Die zehn neuen Einflussgrößen für den Kapitalmarkt

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das volkswirtschaftliche Umfeld für die Kapitalmärkte verändert sich. Nachdem vor rund eineinhalb Jahren die Weltwirtschaft den Übergang von der Erholungs- in die Boom-Phase vollzogen hatte, wurde das Umfeld für die Märkte besonders günstig. Die Merkmale waren: starkes, breit basiertes Wirtschaftswachstum, niedrige Inflation, sehr unterstützende Geldpolitiken, gutes Gewinnwachstum und niedrige Kursschwankungen. Dieses Beste aller Welten, gemeinhin als Goldilocks bezeichnet, wird in immer mehr Kategorien verlassen.

Die Kursrückgänge auf den Aktienmärkten Anfang Februar können vor allem mit der zeitverzögerten Reaktion auf den Anstieg der Inflation, möglichen Zinsanhebungen und dem Anstieg der Renditen von Staatsanleihen begründet werden – alles auf Basis eines kräftigen Wirtschaftswachstums. Für die Einschätzung der Marktentwicklung gilt es vor allem drei Fragen zu beantworten:

  • Ist eine Abschwächung des aktuell kräftigen Wirtschaftswachstums absehbar?
  • In welchem Ausmaß, mit welcher Geschwindigkeit und in welcher Breite (wie viele Indikatoren in wie vielen Ländern) verändern sich die Indikatoren?
  • Gibt es zusätzliche negative oder positive Entwicklungen (Protektionismus, Wahlen in Italien, Stimulus in den USA)?

Beschleunigung des globalen Wachstums vorüber

Das Wachstum der Weltwirtschaft ist kräftig und breit basiert. Für 2018 schätzen wir das inflationsbereinigte globale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bei 3,5 Prozent. Allerdings befinden sich viele Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität bereits auf einem hohen Niveau. Somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder zu fallen beginnen. Als Beispiel dafür kann der deutsche Geschäftsklimaindex (Ifo-Index) herangezogen werden. Nachdem er im Jänner ein Allzeithoch erreicht hatte, fiel er im Februar leicht. Ähnliches gilt für die Einkaufsmanagerindizes für den Fertigungssektor, die im Februar in der Eurozone und in Japan leicht gefallen sind. Die Weltwirtschaft wird noch für einige Quartale in der Boom-Phase bleiben (kräftiges Wachstum). Der Übergang zur Abschwung-Phase ist noch nicht absehbar. Aber die Zeiten der Beschleunigung mit immer höherem Wachstum sind vorüber.

Niedrige Arbeitslosigkeit

Nach der Großen Rezession im Jahr 2009 war die Kapazitätsauslastung niedrig. Die Arbeitslosenraten gingen in die Höhe. Die Erholungs- und die Boom-Phase wurden von einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenraten begleitet. Mittlerweile hat die Arbeitslosenrate für den gesamten OECD-Raum mit 5,2 Prozent den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten erreicht. Nach den Schätzungen der OECD, der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit, und des Internationalen Währungsfonds werden die entwickelten Volkswirtschaften bald über dem Potenzial produzieren. Die Produktionslücke wird positiv.

Steigender Inflationsdruck

Die Inflationsraten befinden sich in vielen wichtigen Ländern unter dem jeweiligen Zentralbankziel. Betrachtet man die Zeitreihe, zeigt sich ein Ende des fallenden Trends bereits im Jahr 2015 (null Prozent im September 2015 für die G-7, die sieben größten Weltwirtschaften). Seitdem steigt die Inflation leicht an (1,9 Prozent p.a. im Dezember 2017 für die G-7). Die niedrigen Arbeitslosenraten bei einem gleichzeitig starken Wirtschaftswachstum sprechen für einen weiteren Anstieg. Tatsächlich steigen die Frühindikatoren für die Inflation an. In den USA ist das Wachstum der durchschnittlichen Stundenlöhne im Jänner angestiegen. In Deutschland deuten die Lohnabschlüsse im Metallsektor auf einen Anstieg des gesamten Lohnwachstums hin. Im Februar hat die Preisunterkomponente des aggregierten Einkaufsmanagerindex für die USA, die Eurozone und Japan (laut der ersten Schätzung) den höchsten Wert seit 2009 erreicht. Die Marktpreise reflektieren diese Entwicklung. Die in den Anleiherenditen implizite Inflation für die kommenden zehn Jahre ist in den USA von 1,20 Prozent im Februar 2016 auf aktuell 2,12 Prozent gestiegen. 

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Zentralbanken kämpfen mit Zielkonflikten

Weil das Wirtschaftswachstum immer selbst tragender wird, die Arbeitslosenraten gefallen sind und die Projektionen mit immer größerer Zuversicht auf einen Anstieg der Inflation hindeuten, reduzieren immer mehr Zentralbanken die sehr expansive geldpolitische Haltung. Die Leitzinsen werden angehoben und die Zentralbankliquidität wird reduziert. Die US-amerikanische Zentralbank steht hierbei an vorderster Front. Der Leitzinssatz wurde bereits auf 1,25-1,50 Prozent angehoben und die Zentralbankbilanz reduziert.

Neben den Leitzinsanhebungen sind die Zentralbanken jetzt mit zwei Zielkonflikten konfrontiert, die noch vor kurzem nicht relevant waren:

  • Inflation und Vollbeschäftigung oder Finanzmarktstabilität? Wenn die Märkte fragiler werden, aber Inflation und Beschäftigung steigen, können die Zentralbanken nicht mehr so einfach Leitzinsanhebungen aussetzen.
  • Inflation und Vollbeschäftigung versus Staatsschuldendynamik / Finanzrepression. Sollten die Leitzinsen / Renditen deutlich über das nominelle Wirtschaftswachstum steigen, könnten Länder mit einer hohen Staatsschuldenquote unter Druck kommen.

Kreditumfeld und Fiskalpolitik stützen die Märkte

Die Abschwächung des Kreditwachstums ist mittlerweile auf globaler Basis (ausgenommen China) vorüber. Ähnliches gilt für die Fiskalpolitik. Die Budgetdefizite werden nicht mehr reduziert. Damit sind zwei wichtige Bremser für das Wirtschaftswachstum weggefallen. Das Neue daran: In den USA werden nicht nur die Steuern gesenkt. Es ist auch eine deutliche Erhöhung der Staatsausgaben geplant. Das Budgetdefizit könnte im nächsten Jahr auf über 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen.

Externes Umfeld: Zwillingsdefizit in den USA

Die Erholung von der Großen Rezession wurde von einem Abbau der externen Ungleichgewichte begleitet. Wichtige Leistungsbilanzdefizite sind gesunken (USA von knapp 6 Prozent des BIP 2006 auf 2,4 Prozent im Vorjahr, Spanien von knapp 10 Prozent auf einen Überschuss von 1,9 Prozent). Aktuell stellt sich die Frage, wie stark der fiskalische Stimulus in den USA über einen Anstieg der Importnachfrage das Leistungsbilanzdefizit ausweitet. Für die USA geht das Gespenst des Zwillingsdefizits (hohes Budget- und Leistungsbilanzdefizit) um. Generell gilt: Solange das Wirtschaftswachstum stark bleibt und die Leitzinsen nicht kräftig angehoben werden. bleibt das Risiko für Länder mit einem erhöhten Zwillingsdefizit vergleichsweise niedrig (Brasilien, Indien, Südafrika, Türkei).

Protektionismus als Vorbote für Handelskonflikte?

Auf der politischen Seite verstärken sich die protektionistischen Tendenzen. Die Anhebung von Importzöllen auf Waschmaschinen und Solarpanelen könnte ein Vorbote für Handelskonflikte sein. Die aktuelle Ankündigung für mögliche Einfuhrzölle auf Aluminium und Stahl verstärkt diese Tendenz.

Neues Umfeld für den Finanzmarkt – die zehn Einflussgrößen

  1. Die Wirtschaftsindikatoren deuten auf ein anhaltend kräftiges, breit basiertes Wachstum hin. Damit bleiben die Schätzungen für das hohe Gewinnwachstum und die niedrigen Konkursraten aufrecht. Die nächste Konjunkturphase nach der aktuellen Phase Boom lautet allerdings Abschwung. Eine Rezession, bei der die klassischen Bewertungskennzahlen (Kurs-Gewinn Verhältnis) der Aktien nachhaltig fallen, (=nachhaltige Kursrückgänge) ist noch nicht absehbar.
  2. Leitzinsen (höher), Zentralbankliquidität (niedriger), Inflation (höher) und Renditen (höher) reagieren mit Zeitverzögerung auf das kräftige Wirtschaftswachstum. Allerdings nur in einigen wenn auch wichtigen Ländern / Regionen (USA, Eurozone, Vereinigtes Königreich, Kanada) und mit einer niedrigen Geschwindigkeit. Rund um den ansteigenden Rendite-Trend werden die Renditen schwanken, also auch temporär sinken. Aktuell spricht die Positionierung der Investoren (stark „short“, also auf Rendite-Anstiege positioniert) für eine Gegenbewegung (Rendite-Rückgänge).
  3. Ein übergeordnetes Thema seit Anfang der 2000er Jahre ist überschüssige Liquidität. Diese war mitverantwortlich dafür, dass der Preis des Geldes (die Zinsen) gefallen ist. Der Anstieg des Budgetdefizits in den USA, die Reduktion der Zentralbankliquidität und die deutliche Verbesserung der Unternehmensinvestitionen sprechen für eine Abnahme der überschüssigen Liquidität. Der Zeitpunkt, ab dem der private mit dem staatlichen Sektor um das knappe Gut Kapital in Konkurrenz steht, ist aber noch nicht erreicht.
  4. Die Unsicherheiten, ob der Inflationsanstieg beim jeweiligen Zentralbankziel endet und über welchem Zins- und Renditeniveau das Wirtschaftswachstum gedämpft wird, haben zugenommen. Das spricht für eine etwas höhere Risikoprämie bei den risikobehafteten Wertpapierklassen.
  5. Die an Bedeutung gewonnenen Zielkonflikte der Zentralbanken zwischen Inflation, Finanzmarktstabilität und Staatsschuldendynamik erhöhen die Unsicherheit (höhere Risikoprämien)
  6. Umstellungsphasen wie die aktuelle von Goldilocks auf Normalisierung werden zumeist von einer erhöhten Volatilität belgleitet. Hierbei gilt es die Nerven zu bewahren.
  7. Risikomanagementkonzepte sind endogen. Kursrückgänge führen zu einem Anstieg der Volatilität. Erhöhte Volatilität führt aber auch zu Kursrückgängen.
  8. Die Kursrückgänge bei den Aktien könnten damit mit den höheren Renditen (die zukünftigen Gewinne werden mit einem höheren Zinssatz abgezinst), der höheren Unsicherheit (die zukünftigen Gewinne werden mit einer höheren Risikoprämie abgezinst) und der höheren Volatilität (verstärkt Kursrückgänge) erklärt werden. Wenn der Trend für ansteigende Renditen aufhört bzw. nur unterbrochen wird, können die risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien eine Unterstützung finden.
  9. Der Zusammenhang zwischen Staatsanleihen und Aktien hat sich geändert. Wenn die Renditen von Staatsanleihen ansteigen, und vor allem deshalb die Aktienkurse fallen, fehlt bei den Anleihen die Funktion als sicherer Hafen. Die Asset Allokation wird herausfordernder.

Generell findet eine Veränderung des Investmentregimes statt. Von den vier Möglichkeiten Geld zu verdienen 1) Suche nach Rendite (Carry), 2) Momentum, 3) Spekulation und 4) Bewertung (Return-to-the-Mean) findet aufgrund der Renditeanstiege im Trend eine graduelle Umstellung von Carry auf Bewertung statt.


Gerhard Winzer
Gerhard Winzer ist seit März 2008 bei der Erste Asset Management tätig. Bis März 2009 war er Senior Fondsmanager im Bereich Fixed Income Asset Allocation, seit April 2009 ist er Chefvolkswirt.
Er hat einen HTL Abschluß und studierte an der Universität Wien Volkswirtschaft und Betriebswirtschaftslehre mit einem speziellen Fokus auf Finanzmärkte. Er ist CFA-Charterholder und war von 2001-2003 Teilnehmer des Doktoratsprogramms für Finanzwirtschaft im Center for Central European Financial Markets in Wien.
Von Juli 1997 bis Juni 2007 war er in der CAIB, Bank Austria Creditanstalt, UniCredit Markets & Investment Banking im Research tätig. Die letzte Position war Direktor für Fixed Income/FX-Research und Strategie. Von Juli 2007 bis Februar 2008 verantwortete er die Asset-Allocation im Research der Raiffeisen Zentralbank (RZB) in Wien.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Erneut Zuflüsse in Robotik-ETFs

Robotik-Aktien-ETFs verzeichneten Zuflüsse in Höhe von 15 Mio. US Dollar, so ETF Securities im wöchentlichen Markt- und Flowbericht. Industriemetalle wurden bei Preisrückschlägen gekauft. Bei Arabica-ETPs waren die Zuflüsse mit 6,8 Mio. US Dollar so hoch wie zuletzt im Oktober 2017, da die Schnäppchenjäger auf den Plan traten. Bei Rohöl-ETPs setzten sich die Abflüsse fort.

Robotik-Aktien-ETFs (A12GJD) verzeichneten Zuflüsse in Höhe von 15 Mio. USD, was einem Dreiwochenhoch entspricht.Die Rolle der Robotik in der modernen Welt begeistert die Anleger, die in Unternehmen, die die Nutzung dieser Technologie ermöglichen, eine Anlagechance gefunden haben.

Industriemetalle wurden bei Preisrückschlägen gekauft. Breit aufgestellte Industriemetall-ETPs (A0SVX7) verzeichneten in der zweiten Woche in Folge Zuflüsse (5,0 Mio. USD), da die Anleger bei Preisrückgängen die Gelegenheit zum Kauf nutzten.Bei Long-Kupfer-ETPs (A0KRJU) erreichten die Zuflüsse mit 8,7 Mio. USD ein Vierwochenhoch. Nach den Angaben der Internationalen Studiengruppe Kupfer in der letzten Woche ging die weltweite Bergbauproduktion in den ersten elf Monaten 2017 um 2,4 Prozent zurück, während die Erzeugung von raffiniertem Kupfer Schätzungen zufolge weltweit im selben Zeitraum um 0,5 Prozent zunahm. Für 2018 rechnet die Studiengruppe wieder mit einem Versorgungsdefizit, da das Angebot knapp bleibt, die Nachfrage aber steigt. Starke strukturelle Unterstützung erfährt Kupfer durch die Fahrzeugelektrifizierung, da die Stromnetze modernisiert werden müssen und die Autos größere Kabelmengen benötigen. Nickel-ETPs (A0KRJ4) verzeichneten erneut Zuflüsse, diesmal in Höhe von 34,3 Mio. USD. Nickel profitiert ebenfalls von der Elektrifizierung der Fahrzeuge (siehe Rohstoffresearch: Nickel: Elektrifizierung könnte Nachfrage anregen)

Bei Arabica-ETPs (A0KRJT) waren die Zuflüsse mit 6,8 Mio. USD so hoch wie zuletzt im Oktober 2017, da die Schnäppchenjäger auf den Plan traten. Da der Sommer auf der südlichen Erdhalbkugel eher kühl ausfällt, dürften sich die Hitzeschäden der diesjährigen Kaffeeernte in Grenzen halten. Die Erträge werden wohl zunehmen und die Vorräte nach den Entnahmen des letzten Jahren wieder aufgestockt werden. Nur wenn sich die Wetterbedingungen ändern oder der Krankheitsbefall zunimmt, hat dieser Ausblick keine Gültigkeit mehr. Dann erst könnten die Preise steigen. So hat es den Anschein, als wären die Anleger auf Schnäppchenjagd.

Bei Rohöl-ETPs (A1N49P) setzten sich die Abflüsse fort. In der Vorwoche beobachteten wir die ersten Zuflüsse in Long-Rohöl-ETPs seit Juli 2017, doch in der letzten Woche kam es wieder zu moderaten Abflüssen in Höhe von 2,9 Mio. USD. Nach einer Preiserholung um 3,9 Prozent wurden bereits erste Gewinne mitgenommen. Die Anzahl der Bohrplattformen in den USA steigt seit fünf Wochen in Folge. Dies lässt darauf schließen, in welchem Umfang das US-Angebot steigen wird, solange die Preise hoch bleiben.

Kann Präsident Trump dem US-Infrastruktur-Sektor helfen?

In diesen Wochen befasst sich US-Präsident Donald Trump mit den Straßen, Brücken, Tunneln und Flughäfen in den Vereinigten Staaten. Milliarden sollen in den Ausbau der Infrastruktur gesteckt werden. Jedoch müssen sich Republikaner und Demokraten im Kongress zusammenraufen, um dieses Mammutprojekt finanziell zu stemmen. Dabei sind zwei Faktoren entscheidend: Investitionen aus dem Privatsektor und die Entscheidungsfindung auf Kommunal- und Länderebene. Global gelistete Infrastruktur-Unternehmen könnten davon profitieren.

„Wir sind der Meinung, dass die Präsidentschaft von Donald Trump positive Auswirkungen auf Investments in US-Infrastruktur aus dem privaten Sektor haben wird“, sagt Andrew Greenup, Portfolio Manager, Deputy Head of Global Listed Infrastructure bei First State Investments. „Unserer Meinung nach dürfte dies keinen wirtschaftlichen Boom bei privaten Infrastrukturunternehmen auslösen, wir gehen jedoch aktuell davon aus, dass Investitionen aus diesem Sektor tendenziell ansteigen könnten. Dies führen wir darauf zurück, dass die meisten Entscheidungen auf Kommunal- oder Landesebene und nicht bundesstaatlich getroffen werden. Das liegt beispielsweise auch daran, dass 96 Prozent der US Highways und 98 Prozent der Brücken im Besitz der Kommunen und Länder sind. Erst kürzlich hat ein Chief Financial Officer aus dem Infrastrukturbereich uns gegenüber erwähnt, dass ‚die Nachfrage nach Infrastruktur in den USA stark, aber der Entscheidungsprozess unglaublich fragmentiert sei‘. Deshalb kann auch ein langsamer Anstieg von Investitionen aus dem Privatsektor in diesem enorm großen Markt sehr bedeutsam für globale börsengelistete Infrastrukturunternehmen sein. Derzeit gehen wir davon aus, dass die Trump-Administration vier wesentliche Auswirkungen auf den Infrastruktursektor haben könnte:

Erstens hat Trump ein politisches und regulatorisches Umfeld geschaffen, das sich aktuell positiv auf Unternehmen auswirkt und die Investitionsschwellen herabgesenkt hat. Positiv für Unternehmen sind zudem Trumps jüngste Personalentscheidungen in der Federal Communications Commission (FCC) und der Environmental Protection Agency (EPA).

Zweitens hat die Regierung durch Steuersenkungen – und damit einem wahrscheinlichen Anstieg des US-Defizits – weniger Einnahmen, um diese auf Infrastrukturprojekte zu verteilen. Daraus resultiert unserer Ansicht nach, dass Kapital aus dem Privatsektor für diese Projekte noch wichtiger werden dürfte.

Drittens nehmen wir weithin an, dass Präsident Trump noch im ersten Halbjahr 2018 seine Infrastrukturagenda bekanntgeben wird. Aus dieser Agenda ist bereits eine Prioritätsliste durchgesickert, die namentlich einige Infrastrukturprojekte umfasst. Obwohl wir niedrige Erwartungen in die Agenda setzen, sollte sie zumindest kostengünstige Finanzierungen, Steuerfreibeträge und Rahmenbedingungen für die Nutzung von mehr Kapital aus dem Privatsektor enthalten. Allerdings sind wir der Meinung, dass Trump lediglich mehr Finanzierungen anbieten kann, aber letztendlich Endscheidungen auf Länderebene getroffen werden müssen.

Viertens kann eine engagierte Bundesregierung mit den Ländern zusammen arbeiten, zumindest mit den republikanischen, um Lösungen zu finden und Widerstände gegen neue Infrastruktur-Investments aus dem Weg zu räumen.“

Über First State Investments
First State Investments ist eine globale Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Erfahrung in verschiedenen Anlageklassen und spezialisierten Anlagesektoren. First State Investments gehört zur Commonwealth Bank of Australia und verwaltete zum 30. September 2017 im Namen ihrer Kunden weltweit ein Vermögen von 143 Milliarden Euro. In Australien ist First State unter der Bezeichnung Colonial First State Global Asset Management tätig. First State Investments bietet eine Auswahl von Anlagelösungen für institutionelle Investoren und Kleinanleger weltweit, darunter Aktien-, Anleihe-, Multi-Asset-Anlagen und Anlagen in nicht börsennotierten Infrastrukturwerten. Unser Anlageansatz basiert auf der Verpflichtung, unseren Kunden auf lange Sicht bestmögliche Ergebnisse zu bieten. Zu diesem Zweck stellen wir sicher, dass unsere Interessen sich an denen unserer Anleger orientieren und halten an einer Unternehmenskultur fest, bei der wir stets im Interesse unserer Anleger handeln.

Prognosefrei und systematisch ins Jahr 2018

von Frank Seidel, Vorstandsvorsitzender der amandea Vermögensverwaltung AG.

Im vergangenen Jahr hat der DAX zum sechsten Mal in Folge ein positives Jahresergebnis erreicht. Neue Allzeit-Höchststände wurden seit den Tiefen der Finanzmarktkrise auch an vielen relevanten Börsen weltweit erreicht. Aufkommende Zinsängste und im Ergebnis plötzlich stark anspringende Volatilitäten an den Aktienmärkten bescherten uns einen unvorhersehbaren Februar. Ob wir hier nur über eine Korrektur oder den Beginn einer Trendwende sprechen ist noch völlig unklar und wird von den Marktteilnehmern unterschiedlich bewertet. 

Wie schauen nun die Prognosen für den Rest des Jahres 2018 aus? Was ist derzeit mit welcher Wahrscheinlichkeit noch prognostizierbar oder anders ausgedrückt: wer traut sich überhaupt noch tiefergehende Prognosen abseits der Plattitüden an den TV-Bildschirmen zu? Korrektur oder Trendwende? Bullen- oder Bärenmarkt? Zinswende oder „lower for longer“?

Künstliche Intelligenz im Assetmanagement auf dem Vormarsch

Seit der Gründung der amandea Vermögensverwaltung AG im Jahr 2009 räumen wir prognosefreien und rein systematischen Managementansätzen einen immer größeren Raum in der Allokation unserer Portfolios ein. Dies ist aber sicherlich nicht die Antwort auf den Gelehrtenstreit „Mensch gegen Maschine“ oder der Wunsch nach Abstand zu all den negativen Folgen der Behavioral Finance.

Vielmehr haben uns die Aktien- und Zinsmärkte in den zurückliegenden Jahren eine ziemlich devote Grundhaltung gelehrt. Es ist toll und anregend, Meinungen von Experten und Prognosen zu lauschen – aber geht es nicht auch sehr gut ohne? Geht es auch mathematischer, strukturierter, transparenter und ohne Psychologie?

Analysen von nachweislich erfolgreichen VV-Strategien in UCITS-Fonds und klassischen Mischfondsansätzen haben uns gezeigt, dass in Stress-Situationen wie selbstverständlich extrem hohe Korrelationen erreicht werden und die Unterschiede, wie auf unerwartete Ereignisse oder zwischenzeitliche Baer-Market-Phasen reagiert wird, verschwindend gering sind.

Daher suchen wir sehr akribisch das Umfeld der sogenannten „Liquid Alternatives“ nach erfolgversprechenden, systematischen Handelsansätzen ab, um diese in der Portfoliokonstruktion zu berücksichtigen.

Gute Modelle mit langem Trackrecord findet man nur wenige

Allerdings ist dies in der Praxis nicht so einfach und das Ergebnis unserer Anstrengungen war oftmals überschaubar. Denn gute Handelsmodelle zu finden, die abseits von Managed Accounts auch noch erfolgreich in vollregulierte UCITS-Fonds überführt wurden, einen aussagekräftigen, langen Trackrecord aufweisen und von ihren Eigenschaften im Portfoliokontext passen, sind eine Herausforderung.

Zudem sollten solche computergestützten Modelle nicht nur in der Lage sein, geringe Korrelationen zu den gängigen Assetklassen aufzuweisen sondern eben auch, ein eigenständiges Alpha – oder sagen wir zumindest einmal eine grundsätzlich positive Renditeerwartung – zu liefern. Denn „nur“ ein Diversifizierer im Portfolio zu sein der aber nicht in der Lage ist, zumindest einen kleinen positiven Renditebeitrag in den zurückliegenden Jahren zu bringen, ist für uns und wohl auch für die meisten Investoren definitiv nicht interessant.

Eigene Fondsumsetzung seit 2009 mit Top-Ratings

Im Jahr 2009 haben wir gemeinsam mit unserem Co-Manager Altruid Systems begonnen, einen bestehenden und seit Jahren erfolgreichen prognosefreien und rein systematischen Handelsansatz in einen UCITS-Fonds zu überführen. Seitdem setzen wir diesen Fonds in unseren Portfolios mit wachsender Begeisterung ein.

