Verteidigung auf der ganzen Linie: Aufbau eines robusteren Portfolios

Durch Einrichtung mehrerer Verteidigungslinien können Anleger ein robustes Aktienportfolio aufbauen, so Laurent Nguyen, Head of Global Defensive Equities, und Gabriele Susinno, Senior Client Portfolio Manager, beide Pictet Asset Management.

Steinmauern, Türme, Festungsanlagen und schwere Holzfallgitter. Die Monarchen und Fürsten im Mittelalter wussten, wie man sich verteidigt. Sie liessen sich alle möglichen Arten von Festungen einfallen, um ihren Reichtum zu schützen – und waren damit erfolgreich.

Die Investment-Community könnte sich von den Adligen des Mittelalters das eine oder andere abschauen. Die meisten Anleger wissen, dass sich durch Kapitalschutz in schlechten Zeiten langfristig bessere Renditen erzielen lassen, aber nur wenige haben eine Idee, wie ein robustes Aktienportfolio richtig aufgebaut wird. 

Viele der bei den Anlegern momentan sehr beliebten konservativen Aktienstrategien haben eine grosse Schwachstelle – sie haben nur eine einzige Verteidigungslinie. 

Nehmen wir zum Beispiel „Low Volatility“, eine Aktienstrategie, die sich sehr schnell verbreitet hat. 

Fonds, die am MSCI Minimum Volatility Index gemessen werden, investieren oftmals in Unternehmen, die hohe Dividenden in Branchen wie Versorger, Basiskonsumgüter oder Immobilien auszahlen. Diese Unternehmen werden als stabile Investitionen betrachtet, weil sie häufig Merkmale von Anleihen mit Kuponzahlung aufweisen. 

Die Investition in Low-Volatility-Strategien hat in den letzten Jahren gut funktioniert, weil die Anleiherenditen historisch niedrig waren. Mit steigenden Zinsen könnte sich das jedoch ändern: Die meisten Unternehmen in diesen Indizes haben sich stark verschuldet, um Dividenden und Aktienrückkäufe zu finanzieren, was zu einer Schwächung ihrer Bilanzen geführt hat (siehe Abbildung). Das verheisst nichts Gutes für Fonds, die ausschliesslich in Low-Volatility-Aktien investiert sind. 

SCHULDENKRISE?

Kumulative Verschuldung (in Mrd. USD) seit 1998 bei Low-Volatility-Unternehmen und 4P-Unternehmen im oberen Quartil, ohne Finanzen Führende 4P-Unternehmen sind solche, die bei den 4P (Investment-Kennzahlen GDE) im oberen Quartil angesiedelt sind (Profitability, Protection, Prudence, Price). Low-Volatility-Unternehmen sind solche, die bei unserer Kennzahl „Protection“ im oberen Quartil angesiedelt sind. Quelle: Pictet Asset Management; Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.1997–31.12.2017.

Ein weiterer beliebter Ansatz ist die Investition in Fonds, die vorwiegend in „Qualitätsaktien“ anlegen. Solche Strategien greifen im Allgemeinen auf analytische Kennzahlen zurück, um eine Gruppe von Unternehmen zu identifizieren, die rentabel und kaum verschuldet sind und deren Erträge in der Vergangenheit immer sehr stabil waren. 

Da sich diese Strategien jedoch auf die aktuelle Ertragslage eines Unternehmens konzentrieren und nicht die Aktienbewertungen berücksichtigen, haben sie eine starke Neigung zu US-Technologiewerten – die am meisten zu der jüngsten Aktienrallye beigetragen haben – und sind in Finanzwerten stark untergewichtet (siehe Abbildung).

Technologie ist die teuerste Branche. Und eine, deren Unternehmen empfindlich auf stärkere Regulierung und Veränderungen im Konsumentenverhalten reagieren. Hinzu kommt, dass Strategien mit Ausrichtung auf Qualitätsaktien, die in Finanzwerten untergewichtet sind, in Zeiten steigender Zinssätze möglicherweise benachteiligt sind, weil die Margen der Banken im Kreditgeschäft in der Regel steigen, wenn die Leitzinsen nach oben gehen. 

RISIKOBEHAFTET

Aktive Branchengewichtungen im Verhältnis zum MSCI World IndexQuelle: MSCI, Bloomberg, Pictet Asset Management, Daten vom 31.07.2018 

Wie diese Beispiele zeigen, sind Anleger in konservativen Aktienfonds, die sich auf nur einen defensiven Faktor konzentrieren, Risiken ausgesetzt.

Nicht nur, dass Ein-Faktor-Strategien konzentriert in überteuerten Aktien anlegen – ihnen fehlt es auch an der nötigen Flexibilität, um sich an plötzliche Veränderungen im makroökonomischen Umfeld, wie z.B. steigende Zinssätze, anzupassen. 

Somit erleiden sie unverhältnismässig grosse Verluste, wenn sich die Märkte ungünstig entwickeln.

Die vielen Gesichter der Verteidigung

Um diese Risiken zu minimieren, konzentriert sich unsere Strategie auf vier entscheidende Faktoren der Verteidigung; wir nennen es unser 4P-Konzept: Profitability, Prudence, Protection und Price. 

Der Faktor Profitability ist unsere Kennzahl für die Stärken und den Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens. Unternehmen, die bei diesem Wert ganz oben angesiedelt sind, zeichnen sich unter anderem durch stabiles Ertragswachstum, niedrige operative Hebelwirkung und hohe Cashflow-Generierung aus. Unser Research hat ergeben, dass Unternehmen mit einer positiven Rentabilitätsgeschichte in der Regel zuverlässiger und vorhersehbarer Erträge erzielen als solche, deren Aktienbewertungen teilweise auf viel zu hohen Erwartungen für das Gewinnwachstum basieren. 

Prudence ist der Faktor, der die operativen und finanziellen Risiken eines Unternehmens misst. Nach unserem System sind umsichtige Unternehmen solche mit einem niedrigeren Ausfallrisiko, die organisch anstatt durch Übernahmen wachsen. Wir investieren in Unternehmen, die dauerhaft Shareholder Value erzielen, indem sie in vernünftigem Umfang wachsen und sich ihr stabiles Finanzprofil bewahren. Hierzu schauen wir uns die Art und die Stabilität der Cashflows des Unternehmens im Verhältnis zu seinen finanziellen Verpflichtungen wie Zinslast, Dividenden oder Investitionen an. 

Mit unserer Kennzahl Protection beobachten wir, wie ein Unternehmen sich im Laufe des Konjunkturzyklus entwickelt – Ziel ist es, systematische oder unternehmensspezifische Risiken zu quantifizieren. Wir suchen nach Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen, deren Aussichten stabil sind, auch wenn Veränderungen im Konjunkturzyklus eintreten. Darüber hinaus analysieren wir die Volatilität einer Aktie und deren Korrelation mit anderen Aktien, um herauszufinden, inwieweit sich dies auf das Risiko-Rendite-Profil des gesamten Portfolios auswirkt. 

Zu guter Letzt wollen wir auch nicht zu viel für unsere Investments bezahlen. In unserer Komponente Price sind daher mehrere zuverlässige Bewertungsmodelle berücksichtigt, mit deren Hilfe wir die Werte mit dem attraktivsten Preis ausfindig machen. Ohne diese Kennzahl könnte es passieren, dass die Portfoliomanager vielversprechende Anlagen übersehen oder Aktien auswählen, bei denen die Gefahr eines Kapitalverlusts besteht. 

Aufgrund dieses umfassenden Ansatzes weist unser Portfolio ein defensives Profil aus, das Large-Cap-, Quality-, Value- und Low-Volatility-Werte enthält. Jedes unserer vier P stellt eine Verteidigungslinie dar, die zusammen ein Aktienportfolio ergeben, das Schocks an den Märkten besser abfedern kann.

Der Schutz des Kapitals mit einem mehrdimensionalen defensiven Ansatz ist unerlässlich, um langfristig robuste Renditen zu erzielen.

Anpassungsfähigkeit ist gefragt

Unser 4P-Ansatz ist dynamisch, nicht statisch wie viele Smart-Beta-Strategien. 

Beim Aktien-Screening sind zunächst alle 4P gleich gewichtet. Wir ändern dann diese Gewichtung und stützen unsere Entscheidungen auf eine Analyse der wirtschaftlichen und Markttrends sowie des Momentums und der Bewertung des jeweiligen P. 

Wir haben zum Beispiel den Faktor Protection in den letzten beiden Jahren untergewichtet, weil Werte bei dieser Kennzahl weit oben angesiedelt waren – viele davon Aktien, die sich fast wie Anleihen verhalten – und ins Trudeln geraten, wenn die US-Notenbank die Zinsen anhebt. Ausserdem haben unsere Analysen gezeigt, dass Bewertungen für Aktien, die bei Protection gut abschneiden, nicht so attraktiv waren wie diejenigen, die im MSCI World Equity Index vertreten sind.1

Bei der jüngsten Neugewichtung der 4P jedoch haben wir unsere Untergewichtung in Aktien, die bei Protection die höchsten Werte aufwiesen, auf 5–10% reduziert, weil ihre durchschnittliche Bewertung im Vergleich zum MSCI World unter den Durchschnitt der letzten 30 Jahre gefallen ist.2

Wir bevorzugen weiterhin Unternehmen, die bei der Kennzahl Price am besten abschneiden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um solche aus Branchen wie Basiskonsumgüter, Finanzen und Industrie – ein Universum, das durch hohe Qualität und robuste Unternehmensgewinne gekennzeichnet ist. Unsere Übergewichtung bei der Kennzahl Price liegt bei 5%.  

Wir glauben, dass unser mehrdimensionaler Ansatz, in Kombination mit dynamischer Anpassung, eine solide Grundlage für den Aufbau von Portfolios darstellt, bei der keine Verteidigungslinie zu stark oder zu wenig berücksichtigt wird. Auf diese Weise Kapitalschutz zu betreiben, ist der richtige Weg, um langfristig robuste Renditen zu sichern. 

Wie schon die hohen Herrschaften im Mittelalter wussten, reicht eine einzelne Verteidigungslinie nicht aus.


1) Die relative Bewertung wird gemessen am KBV von Unternehmen im oberen Quartil der Kennzahl „Protection“, relativ zum MSCI World Index. Überdurchschnittliche relative KBVs führen in der Regel anschliessend zu einer niedrigeren Performance über einen Zeitraum von 1 Jahr bei Unternehmen im oberen Quartil der Kennzahl „Protection“, relativ zum MSCI World Index. Quelle: Pictet Asset Management, Thomson Reuters Datastream, Worldscope. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.1987–30.06.2018
2)Stand 30.06.2018

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Laurent Nguyen

Laurent Nguyen kam 1998 zu Pictet Asset Management. Er leitet das Quantitative Equities Team. Bevor er zu Pictet kam, arbeitete er bis 1996 Lehrassistent in den Bereichen Portfoliomanagement und Optionstheorie. Von 1997 bis 2007 war er ausserdem als Dozent bei der AZEK – Swiss Training Center for Investment Professionals – tätig. Laurent Nguyen erwarb an der Universität Genf einen Master in Finanzwirtschaft.

Gabriele Susinno

Gabriele Susinno kam 2015 zu Pictet und ist Senior Client Portfolio Manager beim Team Quantitative Equities. Bevor er zu Pictet Asset Management kam, arbeitete er acht Jahre lang bei Unigestion, wo er der Gruppe Quantitative Research and Risk Management in der Funds of Hedge Funds-Abteilung vorstand. Davor arbeitete er als Leiter Marktrisikomanagement bei der Banque Cantonale Vaudoise. Gabriele Susinno begann seine Finanzlaufbahn 1997 und sammelte berufliche Erfahrung als quantitativer Analyst am London Business School Software House (MONIS), als Verantwortlicher für die ALM-modeling bei INA – Assitalia sowie als Senior Advisor für institutionelle Investoren bei Capital Management Advisors/Deloitte. Er hat einen Master in Astrophysik und einen Ph.D. in Experimenteller Teilchenphysik von der Universtitä Genf und dem CERN.

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 163 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Europäische Aktien – Lohnt sich ein Einstieg noch?

von Harald Egger, Chief Analyst der Erste Asset Management.

Europäische Aktien haben dieses Jahr enttäuscht. Während in den USA die Börsen von einem Rekord zum Nächsten stürmen, treten europäische Titel auf der Stelle. Bei langfristiger Betrachtung können wir sogar feststellen, dass ein europäischer Index in den letzten 20 Jahren keinen nennenswerten Zuwachs erzielen konnte, wenn man die Dividenden unberücksichtigt lässt. Dagegen wurden Anleger mit US-Aktien um mehr als 160 Prozent oder knapp 5 Prozent pro Jahr reicher – ohne Dividenden-Einkünfte gerechnet.

Sehen wir uns die Entwicklung genauer an. Der Euro-Aktienindex bewegt seit knapp 20 Jahren in einer Bandbreite zwischen 600 und 1.400. Aktuell befinden wir uns knapp an der oberen Grenze (siehe Abbildung 1):

Abbildung 1, Quelle: Thomson Reuters Datastream
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Damit stellen sich zwei entscheidende Fragen:

  • War´s das und der nächste Rücksetzer folgt in den kommenden Wochen? Oder gelingt der Ausbruch aus dieser Handelsspanne?
  • Warum ist das in den USA bereits 2012 gelungen und in Europa nicht?

Die erste Frage ist nicht leicht zu beantworten. Die zweite können wir anhand der Gewinne, der Profitabilität und der Zusammensetzung des Index erklären.

Gewinnentwicklung in den USA und Europa (Euro-Raum)

Eine längerfristige Betrachtung der Gewinne und Bewertung in den USA und Europa offenbart interessante Einblicke, warum sich US-Aktien in den letzten Jahren besser entwickeln konnten.

Abbildung 2, Quelle: Thomson Reuters Datastream
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Griechenland und die Eurokrise dämpften Europas Börsen 

Bis zur Finanzkrise des Jahres 2009 sind die Gewinne in den USA und im Euroraum in etwa parallel gelaufen, in Europe etwas zyklischer aber dennoch im Trend konform. Während die erste Erholung ab 2009 nach der Finanz-Krise noch synchron erfolgte, musste Europa in 2011 die nächste Krise meistern – die Eurokrise mit Griechenland. Sie hat in der Gewinnlandschaft europäischer Unternehmen (vor allem bei den Banken) klare Spuren hinterlassen. Die Diskrepanz der Gewinnentwicklung in den USA und im Euro-Raum ist in der Abbildung 2 klar ersichtlich. Während die Gewinne in den USA von 2011 bis 2015 deutlich zulegten, sind die Gewinne in Europa gefallen. Erst ab 2016 verlaufen die beidem Kurven wieder parallel. In Summe haben sich die Gewinne der US-Unternehmen in 20 Jahren fast verdreifacht (5,4 Prozent p.a.) während die Gewinne in Europa im selben Zeitraum (nur) um durchschnittlich 3,6 Prozent p.a. gestiegen sind). Die Kursanstiege in den USA waren vor allem von den Gewinnen getrieben. Die Gewinne in Europa sind zwar auch gestiegen. Die Bewertung hat aber deutlich abgenommen, was zu einer Stagnation der Kurse geführt hat.

Europa ist fair bewertet, die Bewertung der US-Unternehmen liegt über dem Durchschnitt

Das laufende Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) betrug vor 20 Jahren in den USA 22,7. In Europa lag es sogar etwas höher bei 23,6. Die Bewertung in den USA ist heute auf dem Niveau von 1998. In Europa hat sich das KGV aber auf 17,5 reduziert. Mitverantwortlich dafür ist der Bankensektor, der vor 20 Jahren noch mit einem KGV von ca. 18 bewertet wurde, aber heute mit knapp dem zwölffachen Jahresgewinn an der Börse bewertet ist. Ein weiteres Beispiel ist der Automobilsektor, der heute mit einem KGV von 7,5 verglichen zu 18 in Jahr 1998 gehandelt wird. Ein weiteres Schwergewicht von damals, der Telekomsektor wurde mit einem KGV von 32 bewertet, und befindet sich heute mit 16 auf der Hälfte der damaligen Bewertungsstufe. In Summe bedeutet die Neubewertung, dass Europa ein Niveau aufweist, das dem langfristigen Durchschnitt der letzten 40 Jahre entspricht In den USA liegt die Bewertung aber 20 Prozent über dem langfristen Mittel. Warum es in Europa eine Neubewertung, nicht aber in den USA gegeben hat, zeigt der Blick auf die Profitabilität.

Europa hat Aufholpotenzial 

„Europa ist billiger als die USA, also haben europäische Titel Aufholpotenzial“. Diese Aussage wurde oft getätigt, ist aber grundlegend falsch! Lassen Sie sich nicht durch solche Fehleinschätzungen irreführen. US-Aktien sind teurer bewertet, weil die Qualität gemessen an der Profitabilität höher ist. Eine höhere Profitabilität rechtfertigt eine höhere Bewertung. Wie man aus Abbildung 3 erkennen kann, sind US-Unternehmen wieder so profitabel wie vor der Finanzkrise in 2008/2009. Europäische Unternehmen konnten sich hingegen nicht in diesem Ausmaß erholen.

Wer behauptet, europäische Titel haben aufgrund der Bewertung Aufholpotenzial, meint in Wahrheit, dass sich Europa in der Profitabilität mit den USA angleicht. Das ist nicht unwahrscheinlich, wie die Periode 2003-2007 zeigt, aber aktuell ist eine solche Entwicklung nicht erkennbar.

Abbildung 3, Quelle: Thomson Reuters Datastream
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Europa hat mehr Zykliker, die USA mehr Technologie

 Ein weiterer Unterschied zwischen den USA und Europa ist die Zusammensetzung: Europa ist deutlich Value-lastiger als die USA: im Index befinden sich mehr zyklische Unternehmen als in den USA. Das wäre in einem wirtschaftlich starken Umfeld eigentlich von Vorteil. In den letzten Jahren haben sich Value Aktien aber deutlich schlechter entwickelt als der Index. Investoren bevorzugen seit geraumer Zeit Technologie-Aktien, die sogenannten „FANG“ Aktien (benannt nach Facebook, Amazon, Netflix und Google). Diese Unternehmen sind in Europa unterrepräsentiert. Solange der Fokus der Anleger auf Technologie gerichtet ist, wird es für den europäischen Markt schwer sein sich besser als die Amerikaner zu entwickeln.

 Jetzt (noch) europäische Aktien kaufen? 

Generell ist es schwierig den „richtigen“ Ein- und Ausstiegszeitpunkt an der Börse zu treffen. Vor allem nach sechs Jahren Bullenmarkt stellt sich die Frage, ob man nicht zu spät ist. Frei nach W. Buffet ist die beste Zeit Aktien dann zu kaufen wann man Geld zum investieren hat bzw. in regelmäßigen Abständen, z.B. in Form eines Fonds-Sparplans.

Es gibt aber durchaus Rahmenbedingungen, die für eine Entscheidung herangezogen werden können und für einen Kauf sprechen:

  • Europäische Aktien sind fair bewertet
  • Die Gewinne steigen

Solange die Gewinne weiter steigen, sind weiter steigende Kurse sehr wahrscheinlich, da die Bewertung ein faires Niveau aufweist. Warum sind dann die Aktien in 2018 nicht gestiegen, wenn die Gewinne doch anziehen? Das ist eine berechtigte Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Fakt ist, dass Investoren derzeit zyklische Aktien meiden. Das ist gleichbedeutend damit, dass ein Großteil der Investoren eine deutliche schwächere Wirtschaft und damit rückläufige Gewinne erwarten. Das kann richtig sein, muss aber nicht! Eine alternative Erklärung für die Schwäche der Value Aktien könnte darin liegen, dass in Zeiten stark disruptiver Veränderungen viele Unternehmen gemieden werden (Tesla vs. traditionelle Autobranche, Amazon vs. traditionelle Händler, Netflix vs. Netzbetreiber, u.a.).

Ob es sich lohnt europäische Titel statt US-Aktien zu kaufen hängt davon ab, ob Technologiewerte weiter favorisiert werden. Aber auch, ob sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten deutlich abschwächt oder ob die Konjunktur speziell in Europa anzieht. Wie bereits erwähnt ist Europa Value-lastiger und damit konjunktursensitiver.

Wer jetzt auf europäische Aktien setzt, trifft folgende Annahme:

  • Es findet eine Rotation aus Technologie-Aktien in zyklische Werte statt
  • Die Wirtschaft in Europa zieht in den kommenden Monaten an
  • Eine Eurokrise findet nicht statt (speziell eine Italienkrise kann abgewendet werden)
  • Der Profitabilitäts-Abstand zu den USA kann verringert werden

Wenn Sie sich mit obigen Aussagen nicht anfreunden können, sollten Sie lieber ein breit gestreutes globales Portfolio bevorzugen. Wenn zumindest zwei der Aussagen eintreten, könnten europäische Titel outperformen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

What it takes to be promoted to emerging market status

Sean Markowicz, Strategist at Schroders, highlights the disconnect between an index provider’s definition of emerging markets and what investors think they are getting.

