Gewinnmitnahmen bei Rohöl, das nach OPEC-Treffen abrutscht

Nachdem die OPEC die Förderquoten verlängert hat, kommt es bei Rohöl-ETPs zu den höchsten Abflüssen seit sechs Monaten. Die Zuflüsse in Industriemetall-ETPs erreichen ein Siebenjahreshoch, da die Auflösung spekulativer Positionen nachlässt. Anleger fühlen sich zu Technologie-ETPs hingezogen, die in der elften Woche in Folge Zuflüsse verzeichnen, diesmal 34 Mio. US-Dollar. US-Dollar werden mittlerweile seit sechs Wochen zu Lasten des Euro gekauft, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick.

Nachdem die OPEC die Förderkürzungen verlängert hat, kommt es bei Rohöl-ETPs (A0KRJX) zu den höchsten Abflüssen seit sechs Monaten. Die OPEC und ihre unabhängigen Partnerländer haben vereinbart, die Förderung für weitere neun Monate auf dem aktuellen Niveau einzufrieren. Das Kartell unter der Führung von Saudi-Arabien bemüht sich um eine Stützung der Preise, seit sein Experiment 2014 zu einem Preiseinbruch führte und die Volkswirtschaften vieler OPEC-Staaten lahmlegte. Um allerdings den Markt in einen Schockzustand zu versetzen und die Preise nach oben zu treiben, wären tiefere Einschnitte vonnöten gewesen. Da die Förderung in den USA, Kanada und Brasilien weiter zunimmt und die globale Nachfrage keine Stärke zeigt, werden die globalen Reserven hoch bleiben. „Das Ziel der OPEC, die Lagerbestände der OECD auf den Fünfjahresdurchschnitt zu drücken, wird daher von der steigenden Schieferölproduktion in den USA unterlaufen. In der Folge rutschten die Rohölpreise ab, und Anleger ergriffen die Gelegenheit, die Gewinne zu verbuchen. Long-Rohöl-ETPs verzeichneten mit insgesamt 100 Mio. USD die höchsten Abflüsse seit Anfang Dezember 2016“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Anleger fühlten sich zu Technologie-ETPs hingezogen, die in der elften Woche in Folge Zuflüsse verzeichneten. Der Technologiesektor führt die weltweite Aktienentwicklung weiter an, da die Gewinne der Techfirmen in den USA besser als erwartet ausfielen. „Die Zuflüsse in die Themen-ETPs für Cybersicherheit (A14ZT8) und Robotik (A12GJD) erreichten mit insgesamt auf 34 Mio. USD den höchsten Stand seit elf Wochen“, ergänzt Hein.

US-Dollar werden mittlerweile seit sechs Wochen zu Lasten des Euro gekauft. Obgleich der Markt eine Zinsanhebung auf der Fed-Sitzung im Juni voll eingepreist hat, schwächt sich der US-Dollar ab. So erreichte der US-Dollar-Index (DXY) in der vergangenen Woche seinen tiefsten Stand seit Oktober 2016. Parallel zur Kursschwäche ermäßigte sich in den letzten Wochen auch die Positionierung auf dem Terminmarkt. Die ETP-Anleger blieben jedoch optimistisch und lenkten in der sechsten Woche hintereinander Gelder in Long-USD-ETPs. Die Zuflüsse betrugen in dem Zeitraum insgesamt 57 Mio. USD. Gleichzeitig wurden die Positionen in Short-USD-ETPs gekürzt und insgesamt 15,3 Mio. USD abzogen, so viel wie zuletzt in der ersten Woche Januar 2017. „Gekauft wurden US-Dollar in erster Linie zu Lasten des Euro, der den Schlüsselwiderstand bei 1,12 nach oben durchbrach. Long-Euro-ETPs verzeichneten die höchsten Abflüsse in zwanzig Wochen, während Short-Euro-ETPs in der sechsten Woche in Folge Zuflüsse verbuchten“, so Hein.

Die Zuflüsse in Industriemetalle (A0SVX7) erreichten ein Siebenjahres­hoch. Die Anleger verstanden die Stabilisierung der Metallpreise als Signal, endlich mit der Schnäppchenjagd in dem Sektor zu beginnen. „Die Auflösung spekulativer Positionen lässt nach, die chinesische Wirtschaft zeigt erste Anzeichen der Stabilisierung und die dortigen Behörden legen neue Infrastrukturprogramme auf. In breit aufgestellte Industriemetallkörbe flossen 42 Mio. USD – soviel wie zuletzt vor sieben Jahren“, sagt Hein.

Trotz DAX-Höchststand: Einstieg in Aktien lohnt sich – Kontinuität zählt

von Andreas Telschow, Anlageexperte bei Fidelity International.

Der DAX hat die 12.000-Punkte-Marke überschritten. Lohnt es sich jetzt noch, in den deutschen Aktienmarkt zu investieren? Und sind die Schwankungen an den Märkten mit Blick auf anstehende Wahlen und die Zinspolitik der Zentralbanken nicht ohnehin unberechenbar? Viele Anleger sind verunsichert und neigen dazu, in volatilen Börsenphasen Aktien und Fonds schnell zu verkaufen. „Mit Blick auf die Rendite der Anlage ist das eine denkbar schlechte Entscheidung, denn die größten Kurssteigerungen an der Börse finden an nur wenigen Tagen statt. Durchhalten zahlt sich aus – Kontinuität ist bei der Aktienanlage wichtiger als der vermeintlich richtige Zeitpunkt. Ganz nach der Börsenweisheit: Hin und Her macht Taschen leer.“

Eine langfristige Betrachtung des deutschen Aktienmarktes zeigt: Ein Anleger, der mit der Einführung des Euros am 31.12.1998 1.000 Euro in deutsche Standardwerte – gemessen am MSCI Germany – investiert hat, erzielte damit bis Ende April 2017 2.557 Euro. Hätte der Anleger dagegen die 10 besten Tage dieses Zeitraums verpasst, wären daraus nur 1.159 Euro geworden. Hätte er die Kurssteigerungen der 40 besten Tage nicht mitgenommen, wären sogar nur noch 260 Euro übrig gewesen.

„Schwankungen an den Aktienmärkten sind ganz natürlich. Mit dem höheren Risiko von Aktien- und Aktienfonds sind aber auch langfristig höhere Renditechancen verbunden. Anleger sollten in volatilen Börsenphasen keinesfalls in Panik geraten und überstürzt Aktien oder Fonds verkaufen. Wie die Berechnungen zeigen, kann man den ‚richtigen‘ Ein- oder Ausstiegszeitpunkt nicht vorhersehen. Es kommt darauf an, langfristig investiert zu sein“, so Telschow.

Wertentwicklung einer Anlage in deutsche Standardaktien gemessen am MSCI (LC) Germany*

Die Entgiftung am Rentenmarkt hat eingesetzt

Null- bzw. sogar Minusrenditen bei Anleihen – wie sie noch vor einigen Monaten an der Tagesordnung waren – bildeten die Spitze des Eisberges eines unglaublichen Bullenmarktes, der seine Ursprünge bereits 1981 hatte. Haupttreiber dieser Entwicklung war die Politik der Notenbanken, die mit kontinuierlichen Zinssenkungen und quantitativen Maßnahmen die Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren stetig befeuerten.

Trotz der noch expansiven Geldpolitik in weiten Teilen der Welt steigen seit einiger Zeit die Renditen an den Anleihemärkten wieder. „Möglicherweise sehen wir gerade den Anfang einer Kehrtwende bei Anleiherenditen“, kommentiert Peter de Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam Asset Management. Und begründet dies folgendermaßen: „Die Eingriffe der Notenbanken durch Anleihekäufe und andere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen laufen nun aus. Im Rentensegment hat die Entgiftung bereits eingesetzt. Die Renditen von Staatsanleihen aus Kernländern werden sich allmählich im positiven Terrain normalisieren, da die Programme zur quantitativen Lockerung bedachtsam zurückgefahren werden. Viele Regierungen dürften höhere Investitionen vornehmen und eine nachhaltigere Haushaltspolitik verfolgen, im Rahmen derer mehr Wachstum auf eine sozial verträglichere Weise generiert wird.“

Was heißt „Normalität“?

Nach Jahrzehnten sinkender Zinsen und damit sinkender Anleiherenditen drängt sich die Frage auf, wo denn das „normale“ Renditeniveau überhaupt liegt. Bei Degroof Petercam Asset Management hat man sich dafür die historischen durchschnittlichen 10-Jahres-Verzinsungen in den Vereinigten Staaten und Europa angeschaut. Diese schwankten in den vergangenen 100 Jahren zwischen zwei und vier Prozent. „Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis ist davon auszugehen, dass es einige Zeit dauern wird, bis das derzeitige ultra-niedrige Zinsniveau den langfristigen Durchschnitt wieder erreichen wird“, sagt der Rentenchef bei Degroof Petercam Asset Management. Mehr denn je käme es dem Experten zufolge darauf an, geduldig zu sein: „Wir müssen davon ausgehen, dass das Regime aus niedriger Produktivität, niedriger Inflation und geringen Investitionen der Unternehmen vorerst weiterhin Bestand haben wird. Erst wenn sich dieses Regime ändert, sollten die Leitzinsen wieder auf ein Niveau zwischen zwei und drei Prozent steigen können.“

Risiken durch Diversifikation im Griff behalten

An den Märkten besteht weiterhin Anpassungsbedarf an einem Abbau der preisstützenden Nachfrage und an eine wachsende Fülle von Faktoren, die zu höherer Inflation führen können. Dieser Wandel kann Anleihen mit einem Risikoaufschlag und geringer Liquidität in Mitleidenschaft ziehen, die unter Investoren bei ihrer Suche nach Rendite über einen langen Zeitraum hinweg dank der quantitativen Lockerungsprogramme als äußerst attraktiv galten.

„Institutionelle Anleger sollten bereit sein, in ein breiteres Spektrum von festverzinslichen Anlagen zu investieren und eine intelligente Streuung unter Einbeziehung von globalen Staatsanleihen, Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating und hochverzinslichen Unternehmenspapieren vorzunehmen“, rät Peter de Coensel, der den globalen Rentenfonds DPAM L Bonds Universalis Unconstrained managt. „Zusätzlich können nicht auf Euro lautende Anlagen die Diversifizierung und die Renditeaussichten verbessern. Bei Staatsanleihen kann zudem eine Wertsteigerung durch die Beimischung von Schwellenländer- und inflationsindexierten Anleihen erreicht werden.“ 

Gefahr steigender Korrelationen zwischen Anleihen und Aktien

Durch die Politik der Europäischen Zentralbank ist in Europa im Rentensegment eine Massenspekulation im Gange. Gleichzeitig sind Sell-Side-Banken infolge geänderter Regelungen weniger zur Bereitstellung von Liquidität bereit. Zudem sind Anleihe-Investments in passiven ETFs kräftig angestiegen, weshalb es zu Engpässen kommen kann, wenn Anleger ihre Bestände zur gleichen Zeit abstoßen. Da Industrienationen zunehmend eine restriktivere Geldpolitik verfolgen und die Inflation tendenziell steigt, muss zukünftig mit steigenden Korrelationen zwischen Anleihen und Aktien gerechnet werden.

Anleihen könnten infolge der sinkenden Diversifizierungseffekte an Attraktivität verlieren. Anleger sollten deshalb Momentum-Strategien den Rücken kehren, denn der 35-jährige Anleihen-Bullenmarkt könnte sich allmählich in einen Bärenmarkt wandeln. Einem Anleger, der über hochwertiges Research verfügt und stark selektiv vorgeht, würden sich dennoch lukrative Anlagechancen bieten.

So zum Beispiel bei Hybridanleihen, also eigenkapitalähnlichen, nachrangigen Unternehmensanleihen, und Staatsanleihen der Euro-Peripherie. Auch bei High Yield-Anleihen und Emissionen auf der Schwelle zwischen Investment Grade und High Yield-Rating sei Wertpotenzial vorhanden. Schließlich sollten Anleger sich in gewissem Umfang gegen unerwartete Ereignisse absichern. 10-jährige US-Staatsanleihen oder Bundesanleihen könnten sprunghaft in der Rendite anziehen, während eine mögliche Abverkaufswelle bei Unternehmensanleihen den Verkaufsdruck auf Aktien stark erhöhen würde. „Diese Annahmen sind jedoch nicht Teil unseres Basisszenarios“, betont Peter de Coensel.

