Geldpolitik allein kann die Probleme Europas nicht lösen

von Aneeka Gupta, Associate Director Research bei WisdomTree, anlässlich des Antritts der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Das Hauptproblem Europas ist nicht der fehlende Zugang von Unternehmen zu Kapital oder hohe Kapitalkosten, sondern vielmehr eine unzureichende externe und interne Nachfrage. Aufgrund äußerer Schocks wie Handelskriege, Brexit und Konjunkturabschwächung in China bleiben die globalen Nachfragebedingungen weiterhin schwach. Aus diesem Grund muss die Finanzpolitik in Europa, die nach wie vor restriktiver als notwendig ist, mehr tun, um die Binnennachfrage zu stützen. Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi schloss sich dieser Überlegung auch auf der jüngsten Pressekonferenz der EZB an, auf der er betonte, dass eine monetäre Lockerung nunmehr angebracht sei, da Wachstums- und Inflationsziele ohne fiskalpolitische Eingriffe kaum erreicht werden dürften. Es wird immer deutlicher, dass die Geldpolitik allein die Probleme Europas nicht lösen kann. Christine Lagardes künftige Hauptrolle wird darin liegen, Länder mit Haushaltsüberschüssen wie die Niederlande und Deutschland davon zu überzeugen, mehr zu investieren, um das Wachstum zu unterstützen.

Innerhalb der EZB herrscht derzeit eine tiefe Spaltung. Einige Mitglieder des EZB-Rates bezweifeln die Wirksamkeit negativer Zinssätze und die quantitative Lockerung zur Verbesserung der Kreditvergabe. Darüber hinaus gibt es die Besorgnis, dass sich Minuszinsen auf inländische Sparkassen und Banken ungünstig auswirken werden. Die Leiter der französischen und österreichischen Zentralbanken haben sich öffentlich gegen die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen der EZB ausgesprochen. Der unerwartete Rücktritt von Sabine Lautenschläger, die zu den geldpolitischen Falken zählt, ist ein weiteres Zeichen für die Uneinigkeit innerhalb der EZB. Aus Berichten im Anschluss an die EZB-Sitzung geht hervor, dass 9 von 25 Ratsmitgliedern ihre Ablehnung des kürzlich vom ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi angekündigten Lockerungspakets zum Ausdruck brachten. In diesem Zusammenhang wird Christine Lagarde auch damit beauftragt, die Kohärenz zwischen den Mitgliedern des EZB-Rates zu verbessern. Letztendlich wird sie nur auf diese Weise in der Lage sein, den Rat geschlossen zu vertreten und damit den Investoren eine effektive und glaubwürdige Kommunikation zu ermöglichen.

Cry Me A Rio de la Plata – Argentinien hat gewählt

von Felix Dornaus, Senior Fondsmanager Schwellenländeranleihen der Erste Asset Management.

Am Wochenende fand die Präsidentenwahl in Argentinien statt. Alberto Fernández besiegte mit 48% der Stimmen den amtierenden Präsidenten Mauricio Macri (40,4%). Ein zweiter Durchgang wird nicht notwendig sein.

Das Ergebnis für Macri ist besser als erwartet, es wird zumindest für eine starke Opposition im Parlament und daher für eine grössere Ausgewogenheit bei der Verabschiedung neuer Gesetze sorgen. Fernández gilt als linksorientierter Politiker, mit einer Nähe zum Peronismus/Kirchnerismus.

Der Finanzmarkt befürchtet eine populistische und unorthodoxe Wirtschaftspolitik von Fernández (im Gegensatz zu jener  Macris).

Massive Kapitalflucht aus Argentinien

Das Wahlergebnis war abzusehen und hat bereits zu einer massiven Kapitalflucht mit einhergehender Schrumpfung der internationalen Devisenreserven geführt.

Die Landeswährung kollabierte und die Refinanzierungfähigkeit des Landes in fremder Währung wurde so gut wie unmöglich. Bereits am Sonntag verschärfte die Zentralbank die Kapitalverkehrskontrollen massiv, um ein weiteres Ausbluten der Reserven zu verhindern.

Eine neuerliche Umschuldung wird daher unvermeidbar. Auch wenn Alberto Fernández immer wieder von „Restrukturierung Uruguay Style“ redet (KEIN ex ante Kapitalschnitt, nur „freiwillige“ Ausdehnung der Laufzeiten), so ist davon auszugehen, dass ein Schuldenverzicht seitens der Gläubiger (sogar seitens Währungsfonds!) unausweichlich ist.

Es scheiden sich die Geister bei der Einschätzung, wie groß dieser Kapitalschnitt tatsächlich werden könnte, die Szenarien bewegen sich momentan zwischen 20-60%. Wobei die derzeitigen Kurse eher die höhere Ziffer reflektieren.

Umschuldung mit weniger Reibung zwischen Schuldner und Gläubiger

Der Währungsfonds hat seine Auszahlungen unter dem laufenden Programm bis auf weiteres eingestellt. Es ist nicht auszuschließen, dass Anleihen ausgegeben vor 2016 (vor Amtsantritt Macris, daher bereits mindestens einmal umgeschuldet) präferenziell behandelt werden, wenngleich diese Hypothese mit großen juristischen Bedenken behaftet ist.

Da jedoch alle post 2016 Anleihen mit sogenannten CAC-Klauseln (Collective Action Clauses) versehen sind, dürfte bei deren Umschuldung mit weniger Reibung zwischen Schuldner und Gläubiger zu rechnen sein.

Angesichts der prekären Wirtschaftslage des Landes erwarte ich mir eine zeitnahe Bekanntgabe der Schlüsselpositionen: Wer verhandelt mit den Gläubigern, wer mit dem Währungsfonds, wer wird Finanzminister? Die notwendigen Massnahmen sollten jetzt rasch angekündigt und ergriffen werden, um dem Land und den Investoren wieder Planungssicherheit zu geben.

Auch wird interessant sein zu beobachten, welche Rolle der Ex-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner zukommen wird. Sie war für die völlige Isolation des Landes von den internationalen Kapitalmärkten verantwortlich. Ein zu großer Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen würde vom Markt mit Unwohlsein aufgefasst werden.

Währungsfonds als flexibler Partner

Der Währungsfonds (IWF) hat sich in den letzten Tagen weiter als flexibler  „Partner“ des Landes angeboten. Diese Haltung ist angesichts des schieren Volumens (ca $ 50 Mrd.) aushaftender  IWF Kredite auch nicht besonders überraschend. Bevor der IWF allerdings konkreter werden kann, bedarf es natürlich vorhergehender Sondierungsgespräche mit den neuen Verhandlungsteams, die ja bisher noch nicht genannt sind.

Exkurs CHILE

Die massiven sozialen Unruhen wurden von Studentenprotesten bezüglich einer eher  unscheinbaren Erhöhung von Tarifen des öffentlichen Transportes ausgelöst.

Dies lässt auf eine viel breitere Unzufriedenheit in der Bevölkerung schließen. Das Land genießt ein A1 Investment Grade und kann solide makroökonomische Daten vorweisen. Daran wird sich voraussichtlich auch kurzfristig nichts ändern. In einem drastischen Schritt hat Präsident Sebastián Piñera die gesamte Regierung zum Rücktritt aufgefordert und sucht mittels breitest möglicher Inklusion aller gesellschaftlichen Stakeholder ein neues Regierungsprogramm mit einem neuen Team auf die Beine zu stellen.

Noch zeigt sich die Bevölkerung skeptisch und hält den Druck „der Straße“ aufrecht. Der Markt reagiert bisher relativ gelassen, der 5 Jahres Credit Default Swap des Souveräns dehnte sich von 32 Bps (17.10.2019) auf derzeit 37 Bps aus.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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"Erwarten von der Fed die dritte Zinssenkung in diesem Jahr"

von Andrew Harman, Senior Portfolio Manager bei First State Investments, zur heutigen Fed-Sitzung.

Wir erwarten von der Fed die dritte Zinssenkung in diesem Jahr, und zwar um 25 Basispunkte. Die Wirtschaftsdaten deuten weiterhin auf eine Abkühlung der Konjunktur hin, insbesondere in den Bereichen Unternehmensinvestitionen und der produzierenden Industrie. Wenngleich das Konsumverhalten hoch war, weisen die Einzelhandelsumsätze im September auf eine Abkühlung hin. Wir haben unsere Exposure in US-Aktien aufgrund ihrer Bewertungen reduziert und eine Reallokation zugunsten japanischer und britischer Aktien vorgenommen. Zudem haben wir kürzlich unsere langjährige Exposure zum US-Dollar aufgegeben, da wir attraktivere Optionen in den Schwellenländern, insbesondere in Europa, sehen.

Wahl in Argentinien: Checks and Balances könnten Politik mäßigen

Uday Patnaik, Head of Emerging Market Debt bei Legal & General Investment Management (LGIM), kommentiert die Wahl in Argentinien:

Wie zu erwarten, hat Alberto Fernández die Präsidentschaftswahl gewonnen und wird am 10. Dezember vereidigt.

Fernández gewann mit 48 Prozent der Stimmen gegenüber Macri mit einem Stimmenanteil von 40,5 Prozent. Überraschenderweise schnitt Macri besser ab als zunächst erwartet. Der Vorsprung von Fernández verringerte sich auf 7,5 Prozent, was für Macri eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorwahlen, den PASOs, bedeutete. Die einleitende Rede von Fernández wurde als moderat empfunden. Eindeutig als positiv zu bewerten ist das womöglich heute stattfindende Treffen zwischen Macri und Fernández, um den Regierungswechsel einzuläuten. Eine ebenfalls gute Nachricht ist der Sieg Larettas im Kampf um das Bürgermeisteramt der Stadt Buenos Aires, der somit einen Ausgleich zu Kicillof darstellt, den neuen Gouverneur der Provinz Buenos Aires (der Junto por el Cambio konnte auch mehrere andere Provinzen wie Cordoba, Santa Fe und Mendoza gewinnen). Obwohl Fernández immer noch den Senat kontrolliert, kann man von einer beinah gleichmäßigen Sitzverteilung im Kongress sprechen. Angesichts des besser als erwarteten Abschneidens von Cambiemos scheint es gewisse ‚Checks and Balances‘ zwischen beiden Lagern zu geben, die möglicherweise die Politik mäßigen könnten.

Argentinien verschärfte zudem am späten Sonntag nach dem Wahlsieg Fernández die Kapitalverkehrskontrollen. Nun bilden 200 US-Dollar pro Monat das Maximum, das über Bankkonten transferiert werden darf. Zuvor lag der Wert bei 10.000 US-Dollar pro Monat. Auch dies stellt keine größere Überraschung nach der Wahl dar.

Der Markt wird sich nun auf die Ernennungen des Kabinetts rund um Fernández konzentrieren und den Verlauf der IWF-Gespräche im Blick behalten. Lokale Medien berichten, dass Fernández heute ein Team für die Wirtschaftspolitik in der Übergangsphase ernennen wird.

"Argentinien muss unverzüglich ein glaubwürdiges Wirtschaftsprogramm umsetzen"

Uday Patnaik, Head of Emerging Market Debt bei Legal & General Investment Management (LGIM), zur Präsidentschaftswahl in Argentinien:

Diesen Sonntag hält Argentinien Wahlen über das Präsidentenamt, die Hälfte des Kongresses und ein Drittel des Senats ab. Gewählt wird auch in einigen verbleibenden Provinzen wie Buenos Aires, die bevölkerungsreichste Provinz. Die Stimmabgabe ist für die 33 Millionen wahlberechtigen Stimmen obligatorisch.

Der Fokus liegt auf der Präsidentschaftswahl. Ein Kandidat muss entweder insgesamt 45 Prozent der abgegebenen Stimmen gewinnen, oder mindestens 40 Prozent erreichen und 10 Prozent Vorsprung zu seinem nächsthöheren Wahlgegner aufweisen, um in der ersten Runde zu gewinnen. Erfüllt keiner der Kandidaten diese Voraussetzungen, ist für den 24. November eine Stichwahl zwischen den beiden meistgewählten Kandidaten geplant.

Favoriten sind der amtierende Präsident Mauricio Macri von der Cambiemos-Koalition und Alberto Fernandez von den Peronisten.

