Pestizide, Futtermittel und Fleischkonsum – Die Food Revolution

von Stefanie Schock, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Die Entwicklung der Welternährung ist durch die stetig wachsende Nachfrage nach Produkten aus Tierhaltung, geprägt. Wo ist der Fleischkonsum am meisten gestiegen?

Die Food Revolution, also die vermehrte Nachfrage nach Fleischprodukten, findet vor allem in Entwicklungsländern statt, die den größten Anteil am Bevölkerungswachstum tragen und Fleischprodukte nachfragen. Laut Welternährungsorganisation FAO hat sich die weltweite Fleischproduktion seit 1965 von damals 84 Millionen Tonnen auf 335 Millionen fast vervierfacht. Der Verbrauch und die Produktion von Fleisch könnten bis 2050 um 120 Prozent steigen.

Historisch sind große Teile des Konsumwachstums auf China und Brasilien zurückzuführen: der weltweite durchschnittliche Pro-Kopf-Fleischkonsum wuchs von 30,7 kg in den 1980ern auf 36,4 kg in 1997/1999. Vor allem die in dieser Periode stark wachsende Schweinefleischproduktion in China erklärt diesen Effekt, ohne China wäre der weltweite Durchschnitt annähernd unverändert geblieben. In Brasilien stieg der Fleischkonsum zwischen 1975 bis 1990 um 55%.

Die FAO rechnet außerdem damit, dass sich Schwellenländer an die sogenannte „western diet“ mit starkem Fleischanteil, angleichen werden.

Die Fleischproduktion ist an Futtermittel gebunden

Gebunden an die wachsende Nachfrage nach Fleisch ist auch der steigende Bedarf an Futtermitteln (hauptsächlich Getreide und Ölsaaten) deren Anbau aber auch negative Umwelt- u. Klimaeffekte haben kann:

  1. Durch den großflächigen Anbau von Futtermittel werden Primärwälder verdrängt, die ein wichtiger CO2- Speicher sind. Besonders herausfordernd ist die Situation in Australien wie ein WWF-Bericht aus dem Jahr 2018 beschreibt: hier wird 88% der gerodeten Waldfläche in Weideland umgewandelt. In Südamerika wurden zwischen 1990 und 2015 90 Mio. Hektar Waldfläche für Sojaanbau und Weidezwecke gerodet, wobei Soja auch als Futtermittel dient um z.B. die europäische Fleischnachfrage zu bedienen.
  2. Der Einsatz von Kunstdünger ist sowohl Energie- als auch CO2-intensiv und belastet die Umwelt. Durch übermäßigen Eintrag auf Feldern (man spricht auch von Eutrophierung) geraten auch angrenzende Ökosysteme wie Fließgewässer in Mitleidenschaft, denn der erhöhte Nährstoffgehalt im Wasser macht diese Systeme für sensible Lebensformen unbewohnbar.
  3. Pestizide, die in der konventionellen Landwirtschaft ebenfalls eingesetzt werden, haben negative Umwelteinflüsse und werden einer karzinogenen Wirkung wegen, verdächtigt.

Bayer AG & Monsanto Co: Punitive Damages

Nach der Übernahme von Monsanto Co. durch die Bayer AG kam es in den Vereinigten Staaten zu mehreren Klagen bzgl. des Herbizids „Roundup“, dass sich im Produktportfolio der Monsanto Co. befindet und einer karzinogenen Wirkung wegen unter Verdacht steht.

Der Bayer AG wurde vorgeworfen, die rechtlichen und Reputationsrisiken unterschätzt zu haben, die durch die Akquisition von Monsanto Co. entstanden sind und welche sich auf den Unternehmenswert negativ auswirken könnten. Der internationale Stimmrechtsberater ISS (International Shareholder Services) schlug daher vor, diese Fehleinschätzung auch in der Abstimmung über die Entlastung des Vorstands bei der diesjährigen Hauptversammlung Rechnung zu tragen.

In einer Reaktion der Bayer AG wurde darauf hingewiesen, dass nach Ergebnissen zahlreicher Studien ein Zusammenhang zwischen Roundup und karzinogenen Erkrankungen ausgeschlossen werden könnte.

In den Vereinigten Staaten kam es jedoch bereits zu 3 Gerichtsurteilen, die das Gegenteil beschlossen, bei der letzten Gerichtsverurteilung im Mai wurde einem klagenden Ehepaar die bis dato höchste Strafe von über zwei Milliarden Dollar zugesprochen. „Punitive damage“ meint in diesem Zusammenhang, dass die Strafe über den eigentlichen Schaden hinausgeht um unter anderem als Abschreckungssignal zu dienen. Bezüglich ihrer Glyphosat Produkte sieht sich die Bayer AG in Amerika mit rund 13.000 Klagen konfrontiert.

Auch über ein Einsatz-Verbot von Glyphosat wird vielerorts diskutiert: in Los Angeles wurde ein solches bereits eingeführt, mit dem Hinweis, dass das Herbizid nicht mehr einzusetzen sei, bis öffentliche Gesundheitsstellen und Umweltbeauftragte sicherstellen, dass der Einsatz bedenkenlos sei und auch in Österreich konnte sich eine Mehrheit für ein solches Verbot finden.

Bayer-Vorstand nicht entlastet

Bei der Hauptversammlung am 26.4.2019 wurde schließlich mit 56%er Mehrheit beschlossen, dass der Vorstand für das vergangene Geschäftsjahr nicht zu entlasten sei, der Aufsichtsrat jedoch mit 66% schon. Bei diesem Ergebnis spricht man auch von symbolischem Charakter, da wie auch schon in der Vergangenheit bei Klimaanträgen (Exxon Mobil, 2017) bewiesen wurde, Investoren ihr Stimmrecht auch zunehmend einsetzen, um Nachhaltigkeitsthemen zu adressieren, die sich negativ auf den Unternehmenswert auswirken könnten. 

Fleisch


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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Leben auf Pump: Erdüberlastungstag

In weniger als sieben Monaten hat die Menschheit alle Ressourcen der Erde für 2019 verbraucht, so Pictet Asset Management. Mit unserem Modell quantifizieren wir die Auswirkungen, die die Aktivitäten des Menschen und die weltweit grössten Unternehmen auf die Umwelt haben.

Der 29. Juli 2019 ist ein Datum, das wir alle rot in unserem Kalender markieren sollten.

Denn das ist der Erdüberlastungstag, der Tag, an dem die Menschheit die gesamten natürlichen Ressourcen eines Jahres aufgebraucht hat – Ressourcen wie etwa Holz, Fisch, Wasser und Mineralien.

Den Rest des Jahres zapfen wir die Vorräte an, die eigentlich zukünftigen Generationen zur Verfügung stehen sollten, und produzieren dabei Abfallprodukte wie Kohlendioxid.

Besorgniserregend ist, dass der Überlastungstag, der von der Non-Profit-Organisation Global Footprint Network (GFN) berechnet wird, seit Anfang der 1970er Jahre, als der Ressourcenbedarf der Menschheit erstmals in der Geschichte die Kapazitäten der Natur überschritt, jedes Jahr früher erreicht wird.

Die Untersuchungen von Pictet Asset Management ergeben ein ähnlich alarmierendes Bild. Sie zeigen, dass die Aktivitäten des Menschen und die daraus entstehenden Abfallprodukte das Ökosystem unseres Planeten auf potenziell unumkehrbare Weise verändern.

Unsere Analysen, die sich auf das Konzept der planetaren Belastungsgrenzen (Planetary Boundaries, PB) – ein Instrument zur Messung der Biokapazität – stützen, quantifizieren den Ressourcenverbrauch und die Abfallproduktion jeder einzelnen der mehr als 100 Branchen, aus denen sich die Weltwirtschaft zusammensetzt.

Das vom Stockholm Resilience Centre entwickelte Modell untersucht den Zustand des Ökosystems in neun ökologischen Dimensionen – darunter Wasserverbrauch, Landnutzung und Abbau der Ozonschicht –, um so den ökologischen „sicheren Handlungsspielraum“ zu definieren, innerhalb dessen sich die Aktivitäten des Menschen abspielen sollten.

Fünf dieser Belastungsgrenzen sind bereits überschritten.

Nehmen wir den biochemischen Eintrag von Stickstoff und Phosphor in die Umwelt als Beispiel.

Stickstoff und Phosphor sind Makronährstoffe, die im grossen Massstab in Düngemitteln zum Einsatz kommen. Infolge der intensiven Landwirtschaft, der industriellen Produktion und des Bevölkerungswachstums ist die Konzentration von Makronährstoffen in unseren Flüssen und Meeren auf ein gefährliches Niveau gestiegen, das zu einem übermässigen Algenwachstum führt.

Das ist ein Problem, denn Algen entziehen dem Wasser Sauerstoff und töten somit Wasserpflanzen und Fische – ein Prozess, der als Eutrophierung bezeichnet wird. Wissenschaftler schätzen, dass die Bereiche ohne Sauerstoff im Meer, die sogenannten „Todeszonen“, heute viermal grösser sind als noch in den 1950er Jahren und dadurch marine Ökosysteme rund um den Globus bedroht sind1.

Unsere Analysen auf Branchenebene haben ergeben, dass heute 40 Prozent mehr biochemische Abfallprodukte freigesetzt werden, als die Umwelt vertragen kann.

Doch die Situation ist nicht völlig hoffnungslos.

Es gibt Anzeichen dafür, dass Massnahmen zum Umweltschutz – seien es politische Initiativen oder neue innovative Technologien, die der Zerstörung der Umwelt entgegenwirken – langsam Früchte tragen.

Laut dem GFN wurde der Erdüberlastungstag zwischen den 1970er Jahren und 2014 jedes Jahr durchschnittlich drei Tage früher erreicht. Seitdem hat sich diese Entwicklung jedoch auf weniger als einen Tag pro Jahr verlangsamt.

Auch unser Modell gibt Grund zur Hoffnung. Es zeigt, dass es manchen Zweigen der Forstwirtschaft und anderer umweltbezogener Sektoren gelingt, weniger biochemische Abfälle zu produzieren, unter anderem mithilfe innovativer Technologien im Bereich Luft-, Gewässer- und Bodenreinhaltung.

Diese Unternehmen tragen wesentlich dazu bei, unsere ökologische „Schuldenlast“ zu verringern und dem Leben auf Pump ein Ende zu setzen.

GEO and eutrophication_AM

Investments gegen die biochemische Verschmutzung

Das PB-LCA-Konzept liegt dem Aufbau unseres Pictet-Global Environmental Opportunities (GEO) Portfolios zugrunde.

Die Unternehmen in diesem Portfolio haben eine erheblich geringere biochemische Bilanz als die im MSCI All-Country World Aktienindex vertretenen.

EIN GROSSER UNTERSCHIED

Biochemische Einträge pro Jahr in kg Stickstoffäquivalent pro 1 Million USD Jahresumsatz
Abbildung Biochemische Einträge
Quelle: Pictet Asset Management, Daten vom 31.12.2018.

Was zeichnet die Pictet-Global Environmental Opportunities Strategie aus?

Die Strategie investiert in Aktien von Unternehmen in zukunftsträchtigen Umweltbranchen, die einen aktiven Beitrag zum Schutz der natürlichen Ressourcen unseres Planeten leisten. Die Anlagen werden aus einem breiteren Universum der 3.500 umweltbewusstesten Aktiengesellschaften der Welt auswählt – Unternehmen, die die Kriterien unseres hauseigenen PB-LCA-Konzepts erfüllen.

Bei der Strategie handelt es sich um ein konzentriertes Portfolio mit 50–60 Aktien von Unternehmen, die in Bereichen wie Umweltreinhaltung, Wasserversorgung, erneuerbare Energien, Abfallmanagement und nachhaltige Landwirtschaft tätig sind.

Unsere Global Environmental Opportunities Strategy hat ein ähnliches Risiko-Rendite-Profil wie eine wachstumsorientierte Strategie und ist eine sinnvolle Ergänzung zur Aktienallokation in einem globalen Portfolio.


1) https://science.sciencemag.org/content/359/6371/eaam7240

Eine englische Version dieses Beitrags finden Sie hier: Living beyond our means: Earth Overshoot Day

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
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European equities: which style has been in vogue this year?

European shares made a strong advance in the first half of 2019, but the gains were not evenly spread across the market, shows Simon Corcoran, Investment Specialist, UK & European Equities, at Schroders.

