Gedämpfte Volatilität und keine verheerenden Auswirkungen für die globalen Kapitalmärkte

Nachdem Theresa May am 29. März den Brexit-Prozess offiziell eingeleitet hat, beleuchtet David Lafferty, Chefstratege bei Natixis Global Asset Management, in seinen Capital Market Notes die längerfristigen makroökonomischen Auswirkungen des Brexit sowie Implikationen fürs Portfolio.

Folgende Punkte werden unter anderem diskutiert:

  • Großbritannien verlässt die EU, möchte aber gleichzeitig freien oder zumindest bevorzugten Zugang zum EU-Markt haben. Diese Verhandlungen möchte Großbritannien gerne gleichzeitig führen, während die Europäische Union beide Punkte gerne nacheinander verhandeln möchte. Doch wie wird dies umgesetzt? Kann die EU den Briten die Vorteile einer Mitgliedschaft wie in der europäischen Union gewähren ohne die dazugehörigen Verantwortlichkeiten und Kosten?
  • Wenn der Zugang zum europäischen Markt geklärt ist, folgt die nächste Hürde: die „Brexit bill“. Die EU fordert von den Briten 50 bis 60 Mrd. Euro. Verpflichtungen, die während der Mitgliedschaft entstanden sind. Können sich EU und UK einigen?
  • Und was bedeuten diese Unwägbarkeiten für Investorenportfolios? David Lafferty rechnet mit einer gedämpften Volatilität und keinen verheerenden Auswirkungen für die globalen Kapitalmärkte. Die Briten haben nun zwei Jahre für die Verhandlungen – genug Zeit, damit sich die Märkte an die Gegebenheiten anpassen können. 


Die vollständigen Capital Market Notes finden Sie links als PDF in englischer.

Anleger sollten das China-Risiko im Auge behalten

Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom beim Asset Manager GAM, kommentiert einmal im Monat die aktuelle Marktlage.

Die dualen Bewegungen an den Kapitalmärkten – sprich steigende Aktienkurse und Anleihenrenditen - scheinen sich analog zu den letzten neun Monaten fortzusetzen. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass sich die Marktperformance verändert. Bewegungen dürften sich verlangsamen, und es ist mit häufigeren Pausen zu rechnen. Vor allem unter den Aktien ist eine stärkere geografische Rotation zu erwarten, sobald Anzeichen für ein gesteigertes Gewinnwachstum vorliegen. Das gilt insbesondere für Europa, die Schwellenländer und in geringerem Umfang für Japan.

Die Erwartungen an die Geldpolitik hängen vom Eintritt eines möglichen Wendepunkts ab. Dies signalisierte die US-Notenbank Fed bereits vor über einem Jahr, als sie den Normalisierungsprozess einleitete, den sie im März mit einer Zinserhöhung bestätigte. Wir glauben, dass die politischen Risiken in Europa nach den Wahlen in Frankreich nachlassen werden. Dies dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) zu einem der Fed ähnlichen Kurs bewegen: hin zu einer neutraleren Geldpolitik, der Drosselung von Wertpapierkäufen und möglicherweise sogar die Aufhebung der Negativzinsen. Zusammengenommen dürften die Maßnahmen von Fed und EZB einen weiteren Anstieg der Anleiherenditen im späteren Verlauf dieses Jahres antreiben - im Einklang mit einer allgemeinen Normalisierung der Geldpolitik in der Weltwirtschaft.

Die Anleger konzentrieren sich nach den Schocks des Jahres 2016 – Brexit, US-Wahlen und Referendum in Italien – hauptsächlich auf die politischen Risiken. Es ist verständlich, dass der Marktfokus 2017 ebenso auf politischen Ereignissen liegt. Derzeit herrscht Unsicherheit im Hinblick auf die Wahlen in Frankreich und Deutschland. Die dualen Risiken, die es zu berücksichtigen gilt, sind jedoch alte Bekannte. Zu ihnen zählt die Möglichkeit, dass die Inflation stärker beschleunigt als angenommen. Das gilt insbesondere in den USA, wo sich die Wirtschaft der Vollbeschäftigung nähert. Als zweites Risiko ist China zu nennen. Hier zeichnet sich ein langsameres Kreditwachstum ab, und auch der Kreditimpuls wird negativ. Dies deutet auf ein schwächeres Wachstum im späteren Verlauf dieses Jahres hin. Die Sorge über Chinas Wachstum zählte seit über einem Jahr nicht zu den größten Bedenken der Anleger. Allerdings lösten Sorgen in Bezug auf China die beiden größten Marktrückschläge der letzten 18 Monate aus. Wir empfehlen daher, ein besonderes Auge auf das Land der goldenen Mitte zu haben.

In unseren Portfolios bleiben wir in Aktien übergewichtet. Wir bevorzugen Europa, die Schwellenmärkte und Teile Japans. Bei festverzinslichen Anlagen setzen wir auf eine kurze Duration. Wir erkennen Chancen bei nachrangigen Schuldtiteln und Schuldinstrumenten, die unserer Meinung nach positive und kontinuierliche Renditen abwerfen sollten, darunter auch hypothekenbesicherte Wertpapiere (Mortgage-backed Securities).

Insgesamt setzen wir nach wie vor bevorzugt auf die Reflationierung und beginnen, Allokationen in Aktien umzuschichten, die positive Gewinnüberraschungen bieten könnten. Dagegen wenden wir uns von Höherbewertungen als potenzielle Quelle positiver Renditen ab.

„An Dividendenaktien führt 2017 kein Weg vorbei“

In Zeiten, in denen sich die Zinsen noch immer auf einem niedrigen Niveau befinden und zugleich Unsicherheit die Märkte prägt, lohnt sich ein Blick auf die Dividendenrenditen. Davon ist Markus Zeiß, Fondsmanager des LBBW Dividenden Strategie Euroland, überzeugt. Nach seinen Berechnungen haben in den vergangenen 20 Jahren Kursgewinne im europäischen Aktienindex EURO STOXX zu einer Performance von 3,4 Prozent p.a. geführt – viel größer sei jedoch mit 5,8 Prozent p.a. der Performance-Anteil aus Dividenden gewesen. Markus Zeiß geht fest davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt.  Er rechnet für 2017 mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 3,5 Prozent bei Aktien aus dem Euroraum. Die Ausschüttungen in der Eurozone liegen damit über dem Niveau in den USA, für die Markus Zeiß im Schnitt nur eine Dividendenrendite von 2,0 Prozent prognostiziert – und auch über dem Niveau im DAX, dessen durchschnittliche Dividendenrendite nach Einschätzung des Fondsmanagers in diesem Jahr 2,6 Prozent beträgt.

„Die Dividendenrendite übertrifft damit insbesondere im Euroraum klar die Anleihenzinsen – das macht eine Dividendenstrategie gerade im derzeitigen Marktumfeld attraktiv“, betont Markus Zeiß. Die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe liege beispielsweise auf einem vergleichsweise geringen Niveau von 0,34 Prozent. Aber auch im Vergleich mit anderen Aktien bieten Dividendentitel nach Ansicht von Markus Zeiß derzeit eindeutige Vorteile: „Dividendenaktien weisen im Durchschnitt eine geringere Volatilität auf. Zugleich fokussieren sich Investoren bei einer Dividendenstrategie automatisch auf finanzstarke Unternehmen mit einem geringen Verschuldungsgrad und einer hohen Kassenhaltung – dies bringt Stabilität ins Depot.“

Die Dividendenhöhe alleine entscheidet nicht über den Erfolg

Markus Zeiß rät Investoren, sich bei ihrer Dividendenstrategie aber nicht nur auf das Volumen der Ausschüttungen zu fokussieren. „Die Dividendenhöhe alleine entscheidet nicht über den Erfolg“, sagt Zeiß. Das lasse sich am Beispiel der Aktie der Deutschen Telekom Aktie veranschaulichen. Die Dividende sei in den Jahren 2007 bis 2012 mit 0,70 bis 0,78 Euro je Aktie stabil gewesen – die Aktie selbst habe über diesen Zeitraum hinweg insgesamt aber keine Kurssteigerung verbucht. Seit 2013 hat die Deutsche Telekom die Dividende auf 0,50 Euro je Aktie gekürzt – die Aktie hat sich in den vergangen vier Jahren hingegen deutlich nach oben bewegt. „Viel entscheidender als eine kurzfristige Dividendenbetrachtung ist deshalb die Frage, ob die Dividenden nachhaltig sind. Ich analysiere bei jedem Unternehmen fundamentale Daten wie den Cash Flow, die Bilanzqualität, das Geschäftsumfeld und das Marktumfeld ganz genau“, so Zeiß.

Passive Strategien seien zu solch einer qualitativen Fundamentalanalyse allerdings nicht in der Lage, sagt Zeiß. Die Zusammensetzung vieler Dividendenindizes orientiere sich stattdessen in der Regel an den Ausschüttungsquoten der Vergangenheit und werde meist nur quartalsweise angepasst. Doch letztlich seien laufende Analyse und schnelle Portfolioanpassungen entscheidend für ein mögliches Renditeplus. Während der Euro Stoxx Select Dividend 30 Net Return Index von Ende 2008 bis Ende 2016 eine Performance von 4,6 Prozent pro Jahr verzeichnet hätte, sei der Zuwachs beim LBBW Dividenden Strategie Euroland I mit 7,1 Prozent pro Jahr deutlich höher gewesen.

Infrastrukturwerte interessant

Bei der Suche nach Dividendenperlen ist laut Zeiß derzeit insbesondere der Infrastruktursektor interessant. „Infrastrukturwerte verfügen meist über stabile Geschäftsmodelle und verzeichnen hohe Cashflows“, sagt Zeiß und nennt als Beispiel Vinci, einen der führenden Infrastrukturwerte in Europa. „Der Baubereich von Vinci wird aktuell durch eine Belebung der Baukonjunktur in Frankreich unterstützt – gleichzeitig hat Vinci mit seinen Autobahnen an der Nord-Süd-Verbindung des Landes eine Monopolstellung.“ Zudem wiesen die Dividenden seit Jahren einen positiven Trend auf und seien mehrfach durch den Cash-flow gedeckt. „Vinci ist deshalb auch ein gutes Beispiel für eine nachhaltige Dividendenpolitik“, sagt Zeiß. „Und darauf kommt es an, wenn Investoren auf lange Sicht stabile Erträge erzielen wollen.“

Über den Fonds LBBW Dividenden Strategie Euroland
Der LBBW Dividenden Strategie Euroland investiert als klassischer Stock-Picking-Fonds gezielt in Aktien aus dem Euro-Raum. Der Fonds konzentriert sich auf Titel mit einer nachhaltig aktionärsfreundlichen Dividendenpolitik und einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite. Aufschluss über zukünftige Dividendenpotenziale erhält das Fondsmanagement in einem strukturierten Investmentprozess. Bei der Unternehmensanalyse finden die Bilanzstruktur, die Innenfinanzierungskraft sowie die unternehmensspezifischen Wachstumsperspektiven besondere Beachtung. Das Portfolio ist nach Branchen und Regionen diversifiziert. Der Schwerpunkt liegt bei hochkapitalisierten und daher auch hochliquiden Werten aus den führenden Aktienindizes. Die Fondsstrategie wurde in den vergangenen Jahren mehrfach von unabhängigen Experten ausgezeichnet.

LBBW Dividenden Strategie Euroland I
ISIN: DE000A0NAUM4
WKN: A0NAUM
Verwaltungsvergütung:  0,80 % p.a.
Ausgabeaufschlag: 0,00 %
Mindestanlage: 75.000 Euro
Aufgelegt am: 30. September 2008
Geschäftsjahr:  1. Februar bis 31. Januar
Ertragsverwendung: Ausschüttung
Fondswährung: EUR

LBBW Dividenden Strategie Euroland R
ISIN: DE0009780411
WKN: 978041
Verwaltungsvergütung:  1,5 % p.a.
Ausgabeaufschlag: 5,00 %
Aufgelegt am: 28. Juni 1999
Geschäftsjahr:  1. Februar bis 31. Januar
Ertragsverwendung: Ausschüttung
Fondswährung: EUR

EUROPEAN FUNDS TROPHY: LBBW ASSET MANAGEMENT ALS BESTER ASSET MANAGER AUSGEZEICHNET
Renommierte Auszeichnung: Bei der European Funds Trophy ist die LBBW Asset Management jetzt zum besten Asset Manager Deutschlands gekürt worden – und zwar in der Kategorie „26 bis 40 bewertete Fonds“. Mit der European Fund Trophy zeichnet die Fondsanalyse-Gesellschaft FUNDCLASS jährlich die besten Fondsmanager und Asset Manager in Europa aus.

