeld dürfte sich daraufhin verbessern und die Phase stagnierenden Wachstums sollte sich dem Ende zuneigen. Höhere Staatsausgaben in Kombination mit einer unternehmensfreundlicheren Politik könnten dem US-amerikanischen und globalen Wachstum einen Schub verleihen.

Durch wachstumsfördernde Maßnahmen dürfte also das umsatzgestützte Ertragswachstum in den USA zulegen, was die derzeitige Aktienhausse am Leben halten wird. In der Folge sollten Zinsen und Inflation anziehen. Solange ein gesundes Wirtschaftswachstum vorherrscht, wird sich das globale Umfeld für Aktien als günstig erweisen. Dies spiegelte sich bereits in der Outperformance zyklischer-, Small-Cap- und Value-Aktien nach den US-Wahlen wider.

Eine weitere Kurssteigerung der globalen Aktienmärkte dürfte tendenziell eher moderat ausfallen, da das prognostizierte Ertragswachstum voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt, sprich Ende 2017 oder 2018 eintreten wird. Je deutlicher wird, mit welchen Maßnahmen der neuen US-Regierung zu rechnen ist, desto mehr wird die Volatilität steigen und mehr Streuung bei der Wertentwicklung von Einzeltiteln entstehen. Grund ist, dass Anleger die Auswirkungen je nach Unternehmen und Branche unterschiedlich bewerten dürften.

Vor diesem Hintergrund erhöhen sich das Alpha-Potenzial und dessen Bedeutung für die Gesamtrendite. Wir sind der Auffassung, dass sich für aktive Manager in einem von höherer Renditestreuung und weniger Korrelation geprägten Umfeld mehr Chancen bieten werden, durch eine gezielte Titelauswahl Alpha zu generieren. Dies kann bei moderaten Renditen auf dem globalen Aktienmarkt, wie wir sie für 2017 erwarten, einen größeren Beitrag zur Portfolioperformance leisten.

Im Folgenden werfen wir einen genaueren Blick auf die Regionen USA, Europa, Japan und die Schwellenländer:

USA: Signifikante Chancen bei Einzeltiteln

Was die Aussichten für das Wirtschaftswachstum und das umsatzgetriebene Ertragswachstum betrifft sind wir zuversichtlich, wenngleich der Aktienmarkt teuer bleibt. Die mittlere S&P-500-Aktie wird derzeit rund 95 Prozent über ihrer historischen Bewertung gehandelt, während das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Gesamtmarktes das höchste der in diesem Kommentar untersuchten Regionen ist.(1) Dennoch denken wir, dass der US-Aktienmarkt auf Einzeltitelebene nach wie vor attraktiv ist. Dies wird vor allem deutlich werden, wenn mehr Einzelheiten über die wirtschaftspolitische Agenda der Trump-Administration feststehen. Die Anleger werden dann beginnen, sich auf die unternehmensspezifischen Auswirkungen dieses Programms einzustellen.

Europa: Politische Risiken stellen Ertragswachstum in den Schatten

Unsere Einschätzung hinsichtlich Europa bleibt neutral und damit unverändert. Wir sehen das Ertragssteigerungspotenzial weiterhin als wichtigsten Impulsgeber für europäische Aktien. Die Konsensprognose für das Ertragswachstum in Europa 2017 liegt über der für die USA, hauptsächlich bedingt durch das niedrige Ausgangsniveau.(2) Viele europäische Unternehmen sollten vom durch die USA angetriebenen globalen Wirtschaftswachstum profitieren können. Das größte Risiko für Europa besteht aber weiterhin in der politischen Entwicklung. Sorgen bereitet vor allem die zunehmende Stärke populistischer Bewegungen, die sich bei den anstehenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland positionieren, um die etablierten Parteien herauszufordern.

Japan: Auf einem guten Weg

Wir sehen Japan etwas positiver als letztes Jahr. Besonders das erhöhte Inflationspotenzial und der gegenüber dem US-Dollar schwache Yen helfen dem Land. Da die Unternehmen am japanischen Aktienmarkt exportorientiert sind, stützt ein schwächerer Yen in der Regel das Ertragswachstum. Die Konsumausgaben haben sich hingegen noch nicht erholt, die Reallöhne steigen jedoch bereits seit über einem Jahr aufgrund des angespannten Arbeitsmarkts.(3) Die Unternehmensbilanzen bleiben stark und auch im Bereich Corporate Governance werden weiter Fortschritte erzielt. Beide Faktoren können sich positiv auf die Renditen für Aktionäre auswirken. Zudem stimmen die hohen Umfragewerte von Premierminister Abe optimistisch, dass weitere Strukturreformen durchgesetzt werden.

Schwellenländer: Fokus auf den Binnenmarkt

Wir sehen in den Schwellenländern weiterhin hohes Alpha-Potenzial. Kurzfristig könnten jedoch Makrokennzahlen wie steigende US-Zinsen, ein stärkerer US-Dollar und ein wahrscheinlich zunehmender Protektionismus die Entwicklung belasten. Einige dieser Faktoren spiegeln sich bereits in der Underperformance der Schwellenländer seit den US-Wahlen wider. Trotz dessen sind die Bewertungen gegenüber ihrem historischen Niveau und den Industrieländern attraktiv.

Langfristig rechnen wir mit einer Verbesserung der Fundamentaldaten in den Schwellenländern: das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht hat sich reduziert, die Einkaufsmanagerindizes steigen an und wir erwarten einen Anstieg der Unternehmenserträge. Die Diskrepanz zwischen staatlichen und privaten Unternehmen in den Schwellenländern und den stärker und weniger stark von der protektionistischen Handelspolitik betroffenen Unternehmen sowie Regionen dürfte fortbestehen. Insofern konzentrieren wir uns momentan auf binnenmarktfokusierte Unternehmen in Mexiko oder z.B. Indien, das über viele inländische Wachstumstreiber verfügt.

Quellen:
(1) Goldman Sachs Global Investment Research, per 6. Januar 2017. Durchschnittliche Aktienbewertung auf Basis der prognostizierten Eigenkapitalrendite für die nächsten 12 Monate 
(2) IBES via Datastream, per 12. Januar 2017. Berechnung anhand MSCI Europe für Europa und S&P 500 für USA 
(3) SMBC Nikko, per Dezember 2016

Woher könnte 2017 ein Wachstumsschub für die Weltwirtschaft kommen?

von Dave Lafferty, CFA, Chief Market Strategist von Natixis Global Asset Management.

Die Weltwirtschaft zeigt erste Anzeichen einer Besserung. Nach unseren Schätzungen hat sich das reale, annualisierte Wachstum des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukts von 1 % in der ersten Jahreshälfte 2016 auf mehr als 2,5 % in der zweiten Jahreshälfte beschleunigt. Zudem ist zu erwarten, dass die von Trump angekündigten Maßnahmen – Infrastrukturausgaben, Steuersenkungen und Deregulierung – das US-Wirtschaftswachstum 2017 beschleunigen werden.

Dennoch sollten die Anleger nicht zu optimistisch werden. Die positiven Effekte eines Infrastrukturprogramms werden sich größtenteils erst nach 2017 zeigen. Zudem könnten sie geringer ausfallen als erwartet, wenn der US-Kongress dem Programm Budgetzügel anlegt, oder nur von kurzer Dauer sein wird, wenn sich die langfristige Produktivität dadurch nicht verbessert. Niedrigere Steuern für Privatpersonen dürften den Konsum steigern, doch auch hier könnten die Haushaltsfalken bremsend eingreifen. Niedrigere Unternehmenssteuern und verbesserte Bedingungen für die Rückführung von Unternehmensgewinnen dürften die Investitionen ankurbeln, doch möglicherweise werden dafür andere Vergünstigungen für Unternehmen abgebaut.

Die Konjunktur in Europa kommt in Schwung

Auch außerhalb der USA nimmt das Wachstum langsam Fahrt auf. Auf dem Kontinent verbessern sich die Konjunkturkennzahlen flächendeckend, und in Großbritannien haben sich aus dem bevorstehenden Brexit bislang noch keine signifikanten ökonomischen Probleme ergeben. Das Wachstum in China hat sich nach einer Schwächephase kurzfristig wieder stabilisiert, und die Regierung muss sich jetzt entscheiden, ob sie Wirtschaftsreformen vorantreibt oder weiter auf eine massive Kreditausweitung setzt.

Bessere Wachstumsaussichten für China und die Schwellenländer

Die Stabilisierung in China hat in Verbindung mit einer Erholung der Rohstoffpreise auch die Wachstumsaussichten für alle übrigen Schwellenländer verbessert. Während sich der Gesamtausblick für das weltweite Wachstum verbessert, sind die zugrundeliegenden Einschränkungen auf der Angebotsseite weiterhin vorhanden. Dazu gehören Volkswirtschaften, die mit exzessiven Schulden, einer ungünstigen Arbeitsdemographie und einer stagnierenden Produktivität zu kämpfen haben. Doch vor allem ist das stärkere Wachstum wahrscheinlich mit einem höheren Inflationsdruck verbunden, der die Notenbanken auf den Plan rufen dürfte. Eine zu hohe Inflation könnte die Nominalzinsen am langen Ende der Zinsstrukturkurve ansteigen lassen, während eine expansive Geldpolitik die Zinsen am kurzen Ende nach unten drückt. Das makroökonomische Umfeld wird sich verbessern, doch die Anleger sollten damit rechnen, dass der Trump-Zug den Bahnhof nur langsam verlässt.

Ein leicht anziehendes globales Wachstum dürfte die Fundamentaldaten für riskantere Anlageklassen wie Aktien und Unternehmensanleihen verbessern. Aufgrund der bereits sehr hohen Bewertungen in diesen Bereichen werden sich die günstigeren Fundamentaldaten jedoch nur teilweise in höheren Preisen ausdrücken. Hochwertige Anleihen staatlicher und unterstaatlicher Emittenten werden unter Druck bleiben, obwohl wir nur einen moderaten Anstieg der Anleiherenditen erwarten.

Schwer einzuschätzende geopolitische Risiken

Während wir eine leichte Stärkung der Weltwirtschaft und angemessene Renditen für riskantere Anlageklassen erwarten, dürfen die signifikanten Verschiebungen bei den geopolitischen Risiken und den Marktrisiken nicht übersehen werden. Der neuen, unerfahrenen Regierung Trump stehen verschiedene Bewährungsproben bevor, etwa mit Russland und China. Der Ton bei den Brexit-Verhandlungen dürfte rau werden, und bei den Wahlen in Frankreich und Deutschland geht es auch darum, ob die Währungsunion langfristig Bestand haben kann. Syrien und die Türkei befinden sich in tiefen Krisen. Anleger sollten nicht vergessen, dass kurzfristige Volatilität oftmals positive Entwicklungen der Fundamentaldaten überlagert. Die sich abzeichnende Unsicherheit stellt für wirklich langfristige Investoren eine Chance dar, doch bei eher risikoscheuen Anlegern kann sie Kopfschmerzen verursachen.

Mexikanische Unternehmen trotzen Trump

von Ross Teverson, Manager des Jupiter Global Emerging Markets Equity Unconstrained SICAV.

Vor zwei Wochen habe ich diverse Unternehmen in Mexiko besucht. Angesichts all dessen, was US-Präsident Trump gesagt und getan hat, um den Ton in den Beziehungen der USA zu ihrem südlichen Nachbarn zu verschärfen, handelt es sich natürlich um einen hochaktuellen Zeitpunkt, sich in diesem Teil der Erde aufzuhalten. Am Ende meiner Reise blieb das Gefühl zurück, dass die Aussichten für mexikanische Unternehmen besser sind als viele Anleger befürchten.

Unternehmen sind optimistisch

Es gibt gute Gründe dafür - wirtschaftliche und politische - von einer relativ positiven Entwicklung für Mexiko auszugehen. Zum einen dürfte es für Trump äußerst schwierig sein, Zölle in der Art durchzusetzen, wie er es angekündigt hat. Unabhängig davon, ob es sich um die ursprünglich getwitterten 35 Prozent handelt oder um die kürzlich genannten 20 Prozent. Denn abgesehen von der fraglichen Rechtmäßigkeit solcher Zölle dürften viele Republikaner diese vermutlich nicht unterstützen. Und selbst wenn es Trump gelingen sollte, Zölle einzuführen, ist es dennoch sehr unwahrscheinlich, dass es zu überstürzten und geschäftsschädigenden Produktionsverlagerungen in die USA kommen wird. Die US-amerikanische und die mexikanische Fertigungsindustrie sind stark miteinander verflochten und die Kapazitätsauslastung der US-amerikanischen Autoindustrie liegt bereits bei über 85 Prozent (1). Hinzu kommt der Einfluss des schwächelnden mexikanischen Peso, der dazu gedient hat, die Wettbewerbsfähigkeit der mexikanischen Fertigungsindustrie weiter zu stärken: Die Löhne in Mexiko betragen gegenwärtig 1/8 bis 1/5 der US-Löhne (2).

Diese optimistischere Sicht auf Mexikos Zukunft spiegelt sich genauso in den Sichtweisen des Managements diverser mexikanischer Unternehmen wider. Das Unternehmen Vesta beispielsweise, das Fabriken entwickelt und an multinationale Unternehmen vermietet, hat nach eigenen Angaben seit der Wahl von Trump nahezu keine Planänderungen bei potenziellen Mietern verzeichnet. Seine größten Mieter, darunter global tätige Autohersteller, halten an ihrer Planung, die Kapazitäten in Mexiko auszubauen, weiter fest. Zudem präsentierten sich auch die Zahlen zu Anschlussvermietungen von Fabriken des Unternehmens Vesta seit der Wahl Trumps stark: Das Unternehmen berichtet, die Verlängerungsrate von Mietverträgen, die 2017 auslaufen, sei für diesen frühen Zeitpunkt im Jahr hoch.

Vesta profitiert von schwachem Peso

Mit dieser Information im Hinterkopf lohnt es sich über die Bewertung nachzudenken. Der Kurs der Vesta-Aktie ist seit Oktober auf Basis des mexikanischen Peso um 18,7 Prozent und auf US-Dollar-Basis um 26,2 Prozent gefallen (3). Über den Zeitraum der vergangenen zwei Jahre betrachtet ist er auf US-Dollar-Basis sogar um 42,1 Prozent gefallen (4), und das obwohl langfristige Positivtrends weiterhin vorhanden sind. Denn ich gehe davon aus, dass multinationale Unternehmen ihre Präsenz in der Fertigungsindustrie in Mexiko weiter ausbauen werden. Ein weiterer Punkt – der insbesondere angesichts der Schwäche des Peso von Bedeutung ist – ist, dass Vesta 82 Prozent seiner Mieten in US-Dollar einnimmt (5). Ermutigend ist auch die Tatsache, dass Vesta kontinuierlich seine eigenen Aktien am Markt zurückgekauft hat, was meines Erachtens ein starkes Zeichen dafür ist, dass das Management auf die Begrenztheit des negativen Trump-Effekts vertraut und die längerfristigen Wachstumsaussichten positiv einschätzt.

Als Konsequenz haben wir Vesta kürzlich als neue Position zu unserem Jupiter Global Emerging Markets Equity Unconstrained SICAV hinzugefügt.

Quellen:
(1) Federal Reserve, Industrial Production and Capacity Utilization – G.17, 18 Januar 2017
(2) UBS, US Autos & Auto Parts, 26. Januar 2017
(3) Bloomberg, 31. Oktober 2016 bis 30. Januar 2017
(4) Bloomberg, 30. Oktober 2015 bis 30. Januar 2017
(5) Vesta

Höchste monatliche Zuflüsse in Robotik-ETPs seit Auflegung

Robotik-ETPs verzeichneten mit 52 Mio. USD seit Monatsanfang die höchsten Zuflüsse seit ihrer Auflegung. Die Abflüsse aus Energie-ETPs deuten darauf hin, dass Gewinne mitgenommen werden. Das Mehrjahrestief von Kakao weckte das Interesse der technischen Anleger. Die Zuflüsse betrugen in der vergangenen Woche 5,6 Mio. USD, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Den vollständigen Beitrag mit Charts finden Sie links als PDF.

Thematische Aktienanlagen wie Robotik (A12GJD) und Cybersicherheit (A14ZT8) verzeichneten in der zurückliegenden Woche Zuflüsse in Höhe von 27,3 Mio. USD. „Der Robotik-Bereich, in den seit Jahresanfang 81 Mio. USD flossen, davon 52 Mio. USD allein in diesem Monat, erfreut sich unter den Anlegern weiterhin großer Beliebtheit“, kommentiert Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Aus Energie-ETPs (A0SVX4) flossen in der vergangenen Woche 23,3 Mio. USD ab, da die Anleger Gewinne mitnahmen. Laut Angaben der Internationalen Energiebehörde vom Freitag ist das Rohölangebot im zurückliegenden Monat um rund 1,5 Mio. Barrel pro Tag gefallen. Die OPEC trug hierzu 1 Mio. Barrel bei, sodass die von ihr vereinbarte Förderkürzung vom Januar zu 90 Prozent eingehalten wurde. Anderer­seits glichen der beachtliche Anstieg der US-Rohölimporte auf ein Viereinhalbjahres­hoch und die trendmäßige Zunahme der Förderplattformen in den USA den Rückgang des Rohölangebots zum Teil wieder aus. Dies deutet darauf hin, dass die Energiepreise überzogen waren. „Da das Aufwärtspotenzial der Preise auf mittlere Sicht begrenzt ist, nahmen die Anleger entsprechend Gewinne mit“, sagt Hein.

Die Zuflüsse in Gold-ETPs (A0LP78) halten an, da der Goldpreis zum Stand vom November 2016 zurückkehrt. Wir verzeichneten Zuflüsse in Höhe von 8,2 Mio. USD, da der Goldpreis nach 1220 USD/oz. in der Vorwoche in dieser Woche kurz 1240 USD/oz. berührte. Gestützt wurde Gold von der Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen, die am Ende der vergangenen Woche um 10 Basispunkte fiel. „Das hohe Maß an geopolitischer Unsicherheit dürfte den Abwärtsdruck auf den Goldpreis unseres Erachtens deckeln“, sagt Hein.

Die hohen Zuflüsse in Kakao – in der zurückliegenden Woche immerhin 6,4 Mio. USD – lassen vermuten, dass taktische Käufer auf den Markt kamen. Zuvor hatte Kakao nach einem Preisrückgang von 6,3 Prozent ein Fünfjahrestief von 2338 USD/Tonne erreicht. Diese Korrektur lässt sich auf unerwartet hohe Erträge zurückführen, da der Wüstenwind Harmattan, der ursprünglich 50 Prozent der globalen Kakaoproduktion zu beeinträchtigen drohte, ausgeblieben war. „Wir sind der Auffassung, dass antizyklische Anleger das aktuelle Mehrjahrestief beim Kakaopreis als Kaufsignal betrachten“, sagt Hein.

