Trumps erste 100 Amtstage: Jetzt fängt die harte Arbeit erst an

von Stephen Mitchell, Head of Strategy, Global Equities bei Jupiter Asset Management.

Die ersten 100 Amtstage von Donald Trump mögen die Kapitalrenditen zwar weltweit nach oben getrieben haben, doch dieser überaus unkonventionelle US-Präsident wird nun die Ärmel hochkrempeln und einige seiner versprochenen Steuer- und ordnungspolitischen Reformen realisieren müssen, um die positive Dynamik zu wahren.

Die Erholung an den weltweiten Aktienmärkten nach der Wahl Donald Trumps basierte auf den – bisher größtenteils unerfüllten – Erwartungen, dass unter seiner Präsidentschaft eine neue Ära der niedrigen Steuern, Deregulierung der Märkte und Infrastrukturinvestitionen eingeläutet werde. Diese Maßnahmen, so war die Annahme, würden die US-Konjunktur in Schwung bringen und sich auf die gesamte Weltwirtschaft auswirken. Fest steht, dass im Anschluss an Trumps Wahl die Stimmung der US-Anleger umschlug, was zu einem positiveren Marktklima und dem sogenannten „Trump Bump“ beitrug. Doch aus weltwirtschaftlicher Sicht spielte dem 45. US-Präsidenten auch relativ viel Glück in die Hände.

Trump Bump – Trump im Glück

Die Wahl Trumps korrelierte zeitlich exakt mit den ersten positiven Auswirkungen eines neuen Anreizpakets an den globalen Märkten. Dieses wurde bereits Anfang 2016 von den chinesischen Behörden geschnürt, um eine von Antikorruptionsmaßnahmen gebremste Wirtschaft in Schwung zu bringen. Diese Anreizmaßnahmen trugen dazu bei, das Wachstum sowohl in China als auch weltweit zu stützen. Darüber hinaus wurden somit die Ängste zerschlagen, dass ein Abschwung in der Volksrepublik das weltweite BIP-Wachstum verlangsamen könnte. Gleichzeitig gaben diese Maßnahmen Trump einen willkommenen Rückenwind.

Auch die leichte Erholung der Ölpreise gab der US-Konjunktur just zu dem Zeitpunkt Aufwind, als Trump das Oval Office bezog. Nachdem sich der Ölpreis während der ersten Monate des Jahres 2016 kontinuierlich um die 30 USD je Barrel bewegt hatte, hat sich der Preis nun stabil auf etwa 50 USD je Barrel eingependelt. Bei diesem Preis wird das Betreiben von Bohrinseln für eine größere Anzahl an US-Ölschieferproduzenten rentabel, was sich in einer Erholung der Industrieproduktion zeigte. Somit profitierte Trump in den ersten Tagen seiner Amtszeit gleich von zwei Seiten von vorteilhaften Rückenwinden.

Abgesehen davon wurde bei Trumps Besuchen in Florida und Texas in jüngster Vergangenheit offensichtlich, dass der Präsident und seine Politik auf wahre Anhänger in der Geschäftswelt zählen können. Diese Unterstützung resultierte in mehr Zuversicht unter kleinen Unternehmen1 und einem besseren Konsumklima2. Der Rückgang der Arbeitslosenquote im Monat vor seiner Wahl von 4,8 Prozent im Oktober auf 4,5 Prozent im März scheint für eine stabile Situation bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze und den Einstellungen zu sprechen. Trump hat sich außerdem – wie würde man es von einem Geschäftsmann auch anders erwarten – um die Gunst der nationalen Großkonzerne bemüht und einen Business Advisory Council, also ein Beratergremium, eingerichtet. Dieses Gremium bietet siebzehn Topmanagern von Unternehmen wie Pepsico, JP Morgan und Boeing eine Plattform, über die sie politische Maßnahmen beeinflussen und unternehmensfreundlich mitgestalten können. Die Gewissheit, dass der Präsident stets ein offenes Ohr für die Anliegen dieser US-Industriegiganten hat und die Konzerne ihm beratend zur Seite stehen, stärkt das Vertrauen – der Präsident scheint ihre Anliegen ernst zu nehmen.

Trump Slump

Doch der „Trump Bump“ scheint nun erste Anzeichen von Schwäche zu zeigen. Dies liegt daran, dass die drei Säulen, die den Aufschwung am Aktienmarkt trugen, immer weiter bröckeln. Zudem hinterfragt manch einer die Lücke zwischen den Erwartungen und der Fähigkeit des neuen Präsidenten, seine Versprechungen zu verwirklichen. Seit das Scheitern seiner neuen Gesundheitsreform Zweifel weckte, ob Trump fähig ist, andere Maßnahmen durchzusetzen, wird nun auch vom „Trump Slump“ gemunkelt.

Bei einer separaten Betrachtung der einzelnen Säulen Steuerreform, Investitionen in die Infrastruktur sowie Deregulierung sind wir der Auffassung, dass der Pessimismus hinsichtlich einer Verwirklichung von Trumps Versprechungen vielleicht etwas überzogen ist. Wir gehen davon aus, dass Trump seine Steuerreform in geringem Maße umsetzen wird. Im Bereich Deregulierung kann er wesentliche Änderungen erzielen, doch im Hinblick auf die Infrastruktur wird er jedoch enttäuschend abschneiden.

Steuerreform: Da die Unternehmenssteuer in den USA mit 35 Prozent relativ hoch ist, entscheiden sich zahlreiche US-Unternehmen dagegen, ihre Gewinne aus ihrem Überseegeschäft zurückzuführen. Schätzungen zufolge halten die 500 größten US-Unternehmen Barmittel in Höhe von 2,1 bis 2,5 Billionen in Übersee, um eine Regelung zu umgehen, die sie als Strafsteuer ansehen. Die Vorteile einer Rückführung dieser Barmittel aus Übersee werden parteiübergreifend anerkannt, was den Weg für eine entsprechende gesetzliche Regelung möglicherweise ebnen wird. Eine Steuererleichterung für rückgeführte Gewinne, in deren Rahmen die Unternehmen ihre Gewinne aus Übersee innerhalb eines bestimmten Zeitfensters lediglich zu einem vorgeschlagenen Steuersatz von 10 Prozent versteuern müssten, könnte bedeuten, dass hohe Beträge in die USA zurückfließen. Dort können sie investiert oder für Fusionen und Übernahmen verwendet werden. Unserer Auffassung nach sollte die Umsetzung dieser Reform möglich sein, da für eine entsprechende Änderung der Gesetzgebung keine einschneidenden Budgetkürzungen an anderen Stellen nötig sind. Nach Trumps Motto „America First“ wäre die Regelung somit für alle Beteiligten vorteilhaft.

Andere Steuerreformen, darunter die Senkung der Unternehmenssteuer auf 15 Prozent, sind vermutlich weit schwieriger umsetzbar. Solche Steuersenkungen müssten durch problematische Budgetkürzungen an anderen Stellen aufgefangen werden. Doch wird sich die Unterstützung für solche Reformen angesichts des Schuldenhaushalts in Höhe von bereits 19 Billionen voraussichtlich im Rahmen halten. Denn es existiert eine einflussreiche parteiübergreifende Bewegung, um die bereits hohe Verschuldung der USA einzuschränken, anstatt sie zu vertiefen.

Investitionen in die Infrastruktur: In diesem Hinblick ist Trumps größter Widersacher die Zeit. Es dauert mindestens fünf Jahre, um große Infrastrukturprojekte wie neue Schnellstraßen, Transportsysteme, Brücken und Flughäfen in Gang zu setzen. Auf diesem Gebiet mag Trump zwar Ankündigungen machen, doch positive Auswirkungen auf die US-Wirtschaft nehmen wahrscheinlich erst lange nach Trumps erster (und möglicherweise letzter) Amtszeit Form an.

Deregulierung: Was den Abbau der Bürokratie betrifft, wurden zahlreiche Vorschriften und unternehmerische Regelungen von Regulierungsbehörden eingeführt, deren wichtigste Führungsmitglieder direkt von Trump ernannt werden können. Vorbehaltlich ist lediglich festzustellen, dass Trumps Regierung bei der Ernennung dieser leitenden Positionen bisher weniger Eile an den Tag legte als die meisten Vorgängerregierungen. Auf Ebene der Gesetzgebung konnte Trump während seiner ersten 100 Amtstage einige geringfügige Erfolge verzeichnen. So gelang es ihm etwa, ein Gesetz über den Datenschutz im Internet durchzusetzen. Diese Regelung erlaubt es einigen Unternehmen, Informationen über die Internetgewohnheiten der Verbraucher an andere Firmen weiterzuverkaufen, die diese Daten dann zur Vermarktung ihrer Güter und Dienstleistungen an die Verbraucher nutzen können. Im Gegensatz zur gescheiterten Verabschiedung der Gesundheitsreform wird Trump voraussichtlich feststellen, dass ein mehrheitlich republikanischer Kongress einer weiteren Lockerung der behördlichen Auflagen für US-Unternehmen, insbesondere im Finanzbereich, positiv gegenübersteht.

Alle Mann an die Arbeit

Während seiner ersten 100 Amtstage konnte Trump einige kleine Erfolge verbuchen, doch um die Erwartungen zu erfüllen, bleibt noch viel zu tun. Während er bei Amtsantritt noch von einigen günstigen Umständen profitieren konnte – das chinesische Anreizpaket, höhere Ölpreise – sieht er sich nun der US-Notenbank gegenüber. Die Fed äußerte sich besorgt aufgrund des zunehmend angespannten Arbeitsmarktes und steigender Vermögenspreise in den USA. Sie scheint deswegen fest entschlossen, ihre Politik zugunsten eines neutralen Zinssatzes im Jahr 2017 beizubehalten. Höhere Zinssätze bedeuten, dass der US-Durchschnittsverbraucher einen höheren Anteil seines Einkommens für die Tilgung von Schulden aufwenden muss und ihm somit weniger Geld für Konsum übrig bleibt. Als global agierender Aktienmanager wäre ein Rückgang der US-Konjunktur für mich kein gutes Signal. Dies würde nämlich beinahe unvermeidlich zum Einbruch der US-Nachfrage nach globalen Gütern und Dienstleistungen führen.

Der politische Kalender könnte sich als weitere Hürde herausstellen. Womöglich bleiben Trump nur 18 Monate Zeit, um wichtige Steuer- und ordnungspolitischen Reformen umzusetzen, bevor bei den im November 2018 anstehenden Zwischenwahlen ein neuer Kongress gewählt wird. Dieser könnte der politischen Agenda des Präsidenten möglicherweise weniger geneigt sein. Obwohl solch ein enger Zeitkorridor einschüchternd wirken mag, hat Trump es bisher verstanden, sich schnell an neue Situationen anzupassen. Trumps erste 100 Amtstage mögen kein voller Erfolg gewesen sein. Sie haben aber gezeigt, dass sein unkonventioneller Stil nicht automatisch bedeutet, keine Politik durchzusetzen. Sein flexibler Umgang mit schwierigen Rahmenbedingungen könnte sich letztlich als Vorteil erweisen.

Kurzum…

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Trump Erwartungen und Vertrauen in ungewöhnlich hohem Maße wecken konnte und sich dies tatsächlich auf die Anstellungs- und Investitionsabsichten von Unternehmen auswirkte. Einige Deregulierungsmaßnahmen wurden beispielsweise schon verabschiedet. Trump sollte sich jetzt darauf konzentrieren, den politischen Apparat in Washington effektiver aufzustellen, um wenigstens einen Teil seiner Pläne für eine Steuerreform zu verwirklichen.

Der Großteil der US-Firmen reagierte auf ein potentielles neues Steuerkonzept eher abwartend. Sollten die Hoffnungen der Unternehmen diesbezüglich enttäuscht werden, wäre dies für die spätzyklische US-Wirtschaft sicher nicht hilfreich. Sollte Trump erfolgreich sein und sich auf Innen- statt Geopolitik konzentrieren, könnte er den Wirtschaftskreislauf allerdings ggf. verlängern.

Wie nach jeder Wahl und der darauffolgenden Amtseinführung eines neuen Präsidenten wurden auch dieses Mal die euphorischen Anleger auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. In den Vermögenspreisen und insbesondere den Renditen auf US-Staatsanleihen spiegelt sich mittlerweile eine äußerst skeptische Haltung wider – vor allem gegenüber der Steuerreform. Hinzu kommen Ängste bezüglich der wirtschaftlichen Auswirkungen einer kontinuierlichen Leitzinserhöhung der Fed. Für Trump fängt die harte Arbeit nun erst richtig an und er muss seine nächsten Schritte sorgfältig planen. Als guter Anfang könnte es sich erweisen, in Übersee eingefrorenes Kapital zurückzuführen. Er sollte dies als Einzelmaßnahme getrennt von den weiteren Steuerreformen vorantreiben, um hier Fortschritte zu erzielen. Aktuell herrscht Einigkeit, dass dies nicht so einfach sein wird. Einer der ersten Schlüsse, die aus den ersten 100 Tagen der Trump-Regierung eindeutig gezogen werden können, ist die Tatsache, dass das berühmte, in der US-Verfassung verankerte System der Checks & Balances funktioniert. Trump muss von nun an die politischen Hebel effektiver betätigen, um seine Ziele in einem gespaltenen politischen Umfeld zu verwirklichen.

Quelle:
1) National Federation of Independent Business Research
2) Umfrage zum Verbraucherverhalten, Universität Michigan

Logistikvermietungsmarkt Frankfurt/Rhein-Main bleibt zum Jahresstart deutlich unter Vorjahresniveau

Nach Analyse des inhabergeführten Immobilienberatungsunternehmens NAI apollo real estate – Partner der NAI apollo group – startet der Logistik- und Lagerflächenmarkt im Rhein-Main-Gebiet das Jahr 2017 mit einem moderaten Ergebnis. Rund 115.000 m² sind durch Vermietungen und Eigennutzer umgesetzt worden. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von nahezu 42 Prozent. Das Vorquartal wurde um 3.000 m² unterschritten (Q4 2016: 118.000 m²).

Fehlende Megadeals begründen Umsatzrückgang

„Ein wesentlicher Grund für diesen Rückgang ist das Fehlen von hervorstechenden Großdeals. So belief sich die Top-Anmietung des Vorjahres durch das Einzelhandelsunternehmen Action auf 83.000 m², die durch die NAI apollo real estate vermittelt wurde. Der größte Abschluss der vergangenen drei Monate fällt mit 14.000 m² durch das Logistikunternehmen MES in Eppertshausen im Vergleich hierzu bedeutend geringer aus“, sagt Michael Weyrauch, Head of Industrial Letting and Transaction bei der NAI apollo real estate. Es folgen die begonnene Erweiterung des Segro-Logistikzentrums für B+S in Alzenau um 12.500 m² sowie Anmietungen durch Hennig Fahrzeugteile in Weiterstadt (11.000 m²), durch 4PX Express in Ginsheim-Gustavsburg (9.300 m²) sowie durch Dachser in Erlensee (8.500 m²). Alle zuletzt genannten Abschlüsse fanden dabei in (teil-)spekulativ begonnenen Projekten oder vor kurzem fertiggestellten Bauvorhaben statt.

„Deals oberhalb von 14.000 m² fehlen im bisherigen Jahresverlauf somit gänzlich. Dennoch vereinen Anmietungen im Größensegment über 5.000 m² einen Umsatzanteil von 61,7 Prozent bzw. 71.000 m²“, erläutert Dr. Konrad Kanzler, Head of Research bei der NAI apollo group.

Eigennutzerprojekte verzeichnen Bedeutungsrückgang

Bei Unterscheidung nach Umsatzform erweisen sich Anmietungen in Bestandsgebäuden mit ca. 76.000 m² bzw. einem Anteil von 66,1 Prozent als dominierend. Das Jahresendergebnis aus 2016 von 45,1 Prozent wird damit deutlich übertroffen. Eine nahezu konstante Entwicklung zeigen mit einem Anteil von 26,4 Prozent Anmietungen in Projektentwicklungen im Bau (2016: 27,9 Prozentanteil). Klar verloren haben hingegen Bauvorhaben von Eigennutzern, von denen im ersten Quartal 2017 kein neues startete. „Der Trend des Vorjahres, hervorgerufen durch Flächenmangel sowie lange Realisierungszeiten, setzt sich somit auch im neuen Jahr fort“, führt Michael Weyrauch weiter aus. Eigennutzerkäufer vereinen rund 9.000 m² auf sich, was einem weiterhin hohen Anteil von 7,4 Prozent entspricht.

Nachfrage wieder von Lager- und Logistikunternehmen geprägt

Wichtigster Teilmarkt ist der traditionell starke Süden mit insgesamt rund 66.000 m². Allerdings hat der Anteil mit 57,6 Prozent (2016: 67,0-Prozentanteil) zugunsten des Ostens abgenommen. Vor allem aufgrund der Anmietungen durch B+S und Dachser erreicht der östliche Teilmarkt nun einen Umsatzanteil von 28,5 Prozent.

Eine bekannte Verteilung zeigt die Betrachtung der Flächennachfrager. Nachdem in 2016 der Handel durch die Anmietung von Action deutlich hinzugewinnen konnte, stellt sich zu Beginn des Jahres 2017 wieder die gewohnte Dominanz der Transport-, Lager- und Logistikunternehmen ein. Diese erreichen einen Umsatzanteil von 46,3 Prozent und verweisen den Handel klar auf den zweiten Rang (25,9-Prozentanteil).

Positiver Ausblick aufgrund erwarteter Großanmietungen

In den kommenden Monaten wird von NAI apollo aufgrund von erwarteten Großabschlüssen mit einem Anziehen der Marktaktivitäten gerechnet. „Für das Jahresende ist somit weiterhin ein Erreichen des zehnjährigen Mittels in Höhe von 520.000 m² prognostizierbar“, sagt Dr. Konrad Kanzler.

Größere freie Neubauflächen sind durch das im letzten Jahr vollendete CENTRA5LPARK in Weiterstadt sowie im Dietz-Logistikzentrum in Raunheim vorhanden. Weitere großflächige Fertigstellungen erfolgen im Sommer mit (teil-)spekulativ errichteten Vorhaben auf dem Mönchhofareal (Erweiterung des Multiparks sowie Bauvorhaben von Kolb Red Logistik) und dem VGP-Park in Ginsheim-Gustavsburg. „In Summe stehen in diesen Entwicklungen noch über 70.000 m² für eine kurzfristige Anmietung zur Verfügung“, ergänzt Michael Weyrauch. Vor Baubeginn befinden sich zudem die ersten Bauabschnitte der Projektentwicklung „M-Port³“ – ebenfalls auf dem Mönchhofgelände – sowie des neuen SEGRO-Logistikparks in Bischofsheim mit zusammen rund 45.000 m² Hallenfläche, die spekulativ errichtet werden.

Vernetzte Welt

Industrie 4.0 Das Internet der Dinge (IdD) hält nicht nur im Wohnzimmer Einzug, sondern auch in den Fertigungsstraßen von Fabriken und generell in der Industrie. Von Alexandre Mouthon, Senior Product Specialist bei Pictet Asset Management:

Fast 30 cm groß und glänzendes blondes Haar – das sind die Markenzeichen der amerikanischen Kultpuppe Barbie, die erstmals im März 1959 auf der Spielwarenmesse in New York vorgestellt wurde. Fast sechzig Jahre später wird auf der gleichen Messe ein neuer Prototyp der Barbie präsentiert. Die Hello Barbie nutzt künstliche Intelligenz, um sich über Wireless LAN mit einem Cloud-Server zu verbinden. Dort stehen Antworten auf die von den Kindern gestellten Fragen zur Verfügung. Die Interaktion läuft über ein Mikrofon und einen Lautsprecher in der Halskette der Puppe. Die Hello Barbie ist nur ein Beispiel für das wachsende Universum des Internets der Dinge (IdD), das heißt miteinander vernetzter Geräte und Maschinen, basierend auf Cloud Computing und Netzwerksensoren.

NEUE GENERATION VON ROBOTERN

Das IdD wird zu einem immer größeren Teil unseres Lebens; wir verfügen nun über intelligente Kühlschränke, die uns benachrichtigen, wenn wir nicht mehr genug Milch haben, über tragbare Geräte, die persönliche Gesundheits- und Fitnessratschläge liefern, und sprachgesteuerte persönliche Assistenten mit künstlicher Intelligenz. Die Zahl vernetzter „Dinge“ könnte bis 2020 50 Mrd. erreichen, und der IdD-Markt wird sich Schätzungen zufolge bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf 3,7 Bio. $ verdoppeln.

Bedeutende technologische Entwicklungen seit den 1960er Jahren

Quelle: Morgan Stanley Research, April 2014 

Doch das IdD bedeutet mehr als intelligente Häuser. Inzwischen weitet es sich auch auf Fabriken aus und leitet ein, was Experten die nächste industrielle Revolution oder Industrie 4.0 nennen. Es handelt sich um eine industrieumfassende Version des IdD, bei der eine neue Generation intelligenter Industrieroboter repetitive, anstrengende und zunehmend komplexe Aufgaben ohne menschliches Eingreifen ausführt. Zudem kommunizieren diese miteinander vernetzten Roboter untereinander – man spricht dann von M2M-(Machine-to-Machine-)Kommunikation. So hat beispielsweise der japanische Roboterhersteller Fanuc eine Technologie entwickelt, die jeweils das „Gehirn“ von über 400.000 seiner Industrieroboter miteinander vernetzt, sodass sie voneinander lernen und so die Performance der Fertigungsanlagen verbessern können.

BRANCHENÜBERGREIFEND

Der japanische Hersteller erklärt, dass sein M2M-Netzwerk durch die Zusammenarbeit mit Cisco, Rockwell Automation (US-Hersteller von Automatisierungslösungen für die industrielle Produktion) und Preferred Networks (Start-up-Unternehmen aus Tokio für maschinelles Lernen) die Effizienz der Produktionsanlagen verbessern und die Profitabilität der Fertigung steigern wird. Fanuc ist nicht allein – der deutsche Konkurrent Kuka etwa arbeitet mit dem chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei daran, seine Industrieroboter auf sehr ähnliche Art zu vernetzen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel – eine Verfechterin der Industrie 4.0 – lobte Kuka als Modell für Deutschlands industrielle Zukunft, als sie das Unternehmen im bayerischen Augsburg besuchte. “Hier ist ein wirklich spannendes Stück deutscher Produktion für die Industrie 4.0“, sagte sie. “Das müssen wir weiterentwickeln, wenn wir weiter vorne dranbleiben wollen.“ Die erste industrielle Revolution, die Mitte des 18. Jahrhunderts in Großbritannien begann, benötigte rund hundert Jahre, um sich auszubreiten und die von Menschen erledigte Arbeit in Europa schrittweise durch Maschinen zu ersetzen. Die Industrie 4.0 dürfte sich sehr viel schneller entwickeln als alle vorherigen Durchbrüche. Sie verändert die strategischen Prioritäten der Produzenten bereits jetzt grundlegend. Der deutsche Autobauer Audi plant, eine „intelligente Produktion“ zu entwickeln, bei der Mensch und Roboter voll integriert arbeiten, 3-D-Drucker komplexe Metallteile herstellen und Drohnen als Transportmittel für Lenkräder fungieren. Und sogar Autos, die pilotiert aus der Montagehalle fahren, gehören dazu.

NEUE HORIZONTE FÜR ANLEGER

“Die Automobilproduktion, wie wir sie heute kennen, wird es in Zukunft nicht mehr geben“, sagte Audi-Produktionsvorstand Prof. Dr. Hubert Waltl dem Magazin des Unternehmens. „Sie wird noch vernetzter, intelligenter und effizienter. Dabei bleiben unsere Mitarbeiter Treiber einer erfolgreichen Produktion. Neue Berufsgruppen wie zum Beispiel Netzwerkarchitekten werden verstärkt in unser Geschäftsfeld einziehen.“ Die Industrie 4.0 wird die Spielregeln verändern. Unternehmen stehen bereits unter Druck, alte Geschäftsmodelle zugunsten eines neuen Ansatzes aufzugeben. Die Produzenten werden die Früchte der Industrie 4.0 ernten. McKinsey erwartet, dass die Lagerhaltungskosten um bis zu 50% fallen werden, da die IdD-Geräte die Echtzeitverwaltung der Lagerbestände ermöglichen. Auch der Maschinenstillstand dürfte sich insgesamt halbieren, da Fabriken die Maschinen dank Informationen von IdD-Sensoren effizienter nutzen (vgl. Grafik 2).

So schafft die Industrie 4.0 Wert

Quelle: McKinsey, August 2016

Es werden neue und attraktive Anlagemöglichkeiten entstehen. Das Marktpotenzial ist groß. Das Beratungsunternehmen Accenture geht davon aus, dass die Industrie 4.0 bis 2030 mindestens 14 Bio. $ zur Weltwirtschaft beitragen dürfte, und der Berater PwC erwartet bis 2020 jedes Jahr Investitionen von mehr als 900 Mrd. $ in Technologien und Geschäfte in Verbindung mit der Industrie 4.0. Mehr als die Hälfte der großen weltweiten Unternehmen, die befragt wurden, rechnete mit einer Kapitalrendite innerhalb von zwei Jahren.


Über den Autor
Alexandre Mouthon kam 2012 zu Pictet Asset Management und ist Senior Product Specialist für Themenfonds. Er ist verantwortlich für die Strategien Security, Robotic, Digital, High Dividend und Global Megatrends Selection.

Pictet Asset Management ist seit über 20 Jahren ein Pionier im Bereich thematischer Anlagen. Wir erkannten das Potenzial thematischer Strategien bereits während der 1990er Jahre und gehörten zu den ersten Anlageverwaltern, die ein Biotech-Produkt anboten. Darauf folgte unsere Wasserstrategie, die nach wie vor eine der sehr wenigen Strategien ist, die dieser einzigartigen Ressource gewidmet sind und die noch immer vom ursprünglichen Investmentmanager verwaltet wird. Im Laufe der folgenden Jahre haben wir eine umfassende thematische Produktpalette aufgebaut, darunter Branchen wie Gesundheit, Holz und Robotik. Auf diese Weise haben unsere Investoren Zugriff auf eine beliebige Anzahl an Anlagemöglichkeiten, die die verschiedenen Megatrends repräsentieren.

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e-mail: fbohmer@pictet.com

Nachhaltiger Inflationsdruck bleibt trotz steigenden Preisen aus

Die zuletzt überraschend stark steigenden Preise in den Vereinigten Staaten (USA) und im Euroraum sprechen nicht für eine kurzfristige Inflationsgefahr. Zu dieser Einschätzung kommt Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste AM. Das zeigt auch die gemäßigte Haltung an den Märkten: Die in zehnjährigen inflationsgeschützten Staatsanleihen gepreisten Erwartungen an die Teuerung liegen derzeit für Deutschland bei 1,14 Prozent und für die USA bei 1,84 Prozent (Stand: 26.04.2017). Diese Werte spiegeln die vermutete durchschnittliche Inflationsrate über die kommenden zehn Jahre wider. „Im zweiten Halbjahr 2016 kam es kurzfristig zu höheren Erwartungen. Grund dafür war die Erholung des Ölpreises sowie gesteigerte Wachstumsprognosen“, sagt Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste AM. „Diese Effekte sind mittlerweile allerdings nicht mehr vorhanden." 

Eurozone: Kein breiter Inflationsdruck erkennbar

Der jüngste Anstieg der Inflation in der Eurozone sei in erster Linie auf die Preisanstiege im Energiesektor und auf Lebensmittel zurückzuführen. Industriegüter und Dienstleistungen wurden im Jahresabstand nur geringfügig teurer. Die Kerninflationsrate, also die Inflationsrate ohne Preisentwicklung von Lebensmitteln und Energie, stagniert in der Eurozone bereits seit einigen Jahren unterhalb von 1,00 Prozent. Auch im Februar war sie mit 0,90 Prozent deutlich geringer als der überzeichnete Anstieg der Gesamtinflation, der im selben Zeitraum mit 2,00 Prozent bemessen wurde. Bei der Inflationsentwicklung sei es zudem ratsam, die Eurozone nicht nur als einheitlichen, sozusagen monolithischen, Wirtschaftsraum, sondern differenzierter zu betrachten. „Um Ungleichgewichte in der Eurozone abzubauen, müsste die Inflation in Deutschland langfristig deutlich höher sein als in Italien und Spanien. Das ist derzeit aber nicht zu sehen“, so Permoser. Die zuletzt gestiegenen Inflationsraten kamen weitestgehend unerwartet. Das zeigt beispielsweise der Citi Inflation Surprise Index, der veranschaulicht, dass der Preisauftrieb zuletzt so stark unterschätzt wurde wie noch nie seit der Einführung des Euros im Jahr 1999.

USA: Potenzial für höheres Lohnwachstum vorhanden

Ähnlich wie in der Eurozone ist die höhere Gesamtinflation in den USA zuletzt vor allem auf die teureren Energiepreise zurückzuführen. „Seit der Eurokrise ist die Inflation in den USA stets höher als in der Eurozone. Ein hausgemachter Inflationsdruck kann im Gegensatz zur Eurozone keinesfalls ausgeschlossen werden“, sagt der Experte. Für 2017 wird geschätzt, dass die US-Wirtschaft die Vollbeschäftigung erreicht, was ein höheres Lohn- und Preiswachstum und einen anhaltenden Inflationsanstieg zur Folge hätte. Die entsprechenden Statistiken zeigen im Durchschnitt bereits höhere Lohnanstiege als noch vor ein paar Jahren. Diese sind mit 2,20 Prozent aber immer noch moderat.

Auch auf weltweiter Ebene rechnet der Experte kurz- bis mittelfristig nicht mit höheren Inflationsraten. Zwar würden die USA, Deutschland und Japan über Kapazität produzieren. Allerdings hätten andere Volkswirtschaften, beispielsweise Frankreich, Spanien, Italien, China, Brasilien und Russland, zuletzt enttäuscht.

Zehn Jahre nach der Kreditkrise scheint die Blase zurück

von Ian Spreadbury, Rentenfondsmanager bei Fidelity International:

„Vor fast zehn Jahren nahm die weltweite Kreditkrise ihren Anfang. Vergleicht man die heutige Situation an den Märkten mit der Lage von damals, gibt es viele Parallelen.

2006 war ein von weltweiter Zinsstraffung geprägtes Jahr. Schon 2004 hatte die US-Notenbank als Reaktion auf das solide Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und eine leicht beschleunigte Inflation damit begonnen, die Zinsen zu straffen. Weltweit wuchs das BIP mit einer Rate von im Schnitt 5 Prozent pro Jahr, gemessen in den drei Jahren bis Ende 2006.

Nicht nur an den Anleihe- auch an den Aktienmärkten war die Volatilität so niedrig wie selten, was auch für die Risikoaufschläge (Spreads) von Unternehmensanleihen galt. Aktien tendierten fest. Hochzinsanleihen waren mit einem Ertrag von rund 10 Prozent wenig überraschend die festverzinsliche Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung – ungeachtet unübersehbarer Anzeichen einer Verschlechterung ihrer Kreditqualität und Sorgen über hohe Aktienrückkäufe und Event-Risiken.

Wo lauern diesmal die Gefahren?

Erstens ist das weltweite BIP-Wachstum mit rund 3 Prozent deutlich niedriger. Darüber hinaus, und das scheint noch wichtiger zu sein, setzt das Nominalwachstum seinen Abwärtstrend fort und bewegt sich auf den tiefsten Stand seit den 1930er Jahren zu – all den Billionen an quantitativen Lockerungsmaßnahmen und den ultraniedrigen Zinsen zum Trotz.

Zweitens haben sich die strukturellen Faktoren verstärkt, die damals die Kreditklemme nach sich zogen: allen voran die im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt weltweit hohe Verschuldung, die Alterung der Bevölkerung und die Vermögensungleichheit. Tatsächlich hat das Verhältnis von Verschuldung zu BIP weltweit wieder den hohen Stand von 2006 erklommen. Damit ist die Schuldenblase zurück. Lediglich ihre Zusammensetzung ist anders als vor der großen Finanzkrise.

Drittens sind zwar die realisierte wie implizite Volatilität derzeit extrem niedrig. Im Gegensatz zu 2006/07 haben wir es gegenwärtig aber mit weltweit hohen wirtschaftspolitischen Unsicherheiten zu tun, mit denen die erhebliche Gefahr politischer Fehlentscheidungen einhergeht.

So könnte der Optimismus rund um die von Trump geschürte Reflation fehl am Platz sein, denn inzwischen ziehen bereits die Kreditkonditionen und auch die Zinsen, Hypothekenzinsen eingeschlossen, in den USA wieder an. Zugleich legt der Dollar zu, und die quantitativen Lockerungsprogramme werden gedrosselt.

Zweifellos nehmen die systemischen Risiken wieder zu, und zumindest an den Staatsanleihemärkten scheinen Anleger die Wachstumsrisiken wahrzunehmen. Das jedenfalls lassen die auf der Stelle tretenden bzw. seit Jahresbeginn fallenden und nach wie vor extrem niedrigen Renditen vermuten.

Bei unseren strategischen und flexiblen Rentenfonds steht Sicherheit an erster Stelle. Deshalb haben wir das Engagement in Hochzinsanleihen reduziert und konzentrieren uns auf Investment-Grade-Anleihen. Dem haben wir ein Engagement in Staatsanleihen, inflationsgeschützte Anleihen und Schwellenländeranleihen beigemischt.

Anleger sollten die Risiken an den Märkten zur Kenntnis zu nehmen und ihre Portfolios breiter aufzustellen, statt ausschließlich auf die Rendite zu schauen. Auch wenn es noch eine Weile dauern könnte, bis die Blase platzt, ist Vorsicht immer noch besser als Nachsicht.“

Die Türkei nach dem Referendum: Auf der Suche nach Stabilität und Wirtschaftsreformen

Das Ergebnis des Türkei-Referendums steht fest. Jetzt kommt es darauf an, ob sich die Spannungen des Wahlkamps auflösen oder verstärken. Wird sich die Politik in die richtige Richtung bewegen? von Colin Croft, Manager des Jupiter New Europe SICAV:

Am 16. April 2017 hat die Türkei über eine Änderung der Verfassung hin zu einem Präsidialsystem abgestimmt. Das Ergebnis - ein knapper Sieg für das neue System mit 51,3 Prozent der Stimmen - scheint aus Aktiensicht das bestmögliche zu sein. Die Alternativen bestanden in einer deutlicheren Zustimmung oder einer knappen Ablehnung des Referendums. Beides hätte mit höherer Wahrscheinlichkeit zu vorgezogenen Wahlen geführt, mit all der Unsicherheit, die damit einhergeht. Die türkischen Aktienmärkte neigen bei einer Beibehaltung des Status Quo zu Kursgewinnen, da die Wirtschaftspolitik der regierenden AKP als fundierter angesehen wird als die der Vorgängerregierungen.

Vize-Premier Şimşek hat im Anschluss an das Referendum klargestellt, dass es keinerlei Pläne gibt, die für 2019 geplanten Wahlen vorzuziehen. Sollte dies zu einer Periode relativer Stabilität führen - mit stärkerem Wachstum und einem daraus resultierenden Wahlsieg der AKP 2019 - wäre dies zumindest für die türkische Wirtschaft und ihren Aktienmarkt ein positives Signal. Bedingung hierfür wäre, dass sich die Regierung verstärkt auf ökonomische Reformen konzentriert.

Für die Märkte ging es seit der Abstimmung stark aufwärts. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass nun eine Phase der Besonnenheit beginnt. Zwei der größten Oppositionsparteien haben bereits Bedenken über die Legitimität des Referendums angemeldet, da das türkische Wahlkomitee entschied, ungestempelte Wahlzettel zu akzeptieren. Jetzt ist es wichtig zu beobachten, ob sich die Spannungen des Wahlkampfes auflösen oder verstärken werden und ob sich die Politik in die richtige Richtung bewegt.

Einerseits hat der türkische Aktienmarkt währungsbereinigt (in GBP) seit Jahresbeginn um 12 Prozent zugelegt. Dies geschah aber andererseits von einem extrem niedrigen Niveau aus - einem 10-Jahres-Tiefpunkt in Folge des Putschversuchs im vergangenen Jahr. Dennoch sind die Bewertungen meines Erachtens mit einem KGV von neun sehr attraktiv und deutlich niedriger im Vergleich zu anderen Wachstumsmärkten und historischen Bewertungen. Ein Positiv-Szenario ist demnach bei Weitem nicht eingepreist.

Der Jupiter New Europe SICAV ist derzeit zu 15 Prozent in der Türkei investiert und seine breite Diversifizierung über mehrere Länder sollte dabei helfen, gegen politische Risiken gewappnet zu sein. Ich verfolge zudem einen Bottom-up Ansatz mit Fokus auf titelspezifische Änderungen, die von den Märkten noch nicht erfasst wurden. Der Grund für dieses Vorgehen ist, dass solche Trends eher vorauszusagen sind als Top-down-Entscheidungen. Letztere hängen u.a. von schwer abschätzbaren Ereignissen wie etwa Wahlen ab.

Ein Beispiel für meinen Ansatz ist der kleine türkische Versicherer AvivaSA, ein Joint Venture des britischen Unternehmens Aviva und des führenden türkischen Konglomerats Sabanci. Ich habe im April 2015 in den Titel investiert in der Annahme, dass der Markt das enorme Wachstumspotenzial der Gewinne im Pensionsbereich nicht eingepreist hatte. Während in Großbritannien die meisten Menschen in private Vorsorge investieren, ist dies noch nicht einmal bei jeder fünften Person in der Türkei der Fall. Die Türkei könnte ihre Wirtschaft durch eine Erhöhung dieser Sparquote unabhängiger von den Unsicherheiten internationaler Kapitalströme machen. Ein möglicher Ansatz hierfür ist z.B. die Förderung privater Vorsorge durch eine automatisierte Integration in private Versorgungssysteme sowie staatliche Zuschüsse zu Beitragszahlungen. Obwohl diese Maßnahmen nicht immer mit voller Entschlossenheit durchgeführt wurden - es ist beispielsweise sehr einfach, aus dem System auszusteigen - konnten dennoch ausreichende Fortschritte erzielt werden.

Entsprechend hat die Aktie den türkischen Markt um 15 Prozentpunkte outperformt. Ich glaube, dass die langfristige Erhöhung der Sparquote eine so fundamentale Notwendigkeit darstellt, dass die Regierenden der Türkei nicht um Maßnahmen herumkommen werden, die Vorsorgebereitschaft zu erhöhen. Die Aktie bleibt daher angesichts ihres Wachstumspotentials attraktiv bewertet.

US-Energieversorger: Wirtschaftliche Fundamentaldaten sprechen für Beibehaltung des Klimaschutz-Kurses

Präsident Trumps Pläne zur Umkehr der Klimapolitik verunsichern die US-Stromversorger. Trump hatte kürzlich bekannt gegeben, dass er die Klimaschutzpolitik seines Vorgängers rückgängig machen möchte. So will er die in Obamas „Clean Power Plan“ (CPP) festgelegten Auflagen zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen aufheben. Ziel des CPP ist es, die CO2-Emissionen des US-Energiesektors bis zum Jahre 2030 um 32 Prozent gegenüber dem Niveau von 2005 zu senken. Dieser Plan war ein wichtiger Bestandteil der Vereinbarung, zu der sich die USA im Klimaabkommen von Paris 2015 verpflichtet hatten. Dort hatte die Weltgemeinschaft beschlossen, die Treibhausgas-Emissionen so weit zu senken, dass sich die Erde um höchstens 1,5 Grad Celsius erwärmt.

Die Pläne Trumps stehen im Gegensatz zur ökonomischen Realität. Die Kohlenstoffintensität der US-Energieversorger ist in den vergangenen Jahren bereits zurückgegangen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: So lassen sich inzwischen in vielen US-Bundesstaaten Wind- oder Solarenergie günstiger erzeugen als Kohlestrom. Zudem haben viele Unternehmen die Gelegenheit genutzt, von Kohle auf den billigeren Gasbrennstoff umzusteigen.

Seit 2010 ist der Kohleabbau in den USA um rund zehn Prozent gesunken. Bis 2020 wird mit einer weiteren Reduzierung um acht Prozent gerechnet, da viele Kohlekraftwerke ihre Nutzungsdauer erreicht haben, oder alt und ineffizient sind. „Auch Trumps Pro-Kohle-Politik wird diesen Trend nicht mehr rückgängig machen“, so die Einschätzung von Matthias Beer, Associate Director Governance and Sustainable Investment bei BMO Global Asset Management, fest. „Wir haben mit US-Stromversorgern gesprochen und festgestellt, dass die Unternehmen an ihrer Strategie festhalten wollen, die CO2-Emissionen bis 2030 um 32 Prozent zu senken – so wie es die CPP-Auflagen besagen“, sagt Beer. Das spiegelt für den Experten die Tatsache wider, dass fundamentale ökonomische Faktoren wie niedrige Gaspreise und sinkende Kosten bei der Produktion von erneuerbaren Energien Treiber für die Entwicklungen auf dem Energiesektor sind, unabhängig von einer Klimapolitik. „Im Großen und Ganzen sehen Versorger regulatorische Anforderungen wie die CPP als Leitlinie für ihre langfristige Planung“, so Beer.

Fazit: Der Übergang zu CO2-Verminderung ist bereits bei vielen Stromversorgern in vollem Gange und stark von wirtschaftlichen Fundamentaldaten geprägt. Diesen Trend wird die neue US-Regierung so schnell nicht verändern können. Auch auf Ebene der US-Staaten gibt es bereits einige Initiativen zur Kohlendioxidreduzierung des Energiesektors. „Es stellt sich die Frage, ob die USA unter Trump weiterhin Teilnehmer des Pariser Klimaabkommens bleiben wollen oder nicht“, meint Beer. „Wenn nicht, dann liegt es am privaten Sektor – Investoren eingeschlossen – die Chancen zu ergreifen, die sich im Zuge der globalen Klimaziele ergeben.“

Was Trumps Wirtschaftspolitik für den Goldpreis bedeutet

Der Erfolg oder Misserfolg von Trumps angekündigter Steuerreform wird unmittelbare Auswirkungen auf den Goldpreis haben. Zu dieser Einschätzung kommt Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds von VanEck, in seinem aktuellen Marktausblick. „Nach zwei Niederlagen in Sachen Reiseeinschränkungen und Gesundheitsreform verblasst allmählich die anfängliche Euphorie an den Märkten im Hinblick auf Trump“, so Foster. Dieser Effekt habe den Goldpreis zuletzt unterstützt und dazu geführt, dass sich der Kurs oberhalb der 1.200-Punkte-Marke festigen konnte. 

Der Ausgang der Steuerreform dürfte dem Experten zufolge ähnliche Auswirkungen haben. Zwar könnte eine erfolgreiche radikale Reform für die Präsidentschaft von Trump einen positiven Impuls bedeuten. Allerdings sei es angesichts der beiden frühen politischen Niederlagen insgesamt zusehends unwahrscheinlicher, dass die amerikanische Regierung die erwarteten wachstumsfreundlichen Reformen umsetzen kann, die die Aktienmärkte nach den Wahlen eingepreist hatten und die zu neuen Höchststände geführt hatten. „Ein dritter Rückschlag bei der Steuerreform könnte eine Vertrauenskrise auslösen, was weiteres Aufwärtspotenzial für den Goldpreis bedeuten würde“, so Foster.

Die Hinweise auf eine spätzyklische Konjunktur nehmen zu

Neben einer potenziellen Vertrauenskrise würden sich zudem die Anzeichen dafür mehren, dass sich die US-Wirtschaft in einer spätzyklischen Phase befinde. „Die aktuelle wirtschaftliche Expansion und die Rallye bei Aktien gehören zu den längsten der Börsengeschichte“, so Foster. Obwohl der mittlerweile acht Jahre anhaltende Bullenmarkt des S&P 500 Indizes der zweitlängste seit dem Jahr 1928 sei und mit einem Anstieg von 16,9 Prozent pro Jahr die drittstärkste Steigerung in diesem Zeitraum bedeute, habe das Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen acht Jahren nur um 1,8 Prozent pro Jahr zugelegt. Der Aktienmarkt sei im historischen Vergleich deutlich überbewertet – mit den höchsten Kurs-Gewinn-Verhältnissen seit der Dotcom-Blase. Und die Tiefststände bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung in diesem Zyklus seien aus historischer Sicht typisch für die letzten Monate und Jahre einer volkswirtschaftlichen Expansion.

