Trumps erste 100 Amtstage: Jetzt fängt die harte Arbeit erst an

von Stephen Mitchell, Head of Strategy, Global Equities bei Jupiter Asset Management.

Die ersten 100 Amtstage von Donald Trump mögen die Kapitalrenditen zwar weltweit nach oben getrieben haben, doch dieser überaus unkonventionelle US-Präsident wird nun die Ärmel hochkrempeln und einige seiner versprochenen Steuer- und ordnungspolitischen Reformen realisieren müssen, um die positive Dynamik zu wahren.

Die Erholung an den weltweiten Aktienmärkten nach der Wahl Donald Trumps basierte auf den – bisher größtenteils unerfüllten – Erwartungen, dass unter seiner Präsidentschaft eine neue Ära der niedrigen Steuern, Deregulierung der Märkte und Infrastrukturinvestitionen eingeläutet werde. Diese Maßnahmen, so war die Annahme, würden die US-Konjunktur in Schwung bringen und sich auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken. Fest steht, dass im Anschluss an Trumps Wahl die Stimmung der US-Anleger umschlug, was zu einem positiveren Marktklima und dem sogenannten „Trump Bump“ beitrug. Doch aus weltwirtschaftlicher Sicht spielte dem 45. US-Präsidenten auch relativ viel Glück in die Hände.

Trump Bump – Trump im Glück

Die Wahl Trumps korrelierte zeitlich exakt mit den ersten positiven Auswirkungen eines neuen Anreizpakets an den globalen Märkten. Dieses wurde bereits Anfang 2016 von den chinesischen Behörden geschnürt, um eine von Antikorruptionsmaßnahmen gebremste Wirtschaft in Schwung zu bringen. Diese Anreizmaßnahmen trugen dazu bei, das Wachstum sowohl in China als auch weltweit zu stützen. Darüber hinaus wurden somit die Ängste zerschlagen, dass ein Abschwung in der Volksrepublik das weltweite BIP-Wachstum verlangsamen könnte. Gleichzeitig gaben diese Maßnahmen Trump einen willkommenen Rückenwind.

Auch die leichte Erholung der Ölpreise gab der US-Konjunktur just zu dem Zeitpunkt Aufwind, als Trump das Oval Office bezog. Nachdem sich der Ölpreis während der ersten Monate des Jahres 2016 kontinuierlich um die 30 USD je Barrel bewegt hatte, hat sich der Preis nun stabil auf etwa 50 USD je Barrel eingependelt. Bei diesem Preis wird das Betreiben von Bohrinseln für eine größere Anzahl an US-Ölschieferproduzenten rentabel, was sich in einer Erholung der Industrieproduktion zeigte. Somit profitierte Trump in den ersten Tagen seiner Amtszeit gleich von zwei Seiten von vorteilhaften Rückenwinden.

Abgesehen davon wurde bei Trumps Besuchen in Florida und Texas in jüngster Vergangenheit offensichtlich, dass der Präsident und seine Politik auf wahre Anhänger in der Geschäftswelt zählen können. Diese Unterstützung resultierte in mehr Zuversicht unter kleinen Unternehmen1 und einem besseren Konsumklima2. Der Rückgang der Arbeitslosenquote im Monat vor seiner Wahl von 4,8 Prozent im Oktober auf 4,5 Prozent im März scheint für eine stabile Situation bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze und den Einstellungen zu sprechen. Trump hat sich außerdem – wie würde man es von einem Geschäftsmann auch anders erwarten – um die Gunst der nationalen Großkonzerne bemüht und einen Business Advisory Council, also ein Beratergremium, eingerichtet. Dieses Gremium bietet siebzehn Topmanagern von Unternehmen wie Pepsico, JP Morgan und Boeing eine Plattform, über die sie politische Maßnahmen beeinflussen und unternehmensfreundlich mitgestalten können. Die Gewissheit, dass der Präsident stets ein offenes Ohr für die Anliegen dieser US-Industriegiganten hat und die Konzerne ihm beratend zur Seite stehen, stärkt das Vertrauen – der Präsident scheint ihre Anliegen ernst zu nehmen.

Trump Slump

Doch der „Trump Bump“ scheint nun erste Anzeichen von Schwäche zu zeigen. Dies liegt daran, dass die drei Säulen, die den Aufschwung am Aktienmarkt trugen, immer weiter bröckeln. Zudem hinterfragt manch einer die Lücke zwischen den Erwartungen und der Fähigkeit des neuen Präsidenten, seine Versprechungen zu verwirklichen. Seit das Scheitern seiner neuen Gesundheitsreform Zweifel weckte, ob Trump fähig ist, andere Maßnahmen durchzusetzen, wird nun auch vom „Trump Slump“ gemunkelt.

Bei einer separaten Betrachtung der einzelnen Säulen Steuerreform, Investitionen in die Infrastruktur sowie Deregulierung sind wir der Auffassung, dass der Pessimismus hinsichtlich einer Verwirklichung von Trumps Versprechungen vielleicht etwas überzogen ist. Wir gehen davon aus, dass Trump seine Steuerreform in geringem Maße umsetzen wird. Im Bereich Deregulierung kann er wesentliche Änderungen erzielen, doch im Hinblick auf die Infrastruktur wird er jedoch enttäuschend abschneiden.

Steuerreform: Da die Unternehmenssteuer in den USA mit 35 Prozent relativ hoch ist, entscheiden sich zahlreiche US-Unternehmen dagegen, ihre Gewinne aus ihrem Überseegeschäft zurückzuführen. Schätzungen zufolge halten die 500 größten US-Unternehmen Barmittel in Höhe von 2,1 bis 2,5 Billionen in Übersee, um eine Regelung zu umgehen, die sie als Strafsteuer ansehen. Die Vorteile einer Rückführung dieser Barmittel aus Übersee werden parteiübergreifend anerkannt, was den Weg für eine entsprechende gesetzliche Regelung möglicherweise ebnen wird. Eine Steuererleichterung für rückgeführte Gewinne, in deren Rahmen die Unternehmen ihre Gewinne aus Übersee innerhalb eines bestimmten Zeitfensters lediglich zu einem vorgeschlagenen Steuersatz von 10 Prozent versteuern müssten, könnte bedeuten, dass hohe Beträge in die USA zurückfließen. Dort können sie investiert oder für Fusionen und Übernahmen verwendet werden. Unserer Auffassung nach sollte die Umsetzung dieser Reform möglich sein, da für eine entsprechende Änderung der Gesetzgebung keine einschneidenden Budgetkürzungen an anderen Stellen nötig sind. Nach Trumps Motto „America First“ wäre die Regelung somit für alle Beteiligten vorteilhaft.

Andere Steuerreformen, darunter die Senkung der Unternehmenssteuer auf 15 Prozent, sind vermutlich weit schwieriger umsetzbar. Solche Steuersenkungen müssten durch problematische Budgetkürzungen an anderen Stellen aufgefangen werden. Doch wird sich die Unterstützung für solche Reformen angesichts des Schuldenhaushalts in Höhe von bereits 19 Billionen voraussichtlich im Rahmen halten. Denn es existiert eine einflussreiche parteiübergreifende Bewegung, um die bereits hohe Verschuldung der USA einzuschränken, anstatt sie zu vertiefen.

Investitionen in die Infrastruktur: In diesem Hinblick ist Trumps größter Widersacher die Zeit. Es dauert mindestens fünf Jahre, um große Infrastrukturprojekte wie neue Schnellstraßen, Transportsysteme, Brücken und Flughäfen in Gang zu setzen. Auf diesem Gebiet mag Trump zwar Ankündigungen machen, doch positive Auswirkungen auf die US-Wirtschaft nehmen wahrscheinlich erst lange nach Trumps erster (und möglicherweise letzter) Amtszeit Form an.

Deregulierung: Was den Abbau der Bürokratie betrifft, wurden zahlreiche Vorschriften und unternehmerische Regelungen von Regulierungsbehörden eingeführt, deren wichtigste Führungsmitglieder direkt von Trump ernannt werden können. Vorbehaltlich ist lediglich festzustellen, dass Trumps Regierung bei der Ernennung dieser leitenden Positionen bisher weniger Eile an den Tag legte als die meisten Vorgängerregierungen. Auf Ebene der Gesetzgebung konnte Trump während seiner ersten 100 Amtstage einige geringfügige Erfolge verzeichnen. So gelang es ihm etwa, ein Gesetz über den Datenschutz im Internet durchzusetzen. Diese Regelung erlaubt es einigen Unternehmen, Informationen über die Internetgewohnheiten der Verbraucher an andere Firmen weiterzuverkaufen, die diese Daten dann zur Vermarktung ihrer Güter und Dienstleistungen an die Verbraucher nutzen können. Im Gegensatz zur gescheiterten Verabschiedung der Gesundheitsreform wird Trump voraussichtlich feststellen, dass ein mehrheitlich republikanischer Kongress einer weiteren Lockerung der behördlichen Auflagen für US-Unternehmen, insbesondere im Finanzbereich, positiv gegenübersteht.

Alle Mann an die Arbeit

Während seiner ersten 100 Amtstage konnte Trump einige kleine Erfolge verbuchen, doch um die Erwartungen zu erfüllen, bleibt noch viel zu tun. Während er bei Amtsantritt noch von einigen günstigen Umständen profitieren konnte – das chinesische Anreizpaket, höhere Ölpreise – sieht er sich nun der US-Notenbank gegenüber. Die Fed äußerte sich besorgt aufgrund des zunehmend angespannten Arbeitsmarktes und steigender Vermögenspreise in den USA. Sie scheint deswegen fest entschlossen, ihre Politik zugunsten eines neutralen Zinssatzes im Jahr 2017 beizubehalten. Höhere Zinssätze bedeuten, dass der US-Durchschnittsverbraucher einen höheren Anteil seines Einkommens für die Tilgung von Schulden aufwenden muss und ihm somit weniger Geld für Konsum übrig bleibt. Als global agierender Aktienmanager wäre ein Rückgang der US-Konjunktur für mich kein gutes Signal. Dies würde nämlich beinahe unvermeidlich zum Einbruch der US-Nachfrage nach globalen Gütern und Dienstleistungen führen.

Der politische Kalender könnte sich als weitere Hürde herausstellen. Womöglich bleiben Trump nur 18 Monate Zeit, um wichtige Steuer- und ordnungspolitischen Reformen umzusetzen, bevor bei den im November 2018 anstehenden Zwischenwahlen ein neuer Kongress gewählt wird. Dieser könnte der politischen Agenda des Präsidenten möglicherweise weniger geneigt sein. Obwohl solch ein enger Zeitkorridor einschüchternd wirken mag, hat Trump es bisher verstanden, sich schnell an neue Situationen anzupassen. Trumps erste 100 Amtstage mögen kein voller Erfolg gewesen sein. Sie haben aber gezeigt, dass sein unkonventioneller Stil nicht automatisch bedeutet, keine Politik durchzusetzen. Sein flexibler Umgang mit schwierigen Rahmenbedingungen könnte sich letztlich als Vorteil erweisen.

Kurzum…

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Trump Erwartungen und Vertrauen in ungewöhnlich hohem Maße wecken konnte und sich dies tatsächlich auf die Anstellungs- und Investitionsabsichten von Unternehmen auswirkte. Einige Deregulierungsmaßnahmen wurden beispielsweise schon verabschiedet. Trump sollte sich jetzt darauf konzentrieren, den politischen Apparat in Washington effektiver aufzustellen, um wenigstens einen Teil seiner Pläne für eine Steuerreform zu verwirklichen.

Der Großteil der US-Firmen reagierte auf ein potentielles neues Steuerkonzept eher abwartend. Sollten die Hoffnungen der Unternehmen diesbezüglich enttäuscht werden, wäre dies für die spätzyklische US-Wirtschaft sicher nicht hilfreich. Sollte Trump erfolgreich sein und sich auf Innen- statt Geopolitik konzentrieren, könnte er den Wirtschaftskreislauf allerdings ggf. verlängern.