Über Degroof Petercam
Degroof Petercam Asset Management (DPAM), mit Hauptsitz in Brüssel, ist eine in den Benelux-Ländern führende unabhängige Asset Management-Gesellschaft mit langjähriger Marktreputation in Long Only- Anlagekonzepten sowie spezialisierten Asset Management-Lösungen. Neben aktiv gemanagten Publikumsfonds verwaltet DPAM Vermögensverwaltungsmandate für institutionelle Investoren in ganz Europa und stellt seine Expertise über ein breites Netzwerk von über 400 Vertriebspartnern zur Verfügung. Das Produkt- und Dienstleistungsangebot von DPAM richtet sich vornehmlich an öffentliche und betriebliche Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, private Banken sowie gemeinnützige Organisationen. Aktuell verwaltet DPAM ein Vermögen von über 37 Milliarden Euro.

Alleiniger Anteilseigner ist die unabhängige und renommierte Degroof Petercam Gruppe, die mit Büros in Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden, Deutschland, Italien und Hongkong insgesamt 1.400 Mitarbeiter in den Bereichen Asset Management, Private Banking, Investment Banking (Corporate Finance und Wertpapierhandel) und Asset-Servicing beschäftigt. Ca. 70 Prozent der Aktien der in Privatbesitz gehaltenen Gesellschaft befinden sich in den Händen von Familien und Referenz-Aktionären (Philippson, Peterbroeck, Van Campenhout, Haegelsteen, Schockert, Siaens sowie CLdN Finance und Cobepa). Der Rest des Grundkapitals wird von der Unternehmensführung und Mitarbeitern, Finanzpartnern und sonstigen Aktionären gehalten.

Unternehmensgewinne sind derzeit der wichtigste Treiber für die Aktienmärkte

Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom beim Asset Manager GAM, kommentiert einmal im Monat die aktuelle Marktlage.

Unsere Prognose für die Märkte bleibt zuversichtlich. Die Trends, die vom zweiten Halbjahr 2016 bis zu den ersten Monaten 2017 zu beobachten waren, dürften andauern. Die Treiber der Marktperformance haben sich allerdings verändert. 2016 und Anfang 2017 wurde die Risikobereitschaft durch positive Wachstumsüberraschungen und eine wachstumsorientierte Politik in Washington unterstützt. Derzeit erhalten Aktien die größte Unterstützung von den Unternehmensgewinnen. Anfang 2017 erholten sich die Gewinne sowohl in den USA, insbesondere aber auch in Europa und selbst in einigen Schwellenländern. Die Anleihemärkte befinden sich indes nach wie vor in der Defensive. Dies resultiert hauptsächlich aus der Erwartung, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik weiter normalisieren wird, aber auch aus der um sich greifenden Annahme, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im späteren Jahresverlauf zu einer neutraleren Haltung übergehen wird.

Die politische Unsicherheit in den USA machte sich in letzter Zeit auch an den Kapitalmärkten bemerkbar. Die Besorgnis über eine mögliche Behinderung der Justiz durch die US-Regierung löste einen Rückschlag aus. Es gestaltet sich nach wie vor schwierig, die politische Unsicherheit in die tägliche Entscheidungsfindung über Anlagen einzubeziehen. Früher bewährte Methoden, wie das Spekulieren auf einen Sprung bei der impliziten Volatilität, waren im letzten Jahr nicht sehr erfolgreich.  Vielmehr sind wir der Ansicht, dass robuste Portfolios, die verschiedene Strategien umfassen, die beste Möglichkeit sind, sich gegen unvorhersehbare Ereignisse zu wappnen. Dazu setzen wir etwa Relative-Value-, marktdirektionale und Carry-Positionen ein.

Sofern eine größere Überraschung ausbleibt, nehmen die Märkte das vermutliche Ergebnis der bevorstehenden Parlamentswahlen in Großbritannien weitgehend vorweg. Das britische Pfund hat sich erholt, denn die meisten Anleger rechnen mit einem historischen Wahlsieg der Konservativen. Dieser würde ihre geringe Mehrheit im Unterhaus stärken und Premierministerin May bei den Verhandlungen mit Europa eine größere Flexibilität verschaffen. Wir rechnen aber auch mit einigen negativen Überraschungen, die aus den tatsächlichen Brexit-Verhandlungen resultieren könnten. Großbritannien wird sich im Vergleich zur Position der EU als Ganzes und zu den Interessen der einzelnen europäischen Länder in einer schwachen Verhandlungsposition befinden, selbst wenn diese durch eine Tory-Mehrheit im Unterhaus gestärkt wird.

In den USA dürfte die US-Notenbank Fed ihre geldpolitische Normalisierung mit einer weiteren Zinserhöhung im Juni und möglicherweise zwei weiteren Schritten vor dem Jahresende fortsetzen. Bis zum Ende des Jahres dürfte sie außerdem weitere konkrete Schritte zur Normalisierung ihrer Bilanz unternehmen. Unter anderem wird sie voraussichtlich bekannt geben, auf welche Weise ihr Wertpapierbestand reduziert werden soll.

Die größere Überraschung für die Kapitalmärkte dürfte von der EZB ausgehen. Die EZB verfolgt derzeit nicht nur eine außerordentlich expansive Geldpolitik, sondern tendiert auch zur Lockerung. Dies dürfte sich bald ändern. Die Richtungsänderung hin zu einer neutraleren Haltung könnte bereits im Juni eintreten, spätestens im September. Zu diesem Zeitpunkt werden die Märkte mit einer Drosselung und möglicherweise auch mit der Aufhebung der negativen Einlagensätze rechnen. Daher werden die Stellungnahmen und Maßnahmen der EZB im zweiten Halbjahr 2017 stärkere Auswirkungen auf die Märkte haben als die der Fed.

Über GAM
GAM ist eine der führenden unabhängigen, reinen Vermögensverwaltungsgruppen der Welt. Unter den beiden Marken GAM und Julius Bär Fonds bietet sie aktive Anlagelösungen und  produkte für Institutionen, Finanzintermediäre und Privatkunden an. Das Investment-Management-Kerngeschäft der Gruppe wird durch eine Private Labelling-Sparte ergänzt, die Management-Company- und andere unterstützende Dienstleistungen für Dritte anbietet. GAM beschäftigt etwa 1 000 Mitarbeitende in 13 Ländern und betreibt Anlagezentren in London, Cambridge, Zürich, Hong Kong, New York, Lugano und Mailand. Die Vermögensverwalter werden von einem umfassenden weltweiten Vertriebsnetz unterstützt.

Auf der Suche nach Gleichgewicht

von Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

Nach wie vor spricht das Makroumfeld für Vermögenswerte, die auf Wachstum ausgerichtet sind. Angeführt von den Industrieländern schreitet die wirtschaftliche Expansion voran und synchronisiert sich weltweit. Die Finanzbedingungen bleiben zudem positiv: Die Aktienmärkte entwickeln sich stark und Kredite sind günstig. Deshalb denken wir, dass die Märkte womöglich zu optimistisch sind. In den nächsten Monaten könnte sich diese Inkonsistenz auflösen und wieder ein Gleichgewicht herstellen.

Europa: Risikoeinpreisung voraus

Beunruhigend war zuletzt, dass auf dem Markt für europäische Staatsanleihen keine Risikoaufschläge erhoben wurden - trotz vom wachsenden Populismus ausgelösten Tail Risks. Volatilitäten auf den Märkten für Staatsanleihen blieben bislang aus und pendelten sich zwischen einer moderaten Spreadausweitung und rückläufigen politischen Risiko ein. Obwohl sich Emmanuel Macron bei der zweiten Runde der Präsidentenwahl am 7. Mai gegen Front-National-Kandidatin Marine Le Pen durchsetzen konnte, glauben wir nicht, dass der Sieg Macrons die Gefahr einer Fragmentierung der Eurozone langfristig tilgen kann. Vielmehr stellt der wachsende Nationalismus mittlerweile die dritte große Herausforderung für den Euroraum dar, beginnend mit der Staatsschuldenkrise von 2011 und der Flüchtlingswelle im Jahr 2015.

Wir gehen davon aus, dass auf den Märkten des Euroraums (mit Ausnahme Deutschlands) bis zur Wahl in Italien in 2018 mehr Risiken eingepreist werden dürften. In Italien strebt die Protestbewegung „Fünf Sterne“ ein Referendum über die Mitgliedschaft im Euroraum an und hat sich zu einem ernsten Rivalen der regierenden Mitte-Links-Partei entwickelt. Wir halten derzeit keine Positionen in Italien, auch wenn wir der Ansicht sind, dass alle defensiven Trades unser Übergewichtung im Euro-Währungsgebiet zugutekommen dürften.

Regional gesehen bieten außerdem mittel- und osteuropäische Währungen den Vorteil, dass die zugehörigen Zahlungsbilanzen positiv und Handelsverflechtungen mit dem europäischen Wachstum tief sind. Weiterer Pluspunkt: Sie sind nicht in die Probleme des Euros verwickelt.

Was Großbritannien betrifft, so ist es unserer Meinung nach zu früh, um abzuschätzen, welche Auswirkungen der Austritt des Landes aus der EU auf die Politik des Euroraums haben wird. Gleichwohl ist es kein Geheimnis, worin die Herausforderungen für die britische Wirtschaft bestehen. Neben dem Inflationsdruck, dem Druck auf die Verbrauchernachfrage und einer hohen Volatilität über den zweijährigen Trennungsprozess könnte das Britische Pfund in Mitleidenschaft gezogen werden. Als Frühindikator beobachten wir vor allem die Verhandlungen über die Ausgleichszahlungen – also die Verbindlichkeiten Großbritanniens gegenüber der EU. Sollte sich dieser Prozess als schwieriger als ohnehin gedacht erweisen, drohen für die Zukunft eventuell noch größere Schwierigkeiten zwischen beiden Seiten.

USA: Diskrepanz zwischen Stimmung und Wirtschaftsdaten

In den USA ist man weiterhin auf der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen der sehr positiven Grundstimmung und den harten Fakten, sprich niedrigeren Zinssätzen und einer strafferen Politik der US-Notenbank Fed. Wir denken, dass die qualitativen und quantitativen Maßnahmen zu einem moderaten Wachstumsanstieg von knapp 2,2 Prozent führen dürften. Sollte die Regierung in puncto Steuerreform vorankommen, könnte das Wachstum auch stärker ausfallen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass sich Trumps wachstumsfördernden Regulierungs- und Fiskalmaßnahmen vor 2018 bemerkbar machen. Nach wie vor besteht eine Kluft zwischen den geldpolitischen Prognosen der US-Notenbank (Fed), den anhaltend niedrigen Zinssätzen und den lockeren Finanzbedingungen.

Wir rechnen damit, dass sich die US-Zinsen auf höherem Niveau einpendeln werden. Zudem bleibt abzuwarten, ob sich die allgemeinen Finanzbedingungen verschlechtern. Dies beeinflusst nicht zuletzt unseren Ausblick für die künftige Fed-Politik. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr noch zweimal anheben und damit beginnen wird, ihre Bilanz zu bereinigen. Das Tempo für Zinserhöhungen könnte dann in 2018 noch einmal anziehen.

China: Verschuldung bleibt kurzfristig größtes Risiko

Für uns bleibt es dabei, dass die Hauptrisiken in den Entwicklungsländern von China ausgehen, nicht zuletzt weil die Märkte hier möglicherweise zu optimistisch agieren. Die Konjunkturabschwächung stellt eine langfristige Herausforderung dar, aber auf kurze Sicht sind vor allem die steigenden Finanzierungskosten der überschuldeten chinesischen Unternehmen beunruhigend. Die Schulden der wichtigsten chinesischen Finanzinstitute sind so hoch, dass ein Eingriff der chinesischen Regierung denkbar ist. Selbst wenn dies so kommen sollte, macht das aber nicht die mangelnde Transparenz in Bezug auf notleidende Kredite in den Bilanzen der chinesischen Banken wett. Wir halten folglich an unserer Überzeugung fest, jene asiatischen Währungen unterzugewichten, die den Markt- oder konjunkturellen Turbulenzen in China am stärksten ausgesetzt sind. Hierzu zählen etwa der Taiwan-, Singapur- und Hongkong-Dollar.

Emerging Markets: Das Comeback der Währungen

Die Schwellenländerwährungen feiern nach vier turbulenten Jahren ein Comeback und bieten einige der besten Chancen auf den heutigen Märkten. In Teilen der Entwicklungsländer haben wir es mit einer seltenen Kombination aus Value und sich verbessernden Fundamentaldaten zu tun, wobei die Währungen im Vergleich zu den Schulden nach wie vor unterbewertet sind. Im Gegensatz zur allgemeinen Auffassung denken wir, dass die Schwellenländer den Epizentren der heutigen politischen Risiken eher weniger ausgesetzt sind als z.B. die meisten Industrieländer. Kurz gesagt bevorzugen wir Märkte, die unserer Meinung nach vom Wachstum in Europa und den USA profitieren können, ohne in deren politischen Problemen unterzugehen.