Das Zusammenspiel aus politischem Gegenwind für die neue US-Regierung sowie wachsenden Anzeichen dafür, dass sich die US-Wirtschaft in einer spätzyklischen Phase befinde, spräche für eine erhöhte Rezessionsgefahr. „Angesichts dieser Anzeichen scheint es ein guter Zeitpunkt zu sein, sich vor finanziellen Einbußen abzusichern und darüber nachzudenken, den sicheren Hafen Gold anzusteuern“, schließt Foster.

Gewinnmitnahmen bei Edelmetallen, antizyklische Zuflüsse bei Kakao und Rohöl

Nach der starken Rally der vergangenen Woche wurden bei Edelmetallen Gewinne mitgenommen. Bei Rohöl-ETPs (A0KRJX) kam es in der vergangenen Woche zu opportunistischen Käufen, da die Ölpreise korrigierten. Kakao-ETPs verzeichneten in der achten Woche in Folge Zuflüsse, da die Kassapreise auf ein Vierjahrestief fielen. In US-Dollar steigen die Short-Engagements, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Das vollständige Dokument finden Sie links als PDF.

Gewinnmitnahmen bei Edelmetallen. Just als Gold beinahe unser Kursziel für das Jahr von 1.300 USD/oz. zur Jahresmitte erreichte, kam es bei Gold-ETPs (A0LP78) zu Abflüssen in Höhe von 30 Mio. US-Dollar. Zuvor hatten die Zuflüsse im Zuge der zunehmenden Spannungen in Syrien und Nordkorea sowie aufgrund des unsicheren Ausgangs der Wahlen in Frankreich zugenommen. So flossen seit Jahresbeginn insgesamt über 600 Mio. US-Dollar in unsere Gold-ETPs (A0N62G), davon allein fast 80 Mio. US-Dollar im Vormonat. „Die Goldpreise dürften unterstützt bleiben, da der Markt die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts der Fed im Juni bei unter 50 Prozent sieht und die Inflationserwartungen/Anleiherenditen weiter zurückgehen“, ergänzt Jan-Hendrik Hein, Director – German Speaking Regions von ETF Securities.

Short-Positionen in US-Dollar steigen. „Da nicht nur weiche Umfragedaten wie die US-Einkaufsmanagerindizes des verarbeitenden Gewerbes, sondern auch harte volkswirtschaftliche Fakten wie die US-Verbraucherpreisinflation enttäuschten und die Fed auf ihrer letzten Sitzung auf eine Anhebung der Prognose verzichtete, kam es in dem Monat bei Short-USD-ETPs zu Zuflüssen in Höhe von 16 Mio. USD“, so Hein.

Rohöl-ETPs (A1N49P) verzeichnen Zuflüsse aufgrund enttäuschender US-Lagerdaten. Zuvor waren die US-Rohölpreise um fast 4 Prozent auf 50,28 US-Dollar pro Barrel gefallen, da die US-Lagerbestände weniger als erwartet zurückgegangen waren. In der Folge kam es bei unseren Rohöl-ETPs (A0KRJX) zu Zuflüssen in Höhe von 14 Mio. USD-Dollar. „Unseres Erachtens wird sich Rohöl weiter in einer Seitwärtsspanne bewegen: Die Erwartung, dass die OPEC auf ihrem Treffen am 25. Mai eventuell eine weitere Förderkürzung ankündigt, könnte sich stützend auswirken. Andererseits dürfte jedoch vom Angebotsüberhang in den USA Abwärtsdruck ausgehen“, sagt Hein.

Europäische Aktien wurden erneut verkauft, Euro gekauft. Wie in der Vorwoche wurden trotz der in Frankreich anstehenden Wahlen Long-EUR-ETPs gekauft, und zwar im Wert von 5 Mio. US-Dollar. „Im Aktienbereich kam es außerdem zu Käufen von FTSE100-ETPs in Höhe von 5 Mio. US-Dollar, da britische Aktien in der Vorwoche nach Ankündigung der Neuwahlen im Juni korrigierten“, sagt Hein.

Kakao-ETPs verzeichneten in der achten Woche in Folge Zuflüsse, die sich seit Jahresanfang mittlerweile auf 60 Mio. US-Dollar belaufen. Kakao markierte in der vergangenen Woche in London und New York ein neues Vierjahres­tief. Da Kakao in London gehandelt wird, war der Abverkauf zum Teil der Entwicklung des Pfund Sterling geschuldet, das nach der Wahlankündigung aufwertete.Aber auch Bedenken über das Angebot des größten Produzenten Elfenbeinküste belasteten die Preise. „Nach dem Einbruch um 42 Prozent in den letzten zwölf Monaten gehört Kakao zu den Rohstoffen, die in diesem Jahr am schlechtesten abschnitten. Es ist jedoch möglich, dass der Pessimismus der Anleger nun abebbt, da die spekulative Short-Position an der CFTC netto zurückgeht“, so Hein.

Monetarisierung in der Videospielindustrie: Das große Geld mit kleinen Beträgen

Der weltweite Umsatz der Computer- und Videospielbranche erreicht bis 2019 laut PwCs „Global Media and Entertainment Outlook“ ein Volumen von 93 Milliarden US-Dollar. Der Newzoo „Global Games Market Report“ vom April 2017 geht sogar von 118,6 Milliarden US-Dollar aus. Wachsende Mittelschichten in Schwellenländern wie China und Brasilien beflügeln den Markt. Das allein sind beste Aussichten für Anleger. Doch diese Branche gehört nicht nur wegen neuer Absatzmärkte ins Portfolio: Zum einen hat der Vertrieb über digitale Verkaufsplattformen die Gewinnmargen deutlich erweitert. Zum anderen sind Videospiele längst keine Einmal-Bezahl-Produkte mehr, sondern werden vielfältig monetarisiert und generieren so laufende Umsätze. Welche Trends Investoren noch kennen sollten, erklärt Adrian Doyle, Fondsexperte bei der GAMAX Management AG.

Mehr als Vollpreisspiele: Stetiger Umsatz dank DLC und Microtransactions

Zwar werden aufwendig produzierte Spiele, die sogenannten AAA-Titel, nach wie vor durch einen hohen Kaufpreis monetarisiert – jedoch bieten Entwickler in der Regel noch kostenpflichtige Zusatzinhalte für das Hauptspiel an. Dabei handelt es sich etwa um neue Charaktere, Handlungsstränge oder ganze neue Welten. Diese Erweiterungen werden inzwischen meist digital vertrieben und daher auch DLC, downloadable content, genannt. Der Release-Preis eines AAA-Spiels liegt in der Regel zwischen 60 und 80 Euro. Inklusive DLCs im Wert von etwa 15 bis 30 Euro, beträgt der Gesamtpreis leicht weit über 100 Euro. Die beliebte Lebenssimulation „Die Sims“ von EA hat dieses Modell perfektioniert – in etlichen Erweiterungen kann der Spieler Urlaubsorte, Haustiere oder Einrichtungsstile für seine virtuellen Familien hinzukaufen. Zwar sind DLCs in Spielen mit einer festen Handlung nur eingeschränkt möglich – doch ein bis drei größere Erweiterungen sind auch dort Standard.

Neben DLCs sorgen Microtransactions für laufende Umsätze. Dabei handelt es sich um Käufe mit geringen Einzelbeträgen, die direkt im Spiel getätigt werden. Spieler erhalten so etwa neue Waffen oder Accessoires. Laut Umsatzbericht zum vierten Quartal 2016 nahm etwa Activision Blizzard insgesamt 3,6 Milliarden Dollar mit Microtransactions ein. Im Spiel „Call of Duty: Black Ops 3“ überstieg der Umsatz zum ersten Mal den Erlös aus DLC-Verkäufen. Ein lukrativer, aber umstrittener Trend. 

Microtransactions, etwa in Ubisofts „For Honor“ sorgen für Ärger bei den Fans: Teure Inhalte, die ohne Echt-Geld kaum zu bekommen sind, empfinden viele als Abzocke. Auch unbeliebt: Teile der Hauptstory als DLC anzubieten oder aufgrund enger Zeitvorgaben unfertige Spiele zu veröffentlichen. „Anleger sollten wissen, dass Spieler hier sensibel und gnadenlos in ihren Urteilen sind, die sich im Internet rasant verbreiten“, so Doyle. „Die Monetarisierung von Vollpreisspielen ist oft eine Gradwanderung zwischen Gewinnmaximierung und Kundenzufriedenheit. Ein Spieleentwickler kann nur erfolgreich sein, wenn er diese Balance langfristig beherrscht.“

Das lukrative Geschäft mit kostenlosen Spielen

Umstritten im AAA-Segment, Erfolgsrezept für Free-to-Play: Der Erfolg von in-game-Käufen im Bereich der Mobile Games zeigt, wie wichtig die Wahl der richtigen Strategie für verschiedene Konzepte ist. Neben Werbeeinnahmen sorgen Microtransactions für Umsatz, denn obwohl zunächst kostenlos, hat der Spieler in Hits wie „Candy Crush“ oder „Farmville“ stets die Möglichkeit, Level und Gegenstände zu kaufen, um schneller voranzukommen. Das Spiel mit der Geduld hat sich bewährt: Laut Jahresreport 2016 des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware, geben in Deutschland zahlende Nutzer im Monat durchschnittlich 12,02 Euro für In-App Käufe aus – 2012 waren es noch 4,14 Euro. Eine möglichst lange Verweildauer der Spieler ist hier zentral. Verlieren sie das Interesse, bleiben die Gewinne aus.

Spielraum für weitere Ertragsquellen

Die Branche bringt nicht nur immer neue Spiele auf den Markt, sondern beweist auch bei deren Monetarisierung große Kreativität.„Interessant ist beispielsweise das ‚Gacha‘-Modell in Japan“, sagt Doyle. Der Ansatz ist mit dem Kauf von Sammelbildern vergleichbar. In Spielen wie Nintendos „Fire Emblem: Heroes“ kauft man im Spiel Pakete mit verschiedenen Spielfiguren mit unterschiedlichen Häufigkeiten – den gewünschten Inhalt zu erhalten, ist reines Glück. „Diese ‚Überraschungsei-Mechanik‘ könnte noch in deutlich größerem Umfang in anderen Regionen der Welt folgen.“

Auch Filme erweitern die Produktpalette vieler Unternehmen. Die erfolgreiche Verfilmung von Spielen gelingt jedoch nur selten. Auch der Ende 2016 in die Kinos gekommene „Assassin‘s Creed“-Film zum gleichnamigen Ubisoft Flaggschiff-Franchise erntet nur verhaltenes Lob. „Im Rahmen der Gesamtpopularität eines Franchises können Filme aber durchaus Sinn machen“, urteilt Doyle. Sie sprechen neue Zielgruppen an und können bei den Fans der Spiele die Markenverbundenheit stärken. Das dürfte die Verkaufszahlen der Spiele beflügeln, vorausgesetzt, der Film ist authentisch. Treten Publisher die Filmrechte an externe Studios ab, ist Doyle kritisch: „Lizensierung macht nur Sinn, wenn der Lizenznehmer auch das Produkt verstanden hat und entsprechend Herzblut investiert – sonst richtet es eher Schaden an.“

Activision Blizzard: ein Unternehmen, viele Möglichkeiten

Publisher mit einer breit gestreuten Produktpalette können verschiedene Marktsegmente bedienen und so viele Ertragsquellen nutzen. Für Anleger ist zudem die Gewichtung einzelner Produktarten im Portfolio der Unternehmen interessant. Etwa bieten Online-Spiele mehr Freiraum, ihre Inhalte kreativ zu vermarkten. Der „World of Warcraft“-Entwickler und Branchenschwergewicht Activision Blizzard ist in diesem Bereich mit Erfolgen wie „Overwatch“ besonders gut aufgestellt. Außerdem konnte 2015, mit dem für etwa 5,9 Milliarden Dollar gekauften „Candy Crush“-Entwickler King, der Anteil im wichtigen Markt für Mobile Games weiter ausgebaut werden. Zukünftig soll die Unternehmenssparte Blizzard Publishing die Handlung beliebter Titel in Büchern und Hörbüchern umsetzten – erwartet wird ein Umsatz von 200 Millionen Dollar. Mit Activision Blizzard Studios ist geplant, die „Call of Duty“-Reihe in einem ganzen Film-Universum á la Marvel umsetzen. Doyle sagt: „Publisher mit einem ausgewogenen Portfolio sind weniger abhängig von Einzelerfolgen. Zugleich profitieren Anleger von planbaren Erträgen durch kontinuierliche Einnahmen aus in-game Käufen. All dies sind Faktoren, die langfristig den Unternehmenswert erhöhen.“

Frankreich-Wahl spricht für europäische Aktien

von Suneil Mahindru, Chief Investment Officer für internationale Aktien bei Goldman Sachs Asset Management.

Emmanuel Macron und Marine Le Pen werden am 7. Mai gegeneinander in der Stichwahl um das Präsidentenamt antreten. Wir bleiben bei unserer Ansicht, dass ein Sieg Macrons wahrscheinlicher ist. Was bedeutet dies für den europäischen Aktienmarkt und den hiesigen Bankensektor?

Umfragen, die vor dem Ergebnis des ersten Wahlgangs durchgeführt wurden, deuten darauf hin, dass Emmanuel Macron seiner Kontrahentin bei der Stichwahl rund 25 Prozentpunkte voraus ist. Frankreichs Politik richtet sich insofern neu aus: Auf der einen Seite pro-europäisch, auf der anderen populistisch und euroskeptisch. Wir erwarten, dass sich der Vorsprung des Macron- gegenüber dem Le Pen-Lager im Vorfeld der zweiten Runde vergrößern wird. Grund ist, dass die politische Mitte wahrscheinlich eine breite Einheitsfront gegen den Front Nationale bilden dürfte. Hierdurch ist es ziemlich wahrscheinlich, dass Emmanuel Macron die französische Präsidentschaft in zwei Wochen gewinnen wird.

Positiver Ausblick für europäische Aktien bleibt bestehen

Zwischen den beiden Wahlgängen dürften sich europäische Aktien insgesamt nicht allzu stark bewegen, da das Ergebnis der ersten Runde allgemein so erwartet wurde. Hinzu kommt, dass ein Wahlsieg Le Pens allerdings auch nicht komplett ausgeschlossen werden kann.

Der französische Urnengang konnte europäische Aktien und den CAC 40 nicht daran hindern, auf absoluter Basis solide Ergebnisse seit Jahresbeginn zu liefern. Beide konnten im Jahresverlauf jeweils um 5 Prozent zulegen. Zudem spiegelt der Vergleich zwischen europäischen- und US-Aktien ziemlich genau die erstarkten Fundamentaldaten des alten Kontinents wider. Konsequenterweise investieren US-Investoren verstärkt in den europäischen Markt, nachdem 2016 die Kapitalströme noch eher andersherum flossen. Es zeichnet sich allmählich eine Outperformance Europas gegenüber den USA ab.

Seit Beginn dieses Jahres ist die Risikoprämie für Aktien in Europa um 40 Basispunkte gefallen, während sie in den USA um 50 Basispunkte zugelegt hat. Ein sogenanntes Tail-Risk-Ereignis, sprich ein unvorhersehbares Ereignis mit hohem Risiko, wurde im Vorfeld der europäischen Wahlen nicht vollständig eingepreist – im Gegenteil zu den Anleihe- und Derivatemärkten. Dies offenbart sich u.a. in der Differenz der Aktien-Risikoprämien und der wirtschaftlichen Unsicherheit zwischen den Kontinenten.

Bei einem Wahlsieg Macrons sehen wir für europäische Aktien ein Aufwärtspotential von etwa 2-3 Prozent. Sollte Marine Le Pen die zweite Wahlrunde gewinnen, was nicht unserem Basisszenario entspricht, wären europäische Aktien allerdings besonders anfällig, da dieses Szenario nur wenig eingepreist wurde.

Leichter Rückenwind für europäischen Bankensektor

Im Nachgang zu den Wahlen in den Niederlanden bringt also auch die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen ein Ergebnis zutage, dass recht günstig für den europäischen Finanzsektor sein dürfte. Obwohl sich die Performance der europäischen Banken eher losgelöst vom französischen Wahlkampf entwickelt hat, erwarten wir auf absoluter Basis immer noch eine leicht positive Reaktion für die Banken, da die Tail-Risk-Unsicherheit abnimmt. Auch dies ist im Übrigen eine Parallele zur niederländischen Wahl. Italienische und französische Banken könnten sich letztlich zu den Hauptprofiteuren des Wahlergebnisses entwickeln, vor allem wenn die Anleiherenditen steigen und sich die Renditeaufschläge für Staatsanleihen verringern.

Zusammengefasst erwarten wir: Sollten sich die Tail-Risks bezüglich der Wahl Marine Le Pens auflösen, dürften hiervon auch europäische Banken zu einem gewissen Teil profitieren.

Über Goldman Sachs Asset Management
Goldman Sachs Asset Management ist der Asset-Management-Bereich der Goldman Sachs Group, Inc. (NYSE-Symbol: GS). Per 31. Dezember 2016 belief sich das von diesem Geschäftsbereich verwaltete Vermögen auf 1,178 Billionen US-Dollar. Goldman Sachs Asset Management bietet seit 1989 diskretionäre Anlageberatungsleistungen an und beschäftigt Investment-Spezialisten an allen großen Finanzplätzen der Welt. Das Unternehmen bietet institutionellen Investoren und Privatkunden auf der ganzen Welt Investmentstrategien, die sich auf eine breite Palette von Anlageklassen erstrecken. Goldman Sachs wurde 1869 gegründet und gehört zu den führenden, global tätigen Investmentbanking-, Wertpapier- und Vermögensverwaltungshäusern. Sie betreut weltweit einen breit gefächerten Kundenstamm, zu dem Unternehmen, Finanzinstitutionen, staatliche Stellen und vermögende Privatpersonen gehören.

Frankreich wählt: Raiffeisen Capital Management schichtet vorsichtig um

Europa steht wieder einmal vor einer wichtigen Wahl: der des Präsidenten in Frankreich. Die Sorge, dass Marine Le Pen von der Front National am 23. April ein Erdrutschsieg gelingen könnte, steht im Raum. Auch wenn Meinungsforscher derzeit nicht davon ausgehen, dass Le Pen tatsächlich in den Élysée-Palast einziehen wird, ist die Verunsicherung groß. Welche Vorkehrungen trifft Raiffeisen Capital Management1 im Vorfeld der Wahl?2

Raiffeisen Capital Management geht derzeit (wie die meisten Marktteilnehmer) von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Marine Le Pen und dem parteilosen Emmanuel Macron aus, der dem Rechtspopulismus und dem klassischen politischen System aus Sozialisten und Republikanern den Kampf angesagt hat. Beide kommen bei den aktuellen Umfragen auf jeweils knapp ein Viertel der Wählerstimmen. Bei einer allfälligen Stichwahl am 7. Mai hingegen würden die Umfragen Macron klar im Vorteil sehen: 62 % der Wähler geben an, ihn wählen zu wollen, nur 38 % würden sich bei diesem Duell für Le Pen entscheiden. Dann wäre Macron der erste parteilose Präsident Frankreichs. Allerdings sind fast 40 % der Wähler noch unentschlossen. Demoskopen weisen darauf hin, dass viele Befragte oft nicht sagen wollen, für wen sie stimmen würden – insbesondere trifft das auf die Wähler von Marine Le Pen zu.

Selbstverständlich sind auch andere Szenarien für den Ausgang der Wahl denkbar, beispielsweise ein Duell zwischen Macron und dem Republikaner François Fillon oder Le Pen und dem Kommunisten Jean-Luc Mélenchon. Doch bei der Stichwahl ist davon auszugehen, dass die Grande Nation in guter Tradition wieder zusammenstehen wird und ihre Stimme einem Kandidaten gibt, der sie eint und nicht auseinandertreibt.

Dass dennoch viele Investoren vorsichtig sind, zeigt sich im Vorfeld der Wahl in erster Linie auf dem Rentenmarkt: Französische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren haben im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen mit der gleichen Laufzeit den höchsten Wert seit März 2013 erreicht (Stand: 19. April 2017). Auf dem französischen Aktienmarkt hingegen zeigen sich noch keine auffälligen Ausschläge. Dieser hat zwar etwas mehr als die anderen europäischen Aktienmärkte nachgegeben, doch im Großen und Ganzen scheinen zumindest die Aktieninvestoren noch vom Sieg eines gemäßigten Kandidaten auszugehen.

Raiffeisen Capital Management hat seine Positionen in Erwartung einer Stichwahl zwischen Macron und Le Pen nur vorsichtig umgeschichtet. Konkret heißt das, die starke Untergewichtung von französischen Staatsanleihen reduziert, die Position jedoch – vorwiegend aus fundamental wirtschaftlichen Gründen – untergewichtet belassen. Auch italienische Staatsanleihen hat das zuständige Anleiheteam geringfügig zugekauft, da es hier eine Korrelation zur Entwicklung in Frankreich erwartet.

Aktienseitig haben sich französische Titel schon im letzten Quartal etwas schlechter entwickelt als jene anderer europäischer Märkte. Wobei Raiffeisen Capital Management ohnehin nur in sehr wenige – und das sind global ausgerichtete – Unternehmen, wie den Energielieferanten TOTAL, den Satellitenbetreiber Eutelsat und den Finanzdienstleister BNP-Paribas, investiert ist.

Alles in allem ist Raiffeisen Capital Management gut für den Ausgang der Wahl am 23. April vorbereitet und kann gegebenenfalls rasch auf neue Entwicklungen reagieren.


1) Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage Gesellschaft m.b.H.
2) Die nachfolgenden Einschätzungen und Positionierungen stellen eine Momentaufnahme dar und können sich jederzeit und ohne Ankündigung ändern. Die vorliegende Prognose ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung der Kapitalmärkte oder der Fonds der Raiffeisen KAG.

Ganz schön still da draußen, vielleicht zu still?

„Während Anleger weiterhin von den robusten Renditen globaler Aktien profitieren, bereitet die ungewöhnlich geringe Volatilität an den Märkten Grund zur Sorge, insbesondere angesichts der weiterhin bestehenden Unsicherheiten auf makroökonomischer und politischer Ebene und hinsichtlich der Unternehmensgewinne“, sagt Scott Berg, Portfoliomanager für die Global Growth Equity Strategy bei T. Rowe Price. Diese Perspektive werde durch den MSCI AC World Index untermauert, der im Jahresverlauf um sieben Prozent zulegte und seit der US-Wahl ein Plus von über zehn Prozent erzielte, und insgesamt eine solide und nahezu ununterbrochene Aufwärtstendenz zeigte. Wie ruhig sich die Märkte verhalten, lasse sich an der realisierten Aktienmarktvolatilität erkennen, die beinahe auf einen Tiefstand sank.

Warum ist die Volatilität so gering?

Die sinkende Volatilität spiegele zum Teil einige sehr positive und reale Veränderungen im globalen Wirtschaftsumfeld wider. Zu den sich verbesserten Daten zähle der Anstieg globaler Einkaufsmanagerindizes, die nach einer ersten Aufwärtstendenz im Sommer 2016 inzwischen ein Niveau erreichten, das mit einer soliden Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums gleichgesetzt werden könne. Die Unternehmensgewinne – sowohl die tatsächlichen als auch die erwarteten – erholten sich ebenfalls kontinuierlich von ihren Tiefständen.

Warum sollten Investoren auf kurze Sicht vorsichtiger sein als der Konsens?

„Trotz der Verbesserung der Fundamentaldaten hat auch die hoffnungsvolle Stimmung ihren Teil zum Auftrieb der Märkte beigetragen, und die Konsensmeinung schwenkte innerhalb eines Jahres von Verzweiflung zu Ausgelassenheit. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich die dramatische Veränderung bei der Stimmung kleinerer US-Unternehmen seit der Wahl ansieht“, so der Experte. Diese Stimmungsaufhellung zeige sich zu einem gewissen Grad in den Aktienmärkten. Sie beruhe einerseits auf den sich bessernden Daten sowie andererseits auf den potenziellen Auswirkungen eines politischen Richtungswechsels der USA auf die US-amerikanischen und globalen Wachstumsaussichten – und dies trotz weiterhin fehlender konkreter Details zur neuen Politik der Trump-Regierung. „Die Auswirkungen, die eine solche Beschleunigung auf zyklische Segmente des globalen Aktienmarkts hätten, führten nach der Wahl zu einer zyklischen Kaufwelle – eine Tendenz, bei der wir eine vorsichtig konträre Haltung einnehmen“, schildert Berg.

Der Markt mache sich im Hinblick auf politische und makroökonomische Faktoren große Hoffnungen. „In vielerlei Hinsicht glauben wir jedoch, dass jetzt die Zeit gekommen ist, um auf Titelebene zu operieren und unsere Wunschliste von Aktien, die demnächst zum Verkauf stehen könnten, zu aktualisieren – falls es auf Makro- oder politischer Ebene zu Enttäuschungen kommen sollte. In diesem Zusammenhang macht die Volatilität auf Sektorebene, zyklisch versus defensiv, im Hinblick auf den Anlagestil, Value versus Growth, und auf Basis vieler individueller Titel einen überdurchschnittlichen Eindruck, auch wenn die Marktvolatilität niedrig erscheint. Dies ist eine ungewöhnliche Perspektive und hat sicherlich trotz der relativ niedrigen Volatilität von Aktienmarkt-Beta für aktive Anleger größere Volatilität von Alpha geschaffen“, schildert Scott Berg.

Wie groß ist die Gefahr, dass die niedrige Volatilität ein Ende findet, und welche Auswirkungen hätte das auf die Aktienmärkte?

Zwar seien aktuelle Daten in nahezu jeder Hinsicht positiv, doch gerade das könne auch ein Risiko für die Aktienmärkte sein. „Nach jahrelangen Stopp-Start-Zyklen seit der Finanzkrise, die zwischen Panik und Erleichterung schwankten, sind wir an einem Punkt angekommen, an dem die Daten zu diesen guten Zeiten einen positiven Orientierungspunkt darstellen, der nur schwer zu übertreffen ist. Zwar freuen wir uns als fundamental ausgerichtete Anleger über gute Nachrichten zu den Fundamentaldaten, es ist jedoch zu erwarten, dass die Wirtschaftsaktivität früher oder später nachlassen wird. Am wahrscheinlichsten ist unseres Erachtens, dass die positive Haltung gegenüber der US-amerikanischen Politik irgendwann zurückgehen wird“, resümiert der Portfoliomanager. 

Dies sollte Berg zufolge nicht als Zeichen dafür gewertet werden, dass der Aktienzyklus endet, sondern sich nach einer Phase ungewöhnlich positiver Daten normalisiert. Dies dürfte neue Einstiegspunkte für auf kurze Sicht vorsichtige und auf lange Sicht konträre Anleger ermöglichen.

Nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich rücken die Fundamentaldaten wieder in den Vordergrund

von Eric Domergue, Head of Fixed Income, und Eric Biassette, Head of Equity Thematic, beide im Third Party Portfolio Management von Generali Investments.

Die Märkte sind nach dem Wahlergebnis von Sonntag wieder risikofreudig. Die Kurse für Bundesanleihen zogen an (mit einem Plus von 10 Basispunkten entlang der Kurve) und die Spreads engten sich ein, wobei die Aufschläge für 10-jährige französische OATs (Obligation assimilable du Trésor) auf 0,85 Prozent sanken und damit 10 Basispunkte niedriger notierten als am Freitag. Auch die Peripheriestaaten reagierten positiv, die Spreads für portugiesische Papiere verringerten sich um 20 Basispunkte, für spanische und italienische um 15 Basispunkte, am Credit-Markt zeigte sich ein ähnliches Bild.

Mit dem Rückgang des politischen Risikos werden sich die Märkte wieder auf die Europäische Zentralbank konzentrieren, verbunden mit der Frage, ob EZB-Präsident Draghi angesichts des Wahlergebnisses Änderungen an der Geldpolitik vornehmen wird. Die positiven Konjunkturdaten für die Eurozone unterstützen die Erwartungen für ein positives zweites Quartal.

Wir sehen das Wahlergebnis auch für die europäischen Aktienmärkte positiv. Anleger dürften sich nun wieder den Fundamentaldaten zuwenden, die in Europa ermutigend sind.

Größeres Potenzial sehen wir bei Bankwerten und französischen Zyklikern. Unsere Portfolios sind gut positioniert, um davon zu profitieren. Wir sind in Frankreich und bei mittelgroßen Unternehmen übergewichtet (vor allem bei Zyklikern), sowie bei französischen Titeln aus dem Bau-, Immobilien-, Dienstleistungs- und Telekommunikationssektor. Wir werden dabei unseren Investmentansatz, der auf einer Einzeltitelauswahl mit Schwerpunkt auf den Bewertungen basiert, weiterhin konsequent anwenden.

Die Schwellenländerbörsen kehren zurück auf Kurs

Die Aktienmärkte der Schwellenländer bestechen aktuell mit einem positiven Ausblick und attraktiven Bewertungen. „Trotz dem Wahlsieg von Donald Trump und der Angst vor einer protektionistischen Politik der Vereinigten Staaten entwickeln sich die Schwellenländer besser als die Industrienationen“, sagt Gabriela Tinti, Senior Fondsmanagerin Aktien Schwellenländer bei der österreichischen Erste Asset Management, in ihrem aktuellen Ausblick. Laut Zahlen des Internationalen Währungsfonds wird sich die Wachstumsdifferenz zwischen Schwellenländern- und Industrienationen bis 2021 von 2,5 auf 3,3 Prozent ausweiten. Für Schwellenländer-Unternehmen sei laut der Expertin im laufenden Jahr sogar mit Gewinnsteigerungsraten von etwa 15 Prozent zu rechnen.

Rückenwind durch stabilere Währungen und Rohstoffkurse

Spekulationen über die Abschwächung der Wirtschaft in China, der Verfall der Rohstoffpreise und der immer stärker werdende US-Dollar hätten die Entwicklung der Schwellenländer-Börsen in den vergangenen Jahren ins Stocken gebracht. Noch immer seien die Schwellenländer günstig bewertet, was ein Blick auf die Titel im MSCI Emerging Markets Index zeige.

Laut Tinti haben sich insbesondere die Währungskurse der Schwellenländer wieder stabilisiert. Davon ausgenommen seien der Mexikanische Peso, die Türkische Lira oder der Südafrikanische Rand, die im direkten Vergleich zum US-Dollar weiter gefallen sind. Die steigenden Rohstoffpreise begünstigen die Rohstoffexporteure. So werde für Russland und Brasilien im laufenden Jahr sogar wieder mit einem positiven Wirtschaftswachstum gerechnet. „Und das oft prophezeite ‚hard landing‘ in China wird auch in naher Zukunft nicht stattfinden“, so Tinti. „Das Land versucht sein Wachstumsmodell von einer investitionsgetriebenen Exportwirtschaft auf eine konsum- und dienstleistungsorientierte Volkswirtschaft umzustellen. Dafür werden bei staatsnahen Unternehmen notwendige Reformen vorsichtig umgesetzt.“

Langfristig fundamental gut aufgestellt

Eine niedrige Inflation in den Schwellenländern böte diesen genug Spielraum um die Zinsen zu senken und somit notwendige Wirtschaftsimpulse zu setzen: „Seit 2011 steigt die Produktivität der Schwellenländer-Unternehmen stärker an als die Reallöhne dieser Länder“, so Tinti. Seit der Jahrtausendwende habe sich das durchschnittlich annualisierte Wachstum in den Schwellenländern verdreifacht. Dies sei nicht nur auf bessere Ressourcen zurückzuführen, sondern auch auf gesündere Staatshaushalte und eine jüngere Bevölkerung. „Mit dem wachsenden Wohlstand entsteht in den Schwellenländern eine Mittelklasse und eine neue Generation aus wohlhabenden Konsumenten“, berichtet Tinti. „Die zunehmende Urbanisierung facht darüber hinaus die Infrastrukturnachfrage an“. Zusätzlich lägen die Investitionen in Forschung und Entwicklung – anteilig gemessen am Bruttoinlandsprodukt – bereits heute auf durchschnittlichem Niveau der EU-Staaten. Die Bevölkerung in den Schwellenländern erhalte einen immer besseren Zugang zu Bildung. Gleichzeitig würden Arbeitskräfte und Unternehmen aus diesen Ländern immer konkurrenzfähiger. „Immerhin haben einige Innovationen aus den Schwellenländern bereits Weltmarktführer hervorgebracht“, schließt die Expertin.

Emmanuel Macron und Marine Le Pen in der Stichwahl - Märkte reagieren positiv

Wie – diesmal richtig – von den Meinungsforschern prognostiziert, gehen Emmanuel Macron und Marine Le Pen ins finale Rennen um das Amt des französischen Präsidenten1. Für die Kapitalmärkte sind das fürs Erste einmal gute Nachrichten, denn ein Erdrutschsieg Le Pens und damit grobe Verwerfungen an den Märkten blieben aus.

Der als unabhängiger Kandidat angetretene Macron ging mit knapp 23,8 %2 der Stimmen als Sieger aus der ersten Wahl hervor und gilt nun auch für die am 7. Mai anstehende Stichwahl als Favorit. Aber auch Le Pen vom Front National (FN) zeigt sich weiter siegessicher. Sie erzielte 21,5 %2 und damit ein deutlich besseres Ergebnis als noch vor fünf Jahren, als sie mit 17,9 % am Einzug in die Stichwahl scheiterte. Dahinter folgten der Konservative Francois Fillon und der Linksaußenpolitiker Jean-Luc Melenchon mit jeweils rund 20 % der Wahlstimmen.

Die Kapitalmärkte reagierten auf den Sieg Macrons äußerst positiv. Vor allem die europäischen Aktienindices zeigten sich zu Börsenbeginn sehr freundlich, wovon auch die die Aktienportfolios von Raiffeisen Capital Management3 profitierten.

Das zuständige Aktienteam war schon im Vorfeld gut – nämlich übergewichtet in europäische Aktien – positioniert. Als fundamental ausgerichteter, langfristiger Investor stehen für Raiffeisen Capital Management aber nicht politische Ereignisse im Vordergrund von Entscheidungen, sondern dass Unternehmen nachhaltig gut wirtschaften. Darüber hinaus zeigt sich, dass politische Risiken in den Augen der Anleger weiter abnehmen.

Bei den Anleihen hat Raiffeisen Capital Management schon vor der Wahl vorsichtige Umschichtungen vorgenommen: Zum einen wurden französische Staatsanleihen, aber auch Anleihen anderer Euro-Peripheriestaaten zugekauft und zum anderen deutsche Staatsanleihen verkauft. Davon haben die Anleger nun profitiert.

Eine starke Bewegung zeigte auch der Euro. Dieser hat mit kräftigen Gewinnen auf den Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl reagiert. Die Gemeinschaftswährung stieg zum US-Dollar auf den höchsten Stand seit Jahresbeginn.

Wie geht es weiter?

Der parteilose Wahlsieger Emmanuel Macron möchte jedenfalls die französische Politik verändern und mit einem System brechen, „das unfähig ist, auf Probleme zu reagieren“. Eines seiner Ziele ist der Neustart des „europäischen Projekts“. Er wolle ein „Präsident der Patrioten gegen die Gefahr der Nationalisten“ sein, bekräftigte er bei seiner Siegesrede. Noch am Wahlabend rief Macron seine Anhänger dazu auf, ihm die nötige parlamentarische Mehrheit zu verschaffen. Die von ihm gegründete Bewegung „En Marche!“ (Auf dem Weg!) ist in der französischen Nationalversammlung bisher nicht vertreten. Auch Le Pen mobilisierte bereits am Wahlabend ihre Wählerschaft: In der Stichwahl gehe es nun um die Entscheidung zwischen der „totalen Deregulierung ohne Grenzen und ohne Schutz“ und „Grenzen, die unsere Jobs schützen, unsere Kaufkraft, unsere Sicherheit, unsere nationale Identität“. Es wäre an der Zeit, das französische Volk von den arroganten Eliten zu befreien, die ihm sein Verhalten vorschreiben wollen, so Le Pen.

Macron geht als Favorit ins Rennen

Beobachter sehen in dieser anstehenden Entscheidung der Wähler am 7. Mai mehr als nur eine Weichenstellung für die französische Politik der nächsten Jahre: Frankreich könnte in den nächsten Wochen auch über die Zukunft der Europäischen

Union mitbestimmen. Denn Marine Le Pen wirbt mit dem "Frexit" - dem Rückzug aus EU, Euro und Nato, einem "patriotischen Protektionismus" und beschwört die Gefahr von Immigration, Islamismus und Identitätsverlust. Doch dass sie am 7. Mai tatsächlich das Rennen machen wird, gilt als unwahrscheinlich: Schon kurz nach Feststehen des Wahlergebnisses riefen zahlreiche Politiker zur Wahl Macrons auf, darunter auch die geschlagenen Präsidentschaftskandidaten Fillon und Hamon. Nun gehe es für Frankreich darum, den Front National zu schlagen, sein europafeindliches Programm zu stoppen und eine Spaltung der Franzosen zu verhindern.

Auch Raiffeisen Capital Management geht – wie ein Großteil der Marktteilnehmer – von einem klaren Sieger Emmanuel Macron aus. Größere Umschichtungen in den Portfolios sind derzeit nicht vorgesehen. Die Teams werden aber die Entwicklungen in Frankreich in den nächsten Wochen und Tagen genau beobachten und gegebenenfalls auf marktentscheidende Ereignisse reagieren.

Grundsätzlich bleibt Raiffeisen Capital Management aber seiner Anlagephilosophie treu, nicht auf politische Ereignisse zu setzen, sondern die fundamentalen Wirtschaftsdaten bei Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen.


Das vollständige Dokument von Raiffeisen Capital Management finden Sie links als PDF.

1) Die nachfolgenden Einschätzungen und Positionierungen stellen eine Momentaufnahme dar und können sich jederzeit und ohne Ankündigung ändern. Die vorliegende Prognose ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung der Kapitalmärkte oder der Fonds der Raiffeisen KAG.
2) Auszählungsgrad 97 %
3) Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH.

Wahlen in Frankreich: Der erste Schritt ist getan, zwei weitere müssen folgen

von Valentijn van Nieuwenhuijzen, Head of Multi-Asset, NN Investment Partners.

„Das Wahlergebnis der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich hat unsere Erwartungen bestätigt. Wahrscheinlich wird Emmanuel Macron der nächste französische Staatspräsident. Wenn Macron in der zweiten Wahlrunde überzeugt, hätte das zwei wichtige Auswirkungen für die europäische Wirtschaft. Erstens würde es deutlich das Risiko reduzieren, dass der zunehmend an Fahrt gewinnende wirtschaftliche Aufschwung Europas durch einen externen politischen Schock ausgebremst wird. Zweitens dürfte dieser Wahlausgang die Zusammenarbeit Frankreichs und Deutschlands im Herzen der Europäischen Union stärken. Das gäbe der Region mehr Stabilität, um mögliche künftige Herausforderungen im politischen, institutionellen und wirtschaftlichen Bereich besser zu verarbeiten.

Nach unserer Meinung, haben diese beiden positiven Faktoren stärkeren Einfluss auf die Märkte als die fortwährenden Unsicherheiten, der sich die französische Wirtschaft ausgesetzt sieht. Auch wenn Macron Präsident wird, ist es nicht sicher, dass die notwendigen strukturellen Reformen in Frankreich, die die Wirtschaft des Landes langfristig auf einen besseren Wachstumskurs bringen würden, auch wirklich umgesetzt werden. Hier wird viel von den Parlamentswahlen im Juni abhängen, denn sie werden zeigen, ob der Präsident ein kooperatives Parlament erwarten kann. Aber zunächst einmal hat die erste Runde der Präsidentschaftswahlen den europäischen Märkten gut getan.“

Präsidentschaftswahlen in Frankreich: Macron und Le Pen erreichen zweite Runde

von Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege.

Aus der gestrigen ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen gingen Emmanuel Macron («En Marche!», 23.9 Prozent) und Marine Le Pen («Front National», 21.4 Prozent) als Kandidaten für die Stichwahl am 7. Mai hervor. Sie lagen vor François Fillon («Les Républicains», 19.9 Prozent) und Jean-Luc Mélenchon («La France Insoumise», 19.6 Prozent). Emmanuel Macron ist der klare Favorit im Wettstreit um die Präsidentschaft – ein Ergebnis, das unserem Basisszenario (siehe Investors’ Outlook vom 3. April, «In Frankreich dürfte die Welle des Populismus verebben») und dem breiten Marktkonsens entspricht.

Es erscheint zwar nichts mehr selbstverständlich, aber die jüngsten Umfragen sehen in der zweiten Runde doch eine überwältigende Mehrheit für Emmanuel Macron. Ihm werden gegenüber Marine Le Pen Gewinnchancen von mindestens 60:40 zugeschrieben.

François Fillon und Benoît Hamon («Parti Socialiste», 6.4 Prozent) haben bereits erklärt, dass sie Emmanuel Macron unterstützen werden, sodass dem «Front National» eine geeinte «republikanische Front» gegenübersteht.

Diese Ergebnisse bedeuten für die französische Politik einen klaren Bruch mit der Vergangenheit. Die beiden traditionellen Regierungsparteien «Les Républicains» und die «Parti Socialiste» konnten sich dieses Mal nicht für die zweite Runde qualifizieren und erreichten zusammen nur dürftige 26 Prozent.

Die kommenden Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni werden voraussichtlich zu einer zersplitterten Nationalversammlung führen, und es wird für den neuen Präsidenten eine Herausforderung sein, eine Mehrheit hinter sich zu vereinen.

Im Hinblick auf Europa wäre ein Sieg Emmanuel Macrons das bestmögliche Ergebnis, da er von allen Kandidaten am stärksten «pro-europäisch» ausgerichtet war.

Im Hinblick auf die globalen Finanzmärkte ist das Ergebnis der ersten Runde positiv zu bewerten, da Macron und Le Pen in den letzten sechs bis acht Wochen in den Umfragen vorne lagen und das Ergebnis somit keine Überraschung darstellt.

Keine Änderungen in unseren Portfolios

Da diese Ergebnisse unseren Erwartungen entsprechen, haben wir unsere Portfolios nicht verändert.

Bei sonst gleichen Bedingungen erwarten wir eine gute Entwicklung von Anlagen aus der Eurozone, von «peripheren» Staatsanleihen bis hin zu Bankaktien und dem Euro.

Sichere Häfen wie deutsche Staatsanleihen, Gold oder der US-Dollar könnten jedoch unter Verkaufsdruck geraten.

Could France get its own Trudeau?

by Salman Ahmed, Chief Investment Strategist at Lombard Odier Investment Managers.

Results of the first round of the French presidential election see Emmanuel Macron and Marine Le Pen making it to the final, gaining 23.9% and 21.4% of the vote respectively. For the first time in six decades, both mainstream parties were eliminated in the first round, highlighting a sentiment of change that is sweeping across the political landscape of advanced economies. Could Macron – a centrist political newcomer – be to France what Trudeau is to Canada?

Sunday’s result is consistent with recent polls and our base case expectations. Crucially for investors, the presence of centrist candidate Macron in the second and final round significantly increases the probability of a pro-EU French president; based on the polls we assign an 80% to 85% probability to Macron winning, and the backing of François Fillon and Benoît Hamon would further strengthen his case.

As we discussed in detail in our latest Global Perspectives piece (President Le Pen: picturing the tail risk), the spectre of a Le Pen win would represent a very strong negative for French and European assets – one that we believe could well trigger a negative reaction globally given its implications for the future of EU/Eurozone. Sunday’s result should help to assuage concerns that France will get a far-right president, given that current polls suggest Macron will comfortably beat Le Pen in the second round. That said, the possibility of a Macron scandal and/or terrorist attack remain as key “known unknowns,” and polls have proven unreliable in the past.

After the second round of the presidential election, eyes are likely to turn to the parliamentary elections in June, where neither of the candidates is likely achieve a majority, thus leading to a period of “co-habitation.”

We expect Sunday’s result to be positive for the Euro, as is already being reflected in price action. However, we expect the upside to be contained to around 2% to 3% on a trade-weighted index basis as Euro pricing never strongly reflected a Le Pen victory.

However, we expect French sovereign bond spreads vs. bunds to narrow substantially relative to current levels. We also expect substantial upside to European equities as attention turns towards the healthy economic recovery currently taking place in the region (see President Le Pen: picturing the tail risk). Moreover, the significant valuation gap relative to US Equities make European stocks attractive, in our view, especially as the quality of the US economic recovery weakens and realisation grows that the US legislative system is likely to be a major hindrance to Trump’s fiscal bazooka (in terms of size, scope and timing).