Wie nach jeder Wahl und der darauffolgenden Amtseinführung eines neuen Präsidenten wurden auch dieses Mal die euphorischen Anleger auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. In den Vermögenspreisen und insbesondere den Renditen auf US-Staatsanleihen spiegelt sich mittlerweile eine äußerst skeptische Haltung wider – vor allem gegenüber der Steuerreform. Hinzu kommen Ängste bezüglich der wirtschaftlichen Auswirkungen einer kontinuierlichen Leitzinserhöhung der Fed. Für Trump fängt die harte Arbeit nun erst richtig an und er muss seine nächsten Schritte sorgfältig planen. Als guter Anfang könnte es sich erweisen, in Übersee eingefrorenes Kapital zurückzuführen. Er sollte dies als Einzelmaßnahme getrennt von den weiteren Steuerreformen vorantreiben, um hier Fortschritte zu erzielen. Aktuell herrscht Einigkeit, dass dies nicht so einfach sein wird. Einer der ersten Schlüsse, die aus den ersten 100 Tagen der Trump-Regierung eindeutig gezogen werden können, ist die Tatsache, dass das berühmte, in der US-Verfassung verankerte System der Checks & Balances funktioniert. Trump muss von nun an die politischen Hebel effektiver betätigen, um seine Ziele in einem gespaltenen politischen Umfeld zu verwirklichen.

Quelle:
1) National Federation of Independent Business Research
2) Umfrage zum Verbraucherverhalten, Universität Michigan

Logistikvermietungsmarkt Frankfurt/Rhein-Main bleibt zum Jahresstart deutlich unter Vorjahresniveau

Nach Analyse des inhabergeführten Immobilienberatungsunternehmens NAI apollo real estate – Partner der NAI apollo group – startet der Logistik- und Lagerflächenmarkt im Rhein-Main-Gebiet das Jahr 2017 mit einem moderaten Ergebnis. Rund 115.000 m² sind durch Vermietungen und Eigennutzer umgesetzt worden. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von nahezu 42 Prozent. Das Vorquartal wurde um 3.000 m² unterschritten (Q4 2016: 118.000 m²).

Fehlende Megadeals begründen Umsatzrückgang

„Ein wesentlicher Grund für diesen Rückgang ist das Fehlen von hervorstechenden Großdeals. So belief sich die Top-Anmietung des Vorjahres durch das Einzelhandelsunternehmen Action auf 83.000 m², die durch die NAI apollo real estate vermittelt wurde. Der größte Abschluss der vergangenen drei Monate fällt mit 14.000 m² durch das Logistikunternehmen MES in Eppertshausen im Vergleich hierzu bedeutend geringer aus“, sagt Michael Weyrauch, Head of Industrial Letting and Transaction bei der NAI apollo real estate. Es folgen die begonnene Erweiterung des Segro-Logistikzentrums für B+S in Alzenau um 12.500 m² sowie Anmietungen durch Hennig Fahrzeugteile in Weiterstadt (11.000 m²), durch 4PX Express in Ginsheim-Gustavsburg (9.300 m²) sowie durch Dachser in Erlensee (8.500 m²). Alle zuletzt genannten Abschlüsse fanden dabei in (teil-)spekulativ begonnenen Projekten oder vor kurzem fertiggestellten Bauvorhaben statt.

„Deals oberhalb von 14.000 m² fehlen im bisherigen Jahresverlauf somit gänzlich. Dennoch vereinen Anmietungen im Größensegment über 5.000 m² einen Umsatzanteil von 61,7 Prozent bzw. 71.000 m²“, erläutert Dr. Konrad Kanzler, Head of Research bei der NAI apollo group.

Eigennutzerprojekte verzeichnen Bedeutungsrückgang

Bei Unterscheidung nach Umsatzform erweisen sich Anmietungen in Bestandsgebäuden mit ca. 76.000 m² bzw. einem Anteil von 66,1 Prozent als dominierend. Das Jahresendergebnis aus 2016 von 45,1 Prozent wird damit deutlich übertroffen. Eine nahezu konstante Entwicklung zeigen mit einem Anteil von 26,4 Prozent Anmietungen in Projektentwicklungen im Bau (2016: 27,9 Prozentanteil). Klar verloren haben hingegen Bauvorhaben von Eigennutzern, von denen im ersten Quartal 2017 kein neues startete. „Der Trend des Vorjahres, hervorgerufen durch Flächenmangel sowie lange Realisierungszeiten, setzt sich somit auch im neuen Jahr fort“, führt Michael Weyrauch weiter aus. Eigennutzerkäufer vereinen rund 9.000 m² auf sich, was einem weiterhin hohen Anteil von 7,4 Prozent entspricht.

Nachfrage wieder von Lager- und Logistikunternehmen geprägt

Wichtigster Teilmarkt ist der traditionell starke Süden mit insgesamt rund 66.000 m². Allerdings hat der Anteil mit 57,6 Prozent (2016: 67,0-Prozentanteil) zugunsten des Ostens abgenommen. Vor allem aufgrund der Anmietungen durch B+S und Dachser erreicht der östliche Teilmarkt nun einen Umsatzanteil von 28,5 Prozent.

Eine bekannte Verteilung zeigt die Betrachtung der Flächennachfrager. Nachdem in 2016 der Handel durch die Anmietung von Action deutlich hinzugewinnen konnte, stellt sich zu Beginn des Jahres 2017 wieder die gewohnte Dominanz der Transport-, Lager- und Logistikunternehmen ein. Diese erreichen einen Umsatzanteil von 46,3 Prozent und verweisen den Handel klar auf den zweiten Rang (25,9-Prozentanteil).

Positiver Ausblick aufgrund erwarteter Großanmietungen

In den kommenden Monaten wird von NAI apollo aufgrund von erwarteten Großabschlüssen mit einem Anziehen der Marktaktivitäten gerechnet. „Für das Jahresende ist somit weiterhin ein Erreichen des zehnjährigen Mittels in Höhe von 520.000 m² prognostizierbar“, sagt Dr. Konrad Kanzler.

Größere freie Neubauflächen sind durch das im letzten Jahr vollendete CENTRA5LPARK in Weiterstadt sowie im Dietz-Logistikzentrum in Raunheim vorhanden. Weitere großflächige Fertigstellungen erfolgen im Sommer mit (teil-)spekulativ errichteten Vorhaben auf dem Mönchhofareal (Erweiterung des Multiparks sowie Bauvorhaben von Kolb Red Logistik) und dem VGP-Park in Ginsheim-Gustavsburg. „In Summe stehen in diesen Entwicklungen noch über 70.000 m² für eine kurzfristige Anmietung zur Verfügung“, ergänzt Michael Weyrauch. Vor Baubeginn befinden sich zudem die ersten Bauabschnitte der Projektentwicklung „M-Port³“ – ebenfalls auf dem Mönchhofgelände – sowie des neuen SEGRO-Logistikparks in Bischofsheim mit zusammen rund 45.000 m² Hallenfläche, die spekulativ errichtet werden.

Vernetzte Welt

Industrie 4.0 Das Internet der Dinge (IdD) hält nicht nur im Wohnzimmer Einzug, sondern auch in den Fertigungsstraßen von Fabriken und generell in der Industrie. Von Alexandre Mouthon, Senior Product Specialist bei Pictet Asset Management:

Fast 30 cm groß und glänzendes blondes Haar – das sind die Markenzeichen der amerikanischen Kultpuppe Barbie, die erstmals im März 1959 auf der Spielwarenmesse in New York vorgestellt wurde. Fast sechzig Jahre später wird auf der gleichen Messe ein neuer Prototyp der Barbie präsentiert. Die Hello Barbie nutzt künstliche Intelligenz, um sich über Wireless LAN mit einem Cloud-Server zu verbinden. Dort stehen Antworten auf die von den Kindern gestellten Fragen zur Verfügung. Die Interaktion läuft über ein Mikrofon und einen Lautsprecher in der Halskette der Puppe. Die Hello Barbie ist nur ein Beispiel für das wachsende Universum des Internets der Dinge (IdD), das heißt miteinander vernetzter Geräte und Maschinen, basierend auf Cloud Computing und Netzwerksensoren.

NEUE GENERATION VON ROBOTERN

Das IdD wird zu einem immer größeren Teil unseres Lebens; wir verfügen nun über intelligente Kühlschränke, die uns benachrichtigen, wenn wir nicht mehr genug Milch haben, über tragbare Geräte, die persönliche Gesundheits- und Fitnessratschläge liefern, und sprachgesteuerte persönliche Assistenten mit künstlicher Intelligenz. Die Zahl vernetzter „Dinge“ könnte bis 2020 50 Mrd. erreichen, und der IdD-Markt wird sich Schätzungen zufolge bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf 3,7 Bio. $ verdoppeln.

Bedeutende technologische Entwicklungen seit den 1960er Jahren

Quelle: Morgan Stanley Research, April 2014 

Doch das IdD bedeutet mehr als intelligente Häuser. Inzwischen weitet es sich auch auf Fabriken aus und leitet ein, was Experten die nächste industrielle Revolution oder Industrie 4.0 nennen. Es handelt sich um eine industrieumfassende Version des IdD, bei der eine neue Generation intelligenter Industrieroboter repetitive, anstrengende und zunehmend komplexe Aufgaben ohne menschliches Eingreifen ausführt. Zudem kommunizieren diese miteinander vernetzten Roboter untereinander – man spricht dann von M2M-(Machine-to-Machine-)Kommunikation. So hat beispielsweise der japanische Roboterhersteller Fanuc eine Technologie entwickelt, die jeweils das „Gehirn“ von über 400.000 seiner Industrieroboter miteinander vernetzt, sodass sie voneinander lernen und so die Performance der Fertigungsanlagen verbessern können.

BRANCHENÜBERGREIFEND

Der japanische Hersteller erklärt, dass sein M2M-Netzwerk durch die Zusammenarbeit mit Cisco, Rockwell Automation (US-Hersteller von Automatisierungslösungen für die industrielle Produktion) und Preferred Networks (Start-up-Unternehmen aus Tokio für maschinelles Lernen) die Effizienz der Produktionsanlagen verbessern und die Profitabilität der Fertigung steigern wird. Fanuc ist nicht allein – der deutsche Konkurrent Kuka etwa arbeitet mit dem chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei daran, seine Industrieroboter auf sehr ähnliche Art zu vernetzen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel – eine Verfechterin der Industrie 4.0 – lobte Kuka als Modell für Deutschlands industrielle Zukunft, als sie das Unternehmen im bayerischen Augsburg besuchte. “Hier ist ein wirklich spannendes Stück deutscher Produktion für die Industrie 4.0“, sagte sie. “Das müssen wir weiterentwickeln, wenn wir weiter vorne dranbleiben wollen.“ Die erste industrielle Revolution, die Mitte des 18. Jahrhunderts in Großbritannien begann, benötigte rund hundert Jahre, um sich auszubreiten und die von Menschen erledigte Arbeit in Europa schrittweise durch Maschinen zu ersetzen. Die Industrie 4.0 dürfte sich sehr viel schneller entwickeln als alle vorherigen Durchbrüche. Sie verändert die strategischen Prioritäten der Produzenten bereits jetzt grundlegend. Der deutsche Autobauer Audi plant, eine „intelligente Produktion“ zu entwickeln, bei der Mensch und Roboter voll integriert arbeiten, 3-D-Drucker komplexe Metallteile herstellen und Drohnen als Transportmittel für Lenkräder fungieren. Und sogar Autos, die pilotiert aus der Montagehalle fahren, gehören dazu.

NEUE HORIZONTE FÜR ANLEGER

“Die Automobilproduktion, wie wir sie heute kennen, wird es in Zukunft nicht mehr geben“, sagte Audi-Produktionsvorstand Prof. Dr. Hubert Waltl dem Magazin des Unternehmens. „Sie wird noch vernetzter, intelligenter und effizienter. Dabei bleiben unsere Mitarbeiter Treiber einer erfolgreichen Produktion. Neue Berufsgruppen wie zum Beispiel Netzwerkarchitekten werden verstärkt in unser Geschäftsfeld einziehen.“ Die Industrie 4.0 wird die Spielregeln verändern. Unternehmen stehen bereits unter Druck, alte Geschäftsmodelle zugunsten eines neuen Ansatzes aufzugeben. Die Produzenten werden die Früchte der Industrie 4.0 ernten. McKinsey erwartet, dass die Lagerhaltungskosten um bis zu 50% fallen werden, da die IdD-Geräte die Echtzeitverwaltung der Lagerbestände ermöglichen. Auch der Maschinenstillstand dürfte sich insgesamt halbieren, da Fabriken die Maschinen dank Informationen von IdD-Sensoren effizienter nutzen (vgl. Grafik 2).