The index provider MSCI recently announced that both Argentina and Saudi Arabia will be promoted to its emerging markets index next year. Although their index weights will be small, this is expected to generate billions of dollars worth of fund inflows into these countries based on the US$1.9 trillion in assets benchmarked to the MSCI Emerging Markets Index1.

The distinction between an emerging market and an emerging economy

Many investors dedicate an allocation of their portfolio to emerging markets to capture their growth potential. You may have heard the rationale many times - young populations with faster-growing economies may deliver strong investment returns, albeit with the potential of more ups and downs along the way. But investors should be careful not to confuse the term emerging market with the term emerging economy.

For example, many countries which feature in MSCI’s emerging and even frontier (the stage below emerging) market indices are advanced in economic terms – see image below. Korea and Taiwan are obvious examples. On some measures (for instance, GDP per capita, a measure of living standards), Taiwan is even more developed than countries such as Canada, the UK, France and Japan2. In addition, the companies within these markets can also be among the global leaders in their fields, such as Samsung Electronics and Taiwan Semiconductor, yet be classified as emerging market companies. 

* Argentina and Saudi Arabia will be promoted to the MSCI EM Index in June 2019.
** The West African Economic and Monetary Union (WAEMU) consists of the following countries: Benin, Burkina Faso, Ivory Coast, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal and Togo. Currently the MSCI WAEMU Indices include securities classified in Senegal, Ivory Coast and Burkina Faso.
Source: IMF, MSCI and Schroders. Data as at 30 June 2018. 

This occurs not because MSCI applies especially draconian rules about a country’s stage of economic development. The opposite, in fact. Over half of the 57 countries that make up MSCI’s Emerging and Frontier Markets Index already exceed its minimum economic standards to be included in its developed market indices.

What index inclusion really boils down to…

The reality is that index inclusion boils down to market size, liquidity and accessibility rather than economic status or prospects. In contrast, the IMF ranks countries based on purely economic criteria such as export diversification and the degree of integration into the global financial system. This often under appreciated distinction can have some nuanced effects on index composition, such as those highlighted above.

Among other things, accessibility conditions cover perfectly sensible considerations such as whether there are any restrictions on foreign ownership and the ease at which investors can get their money into and out of a market. It also captures certain operational matters such as the ability to ‘short sell’ a stock (sell a stock that you don’t own, in the hope that you can earn a profit by buying it back at a lower price in future) and the level of sophistication of the regulatory framework governing the financial market.

Most frontier and emerging markets fall down on one or several of these conditions. For instance, one reason Korea and Taiwan are classified as emerging, rather than developed markets, is because their foreign exchange markets are not fully liberalised.

For emerging markets index inclusion, a stock market must have at least three stocks which meet minimum size and liquidity thresholds. For frontier market status, two stocks must meet a more lenient version of these thresholds. But these hurdles often mean that only a handful of companies make it into the index upon the country being promoted – hardly a fair representation of the country’s stock market, let alone the underlying economy.

For instance, the number of constituents in the MSCI Argentina Index is projected to decline from 14 today to 11 when it is promoted from the MSCI Frontier Index to the MSCI Emerging Markets index3. One consequence is that its free float-adjusted market capitalisation would be almost US$2 billion lower as an emerging market than as a frontier market. In a back-to-front logic, promotion will result in MSCI Argentina being a smaller part of MSCI’s global markets indices, not a larger one. Active managers, however, might still choose to invest in stocks listed in Argentina, but not in the MSCI Argentina benchmark.

The effect of reclassification on a country’s index weight

What is also noteworthy is the effect that reclassification can have on a country’s total index weight, as it often means moving from being a big fish in a small pond to a small fish in a big pond. For example, Argentina is currently the second largest member of the MSCI frontier market index, with a benchmark weight of 17%. However, it is only projected to make up 0.5% of the MSCI emerging market index after it is upgraded4.

From an investor’s point of view, this highlights the disconnect between an index provider’s definition of emerging markets and what investors think they are getting. At a minimum it suggests a degree of discretion is warranted when deciding how to invest one’s assets.


1) Source: MSCI. Data as at 31 March 2018.
2) Source; IMF. Data as at 2018. Based on GDP per capita using purchasing power parity (PPP), international dollars.
3) Source: MSCI. Data as at 29 June 2018.
4) Source: MSCI. Data as at 29 June 2018.

This article has first been published on schroders.com.

„Technologie verändert die indische Wirtschaft fundamental“

Smartphones als Treiber fundamentaler Veränderungen? Das klingt im ersten Moment nicht sehr revolutionär. Mit Blick auf die indische Wirtschaft könnte die rasant wachsende Anzahl der dortigen Smartphone-Nutzer aber eben solch gravierende Veränderungen hervorrufen. Das sagt zumindest Kim Catechis, Fondsmanager des Legg Mason Martin Currie Global Emerging Market Fund. Vor allem der ärmeren, ländlichen Bevölkerung würden sich so ganz neue Möglichkeiten erschließen. „Um es einmal ins Verhältnis zu setzen: Von den 650 Millionen Mobilfunknutzern in Indien sind bereits 300 Millionen mit einem Smartphone unterwegs. In absoluten Zahlen mag das viel klingen, die Smartphone-Penetrationsrate im Land ist aber immer noch vergleichsweise niedrig. Es werden in den nächsten Jahren noch einige hundert Millionen neue Nutzer hinzukommen – mit immensen sozio-ökonomischen Effekten“, glaubt Kim Catechis

Der Schwellenländer-Experte der Legg Mason-Tochter zieht das Gesundheitswesen als ein Beispiel für einen solchen Effekt heran: „In einem Land, in dem das nationale Gesundheitssystem den Anforderungen nicht gerecht wird, muss ein Großteil der Bevölkerung die Kosten aus eigener Tasche bei privaten Anbietern zahlen, die nur wenig transparent agieren. Doch mittlerweile gibt es Apps, mit denen die Menschen in Indien beispielsweise die Preise für Medikamente direkt auf ihrem Telefon vergleichen können.“ Ein ähnliches Konzept würde man auch mit Blick auf Bildung finden. In Indien herrsche ein permanenter Lehrermangel. Entsprechend rasant würden sich derzeit sogenannte mobile Lern-Apps ausbreiten, die Kindern und auch Studenten Zugang zu einer beeindruckenden Bandbreite von pädagogischen Werkzeugen böten.

Aus diesem Grund schauen sich Kim Catechis und sein Team verstärkt nach Investitionsmöglichkeiten im Smartphone-Umfeld um. „Es gibt viele Profiteure des indischen Smartphone-Booms. Im Mittelpunkt: die Smartphone-Hersteller, denen bei diesen Wachstumszahlen regelrecht das Wasser im Mund zusammen läuft. Samsung Electronics ist seit einigen Jahren Marktführer und konnte in 2017 etwa ein Viertel der Smartphone-Verkäufe für sich verbuchen. Aber auch die Chinesen haben das Marktpotenzial erkannt. Mit Xiaomi, Vivo, Lenovo und Oppo verfolgen gleich vier chinesischen Gesellschaften den Marktführer – wobei Xiaomi in 2017 bereits einen Marktanteil von 20,9 Prozent hatte“, fasst Catechis die aktuelle Marktsituation zusammen. Zudem hätte Samsung letztes Jahr signifikante Investitionen für das indische Hauptwerk Noida in Uttar Pradesh angekündigt. „Alle Top-Smartphone-Player am indischen Markt haben lokale Produktionsstätten – ein riesen Vorteil, da sie so keine Importzölle zahlen“, fügt Catechis an. Denn eben diese Zölle, die Teil des „Make in India“ Plans der Regierung sind, sind eine große Hürde für andere globale Smartphone-Hersteller wie beispielsweise Apple, die im vergangenen Jahr deshalb sogar einen Strategiewechsel vollzogen haben und ihr iPhone mittlerweile auch in Indien produzieren.

Die Smartphone-Entwicklung ist für den Schwellenländerexperten aber viel mehr als nur das Mobilendgerät: „Mit einigen hundert Millionen Indern, die nun so etwas wie einen kleinen Computer in ihren Händen halten, könnten natürlich auch andere digitale Bereiche wie die sozialen Medien, der e-Commerce oder FinTechs vor einem explosiven Wachstum stehen. Wir würden sogar soweit gehen und behaupten, dass wir mittlerweile an einem Punkt sind, an dem es fast unmöglich erscheint, über Investmentmöglichkeiten in Indien nachzudenken, ohne Technologie im Allgemeinen und Smartphones als Hauptakteure im Besonderen mit einzubeziehen.“

Über Legg Mason 

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.

Türkei: ein Virus für die Schwellenländer?

Die Anleger machen sich Sorgen, dass die Währungskrise in der Türkei die Schwellenländer und die Weltwirtschaft destabilisieren könnte. Das ist aber unwahrscheinlich, so Alain-Nsiona Defise, Head of Emerging Corporates, und Mary-Therese Barton (links), Head of Emerging Market Debt, beide Pictet Asset Management.

Von einer Ansteckung bleiben die Finanzmärkte zum Glück meist verschont. Das beruhigt die Anleger momentan aber nicht wirklich. 

Die Türkei taumelt am Rande des Abgrunds und es wird befürchtet, dass der einstige Star unter den Schwellenmärkten andere Länder mit nach unten reissen könnte – was zur Folge hätte, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession rutscht und deren Gläubiger in Europa in eine gefährliche Lage gebracht werden.

Auf den ersten Blick erscheint dies einleuchtend, aber nicht unbedingt bei näherem Hinsehen.

Keine Frage, es ist nicht gut um die Türkei bestellt. Die enormen Auslandsschulden, das immer grösser werdende Leistungsbilanzdefizit und die extrem hohe Inflation – 16%, Tendenz steigend – machen deutlich, dass das Land auf eine Zahlungsbilanzkrise zusteuert, die an diejenige erinnert, die in den 1980ern und 1990ern über die Schwellenländer hinwegrollte. Die Differenzen zwischen dem NATO-Mitglied und den USA sowie die diplomatischen Annäherungsversuche mit Russland und dem Iran machen die Sache nicht besser.

Die Bedeutung der Türkei sollte aber nicht überschätzt werden. 

Zunächst einmal dürfte die wahrscheinliche Rezession keinen direkten Einfluss auf andere Volkswirtschaften haben.

Trotz ihrer engen Beziehungen zur Europäischen Union, einer Bevölkerung von 80 Millionen Einwohnern und ihres rasanten Wachstums in den letzten zehn Jahren ist und bleibt die Türkei ein eher unbedeutender Akteur auf der weltwirtschaftlichen Bühne. Auf das Land entfallen gerade mal 1% des weltweiten BIP und nur 2,8% der Exporte des Euroraums.

Die Bedeutung der Türkei sollte nicht überschätzt werden … auf das Land entfallen gerade mal 1% des weltweiten BIP.

Eine viel grössere Gefahr ist der Schaden, der aus einer Welle von türkischen Zahlungsausfällen entstehen könnte. Die Türkei hat sich in den letzten 10 Jahren stark verschuldet, um ihr Wachstum zu finanzieren, hauptsächlich in Fremdwährungen. Die öffentliche und private Verschuldung ist von weniger als 80% des BIP in 2008 auf mittlerweile mehr als 100% angewachsen. Durch den steigenden US-Dollar und höhere US-Zinssätze wird der Schuldendienst immer kostspieliger. 

Das bereitet den europäischen Banken Kopfschmerzen.

Sie waren grosszügige Geldgeber, vor allem spanische und italienischen Institute. Dieser Umstand ist auch der Europäischen Zentralbank nicht entgangen, die das Engagement des Euroraums in der Türkei mittlerweile genau beobachtet.

Aber auch hier erscheinen die Risiken überschaubar. Spanische Banken sind am stärksten betroffen, aber ihre Kredite an die Türkei machen weniger als 5% der gesamten Kreditvergabe an das Ausland aus. Italienische Banken folgen mit Abstand – auf Kredite an die Türkei entfallen nur 1,9% ihrer weltweiten Forderungen. 

Anlegerstimmung gibt den Ausschlag

Wenn die Türkei mit ihren Problemen andere Märkte ansteckt, dann dadurch, dass die Anlegerstimmung umschlägt. Anleger scheren gerne alle Schwellenländer über einen Kamm und neigen dazu, deren Währungen und Anlagewerte bei den ersten Anzeichen von Problemen abzustossen. 

Das könnte auch jetzt passieren – immerhin war die Türkei nicht das einzige Land, dessen Regierung und Unternehmen zwecks Kreditaufnahme von den niedrigen US-Zinsen profitiert haben. 

Steigt man jedoch etwas tiefer in die Materie ein, wird schnell klar, dass die Türkei im Schwellenländeruniversum aus der Reihe tanzt – denken wir nur an den Putschversuch 2016, als es in anderen Schwellenländern politisch eher ruhig blieb.  

Die finanziellen Nöte der Türkei sind alles andere als repräsentativ. 

Insgesamt haben sich nämlich beispielsweise die Leistungsbilanzen der Schwellenländer seit 2013 erheblich verbessert. Der Leistungsbilanzüberschuss der Schwellenländer ist in dieser Zeit insgesamt von 0,1% auf 0,8% des BIP angewachsen. Selbst bei den Schwellenländern mit Defiziten ist die Lücke kleiner geworden und beträgt jetzt nur noch 1,7% des BIP gegenüber rund 4% zu Zeiten der „Drosselungsangst“, als die Märkte in Aufruhr versetzt wurden, nachdem die US-Notenbank signalisierte, dass sie die quantitative Lockerung zurückfahren wolle.

Auch die Behauptung, dass Unternehmen in Schwellenländern völlig überschuldet seien, ist bei näherer Betrachtung falsch. Die grossen Kapitalaufnehmer waren chinesische Unternehmen, aber lässt man diese aussen vor, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Die Unternehmensverschuldung in Prozent des BIP in den Schwellenländern ist von über 100% auf gerade einmal 48% zurückgegangen – das sind nur 3 Prozentpunkte über dem Stand vor fünf Jahren. Zum Vergleich: In den USA sind es 72%, im Euroraum 100% und in Japan 103%.

ACHTUNG VOR DER LÜCKE

Aufschlüsselung der Leistungsbilanz der Türkei, %, BIP Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.2011–31.07.2018.

Ebenfalls erfreulich ist, dass die Verschuldung in den Schwellenländern abnimmt, auch in China. Die Kreditlücke, also der Abstand zwischen aktueller und Trendrate beim Wachstum der privaten Verschuldung, gemessen in Prozent des BIP, geht in allen grossen Volkswirtschaften zurück. In China ist die Differenz von einem Höchststand von 27% des BIP auf 17% gesunken. In Brasilien, Indien und Russland ist die Lücke mittlerweile sogar negativ. Hinzu kommt, dass der Anteil an „risikoreichen“ Darlehen und Anleihen in Schwellenländern (ohne China) geringer ist als 2008 zu Zeiten der Finanzkrise – zu diesem Schluss kommt eine Studie der US-Notenbank1.

Teilweise ist dies darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen, die auf Dollar lautende Anleihen begeben, Exporteure sind, deren Einkommen vorwiegend auf Fremdwährungen lautet. Wenn der US-Dollar aufwertet, gleichen diese Unternehmen die daraus resultierenden höheren Fremdkapitalkosten durch die im Ausland erwirtschafteten zusätzlichen Umsätze aus.

Bei den jüngsten Turbulenzen wird völlig ausser Acht gelassen, dass ein Anstieg der US-Zinssätze nicht zwangsläufig negativ für Schwellenländeranlagen oder -währungen sein muss.

Solange die Fed ihre geldpolitischen Zügel anzieht, weil die Wachstumsdynamik zunimmt, dürften die wirtschaftlichen Effekte für die Schwellenländer positiv sein. Gezeigt hat dies eine Analyse von Barclays. Die Bank hat festgestellt, dass sich Schwellenländerwährungen und -anleihen bei jedem Zinsanhebungszyklus in den USA seit Mitte der 1990er tendenziell besser entwickelt haben als diejenigen der Industrieländer2. Das gleiche Bild haben auch unsere eigenen Studien ergeben.

Sollte es zu einem ausgewachsenen Handelskrieg kommen, würde natürlich das globale Wachstum stark darunter leiden. Wenn aber – und davon gehen wir aus – die Zollstreitigkeiten zu Verbesserungen des Welthandelssystems führen, dann dürften die starken Fundamentaldaten der Schwellenländer wieder stärker in den Vordergrund treten. Daran werden auch die Probleme in der Türkei nichts ändern.


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Mary-Therese Barton

Mary-Therese Barton kam 2004 zu Pictet Asset Management und leitet den Bereich Emerging Debt. Bevor sie ihre jetzige Position im Jahr 2018 antrat, war sie Senior Investment Managerin im Team. Mary-Therese fing als Analystin für Schwellenländeranleihen an. Bevor sie zu Pictet kam, war sie bei Dun & Bradstreet als Ökonomin für die Analyse europäischer Länder zuständig. Mary-Therese Barton erwarb am Balliol College der Universität Oxford einen BA (Hon) in Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Sie hat ausserdem einen MSc mit Auszeichnung in Finanzentwicklung vom Zentrum für Studien in Finanzmanagement, SOAS (School of Oriental and African Studies), Universität London. Zudem ist sie diplomierte Chartered Financial Analystin (CFA).

Alain Nsiona Defise

Alain Nsiona Defise kam 2012 als Leiter des Emerging Corporate Teams zu Pictet Asset Management. Zuvor arbeitete er bei JPMorgan in London, wo er das Geschäft im gleichen Bereich mit einem Wert von über 2 Mrd. USD leitete. Vor dem Wechsel zu JPMorgan war er neun Jahre lang bei Fortis Investments tätig, zuerst als Senior-Kreditanalyst mit Schwerpunkt Hochzinsmarkt und anschliessend als Senior-Portfoliomanager. In dieser Funktion baute er den Bereich für festverzinsliche Schwellenländeranlagen auf. Alain Nsiona Defise erwarb den Master als Betriebswirtschaftsingenieur der Solvay Business School in Brüssel sowie ein Diplom als Finanzanalyst der Europäischen Union der Vereinigungen für Finanzanalyse (EFFAS).

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 163 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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2018 ist auf dem Weg zum Rekord-Fusionsjahr

2018 könnte ein Rekord-Fusionsjahr werden. Das erste Halbjahr lief jedenfalls bereits außergewöhnlich gut. Laut Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg belief sich das Transaktionsvolumen der angekündigten Fusionen und Übernahmen in der ersten Jahreshälfte auf 2,1 Billionen US-Dollar. Das entspricht einer Steigerung zur Vorjahresperiode um rund 36 Prozent. Bei 24 Deals überschritt das Transaktionsvolumen jeweils die Marke von 10 Milliarden Dollar. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet könnte der Wert damit den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2007 von 4,1 Billionen Dollar übertreffen.

Rückenwind lieferten laut Experten vor allem die US-Steuerreform, hohe Aktienbewertungen sowie das robuste globale Wirtschaftswachstum. Die größten Zusammenschlüsse wurden heuer bisher in der Gesundheits- sowie der Medienbranche angekündigt. So gab der japanische Pharmakonzern Takeda den Kauf des irischen Arzneimittelhersteller Shire für 62 Milliarden Dollar bekannt. Darüber hinaus bot der Krankenversicherer Cigna 54 Milliarden Dollar für den Dienstleister Express Scripts.

In der Medien- und Telekombranche machten indessen T-Mobile US und der Konkurrent Sprint mit einem 26-Milliarden-Dollar-schweren Fusionsdeal auf sich aufmerksam. Daneben liefern sich der US-Kabelriese Comcast und der Medienkonzern 21st Century Fox derzeit ein Wettbieten um die britische Sendergruppe Sky. Das bisher höchste Offert kommt von Comcast und beläuft sich auf 34 Milliarden Dollar.

Analysten blicken mit Vorsicht auf die Fusions-Aktivität

Die aktuelle Phase der starken Fusionsaktivität könnte sich jedoch bald ihrem Ende nähern. Die vergangenen Jahre liefen mit einem jährlichen Transaktionsvolumen von jeweils mehr als 2,5 Billionen Dollar zwar gut, wie die Bloomberg-Berechnungen zeigen. Genau diese Entwicklung lässt Analysten aber skeptisch werden, ob und wie lange dieses Tempo aufrechterhalten werden kann.

Als potenzielle Hemmnisse nennen Experten geopolitische Risiken wie den Handelskrieg zwischen den USA und China. Hinzu kommen weiter steigende Leitzinsen in den USA, Sorgen um eine sich abschwächende Konjunktur und zunehmende regulatorische Unsicherheiten. Beispielsweise hat US-Präsident Donald Trump im März die 140 Milliarden-Dollar-schwere Übernahme des Chipkonzerns Qualcomm durch den Konkurrenten aus Singapur, Broadcom, untersagt. Als Begründung hieß es, der Deal könne der nationalen Sicherheit der USA schaden. Etwas gemildert wurden die regulatorischen Risiken jedoch von dem im Juni gefallenen US-Urteil, dass den 85-Milliarden-Dollar-schweren Time-Warner-Kauf durch AT&T entgegen der Kritik der US-Regierung genehmigt hat.