Beyond Europe, we maintain our positive view on emerging market assets and we are now more strongly favouring local currency debt and equities relative to hard currency debt. We believe the synchronised trends of recovering economic growth and still-subdued inflation continue to be important support factors for emerging markets.2

To end with a note of caution: although it appears for now that Europe may have dodged a hurricane of populism, and while it may be tempting to hail a new era in French politics with the prospect of a Macron victory, investors should not forget that more than 40% of voters chose a far-left or far-right candidate in Sunday’s election. The weakness of the design of the EU when it comes to dealing with shocks, coupled with the need for reform will continue to remain important factors going forward, in our view. Any complacency among EU institutions over dealing with major issues confronting Europe will be premature as volatile Italian politics come into focus in coming months (elections are due by May 2018). We will be keeping a keen eye on all developments.

"2017 könnte das Jahr Europas werden"

Im Nachgang zur ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl 2017 kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt bei BMO Global Asset Management:

„Die erste Runde der französischen Wahlen war in einer Hinsicht unauffällig: Das Ergebnis kam den Erwartungen aus den vorangegangenen Meinungsumfragen sehr nahe. Das Ausmaß der Marktreaktion jedoch zeigt, wie nervös die Anleger waren und wie sehr sie befürchtet hatten, die Wahl würde einen weiteren Schock liefern.“

„Bislang sind die französischen Aktien (Futures) heute Morgen um über 5% gestiegen und der EuroStoxx um über 3%. Das ist ein ziemlich bemerkenswerter Sprung.“

„Also wohin nun? Die globale Wirtschaft erholt sich stetig und der Seufzer der Erleichterung ist weit über Europa hinaus zu hören. Risikoanlagen werden einen großartigen Montag genießen können.“

„Ja, Probleme mit dem europäischen Projekt bleiben bestehen. Die Fünf-Sterne-Bewegung könnte im kommenden Jahr in Italien noch immer an Kraft gewinnen, die Arbeitslosigkeit bleibt in vielen Ländern deutlich zu hoch, und doch wurde eine ernsthafte Hürde überwunden und wir erwarten, dass europäische Aktien sich auf dieser Basis stark entwickeln werden.“

„Die Renditen für deutsche Staatsanleihen werden steigen, bleiben aber dennoch außergewöhnlich niedrig, während sich die Spreads für Anleihen von Staaten an der europäischen Peripherie verengen dürften. Der Euro hat einen Sprung nach oben gemacht, jedoch wird das Ausmaß des Anstiegs durch die Positionierung eingeschränkt werden, da noch einige große Positionen gegen den Euro stehen.“

„In den kommenden Jahren hat Europa Aussichten auf Wachstumsraten oberhalb des bisherigen Trends, bei niedrigen Zinsen und geringer Inflation. Nach einigen enttäuschenden Jahren könnte 2017 das Jahr Europas werden.“

Serge Pépin, Spezialist für europäische Aktien bei BMO Global Asset Management, ergänzt:

„Zum ersten Mal in der Geschichte der modernen französischen Politik wurden die Kandidaten der beiden etablierten Parteien, der Republikaner und der Sozialisten, bereits in der ersten Runde abgewählt. Die politische Landschaft Frankreichs hat sich radikal verändert und ist zum Spiegelbild der Wut der französischen Wähler geworden.“

„Die Nachrichten über den Ausgang der ersten Wahlrunde sind positiv für die Gemeinschaftswährung. In der Nacht legte der Euro gegenüber den wichtigsten Währungen zu und erreichte gegenüber dem US-Dollar den höchsten Stand der letzten fünf Monate. Aktien dürften heute Vormittag nachziehen. Die Finanzmärkte hätten sehr unter einem Sieg von Le Pen und Mélenchon in der ersten Wahlrunde gelitten. Zwar dürfte die Anspannung der Investoren auch in den nächsten zwei Wochen nicht nachlassen, doch mögliche negative Reaktionen an den Finanzmärkten dürften angesichts der ermutigenden makroökonomischen Daten für Europa sowie der Unterstützung durch die Geldpolitik der europäischen Zentralbank kaum Bestand haben. Den letzten Umfragen zufolge dürfte Macron mit einem Abstand von über 20% als klarer Sieger aus der zweiten Wahlrunde hervorgehen.“

„Schwankungen an den Märkten eröffnen Chancen. Wir halten es wie Warren Buffet, der einst sagte: ,Volatilität ist der beste Freund des langfristigen Anlegers‘. Als Investoren und Fondsmanager investieren wir weder in die Politik noch in Volkswirtschaften. Wir investieren in Unternehmen – in hochwertige Unternehmen, deren Führungsspitze sich klar für den Erhalt des Kapitals einsetzt und die attraktiv bewertet sind.“

Über BMO Global Asset Management
BMO Global Asset Management ist ein globaler Investmentmanager, der aus seinen vier Investmentzentren in London, Toronto, Chicago und Hong Kong sowie mit 25 Niederlassungen in 14 Ländern einen herausragenden Service bietet. Das verwaltete Vermögen beläuft sich per 31. Juli 2016 auf mehr als 238 Milliarden US-Dollar.
BMO Global Asset Management verfügt über ein Netzwerk von Boutique-Managern mit Weltformat: BMO Real Estate Partners, LGM Investments, Monegy Inc., Pyrford International Ltd. und Taplin, Canida & Habacht, LLC. Das Unternehmen ist der zweitgrößte Anbieter von Exchange Traded Funds (ETFs) in Kanada, mit einer starken und stetig wachsenden Präsenz in Europa, nicht zuletzt durch die Übernahme von F&C Asset Management im Juli 2014.
BMO Global Asset Management ist Unterzeichner der von den Vereinten Nationen unterstützten Initiative Principles for Responsible Investment (UNPRI, Grundsätze für verantwortungsbewusste Investments).
BMO Global Asset Management ist Teil der BMO Financial Group (NYSE: BMO), einer breit diversifizierten Finanzdienstleistungsorganisation, die im Jahre 1817 unter dem Namen Bank of Montreal gegründet wurde. Die BMO Financial Group ist mit einer Bilanzsumme von 692 Milliarden Kanadische Dollar per 31. Januar 2017 und über 45.000 Mitarbeitern eine der größten Banken Nordamerikas. BMO Wealth Management verwaltet weltweit ein Anlagevermögen von 402 Milliarden Kanadische Dollar per 31. Januar 2017.

Erste Runde der französischen Wahlen: Die Märkte auf Erholungsrallye

Die Entscheidung, eines Großteils der Franzosen im ersten Wahlgang für den Zentrumspolitiker Emmanuel Macron zu stimmen, wird von den Märkten mit einiger Erleichterung begrüßt. In der Tat sprang der Euro heute Morgen auf ein Fünf-Monats-Hoch und Renten- und Aktienmärkte erholten sich. Jedoch wird Marine Le Pen auf dem zweiten Platz Investoren weiter in Atem halten, so dass das Ergebnis der zweiten Runde am 7. Mai mit Spannung erwartet wird. Der sozialistische Kandidat Jean-Luc Mélenchon erlebte einen späten Stimmenzuwachs, doch es reichte nur, um ihn auf den vierten Platz zu heben, nach dem konservativen Anwärter Francois Fillon, der Dritter wurde.

Wie wir im Vorfeld der niederländischen Wahl sahen, werden europäische Staatsanleihen und riskantere Anlagen in Europa in den nächsten zwei Wochen wohl voraussichtlich etwas sprunghaft sein. Auch bei Währungen kann eine gewisse Volatilität – zumindest kurzfristig – auftreten.

Grundsätzlich bleibt unser Basis-Szenario aber optimistisch: Europa genießt eine allmähliche Erholung, unterstützt durch kontinuierliches Wachstum, niedrige Zinsen, eine unterbewertete Währung und einen langsamen Anstieg beim Vertrauen der Unternehmer und der Verbraucher. Insgesamt bevorzugen wir europäische Aktien gegenüber Anleihen und in den Anleihemärkten bevorzugen wir Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen. Allerdings bergen die französischen und deutschen Wahlen das Risiko, dass die Stimmung ins Negative kippt und so die Erholung entgleisen lässt. Außerdem wird auch die vor kurzem angekündigte Wahl in Großbritannien, die am 8. Juni stattfindet, von den Märkten aufmerksam beobachtet werden, ob es Anzeichen für eine Aufweichung der Haltung des Landes zum Brexit gibt.

Vor diesem Hintergrund möchten Anleger sich womöglich näher mit Volatility-Capture-Strategien befassen: Dazu gehören etwa verschiedene Währungsstrategien und auch Index-Optionen, die eine gewisse Absicherung bieten (wenn auch mit begrenztem Aufwärtspotenzial) und genutzt werden, um Einnahmen zu generieren.

Argentinien hat die Kehrtwende geschafft

von Maarten-Jan Bakkum, Senior Strategist, Emerging Markets bei NN Investment Partners.

Aus wirtschaftlicher Sicht könnte die Lage Argentiniens kaum schlechter sein. Aber rund eineinhalb Jahre nach dem Amtsantritt von Präsident Mauricio Macri, findet allmählich ein gewaltiger Wandel statt. Macri kann als der erste nicht-populistische Präsident Argentiniens seit den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bezeichnet werden. Technokraten besetzen Schlüsselrollen in allen wichtigen Ministerien und in der Zentralbank. Nur einige Monate nach Amtseinführung hatte die neue Regierung bereits die Barrieren im Devisenhandel beseitigt, die verzerrendsten Steuern abgeschafft oder gesenkt und den langjährigen Konflikt mit ausländischen Gläubigern beigelegt.

Macri würdigt auch die Sozialkosten von Reformen, was in einem lateinamerikanischen Kontext sicher nicht selbstverständlich ist. Das erklärt die sorgfältigen Versuche, die Löcher im Haushalt zu stopfen. Statt einer Schocktherapie schlägt der Präsident einen langsameren Weg in Richtung Wandel ein. Staatliche Zuschüsse für die Menschen im Land werden reduziert, aber nur schrittweise und mit Ausgleichsleistungen für die niedrigsten Einkommensgruppen. Das hat bislang soziale Unruhen im Land verhindert.

Der Nachteil dieses vorsichtigen Ansatzes ist, dass das Haushaltsdefizit kaum geschrumpft ist. Auf Jahresbasis besteht immer noch eine Lücke von 6 Prozent, die finanziert werden muss. Da der argentinische Kapitalmarkt wenig Spielraum bietet – wichtige Reformen in diesem Bereich müssen noch vom Kongress bewilligt werden –, hängt die Finanzierung weitgehend von ausländischen Kapitalflüssen ab. Die hohen Zinsen des Landes ziehen viele ausländische Investoren an, so dass es nicht schwierig ist, Anleihen zu emittieren. Das erhöht jedoch den Zufluss von Hartwährungen in das Land, und der aktuell starke Peso hat einen negativen Einfluss auf den inländischen Konsum und Investitionen.

Das ist Macris Hauptsorge. Das Wirtschaftswachstum zieht zwar leicht an, bleibt aber schwach. Für einen schnelleren Rückgang des Haushaltsdefizits ist es zu niedrig. Da die Gelddruckmaschine nur schrittweise heruntergefahren wird, ist die Inflation außerdem nach wie vor hoch. Folglich können die Zinsen nur langsam sinken, und das Investitionswachstum legt kaum zu. Dennoch bewegt sich das Land eindeutig in die richtige Richtung. Dieses Jahr werden die öffentlichen Infrastrukturinvestitionen sowie der Konjunkturoptimismus in Argentinien unserer Ansicht nach deutlich steigen. Außerdem wird das Interesse ausländischer Investoren an einer Beteiligung im Energie-, Agrar- und Bausektor unseres Erachtens zunehmen. Darüber hinaus verheißen leicht positive Wachstumszahlen bei den Reallöhnen Gutes für einen Konsumanstieg. Insgesamt wird die Wirtschaft dieses Jahr voraussichtlich rund 3 Prozent wachsen. Es gibt auch andere Schwellenländer mit einer positiven Reformdynamik: Brasilien, Indien und Indonesien sind hier Beispiele. Argentinien hat jedoch sowohl in der Wirtschaft als auch hinsichtlich des Aktienmarkts eindeutig mehr Luft nach oben. Der Reformkurs mag vielleicht behutsam sein, aber die Kehrtwende ist vollzogen.

Kurven-Diskussion Teil 1 – Nicht nur für Rennfahrer interessant

Waren Sie schon einmal in Monte Carlo beim Grand Prix? Dann kennen Sie ja das Problem, wenn man zu spät in eine Kurve einlenkt! Schneller als man reagieren könnte streift der Rennwagen die Leitplanke – und eine Menge Geld geht drauf für die Reparaturen.

Aber was hat ein Autorennen mit den Finanzmärkten zu tun? An den Anleihemärkten gibt’s es ähnliche Kriterien für die Performance. Wenn Sie am falschen Ende der Zinskurve positioniert sind, kann das auch eine Menge Geld kosten!

Die Zinskurve mit der besten Bonität hat Deutschland

Die Zinskurve (genauer gesagt: Renditestruktur-Kurve) zeigt die Rendite bezogen auf die Restlaufzeit. Üblicherweise ist bei längerer Bindung ein höherer Zinssatz zu erzielen (längere Laufzeit = höheres Risiko = höhere Rendite). Werfen wir daher einen Blick auf die aktuelle Zinskurve für europäische Benchmark-Anleihen (deutsche Bundesanleihen).

Die Grafik zeigt die deutsche Zinskurve per 04.04.2017 für Restlaufzeiten von zwei bis zehn Jahren:

Grafik: Renditestruktur-Kurve deutsche Bundesanleihen, 2 bis 10 Jahre Restlaufzeit
Quelle: Datastream, per 04.04.2017

Eingezeichnet ist auch die Null-Prozent-Linie. Wenn wir eine Kurven-Diskussion beginnen wollen, so gilt es einige Aspekte zu beleuchten. Beginnen wir mit den objektiven Kriterien „Lage der Kurve“ und „absolute Höhe der Rendite“:

  • Steilheit der Kurve: Die Rendite für kurze Restlaufzeit (RLZ) ist deutlich tiefer als jene für längere RLZ. In diesem Fall spricht man von einer „steilen Zinskurve“ (was in der Historie den Normalzustand darstellt, man spricht daher auch von einer „normalen Zinskurve“).
  • Lage der Zinskurve: Interessanter ist dagegen die absolute Höhe der Zinskurve. Angesichts der eingezeichneten Null-Prozent-Linie kann man sehr gut erkennen, dass bis zu einer RLZ von 8 Jahren die Anleihen eine negative Rendite aufweisen. Erst bei einer RLZ ab 9 Jahren ist eine positive (wenn auch nur sehr kleine) Rendite vorhanden.

Gehen wir nun einen Schritt weiter und fragen uns, was das für potenzielle Investoren bedeutet:

  • Deutsche Staatsanleihen werfen nominell betrachtet einen negativen bzw. sehr geringen Ertrag (bei langer Laufzeit) ab. Wenn man berücksichtigt, dass beim Kauf noch Spesen anfallen und beim Halten auf einem Depot noch Depotgebühren zu bezahlen sind, so ist dieses Investment aus Ertrags-Überlegungen wenig attraktiv.
  • Berücksichtig man noch die erwartete Inflation, so ergibt sich die Sicht auf den „realen Ertrag“, was die Attraktivität dieser Anlage-Alternative weiter schmälert.

Warum die Renditen derzeit so niedrig sind, bzw. die Kurse für diese Anleihen so hoch sind

Hohe Kurse bedeutet, dass es eine hohe Nachfrage nach den entsprechenden Papieren gibt. Doch wer sind die Käufer für derartige Anleihen? Zu nennen sind hier vor allem Institutionen oder Großanleger, die in diese Anleihen veranlagen bzw. aufgrund diverser Überlegungen veranlagen müssen, wie z.B.

  • Die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen des Anleihen-Ankaufprogramms
  • Versicherungen und Pensionskassen
  • Banken für die Eigenveranlagungen
  • Investmentfonds aufgrund von Fondsbestimmungen usw.

Wir möchten nochmals anhand eines konkreten Beispiels zeigen, was ein solches Investment für die Privatanlegerin bzw. den Privatanleger bedeutet.

Die vorhin gezeigte Zinskurve stellt die Rendite echter Anleihen dar. Zur Darstellung wählen wir exemplarisch jene Anleihe mit 2 Jahren Restlaufzeit. Es handelt sich dabei um die 0,00 % Bundesrepublik Deutschland 2017-19 (ISIN: DE0001104677).

Die Fakten im Überblick:

  • Laufzeitbeginn: 02.03.2017, Emissionskurs 101,89 %
  • Laufzeitende: 14.03.2019, Tilgungskurs 100,00 %

Eine negative Rendite bedeutet: Investoren, die EUR 101.890,- bei Emission bezahlt haben bekommen 2 Jahre lang KEINE Zinsen und dann nur EUR 100.000,- zurück. Bei einem Investment in diese Anleihe geht somit auf jeden Fall Kapital verloren!

Die Bedeutung für unsere Anlegerinnen und Anleger

Eine Veranlagung bei der im Vorhinein klar ist, dass Kapital verloren geht, kann nicht als „Chancenreiche Anlage-Alternative“ bezeichnet werden. Investments in Euro Staatsanleihen mit bester und hoher Bonität sind wenig attraktiv. Dies gilt demgemäß auch für Investmentfonds, die in diese Anleihen veranlagen. Anlegerinnen und Anleger sollten sich daher nach anderen Anlagemöglichkeiten umsehen. Um nochmals den Grand Prix von Monte Carlo als Vergleich heranzuziehen: Es wäre an der Zeit in die Boxen zu fahren und andere Reifen zu montieren! 

Fazit

Wie das Beispiel der deutschen Bundesanleihen zeigt, haben Euro Staatsanleihen mit sehr guter und guter Bonität aktuell einen hohen Preis. Dies drückt sich in der Rendite aus, die teilweise sogar negativ ist. Und eine negative Rendite bedeutet: Anlegerinnen und Anleger wissen schon im Vorhinein, dass sie weniger Kapital heraus bekommen, als sie einzahlen.

Es gibt auch Anlagen, die attraktive Renditen aufweisen. Doch hierzu ist es notwendig entsprechende Risiken einzugehen – denn ohne Risiko wird in den kommenden Jahren weder nominell und noch weniger „real“ eine positive Wertentwicklung zu erzielen sein. 

Für risikoreichere Anlagen gilt: Besonders wichtig ist eine breite Streuung, wie sie beispielsweise durch Investmentfonds erreicht werden kann.


Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management. Den zweiten Teil finden Sie hier.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Europäische Aktien zwischen dem Hammer der Parlamentswahlen und dem Amboss der Wall Street

Ein Kommentar von Yves Maillot, Leiter europäische Aktieninvestments bei Natixis Asset Management.

Die in den letzten Tagen veröffentlichten Umfragen gehen weiterhin davon aus, dass die Kandidatin der Front National, Marine Le Pen, hinter der sich die europaskeptischen Kräfte versammelt haben, den zweiten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen erreichen wird, dort allerdings geringe Siegchancen gegen Emmanuel Macron oder François Fillon hätte Sollte Marine Le Pen dennoch gewinnen, dürfte an den Märkten sofort zweierlei zu beobachten sein:

  1. Der Renditeaufschlag zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen („Spread“) würde signifikant ansteigen und ebenso die Volatilität der Aktienindizes. Dabei ist zu beachten, dass sich Aktien und Anleihen zuletzt sehr unterschiedlich entwickelt haben. Aktien haben – vor allem aufgrund der Käufe internationaler Anleger – von einem Rückgang der Risikoprämie profitiert, während der Rentenmarkt schwächelt und der Renditeaufschlag der französischen gegenüber den deutschen Anleihen im Laufe der letzten Monate entsprechend von 30-40 Basispunkten auf 65-70 Basispunkte angestiegen ist.
  2. Der Euro würde gegenüber den anderen Leitwährungen deutlich abwerten und auf Dollar-Parität oder noch tiefer fallen. In diesem Szenario müssten die Anleger französische Aktien eine Zeit lang meiden, insbesondere falls sich die in den letzten Tagen begonnene Rallye im Vorfeld der Wahlen fortsetzen sollte.

Wie würde sich dieses Szenario auf die unterschiedlichen Branchen auswirken?

Besonders betroffen wären Unternehmen, die anfällig gegenüber Zinsschwankungen sind, also Banken, die Immobilienbranche, Konzessionsnehmer und allgemein Unternehmen mit hohem Verschuldungsgrad. Auch Firmen mit einer großen Abhängigkeit von der Binnenkonjunktur und von Importen könnten in Schwierigkeiten geraten.

Dahingegen dürften sich Exportunternehmen bzw. Firmen mit geringerer Abhängigkeit vom Frankreich-Geschäft, insbesondere Luxuswaren und alkoholische Getränke, die Verteidigungsindustrie, der Ölsektor und die Gesundheitsbranche zu einem sicheren Hafen für Aktienanleger entwickeln.

Wie sähe das positive Szenario aus?

Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, dass der Ausgang der Wahlen an den Märkten einen Aufschwung auslöst. Die Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni sind ebenfalls von großer Bedeutung, lassen sich aber momentan noch nicht analysieren, da sie vom Ausgang der Präsidentschaftswahl abhängen. Insbesondere ausländische Kommentatoren halten dies für wahrscheinlich, sofern Emmanuel Macron oder François Fillon die Wahl gewinnen. Von ihnen erwartet man sich substanzielle Reformen: Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Überarbeitung des Steuersystems, Reduzierung der Staatsausgaben, Reform der Beziehungen zu den Sozialpartnern, Rentenreform sowie eine unternehmens- und europafreundliche Wirtschaftspolitik. Angesichts einer demografischen Entwicklung, die in Frankreich günstiger ist als in den anderen großen OECD-Ländern, könnten Strukturreformen, die zu einer höheren Produktivität führen, die Wachstumsperspektiven für das Land deutlich verbessern. Natürlich bräuchte es dafür zunächst einen möglichst breiten nationalen Konsens und schließlich eine stabile politische Mehrheit sowie eine Regierung, die ihre Versprechen wahr macht und diese Reformen dieses Mal wirklich umsetzt. Die Aktienmärkte haben vielleicht bereits begonnen, dieses Szenario einzupreisen, so robust, wie sie sich Anfang April zeigen. Doch hier drohen Enttäuschungen. Die deutlichsten positiven Auswirkungen hätte dieses Szenario auf den Finanzsektor, insbesondere Banken, sowie auf Unternehmen mit hohem Verschuldungsgrad, die anfällig gegenüber Zinsschwankungen sind. Allgemein gesprochen dürften sich Aktien mit einem hohen Beta-Faktor – also Aktien, die stärker schwanken als der Gesamtmarkt – überdurchschnittlich gut entwickeln. Zyklische Werte von „geringerer Qualität“ wären also die Sieger. Geografisch würden Aktien der peripheren Märkte (Spanien, Portugal und vor allem Italien), deren absolute Gewinne immer noch weit unter dem letzten zyklischen Hoch von 2007/2008 liegen, am meisten profitieren.

Steuern die US-Märkte auf eine Korrektur zu?

Im Spannungsfeld zwischen der Hoffnung, dass die Wahlen positiv ausgehen und die Wahlversprechen erfüllt werden, und dem Risiko entsprechender Enttäuschungen wird die Entwicklung der europäischen Aktien in nächster Zeit wohl eher einer Achterbahnfahrt gleichen. Doch wir haben bereits darauf hingewiesen, dass trotz dieser Unsicherheiten verschiedene Gründe dafür sprechen, optimistisch zu bleiben. Die verbesserten wirtschaftlichen Bedingungen in der Eurozone, auch in Frankreich, sowie die Aussicht auf steigende Gewinne bei den börsennotierten Unternehmen (durchaus glaubwürdig, was 2017 angeht, wobei die Zahlen im Durchschnitt immer noch fast 25 % unter den Spitzenwerten des letzten Zyklus liegen) vertreiben langsam die dunklen Wolken, die nun fast zehn Jahre lang über der Wirtschaft und den Finanzmärkten Europas gelegen haben.

Eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung dafür, dass sich in den kommenden Monaten kein negatives Szenario entfaltet, ist zudem, dass der Ausblick für die US-Finanzmärkte einigermaßen stabil bleibt.

Entgegen allen Erwartungen haben die Anleger die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten als Rechtfertigung für höhere US-Aktienkurse verstanden. Bisher ist dies nicht von Fakten gedeckt, sondern beruht allein auf Vertrauen („Reflation trade“). Aktuell werden die Unternehmen im S&P500 mit dem 3,2-Fachen ihres Buchwerts und dem 18-Fachen ihrer erwarteten Gewinne für 2017 bewertet (sogar mit dem 27-Fachen, wenn man die Gewinne um zyklische Effekte bereinigt). Diese Zahlen liegen in der Nähe oder sogar über den historischen Hochs aus den Zeiten kurz vor dem Platzen einer Blase (z. B. 1987, 1999-2000). Zum Vergleich: Das Kurs-Buchwert-Verhältnis der europäischen Aktien ist etwa halb so hoch, und das prognostizierte KGV liegt bei ca. 15. Zugegebenermaßen weisen US-Firmen traditionell höhere Gewinnzuwächse auf, doch die Dynamik bei den Ertragskorrekturen hat sich gewandelt und spricht jetzt eher für Europa. Die Akteure an den amerikanischen Aktienmärkten hegen weiterhin die Hoffnung, dass sich Aktienrückkaufprogramme und insbesondere die von Trump versprochenen Steuersenkungen positiv auswirken werden. Vor diesem Hintergrund und angesichts der langen Phase einer lockeren Geldpolitik scheint die Fed nun zu rascheren Zinserhöhungen bereit, um der Sorglosigkeit der Märkte etwas entgegenzusetzen. Janet Yellen wird nur noch ein knappes Jahr an der Spitze der Notenbank stehen – möglicherweise ein Grund für sie, die Normalisierung der Geldpolitik zu beschleunigen. Es besteht also die Gefahr, dass die Finanzmärkte zu realistischeren Bewertungen zurückkehren und gleichzeitig die Notenbank eine aggressivere Politik verfolgt. Diese beiden Faktoren könnten für eine Korrektur auf den US-Märkten sorgen.

In diesem Bericht haben wir einige spezifische Aspekte beleuchtet, die die politische Landschaft in Europa 2017 prägen werden. Wenn wir diese Aspekte isolieren und zugleich die chancenreichen Felder im europäischen Kontext sowie die Risikofaktoren für die US-Märkte einbeziehen, dann spricht diese breitere Analyse für unsere Erwartung, dass Europa besser abschneiden dürfte als die USA. Selbst wenn die europäischen Märkte der Wall Street nach unten folgen sollten, dürfte die Korrektur in Europa schwächer ausfallen.

Hoffen wir, dass der alte Spruch, „Wenn die Wall Street hustet, bekommt der Rest der Welt eine Erkältung“, sich dieses Mal nicht bewahrheitet.

Über Natixis Global Asset Management
Natixis Global Asset Management betreut umsichtig agierende Investmentexperten weltweit, indem wir ihnen Möglichkeiten aufzeigen, mit noch mehr Verständnis für die Märkte zu investieren. Mit unserem Durable Portfolio Construction®-Ansatz fokussieren wir uns auf die Risikokontrolle. Dabei helfen wir unseren Kunden dabei, strategisch ausgerichtete Portfolios aufzubauen, die den aktuell unberechenbaren Marktentwicklungen trotzen. Dabei greifen wir auf eine umfassende Investmenterfahrung sowie eine gründliche Kenntnis der jeweiligen Branchen zurück und arbeiten ausserdem eng mit unseren Kunden zusammen, damit unsere Investmentgedanken stets auf objektiven Daten basieren.

Macron-Sieg beflügelt Europas Aktienmärkte, Keine Panik bei Wahlerfolg von Mélenchon oder Le Pen

Nach den jüngsten Umfragen, denen zufolge Jean-Luc Mélenchon in der Wählergunst deutlich zugelegt hat, ist die Nervosität der Märkte im Zusammenhang mit den Wahlen in Frankreich gestiegen. Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International in Deutschland, liefert seine Markteinschätzungen für zwei mögliche Szenarien:

Szenario 1: Möglicher Macron-Sieg beflügelt Europas Aktienmärkte

Wir halten es immer noch für am wahrscheinlichsten, dass Marine Le Pen von der extremen Rechten und der eher gemäßigte Emmanuel Macron in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen gegeneinander antreten werden. Bei einer solchen Konstellation dürfte Macron den Sieg davontragen – in Umfragen liegt er regelmäßig weit vor Le Pen, wenn gefragt wird, wem von beiden die Franzosen im zweiten Wahlgang ihre Stimme geben würden. Denn das System der zwei Wahlgänge stellt für die Kandidatin des Front National eine beträchtliche Hürde dar. Bei französischen Präsidentschaftswahlen liegt die Wahlbeteiligung im zweiten Wahlgang erfahrungsgemäß bei rund 80 Prozent. Das begünstigt den Kandidaten des sogenannten Medianwählers – also den Wähler, der genau in der Mitte der Gesellschaft steht. Das macht es unwahrscheinlich, dass Le Pen in letzter Minute großen Zulauf von Wählern erhält, die bei früheren Wahlen zu Hause geblieben waren. Das alles senkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Umfragen weit neben der Realität liegen und am Ende ein unerwarteter Ausgang steht, wie bei den US-Präsidentschaftswahlen und dem Brexit-Referendum.

Ein Sieg Macrons ist positiv für die Börsen. Der Euro sollte steigen und der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen schrumpfen. Bisher haben französische Anleihen die Nervosität der Marktteilnehmer am meisten zu spüren bekommen, während der französische Aktienmarkt (CAC 40) von der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage profitiert und seit Jahresbeginn sogar um rund 10 Prozent zugelegt hat.

Wir halten es dann auch für denkbar, dass die Kurse an den europäischen Aktienmärkten, ausgelöst durch eine Neubewertung vermeintlicher politischer Risiken durch die Marktteilnehmer, steigen. Insgesamt bin ich sehr zuversichtlich für europäische Aktien. Denn diese sind, gemessen an der fundamentalen Lage in Europa, den in der Breite positiven konjunkturellen Frühindikatoren sowie den gestiegenen Gewinnerwartungen der Unternehmen, derzeit unterbewertet. Im Vergleich dazu sind US-Aktien gegenwärtig um rund 20 Prozent höher bewertet.

Anleger sollten jedoch ihr Risiko diversifizieren, etwa über den Ausbau von Positionen in Anleihemärkten, die ein höheres Beta aufweisen und damit stärker mit dem Gesamtmarkt korrelieren. Beispiele dafür sind etwa „Hybrid“-Papiere – also Anleihen mit aktienähnlichen Eigenschaften – und Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern. Daneben könnte Gold höher gewichtet werden oder eine Long-Position im Yen aufgebaut werden. Die japanische Währung gilt gemeinhin als sicherer Hafen.

Szenario 2: Keine Panik bei Wahlerfolg von Mélenchon oder Le Pen

Es ist zwar nicht völlig ausgeschlossen, dass es am Ende doch zu einem Rennen zwischen dem Linksaußen Jean-Luc Mélenchon und Marine Le Pen um die französische Präsidentschaft kommt. Doch zum jetzigen Zeitpunkt ist das unwahrscheinlich. Allerdings könnte Le Pen mit dem Thema Innere Sicherheit punkten. Denn der gestrige Anschlag in Paris rückt diesen Aspekt bei den Wählern schmerzlich ins Bewusstsein. Trotz der jüngsten Zugewinne in den Umfragen liegt Mélenchon immer noch regelmäßig hinter Macron und Le Pen. Seine Aussichten, in die zweite Runde zu kommen, sind ungefähr so groß wie die von François Fillon, dem Kandidaten des Mitte-Rechts-Lagers.

Mélenchon und Le Pen müssten überdies, sollten sie an die Macht gelangen, erhebliche politische und verfassungsrechtliche Hürden überwinden, um ihre Anti-EU-Vorstellungen umzusetzen. Insbesondere die einige Wochen später folgende Parlamentswahl und die dort zu erwartenden Mehrheitsverhältnisse, die keinen der beiden extremen Kandidaten unterstützen würden, wären für sie wohl eine politische Sackgasse.

An den Börsen wird es bei einem Wahlsieg von Mélenchon oder Le Pen sicher zu beträchtlichen Schwankungen kommen. Am stärksten wird der Euro unter einem solchen Ergebnis leiden. Gut möglich, dass er auf Parität zum US-Dollar – oder noch darunter – sinkt. Die französischen Aktienindizes wären möglicherweise weniger stark betroffen, da viele französische Unternehmen weltweit operieren. Bei französischen Staatsanleihen ist von einer spürbaren Erweiterung der Renditeaufschläge auszugehen. Dies hätte wiederum Einfluss auf die europäischen Peripheriestaaten – besonders anfällig wäre in diesem Fall Italien, das bereits mit einer Bankenkrise und einem Führungsvakuum ringt. Auf die Strategie der EZB, die quantitative Lockerung nach und nach zu reduzieren und das Volumen monatlicher Anleihekäufe zurückzufahren, dabei aber am Markt aktiv zu bleiben, hätte dies einen verheerenden Effekt. Möglicherweise würde der Abschied vom Kapitalschlüssel dann noch schneller kommen.

Dennoch: Bei einem Wahlerfolg von Mélenchon oder Le Pen sollten Anleger nicht in Panik verfallen, sondern Ruhe bewahren. Die Kapitalmärkte haben in den letzten sechs bis zwölf Monaten zahlreiche politische Überraschungen erlebt – und sich trotzdem immer wieder zügig davon erholt.

Die Börsen halten den Atem an: die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich steht an – und jetzt auch noch Großbritannien

von Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Am Wochenende findet in Frankreich der erste von voraussichtlich vier wichtigen Wahlgängen in den kommenden 2 Monaten statt. Am 23. April wird über den Nachfolger Francois Hollandes als französischer Staatspräsident entschieden. Sollte im ersten Wahlgang kein Kandidat eine absolute Mehrheit erhalten, würde am 7. Mai eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen aus der ersten Runde stattfinden.

Verschiedene Umfragen und Wahlprognosen deuten darauf hin, dass der ehemalige französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron in der Stichwahl gegen die Parteichefin der rechtspopulistischen Front National, Marie Le Pen, gewinnen wird. Allerdings müssen diese Vorhersagen wegen zweier weiterer aussichtsreicher Kandidaten und aufgrund des komplexen französischen Wahlsystems mit Vorsicht betrachtet werden.

So legen die Umfragen nahe, dass Le Pen und Macron Stimmenanteile zwischen 20% und 25% erreichen könnten. Dicht darauf folgen jedoch der Euro- und EU-kritische Jean-Luc Mélenchon sowie Francois Fillon von der Partei „Les Républicains“ mit jeweils knapp 20% der Stimmen. Besonders schwer prognostizierbar ist zudem das Verhalten der Wähler in der zweiten Runde, denn sowohl Le Pen als auch Macron sind für viele Anhänger anderer Kandidaten nicht wählbar. Das zeigt sich daran, dass der Anteil der für die zweite Runde noch unentschlossenen Wähler mit 30% bis 40% sehr hoch ist. Einerseits stehen viele Franzosen den politischen und wirtschaftlichen Eliten, denen Macron zuzuordnen ist, kritisch gegenüber. Andererseits möchte die deutliche Mehrheit der Franzosen den Euro behalten.

Unabhängig vom Wahlausgang könnte sich für Franzosen zukünftig einiges ändern. Anders als in den Niederlanden stellt sich kein amtierender Ministerpräsident zur Wiederwahl. Zudem spielen die etablierten Parteien in Frankreich nur noch eine untergeordnete Rolle. Le Pen und Mélenchon stehen für einen Euro-Austritt. Dagegen wollen Macron und Fillon weitergehende Strukturreformen, z.B. eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, angehen, um die französische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Alle Präsidentschaftskandidaten wären jedoch machtlos, wenn sie bei den im Juni stattfindenden Parlamentswahlen nicht auch Mehrheiten erringen könnten. In diesem Fall wären kaum politische Richtungswechsel zu erwarten.

Die Situation ist offensichtlich sehr komplex. So bleibt nur, die Situation Schritt für Schritt und in Szenarien zu analysieren. Unser Basisszenario ist, dass Macron tatsächlich in der Stichwahl gegen Le Pen gewinnt. In diesem Fall dürften die Aktienmärkte zunächst beruhigt sein und könnten sich vorübergehend auf die guten fundamentalen Daten konzentrieren. Sollte jedoch Le Pen gewinnen und / oder neben ihr Mélenchon in die zweite Runde einziehen, wären zumindest zeitweilige Turbulenzen an den Börsen wahrscheinlich. Die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen würden sich ausweiten, der Euro abwerten und die Aktien ihren seit Herbst letzten Jahres bestehenden Höhenflug vorerst beenden.

Der weitere Verlauf hinge dann von den Reaktionen der anderen Euro-Staaten sowie insbesondere der EZB ab. Es ist davon auszugehen, dass die Notenbank im Falle größerer Turbulenzen beruhigend eingreifen würde, und sei es auch nur verbal, wie es Mario Draghi in den letzten Jahren einige Male bereits getan hat.

Ach ja, und dann kam in dieser Woche auch noch die überraschende Ankündigung von Neuwahlen in Großbritannien. Die amtierende Ministerpräsidentin Theresa May scheint die Gunst der Stunde nutzen zu wollen, um sich mit einer stärkeren innenpolitischen Machtbasis für die anstehenden Brexit-Verhandlungen ausstatten zu lassen. Dieser Urnengang findet am 8. Juni, also noch vor der französischen Parlamentswahl statt – als wäre der europäische Wahlkalender nicht schon voll genug. Die direkten Auswirkungen auf die Kapitalmärkte dürften überschaubar bleiben. Trotzdem ist dieser Schritt bemerkenswert, denn es ist vor der Wahl kaum mit konkreten Brexit-Verhandlungen zu rechnen. Die ohnehin knapp bemessene Verhandlungszeit wird also noch weniger.

Wahlstress sorgt für Schwankungen an den Rentenmärkten

Degroof Petercam-Untersuchung zeigt: Renditeabstände zwischen deutschen und französischen Staatsanleihen schwanken im Vorfeld der französischen Präsidentschaftswahlen stark. Umfragehochs von Marine Le Pen im Wahlkampf sorgen für Verunsicherung bei Rentenanlegern und treiben die Spreads immer wieder auf Höchstwerte. Aktives Fondsmanagement kann sich schwankende Zinsabstände zunutze machen.

Marine Le Pen lässt die Spreads springen

Der Wahlkampf um das Präsidentenamt in Frankreich zeigt eines ganz deutlich: Immer dann, wenn die rechtsnationale Kandidatin Marine Le Pen in Umfragen stark zulegen kann, gehen die Kurse von französischen Staatsanleihen in die Knie. Umgekehrt steigt die Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen. Eine Untersuchung von Degroof Petercam Asset Management zeigt, dass sich in den vergangenen zwei Jahren die Spreads, also der Renditeabstand zwischen französischen Staatsanleihen und Bundesanleihen, stark ausdehnten, wenn die Umfragewerte von Marine Le Pen in die Höhe schossen. In der Regel waren es jeweils zirka 10 Basispunkte. Im Januar 2017, als die Vorsitzende des Front National ihr konkretes Wahlprogramm vorlegte, betrug der Renditeabstand kurzzeitig sogar über 40 Basispunkte.

„Anleiheinvestoren reagieren in der Regel sehr sensibel auf politischen Stress. Die hohe Verunsicherung für die Kapitalmärkte, die von einem Wahlsieg Marine Le Pens ausgehen würde, spiegeln die starken Schwankungen des Renditeabstands zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen wider“, sagt Peter de Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam Asset Management - und ergänzt: „Auch die derzeit hohen geopolitischen Unsicherheiten sowie Diskussionen um eine Reduzierung des expansiven geldpolitischen Programms der Europäischen Zentralbank befeuern die Nervosität von Anleiheinvestoren“.

Schwankungen an den Anleihemärkten sind dem Rentenchef des belgischen Vermögensverwalters zufolge aber nicht unbedingt negativ zu werten, da sie für aktive Fondsmanager, und damit auch für Fondsanleger, durchaus gute Gelegenheiten bieten können.

Mit Optionsstrategien das Zinsrisiko hedgen

Die Risiken, die von schwankenden Anleihenotierungen und dementsprechend schwankenden Anleiherenditen ausgehen, lassen sich im Rahmen eines aktiven Fondsmanagements gezielt nutzen, wie zum Beispiel über Short-Options-Strategien auf liquide Zinsfutures. So lassen sich einerseits Zinsänderungsrisiken abfedern und andererseits zusätzliche Einnahmequellen aus Stillhalterprämien generieren. Ähnliches gilt für das Kreditrisiko, welches mit Anleiheinvestments verbunden ist und sich schnell steigern kann, sobald angenommene Basisszenarien fehlerhaft erscheinen. „Es kommt darauf an, derivative Absicherungsstrategien über einen Zeithorizont zwischen 6 und 12 Monaten stets gut zu planen und dabei alle möglichen Eventualitäten im Auge zu behalten“, betont Peter de Coensel.

Dazu zählt natürlich auch ein eventueller Sieg von Marine Le Pen bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Unmittelbar vor dem ersten Wahlgang am 23. April liegt Le Pen nach wie vor in etwa gleich auf zum rechtsliberalen und parteiunabhängigen Emmanuel Macron, dem unter den verbleibenden 10 Bewerbern um das Präsidentenamt die größten Chancen eingeräumt werden. Alles deutet darauf hin, dass es zwischen Le Pen und Macron am 7. Mai zu einer Stichwahl kommen wird. Da der Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich also bis zur letzten Sekunde hoch spannend bleibt, sollte sich diese Spannung auch am Rentenmarkt widerspiegeln.

Über Degroof Petercam
Degroof Petercam Asset Management (DPAM), mit Hauptsitz in Brüssel, ist eine in den Benelux-Ländern führende unabhängige Asset Management-Gesellschaft mit langjähriger Marktreputation in Long Only- Anlagekonzepten sowie spezialisierten Asset Management-Lösungen. Neben aktiv gemanagten Publikumsfonds verwaltet DPAM Vermögensverwaltungsmandate für institutionelle Investoren in ganz Europa und stellt seine Expertise über ein breites Netzwerk von über 400 Vertriebspartnern zur Verfügung. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot von DPAM richtet sich vornehmlich an öffentliche und betriebliche Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, private Banken sowie gemeinnützige Organisationen. Aktuell verwaltet DPAM ein Vermögen von über 37 Milliarden Euro.

Alleiniger Anteilseigner ist die unabhängige und renommierte Degroof Petercam Gruppe, die mit Büros in Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden, Deutschland, Italien und Hongkong insgesamt 1.400 Mitarbeiter in den Bereichen Asset Management, Private Banking, Investment Banking (Corporate Finance und Wertpapierhandel) und Asset-Servicing beschäftigt. Ca. 70 Prozent der Aktien der in Privatbesitz gehaltenen Gesellschaft befinden sich in den Händen von Familien und Referenz-Aktionären (Philippson, Peterbroeck, Van Campenhout, Haegelsteen, Schockert, Siaens sowie CLdN Finance und Cobepa). Der Rest des Grundkapitals wird von der Unternehmensführung und Mitarbeitern, Finanzpartnern und sonstigen Aktionären gehalten.

Frankreich muss seine politische Dividende erhalten

von Willem Verhagen, Senior Economist, Macro & Strategy bei NN Investment Partners.

Alle Augen richten sich auf die Wahlen in Frankreich – aus gutem Grund. Immerhin war die Achse Frankreich-Deutschland die treibende Kraft für die europäische Integration. Infolgedessen profitierte Frankreich enorm von einer „politischen Dividende“, die zur Folge hatte, dass die Risikoprämien französischer Staatsanleihen in den letzten Jahren weniger stark stiegen als bei italienischen, spanischen und portugiesischen Staatspapieren. Darüber hinaus war 2011 und 2012 kaum ein Abzug von Einlagen aus dem französischen Bankensystem festzustellen, während dies in den anderen Peripherieländern ein echtes Problem war. Die politische Dividende Frankreichs war hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die Märkte ein wesentlich geringeres Risiko sahen, dass sich Frankreich von der EU abwenden würde. Bis zu einem gewissen Grad erwies sich dies als selbsterfüllende Prophezeiung (weniger Druck auf Staatsanleihen und Bankbilanzen), aber bis zu einem gewissen Punkt wurde auch angenommen, dass Deutschland größere Anstrengungen unternehmen würde, Frankreich bei der Stange zu halten, als für die anderen Peripherieländer. Dies ist wahrscheinlich immer noch der Fall, aber wenn die Franzosen selbst entscheiden, dass sie austreten möchten, kann Deutschland natürlich nichts machen. Deshalb schlägt sich das Risiko einer Präsidentschaft von Marine Le Pen (oder Jean-Luc Mélenchon) in der Wahrscheinlichkeit nieder, dass diese politische Dividende verschwindet. Das ist im Wesentlichen der entscheidende Faktor für die französische Risikoprämie.

