Hinschauen lohnt sich: Gewerbeimmobilien in Mittelstädten

von Stefan Kalmund, Geschäftsführer, Accom Immobilien GmbH.

Nationale wie internationale institutionelle Investoren, die auf dem deutschen Immobilienmarkt aktiv sind, legen ihren Fokus traditionellerweise auf die großen Metropolen. Dadurch übersehen sie die Chancen, die sich in Deutschland durch den starken, in der Fläche breit vertretenen Mittelstand auch an anderen Standorten bieten. In zahlreichen Mittelstädten, beispielsweise Nürnberg, Hannover, Dresden, Fürth oder auch Wuppertal, besteht eine hohe Nachfrage nach Gewerbeflächen. Zwar weisen diese Immobilienmärkte einige Unterschiede zu den Metropolen auf, doch gerade im Niedrigzinsumfeld bieten viele Objekte deutlich attraktivere Renditen als vergleichbare Objekte in den Metropolen. Um die Renditechancen von Gewerbeimmobilien in solchen Städten wahrzunehmen, müssen Investoren jedoch die spezifischen Anforderungen an deren Asset-Management beachten.

Ein großer Vorteil für Investoren bei den insbesondere in Mittelstädten vertretenen kleineren und mittelständischen Unternehmen ist die gewünschte Mietdauer. Meist möchten sie Mietverträge für mindestens zehn Jahre abschließen. Anwälte, Notare oder auch Ärzte benötigen größtmögliche Planbarkeit. Ist ein Mieter eingezogen und mit dem Standort und dem Management zufrieden, wird er in den meisten Fällen langfristig vor Ort bleiben. Die Fluktuation ist deutlich geringer. Bis zu 90 Prozent der Gewerbemieter machen Gebrauch von ihren Verlängerungsoptionen, ohne dass der Vermieter besondere Anstrengungen unternehmen muss. Diese Kontinuität bietet langfristige Sicherheit. Damit unterscheiden sie sich von größeren Konzernen, die eher ein höheres Maß an Flexibilität suchen und zunehmend kurzfristigere Mietverträge abschließen. Die Konjunkturwellen, die in den A-Städten schnelle Gewinne ebenso ermöglichen wie herbe Verluste, erreichen die Mittelstädte langsamer und vor allem mit weniger extremen Ausprägungen. Während in den Metropolen die Büromieten laut Bulwiengesa innerhalb weniger Jahre um bis zu 20 Prozent schwankten, war die Volatilität in den kleineren Städten deutlich geringer. 

Das Mietwachstum ist in Mittelstädten deutlich zurückhaltender als in umkämpften innerstädtischen Lagen der Metropolen. Meldungen über Rekordmieten an einzelnen mittelgroßen Standorten, die womöglich zu überzogenen Erwartungen führen, sollten mit Vorsicht genossen werden. Einzelne Objekte, die gerade neu errichtet oder umfassend saniert wurden, können durchaus Quadratmetermieten von zwanzig Euro erzielen, doch das ist nicht repräsentativ. Die Renditeniveaus liegen allerdings tatsächlich deutlich über denen der A-Städte. Das Analyseunternehmen Bulwiengesa ermittelte für 2016 am Beispiel Büroimmobilien, dass sich in Mittelstädten 5,1 Prozent durchschnittliche Nettoanfangsrendite erzielen lässt, in den Top-Standorten dagegen bei gleichem Risiko zuletzt nur noch 3,6 Prozent. Im Durchschnitt aller Assetklassen sind es laut einer Studie der Deutschen Hypo sechs Prozent in den Mittelstädten gegenüber vier bis fünf Prozent in den A-Städten. Der Trend in den Top-7-Städten geht zudem seit Jahren in Richtung noch geringerer Renditen.

Obwohl sich der Mietmarkt in mittelgroßen Städten langsamer bewegt, entwickelt sich der Investitionsmarkt positiv. Zu beachten ist nämlich, dass gerade in Mittelstädten die bekannten mittelständischen Hidden Champions ihren Sitz haben. In der Region wird dann auch das Vermögen in Immobilien investiert. Deshalb haben diese Märkte auch eine hohe Liquidität. Es ist daher ein Trugschluss zu glauben, dass ein Immobilienexit problematisch sei. Die Bedeutung des Mittelstands für die mittelgroßen Städte ist so stark, dass es sinnvoll ist von Mittelstandsstädten zu sprechen. 

Die Mieterstruktur vor allem in den Innenstädten von Mittelstädten ist meist kleinteilig. Obwohl auch größere Flächen mit bis zu 5.000 Quadratmetern nachgefragt werden, sind 100- bis 400-Quadratmeter-Einheiten durchaus üblich. Das bedeutet wegen der höheren Anzahl von Mietern in einem Objekt einerseits eine gewisse Risikostreuung, andererseits aber auch einen höheren Verwaltungsaufwand. Um diese Struktur optimal zu nutzen, muss auf die Kompatibilität der Mieter geachtet werden. Dabei kann es sich im Einzelfall lohnen, einen etwas längeren Leerstand einzelner Flächen in Kauf zu nehmen, um den bestmöglichen Neumieter zu finden. Wenn Gebäude gut positioniert sind, gelingt die Vermietung relativ schnell, da es in Mittelstädten oft wenige attraktive Flächen gibt. Zu beachten ist aber, dass gerade Mieter aus dem Mittelstand den eigenen Ausbau von Mietflächen eher scheuen. Es ist daher empfehlenswert, wenn der Eigentümer dies übernimmt.

Allgemein gilt bei der Vermietung in Mittelstädten, dass sie keine Selbstläufer sind. Der Eigentümer oder Asset-Manager muss möglichst nah am Standort, am Objekt und am Mieter sein, um Optimierungspotenziale zu entdecken und zu nutzen. Das Gespräch mit den Nutzern der Immobilie sollte nie abbrechen. So erfährt der Vermieter frühzeitig, wo Probleme auftreten, und kann etwa Reparaturen veranlassen, bevor sie Folgeschäden nach sich ziehen, oder unzufriedenen Mietern entgegenkommen und damit Wegzüge verhindern. Kurze Reaktionszeiten und ein Ansprechpartner für alle Angelegenheiten sind für Mieter große Pluspunkte und bewirken nicht nur eine Bindung der Bestandsmieter, sondern steigern auch die Attraktivität für zukünftige Interessenten. 

Zudem sollte der Vermieter wissen, wie es um das Geschäft seiner Mieter steht. Haben sie Cashflow-Probleme, kann das zu Mietrückständen führen. Das sollte vorausschauend angesprochen werden, um Konflikte zu vermeiden und womöglich unterstützend einzugreifen – kann ein Umbau einen Einzelhandel attraktiver machen? Können steigende Nebenkosten durch bauliche Maßnahmen kompensiert werden? Gibt es die Möglichkeit, durch eine veränderte Nutzungsmischung einen Synergieeffekt zu erzielen, der allen Mietern zugutekommt? Ein Asset-Manager hat mehr Stellschrauben, als auf den ersten Blick sichtbar sind. Deshalb sind die kontinuierliche Kommunikation und ein tiefes Verständnis für das einzelne Objekt so zentral. Will oder muss ein Unternehmen trotz aller Maßnahmen ausziehen, etwa weil ein Geschäft oder eine Filiale aufgegeben wird, hört der Vermieter das lange bevor die Kündigung unterschrieben ist und kann entsprechend früh mit der Nachmietersuche beginnen. In Anbetracht der oben erwähnten großen Zeiträume ist das ein wichtiger Vorteil, der Leerstände stark verkürzen kann. 

Wer also hinschaut, der findet gerade in Mittelstandstädten Investitionschancen in Gewerbeimmobilien, mit denen sich langfristige, stabile Renditen generieren lassen. Diese liegen deutlich über den Renditen, die sich in den Top-7-Städten erzielen lassen, müssen aber nicht riskanter sein. Bei aller Strahlkraft der A-Standorte: Deutschlands zweite Reihe muss sich nicht verstecken. Ihr ganzes Potenzial erschließt sich jedoch nur, wenn das Asset-Management ebenfalls jedes Objekt genau im Blick hat.

 

Convertibles: Volatile Zeiten an den Aktienmärkten könnten bevorstehen

Lombard Odier Investment Managers sieht in den kommenden Monaten drei geopolitische Ereignisse, die einen größeren Einfluss auf den globalen Convertible-Bond-Markt haben könnten: Verhandlungen über die Schuldenobergrenze in den USA, Untersuchungen über die mögliche russische Einflussnahme auf die US-Präsidentschaftswahlen und der schwelende Konflikt auf der koreanischen Halbinsel. Obwohl der Juli von einer historisch niedrigen Volatilität am Aktienmarkt gekennzeichnet war, gibt es Indizien die zu einem Anzug der Schwankungsintensität führen könnten. Zur Absicherung vor einer höheren Volatilität könnten Investoren Wandelanleihen in Betracht ziehen.

„Wir sehen derzeit eine Reihe von geopolitischen Ereignissen, die unserer Meinung nach Auswirkung auf die Volatilität der Aktienmärkte haben könnten“, sagt Maxime Perrin, Analyst bei Lombard Odier Investment Managers. „Bei den Verhandlungen über die Schuldenobergrenze der USA reden der Finanzminister und der Direktor der Haushaltsbehörde derzeit aneinander vorbei. Die Vereinigten Staaten könnten somit auf eine erneute Zahlungsunfähigkeit oder zumindest auf einen turbulenten Oktober zusteuern. Ein weiteres Thema sind die Untersuchungen rund um eine mögliche Einflussnahme Russlands auf die US-Präsidentschaftswahl. Beängstigend ist unserer Ansicht nach jedoch die aktuelle Rhetorik Nordkoreas. Diese ist mittlerweile expliziten Drohungen und erfolgreichen Tests mit Langstreckenraketen gewichen. Hier gibt es aus unserer Sicht zwei Szenarien: Die Großmächte China und USA stehen während den Verhandlungen mit Nordkorea Seite an Seite. Hier würde der Volksrepublik auch global eine größere und verantwortungsvollere Rolle zukommen, die der Wirtschaftskraft des Landes entspricht. Arbeiten die beiden Länder allerdings nicht zusammen, könnte dies einen katastrophalen militärischen Konflikt auf der koreanischen Halbinsel zur Folge haben.

Derart erhöhte geopolitische Risiken bedeuten für Anleger oft auch mehr Ungewissheit und gegebenenfalls eine höhere V olatilität. Obwohl der Juli von einer historisch niedrigen Schwankungsintensität am Aktienmarkt gekennzeichnet war, sehen wir viele Auslöser für eine anziehende Volatilität. Wandelanleihen könnten für Investoren eine adäquate Absicherung gegen diese Entwicklung sein. Die Positionierung unseres LO Funds – Convertible Bond spiegelt derzeit unsere positive Beurteilung Europas und Asiens, ohne Japan, sowie einer Reihe globaler Sektoren wie Technologie, Konsumgüter und Industriewerte wider. Wie in den Vorjahren ging die Dynamik der globalen Wandelanleihenemissionen im Juli deutlich zurück. Insgesamt betrug das Neuemissionsvolumen im vergangenen Monat lediglich USD 3,4 Milliarden. Für uns waren primär zwei Neuemissionen von Interesse, Shanghai Port und Postal Savings Bank of China im Wert von insgesamt 1 Milliarde US-Dollar.“

Über Lombard Odier IM
Lombard Odier Investment Managers ist der Asset-Management-Arm der Lombard Odier Gruppe. Seit der Gründung im Jahr 1796 befindet er sich im vollständigen Besitz seiner Partner und wird komplett von diesen finanziert.
Die unabhängige Struktur und die Einbindung der Partner in das tägliche Management der Firma erlauben es Lombard Odier IM, sich ganz auf die Bedürfnisse der Kunden, den Aufbau von Vertrauen und den Einklang der Interessen zu konzentrieren. Um die Kunden dabei zu unterstützen, ihre Ziele in einer sich verändernden Welt zu erreichen, überdenkt Lombard Odier IM seit der Gründung stets kritisch das „Bestehende“ und greift immer wieder „Neues“ auf.
Den Kunden, die auf vielfältige Weise langfristig orientiert sind, bietet Lombard Odier IM eine breite Palette an Investmentlösungen. Die Verbindung von Tradition mit der Kombination des Besten aus einer konservativen und einer innovativen Haltung bildet die Basis, um nachhaltig Werte für Kunden zu schaffen. Die Investmentexpertise umfasst Anleihen, Wandelanleihen, Aktien, Multi-Asset, Alternative Investments und Impact Investing.
Mit 128 Investmentexperten verfügt Lombard Odier IM über ein globales Geschäft mit einem Netzwerk von insgesamt 13 Büros in Europa, Asien und Nordamerika. Das verwaltete Vermögen (Asset under Management) beträgt 45 Milliarden Schweizer Franken (Stand 31. Dezember 2016).

Landwirtschafts-ETPs: Sonderfall im Sommerloch

Bei Kaffee kam es zu den höchsten wöchentlichen Zuflüssen seit Mai 2015. Rohöl-ETPs verzeichneten in der sechsten Woche hintereinander Abflüsse, da sich die Preise 50 USD/Barrel nähern. Aus Nickel flossen in der Woche 12,1 Mio. USD und im Monat 25,9 Mio. USD ab, was auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen sein dürfte. Wegen des Sommerlochs waren bei den Kapitalströmen im Vergleich zur Vorwoche kaum Veränderungen erkennbar, so ETF Securities im wöchentlichen Markt- und Flowbericht.