Asset Management in politisch unsicheren Zeiten

Die US-Wahlen haben an den Finanzmärkten vieles verändert. Deflationsangst war gestern, die Rede ist nunmehr von Reflation und Inflation. Aktien und Unternehmensanleihen steigen, in den Industrieländern ziehen die Zinsen an. Die Investoren reagieren schnell und stellen sich auf die neue Richtung ein.

Auch die Candriam Inverstors Group, einer der führenden europäischen Multi-Asset-Spezialisten, passt jetzt ihre Asset-Allocation-Strategien an. Im Fokus der Analyse von Candriam stehen die politische Neuordnung in den USA, die Folgen politisch bedingter Risikoaufschläge in Europa auf die Märkte des Euroraums sowie die Frage, ob Emerging Markets aktuell Anlagealternativen zu den Industrieländern bieten.

USA: Die Reformen Trumps sind gut für die Märkte

Die US-amerikanische Wirtschaft hat sich inzwischen vollständig von der Finanzkrise 2008 erholt. Mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ist eine neue politische Ära angebrochen. Dank der Aussicht auf höhere Staatsausgaben wird die US-Konjunktur weiter stark bleiben. Auch eine von Trump favorisierte expansivere Fiskalpolitik und die geplante Steuerreform sind a priori gut für Aktien. Die politischen Risiken bleiben dennoch sehr hoch, sodass sich die Titel sehr unterschiedlich entwickeln dürften und es aller Voraussicht nach zu einer starken Sektorrotation kommen wird.

Für die Anleihemärkte bedeutet die neue Lage das Ende der Erholung. Verbunden mit einem Inflationsanstieg und dem Abschied von der lockeren Geldpolitik werden die Zinsen steigen. Alle Augen richten sich auf die Federal Reserve Bank, die für die Jahre 2017 und 2018 drei Zinserhöhungen in Aussicht stellt. Nicolas Forest, Head of Fixed Income Management bei Candriam, erklärt: „Weil es an den Anleihenmärkten jetzt viel langsamer vorangehen wird und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei etwa drei Prozent liegt, erscheint uns hier eine unterdurchschnittliche Duration vernünftig – zumal sich die Fed vorgenommen hat, die Geldpolitik stark zu straffen.“

Alles in allem erwartet die Candriam Investors Group ein steigendes Interesse an Wertpapieren, die von einer Belebung der Wirtschaft profitieren. Nadège Dufossé, Head of Asset Allocation bei Candriam, fügt hinzu: „Wie sich die Märkte tatsächlich entwickeln, hängt vor allem davon ab, ob die Investoren darauf vertrauen, dass Donald Trump seine wirtschaftspolitischen Versprechen einlöst.“

Europa: Politisches Risiko schwebt über den Aktienkursen

Die Konjunktur innerhalb des Euroraums verbessert sich weiter. Das Vertrauen in die Wirtschaft sowie Unternehmensgewinne und Inflation steigen. Der seit 2012 bestehende „Draghi Put“ dürfte seine Wirkung verlieren, wenn die Europäische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm schneller zurückfährt als erwartet. Ein möglicher Wahlsieg des Front National von Marine Le Pen in Frankreich und eine fragile politische Landschaft in Italien trüben dennoch die Aussichten und sorgen für hohe Unsicherheit. Anlagen in europäische Staatsanleihen erfordern deshalb einen umsichtigen Ansatz und taktisches Geschick.

In der Risikoprämie europäischer Aktien sind die derzeitigen politischen Risiken weitgehend berücksichtigt. Die Wahlen in Frankreich sind entscheidend. „Europäische Aktien sind günstig bewertet. Zwar kehren immer mehr Investoren an den Aktienmarkt zurück, aber in den meisten Portfolios sind die Aktienquoten noch lange nicht wieder so hoch wie früher. Wenn die politischen Risiken zurückgehen, dürften sich wieder mehr Anleger für europäische Aktien entscheiden“, erläutert Dufossé. Die Spreads europäischer Unternehmensanleihen sind so niedrig wie selten zuvor, Gewinne sollten demnach im Bereich des Möglichen liegen. Anleihen von europäischen Banken und Versicherungen bleiben aber interessant. Sie profitieren von gläubigerfreundlichen Regulierungen, stabilen Unternehmensbilanzen und einer attraktiven Bewertung.

Emerging Markets: Stabile Aussichten

Nach einigen turbulenten Jahren präsentieren sich die Emerging Markets seit Anfang 2017 wieder stabiler. Ihre Fundamentaldaten sind gut. Sie wachsen doppelt so stark wie die Industrieländer, ihre Binnennachfrage steigt und ihre Außenbilanzen verbessern sich. Die Risiken in China scheinen zurückzugehen. Das Bruttoinlandsprodukt wächst entsprechend den Erwartungen der Regierung, die allmählich bereit ist, weniger Wachstum zu akzeptieren, um die finanziellen Risiken in den Griff zu bekommen. In diesem Jahr dürfte aus der angestrebten sanften Landung Chinas kein systemisches Risiko erwachsen.

Lateinamerika profitiert ebenfalls von der Rückkehr zu Normalität – sowohl bei den Anleihen als auch bei den Währungen. „Emerging-Market-Anleihen lassen attraktive Erträge erwarten, auch wenn es große Unterschiede gibt“, sagt Nicolas Forest. Nicht alle Länder sind in gleichem Ausmaß von möglichen Reformen Donald Trumps betroffen. Deshalb bevorzugt die Candriam Investors Group interessante High-Yield-Bonds beispielsweise aus Argentinien und Brasilien. Auch das Aufwertungspotenzial lateinamerikanischer Währungen ist vielversprechend.

Industrie & Chemie-Sektoren befeuern deutschen M&A-Markt

Laut Mergermarket, dem führendem M&A-Berichtsdienst, wurden in den ersten zwei Monaten dieses Jahres 134 Übernahmen deutscher Unternehmen im Wert von 10,8 Milliarden Euro angekündigt. Dies stellt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg des Transaktionswerts von 88,3 Prozent dar (172 Deals, 5,7 Mrd. Euro). Dies ist ein starker Start in das neue Jahr nach einem äußerst erfolgreichen 2016 – mit 898 Deals im Wert von mehr als 73,6 Milliarden Euro. Es handelt sich um den höchsten Jahreswert für Deutschland seit 2007 und der höchste jährliche Abschluss seit der Gründung von Mergermarket im Jahr 2001.

Industrie und Chemie bleiben weiterhin die attraktivsten Sektoren und stellen mit 46 Transaktionen im Wert von 4,3 Milliarden Euro in den ersten zwei Monaten 2017 rund 32 Prozent des gesamten Marktes dar (Grafik siehe PDF). Dies entspricht einer Steigerung von 53,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (48 Deals, 2,8 Mrd. Euro) und dem höchsten Jahreswert seit 2011. Mergermarket-Daten deuten an, dass dieser Anstieg auf die Digitalisierung in den verschiedenen Branchen zurückzuführen sein könnte. Ein Beispiel dafür sei die Automobilbranche, die von der staatlich geförderten Digitalisierungsinitiative „Industrie 4.0" unterstützt wird, die das Smart Factory-Konzept zu fördert. Dieses Konzept umfasst das Internet der Dinge, Cloud-Technologie und die Automatisierung von Fertigungstechnologien.

Ausländische Investoren steigen vermehrt in deutsche Vermögenswerte ein. In den ersten zwei Monaten 2017 wurden 81 ausländische Übernahmen deutscher Firmen mit einem Volumen von 9,8 Milliarden Euro verkündet. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Volumenwachstum von 101 Prozent (83 Deals, 4,9 Mrd. Euro), während die Dealanzahl konstant geblieben ist. Allerdings hat das Interesse Chinas am deutschen Markt, angetrieben durch die Industrietechnologie-Nachfrage im Rahmen der Regierungsinitiative „Made in China 2025“, eine Delle erhalten. Im Vergleich zu neun Deals im 1. Quartal 2016 gab es in diesem Jahr bisher erst drei Transaktionen (Grafik siehe PDF).

Deutschlands M&A-Performance wurde im vergangenen Jahr kaum von politischen Unsicherheiten, die noch 2016 dominierten, getroffen. Eine Marktabkühlung im Jahr 2017 ist für das zweite Halbjahr wahrscheinlicher. Grund dafür ist die anstehende Bundestagswahl im September und das damit verbundene hohe Maß an Unsicherheit bezüglich ihres Ausgangs.

Über Mergermarket
Mergermarket ist ein unabhängiger Mergers & Acquisitions (M&A) Berichtsdienst mit einem einzigartigen Netzwerk von engagierten M&A-Journalisten, die an 62 Standorten in Nord-, Mittel- und Südamerika, in Europa, der Asien-Pazifik-Region, dem Nahen Osten und Afrika vertreten sind. Im Gegensatz zu ähnlichen Dienstleistern spezialisiert sich Mergermarket auf zukunftsgerichtete Erhebungen und Deal Flow-Chancen, integriert in eine umfangreiche Transaktionsdatenbank – was zu echten Umsätzen für die Kunden führt. Besuchen Sie www.mergermarket.com.  

Flexible Finanzierungen treiben deutsche Deal-Aktivitäten an

Laut Debtwire, dem führenden Anbieter von Fixed-Income-Berichten, -Analysen und -Daten und Schwesterprodukt von Mergermarket, ist das Leveraged-Loans-Emissionsvolumen in Deutschland in diesem Quartal deutlich angestiegen. Gleichzeitig hat sich der Preiskorridor verkleinert, was den Trend aus den ersten drei Quartalen 2016 wiederhergestellt hat.

Deutsche Leveraged-Loans haben in diesem Jahr ein Emissionsvolumen von 6,6 Mrd. Euro erreicht. Das sind 3,6 Millionen Euro mehr als im ersten Quartal 2016 (Grafik siehe PDF), bzw. eine Steigerung von 120 Prozent. Das neue Volumen profitiert allerdings hauptsächlich von drei großen Deals auf dem deutschen Markt: Xella, Douglas Holding und Tele Columbus.

2016 machten Refinanzierungen, Dividenden-Rekapitalisierungen und Repricing-Transaktionen 46 Prozent des Emissionsvolumens aus, während M&A-Deals mit 40 Prozent den anderen großen Teil der Emissionen repräsentierten (Grafik siehe PDF). Im deutschen High Yield-Sektor machten M&A-Aktivitäten allerdings nur vier Prozent der Geschäfte aus, wobei Refinanzierungen mit 57 Prozent den größten Teil des Emissionsvolumens darstellten (Grafik siehe PDF).

Laut Debtwire überwiegen zudem in Deutschland und im übrigen Europa weiterhin Covenant-Lite-Finanzierungen, die Kreditnehmern eine Menge Flexibilität auf Kosten von Absicherungen geben. 83,8 Prozent der Kreditgeschäfte in Deutschland fielen im ersten Quartal 2017 in diesen Bereich, was weitgehend dem Volumen der Vorquartale entspricht. Die einhergehende schwächere Dokumentation konnte Investoren nicht davor abschrecken, sich weiterhin im deutschen Markt in Covenant-Lite-Finanzierungen zu engagieren.

Die reichliche Liquidität wird auch auf dem privaten Kreditmarkt (Private Debt) beobachtet. Alternative Kreditgeber versuchen mehr Marktanteile in Deutschland zu gewinnen, obwohl im vergangenen Jahr der Bankensektor aufholte und wieder etwas verlorenen Boden gutmachen konnte.