Das heißt nicht, dass das politische Risiko aus den Schwellenländern verschwunden ist. Man denke nur an die Volatilitätssprünge des südafrikanischen Rands nach der Amtsenthebung des Finanzministers oder die Reaktion der türkischen Lira auf den Sieg von Präsident Erdoğan beim umstrittenen Verfassungsreferendum. Es handelt sich hierbei aber um konkrete Einzelfälle, die weniger Potenzial haben, auf andere Bereiche überzugreifen.

Über Goldman Sachs Asset Management
Goldman Sachs Asset Management (GSAM) ist einer der global führenden Vermögensverwalter. GSAM beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter an 31 Standorten weltweit. Das Unternehmen stellt institutionellen und Privatanlegern Anlage- und Beratungslösungen zur Verfügung, wobei die angebotenen Strategien das gesamte Spektrum an Anlageklassen, Branchen und Regionen abdecken. Unsere Anlagelösungen beinhalten Anleihen, Geldmärkte, börsengehandelte Aktien, Rohstoffe, Hedge-Fonds, Private Equity und Immobilien. Diese Lösungen stehen unseren Kunden im Rahmen unserer unternehmenseigenen Strategien, strategischen Partnerschaften und unseren offenen Architekturprogrammen zur Verfügung. Unsere Anlageteams umfassen mehr als 700 Anlagespezialisten, die die Marktkenntnisse, das Fachwissen im Bereich Risikomanagement und die technologischen Möglichkeiten von Goldman Sachs nutzen. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, sich in den dynamischen Märkten von heute zu behaupten und ermitteln Anlagechancen, die ihre Portfolios und ihre langfristigen Anlageziele prägen. Wir stellen unsere globale Kompetenz den weltweit führenden Pensionsfonds, Staatsfonds, Zentralbanken, Versicherungsgesellschaften, Finanzinstituten, Stiftungen, Privatpersonen und Family Offices bereit. Im Auftrag dieser Kunden erbringen wir Anlage- oder Beratungsdienstleistungen. Per 31. Dezember 2016 belief sich das von GSAM verwaltete Vermögen auf 1,178 Billionen US-Dollar.

Fällige Anleihen nicht mehr im vollen Umfang reinvestieren

von Jörg Angelé, Patrick Krizan und Gottfried Steindl, Raiffeisen Research.

In den nächsten Tagen stehen mit dem Arbeitsmarktbericht sowie dem ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe die beiden Datenhighlights des Monats an.

Der Arbeitsmarkt dürfte sich im Mai erneut sehr erfreulich entwickelt haben. Wir gehen davon aus, dass erneut mehr als 200.000 neue Stellen geschaffen worden sind. Daten der Federal Reserve Bank von San Francisco, die den Einfluss der Witterung auf den Stellenaufbau analysieren, deuten auf ein Stellenplus von rund 250.000 hin. Den Daten zufolge wäre im April aufgrund der vorherrschenden Witterung - Temperaturen und Niederschlag - ein Stellenplus von circa 300.000 zu erwarten gewesen. Tatsächlich wurden gemäß Bureau of Labor Statistics aber „nur“ 211.000 neue Stellen besetzt. In der Regel gleichen sich solch große Diskrepanzen im Folgemonat zumindest teilweise wieder aus. Unsere Schätzung für den Beschäftigungsaufbau setzen wir mit 210.000 aber etwas geringer an, da es gut möglich ist, dass das Vormonatsergebnis nach oben revidiert wird. Die Arbeitslosenquote erwarten wir unverändert bei 4,4 %. Das Lohnwachstum dürfte mit einem Plus von 0,1 % p.m. enttäuschen. Verantwortlich ist ein Kalendereffekt: Der Tag der Datenerhebung, der 12. Mai, lag auf einem Freitag. War dies in den letzten Jahren der Fall, wurde im Durchschnitt nur ein Lohnzuwachs von 0,1 % p.m. ausgewiesen. Im Juni und Juli dürften die Löhne aber wieder spürbar stärker zulegen.

Für den ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe deuten die bis dato vorliegenden regionalen Stimmungsumfragen aus New York, Philadelphia und Richmond auf einen nochmaligen leichten Rückgang hin. Wir prognostizieren daher für Mai ein Niveau von 54,5 Punkten.

Weitere Daten: Die bereits vorliegenden Verbraucherpreisdaten deuten für April auf einen Rückgang der Vorjahresrate des Deflators des privaten Konsums auf 1,6 % hin. Die persönlichen Konsumausgaben dürften um 0,3 % p.m. gestiegen sein. Der Indikator zum Verbrauchervertrauen des Conference Boards dürfte in etwa auf dem Vormonatsniveau von 120,3 Punkten verharrt haben.

Das FOMC-Sitzungsprotokoll der Zinssitzung vom 3. Mai brachte wesentliche Aufschlüsse zur geplanten weiteren Vorgehensweise der US-Notenbank. Erstens ist der Wortwahl zu entnehmen, dass eine Zinsanhebung im Juni so gut wie ausgemacht ist. Zweitens ist die Mehrheit des Entscheidungsgremiums für den Beginn der Reduktion der Bilanzsumme in der zweiten Jahreshälfte, sofern sich die Wirtschaft wie erwartet entwickelt. Zinsanhebungen sollen dabei wie signalisiert fortgesetzt werden (vom aktuellen Niveau aus werden für heuer zwei und im Jahr 2018 drei Zinsanhebungen in Aussicht gestellt). Die Reduktion der Bilanzsumme soll langsam erfolgen. Derzeit wird favorisiert, fällige Anleihen (vor allem Staatsanleihen und Mortgage Backed Securuties) nicht mehr im vollen Umfang zu reinvestieren und dabei den Reinvestitionsgrad alle drei Monate zu reduzieren bis schlussendlich abreifende Papiere gar nicht mehr ersetzt werden. Die Untersuchung zu den Russland-Verbindungen des US-Präsidenten bzw. seines Mitarbeiterstabs und die damit verbundene politische Unsicherheit begünstigt weiterhin sichere US-Staatsanleihen. Die Rendite der 10-jährigen Laufzeit sank zuletzt auf bis zu 2,17 % ab, bevor sie aktuell wieder auf 2,25 % zulegen konnte. Generell scheinen wir uns momentan in einem Käufermarkt zu bewegen. Darauf weist unter anderem auch das steigende Handelsvolumen für Kauf-Optionen auf US-Staatsanleihe-Futures hin. Die Zuflüsse in den Staatsanleihemarkt manifestieren sich dabei bevorzugt auf der 10-jährigen Laufzeit, was zuletzt zu einer deutlichen Verflachung der US-Zinskurve geführt hat. Die Renditedifferenz zwischen der 2- und 10-jährigen Laufzeit liegt inzwischen bei nur noch 95 BP. Wir sehen dieses Niveau als untere Grenze einer realistischen Bandbreite an und erwarten in kommenden Wochen zumindest eine Stabilisierung. Darauf weisen auch die Optionen am Swapmarkt hin. Für am Geld liegende Optionen liegt die implizite Volatilität sowohl für kurze als auch lange Laufzeiten auf einem historisch niedrigen Niveau. Die Marktteilnehmer erwarten somit in den kommenden Wochen auch mit Hinblick auf die Fed-Zinssitzung im Juni keine Überraschungen bzw. starken Veränderungen der US-Renditen.

Den vollständigen wöchentlichen Marktausblick von Raiffeisen Research zu verschiedenen Märkten finden Sie links als PDF mit Charts.

Europäischer High-Yield-Markt läuft dem amerikanischen den Rang ab

Zuletzt rückten die Öl- und Rohstoffpreise wieder verstärkt in den Fokus der Finanzmärkte. Bedenken hinsichtlich eines Angebotsüberschusses und die Angst vor einer schwindenden Nachfrage aus China dominierten jüngst die Schlagzeilen und verursachten Volatilität und Preisschwächen. Mike Della Vedova, Portfoliomanager der European High Yield Bond Strategie von T. Rowe Price stellt sich daher die Frage: „Steigt der europäische Markt für Hochzinsanleihen angesichts der größeren Abhängigkeit amerikanischer High Yields von Öl- und Rohstoffpreisen jetzt wieder in der Anlegergunst?“

Die Energiebranche ist eine der größten Sektorgewichtungen im amerikanischen High-Yield-Markt und umfasst ungefähr 14 Prozent der Benchmark¹. Dieses Exposure lässt Della Vedova zufolge US-amerikanische Hochzinsanleihen anfälliger für Ölpreisbewegungen erscheinen als europäische, wo Emittenten aus dem Energiesektor gerade einmal fünf Prozent der Benchmark² ausmachen. „Das bedeutet, dass Europa wahrscheinlich eher in Marktphasen eine Outperformance zeigt, in denen der Preisdruck für Öl- und Rohstoffpreise weiter stark anhält. Beim Blick auf die Zusammensetzung des Gesamtmarktes wird zudem deutlich, dass der US-Markt einen höheren Anteil an schwächer-bewerteten Unternehmen aufweist“, so der Experte. Emittenten mit einem C-Rating machten 14,5 Prozent der Benchmark aus. In Europa liege der Wert bei lediglich vier Prozent. Unterm Strich scheinen das Risiko und die Volatilität für europäische High-Yields also niedriger zu sein als für amerikanische.

Aus fundamentaler Perspektive rückt laut Della Vedova für Europa wie für die USA insbesondere ein aktuelles Thema in den Fokus und zwar die sich verbessernden Unternehmensgewinne. Della Vedova ergänzt: „Allerdings ist es wichtig herauszustellen, dass sich Europa in einem früheren, kreditfreundlicheren Abschnitt des Konjunkturzyklus befindet als die USA, mit einem geringen Inflationsdruck sowie steigendem Wachstum.“ Des Weiteren profitiere Europa von der akkommodierenden Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB). Während die US-amerikanische Federal Reserve die Geldpolitik straffe und dieses Jahr vermutlich noch zwei Zinsanstiege ansetze, bleibe die EZB bei ihrer Politik der Negativzinsen und kaufe aktuell jeden Monat Anleihen in Höhe von 60 Milliarden Euro. Obwohl eine gewisse Wahrscheinlichkeit bestehe, dass die EZB das Tempo ihrer Ankäufe drosseln werde, bleibe die Geldpolitik akkommodierend. „Auch aus technischer Sicht ist Europa derzeit stärker als die USA. Die Ausfallrate ist niedrig. Außerdem bleibt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Ungleichgewicht – mit eher moderater Anleiheemission zu einer Zeit, in der die Anlageklasse nach wie vor Zuflüsse generiert“, beschreibt der Portfoliomanager.

Insgesamt untermauern die fundamentalen und technischen Faktoren, dass der europäische High-Yield-Markt stärker als der amerikanische sei. Vor dem Hintergrund der erneuerten Bedenken hinsichtlich des Ölpreises und der wiederaufkommenden Sorgen um China scheint die geringere Volatilität in Europa im Vergleich zu den USA äußerst attraktiv. „Wir präferieren weiterhin höhere Kupons, um Erträge einzuholen. Dafür nutzen wir unser bottom-up Credit-Research, um die besten Opportunitäten über die gesamte Bandbreite an Ratings und Laufzeiten zu identifizieren“, betont Della Vedova. Aufgrund dieses Ansatzes sei das Portfolio an Single-B-Unternehmen mit einer geringeren Laufzeit gegenüber der Benchmark übergewichtet.

1) BofA Merrill Lynch US High Yield Index, Stichtag 28. April 2017
2) BofA Merrill Lynch Euro High Yield Index, Stichtag 28. April 2017

Reisebericht aus der Golfregion: Anpassung an eine neue Öl-Realität

Leo Hu, Portfoliomanager für Schwellenländeranleihen bei NN Investment Partners, hat gerade die Golfregion besucht und traf sich mit Politikern, Energie- und Politikberatern und Finanzinstituten.