Die Eckdaten seit Fondsauflage stellen uns als Hauptinvestoren in diesem Produkt zufrieden. Mit extrem niedrigen Korrelationen zu den bekannten Hauptassetklassen und auch zu den Fondslösungen, die wir ebenfalls im Endkundengeschäft einsetzen einerseits und mit einem durchschnittlichen Renditebeitrag von rund 5 % p.a. seit Fondsauflage andererseits, erfüllt der Fonds genau diese vorhin dargestellten Anforderungen:

  • Niedrige Korrelation und damit „Diversifizierer“ in unseren Portfolios
  • Positive Renditeerwartung (rund 5 % p.a. seit Fondsauflage, 2017 +16 %)
  • Ziel: absolute, positive Erträge mit einer Zielvolatilität von 10 %

Die Analysten von Absolut Research weisen dem Fonds (Stand November 2017) in seiner Peergroup in den für uns relevanten Kennzahlen Rendite, Sharpe Ratio und Gain/Loss-Ratio einen Platz unter den Top 10 % zu. Und das stabil in unterschiedlichen Zeiträumen zwischen einem Jahr und drei Jahren.

Quelle: https://www.hauck-aufhaeuser.com, LU0466453320

„Für ein Produkt mit täglicher Liquidität und täglicher Preisfeststellung zeigt sich die eigentliche Leistung nur im direkten Vergleich mit den Mitbewerbern“, so Thomas Goldvinger, CEO des Co-Managers Altruid Systems: „Ich bin mit der Leistung im direkten Vergleich der UCITS-Fonds sehr zu zufrieden und mit dieser Historie und dem langen Trackrecord trauen wir uns jetzt auch in die direkten Gespräche mit potenziellen Investoren“.

MiFID II sorgt für mehr Transparenz und Produktwahrheit und Produktklarheit

Die Frage, für was ein Produkt steht und was man erwarten darf, ist auch vor den neuen gesetzlichen Anforderungen seit Beginn diesen Jahres präsenter geworden. Fondsmanager können sicherlich ihre Marktmeinung ändern, Volatilitäten eines Produktes ändern sich über die Zeit und Prognosen können sich in positiven wie negativen Kursentwicklungen für Kunden widerspiegeln. Mit einem größeren Anteil solcher rein systematischer Ansätze – ohne Prognosen und Emotionen – fühle ich mich für die Herausforderungen der Kundenansprüche und der Regulatorik gut aufgehoben.

Am Beispiel unseres amandea – ALTRUID HYBRID wird genau dieser messbare und transparente Ansatz und vielleicht auch der Wunsch des Gesetzgebers deutlich: Das Produkt verfolgt ein klares Ziel, hat einen immer gleichen, transparenten Handelsprozess, eine definierte Zielvolatilität und eine extrem breite Streuung über Aktien, Renten, Zinsen (jeweils über Indizes abgedeckt) und Währungen.

Künstliche Intelligenz wird den Markt sicherlich bereichern

Egal welche äußeren Einflüsse an den Märkten gerade eine kleine oder große Rolle spielen: Künstliche Intelligenz, systematisches Vorgehen und prognosefreie Handelsansätze lassen sich dadurch meist wenig beeindrucken und die guten Umsetzungen in UCITS liefern ihr Produktversprechen unbeeindruckt der anfangs genannten Behavioral Finance ab. Zugegeben: es ist nicht leicht solche Perlen zu finden, aber es gibt in den unterschiedlichen Kategorien sicherlich jeweils eine Handvoll und wir selbst stellen uns mit unserem amandea – ALTRUID HYBRID nunmehr im neunten Jahr dem Wettbewerb und potenziellen Investoren.


Über Frank Seidel

Frank Seidel ist Vorsitzender des Vorstandes und einer der Gründer der amandea Vermögensverwaltung AG. Er verantwortet unter anderem das Produktmanagement im Bereich der quantitativen Strategien. Seit der Auflage 2009 managt Herr Seidel zudem den voll regulierten Managed-Futures-Fonds amandea – ALTRUID HYBRID gemeinsam mit dem Co-Manager Altruid Systems. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Wertpapierbereich und der Betreuung von vermögenden Privatkunden.

Über amandea Vermögensverwaltung AG
Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit liegt auf der Betreuung vermögender Privatkunden sowie dem Management des UCITS-CTA-Funds amandea – ALTRUID HYBRID. Der Fokus im Asset-Management liegt im Bereich der Liquid Alternatives und insbesondere auf quantitativen, prognosefreien Strategien.

Kontakt
amandea Vermögensverwaltung AG
Frank Seidel
Waldstraße 6a
65187 Wiesbaden

seidel@amandea.com 

https://amandea-vermoegensverwaltung.com 
https://amandea-altruid-hybrid.com 
https://www.xing.com/profile/Frank_Seidel10 
https://www.linkedin.com/in/frank-seidel-wiesbaden 

Investment Stories in Lateinamerika

Die BBVA Latin American Local Markets Conference in London ermöglichte Christian Gaier, Senior Fondsmanager für Schwellenländern-Staatsanleihen bei der Erste Asset Management, sich eingehend mit lokalen Vertretern Lateinamerikas zu unterhalten. Im Blog teilt er seine Einblicke und die potenziell für 2018 relevanten Investment Stories.

Meine Teilnahme bei der 4. BBVA Latin American Local Markets Conference in London gab mir die Möglichkeit, mich eingehend mit lokalen Vertretern Lateinamerikas zu unterhalten. Nachfolgend möchte ich ein paar der Einblicke und der potenziell für 2018 relevanten Investment Stories teilen, die ich auf der Konferenz aufgreifen konnte.

Lateinamerika (LATAM) kann auf ein sehr positives Jahr 2017 zurückblicken, doch 2018 wird anders aussehen. Ein selektives Verhalten wird daher wichtig sein, wenn es darum geht, die Chancen auf dem Kontinent in 2018 zu evaluieren. In Ländern wie Brasilien, Kolumbien und Chile gehen wir davon aus, dass der Zyklus der lockeren Geldpolitik (Zinssenkungszyklus) zu Ende geht, während beispielsweise in Argentinien und Mexiko sich der Markt auf die Inflationsentwicklung fokussieren wird. Dieses Jahr stehen in Brasilien, Kolumbien und Mexiko Wahlen an, und das politische Risiko wird die Volatilität befeuern. Außerdem werden internationale Handelsbeziehungen innerhalb NAFTA und Mercosur gerade neu verhandelt.

Die Risiken stammen Großteils aus der strafferen Geldpolitik der großen Notenbanken 

Die Risikothemen in 2018 gehen hauptsächlich auf folgende Faktoren zurück: Verknappung der Liquidität seitens der wichtigsten Notenbanken (Fed, EZB, Bank of Japan), einen stärkeren US-Dollar und auf höhere Zinsen, die sich negativ auf das Wachstumspotenzial des Kontinents auswirken könnten. Und zu guter Letzt sollte man auch die absichtlich herbeigeführte Wachstumsverlangsamung in China und deren Auswirkungen auf den internationalen Handel und Entwicklung auf die Rohstoffpreise nicht aus den Augen verlieren.

Uruguay ist der Newcomer 

Uruguay, ein Newcomer am internationalen Lokalwährungsmarkt, emittierte 2017 seine erste nominelle Anleihe und hat seine „Hausaufgaben“ gemacht. Das Land verfügt über eines der attraktivsten makroökonomischen Profile in Lateinamerika. Das Zins- und Renditeniveau ist nach wie vor hoch, weshalb diese Anleihen eine gute Anlagemöglichkeit innerhalb unserer Lokalwährungsfonds, die in Schwellenmärkten investieren, darstellt. Uruguay hat sich von seinen Nachbarländern Argentinien und Brasilien abgekoppelt und kann auf den Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in neue Sektoren verweisen. Das Land hat in öffentliche Infrastruktur investiert, was wiederum Arbeitsplätze und Potenzial für weiteres Wachstum geschaffen hat. Das politische Spektrum scheint im Vergleich zu anderen Staaten stabil, und bei institutionellen Stabilitätsindikatoren wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, und Korruption liegt Uruguay bei allen Statistiken in der Region vorne.

Brasilien im Übergangsjahr

Brasilien ist seit dem Krisenjahr 2015 die große Erholungs-Story der letzten Jahre. Die Inflation ist dramatisch auf ein Allzeittief gefallen, und die Zentralbank hat von 2016 bis 7. Februar 2018 den Leitzins von 14,25% auf 6,75% gesenkt. Das Ende des Zinssenkungszyklus ist in Sicht. Aufgrund der Korruptionsskandale in den vergangenen Jahren werden die Präsidentschafts- und Kongresswahlen im Oktober 2018 von äußerstem Interesse für die Marktteilnehmer sein.

Mexiko und Trump

Ein ähnlicher Fokus wird auf den Präsidentschafts- und Kongresswahlen in Mexiko im Juli dieses Jahres liegen. Die Wirtschaft des Landes befindet sich aufgrund der protektionistischen Maßnahmen Präsident Trumps und aufgrund der derzeit stattfindenden Neuverhandlungen von NAFTA unter Druck, was die Unsicherheitsfaktoren für die mexikanische Wirtschaft erhöht. Die Wirtschaft befindet sich in einer Übergangsphase und das Land unternimmt erhöhte Diversifikationsanstrengungen im Hinblick auf seine Exportdestinationen. In den vergangenen Monaten wird die Wirtschaft durch eine robuste Inlandsnachfrage unterstützt und der Dienstleistungssektor wird immer mehr zum Wachstumstreiber.

Peru mit guten Fundamentaldaten

Ein weiteres Land, das für Anleger interessant sein könnte, ist Peru. Mit guten Fundamentaldaten sieht sich die peruanische Wirtschaft mit dem Phänomen konfrontiert, dass sich der Beitrag der Landwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt sukzessive kleiner wird. Darüber hinaus wird das Land von Rohstoffexporten und damit von Rohstoffpreiszyklen zunehmend unabhängiger. Unserer Ansicht nach ist die Downstream-Integration der Wertschöpfungskette einer der wichtigsten Entwicklungsmerkmale in Schwellenländern und führt langfristig zu Wohlstand. Wir werden die Konsolidierung des Haushaltsbudgets und die institutionelle Entwicklung des Landes weiter genau verfolgen.

Venezuela nicht investierbar

Das von einer Rezession und Staatskrise getroffene Venezuela ist für uns als Lokalwährungs-Investor nicht investierbar.  Die Währung ist nicht frei konvertierbar und das Land wird von den Rating Agenturen als Zahlungsunfähig („Default“) eingestuft.

Lateinamerika ist die Hochzins-Region im Lokalwährungsuniversum der Schwellenländer

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Lateinamerika als Region im Vergleich zu Osteuropa und Asien derzeit die höchsten Renditen im Lokalwährungsuniversum aufweist. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man, wenn man die Renditeaufschläge („Spreads“) dieser Region bei Hartwährungsanleihen betrachtet.

Renditeübersicht Lokalwährungen lateinamerikanische Länder

Daten per 31.01.2018; Quelle: Bloomberg;

Achtung: Die Fondskennzahl „Rendite“ entspricht der durchschnittlichen Wertpapierrendite der von den Ländern emittierten Lokalwährungsanleihen vor Abzug von Kosten; bitte beachten Sie, dass diese Rendite-Kennzahl keiner erwarteten Wertentwicklung entspricht. Die Kennzahl „Rendite“ ist ein schlechter Schätzer für die Zukunft. In der Grafik sind auch keine ertragsmindernden Kosten wie die Verwaltungsgebühr oder individuelle Konto– und Depotgebühren berücksichtigt.

Eine Möglichkeit sich an der Lateinamerika-Story zu beteiligen ist unser global ausgerichteter Anleihenfonds, der in ausgewählte Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern investiert.


Hier finden Sie mehr Informationen zu dem Fonds.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Automation, Ausblick die Chance

ETF Securities präsentiert den Ausblick für Automation.

In der Vorweihnachtszeit bietet uns das Angebot von Amazon Prime Annehmlichkeiten, die viele für selbstverständlich halten. Da aber die Konkurrenten von Amazon unter Zugzwang stehen und aufholen müssen, sind die Lieferketten weltweit unter erheblichen Druck geraten. Ermöglicht wurde das Wachstum von Prime von Lagerrobotern, die mit hoher Intensität in den Lagern von Amazon arbeiten. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie rapide Robotik, Automation und künstliche Intelligenz unsere Welt verändern.

In der Automationsbranche fiel der Startschuss für die Zeitenwende als Amazon Kiva Systems, heute Amazon Robotics, 2012 übernahm. Kivas Roboter erhöhten die Flexibilität und Produktivität in den Lagern in so hohem Maße, dass Amazon einen schnelleren, rentablen und nachhaltigen Service anbieten konnte.

Heute hat Amazon Kiva integriert, und andere Firmen versuchen, die Lieferketten in anderen Bereichen durch Automatisierung zu beschleunigen. Im Verlauf des Jahres 2018 dürfte der Einsatz von Automationstechnologie weltweit zunehmen. Laut Jeremie Capron, Managing Partner und Director of Research bei Robo Global, „besteht noch viel Platz für Wachstum, da gegenwärtig nur rund 5 Prozent der Lager automatisiert sind“.

Die Logistik ist nur einer der vielen Bereiche, der von der Robotik revolutioniert wird. Autonome Manipulation und Bildverarbeitungstechnologien transformieren das verarbeitende Gewerbe. Im Rahmen der automomen Manipulation erkennen und wählen Roboter die richtigen Komponenten, während es die Bildverarbeitung erlaubt, Qualitätsprüfungen mithilfe von Kameras und modernen Algorithmen durchzuführen, statt dem menschlichen Auge.

Wir beobachten außerdem die zunehmende Verbreitung sogenannter kollaborativer Roboter, die als autonome Maschinen Hand in Hand mit menschlichen Anlagenführern arbeiten können und nicht aus Sicherheitsgründen in eigenen Zonen bleiben müssen. So können Maschinen die beschwerlichen oder sich wiederholenden Aufgaben übernehmen, während die Arbeiter durch anspruchsvollere Tätigkeiten zur Wertschöpfung beitragen. Diese „Cobots“ werden günstiger, kleiner und leichter programmierbar, und der Sektor wächst derzeit jährlich mit über 50 Prozent.1

Diese automatischen Werkzeuge arbeiten nicht fehlerfrei. Aber sie werden mithilfe künstlicher Intelligenz, vor allem durch maschinelles Lernen, nach und nach besser. „Wenn automatisierte Systeme einen Fehler machen“, so der Wegbereiter der autonomen Systeme Raffaello D’Andrea, „vermeiden Lernalgorithmen, dass er wieder passiert. Bei einfachen Aufgaben haben sie daher gegenüber Arbeitern, die denselben Fehler aus Unkonzentriertheit oder Müdigkeit wiederholen können, einen echten Vorteil. Maschinelles Lernen spielt eine entscheidende Rolle, da sich neue Erkenntnisse schnell an alle Maschinen weltweit übertragen lassen.“ Aber nicht nur auf die repetitiven Prozesse in Logistik und verarbeitendem Gewerbe wirken sich Roboter aus. Sie übernehmen auch wesentlich komplexere Aufgaben. Autonome Fahrzeuge gibt es bereits – und ihre Präsenz wird in den nächsten Jahren spürbarer werden. „Noch vor Ablauf des Jahres 2018“, so Jeremie Capron, „dürfte das erste autonome Taxi vorgestellt werden. Wie so vieles in der Welt der Automation fängt es klein an, wahrscheinlich in einer einzigen Ortscha oder Stadt, bevor es sich ausbreitet, wenn die Fehler beseitigt sind und das Kundenerlebnis den Wünschen entspricht.“

Ein weiterer Wachtumsbereich ist 2018 der Gesundheitssektor. Robotergestützte Operationssysteme gibt es zwar schon eine Weile, aber sie kommen nun immer häufiger zum Einsatz. Die Da-Vinci- Roboter von Intuitive Surgical führten 2016 750.000 Baucheingriffe durch;2 2017 betrug das Wachstum zwischen 15 und 20 Prozent.3 Aber Roboter werden inzwischen auch für andere Operationen eingesetzt, so etwa in der Wirbelsäulenchirurgie. 3D-Systeme, die bei der Modellierung der Wirbelsäule zum Einsatz kommen, erhöhen die Präzision und führen zu besseren Behandlungsergebnissen. Die israelische Firma Mazor Robotics meldete für dieses Jahr bei Wirbelsäulensystemen höhere Umsätze,4 aber aufgrund der deutlichen Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich der Patientensicherheit ist hier mit weiterem Wachstum zu rechnen.

Anleger, die diese Trends für sich nutzen wollen, müssen jedoch vorher einiges bedenken. Erstens ist die Durchdringung der bestehenden Märkte in den Bereichen verarbeitendes Gewerbe, Logistik und Gesundheit noch immer sehr gering. Der Megatrend Automation steckt also noch in den Kinderschuhen, und Anleger haben die Chance, „früh einzusteigen“. Ihnen sollte jedoch bewusst sein, dass Wachstum höchst ungleichmäßig verlaufen kann und nicht garantiert ist. Die disruptiven Technologien könnten sich selbst Störfaktoren gegenübersehen.

Zweitens sind die Folgen einer Technologie schwer vorauszusagen. Die Vorteile der Kiva-Roboter wurden ursprünglich in einer erhöhten Kosteneffizienz vermutet. Die Lagerbetreiber fanden die größten Vorteile allerdings an anderer Stelle: Die Roboter boten Flexibilität und verhindern menschliches Versagen. In ähnlicher Weise kann ein und dieselbe Technologie bei verschiedenen Anwendungen und in verschiedenen Branchen in unterschiedlicher Weise zum Einsatz kommen. Die erste Anwendung autonomer Systeme kann man als Testphase betrachten, in deren Rahmen eine Technologie verfeinert und verbessert wird, bevor sie in anderen Bereichen zum Einsatz kommt. Jeremie Capron merkt an, dass diese Entwicklungen von Natur aus unvorhersehbar sind, weil es sich bei künstlicher Intelligenz und Robotik um systemorientierte Phänomene handelt: „Neue Fähigkeiten werden entwickelt, und die Anwendung dieser Fähigkeiten ergiben sich daraus.“

Weil drittens kaum vorhersehbar ist, wo sich der nächste Durchbruch ereignet, ist es für Anleger wichtig, in verschiedenen Bereichen engagiert zu sein. So werden Portfolios nicht nur auf unerwartete Durchbrüche vorbereitet, sondern wird auch gewährleistet, dass sie nicht zu stark bei den größten Branchenvertretern enagiert sind. Einige der bekantesten Robotikunternehmen, so etwa Fanuc, ABB und Rockwell, sind extrem zyklisch. „Diese Zyklizität kann auf Anleger abschreckend wirken“, meint Richard Lightbound, Managing Director und CEO EMEA von ROBO Global. „Die Streuung der Anlagen auf ein breites Firmenspektrum sorgt also vermutlich für eine wesentlich gleichmäßigere Entwicklung als ein einfaches Engagement bei den Vorzeigeunternehmen der Branche. Und da nun ein außergewöhnliches Jahr für Technologieaktien zu Ende geht, vermeidet man mit der Diversifizerung zu hohe Engagements in Unternehmen wie Nvidia, die mit erhöhten Bewertungen gehandelt werden.“

Vor allen Dingen ist zu beachten, dass die Revolution noch ganz am Anfang steht und dass sich das Wachstum durchaus fortsetzen könnte. Kiva begann erst 2005 mit dem Verkauf seiner Systeme. Nur wenige Marktteilnehmer haben vorhergesehen, dass das Unternehmen heute eine so große Rolle im expandierenden Internethandel spielen würde. Blickt man auf das Wachstumsmuster, das für den Bereich Robotik, Automation und künstliche Intelligenz typisch ist, so ist es möglich, dass Unternehmen nach bescheidenen Anfängen in kurzer Zeit zu globaler Bedeutung aufsteigen. Das heißt, die neuen Technologien können mit bedeutenden Wachstumschancen verbunden sein.

Weihnachten 2018 wird dieser interessante Megatrend viel weiter fortgeschritten sein und auf dem Weg ohne Zweifel einige überraschende Wendungen vollzogen haben. Weitblickende Anleger aber haben keine Zeit zu verlieren.


Quellen:
1) ReportsnReports: Collaborative Reports Market von Payload Capacity, September 2017.
2) Intuitive Surgical: Jahresbericht 2016.
3) Reuters: Intuitive Surgical raises 2017 procedure growth forecast, April 2017.
4) The Motley Fool: This Growing Robotics Company Is a Hit With Surgeons, November 2017.

Nickel: Elektrifizierung könnte Nachfrage anregen

Die Nachfrage nach Nickel überwiegt unverändert das Angebot, so Nitesh Shah, Commodities Strategist bei ETF Securities. Chinas Strategiewechsel, der Qualität über Quantität stellt, könnte der Nickel-Nachfrage zugutekommen, Minenschließungen auf den Philippinen verknappen das Angebot, und die Elektrifizierung dürfte den Nickelbedarf bei Fahrzeugbatterien steigen lassen.

Industriemetalle erholen sich als Komplex seit 2016, nachdem sie zwischen 2011 und 2015 fünf Jahre in Folge verloren haben. Bisher ist zwar Zink das einzige Metall, das seine Verluste seit 2011 wettgemacht hat (nominal, nicht real). Gleichwohl erlebte der Bloomberg Commodity Index einen Aufschwung, der ihn vom Tief Anfang 2016 um 65 Prozent steigen ließ. Am weitesten entfernt von seinem Preisniveau 2011 ist Nickel, obwohl es sich gegenüber dem Tief von 2016 bereits um 77 Prozent verteuert hat (Quelle: Bloomberg). Wir sind überzeugt, dass weitere Preiszuwächse möglich sind, da sich die Struktur von Angebot und Nachfrage verändert.

Angebotsdefizit

Das Angebot der Minen konnte in den letzten Jahren nicht mit dem Bedarf Schritt halten, da die Bergbauunternehmen im Zuge der Preisschwäche die Investitionen kürzten. Laut der Internationale Studiengruppe Nickel wird die primäre Nickelproduktion 2018 um 148.000 Tonnen, das heißt gemessen an der Nachfrage um 8,7 Prozent, hinter dem primären Nickelbedarf zurückbleiben. Das Angebotsdefizit geht damit in das dritte Jahr in Folge.

Stahlproduktion nimmt voraussichtlich zu

Das Internationale Edelstahlforum geht für 2017 von einem Anstieg der Stahlproduktion um rund 5 Prozent aus und erwartet für 2018 ein Wachstum in vergleichbarer Höhe.  Die Stahlproduktion macht mit 67 Prozent den Löwenanteil am Nickelverbrauch aus.

Chinas ökologische Ausrichtung

Im Zuge des chinesischen Urbanisierungs- und Baubooms erlebte die Nachfrage nach Nickel-Roheisen (NPI), einem hauptsächlich für den heimischen Gebrauch produzierten Ferronickel minderer Qualität, in den letzten Jahrzehnten einen beträchtlichen Aufschwung. In den Jahren 2016 und 2017 ging die Produktion jedoch zurück. Auf dem Weg zu einer besseren Umweltbilanz könnte China seine NPI-Abhängigkeit zugunsten höherwertiger Nickelprodukte verringern, was das Angebot hochgradiger Nickelerze verknappen würde. Chinas globale Nachfrage nach Nickel wird wahrscheinlich steigen.

Untersuchung philippinischer Minenstilllegungen dauert an

Als die Amtszeit der vorläufigen philippinischen Umweltministerin Regina Lopez nicht verlängert wurde, ging man allgemein davon aus, dass ihre Entscheidung, 23 der 41 Minen des Landes zu schließen, aufgehoben werden würde. Ursprünglich wurden die Minen wegen Umweltverstößen (siehe Verknappung des Metallangebots aufgrund ökologischer Bedenken) geschlossen, aber auch neun Monate nach ihrer Entlassung sind sie noch nicht wieder in Betrieb genommen worden. Die philippinische Regierung hat vor der Macht der Bergbaulobby noch immer nicht kapituliert. Obwohl sie den von Lopez verbotenen Tagebau inzwischen wieder erlaubt, hat sie eine 25-köpfige Expertenkommission zur Untersuchung der Minenschließungen eingesetzt. Ihr Bericht wird für das erste Quartal 2018 erwartet. 2016 waren die Philippinen noch der größte Nickelerzproduzent. Angesichts der deutlichen Hinweise auf Umweltverstöße, die die erste Untersuchung zutage förderte und die zur anfänglichen Sperrung führten, rechnen wir damit, dass ein bedeutender Teil des Minenangebots nach der zweiten Untersuchung weiterhin Einschränkungen unterliegen wird.