ETFs auf europäische Unternehmensanleihen verzeichneten Abflüsse in Höhe von 4,3 Mio. USD. Unseres Erachtens belastet die Entscheidung der EZB, die monatlichen Anleihekäufe ab April um 20 Mrd. Euro zu reduzieren, das Interesse der Anleger an europäischen Unternehmensanleihen, zumal der Ausgang der in mehreren Ländern anstehenden Wahlen höchst ungewiss ist. „So hat beispielsweise die Präsidentschaftskandidatin der extremen Rechten Frankreichs Le Pen, die nach aktuellen Umfragen derzeit an zweiter Stelle liegt, die Rückkehr zum Franc versprochen. Bei ihrer Wahl steht also für französische Schulden in Höhe von 1,7 Bio. Euro die Umstellung in Francs im Raum, sodass eine Staatspleite im Bereich des Möglichen ist“, sagt Hein.

Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern: Weiterhin stetige Flows

von Alain Nsiona Defise, Leiter des Emerging Corporate Teams bei Pictet Asset Management.

Unternehmensanleihen der Schwellenländer sind ein Lichtblick für Anleger, die Schwierigkeiten bei der Suche nach ausreichenden Erträgen haben.

Diese Papiere bieten nicht nur Renditen in einer Höhe, von denen man anderswo träumt, sondern werden auch durch solide wirtschaftliche Fundamentaldaten gestützt. Zudem sind sie dank ihrer im Vergleich zu den Staatsanleihen durchschnittlich kürzeren Laufzeiten besser positioniert, um mit den weltweit steigenden Zinsen zurechtzukommen.

Im derzeitigen Umfeld der mageren Erträge gewinnen Unternehmensanleihen aus Schwellenländern (EM-Unternehmensanleihen) wieder an Bedeutung. Ihre Renditen gehören zu den höchsten unter den wichtigen festverzinslichen Anlageklassen. In der Tat werden sie nur noch von EM-Anleihen in Lokalwährung und US-Hochzinsanleihen übertroffen.

Angesichts der aussergewöhnlich engen Spreads im restlichen festverzinslichen Anlageuniversum sowie der negativen Renditen zahlreicher Staatsanleihen der Industrieländer und europäischer Unternehmensanleihen mit ausgezeichneten Ratings sind EM-Unternehmensanleihen daher besonders attraktiv.

Der breite Index der EM-Unternehmensanleihen – der JPMorgan CEMBI Broad Diversified – bot per Ende Dezember 2016 Renditen von 5,4 Prozent, was deutlich über jenen von US- und europäischen Investment-Grade-Anleihen und europäischen Hochzinsunternehmensanleihen liegt.

Den Anlegern ist das nicht entgangen. Die EM-Unternehmensanleihen verzeichneten im Jahr 2016 Gesamtrenditen von 9,7 Prozent und waren damit das beste Segment des Universums für Unternehmensanleihen nach den US-Hochzinsanleihen. Zudem überstanden die EM-Unternehmensanleihen die jüngste Marktbereinigung bei weltweiten Anleihen besser als die meisten anderen festverzinslichen Anlageklassen.

Solide Fundamentaldaten stützen EM-Unternehmensanleihen

Die soliden Erträge, die die Unternehmen aus Schwellenländern bieten können, sind teilweise auf das relativ starke und stabile Wirtschaftswachstum in ihren Herkunftsländern zurückzuführen. Wir erwarten für 2017 ein BIP-Wachstum von 4,3 Prozent für die Schwellenländer, im Vergleich zu nur 1,8 Prozent in den Industrieländern und somit eine Ausweitung des Trends der letzten Jahre. Unterdessen ist die Inflation in Schwellenländern zurückgegangen, was den Zentralbanken Raum für eine umfassende Lockerung der Geldpolitik und Ankurbelung des Wachstums gibt (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Weltweites BIP-Wachstum nach Regionen
Veränderungen in % ggü. Vorjahr
Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, per 31.12.2016

Die soliden wirtschaftlichen Fundamentaldaten tragen zur Bonität der EM-Unternehmen bei, die normalerweise besser ist als jene von Unternehmen mit ähnlichen Ratings in den Industrieländern. Bedeutend ist auch, dass diese Qualitätspapiere mit Abschlag zu haben sind, da die EM-Unternehmensanleihen mit breiterem Spread gehandelt werden.

Für einige entspricht dieser Unterschied der Risikoprämie inländischer Staatsanleihen. Für einige Beobachter ist der Abschlag gerechtfertigt, da die Kreditwürdigkeit von EM-Unternehmen – im Gegensatz zu den Unternehmen in den Industrieländern – durch Massnahmen ihrer Regierungen eingeschränkt werden könnte. Und doch können anhand einer gründlichen Analyse Unternehmen ausfindig gemacht werden, die von inländischen Faktoren nicht zu sehr beeinflusst werden.

So überstanden eine Reihe von türkischen Unternehmensanleihen, in die wir bereits seit vor dem Putschversuch letzten Sommer investieren, die darauffolgenden politischen Turbulenzen dank ihrer starken Fundamentaldaten. Sie konnten ihre Investment-Grade-Ratings beibehalten, obwohl die Ratings für Staatsanleihen des Landes von Moody´s heruntergestuft wurden. Es ist ironisch, dass die EM-Unternehmensanleihen sich von staatlich bestimmten Faktoren abkoppeln, während die Industrieländeranleihen gerade besonders stark unter dem Einfluss ihrer Zentralbanken stehen.

Die Volatilität an den Anleihemärkten überstehen

Die jüngste Marktvolatilität spiegelt Sorgen wider, dass in den Industrieländern eine generelle Verschiebung zu einer strafferen Geldpolitik stattfinden könnte. Die Anleger sind immer noch dabei, die Bedeutung der neuen Geldpolitik der Bank of Japan zu verdauen. Diese wechselte jüngst von einer Konzentration auf die Quantität der Anlagekäufe zu einer Kontrolle des Renditeniveaus von japanischen Staatsanleihen. Ausserdem ist die Rede von einer möglichen Drosselung der Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank nächstes Jahr. Und es wird nun allgemein erwartet, dass die US-Fed nach der Zinsanhebung im vergangenen Dezember die Zinsen weiter strafft.

Doch falls es zu einer Wende bei den geldpolitischen Bedingungen kommt, dann dürften EM-Unternehmensanleihen besser abschneiden als z.B. Staatsanleihen aus den Schwellenländern, die sehr viel stärker auf Zinsänderungen reagieren.

Die Rendite von EM-Unternehmensanleihen ist mit jener der EM-Staatsanleihen in Hartwährung vergleichbar, allerdings mit einer deutlich kürzeren Duration: 4,8 Jahre gegenüber 7 Jahre bei den Staatstiteln.

Die EM-Unternehmensanleihen behaupten sich auch gegenüber alternativen Anlagen gut, da sie mit einer kürzeren Duration und soliden Renditen aufwarten können sowie mit Ausfallquoten und Recovery Rates1, die weitgehend jenen von Anleihen in den Industrieländern entsprechen.

Weniger Sorgen über Dollar-Schulden

Technische Faktoren wirken sich ebenfalls zunehmend günstig auf die Anlageklasse aus. Verschiedene Beobachter – darunter der internationale Währungsfonds – haben bisher Bedenken über die bei EM-Unternehmen boomende Schuldenaufnahme in Dollar geäussert. Eine grosse Sorge ist, wie es um die Fähigkeit der Unternehmen stehen wird, ihre Schulden zu bedienen, wenn der Dollar aufgrund der strafferen Geldpolitik der Fed steigt.

Doch während das Bruttoangebot an EM-Unternehmensanleihen weiter relativ hoch blieb, wurde in letzter Zeit ein Grossteil davon zur Refinanzierung existierender Schulden verwendet. Die Netto-Neuemissionen sanken 2015 deutlich und stiegen in 2016 nur leicht (siehe Abb. 2).

Abb. 2: Weniger als es scheint
EM-Unternehmensanleihenemissionen
Quelle: Pictet Asset Management, BofA Merrill Lynch Global Research, per 31.12.2016

Zudem sind die Auswirkungen eines steigenden Dollars auf den Markt nicht nur negativ. Es stimmt zwar, dass die USD-Stärke es Unternehmen, die sich Geld in Dollar leihen, aber Erträge in Lokalwährungen generieren, um ihre Schulden zu bedienen, schwerer macht. Aber Unternehmen mit Schulden in Dollar, die auch Güter in Dollar verkaufen und Kosten in Lokalwährung haben (oft Rohstoffproduzenten), dürften tendenziell von einem stärkeren Dollar profitieren.

Trotz des allgemein günstigen makroökonomischen und technischen Umfelds für EM-Unternehmen schützen wir unsere Anleger durch unsere Bottom-up-Analyse der Unternehmen vor den Launen der Wirtschaftskräfte und dem idiosynkratischen politischen Risiko. Dies ermöglicht es uns, auch in schwierigem Umfeld interessante Anlagechancen auszumachen.

Da EM-Unternehmensanleihen weitgehend von Institutionen gehalten werden, die tendenziell weniger starken Stimmungsschwankungen ausgesetzt sind als Privatanleger, sind sie in der Regel weniger volatil als etwa die Staatsanleihen aus Staatsanleihen.

Unsere aktuelle Positionierung basiert auf einer Kombination aus defensiven Positionen – mit chinesischen und indischen Öl- und Gastiteln –, Anlagen mit Aussichten auf mittelfristige Erträge – mit türkischen Nicht-Finanztiteln und russischen Papieren, die am meisten von der Erholung des Landes profitieren dürften, – und mit ehrgeizigeren Positionen, die stärker auf einen weltweiten Aufschwung setzen, wie lateinamerikanische Energietitel und brasilianische Industriepapiere (siehe Abb. 3).

Abb. 3: Gewinner auf dem internationalen Spielfeld
Positionierung unseres Portfolios
Quelle: Pictet Asset Management, per 01.01.2017

Ausgewählte Fonds von Pictet Asset Management finden Sie im altii Produktbereich.


Über den Autor
Alain Nsiona Defise kam 2012 als Leiter des Emerging Corporate Teams zu Pictet Asset Management.
Zuvor arbeitete er bei JPMorgan in London, wo er das Geschäft im gleichen Bereich mit einem Wert von über 2 Mrd. USD leitete. Vor dem Wechsel zu JPMorgan war er neun Jahre lang bei Fortis Investments tätig, zuerst als Senior-Kreditanalyst mit Schwerpunkt Hochzinsmarkt und anschliessend als Senior-Portfoliomanager. In dieser Funktion baute er den Bereich für festverzinsliche Unternehmensanlagen in den Schwellenländern auf.
Alain Nsiona Defise erwarb den Master als Betriebswirtschaftsingenieur der Solvay Business School in Brüssel sowie ein Diplom als Finanzanalyst der Europäischen Union der Vereinigungen für Finanzanalyse (EFFAS).

Quellenangaben:
1) JP Morgan prognostizierten per September eine EM-Hochzinsanleihen-Ausfallrate von 5,5 Prozent für 2016, während Moody´s per 30. September für die kommenden 12 Monate von einer Ausfallrate von 5,75 Prozent für US-Hochzinsanleihen ausgeht.

Active managers outperform in January

Over a 12-month-rolling period, 45% of US managers and 45% of emerging markets managers outperformed their benchmarks net of fees. Only 18% of Europe managers could beat their benchmarks net of fees.

In January, the technology sector showed very good performance and many funds, especially in the US, have an overweight allocation in this sector. In addition to that, index heavy weights Facebook and Apple, which are overweighted in a number of funds, showed a strong performance in January. On the other side, sectors like telecom, energy and utilities did not perform well in January. As the majority of the funds are underweight in those sectors, the sector allocation had a significant positive effect. Moreover, and as a consequence of the sector performance, the growth style was clearly superior to the value style in January. As there are more funds in the peer-group with a growth tilt, this also contributed to the outperformance of active managers.

Please find the full ifund service news for Januar 2017 attached with charts and an overview of manager meetings attached on the left.

Gegenhalten

von James Swanson, CFA, MFS Chief Investment Strategist.

Seit den US-Wahlen im letzten Herbst waren die Anleger wie elektrisiert, doch nach meiner Erfahrung haben Präsidentenwechsel einem in die Jahre gekommenen Konjunkturzyklus noch nie neues Leben eingehaucht. Der derzeitige Aufschwung wird jetzt acht Jahre alt. Zum Vergleich: Im Schnitt dauerten Konjunkturzyklen in den USA fünf Jahre, und der längste Zyklus aller Zeiten gerade einmal zehn. In den letzten Monaten hat sich das Weltwirtschaftswachstum etwas beschleunigt. Es gibt aber wenig Anzeichen dafür, dass dies mehr ist als ein kurzfristiges Zwischenhoch, in einem Zyklus mit vielen Auf und Abs. In den USA steigen die Realeinkommen weniger stark und die Gewinnmargen gehen zurück. Hinzu kommen einige schwache Frühindikatoren. Ich meine deshalb, dass Investoren über den Schutz ihres Kapitals nachdenken sollten – für den Fall, dass der Konjunkturzyklus plötzlich endet.

Ist der fast achtjährige Anstieg der Aktienkurse und der Bewertungen gerechtfertigt? Eindeutig ja. Seit März 2009 verzeichnete der S&P 500 Index etwa 250% Gesamtertrag, vor allem aus zwei Gründen: erstens wegen der weltweit extrem lockeren Geldpolitik nach der Bankenkrise, durch die die Erträge sicherer Anlagen so niedrig wurden, dass risikoreichere Titel plötzlich wesentlich attraktiver schienen als sonst. Und zweitens wegen der gestiegenen Gewinnmargen -- die in diesem Konjunkturzyklus etwa 80-90% höher waren als im Langfristdurchschnitt -- und der höheren Cashflows.

Aber beides könnte schon bald zu Ende gehen. Die Notenbanken werden weniger expansiv. Die Fed befindet sich in einem Zinserhöhungszyklus, und es steigt der Druck auf die europäische Zentralbank und andere, ihr Quantitative Easing zu verringern. Die Gewinnmargen gehen zurück, weil internationale Unternehmen aufgrund der zurzeit wenig globalisierungsfreundlichen Politik weniger stark auf billige ausländische Arbeitskräfte zurückgreifen. Hinzu kommen steigende Kapitalkosten, da die Zinsen steigen. Wegen niedriger Investitionen haben sich die Gewinnmargen zwar einigermaßen gehalten, doch schwächt dies auch den zukünftigen Produktivitätsanstieg. Die Bilanzen grundsolider Unternehmen haben sich zuletzt verschlechtert, da Fremdkapitalquote und Schuldendienstdeckungsgrad auf ein Niveau gestiegen sind, wie wir es letztmals vor dem Höhepunkt des US-Immobilienzyklus im Jahr 2007 hatten. All dies lässt Zweifel aufkommen, ob die Unternehmen ihre Gewinne tatsächlich so stark steigern können, dass die derzeit sehr hohen Bewertungen gerechtfertigt sind.

Natürlich könnten Aktien weiter steigen, aber die Investorenerträge hängen sehr stark vom Einstiegszeitpunkt ab. Wer jetzt, bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 (gemessen an den Gewinnen der letzten zwölf Monate) in den S&P 500 einsteigt, hat nur einen kleinen Puffer, wenn die derzeitige Euphorie nachlässt. Noch deutlicher wird dies, wenn man das durchschnittliche KGV der letzten 40 Jahre betrachtet, das nahe 16 liegt. Small Caps und Substanzwerte sind sogar noch teurer. Ihre KGVs nähern sich Allzeithochs.

In der Vergangenheit waren die Erträge meist niedrig, wenn man Aktien zu überdurchschnittlichen Bewertungen gekauft hat. Hinzu kommt, dass der durchschnittliche Aktienpreisrückgang während einer Rezession nach Angaben von Ned Davis Research 24% beträgt (seit dem letzten Höchststand). Manchmal fallen die Kurse sogar noch stärker. Während der internationalen Finanzkrise gab der S&P 500 fast 57% nach, bis er im März 2009 seinen Tiefststand erreichte.

Wie eingangs gesagt, setzte der Markt in diesem Herbst zu einem Aufschwung an, als sich der Weltwirtschaftsausblick verbesserte. Als dann ein neuer US-Präsident gewählt wurde, der eine Reflationspolitik mit Steuersenkungen, Infrastrukturausgaben und aufsichtsrechtlichen Reformen ankündigte, beschleunigte sich die Kursrallye weiter. Eine meiner größten Sorgen ist aber, dass die Marktteilnehmer zurzeit vom besten aller denkbaren Szenarien ausgehen und die vielen Risiken ausblenden, während sie die Reflationsgeschichte nur zu gerne glauben. Auch Präsident Trump muss sich damit abfinden, dass in Washington die Mühlen bestenfalls langsam und schlechtestenfalls überhaupt nicht mahlen. Selbst wenn ein Gesetz verabschiedet ist, kann es Monate oder Jahre dauern, bis die Infrastrukturprojekte tatsächlich in Gang kommen -- denn sie erfordern langwierige Genehmigungsverfahren und Umweltverträglichkeitsprüfungen. Das schwächt die Stärkung der Konjunktur. Da der Kongress alle zwei Jahre neu gewählt wird, hat der neue Präsident realistisch gesehen nur etwa 18 Monate Zeit, um seine wichtigsten Gesetzesvorhaben durchs Parlament zu bringen. Danach beschäftigen sich die Mitglieder des Repräsentantenhauses mit ihrer Wiederwahl, was das politische System weiter bremst. An den Märkten scheint man aber damit zu rechnen, dass große Konjunkturprogramme bereits in diesem Jahr wirken. Ich glaube, dass man sie erst später spürt -- und auch nicht so stark wie die Kurse glauben machen.

Ein letzter Punkt: Es ist nicht einfach, das Ende eines Konjunkturzyklus zu prognostizieren. Es gibt aber eine Reihe von Warnsignalen, auf die ich achte und die zurzeit, wenn auch in unterschiedlichem Maße, relevant sind:

  1. abnehmende Gewinnmargen und abnehmender Anteil der Gewinne am BIP
  2. deutlich mehr Fusionen und Übernahmen
  3. steigende Zinsen
  4. ein starker US-Dollar
  5. eine „Story‘‘, die trotz nachlassender Fundamentaldaten ein Andauern des Zyklus rechtfertigt
  6. mangelnde private Investitionen
  7. deutlicher Anstieg der Unternehmens- und Verbraucherkredite

Ich kann nicht prognostizieren, ob der Markt 2017 steigt oder fällt. Angesichts der äußerst hohen Bewertungen sollten sich Investoren aber vielleicht mit dem Thema Kapitalschutz befassen. In diesem außergewöhnlichen Konjunkturzyklus hat man viel verdient. Kurzfristig noch mehr zu verdienen, könnte aber schwierig werden.

Die Ruhe vor dem Sturm

von Alexis Grutter, Fondsmanager des systematisch verwalteten Echiquier QME bei La Financière de l’Echiquier.