Auch die Vergangenheit zeigt, dass eine sehr starke Aktivität bei Fusionen und Übernahmen nicht immer ein positives Zeichen sein muss. So folgten auf die letzten beiden Male, bei denen das Transaktionsvolumen ähnliche Ausmaße angenommen hat, ein Jahr später die geplatzte „Dot-Com-Blase“ bzw. die Finanzkrise 2007, kommentierten Marktspezialisten.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Investieren in Megatrends: Autonomes Fahren

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Das Thema selbstfahrende Autos ist in den Medien derzeit allgegenwärtig. Alle Marktbeobachter sind sich einig, dass selbstfahrende Autos kommen werden. Worüber man sich allerdings nicht so einig ist, ist die Frage, wie lange dies noch dauern wird.

Anhand der Grafik auf Seite 2 (siehe PDF links) lässt sich erkennen , dass es zwar heute schon Autos wie z. B. den Tesla gibt, die bereits vollautonom (Stufe 5) fahren könnten, die Gesetze verbieten dies aber noch großteils und erlauben es nur auf einigen Teststrecken. Stufe 1 (Fahrer-Assistenz) und 2 (partielle Automatisierung) sind mittlerweile bei den meisten Neuwagen schon Standard (z. B. Bremsassistenz oder automatisches Einparken) und Stufe 3 (bedingte Automatisierung, z. B. Spurwechsel auf Autobahnen) wird von einigen Premium-Herstellern bereits angeboten.

Es sind weniger die Technik, die selbstfahrende Autos in naher Zukunft auf unseren Straßen limitiert, sondern die Politik und die Gesetze. Aber auch da ist in vielen Ländern schon einiges in Bewegung gekommen. Einerseits wollen viele Länder die ersten sein, die sich dieser Technologie nicht verschließen. Andererseits sind sinkende Verkehrsopferzahlen aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ein gewichtiges Argument für das autonome Fahren.

Aber wie schnell wir selbstfahrende Autos jetzt tatsächlich auf unseren Straßen sehen werden spielt eigentlich keine große Rolle. Tatsache ist, dass derzeit alle großen Autoproduzenten und alle Zulieferer eifrig daran arbeiten, dieses Thema für sich zu reklamieren. Jeder will der erste sein, der in dem Bereich erfolgreich ist. Und niemand will seinen Eigentümern, z. B. den Aktionären, später einmal eingestehen zu müssen das Thema verschlafen zu haben.

Aber wie ist das Thema aus der Sicht eines Investors zu betrachten? Dazu muss eines klar sein, nämlich dass die Autoindustrie mit fast 100 Millionen produzierter Autos jährlich weltweit gesehen immer noch eine der bedeutendsten Industriezweige ist - viele Millionen Arbeitsplätze hängen davon ab. Allein in Europa arbeiten 12,6 Millionen Personen in der Autoindustrie, das sind 5,7 % aller Beschäftigten. Anhand dieser Zahlen kann man also bereits erkennen, dass dieses Thema speziell auf der Investorenseite niemanden kalt lässt und Interesse an Investitionen besteht. Aber in welchen Bereichen kann und sollte man eigentlich investiert sein? Und in welchen Unternehmen sind wir im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien investiert?

Vier Eintrittsmöglichkeiten

Nach Bereichen unterscheiden wir vier Eintrittsmöglichkeiten:

  1. Elektro-Autos
  2. Selbstfahrende Autos
  3. Internet of Cars (IoC)
  4. Car-Sharing

Warum diese vier Bereiche?

Wir glauben, dass selbstfahrende Autos mit Elektromotoren statt mit Verbrennungsmotoren ausgestattet sein werden, weil dies viel praktikabler und billiger sein wird. Erstens, weil die Autoproduzenten bis 2020 ihren Gesamtflotten-CO2-Ausschuss drastisch reduzieren müssen, und das geht am leichtesten mit Elektrofahrzeugen. Zweitens, weil diese Fahrzeuge wiederum zu Beginn wahrscheinlich in den Car Sharing Modellen (z. B. Drive Now oder Car to Go) ausprobiert werden. Da diese Autos dann im Vergleich zu heute ein Vielfaches an Technik beinhalten (z.B. Halbleiter, Kameras, Radar, LiDAR (light detection and ranging, etc.) ist es auch wichtig, den Bereich Internet of Cars als eigenen Bereich hervorzuheben.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir das Thema autonomes Fahren im Fonds sehr genau verfolgen und in diesem Bereich auch einige Investitionen getätigt haben.

Allerdings sind es weniger die Autoproduzenten selbst (Ausnahme Toyota), in die wir investiert sind, sondern mehr die Zulieferbetriebe (z. B. Continental aufgrund seiner vielen Patente im Bereich autonomes Fahren) und hier wieder insbesondere die Technologiefirmen, die z. B. Halbleiter (Infineon, Intel), Kameras oder GPS Module (U-Blox) herstellen. Im Batteriebereich sind wir Aktionär bei Albemarle einem Rohstoffunternehmen, das Lithium abbaut, und beim taiwanesischen Hersteller von Batterien, Simplo Technology.

Nicht zu vergessen sind auch die großen amerikanischen Technologiekonzerne wie Google, Apple oder Amazon, die natürlich auch bei diesem Zukunftsthema etwas vom Kuchen abbekommen möchten. Apple wird als Hersteller der Autosoftware genannt, Google als Anbieter und Verkäufer von beispielsweise Verkehrsdaten und Amazon könnte seine Produkte mit selbstfahrenden Autos ausliefern lassen.

ETP-Anleger scheinen Möglichkeiten zur Schnäppchenjagd bei Gold entdeckt zu haben

Long-Gold-ETPs verzeichneten die höchsten Zuflüsse seit Juni 2018, da die Anleger auf Schnäppchenjagd zu sein scheinen, so ETF Securities im wöchentlichen Markt- und Flowbericht. Bei Long-Nickel-ETPs hielt der Mittelzustrom die achte Woche in Folge an, obwohl sich die Preissituation vergangene Woche entspannt hat. Dagegen hielten die Abflüsse aus Long-Kupfer-ETPs an, während beim Arbeitskampf in der Escondida-Mine eine Lösung in Sicht ist.

Long-Gold-ETPs (A0LP78)verzeichneten die höchsten Zuflüsse seit Juni 2018, da die Anleger auf Schnäppchenjagd zu sein scheinen. Nachdem der Goldpreis vergangene Woche um 3,0 Prozent gefallen war, tätigten die Anleger die stärksten Käufe seit Juni 2018 und engagierten sich in einem Umfang von 85,5 Mio. USD bei Gold-ETPs (A0N62G). Anscheinend stimmen viele ETP-Anleger mit uns darin überein, dass Gold überverkauft ist. Wie wir bereits dargelegt haben, ist die zunächst nur schwache Reaktion von Gold auf die Situation in der Türkei vermutlich nicht überzubewerten. Das Metall reagiert möglicherweise mit Verzögerung auf die Wirtschaftskrise in der Türkei. Gold wurde letzte Woche durch die Dollar-Aufwertung niedrig gehalten. In Stressphasen löst sich üblicherweise die negative Korrelation von Gold mit dem US-Dollar auf. Allerdings könnte die Drohung der türkischen Zentralbank, aufgrund des Drucks auf die Lira Gold verkaufen zu wollen, maßgeblich für den Abwärtsdruck auf den Goldpreis verantwortlich sein. Unserer Einschätzung nach dürfte Gold in der derzeitigen turbulenten Phase zu einem begehrten Vermögenswert für türkische Haushalte und Anleger avancieren. Hinzu kommt, dass die politische Prämie bei Gold steigen könnte, falls die türkische Regierung mit der Kontrolle von Devisen- oder Goldpreisbewegungen drohen sollte.

Silber- und Platin-ETPs (A0N62F bzw. A0N62D) verzeichnen im Zuge von Preiseinbrüchen starke Abflüsse. Silber und Platin verbilligten sich vergangene Woche um 4,7 Prozent bzw. 5,9 Prozent. Die beiden Metalle gaben deutlich stärker nach als Gold, da sie anders als das gelbe Metall nicht vom Status eines sicheren Hafens profitieren. Die Anleger trennten sich von diesen konjunktursensibleren Metallen, wobei die Abflüsse aus Silber-ETPs 19,1 Mio. USD erreichten (so viel wie seit Juni 2018 nicht mehr), während aus Platin-ETPs 25,9 Mio. USD abflossen (so viel wie seit August 2016 nicht mehr).

Bei Long-Nickel-ETPs (A0KRJ4) hielt der Mittelzustrom die achte Woche in Folge an, obwohl sich die Preissituation vergangene Woche entspannt hat. Long-Nickel-ETPs verzeichneten letzte Woche einen Mittelzustrom von 53 Mio. USD. Nachdem die Nickelpreise vor zwei Wochen das Stigma des Handelskrieges abzuschütteln schienen, brachen die Preise vergangene Woche im Rahmen eines neuerlichen Ausverkaufs zyklischer Vermögenswerte wieder ein. Die Industriemetall- und Energiepreise bewegten sich allesamt nach unten, da die Risikoaversion am Markt zunahm. Wir rechnen allerdings wieder mit einer Erholung, falls die Situation in der Türkei unter Kontrolle bleibt. Darüber hinaus glauben wir, dass die Metallpreise letztlich von Handelskriegen profitieren, denn der Einfluss von Störungen in den Lieferketten dürfte gegenüber dem Effekt des Nachfragerückgangs überwiegen (siehe auch Handelskriege: günstig für die Metallpreise?).

Die Abflüsse aus Long-Kupfer-ETPs (A0KRJU) hielten an, während beim Arbeitskampf in der Escondida-Mine eine Lösung in Sicht ist. Nach den von der Regierung geleiteten Gesprächen akzeptierten die Gewerkschaft und ihre Mitglieder einen neuen Vertrag von BHP Billiton. Dadurch wird eine seit Jahren andauernde Pattsituation beendet, in deren Zuge die Minenarbeiter vergangenes Jahr 44 Tage lang gestreikt hatten. ETP-Anleger veräußerten Kupfer-ETPs im Umfang von 20,2 Mio. USD. Wir sind aber nicht davon überzeugt, dass das Kupferangebot infolge der Vereinbarung wesentlich zunehmen wird. Störungen der globalen Lieferkette infolge der Handelskriege werden das Angebot vermutlich begrenzen. 

Anleger veräußern Short-USD-/Long-EUR-Positionen im Umfang von 10,2 Mio. USD. Vergangene Woche waren Short-USD-/Long-EUR-ETPS von Abflüssen im Umfang von 10,2 Mio. USD betroffen, wodurch die Zuflüsse der vorangehenden beiden Wochen in Höhe von 11,6 Mio. USD wieder weitgehend neutralisiert wurden. Der Euro hat in den letzten beiden Wochen fast 2 Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet, da von der Türkei ausgehende Ansteckung befürchtet wurde.

Österreichischer Aktienmarkt 2018: Seitwärtsbewegung mit Luft nach oben

von Peter Szopo, Chief Equity Strategist der Erste Asset Management.

In den vergangenen drei Jahren (2015-2017) legte der ATX, Österreichs wichtigster Aktienindex, mehr als 16% jährlich zu. Damit war die Wiener Börse in diesem Zeitraum der europäische Aktienmarkt mit der besten Performance (bzw. zweitbesten, wenn Osteuropa einbezogen wird). 

In gewisser Weise spiegelte diese hervorragende Entwicklung einfach „Mean-Reversion“ (die Rückkehr zum Mittelwert) wider, angesichts der massiven Underperformance des ATX im Vergleich zu den wichtigsten europäischen Indizes den vier Jahren davor. Der Aufschwung war jedoch nicht rein technischer Natur, sondern wurde durch Fundamentaldaten getrieben. Von 2015 bis 2017 haben sich die aggregierten Gewinne des börsennotierten Unternehmenssektors in Österreich mehr als verdoppelt, vor allem als Folge der Gewinnerholung im Bankensektor.

5 Gründe warum der ATX 2018 schwächelt

2018 verlief bisher gedämpfter. Nach sieben Monaten (Stichtag 31. Juli) lag der ATX praktisch unverändert wieder auf dem Niveau zu Jahresbeginn, ähnlich wie der europäische Markt (Euro Stoxx 600), der im gleichen Zeitraum ebenfalls nur einen leichten Zuwachs von 0,6% verzeichnete. Die schwächere Entwicklung des österreichischen Marktes im laufenden Jahr kommt nicht überraschend. Eine Reihe von Faktoren, die den Markt in den letzten Jahren unterstützten, ist weggefallen:

  1. Das Gewinnwachstum hat sich deutlich verlangsamt und wird voraussichtlich 2018 ca. 9% und 2019 ca. 8% betragen (Daten von Factset), was im Wesentlichen dem europäischen Schnitt entspricht.
  2. Im Spektrum „Value“ versus „Wachstum“ hat der österreichische Markt insgesamt im Vergleich zum übrigen Europa einen “Value“-Bias, was den hohen Anteil von Finanztiteln und den Mangel an Technologieaktien im österreichischen börsennotierten Universum widerspiegelt. Sowohl weltweit als auch in Europa ist der Value-Faktor in diesem Jahr hinter dem Wachstumsfaktor zurückgeblieben.
  3. Wahrscheinlich als Folge dieses value-Bias tendiert der ATX dazu, bei fallenden Zinsen schlechter zu performen als seine europäischen Pendants. Seit Februar sind die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen um mehr als 30 Basispunkte gefallen, was dem ATX nicht geholfen hat.
  4. Viele Investoren sehen den Wiener Finanzplatz als Plattform für Osteuropa, was angesichts der beachtlichen Präsenz vieler österreichischer Unternehmen in der Region nicht verwunderlich ist. Der ATX schafft es daher meist dann die anderen europäischen Indizes abzuhängen, wenn auch die Aktienmärkte in Zentral- und Osteuropa gut performen. Dies war 2018 nicht der Fall. Der wichtigste polnische Index verlor in den ersten sieben Monaten 6%, Ungarn fast 9% und der russische RTS-Index (ein USD-basierter Index) war nur leicht positiv.
  5. Aus Gründen, die weniger mit Fundamentaldaten als vielmehr mit der Anlegerstimmung und der Risikowahrnehmung zu tun haben, korreliert die relative Performance des österreichischen Aktienmarktes in der Regel negativ mit dem US Dollar. Der 7% -ige Anstieg des USD-Spot-Index seit Februar hat dem ATX daher nicht geholfen.

Kurzfristigen Aussichten besser

Die Aussichten für den Rest des Jahres sind aus mehreren Gründen jedoch ermutigend. Österreichs gesamtwirtschaftliches Umfeld ist solide und die politischen Rahmenbedingungen scheinen stabiler als in einigen Nachbarländern. Erst kürzlich hat die Oesterreichische Nationalbank ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf über 3% angehoben, was deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Während sich das Gewinnwachstum im Vergleich zu 2017 zwar verlangsamt, wurden die Gewinnprognosen für 2018 während des Jahres angehoben. Anfang August lag der Index-Gewinn/Aktie des ATX für das Jahr 2018 laut Konsensus um 10% über seinem Ausgangsniveau zu Beginn des Jahres.

Aufgrund der Seitwärtsbewegung des Marktes und der gleichzeitigen Steigerung der erwarteten Unternehmensgewinne, ist die Bewertung des Marktes aus Investorensicht attraktiver geworden. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas über 12x ist der österreichische Markt im europäischen Vergleich überaus günstig. In gewissem Maße spiegelt dies die Tatsache wider, dass der österreichische Markt im Durchschnitt die niedrigste Eigenkapitalrendite in Europa aufweist. Der aktuelle Bewertungsabschlag (auf Basis des KGV) zum Euro Stoxx 600 Universum liegt jedoch bei fast 20%. Die Bewertungsdifferenz liegt damit eine Standardabweichung unter dem Mittelwert der letzten acht Jahre, was (absolut) der höchste Wert seit August 2016 ist.

Fazit

Nach drei herausragenden Jahren ist der österreichische Aktienmarkt in Hinblick auf Gewinnwachstum und Performance auf den europäischen Durchschnitt gefallen. Das Umfeld in der ersten Jahreshälfte war für einen Markt mit Value- und Small-Cap-Ausrichtung nicht hilfreich. Allerdings lassen die Fundamentaldaten des Landes, die Anhebung der Gewinnerwartungen und die attraktive Bewertung die Hoffnung zu, dass österreichische Aktien in den restlichen Monaten des Jahres gut abschneiden könnten. Voraussetzung ist allerdings, dass das globale Umfeld für risikobehaftete Anlagen wie Aktien nicht durch Handelskriege, eine Inflationsbeschleunigung in den USA oder Turbulenzen in der chinesischen Wirtschaft weiter beeinträchtigt wird – um nur die aktuell wichtigsten Störfaktoren für die Märkte zu nennen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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Cyber-risk: how investors can prepare for the unpredictable

Cyber crime continues to create significant costs for companies globally, but understanding the risk means going beyond a formulaic assessment of policies, argues Ovidiu Patrascu, Sustainable Investment Analyst at Schroders.

Digital data has grown exponentially in recent years, spurred by increased penetration of mobile devices and consumption of online services. The rapid expansion in the volume of data companies store, many of which are relatively new to data management and security, has attracted cyber criminals employing increasingly sophisticated tools and techniques. Cyber crime costs global companies around 60% more than it did only five years ago, whilst in the US, that number has risen by over 80% (see Fig 1). No company can afford to ignore the threat, and regulators such as the UK’s Information Commissioner’s Office (ICO) are stepping up enforcement actions. Their response represents the tip of the iceberg the problem represents.

Figure 1: Cyber costs are increasing

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Source: ico.org.uk, Accenture & Ponemon Institute's 2017 Cost of Cyber Crime Study, Cisco Global Cloud Index

What does cyber risk mean?

Cyber risk is a broad term. For most people, it represents the risk of loss or harm from breaches or attacks on information systems. That loss can take many forms, including direct financial costs, reputational damage or operational continuity. Recent high profile breaches (WannaCry, Petya, Equifax etc.) have served to further raise awareness on the issue, in turn attracting regulatory scrutiny. Data privacy is commonly associated with cyber risk, and is a centrepiece of the EU’s General Data Protection Regulation (GDPR) regulation, which came into force in May 2018. That law has become a defacto global standard; it clarifies and expands upon what sensitive data entails, who has the usage rights, and assigns the responsibility to companies to keep customer data safe, with high fines if they fail to do so.

Why should investors care?

Cyber is an increasingly critical source of business risk, especially for companies with important intangible assets such as brands, customer relationships or technology. The negative impact a data breach can have on a brand link straight to companies’ competitiveness, future revenues and future cash flows. Data breaches often uncover poor governance practices and weak management; changing people or policies is quick but re-establishing market and customer trust take much longer.

An engagement approach

In our view, investors should focus on understanding how well a company prepares for cyber events. The depth of its approach should give confidence that when (not if) a breach occurs, processes and resources are in place to minimise the impact on operations and ability to create value.

Building that understanding means going beyond a formulaic assessment of policies. We believe direct company engagements are the best way to gain insights. We have delved into the topic focusing on a few main areas:

  • Governance: assess how well cyber risk is understood by the board
  • Expertise: does the company have the internal capabilities to manage cyber risk? Is it drawing on specialist skills from outside the organisation?
  • Technological: has the company adopted best practices from a technical standpoint?

Recognising that cyber risk is relevant to many business models, we have engaged with Chief Information Security Officers (CISO) or Data Protection Officers (DPOs) at ten companies Schroders invests in, across sectors such as financial services, technology and telecoms.

Main findings: expertise and board responsibility

Our direct and detailed engagements have allowed us to identify where the material information lies, and to better understand the strength and weakness at a company level. We believe the key areas are:

  • Expertise: it is critical that the company has a well-resourced and specialised cyber security team, managed by a CISO/DPO, reporting preferably to the CEO or the board. The security team should also leverage specialised external expertise on a regular basis to stay on top of new threats and security tools. Internally, the team should have direct ownership of specific technological tasks such as penetration testing, security patches etc.
  • Board level responsibility: the board should have specific expertise to evaluate whether the company has the appropriate operational and managerial resources to mitigate cyber risk.

The analysis of a company’s level of expertise and board responsibility provides our analysts and fund managers with a basis on which to structure their questions of management teams, and to benchmark responses against peers.

In addition, the engagements have changed our understanding of a few areas usually thought of as important, but which most companies disregard.  For instance, our discussions highlighted the weaknesses of focusing on ISO27001 (an IT standard that best-in-class companies implement internally), cyber insurance (current products offer limited coverage) and policies on cyber/data protection (while important for compliance purposes, they appear less helpful in actually managing cyber risk).

Conclusion: targeted engagement

Cyber is an increasingly important risk for every organisation. As investors, we need to gain a deeper understanding into how well companies held in our clients’ portfolios are prepared to manage this risk. We believe targeted company engagement is the most effective way to gain insights into key areas such as top-level risk governance and technical expertise, where investors might be able to identify unsuitable practices before they materialise.


This article has first been published on schroders.com.

Dürre treibt den Weizenpreis hoch

von Aneeka Gupta, Associate Director - Equity & Commodities Strategist bei WisdomTree.