Elektrifizierung von Fahrzeugen

Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen soll den Erwartungen zufolge von einem relativ niedrigen Ausgangsniveau deutlich ansteigen. 2016 belief sich die Zahl an Elektrofahrzeugen auf rund 2 Millionen. Das entspricht 0,2 Prozent des Gesamtbestands. 2020 werden es laut den Prognosen der Internationalen Energiebehörde zwischen 9 und 20 Millionen und 2025 zwischen 40 und 70 Millionen Elektrofahrzeuge sein. Eine Zunahme der Elektrofahrzeuge in dieser Größenordnung kommt einem Strukturwandel auf dem Automobilmarkt gleich.

Alle Elektrofahrzeuge – gleich ob reine Batterieelektromobile oder Steckdosenhybride – benötigen Akkus. Die sogenannte Lithium-Ionen-Batterie ist derzeit die am weitesten verbreitete Akkuvariante. Aber es gibt eine Reihe unterschiedlicher Typen von Lithium-Ionen-Batterien.

In Autos kommt meist eine Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Kathode zum Einsatz, die sich nach Ansicht der Gemeinsamen Forschungsstelle der EG am stärksten verbreiten wird. Die Nachfrage dürfte ihren Erwartungen zufolge zwischen 2015 und 2025 von 40.000 Tonnen auf 192.000 Tonnen ansteigen. Dies entspricht einem Zuwachs ihres Anteils am Gesamtmarkt der Kathodenmaterialien von 29 Prozent auf 48 Prozent.

In Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Kathoden kamen Nickel, Mangan und Kobalt bis vor Kurzem zu gleichen Teilen vor. Auf dem Markt verschiebt sich aber gerade das Verhältnis der drei Metalle zugunsten von Nickel auf 8:1:1, was im Großen und Ganzen auf die relative Seltenheit von Kobalt und die ungesicherte Versorgung zurückzuführen ist. 60 Prozent des weltweit verfügbaren Kobalts wird in Bergwerken der Demokratischen Republik Kongo abgebaut, wo sich auch fast 50 Prozent der bekannten Reserven befinden. Im Kongo herrschte zwischen 1998 und 2003 ein Bürgerkrieg, der schätzungsweise 3,9 Million Todesopfer forderte (Quelle: International Rescue Committee). Die Amtszeit des derzeitigen Präsidenten lief 2016 ab und die Wahrscheinlichkeit, dass er sich an der Macht halten kann, schwindet. Die Gefahr schwerwiegender politischer Störungen steigt. Die Sicherheit der Bodenschätze aus dem Kongo ist gering, und die mit ihnen in Verbindung stehenden Menschenrechtsverletzungen werden für ihre Bezieher zunehmend unerträglicher.

Bei Nickel hat es den Anschein, als dürfte die strukturelle Verschiebung hin zu mehr Elektrofahrzeugen zusammen mit einer höheren Nickel-Beladung der Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Kathoden im kommenden Jahrzehnt einen Nachfrageschub auslösen.

Die Inflation erwacht

Nach jahrelangem Dornröschenschlaf kehrt die Inflation in den USA ins Leben zurück – und in einem Tempo, das den Anlegern noch nicht ganz bewusst ist, so Patrick Zweifel, Chief Economist bei Pictet Asset Management.

Die USA schütteln gerade die letzten Reste der weltweiten Finanzkrise ab und die Weltwirtschaft erholt sich weiter. Beides lässt auf eine baldige Beschleunigung der Inflation in den USA schließen, die ein größeres Ausmaß annehmen dürfte als von den Anlegern erwartet – wenngleich die jüngste Marktvolatilität nahelegt, dass sie sich der Risiken zunehmend bewusst werden.

Da Faktoren, die sich bremsend auf die Inflation auswirken, aus den Preisindexberechnungen herausfallen – nicht zuletzt die Rohstoffpreise und Wechselkursentwicklungen –, besteht ein erhebliches Risiko, dass der Index der privaten Konsumausgaben (PCE), an dem sich die US-Notenbank besonders gerne orientiert, wenn es um die Messung des Preisdrucks geht, in den kommenden Quartalen stark ansteigen wird.

Basierend auf einer Analyse von 30 Faktoren in fünf Kategorien, die wir für die Hauptquellen von Inflationsdruck halten, schätzen wir die Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation dieses Jahr über das von der Fed festgelegte Inflationsziel von 2% hinausschießen wird, auf mehr als eins zu vier (die höchste Wahrscheinlichkeit seit 2014).

Inflationsrisiken

Wahrscheinlichkeit, dass die Kerninflationsrate auf über 2% steigt

* PCE-Kerninflation > 2% und steigend (d. h. Veränderung der Inflation 1J größer als 0) ** R2 gewichteter Durchschnitt von Inflationswahrscheinlichkeiten, unabhängig beurteilt anhand von 30 Faktoren *** Durchschnitt der geschätzten Inflationswahrscheinlichkeiten seit 1986. 
Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, Bloomberg; Daten vom 01.01.1970–01.02.2018.

Der Phillips-Kurvenball

Um beurteilen zu können, warum die Inflation zurückkehrt, sollte man sich zunächst anschauen, warum sie überhaupt verschwunden ist. Die Antwort könnte in den ungewöhnlichen Konjunkturbedingungen liegen, die seit Beginn der weltweiten Finanzkrise vorherrschten.

In der Regel ist es so, dass die Inflation anfängt zu steigen, sobald die Arbeitslosigkeit unter einen bestimmten Wert fällt oder sich die sogenannte Produktionslücke – die Differenz zwischen der tatsächlichen und der potenziellen Produktion einer Volkswirtschaft – verflüchtigt. Teilweise liegt dies daran, dass die Arbeitgeber um die zunehmend knapper werdenden Arbeitskräfte konkurrieren und dazu die Löhne anheben. Dieses höhere Einkommen wird wiederum für Waren ausgegeben. Ab einem gewissen Punkt führen mehr Ausgaben zu steigenden Preisen. Dieser Zusammenhang wird als Phillips-Kurve bezeichnet. Da von dieser Beziehung in letzter Zeit nicht viel zu spüren war, spekulieren einige Ökonomen, dass sie vielleicht ganz ihre Bewandtnis verliert – der PCE-Index in den USA (ohne Lebensmittel und Energie) ist im Dezember auf gerade mal 1,5% für das Gesamtjahr gestiegen. Er liegt damit weit unter dem Zielwert von 2%, obwohl sich die Arbeitslosigkeit in der Nähe des unteren Bereichs ihrer historischen Spanne bewegt.

Unserer Ansicht nach gibt es zwei klare Erklärungen für das seltsame Verhalten der Phillips-Kurve in der jüngsten Vergangenheit. Die erste ist die sehr niedrige Inflation zu Beginn der letzten Rezession und die zweite ist die Globalisierung. 

Wenn die Inflation niedrig ist, kommt die Phillips-Kurve in den USA nur zum Tragen, wenn die Wirtschaft heissläuft

Phillips-Kurven 1960-2017 in den USA, als die Inflationsrate unter 2,5% lag

 

* Durchschnitt von zwei Ansätzen: 1) HP-Filter; 2) Rekursiver HP-Filter. Die Produktionslücke ist um fünf Quartale verzögert.
Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten vom 01.01.1960–01.01.2018.

Als 2008 die weltweite Finanzkrise zuschlug, lag die Inflation auf historisch niedrigen Ständen im Vergleich zu den Anfängen früherer wirtschaftlicher Erschütterungen.

Das machte es für Unternehmen und Mitarbeiter schwieriger, wie gewohnt auf die rückläufige Nachfrage zu reagieren – dadurch verzögerten sich Preissteigerungen und bei Lohnforderungen wurde Zurückhaltung geübt. Normalerweise enden Rezessionen, wenn Waren und Arbeitskräfte im Verhältnis so günstig werden, dass die Nachfrage angestoßen wird. Je höher die anfängliche Inflationsrate, desto schneller geht es, bis diese Anpassung stattfindet.

Bei einer niedrigen Ausgangsinflation vollzieht sich die Anpassung viel langsamer. Dieser Prozess könnte beschleunigt werden, indem die Preise gesenkt werden, aber das ist psychologisch schmerzhaft – mit anderen Worten, die Preise verharren eher auf ihrem Weg nach unten als nach oben. Das ist einer der Gründe, warum Volkswirtschaften selten in eine echte Deflation schlittern.1

Infolge dieser starren Preise hat die Phillips-Kurve begonnen, sich merkwürdig zu verhalten.2

In Zeiten, in denen die Inflation bei über 2,5% lag, verhielt sich die Phillips-Kurve genau so, wie sie es nach der Theorie tun sollte – eine stärkere Wirtschaft geht mit schnelleren Preisanstiegen einher und umgekehrt. Lag die Inflation aber unter 2,5% und die Arbeitslosigkeit war hoch (negative Produktionslücke), wurde die Phillips-Kurve flacher – die Preise gingen nicht weiter zurück, auch wenn es massenhaft Arbeitskräfte gab und das Wachstum schwach war.

Ein globales Phänomen

Eine niedrige Ausgangsinflation ist nur ein Faktor, der das Rätsel der Phillips-Kurve zu erklären versucht. Ein weiterer ist die Globalisierung.

Als William Phillips 1958 als erster den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Löhnen beschrieb, betrachtete er isoliert eine einzelne Volkswirtschaft – das Vereinigte Königreich. Und genau so wurde die Phillips-Kurve seitdem auch immer analysiert. Zu einer Zeit aber, in der Waren und Arbeitsmärkte immer globaler werden, muss ein anderer Ansatz gewählt werden. In einer Welt der Just-in-time-Lieferungen, nicht nur grenzüberschreitend, sondern auch über Kontinente hinweg, ist es nicht mehr zweckmäßig, nur die nationalen Konjunkturbedingungen zu berücksichtigen. Weltweite Lieferketten und mehr Handel denn je zwischen den Ländern bedeuten, dass die potenzielle Produktion aus internationaler Perspektive zu betrachten ist.3 Eine Arbeitskräfteknappheit in dem einen Land kann somit durch ein anderes Land ausgeglichen werden.

Wenngleich sich der Globalisierungstrend in den letzten zehn Jahren abgeschwächt hat, sind im Zusammenhang mit der Phillips-Kurve immer noch die internationalen Effekte zu berücksichtigen. Wir haben uns beide Zeiträume angeschaut, das heißt 1970-93, als es noch relativ wenig Globalisierung gab, und nach 1994, als Kommunismus und Alleinherrschaft in den meisten Teilen der Welt verschwanden. Für beide Zeiträume haben wir die Phillips-Kurve in den USA unter Berücksichtigung der Produktionslücke in den USA und der internationalen Produktionslücke analysiert. Wir haben festgestellt, dass die US-Löhne auf die Arbeitslosigkeit in den USA reagierten, als das Land noch nicht so offen gegenüber dem weltweiten Handel war. Im Gegensatz dazu reagierten sie nach Beginn der Globalisierung empfindlicher auf die weltwirtschaftliche Verfassung. 

Internationale Faktoren für die US-Phillips-Kurve wichtiger als nationale 

Phillips-Kurve in den USA basierend auf inländischer und internationaler Produktionslücke über zwei verschiedene Zeiträume

 

* Importgewichtete Produktionslücken (41 US-Handelspartner) ** Durchschnitt von zwei Ansätzen: 1) HP-Filter; 2) Rekursiver HP-Filter. Die Produktionslücke ist auf inländischer Ebene um drei Quartale verzögert und auf internationaler Ebene um ein Quartal.
Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten vom 01.01.1970–01.02.2018.

Die Quintessenz ist, dass mit der zunehmenden Globalisierung in den USA seit 1994 die US-Inflation nicht mehr nur ein inländisches Phänomen ist – vielmehr wird sie zunehmend von globalen Faktoren beeinflusst.

Ein Rückgang der Arbeitslosigkeit in den USA hat daher geringeren Einfluss auf den inländischen Preisdruck. Umgekehrt gilt, dass eine schrumpfende globale Produktionslücke in Relation mehr Einfluss auf die US-Inflation hat.

Annäherung aus zwei Richtungen

Die US-Wirtschaft ist mit dem Deflationsdruck in der Vergangenheit gut zurechtgekommen. Nach rund einem Jahrzehnt niedriger, aber positiver Inflation hat sich die Lücke zwischen dem Punkt, wo die Preise liegen sollten, und der Stelle, wo sie tatsächlich liegen, weitgehend geschlossen.

Hinzu kommt, dass die weltweite Produktionslücke angesichts des soliden Wachstums überall auf der Welt nahezu verschwunden ist, was einen nicht unerheblichen Effekt auf die US-Inflation haben dürfte. Zu den ersten Anzeichen zählen relativ starke Anstiege der US-Löhne in jüngster Zeit und der Aufschwung bei den Rohstoffpreisen, insbesondere Öl.

Anleger und Währungshüter haben sich so sehr an die niedrige Inflation gewöhnt, dass diese Trendumkehr einer unliebsamen Überraschung gleicht. Die Inflation ist nicht tot. Sie hat nur geschlafen.


Quellen:
1) Fallick, Bruce C., Michael Lettau and William L. Washer., “Downward Nominal Wage Rigidity in the United States during and after the Great Recession”, Finance and Economics Discussion Series 2016-001. Washington: Board of Governors of the Federal Reserve System.
2) Gagnon, Joseph E., “There is no Inflation Puzzle”, Peterson Institute for International Economics, 17.11.2017
3) “Understanding Globalisation,” Chapter VI, Bank for International Settlements 87th Annual Report.

Über den Autor
Patrick Zweifel kam 1997 zu Pictet. Er ist als Chef-Ökonom von Pictet Asset Management tätig. Bevor er 2009 in diese Funktion wechselte, leitete er das Macro Research Team von Pictet Private Wealth Management. Dort war er insbesondere für Schwellenländer und Japan sowie die Entwicklung quantitativer Modelle für die wichtigsten Anlagekategorien, hauptsächlich Wechselkursmodelle, zuständig. Vor seiner Tätigkeit bei Pictet war er Forschungsassistent der Fachrichtung Ökonometrie und Geldmarkttheorie und beteiligte sich an internationalen Forschungsprojekten der Weltbank und der Europäischen Union. Patrick Zweifel hat einen Doktortitel im Fachgebiet Ökonometrie von der Universität Lausanne.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Runter vom Gas - Das Barometer der Pictet Asset Management Strategy Unit für Februar 2018

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

Folgen Sie Pictet Asset Management

Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 24
e-mail: fbohmer@pictet.com

Nach Markt-Korrektur überwiegt die Zuversicht

Das Jahr 2018 hatte so gut begonnen. Dachte man. Dachte ich. Anfang Februar hat uns der Markt dann eines Besseren belehrt. Entsprechend spannend waren die Diskussionen bei unserem ersten Investment Komitee Anfang Februar.

Die generelle Risiko-Bereitschaft des Teams ist im Vergleich zum letzten Wert (79 Prozent im Dezember) leicht gesunken, mit 70 Prozent aber immer noch deutlich offensiv. Stark verändert hat sich die Einschätzung der Gruppe, was den Markt betrifft. Hier gehen wir als Gruppe davon aus, dass die Risikobereitschaft inzwischen auf neutral (48 Prozent) zurückgegangen ist. Im Dezember lag dieser Wert noch bei 61 Prozent. Dazu kommt, dass sich die Verteilung innerhalb unserer Gruppe auseinanderentwickelt hat. Von einer bimodalen Sicht auf die Märkte zu sprechen wäre zwar übertrieben, die größere Unsicherheit spiegelt sich aber auch in der Verteilung wider. 

Quelle: Erste AM

Das bedeutet, dass wir immer noch recht zuversichtlich für die Entwicklung der Märkte in den nächsten Monaten gestimmt sind. Ein Grund immer noch in risikobehafteten Anlageklassen investiert zu sein.

Inflationsdruck in den USA

Bereits Ende 2017 gingen wir davon aus (und haben auch in einem Blogbeitrag davon berichtet), dass die weitere Entwicklung der US Inflation einer der zentralen Parameter für die Marktentwicklung 2018 sein wird (siehe dazu auch den Blog-Beitrag „Risikomärkte schon weit gelaufen“ vom 14.12.2017). „Die Philipps Kurve ist tot“ und „This Time It’s Different!“ waren die Erklärungen, warum die Inflation 2017 trotz guter Konjunktur einfach nicht ansteigen wollte. Nach unserer Meinung sollte die Inflation im Jahr 2018 ansteigen und die US Notenbank dadurch unter Druck kommen wird. Sie werde dazu neigen, die Zinsen schneller und stärker als vom Markt erwartet zu erhöhen. Das würde in weiterer Folge auch Auswirkungen auf längerfristige Zinssätze haben. Sprich die Renditen von Staatsanleihen sollten in diesem Szenario steigen.

Heftige Marktreaktion Anfang Februar

Im Jänner war bereits ein Anstieg der Renditen zu sehen, und Anfang Februar hat ein weiterer starker US-Arbeitsmarktbericht auf Lohndruck hingewiesen. Nachdem „This Time It’s Different“ nur solange richtig ist, bis es nicht mehr richtig ist, hat es uns nicht überrascht, dass der Markt auf diese Zahlen reagierte. Überraschend war für uns, wie stark der Markt reagierte. Dabei dürften neben dem beschriebenen Re-Rating der Zinserwartungen vor allem exponierte Positionierungen in einigen „populären“ Investments (z.B. VIX Futures) eine große Rolle gespielt haben.

Kein „echtes“ Inflationsproblem

Wie kann es nun weitergehen? Wir sind bereits im Dezember davon ausgegangen, dass die Inflation 2018 ansteigen wird. Wir gehen weiterhin davon aus, glauben aber nicht an einen massiven Inflationsanstieg (Core PCE Deflator bei 2 Prozent) bzw. an ein echtes Inflationsproblem (fortgesetzter Aufwärtstrend jenseits der 2 Prozent). Gemessen an den im Markt gepreisten Inflationserwartungen tut das der Markt aktuell aber auch nicht, woraus sich durchaus ein Risiko ergibt. Die aktuellen Turbulenzen sollten begrenzt bleiben. Sobald sich die Zinserwartungen an die neue Situation angepasst haben, sollte sich der Markt wieder beruhigen.

Schub durch US Steuerreform

Und damit kommen wir zum zweiten großen Punkt in unserer Diskussion: die Steuerreform in den USA. Die Einigung auf die neue Budgetobergrenze in den USA wird zusammen mit der im Dezember erzielten Einigung auf eine Steuerreform in einem deutlichen fiskalischen Stimulus resultieren. Und das in einer Phase, in der die US-Wirtschaft ohnehin schon über ihrem Potentialwachstum wächst (gemessen an unterschiedlichsten Schätzungen der Produktionslücke). In Summe bedeutet das einen weiteren Schub für das ohnehin solide Wirtschaftswachstum in den USA.

Da die Gegenfinanzierung fehlt, werden sich die fiskalischen Impulse vor allem in einer Ausweitung des Budgetdefizits niederschlagen. Zusammen mit dem hohen Leistungsbilanzdefizit weist die US-Wirtschaft damit ein klassisches Twin Deficits1 auf. Kurzfristig sicherlich positiv für das Wachstum, langfristig aber auf vielen Ebenen ein Problem. Und solange die Konjunktur in den USA so gut bleibt wie sie derzeit ist, sollte das einem deutlichen und dauerhaften Einbruch der Aktienmärkte (aber auch anderer Märkte für risikobehafteten Assets) entgegen sprechen.

Alles in allem wurde unsere Einschätzung bekräftigt: Wir gehen nicht davon aus, dass das schon das Ende des aktuellen Zyklus war. Man kann es mit Churchill halten: „If you’re going through hell, keep going!” (“Wenn du durch die Hölle schreitest, ziehe weiter“) Genau das werden wir auch machen – aber vorsichtiger als im Jahr 2017.

Was heißt das für die Positionierung?

  • Staatsanleihen unattraktiv. wir sehen sichere Staatsanleihen und das mit ihnen verbundene Zinsänderungsrisiko nach wie vor als unattraktiv an. Steigende Leitzinsen und steigende Inflation sind beide für sich genommen kein gutes Umfeld für Anleihen. Das zeigt auch die nachfolgende Grafik, in der die deutsche Inflation seit 1967 dargestellt ist – jeweils unterschieden nach Phasen steigender und fallender Inflation. Ebenfalls in der Grafik dargestellt ist der durchschnittliche monatliche Ertrag eines Investments in deutsche Bundesanleihen in der jeweiligen Phase. Es zeigt sich deutlich, dass in Phasen steigender Inflation weniger zu holen ist als in den Phasen fallender Inflation.
Quelle: Erste AM
  • Aktien: Durchhalten ist angesagt. Aktien sollten aus unserer Sicht weiterhin Potential bieten. Wir sehen eine Chance, dass die alten Höchststände im Jahr 2018 nochmals geknackt werden. Allerdings dürfte es durchaus ruppiger werden. Die letzten Wochen waren ein Vorgeschmack, was auf die Märkte zu kommen könnte. Entsprechend schwierig wird es, diese Auf und Abs im Zuge einer taktischen Allokation mitzunehmen bzw. es überhaupt auszuhalten in Aktien investiert zu bleiben. Vor diesem Hintergrund nehmen wir eine im Vergleich zum Jahr 2017 reduzierte aber deutliche Aktienposition ein. Wir nützen derzeit in etwa die Hälfte der uns zur Verfügung stehenden Bandbreite aus. In der aktuellen Marktphase muss man vor allem eines: Durchhalten!
  • Anleihen: Fokus auf Unternehmensanleihen und Schwellenländer. Auf der Anleihen-Seite sind wir in der Asset Allokation weiterhin in Unternehmensanleihen und Schwellenländer positioniert. Diese erscheinen uns von ihrem Ertrags-/Risikoverhältnis her deutlich attraktiver als Staatsanleihen. Insbesondere Credits mit geringer Duration (z.B. kurzlaufende Anleihen aus Schwellenländern) scheinen attraktiv.
  • Warum steigt der US-Dollar nicht? Besonders spannend ist derzeit der US-Dollar. In der Asset Allokation haben wir keine aktive Dollar-Position. Warum? Derzeit fällt der Dollar. In den 80er Jahren, der letzten Phase, in der in den USA Twin Deficits das große Thema waren, führten diese im Verbund mit einer entschlossenen Notenbank zu einem massiv festeren US-Dollar. 

„Mögest du in spannenden Zeiten leben“, lautet ein bekannter chinesischer Fluch. 2018 ist bereits jetzt ein spannendes Jahr!


Quelle:
1) Zwillingsdefizit, wenn ein Staat sowohl ein Haushalts- als auch ein Leistungsbilanzdefizit aufweist

Gerold Permoser
Gerold Permoser ist seit Anfang April 2013 Veranlagungschef (Chief Investment Officer) der Erste Asset Management. In dieser Funktion verantwortet er die gesamten Asset Management Aktivitäten und Anlagestrategien aller Investmentfonds der Erste Asset Management Gruppe in Österreich, Deutschland, Kroatien, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn. Vor seinem Eintritt im Unternehmen übte er diese Funktion bei Macquarie Investmentmanagement Austria KAG aus. Permoser verfügt über Erfahrung im Veranlagungsbereich seit 1997.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Why companies that cut their dividend can be attractive income investments

It may seem counterintuitive but companies that have cut their dividends can be good sources of future income, shows Emma Stevenson, Investment Writer at Schroders.

An important part of income investing is receiving dividends. A dividend is the portion of a company’s profits that is returned to shareholders.

The payment of dividends is an incentive to own shares in stable companies. Often, companies paying attractive dividends will be those that no longer benefit from reinvesting their profits, whereas companies with significant growth opportunities tend to use their profits to grow the business.

The attraction for income investors is clear: the dividend payment is a consistent return on investment. But what happens if a company needs to cut its dividend?

Why do companies cut dividends?

Dividend cuts can happen for a variety of reasons. On some occasions, a company may see an opportunity to reinvest in its business – perhaps via an acquisition - rather than pay the dividend.

More often, it is due to declining profits. Companies may be able to maintain their dividends for a while, but if profits continue to decline then eventually their capacity to pay those dividends will be constrained.     

Companies may decide to reduce their pay-out ratio (i.e. the proportion of profits paid in dividends) or pay in shares rather than cash (known as a scrip dividend). For example, Royal Dutch Shell introduced a scrip dividend after the oil price crash in 2014 in order to reduce cash outflows, and only restored it to cash in November 2017.

In a worst-case scenario companies may stop the dividend payment entirely.

Why might this be good news?

On the surface of it, a dividend cut is not good news at all for shareholders and a company’s share price will generally fall when a dividend cut is announced.

However, cutting the dividend can be a very sensible move. Trying to maintain dividend payments at an unsustainably high level can be much worse in the long-term for the company (and its shareholders) than temporarily suspending or cutting the dividend.

Indeed, if a company has to borrow in order to pay its dividend then it could be storing up serious problems for the future.

Cutting the dividend is often among the first steps a company might take in order to try and regain financial stability.

Company management needs to make tough decisions

A decision over cutting the dividend can come down to whether company management is focusing on the long-term health of the business, or the short-term impact on the share price.

For long-term investors, it is preferable that a company cuts its dividend to protect its balance sheet, or to invest in the business, rather than paying an unsustainable dividend at all costs.