Es muss betont werden, dass Frankreich nicht nur wegen der oben erwähnten politischen Dividende kein typisches Peripherieland ist. Die französische Staatsverschuldung liegt knapp unter 100 Prozent, und das französische Bankensystem befindet sich in einer ziemlich guten Verfassung. Die langfristigen Aussichten für das französische Wachstum sind ebenfalls recht gut, sofern der nächste Präsident Reformen durchsetzt. Tatsächlich ist die französische Arbeitsproduktivität durchaus vergleichbar mit der deutschen. Frankreich hat jedoch eine höhere strukturelle Arbeitslosenquote als Deutschland, was eine Erklärung für dieses Ergebnis sein könnte. Während wenig produktive Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigt sind, ist in Frankreich eine signifikante Zahl derer strukturell arbeitslos. Im Gegensatz dazu ist die totale Faktorproduktivität (die Effizienz, mit welcher der gesamte Input in Output verwandelt wird) in Frankreich schwächer. Damit scheint reichlich Spielraum für eine anhaltend gute Produktivitätsentwicklung und einen Rückgang der strukturellen Arbeitslosigkeit vorhanden zu sein. Letzteres lässt sich durch Arbeitsmarktreformen erreichen, die für sich genommen das Wachstum der Arbeitsproduktivität hemmen. Durch eine Produktmarktreform ließe sich jedoch gleichzeitig das Wachstum der totalen Faktorproduktivität stärken. In dieser Hinsicht gibt es in Frankreich eine Menge an leicht realisierbarem Potenzial, und wenn der nächste Präsident und die nächste Regierung den Mut haben, dies zu nutzen, könnte Frankreich eine potenzielle Wachstumsrate von knapp 2 % erreichen. Damit wäre die Staatsverschuldung ziemlich nachhaltig.

Das Fazit lautet, dass das Weiterbestehen der politischen Dividende bei den Risikoprämien französischer Staatsanleihen – wie vermutet – von den politischen Entwicklungen abhängt. Auf kurze Sicht lautet die Frage, ob Marine Le Pen Präsidentin werden kann. Auf längere Sicht wird die politische Dividende jedoch entscheidend von einer Wirtschaftsreform-Dividende abhängen. Aus dem Programm von Emmanuel Macron geht hervor, dass er das skandinavische Modell nach Frankreich importieren möchte. Im Wesentlichen besteht dieses Modell aus einer Kombination von Strukturreformen, die die Wirtschaft flexibler machen, sowie der Bereitstellung von staatlicher Unterstützung bzw. Anreizen zur Steigerung der Investitionen und des Humankapitals. Letzteres impliziert, dass Macron eine bedeutendere Rolle des Staats im Sinne hat als François Fillon. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, solange die staatlichen Interventionen die Märkte ergänzen. Ein Teil des Aufwands würde in die Erhaltung eines größeren sozialen Sicherheitsnetzes fließen, was sicherlich das Potenzial wirtschaftlicher Rückschläge und negativer politischer Gegenreaktionen auf die Reformen verringern würde. Dies wäre vor allem dann der Fall, wenn sich die Maßnahmen für die soziale Sicherheit auf Programme richten würden, die Erwerbslose aktiv zu neuen Arbeitsplätzen hinführen. Macron würde vermutlich eine weniger rigorose Auslegung des Fiskalpakts begrüßen, z.B. durch die Ausklammerung von Investitionen des öffentlichen Sektors aus den Defizitberechnungen.

Im Gegensatz zu Macron und Fillon würde die politische Dividende unter Le Pen drastisch sinken und sich aufgrund einer negativen wirtschaftlichen Dividende im Laufe der Zeit weiter verschlechtern. Die Hauptthemen ihres Programms haben große Ähnlichkeit mit denen von Donald Trump, das heißt, eine drastische Reduzierung der Einwanderung und eine größere Souveränität Frankreichs. Le Pen will ein Referendum, lässt aber offen, ob dies ein Referendum zur EU-Mitgliedschaft oder zum Euro wäre. Sie möchte den Franc parallel zum Euro einführen. Das Ziel besteht darin, der „unfairen Konkurrenz“ zu begegnen, was nichts anderes heißt, als dass sie eine abgewertete Währung anstrebt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Wenn dieser Plan umgesetzt würde, dürfte er negative Folgen haben. Denn zur gleichen Zeit möchte sie die Unabhängigkeit der Banque de France aufheben und die Zentralbank anweisen, den Staat direkt zu finanzieren. Das Ergebnis wäre ein Anstieg der französischen Inflation (bzw. der Inflationserwartungen), welcher jegliche, zunächst erreichte, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zunichtemachen würde. Mehr noch: All dies würde die Schuldenlast Frankreichs unnachhaltig machen, denn das Finanzministerium würde Steuereinnahmen im neuen abgewerteten Franc erhalten, während die Schulden weiter auf Euro lauten würden. Alternativ wäre es möglich, dass sie Zahlungsverpflichtungen für die Schulden nicht erfüllt. In diesem Fall kämen auf Frankreich sehr hohe Kreditkosten für den Anstieg des Haushaltsdefizits zu, der durch die unvermeidliche Rezession und ihr Programm der fiskalischen Expansion verursacht würde. Dieses wirtschaftliche Chaos würde natürlich durch den Abzug von Einlagen und eine Kapitalflucht aus Frankreich verstärkt, die das Bankensystem lahmlegen würden.

Ich erwarte, dass Le Pen auf viele, wahrscheinlich unüberwindliche Hürden stoßen würde, bevor sie ein Referendum ansetzen könnte. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Präsidentschaft von Le Pen für die französische Wirtschaft und französische Vermögenswerte günstig wäre. Im Inland würde die Reformdynamik aufgrund der „Kohabitation“ (ein Präsident mit einer Parlamentsmehrheit opponierender Parteien) völlig ins Stocken geraten. Dadurch würde die wirtschaftliche Dividende Frankreichs schnell dahinschmelzen. Darüber hinaus hat der französische Präsident große außenpolitische Macht, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass Le Pen gut mit der nächsten Bundeskanzlerin oder dem nächsten Bundeskanzler Deutschlands zusammenarbeiten würde. Infolgedessen würde die politische Dividende, die französische Vermögenswerte und französische Banken bisher unterstützte, ebenfalls drastisch schrumpfen. Nicht zuletzt würden der Region dringend benötigte weitere Fortschritte bei der Fiskal- und Bankenunion vorenthalten werden, was letztlich negativ für ihre Stabilität wäre.

Verkauft Bonds, kauft keine Aktien

in seiner neuesten Ausgabe des „Investment Outlook“ analysiert Dieter Wermuth, Head of Macroeconomic Research bei Wermuth Asset Management, die derzeitigen Aussichten für Aktien, Bonds und den Euro-Wechselkurs:

Im Januar riet Wermuth zum Verkauf von Bonds und Kauf von Aktien. Letztere sind seit Anfang des Jahres an den wichtigsten Märkten um 5 bis 10 Prozent gestiegen und sind inzwischen sehr teuer. Deshalb lautet Wermuths aktuelle Empfehlung "verkauft Bonds, kauft keine Aktien". Gemessen an den Kurs-Gewinnverhältnissen müssten die Unternehmensgewinne erneut stark steigen, um die aktuellen Bewertungen zu rechtfertigen. Das ist in dieser Spätphase des Aufschwungs nicht realistisch. Außerdem wird die EZB nach dem Sommer allmählich einen Kurswechsel einleiten, also über höhere Leitzinsen zu diskutieren beginnen und so mit einer langen Verzögerung der amerikanischen Notenbank folgen. Steigende Leitzinsen sind Gift für die Aktienmärkte.

Europäische Bonds dürften nach den jüngsten Zahlen für die Verbraucherpreise erst einmal auf der Stelle treten. Noch hat sich der beträchtliche Anstieg der Inflation auf den vorgelagerten Stufen nicht voll auf die Konsumentenpreise ausgewirkt. Da die Kapazitätsauslastung aber weiter zunimmt und die Einfuhrpreise infolge des schwachen Euro kräftig steigen, ist das nur eine Frage der Zeit. Ein Ausverkauf an den Anleihemärkten wird kaum zu vermeiden sein. Bisher liegen die Renditen weit unter dem Niveau, das angesichts des erfreulichen Wirtschaftswachstums und der Inflationsaussichten zu erwarten ist.

Euro und Dollar haben ein symbiotisches Verhältnis. Real und handelsgewogen bewegen sich die Wechselkurse seit Jahrzehnten seitwärts – wenn sie stark vom Mittelwert abweichen, also stark aufgewertet oder abgewertet haben, stellt sich früher oder später eine Korrektur ein. Damit rechnet Wermuth erneut: Der Euro wird nach seiner jahrelangen Schwäche wieder aufwerten, der Dollar abwerten.

Die ausführliche Analyse in englischer Sprache finden Sie links als PDF.

Über Wermuth Asset Management (WAM)
Wermuth Asset Management (WAM) wurde im Jahr 1999 von Jochen Wermuth gegründet. Das Family Office fungiert ebenfalls als BAFIN regulierter Anlageberater und hat sich auf Impact Investments in ressourceneffiziente Unternehmen spezialisiert. Dabei befolgt WAM die UN-Prinzipien für nachhaltige Investments (PRI). Über Private Equity, Listed Assets und Real Assets investiert das Unternehmen Eigenkapital sowie Drittkapital über von WAM beratene Fonds. Jochen Wermuth ist Mitglied im Steering Komitee der Investorenvereinigungen „100% Impact Network“ und „Europeans for DivestInvest“.

In Frankreich dürfte die Welle des Populismus verebben

Während die Entscheidung der britischen Wähler für ein Ausscheiden des Landes aus der Europäischen Union und die Wahl Donald Trumps zum 45. US-Präsidenten im vergangenen Jahr viele Anleger unvorbereitet getroffen haben, dürfte die Wahl in Frankreich für weniger Überraschung sorgen. Zwar ist es durchaus möglich, dass die Politikerin Marine Le Pen den ersten Wahldurchgang am 23. April übersteht. Doch wird sie im Mai wohl einem moderateren Kandidaten unterliegen. Die Welle des Populismus, die wir zuletzt in Großbritannien und den USA gesehen haben, dürfte in Frankreich verebben. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass sich Anlagen, die von den Marktteilnehmern aus Angst vor einer weiteren politischen Überraschung bisher gemieden wurden, erholen sollten. Dazu gehören vor allem auf Euro basierende Vermögenswerte, während sogenannte sichere Häfen wie deutsche Staatsanleihen oder der US-Dollar unter Verkaufsdruck kommen könnten.

In dem links beigefügten Dokument wirft Christophe Bernard, Vontobel-Chefstratege, einen Blick auf die Gründe des zurückgehenden Populismus sowie die geänderten Bedingungen für Anleger in Bezug auf Aktien, Anleihen und Währungen.

Zwingt Trump die Fed zu einer gemäßigteren Zinspolitik?

"Donald Trump hat die Möglichkeit, den Gouverneursrat der Fed komplett umzukrempeln. Eine Entscheidung zugunsten einer entgegenkommenden Zentralbank könnte seinen politischen Zielen am zuträglichsten sein", Steve Donzé, Senior Makro-Stratege bei Pictet Asset Management.

Die Anleger gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass die Federal Reserve eine restriktivere Geldpolitik verfolgen wird, sobald die US-Wirtschaft an Fahrt gewinnt – vor allem, wenn die von Präsident Trump vorgeschlagenen Maßnahmen einen Boom auslösen.

Dabei bedenken sie nicht, dass Trump die Macht besitzt, für den Fed-Gouverneursrat Kandidaten auszuwählen, die im Sinne seiner Ziele handeln. Eine Fed mit von Trump ausgewählten Zentralbankern könnte einen sehr viel entspannteren Ansatz in Bezug auf Inflation verfolgen, als dies seit den 1970er Jahren der Fall ist.

Nach dem Rücktritt von Daniel Tarullo am 5. April kann Trump drei der sieben Positionen im Gouverneursrat neu besetzen. Und da sowohl die Amtszeit der Fed-Präsidentin als auch des Vizepräsidenten nächstes Jahr enden, könnte diese Zahl bis Mitte 2018 auf fünf steigen. Donald Trump war noch nie ein Fan der aktuellen Fed-Chefin Janet Yellen, und sie und ihr Verbündeter Vize Stanley Fischer dürften die Zentralbank verlassen, falls sie ihre leitenden Positionen verlieren.

„Eine Fed mit von Trump ausgewählten Zentralbankern könnte einen sehr viel entspannteren Ansatz in Bezug auf Inflation verfolgen ...“

Das ist von Bedeutung. Der Offenmarktausschuss (FOMC), der die Geldpolitik festlegt, setzt sich aus den sieben Gouverneuren des Fed-Gouverneursrats, dem Präsidenten der New-York-Fed sowie vier der 11 anderen regionalen Notenbankpräsidenten, die über rotierende Stimmrechte verfügen, zusammen. Das Trump-Lager würde damit streng genommen eine Minderheit im FOMC darstellen, aber die federführende Rolle des Fed-Präsidenten/der Fed-Präsidentin bei der Geldpolitik darf auf keinen Fall unterschätzt werden. Es ist schon ungewöhnlich, wenn ein Fed-Mitglied anderer Meinung ist als die Präsidentin – man kann sich also vorstellen, wie schockierend es wäre, wenn sie überstimmt würde.

Was für eine Fed schwebt Trump also vor? Er hat bereits seine Ablehnung gegenüber den unorthodoxen geldpolitischen Maßnahmen der Fed geäußert, mit denen die Zinsen in den letzten zehn Jahren weitgehend nahe null gehalten wurden. Und er wurde oft mit restriktiv eingestellten Geldpolitikern wie dem Ökonomen John Taylor in Verbindung gebracht, einem entschiedenen Gegner der quantitativen Lockerungsmaßnahmen.  Man darf jedoch nicht vergessen, dass Trumps höchste politische Priorität ein starkes Wirtschaftswachstum ist. Dies will er erreichen, indem er den inländischen Firmen den Wettbewerb mit ausländischen Konkurrenten erleichtert, US-Steuern senkt, Exporteure unterstützt und staatliche Infrastrukturausgaben erhöht. Geldpolitischen Gegenwind wird er da nicht gebrauchen können. Zudem wäre ihm ein schwächerer Dollar – eine wahrscheinliche Konsequenz einer weniger restriktiven Geldpolitik – dabei behilflich, die Inlandsnachfrage von Importen auf lokale Produzenten zu verschieben, und dies ohne seine umstrittene Grenzsteuer, mit der Importe besteuert werden sollen.

Auch für das ökonomische Establishment wäre eine steigende Inflation nicht wirklich unakzeptabel. Wirtschaftswissenschaftler der Fed und Mitglieder der Denkfabrik Brookings Institution argumentierten jüngst, dass geldpolitische Entscheidungsträger die Inflation ruhig über ihr 2%-Ziel steigen lassen könnten.1  

Insbesondere der Präsident der Minneapolis-Fed, Neel Kashkari, sprach sich gegen die Zinsanhebung im März aus. Die Straffung der Geldpolitik bei einer Kerninflation, die weiter unter dem Zielwert liegt, deute darauf hin, dass „die 2% eher als Obergrenze denn als Ziel behandelt werden ... Ich bin dagegen, dass wir erklären ein Ziel zu haben, uns dann aber so verhalten, als wäre es eine Obergrenze“.2

Anstatt das Inflationsziel anzuheben, könnte die Fed auch einfach argumentieren, dass sie weiter 2% anstrebt, jedoch über den ganzen Konjunkturzyklus. Die Inflation könnte dann mal einige Jahre unter dem Ziel bleiben und dafür eine bestimmte Zeit darüber liegen. Alternativ könnte die Fed auch einen neuen Ansatz mit flexiblem Inflationsziel („flexible inflation targeting“) verfolgen, der den Vorteil hätte, den Bereich der akzeptablen Inflationsraten auszuweiten, ohne dabei die Verpflichtung der Bank zur langfristigen Erreichung des Ziels aufzugeben.

Es würde zweifellos Empörung auslösen, wenn der Eindruck einer Politisierung der Fed entstünde, weil diese tut, was der Präsident wünscht. Die Notwendigkeit der Unabhängigkeit der Zentralbank ist eine der grundlegenden makroökonomischen Lehrmeinungen, auch wenn Zentralbanker zugeben, dass es dafür keine Garantie gibt.

Beim Monetary Policy Forum in New York Anfang März sagte Stanley Fischer, dass die Fed unabhängig bleiben werde, „bis wir eine wirklich schlechte wirtschaftliche Entscheidung treffen.“

Aber unsere Analyse deutet darauf hin, dass die Unabhängigkeit der Fed bereits schwindet.

In den letzten 50 Jahren hat die Zeit, die benötigt wurde, um freie Stellen für Fed-Gouverneure zu besetzen, beständig zugenommen. In den 1970er Jahren betrug die durchschnittliche Anzahl der Tage mit unbesetzten Posten 88. Nach dem Jahr 2000 war sie auf 463 gestiegen. Und ab 2010 lag sie noch höher. Länger nicht besetzte Posten lassen auf stärkeres politisches Ringen um ihre Besetzung schließen.

Zu besetzende Fed-Posten Durchschnittliche Länge unbesetzter Posten im Gouverneursrat der US Federal Reserve nach Jahrzehnt Tage
Quelle: Pictet Asset Management, Federal Reserve. Daten per 22.3.2017

Auch die Dauer von Amtszeiten bei der Fed ist zurückgegangen, was auf eine Erosion der Unabhängigkeit hindeutet. In den 1960er Jahren traten die Gouverneure durchschnittlich 3275 Tage an. Diejenigen, die nach dem Jahr 2000 begannen, blieben durchschnittlich weniger als 1900 Tage und ab 2010 noch kürzer (unter der Annahme, dass Yellen und Fischer nach Ende der jetzigen Amtszeit zurücktreten, und ohne die derzeitigen zwei Mitglieder Lael Brainard und Jerome Powell).3

Die schwierige politische Situation der Fed wurde Anfang April mit dem Rücktritt des Präsidenten der regionalen Notenbank von Richmond Jeffrey Lacker – er hatte im Jahr 2012 vertrauliche Informationen zu bevorstehenden geldpolitischen Maßnahmen der Fed an einen Markt-Beratungsdienst weitergegeben – noch komplizierter. 

Zu bedenken ist auch, dass die Fed nicht immun gegen Modeerscheinungen in der Geldpolitik ist. Was in den 1970er Jahren noch akzeptabel war, war in den 1990er Jahren bereits unvorstellbar. So waren die Zentralbanken früher nervös, wenn ihre Bilanzen zu schnell stiegen. Nach der weltweiten Finanzkrise sind massive Ankäufe von Vermögenswerten zu einem ganz normalen geldpolitischen Instrument geworden.

Inflation könnte wieder in Mode kommen, insbesondere wenn sie politische Unterstützung erhält. In diesem Fall wäre es an der Zeit, nominale Anleihepositionen zu reduzieren und sich mit Gold, inflationsgebundenen Anleihen und Sachwerten gegen steigende Preise abzusichern.

[1] https://www.wsj.com/articles/fed-could-allow-higher-inflation-as-interest-rates-remain-low-papers-suggest-1490241662?mod=e2tw
[2] https://www.minneapolisfed.org/news-and-events/messages/why-i-dissented
[3] Federal Reserve, Daten analysiert von Pictet Asset Management, per 22.3.2017

Über den Autor
Steve Donzé kam 2007 zu Pictet Asset Management. Er ist Senior Makro-Stratege im Team International Multi Asset und assoziiertes Mitglied des Strategie-Teams von Pictet Asset Management. Er ist Spezialist für weltweite taktische Asset-Allokation. 

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Pictet Asset Management’s monatliches Investment-Barometer:
https://www.am.pictet/de/germany/global-articles/2017/market-views/barometer/apr2017

Inflationsrisiko in den USA:
https://www.am.pictet/de/germany/global-articles/2017/market-views/in-brief/us-inflation-risks

Frage- und Antwortrunde mit Raymond Sagayam, Chief Investment Officer Fixed Income bei Pictet Asset Management, zu den weiterhin optimistischen Aussichten festverzinslicher Anlagen:
https://www.am.pictet/de/germany/global-articles/2017/insights/fixed-income/fi-monthly/interview-with-raymond-sagayam-mar17 

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der grössten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit.  Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Europäische Aktien werden vor den Wahlen in Frankreich geshortet

Gold-ETPs verzeichneten zum zweiten Mal in Folge Zuflüsse, da sich Gold 1.300 USD/oz. nähert. Bei Rohöl-ETPs kam es bei Preisen wie Ende Februar erneut zu Abflüssen. Die Anleger reduzieren vor den Wahlen ihre Engagements in europäischen Aktien, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Das vollständige Dokument mit Charts finden Sie links als PDF.

Gold-ETPs (A0LP78) verzeichneten in der zweiten Woche in Folge Zuflüsse, da sich die Preise der Marke von 1.300 USD/oz. nähern. Nach dem Angriff auf Syrien mit 59 Tomahawk-Raketen warteten die Märkte mit angehaltenem Atem auf die offiziellen Reaktionen aus Russland und den USA. Auch die zunehmenden Spannungen zwischen dem Westen und Nordkorea schürten die geopolitischen Ängste im Markt. Folglich setzte Gold in der letzten Woche seinen Preisanstieg fort, sodass es am Freitag 1.285 USD/oz. erreichte. Auch die Zuflüsse in Gold-ETPs (A0N62G), die 81 Mio. US-Dollar betrugen, steigen weiter. Seit sie vor 20 Monaten ihr Tief erreichten, schwollen die Zuflüsse in Gold-ETPs (A0LP78) auf 4,2 Mrd. US-Dollar an. Gleichwohl liegen sie immer noch 2 Mrd. US-Dollar unter dem Höchststand vom November 2012. „Die geopolitischen Spannungen könnten jedoch nachlassen, wenn die G7 ihre Haltung zur Krise überdenken. Sie könnten anders als 2014 Sanktionen gegen Russland ablehnen und stattdessen Gespräche mit Präsident Putin aufnehmen, um ihn zum Beitritt zur Allianz gegen Assad zu bewegen“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions at ETF Securities.

Bei Rohöl-ETPs kam es im Zuge des Preisanstiegs auf das Niveau von Ende Februar erneut zu Abflüssen. Die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und Russland ließen die Ölpreise steigen, sodass Brent (A1N49P) und WTI (A0KRJX) am vergangenen Dienstag Sechswochenhochs erreichten. Laut dem jüngsten Ölmarkt­bericht der Internationalen Energieagentur ging das globale Rohölangebot im März um 755.000 Barrel pro Tag zurück, was der Vereinbarung zwischen den OPEC- und Nicht-OPEC-Ländern zugeschrieben wird. Auch die US-Öllagerbestände sanken nach Angaben der Energieinformationsbehörde, und zwar mit 2,1 Mio. Barrel pro Tag im größten wöchentlichen Umfang in diesem Jahr. Entsprechend nahmen die Anleger, wie sich aus den Abflüssen von 8,6 Mio. US-Dollar und 24,4 Mio. US-Dollar bei Brent- (A1N49P) bzw. WTI-ETPs (A0KRJX) ablesen lässt, Gewinne mit. „Wir sind unverändert der Überzeugung, dass eine Preiskorrektur in den nächsten Wochen mehr als wahrscheinlich ist. Die US-Rohölförderung nimmt weiter zu, und die OPEC/Non-OPEC-Vereinbarung dürfte mit den derzeitigen Teilnehmern wohl kaum um weitere sechs Monate verlängert werden“, so Hein.

Die Anleger positionieren sich vor den in Europa stattfindenden Wahlen. Bei Short-DAX-ETPs kam es in der vergangenen Woche zu Zuflüssen von 4 Mio. US-Dollar und bei Long-DAX-ETPs zu Abflüssen von 6 Mio. US-Dollar. Während die Bundestagswahlen erst in einigen Monaten stattfinden, steht uns die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen bereits am 23. April ins Haus. Die Angst, dass eine der populistischen Parteien die Wahlen gewinnen könnte, befindet sich auf dem Höhepunkt, da die Wahrscheinlichkeit, dass Le Pen und Mélenchon in die Stichwahl kommen, steigt. Im Gegensatz dazu reduzierten die Anleger ihr Engagement in US-Dollar gegenüber dem Euro, nachdem Trump geklagt hatte, dass der US-Dollar zu stark sei. „In Long-EUR-/Short-USD-ETPs flossen in der vergangenen Woche 14,2 Mio. US-Dollar, während aus Short-EUR-/Long-USD-ETPs 4,8 Mio. US-Dollar abflossen“, erklärt Hein.

Die US-Ausrichtung der Schwellenländer im Angesicht von Protektionismus

von Mathieu Nègre, CFA, Head of Global Emerging Equities – Union Bancaire Privée.

Seit der US-Präsidentschaftswahl wurde zu Recht ausführlich über die Auswirkungen des starken US-Dollars auf die Schwellenländeraktienmärkte berichtet. Doch wie steht es eigentlich, abgesehen von diesen finanziellen Übertragungskanälen, um die direkten Handelsbeziehungen?

Durchschnittlich sind sechs Prozent des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukts Schwellenländer-Direktexporte. Allerdings verbergen sich hinter dieser Zahl erhebliche Unterschiede zwischen einerseits Mexiko (26 Prozent) und Vietnam (20 Prozent) und andererseits Ägypten (weniger als 1 Prozent) oder Russland (1,2 Prozent). Diese direkte Ausrichtung ist nur ein Teil des Problems. Ein rohstoffexportierendes Land ist zum Beispiel vom weltweiten Wachstum und daher auch von den US-Wachstumserwartungen abhängig, ungeachtet dessen, ob es direkt in die USA exportiert oder nicht. Interessanterweise scheinen sich die unterschiedlichen Schwellenländeraktienmärkte seit der US-Wahl proportional umgekehrt zu ihrer direkten Ausrichtung dem US-Markt gegenüber zu entwickeln. Die statistische Beziehung ist gering, aber signifikant. Die Märkte schicken positive Signale für das Weltwirtschaftswachstum aus (globale Aktien, einschließlich Schwellenländeraktien, steigen). Trotzdem wird jedoch nach wie vor befürchtet, dass mögliche protektionistische Maßnahmen eingeführt werden könnten, die während des US-Wahlkampfs ausführlich diskutiert wurden.

Die ersten Wochen der neuen US-Regierung stimmen diesbezüglich jedoch etwas zuversichtlicher. Im Gegensatz zur ursprünglichen Ankündigung ist China nicht der Währungsmanipulation bezichtigt worden. Die Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) bleibt ein erklärtes Ziel, doch die Dringlichkeit zur Durchsetzung ist geringer als vorab befürchtet.  Die einst angedrohten Zölle in Höhe von 45 Prozent auf chinesische Produkte sind zudem kein Thema mehr. Außerdem haben sich die Wachstumserwartungen verbessert, was sich – unter ansonsten gleichen Bedingungen – positiv auswirken dürfte.

Welche Marktsegmente sollten vorsichtige Anleger angesichts eines möglicherweisen fallenden Wirtschaftsumfeldes von daher im Auge behalten? Von den über 400 Unternehmen des Schwellenländeruniversums mit direkter Ausrichtung gegenüber den USA, über die wir Daten besitzen, weisen 25 Prozent ein Exposure von mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes auf. In 16 Prozent der Fälle liegt diese Ausrichtung bei über 25 Prozent. Bei der letztgenannten Gruppe stammen die betreffenden Unternehmen zwar aus dem gesamten Schwellenländeruniversum; allerdings sind der Technologie- und der Gesundheitssektor über- und die Finanzbranche unterrepräsentiert. Was die einzelnen Länder betrifft, so weisen Mexiko (selbstverständlich) sowie Indien und Taiwan im Vergleich zu ihrer Gewichtung in der eigentlichen Vergleichsgruppe die meisten Vertreter auf. Auf China entfallen hingegen nur vier Prozent der Unternehmen in dieser Gruppe. China – sowie Indien im umgekehrten Sinn – zeigen, dass der notierte Sektor nicht immer die gesamte Wirtschaft akkurat abbildet.

Je nachdem, welche Maßnahmen ergriffen werden, und in Abhängigkeit der mit Spannung erwarteten Unternehmenssteuerreform, könnte das Ergebnis eines beträchtlichen Exposures gegenüber dem US-Markt für Schwellenländerunternehmen stark variieren. Für einige von ihnen ist die Ausrichtung das Ergebnis von Investitionen in Industrieanlagen auf US-amerikanischem Boden – dies entspricht den Zielen der neuen Regierung. Ein Unternehmen wie die Hyundai Motor Group hat bereits beträchtliche Summen in den USA investiert und möchte diese Investitionen erhöhen. Und auch die Hon Hai Precision Group – ein wichtiger Akteur in der Produktionskette des iPhones – spielte kürzlich mit dem Gedanken, einen Produktionsstandort in den USA zu eröffnen. Dieses Beispiel zeigt, wie komplex dieses Problem ist. Viele der sogenannten „US-Champions“ sind von ihren ausländischen Partnern abhängig und alle verbindet das Interesse nach gemeinsamen Lösungen. In einem Szenario, in dem die Handelssteuern steigen, könnte eine Präsenz vor Ort für viele dieser Unternehmen eher Teil der Lösung als des Problems sein.

Daher ist es schwierig zu sagen, ob die latenten Bedenken des Marktes zum jetzigen Zeitpunkt gerechtfertigt sind. Zum ersten Mal seit Langem schenken Anleger an den Aktienmärkten dem Umfang der Zollbeschränkungen und dem Marktzugang jedoch mehr Beachtung als den rein finanziellen Übertragungskanälen.

Alternative Risikoprämien gehören ins Portfolio

Wenn es um die Qualität des Fondsmanagements geht, sind die Ansprüche vieler Investoren in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Dabei ziehen sie häufig Kennzahlen wie den Track Rekord zu Rate, dessen historische Daten der Performance und die Risikoausrichtung eines Fonds den Erfolg eines aktiven Managers widerspiegeln. „Ein hochwertiges, modernes Management zeichnet sich aber auch dadurch aus, nicht mehr nur Plain-Vanilla-Strategien zu verfolgen“, sagt Dr. Lars Jaeger, Head of Alternative Risk Premia bei GAM. „Viele Anleger sind inzwischen zu der Erkenntnis gelangt, dass sie in ihrer Hedgefonds-Allokation bisher bereitwillig eine Gebühr für ein vermeintliches Alpha gezahlt haben, das tatsächlich nicht viel mehr als verstecktes Beta war. Dies gilt selbst dann, wenn es sich dabei um eine Art von Beta handelt, das nicht mittels Long-Only-Anlagetechnik erzielt werden kann. Dieses versteckte Beta nennen wir alternative Risikoprämien oder auch alternatives Beta“, erläutert Jaeger.

Zielgerichtete Diversifikation, Transparenz und Liquidität

Alternative Risikoprämien bieten dem Fondsmanager zufolge eine zielgerichtete Diversifikation in unkorrelierte Renditequellen mit völliger Transparenz, täglicher Liquidität und niedrigen Kosten. Ein Qualitätsmerkmal könne zum Beispiel sein, dass das Portfolio eine geringe Korrelation zu klassischen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen aufweise. „In den vergangenen fünf Jahren war es eine grosse Herausforderung, attraktive Renditen mit möglichst geringer Korrelation zu generieren“, so Jaeger. Seiner Erfahrung nach würden immer mehr Anleger zu der Auffassung gelangen, dass man mit alternativen Risikoprämien sehr attraktive Renditen erzielen kann – die hervorragenden Diversifikationseigenschaften spielen dabei eine wichtige Rolle. Ein weiterer Pluspunkt für viele Investoren: „Anleger legen viel Wert auf eine faire Gebühren- und Vergütungsstruktur.“ Hier werde zunehmend zwischen echtem – also kostenintensivem – Alpha und wesentlich günstigerem Beta unterschieden.

In unterschiedlichsten Marktumfeldern stark

Portfolios, die die Strategie der alternativen Risikoprämien verfolgen, können beispielsweise von einem klaren Markt-Momentum und einem Fokus auf werthaltigen Anlagen profitieren. In nicht-turbulenten Märkten können sich ausserdem Carry-Strategien auszeichnen. Wichtig ist dabei, dass entsprechende Portfolios über Risikoprämien und Anlageklassen hinweg breit diversifiziert sind: „Wir versuchen nicht, taktisches Market-Timing zu praktizieren, indem wir etwa Positionen aufgrund ihrer wahrgenommenen Attraktivität zu einem bestimmten Zeitpunkt über- oder untergewichten. Unser Portfolio von Risikoprämien ist sehr ausgewogen und kann sich in sehr unterschiedlichen Marktumfeldern behaupten“, unterstreicht Jaeger.

Der Fondsmanager ist sich sicher, dass Risikoprämien als Anlagekonzept künftig noch an Popularität zulegen werden: „Sie stellen mittlerweile einen etablierten Anlageansatz dar. Da Anleger nachhaltige Performance, hohe Transparenz, niedrige Implementierungskosten und nachgewiesene Erfahrung auf diesem Gebiet suchen, werden sie künftig von den Anbietern sogar noch mehr verlangen.“ Das Resultat für die Anleger sei durchaus positiv. Denn laut Jaeger werden nur die stärkeren Marktteilnehmer überleben – also jene, die den Nachfragern die attraktivsten Produkte bieten. Neuen Akteuren ohne tatsächlichen Leistungsausweis dürfte es hingegen schwerfallen, Anleger zu überzeugen. „Investoren wissen längst, dass sie allzu optimistischen Backtests lieber keinen Glauben schenken sollten. Sie ziehen es deshalb vor, ihr Vertrauen in Strategien mit tatsächlich erzielter Performance zu setzen“, schließt Jaeger, der mit seinem Team als Pionier des Konzeptes alternativer Risikoprämien gilt und dessen Track Record bis 2004 zurückgeht und dabei einen realisierten Sharpe Ratio von ca. 1.0 aufweist.

Reform-Momentum eröffnet Anlegern Möglichkeiten am indischen Anleihemarkt

Bei Schwellenländeranlegern genoss Indiens Anleihemarkt nicht immer oberste Priorität, weil der Markt für viele als etwas undurchsichtig und schwierig gilt. Doch in den vergangenen Jahren hat sich der indische Anleihemarkt allmählich gegenüber internationalen Investoren geöffnet. Gleichzeitig hat sich das Investmentumfeld verbessert, dazu beigetragen haben der langfristige Desinflationstrend des Landes, positive Wachstumsaussichten und Reformen, welche die Regierung des Premierministers Narendra Modi implementiert hat. Trotz dieser Fortschritte sollten potenzielle Investoren jedoch auch die Risiken berücksichtigen, die sich aus dem erheblichen Verschuldungsproblem des Landes und seinen vielen politischen Unwägbarkeiten ergeben.

Der indische Anleihemarkt ist traditionell in der Hand von inländischen Anlegern und internationale Investitionen sind vergleichsweise gering, da die Regulierung trotz der allmählichen Öffnung des Marktes den Zugang für ausländische Investoren immer noch begrenzt.

Solide Performance

„Für internationale Investoren hat sich der Aufwand, den indischen Markt zu erschließen, gelohnt. Die indische Staatsverschuldung hat sich seit 2014 relativ gut entwickelt, wobei die Renditen bei 10-jährigen Anleihen zwischen Anfang 2014 und Ende 2016 von neun Prozent bis unter sieben Prozent abgenommen haben“, sagt Andrew Keirle, Portfoliomanager des Emerging Markets Local Currency Bond Fund.

Die kürzlich erfolgte Geldentwertung von hohen Rupien-Banknoten durch die Regierung, um die Schattenwirtschaft zu schwächen, habe Sorgen um das Wirtschaftswachstum befördert. Dies habe sich wiederum positiv auf die Bondspreise ausgewirkt. Aber selbst wenn die Bewertungen nicht so attraktiv seien wie sie einmal waren, gebe es immer noch gute Gründe, in indische Anleihen zu investieren. Auch die indische Währung könnte für Investoren interessant sein. Gute Zahlungsbilanzen und ein geringes Leistungsbilanzdefizit sowie solide ausländische Direktinvestitionszuflüsse sprächen für sich. „Die Rupie erscheint fair bewertet. Wir glauben, dass sie Vorteile gegenüber anderen asiatischen Währungen hat“, so Keirle.

Inflation in den Griff bekommen

Die hohe Inflation war historisch gesehen eine Belastung für Indiens Anleihemarkt. Hier zeigen die Reformen der Regierung allerdings Wirkung. Nach der Finanzkrise von 2007/2008 gab es zweistellige Inflationsraten. Die indische Notenbank, Reserve Bank of India (RBI), sorgte seit dem Jahr 2013 dafür, dass die Inflation sich auf einen einstelligen Bereich reduzierte. „Der zugleich sinkende Leitzins hat ein attraktives Umfeld für Anleiheanleger geschaffen“, erläutert Portfoliomanager Keirle.

Neben der Umsetzung eines formalen Inflationsmandats hat die indische RBI weitere Reformen eingeführt, um die Zinssätze zu bestimmen – dies hatte sie früher nicht eigenständig gedurft. Dies hat wiederum den Anreiz der Zentralbank weiter gestärkt, sich langfristig auf die Inflation zu konzentrieren. Zum Vorteil der Investoren, die es in der Regel begrüßen, dass Zentralbanken so unabhängig wie möglich sind.

Unterstützende Maßnahmen

Indien hat zudem mehrere Reformen auf den Weg gebracht, um die Schwarzmarktwirtschaft einzudämmen. Außerdem wurde die Bürokratie reduziert, wenn es um Infrastrukturausgaben und Immobilienentwicklung geht. Eine weitere Schlüsselreform, die festverzinslichen Investoren zugutekommt, ist die Schaffung einer landesweiten Waren- und Dienstleistungssteuer (im Englischen „goods and services tax“, kurz GST). Diese Steuer beseitigt gewisse Barrieren und Steuerverzerrungen zwischen den verschiedenen Bundesstaaten, mit dem Ziel, in Indien einen effizienteren Binnenmarkt zu etablieren.

Bleibende Herausforderungen

Während der Einfluss der Regierung auf die indische Notenbank reduziert wurde, ist die politische Entwicklung ein Risiko für die Entwicklung des indischen Anleihemarktes. Auch wenn die Regierung im Unterhaus eine Mehrheit hat, kontrolliert sie nicht das Oberhaus. Dies erschwert es, Gesetze zu verabschieden. Im Allgemeinen bewegt sich die indische Politik allmählich von einer dominierenden zentralen Partei zu einer Parteienlandschaft, die durch eine Anzahl kleinerer, regionaler Parteien gekennzeichnet ist. Das macht es wiederum schwieriger, auf lange Sicht wichtige Reformen herbeizuführen.

Indiens Anleihemarkt steht aber auch vor einigen wirtschaftlichen Herausforderungen. Die großen Konglomerate des Landes sind teilweise äußerst stark verschuldet: Das eine Prozent der größten indischen Unternehmen vereint laut dem Internationalen Währungsfonds IWF etwa die Hälfte der Gesamtverschuldung auf sich. Auch das Bankensystem des Landes hat ein großes Schuldenproblem.

Dennoch bieten indische Anleihen Diversifizierungspotenzial für internationale Investoren. Der Markt ist im Vergleich zu anderen asiatischen Schwellenländern weniger stark dem Risiko ausgesetzt, dass sich ausländische aus der Region schnell zurückziehen. Darüber hinaus hat der Markt eine relativ geringe Korrelation zu US-Staatsanleihen. „Im Großen und Ganzen entwickelt sich das Land allmählich zu einem offeneren, integrativen Markt. Dies sollte sicherstellen, dass die Nachfrage nach indischen Vermögenswerten strukturell im Laufe der Zeit steigen wird – das gilt insbesondere für festverzinsliche Wertpapiere und Devisen. Indische Staatsanleihen erzielen höhere Erträge als die Anleihen anderer asiatischer Schwellenländer, die sich nicht auf einem solchen Reformkurs wie Indien befinden“, resümiert Keirle.

Über T. Rowe Price
T. Rowe Price ist eine globale Investmentgesellschaft mit 702,5 Milliarden Euro Assets under Management. Das 1937 von Thomas Rowe Price jr. gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Baltimore (USA) und ist mit eigenen Büros in den USA und Kanada, EMEA und Asien präsent. Diversifizierung, Stiltreue und ein fundiertes Research zeichnet den disziplinierten und risikokontrollierten Investmentansatz von T. Rowe Price aus. Kunden aus Deutschland bietet T. Rowe Price insbesondere Aktien- und Fixed-Income-Lösungen.
Für weitere Informationen besuchen Sie www.troweprice.com.

Kommentare zu Neuwahlen in Großbritannien

Dominic Rossi, Chefanlagestratege für globale Aktien, und Ian Spreadbury, Rentenfondsmanager, beide von Fidelity International, kommentieren die vorgezogenen Neuwahlen in Großbritannien:

Dominic Rossi, CIO Global Equities:
„Die Aktienmärkte tendierten gestern schwächer. Grund dafür war der Anstieg der britischen Währung. Hinter der positiven Reaktion des Pfunds auf die Ankündigung vorgezogener Neuwahlen in Großbritannien steht die Annahme, dass der Brexit aufgeschoben und möglicherweise ein zweites Referendum abgehalten wird.

Beides ist jedoch völlig unzutreffend – die Börsen schätzen die Situation falsch ein. Der Brexit wird kommen, und die Premierministerin will nur erreichen, dass die britische Regierung bei den Verhandlungen freie Hand hat. Von daher wird der Anstieg des Pfunds, den wir gestern gesehen haben, nur von kurzer Dauer sein.“

Ian Spreadbury, Rentenfondsmanager:
„Eigentlich würden die nächsten Parlamentswahlen in Großbritannien erst 2020 stattfinden. Allerdings bestand immer die Möglichkeit, dass Premierministerin Theresa May vorgezogene Neuwahlen ausrufen würde. Der Zeitpunkt hat die Börsen jedoch überrascht. Die Renditen britischer Staatsanleihen (Gilts) zogen an und das Pfund gewann an Wert, nachdem der Markt zunächst schwächer eröffnet hatte.

Wir gehen gegenwärtig davon aus, dass Theresa May eine genügend breite Mehrheit erringen wird, um sich eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber den EU-Staaten zu verschaffen. In dem sehr unwahrscheinlichen Fall, dass May die Mehrheit verfehlt, verlöre sie vermutlich ihr Amt als Parteivorsitzende, und die britische Währung würde wohl sofort unter Druck geraten. Eine Flucht in Qualität auf breiter Front würde zu einem Rückgang der Gilt-Anleiherenditen führen – wie schon nach dem Referendum im vergangenen Jahr. Kurzfristige Unsicherheit sollte indessen dafür sorgen, dass die Bewegungen bei den Renditen relativ begrenzt bleiben.

Die Bank of England hat ihre jüngsten Staatsanleihekäufe und zum größten Teil auch das Programm zum Ankauf von Unternehmensanleihen abgeschlossen. Wir gehen trotzdem davon aus, dass sie die Marktbedingungen auch künftig nicht ignorieren und in dieser Phase an einer expansiven Politik festhalten wird. Ein mögliches Anwachsen der Renditeaufschläge bei Unternehmensanleihen würde dadurch gedämpft.

Auch in der Positionierung der Marktteilnehmer spiegeln sich die erhöhten Risikoaufschläge für die globalen politischen Gefahren wider. Wir werden uns an den Kreditmärkten weiterhin vorsichtig verhalten und in erster Linie auf Papiere setzen, von deren Qualität wir besonders überzeugt sind, sowie auf weniger zyklische und Schuldverschreibungen.”