Given the headlines over the past six months, it feels a little odd to realise that European equities are up 16% in the same timeframe. From trade wars to slowing economic growth to Brexit, there are plenty of reasons why the market shouldn’t have rallied. But the gains perhaps look less surprising when we dig into the detail behind them.

We looked at the return for the overall index - MSCI Europe – and then for four style factors within this index: growth, quality, high dividend yield and value.

Style factor definitions:

  • Growth companies may currently be growing at a faster rate than the overall market, and/or have higher potential for future growth.
  • Quality is defined by low debt, stable earnings, consistent asset growth, and strong corporate governance.
  • Dividend yield is calculated by dividing the dividend per share by the price per share; a high dividend yield could be a sign a stock is underpriced, or it could be that the stock is under pressure and future dividends may not be so high.
  • Value refers to those stocks that have low prices relative to their fundamental value. This is commonly tracked by metrics such as price to earnings (a company’s share price divided by its profits).

As the table below shows, growth and quality have been the factors in greatest demand in the past six months. Returns from these parts of the market have significantly outpaced returns from value and high dividend yield stocks.

index-style-ytd-return.jpgPast Performance is not a guide to future performance and may not be repeated. 

The uncertain economic backdrop may be one reason why investors have favoured stocks with these growth and quality attributes. After all, this economic cycle has been very long. As we move towards the end of a cycle, investors often look for those businesses with reliable, predictable earnings that can potentially fare better than the rest of the market in a slowdown or recession.

The MSCI Europe Quality and Growth indices have outperformed the Value index by over 10%. Sectors such as industrials, technology, luxury goods and food products form a large weighting within these indices and have led the gains.    

There is considerable overlap between the MSCI Europe Quality and Growth indices. The table below shows eight stocks that are among the top ten constituents by size in both indices, and the returns posted by these stocks in the six months to the end of June. Only AstraZeneca has failed to outperform the broader MSCI Europe index. 

stock-ytd-return-valuation.jpgAny reference to securities are for illustrative purposes only and not a recommendation to buy/and or sell.

As well as offering quality and growth characteristics, large companies such as these are often favoured in times of uncertainty due to their size. Larger companies are often assumed to offer greater stability than small companies, and have usually weathered a number of economic cycles successfully.  

What does this mean for valuations? The chart below shows the forward price-to-earnings ratio for the next 12 months for MSCI Europe Quality relative to MSCI Europe Value. It shows that investors have recently been willing to pay a larger premium than they did previously for quality stocks.

Quality valuations have become elevated

quality-valuations-have-become-elevated.jpg

Martin Skanberg, fund manager, says;

“Such a situation can persist for some time, but is unlikely to do so indefinitely. There are signs recently that the quality rally is fading as companies struggle to meet lofty growth expectations. That said, it is impossible to time precisely when the trend might change. As investors, we look for the best trade-off between risk and reward that we can find”.


This information is not an offer, solicitation or recommendation adopt any investment strategy.  If you are unsure as to the suitability of any investment please speak to a independent financial adviser.

For more on the factors driving the market, see why growth stocks look vulnerable.

See our Alpha Equity strategic capability page for further equity insights.

This article has first been published on schroders.com.

Wird aus der Wasserpistole wieder eine Bazooka?

Wird aus einer harmlosen Wasserpistole der europäischen Notenbank wieder eine voll nachgeladene Bazooka? Diese Frage stellt sich Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst bei der Legg Mason-Tochter Western Asset Management, nach der heutigen EZB-Sitzung.

„Mit der heutigen Sitzungserklärung und der Pressekonferenz will EZB-Präsident Draghi aus der Wasserpistole, die nach dem Ende des Wertpapierankaufprogramms vergangenen Dezember übriggeblieben war, eindeutig wieder die ursprüngliche Bazooka machen. Die Kombination aus einer ausdrücklichen Fokussierung auf die Zielsymmetrie und einer essentiellen Überprüfung aller politischen Hebel in den entsprechenden Ausschüssen ist definitiv ein starkes Signal der Kompromissbereitschaft für die kommenden Quartale. Darüber hinaus sehen wir, dass die Beweislast für einen Handlungsbedarf deutlich stärker mit Draghis Rede im portugiesischen Sintra Ende Juni übereinstimmt als mit der Sitzung des EZB-Rates am 6. Juni und damit den Weg zur lockeren Politik der Tauben zementiert.

Auf der anderen Seite gab es in der Pressemitteilung keinerlei Hinweise darauf, die (selbstgesetzten) Aufkaufbeschränkungen zu lockern, wohingegen ein Tiering eindeutig erwähnt wird. Während Draghi dies auf der Presskonferenz auf die Arbeit des Ausschusses zurückführt, kann es durchaus auch ein Zeichen dafür sein, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keine Mehrheit im EZB-Rat für diesen zusätzlichen Schritt gibt. Mit anderen Worten: Es ist gut möglich, dass eine Neuauflage der quantitativen Lockerung weiter entfernt ist als manch andere Maßnahme, die auf der nächsten EZB-Sitzung im September bekannt gegeben werden könnte.

Wir glauben, dass eine deutliche Lockerung der Ankaufbeschränkungen die kompromissbereite Haltung glaubwürdiger machen und den Druck einer erneuten QE-Runde nehmen würde. Dies wäre ein ernsthaftes Nachladen der Bazooka. Von der Marktperspektive gehen wir davon aus, dass sich die Renditeabstände zwischen den europäischen Kernländern und der Peripherie weiter verkleinern sollten.“

„Geldpolitische Lockerung wird kommen"

Hetal Mehta, Senior European Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM), kommentiert die EZB-Sitzung:

„Die EZB mag diejenigen enttäuscht haben, die sich nach einem Übermaß an schwachen Stimmungsdaten eine sofortige Zinssenkung erhofften, aber ihre Absichtserklärung ist klar: Die geldpolitische Lockerung wird kommen, und zwar bald. Mögliche Optionen sind dabei ein abgestufter Einlagenzinssatz, weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen und Zinssenkungen. Draghi und der Rest des EZB-Rates wollen so demonstrieren, dass ihnen die Instrumente nicht ausgegangen sind. Die Stärkung ihrer Glaubwürdigkeit hat eindeutig oberste Priorität, und sie können nicht länger leugnen, dass die Inflationserwartungen verankert sind."

Living beyond our means: Earth Overshoot Day

Humans have consumed a year's worth of natural resources in less than seven months, explains Pictet Asset Management. Our model quantifies the environmental impact of over-consumption.

July 29 is the date everyone should mark in their diary in 2019.

That’s because it is Earth Overshoot Day, the day when humans will have used up a year’s worth of the planet’s natural resources, such as timber, fish, water, and minerals.

For the rest of the year, we will be drawing down on what will be available for future generations - using more than the Earth can naturally replenish in a 12-month period - and producing waste such as carbon dioxide emissions as we do so.

What is worrying is that Overshoot Day, calculated by non-profit organisation Global Footprint Network (GFN), has fallen earlier every year since the start of the 1970s.

Pictet Asset Management's research paints a similarly alarming picture. It shows that human activity, and the waste it generates, is leading to potentially irreversible changes to the planet’s ecosystem.

Our analysis, which is based on a bio-capacity measurement tool called the Planetary Boundaries (PB) framework, quantifies resource consumption and waste emissions across each of the 100-plus industries that make up the global economy. 

Developed by the Stockholm Resilience Centre, the model assesses the state of the ecosystem along nine environmental dimensions – which include water use, land use and ozone depletion among others – to set the ecological “safe operating space” within which human activities should take place.

Already, five of those thresholds have been breached.

Take the biochemical flow of nitrogen and phosphorus for example.

Nitrogen and phosphorus are macronutrients that are used extensively in fertilisers. Intensive farming, industrial activity and population growth have increased the volume of macronutrients in rivers and oceans to dangerous levels, triggering excessive growth of algae.

This is a problem because algae deplete oxygen in water, killing aquatic plants and fish in a process called eutrophication. Scientists estimate that sea areas with zero oxygen, or “dead zones”, have quadrupled since 1950s, threatening marine ecosystems around the world1.

Our industry level analysis shows biochemical waste is being released at a rate that is 40 per cent more than the environment can handle.

However, it’s not all doom and gloom.

There are signs that efforts to stop environmental damage – be it policy measures or new innovative technologies to address ecological degradation – are starting to pay off. 

According to GFN, throughout the 1970s to 2014, Overshoot Day fell earlier each year by an average of three days. Since then, however, the pace has slowed to less than a day per year.

Our model also gives reason for optimism. It shows that some of the industries serving forestry and other environmental sectors are managing to reduce the amount of biochemical waste they produce, aided by innovative technologies in areas such as pollution-control.

These companies play an important role in helping us pay our environmental "debt" and live within our means.

GEO and Eutrophication

Investing to mitigate biochemical pollution

The PB-LCA framework is used in the construction of our Pictet-Global Environmental Opportunities (GEO) portfolio.

Stocks in GEO have a significantly lower biochemical footprint than those represented in the MSCI All-Country World equity index. 

MAKING AN IMPACT

Biochemical flows per year in kg, nitrogen-equivalent, per USD million of annual revenueBiochemical flows chartsSource: Pictet Asset Management, data as of 31.12.2018

Here's how Pictet-Global Environmental Opportunities strategy works:

  • The strategy invests in the shares of companies within a thriving environmental industry that are making an active contribution to safeguarding the world’s natural resources.
  • Investments are chosen from a broader universe consisting of the world’s 3,500 most environmentally-responsible publicly-held firms – companies that meet the criteria of our proprietary PB-LCA framework.
  • The strategy is a concentrated portfolio of 50 to 60 stocks, operating in fields such as pollution control, water supply, renewable energy, waste management and sustainable agriculture.
  • With a risk-return profile similar to that of a growth-oriented investment strategy, Pictet AM's Global Environmental Opportunities can be used to complement an equity allocation within a global portfolio.

1) https://science.sciencemag.org/content/359/6371/eaam7240

Please find a German version of this article here: Leben auf Pump: Erdüberlastungstag

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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„2040 werden 60 Prozent aller Neuwagen E-Autos sein“

Kein Tag vergeht, an dem nicht auf die Folgen der Erderwärmung verwiesen wird bzw. Lösungsmöglichkeiten auf wirtschaftlicher und politischer Ebene diskutiert werden. In vielen Wirtschaftszweigen ist der Wandel schon heute spürbar. Die Finanzwirtschaft mit ihren Investitionen bietet einen Hebel um die Dekarbonisierung der Wirtschaft und eine Wende hin zu erneuerbaren Energien voranzutreiben.

Die Erste Asset Management beschäftigt sich seit fast zwei Jahrzehnten mit den Umwelttechnologien von heute und morgen. Über den Fonds ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT kann man sich an den spannendsten Unternehmen beteiligen und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Schutz der Natur und im Kampf gegen den Klimawandel. In unserem Interview beschreibt Fondsmanager Clemens Klein die Folgen der demografischen Entwicklung und welche neuen Umwelttechnologien erfolgversprechende Anwendungen erwarten lassen.

Ist der Klimawandel wieder ein in Mode gekommener Begriff oder eine Realität, der wir ins Auge sehen müssen?

Clemens Klein: Es braucht nicht allzu viel Fantasie um festzustellen, dass sich unser Klima verändert. Überschwemmungen ebenso wie Dürren, Verwüstungen durch Hurrikans, Luftverschmutzung in den Großstädten – die Naturkatastrophen der letzten Jahre häufen sich. Sie mahnen uns, wie wichtig die Begrenzung der Emission von Treibhausgasen und nachhaltiges Wirtschaften generell sind.

Der Klimagipfel von Paris mit seiner Erkenntnis, dass der maximale Temperaturanstieg 1,5 Grad Celsius betragen darf, um eine Klimakatastrophe abzuwenden, ist beinahe schon vergessen?

Clemens Klein: Nein, allein dadurch, dass in vielen Ländern Klimaschutz ein zentrales Thema im politischen Diskurs geworden ist, zeigt schon, dass sich was bewegt. Das Abkommen von Paris war eine wichtige Weichenstellung und hat die Grundlage und das Regelwerk für die notwendigen Schritte und Maßnahmen festgelegt. Was momentan noch fehlt, ist die rasche Umsetzung auf Einzelstaaten-Ebene. Aber der Druck auf die Politik, das Abkommen umzusetzen, von Seiten der Bevölkerung wächst laufend. Und wir werden auch nicht darum herumkommen: Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf rund 10 Milliarden und bis 2100 weiter auf rund 11 Milliarden Menschen anwachsen (derzeit: 7,7 Milliarden).