Fernandez schlug den Amtsinhaber in den Vorwahlen vom 11. August mit rund 48 Prozent der Stimmen – 15 Prozentpunkte mehr als Macri. Damit sind beide Bedingungen für einen Sieg in der ersten Runde erfüllt. Der Märkte gehen weitesgehend davon aus, dass Präsident Macri nicht in der Lage sein wird, diesen Rückstand aufzuholen. Die jüngsten Umfragen deuten darauf hin, dass sich der Abstand zwischen den beiden Kandidaten seit den Vorwahlen zugunsten von Fernandez auf 22,5 Prozentpunkte erhöht hat. Es ist daher wahrscheinlich, dass Alberto Fernandez die erste Runde für sich entscheiden wird.

In unserem Basiszenario gehen wir davon aus, dass Alberto Fernandez die Wahlen in der ersten Runde gewinnen wird. Darüber hinaus glauben wir, dass ein Sieg in der ersten Runde von den Märkten positiv aufgenommen wird. Denn Argentinien muss unverzüglich ein glaubwürdiges Wirtschaftsprogramm umsetzen, die Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) wieder aufnehmen und sich mit Investoren auseinandersetzen, um die Schulden des Staates umzuprofilieren/umstrukturieren

Nach den IWF-Treffen in Washington DC vor einigen Tagen konzentrierten sich die Treffen mit dem IWF und Fernandez auf die Ambition der potenziellen neuen Regierung, den Dialog mit dem IWF fortzusetzen. Auch wenn dies als positives Zeichen zu werten ist, war die Wirtschaftspolitik bislang nicht Teil der Agenda. Fernandez hielt sich vage, als er Details zu seinen Wirtschaftsplänen skizzierte, wahrscheinlich aufgrund der anhaltenden Kampagne, in der sich Macri und Fernandez befinden. Allerdings soll die IWF-Mission in der nächsten Woche nach den Wahlen in Argentinien eintreffen. Ich vermute, dass wir bald mehr Details zu der Wirtschaftspolitik von Fernandez erhalten werden. Wir wissen, dass Fernandez einen Sozialpakt mit Unternehmen und Gewerkschaften schließen will, um sich beispielsweise auf die Löhne zu einigen. Der Markt spekuliert auch, dass die jüngsten Kapitalkontrollen verschärft werden, festgelegte Richtlinien gibt es aber noch nicht. Darüber hinaus gehe ich davon aus, dass Fernandez versucht, Exporteure zu fördern (teilweise um frische US-Dollar ins Land zu holen), und dass er einen wettbewerbsfähigen Wechselkurs anstrebt.

IMF Meetings in Washington: Liebkinder und Prügelknaben

von Felix Dornaus, Senior Fondsmanager Schwellenländeranleihen der Erste Asset Management.

Im Rahmen der Jahrestagungen des IMF finden verschiedene Veranstaltungen für Emerging Markets Investoren statt. Meinungsführer, Entscheidungsträger, Wirtschaftsforscher und Analysten aus Politik, Think-Tanks, Wirtschaft und der akademischen Welt halten Vorträge und/oder stellen sich der Diskussion mit Investoren.

Das Treffen bietet andererseits eine gute Gelegenheit für den Gedankenaustausch mit Fachkollegen und den Finger „auf den Puls“ des Marktgeschehens zu legen.

Die relevantesten Erkenntnisse: synchronisierter Slow-Down Modus

90% aller Länder befinden sich in einem synchronisierten Slow-Down Modus und einem Entglobalisierungschock. Der IMF sieht für 2019 das globale Wirtschafts-Wachstum bei ca. 3%. Für 2020 kann auf Grund einer verhaltenen Preisentwicklung bei Rohstoffen für die Emerging Markets im Durchschnitt nicht mit einer Wachstumsbeschleunigung gerechnet werden. Die USA werden nicht in eine Rezession rutschen und China kein Hard Landing produzieren.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist strukturell langfristiger Art, vor dem Hintergrund Sicherheit, Intellectual Property und Tech. Chinas Hauptinteresse ist nur, die Situation nicht noch schlechter werden zu lassen. Tarife und Handelsrestriktionen werden nicht so schnell zurückgenommen werden.

Die Auseinandersetzung beschleunigt Chinas Strategie der selektiven Entkoppelung („Disengagement“) und Bemühen, das Land auf eine mehr konsum- und dienstleistungsorientierte Basis zu stellen. Ein Ausdehnen der Sanktionen auf Finanzinstrumente gilt angesichts ungewisser internationaler Auswirkungen als unwahrscheinlich.

Der Handelszwist schadet dem Rest der Welt vermutlich mehr als den USA und China selbst. Die momentan propagierte „Phase 1“ in der Beilegung des Konfliktes wird eher als Waffenstillstand zu betrachten sein.

USMCA (Nachfolger von NAFTA) wird kein Opfer der Entwicklungen rund um ein Impeachment von Präsident Trump. Die Ratifizierung seitens der USA wird in Q1/2020 erwartet (vielleicht sogar schon Dezember 2019).

Die Emerging Markets Sorgenkinder

In Argentinien wird auf Grund der schieren Grösse ein Kapitalverzicht auch auf IMF Kredite notwendig sein. Der IMF zeigt sich „flexibel“, aber konkrete Details bezüglich Neuverhandlung des Finanzpaketes werden erst nach den am 26.10.19 stattfindenden Präsidentschaftswahlen bekannt werden. Für die privaten Gläubiger gehen die Schätzungen zum Kapitalschnitt auseinander (40-60%).

  • Venezuela: Die Kohäsion in der Opposition ist brüchig und macht der Regierung Maduro derzeit keine ernsthaften Probleme. Eine (komplizierte) Umschuldung sämtlicher Auslandsschulden ist nach wie vor unumgänglich, hat aber immer noch keinen offiziellen „Startschuss“ seitens des Schuldners bekommen.
  • Ecuador: Die sozialen Unruhen wurden vorerst beendet, die Regierung sucht mittels einer breiten gesellschaftlichen Einbeziehung nach konsensualen Lösungen für die prekäre Budgetsituation. Der IMF zeigt sich sehr kooperationswillig.
  • Zambia: Keine ernsthaften Massnahmen zur Lösung der Verschuldungssituation erkennbar. Sollte es dabei bleiben, besteht Umschuldungsgefahr.
  • Libanon: Das Modell der Staatsschuldenfinanzierung mithilfe von Bankeinlagen wird zunehmend kritisch hinterfragt. Gleiches gilt für die Unterstützung seitens arabischer Freunde (Saudi Arabien ?) in einer Stresssituation. Wackelkandidat.

Die Emerging Markets Liebkinder

  • Brasilien: Weiterhin Vertrauen in die kommenden Strukturreformen. Wird als „Best Performer 2020“ gesehen.
  • Ukraine: Die fiskalen Spannungen wurden erfolgreich bereinigt. Der Reformstau wurde reduziert und die Beziehungen zum Währungsfonds sind offenbar sehr gut.
  • Kolumbien: Mit 3,4% (2019) höchstes Wachstum aller EM Investmentgrade-Länder. Erwirtschaftung eine Primärüberschusses (+0,6%) in 2019. FDI und Remittances machen ca. 6.1%/GDP aus, bei einem Leistungsbilanzdefizit von -4,4% in 2019.
  • Russland und Ägypten genießen ebenfalls das Wohlwollen der Investoren.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Wenige Katalysatoren, die das Wirtschaftsklima im Euroraum verbessern

Ein Kommentar zur EZB-Sitzung von Andrew Harman, Senior Portfolio Manager bei First State Investments:

„Wir erwarten, dass Draghis letzte Pressekonferenz an der Spitze der EZB ohne besondere Vorkommnisse und Zinsänderungen verläuft. Die Wirtschaftsdaten spiegeln weiterhin eine grundlegende Schwäche des Euroraums wider und die EZB dürfte abermals auf die bestehenden Abwärtsrisiken hinweisen. Die neue Präsidentin Lagarde steht vor der Herausforderungen, Länder wie Deutschland und die Niederlande davon zu überzeugen, Wachstumschancen über die Fiskalpolitik zu unterstützen, anstatt sich ausschließlich auf die Geldpolitik zu verlassen. Kurzfristige Erfolge scheinen hier jedoch gering, da die von den Ländern im Verlauf dieses Monats in Brüssel vorgelegten Haushaltspläne nur einer leichten fiskalischen Expansion dienen. Wir haben uns daher für eine anhaltende Schwäche des Euros und eine Verengung der Peripherie-Spreads positioniert, da wir derzeit nur wenige Katalysatoren sehen, die das Wirtschaftsklima im Euroraum verbessern.“

Effizienz und Elektrotrend: Alles klar zur Verkehrswende?

von Mark Lewis, globaler Leiter für Nachhaltigkeitsforschung bei BNP Paribas Asset Management.

Die Steigerungsraten sind beeindruckend: Die Zahl der in Deutschland im September neu zugelassenen Elektroautos ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 150 Prozent gestiegen. Bei den Plug-in-Hybriden beträgt der Zuwachs immerhin noch über 50 Prozent, so die Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA). Und das ist nur der Anfang. Der Anstieg wird wohl auch in den kommenden Monaten anhalten, er könnte sogar noch größer werden. Besonders im nächsten Jahr, wenn viele neue Elektroautos auf den Markt kommen werden.

Der Haken dabei: Die absoluten Zahlen sind indes noch klein, kaum 6.000 neue Batterieautos sind im September zugelassen worden. Doch die Autohersteller haben 2020 zum Jahr des Umbruchs erklärt: Opel macht den Anfang mit dem Corsa-e, Volkswagen bringt seinen neuen ID.3 zu den Händlern. Porsche hat den Taycan im Angebot, Jaguar den I-Pace und die süddeutschen Premiumhersteller Audi, Daimler und BMW wollen besonders mit neuen Plug-in-Hybriden punkten.

Abb. 1: Neuzulassungen bei E-Autos

Geringer Anteil: Fast 48.000 Elektroautos kamen 2019 neu auf die deutschen Straßen – von insgesamt gut 47 Millionen Pkw allein hierzulande.

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Stand: September 2019

Elektroautos auf dem Vormarsch

Der Siegeszug der Elektroautos weltweit dürfte wohl spätestens in fünf Jahren nicht mehr aufzuhalten sein: So gehen die Analysten von DNV GL davon aus, dass Elektroautos 2024 kostentechnisch gleichauf mit Verbrennern liegen werden, was ihren gesamten Lebenszyklus vom Kauf bis zum Betrieb und Reparaturen angeht. Den „Electric Car Tipping Point“ – den Zeitpunkt, wo bereits jedes zweite Auto mit einem Elektromotor unterwegs sein wird – erwarten Experten der Boston Consulting Group um das Jahr 2030.

Allerdings werden sie sich wohl nur dann flächendeckend durchsetzen können, wenn auch der Aufbau einer Infrastruktur gelingt. Auch hängt der Erfolg der Elektroautos davon ab, wie sehr sich Käufer von möglichen Reichweiteneinschränkungen beeindrucken lassen und welche Maßnahmen die Regierung für oder gegen Elektroautos trifft. Aus rein wirtschaftlicher Sicht sind sie – verglichen mit herkömmlichen Fahrzeugantrieben – schon jetzt deutlich im Vorteil.

Erneuerbare sind siebenmal wirtschaftlicher als Öl

In einer aktuellen Untersuchung „Wells, Wires and Wheels“ ermittelten wir den Energy Return on Capital Invested (EROCI). Betrachtet wird, welchen Energieertrag Öl und erneuerbare Energien abwerfen, wenn diese Energie zum Antrieb von Autos und anderen leichten Nutzfahrzeugen genutzt wird. Sprich: Wie weit kommt man aktuell mit einem Investment von 100 Milliarden US-Dollar?

Das Urteil ist mehr als eindeutig: Schon heute bringen bei gleichem Kapitaleinsatz mit Wind- und Solarenergieprojekten betriebene Elektroautos sechs bis siebenmal mehr Energie auf die Straße als solche, deren Benzinmotoren im weitesten Sinne mit Öl betrieben werden. Der Unterschied ist weniger deutlich, wenn man von Dieselfahrzeugen ausgeht, doch auch dann sind Wind- und Solarenergie immer noch drei- bis viermal so effektiv wie der Verbrennungsmotor. Der „Break-Even-Point“, also die Schwelle, an der für dasselbe Geld dieselbe Menge an Antriebsenergie zur Verfügung steht, liegt demnach bei etwa 9 bis 10 Dollar pro Barrel Öl, wenn dieses in Benzinmotoren fließt und 17 bis 19 Dollar pro Barrel bei Dieselmotoren. Damit Öl wettbewerbsfähig bleibt, müsste der Preis also deutlich fallen: Brent-Öl kostet derzeit 60 US-Dollar, während die Sorte WTI für 54 Dollar gehandelt wird (Stand vom 18. Oktober 2019).