Bei der Analyse von Staatsanleihen sind für uns viele Parameter relevant, beispielsweise die Nettovermögensposition, das Management der Währungsreserven, die Reformbereitschaft, fiskalische Puffer, die potenzielle wirtschaftliche Diversifikation und die Nachfolgeplanung. Betrachtet man diese Faktoren, gibt es unserer Ansicht nach erhebliche Anlagechancen in der Golfregion, zumal die Anfangsphase der Strukturreformen erste positive Ergebnisse zeigt. Allerdings sind wir aktuell dennoch nur verhalten konstruktiv, da der schwierigste Teil der Reformen, die Umsetzung von sozial schwierigen Reformen auf lokaler Ebene, noch getestet werden muss.

Saudi-Arabien: Das visionäre Königreich

Infolge des Ölpreiseinbruchs seit Mitte 2014 verzeichnete Saudi-Arabien 2015 und 2016 ein Haushaltsdefizit in Höhe von 15 Prozent bzw. 13 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts. Was die Sache noch verschlimmert, ist, dass der Krieg im Jemen sehr kostspielig ist und die Regierung vermutlich zusätzlich belasten wird. Während unseres Besuchs in Riad, der Hauptstadt von Saudi-Arabien, zeigte sich jedoch, dass die Regierung bereits sehr umfassende Pläne angestoßen hat, um sowohl die kurzfristigen als auch die strukturellen Wirtschaftsprobleme in den Griff zu bekommen. Das Königreich hat zwei große Pläne: die Vision 2030 und das Nationale Transformationsprogramm 2020 (NTP 2020). Die Vision 2030 adressiert im Wesentlichen die strukturellen Probleme, sodass das Land in Zukunft nicht mehr von Schwierigkeiten im Rohstoffbereich abhängig ist. Diese Initiative wird von umfangreichen Reformen im Privatsektor flankiert. NTP 2020 wurde im Juni 2016 in Verbindung mit der Vision 2030 ins Leben gerufen und legt die Ziele dar, die bereits bis 2020 erreicht werden sollen, vor allem ein ausgeglichener Haushalt. Ein in der Geschichte des Landes beispielloser Vorgang ist es, dass alle Reformen öffentlich angekündigt wurden und alle Beteiligten zur Verantwortung gezogen werden. Was noch wichtiger ist: Der zweite Thronfolger Mohammed bin Salman al-Saud, der Sohn von König Salman, trägt die direkte Verantwortung für diese Pläne, was deutlich macht, dass sie oberste Priorität haben. Wir halten die vorgeschlagenen Reformen aufgrund der eingeschränkten Wirtschaftsstruktur und der sozialen Brisanz für mutig und ambitioniert. Es wäre bereits eine klare Erfolgsgeschichte, wenn nur die Hälfte der geplanten Reformen umgesetzt würde.

Bahrain: Das freundlichste Umfeld für Unternehmer

Bahrain belegt unter den fünf Golfstaaten, die wir besucht haben, den höchsten Rang im Ease of Doing Business Ranking 2017 der Weltbank und zählt zu den Ländern, die die Vorschriften für Unternehmen am meisten verbessert haben. Aber nicht nur die geschäftliche Seite schneidet gut ab: Bahrain wird vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zudem als Land mit einem „sehr hohen Index menschlicher Entwicklung“ eingestuft. Während unseres Besuchs in Bahrain erlebten wir eine anständige Infrastruktur und ein liberales Geschäftsumfeld. Der wichtigste Wettbewerbsvorteil Bahrains ist sein leichter und schneller Zugang zu anderen Golfstaaten, insbesondere Saudi-Arabien, der größten Volkswirtschaft der Region. Zudem sind die Geschäftskosten relativ niedrig, z.B. die Mieten für Büros und Industrieland, während die Arbeitskräfte im Vergleich zu den anderen Golfstaaten sehr gut ausgebildet sind. Allerdings hat Bahrain wegen seines begrenzten Öl- und Gasreichtums den höchsten Breakeven-Ölpreis der gesamten Golfregion (schätzungsweise 107 US-Dollar pro Barrel im Jahr 2015). Daher ist es ermutigend, zu sehen, dass die Regierung bereits verschiedene Reformmaßnahmen ergriffen hat, darunter Subventionskürzungen für Fleisch, Wasser und Strom, die Liberalisierung der Kraftstoffpreise und Steuererhöhungen auf Alkohol und Tabak. Zudem haben Bauvorhaben, die vom Golf-Entwicklungsfonds (Gulf Development Fund, GDF) mit 10 Mrd. US-Dollar finanziert werden, den Investitionsdruck auf die Regierung verringert und auch einen Konjunktureinbruch verhindert. Die zuletzt bewilligten Zuschüsse, z.B. für die Erweiterung des Flughafens und den Ausbau des Energiesektors, machen deutlich, dass der Golfkooperationsrat Bahrain weiterhin Mittel zukommen lässt.

Kuwait: Seit Generationen grundsolide

Der größte Vorteil Kuwaits ist das enorme Staatsvermögen, das auf 500 Mrd. US-Dollar geschätzt wird – mehr als das Vierfache des Bruttoinlandsprodukts des Landes. Kraft Gesetzes muss die Regierung jährlich mindestens 10 Prozent aller Staatseinnahmen in den Fonds für künftige Generationen (Future Generations Fund, FGF) einzahlen. Auf diese Weise hat das Land über Jahre hinweg große Gewinne aus dem Ölexport angespart. Dieser umsichtige Umgang mit dem Ölreichtum äußert sich in einer beachtlichen Kreditstärke, die einen erheblichen Puffer für niedrigere Energiepreise bietet, sogar über einen längeren Zeitraum. Ein anderer wichtiger Unterschied zwischen Kuwait und den anderen Golf-Ländern ist, dass sich sein parlamentarisches Regierungssystem in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Vor allem bei Steuerreformen können die Spannungen zwischen Parlament und Regierung den Fortschritt bei wichtigen Themen blockieren. Allerdings ist es ist unserer Meinung nach auch die Stärke des Systems, dass alles, was vereinbart wurde, auf starken Rechtsgrundlagen basiert. Im Übrigen begrüßen wir die geplante erste Eurobond-Emission Kuwaits. Sie dürfte die Transparenz verbessern und nötige Reformen im Land beschleunigen.

Katar: Kleines Land mit großen Ambitionen

Mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 73.653 USD im Jahr 2015 (Weltbank) ist Katar eine der reichsten Nationen der Welt. Katar hat Anfang der 1990er Jahre stark in Flüssiggas investiert, und diese Investitionen zahlen sich jetzt aus. Ausgehend von diesem großen Erfolg hat Katar begonnen, seine Wirtschaft zu diversifizieren – Qatar Airways ist ein Beispiel für ein Top-Unternehmen – und seine ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Geplant ist die Errichtung einer Wissenswirtschaft, in der lokale Privatsektoren auf internationales Know-how und Erfahrungen zurückgreifen können. So besitzt Doha Universitäten von Weltklasse. Der jüngste Ölpreissturz wird die Staatseinnahmen beeinträchtigen, aber er wird die Diversifikationspläne des Landes vermutlich nicht ins Wanken bringen, da Katar im Laufe der Zeit beachtliche finanzielle Puffer aufgebaut hat. Unterdessen ergreift die Regierung zudem verschiedene fiskalische Reformmaßnahmen, z.B. Subventionskürzungen bei Kraftstoff, Wasser und Strom, wobei die meisten Maßnahmen zuerst bei im Land lebenden Ausländern greifen. Aktuell sind in Katar von insgesamt 2,6 Millionen Einwohnern nur 300.000 einheimische Bürger. Demzufolge werden die Fiskalreformen kaum soziale Unruhe hervorrufen, und Katar dürfte politisch stabil bleiben. Gleichzeitig verbessern sich Katars Auslandsbeziehungen zu anderen Golfstaaten aufgrund des diplomatischen Auftretens des Emirs weiter.

Oman: Das bestgehütete Geheimnis der Region

Oman ist wahrscheinlich das bestgehütete Geheimnis der Region. Im 19. Jahrhundert war Oman eine regionale Handelsmacht und errichtete seine überseeischen Kolonien, die bis an die ostafrikanische Küste reichten. Diese Expansion nach Übersee führte jedoch zu Konflikten im Heimatland. Die Omanis haben ihre Erfahrungen gemacht, deshalb scheinen sie sich heute lieber zurückzuhalten. Trotz der starken Abhängigkeit von Öleinnahmen hat Oman gutes Potenzial, seine Wirtschaft erfolgreich zu diversifizieren, z.B. in den Bereichen Tourismus und Logistik. Ein weiteres einzigartiges Merkmal von Oman sind seine breit gefächerten Auslandsbeziehungen. Oman ist ein Mediator zwischen dem Iran, dem Golf-Kooperationsrat und den USA. Im Gegensatz zu anderen Golf-Ländern, die sehr starke bilaterale Beziehungen mit den USA zu haben scheinen, hat Oman auch eine gute Beziehung zu China aufgebaut. Oman und China haben eine lange Handelsgeschichte. Da Maskat schon immer ein wichtiger internationaler Hafen war, haben omanische Seefahrer, die bis zum 10. Jahrhundert bis nach China gesegelt waren, viele chinesische Tonwaren importiert. Heute plant China die Entwicklung einer Industriestadt mit Investitionen in Höhe von 10,7 Mrd. US-Dollar in der Nähe des Hafens von Duqm mit einigen Megaprojekten, darunter der Bau einer Ölraffinerie mit einer Kapazität von etwa 230.000 Barreln pro Tag. Auch wenn Oman unter globalen Anlegern weniger bekannt ist, ist das Land ein vernünftiger Anleiheemittent mit ausreichenden Ressourcen und ausländischem Beistand, um volatile Phasen zu überstehen.

Emerging Markets Monitor

In the market, Pictet AM is renowned as an expert on emerging markets for many years, be it shares or bonds. With the new "EM-Monitor", we will be regularly examining the most important market and data trends of the asset class.

  • What? The EM Monitor is a digital collection of our emerging markets chart analyses. It combines the competence of our economists with the findings of our emerging market shares and pension teams.
  • Why? To provide institutional investors with a compact access to our EM expertise and strategies.
  • How? Our investment experts formulate clear and factual statements on emerging markets (macros, government and corporate bonds as well as stock markets).

1)  What caught our eye

“EM car sales bode well for future growth”

The rebound in EM car sales growth (plum line) since Q4 2015 appears to bode well for future GDP prospects in emerging markets. We believe that car sales are one of the most reliable indicators of wider consumer spending and confidence.

Growth in EM car sales is also some way ahead of developed markets, despite a recent roll-over (which we expect to be short-lived).

Chart 1: EM vs. DM car sales growth
Volume, % y/y, 3-month moving average

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, data as at 01.01.2017. 

“Plenty in the EM 'tank' implies strong prospects for EM growth and currencies”

EM growth set to outperform DM

The positive picture in car sales and in our broader leading indicator of activity (see EM leading indicator & GDP chart in next section) are mirrored in our current forecasts for EM growth relative to DM (green line in the below chart).

EM  currencies likely to appreciate

If our optimism on EM growth proves correct, EM currencies (grey line in the below chart) look set to appreciate versus the US dollar as this tends to follow with a lag.

Chart 2: EM vs. DM GDP growth & USD vs. EM currencies

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, USD vs. EM currencies data as at 01.04.2017.
* Unweighted 31 EM GDP growth / **Unweighted 31 EM exchange rates.

2)  EM health check

“Both the demand and the supply sides appear in good health”

Our proprietary Pictet Emerging Markets leading indicator* is showing strong momentum.

On the corporate/supply side,  both EM PMI and industrial production readings further reinforce the positive signs observed on the demand side.

Read more about EM corporates, in particular in relation to corporate debt.
*The Pictet Emerging Markets leading indicator is assembled using some 240 underlying indicators across 24 emerging markets that focus on rate-sensitive consumption (car sales, housing, etc.)

Chart 3: EM leading indicator & GDP (left) / EM PMI & industrial production (right)

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. 
Left-hand chart: EM leading indicator data as at 01.02.2017; EM GDP data as at 01.11.2016.
*GDP-weighted average of 24 countries leading indicators. **GDP-weighted average of 30  countries real GDP. 
Right-hand chart: EM PMI data as at 01.03.2017; industrial production data as at 01.01.2017.
*GDP-weighted average of 16 manufacturing PMI surveys. **GDP-weighted average of 32  countries industrial production.

“We expect the gap between EM manufacturers and commodity exporters to at least converge to the long-term average”

Commodity exporters should see their GDP recover

We think a key lens to differentiate between emerging markets is that of manufacturers vs. commodity exporters. 

Given that the long-term average growth gap between commodity exporters and manufacturers is 400 bps - and assuming manufacturers retain their current stable growth trend - this implies further upside for growth for EM commodity exporters.