Über Kurse und Fundamentaldaten

Wenn die Märkte dieses Jahr ins Schlingern geraten, dürfte der Auslöser kaum eine unerwartete politische Entwicklung sein. Eher schon könnte es daran liegen, dass der seit drei Quartalen gleichmäßig steigende Welthandel wieder schrumpft. Der Aktienmarkt reagiert stärker auf synchrones Weltwirtschaftswachstum als auf politischen Wandel in Washington oder Wahlen in Europa. In Japan, China, dem Euroraum und den USA gab es in den letzten Monaten erfreuliche Konjunkturüberraschungen - auf die der Markt entsprechend reagierte.

Doch jetzt scheint es, als würde der Aufschwung - wie bereits drei frühere Aufschwünge im mittlerweile acht Jahre alten Konjunkturzyklus - zu Ende gehen. Für eine erneute Konjunkturdelle spricht Folgendes:

  1. China, der wichtigste Treiber der synchronen Weltkonjunktur seit Mitte 2016, zeigt Schwäche. Im Vorjahresvergleich sind Kredit- und Geldmenge nicht mehr so stark gestiegen wie 2016. Außerdem haben die Behörden die Kreditvergabe für Auto- und Immobilienkäufe gestrafft. Traditionell bremst und beschleunigt die Kreditvergabe die chinesische Konjunktur und beeinflusst dabei die Rohstoffpreisentwicklung. Jetzt könnte wieder eine Bremsung anstehen.
  2. Die größte positive Überraschung des Jahres, der Euroraum, mahnt ebenfalls zur Vorsicht. Wie in China geht das Kreditwachstum zurück, und auch die Inflationsdynamik hat nachgelassen. Hinzu kommt, dass europäische Exporteure unter einer schwächeren chinesischen Konjunktur stark leiden.
  3. Trotz des stabilen Arbeitsmarkts und erfreulicher Stimmungsindikatoren droht auch in den USA Ungemach. Die Löhne sind zuletzt moderat gestiegen, aber die Inflation hat zugelegt, sodass die Realeinkommen unter Druck gerieten. Außerdem bremsen stark steigende Gesundheitskosten und hohe Wohnkosten den Konsum.
  4. Wie die Verbraucher sind auch die amerikanischen Unternehmen mit steigenden Kosten konfrontiert, sodass die früher hohen Gewinnmargen schrumpfen. Steigende Margen waren der vielleicht wichtigste Grund für die achtjährige Aktienhausse. Der derzeitige Margenrückgang und die wenig beeindruckende Preismacht schaden aber den freien Cashflows, die den aktuellen Konjunkturzyklus maßgeblich getragen haben. Damit die Gewinne auch in der Spätphase des Zyklus steigen können, müssen sich die Margen durch Kostensenkungen erholen - oder durch eine höhere Inflation. Dann haben die Unternehmen auch wieder Preismacht, und die Gewinne können steigen. Aber zurzeit gibt es weder überzeugende Anzeichen für Kostensenkungen noch für mehr Umsatzwachstum.

Trotz dieser Herausforderungen scheint aber keine Rezession zu drohen.

Hat Washington unsere Unterstützung?

Eine Rezession ist also unwahrscheinlich, und an den Märkten erwartet man von der neuen US-Administration Steuersenkungen und Deregulierung. Sollten Investoren US-Aktien dann nicht übergewichten? Die Antwort ist nein. Solange der Druck auf Gewinne und Umsätze anhält, dürfen wir die Bewertungen nicht außer Acht lassen. Im aktuellen Marktzyklus waren Aktien meist recht billig, aber das hat sich geändert.

Hier sind einige Kennzahlen, mit denen ich die relative Bewertung messe: Zunächst betrachte ich die freie Cashflow-Rendite des S&P 500 Index. Sie ist auf magere 2,6% zurückgegangen, nach 5% oder gar 6% am Anfang des Zyklus. Offensichtlich sind die Bewertungen im Vergleich zu früher nicht mehr niedrig, und in den Kursen sind sehr viele erwartete gute Nachrichten bereits enthalten.

Auch ein anderes meiner bevorzugten Bewertungsmaße sendet Warnhinweise: Das bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt jetzt fast 30 - ein sehr hoher Wert, der in den 100 Jahren seit Beginn der Erhebungen nur zwei Mal überschritten wurde. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis des Aktienmarkts ist ebenfalls hoch, und die Kurs-Gewinn-Verhältnisse mancher kleineren Unternehmen (auf Erwartungsbasis) sind hoch wie nie.

Nur wenig Puffer

Trotz dieser Warnhinweise geht man am Markt offensichtlich noch immer von einem sehr guten Fundamental-und Makroumfeld aus. Man unterstellt, dass die Unternehmen ihre Preise schneller anheben können als die Kosten anziehen, damit die Gewinnmargen wieder auf die hohen Werte von Beginn dieses Zyklus steigen können. Implizit werden auch recht stabile Zinsen, fallende Steuern und ein Verzicht auf protektionistische Maßnahmen angenommen. Und dann scheint man auch noch zu glauben, dass der derzeitige Konjunkturzyklus noch länger dauert - vielleicht noch viele Jahre.

Wenn die Kurs-Gewinn-Verhältnisse und die Kurs-Umsatz-Verhältnisse von Aktien niedrig sind, können Investoren auch mit Enttäuschungen fertig werden. Insbesondere zu Beginn eines Zyklus werden Rückschläge schnell überwunden. Doch wenn der Zyklus schon acht Jahre dauert, sind die Zeiten günstiger Bewertungen lange vorbei. Die hohen Bewertungen von heute lassen befürchten, dass Investoren mit jedem weiteren Kursgewinn in größere Gefahr geraten. Frei nach Chris Bonington, dem berühmten Besteiger des Mount Everest, steigt mit jedem Schritt in Richtung Gipfel das Risiko. Zurzeit können wir den Gipfel aber nicht sehen, denn der steckt in den Wolken.

Über MFS Investment Management
MFS wurde 1924 gegründet und ist ein aktiver, globaler Assetmanager mit Investmentniederlassungen in Boston, Hongkong, London, Mexico City, São Paulo, Singapur, Sydney, Tokio und Toronto. MFS verfolgt einen einzigartigen partnerschaftlichen Ansatz, um Mehrwert für Kunden zu schaffen. Der Investmentprozess basiert auf drei Säulen: integriertes Research, internationale Zusammenarbeit und aktives Risikomanagement. Am 28. Februar 2017 verwaltete MFS 440,8 Mrd. US-Dollar Anlagevermögen für Privatanleger und institutionelle Investoren weltweit. Weitere Informationen finden Sie auf http://mfs.com.

Dividendenjäger aufgepasst

Die auf europäisches Stock Picking spezialisierte französische Fondsboutique La Financière de l’Echiquier hat in einer aktuellen Analyse mitteleuropäische Dividendenrenditen genauer unter die Lupe genommen. Vor allem der britische Aktienmarkt liefert Investoren demnach die höchsten Erträge, während sich Deutschland am enttäuschendsten erweist.

Die Zahlen der vergangenen zehn Jahre belegen: Zwischen 2006 und 2016 lag die durchschnittliche Dividendenrendite, also das Verhältnis von Dividende zu aktuellem Aktienkurs, im deutschen Leitindex DAX bei 3,3% und damit um 0,5 bzw. 0,7 Prozentpunkte niedriger als bei seinem französischen bzw. britischen Pendant CAC 40 und FTSE 100. Obwohl DAX-Konzerne für 2016 Dividenden in Rekordhöhe auszahlen, fällt die Abweichung in diesem Jahr sogar noch größer aus: Während die 30 größten deutschen Unternehmen im Durchschnitt eine Dividendenrendite von nur 2,7% erwirtschafteten, konnten die Unternehmen im CAC 40 und FTSE 100 durchschnittlich 3,5% bzw. 4,0% Dividendenrendite erzielen.

Ölkonzerne und Finanzsektor machen den Unterschied

„Eine Hauptursache für die Unterschiede ist in der Zusammensetzung der jeweiligen Leitindizes zu finden. Sowohl im französischen CAC 40 als auch im FTSE 100 sind große Ölgesellschaften gelistet, die historisch betrachtet regelrechte Dividendenschwergewichte sind“, interpretiert Olivier de Berranger, Fondsmanager des ausgewogenen Mischfonds Echiquier ARTY, der eine aktive Dividendenstrategie verfolgt. Ende des vergangenen Jahres machten Total und Co. fast 11% des französischen Index aus und beglückten Anleger für 2016 mit einer Dividendenrendite von 5,2%. Im britischen Index kommen BP und Royal Dutch sogar auf mehr als 15% Gewichtung und sorgen für eine durchschnittliche Ausbeute von 6,8%. „Da Ölkonzerne aktuell mit Wachstumsproblemen zu kämpfen haben, müssen sie ihre Aktionäre mit hohen Dividenden halten“, erklärt de Berranger die Dividendenpolitik.

Deutlich interessanter ist aber der Finanzsektor, der traditionell in Europa ein wichtiger Dividendenzahler ist. Während Finanztitel rund 15% im DAX ausmachen und damit den zweitgrößten Sektor darstellen, fallen die Dividenden hier zurzeit eher moderat aus. „Der Finanzsektor in Frankreich dagegen ist in guter Verfassung und gibt dies auch an die Aktionäre zurück. Société General und BNP Paribas beispielsweise haben ihre Dividenden zuletzt deutlich erhöht“, so der Fondsmanager von La Financière de l´Echiquier. Die für 2016 geschätzte Dividendenrendite von Finanztiteln liegt im deutschen Leitindex bei rund 3,4% gegenüber 4,7% im CAC40 und 4,1% im FTSE 100, wo der Sektor 21% des Index darstellt. Seit der Erholung in Europa steigern auch zyklische Werte wieder ihre Dividenden. „Hier sind besonders die Automobilhersteller aktuell sehr attraktiv. Die französischen Anbieter Renault und Peugot beispielsweise haben ihre Dividenden um 30 bis 35 Prozent erhöht“, sagt de Berranger.

Britische Nebenwerte mit deutlichem Unterschied, aber erhöhtem Währungsrisiko

Ein gesonderter Blick auf das Mid-Cap-Segment liefert ähnliche Ergebnisse. Vor allem mittelgroße Aktiengesellschaften aus Großbritannien weisen eine deutlich höhere Dividendenrendite auf als deutsche und französische Mid-Caps. Für das Jahr 2016 liegt die durchschnittliche Dividendenrendite im britischen MSCI UK MID mit 3,9% nahezu auf dem selben Niveau wie im FTSE 100 – die im französischen MSCI FR MID gelisteten Unternehmen kommen auf 2,6% und die deutschen Mid-Caps sogar nur auf 2,5%. „Allerdings sind wir bei britischen Mid Caps vorsichtig. Da häufig ein Großteil ihres Geschäfts auf dem Heimatmarkt umgesetzt wird, tragen Investoren ein größeres Währungsrisiko“, so de Berranger. Die Unterschiede erklären sich auch hier mit der strukturellen Zusammensetzung der Indizes. So sind Ende 2016 Finanztitel im MSCI UK MID mit 19% am stärksten vertreten und generieren im Schnitt eine Dividendenrendite von 4,6%. Im deutschen MSCI GR MID kommen Finanzinstitute auf einen Anteil von nur 11% und weisen eine durchschnittliche Dividendenrendite von nur 3,7% auf. Der Anteil zyklischer Konsumgüterhersteller liegt bei 26% der gelisteten Unternehmen im britischen MSCI UK MID, mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 5,1%. Während dieser Sektor im deutschen MSCI GR MID mit nur 15% vertreten ist, punktet er dennoch mit einer Durchschnittsrendite von 4,7%. Mit 26% im französischen MSIC FR MID gewichtet, kommt die Branche aber hier nur auf eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,4%.

„Bei der Betrachtung der Dividendenrenditen sind Frankreich und Großbritannien deutlich attraktiver als Deutschland. Auch wenn das britische Pfund gerade stark unter Druck steht und die Märkte durch den anstehenden Brexit verunsichert sind, können britische Dividendentitel attraktiv sein – solange die Firmen solide aufgestellt und nicht zu stark vom Binnenmarkt abhängig sind“, stellt der ARTY-Fondsmanager abschließend fest. Für Dividendenjäger könnte sich der Blick über den Tellerrand also lohnen. Davon allein sollten sich Investoren aber nicht leiten lassen. Denn auch die höchste Dividende nützt nichts, wenn das Unternehmen keine Gewinne erwirtschaftet. Umfangreiche Fundamental- und Unternehmensanalysen sind die Basis für langfristig solide Investmententscheidungen. „Gibt es zusätzlich eine gute Dividendenrendite, dann ist es ein starker Investmentcase“, so de Berranger.

Über La Financière de l’Echiquier
La Financière de l’Echiquier wurde 1991 von Didier Le Menestrel und Christian Gueugnier gegründet und zählt zu den marktführenden unabhängigen Fondsgesellschaften in Frankreich. In Paris ansässig, ist die Fondsboutique erfolgreich auf Enterprise-Picking spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 100 Mitarbeiter und verwaltet ein Vermögen von mehr als 8 Milliarden Euro. In Deutschland und Österreich vertreibt die Gesellschaft aktuell sechs Aktienfonds, zwei Mischfonds und einen Wandelanleihefonds. Die erfolgreiche Fondspalette wird privaten und institutionellen Investoren außerdem in Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Italien, Spanien und Luxemburg angeboten. Das Kapital von La Financière de l’Echiquier wird vollständig von der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern gehalten. 2004 wurde die Stiftung La Financière de l’Echiquier gegründet, die sich in Frankreich für sozial und beruflich benachteiligte Menschen einsetzt. Weitere Informationen zur Stiftung finden Sie unter http://www.fondation-echiquier.frund zu La Financière de l’Echiquier unter http://www.lfde.com/de.

Digitale Umwälzung: fahrerlose Technologie

Von fahrerlosen Autos bis zu Drohnen für die Warenauslieferung – die Technologie für autonome Fahrzeuge wird zur Realität und eröffnet neue Anlagemöglichkeiten. Von Alexandre Mouthon, Senior Product Specialist bei Pictet Asset Management:

In den 1980er Jahren stellte der schwarzglänzende Sportwagen K.I.T.T. in der Erfolgsserie „Knight Rider“ eine verlockende Vision des Autos der Zukunft dar: komplett selbstfahrend und ausgestattet mit einer irrwitzigen Palette von Funktionen wie dem Turbo Boost, einem Scanner, einem Lügendetektor – und sogar trockenem Humor.

Dreißig Jahre danach sind empfindungsfähige Fahrzeuge weiterhin Science-Fiction, selbstfahrende dagegen in Reichweite. In dem Film „I, Robot“ hält Will Smith ein kleines Nickerchen, während sein silberner Audi RSQ schnell und ruhig über die Autobahn gleitet. Ein wenig später greift er zum Lenkrad, das aus dem Armaturenbrett auftaucht. Ein solches Szenario könnte schon in ein paar Jahren Realität sein. Und die Entwicklung fahrerloser Busse und autonomer Fernlaster ist fast genauso weit fortgeschritten.

Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt, dass bis zu 15 Prozent der im Jahr 2030 verkauften Personenkraftwagen vollkommen autonome Autos sein werden. Einnahmen im Automobilsektor könnten sich zudem fast verdoppeln und dank gemeinsam genutzter Fahrzeuge (Shared Mobility: Car-Sharing, Taxi-Apps) und Data-Connectivity-Dienste (einschließlich Apps und Auto-Software-Aktualisierungen) auf USD 6,7 Billionen steigen.

Etappenrennen um das fahrerlose Auto
Wichtige Etappen im letzten Jahr

Quelle: Pictet Asset Management

Neue Akteure wie Tesla Motors, Technologie-Giganten von Google bis Microsoft2 und eine ganze Reihe von Start-ups treten gegen traditionelle Hersteller wie Ford, General Motors und Nissan an – und arbeiten oft mit ihnen zusammen –, um solche Vorhersagen wahr zu machen.

Sicherheit hat höchste Priorität

Während mit der Markteinführung von voll autonomen Autos aufgrund der Technologie, der Beschränkungen durch Vorschriften und der moralischen Diskussion nicht vor 2020 zu rechnen ist, findet mit der Einführung und ständigen Verbesserung von Fahrerunterstützungssystemen (ADAS)3 bereits eine Teilautomatisierung statt. Allein dieser Markt wird Schätzungen zufolge bis 2020 auf USD 34 Mrd. anwachsen – was einer Gesamtjahreswachstumsrate von 40 Prozent entspricht – und die weltweite Durchdringungsrate dürfte sich auf 48 Prozent verdreifachen.

Ein Schlüsselbereich der technologischen Verbesserung, der potenzielle Anlagechancen bietet, ist Sicherheit. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) geht davon aus, dass Autounfälle die Wirtschaft alleine in den Vereinigten Staaten fast USD 1 Billion pro Jahr kosten, einschließlich des Produktivitätsverlusts. Die Hauptgründe für Unfälle sind Ablenkung oder Schläfrigkeit, Fahren unter Drogen- oder Alkoholeinfluss, Geschwindigkeitsüberschreitungen oder der Verzicht aufs Anschnallen. Als Menschen sind wir fehlbar und eine stärkere Kontrolle durch Technologie wäre daher eine Möglichkeit, die Sicherheit zu verbessern.

Der schwedische Hersteller von automobilen Sicherheitssystemen Autoliv5 schätzt, dass seine Produkte – die ein breites Spektrum von Fahrerassistenzradaren, ein Infrarot-Nachsichtsystem sowie verbesserte Airbag- und Sicherheitsgurttechnologie umfassen – jährlich 30.000 Menschenleben retten und zehnmal so viele Verletzungen vermeiden können.

Sprechende Autos

Ihr Auto wird Ihnen wahrscheinlich keine Witze erzählen wie K.I.T.T. Michael Knight, aber es könnte bald in der Lage sein, Ihre Stimme oder Gesten zu erkennen und mit anderen Fahrzeugen oder sogar Notfalldiensten zu „sprechen“.

Die Premiumfahrzeuge von Cadillac und Mercedes-Benz gehören zu den ersten, die V2V(vehicle-to-vehicle)-Kommunikationstechnologie verwenden. Auf der einfachsten Ebene wird V2V ermöglichen, dass Autos einander ihre Position, Geschwindigkeit, Lenkradposition und den Bremsstatus mitteilen können, um so dabei zu helfen, entgegenkommende Fahrzeuge wahrzunehmen und die Wahrscheinlichkeit von Unfällen zu reduzieren. In einem weiteren Schritt könnten sich Autos untereinander vor Staus oder gefährlichen Straßenverhältnissen warnen und mit Brücken und Ampeln kommunizieren.

Über eine eCall-Funktion – die ab April 2018 in Europa verpflichtend für alle neuen Autos ist – werden schwere Unfälle automatisch an die Notrufzentrale gemeldet und der Standort des Fahrzeugs sowie andere Einzelheiten übermittelt. Diese Maßnahme allein dürfte über 1.000 Menschenleben pro Jahr retten.

Übernehmen Roboter die Kontrolle?

Die neuste Automobiltechnologie ist bereits tief in der Welt der Robotik und der künstlichen Intelligenz verwurzelt. Die von dem israelischen Hersteller für Fahrassistenz-Software Mobileye6 entwickelten maschinellen Bildverarbeitungssysteme wurden z.B. darauf ausgerichtet, Fußgänger zu erkennen, tote Winkel zu überwachen und Verkehrsschilder zu entziffern.

Die französische Firma Valeo7 arbeitet derzeit an einer neuen Generation von Parksystem, das Fahrern ermöglichen wird, aus dem Auto auszusteigen und es dann mithilfe eines Smartphones anzuweisen, sich selbst zu parken. Im Bereich der Drohnen ist Amazon8 eines von mehreren Unternehmen, das derzeit unbemannte Luftfahrzeuge mit dem letztendlichen Ziel testet, Kunden automatisierte Lieferungen innerhalb von 30 Minuten anbieten zu können.

Die Revolution der autonomen Fahrzeuge (AF) erfasst nun auch den Himmel: Es werden Drohnen entwickelt, die alles Mögliche ausliefern können – von Päckchen bis hin zu Organen –, das Pflanzenwachstum überwachen und schwer erreichbare Gebiete fotografieren und kartieren können sowie vieles mehr.

Fliegende Autonome Fahrzeuge
Durchbruch der Drohnen

Quelle: Pictet Asset Management

Abgesehen vom Transportbereich findet die AF-Robotik Anwendung in der Industrie. Einzelhandelsriese Amazon z.B. nutzt knallorange, autonome Roboter, um Güter und Pakete in ihren Lagern zu befördern. Krankenhäuser wiederum machen gerne Gebrauch von mobilen Maschinen, um Laborproben, Medikamente und andere Bedarfsartikel zu transportieren oder Räume durch Lichtwellen zu desinfizieren, die Keime abtöten. Im Energiesektor können autonome Unterwasserfahrzeuge (AUV) dahin vordringen, wo es für Menschen zu gefährlich oder das Wasser zu tief ist, um Pipelines und Bohrinseln zu inspizieren.

Natürlich müssen noch viele Hindernisse überwunden werden. Für voll autonome Autos – die keinen Fahrer benötigen – gilt es, weitere Technologien zu entwickeln, das Vertrauen der Öffentlichkeit für eine grundlegend neue Beförderungsart zu gewinnen und neue Regeln und Vorschriften für alles von Verkehrsregeln bis hin zur Kfz-Versicherung auszuarbeiten.

Für Drohnen müssen Entwickler Probleme der Batterielaufzeit lösen und Möglichkeiten eines sicheren Nebeneinanders aller fliegenden Objekte und Lebewesen in den Lüften finden.

Langfristig besteht jedoch ein eindeutiger Trend zu mehr Präsenz von Robotern auf den Straßen und in der Luft. Für Anleger ist dies eine Gelegenheit, an der Veränderung in der Transportindustrie teilzuhaben.


Quellen:
1. Revolution im Automobilbereich – Perspektiven bis 2030
2. Tesla, Google und Microsoft gehören zum investierbaren Universum der Fonds Pictet-Digital und/oder Pictet-Robotics.
3. Beförderungssicherheit ist ein Untersegment des Pictet-Security, auf das per 30.11.2016 10% des Fonds entfielen.
4. CLSA, September 2015
5. Autoliv gehört zum investierbaren Universum des Fonds Pictet-Security.
6. Mobileye und Valeo gehören zum investierbaren Universum der Fonds Pictet-Security und/oder Pictet-Robotics.
7. Mobileye und Valeo gehören zum investierbaren Universum der Fonds Pictet-Security und/oder Pictet-Robotics.
8. Autoliv gehört zum investierbaren Universum des Fonds Pictet-Digital.

Erfahren Sie mehr zu unseren Strategien, die von diesen Trends profitieren:

Über den Autor
Alexandre Mouthon kam 2012 zu Pictet Asset Management und ist Senior Product Specialist für Themenfonds. Er ist verantwortlich für die Strategien Security, Robotic, Digital, High Dividend und Global Megatrends Selection.

Pictet Asset Management ist seit über 20 Jahren ein Pionier im Bereich thematischer Anlagen. Wir erkannten das Potenzial thematischer Strategien bereits während der 1990er Jahre und gehörten zu den ersten Anlageverwaltern, die ein Biotech-Produkt anboten. Darauf folgte unsere Wasserstrategie, die nach wie vor eine der sehr wenigen Strategien ist, die dieser einzigartigen Ressource gewidmet sind und die noch immer vom ursprünglichen Investmentmanager verwaltet wird. Im Laufe der folgenden Jahre haben wir eine umfassende thematische Produktpalette aufgebaut, darunter Branchen wie Gesundheit, Holz und Robotik. Auf diese Weise haben unsere Investoren Zugriff auf eine beliebige Anzahl an Anlagemöglichkeiten, die die verschiedenen Megatrends repräsentieren. Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management.
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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 24
e-mail: fbohmer@pictet.com

Wie lassen sich die Contango-Kosten mindern?

Rohstoffanleger, die von Terminkontrakten Gebrauch machen, sind nicht nur dem Kursrisiko ausgesetzt, sondern tragen auch die Kosten, die mit dem Halten eines Kontrakts und dem Weiterrollen in den nächsten Kontrakt verbunden sind, so ETF Securities in einem Research Paper zur Vermögensallokation. Das vollständige Dokument mit Charts finden Sie links als PDF.

Um die Rollkosten (Contango) zu mindern, müssen Anleger Terminkontrakte mit einer längeren Laufzeit wählen, da deren Volatilität geringer ist – allerdings auch deren erwartete Rendite. Ein Portfolio aus kurz- und langlaufenden Kontrakten schnitt seit 2002 um 6,5 Prozent pro Jahr besser als ein nur aus kurzlaufenden Kontrakten bestehendes Portfolio ab. Die Sharpe-Ratio stieg auf 0,26.

Die Wirkungsweise von Contango und Backwardation ist nach wie vor faszinierend. Obwohl bekannt ist, dass der Contango die Gesamtrendite einer Anlage schmälert, ist weiterhin offen, ob er sich vermeiden lässt. In diesem Artikel legen wir das Hauptaugenmerk auf Rohöl und diesbezüglich vor allem auf die Sorte Brent. Wir widmen uns den verschiedenen Elementen, die Anleger vor Rohstoffanlagen kennen sollten und die die nachteiligen Folgen des Contango für die Portfolioentwicklung abmildern.

Die Terminkurve

Eine Terminkurve ist eine Kursreihe von Terminkontrakten, die zu verschiedenen Zeitpunkten auslaufen (siehe Abbildung unten). Weil jeder Rohstoff anderen fundamentalen Faktoren unterliegt, unterscheiden sich die Terminkurven der Rohstoffe in der Regel voneinander. In den Terminkurven von Rohöl beispielsweise schlägt sich tendenziell die künftig erwartete Richtung der Rohölpreise nieder.

Aus der obigen Grafik geht hervor, wie sich die Terminkurve von Brent im letzten Jahr bewegt hat. Die Kurve verschob sich insgesamt nach oben, wobei die Terminkontrakte am kurzen Ende der Kurve verglichen mit denen am längeren Ende am meisten profitierten.

Die Grafik zeigt ferner, dass die Liquidität – gemessen am Handelsvolumen der einzelnen Terminkontrakte – am kurzen Ende der Terminkurve, wo gehäuft Finanzdienstleister und Spekulanten auftreten, höher ist. Bei den kleineren Volumina am längeren Ende der Kurve handelt es sich gewöhnlich um kommerzielle Positionen, die Produzenten und Verbraucher von Rohöl zur Absicherung auf dem Terminmarkt aufgenommen haben.

Die Wirkung der fundamentalen Bedingungen

Da die Terminkurve aus Terminkontrakten mit verschiedenen Fälligkeiten besteht, wirken sich Änderungen der fundamentalen Bedingungen unterschiedlich auf die Kurse der einzelnen Kontrakte aus. Ein Ereignis wie die Vereinbarung zwischen den OPEC-/Nicht-OPEC-Staaten kann die Terminkurve am längeren Ende eine Zeit lang flach halten, da der Markt erwartet, dass die Produzenten das Angebot auch in Zukunft kontrollieren werden. Die derzeitige Unterstützung der Kurse am kurze Ende kann sich jedoch in Luft auflösen, wenn die Einigung scheitert und sich das Contango am kurzen Ende der Kurve ausweitet.

Aus der obigen Grafik geht hervor, dass die US-Rohöllagerbestände mit den Rohölpreisen am kurzen Ende der Kurve stärker korreliert sind als mit den Preisen am längeren Ende der Kurve. Terminkontrakte am kurzen Ende reagieren auf Änderungen des Angebots, der Nachfrage und der Lagerbestände empfindlicher als solche am längeren Ende. Da die US-Schieferölproduktion im Anstieg begriffen ist, ist es möglich, dass sich der Contango am kurzen Ende kurzfristig intensivieren wird.

Infolgedessen sind Kontrakte mit kurzer Laufzeit tendenziell volatiler als Kontrakte mit längerer Laufzeit (siehe Grafik unten). Andererseits fallen die Gewinne und Verluste bei Kontrakten mit kurzer Laufzeit höher als bei langlaufenden Kontrakten aus.

Backwardation long, short Contango

Wegen des erwähnten Liquiditätsproblems ist es für spekulative Anleger schwierig, sich am längeren Ende der Kurve zu engagieren. Entsprechend sind die meisten Anleger am kurzen Ende der Kurve positioniert, wo die Rollkosten und die Volatilität an höchsten sind.

Im Folgenden gehen wir der Frage nach, ob es ein Portfolio gibt, das die nachteiligen Folgen des Contango für die Rendite mildern kann, indem es gewährleistet, dass es immer im besten Abschnitt der Kurve engagiert ist. Hierzu haben wir die folgenden drei Portfolios konstruiert:

  • Die Benchmark besteht zu 50 Prozent aus Brent-Kontrakten mit einer durchschnittlichen Laufzeit von einem Monat und zu 50 Prozent aus Brent-Kontrakten mit einer durchschnittlichen Laufzeit von zwei Jahren.
  • Zwei weitere Long-only-Portfolios verwenden als Handelssignal die Entwicklung der Rohölpreise über den letzten Monat beziehungsweise die Form der Terminkurven am vergangenen Monatsende. Das eine Portfolio investiert entweder in das kurze Ende (Brent, 1 Monat) oder das längere Ende (Brent, 2 Jahre), während das andere die vom Handelssignal angezeigte Laufzeit übergewichtet und die andere Laufzeit gleichzeitig untergewichtet.

Die obige Grafik zeigt, dass alle Portfolios einschließlich der Benchmark besser als ein Engagement in den kurzlaufenden Kontrakt abschnitten, da eine Position in den einmonatigen Brent-Kontrakt seit 2002 eine Rendite von 1,5 Prozent pro Jahr abgeworfen hätte. Beide Long-only-Portfolios übertrafen die Benchmark im Schnitt um 1,8 Prozent pro Jahr. Das Long-only-Portfolio, das zwischen dem einmonatigen und dem zweijährigen Brent-Kontrakt wechselt, lag um 0,2 Prozent pro Jahr über dem zweijährigen Brent-Kontrakt.

Darüber hinaus ergibt sich aus der Übersichtstabelle, dass beide Portfolios einen geringeren Volatilitätsgrad als die Benchmark und der einmonatige Brent-Kontrakt haben, was gegenüber der Benchmark eine Steigerung der Sharpe-Ratio im Schnitt um durchschnittlich 39 Prozent ermöglicht.

Die maximale Erholungsdauer aller Portfolios und Bestandteile beträgt acht Jahre. Dies deutet darauf hin, dass sie sich immer noch nicht ihr früheres Hoch vom Juni 2008 erreicht haben. Da die OPEC die Kontrolle über ihr Produktionsniveau wiedergewinnt und US-Schieferöl nun bei einem Preis von rund 50 USD/Barrel rentabel ist, ist eine Erholung auf das Niveau von 100 USD/Barrel vorerst unrealistisch.

Blickt man auf die Performance seit Anfang 2016, als sich die Ölpreise von einem 13-Jahres-Tief zu erholen begannen, so verzeichnete das Long-only-Portfolio mit entweder dem einmonatigen oder zweijährigen Brent-Kontrakt mit 0,69 die höchste Sharpe-Ratio, gefolgt vom Long-only-Portfolio, das beide Kontrakte kombiniert (0,66), dem einmonatigen Brent-Kontrakt (0,63), der 50/50-Benchmark (0,57) und dem zweimonatigen Brent-Kontrakt (0,50). 

Wenn Anleger von Terminkontrakten Gebrauch machen, um sich in Rohstoffen zu engagieren, müssen sie die Zusammensetzung der erzielten Rendite beachten, da ein Anstieg des Rohstoffpreises nicht unbedingt in einer Steigerung der Gesamtrendite der Anlage resultiert. Wenn sich die Terminkurve in Contango befindet, werden die Kosten, die beim Rollen eines Kontrakts in einen anderen Kontrakt entstehen, vom Kursgewinn abgezogen und die Schlussrendite reduzieren. Während die Anleger aus Liquiditätsgründen Engagements am kurzen Ende der Kurve bevorzugen, kann die Hinzufügung einer Allokation in Terminkontrakten vom längeren Ende die nachteiligen Folgen des Contango reduzieren und die Renditen verbessern. Seit 2002 übertraf das Portfolio, das beide Laufzeiten kombiniert, das kurzlaufende Engagement um 6,5 Prozent pro Jahr, was die Sharpe-Ratio von -0,01 auf 0,26 verbesserte. Die Strategie ermöglicht ferner eine größere Diversifizierung.

Focus on quality helped emerging market managers in March

Over a 12-month-rolling period, 29% of US managers and 56% of emerging markets managers outperformed their benchmarks net of fees. Only 10% of Europe managers could beat their benchmarks net of fees.

In March, 47% of Europe managers and 51% of US managers outperformed their benchmarks on a net basis. 70% of emerging market managers were ahead of their benchmarks.

The utilities sector performed strongly in March, but also financials, telecoms and consumer discretionary performed well. On the other hand, sectors like energy, healthcare and consumer staples did not perform well in March. However, the difference in performance was only small. Small- and mid-caps performed in line with the broad market. Overall, neither sector nor market cap allocation played an important role. The main reason for the outperformance of emerging market managers can be attributed to stock selection. In March, quality stocks with good fundamentals and strong balance sheets performed well.

Please find the full ifund research news for April 2017 with charts and a summary of manager meetings attached on the left.

Bitte keine Politik!

von Didier Le Menestrel, Chairman von La Financière de l’Echiquier.

Am 21. November 1620, einige Tage bevor sie zum ersten Mal Fuß auf amerikanischen Boden setzten, unterzeichneten die 102 Passagiere der Mayflower auf ihrer Flucht vor Jakob I., König von England und Irland, einen Vertrag, der das Fundament einer neuen Welt bilden sollte. Der Mayflower Compact als Vorläufer der US-amerikanischen Verfassung kennzeichnet die Geburtsstunde einer neuen demokratischen Gesellschaft, die auf der Freiheit und dem Respekt für die Überzeugungen eines jeden Einzelnen beruht.

Zwei Jahrhunderte später stellt sich Alexis de Tocqueville als besonnener Beobachter während seines Aufenthaltes im noch jungen Amerika die Frage nach den potenziellen Hindernissen für die Demokratie.  Zwei Gefahren erscheinen ihm dabei besonders eklatant: Einerseits die Vereinheitlichung des Einzelnen derart, „dass das Menschengeschlecht stehenbleibt und sich selber beschränkt, dass der Geist sich ewig wieder und wieder über sich selbst beugt, ohne neue Ideen hervorzubringen“ sowie andererseits die Schaffung eines „vorsorglichen und milden“ Despotismus, den eines Wohlfahrtsstaates, in dem die Bürger ihre Freiheit aufgeben und der in sämtliche Bereiche ihres Lebens eingreift.

Es ist angebracht, die Präsidentschaftswahlen in Frankreich mit den Augen von Alexis de Tocqueville zu betrachten, da der Populismus immer mehr erstarkt und diese Wahl außerdem den Zustand unserer Demokratie infrage stellt. Offensichtlich besteht die Hauptmethode, mit der die Kandidaten die Wahl gewinnen möchten, in der Anhäufung neuer Versprechungen in allen Bereichen. Und bei dieser großen nationalen Versteigerung wird weiterhin ein Staat angepriesen, der alles kann – und das sofort. Eine solche Vorgehensweise wurde nicht erst gestern erfunden und ist der Grund, weswegen heute jedes französische Kind mit einer Last von 30.000 Euro öffentlicher Schulden geboren wird.

Bei der französischen Bevölkerung trifft dieser Sirenengesang jedoch zunehmend auf taube Ohren: Einige Tage vor dem ersten Wahlgang gibt die Mehrheit der Franzosen an, einen leeren Stimmzettel abgeben zu wollen. Vor drei Jahren hatten 25 Prozent der Franzosen diese Absicht bekundet, heute sind es bereits über 40 Prozent, die dies ernsthaft in Betracht ziehen. Ein Ausdruck der Ratlosigkeit der Wählerschaft angesichts der ihr zur Verfügung stehenden Optionen.

Die Prophezeiungen von Tocqueville scheinen sich auf eklatante Weise im Herzen unserer europäischen Demokratien zu bewahrheiten. Es ist dringend notwendig, den „vorsorglichen Staat“ von einem Teil seiner Last zu befreien. So besteht laut Tocqueville die wichtigste Aufgabe einer guten Regierung darin, ihren Bürgern nach und nach beizubringen, wie sie ohne sie auskommen. Zusätzliche Schichten schaffen keine Erleichterung, sie erhöhen die Last nur zusätzlich. Im Gegenteil spricht alles für leichtere Strukturen und die Wiedereroberung sämtlicher Freiheiten ihrer Staatsbürgerschaft durch die Franzosen selbst. Wir müssen den Vereinigten Staaten hier zugutehalten, dass sie ihren Gründungsmythos nie aus den Augen verloren haben und permanent die Frage nach der korrekten Rolle des Staates im Leben eines jeden Einzelnen gestellt wird.

Vor genau 60 Jahren unterzeichneten auf dem alten Kontinent sechs Länder die Römischen Verträge, mit denen die EWG und damit der gemeinsame Markt geschaffen wurden. Eine einfache, visionäre und zugleich noble Idee auf der Grundlage der Freiheit und mit dem Zweck, die Zusammenarbeit und den Frieden zwischen den Nationen zu stärken. Eine Idee, welche die Europäer nach und nach mit großer Mehrheit befürwortet haben – und deren Prinzip unser Leben wahrhaftig verändert hat. Wie kann man heutzutage zum Beitritt motivieren, wenn sich Europa von der Idee seines ursprünglichen Pakts entfernt und stattdessen damit abmüht, Normen über die Größe von Gurken oder Hühnereiern zu etablieren? Genug der Normen. Nie war es so wichtig wie heute, den Geist von Rom oder der Mayflower wieder aufleben zu lassen. 

MV Index Solutions: Globaler Glücksspielsektor und mexikanischer Aktienmarkt sind Top-Performer des März

MV Index Solutions hat die Top-Performer seiner verschiedenen Index-Reihen für den März ermittelt. Aus der Reihe „Hard Assets and Sector Indizes“ stach die globale Glücksspielindustrie hervor. Unter den Länderindizes setzte sich der mexikanische Markt als Spitzenreiter durch. Das kumulierte Anlagevermögen von Finanzprodukten, die auf MVIS-Indizes basieren, stieg im März um 243 Millionen auf 15,59 Milliarden US-Dollar.

  1. MVIS Global Gaming Index: Jackpot für Glücksspielunternehmen und Zulieferer
    Der Global Gaming Index (MVBJKTR) verbuchte im März Kursgewinne in Höhe von 6,29 Prozent. „Eine starke Entwicklung zeigten beispielsweise die Aktien des Casinos Wynn Macau sowie die dessen Betreibers Wynn Resorts. Seit Jahresbeginn konnten diese Titel sogar um 39 beziehungsweise 35 Prozent zulegen“, sagt Thomas Kettner, Managing Director von MVIS. Der MVBJKTR verfolgt die Entwicklung der größten und liquidesten Unternehmen aus dem Glücksspielsektor. Dazu zählen: Casinos, Wettbüros sowie deren Ausstatter und Zulieferer. Letztere werden dank dem proprietären Pure-Play-Ansatz von MVIS berücksichtigt, sofern sie mindestens 50 Prozent ihrer Umsätze in der Glücksspielindustrie erwirtschaften. Der Index ist derzeit für Finanzprodukte mit einem kumulierten Gesamtanlagevolumen von 20,78 Millionen US-Dollar lizensiert. 
  1. MVIS Mexico Index: Überraschender Top-Performer trotz US-Protektionismus
    Der MVIS Mexico Index (MVMEXTR) erzielte im März ein Plus von 9,11 Prozent. „Die starke Monatsperformance ist als Erholung zu deuten, nachdem mexikanische Unternehmen infolge der US-Wahl stärkere Kursverlusten erlitten hatten. Dabei könnte es sich um eher kurzfristige Käufe aufgrund von Bewertungsverzerrungen handeln – ob das Investorenvertrauen langfristig zurückkehrt, wird sich erst herausstellen“, so Kettner. Bei dem MVMEXTR handelt es sich um einen modifizierten nach Marktkapitalisierung gewichteten Aktienindex, der die Performance der größten und liquidesten Unternehmen in Mexiko verfolgt. Dank dem Pure-Play-Ansatz berücksichtigt der Index auch Unternehmen mit Börsenlistung außerhalb Mexikos, die mindestens 50 Prozent ihrer Umsätze in Mexiko erwirtschaften. 

Über MV Index Solutions
MV Index Solutions (MVIS) entwickelt, pflegt und lizensiert die MVIS Indizes. Dabei handelt es sich um eine Selektion von fokussierten, investierbaren und diversifizierten Benchmark-Indizes, die speziell als Basis für Finanzprodukte entwickelt wurden. MVIS Indizes umfassen verschiedene Anlageklassen, einschließlich Hard Assets und internationale Aktienmärkten sowie Rentenmärkte. Derzeit sind etwa 15 Milliarden US-Dollar in Finanzprodukte investiert, die auf MVIS Indizes basieren. MVIS ist ein Unternehmen von VanEck.

Wahl in Frankreich – Platzieren Sie jetzt Ihren Einsatz!

Florian Ielpo und Guilhem Savry, Investment-Manager beim unabhängigen Schweizer Asset-Manager Unigestion, kommentieren aktuell den Wahlkampf in Frankreich:

Am 23. April und 7. Mai entscheiden die Franzosen, wer der nächste Präsident ihres Landes werden soll – und die Unsicherheit, wer es in die zweite Runde und schließlich in das Amt schafft, war nie größer.

Während ein moderater Kandidat unserer Einschätzung nach der wahrscheinlichste Sieger ist, bleibt die Situation vage mit wenig eingepreistem Risiko. Unseres Erachtens ist es in einem solchen Umfeld wichtig, die Anleger unserer Multi-Asset-Portfolios vor Markt-Schocks zu schützen. Wir haben daher unser Engagement in den Finanzmärkten reduziert und erhöhten das Exposure beim japanischen Yen, wegen seiner defensiven Qualitäten in Stresssituationen. 

Die Qual der Wahl?

Ein Faktor hinter der Unsicherheit ist die große Auswahl: So ist die Zahl der Kandidaten in der ersten Runde höher als im Durchschnitt (11 – im Vergleich zu nur 6 im Jahr 1965).

Überdies haben eine beträchtliche Anzahl der Wähler erklärt, voraussichtlich ihre Meinung zu ändern. Ein Drittel der potenziellen Wähler von J.-L. Mélenchon und E. Macron sind noch unsicher, wie ihre Wahl endgültig ausfällt. Dies gilt auch für 26% der Wähler von F. Fillon und 17% der Anhänger von Madame M. Le Pen.

Den gesamten Kommentar in englischer Sprache finden Sie links als PDF mit Grafiken.

USA: Goldene Zeiten für die Infrastrukturbranche

US-Infrastrukturunternehmen genießen derzeit ruhmvolle Tage. Der Energiemarkt glänzt mit Energieexporten und sinkenden Kosten. Dies ermöglicht Versorgungsunternehmen Investitionen in ihr Wachstum. Auch der Übergang zu erneuerbaren Energien wird stetig vorangetrieben. Führungskräfte von Energieversorgern sind sich einig: Sowohl gesetzliche Vorgaben, als auch die neue US-Regierung werden diesen Wandel nicht negativ beeinflussen. Die Euphorie hat jedoch ihren Preis und spiegelt sich aktuell in hohen Aktienkursen wider.