So schafft die Industrie 4.0 Wert

Quelle: McKinsey, August 2016

Es werden neue und attraktive Anlagemöglichkeiten entstehen. Das Marktpotenzial ist groß. Das Beratungsunternehmen Accenture geht davon aus, dass die Industrie 4.0 bis 2030 mindestens 14 Bio. $ zur Weltwirtschaft beitragen dürfte, und der Berater PwC erwartet bis 2020 jedes Jahr Investitionen von mehr als 900 Mrd. $ in Technologien und Geschäfte in Verbindung mit der Industrie 4.0. Mehr als die Hälfte der großen weltweiten Unternehmen, die befragt wurden, rechnete mit einer Kapitalrendite innerhalb von zwei Jahren.


Über den Autor
Alexandre Mouthon kam 2012 zu Pictet Asset Management und ist Senior Product Specialist für Themenfonds. Er ist verantwortlich für die Strategien Security, Robotic, Digital, High Dividend und Global Megatrends Selection.

Pictet Asset Management ist seit über 20 Jahren ein Pionier im Bereich thematischer Anlagen. Wir erkannten das Potenzial thematischer Strategien bereits während der 1990er Jahre und gehörten zu den ersten Anlageverwaltern, die ein Biotech-Produkt anboten. Darauf folgte unsere Wasserstrategie, die nach wie vor eine der sehr wenigen Strategien ist, die dieser einzigartigen Ressource gewidmet sind und die noch immer vom ursprünglichen Investmentmanager verwaltet wird. Im Laufe der folgenden Jahre haben wir eine umfassende thematische Produktpalette aufgebaut, darunter Branchen wie Gesundheit, Holz und Robotik. Auf diese Weise haben unsere Investoren Zugriff auf eine beliebige Anzahl an Anlagemöglichkeiten, die die verschiedenen Megatrends repräsentieren.

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e-mail: fbohmer@pictet.com

Nachhaltiger Inflationsdruck bleibt trotz steigenden Preisen aus

Die zuletzt überraschend stark steigenden Preise in den Vereinigten Staaten (USA) und im Euroraum sprechen nicht für eine kurzfristige Inflationsgefahr. Zu dieser Einschätzung kommt Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste AM. Das zeigt auch die gemäßigte Haltung an den Märkten: Die in zehnjährigen inflationsgeschützten Staatsanleihen gepreisten Erwartungen an die Teuerung liegen derzeit für Deutschland bei 1,14 Prozent und für die USA bei 1,84 Prozent (Stand: 26.04.2017). Diese Werte spiegeln die vermutete durchschnittliche Inflationsrate über die kommenden zehn Jahre wider. „Im zweiten Halbjahr 2016 kam es kurzfristig zu höheren Erwartungen. Grund dafür war die Erholung des Ölpreises sowie gesteigerte Wachstumsprognosen“, sagt Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste AM. „Diese Effekte sind mittlerweile allerdings nicht mehr vorhanden." 

Eurozone: Kein breiter Inflationsdruck erkennbar

Der jüngste Anstieg der Inflation in der Eurozone sei in erster Linie auf die Preisanstiege im Energiesektor und auf Lebensmittel zurückzuführen. Industriegüter und Dienstleistungen wurden im Jahresabstand nur geringfügig teurer. Die Kerninflationsrate, also die Inflationsrate ohne Preisentwicklung von Lebensmitteln und Energie, stagniert in der Eurozone bereits seit einigen Jahren unterhalb von 1,00 Prozent. Auch im Februar war sie mit 0,90 Prozent deutlich geringer als der überzeichnete Anstieg der Gesamtinflation, der im selben Zeitraum mit 2,00 Prozent bemessen wurde. Bei der Inflationsentwicklung sei es zudem ratsam, die Eurozone nicht nur als einheitlichen, sozusagen monolithischen, Wirtschaftsraum, sondern differenzierter zu betrachten. „Um Ungleichgewichte in der Eurozone abzubauen, müsste die Inflation in Deutschland langfristig deutlich höher sein als in Italien und Spanien. Das ist derzeit aber nicht zu sehen“, so Permoser. Die zuletzt gestiegenen Inflationsraten kamen weitestgehend unerwartet. Das zeigt beispielsweise der Citi Inflation Surprise Index, der veranschaulicht, dass der Preisauftrieb zuletzt so stark unterschätzt wurde wie noch nie seit der Einführung des Euros im Jahr 1999.

USA: Potenzial für höheres Lohnwachstum vorhanden

Ähnlich wie in der Eurozone ist die höhere Gesamtinflation in den USA zuletzt vor allem auf die teureren Energiepreise zurückzuführen. „Seit der Eurokrise ist die Inflation in den USA stets höher als in der Eurozone. Ein hausgemachter Inflationsdruck kann im Gegensatz zur Eurozone keinesfalls ausgeschlossen werden“, sagt der Experte. Für 2017 wird geschätzt, dass die US-Wirtschaft die Vollbeschäftigung erreicht, was ein höheres Lohn- und Preiswachstum und einen anhaltenden Inflationsanstieg zur Folge hätte. Die entsprechenden Statistiken zeigen im Durchschnitt bereits höhere Lohnanstiege als noch vor ein paar Jahren. Diese sind mit 2,20 Prozent aber immer noch moderat.

Auch auf weltweiter Ebene rechnet der Experte kurz- bis mittelfristig nicht mit höheren Inflationsraten. Zwar würden die USA, Deutschland und Japan über Kapazität produzieren. Allerdings hätten andere Volkswirtschaften, beispielsweise Frankreich, Spanien, Italien, China, Brasilien und Russland, zuletzt enttäuscht.

Zehn Jahre nach der Kreditkrise scheint die Blase zurück

von Ian Spreadbury, Rentenfondsmanager bei Fidelity International:

„Vor fast zehn Jahren nahm die weltweite Kreditkrise ihren Anfang. Vergleicht man die heutige Situation an den Märkten mit der Lage von damals, gibt es viele Parallelen.

2006 war ein von weltweiter Zinsstraffung geprägtes Jahr. Schon 2004 hatte die US-Notenbank als Reaktion auf das solide Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und eine leicht beschleunigte Inflation damit begonnen, die Zinsen zu straffen. Weltweit wuchs das BIP mit einer Rate von im Schnitt 5 Prozent pro Jahr, gemessen in den drei Jahren bis Ende 2006.

Nicht nur an den Anleihe- auch an den Aktienmärkten war die Volatilität so niedrig wie selten, was auch für die Risikoaufschläge (Spreads) von Unternehmensanleihen galt. Aktien tendierten fest. Hochzinsanleihen waren mit einem Ertrag von rund 10 Prozent wenig überraschend die festverzinsliche Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung – ungeachtet unübersehbarer Anzeichen einer Verschlechterung ihrer Kreditqualität und Sorgen über hohe Aktienrückkäufe und Event-Risiken.

Wo lauern diesmal die Gefahren?

Erstens ist das weltweite BIP-Wachstum mit rund 3 Prozent deutlich niedriger. Darüber hinaus, und das scheint noch wichtiger zu sein, setzt das Nominalwachstum seinen Abwärtstrend fort und bewegt sich auf den tiefsten Stand seit den 1930er Jahren zu – all den Billionen an quantitativen Lockerungsmaßnahmen und den ultraniedrigen Zinsen zum Trotz.

Zweitens haben sich die strukturellen Faktoren verstärkt, die damals die Kreditklemme nach sich zogen: allen voran die im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt weltweit hohe Verschuldung, die Alterung der Bevölkerung und die Vermögensungleichheit. Tatsächlich hat das Verhältnis von Verschuldung zu BIP weltweit wieder den hohen Stand von 2006 erklommen. Damit ist die Schuldenblase zurück. Lediglich ihre Zusammensetzung ist anders als vor der großen Finanzkrise.

Drittens sind zwar die realisierte wie implizite Volatilität derzeit extrem niedrig. Im Gegensatz zu 2006/07 haben wir es gegenwärtig aber mit weltweit hohen wirtschaftspolitischen Unsicherheiten zu tun, mit denen die erhebliche Gefahr politischer Fehlentscheidungen einhergeht.

So könnte der Optimismus rund um die von Trump geschürte Reflation fehl am Platz sein, denn inzwischen ziehen bereits die Kreditkonditionen und auch die Zinsen, Hypothekenzinsen eingeschlossen, in den USA wieder an. Zugleich legt der Dollar zu, und die quantitativen Lockerungsprogramme werden gedrosselt.

Zweifellos nehmen die systemischen Risiken wieder zu, und zumindest an den Staatsanleihemärkten scheinen Anleger die Wachstumsrisiken wahrzunehmen. Das jedenfalls lassen die auf der Stelle tretenden bzw. seit Jahresbeginn fallenden und nach wie vor extrem niedrigen Renditen vermuten.

Bei unseren strategischen und flexiblen Rentenfonds steht Sicherheit an erster Stelle. Deshalb haben wir das Engagement in Hochzinsanleihen reduziert und konzentrieren uns auf Investment-Grade-Anleihen. Dem haben wir ein Engagement in Staatsanleihen, inflationsgeschützte Anleihen und Schwellenländeranleihen beigemischt.

Anleger sollten die Risiken an den Märkten zur Kenntnis zu nehmen und ihre Portfolios breiter aufzustellen, statt ausschließlich auf die Rendite zu schauen. Auch wenn es noch eine Weile dauern könnte, bis die Blase platzt, ist Vorsicht immer noch besser als Nachsicht.“

Die Türkei nach dem Referendum: Auf der Suche nach Stabilität und Wirtschaftsreformen

Das Ergebnis des Türkei-Referendums steht fest. Jetzt kommt es darauf an, ob sich die Spannungen des Wahlkamps auflösen oder verstärken. Wird sich die Politik in die richtige Richtung bewegen? von Colin Croft, Manager des Jupiter New Europe SICAV:

Am 16. April 2017 hat die Türkei über eine Änderung der Verfassung hin zu einem Präsidialsystem abgestimmt. Das Ergebnis - ein knapper Sieg für das neue System mit 51,3 Prozent der Stimmen - scheint aus Aktiensicht das bestmögliche zu sein. Die Alternativen bestanden in einer deutlicheren Zustimmung oder einer knappen Ablehnung des Referendums. Beides hätte mit höherer Wahrscheinlichkeit zu vorgezogenen Wahlen geführt, mit all der Unsicherheit, die damit einhergeht. Die türkischen Aktienmärkte neigen bei einer Beibehaltung des Status Quo zu Kursgewinnen, da die Wirtschaftspolitik der regierenden AKP als fundierter angesehen wird als die der Vorgängerregierungen.

Vize-Premier Şimşek hat im Anschluss an das Referendum klargestellt, dass es keinerlei Pläne gibt, die für 2019 geplanten Wahlen vorzuziehen. Sollte dies zu einer Periode relativer Stabilität führen - mit stärkerem Wachstum und einem daraus resultierenden Wahlsieg der AKP 2019 - wäre dies zumindest für die türkische Wirtschaft und ihren Aktienmarkt ein positives Signal. Bedingung hierfür wäre, dass sich die Regierung verstärkt auf ökonomische Reformen konzentriert.

Für die Märkte ging es seit der Abstimmung stark aufwärts. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass nun eine Phase der Besonnenheit beginnt. Zwei der größten Oppositionsparteien haben bereits Bedenken über die Legitimität des Referendums angemeldet, da das türkische Wahlkomitee entschied, ungestempelte Wahlzettel zu akzeptieren. Jetzt ist es wichtig zu beobachten, ob sich die Spannungen des Wahlkampfes auflösen oder verstärken werden und ob sich die Politik in die richtige Richtung bewegt.