Der Ölpreis muss auf 10 Dollar pro Barrel sinken

Sprit ist schlicht zu teuer, gerade langfristig betrachtet: Um das Mobilitätsniveau von Benzin aus dem Jahr 2018 für die nächsten 25 Jahre zu halten, sind Investitionen von schätzungsweise 24,6 Billionen US-Dollar notwendig. Die Kosten für neue Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien liegen dagegen bei nur 4,6 bis 5,2 Billionen Dollar. Kurz: In diesem Zeitraum die gleiche Mobilität aus Benzin zu erzielen wie mit erneuerbaren Energien im Zusammenspiel mit Elektrofahrzeugen, kostet etwa sechs bis siebenmal so viel. Denn auch Ölquellen sprudeln nicht ewig. Um den aktuellen Versorgungsstandard zu halten, müssen jedes Jahr rund zehn Prozent der Förderstätten ersetzt werden. Und die Erschließung neuer Ölfelder wird laufend teurer, weil die einfach zu erreichenden Lagestätten vielfach bereits erschlossen sind. Wind und Sonne stehen dagegen fast unbegrenzt zur Verfügung.

Selbst wenn man die die Kosten für den Aufbau einer neuen Netzinfrastruktur berücksichtigt, also die Erweiterung der Übertragungs- und Verteilungsnetze, um die zusätzlichen Strommengen zu bewältigen, die aus all den neuen Wind- und Solarkapazitäten entsteht, zeigt die Analyse: Die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien schlägt die von Öl glasklar. Egal, ob in Form von Benzin oder Diesel, die Tage von Öl als Kraftstoff für Autos sind gezählt.

Einfach mal 41 Prozent des globalen Ölbedarfs ersetzen

Das hat weitreichende Folgen für die Mineralölkonzerne. Der Ölindustrie erwächst hier – erstmals in ihrer Geschichte – eine ernstzunehmende Bedrohung für ihr Geschäftsmodell: Derzeit entfallen 36 Prozent der Rohölnachfrage auf den Betrieb leichter Nutzfahrzeuge und anderer Fahrzeuge, die sich für die Elektrifizierung eignen. Weitere 5 Prozent fließen in die Stromerzeugung. Die konkurrierenden, erneuerbaren Energien könnten also leicht bis zu 41 Prozent des weltweiten Ölbedarfs ersetzen. Für sie sprechen die kurzfristigen Grenzkosten von Null, ihre Umweltfreundlichkeit und dass sie einfacher zu transportieren sind.

Abb. 2: Ölnachfrage

Harte Konkurrenz: Die erneuerbaren Energien könnten leicht bis zu 41 Prozent des weltweiten Ölbedarfs ersetzen.

Quelle: BNP Paribas Asset Management

Allerdings: Die Ölindustrie genießt derzeit einen massiven Größenvorteil gegenüber Wind- und Solarenergie. 2018 lieferte Öl 33 Prozent der weltweit benötigten Energie, verglichen mit nur 3 Prozent gespeist aus Wind und Sonne. Doch dieser Vorsprung schmilzt. Vor 100 Jahren hätte auch die Ölindustrie nicht dieselbe Energie liefern können wie heute. Sie hat über Jahrzehnte eine globale Lieferkette aufgebaut, während Wind und Sonne erst am Anfang der gleichen Entwicklung stehen.

Elektrofahrzeuge sind (noch) zu teuer

Und: Noch sind Elektroautos vergleichsweise teuer. Seit dem Sommer vermarktet Opel den Corsa-e als „Volkselektroauto“ ab einem Einstiegspreis von 29.900 Euro. Auch die Konkurrenten VW, Honda oder Mini Cooper bieten aktuell E-Autos für „jedermann“ für knapp 30.000 Euro. Günstiger ist das Solarauto des Münchner StartUps Sono Motors. Den Sion gibt es für nur 16.000 Euro – doch der Preis gilt ohne Batterie. Die kann man mieten; beim Kauf schlägt sie mit nochmals 9.500 Euro zu Buche.

All dies ist erst ein Anfang, um Durchschnittsverdienern die E-Mobilität schmackhaft zu machen. Doch schon 2024 könnten sich die Preise für Elektroautos denen von herkömmlichen Fahrzeugen angeglichen haben. Dann werden die Karten neu gemischt und den Ölkonzernen droht womöglich das gleiche Los wie den europäischen Versorgern in den letzten zehn Jahren: Sie hatten den Ausbau der Wind- und Solarenergie zunächst verpasst und Milliarden Euro in Anlagen zur Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen versenkt.

Das Klimapaket als Boost für die Verkehrswende

Auch die Politik ist in der Pflicht, sie hat jetzt die Chance, die Energiewende und den damit verbundenen Nutzen für Umwelt und Gesundheit gezielt zu fördern. Etwa über steuerliche Anreize für Elektrofahrzeuge, wie sie etwa in Norwegen erfolgreich waren, eine verbesserte Ladeinfrastruktur und entsprechende Energiespeichertechnologien.

Die Bundesregierung formulierte ihre nächsten Schritte dazu Mitte September, im aktuellen Klimaschutzplan. Demnach will die Große Koalition emissionsarme Fahrzeuge bis 2025 von der Kfz-Steuer ausnehmen und die Kaufprämie für Elektroautos erhöhen. Vorgesehen ist auch der Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur. Bis 2030 sollen insgesamt eine Million öffentliche Ladepunkte zur Verfügung stehen. Bisher sind es erst rund 20.000. Und es bleibt abzuwarten, ob die Zuwachszahlen hier ähnlich schnell steigen wie bei den neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland.


Über BNP Paribas Asset Management

BNP Paribas Asset Management ist der unabhängige Vermögensverwalter von BNP Paribas, einem der weltweit größten Finanzunternehmen. BNP Paribas Asset Management verwaltet 575 Milliarden Euro Vermögen (Stand: 30. Juni 2019) mit verschiedensten aktiven, passiven und quantitativen Investmentlösungen für eine Vielzahl von Anlageklassen und Regionen. Mit rund 500 Investmentexperten und 500 Kundenbetreuern ist BNP Paribas Asset Management für Privatkunden, Unternehmen und institutionelle Anleger in 71 Ländern tätig und engagiert sich seit 2002 in vielen Bereichen der Nachhaltigen Investments (SRI).

Was kann die Finanzindustrie zur Erreichung der Pariser Klimaziele tatsächlich leisten?

Das Pariser Klimaabkommen definiert als Ziel, die Erderwärmung unter 2°C zu halten und Finanzmittel mit einer emissionsarmen Entwicklung in Einklang zu bringen. Dieses Abkommen wurde auch von Österreich ratifiziert. Der zusätzliche Finanzierungsbedarf für die Erreichung dieses Vorhabens ist enorm. Allein für Österreich wird für die Energiewende von einem Finanzierungsbedarf von 29 Mrd. Euro für die Stromerzeugung und 20 Mrd. Euro für den Ausbau der Netze ausgegangen. Auf europäischer Ebene wird der jährliche Investitionsbedarf von der Europäischen Kommission auf etwa 180 Mrd. Euro geschätzt (bis 2030). Für die Sektoren Energie, Transport, Wasser und Abfall insgesamt auf rund 270 Mrd. Euro p.a. „Die Finanzindustrie kann und muss einen substanziellen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten, sonst wird man diesen Bedarf nicht stemmen können“, so Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG gestern Abend (16. Oktober 2019) im Rahmen einer Future Talks-Veranstaltung der Raiffeisen KAG in Wien.

Die Zeit drängt: Finanzinstitute müssen Produkte und Dienstleistungen regulatorisch auf Nachhaltigkeit ausrichten.

Christine Würfel, Leitung Group Regulatory Transparency bei der Raiffeisen Bank International bestätigt, dass „Sustainable Finance“ immer größere Priorität erlange. „Zur Zielerreichung lege der Gesetzgeber und die Aufsicht eine enorme Geschwindigkeit vor und dies mit einem Nachdruck, der an die Zeiten nach der Finanzkrise 2009 zur Etablierung der ‚Banking Union‘ erinnere“, so Würfel. Ein „Green Deal“ sei ein Kernziel der Europäischen Kommission und solle Europas Markenzeichen werden. Das hieße, Mitte des Jahrhunderts Klimaneutralität zu erreichen. Auch die internationalen und europäischen Aufseher stellen die Klimarisiken ins Zentrum der Finanzstabilität. Und das Thema Nachhaltigkeit erhält bei vielen Unternehmen und Banken wie auch der RBI große Bedeutung. Bereits 2018 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums und veröffentliche erste Legislativvorschläge. Heuer wurden Mandate der Europäischen Bankenaufsicht zur Evaluierung der Einbeziehung von ESG Risiken in aufsichtsrechtliche Überprüfungen und eines „Green Supporting Factors“ erteilt. Im Juni wurden die neuen EBA-Richtlinien zur Kreditvergabe und -überwachung veröffentlicht und auch Leitlinien für die Berichterstattung über klimabezogene Unternehmensinformationen festgelegt. Eine schrittweise Anwendung all dieser Maßnahmen sei bereits bis 2022/23 vorgesehen.

Drei Kernziele – zehn Maßnahmen

„Der Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums hat drei Kernziele definiert, die mit zehn Maßnahmen erreicht werden sollen und zwar auf dem Weg über die Kapitalmarktfinanzierung wie auch über die Bankenfinanzierung“, so Würfel. Dabei gehe es um eine Neuausrichtung der Kapitalflüsse hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft, die Einbettung der Nachhaltigkeit ins Risikomanagement und die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit. Als Maßnahmen für die Kernziele nennt Würfel vor allem die Taxonomie-Verordnung als einheitliches Klassifikationssystem, die Verordnung zu Offenlegungspflichten und für Referenzwerte/Benchmark. „Diese Vorschriften sollen dazu dienen, Transparenz zu schaffen – beim Kunden, Finanzinstitut, Unternehmen und Investor. Es solle Klarheit geschafft werden, dass dort wo nachhaltig draufstehe, auch nachhaltig drin sei.“

Taxonomie – ein gemeinsames Verständnis für den Begriff „nachhaltig“

Bei der EU-Offenlegungsverordnung gehe es, so Heinz Macher, Leiter Regulation, Tax & Compliance bei der Raiffeisen KAG, um die Festlegung harmonisierter Vorschriften, die von Finanzmarktteilnehmern und Finanzberatern anzuwenden seien. Nachhaltigkeitsrisiken müssten transparent dargestellt werden und nachteilige Nachhaltigkeitswirkungen in den Prozessen berücksichtigt werden. Auch sei die Bereitstellung nachhaltigkeitsbezogener Informationen über Finanzprodukte zu gewährleisten. Bei der EU-Taxonomie-Verordnung gehe es darum, ein gemeinsames Verständnis für den Begriff „nachhaltig“ zu definieren. Ein einheitliches Klassifikationssystem (=einheitliche Taxonomie) soll festlegen, welche Tätigkeiten „nachhaltig“ sind. Heinz Macher: „Damit wird der Rahmen vorgegeben, den die Mitgliedstaaten und die Europäische Union bei der Einführung von Kennzeichnungen für nachhaltige Finanzprodukte berücksichtigen müssen. Gerade für nachhaltige Fondsmanager sei die Taxonomie von großer Bedeutung. So sollen beispielsweise für als ökologisch nachhaltig vermarktete Unternehmensanleihen („Green Bonds“) einheitliche Anforderungen gelten.“

Finanzwirtschaft kann Klimakrise nicht lösen, aber Lösungen finanzieren

Die Finanzwirtschaft könne die Klimakrise zwar nicht lösen, aber sie könne Lösungen finanzieren, so Aigner. Mittlerweile hätten 2.600 Asset Owner und Asset Manager die PRI der Vereinten Nationen1 unterzeichnet, eine 2006 gegründete Investoreninitiative. „Diese Unterzeichner verwalten fast 100.000 Mrd. Dollar Assets under Management. Nur 1 % davon wären ein Bruchteil der durchschnittlichen jährlichen nominellen Erträge dieses Volumens, etwa die Hälfte des aktuellen verfügbaren Volumens an Green Bonds und etwa das 2,5fache des österreichischen Sozialprodukts“, so Aigner. „Die Mittel sind vorhanden. Sie müssen nur genutzt werden.“ Nachhaltiges Veranlagen unterstützt erwiesenermaßen die Reduktion von CO2-Emissionen. Die Raiffeisen KAG bekenne sich voll und ganz zu diesen Zielen und werde mittelfristig ihre gesamte Fondspalette auf nachhaltige Investments umstellen, so Aigner.