Weizen war in diesem Jahr mit einem Plus von 32,8 % bis zum 9. August 2018 das bislang erfolgreichste Rohstoffprodukt. Der Aufwärtstrend wurde durch ungünstige Witterungsbedingungen in bedeutenden Weizenanbaugebieten unterstützt. In den USA, Europa und Australien herrschen in den letzten Monaten immer trockenere und wärmere Bedingungen für die Weizenernte. Nach der Einstufung als Absatzmarkt mit ausreichendem Angebot haben sich die Aussichten für die Weizenmärkte in diesem Jahr dramatisch gewandelt. Die weltweite Weizenproduktion wird voraussichtlich zum ersten Mal seit sechs Jahren zurückgehen. Was im Jahr 2018 als Sorge um die US-Winterweizenproduktion begann, entwickelte sich aufgrund der außergewöhnlich warmen Witterung zu einer tieferen Sorge um die Produktion aus der EU, Russland und Australien. In den jüngsten Monatsprognosen des US-Landwirtschaftsministeriums vom 10. August 2018 wurden die weltweiten Weizenlieferungen in diesem Monat um 7,1 Mio. Tonnen reduziert, was vor allem auf die geringere EU-Produktion zurückzuführen ist. 

Source: USDA, Bloomberg, WisdomTree

Die anhaltende Dürre in Deutschland hat die Deutsche Landwirtschaftsgenossenschaft DRV veranlasst, ihre Prognose für die deutsche Getreideernte auf 36,3 Mio. Tonnen nach unten zu korrigieren und damit den niedrigsten Stand seit 1994 zu erreichen. Laut DRV soll die Ernte um 20 % unter dem Vorjahreswert und damit um fast 25 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Binnennachfrage zum ersten Mal seit langem nicht mehr gedeckt wird. Auf der anderen Seite wird die russische Weizenproduktion laut US-Wirtschaftsministerium voraussichtlich um 1 Mio. Tonnen steigen, da die Bedingungen für Frühjahrsweizen weiterhin günstig sind. Es wird erwartet, dass Russland das zweite Jahr in Folge der weltweit führende Weizenexporteur bleibt. Das US-Außenministerium geht davon aus, dass der Welthandel 2018/19 vor allem aufgrund der geringeren EU-Ausfuhren, die um 4,5 Mio. Tonnen zurückgegangen sind und damit den niedrigsten Stand seit sechs Jahren erreichen, niedriger ausfallen wird.  

Die Aussichten für 2018/19 von US-Weizen von der USDA für diesen Monat sind dagegen auf niedrigere Lieferungen, einen höheren Verbrauch und geringere Lagerbestände beschränkt. Aufgrund der Reduzierung der Winterweizen- und Hartweizenproduktion, wie im Augustbericht der NASS angegeben, wird die Weizenproduktion in den USA voraussichtlich um 4 Mio. Bushel auf 1,87 Mrd. abnehmen. Der prognostizierte Nahrungsmittelverbrauch wurde um 5 Mio. Bushel auf 970 Mio. erhöht, der höchste Wert seit Beginn der Berichtsperiode. Australien hat den wärmsten Winter seit mehr als 100 Jahren erlebt, ganz zu schweigen vom trockensten. Der östliche Teil Australiens leidet unter anhaltenden Dürren, die den Getreideanbau beeinträchtigt haben. Die Erwartungen für die nächste Weizenernte sind düster, mit Prognosen von bis zu 13 Mio. Tonnen, die weit unter der enttäuschenden letzten Ernte von 21,2 Mio. Tonnen liegen. Dies dürfte die globale Produktion in der Saison 2018/19, die bereits von USDA herabgestuft wurde, weiter dämpfen. 

Kanada ist eine Ausnahme unter den Ländern, die eine geringere Weizenproduktion voraussagen, da es für 2018/19 einen zunehmend engeren globalen Weizenmarkt erwartet. Hinzu kommt, dass das USDA einen Anstieg der kanadischen Weizenproduktion um 7% auf 31,15 Mio. Tonnen prognostiziert. Außerdem wird aufgrund der anhaltenden diplomatischen Konflikte zwischen Kanada und Saudi-Arabien in der Frage der Menschenrechte ein wichtiger Verbraucher wahrscheinlich nicht in den Genuss kanadischer Weizenausfuhren kommen. Dies wurde bestätigt, nachdem die saudische Getreideorganisation (SAGO) den Exporteuren mitgeteilt hatte, dass Saudi-Arabien Kanada bei der Ausschreibung von Weizen- und Gerstenlieferungen nicht mehr berücksichtigen wird. Dies könnte anderen Anbietern wie den USA, der EU und Russland in Form einer höheren Nachfrage aus Saudi-Arabien zugutekommen und damit ihre Preise erhöhen. Im vergangenen Jahr waren Litauen, Lettland und Deutschland die drei wichtigsten Weizen exportierenden Länder in Saudi-Arabien. 

Market share of global exporting suppliers to Saudi Arabia 

 Source: Global Trade Atlas, Foreign Agricultural Service, WisdomTree, data available as of close 09 August 2018

Wird der Absturz der türkischen Lira zur Kettenreaktion in den Schwellenländern?

Droht mit dem Absturz der türkischen Lira eine Kettenreaktion in weiteren Schwellenländern? Kim Catechis, Head of Global Emerging Markets bei der Legg Mason-Tochter Martin Currie und Fondsmanager des Legg Mason Martin Currie Global Emerging Market Funds, glaubt das nicht – im Gegenteil, für ihn ist die gegenwärtige Situation eher ein guter Einstiegszeitpunkt:

„Die Türkei sitzt aktuell in einer Grube, die sie sich mit fieberhaftem Eifer in den letzten paar Jahren selber gegraben hat. Die Koordination dieser ‚Ausgrabung’ hat die oberste Führung des Landes mit ihrer fehlgeleiteten, kurzfristigen Strategie übernommen, bei der es nur darum ging, die Wahl zu gewinnen. Der Türkei stehen nun Kontrollen des Kapitalverkehrs und ein Plan des internationalen Währungsfonds bevor, der an einigen Bedingungen geknüpft sein wird. Die Alternative dazu ist eine Abwärtsspirale, die so lange anhalten dürfte, bis die ersten beiden Optionen doch schmackhaft erscheinen.

Dennoch sind die Probleme der Türkei länderspezifisch und es ist eher unwahrscheinlich, dass daraus echte Probleme für andere Schwellenländer resultieren. Die Bewertungen der Emerging Markets spiegeln dieses allzu negative Szenario zwar bereits wider, US-Bonds, -Aktien und auch der Dollar scheinen die Möglichkeit eines langsameren Wachstums allerdings zu ignorieren. Diese Diskrepanz ist auf Dauer unhaltbar, weshalb wir jetzt einen guten Einstiegszeitpunkt für Schwellenländer erleben dürften – die Türkei natürlich ausgenommen.“

Active managers were significantly behind benchmark in July

Over a 12-month-rolling period, 26% of Europe managers and 24% of emerging markets managers as well as 27% of US managers outperformed their benchmarks net of fees.

In July, the performance of most active managers was behind benchmark; only 15% of Europe managers outperformed their respective indices net of fees. Emerging market managers and US managers showed a slightly better performance with 33% and 35% outperforming their respective benchmarks.

In Europe as well as in the US, small caps underperformed large caps in July and growth stocks showed a weaker performance than value stocks. Sector-wise, healthcare, financials and telecom outperformed. The underperformance of small caps and value did hurt as most of the managers have an overweight in those factors. In addition to that, most of the active managers have a rather small sector weight in financials and telecom.

Please find the full fundinfo Research News - August 2018 edition including a summary of manager meetings attached on the left.

Aktien: Erholung im Juli

Vor einem Monat war an dieser Stelle noch zu lesen, dass „der Motor unrund läuft“. Das gilt noch immer – aber der Monat Juli brachte nach dem schwachen Juni doch wieder einen kräftigen Aufschwung.

Die globale Konjunkturlage ist weiterhin gut – die USA konnten jüngst über 4 Prozent Wirtschaftswachstum (annualisiert) für das zweite Quartal melden – und die Ängste um eine Eskalation des Handelskonflikts haben sich zuletzt wieder gelegt. Das war eine gute Nachricht – ganz besonders für Europa – und auch für die Emerging Markets, vor allem Lateinamerika konnte zuletzt wieder Tritt fassen.

Auch die Erholung Russlands hält an. Damit sind auch Osteuropa und nicht zuletzt Österreich wieder einen Schritt nach vorne gegangen, lediglich die Türkei belastet weiterhin. Doch die beiden Spannungsfaktoren bestehen weiter: die Befürchtung nachlassender Konjunkturdynamik und die aggressive Handelspolitik der US-Regierung. 2018 gestaltet sich somit als eine Art Seitwärtsmarkt mit zuletzt wieder guter Aufwärtsbewegung.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien USA und Europa – Zwischen Gewinnwachstum und Handelskonflikten

Die aktuelle US-Berichtssaison für das zweite Quartal 2018 ist gut angelaufen und dürfte mit ähnlich hohen Zuwachsraten ausfallen wie im Vorquartal, welches wohl den Höhepunkt im aktuellen Zyklus abbildet. Allerdings hat der Ausblick einzelner Unternehmen insbesondere aus dem zuletzt so stark performenden Technologiesektor Investoren verschreckt und teilweise zu herben Kursabschlägen geführt.

In Europa ist die Gewinnberichtssaison noch jung. Doch dürfte sie weit weniger positiv ausfallen als in den USA und bei einigen Sektoren auch schon von negativen Auswirkungen aus dem schwelenden Handelskonflikt geprägt sein.

Der EU ist es wohl gelungen, mit den USA in Verhandlungen zu treten und vorerst weitere Anhebungen zu verhindern. China als Quellstaat der höchsten Importe aus Sicht der USA rückt damit wieder in den Hauptfokus von Präsident Trump. In unseren Überlegungen berücksichtigen wir mögliche Konsequenzen eines ausufernden Handelskonfliktes und haben uns entsprechend positioniert.

Emerging Markets – Erholung nach deutlichen Abverkäufen

Anfang Juli fand der Anstieg der Risikoprämien im Rahmen der allgemein verbesserten Stimmungslage an den Rentenmärkten ein Ende. Die Sorgen rund um einen globalen Handelskrieg haben in den Augen vieler Investoren – vor allem in Anbetracht des nunmehr attraktiveren Renditevorteils – aktuell an Bedeutung verloren.

Das Exportwachstum der Emerging Markets hat jedoch an Dynamik verloren und auch die US-Zinspolitik sollte weiterhin dafür sorgen, dass die EM-Rentenmärkte mittelfristig weniger attraktiv werden. Kurzfristige Erholungsphasen wie die jetzige zeigen aber, dass dieses Marktsegment vorerst noch nicht gänzlich abgeschrieben wurde.

Auch an den Aktienmärkten hat es nach den deutlichen Abverkäufen im ersten Halbjahr zuletzt eine leichte Erholung gegeben. Das ist zu einem gewissen Grad sicher der überverkauften Situation zu verdanken. Fraglich ist nun, inwieweit die fundamentale Situation sich weiter so fortsetzt wie bisher. Sollte das der Fall sein, hätten Emerging-Market-Aktien noch weitere Anstiege vor sich. Gesamt bleiben EM-Aktien relativ attraktiv bewertet.

Kurzfristige Stabilisierung an den Finanzmärkten

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Nach mehreren „Mini-Schocks“ in diesem Jahr, angefangen von den Inflationsängsten in USA bis hin zur kurzzeitigen Vertrauenskrise von italienischen Staatsanleihen, war schon eine Menge an Unsicherheit eingepreist. Wird die aktuelle Phase, gekennzeichnet von steigenden Aktien- und  Anleihenkursen mit Kreditrisiko nur eine kurzfristige Episode sein? Oder haben die Märkte ein ruhigeres Fahrwasser erreicht?

Deutliches globales Wachstum 

Das reale globale Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal mit rund 3,5 Prozent im Quartalsabstand auf das Jahr hochgerechnet weiterhin kräftig gewachsen. Wichtige Vorlaufindikatoren wie der globale Einkaufsmanagerindex (gebildet aus der Summe von Services und Fertigung) deuten auf einen nur leicht niedrigeren Wert für das aktuelle Quartal hin. Allerdings haben einige Frühindikatoren einen fallenden Trend eingeschlagen. Dazu zählen unter anderem der Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor, die neu geschaffenen Kredite im Verhältnis zum nominellen Bruttoinlandsprodukt in China, die globalen Güterexporte und umfragebasierte Indikatoren, die die Einschätzung der zukünftigen Lage widerspiegeln sollen (Ifo-Index, ZEW-Indizes, Philadelphia Fed Index, Reuters Tankan Survey).

Reales Wirtschaftswachstum in Prozent

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Besonders kräftiges Wachstum in den USA

Vom zweiten Halbjahr 2016 bis Ende 2017 fand eine Beschleunigung des globalen Wachstums in vielen Ländern statt. In diesem Jahr war die Beschleunigung im Wesentlichen nur noch in den USA zu beobachten (auf 3 Prozent im ersten Halbjahr 2018). Im Unterschied dazu ist das Wachstum in anderen wichtigen Regionen beziehungsweise Ländern gefallen (Eurozone von 2,8 Prozent im vergangen Jahr auf 1,4 Prozent im ersten Halbjahr). Immerhin deuten die Frühindikatoren auf eine Stabilisierung des Wachstumsunterschieds hin.

Wachstumsrisiken in China

Das reale Wirtschaftswachstum in China war im zweiten Quartal mit 6,7 Prozent im Jahresabstand hoch. Allerdings ist dieser Indikator für die Einschätzung des Wirtschaftszyklus traditionell wenig geeignet. Andere Indikatoren wie das Kreditwachstum und der BIP-Deflator sind mehr brauchbar. Beide fallen seit einiger Zeit.

Die chinesische Wirtschaftspolitik hat bereits Lockerungsmaßnahmen gesetzt. Die Geldmarktzinsen sind seit Jahresanfang um mehr als zwei Prozentpunkte gefallen (3-Monats Shibor* aktuell bei 2,82 Prozent). Die Währung ist gegenüber einem Währungskorb um rund 5 Prozent schwächer als noch Mitte Mai.  Die Regierung hat eine Ausweitung der Staatsausgaben angekündigt. Es fällt auf, dass im Unterschied zu früheren Stimulierungsmaßnahmen ein positiver Kreditimpuls fehlt. Unklar ist, ob diese Maßnahmen eine Antwort auf eine bereits vorhandene oder auf eine mögliche zukünftige Schwäche aufgrund einer Eskalation des Handelskonflikts mit den USA sind. Die Importdaten für den Monat Juli (+ 27,3 Prozent im Jahresabstand nach 14,1 Prozent im Juni) deuten auf Letzteres.

Inflationsrisiken in den USA

Die aktuell wichtigste volkswirtschaftliche Eigenschaft für den Finanzmarkt ist die uneinheitlichere Zusammensetzung des globalen Wirtschaftswachstums. Auch wenn der Wachstumsunterschied beim Bruttoinlandsprodukt zwischen den USA und anderen Ländern nicht weiter zunimmt, werden die USA früher als andere an die Kapazitätsgrenzen anstoßen. Denn die Arbeitslosenrate ist bereits sehr niedrig (3,9 Prozent im Juli) und das Wirtschaftswachstum liegt mit rund 1 Prozentpunkt über dem Potenzial. Diese Boomphase impliziert einen zeitverzögerten Anstieg der Inflation.

US-Zentralbank könnte ausscheren

Für die Geldpolitik bedeutet dieser Zusammenhang im ersten Schritt eine Leitzinsanhebung auf ein Niveau, das weder unterstützend noch dämpfend auf die wirtschaftliche Aktivität wirkt: das heißt auf das neutrale Leitzinsniveau. Die Fed-Ökonomen Laubach und Williams schätzten dieses neutrale Leitzinsniveau, bereinigt um die Inflation, auf aktuell rund 0,60 Prozent. Zählt man das symmetrische Inflationsziel der Fed von 2 Prozent hinzu, ergibt das einen nominellen neutralen Leitzinssatz von 2,6 Prozent. Dieser Wert stellt allerdings eine Untergrenze dar. Denn erstens ist der reale neutrale Leitzinssatz nicht konstant. Vor allem die Ausweitung des Budgetdefizits spricht für einen Anstieg. Zweitens würde eine Beschleunigung der Inflation die Zentralbank zwingen, den Leitzinssatz auf über den neutralen Leitzinssatz anzuheben.

Generell sind die Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften mit niedrigen Arbeitslosenraten bei gleichzeitig ebenso niedriger Inflation konfrontiert. Die Reduktion der sehr unterstützenden Geldpolitiken erfolgt damit moderat (USA), langsam (Europäische Zentralbank) oder gar nicht (Japan). Die USA könnten mit ausgeprägten Leitzinsanhebungen ausscheren, wenn sich die Inflation tatsächlich beschleunigt.

Höhere Zölle wirken inflationär

Der Handelskonflikt der USA mit dem „Rest“ der Welt verstärkt diese Tendenz. Das Ziel von höheren Zöllen ist eine Verringerung der Importe. Anders ausgedrückt, es soll eine Verlagerung der Produktion vom Ausland ins Inland stattfinden. Funktioniert es, wird dadurch die Binnennachfrage unterstützt. Die US-Wirtschaft operiert allerdings bereits jetzt nahe der Vollbeschäftigung, also der Kapazitätsgrenze. Die beabsichtigte Ausweitung der Produktionskapazität (mehr Produktionsanlagen, Fabriken, Lastwägen, Schienen, Roboter) erfolgt, wenn überhaupt, erst mit Zeitverzögerung. Wenn die Importe durch höhere Zölle nicht verringert werden, also die Produktion nicht angeheizt wird, erhöhten sich nur die Importpreise. Diese werden aufgeteilt in entweder niedrigere Gewinnmargen oder höhere Konsumentenpreise. Höhere Zölle wirken also so oder so inflationär, wenn die Wirtschaft Vollbeschäftigung erreicht hat. Darüber hinaus reduzieren höhere Zölle in den USA das Exportwachstum im „Rest“ der Welt. D.h., die Inflation und das real reale Wirtschaftswachstum werden gedämpft. Zusammengefasst: höhere US-Zölle verstärken die Asynchronität zwischen den USA und dem „Rest“.

Es bleibt holprig

Auch wenn auf den Märkten eine Stabilisierung eingesetzt hat, bleibt es insgesamt holprig. Vor allem die Asynchronität zwischen den USA (inflationäres Umfeld) und dem „Rest“ der Welt (anhaltend niedrige Inflation), insbesondere aber mit China (möglicherweise deflationäres Umfeld), könnte noch für Probleme sorgen. Die schrittweise Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China verstärkt diese Tendenz.


*Shanghai Interbank Offered Rate www.shibor.org

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Was kommt nach dem Fall?

Schwellenländeranleihen haben in den letzten Monaten gelitten, aber Ängste vor einem erneuten Zusammenbruch von Währungen und Anleihen sind übertrieben, so Alain-Nsiona Defise, Head of Emerging Corporates (links), und Mary-Therese Barton, Head of Emerging Market Debt, beide Pictet Asset Management.

Wenn ein Nobel-Preisträger für Wirtschaftswissenschaften, eine Professorin für Finanzwissenschaften an der Harvard-Universität und ein Guru in Sachen Schwellenländer-Investments dasselbe düstere Bild für die Schwellenländer zeichnen, muss die Investment-Community doch sofort hellhörig werden. Der geballte Intellekt von Paul Krugman, Carmen Reinhart und Mark Mobius ist schliesslich beeindruckend.

So war es dann auch: Die Anleger spitzten ihre Ohren, aber nicht nur das, sie handelten auch. Als die Stimmen derer, die eine Schwellenländerkrise vorhersagten, immer lauter wurden, sind Staats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern in eine Abwärtsspirale geraten. Seit Jahresbeginn hat der JPMorgan GBI-EM Index, der Schwellenländeranleihen in Lokalwährung abbildet, rund 5% eingebüsst1.

Das ist aber nicht das erste Mal, dass Anleger mit düsteren Warnungen vor einem Zusammenbruch von Schwellenländeranleihen und -währungen konfrontiert sind. Dasselbe passierte zu Zeiten der „Drosselungsangst“ 2013, als die US-Notenbank das erste Mal signalisierte, dass sie die quantitative Lockerung zurückfahren wolle.

Damals irrten sich die Pessimisten. Und auch jetzt irren sie sich. Und das aus mehreren Gründen.

Die grösste Sorge der Skeptiker ist der Schaden, den höhere Zinssätze und ein starker US-Dollar – die Folgen der geldpolitischen Straffung durch die Fed – mit Blick auf die Finanzierungssituation in den Schwellenländern anrichten könnten.

Viele Schwellenländer sind von ausländischen Investitionen abhängig und können nur so ihre anhaltend hohen Leistungsbilanzdefizite finanzieren.  Wenn die US-Zinssätze und der Dollar steigen, haben diese Volkswirtschaften Probleme, ihren Schuldendienst zu leisten; hinzu kommt, dass ausländische Anleger davon abgeschreckt werden und ihr Kapital lieber woanders anlegen.  

Auch die Inflation kann Kopfschmerzen bereiten. Wenn die Kosten für Importe steigen, wird durch einen stärkeren US-Dollar in der Regel Inflationsdruck ausgelöst, was den Zentralbanken gar nicht schmeckt.