Einerseits hat der türkische Aktienmarkt währungsbereinigt (in GBP) seit Jahresbeginn um 12 Prozent zugelegt. Dies geschah aber andererseits von einem extrem niedrigen Niveau aus - einem 10-Jahres-Tiefpunkt in Folge des Putschversuchs im vergangenen Jahr. Dennoch sind die Bewertungen meines Erachtens mit einem KGV von neun sehr attraktiv und deutlich niedriger im Vergleich zu anderen Wachstumsmärkten und historischen Bewertungen. Ein Positiv-Szenario ist demnach bei Weitem nicht eingepreist.

Der Jupiter New Europe SICAV ist derzeit zu 15 Prozent in der Türkei investiert und seine breite Diversifizierung über mehrere Länder sollte dabei helfen, gegen politische Risiken gewappnet zu sein. Ich verfolge zudem einen Bottom-up Ansatz mit Fokus auf titelspezifische Änderungen, die von den Märkten noch nicht erfasst wurden. Der Grund für dieses Vorgehen ist, dass solche Trends eher vorauszusagen sind als Top-down-Entscheidungen. Letztere hängen u.a. von schwer abschätzbaren Ereignissen wie etwa Wahlen ab.

Ein Beispiel für meinen Ansatz ist der kleine türkische Versicherer AvivaSA, ein Joint Venture des britischen Unternehmens Aviva und des führenden türkischen Konglomerats Sabanci. Ich habe im April 2015 in den Titel investiert in der Annahme, dass der Markt das enorme Wachstumspotenzial der Gewinne im Pensionsbereich nicht eingepreist hatte. Während in Großbritannien die meisten Menschen in private Vorsorge investieren, ist dies noch nicht einmal bei jeder fünften Person in der Türkei der Fall. Die Türkei könnte ihre Wirtschaft durch eine Erhöhung dieser Sparquote unabhängiger von den Unsicherheiten internationaler Kapitalströme machen. Ein möglicher Ansatz hierfür ist z.B. die Förderung privater Vorsorge durch eine automatisierte Integration in private Versorgungssysteme sowie staatliche Zuschüsse zu Beitragszahlungen. Obwohl diese Maßnahmen nicht immer mit voller Entschlossenheit durchgeführt wurden - es ist beispielsweise sehr einfach, aus dem System auszusteigen - konnten dennoch ausreichende Fortschritte erzielt werden.

Entsprechend hat die Aktie den türkischen Markt um 15 Prozentpunkte outperformt. Ich glaube, dass die langfristige Erhöhung der Sparquote eine so fundamentale Notwendigkeit darstellt, dass die Regierenden der Türkei nicht um Maßnahmen herumkommen werden, die Vorsorgebereitschaft zu erhöhen. Die Aktie bleibt daher angesichts ihres Wachstumspotentials attraktiv bewertet.

US-Energieversorger: Wirtschaftliche Fundamentaldaten sprechen für Beibehaltung des Klimaschutz-Kurses

Präsident Trumps Pläne zur Umkehr der Klimapolitik verunsichern die US-Stromversorger. Trump hatte kürzlich bekannt gegeben, dass er die Klimaschutzpolitik seines Vorgängers rückgängig machen möchte. So will er die in Obamas „Clean Power Plan“ (CPP) festgelegten Auflagen zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen aufheben. Ziel des CPP ist es, die CO2-Emissionen des US-Energiesektors bis zum Jahre 2030 um 32 Prozent gegenüber dem Niveau von 2005 zu senken. Dieser Plan war ein wichtiger Bestandteil der Vereinbarung, zu der sich die USA im Klimaabkommen von Paris 2015 verpflichtet hatten. Dort hatte die Weltgemeinschaft beschlossen, die Treibhausgas-Emissionen so weit zu senken, dass sich die Erde um höchstens 1,5 Grad Celsius erwärmt.

Die Pläne Trumps stehen im Gegensatz zur ökonomischen Realität. Die Kohlenstoffintensität der US-Energieversorger ist in den vergangenen Jahren bereits zurückgegangen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: So lassen sich inzwischen in vielen US-Bundesstaaten Wind- oder Solarenergie günstiger erzeugen als Kohlestrom. Zudem haben viele Unternehmen die Gelegenheit genutzt, von Kohle auf den billigeren Gasbrennstoff umzusteigen.

Seit 2010 ist der Kohleabbau in den USA um rund zehn Prozent gesunken. Bis 2020 wird mit einer weiteren Reduzierung um acht Prozent gerechnet, da viele Kohlekraftwerke ihre Nutzungsdauer erreicht haben, oder alt und ineffizient sind. „Auch Trumps Pro-Kohle-Politik wird diesen Trend nicht mehr rückgängig machen“, so die Einschätzung von Matthias Beer, Associate Director Governance and Sustainable Investment bei BMO Global Asset Management, fest. „Wir haben mit US-Stromversorgern gesprochen und festgestellt, dass die Unternehmen an ihrer Strategie festhalten wollen, die CO2-Emissionen bis 2030 um 32 Prozent zu senken – so wie es die CPP-Auflagen besagen“, sagt Beer. Das spiegelt für den Experten die Tatsache wider, dass fundamentale ökonomische Faktoren wie niedrige Gaspreise und sinkende Kosten bei der Produktion von erneuerbaren Energien Treiber für die Entwicklungen auf dem Energiesektor sind, unabhängig von einer Klimapolitik. „Im Großen und Ganzen sehen Versorger regulatorische Anforderungen wie die CPP als Leitlinie für ihre langfristige Planung“, so Beer.

Fazit: Der Übergang zu CO2-Verminderung ist bereits bei vielen Stromversorgern in vollem Gange und stark von wirtschaftlichen Fundamentaldaten geprägt. Diesen Trend wird die neue US-Regierung so schnell nicht verändern können. Auch auf Ebene der US-Staaten gibt es bereits einige Initiativen zur Kohlendioxidreduzierung des Energiesektors. „Es stellt sich die Frage, ob die USA unter Trump weiterhin Teilnehmer des Pariser Klimaabkommens bleiben wollen oder nicht“, meint Beer. „Wenn nicht, dann liegt es am privaten Sektor – Investoren eingeschlossen – die Chancen zu ergreifen, die sich im Zuge der globalen Klimaziele ergeben.“

Was Trumps Wirtschaftspolitik für den Goldpreis bedeutet

Der Erfolg oder Misserfolg von Trumps angekündigter Steuerreform wird unmittelbare Auswirkungen auf den Goldpreis haben. Zu dieser Einschätzung kommt Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds von VanEck, in seinem aktuellen Marktausblick. „Nach zwei Niederlagen in Sachen Reiseeinschränkungen und Gesundheitsreform verblasst allmählich die anfängliche Euphorie an den Märkten im Hinblick auf Trump“, so Foster. Dieser Effekt habe den Goldpreis zuletzt unterstützt und dazu geführt, dass sich der Kurs oberhalb der 1.200-Punkte-Marke festigen konnte. 

Der Ausgang der Steuerreform dürfte dem Experten zufolge ähnliche Auswirkungen haben. Zwar könnte eine erfolgreiche radikale Reform für die Präsidentschaft von Trump einen positiven Impuls bedeuten. Allerdings sei es angesichts der beiden frühen politischen Niederlagen insgesamt zusehends unwahrscheinlicher, dass die amerikanische Regierung die erwarteten wachstumsfreundlichen Reformen umsetzen kann, die die Aktienmärkte nach den Wahlen eingepreist hatten und die zu neuen Höchststände geführt hatten. „Ein dritter Rückschlag bei der Steuerreform könnte eine Vertrauenskrise auslösen, was weiteres Aufwärtspotenzial für den Goldpreis bedeuten würde“, so Foster.

Die Hinweise auf eine spätzyklische Konjunktur nehmen zu

Neben einer potenziellen Vertrauenskrise würden sich zudem die Anzeichen dafür mehren, dass sich die US-Wirtschaft in einer spätzyklischen Phase befinde. „Die aktuelle wirtschaftliche Expansion und die Rallye bei Aktien gehören zu den längsten der Börsengeschichte“, so Foster. Obwohl der mittlerweile acht Jahre anhaltende Bullenmarkt des S&P 500 Indizes der zweitlängste seit dem Jahr 1928 sei und mit einem Anstieg von 16,9 Prozent pro Jahr die drittstärkste Steigerung in diesem Zeitraum bedeute, habe das Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen acht Jahren nur um 1,8 Prozent pro Jahr zugelegt. Der Aktienmarkt sei im historischen Vergleich deutlich überbewertet – mit den höchsten Kurs-Gewinn-Verhältnissen seit der Dotcom-Blase. Und die Tiefststände bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung in diesem Zyklus seien aus historischer Sicht typisch für die letzten Monate und Jahre einer volkswirtschaftlichen Expansion.

Das Zusammenspiel aus politischem Gegenwind für die neue US-Regierung sowie wachsenden Anzeichen dafür, dass sich die US-Wirtschaft in einer spätzyklischen Phase befinde, spräche für eine erhöhte Rezessionsgefahr. „Angesichts dieser Anzeichen scheint es ein guter Zeitpunkt zu sein, sich vor finanziellen Einbußen abzusichern und darüber nachzudenken, den sicheren Hafen Gold anzusteuern“, schließt Foster.

Gewinnmitnahmen bei Edelmetallen, antizyklische Zuflüsse bei Kakao und Rohöl

Nach der starken Rally der vergangenen Woche wurden bei Edelmetallen Gewinne mitgenommen. Bei Rohöl-ETPs (A0KRJX) kam es in der vergangenen Woche zu opportunistischen Käufen, da die Ölpreise korrigierten. Kakao-ETPs verzeichneten in der achten Woche in Folge Zuflüsse, da die Kassapreise auf ein Vierjahrestief fielen. In US-Dollar steigen die Short-Engagements, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Das vollständige Dokument finden Sie links als PDF.

Gewinnmitnahmen bei Edelmetallen. Just als Gold beinahe unser Kursziel für das Jahr von 1.300 USD/oz. zur Jahresmitte erreichte, kam es bei Gold-ETPs (A0LP78) zu Abflüssen in Höhe von 30 Mio. US-Dollar. Zuvor hatten die Zuflüsse im Zuge der zunehmenden Spannungen in Syrien und Nordkorea sowie aufgrund des unsicheren Ausgangs der Wahlen in Frankreich zugenommen. So flossen seit Jahresbeginn insgesamt über 600 Mio. US-Dollar in unsere Gold-ETPs (A0N62G), davon allein fast 80 Mio. US-Dollar im Vormonat. „Die Goldpreise dürften unterstützt bleiben, da der Markt die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts der Fed im Juni bei unter 50 Prozent sieht und die Inflationserwartungen/Anleiherenditen weiter zurückgehen“, ergänzt Jan-Hendrik Hein, Director – German Speaking Regions von ETF Securities.

Short-Positionen in US-Dollar steigen. „Da nicht nur weiche Umfragedaten wie die US-Einkaufsmanagerindizes des verarbeitenden Gewerbes, sondern auch harte volkswirtschaftliche Fakten wie die US-Verbraucherpreisinflation enttäuschten und die Fed auf ihrer letzten Sitzung auf eine Anhebung der Prognose verzichtete, kam es in dem Monat bei Short-USD-ETPs zu Zuflüssen in Höhe von 16 Mio. USD“, so Hein.

Rohöl-ETPs (A1N49P) verzeichnen Zuflüsse aufgrund enttäuschender US-Lagerdaten. Zuvor waren die US-Rohölpreise um fast 4 Prozent auf 50,28 US-Dollar pro Barrel gefallen, da die US-Lagerbestände weniger als erwartet zurückgegangen waren. In der Folge kam es bei unseren Rohöl-ETPs (A0KRJX) zu Zuflüssen in Höhe von 14 Mio. USD-Dollar. „Unseres Erachtens wird sich Rohöl weiter in einer Seitwärtsspanne bewegen: Die Erwartung, dass die OPEC auf ihrem Treffen am 25. Mai eventuell eine weitere Förderkürzung ankündigt, könnte sich stützend auswirken. Andererseits dürfte jedoch vom Angebotsüberhang in den USA Abwärtsdruck ausgehen“, sagt Hein.