Vor allem die Volumina leiden an der Flaute.  Die Edelmetalle, die auf Bemerkungen der Vertreter der Notenbanken besonders empfindlich reagieren, entwickelten sich in der letzten Woche seitwärts. Die Anleger warteten auf das jährliche Notenbanktreffen in Jackson Hole, das am Freitag stattfand, und entsprechend geringfügig waren mit 8,8 Mio. USD auch die Zuflüsse in Gold-ETPs (A0LP78). Insgesamt flossen trotz der drohenden Zinsanhebungen seit Jahresanfang netto 338 Mio. USD in Gold-ETPs (A0N62G). Bei Short-Positionen kam es sogar zu Abflüssen, was nahelegt, dass sich die Anleger über die kurzfristigen Abwärtsrisiken von Gold keine Sorgen machen. „Heute Morgen kam Bewegung in den Goldpreis, der fast 20 USD/oz. zulegte, nachdem Nordkorea am frühen Dienstag eine Rakete über Japan geschossen hatte“, so Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions, ETF Securities.

Die Abflüsse aus Rohöl (A1N49P) beliefen sich in der Woche insgesamt auf 11,3 Mio. USD und seit Mitte Juli auf 225,5 Mio. USD. Unseren Beobachtungen zufolge werden Positionen trendmäßig immer dann verkauft, wenn der Rohölpreis über 50 USD/Barrel steht. Zuflüsse setzen erst dann wieder ein, wenn der Rohölpreis unter 45 USD/Barrel fällt. „Unseres Erachtens ist es wahrscheinlich, dass sich dieser Trend fortsetzt. Rohöl wird wohl auch künftig zwischen den Grenzkosten der US-Schieferölproduzenten auf der Unterseite und 55 USD/Barrel auf der Oberseite, das heißt 90 Prozent der Kostenkurve der allgemeineren Ölproduzenten, seitwärts laufen“, erläutert Hein.

Aus Nickel (A0KRJ4) in der Woche 12,1 Mio. USD und im Monat 25,9 Mio. USD ab, was auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen sein dürfte. Vergleicht man die aktuellen Preise mit den Grenzkosten, so ist Nickel eines der günstigsten Metalle. Entsprechend hinkt es den anderen Industriemetallen seit Jahresanfang hinterher. Als es in diesem Monat den Rückstand aufholte, nahmen die Schnäppchenjäger Gewinne mit. Industriemetalle schnitten im Rohstoffuniversum im vergangenen Monat mit 8 Prozent am besten ab, während sich der breitere Rohstoffkomplex unverändert zeigte. Verantwortlich hierfür sind vermutlich die Importdaten aus China. „So rechnen wir weiterhin damit, dass die Daten aus China die Erwartungen übertreffen werden, da sich viele zukunftsgerichete Datenreihen, zum Beispiel der Stromverbrauch und der Hafenumschlag, in den letzten Monaten positiv entwickelt haben“, sagt Hein.

Bei Kaffee (A0KRJT) kam es mit 8,7 Mio. USD zu den höchsten wöchentlichen Zuflüssen seit Mai 2015. Trotzdem bleibt Kaffee in diesem Jahr der Nachzügler des Rohstoffbereichs. „Dass es nach dem Verbot bestimmter Pestizide zu einem Kaffeekäferbefall kam und sich eine Angebotsverknappung andeutete, änderte daran nichts“, so Hein.

Die Zuflüsse in Long-Weizen-ETPs (A2BDEA) übertrafen den Rekord nach der extreme Dürre in den USA 2013. „Erstmals seit dem Hoch 2014 erreichten die Zuflüsse in Long-Weizen-ETPS einen neuen Rekord, auch wenn der Markt nach wie vor üppig versorgt ist und die Preise durchgehend unter dem 10-Jahres-Durchschnitt notieren“, schließt Hein.

Globale Aktienmärkte: Grund zur Sorge?

Der scheinbar unaufhaltsame Anstieg der US-Aktienkurse fand im August sein vorläufiges Ende. Die Volatilität stieg massiv an, der Verfall des US-Dollars endete, Bond-Spreads weiteten sich aus und die makroökonomischen Risikoindikatoren gingen nach oben. Zwar ist es bis dato zu (noch) keiner größeren Korrektur gekommen, doch die frische Brise des Optimismus, die an den Aktienmärkten in der ersten Jahreshälfte spürbar war, wurde von der etwas abgestandenen Atmosphäre abgelöst, die sich typischerweise breit macht, wenn die Mehrzahl der Anleger in den „Risk-off“-Modus schalten.

Wir haben gerade erst den zehnten Jahrestag der großen Finanzkrise in 2007 hinter uns gebracht („gefeiert“ wäre wohl ein Terminus, der die Gefühle der Marktteilnehmer eher verzerrt widerspiegelte), und es ist wiederum Sommer, weshalb die erhöhte Anspannung der Investoren irgendwie verständlich ist. Wir sind im Zyklus weit fortgeschritten: Die Unternehmensbewertungen sind ambitioniert, das Ende des Quantitative-Easing-Programms ist nahe, und der überwiegende Teil der mit der Trump-Präsidentschaft verbundenen Hoffnungen ist verpufft. Zunehmende Nervosität bezüglich der Frage, welche Richtung die Märkte in absehbarer Zukunft einschlagen werden, ist daher nicht notwendigerweise auf paranoide Börsenbären beschränkt.

Gründe für moderaten Optimismus 

Tatsächlich gibt es eine Anzahl an Gründen, die nahelegen, dass die globalen Aktienmärkte nur eine kurze Auszeit nehmen, statt eine besorgniserregendere Entwicklung zu nehmen:

  1. Das globale Wachstum ist solid. Die Schätzungen des letzten IMF-Updates gehen von einem Weltwirtschaftswachstum von 3,5% und 3,6% für 2017 bzw. 2018 aus. Interessant ist auch, dass zum ersten Mal seit einer Dekade für alle 45 Länder, deren Entwicklung die OECD verfolgt, ein positives Wirtschaftswachstum (für 2017) prognostiziert wird. Bei der Mehrzahl wird auch erwartet, dass die Wachstumsrate nächstes Jahr höher ausfallen wird (Wall Street Journal, 23. 8. 2017).
  2. Die Geldpolitik wird noch für einige Zeit unterstützend wirken. Weder die Fed noch die EZB sind darauf aus, durch überraschende geldpolitische Restriktionen Schocks an den Märkten auszulösen. Zwar ist für die USA von weiteren Zinserhöhungen in 2018 auszugehen, und das Quantitative-Easing-Programm wird wohl in den USA den Retourgang einlegen und in Europa gestoppt werden, doch die geldpolitischen Entscheidungsträger legen ihre Intentionen weitgehend offen, um Störungen der Märkte möglichst zu vermeiden.
  3. Die Unternehmensgewinne sind auf dem richtigen Weg. Die Konsensschätzungen gehen für 2017 von +12,8% in Europa, +10,7% in den USA und +18,5% in Japan aus (IBES-Daten von Deutsche Bank, Consensus Earnings Trends, 24. August, 2017). Für 2018 wird zwar eine Verlangsamung des globalen Gewinnwachstums erwartet, aber die Konsensschätzungen gehen immerhin von hohen einstelligen Zuwächsen aus. Die Interimsergebnisse in Q2 waren robust. Das letzte Quartal in den USA war hinsichtlich positiver Überraschungen das stärkste seit Jahren; in Japan überraschten die Gewinne ebenfalls klar positiv. In Europa übertrafen positive Überraschungen die Enttäuschungen, wenngleich das Gewinn-Momentum gegenüber Q1 deutlich nachließ.
  4. Und zu guter Letzt zeigen die Schwellenländer – in der Vergangenheit oftmals der Auslöser von Marktturbulenzen – als Gruppe eine gute wirtschaftliche Performance und scheinen auf geldpolitische Restriktionen in den USA besser vorbereitet zu sein als in den vergangenen Jahren. Das Wirtschaftswachstum beschleunigt schneller als in den Industriestaaten. Die Leistungsbilanzen verbesserten sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren im Durchschnitt. Eine Anzahl von Zentralbanken in Schwellenländern hat nach wie vor Spielraum für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Ein Grund für die Besserung des makroökonomischen Umfelds ist die Stabilisierung der Rohstoffpreise nach dem steilen Verfall von 2011 bis 2015. Bemerkenswert ist, dass auch in der jüngsten „Risk-off“-Phase der MSCI Emerging Markets Aktienindex die entwickelten Märkte schlagen konnte, was in Zeiten erhöhter Risikoaversion selten vorkommt.

Keiner der genannten Faktoren soll jedoch die Vermutung nahelegen, dass die Aktienmärkte am Sprung zur Schönwetterphase sind. Obwohl wir meinen, dass die makroökonomischen Fundamentaldaten nach wie vor unterstützend für Aktien sind, bleiben die Risiken intakt. Sie werden vermutlich im Laufe des Jahres 2018 in Anbetracht der absehbaren geldpolitischen Straffung und der fortgeschrittenen Dauer des US-Konjunkturzyklus sogar eher ansteigen.

Gewinn-Momentum als Schlüsselfaktor 

Eines der Schlüsselrisiken (abgesehen von wirtschaftspolitischen Fehlern oder unvorhersehbaren geopolitischen Entwicklungen) sind Gewinnenttäuschungen. Ähnlich wie beim makroökonomischen Hintergrund befinden sich die USA und Europa auch im Gewinnzyklus in unterschiedlichen Phasen.

In den USA sind Gewinne und Margen entweder auf historischen Höchstständen oder nahe daran. Es ist zunehmend schwierig, Anleger davon zu überzeugen, dass die Gewinne auch in absehbarer Zukunft so rasch wachsen werden, wie in den derzeitigen Bewertungen eingepreist ist. Dies war deutlich während der letzten Gewinnsaison in den USA zu erkennen, wo die Marktreaktion auf starke Ergebnisse moderater ausfiel als in früheren Quartalen. Da die Messlatte für das dritte Quartal nun höher liegt, sind Enttäuschungen wahrscheinlicher geworden.

In Europa hingegen sind die Margen näher an ihren langfristigen Durchschnitten und klar unter den historischen Hochs. Allerdings ist es angesichts des steigenden Euros schwierig zu erkennen, wie der Unternehmenssektor seine Rentabilität weiter steigern wird. Das war vermutlich der Grund, warum die gerade abgeschlossene Berichtssaison in Europa wenig inspirierend ausfiel und die Konsensschätzungen der Gewinne nach unten tendieren.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Wahrscheinlichkeit, dass die globalen Aktienmärkte noch einen Schub nach oben vollziehen, ist deutlich größer als jene einer bevorstehenden Korrektur. Allerdings gibt es beim Kauf von Aktien – im Gegensatz zu jenem von Staubsaugern, wie es heißt – keine Garantien. Für den Fall eines sich abkühlenden Gewinn-Momentums oder zum Beispiel der Verschlechterung des makroökonomischen Hintergrunds kann eine Periode der Seitwärtsentwicklung oder Korrektur an den Aktienmärkten nicht ausgeschlossen werden.


Über den Autor
Peter Szopo ist seit März 2015 Chief Equity Strategist der Erste Asset Management. Zuvor war er bereits als Berater für das Aktienfondsmanagement der Erste Asset Management für Zentral- und Osteuropäische Aktienmärkte tätig. Von November 2009 bis April 2013 war er Leiter der Researchabteilung der Alfa-Bank in Moskau.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Rückschlagsgefahren im September und Oktober

Christian Hinterwallner, RBI Wien, zu etablierten Aktienmärkten.

Zuletzt präsentierten sich die globalen Aktienmärkte wieder fester, gleichzeitig gingen die Volatilitätsindizes signifikant zurück. Für die kommenden Wochen überwiegen unserer Meinung nach trotz gemischter Gemengelage noch die Abwärtsrisiken. Turbulenzen dürften dabei weiterhin von Seiten der US-Innenpolitik ausgehen, da Präsident Trump zusehends isoliert erscheint und zuletzt mit einem „Government Shutdown“ kokettierte. Einen Trigger für temporäre Kursrückschläge könnte auch die US-Geldpolitik darstellen. Hier sollte unserer Ansicht nach die Fed im September das Abschmelzen ihres Anleiheportfolios beschließen. Zudem halten wir die Markterwartungen im Hinblick auf den Zinspfad (Markterwartung bis Ende 2018 etwas mehr als ein Zinsschritt vs. vier von der Notenbank in Aussicht gestellte Anhebungen) vor dem Hintergrund der bärenstarken Wirtschaftslage für zu optimistisch. Zudem wird unserer Ansicht nach die EZB in einer der beiden nächsten Sitzungen den Einstieg in den Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm verkünden. Solcherart sollten in den ohnehin historisch sehr anfälligen Monaten September und Oktober die Rückschlagsgefahren überwiegen.

In Blickrichtung Jahresende sind wir aber optimistisch für die Aktienmarktentwicklung, da die geldpolitischen Weichenstellungen ein Ausdruck für die Robustheit der Konjunktur sind (das belegen auch die jüngsten Ergebnisse der Einkaufsmanagerschnellschätzungen) und den Aufschwung nicht gefährden. Zusätzlich halten wir das für die breiten Märkte von Einzelwertanalysten in Aussicht gestellte niedrige zweistellige Gewinnwachstum für 2017 für erreichbar, zumal sich die Revisionen der Einzelwertanalysten zuletzt wieder verbesserten. Für weiterhin intakt halten wir die Chancen, dass in den USA Steuererleichterungen für Unternehmen (Senkung des Steuersatzes, niedrige Sondersteuer für Repatriierungen) durchgebracht werden. Letztere Maßnahme würde vermutlich auch die Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen befeuern. Trotz der kurzfristig vorherrschenden Gefahren halten wir das Chancen/Risiko-Profil für den DAX und den Euro STOXX 50 bereits so attraktiv (seit dem Jahreshoch rund 6 % korrigiert, signifikantes Potenzial in Richtung Dezember), sodass wir unsere Empfehlung hier von „Halten“ auf „Kauf“ ändern. Bei den restlichen Indizes werden wir bei Marktschwäche unsere Empfehlung entsprechend nachziehen.