Nachhaltigkeit spricht neue Anlegergruppen an

Schon jetzt ist die Raiffeisen KAG die Nummer 1 bei nachhaltigen Publikumsfonds in Österreich.2 Der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix ist mit einem Volumen von 1,6 Mrd. (Stand 30. September 2019) nicht nur der größte nachhaltig gemanagte Fonds Österreichs, sondern auch der insgesamt größte österreichische Publikumsfonds. Mit dem nachhaltig gemanagten Produktangebot gelingt es der Raiffeisen KAG neue Anlegergruppen zu gewinnen. Raiffeisen hat mit seinem großen Vertriebsnetz, den regionalen Bankfilialen, einen extrem starken Hebel. Mit diesem können Investorinnen und Investoren in ganz Österreich, aber auch in Zentral- und Osteuropa über die Netzwerkbanken erreicht werden. Das Volumen nachhaltig gemanagter Assets beträgt mit EUR 5,9 Mrd. bereits 15 % des Gesamtvolumens (EUR 37,2 Mrd. per Ende September 2019).

Nachhaltige Investmentstrategien im Wandel: vermeiden, unterstützen, Einfluss nehmen

In den vergangenen Jahren hätten sich auch die Investmentansätze der Anbieter stark verändert. So würde ESG-Integration eine wesentlich wichtigere Rolle spielen als noch vor wenigen Jahren. Auch der mehrdimensionale Investmentansatz der Raiffeisen KAG geht weit über einfache Negativkriterien hinaus und basiert auf den drei Ebenen der ESG-Integration „Vermeiden“, „Unterstützen“ sowie „Einflussnahme“. Das Zusammenwirken möglichst aller drei Elemente ist Voraussetzung für ein verantwortungsvolles Management von nachhaltigen Fonds. Selbstverständlich fließen auch die finanzielle Bewertung und das Potential des Titels in die Investmententscheidung mit ein.

Änderungen bewirken

„Nachhaltig investieren heißt, einen sehr aktiven Investmentstil anzuwenden. Das bedeutet, über das Negativ- und Positivscreening hinauszugehen und aktiv mit Unternehmen in Kontakt zu treten oder die mit Aktien verbundenen Stimmrechte auszuüben“, erklärt Aigner. Die Einflussnahme in Form von Unternehmensdialog und Stimmrechtsausübung ist wichtig, denn als Großanleger steht die Raiffeisen KAG in der Verantwortung, wie sie Geld anlegt. Dazu muss man die Unternehmen, in die veranlagt wird, gut kennen und auch hinterfragen, welche Rolle soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit in der Strategie des jeweiligen Unternehmens spielt. Unternehmensdialoge und auch Stimmrechtsausübung als Mittel der Einflussnahme sind in der Regel umso erfolgreicher, je höher die Anteile am Unternehmen, sprich je mehr Aktien, damit verbunden sind. Sehr häufig werden Unternehmen im Rahmen des Unternehmensdialogs zu mehr Transparenz veranlasst, manchmal auch zu einer Strategieänderung. Deshalb ist bei Unternehmensdialogen und Stimmrechtsausübung die Bildung von Koalitionen unter verantwortungsbewussten Investoren auch sehr sinnvoll und notwendig. Die Raiffeisen KAG setzt große Anstrengungen in dieses Thema. Pro Jahr werden rund 200 Unternehmen kontaktiert. Natürlich sind diese sehr verschieden, was die Intensität betrifft. Die Dialoge finden auch auf unterschiedlicher Ebene statt: in Einzelgesprächen, im Rahmen von Themenresearch für unsere Publikationen und teilweise mittels spezifischer Plattformen gemeinsam mit anderen Investoren.


1) Grundsätze für verantwortungsvolles Investieren
2) Die Raiffeisen KAG ist mit 21,5 % (EUR 1,764 Mrd.) Marktführerin bei nachhaltigen Publikumsfonds in Österreich (Stand 12/2018). Die Erhebung erfolgt einmal jährlich im Februar von der rfu – Mag. Reinhard Friesenbichler Unternehmensberatung.

Ausblick 2020: Drei Szenarien für die Wirtschaftsentwicklung

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das Wachstum der Weltwirtschaft befindet sich an einem kritischen Punkt. Das reale Wirtschaftswachstum hat sich seit einigen Quartalen abgeschwächt. Mittlerweile befindet sich das Wachstumsniveau unter dem Potential, also jenem Wert, der bei optimaler Auslastung aller Ressourcen erreicht werden könnte.

Wie immer zeichnen die Frühindikatoren für die weitere Entwicklung ein gemischtes Bild. In weiterer Folge werden drei Szenarien für den Rest des Jahres sowie für 2020 vorgestellt.

Aktuelles Umfeld: Wirtschaftswachstum unter dem Potential

  • Auf der negativen Seite ist der konjunkturelle Abschwung gekennzeichnet von einer scharfen Abwärtsbewegung bei den Wachstumsraten für den Fertigungssektor / den Güterexporten und den Unternehmensgewinnen sowie einem Einbruch bei der Unternehmensstimmung.
  • Begleitet wurde diese Entwicklung von einer erhöhten geopolitischen Unsicherheit (USA-China Konflikt).
  • Auf der positiven Seite hat der gut laufende Servicesektor / der private Konsum das Wirtschaftswachstum in vielen Teilen der Welt unterstützt. Es können zwar negative Überwälzungseffekte vom schwachen Fertigungssektor auf die anderen Sektoren festgestellt werden, diese sind aber nur moderat. Hier ist vor allem der Arbeitsmarkt hervorzuheben. Das Beschäftigungswachstum ist zwar nicht mehr so hoch wie im vergangenen Jahr, aber immer noch gut genug, um die Arbeitslosenraten auf einem niedrigen Niveau zu halten.
  • Die Geldpolitiken haben, geführt von der US-amerikanischen Zentralbank, auf diese Eintrübung der Konjunktur mit Lockerungsschritten geantwortet. Das Besondere an dieser Situation ist, dass das Zinsniveau bereits sehr niedrig ist. Aber auch die Fiskalpolitiken wirken bereits mild unterstützend auf das Wirtschaftswachstum.

Für die drei Szenarien wird nun an jeder dieser vier Stellschrauben in einem unterschiedlichen Ausmaß gedreht:

Szenario 1: Erholung

Es findet eine leichte Beschleunigung beim realen globalen Wirtschaftswachstum von 2,0% – 2,3% im zweiten Halbjahr 2019 auf das Potenzialwachstum im nächsten Jahr statt (2,7%-3.0%, Wachstum im Quartalsabstand auf das Jahr hochgerechnet).

Dafür ist erstens eine Stabilisierung der Industrieproduktion nötig. Tatsächlich ist der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor zuletzt zweimal in Folge angestiegen. Zweitens wird ein kosmetisches Abkommen zwischen den USA und China erreicht und es kommt zu einer Einigung zwischen dem UK und der EU über den Brexit.

Drittens findet eine Stabilisierung beim rückläufigen Beschäftigungswachstum statt. Damit bleibt der private Konsum gut unterstützt. Viertens war die expansivere Ausgestaltung der Geldpolitiken ausreichend, um eine positive Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum zu haben.

Wesentlich für die Finanzmärkte ist, dass A) das Gewinnwachstum der Unternehmen ansteigt. Das bedeutet, der einsetzende Anstieg beim Umsatzwachstum ist kräftiger als die Fortsetzung beim ansteigenden Wachstum der Lohnstückkosten. B) Das beschleunigte Gewinnwachstum wirkt stärker als der mit dem Szenario einhergehende Zinsanstieg.

In diesem Szenario verzeichnen kreditsichere Staatsanleihen Kursverluste und Aktien Kursanstiege. Die Modellschätzung für US-Staatsanleihen lautet minus 2%, jene für globale Aktien auf plus 4%.

 Szenarios für US Staatsanleihen

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Szenario 2: Rezession

Die Industrieproduktion und die Unternehmensinvestitionen schrumpfen und ziehen die anderen Sektoren, vor allem den Arbeitsmarkt, mit nach unten. Das ansteigende Wachstum der Lohnstückkosten sorgt für schrumpfende Unternehmensgewinne.

Eine Intensivierung im Konflikt zwischen den USA und China würde den Abschwung noch verstärken. Weil die Leitzinsen bereits sehr niedrig sind, kann die Geldpolitik nicht mehr demensprechend entgegensteuern. Die Fiskalpolitiken reagieren, wenn überhaupt, zu spät auf den Abschwung mit einer Ausweitung der Budgetdefizite.

Dieses Szenario ist positiv für kreditsichere Staatsanleihen und negativ für risikobehaftete Wertpapierklassen wie etwa Aktien.

Das gilt allerdings nur für Anleihen, deren Rendite noch hoch genug ist, um Renditerückgänge zuzulassen, das heißt, nicht für Staatsanleihen in der Eurozone und in Japan. Die Modellschätzung für US-Staatsanleihen lautet plus 7%, jene für globale Aktien minus 12%

Szenarios für globale Aktien

Szenario 3: Stagnation

Dieses Szenario ist von einer kuriosen Situation charakterisiert: Das Zinsniveau ist zwar sehr niedrig, aber immer noch zu hoch um die Wirtschaft zu stimulieren. Die Zinsen können nicht weiter fallen weil sie an die sogenannte effektive Zinsuntergrenze anstoßen. Die Geldpolitik kann keinen relevanten Stimulus mehr erzeugen.

Das Wirtschaftswachstum bleibt unter dem Potential und die Arbeitslosenraten steigen auf ein erhöhtes Niveau an. Weil die Volkswirtschaften offen sind, das heißt mit anderen Volkswirtschaften über Handels- und Finanzströme im Austausch stehen, können auch andere Länder in diese Situation hineingezogen werden.

Der Wirkungsmechanismus passiert vor allem über Finanzzuflüsse, die eine Festigung der Währung und fallenden Zinsen verursachen. Wirft man einen Blick auf Festigung des US-Dollar und die fallenden Renditen von US-amerikanischen Staatsanleihen, kommt einem das bekannt vor.

Um aus dieser „Zinsfalle“ herauszukommen liegt der Druck auf die Fiskalpolitik. Es wäre eine massive Ausweitung der Budgetdefizite für staatlich finanzierte Investitionen nötig. Wen das nicht geschieht, bleibt das Wirtschaftswachstum für eine längere Zeit niedrig.

Man spricht von einer säkularen Stagnation. Auch dieses Szenario ist positiv für Staatsanleihen und negativ für risikobehaftete Wertpapierklassen, allerdings nicht zu ausgeprägt wie im Szenario für eine Rezession.

Natürlich gilt das nur für Anleihen, die eine positive Rendite versprechen. Die Modellschätzung für US-Staatsanleihen lautet plus 2,5%, jene für globale Aktien minus 4%.

Zusammengefasst ist das fundamentale Umfeld für die Finanzmärkte herausfordernd. Die konjunkturelle Entwicklung könnte mit dem Erholungsszenario noch einmal die Kurve kratzen, aber die Risiken sind nach unten gerichtet.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Hochzinsanleihen: Hier fließen weiterhin Erträge

Hochzinsanleihen gehören zu den wenigen Märkten, die noch einen positiven realen Ertrag bieten, erklärt Andrew Wilmont, Senior Investment Manager bei Pictet Asset Management.

Anleiheanlegern stehen harte Zeiten bevor. Der Fluch der negativen Renditen lastet nicht mehr nur auf Staatsanleihen, sondern zunehmend auch auf Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Aktuellen Zahlen zufolge sind weltweit Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 15 Bio. US-$ betroffen (siehe Abb. 1).

ABB. 1 FLUCH DER NEGATIVEN RENDITEN

Globale Anleihen mit negativen Renditen, Marktkapitalisierung in Mrd. US-$

Quelle: Refinitiv. Daten vom 31.01.2014 bis 25.09.2019, Bloomberg Barclays Global Aggregate Index

Gleichzeitig wird der öffentliche Schuldenberg immer grösser. Das ist aber nicht das einzige Problem.

Unternehmensanleihen sind generell immer schwerer zu kaufen und zu verkaufen. Das liegt daran, dass Banken, die als Marktintermediäre üblicherweise Anleihen im Wert von mehreren Milliarden Dollar bunkerten, bis sich ein Käufer fand, nicht mehr bereit oder imstande sind, solche Risiken in ihren Bilanzen zu tragen.