Europäische Aktien wurden erneut verkauft, Euro gekauft. Wie in der Vorwoche wurden trotz der in Frankreich anstehenden Wahlen Long-EUR-ETPs gekauft, und zwar im Wert von 5 Mio. US-Dollar. „Im Aktienbereich kam es außerdem zu Käufen von FTSE100-ETPs in Höhe von 5 Mio. US-Dollar, da britische Aktien in der Vorwoche nach Ankündigung der Neuwahlen im Juni korrigierten“, sagt Hein.

Kakao-ETPs verzeichneten in der achten Woche in Folge Zuflüsse, die sich seit Jahresanfang mittlerweile auf 60 Mio. US-Dollar belaufen. Kakao markierte in der vergangenen Woche in London und New York ein neues Vierjahres­tief. Da Kakao in London gehandelt wird, war der Abverkauf zum Teil der Entwicklung des Pfund Sterling geschuldet, das nach der Wahlankündigung aufwertete.Aber auch Bedenken über das Angebot des größten Produzenten Elfenbeinküste belasteten die Preise. „Nach dem Einbruch um 42 Prozent in den letzten zwölf Monaten gehört Kakao zu den Rohstoffen, die in diesem Jahr am schlechtesten abschnitten. Es ist jedoch möglich, dass der Pessimismus der Anleger nun abebbt, da die spekulative Short-Position an der CFTC netto zurückgeht“, so Hein.

Monetarisierung in der Videospielindustrie: Das große Geld mit kleinen Beträgen

Der weltweite Umsatz der Computer- und Videospielbranche erreicht bis 2019 laut PwCs „Global Media and Entertainment Outlook“ ein Volumen von 93 Milliarden US-Dollar. Der Newzoo „Global Games Market Report“ vom April 2017 geht sogar von 118,6 Milliarden US-Dollar aus. Wachsende Mittelschichten in Schwellenländern wie China und Brasilien beflügeln den Markt. Das allein sind beste Aussichten für Anleger. Doch diese Branche gehört nicht nur wegen neuer Absatzmärkte ins Portfolio: Zum einen hat der Vertrieb über digitale Verkaufsplattformen die Gewinnmargen deutlich erweitert. Zum anderen sind Videospiele längst keine Einmal-Bezahl-Produkte mehr, sondern werden vielfältig monetarisiert und generieren so laufende Umsätze. Welche Trends Investoren noch kennen sollten, erklärt Adrian Doyle, Fondsexperte bei der GAMAX Management AG.

Mehr als Vollpreisspiele: Stetiger Umsatz dank DLC und Microtransactions

Zwar werden aufwendig produzierte Spiele, die sogenannten AAA-Titel, nach wie vor durch einen hohen Kaufpreis monetarisiert – jedoch bieten Entwickler in der Regel noch kostenpflichtige Zusatzinhalte für das Hauptspiel an. Dabei handelt es sich etwa um neue Charaktere, Handlungsstränge oder ganze neue Welten. Diese Erweiterungen werden inzwischen meist digital vertrieben und daher auch DLC, downloadable content, genannt. Der Release-Preis eines AAA-Spiels liegt in der Regel zwischen 60 und 80 Euro. Inklusive DLCs im Wert von etwa 15 bis 30 Euro, beträgt der Gesamtpreis leicht weit über 100 Euro. Die beliebte Lebenssimulation „Die Sims“ von EA hat dieses Modell perfektioniert – in etlichen Erweiterungen kann der Spieler Urlaubsorte, Haustiere oder Einrichtungsstile für seine virtuellen Familien hinzukaufen. Zwar sind DLCs in Spielen mit einer festen Handlung nur eingeschränkt möglich – doch ein bis drei größere Erweiterungen sind auch dort Standard.

Neben DLCs sorgen Microtransactions für laufende Umsätze. Dabei handelt es sich um Käufe mit geringen Einzelbeträgen, die direkt im Spiel getätigt werden. Spieler erhalten so etwa neue Waffen oder Accessoires. Laut Umsatzbericht zum vierten Quartal 2016 nahm etwa Activision Blizzard insgesamt 3,6 Milliarden Dollar mit Microtransactions ein. Im Spiel „Call of Duty: Black Ops 3“ überstieg der Umsatz zum ersten Mal den Erlös aus DLC-Verkäufen. Ein lukrativer, aber umstrittener Trend. 

Microtransactions, etwa in Ubisofts „For Honor“ sorgen für Ärger bei den Fans: Teure Inhalte, die ohne Echt-Geld kaum zu bekommen sind, empfinden viele als Abzocke. Auch unbeliebt: Teile der Hauptstory als DLC anzubieten oder aufgrund enger Zeitvorgaben unfertige Spiele zu veröffentlichen. „Anleger sollten wissen, dass Spieler hier sensibel und gnadenlos in ihren Urteilen sind, die sich im Internet rasant verbreiten“, so Doyle. „Die Monetarisierung von Vollpreisspielen ist oft eine Gradwanderung zwischen Gewinnmaximierung und Kundenzufriedenheit. Ein Spieleentwickler kann nur erfolgreich sein, wenn er diese Balance langfristig beherrscht.“

Das lukrative Geschäft mit kostenlosen Spielen

Umstritten im AAA-Segment, Erfolgsrezept für Free-to-Play: Der Erfolg von in-game-Käufen im Bereich der Mobile Games zeigt, wie wichtig die Wahl der richtigen Strategie für verschiedene Konzepte ist. Neben Werbeeinnahmen sorgen Microtransactions für Umsatz, denn obwohl zunächst kostenlos, hat der Spieler in Hits wie „Candy Crush“ oder „Farmville“ stets die Möglichkeit, Level und Gegenstände zu kaufen, um schneller voranzukommen. Das Spiel mit der Geduld hat sich bewährt: Laut Jahresreport 2016 des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware, geben in Deutschland zahlende Nutzer im Monat durchschnittlich 12,02 Euro für In-App Käufe aus – 2012 waren es noch 4,14 Euro. Eine möglichst lange Verweildauer der Spieler ist hier zentral. Verlieren sie das Interesse, bleiben die Gewinne aus.

Spielraum für weitere Ertragsquellen

Die Branche bringt nicht nur immer neue Spiele auf den Markt, sondern beweist auch bei deren Monetarisierung große Kreativität.„Interessant ist beispielsweise das ‚Gacha‘-Modell in Japan“, sagt Doyle. Der Ansatz ist mit dem Kauf von Sammelbildern vergleichbar. In Spielen wie Nintendos „Fire Emblem: Heroes“ kauft man im Spiel Pakete mit verschiedenen Spielfiguren mit unterschiedlichen Häufigkeiten – den gewünschten Inhalt zu erhalten, ist reines Glück. „Diese ‚Überraschungsei-Mechanik‘ könnte noch in deutlich größerem Umfang in anderen Regionen der Welt folgen.“

Auch Filme erweitern die Produktpalette vieler Unternehmen. Die erfolgreiche Verfilmung von Spielen gelingt jedoch nur selten. Auch der Ende 2016 in die Kinos gekommene „Assassin‘s Creed“-Film zum gleichnamigen Ubisoft Flaggschiff-Franchise erntet nur verhaltenes Lob. „Im Rahmen der Gesamtpopularität eines Franchises können Filme aber durchaus Sinn machen“, urteilt Doyle. Sie sprechen neue Zielgruppen an und können bei den Fans der Spiele die Markenverbundenheit stärken. Das dürfte die Verkaufszahlen der Spiele beflügeln, vorausgesetzt, der Film ist authentisch. Treten Publisher die Filmrechte an externe Studios ab, ist Doyle kritisch: „Lizensierung macht nur Sinn, wenn der Lizenznehmer auch das Produkt verstanden hat und entsprechend Herzblut investiert – sonst richtet es eher Schaden an.“

Activision Blizzard: ein Unternehmen, viele Möglichkeiten

Publisher mit einer breit gestreuten Produktpalette können verschiedene Marktsegmente bedienen und so viele Ertragsquellen nutzen. Für Anleger ist zudem die Gewichtung einzelner Produktarten im Portfolio der Unternehmen interessant. Etwa bieten Online-Spiele mehr Freiraum, ihre Inhalte kreativ zu vermarkten. Der „World of Warcraft“-Entwickler und Branchenschwergewicht Activision Blizzard ist in diesem Bereich mit Erfolgen wie „Overwatch“ besonders gut aufgestellt. Außerdem konnte 2015, mit dem für etwa 5,9 Milliarden Dollar gekauften „Candy Crush“-Entwickler King, der Anteil im wichtigen Markt für Mobile Games weiter ausgebaut werden. Zukünftig soll die Unternehmenssparte Blizzard Publishing die Handlung beliebter Titel in Büchern und Hörbüchern umsetzten – erwartet wird ein Umsatz von 200 Millionen Dollar. Mit Activision Blizzard Studios ist geplant, die „Call of Duty“-Reihe in einem ganzen Film-Universum á la Marvel umsetzen. Doyle sagt: „Publisher mit einem ausgewogenen Portfolio sind weniger abhängig von Einzelerfolgen. Zugleich profitieren Anleger von planbaren Erträgen durch kontinuierliche Einnahmen aus in-game Käufen. All dies sind Faktoren, die langfristig den Unternehmenswert erhöhen.“

Frankreich-Wahl spricht für europäische Aktien

von Suneil Mahindru, Chief Investment Officer für internationale Aktien bei Goldman Sachs Asset Management.

Emmanuel Macron und Marine Le Pen werden am 7. Mai gegeneinander in der Stichwahl um das Präsidentenamt antreten. Wir bleiben bei unserer Ansicht, dass ein Sieg Macrons wahrscheinlicher ist. Was bedeutet dies für den europäischen Aktienmarkt und den hiesigen Bankensektor?

Umfragen, die vor dem Ergebnis des ersten Wahlgangs durchgeführt wurden, deuten darauf hin, dass Emmanuel Macron seiner Kontrahentin bei der Stichwahl rund 25 Prozentpunkte voraus ist. Frankreichs Politik richtet sich insofern neu aus: Auf der einen Seite pro-europäisch, auf der anderen populistisch und euroskeptisch. Wir erwarten, dass sich der Vorsprung des Macron- gegenüber dem Le Pen-Lager im Vorfeld der zweiten Runde vergrößern wird. Grund ist, dass die politische Mitte wahrscheinlich eine breite Einheitsfront gegen den Front Nationale bilden dürfte. Hierdurch ist es ziemlich wahrscheinlich, dass Emmanuel Macron die französische Präsidentschaft in zwei Wochen gewinnen wird.

Positiver Ausblick für europäische Aktien bleibt bestehen

Zwischen den beiden Wahlgängen dürften sich europäische Aktien insgesamt nicht allzu stark bewegen, da das Ergebnis der ersten Runde allgemein so erwartet wurde. Hinzu kommt, dass ein Wahlsieg Le Pens allerdings auch nicht komplett ausgeschlossen werden kann.

Der französische Urnengang konnte europäische Aktien und den CAC 40 nicht daran hindern, auf absoluter Basis solide Ergebnisse seit Jahresbeginn zu liefern. Beide konnten im Jahresverlauf jeweils um 5 Prozent zulegen. Zudem spiegelt der Vergleich zwischen europäischen- und US-Aktien ziemlich genau die erstarkten Fundamentaldaten des alten Kontinents wider. Konsequenterweise investieren US-Investoren verstärkt in den europäischen Markt, nachdem 2016 die Kapitalströme noch eher andersherum flossen. Es zeichnet sich allmählich eine Outperformance Europas gegenüber den USA ab.

Seit Beginn dieses Jahres ist die Risikoprämie für Aktien in Europa um 40 Basispunkte gefallen, während sie in den USA um 50 Basispunkte zugelegt hat. Ein sogenanntes Tail-Risk-Ereignis, sprich ein unvorhersehbares Ereignis mit hohem Risiko, wurde im Vorfeld der europäischen Wahlen nicht vollständig eingepreist – im Gegenteil zu den Anleihe- und Derivatemärkten. Dies offenbart sich u.a. in der Differenz der Aktien-Risikoprämien und der wirtschaftlichen Unsicherheit zwischen den Kontinenten.