US-Steuerreform wird kommen

Rick Patel, Fondsmanager des Fidelity US Dollar Bond Fund, kommentiert die geplante US-Steuerreform:

Fondsmanager Rick Patel geht davon aus, dass die geplante Steuerreform in den USA in jedem Fall kommen wird – auch wenn die Ausgestaltung nach wie vor unklar sei. Grund dafür sind auch die 2018 stattfindenden Zwischenwahlen in den USA. Nach aktuellen Umfragen könnten die Republikaner ihre absolute Mehrheit verlieren. Denn die Wähler verspürten zunehmend Unmut über nicht umgesetzte Wahlversprechen. Daher seien die Republikaner mehr denn je darauf aus, sich bei der Steuerreform zu einigen.

„Ein neues Steuerrecht könnte die Anreize für Einzelpersonen und Unternehmen und deren Verhalten wesentlich verändern. Die US-Verbraucherausgaben sind maßgeblich für das Wirtschaftswachstum verantwortlich. Dementsprechend wird jede Änderung im Steuerrecht, die auch nur geringfügig in die Konsum- und Sparanreize eingreift, spürbare Folgen für die Gesamtwirtschaft haben“, so Patel. Unternehmen könnten ihre optimale Kapitalstruktur, ihre Investitionsbereitschaft und den richtigen Zeitpunkt ebenso überdenken wie die Wahl des am besten geeigneten Produktionsstandorts.

Camp-Plan als Basis für Steuerreform

Der neueste Entwurf basiert auf dem Steuerplan von Dave Camp von 2014. Die Eckpfeiler des Plans sind eine Vereinfachung des Steuergesetzes, eine Erweiterung der Bemessungsgrundlage und ein Unternehmenssteuersatz von 25 Prozent. Schätzungen zufolge kann dadurch ein potenzielles BIP-Wachstum von 0,2 Prozent jährlich erzielt werden. Der Camp-Plan ist aufkommensneutral konzipiert. Die Senkung der Unternehmenssteuer wird durch die Erweiterung der Bemessungsgrundlage ausgeglichen. Dabei werden seit langem bestehende Steuerregelungen zur Disposition gestellt: Einschränkung oder Abschaffung der Abzugsfähigkeit von Zinsen, ein territoriales Steuersystem und die Möglichkeit der steuerlich begünstigten Rückführung von Auslandskapital.

Für die Bürger würden durch den Plan die individuelle Absetzbarkeit von staatlichen und kommunalen Steuern entfallen, die Obergrenze für absetzbare Hypothekenzinsen sinken und Steuern auf Beiträge zur individuellen Altersvorsorge (401(k) Savings Plan) anfallen.

„Änderungen der steuerlichen Behandlung dieser Art der Altersvorsorge wurden im Wahlkampf mit keinem Wort erwähnt. Die Reaktion der Märkte bleibt abzuwarten“, so Rick Patel. Abgesehen von den Kontroversen könnte es für die Republikaner schwierig werden, auf eine derart wichtige Einnahmequelle zu verzichten, um eine aufkommensneutrale Steuerreform zu verabschieden.

Uncertainties around Brexit challenge UK credit outlook

The uncertainties around the United Kingdom (UK)’s future economic relations with Europe continue to present significant challenges to the country’s economic outlook. Given the significant costs associated with a ‘hard Brexit’, Scope’s view is that some form of ‘soft Brexit’ remains the most likely outcome. This should come with an extended negotiation horizon and/or multi-year transitional arrangement beyond 2019. However, alternative ‘no Brexit’ and hard Brexit scenarios remain on the table. Scope examines the potential rating effects of the three core scenarios.

Brexit negotiations are under way, as the 29 March 2019 deadline for an exit from the European Union (EU) approaches. Scope’s view is that the most likely scenario remains some form of eventual soft Brexit arrangement, maintaining full or partial access to the single market. However, to reach such an arrangement, the UK may need to compromise on important issues, including the free movement of people. Negotiations surrounding a soft Brexit scenario could last significantly past the two-year window given under Article 50, potentially requiring an extension of Article 50 negotiations and/or post-Brexit transitional arrangements.

Scope considers a no Brexit (or reversal) scenario to be the second most probable scenario. With the multi-year horizons relevant to Brexit in mind, Scope believes that there is the potential for shifts in public opinion. This was shown in recent opinion surveys that found more respondents for ‘Remain’ if another referendum were held than for Brexit. While the EU would likely welcome such a ‘Breversal’, Scope however believes there is reason for caution in that a scenario in which the UK eventually remains in the EU could revive momentum towards a multi-speed Europe.

Given the limited foresight shown in current negotiations, the stated intention of the current government to seek a hard Brexit, and the low likelihood that any transitional arrangement will be concluded in the near term, concerns of the third scenario – a hard Brexit – are however likely to remain central to the discourse, in Scope’s view, and grow if no deal prevails as the 2019 deadline approaches.

The rating implications under each of the three core scenarios – soft, no and hard Brexit – depend on the path of Brexit negotiations, how much uncertainty is generated prior to any end-state, and how much policy regression occurs meanwhile. Soft and no Brexit scenarios might be the most conducive to a stabilisation of the UK’s rating outlook. However, Scope notes that under each of the three scenarios, there remains the possibility for a rating downgrade if the terms of an exit or deterioration in macroeconomic conditions or public finances materially weaken the UK’s sovereign credit profile.

Please find the full report attached on the left.

Das unterschätzte Wertsteigerungspotential digitaler Plattformen

von Philipp Haas, Analyst bei der DJE Kapital AG, u.a. für die Sektoren Technologie und Medien.

In den Finanzmedien wird oft über die allseits bekannten, weltweit größten Internetunternehmen diskutiert. Während manchen Marktteilnehmern bei den teilweise stark gestiegenen Aktienkursen dieser Unternehmen mulmig wird, darf man nicht vergessen, dass die Tech-Werte der Plattformökonomie zuzurechnen sind. Je größer sie werden, umso stärker und attraktiver wird das Geschäftsmodell. Ihren Erfolg verdanken sie nicht primär ihrem erfolgreichen technischen Produkt, sondern dem sogenannten Netzwerkeffekt. Je mehr Nutzer eine digitale Plattform verwenden, desto höher wird der generierte Wert für die jeweiligen Nutzer. Dies gilt für soziale Netzwerke genauso wie für Softwareplattformen, Dating-Apps oder E-Commerce-Handelsplattformen. In solchen „The winner takes it all“-Märkten ist es wichtig, schnell und frühzeitig einen großen Marktanteil zu erlangen. Gewöhnen sich Konsumenten an eine Plattform, haben sie zudem einen immer geringeren Anreiz, diese zu wechseln. Das schafft hohe Eintrittsbarrieren für neue Marktteilnehmer. Darüber hinaus verfügen am Markt etablierte digitale Plattformen über sehr erfolgreiche, skalierbare Geschäftsmodelle. Frei nach Warren Buffet ähneln diese einer Steuer, da man an jeder Transaktion mitverdient, ohne dass dadurch nennenswerte zusätzliche Kosten entstehen, was starkes und nicht kapitalintensives Wachstum ermöglicht. Das ist auch der Grund dafür, weshalb viele der besten Aktien der letzten zehn Jahre der Kategorie digitaler Plattformen zuzuordnen sind. Um eine erfolgreiche Plattform am Markt zu etablieren, ist allerdings zu Beginn viel Finanzkraft, Ausdauer, ein sehr gutes Produkt und auch etwas Glück erforderlich. Neben den großen, bekannten Anbietern gibt es auch spannende, erfolgreiche digitale Plattformen aus der zweiten Reihe, bzw. in kleineren Märkten wie Dating. Mittelfristig gesehen bieten auch diese durchaus Potential für Kurssteigerungen, unter Berücksichtigung möglicher Risiken.

Plattformen sind traditionellen Geschäftsmodellen überlegen

Wie in dem Buch „Platform Revolution“ von Geoffrey G. Parker beschrieben, sind Firmen, die mit einem herkömmlichen „Pipeline“-Modell (Vorne kommen Rohstoffe und Arbeit rein und hinten kommt ein Produkt heraus.) gegen eine digitale Plattform antreten, stark benachteiligt und ziehen fast ausnahmslos den Kürzeren. Gerade deutsche Unternehmen unterschätzen den Wert des erfolgreichen Zusammenführens von Angebot und Nachfrage. Die Deutschen sind traditionell eher Produzenten als Händler: Sie entwickeln sehr gute Produkte, vernachlässigen aber oft Marketing, Verkauf und Handel. Dass Deutschland und Europa – anders als die USA und China – kaum erfolgreiche digitale Plattformen besitzen, ist aus zwei Gründen problematisch: Einerseits für die Wirtschaftsentwicklung an sich, andererseits aber auch für Investoren, die ihren Blick nur allzu oft primär auf den Heimatmarkt richten.

Digitale Plattformen als wachsende Cash-Cows

Der Clou: Digitale Plattformen müssen nur so viel in sich selbst bzw. in die eigene Plattform investieren, um attraktiv genug zu sein, um die Nutzer weiter an sich zu binden. Ein Plattformwechsel geschieht sehr selten, meist nur aufgrund eines Generationswechsels, technologischer Umbrüche oder Fehler des Managements. Dadurch können digitale Plattformen hohe Margen und freie Cash Flows generieren, die für Aktienrückkäufe und zukünftig wohl auch für Dividenden genutzt werden können. Derzeit ist es für diese Unternehmen aber oft noch attraktiver, das Kapital in Zukunftsprojekte und neue Dienstleistungen zu investieren. Erleichtert wird dies durch den direkten Endkundenkontakt und bei entsprechender Größe einer starken Marke.

Unser Fazit: Tech-Aktien mit Plattformcharakter bieten ein langfristig attraktives Chance-Risiko-Profil

Auch wenn es bei Tech-Aktien durch überhitzte Markttechnik kurzfristig – wie zuletzt im Juni 2017 – zu starken Abverkäufen kommen kann, bieten die guten Wachstumsaussichten dieser Unternehmen unserer Einschätzung nach immer noch ein langfristig attraktives Chance-Risiko-Profil. Wir sind davon überzeugt, dass wir bei dieser digitalen Revolution erst am Anfang stehen und keine der traditionellen Branchen davor sicher ist. In vielen DJE-Fonds sind diese digitalen Plattformen daher ein fester Bestandteil.

Über die Dr. Jens Ehrhardt Gruppe
Die DJE Kapital AG ist seit über 40 Jahren als unabhängige Vermögensverwaltung am Kapitalmarkt aktiv. Das Unternehmen aus Pullach bei München verwaltet mit ca. 100 Mitarbeitern (davon rund 20 Fondsmanager und Analysten) aktuell über 11 Milliarden Euro (Stand: 31.07.2017) in den Bereichen individuelle Vermögensverwaltung, institutionelles Asset Management sowie Publikumsfonds. Vorstandsvorsitzender ist Dr. Jens Ehrhardt, sein Stellvertreter Dr. Jan Ehrhardt. Kern des Anlageprozesses und aller Investmententscheidungen ist die FMM-Methode (fundamental, monetär, markttechnisch), welche auf dem hauseigenen, unabhängigen Research basiert. Der Anspruch der DJE Kapital AG ist, ihren Kunden weitsichtige Kapitalmarktexpertise in allen Marktphasen zu bieten.

Why invest in restructuring opportunities?

Equity investors often look for restructuring opportunities. We look at what this means and how such opportunities fit into a portfolio. By Nicholette MacDonald-Brown, Fund Manager and Co-Head of Pan European Equity Research at Schroders, as well as Martin Skanberg, Fund Manager at Schroders.

In the Schroders European Equities team, we look for stocks that have been mispriced by the market. That means we look at why the market valuation of a company may be wrong, and the factors that could lift a share price up to our estimate of fair value.

Restructuring is one of several factors that can boost share prices and is often missed, or misunderstood, by the wider market.

Why is restructuring important?

Restructuring is sometimes referred to as “self-help”. It is something a company can do of its own initiative to add value.

Many stocks find themselves buffeted by broad economic or sector trends over which they have little control. Restructuring is a way for companies to put themselves in the driving seat and optimise the performance of their business.

Companies often restructure during a downturn, so that they are best-positioned to take full advantage of any future improvement in business conditions.

What do we mean by restructuring?

Corporate restructuring can take many forms. It could be that a company has made an acquisition which it now needs to integrate with its existing operations. Or perhaps it is looking to reorganise its internal operations to cut costs, improve efficiency and enhance growth.

We have listed the main forms of restructuring below:

  • Cost restructuring
  • Mergers & acquisitions
  • Divestments
  • Capital allocation changes
  • New organisational structure

How does this work in practice?

An example of a company undertaking restructuring recently is lifts and escalators manufacturer Schindler. Our interest was piqued in late 2014/early 2015.

The industry has high barriers to entry and we saw Schindler as a high quality firm with a solid balance sheet. However, its profit margins persistently lagged behind those of its peers. We identified several restructuring measures being taken by the company that could cause that profit margin gap to close.