„Sinkende Kosten bescheren dem amerikanischen Infrastrukturmarkt momentan goldene Zeiten und ermöglichen vor allem Energieversorgern eine gute Ausgangslage für Wachstum“, sagt Andrew Greenup, Deputy Head des Bereichs Global Listed Infrastructure bei First State Investments. „Die größten Investitionsmöglichkeiten in diesem Bereich liegen aktuell im Export von Flüssigerdgas sowie Erdöl- und Raffinerieerzeugnissen. So werden beispielsweise derzeit bestehende Pipelines ausgebaut, um einerseits Gasquellen in der Marcellus/Utica-Region an der Ostküste zu nutzen sowie Öl aus der Permian-Region zwischen Texas und New Mexico, zu verteilen. Auch der Übergang hin zu erneuerbaren Energien ist in den USA deutlich zu spüren. Dank staatlicher Subventionierungen werden beispielsweise in Texas Windparkanlagen – die größten in den USA – weiter ausgebaut. Obwohl der Bundesstaat nicht dem Renewable Portfolio Standard unterliegt, der die Nutzung erneuerbarer Energien vorschreibt, ist die Nachfrage nach Windkraft hoch – jedoch mehr aus wirtschaftlichen als aus ideologischen Gründen. Versorger wie NextEra Energy, einer der größten Betreiber von Windkraftanlagen in den USA, sowie Iberdrola USA, die Pipelines an der Ostküste unterhalten, könnten unserer Ansicht nach von diesem Trend profitieren. Auch Massachusetts hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2027 1.600 MW durch Offshore-Wind zu generieren und unternimmt damit zugleich den ersten ernsthaften Offshore-Versuch der USA. Vor diesem Hintergrund sind sich die von uns jüngst besuchten Versorgungsunternehmen in den USA einig, dass Trumps Regierung den Wandel zu erneuerbaren Energien nicht zwingend beeinflussen wird. Zudem herrscht derzeit große Zuversicht darüber, dass in absehbarer Zeit bundesstaatenübergreifend regulatorische Vorschriften reduziert werden. Dies könnte die Kosten für neue Infrastrukturprojekte senken und die Zeitpläne entspannen. Aufgrund dieses optimistischen Ausblicks sehen wir bei den entsprechenden Unternehmen derzeit aber auch hohe Aktienkurse. Dieser Entwicklung stehen wir trotz aller Euphorie skeptisch gegenüber, da unserer Ansicht nach eventuelle Risiken in der Bewertung unberücksichtigt bleiben. Was uns wiederum veranlasst, die USA im Rahmen unserer Investmentstrategie unterzugewichten.“

Künstliche Intelligenz bietet Chancen für Unternehmen und Investoren

Künstliche Intelligenz ist inzwischen längst ihren fiktiven Kinderschuhen entwachsen und hält Einzug in die alltägliche Wirklichkeit. Einige Industriezweige und Unternehmen bekommen die disruptiven Folgen dieser Technologien bereits deutlich zu spüren. Dies sollten Investoren nach Ansicht von Josh Spencer, Portfoliomanager der Global Technology Equity Strategy bei T. Rowe Price, zum Anlass nehmen, die Möglichkeiten der Geldanlage neu zu überdenken. „Vielleicht überschätzen wir den Einsatz von künstlicher Intelligenz auf kurze Sicht. Ganz sicher aber unterschätzen wir enorm ihre Auswirkungen innerhalb der kommenden zehn Jahre“, sagt der Experte.

Investitionen in intelligente Technologien steigen

Künstliche Intelligenz lasse sich immer kostengünstiger und einfacher einsetzen. Deshalb sei ein Anstieg der Investitionen in die dafür benötigten Technologien vor allem bei den Unternehmen zu verzeichnen, die ein großes Interesse daran haben, tiefgreifende Erkenntnisse aus ihren gesammelten Daten zu gewinnen. Entsprechend geht das Marktforschungsunternehmen „International Development Corporation“ davon aus, dass die Investitionen in künstliche Intelligenz und damit verbundene Aktivitäten weltweit und über zahlreiche Branchen hinweg von 8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf über 47 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2020 ansteigen werden. 

Künstliche Intelligenz entwickelt sich branchenübergreifend zur Grundlage

Das erwartete Wachstum ist laut Spencer darauf zurückzuführen, dass künstliche Intelligenz das Ziel verfolgt, ein System mit existierenden Informationen so zu trainieren, dass es Muster erkennt und auf dieser Basis Prognosen für künftige Datenentwicklungen erstellt. Damit sei künstliche Intelligenz eine Grundlagentechnologie für Branchen und Unternehmen: „Kleine Unternehmen und Start-ups nutzen künstliche Intelligenz immer öfter über öffentlich zugängliche Cloud-Plattformen, weil sie damit die Bedürfnisse ihrer Kunden besser erfüllen können und wettbewerbsfähiger werden. Große Konzerne stellen diese Plattformen zur Verfügung und werden deshalb disproportional von diesem Trend profitieren.“ 

Großkonzerne profitieren überproportional von neuen Technologien

Als Beispiele für Großkonzerne, die in der Erforschung und Entwicklung von künstlicher Intelligenz bereits eine bedeutende Stellung einnehmen, führt der Experte Google, Amazon, Microsoft, Tesla, Facebook und Chinas führendes E-Commerce-Unternehmen Alibaba an. „Künstliche Intelligenz wird den Großkonzernen weiteren Rückenwind verleihen, weil sie aus dem Kampf um geeignete Fachkräfte oft als Sieger hervorgehen, über umfangreiche Rechen- und Speicherkapazitäten verfügen und den Schutz riesiger Datenbestände gewährleisten können“, erklärt Spencer.

Kleineren Unternehmen eröffnet künstliche Intelligenz bessere Marktchancen

Zwar seien Aktivitäten rund um künstliche Intelligenz nach Meinung des Experten nicht der ausschlaggebende Faktor, um in ein Unternehmen zu investieren. Dennoch gewinne das Thema an Bedeutung. Bei Anlagen in Unternehmen mit geringerer Marktkapitalisierung rät Spencer dazu, branchenübergreifend Firmen im Fokus zu haben, die ein beständiges Wachstum aufweisen, sowie den Einsatz von künstlicher Intelligenz dazu nutzen, sich einen fundamentalen Wettbewerbsvorteil und verbesserte Marktchancen zu verschaffen.

Obwohl künstliche Intelligenz überall auf dem Vormarsch zu sein scheint, weist Spencer auch auf mögliche wachstumshemmende Faktoren hin. Dazu gehöre zum Beispiel die geringe Anzahl an gut ausgebildeten Experten im Umgang mit großen Datenmengen, die Regulierung technologischer Innovationen oder die Tatsache, dass in manchen Bereichen keine ausreichenden Datenmengen gesammelt werden könnten. Auch Befürchtungen mit Blick auf mangelnden Datenschutz könnten die Verbreitung von Digital-Assistant-Technologien eindämmen. Dennoch ist der Experte davon überzeugt, dass Investoren vom Einsatz künstlicher Intelligenz profitieren sollten: „Noch vor wenigen Jahren hätte niemand daran geglaubt, dass ein Auto einmal selbst fahren wird. Heute erkennen wir deutlich, dass künstliche Intelligenz eine Technologie ist, die weitreichende Chancen bietet.“

Sichere Vermögenswerte steigen nach US-Luftangriffen auf Syrien

Gold-ETPs verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse in Höhe von 42 Mio. US-Dollar, da die Spannungen zwischen den USA und Russland eskalierten. Bei Rohöl wurden Gewinne mitgenommen, da Förderunterbrechungen und der US-Militärschlag dessen Preise um über 3 Prozent steigen ließen. Da die Erholung in der Eurozone an Dynamik gewinnt, hoben Anleger ihre Long-Positionen in Euro-ETPs an, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick. Das vollständige Dokument mit Charts finden Sie links als PDF.

Die Anleger lenkten 42 Mio. US-Dollar in Long-Gold-ETPs (A0LP78), da sich nach dem Raketenangriff, mit dem die USA auf einen syrischen Chemiewaffeneinsatz reagierten, die Stimmung verschlechterte. Russlands Präsident Putin verurteilte die Militäraktion und setzte im Gegenzug eine Vereinbarung mit den USA aus, die der Vermeidung kriegerischer Handlungen im syrischen Luftraum diente. Die Eskalation führte dazu, dass der Goldpreis um 1,7 Prozent auf 1.270 US-Dollar pro Unze zulegte und den höchsten Stand seit letztem November erreichte, was einer Zunahme von 10 Prozent im laufenden Jahr entspricht. „Hinzu kommt, dass die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen um 3 Basispunkte auf 2,31 Prozent fiel, was nicht nur auf die defensiven Strategien, sondern auch auf den unerwartet schwachen US-Arbeitsmarktbericht zurückzuführen ist. Der Konsens war von 180.000 neuen Stellen ausgegangen, während in Wirklichkeit nur 98.000 Stellen geschaffen wurden“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Da die Anleger ihre Gewinne sicherten, verzeichneten Rohöl-ETPs (A1N49P) nach den Zuflüssen der letzten fünf Wochen Abflüsse in Höhe von 19 Mio. US-Dollar. Der unerwartete Anstieg der US-Lagerbestände um 1,6 Mio. Barrel reichte nicht aus, um die positiven Preiseffekte der Förderunterbrechungen in der Nordsee und Kanada zu neutralisieren. Außerdem stiegen die Rohölpreise in Reaktion auf den US-Militärschlag innerhalb eines Tages sprunghaft um ganze 2 Prozent an. Wir halten dies für eine Überreaktion. Bei Syrien handelt es sich um keinen bedeutenden Erdölproduzenten, das heißt, dass wohl eher die möglichen Reaktionen der syrischen Verbündeten Russland und Iran im Vordergrund standen. Immerhin kann der Iran noch seine Produktion steigern, während sie von anderen OPEC-Staaten gesenkt wird. Auch Russland ist noch weit von der Reduzierung der Produktionsmenge entfernt, zu der es sich im Rahmen der Vereinbarung der OPEC- mit den Nicht-OPEC-Ländern verpflichtet hat. „Wir sehen bei den Rohölpreisen nach der reflexartigen Reaktion auf den Raketenangriff eine kurzfristige Korrektur“, meint Hein.

Industriemetall-ETPs (A0SVX7) verzeichneten aufgrund der stärkeren globalen makroökonomischen Daten Zuflüsse in Höhe von 11 Mio. US-Dollar. Die Preise der Industriemetalle selbst erhielten Unterstützung von Seiten der sich bessernden Wirtschaftsdaten und steigenden Aktienmärkten. „Trotzdem gaben die Metallpreise nach dem US-Luftangriff leicht nach, was den Wechsel aus Zyklikern in defensive Werte wiederspiegelt“, sagt Hein.

Bei Short-Euro-ETPs kam es in der vergangenen Woche zu Abflüssen in Höhe von 18,8 Mio. US-Dollar. In Long-Euro-ETPs flossen 3,2 Mio. US-Dollar. „Das Sentiment der Anleger hinsichtlich des Euro wird sich womöglich verbessern, da EZB-Präsident Draghi auf einer Konferenz an der Frankfurter Goethe-Universität am vergangenen Donnerstag erklärt hat, dass die Erholung voranschreitet und nun an Dynamik gewinnen könnte“, sagt Hein.

Ereignisse in dieser Woche. Die Außenminister der G7-Staaten halten am Dienstag eine Pressekonferenz ab. Kurz zuvor wurden die britischen Inflationsdaten für März und die deutsche ZEW-Umfrage für April veröffentlicht. Am Donnerstag wird ein starker chinesischer Handelsbericht für März die Zykliker zusätzlich stützen. Am Karfreitag sind die Märkte in Großbritannien und den USA geschlossen.

Feilschen um Trumpcare lässt US-Gesundheitsmarkt kalt

Bisher ist US-Präsident Donald Trump mit seinem zentralen Wahlversprechen, die Gesundheitsreform Obamacare abzuschaffen, am Widerstand aus den eigenen Reihen gescheitert. Republikanischen Hardlinern sind Trumps Pläne zu lasch, dem gemäßigteren Parteiflügel im Repräsentantenhaus gehen die Pläne hingegen zu weit. Angesichts dieser Pattstellung geht die Lacuna GmbH, Spezialistin auf dem Gebiet der Healthcare-Fonds, davon aus, dass sich Trump nun rasch seinem nächsten großen Projekt, der Unternehmenssteuerreform, zuwendet. Die Impulse sollten sich sowohl auf die amerikanische Gesundheitsbranche als auch auf die weitere Healthcare-Performance positiv auswirken.

Eigentlich wollte US-Präsident Donald Trump der bei vielen Republikanern verhassten Gesundheitsreform Affordable Care Act, besser bekannt als Obamacare, möglichst rasch nach seiner Amtseinführung ein Ende bereiten. Doch bisher machten ihm seine Parteikollegen einen Strich durch die Rechnung. Im Kongress findet sich noch keine Mehrheit für die als Trumpcare bezeichneten Pläne des Präsidenten, weil sie einigen seiner Parteikollegen nicht weit genug gehen, anderen wiederum zu radikal erscheinen. Geht es nach Trump, würden immerhin rund 24 Millionen Bürger in den USA ihren Versicherungsschutz verlieren. „Die andere Seite ist, dass trotz Obamacare noch mehr als 25 Millionen Menschen keine Krankenversicherung haben und die Kosten im Gesundheitssystem weiter massiv angestiegen sind. Die Versicherungspflicht ist zudem vielen Amerikanern ein Dorn im Auge“, erklärt Ingo Grabowsky, Healthcare-Experte der Lacuna GmbH. Das Regensburger Unternehmen ist Initiator des Fonds Lacuna – BB Adamant Global Healthcare und hat als solcher den US-Gesundheitsmarkt stets im Blick.

Healthcare-Sektor darf auf Impulse hoffen

Nachdem die Republikaner auch vergangene Woche keinen mehrheitsfähigen Kompromiss erzielen konnten, geht man bei Lacuna davon aus, dass sich Trump nun der Unternehmenssteuerreform widmet. Dieses Vorhaben hätte auch positive Effekte für die amerikanischen Healthcare-Unternehmen und in weiterer Folge natürlich ebenso für Investoren. „Darüber hinaus soll an einer Effizienzsteigerung der in den USA für Arzneimittelzulassungen zuständigen Behörde FDA gearbeitet werden, wovon die US-Biotechs profitieren würden“, zeigt sich Grabowsky zuversichtlich. Alleine die Tatsache, dass die permanenten Diskussionen über die Branche während des Wahlkampfs wegfallen, nimmt Unsicherheit aus dem Markt und werde sich positiv auf die weitere Healthcare-Performance auswirken, so der Lacuna-Experte. Ein aktueller Vergleich mit dem Aktienindex S&P 500 zeigt zudem, dass sämtliche Subsektoren der Branche nach wie vor günstig bewertet sind, was Investoren attraktive Einstiegschancen eröffnet.

Investments in innovative Subsektoren gefragt

Auch wenn das Ringen um die Abschaffung von Obamacare in der Öffentlichkeit sehr präsent ist, halten sich die Auswirkungen der Reformdebatte auf Healthcare-Investoren in überschaubaren Grenzen. Denn unabhängig davon fordern die demografischen Megatrends wie die Überalterung der Gesellschaft und immer mehr übergewichtige Menschen in den USA Innovationen im Gesundheitssystem. „Gerade die Bereiche Biotech und Generika sind hier sehr gefragt und haben großes Potenzial. Für Investoren ist es entscheidend, sich innerhalb der richtigen Subsektoren zu bewegen“, legt Grabowsky nahe.

Lacuna ist ein innovativer Initiator im Finanzbereich, der auf zukunftsfähige Branchen und Märkte setzt. Mit einem ganzheitlichen Blick auf den Kapitalmarkt entwickeln wir sowohl individuelle Einzel- als auch Gesamtlösungen für den Anleger. Mit diesem integrierten Ansatz bieten wir Produkte und Finanzlösungen an, ganz nach den Bedürfnissen unserer Kunden. Hierbei sorgen wir für einen vertrauensvollen Umgang mit dem eingesetzten Kapital. Als Teil einer mittelständischen und inhabergeführten Unternehmensgruppe mit Sitz in Regensburg sind wir seit 1996 mit dem Standort Regensburg verbunden.
Mehr über die Lacuna GmbH erfahren Sie unter www.lacuna.de

Japan-Aktienfonds schlägt Gesamtmarkt seit 25 Jahren

Auch angesichts des weltweiten Aufwärtstrends an den Aktienmärkten bleiben Unternehmensanteile aus Japan weiterhin günstig bewertet. „Noch immer konzentrieren sich die Anleger auf die lange Stagnation der japanischen Volkswirtschaft und übersehen dabei die großen Fortschritte der japanischen Unternehmen“, sagt Ernst Glanzmann, Head of Japan bei GAM und Fondsmanager des GAM Star Japan Equity - EUR (ISIN: IE0003012535), der dieses Jahr sein 25-jähriges Fondsjubiläum gefeiert hat. „Seit dem Platzen der Bubble Economy haben japanische Aktien eine höchst interessante Zeit erlebt. Immer wieder hat die globale Nachrichtenlage die fundamentale Entwicklung überschattet und den Gesamtmarkt belastet, obwohl viele Einzelunternehmen ihre weltweite Marktdurchdringung ausgebaut haben und so Wachstum erzielen und ihre Eigenkapitalrenditen steigern konnten“, erklärt Glanzmann, der den Fonds gemeinsam mit Reiko Mito managt. 

Bottom-up-Strategie schlägt japanischen Gesamtmarkt

Mit seiner Bottom-up-Strategie ist es dem Fonds seit Auflage gelungen, seine Benchmark, den Tokyo Price Index (TOPIX), deutlich zu schlagen. Während der japanische TOPIX-Index seit Fondsauflage am 4. März 1992 seinen Wert um 78 Prozent steigern konnte, hat der GAM Star Japan Equity eine Gesamtrendite von 235,5 Prozent erzielt. Damit lag die annualisierte Rendite von 4,9 Prozent bei mehr als dem Doppeltem des Index, der pro Jahr 2,3 Prozent zulegen konnte (Stand: 31. März 2017). Den Schlüssel zum Erfolg sieht Glanzmanns Kollegin Reiko Mito in Unternehmen mit hohem langfristigem Wachstumspotenzial und geringem Fremdfinanzierungsanteil. Diese seien nicht selten international ausgerichtet: „Seit der Jahrtausendwende hat sich viel in den Köpfen der japanischen Unternehmensführer getan“, so die Fondsmanagerin. „Die erfolgreichen Unternehmen konzentrieren sich weniger auf die Steigerung des Marktanteils im Inland, sondern mehr auf den Weltmarkt. Der Anteil der Auslandsumsätze ist in den vergangenen zwanzig Jahren von im Schnitt 10 Prozent auf fast 40 Prozent gestiegen. Bei vielen der Unternehmen, die wir als führend ansehen, liegt diese Zahl jedoch eher bei 80 Prozent.“

Aussichten sind aus fundamentaler Perspektive gut

Aus dieser Strategie ergibt sich ein Portfolio, das schwerpunktmäßig auf Industrietitel, die Hersteller von langlebigen Konsumgütern, Verbrauchsgütern sowie Informationstechnologie setzt. Zu den wichtigsten Positionen gehören unter anderem der Chemiekonzern Shin-Etsu Chemical, der Fahrzeughersteller Suzuki und der Elektromotorhersteller Nidec. Ernst Glanzmann und Reiko Mito sind überzeugt, dass Anleger mit einem Fokus auf Unternehmen wie diese auch in Zukunft am japanischen Aktienmarkt erfolgreich sein werden. „Viele Vermögensverwalter konzentrieren sich auf Faktoren wie die demografische Entwicklung, die Staatsverschuldung, den Umfang der Bilanz der Bank of Japan oder die Wechselkurse. Wir hingegen investieren in führende Unternehmen, nicht in die Nation Japan. Unser Ansatz baut auf Bottom-up-Analysen auf, und aus fundamentaler Sicht erkennen wir nichts, das Anlass zur Sorge bietet“, schließt Glanzmann.

*alle Performanceangaben sind für die EUR-Shareklasse gerechnet

„Die säkulare Wachstumsgeschichte der Schwellenländer behält ohne Abstriche ihre Gültigkeit“

Schwellenländeraktien profitieren von langfristigen Trends wie steigenden Löhnen, jungen Konsumenten und einer niedrigen Arbeitslosenrate. In den meisten Schwellenländern sind zudem Zeichen für eine Schuldenreduzierung erkennbar. Außerdem haben sich die Rohstoffpreise stabilisiert und die Wechselkurse der lokalen Währungen sind auf ein attraktives Niveau gefallen. Im Interview bewertet Rishikesh Patel, Portfoliomanager bei LGM Investments unter dem Dach von BMO Global Asset Management, die Aussichten für Emerging Markets angesichts Donald Trumps Wirtschaftspolitik, dem Brexit oder einem Zinsanstieg in den USA.

Herr Patel, angesichts der Politik Donald Trumps und des Brexits mehren sich die Zweifel am Aufwärtstrend an den Aktienmärkten. Könnten auch Schwellenländeraktien wieder in schwierigeres Fahrwasser geraten?

Rishikesh Patel: Aus fundamentaler Sicht hat sich nicht viel geändert. Um es anschaulich zu machen: Für die Frage, ob die asiatischen Konsumenten weiterhin ihre Zähne putzen, Bankkonten eröffnen, Snacks essen, Tee trinken oder Haaröl verwenden, spielt die Politik Donald Trumps oder der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union keine Rolle. Wenn wir in fünf bis zehn Jahren zurückblicken, werden sich diese Ereignisse kaum als die entscheidenden Renditetreiber im Portfolio erweisen. Aus unserer Sicht haben die zentralen Argumente für die Emerging Markets – die säkulare, also langfristige, Wachstumsgeschichte – weiter ohne Abstriche ihre Gültigkeit.

Welche langfristigen Trends prägen die Entwicklung in den Schwellenländern?

Rishikesh Patel: Der zentrale Treiber ist eindeutig das Wachstum der arbeitsfähigen Bevölkerung. Wenn man den Experten der UN folgt, ist zu erwarten, dass diese in den Schwellenländern außerhalb Chinas in den nächsten 15 Jahren auf rund 700 Millionen ansteigen wird. Das entspricht einem jährlichen Anstieg von zwei Prozent. Besonders deutlich wird die Entwicklung in den Städten: Die Boston Consulting Group etwa erwartet, dass die städtische Bevölkerung in den Schwellenländern zwischen 2010 und 2030 um 1,3 Milliarden anwachsen wird. Das ist mehr als heute in allen Städten der entwickelten Welt leben. Neben Demographie und Urbanisierung gehört auch der verstärkte Eintritt von Frauen in den Arbeitsmarkt zu diesen säkularen Treibern. All das schafft Voraussetzungen für wachsende Renditepotenziale, die wir anzapfen können.

Wie können Anleger von der langfristigen Wachstumsgeschichte profitieren?

Rishikesh Patel: Der Schlüssel dazu sind Positionen in Unternehmen, die Güter und Dienstleistungen für die entsprechenden Gesellschaftssegmente zur Verfügung stellen. Ein gutes Beispiel sind indonesische Banken. In Indonesien liegt die Kreditdurchdringung derzeit bei nur 30 Prozent. Weniger als 20 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu einem Bankkonto. Das bildet den langfristigen Investment Case für unsere Positionen in den indonesischen Banken Mandiri und Rakyat. Ein anderes Beispiel stammt aus den Philippinen: Hier liegt der Konsum trinkfertiger Teegetränke bei 2,1 Litern jährlich – im asiatischen Durchschnitt sind es mit 15,3 Litern viel mehr. Das ist ein starkes Argument für den philippinischen Konsumgüterhersteller URC, der dieses Marktsegment mit einem Anteil von 74 Prozent dominiert. In beiden Fällen profitieren die Unternehmen von langfristigen Entwicklungstrends. Doch noch wichtiger ist für uns, dass sie über starke Wettbewerbsvorteile wie etwa Markenstärke, Vertrieb oder Innovationskraft verfügen. Das erlaubt ihnen, in einem günstigen Marktumfeld hohe Margen und damit hohe Profite zu erzielen. Diese anhaltende Stärke und Dominanz der Geschäftsmodelle ist für uns der eigentliche strategische Grund, langfristig zu investieren.

Das Wachstum von Volkswirtschaften und Unternehmen in den Emerging Markets hat in der Vergangenheit von einem Umfeld niedriger Zinsen profitiert. Nun stehen die Zeichen in den USA jedoch in Richtung steigender Zinssätze. Ist das für Sie Anlass zur Sorge?

Rishikesh Patel: Darauf gibt es zwei Antworten. Die erste betrifft die allgemeine Entwicklung, die andere die Portfolios von Investoren. Es stimmt, dass wir uns in einen Zyklus der Zinsnormalisierung in den USA bewegen könnten – was auch immer das heutzutage bedeutet. Die Auswirkungen auf die Schwellenländer werden wahrscheinlich vor allem im Bereich der Währungen zu spüren sein. Sorgen um einige hochverschuldete Länder und Unternehmen wären die Folge, insbesondere wenn es sich um Schulden in US-Dollar handelt. Höhere Zinsen könnten etwa die Finanzierung von Unternehmensaktivitäten erschweren oder die Refinanzierungskosten in die Höhe treiben. Doch das zeigt schon, dass Investoren auf der Unternehmensebene differenzieren müssen. Dann fällt die Antwort viel positiver aus.

Wie können Investoren mit steigenden Zinsen und einem starken US-Dollar umgehen?

Rishikesh Patel: Wir fragen selbst immer nach den Folgen für die einzelnen Positionen in unserem Portfolio. Wir mögen keine Firmen, die hohe Schulden in ihren Bilanzen haben, es sei denn, diese sind sehr gut begründet, etwa durch vernünftige Expansionsaktivitäten oder Zukäufe. Im Ganzen gesehen ist unser Portfolio so gut wie gar nicht verschuldet – und viele Unternehmen verfügen unterm Strich über positive Eigenkapitalbestände. Wir sehen keinen Grund, warum Firmen, die so aufgestellt sind und über langfristige Wettbewerbsvorteile in wachsenden Marktsegmenten verfügen, aufgrund steigender Zinsen in den USA in Schwierigkeiten geraten sollten. Diese Unternehmen haben es uns in den vergangenen drei bis fünf Jahren ermöglicht, Überrenditen gegenüber dem Index zu erzielen. Das waren Zeiten, in denen Fremdfinanzierung günstig war. Daher sind wir zuversichtlich, dass sich die entsprechenden Firmen nun im Vergleich zum Gesamtmarkt sogar eher besser entwickeln werden.

Sonniger Ausblick mit Schatten

Schwellenländer haben im vergangenen Jahr trotz vieler geopolitischer Ereignisse wie den US-Wahlen solide Renditen erwirtschaftet. Für 2017 wird daher erwartet, dass diese Länder womöglich abermals das Wirtschaftswachstum der etablierten Volkswirtschaften übertreffen werden. Ein steigender Ölpreis sowie die anhaltend hohe Nachfrage nach Neuemissionen von Schwellenländeranleihen könnten diese Entwicklung stützen. Die Wachstumsprognose für Schwellenländer dürfte jedoch gerade bei den Ländern, deren Wirtschaft primär von den Handelsbeziehungen zu den USA profitiert, auch davon abhängen, wie die Trump-Regierung den angedachten US- Protektionismus weiter vorantreibt. Die eventuell daraus resultierende Volatilität an den Anleihemärkten könnte hingegen auch Investoren interessante Einstiegsmöglichkeiten in diese Assetklasse bieten.

„Nach unbefriedigenden Jahren sehen wir bei Schwellenländern wieder eine konjunkturelle Erholung“, sagt Helene Williamson, Head of Emerging Markets Debt bei First State Investments. „Wir erwarten daher, dass diese Länder im Jahr 2017 die entwickelnden Volkswirtschaften in ihrem Wachstum übertreffen könnten. Hervorzuheben wären hier beispielsweise in Lateinamerika Brasilien und Argentinien, deren Wirtschaft sich aufgrund ihrer aktuellen fiskalpolitischen Strategie wieder stabilisiert. Ebenso erwarten wir in Russland und Kasachstan ein stärkeres Wachstum, da beide Länder vom derzeit hohen Ölpreis profitieren dürften. Bereits im vergangenen Jahr war der steigende Ölpreis teilweise für die positive Renditeentwicklung der Assetklasse Emerging Markets Debt (EMD) mitverantwortlich. So erwirtschafteten Anleihen von Öl fördernden Schwellenländern wie Venezuela und Ecuador Renditen von mehr als 30 Prozent, da die Kreditwürdigkeit dieser Länder im Hinblick auf ihre viel höheren Öleinnahmen neu bewertet wurde. Sollten sich die OPEC-Mitgliedstaaten an die im vergangenen Jahr beschlossene Drosselung der Ölfördermenge halten, könnte dies zu einem weiteren Anstieg der globalen Ölpreise und somit zu abermals hohen Anleiherenditen vereinzelter Ölfördernationen führen. Über die Zeit betrachtet korrelieren die Emerging Market Spreads mit dem Ölpreis. Dies ist bei der hohen Anzahl an Öl exportierenden Ländern im EMD-Anlageuniversum nicht überraschend. Ein weiterer positiver Faktor ist die aktuell sehr hohe Nachfrage nach Neuemissionen dieser Anlageklasse. Allerdings dürften unserer Einschätzung nach Schwellenländer, die überwiegend Industriegüter exportieren, unter Druck geraten, wenn Donald Trump seine Idee des US-Protektionismus tatsächlich durchsetzen sollte. Dies dürfte insbesondere Mexiko aber auch die großen asiatischen Produktionsländer treffen. Wir sehen in 2017 vor allem die Beziehung zwischen China und den USA als einen der bedeutendsten politischen Einflussfaktoren für Schwellenländeranleihen sowie für die globalen Märkte insgesamt. Da der politische Kurs Trumps nun klarer zu werden scheint, erwarten wir wieder mehr Volatilität auf dem Markt. Unserer Ansicht nach könnte das jedoch im Gegenzug auch zu attraktiven Einstiegsmöglichkeiten für Investoren in die Assetklasse führen.“

Aktien dürften Anleihen 2017 überflügeln

von Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International.

Das Szenario einer Reflation - also eines von beschleunigter Teuerung begleiteten Wirtschaftswachstums – ist noch intakt. Doch das Auf und Ab von Wachstums- und Inflationsdaten lässt fallweise Kursschwankungen erwarten. Derzeit warten die Anleger noch auf Details und Entscheidungen zu den Konjunkturmaßnahmen von US-Präsident Trump wie Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben. Zwar scheint er gewillt, seine Versprechen einzuhalten, aber die Märkte verlangen jetzt Taten statt Worte.

Möglicherweise unterschätzen die Finanzmärkte die Inflationsgefahr – insbesondere, da die Inflation in den vergangenen zehn Jahren kein großes Thema war. Doch die noch ungenutzten Kapazitäten der führenden Volkswirtschaften könnten schnell ausgeschöpft sein, weshalb die Inflation bis Ende 2018 wieder Probleme bereiten könnte.

Aktien: US-Markt könnte an Zugkraft verlieren

2017 werden Aktien Anleihen aller Voraussicht nach überflügeln. Dafür sprechen die sich verbessernde Weltkonjunktur, das beschleunigte Gewinnwachstum und starke Reflationserwartungen. Aktien könnten sich in diesem Jahr sehr gut entwickeln und uns dem Ende des Bullenmarktes näherbringen. Der bestimmende Faktor an den Börsen dürfte das Gewinnwachstum sein – möglicherweise schwindet aber die Führungsrolle des US-Marktes. Darüber hinaus wird die Einzeltitelauswahl bei Aktien wichtiger als die Branchenauswahl – im Gegensatz zum vergangenen Jahr, wo zyklische Aktien besser abschnitten als defensive Titel.

Auf globaler Ebene erwarten wir nach einigen enttäuschenden Jahren für 2017 ein Gewinnwachstum von 10,3 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent. In Europa sind die Gewinne in den vergangenen Jahren langsamer gestiegen als in den USA, doch inzwischen erholen sie sich robust.

Anleihen: Renditen steigen moderat, doch keine große Rotation am Markt erwartet

Die Konjunkturpolitik von US-Präsident Trump ist für Anleihen nicht der alles entscheidende Faktor. Zwar werden die Renditen von US-Staatsanleihen steigen, doch erwarten wir keine außergewöhnliche Rotation am Markt. Der Aufwärtsdruck bei den Renditen wird durch zyklische und langfristige Faktoren abgeschwächt. In einem Umfeld anhaltend niedriger Zinsen sehen wir Schwellenländeranleihen als interessant ein.

Rohstoffe profitieren von Wachstum und Inflation

Verhalten positiv sehen wir Rohstoffe. Ihre Preise dürften vom Wirtschaftswachstum und steigender Inflation profitieren. Öl schätzen wir nach wie vor positiver ein als die Mehrheit der Marktteilnehmer. Dafür spricht, dass Angebot und Nachfrage wieder schneller ins Gleichgewicht kommen als vielfach erwartet. Mit Blick auf andere Anlageklassen bleiben Gewerbeimmobilien attraktiv, da sie laufende Erträge abwerfen und einen gewissen Inflationsschutz bieten. Allerdings dürften sie kurzfristig nicht mehr so rentabel sein wie in den letzten Jahren. Politische Unsicherheit ist hier das Hauptrisiko. Da die Inflation nach oben zu tendieren scheint, wird voraussichtlich auch die Nachfrage nach Infrastrukturanlagen und Kreditverbriefungen steigen.

Südafrika – welche Folgen hat die Kabinettsumbildung für Anleger?

von Marcelo Assalin, Head of Emerging Market Debt bei NN Investment Partners.

Mit dem Timing seiner Kabinettsumbildung in der vergangenen Woche hat Präsident Zuma sowohl Anleger als auch Ratingagenturen überrascht. Finanzminister Pravin Gordhan und sein Stellvertreter Mcebisi Jonas wurden durch Vertraute des Präsidenten ersetzt, die über wenig Erfahrung im Finanzministerium oder an den Finanzmärkten verfügen. Dadurch hat Südafrika an Glaubwürdigkeit verloren. S&P hat daher sofort das Rating auf ein spekulatives Niveau (BB+) gesenkt, bzw. auf die niedrigste Investment-Grade-Stufe (BBB-) für Verbindlichkeiten in Lokalwährung. Auch der Ausblick wurde auf „negativ“ zurückgenommen, was als Warnung für südafrikanische Politiker zu verstehen ist: Die Toleranz für weitere politische Fehler ist gering.

Moody‘s und Fitch dürften S&P folgen

Die Ratingherabstufung durch S&P hat uns nicht überrascht, denn es ist möglich, dass die haushaltspolitische Disziplin unter einem neuen und unerfahrenen Finanzminister leidet. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden Moody‘s und Fitch dem Beispiel von S&P folgen und die jüngste Kabinettsumbildung ebenfalls ablehnen; es ist mit weiteren Ratingherabstufungen zu rechnen. Dies wiederum sollte weitere Verkäufe auslösen – vor allem, wenn die Herabstufungen so stark ausfallen, dass Südafrika aus den Investment-Grade-Indizes herausfällt. Zwar ist Südafrika vor der im Dezember anstehenden Wahl des neuen ANC-Parteivorsitzenden in eine Phase der riskanten Politik eingetreten; dennoch besteht unseres Erachtens kein Anlass zur Panik, da Südafrikas institutionelles Rahmenwerk zahlreiche „Checks and Balances“ beinhaltet, die in gewissem Umfang als Puffer wirken dürften. Zudem wurde sowohl innerhalb des ANC als auch bei den Oppositionsparteien und in der Öffentlichkeit heftiger und anhaltender Unmut gegen die Kabinettsumbildung laut. Im Jahr 2015 ist es schon einmal zu einer ähnlichen Episode gekommen. Damals entließ Präsident Zuma den marktfreundlichen, glaubwürdigen Finanzminister Nene und ersetzte ihn durch den relativ unbekannten Abgeordneten David van Rooyen. Nach einem Rückschlag an den Finanzmärkten – die Renditen schnellten in die Höhe, und der Rand wertete deutlich ab – revidierte Zuma diese Entscheidung rasch und ernannte nur fünf Tage später den erfahrenen und respektierten Pravin Gordhan zum Finanzminister. Damals wiesen die Ratingagenturen klar auf das Risiko hin, dass die institutionelle Stärke und Effektivität des Finanzministeriums Schaden nehmen könne.

Wechselkursabwertung und Anleiheverkäufe

Nach einer Phase kräftigen Aufwertens (9,5 Prozent im bisherigen Jahresverlauf) setzte eine leichte Abwertung des Rand ein, als bekannt wurde, dass Präsident Zuma seinen Finanzminister Gordhan von dessen Reise nach Großbritannien und in die USA zurückbeordert hatte. Nachdem die Nachricht von Gordhans Entlassung bestätigt wurde, wurden der südafrikanische Rand sowie Anleihen verstärkt verkauft. Der Rand wertete von einem Schlusskurs von 12,4 USDZAR am 24. März auf 13,8 USDZAR ab. Die Renditen 10-jähriger Lokalwährungsanleihen stiegen von 8,3 Prozent am 22. März auf über 9 Prozent an, und die Spreads für südafrikanische Staatsanleihen weiteten sich im selben Zeitraum auf rund 280 Basispunkte. Nach der Herabstufung durch S&P kam es zu einer weiteren Verkaufswelle südafrikanischer Vermögenswerte. Das war allerdings erwartet worden.

Südafrikanisches Finanzministerium gilt als glaubwürdig

Trotz der negativen Ratingentscheidungen ist eines ermutigend: Auf sehr hoher Ebene ist man sich in Südafrika durchaus bewusst, wie wichtig ein starkes Finanzministerium ist und welchen Nutzen ein Investment-Grade-Rating bietet. Aufgrund dieses Bewusstseins und der Reaktion auf den Abgang von Finanzminister Nene wurde Pravin Gordhan im Jahr 2015 in einer ähnlichen Situation rasch ernannt. Dadurch stabilisierten sich die Renditen, und der Rand wertete gegenüber dem Dollar innerhalb von 15 Monaten um über 25 Prozent auf. Die Medien genießen in Südafrika viel Freiheit, und die jüngste Kabinettsumbildung wurde in weiten Kreisen abgelehnt.

Vor der Wahl des neuen Parteivorsitzenden des ANC werden die politischen Differenzen innerhalb der Partei stärker zutage treten. Derweil ist es beruhigend, dass das Finanzministerium in weiten Kreisen als starke und glaubwürdige Institution gilt und über zahlreiche Checks and Balances sowie erfahrene Angestellte verfügt. Der Haushalt wurde bereits verabschiedet, ist weitgehend konservativ und wird in angemessen disziplinierter Weise umgesetzt. Südafrikanische Vermögenswerte sind liquide und sind es auch in der vergangenen Woche geblieben. 

Deutliche Reaktion der Zentralbank unwahrscheinlich

Südafrika hat vor kurzem sehr gute Leistungsbilanzdaten veröffentlicht, die für eine beachtliche Verbesserung der Terms of Trade sprechen. Dennoch besteht ein strukturelles Leistungsbilanzdefizit fort. Aber auch die südafrikanische Zentralbank (SARB) ist eine starke und glaubwürdige Institution, die ihre Ziele seit langem erfolgreich verwirklicht. Sie ist außerdem eine Zentralbank, die im Vergleich zu den Notenbanken in anderen Schwellenländern sehr wenig interveniert. Sie zieht es vor, dass der Markt den Wechselkurs des Rand festlegt – selbst in extremen Stressphasen. Vor kurzem äußerte sie, der Rand sei aus fundamentaler Sicht überbewertet. Daher dürfte sie wohl kaum ernsthaft auf die jüngsten Marktturbulenzen reagieren. Außerdem weiß die Zentralbank genau, wie wichtig ausländische Investitionen für die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits sind, sodass Kapitalverkehrskontrollen sehr unwahrscheinlich sind. 

Zunehmende Hoffnung auf Kurswechsel nach Wahlen 2019

Präsident Zumas verzweifelter Schritt der Kabinettsumbildung ist unseres Erachtens ein Hinweis darauf, dass seine Macht schwindet. Angesichts des öffentlichen Widerstands nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass Zuma als Präsident und möglicherweise auch als ANC-Vorsitzender nicht wiedergewählt wird. Die Frustration über die Korruption und die Unfähigkeit der Regierung, das Wachstum zu steigern und den Wohlstand gerechter zu verteilen nimmt zu. Die Ereignisse der vergangenen Woche werden die Diskussion über Südafrikas künftigen Kurs anheizen. Da die Popularität des ANC im Vorfeld der Parlamentswahlen 2019 schwindet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kandidat wie Vizepräsident Cyril Ramaphose mit einem reformorientierteren Programm gewählt wird und die Rahmenbedingungen für ein längerfristiges Wachstum geschaffen werden.

Die Politik von Präsident Zuma bleibt unberechenbar, und wir werden die Entwicklungen in den kommenden Monaten weite sehr genau beobachten. Auch wenn die Volatilität kurzfristig hoch bleiben sollte, ist angesichts früherer Erfahrungen davon auszugehen, dass Südafrikas institutionelle Checks and Balances einen wirtschaftlichen Einbruch bzw. übermäßige Vermögenspreisverluste verhindern können. Südafrika hat sich bereits als widerstandsfähig gegenüber vergleichbaren politischen Fehlern erwiesen, und möglicherweise bringt uns die unglückliche jüngste Episode einem möglichen Kurswechsel und einer besseren Zukunft für Südafrika näher.

Argentinische Aktien gewinnen mittelfristig an Attraktivität

Booms und dramatische Einbrüche haben die Wirtschaftsentwicklung Argentiniens in den letzten Jahrzehnten geprägt. Um die dringend benötigte Konjunkturerholung anzustoßen, griff die Regierung von Mauricio Macri ab dem Jahr 2015 mit intensiven Interventionen in die Finanzmärkte ein. Die Bemühungen scheinen von Erfolg gekrönt, denn in Kürze dürften argentinische Aktien wieder eine attraktive Kaufgelegenheit darstellen. Dieser Meinung ist Tim Love, Investment Director für Schwellenländeraktien bei GAM. „In der zweiten Hälfte des Jahres 2017 dürften die Aktienbewertungen bis zu den Halbzeitwahlen im Oktober konsolidieren. Dadurch wird ein längerfristiger Einstiegspunkt für das Jahr 2018 geschaffen. Das Leistungsbilanzdefizit dürfte bei etwa drei Prozent verharren und die Devisenreserven sollten weiterhin bei über 40 Milliarden US-Dollar liegen. Die fiskalischen Ziele könnten im Wahlkampf durchaus gelockert werden. 2018 dürften die Zügel jedoch wieder gestrafft werden, da die Regierung langfristig einen Primärüberschuss anstrebt." 

Unsicherheit auf kurze Sicht

Kurzfristig lässt sich die Marktrichtung Love zufolge allerdings schwer vorhersagen, insbesondere nach der kräftigen Rally zyklischer Aktien im Januar. „Argentinische Aktien sind derzeit vor allem aufgrund der teuren Bewertungen im Bankensektor und der breiten Rally im Versorgungssektor nach der Überprüfung der Tarife unattraktiv“, so Love. Vor dem Hintergrund der Halbzeitwahlen im Oktober und einer generell sehr wechselhaften politischen Landschaft ließen sich die Anlagechancen auf kurze Sicht besonders schwer einschätzen. „Die Veränderungsrate des Konsumentenpreisindex, die Kreditverfügbarkeit und das BIP-Wachstum sind wichtige Indikatoren, die man im Auge behalten sollte. Falls sie bis zum Ende des ersten Quartals negativ werden, könnte der Großteil der spektakulären Gewinne des Marktes im Zuge von Gewinnmitnahmen verpuffen. Auf längere Sicht würden wir einen solchen Kursrückgang für Käufe nutzen, da die Regierung nach den Halbzeitwahlen im Oktober noch für zwei Jahre im Amt sein wird“, erklärt Love. 

Bedeutende Fortschritte im politischen und wirtschaftlichen Reformprozess

Die derzeitige Regierung habe bereits viel erreicht, so der Experte. Die erbrachten Leistungen umfassten Reformen, Maßnahmen zur Wachstumsstärkung und Verbesserungen der Kapitalbilanz. Zu den bedeutendsten Erfolgen zählten die Beilegung der Probleme Argentiniens mit Staatsanleihen in der Hand von ‚Holdout-Gläubigern‘, Maßnahmen gegen Ungleichgewichte bei den Tarifen im Versorgungssektor und die Freigabe der Währung. „Darüber hinaus hat die Regierung Marci Kapitalkontrollen aufgehoben und damit die Aussicht Argentiniens auf eine Reklassifizierung als ‚Schwellenland‘ verbessert“, erklärt Love. Infolge der Wiederaufnahme in die MSCI-Indizes könnte Argentinien einen Zufluss von einer Milliarde US-Dollar verzeichnen. „Die Reallöhne sind gestiegen, und mittlerweile lässt sich eine deutliche Erholung der Investitionen erkennen. Diese Faktoren sollten den Konsum ankurbeln. Deshalb rechnen wir in diesem Jahr mit einer Konjunkturerholung“, sagt Love.