Chart 4: Emerging GDP growth: manufacturers vs. commodity exporters

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, data as at 01.10.2016.

“Emerging markets' exports appear to be on the mend” 

Nominal exports above long-term average for the first time since 2011

Rounding off a range of positive EM indicators this month are nominal global emerging markets’ exports, which ended 2016 above their long-term average for the first time since 2011.

Furthermore, as the right hand chart shows, this rebound could be accelerating in February if early reporting EMs are matched by the wider market.

Chart 5: Emerging nominal exports
Long-term trend (left) and since 2010 with early February 2017 data (right) - In USD

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream.
Left-hand chart: data as at 01.01.2017.
Right-hand chart: global EM countries data as at 01.01.2017; selected emerging countries data as at 01.02.2017.
* EM countries with most recent data: Korea, Taiwan, Brazil, Chile.

3)  In focus: India

“Indian activity seems to be rebounding from the impact of demonetisation”

After Prime Minister Modi’s surprise announcement of demonetisation on 8 November 2016, India went through a period of economic disruption. This seems to be over now with PMI and industrial production picking up again.

This is also reflected in the consumer sentiment as illustrated through our favoured indicator of car sales, which have risen back into positive territory towards long-term average levels.

Read more about India's rebound after Modi's demonetisation.

Chart 6: Indian manufacturing PMI and industrial production growth (left) / Indian car sales (right)

Source: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream.
Left-hand chart: PMI data as at 01.03.2017; industrial production growth data as at 01.01.2017.
Right-hand chart: Car sales data as at 01.02.2017 

4)  Market watch

Chart 7: Key market data
As at 30.04.2017

Source: Datastream, Bloomberg, data as at 30.04.2017 and in USD. Equity indices are quoted on a net dividend reinvested basis; bond and commodity indices are quoted on a total return basis. The currency rates evolution is treated as a performance calculation based on FX rates.


About the Author
Patrick Zweifel joined Pictet in 1997. He is Chief Economist at Pictet Asset Management, Before assuming his current position in 2009, he was head of the “Macro Research Team” at Pictet Private Wealth Management. In particular, he had research responsibilities for emerging markets and Japan and for the development of quantitative models on major asset classes, primarily foreign exchange models.

Diese Artikel könnte Sie auch interessieren:

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der grössten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit.  Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

Folgen Sie Pictet Asset Management

Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.

Telefon: 069-79 5009 24
e-mail: fbohmer@pictet.com

Herabstufung der Kreditwürdigkeit Chinas durch Moody’s dürfte nur begrenzte Wirkung haben

von Leo Hu, Portfoliomanager für Schwellenländeranleihen bei NN Investment Partner.

Bereits im März 2016 hatte Moody‘s den Ausblick für China von stabil auf negativ geändert. Daher kommt die Herabstufung diese Woche nicht überraschend. S&P führt China seit März 2016 mit der Note AA-, Ausblick negativ, Fitch bewertet das Land mit A+. Damit liegt die Kreditwürdigkeit gleichauf mit der Japans. Moody’s begründet die Herabstufung mit der Verschlechterung der Bonitätskennzahlen, vor allem dem in den kommenden Jahren zunehmenden gesamtwirtschaftlichen Schuldenrisiko. Strukturreformen dürften diesen Prozess zwar verlangsamen, aber nicht aufhalten. Andererseits gibt der stabile Ausblick Moody’s Erwartung wieder, die Risiken seien ausgeglichen und eine weitere Herabstufung auf kurze Sicht unwahrscheinlich. Nach Meinung der chinesischen Regierung unterschätzt Moody‘s die Fähigkeit Chinas, Strukturreformen auf der Angebotsseite umzusetzen und die Gesamtnachfrage zu stärken. Die Regierung wies zudem darauf hin, dass die Schuldenlage im Zeitraum 2018 bis 2020 nicht wesentlich von 2016 abweichen werde.

Auswirkung hält sich in Grenzen

Aus unserer Sicht dürfte die Herabstufung nur begrenzte Wirkung haben. Neben den unbestreitbaren Stärken der chinesischen Wirtschaft, die auch von der Rating-Agentur eingeräumt werden, sollte man nicht vergessen, dass Chinas Auslandsverschuldung mit 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im internationalen Vergleich niedrig ist. Bisher hat der Markt relativ verhalten auf die Senkung von Chinas Bonitätsnote reagiert.

Politisch ist vor allem der 19. Nationale Volkskongress in diesem Herbst entscheidend. Es ist anzunehmen, dass die Regierung um einen reibungslosen Führungswechsel und um den Erhalt eines stabilen volkswirtschaftlichen Umfelds bemüht sein wird. Präsident Xi Jinping hat aus unserer Sicht bereits erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Binnenkonsum anzukurbeln und ein weniger kreditabhängiges Wachstum zu fördern, z.B. durch Nutzung des Internets und anderer moderner Technologien. Die politisch sensibleren Herausforderungen und weiteren wirtschaftlichen Reformvorhaben dürften nach dem Volkskongress im Herbst in Angriff genommen werden.

China A-Shares: Tighter liquidity a short-term headwind but SOE reform and index inclusion are medium-term positives

Financial conditions in China are tightening as policy makers are attempting to reverse some of the stimulus from last summer. The ongoing deleveraging process is a headwind for A-share equity performance in the short-term which has a tight correlation to domestic liquidity conditions. However we see state-owned enterprise (SOE) reforms and the inclusion of A-shares in global equity indices as two drivers of a potential re-rating of the market in the medium term, says James Butterfill, Head of Research and Strategy at ETF Securities.

Policy is tightening in China

China has been taking pre-emptive steps since the start of the year to tighten financial conditions. The improvement in both the domestic and external outlook since last year has emboldened policy makers to tackle some of the excesses in the build-up in leverage. Since 2008 China has had the biggest increase in its ratio of debt to gross domestic product of any country. The BIS estimates that ratio jumped from 141 per cent at the start of 2009 to 260 per cent by the end of 2016. As the central bank (PBoC) outlined in its monetary report last December, it is increasingly worried about financial sector stability and unintended asset bubbles.

The tightening steps since the start of the year include both quantitative as well as qualitative elements: a) hiking short-term interest rates across the interest rate corridor b) slowing the growth of total social finance and c) tightening bank regulations to reign in off-balance sheet lending and especially the shadow banking sector.

The net impact of these actions has been to tighten domestic liquidity. Both money market rates and bond yields have risen sharply since January to multi-year highs. The move up in rates so far has been orderly, with the PBoC limiting dislocations by injecting liquidity when needed, but it is now 20% more costly for companies and households to borrow than at the start of the year.

The tighter funding conditions have so far had a mixed impact on economic growth. Some indicators such as falling industrial metal prices and an inverted yield curve send a negative signal for future growth prospects. Other indicators such as the latest PMI and retail sales point to a more robust domestic demand picture. Excess capacity in both the industrial and property sectors look less worrying than a few years ago, and external demand still looks strong. As a result, the downside risks to growth are more limited than in the 2015 growth scare. Our own leading indicator signals a moderation in activity but not a sharp slowdown.

Tighter liquidity a negative for short- term equity performance

Although we do not expect a sharp downturn in growth, tighter financial conditions have never been a good backdrop for on-shore domestic equities. A-shares are tightly correlated to domestic liquidity as up to 80% of turnover is generated by retail investors. In previous episodes of liquidity tightening A-shares have underperformed both H-shares and other emerging markets, and so far it has not been different this time. A-Shares have been among the worst performing emerging market year-t0-date, down –1% in local currency versus up +11% for H-shares and +12% for the MSCI EM.

Since mid-March the onshore equity market has seen reduced account openings, lower trading volumes and a reduction in leveraged margin trading. Without a looser policy stance, there are few triggers for A-shares to outperform in the short-term. Valuations are not particularly cheap at 14x forward P/E versus a 5yr average of 13x. Neither are relative valuations to H-shares particularly compelling at the moment trading roughly in-line with the 5-year average.

SOEs reforms and index inclusion are medium-term positives

Despite the short-term headwinds, we think A-share multiples could re-rate to a higher sustained P/E in the medium term for two reasons.

First, we are starting to see signs that state-owned enterprises are becoming more share-holder friendly. The state agency tasked with regulating SOEs (SASAC) issued guidelines last year for SOEs to increase transparency and improve corporate governance. One of the largest state-owned coal companies came out with an unexpected special dividend shortly after the announcement and the expectation is that we could see more SOEs follow suit. We have also seen recent reforms to rationalise capacity in SOE dominated sectors, particularly commodities, where there have been significant plant closures in steel, coal and cement since 2015.

Second, we think the potential inclusion of A-shares in global equity benchmarks is another medium-term driver. There has been ongoing discussions to include on-shore companies in benchmarks available to foreign investors over the years. These discussions have accelerated recently as Chinese authorities have improved foreign access to capital markets over the last two years. We could get a decision by MSCI in mid-June and the resulting inclusion (if any) could begin in June 2018. Conclusion

The PBoC is taking welcome steps to reign in some of the excessive credit growth since the great financial crisis. Although these steps are a short-term headwind for A-share performance, they should help financial stability in the medium-term. We continue to think that with further capital account liberalisation and SOE reforms, A-shares represent an interesting opportunity over the medium-term.

Moody’s downgrade of China’s sovereign debt rating

by Will Ballard, Head of Emerging Markets and Asia Pacific Equities bei Aviva Investors.

Moody’s downgrade of China’s sovereign debt rating today should come as little surprise to investors, taking it to a rating that is now on par with Fitch. S&P will probably be next. For equity investors debt ratings have no direct read across. However, it could have knock on effects and start to turn the spotlight on whether there are more serious issues that need to be addressed and that could undermine investor confidence in not only debt, but also equity markets. 

The first stage impact is that once the sovereign rating is downgraded, it is likely that most Chinese banks will have to be downgraded as well. A rising cost of funding for the banks, unless it can be passed on, results in falling net interest margins. That in turn to the average equity investor, means lower earnings for banks stocks. Considering international investors are already having misgivings about investing in Chinese banks, with ICBC’s H shares trading on only 6x earnings, any fall in earnings is going to do nothing to help confidence.

The second factor worth considering is why are Moody’s downgrading the debt? Should their analysis prove correct then perhaps we are looking at a slower path to growth for Chinese GDP. Should that be the case, then again, future earnings of Chinese companies could be lower than investors expect. Lower growth and lower earnings normally mean lower valuations.

Is it all as bad as that? Well the first thing to say is that this downgrade isn’t unexpected. In fact the Chinese are well aware of some of the concerns highlighted by Moody’s. Xi Jinping has already called for increased action from the government to control financial risks and improve co-ordination between the various regulatory authorities. Valuations are also already low. The HSCEI, which represents Chinese companies listed in Hong Kong, is one of the cheapest equity indices. It trades on only 8.5x expected earnings, compared to the broader MSCI Emerging Markets index on 13x. With that in mind, perhaps it’s no surprise that the index was only slightly down on this announcement.

Zwei Gründe, die derzeitige Spritztour auszulassen

von James Swanson, MFS Chief Investment Strategist.

Vor allem aus zwei Gründen sollte man mit Neuanlagen in die hoch bewerteten US-Aktienmärkte meiner Ansicht nach vorsichtig sein. Der erste Grund sind die Zweifel an der Preismacht - und damit der Umsatzentwicklung - der S&P-500-Unternehmen. Der zweite Grund sind ihre geringen Investitionen.

Wenn der Konjunkturzyklus zur Hälfte vorüber ist, steigt die Preismacht meist, weil die Inflation zunimmt. Die Umsätze legen dann schneller zu als die Kosten. Wenn in früheren Konjunkturzyklen die Inflation einsetzte, wuchsen die Gewinne börsennotierter USUnternehmen schneller als die US-Wirtschaft. Doch nach acht Jahren seit Beginn des aktuellen Zyklus fällt es den S&P-500-Unternehmen schwer, ihre Umsätze entsprechend dem Wirtschaftswachstum zu steigern. In vielen Branchen gelingt es nicht, die Preise zu erhöhen. Die jüngsten Preissenkungen in der Telekommunikations- und der Automobilbranche haben dies nur zu deutlich gemacht.

Wo ist die Inflation?