  • New organisational structure - Schindler was in the process of creating two global business areas: New Installations & Supply Chains and Service Business. The idea was that this would streamline the supply chain, improve internal reporting, and increase the efficiency of the business.
  • Rationalised product offering - One issue Schindler faced was that it had a broad range of products, which meant it was unable to operate a standardised manufacturing platform. However, the company refreshed its product offering and switched to three global product lines, which we felt should improve efficiency.
  • Moderating investment - Clearly companies do need to invest in their businesses but this can weigh on returns in the short-term. At the time we were looking at the stock, Schindler had already completed construction of four out of six new production facilities. That investment would then become productive over the coming years as production ramped up at the new sites.
  • Cost cuts - Schindler announced its “Fast Forward” cost-cutting programme in 2015, again with the aim of improving operating efficiency across the business.
  • Strong balance sheet - Schindler had a very strong balance sheet with a net cash position. In the past, this cash has been used to buy back shares, and the option remains for this to be restarted or for the company to announce a special dividend.

Life cycle of a restructuring investment

It is worth adding that we won’t necessarily continue to hold our investment in a stock while the entire restructuring story plays out.

In many cases, once the restructuring path becomes clear, the share price will respond accordingly.

If the shares rise to our estimate of fair value then it makes sense to sell and recycle the proceeds into a new opportunity.

Is this the same as recovery investing?

Recovery investors often look at companies in the process of restructuring but there are important differences. Firstly, recovery investing is about finding companies where the share price has fallen to low levels and where there is a prospect of the shares recovering to their historic valuation levels.

By contrast, we look for transformational restructuring. We aim to find opportunities where a company can restructure to such a degree that its historic valuation is no longer relevant. We’re looking for restructuring that can deliver a dramatic increase in the valuation that the market is prepared to pay for a company.

For this reason, we do not simply look for companies that are undervalued compared to their own history, or to the wider market. A company that on paper may seem expensively valued may still be an interesting opportunity for us, as long as we can identify the restructuring catalyst that should propel the share price higher.

How does restructuring fit into a portfolio?

Clearly restructuring opportunities carry an element of risk. It is hard enough for a company to identify the right strategy to restructure and improve returns, and it is harder still to execute that strategy effectively.

In the Schroder European Equities Team we will only invest in a restructuring opportunity if we have confidence that the management has the ability to see the restructuring through. We are fortunate to count on the support of an experienced team of analysts who are experts in their sector and work to identify the best investment opportunities.

Meanwhile, simply identifying an opportunity for restructuring will not on its own be enough for us to invest. Our starting point for any investment is valuation, and whether we think there is a mispriced opportunity. If the prospect of restructuring, and consequent improved returns, is already captured by the share price then there is no reason for us to invest.


Securities and sectors mentioned are for illustrative purposes only and not a recommendation to buy or sell.

This article has first been published on schroders.com.

Keine Verlangsamung der konjunkturellen Dynamik

Jörg Angelé und Gottfried Steindl, beide RBI Wien, zur Eurozone.

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,6 % p.q. gewachsen. Außerdem wurde die vom Statistischen Bundesamt ursprünglich gemeldete Zuwachsrate für das erste Quartal von 0,6 % p.q. auf 0,7 % p.q. angehoben. Selbst bei einer unterstellten Zuwachsrate von je „nur“ 0,3 % p.q. im dritten und vierten Quartal ergäbe sich für das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr ein Zuwachs von 2,0 %. Tatsächlich deuten die bereits vorliegenden Daten für das laufende Quartal aber keine Verlangsamung der konjunkturellen Dynamik an. Die Zuwachsrate dürfte daher ähnlich groß ausfallen wie im zweiten Quartal. Wir heben daher unsere Prognose für den Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts für 2017 von 1,7 % auf 2,1 % an. Unsere Prognose für den Anstieg der Verbraucherpreise im laufenden Jahr nehmen wir dagegen von 1,9 % auf 1,7 % zurück.

Unter den Daten in den kommenden Tagen werden sich die Marktteilnehmer vor allem auf die Schnellschätzungen für die Inflationsrate diverser Länder bzw. in der Eurozone für den Monat August konzentrieren. Immerhin ist die Entwicklung der Teuerung maßgeblich für die geldpolitische Ausrichtung. Zuletzt wurde klar, dass die Europäische Zentralbank ihre Strategie für 2018 in diesem Herbst beschließen wird. Somit dürften die Inflationsdaten für August und September maßgeblich Einfluss nehmen, wie rasch die Anleihekäufe zurückgenommen bzw. eingestellt werden. Unserer Meinung nach sollte die Inflationsrate in der Eurozone von 1,3 % p.a. auf 1,5 % p.a. geklettert sein. Die Kernrate erwarten wir dagegen unverändert bei 1,3 % p.a. Somit könnte der unmittelbare Druck für einen Renditeanstieg bei deutschen Anleihen nicht allzu hoch ausfallen. Bis Jahresende wird aber die Kernrate ein wenig anziehen und spätestens im Oktober, sollte die EZB eine Reduktion der Anleihekäufe beschließen. Wir erwarten daher auf Sicht Dezember einen Anstieg der Rendite für fünf- und zehnjährige deutsche Anleihen und empfehlen auf diesen Horizont zum Verkauf.

Neben den Zahlen zur Inflationsentwicklung sind folgende Daten von Interesse: Bei der Sentiment Umfrage der EU-Kommission erwarten wir einen Anstieg im Industriebereich, einen Rückgang im Dienstleistungssektor und eine Verbesserung des Wirtschaftsklimas. Die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe in Spanien und Italien sollten einen kleinen Anstieg ausweisen. In Deutschland und in der Eurozone sollte die Arbeitslosenquote im August bzw. Juli unverändert geblieben sein. Das Wachstum der Geldmenge M3 erwarten wir weiter rund um 5,0 % p.a.

Globale Herausforderung: Steigende Wasser-Nachfrage

von Huub van der Riet, leitender Portfoliomanager der Global Sustainable Opportunities Strategy bei NN Investment Partners.

Die wachsende Weltbevölkerung, eine steigende Nachfrage in der Landwirtschaft und Probleme wie Wasserverschmutzung und Klimawandel führen zunehmend zu einer Süßwasserverknappung. Weltweit haben schätzungsweise 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Etwa 4 Milliarden Menschen sind mindestens einen Monat im Jahr von Wasserknappheit betroffen¹. Neben dem Leid, das von Dürreperioden verursacht wird, stellt die Wasserknappheit ein großes Problem für Industrie und Landwirtschaft dar. 

Die globale Nachfrage nach Wasser wird sich in den kommenden 15 Jahren voraussichtlich nahezu verdoppeln¹. Ursachen dafür sind Bevölkerungswachstum, Verstädterung und eine Verschiebung der Ernährungsgewohnheiten hin zu eiweißreicheren Nahrungsmitteln. Darüber hinaus wird Wasser in der Regel durch lokale Regierungen künstlich billig gehalten, das kurbelt die Nachfrage an und wirkt Investitionen entgegen. Der Bedarf nach Süßwasser wird das zuverlässige, zugängliche Angebot bis 2030 weltweit voraussichtlich um etwa 40% übersteigen2.

Es gibt kein Allheilmittel, um diese offenkundige globale Krise zu lösen, da verschiedene Regionen und Länder sehr unterschiedlichen Herausforderungen gegenüberstehen. Investoren können allerdings dazu beitragen, dieses wachsende Problem durch eine Anlage in intelligente Lösungen anzugehen. Der wachsende globale Süßwassermarkt bietet eine Kombination aus Renditepotenzial und der Möglichkeit, in nachhaltige Projekte mit eindeutiger Wirkung zu investieren (Impact-Investing). Impact-Investing hat drei wesentliche Merkmale: Erstens einen klaren positiven Zusammenhang zwischen der anvisierten Investition und der gewünschten ökologischen und gesellschaftlichen Wirkung, zweitens die bestmögliche Messung der beabsichtigten Wirkung und drittens ein attraktiver finanzieller Ertrag.

Huub van der Riet, leitender Portfoliomanager der Global Sustainable Opportunities Strategy bei NN Investment Partners: „Unserer Ansicht nach gibt es kein Entweder-Oder zwischen gesellschaftlicher und/oder ökologischer Wirkung und finanziellen Erträgen. Anleger können zur Lösung dieses wachsenden Problems beitragen, indem sie in innovative und wirtschaftlich attraktive Lösungen investieren. Es werden umfangreiche Investitionen benötigt, um die Wasserinfrastruktur zu erhalten, zu verbessern und auszubauen.“ 

Wie die nachstehende Tabelle zeigt, lässt sich der „Wasser-Anlagemarkt“ in 17 Untersektoren unterteilen. Diese Segmente weisen einen unterschiedlich ausgereiften technologischen Entwicklungsgrad auf und haben daher unterschiedliche Eintrittsbarrieren. Die Segmente im unteren Teil der Tabelle sind bereits erheblich standardisiert und technologisch ausgereift. Das bedeutet Verdrängungswettbewerb bei niedrigen wettbewerbsfähigen Preisen. Die Segmente im oberen Teil der Tabelle bieten eine größere technologische Differenzierung und Innovationen und somit einen geringeren Preiswettbewerb und Mehrwert. 

Tabelle 1: Wasser-Untersektoren nach Größe und Wachstum3

Wassertechnologie

Marktwert (in Mrd. USD)

Wachstum

Die besten Unternehmen

Entsalzung

11

10%

Hyflux, IDE, AquaVenture

UV

22

9%

Danaher, Xylem, Calgon Carbon

Filtration

31

2-3%

Pentair, Dow Chemical, Danaher

Testung

8

4-6%

Danaher, Xylem, Thermo

Service

55

6%

Suez, Veolia

Industrielle Wasseraufbereitung

71

5.5%

Ecolab, Suez

Produziertes Wasser/Fracking

9

4-6%

Nuverra Environmental, Oasys Water

Wasseraufbereitung für Wohngebiete

13

7%

Pentair, Watts, Mueller Water

Messinstrumente

13

4-6%

Roper, Badger Meter, Xylem

Wasserversorgung

71

4%

American Water Works, Aqua America

Automatisierung

11

7%

Emerson, Rockwell, Honeywell

Wasserrechte

7

5%

PICO Holdings, Pure Cycle Corp

Bewässerung

9

5%

Valmount, Lindsey

Armaturen

50

2-3%

Emerson, Watts, Endress+Hauser

Pumpen

37

2-3%

Xylem, Flowserve, Pentair

Technik & Beratung

22

4-6%

Tetra Tech, MWH Global

Rohrleitungen

55

2-3%

Mueller Water

Summe

495

4,5-5,0%

 

Huub van der Riet fügt hinzu: „Unseres Erachtens ist es für Anleger wichtig, sich auf Unternehmen mit hochqualitativen Produkten und Dienstleistungen an der Spitze der technologischen Pyramide zu konzentrieren. Sie bieten Spielraum für Kurssteigerungen mit hohen und steigenden Kapitalrenditen. Aufgrund ihrer klaren Ausrichtung auf hochqualitative Lösungen und Dienstleistungen berücksichtigen wir bei unseren Analysen beispielsweise Unternehmen wie Xylem. Das umfangreiche Analystenteam von NN IP unterstützt uns bei der Identifizierung des Aufwärtspotenzials solcher Aktien.“ 

Xylem mit Firmensitz in den USA ist weltweit tätig und bietet eine Vielzahl an technologischen Lösungen, um den weltweiten Bedarf an Süßwasser, Abwasser und Energie zu decken. Das Leistungsspektrum umfasst hochwertige Filtertechniken, die Abwasser zur Wiederverwendung oder zum Ablassen in die Umwelt sammeln und aufbereiten. Xylem verkauft auch industrielle Pumpen, Mischanlagen, Aufbereitungsanlagen und Analyseinstrumente.

Andere Beispiele für börsennotierte Unternehmen im Wassersektor sind Pentair, Suez, Sabesp und American Water Works. Pentair stellt Lösungen bereit, die denen von Xylem ähneln. Das Unternehmen ist kein reiner Lösungsanbieter im Wasserbereich, aber es hat seine Aktivitäten in diesem Segment in den letzten Jahren deutlich erhöht. Suez ist ein französischer Versorger und ein Dienstleister im Bereich Wasser und Abfall. Sabesp ist das größte börsennotierte Wasserunternehmen in Brasilien und versorgt 27 Millionen Menschen mit sauberem Wasser. Es konzentriert sich auch auf urbanes Regenwassermanagement und Dienstleistungen im Bereich Entwässerung und Sanitärabwasser. Ein vergleichbares Unternehmen aus den Industrieländern ist American Water Works. Diese Firma ist das größte börsennotierte Wasser- und Abwasserversorgungsunternehmen in den USA und gewährleistet sauberes Wasser und Abwasserdienstleistungen für 15 Millionen Menschen in den USA und Kanada.

Van der Riet fasst zusammen: „Da die Wasserprobleme immer akuter werden, wird die Nachfrage nach den effektiven und wirksamen Lösungen dieser Art von Unternehmen stark steigen. Mit einer Anlage in solche Unternehmen leisten wir einen Beitrag zu dieser weltweiten gesellschaftlichen Herausforderung und streben zugleich nach attraktiven finanziellen Erträgen.“


Quellen
1) Quelle: Citi GPS: Global Perspectives & Solutions, April 2017
2) Quelle: Schlumberger Business Consulting (SBC) Energy Institute, 2017
3) NN IP, RBC Capital Markets, Januar 2017

Wachstumsbeschleunigung in den Schwellenländern

Das Wachstum der wirtschaftlichen Aktivität hat auf globaler Ebene deutlich zugenommen und ist breit abgestützt. Nach unserer vorläufigen Schätzung beträgt das globale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes vom ersten auf das zweite Quartal 3,7% (auf das Jahr hochgerechnet). Während die entwickelten Volkswirtschaften voraussichtlich mit 2,7% gewachsen sind, verzeichneten die Schwellenländer einen Zuwachs von 5,2%. In diesem Artikel sollen anhand von klassischen volkswirtschaftlichen Indikatoren die Schwellenländer näher betrachtet werden.