Die diesjährigen Verkaufswellen beim argentinischen Peso und der türkischen Lira – die neben anderen Schwellenländern das grösste Leistungsbilanzdefizit haben – scheinen den Schwarzsehern Recht zu geben. Der Peso und die Lira haben seit Beginn des Jahres 2018 32% bzw. 21% verloren2.

Was die Sache noch schlimmer macht, so die Pessimisten, ist die kaum bessere Finanzlage der Unternehmen. Seitdem die USA den Geldhahn 2009 aufgedreht haben, konnten Unternehmen in Schwellenländern in vollem Umfang von niedrigen Zinssätzen profitieren und der Verschuldungsgrad in Prozent des BIP ist von 80% in 2013 auf 101% Anfang 2018 gestiegen. 

Angesichts der Masse an Darlehen und Anleihen, die auf US-Dollar lauten, besteht die Gefahr, dass es dem privaten Sektor infolge der Straffung durch die US-Notenbank schwerer fallen wird, seine Schulden zurückzuzahlen. 

Systemische Risiken unter Kontrolle 

Diese Risiken sollten aber nicht überbewertet werden.

Zunächst einmal sind Argentinien und die Türkei nicht repräsentativ; diese beiden Schwellenländer sind Sonderfälle, die für diverse Fehlentscheidungen abgestraft werden, nicht zuletzt wegen der Untergrabung der Unabhängigkeit ihrer Notenbanken.

Grundsätzlich haben sich die Leistungsbilanzen der Schwellenländer seit 2013 erheblich verbessert. Insgesamt ist der Leistungsbilanzüberschuss der Schwellenländer in dieser Zeit von 0,1% auf 0,8% des BIP angewachsen. Selbst bei den Schwellenländern mit Defiziten ist die Lücke kleiner geworden und beträgt jetzt nur noch 1,7% des BIP gegenüber rund 4% zu Zeiten der "Drosselungsangst".

Auch die Behauptung, dass Unternehmen in Schwellenländern völlig überschuldet seien, hält keiner genaueren Prüfung stand. Die grossen Kreditnehmer waren chinesische Unternehmen, aber lässt man diese aussen vor, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Die Unternehmensverschuldung in Prozent des BIP in den Schwellenländern ist von über 100% auf knapp 48% zurückgegangen – das sind gerade mal 3 Prozentpunkte mehr als vor fünf Jahren. Zum Vergleich: In den USA sind es 72%, im Euroraum 100% und in Japan 103%.

EIN ERFREULICHER VERGLEICH: SCHWELLENLÄNDER SIND NOCH IMMER GERINGER VERSCHULDET ALS INDUSTRIELÄNDER

Verschuldung als Anteil am BIP, %Quelle: Thomson Reuters Datastream, CEIC, Pictet Asset Management; Daten vom  31.03.2018

Verschuldung der Unternehmen nimmt zu, aber in langsamerem Tempo

Ebenfalls erfreulich ist, dass sich die Kreditaufnahme in den Schwellenländern verlangsamt, auch in China. Die Kreditlücke, also der Abstand zwischen aktueller und Trendrate beim Wachstum der privaten Verschuldung, gemessen in Prozent des BIP, geht in allen grossen Volkswirtschaften zurück. In China ist die Differenz von einem Höchststand von 27% des BIP auf 17% gesunken. In Brasilien, Indien und Russland ist die Lücke mittlerweile sogar negativ.

Hinzu kommt, dass der Anteil an „risikoreichen“ Darlehen und Anleihen in Schwellenländern (ohne China) geringer ist als 2008 zu Zeiten der Finanzkrise – zu diesem Schluss kommt eine Studie der US-Notenbank3.

Teilweise ist dies darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen, die auf Dollar lautende Anleihen begeben, Exporteure sind, deren Umsatz vorwiegend auf Fremdwährungen lautet. Wenn der US-Dollar aufwertet, gleichen diese Unternehmen die daraus resultierenden höheren Fremdkapitalkosten durch die im Ausland erwirtschafteten zusätzlichen Umsätze aus.

SCHULDENSITUATION WIRD DURCH CHINA VERDUNKELT

Verschuldung, % des BIP, SchwellenländerQuelle: Thomson Reuters Datastream, CEIC, Pictet Asset Management; Daten vom  31.03.2018 

Bei den jüngsten Turbulenzen wird daneben völlig ausser Acht gelassen, dass ein Anstieg der US-Zinssätze nicht zwangsläufig negativ für Schwellenländeranlagen oder -währungen sein muss.

Solange die Fed ihre geldpolitischen Zügel anzieht, weil die Wachstumsdynamik zunimmt, dürften die wirtschaftlichen Effekte für die Schwellenländer positiv sein. Gezeigt hat dies eine Analyse von Barclays. Die Bank hat festgestellt, dass sich Schwellenländerwährungen und -anleihen bei jedem Zinsanhebungszyklus in den USA seit Mitte der 1990er tendenziell besser entwickelt haben als diejenigen der Industrieländer4. Das gleiche Bild haben auch unsere eigenen Studien ergeben.

Sollte es zu einem ausgewachsenen Handelskrieg kommen, würden natürlich alle Volkswirtschaften, in Industrie- wie in Schwellenländern, darunter leiden. Wenn aber – und davon gehen wir aus – die Zollstreitigkeiten zu Verbesserungen des Welthandelssystems führen, dann dürften die starken Fundamentaldaten der Schwellenländer wieder stärker in den Vordergrund treten. Darauf lassen im Übrigen auch die jüngsten Gespräche zwischen den USA und der EU schliessen.


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Über den Autor

Alain-Nsiona Defise kam 2012 als Leiter des Emerging Corporate Teams zu Pictet Asset Management.
Zuvor arbeitete er bei JPMorgan in London, wo er das Geschäft im gleichen Bereich mit einem Wert von über 2 Mrd. USD leitete. Vor dem Wechsel zu JPMorgan war er neun Jahre lang bei Fortis Investments tätig, zuerst als Senior-Kreditanalyst mit Schwerpunkt Hochzinsmarkt und anschliessend als Senior-Portfoliomanager. In dieser Funktion baute er den Bereich für festverzinsliche Schwellenländeranlagen auf.
Alain-Nsiona Defise erwarb den Master als Betriebswirtschaftsingenieur der Solvay Business School in Brüssel sowie ein Diplom als Finanzanalyst der Europäischen Union der Vereinigungen für Finanzanalyse.

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 163 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Nicht die Glaskugel, sondern der Algorithmus entscheidet

von Fabian Dori, Egon Rütsche PhD, und Urs Schubiger, Quantitative Strategists bei Aquila Systematic Trading Group.

Attraktive und in praktisch jedem Marktumfeld stabile Renditen, gepaart mit niedriger Volatilität, geringen Korrelationen mit anderen Anlageklassen und einer kontrollierten Gefahr von Rücksetzern: quantitative Multi-Asset-Strategien stellen höchste Ansprüche an ihre Performance. Das Marktumfeld zu Beginn des Jahres 2018 stellt eine Art Lackmustest für diese Modelle dar. Entscheidend ist dabei allerdings nicht die Momentaufnahme, sondern die Langfristbetrachtung. Das wird auch diese Marktphase wieder unter Beweis stellen.

An den Anleihemärkten herrschte zuvor über Monate hinweg ein Klima aus stabilen Zinsen auf niedrigem Niveau, während gleichzeitig an den Aktienmärkten die Kurse über Monate hinweg nahezu stetig stiegen. Entsprechend waren die Volatilitäten an den Kapitalmärkten konstant niedrig. Angesichts der inzwischen erreichten relativ hohen Preise für nahezu alle Assetklassen sind spiegelbildlich die Renditen aus Zinsen, Dividenden oder Mieten sehr niedrig. Positive Renditen zu erzielen ist in einem solchen Umfeld zwar keine Kunst – wohl aber eine Outperformance gegenüber dem Markt zu generieren.

Dieses stabile, das Jahr 2017 prägende Umfeld hat sich mit Beginn des Jahres 2018, vor allem seit Anfang Februar, verändert. Die Zinsen an den Bond-Märkten sind zwar noch immer auf niedrigem Niveau, aber merklich angestiegen. An den Aktienmärkten hat es eine deutliche Korrektur gegeben, beim S&P 500 kurzzeitig um mehr als zehn Prozent. Gleichzeitig ist auch die Volatilität an den Aktienmärkten zurückgekehrt. 

In einem solchen, von höherer Unsicherheit geprägten Marktumfeld können die Modelle quantitativer Multi-Asset-Strategien ihre Eignung unter Beweis stellen. Dabei kann nicht die Erwartung sein, dass kurzfristige Kurseinbrüche (oder Kurssteigerungen bei Short-Exposures) vollständig vermieden werden. Im Gegenteil ist es sogar notwendig, Kursveränderungen kurzzeitig mitzugehen. Quantitative Strategien arbeiten nicht mit der Glaskugel, sondern mit mathematisch hergeleiteten Trendfolge-Modellen. Entscheidend ist, dass der Algorithmus rechtzeitig und zuverlässig erkennt, ob die Signale und Indikatoren nur eine kurzfristige Korrektur in der jeweiligen Asset-Klasse implizieren oder auf eine nachhaltige Trendwende hindeuten. Entsprechend findet dann die Anpassung der Kapitalallokation statt. Dabei sind die Modelle adaptiv, das heißt, sie lernen kontinuierlich dazu und passen die Portfolioallokation stetig dem veränderten Marktumfeld an. Die Reaktion auf diese Momentum-Signale kann in der Regel aber nur mit einer leichten Zeitverzögerung erfolgen (siehe Abbildung 1). 

Abbildung 1: Mit leichter Verzögerung reagiert die quantitative Strategie auf die Trendwende und passt die Asset Allocation an.

Um die täglich neu berechneten Signale zeitnah und kostengünstig umsetzen zu können, bieten sich Futures als geeignetes Anlageinstrument an: Der Handel mit Futures ist hochliquide, sehr schnell und mit vergleichsweise geringen Kosten verbunden. Zudem lassen sich mit Futures sehr viele unterschiedliche Asset-Klassen abbilden, seien es Aktienindizes, Anleihemärkte, Rohstoffe oder Währungen.

Entscheidend bei quantitativen Multi-Asset-Strategien ist die langfristige Betrachtung. Drawdowns können nicht vollständig vermieden, aber ihre Amplitude deutlich minimiert werden (siehe Abbildung 2). Der Momentum-Ansatz ist in unruhigeren Marktphasen der entscheidende Renditetreiber einer solchen Strategie. Eine Carry-Komponente und ein dynamischen Risikoausgleich können aber dazu beitragen, eine in langfristiger Betrachtung und über verschiedene Marktphasen hinweg deutliche Outperformance gegenüber konventionellen Portfolios und gleichzeitig einen positiven Diversifikationseffekt zu generieren. Die Ausschläge in den ersten Wochen des Jahres 2018 werden da keine Ausnahme machen. 

Abbildung 2: Drawdowns von Aktien (MSCI, grau), Anleihen (Barclays GlobalAgg, orange) und Managed Futures (Top Tier CTA Strategien, blau)


Urs Schubiger

Urs Schubiger leitet seit Anfang 2017 den Ausbau und die Entwicklung der Systematic Trading Group, die für die quantitativen Strategien der Financial Assets bei Aquila Capital zuständig ist. Zusammen mit seinem Team verantwortet er die bestehenden Multi Asset-Strategien und die Implementierung neuer systematischer Ansätze. Urs Schubiger verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung in den Bereichen Recherche, Entwicklung und Umsetzung von quantitativen Investmentstrategien und verantwortete damit weitreichende Initiativen zur erfolgreichen Geschäftsentwicklung. Vor der Gründung von pprime Capital war er bei der Schweizer Tochtergesellschaft des amerikanischen Hedge Funds Achievement AM, zuvor war er in Führungspositionen bei Vescore, 1741 Asset Management, Wegelin & Co. Private Bankers, sowie UBS O’Connor tätig. Nach seinem Diplomstudium der Rechtswissenschaften an der Universität Basel schloss Urs Schubiger sein Studium in Mathematik an der ETH Zürich mit dem Master ab.

Bei Nickel- und Aluminium-ETPs kam es zu Zuflüssen, da die Sanktionen gegen Industriemetalle im Rahmen des Handelskrieges gelockert wurden

Long-Nickel- und -Aluminium-ETPs verbuchten infolge der allmählichen Preiserholung die höchsten Zuflüsse seit Februar 2018, so ETF Securities im wöchentlichen Markt- und Flowbericht. Bei Gold-ETPs kam es erstmals seit sechs Wochen wieder zu Zuflüssen. Die Sorgen um die Türkei üben Druck auf den Euro aus.

Long-Nickel- (A0KRJ4) und -Aluminium-ETPs (A0KRJS) verbuchten infolge der allmählichen Preiserholung die höchsten Zuflüsse seit Februar 2018. Die Preise für Nickel zogen letzte Woche um 2,5 Prozent, jene für Aluminium um 4,2 Prozent an, da der Markt den Fokus auf die Angebotsstörungen zu verlagern scheint, die sich wahrscheinlich aus dem US-Protektionismus ergeben dürften. Die Zuflüsse bei Long-Nickel- und Long-Aluminium-ETPs beliefen sich auf 31,2 Mio. USD bzw. 6,5 Mio. USD. Wie bereits in unserem Beitrag Handelskriege: günstig für die Metallpreise? erwähnt, scheint der Markt unschlüssig darüber zu sein, ob sich der Protektionismus positiv oder negativ auf die Preise auswirkt. Nach der ersten Runde an Zollankündigungen im Februar 2018 gaben die Preise nach. Zwischen April und Juni kam es dann zu einer Preisrally, da die Angebotsstörungen in den Fokus rückten. Nachdem die Regierung Trump weitere protektionistische Maßnahmen angedroht hatte, kamen am Markt Sorgen über die negativen Auswirkungen auf das globale Wachstum auf, was in Preisrückgängen über weite Strecken des Juni und Juli zum Ausdruck kam. Die Wiedereröffnung mehrerer Minen auf den Philippinen im Juni, die im Februar 2017 aufgrund von Umweltverstößen geschlossen worden waren, belastete die Entwicklung der Metalle zusätzlich. Seit letzter Woche legt der Markt den Schwerpunkt allerdings wieder auf die Angebotsstörungen, ungeachtet der verschärften Tonart des US-Präsidenten im Hinblick auf einen Handelskrieg. Kupfer konnte lediglich um 0,1 Prozent zulegen, nachdem der Streik bei Escondida (die weltweit größte Kupfermine) in letzter Minute abgewendet werden konnte. Dies war der chilenischen Regierung zu verdanken, die mittlerweile als Schlichter zwischen der Gewerkschaft und BHP Billiton auftritt. Sollten sich die Parteien jedoch bis zum 14. August 2018 nicht einigen können, ist ein neuerlicher Streik nicht auszuschließen.

Bei Long-Gold-ETPs (A0LP78) kam es erstmals seit sechs Wochen wieder zu Zuflüssen, und zwar in Höhe von 26 Mio. USD. Zwar fallen die Goldpreise weiter verhalten aus. Einige Anleger sind allerdings mittlerweile der Ansicht, dass der Preisrückgang überzogen war. Wir teilen diese Auffassung. Trotz der Aufwertung des US-Dollars sind die US-Treasury-Renditen weniger stark gestiegen, als wir dies im Juni erwartet hatten, und die US-Inflation bewegt sich auf einem 6-Jahres-Hoch. Die schwache Wertentwicklung ist auf die übermäßig verhaltene Anlegerstimmung in Bezug auf das Edelmetall (sowohl an den Futures- als auch den ETP‑Märkten) zurückzuführen. Sollte sich die Stimmung wieder verbessern, könnten die Goldpreise zu einer Aufholjagd ansetzen. Unser Basisszenario geht bis Juni 2019 ausgehend von den heutigen Niveaus von einem Goldpreisanstieg um 8 Prozent auf 1307 USD/oz. aus (vgl. Gold-Ausblick). Die wirtschaftlichen Turbulenzen in der Türkei, in deren Rahmen die Lira deutlich abwertete (was sich letzte Woche auch beim Euro bemerkbar machte), könnte die Nachfrage nach als „sichere Häfen“ geltenden Anlagen ankurbeln. Gold fungiert traditionell als sicherer Anlagewert in zahlreichen Anlegerportfolios.

Die anfängliche glanzlose Reaktion von Gold auf die Türkei dürfte ein Ablenkungsmanöver sein

by Nitesh Shah, Director Research at WisdomTree.

Die Türkei befindet sich in einer Wirtschaftskrise. Die Lira ist auf ein Allzeittief von 34% gefallen. Auch der Euro fiel in der vergangenen Woche um 2%, da einige der größten Banken der Eurozone Kreditgeber für die Türkei sind, wie die Abteilung für Finanzaufsicht der Europäischen Zentralbank hervorhebt. Gold wird traditionell als sichere Anlage angesehen, die in Zeiten der Angst der Anleger oft nachgefragt wird. Allerdings sind die Goldpreise in der vergangenen Woche um 0,4% gesunken.

Warum hat Gold also nicht stärker reagiert?

Nun, Gold reagiert nicht immer so schnell in Zeiten von Spannungen. Während der argentinischen Krise hat der Wirtschaftsminister am 1. Dezember 2001 die Bankkonten eingefroren (ein deutliches Signal, die Vorzeichen waren erkennbar) und am 23. Dezember 2001 ist die Regierung mit ihren Staatsschulden in Verzug geraten. Im Monat Dezember 2001 stieg Gold nur um 1%. Im ersten Halbjahr 2002 stieg Gold jedoch um 15%, da die Auswirkungen der argentinischen Krise (und der Dotcom-Blase) eine klare geopolitische Aufwertung des Goldes einführten. Das deutet darauf hin, dass es auch im Krisenfall nicht zu spät ist, eine Absicherung aufzubauen. 

Türkische Zentralbank war größter Goldaufbewahrer im Jahr 2017

Die relativ geringe Reaktion von Gold auf die heutigen Probleme der Türkei könnte auch auf einige der besonderen Merkmale der Türkei zurückzuführen sein.

Die türkische Zentralbank ist ein großer Käufer von Gold. Wenn die Lira in dieser Krise gehalten wird, könnte sie Gold verkaufen und Investoren könnten dieses Angebot als preisverdächtig empfinden. Die türkische Zentralbank kaufte im Jahr 2017 85,9 Tonnen Gold, der zweitgrößte Goldeinkauf aller Zentralbanken neben der russischen Zentralbank (223,5 Tonnen) im Jahr 2017. 

In der Türkei gibt es ein etwas ungewöhnliches System, bei dem Geschäftsbanken Gold verwenden können, um den Reservenbedarf bei der Zentralbank zu decken. Im Jahr 2017 flossen der türkischen Zentralbank 187,7 Tonnen Gold von Geschäftsbanken (in Reserve) zu. Kombiniert man diese beiden Quellen der Ströme zur Zentralbank, so waren die Goldzuflüsse in die Türkei die höchsten aller Zentralbanken.

Wie lange hält die Trägheit des Goldes an?

Ein Teil der Antwort wird sich natürlich darauf beziehen, ob der in der Türkei herrschende Stress vorübergehend ist oder ob er eskalieren wird. Wir können hier keine sinnvolle Präzision anbieten.

Wenn jedoch die Gefahr, dass türkisches Gold verkauft wird, seinen Preis belastet, was könnte diese Bedrohung aufhalten? Die türkische Zentralbank könnte andere Währungen verkaufen, bevor sie Gold anrührt. Das könnte eine tragfähige Strategie für die Zentralbank sein, d.h. Währungen anderer Länder zu benachteiligen und nicht "staatenloses" Gold. 

Die Geschäftsbanken scheinen in den letzten Monaten ihre Goldreserven bei der Zentralbank reduziert zu haben. Die türkische Zentralbank hat zwischen April und Juni 2018 einen Abfluss von 27,5 Tonnen aus dieser Quelle verzeichnet, wodurch die meisten der 30,7 Tonnen Zuflüsse von Januar bis März 2018 wieder zunichte gemacht wurden. Wenn Geschäftsbanken und ihre Kunden im Panikzustand des Landes mehr Gold abheben, wird Gold eindeutig seine traditionelle Rolle spielen. Was für den Goldpreis positiv wäre.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Regierung drakonische Maßnahmen ergreift, um zu verhindern, dass sich die Haushalte mit ihrem Gold absichern. Das ist nicht ohne Grund. 1933 unterzeichnete die Roosevelt-Administration in den USA eine Anordnung des Präsidenten, die "das Horten von Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikaten innerhalb der kontinentalen Vereinigten Staaten verbietet". Das Goldverbot dauerte bis 1974. Solche Aktionen würden das Gold sicherlich zu einem begehrten Gut an anderer Stelle machen. Die Rhetorik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geht bereits in diese Richtung. Am Freitag sagte er: "Wenn jemand Dollar, Euro oder Gold unter dem Kopfkissen hat, sollte er das bei der Bank umtauschen." Die Beschlagnahme von Vermögenswerten ist kein undenkbarer Schritt für einen Führer mit größenwahnsinnigen Tendenzen.