Treiber dieses Wachstums sind Asien und Afrika, die gemeinsam zur nächsten Jahrhundertwende rund 80 Prozent der Weltbevölkerung stellen werden. Dazu kommt der Trend zur Urbanisierung und damit verbunden steigenden Einkommen: Heute schon leben 55 Prozent der Menschen in Städten. 2050 werden es 70 Prozent sein. Die Menschen, die dort leben benötigen Strom, Wasser, Transportmittel, konsumieren zunehmend nach westlichen Gewohnheiten und verursachen wachsende Müllberge. Es braucht daher neue Technologien, um diese Herausforderungen bewältigen zu können.

Wie glaubhaft sind Sie als Asset Manager in Sachen Kohlendioxid-Verringerung? Welche Aspekte berücksichtigen Sie in der Kapitalanlage?

Clemens Klein: Erste Asset Management unterzeichnete 2015 als erste Fondsgesellschaft Österreichs den Montréal Carbon Pledge. Diese internationale Investoreninitiative wurde Ende 2014 mit dem Ziel ins Leben gerufen, durch die Messung und Veröffentlichung von CO2-Emissionen der in den Aktienfonds gehaltenen Unternehmen, langfristig zu einer Reduktion der Treibhausgase beizutragen. Mittlerweile ist diese Initiative auf über 120 Investoren angewachsen, die über 10.000 Milliarden Dollar an Vermögenswerten verwalten.

Wodurch unterscheidet sich der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT von anderen nachhaltigen Fonds Ihres Hauses?

Clemens Klein: Der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT konzentriert sich als Themenfonds ausschließlich auf Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit mit Umwelt- sowie Klimaschutz in Zusammenhang steht. Unsere Philosophie ist es, Unternehmen zu identifizieren, deren Produkte und Dienstleistungen für die Bewältigung der Auswirkungen von Megatrends wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung oder Wachstum der Mittelklasse bzw. der damit verbundenen Folgen wie Treibhausgasemissionen, Klimawandel, Knappheit von Ressourcen und ein erhöhtes Abfallvolumen von entscheidender Bedeutung sind.

Damit sich unsere Leser etwas vorstellen können: Nennen Sie uns die wichtigsten Themen, die sich im ERSTE STOCK WWF ENVORNMENT widerspiegeln.

Clemens Klein: Solar- und Windenergie zählen mittlerweile in vielen Ländern der Welt zu den billigsten Technologien zur Stromerzeugung. Damit wird sich das rasante Wachstum der vergangenen Jahre auch künftig, unabhängig von Förderungen weiter fortsetzen. Darüber hinaus werden neue Märkte wie Indien, Südamerika aber auch Afrika zu Schlüsselmärkten für die Wind- und Solarindustrie. Der Anteil der Solarenergie an der weltweiten Energieerzeugung wird von derzeit 3 Prozent bis 2050 in Richtung 30 Prozent steigen. Gleiches nehmen wir für den Einsatz der Windenergie an. Der weltweite Strom wird ‚a la long‘ sauberer werden.

Neue Antriebstechnologien wie Elektroautos und Wasserstoffautos und Biotreibstoffe der dritten Generation werden weiter an Bedeutung gewinnen. Auch hier sind es neben Umweltaspekten vor allem fallende Kosten, die für überdurchschnittliche Wachstumsraten sorgen werden. Nirgendwo sonst wird der technologische Fortschritt so mit Spannung beobachtet wie bei der neuen Generation von Fahrzeugen. Laut Bloomberg New Energy Finance werden im Jahr 2040 E-Autos 60 Prozent aller Neuwagenverkäufe ausmachen. Im Jahr 2016 lagen die Schätzungen noch bei 35 Prozent.

In Europa ist Norwegen jetzt schon führend und mehr als die Hälfte aller Neuwagen sind Elektrofahrzeuge: Neben steuerlichen Anreizen darf man dort mit einem E-Auto auf Busspuren fahren und braucht keine Autobahnvignette bezahlen. Wir dürfen aber nicht die Augen vor den Problemen verschließen: Wir benötigen sichere, erschwingliche Batterien mit genügend Reichweite. Und wir müssen einerseits klären, woher die Rohstoffe für die Produktion kommen und ebenso, was am Ende der Nutzungsdauer mit den Batterien geschieht. Unternehmen müssen ausweisen, dass zB ihre Lieferanten nicht Kobalt aus dem Kongo verwenden. Damit hätten wir als nachhaltige Investoren keine Freude.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Wind- und Solarenergie, aber auch dem zu erwartendem starken Wachstum der Elektromobilität gewinnen Themen wie Optimierung des Energie-Transports, aber auch „Smart Grid“ (intelligente Netzwerke) und „Smart Metering“ (intelligente Stromzähler) sowie Energiespeicher in Form von z.B. Batteriesystemen, aber auch Wasserstoff („Power to Gas“) stark an Bedeutung.

Die globale Wassernachfrage wird aufgrund der angeführten Megatrends bis 2050 um mehr als 50 Prozent zunehmen. Urbanisierung und steigende Einkommen führen zu einem geänderten Konsumverhalten. Daher sind hohe Investitionen in die Infrastruktur, Verbrauch- und Kostensenkung, Hygiene, Wasseraufbereitung aber auch Meerwasserentsalzung erforderlich.

Das globale Abfallvolumen wird sich bis 2025 gegenüber 2014 auf 6 Millionen Tonnen pro Tag verdoppeln und könnte bis 2100 weiter auf 11 Millionen Tonnen pro Tag ansteigen. Schon jetzt gelangen jedes Jahr mehr als 8 Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Das entspricht dem Gewicht von 16 Burj Chalifa, des aktuell höchsten Gebäudes der Welt oder 32.000 Wiener Riesenrädern. Ohne Maßnahmen, die der gigantischen Müllexplosion Einhalt gebieten, droht 2050 gewichtsmäßig mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren zu sein. Abfallvermeidung, Abfalltrennung und -sammlung, Abfallwiederverwertung und Recycling werden neben neuen Verpackungstechnologien zu zentralen Themen im Umweltbereich.

Welche Kriterien muss ein Unternehmen erfüllen, um auf Ihre Watchlist zu kommen? Und was muss geschehen, dass es in den ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT aufgenommen wird?

Clemens Klein: Wir legen Wert darauf, dass das Geschäftsmodell eines Unternehmens zum überwiegenden Teil von den von uns erwarteten Entwicklungen profitiert. Neue Technologien, die zur Lösung der durch die erwähnten Megatrends hervorgerufenen Auswirkungen beitragen, werden laufend ausgewertet und in das Portfolio aufgenommen. Es liegt in der Natur der Sache, dass dadurch auch viele jüngere und kleinere oder mittelgroße Unternehmen im Portfolio vertreten sind.

Wie gehen wir dabei vor? Zunächst werden laufend Unternehmen identifiziert, die die strengen Anforderungen der definierten Fondsstrategie erfüllen. Neue Ideen werden nach Prüfung durch den WWF sowie eines externen Research-Partners einem Umweltbeirat zur Entscheidung über die Aufnahme ins investierbare Anlageuniversum vorgelegt.

Aus dem investierbaren Universum erfolgt dann die Entscheidung über die Aufnahme ins Portfolio nach eingehender qualitativer sowie quantitativer Analyse durch uns als Fondsmanager. Ziel und Teil der Strategie ist es, Unternehmen über lange Perioden, entsprechend den langen Trends, die sie mit ihren Produkten oder Dienstleistungen bedienen, im Portfolio zu behalten. Einzelne Unternehmen befinden sich seit Auflage des ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT im Jahr 2001 durchgehend in den Beständen des Fonds. Abhängig von kurz- und mittelfristigen Entwicklungen, makroökonomischen Faktoren oder dem allgemeinen Marktumfeld erfolgt primär eine Anpassung der Themen und Gewichtungen im Fonds.

Aktuell liegt der Schwerpunkt der Veranlagungen in den Bereichen „Erneuerbare Energie“, „Energieeffizienz“ sowie „E-Mobilität“, die gemeinsam mehr als 60 Prozent der Portfoliostruktur repräsentieren. In den Bereichen „Erneuerbare Energie“ sowie „E-Mobilität“ sehen wir in den nächsten Jahren das größte Wachstumspotential. Dazu zählen aber auch komplementäre Technologien wie „Energiespeicherung“, „Selbstfahrende Autos“ oder „Intelligente Stromnetze“, die von den erwarteten Entwicklungen profitieren werden.

Können Sie uns einige Unternehmen im Fonds verraten, die die Umwelt nachhaltig „bearbeiten“ und ökologisch/klimaschonend wirtschaften?

Clemens Klein: Zu den größten Positionen zählen beispielsweise First Solar, eines der führenden Unternehmen im Solarbereich, TPI Composites, ein spezialisierter Hersteller von Rotorblättern für die Windindustrie, Xylem, führend im Bereich Wasserinfrastruktur, Wasseranalyse und Wasseraufbereitung aber auch Tomra Systems, der Weltmarktführer im Bereich Abfalltrennung, Abfallsortierung und Recycling.

Welche anderen (Umwelt)-Technologien spielen im Fonds eine wichtige Rolle?

Clemens Klein: Wasserstoff bzw. Brennstoffzellen, Meerwasserentsalzung, Wärmedämmung, oder effiziente Beleuchtungssysteme. Ein interessantes Unternehmen ist z.B. NEL ASA wegen Power to Gas- Energiespeicherung. Eines noch: Wo hohe Gewinnchancen, da auch höhere Risiken. Generell gilt für eine Investition in Umweltaktien, dass man eine entsprechende Risikobereitschaft mitbringen und auch stärkere Kursschwankungen vertragen muss.


Seit mehr als 10 Jahren gehen die Umweltschutzorganisation WWF und Erste Asset Management einen gemeinsamen Weg für den Klima und Umweltschutz. Der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT, dessen Anlagepolitik der WWF mitträgt, berücksichtigt sowohl wirtschaftliche als auch soziale und ökologische Kriterien. Für die Aufnahme in das Portfolio kommen nur Unternehmen in Frage, die ihre Verantwortung beim Kohlendioxid-Ausstoß und Wasserverbrauch ernst nehmen. Ein Anlagebeirat mit dem WWF prüft, ob die strengen Umweltvorgaben und Ausschlusskriterien eingehalten werden. Diese Partnerschaft beinhaltet auch eine Unterstützung der WWF-Flusserhaltungs- und Klimaschutzprojekte. Immerhin kamen der Natur dadurch bereits mehr als zwei Millionen Euro zugute.

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A Secular Outlook - Emerging Markets

After the longest equity bull market ever over the past ten years, change is in the air for investors. Chief Strategist at Pictet Asset Management, Luca Paolini, gives his view on emerging markets for the next five years.

Further information on the outlook for different asset classes over the next five years can be found in Pictet Asset Management's Secular Outlook. Please find further information here and the full Secular Outlook here.


Über den Autor

Luca Paolini kam 2012 als Chefstratege zu Pictet Asset Management. Davor arbeitete er als Aktienstratege bei Credit Suisse Securities, wo er für die Vermögens-, Sektor- und geografische Allokation verantwortlich war. Von 2005 bis 2007 war er bei Union Investment als Anlagestratege tätig. Luca Paolini begann seine Karriere 2001 bei Allianz Dresdner Asset Management. Im Rahmen seiner Tätigkeit im Bereich Asset-Allokation und Anlagestrategie wurde er zum Prokurist befördert. Luca Paolini hat einen Master in Volks- und Betriebswirtschaft von der SDA Bocconi School of Management in Mailand und ein Laurea Magistrale in Politikwissenschaften von der Universität Bologna.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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WTI versus Dubai - Begrenzte Preisdifferenz vor Inkrafttreten der neuen IMO-Vorschriften

von Nitesh Shah, Director Research und Rohstoffexperte beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Neue Vorschriften in Bezug auf den Schwefelgehalt in Bunker- bzw. Schiffskraftstoffen, die von der Internationalen Maritime Organisation (IMO) erlassen wurden und ab Anfang 2020 gelten, dürften die Nachfrage nach schwefelarmen, leichten Rohölen wie den West Texas Intermediate (WTI) auf Kosten des schwefelreichen und schweren Rohöls erhöhen. Schwefelarme Rohöle erfordern eine weniger aufwändige Raffination, um sie zu Endprodukten zu verarbeiten, die den neuen Regularien entsprechen.