Kräftiges Wachstum

Die Schätzung für das reale Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern für das Jahr 2017 beträgt 4,6%, nach 4,3% im vergangenen Jahr. Das heurige Jahr wird damit das erste Jahr seit 2010 gewesen sein, in dem das Wachstum des aktuellen Jahres über dem des Vorjahres lag. Natürlich sind die Daten auf Länderebene heterogen. Das Niveau des Wachstums ist in China mit 6,8% und in Indien mit 7,2% hoch. Die beiden wichtigen rohstoffproduzierenden Länder Brasilien (0,7%) und Russland (1,7%) weisen zwar vergleichsweise niedrige Zuwächse auf, bemerkenswert ist jedoch, dass beide Länder die Rezession überwunden haben. Auf der negativen Seite stechen vor allem Südafrika (0,5%) und Saudi Arabien (0,4%) mit einer Stagnation hervor.

Fallende Inflation

Bei der Inflation gibt es zwei wichtige Entwicklungen. Erstens fällt im Aggregat die Inflation. In den Schwellenländern sind die Konsumentenpreise vom 4. Quartal 2015 bis zum 2. Quartal 2017 von 3,9% im Jahresabstand auf 2,5% gefallen. Vor allem in wichtigen Ländern mit einem früher erhöhten Inflationsniveau fallen die Preisveränderungen. Nennenswert sind Brasilien, Indien, Russland und Südafrika. Zweitens hat China den Deflationsdruck überwunden. In China sind weniger die gleichmäßig niedrig verlaufenden Anstiege der Konsumentenpreise sondern die Produzentenpreise von Relevanz. Diese sind  bis Mitte des vergangenen Jahres für einige Jahre hindurch gefallen. Auch deshalb stellte eine Deflation bis kurzem noch ein substanzielles Risiko für die Weltwirtschaft dar. Mittlerweile steigen die Produzentenpreise in China wieder an (Juli: 5,5% p.a.). Negativ: Die erhöhte Inflation in der Türkei (9,8% p.a. im Juli) und die ansteigende Inflation in Mexiko (6,4% p.a. im Juli).

Leitzinssenkungen

Die unterschiedliche Entwicklung der Inflation hat einen Niederschlag in den Zentralbankpolitiken gefunden. Erstens fallen im Aggregat der Schwellenländer die Leitzinsen der Zentralbanken. Genauer: Der durchschnittliche Leitzinssatz ist von 5,60% vor einem Jahr auf aktuell 5,0% gefallen. Zweitens sind in China von September 2016 bis Juni 2017 die Zinsen angestiegen. Diese Verschärfung des monetären Umfelds wurde auch von einer Verschärfung des regulatorischen Umfelds im Finanzsektor begleitet. Aktuell stehen vor allem zwei unbeantwortete Fragen im Zentrum des Investoreninteresses. Erstens: Wie groß ist der wachstumsdämpfende Effekt der Straffungsmaßnahmen in China? Zweitens: Welchen Effekt werden die absehbare Reduktion der Zentralbankliquidität in den entwickelten Volkswirtschaften und die Leitzinsanhebungen in den USA auf die Schwellenländer haben? Arbeitshypothese: Die Zentralbanken werden weiterhin sehr vorsichtig vorgehen. Dabei werden die Marktteilnehmer mittels Reden von Zentralbankmitgliedern auf marginale Änderungen vorbereitet (Forward Guidance).

Nur leicht erhöhte Budgetdefizite

Die jährlichen Staatsdefizite sind im Durchschnitt etwas zu hoch (durchschnittliches Budgetdefizit für 2017: 4,4%). Aus diesem Grund weisen die Staatsschulden einen leicht steigenden Trend auf (2007: 36% vom Bruttoinlandsprodukt; 2017: 49%). Das Schuldenniveau ist jedoch nach wie vor vergleichsweise niedrig (entwickelte Volkswirtschaften: 106%). Länder, die wegen der erhöhten Budgetdefizite näher betrachtet werden sind Brasilien (9,1%), Indien (6,4%), Argentinien (6,1%) und Saudi Arabien (9,4%).

Verlangsamung des Kreditwachstums zu Ende

Es gibt vor allem drei Gründe für die Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den Schwellenländern von 2010 (7,4%) auf 2016 (4,1%) und die darauffolgende Beschleunigung, die natürlich miteinander in Verbindung stehen. Der erste Grund, rückläufige Produzentenpreisinflation in China von 2011 bis 2016, wurde bereits besprochen. Zweitens sind die Rohstoffpreise von 2011 bis Anfang 2016 kräftig gefallen. Die danach eingesetzte Stabilisierung hat insbesondere den rohstoffpreisproduzierenden Ländern Brasilien und Russland geholfen die Rezession zu verlassen. Dritten hat sich das Kreditwachstum (Schwellenländer exklusive China) von rund 20% p.a. im Jahr 2011 auf mittlerweile rund 7% abgeschwächt. In diesem Jahr haben sich die Anzeichen für eine Stabilisierung verdichtet. Damit fällt ein wesentlicher wachstumsdämpfender Effekt weg.

Für die weitere Entwicklung steht vor allem China im Fokus: Der Internationale Währungsfonds hat in einem kürzlich veröffentlichten Bericht vor einer Fortsetzung des kräftigen Kreditwachstums gewarnt. Der Kreditbestand (Staat, Unternehmen und Haushalte) betrug im vergangenen Jahr 242% vom Bruttoinlandsprodukt und könnte bis 2022 auf knapp 300% ansteigen. Tatsächlich stellt das Risiko einer „harten“ Landung in China ein wichtiges strukturelles Risiko für die Weltwirtschaft dar.

Günstiges Finanzumfeld

Das Finanzumfeld ist günstig: Die Zinsen, die Aufschläge für das Kreditrisiko (Staat und Unternehmen) und die Kursschwankungen (die Volatilität) sind niedrig und die Aktienkurse steigen an. Die Währungen der Schwellenländer haben im Durchschnitt die Entwicklung der Rohstoffpreise nachvollzogen. Auf die Abschwächung gegenüber dem US-Dollar von 2011 bis Anfang 2016 folgte eine Stabilisierung bzw. Festigung. Auch deshalb ist das Kreditrisiko von in US-Dollar denominierten Anleihen gesunken. Nachsatz: Die Investoren sind bereits „long“, d.h., sie sind bereits auf ein günstiges Umfeld positioniert.

Höhere Wettbewerbsfähigkeit

Eine wichtige Maßzahl für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes / einer Region ist der real effektive Wechselkurs (real effektive exchange rate oder REER). Dieser hat zwei wichtige Komponenten. Der nominell effektive Wechselkurs setzt eine Währung mit einem handelsgewichteten Korb von anderen Währungen in Beziehung. Danach wird der effektive Wechselkurs um die Inflationsunterschiede bereinigt. Ein ansteigender REER in einem Land bedeutet mithin einen Rückgang der externen Wettbewerbsfähigkeit weil entweder eine Währungsfestigung oder ein höherer Inflationsanstieg in dem Land im Vergleich zu den Ländern im Währungskorb stattfindet. Die Produkte dieses Landes werden eben teurer. Genau das ist im Durchschnitt der Schwellenländer von 2004 bis 2015 geschehen. Anfangs war das noch verkraftbar, weil die Rohstoffpreise angestiegen sind. Der Rückgang der Rohstoffpreise (erste Welle: 2008, zweite Welle: 2011) hat allerdings vor dem Rückgang der real effektiven Wechselkurse (Anfang 2015) eingesetzt. Das hat das Wirtschaftswachstum unter Druck gebracht. Mittlerweile haben sich sowohl die Rohstoffpreise als auch die REER stabilisiert. Genauer: Der nominell effektive Wechselkurs liegt aktuell rund 7% unter dem Hoch von 2015, der real effektive Wechselkurs immerhin noch um 5%. Lange Rede, kurzer Sinn: die Wettbewerbsfähigkeit der Schwellenländer hat zugenommen. Blick in die Zukunft: Eines der Risikoszenarien beinhaltetet einen abermaligen Verfall der Rohstoffpreise.

Externe Ungleichgewichte abgenommen

Während der Phase der Abschwächung des Wirtschaftswachstums und der Rückgänge der Rohstoffpreise hat in den Ländern mit externen Ungleichgewichten (hoher Leistungsbilanzüberschuss in China, Russland und Saudi Arabien, erhöhte Leistungsbilanzdefizite in Brasilien, Indien und der Türkei) eine Anpassung stattgefunden. Mittlerweile sind sowohl die Überschüsse als auch die Defizite deutlich gesunken. Mit minus 4,7% (Schätzung für 2017) vom Bruttoinlandsprodukt ist das Leistungsbilanzdefizit in der Türkei allerdings immer noch erhöht.

Verbesserung mit „Schönheitsfehlern“

Betrachtet man die Schwellenländer anhand der acht Indikatoren Wirtschaftswachstum, Inflation, Leitzinsen, Fiskalpolitik, Kreditwachstum, Finanzumfeld, Wettbewerbsfähigkeit und externe Ungleichgewichte kann eine zum Teil deutliche Verbesserung festgestellt werden. Nachsatz: Wie immer bleiben Risiken bestehen. Jeder der acht Indikatoren hat „Schönheitsfehler“. Zudem: Auch kleine Länder, die hier nicht behandelt wurden, haben Probleme (Stichwort: Venezuela). Darüber hinaus gibt es noch andere als die acht beschriebenen Indikatoren (Stichwort: mögliche Handelskonflikte, geopolitische Konflikte).


Über den Autor
Gerhard Winzer ist seit März 2008 bei der Erste Asset Management tätig. Bis März 2009 war er Senior Fondsmanager im Bereich Fixed Income Asset Allocation, seit April 2009 ist er Chefvolkswirt.
Er hat einen HTL Abschluß und studierte an der Universität Wien Volkswirtschaft und Betriebswirtschaftslehre mit einem speziellen Fokus auf Finanzmärkte. Er ist CFA-Charterholder und war von 2001-2003 Teilnehmer des Doktoratsprogramms für Finanzwirtschaft im Center for Central European Financial Markets in Wien.
Von Juli 1997 bis Juni 2007 war er in der CAIB, Bank Austria Creditanstalt, UniCredit Markets & Investment Banking im Research tätig. Die letzte Position war Direktor für Fixed Income/FX-Research und Strategie. Von Juli 2007 bis Februar 2008 verantwortete er die Asset-Allocation im Research der Raiffeisen Zentralbank (RZB) in Wien.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Indonesien: Gar nicht so fragil

2013 galt Indonesien noch als eines der sogenannten „Fragile Five“ unter den Schwellenländern. Seither hat es ein fulminantes Comeback hingelegt. Im Mai wurde seine Staatsverschuldung auf Investment Grade hochgestuft, das erste Mal seit der Asienkrise von 1997.

In unserem hauseigenen Länderrisikoindex liegt das Land jetzt auf der höchsten Position in sieben Jahren1, so Patrick Zweifel, Chef-Ökonom von Pictet Asset Management. Die vorteilhafte demographische Entwicklung, hohe Investitionen im Verhältnis zum Sozialprodukt und auf breiter Ebene verbesserte Fundamentaldaten kommen dem Land zugute.

Länderrisikoindex Indonesien

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, 01.04.2017

Indonesien erntet nun die Früchte der in den letzten Jahren angekündigten Strukturreformen zur Verbesserung des Geschäftsumfeldes, der Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit. Das Land ist im Ease of Doing Business-Index der Weltbank um 15 Positionen auf Platz 91 vorgerückt.

Noch immer relativ geschlossene Volkswirtschaft

Indonesiens relativ abgeschottete Wirtschaft macht das Land einigermaßen immun gegen zyklische Entwicklungen der Weltwirtschaft (etwa im Vergleich zu Singapurs eher zyklischer Tendenz). Es ist nicht Teil der asiatischen Produktionslieferkette sondern einer der größten regionalen Rohstoffexporteure, insbesondere nach China (sein Primärsektor steht für 26% des BIP).

Der Harte und der Zarte: Entwicklung des BIP in Indonesien gegenüber dem zyklischen Singapur

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, 01.04.2017

Positiver Ausblick für Inlandskonsum

Indonesien ist in den beiden letzten Jahren stetig gewachsen durch den signifikanten Anstieg bei Privatinvestitionen und Exporten. Der Konsum war eher enttäuschend (siehe Tabelle zu Einzelhandelsdaten), sollte jedoch einen Schub erleben.

Sehr hohes Konsumentenvertrauen und verbesserte Arbeitsbedingungen sollten zur Erholung des indonesischen Haushalts in der zweiten Hälfte des Jahres beitragen. Mittlerweile liegt die Inflation auf einem Niveau, das einen monetären Eingriff bis Jahresende unwahrscheinlich macht.