Die Inflation kehrt zurück, heißt es - Energiepreise, Mieten und Löhne würden steigen. In der Tat ist die Inflation in den USA und in anderen Ländern gestiegen, aber längst nicht so schnell und so exorbitant, wie viele Auguren erwartet hatten. Ein Grund dafür ist, dass sich die Babyboomer allmählich aus dem Erwerbsleben verabschieden. Die Angehörigen dieser Alterskohorte zählen oft zu den bestbezahlten Arbeitern. Ersetzt werden sie durch jüngere, schlechter bezahlte Kollegen. Das dämpft die Lohninflation.

Hinzu kommen neue Techniken für Ölbohrungen. Die Ölpreise haben einen großen Einfluss auf die Inflation in den Industrieländern. Obwohl die Energienachfrage steigt, deckeln die immer niedrigeren Förderkosten zusammen mit den reichlich vorhandenen Ölreserven in den USA die Ölpreise.

Einen großen Anteil an den Inflationsindizes haben Mieten (oder vergleichbare Kosten). Auf sie entfallen etwa 30% des Verbraucherpreisindex. Zu Beginn dieses Konjunkturzyklus wurden in den USA nach den Übertreibungen des letzten Zyklus zu wenige Häuser gebaut, doch jetzt sind einige Jahre ins Land gegangen. Die Bevölkerung ist gewachsen, und endlich steigt auch das Angebot. In vielen amerikanischen Städten wurde in großem Stil gebaut. Noch ist dieser Prozess nicht abgeschlossen. Entsprechend schwach steigen die Mieten.

Zurück in die Zukunft?

Neben der geringen Preismacht und einer gewissen Enttäuschung, dass die Administration die versprochenen Reformen nicht durchführt, müssen sich Investoren noch mit einem weiteren Problem befassen: mangelnden Investitionen in die Zukunft. Der aktuelle Konjunkturzyklus ist bekannt für die extrem niedrigen Investitionen in Immobilien, Fabriken und Ausrüstungen. Private Investitionen hatten schon immer großen Einfluss auf das zukünftige Wachstum, insbesondere von Beschäftigung, Gewinnen und Eigenkapitalrenditen. Keiner weiß, warum so wenig in langlebige Aktiva investiert wird, aber angesichts des Gewinnanstiegs der letzten Jahre hätten wir mehr erwartet. Wenn der aktuelle Konjunkturzyklus noch länger anhalten soll, geht das nicht allein mit Konsum. Meiner Ansicht nach müssen neue Fabriken gebaut und Maschinen, Computer und Software gekauft werden, damit der Aufschwung weitergeht. Ich wüsste allerdings nicht, was zurzeit für mehr Investitionen in langlebige Aktiva sorgen könnte - in Aktiva, die wiederum die abnehmende US-Produktivität beflügeln könnten.

Ich würde die zurzeit beliebte These von weiteren Aktienmarktgewinnen ja gerne glauben, wenn es nur mehr Preiserhöhungen und wachstumsfördernde Investitionen gäbe. Aber ich sehe beides nicht. Sowohl in den USA als auch in Europa waren die Unternehmensgewinne im 1. Quartal 2017 bislang ordentlich. Aber wird das so weitergehen, wenn Preismacht und Investitionen in den nächsten Jahren nicht steigen? Die Gewinne müssen in den restlichen drei Quartalen des Jahres 2017 schon kräftig zulegen, damit das derzeitige Kurs-Gewinn-Verhältnis gerechtfertigt ist. Ich bleibe bei der Anlage neuer Gelder daher vorsichtig.

Über MFS Investment Management
MFS wurde 1924 gegründet und ist ein aktiver, globaler Assetmanager mit Investmentniederlassungen in Boston, Hongkong, London, Mexico City, São Paulo, Singapur, Sydney, Tokio und Toronto. MFS verfolgt einen einzigartigen partnerschaftlichen Ansatz, um Mehrwert für Kunden zu schaffen. Der Investmentprozess basiert auf drei Säulen: integriertes Research, internationale Zusammenarbeit und aktives Risikomanagement. Am 28. Februar 2017 verwaltete MFS 440,8 Mrd. US-Dollar Anlagevermögen für Privatanleger und institutionelle Investoren weltweit. Weitere Informationen finden Sie auf http://mfs.com.

Transatlantischer Vergleich der Aktienmarktperspektiven – Vorteil für Europa

von Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Seit der globalen Finanzkrise 2008 haben sich US-Aktien deutlich besser entwickelt als ihre europäischen Pendants. So hat der US-Standardaktienindex S&P500 in den vergangenen 10 Jahren per Saldo eine Wertentwicklung von über 50 Prozent zu verzeichnen und übertraf bereits 2013 seine Allzeithöchststände von 2007. Demgegenüber konnte der STOXX EUROPE 600 Index erst in diesem Mai das Niveau von Mitte 2007 wieder erreichen.

Die Hintergründe für diese Diskrepanz sind vielschichtig. Ein wichtiger Faktor ist, dass die amerikanische Ökonomie, getrieben durch ein unmittelbares und rigoroses Umschalten der US-Notenbank Fed auf eine ultra-expansive Geldpolitik und die frühzeitige Rekapitalisierung der US-Banken, sehr schnell auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren konnte. Demgegenüber fiel die Eurozone nach 2009 schon in 2012 erneut in eine Rezession. Zudem wurden US-Aktien von vielen Anlegern als relativ sicher angesehen, während die Kurs­ent­wicklung europäischer Unternehmen immer wieder durch den drohenden Zerfall der Eurozone zurückgeworfen wurde.

Seit Anfang 2017 jedoch liegen europäische Aktien vorn. Der STOXX EUROPE 600 konnte gut 10 Prozent hinzugewinnen. Der S&P500 hat lediglich ein Plus von ca. 7 Prozent zu verzeichnen. Ist diese Entwicklung nachhaltig? Können europäische Aktien zukünftig im relativen Vergleich aufholen? Bei der Beantwortung dieser Frage hilft eine Gegenüberstellung der folgenden Kriterien:

  • Politik: Mit der Parlamentswahl in den Niederlanden und der Präsidentschaftswahl in Frankreich liegen die größten potenziellen Unsicherheitsfaktoren für die europäischen Börsen bereits hinter uns. Beide Ereignisse haben nicht die Anfang des Jahres für möglich gehaltenen Turbulenzen an den Kapitalmärkten mit sich gebracht, da weder Geert Wilders noch Marine Le Pen einen größeren Einfluss oder gar eine Regierungsbeteiligung erreichen konnten. Die in diesem Jahr noch anstehenden Parlamentswahlen in Frankreich, Deutsch­land und Großbritannien haben keine vergleichbar große Sprengkraft, so dass hierdurch keine deutlichen Auswirkungen auf die Börsen entstehen sollten. Für Unsicherheit könnte einzig die spätestens im Frühjahr 2018 anstehende Wahl in Italien sorgen. In den USA haben die ersten Amtsmonate Donald Trumps hingegen noch nicht die erhofften Steuersenkungen oder Staatsausgabenprogramme gebracht. Hier regieren somit eher Hoffnungen als Fakten.
  • Konjunktur: Die europäische Konjunktur ist im Vergleich zur US-Ökonomie später auf den Erholungspfad eingeschwenkt. Dafür ist der Konjunkturzyklus hierzulande aber auch noch nicht so weit fortgeschritten. Während in den USA die seit 2010 sinkende Arbeitslosigkeit für einen anziehenden Konsum gesorgt hat, begann diese Entwicklung in Europa erst langsam ab 2013 und hält noch an. Die Unternehmen blicken derzeit ungewohnt optimistisch in die Zukunft. So lag der viel beachtete ifo-Geschäftsklimaindex im April mit 112,4 Punkten auf dem höchsten Stand seit 2011. Sowohl die Kreditvergabe als auch die Investitionen zogen jüngst an, wodurch die konjunkturelle Entwicklung weiteren Anschub erhält. Besonders positiv für Europa ist jedoch die dynamische Entwicklung des globalen Wachstums. Der IWF hat seine Prognose für das BIP-Wachstum für 2017 vor kurzem auf 3,5 Prozent angehoben. Davon profitiert besonders der Export, dessen Anteil am Umsatz bei den größten europäischen Unternehmen mit ca. 50 Prozent deutlich größer ausfällt als bei US-Aktiengesellschaften mit ca. 30 Prozent.  
  • Aktienmärkte: Der wichtigste fundamentale Treiber der Aktienmärkte sind die Unter­nehmens­gewinne. Entsprechend der konjunkturellen Entwicklung sind die Gewinnmargen in den USA in den letzten Jahren deutlich stärker gestiegen. Ein wesentlicher Bremsfaktor in Europa war insbesondere die Bankbranche, für die ein Zusammenbruch der Eurozone fatale Folgen gehabt hätte und die unter den Niedrigzinsen und der immer stärker werdenden Regulierung zu leiden hatte. Seit den Wahlen in Frankreich Mitte April gehören europäische Banken jedoch zu den besonders festen Aktien. Dazu beigetragen haben auch die in den vergangenen Wochen gestiegenen Zinsen bei Anleihen mit längeren Laufzeiten – eine wichtige Voraussetzung für steigende Margen. Gesundende Banken sind eine Grundvoraussetzung für einen ökonomischen Aufschwung und könnten so auch die konjunkturelle Entwicklung weiter befeuern. Außerdem hat der Bankensektor in vielen europäischen Indizes ein deutlich größeres Gewicht als in den USA. Für europäische Aktien sprechen zudem die günstigere Bewertung sowie die im Vergleich zu Zinsen für die jeweiligen Staatsanleihen höhere Dividendenrendite. Nicht zuletzt wurden die steigenden Kurse von einer zunehmenden Nachfrage außereuropäischer Investoren getragen, was auf ein steigendes Interesse hindeutet.

Zusammenfassend sprechen derzeit alle genannten Kategorien für einen anhaltenden Vorteil europäischer Aktien im Vergleich zu US-Titeln. Das bedeutet nicht, dass die Kurse in den kommenden Wochen ähnlich rasant ansteigen werden, wie seit Jahresanfang. Nachdem die größten positiven Überraschungspotenziale in 2017 bereits gehoben werden konnten, ist zunächst mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau zu rechnen. Angesichts des weiterhin positiven konjunkturellen Umfeldes haben Aktien jedoch bis Jahresende noch weiteres Steigerungspotenzial.

Zuflüsse in Edelmetalle steigen aufgrund politischer Risiken

Die Zuflüsse in Edelmetalle setzten sich aufgrund der politischen Unsicherheit mit 126 Mio. USD fort. Technologie-ETPs trieben die Zuflüsse in globale Aktien um 30 Mio. USD in die Höhe. Dollar werden gekauft, Euro verkauft. Bei den Industriemetallen kehrten sich in der vergangenen Woche die Abflüsse wieder um, so ETF Securities im wöchentlichen Rohstoffüberblick.

Die Zuflüsse in Edelmetall-ETPs (A0N62H) setzten sich aufgrund der politischen Unsicherheit mit 126 Mio. USD die zweite Woche in Folge fort. Gold-ETPs (A0LP78) und Silber-ETPs (A0N62F) verzeichneten mit 50 Mio. USD bzw. 73 Mio. USD erneut starke Zuflüsse. Ausgelöst wurden sie in erster Linie von den zunehmenden politischen Spannungen in den USA, die mit Trumps Entlassung des FBI-Direktors begannen und in der Einsetzung eines Sonderermittlers gipfelten, der die mögliche Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf untersuchen soll. Da sich nun die Frage stellt, ob die Trump-Administration die gesamte Legislaturperiode durchhalten kann, gingen sichere Werte wie Anleihen und Edelmetalle in eine Rally über. Im Zentrum des Interesses stehen weiterhin Silber-ETPs (A0N62F), da die Gold-Silber-Ratio im historischen Vergleich immer noch erhöht wirkt. „Wir halten die fundamentale Situation von Silber für unverändert günstig. Die Produktion von Silber ist in den letzten Jahren zurückgegangen, was zu einem Angebotsdefizit führte. Allein zwischen 2015 und 2016 ist sie um 32,6 Mio. Unzen gefallen, Bergbau und Altmetall inbegriffen“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Technologie-ETPs trieben die Zuflüsse in globale Aktien um 30 Mio. USD in die Höhe. Am letzten Wochenende kam es zu einem beispiellosen Cyber-Angriff, der öffentliche und private Rechnersysteme in bis zu 74 Ländern in Mitleidenschaft zog. Cybersicherheit-ETPs (A14ZT8) und Robotik-ETPs (A12GJD) verzeichneten daher in der letzten Woche hohe Zuflüsse von 13 Mio. USD bzw. 16 Mio. USD. „Generell führt der Technologiesektor die Aktienmärkte an, da die Gewinne in den USA besser als erwartet ausgefallen sind. 82 Prozent der Firmen konnten die Prognosen übertreffen, sodass Technologie zu den stärksten Sektoren des S&P 500 gehört“, erläutert Hein.