Infolgedessen sehen wir einen begrenzten Preisabschlag bei WTI-Rohöl im Verhältnis zum schwefelreicheren Dubai. Zwischen 2016 und 2018 weitete sich der Abschlag aus, da es bei Schweröl zu Lieferengpässen kam, während leichtere Öle reichlich vorhanden waren. Die Produktion von Schweröl ist im Zuge der angebotssteuernden Politik der OPEC und Kanadas sowie wegen des Produktionseinbruchs in Venezuela zurückgegangen. Unterdessen hat der Anstieg der Schieferöl-Förderung in den USA das Angebot an leichteren Rohölen weltweit erhöht. Da wir uns der Umsetzung der IMO Anfang 20201 nähern, ist es wahrscheinlich, dass die Nachfrage nach leichterem und schwefelarmem Rohöl steigt und damit die Preisdifferenz zwischen WTI und Dubai im Jahr 2019 sinken wird.

WTI_vs_Dubai_new.png


1) Die Internationale Maritime Organisation wird den Schwefelgehalt aller Schiffskraftstoffe ab 2020 auf 0,5 Prozent begrenzen, mit Ausnahme von Kraftstoffen, die in Regionen verbrannt werden, die bereits an niedrigeren Schwefelgrenzwerten liegen.

Bank of Japan officially enters the currency wars

The Bank of Japan’s stance at its July meeting is aimed at stopping the yen appreciating, explains Piya Sachdeva, Economist at Schroders.

The Bank of Japan (BoJ) today signalled readiness to expand stimulus “without hesitation” if downside risks to inflation were to rise.

Until now, the BoJ had acknowledged downside risks to both growth and inflation, but had given little explicit guidance that it would ease policy. It has kept more quiet than the Federal Reserve (Fed) and European Central Bank (ECB).

There were no major changes to the overall monetary policy framework at the BoJ’s July meeting. The short term policy rate was kept on hold at -0.1%, the 10-year government bond yield target kept at “around zero per cent”, alongside an unchanged ¥80tn annual pace of JGB purchases.

In its quarterly Outlook Report that accompanied the announcement, the BoJ yet again revised its inflation forecasts* down to 0.8% year-on-year (y/y) and 1.2% y/y in (fiscal year) 2019 and 2020, respectively. These exclude the effects of the upcoming consumption tax hike.

The growth projection for 2019 was edged down slightly to 0.7% y/y and remain unchanged at 0.9% y/y for 2020.

Ultimately, inflation well below its target is nothing new to the BoJ and its growth projections actually remain fairly healthy by Japanese standards.

Its “ready to act” stance is aimed at stopping the Japanese yen from appreciating against a backdrop of heighted expectations for easing from both the Fed and the ECB. In other words, the BoJ has officially entered the currency wars.

It is well known to investors that the BoJ has little to ease further, given that interest rates are already negative and a full blown asset purchase programme. We believe that the BoJ will be reluctant to ease further, but so far will be quite happy about its ability to keep the yen fairly stable.


This article has first been published on schroders.com.

Renminbi-Anleihen: Silberstreif am Horizont

Warum die Demografie in China die Internationalisierung des dortigen Markts für Lokalwährungsanleihen beschleunigt erklärt Cary Yeung, Head of Greater China Debt bei Pictet Asset Management.

Chinas alternde Bevölkerung könnte für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zum Problem werden, andererseits aber auch dazu beitragen, dass aus dem 13 Bio. US-$ schweren Anleihenmarkt eine internationale Anlageklasse wird.

Um zu verstehen warum, schauen wir uns zunächst den Zusammenhang zwischen Demografie, Ersparnissen und Zahlungsbilanz eines Landes an.

In China lag der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter – also derjenigen zwischen 15 und 64 – vor rund zehn Jahren auf dem höchsten Stand und wird UN-Prognosen zufolge bis 2030 auf 52 Prozent zurückgehen.

Da die Bevölkerung immer älter wird, steigen auch deren Gesamtausgaben – hauptsächlich für Gesundheit und Ruhestand. Die Rentenausgaben zum Beispiel steigen seit 2012 pro Jahr schneller als die Renteneinnahmen.

Die durchschnittliche jährliche Rentenlücke in China dürfte 2050 bei 1,41 Bio. RMB liegen, aktuell sind es 50 Mrd. RMB.1

Um diese Lücke zu schließen, muss das Land auf seine Ersparnisse zurückgreifen; diese dürften bis 2030 von einem Höchststand von 46% auf unter 40% des BIP fallen.

Aufgrund dieses Umstands sowie des gleichzeitigen Anstiegs der Ausgaben des Landes ist es nur eine Frage der Zeit, bis China sich in ein Leistungsbilanzdefizit manövriert – also mehr verbraucht als es produziert.

Diese Entwicklung hat entscheidende Konsequenzen für den chinesischen Anleihenmarkt.

Wenn es tatsächlich so weit kommt, muss das Land dieses Defizit finanzieren, indem es sich mehr Geld im Ausland beschafft. Mit anderen Worten, China wird von einem Kapitalexporteur zu einem Importeur.

Peking hat erkannt, was auf das Land zukommt, und ergreift eine Reihe von Maßnahmen, um die Kapitalmärkte zu liberalisieren und seine Attraktivität für ausländische Investoren zu erhöhen.

Entscheidend für den Erfolg dieser Reformen ist die Öffnung des chinesischen Onshore-Anleihenmarkts.

Im Zuge der Aufnahme chinesischer Anleihen in die großen Benchmarks globaler Indexanbieter können Anleger nicht umhin, in diese Anlageklasse zu investieren.

Nach Einführung des „Bond Connect“-Programms 2017, das ausländischen Anlegern die Möglichkeit bot, in Hongkong ohne Onshore-Konto mit Anleihen zu handeln, ist China jetzt auch auf die Lieferung-gegen-Zahlung-Abwicklung umgestiegen, um die Abrechnungsrisiken zu minimieren.

Peking hat außerdem ausländischen institutionellen Anlegern eine dreijährige Steuerbefreiung auf Anleiheerträge bis November 2021 gewährt. Darüber hinaus plant die Volksrepublik China, die Vorschriften für Repo-Geschäfte und sonstigen Derivathandel für ausländische Anleger zu lockern.

Diese Schritte sowie weitere geplante Maßnahmen zur Öffnung des Markts sorgen dafür, dass RMB-Anleihen zunehmend Bestandteil internationaler Portfolios sind.

Im 1. Quartal 2019 befanden sich Anleihen im Wert von rekordhohen 271 Mrd. US-$ im Besitz ausländischer Anleger, Ende 2018 waren es nur 160 Mrd. US-$. Das liegt zum Teil auch daran, dass globale Indexanbieter chinesische Anleihen in ihre großen internationalen Anleihen-Benchmarks aufnehmen.

In den Global Aggregate Bond Index von Bloomberg-Barclays sind im April chinesische RMB-Anleihen eingezogen – diesem Beispiel werden weitere Indexanbieter folgen. Alles in allem dürfte die Aufnahme Chinas in die großen Indizes dem Land in den kommenden Jahren Zuflüsse von fast 300 Mrd. US-$ bescheren.

Internationale Anleger sind zurzeit mit weniger als 3 Prozent in der Anlageklasse investiert, aber die Volksrepublik China geht davon aus, dass sich dieser Anteil in den nächsten zehn Jahren auf 10–15 Prozent vervielfachen wird.

Korrelation und Währung

RMB-Anleihen weisen besondere Merkmale auf, sodass ihre Aufnahme in ein internationales Anleiheportfolio dessen Risiko- und Renditedynamik verändern kann.

Wie Abb. 1 zeigt, korrelieren die Renditen von RMB-Anleihen nicht sehr stark mit irgendeiner der großen globalen Anlageklassen – weder mit Anleihen noch mit Aktien.

ABB. 1 ES LEBE DIE UNABHÄNGIGKEIT

Korrelation chinesischer Onshore-Anleihen mit anderen Anlageklassen (%, 100 = perfekte Korrelation)

Quelle: Chinabond, JP Morgan, HSBC, Bloomberg. Alle Indizes auf Basis der Gesamtrendite und in US-Dollar, sofern nicht anders angegeben. Basierend auf monatlichen Daten vom 31.10.2008–31.12.2018.

Die Renditen von RMB-Anleihen sind höher als bei Staatsanleihen aus Industrieländern.

Die Rendite auf fünfjährige chinesische Staatsanleihen liegt bei 3,1%, im Vergleich dazu sind es 1,9% bei US-Staatsanleihen, -0,24% bei japanischen Staatsanleihen und -0,67% bei deutschen Bundesanleihen, jeweils mit gleicher Laufzeit.

Anleger in RMB-Onshore-Anleihen dürften auch vom Potenzial der chinesischen Währung, sich zu einer internationalen Währung zu entwickeln, profitieren. Mit diesem strukturellen Trend dürfte langfristig eine Aufwertung des Renminbi einhergehen, sodass sich Anlegern in Onshore-Anleihen eine weitere Renditequelle erschließt.

Die Internationalisierung der chinesischen Währung nimmt in Asien bereits Gestalt an.

Die Region hat sich zu einem regelrechten RMB-Block entwickelt, da die benachbarten Handelspartner Chinas Verträge in der chinesischen Währung abwickeln.

Der Renminbi ist zu einem wichtigen Anker für asiatische Währungen geworden. Unsere Ökonomen schätzen, dass die Schwankungen des Renminbi für 15% der Veränderungen bei asiatischen Wechselkursen verantwortlich sind – 2006 war sein Einfluss gleich null. Auf den RMB-Block entfallen rund 23% des weltweiten BIP, 2006 waren es gerade mal 5%.

Dies lässt darauf schließen, dass die globalen Zentralbankreserven in Zukunft zu 13% aus Renminbi bestehen werden, das Siebenfache des aktuellen Bestands.

Das chinesische Seidenstraßen-Infrastrukturprogramm „One Belt, One Road“, mit dem das Land die Kreditvergabe und den Handel in Renminbi ankurbeln möchte, dürfte die Internationalisierung des Renminbi ebenfalls beschleunigen, ebenso wie Kapitalzuflüsse in den Finanzmarkt des Landes und die Öffnung seines Versicherungs- und Bankensektors.

Risikomanagement

Chinesische Onshore-Anleihen entwickeln sich unübersehbar zu einer wichtigen Anlageklasse, auf die internationale Anleger in ihren diversifizierten Portfolios nicht mehr verzichten wollen. Anleger müssen jedoch eine sorgfältige Auswahl treffen.

Der jüngste Ausfall der börsennotierten Anleihe des chinesischen Einzelhändlers Neoglory hat rechtzeitig an die Risiken erinnert, die mit Unternehmen in stark verschuldeten Sektoren verbunden sind.

Wir sehen jedoch keine systemischen Refinanzierungsrisiken in der Anlageklasse. China tut viel dafür, um das Wachstum der Unternehmensverschuldung einzudämmen (siehe Abb. 2).

Durch diese gezielten Maßnahmen kann Peking einerseits die Schulden aus den Konjunkturbelebungsimpulsen der Vergangenheit abbauen und andererseits kleine und private Unternehmen unterstützen – die am meisten unter dem Handelskrieg zwischen den USA und China zu leiden haben.

ABB. 2 AUF DER ZIELGERADEN

Gezielte politische Maßnahmen zum Abbau der Verschuldung im privaten Sektor

Quelle: Volksrepublik China, IWF, Pictet Asset Management, Daten vom 03.07.2019

Der Abstand zwischen Kreditwachstum und nominalem BIP hat sich von 7,3% im Jahr 2014 auf 1% in 2018 verkleinert.2

Ebenfalls beruhigend ist, dass die Ausfallrate Chinas mit weniger als 1,5% unter derjenigen vieler Industrie- und anderer Schwellenländer liegt.3

Der Markt für auf RMB lautende Onshore-Anleihen dürfte sich in den kommenden Jahren stark vergrößern, um den veränderten Erfordernissen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt Rechnung zu tragen. Aus den genannten Gründen können internationale Anleger diesen Markt einfach nicht mehr ignorieren.