2016 war ein sehr herausforderndes Jahr für Trendfolgeprodukte. Grund hierfür waren drei teils unerwartete aber in jedem Fall heftig ausfallende Trendwenden: Anfang Februar gingen Aktien plötzlich durch die Decke, nach ersten Ergebnissen des Brexit-Referendums krachte es vor allem bei Währungen und Aktien, und zum Jahresende legten Staatsanleihen einen Sinkflug hin.

So turbulent das Jahr 2016 zu Ende ging, herrscht aktuell eine ruhige und abwartende Stimmung an den Märkten. Über alle Assetklassen hinweg sind die Volatilitätsniveaus derzeit relativ niedrig. Dabei wird es jedoch mit Sicherheit nicht bleiben. In den kommenden Monaten stehen viele wichtige, vor allem politische Ereignisse an, die an den Finanzmärkten deutliche Trends auslösen könnten. Egal ob am Aktien-, Anleihen-, oder Devisenmarkt, Anleger müssen mittelfristig auf starke Bewegungen sowohl nach oben als auch nach unten vorbereitet sein. Diese müssen aber nicht zwangsläufig eine Bedrohung für das Portfolio darstellen. Rasches Handeln ist gefragt, um mitgehen und von ihnen profitieren zu können – egal in welche Richtung.

Positive Aussichten für europäische Aktien

Aktuell sind wir mit dem Echiquier QME eher konservativ aufgestellt. Da sich viele Trends Ende 2016 wieder aufgelöst haben, ist unser Portfolio heute recht konzentriert und unser Exposure eher gering. Mit Blick auf einzelne Assetklassen halten wir aber verschiedene Trends für denkbar. Mit Donald Trump als vermeintlichem Vater eines neuen amerikanischen Wirtschaftswunders könnte der US-Dollar einen Trend nach oben aufweisen. Daher sind wir aktuell bei der nordamerikanischen Währung long positioniert. Auch bei Aktien sind wir zurzeit eher bullish eingestellt und setzen insbesondere bei europäischen Werten weiterhin auf steigende Kurse. Dagegen sehen wir Staatsanleihen eher pessimistisch und sind short bei US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei bis dreißig Jahren sowie bei länger laufenden Euro-Anleihen. Im Währungsbereich setzen wir auf fallende Kurse der Leitwährungen japanischer Yen, britisches Pfund sowie Euro.

Satellitenstrategie zur Abfederung

Für Trendfolgeinvestoren sind absolute Flexibilität, eine breite Diversifikation und die Liquidität der Werte im Portfolio die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Bei großen Veränderungen am Markt müssen sie schnell reagieren können und in der Lage sein ihr Portfolio gegebenenfalls sehr kurzfristig komplett umzuschichten. Daher handeln wir ausschließlich Terminkontrakte mit der höchsten Liquidität. Gerade im vergangenen Jahr, wo wir drei Phasen starker Bewegung an den Märkten erlebt haben, hat sich zudem gezeigt, dass die Kombination aus zwei komplementären Strategien den Unterschied bei Quant-Ansätzen ausmacht. Die „Momentum“-Strategie bildet im Echiquier QME etwa 70 Prozent des Portfolios und profitiert in Phasen von klaren Trends nach oben oder unten. Darüber hinaus verfolgen wir die „Satelliten“-Strategien, deren Algorithmen etwa 30 Prozent der Allokation des Portfolios repräsentieren. Durch diese Strategie können wir auch an Märkten ohne Trends oder bei Trendwechseln Gewinne erzielen und die Volatilität begrenzen. So haben wir zum Beispiel Ende Oktober vergangenen Jahres, als die Volatilität dramatisch zugenommen hat, innerhalb von zwei Wochen unser gesamtes Staatsanleihen-Portfolio von long auf neutral und sogar net-short bei US-Anleihen umgeschichtet. In Phasen hoher Marktvolatilität – die wir als Quantmanager natürlich mögen – können wir die mittlere jährliche Volatilität des Echiquier QME auf unter 10 Prozent begrenzen.

Über La Financière de l’Echiquier
La Financière de l’Echiquier wurde 1991 von Didier Le Menestrel und Christian Gueugnier gegründet und zählt zu den marktführenden unabhängigen Fondsgesellschaften in Frankreich. In Paris ansässig, ist die Fondsboutique erfolgreich auf Enterprise-Picking spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 100 Mitarbeiter und verwaltet ein Vermögen von mehr als 8 Milliarden Euro. In Deutschland und Österreich vertreibt die Gesellschaft aktuell sechs Aktienfonds, zwei Mischfonds und einen Wandelanleihefonds. Die erfolgreiche Fondspalette wird privaten und institutionellen Investoren außerdem in Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Italien, Spanien und Luxemburg angeboten. Das Kapital von La Financière de l’Echiquier wird vollständig von der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern gehalten. 2004 wurde die Stiftung La Financière de l’Echiquier gegründet, die sich in Frankreich für sozial und beruflich benachteiligte Menschen einsetzt. Weitere Informationen zur Stiftung finden Sie unter http://www.fondation-echiquier.fr und zu La Financière de l’Echiquier unter http://www.lfde.com/de.

Wahlen in Holland: Populisten stehen vor ihrem größten Wahlerfolg

Das Chief Investment Office UBS Wealth Management hat eine detaillierte Vorschau zu den am 15. März stattfindenden Wahlen in den Niederlanden publiziert, die damit die große europäische Wahlsaison einläuten.

Die Anti-EU Freiheits-Partei ist auf dem Weg, die meisten Stimmen bei den Wahlen zu gewinnen und ein großer Sieg der Populisten könnte den Schwesterparteien in Frankreich, Deutschland und Italien Auftrieb geben. Hinzu kommt, dass ein solcher Sieg aufgrund des Versprechens eines EU-Referendums der Partei kurzfristig Druck auf den Euro, sowie Anleihen von Ländern wie Frankreich und Italien ausüben kann. CIO's Basisszenario sieht eine breite Koalition über fünf Parteien hinweg vor, wobei lange Koalitionsverhandlungen zu erwarten sind.

Der Report "Dutch election: Populists set for best result ever" befasst sich mit dem zunehmenden Populismus in den Niederlanden, den Schlüsselthemen der Wahlkampagnen, den verschiedenen Koalitionsszenarien sowie den möglichen Auswirkungen der Wahlen auf niederländische Staatsanleihen. Diesen finden Sie links in englischer Sprache und mit Grafiken.

Ausblick auf Wahlen in Holland: Populisten stehen vor ihrem größten Wahlerfolg

  • Ausblick: Die Anti-EU Freiheits-Partei ist auf dem Weg, die meisten Stimmen bei den Wahlen vom 15. März zu gewinnen. Aufgrund des Versprechens eines EU-Referendums dürfte dies weltweit für Schlagzeilen sorgen. Die wichtigsten Parteien lehnen jedoch eine Koalition mit der Freiheitspartei ab. Lange Koalitionsverlangen sollten zur breitesten Koalition seit den 1970er Jahren führen, angeführt durch Mark Rutte.
  • Märkte: Die holländischen Wahlen läuten die große europäische Wahlsaison ein. Ein großer Sieg der Populisten könnte den Schwesterparteien in Frankreich, Deutschland und Italien Auftrieb geben und kurzfristig Druck auf den Euro, sowie Anleihen von Ländern wie Frankreich und Italien, ausüben.
  • Was wir betrachten: Umfragen, Flüchtlingsströme durch Libyen/Italien, das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei, Geert Wilders Gerichtsfall und Wirtschaftsdaten.

What is behind the rise of global bond yields?

The rise of US yields is driving up yields around the world. We expect higher volatility in global rates, amplified by geopolitical risks and commodity price movements, says Morgane Delledonne, Fixed Income Strategist at ETF Securities. Structural headwinds and accommodative foreign monetary policies will likely limit the rise US yields over the medium term.

Since last November, investors’ sentiment has turned into ‘risk-on’ mode, favouring risky assets and equities relative to bonds. The rise in global yields and the steepening of yield curves has fuelled fears about the end of the 35-year bond bull market.

US yields drive up global yields

Since the early 2000s, the rise of global financial integration (i.e. the increase movements of capital between economies) has been reflected in higher co-movement in global yields. The chart below shows that almost 60% of the changes in bond yields of advanced economies (US, UK, Germany, and Japan) may be explained by a common factor.

The recent rise of global yields was predominantly driven by the rise of US yields along with cyclical factors (such as inflation, geopolitical risk and market volatility). However, we believe the ongoing accommodative monetary policies in Europe and Japan are likely to keep bond yields low in these regions, limiting the rise of US yields over the medium term.

What is driving US yields higher?

Long-term bonds yields are a function of the expected future short-term interest rates and the bond term premium that investors require to buy long-term bonds rather than roll over a series of shorter maturity bonds (i.e. inflation risk premium). The trend decline in global yields in the past 35 years mostly reflects the trend decline in bond term premium, while expected short-term interest rates fluctuate along with the changes in monetary policies.

Expected short-term rates started to increase in December 2013 when the Fed announced the tapering of its monthly bond purchases. However, US bond term premiums continued to decline and then slipped into negative territory in the first half of 2016 – for the first time in history. Deflation fears fuelled by the 70% drop of energy prices between 2014 and 2015 negatively affected inflation risk premiums, which declined from 0.5% to -0.5%. The sustained rebound in energy prices since February 2016 enabled inflation premiums to bounce back in Q4 2016, leaving both forces – bond term premium and expected short-term rates - trending upward. As a result, US long-term yields started to rise.

We evaluate the current mispricing of the 10yr treasury yield at 10bps tighter than its estimated value, based on the gap between the current 10yr yields and the sum of its two components. Thus, we believe most of the expected three rate hikes from the Fed this year have already been priced into 10yr yields. However, we expect higher rates volatility amplified by elevated volatility in energy prices and geopolitical risks. The MOVE index (an indicator of bond markets volatility) has increased 20% since Q4 2016.

Structural headwinds push yields down

The recent tightening in US financial conditions has been driven by the prospect of a better economic outlook in the US, reflecting current expectations of larger fiscal policy stimulus. In our opinion, the efficiency of the fiscal stimulus and its effects on bond markets will crucially depend on its fiscal neutrality and on its capacity to boost productivity and labour force growth. While the labour force growth has rebounded since 2012 under the accommodative monetary policy of the Fed, US productivity growth remain low from an historical perspective and continue to weigh on the economy.

The decline trend of investment in advanced economies can be partly explained by high credit constraints. The Debt Service Ratio (DSR) or the share of income used to service debt has not yet return to the pre-crisis levels, weighing on consumption and investment.

Subdued long-term economic trend limit yields’ rise

The gradual decline in the US GDP growth trend has led to gradual similar decline in the neutral real interest rate (i.e. the federal funds rate that neither stimulates nor restrains economic growth), which, in turn, has caused the decline in long-term interest rates. The US Congressional Budget Office (CBO) forecasts a stable 2% potential real GDP growth – the highest level of real GDP that can be sustained over the long term – for the US economy over the next 10 years. Accordingly, the neutral real interest rate for the US is expected to pick up and move in tandem with the potential real GDP. Although, both remain lower from a historical perspective.

This analysis is consistent with the gradual downward revision of long-run projections from the FOMC. From 2012 to today, the FOMC gradually revised downward its estimates for the long-run potential GDP growth rate and the terminal fed funds rate (or neutral interest rate) from 2.4% to 1.8% and from 4.25% to 3.00% respectively. Fed Chair Yellen reiterated in January1 that the Fed expects to increase Federal Funds rate target a few times a year until, by end of 2019, it is close to its longer-run neutral rate of 3%. Accordingly, we expect the Fed to hike rates three times this year.

We expect the trend rise of the US yields to be gradual over the medium term toward 2019 amid higher volatility. The upside risks to this view would come from a significant and quicker- than-expected rebound in productivity growth and inflation.

Hedgefonds: Mit Merger Arbitrage vergleichsweise risikoarm von regulatorischen Veränderungen in den USA profitieren

Kier Boley, Portfoliomanager bei GAM, analysiert in seinem monatlichen Kommentar zu Absolut-Return-Strategien die aktuelle Marktlage.

Die Event-Driven-Strategien schnitten im Jahr 2016 von allen Hedge-Fund-Strategien am besten ab: Der HFRX Event Driven Index beendete das Jahr mit einem Plus von 11,1 Prozent auf US-Dollarbasis. Auch der Start ins Jahr 2017 verlief gut. Bereits im Januar verzeichnete er einen Zuwachs von 1,1 Prozent. Doch während Distressed- und Special-Situations-Fonds angesichts der Erholung stark unterbewerteter Aktien und Unternehmensanleihen eine besonders gute Performance zeigten, mussten sich die Merger-Arbitrage-Strategien mit deutlich weniger begnügen: Der HFRX Event Driven Merger Arbitrage Index legte 2016 um 4,3 Prozent zu – im Januar gab er hingegen um 0,3 Prozent nach.

Wir bleiben jedoch bei unserer positiven Einschätzung zu Merger Arbitrage und sehen in dem Bereich eine mögliche Quelle für attraktive Erträge. Das Volumen der Fusionen und Übernahmen war im vergangenen Jahr zwar rückläufig und auch das neue Jahr fing eher schwach an. Doch nun besteht die Aussicht, dass Neubesetzungen an der Spitze amerikanischer Aufsichtsbehörden in den kommenden Monaten positive Auswirkungen auf die Zahl der Transaktionen und auf die Spreads bei schwebenden Deals haben werden.

Präsident Trump verkündete im Januar die Ernennung eines neuen Chefs der US-Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC). Es wird allgemein angenommen, dass die FTC unter neuer Leitung unternehmensfreundlicher und regulierungskritischer eingestellt sein wird. Für die nächsten Monate ist mit weiteren Schritten zur Neuordnung der Behörde zu rechnen. Sollten Organe wie die FTC erwartungsgemäß diese Haltung einnehmen, dürften die Unternehmen auch mit Blick auf Fusionsmöglichkeiten, besonders innerhalb einzelner Branchen, zuversichtlicher werden. Dadurch können sich für Anleger neue Gelegenheiten eröffnen, von Fusionen zu profitieren. Zudem würden aufsichtsrechtliche Risiken, die bei Fusionen und Übernahmen immer eine Rolle spielen, an Bedeutung verlieren. Die Erfolgswahrscheinlichkeit schwebender Deals würde steigen und Merger-Arbitrage-Strategien würden von ihren bestehenden Investments profitieren.

Positiv für die Wertentwicklung ist überdies, dass die Merger-Arbitrage-Spreads durch steigende Zinsen Unterstützung erhalten würden. Denn Investoren verlangen eine höhere Kompensation dafür, das Risiko einer Transaktion von der Ankündigung bis zur Vollendung zu tragen.

In Anbetracht der erheblichen politischen Ungewissheit, die sich in der Aktienmarktvolatilität noch nicht widerzuspiegeln scheint, könnte Merger Arbitrage eine vergleichsweise risikoarme Möglichkeit darstellen, von regulatorischen Veränderungen zu profitieren.

Quelle: GAM, Bloomberg, Bloomberg CLA, Hedge Fund Research, MSCI, Thomson Reuters. Alle Angaben auf US-Dollarbasis.

Zahlreiche Unsicherheiten prägen globales Wirtschaftswachstum

Seit ihrem Tiefpunkt im Frühjahr 2016 hat die Weltwirtschaft deutlich an Fahrt aufgenommen, dürfte aber im Verlauf des Jahres 2017 wieder etwas von ihrem Schwung einbüßen. Den Grund hierfür sieht Nikolaj Schmidt, Chief International Economist bei T. Rowe Price, in der nachlassenden Dynamik zahlreicher Konjunkturprogramme sowohl in China als auch in den Industrieländern. Nach Ansicht des Experten trüben zudem die politischen Entwicklungen in der westlichen Welt den globalen Ausblick: „Die Zunahme populistischer Tendenzen kann zwar aufgrund von umfassenden finanzpolitischen Maßnahmen in einigen Regionen das Wachstum stärken. In anderen Regionen bedroht dies indes den Fortschritt.“

Höhere Energiepreise lassen Inflation steigen

Unter verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wächst die Unsicherheit darüber, welchen geldpolitischen Kurs die US-Notenbank Fed in diesem Jahr einschlagen wird. „Die erwartete Anhebung der Zinsen in zwei oder drei Schritten steht durch die Ankündigung steuerlicher Anreize der Regierung Trump in Frage“, erklärt Schmidt. Unklar sei auch, wie sich in diesem Umfeld die Inflation entwickeln werde, zumal in der US-Wirtschaft inzwischen nahezu Vollbeschäftigung herrsche. Gleichzeitig stellen sich die Finanzmärkte darauf ein, dass die Europäische Zentralbank (EZB) eine weniger expansive Gelpolitik verfolgen könnte. „Zwar ist die Kerninflationsrate immer noch niedrig, aber der Anstieg der Energiepreise hat die Gesamtinflation zuletzt sprunghaft in die Höhe getrieben“, so Schmidt.

Schuldenabbau verursacht Gegenwind für Schwellenländer

Ähnlich unsicher sind dem Experten zufolge die Aussichten für den asiatischen Wirtschaftsraum: „China sieht sich nach wie vor mit einer hohen Verschuldung insbesondere von staatlich gestützten Unternehmen und immer mehr notleidenden Krediten innerhalb des Bankensystems konfrontiert.“ Finanzpolitische Unterstützungsmaßnahmen sollten deshalb in China weiterhin an der Tagesordnung sein, während andere wichtige Schwellenländer diszipliniert Schulden abbauen. Aus diesem Grund hatten viele Schwellenländer bereits Ende des Jahres 2016 mit Gegenwind zu kämpfen – und geraten nun angesichts des zunehmenden Populismus in den Industrieländern weiter unter Druck. Die Entscheidung Großbritanniens, aus der Europäischen Union (EU) auszutreten, sowie die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten machen eine zunehmende Unzufriedenheit der Wähler in den westlichen Industrienationen deutlich. „Die Globalisierung verursacht eine ungleiche Verteilung von Wohlstand und Einkommen. Deshalb unterstützen viele Menschen politische Kandidaten, die versprechen, Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe zu erhalten, die Zuwanderung zu drosseln und den Import aus Niedriglohnländern zu kontrollieren“, sagt Schmidt.

Wahljahr 2017 und Brexit beeinflussen Wachstum in Europa 

Eine Zunahme populistischer Tendenzen insbesondere in Europa könnte sich dem Experten zufolge maßgeblich auf das globale Wachstum auswirken. In Jahr 2017 stehen Wahlen in Frankreich, Italien, Deutschland, Griechenland und den Niederlanden an, in denen rechtsorientierte Parteien einen erheblichen Zuwachs verzeichnen könnten. „Ein unsicheres politisches Umfeld könnte viele Unternehmen und Investoren dazu veranlassen, Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben, wodurch das Wachstum in Europa verlangsamt würde“, lautet die Einschätzung Schmidts. Ebenso folgenreich mit unmittelbaren Auswirkungen auf das britische Pfund könnte ein „harter“ Brexit sein, bei dem Großbritannien zugunsten der Einwanderungskontrolle auf den Zugang zum europäischen Binnenmarkt verzichtet.