Dividend cutters can offer value

Short-term investors who are simply in search of the highest dividends often sell their shares once a company cuts its dividend. This can offer an opportunity for long-term, value-focused investors to buy shares at a price they deem attractive.

Then, in theory at least, the company management puts the business on a more sustainable footing, dividend payments restart and the share price recovers. Such a scenario can be an opportunity for investors to participate in both a growing dividend and a rising share price.

Even when already invested in a company that has cut its dividend, it can make sense to continue to hold the shares, if the dividend cut is in the best long-term interests of the company.

The chart below illustrates how share prices come under pressure when a company’s dividend is thought to be in danger, but also that share prices often swiftly recover once the cut has been made.

Dividend cuts: a threat, but also an opportunity

Past performance is not a guide to future performance and may not be repeated.

Simon Adler, Fund Manager, Equity Value, says:

“We would never tell a company what its dividend should or should not be.

“Instead, we prefer to afford the management teams of companies in which we invest the space and the confidence to cut their dividend if they feel it is unsustainable or the money is better spent elsewhere.

“Far better it take that approach than overstretch its balance sheet to pay a dividend it cannot afford.

“That, incidentally, is a situation in which many of the high-paying so-called ‘bond proxy’ businesses are in increasing danger of finding themselves. Many are currently terrified of what disappointed investors could do to their share price if they cut their dividends.”


This article has first been published on schroders.com.

The value of investments and the income from them may go down as well as up and investors may not get back the amounts originally invested. 

Gewinnmitnahmen führen bei Gold-ETPs zu Abflüssen

Landwirtschaftskorb-ETPs verzeichneten die höchsten Zuflüsse seit Auflegung. Die Zuflüsse in Industriemetallkorb-ETPs erholten sich und kehrten den Negativtrend der Vorwoche um, so ETF Securities im wöchentlichen Markt- und Flowbericht. Aus Gold-ETPs wurden im Zuge von Gewinnmitnahmen 103,5 Mio. USD abgezogen.

Landwirtschaftskorb-ETPs (A0KRKB) verzeichneten mit 54,7 Mio. USD die höchsten Zuflüsse seit Auflegung und übertrafen damit das Hoch vor nur vier Wochen. Abgesehen von Baumwolle verteuern sich Agrarrohstoffe nach der schwachen Entwicklung des Vorjahrs mehrheitlich wieder, da die Witterungsbedingungen in diesem Jahr schwierig sind. Die Weizenpreise etwa profitieren von der anhaltenden Dürre in wichtigen Anbaugebieten der USA, die die Entwicklung des Winterweizens verzögert, während die extreme Trockenheit in Argentinien die Preise von Sojabohnen und Sojamehl in die Höhe treibt. Gleichzeitig fallen laut dem Februar-Bericht der USDA auch die Lagerstände von Mais niedriger aus, was den Preisen Auftrieb verleiht. Zusätzlich kommt zahlreichen in US-Dollar abgerechneten Agrarrohstoffen die Dollarschwäche zugute.

Die Zuflüsse in Industriemetallkorb-ETPs (A0SVX7) erholten sich auf 42,1 Mio. USD und kehrten damit den Negativtrend der Vorwoche um. Die Industriemetallpreise erhalten von der ausgeprägten Dollarschwäche in Verbindung mit unerwartet hohen US-Inflationsdaten Auftrieb, da Metalle und Rohstoffe als Inflationsabsicherung gelten. Die Zuflüsse in Nickel-ETPs (A0KRJ4) legten in der sechsten Woche in Folge zu und gewinnen an Dynamik. Sie betrugen 21,4 Mio. USD. Nickel, das sich in der vergangenen Woche um 7,3 Prozent verteuerte, war der Gewinner des Industriemetallbereichs. Den Erwartungen zufolge wird die Nickelnachfrage in Zusammenhang mit der Zunahme der Elektromobilität steigen, die derzeit nur 3 Prozent der Gesamtnachfrage stellt. Darüber hinaus eignen sich überhaupt nur rund 50 Prozent des aktuellen Angebots der Nickelminen zur Batterieherstellung, da die Qualität der Nickelprodukte nicht ausreicht. Da außerdem die globalen Nickelbestände sinken, sind zusätzliche Produktionskapazitäten erforderlich.

Aus Gold-ETPs (A0LP78) wurden im Zuge von Gewinnmitnahmen 103,5 Mio. USD abgezogen. Gold avancierte aufgrund der unerwartet hohen Inflation und des rückläufigen US-Einzelhandelsumsatzes auf ein 18-Monats-Hoch von 1360 USD/oz. Bei Platin-ETPs (A0N62D) setzten sich die Abflüsse in der siebten Woche in Folge fort. Laut dem Dachverband der europäischen Automobilindustrie ging der Anteil der Dieselfahrzeuge an den Neufahrzeugen prozentual um 33 Prozent zurück, obwohl die Neuzulassungen in der EU im Jahresvergleich um 7,1 Prozent stiegen. Dies dürfte Platin, das bei emissionsmindernden Technologien für Dieselfahrzeuge zum Einsatz kommt, belasten.

Energiekorb-ETPs (A0KRKD) waren mit Entnahmen im Wert von 13,2 Mio. USD konfrontiert, während Rohöl-ETPs (A1N49P) Zuflüsse in Höhe von 21,8 Mio. USD verzeichneten. In ihrem neuesten Bericht prognostiziert die Internationale Energiebehörde einen Anstieg des Fördervolumens um 1,8 Mio. Barrel pro Tag, was die Zunahme der weltweiten Nachfrage wahrscheinlich übertreffen wird. Wenn die Rohölförderung der OPEC bei 32,3 Mio. Barrel pro Tag konstant bleibt, scheint der Markt dann allerdings aufgrund der wiederholten unplanmäßigen Ausfälle in Venezuela mehr oder minder im Gleichgewicht zu sein. Sollte Venezuela die Produktion jedoch im üblichen Umfang wieder aufnehmen, käme es auf dem Markt zu einem Überangebot.

China – Positiver Ausblick trotz anhaltend steigender Schulden

Nach dem 19. Nationalkongress der Kommunistischen Partei in China und die damit verbundene erneute Ernennung von Xi Jinping zum Staatspräsidenten der Volksrepublik, war zu erwarten, dass sich die Dinge wieder im Sinn der Parteiführung entwickeln dürften. In gewisser Weise haben sie das auch – bis auf eine weiter ansteigende Staatsverschuldung sowie einem verlangsamten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. Einige Monate nach dem Nationalkongress wird weiterhin hart gegen Investoren vorgegangen, die übertriebene Investmentambitionen im Ausland hegen. Ebenso gegen Versicherungen, die zu Ponzi-esque agieren. Dies hat sowohl zu einer starken Erholung des Yuan als auch der Aktienkurse geführt.

„Trotz der steigenden Verschuldung ist unser Ausblick für China zuversichtlich“, sagt Richard Jones, Portfolio Manager, First State Stewart Asia, First State Investments. „Das Schuldenniveau im Bereich von 250 bis 300 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hat zwar historisch betrachtet bereits einige Länder in ernste Schwierigkeiten gebracht – China scheint jedoch zumindest im ökonomischen Sinn anders zu sein. Wie in Japan spielt sich ein Großteil der Verschuldung auf lokaler Ebene ab, China ist jedoch bislang effektiv auf beiden Seiten der Bilanz. Vor allem bei Banken ist dies der Fall. Allerdings liegen die Risiken weiterhin im Schuldenniveau des Landes. Diese könnten unserer Meinung nach weiter ansteigen. Deshalb verfolgen wir bei Investments in China einen pragmatischen Ansatz und bewerten Unternehmen mit einem ähnlichen Regulierungsrahmen wie die restlichen asiatischen Länder. Obwohl die chinesische Wirtschaft der Politik klar untergeordnet ist, sehen wir uns derzeit in der Lage, auch weiterhin aus unserer Perspektive attraktive Investments zu finden. Insbesondere konzentrieren wir uns auf Unternehmen mit internationaler Ausrichtung und Exporteinnahmen.

Aktuell sind wir mit 2 Milliarden US-Dollar in den Markt investiert. Allerdings halten wir momentan von 3.200 möglichen Aktien, nur 23. Dies spiegelt unseren Ansatz einer strengen Titelauswahl wider. Um eine Vorstellung von unserer Exposition in China zu bekommen, müssen Hongkong und Taiwan in die Gleichung einbezogen werden, denn nur so lässt sich unseres Erachtens die Wirtschaftsleistung vollumfänglich erfassen. So stammen beispielsweise 50 Prozent des Gewinns von Gasanbieter Hong Kong and China Gas (HKCG) aus der Volksrepublik. Gleiches gilt für den taiwanesischen und international agierenden Lebensmittelkonzern Uni-President, und auch für den pan-asiatischen Versicherungskonzern AIA sind China und Hongkong die Wachstumstreiber.“

Über First State Investments
First State Investments ist eine globale Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Erfahrung in verschiedenen Anlageklassen und spezialisierten Anlagesektoren. First State Investments gehört zur Commonwealth Bank of Australia und verwaltete zum 31. Dezember 2017 im Namen ihrer Kunden weltweit ein Vermögen von 143,6 Milliarden Euro. In Australien ist First State unter der Bezeichnung Colonial First State Global Asset Management tätig. First State Investments bietet eine Auswahl von Anlagelösungen für institutionelle Investoren und Kleinanleger weltweit, darunter Aktien-, Anleihe-, Multi-Asset-Anlagen und Anlagen in nicht börsennotierten Infrastrukturwerten. Unser Anlageansatz basiert auf der Verpflichtung, unseren Kunden auf lange Sicht bestmögliche Ergebnisse zu bieten. Zu diesem Zweck stellen wir sicher, dass unsere Interessen sich an denen unserer Anleger orientieren und halten an einer Unternehmenskultur fest, bei der wir stets im Interesse unserer Anleger handeln.

Wie funktioniert Inflation? – Treiber der Inflationsentwicklung

von Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste Asset Management.

Es gibt extrem viele Faktoren, die auf die Inflationsentwicklung einwirken können. Anbei eine kleine Grafik, die einige dieser Faktoren bzw. die Wirkungskanäle dahinter aufzeigt. Das sind aber bei weitem nicht alle Faktoren oder alle Wirkungskanäle. Es fehlen auch Abhängigkeiten zwischen einzelnen Faktoren bzw. Rückkoppelungsschleifen. Dazu kommt, dass sich die Gewichte der einzelnen Faktoren von Land zu Land unterscheiden können. Denken sie etwa an die Wechselkursentwicklung.

Das schaut kompliziert aus. Wie gehen Sie vor, wenn Sie sich die Inflationsentwicklung in einem Land anschauen?

Ausgangspunkt ist immer eine Grafik mit der vergangenen Inflationsentwicklung. Die aktuelle Inflationsrate ist ein guter Ausgangspunkt für eine Schätzung der zukünftigen. Dazu kommt, dass man sehr schnell ein Gefühl bekommt, was denn überhaupt drinnen ist. Schwankt die Inflation um +/-0,5% oder um +/-5% um einen Mittelwert? Man bekommt auch ein Gefühl für das institutionelle Set Up rund um die Inflation. Welche Inflationsgeschichte hat ein Land? Gab es Hyperinflation oder Deflation?

Als nächstes würde ich anschauen, welche Inflation kurz- und vor allem langfristig erwartet wird. Dazu kann man verschiedene Quellen nutzen. Was ist in inflationsgeschützten Anleihen oder ähnlichen Finanzinstrumenten gepreist? Was prognostizieren Zentralbank, Banken, internationale Organisation und Wirtschaftsforschungsinstitute? Was erwarten Unternehmer und Konsumenten in Umfragen?

Danach würde ich mir zyklische Einflussfaktoren anschauen. Darunter fallen die Stellung im Wirtschaftszyklus, Indikatoren, die auf die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsausnützung schließen lassen und letztendlich die Lohnentwicklung. Es geht darum herauszufinden, ob mit einem schnelleren Anstieg der Preise zu rechnen ist, weil die Nachfrage sehr hoch ist bzw. weil es Beschränkungen auf der Angebotsseite, etwa durch Kostenerhöhungen für bestimmte Rohstoffe gibt. Dazu kommen globale Einflussfaktoren wie Öl- und Importpreise, inklusive Wechselkursentwicklung.

Zuguterletzt geht es dann auch noch um eine Reihe weiterer, weniger klar zu fassende, Faktoren. Wie ist das politische Klima, die Einstellung zu wirtschaftlichen Themen und die Stimmung im Land? Wie entwickelt sich die Produktivität? Wie stark ist man dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt? Welche Rolle spielen neue, in der Regel billigere Vertriebswege? Wie viele Arbeitsplätze sind durch den technischen Fortschritt, sprich Roboter, gefährdet? Heute sind es meiner Meinung nach vor allem diese Faktoren, die die inzwischen sehr geringen Inflationsunterschiede ausmachen.

Warum war die Inflation 2017 so niedrig?

Vereinfacht kann man sagen, die Preise von Dienstleistungen stiegen, die von Gütern fielen.

  • Die Preise langlebiger Konsumgütern wie Autos, Wohnungseinrichtung oder Elektrogeräte gingen 2017 zurück.
  • Die Preise für Dienstleistungen hingegen stiegen in den letzten Jahren und auch 2017 beständig über 2% p.a.
  • Innerhalb der Dienstleistungen unterschieden sich vor allem die Preisentwicklung für die beiden Schwergewichte Housingund Health Care. Während die Wohnraumkosten mit über 3% stiegen, lag der Anstieg bei Gesundheitskosten bei 1,25% bis 1,5%.
  • Eine Wild Card kommt den Lebensmittel- und Energiepreisen zu. Diese schwanken deutlich stärker als andere Komponenten des Warenkorbs. Die Lebensmittelpreise stiegen 2017 zwar nur sehr moderat an, die Energiepreise liegen aber ca. 15% höher als ein Jahr zuvor. Das kann sich aber sehr rasch ändern. Vor genau einem Jahr lag der entsprechende Wert bei ca. minus 15%.

Wie spielt hier die Lohnentwicklung rein?

Die Lohnentwicklung ist natürlich ein wichtiges Thema. Trotz Roboterisierung arbeiten in jedem Unternehmen Menschen und diese bekommen ein Gehalt. Am Ende des Tages ist Arbeitskraft der wichtigste Inputfaktor in den Produktionsprozess. Wenn die Löhne fallen oder steigen, dann fällt oder steigt auch die Inflation.

Derzeit wird gerade in den USA die Lohnentwicklung oft diskutiert? Zum einen scheinen die Löhne trotz Hochkonjunktur nur sehr gering zu steigen, zum anderen wird oft angemerkt, dass die Lohnsteigerungen falsch gemessen werden. Was halten Sie davon?

Ich möchte mit der zweiten Frage beginnen. Steigen die Löhne oder nicht? Diese Frage ist wie jede Messfrage am Ende des Tages sehr technisch und wenn man die Details kennt nicht trivial. Die Federal Reserve Bank of Chicago, ein Teil des US-Zentralbanksystems, hat vor kurzer Zeit ein Paper veröffentlicht, in dem sie aus derselben Datenbasis Lohnzuwächse von 2,8% bis 5,1% errechnet hat. Angesichts der aktuellen Inflationsraten ein Scheunentor.

Woher kommt der Unterschied? Bei der Berechnung der durchschnittlichen Lohnanstiege muss man drei Fragen beantworten und je nachdem wie man diese beantwortet, bekommt man unterschiedliche Ergebnisse. Die erste Frage ist die, welche Lohnempfänger man nimmt. Alle oder nur diejenigen, die auch vor einem Jahr schon gearbeitet haben. Im einen Fall misst man die Veränderung der Löhne aller Lohnempfänger, d.h. das was Unternehmen als Lohnsumme zahlen, im anderen Fall, die Lohnanstiege derer, die über die gesamte Messperiode beschäftigt waren. Die zweite Frage ist die nach dem verwendeten Durchschnitt. Nimmt man das arithmetische Mittel oder den Median. Der Median reagiert weniger auf Ausreißer als es das arithmetische Mittel tut. Und die letzte Frage ist die, ob man alle Lohnempfänger gleich gewichtet oder ob auch die Höhe des Gehalts eine Rolle spielt. Änderungen hoher Gehälter schlagen entsprechend stärker auf die Lohnsumme der Unternehmen durch, als das gleich hohe prozentuelle Änderungen niedriger Gehälter täten. Je nachdem wie man diese Fragen beantwortet kommt man dann mit der gleichen Datenbasis auf Werte von 2,8% bis 5,1%.

Was heißt das jetzt? Steigen die Löhne (das Lohnwachstum) in den USA derzeit oder nicht?

Die durchschnittlichen Stundenlöhne (alle Personen, unabhängig davon, ob sie am Beginn der Periode schon beschäftigt waren, arithmetisches Mittel, Gleichgewichtung) in den USA stiegen zuletzt um 2,5% im Jahresabstand. Das ist angesichts der extrem niedrigen Arbeitslosenrate sehr gering. Ein Teil der Erklärung warum dieser Wert so gering ist, liegt aus meiner Sicht aber darin, dass gerade wegen der niedrigen Arbeitslosenrate vor allem Menschen eine Beschäftigung finden, die bisher aufgrund ihrer Qualifikation keine Chance hatten, einen Job zu finden. Diese Personen sind in der Regel geringer bezahlt und drücken daher die Löhne. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass eine große Zahl der zuletzt neu geschaffenen Jobs vor allem in Branchen geschaffen wurde, die eher gering qualifizierte Personen einstellen. Dafür spricht auch, dass die Lohnkosten derer, die auch während des letzten Jahres beschäftigt waren schneller als die 2,5% steigen. Dazu kommt, dass in den USA aufgrund der demografischen Entwicklung das durchschnittliche Alter der Beschäftigten sinkt. Ältere Arbeitskräfte, die aufgrund ihrer größeren Erfahrung auch mehr verdienen, fallen überproportional aus der Statistik und drücken so den Durchschnitt nach unten.

Heißt das die Löhne steigen ohnehin der Konjunkturlage entsprechend und werden nur falsch gemessen?

So einfach ist es leider auch wieder nicht. Die Löhne steigen zwar, aber von der guten Konjunktur ist in den Zahlen meines Erachtens trotzdem zu wenig zu sehen. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass es auch sehr gute alternative Erklärungen für die moderaten Lohnzuwächse gibt.

Einige Analysten behaupten, dass der US-Arbeitsmarkt gar nicht so angespannt ist, wie es die Arbeitslosenrate glauben machen will. Ein Teil der Arbeitslosigkeit wird einfach nicht gemessen. Das glaube ich persönlich nicht, da alternative Konzepte zur Messung der Arbeitslosigkeit zeigen, dass diese stillen Reserven in den USA inzwischen weitgehend ausgeschöpft sind. Einige Experten machen die Globalisierung und China für die niedrigen Löhne verantwortlich. Hier denke ich, dass die Angst vor Outsourcing und Jobverlust sicherlich eine dämpfende Wirkung auf die Lohnentwicklung haben. Wenngleich der direkte Effekt eher gering ist. Dafür wird zu wenig aus China importiert. In den USA stammen nur ca. 2% des Warenkorbs aus China.

Ein Faktor, der ebenfalls immer wieder angeführt wird, ist die immer stärkere Durchdringung der Wirtschaft mit Robotern und künstlicher Intelligenz. Hier bin ich skeptischer. Zum einen müsste man in den Produktivitätsstatistiken viel mehr davon sehen, wenn immer weniger Menschen dank Robotern immer mehr produzieren. Zum anderen ist der Anteil der Wirtschaft in dem die Roboter in den letzten 24 Monaten „die Herrschaft übernommen haben“ gering. Als weiterer Grund warum das Lohnwachstum derzeit so moderat ausfällt, werden oft die stabilen Inflationserwartungen genannt. Sieht man sich an, was Konsumenten und Unternehmer in den USA in den nächsten Jahren an Inflation erwarten, dann liegt der Wert ziemlich unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur bei ca. 2%. In so einem Umfeld werden geforderte und gezahlte Gehälter ebenfalls deutlich stabiler als in der Vergangenheit sein.


Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Über den Autor
Gerold Permoser ist seit Anfang April 2013 Veranlagungschef (Chief Investment Officer) der Erste Asset Management. In dieser Funktion verantwortet er die gesamten Asset Management Aktivitäten und Anlagestrategien aller Investmentfonds der Erste Asset Management Gruppe in Österreich, Deutschland, Kroatien, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn. Vor seinem Eintritt im Unternehmen übte er diese Funktion bei Macquarie Investmentmanagement Austria KAG aus. Permoser verfügt über Erfahrung im Veranlagungsbereich seit 1997.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Gewerbeimmobilien: Warum Investoren die deutschen Sekundärstandorte für sich entdecken

von Stefan Kalmund, Geschäftsführer und Dr. Tim Nädele, Senior Researcher, ACCOM Immobilien Gruppe, München.

Nach wie vor wird auf den deutschen Office-Immobilienmärkten rund jeder zweite Euro in den Top-7-Standorten umgesetzt.1 Gleichzeitig hat jedoch mittlerweile ein Umdenken unter den institutionellen Investoren eingesetzt: Die so genannten Mittelstandsstädte rücken immer stärker in den Investmentfokus zahlreicher Anleger und gewinnen spürbar an Gewicht, was die Asset-Allokation innerhalb ihrer Immobilienportfolios betrifft. Städte wie Dresden, Hannover, Nürnberg oder Darmstadt gehören eindeutig zu den neuen „Hidden Champions“ auf dem Retail- und Office-Markt. Und das hat seine Gründe.

Im Bürobereich – gemessen an der Volatilität der Mietniveaus und der Nettoanfangsrendite – weisen sämtliche der 30 wichtigsten Mittelstandsstädte ein deutlich günstigeres Risiko-Rendite-Verhältnis als die Top-7-Städte auf. Das zeigt eine von uns in Zusammenarbeit mit Bulwiengesa erstellte Studie. Der heterogene Branchen- und Mietermix und die diversifizierte Streuung sind in diesen Städten ebenfalls beachtlich. Neben den großen Konzernen wird die deutsche Wirtschaft von kleinen und mittelgroßen Unternehmen dominiert, die sich häufig im Familienbesitz befinden und den deutschen Mittelstand tragen. Deren Geschäftsmodelle sind langfristig und generationenübergreifend ausgelegt und oftmals sehr eng mit der jeweiligen Region verbunden. Die starke regionale Verflechtung führt dazu, dass diese Unternehmen auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten dem Standort treu bleiben.

Der Mittelstand treibt die Nachfrage nach Büroflächen

Der deutsche Büroimmobilienmarkt außerhalb der Top-7-Städte ist sehr interessant für internationale Investoren und sollte daher deutlich mehr in den Fokus rücken. Die Nachfrage nach Büroflächen in Deutschland hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Hierfür verantwortlich war größtenteils der sehr gute Arbeitsmarkt – die durchschnittliche Arbeitslosenquote nahm kontinuierlich ab und lag im vergangenen Jahr bundesweit bei nur noch 5,7 Prozent. Aktuell können die 30 von Bulwiengesa untersuchten Städte im Schnitt mit einer niedrigeren Arbeitslosenquote als die Top-7-Städte aufwarten. Relativ haben die Mittelstandsstädte bei der Zahl der Beschäftigten im Vergleich zu den Top 7 deutlich aufgeholt und es kam folglich zu einer Verbesserung der Flächennachfrage.

Während in den 7-Top-Städten die Büromieten Bulwiengesa zufolge innerhalb weniger Jahre um bis zu 20 Prozent schwankten, war die Volatilität in den kleineren Städten deutlich geringer. Gleichwohl stieg die Miete in Mittelstandsstädten etwas verhaltener als in den umkämpften innerstädtischen Lagen der Metropolen. Die genannten Aspekte lassen sich durch den geringen spekulativen Neubau und den begrenzten Flächenumsatz in Mittelstandsstädten erklären. Genau aus diesem Grunde trifft eine Value-Add- oder Core+-Strategie mit aktivem Managementansatz in diesen Städten der „Hidden Champions“ auf besonders fruchtbaren Boden. 

Ferner sind stabile Mieteinnahmen dort in besonders hohem Maße gewährleistet und liegen weit oberhalb normaler Branchenbenchmarks. Zurückzuführen sind die stetigen Mieteinnahmen grundsätzlich auf zwei Aspekte. Ein großer Vorteil für Investoren in den Mittelstandsstädten ist die gewünschte Mietdauer. Erfahrungsgemäß werden Mietverträge für mindestens zehn Jahre abgeschlossen. Denn nicht nur Anwälte, Notare oder Ärzte, sondern auch Dienstleister und kleineres produzierendes Gewerbe planen langfristig und vorausschauend. Dadurch ist das Wiedervermietungsrisiko in diesen Städten geringer als in den Top-7-Städten. Wenn ein Mieter sowohl mit dem Standort als auch mit dem Management des Objekts zufrieden ist, bleibt er in den meisten Fällen vor Ort. Folge: Knapp 90 Prozent der Gewerbemieter machen erfahrungsgemäß von ihren Verlängerungsoptionen Gebrauch.