Fazit

Gold reagiert nicht immer schnell auf Stressereignisse. Türkisch-spezifische Themen könnten den Preis vorübergehend stärker belasten als Währungskrisen in Ländern, in denen die Zentralbank wenig Gold hält. Der heutige niedrige Preis könnte Anlegern einen attraktiven Einstiegspunkt bieten.

Türkische Lira – was steckt hinter der aktuellen Krise?

Die türkische Lira spiegelt die schwierige Situation in der sich die Türkei derzeit befindet wieder. Alleine in diesem Jahr verlor die Währung mehr als 45% an Wert. Ein Interview-Update mit Anton Hauser, Senior Fondsmanager Osteuropa Anleihen der Erste Asset Management.

Die Rendite der 5-jährigen Lokalwährungsanleihe stieg um fast 1000 Basispunkte auf 22,4%. Die Zinsdifferenz (Spread) zwischen türkischen Staatsanleihen und US-Dollar-denominierten Staatsanleihen weitete sich um 165 Basispunkte auf 455 Basispunkte aus (Anmerkung: 100 Basispunkte = 1%-Punkt).

Was steckt hinter dieser Entwicklung?

Ein massives Leistungsbilanzdefizit, hohe kurzfristige Staatsverschuldung, eine zu lockere Geldpolitik sowie politisches Risiko führten zu einer Vertrauenskrise bei den internationalen Investoren.

Neben den Zweifeln an der Unabhängigkeit der Zentralbank hat die jüngste Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und der Türkei die türkische Lira weiter unter Druck gebracht. Die Verhängung von Sanktionen, als solche an sich von wenig Bedeutung, erhöhen das Risiko, dass sich die Beziehungen der Türkei zu internationalen Geldgebern in den nächster Zeit erheblich schwieriger gestalten könnten.

Wechselkurs Türkische Lire im Vergleich zum Euro (- 5 Jahre)

Quelle: Teletrader.com; per 9.8.2018; 08:46 Uhr

Wie stark ist die Türkei von externen Investoren abhängig?

Der externe Bruttofinanzierungsbedarf der Türkei ist mit 182 Milliarden US-Dollar fällig werdenden Auslandsschulden über die nächsten 12 Monate sehr hoch. Hinzu kommt ein hauptsächlich vom hohen Ölpreis verursachtes Leistungsbilanzdefizit von ungefähr 55 Mrd. USD, und ein Fremdwährungsungleichgewicht im Unternehmenssektor von 222 Mrd. USD. Dem stehen Nettofremdwährungsreserven der Zentralbank von lediglich 34 Mrd. USD gegenüber.

Die Fremdwährungsverbindlichkeiten der Türkei sind somit bei weitem nicht durch eigene Reserven gedeckt. Während diese Ungleichgewichte an und für sich nichts Neues sind und die Finanzierung der Defizite sich bis jetzt als ziemlich stabil erwiesen hat, bringen sie die Türkei in einem Umfeld steigender US-Zinsen doch in eine recht exponierte Lage.

Welche Auswirkung hat die Währungsabwertung?

Die zunehmenden Befürchtungen über eine harte Landung haben die Asset-Qualität der Banken in den Fokus gerückt. Steigende Zinsen als zusätzlicher Kostenfaktor bei privaten Haushalten, sowie die steigende Zins- und Rückzahlungslast bei in Fremdwährung verschuldeten Unternehmen die nicht ausreichend Fremdwährungseinnahmen generieren, sollten zu einem Anstieg bei den notleidenden Krediten führen.

Derzeit befindet sich allerdings der Anteil der notleidenden Kredite mit 2,8% aller ausstehenden Kredite auf einem niedrigen Niveau. Zusätzlich ist der türkische Bankensektor sehr gut kapitalisiert und somit gut gegen allfällige Kreditausfälle gewappnet.

Der einzige Sektor, der von der Abwertung profitieren könnte ist die Tourismusbranche. Reisen in die Türkei werden für europäische Urlauber günstiger.

Wie lautet Ihre aktuelle Einschätzung?

Unserer Ansicht nach ist es zu früh, um auf „positiv“ für türkische Rentenwerte und die Währung umzuschwenken. Die massiven externen Ungleichgewichte des Landes, sowohl hinsichtlich Stromgrößen (Leistungsbilanz) als auch Bestandsgrößen (signifikante Fremdwährungsverschuldung), waren die Schlüsselfaktoren für die Ausweitung der Spreads um 165 BP auf 455 BP über das Jahr. In Anbetracht des substanziellen Refinanzierungsbedarfs in den kommenden zwölf Monaten, des herausfordernden internationalen Umfelds und der Neigung der Regierung zu unorthodoxer Politik, was sich nach den Wahlen eher nicht ändern wird, behalten wir unsere defensive Position bei.

Bei Hartwährungsinstrumenten ist unsere Positionierung von Anleihen mit kurzer Restlaufzeit und niedrigen Cash-Preisen gekennzeichnet. Lokalwährungsanleihen sowie die türkische Lira haben in der Zwischenzeit scheinbar attraktive Niveaus erreicht. Der reale effektive Wechselkurs ist in den letzten zwei Jahren um mehr als 20% auf historisch niedrige Niveaus gefallen. Gleichzeitig befinden sich die Realzinsen in einer Bandbreite von 4 bis 5%, was sowohl im Vergleich zur eigenen Historie als auch relativ zu anderen Schwellenländern hoch ist.

Was ist ihr Fazit?

Unserer Ansicht nach sind die Risikoprämien nach wie vor vertretbar und könnten sich in Anbetracht der derzeitigen wirtschaftlichen Unsicherheiten sogar noch ausweiten. Weitere fiskalische Expansion zwecks Unterstützung langfristiger Wachstumsziele (oder kurzfristiger, politisch motivierter Wahlversprechen) sind nicht auszuschließen, während die Verlangsamung des globalen Liquiditätswachstums in Verbindung mit den externen Ungleichgewichten der Landes sowie der Inflationsdruck die Zinsen im Inland weiter nach oben treiben könnten.

Wir sind auf ein derartiges Szenario vorbereitet und behalten unsere defensive Haltung gegenüber der türkischen Lira und Lokalwährungsanleihen bei.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Adieu sichere Häfen

Mit der jüngsten Erholung der Aktienmärkte ist die Risikoaversion auch bei den Anleihen zurückgegangen. Die sicheren Häfen werden also wieder verlassen. Nach deutlicher Abschwächung bis Ende Juni folgte wieder eine gute Entwicklung von Unternehmensanleihen und High-Yield-Anleihen.

Letztlich profitierten auch die Emerging-Market-Anleihen. Die Währungskomponente spielt hier eine unterstützende Rolle. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Emerging-Market-Hartwährung die Kosten der Währungsabsicherung von US-Dollar und Euro trägt.Staatsanleihen, also die sicheren Häfen der Anleihen, fielen dementsprechend wieder etwas zurück. Die beschriebene Erholung gilt jedoch nicht für die „Euro-Peripherie“. Hier sind die deutlichen Renditeausweitungen noch nicht wieder abgebaut, Italien (10-jährige Staatsanleihen) rentiert bei ca. 2,3 Prozent Abstand zu deutschen Bundesanleihen. Das liegt deutlich über den Niveaus vor Mitte Mai, als die Regierungsturbulenzen begannen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt – Ruhe nach politischem Sturm

Die Entwicklung der Konjunkturindikatoren befindet sich nach wie vor auf hohen Niveaus – das gilt auch für die Eurozone. Noch höher sind aber die Analystenschätzungen, weshalb einige Indikatoren relativ betrachtet weiterhin enttäuschen.

Nach einem Treffen zwischen EU-Kommissionspräsident Juncker und US-Präsident Trump Ende Juli ist eine Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und der EU vorerst vom Tisch. EZB-Präsident Draghi äußerte sich daraufhin bei der EZB-Sitzung Ende Juli durchwegs positiv. Seiner Meinung nach befindet sich das wirtschaftliche Wachstum der Eurozone auf einer soliden und breiten Basis. Dennoch ist mit Leitzinsanhebungen der EZB erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 zu rechnen.

Die US-Notenbank wird hingegen, trotz Kritik von Präsident Trump, an ihrem Programm festhalten. Das bedeutet noch zwei Zinsschritte bis zum Jahresende. Wir erwarten, dass sich die Verflachung der US-Zinskurve fortsetzt.

Staats- und Unternehmensanleihen – Anhaltende Unsicherheit oder Normalisierung?

Seit Anfang Juli sind die Risikoprämien an den Euro-Kreditmärkten relativ deutlich gesunken. Diese Erholung ist in erster Linie an den Derivate-Märkten eingetreten, weniger an den Kassamärkten. Vermutlich werden an den Kassamärkten höhere Illiquiditätsprämien gepreist, die in den handelsschwächeren Sommermonaten schwerer abgebaut werden können. Wir erwarten eine Nachholbewegung am Kassamarkt in den kommenden Wochen.

Die Berg- und Talfahrt der Risikoprämien italienischer Staatsanleihen gestaltet sich nach wie vor holprig. Von den Höchstständen haben wir uns allerdings deutlich verabschiedet (siehe Grafik). Die Rating-Agenturen Fitch und Moody‘s werden in einem Monat neue Ratings zu Italien veröffentlichen. Moody's stellte das Baa2 Rating Italiens bereits unter negative Revision. Kommt es zu einer Abwertung um eine Stufe, befindet sich das Rating Italiens nur noch eine Stufe über High-Yield. Allerdings: der Markt preist 10-jährige italienische Staatsanleihen bereits knapp 100 BP über BBB-Staatsanleihen und damit praktisch „High-Yield“!

The data boom in Chinese cities and what it means for real estate investing

by Hugo Machin, Co-Head of Global Real Estate Securities, and Ben Forster, Equity Analyst, Global Real Estate, both Schroders.

China is at the forefront of a technological revolution and the quantity of data it will yield is unprecedented. For investors in companies based in the country’s global cities, this could bring compelling opportunities.

Here on the Global Cities blog, we recently discussed the rise of “meta cities”. These are essentially numerous global cities which combine together to form a single economic area, or “meta city”.

We explained how rapid urbanisation in three Chinese economic hubs, interlinked by transport infrastructure, is concentrating economic activity in China into such areas.

Our view is that the knowledge economy (which relies more on intellectual capital rather than physical inputs) is focused on fewer, more important, global cities. Demand for land increases as economic activity strengthens, which means that owners of real assets have pricing power. This is even more evident in China than other parts of the world, as we saw on a recent visit to two meta-city regions – Beijing (Jing Jin Ji) and Shanghai (Yangtse River Delta).

On this trip we witnessed how the early adoption of 4G – through the provision of network infrastructure of so-called macro towers and small cells – was the catalyst for the increase in data generated in China. We explain how and why 4G has facilitated mobile commerce (also known as m-commerce) in China.

Our view is that Chinese cities are now best-placed globally to transfer to fifth generation (5G) cellular technology, which will enable much faster transmission of vast quantities of data over short distances1. This will be transformational: 5G will allow people living in Chinese cities to control their lives from their mobile device.

The 5G rollout will likely require significant investment in a dense network of miniature cell phone towers (small cells)2. This upgrade is important for two reasons. First, small cells function over short distances, making them most practical in highly populated cities. This adds further to our argument that the data-hungry knowledge economy will only thrive in certain cities, fuelling their economic growth and strength.

Second, 5G will enable new technologies such as the “Internet of Things” (ie the network of every physical thing connected to the internet, particularly those that communicate with each other) practical for the first time, leading to a second boom in data creation.

The opportunity for Global Cities investors is clear; companies that own or operate data centres and network infrastructure (macro towers, small cells, fibre) will see increasingly strong demand and will make their cities more productive.

Why mobile, why China?

Simply put, consumption through handheld devices is higher in China than anywhere else in the world. There is a reason for this. Historically, all forms of commerce were operated and controlled by the state. A lack of customer focus from retailers and from banks meant that when alternatives were introduced, the market was receptive.

The introduction of competition coincided with the rise and adoption of the internet. This meant that companies like Alibaba acted as an online mall for retailers, as well as providing mobile payment facilities. Consumers trusted these emerging companies more than previously run state retailers and banks, hence take-up of m-commerce being more rapid in China than in the West.

This means that Chinese consumers are used to purchasing and paying online. New software allowing them to control other areas of their lives will, we think, be adopted equally quickly.

Once launched, 5G will serve as a foundational technology enabling many new applications to emerge, which are not possible over the existing network. These are likely to include driverless cars, smart city infrastructure and connected factory floors. Collectively, these networks form the Internet of Things mentioned above and they are expected to generate vast amounts of data3.

4G is the backbone of M-Commerce but 5G will be the backbone of the Internet of Things.

Which cities?

We witnessed the momentum behind 5G-enabled technologies at the 2018 Mobile World Congress in Shanghai, where the theme was very much “5G now”. Networks in China are racing to beat US carriers such as Verizon to launch 5G services this year.

Beijing, Shanghai, Tianjin and Shenzhen all make it into the Top 30 of our Global Cities Index, which identifies the world’s most economically vibrant cities.

They are elevated by a unique density of consumers, digital infrastructure and tech-talent from institutions such as Tsinghua University. Coupled with a long-term government vision to lead the world in mobile technology4, we believe these cities are the perfect incubators for new technologies such as 5G.

Digital infrastructure opportunity  

Existing network infrastructure for 5G is more advanced in China than in other markets. This is why the opportunity in Chinese cities and specifically in the areas of data centres and small cell companies is apparent.

One hurdle for 5G adoption is that a city like New York is likely to require 40,000-50,000 cell sites to deliver the service (source: ExteNet). China already has around 2 million macro tower sites, meaning that viral animal clips on Douyin load instantly on demand. This is more than 10x the number of sites owned by the US tower infrastructure leader ‘American Tower’.

To continue funding the denser urban small cells needed for 5G, the three state-owned Chinese telcos are looking to raise capital through an IPO of their jointly-owned network infrastructure, which supplies 97% of the market5. This week saw the $7 billion listing of ‘China Tower’ in Hong Kong, with researchers at consultant Frost & Sullivan expecting wireless data on the network to grow at 39% pa until 2022 (source, China Tower filing).

M-commerce growth

M-commerce is one area of data creation growth that continues to fuel demand for data centres and tower networks. M-commerce has thrived on the back of 4G and applications created by companies such as Alibaba.

More broadly, we do not see a slowdown in Chinese electronic commerce (e-commerce) coming, far from it. We see a long runway of growth representing an enormous number of people yet to adopt e-commerce.

The chart below shows the very rapid and sizeable adoption of the Chinese consumer buying goods electronically. However, this only tells a part of the story. The absolute size of the Chinese population means that the unpenetrated market (80%) has greater depth in numbers than any other market in the world.

We think that m-commerce can still grow rapidly, but creation and adoption of other software and technology represents a new level of growth in data creation and processing. This is why the opportunity that 5G represents is so compelling.

Conclusion

5G represents a critical growth point. Companies that own network infrastructure and data centres will benefit from widespread mobile usage of the Chinese consumers and future adoption of the Internet of Things.

This communication infrastructure has to be located in cities, near to large populations. In particular, the meta cities we have written about that will grow quickly because of government transport projects. These locations will provide outsize economic growth and provide investors with the strongest returns.

We think that there is an inflection point coming in how people control their lives through their devices. We think 5G is the catalyst and 5G can only operate over short distances in dense locations, so it needs Global Cities. We think this makes Global Cities even more important to the world economy, underpinning the value of land in specific locations.

This exciting evolution will increase the gulf between winning cities and the rest. For investors in companies that will benefit from or facilitate 5G, located in Global Cities, the future could be very bright.


This article has first been published on schroders.com.

Our global cities team launched the Global Cities blog in 2016, which acts as a resource to track the longer-term trends impacting global real estate. The index uses a number of factors to identify the most economically vibrant cities across the world. You can find out more here.

Börsenumfeld ideal für regelbasierte Trendfolge-Strategien

Anleger müssen derzeit fürchten, dass die erzielten Gewinne der vergangenen Jahre im schlimmsten Fall wieder ausradiert werden. Einerseits nehmen die Handelskonflikte weltweit zu, der Protektionismus ist auf dem Vormarsch und vielen Schwellenländern droht aufgrund des erstarkenden Dollars eine Währungskrise. Andererseits könnte das Ende der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken zu Schocks an den Märkten führen und eine Rezession auslösen. Der kurzfristige Einbruch der Aktienmärkte Anfang Februar und der sprunghafte Anstieg der italienischen Staatsanleihen im Mai haben bereits ein beunruhigendes Schlaglicht auf die niedrige Marktliquidität geworfen. Ähnliche Szenarien haben in der Vergangenheit zu Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten von 50 Prozent oder mehr geführt.

Allerdings wäre es zum jetzigen Zeitpunkt nicht ratsam, aus den Märkten auszusteigen. Zwar ist klar, dass die nächste Rezession kommen wird – aber noch hält das globale Wachstum an, auch wenn es sich in einigen Regionen verlangsamt hat. Die Fundamentaldaten sprechen dafür, dass sich die Wirtschaft in einer späten Phase des Konjunkturzyklus befindet, der aber noch nicht in die Rezession geschwenkt ist. „Der Wert unseres Makro-Indikators ist aktuell positiv. Das starke Wachstum der Industrieproduktion (+3,8 Prozent) und der Einzelhandelsumsätze (+6,6 Prozent) die Mitte Juli veröffentlicht wurden, lassen eine Rezession in unmittelbarer Zukunft sehr unwahrscheinlich erscheinen“, sagt Arne Sand, Fondsmanager und Geschäftsführer bei smart-invest.

Jedoch ist die aktuelle Situation risikoreich, da vermehrt auch neue Gefahrensignale auftreten: Eine inverse Zinskurve, wie sie sich momentan in den USA abzeichnet, war oft der Vorbote einer Rezession. In diesem Fall sind die kurzfristigen Geldmarkt-Zinsen höher als die Renditen langfristiger Anleihen. Arne Sand weist darauf hin, dass zudem viele Indikatoren auf einem sehr hohen Niveau liegen: „Die US-Wirtschaft ist mit einem Purchasing Managers Index von über 60, einer geringen und weiter zurückgehenden Arbeitslosigkeit und einem Unternehmensgewinnwachstum von 20 Prozent aktuell sehr stark. Es ist aber auch klar, dass sich diese enorm guten Zahlen nicht ewig fortsetzen werden. Sobald der Arbeitsmarktindikator ins Wackeln gerät, kann sich dieses Bild rasch ändern. Darauf sollten Anleger sich jetzt vorbereiten.“

Es ist eine Zwickmühle: Einerseits die Befürchtung, in der Endphase eines Konjunkturzyklus zu früh auszusteigen und weitere Kursgewinne zu verpassen, auf der anderen Seite die Gefahr, ungesichert von einem möglichen Abschwung erwischt zu werden und bereits erzielte Gewinne wieder zu verlieren. Einen Ausweg bieten nach Überzeugung von smart-invest Trendfolgestrategien. Denn bei dieser regelbasierten Anlagestrategie kann der Aktienanteil flexibel zwischen 0 und 100 Prozent gesteuert werden und auch die Auswahl der Zielinvestments erfolgt systematisch. Das Ziel ist, an mittel- bis langfristigen Aufwärtstrends in einzelnen Märkten, Regionen oder Sektoren zu partizipieren. Mittel- bis langfristige Abwärtstrends hingegen werden durch regelbasierte Absicherungen vermieden. „Solange die Stimmung noch gut ist, kann mit der Beimischung von Trendfolge-Strategien die Absicherung im Portfolio erhöht werden, ohne die Chancen auf weitere Kursgewinne vollständig zu vergeben.“ Denn Anleger, die nicht vorausschauend reagieren, haben in einem ungesicherten Portfolio häufig zu spät reagiert: „Wenn es zu einem starken Kursrückgang gekommen, bleibt man häufig in der Hoffnung auf eine schnelle Erholung investiert und muss dann hilflos zusehen, wie das Vermögen weiter schmilzt, bis der Geduldsfaden reißt und am Tiefpunkt der Kurse verkauft wird. So geschehen 1998, 2002 und 2008“ erklärt Arne Sand.

Als einer der erfolgreichsten und traditionsreichsten Fonds am Markt kann der smart-invest HELIOS AR eine Historie von 15 Jahren vorweisen. Über einen kompletten Marktzyklus hinweg seit Mitte 2003 konnte der HELIOS AR eine Rendite von 5,7 Prozent p.a. erzielen. Damit liegt er gleichauf mit dem Weltaktienindex (MSCI World) in EUR. Der maximale Rückschlag betrug in dieser Periode aber nur 18,3 Prozent statt 55,0 Prozent und die Volatilität nur 6,3 Prozent, während der MSCI World 15,1 Prozent hinnehmen musste. Ein Mischindex mit etwa vergleichbarem Risiko hat sogar deutlich schlechter abgeschnitten.

Vor allem in der volatilen Seitwärtsphase der letzten drei Monate konnte der HELIOS AR gegenüber anderen Trendfolgefonds eine klare Outperformance erzielen. Seitdem smart-invest den Makro-Indikator im Juni 2016 eingeführt hat, besitzt der Fonds zudem das in der Peergroup beste Rendite-/Risikoverhältnis.