In den USA steigt das Risiko für extreme Entwicklungen

In den USA dürfte der Populismus unterschiedliche Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Zentrale Elemente von Trumps Wirtschaftspolitik umfassen Steuererleichterungen, ein neues regulatorisches Rahmenwerk, das kaum Vorgaben für den Energiesektor enthält, sowie eine Handelspolitik nach dem Motto „America first“. Während einige Maßnahmen, wie die Reform des Steuersystems oder die Deregulierung, die Wirtschaft unmittelbar ankurbeln könnten, dürften Strafen für US-Unternehmen, die im Ausland produzieren, oder eine aggressive Einwanderungspolitik negative Folgen haben. „Wir gehen von einem Wachstum der US-Wirtschaft von zwei Prozent aus. Investoren sollten sich aber auf extreme Entwicklungen in die ein oder andere Richtung einstellen.“

„Schwellenländeranleihen in Lokalwährung werden 2017 wieder anziehen“

Für Schwellenländeranleihen in Lokalwährung beginnt das Jahr 2017 ähnlich wie das vergangene: Die Renditen liegen wieder nahe sieben Prozent und die Anleger haben die Anlageklasse erneut untergewichtet. Die Nervosität der Anleger war vor zwölf Monaten allerdings besser nachvollziehbar als heute, denn das weltweite Wachstum schwächelte und die Anlageklasse hatte drei Jahre unterdurchschnittliche Erträge erzielt. „Heute notieren Lokalwährungsanleihen von Schwellenländern 14 Prozent höher als im Vorjahr1, und im weltweiten Wachstumszyklus scheint sich eine Wende zu vollziehen. Wir glauben, dass die Themen, die im Jahr 2016 die Rally antrieben, auch 2017 wieder bedeutsam sein werden“, sagt Paul McNamara, Investment Director für Schwellenmarktstrategien von GAM. 

Die Lehren aus 2016

Für den Aufschwung im Jahr 2016 waren laut McNamara zwei grundlegende Faktoren verantwortlich: die Anpassung der Zahlungsbilanzen und die Erholung des Wachstums. Die Leistungsbilanzen der Schwellenländer hätten sich nach dem ‚Taper Tantrum‘ im Jahr 2013 stetig gebessert. Kapitalabflüsse sorgten jedoch dafür, dass die Zahlungsbilanzen der Schwellenländer ein Defizit auswiesen. Die Devisenreserven sanken und schwächten die Währungen der Schwellenländer. „Anfang 2016 haben die Kapitalabflüsse extreme Ausmaße erreicht. Als sich diese wieder stabilisierten, wiesen die Zahlungsbilanzen der Schwellenländer durch die kontinuierlich steigenden Leistungsbilanzen wieder Überschüsse aus. Steigende Devisenreserven waren die Folge“, erläutert McNamara. Auch das Kreditwachstum in den Schwellenländern sei von 2011 bis 2015 gesunken und habe Anfang 2016 am Niveau historischer Tiefststände gekratzt. Die Erholung des Kreditimpulses folgte dann der Erholung des Kreditwachstums auf dem Fuß. Steigende Einkaufsmanagerindizes (PMIs) und die Belebung des Autoabsatzes deuteten auf ein kräftigeres Wachstum in den Schwellenländern hin.

„Wie allgemein üblich lösten der Anstieg der Devisenreserven und das stärkere Wachstum bei den Währungen der Schwellenländer eine Rallye aus“, so McNamara. „Im Oktober 2016 lagen Lokalwährungsanleihen von Schwellenländern im Vergleich zum Beginn des Kalenderjahres 16 Prozent im Plus.“

Der Einfluss der Trump-Politik

Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten brachte die positiven Entwicklungen jedoch ins Stocken: „Unseren Schätzungen zufolge waren die Mittelabflüsse aus den Schwellenländern im vierten Quartal so hoch wie zuletzt im Jahr 2008. Beide Erholungstendenzen stoppten zeitweilig abrupt. Das musste zwangsläufig zu einer Korrektur der Schwellenländerwährungen führen“, sagt der Experte. Sinkende Devisenrenditen seien die Folge gewesen, restriktivere Kreditbedingungen hätten für einen weiteren negativen Kreditimpuls gesorgt. Auch der Autoabsatz in den Schwellenländern sei im November zurückgegangen. Durch die Trendumkehr bei diesen Themen sanken laut McNamara Lokalwährungsanleihen allein im November um 7,5 Prozent.

Trumps Politik und die damit einhergehende Zunahme von Handelsschranken könnte einige Hersteller in den Schwellenländern vor Probleme stellen, prognostiziert der Experte. „Das muss jedoch nicht heißen, dass sich die veränderte US-Politik auf die Gesamtheit der Schwellenländer negativ auswirken wird. Die angedachten fiskalischen Impulse dürften das Wachstum ankurbeln und die Rohstoffpreise stützen – beides Faktoren, die den Schwellenländern zugutekommen.“ Bereits jetzt sei die Abnahme der Kapitalabflüsse spürbar: Beliefen sie sich im November noch auf 27 Milliarden US-Dollar, waren es im Dezember nur noch drei Milliarden US-Dollar.

Für 2017 hohe einstellige Renditen erwartet

Die Schwellenländer bleiben nach Ansicht McNamaras in den kommenden Monaten für volatile Portfolioflüsse anfällig. Langfristig gesehen können sich Lokalwährungsanleihen von Schwellenländern für Anleger jedoch auszahlen: „Bei einer Stabilisierung der Portfolioflüsse werden die Reserven erneut steigen, Verbesserungen beim Kreditimpuls treten ein und das Wachstum wird erneut beflügelt. Die positiven Themen, die im Jahr 2016 die Rallye antrieben, werden wieder Wirkung zeigen. Wir erwarten daher für die Anlageklasse im Jahr 2017 hohe einstellige Renditen“, analysiert McNamara.

Mögliche Dämpfer seien dem Experten zufolge nur aus Mexiko und der Türkei zu erwarten: In beiden Ländern seien in den vergangenen drei Monaten auf Lokalwährungen lautende Staatsanleihen um 20 Prozent gesunken. „Es liegt auf der Hand, dass es in diesen Ländern 2017 entweder zu einem Einbruch oder zu einer kräftigen Erholung kommen könnte. Wir wollen im erstgenannten Fall nach Chancen für steigende Kurse und im letztgenannten Fall nach Möglichkeiten für sinkende Kurse Ausschau halten. Die richtige Positionierung in diesen beiden Fällen könnte aus einer soliden Performance für die Anlageklasse eine herausragende Performance für unsere Fonds machen.“

1 Stand: 18.01.2017.

Kollektivrechte der Arbeiter in der Lieferkette stärken

In vielen Beschaffungsländern sind Gewerkschaften schwach organisiert – teilweise fehlen sie sogar völlig. Und genau dort sind auch die Arbeitsbedingungen unterdurchschnittlich, was sich in hohen Arbeitsstunden, niedrigen Löhnen und unzureichenden Sicherheitsstandards zeigt. „Unser Ziel ist es, die Kollektivrechte der Arbeiter zu stärken, um die Arbeiterstandards in der Lieferkette zu verbessern“, sagt Liat Piazza, Governance and Sustainable Investment Analyst bei BMO Global Asset Management. Markenhersteller müssten in Niedriglohnländern aufwändige Prüf- und Kontrollprozesse einführen, da es häufig an wirksamen Mechanismen zur Arbeiteremanzipation mangele.

BMO Global Asset Management legt großen Wert darauf, dass Markenhersteller bei ihren Lieferanten die sogenannten ESG-Faktoren berücksichtigen. ESG steht dabei für „Environmental, Social and Governance“, die entsprechenden Richtlinien beziehen sich also auf die Umwelt, die Gesellschaft oder die Unternehmensführung. In einem Projekt hat BMO Global Asset Management im vergangenen Jahr untersucht, wie Unternehmen eine bessere Kollektivrechtsvertretung fördern können. Dazu gehörte auch, die Lieferländer bei entsprechenden Gesetzesinitiativen zu unterstützen. „Wir haben unsere wichtigsten Empfehlungen zur Umsetzung kollektiver Arbeitsrechte an 51 Markenhersteller aus den Sektoren Lebensmittelhandel, Bekleidung sowie Luxusartikel versendet und baten sie, ihre Konzernleitlinien und die Umsetzungsherausforderungen darzustellen. Uns interessierten dabei vorrangig die Tarifverhandlungen, wobei eine organisierte Arbeitervertretung – allgemein als Gewerkschaft bekannt – über die Arbeitsbedingungen verhandelt“, so Piazza.

Auf diese Initiative haben 26 der angeschriebenen Unternehmen geantwortet. Dabei zeigte sich, dass so gut wie alle Unternehmen zwar das Recht der Lieferkettenarbeiter auf Tarifverhandlungen anerkennen, sich jedoch meist nicht aktiv für eine Umsetzung einsetzen. Weiterhin stellte sich heraus, dass Unternehmen mit hohen Beschaffungsvolumen in Bangladesch bei Tarifverhandlungen weniger aktiv sind als solche, die ihre Produkte vor allem aus Kambodscha beziehen. Der Grund: In Kambodscha gibt es bereits Gewerkschaften. In Ländern ohne existierende Gewerkschaften wie Bangladesch ist es für die Markenhersteller hingegen sehr schwierig, eine Arbeitervertretung zu etablieren. „Hier müssen die Unternehmen deutlich mehr Aufwand betreiben, um das Konzept gewerkschaftlicher Organisation durch den Aufbau von Bildungsmöglichkeiten und Kapazitäten zunächst bekannt zu machen“, unterstreicht Liat Piazza die Problematik.

Das Fazit des Projekts fällt eindeutig aus: Es ist unwahrscheinlich, dass die Niedriglohnländer selbst gesetzgeberisch tätig werden, solange es keine Arbeiteremanzipation und keinen funktionierenden Branchendialog gibt. Sofern dabei keine Fortschritte gemacht werden, stehen internationale Markenhersteller und Einzelhändler in der Pflicht, ihre oft an Dritte ausgelagerten Kontroll- und Prüfprozesse in diesen Ländern aufrechtzuerhalten. Es besteht zudem Handlungsbedarf, die Arbeiter zu emanzipieren und ihnen bewusst zu machen, welche Rechte sie haben.

Ein gutes Fallbeispiel für eine wirksame Umsetzung von bestehenden Forderungen sei die Gründung der Brancheninitiative „The Bangladesh Accord on Fire and Building Safety“, die als Reaktion auf den Einsturz des achtgeschossigen Gebäudes Rana Plaza im Jahr 2014 gestartet wurde. Der Schwerpunkt der Initiative liegt auf der Arbeitssicherheit. Das Ergebnis: Es wurden Ausschüsse für Arbeitersicherheit in den Fabriken gegründet sowie Beschwerde- und Mediationsprozesse für Angestellte geschaffen. „Dies sehen wir als möglichen ersten Schritt für Unternehmen, die in Bangladesch einkaufen, gemeinsam die Arbeiteremanzipation zu fördern“, sagt Liat Piazza.

Darüber hinaus setzt sich die ACT-Initiative – ACT bedeutet Action, Collaboration, Transformation – des weltweit agierenden Gewerkschaftsverbands IndustriAll für Existenzlöhne und Tarifverhandlungen ein. Sie versucht, alle wichtigen Stakeholder wie Arbeitgeber und Regierungsvertreter einzubinden. Der Analyst erklärt: „BMO Global Asset Management fordert die Unternehmen auf, sich Initiativen wie ACT anzuschließen. Denn wirksame Tarifverhandlungsmechanismen in Lieferländern lassen sich am besten durch Multi-Stakeholder-Initiativen erreichen, die die Gräben zwischen Arbeitern, Arbeitgebern und Regierungen überwinden.“

Gute Aussichten für den Luxusgütersektor im Jahr 2017

Die vergangenen drei Jahre waren für den Luxusgütersektor hart und verliefen teilweise schmerzhaft. Aktuell erscheint es allerdings so, als sei die Talsohle erreicht und die Branche hat den Tiefpunkt überwunden. Dieser Richtungswechsel schafft neue Anlagechancen – aber GAM Investment Director Scilla Huang Sun betont, dass die Erholung innerhalb des Sektors nicht einheitlich verlaufen wird. Daher ist eine sorgfältige Aktienauswahl entscheidend für den Investmenterfolg. Die GAM-Expertin analysiert die Marktlage und gibt im Folgenden einen Ausblick auf sechs Trends und Themen, die Investoren im Jahr 2017 ins Auge fassen sollten.

Nachfrage aus den Schwellenländern dürfte künftig wieder steigen

Die Umsätze der Luxusbranche gingen wegen eines Konsumrückgangs der Emerging Markets in den vergangenen Jahren immer weiter zurück. So belastete beispielsweise der Kursverfall der Währungen die Geschäfte in Märkten wie Russland und Brasilien, während die Umsätze in China aufgrund der Regierungsmaßnahmen zur Bekämpfung der Korruption einbrachen. „Wir erkennen an relevanten Schwellenländermärkten signifikante Verbesserungen: Da ihre Währungen im Jahr 2016 stark aufwerteten, ist die Kaufkraft brasilianischer und russischer Reisender wieder erstarkt“, so Huang Sun. Touristen aus beiden Ländern seien dafür bekannt, unterwegs gerne Geld für Luxusgüter auszugeben. 

Chinesische Käufer greifen zuhause und im Ausland zu

Auch das weitgehend stabile Wirtschaftswachstum in China wirke sich auf den Sektor positiv aus: „In den kommenden Jahren rechnen wir mit einem Konsumwachstum in China im hohen einstelligen Bereich. Ein Haupttreiber dieser Entwicklung ist die soziale Bevölkerungsstruktur. Die Mittelschicht mit ihrer Reiselust und ihrem Wunsch, westeuropäische Marken zu erleben, wächst immer weiter.“ Luxusunternehmen vermeldeten in der zweiten Jahreshälfte im 2016 eine Trendwende bei den Umsätzen in China – ein Trend, der sich Huang Sun zufolge künftig fortsetzen dürfte. Ein Grund hierfür bestehe darin, dass die großen Preisdifferenzen zu den europäischen Märkten geschrumpft seien. Damit können selbst diejenigen Chinesen, die weniger reisefreudig sind oder nicht reisen können, die konkurrenzfähigeren Preise von Luxusgütern im Inland nutzen“, erläutert die GAM-Expertin.

Strengere Grenzkontrollen begrenzten zudem die Möglichkeit von Graumarktimporten. Dies stärke die offiziellen Vertriebskanäle. Im Ausland ging die Zahl der Touristen aus Asien nach den Terroranschlägen in Europa stark zurück. Hier ist laut Huang Sun ebenfalls eine Wende zu spüren, da die Reisebuchungen nach Europa über die Feiertage zum chinesischen Neujahrsfest im Vergleich zum letzten Jahr stark gestiegen seien. „Die Bedeutung chinesischer Touristen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie stellen rund 20 bis 25 Prozent des globalen Luxusgütermarkts und sind für ihre Kauflust bekannt.“ 

Günstige Lage der Weltwirtschaft gibt Branche Rückenwind

Grundsätzlich profitiere der Luxusgütersektor auch von der weltweiten Konjunkturdynamik, die zur insgesamt robusten Konsumentenstimmung beitrage. Die Tatsache, dass die Weltwirtschaft in ein reflationäres Umfeld eintrete, sieht Huang Sun als positiven Faktor für Branchen mit Preisgestaltungskraft an, die höhere Kosten an ihre Kunden weiterreichen können. Der aufgrund der soliden US-Wirtschaft stärkere US-Dollar sei ebenfalls vorteilhaft, denn er verstärke die Währungseffekte für europäische Luxusunternehmen.

Das Sentiment der Anleger ist deutlich verbessert 

Die sich mehrenden Zeichen für eine Kehrtwende im Luxusgütersektor stimmen auch viele Investoren zunehmend optimistisch. Die Aktienkurse spiegeln diese Stimmungsaufhellung wider, da Analysten erstmals seit Jahren ihre Gewinnprognosen anheben. „Mitte Januar begann die Berichtssaison, und die ersten Meldungen sind sehr ermutigend: Der Schweizer Konzern Richemont übertraf mit seinen Umsätzen die Konsenserwartungen und verwies zur Begründung auf höhere Umsätze in China und eine Erholung in Frankreich nach den Terroranschlägen. Burberry profitierte vom Rückgang des britischen Pfunds nach dem Brexit-Votum und vermeldete eine Steigerung der Einzelhandelsumsätze in Großbritannien um 40 Prozent im letzten Quartal 2016“, erklärt Huang Sun.

Wechselkurse lenken Touristenströme

Nach dem Brexit-Votum war ein weiteres interessantes Phänomen zu beobachten, das in Zukunft möglicherweise verstärkt auftritt: Internationale Käufer strömten nach London, um sich mit teuren Uhren einzudecken. „Heute reisen Touristen dorthin, wo ihnen Währungsschwächen Luxusgüter zu attraktiven Preisen bieten. So zum Beispiel der Einbruch des britischen Pfund nach der Brexit-Entscheidung in Großbritannien“, sagt Huang Sun. Allerdings wirke die Bedeutung von Währungskursen auch in entgegengesetzte Richtung: Der starke Schweizer Franken mache die Schweiz weniger attraktiv für Reisende aus Asien, was die dortigen Unternehmen zu spüren bekämen. „Die Bewältigung dieser häufig plötzlichen und signifikanten Währungsschwankungen bleibt eine Herausforderung für Luxusunternehmen.“

Die richtige Zeit für Uhren

Doch auch für Schweizer Uhrenhersteller könnte das laufenden Jahr eine Verbesserung bringen, nachdem sie 2016 ein Dürrejahr überstehen mussten, berichtet Huang Sun: „Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass die Margen und Umsätze im Jahr 2016 ihre Talsohle erreicht haben. Selbst in den am schwersten getroffenen Märkte, wie Hongkong, das im letzten Jahr unter Überbeständen litt, verbessert sich die Stimmung.“ Marktführer wie Swatch und Richemont seien sehr zyklisch, da die Entwicklung ihrer Margen in erster Linie durch den „Operating Leverage“ = Hebeleffekt der fixen Kosten bestimmt werde. Der starke US-Dollar komme als weiterer unterstützender Faktor hinzu.