1) Wuhan Universität und Chinese Academy of Labour and Social Security, Sustainability 2019,11, 1418; doi:10.3390/su11051418
2) Basierend auf der Differenz zwischen Sozialfinanzierung ohne Eigenkapital und nominalem BIP-Wachstum. Quelle: Pictet Asset Management, Refinitiv und CEIC
3)  Nachlaufende Ausfallquote 12 Monate bis April 2019. Quelle: Bank of America Merrill Lynch

Mehr zu chinesischen Anleihen:

Über den Autor

Cary Yeung kam 2014 als Leiter für Greater China Debt zu Pictet Asset Management. Zuvor war er bei Taikang Asset Management in Hongkong für den Bereich Fixed Income verantwortlich und Portfoliomanager für verschiedene asiatische Anlagen in festverzinslichen Produkten zuständig.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Chinese Growth Story – Was für eine Fortsetzung spricht

Johannes Scheuplein, Junior Fund Manager der Erste Asset Management, erklärt, warum der Handelskrieg mit den USA nicht das Ende der Entwicklungsgeschichte bedeutet und was für die Fortsetzung der Wachstums-Story Chinas spricht.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichem: Der Handelskonflikt traf die Märkte im Mai hart und das chinesische Wirtschaftswachstum hat weiter an Dynamik verloren. Allerdings kann der Handelskonflikt nicht ewig weitergehen.

Trump hat seine Kandidatur für die nächsten Präsidentschaftswahlen angekündigt, und wenn er sein Image als pragmatischer Geschäftsmann aufpolieren möchte, so sieht er sich gezwungen mit China ein Handelsabkommen zu schließen.

Sein Wahlkampf 2016 stützte sich auf drei Wahlversprechen. Das erste – Deregulierung und Steuersenkungen – hat er eingehalten. Das zweite – die Lösung des Immigrationsproblems und der Bau einer Mauer, für die Mexico zahlen soll – ist nach wie vor ungelöst. Daher besteht für Trump eine gewisse Dringlichkeit beim dritten Wahlversprechen – die Handelsbedingungen zwischen den USA und China neu zu ordnen – einen Erfolg zu verbuchen. Obwohl der Handelskrieg zu einem Technologiekrieg ausgeweitet und das chinesische Unternehmen Huawei hart getroffen wurde, hat China in Form von Rohstoffen auch Druckmittel gegenüber den USA und darüber hinaus genügend Möglichkeiten die Auswirkungen des Handelskrieges zu mildern.

Mit dem US-China-Friedensabkommen und der weicheren Haltung gegenüber Huawei haben sich zudem die Gespräche während des G20-Gipfels als konstruktiv erwiesen. Interessanterweise wurden die Zugeständnisse von US-Seite angekündigt und von den Chinesen nicht vollständig bestätigt. Ist dies ein weiterer Hinweis darauf, dass China die Oberhand hat und die USA einen Deal wirklich dringend brauchen?

Spielraum für Geldpolitik

Wachstums-Story China LeitzinsenAbbildung 1, Quelle: Bloomberg

Im Vergleich zu den meisten Industriestaaten hat China nach wie vor Spielraum für geldpolitische Maßnahmen (siehe Abbildung 1). Die jüngsten Fiskalpolitik konzentrierte sich eher auf Steuersenkungen (so wurden letztes Jahr Senkungen im Umfang von 1,4% des BIP und heuer von etwa 2% des BIP angekündigt) anstelle von Infrastrukturinvestitionen.

Aufgrund der hohen Sparquote (etwa 40% des verfügbaren Einkommens, verglichen mit 10% in den USA) könnte sich der Effekt nicht unmittelbar einstellen, doch auf lange Sicht sollten die Steuersenkungen zu einer besseren Ressourcenallokation führen, da Individuen und Unternehmen bei der Veranlagung überschüssiger Ersparnisse Risiko-Ertrags-Erwägungen miteinbeziehen werden.

Die höheren Ersparnisse werden auch den jüngsten Kreditboom relativieren. Wenn man die Ersparnisse in Betracht zieht, so erscheint die Nettokreditsumme weniger überwältigend. Darüber hinaus könnten Ersparnisse auch das sich verlangsamende Kreditwachstum kompensieren.

Wachstums-Story China Sparquote Abbildung 2, Quelle: Bloomberg

Von Alibababa zur politischen Struktur

Die politische Struktur Chinas kommt langfristigen strukturellen Entscheidungen ebenfalls entgegen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern verfügt in China die Regierung über die Möglichkeit, unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen, die sich langfristig bezahlt machen, da sie bei keiner Wählerschaft auf Stimmenfang gehen müssen. Dies führt zu einer höheren Stabilität bei politischen Entscheidungen mit einem langfristigen Zeithorizont.

Dies ist bei Langzeitprojekten wie China 2025 und der Belt Road Initiative (BRI) augenscheinlich. Die BRI zielt auf höhere Marktintegration ab. Die Infrastrukturinvestitionen könnten zu einer verringerten Abhängigkeit von den USA führen und Ricardianischem Wachstum analog zur Europäischen Integration führen.

Ein höheres Handelsvolumen in Renminbi (RMB) könnte auch den Anspruch des RMB, zu einer Leitwährung zu werden, stärken und gleichzeitig die Verwundbarkeit gegenüber der US-amerikanischen Strategie, den US-Dollar als Waffe in geopolitische Konflikte einzubringen, verringern.

Was China 2025 angeht, so lässt sich beobachten, dass China mehr und mehr versucht , in der Wertschöpfungskette weiter nach oben zu klettern. Der Technologiesektor im Speziellen ist ein gutes Beispiel, dass China zunehmend unabhängiger vom Rest der Welt wird.

Alibaba, Baidu und Tencent sind alles chinesische Unternehmen, die konkurrenzfähige Alternativen zu Amazon, Google und Co anbieten. Auch an der Front der Elektromobilität ist China sehr gut aufgestellt, da man bereits sehr früh mit Subventionen angefangen hat.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich alles um strukturellen Wandel dreht. Der hohe Anteil an staatlichen Unternehmen in der chinesischen Volkswirtschaft und die schwachen Urheberrechte bergen ein enormes Potential an Ineffizienzen, die in Zukunft behoben werden können.

Eine der Hauptaufgaben, mit denen sich China konfrontiert sieht, ist die Stärkung des Privatsektors und die Verringerung der Export- und Investitionsabhängigkeit durch die Erhöhung privater Ausgaben. China hat offensichtlich Bestrebungen in diese Richtung etwas zu tun. Die Reformthemen der Kommunistischen Partei Chinas beinhalten u.a. die Verbesserung der Sozialversicherung mittels einer Gesundheits- und Pensionsvorsorgereform. Eine verbesserte Sozialversicherung könnte letztlich zu einer Reduktion der Sparquote und somit zu erhöhtem Konsum führen.

Der Handelskonflikt sollte generell nicht als Übel angesehen werden, sondern als Chance für weitere Reformen in China. Angesichts des Drucks seitens der USA und des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums könnte sich China in Zukunft weiter dazu verpflichten geistiges Eigentum zu schützen.

Genau das wäre eine gute Neuigkeit für China-Investoren. Die Öffnung der Wirtschaft wird China die Möglichkeit geben das Wachstum durch Technologietransfers weiter voranzutreiben. Es gibt bereits Beispiele von Joint Ventures mit Unternehmen wie z.B. BMW, in denen ausländische Unternehmen einen Mehrheitsanteil halten.

Die Quintessenz ist letztendlich, dass noch ein enormes Verbesserungspotenzial besteht und dass China bereits dabei ist, seine strukturellen Probleme in Angriff zu nehmen. Obwohl große Unsicherheit besteht, scheint es das Risiko wert zu sein. Insbesondere vor dem Hintergrund der Integration Chinas in die globalen Finanzmärkte kann man davon ausgehen, dass die Aufnahme in große Benchmark-Indizes im Anleihen- und Aktienbereich weiter Impulse liefern wird. Die Wachstums-Story von China ist noch nicht vorbei.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

What is “energy transition” and why does it matter to investors?

The switch to renewable energy is gathering pace and is likely to prove hugely disruptive, explains Mark Lacey, Head of Commodities at Schroders.

Renewable energy is well on its way to becoming a core part of our energy mix. In May this year, the UK went a full week without using coal to generate power for the first time since 1882. Clean energy sources are increasingly being used as cost effective and low emission alternatives to coal, oil and gas.

But renewable energy makes up just a small part of the global energy mix at present. This needs to rise substantially if we are to meet climate targets, including the Paris agreement designed to limit temperature rises to 2°C. We therefore need a rapid switch to renewable sources of energy.

There have been two previous transitions to new sources of energy: from traditional biofuels (such as wood) to coal in the late 19th century, and from coal to oil and gas in the mid 20th century. The chart below shows how the global energy mix has changed since 1800.

Change-in-global-energy-consumption-283180.jpg

As the chart shows, renewables are currently just a small part of the picture. But we think they could reach a 30-40% share of the total mix in the next 30 years.

Both of the two previous energy transitions were long-term structural changes that proved hugely disruptive. Use of coal was spurred by the introduction of the steam engine. The transition to oil & gas was driven by the move to the internal combustion engine. These technologies then powered enormous changes in society.

While full adoption of coal took around 70 years and full adoption of oil and gas took around 50 years, we think the full adoption of renewables will take closer to 30 years, essentially happening much more quickly. This is because it will be driven by forced change; the severity of the threat posed by climate change means government policy simply has to support the energy transition to renewables. 

But switching to energy generated by renewables and away from fossil fuels is only one part of the energy transition. Just as crucial is the development of the infrastructure needed to enable the switch. For example, wind and solar farms can generate a huge amount of power when it’s windy or sunny, but this will need to be stored until it’s needed by consumers.

Similarly, there will need to be huge investment in the transmission and distribution networks to support increased demand for electricity rather than other forms of energy. In addition, a significant amount of investment is needed to make the entire system more efficient and this involves a large amount of technology-driven investment. An important part of this demand is the growing popularity of electric vehicles and therefore new, large-scale charging infrastructure for these will be needed.

To sum up, when we talk about energy transition, generating power from renewables is only part of the picture. The mass introduction of electric transport infrastructure, energy storage, improved transmission and distribution networks, coupled with the increased usage of technologies to improve energy efficiency, are all part of the transition too. We expect this to prove hugely disruptive to the energy industry over the next few decades.


This article has first been published on schroders.com.

Starker Juni bringt Höchststände

„Sell in May and go away“ wäre diesmal ein schlechter Rat gewesen, denn im Juni wurde die Korrektur aus dem Mai nahezu völlig aufgefangen, der US-Aktienmarkt (S&P 500 Index) erzielte sogar ein neues Allzeithoch. Die Wertentwicklung 2019 liegt auch global wieder im zweistelligen Bereich – und das bereits zur Jahresmitte! Ausschlaggebend waren wohl nicht fundamentale Daten, die Konjunkturverlangsamung ist ja weiterhin gegeben, sondern die in Aussicht gestellte monetäre Lockerung der US-Notenbank und infolge auch der EZB und anderer führender Notenbanken. Die Erwartung fortgesetzter Liquiditätspolitik lässt auch eine Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China oder den USA-Iran-Konflikt in den Hintergrund treten.

Gewinner der ersten Hälfte 2019 war sicherlich Russland und damit Osteuropa, auch Europa hat gut aufgeholt, das sah nach dem ersten Quartal noch schlechter aus. China und damit auch Emerging Asia sind im 2. Quartal zurückgefallen, verständlich angesichts des von den USA ausgehenden Handelsstreits.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Globale Konjunktur: Pro und Contra bei Konjunkturdaten

Bei den Konjunkturdaten stehen weiter rückläufige Frühindikatoren für Produktion und Export infolge des Handelskonflikts den bislang stabilen Arbeitsmarkt- und Konsumdaten sowie den positiven Managerumfragen im Dienstleistungsbereich gegenüber. Auch die Entwicklung am Immobilienmarkt zeigt zwar eine gewisse Konsolidierung auf hohem Niveau, aber noch keine Anzeichen einer nachhaltigen Schwächung. Dennoch, die rückläufige Inflationsentwicklung und insbesondere die zuletzt deutlich niedriger gepreisten Inflationserwartungen könnten für die US-Notenbank FED Leitzinssenkungen rechtfertigen, wenngleich die aktuelle US-Konjunktur und die bis dato geringe Arbeitslosenrate solche Maßnahmen derzeit nicht zwingend notwendig erscheinen lassen.

Positive und negative Einflussfaktoren gleichen sich derzeit nicht nur bei den Wirtschaftsdaten, sondern auch bei den Unternehmensdaten aus. Die Stimmung am Aktienmarkt hat sich durch die Erholung im Juni wieder aufgehellt und auch die technische Analyse ergibt ebenso wie die Marktbreite ein konstruktives Bild.