Dadurch erhöht sich das Potenzial von Marktvolatilität. Ebenso verhält es sich mit dem Wachstum passiver börsengehandelter Fonds (ETFs). In der ersten Jahreshälfte entfielen auf sie 65% der Zuflüsse in europäische Hochzinsanleihen, so Daten von JP Morgan zufolge. Diese Anlagevehikel kaufen in der Regel nur die liquidesten Anleihen, die von den am stärksten verschuldeten Unternehmen begeben werden.

Bei einem Markteinbruch könnte sich die Liquidität dieser Anleihen mehr als ein Fluch als ein Segen erweisen. Da sie in schwierigen Zeiten einfacher abgestossen werden können, könnten sie schwere Verluste erleiden. Bei einem Ausverkauf sind sie die ersten, die Verluste erleiden.

Auf den ersten Blick scheint das für Hochzinsanleihen ein Desaster zu sein. Das ist aber nicht ganz richtig. Die Fundamentaldaten von Non-Investment-Grade-Anleihen deuten darauf hin, dass sie einen Konjunkturabschwung gut abfedern können.

In ihrer Resilienz spiegelt sich zum Teil der Umstand wider, dass der Grossteil der Rendite im Hochzinsuniversum mit dem Kupon erzielt wird. Über einen Konjunkturzyklus gesehen – vom Wachstum bis zur Rezession – werden 110% der Gesamtrendite bei Hochzinsanleihen aus Erträgen erzielt, sodass ein im Durchschnitt kleiner Kapitalverlust problemlos kompensiert wird. Das bedeutet, dass die Anlagerenditen nicht von starkem Wirtschaftswachstum abhängen, sondern von der Fähigkeit der Unternehmen, ihren Zinsdienst zu leisten.

Eine stabile bzw. selbst eine leicht schrumpfende Wirtschaft dürfte ausreichen, um diese Rückzahlungen zu gewährleisten. Zwischen Mitte 2011 und Mitte 2016 zum Beispiel – einer Zeit, in der das Wirtschaftswachstum in der Eurozone konstant unter 2% lag und der Block den grössten Teil seiner Rezession erlebte – lagen die Renditen europäischer Hochzinsanleihen im Durchschnitt bei 7,8% p.a., gegenüber 5,1% bei Aktien1.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Zusammensetzung des europäischen Hochzinsmarkts weniger zyklisch ist als die seines US-Pendants. Der grösste Sektor in den USA, auf den mehr als 15% des Markts entfallen, ist Energie. In Europa hingegen liegt Telekommunikation mit einem Anteil von 12% vorn.

Kreditwürdigkeit wird besser

Eines der Hauptrisiken am Hochzinsmarkt sind Ausfälle, und sowohl Standard & Poor's als auch Moody’s gehen für 2020 von einem Anstieg aus. Die Lage ist jedoch nicht ganz so düster, wie es auf den ersten Blick scheint.

Zunächst einmal scheinen zwar die Ausfallraten zu steigen, aber sie liegen weiterhin auf historischen Tiefständen und das dürfte auch so bleiben. Zudem ist das europäische Hochzinsuniversum heute kreditwürdiger als in der Vergangenheit – das durchschnittliche Rating liegt bei BB- und nur 5% der Anleihen sind mit CCC, dem niedrigsten Rating, bewertet.

Hinzu kommt, dass den Bewertungen das begrenzte Angebot zugute kommt: Der europäische Hochzinsmarkt ist in den letzten Jahren stark geschrumpft.

Wir befinden uns jetzt in einer späten Phase des Konjunkturzyklus und der Hochzinsmarkt bietet weiterhin attraktive Chancen und ist bei einer konservativen Verwaltung eine zunehmend lohnendere Quelle für Ertrag (siehe Abb. 2).

ABB. 2 LOHNENDE QUELLE FÜR ERTRAG

Europäische Unternehmensanleihen nach Rating, Yield-to-Worst, %

Basierend auf den Bloomberg Barclays Euro Aggregate Corporate Indizes.
Quelle: Bloomberg. Daten vom 29.06.2018 bis 28.06.2019.

ANSATZ VON PICTET AM FÜR EUROPÄISCHE HOCHZINSANLEIHEN

Risikokontrolle

Risikokontrolle ist das A und O. Kapitalerhalt und Vorhaltung von Liquidität stehen im Zentrum unseres Ansatzes. Wir konzentrieren uns daher auf Diversifizierung, was insbesondere bedeutet, dass wir nicht mehr als 5% einer bestehenden Emission erwerben, Anleiheemissionen meiden, die zu klein und daher nicht liquide genug sind, und Obergrenzen für Branchenallokationen festgelegt haben. Sowohl auf Ebene einzelner Anlagen als auch des Gesamtportfolios sind wir bestrebt, das richtige Verhältnis von Risiko und potenziellen Renditen zu finden, notfalls sichern wir die Investments auch ab.

Fachkompetenz

Unsere Analysten sind Branchenspezialisten und haben sowohl Investment-Grade- als auch Hochzins-Unternehmensanleihen im Auge. Sie machen sich somit ein Gesamtbild von der jeweiligen Branche und erkennen frühzeitig Chancen, die sich aus Rating-Migrationen ergeben, wie z. B bei der ewigen Anleihe von Vodafone, die im August auf High-Yield herabgestuft wurde.

Ertragschancen

Zur Maximierung der Ertragschancen nutzen wir Bottom-up-Analysen, um den Markt auf Preisanomalien zu durchforsten. Heute sind die Anleihen von zyklischen und nicht-zyklischen Unternehmen ähnlich bewertet, aber Unternehmen, deren Gewinne stark vom Konjunkturzyklus abhängen, werden bei einem Konjunkturabschwung volatiler sein als diejenigen, deren Waren und Dienstleistungen immer nachgefragt werden. Wir sind daher in nicht-zyklischen Werten wie Telekommunikation und Kabelanbietern übergewichtet. Hingegen waren wir im vergangenen Jahr sowohl in italienischen als auch britischen Unternehmensanleihen untergewichtet, weil wir der Auffassung waren, dass sich in den Bewertungen nicht die jeweiligen politischen Risiken dieser Länder widerspiegeln.


1) Basierend auf der Wertentwicklung des ICE BofAML Euro High Yield Constrained Price Index und des EuroSTOXX 50 Price Index zwischen dem 30.06.2011 und 30.09.2016.

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Über Andrew Wilmont

Andrew Wilmont ist seit 2018 bei Pictet Asset Management beschäftigt und Senior Investment Manager in unserem Developed Credit Markets Team, das sich auf europäische Hochzinsanleihen konzentriert. Vor seiner Tätigkeit bei Pictet war er vier Jahre bei Neuberger Berman als Managing Director für den Bereich europäische Hochzinsanleihen verantwortlich. Zwischen 2005 und 2014 leitete er das European/Global High Yield Team bei Axa Investment Managers. Andrew Wilmont begann seine Laufbahn im High-Yield-Segment als Corporate Analyst bei der Saudi International Bank in London, als 1997 die ersten europäischen Hochzinsanleihen aufgelegt wurden. Er besitzt einen MSc in Business und einen LLM in Corporate Law der Vrije Universiteit, Amsterdam. Zudem ist er Chartered Financial Analyst (CFA).

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 171 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Telefon: 069-79 5009 1224
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„Risikoarme“ Staatsanleihen?

Mittlerweile hat die US-Notenbank die Leitzinsen zweimal gesenkt, die Rentenmärkte sind – trotz kurzfristiger Rückschläge – seit Jahresbeginn in prächtiger Verfassung.

Auch die geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank hat Spuren hinterlassen, allerdings eher dämpfende. Hier war die Erwartung doch etwas höher und der September brachte keine Beiträge zur Wertentwicklung. Dennoch: 6–9 % in Euro-Anleihen, Italien sogar wider Erwarten deutlich darüber – ein sehr gutes Jahr für Investoren dieser risikolosen (?) Asset-Klasse. Der weiter schwächer gehende Euro hat zuletzt weniger die US-Anleihen, sondern vielmehr UK- und Emerging-Market-Anleihen währungsseitig unterstützt. Dabei muss erwähnt werden, dass sich die Emerging-Market-Währungen nach einem recht schwachen Sommer nun etwas erholt haben.

US-Anleihen sind hingegen weiterhin die Ertragsbringer des Jahres, die höheren laufenden Renditen und Währungsgewinne machen den Großteil der Differenz zu Euro-Anleihen aus.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: Anleihekaufprogramm läuft wieder an

Die Renditen der Staatsanleihen stiegen bis Mitte September doch deutlich an, zumal die Mehrzahl der Konjunkturindikatoren weniger stark negativ ausfielen (Europa) oder positiv zu überraschen wussten (USA). Mit der nochmaligen Senkung des Einlagesatzes auf - 0,5 % und der Entscheidung, abermals ein Anleihekaufprogramm zu starten – ab November 20 Milliarden Euro pro Monat –, änderte die Europäische Zentralbank (EZB) das Bild: Die Renditen driften wieder nach unten. Hinzu kam, dass die US-Fed wenige Tage später den Leitzins um 25 Basispunkte senkte, der mittlerweile zweite Schritt, ein dritter wird bis Jahresende vom Markt erwartet beziehungsweise „eingepreist“.

Auch der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China bleibt ein schwer kalkulierbares Risiko, das sowohl die US-Fed als auch die EZB abzufedern versuchen. In Europa steigt unserer Einschätzung nach allerdings der politische Widerstand gegenüber den Anleihekäufen, wir bleiben im Rahmen der Taktischen Asset-Allocation in europäische Staatsanleihen untergewichtet.

Staats- und Unternehmensanleihen: „Risikoarme“ Staatsanleihen?

Globale Staatsanleihen zeichnen sich nicht nur durch niedrige oder negative Renditen aus, wir beobachten auch etwa seit Jahresbeginn steigende implizite Volatilitäten an diesen Märkten. Vor allem Anfang September sprang dieses Angstbarometer an den Anleihemärkten stärker an als an den Aktienmärkten. Staatsanleihen stellen somit einen zunehmend unangenehmeren, risikoreicheren Teil eines diversifizierten Portfolios dar. In Erwartung sinkender Renditedifferenzen (Spreads) bleiben wir bei unserem Übergewicht von risikoreicheren Emerging-Market-Staatsanleihen gegenüber europäischen Staatsanleihen.

High-Yield-Unternehmensanleihen kompensieren unserer Einschätzung nach mittlerweile bei weitem nicht mehr die inhärenten Risiken. Bei dem aktuellen Spreadniveau und erwarteten Ausfallsraten von 4 % (Ratingagentur Moody's per Ende August 2020) sind die Ertragsaussichten am High-Yield-Markt so trübe wie zuletzt 2007/08. Unser Übergewicht von Unternehmensanleihen hoher Qualität bleibt aufrecht.

Emerging Markets: Anleihen weiter attraktiv

Hingegen bleiben Emerging-Market-Anleihen in Hartwährung eines der attraktivsten Segmente. Der Handelsstreit zwischen den USA und China spielt in diesem Zusammenhang eine nicht unwichtige Rolle, die wesentlichste Dynamik passierte zuletzt jedoch nicht im asiatischen, sondern im lateinamerikanischen Raum, wo nicht nur für Argentinien die Konjunkturprognosen von Analysten zuletzt deutlich nach unten genommen wurden. Wir behalten unser Übergewicht von Emerging-Market-Staatsanleihen in Hartwährung gegenüber europäischen Staatsanleihen bei.

Die Ernährung der Zukunft – wird Fleisch zum nächsten Stranded Asset?

Ein Beitrag von Damian Pilka, Spezialist Investmentfonds, anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober 2019 zu Problemen in der Landwirtschaft. Der zweite Teil des Beitrags zu Lösungen und Produkten folgt in der kommenden Woche.

In der öffentlichen Debatte über Maßnahmen gegen den Klimawandel diskutieren Politiker*innen und Expert*innen besonders gerne über den Ausbau der Erneuerbaren Energie und den Verzicht auf Kohle sowie den Umstieg auf das Elektroauto. Doch mit E-Autos allein, die mit 100 Prozent Solar- oder Windstrom angetrieben werden, wird der Wandel zu einer CO2-neutralen Wirtschaft nicht gelingen. Eine ebenso große Herausforderung ist die Art und Weise, wie wir Nahrung produzieren. Denn in der Landwirtschaft liegen die CO2-Emissionen in etwa achtmal höher als im gesamten privaten Verkehr und fast doppelt so hoch wie im gesamte Transportsektor.