Beliebtheit „erschwinglicher“ Luxusgüter steigt

„Luxus ist emotional und beruht eher auf der Geisteshaltung als auf Preisschildern. Besonders deutlich zeigt sich dies in den Schwellenländern, wo es sich die Menschen nicht leisten können, hohe Summen für Uhren oder Autos auszugeben, sich aber immer noch nach dem ‚westlichen‘ Lebensstil sehnen, den sie in sozialen Medien oder im Fernsehen sehen“, beschreibt Huang Sun eine weitere signifikante Entwicklung.  Dieses Bedürfnis könnten sie am ehesten über „erschwingliche Luxusgüter“ wie Bekleidung von Adidas und Nike oder Kosmetik von L’Oréal befriedigen. Hier spielten Begehrtheit und Markenstärke eine wichtige Rolle. Auch Uhren könnten erschwinglich sein: Um niedrigere Preise zu ermöglichen, die für eine breitere Masse und „Millennials“ attraktiv seien, würden Edelstahl- statt Goldgehäuse angeboten. Die Angehörigen dieser Generation sind sehr ausgabefreudig, verfügten aber häufig nicht über die Kaufkraft ihrer Eltern, der sogenannten Babyboomer. Die ältere Generation gebe ihr Geld allmählich sparsamer aus, weil sie sich dem Ruhestand nähere. Neben dem erschwinglichen Luxussegment, bestehen – wie erwähnt – aber auch für die exklusivsten und begehrtesten Marken gute Aussichten. „Die Kundengruppe der Superreichen macht im Hinblick auf die Qualität keine Kompromisse und verlangt stets das Beste. Daher gehen wir davon aus, dass sich die Top-Luxusmarken weiterhin gut entwickeln.“

„Strategisch handeln in ungewöhnlichen Zeiten“

Trotz wirtschaftlicher und politischer Unwägbarkeiten bieten sich im Jahr 2017 am europäischen Aktienmarkt interessante Investmentmöglichkeiten. Dieser Ansicht ist Dean Tenerelli, Portfoliomanager der European Equity Strategy von T. Rowe Price. „Nach unserer Einschätzung sind die Grundlagen für Investments in Europa solider als manche Anleger denken – wenn man genauer unter die Oberfläche blickt“, sagt Tenerelli. Vor allem das durch die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geförderte moderate Wirtschaftswachstum und die guten Aussichten vieler europäischer Unternehmen könnten Investoren zuversichtlich stimmen. Ein ermutigender Indikator für europäische Aktien sei zudem, dass der Citigroup Economic Surprising Index auf seinen höchsten Stand seit März 2015 gestiegen ist. Das Barometer steigt immer dann, wenn die Konjunkturdaten die Konsensschätzungen der Ökonomen übertreffen.

Zugleich sei der Brexit allerdings nach wie vor ein Risiko für den europäischen Markt. Noch sei nicht klar, welche Folgen der Austritt der Briten für die Europäische Union hat. Die europäischen Märkte und die Konsumentenstimmung hätten sich jedoch weitgehend vom Brexit-Schock erholt. „Die Wirtschaft in Kontinentaleuropa hat sich im vergangenen Jahr moderat weiterentwickelt. Der Brexit könnte allerdings noch zu einem europaweiten politischen Störfaktor werden. Die in diesem Jahr anstehenden Wahlen in den größten Mitgliedstaaten der Eurozone, Deutschland und Frankreich, bergen eine gewisse Unsicherheit“, so Tenerelli. Sollten nämlich die EU-feindlich eingestellten Populisten gegenüber den etablierten politischen Parteien in diesen Ländern an Macht gewinnen, könnte dies die Märkte beunruhigen.

US-Aktienrallye wirkt sich auch in Europa positiv aus

Indessen habe der Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentenwahl zuletzt für gute Stimmung an den Märkten gesorgt. Von der damit einhergehenden Rallye konnten bislang Aktienunternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks profitieren. Hauptnutznießer seien in Europa die Sektoren Banken, Grundstoff- und Investitionsgüterhersteller. Ob dieser Trend auch weiter anhält, hänge zum Teil davon ab, ob die versprochenen Steueranreize in den USA tatsächlich umgesetzt werden. „Diese wirtschaftlichen und politischen Faktoren beeinflussen die künftigen Marktbedingungen. Unterm Strich ist der europäische Aktienmarkt vergleichsweise günstig bewertet und verfügt damit über Aufwärtspotenzial“, sagt Tenerelli. So habe das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von europäischen Aktien der Industrieländer am Ende des vierten Quartals 2016 knapp über 16 gelegen, geringfügig über dem langfristigen historischen Durchschnitt.

Gesunder Mix aus Wachstums- und Substanzwerten

Die Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, sei weiterhin ein wichtiges Thema für ganz Europa und besonders für Investoren mit Europa-Fokus: „Wir haben unsere britischen Aktienbestände reduziert. Dennoch wollen wir unsere europäische Aktienstrategie nicht von einem bestimmten Szenario abhängig machen“, betont Tenerelli. Stattdessen wolle man weiterhin in einen Mix aus qualitativ hochwertigen Wachstums- sowie Substanzwerten investieren, die auch den Risiken, die mit dem Brexit verbunden sind, standhalten können. 

Derzeit sieht der Portfoliomanager attraktive Chancen im Einzelhandel, in dem profitabel wirtschaftende europäische Unternehmen weltweit tätig seien. „Zudem bevorzugen wir sowohl die Telekommunikationsbranche, der die Marktkonsolidierung zugutekommt, als auch den Technologiesektor, der durch den Online-Handel weiterhin Auftrieb erhält. Außerdem interessieren wir uns für Finanzwerte, insbesondere Banken in konsolidierten Märkten, die im Zuge der US-Wahlen von steileren Zinskurven profitieren“, erläutert Tenerelli und resümiert: „Wie auch immer die aktuellen Wirtschafts- und Marktbedingungen aussehen – wir bleiben unserer Investmentphilosophie und unseren Prozessen treu, die sich schon bewährt haben.“

Höchste Zuflüsse in Rohstoffkorb-ETPs seit Mai 2016

Breit aufgestellte Rohstoffkorb-ETPs verzeichneten mit 58,5 Mio. USD die höchsten Zuflüsse seit acht Monaten. Aktien-ETPs hatten mit Zuflüssen von 39 Mio. USD eine starke Woche. Auch thematische Anlagestile verzeichneten Zuflüsse, so etwa Robotik, US-Nebenwerte und Cybersicherheit. Bei Rohöl-ETPs kam es zu den höchsten Abflüssen seit sechs Wochen, da die Anleger Gewinne mitnahmen, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick.

Als Ausdruck eines allgemeinen Interesses an Rohstoffen verzeichneten Rohstoffkorb-ETPs (A1CXBV) die höchsten Zuflüsse seit Mai 2016. Nach fünf Jahren unterdurchschnittlicher Entwicklung meldeten sich Rohstoffe 2016 zurück. „Wir stellen ein anhaltendes Interesse an diversifizierten Rohstoffkörben fest, da immer mehr Anleger in die Anlageklasse rotieren“, sagt Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Aktien-ETPs hatten mit Zuflüssen von 39 Mio. USD eine starke Woche. Auch thematische Anlagestile verzeichneten Zuflüsse, so etwa Robotik, US-Nebenwerte und Cybersicherheit. Bei australischen Aktien kam es zu Zuflüssen in Höhe von 12,6 Mio. USD, wenngleich Aktien im Wochenverlauf weltweit nachgaben. Dies deutet darauf hin, dass sich die Anleger im Zuge der steigenden Bewertungen auf die Suche nach alternativen Anlagestilen begeben haben. Tatsächlich werden Aktien spürbar pessimistischer betrachtet. Zum Beispiel betrugen die Zuflüsse in Short-Positionen in Euro-Stoxx50-Aktien 16 Mio. USD und die Abflüsse aus Long-Positionen 15 Mio. USD. „Aus thematischer Sicht wird weiterhin vor allem das Robotik-Segment bevorzugt, in das seit Jahresanfang insgesamt 50 Mio. USD geflossen sind“, sagt Hein.

Die Talfahrt der Edelmetalle, die nach den US-Präsidentschaftswahlen einsetzte, scheint vorbei zu sein, da Gold in der vergangenen Woche Zuflüsse in Höhe von 59,6 Mio. USD und seit Jahresanfang in Höhe von 96,6 Mio. USD verzeichnete. Die jüngsten Beschäftigungszahlen zeichnen ein gemischtes Bild vom Arbeitsmarkt. „Der Offenmarktausschuss deutete an, dass eine Zinsanhebung im März zwar datenabhängig, aber unwahrscheinlich sei, sodass die negativen Realzinsen unseres Erachtens wohl weiterhin Bestand haben werden“, sagt Hein.

Bei Rohöl-ETPs (A1N49P) kam es zu den höchsten Abflüssen seit sechs Wochen. Nach der 7-prozentigen Rally der Rohölpreise flossen in der vergangenen Woche 42,1 Mio. USD aus Long-Rohöl-ETPs, da die Anleger Gewinne mitnahmen. Während die OPEC den ersten Monat ihrer sechsmonatigen Förderkürzung hinter sich hat, steigt die Produktion in den USA weiter an. „Die US-Lagerbestände nehmen zu, da in den USA Woche für Woche weitere Förderplattformen in Betrieb gehen“, sagt Hein.

Industriemetallkorb-ETPs (A0SVX7) verzeichneten die siebte Woche in Folge Zuflüsse. Diese beliefen sich auf insgesamt 12,9 Mio. USD. Trotz gegenteiliger Erwartungen legten die meisten Industriemetalle zu. „Die überraschende Ankündigung der Philippinen, 23 Nickelminen zu schließen, ließ den Nickelpreis in der vergangenen Woche um 8 Prozent explodieren“, sagt Hein.

Bei Long-Yen-ETPs kam es zu den höchsten Abflüssen seit September 2015. Die Anleger scheinen besorgt, dass sich die Yen-Schwäche verfestigt. Aus Long-EUR/JPY-ETPs zogen sie in der vergangenen Woche Gelder mit dem höchsten Tempo seit Auflegung 2012 ab, insgesamt 4,8 Mio. USD. „Dem Euro sollte zugutekommen, dass die Inflationserwartungen in Europa zunehmen, sich die EZB dem Limit ihrer quantitativen Lockerungsaktivitäten nähert und ihr Wertpapierkaufprogramm voraussichtlich gegen Jahresende ausläuft“, sagt Hein.

Die Rückkehr der Inflation: Erfolg oder Dilemma für die Zentralbanker?

von Jean Médecin, Mitglied des Anlageausschusses von Carmignac.

Sind die Zentralbanker dabei, ihren Kampf gegen die Deflation zu gewinnen? Angesichts der jüngsten Inflationszahlen könnte man dies annehmen. Die US-Inflation ist wieder auf über 2% im Vorjahresvergleich gestiegen. Die Inflation der Eurozone zieht an und wird ihren Anstieg angesichts der deutschen Inflationsrate, die nunmehr +1,7% über zwölf  Monate beträgt, fortsetzen. Selbst Japan dürfte aufgrund der Abwertung seiner Währung eine Phase beschleunigter Inflation erleben. Die Märkte glauben jedoch nicht an eine nachhaltige Rückkehr der Teuerungsrate. Ihre Erwartungen, gemessen an den Break-even-Inflationsraten, lassen nicht auf einen deutlichen und dauerhaften Anstieg der Inflationsniveaus schließen. Die Anleger setzen vielmehr auf den vorübergehenden Charakter dieses Inflationsanstiegs, der durch den Basiseffekt der Energiepreise - die vor einem Jahr sehr niedrigen Ölpreise tragen automatisch zu einem zeitweiligen Anstieg der Inflation bei - sowie durch die Währungsabwertung ausgelöst wurde.

Nach unserer Ansicht sind die Märkte in ihren Erwartungen zu konservativ und könnten von einer höher und vor allem nachhaltiger als erwartet ausfallenden Inflation überrascht werden. So dürfte sich der Preisauftrieb in den USA weiter beschleunigen und im Laufe des 1. Quartals 2017 die Marke von +2,8% bis 3% erreichen. Im Übrigen geht diese Teuerung weit über einen simplen Aufholeffekt in Verbindung mit den Energiepreisen hinaus: Mehrere andere Kategorien, wie beispielsweise die Mieten, legen kontinuierlich zu. Aber angesichts eines dynamischen Arbeitsmarktes mit Vollbeschäftigung sind derzeit vor allem deutliche Anzeichen für eine Beschleunigung des Lohnwachstums in den USA zu erkennen - mit einer Zunahme der Stundenlöhne um +2,9% in den letzten zwölf Monaten -  die einen sich selbst tragenden Anstieg der Inflation bewirken könnten. Mit einer Arbeitslosenquote auf historischem Tiefstand könnte auch Deutschland einen länger als erwartet andauernden Inflationsschub erleben.

All dies wird die Arbeit der Zentralbanker nicht einfacher machen und die Finanzmärkte dazu bringen, dem Konjunkturzyklus künftig mehr Aufmerksamkeit zu widmen, um Anlagechancen zu nutzen. Die Zeit, in der schlechte Neuigkeiten aus der Wirtschaft aufgrund von Versprechen einer stärkeren Unterstützung seitens der Zentralbanken zu guten Nachrichten für die Finanzmärkte wurden, geht zu Ende. Die Beschleunigung der Inflation dürfte nämlich die Reaktionsfähigkeit der Zentralbanker begrenzen, eine Konjunkturabschwächung durch Zinssenkungen zu bekämpfen. Ganz im Gegenteil wird der hohe Verschuldungsgrad der Marktteilnehmer ein Risiko darstellen, dem sie Rechnung tragen müssen, wenn es um eine Anhebung der Zinsen geht. Angesichts dieses Dilemmas dürften sich die Zentralbanken künftig etwas zurücknehmen und der konjunkturellen Zyklizität wieder ihre Rolle als Schiedsrichter der Finanzmärkte zurückgeben.

Über Carmignac
Carmignac wurde 1989 von Edouard Carmignac gegründet und zählt heute zu den größten Vermögensverwaltern in Europa. Das Kapital der Gesellschaft wird zu 100% von der Unternehmensführung und den Mitarbeitern gehalten, das heißt von einem stabilen Aktionärsstamm, der den Fortbestand und die Unabhängigkeit der Gesellschaft gewährleistet. Dieser grundlegende Wert garantiert die Freiheit, die für ein auf lange Sicht erfolgreiches Fondsmanagement wesentlich ist.
Mit mehr als 55,5 Mrd (31/12/2016). Assets under Management hat Carmignac eine breite Fondspalette von 23 Fonds entwickelt, die alle Anlageklassen - Aktien, Anleihen und Mischfonds – abdeckt; mit dem Ziel einer konsequenten Erfolgsbilanz der Erträge, bei geringer Volatilität für die Anleger. Auf internationaler Ebene verfügt Carmignac über Büros in Luxembourg, Frankfurt, Mailand, Madrid, London, Zurich und Miami. Derzeit werden unsere Fonds aktiv in 13 Ländern vertrieben: Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Luxemburg, Belgien, Österreich, Spanien, Niederlande, Schweden, Großbritannien, Irland, Taiwan und Singapour für Berufstätige.

Globales Tauziehen: Wirtschaftlicher Aufschwung vs. zunehmende Spannungen

Bis in den späten Herbst letzten Jahres war "niedriger" das Schlüsselwort, um die globalen Märkte zu beschreiben: niedrige Zinsen, niedrige Inflation und geringeres Wachstum. Die Liste geht weiter. Doch wie mein Kollege Joe Amato in seinem Beitrag "Hoffnungen und Ängste" letzte Woche beobachtet hat, sehen wir endlich die Rückkehr von Konjunktur und Wirtschaftswachstum. Tatsächlich wechselte das Motto von "niedriger" zu "höher": höhere Zinsen, höhere Inflation und höheres Wachstum, um nur drei Beispiele zu nennen.

Heute sind wir in einem breiteren, expansiven Markt, der voraussichtlich ein wirtschaftliches Umfeld schafft, das riskante Vermögenswerte unterstützen wird. Als Präsident Trump am vergangenen Freitag begann, Elemente des Dodd-Frank Act zu lockern, ist dies nur das jüngste Beispiel für viele Faktoren, die die Märkte potenziell unterstützen. Vor diesem positiven Hintergrund sind die Aktienmärkte gestiegen, die Anlegerstimmung bessert sich und das Wachstum kehrt zurück.

Jedoch während das Umfeld grundsätzlich günstig ist, können einige dieser vermeintlichen Vorteile sich als zweischneidig erweisen. In den USA zum Beispiel könnten höhere Zinsen und ein steigender Dollar das Wachstum dämpfen oder sogar abwürgen. In Europa, wo die geldpolitischen Impulse schwinden, nimmt der politische Gegenwind zu, das führt zu mehr Unsicherheit. Und in Japan sind höhere Löhne und eine Verbesserung des Verbrauchervertrauens notwendig.

Unangenehme Phasen – trotz positiver Grundstimmung

In der Tat ist es sehr wahrscheinlich, dass Investoren, sowohl in den USA als auch weltweit, dieses Jahr unangenehme Perioden erleben, bevor sie höheres Wachstum sehen. In gewisser Weise ist es wie ein Tauziehen zwischen dem zyklischen Aufschwung im Wachstum – angetrieben von Steuerreform, Deregulierung und so weiter – und beginnenden Spannungen. Das jüngste Beispiel dieses Tauziehens sind die US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag: Es wurden mehr Jobs geschaffen, aber das Lohnwachstum schwächelt.

Wir haben so etwas in der Vergangenheit bereits gesehen, so zuletzt auf dem Anleihenmarkt letztes Jahr. Doch mir stellt sich vor allem die Frage, wie Investoren darauf reagieren werden. Zwar gab es in den letzten Tagen eine kurze Pause im Anschluss an die Entscheidung der US-Notenbank, die Zinsen unverändert zu lassen, in der die Märkte Atem schöpften. Aber grundsätzlich geht es weiter aufwärts und Investoren auf der ganzen Welt horchen auf, wie die Mittelflüsse von Anleihen hin zu Aktien in den letzten Monaten zeigen.

Auf internationaler Ebene gibt es einen global koordinierten Aufschwung, wenn auch stellenweise lückenhaft. Dies wiederum ist auch eine positive Entwicklung. Im Laufe der Zeit allerdings könnte die bestehende Divergenz bei Regionen und Anlageklassen sich noch weiter verschärfen. Der kontinuierliche Aufstieg des Populismus, gekoppelt mit einer Reihe von politischen Wahlen in Europa und anderswo in diesem Jahr, könnte die Lage noch weiter verschlimmern. Zuletzt waren die Märkte weniger volatil. Doch wir fürchten, dass die Volatilität bald wieder ihr hässliches Haupt hebt – eine unerwünschte Entwicklung für Investoren, die nicht darauf vorbereitet sind.

Pulver trocken halten

Wir glauben, es ist wichtig, den Fokus auf Fundamentaldaten wie Gewinnwachstum, Dividendenrendite, Zinsen und Inflation zu legen, statt sich auf Volatilität und Politik zu fixieren. Entscheidend ist auch, die wichtigsten Treiber hinter den Risikoaktiva zu identifizieren und zu verstehen. Und wie ich im November, am Vorabend der Wahl Donald Trumps, feststellte, ist es wichtig, einen langen Anlagehorizont beizubehalten, Risiken soweit möglich abzusichern und bei Bedarf konträre Positionen zu nutzen.