Über Mergermarket
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Outperformance von Schwellenländeranlagen für 2017 erwartet

Den Schwellenländern geht es so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Dass die Wirtschaft nicht mehr gegen das rückläufige Kreditwachstum ankämpfen muss, zeigt sich nicht zuletzt anhand einiger Fundamentaldaten: Dazu zählen unter anderem die sich stetig verbessernden Einkaufsmanagerindizes sowie die Erholung des Automobilabsatzes. Freundlichere Handelszahlen deuten zudem auf einen Anstieg der Exporte hin. „Die Region profitiert nicht nur von der Belebung des Wachstums, sondern auch von einer sehr guten Erholung der Zahlungsbilanzen. Dies ist sehr wichtig, da die meisten Schwellenländer 2013 noch bedeutende Außenhandelsdefizite verzeichneten“, sagt Paul McNamara, Investment Director bei GAM. Die Erholung der Industrieproduktion deute zudem darauf hin, dass das BIP-Wachstum weiter anziehen werde. „Zusammen mit der nachlassenden Dynamik in den Industrieländern dürfte dies zu einer Ausweitung der relativen Wachstumskluft führen - ein Faktor, mit dem Schwellenländeranlagen stark korrelieren. Eine Beschleunigung des Wachstums in Schwellenländern führt in der Regel zu einer deutlichen Outperformance von Schwellenländeranlagen, insbesondere bei Lokalwährungsanleihen und Aktien“, so der Experte. Die attraktiven makroökonomischen Fundamentaldaten würden daher eine sehr optimistische Ausrichtung der Anlagen rechtfertigen.

Unsicherheit über den Trump-Effekt

Jedoch berge die politische Situation in den USA gewisse Herausforderungen, insbesondere weil diese bereits zu einer höheren und erheblich steileren US-Renditekurve geführt habe. „Zwar ist diese eher ein Problem für Hartwährungsanlagen als für ihre ‚lokalen‘ Pendants. Sie kann sich aber destabilisierend auswirken und indirekt zu einem Anstieg der Risikoprämien führen“, so McNamara. Auszuschließen sei auch nicht, dass die protektionistische Agenda der US-Handelspolitik auf etwas umschwenken könnte, das weit über die reine Verteufelung mexikanischer Unternehmen hinausgehe. „Dies könnte in einem breiteren Angriff auf die Welthandelsorganisation (WTO) münden. Da die Schwellenländer am meisten von der Globalisierung profitieren, wären die Folgen für Schwellenländeranlagen sehr negativ.“

Sollte der neue US-Präsident alle seine Wahlversprechen erfüllen, könnten Schwellenländeranlagen laut McNamara um 20 Prozent fallen. Gelänge es ihm dahingegen nicht, im Kongress die erforderliche Unterstützung für die kontroverseren Komponenten seiner Agenda zu erhalten, könnten Schwellenländeranlagen dank der robusten wirtschaftlichen Fundamentaldaten ebenso gut um 25 Prozent oder mehr steigen. „In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass Trump die meisten seiner Ziele verfolgen wird. Dies würde unsere moderate Gewichtung in Mexiko rechtfertigen, für dessen Märkte wir ansonsten eine sehr starke Kaufempfehlung aussprechen würden. Mexiko ist dem Trump-Risiko wesentlich stärker ausgesetzt als alle anderen Länder. Dieses Risiko lässt sich jedoch nur schwer verallgemeinern und absichern. Deshalb halten wir einen konservativen Ansatz für angebracht“, erläutert McNamara.

Europa-Risiko überschätzt

Aktuell bestehe außerdem die Sorge, dass ein überraschendes Wahlergebnis in Frankreich zu einer Aufsplittung der Eurozone führen könnte. Die Risiken auf dem europäischen Kontinent werden laut McNamara jedoch überschätzt: „Zwar hat das Jahr 2016 uns allen gelehrt, dass es unsinnig ist, zu viel in Meinungsumfragen hineinzulesen, dennoch ist ein Wahlsieg von Marine Le Pen und ein nachfolgender Markteinbruch aktuell eher unwahrscheinlich. Darüber hinaus sieht es so aus, als hätte die überraschende Allianz zwischen Emmanuel Macron und François Bayrou, einem Veteranen aus drei Präsidentschaftswahlen, der selbst als Kandidat gehandelt wurde, die Wahrscheinlichkeit verringert, dass Le Pen das Amt übernimmt und einen bevorstehenden Austritt Frankreichs aus der EWWU auslöst.“ 

Schwellenländer-Engagements weiterhin empfohlen

Im Hinblick auf die gesamte Schwellenregion gilt der Fokus des Experten primär dem fundamentalen Bild: „Die Wachstumsbelebung hat bereits eingesetzt, und die Zahlungsbilanzen erscheinen grundsolide. Sofern das Worst-Case-Szenario nicht eintritt, das entweder im Anfang vom Ende der Globalisierung oder einer Aufsplitterung der Eurozone bestehen könnte, glauben wir, dass sich Schwellenländeranlagen in diesem Jahr außerordentlich gut entwickeln dürften.“ Die Einbeziehung von Schwellenländer-Engagements in Anlageportfolios hält der Experte daher nach wie vor für sinnvoll. Anlegern bleibe je nach Stärke des persönlichen Nervenkostüms offen, trotz der wahrscheinlich hohen Volatilität eine Long-only-Strategie zu verfolgen, um ihre Rendite zu maximieren - oder das stabilere Renditeprofil einer Long-Short-Strategie vorzuziehen. „Dies ist letztlich eine Frage der Risikobereitschaft, doch in einem derartig turbulenten Umfeld spricht anstelle eines passiven, indexierten Ansatzes vieles für Strukturen und Lösungen mit einem sorgfältigen Risikomanagement“, schließt McNamara.

Sind die Finanzmärkte zu optimistisch?

von Patrice Gautry – Chefvolkswirt, Union Bancaire Privée.

Die Expansionsphase der risikoreichen Assetklassen hält an: Die weiterhin steigenden Bewertungen der Aktienmärkte und die Entwicklung der Indizes können mit den Trends der besten Börsenzeiten in den 1980er und 1990er Jahren verglichen werden. Der Grund hierfür sind starke Wachstumsperspektiven und die Annahme, dass die Zentralbanken keine drastische Abkehr ihrer jetzigen Geldpolitik vornehmen werden.

Weltweit steigt das Wirtschaftswachstum und das Geschäftsklima verbessert sich, wobei das europäische Wachstum jetzt die USA überholt. In den Schwellenländern ist die Wirtschaftstätigkeit beständig; China kümmert sich ebenfalls um ein stärkeres Gleichgewicht seiner Wachstumssektoren.

Mit der zunehmenden Reife des Wachstumszyklus der Industrieländer steigt ebenfalls deren Inflation und nähert sich somit den Zielvorgaben der Zentralbanken. Diese werden von daher ihre wirtschaftliche Unterstützung zurückfahren – das geschieht allerdings je nach Region in unterschiedlichem Ausmaß. Somit werden günstige Rahmenbedingungen für die Aktienmärkte geschaffen, was wiederum den Anstieg der langfristigen Zinsraten rechtfertigt.

Unternehmen profitieren von den günstigen Umsatzprognosen, die sich positiv auf ihre Kapitalkosten auswirken. Steigende Löhne und Rohstoffpreise wirken sich allerdings dämpfend auf die steigenden Gewinnspannen aus. In den USA liegen sie bereits auf historischen Höchstständen, während sie in Europa und Japan noch Steigerungspotenzial besitzen.

Die höheren Aktienbewertungen sind ein Zeichen tatsächlicher Besserung. Damit sie allerdings auf derart hohem Niveau bleiben, müssten die Unternehmensgewinne – vor allem in den USA – überraschende Steigerungen aufweisen. Ebenso müsste die amerikanische Wirtschaftspolitik für zusätzliche Gewinnantriebe sorgen. Gleichzeitig bleiben die politischen Ereignisse in Europa jedoch unberechenbar und bergen das hohe Risiko eines Rückfalls vergleichbar mit den Krisenjahren 2010 bis 2012.

Der „Price of Perfection“ für Aktien muss von daher von der künftigen Wachstums- und Gewinnentwicklung mitgetragen werden, ansonsten droht die nächste Marktblase.

Die Erwartung niedriger Realzinsen begünstigt Gold

Gold-ETPs (A0LP78) verzeichneten die zweithöchsten wöchentlichen Zuflüsse in diesem Jahr, da die Goldpreise stiegen. Bei Rohöl-ETPs (A1N49P) kam es aufgrund nachgebender Preise in der vierten Woche in Folge zu Nettozuflüssen. Hinsichtlich des Euro sind die Anleger optimistisch, da die politische Unsicherheit nachlässt. Das Interesse an Themen-ETPs im Bereich Technologie wächst, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick.

Gold-ETPs (A0LP78) verzeichneten die zweithöchsten wöchentlichen Zuflüsse in diesem Jahr, da die Anleger davon ausgehen, dass die moderaten Signale der Fed die Goldpreise weiter stützen werden. Die Zuflüsse in Gold-ETPs betrugen in der vergangenen Woche 167 Mio. USD. Der Goldpreis selbst stieg in der Woche um 1,45 Prozent und seit der Zinsanhebung der Fed Mitte März um 4 Prozent. „Da die Inflation weiter zunimmt, hat die moderate Geldpolitik der Fed zur Folge, dass die Realzinsen weiter sinken. Der Goldpreis könnte entsprechend bis Jahresmitte auf 1.300 USD/oz. zulegen“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Hinsichtlich des Euro sind die Anleger optimistisch, da die politische Unsicherheit nachlässt. Die britische Premierministerin May leitet in dieser Woche den Brexit gemäß Artikel 50 ein, sodass die zweijährigen Verhandlungen über den EU-Austritt beginnen können. Gleichwohl ließen die Ängste über den Aufstieg des Populismus in Europa nach. Die konservative Partei gewann die Wahlen in den Niederlanden und der französische Präsidentschaftskandidat Macron übernahm in den Umfragen die Führung. Beides wirkte sich auf den Euro stützend aus. „In der Folge kam es in der vergangenen Woche bei Short-USD-/Long-EUR-ETPs (A1EK0W) zu Zuflüssen in Höhe von 9,2 Mio. USD. Auch die Engagements beim japanischen Yen wurden gekürzt, sodass 8,7 Mio. USD in Long-USD-/Short-JPY-ETPs flossen“, sagt Hein.

Bei Rohöl-ETPs (A1N49P) kam es aufgrund nachgebender Preise in der vierten Woche in Folge zu Nettozuflüssen. Rohöl der Sorten Brent und WTI fiel in der vergangenen Woche im Schnitt um 1,75 Prozent, wobei Brent zum Wochenende bei 50 USD/Barrel lag und WTI einen Abschlag von rund 2,8 USD/Barrel aufwies. Nach unserer Überzeugung werden die Rohölpreise weiter fallen, da die saudische Inlandsnachfrage zunehmen und folglich die Wahrscheinlichkeit weiterer Förderkürzungen in den kommenden Monaten sinken dürfte. In den USA nehmen die Anzahl der Förderplattformen, die Förderleistung und die Lagerbestände weiter zu, was den trendmäßigen Angebotsüberhang noch zusätzlich verschärft und den Preis von WTI belastet. „Die spekulative Nettoposition ging bei den Kontrakten in der vorletzten Woche im Schnitt um 13 Prozent zurück, sodass sich bei den Rohölpreisen auf kurze Sicht noch mehr Abwärtsdruck andeutet“, fügt Hein hinzu.