Die gute Nachricht: Es scheint sich in der Branche etwas zu ändern, haben doch Discounter wie Lidl oder Aldi immer mehr Öko-Produkte oder vegane Lebensmittel im Angebot. Am Kapitalmarkt feierte das amerikanische Unternehmen Beyond Meat, ein Hersteller veganer Burgerpatties aus Erbsenproteinen, jüngst ein vielbeachtetes Börsendebüt. Die schlechte Nachricht: Weltweit gibt es eine langfristige Tendenz zu mehr Fleischkonsum, Fettleibigkeit und ungesundem Essen. Angesichts dieser Relevanz und Widersprüchlichkeit lohnt ein näherer Blick: Wie wird sich die Ernährung ändern? Geht es um Anpassungen oder grundlegenden Wandel? Und welche Branchen sind davon genau betroffen? Ist die Fleischproduktion, wie wir sie heute kennen, vielleicht gar das nächste Stranded Asset aus Investorensicht?


Abbildung 1: Quelle EPA: https://www.epa.gov/ghgemissions/global-greenhouse-gas-emissions-data

Teil 1: Die Landwirtschaft der Gegenwart: Probleme über Probleme


Tierproduktion mit höchstem Flächenverbrauch

2000m² - das ist die Anbaufläche, die jedem Menschen auf der Welt rechnerisch zur Verfügung steht. Die Formel dahinter ist einfach: Die Gesamtfläche landwirtschaftlich nutzbarer Fläche, das sind ca. zwei Drittel der Landmasse, geteilt durch die Weltbevölkerung. Auf dieser Fläche lassen sich 8.500kg Kartoffeln, 2.500kg Bohnen oder Futtermittel für 250kg Fleisch anbauen. Von den Kartoffeln werden 9 Menschen durchschnittlich satt, vom Fleisch nicht einmal ein einziger Mensch. In der Praxis wird die landwirtschaftliche Fläche ungleich genutzt. Mehr als 40 Prozent wird für die Nutztierhaltung benötigt, nur 7 Prozent dagegen für die Herstellung pflanzlicher Produkte. Dabei liefern pflanzliche Produkte 80 Prozent die für Menschen nötige Energie und sogar 70 Prozent der nötigen Proteine.


Abbildung 2: Quelle: Our World in Data Base on UN Food and agricultural Organization (FAO) Statistics https://ourworldindata.org/uploads/2013/10/Land-use-graphic-01-01-01.png 

Hohe CO2-Emissionen in der Rindertierhaltung

Es ist also vor allem die Nutztierhaltung, für die der Großteil der Fläche verbraucht wird – und die auch eine Vielzahl an Problemen verursacht. Mehr als 80 Prozent der gerodeten Waldflächen werden zur Produktion von Rindfleisch genutzt. Das Ausmaß dieser Zerstörung ließ sich im Sommer in Brasilien beobachten. Neben sozialen Folgen wie der Vertreibung indigener Bevölkerungsgruppen oder unrechtmäßiger Landnahme ist auch die ökologische Bilanz verheerend. Statt dass diese mit hoher Biodiversität gesegneten Flächen Kohlenstoffdioxid binden, dient das dort angebaute Soja in der Regel als Futtermittel für Tiere in der Massentierhaltung und führt zu erheblichen Treibhausgasemissionen. So werden beim Anbau der Futtermittel massiv Pestizide und Düngemittel eingesetzt. Das Futtermittel muss transportiert werden. Und schließlich produziert eine Kuh in der intensiven Massentierhaltung 2-5 Tonnen CO2-Äquivalente. Zur Veranschaulichung: Weltweit gibt es zwischen 1-1,4 Milliarden Kühe. Das entspricht Treibhausgasemissionen 2-6 Mrd. Tonnen CO2. Der jährliche CO2-Ausstoß von Deutschland beträgt im Vergleich 800 Mio. Tonnen.


Abbildung 3: Emission der Länder Quelle: https://www.climatewatchdata.org/ghg-emissions?gases=178&source=43
Anzahl der Kühe: https://www.statista.com/statistics/263979/global-cattle-population-since-1990/ https://www.dw.com/en/roughly-15-billion-cows-on-the-planet/a-39865474
Methan je Kuh: Journal of Environmental Protection http://file.scirp.org/Html/4-6702462_51796.htm

Weitere Folgen: Gesundheitsschäden, Tierwohl, prekäre Arbeitsverhältnisse, Stress

Nicht nur aus klimatischer oder ökologischer Sicht ist die Tierproduktion bedenklich. Verarbeitetes Fleisch (Geräuchertes Fleisch, Salami, usw.) wurde von der Weltgesundheitsorganisation als ebenso krebserregend wie z.B. Asbest oder Tabak eingestuft. Der hohe Gehalt an gesättigten Fettsäuren (insbesondere in Milch- und Eierprodukten) erhöht die Risiken für Herz- und Kreislauferkrankungen und für Insulinresistenzen, besser bekannt als Diabetes Typ II. Die Behauptung, Fleisch oder tierische Produkte wären für die menschliche Ernährung notwendig, ist wissenschaftlich nicht mehrheitsfähig. Laut vieler Ernährungsgesellschaften (insbesondere der großen US-amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics) ist eine pflanzliche Ernährung in allen Lebensabschnitten für eine ausreichende Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen geeignet. Der Konsum von tierischen Produkten ist damit eine Wahl, keine Pflicht.

Auch stellt sich die ethische Frage nach dem Tierwohl. In der von Wissenschaftlern verfassten „Cambridge Declaration on Consciousness” heißt es, dass „nicht-menschliche Tiere“ die gleiche Wahrnehmung des Bewusstseins haben wie Menschen. Damit wurde explizit nicht ausgedrückt, dass Tiere menschliche Intelligenz aufweisen, jedoch in der Lage sind zu fühlen und sich ihrer Selbst bewusst sind. Obwohl es für die Gesundheit also nicht notwendig ist und zudem enorme Ressourcen verbraucht, ist die industrialisiere Tötung von empfindungsfähigen Wesen gesellschaftlich akzeptiert. Jede Sekunde werden 20 Tiere in Deutschland geschlachtet. Insbesondere die Zustände in der Massentierhaltung widerlaufen aufs Extremste der Deklaration. Denn dort werden systematisch Ferkel ohne Betäubung kastriert, männliche Küken bei vollem Bewusstsein ebenso wie hochschwangere Milchkühe getötet oder für Kosmetische Zwecke Tierversuche unternommen.

Hinzu kommt, dass die Angestelltenverhältnisse vieler Mitarbeiter*innen in Schlachthäusern durch Werkverträge mit ausländischen Sub-Unternehmern prekär sind, sie häufig an Posttraumatischen Stress leiden. In keinen anderen Branchen ist die Quote höher als in der Fleischindustrie. Und bei all diesen Herausforderungen wurde immer noch nicht diskutiert, wie wir den Hunger in der Welt mit dieser verschwenderischen Produktion von Lebensmittel bekämpfen wollen.

Doch wie sehen Lösungen aus? Welche neuen Produkte und Anbieter drängen an den Markt? Welche Auswirkung kann dies auf die derzeitige Landwirtschaft haben? Lesen Sie dazu kommende Woche im zweiten Teil, wie sich die Landwirtschaft in den nächsten Jahren verändern wird.


Damian Pilka ist seit 2013 als Wertpapierspezialist in der Angebotsentwicklung der GLS Bank tätig. Der ausge-bildete Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft ist insbesondere für die Be-treuung und Auflage von Alternativen Investmentsfonds zuständig.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

Wie die GLS Bank zu Ernährung und Landwirtschaft steht

Wie in ihren öffentlich zugänglichen Anlage und Finanzierungsbedingungen festgeschrieben, investiert in und finanziert die GLS Bank Unternehmen, die in der Erzeugung, Verarbeitung und dem Handel von und mit landwirtschaftlichen Produkten und gesunden Lebensmitteln gemäß den anerkannten Richtlinien der ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft tätig sind. Der Einsatz von Mineraldüngern, Pestiziden sowie gentechnisch veränderten Organismen, Massentierhaltung und industrielle Fleischverarbeitung sind durch diese Richtlinien ausgeschlossen. In ihren politischen Forderungen verlangt die GLS Bank eine konsequente Abgabe auf die Nutzung von Pestiziden und Stickstoffdünger. Sie unterstützt die Ackergiftkampagne des Bündnisses für enkeltaugliche Landwirtschaft.
Die GLS Bank ist in keinem der im Artikel erwähnten Unternehmen investiert (Stand 17.10.2019).

Reduziert ESG Ihre Diversifikation?

Diversifikation ist die Grundlage für moderne Portfolios, die vom Nobelpreisträger Harry Markowitz als „the only free lunch“ für Anleger bezeichnet wird. Aber könnte der Trend zu Investitionen nach den Grundsätzen von Umwelt, Soziales und Governance (ESG) die Diversifikation schwächen? Unser neuer Researchartikel untersucht diese wichtige Frage und quantifiziert die unerwarteten Auswirkungen des Ausschlusses von Sektoren wie Energie und Tabak.

Legal & General Investment Management beleuchtet im neuen Researchartikel die Fragen:

  • Wenn Sie nicht mehr in fossile Brennstoffe oder Tabak investieren, wohin fließt Ihr Geld dann? Und wie wirkt sich das auf das Risikoprofil Ihres Portfolios aus?
  • Welche Branchen diversifizieren ein Portfolio? Und sind diese konsistent, oder ändern sie sich im Laufe der Zeit?
  • Führt das Ausschließen von Energie zu versehentlichen Faktorverzerrungen? Und sind dies strukturelle Faktoren oder variieren sie, ohne dass die Anleger dies bemerken?

Den Researchartikel finden Sie hier.

Nr. 2 der nachhaltigen UN-Entwicklungsziele: Kein Hunger

SDG – drei Buchstaben, die unser aller Zukunft ab sofort prägen. Und zwar zum einen, indem wir das, was sich dahinter verbirgt, künftig gezielt und aktiv umsetzen. Zum anderen, weil ihre Botschaft uns überhaupt erst eine wirkliche Zukunftsperspektive schafft. Denn diese Buchstaben stehen für Sustainable Development Goals, also nachhaltige Entwicklungsziele der UN, die bis 2030 umgesetzt werden sollen. Diese ehrgeizige Welt-Agenda gilt für jeden Menschen überall auf dieser Welt – Staatsoberhäupter und Politiker, Arbeitgeber und Arbeitnehmer! 

Nr. 2: KEIN HUNGER

Ein Kind verhungert. Was für uns unvorstellbar scheint, passiert auf diesem Planeten tatsächlich alle zehn Sekunden! Obwohl Nahrung als Menschenrecht gilt und obwohl es – noch – genug Nahrung für alle gibt, sind weit über 800 Millionen Menschen von Hunger und zwei Milliarden von Mangelernährung betroffen. Das erklärte Ziel bis 2030 lautet: Kein Mensch soll mehr Hunger leiden.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Hunger geht vor allem mit Armut Hand in Hand. Und während Regierungen und Konzerne Strategien nach ihren eigenen Interessen ausrichten, wird die Kluft zwischen Arm und Reich größer. Darüber hinaus zerstören Kriege und bewaffnete Konflikte die landwirtschaftliche Infrastruktur. Nicht zuletzt beeinträchtigen Wetterextreme Ernten und Widerstandskraft der Bevölkerung. Eine Situation, die nicht zuletzt auf Ressourcenverschwendung und Klimawandel zurückzuführen ist! Und hier wird besonders deutlich, dass Konsequenzen oft jene am stärksten belasten, die gar nicht zu den Hauptverursachern gehören.

Die Zeit zu handeln ist jetzt: Gemeinsam lässt sich viel erreichen, wenn sich jeder einzelne seine Verantwortung bewusst macht. Unternehmen, Bildungseinrichtungen sowie alle Privathaushalte können Lebensmittelverschwendung gezielt vermeiden – durch Resteverwertung, durchdachte Lagerung, Lebensmittelspenden und Aufklärungsarbeit. So wird ja beispielsweise das Mindesthaltbarkeitsdatum oft als Verfallsdatum missinterpretiert…

Es steht jedem frei, sich aktiv zu engagieren und Geld oder Lebensmittel zu spenden. So ist der Bundesverband Deutsche Tafel e. V. dank dem Engagement seiner über 60.000 ehrenamtlichen Helfer mit bald 1.000 Tafeln in ganz Deutschland vertreten. Internationale Initiativen wie die Welthungerhilfe setzen sich seit Generationen dafür ein, den Hunger in der Welt zu beenden. Mehr Informationen finden sich beispielsweise unter www.tafel.de oder www.welthungerhilfe.de.