Auf Portfolio-Ebene ist zu sagen: Halten Sie etwas von Ihrem Pulver trocken, falls neue und bessere Investmentmöglichkeiten zur Verfügung stehen oder im Fall von Volatilität, um Assets zu attraktiven Preisen zu erwerben.


Den gesamten Kommentar in englischer Sprache finden Sie hier: http://www.nb.com/pages/public/en-us/insights/cio-weekly-perspectives-feb-5-2017.aspx

Weltweites Agribusiness steht vor weiterem Wachstum – Gesamte Agrar-Wertschöpfungskette bietet interessantes Aktienuniversum

Auf den ersten Blick erscheint der Anteil der Landwirtschaft an der globalen Bruttowertschöpfung sehr gering. Unter 2 Prozent beträgt dieser in der Regel in entwickelten Volkswirtschaften. Und selbst in großen Schwellenländern wie Brasilien oder China entfallen auf den Landbau nicht einmal 10 Prozent der Wirtschaftsleistung. Dabei wächst die Menschheit vor allem in den aufstrebenden Ländern rasant und mit ihr der weltweite Bedarf an Lebensmitteln. Während es in großen Teilen der Welt erstmal nur darum geht, die steigende Bevölkerung überhaupt satt zu bekommen, verändert sich in den Industriestaaten das Ernährungsverhalten in Richtung eines gesunden Lebensstils.

„Bezieht man sämtliche Industriezweige ein, auch diejenige, die sich für den Ausbau und die Erhaltung der landwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einsetzen und landwirtschaftliche Rohstoffe zu Lebensmitteln weiterverarbeiten, ergibt sich global ein riesiger Markt, der Anlegern ein vielfältiges und chancenreiches Anlagesegment bietet“, sagt Alexander Roose, Leiter des Agraraktienteams bei Degroof Petercam Asset Management in Brüssel.

Agrar- und Lebensmittelsektor wächst strukturell

„Bei der global ansteigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln ist kein Trendwechsel zu erkennen. Es handelt sich um eine langfristige und strukturelle Entwicklung“, fügt der Experte hinzu. Treiber des Lebensmittel-Booms ist vor allem die rasant wachsende Mittelschicht in den Schwellenländern. Besonders proteinreiche Kost tierischer Herkunft steht dort immer häufiger auf dem Speiseplan. Möglich wird dies vor allem auch durch eine steigende Produktivität im Anbau und in der Herstellung von Lebensmitteln. Um qualitativ hochwertige Nahrung effizient zu produzieren, sind nicht nur Unternehmen gefragt, die die Lebensmitteltechnologie stetig weiterentwickeln.

Investmentperlen lassen sich vielmehr entlang der gesamten Wertschöpfungskette der weltweiten Nahrungsproduktion finden.Im Benchmark freien Agraraktienfonds DPAM INVEST B Equities Agrivalue fokussiert das Managementteam folgende Sub-Segmente: Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen, Agrar-Ausrüstung & Maschinen, Saatgut, Dünger & Pflanzenschutz, Transport & Logistik sowie Herstellung und Veredelung von Nahrungsprodukten aller Art. Den Schwerpunkt legen die Experten auf wenig beachtete Small- und Mid Caps sowie Schwellenländer. Die Bottom up-orientierte Einzeltitelauswahl wird dabei mit einer Top down-orientierten Auswahl von Themen kombiniert. 

Nahrung als Gesundheits- und Wellness-Aspekt

Dazu zählt der in den Industriestaaten vorherrschende Megatrend, Essen nicht nur als reine Nahrungsaufnahme zu betrachten, sondern damit einen Wohlfühlfaktor zu erzeugen oder mit der gezielten Auswahl bestimmter Lebensmittel gesund zu bleiben bzw. zu werden. Durch den aktiven Lifestyle weiter Teile der westlichen Bevölkerungen wird gesunder Ernährung eine zentrale Bedeutung zugemessen. Dazu zählt die Fett- und Zuckerreduktion ebenso wie der Fokus auf gesunde und möglichst unbehandelte, natürliche Lebensmittel.

Fischindustrie bietet interessante Opportunitäten

Fisch wird als besonders gesund eingestuft. Einige Wissenschaftler sehen ihn bereits als eine bedeutende Alternative, um die steigende Weltbevölkerung mit hochwertigen Eiweiß und lebenswichtigen Zusatzstoffen zu versorgen. Aufgrund der schon vielerorts stark dezimierten natürlichen Fischbestände kommt der professionellen Bewirtschaftungen von Fischfarmen zukünftig eine noch größere Rolle zu. „Zahlreiche kleinere und mittlere Unternehmen haben sich weltweit bereits erfolgreich in diesem Bereich positioniert“, sagt Alexander Roose.

Im DPAM INVEST B Equities Agrivalue liegt das Fischaktien-Exposure aktuell bei etwa 5 Prozent. Der größte Anteil davon entfällt auf den norwegischen Lachszüchter Marine Harvest sowie das US-Unternehmen Omega Protein, das aus Fisch Nahrungsergänzungsmittel herstellt, wie zum Beispiel Omega 3-Fettsäuren. „Bei Lachs-Aktien sehen wir den Zyklus eher dem Ende zugehen, da durch die starken Preissteigerungen in der letzten Zeit die Nachfrage der Verbraucher bereits zurückgegangen ist. Gleichzeitig soll das Angebot im zweiten Halbjahr 2017 noch einmal ausgedehnt werden. Deshalb haben wir zuletzt Gewinne in diesem Segment mitgenommen“, erklärt der Fondsmanager.

M&A sorgt für Phantasie

Die Investment-Story von Lebensmittelaktien wird derzeit nicht nur von strukturellen Entwicklungen geprägt, sondern auch vom globalen Markt für Unternehmenszusammenschlüsse und Übernahmen (M&A). Dieser hat sich nach der letzten Finanzkrise rasch erholen können und befindet sich aktuell auf einem neuen Hoch. So steht zum Beispiel der niederländische Bio-Konzern Wessanen auf der Einkaufsliste des französischen Lebensmittelriesen Danone. Wessanen hat sich in den vergangenen Jahren seinerseits ein internationales Bio-Markenportfolio aufgebaut. Vor kurzem haben die Niederländer den spanischen Hersteller von organischen Cerealien Biogran erworben.

Im Portfolio des DPAM INVEST B Equities Agrivalue hat das Fondsmanagement zuletzt die Aktie des norwegischen Düngerherstellers Yara International auf gut 3 Prozent aufgestockt und eine neue Position im niederländischen Stickstoffhersteller OCIaufgebaut. Degroof Petercam sieht OCI als zweitgrößten Nitratproduzent in Europa gut positioniert. Und auch in den USA hat das Unternehmen seine Präsenz im Düngemittelmarkt gestärkt durch den Zukauf des Stickstoff- und Methanol-Produzenten Pandora Methanol.

„Die lebhaften M&A-Aktivitäten unterstreichen die hohe Dynamik im Markt für Agrar- und Bioprodukte. Für aktive Stock-Picker können sich daraus lukrative Gelegenheiten ergeben“, erklärt Alexander Roose. 

Über Degroof Petercam
Degroof Petercam Institutional Asset Management (DPAM), mit Hauptsitz in Brüssel, ist eine in den Benelux-Ländern führende unabhängige Asset Management-Gesellschaft mit langjähriger Marktreputation in Long Only- sowie spezialisierten Asset Management-Lösungen. Neben aktiv gemanagten Publikumsfonds verwaltet DPAM Vermögensverwaltungsmandate für institutionelle Investoren in ganz Europa und stellt seine Expertise über ein breites Netzwerk von über 400 Vertriebspartnern zur Verfügung. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot von DPAM richtet sich vornehmlich an öffentliche und betriebliche Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, private Banken sowie gemeinnützige Organisationen. Aktuell verwaltet DPAM ein Vermögen von über 34 Milliarden Euro.

Alleiniger Anteilseigner ist die unabhängige und renommierte Degroof Petercam Gruppe, die mit Büros in Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden, Deutschland, Italien und Hongkong insgesamt 1.400 Mitarbeiter in den Bereichen Asset Management, Private Banking, Investment Banking (Corporate Finance und Finanzvermittlung) und Asset-Servicing beschäftigt. Ca. 70 Prozent der Aktien der börsennotierten Gesellschaft befinden sich in den Händen von Familien und Referenz-Aktionären (Philippson, Peterbroeck, Van Campenhout, Haegelsteen, Schockert, Siaens sowie CLdN Finance und Cobepa). Der Rest des Grundkapitals wird von der Unternehmensführung und Mitarbeitern, Finanzpartnern und sonstigen Aktionären gehalten.

Wandelanleihen erleben 2017 wieder einen Aufwärtstrend

von Nicolas Delrue, Head of Investment Specialists & Senior Convertible Bond Investment Specialist, Union Bancaire Privée.

Wandelanleihen blieben im vergangenen Jahr vom Abwärtstrend nicht verschont: Erstens, waren die zugrunde liegenden Aktien gefallen und zweitens, war die implizite Volatilität der eingebetteten Option ebenfalls betroffen. Sie ist, neben der Kredit- und der Aktienkomponente ein wesentlicher Faktor für die Wertentwicklung dieser Anlagekategorie. Die Ereignisse von 2016 sollten jedoch im Vergleich zu 2008 und 2011 gesehen werden. Damals kam es zu massiven Verkaufswellen, die insgesamt dann zu Überverkäufen bei einigen Convertibles-Titeln führten, da Anleger aktiengebundene Wertpapiere abstießen. In jedem dieser Zeiträume wurde die Wertentwicklung der Wandelanleihen allerdings eher von Kapitalflüssen als von Fundamentaldaten bestimmt. Die geringe Wertentwicklung war vor allem auf die Kapitalabflüsse zurückzuführen; der Rückgang der impliziten Volatilität war dabei nur die Spitze des Eisbergs. Im Jahr 2016 litt die Anlagekategorie ebenfalls unter den Auswirkungen ihres Ausverkaufs.

Die seit Dezember 2015 beobachteten Abflüsse aus in Europa aufgelegten Wandelanleihefonds belaufen sich auf insgesamt 9,6 Milliarden Euro und liegen damit deutlich über dem Niveau, das nach der Subprime-Krise (7,2 Milliarden Euro) und der europäischen Staatsschuldenkrise (7,6 Milliarden Euro) notiert wurde. Im Dezember 2016 änderte sich diese Tendenz – Anleger zeigten erneut Interesse an der Assetklasse; es werden wieder Zuflüsse verbucht. Aufgrund der jüngsten Abflüsse weisen einige Wandelanleihen mittlerweile höhere Renditen bis zur Fälligkeit auf als die entsprechenden konventionellen Anleihen. Wandelanleiheinvestoren profitieren von einer höheren Rendite bis zur Fälligkeit und von einer Call-Option auf den Basiswert (der zugrunde liegenden Aktie). Diese Entwicklung lässt sich nur durch die Kapitalflüsse erklären, da es ansonsten keine logische Erklärung gibt, dass Wandelanleihen höhere Renditeniveaus aufweisen als konventionellen Anleihen derselben Unternehmen. Die Wandelanleihe Veolia 0% mit Fälligkeit im März 2021 rentiert zurzeit 0,55 Prozent. Sie weist gegenüber der im Januar 2021 fälligen konventionellen Anleihe desselben Emittenten eine um 33 Basispunkte höhere Rendite auf. Das gilt ebenfalls für die Convertibles Unibail 2022, America Movil 2020 und CaixaBank 2017.

Wandelanleihen haben sich auch im vergangenen Jahr als Schutz vor Verlusten und Volatilität bewährt: Der Zeitraum nach dem Brexit-Votum veranschaulicht dies besonders gut. Vom 23. bis zum 27. Juni 2016 brach der Stoxx Europe 50 NR um 9,1 Prozent ein, während der Thomson Reuters Europe Focus Convertible Bond (EUR) Index nur um 3,7 Prozent nachgab. Längerfristig rentieren europäische Wandelanleihen immer noch besser ab als ihre Aktienpendants. Insgesamt konnte 2016 eine positive Wachstumsdynamik am Markt verzeichnet werden. Einige Emittenten wie etwa BP, Veolia oder LVHM zeichneten zum ersten Mal am Markt. Insgesamt wurden bis Mitte Dezember 2016 Papiere im Wert von 72,2 Milliarden US-Dollar emittiert; ein leichter Rückgang zum Vorjahr (78,2 Milliarden US-Dollar). Die Entwicklung bestätigt jedoch den seit 2012 weltweit anhaltenden positiven Trend. Emissionen in den USA beliefen sich auf 32,2 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Europa mit 27 Milliarden US-Dollar, Auf den asiatisch-pazifischen Raum entfielen 6,8 Milliarden US-Dollar und Japan emittierte 4,2 Milliarden US-Dollar (Andere: 2 Milliarden US-Dollar; Quelle: Thomson Reuters.)

Das Gesamtwachstum des Wandelanleihemarktes lässt sich jedoch nur fundiert beurteilen, wenn neben Neuemissionen auch Abgänge analysiert werden: Die Zahl der Nettoemissionen zeigt auf, dass das Wandelanleiheuniversum in den letzten vier Jahren stetig gewachsen ist – vor allem in Europa. Allein in dieser Region belaufen sich die seit 2012 verzeichneten Nettoemissionen auf 45 Milliarden US-Dollar,  weltweit sind in diesem Zeitraum insgesamt Emissionen im Wert von knapp 34 Milliarden US-Dollar verzeichnet worden (Europa +45,2 Milliarden US-Dollar; USA -8,4 Milliarden US-Dollar, Asien +0,2 Milliarden US-Dollar und Japan -3,5 Milliarden US-Dollar / Quelle: Bank of America Merrill Lynch). Der europäische Markt bietet insgesamt zahlreiche Vorteile, wie etwa eine bessere Diversifikation, eine höhere Liquidität und größere Chancen. 

Im vergangenen Jahr stand vor allem die mögliche Zinserhöhung der Federal Reserve im Vordergrund. Am 14. Dezember wurde der amerikanische Leitzins dann um 25 Basispunkte angehoben, mit weiteren Vorhersagen für das neue Jahr. Dies ist ein starkes Signal für Wandelanleiheanleger. Denn Convertibles schneiden in Phasen höherer Zinsen deutlich besser ab als gängige Anleihen und verhalten sich Aktien-ähnlich. Dieser Prozess ist über die vergangenen 15 Jahre deutlich ablesbar und auf die eingebettete Option zurückzuführen, die positiv mit Zinsbewegungen korreliert und daher Verluste auf der Anleiheseite abfedert. Angesichts der Wahlversprechen von Donald Trump (Steuersenkungen, umfassendes Investitionsprogramm) und der Einigung der OPEC-Staaten auf eine Drosselung der Produktion dürften sich die erwarteten positiven Auswirkungen des Zinsanstiegs auf aktiengebundene Wertpapiere durch das Reflationsthema, das dieses Jahr an den Märkten vorherrschen wird, weiter verstärken. Diese Trendwende wird eine neue Phase größerer Risikobereitschaft seitens Investoren einläuten und ist somit die Basis für stärkere Kapitalzuflüsse in Wandelanleihen, was sich wiederum in höheren Bewertungen ausdrücken wird.

Ein höheres Volatilitätsrisiko an den weltweiten Aktienmärkten sollte beachtet werden, denn in diesem Jahr wird in Frankreich und Deutschland gewählt und die ersten 100 Tage des neuen US-Präsidenten werden kritisch beäugt werden. Der Ausgang der Wahlen ist ungewiss. Auch die Pläne für die konkrete Umsetzung des Brexits und künftigen Maßnahmen der Zentralbanken werden im nächsten Jahr Anleger verunsichern. Insgesamt sprechen diese Faktoren eher für Wandelanleihen als für Aktien, denn in der Vergangenheit hat sich die Konvexität von Convertibles in volatilen Märkten als sehr guter Vorteil erwiesen. Das Verlustrisiko von Aktien wird gesteuert und gleichzeitig ihr Aufwärtspotenzial genutzt. Im vergangenen Jahr wurden Konvexitätsvorteile teilweise durch die Kapitalabflüsse nivelliert. In diesem Jahr dürften Kapitalzuflüsse die Vorteile von Wandelanleihen wieder voll zur Geltung bringen.

EM Corporate Debt und Asian Debt HC: Die meisten Schwellenländer sind aktuell weniger anfällig für Risiken

2016 war ein gutes Jahr für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Nach einem holprigen Start mit einigen Unsicherheiten wurden die Anleger zuversichtlicher. Das lag an den positiven Wachstumsaussichten, aber auch an den verbesserten politischen Entwicklungen in vielen Emerging Markets (EM). Die wichtigsten Renditetreiber waren dabei Rohstoff- und Energiesektortitel. Die Erträge bei asiatischen Unternehmensanleihen sind solide, sodass sich die Region als sicherer Hafen erweist.

Joep Huntjens, Lead Portfolio Manager EM Corporate Debt, Head of Asian Fixed Income und Lead Portfolio Manager Asian Debt Hard Currency bei NN Investment Partners, kommentiert: „Weder der Brexit noch die Ergebnisse der US-Wahlen haben die EM Corporate Debt Märkte langfristig beeinträchtigt. Durch die besseren Rahmendaten in den Schwellenländern sind die Märkte hier jetzt weniger anfällig für externe Schocks, als sie es noch in den vergangenen Jahren waren. Diese größere Resilienz gegenüber Risiken zeigt sich an der positiven Gesamtrendite von 10% für den Corporate Emerging Markets Bond Diversified Index (CEMBI).