Bei einem Wahlsieg Macrons sehen wir für europäische Aktien ein Aufwärtspotential von etwa 2-3 Prozent. Sollte Marine Le Pen die zweite Wahlrunde gewinnen, was nicht unserem Basisszenario entspricht, wären europäische Aktien allerdings besonders anfällig, da dieses Szenario nur wenig eingepreist wurde.

Leichter Rückenwind für europäischen Bankensektor

Im Nachgang zu den Wahlen in den Niederlanden bringt also auch die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen ein Ergebnis zutage, dass recht günstig für den europäischen Finanzsektor sein dürfte. Obwohl sich die Performance der europäischen Banken eher losgelöst vom französischen Wahlkampf entwickelt hat, erwarten wir auf absoluter Basis immer noch eine leicht positive Reaktion für die Banken, da die Tail-Risk-Unsicherheit abnimmt. Auch dies ist im Übrigen eine Parallele zur niederländischen Wahl. Italienische und französische Banken könnten sich letztlich zu den Hauptprofiteuren des Wahlergebnisses entwickeln, vor allem wenn die Anleiherenditen steigen und sich die Renditeaufschläge für Staatsanleihen verringern.

Zusammengefasst erwarten wir: Sollten sich die Tail-Risks bezüglich der Wahl Marine Le Pens auflösen, dürften hiervon auch europäische Banken zu einem gewissen Teil profitieren.

Über Goldman Sachs Asset Management
Goldman Sachs Asset Management ist der Asset-Management-Bereich der Goldman Sachs Group, Inc. (NYSE-Symbol: GS). Per 31. Dezember 2016 belief sich das von diesem Geschäftsbereich verwaltete Vermögen auf 1,178 Billionen US-Dollar. Goldman Sachs Asset Management bietet seit 1989 diskretionäre Anlageberatungsleistungen an und beschäftigt Investment-Spezialisten an allen großen Finanzplätzen der Welt. Das Unternehmen bietet institutionellen Investoren und Privatkunden auf der ganzen Welt Investmentstrategien, die sich auf eine breite Palette von Anlageklassen erstrecken. Goldman Sachs wurde 1869 gegründet und gehört zu den führenden, global tätigen Investmentbanking-, Wertpapier- und Vermögensverwaltungshäusern. Sie betreut weltweit einen breit gefächerten Kundenstamm, zu dem Unternehmen, Finanzinstitutionen, staatliche Stellen und vermögende Privatpersonen gehören.

Frankreich wählt: Raiffeisen Capital Management schichtet vorsichtig um

Europa steht wieder einmal vor einer wichtigen Wahl: der des Präsidenten in Frankreich. Die Sorge, dass Marine Le Pen von der Front National am 23. April ein Erdrutschsieg gelingen könnte, steht im Raum. Auch wenn Meinungsforscher derzeit nicht davon ausgehen, dass Le Pen tatsächlich in den Élysée-Palast einziehen wird, ist die Verunsicherung groß. Welche Vorkehrungen trifft Raiffeisen Capital Management1 im Vorfeld der Wahl?2

Raiffeisen Capital Management geht derzeit (wie die meisten Marktteilnehmer) von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Marine Le Pen und dem parteilosen Emmanuel Macron aus, der dem Rechtspopulismus und dem klassischen politischen System aus Sozialisten und Republikanern den Kampf angesagt hat. Beide kommen bei den aktuellen Umfragen auf jeweils knapp ein Viertel der Wählerstimmen. Bei einer allfälligen Stichwahl am 7. Mai hingegen würden die Umfragen Macron klar im Vorteil sehen: 62 % der Wähler geben an, ihn wählen zu wollen, nur 38 % würden sich bei diesem Duell für Le Pen entscheiden. Dann wäre Macron der erste parteilose Präsident Frankreichs. Allerdings sind fast 40 % der Wähler noch unentschlossen. Demoskopen weisen darauf hin, dass viele Befragte oft nicht sagen wollen, für wen sie stimmen würden – insbesondere trifft das auf die Wähler von Marine Le Pen zu.

Selbstverständlich sind auch andere Szenarien für den Ausgang der Wahl denkbar, beispielsweise ein Duell zwischen Macron und dem Republikaner François Fillon oder Le Pen und dem Kommunisten Jean-Luc Mélenchon. Doch bei der Stichwahl ist davon auszugehen, dass die Grande Nation in guter Tradition wieder zusammenstehen wird und ihre Stimme einem Kandidaten gibt, der sie eint und nicht auseinandertreibt.

Dass dennoch viele Investoren vorsichtig sind, zeigt sich im Vorfeld der Wahl in erster Linie auf dem Rentenmarkt: Französische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren haben im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen mit der gleichen Laufzeit den höchsten Wert seit März 2013 erreicht (Stand: 19. April 2017). Auf dem französischen Aktienmarkt hingegen zeigen sich noch keine auffälligen Ausschläge. Dieser hat zwar etwas mehr als die anderen europäischen Aktienmärkte nachgegeben, doch im Großen und Ganzen scheinen zumindest die Aktieninvestoren noch vom Sieg eines gemäßigten Kandidaten auszugehen.

Raiffeisen Capital Management hat seine Positionen in Erwartung einer Stichwahl zwischen Macron und Le Pen nur vorsichtig umgeschichtet. Konkret heißt das, die starke Untergewichtung von französischen Staatsanleihen reduziert, die Position jedoch – vorwiegend aus fundamental wirtschaftlichen Gründen – untergewichtet belassen. Auch italienische Staatsanleihen hat das zuständige Anleiheteam geringfügig zugekauft, da es hier eine Korrelation zur Entwicklung in Frankreich erwartet.

Aktienseitig haben sich französische Titel schon im letzten Quartal etwas schlechter entwickelt als jene anderer europäischer Märkte. Wobei Raiffeisen Capital Management ohnehin nur in sehr wenige – und das sind global ausgerichtete – Unternehmen, wie den Energielieferanten TOTAL, den Satellitenbetreiber Eutelsat und den Finanzdienstleister BNP-Paribas, investiert ist.

Alles in allem ist Raiffeisen Capital Management gut für den Ausgang der Wahl am 23. April vorbereitet und kann gegebenenfalls rasch auf neue Entwicklungen reagieren.


1) Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage Gesellschaft m.b.H.
2) Die nachfolgenden Einschätzungen und Positionierungen stellen eine Momentaufnahme dar und können sich jederzeit und ohne Ankündigung ändern. Die vorliegende Prognose ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung der Kapitalmärkte oder der Fonds der Raiffeisen KAG.

Ganz schön still da draußen, vielleicht zu still?

„Während Anleger weiterhin von den robusten Renditen globaler Aktien profitieren, bereitet die ungewöhnlich geringe Volatilität an den Märkten Grund zur Sorge, insbesondere angesichts der weiterhin bestehenden Unsicherheiten auf makroökonomischer und politischer Ebene und hinsichtlich der Unternehmensgewinne“, sagt Scott Berg, Portfoliomanager für die Global Growth Equity Strategy bei T. Rowe Price. Diese Perspektive werde durch den MSCI AC World Index untermauert, der im Jahresverlauf um sieben Prozent zulegte und seit der US-Wahl ein Plus von über zehn Prozent erzielte, und insgesamt eine solide und nahezu ununterbrochene Aufwärtstendenz zeigte. Wie ruhig sich die Märkte verhalten, lasse sich an der realisierten Aktienmarktvolatilität erkennen, die beinahe auf einen Tiefstand sank.

Warum ist die Volatilität so gering?

Die sinkende Volatilität spiegele zum Teil einige sehr positive und reale Veränderungen im globalen Wirtschaftsumfeld wider. Zu den sich verbesserten Daten zähle der Anstieg globaler Einkaufsmanagerindizes, die nach einer ersten Aufwärtstendenz im Sommer 2016 inzwischen ein Niveau erreichten, das mit einer soliden Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums gleichgesetzt werden könne. Die Unternehmensgewinne – sowohl die tatsächlichen als auch die erwarteten – erholten sich ebenfalls kontinuierlich von ihren Tiefständen.

Warum sollten Investoren auf kurze Sicht vorsichtiger sein als der Konsens?

„Trotz der Verbesserung der Fundamentaldaten hat auch die hoffnungsvolle Stimmung ihren Teil zum Auftrieb der Märkte beigetragen, und die Konsensmeinung schwenkte innerhalb eines Jahres von Verzweiflung zu Ausgelassenheit. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich die dramatische Veränderung bei der Stimmung kleinerer US-Unternehmen seit der Wahl ansieht“, so der Experte. Diese Stimmungsaufhellung zeige sich zu einem gewissen Grad in den Aktienmärkten. Sie beruhe einerseits auf den sich bessernden Daten sowie andererseits auf den potenziellen Auswirkungen eines politischen Richtungswechsels der USA auf die US-amerikanischen und globalen Wachstumsaussichten – und dies trotz weiterhin fehlender konkreter Details zur neuen Politik der Trump-Regierung. „Die Auswirkungen, die eine solche Beschleunigung auf zyklische Segmente des globalen Aktienmarkts hätten, führten nach der Wahl zu einer zyklischen Kaufwelle – eine Tendenz, bei der wir eine vorsichtig konträre Haltung einnehmen“, schildert Berg.

Der Markt mache sich im Hinblick auf politische und makroökonomische Faktoren große Hoffnungen. „In vielerlei Hinsicht glauben wir jedoch, dass jetzt die Zeit gekommen ist, um auf Titelebene zu operieren und unsere Wunschliste von Aktien, die demnächst zum Verkauf stehen könnten, zu aktualisieren – falls es auf Makro- oder politischer Ebene zu Enttäuschungen kommen sollte. In diesem Zusammenhang macht die Volatilität auf Sektorebene, zyklisch versus defensiv, im Hinblick auf den Anlagestil, Value versus Growth, und auf Basis vieler individueller Titel einen überdurchschnittlichen Eindruck, auch wenn die Marktvolatilität niedrig erscheint. Dies ist eine ungewöhnliche Perspektive und hat sicherlich trotz der relativ niedrigen Volatilität von Aktienmarkt-Beta für aktive Anleger größere Volatilität von Alpha geschaffen“, schildert Scott Berg.

Wie groß ist die Gefahr, dass die niedrige Volatilität ein Ende findet, und welche Auswirkungen hätte das auf die Aktienmärkte?

Zwar seien aktuelle Daten in nahezu jeder Hinsicht positiv, doch gerade das könne auch ein Risiko für die Aktienmärkte sein. „Nach jahrelangen Stopp-Start-Zyklen seit der Finanzkrise, die zwischen Panik und Erleichterung schwankten, sind wir an einem Punkt angekommen, an dem die Daten zu diesen guten Zeiten einen positiven Orientierungspunkt darstellen, der nur schwer zu übertreffen ist. Zwar freuen wir uns als fundamental ausgerichtete Anleger über gute Nachrichten zu den Fundamentaldaten, es ist jedoch zu erwarten, dass die Wirtschaftsaktivität früher oder später nachlassen wird. Am wahrscheinlichsten ist unseres Erachtens, dass die positive Haltung gegenüber der US-amerikanischen Politik irgendwann zurückgehen wird“, resümiert der Portfoliomanager. 

Dies sollte Berg zufolge nicht als Zeichen dafür gewertet werden, dass der Aktienzyklus endet, sondern sich nach einer Phase ungewöhnlich positiver Daten normalisiert. Dies dürfte neue Einstiegspunkte für auf kurze Sicht vorsichtige und auf lange Sicht konträre Anleger ermöglichen.

Nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich rücken die Fundamentaldaten wieder in den Vordergrund

von Eric Domergue, Head of Fixed Income, und Eric Biassette, Head of Equity Thematic, beide im Third Party Portfolio Management von Generali Investments.