Das Interesse an Themen-ETPs im Bereich Technologie wächst. In Cybersicherheit-ETPs (A14ZT8) und Robotik-ETPs (A12GJD) flossen in der vergangenen Woche 5 Mio. USD beziehungsweise 16 Mio. USD, wobei Cybersicherheit im Wert um 1,42 Prozent stieg, Robotik aber um 1,12 Prozent nachgab. Mit Ausnahme einer einzigen Woche kam es seit Auflegung der ETPs kontinuierlich zu Zuflüssen, die mittlerweile insgesamt 142 Mio. USD beziehungsweise 401 Mio. USD betragen. „Seit Jahresanfang erhöhten sich die Zuflüsse bei Cybersicherheit um 70 Prozent und bei Robotik um 103 Prozent. Zugleich stiegen die Preise über denselben Zeitraum um 13,4 Prozent beziehungsweise um 11,5 Prozent“, sagt Hein.

Protektionismus und Fiskalpolitik sorgen für langsameres, aber stabiles Wachstum

Die Weltwirtschaft dürfte in den nächsten fünf Jahren eine Phase langsamen, aber stetigen Wachstums erleben. Zu diesem Ergebnis kommt der Vermögensverwalter BMO Global Asset Management in seinem Fünf-Jahres-Ausblick für die Jahre 2017 bis 2022. „Zwei Faktoren bestimmen in den nächsten fünf Jahren die Richtung der weltwirtschaftlichen Entwicklung: erstens die Geldpolitik, die ihre Möglichkeiten ausgereizt hat, und zweitens der Aufstieg des Populismus in den westlichen Demokratien. Die globalen Handelsvolumina dürften durch protektionistische Maßnahmen zurückgehen, während die Fiskalpolitik für Wachstumsstimuli sorgen könnte“, fasst Steven Bell, Chef-Ökonom von BMO Global Asset Management, die Ergebnisse zusammen. Für die Schwellenländer rechnen die Experten von BMO Global Asset Management allerdings mit einem anhaltend hohen Wachstum. „Insbesondere China und Indien haben sich zu den neuen globalen Wachstumsmotoren weiterentwickelt. Wir erwarten, dass diese Länder in den nächsten fünf Jahren mit rund einem Drittel zum weltweiten Wachstum beitragen werden“, so Bell.

Die Geldpolitik hat ihre Möglichkeiten ausgereizt

Die vergangenen Jahre hätten die Grenzen geldpolitischer Stimuli aufgezeigt. Zwar hätten niedrige Zinsen die Nachfrage nach Darlehen in gewissem Maße beflügelt. Und nicht zuletzt aus diesem Grund sei die europäische Wirtschaft trotz des Brexit-Schocks stabil geblieben. „Allerdings haben die Verbraucher keineswegs mehr konsumiert, sondern angesichts niedriger Zinsen die Sparraten erhöht. Das ist ziemlich genau das Gegenteil von dem, was sich die Geldpolitiker erhofft hatten“, kommentiert Steven Bell. Die Experten von BMO Global Asset Management rechnen nun damit, dass die Fiskalpolitik die Geldpolitik bei dem Versuch, die Nachfrage zu stimulieren, ablösen wird. Dazu dürften auch die Investitionsprogramme von Regierungen beitragen, wie sie unter anderem vom neuen US-Präsidenten Donald Trump angekündigt worden sind. Geld- und Fiskalpolitik dürften dabei zunehmend Hand in Hand arbeiten, so wie heute schon in einigen Staaten die Zentralbanken zur Finanzierung staatlicher Ausgabenprogramme beitrügen.

Einfluss des Populismus dürfte begrenzt bleiben

„Die Politik ist der zweite zentrale Faktor, der den Takt der Weltwirtschaft in den nächsten fünf Jahren bestimmen wird“, erklärt Bell. In Folge des schwachen Wachstums der vergangenen Jahre hätten sich niedrige Unternehmensgewinne auf das Lohnwachstum und damit auf den Lebensstandard einiger Bevölkerungsschichten durchgeschlagen. In den USA, aber auch in Europa, sei daher in Bevölkerungsschichten, die sich abgehängt und marginalisiert fühlen, die Sehnsucht nach einem Wandel gewachsen. Das habe Populismus und Protektionismus Aufwind verschafft, auch wenn den Wählern die eigentlichen Folgen ihrer Entscheidungen selten bewusst seien. Eine Politik von Zöllen und selektiven Deals einerseits und staatlicher Investitionsprogramme andererseits dürfte sich jedoch negativ auf Handelsvolumina und Produktivitätswachstum auswirken. „Allerdings glauben wir, dass der Einfluss des Populismus begrenzt bleiben wird, da sich die Politik früher oder später mit den tieferliegenden Ursachen beschäftigen dürfte, die hinter dem Thema ‚wachsende Ungleichheit‘ stehen. Sicher ist das allerdings keineswegs, denn die Politik hat gezeigt, wie unberechenbar sie ist“, so Bell.

Steigende Aktienmärkte und starker US-Dollar

In diesem Umfeld erwartet BMO Global Asset Management allerdings weiterhin einen positiven Aufwärtstrend für die globalen Aktienmärkte. Dabei dürften die Renditen jedoch niedriger ausfallen, denn eine stärkere Rolle der Fiskalpolitik bedeute auch steigende Lohnkosten, die wiederum auf die Margen drückten. Weniger gut fällt dagegen der Ausblick für Anleihen aus, denn die anhaltend niedrigen Zinsen dürften weiter auf den Renditen lasten. „Die Zinsen bedeuten schwindende Einkommensströme für Investoren, und Dividenden könnten für viele Investoren zu einem willkommenen Ersatz werden“, sagt Bell. Die Dynamik zwischen den einzelnen Märkten könnte sich indes verändern: In Zukunft dürften Volkswirtschaften, die auf Konsum statt auf Produktion setzen, und auch die Rohstoffimporteure gegenüber den Rohstoffexporteuren im Vorteil sein. „In der Folge wird uns ein aktuelles Phänomen wohl noch eine Weile erhalten bleiben: Der US-Dollar dürfte gegenüber anderen Währungen stark bleiben“, schließt Steven Bell.

Den vollständigen Fünf-Jahres-Ausblick in englischer Sprache finden Sie unter: http://bmogamviewpoints.com/five-year-outlook/

Brasilien: kein anderes Schwellenland hat derzeit eine höhere Reformdynamik

von Maarten-Jan Bakkum, Senior Strategist, Emerging Markets bei NN Investment Partners.

Ein wichtiger Eckpfeiler der Rentenform ist, dass das durchschnittliche Renteneintrittsalter unweigerlich von 55 auf 65 Jahre angehoben wird. Außerdem werden die Regeln für Männer und Frauen angeglichen (derzeit gehen Frauen in Brasilien im Durchschnitt fünf Jahre eher in Rente als Männer). Über diese beiden Grundsätze wird die Regierung von Michel Temer nicht mit sich reden lassen. Nur das Tempo der Reformen ist verhandelbar. Wenn zu viele Zugeständnisse gemacht werden, könnte Sorge in Bezug auf die Tragbarkeit der Staatsverschuldung aufkommen. Selbst wenn die Regierung die Pläne wie vorgeschlagen umsetzt, dürfte die Staatsverschuldung von derzeit 70 auf rund 95 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ansteigen. Schon bei kleineren Änderungen an den Reformvorschlägen könnte die Schuldenquote daher rasch auf über 100 Prozent schnellen. Derzeit beläuft sich das Haushaltsdefizit auf 8 Prozent des BIP. Da die Zinsen in den vergangenen Monaten stark gesunken sind, ist es bereits deutlich niedriger als vor einem Jahr (11 Prozent). Aber schon bei kleinsten Zweifeln an der Umsetzung der Rentenreformen würden die Zinsen wieder steigen, was eine Stabilisierung der Schuldenquote erschweren würde.

Es ist wirklich ein Wunder, dass der brasilianische Kongress voraussichtlich im Mai über die Rentenreformen abstimmen wird. Noch vor einem Jahr war dies unwahrscheinlich. Allerdings wurde inzwischen das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff eingeleitet. Zwar gibt es weiter einige Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens, aber die neue Regierung hat die drängendsten Reformen tatsächlich angepackt. Dabei erzielt sie in allen wirtschaftspolitischen Bereichen Fortschritte: Neben dem Plan zur wichtigen Rentenreform wurden auch strikte Vorgaben zur Begrenzung der Staatsausgaben eingeführt, weit verbreitete Kreditsubventionen werden eingedämmt, in mehreren Branchen findet eine Deregulierung und Privatisierung statt, und weitreichende Arbeitsmarkt- und Steuerreformen werden ausgearbeitet. Ein Team von Technokraten soll diese Reformen vorbereiten, und Präsident Temer sowie sein wichtigster Berater Eliseu Padilha haben bewiesen, dass sie sich die erforderliche politische Unterstützung im Kongress sichern können.

Erst im Oktober 2018 stehen Präsidentschaftswahlen an, sodass noch Zeit für die Reformpolitik vorhanden ist. Die Übergangsregierung scheint über das Wissen, die Tatkraft und das erforderliche politische Kapital zu verfügen, um die größten wirtschaftlichen Herausforderungen Brasiliens anzugehen. Daher dürfte das Vertrauen in das Land am Zuckerhut weiter wachsen, die Zinsen dürften weiter sinken und das Wachstum sollte sich endgültig wieder beleben. Dennoch bestehen weiterhin Risiken. So könnten Schlüsselpersonen der Regierung Temer zurücktreten, weil sie möglicherweise in einen der größeren Korruptionsskandale verwickelt sind. Oder es könnte aufgrund einer Konjunkturverlangsamung in China zu einer Rohstoffpreiskorrektur kommen. Längerfristig sind die beträchtliche Einkommensungleichheit und das schlechte Bildungssystem ernsthafte Herausforderungen. Die finanziellen Risiken erscheinen jedoch derzeit beherrschbar. Aber noch viel wichtiger ist, dass kein anderes Schwellenland derzeit eine größere Reformdynamik aufweist als Brasilien.

Mexiko und eine Mauer der Unsicherheit

Eine der Prioritäten der neuen amerikanischen Regierung ist es erklärtermaßen, Handelsdefizite und den Verlust von Arbeitsplätzen anzugehen, die US-Präsident Donald Trump auf unvorteilhafte Vereinbarungen mit wichtigen US-amerikanischen Handelspartnern zurückzuführt. So stehen etwa der Handel mit Mexiko und das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) auf Trumps Bedenkenliste. Die Ungewissheit darüber, welche Änderungen die Regierung empfehlen kann und welche neuen politischen Maßnahmen getroffen werden, hat die Aussichten der Investoren für Mexiko und seine Märkte verdunkelt. Zu diesem Schluss kommen die T. Rowe Price Experten Gonzalo Pángaro, Portfoliomanager der Emerging Markets Equity Strategy, Verena Wachnitz, Portfoliomanagerin der Latin America Equity Strategy und Richard Hall, Sovereign Credit Analyst für Schwellenländer.

Unbeabsichtigte Folgen

„Die potenziellen Schritte, die Präsident Trump möglicherweise zur Umsetzung seiner neuen Handelspolitik ergreift, könnten die Neugründung oder die vollständige Abschaffung der NAFTA oder die Einführung einer sogenannten Border Adjustment Tax, kurz BAT, auf Einfuhren aus Mexiko beinhalten. Das Ziel würde darin bestehen, das Handelsbilanzdefizit mit Mexiko zu reduzieren – das im Jahr 2015 bei 60 Milliarden US-Dollar lag. Allerdings ist nicht klar, ob diese aggressive Politik auch zum gewünschten Erfolg führen würde“, erläutert Portfoliomanager Pángaro.

Wenn der Präsident tatsächlich beschlösse, aus dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA auszutreten, würden für Zölle die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) gelten, die durchschnittlich weniger als vier Prozent für mexikanische Güter auf dem Weg in die USA ausmachen würden. Die jüngste Abwertung des mexikanischen Peso, seit der US-Wahl rund sieben Prozent gegenüber dem US-Dollar, habe dies bereits kompensiert.