In den kommenden Monaten dürften sich günstige Kaufgelegenheiten ergeben

Trotz der nachvollziehbaren Neigung mancher Anleger, noch vor den Halbzeitwahlen in Argentinien Gewinne mitzunehmen, behält Love die beiden wichtigsten Positionen vorerst bei. Einen Rückschlag aufgrund von Umfrageergebnissen zugunsten von populistischen Parteien, eine kurzfristige Verlangsamung des BIP-Wachstums oder ein Anstieg der Konsumentenpreisinflation würde der Schwellenländer-Experte zum Kauf von argentinischen Aktien nutzen. „Wir gehen davon aus, dass sich zur Mitte des Jahres 2017 vor den Wahlen im Oktober entsprechende Einstiegspunkte ergeben werden.“

Robotik und Automatisierung: Chance oder Bedrohung?

von Angus Muirhead, CFA, Fondsmanager, Credit Suisse.

Die Technologiebranche ist heute ein wichtiger Wirtschaftszweig der Industrieländer und beschäftigt weltweit mehr als 15 Millionen Menschen. Da jedoch intelligentere, erschwinglichere Robotiklösungen körperliche und kognitive Aufgaben zunehmend besser erledigen als Menschen, behaupten einige Beobachter, dass viele Jobs unweigerlich an derartige Systeme verloren gehen werden. Andere hingegen sind der Meinung, die Technologie werde neue Arbeitsplätze schaffen. In diesem Artikel befassen wir uns mit beiden Seiten der Debatte und stellen die Frage, ob wir die Auswirkungen der Technologie beschränken oder der Technologie vielmehr aufgeschlossen gegenüberstehen, uns an sie anpassen und gemeinsam mit ihr weiterentwickeln sollten.

Ersetzt durch einen Roboter?

In einem kürzlich veröffentlichten Artikel mit dem Titel „A future that works“1 schätzt McKinsey & Company, dass beim derzeitigen Stand der Technik weniger als 5 % aller Arbeitsplätze weltweit vollständig „automatisierbar“ wären. Wenn man zu diesen 5 % zählt, ist dies gewiss eine unerfreuliche Nachricht, doch sie wird das soziale Gefüge der Welt wahrscheinlich nicht aus den Angeln heben. Allerdings geht McKinsey weiter davon aus, dass in 60 % aller Berufe rund 30 % der Arbeit automatisierbar wären. Und da zu erwarten ist, dass das Tempo der technologischen Innovation anzieht, wird Technologie sich mit der Zeit weiter ausbreiten und größeren Einfluss auf den Arbeitsmarkt nehmen. Des Weiteren wird sich dieser Einfluss aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf gering qualifizierte Fabrikarbeit und körperliche Tätigkeiten beschränken. Die Fortschritte künstlicher Intelligenz und des maschinellen Lernens legen nahe, dass auch Fach- und kognitive Arbeit in höher qualifizierten Berufen sowie im Dienstleistungssektor betroffen sein könnte.

Die wirtschaftlichen Triebkräfte

Für Unternehmenseigner ergeben die ökonomischen Argumente Sinn. Mit fortschreitender technischer Entwicklung sinken die Kosten für Robotik und Automatisierung im gleichen Maße, wie die Kapazitäten und die Leistungsfähigkeit dieser Systeme steigen. Kollaborative Roboter oder „Cobots“ sind ein gutes Beispiel dafür, was mit aktueller Technologie bereits möglich ist. Sie stellen eine neue Generation von Robotern dar, die leicht zu programmieren sind, gefahrlos mit Menschen zusammenarbeiten können und schon für einen Preis von USD 20 0002 zu haben sind – rund ein Zehntel der Kosten eines typischen Industrieroboters, unter Berücksichtigung der Kosten für Installation, Integration und Programmierung.

Seit dem ersten kommerziellen Verkauf eines Cobot im Jahr 2008 durch Universal Robot im dänischen Odense sind weltweit mehrere Cobot-Hersteller entstanden, beispielsweise das amerikanische Unternehmen Rethink Robotics, F&P Robotics in der Schweiz, die deutsche Franka Emika GmbH und der kanadische Anbieter Kinova Robotics, um nur einige wenige zu nennen. Das attraktive Preisniveau und die einfache Handhabung machen die Cobots nicht nur für Branchenriesen, sondern auch für kleinere Hersteller, die weltweit den Löwenanteil des verarbeitenden Gewerbes ausmachen, zu wirtschaftlich sinnvollen Investitionen – und das eröffnet ein großes Marktpotenzial.

Menschen werden teurer

Während Roboter durch den technischen Fortschritt immer günstiger werden, bewegen sich menschliche Arbeitskräfte in die entgegengesetzte Richtung: Sie werden bezüglich ihrer Arbeitsbedingungen immer anspruchsvoller und angesichts steigender Mindestlöhne und Sozialleistungen zunehmend teurer. Zudem begrenzen Regierungen die Zahl der Arbeitsstunden pro Woche. Tatsächlich stellt Arbeitskräftemangel Unternehmen und Regierungen in aller Welt vor zunehmende Probleme, da viele Menschen sich dafür entscheiden, nicht mehr in Fabriken oder am Fließband, sondern in kreativeren Positionen unter komfortableren Bedingungen zu arbeiten. Die Situation wird weiter verschärft durch eine zunehmend alternde Bevölkerung in den Industrieländern und eine restriktivere Immigrationspolitik, die den Zufluss billiger Arbeitskräfte aus weniger entwickelten Volkswirtschaften beschränkt.

Die Boston Consulting Group schätzt (Abb. 1), dass aufgrund des demografischen Wandels einige Länder 2020 vor einem Arbeitskräftemangel stehen werden, der bis 2030 die meisten Länder in der Studie erfasst haben wird. Unter diesem Gesichtspunkt beurteilt, könnte man Robotik als Lösung für ein Problem betrachten und nicht als die Ursache.

Automatisierung, die Arbeitsplätze rettet

Für viele Unternehmen lautet die Frage nicht: „Soll ich Menschen einstellen oder in einen Roboter investieren?“ Vielmehr heißt es: „Woher nehme ich die Produktivitätszugewinne, die ich brauche, um meinen Betrieb am Laufen zu halten?“ Aus diesem Blickwinkel betrachtet wird das Argument gegen die Robotik auf den Kopf gestellt. Immer öfter sehen wir Beispiele dafür, wie Robotik und Automatisierung Arbeitsplätze retten, indem sie Unternehmen den nötigen Wettbewerbsvorteil verschaffen, um so Fabriken erhalten zu können. Sie bringen sogar Arbeitsplätze aus Billiglohnländern zurück ins eigene Land.

Die Bicycle Corporation of America machte Schlagzeilen, als sie 10 % ihrer Produktionskapazitäten aus China in die USA zurückholte, indem sie in einem neuen Werk in South Carolina 140 Mitarbeiter einstellte. Im Januar äußerte CEO Arnold Kramer gegenüber CBS News, dass dies nur durch Kosteneinsparungen aufgrund von Automatisierung möglich wurde: „Wir nutzen verstärkt Anlagen, die uns effizienter machen.“3

In der Schweiz haben sich einige Unternehmen, die angesichts eines starken Franken und hoher Arbeitskosten um ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit ringen, Robotiklösungen zugewandt. Der Aromen- und Duftstoffhersteller Firmenich International investierte im Verlauf von drei Jahren CHF 60 Mio. in hochmoderne Automatisierungssysteme und steigerte seine globalen Kapazitäten damit um 25 %. Obwohl sich die Belegschaft dadurch nicht vergrößerte, hat der daraus resultierende Produktivitätszuwachs das Unternehmen auf internationaler Ebene wettbewerbsfähig gemacht, seine Position als Hauptakteur in der Aromen- und Duftstoffbranche gefestigt und dafür gesorgt, dass die aktuelle Belegschaft erhalten bleiben kann.4

Roboter, die Arbeitsplätze schaffen

Das US-amerikanische Bureau of Labor Statistics schätzt, dass 3,9 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten 2014 in „Computer- und IT-Berufen“ beschäftigt waren. Bis 2024 soll diese Zahl um rund 12 % auf 4,4 Millionen ansteigen und damit fast doppelt so schnell wachsen wie die erwarteten 6,5 % für alle Berufsfelder zusammen.5 Darüber hinaus lag der durchschnittliche Jahreslohn für Computer- und IT-Berufe im Mai 2015 bei USD 81 430 und damit deutlich höher als der Durchschnittswert von lediglich USD 36 200 für alle übrigen Berufe zusammen.

Es erfordert Systemdesigner, Softwaretechniker, Programmierer, Wartungs- und Supportmitarbeiter, um robotische und autonome Systeme sowie die darauf laufenden Anwendungen und Dienste zu entwerfen, zu entwickeln und zu unterstützen. Wie viele dieser Funktionen im Laufe der Zeit selbst automatisiert werden können, ist noch unklar. Es liegen jedoch bereits Studien vor, die die Einschätzung stützen, dass künstliche Intelligenz und Robotik mehr neue (und in der Regel hochwertigere) Arbeitsplätze schaffen könnten, als sie ersetzen, und dabei die Produktivität und Lebensqualität der gesamten Gesellschaft verbessern können.

Mit der Technologie und dem Beziehungsgeflecht aus Unternehmen, Dienstleistungen und Anwendungen, das sie mit sich bringt, tut sich den Erwerbstätigen eine ganze Welt neuer Möglichkeiten auf. Einem Bericht des US-Arbeitsministeriums zufolge werden rund 65 % aller heutigen Schulkinder in Zukunft Beschäftigungen nachgehen, die es heute noch gar nicht gibt. Und dennoch bleiben wir oft kurzsichtig und leiden bezüglich des Potenzials zukünftiger Technologien unter einem Mangel an Vorstellungskraft. Charles Holland, Kommissar des US Patent and Trademark Office, sagte angeblich Ende des 19. Jahrhunderts: „Alles, was erfunden werden kann, wurde bereits erfunden.“6 60 Jahre später schätzte Tom Watson, der damalige Präsident von IBM, dass weltweit ein Bedarf an etwa fünf Computern bestünde.6

Lehren aus der Vergangenheit

Im Verlauf der Geschichte wurde die erwerbstätige Bevölkerung immer wieder durch technologische Innovationen erschüttert, was zu Phasen konzentrierter Arbeitslosigkeit und sozialen Unruhen führte. Vor 200 Jahren zerstörten Arbeiter in England Maschinen in den Baumwoll- und Wollspinnereien, da sie – völlig zu Recht – befürchteten, dass sie ihre Arbeitsplätze an Maschinen verlieren würden, die von geringer qualifizierten, günstigeren Arbeitskräften betrieben wurden. 20 Jahre später zog die Erfindung der von Pferden gezogenen Dreschmaschine vergleichbaren Zorn auf sich. Jahre später hielten zunächst die Dampfkraft, dann die Elektrizität sowie die Fließbandproduktion Einzug in die Fabriken und veranlassten den Ökonomen John Maynard Keynes in den 1930er Jahren zur Prägung des Begriffs „technologische Arbeitslosigkeit“. Dieser diente der Beschreibung einer Periode, in der die Schaffung neuer Arbeitsplätze mit der Rationalisierung der Arbeit durch technische Neuerungen nicht mehr Schritt halten konnte.7

Da sich das Tempo der technologischen Innovation im Zeitalter der Elektrizität, des Computers, der Digitalisierung, des Internets und der mobilen Kommunikation deutlich beschleunigt hat: Sollten wir nicht ein noch viel größeres Ausmaß dessen beobachten, was Keynes als „technologische Arbeitslosigkeit“ bezeichnet hat? Darüber hinaus müsste man aufgrund der parallel zur technologischen Innovation verlaufenden (und in weiten Teilen erst dadurch ermöglichten) Explosion der Weltbevölkerung von 1,6 Milliarden Menschen im Jahr 1900 auf heute 7,3 Milliarden8 annehmen, dass die aktuelle Rate technologischer Arbeitslosigkeit Züge einer Malthusianischen Katastrophe annehme.

Doch trotz des Zusammenfalls beschleunigter Innovation und einer rasant wachsenden Weltbevölkerung hat sich das Los des „Durchschnittsmenschen“ eindeutig verbessert. Sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität sind weltweit gestiegen. Eine 2012 veröffentlichte Studie der Universität Oxford9 zeigt, dass das reale Pro-Kopf-Einkommen im Verlauf der letzten hundert Jahre relativ gleichmäßig anwuchs und dass viele der Vorzüge, die wir heute genießen können – Zugang zu Information, Verfügbarkeit von Nahrung und sauberem Wasser und die Möglichkeit, mit einem breiten Personenspektrum zu kommunizieren und die Welt ungehindert und sicher bereisen zu können –, in den Daten nicht vollständig berücksichtigt werden.

„Urknall“ der Innovation

Die wahren Auswirkungen auf Gesellschaft und Arbeitnehmer werden erst in einigen Jahren erkennbar sein, wenn die Sättigung der Wirtschaft durch Roboter zunimmt. Aktuell ist die Zahl der Industrieroboter noch überraschend gering und steht im verarbeitenden Gewerbe weltweit in einem Verhältnis von sieben Robotern zu 1000 Arbeitern.10 Aber dank der Cobots, künstlicher Intelligenz und weiterer Fortschritte wächst diese Zahl stetig. Die globale Automobilindustrie beschäftigt bereits über 120 Roboter pro 1000 Arbeiter und auch ausserhalb der Fabriken halten Roboter, Automatisierung und künstliche Intelligenz zunehmend Einzug in unseren Alltag. In Krankenhäusern wird künstliche Intelligenz zur Unterstützung bei der Krebsdiagnose verwendet und chirurgische Eingriffe werden dank Roboterunterstützung immer präziser. Roboterportiers liefern Hotelgästen ihr Gepäck und ihre beim Zimmerservice aufgegebenen Bestellungen. In Pflegeheimen erhalten Patienten ihre Medikamente auf dem gleichen Wege. Automatische Buchungs-, Check-in- und Vorbestellungssysteme lassen Restaurants und Hotels effizienter arbeiten, und viele experimentieren bereits damit, Roboter bei der Zubereitung von Speisen in der Küche, beim Kaffeekochen und Cocktailmixen einzusetzen. In den akademischen Berufen ist die auf Algorithmen basierende Automatisierung von Vorgängen und der Beratung im Rechts-, Buchhaltungs- und Finanzdienstleistungsbereich auf dem Vormarsch und in der Logistikbranche ist es wahrscheinlich, dass die erwarteten Sicherheitsvorteile vollständig autonomer Fahrzeuge zu einer raschen Einführung dieser Technologie führen werden.

Robotik und Automatisierung prägen bereits viele Bereiche unseres Lebens. Doch Fortschritte in der Prozessorleistung und damit verbundene Plattformtechnologien wie Cloud Computing und mobile Netzwerke machen immer leistungsfähigere künstliche Intelligenzen und autonome Systeme möglich, die „lernen“ und sich gegenseitig „lehren“ können. Mit zunehmender Komplexität dieser Systeme könnten ihre Auswirkungen auf Arbeit und Gesellschaft schneller und umfassender eintreten als alles, was wir in der Geschichte bisher beobachtet haben.

Das Risiko der Besteuerung von Robotern

Vor Kurzem empfahl Bill Gates, Mitgründer von Microsoft, in einem Interview mit dem Magazin Quartz, Roboter zu besteuern, um ihre Einführung zu verlangsamen und die Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte abzufedern. Darin liegt eine gewisse Ironie, war es doch nicht zuletzt Microsoft, welche durch die vom Unternehmen im Verlauf der letzten 30 Jahre entwickelten Softwarelösungen so viele Büro- und Schreibarbeiten automatisierte. Doch der Gedanke wirft eine entscheidende Frage auf: Ist es besser, die Fortschritte der Technologie zu begrenzen, um ihre Auswirkungen einzuschränken und die Gesellschaft vor ihnen zu schützen, oder sollte man eher die Gesellschaft derart umgestalten, dass sie in puncto Produktivität und Lebensqualität optimal von diesen Innovationen profitieren kann?11

Vielleicht wird die Nutzung von künstlicher Intelligenz und Robotern irgendwann auf Regierungsebene reguliert und kontrolliert werden. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass eine Robotersteuer die gewünschten Effekte bringt. Roboter und automatisierte Systeme sind lediglich moderne Werkzeuge zur Verbesserung der Produktivität und übernehmen häufig Aufgaben, die Menschen nicht durchführen können oder wollen. Die Besteuerung produktivitätssteigernder Werkzeuge an sich könnte auf Dauer zum Zusammenbruch von Unternehmen führen. Die Folge wäre ein Verlust von Gewinnen, von Steuern und von Arbeitsplätzen. Zudem besteht das Risiko, dass Länder, die sich für die Einführung einer solchen Besteuerung entscheiden, damit allein auf weiter Flur stehen und ihre Wirtschaft dadurch im Hinblick auf die globale Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität für Investitionen zurückwerfen könnten. Der Preis für den kurzfristigen Erhalt von Arbeitsplätzen wäre langfristig die mangelnde Tragfähigkeit ganzer Branchen.

Tatsächlich war die „Maschinensteuer“, die Idee der Besteuerung von Robotern und Arbeitsmaschinen, eine Frage, die bereits in den 1970er und 1980er Jahren in Europa diskutiert wurde. 1997 zog ein Artikel des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung12 schließlich einen Schlussstrich unter die Debatte. Sein Fazit war, dass eine solche Werkzeug- oder Produktivitätssteuer die Kapitalkosten erhöhen und letztendlich negative Auswirkungen auf die Produktivität sowie einen Niedergang der Investitionen und Reallöhne zur Folge haben würde.

Die Besteuerung von Gewinnen, Vermögen und Vermögenswerten erscheint an dieser Stelle als vernünftigere Alternative, und in Erwartung weitreichender Erschütterungen auf dem Arbeitsmarkt könnten die zusätzlichen Steuereinnahmen für Einkommensunterstützung und Umschulungsmaßnahmen genutzt werden. Eine wesentliche Rolle könnte für die Regierungen möglicherweise auch die Erneuerung des „Gesellschaftsvertrages“ zwischen Unternehmenseigentümern und Angestellten spielen, da es Anzeichen dafür gibt, dass die digitale Wirtschaft den Zugriff auf Informationen und Wissen demokratischer gestaltet und die Lebensqualität vieler Menschen verbessert, den wirtschaftlichen Reichtum aber in den Händen einer kleinen Minderheit konzentriert.

Den Fortschritt annehmen statt ihn zu bekämpfen

Selbst mit neuen Steuern halten wir es für unwahrscheinlich, dass der technische Fortschritt aufgehalten und die Übernahme robotischer Lösungen durch die Wirtschaft gebremst werden wird. Anstatt uns dem technischen Fortschritt in den Weg zu stellen, besteht eine vermutlich weitaus fruchtbarere Alternative darin, ihn anzunehmen – Roboter und Automatisierung in unseren Alltag aufzunehmen, Innovation zu fördern und zu unterstützen und zu gewährleisten, dass die Arbeitskräfte im eigenen Land ausreichend ausgebildet und flexibel genug sind, um sich den Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu stellen. Japan betrachtet Robotik als einen alternativen Weg zu ökonomischem Wachstum, einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung zum Trotz. „Made in China 2025“ schafft Anreize für Unternehmen, in Roboter zu investieren und diese zu entwickeln, um die chinesischen Erwerbstätigen in der Wertschöpfungskette nach oben zu heben und sich vom Wettbewerb um den kleinsten gemeinsamen Nenner billiger und zahlreicher Arbeitskräfte zu verabschieden. 2005 startete die EU ein Programm mit der Bezeichnung „SMErobot“, das der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Betriebe im verarbeitenden Gewerbe dienen sollte. Dahinter steht der Gedanke, Robotik zu nutzen, um kleine und mittlere Betriebe in Bezug auf Kosten und Effizienz wettbewerbsfähiger zu machen und damit zu verhindern, dass Arbeit aus Kostengründen ins Ausland ausgelagert wird. Deutschlands jüngste Initiative „Industrie 4.0“ entspringt dem gleichen Grundgedanken.

Zusammenarbeit von Roboter und Mensch

McKinsey prognostiziert, dass Robotik und Automatisierung das weltweite Produktivitätswachstum um jährlich 0,8 – 1,4 % steigern werden.13 Dabei wird jedoch betont, dass diese Steigerung ohne die Zusammenarbeit zwischen Menschen, Robotern und künstlicher Intelligenz unwahrscheinlich wäre. Mit der zunehmenden Verbreitung automatisierter Systeme und ihrem Einzug in den Alltag ist die Annahme wahrscheinlich, dass die Gesellschaft größeren Wert auf menschliche Qualitäten, menschliche Interaktion, zwischenmenschliche Beziehungen und menschliche Innovation und Kreativität legen wird.

Kollaborative Roboter gehören zu den am schnellsten wachsenden Zweigen der Robotikbranche. Eine von MIT- Assistenzprofessorin Julie Shah durchgeführte Studie bei BMW14 zeigte eine Verringerung der Stillstandszeiten um bis zu 85 %, wenn Mitarbeiter durch Cobots effektiv unterstützt würden. Darüber hinaus zeigte sich, dass ihr Einsatz die Produktivität steigern und ergonomisch problematische Aufgaben reduzieren konnte – Faktoren, die die Moral der Arbeiter steigerten und sie bei ihren Aufgaben unterstützen. Ein BMW-Sprecher ließ verlauten, dass er sich angesichts der erfolgreichen Testläufe gut vorstellen könnte, dass die Anzahl der Roboter in den Werken von BMW verdoppelt oder sogar verdreifacht würde.

Fazit

Technologische Fortschritte läuten ein neues Zeitalter der Automatisierung ein, in dem immer intelligentere und vielseitigere Roboter in immer mehr Anwendungsfällen eingesetzt werden. Damit verbunden sind mögliche Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte in bislang ungeahntem Tempo und Umfang. Potenziell könnte sich die Art, wie wir arbeiten, grundlegend verändern. Während ein gewisses Maß an Erschütterungen unvermeidbar scheint, können Volkswirtschaften, die in der Lage sind, die berufstätige Bevölkerung schnell entsprechend umzuschulen und zu motivieren, wahrscheinlich die größten Vorteile aus dieser Entwicklung ziehen. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf die wirtschaftliche Produktivität, sondern auch bezüglich effizienter Ressourcennutzung, der Vorzüge einer „Sharing Economy“ und einer Verbesserung der Lebensqualität.

Da Robotik und Automatisierung zunehmend einen Platz in unserem Alltag finden und an Bedeutung für unser Leben gewinnen, wird auch das Thema Sicherheit immer wichtiger. Die Beziehung zwischen Robotik und Sicherheit ist symbiotisch: mehr Robotik und Automatisierung erfordert mehr Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollen, und umgekehrt erfordert die Ausbreitung von Sicherheitssystemen immer weitreichendere Automatisierung, damit sie effizient betrieben und verwaltet werden können. Wir haben zwei Strategien entwickelt, um Kunden ein „Pure Play“-Engagement in jedem dieser überzeugenden und miteinander verknüpften langfristigen Wachstumsthemen zu bieten: Sie umfassen die Themen Robotik und Automatisierung sowie Schutz und Sicherheit.


Quellen:
1) McKinsey & Company, „A future that works: Automation, employment, and productivity“, Januar 201
2) Die Schätzung basiert auf unserem persönlichen Austausch mit der Geschäftsführung der ABB Group sowie von Yaskawa Electric und F&P Robotics.
3) CBS News, Bericht von Mark Strassmann, 24. Januar 2017.
4) Firmenich-Unternehmensmitteilungen: „Firmenich inaugurates industry-leading perfumery plant“, 1. November 2016
5) Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten, Bureau of Labor Statistics, „Occupational Outlook Handbook“, 17. Dezember 2015.
6) Beide zitiert im 1981 veröffentlichten „Book of Facts and Fallacies“ von Chris Morgan und David Langford.
7) John Maynard Keynes, „Economic Possibilities for our Grandchildren“ (1930), veröffentlicht in „Essays in Persuasion“, 1963.
8) Daten aus „The World Factbook“, Ressource aus der CIA-Online-Bibliothek, geschätzte Bevölkerungsdaten vom Juli 2016.
9) Oleg Kitov, „Real GDP per capita since 1870“, Universität Oxford, 2012.
10) International Federation of Robotics, „Statistics 2016 – robot density“, 2016.
11) Financial Times, „Bill Gates calls for income tax on robots“, 19. Februar 2017.
12) Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WiFo), „Wertschöpfungsabgabe als Alternative zu lohnbezogenen Dienstgeberbeiträgen zum Familienausgleichsfonds“, Wien, 1997.
13) McKinsey & Company, „A future that works: Automation, employment, and productivity“, Januar 2017.
14) MIT, „The Future of Manufacturing: A shared vision“, Julie Shah, Assistenzprofessorin, MIT, 2011.

EUR Short Term High Yield Debt: Fünf Jahre später

Von dem Hersteller Schweizer Trams bis zu einer britischen Kinokette – der Markt für kurzfristige europäische Hochzinsanlagen bietet nun eine Reihe attraktiver Unternehmensanleihen. Ein Interview mit Roman Gaiser, Leiter des High Yield Teams von Pictet Asset Management, zu kurzfristigen europäischen Hochzinsanleihen.

Frage: Pictet-EUR Short Term High Yield hat gerade sein 5-jähriges Bestehen gefeiert. Wie hat sich der Markt in den letzten fünf Jahren entwickelt und welche Performance verzeichnete der Fonds?

Der Markt ist schrittweise gereift, seit wir 2012 mit Investitionen begannen – er ist größer, diversifizierter und liquider geworden. Das Anlageuniversum – Nicht-Investment-Grade-Anleihen mit Laufzeiten von bis zu vier Jahren – ist von 80 Mrd. EUR auf rund 150 Mrd. EUR angewachsen. Gleichzeitig stieg die Anzahl von Unternehmen, die solche Anleihen ausgeben, von 70 auf 180, was etwas mehr als der Hälfte der Firmen im breiteren Hochzinsmarkt entspricht.

Es handelt sich um einen strukturellen Trend: Unternehmen haben den Hochzinsmarkt zunehmend zur Finanzierung genutzt, da Banken ihre Kredite seit der Finanzkrise 2008 stark zurückgefahren haben. Der Markt ist nun von Unternehmen geprägt, die man kennt. In der Tat stoße ich immer wieder auf Firmen, zu deren Finanzierung wir täglich beitragen – von dem Hersteller der Trams, mit denen ich in Genf fahre, über die französische Telefongesellschaft, die ich in Paris nutze, bis hin zur britischen Kinokette, in deren Saal ich vor kurzem einen Film sah. Wir gehen davon aus, dass sich dieses strukturelle Wachstum des Marktes in den kommenden Jahren fortsetzen wird.

Fünf Jahre mit attraktiven Renditen
Risiko-/Ertragsprofil von Pictet-EUR Short Term High Yield seit Auflegung ggü. anderen europäischen Anlagen

 

Quelle: Pictet Asset Management, annualisierte Performance zwischen 30.1.2012 und 30.1.2017; Fondsperformance für Pictet-EUR Short Term High Yield ohne Swing-Pricing und vor Abzug der Gebühren.
Investment-Grade-Anleihen in EUR = Bloomberg Barclays Euro Aggregate Corporate Index; Staatsanleihen in EUR = JPM EMU Government Bond Investment Grade Index; High-Yield-Anlagen in EUR = BofA Merrill Lynch Euro High Yield Constrained Index; Aktien in EUR = MSCI Europe Index 

Frage: Wie hat der Fonds sich in den letzten fünf Jahren bewährt?

Wir erlebten eine ganze Reihe von turbulenten Ereignissen in den letzten fünf Jahren: die europäische Staatsanleihenkrise, das sogenannte „Taper-Tantrum“ (Anstieg der US-Staatsanleihenrenditen im Jahr 2013), eine Rohstoffkrise und natürlich das Brexit-Votum.

Aber die Strategie hat sich als widerstandsfähig erwiesen – sogar 2014, als eine Reihe von Unternehmen ihre Anleiheschulden nicht zurückzahlen konnten, verzeichnete das Portfolio einen leicht positiven Ertrag. All dies macht mich zuversichtlich in Bezug auf unseren Ansatz, der darauf abzielt, eine stabile Rendite bei kontrollierter Volatilität zu liefern.

Frage: Wie kontrollieren Sie Volatilität?

Wir kontrollieren die Volatilität bei Erträgen erfolgreich, indem wir bei den Anleihen, die wir kaufen, die Laufzeit begrenzen. So bestehen 90 Prozent unseres Portfolios aus Papieren, deren legale Endfälligkeit bei vier Jahren liegt. Die Begrenzung der Laufzeit unserer Anlagen hilft dabei, das Portfolio bei einer Versteilerung der Anleiherenditenkurve zu schützen. Diese tritt ein, wenn Renditen von Anleihen mit längerer Laufzeit stärker steigen als jene für Wertpapiere mit kürzerer Laufzeit. Wir begrenzen zudem unsere Positionen bei Finanzanleihen (nur vorrangige Anleihen) und Anleihen mit dem Rating CCC; diese beiden Kategorien dürfen jeweils 10 Prozent nicht überschreiten. Dies hilft dabei, die Volatilität zu begrenzen und das Potenzial für Kapitalverlust zu reduzieren.

2016 konnten wir bei starken Stressphasen am Markt das Ausmaß der starken Wertverluste vom Höhepunkt bis zum Tiefpunkt minimieren. Zum Jahresbeginn verlor der Fonds 1,5 Prozent an Bewertung zum Marktwert, weniger als die Hälfte der Verluste des breiteren Markts für europäische Hochzinsanlagen mit allen Laufzeiten.  In den Tagen nach dem Votum des Vereinigten Königreichs, die europäische Union zu verlassen, verzeichnete der Fonds auch eine bessere Performance als der Index mit allen Laufzeiten. 2016 erreichte der Fonds ein Plus von 4,8% und übertraf damit unsere Erwartungen von 3 bis 3,5% für das Jahr.

Es stimmt zwar, dass die Anleger beim Ansatz mit legaler Endfälligkeit eventuell auf ein wenig Rendite verzichten, da diese bei einer kündbaren Anleihe höher ist als bei einer traditionellen Anleihe. Genau dies macht das Portfolio jedoch auch defensiver und erlaubt es Anlegern, stabile Erträge zu generieren, während das Risiko des Kapitalverlusts begrenzt wird. Das bedeutet auch weniger schlaflose Nächte.

Frage: Was haben Sie bei der Verwaltung dieses Fonds gelernt?

In den letzten fünf Jahren haben wir eine Reihe von Hochs und Tiefs erlebt, aber die Strategie hat diesen Risiken standgehalten. Wir hatten seit 2012 drei Zahlungsausfälle, konnten aber starke Rückschläge vermeiden. Kreditereignisse gehören unseres Erachtens dazu, solange wir am Hochzinsmarkt anlegen. Unser Portfoliokonstruktionsverfahren basiert auf einer gründlichen Auswahl der Unternehmensanleihen und solidem Management. Dies ermöglicht es uns, Kreditprobleme früh zu identifizieren und Zwischenfälle und ihre Auswirkungen zu vermeiden bzw. zu begrenzen.

Frage: Was erwarten Sie in den kommenden Jahren am Markt für kurzfristige europäische Hochzinsanleihen und welche Risiken behalten Sie speziell im Auge?

Anleger in Hochzinsanleihen haben von fallenden Staatsanleihenrenditen und in den letzten Jahren von einer Verengung bei deren Renditespreads profitiert. Diese könnten sich mittelfristig leicht ausweiten. Sie dürften jedoch von der Europäischen Zentralbank gestützt werden, die die Finanzierungskosten niedrig halten will, um zur Wirtschaftserholung beizutragen. Sich bessernde wirtschaftliche Fundamentaldaten wirken sich positiv auf den Hochzinsmarkt aus, und die Prognosen für Ausfallraten bewegen sich weiter rund um die 1,5-2%-Marke, und damit unter dem langfristigen Durchschnitt von 3,8%.

Sobald die EZB mit der Drosselung ihrer Anleihekäufe beginnt, dürfte ein gleichzeitiger Marktstress Anleihen mit Rating BB und andere Sektoren, wie z.B. Versorger, in denen die Anlegerpositionierung übermäßig optimistisch ist, beeinträchtigen. Wir glauben, dass die Renditen am kurzen Ende der Anleihenkurve in moderatem Tempo steigen dürften, was uns erlauben würde, das Geld wieder im Laufzeitenbereich von 3-4 Jahren anzulegen und so höhere Renditen zu erzielen. Wenn höhere Zinsen robustere wirtschaftliche Fundamentaldaten widerspiegeln, dann dürfte sich dies positiv auf europäische Hochzinsanleihen auswirken; die Emittenten sind normalerweise mittelgroße Firmen, deren Gewinne vor allem im Inland generiert werden. Selbst wenn Renditen in Europa steigen werden, dürfte das Endfälligkeitsprinzip unseres Fonds die Anleger vor potenziellen Verlusten schützen.

Einer der langfristigen positiven Trends am kurzfristigen europäischen Hochzinsmarkt ist die sich bessernde Bonität der Anleiheemittenten. Der Anteil von Anleihen mit dem Rating BB ist auf rund 72 Prozent des Marktes gestiegen, von 67 Prozent vor einem Jahr. Dies spiegelt teilweise die steigende Zahl sogenannter „gefallener Engel“ wider – Anleihen, die gerade ihren Investment-Grade-Status verloren haben –, aber auch eine stetige Verbesserung der Fundamentaldaten von Unternehmen und deren Fähigkeit, ihre Schulden zurückzuzahlen.

Dennoch dürfen wir natürlich nicht selbstgefällig sein. Wir behalten angesichts der kommenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland die politischen Risiken in Europa im Auge und beobachten weiterhin sehr genau die britischen Verhandlungen über den Austritt aus der Europäischen Union.


Erfahren Sie mehr zu unseren EUR High Yield Strategien:

Erfahren Sie mehr zu unseren Rentenstrategien.

Über den Autor:
Roman Gaiser kam 2011 als Leiter des High Yield Teams zum Fixed Income Team von Pictet Asset Management. Sein Team verwaltet über 5.3Mrd Euro in zwei komplementären Strategien: eine, die den kompletten europäischen High Yield Markt abdeckt, und eine Short Duration Strategie.

Pictet Asset Management ist seit über 20 Jahren ein Pionier im Bereich thematischer Anlagen. Wir erkannten das Potenzial thematischer Strategien bereits während der 1990er Jahre und gehörten zu den ersten Anlageverwaltern, die ein Biotech-Produkt anboten. Darauf folgte unsere Wasserstrategie, die nach wie vor eine der sehr wenigen Strategien ist, die dieser einzigartigen Ressource gewidmet sind und die noch immer vom ursprünglichen Investmentmanager verwaltet wird. Im Laufe der folgenden Jahre haben wir eine umfassende thematische Produktpalette aufgebaut, darunter Branchen wie Gesundheit, Holz und Robotik. Auf diese Weise haben unsere Investoren Zugriff auf eine beliebige Anzahl an Anlagemöglichkeiten, die die verschiedenen Megatrends repräsentieren. Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management.
Folgen Sie Pictet Asset Management auf Twitter und LinkedIn.

Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 24
e-mail: fbohmer@pictet.com

Deregulierung und Infrastrukturprogramm könnten den Markt für US-Unternehmensanleihen stützen

Trotz politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit ist der Ausblick für US-amerikanische Unternehmensanleihen moderat positiv – so die Analyse von David Lee, Portfoliomanager des US Corporate Bond Fonds bei Capital Group.

Die Effekte der angekündigten Reformoffensive von US-Präsident Donald Trump auf den Rentenmarkt schätzt der Experte ambivalent ein. „Trumps Pläne für eine Unternehmens- und Einkommensteuerreform könnten zu einer sehr viel expansiveren Fiskalpolitik und damit mittelfristig zu mehr Wachstum führen“, prognostiziert Lee. Allerdings gibt er zu bedenken, dass diese Wirkung mittelfristig nachlassen dürfte. Er geht vielmehr davon aus, dass sich ein weiteres Reformvorhaben nachhaltiger auswirken könnte: „Längerfristig dürfte der US-Unternehmensanleihenmarkt eher von Trumps Plänen für mehr Infrastrukturausgaben und Deregulierung profitieren.“

Allerdings gelte hinsichtlich aller bevorstehenden Gesetzesprojekte, dass die Trump-Administration erhebliche Hürden überwinden müsse, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Denn viele der geplanten Maßnahmen erforderten die Zustimmung des Kongresses, die den Gesetzesvorhaben nicht sicher sei. Lee rät daher zur Vorsicht, auch wenn sich aus der ungewissen politischen Situation Investmentchancen ergeben: „Ich berücksichtige aber nach wie vor die Unsicherheiten infolge der Politik der neuen Administration, insbesondere das Protektionismusrisiko. Ich glaube, dass diese Unsicherheit zu höheren Renditen führt.“

Intensives Research und fokussierte Titelselektion sind besonders wichtig, um in diesem anspruchsvollen Umfeld attraktive Anlagemöglichkeiten zu identifizieren. Portfoliomanager Lee blickt dabei unter anderem verstärkt auf Firmen mit einem speziellen Profil: „Unternehmen, die an Fusionen und Übernahmen beteiligt sind, interessieren mich, wenn sie Schulden abbauen wollen – anders als viele andere, die zusätzliches Fremdkapital aufnehmen. Bei Pharmakonzernen und einer Reihe von Tabakfirmen habe ich mich mit diesem Thema befasst. Ich glaube, dass Schuldenabbau auch bei widrigen Marktbedingungen zu ansprechenden Erträgen führen kann.“ 

Weitere Einschätzungen von Capital Group zum US-amerikanischen Anleihenmarkt finden Sie im angehängten Q & A mit David Lee. Die US Corporate Bond Strategie wurde am 21. März als UCITS-konformer und in Luxemburg domizilierter Fonds aufgelegt.

M&As dürften europäische Mid Caps in 2017 beflügeln

Das makroökonomische Umfeld in Europa hellt sich auf. Die Wachstumsprognosen für dieses Jahr sind auf über zwei Prozent gestiegen und auch der zuletzt veröffentlichte Einkaufsmanagerindex weist den höchsten Wert seit 2011 auf. Die bisher vorgelegten Unternehmenszahlen sind positiv und alles deutet darauf hin, dass Analysten ihre Erwartungen hinsichtlich der Gewinne pro Aktien anheben werden. In Frankreich haben zwar die politischen Risiken im Vorfeld der Wahl zugenommen und sorgen kurzfristig für Zurückhaltung. Sobald die Wahlen jedoch vorüber sind, dürften auch dort die Märkte steigen. Das Momentum für Europa insgesamt ist also mehr als positiv, wobei von einer weiteren Erholung aus strukturellen Gründen besonders europäische Small und Mid Caps profitieren.

Fokussierung auf Binnenmarkt und Nische als Vorteil

Ein wesentlicher Grund hierfür ist das geringe Exposure der kleinen und mittleren Unternehmen in Schwellenländern – sie sind vorwiegend in ihren Heimatmärkten aktiv und profitieren von der robusten europäischen Nachfrage. Dies erklärt auch, warum in den vergangenen drei Jahren die Kursentwicklung von Mid Caps weniger volatil war als bei Standardwerten. Außerdem ist ihr Gewinnwachstum strukturell höher als bei Large Caps, weil sie häufig in Nischenmärkten dafür aber in führender Position unterwegs sind. Mittelständische Unternehmen sind zudem deutlich ambitionierter in Bezug auf die eigenen Wachstumspläne. Ein wichtiger Performancetreiber ist darüber hinaus die Dynamik des Marktes. Vor allem in den letzten beiden Jahren hat sich das untere Börsensegment durch zahlreiche IPOs und M&As regelmäßig erneuert. Small und Mid Caps sind ideale Übernahmekandidaten, was die Kurse zusätzlich ankurbelt. Fusionen und Übernahmen waren 2016 der Key-Performancetreiber für europäische Micro und Small Caps. Diese Dynamik dürfte sich 2017 auch auf das Mid Cap Segment übertragen und treibende Kraft für die weitere positive Entwicklung sein. Kleinere und mittlere Unternehmen sind auch weniger abhängig von makroökonomischen Ereignissen wie Wahlen oder Zinsentwicklungen. Fundamentaldaten spielen in diesem Segment eine viel entscheidendere Rolle. Dank dieser strukturellen Vorteile haben europäische Small und Mid Caps in den vergangenen Jahren eine teilweise deutlich stärkere Wertentwicklung als Large Caps gezeigt. Hierbei ist besonders die unterste Börsenliga mit einer Marktkapitalisierung bis zu einer Milliarde Euro hervorzuheben. In Frankreich sind sie sogar teils überkauft und könnten von der nächsten Marktkorrektur am ehesten betroffen sein. Das mittlere Börsensegment hingegen mit einer Marktkapitalisierung von einer bis fünf Milliarden Euro – welches der Echiquier Agenor im Fokus hat – entwickelte sich zuletzt nahezu parallel zu Large Caps und sollte auch in Zukunft mit einer guten Performance überzeugen.

Bewertungsniveaus sind Herausforderung in 2017

Die wesentliche Herausforderung liegt in diesem Jahr darin, angemessene Bewertungen mit weiterem Kurssteigerungspotenzial zu finden. Bei Mid Caps sind die Bewertungen auf ähnlich hohen Niveaus wie Large Caps. Da Mid Caps aber mehr Wachstum aufweisen, sind die Multiples für 2018/19 attraktiver. Auf der untersten Börsenleiter sind hingegen noch leichte Kursabschläge zu verbuchen, die auf Marktinieffizienzen aufgrund der mangelnden Abdeckung durch Analysten zurückzuführen sind. Darüber hinaus erklärt die sehr geringe Anzahl von ETFs, die in diesem Segment investieren, hier einen Liquiditätsdiscount.

Eine breite Diversifikation nach Branchen und Ländern ist im Nebenwertesegment ebenfalls wichtiger Erfolgsfaktor. Mit Ausnahme des Biotech-Sektors finden wir für den Echiquier Agenor in jedem Sektor attraktive Wachstumsunternehmen. Unsere größte Position ist im Moment das in den USA gelistete niederländische Unternehmen Interxion, welches sich zu einem der führenden europäischen Betreiber von Rechenzentren entwickelt hat. Interxion profitiert in enormen Maße vom Datenwachstum und besitzt ein ausgesprochen stabiles Geschäftsmodell, eine starke preisliche Wettbewerbsfähigkeit sowie ein solides Management. Es überzeugt mit einer EBIT-Marge von 45 Prozent und ein von der hohen Nachfrage getriebenes jährliches Umsatzwachstum von 10 Prozent. Als letzter unabhängiger europäischer Player wird Interxion im Zuge der anstehenden Marktkonsolidierung vor allem von den Nordamerikanern interessiert beäugt. Darüber hinaus finden wir das französische Unternehmen Maisons du Monde aktuell sehr interessant, auch wenn es einen Großteil seines Umsatzes im Heimatmarkt Frankreich macht. Maisons du Monde ist im Geschäft mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen europaweit aktiv, wobei uns vor allem der Multi-Channel-Vertrieb über Warenhäuser, Katalog und Internet überzeugt. Mit einer starken EBIT-Marge von 40 Prozent und guten Wachstumsaussichten ist das Unternehmen bestens für den geplanten Börsengang aufgestellt.

Über La Financière de l’Echiquier
La Financière de l’Echiquier wurde 1991 von Didier Le Menestrel und Christian Gueugnier gegründet und zählt zu den marktführenden unabhängigen Fondsgesellschaften in Frankreich. In Paris ansässig, ist die Fondsboutique erfolgreich auf Enterprise-Picking spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 100 Mitarbeiter und verwaltet ein Vermögen von mehr als 8 Milliarden Euro. In Deutschland und Österreich vertreibt die Gesellschaft aktuell sechs Aktienfonds, zwei Mischfonds und einen Wandelanleihefonds. Die erfolgreiche Fondspalette wird privaten und institutionellen Investoren außerdem in Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Italien, Spanien und Luxemburg angeboten. Das Kapital von La Financière de l’Echiquier wird vollständig von der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern gehalten. 2004 wurde die Stiftung La Financière de l’Echiquier gegründet, die sich in Frankreich für sozial und beruflich benachteiligte Menschen einsetzt. Weitere Informationen zur Stiftung finden Sie unter http://www.fondation-echiquier.fr und zu La Financière de l’Echiquier unter http://www.lfde.com/de.

Globale Märkte werden wieder von Fundamentaldaten angetrieben

Laut Aviva Investors’ neuem Quartalsausblick bewegen sich sowohl die Weltwirtschaft als auch die Finanzmärkte weiter Richtung Normalzustand. Auf die globale Finanzkrise folgend, befindet  sich die Ära der außerordentlich expansiven Geldpolitik weltweit langsam auf dem Rückzug, wodurch Fundamentaldaten wieder einen größeren Einfluss auf die Vermögenspreise haben werden.