Südkoreanische Investoren strecken ihre Fühler aus

Nicht nur immer mehr deutsche und europäische Investoren lassen sich von diesen Argumenten überzeugen. Auch professionelle asiatische Anleger, die derzeit vor allem Interesse an bislang großen Trophy-Gebäuden in Metropolen wie Berlin und München zeigen, sind zunehmend von der Tragfähigkeit und Stetigkeit der Mittelstandsstrategie überzeugt. Die Botschaft muss lauten: Keine Angst vor Sekundärstandorten! Südkoreaner schätzen beispielsweise die Qualität, die Kontinuität und die Werte in Deutschland außerordentlich. Sie kennen unsere Städte, lieben unsere Lebensart und auch der hiesige Mittelstand genießt rund um Seoul und im Reich der Mitte ein außerordentlich hohes Ansehen.

Insgesamt stammten bislang 46 Prozent der Immobiliendirektinvestitionen asiatischer Adressen aus Südkorea – ihr Anteil an allen ausländischen Investitionen ist in Deutschland mit zwei Prozent und einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro im vergangenen Jahr aber natürlich noch ausbaufähig. 

Nicht nur Großinvestoren aus Fernost, sondern auch Pensionskassen und Privatinvestoren zeigen ein immer größeres Interesse am deutschen Immobilienmarkt, da sie ihre Quote außerhalb der Heimatmärkte diversifizieren möchten. Ein weiterer entscheidender Grund: Nach China haben sich auch in Südkorea die gesetzlichen heimischen Rahmenbedingungen für Auslandsinvestitionen institutioneller Anleger deutlich verbessert. Wurden in diesem Bereich Investitionen in ausländische Märkte bislang untersagt, sind diese nun erlaubt. In naher Zukunft ist daher mit einem neuen Run auf die hiesigen Märkte zu rechnen.

Lange Zeit wurde Großbritannien von asiatischen Investoren in Europa als bevorzugter Investitionsstandort gehandelt. Heutzutage ist aber ein Umdenken der Investoren hin zu Immobilienanlagen in anderen europäischen Immobilienmärkten zu beobachten. Aus diesem Grund ist das Interesse an deutschen Mittelstandstädten, insbesondere bei professionellen Anlegern mit einem langfristigen und diversifizierten Investmentfokus, in letzter Zeit deutlich gestiegen. Für sicherheitsbewusste Investorengruppen aus dem Asia-Pacific-Raum könnte dementsprechend ein Fonds vorteilhaft sein, bei dem 80 Prozent des Volumens in Core+- und 20 Prozent in Value-Add-Objekten allokiert wären. Um solch ein Investment erfolgreich umsetzen zu können, ist jedoch eine starke Präsenz in den verschiedenen regionalen Märkten notwendig.

Eine starke Vor-Ort-Präsenz ist Pflicht

Um diese Präsenz zu erreichen, ist ein gutes lokales Netzwerk sowohl zu Unternehmen als auch zum Handwerk wichtig. Es dient dazu, ein effizienteres Vermietungsmanagement mit einem ausgewogeneren Mieter- und Branchenmix zu gewährleisten. Außerdem sollte der Asset-Manager mit der Vermietung von kleinteiligen Flächen vertraut sein. Darunter fällt beispielsweise die Vermietung kleinerer Einheiten von 100 bis 400 Quadratmeter Fläche. Zudem ist das nicht genutzte Mietflächenpotenzial dieser Flächenklassen zu heben. Dadurch können Optimierungspotenziale genutzt und die Standorttreue gesichert werden. Dieses gewährleistet ein effizientes Vermietungsmanagement mit einem ausgewogeneren Mieter- und Branchenmix. Unzufriedene Mieter, die sich für einen Wegzug entscheiden, stellen in den Mittelstandsstädten für Investoren ein größeres Risiko dar als an den A-Standorten.

Selbst wenn es dabei Probleme gibt, sollte versucht werden, einen Mieter zu halten. Möglicherweise können durch eine veränderte Nutzermischung oder eine bestimmte Bauweise Synergieeffekte erzielt und somit den Mieteranforderungen bestmöglich gerecht werden. Droht eine Geschäftsaufgabe, ist der Asset-Manager im besten Falle bereits im Vorfeld informiert und kann auf diese Weise frühzeitig mit der Suche eines Nachmieters beginnen. Eigentümer und Asset-Manager müssen die Office-Objekte folglich noch intensiver im Blick haben als an den A-Standorten. Bei professionellem Management der Objekte und der Investments müssen Office-Objekte in deutschen Mittelstandstädten somit nicht riskanter sein. Damit werden sie zu einer attraktiven Alternative für die deutschen Metropolregionen und bilden eine sinnvolle Ergänzung des Immobilienportfolios institutioneller Investoren.


1) Vgl. CBRE Pressemitteilung, 1/2018

Ein kleiner aber wachsender Markt für Green Bonds

Laut dem Pariser Klimaschutzabkommen haben sich alle Länder zur Senkung von CO2-Emissionen verpflichtet, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 ̊C zu begrenzen. Der Markt für Green Bonds („grüne Anleihen“) ist, neben anderen, eines der Instrumente, die Anlegern zur Erreichung von Umweltzielen zur Verfügung stehen, so Edith Southammakosane, Multi-Asset Strategist bei ETF Securities. Der Zugang ist allerdings nach wie vor institutionellen Anlegern vorbehalten. Der Green-Bond-Markt dürfte ein schnelles Wachstum verzeichnen, da es zu einer stärkeren Regulierung und Standardisierung kommt, um die Ausgabe und Zeichnung zu erleichtern.

Internationale Organisationen konnten ihre Klimaziele in der Vergangenheit nie erreichen. Die Durchschnittstemperaturen weltweit steigen weiter an. Naturkatastrophen treten so häufig auf wie noch nie zuvor, während internationale und lokale Maßnahmen zur Minderung der negativen Auswirkungen von Treibhausgasemissionen nach wie vor nicht ambitioniert genug sind, um der globalen Erderwärmung Einhalt zu gebieten. Das Übereinkommen von Paris, das im Dezember 2015 aufgesetzt wurde und im November 2016 in Kraft trat, gilt als Wendepunkt in den weltweiten Bemühungen zur Rettung des Planeten, da es die Unterzeichner dazu ermutigt, ambitioniertere Ziele nach Best-Effort-Prinzip zu definieren. Allerdings müssen den Worten auch Taten folgen.

In einem früheren Bericht mit dem Titel Sustainable investing: the performance myth hoben wir Millennials als wesentliche Nachfragequelle für grüne Anlagen sowie deren Rolle bei der Neugestaltung der Anlagebranche hervor. Nachhaltige Anlagen und ESG-Kriterien sind dank des neuen Kapitals seitens der Millennials, die ihre Anlageziele mit ihrer moralischen Verpflichtung gegenüber dem Planeten und künftigen Generationen verbinden möchten, mittlerweile weit verbreitet. Während sich Emissionsrechte bei der Verringerung von CO2- Emissionen nicht als so effizient erwiesen haben wie erwartet worden war, haben die Umweltpolitik und die Stärkung des globalen Bewusstseins zu einem Anstieg der Investitionen in erneuerbare Energien beigetragen. In diesem Beitrag analysieren wir den Markt für Green Bonds, der Möglichkeiten für Anlagen in grüne Projekte bietet und auf kurze Sicht rasant wachsen dürfte.

Was sind Green Bonds?

Green Bonds sind Anleihen, deren Erlöse zugunsten von ökologischen Projekten gehen, darunter z.B. die Entwicklung erneuerbarer Energien, sauberer Transport, Verschmutzungsprävention oder Energieeffizienz. Ein Green Bond weist dieselben Merkmale auf wie eine „normale“ Anleihe – von Kupon über Duration und Laufzeit bis hin zur Abhängigkeit des Kurses von Angebot und Nachfrage. Dabei widmeten sich, wie bereits beim nachhaltigen und verantwortungsbewussten Anlegen (Sustainable and Responsible Investing, SRI), internationale Organisationen der Definition allgemeiner Richtlinien, welche Kriterien auflisten, die eine Anleihe erfüllen muss, um als „grün“ betrachtet zu werden. Derzeit kommen zwei wesentliche Standards zum Einsatz:

  • die von der International Capital Markets Association entwickelten Green Bond Principles (GBP), die Transparenz, vor allem im Hinblick auf die Verwendung von Erlösen, fördern; und
  • der von der Climate Bonds Initiative herausgegebene Climate Bonds Standard, der sektorspezifischere Kriterien für Anlagen und Projekte festlegt, um als „grün“ zu gelten. Zwar wurden auf lokaler Ebene viele weitere freiwillige Richtlinien veröffentlicht. Allerdings ist ein global anerkannter Standard erforderlich, damit der Markt für Green Bonds sein volles Potenzial entfalten kann.

Lage am Green-Bond-Markt

Die erste grüne Anleihe wurde 2007 von der Europäischen Investitionsbank ausgegeben. Dabei handelte es sich um eine Klimaschutzanleihe (Climate Awareness Bond) im Umfang von 600 Mio. EUR mit Fokus auf erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Während das Interesse seitens der Anleger und Emittenten hoch war, brauchte der Markt angesichts des Mangels an klaren Richtungsvorgaben und Transparenz einige Zeit, um sich zu etablieren. Erst mit der Veröffentlichung der GBP 2014 kam es zu einem deutlichen Anstieg der Volumina. Laut Daten von Bloomberg nahm die Emission grüner Anleihen von unter einer Milliarde im Jahre 2008 auf beinahe 80 Mrd. USD in 2016 zu. 2017 fiel das Emissionsvolumen noch größer aus und erreichte bis Ende Oktober 92 Mrd. USD.

Laut Green Bond Database beläuft sich der Marktwert aller ausstehenden Green Bonds derzeit auf insgesamt 260 Mrd. USD und damit weniger als 0,5 Prozent des globalen Anleihenmarktes. Die Emittenten reichen von multinationalen Konzernen und Regierungen bis hin zu Kommunen und Unternehmen, wobei Banken 2016 laut Bloomberg für beinahe die Hälfte der Emissionen verantwortlich waren. Die Erlöse wurden, wie aus der nachstehenden Grafik ersichtlich, ebenfalls für ein breites Spektrum an Projekten aufgewandt. Dabei entfielen 80 Prozent der Erlöse auf die Bereiche erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Transport.

Anlagen in Green Bonds

Aufgrund der geringen Größe des Marktes sind grüne Anleihen in der Regel überzeichnet, da die Nachfrage nach Anlagen in grüne Projekte stark ausfällt. Der Zugang zu diesen Anleihen ist in erster Linie institutionellen Anlegern vorbehalten, wobei der Liquiditätsengpass einen Kursaufschlag grüner Anleihen gegenüber normalen Papieren zur Folge hat.

Seit 2008 wurden fünf Indizes aufgelegt, die hauptsächlich dazu genutzt werden, die Performance des Green-Bond-Marktes im Vergleich zum Anleihenmarkt nachzubilden. Zwar umfassen alle Indizes Anleihen, deren Erlöse grünen Projekten zugutekommen. Die zusätzlichen indexspezifischen Kriterien sorgen aber für leichte Unterschiede.

Die vorstehende Grafik macht allerdings deutlich, dass die spezifischen Auswahlkriterien aus Performancesicht kaum einen Unterschied machen. Mit Ausnahme des ChinaBond Green Bond Index, der in Renminbi denominiert ist, sind Green-Bond-Indizes ungeachtet ihres Auflagedatums stark miteinander korreliert. Seit der letzten Talsohle Mitte Dezember 2016 legten Green-Bond-Indizes um 10 Prozent zu, da das im Dezember 2015 abgefasste Klimaschutzabkommen von Paris am 4. November 2016 in Kraft trat. Da sich der Markt noch in den Kinderschuhen befindet, stehen Retail-Anlegern nur sehr wenige Exchange Traded Products (ETPs) zur Verfügung. Deren Zahl dürfte aber parallel zum Wachstum des Green-Bond-Marktes steigen.

Die obige Tabelle macht deutlich, dass die Performance grüner Anleihen klar hinter der Wertentwicklung von Standard- Anleihenindizes zurückbleibt. Ähnlich wie das SRI oder der Handel mit Emissionsrechten richten sich diese Märkte an eine neue Art von Anlegern, die auf den Schutz des Planeten einen stärkeren Schwerpunkt legen als auf die Wertentwicklung ihres Portfolios.

Wachstum erwartet, Herausforderungen bleiben aber bestehen

Laut Angaben der Weltbank wären zwischen 2016 und 2030 Green-Bond-Emissionen im Umfang von 23 Bio. USD erforderlich, um die Ziele des Übereinkommens von Paris auch nur annähernd zu erreichen. Dies entspricht rund 1,6 Bio. USD pro Jahr. Die People‘s Bank of China schätzt hingegen, dass zwischen 290 Mrd. und 580 Mrd. USD pro Jahr ausreichend sind, um die Folgen des Klimawandels zu mindern. In beiden Fällen entspricht dies einem Emissionsanstieg am Green-Bond- Markt um über das Dreifache des aktuellen jährlichen Volumens.

Zwar trägt ein starkes Emissionswachstum zur Verringerung der Liquiditätsknappheit bei. Dies ist allerdings weiterhin mit wesentlichen Herausforderungen verbunden, darunter:

  • die Notwendigkeit eines globalen Branchenstandards, der die zahlreichen freiwilligen Richtlinien ersetzt;
  • die Entwicklung eines Systems zur Überwachung der Erlösnutzung, das unabhängig von den Berichten der Emittenten arbeitet;
  • Zugang zum Green-Bond-Markt für kleinere Anleger;
  • messbare Umweltwirkung des Projekts (z.B. geschätzte Reduzierung der CO2-Emissionen je investiertem USD);
  • Risiko von „Greenwashing“, z.B. wenn ein Unternehmen grüne Anleihen ausgeben darf, gleichzeitig aber einen starken Bezug zu fossilen Brennstoffen aufweist; und
  • Schwellenländer stellen nur kleine Emittenten dar, wenngleich grüne Projekte in diesen Regionen dringender benötigt werden.

Dieser Beitrag ist Teil von ETF Securities' Ausblick 2018. Hier geht es zum vollständigen Ausblick "Disruptive Faktoren gehören 2018 zum Mainstream".

Das neue, digitale Indien

Andrew Ness, Portfoliomanager Global Emerging Markets bei der auf Aktien spezialisierten Legg Mason-Tochtergesellschaft Martin Currie.

Ein Bild der Heckpartie eines Jeep Wrangler an der einen, eine interaktive Weltkarte in der Größe einer Einsatzzentrale an der anderen Wand. Im mit Moss-Wänden dekorierten Lounge-Bereich sitzen die klassischen „Nerds“ über ihre Laptops gebeugt oder an ihrem Café Latte nippend. Wer jetzt zwangsläufig an das Silicon Valley denkt, liegt leider falsch. Diese Eindrücke stammen aus einem Büro inmitten eines wohlhabenden Viertels von Neu Dehli und stehen wohl stellvertretend für das neue, digitale Indien. Wer also auf der Suche nach Hinweisen auf die Zukunft des Landes ist, tut gut daran, sich zunächst im Technologiesektor umzuschauen. Denn Indien nimmt für seine wirtschaftliche Entwicklung gerade die Überholspur auf der digitalen Autobahn – und das mit vollem Enthusiasmus, der auf vielen Ebenen im öffentlichen wie privaten Sektor gleichermaßen zu spüren ist. Während meines letzten Besuchs im Land schlug mir eine regelrechte Welle der Kreativität entgegen. Kein Wunder, ist doch rund zwei Drittel der indischen Bevölkerung unter 35 Jahren, die Smartphone-Penetration hoch und die digitale Agenda der Regierung recht aggressiv. Um es einmal in die richtige Perspektive zu setzen: Die Internetnutzer in Indien haben sich alleine zwischen 2011 und 2016 von 100 auf rund 300 Millionen verdreifacht. Entsprechend ist auch Datenverbrauch explodiert – seit Mitte 2016 hat er sich verfünffacht. Ein solcher Hype zieht natürlich jede Menge Unternehmer an. Im Tech-Universum entwickelt sich derzeit in Höchstgeschwindigkeit ein Start-up-Ökosystem mit wachsenden Investitionen vor allem in herausragenden Bereichen wie künstliche Intelligenz oder Analytics. Digitale Transformation – in Indien keine leere Worthülse, sondern ein Unterfangen, das mit Vollgas auf der Überholspur umgesetzt wird.


Weitere Informationen finden Sie auf leggmason.de.

How many funds within a peer group are ahead of benchmark?

Over a 12-month-rolling period, 32% of US managers and 45% of emerging markets managers as well as 45% of Europe managers outperformed their benchmarks net of fees.

58% of Europe managers outperformed their indices in January net of fees. In the US, only 33% of the managers outperformed their respective indices net of fees and only 29% of emerging market managers were able to beat their benchmarks.

In Europe, small caps performed better than large caps in January and the value style outperformed the growth style. As many of the active funds have an overweight exposure in small caps, the outperformance can be partly explained by this factor. Last but not least, the sector exposure did not contribute to the outperformance. The majority of the outperformance can therefore be explained by pure stock picking capabilities of the Europe managers. For the other regions, stock picking has been less successful. In the absence of any other significant market-cap, style or sector allocation effects, the majority of the fund managers in those regions were behind benchmark.

Please find the full fundinfo Research News - February 2018 edition including a summary of manager meetings attached on the left.

How rising interest rates have affected returns from bonds

Clement Yong, Strategist - Research and Analytics, presents Schroders' research, covering four decades of data, showing how different types of bonds have performed when rates were rising.

Rising interest rates and tighter monetary policies are firmly on the agenda globally.

The US Federal Reserve in particular has been paving the path for hiking interest rates and many investors expect at least three further rate hikes this year.

In the UK, the Bank of England raised its interest rates for the first time in a decade back in November. In other parts of the world, the European Central Bank and Bank of Japan have begun gradually withdrawing from their respective quantitative easing (QE) programmes.

Many are therefore expecting government bond yields to rise and due to the inverse relationship between yields and prices (as yields increase, prices fall), investors have become nervous about fixed income investments, including credit assets. But these fears may be overblown.

When we talk about credit, we refer to the likes of investment grade bonds (issued by more creditworthy companies), high yield bonds (issued by less creditworthy companies, but offering more return and income in exchange), and emerging market bonds.

In September last year, we looked into past episodes of rising rates in the period between 1970 and early 2017 and how returns were affected. We focused on the US and emerging markets, measuring returns for bonds priced in dollars and in local currencies.

Our research suggested rising rates do not necessarily spell doom for income assets, including credit. The main findings were:

  1. Income assets produced positive returns, on average, in rising rate environments, with the exception of government and corporate bonds.
  2. Government bonds, such as US Treasuries, and investment grade corporate bonds have performed far worse when yields have been rising than when they have been falling.
  3. Many other assets typically included in income portfolios have held up well, and some have actually performed better, when yields have been rising.

Rising interest rates are not necessarily bad news for all bond investments

Past performance is not a guide to future performance and may not be repeated.

These conclusions should provide comfort for credit investors. As interest rates tends to rise in anticipation of stronger economic growth, assets which are more sensitive to economic growth (such as high yield debt) can still perform well. As corporate fundamentals usually also improve, this provides a boost to company profits and improves the creditworthiness of borrowers, supporting their corporate bonds.

The variation in performance of these assets, combined with the fact that most returns have been positive during rising yield environments, underlines the importance of asset allocation during times of rising rates. If investors can combine savvy asset allocation with an awareness of credit assets’ behaviour when rates rise, then they may be able to add value even when the going looks tough and the temptation might otherwise be to sell.

Investors should also remind themselves about the purpose of holding credit as part of their portfolio. If it is solely for returns, then shrewd asset allocation is needed when rates are rising.

If it is to generate a level of income, which has been the case over the last few years, due to low interest rates, then investors need not necessarily panic as the impact of rising interest rates on income levels has been minimal.

Companies are loath to cut dividends, given the negative signal that it sends to the market, while coupons on bonds are one of the first claims on a company’s income, ranking above other demands.

Past performance is not a guide to future performance and may not be repeated.

In all this it is important to remember that, like any other asset class, investing in bonds requires an adequate time horizon. Being patient and not panicking when interest rates go up is integral to this strategy.


This article has first been published on schroders.com.

The value of investments and the income from them may go down as well as up and investors may not get back the amounts originally invested.

Katastrophale Umweltbilanz von Bitcoin

von Stefanie Schock, Responsible Investment Team der Erste Asset Management.

Das gesamte Bitcoin Netzwerk benötigt bereits jetzt mehr Energie als Peru oder Hong Kong und fast die Hälfte von Österreichs Strombedarf. Eine derartige Entwicklung wirkt dem Erreichen der Pariser Klimaziele, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu beschränken, klar entgegen.

Der Marktwert des gehypten Bitcoins ist heute höher als der aller zirkulierenden Banknoten und Münzen des britischen Pfunds oder des Schweizer Frankens. Die digitale Währung mit der dahinterstehenden Blockchain-Technologie unterliegt  keiner Kontrolle von Zentralbanken oder anderen Finanzbehörden und hat sich als skalierbar erwiesen: die Anzahl der Nutzer und Transaktionen sowie die Marktkapitalisierung des Bitcoins ist seit der „Gründung“ im Jahr 2009 rasant gestiegen.

Seit der Erstnotiz im Jahr 2010 hat sich der Bitcoin-Kurs jedes Jahr im Durchschnitt verzehnfacht, im Jahr 2017 lag die Performance sogar über dem langjährigen Durchschnitt. Die Volatilität bleibt hoch: derzeit schlittert der Kurs eher nach unten. Die Eignung des Bitcoins als Währung, Zahlungs- oder Wertaufbewahrungsmittel ist alleine aufgrund der extremen Preisschwankungen fraglich. Aus der Umweltperspektive und Governance Aspekten (sprich „Geldwäscheverdacht“) her betrachtet, ist eine kritische Auseinandersetzung geradezu verpflichtend.

215 kWh für eine einmalige Bitcoin Transaktion 

Aus Umweltsicht steht vor allem die mangelnde Energieeffizienz von Bitcoin Mining in der Kritik. Für 130Mio. Transaktionen wurden im letzten Jahr ca. 29TWh aufgewendet, das entspricht in etwa 215 kWh pro Transaktion. Freilich werden 90% des Strombedarfs derzeit für das Schürfen neuer Bitcoins aufgewendet und etwa 10% für die Validierung von Transaktionen. Mit den stark gestiegenen Kursen in 2017 nahmen immer mehr Miner mit noch größeren Serverkapazitäten am Prozess teil.

Da das Softwareprotokoll automatisch regelt, dass im Durchschnitt alle 10 Minuten ein Block generiert wird, wurde der Schwierigkeitsgrad deutlich erhöht, was den Stromverbrauch naturgemäß in die Höhe trieb. Das  wiederum hat zur Folge, dass nur Länder mit niedrigen Energiepreisen oder tieferen Außentemperaturen für Miner attraktiv sind. Neben nordeuropäischen Ländern und Kanada, trifft das vor allem für China zu. Laut einer globalen Cryptocurrency Studie von Hileman & Rauchs sind bereits 58% der weltweit größten Kryptowährungs-Mining-Pools dort beheimatet. Günstige Bedingungen sind unter anderem auch in Island zu finden, wo sich mit Genesis Mining das selbstbezeichnet größte Unternehmen dieser Art befindet.

Erreichen der Pariser Klimaziele in weiter Ferne

Der Stromverbrauch, der derzeit für eine Transaktion (inkludiert das Schürfen neuer Münzen) aufgewendet wird entspricht in etwa dem wöchentlichen Strombedarf eines durchschnittlichen amerikanischen Haushalts. Unter der Annahme, dass sich die Konsumation entsprechend dem Preis entwickelt, würde der für Bitcoin Mining benötigte Stromverbrauch in ein paar Jahren dem der Niederlande oder der Schweiz entsprechen. Nach Kalkulationen von Digiconomist auf Datenbasis der IEA (International Energy Agency) benötigt das gesamte Bitcoin Netzwerk bereits jetzt mehr Energie als der gesamte Irak, Peru oder Hong Kong und fast die Hälfte von Österreichs Strombedarf.

Eine derartige Entwicklung wirkt dem Erreichen der Pariser Klimaziele, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu beschränken, klar entgegen. Dazu kommt, dass der Strommix in China immer noch zu rund 60% aus der Verbrennung von Kohle stammt. Vor allem Serverfarmen wie in Xinjiang, der  inneren Mongolei oder im Nordosten Chinas, in Heilongjiang, sind stark von Kohle abhängig.  (Quelle: Hileman & Rauchs).

Bitcoin-Energie-Konsum im Vergleich zu ausgewählten Ländern

 

Quelle: https://digiconomist.net/bitcoin-energy-consumption

Blockchain 2.0

Neben dem Proof of Work gibt es auch weitere Mining Mechanismen:  Bei Ethereum, der Kryptowährung mit der zweitgrößten Marktkapitalisierung nach Bitcoin, wird das Proof-of-Stake angewendet. Bedeutend ist hier der Anteil (stake) an der  Menge an Tokens, die der Miner besitzt. Je größer der Anteil, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieser Nutzer ausgewählt wird, um den nächsten Block zu minen (statt alle 10 Minuten ein Block, alle 12 Sekunden).