„Diese Peso-Schwäche schafft eine Herausforderung für jeden Versuch der Trump-Regierung, Zölle oder eine Border Adjustment Tax zu verwenden, um das Handelsdefizit der USA mit Mexiko zu reduzieren. Über 80 Prozent der Exporte Mexikos gehen in die USA, und es gibt eigentlich keine eindeutigen Alternativziele für diese Exporte. Das bedeutet, dass hohe Zölle auf mexikanische Güter den Peso weiter schwächen würden. Die Produktionskosten Mexikos gemessen in US-Dollar würden sich gegenüber US-Produzenten verringern, was die Wirkung der Zölle auf die Handelsvolumina mehr oder weniger zunichtemachen könnte“, so Pángaro.

Darüber hinaus, darauf weisen Pángaro, Wachnitz und Hall hin, seien die Volkswirtschaften stark miteinander verflochten. So kaufte Mexiko zum Beispiel 18 Prozent der US-Exporte von Industrieerzeugnissen im Jahr 2015. Zwischenerzeugnisse aus Mexiko seien wiederum ein wichtiger Teil der US-Fertigungsketten. Demnach würden die USA die Auswirkungen einer protektionistischen Politik selbst zu spüren bekommen.

„Wir erwarten, dass die Rhetorik während der ersten Verhandlungsrunden hitzig bleibt. Am Ende aber denken wir, dass das wahrscheinlichste Ergebnis eine pragmatische Lösung sein wird, wie etwa eine Neuverhandlung von NAFTA. Dies dürfte dann die Bedingungen von Mexikos Zugang zum US-amerikanischen Markt nicht grundlegend ändern, sondern zu Verträgen mit besseren Arbeitsstandards und strengeren Anforderungen für zollfreie Waren führen“, prognostiziert Gonzalo Pángaro.

Politische Rhetorik in Washington beeinflusst die mexikanische Politik

Da die Rhetorik aus Washington immer kontroverser geworden sei, habe die Protestbewegung in Mexiko zulasten der traditionelleren, gemäßigten Parteien Zulauf erfahren. Der im politischen Spektrum des Landes weit linksstehende Kandidat Andrés Manuel López Obrador führe derzeit die Umfragen für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr an. Allerdings befinde sich der Wahlkampf noch in einem frühen Stadium und der Kandidat und seine AMLO-Partei müssten vor der Wahl noch einige Hürden überwinden. Aber seine Chancen könnten steigen, wenn sich die Beziehungen zu den USA weiter verschlechterten. Innerhalb Mexikos würden viele Menschen den Aufstieg von AMLO als größtes Risiko für das eigene Land sehen.

Aktien erscheinen derzeit noch überbewertet

Während der Peso momentan billig zu sein scheint, gilt dies nach Ansicht der Experten nicht für die Bewertungen von mexikanischen Aktien. Tatsächlich lägen diese über ihrem historischen Durchschnitt. Die Ertragsprognosen seien aufgrund des trägen wirtschaftlichen Umfelds und der bescheidenen Wachstumsaussichten von ungefähr einem Prozent nicht gesenkt worden.

Investoren könnten mit Blick auf Mexiko auf einen gütlichen Ausgang der gegenwärtigen Handelsspannungen setzen, sich auf die Konjunkturabschwächung oder die im Jahr 2018 anstehenden Wahlen konzentrieren. Sobald der Markt anfange diese Variablen einzupreisen, dürften sich günstige Gelegenheiten bieten, Investments in ausgewählte Unternehmen zu attraktiveren Preisen zu tätigen. „Mexiko verfügt über einen starken institutionellen Rahmen, eine akzeptable Auslandsverschuldung und eine unabhängige Zentralbank. Viele mexikanische Unternehmen fördern eine starke Corporate Governance und eine solide globale Geschäftspolitik. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass der Aktienmarkt auf einem guten Fundament steht. Allerdings bedeutet das wenig, solange die bestehende Unsicherheit hinsichtlich Handelspolitik, Wirtschaft und Präsidentschaftswahl nicht zumindest teilweise zerstreut sind. Und das könnte einige Zeit dauern“, schließt Pángaro.

Für US-Aktien bleibt das Umfeld gut – dank ordentlichem Gewinnwachstum

Die Aussichten für US-Aktien bleiben gut: Amerikanische Aktien erscheinen heute zwar als teuer – ihr durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist jedoch so hoch wie selten zuvor. Gleichzeitig ist der Ausblick für die amerikanischen Unternehmensgewinne aber gut. Zu dieser Einschätzung kommt die Capital Group, einer der größten und erfahrensten aktiven Investmentmanager der Welt mit einem verwalteten Vermögen von 1,4 Billionen US-Dollar.

Grund hierfür ist unter anderem der Konjunkturaufschwung. Nachdem die US-Industrie im Vergleich zum Binnenkonsum 2016 schwach abgeschnitten hat, dürfte die Industrieproduktion in diesem Jahr stärker zulegen – insbesondere der Energiesektor. Weil sich die OPEC und andere Förderländer auf Produktionskürzungen geeinigt haben, sind zudem die Energiepreise wieder gestiegen. Der schwache Dollar hingegen, der seit Jahresbeginn abgewertet hat, konnte die Exportindustrie stützen. Insgesamt ist für die US-Wirtschaft deshalb wieder ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 2 bis 2,5 Prozent möglich – so viel wie nach dem Ende der Rezession Mitte 2009.

Auf steigende Unternehmensgewinne deuten auch die zu erwartenden Unternehmenssteuersenkungen hin. In den nächsten zwölf bis 18 Monaten ist ein ordentliches Gewinnwachstum möglich. Wenn dann noch die Dividendenrendite hinzukommt, besteht die Aussicht auf ein gutes Aktienjahr 2017 – aber auch darüber hinaus stehen die Chancen nicht schlecht.

Dafür spricht auch die Prognose für den US-Leitzins. Zwar hat die US-Notenbank Fed nach der Zinserhöhung im Dezember weitere Zinsschritte für das Jahr 2017 in Aussicht gestellt – vorausgesetzt die Konjunkturdaten bleiben gut. Capital Group selbst glaubt allerdings, dass die Zinsen 2017 allenfalls geringfügig erhöht werden und noch länger niedrig bleiben.

Weitere aktuelle Einschätzungen von Capital Group zu US-Aktien und -Anleihen finden Sie im angehängten White Paper „Zweigeteilte US-Wirtschaft“.

Über die Capital Group
Die Capital Group ist einer der ältesten und größten aktiven Investmentmanager der Welt. Sie managt Aktien-, Anleihen- und Private Equity-Anlagen für unterschiedliche Arten von Investoren. Seit 1931 hat die Capital Group nur ein Ziel: überdurchschnittliche, stabile Erträge für langfristige Investoren – durch Portfolios aus überzeugenden Einzelwerten, sorgfältige Analysen und Eigenverantwortlichkeit. Heute managt die Capital Group über 1,4 Billionen US-Dollar in langfristigen Anlagen für private und institutionelle Investoren weltweit. Die Capital Group hat ein internationales Researchnetz aus über 380 Investmentexperten und Portfoliomanagern mit im Median 27 Jahren Investmenterfahrung.

Attraktive Einstiegsgelegenheit bei Gold-Aktien

Gold-Aktien weisen aktuell ein stärkeres Aufholpotenzial gegenüber dem Goldkurs auf. „Die Märkte haben im Februar erstaunlich stark auf eine Reihe eher enttäuschender Jahresergebnisse reagiert“, sagt Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds von VanEck. So sei der NYSE Arca Gold Miners Index im Februar um 3,9 Prozent gefallen. Zwar hätten sich kleinere Minenbetreiber etwas robuster gezeigt – dies lässt sich daran ablesen, dass der MVIS Junior Gold Miners Index mit einem Minus von 2,2 Prozent weniger stark nachgegeben habe. Trotzdem seien die Verluste der Goldminen-Aktien erstaunlich. Denn im selben Zeitraum stieg der Goldpreis um mehr als 3 Prozent – und notiert aktuell oberhalb der Marke von 1.200 US-Dollar pro Feinunze. Die Abverkäufe in einer ohnehin attraktiv bewerteten Branche hätten dazu geführt, dass die Titel von Goldminenbetreibern derzeit äußerst günstig seien.

Glanzlose Berichtssaison aufgrund von Downgrades und erhöhter Ausgaben

Zwar haben laut Foster die meisten Minenbetreiber die Erwartungen erfüllt. Allerdings hätten einige Unternehmen ihre Reserven zurückgefahren oder ihre Produktionsprognosen gesenkt. Vereinzelt habe es auch Aktienkapitalerhöhungen gegeben. Der anziehende Goldpreis habe zudem viele Minenbetreiber dazu motiviert, ihre Investitionen hochzufahren. „Laut BofA Merril Lynch werden die großen bis mittelgroßen Goldminenbetreiber in Nordamerika ihre Explorationsausgaben im laufenden Jahr um 51 Prozent erhöhen“, erklärt Foster. „Auch das Kapital für Neuprojekte soll um 32 Prozent aufgestockt werden.“ Diese Ausgaben würden zwar die Cash-Flows für das laufende Jahr reduzieren. Langfristig dürften sich die Investitionen allerdings mit Entdeckungen und Erschließungen neuer Goldquellen auszahlen.

Rekordverdächtige Abverkäufe nicht fundamental getrieben

Dass die Abverkäufe im Februar unverhältnismäßig stark waren, zeige sich am Beispiel des Handelstags vom 27. Februar. „Hier erreichte das Intraday-Handelsvolumen von Goldaktien einen neuen Rekordwert. Innerhalb eines Nachmittags stürzten die Kurse so tief, als ob der Goldkurs einen Rückschlag von 30 US-Dollar pro Feinunze erlitten hätte“, erklärt Foster. In der Realität fiel der Goldpreis im Tagesverlauf allerdings um lediglich 0,3 Prozent. Vieles weise darauf hin, dass ein großer Teil der Kursrückgänge auf technisch getriebene Fonds zurückzuführen sei, bei denen Sell-Signale stärkere Stopp-Loss-Verkäufe ausgelöst haben könnten.

Foster ergänzt, dass die Entwicklung der Goldaktien trotz der Rückschläge im Februar insgesamt weiter stark sei. Die Year-to-Date Performance des NYSE Arca Gold Miners Index liegt aktuell bei 10,72 Prozent und die des MVIS Junior Gold Miners Index bei 17,26 Prozent (Stand: 21.03.2017). Der Experte ist davon überzeugt, dass sich der positive Trend langfristig fortsetzen wird – auch weil sich die aktuellen Investitionen der Minenbetreiber auf lange Sicht auszahlen dürften.

Den vollständigen Marktkommentar von van Eck finden Sie links als PDF-Dokument.

Fixed Income: Den drehenden Zyklus meistern

Raymond Sagayam, Chief Investment Officer - Fixed Income bei Pictet Asset Management, beurteilt in dieser Frage- und Antwortrunde die Aussichten festverzinslicher Anlagen ab dem Jahreswechsel weiterhin optimistisch.

Sind Sie der Auffassung, dass sich der globale Bullenmarkt für festverzinsliche Anlagen, der Anfang der 1980er-Jahre begann, seinem Ende neigt?

Raymond Sagayam: Ich bin definitiv davon überzeugt, dass der Bullenmarkt für Anleihen zu Ende geht. Meines Erachtens haben viele der Kräfte, die zusammen für dauerhaft niedrige Zinsen sorgen sollten – deren Zweck zur Beendigung der globalen Finanzkrise erfüllt ist – in den letzten Jahren tatsächlich an Dynamik verloren, und diese Politik ist im derzeitigen Makroumfeld nicht angemessen. Bleibt die Frage, ob dies dem Niedergang festverzinslicher Anlagen gleichzusetzen ist. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass dem nicht so ist.

Auf Talfahrt: Rendite 30-jähriger US-Treasuries

Quelle: Thomson Reuters Datastream. Daten per 27.02.2017.

Wie reagiert ein Fixed-Income-Manager auf diese Situation? 