Aktien USA und Europa: Rally trotz abflauender Konjunktur

Obwohl der Höhepunkt in den Gewinnwachstumsraten im Verlauf des Vorjahres erreicht wurde, sind die Zuwachsraten der letzten 12 Monate immer noch deutlich positiv. Die Gewinnschätzungen wurden zwar angesichts einzelner Warnungen von Unternehmen zuletzt wieder mehrheitlich nach unten revidiert, dennoch stellt sich das erwartete Gewinnwachstum im zweiten Halbjahr 2019 und für 2020 trotz abflauender Konjunkturdynamik noch immer durchaus positiv dar.

Die relative Performance zwischen Large Caps und Small Caps in den USA bewegt sich in Zyklen. Seit 2016 haben sich die Aktien der großkapitalisierten Werte mit wenigen Unterbrechungen wesentlich besser entwickelt als die Aktien kleinerer Titel. Nunmehr hat diese Outperformance neue Höchststände erreicht. Eine vorläufige Gegenbewegung käme daher nicht unerwartet. Noch dazu, wo die eher binnenmarktorientierten kleineren Werte weniger vom laufenden Handelskonflikt der USA mit China betroffen sein sollten. Wir haben uns hier entsprechend positioniert.

Niedrige Zinsen und ein solider Konsumsektor stützen das Wachstum

Der vereinbarte Waffenstillstand im Handelskrieg zwischen den USA und China steht auf dünnem Eis und ist so unsicher, dass womöglich ein einziger Tweet von US-Präsident Donald Trump ausreichen würde, um ihn zunichte zu machen. Die Unsicherheiten rund um den Handelskonflikt und seine möglichen Folgen scheinen der globalen Produktion und dem Handel mehr Schaden zugefügt zu haben, als zunächst angenommen. Vor allem China bekam die Auswirkungen des Handelskrieges zu spüren: Bis Ende Mai gingen die Warenexporte in die USA um 14 Prozent zurück. Daneben wirkt sich der Handelskrieg störend auf die Lieferketten aus und sorgt für rückgestellte Investitionen, da Unklarheit über die Produktionsstandorte herrscht. „Dennoch bleiben unsere Wachstumsprognosen positiv“, sagt Tim Drayson, Head of Economics bei Legal and General Investment Management (LGIM).

Gründe dafür hat der Experte einige. So habe unter anderem der Rückgang der globalen Rendite dazu beigetragen, dass der Dienstleistungs-Sektor und die Beschäftigungsrate relativ gut gesichert sind. Darüber hinaus hätten sich die US-Rezessionsindikatoren in den letzten Monaten hinsichtlich der Margen verbessert, da der Druck auf die Schuldendienstkosten nachließ. „Besonders hervorzuheben sind die soliden US-Verbraucherdaten und die niedrige Inflation, die für höhere Realeinkommen sorgt. Der Wohlstand nimmt zu und Kredite sind leichter zugänglich“, führt Drayson fort. Auch das Verbrauchervertrauen sei sehr hoch und stehe im Einklang mit einem anhaltend robusten Wachstum der Konsumausgaben, die mehr als zwei Drittel der US-Wirtschaft ausmachten. „Die Produktionsindustrie hingegen macht nur acht Prozent der Beschäftigungsrate aus. Sofern dieser Wirtschaftsbereich nicht signifikant nachlässt, ist eine Rezession unwahrscheinlich“, resümiert Drayson.

Niedrige Hypothekenzinsen dürften auch den Wohnungsmarkt stützen. Zwar haben Wohnungsbauinvestitionen das Wachstum in den vergangenen Quartalen geschmälert, in der zweiten Jahreshälfte könnten sie sich jedoch positiv entwickeln. „Sollte es nicht zu einer Eskalation im Handelskrieg kommen, dürfte das Gesamtwachstum positiv ausfallen, selbst wenn die Unternehmensinvestitionen stagnieren“, so Drayson.

Neben dem Ausgang der Handelsgespräche seien auch die Haushaltsgespräche im Kongress der Vereinigten Staaten entscheidend: „Bleibt eine Einigung aus, steht die USA vor einer moderaten Fiskalklippe, denn die diskretionären Ausgaben würden 2020 bedingt durch die Budgetobergrenze unter der bestehenden Gesetzgebung um drei Prozent sinken.“

Zusammenfassend geht der Experte davon aus, dass der Zyklus weiter anhalten und das Wirtschaftswachstum 2020 weiter zunehmen werde. „Die Hauptrisiken ergeben sich aus politischen Fehlern, die hinsichtlich des Handelskriegs und in der Fiskalpolitik entstehen könnten. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass jeder Schock durch die Bereitschaft der Fed abgefedert wird, auf Anzeichen von wirtschaftlicher Schwäche zu reagieren“, schließt Drayson.

Marktausblick für das 2. Halbjahr 2019

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das erste Halbjahr 2019 ist vorbei. Auf dem Finanzmarkt verzeichneten viele Wertpapierklassen deutliche Kursanstiege. Gleichzeitig deutete die fallende Tendenz bei zahlreichen Wirtschaftsindikatoren auf eine Abschwächung des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes hin. Lesen Sie in unserem Marktausblick, wie das zusammenpasst.

Stagnation im Fertigungssektor

Zwischen der 2. Jahreshälfte 2018 und dem 1. Quartal 2019 ist die Weltwirtschaft am Potenzial gewachsen. Das ist jener Wert, der langfristig erwartet werden kann  – das heißt über einen Wirtschaftszyklus hinweg betrachtet. Das Potenzial-Wachstum liegt zwischen 2,5 und 3 Prozent. Der Gütersektor musste eine Abschwächung hinnehmen: Sowohl das Wachstum der Industrieproduktion als auch jenes der Unternehmensinvestitionen ist auf ein niedriges Niveau gefallen.

Die Güterexporte schrumpften sogar. Die Frühindikatoren für diese Sektoren, wie etwa der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren“, Zeitreihe „Manufacturing Overall“, Quelle: JP Morgan) zeigen eine weitere Abschwächung in Richtung Stagnation an: für die Produktion und die Investitionen beziehungsweise eine weitere Schrumpfung der Güterexporte.

Erosion im Servicesektor

Im Unterschied dazu blieb der Servicesektor bis zum ersten Quartal vergleichsweise stark. Der globale Einkaufsmanagerindex für den Servicesektor ist im Juni zwar leicht angestiegen, der rückläufige Trend seit dem vergangenen Jahr ist aber eindeutig (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren“, Zeitreihe „Services Business Activity“, Quelle: JP Morgan).

Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren

marktausblick Winzer Grafik Quelle: JP Morgan. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Wachstum unter Potenzial

Betrachtet man die Unterkomponente „Output“ für die beiden Sektoren Fertigung und Services zusammen, schlägt der letzte Wert (51,2) ein Wachstum des realen globalen Bruttoinlandsproduktes zwischen 2,0 und 2,5 Prozent auf das Jahr hochgerechnet vor (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „All-industry Output/business activity“).

Abschwächung des Beschäftigungswachstums

Der Arbeitsmarkt ist in vielen Teilen der Welt Dank der wirtschaftlichen Boom-Phase der vergangenen Jahre nach wie vor kräftig, sprich: die Arbeitslosenraten sind niedrig, und das Lohnwachstum steigt langsam aber doch an. Das unterstützt das Einkommens- und Konsumwachstum.

Allerdings sind auch hier Abschwächungstendenzen erkennbar (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „ All-industry Employment). Sollte das Wirtschaftswachstum tatsächlich unter Potenzial fallen, würde das mit einer Abschwächung des Beschäftigungswachstums einhergehen.

Abwärtsdruck bei der Inflation

Die Inflationsraten in den entwickelten Volkswirtschaften sind niedrig. Gleichzeit fallen sowohl die markt- als auch die umfragebasierten Inflationsindikatoren (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „All-industry Output Prices“).

Zusammen mit dem Wirtschaftswachstum unter dem Potenzial hat sich das Risikoprofil für den Inflationsausblick markant verschoben, nämlich von einer ansteigenden Inflation in Richtung einer fallenden Inflation.

Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten

marktausblick Winzer Grafik 2Quelle: JP Morgan. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Abnahme der politischen und geldpolitischen Risiken

Gleichzeitig haben aufgrund von zwei Entwicklungen die nach unten gerichteten Risiken abgenommen:

  • Erstens wurde Ende Juni am Rande des G20-Treffens in Japan eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen China und den USA verkündet. Damit ist die Gefahr einer unmittelbaren Eskalation im Handels- und Technologiestreit vom Tisch. Bis auf weiteres werden die USA keine weiteren Zollanhebungen auf chinesische Importe vornehmen. Die mittel- und langfristigen Konfliktpotenziale bleiben natürlich bestehen.
  • Zweitens haben zahlreiche Zentralbanken eine Veränderung der geldpolitischen Ausrichtung auf Lockerung vorgenommen. Für die USA werden Leitzinssenkungen im Ausmaß von insgesamt einem Prozentpunkt innerhalb eines Jahres in den Marktpreisen reflektiert. Eine Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte Ende Juli ist sehr wahrscheinlich. Noch vergangenen September ging man von Leitzinsanhebungen um insgesamt 0,8 Prozentpunkte aus.

Lockerung der Geldpolitik

Die bis Ende 2018 begonnene Normalisierung der Leitzinsen (Anhebungen) und der Zentralbankbilanz (Schrumpfung) stand im Widerspruch zur Konjunkturabschwächung.

Nunmehr deuten Zentralbanken Lockerungsschritte an beziehungsweise haben bereits einige Zentralbanken mit Leitzinssenkungen reagiert. Die verwendeten Argumente der Zentralbanken können in drei Kategorien unterteilt werden:

Erstens, geringer Spielraum

Der Abstand der Leitzinsen zur Zinsuntergrenze ist bei den meisten Zentralbanken gering. In der Vergangenheit reagierten Zentralbanken auf eine Rezession mit Leitzinssenkungen im Ausmaß von mehreren Prozentpunkten . Das ist nun nicht mehr möglich. Leitzinsen können nur noch in einem geringen Ausmaß in den negativen Bereich abgesenkt werden.

Zweitens, erhebliche Schätzfehler

Um die Kernvariablen Beschäftigung und Inflation zu prognostizieren, verwenden die Zentralbanken zahlreiche volkswirtschaftliche Modelle. Jede Modellprognose hat jedoch Schätzfehler. Darum blicken die Zentralbanken nicht nur auf Punktprognosen, sondern auch auf die Streuung und verwenden aufgrund der inhärenten Modellunsicherheit nicht nur ein sondern mehrere Modelle. Seit einigen Jahren treffen die vom Zustand des Arbeitsmarktes abgeleiteten Inflationsprognosen (Anstieg) nicht zu. Die sogenannte Phillips-Kurve (Zusammenhang von Inflation und Arbeitslosenrate) ist verstärkt einer kritischen Betrachtung ausgesetzt. Zudem ist die Modellierung eines Handelskonfliktes mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Darüber hinaus gibt es eine große Bandbreite bei der Schätzung des neutralen Leitzinssatzes. Das ist jener Zinssatz der weder dämpfend noch unterstützend auf das Wirtschaftswachstum wirkt. Die ersten beiden Punkte implizieren rascher als früher auf eine Eintrübung des Umfeldes zu reagieren.

Drittens, Veränderung der Reaktion

Wie soll die Zentralbank auf das volkswirtschaftliche Umfeld reagieren? Aktuell geht es vor allem um die Frage, ob die Vergangenheit berücksichtigt werden soll. In vielen Ländern war die Inflation über Jahre hinweg unter dem Inflationsziel der jeweiligen Zentralbank. Wenn das langfristige Inflationsziel der Zentralbank erreicht werden soll (oftmals bei 2 Prozent), würde das eine angestrebte Inflation für die kommenden Jahren erforderlich machen, die über dem Inflationsziel liegt. Wenn die Zentralbanken tatsächlich auf eine solche Sichtweise umstellen, würde das eine noch lockerere geldpolitische Haltung bedeuten.

Marktausblick

Die wichtigsten Gründe für die umfassenden Kursanstiege können mit der vergleichsweise frühen Reaktion der Zentralbanken auf die Eintrübung des volkswirtschaftlichen Umfelds sowie dem „Waffenstillstand“ zwischen den USA und China erklärt werden. Für den Marktausblick auf des 2. Halbjahr geht es vor allem um eine Frage: Wie kräftig wird der schwache Gütersektor den Servicesektor, die Beschäftigung und die Inflation beeinflußen?