Die Märkte sind nach dem Wahlergebnis von Sonntag wieder risikofreudig. Die Kurse für Bundesanleihen zogen an (mit einem Plus von 10 Basispunkten entlang der Kurve) und die Spreads engten sich ein, wobei die Aufschläge für 10-jährige französische OATs (Obligation assimilable du Trésor) auf 0,85 Prozent sanken und damit 10 Basispunkte niedriger notierten als am Freitag. Auch die Peripheriestaaten reagierten positiv, die Spreads für portugiesische Papiere verringerten sich um 20 Basispunkte, für spanische und italienische um 15 Basispunkte, am Credit-Markt zeigte sich ein ähnliches Bild.

Mit dem Rückgang des politischen Risikos werden sich die Märkte wieder auf die Europäische Zentralbank konzentrieren, verbunden mit der Frage, ob EZB-Präsident Draghi angesichts des Wahlergebnisses Änderungen an der Geldpolitik vornehmen wird. Die positiven Konjunkturdaten für die Eurozone unterstützen die Erwartungen für ein positives zweites Quartal.

Wir sehen das Wahlergebnis auch für die europäischen Aktienmärkte positiv. Anleger dürften sich nun wieder den Fundamentaldaten zuwenden, die in Europa ermutigend sind.

Größeres Potenzial sehen wir bei Bankwerten und französischen Zyklikern. Unsere Portfolios sind gut positioniert, um davon zu profitieren. Wir sind in Frankreich und bei mittelgroßen Unternehmen übergewichtet (vor allem bei Zyklikern), sowie bei französischen Titeln aus dem Bau-, Immobilien-, Dienstleistungs- und Telekommunikationssektor. Wir werden dabei unseren Investmentansatz, der auf einer Einzeltitelauswahl mit Schwerpunkt auf den Bewertungen basiert, weiterhin konsequent anwenden.

Die Schwellenländerbörsen kehren zurück auf Kurs

Die Aktienmärkte der Schwellenländer bestechen aktuell mit einem positiven Ausblick und attraktiven Bewertungen. „Trotz dem Wahlsieg von Donald Trump und der Angst vor einer protektionistischen Politik der Vereinigten Staaten entwickeln sich die Schwellenländer besser als die Industrienationen“, sagt Gabriela Tinti, Senior Fondsmanagerin Aktien Schwellenländer bei der österreichischen Erste Asset Management, in ihrem aktuellen Ausblick. Laut Zahlen des Internationalen Währungsfonds wird sich die Wachstumsdifferenz zwischen Schwellenländern- und Industrienationen bis 2021 von 2,5 auf 3,3 Prozent ausweiten. Für Schwellenländer-Unternehmen sei laut der Expertin im laufenden Jahr sogar mit Gewinnsteigerungsraten von etwa 15 Prozent zu rechnen.

Rückenwind durch stabilere Währungen und Rohstoffkurse

Spekulationen über die Abschwächung der Wirtschaft in China, der Verfall der Rohstoffpreise und der immer stärker werdende US-Dollar hätten die Entwicklung der Schwellenländer-Börsen in den vergangenen Jahren ins Stocken gebracht. Noch immer seien die Schwellenländer günstig bewertet, was ein Blick auf die Titel im MSCI Emerging Markets Index zeige.

Laut Tinti haben sich insbesondere die Währungskurse der Schwellenländer wieder stabilisiert. Davon ausgenommen seien der Mexikanische Peso, die Türkische Lira oder der Südafrikanische Rand, die im direkten Vergleich zum US-Dollar weiter gefallen sind. Die steigenden Rohstoffpreise begünstigen die Rohstoffexporteure. So werde für Russland und Brasilien im laufenden Jahr sogar wieder mit einem positiven Wirtschaftswachstum gerechnet. „Und das oft prophezeite ‚hard landing‘ in China wird auch in naher Zukunft nicht stattfinden“, so Tinti. „Das Land versucht sein Wachstumsmodell von einer investitionsgetriebenen Exportwirtschaft auf eine konsum- und dienstleistungsorientierte Volkswirtschaft umzustellen. Dafür werden bei staatsnahen Unternehmen notwendige Reformen vorsichtig umgesetzt.“

Langfristig fundamental gut aufgestellt

Eine niedrige Inflation in den Schwellenländern böte diesen genug Spielraum um die Zinsen zu senken und somit notwendige Wirtschaftsimpulse zu setzen: „Seit 2011 steigt die Produktivität der Schwellenländer-Unternehmen stärker an als die Reallöhne dieser Länder“, so Tinti. Seit der Jahrtausendwende habe sich das durchschnittlich annualisierte Wachstum in den Schwellenländern verdreifacht. Dies sei nicht nur auf bessere Ressourcen zurückzuführen, sondern auch auf gesündere Staatshaushalte und eine jüngere Bevölkerung. „Mit dem wachsenden Wohlstand entsteht in den Schwellenländern eine Mittelklasse und eine neue Generation aus wohlhabenden Konsumenten“, berichtet Tinti. „Die zunehmende Urbanisierung facht darüber hinaus die Infrastrukturnachfrage an“. Zusätzlich lägen die Investitionen in Forschung und Entwicklung – anteilig gemessen am Bruttoinlandsprodukt – bereits heute auf durchschnittlichem Niveau der EU-Staaten. Die Bevölkerung in den Schwellenländern erhalte einen immer besseren Zugang zu Bildung. Gleichzeitig würden Arbeitskräfte und Unternehmen aus diesen Ländern immer konkurrenzfähiger. „Immerhin haben einige Innovationen aus den Schwellenländern bereits Weltmarktführer hervorgebracht“, schließt die Expertin.

Emmanuel Macron und Marine Le Pen in der Stichwahl - Märkte reagieren positiv

Wie – diesmal richtig – von den Meinungsforschern prognostiziert, gehen Emmanuel Macron und Marine Le Pen ins finale Rennen um das Amt des französischen Präsidenten1. Für die Kapitalmärkte sind das fürs Erste einmal gute Nachrichten, denn ein Erdrutschsieg Le Pens und damit grobe Verwerfungen an den Märkten blieben aus.

Der als unabhängiger Kandidat angetretene Macron ging mit knapp 23,8 %2 der Stimmen als Sieger aus der ersten Wahl hervor und gilt nun auch für die am 7. Mai anstehende Stichwahl als Favorit. Aber auch Le Pen vom Front National (FN) zeigt sich weiter siegessicher. Sie erzielte 21,5 %2 und damit ein deutlich besseres Ergebnis als noch vor fünf Jahren, als sie mit 17,9 % am Einzug in die Stichwahl scheiterte. Dahinter folgten der Konservative Francois Fillon und der Linksaußenpolitiker Jean-Luc Melenchon mit jeweils rund 20 % der Wahlstimmen.

Die Kapitalmärkte reagierten auf den Sieg Macrons äußerst positiv. Vor allem die europäischen Aktienindices zeigten sich zu Börsenbeginn sehr freundlich, wovon auch die die Aktienportfolios von Raiffeisen Capital Management3 profitierten.

Das zuständige Aktienteam war schon im Vorfeld gut – nämlich übergewichtet in europäische Aktien – positioniert. Als fundamental ausgerichteter, langfristiger Investor stehen für Raiffeisen Capital Management aber nicht politische Ereignisse im Vordergrund von Entscheidungen, sondern dass Unternehmen nachhaltig gut wirtschaften. Darüber hinaus zeigt sich, dass politische Risiken in den Augen der Anleger weiter abnehmen.

Bei den Anleihen hat Raiffeisen Capital Management schon vor der Wahl vorsichtige Umschichtungen vorgenommen: Zum einen wurden französische Staatsanleihen, aber auch Anleihen anderer Euro-Peripheriestaaten zugekauft und zum anderen deutsche Staatsanleihen verkauft. Davon haben die Anleger nun profitiert.

Eine starke Bewegung zeigte auch der Euro. Dieser hat mit kräftigen Gewinnen auf den Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl reagiert. Die Gemeinschaftswährung stieg zum US-Dollar auf den höchsten Stand seit Jahresbeginn.

Wie geht es weiter?

Der parteilose Wahlsieger Emmanuel Macron möchte jedenfalls die französische Politik verändern und mit einem System brechen, „das unfähig ist, auf Probleme zu reagieren“. Eines seiner Ziele ist der Neustart des „europäischen Projekts“. Er wolle ein „Präsident der Patrioten gegen die Gefahr der Nationalisten“ sein, bekräftigte er bei seiner Siegesrede. Noch am Wahlabend rief Macron seine Anhänger dazu auf, ihm die nötige parlamentarische Mehrheit zu verschaffen. Die von ihm gegründete Bewegung „En Marche!“ (Auf dem Weg!) ist in der französischen Nationalversammlung bisher nicht vertreten. Auch Le Pen mobilisierte bereits am Wahlabend ihre Wählerschaft: In der Stichwahl gehe es nun um die Entscheidung zwischen der „totalen Deregulierung ohne Grenzen und ohne Schutz“ und „Grenzen, die unsere Jobs schützen, unsere Kaufkraft, unsere Sicherheit, unsere nationale Identität“. Es wäre an der Zeit, das französische Volk von den arroganten Eliten zu befreien, die ihm sein Verhalten vorschreiben wollen, so Le Pen.

Macron geht als Favorit ins Rennen

Beobachter sehen in dieser anstehenden Entscheidung der Wähler am 7. Mai mehr als nur eine Weichenstellung für die französische Politik der nächsten Jahre: Frankreich könnte in den nächsten Wochen auch über die Zukunft der Europäischen

Union mitbestimmen. Denn Marine Le Pen wirbt mit dem "Frexit" - dem Rückzug aus EU, Euro und Nato, einem "patriotischen Protektionismus" und beschwört die Gefahr von Immigration, Islamismus und Identitätsverlust. Doch dass sie am 7. Mai tatsächlich das Rennen machen wird, gilt als unwahrscheinlich: Schon kurz nach Feststehen des Wahlergebnisses riefen zahlreiche Politiker zur Wahl Macrons auf, darunter auch die geschlagenen Präsidentschaftskandidaten Fillon und Hamon. Nun gehe es für Frankreich darum, den Front National zu schlagen, sein europafeindliches Programm zu stoppen und eine Spaltung der Franzosen zu verhindern.

Auch Raiffeisen Capital Management geht – wie ein Großteil der Marktteilnehmer – von einem klaren Sieger Emmanuel Macron aus. Größere Umschichtungen in den Portfolios sind derzeit nicht vorgesehen. Die Teams werden aber die Entwicklungen in Frankreich in den nächsten Wochen und Tagen genau beobachten und gegebenenfalls auf marktentscheidende Ereignisse reagieren.

Grundsätzlich bleibt Raiffeisen Capital Management aber seiner Anlagephilosophie treu, nicht auf politische Ereignisse zu setzen, sondern die fundamentalen Wirtschaftsdaten bei Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen.


Das vollständige Dokument von Raiffeisen Capital Management finden Sie links als PDF.

1) Die nachfolgenden Einschätzungen und Positionierungen stellen eine Momentaufnahme dar und können sich jederzeit und ohne Ankündigung ändern. Die vorliegende Prognose ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung der Kapitalmärkte oder der Fonds der Raiffeisen KAG.
2) Auszählungsgrad 97 %
3) Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH.

Wahlen in Frankreich: Der erste Schritt ist getan, zwei weitere müssen folgen

von Valentijn van Nieuwenhuijzen, Head of Multi-Asset, NN Investment Partners.

„Das Wahlergebnis der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich hat unsere Erwartungen bestätigt. Wahrscheinlich wird Emmanuel Macron der nächste französische Staatspräsident. Wenn Macron in der zweiten Wahlrunde überzeugt, hätte das zwei wichtige Auswirkungen für die europäische Wirtschaft. Erstens würde es deutlich das Risiko reduzieren, dass der zunehmend an Fahrt gewinnende wirtschaftliche Aufschwung Europas durch einen externen politischen Schock ausgebremst wird. Zweitens dürfte dieser Wahlausgang die Zusammenarbeit Frankreichs und Deutschlands im Herzen der Europäischen Union stärken. Das gäbe der Region mehr Stabilität, um mögliche künftige Herausforderungen im politischen, institutionellen und wirtschaftlichen Bereich besser zu verarbeiten.