RS: Erfreulich ist aus meiner Sicht, dass festverzinsliche Anlagen bei privaten und institutionellen Anlegern und Anlageentscheidungen heutzutage einen so hohen Stellenwert einnehmen. Es handelt sich dabei nicht um eine Anlageklasse, die ihre Attraktivität von heute auf morgen verliert. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass festverzinsliche Anlagen kurzfristig volatiler werden. Doch im Kern werden sie einem grundlegenden Bedürfnis gerecht: Sie verschaffen einen stabilen Ertrag über ihre Laufzeit hinweg und erfüllen die Erwartung, dass man das Kapital zurückbekommt. 

Es gibt die Auffassung, wonach Millennials – damit meine ich die jüngere Anlegergruppe – risikobereiter sind und Anleihen infolgedessen meiden. Der Einfluss dieser jüngeren Marktteilnehmer lässt sich gewiss nicht ignorieren. Doch diejenigen, die ihr Geld derzeit anlegen, sind nicht die Millennials. Wer Kapital anlegen muss, ist zumeist älter. In dieser Hinsicht macht sich die demographische Entwicklung in westlichen Ländern und Japan bemerkbar. Und genau diese Menschen werden auf kurze bis mittlere Sicht recht viel Einfluss besitzen.

Diese Anlegergruppe wird niemals auf festverzinsliche Anlagen verzichten können. Das liegt in erster Linie an der Struktur der Anlageklasse und ihrer Eignung als Rentensparprodukt. Kurzfristig könnte ein starker Zinsanstieg dazu führen, dass einige Anleger ihr Fixed-Income-Engagement verringern. Mittelfristig spricht einiges dafür, dass sich genau diese Anleger durch den Zinsanstieg bestärkt fühlen und wieder in Anleihen investieren.

Hinzu kommt, dass steigende Zinsen den Barwert langfristiger Verbindlichkeiten senken, was sich positiv auf Pensionsfonds auswirkt.1 Vor diesem Hintergrund kann man sich leicht ein Szenario vorstellen, in dessen Rahmen sich viele dieser langfristigen Investmentpläne, die fast schon aufgegeben und sich im Wesentlichen damit abgefunden haben, dass die Zinsen auf unbestimmte Zeit niedrig sein werden, neu orientieren.

Im Kern werden festverzinsliche Anlagen einem äußerst reellen Bedürfnis gerecht: Sie verschaffen einen stabilen Ertrag über ihre Laufzeit hinweg und erfüllen die Erwartung, dass man das Kapital zurückbekommt. 

Zinssteigerungen werden den finanziellen Hintergrund zahlreicher Pensionssysteme verändern und ihnen Auftrieb verleihen. Höhere Zinsen wirken sich in zweifacher Hinsicht auf Pensionsfonds aus. Einerseits erhöhen sie den Abzinsungssatz künftiger Verbindlichkeiten. Andererseits jedoch – und das ist genauso wichtig – sind sie positiv für Wiederanlagen: Wenn Anleihen fällig werden, kann das Kapital dank höherer Zinsen lukrativer reinvestiert werden. Das mindert Kapitalverluste.

Meines Erachtens steht umfangreiches Kapital zur Verfügung, das längere Zeiträume mit Marktvolatilität abfedern kann. Allerdings bin ich nicht der Auffassung, dass die Anpassung reibungslos verläuft oder sich leicht vorhersagen lässt. Denkbar sind Umschichtungen zwischen verschiedenen Fixed-Income-Strategien. Anleger, die Zinsvolatilität und die damit verbundenen potenziellen Auswirkungen auf die absolute Performance nicht hinnehmen können, könnten sich dafür entscheiden, in Produkte mit begrenzter Duration umzuschichten. Ich denke dabei an die Geldmärkte, Absolute-Return-Produkte, Total-Return-Fixed-Income-Produkte oder benchmarkgebundene Produkte mit kurzer Duration.

Beispielsweise hat der jüngste Anstieg der USD-Libor-Zinsen – der in erster Linie auf eine regulatorisch bedingte Abkehr von Prime Funds zurückzuführen war – dafür gesorgt, dass Produkte wie unsere USD-Geldmarktinstrumente für all jene extrem attraktiv wurden, die sich kurzfristig um das Durationsrisiko sorgen.

Allerdings ist das Tempo der Zinsentwicklung von recht hoher Bedeutung. Ein allmählicher Anstieg der Zinsen ist zu bewältigen. Doch wie die anfängliche reflexartige Reaktion auf die Wahl Trumps zeigte, können bestimmte Fixed-Income-Unterkategorien durch abrupte und rasche Bewegungen aus dem Gleichgewicht geraten. 

Es sind nicht nur makroökonomische Faktoren, die dem Bullenmarkt für Anleihen ein Ende setzen. Auch regulatorischer Druck hat dem Markt Liquidität entzogen. Inwieweit ist dies ein Problem?

RS: Die Liquidität am Anleihenmarkt geht seit 2008 allgemein zurück. Fakt ist, dass rückläufige Liquidität inzwischen ein festes Merkmal unseres Marktes ist. Anders wäre dies nur, wenn Investmentbanken plötzlich wieder jene großen Anleihenbestände aufbauen dürften, die sie als Broker-Dealer hielten.

Meines Erachtens muss man sich mit dieser Illiquidität abfinden und sie wann immer möglich zum eigenen Vorteil nutzen. Lassen Sie mich dies anhand eines Beispiels ausführen.

Bestimmte Credit Default Swap-Kontrakte (CDS), mit denen sich Anleiheninvestoren vor Zahlungsausfällen absichern können, stellen einen äußerst illiquiden Markt dar. Diese Wertpapiere werden nur im kleinen Stil gehandelt. Dabei kommen mir zwei in den Sinn: CDS für den US-Gesundheitssektor und Real Estate Investment Trusts (REITs). Betrachten wir zunächst REITs. US REITs besitzen ein durchschnittliches Kreditrating im mittleren bis hohen BBB-Bereich, wobei einige dieser Titel einen durchschnittlichen Spread von 60 Basispunkten aufweisen. Das ist extrem wenig. Damit meine ich, dass die Risikoprämie sehr, sehr niedrig ist.

Ursache hierfür sind fehlende Absicherungsanforderungen oder eine mangelnde Nachfrage nach REIT CDS.

Das ist der Grund, aus dem sich REIT CDS in dieser äußerst engen Spanne befinden. 

Man könnte hierbei zu dem Schluss kommen, dass sich REIT CDS hervorragend dafür eignen, ein breites Kreditportfolio vor allgemeiner Marktvolatilität abzusichern. Man kann diesen Schutz günstig kaufen, und wenn es am Markt nachhaltig zu massiven Verkäufen kommt, impliziert diese Illiquidität, dass sich der CDS weiten dürfte.

Mit anderen Worten ist es wahrscheinlich, dass der Preis dieser Versicherung stark steigt.

Damit ist Illiquidität unter anderem davon gekennzeichnet, dass sie zu unregelmäßigen Bewegungen und großen Kursschwankungen führt. Das ist verständlicherweise vielen ein Gräuel, doch das liegt häufig daran, dass diese Bewegungen falsch genutzt werden. Anders sieht es aus, wenn man sich richtig positioniert. Denn dann wird Illiquidität zum Segen – und nicht zum Fluch.

Divergenz: Transaktionen von US-Primärhändlern und Bestand an Unternehmensanleihen

Quelle: Thomson Reuters Datastream. Daten per 15.02.2017.

Ich verweise hier auf dieses Beispiel, aber insbesondere im Anleihenbereich gibt es noch viele weitere. Bisweilen lassen sich weniger liquide Instrumente auch dafür verwenden, bestehende Positionen abzusichern. Umgekehrt kann sich Illiquidität auch bei Long-Positionen auszahlen. So kann man einen Vermögenswert kaufen, der im Zuge einer Verknappung bei einem aufwärts tendierenden Markt unter Druck gerät und bei einem Aufwärtstrend besonders gut abschneiden kann. Entsprechend sollte meines Erachtens jeder, der Illiquidität noch nicht für sein eigenes Geschäftsmodell oder seine Strategie genutzt hat, dies unbedingt in Erwägung ziehen.

Gleichzeitig sollten sich Anleger auf Anleihen konzentrieren, die bei einer potenziellen Verschlechterung der Liquidität eine angemessene Entschädigung bieten, insbesondere wenn sich das Umfeld volatiler gestaltet.

Statt sich über mangelnde Liquidität zu beklagen, die ohnehin ein dauerhaftes Merkmal der Märkte darstellt, muss man vorhandene Strategien anpassen, um für Flexibilität zu sorgen bzw. diese zu erhöhen. Keinesfalls jedoch sollte man die eigene Anlagephilosophie ändern oder aufgeben. Vielmehr ist ein Instrumentarium erforderlich, mit dem sich Illiquidität und das Lückenrisiko nutzen lassen.

Weitere Informationen zu Rentenstrategien von Pictet Asset Management finden Sie hier.


Raymond Sagayam
Raymond Sagayam kam 2010 als Senior Investment Manager zum Total Return Credit Team von Pictet Asset Management.
Bevor er zu Pictet kam, war Raymond Sagayam Geschäftsführer bei Swiss Re Asset Management, wo er sich als Leiter für Dollar- und Euro-Anlagen um Kredit Relative-Value-Strategien kümmerte. Davor arbeitete er für Bank Brussels Lambert (ING) im Handel mit US-Unternehmensanleihen. Er hat mit Unternehmensanleihen aus allen wichtigen Regionen gehandelt und begann seine berufliche Laufbahn 1997 bei ING Barings im Bereich Schwellenländer.
Raymond Sagayam hat einen BSc in Wirtschaft der London School of Economics & Political Science (LSE) und einen Master („Contemporary Theology in the Catholic Tradition“) des Heythrop College der University of London. Zudem ist er Chartered Financial Analyst (CFA).

1) Beispielsweise waren die größten 100 leistungsorientierten Unternehmenspensionspläne zu weniger als 76% kapitalgedeckt (laut Milliman, einer Consultingfirma für die Finanzdienstleistungsbranche). Doch bis Ende Januar dieses Jahres war diese Zahl auf 81,6% angestiegen. Schätzungen von Milliman zufolge dürfte diese Finanzierungslücke in einem optimistischen Szenario bis zum Sommer 2018 weitgehend verschwinden, wenn der Abzinsungssatz von 4% Ende Januar um ca. 100 Basispunkte steigt. Mehr dazu unter http://us.milliman.com/PFI/

Internationale Aktien überzeugen mit günstigen Bewertungen

Der Preis, den Investoren für eine Aktie zahlen, wirkt sich unmittelbar auf ihren langfristigen Ertrag aus. An dieser Börsenweisheit lässt sich nicht rütteln. Der Wert der Aktie setzt sich dabei zusammen aus der Dividendenrendite und den Aussichten auf nachhaltige künftige Gewinne. „Das wirtschaftspolitische Umfeld sowie demografische Trends in verschiedenen Regionen der Welt haben einen großen Einfluss darauf, ob Unternehmen solide Gewinne erzielen und Dividenden ausschütten können“, erklärt Tony Cousins, Chief Executive Officer des zu BMO Global Asset Management gehörigen Unternehmens Pyrford International. Folglich bieten aus seiner Sicht aktuell einige Teile der Welt attraktivere Anlagemöglichkeiten als andere.