Die Evangelische Bank: DIE Nachhaltigkeitsbank

Die Evangelische Bank eG ist ein genossenschaftlich organisiertes, nachhaltiges Kreditinstitut. Als moderner Finanzdienstleister bietet sie Spezial-Know-how und umfassende Finanzlösungen für den kirchlich-diakonischen und sozialen Bereich. Mit einer Bilanzsumme von 7,7 Mrd. Euro ist die Evangelische Bank eG die größte Kirchenbank und zählt zu den zehn größten Genossenschaftsinstituten in Deutschland. Die Evangelische Bank ist als nachhaltig führende Kirchenbank Deutschlands Finanzpartner der Kirchen, Diakonie, Caritas, Freien Wohlfahrtspflege und der Sozialwirtschaft sowie aller privaten Kunden mit christlicher Werteorientierung. Rund 440 Mitarbeiter betreuen bundesweit etwa 19.000 institutionelle Kunden und ca. 72.000 private Kunden an 13 Standorten.

Ernährung: in die Zukunft der Lebensmittel investieren

Der Pictet-Nutrition legt in Unternehmen an, die Lösungen zur Verbesserung von Qualität und Nachhaltigkeit der künftigen weltweiten Nahrungsmittelversorgung entwickeln. Darunter fallen Innovationen zur Verbesserung der Produktivität in der Landwirtschaft, Steigerung der Effizienz beim Transport und der Verarbeitung von Lebensmitteln und zur Maximierung des Nährstoffgehalts der verzehrten Lebensmittel.

1. Landwirtschaft

Stetige Verbesserungen der Anbaumethoden, wie z.B. die effizientere Nutzung von Ackerflächen, werden in den kommenden Jahren eine wesentliche Rolle bei der Produktion der erforderlichen Menge und Qualität von Lebensmitteln spielen.

SMART FARMING

Die neue Technologie schafft „verbundene Landwirtschaftsbetriebe“ und trägt somit durch präzise Analysen, Überwachung und Erntemanagement zur Maximierung der Produktivität bei.

Quelle: Pictet Asset Management

Dies muss allerdings nicht zulasten der Nachhaltigkeit gehen. Der Boden ist beispielsweise eine wichtige Ressource für 95% der produzierten Lebensmittel. Heutzutage sind jedoch 33% der Böden geschädigt, was auch nicht leicht rückgängig zu machen ist: Die Bildung einer Schicht von 2 bis 3 cm fruchtbarem Mutterboden kann bis zu 1’000 Jahre dauern1

Dies stellt zwar eine grosse Herausforderung, aber auch eine Chance für Unternehmen dar, die Lösungen bieten, wie z.B. Werkzeuge zur Präzisionsüberwachung, die einen genauen Einsatz von Düngemitteln zur Korrektur von Ungleichgewichten im Boden ermöglichen. Zugleich erhöhen steigende Einkommen in den Schwellenländern die Nachfrage nach Nahrungsmitteln mit höherem Nährwert, wie z.B. tierischem Eiweiss, für deren Herstellung tendenziell deutlich mehr kritische Ressourcen benötigt werden.

Bessere Landmaschinen und Systeme zur Nahrungsmittelproduktion sind unerlässlich, und unsere Strategie unterstützt die laufenden technologischen Innovationen in diesen Bereichen. Die Investition in Unternehmen mit „Best Practice“-Anbaumethoden dürfte zu einer gesteigerten Effizienz, weniger Abfall und aufgrund der Skaleneffekte zu niedrigeren Kosten führen.

2. Verarbeitung und Vertrieb

Der Transport von hochwertigen Nahrungsmitteln dorthin, wo sie gebraucht werden, ist in einer Welt mit sich drastisch ändernden Ernährungsgewohnheiten entscheidend.

In den USA entfallen 50% der für die Nahrungsaufnahme aufgewendeten Zeit auf Snacks, was eine ausgewogene Ernährung erschwert.

Der gesamte Weg zum Verbraucher, vom Erzeuger über den Verkäufer, wird eine Rolle spielen. Und nirgendwo sind Veränderungen nötiger, als wenn es um höhere Effizienz bei der Abfallvermeidung geht.

Da die Lebensmittelverluste während der Ernte, Verarbeitung, des Transports und der Lagerung auftreten, bieten sich Unternehmen viele Gelegenheiten zur Effizienzsteigerung. Zu den Neuerungen zählen antimikrobielle Verpackungen, die zur Vermeidung von Transportschäden und zum Erhalt der Lebensmittelsicherheit beitragen, sowie innovative Sensoren auf der Verpackung, die mehr Klarheit in Bezug auf Verfallsdaten schaffen. Dadurch können die Unmengen der von Verbrauchern weggeworfenen Lebensmittel reduziert werden.

3. Lebensmittel

Die Fortschritte bei Produktivität in Landwirtschaft und Lebensmittelvertrieb stellten zu stark auf die Produktion von Kalorien ab und vernachlässigten die Qualität. Dies hat zum verstärkten Konsum verarbeiteter Lebensmittel geführt, mit unbeabsichtigten Auswirkungen – allen voran der übermässige Zuckerkonsum, der weithin als einer der Hauptgründe für die Zunahme der Zahl an Fettleibigkeit leidender Menschen gesehen wird.

Der Welthunger, schlechte Ernährung und Fettleibigkeit kosten die Welt Billionen von Dollar an Gesundheitsausgaben und verlorener Produktivität. Der Verlust von Nährstoffen ist nicht nur durch mehr Effizienz in den Lieferketten abzuwenden, sondern auch durch die Stärkung von Lebensmitteln mit Nährstoffen, Hebung des Kundenbewusstseins durch bessere Labels und selbst Modernisierung der Bestimmungen über Lebensmittelsicherheit. In Industrie- wie Schwellenländern hat der verstärkte Fokus auf Gesundheit eine Haltungsänderung bei Konsum und Regulierung im Sinne einer Verbesserung des Nährstoffgehalts von Lebensmitteln zur Folge. Dabei dürften Unternehmen, die mit der Entwicklung hochwertiger Lebensmittel – ob durch bessere Inhaltsstoffe, neue Formeln, Prüfverfahren, Qualitätskontrollen oder Zertifizierungen – an diesem Übergang beteiligt sind, von der weltweit zunehmenden Fokussierung auf Gesundheit, Gewinnung und Verarbeitung von Lebensmitteln profitieren.

Denkanstoss

Unsere Strategie Nutrition verfolgt einen durchweg positiven Ansatz und ist bestrebt, von Lösungen zu profitieren, nicht von Problemen – wir legen weder in Rohstoffen an noch spekulieren wir mit knappen Nahrungsmitteln. Wir konzentrieren uns vielmehr auf Unternehmen, die zur Sicherung der künftigen weltweiten Nahrungsmittelversorgung beitragen und daher eine nachhaltige, langfristige Gelegenheit für Anleger darstellen.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf am.pictet.

1) Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO)

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 171 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Food revolution starts on the plate

The food we eat today is killing both - people and the planet. Our diet needs to change radically to deliver healthier and more sustainable meals to the world's population, says Dr Sandro Demaio, Medical Doctor and global health expert At EAT Forum.


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Deutschlands expansive Steuerpolitik – wartet Godot bereits hinter der nächsten Ecke?

„Um vorweg die Spannung gleich einmal zu nehmen: Godot ist vielleicht nah, wartet jedoch noch nicht gleich hinter der nächsten Ecke“, steigt Dr. Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst bei der auf Anleihen spezialisierten Legg Mason-Tochter Western Asset, in die Analyse der deutschen Steuerpolitik ein. Allerdings sei die aktuelle Entwicklung hin zu einer entgegenkommenderen steuerpolitischen Haltung auch eher intellektueller Natur. Denn die schwarze Null ist nach wie vor das Maß aller Dinge. „Es gibt jedoch zwei mögliche Handlungsstränge, die für Bewegung und damit zu konkreten expansiven Maßnahmen führen könnten: Entweder verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation in Deutschland dermaßen, dass ein antizyklischer Anreiz nötig wird, oder aber es kommt zu einer strukturellen Veränderung beim Investitionsbudget sowie anderen Prioritäten bei den Ausgaben im Bundeshaushalt“, analysiert Dr. Billmeier weiter. Gleichwohl wäre jedoch ein guter Beitrag an tatsächlichen Anreizen kurzfristig möglich – wenn das Budgetziel erreicht und nicht überschritten würde, glaubt der Experte von Western Asset. Denn im Schnitt habe die Bundesregierung in den letzten vier Jahren eine Budgetüberschuss von 1,3 Prozent erwirtschaftet. Diese Reserven für „schlechte Zeiten“, die sich in den wirtschaftlichen guten Jahren angehäuft haben, müssten also „nur“ genutzt werden.

„Auf der zyklischen Seite zeigen aktuelle Daten einen moderaten Aufschwung: Der Einkaufsmanagerindex im Baugewerbe hat sich etwas erholt – ebenso wie die Automobilindustrie. Der Einkaufsmanagerindex bei Dienstleistungen war jedoch enttäuschend und könnte auf weiterhin schlechte weiche Daten hinweisen“, glaubt Dr. Billmeier. Alles in allem sei es gut möglich, dass die deutsche Wirtschaft um eine technische Rezession nicht herumkomme. Dennoch geht man bei der Legg Mason-Tochter davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in 2019 positiv bleiben und es eine moderate Erholung in 2020 geben wird – obwohl auch Abwärtsrisiken durchaus ernstgenommen werden müssten.

Auf der strukturellen Seite falle das deutsche Grundkapital allerdings auch seit etwa einer Dekade. Investitionsbudgets könnten ebenso erhöht werden, wie man bei Haushaltsausgaben andere Prioritäten setzen könnte. „Jene Maßnahmen, die allerdings tatsächlich einen Unterschied machen könnten, fehlt eine breite Akzeptanz. Unter der jetzigen Koalition sind sie also schwer vorstellbar – vor allem auch, weil einige von ihnen einen klaren Bezug zum Klimaschutz haben“, glaubt Dr. Billmeier – auch, da das Klimapaket insgesamt ja deutlich moderater ausgefallen sei als erhofft.

Auswirkungen auf die Märkte

Für das letzte Quartal des Jahres erwarten die Experten von Western Asset gleich eine Fülle an Ideen für eine expansivere Steuerpolitik – vor allem, wenn das Wachstum im dritten Quartal erneut negativ ausfällt. Solche Meldungen könnten die Renditen deutscher Staatsanleihen in die Höhe treiben, sagt Dr. Billmeier, betont gleichzeitig aber auch, dass die wirtschaftliche und politische Situation im Land sich derzeit so gestaltet, dass es schwer ist, Raum für eine signifikante strukturelle steuerpolitische Dynamik zu schaffen. „Das Ziel für das Haushaltsdefizit wird in Deutschland auch weiterhin die schwarze Null sein – von der aktuellen Konjunkturdelle einmal abgesehen – und der Verschuldungsgrad wird weiterhin sinken, womit ein deutlicher, makro-getriebener Ausverkauf deutscher Staatsanleihen unwahrscheinlich wird“, sagt Dr. Billmeier.

Warten auf die Fiskalpolitik

Es gäbe Raum für Bewegung an der steuerpolitischen Front in Deutschland – allerdings glaubt Dr. Billmeier, dass der wirtschaftliche Abschwung dafür wesentlich deutlicher werden müsste. „Durch eine langfristige, strukturelle Brille betrachtet, gibt es durchaus wachsenden Anerkennung für die Rolle einer Bundesregierung, die sie für deutlich proaktivere Rahmenbedingungen für Infrastrukturinvestments einsetzt – die es teilweise auch zu finanzieren gilt. Kurzfristig wird das jedoch wenig gelten. Mittelfristig könnten aber gerade die Grünen als Teil der Regierung dafür sorgen, dass sich die Klimaausgaben erhöhen. Vermutlich wird das aber erst mit der kommenden Bundestagswahl 2021 etwas werden. Bis dahin zieht Godot noch seine Kreise“, schließt Dr. Billmeier ab.