Einzehlhandel und Konsumentenvertrauen in Indonesien

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, 01.05.2017

Die Ansicht unseres Teams für Schwellenländeraktien: Boomender Markt für E-Commerce

Indonesien ist der unerwartete Champion für E-Commerce der Wirtschaftsgemeinschaft Asean, mit dem größten und am schnellsten wachsenden Einzelhandel im Internet. Zum Teil verdankt es dies den chinesischen Internetgiganten Tencent und Alibaba, die Anteile an lokalen Unternehmen erworben haben. Auch inländische Firmen beweisen ihre Fähigkeit, gebündelte Ecosystem-Modelle zu entwickeln.

Hauptattraktion des Landes: es ist nach Einwohnerzahlen die viertgrößte Nation der Welt, wobei die Hälfte der Bevölkerung unter 30 ist. Vor allem aber: Indonesiens nach Kaufkraftparitäten-adjustiertes BIP pro Einwohner hat soeben die Schwelle passiert, nach der der Onlinehandel in der Regel weiter ansteigt (USD10.000).

Es lohnt sich, das Land im Blick zu behalten.

Spitzenreiter: Indonesien führend im Bereich E-Commerce-Handel
Gesamtwachstum im Onlineeinzelhandel, 2016 (in lokaler Währung)

 

Quelle: CLSA, Euromonitor, eResearch,  US Dept of Commerce, 31.12.2016

Außerdem befasst sich unser aktueller EM Monitor mit der Frage, was die Wachstumserholung in den Schwellenmärkten antreibt. Daneben werden die üblichen Grafiken und Datentrends präsentiert, mit denen wir die Entwicklung am Schwellenländermarkt illustrieren. Zum kompletten EM Monitor.


1) Unser interner Schwellenländerrisikoindex besteht aus 6 Risikokomponenten, gemessen mittels 18 Indikatoren, die ein Universum von 29 Volkswirtschaften abdecken.

Über den Autor
Patrick Zweifel kam 1997 zu Pictet. Er ist als Chef-Ökonom von Pictet Asset Management tätig. Bevor er 2009 in diese Funktion wechselte, leitete er das Macro Research Team von Pictet Private Wealth Management. Dort war er insbesondere für Schwellenländer und Japan sowie die Entwicklung quantitativer Modelle für die wichtigsten Anlagekategorien, hauptsächlich Wechselkursmodelle, zuständig. Vor seiner Tätigkeit bei Pictet war er Forschungsassistent der Fachrichtung Ökonometrie und Geldmarkttheorie und beteiligte sich an internationalen Forschungsprojekten der Weltbank und der Europäischen Union. Patrick Zweifel hat einen Doktortitel im Fachgebiet Ökonometrie von der Universität Lausanne.

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

Folgen Sie Pictet Asset Management

Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 24
e-mail: fbohmer@pictet.com

19. Nationalkongress stellt Weichen für Chinas Wachstum

Ende des Jahres findet der 19. Nationalkongress der kommunistischen Partei in China statt, bei dem substantielle Veränderungen in der Landesführung erwartet werden. Um einen erfolgreichen Kongress zu gewährleisten ist davon auszugehen, dass die Regierung an der derzeitig stabilen ökonomischen Entwicklung festhält. Das offizielle Bruttoinlandsprodukt zeigt ein Wachstum von 6,9 Prozent im ersten Halbjahr 2017. Damit ist die chinesische Wirtschaft auf gutem Wege das Wachstumsziel von 6,5 Prozent für das laufende Jahr deutlich zu übertreffen. Es ist somit davon auszugehen, dass der wirtschaftliche Reformprozess erst in der zweiten Amtszeit des chinesischen Präsidenten Xi Jinping angestoßen wird.

„Über die Stichhaltigkeit des chinesischen Bruttoinlandprodukts (BIP) herrscht aufgrund der schnellen Datenerhebung seit längerem Skepsis“, sagen Stephen Halmarick, Chief Economist, und Belinda Allen, Senior Analyst for Economic and Market Research bei First State Investments. „Tatsächlich wurde berichtet, dass Premierminister Li Keqiang das offizielle Bruttoinlandsprodukt als unzuverlässig bezeichnet hat. Premier Li zieht aus diesem Grund Kennzahlen wie Rail-Cargo-Volumen, Stromverbrauch und die Vergabe von Bankkrediten heran, um das Wirtschaftswachstum zu bewerten. Diese drei Kennzahlen lässt Bloomberg in den ‚Li-Keqiang-Index‘ einfließen. Dieser Index zeigt eine höhere Volatilität als das offizielle BIP des Landes. Trotz des augenscheinlichen Peaks des Li-Keqiang-Index im Frühjahr 2017, zeigen aktuelle Wirtschaftsdaten ein solides Momentum im Reich der Mitte. Die industrielle Produktion lag im Jahresverlauf bis Ende Juli bei 6,8 Prozent und wurde sowohl durch gestiegene Exporte als auch dem zyklischen Aufwärtstrend der globalen Wirtschaft unterstützt. Diese Entwicklung wird außerdem von einer moderaten Inflation von unterjährig 1,4 Prozent im Juli begleitet, statt der prognostizierten 1,8 Prozent für das Gesamtjahr. In 2018 könnte die Inflation unserer Meinung nach einen leichten Anstieg auf 2 Prozent im Jahresverlauf verzeichnen. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit der Kapitalmärkte auf den 19. Nationalkongress am Ende des Jahres. Es wird erwartet, dass fünf der sieben Mitglieder des Ständigen Ausschusses des Politbüros des Zentralkomitees, das oberste chinesische Entscheidungsgremium, in den Ruhestand gehen. Diese Posten müssten neu besetzt werden. Von Präsident Xi, der zusammen mit Premier Li auch Teil des ständigen Ausschusses ist, wird erwartet, dass er seine politische Macht ausbauen wird. Präsident Xi dürfte sich in seiner zweiten Amtszeit vor allem mit dem Reformbedarf des Landes befassen. Staatliche Unternehmen sehen sich mit einer steigenden Verschuldung konfrontiert. Darüber hinaus soll das Wirtschaftswachstum Chinas zukünftig primär durch Konsumausgaben, statt durch Produktions- und Infrastrukturinvestments getrieben werden. Wir gehen derzeit davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum des Landes in den kommenden Jahren auf durchschnittlich circa 6 Prozent pro Jahr verlangsamen könnte, obwohl der Internationale Währungsfonds die mittelfristige Wachstumsprognose von 6 Prozent auf 6,4 Prozent erhöht hat. Das nominale Wirtschaftswachstum dürfte jedoch stark bleiben und die Wirtschaftsleistung der Volksrepublik für die Weltwirtschaft auch weiterhin von großer Bedeutung sein.“

Über First State Investments
First State Investments ist eine globale Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Erfahrung in verschiedenen Anlageklassen und spezialisierten Anlagesektoren. First State Investments gehört zur Commonwealth Bank of Australia und verwaltete zum 31. März 2017 im Namen ihrer Kunden weltweit ein Vermögen von 147,6 Milliarden Euro. In Australien ist First State unter der Bezeichnung Colonial First State Global Asset Management tätig. First State Investments bietet eine Auswahl von Anlagelösungen für institutionelle Investoren und Kleinanleger weltweit, darunter Aktien-, Anleihe-, Multi-Asset-Anlagen und Anlagen in nicht börsennotierten Infrastrukturwerten. Unser Anlageansatz basiert auf der Verpflichtung, unseren Kunden auf lange Sicht bestmögliche Ergebnisse zu bieten. Zu diesem Zweck stellen wir sicher, dass unsere Interessen sich an denen unserer Anleger orientieren und halten an einer Unternehmenskultur fest, bei der wir stets im Interesse unserer Anleger handeln.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Viele Anlegerinnen und Anleger fürchten sich vor der Veranlagung in Aktien. Dabei steigen die Kurse von Aktien langfristig. Vielleicht ist diese Furcht nur dadurch begründet, dass der Zeitraum „langfristig“ unterschiedlich interpretiert wird? Johann Griener, Erste AM, möchte das Thema „Anlagezeitraum“ näher betrachten und stellt die Frage: „Gibt es gute und schlechte Zeiten bei der Veranlagung in Aktien?“

Bevor wir ins Detail gehen, erläutern wir, was wir unter „Veranlagung in Aktien“ und „Anlagezeitraum“ verstehen.

  • Veranlagung in Aktien: Dabei geht es nicht um Investment in einen oder ein paar ausgewählte Einzeltitel sondern eine Veranlagung in ein breit gestreutes Aktien-Portfolio – über Unternehmen, Länder und Branchen. Diese Streuung lässt sich mit einem globalen Aktienfonds umsetzen.
  • Anlagezeitraum: Zeitraum vom Kauf bis zum Verkauf des Investments.

Ein Index, der den globalen Aktienmarkt bestmöglich abdeckt, ist der MSCI World, ein anerkannter weltweiter Aktien-Index. Sehen wir uns diesen Index genauer an. Bei der Wertentwicklung (siehe Grafik) wurden Dividenden, also die jährlichen Ausschüttungen der Unternehmen an ihre Aktionäre (abzüglich Quellensteuern), berücksichtigt. Die Wertentwicklung wurde in Euro umgerechnet – somit wird das Investment aus der Sicht eines Euro-Anlegers betrachtet.

Beginnen wir mit einer langfristigen Betrachtung über die letzten 40 Jahre.

MSCI World (inkl. Netto Dividenden, umgerechnet in EUR), logarithmische Darstellung des Charts
Zeitraum: 40 Jahre 07/1977-07/2017; Quelle: Datastream

Bei der sehr langfristigen Betrachtung werden zwei Entwicklungen augenscheinlich:

  • Der globale Aktienmarkt hat sich in den letzten 40 Jahren verdreißigfacht! Aus EUR 100,- wurden ca. EUR 3.000,-.
  • Innerhalb des Trends der steigenden Kurse gab es immer wieder größere Kursrückgänge, die durchaus länger gedauert haben.

Wenn Aktienkurse tendenziell steigen, wo liegt dann das Problem der Anlegerinnen und Anleger? Ist der Zeitraum falsch gewählt oder sind es die Kursschwankungen? Fakt ist, dass es in Österreich nur ca. 4 % Aktionäre gibt.

Was könnte im schlimmsten Fall passieren?

Vielen Anlegerinnen und Anlegern haben die beiden großen Kursrückgänge im letzten Jahrzehnt noch in leidvoller Erinnerung. Nehmen wir an, sie hätten zum Höchstkurs im September 2000 investiert. Wie lange hätte es wohl gedauert, bis die Kursverluste wieder aufgeholt worden wären?

Der Chart zeigt die Entwicklung des MSCI World (inkl. Netto Dividenden, in EUR) ab dem Höchststand im Jahr 2000, also den „Worst Case“.

MSCI World (inkl. Netto Dividenden, umgerechnet in EUR), Startzeitpunkt normiert auf 100 %
Zeitraum: ca. 14 Jahre; 09/2000 – 05/2014; Quelle: Datastream

Anlegerinnen und Anleger, die zum schlechtest möglichen Zeitpunkt das gesamte Kapital veranlagt hatten (September 2000), mussten beinahe 14 Jahre warten, um ihren Einstiegskurs wieder zu erreichen. Im Beobachtungszeitraum wurden zwei große Kursrückgänge verzeichnet: eine im Zuge der Technologie-Blase ab 2001 und die zweite ab dem Jahr 2008 (Finanzkrise). Viele Anlegerinnen und Anleger hatten keine Geduld, und zogen die Reißleine: „Nie wieder Aktien!“

Kann man es ihnen übel nehmen? Nein. Aber schade! Die Kurse sind zweimal bis auf ca. 40 % des Ausgangswertes gesunken. Es mehrere, länger andauernde Gelegenheiten, wo man günstig einsteigen hätte können – wenn man sich nur getraut hätte!

Gute Zeiten oder schlechte Zeiten?

Für die meisten Investoren sind Zeiten mit fallenden Kursen „schlechte Zeiten“.

Doch was ist mit jenen Anlegerinnen und Anlegern, die gerne investieren würden und auf tiefere Einstiegskurse warten? Für diese sollten die Kursrückgänge eigentlich „gute Zeiten“ bedeuten.

Wir können also festhalten:

  • Ob es sich um gute oder schlechte Zeiten für die Veranlagung handelt, ist objektiv nicht so einfach festzustellen.
  • Es wäre sinnvoll, einen Einstiegsplan für den Fall von Kursrückgängen zu haben. Dann können „schwierige Zeiten“ eine gute Ausgangsbasis legen – wenn die Kurse in Zukunft wieder steigen.

Welche Lehren können wir aus der vergangenen Kursentwicklung ziehen?

Ob und wann der Kurs eines Investments steigt, kann im Vorhinein niemand wissen. Die Erfahrung lehrt uns aber folgendes:

  • Der Zeitpunkt für Investments in die Aktienmärkte hängt häufig mit dem Mut der Anlegerinnen und Anleger zusammen. Je länger die Kurse in der Vergangenheit bereits angestiegen sind, desto höher ist auch der Mut.
  • Aktienmärkte unterliegen hohen Kursschwankungen. Dies wird sich in Zukunft nicht ändern. Um eventuelle Kursverluste wieder aufholen zu können, sollte die Dauer der Veranlagung entsprechend langfristig geplant werden. Was langfristig bedeuten kann, haben wir im Beispiel vorhin dargestellt.

Fazit

Ist gerade eine gute oder eine schlechte Zeit, um in Aktien zu investieren? Viele Anlegerinnen und Anleger verbinden „gut“ mit steigenden Kursen und „schlecht“ mit Kursrückgängen. Da Aktienkurse laufend nach oben und nach unten schwanken, wechseln sich gute und schlechte Zeiten ab. 