Jüngere Generationen der Blockchain-Technologie bzw. Abwandlungen davon, kommen bereits gänzlich ohne Mining aus. Zum Beispiel soll die Cyberwährung IOTA (Internet of Things/ Tangle)  durch die Anwendung von „Tangle“ weniger ressourcenintensive Transaktionen abwickeln können. Der Hauptunterschied zu Bitcoin besteht in einer Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie – auch DAG (Directed-Acyclic-Graph) genannt. Diese ermöglicht es nicht nur in eine Richtung, sondern an verschiedenen Stellen gleichzeitig zu wachsen. Dadurch werden keine Miner benötigt, welche die Transaktionen verifizieren müssen. Schließlich sollen auch kleinere Rechner in Autos, Smartphones etc.  Transaktionen verarbeiten können.

Durch die Anwendung von Tangle statt eines binären Systems wie bei den meisten IOT Geräten, könnte wiederum eine höhere Rechenleistung anfallen.

Fehlende Regulierung und Konsumentenschutz

Neben den starken Preisschwankungen werden Kryptowährungen auch wegen fehlender Regulierungen kritisiert. Konsumentenschutz wie er in etwa durch die Umsetzung von MIFID II gefördert wird, existiert für Kryptowährungen noch in keinem umfassenden Ausmaß. Es ist davon auszugehen, dass sich das in näherer Zukunft ändern wird. (Quelle: Spiegel)

„In areas like cryptocurrencies, like Bitcoin, we should be looking at these very seriously, precisely because of the way they can be used, particularly by criminals” kündigt UK Prime Ministerin Theresa May an (Quelle: CNN) und auch in den Kryptowährungshochburgen China und Südkorea wird gegen Handelsplätze vorgegangen bzw. Mining beschränkt.

Finanzbehörden in China bemängeln den spekulativen Charakter der Währungen sowie die Möglichkeit zur Geldwäsche und Steuervermeidung die sich dadurch eröffnen. Durch eine neue Geldwäscherichtlinie der EU sollen Anleger nicht anonym bleiben können, wenn sie digitales in staatliches Geld wechseln und auch in Österreich spricht sich die Finanzmarktaufsicht (FMA) bei ICO’s (Intital Coin Offerings) für eine Prospektpflicht, vergleichbar zu klassischen Aktienemissionen, sowie für eine transparentere Berichtspflicht, aus (Quelle: fondsprofessionell).

Quelle: https://digiconomist.net/bitcoin-energy-consumption

Bitcoin hat keinen Platz im Nachhaltigkeitsuniversum

Ein Blick auf die obere Grafik genügt, um zu verstehen, warum Bitcoins aus nachhaltiger Sicht kein Thema sindAufgrund des enorm hohen Energieaufwands, fehlender Regulierungen und Governance-Problemen wie Geldwäscheverdacht kommt ein Investment in Bitcoins  zumindest in den nachhaltigen Investmentprodukten der Erste Asset Management derzeit nicht in Frage. Aus der Blockchain- Technologie und Weiterentwicklungen davon ergeben sich aus ESG-Perspektive aber auch Chancen (Stichwort Transparenz, Datensicherheit oder Zugang zu Informationen), welche einer separaten Analyse bedürfen.

 


Quellen: Bloomberg, Digiconomist, JBS, Motherboard Vice, Financial Times 

Stefanie Schock ist Diplom-Ingenieurin für Umwelt- u Bioressourcenmanagement und ist seit 2016 im Responsible Investment Team der Erste Asset Management tätig. Davor arbeitete sie beim WWF Österreich im Bereich „Sustainable Finance“.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

 

Stürmischer Aktienmarkt: ETF-Anleger sehen Silberstreif am Horizont

Der Einbruch der zyklischen Märkte löste bei Industriemetallen, Rohöl, Gold und anderen Rohstoffen einen Abverkauf aus, so ETF Securities im wöchentlichen Markt- und Flowbericht. ETF-Anleger sahen in dem Kursrückgang jedoch eine Chance, Aktien zu kaufen. Rekordfördermengen in den USA lasten weiterhin auf den Rohölpreisen.

Industriemetall-ETPs (A0SVX7) verzeichneten Abflüsse in Höhe von 99,9 Mio. USD. Die Industriemetalle, bei denen es sich bei ihnen um die zyklisch wohl am anfälligsten Rohstoffe handelt, verzeichneten die höchsten Abflüsse in zehn Wochen. Der Ausverkauf auf dem Aktienmarkt zog allerdings auch andere zyklische Werte in die Tiefe. Die Abflüsse konzentrierten sich auf breit aufgestellte Rohstoffkörbe, wo 133,6 Mio. USD abgezogen wurden, und auf Kupfer, das 26,3 Mio. USD verlor. „Andererseits flossen Nickel und Silber 61,3 Mio. USD beziehungsweise 19,3 Mio. USD zu. Dies spricht dafür, dass einige Anleger nun taktisch vorgehen und Chancen suchen“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director - Head of German Speaking Regions, ETF Securities.

Die Zuflüsse in europäische Long-Aktien-ETFs stiegen auf den höchsten Stand seit 2016, während Short-ETFS die höchsten Abflüsse seit 2016 verzeichneten. Als die europäischen Börsen kapitulierten, kauften Anleger europäische Aktien-ETPs im Wert von 15,9 Mio. USD. Zugleich sicherten sie ihre Gewinne, indem sie europäische (vorwiegend britische) ETF-Short-Positionen im Wert von 9,9 Mio. USD verkauften. „Die Handelsmuster deuten darauf hin, dass viele ETP-Anleger den derzeitigen Aktienmarktverfall als temporär betrachten“, so Hein.

Gold-ETPs (A0LP78) gelang es nicht, ängstliche Anleger anzuziehen. In Stressphasen ist Gold gewöhnlich der sichere Hafen, der angelaufen wird, allerdings nicht in der letzten Woche. Hier kam es zu Abflüssen in Höhe von 57,3 Mio. USD, da der Goldpreis um 1,3 Prozent zurückging. Die Renditen der US-Staatsanleihen bildeten nach 2,71 Prozent am Wochenanfang am Ende der Woche bei 2,86 Prozent eine Spitze aus, und der US-Dollar wertete auf. „Die zweite Stilllegung der US-Verwaltung innerhalb von drei Wochen bot Gold am Freitag nur vorübergehend Unterstützung, da das Haushaltsgesetz innerhalb von Stunden unterzeichnet und die Arbeit wieder aufgenommen wurde“, sagt Hein.

Rohöl-ETPs (A1N49P) verzeichneten weitere Abflüsse in Höhe von 29,7 Mio. USD, da die USA täglich eine Rekordmenge von 10,25 Mio. Barrel fördern. In den letzten 32 Wochen kam es bei Rohöl-ETPs (A0KRJX) nur einmal zu Zuflüssen. Anders als Rohölkontrakte, deren spekulative Positionierung erst jüngst ein Allzeithoch erreichte, wurden ETPs während der Kursrally zwischen Juni 2017 und Januar 2018 verkauft. Da viele Positionen während des Preisrückgangs seit 2014 aufgebaut wurden, sprechen die jüngsten Verkäufe für Gewinnmitnahmen. Wir hatten zuletzt argumentiert, dass die im Januar erreichten Preise von rund 70 USD/Barrel nicht nachhaltig seien, da die Förderung in den USA in der Folge steigen und die Preise wieder drücken würde. „In den letzten drei Wochen hat die Zahl der US-Förderplattformen zugenommen, das Fördervolumen ist vier Wochen in Folge gestiegen, und auch die Lagerbestände wachsen wieder an. Die US-Rohölförderung erreichte in der letzten Woche sogar ein Volumen von über 10,25 Mio. pro Tag und damit den höchsten Wert seit Beginn der wöchentlichen und monatlichen Aufzeichnungen 1983 beziehungsweise 1920“, sagt Hein.

Eine weitere volatile Woche für Aktien erwartet

Die vergangene Woche ist von einer deutlichen Börsenkorrektur geprägt gewesen. Während der S&P 500 einen Verlust von 5,2% verzeichnete, mussten auch andere Indizes deutliche Verluste hinnehmen. So verursachte die jüngste Korrektur beim MSCI EMU ein Minus von 5,1%, während der japanische Topix 7,1% und der britische FTSE 100 4,7% verloren. Zum Ende der Woche setzte eine leichte Erholung ein. Ursache des Rücksetzers an den globalen Märkten ist eine Neubewertung des Risikos steigender Zinsen gewesen,wobei der Effekt durch den algorithmischen Handel wohl noch verstärkt wurde. Sektoren, die am stärksten der höheren Marktvolatilität ausgesetzt waren, wie Finanztitel, litten stärker, aber auch defensive Aktien konnten die Auswirkungen nicht abfedern. Die Volatilität stieg von zunächst 13,5 zu Beginn des Monats auf 50,3, bevor sie schließlich auf 29,1 zurückfiel. Dennoch profitierten die Kern-Staatsanleihen, als sichere Häfen, nicht von steigenden Zuflüssen aus den Aktienmärkten, da die Erwartungen einer höheren Inflation und einer strafferen Geldpolitik der Notenbanken vorherrschten.

Treasuries erlebten die jüngste Korrektur eher ruhig, wobei die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen die Woche mit einem Plus von 2,83% beendeten. Die Bund-Rendite blieb mit 0,75% stabil, ebenso die Spreads südeuropäischer Bonds. Der BTP-Bund-Spread stieg um einen Basispunkt auf 128 Basispunkte, obwohl Umfragen nach wie vor darauf hindeuten, dass die bevorstehenden Wahlen in Italien in drei Wochen keine stabile Mehrheit bringen dürften. Die Kreditspreads stiegen dagegen insbesondere in den risikoreichen Segmenten an.

Angesichts der aktuellen Marktlage ist es eher unwahrscheinlich, dass die Nervosität der Anleger bald zurückgehen wird. Deshalb ist auch in dieser Woche mit einer relativ hohen Volatilität zu rechnen. Weitere Marktschwankungen können Investoren dazu zwingen, ihre Portfolios umzuschichten, was weitere Kapitalabflüsse bedeuten würde. Ein weiterer Risikofaktor ist die mögliche Trendumkehr bei den Mittelzuflüssen in Aktien-ETFs. Auf den Treasuries lastet zusätzlicher Aufwertungsdruck, nachdem der US-Kongress am Freitag bereits eine Erhöhung der Bundesausgaben im Wert von 300 Mrd. US-Dollar in zwei Jahren bewilligt hat. All diese Faktoren werden die Aktienkurse mit aller Wahrscheinlichkeit belasten. Aber erst eine deutlich stärkere Korrektur der Aktienkurse würde zu einer Verschärfung der finanziellen Bedingungen führen, die groß genug wäre, um die Fed von ihrem monetären Normalisierungskurs abzubringen. Dies wurde in der letzten Woche von einigen FOMC-Mitgliedern noch einmal betont.

Auf makroökonomischer Seite sollte die US-Inflation für Januar, deren Daten für Freitag erwartet werden, eine stabile Kernrate signalisieren. Allerdings dürften Überraschungen nach oben wohl nicht unbemerkt bleiben. Der erwartete Aufwärtstrend bei der Kapazitätsauslastung wird die solide Erholung in der Fertigung bestätigen.  Auch die Stärke im Euro-Währungsgebiet sollte durch die zweite Veröffentlichung des realen BIP für das 4. Quartal des zurückliegenden Jahres und durch die Industrieproduktion, die für Mittwoch vorgesehen sind, bestätigt werden.

"Der Konsum wird im Jahr des Hundes zunehmen"

Am 16. Februar beginnt offiziell das chinesische Neujahr und damit die Feierlichkeiten zum Frühlingsfestival – den wichtigsten Feiertagen des Landes. 2018 ist laut chinesischem Sternzeichen das Jahr des Hundes und das wird vor allem für den chinesischen Staatschef ein wichtiges, glaubt Kim Catechis, Head of Global Emerging Markets bei der Legg Mason-Tochtergesellschaft Martin Currie: „Für die chinesische Regierung ist es entscheidend, dass das erste Jahr von Präsident Xi Jinpings neuer, gefestigter Amtszeit ein Erfolg wird.“ Gemessen werde der am Fortschritt des „chinesischen Traums“ – dem Ziel, zu einer blühenden Nation aufzusteigen, die weltweit ein größeres Gewicht bekommt und seinen Bürgern einen höheren Lebensstandard bieten kann.

Die Schwellenländer-Experten der Legg Mason-Tochter glauben zudem, dass man nun mit einer Beschleunigung dieser nationalen „Verjüngungskur“ rechnen müsse. Dafür müsse Xi allerdings liefern – und zwar bei Umweltthemen wie sauberer Luft und Wasser sowie einer besseren und günstigeren Bereitstellung von Dienstleistungen. Aus dem Wissen dieser Prioritäten ließen sich klare Investitionsziele ableiten, sagt Catechis: „Anleger sollten sich eher auf die neue, glänzende Ära mit hohen Eigenkapitalrenditen der Unternehmen konzentrieren und nicht auf die alte, umweltverschmutzende Wirtschaft mit niedriger Profitabilität und hohen Schulden. Wir gehen außerdem davon aus, dass die Chinesen im Jahr des Hundes mehr konsumieren. Hongbaos, die traditionellen roten Umschläge, die man an Neujahr verschenkt, Zug- und auch Flugtickets werden in China beispielsweise zunehmend über Smartphones und Geldtransfer-Anbieter gekauft. Von diesem Trend profitieren prominente Namen wie Tencent oder Alibaba.“

Chinesische Unternehmen versuchten zudem nicht mehr aufzuholen, sondern würden gleich in einer ganzen Reihe verschiedener technologischer Bereiche die Führung übernehmen, betont Catechis weiter: „In China gibt es noch sehr viel unausgeschöpftes Wachstumspotenzial und viele hoch qualitative Unternehmen erweitern ihre wettbewerbsrelevanten Schützengräben. Wir glauben, dass genau hier einige der langfristig attraktivsten Anlagechancen für unsere Kunden liegen.“

Drei der vier Kategorien versprechen eine positive Marktentwicklung

Nach zwei Jahren ohne nennenswerten Rück­schlag ist in den letzten Tagen die von vielen Marktteilnehmern seit längerem erwartete Korrektur eingetreten. Als Begründungen werden steigende Inflationsgefahren und höhere Zinsen angeführt, so Raiffeisen Capital Management. Beides ist im Konjunktur­zyklus aber ganz normal. Nichtsdestotrotz fragen sich viele Anleger: muss ich jetzt raus aus den Aktien? Betrachten wir nüchtern die Evidenz. Diese wird im Prozess der Taktischen Asset­-Allocation durch Indikatoren in vier Kategorien dargestellt:

  • Makro: Sowohl die entwickelten Länder als auch die Emerging Markets zeigen positive Wachstumsaussichten. Die veröffentlichten Konjunktur­daten liegen zumeist über den Erwartungen, die Inflationserwartungen steigen nur langsam.
  • Mikro: Realisierte und erwartete Gewinne liegen seit Monaten im stabil positiven Trend. Die Gewinnrevisionen sind zuversichtlich.
  • Sentiment: Diverse Stimmungsindikatoren haben vor der Korrektur Höchststände erreicht, das Sentiment war überhitzt. Die jüngste Kor­rektur sorgt für eine willkommene Abkühlung.
  • Technik: Bestehende Aufwärtstrends wurden noch im Jänner bestätigt, die Rückgänge zuletzt sind noch nicht Besorgnis erregend.

Jede Kate­gorie wird nun nach ihrem Einfluss auf die Marktentwicklung beurteilt. Dabei zeigt sich, dass drei der vier Kategorien eine positive Marktentwicklung versprechen. Dadurch ergibt sich eine Übergewichtung von Aktien. Zugekauft werden Euro­-Aktien, weil diese zuletzt währungsbedingt verhältnismäßig schwach waren und Aufholpotenzial haben. Die bis dato bestehende Position Rohstoffe gegen Anleihen wird geschlossen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Anleihen

Das Jahr 2017 verlief für Anleihe-Investoren überraschend gut. Die befürchtete Zinswende blieb aus. Im Gegenteil, die EZB halt weiterhin an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Ein allmähliches Auslaufen gegen Jahresende 2018 steht jedoch im Raum. Auch die Zinsschritte der US-Notenbank FED folgen einem kalkulierbaren Pfad. So entstehen keine unnötigen Marktirritationen.

Profiteure der Lage sind nach wie vor die Märkte mit Risikoprämien (Spread­Märkte). Dies betrifft die europäische Peripherie bei Staatsanleihen und ganz besonders Unternehmens-­ und Hochzinsanleihen (High Yield), sowie nicht zuletzt die Emerging Markets, insbesondere bei Absicherung des Dollar­-Wechselkurs­-Risikos. Denn der starke Euro machte 2017 einen Strich durch die Rechnung von Euro­-Investoren und ließ Fremdwährungserträge weg­schmelzen. Der – in der Lokalwährung Dollar – generell sehr gute US­-Markt liegt folglich in Euro deutlich im Minus. Dieses Bild setzte sich im Jänner 2018 fort: weiter ein steigender Euro und Einengung der Zinsabstände der Spread­-Märkte.

Aktien

Wie in den Jahren zuvor und mit nur wenigen Ausnahmen waren die Aktienmärkte 2017 die Gewinner des Jahres. Sie kamen Ende August, nach einem kleinen Sommerloch, wieder in Fahrt und konnten das Tempo auch im Jänner 2018 halten. Die Konjunkturdaten zeichnen allesamt ein positives Bild, jüngste Industrie­- und Verbraucherdaten erreichen die höchsten Werte seit Jahren und wirken weiter unterstützend.

Der Leitmarkt USA (Dow Jones, S&P 500, NASDAQ) brachte 2017 unzählige „all-time-highs“ hervor, eine Entwicklung, die beinahe zur Gewohnheit wird. Allerdings wirkte die erneute Stärke des Euros abschwächend auf die US­-amerikanischen und globalen Aktienerträge.

An der Spitze der Performance-­Skala liegen die Aktienmärkte der Emerging Markets – trotz leichtem Gegenwind durch den starken Euro. Es gab nur sehr wenige negative Ausreißer, wie etwa Russland.

Inmitten der Spitzenreiter befindet sich der österreichische ATX, der von zahlreichen Investoren aufgrund seiner Emerging Markets-­Komponente (Osteuropa) wieder geschätzt wird.

Währungen und Rohstoffe

2017 gab es die Wende in der EUR/USD­-Entwicklung. Genau zum Jahreswechsel endete eine langjährige Dollar­-Hausse und kehrte sich rasch in eine globale Euro­-Stärke. Bei etwa 1,20 USD hat der Euro den Durchschnittswert seit seiner Einführung 1999 wieder erreicht. Ein „fairer Wert“ nach Kaufkraftparität dürfte bei etwa 1,25 liegen. Der Euro war 2017 die global stärkste Währung. Der Eindruck eines starken Euros setzte sich auch im Jänner 2018 fort.

Dies waren schlechte Nachrichten für Euro-­basierte Fremdwährungsinvestoren. Besser lief es zuletzt bei den Rohstoffen. Nach einem, insbesondere im Energiesektor, sehr schwachen ersten Halbjahr 2017, konnten Rohstoffe in den letzten Monaten deutlich zu­ legen. Global positive Konjunkturdaten und eine gute Nachfrage sorgten in Kombination mit Disziplin auf der Angebotsseite für Unterstützung bei den Preisen.

So konnten die Energie­Rohstoffe seit Juni 2017 wieder kontinuierlich aufholen – auch in Euro! 

Inflationssorgen belasten Aktienbörsen: Die Hintergründe

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management. Die Aktienindizes haben weltweit in den vergangenen Tagen korrigiert. Der Dow Jones Index ist von seinem Höchststand im Jänner um mehr als zehn Prozent gefallen. Was steckt aus volkswirtschaftlicher Sicht hinter der Korrektur?

1. Goldilock Szenario geht zu Ende

Bis 2017 kann das volkswirtschaftliche Umfeld mit „Goldilocks“ beschrieben werden: kräftiges Wirtschaftswachstum und stark steigende Unternehmensgewinne, niedrige Inflation, niedrige Zinsen und tiefe Renditen, begleitet durch unterstützende und vorhersehbare Geldpolitiken der wichtigsten Zentralbanken (insbesondere der US Federal Reserve Bank, der Europäische Zentralbank und der Bank of Japan).

Zudem waren die Schwankungen an den Börsen außerordentlich niedrig – das gilt auch für die makroökonomischen Indikatoren. Das vorherrschende Investmentthema wurde mit „TINA“ (There Is No Alternative zu Risk Assets) beschrieben, weil Staatsanleihen nur geringe Renditen in Aussicht gestellt haben. Die starken Zuflüsse in risikobehaftete Anlageklassen führten in Folge zu deutlichen Kursanstiegen. Mit den Kursanstiegen sind auch die Bewertungsniveaus stark angestiegen. Sprich: das sehr gute Umfeld wurde von den Börsen vorweggenommen. Dazu kommt, dass an den Aktienbörsen schon seit vielen Monaten keine Korrektur stattgefunden hat, was ungewöhnlich für diese Anlageklasse ist.

2. Zunehmender Inflationsdruck und die Zinsanstiege passierten zu schnell

Wir sehen jetzt den Übergang von einem Goldilock-Szenario zu einer Normalisierung. Weil das Wirtschaftswachstum kräftig geblieben ist und immer selbst tragender wurde, nahm der zyklische Inflationsdruck zu.  Als Reaktion darauf beginnen immer mehr Zentralbanken die Leitzinsen anzuheben. Das wird von einem Anstieg der Renditen von Staatsanleihen begleitet.

Dieser Regimewechsel ist der Auslöser für diese hohe Volatilität. Die Veränderung war zu schnell für die AktienmärkteDie Verunsicherung der Marktteilnehmer führt jetzt zu der Korrektur an den Aktienbörsen.

3. Das (reale) Zinsniveau bleibt niedrig, das Wirtschaftswachstum bleibt kräftig

Das neue Szenario der Normalisierung des Wirtschaftswachstums, der Inflation und dem Zinsniveau ist (nicht in jeden Fall) negativ für risikobehaftete Anlageklassen, wie Aktien oder Hochzinsanleihen. Denn das Wirtschaftswachstum bleibt kräftig – die Inflation ist kein Problem, sondern steigt lediglich von einem zu niedrigen Niveau, in Richtung des von den Zentralbanken angestrebten normalen Niveaus an. Außerdem agieren die Zentralbanken weiter vorsichtig, was deren geldpolitische Haltung betrifft. Darüber hinaus ist das Zinsniveau für die wirtschaftliche Aktivität und für die Aktien nicht restriktiv. Das gilt auch, wenn die Renditen in diesem neuen Umfeld noch etwas ansteigen sollten und die Zentralbanken in einem geringen Ausmaß die Leitzinsen weiter anheben werden.

4. Schlüsselgröße bleibt die Inflation

Solange die Inflationsraten niedrig bleiben, beziehungsweise nur leicht ansteigen, können die Zentralbanken auf eine Eintrübung des Finanzumfelds reagieren. Zum Beispiel können Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt den Leitzinssatz nicht anheben. Sollte jedoch die Inflation in einem wichtigen Land wie den USA deutlich ansteigen, wäre die Zentralbank mit einem Dilemma konfrontiert. Soll sie die Inflation bekämpfen, oder sollen die Finanzmärkte unterstützt werden? Dieses Risiko ist neu und vielleicht der wichtigste volkswirtschaftliche Grund für die Korrektur an den Aktienmärkten.


Gerhard Winzer
Gerhard Winzer ist seit März 2008 bei der Erste Asset Management tätig. Bis März 2009 war er Senior Fondsmanager im Bereich Fixed Income Asset Allocation, seit April 2009 ist er Chefvolkswirt.
Er hat einen HTL Abschluß und studierte an der Universität Wien Volkswirtschaft und Betriebswirtschaftslehre mit einem speziellen Fokus auf Finanzmärkte. Er ist CFA-Charterholder und war von 2001-2003 Teilnehmer des Doktoratsprogramms für Finanzwirtschaft im Center for Central European Financial Markets in Wien.
Von Juli 1997 bis Juni 2007 war er in der CAIB, Bank Austria Creditanstalt, UniCredit Markets & Investment Banking im Research tätig. Die letzte Position war Direktor für Fixed Income/FX-Research und Strategie. Von Juli 2007 bis Februar 2008 verantwortete er die Asset-Allocation im Research der Raiffeisen Zentralbank (RZB) in Wien.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ist es Zeit, die Aktien-Party zu verlassen?