„Das Jahr 2019 war und ist bei Technologie-Aktien ein Übergangsjahr“

Bernhard Ruttenstorfer, Fondsmanager des Technologie-Aktienfonds der Erste Asset Management, erzählt worauf es beim Investieren in Technologie-Aktien ankommt, wie die Märkte reagieren und was von Big Tech dieses und nächstes Jahr zu erwarten ist.

In den Börsenprospekten von Tech-Unternehmen, die dieses Jahr IPOs machen, liest man immer wieder sinngemäß: “Wir wissen nicht, wann wir jemals Gewinn machen werden.” Trotzdem wird massiv investiert. Warum?

Bernhard Ruttenstorfer: Die Marktprognosen für Uber etwa besagen, dass 2025 Gewinn geschrieben werden soll. Aber im Technologiebereich ist es so: Es wird das Geschäftsmodell und der Markt gekauft. Uber und Lyft decken den Trend von Offline zu Online ab, und sie haben einen Netzwerk-Effekt: Je mehr Fahrer es gibt, desto mehr Kunden gibt es.

Die Geschäftsmodelle mögen sich in einem frühen Stadium befinden, aber der Trend geht in diese Richtung weiter. Uber hofft darauf, dass Autos in ein paar Jahren selbst fahren, das ist ein großer Kostenfaktor. Uber ist Markführer in einem stark wachsenden Markt. Deswegen sind diese Aktien sehr begehrt, auch wenn nicht direkt absehbar ist, wann es Gewinn gibt.

Als etwa Facebook 2012 an die Börse ging, machte das Unternehmen bereits Gewinn, trotzdem waren Anleger sehr skeptisch. Das ist ein krasser Unterschied zu heute. Warum?

Da muss man unterscheiden. Bei Facebook war zwar Profitabilität da, aber damals war die Frage offen, ob sie es schaffen, die Nutzer vom PC in die mobile App zu bringen und dort Umsätze zu erwirtschaften. Das war die große Sorge an der Börse damals. Wir wissen heute, dass man auch am Mobiltelefon ordentlich Umsatz und Gewinn machen kann. Zwei Faktoren haben Facebook in die Hände gespielt: Die Smartphone-Displays sind größer geworden, und die User haben Facebook am Phone viel intensiver genutzt.

Heute ist die Risikofreudigkeit viel größer als vor fünf Jahren. Bei neuen Börsengängen werden Aktien mit hohen Bewertungen gekauft, auch wenn die Gewinnzone noch weit entfernt ist. Diese Serie – Uber, Lyft, Slack, Pinterest u.a. – wird nicht so schnell abreißen. Airbnb ist der nächste Kandidat. Es sind die Zukunftsthemen, die gekauft werden.

Kann man 2019 bereits einen Trend absehen?

Das Jahr 2019 war und ist im Technologiebereich ein Übergangsjahr. Wir haben zurückgehendes Wachstum bei den Gewinnen gesehen. Aber das Hauptproblem, das sich schon im letzten Jahr abgezeichnet hat, war: auf der Hardware-seite sind Überkapazitäten entstanden. Das starke erste Halbjahr 2018 wurde fortgeschrieben, aber ab Mitte 2018 hat sich herausgestellt, dass es viel schlechter läuft und die Nachfrage gesunken ist. So sind etwa Zuwächse bei Server-Kapazitäten zurückgefahren worden.

2019 hat man die Auswirkungen gesehen. Die Hardware-Preise – etwa bei Speicher-Chips, bei CPUs – sind wegen der sinkenden Nachfrage gefallen. Und zusätzlich ist der Smartphone-Zyklus derzeit schwach. 2019 sehen wir langsam eine Bodenbildung, und 2020 sollte es wieder besser laufen.

Ein großes Thema ist der Handelsstreit zwischen den USA und China. Wie belastet er Tech-Aktien?

Tech-Aktien reagieren da sehr direkt, und das trifft gerade die USA, weil dort eben die größten Tech-Unternehmen sitzen. Mittelfristig ist das kein Problem: Wenn Huawei keine US-Technologie mehr kaufen darf, dann finden sich andere Unternehmen, etwa südkoreanische, japanische oder taiwanesische Konkurrenten.

Was eher ein Problem ist, sind die Zölle. Das wird z.B. die Margen von Apple treffen, weil sie die Preise nur teilweise erhöhen werden können und ohnehin schon ein Nachfrage-Problem haben. Im Handelskrieg geht es neben Energie um Technologie-Führerschaft. Die Amerikaner versuchen, Zeit zu gewinnen und die Chinesen nicht aufholen zu lassen. Das ist kurzfristig keine schöne Sache und mittelfristig ändert es die Geschäftsmodelle der Unternehmen. Dann wird eben anderswo produziert, das passiert bereits. Werke werden bereits in anderen asiatischen Ländern eröffnet.

Wie haben sich Tech-Aktien im Vergleich zum Gesamtmarkt entwickelt?

Es sind größtenteils Outperformer. Etwa Pinterest: Auch hier baut man auf Netzwerk-Effekte bei den regelmäßigen Nutzern. Wer es schafft, die Nutzer zu binden, der gewinnt.

In den USA ist die mögliche Zerschlagung von Big Tech zum großen Thema geworden. Wie würde sich ein Szenario, in dem Facebook Instagram oder WhatsApp oder Google YouTube verkaufen muss, auf den Tech-Aktien-Markt auswirken?

Für einen Technologie-Investor, der auch in Konkurrenten oder in abgespaltete Unternehmen investieren kann, ist das nicht wirklich ein Problem. Ich glaube nicht, dass das Sentiment darunter leiden würde. Man kennt die Problematik, dass etwa Facebook und Google den Online Werbe-Markt dominieren, seit vielen Jahren.

Kürzlich ist ein in Linz gegründetes Software-Unternehmen, Dynatrace, in New York an die Börse gegangen. Ist die US-Börse für europäische Tech-Unternehmen die spannendere Option als eine europäische?

Die Konkurrenz an US-Börsen ist sicherlich stärker, aber auch die Investoren-Basis ist größer. Ich würde aber nicht sagen, dass man als Technologie-Unternehmen in den USA notieren muss. Der Markt in Europa ist kleiner, aber nicht unattraktiver. Es gibt einige Unternehmen, die sich besser entwickeln als ihre US-Pendants.

Als Anleger, der in Tech-Stocks investieren will – auf welche Indikatoren muss man im Unterschied zu anderen Branchen achten?

Wir schauen etwa darauf, was widerstandsfähig und nicht so abhängig vom aktuellen Zyklus ist. In einem nächsten Schritt schauen wir, in welchem Segment es welche Marktteilnehmer gibt, wie sie positioniert sind und wie das Wachstum und die Profitabilität aussehen.

Das Segment der Speicher-Chips etwa hat eine relativ schwierige Zeit, weil sich die Preise mehr als halbiert haben. In solchen Momenten versuchen wir, solche Segmente zu meiden.

Interessant ist das Video-Gaming-Segment, dort finden wir kräftiges und stabiles Wachstum. Auch das Thema Sicherheit, dass mit dem Internet of Things immer wichtiger wird, ist für uns bedeutend.

Wie beeinflusst die kommende 5G-Mobilfunk-Technologie den Markt?

Das ist spannend etwa bei Unternehmen wie Nokia, die Netzwerk-Komponenten bereitstellt, oder bei Qualcomm, das die ersten Smartphone-Chips für 5G produzieren. Da sehe ich aber nicht einen plötzlichen Sprung im Markt, weil 5G schrittweise in den Markt eingeführt wird. Es ist gut, wenn ein Markt nicht sprunghaft ansteigt, sondern wenn er sich kontinuierlich entwickelt. Das ist ideal für uns, weil wir langfristiges Wachstum bevorzugen.

Wer werden die Gewinner beim Thema autonomen Fahren sein?

Alphabet versucht, mit Waymo das Android des Autos zu etablieren. Autohersteller wollen jedoch nicht kooperieren, weil sie dann zum reinen Hardware-Hersteller verkommen, auch wenn Waymo das beste Produkt hat. Für uns interessant ist Nvidia, die Hard- und Software für Automobilhersteller bereitstellt.

Der Kampf derzeit lautet Google gegen die Autohersteller und einige IT-Unternehmen. Wie der Kampf ausgeht, ist schwer zu sagen. Aber: So, wie es jetzt nicht nur Android gibt, wird es auch nicht nur Waymo geben.

Wie glauben Sie wird sich Apple weiter entwickeln? Zuletzt war Apple ja nicht mehr das wertvollste börsennotierte Unternehmen und wurde von Microsoft überholt.

Apple setzt immer stärker auf Services. Sie wissen, dass der Smartphone-Markt eine gewisse Sättigung erreicht hat, und sie werden die Margen beim iPhone nicht steigern können. Bei Services sind die Margen höher, sie haben eine starke User-Basis, und man hat die Zoll-Problematik nicht. Das macht Sinn und ist der richtige Weg. Ein großes neues Produkt sieht man aber nicht kommen.

Was ist 2020 zu erwarten?

2020 sehen wir die Stärke des Marktes wieder kommen. Die Nachfrage bei Konsumenten wird wieder steigen, und bei Hardwareproduktion gibt es keine Überkapazitäten mehr. Wir sehen zwei Risiken: Regulierungen, die einzelne Unternehmen treffen können. Und: die Beeinträchtigung des globalen Wirtschaftswachstums durch den Konflikt zwischen den USA und China. Wenn Unternehmen davon wirklich getroffen werden und Konsumenten wirklich weniger Geld ausgeben – was noch nicht der Fall ist -, dann bekommt der Aktienmarkt für eine gewisse Zeit eine Delle.

Aber Technologie für sich gesehen ist sehr stark positioniert, weil die Nachfrage es auf vielen verschiedenen Segmenten fußt – von Unterhaltung über Sicherheit bis zu Gesundheit. Deswegen gibt es die hohe Volatilität bei Unternehmensgewinnen, die man noch vor einigen Jahren gesehen hat, nicht mehr.

Technologie und Innovation im ERSTE FUTURE INVEST

Technologie Aktien findet man auch im neu aufgelegten ERSTE FUTURE INVEST. Dieser Fonds deckt fünf große Megatrends ab, die die ExpertInnen der Erste Asset Management definiert haben.

Neben „Gesundheit & Vorsorge“ sind dies der „Lebensstil“, „Technologie & Innovation“, „Umwelt & saubere Energie“ sowie „aufstrebende Märkte“. Mehr Informationen zu diesen Megatrends lesen Sie hier.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Erneuter Tankerangriff befeuert geopolitische Risiken

Nitesh Shah, Director, Research WisdomTree, mit einem aktuellen Kommentar zum erneuten Angriff auf einen iransichen Öltanker vor der Küste Saudi-Arabiens.

Die geopolitischen Risiken dauern unvermindert an. Obwohl der Ölmarkt die Preise nicht wiederspiegelt, werden wir ständig daran erinnert, dass die Risiken bleiben. Heute Morgen wurde ein iranischer Tanker, der vor der Küste Saudi-Arabiens im Roten Meer unterwegs war, von zwei Raketen getroffen. Niemand hat sich bislang zu diesem Angriff bekannt Der Ölpreis (Brent) stieg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung um bescheidene zwei Prozent.

Bereits vor weniger als einem Monat wurden saudische Ölförderanlagen von Houthi-Rebellen aus dem Jemen angegriffen, was weitgehend – seitens Saudi Arabien, USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich – dem Iran angelastet wurde. In der Folge verschwanden 5,7 Millionen Barrel Öl vom Markt und der Preis fiel um 20 Prozent. Allerdings gab er schnell wieder nach, als Saudi-Arabien bis Ende September die Produktion wieder auf das Niveau vor dem Vorfall brachte.

Die heutigen Attacken dürften die globale Ölversorgung kaum beeinträchtigt haben. Aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Es ist offensichtlich, dass die Vorkommnisse in der Region keine Einzelfälle sind. Im Laufe der Monate Mai und Juni gab es bereits mehrere Angriffe auf Schiffe, die sich in und um die Seestraße von Hormus bewegten. Wir glauben, dass die Spannungen in der Region nicht nachlassen. Daher sollte eine höhere geopolitische Prämie bei Öl eingepreist werden. Der Ölpreis ist im vergangenen Monat gesunken, da die Nachfrageprognosen zurückgenommen wurden. Allerdings verblassen kleinere Nachfrageveränderungen im Vergleich zum Risiko großer Angebotseinbrüche, wenn die Eskalation der Spannungen in der Region andauern.