Natürlich wünschen sich die meisten Investoren, dass ab dem Zeitpunkt der Veranlagung der Kurs ihres Investments nur mehr steigt, oder zumindest nicht mehr unter den Kaufkurs fällt. Doch Wünsche werden an den Aktienmärkten selten erfüllt! Vielmehr geht es darum, einen entsprechend langfristigen Anlagehorizont zu haben und mit Kursschwankungen umgehen zu lernen.

Mit Investmentfonds können Sie bereits mit kleineren Beträgen z.B. monatlich in den Aktienmarkt veranlagen – und so das Risiko des falschen Einstiegszeitpunkts auf viele Termine verteilen. In der Erste Bank und den Sparkassen wird dieses Konzept auch s Fonds Plan genannt.


Über den Autor
Johann Griener ist seit 01.01.2001 in der Erste Asset Management GmbH im Bereich „Sales Retail“ tätig. In dieser Funktion betreut er v.a. die Sparkassen in Österreich mit aktuellem Schwerpunkt auf Oberösterreich. Der Aufgabenbereich umfasst die Servicierung, Schulung, Aus- und Weiterbildung der Sparkassen Mitarbeiter, die im Wertpapier-Bereich tätig sind. Dies bedeutet Erstellung und Abhalten von Präsentationen in den lokalen Instituten und in der Erste Asset Management mit dem Zweck den Absatz von Fonds der ERSTE-SPARINVEST, Ringturm und Erste Immobilien KAG zu fördern. Weiters unterstützt er die Sparkassen (österreichweit) bei der Eigenveranlagung (Nostro Geschäft). Zusätzlich werden von ihm auch zahlreiche Publikationen für den internen und externen Gebrauch entwickelt. Das „1x1 der Investmentfonds“, das von ihm erstellt wurde, liegt in allen Filialen der Erste Bank und der Sparkassen als Basislektüre und Einführung in die Funktionsweise von Investmentfonds für Kunden auf.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Fed bleibt Risikofaktor

von Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

Steigende Wachstumsprognosen, weniger politische Unsicherheit und Schwellenländer, die sich überdurchschnittlich gut entwickeln: Makroökonomisch gesehen war dieses Jahr bislang recht stabil. Nun haben in jüngster Zeit die Inflationserwartungen und der sogenannte Trump-Trade kontinuierlich nachgelassen. Wie geht es also weiter?

Aus der Makro-Perspektive: Die Anleihemärkte sind gesättigt

Grundsätzlich steht die weiter wachsende wirtschaftliche Expansion im Einklang mit dem, was wir erwartet hatten. Eines unserer Hauptthemen in diesem Jahr ist der Aufschwung im Konjunkturzyklus, sprich der Anstieg der Wirtschaftsleistung, die voranschreiten wird und sich auf weitere Länder ausweiten dürfte.

Nichtsdestotrotz wachsen die Zweifel hinsichtlich der Wachstumsdaten, die zuvor noch konstant positiv überrascht hatten. Das trübt die Stimmung ein wenig. Wir sind einerseits überzeugt, dass das globale Wachstum trotzdem über den Vorjahreswerten liegen und die wirtschaftliche Expansion nicht beeinträchtigen wird. Andererseits müssen wir anerkennen, dass sich die Lage vor allem gegenüber der positiven ersten Jahreshälfte geändert hat.

Während die Wachstumserwartungen nach oben korrigierten, sanken gleichzeitig die Inflationserwartungen. Die letzten drei US-Verbraucherpreisindizes gingen besonders stark zurück. Unserer Meinung nach sprechen diese Daten gegen ein kurzfristiges Aufleben der Inflation. Dadurch, dass freie wirtschaftliche Kapazitäten gebunden sind, dürfte sich dies aber mittelfristig ändern. In den USA gab es seit 2003 drei Phasen, in denen der Kern-Verbraucherpreisindex im Jahresvergleich so stark wie zuletzt gesunken ist. Immer ging dies mit einem sichtbar schwächelnden Ölpreiswachstum einher. Diese Kombination deutet darauf hin, dass auch die Kerninflationsrate betroffen ist. Schließlich waren die produktivitätsbereinigten US-Reallöhne in den vergangenen Jahren so hoch wie zuletzt in den 1950er Jahren. Die Reallohnsteigerungen waren zwar zum Teil ungeplant und auf eine unerwartet niedrige Inflation zurückzuführen, könnten sich aber auf das künftige Lohnwachstum auswirken. Entscheidend ist, dass all diese erschwerenden Faktoren nur vorübergehend relevant sind und davon auszugehen ist, dass sich die Inflation im weiteren Jahresverlauf stabilisiert.

Wie geht es nun weiter? Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es wahrscheinlich. Schließlich zeichnen sich zwischen der ersten und zweiten Jahreshälfte viele Parallelen ab. Der sich ausweitende wirtschaftliche Aufschwung wird die Arbeitsmärkte unter Druck setzen und die Inflationsraten beflügeln. Abzuwarten bleibt zweifellos, wann sich diese Faktoren gegenüber den temporären Inflationshemmnissen durchsetzen.

Die Anleihemärkte machen auf uns nach Jahren enttäuschender Wachstums- und Inflationszahlen und massiven Eingriffen durch die Zentralbanken einen eher gesättigten Eindruck. Die US-Zinsen sind für eine geplante geldpolitische Straffung gleichwohl noch zu niedrig. Es scheint zudem, dass die Märkte unterschätzen, wie sich eine Bilanzreduzierung der Fed und ein schrittweiser Ausstieg aus dem QE-Programm auswirken dürften.

Fixed Income: Drohende Inflationsrisiken

Wir stehen Staatsanleihen und insbesondere US-Treasuries skeptisch gegenüber, setzen nichtsdestotrotz auf Relative-Value-Investments. In anderen Ländern – im Gegensatz zu den USA – wird eine mögliche geldpolitische Straffung eher überbewertet. So preist der Markt beispielsweise in Kanada trotz der niedrigeren Inflation, des geringen Lohnwachstums und des erneut schwächelnden Ölpreises mehr Zinserhöhungen ein als in den USA. Um von diesen Unterschieden zu profitieren, setzen wir auf Relative-Value.

Spreadrisiken schätzen wir überwiegend neutral ein, bei Assets mit starkem Exposure auf eine geldpolitische Straffung durch die Fed sind wir eher zurückhaltend. Hierzu zählen beispielsweise Mortgage-Backed Securities (MBS) und Unternehmensanleihen. Verbriefte Kredite einschließlich MBS ohne Staatsgarantie und Collateralized-Loan-Obligations mit AAA-Rating haben mehr Wertpotenzial.

Schwellenländer sind nach wie vor interessant, wenngleich Staatsanleihen teuer erscheinen. In diesem Bereich sind die Bewertungen nach einer starken Rallye zu Jahresbeginn weniger attraktiv. Wir erkennen jedoch die Reformbemühungen in den Schwellenländern an und suchen weiterhin nach möglichen Investments. Generell sind die Fundamentaldaten in der Region vielversprechend wie auch Unternehmensanleihen. Zudem beobachten wir genau, ob China es schafft, sein Verschuldungsniveau abzubauen, ohne das Wachstum zu belasten.

Ein Risikofaktor bleibt weiterhin eine offensivere Geldpolitik seitens der Fed, die den Dollar stärken und Finanzierungsmöglichkeiten erschweren könnte. Dabei könnte auch die Volatilität von staatlichen Hypothekenanleihen auf den Kreditbereich übergreifen. Letztlich könnten vor allem steigende Löhne zu erhöhter Inflation führen. Angesichts der momentanen Marktlage ist davon auszugehen, dass selbst eine geringfügig höhere Inflation große Marktauswirkungen haben könnte.

Fazit

Zentral für uns – und für alle Anleihemärkte – ist das Auslaufen der extrem akkomodierenden Geldpolitik der Fed. Aufgrund eines stabileren Wachstums und angespannter Arbeitsmärkte dürfte die Zinspolitik der US-Notenbank weiter anziehen. Inflationsraten und Leitzinsen dürften in anderen Märkten hingegen wohl relativ niedrig bleiben.

Über Goldman Sachs Asset Management
Goldman Sachs Asset Management (GSAM) ist einer der global führenden Vermögensverwalter. GSAM beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter an 31 Standorten weltweit. Das Unternehmen stellt institutionellen und privaten Anlegern Anlage- und Beratungslösungen zur Verfügung, die das gesamte Spektrum an Anlageklassen, Branchen und Regionen umfassen. Unsere Anlagelösungen beinhalten Anleihen, Geldmärkte, börsengehandelte Aktien, Rohstoffe, Hedge-Fonds, Private Equity und Immobilien. Diese Lösungen stehen unseren Kunden im Rahmen unserer unternehmenseigenen Strategien, strategischen Partnerschaften und unseren offenen Architekturprogrammen zur Verfügung. In unseren Anlageteams setzen mehr als 700 Anlagespezialisten ihre Marktkenntnis, ihr Fachwissen im Bereich Risikomanagement und die technologischen Möglichkeiten von Goldman Sachs im Sinne unserer Kunden ein. Wir unterstützen sie dabei, sich in den dynamischen Märkten von heute zu behaupten und ermitteln Anlagechancen für ihre Portfolios, unter Berücksichtigung ihrer langfristigen Anlageziele. Wir stellen unsere globale Kompetenz den weltweit führenden Pensionsfonds, Staatsfonds, Zentralbanken, Versicherungsgesellschaften, Finanzinstituten, Stiftungen, Privatpersonen und Family Offices bereit. Im Auftrag dieser Kunden erbringen wir Anlage- oder Beratungsdienstleistungen. Per 31. Dezember 2016 belief sich das von GSAM verwaltete Vermögen auf 1,178 Billionen US-Dollar.

Geopolitische Spannungen lassen nach, Gold wird verkauft

Da sich die geopolitische Lage entspannte, verringerten die Anleger ihre Goldbestände, so ETF Securities im wöchentlichen Markt- und Flowbericht. Präsident Trumps unklare Haltung in puncto Wachstumspolitik schwächt den US-Dollar. Rohöl-ETPs verzeichneten in der fünften Woche in Folge Abflüsse. Bei den Lokalwährungsanleihen der Schwellenmärkte kam es nach der starken Entwicklung in diesem Jahr zu Gewinnmitnahmen.

Wir verzeichneten bei unseren Gold-ETPs (A0LP78) Abflüsse in Höhe von 107 Mio. USD, da die geopolitischen Spannungen nachließen. In der letzten Woche überraschten in den USA die Einzelhandelsumsätze für Juli sowie der Empire Manufacturing Index für August, was zu einer Stärkung des US-Dollar sowie zu steigenden US-Anleiherenditen führte. Zugleich geriet Gold unter Abwärtsdruck. Im Lauf der Woche konnte Gold einen Teil seiner Verluste wieder aufholen, während der US-Dollar aufgrund von Bedenken über die Zukunft der Trump-Administration an Boden verlor. „Präsident Trump gab etwa bekannt, dass er zwei Wirtschaftsberatungsorgane schließen wolle. Nach den zwei Terroranschlägen in Barcelona konnte Gold im Zuge der höheren Nachfrage nach sicheren Anlagewerten hinzugewinnen“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions, ETF Securities.

Die Zuflüsse in Short-USD-ETPS nahmen zu, da aus dem Protokoll des Offenmarktausschusses hervorging, dass innerhalb der Fed kein Konsens herrscht. Insbesondere ging aus dem Protokoll der letzten Sitzung hervor, dass sich die Fed nicht über die nächsten geldpolitischen Maßnahmen einig ist. Zur Schwäche des US-Dollar trug darüber hinaus bei, dass die Trump-Administration hinsichtlich der Wachstumspolitik keine klare Haltung hat. „In der letzten Woche stiegen die Zuflüsse in Short-USD-/Long-EUR-ETPs um 3,6 Mio. USD an, obwohl sich die EZB, wie das Protokoll ihrer Juli-Sitzung zeigt, um die Stärke des Euro sorgte. Insgesamt flossen seit Monatsanfang 13,3 Mio. USD in Short-USD-ETPs“, ergänzt Hein.

Die Abflüsse aus Rohöl-ETPs (A1N49P) setzten sich in der fünften Woche in Folge fort und beliefen sich in diesem Monat bisher auf 214 Mio. USD. Aus Long-Rohöl-ETPs wurden 17,9 Mio. USD abgezogen, wohl um Gewinne mitzunehmen, da die Rohölpreise immer noch um fast 7,8 Prozent höher als im letzten Monat stehen. Laut Energieinformationsbehörde erreichte die Rohölförderung in den USA ein Zweijahreshoch von 9.502.000 Barrel pro Tag, was die Bemühungen der OPEC, die globale Ölschwemme einzudämmen, teilweise zunichte machte. „Wir gehen davon aus, Rohöl in der Spanne von 40-55 USD/Barrel verbleiben wird“, so Hein.

Nach vier Wochen kam es in dieser Woche bei Schwellenmarktstaatsanleihe-ETPs (A14NSR) wieder zu Abflüssen. Sie betrugen 21,5 Mio. USD, wobei sich die Zuflüsse in Schwellenmarktanleihe-ETPs seit Jahresanfang mit 63,7 Mio. USD weiterhin auf einem erhöhten Niveau befinden. „Nach den diesjährigen Gewinnen der Lokalwährungsstaatsanleihen von rund 11 Prozent nehmen Anleger Gewinne mit, da sie annehmen, dass ein Anstieg des US-Dollar für Schwellenmarktwerte problematisch sein könnte“, schließt Hein.