US-Dollar werden gekauft, Euro verkauft. Der US-Dollar-Index hatte seine schlechteste Woche seit zehn Monaten, da das politische Durcheinander in den USA die Anleiherenditen abstürzen ließ. Trotzdem flossen in der Woche 8 Mio. USD in den US-Dollar-ETP, da die Anleger die Chance nutzten, sich vor der Juni-Sitzung der Fed in drei Wochen mit US-Dollar einzudecken. Gegenwärtig taxiert der Terminmarkt die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung auf fast 100 Prozent. „Gekauft wurde in erster Linie der Euro, der nach der Amtseinführung von Präsident Macron die Hürde bei 1,10 Euro durchbrach. Seit Mitte April flossen fünf Wochen hintereinander Gelder in US-Dollar-ETPs, insgesamt 50 Mio. USD“, sagt Hein.

Bei den Industriemetallen kehrten sich in der vergangenen Woche die Abflüsse wieder in Zuflüsse um. „In Industriemetallkorb-ETPs (A0SVX7) flossen 21 Mio. USD und in Kupfer-ETPs (A0KRJU) 11 Mio. USD, nachdem China angekündigt hatte, dass es weitere 20 Mrd. USD in den Seidenstraßen-Fonds investieren wolle, um die Infrastruktur- und Handelsverbindungen mit dem Rest der Welt zu stärken. Chinesische A-Aktien-ETPs (A1XEFE) hingegen verzeichneten Abflüsse in Höhe von 8 Mio. USD, da die Verknappung der Liquidität den A-Aktien-Markt nach wie vor in die Tiefe zieht. Seit Jahresanfang schlägt ein Verlust von 1 Prozent zu Buche“, sagt Hein.

Abes dritter Pfeil stößt Kulturwandel in japanischen Vorständen an

von Dan Carter, Fondsmanager des Jupiter Japan Select SICAV.

„Allzu lange hat schlechte Unternehmensführung Japan im weltweiten Wettbewerb gebremst“, erklärt Dan Carter. „Doch da sich allmählich die Aktionäre zu Wort melden und Unternehmen beginnen, ihnen zuzuhören, könnte sich das ändern.“

Noch bis 2013 hatten 600 der 1400 größten börsennotierten Unternehmen in Japan keine unabhängigen Verwaltungsratsmitglieder, auch externe Direktoren genannt1. Das ist im Vergleich zu anderen großen Industrieländern ein schwaches Ergebnis und auch weniger weit entwickelte Märkte wie Südkorea, China und Indien schneiden in dieser Hinsicht deutlich besser ab als Japan. Selbst dort, wo es externe Direktoren gab, waren sie in in vielen Fällen nicht unabhängig und weitestgehend folgsam. Sie waren nicht in der Lage oder nicht gewillt, das heimische Management zur Rechenschaft zu ziehen. Für Minderheitsaktionäre – diejenigen, die keine eigene direkte Vertretung im Vorstand haben – ist das ein großes Problem, da das Management hierdurch die Möglichkeit hat, ihre Interessen weitgehend unberücksichtigt zu lassen.

Die in Japan übliche Trennung des Managements von den Aktionären wurde durch den Zeitpunkt der Hauptversammlungen noch zugespitzt, denn 1995 wurden rund 96 Prozent aller Hauptversammlungen am selben Tag abgehalten (heute sind es nur noch 32 Prozent)2. Grund hierfür war die Bekämpfung von Sokaia – Gauner, die sich auf die Erpressung von Unternehmen spezialisiert hatten, indem sie mit öffentlichen Demütigungen auf den Hauptversammlungen drohten. Der unmittelbare Effekt hiervon war jedoch, dass ein weiterer Keil zwischen Management und Aktionäre getrieben wurde. Nach wie vor werden in vielen Vorstandsetagen harte Befragungen durch Aktionäre als ungebührlich und fehl am Platz angesehen.

Ein weiterer Stolperstein war die Vergütung des Managements. Japanische Führungskräfte werden im Vergleich zu jenen aus den USA oder Großbritannien schlechter bezahlt und ihre Vergütung hängt auch nur in einem geringen Maße von ihrer Leistung ab. Hierdurch entstand eine Managementklasse, die wenig Anreize hatte, es besser zu machen. Das bedeutete auch, dass japanische Unternehmen in der Regel nicht in der Lage oder nicht willens waren, die besten ausländischen Manager für Top-Positionen einzustellen.

Doch die Unternehmensleitungen trifft nicht die ganze Schuld. Allzu lange haben zu viele Aktionäre schlechtes Verhalten des Managements akzeptiert, indem sie zugunsten des Managements oder gar nicht abstimmten. Einer der Hauptgründe hierfür ist, dass viele Aktionäre gar keine Anleger sind, sondern Aktien aus rein kaufmännischen Gründen halten.

Das Ergebnis?

Japanische Managementteams waren zu zurückhaltend beim Auszahlen eines fairen Anteils der von den Unternehmen gemachten Gewinne und zu sehr darauf bedacht, Cash zu horten. Ein in dieser Hinsicht zurückhaltendes Management traf also auf allgemein niedrige Anreize, Gewinne zu maximieren. Diese Kombination führte dazu, dass japanische Unternehmen im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Renditen einfuhren. Über die vergangenen zwanzig Jahre lag die durchschnittliche Eigenkapitalrendite in Japan bei 4,7 Prozent gegenüber 13,4 Prozent in den USA, 10,1 Prozent in Großbritannien und 8,8 Prozent in Deutschland3.

Was ändert sich?

Zum Glück für Aktienanleger zeichnet sich in der Art und Weise, wie japanische Unternehmen geführt werden, ein grundlegender Wandel ab. Die vielleicht erfolgreichste politische Maßnahme des „dritten Pfeils“ der Strukturreformen von Premierminister Abe ist die Reform der Unternehmensführung. Die entscheidenden institutionellen Veränderungen sind die Einführung des Stewardship Code (2014) und des Corporate Governance Code (2015). Der Stewardship Code soll Verbindungen zwischen institutionellen Anlegern und der Unternehmensleitung fördern, während der Corporate Governance Code das Ziel verfolgt, den grundsätzlichen Managementansatz zu verbessern. Das soll im Wesentlichen dadurch geschehen, dass der externe Einfluss auf die Vorstandsetagen vergrößert wird.

Beide Codes beruhen auf dem „Comply or explain“-Prinzip, sprich es handelt sich um freiwillige Maßnahmen. Die Implementierung gestaltet sich aber bislang erfreulich. Der riesige staatliche Pensionsfonds GPIF spielte eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung des Managements unter den Anlegern. Die jährliche Stewardship-Erhebung des Fonds zeigte, dass 60 Prozent der antwortenden Unternehmen ein deutlich höheres Engagement von Anlegern beobachteten, nachdem der Stewardship Codes eingeführt wurde4. Währenddessen wirkte sich der Corporate Governance Code sichtbar auf die Vorstandsstrukturen von Unternehmen aus. So hat sich sowohl die Zahl externer Direktoren als auch die Anzahl der Rechtsausschüsse markant erhöht.

Auch das Management scheint sich zu ändern: Die Eigenkapitalrendite steigt an – wenn auch von einem niedrigen Niveau. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass sich die Rentabilität verbessert hat. Die aufgeblähten Bilanzen bleiben aber weiterhin eine Belastung. Erfreulicher ist die avisierte Ausschüttungsmenge an Aktionäre – sowohl in Form von Dividenden als auch von Aktienrückkäufen.

Wie geht es weiter?

Für die Unternehmenswelt Japans hat die Arbeit gerade erst begonnen. Aktionäre ernten nun die ersten Früchte des Wandels, aber der Markt hat noch einen langen Weg vor sich. Es ist entscheidend, dass die Regierung den Reformrhythmus beibehält, die Unternehmen den Wandel annehmen und die Aktionäre ihre Einflussmöglichkeiten auf das Management in vollem Umfang nutzen. Wenn das geschieht, wovon wir ausgehen, dann dürften sich die Bedingungen für Aktienanleger auf dem japanischen Markt definitiv zum Besseren verändern.

Quellen:
1) The Economist, Mai 2014
2) CLSA, April 2017
3) Bloomberg, April 2017, TOPIX, S&P 500, FTSE All Share bzw. DAX
4) GPIF, April 2016

Konsequenzen der ersten Onshore-Ausschreibung: Mehr Wettbewerb, hohe Unsicherheit, weniger Investitionsobjekte

Thomas Seibel, Geschäftsführer der re:cap global investors ag, kommentiert die aktuellen Ergebnisse der ersten Ausschreibung für Onshore-Windparks.

Die Bundesnetzagentur hat vergangenen Freitag, am 19. Mai 2017, die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde für Onshore-Windenergie veröffentlicht. Für das Ausschreibungsvolumen von 800 Megawatt wurden 256 Gebote abgegeben und davon 70 bezuschlagt. Der durchschnittliche Zuschlagswert lag bei 5,71 ct/kWh und damit deutlich unterhalb der bisherigen EEG-Vergütung von 8,03 ct/kWh. Akteure der Branche müssen sich jetzt also offiziell Gedanken über Strategien zur Preissenkung machen. Eine Entwicklung, die Projektentwickler, Turbinenhersteller und Investoren zwar vor neue Herausforderungen stellt, jedoch schon im Vorfeld absehbar war.

Mehr Bürgerenergie-Projekte…

Deutlich überraschender ist hingegen die Dominanz von Bürgerenergie-Projekten unter den bezuschlagten Geboten. 65 der insgesamt 169 eingereichten Bürgerenergie-Projekte haben einen Zuschlag bekommen. Dies entspricht rund 93 Prozent aller Zuschläge beziehungsweise 96 Prozent des Zuschlagsvolumens. Dieses Ergebnis bringt eine hohe Unsicherheit in den Zubau neuer Anlagen, denn Bürgerenergie-Gesellschaften dürfen laut EEG – im Gegensatz zu allen anderen Bietern – auch ohne vorherige Genehmigung ihrer Anlagen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz an der Ausschreibung teilnehmen. Zudem gilt für Bürgerenergie-Projekte eine zwei Jahre längere Realisierungsfrist; ihre Anlagen müssen erst 54 Monate nach öffentlicher Bekanntgabe in Betrieb genommen werden. Ob und wie viele dieser Projekte nun genehmigt und anschließend tatsächlich gebaut und wirtschaftlich betrieben werden, ist deshalb überhaupt noch nicht absehbar. Sicher ist nur, dass der Zubau 2019 zunächst zurückgehen wird.

Eine weitere Sonderregelung für Bürgerenergie-Gesellschaften: Der Zuschlagswert wird nach dem Einheitspreisverfahren ermittelt. Das bedeutet, dass die bezuschlagten Projekte automatisch die maximale Förderhöhe erhalten. Für alle anderen erfolgreichen Bieter entspricht der Zuschlagswert dagegen lediglich dem individuellen Gebot. Dieses Vorgehen bietet einen klaren Vorteil für Bürgerenergie-Projekte und Bedenken, dass Gebote dieser Art vereinzelt etwas zu optimistisch kalkuliert werden, um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen, sind leider gerechtfertigt. Sollte im EEG diesbezüglich nicht nachgebessert werden, könnte Bürgerenergie auch die nachfolgenden Ausschreibungen dominieren und so den Wettbewerb verzerren. 

…weniger Investitionsmöglichkeiten

Die Folge: Für institutionelle Investoren wird es in Zukunft auf dem deutschen Wind-Markt deutlich weniger attraktive Anlagemöglichkeiten geben. Aus dieser Ausschreibungsrunde beispielsweise gibt es keine Projekte, die Finanzinvestoren zugänglich sind. Investoren, die mit dem Thema Erneuerbare Energien „liebäugeln“, sollten eine Entscheidung also nicht auf die lange Bank schieben. Denn Investitionen zu einem späteren Zeitpunkt werden von niedrigeren Renditen und höheren Risiken, beispielsweise Genehmigungsrisiken, gekennzeichnet sein. Aufgrund der sinkenden Anzahl verfügbarer Projekte in Deutschland wird zudem der Auslandsanteil in Portfolios steigen.