Erfolg der expansiven Geldpolitik bleibt aus

Ein Grund für die global unterschiedlichen Anlagechancen ist Cousins zufolge die expansive Geldpolitik der Notenbanken, die nicht zum gewünschten Ergebnis geführt habe. So sei die Erholung der US-Wirtschaft schwach ausgefallen, Japan und Europa konnten jeweils nur kraftlose Wachstums- und Inflationsraten aufweisen. „Das zur Verfügung gestellte Geld hat über die Kreditvergabe nicht die Realwirtschaft erreicht, sondern ging stattdessen im Finanzsystem verloren“, erklärt Cousins. Gleichzeitig fielen die Renditen für Anlagen in Aktien, festverzinslichen Wertpapieren oder Immobilien auf sehr niedrige Niveaus. Zusätzlich seien viele Märkte überbewertet und deshalb anfällig für Risiken bedingt durch die Normalisierung der Zinskurve, den bröckelnden Zusammenhalt der Europäischen Union oder den zunehmenden Protektionismus. Doch davon sollten sich Anleger laut Cousins nicht abschrecken lassen: „Die attraktivsten Kaufgelegenheiten innerhalb der vergangenen 50 Jahre bestanden in den Jahren 1974, 1981 und 2009. Zwar war der wirtschaftliche Ausblick düster, aber Aktientitel boten sehr gute Bewertungen.“

Wirtschaftsfreundlicher Brexit wahrscheinlich

Folglich lohne es sich, die globalen Volkswirtschaften genauer unter die Lupe zu nehmen. So verursache zum Beispiel die Entscheidung Großbritanniens für den Brexit auf politischer Ebene zunächst ein hohes Maß an Theatralik. Dennoch sprechen nach Ansicht des Experten gute Gründe dafür, dass in absehbarer Zeit mit kühlem Kopf die Bedingungen für den Austritt aus der Europäischen Union verhandelt werden, und zwar so wirtschaftsfreundlich wie möglich für beide Seiten. Es sollte etwa der deutschen Automobilindustrie viel daran gelegen sein, dass die Politik den Zugang zum lukrativen britischen Markt weiterhin gewährleistet: „Großbritannien ist immerhin nach den USA und China der drittgrößte Markt weltweit für den Export deutscher Autos“, sagt Cousins.

Populismus steigert Unsicherheit an Finanzmärkten

Ein Risiko stelle jedoch der zunehmende Populismus in Europa dar. „Wahlen werden in vielen Ländern inzwischen als Möglichkeit angesehen, sich gegen die regierenden Parteien und für eine Politik auszusprechen, die eine Abkehr vom aktuellen Kurs verspricht“, erklärt der Experte. So verzeichneten populistische Kräfte europaweit Zuwachs – auch wenn sie beispielsweise bei der Wahl in den Niederlanden jüngst nicht die stärkste Kraft wurden. Auch bei den bevorstehenden Wahlen in Frankreich, Deutschland und eventuell Italien ist mit populistischen Parteien zu rechnen. „Ob sich mit einer radikaleren Politik Europas Probleme lösen lassen, ist fraglich. Fest steht aber, dass die Unsicherheit an den Märkten wächst“, so Cousins. Insbesondere für den europäischen Finanzsektor erwachse daraus eine große Gefahr. Die Last aufgrund notleidender Kredite sei groß, negative Zinsen belasteten die Profitabilität der Banken, und oft blieben solide Eigenkapitalquoten eine bloße Fiktion. „Der Absturz europäischer Bankentitel nach dem Brexit-Votum zeigt, dass der Finanzsektor mehr Europa braucht, nicht weniger“, ist der Experte überzeugt.

Asien ex Japan hat Potenzial für weiteres Wachstum 

Vor diesem Hintergrund sei Asien – ausgenommen Japan – eine vielversprechende Region im weltweiten Vergleich. Diese Länder konnten auf geldpolitische Stützungsmaßnahmen verzichten und weisen eine umfassende Arbeitskraft, steigende Produktivität und attraktive demografische Faktoren auf. „Das langfristige Wirtschaftswachstum bietet Rückenwind für Ertragssteigerungen und stützt die Unternehmen in dieser Region“, erklärt Cousins und betont, dass Asien ex Japan noch viel Potenzial habe. Denn obwohl die asiatischen Länder ohne Japan rund 58 Prozent der Weltbevölkerung beheimaten, sei der Anteil der Region an der globalen Wirtschaftsleistung mit nur 27 Prozent noch gering. Gleiches gilt für den Anteil am globalen Aktienmarkt mit weniger als zehn Prozent. Diese Zahlen sprechen für eine Aufholjagd. 

Für Cousins nehmen Aktien nach wie vor eine Schlüsselrolle in gut diversifizierten Portfolios ein, die einen langfristigen Anlagehorizont sowie Kapitalzuwachs zum Ziel haben. „Aktien haben in der Vergangenheit rund um den Globus überzeugende langfristige Renditen erwirtschaftet, die aber von Region zu Region unterschiedlich waren. Deshalb sollten insbesondere Anleger mit bislang starkem Fokus auf die Heimatregion auf eine breitere geografische Streuung setzen“, sagt der Experte.

Ausblick für Unternehmensanleihen

von Pierre Verlé, Teamleiter Credit bei Carmignac.

Wenn die Kerninflation in Europa schneller und nachhaltiger als von der Konsensmeinung erwartet anzieht, machen Befürchtungen des Marktes im Hinblick auf eine mögliche frühzeitige Einstellung der Anleihenkäufe der EZB erforderlich, eine vorsichtige Allokation in Unternehmensanleihen einzugehen. Europäische Anleger waren nicht nur über zwei Jahre mit negativen Einlagenzinsen konfrontiert, sondern mussten sich auch mit einem immer kleineren Anleihenuniversum arrangieren, da die EZB ihre Bilanz in den letzten fünf Jahren wesentlich ausgeweitet hat. Die kleinere Zahl an Gelegenheiten zwang Anleger dazu, ein größeres Kreditrisiko bei längeren Laufzeiten einzugehen. Folglich wurden die Kreditmärkte sehr anfällig für einen geldpolitischen Kurswechsel der EZB.

Beginnend mit Investment-Grade-Unternehmensanleihen lässt sich eine kontinuierliche Verschlechterung der Bilanzqualität feststellen, sodass die Fremdfinanzierungsquoten fast den Zyklus-Höchststand erreicht haben. Schwache Margen, mangelnde Anlegerdisziplin, ein nach wie vor starker Fusions- und Übernahmezyklus und aktive Anleiheemittenten, die von niedrigen Zinsen profitieren wollen, waren allesamt Faktoren, die zur Beeinträchtigung europäischer Bilanzen beigetragen haben. Obwohl die Verschuldung im Bereich ihrer 10-Jahres-Höchststände liegt, befinden sich die Renditen aufgrund der eben erwähnten EZB-Intervention auf einem Allzeittief. Dieser Markt ist sehr instabil und anfällig für einen starken Inflationsanstieg.

Im Segment der High-Yield-Anleihen ist das Bild ähnlich. Auch hier befinden sich die Fremdfinanzierungsquoten im Bereich des Zyklus-Höchststands und die Renditen auf einem Allzeittief. Darüber hinaus bieten diese niedrigen Renditen zum einen keinen absoluten Bewertungsschutz bei einer solch schlechten Bilanzqualität und zum anderen besteht auch anderswo in der Kapitalstruktur kein relativer Bewertungsschutz.

Gelegenheiten gibt es weiterhin

Seit dem Sommer 2012 haben wir von einem überdimensionalen Exposure im europäischen Bankensektor über die gesamte Kapitalstruktur profitiert. Die Top-down-Faktoren dieses Anlagethemas sind weiterhin gegeben: Europäische Banken sind einer der wenigen Sektoren innerhalb des globalen Anleihenuniversums, in denen eine mehrjährige Erkennbarkeit eines kontinuierlichen Schuldenabbaus besteht. Aufgrund veränderter gesetzlicher Bestimmungen setzte vor sieben Jahren ein Schulden- und Risikoabbau ein, der sich noch bis 2019 hinziehen dürfte. Nachrangige Bankenanleihen sind aus unserer Sicht absolut gesehen, aber auch im Vergleich zu High-Yield-Anleihen aus dem Industriesektor, besonders günstig. So beträgt der Spreadaufschlag für einen europäischen CoCo-Index gegenüber High-Yield-Anleihen aus dem Industriesektor mehr als 150 Basispunkte. Diese Contingent Convertible Bonds sind nachrangige Kapitalinstrumente von Banken und besitzen spezifische Trigger für Kupon- und Kapitalereignisse im Fall sehr hoher Verluste. Weil diese Anlageklasse noch jung und nicht in den breit gefassten Marktindizes enthalten ist und weil diese Instrumente nicht ausreichend getestet wurden, ist das zugrunde liegende Kreditrisiko unseres Erachtens jedoch fehlbewertet. Anleihen hochwertiger Retailbanken wie z.B. BBVA oder Unicredit sind, insbesondere wenn sie in Zeiten erhöhter politischer Unsicherheit ausgegeben werden, mit sehr attraktiven Renditen von 8-9 Prozent zu haben.

Außerdem schätzen wir weiterhin europäische Collateralised Loan Obligations (CLOs). Sie sind immer noch eine angeschlagene Anlageklasse, bei der aufsichtsrechtliche Sachzwänge und Narben der Krise es möglich machen, von sehr attraktiven Spreadniveaus zu profitieren. Außerdem war die Ausfallrate bei europäischen CLOs in den letzten 20 Jahren sehr gering.1 Nachdem wir uns zunächst auf AAA-Tranchen konzentrierten, verfolgen wir nun einen taktischeren Ansatz, um Gelegenheiten in nachrangigeren Segmenten zu nutzen. AAA-Spreads haben fast ihre Tiefstände nach der Krise erreicht. Andererseits sind die Spreads nachrangiger Papiere nach wie vor hoch und bieten sehr attraktive risikobereinigte Renditen (die Spreads liegen bei rund 600 Basispunkten für BB-Tranchen und 800 Bp. für B-Tranchen). Diese beruhen auf ähnlichen technischen Gründen: Die Anlegerbasis ist nicht so angewachsen, dass sie Neuemissionen absorbieren könnte, was eine Stabilisierung/Ausweitung der Kreditspreads zur Folge hat.

Ferner sind Unternehmensanleihen aus dem Rohstoffsektor nach wie vor attraktiv, denn sie dürften von der Erholung des globalen Wachstums, der Inflation und der Rohstoffpreise profitieren. Selektives Vorgehen ist jedoch in einem weiterhin volatilen Umfeld oberstes Gebot. Das Einschätzen der Risiken und Chancen jedes einzelnen Landes und jedes Unternehmens ist eine Grundvoraussetzung, um in dieser Anlageklasse die besten Gelegenheiten herauszupicken.

Quelle: 
1) Bloomberg, Februar 2017

US-Aktien – auf der Suche nach Value-Titeln

US-Aktien befinden sich seit der Wahl des neuen Präsidenten Donald Trump auf einem Höhenflug. Angespornt durch dessen Pro-Wachstums-Mantra wurden an den Märkten zuletzt neue Rekordmarken erreicht. Während Value-Titel gegenüber Growth-Aktien im vergangenen Jahr eine deutliche Outperformance zeigten, ist dieser Trend seit Beginn des Jahres 2017 weniger klar umrissen, da sowohl Value- als auch Growth-Titel den US-amerikanischen Aktienmarkt stützen. Heather McPherson, Portfoliomanagerin der T. Rowe Price US Large-Cap Value Equity Strategie, erläutert, wie Value-Investoren auch jetzt noch erfolgreich agieren können.

Die Expertin verweist darauf, dass es beim Value-Investing stets darum gehe, Aktien zu finden, deren Volatilität im Hinblick auf die fundamentale Lage der Unternehmen übersteigert ist. Allerdings sei es zuletzt immer schwieriger geworden, unterbewertete Unternehmen rechtzeitig zu identifizieren. Großinvestoren wie Hedgefonds könnten inzwischen solche Bewertungslücken schnell schließen, sodass das Zeitfenster für sonstige Anleger immer kleiner geworden ist.