Nach unserer Meinung, haben diese beiden positiven Faktoren stärkeren Einfluss auf die Märkte als die fortwährenden Unsicherheiten, der sich die französische Wirtschaft ausgesetzt sieht. Auch wenn Macron Präsident wird, ist es nicht sicher, dass die notwendigen strukturellen Reformen in Frankreich, die die Wirtschaft des Landes langfristig auf einen besseren Wachstumskurs bringen würden, auch wirklich umgesetzt werden. Hier wird viel von den Parlamentswahlen im Juni abhängen, denn sie werden zeigen, ob der Präsident ein kooperatives Parlament erwarten kann. Aber zunächst einmal hat die erste Runde der Präsidentschaftswahlen den europäischen Märkten gut getan.“

Präsidentschaftswahlen in Frankreich: Macron und Le Pen erreichen zweite Runde

von Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege.

Aus der gestrigen ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen gingen Emmanuel Macron («En Marche!», 23.9 Prozent) und Marine Le Pen («Front National», 21.4 Prozent) als Kandidaten für die Stichwahl am 7. Mai hervor. Sie lagen vor François Fillon («Les Républicains», 19.9 Prozent) und Jean-Luc Mélenchon («La France Insoumise», 19.6 Prozent). Emmanuel Macron ist der klare Favorit im Wettstreit um die Präsidentschaft – ein Ergebnis, das unserem Basisszenario (siehe Investors’ Outlook vom 3. April, «In Frankreich dürfte die Welle des Populismus verebben») und dem breiten Marktkonsens entspricht.

Es erscheint zwar nichts mehr selbstverständlich, aber die jüngsten Umfragen sehen in der zweiten Runde doch eine überwältigende Mehrheit für Emmanuel Macron. Ihm werden gegenüber Marine Le Pen Gewinnchancen von mindestens 60:40 zugeschrieben.

François Fillon und Benoît Hamon («Parti Socialiste», 6.4 Prozent) haben bereits erklärt, dass sie Emmanuel Macron unterstützen werden, sodass dem «Front National» eine geeinte «republikanische Front» gegenübersteht.

Diese Ergebnisse bedeuten für die französische Politik einen klaren Bruch mit der Vergangenheit. Die beiden traditionellen Regierungsparteien «Les Républicains» und die «Parti Socialiste» konnten sich dieses Mal nicht für die zweite Runde qualifizieren und erreichten zusammen nur dürftige 26 Prozent.

Die kommenden Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni werden voraussichtlich zu einer zersplitterten Nationalversammlung führen, und es wird für den neuen Präsidenten eine Herausforderung sein, eine Mehrheit hinter sich zu vereinen.

Im Hinblick auf Europa wäre ein Sieg Emmanuel Macrons das bestmögliche Ergebnis, da er von allen Kandidaten am stärksten «pro-europäisch» ausgerichtet war.

Im Hinblick auf die globalen Finanzmärkte ist das Ergebnis der ersten Runde positiv zu bewerten, da Macron und Le Pen in den letzten sechs bis acht Wochen in den Umfragen vorne lagen und das Ergebnis somit keine Überraschung darstellt.

Keine Änderungen in unseren Portfolios

Da diese Ergebnisse unseren Erwartungen entsprechen, haben wir unsere Portfolios nicht verändert.

Bei sonst gleichen Bedingungen erwarten wir eine gute Entwicklung von Anlagen aus der Eurozone, von «peripheren» Staatsanleihen bis hin zu Bankaktien und dem Euro.

Sichere Häfen wie deutsche Staatsanleihen, Gold oder der US-Dollar könnten jedoch unter Verkaufsdruck geraten.

Could France get its own Trudeau?

by Salman Ahmed, Chief Investment Strategist at Lombard Odier Investment Managers.

Results of the first round of the French presidential election see Emmanuel Macron and Marine Le Pen making it to the final, gaining 23.9% and 21.4% of the vote respectively. For the first time in six decades, both mainstream parties were eliminated in the first round, highlighting a sentiment of change that is sweeping across the political landscape of advanced economies. Could Macron – a centrist political newcomer – be to France what Trudeau is to Canada?

Sunday’s result is consistent with recent polls and our base case expectations. Crucially for investors, the presence of centrist candidate Macron in the second and final round significantly increases the probability of a pro-EU French president; based on the polls we assign an 80% to 85% probability to Macron winning, and the backing of François Fillon and Benoît Hamon would further strengthen his case.

As we discussed in detail in our latest Global Perspectives piece (President Le Pen: picturing the tail risk), the spectre of a Le Pen win would represent a very strong negative for French and European assets – one that we believe could well trigger a negative reaction globally given its implications for the future of EU/Eurozone. Sunday’s result should help to assuage concerns that France will get a far-right president, given that current polls suggest Macron will comfortably beat Le Pen in the second round. That said, the possibility of a Macron scandal and/or terrorist attack remain as key “known unknowns,” and polls have proven unreliable in the past.

After the second round of the presidential election, eyes are likely to turn to the parliamentary elections in June, where neither of the candidates is likely achieve a majority, thus leading to a period of “co-habitation.”

We expect Sunday’s result to be positive for the Euro, as is already being reflected in price action. However, we expect the upside to be contained to around 2% to 3% on a trade-weighted index basis as Euro pricing never strongly reflected a Le Pen victory.

However, we expect French sovereign bond spreads vs. bunds to narrow substantially relative to current levels. We also expect substantial upside to European equities as attention turns towards the healthy economic recovery currently taking place in the region (see President Le Pen: picturing the tail risk). Moreover, the significant valuation gap relative to US Equities make European stocks attractive, in our view, especially as the quality of the US economic recovery weakens and realisation grows that the US legislative system is likely to be a major hindrance to Trump’s fiscal bazooka (in terms of size, scope and timing).

Beyond Europe, we maintain our positive view on emerging market assets and we are now more strongly favouring local currency debt and equities relative to hard currency debt. We believe the synchronised trends of recovering economic growth and still-subdued inflation continue to be important support factors for emerging markets.2

To end with a note of caution: although it appears for now that Europe may have dodged a hurricane of populism, and while it may be tempting to hail a new era in French politics with the prospect of a Macron victory, investors should not forget that more than 40% of voters chose a far-left or far-right candidate in Sunday’s election. The weakness of the design of the EU when it comes to dealing with shocks, coupled with the need for reform will continue to remain important factors going forward, in our view. Any complacency among EU institutions over dealing with major issues confronting Europe will be premature as volatile Italian politics come into focus in coming months (elections are due by May 2018). We will be keeping a keen eye on all developments.

"2017 könnte das Jahr Europas werden"

Im Nachgang zur ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl 2017 kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt bei BMO Global Asset Management:

„Die erste Runde der französischen Wahlen war in einer Hinsicht unauffällig: Das Ergebnis kam den Erwartungen aus den vorangegangenen Meinungsumfragen sehr nahe. Das Ausmaß der Marktreaktion jedoch zeigt, wie nervös die Anleger waren und wie sehr sie befürchtet hatten, die Wahl würde einen weiteren Schock liefern.“

„Bislang sind die französischen Aktien (Futures) heute Morgen um über 5% gestiegen und der EuroStoxx um über 3%. Das ist ein ziemlich bemerkenswerter Sprung.“

„Also wohin nun? Die globale Wirtschaft erholt sich stetig und der Seufzer der Erleichterung ist weit über Europa hinaus zu hören. Risikoanlagen werden einen großartigen Montag genießen können.“

„Ja, Probleme mit dem europäischen Projekt bleiben bestehen. Die Fünf-Sterne-Bewegung könnte im kommenden Jahr in Italien noch immer an Kraft gewinnen, die Arbeitslosigkeit bleibt in vielen Ländern deutlich zu hoch, und doch wurde eine ernsthafte Hürde überwunden und wir erwarten, dass europäische Aktien sich auf dieser Basis stark entwickeln werden.“

„Die Renditen für deutsche Staatsanleihen werden steigen, bleiben aber dennoch außergewöhnlich niedrig, während sich die Spreads für Anleihen von Staaten an der europäischen Peripherie verengen dürften. Der Euro hat einen Sprung nach oben gemacht, jedoch wird das Ausmaß des Anstiegs durch die Positionierung eingeschränkt werden, da noch einige große Positionen gegen den Euro stehen.“

„In den kommenden Jahren hat Europa Aussichten auf Wachstumsraten oberhalb des bisherigen Trends, bei niedrigen Zinsen und geringer Inflation. Nach einigen enttäuschenden Jahren könnte 2017 das Jahr Europas werden.“

Serge Pépin, Spezialist für europäische Aktien bei BMO Global Asset Management, ergänzt:

„Zum ersten Mal in der Geschichte der modernen französischen Politik wurden die Kandidaten der beiden etablierten Parteien, der Republikaner und der Sozialisten, bereits in der ersten Runde abgewählt. Die politische Landschaft Frankreichs hat sich radikal verändert und ist zum Spiegelbild der Wut der französischen Wähler geworden.“

„Die Nachrichten über den Ausgang der ersten Wahlrunde sind positiv für die Gemeinschaftswährung. In der Nacht legte der Euro gegenüber den wichtigsten Währungen zu und erreichte gegenüber dem US-Dollar den höchsten Stand der letzten fünf Monate. Aktien dürften heute Vormittag nachziehen. Die Finanzmärkte hätten sehr unter einem Sieg von Le Pen und Mélenchon in der ersten Wahlrunde gelitten. Zwar dürfte die Anspannung der Investoren auch in den nächsten zwei Wochen nicht nachlassen, doch mögliche negative Reaktionen an den Finanzmärkten dürften angesichts der ermutigenden makroökonomischen Daten für Europa sowie der Unterstützung durch die Geldpolitik der europäischen Zentralbank kaum Bestand haben. Den letzten Umfragen zufolge dürfte Macron mit einem Abstand von über 20% als klarer Sieger aus der zweiten Wahlrunde hervorgehen.“

„Schwankungen an den Märkten eröffnen Chancen. Wir halten es wie Warren Buffet, der einst sagte: ,Volatilität ist der beste Freund des langfristigen Anlegers‘. Als Investoren und Fondsmanager investieren wir weder in die Politik noch in Volkswirtschaften. Wir investieren in Unternehmen – in hochwertige Unternehmen, deren Führungsspitze sich klar für den Erhalt des Kapitals einsetzt und die attraktiv bewertet sind.“

Über BMO Global Asset Management
BMO Global Asset Management ist ein globaler Investmentmanager, der aus seinen vier Investmentzentren in London, Toronto, Chicago und Hong Kong sowie mit 25 Niederlassungen in 14 Ländern einen herausragenden Service bietet. Das verwaltete Vermögen beläuft sich per 31. Juli 2016 auf mehr als 238 Milliarden US-Dollar.
BMO Global Asset Management verfügt über ein Netzwerk von Boutique-Managern mit Weltformat: BMO Real Estate Partners, LGM Investments, Monegy Inc., Pyrford International Ltd. und Taplin, Canida & Habacht, LLC. Das Unternehmen ist der zweitgrößte Anbieter von Exchange Traded Funds (ETFs) in Kanada, mit einer starken und stetig wachsenden Präsenz in Europa, nicht zuletzt durch die Übernahme von F&C Asset Management im Juli 2014.
BMO Global Asset Management ist Unterzeichner der von den Vereinten Nationen unterstützten Initiative Principles for Responsible Investment (UNPRI, Grundsätze für verantwortungsbewusste Investments).
BMO Global Asset Management ist Teil der BMO Financial Group (NYSE: BMO), einer breit diversifizierten Finanzdienstleistungsorganisation, die im Jahre 1817 unter dem Namen Bank of Montreal gegründet wurde. Die BMO Financial Group ist mit einer Bilanzsumme von 692 Milliarden Kanadische Dollar per 31. Januar 2017 und über 45.000 Mitarbeitern eine der größten Banken Nordamerikas. BMO Wealth Management verwaltet weltweit ein Anlagevermögen von 402 Milliarden Kanadische Dollar per 31. Januar 2017.