„Besonders gut haben sich Rohstoff-Werte entwickelt. Dabei brachten festverzinsliche Titel des Metall- und Bergbausektors bis zu 34 %, Titel von Öl- und Gasemittenten kamen immerhin auf 12 %. Damit sind die Energiekonzerne die klaren Gewinner des vergangenen Jahres.“

„Ein Blick auf die einzelnen Regionen zeigt, dass Lateinamerika mit einer Gesamtrendite von 14 % am stärksten von der Erholung der Rohstoffpreise profitierte. Russland brachte es mit seinem starken Energiesektor, wenig Neuemissionen und leistungsfähigen Unternehmen auf insgesamt 16 %. Dagegen brachten Anleihen aus Ländern, die in turbulenten Zeiten als sichere Wahl gelten, im Vergleich eher geringe Renditen. Dennoch  kamen Titel aus Asien und dem Nahen Osten auf immerhin 6 %.“

Huntjens erwartet eine Gesamtrendite von 4 - 6 % für EM Corporate Debt im Jahr 2017: „In diesem Jahr ist es eine besondere Herausforderung, eine verlässliche Prognose auf die Entwicklung der Treasury-Rendite bis zum Jahresende zu machen. Viel hängt von der zukünftigen Wirtschaftspolitik der USA und ihrer Auswirkung auf die Schwellenländer ab. Wir gehen davon aus, dass die erwarteten fiskalischen Impulse und eine ausstehende Zinserhöhung der Fed bereits zu einem großen Teil in den Preisen enthalten sind. Nach unseren Berechnungen kommen wir auf eine voraussichtliche Mindestgesamtrendite von 4 % (auf US-Dollar-Basis) für EM-Unternehmensanleihen. Stellschrauben sind hier einerseits die Inflation und andererseits die US-Politik: Renditen könnten sogar bis zu 6 % erreichen, sollten die Inflationserwartungen sinken. Wenn allerdings die amerikanische Politik protektionistischer ausfällt, als der Markt erwartet, wird sich das negativ auf die Renditen auswirken.“

Ausblick für Hartwährungsanleihen in Asien: „Der asiatische Anteil am EM-Markt für auf Hartwährung lautende Unternehmensanleihen wächst stetig. Für die Zukunft sehen wir besondere Chancen für Titel aus Indien und Indonesien. Hier wurden wichtige Reformen umgesetzt, die das Wachstum langfristig anregen können. Beispiele sind ein Gesetz zur Steueramnesie in Indonesien und die Einführung der Mehrwertsteuer in Indien. Sollte sich jedoch die Stimmung gegenüber Schwellenländern verschlechtern, sind auch in diesen Ländern Anleihen in US-Dollar von möglichen Kapitalabflüssen bedroht.

„China wird aus unserer Sicht seinen Wachstumstrend nicht halten können. Bedenken nehmen zu, dass sich die Risiken im Land ausweiten. Das könnte die Volatilität in diesem Jahr verstärken. Zum Beispiel war bisher der Immobilienmarkt Hauptträger des Wachstums in der Volkswirtschaft. Das kann so nicht weitergehen, denn das Baugewerbe ist ein zyklischer Sektor. Irgendwann übersteigt das Angebot die Nachfrage und es kommt zu einer Überhitzung. Daher wird der Immobilienmarkt in diesem Jahr nicht so stark zum Wachstum der chinesischen Wirtschaft beitragen, wie es noch im vergangenen Jahr der Fall war. Wir denken, dass es nach dem Wechsel der Führungsspitze im November zu einer allmählichen Verlangsamung des Wachstums kommt.

Huntjens prognostiziert für asiatische Hartwährungsanleihen geringere Renditeerwartungen bei reduziertem Risiko: „Bei den Unternehmensanleihen in Schwellenländern gilt Asien als ein Markt mit reduziertem Risiko. Darum sind hier die Renditen auch geringer als in anderen Regionen. Insgesamt können wir im Jahr 2017 zwischen 3 - 5 % erwarten, also einen Prozent weniger als bei EM-Unternehmensanleihen. Allerdings finden wir in keiner anderen Region der Schwellenländer ein so belastbares Marktumfeld wie in Asien und besonders in China. Dies sollte sich auch weiterhin positiv auf die Ertragsentwicklung auswirken.“

Indischer Premier setzt auf Healthcare – Lokale Unternehmen profitieren

Das indische Gesundheitssystem ist derzeit in keinem guten Zustand. Nur ein kleiner Teil der Bürger besitzt eine Krankenversicherung, viele müssen selbst für die Medikamente aufkommen und sind deshalb oft nicht oder nur sehr schlecht versorgt. Indiens Premierminister Narendra Modi hat sich nun vorgenommen, eine schon lange versprochene allgemeine Krankenversicherung aller Inder anzugehen. Gerade die Geringverdiener sollen stärker unterstützt werden. Die Maßnahme verspricht neuen Schwung für das indische Gesundheitssystem und indische Healthcare Aktien.

Derzeit sind nur circa 25 Prozent der 1,25 Milliarden Inder krankenversichert. Der Rest bezahlt dringend notwendige medizinische Versorgung aus der eigenen Tasche. Gerade der ärmere Teil der Bevölkerung kann sich deshalb oft nur das allernötigste an medizinischer Versorgung leisten. Dieser Missstand wird schon länger von führenden Politikern angeprangert, nun scheint aber Premierminister Modi endlich eine allgemeine Krankenversicherung einführen zu wollen. „Der indische Gesundheitsmarkt war bisher stark von Generikaexporten getrieben. Wenn die indische Regierung nun aber die Bevölkerung großflächig versichert, rechnen wir damit, dass davon auch andere Branchen, wie beispielsweise Healthcare Services, profitieren werden“, kommentiert Ingo Grabowsky, Healthcare-Experte der Lacuna GmbH. „Der Umsatz mit Pharma-Produkten sollte dadurch in den nächsten Jahren stark steigen, von etwa 15,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2011 auf prognostizierte 48,8 Milliarden im Jahr 2020.[1] Von dieser Steigerung werden insbesondere lokale Hersteller profitieren, in welche wir mit unserem Lacuna Asia Pacific Health Fondsinvestieren.“

Reformen im indischen Gesundheitssystem

Bereits Modis Vorgänger, Manmohan Singh, hatte den Indern eine allgemeine Krankenversicherung versprochen, dieses Versprechen jedoch nie eingelöst. Unter seiner Regierung wurde aber der derzeit noch laufende Fünfjahresplan (2012-2017) verabschiedet, welcher neben Bildung insbesondere den Ausbau des Gesundheitssystems forciert. Modi, seit 2014 Premierminister, ist mit den gleichen Wahlversprechen angetreten. Nachdem er sich zu Beginn seiner Amtszeit auf das nur teilweise erfolgreiche Projekt einer bargeldlosen Gesellschaft konzentriert hat, ist davon auszugehen, dass er sich zukünftig mehr der Reform des Gesundheitsbereichs widmet. Dort könnte ein ähnliches System eingerichtet werden, welches die Nutzerdaten und die Kosten digital bearbeitet und über eine staatliche Versicherung bezahlt wird. „Der indische Premierminister steht derzeit wegen des problematischen Ablaufs seiner Bargeldreform unter starkem Druck. Mit einer erfolgreichen Gesundheitsreform könnte er nicht nur unzufriedene Wähler zurückgewinnen, sondern auch die Leistungsfähigkeit des digitalen Systems unter Beweis stellen“, kommentiert Grabowsky. 

Indiens Gesundheitsmarkt profitiert langfristig von Reformen

Die ersten Reformen am indischen Gesundheitsmarkt sind schon angelaufen. Derzeit können Familien, die unterhalb der Armutsgrenze leben, Gesundheitshilfen vom Staat bekommen. Im letzten Jahr wurde darüber hinaus auch die Online-Präsenz des Gesundheitssystems verstärkt. Hier gibt es nun ein staatliches System, welches neben der Gesundheitsakte aller Patienten auch die Möglichkeit zu Online-Sprechstunden enthält. Damit ist der Grundstein für weitreichende Änderungen gelegt, die langfristig nicht nur die Gesundheitsversorgung der indischen Bevölkerung verbessern, sondern auch ein positives Umfeld für indische Healthcare Unternehmen schaffen sollten.

‚Trumponomics‘ bewegen die Weltwirtschaft

Als Donald Trump Anfang November zum US-Präsidenten gewählt wurde, versprach er eine Reihe von Maßnahmen: Niedrigere Steuern, höhere Infrastrukturausgaben und weniger Regulierung waren dabei drei zentrale Aspekte. Diese Ankündigungen ließen sowohl US-Aktien als auch den Dollarkurs in die Höhe schnellen und sorgten für eine Welle des Konjunkturoptimismus. Doch wie stellt sich die Lage Anfang Februar dar? Namhafte Mitglieder der republikanischen Partei – wie der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, und einige Senatoren – verdeutlichten zuletzt, dass die Republikaner eher auf Steuerreformen setzen als auf fiskalische Stimuli. Die Steuergesetze und die Abgabenordnung sollten so vereinheitlicht werden, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen fördern, so der Tenor. Allerdings sollte eine Ausweitung des Haushaltsdefizits dabei tunlichst vermieden werden. Nicolaj Schmidt, Chief International Economist von T. Rowe Price, analysiert die jüngsten Entwicklungen.

In einigen Interviews habe der neue US-Präsident zuletzt wiederholt betont, dass der wirtschaftliche Schub für seine Vorhaben durch umfassende Deregulierungen erreicht werden solle, berichtet Schmidt. Das Infrastrukturprogramm sei weiterhin von großer Bedeutung, spiele aber eine nachgeordnete Rolle. „Diese modifizierte Priorisierung nähert sich der Position vieler republikanischer Abgeordneter an, die die Finanzierung des großen Infrastrukturprogramms eher skeptisch sehen. Die Deregulierung und die Vereinfachung regulatorischer Rahmenbedingungen könnte indes ein zentraler Faktor für das potenzielle sowie reale Wachstum sein“, sagt Nicolaj Schmidt. Obwohl er eine Verwässerung der ursprünglich geäußerten Wahlversprechen sieht, erwartet der Ökonom, dass die neue Regierung dennoch einen begrenzten Konjunkturimpuls in Höhe von ungefähr 0,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts setzen dürfte.

Hinsichtlich des Welthandels haben Trump und seine Kandidaten für Schlüsselpositionen in der Administration handelsfreundliche Positionen signalisiert – allerdings unter der Prämisse, dass Handelsvereinbarungen vorteilhafter für die USA gestaltet werden. „Die Idee, alte Handelsabkommen neu zu verhandeln, birgt gleichermaßen Chancen und Risiken. Es ist besorgniserregend, dass hochrangige Mitglieder der künftigen Regierung den Handel als Nullsummenspiel verstehen und ein Handelsbilanzdefizit gegen Freihandel spricht. Das steht in starkem Kontrast zur klassischen Ökonomie David Ricardos, die Handel als profitabel für alle beteiligten Parteien sieht“, erklärt Schmidt. Ebenfalls problematisch sei auch der Hinweis Trumps, die Beziehung mit China insbesondere hinsichtlich der Ein-China-Politik neu auszulegen, um möglicherweise eine für die USA günstigere Handelsbeziehung erreichen zu können.

Welchen Einfluss wird Trump also auf die Weltpolitik nehmen? Dem T. Rowe Price-Experten zufolge könnte die Beziehung zwischen China und den USA aufgrund von Trumps Versprechen – Arbeitsplätze aus China in die USA zurückzuholen und seinem Bestreben, Geopolitik und Handel zu vermischen –  künftig noch stärker belastet werden. Hingegen erscheine es so, dass sich Russland und die USA nun wieder annähern könnten. Denn Trumps Nominierungen für wichtige Regierungsposten hätten die derzeitigen Sanktionen gegen Russland nicht bedingungslos bestätigen wollen.

Mit Blick auf die Europäische Union (EU) habe Trump angedeutet, dass diese Gemeinschaft gegründet worden sei, um ein europäisches Übergewicht gegenüber den USA im internationalen Handel herzustellen. Dementsprechend sei es nicht überraschend, dass Trump den Brexit befürworte und vorhersage, dass es zu weiteren EU-Austritten kommen werde. „Zudem hat Trump bei den Europäern Befremden ausgelöst, als er äußerte, dass er die amerikanische Rolle in der NATO überdenken möchte. Die Kombination aus der verbesserten Beziehung zu Russland und die Infragestellung der Allianz mit Europa könnte zu einem Verlust der globalen Einflussnahme Europas führen“, resümiert Schmidt.

Interessante Aussichten für Schwellenländeranleihen in 2017

Schwellenländeranleihen könnten 2017 interessante Chancen bieten – und zwar in verschiedenen Segmenten. Zu dieser Einschätzung kommt der globale Asset Manager VanEck. VanEck geht davon aus, dass die Lokalwährungen von rohstoffexportierenden Ländern durch steigende Rohstoffpreise gestützt werden – die Preissteigerungen würden sich in diesen Ländern auch positiv auf die Fundamentaldaten verschiedener Sektoren auswirken. Hinsichtlich der Bewertungen zeige sich, dass die Renditen und Spreads von Schwellenländeranleihen in lokalen und harten Währungen über dem Fünfjahresdurchschnitt liegen.

„Dennoch treten kurz- bis mittelfristig immer noch gewisse Risiken auf“, sagt Fran Rodilosso, Head of Fixed Income ETF Portfolio Management bei VanEck. Dazu gehörten die Ungewissheit über die Agenda der Trump-Administration, die weltweit anhaltende Zunahme des Populismus sowie Bedenken hinsichtlich der chinesischen Währungs- und Vermögensqualität und die Gesundheit der europäischen Banken. Auch Griechenland könnte in diesem Jahr wieder für Schlagzeilen sorgen, da die Bürger und Politiker, die weiterer Einschnitte überdrüssig seien, sich weniger kooperativ mit den Gläubigern zeigten. Die Gefahr eines EU-Austritts könne wieder auftauchen.

„Vor dem Hintergrund der jüngsten Abflüsse, die im Dezember abgebremst wurden, sehen die technischen Faktoren allerdings nicht ungünstig aus. Und es gibt noch zwei wichtigere Faktoren: Das Wirtschaftswachstum zieht kontinuierlich an – und der Stand der Auslandsverschuldung verbessert sich“, sagt Rodilosso. Vor allem in Lateinamerika gebe es Anzeichen für steuerliche Disziplin und Strukturreformen. 

Auch die Erwartung an eine globale Reflation könnte kurzfristig die Märkte beleben. Diese Entwicklung werde von den positiven Makrodaten aus den USA und Europa sowie den Anzeichen für eine höhere Inflation getrieben. „Von einer möglichen globalen Reflation könnten vor allem Unternehmensanleihen aus Schwellenländern profitieren“, sagt Rodilosso. „Wir sind davon überzeugt, dass die aktuellen Konditionen interessante Einstiegsgelegenheiten für Investments in Schwellenländeranleihen bieten.“

Ein genauer Blick lohnt: EMD HC und Frontier Markets Debt – Gewinner sind rohstofferzeugende Länder

von Marco Ruijer, Lead Portfolio Manager Emerging Market Debt Hard Currency bei NN Investment Partners.

Die EMD-Märkte erlebten nach einem volatilen Jahresstart 2016 mit massiven Kurseinbrüchen eine deutliche Erholung. Dieser positive Trend hielt im weiteren Jahresverlauf an, als die größten Sorgen, besonders um China,  allmählich nachließen. Die gute Entwicklung der Rohstoffpreise wirkte sich positiv auf die Werte vieler Frontier Markets aus. NN Investment Partners sieht zuversichtlich auf das Jahr 2017,  besonders, weil die Wachstumsaussichten weit besser sind als im Vorjahr. Das liegt auch an den Vereinbarungen zwischen OPEC und Nicht-OPEC-Ländern, durch die das Risiko eines niedrigen Ölpreises reduziert wurde.

Marco Ruijer, Lead Portfolio Manager Emerging Market Debt Hard Currency bei NN Investment Partners, kommentiert:  „Zwei Schockereignisse prägten die Entwicklung der von uns beobachteten Märkte im Jahr 2016. Einmal der Brexit, der für einen Kursrutsch sorgte. Davon erholten sich die Märkte aber innerhalb von zwölf Stunden wieder. Die Anleger glaubten, dass die Zentralbanken ihre Maßnahmen aufgrund des Brexit intensivieren und die Zinsen weiter senken würden. Das löste massive Kapitalzuflüsse in EMD aus. Und dann die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Weil viele Anleger eine Behinderung des freien Handels durch die neue Regierung befürchteten, kam es im Nachgang zur Wahl zu Abflüssen aus EMD.“ 

Ruijer weiter: „Trotz der starken Bewegungen im vergangenen Jahr erzielte der EMBI GD Index, das ist die EMD Hard Currency Benchmark, mit 10,2 % eine höhere Rendite als zu Jahresbeginn erwartet. Treasuries konnten das Jahr in etwa mit der von uns prognostizierten Rendite von 2,65 % abschließen.“

Zu einzelnen Ländern sagt Ruijer: „Im Jahr 2015 und Anfang 2016 hatten rohstofferzeugende Länder noch mit sinkenden Preisen zu kämpfen. Das änderte sich aber im Laufe des vergangenen Jahres. Dadurch übertrafen die Frontier Markets mit einem Anstieg um 14,8 % am Ende den breiteren Markt. Einige afrikanische Anleihen erlebten eine wahre Kursrally. So konnten Sambia und Ghana über das Jahr fast um ein Drittel zulegen. Auch lateinamerikanische Werte schnitten allgemein gut ab, einerseits aufgrund der Erholung der Rohstoffpreise, aber auch aus länderspezifischen Gründen. Argentinien zum Beispiel legte im letzten Jahr eine enorme Anleiheemission von US-Dollar 16,5 Mrd. auf. Argentinische Titel entwickelten sich in der ersten Jahreshälfte 2016 sehr gut, blieben aber in den letzten Monaten des Jahres hinter dem Markt zurück. Wenn sich diese Zahlen in der nahen Zukunft nicht verbessern, können wir für argentinische Titel allerdings keine positive Entwicklung prognostizieren.“

Ruijer sieht selektive Chancen in Asien: “Es gab einige strukturelle Reformen in Asien. Das dürfte sich positiv auf den Markt auswirken. Was die einzelnen Länder betrifft, sind wir nach wie vor optimistisch mit Blick auf Indonesien. Auch Sri Lanka mit seiner laufenden haushaltspolitischen Konsolidierung sehen wir positiv. Wenn die neue investorenfreundliche Regierung der Mongolei ein Stand-by-Agreement mit dem IWF abschließt, kann es auch hier gut laufen. In Europa zeigt sich ein anderes Bild mit niedrigen Renditen in zahlreichen Ländern. Hinzu kommen Unwägbarkeiten, die mit den in vielen Ländern anstehenden Wahlen zusammenhängen. Ein interessantes Land hingegen ist die Ukraine. Eine wesentliche Verbesserung der Rahmendaten ist hier zwar nicht zu erwarten, aber die Zinskongruenz reicht aus, um die Benchmark zu übertreffen. Es bleibt abzuwarten, ob die Türkei ein Comeback hinlegen kann, wie wir es bei Russland und Brasilien im vergangenen Jahr beobachten konnten.“

Zuversichtliche Perspektive für EMD Hartwährungsanleihen und Frontier Markets Debt für 2017:  „Die Perspektiven für die von uns beobachteten Märkte sind gut. Wir sind sogar optimistischer als noch vor einem Jahr. Dabei dürften die Renditen der 10-jährigen Treasuries auf rund 3 % steigen. Wenn sich Treasury-Renditen und Spreads ausgleichen, würde das einer Gesamtrendite von 5 bis 6 % der Index-Rendite entsprechen. Bei den Frontier Markets könnte es sogar noch besser aussehen. Hier halten wir bis zu 8 % für möglich.“

„Investoren sollten die Risiken der Trump-Politik im Auge behalten“

Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom beim Asset Manager GAM, kommentiert einmal im Monat die aktuelle Marktlage.