Das Ende der Dollar-Schwäche ist in Sicht

Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom beim Asset Manager GAM, kommentiert einmal im Monat die aktuelle Marktlage.

Die zweite Jahreshälfte 2017 wird Anlegern voraussichtlich eher mäßige Erträge bescheren. Nach einer zwölfmonatigen, nahezu ununterbrochenen Hausse der Aktienmärkte beginnen diese aufgrund der auslaufenden Berichtssaison und höherer Bewertungen zu schwächeln. Geopolitische Risiken sorgen zwar für eine kurzfristige Erhöhung der Volatilität, doch sprechen ein moderates globales Wachstum und die geringe Inflation noch immer für Aktien. Solange diese Kombination vorherrscht, dürften Verkaufswellen an den Aktienmärkten kurz und ohne große Einschnitte verlaufen.

Die globalen Anleiherenditen bewegten sich auch am Ende des ersten Quartals unterhalb ihrer Höchstwerte. Die unerwartet niedrige Inflation kam dem Anleihemarkt zugute – trotz der Anzeichen für eine anhaltende Normalisierungspolitik der US-Notenbank (Fed) und der Erwartung, dass die Europäische Zentralbank in Kürze eine Bilanzreduzierung für 2018 ankündigen wird. 

Der US-Dollar erfuhr in den vergangenen Monaten eine starke Abwertung. Eine anhaltende Dollar-Schwäche scheint jedoch aus verschiedenen Gründen unwahrscheinlich. Zum einen handelt es sich bei den spekulativen Positionen am USD-Markt vorwiegend um Short-Positionen. Dies dürfte den Verkaufsdruck künftig verringern. Zum anderen rechnen die Anleger bis zum Jahresende nicht mehr mit einer Zinserhöhung der Fed. Damit liegen sie mutmaßlich falsch. Obwohl der nächste geldpolitische Schritt der Fed vermutlich auf eine allmähliche Bilanzreduzierung abzielen wird, ist die Mehrheit ihrer Entscheidungsträger der Ansicht, dass die US-Geldpolitik sehr expansiv bleibt – insbesondere angesichts der sinkenden Arbeitslosenquote. Dies lässt vermuten, dass die Fed den Leitzins in diesem Jahr noch einmal anheben und damit den Dollar stützen wird.

Die gegenwärtige wirtschaftliche Expansion in den meisten Schwellenländern scheint nachhaltig zu sein. Sorgen über das Wirtschaftswachstum in China liegen allerdings – wie meistens – nahe. Insbesondere durch den mittlerweile negativen Kreditimpuls ist ein Rückgang der Immobilien- und Anlageinvestitionen wahrscheinlich. Brasilien erholt sich dagegen allmählich und die meisten mitteleuropäischen Länder profitieren von dem stärkeren gesamteuropäischen Aufschwung. Insgesamt ist für 2017 von einem moderaten Wachstum der Schwellenmärkte auszugehen.

Dennoch nehmen wir bei unserer Asset Allocation eine vorsichtigere Haltung ein. Wir haben unsere Positionen in globalen Aktien reduziert, da diese nach dem zuletzt kräftigen Aufschwung zum Ende der Berichtssaison weniger Unterstützung erfahren dürften. Da die Anleihemärkte hoch bewertet bleiben, setzen wir vor der geldpolitischen Normalisierung weiterhin auf eine kurze Duration. Wir lenken unser Augenmerk verstärkt auf alternative Strategien, darunter auch traditionelle Relative-Value-Hedgefonds und Target-Return-Fonds. Target-Return-Strategien eignen sich in diesem Umfeld besonders, da sie bei geringer Volatilität und stabilen Renditen nur wenig mit globalen Aktien und Anleihen korrelieren.

New order: World in motion

Political change will have a significant impact on different sectors, affecting their future profitability. Andrew Howard, Head of Sustainable Research at Schroders, explains how.

The last few years have thrown up a series of political surprises. Rank outsiders overturning the odds have become so normal that equity markets have learnt to brace for impact and as a result, those impacts have become more muted.

Political leaders and commentators appear to have accepted that old rules may not hold even if there is little clarity on what the new rules are.

The changing political backdrop is a critical consideration for investors.

Governments are important stakeholders to companies in all sectors. Understanding how their priorities are changing and the implications for future profitability is an important part of our analysis of corporate sustainability.

Most commentary focuses on the immediate implications of each result. However, investors are better served by focusing on the structural lessons hiding beneath the headlines, sound bites and policy aspirations, rather than chasing news flow.

We have identified three key shifts in the political landscape that will outlast the next election cycle or today’s political personalities.

1. Fragmented electorate concerns; political instability

The combination of increased voter discontent and the faster speed with which power moves between parties and leaders creates an increasingly fluid, unstable political environment.

Historically, one or two topics dominated the electorate’s worries but the public’s agenda is widening so that far more topics have a significant influence on a material share of the population.

The result is an increasingly fragmented political environment, spanning a wider range of issues, in which power can migrate quickly from one group to another.

2. Economic challenges continue to build

Balancing the public sector’s books is a key part of government’s job description. Doing so is becoming harder as growth slows, populations age, welfare burdens rise and tax planning becomes more creative.

Tax cuts and spending programs may play well in focus groups but in the long term we are likely to see less of either. Over time, a transfer of costs from public to private accounts appears inevitable.

3. Divergence in business vs. political interests

Since the financial crisis, a business-friendly political backdrop has given way to tensions as social priorities have changed.

Analysis of IPSOS Mori’s historical surveys of social concerns in the UK highlights a shift from issues which broadly support businesses (like creating jobs) to those which present headwinds (like reducing immigration).

Implications for investing in a time of political change

The political shifts unfolding around the world will have significant ramifications for global companies and their investors. We outline four of those implications.

1. Currying political favour will become less rewarding

Political capital may become more of a liability as scepticism of the corporate sector grows, consumers’ political views become more disparate and political leadership becomes more fluid.

Although lobbying spending is typically a small proportion of profits, some industries and companies have established strong relationships and influenced policies in their favour.

The tailwinds those efforts brought may become headwinds going forward. The chart below plots the average levels of spending on lobbying and political contributions in each sector.

Graph: Intensity of lobbying and political contributions by sector

2. Adaptability will be key

A more fluid political backdrop raises the importance of adaptability over specific plans. Grounding strategic and investment goals in a specific vision of the world, however well thought-through, is less useful than ensuring business models are flexible to the changes that inevitably lie ahead.

To gauge corporate adaptability, the chart below compares the proportions of sales companies generate from product segments which existed in their business five years earlier.

On average, companies in every industry generate more than three quarters of their sales from well-established business units, but there are sizeable differences across sectors.

Graph: Average share of revenues from divisions which existed five years ago

3. Global business models under threat

Globalisation lies at the root of many of the issues that top voters’ concerns.

Opening economies to global trade, capital and migration puts unskilled workers into competition with cheaper labour in emerging economies, cedes policy control to market forces and raises immigration pressures.

The net result for economic growth is invariably positive but with the benefits unevenly concentrated in a minority of the population, democratic politics create a brake to globalisation when too large a share of the population ceases to benefit.

Those industries whose customers are most global, or rely on global supply chains, are likely to be most threatened by moves toward more protectionist attitudes and policies.

Graph: Global sales exposure vs. global cost exposure

4. Long term government spending and tax pressures

The need to balance their books eventually creates a constraint within which all governments need to operate.

Across major advanced economies, only Korea and Germany are running government surpluses while six of the G7 countries continue to operate with unsustainable deficits even after years of austerity measures.

A rise in taxation, cuts in government spending or a combination of both are an inevitable feature of future budgets, whatever political party is in power.

Those paying the lowest tax rates face the greatest risks of cost increases, whereas those most reliant on government spending are at the greatest risk of growth pressures.

Graph: Government revenue vs tax exposures

Conclusions

We have little to add to questions of how the UK’s Brexit negotiations will be affected by the general election result, whether Macron will succeed in transforming France’s political agenda or what excitement Trump’s next announcement holds.

More important is the direction of political travel and the journey ahead for global industries and their financial prospects.

We have identified several trends we expect to feature on that journey. While the outlook may be getting more complicated, a roadmap that includes those hurdles is becoming more important.


This article has first been published on schroders.com.

Technologie am Steuer

von Pieter Schop, Senior Portfolio Manager Equity Specialties und Manager Information Technology bei NN Investment Partners.

Im Automobilsektor erleben wir derzeit drei Megatrends: Elektrofahrzeuge, neuartige Fahrerassistenzsysteme und das vernetzte Auto. Technologieunternehmen profitieren von allen drei Trends. Die großen Automobilhersteller führen neue Technologien ein, um in der neuen – extrem innovativen und technologieorientierten – Welt der Kfz-Industrie wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Umfang und Wert der elektronischen Ausstattung und IT-Komponenten pro Fahrzeug nehmen deutlich zu und werden sich voraussichtlich gegenüber dem heutigen Stand noch verzehnfachen. Dieser Technologieschub erfordert große Investitionen. Traditionelle Autobauer, die mit dem Innovationstempo mithalten wollen, werden sich am Investitionsverhalten der Technologieunternehmen orientieren müssen. Das bedeutet auch, dass sie ihren Anlegern vermitteln müssen, dass ihr Fokus sich von Profitabilität auf Wachstumschancen verlagert.

Die jüngsten Übernahmeaktivitäten verdeutlichen, in welche Richtung sich die Welt nach Meinung der Branchenführer entwickelt. So erwarb Intel erst kürzlich für 15 Milliarden US-Dollar MobilEye, einen Entwickler von Software für autonomes Fahren. Der deutsche Chiphersteller Infineon hat ein Angebot für Wolfspeed abgegeben, doch scheiterte die Übernahme am Veto der US-Aufsichtsbehörden. Der Mobilchip-Hersteller Qualcomm erwarb im vergangenen Jahr für 47 Milliarden US-Dollar NXP, den größten Chiphersteller für die Kfz-Industrie. Aktuelle Forschungsinitiativen weisen in dieselbe Richtung: So arbeiten Google und Apple an Software für autonomes Fahren, und Ford hat den Leiter seiner Abteilung Smart Mobility zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt. Unter den Technologieunternehmen profitieren die Hersteller von Halbleitern, Steckverbindungen, Sensoren und Schaltkreisschutzeinrichtungen vom Trend hin zu Elektrofahrzeugen. Herstellern von Halbleitern, wie Infineon, Texas Instruments und NXP, kommt hier eine Schlüsselrolle bei der Lieferung von Wechselrichtern für den Einsatz in Elektromotoren zu. Hochspannungselektrizität, modernste Infotainment-Systeme sowie eine wachsende Zahl spezieller Sensoren erfordern zuverlässige Steckverbindungen. In diesem Bereich sind die Unternehmen TE Connectivity und Amphenol zu nennen.

Fast alle Autounfälle beruhen auf menschlichem Versagen. Entsprechend groß ist das Interesse an Fahrerassistenzsystemen. Sie dienen auch als Grundlage für das autonom fahrende Auto der Zukunft. Zunächst einmal muss jedes Fahrzeug umfassend mit Sensoren ausgerüstet sein. Nur so kann es alle Verkehrssituationen richtig erfassen. Damit Fahrzeuge völlig autonom fahren können, müssen die Sensoren in Echtzeit integriert zusammenwirken. Autonome Fahrzeuge müssen mit Servern, Mobilfunknetzen, mobilen Geräten und anderen Fahrzeugen kommunizieren können. Nicht zuletzt müssen sie überall und bei allen Witterungsbedingungen sicher navigieren. Daher müssen die digitalen Straßenkarten kontinuierlich aktualisiert werden, sodass das Auto weiß, wo es ist und auf Hindernisse und die Verkehrssituation in Echtzeit reagieren kann.

Das vernetzte Auto ist daher ein Bereich, auf den sich die Entwicklungsanstrengungen konzentrieren. Es gibt heute bereits über 20 Milliarden miteinander vernetzter Geräte. Diese Zahl könnte sich nach unserer Ansicht in den nächsten Jahren verdoppeln. Die vernetzten Geräte kommunizieren über 4G, WLAN, Bluetooth und andere Breitbandkanäle miteinander. So können Autos im Straßenverkehr Verkehrsdaten, Wetter, Geschwindigkeit und andere Informationen weiterleiten. Im Ergebnis bedeutet das einen geringeren Kraftstoffverbrauch, weniger Staus und höhere Sicherheit. Maxim und Texas Instruments stellen Komponenten her, die die schnellste unkomprimierte Videodatenübertragung ermöglichen, die für diese Echtzeitanwendung erforderlich ist.

Allerdings ermöglicht die Vernetzung auch Hackerattacken. Der Schutz von Daten, Sensoren und Steuerungseinrichtungen ist das wohl wichtigste Thema, was die Infrastruktur miteinander vernetzter Autos betrifft. Der unbefugte Zugriff auf Telemetrie-Systeme, Antriebe und sonstige Fahrzeugsysteme stellt eine Bedrohung dar. Unternehmen wie Symantec arbeiten an umfassenden Sicherheitssystemen, die Autos bis auf Sensorebene vor einem unerwünschten Zugriff schützen. 

Diese Entwicklungen in der Automobilbranche sind unserer Ansicht nach beispielhaft für die sehr guten Aussichten des Technologiesektors. Wir sind optimistisch, dass der Sektor den breiteren Markt auch künftig übertreffen kann, nicht zuletzt weil er langfristig eine zentrale Rolle bei der Produktivitätssteigerung in der Wirtschaft insgesamt spielt.