Über smart-invest

Die auf systematische Absolute-Return-Strategien spezialisierte smart-invest GmbH mit Sitz in Stuttgart wurde im Oktober 2007 aus der bereits seit 1994 bestehenden unabhängigen Vermögensverwaltung Sand und Schott heraus als institutioneller Asset Manager gegründet. smart-invest ist Fondsmanager bzw. Anlageberater der zum Teil mehrfach ausgezeichneten smart-invest Fonds. Darüber hinaus werden Anlageberatungsmandate für Fonds als auch institutionelle Kunden wahrgenommen. Der Schwerpunkt der Anlagestrategien liegt auf der Erzielung absolut positiver Erträge in jedem Jahr. Realisiert werden soll dieses Ziel in erster Linie durch die Vermeidung von Abwärtsrisiken bei einer Partizipation an den entsprechenden Märkten in Aufschwungsphasen.

Chinas Faserdiät

Chinas Umweltengagement war Themenschwerpunkt der jüngsten Konferenz der Zellstoff- und Papierindustrie in Shanghai, an der auch das Timber Advisory Board von Pictet Asset Management teilnahm.

Chinas plötzliches Umweltengagement wirkt sich über die Landesgrenzen hinweg aus – nicht zuletzt auf die weltweite Zellstoff- und Papierindustrie.

Die Bemühungen der Regierung zur Abkehr von umweltverschmutzenden Quellen wie Kohle bei der Energieproduktion dürften nicht ohne Wirkung auf Sägewerke und Zellstoffproduzenten bleiben, die sehr energieintensiv sind. Gleiches gilt für Wasser. Offizielle Bedenken über zu hohen Wasserverbrauch zwingen die Sägewerke, entweder den Verbrauch zu senken oder ihr Werk zu schließen. In den letzten fünf Jahren haben bereits mehr als 1.000 kleinere Zellstoff- und Papierhersteller dicht gemacht, und das ist erst der Anfang. Infolgedessen dürfte sich die Branche zu größeren, moderneren Werken konsolidieren.

Peking hat aber auch direktere Maßnahmen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung ergriffen: So hat die chinesische Regierung die Einfuhr von Mischabfall verboten und höhere Standards für die Qualität von recyceltem Papier aus dem Ausland festgelegt. Das bleibt nicht ohne Folgen, weil recycelte Papiererzeugnisse seit jeher eine wichtige Faserquelle für die chinesische Produktion von Pappe und Kartonagen sind, auf die wiederum die weltweite Verpackungsindustrie angewiesen ist.

Die Maßnahmen dürften erheblichen Einfluss auf die inländischen wie ausländischen Fasermärkte haben. 2017 stammte etwa ein Drittel des gesamten von chinesischen Produzenten verwendeten Recyclingpapiers aus Importen. Die neuen Maßnahmen der Regierung haben jedoch zur Folge, dass der chinesischen Industrie 2018 acht Millionen Tonnen fehlen, das entspricht 10% des Vorjahresbedarfs an Recyclingpapier.

Weiterer Druck auf den Fasermarkt geht von der steigenden Nachfrage aus, nicht zuletzt, weil ein höheres Umweltbewusstsein und steigende Ölpreise eine Abkehr von Kunststoffverpackungen bewirken. Ein zunehmend größerer Teil dieser Lücke wird durch Holz- und Papiererzeugnisse gefüllt.

Der Druck auf Angebots- und Nachfrageseite treibt die chinesischen Faserpreise nach oben. 2017 schnellte der Preis für inländische Altpappe, einer wichtigen Papierfaserquelle, um 80% nach oben, gleichzeitig brach der Preis für importierten Mischabfall um 30% ein.

PAPPSATT

Chinesische Importe von Papier- und Pappabfällen und Schrott (in Mio. metrischen Tonnen)Quelle: UN Comtrade. Daten vom 01.07.2018.

Länder, die ihre Papier- und Mischabfälle bisher nach China importiert haben, müssen sich jetzt überlegen, was sie mit ihrem Überschuss anfangen. In den USA zum Beispiel gingen die Preise für Mischabfälle quasi auf null zurück, weil die Abfallbetriebe auf ihren Beständen sitzen geblieben sind und für die Entsorgung im eigenen Land aufkommen mussten.

Es wird sicherlich zu einer stärkeren Konzentration in der US-Recyclingindustrie kommen – nicht zuletzt, weil die USA einer der weltweit größten Exporteure von Recyclingpapier sind. Chinas Maßnahmen dürften auch die Nutzer von Papierverpackungen, insbesondere E-Commerce-Unternehmen, zum Umdenken bewegen. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel die Abholung und das Recycling der Kartons, die sie für ihre Warenlieferungen verwenden.

Investoren müssen sich auf die Auswirkungen des neuen chinesischen Umweltverständnisses einstellen. In der Zellstoff- und Papierindustrie bedeutet dies, den Fokus auf führende Unternehmen mit betrieblichen Standards nach westlichen Maßstäben zu legen. Gleichzeitig kommen Pekings zunehmend strengere Standards für Importe von Recyclingfasern US-Unternehmen zugute, die in der Lage sind, Abfälle mit minimaler Umweltbelastung zu verarbeiten. Die rückläufigen Exporte von Recyclingfasern nach China werden in anderen Ländern zu einem Preisverfall führen, wodurch möglicherweise die Nachfrage nach den günstiger gewordenen Recyclingfasern aus anderen Ländern beflügelt wird.

Die hohe und steigende Nachfrage nach Pappe und Kartons in China könnte die Kosten nach oben treiben, die sicherlich an die Verbraucher weitergegeben werden. Die Beschränkungen auf Faserimporte werden wohl der chinesischen Nachfrage nach Frischzellstoff aus Ländern wie Brasilien starke Impulse geben.

Die Zellstoff- und Papierindustrie könnte sich als Barometer für das Umweltengagement Chinas herausstellen – und deutlich machen, wie global diese Bemühungen sein können.


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Pictet Asset Management ist seit über 20 Jahren ein Pionier im Bereich thematischer Anlagen. Wir erkannten das Potenzial thematischer Strategien bereits während der 1990er Jahre und gehörten zu den ersten Anlageverwaltern, die ein Biotech-Produkt anboten. Darauf folgte unsere Wasserstrategie, die nach wie vor eine der sehr wenigen Strategien ist, die dieser einzigartigen Ressource gewidmet sind und die noch immer vom ursprünglichen Investmentmanager verwaltet wird. Im Laufe der folgenden Jahre haben wir eine umfassende thematische Produktpalette aufgebaut, darunter Branchen wie Gesundheit, Holz und Robotik. Auf diese Weise haben unsere Investoren Zugriff auf eine beliebige Anzahl an Anlagemöglichkeiten, die die verschiedenen Megatrends repräsentieren.

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 163 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 24
e-mail: fbohmer@pictet.com

Auf Landwirtschafts-ETPs entfällt der Löwenanteil der Mittelflüsse

Landwirtschafts-ETPs verbuchten vergangene Woche die höchsten Zuflüsse seit neun Jahren, so ETF Securities im wöchentlichen Markt- und Flowbericht. Bei Gold-ETPs kam es die fünfte Woche in Folge zu Abflüssen und breit aufgestellte Rohstoffkorb-ETPs verzeichnen die dritte Woche in Folge Rücknahmen.

Landwirtschafts-ETPs (A0KRKB) verbuchen die höchsten Zuflüsse seit Oktober 2009. Seit Jahresbeginn verzeichnen Agrarrohstoffe, allen voran Weizen, Mais, Baumwolle und Soja, die stärksten Gewinne im Rohstoffkomplex. Grund sind die günstigen Fundamentaldaten sowie die unerwartet extremen Wetterbedingungen. Im Falle von Weizen haben das heiße und trockene Wetter, das in den Hauptanbaugebieten zu beobachten war, Sorgen über einen Rückgang der globalen Weizenproduktion geschürt. Laut den letzten, im Juli veröffentlichten World Agricultural Supply and Demand Estimates (WASDE) dürfte das globale Weizenangebot für die Saison 2018/19 infolge der geringeren Produktion um 9,3 Mio. Tonnen sinken und damit das niedrigste Niveau seit drei Jahren erreichen. Letzte Woche kamen den Weizenpreisen außerdem Meldungen zugute, dass das ukrainische Landwirtschaftsministerium eine Begrenzung der Exporte von Mahlweizen in Erwägung zieht. Bei Mais sorgt die positive Nachfrageentwicklung für anhaltend hohe Preise. Nach fünf Jahren mit Überschüssen wird nunmehr mit einem Defizit am Maismarkt gerechnet, da der Verbrauch das Angebot übersteigt. In der Folge sanken die Lagerbestände bei Mais laut dem US‑Landwirtschaftsministerium (USDA) auf ein Sechs-Jahres-Tief von 152 Mio. Tonnen. Unterdessen scheint der Sojamarkt vom Handelsstreit zwischen den USA und China betroffen. Dennoch bewirken die Sorgen in Bezug auf das trockenere Wetter und die rückläufige Bodenfeuchte zu einer wichtigen Zeit für die Bohnenentwicklung weitere Anstiege am Sojamarkt. Der Baumwollmarkt scheint ebenfalls von den jüngsten Schätzungen des USDA zu profitieren, das mit einem niedrigeren globalen Angebot, gleichzeitig aber mit einem höheren Verbrauch rechnet. Trotz der anhaltenden Handelsspannungen scheinen sich Anleger über diversifizierte Körbe für Agrarrohstoffe zu engagieren, da sich der fundamentale Ausblick für die meisten dieser Rohstoffe aufhellt. 

Bei Gold ETPs (A0LP78)kam es die fünfte Woche in Folge zu Abflüssen. Die Goldpreise sahen sich letzte Woche weiterhin einigen Belastungsfaktoren gegenüber, darunter der stärkere US-Dollar, der optimistischere Ausblick, den die Federal Reserve auf ihrer letzten Sitzung zeichnete, und die positive Entwicklung am US-Arbeitsmarkt (ohne Landwirtschaft). Angaben der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zufolge wies die spekulative Positionierung bei Gold-Futures zum 31.Juli 2018 ein Netto-Short-Exposure von 41.987 Kontrakten auf und befindet sich damit unseres Erachtens in überverkauftem Terrain. Wir rechnen daher mit einer Kehrtwende bei den Goldpreisen.

Bei breit aufgestellten Rohstoffkorb-ETPs (A0KRKC) kam es die dritte Woche infolge zu Rücknahmen, da sich die Handelsspannungen verschärfen. Die Vergeltungsmaßnahmen in Form von gegenseitigen Zöllen zwischen den USA und China hielten letzte Woche unvermindert an. Die chinesische Regierung bestätigte, Zölle auf US-Güter im Wert von 60 Mrd. USD erheben zu wollen, falls die Regierung Trump ihre Drohung, Abgaben für chinesische Waren im Wert von 200 Mrd. USD einzuführen, nicht zurücknimmt. Die Rohstoffpreise sahen sich angesichts der trüberen Stimmung im Komplex weiterhin Schwankungen ausgesetzt.

 

Investieren in Megatrends: Industrie 4.0

Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Das Konzept Industrie 4.0, also die „vierte industrielle Revolution“, wird die Zukunft der Industrie, der Informationstechnologien, ja der gesamten Gesellschaft nachhaltig prägen. Es gehört daher zu den faszinierendsten und wichtigsten Themenfeldern für den Raiffeisen-MegaTrends-Aktien. Doch was steckt überhaupt dahinter?

Die vierte industrielle Revolution

Zugegeben, bereits im Vorhinein eine industrielle Revolution auszurufen, noch bevor diese überhaupt stattgefunden hat, ist reichlich ambitioniert. Der auf der Hannovermesse 2011 erstmals in die Öffentlichkeit getragene und danach von der deutschen Bundesregierung übernommene Begriff ist daher nicht ganz unumstritten.

Die dritte industrielle Revolution (oder deren erste Phase) ist bekanntlich durch das Aufkommen und die Verbreitung der Mikroelektronik charakterisiert und durch die fortschreitende Automatisierung durch Computer. Im nächsten Schritt, hin zur Industrie 4.0, werden die einzelnen Prozesse und Anlagen in einem gesamtheitlichen Konzept vernetzt und kommunizieren ständig miteinander. Vereinfacht gesagt verbindet die Industrie 4.0 eine fortgeschrittene Industrieautomatisierung mit dem „Internet der Dinge“ (IoT; Internet of Things).

Die Fabrik der Zukunft – selbstlernend, flexibel, smart, ressourcenschonend

Dies gipfelt in der „Fabrik der Zukunft“. Die Vernetzung aller ihrer Bestandteile ist dafür unabdingbar. Wichtige Elemente der Fabrik der Zukunft sind zum Beispiel neue Fertigungstechnologien (beispielsweise 3D-Druck für Werkzeuge und Komponenten, virtuelle Realität), ein großflächiger Einsatz von Robotern, die mit den Menschen zusammenarbeiten, maschinelles Sehen, Erkennen und Lernen und eine vollständige Lagerautomatisierung. An allen wichtigen Schnittstellen sammeln Sensoren große Mengen an Daten, die zusammengefasst und analysiert werden, um zeitnah Rückmeldungen in den Entwicklungs- oder Produktionsprozess einzuspeisen. Daraus resultierende Anpassungen oder Korrekturen erfolgen weitgehend automatisch.

Beispiel Medizintechnik: Im Rahmen von Industrie 4.0 ist es jetzt möglich, individuell zugeschnittene künstliche Kniegelenke in Serie herzustellen. Bislang wurde in einem gewissen Rastermaß (klein, mittel, groß) produziert. Der Arzt musste dann die Dimensionen des betreffenden Gelenks mit den Gegebenheiten beim Patienten zusammenführen – mit hohem Anpassungsaufwand und komplizierten Heilungsprozessen als Konsequenz. Bei der Produktion vollständig individualisierter Kniegelenke sind die notwendigen Anpassungen am Knochenbau viel geringer, der Heilungsprozess beschleunigt sich. Die Innovation besteht nun darin, solche Kniegelenke nicht mehr sehr aufwändig von Spezialisten in einer Manufaktur herzustellen, sondern vollautomatisiert und industriell in einem Bruchteil der Zeit. Per Vermessung wird ein dreidimensionales Datenmodell der Knochen erzeugt und daraus ein Prothesenmodell gefertigt. Damit lassen sich die Daten und der Produktionsprozess auf Basis des Testergebnisses auf Korrektheit prüfen. Wenn die Ergebnisse – gegebenenfalls nach Korrekturen – den Anforderungen genügen, wird die eigentliche Produktion durch das Einspielen der 3D-Daten in die CNC-Fräsmaschine* begonnen. Das Produkt ist nach wenigen Stunden verfügbar.

Eine Grundvoraussetzung für die Industrie 4.0 ist die Robotik. Vorreiter ist hier die Automobilbranche, die derzeit auch (noch) der größte Endmarkt für Industrieroboter ist. Das dürfte sich bald ändern, denn neue technologische Entwicklungen (z. B. Handhabung besonders kleiner Teile) eröffnen neue Einsatzmöglichkeiten fast überall – auch in Bereichen, die mit Robotik bislang gar nichts zu tun hatten.

Industrielles Internet der Dinge

Eng verbunden mit der Fabrik der Zukunft ist das Industrielle Internet der Dinge (IIoT, Industrial Internet of Things), also die bereits eingangs genannte Vernetzung der betrieblichen Einheiten mittels intelligenter Systeme und flexibler Produktionstechniken. Ein zentraler Bestandteil dessen ist das Produkt-Lebenszyklus- Management. Dabei werden sämtliche Informationen nahtlos integriert, die im Verlauf des Lebenszyklus eines Produktes anfallen und benötigt werden. Damit lässt sich eine überaus hohe Effizienz über den gesamten Lebenszyklus erreichen, von Entwicklung über Produktion bis hin zu Vertrieb, Serviceleistungen, Entsorgung und gegebenenfalls Recycling.

Solche Konzepte lassen sich nur verwirklichen, indem „Cloud-Lösungen“ eingesetzt werden. Dabei wird IT- Infrastruktur wie beispielsweise Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware als Dienstleistung über Netzwerke, wie etwa das Internet. bereitgestellt. (Ein klassisches Beispiel dafür sind die heute von fast jedem genutzten Email-Dienste.) Datenverarbeitung und Entscheidungsfindung erfolgen dabei nicht mehr wie bisher dezentral (bei jeder einzelnen Anlage/jedem Fertigungsschritt), sondern sie werden in der Cloud zentralisiert.

Die Geburt digitaler Zwillinge

Ein weiteres wichtiges Konzept der Fabrik der Zukunft ist der digitale Zwilling (Digital Twin). Dieser spiegelt Produkte oder Prozesse auf digitaler Ebene und ersetzt dadurch die oft sehr kostspielige Entwicklung eines Prototyps. Von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum laufenden Betrieb und Wartung lässt sich (fast) alles anhand des digitalen Zwillings replizieren und die Erkenntnisse daraus können direkt am realen Produkt oder im realen Produktionsprozess implementiert werden. Dadurch erspart man sich Stillstände während der Produktion, optimiert die Planung und Fertigung und kann beispielsweise auch Mitarbeiter umfassend schulen, ohne in laufende Prozesse einzugreifen.

Logistik-Technologien im Umbruch

Weitreichende Änderungen kommen auch auf die Logistikbranche zu, sowohl als Folge als auch Bestandteil von Industrie 4.0. In Teilbereichen haben sich bestimmte Lösungen schon durchgesetzt (automatische Fördermittel, Fließbänder, Sortiermaschinen). Andere Technologien, wie automatische Regalsysteme, der Einsatz von Datenbrillen oder Drohnen, z. B. für eine laufende Inventur, stehen noch am Anfang ihrer Verbreitung. Die Entwicklung in Richtung Logistik 4.0, sowohl innerbetrieblich als auch in Interaktion mit Zulieferern und Kunden, ist bereits zu einem essentiellen Wettbewerbsfaktor geworden. Die Verbreitung von Internethandel sowie damit verbundene Servicelevels (Lieferung am selben oder nächsten Tag) stellen beispielsweise neue, hohe Anforderungen an ein möglichst effizientes Beschaffungs- und Lagersystem.

Neue Risiken und neue Chancen

Diese Trends werden mittelfristig zu großen Verschiebungen innerhalb der Volkswirtschaften führen. Für die Industrie birgt dies sowohl Herausforderungen als auch Chancen. So wird zum Beispiel vielerorts durch vorausschauende Wartung und bessere Fertigungsqualität der Bedarf an (oft besonders margenträchtigen) Ersatzteilen und Servicedienstleistungen abnehmen. Bestimmte Produkte bzw. Geschäftsmodelle werden standardisiert und dadurch größerem Preisdruck ausgesetzt oder sogar obsolet werden. Letztlich besteht auch die Gefahr, dass gänzlich neue Konkurrenten aus anderen Branchen oder Sektoren in bestehende Industrie- Märkte eindringen (beispielsweise der Suchmaschinenanbieter Google in autonomes Fahren). Gleichzeitig bietet sich aber auch die große Chance, durch eine rechtzeitige und vorausschauende Anpassung der Angebotspalette oder des Geschäftsmodells neue Märkte und Kundengruppen zu erschließen.

So etwa stattet ein deutscher Hersteller für Heizungspumpen seine Standardprodukte inzwischen mit digitalen Prozessoren aus. Das Unternehmen kann dadurch nun auch „vorausschauende Wartung“ als neue Dienstleistung anbieten - ein potenziell hochprofitables Zusatzgeschäft. Wir stehen erst am Beginn

Der Markt der Industrie 4.0-Lösungen steckt trotz gewaltiger Fortschritte noch in den Kinderschuhen. Wir sind noch weit entfernt von der Standardisierung und Etablierung von Normen und einheitlichen Rahmenbedingungen. Gelingt es Unternehmen, schon frühzeitig ein umfassendes Angebot dafür bereitzustellen, können sie sich damit große Vorteile verschaffen. Beispielsweise könnten sie große Zukunftsmärkte von Beginn an prägen und ihre Positionierung durch den First- Mover-Vorteil und das (Mit-)Definieren künftiger Standards zementieren. Ein Risiko dabei ist natürlich, dass sich alternative Lösungen und Produkte durchsetzen oder gänzlich neue Technologien auftauchen und ihre bisherigen Investitionen wertlos werden.

Industrie 4.0 im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien Kurzum, das große Zukunftskonzept Industrie 4.0 bietet vorausschauenden Investoren viele Möglichkeiten. Im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien konzentriert sich das Fondsmanagement derzeit auf drei Hauptthemen:

  1. IIoT Industrielles Internet der Dinge / Fabrik der Zukunft
  2. Automatisierung/Robotik 3. Logistik 4.0

Der Fonds hält gegenwärtig Aktien von 20 Unternehmen, die diese Bereiche abdecken.