„Hier kommt der aktive Investmentansatz von T. Rowe Price ins Spiel. Wir verfügen weltweit über eine der größten Research-Plattformen“, sagt Heather McPherson. „Davon profitieren sowohl die Portfoliomanager als auch die Analysten von T. Rowe, die eng miteinander zusammenarbeiten. Unsere Tätigkeit konzentriert sich letztlich darauf, Value-Opportunitäten vor anderen Marktteilnehmern zu identifizieren.“ Bemerkenswert sei zum Beispiel, dass sich im vergangenen Jahrzehnt bei Investoren signifikante Verhaltenstrends herauskristallisiert hätten. Dies sei zum einen der starke Rückgang der Risikotoleranz seit der globalen Finanzkrise 2008/09. Zum anderen sei der Anlagehorizont immer kürzer geworden. „Als aktiver fundamentalorientierter Investmentmanager beurteilen wir hingegen die Chancen und Risiken langfristig. Daher sind wir bereit, kurzfristige Volatilitäten oder Schwächen zu tolerieren. So finden wir immer wieder qualitativ hochwertige Unternehmen“, erklärt die Portfoliomanagerin. Oft seien dies marktführende, gut geführte und margenstarke Unternehmen. „Risikoaverse Investoren sind hingegen häufig nicht bereit, kurzfristige Unsicherheiten zu tolerieren.“

Beim Value Investing gehe es auch immer darum, bereit zu sein, konträr zu handeln und gegebenenfalls gegen den Strom zu schwimmen. „Aufgrund unserer Erfahrung und unseres Know-hows sind wir beispielsweise in der Lage, die Vorteile zu erkennen, die sich aus einem Kursabschwung ergeben, und Unternehmen herauszufiltern, die das Potenzial haben, sich wieder zu erholen.“ Eine günstige Einstiegsgelegenheit könnte sich etwa dann bieten, wenn eine Aktie unter dem Buchwert des Unternehmens notiert oder wenn das Unternehmen in seiner Branche strategisch wichtig ist.

Welche Anlagechancen bieten US-Aktien in diesem Jahr?

Durch die Hausse der vergangenen Monate sei es schwieriger geworden, unterbewertete Titel zu finden. Dies gelte gerade für die zyklischen Sektoren, die naturgemäß Value-Aktien enthielten. Eine Gefahr sieht McPherson darin, dass sich die hohen Erwartungen, die durch die Trump-Politik geschürt wurden, nicht erfüllen könnten. „In diesem Fall erwarten wir eine steigende Volatilität. Dann werden wir das tun, was wir immer tun: Wir verlassen uns auf unsere umfassenden Research-Erkenntnisse, um qualitativ hochwertige Unternehmen zu identifizieren, die unterbewertet sind.“

Zwar ist sei es während einer Aktien-Hausse schwieriger, potenzielle Gewinner zu finden. Dennoch stelle die Bewertung des breiten Marktes immer den Durchschnitt von günstigen und teuren Aktien dar. Aufgabe des professionellen Portfoliomanagers sei es, substanzhaltige Werte zu finden, die auf lange Sicht erfolgreich sind. „Zugleich ist gehört es zu unserem Job, Sektoren und Aktien zu meiden, die stark überbewertet sind und bei denen der Markt das potenzielle Risiko nicht erkennt.“

Unverändertes Dotplot der Fed lässt den Goldpreis steigen

Bei Edelmetall-ETPs kam es mit 99 Mio. USD zu hohen Zuflüssen, da die Fed keine Änderungen am Dotplot-Streudiagramm vornahm. Die Zuflüsse in Rohöl verstärkten sich in der vergangenen Woche. Grund hierfür ist der Rückgang der US-Lagerbestände. Nach den Wahlen in den Niederlanden wurden bei Euro-ETPs Gewinne mitgenommen, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Das vollständige Dokument mit Charts finden Sie links als PDF.

Unverändertes Dotplot-Streudiagramm der Fed verleiht Edelmetallen Auftrieb. In der vergangenen Woche kehrte sich bei Gold-ETPs (A0LP78) die Richtung der Kapitalströme um. Nachdem in den zwei Vorwochen 71 Mio. USD abgeflossen waren, kam es in der vergangenen Woche zu Zuflüssen in Höhe von 84,5 Mio. USD. Die Fed hob wie erwartet die Zinsen um 25 Basispunkte an. Am sogenannten Dotplot-Streudiagramm, das heißt ihrer eigenen Zinsprognose, nahm sie jedoch keine Änderungen vor. Selbst rechnet sie also wie bisher mit drei Zinsanhebungen in diesem Jahr gefolgt von drei weiteren im Jahr 2018. Auch die Wachstums- und Inflations­prognosen blieben weitgehend unverändert. Der unerwartet expansive Ausblick hatte zur Folge, dass der US-Dollar und die zehnjährigen Renditen der US-Staatsanleihen Einbußen hinnehmen mussten, die den Goldpreis stützten. „Nach der Ankündigung der Fed legte der Goldpreis um 1,7 Prozent zu. Unseren Erwartungen zufolge wird er bis Jahresmitte noch um 5 bis 6 Prozent steigen, dann aber zum Jahresende wieder auf das aktuelle Niveau absinken“, ergänzt Jan-Hendrik Hein, Associate Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Die Zuflüsse in Rohöl verstärkten sich in der vergangenen Woche. Grund hierfür ist der Rückgang der US-Lagerbestände. Bei Rohöl-ETPs (A0KRJX) verzeichneten wir die zweiten wöchentlichen Zuflüsse in Folge, die nach 10 Mio. USD in der Vorwoche diesmal 60,5 Mio. USD betrugen. „Die Rohölpreise erholen sich, da die Lagerbestände in der letzten Woche zum ersten Mal seit Anfang Januar wieder leicht gesunken sind. Zugleich hat Saudi-Arabien seine Bereitschaft erklärt, die Förderkürzung auf die zweite Jahreshälfte auszudehnen, wenn sich die globalen Bestände weiter über dem Fünfjahresdurchschnitt halten“, sagt Hein.

Bei Euro-ETPs wurden Gewinne mitgenommen. Wir stellen bei EUR-ETPs eine Verringerung der Long-Positionen um 26 Mio. USD und einen Anstieg der entsprechenden Short-Positionen um 23 Mio. USD fest, seit sich der Euro nach dem letzten EZB-Treffen am 9. März um 1,6 Prozent verteuerte. Er wird erwartet, dass die EZB eine weniger expansive Geldpolitik verfolgen wird. Auch die Wahlniederlage des europakritischen Rechtspopulisten Geert Wilders nahm den Druck vom Euro. „Wir erwarten, dass der Euro bis zur Jahresmitte um rund 3 Prozent aufwerten wird“, sagt Hein.

Erfreuliche Überraschungen in China und der schwächere US-Dollar stützen die Metallpreise. Wir verzeichneten bei Industriemetall-ETPs (A0SVX7) Zuflüsse in Höhe von 51 Mio. USD, wovon nach positiven Überraschungen in China 29 Mio. USD auf Kupfer-ETPs (A0KRJU) entfielen. „Die chinesische Industrieproduktion und die Investitionen in Sachanlagen übertrafen im Februar die Erwartungen. Im Jahresvergleich stiegen sie um 6,3 Prozent beziehungsweise 8,9 Prozent, nachdem sie sich im Januar noch auf 6,0 Prozent beziehungsweise 8,3 Prozent belaufen hatten“, sagt Hein.

In dieser Woche. Mit denFlash-Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone, die USA und Japan erhalten die Anleger einen neuen Datenpunkt für die wirtschaftliche Aktivität im letzten Monat des ersten Quartals. „Die Reden der Fed-Vorsitzenden Yellen und des Abweichlers Kashkari dürften Aufschluss darüber geben, ob sich die gemäßigte Geldpolitik fortsetzt”, fügt Hein hinzu.

Mongolei: Katalysatoren für nachhaltiges Wachstum wieder vorhanden

von Leo Hu, Senior Portfolio Manager für Schwellenländeranleihen in Hartwährung bei NN Investment Partners.

In den vergangenen fünf Jahren hat kein anderes Land die akuten Höhen und Tiefen des Rohstoff-Superzyklus so hautnah miterlebt wie die Mongolei. Nach dem Wachstumshöhepunkt von 17 Prozent im Jahr 2011 stieg das Bruttoinlandsprodukt des Landes angesichts fallender Rohstoffpreise 2016 nur noch um 1 Prozent. Die schwindende Nachfrage aus China, die 90 Prozent der mongolischen Exporte ausmachte, forderte ihren Tribut.

Als wenn das noch nicht schlimm genug gewesen wäre, führten Streitigkeiten der Regierung mit großen ausländischen Investoren zu Stillstand bei Bergbauprojekten und zu sinkenden ausländischen Direktinvestitionen. Das mongolische Haushaltsdefizit schnellte 2016 auf 18 Prozent empor, während die Währung – der mongolische Tugrik – im gleichen Jahr um 20 Prozent abwertete. Wenig überraschend zweifelten daraufhin viele Anleger die Fähigkeit der Mongolei an, ihre Auslandsschulden zu bedienen, insbesondere die von der staatlichen Entwicklungsbank der Mongolei (DBM) emittierten Anleihen.

Allerdings sind die Aussichten für die Mongolei nach diesen schwierigen Jahren nun wieder günstig. Die Preise für Kohle und Kupfer – die zwei größten Exportgüter des Landes – erholen sich allmählich, was der Staatskasse zugutekommen sollte. Zudem ist Rio Tinto gerade dabei den Betrieb der riesigen Oyu-Tolgoi-Mine auszuweiten, bei der das Unternehmen neben der mongolischen Regierung Miteigentümer ist. Dabei handelt es sich um eine der weltgrößten Kupfer- und Goldminen. Sie wird nach Schätzungen bis zu einem Drittel der gesamten mongolischen Wirtschaftsleitung ausmachen, sobald ihr Untertagebau wie geplant im Jahr 2021 nachhaltig anläuft.

Von entscheidender Bedeutung ist jedoch, dass sich das Land verpflichtet hat, sich seiner makroökonomischen Schwäche anzunehmen. Die neue Regierung, die im Juli vergangenen Jahres gewählt wurde, wird von Premierminister Jargaltulga Erdenebat angeführt, der in seiner Rolle als Finanzminister zwischen 2014 und 2015 erfolgreich die langjährigen Streitigkeiten mit Rio Tinto beilegte. Bis jetzt scheint die Regierung darauf erpicht zu sein, ihr Image bei den Anlegern wieder zu verbessern. Sie hat bereits ein umfangreiches Reformpaket verabschiedet, um das Haushaltsdefizit kurzfristig zu reduzieren und die Wirtschaft mittelfristig zu diversifizieren.

Durch seine Reformbereitschaft konnte sich das Land ein Hilfspaket vom Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 5,5 Mrd. USD sichern. Diese Vereinbarung, die diesen Februar getroffen wurde, hat der Mongolei im Hinblick auf ihre unmittelbaren Zahlungsverpflichtungen Luft verschafft und das Vertrauen der Anleger wieder hergestellt. Was aber noch entscheidender ist: Das Hilfspaket ermöglichte der Mongolei, die DBM-Anleihen mit Fälligkeitsdatum 2017 gegen neue Anleihen der mongolischen Regierung mit Laufzeit bis 2024 einzutauschen. Diese neuen mongolischen Staatsanleihen, die zum Parikurs getauscht wurden (d.h. zu 100 USD), legten am ersten Handelstag, dem 3. März 2017, gleich auf 107,8 USD zu.

Auf längere Sicht sollte das IWF-Programm den Erholungskurs der Mongolei vorantreiben. Ziel ist es, den Boom-Bust-Zyklus des Landes zu beenden und den Grundstein für nachhaltiges Wachstum zu legen. Der IWF forderte unter anderem, dass sich die mongolische Zentralbank nicht mehr an quasi-fiskalischen Maßnahmen beteiligt und die Geschäftsbanken Stresstests durchlaufen. Diese Maßnahmen sind durchaus sinnvoll, und die Mongolei hat in der Vergangenheit vom IWF vorgeschlagene Reformen bereits erfolgreich umgesetzt.

Damit sind alle Katalysatoren für nachhaltiges Wachstum vorhanden: Die neue Regierung ist wirtschaftsfreundlich und hat sich zu langfristigen Strukturreformen verpflichtet, das IWF-Paket hat geholfen, die kurzfristige Volatilität einzudämmen, die Bergbauanlagen stehen vor der Inbetriebnahme und die Rohstoffpreise haben ihre Talsohle wahrscheinlich durchschritten. Als Anleger gehen wir davon aus, dass die Mongolei diese positiven Rahmenbedingungen vermutlich sinnvoll nutzen und gestärkt in die Zukunft gehen wird.