Es wird langsam spät, aber die weltweite Aktien-Party scheint noch in vollem Gange zu sein. Anleger, die investiert bleiben möchten, sollten jedoch nicht zu selbstgefällig sein, da jeder plötzliche Anstieg der Volatilität die Märkte in Turbulenzen stürzen könnte, so Geetu Sharma, Senior Investment Manager bei Pictet Asset Management.

Bleiben oder gehen?

Die Weltwirtschaft ist in guter Verfassung, die Inflation ist unter Kontrolle und die Unternehmensrentabilität verbessert sich. Es überrascht daher nicht, dass Aktien zulegen. Aber wie lange kann die weltweite Aktienparty dauern?

An unserem US Equity Bubble Index1 zum Beispiel, der von unseren Multi-Asset-Experten erstellt wird, lässt sich ablesen, dass der Markt sich möglicherweise einer „Gefahrenzone“ nähert. Das bedeutet, dass sich in den Aktienbewertungen eher irrationaler Übermut widerspiegelt als zugrunde liegende Fundamentaldaten.

ABB. 1: Nähern sich US-Aktien einer Blase?
Pictet Asset Management US Equity Bubble Index

Quelle: Datastream, Pictet Asset Management, 31.12.2017

Wie lange kann sich der Momentum-Trade noch halten?

Wie Abbildung 2 unten zeigt, verzeichnet der Momentum-Trade (d. h. der Kauf von Aktien mit der besten Kursentwicklung) seine längste Erfolgsserie seit 40 Jahren – neun gewinnreiche Kalenderjahre in Folge. Das wird nicht ewig so weitergehen, insbesondere, weil die Zentralbanken die geldpolitischen Zügel anziehen und die Zinsen anheben.

ABB. 2: Schwindet die Dynamik?
Jahresrenditen des MSCI World Momentum Index seit 1974 in US-Dollar

Quelle: Bloomberg, Januar 2018

Obwohl der Aktien-Bullenmarkt durch diese und viele andere Maßnahmen sehr reif erscheint, ist nicht auszuschließen, dass die Hausse noch eine Weile andauert.

Die Party kann also weitergehen, aber es ist Vorsicht angesagt...

Nach unserer Einschätzung sollten Anleger, die investiert bleiben möchten, nicht zu selbstgefällig sein, da jeder plötzliche Anstieg der Volatilität die Märkte in Turbulenzen stürzen könnte.

Was ist zu tun? Nur in niedrige Volatilität zu investieren, ist unserer Ansicht nach so, als würde man vorzeitig die Party verlassen und mit dem Taxi nach Hause fahren. Wie an Abbildung 3 unten abzulesen ist, hatte das niedrige Beta dieser Aktien zur Folge, dass sie kaum an der Rally der letzten 18 Monate partizipierten.

ABB. 3: Minimum-Volatility-Werte liegen hinter aktuellem Bullenmarkt zurück

Quelle: Bloomberg, Januar 2018

Bei anderen Strategien, mit denen sich die Portfolios absichern lassen, wie beispielsweise Long-Puts auf den Aktienmarkt (Verkaufsoptionen) oder eine Short-Position in Kreditrisiken, ist es schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden, außerdem können sie sehr teuer werden. Auch Gold ist nicht immer eine zuverlässige Absicherung.

Die Frage ist, in welche Werte wir anlegen sollen?

Wir glauben, dass eine der effizientesten Strategien darin besteht, das Portfolio weltweiter Aktien mit Titeln anzureichern, die zur Performance beitragen, wenn die Märkte steigen, aber widerstandsfähig sind, wenn die Märkte fallen. Auf diese Weise können Anleger bis zum Schluss auf der Aktien-Party bleiben und die Gefahr ist geringer, mit einem Kater aufzuwachen.

Das klingt zu gut, um wahr zu sein?

Mitnichten. Wie Abbildung 4 zeigt, weist der Pictet-Global Defensive Equities2 seit seiner Auflegung im Jahr 2012 genau diese Kombination von Widerstandsfähigkeit in Abschwungmärkten und rentabler Partizipation in Aufschwungmärkten auf.

ABB. 4: Ein Ansatz für alle Märkte?
Pictet-Global Defensive Equities - Beta seit Auflegung

Quelle: Pictet Asset Management, Januar 2018. Die Strategie wurde am 30. November 2012 aufgelegt. 

Nach welchen Unternehmen halten wir Ausschau?

Zurzeit konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die von der Stärke des weltweiten Wachstums profitieren. Mithilfe unseres eigenen 4P-Ansatzes suchen wir gezielt nach Unternehmen, deren Wettbewerbsvorteil und zugrunde liegende Kaufkraft ihnen die Möglichkeit gibt, Preiserhöhungen durchzusetzen (etabliert, starker ROI, niedrige Verschuldung), und solchen, die hohe Cashflows generieren, um Chancen für den Geschäftsausbau zu nutzen (nachhaltiges Wachstum).

Bei der Entscheidung, ob wir in solche Unternehmen investieren, achten wir immer auf die Bewertungen und die Verschuldung. Wir meiden überlaufene Marktsegmente, die im Fall einer Trendumkehr wahrscheinlich als erstes belastet würden, und Unternehmen mit zu hohem Fremdkapitalanteil, die in einem Umfeld steigender Zinsen Liquiditätsprobleme bekommen können.

Warum werden diese Werte nicht stärker nachgefragt?

Unserer Ansicht nach liegt das an den Verhaltenstendenzen am Markt – lieber Glamour als Zuverlässigkeit. Mit anderen Worten: Diese konservativ geführten Unternehmen sind nicht so spektakulär wie viele der reinen Wachstumswerte, die in Haussephasen die Marktschlagzeilen beherrschen.

"Dem Markt ist Glamour lieber als Zuverlässigkeit. Das bestärkt uns in unserem defensiven Ansatz."

Unsere Investmentideen sind vielleicht nicht der Hingucker schlechthin auf der Tanzfläche, wenn die Party brummt. Dafür sind sie nachhaltiger und verlässlicher – und sie haben einen langen Atem und erfüllen stets die Erwartungen, die an ihre Entwicklung gestellt werden. Und das Jahr für Jahr.


1) Der Pictet US Bubble Index basiert auf der Abweichung vom historischen Trend bei 10 Indikatoren: Kreditlücke (Kreditvergabe/BIP), Kurs-Buchwert-Verhältnis USA, Allokation Aktien vs. Anleihen, Bull/Bear Ratio, implizite Volatilität (invertierter VIX), Nettokapitalzuflüsse (12 Monate), Nettokredithebelung % Marktkapitalisierung, M&A-Volumen, Verbrauchervertrauen, Finanzvermögen der privaten Haushalte in % des BIP
2) Bis zum 8. Mai 2017 hieß der Pictet Global Defensive Equities „Pictet Quality Global Equities“. Die Umbenennung erfolgte aus marketingtechnischen Gründen und hatte keine Veränderungen für den Prozess zur Folge.

Über die Autorin
Geetu Sharma kam 2014 zu Pictet Asset Management. Als Senior-Fundamentalanalystin im Quantitative Equities Team setzt sie ihre solide Erfahrung in der fundamentalen Aktienbewertung und Finanzberichtanalyse zur Ausarbeitung quantitativer Anlagestrategien ein. Bevor Geetu Sharma zu Pictet Asset Management kam, war sie 5 Jahre lang bei Credit Suisse tätig, zuerst als Aktienanalystin bei einem Long-Only-Rohstofffonds und danach als Sektorspezialistin für die Sektoren Gesundheit und Grundstoffe mit Credit Suisse HOLT. Zuvor arbeitete sie als Kreditanalystin für die Sektoren Pharma und Telekom bei Standard & Poors in Indien. Geetu Sharma erwarb zudem bei einem Papierhersteller Erfahrung in der Unternehmensfinanzierung. Sie hat einen MBA der London Business School.

Erfahren Sie mehr über defensive Aktien bei Pictet Asset Management:

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

Folgen Sie Pictet Asset Management

Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 24
e-mail: fbohmer@pictet.com

Goldilocks werden getestet

Mit dem jüngsten Kursrutsch haben die globalen Märkte das von hoher Performance und extrem niedriger Volatilität geprägte Marktumfeld verlassen und weltweit Anleger in großer Unsicherheit zurückgelassen. Am vergangenen Montag, den 5. Februar 2018, stieg der VIX, der Volatilitäts-Index des S&P 500, von 17,31 auf zunächst 37,32 Punkte und erreichte am Dienstag zwischenzeitlich einen Wert von 50 Punkten. Eine derart große Neubewertung der Risiken hat unweigerlich die globalen Finanzmärkte infiziert und zu einer Flucht in Qualitäts-Titel geführt, wodurch vor allem Aktien in Mitleidenschaft gezogen wurden. Um die Gründe dieser jüngsten Korrektur zu ergründen, müssen technische und fundamentale Entwicklungen unterschieden werden:

Auf der technischen Seite ist die jüngste Korrektur in den Volatilitätsmärkten verwurzelt. Die Aktienvolatilität hat sich in den letzten Tagen viel stärker entwickelt als bei allen anderen Finanzvariablen. In den vergangenen Monaten waren Short-Equity-Volatilitätsstrategien, die darauf abzielten, zusätzliche Erträge aus dem Verkauf von Volatilität an den Optionsmärkten zu erzielen, sehr beliebt und wurden in aktiv gehandelte Exchange Traded Products (ETPs) verpackt. Als die Aktienmärkte schließlich zu sinken begannen und die implizite Volatilität am Freitag anzog, gingen solche Produkte in "Stop-Loss"-Mechanismen über und wurden zu erzwungenen Käufern von VIX-Futures, wobei sich die Ströme nach dem Börsenschluss am Montag in den USA weiter beschleunigten.

Auf der fundamentalen Seite hat der Abverkauf von Anleihen im Januar den Keim für das weltweite Markfieber gelegt. Eine Veränderung der Angebots- und Nachfragedynamik, ein solides globales Wachstum, aufkeimende Inflationsängste und die Abschaffung der geldpolitischen Akkommodierung sind dabei die Hauptfaktoren, die unsere negativen Ansichten von 2018 zu globalen Staatsanleihen stützen. Diese Faktoren haben sich zudem in dem deutlichen Anstieg der Anleiherenditen ausgewirkt. Als dann am 2. Februar der US-Arbeitsmarktbericht für positive Überraschungen sorgte, gewann der Ausverkauf von Anleihen an Fahrt, wobei die Kursvolatilität den Märkten zu steigen begann.

Die unmittelbaren Marktaussichten scheinen ungewiss zu sein, da es schwer ist, die Ketteneffekte zu erfassen, die eine solch scharfe und kurzfristige Korrektur auslösen kann. Die Ereignisse der letzten Tage bieten jedoch Lektionen, die genutzt werden können, um das schwierige Investitionsumfeld zu meistern:

  • Sie erinnern die Anleger daran, dass die Marktstruktur geschwächt ist. In diesem Zusammenhang kommt es auf Agilität an: Diversifikation, Hedging und taktische Allokation sind der Schlüssel zum Anlageprozess.
  • Dieser Zyklus hat die Tiefstände der Finanzvolatilitäten überschritten.
  • Gleichzeitig müssen wir, insbesondere als langfristiger Anleger, anerkennen, dass es keine negativen Nachrichten auf finanzieller, makroökonomischer oder politischer Ebene gegeben hat, die die von uns beobachtete Preisentwicklung ausgelöst haben. Der Anstieg der Zinssätze wird auch von positiven wirtschaftlichen Fundamentaldaten angetrieben, einschließlich einer erwarteten Normalisierung der Geldpolitik, die für lange Zeit extrem entgegenkommend war.
  • Die Bewertung vieler Finanzanlagen ist etwas gestreckt und einer Normalisierung der realen Anleiherenditen ausgesetzt. Die Gesamtrenditen werden niedriger sein als in den letzten zehn Jahren.
  • Das größte fundamentale Risiko liegt bei den Inflationsüberraschungen.

Weitere Informationen darüber, was dies für die Entwicklung an den Märken bedeutet, finden sie in der links beigefügten Analyse von Generali Investments (in englischer Sprache).

Korrektur an vielen Börsen – Fundamentaldaten aber intakt

Nach zwei Jahren ohne nennenswerten Rückschlag ist gestern (5. Februar) die von vielen Marktteilnehmern seit längerem erwartete Korrektur eingetreten. Das Ausmaß der Verluste war dann doch überraschend und kann zum Teil durch technische Aspekte (Auflösung von Short- Volatilitäts-Strategien) erklärt werden. Der Dow Jones Industrial sackte streckenweise unter 24.000 Punkte ab. Die bisherigen Jahresgewinne für 2018 wurden innerhalb kürzester Zeit zunichte gemacht, ebenso wie die Gewinne im Dezember 2017. Gleichzeitig sprang das „Angstbarometer“ (VIX-Index), das die erwarteten Kursschwankungen des S&P 500 misst, um fast 100 % nach oben. Das letzte Mal, als der Volatilitätsindex derart markant ausgeschlagen hat, war China der Auslöser für einen Ausverkauf an den Börsen. Dieses Mal sind Befürchtungen um einen beschleunigten Zinsanhebungszyklus in den USA mit ein Grund für die steigende Nervosität. Mit einem Minus von 4,6 % ging die weltweit wichtigste Börse aus dem Handel.

Kurseinbruch auch an asiatischen Leitbörsen – Emerging Markets weniger stark betroffen

Nach dem Einbruch des Dow Jones sackten auch die asiatischen Börsen ins Minus. Am deutlichsten gab der japanische Nikkei-Index nach – er verliert im Tagesverlauf rund 5 % – aber auch die Börsen in Australien und Südkorea sind von deutlichen Verlusten betroffen. Die Emerging Markets konnten sich in diesem Umfeld überraschend gut schlagen: Einige der großen Börsen – wie etwa Moskau oder Shanghai – sind seit Jahresbeginn sogar noch im Plus. Was beachtlich ist, denn gerade diese Börsen sind meist besonders „störungsanfällig“, wenn es an den großen Leitbörsen zu umfangreicheren Korrekturen kommt.

Europa folgt im Frühhandel dem Trend

Nach dem Ausverkauf an den US-Börsen sowie in Asien haben heute (6. Februar) auch die europäischen Aktienmärkte mit Kursverlusten reagiert. Der DAX und andere wichtige europäische Indizes – unter anderem auch der Leitindex der Eurozone (der Euro-Stoxx-50) – zeigten sich unter Druck. Die Wiener Börse musste zum Handelsstart massive Abschläge in Kauf nehmen: Der Leitindex ATX rutschte im Einklang mit dem europäischen Umfeld um rund 5 % ab.

Anleihen: Liquide Staatsanleihemärkte profitieren von Risikoszenario

An den Anleihemärkten profitieren liquide Staatsanleihemärkte von den aktuellen Marktgeschehnissen. Bei den Spreadmärkten kommt es im Einklang mit den Aktien zu Gewinnmitnahmen.

Korrektur überfällig – Fundamentaldaten global mehr als intakt

Für langfristig denkende Anleger war diese Korrektur schon mehr als überfällig. Kursgewinne von rund 5 % und darüber hinaus bei den Leitindizes wie Dow Jones, Nasdaq und DAX seit Jahresanfang und davor eine jahrelang andauernde Aufwärtsphase zeigten, dass es höchste Zeit für eine Gegenbewegung war. Gerade in den USA sind in den vergangenen Monaten die Aktienbewertungen nochmals besonders stark gestiegen. Eine Korrektur war deshalb nötig. Am guten Zustand der Unternehmen ändert diese Korrektur, bei der viele Anleger Gewinne mitgenommen haben, nichts. Sowohl die entwickelten Länder als auch die Emerging Markets weisen positive Wachstumsaussichten auf. Sogar eine Verbesserung gegenüber 2017 wird erwartet. Die veröffentlichten Konjunkturdaten liegen zumeist über den Erwartungen, die Inflationserwartungen steigen nur langsam an und die Arbeitslosigkeit geht in vielen Ländern deutlich zurück. Auch die Unternehmen selbst sind in sehr gutem Zustand: Realisierte und erwartete Gewinne weisen seit Monaten einen stabil positiven Trend auf. Die Gewinnrevisionen sind ebenfalls positiv.

Raiffeisen Capital Management sieht die aktuelle Korrektur daher als gesunden Prozess innerhalb einer grundsätzlich positiven Entwicklung und wird – nach einer Phase der Bodenbildung, die sich vermutlich über die nächsten Wochen ziehen wird – die sich bietenden Gelegenheiten nutzen. Die starken Ausschläge sind für Investmentprofis jedenfalls kein Grund zur Panik.

Abflüsse aus Rohstoffen schwellen an, da der US-Dollar aufwertet

Nickel-ETPs verzeichneten zum dritten Mal in Folge steigende Zuflüsse, die schließlich den höchsten Stand seit Auflegung erreichten. Bei Gold-ETPs kam es aufgrund des starken Beschäftigungsberichts zu den höchsten Abflüssen seit September 2017. Nach den Zuflüssen der letzten fünf Wochen markierten die Abflüsse aus breit aufgestellten Rohstoffkorb-ETPs ein Sechswochenhoch, so ETF Securities im wöchentlichen Markt- und Flowbericht.

Nickel-ETPs (A0KRJ4) verzeichneten zum dritten Mal in Folge steigende Zuflüsse, die mit 71 Mio. USD schließlich den höchsten Stand seit Auflegung erreichten. Neben dem schwächeren US-Dollar war es der robuste Edelstahlmarkt, der in diesem Jahr für eine Verteuerung von Nickel um 9 Prozent sorgte (Stand: 2. Februar 2018). Darüber hinaus wird Kobalt in Lithium-Ionen-Akkus aufgrund der gestiegenen Preise vermehrt durch Nickel substitutiert, sodass ein höherer Nickelbedarf in der Batterietechnik erwartet wird. Die International Nickel Study Group (INSG) geht außerdem davon aus, dass China auch 2018 die Nickelnachfrage ankurbeln wird. „Auch wenn Indonesien das globale Fördervolumen von Nickelerz auf neue Rekordstände katapultiert hat, gehen die Lagerbestände weltweit zurück. Das Angebotsdefizit dürfte laut INSG 2018 trotzdem geringer als 2017 ausfallen“, sagt Jan-Hendrik Hein, Director – Head of German Speaking Regions von ETF Securities.

Bei Gold-ETPs (A0LP78) kam es mit 251 Mio. USD zu den höchsten Abflüssen seit September 2017. An den globalen Aktienmärkten kam es zwar in der letzten Woche zu einem Abverkauf, doch als der US-Dollar infolge des robusten US-Beschäftigungsberichts aufwertete, geriet der Goldpreis enorm unter Druck. Außerhalb der Landwirtschaft wurden im vergangenen Monat 200.000 Arbeitsplätze geschaffen, und mit 2,9 Prozent verbesserte sich der Durchschnittsstundenlohn im Jahresvergleich so stark wie zuletzt im Mai 2009. Die vom Markt schon lange erwartete Beschleunigung der Lohnzuwächse schürt nun Spekulationen, die US-Notenbank könne die Zinsen aggressiver anheben als erwartet. „Das unrentierliche Gold ist im neuen Umfeld steigender Zinsen durchaus gefährdet“, so Hein.

Bei Rohöl-ETPs (A1N49P) kam es in der 24. Woche in Folge zu Abflüssen, und zwar in Höhe von insgesamt 22,3 Mio. USD. Teils aufgrund von Produktivitätsgewinnen, teils wegen der steigenden Bohraktivitäten dürfte die Rohölförderung in den USA in den nächsten Monaten zunehmen.  Für dieses Jahr rechnet die Energieinformationsbehörde mit einem Anstieg von knapp 1 Million Barrel pro Tag, was über die Hälfte der geschätzten zusätzlichen Ölnachfrage weltweit abdecken dürfte. „Die Rohölpreise werden unseren Erwartungen zufolge im Zuge der sich beschleunigenden US-Förderung und des haussierenden Aktienmarkts im ersten Quartal korrigieren“, meint Hein.

Nach den Zuflüssen der letzten fünf Wochen markierten die Abflüsse aus breit aufgestellten Rohstoffkorb-ETPs (A1CXBV) mit 21,6 Mio. USD ein Sechswochenhoch. „Im Rohstoffkomplex kam es in der vergangenen Woche angeführt von Energie und Edelmetallen allgemein zu Verlusten, da der Greenback seinen Abwärtstrend beendete“, schließt Hein.

Inflationssorgen belasten Aktienbörsen

Die Aktienbörsen, allen voran die New York Stock Exchange, büßten in den letzten beiden Tagen die Kursgewinne des heurigen Jahres ein. Bereits in der vorigen Woche belasteten zunehmend Inflationssorgen die Märkte. Die Reaktion am gestrigen Abend fiel jedoch außergewöhnlich heftig aus und wird von Experten auf den sehr guten US Arbeitsmarktbericht zurückgeführt.

Die Erste AM hat Peter Szopo, Chief Equity Strategist der Erste AM, zu der aktuellen Marktsituation befragt.

1. Manche Marktteilnehmer sprechen von einem „Flash-Crash“ an der New York Stock Exchange. Was waren die Ursachen für diese heftige Kursreaktion?

Der Börsen legten im Jänner ziemlich kräftig zu. Die US-Indizes stiegen in den ersten vier Wochen um 7-8 Prozent, ebenso die Börsen der Schwellenmärkte. Das heißt zu Jahresbeginn wurden bereits Zuwächse erreicht, die manche für das Gesamtjahr erwartet hatten. Der Hintergrund waren anhaltend robuste Wirtschaftsdaten, die erwarteten Impulse der US-Steuerreform und die Aussicht auf weiter steigende Unternehmensgewinne.

In gewisser Weise kann man sagen, war es schon ein Zuviel des Guten. Dann kam Ende letzte Woche noch der Arbeitsmarktbericht in den USA mit außerordentlich guten Beschäftigungszahlen und Anzeichen einer sich beschleunigenden Lohninflation. Das hat insbesondere Aktieninvestoren nervös gemacht, die nun befürchten, dass die US-Notenbank im laufenden Jahr restriktiver sein wird, als bisher angenommen. So wird jetzt von einer vierten Zinserhöhung gesprochen, eingepreist waren zuvor drei Schritte.

Der rasche Anstieg der Anleiherenditen – die zehnjährigen Renditen in den USA stiegen seit Jahresbeginn um mehr als 40 Basispunkte* – zusammen mit den hohen Bewertungen an den Börsen haben nun Verkaufsausdruck und Gewinnmitnahmen ausgelöst.

In solchen Marktphasen, in denen zuvor die Börsen lange Zeit kontinuierlich mit geringen Schwankungen angestiegen sind, kann eine Korrektur heftiger ausfallen. Die Marktteilnehmer waren lange Zeit von einer niedrigen Volatilität „verwöhnt“. Es könnte auch sein, dass computergestützte Algorithmen die Marktturbulenzen verstärkt haben. Jedenfalls ist die Volatilität kräftig angestiegen.

 

2. Hat sich das wirtschaftliche Umfeld plötzlich verändert?

Nicht wirklich. Die fundamentale Verfassung der globalen Wirtschaft ist nach wie vor sehr gut. Im Jänner revidierte der Internationale Währungsfonds die Einschätzung für das globale reale Wachstum des BIP für 2018 auf 3,9 Prozent nach oben. Auch die Eurozone wächst so stark wie zuletzt Mitte 2006.

Nach einigen Jahren enttäuschenden Gewinnwachstums fuhren die Unternehmen in 2017 endlich überzeugende Ergebnisse ein. Im Unterschied zu früheren Jahren erhöhten die Analysten im Jahresverlauf ihre Gewinnschätzungen. Darüber hinaus wird sich die Steuerreform positiv auf die US-Unternehmen auswirken und selbst europäische Unternehmen werden profitieren.

3. Ist das nur eine kurzfristige Korrektur oder müssen wir uns auf eine neue Situation einstellen?

Die Kombination einer Wachstumsbeschleunigung mit geringer Inflation und ultra-niedrigen Zinsen, die im Vorjahr und Anfang dieses Jahres die Börsen befeuert hat, geht zu Ende. Das gesamtwirtschaftliche und wirtschaftspolitische Umfeld geht in Richtung Normalisierung, worauf mein Kollege Gerhard Winzer – der Wirtschaftsexperte des Hauses – schon seit Wochen hingewiesen hat. Ich glaube, dass die Reaktion der Märkte auf diesen Regimewechsel übertrieben ist und wir im weiteren Jahresverlauf wieder Unterstützung für Aktien sehen werden.

Aktuell sind die Börsen aber sicher in einem „Risk-Off-Modus“, in dem sich Investoren eher defensiv aufstellen. Wie stark und wie lange die Korrekturphase ausfallen wird, lässt sich nicht voraussagen. Selbst wenn der Kursrückgang bald zu Ende gehen sollte – was eigentlich mein Szenario ist – wird es eine Zeit lang dauern, bis wieder die alten Höchststände erreicht werden. Ein schneller Rebound ist eher nicht zu erwarten, da der Rückschlag zu stark und turbulent war, aber dass diese Korrektur bereits der Anfang eines längerfristigen Bärenmarkts darstellt, ist eher unwahrscheinlich.


Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Starkes Wachstum und Zinsanstiege

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Anfang 2018 bestätigen die Indikatoren das Normalisierungsszenario. Allen voran steigen die Renditen von Staatsanleihen an. Was steckt dahinter? Was bedeutet das für den Finanzmarkt insgesamt?

Überraschend kräftiges Wirtschaftswachstum

Das reale Wirtschaftswachstum ist auch Anfang 2018 auf globaler Ebene kräftig und breit basiert. Darauf deutet eine Vielzahl von Umfrageindikatoren wie zum Beispiel die Einkaufsmanagerindizes hin. Das bemerkenswerte ist, dass nach wie vor die Projektionen für das Wachstum nach oben genommen werden. So hat im Jänner der Internationale Währungsfonds die Einschätzung für das globale reale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes für 2018 auf 3,9 Prozent nach oben revidiert. Dieser Wert liegt um 0,2 Prozentpunkte über der Einschätzung vom letzten Oktober. Dieses tolle Umfeld strahlt auf viele andere volkswirtschaftliche Kategorien aus.

Zunehmende Ressourcenauslastung

Die Ressourcenauslastung nimmt in vielen Volkswirtschaften zu, sprich: die Arbeitslosenraten fallen. Laut der OECD war sie im OECD-Raum im vergangenen Jahr nur noch leicht unter dem Optimum (minus 0,6 Prozent von der optimalen Auslastung). Weil das aktuelle Wachstum über dem langfristigen Trend liegt, wird die Produktionslücke heuer in den positiven Bereich rutschen. Das ist vor allem aus zwei Gründen relevant. Je länger und mehr die Produktionslücke über dem geschätzten Optimum liegt desto eher

  1. steigt der zyklische Inflationsdruck an.
  2. kommt es zu einer Abschwächung des aktuellen, über dem langfristigen Trend liegenden, realen Wirtschaftswachstums.

Bis dato gibt es für Ersteres (nur) schwache Hinweise, für Zweites (noch) keine. Der Fokus liegt auf den USA. Seit März 2017 liegt die tatsächliche Arbeitslosenrate unter der Schätzung der natürlichen Arbeitslosenrate von 4,7 Prozent (Quelle: CBO) und fällt weiter (aktuell: 4,1 Prozent). Der Arbeitsmarkt in den USA nähert sich dem Punkt, wo eine etwaige Abschwächung des Beschäftigungswachstums nicht mehr auf eine Nachfrageschwäche sondern eine Angebotsverknappung hindeutet (= zu wenig Arbeitssuchende).

Noch niedrige Inflation

Das „Gefährliche“ an der Inflation ist der nicht-lineare und träge Zusammenhang zwischen der Ressourcenauslastung (der Arbeitslosenrate) und der Inflation. Wenn die Arbeitslosenrate für längere Zeit einen (leider) nur unpräzise schätzbaren niedrigen Wert erreicht (die natürliche Arbeitslosenrate), beginnt die Inflation plötzlich anzusteigen. Bis dato verharren die Inflationsraten in vielen entwickelten Volkswirtschaften unter dem Inflationsziel der jeweiligen Zentralbank. In den USA betrug die Kerninflationsrate im Dezember 1,5 Prozent p.a., in der Eurozone 1,0 Prozent p.a. im Jänner, in Japan 0,3 Prozent p.a. im Dezember und in Australien 1,8 Prozent p.a. im vierten Quartal. Gegenbeispiele: Im Vereinigten Königreich ist die Inflation erhöht (2,5 Prozent p.a. im Dezember) und in Kanada innerhalb des Zielbandes der Zentralbank (1,9 Prozent p.a.). Die Inflation bleibt einer der wichtigsten Indikatoren in diesem Jahr.

Leitzinsanhebungen

Derzeit vergeht kaum eine Woche, in der nicht eine Zentralbank eine Straffungsmaßnahme setzt. In den vergangenen Wochen haben die Zentralbank in Kanada, Malaysia und der Tschechischen Republik den jeweiligen Leitzinssatz angehoben.

Auch die großen Zentralbanken in den USA, der Eurozone und in Japan werden die unterstützende geldpolitische Haltung reduzieren: Dabei werden Geschwindigkeit und Ausmaß unterschiedlich bleiben. In den USA stehen die Signale der Zentralbank im Einklang mit mindestens drei Leitzinsanhebungen in diesem Jahr. Das Zielband für den Leitzinssatz wäre dann bei 2-2,25 Prozent (aktuell 1,25-1,50 Prozent).

Die Zentralbankaussagen in Japan und der Eurozone waren im Jänner zurückhaltend. Japan: Keine unmittelbare Anhebung des Renditeziels für die zehnjährige Staatsanleihe von null Prozent, auch wenn sich die Inflation beschleunigen sollte. EZB: Keine Änderung der Kernphrasen für die Leitung der Erwartungen der Marktteilnehmer in der Pressekonferenz vom Jänner, vor allem: Erste Leitzinsanhebung erst einige Zeit nach dem Ende der bis mindestens September 2018 laufenden Anleiheankaufsprogramme. Die Gründe dafür:

  1. Die EZB hat (noch) kein hohes Vertrauen in einen nachhaltigen Anstieg der Inflation in Richtung Inflationsziel (mittelfristig knapp unter zwei Prozent).
  2. Die Entwicklung auf den Währungsmärkten (sprich: die Festigung des Euro).

Nicht nur der Preis des Geldes (der Zins) steigt langsam an. Das Wachstum der Zentralbankliquidität hat bereits deutlich abgenommen. Im Jänner hat die EZB wie angekündigt das Netto-Ankaufsvolumen von 60 auf 30 Milliarden Euro reduziert. Im nächsten Jahr wird die Summe der Zentralbankgeldmengen (M0) der Zentralbanken in den USA, der Eurozone, dem UK und Japan voraussichtlich schrumpfen (um rund 230 Milliarden US Dollar). 2016 war sie noch um 1.900 Milliarden US Dollar angestiegen.

Unterstützendes Kreditumfeld

Die Abschwächung des Kreditwachstums ist seit dem vergangenen Jahr auch in den Schwellenländern exklusive China vorüber. Das ist ein wichtiger Grund für die Verbesserung des Wirtschaftswachstums in den Schwellenländern. In den entwickelten Volkswirtschaften hat die Verbesserung des Kreditumfelds bereits vor einigen Jahren eingesetzt. Im Jänner hat eine Umfrage der EZB (Bank Lending Survey) auf eine weitere Lockerung der Kreditvergaberichtlinien hingedeutet. Mithin unterstützt das Kreditumfeld das starke Wirtschaftswachstum.

Ausweitung des Budgetdefizits

Die Fiskalpolitik ist in den entwickelten Volkswirtschaften insgesamt neutral. Wichtige Ausnahme: die USA. Die Steuersenkungen in den USA führen zu eine Ausweitung des Budgetdefizits. Das impliziert ceteris paribus: höheres Wirtschaftswachstum, höhere Inflation, mehr Leitzinsanhebungen und eine geringere überschüssige Liquidität (der Staat benötigt mehr Kapital).

Ansteigende Rohstoffpreise

Die Rohstoffpreise befinden sich in einem ansteigenden Trend. Das betrifft sowohl die Industriemetalle als auch den Sektor Energie. Der Fokus ist auf den Ölpreis gerichtet. Dieser ist mittlerweile auf knapp 70 US Dollar pro Barrel angestiegen. Vergangen Juni betrug der Preis noch 47 US Dollar pro Barrel. Untersuchungen deuten darauf hin, dass zumindest die Hälfte des Anstiegs auf eine überraschend kräftige Nachfrage zurückgeführt werden kann. Das ist deshalb so wichtig, weil ein rein angebotsseitiger Schock (Kürzungen der Ölproduktion) negativ für das Wirtschaftswachstum wäre.

Protektionismus

Auf der politischen Ebene steht vor allem die Gefahr von substanziellen protektionistischen Maßnahmen in den USA im Fokus. Vor allem zwei Ereignisse waren Anfang 2018 relevant. 1) Die USA erhöhen die Zölle auf Waschmaschinen und Solarzellen. Diese beiden Bereiche stellen nur einen geringen Teil der gesamten US-Importe dar. Das Risiko ist, dass mehr Maßnahmen folgen könnten. 2) Der US-Finanzminister hat gemeint ein schwacher US-Dollar wäre gut für die US-Wirtschaft. Das ist zwar richtig aber gleichzeitig eine unübliche Aussage für einen Finanzminister, der die wichtigste Reservewährung repräsentiert. Am Tag nach dieser Aussage hat EZB-Präsident Draghi sinngemäß gemeint, dass ihm diese nicht gefiel. Mögliche Handelskonflikte sind nach wie vor wichtiger Risikofaktor. Ein wichtiger Teilaspekt ist, dass protektionistische Maßnahmen inflationär wirken (höhere Importkosten, höhere Produktionskosten im Inland).

Leichte Eintrübung am Finanzmarkt

  • Ansteigende reale Renditen. Die Rendite der inflationsgeschützten Staatsanleihe in Deutschland ist im zehnjährigen Laufzeitsegment von minus 1,22 Prozent im Dezember auf aktuell minus 0,84 Prozent angestiegen. Der reale Preis des Geldes (der Zinssatz) steigt an. Das deutet auf abnehmende überschüssige Liquidität hin (kräftiges Wirtschaftswachstum, fallendes Wachstum der Zentralbankliquidität, höheres Budgetdefizit in den USA, ansteigende Rohstoffpreise).
  • Anstieg der im Anleihemarkt eingepreisten Inflationsraten. In den USA ist die eingepreiste Inflationsrate für den zehnjährigen Laufzeitbereich von 1,20 Prozent vor knapp zwei Jahren auf aktuell 2,12 Prozent angestiegen. Das deflationäre Umfeld ist einem Umfeld von (bis dato langsam) ansteigenden Inflationsraten gewichen. Die Ressourcenauslastung steigt an.
  • Zunehmende Leitzinsanhebungserwartungen: Der Markt preist für Dezember 2018 einen Leitzins in den USA von 2,05 Prozent ein. Vergangenen September betrug dieser Wert noch 1,35 Prozent. Selbst für die Eurozone erwartet der Markt eine Leitzinsanhebung für das 2. Quartal 2019.
  • Ansteigende nominelle Renditen von Staatsanleihen. Die zehnjährige Referenzrendite beträgt in den USA mittlerweile 2,79 Prozent (2,04 Prozent im September). Das volkswirtschaftliche Umfeld spricht für weitere Renditeanstiege.
  • Höhere Volatilität: Die (von Optionspreisen implizierten) Volatilitäten sind in vielen Märkten (Aktien, Anleihen, Währungen) angestiegen. Das reflektiert das angestiegene Risiko von Korrekturen auf den Märkten.

Schlussfolgerung

Die Kombination von starkem Wirtschaftswachstum, niedriger Inflation und expansiven Geldpolitiken ist unterstützend für die risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien. Allerdings deutet das andauernde kräftige Wachstum auf einen Anstieg der Inflation, Leitzinsanhebungen und geringere Liquidität hin. Das wiederum impliziert Renditeanstiege von Staatsanleihen. Diese Tendenz wird durch die Ausweitung des Budgetdefizits in den USA, den Rohstoffpreisanstiegen und den protektionistischen Maßnahmen untermauert. Das Hauptaugenmerkt ist darauf gerichtet, welches Renditeniveau eine Korrektur auf den Aktienmärkten auslösen könnte. Die ansteigenden Volatilitäten reflektieren dieses Risiko.


Gerhard Winzer
Gerhard Winzer ist seit März 2008 bei der Erste Asset Management tätig. Bis März 2009 war er Senior Fondsmanager im Bereich Fixed Income Asset Allocation, seit April 2009 ist er Chefvolkswirt.
Er hat einen HTL Abschluß und studierte an der Universität Wien Volkswirtschaft und Betriebswirtschaftslehre mit einem speziellen Fokus auf Finanzmärkte. Er ist CFA-Charterholder und war von 2001-2003 Teilnehmer des Doktoratsprogramms für Finanzwirtschaft im Center for Central European Financial Markets in Wien.
Von Juli 1997 bis Juni 2007 war er in der CAIB, Bank Austria Creditanstalt, UniCredit Markets & Investment Banking im Research tätig. Die letzte Position war Direktor für Fixed Income/FX-Research und Strategie. Von Juli 2007 bis Februar 2008 verantwortete er die Asset-Allocation im Research der Raiffeisen Zentralbank (RZB) in Wien.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Schutz der Wasserressourcen: Singapur führt, aber andere holen auf

Wenn es um nachhaltige Wassernutzung geht, ist Singapur weltweit führend. Aber China ist dem Land dicht auf den Fersen, so das Pictet Water Advisory Board.

Oft macht Not erfinderisch. Als kleine Insel ohne Grundwasser, mit begrenzten Wasserspeichermöglichkeiten, einer schnell wachsenden Bevölkerung und Wirtschaft überrascht es nicht, dass Singapur weltweit führend bei Wasseraufbereitung, -einsparung und -technologie geworden ist.

Einen weiteren Impuls gibt die Abhängigkeit des Landes von der einzigen Quelle für importiertes Wasser, nämlich Malaysia – diplomatische Spannungen könnten sich somit negativ auswirken. Singapur möchte es daher bis 2060 schaffen, sich selbst mit Wasser versorgen zu können, ein Jahr bevor der Wasserimportvertrag mit Malaysia ausläuft.

Von der Toilette in den Wasserhahn

Der Stadtstaat könnte ein Vorbild für andere wasserarme Regionen sein, deshalb wollten sich die Mitglieder des Pictet Water Advisory Board dort näher umschauen, um unser Investmentteam optimal zu den neuesten Trends und Fortschritten in der Wasserbranche beraten zu können.

Der Weg zur Selbstversorgung mit Wasser
Das Wasser in Singapur nach Gewinnungsquelle, % der Gesamtmenge

Quelle: PUB

Das Team hat herausgefunden, dass der Erfolg Singapurs aus mehreren Quellen herrührt. Eine davon ist Technologie, von der auch andere Länder profitieren könnten. Singapur könnte ihnen erklären, wie man mit Big Data Leckagen verhindert oder was es mit der NEWater-Initiative auf sich hat, bei der Abwasser gereinigt wird und dann verschiedene Aufbereitungsprozesse durchläuft – Mikrofilterung, Umkehrosmose und UV-Desinfektion. Das über diese Prozesse bereitgestellte Wasser wird in großem Stil in der Industrie eingesetzt und ist so sauber, dass es Trinkwasserqualität hat. Aber technologisches Know-how allein reicht nicht aus, um eine Wasserrevolution in Gang zu setzen.

Investitionen und ein Wandel im Verhalten der Verbraucher sind ebenfalls notwendig. Auch hier ist Singapur führend. Der Stadtstaat ist nicht nur ein großes Forschungszentrum für Wassertechnologie, sondern hat auch mit der Gründung innovativer öffentlicher Einrichtungen wie die  Nationale Wasseragentur (PUB) sichergestellt, dass Sicherheit der Wasserversorgung und Schutz der Wasserressourcen ganz oben auf der politischen und regulatorischen Agenda stehen.

China hat Großes vor

Nur Länder mit ähnlich großen existenziellen Herausforderungen dürften motiviert sein, dem Beispiel Singapurs zu folgen und die Führungsrolle bei nachhaltiger Wasserwirtschaft übernehmen zu wollen. China ist nach Einschätzung unseres Advisory Board der aussichtsreichste Kandidat. Dort sind 20 Prozent der Weltbevölkerung zuhause, aber nur 7 Prozent des Wassers kommen aus dem Land selbst.

Die Behörden sind entschlossen: Allein in der ersten Jahreshälfte 2017 brachte China rund 8.000 Wasseraufbereitungsprojekte in einer Größenordnung von 100 Mrd. USD auf den Weg. Bemühungen, einen Wandel im Verhalten der Öffentlichkeit zu bewirken, nehmen ebenfalls Gestalt an, in Form von Aufklärungskampagnen in Schulen, höheren Geldstrafen für Umweltsünder und die Ernennung von 200.000 örtlichen Wasserbeauftragten, die sich persönlich um die Wasserqualität in ihrem Zuständigkeitsbereich kümmern.

Mit Unterstützung – und den Geldern – der Regierung dürften auch Technologie und Innovation kein Problem sein. Wasserversorger in Singapur wollen die Gunst der Stunde nutzen und von dem Engagement Pekings in Sachen Nachhaltigkeit profitieren.

Führende Länder in Sachen Schutz der Wasserressourcen

Quelle: Pictet Asset Management

Lokales Problem für die ganze Welt

Die Wasserproblematik ist nicht auf die Schwellenländer beschränkt. Teile der USA und Australien zum Beispiel sind dürregefährdet, während die Niederlande durch Überschwemmungen gefährdet sind. Industrieländern fehlt im Gegensatz zu Singapur und China mitunter ein starker offizieller Fokus auf der Wasserthematik, aber dort ist das Engagement aus dem privaten Sektor größer.

Bessere Aufbereitung
Prozentsatz des aufbereiteten Abwassers 2015 nach Einkommensniveau und Ziele für 2030

Quelle: UN World Water Development Report 2017

Weltweit ist damit zu rechnen, dass die Motivation zum Schutz des Oberflächenwassers und von Grundwasserschichten zunimmt. Die Niederschlagsmuster verändern sich, die Weltbevölkerung wächst und die natürlichen ober- und unterirdischen Wasservorkommen gehen zur Neige. Werden bis 2030 keine Maßnahmen ergriffen, wird es ein Wasserdefizit von 40 Prozent geben.

Singapur hat uns gezeigt, dass es bereits jede Menge Technologie für eine nachhaltige Wasserzukunft gibt – und vieles mehr wird gerade entwickelt. Auch andere Länder fangen mittlerweile an, die mit der Wasserproblematik zusammenhängenden existenziellen Risiken zu erkennen, aber auch die Chancen, die sich den Unternehmen und dem Handel durch Nachhaltigkeit bieten. China und andere Länder sind hochmotiviert und können von Singapur nur lernen und darauf aufbauend noch nachhaltigere Wassersysteme entwickeln.


Lesen Sie weitere Artikel des Pictet Water Advisory Boards:

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

Folgen Sie Pictet Asset Management

Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 24
e-mail: fbohmer@pictet.com

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick stützt Bergbausektor, aber Aufwärtspotenzial bleibt gedämpft

Die Nachfrage nach Metallen wird wie bisher vom günstigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld gestützt, dürfte sich aber im Zuge der chinesischen Reformpolitik abschwächen, so Aneeka Gupta, Equity and Commodities Strategist at ETF Securities. Die für die Rohstoffpreise vorteilhafte Dollarschwäche wird von den in Lokalwährung anfallenden Produktionsvorkosten der Bergbauer aufgewogen. Zum ersten Mal seit fünf Jahren fiel das Capex-Wachstum wieder positiv aus. Die Revolution der E-Mobilität eröffnet dem Bergbausektor neue Investitionsmöglichkeiten. Die strikte Kapitaldisziplin erhöht die Wirtschaftlichkeit der Minengesellschaften, deren Bewertungen allerdings nicht günstig sind.

Makroausblick stützt Nachfrage

Wie aus dem Anstieg der globalen Einkaufsmanagerindizes des verarbeiten Gewerbes seit der zweiten Jahreshälfte 2016 hervorgeht, scheint sich die Weltwirtschaft auf einem stabilen Wachstumskurs zu befinden. Der Optimismus, dass im Zuge der globalen Expansion auch der Metallverbrauch zunimmt, führte in diesem Jahr bei den meisten Metallen entsprechend zu einer Belebung der Preise. Folglich konnten die 100 größten diversifizierten Minengesellschaften seit 31. Januar 2016 zusammen genommen um 86 Prozent aufwerten (Quelle: Bloomberg).

Ergänzt wird dies durch die gegenwärtige Schwäche des US-Dollar, die die Erholung der Rohstoffpreise vorantreibt. Da die weltgrößte Volkswirtschaft in die Spätphase der konjunkturellen Expansion eintritt, rechnen wir mit zunehmender Enge am Arbeitsmarkt und einem Anstieg der Inflation, der Rohstoffpreise und der Zinsen, da die Fed die Geldpolitik normalisiert. Der CRB Raw Industrials Index und der handelsgewichtete US-Dollar bewegen sich aufgrund ihrer negativen Korrelation (-0,80) in der Regel spiegelbildlich zueinander. Diese antizyklische Beziehung ist vielversprechend für die Preise der Basismetalle, da sie bei Dollarschwäche als Wertaufbewahrungsmittel gelten. Obwohl der Bergbausektor von den höheren Rohstoffpreisen profitiert, könnte der schwächere US-Dollar den Nutzen für die Produzenten, deren Produktionskosten zu einem großen Teil in Lokalwährung anfallen, beeinträchtigen.

Chinas Reformen im Rampenlicht

Der Aufschwung der Industriemetallpreise wurde ab Anfang 2016 von einem staatlichen Konjunkturpaket für die chinesische Bauwirtschaft gestärkt. Die Reformen, die Präsident Xi auf dem 19. Parteitag der Kommunistischen Partei im Oktober 2017 hervorhob, sprechen nun dafür, dass das chinesische Wachstum künftig stärker von Dienstleistungen und Konsumausgaben bestimmt sein wird. Da diese Aktivitäten deutlich weniger rohstoffintensiv sind, ist es möglich, dass sich der Bedarf an Industriemetallen abschwächt. Zusätzlich wird das Auslaufen der fiskalischen Anreize für das verarbeitende Gewerbe und die Baubranche, die die Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2017 ankurbelten, die Nachfrage nach Industriemetallen weiter dämpfen.

Im Übrigen führten im letzten Jahr die angebotsseitigen Reformen, mit denen China der Umweltverschmutzung, ungenehmigten Werken und des Überangebots Herr werden will, zu einem deutlichen Anstieg der Metallpreise. In der Aluminium-, Kohle- und Stahlbranche sorgten die weitreichenden Maßnahmen dafür, dass die Kapazitätsauslastung stieg. Der Kapazitätsabbau bei Stahl und Kohle scheint aber seinen Höhepunkt weitgehend überschritten zu haben, da die Lokalverwaltungen ihre Ziele Ende letzten Jahres erreichten.

Bergbauer wieder im Geschäft

Nach dem fünfjährigen Rückgang des Capex befinden sich die Gesamtausgaben im Vergleich zum Vorjahr endlich im grünen Bereich. Sie stiegen um 8 Prozent. Ein großer Teil wurde nicht für Expansionsvorhaben, sondern die Aufrechterhaltung der Produktion 

Nach dem fünfjährigen Rückgang des Capex befinden sich die Gesamtausgaben im Vergleich zum Vorjahr endlich im grünen Bereich. Sie stiegen um 8 Prozent. Ein großer Teil wurde nicht für Expansionsvorhaben, sondern die Aufrechterhaltung der Produktion ausgegeben. Die Bergbaugesellschaften erschließen die neuen Wachstumsmöglichkeiten, die sich durch die technischen Innovationen ergeben. An erster Stelle ist hierbei die Herstellung von Elektrofahrzeugen zu nennen, die der Nachfrage nach Lithium, Kobalt, Kupfer und Aluminium Auftrieb verleihen dürfte. Bergbaugesellschaften, die über Lithium und Kobalt-Vorkommen verfügen, sind gut positioniert, um von der zunehmenden Verwendung dieser Metalle in Batteriekathoden zu profitieren.

Prognose: Angebotsdefizit dauert an

Den Prognosen zufolge dürfte sich das Angebotsdefizit bei einer Vielzahl von Metallen im Jahr 2018 fortsetzen, da deren Nachfrage das Angebot übersteigt. Die global rückläufigen Lagerbestände insbesondere bei Zink, Kupfer, Aluminium, Platin, Palladium und Zinn wirken sich nach wie vor stützend auf die Preiserholung aus. Fallende Erzgehalte und schrumpfende Vorkommen zwingen die Minengesellschaften allerdings, zusätzliche Explorationsprojekte durchzuführen, um die Produktion wenigstens auf dem aktuellen Stand zu halten.

Bergbauer nicht günstig

Aufgrund des schwierigen Preisumfelds zwischen 2011 und 2016 unterwarf sich der Bergbausektor einer strikteren Kapitaldisziplin, um seine Bilanzen zu festigen. Ab Mitte 2016 stiegen die Bewertungen des Sektors wieder im Gleichschritt mit der zunehmenden Rentabilität. Bergbauaktien werden, verglichen mit dem langfristigen durchschnittlichen KGV von 10, derzeit mit einem KGV von 17 gehandelt, was von einem höheren Gewinnwachstum gerechtfertigt wird (Quelle: Bloomberg. Stand: 30. Januar 2018). Da die Wertberichtigungen deutlich verringert wurden, entspricht das aktuelle KBV von 2 inzwischen dem langfristigen Durchschnitt von 1,7. Die Erholung der Rohstoffpreise, der konzentrierte Schuldenabbau und die steigende Liquidität haben den Druck der Ratingagenturen verringert, und der Rating-Ausblick der Basis- und Edelmetallproduzenten hat eine positive Kehrtwende vollzogen.