Dies wird die Gewinnentwicklung der Unternehmen maßgeblich beeinflussen. Im 4. Quartal 2018 und im 1. Quartal 2019 sind die Gewinne  geschrumpft. Solange es die Zentralbanken schaffen, das Wirtschaftswachstum etwas unter dem Potenzial zu stabilisieren und kein externer Schock eintritt (Handelsstreit, „harter“ Brexit, Krieg mit dem Iran), bleibt der Ausblick vorsichtig optimistisch für die risikobehafteten Wertpapierklassen (Aktien, Anleihen mit höherem Kreditrisiko, Unternehmensanleihen). Mit einer Fortsetzung der überdurchschnittlichen Kursanstiege sollte jedoch nicht gerechnet werden.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Investment-Chancen in die moderne Pharmaindustrie

Neben den Anwendungen an Patienten, die sich nebenwirkungsarme Linderung von Volkskrankheiten sowie seltenen, schweren Krankheiten erhoffen dürfen, wird durch absolvieren von klinischen Studien eine Patentierung vollzogen, die Investoren berechtigt aufhorchen lässt, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc.

So betrachtet man beispielsweiße den Branchen Primus der Cannabinoiden Medizin - GW Pharmaceuticals - aus Großbritannien.

Das von GW patentierte Medikament „Sativex“ wird bereits in mehreren Ländern zur Behandlung von Multiplen Sklerose Spastiken angewandt. Dieses Medikament besteht ca. im Verhältnis 1:1 aus synthetischem THC, das unter dem Prädikat „Dronabinol“ bekannt ist, und natürlichem 
Cannabidiol (CBD).

Gegenwärtig liegt die größte Erwartung auf dem Medikament „Epidiolex“.

2018 gelang es GW das erste pflanzliche Cannabismedikament von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) zuzulassen. Das CBD-Medikament wurde zur Behandlung von zwei seltenen und schweren Formen der Epilepsie zugelassen.

GW meldete für das Medikament im Q4 einen höheren Umsatz als die Analysten erhofften. Bis Anfang des Jahres schien das GW-Vertriebsteam mit rund 70 % aller Epilepsie behandelnden Ärzte Kontakt aufgenommen zu haben. Epidiolex wird bereits für mehr als 80 % der Amerikaner mit einer privaten Krankenversicherung, 90 % der Managed-Medicaid-Verwender sowie 99 % der staatlichen Medicaid-Versicherten Kosten übernommen und angewandt.

Laut Analysten kann allein in den USA das Medikament Epidiolex jährlich einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar erwirtschaften. Nun liegt der Fokus weitergehend auf der europäischen Zulassung von Epidiolex, was GW in diesem Jahr erwartet.

Weitere Zulassungen für die Medikamente Sativex und Epidiolex werden nicht nur für Regionen, sondern auch Krankheitsbilder erwartet. GW arbeitet an verschiedenen Cannabinoid-Präparaten, die etwa gegen Tuberkulosekomplexes (TSC), Autismus-Spektrum-Störungen, Glioblastom (Gehirntumor) sowie Schizophrenie therapieren sollen.

Auch wenn GW nun ein Vorreiter der Cannabinoiden Pharmazie ist, halten sie natürlich kein Monopol auf die Patentierung von Cannabinoiden. Dutzende vielversprechende Unternehmen forschen an Cannabis-Medikation für ein breites Anwendungsspektrum. Betrachtet man nun die Investitionschancen in die Cannabinoide Medizin kann man erwartungsvoll in die Zukunft blicken.


Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 6 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Wasserstoff-Fahrzeuge: Endlich vor dem Durchbruch?

Jules Verne beschrieb in seinem Roman „Die geheimnisvolle Insel“ bereits 1874 „Wasser als Brennstoff der Zukunft“. Die Bemühungen um wasserstoffbetriebene Fahrzeuge weckten seither jedoch eher Assoziationen mit Samuel Becketts „Warten auf Godot“. In den letzten Jahren liefen ihnen zudem Batteriefahrzeuge den Rang ab. Wasserstoffantriebe könnten dennoch das zentrale Element künftiger E-Mobilität bilden, möglicherweise auch in Koexistenz mit dem Batterieantrieb, erklärt Stephan Meier, Investment Writer bei der Raiffeisen KAG.

Wasserstoff ist energiereich, faktisch unbegrenzt verfügbar und als Verbrennungsprodukt fällt im Grunde nur Wasser an. Trotz dieser positiven Voraussetzungen gibt es bislang nur sehr wenige wasserstoffbetriebene Fahrzeuge, vor allem aufgrund technologischer Hürden und mangelnder Wirtschaftlichkeit. In einigen Bereichen ändert sich das aber zusehends.

Wasserstoff ist im Universum zwar das häufigste Element, in freier Form auf der Erde aber kaum verfügbar. Er wird heutzutage vorrangig aus Erdgas extrahiert, zum Teil auch aus Erdöl oder Biomasse. Dabei wird mit den Standardverfahren jedoch ähnlich viel CO2 freigesetzt wie beim Verbrennen von Öl und Gas. Nur sehr wenig Wasserstoff wird derzeit durch das Aufspalten von Wasser (Elektrolyse) erzeugt. Dieses Gewinnungsverfahren macht den eigentlichen grünen Reiz einer Wasserstoffwirtschaft aus, benötigt aber viel Elektroenergie. Wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist es nur, wenn dafür Strom aus erneuerbaren Energiequellen eingesetzt wird, vorzugsweise solcher, der ohnehin gerade nicht anderweitig verwendbar ist.

Dieser könnte in Form von Wasserstoff zugleich kostengünstig gespeichert werden. Damit ließe sich auch ein ganz zentrales Problem beim Ausbau erneuerbarer Energien lösen. Denn nur mit Speichermöglichkeiten, für die bei Wind und Solar zeitweise anfallenden Stromüberschüsse, ist der Ausbau dieser Energiegewinnung wirklich sinnvoll. Pumpspeicherwerke oder Batterien werden dafür bei weitem nicht ausreichen. Erneuerbare Energiegewinnung und den Transportsektor koppeln zu können, ist ein Hauptargument für den Wasserstoff. Laut einer deutschen Studie aus dem Jahr 2017 könnte allein die Überschussleistung der bis 2050 geplanten Wind- und Solarkapazitäten den gesamten deutschen Straßenverkehr mit Wasserstoff versorgen. Im Fahrzeugbereich ließe sich Wasserstoff ganz konventionell in einem Ottomotor verbrennen.

WASSERSTOFF: THEMA FÜR GROSSFAHRZEUGE IM DAUERBETRIEB – WENIGER FÜR PKWS

Die Fahrzeughersteller konzentrieren sich aber eher auf den Elektroantrieb mit Hilfe einer Brennstoffzelle. Die Gesamtkosten für Anschaffung und Betrieb eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs (Fuel Cell Electric Vehicle, kurz: FCEV) liegen dabei noch weit über denjenigen von Batterie- oder Verbrennungsfahrzeugen und die Energiebilanz für den Gesamtprozess (Strom zu Strom) ist sehr dürftig. Inklusive Herstellen, Speichern und anschließendem Rückverstromen von Wasserstoff beträgt der Wirkungsgrad derzeit weniger als 50 %. Batterien sind da weit effizienter. Doch ihre Herstellung verschlingt oft enorme Ressourcen, sie sind schwer, groß und nur begrenzt verfügbar. Für Schwerlastanwendungen mit großen Reichweiten und Dauerbetrieb (LKWs, Busse, Schiffe, Züge) sind Batterieantriebe kaum geeignet. Hier werden weltweit in wachsendem Maße Brennstoffzellen eingesetzt, zumal die benötigten Wasserstofftanks sich dort besser unterbringen lassen und die erforderliche Infrastruktur überschaubarer ist. Bei PKWs hingegen bleiben Batterien wohl auf absehbare Zeit das Mittel der Wahl für E-Mobilität.

ZAHLREICHE HERAUSFORDERUNGEN

Bislang muss Wasserstoff für Lagerung, Transport und Bereitstellung stark komprimiert oder verflüssigt werden. Das kostet abermals Energie, erfordert teure Betankungsanlagen und birgt Sicherheitsrisiken. Einen Ausweg bieten möglicherweise neue Metallhydrid- und LOHC-Technologien. Flüssige organische Wasserstoffträger (Liquid Organic Hydrogen Carriers, kurz: LOHC) können durch chemische Reaktion Wasserstoff aufnehmen und wieder abgeben. In LOHC gespeicherter Wasserstoff ist völlig ungefährlich und für den Transport lässt sich die bereits vorhandene Infrastruktur nutzen, etwa Pipelines oder Tanklaster. Der Trägerstoff LOHC ist dabei hunderte Male verwendbar. Vor allem für stationäre Speicherung und für Großfahrzeuge wie Busse, Schiffe oder Züge könnte er deutliche Vorteile bieten und bei großen Speichermengen sehr viel günstiger sein als Batterien. Für PKWs ist das LOHC-Konzept auf absehbare Zeit nicht umsetzbar.

Mit sehr viel höheren Stückzahlen ließen sich die Kosten für Herstellung und Betrieb von FCEV und die nötige Infrastruktur deutlich senken, doch verhindern die hohen Preise bislang eine entsprechende Nachfrage. Genau diese Kostendegression gibt es derzeit bei batteriebetriebenen Elektroautos (Battery ElectricVehicle, kurz: BEV). Deshalb und aufgrund des hohen regulatorischen Drucks zur CO2-Reduktion forcieren fast alle Automobilhersteller gegenwärtig die Batterietechnologie. Zwar verfolgen sie den Wasserstoffantrieb meist trotzdem weiter. Das Risiko besteht jedoch, dass gerade die europäischen Autokonzerne sich zu sehr auf den Batterieantrieb fixieren und Alternativen wie Wasserstoff zu wenig beachten. China dagegen betrachtet Wasserstoff und die Brennstoffzelle offenbar als essenzielle Zukunftstechnologien, potenziell sogar noch vor Batteriefahrzeugen. Mittels hoher Subventionen und Investitionen sollen auch hier die notwendige kritische Masse und die globale Technologieführerschaft erreicht werden.

Eine Studie des Forschungszentrums Jülich sieht in etwa vergleichbar große Kosten für Aufbau und Betrieb einer BEV-respektive FCEV-Infrastruktur. Sie empfiehlt eine intelligente Kombination beider Konzepte, statt eines Entweder-oders, um die jeweiligen Stärken beider Technologien auf verschiedenen Anwendungsfeldern zu verbinden.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Elektromobilität“ finden Sie links als PDF.

Cybersicherheit: Die Sterne stehen günstig

Geopolitische Spannungen, mehr Regulierung und das neue 5G. Dieses ungleiche Sternentrio strahlt über der Cybersicherheitsbranche und deren Anlegern, so das Advisory Board von Pictet Asset Management.

Trumps Angriff auf Huawei machte einmal mehr deutlich, dass der Handelskrieg mit China viel bedeutsamer ist als das US-Handelsdefizit. Im Wesentlichen geht es bei dem Streit um die nationale Verteidigung – ein Segen für die Sicherheitsbranche und diejenigen, die darin investieren. 

ABB. 1 AUSGABEBOOM

Weltweite Ausgaben für Sicherheitslösungen, in Mrd.US-$ 

Quelle: IDC, 2018 

In einer Welt, in der Informationen Macht bedeuten, ist es mehr der digitale als der physische Raum, der am meisten geschützt werden muss – das hat die russische Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahlen in den USA 2016 über soziale Medien eindrucksvoll gezeigt.

Die Abwehr disruptiver Angriffe sowie der Schutz von Informationen und der Bürger vor Datenausschleusung und potenziell schädlichen Einflüssen sind zu nationalen Prioritäten für viele Industrieländer geworden.

Die globalen Ausgaben für Cybersicherheit wachsen um rund 10% pro Jahr – das ist dreimal so viel wie die breitere Wirtschaft – und dürften bis 2021 auf  120 Mrd. US-$ steigen (siehe Abb. 1).

Wir gehen davon aus, dass geopolitische Spannungen der Branche und den Renditen für die Anleger zusätzlich Auftrieb geben werden.

Europa auf dem Vormarsch

Die Sicherheitsbranche, die ihren Ursprung in Nordamerika hat, wird zunehmend auch in anderen Ländern stark. Europa bringt immer mehr vielversprechende Innovationen und Unternehmen im Bereich der Cybersicherheit hervor – das konnten wir und die Fondsmanager nach ausführlichen Gesprächen vor Ort und Treffen mit Startups überall auf dem Kontinent feststellen.