Seit Dezember 2015 hat die US-Notenbank den Leitzins drei Mal angehoben. Zudem werden zwei weitere Steigerungen für dieses Jahr und drei weitere für 2018 erwartet. Die EZB und die Bank of Japan könnten damit beginnen, über Ausstiegsstrategien aus der quantitativen Lockerung sowie Negativzinsen nachzudenken, da sich ihre Volkswirtschaften erholen.

Das globale BIP könnte dieses Jahr um rund 3,5 Prozent steigen, was die größte Wachstumsrate seit 2011 wäre. Überdurchschnittliches Wachstum, insbesondere in den großen Volkswirtschaften, sollte Aufwärtsdruck auf die Löhne und die Kerninflation ausüben. Die langfristigen Inflationsprognosen sind wieder auf Vorkrisenniveau zurückgekehrt.

Ian Pizer, Head of Investment Strategy bei Aviva Investors, kommentiert: „Fast zehn Jahre nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise haben sich die Fundamentaldaten verbessert und die Investoren verlagern ihren Fokus langsam wieder auf das verbesserte Wirtschaftsbild.“

„Ein stärkeres globales Wachstum sollte in höheren Unternehmensgewinnen resultieren, jedoch könnte die steigende Inflation als Gegenwind für das US- und europäische Fixed Income fungieren. Wir bevorzugen Aktien über Duration, mit wichtigen Differenzierungen innerhalb von Assetklassen und Regionen.“

„Die US-Aktien sollten einen verbesserten Ausblick aufgrund des stärkeren Wachstums widerspiegeln. Das Potenzial für steuerliche Anreize sollte auch die Gewinne unterstützen und die Wertberichtigung beschleunigen.“

„Aus einer Bewertungsperspektive sind europäische Aktien attraktiver als ihre US-Pendants. Allerdings bieten Staatsanleihen und Kredite aus der Eurozone ein schlechteres Chance-Risiko-Profil. Das Vereinigte Königreich ist von Brexit-Verhandlungen getrübt. Wir sehen Abwärtsrisiken für britische Aktien und Anleihen, wo wir untergewichtet sind. Das Pfund Sterling sehen wir neutral.“

„Schwellenländeranleihen und Aktien sollten sich gut entwickeln, da die Fundamentaldaten wieder in den Vordergrund treten. Aus Bewertungsgründen sind hierbei Lokalwährungen weitaus attraktiver als harte Währungen.“

Den vollständigen Quartalsausblick in Englisch finden Sie unter: https://www.avivainvestors.com/en-gb/adviser/house-view--q2-2017.html

Mind the „Trump gap“

von Ariel Bezalel, Head of Strategy, Fixed Income und Manager des Jupiter Dynamic Bond SICAV.

Nach den jüngsten positiven Wirtschaftsdaten, wenn auch überwiegend im Zusammenhang mit weichen Indikatoren wie den Umfragen zum Verbrauchervertrauen, sowie der Fortsetzung von Trumps reflationärem Handelsprogramm könnte es den Anschein haben, dass sich die USA auf einem unaufhaltsamen Wachstumspfad befinden. Mein Team und ich sind jedoch der Meinung, dass es wichtig ist, sich bewusst zu bleiben, dass in risikobehafteten Vermögenswerten eine zu große Hoffnung eingepreist ist.

Wie erwartet erhöhte die US-Notenbank am 15. März die Leitzinsen um 0,25 Prozent auf ein Niveau von 0,75 bis 1 Prozent. Die Stellungnahme der Fed fiel jedoch gemäßigter aus als von den Märkten erwartet. Somit verringerte sich auch die Anzahl der für dieses Jahr erwarteten weiteren Zinsanhebungen von drei auf zwei. Das könnte unserer Ansicht nach daran liegen, dass die geplanten Maßnahmen von Präsident Trump unklar sind.

Wir bleiben im Hinblick auf den „Trump gap“, wie ich es nenne, vorsichtig. Damit meine ich den Spielraum für Enttäuschungen zwischen jetzt und dem Zeitpunkt, an dem Trump seine Politik umsetzen wird. Erstens glauben wir, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass sein billionenschwerer Infrastrukturausgabenplan erfolgreich durch den Kongress kommen wird, ohne verwässert zu werden. Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass seine Steuerreform auf nächstes Jahr vertagt wird.

Darüber hinaus haben wir bemerkt, dass sich die Kreditstandards bei Banken in den USA anscheinend verschärfen. Das hat ein langsameres Kreditwachstum zur Folge, was ein weiteres potenzielles Risiko für die Wachstumsaussichten darstellt.

Daher werden US-Staatsanleihen unseres Erachtens wieder attraktiver. Da die Rendite von 10-jährigen US-Staatsanleihen nach ihrem Tief von 1,3 Prozent im Juli 2016 im Februar dieses Jahres bei 2,5 Prozent und die Rendite von 30-jährigen Anleihen bei etwa 3 Prozent lag (1), gehen wir davon aus, dass die Bewertungen bereits erhebliche gesamtwirtschaftliche Verbesserungen einpreisen und sie die Möglichkeit, dass die Trump-Regierung bei der Umsetzung der Reformen scheitert, nicht berücksichtigen.

Auf globaler Ebene ist die politische Unsicherheit so hoch wie noch nie und ein taktischer Investmentansatz bei Anleihen wird dieses Jahr maßgeblich sein. Unser Ansatz war schon immer dynamisch und flexibel und wir passen uns an sich verändernde Umstände an. Vor diesem Hintergrund haben wir vor kurzem die Duration unserer Portfolios von knapp über einem Jahr auf ungefähr 3,2 Jahre erhöht. In diesem Zuge verstärkten wir die Ausrichtung der Fonds auf 10-jährige und 30-jährige US-Staatsanleihen und erhöhten die Duration unseres Engagements in australischen Staatsanleihen. Auf diese Weise halten wir die Gesamtduration nach wie vor relativ niedrig, während wir dennoch dem möglichen Spielraum für Enttäuschungen in den USA Rechnung tragen.

Quellen:
(1) Bloomberg, in USD zum 20. März 2017

Trotz Wahl in Frankreich bleibt die Einschätzung für europäische Aktien optimistisch

Die stärkeren ökonomischen Daten und der europaweit verbesserte Ausblick für die Unternehmensgewinne liefern Grund zur Freude für Investoren an den europäischen Aktienmärkten. Dennoch bleibt 2017 aufgrund der anstehenden Wahlen und anderer politischer Unsicherheiten ein angespanntes Jahr. Dieser Meinung ist Steven Bell, Chef-Ökonom bei BMO Global Asset Management.

Grund zur Freude

Der Citi Economic Surprise Index für die Eurozone hat sich in den letzten Monaten durchweg positiv entwickelt. Obwohl es weltweit einen erheblichen Unterschied zwischen Daten aus Umfragen und „harten“ ökonomischen Fakten gibt, zeigt sich Europa stark. „Wir haben eine Vielzahl an soliden Fundamentaldaten auf dem Kontinent gesehen. Dieser Trend wird noch unterstützt durch die steigende Kerninflation, das starke Wachstum der Unternehmensgewinne und die Bereitschaft von Banken, vermehrt Kredite zu gewähren“, sagt Steven Bell. Das verbesserte ökonomische Momentum und die gestiegene Inflation schüren die Erwartungen an die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Politik zurückzufahren und möglicherweise deren künftige Richtung zu ändern, indem sie ihr Anleihen-Ankaufprogramm Anfang nächsten Jahres reduziert und die Zinsen erhöht.

Politische Ereignisse überschatten die starken Fundamentaldaten

Ungeachtet der positiven Daten blickt der Markt auf die im April und Mai anstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich, deren Sieg Marine Le Pen einfahren könnte. Von ihr wird durchaus erwartet, dass sie in der ersten Wahlrunde gut abschneidet und sie vielleicht sogar gewinnt. Nur wenige Kommentatoren gehen jedoch davon aus, dass sie auch aus der zweiten Runde als Siegerin hervorgeht. „Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Märkte auch beim Brexit-Referendum und bei Trumps Wahlsieg in den USA auf dem falschen Fuß erwischt wurden“, warnt Bell. „Investoren bleiben nervös, weil der Wahlausgang viel Überraschungspotenzial bietet.“

„Trotz der Risiken, die sich aus den politischen Ereignissen ergeben, behalten die Fundamentaldaten für Aktien vor allem in Europa ihren Aufwärtstrend bei. Dementsprechend ist Europa neben Japan, wo die Ökonomie eine starke zyklische Entwicklung zeigt und sich die Politik der Bank of Japan als förderlich erweist, einer unserer favorisierten Aktienmärkte“, so der Experte.

Weitere Unsicherheit für das Vereinigte Königreich

Die Premierministerin des Vereinigten Königreichs, Theresa May, hat Artikel 50 unterzeichnet und den formalen Prozess der Austrittsverhandlungen aus der EU gestartet. Bis die Details des Austritts geklärt sind, bleibe jedoch vermutlich die Unsicherheit noch über einen längeren Zeitraum bestehen, so Bell. Viele Kommentatoren erwarteten, dass die Verhandlungen länger andauern werden als die angekündigten zwei Jahre. Dies spreche für eine anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit. „Der zwölfmonatige Consumer Price Index (CPI) sieht eine Minderung im Einkommen der Konsumenten, da die Inflation im Vereinigten Königreich von 1,8 Prozent im Januar auf 2,3 Prozent im Februar stieg. Dieser Wert ist der höchste seit September 2013 und hebt die Inflation deutlich höher als die von der Bank of England anvisierten zwei Prozent. Demzufolge bleiben wir in UK-Aktien unterinvestiert“, kommentiert Bell.

Bei europäischen Hochzinsanleihen sollten Anleger das gesamte Durations-Spektrum ins Auge fassen

In der globalen Geldpolitik stehen die Zeichen langsam wieder auf Straffung: die US-Notenbank (Fed) plant für dieses Jahr weitere Zinserhöhungen und andere bedeutende Zentralbanken dürften ihre expansive Geldpolitik künftig herunterfahren. Diese Tendenz verstärkt das Interesse an Short-Duration-Strategien bei europäischen Hochzinsanleihen. Aber bieten sie auch den besten Schutz in einem Umfeld von steigenden Leitzinsen?

„Die historische Performance spricht nicht gerade dafür“, beantwortet Michael Della Vedova, Portfoliomanager der European High Yield Bond Strategie von T. Rowe Price, diese Frage. Wenn man die durchschnittlichen monatlichen Renditen für die Dauer von drei unterschiedlichen Perioden von steigenden Zinssätzen in Europa auf Basis der Renditen von zehnjährigen deutschen Staatsanleihen analysiere, zeige sich, dass für die Duration von weniger als drei Jahren die durchschnittlichen Renditen niedriger seien als die Gesamt-Benchmark. „Dies widerspricht der Ansicht, dass sich eine kurze Duration im Zuge von steigenden Leitzinsen positiv auswirkt“, sagt Della Vedova.

Unabhängig von der breiteren Marktumgebung gibt es Della Vedova zufolge noch einen weiteren wichtigen Faktor, den man berücksichtigen muss, nämlich die geringeren Renditechancen, die Investoren mit Short-Duration-Bonds im Vergleich mit längerer Duration haben, wie die zeitliche Aufschlüsselung des European High Yield Index veranschaulicht. „Wenn Anleger nur in Anleihen mit kurzer Duration investieren, lassen sie das größte Segment des Hochzinsanleihen-Marktes – und damit viele potenzielle Chancen – außer Acht. Wir sind hingegen überzeugt, dass wir bei der Auswahl von Investments ein möglichst breites Opportunitätsspektrum berücksichtigen. Sobald wir mithilfe unseres Research-basierten Bottom-up-Ansatzes einen attraktiven Emittenten identifiziert haben, analysieren wir genau, welches Investment das beste Rendite-Risiko-Profil bietet“, erläutert Michael Della Vedova.

Laut Della Vedova ist es daher von Vorteil, sich am europäischen Markt für hochverzinsliche Anleihen nicht ausschließlich auf Anleihen mit kurzer Duration zu fokussieren. „Wir bevorzugen weiterhin höhere Kupons, um Erträge zu generieren und nutzen unseren Bottom-up-Research-Ansatz, um die besten Gelegenheiten innerhalb der Rating- und Durations-Spektren zu identifizieren“, so Della Vedova.

Über T. Rowe Price
T. Rowe Price ist eine globale Investmentgesellschaft mit 702,5 Milliarden Euro Assets under Management. Das 1937 von Thomas Rowe Price jr. gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Baltimore (USA) und ist mit eigenen Büros in den USA und Kanada, EMEA und Asien präsent. Diversifizierung, Stiltreue und ein fundiertes Research zeichnet den disziplinierten und risikokontrollierten Investmentansatz von T. Rowe Price aus. Kunden aus Deutschland bietet T. Rowe Price insbesondere Aktien- und Fixed-Income-Lösungen.
Für weitere Informationen besuchen Sie www.troweprice.com.

Anleger nutzen die jüngste Schwäche des Rohölpreises

Rohöl-ETPs verzeichneten in der fünften Woche in Folge Zuflüsse, zuletzt in Höhe von 73 Mio. US-Dollar. Damit summieren sich die Zuflüsse insgesamt auf 140 Mio. US-Dollar, was 9 Prozent des verwalteten Vermögens entspricht. Bei Robotik-ETPs kam es erneut zu stabilen Zuflüssen. Sie betrugen in der vergangenen Woche 20 Mio. US-Dollar, sodass sie sich im laufenden Jahr bereits auf 206 Mio. US-Dollar belaufen. Trotz der Unterzeichnung des EU-Austrittsgesuches nach Artikel 50 sahen wir bei Pfund-Sterling-ETPs abgesehen von geringen Abflüssen in Höhe von 0,4 Mio. US-Dollar nur wenig Bewegung. Die Anleger nehmen relativ zu den Terminmärkten eine antizyklische Haltung ein.

Rohöl-ETPs (A1N49P) verzeichneten in der fünften Woche in Folge Zuflüsse, zuletzt in Höhe von 73 Mio. US-Dollar. Damit summieren sich die Zuflüsse insgesamt auf 140 Mio. US-Dollar, was 9 Prozent des verwalteten Vermögens entspricht. Die Anleger hielten den jüngsten Rückgang des Rohölpreises (-8,6 Prozent seit Jahresanfang) für eine Folge der Rekordexporte der USA sowie der mangelnden Einhaltung der vereinbarten OPEC-Fördergrenzen und nutzten die Schwäche zum Kauf. Die Zuflüsse erreichen aber schon länger nicht mehr den kometenhaften Anstieg von 2015, was nach unserer Überzeugung die technischen Fortschritte auf dem US-Schieferölmarkt reflektiert. Dort sind die Grenzkosten der Förderung mittlerweile auf ein Niveau gefallen, das mit der OPEC konkurrieren kann und die OPEC als den Ausgleichsproduzenten (swing producer) in Frage stellt. „Wir bleiben bei unserer Ansicht, dass das Potenzial des Ölpreises nach oben auf 55 USD/Barrel begrenzt ist und sich an der schlechten Vertragstreue innerhalb der OPEC nichts ändern wird“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Bei Robotik-ETPs (A12GJD) kam es erneut zu stabilen Zuflüssen. Sie betrugen in der vergangenen Woche 20 Mio. US-Dollar, sodass sie sich im laufenden Jahr bereits auf 206 Mio. US-Dollar belaufen, was in etwa dem gesamten verwalteten Vermögen entspricht. „Seit ihrer Auflegung im Oktober 2014 kam es in keiner Woche zu Abflüssen, was darauf hindeutet, dass die Anleger ihre Anlagen in Robotik als langfristig betrachten. Andere thematische Stile wie Cybersicherheit (A14ZT8) genießen mit ihren diesjährigen Zuflüssen in Höhe von 56 Mio. US-Dollar eine vergleichbare Aufmerksamkeit“, sagt Hein.

Gold-ETPs (A0LP78) verzeichneten in der vergangenen Woche Abflüsse in Höhe von 43 Mio. US-Dollar. Die Zuflüsse sind netto gerechnet mit 503 Mio. US-Dollar seit Jahresanfang immer noch positiv. Gold, das in dem Zeitraum um 7,3 Prozent zulegte, übertrifft damit die meisten Aktien und Anleihen der entwickelten Länder. Die anderen Edelmetalle Silber (A0N62F) und Palladium (A0N62E) stiegen in diesem Jahr um 11 Prozent beziehungsweise 18 Prozent. Nach unserer Auffassung hat Gold zur Jahresmitte einen fairen Wert von 1.300 US-Dollar, da die fiskalische und politische Unsicherheit und die Inflationsängste zunehmen. „Das größte Risiko für Gold besteht in der Straffung der aggressiven Geldpolitik, die die Realzinsen zurück in den grünen Bereich führen könnte“, sagt Hein.

Trotz Unterzeichnung des EU-Austrittsgesuches nach Artikel 50 sahen wir bei Pfund-Sterling-ETPs, abgesehen von geringen Abflüssen in Höhe von 0,4 Mio. US-Dollar, nur wenig Bewegung. Die Zuflüsse in GBP-Long-ETPs belaufen sich für ein Jahr auf 20 Mio. US-Dollar, was einer Zunahme des verwalteten Vermögens um 33 Prozent und seit dem EU-Referendum im Juni 2016 sogar um 200 Prozent entspricht. „Dies legt nahe“, so Hein, „dass die Anleger gegenüber dem Terminmarkt, auf dem sich die Short-Positionen in Pfund Sterling nahe ihres Allzeithochs befinden, antizyklisch positioniert sind.“

Flexibilität als Schlüssel für Anleiheinvestments

von Iain Lindsay, Manager des GS Global Strategic Macro Bond Portfolios und Co-Head Global Portfolio Management im globalen Anleihe-Team bei Goldman Sachs Asset Management.

Sind die Zinsen und Anleiherenditen so niedrig wie im aktuellen Umfeld, ist dies für Anleiheinvestments sehr interessant und attraktiv. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Anleihestrategie besteht darin, extrem flexibel zu sein. Wir leben zurzeit in einer Welt, in der wohl einige Länder die Zinsen erhöhen und der Inflationsdruck teilweise anziehen wird. Das ist prinzipiell schlecht für Anleihen. Andererseits werden die Zinsen in anderen Teilen der Welt voraussichtlich sehr niedrig bleiben oder sogar sinken, was wiederum für Anleihen spricht.

Die Anleger sollten also globaler denken und ihre Investitionsbemühungen dabei auf jene Länder richten, die sich in eine solche Richtung entwickeln. Andere Regionen sollten eher gemieden werden. Für solch eine gezielte Anleiheauswahl sehen wir derzeit zahlreiche Optionen, doch wir dürfen dabei nicht die Inflationsentwicklung außer Acht lassen.

Uneinheitliche Inflationsentwicklung erfordert globalen Investmentansatz

Die aktuelle Inflationsentwicklung vollzieht sich recht langsam. Während Kapitalmärkte und insbesondere Anleiheanleger auf eine Inflation warten, bemühen sich die Notenbanken beharrlich, diese anzukurbeln. Erste Erfolge ihrer Anstrengungen zeichnen sich zwar gerade ab, doch von einem einheitlichen Bild sind wir immer noch weit entfernt. So zeigen die Inflationsindikatoren in den USA nach oben und auch in Großbritannien zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. In Kontinentaleuropa hingegen bleibt der Preisauftrieb weiterhin sehr moderat.

Prinzipiell scheint es so, dass die Gesamtinflation relativ schnell ansteigen könnte, was aber irreführend ist. Wir halten die Aktien- und Anleiheanleger für klug genug, um diese Entwicklung nicht überzubewerten und sich stattdessen auf die Kerninflation zu konzentrieren. Diese befindet sich in Europa nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau. Daher dürfte auch die Europäische Zentralbank ihren geldpolitischen Kurs vorerst kaum ändern und die Zinsen nicht erhöhen. In Asien hingegen kämpft Japan nach wie vor mit einem Inflationsproblem. Das Land muss sich dringend mit dieser Thematik auseinandersetzen und die Entwicklung eindämmen.

All dies belegt: Die Wiederbelebung der Inflation, also weg von Stagflation hin zu Reflation, gestaltet sich global gesehen uneinheitlich. Wir haben es mit einem monetären Flickenteppich zu tun, in dem auch protektionistische Maßnahmen in den Schwellenmärkten eine Rolle spielen werden.

Anpassungsfähigkeit spricht für Schwellenländer

Das Phänomen des zunehmenden Populismus, der sich gegen die fortschreitende Globalisierung wendet, wird auch 2017 ein großes Thema bleiben. Der damit zusammenhängende Protektionismus schürt bei vielen Anlegern die Sorge, inwieweit hiervon gerade die Exportmärkte der Schwellenländer betroffen sind – verfügen diese doch mittlerweile vielfach über klare Wettbewerbsvorteile. Unserer Ansicht nach würde sich ein Wandel zugunsten protektionistischer Wirtschaftspolitik nur sehr langsam und stückweit vollziehen. Und zwar so langsam, dass sich die Schwellenländer schnell genug anpassen können, um die potenziellen Auswirkungen des Protektionismus zu kompensieren. Dies ist in der Vergangenheit schon verschiedenen kleineren Ländern gelungen, die sich an veränderte globale Wirtschaftsbedingungen anpassen mussten.

Außerdem sind wir davon überzeugt, dass der globalisierungskritische Populismus den Industrieländern wahrscheinlich mehr schaden wird als ihren aufstrebenden Pendants. Auch dies spräche eher für die Schwellenländer, bzw. Anleihen aus den Emerging Markets.

Über Goldman Sachs Asset Management
Goldman Sachs Asset Management ist der Asset-Management-Bereich der Goldman Sachs Group, Inc. (NYSE-Symbol: GS). Per 31. Dezember 2016 belief sich das von diesem Geschäftsbereich verwaltete Vermögen auf 1,178 Billionen US-Dollar. Goldman Sachs Asset Management bietet seit 1989 diskretionäre Anlageberatungsleistungen an und beschäftigt Investment-Spezialisten an allen großen Finanzplätzen der Welt. Das Unternehmen bietet institutionellen Investoren und Privatkunden auf der ganzen Welt Investmentstrategien, die sich auf eine breite Palette von Anlageklassen erstrecken. Goldman Sachs wurde 1869 gegründet und gehört zu den führenden, global tätigen Investmentbanking-, Wertpapier- und Vermögensverwaltungshäusern. Sie betreut weltweit einen breit gefächerten Kundenstamm, zu dem Unternehmen, Finanzinstitutionen, staatliche Stellen und vermögende Privatpersonen gehören.

Japan: Deregulierter Gasmarkt erfordert Gespür fürs Detail

Investoren blicken aktuell gespannt auf die anstehende Deregulierung des japanischen Gasmarkts für Endkunden. Die damit verbundenen Auswirkungen auf die Erträge der etablierten Gasversorger sind vorerst nicht absehbar, führen derzeit jedoch eher zu einem verhaltenen Agieren bei Investoren. Die Gemengelage in diesem Umfeld birgt allerdings auch Einstiegspotenziale für Investoren.

„Japanische Gasanbieter, wie der Primärversorger T okyo Gas, haben sich in den vergangenen zwölf Monaten im Vergleich zu Versorgungsunternehmen anderer Regionen unterdurchschnittlich entwickelt“, sagt Jessica Johnson, Analystin für den Bereich Global Listed Infrastructure bei First State Investments. „Der für diesen Monat anstehenden Deregulierung des japanischen Gasmarkts für Endkunden stehen die Analysten daher eher skeptisch gegenüber. Sie befürchten, dass sich die Deregulierung negativ auf die Erträge der Versorger auswirkt. Betrachten wir Tokyo Gas jedoch gesondert, sollte berücksichtigt werden, dass der Endkundenanteil des Unternehmens lediglich 20 Prozent ausmacht, wohingegen 50 Prozent auf den Bereich der Industriegase entfallen. Die 2004 vollzogene Deregulierung des Industriegasmarkts hatte zudem keinen bedeutenden Effekt auf die Erträge von T okyo Gas. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Bislang haben lediglich fünf Unternehmen einen Lizenzantrag für den Verkauf von Gas gestellt. Bei der Deregulierung des japanischen Strommarkts im Frühjahr 2016 haben hingegen mehr als 750 Unternehmen Lizenzen für den Verkauf von Strom beantragt. Der Grund dieser Entwicklung besteht darin, dass Versorger auf dem Großhandelsmarkt Strom kaufen und diesen an Endkunden weiterverkaufen können. Die Möglichkeit haben Versorger bei Gas nicht, da hierfür ein ‚Gas- Hub‘ fehlt. Zwar können Versorger per Langzeitverträge Flüssiggas importieren, jedoch existiert kein nationales Gasnetzwerk, um es im Inland weiter zu transportieren. Selbst wenn das Flüssiggas im Tokioter Hafen gelöscht wird, müssten die Versorger Tokyo Gas für die Nutzung dessen firmeneigenen Gasnetzwerks bezahlen – im Übrigen ein Detail, das meiner Meinung nach Analysten in diesem Fall gerne unberücksichtigt lassen. Die momentane Underperformance könnte somit womöglich eine Überreaktion sein und dazu führen, dass Tokyo Gas neu bewertet wird, sobald die Auswirkungen der Deregulierung ein klareres Bild zeichnen. Nichtdestotrotz ist dies ein Beispiel, wie wichtig es ist, Unternehmen in ihrem Marktumfeld gesondert zu betrachten und nicht nur den Markt oder den Sektor als Ganzes.“

Über First State Investments
First State Investments ist eine globale Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Erfahrung in verschiedenen Anlageklassen und spezialisierten Anlagesektoren. First State Investments gehört zur Commonwealth Bank of Australia und verwaltete zum 31. Dezember 2016 im Namen ihrer Kunden weltweit ein Vermögen von 147,2 Milliarden Euro. In Australien ist First State unter der Bezeichnung Colonial First State Global Asset Management tätig. First State Investments bietet eine Auswahl von Anlagelösungen für institutionelle Investoren und Kleinanleger weltweit, darunter Aktien-, Anleihe-, Multi-Asset-Anlagen und Anlagen in nicht börsennotierten Infrastrukturwerten. Unser Anlageansatz basiert auf der Verpflichtung, unseren Kunden auf lange Sicht bestmögliche Ergebnisse zu bieten. Zu diesem Zweck stellen wir sicher, dass unsere Interessen sich an denen unserer Anleger orientieren und halten an einer Unternehmenskultur fest, bei der wir stets im Interesse unserer Anleger handeln.

Ausblick für Schwellenländer trotz Fed-Zinserhöhung positiv

Die traditionelle Marktmeinung besagt eigentlich, dass Leitzinserhöhungen der US-Notenbank (Fed) sich negativ auf die Schwellenländer auswirken. Die Global Fixed Income-Experten von T. Rowe Price stellen angesichts der aktuellen Entwicklung allerdings eine Frage: Könnte es dieses Mal anders sein?

Die Fed im Straffungsmodus: Im März erhöhte sie die Leitzinsen – das erste Mal in diesem Jahr. Im Gegensatz zu vergangenen Zinserhöhungen hat die jüngste allerdings nicht zu Turbulenzen an den Schwellenmärkten geführt. Selbst im Vorfeld des Fed-Treffens, als erwartet wurde, dass die Notenbank eine härtere Gangart einschlägt, entwickelten sich Anleihen aus den Schwellenländern erstaunlich gut – ohne Anzeichen einer Wiederholung des sogenannten Taper-Tantrums aus dem Jahr 2013. Damals hatten Erwartungen über eine künftige Straffung der US-Geldpolitik deutliche Kapitalabflüsse aus Schwellenländern bewirkt.

„Schwellenländeranleihen sind zuletzt bemerkenswert robust gewesen – im Vergleich zu den vergangenen Jahren, als der Markt erheblich durch die Fed beeinflusst wurde“, sagt Andrew Keirle, Portfoliomanager des Emerging Markets Local Currency Bond Fund von T. Rowe Price.

Warum hat die Anlageklasse nun aber anders reagiert? Die Fed hatte bereits frühzeitig signalisiert, dass sie die Geldpolitik wieder straffen wird. Dies gab den Schwellenländern Zeit, sich darauf vorzubereiten. „Die Schwellenländer hatten mit der Leitzinserhöhung gerechnet und zum Teil ihre Emissionen vorgezogen, um von attraktiveren Finanzierungslevels zu profitieren. Dies bietet etwas Schutz vor potenziell höheren Leitzinsen“, erläutert Keirle.

Das Global Investment-Team von T. Rowe Price hat zudem beobachtet, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen in den Schwellenländern verbessert haben. Zugleich haben einige Industrieländer in den vergangenen Jahren schwierige Anpassungen und Strukturreformen durchgeführt. Dies ließ die Emerging Markets widerstandsfähiger gegenüber den langsam und stetig steigenden US-Leitzinsen werden.

Die Fed bleibt bei ihrer moderaten Zinserhöhungsstrategie und lässt ihre mittelfristigen Prognosen unverändert. „Während die Fed den Leitzins im März erhöhte, blieb der natürliche Zinssatz unverändert bei drei Prozent. Dadurch besteht das positive Bild für die Emerging Markets weiterhin“, unterstreicht Keirle.

Dennoch behält das globale Investment-Team von T. Rowe Price die potenzielle Gefahr von kurzfristigen Rückschlägen für die Emerging Markets nach wie vor aufmerksam im Blick. Die Schwellenländer entwickeln sich seit einigen Monaten vorteilhaft. Es stellt sich jedoch die Frage, wie lange dieser Trend anhalten wird. Außerdem haben die Schwellenländer bislang nur die erste Leitzinserhöhung überstanden – in diesem Jahr könnte die Fed noch zweimal an der Leitzinsschraube drehen. Dies dürfte wiederum den US-Dollar stärken.

„Derzeit können wir keine bedeutende und breite Aufwertung der Emerging-Markets-Währungen gegenüber dem US-Dollar erkennen“, sagt Andrew Keirle. „In einigen Fällen dürfte es sich wohl aber lohnen, Positionen in anderen Leitwährungen der entwickelten Länder wie zum Beispiel den australischen und kanadischen Dollar zu verringern, um langfristige Investments in Schwellenländerwährungen einzugehen“, ergänzt der Experte.

Bei Betrachtung der Chancen von Schwellenländeranleihen im aktuellen Umfeld, so das Global Investment-Team von T. Rowe Price, ist es wichtig, nach länderspezifischen Investmentstories zu suchen, die weniger empfindlich gegenüber der Fed-Politik sind – dabei ist die Inflationsdivergenz der verschiedenen Anlageregionen der Schlüssel zum Erfolg.

„Während die Fed im Zuge des Wirtschaftswachstums und der steigenden Inflation die Leitzinsen anzieht, befinden sich etliche Schwellenländer mit attraktiven realen Renditen wie Brasilien, Kolumbien und Russland in einem disinflationären Stadium ihres Wirtschaftszyklus. Dies macht ihre lokalen Anleihemärkte attraktiv – selbst wenn die US-Notenbank ihre Geldpolitik straffen sollte“, resümiert Andrew Keirle.

US-Gesundheitswesen ist Top-Thema für Anleger

Die Verabschiedung eines neuen Gesundheitsgesetzes schien nach dem Wahlerfolg der Republikaner im November eine ausgemachte Sache. Die neue Regierung hat jedoch ihre erste große Schlappe erlitten, als das neue Gesundheitsgesetz American Health Care Act (AHCA) vor einer Woche im US-Repräsentantenhaus scheiterte. AHCA sollte den Affordable Care Act (ACA), besser bekannt als ObamaCare, abschaffen und ersetzen. ObamaCare trat 2010 in Kraft und eröffnete und erweiterte für Millionen Amerikaner den Zugang zur Gesundheitsversorgung. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner Paul Ryan, informierte Präsident Trump am 24. März, dass er die AHCA-Gesetzesvorlage zurückziehen würde, da es nicht wahrscheinlich schien, dass sie genug Stimmen erhalten würde, um durch das Repräsentantenhaus zu kommen. Diese Entscheidung ist für die Trump-Administration und die republikanische Partei ein herber Schlag, da die Abschaffung von ObamaCare im Präsidentschaftswahlkampf eine der Kernbotschaften war und zu den obersten Zielen der Republikaner seit der Verabschiedung des Gesetzes 2010 zählt. Allerdings hat sich das Vorgehen der Republikaner, die neue Gesetzesvorlage noch vor der Sitzungspause des Kongresses im April durchzusetzen, für ein so kompliziertes Gesetz als zu aggressiv erwiesen. Es hätte Schätzungen zufolge dazu geführt, dass bis zum Jahr 2018 rund 14 Millionen und bis 2024 sogar rund 24 Millionen Amerikaner ihre Krankenversicherung verloren hätten. Außerdem hätte es viele Amerikaner mit geringerem Einkommen und Bürger ab einem Alter von 50 Jahren benachteiligt. Als klar war, dass die Gesetzesvorlage scheitern würde, wandten sich Präsident Trump und Sprecher Ryan rasch dem nächsten Thema auf ihrer Agenda zu: der Steuerreform.

J.D. Rieber, Leiter des Analystenteams für US-Hochzinsanleihen bei NN Investment Partners: „Viele Unternehmen im Gesundheitssektor haben davon profitiert, dass mit ObamaCare viel mehr Menschen eine Krankenversicherung erhielten. Das Scheitern der Gesetzesvorlage, die ObamaCare ersetzen sollte, kommt dem Sektor also zugute. Krankenhäuser, Notaufnahmen und andere Anbieter, die mit der Ausweitung des Gesundheitsfürsorgeprogramms Medicaid in Verbindung stehen, profitieren am meisten. Bisher haben 31 Staaten plus Washington D.C. dafür gestimmt, Medicaid mit staatlichen Zuschüssen von ObamaCare zu erweitern. Gesundheitseinrichtungen profitierten nicht nur davon, dass immer mehr Amerikaner krankenversichert sind, sondern auch davon, dass sie nicht mehr so oft für die Kosten von Patienten ohne Krankenversicherung einstehen müssen. Diese unversicherten Patienten gehen tendenziell erst dann zum Arzt, wenn sie keine andere Wahl mehr haben. Das führt häufig zu kränkeren Patienten, die die Notaufnahme eines Krankenhauses als erste Anlaufstelle für medizinische Versorgung nutzen und viel höhere Kosten verursachen, die sie oft nicht bezahlen können. Die Krankenhäuser blieben auf diesen Kosten sitzen.“

Wie geht es nach dem Scheitern von AHCA weiter? Wir gehen davon aus, dass das Thema Gesundheitspolitik künftig erneut in Angriff genommen wird, aber in einer weit weniger umwälzenden Form. Es könnte geringere Gesundheitsleistungen und einen reduzierten administrativen Aufwand für das US Gesundheitsministerium beinhalten. Ebenfalls denkbar sind Erleichterungen für die Krankenversicherungsbörsen und die Neugenehmigung des staatlichen Gesundheitsprogramms für Kinder aus einkommensschwachen Familien (SCHIP).

Eine Woche nachdem die Gesetzesvorlage AHCA im Repräsentantenhaus gescheitert ist, bezieht Sebastiaan Reinders, Lead Portfolio Manager für US-Hochzinsanleihen und Senior Portfolio Manager für globale Hochzinsanleihen bei NN Investment Partners, Stellung: „Die Unsicherheit, die die Diskussionen rund um die Gesundheitspolitik auslöste, hatte aktiven Anlegern Chancen eröffnet. Da die Verabschiedung von AHCA gescheitert ist, sollte die Unsicherheit in Bezug auf die Gesundheitsfürsorge nun abflauen. Als fundamental getriebene Anleger gehen wir bei der Titelauswahl sehr selektiv vor und fokussieren uns auf Anlagechancen, die auf den Fundamentaldaten der Unternehmen basieren. In unseren Portfolios halten wir Unternehmen über das gesamte Spektrum des Gesundheitssektors hinweg, die Katalysatoren für eine überdurchschnittliche Wertentwicklung besitzen. Unsere Überzeugung in Bezug auf diese Katalysatoren gründet in unserer tiefgehenden Analyse der Unternehmen. In Szenario-Analysen beurteilen wir mögliche Entwicklungen. Da die größte Gefahr einer umfassenden Gesundheitsreform nun hinter uns liegt, können wir jetzt die Volatilität, die vom nächsten Thema der Republikaner, der Steuerreform, ausgeht, zu unseren Gunsten nutzen.“

Fortsetzung folgt...

Energieschub für den Green Bonds-Markt

Der Markt für Green Bonds, also grüne Anleihen, ist bislang nur ein kleines Segment innerhalb des rund 100 Billionen US-Dollar großen weltweiten Anleihemarktes. Doch momentan erlebt diese noch nicht einmal zehn Jahre alte festverzinsliche Anlageklasse einen regelrechten Boom.

Nachfolgend erläutert der Green Bond-Spezialist Christopher Wigley, Portfoliomanager bei der auf nachhaltige Investments spezialisierten Anlagegesellschaft Mirova1, warum immer mehr Unternehmen und Regierungen grüne Bonds ausgeben, welche Felder am stärksten wachsen und was genau eine Anleihe zu einem Green Bond macht.

Zunächst einmal: Was ist der Unterschied zwischen einem Green Bond und einer normalen Anleihe?

Green Bonds sind strukturiert wie herkömmliche Anleihen. Sie werden gegenüber Staatsanleihen mit einem Aufschlag (Spread) gehandelt, während die Liquidität identisch ist. Das Besondere an einem Green Bond ist, dass damit ökologische Projekte finanziert werden, etwa in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Wasserwirtschaft. Außerdem verpflichtet sich der Emittent, regelmäßig – meist jährlich – über die Umweltleistungen dieser Projekte zu berichten. Die Zielsetzung ist bei einem Green Bond also nicht nur finanzieller,  sondern auch ökologischer Natur.

Wie ist dieser neue Markt entstanden?

Der erste Green Bond wurde 2007 von der Europäischen Investitionsbank ausgegeben. In den ersten Jahren waren die Emittenten ausschließlich große multinationale Entwicklungsbanken, wie eben die Europäische Investitionsbank oder die Weltbank. Doch ab 2012 kam es im Zuge der weltweiten Finanzkrise zu einem exponentiellen Wachstum. Denn die Emittenten wollten ihre Anlegerbasis diversifizieren. Seither wächst der Green Bond-Markt jedes Jahr deutlich, abzulesen am stetig steigenden Emissionsvolumen. Auch 2016 war ein starkes Jahr, mit einem Volumen für Neuemissionen von über 49 Mrd. US-Dollar. Der Gesamtmarkt hat mittlerweile ein Volumen von 112 Mrd. US-Dollar erreicht.2

Eine weitere interessante Entwicklung besteht darin, dass nicht mehr nur multinationale Entwicklungsbanken, sondern auch Unternehmen Green Bonds ausgeben. Und obwohl alle Bereiche wachsen, übertrifft der Corporate-Bereich – mit einem Anteil von etwa 28% am Volumen aller Neuemissionen – die anderen Bereiche inzwischen deutlich.2

Insbesondere die Versorger möchten sich zu nachhaltigen Unternehmen entwickeln und ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren. Deshalb setzen sie verstärkt auf erneuerbare Energien. Auf dieser Grundlage haben in Europa zuletzt Versorger aus Spanien, Österreich, Italien und den Niederlanden neue Green Bonds ausgegeben. In den USA ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. So hat etwa der Stromversorger Southern Power, der dabei ist, sich zu einem der größten Anbieter von erneuerbarer Energie zu entwickeln, im November 2016 einen Green Bond mit einem Volumen von 900 Mio. US-Dollar aufgelegt – den siebten Green Bond des Unternehmens insgesamt.

Weshalb das Wachstum im Vorjahr 2016 besonders stark war

Ein wesentlicher Grund für den starken Anstieg bei den Neuemissionen 2016 waren sicherlich die Impulse durch das Pariser Klimaabkommen. Über 100 Länder, darunter mit China, den USA und Indien die drei größten Verursacher von Treibhausgasemissionen, haben sich auf das Ziel geeinigt, die globale Erwärmung auf 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Damit verbunden sind umfassende politische Zusagen durch die Regierungen.

Die Europäische Union verpflichtet sich, ihre CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 40% zu reduzieren, während die USA eine Reduzierung um 26 bis 28% bis zum Jahr 2025 zugesagt haben. Natürlich sind dies im Moment erst einmal Ankündigungen.

Doch die dahinterstehenden Bemühungen werden jetzt als notwendig anerkannt und von Bürgern, Regierungen und Unternehmen akzeptiert.

Woher wird in Zukunft das größte Wachstum kommen?

Wir befinden uns, wie schon erwähnt, mitten in einem Wandel, weil viele Unternehmen nachhaltiger werden wollen.

Viel Aufmerksamkeit rief Apple 2016 hervor, als das nach der Marktkapitalisierung größte Unternehmen der Welt eine grüne Anleihe mit einem Volumen von 1,5 Mrd. US-Dollar platzierte – den bislang größten von einem US-Unternehmen platzierten Green Bond. Das Geld soll für fünf nachhaltige Zwecke verwendet werden, etwa für Projekte, die den Einsatz erneuerbarer Energien, die Energieeffizienz und die nachhaltige Wassernutzung in den Werken des Unternehmens fördern. Außerdem sollen nachhaltige Materialien und das Recycling von Smartphones erforscht werden.

Dass die Energiewende im Fokus steht, ist meiner Ansicht nach sinnvoll, weil in dieser schnelllebigen Welt ein Unternehmen, das sich nicht an die neuen Paradigmen anpasst, binnen Kurzem den Anschluss verlieren kann. Während Green Bonds bislang hauptsächlich für Energieeffizienz- und Verkehrsprojekte eingesetzt wurden, werden in Zukunft vermehrt Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel eine Rolle spielen.

Welche Rolle spielen die USA im weltweiten Vergleich auf dem Green Bond-Markt?

Hier müssen wir uns die Zahlen anschauen. Anleihen in US-Dollar machen 40% des weltweiten Green Bond-Marktes aus.2 Die USA sind also ein sehr wichtiger Teil dieses globalen Marktes, und meiner Ansicht nach ist hier das Potenzial momentan am größten. Ich sehe für US-Unternehmen, die dem Beispiel von Apple folgen und Green Bonds begeben, ein enormes Potenzial.

Auch die Schwellenländer haben sich vom Green Bond-Fieber anstecken lassen. Chinesische Banken haben bereits grüne Anleihen in Yuan und US-Dollar platziert. Inzwischen sehen wir auch erste Emissionen aus Indien. In Mexiko hat die Börse im März 2016 eine Konferenz zum Thema Green Bonds veranstaltet, die bei Anlegern wie bei Unternehmen auf unerwartet große Resonanz stieß. In Brasilien hat der nationale Bankenverband Richtlinien für die Platzierung von Green Bonds durch Unternehmen entwickelt.

Sind die Laufzeiten ähnlich wie bei herkömmlichen Bonds?

Anfangs waren die Laufzeiten eher kurz. Doch in dem Maße, wie die Anleger Vertrauen in diese Art von Anleihen gewinnen, werden die Laufzeiten länger. Kürzlich begab die Europäische Investitionsbank einen Green Bond mit der Rekordlaufzeit von 21 Jahren. Kurz zuvor, Mitte 2016, hatte der niederländische Versorger TenneT eine 20-jährige grüne Anleihe platziert.

Woher wissen die Anleger, dass eine Anleihe wirklich „grün“ ist?

Führende Akteure der Branche haben in Form der „Green Bond Principles“ Richtlinien eine Checkliste für die Emission von Green Bonds geschaffen. Diese Checkliste definiert die wichtigsten Phasen für einen Green Bond-Emittenten und kann Anlegern helfen, die Umweltleistung ihrer Investitionen zu bewerten. Das GBP-Konsortium hat ungefähr 120 Mitglieder, darunter Banken, Emittenten und Anleger. Die Mitglieder versuchen, die Standards von Jahr zu Jahr zu stärken, ohne sie zu restriktiv zu machen, damit der Markt wachsen kann.

Die „freiwilligen Verfahrensrichtlinien für die Emission von Green Bonds“ umfassen folgende Punkte: Verwendung der Erlöse, Prozess für die Projektbewertung und -auswahl, Management der Erlöse und Reporting. Ein Mangel an Transparenz kann dazu führen, dass eine Anleihe aus dem nachhaltigen Anlageuniversum herausfällt.

1) Mirova, eine Tochtergesellschaft von Natixis Asset Management, S.A. ist in den USA über die Natixis Asset Management U.S., LLC tätig.
2) Quelle: Mirova und Natixis Asset Management, Dezember 2016