Wie eingangs erläutert werden die Vernetzung einzelner Geräte sowie der Einsatz von vernetzter Software erheblich zunehmen. Das spiegelt sich auch in der Sektorallokation der aktuell ausgewählten Titel wider, die mehrheitlich aus dem IT-Bereich stammen. Der Investitionsbereich IIoT wird unter anderem von etablierten, marktführenden Industrie-Konglomeraten wie Siemens und General Electric abgedeckt. Beide sind federführend in der Entwicklung von IIoT-Plattformen und bieten ganzheitliche Lösungen an. Ebenso sind beide Unternehmen Vorreiter bei Digital Twins-Lösungen. Nidec, Fanuc und Keyence sind Marktführer bei Industrierobotern. Nexans und Prysmian profitieren als spezialisierte Kabelhersteller von der zunehmenden Digitalisierung. Kühne + Nagel hat als Logistik- Unternehmen sehr früh das Thema Digitalisierung aufgegriffen und in ein umfassendes Produktangebot einfließen lassen. Die Produkte von Taiwan Semiconductor finden unter anderem in vielen Drohnen Verwendung.

Fazit

Industrie 4.0 ist ein echter Megatrend für viele Jahrzehnte. Die anstehenden Umwälzungen in der Industrie und davon ausgehend in nahezu allen anderen Lebensbereichen sind wahrhaft revolutionär und bieten eine Fülle von Chancen, Herausforderungen aber natürlich auch Risiken. Das gilt für Unternehmer und Beschäftigte und selbstverständlich auch für Investoren. Das Fonds- management des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien beobachtet die bahnbrechenden Entwicklungen hin zur Industrie 4.0 besonders intensiv, um die daraus resultierenden langfristigen Ertragschancen bestmöglich für seine Anleger zu nutzen. Den überdurchschnittlichen Chancen im Zuge dieser Umwälzungen stehen selbstverständlich auch höhere Risiken gegenüber.


*CNC steht für computerized numerical control; Unter CNC-Maschinen versteht man Werkzeugmaschinen, die durch den Einsatz moderner Steuerungstechnik in der Lage sind, Werkstücke mit hoher Präzision auch für komplexe Formen automatisch herzustellen.

ESG in passive: let the buyer beware

by Ovidiu Patrascu, Sustainable Investment Analyst at Schroders.

Are investors ignoring the small print in their rush to buy funds incorporating environmental, social and governance (ESG) principles?

There has certainly been no shortage of demand. From what was virtually a standing start 12 years ago, $2.9 billion flowed into these “sustainability” funds in 20171.

It will surprise no-one that at least half of those flows were into exchange traded funds (ETFs). Passive ETFs neatly tick two of the boxes high on investors’ current list of priorities: low fees and meeting ESG concerns. We worry, however, that many passive ETFs and open-ended funds are pitched to exploit investors’ preference for simple, low-cost solutions, rather than providing either the financial or the sustainability outcomes that those same investors expect.

Unlike the more objective measures that typically form the basis of passive ETF construction, such as market capitalisation, sector or domicile, ESG indicators are the result of a series of judgements and analyses that can vary significantly and lead to very different conclusions. Undertaking such analysis is expensive, and often more than low-cost passive products can afford. A cheaper way for passive ETFs is to use the ESG ratings provided by one of a handful of data providers, such as MSCI, Sustainalytics and Thomson Reuters.

In arriving at an ESG score, each data provider synthesises their sustainability analysis into a single measure, akin to the stock recommendations investment banks or credit rating agencies produce. Having several of these diverse views may be valuable for fund managers seeking to better understand a business. However, it would make little sense for them to use a single analyst’s research to form a definitive view of a stock’s attractiveness. All the more so if they had no clear understanding of the analyst’s research process, the basis for their conclusions or the outcomes the recommendations were designed to achieve.

We would argue that this is essentially what investors are signing up for when they buy a passive ESG fund. Despite the perception of transparency, many passive products disclose surprisingly little about how they actually implement ESG factors. The majority of them rely on a single third party ESG rating provider. Their rating methodologies typically emphasise tick-the-box policies and disclosure levels, data points unrelated to investment performance and/or backward-looking negative events with little predictive power. Most of the inputs to these scores relate to policies rather than more tangible measures of performance.

These shortcomings are reflected in the lack of consistency in ESG scores between the main data providers. Using all the MSCI ACWI constituents, we analysed the overlap of ESG scores for each of the three main data providers at the company level, as well as between the three ESG categories, environmental, social and governance.

As can be seen from our first chart, the level of overlap between the scores given by the ratings providers is surprisingly low. It was a similar story when we calculated the correlations across the entire company dataset of E, S and G (second chart).

There’s precious little in common between ESG ratings

This lack of consistency is concerning. As the majority of passive processes eliminate companies with weak ESG scores, portfolios created using different scoring systems are likely to have radically different constituents. By the same token, the widely varying assessments of how strong a company is on environmental, social or governance grounds means investors seeking to allocate to best-in-class companies on ESG grounds will come up with very different answers, depending on which rating provider they use.

Similar problems arise when it comes to stewardship. Many investors buy ESG funds on the basis that their managers will be better stewards of the companies they invest in. Unfortunately, it is very hard to engage effectively with companies and bring about change using mechanical processes that lack the specialist knowledge of both the industry and how individual businesses are likely to be affected by ESG issues.

We would argue that this is less of an issue for an active management firm, where stewardship is an important element of its role and a responsibility of fund managers, analysts and sustainability experts alike. We believe that oversight is made easier by an active investment philosophy, where regular management meetings can be complemented by targeted engagements on specific company, environmental and social issues.

We think it is clear that investors’ expectations of sustainability cannot be truly met by passive funds. In our view, the most effective way to do this is to integrate ESG expertise into active investment solutions. These should be designed to address investment-relevant ESG issues, both at the company-specific level and at the portfolio construction level. The manager of the portfolio should then be able use their expertise to undertake targeted engagements with companies throughout the life of the investment with the aim of improving both returns and capital stewardship for investors.

Please find the full research paper here.


1) Source: www.sustainableinvest.com/2017-rsi-review/ 

This article has first been published on schroders.com.

Die Abflachung der Zinskurse legt eine Atempause ein

von Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management.

Das rasche Abflachen der US-Zinskurve wird wohl vorerst innehalten. Zuletzt schrumpfte das Gefälle zwischen den Renditen für zwei- und zehnjährige Treasuries bis auf 24 Basispunkte.

Das deutliche Abflachen begann, als die US-Notenbank Fed mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik begann. Für das Kalenderjahr 2018 wird inzwischen mit vier Zinserhöhungen gerechnet, womit die Obergrenze des Leitzinses bis zum Jahresende bei 2,5 Prozent liegen würde. Da der sogenannte Dot Plot, der die anonymisierten Zinserwartungen der Fed-Mitglieder umfasst, für 2019 weitere vier Zinserhöhungen signalisiert, ist es durchaus möglich, dass die Zinskurve in den nächsten zwölf Monaten invertiert. Der Abstand zwischen den zweijährigen Renditen und dem Leitzins liegt gegenwärtig bei 66 Basispunkten und lag auch seit geraumer Zeit bei mindestens 50 Basispunkten – denn die Märkte erkannten, dass die US-Notenbank ihre Prognosen tatsächlich umsetzte. Sollte die Steilheit dieses kurzen Endes der Kurve anhalten, wäre bis zum Jahresende bei einem Leitzins von 2,5 Prozent eine invertierte Kurve mit zweijährigen Renditen von über 3 Prozent und zehnjährigen Renditen von weiterhin unter 3 Prozent möglich.

Es ist wohl etwas verfrüht, um von einer invertierten Kurve zu sprechen, solange wir uns mitten in einer sehr beeindruckenden Gewinnsaison befinden. Das vierteljährliche Bruttoinlandprodukt der USA wird wohl seinen Höchststand dieses Zyklus erreichen. Warum kam es also zu dieser Verflachung der Kurve?

Im Grunde sind dafür zwei Kräfte verantwortlich. Das vordere Ende ist mit jeder Zinserhöhung kontinuierlich gestiegen, während sich das lange Ende erholte. Dabei gaben die zehnjährigen Renditen von ihrem Höchststand von 3,12 Prozent im Mai auf 2,80 bis 2,90 Prozent nach und verharrten im letzten Monat auf diesem Niveau. Diese beiden entgegengesetzten Kräfte waren für das massive Abflachen der Kurve verantwortlich.

In den letzten Tagen haben sich die zehnjährigen Renditen jedoch von diesem Niveau gelöst und sind wieder auf knapp unter 3 Prozent gestiegen; auch der Abstand zwischen der Zwei-Jahres- und Zehn-Jahres-Kurve liegt wieder bei 30 Basispunkten.

Das lange Ende war in den letzten drei Monaten einem kontinuierlichen Strom schlechter Nachrichten von den Märkten ausgesetzt, wodurch langfristige Treasuries wieder in Mode kamen. Eine explosive Mischung aus Sorgen über einen Handelskrieg, Schwierigkeiten der Schwellenländer (Türkei, Argentinien und Brasilien) und politischer Unsicherheit in Europa hat die Märkte erschreckt. Die US-Notenbank bleibt jedoch entschlossen und sieht über all diese Entwicklungen hinweg. Damit signalisiert sie eine robuste anhaltende Erholung, eine Verbesserung auf den Arbeitsmärkten und einen allmählichen, aber keinesfalls besorgniserregenden Anstieg der Inflation. Kurz gesagt: Die US-Notenbank sieht keine Probleme, die Märkte hingegen schon. Die perfekte Kombination für ein Verflachen der Zwei- und Zehn-Jahres-Kurve.

Der Strom schlechter Nachrichten versiegt jedoch inzwischen. Stattdessen treten positive Fundamentaldaten auf Unternehmensebene in den Vordergrund, und gute Nachrichten auf Makroebene werden sicherlich mit dem erwarteten Höchststand des US-Bruttoinlandprodukts folgen. Zudem scheinen bereits negative Neuigkeiten aus den Schwellenländern eingepreist zu sein.

Aus diesem Grund rechnen wir damit, dass längerfristige Zinsen im Sommer Spielraum nach oben haben und das Abflachen der Zinskurve, zumindest vorerst, eine Atempause einlegt. Natürlich könnte es immer zu „neuen Neuigkeiten“ kommen – die Anlegerstimmung dürfte jetzt aber von den Fundamentaldaten bestimmt werden.

Vontobel Asset Management

Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen über-zeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlage-klassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.

Der Brexit bleibt ein starkes Hindernis für weitere Zinserhöhungen durch die BoE

von Aneeka Gupta, Associate Director - Equity & Commodities Strategist bei WisdomTree.

Wie allgemein erwartet, erhöhte die Bank of England (BOE) den Leitzins auf 0,75%, den höchsten Stand seit 2009, um den Inflationsdruck einzudämmen.

In einer Zeit höchster Unsicherheit, in der Brexit Risiken drohen, scheint es für die BOE ironisch, ihre Konjunkturprognosen für das nächste Jahr anzuheben.

Die globalen Wachstumsprognosen wurden gesenkt, aber die BOE geht weiterhin davon aus, dass das Wachstum in Großbritannien in den nächsten Jahren über der Potenzialrate von 1,5% liegen wird, während das Wachstum in diesem Jahr bei 1,4% liegt. Die wichtigste Prognoseänderung war die Aufwärtsprognose für die Verbraucherpreisinflation, die für 2019 und 2020 von 2,10 % bzw. 2,03 % auf 2,25 % bzw. 2,10 % gestiegen ist, was den Rückgang des handelsgewichteten britischen Pfunds seit Mai widerspiegelt. Der schwache Preisauftrieb im Juni wurde als eine "weitgehend sprunghafte" Entwicklung abgetan. Deutlich wurde der teuflische Detailreichtum, als Carney auf die neutrale Rate anspielte, die so obskur sei, wie Brexit prominent ist.

Weniger als acht Monate vor den entscheidenden Brexit-Verhandlungen sah die heutige Entscheidung wie die letzte Gelegenheit der BOE aus, die Zinsen zu erhöhen. Es wurde deutlich, dass der Brexit eine starke Barriere bildet, da die Prognosen des geldpolitischen Ausschusses von einem relativ reibungslosen Übergang zu einer Reihe von Schlussfolgerungen führen. Ich glaube, die Risiken für dieses Ergebnis sind beträchtlich. Die Reaktionen des Marktes nach der Pressekonferenz lassen darauf schließen, dass die Anleger der Fähigkeit der BOE, die Zinsen weiter anzuheben, skeptisch gegenüberstehen. 

Die überraschend geeinte Front der BOE-Politiker, die heute einstimmig (9:0) für eine Zinserhöhung stimmten, lieferte einen ersten Falken-Katalysator für das Britische Pfund. Während der Pressekonferenz hat der Gouverneur der BOE, Mark Carney, jedoch einen eher friedfertigen Ton angeschlagen. Er sah das Britische Pfund und die damit verbundenen Renditen für short GBP-Futures die meisten seiner Gewinne abgeben.

Die Öffnung des chinesischen Aktienmarktes ist ein Meilenstein

Chinesische Aktien haben im ersten Halbjahr 2018 nicht besonders gut abgeschnitten. Die relevanten Indizes lagen alle im Minus. Doch nun könnte sich das Blatt wenden. Rund 230 chinesische A-Aktien wurden in die wichtigen MSCI-Indizes aufgenommen. Die Kurse haben sich von den bisherigen Jahrestiefständen wieder nach oben bewegt. Gabriela Tinti, Fondsmanagerin des ESPA STOCK GLOBAL EMERGING MARKETS erläutert die Bedeutung der neuen A-Shares für Ihr Portfolio und die generellen Perspektiven für die chinesischen Aktienmärkte.

Anfang Juni wurden rund 230 chinesische A-Aktien in den Weltindex MSCI aufgenommen. Die Quote wird am 1. September weiter erhöht. Weshalb ist diese Erweiterung des Anlagespektrums so bedeutsam? 

Es handelt sich bei den sogenannten A-Shares um Beteiligungen an festlandchinesischen Unternehmen, die an den Börsen Shanghai und Shenzhen notieren. Ausländische institutionelle Anleger konnten diese chinesischen A-Aktien schon bisher erwerben, mussten allerdings den restriktiv gehandhabten Statuts eines qualifizierten ausländischen Investors (QFII, Anm.) besitzen. Nur großkapitalisierte chinesische Unternehmen hatten seit längerem auch eine Börsennotiz in Hongkong (H-Shares) und waren dadurch für jeden erwerbbar. In den MSCI sind vorerst nur die A-Shares aufgenommen, die bereits über die  Börsenplattformen Shanghai-Hongkong-Connect oder Shenzhen-Hongkong-Connect handeln und keinen QFII-Richtlinien unterliegen. Diese Plattformen wurden beginnend ab  2014 gegründet, um den Markt weiter für ausländische Investoren zu öffnen und den Zugang zum Kapitalmarkt zu erleichtern. Ab September wird sich die investierbare Quote der chinesischen A-Shares im MSCI verdoppeln. Diese Werte können auch wir für den ESPA STOCK GLOBAL EMERGING MARKETS kaufen.

Bedeutet die Öffnung der Festlandbörsen für ausländische Investoren, dass der Markt davon generell profitieren wird?

Die Öffnung des Marktes ist ein Meilenstein. Es gibt Schätzungen, wonach diese Maßnahme Kapitalzuflüsse in Höhe von bis zu 22 Mrd. Dollar in Richtung Festland-China anstoßen könnte. Noch wichtiger ist, dass die A-Shares einen immer größeren Anteil in den MSCI-Indizes einnehmen werden. Daraus lassen sich auch Rückschlüsse auf die Wirtschaft ableiten. Um die Investoren bei der Stange zu halten wird China seine Wirtschaft weiter liberalisieren müssen. Denn das Land braucht ausländische Investoren um ein Qualitätswachstum zu gewährleisten. Aktuell werden erst 2 Prozent der A-Shares Markt von ausländischen Investoren gehalten. Man kann sich daher selbst ausmalen, wie groß das Potenzial ist.

Die Kursentwicklung des Retail-lastigen A-Share-Index ist deutlich volatiler als der HANG SENG-Index in Hong Kong.
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Welche Vorteile bieten die A-Shares den Investoren? Weshalb sind sie so bedeutend?

 Der chinesische A-Share Markt ist, was Marktkapitalisierung und die Liquidität betrifft,  mittlerweile der zweitgrößte Kapitalmarkt der Welt nach der Börse in New York. A-Shares ermöglichen Investments in Branchen, die mit H-Shares oder ADRs* nicht gingen. Es handelt sich z.B. um kleinere High-Tech Unternehmen bzw. um Branchen, die vom Wachstum der Mittelschicht und deren Konsumgewohnheit profitieren. Und es sind nicht die Großen, die sich dort tummeln. Der Anteil klein- und  mittelkapitalisierter Werte (Small and Mid Caps) ist deutlich höher als in anderen Indizes.

Sollte man jetzt in chinesische Aktien investieren oder lieber zuwarten?

Ich kann keine persönliche Empfehlung für einen Aktienkauf abgeben. Das müssen interessierte Anleger aufgrund ihrer Anlageziele und ihrer Risikobereitschaft selbst entscheiden. Ich kann nur einige Eckdaten hervorheben. Die Bewertung chinesischer Aktien ist so günstig wie seit einem halben Jahrzehnt nicht mehr. Das Preis-Buchwert-Verhältnis von 1,7 für A-Shares (Stand 06/2018 Quelle: Bloomberg) ist extrem niedrig. Die Gewinne sind im 1. Halbjahr 2018 im Schnitt um 13,8 Prozent gewachsen. Besonders starke Zuwächse gab es bei Unternehmen aus dem Energie und Rohstoffsektor. Natürlich gibt es viele Fragezeichen: Wenn der Handelskrieg zwischen den USA und China weiter eskaliert, dann wird der Schaden für beide Seiten spürbar sein und sich an den chinesischen Börsen auswirken.

Anleger, die durch die größere Öffnung des chinesischen Kapitalmarktes mit einem Impuls rechnen können zB in den Fonds ESPA STOCK GLOBAL EMERGING MARKTES investieren. Der Fonds ist derzeit zu 35 Prozent in chinesischen Aktien investiert. Die Region Asien nimmt mit 75 Prozent den Löwenanteil im Portfolio ein.


* ADRs (American Depository Receipts) werden an einer Börse stellvertretend für eine Aktie gehandelt. Es handelt sich um Zertifikate, die von amerikanischen Kreditinstituten ausgestellt werden, die die zugrunde liegende Aktie in Verwahrung genommen haben.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Seven surprising facts about tax revenues around the world

by Duncan Lamont, Head of Research and Analytics at Schroders.

New data collated by the OECD compares how governments raise taxes, yielding some notable findings.

Taxes are always a hot topic for the individuals and companies who pay them. It is therefore perhaps unsurprising that an attempt by the OECD, an organisation made up of mostly rich nations, to collate and compare taxation in 35 countries will attract some attention.

Here, we pull out some of the most telling facts:

1. Most economies are taxed more now relative to GDP than at any point since 1990

Around 80% of the countries covered have experienced an increase in taxation between 1990 and 2016. Higher tax income across all major sectors, particularly VAT and corporation tax, has pushed the ratio of tax to GDP to a record high of 34%.

The reasons for this are complex, particularly the sharp rise since the financial crisis of 2008. It isn’t necessarily a result of indebted governments increasing tax rates to raise more money, as we explain below.

 Source: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. OECD average is for 2015 data.

2. This overall rise in taxation has happened despite corporate tax rates falling by around half since the 1980s

One high-profile story has been the “rates war” on corporation tax. Countries have battled to offer the lowest rates in an attempt to attract companies. To help show that, we’ve pulled in a chart from a recent academic paper. It shows how the average corporate tax rate has experienced a savage decline over an extended period of time. It’s also worth noting that higher pre-tax profits have increased overall corporation tax revenues despite lower tax rates.

3. Corporation taxes are a fairly insignificant source of government revenues

 Source: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. OECD average is for 2015 data.

This is nothing new. Despite the decline in corporate tax rates, corporate taxes have not fallen at all relative to GDP since 1990. Given its low contribution to overall revenues, cutting corporation tax is a far less directly costly move than cutting income tax, despite growing public opposition. Governments also hope that cutting tax rates for companies encourages them to base or expand their presence in a country, employing people who pay income tax and who buy taxed goods and services.

4. Value-added tax (VAT) and other goods and services taxes (e.g. duties) contribute a far higher amount to the coffers

5. The income tax burden, relative to GDP, hasn’t increased in most countries since 2000. Tax hikes have been slipped in by the back door. 

Less attention-grabbing areas such as VAT and social security contributions have been the major areas the burden has been felt.

Source: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. All data is to end 2016 other than Australia, Greece, Japan, Mexico and OECD average, which are 2015.

6. The UK consumer’s obsession with house prices is matched by the government’s desire to extract revenues from the sector

Tax revenues derived from property are higher in the UK, as a percentage of GDP, than any other major economy, more than double the OECD average.

Source: OECD Global Revenue Statistics Database, Schroders. All data is to end 2016 other than Australia, Japan and OECD average, which are 2015.

7. Greece and Italy are much criticised but generate more in taxes, as a percentage of GDP, than most other major economies. 

Raising the tax burden much further is not a realistic option. Fiscal health can only be improved by spending cuts (such as a reduction in their very generous benefits) and/or efforts to raise productivity, such as relaxation of employment law. The Italian political climate in particular makes neither an easy option, at least in the near term.

 


This article has first been published on schroders.com.