Durch Investitionen in Bestandsportfolios noch vom EEG 2014 profitieren

Die re:cap wird sich zunächst weiterhin auf deutsche Projekte konzentrieren, die bis Ende 2016 eine Genehmigung erhalten haben und damit noch unter den Bestandsschutz fallen und nicht an Ausschreibungen teilnehmen müssen. Das Portfolio unseres Teilfonds Wind Infrastructure I besteht zu über 80 Prozent aus deutschen Windparks. Attraktive ausländische Projekte werden zwecks Diversifikation selektiv beigemischt. So können Investoren sich direkt an einem operativen Bestandsportfolio beteiligen und noch von den garantierten Förderungen nach dem EEG 2014 profitieren. Insgesamt darf in der Bundesrepublik 2017 und 2018 noch ein Volumen von fast 8,4 Gigawatt zu den alten Förderkonditionen gebaut werden, wodurch wir unseren Investoren in den kommenden Jahren eine gute Projekt-Pipeline und sehr kurze Abrufzeiten bieten können.

Der FP Lux Investments S.A. SICAV-SIF ist eine Spezialfondslösung nach Luxemburger Recht, die sicherungsvermögens- sowie Master-KAG-fähig ist. Als AIFMD-konformes Investment‐Vehikel erfüllt der Fonds die regulatorischen Voraussetzungen fast aller institutionellen Anleger. Das Investitionsvolumen des Fonds beträgt mittlerweile fast 1 Milliarde Euro. Insgesamt hält die FP Lux Gruppe in ihren Teilfonds Wind- und Solarprojekte mit einem Volumen von fast 500 Megawatt in Deutschland und Europa. Der Teilfonds Wind Infrastructure I ist noch zur Zeichnung offen. Sein Ziel sind langfristige Renditen von rund 6 Prozent pro Jahr.

Mit Goldaktien für die nächste Rallye positionieren

Der Goldpreis bildet derzeit die Basis für einen anstehenden Bullenmarkt, wodurch sich aktuell attraktive Einstiegschancen vor allem bei Goldaktien ergeben. So die aktuelle Markteinschätzung von Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds von VanEck. „Wir gehen davon aus, dass sich der Goldpreis bei Werten um 1.250 US-Dollar im Jahresverlauf einpendeln wird “, erklärt der Experte und ergänzt: „Es bestehen potenziell signifikante Risiken, die den Goldpreis in die Höhe treiben könnten, zumal es durchaus möglich scheint, dass die geopolitischen oder finanziellen Aussichten ziemlich schnell ins Negative umschlagen.“ Ab 2018 hält der Experte einen stärkeren Run auf Gold und Goldaktien für wahrscheinlicher: Die Expansion nach der Krise lasse stetig nach, und die Hausse bei Aktien und Anleihen verliere an Dynamik.

Goldminensektor im historischen Vergleich attraktiv bewertet

Für Goldaktien spräche nicht nur, dass sie den Goldpreis in einem anstehenden Bullenmarkt outperformen könnten, sondern auch die derzeit attraktive Bewertungslage. „Die Aktien der großen bis mittelgroßen Goldminenbetreiber handeln zurzeit deutlich unter ihrem historischen Durchschnitt“, so Foster. Während ihr Preis-Cashflow-Verhältnis seit 2006 durchschnittlich bei 11 lag, liegt diese Marke zurzeit bei rund 8. Für Anleger, die sich frühzeitig positionieren wollen, ergäben sich dadurch aktuell Chancen.

Relative Aufschläge innerhalb des Sektors können gerechtfertigt sein

Zwar analysieren Foster und sein Team regelmäßig die relativen Bewertungen innerhalb des Goldminensektors. „Allerdings können bei Goldaktien von Unternehmen mit höherem Wachstumspotenzial und niedrigerem Risikoprofil als ihre Wettbewerber höhere Bewertungsmultiples durchaus gerechtfertigt sein“, erklärt Foster. Ein Beispiel hierfür sei Agnico Eagle Mines, das die Erwartungen der Analysten seit Jahren erfülle oder sogar übertreffe. Das Unternehmen besteche mit einem erfahrenen Management und hohem Wachstumspotenzial: Foster und sein Team rechnen mit einem Wachstum von mehr als 25 Prozent in den kommenden Jahren. Zum Vergleich: Viele große Unternehmen hätten derzeit Probleme damit, ihr Produktionsniveau zu halten.

Neue Krise in Brasilien ist kein Anleger-Drama

Der neuerliche politische Skandal, der Brasilien derzeit erschüttert, hat auch die Finanzmärkte des Landes Ende vergangener Woche durchgeschüttelt. Während die Landeswährung Real und brasilianische Standardaktien um 8 Prozent fielen, sanken die Notierungen brasilianischer Staatsanleihen sogar um 9 Prozent – entsprechend einem Renditeanstieg von 180 Basispunkten.

Auslöser ist Staatspräsident Michel Temer: Er soll ein Mitwisser im Korruptionsskandal um den staatseigenen Petrobras-Konzern sein und gebilligt haben, dass die Fleischbarone des Landes Schweigegelder zahlen. Temer hatte erst im August 2016 seine umstrittene Vorgängerin Dilma Rousseff gestürzt. Unter ihrer Führung rutschte Brasilien in die größte Rezession seit 30 Jahren, begleitet von zweistelliger Inflation, einem besorgniserregenden Leistungsbilanzdefizit und unkontrollierter Fiskalpolitik.

Stabilere Wirtschaft sorgt für Halt

„Die Ausgangslage in Brasilien ist heute eine ganz andere“, betont Thierry Larose, Schwellenländer-experte bei Degroof Petercam Asset Management. Er mahnt zur Besonnenheit: „Anleger sollten sich von den aktuellen Verwerfungen am brasilianischen Finanzmarkt nicht verunsichern lassen. Die meisten Wirtschaftsindikatoren sind heute deutlich besser als noch in den Jahren 2015 und 2016 oder bewegen sich zumindest in die richtige Richtung. Zudem wurden bereits wichtige Reformen eingeleitet, wie die Begrenzung der Staatsausgaben. Diese Maßnahmen sollten die Wirtschaft Brasiliens auf dem Erholungspfad stützen“, so Larose, der den Schwellenländer-Staatsanleihefonds DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable managt. 

Beruhigend wirken zudem die Ankündigungen der brasilianischen Zentralbank sowie des Finanzministeriums, aktiv in die Märkte einzugreifen, um Liquidität bereitzustellen und die Volatilität möglichst niedrig zu halten.

Politische Schlammschlacht steht bevor 

Während Staatspräsident Temer die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als haltlos bezeichnet und einen Rücktritt bislang ausschloss, müssen sich Anleger darauf einstellen, dass es noch einige Zeit dauern kann, bis an den brasilianischen Finanzmärkten wieder Ruhe einkehrt. Bis dahin dürften die Schwankungen weiterhin hoch bleiben.

Sollten sich die Vorwürfe der Bestechlichkeit weiter erhärten und der Druck auf Michel Temer noch steigen, wäre ein Rücktritt allerdings unausweichlich. Ein neuer Präsident müsste für den Rest der laufenden Amtsperiode vom Nationalkongress innerhalb von 30 Tagen gewählt werden. Als Favorit sieht Brasilien-Kenner Larose die derzeitige Präsidentin des obersten Gerichtshofes, Cármen Lúcia, an. Sie gilt als integre Persönlichkeit im politischen Mitte-Rechts-Lager.

Raum für engere Spreads bei Staatsanleihen

„Welches Szenario sich auch immer am Ende bewahrheitet, wir glauben, dass sich die Risikoaufschläge bei brasilianischen Staatsanleihen wieder verringern werden“, sagt Thierry Larose. „Der erneute Verlust an Vertrauenswürdigkeit in der politischen Führung in Brasilien ist ein herber Rückschlag. Von heute auf morgen werden die Schäden der politischen Affäre um Michel Temer nicht beseitigt sein. Mittelfristig sollten aber die Risiken sinken und brasilianische Staatsanleihen wieder mehr gefragt sein“.

Südkorea: Der Weltwirtschaft immer einen Schritt voraus

In Südkorea entwickelt die Wirtschaft sich zurzeit vielversprechend. Besonders die Ausfuhren verzeichnen einen starken Aufwärtstrend und das Exportvolumen ist seit Jahresbeginn kontinuierlich gestiegen. Im März beispielsweise um 13,7 Prozent im Vorjahresvergleich auf 48,9 Milliarden US-Dollar und im April sogar um 24 Prozent auf 51 Milliarden US-Dollar. 

Erfolgreicher Spagat zwischen Preis- und Qualitätsanspruch

Südkorea steht oft im Schatten der asiatischen Wirtschaftsriesen China, Japan und Russland, gehört dank einer florierenden produzierenden Industrie aber zu den größten Exporteuren weltweit. Mit ausgeführten Gütern im Wert von rund 527 Milliarden US-Dollar belegte der Tigerstaat schon 2015 bereits den sechsten Platz auf der Rangliste der Exportnationen. „Koreanische Produkte sind global erfolgreich, weil sie den Konsumenten einen guten Kompromiss zwischen Preis und Qualität bieten“, sagt Adrian Doyle, Fondsexperte bei der GAMAX Management AG. „Sie sind günstiger als japanische Waren, aber oft von besserer Qualität als chinesische.“ Dabei ist Südkorea vor allem für die Ausfuhr von technischen Produkten, wie beispielsweise Mobiltelefonen, LCD-Fernsehern und integrierten Schaltungen, bekannt. Zum vielseitigen Export-Portfolio gehören aber auch Autos und Fahrzeugteile, Passagier- und Frachtschiffe sowie raffinierte Erdölerzeugnisse.

Koreanische Exporte als Barometer für den Welthandel

Die aktuelle positive Entwicklung der Ausfuhren spiegelt sich auch im Aktienmarkt wider: Der KOSPI legte im März 2017 um 3,5 Prozent zu und verzeichnete damit die höchsten monatlichen Kursgewinne in der Asien-Pazifik-Region. Der GAMAX Asia Pacific Fonds ist derzeit zu knapp 8 Prozent in Südkorea investiert und entspricht damit der Gewichtung im Referenzindex MSCI Asia Pacific Net Return Index. Eine Erhöhung des Exposures ist zurzeit nicht vorgesehen. „Die koreanischen Wirtschaftsdaten sind zwar vielversprechend, das politische Risiko darf jedoch nicht unterschätzt werden. Die stärker werdenden diplomatischen Spannungen zwischen den USA und Nordkorea wirken sich beispielsweise auch auf den Süden der koreanischen Halbinsel aus“, sagt Doyle.

Trotzdem sind Anleger gut beraten, die wirtschaftliche Situation Südkoreas im Blick zu behalten – auch, wenn im Land selbst keine Investments geplant sind. Denn koreanische Ausfuhren haben sich in der Vergangenheit als richtungsweisend für die Entwicklung des gesamten Welthandels erwiesen. Die Handelsdaten des Tigerstaates werden in der Regel vor der ersten asiatischen Börsensitzung des Monats herausgegeben und sind damit der erste maßgebliche Wirtschaftsindikator, der veröffentlicht wird. Sie besitzen deshalb eine hohe Aussagekraft, weil Südkorea vor allem China und Japan beliefert – die zweit- beziehungsweise drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Fast ein Drittel der Ausfuhren gingen 2015 in diese Märkte und für China ist Korea seit 2013 sogar der wichtigste Warenlieferant. Die Exporte Südkoreas erlauben deshalb Rückschlüsse über die Konjunkturstimmung und den allgemeinen Zustand der Wirtschaft in diesen maßgeblichen globalen Volkswirtschaften.

Hinzu kommt, dass Südkorea einen der größten Leistungsbilanzüberschüsse der Welt in Prozent des BIP hat. „Rückläufige koreanische Exporte könnten deshalb Vorboten eines größeren globalen Wachstumsproblems sein“, so Doyle.

Export-Performance spiegelt sich in anderen Ländern

Analysen zeigen zudem, dass eine weitgehend positive Beziehung zwischen koreanischen Exporten und den Ausfuhren anderer Länder besteht: Eine Steigerung der Ausfuhren Südkoreas um ein Prozent gegenüber dem Vormonat lässt beispielsweise ein Wachstum der vietnamesischen Exporte von rund 0,9 Prozent und der chinesischen um 0,3 Prozent erwarten.

Bei der genauen Bewertung des zukünftigen globalen und jeweiligen regionalen Wachstums sollten die koreanischen Export-Daten jedoch nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit anderen Wirtschaftsdaten betrachtet werden, beispielsweise mit den monetären Rahmenbedingungen und Kreditkonditionen in China, Einkaufsmanager-Indizes in den USA und Europa oder Konjunktur-Indizes wie den deutschen ZEW-Index.