Bisher haben zahlreiche Anleger die Präsidentschaft Trumps als positiven Einflussfaktor für die Weltwirtschaft angesehen. Denn sie verspricht neben einem Wirtschaftswachstum in den USA auch Steuersenkungen, Wirtschaftsreformen und höhere Ausgaben – allesamt Faktoren, die das Wachstum weiter ankurbeln dürften. Es gibt also durchaus Gründe zum Optimismus. Allerdings gilt auch: Investoren sollten die Risiken der Trump-Politik im Auge behalten. Es ist beispielsweise denkbar, dass die US-Wirtschaft infolge der Konjunkturmaßnamen vor dem Hintergrund der Vollbeschäftigung überhitzt. Dies würde die US-Notenbank zwingen, die Zinssätze stärker anzuheben, Störungen wären dann vorprogrammiert. Die protektionistischen Elemente von Trumps Programm könnten auch zur Ausweitung der Risikoprämien am Markt führen. Einflussfaktoren, die Anleger derzeit zu übersehen scheinen.

Aufgrund des freundlicheren Gesamtumfelds findet derzeit eine Rotation aus festverzinslichen Anlagen vor allem in globale Aktien statt. Am Aktienmarkt selbst ist ebenfalls eine Rotation zu beobachten, und zwar von Dividendenaktien hin zu zyklischen Aktien, Schwellenländerwerten und europäischen Titeln. Aktive Manager sollten die signifikante Streuung für sich nutzen.

Die implizite Volatilität globaler Aktien und anderer Anlageklassen bewegt sich nahe an historischen Tiefstständen: Ein klares Indiz für die momentan geringen Sorgen der Anleger. Doch einige bevorstehende Ereignisse könnten dies schon bald ändern, denn in Europa stehen dieses Jahr richtungsweisende Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland an. Angesichts des erstarkten Populismus in Großbritannien und den USA, könnte sich auch der Kurs der europäischen Politik verändern. Anleger sollten auch die Einführung weiterer protektionistischer Maßnahmen und die mögliche Diskussion um die Rolle Chinas oder Mexikos als Währungsmanipulatoren bedenken. Derzeit sind diese Risiken nicht in den Kursen berücksichtigt. Wir raten Anlegern zur Vorsicht – um nicht von möglichen Fallstricken aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden.

Bei der Portfoliopositionierung hinsichtlich Staatsanleihenmärkten setzen wir auf kürzere Duration, insbesondere bei US-Treasuries sowie bei europäischen Bonds. Im Aktienbereich legen wir den Fokus verstärkt auf Zykliker, darunter auch Aktien aus Europa und den Schwellenländern sowie Aktien mit Wertsteigerungspotenzial. Zuletzt profitierten wir von der Erholung einiger überverkaufter Währungen, einschließlich der schwedischen Krone und des mexikanischen Peso. Insgesamt haben wir unsere Portfolios Anfang 2017 auf ein verbessertes Wirtschaftsklima und Marktumfeld sowie eine größere Risikobereitschaft der Anleger ausgerichtet.

„Die Nachfrage nach Objekten aus Deutschland wird anhaltend hoch bleiben“

von Timothy Horrocks, Head of Continental Europe bei TH Real Estate.

Anspruch von TH Real Estate ist, in die Immobilien zu investieren, denen in der „Welt von morgen“ die Zukunft gehört. Internationale Messen wie die MIPIM sind daher für uns ein wichtiges Format, grundlegende Trends an den globalen Märkten zu erkennen und mit anderen Branchenprofis zu diskutieren. Die MIPIM findet wenige Wochen nach dem Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident und nach dem angekündigten „harten Brexit“ statt. Beide Themen werden sicherlich eine wichtige Rolle in fast allen Gesprächen spielen.

Die MIPIM 2017 steht unter dem Leitthema „The New Deal“, ausgehend von der Annahme, dass technologischer Fortschritt, gesellschaftlicher Wandel und die politische Unsicherheit die Geschäftsgrundlage für Immobilienunternehmen komplett verändert. Unabhängig davon, ob man dieser These folgen mag oder nicht, werden wir die Tage in Cannes nutzen, um unser Gespür dafür zu verfeinern, in welche Richtung sich die Märkte weiterentwickeln. Kurz- bis mittelfristig werden die Trends der vergangenen Jahre intakt bleiben: Immobilien bleiben als Anlageklasse gefragt – in Zeiten erhöhter und möglicherweise noch steigender politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit einmal mehr. Das gilt vor allem für Deutschland, das nach wie vor als stabiler Anker in Europa gesehen wird. Deshalb wird die Nachfrage nach Objekten aus Deutschland insbesondere im Core-Segment anhaltend hoch bleiben.

In UK haben sich die Preise bei Gewerbeimmobilien bereits korrigiert und wir erwarten weitere Rückgänge im Verlauf dieses Jahres, insbesondere im Londoner Bürosektor. Aber Großbritannien ist mit Abstand der größte, liquideste und internationalste Markt Europas, daran wird auch der von Theresa May angekündigte „harte Brexit“ nichts ändern.

Auf der Produktseite werden bei Gesprächen mit Kunden und Interessenten aus Deutschland neben unseren Kernbereichen Einzelhandel, Büro und Logistik sicher die Themen Debt Funds und US-Mietwohnungen im Mittelpunkt stehen.

Gold outlook 2017: further upside likely

While the US Federal Reserve (Fed) will increase rates this year, inflation will remain stubbornly high, maintaining a low real rate environment. Gold prices could rise 8% in the first half of the year, aided by a weaker US Dollar (USD). However, USD strengthening in the second half of the year and subdued enthusiasm for the metal in the futures market could drive a sell-off, with gold ending the year at US$1230/oz, just 2.5% higher than today.

In a bullish scenario for gold, the Fed will be slow to act and inflation will be markedly above market expectations, while the USD weakens. Gold would end the year at US$1380/oz (15%). In a bearish scenario for gold, the Fed will move more aggressively, seeing the USD appreciate and burst the bond market bubble. Gold would end the year at US$1095/oz (-9%), says Nitesh Shah, Commodities Strategist at ETF Securities. Please find the full commodity research with charts attached on the left.

2017 gold price forecast

Gold has had a strong start to the year with the metal having risen 3.6% so far. We expect gold to end the year at US$1230/oz, up from US$1185/oz (2.5%). However, gold could peak at a higher level, at around US$1300/oz mid-year (+8%). Our projections on gold are based on the model we presented in “Policy mistakes provide upside potential for gold”. We also present a more bullish and bearish scenario in addition to our base case.

Inflation to surprise on the upside

US inflation is rising rapidly. Higher energy prices today compared with a year ago will likely see inflation rise substantially above the Federal Reserve’s target of 2%. Aside from the volatile energy component, core prices are likely to rise as the US labour market shows signs of tightness. The unemployment rate at 4.7% is close to the ‘natural rate’, indicating that any further improvement will be highly inflationary. We believe that headline inflation will reach 2.9% in the first half of the year as a result of higher energy prices compared to a year ago, but even as the base effect fades, inflation will remain elevated at 2.7% in the second half. Inflation will rise despite the Fed delivering on all three rate hikes implied in its ‘dot plots’. Inflation will be substantially higher than the Fed’s projection of 1.9% and the consensus view of 2.5%.

Dollar appreciation to follow depreciation

As discussed in “Near-term downside for US Dollar”, we expect the USD to depreciate in the near-term after the currency has risen too far, too fast. The risk of the Fed’s actions not living up to its rhetoric is likely to place downward pressure on the currency. USD could fall as much as 2% from today’s levels in the first half of the year. As the Fed comes to terms with having to be more active with monetary policy in mid-2017, we feel that the USD could stage a rebound. The USD is likely to end the year 3% higher than today.

Nominal bond yields rise

Nominal bond yields are expected to rise as the Fed raises policy interest rates. We expect the Fed to deliver all three of the rate hikes indicated in its ‘dot plot’. Although policy rates will increase by 0.75%, we believe that nominal US 10-year bond yields will increase by 0.5% by year-end (from 2.5% to 3.0%) as we typically see the yield curve flatten in rate rising environments.

With inflation remaining elevated, despite the increase in nominal yields, real yields will be low and could even decline from just under 0.5% currently. Given gold’s historic negative relationship with real rates, a rising nominal rate environment is still consistent with rising gold prices.

Positioning less sensitive to shocks

Market sentiment toward gold has become subdued. Speculative positioning in gold futures has fallen drastically from last year. In July 2016 speculative positioning in gold futures reached an all-time high of 347,445 net long contracts as the shock result of Brexit led market participants toward the haven asset. But other shocks failed to muster as much enthusiasm for the metal. The surprise win for President Trump or the rejection of constitutional reform in Italy for example had little lasting support for the metal in terms of price or positioning. Speculative positioning fell below 100,000 contracts by the end of the year. It appears that the market has become desensitised by shock events. We think there could be a small uptick in positioning due to the French Dutch and German elections this year, but not to the levels we saw last year. There is also the risk that market uncertainty around Trump’s policies drives more investment in gold futures. We expect positioning to rise to 120,000 (which is markedly lower than the average of 220,000 last year).

Bull case

In a scenario where the Fed only increases rates twice this year while inflation rises to 3.2%, the USD could lose further ground, depreciating by 1%. More marked curve flattening could see nominal rates only rise to 2.7%. If markets become more responsive to shocks, speculative positions could move higher to 200,000 (close to the average positioning for last year). Under this scenario gold could rise to US$1380/oz by year end.

Bear case

In a scenario where the Fed tries to get ahead of the curve and reduce the risk higher inflation becoming entrenched into expectations, the central bank could raise rates four times this year. Most of the impact on inflation will only be felt in 2018, with inflation at the end of 2017 still around 2.4%. However, the USD may appreciate 5% while bond yields rise to 3.3%, a scenario consistent with the end of the bond market bubble. With markets more focused on a tightening monetary environment rather than political stress points, speculative positioning in gold could fall to 40,000 (significantly below the long term average of 88,000 net long contracts). Our model indicates that gold would fall to US$1095/oz in such a scenario by year end.

Wachstum, Inflation, Aktien

von Jean-Charles Mériaux, Chief Investment Officer von DNCA Investments.

„Jedes Jahr trägt die Nachtigall neue Federn, doch ihr Gesang bleibt.“ – Frédéric Mistral, französischer Schriftsteller okzitanischer Sprache, Literaturnobelpreisträger 1904.

Stärker noch als in den vergangenen Jahren sind wir davon überzeugt, dass Anleger 2017 von Investments in europäische Substanzwerte und insbesondere französische Aktien profitieren werden.

1. Ein günstigeres makroökonomisches Umfeld als im Jahr 2016

Alle Konjunkturumfragen bei Unternehmern und Verbrauchern zeigen in dieselbe Richtung: Das Wachstum der Weltwirtschaft nimmt Fahrt auf. Die Daten für die Industrieländer sind weiterhin robust, wenn auch schwächer als in der Vergangenheit. Die Situation in den Schwellenländern verbessert sich, wobei die Hoffnung besteht, dass sich die rohstoffproduzierenden Länder Russland und Brasilien erholen und die chinesische Wirtschaft sich stabilisiert. Die Deflationssorgen schwinden, obwohl wir keineswegs von einer inflationären Entwicklung sprechen können. Insbesondere in Ländern mit Vollbeschäftigung sollten wir die Gehaltsindikatoren genau beobachten.

2. Geldpolitik auf dem Weg zur Normalisierung

Nachdem die amerikanische Notenbank Fed 2016 extrem vorsichtig war und den Leitzins nur einmal erhöhte, sollen 2017 drei solcher Zinsschritte erfolgen. Nach mehr als drei Jahrzehnten fallender Zinsen könnte also der Anleihemarkt vor einer Normalisierung der Geldpolitik stehen. Den Kontext dafür bilden die anziehende Konjunktur und die damit verbundenen Inflationsrisiken. Die Europäische Zentralbank wird ein „Soft Tapering“* einleiten und somit ihre expansive Geldpolitik beibehalten. Doch der Höhepunkt der Maßnahmen liegt hinter uns, und das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten wird wahrscheinlich 2018 auslaufen.

3. Euro stark unterbewertet

Trotz Leistungsbilanzüberschüssen in Rekordhöhe befindet sich der Euro auf einem 15-Jahres-Tief zum Dollar, was eher die Stärke des Dollars als die Schwäche des Euros widerspiegelt. Anleger aus der Eurozone dürfen bei Investments in anderen Währungen die Wechselkursrisiken nicht außer Acht lassen. Sollte sich die politische Situation innerhalb des Währungsraumes nicht verschlechtern, könnte es für den Euro in der zweiten Jahreshälfte nach oben gehen.

4. Fazit: Schwerpunkt auf europäische Aktien...

Ein höheres, mit anziehender Inflation verbundenes Wachstum, ist fast ein ideales Szenario für die Geldanlage in Aktien, vorausgesetzt dieses Umfeld schlägt sich tatsächlich in den Unternehmensgewinnen nieder. Auch die spektakuläre Rallye der Aktienmärkte seit November, die auf die Wahl von Donald Trump zurückgeführt wird, ist Zeichen eines gewandelten Umfelds, das positiv für Aktien und negativ für Anleihen ist. Doch in den USA haben die Anleger den Umschwung hin zu einer aggressiven Wirtschafts- und Geldpolitik sowie die entsprechenden positiven Auswirkungen auf US-Unternehmen bereits weitgehend eingepreist. Da jedoch die Anleiherenditen weiterhin anziehen werden, bietet die Wall Street momentan nur wenig Kurspotenzial. Dahingegen könnte Europa, das bei der Vermögensallokation immer noch unbeliebt ist, die positive Überraschung des Jahres 2017 werden. Die mit Verweis auf die anstehenden politischen Ereignisse und Wahlen geübte Zurückhaltung bei Investments in der Eurozone erscheint übertrieben. Entgegen der international weit verbreiteten Ansicht ist die Wahrscheinlichkeit eines Wahlschocks sowohl in Frankreich als auch in Deutschland gering. Die Anleger sollten die politischen Rabatte, die derzeit an den Märkten des Währungsraumes gewährt werden, nutzen und nicht auf die Wahlergebnisse warten, die sich nämlich wie 2016 als Katalysatoren für eine Rallye erweisen könnten. Darüber hinaus könnten, anders als in den Vorjahren, auch die Unternehmensgewinne für positive Überraschungen gut sein: Die Gewinnerwartungen für die Eurozone nehmen seit drei Monaten zu und sehen für 2017 einen durchschnittlichen Gewinnzuwachs von 14 % (10 % ohne Berücksichtigung der Finanzwerte).

5. ... mit einer Bevorzugung von Substanzwerten

Nach einem Jahrzehnt mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen gewinnt der Value-Investmentansatz seit September wieder an Interesse, sichtbar an einem deutlichen Anstieg bei den Finanzwerten. Substanzwerte haben aufgeholt, und dieser Trend wird sich fortsetzen, denn die Bewertungsdifferenz zwischen Substanz- und Wachstumswerten ist immer noch sehr groß. Sieht man von Unternehmen ab, die mit Verlust arbeiten, wird der Euro Stoxx Value-Index lediglich mit dem 13,6-fachen des Gewinns bewertet, und die erwartete Rendite liegt bei 4,3 %. Deshalb kommen wir zu dem Schluss, dass der Value-Investmentansatz, der in vielen europäischen Portfolios unterrepräsentiert ist, zu den Gewinnern des Jahres 2017 gehören könnte – zumal Europa von internationalen Investoren untergewichtet wird und der Euro stark unterbewertet ist.

Japan wird von Anlegern noch zu wenig beachtet

von Richard Kaye, Portfolio Manager des Comgest Growth Japan.

Mit Blick auf japanische Aktien verlief 2016 in zwei Phasen. In der ersten Jahreshälfte bis etwa Juli hinkten Finanzaktien nicht zuletzt wegen der Negativzinspolitik der Bank of Japan dem Markt weit hinterher. Im Sommer setzte jedoch ein neuer Trend an den Märkten ein, der durch den Wahlausgang in den USA noch verstärkt wurde. Ausgehend von der Normalisierung der Renditekurve erwarteten Anleger bei Banken und Versicherungen wieder wachsende Gewinne. Infolgedessen erholten sich deren Kurse von den niedrigsten Kursniveaus seit Jahrzehnten.

Japans wichtigstem Handelspartner, den USA, scheint 2017 ein radikaler Richtungswechsel bevorzustehen. Premierminister Shinzo Abe war indes der erste Regierungschef, mit dem sich Donald Trump getroffen hat. Die gemeinsamen Interessen beider Länder, wie der Fokus auf Unternehmen, die Vorsicht gegenüber China und die Zustimmung zu Währungsanpassungen vor dem Hintergrund einer Zinsnormalisierung, könnten die Differenzen in den Hintergrund treten lassen. Shinzo Abe führt eine der am längsten amtierenden Nachkriegsregierungen in Japan und steht für eine politische Kontinuität, wie sie in Industrieländern immer seltener anzutreffen ist. 2017 jährt sich die Einführung der Negativzinspolitik. Sollten die Zinsen so niedrig bleiben, ist, zumindest im Jahresvergleich, mit einem deutlich schwächeren Yen/Dollar-Wechselkurs und mit weiter nachlassender Wirkung der Mehrwertsteuererhöhung zu rechnen. Für uns ist jedoch wichtig, dass die Politik wirklich gute Unternehmen nicht vom Erfolgskurs abbringen kann.

Japan bleibt ein in vielen Punkten missverstandener und zu wenig beachteter Aktienmarkt, was seiner seit 20 Jahren mageren Wertentwicklung zuzuschreiben ist. Dank des Fokus auf Qualität und Wachstum dürfte es uns auch weiter gelingen, besondere Anlageideen mit sogar auf globalem Niveau überdurchschnittlichem Potenzial ausfindig zu machen. Das können Unternehmen mit globaler Technologie- oder Markenführerschaft sein, die zwar in Japan ansässig sind, aber im Ausland am stärksten wachsen, wie z.B. Keyence. Oder Firmen, die von wesentlichen Neuerungen und Trends in der Binnenwirtschaft profitieren, auf die man im Ausland aber noch nicht aufmerksam geworden ist, wie etwa der Restaurantausrüster Hoshizaki.

Beispielhaft für die jüngste Wachstumsdynamik unserer Portfoliobestände ist unter anderem Relo Holdings, ein führender Anbieter von Managementsystemen für betriebliche Anreizprogramme, der vom anhaltenden Outsourcingtrend in der Vermietung von Firmenwohnungen, in der Immobilienverwaltung sowie bei Anreizprogrammen ebenso profitierte wie von der erfolgreichen Integration von Übernahmen. Bei der Modeplattform Start Today stieg der operative Gewinn im 3. Quartal um 70% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Die größere Vielfalt an Marken und höhere Verbraucherausgaben scheinen das Wachstum zu beflügeln.