Dafür gibt es mehrere Gründe.

Erstens: Die Regierungen in Europa haben erkannt, dass sie es alleine nicht schaffen können. In der gesamten Region haben sie sich mit Cybersicherheitsunternehmen zusammengetan – im Rahmen einer EU-Initiative stehen Gelder in Höhe von 450 Mio. Euro für eine neue privat-öffentliche Partnerschaft in diesem Bereich zur Verfügung. Im Vereinigten Königreich werden durch steuerliche Anreize Investitionen in Technologie-Startups, die sich in einer frühen Entwicklungsphase befinden, gefördert; davon profitieren auch Cybersicherheitsunternehmen.

Zweitens: Europa kann aus einem enormen Wissenspool auf dem Gebiet der Sicherheit schöpfen. Als nach der Schuldenkrise 2008 Arbeitsplätze in der europäischen Finanzbranche abgebaut wurden, wechselten viele der klügsten Köpfe des Kontinents in die Technologiebranche.

Drittens: Regulierung. Mit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGV) der EU 2018 hat die Nachfrage nach Cybersicherheit branchenweit zugenommen.

Viertens: Europäische Unternehmen sind sehr gut aufgestellt, da die Feindseligkeiten zwischen den USA und China neue Möglichkeiten für Sicherheitsdienstleistungen von Dritten eröffnen.

Die Schätzungen gehen auseinander, aber Analystenunternehmen gehen von einem zweistelligen jährlichen Wachstum für den europäischen Cybersicherheitsmarkt in den kommenden fünf Jahren aus.1

ABB. 2 EIN PROBLEM, DAS MIT 13 MRD. US-$/JAHR ZU BUCHE SCHLÄGT

Kosten von Cyberangriffen 2018 nach Angriffsart, Mrd. US-$

Quelle: Accenture, „The cost of cybercrime“, 2019

Herausforderung „Internet der Dinge“

Das wiederum dürfte die Branche in eine bessere Lage versetzen und ihr die Möglichkeit geben, die mit dem Wachstum des „Internet der Dinge“ verbundene Herausforderung zu meistern.

Da überall auf der Welt die 5G-Technologie eingeführt wird, werden mehr Geräte denn je mit dem Internet verbunden sein. 2021 könnten es 25 Milliarden verbundene Geräte weltweit sein, aktuell sind es rund 14 Milliarden. Diese Geräte – vom Kühlschrank bis zur Türklingel – könnten ein Viertel aller Ziele von Cyberangriffen ausmachen.2

Mit der wachsenden Zahl verbundener Geräte explodiert auch das Volumen privater Daten, deren Richtigkeit und Echtheit immer schwieriger zu überprüfen sind. KI-Tools könnten dabei helfen, während langfristig vermutlich Quantencomputing die nötige Schnelligkeit und Kapazität für die Bewältigung des Volumens bieten wird.

Cyberkonsolidierung

Zusammen bilden die neuesten technologischen Entwicklungen, regulatorischen Veränderungen und der stärkere Fokus der Regierungen auf Verteidigung angesichts der geopolitischen Spannungen ein außerordentlich fruchtbares Umfeld für Wachstum – und Investmentgelegenheiten –  in der Cybersicherheitsbranche.

Ein Beleg hierfür ist die Welle an Fusionen und Übernahmen. Zu den spektakulärsten Transaktionen gehörte die Übernahme von Imperva (befand sich zum Zeitpunkt der Übernahme im Portfolio von Pictet-Security) durch Thoma Bravo für 2,1 Mrd. US-$ und der Erwerb von Duo, einem Spezialisten für Identitätsauthentifizierung, durch Cisco für 2,35 Mrd. US-$.

Nach unserer Einschätzung haben Anleger in der Sicherheitsbranche nicht nur die Möglichkeit, an dem langfristigen Wachstumstrend zu partizipieren, sondern sie profitieren auch von gewissem Schutz im Fall unvorhersehbarer größerer globaler Ereignisse.


1) ResearchAndMarkets.com, TechSciResearch
2) Gartner, „Leading the IoT“ und „Top Strategic IoT Trends and Technologies Through 2023“

Mehr über thematische Anlagen:

Über das Beratungsgremium

Jede thematische Strategie profitiert von einem engagierten Beratungsgremium namhafter Wissenschaftler, Unternehmer und Akademiker. Dies ermöglicht uns, unsere Ansichten gegen Fachleute in ihren jeweiligen Bereichen zu testen und uns damit ein vertieftes Verständnis für das regulatorische Umfeld und die Trends zu verschaffen, die das Thema unterstützen.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Where next for China A-shares?

by Louisa Lo, Head of Greater China Equities at Schroders.

The rise of China’s A-shares market is a theme that can’t be ignored. Here’s where we’re seeing opportunities in the country.

China’s domestic stock market is on the rise and we think it represents a potentially very attractive long term opportunity for investors.

There is a striking disparity between China’s share of global economic growth and its share of the global stockmarket index. Chinese stocks currently represent just 3.8% of the MSCI All-Country World Index, while China’s share of global GDP is 16%.

With the market opening up to foreign investors, and given MSCI’s recent decision to include China A-shares into its global indices, we expect China’s representation in global portfolios to increase significantly over the coming years..

How investors access Chinese shares

Investors can access Chinese equities through a variety of channels:

  • The companies quoted in Hong Kong (H-shares, red chips and P-chips)
  • The depository receipts quoted on the NASDAQ exchange in the US (these are called American Depositary Receipts and enable access to the likes of tech giants Alibaba or Baidu)
  • The on-shore domestic market (A-shares).

There is still important progress to be made in A-shares, with the on-shore market only recently opening up to international investors through the Shanghai-Hong Kong (2014) and Shenzhen-Hong Kong (2016) Stock Connect programmes.

These programmes allow foreign investors to access domestic Chinese equities (A-shares) through the Hong Kong Stock Exchange. However, only 3% of investors in the domestic market are foreigners.

Retail investor dominance

The A-shares market remains dominated by domestic retail investors who make up 86% of daily trading volume, compared to 35% for the Hong Kong market.

This high proportion of retail investors contributes to the higher volatility of the market relative to more developed exchanges. This is because retail investors typically have shorter investment time horizons and respond more to market events, resulting in more buying and selling of shares and higher market volatility.

That said, the market is attractive for active fund managers who can take advantage of the inefficiencies in the market. Looking across the board, the median China A-shares fund manager has outperformed the MSCI China A Onshore benchmark in four of the last five years.

Market shifts

Over the last few years, investor interest has shifted from "old" China (infrastructure, banks, telecoms) to a greater focus on consumer (staples, food & beverages) and so-called "new economy" stocks (healthcare, consumer discretionary, IT).

This is because the driving force behind Chinese growth is increasingly based on the consumer. We expect this shift to continue.

Another theme we’ve been seeing in China is the push towards automation, given the need for China to improve productivity. This move is also consistent with the need to produce goods with better quality, and to become more self reliant in terms of technological capability.

The A-shares market remains very well balanced in terms of sectors, especially when compared to Hong Kong where technology, banks and commodities still dominate the index. This means it is possible to manage a more diversified portfolio on the A-shares market.

Meanwhile, inflows to the market have been strong since the start of the year, despite constant headlines around US-China trade tensions.

It’s also worth noting that the Chinese market has a low correlation to the other global markets, which can provide diversification benefits. But investors need to remember that this is still an emerging market, with a higher level of volatility.

Which sectors in China A-shares are of interest?

At the moment, we continue to see a number of potentially attractive investment opportunities in the Chinese market.

One of the sectors we are especially interested in is healthcare. There has been a strong trend towards the outsourcing of manufacturing and research & development of drugs by pharmaceutical companies. We expect firms operating in this area to become more prevalent going forward.

Elsewhere, while we remain cautious on real estate companies, insurance companies are of interest to us due to the level of penetration of insurance products in China, which remains low.

Corporate governance catch-up

Finally, from a corporate governance perspective, in many cases companies are still catching up, in terms of the standards generally seen in more developed markets. However, the trend is definitely positive and we think the level of domestic ESG (Environmental Social and Governance) standards will improve going forward, with increased engagement from institutional investors.


The views and opinions contained herein are those of the author and may not necessarily represent views expressed or reflected in other Schroders communications, strategies or funds.

This article has first been published on schroders.com.

Zwischenresümee: Zins- und Renditesituation in der Eurozone

Spätestens die Schlagzeile „Rekordtemperaturen im Juni“ macht offenkundig, dass sich das erste Halbjahr des Jahres 2019 dem Ende zuneigt. Und diese sechs Monate hielten für Anleger einige Überraschungen parat. Vor allem die Marktentwicklung hatte in dieser Form niemand in den Karten. Wer hätte gedacht, dass die Rendite einer zehnjährigen deutschen Bundesanleihe um mehr als einen halben Prozentpunkt auf nunmehr minus 0,3 % fallen würde; dass das US-Pendant unter 2 % liegen würde; dass sowohl in den USA als auch in der Eurozone Zinssenkungen auf die Tagesordnung kommen; dass die Aktienmärkte deutlich zweistellig zulegen könnten... und so weiter. Wenigstens auf etwas ist Verlass: der US-Präsident ist weiterhin völlig unberechenbar. Die Fondsperformance liegt vor diesem Hintergrund weit über den Erwartungen. Über alle Risikokategorien hinweg übertrifft die aktuelle Wertentwicklung bei weitem jene, die für das gesamte Jahr erwartet worden war.

Hinter den Erwartungen liegen allerdings die Einschätzungen, die im Rahmen der Taktischen Asset-Allocation im ersten Halbjahr getroffen wurden. In den ersten Monaten des Jahres waren wir zu vorsichtig, weshalb wir Ertrag liegen gelassen haben. Ein wesentlich größeres Problem ist hingegen die immer extremere Zins- und Renditesituation in der Eurozone. Viele Marktsegmente sind von der Anlageklasse zum Spekulationsobjekt mutiert, denn die wichtigste Eigenschaft einer Anlageklasse, der laufende Ertrag, ist in vielen Fällen nicht mehr vorhanden. Bei einer negativen Rendite kann man nur Ertrag erwirtschaften, wenn der Kurs steigt und die Rendite noch weiter fällt. Die etwas ruhigeren Sommermonate können wir nutzen, um über die Auswirkungen dieses Befundes nachzudenken.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Anleihen: Liquiditätsgetriebene Rally

Die traditionell mit höherem Risiko ausgestatteten Unternehmensanleihen – insbesondere High-Yield-Anleihen – und Emerging Market-Anleihen lassen sich von schwächeren Konjunkturdaten nicht beeindrucken. Ganz im Gegenteil, sie setzen ihren Lauf seit Jahresbeginn fort und können von der mittlerweile erwarteten US-Leitzinssenkung respektive dem neuen Liquiditätsschub aller globalen Zentralbanken am meisten profitieren. Mittlerweile hat sich die Markterwartung ja gedreht: bis Mai wurde zu US-Leitzinsen stets „unverändert“, nun jedoch eine Zinssenkung zum nächsten Termin Ende Juli gepreist.

Aber auch Staatsanleihen konnten profitieren, zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentieren nun bereits unter minus 0,3 %, die Wertentwicklung der Anleihen hat sich damit von den Erträgen aus den Kupons völlig abgekoppelt.

Der Einfluss der Währung, der bisher – hauptsächlich für US-Titel – eine zusätzliche Komponente der Wertentwicklung bildete, kann mittlerweile vernachlässigt werden: US-Dollar und britisches Pfund liegen etwa auf dem Niveau vom Jahresbeginn.

Geld-/Kapitalmarkt: Leitzinssenkung in USA erwartet

Die derzeit global schwache Entwicklung der Inflationserwartungen steht weiter im Mittelpunkt der Überlegungen der großen Notenbanken, die nun abermals eine lockerere Geldpolitik forcieren könnten. So wird erwartet und vom Markt entsprechend gepreist, dass die US-Notenbank Ende Juli die erste Zinssenkung seit über zehn Jahren durchführen wird. Auch in der Eurozone stehen die Zeichen auf neuerlichem geldpolitischen Stimulus wie etwa der Wiederaufnahme von Anleihekäufen, die ja erst Ende 2018 geendet hatten. Offenbar sind die Notenbanken der Meinung, dass ohne derartige Maßnahmen das Erreichen des Inflationsziels (2 %) in den beiden Währungsräumen nicht möglich ist.

Wir bleiben diesbezüglich skeptisch und vorerst bei unserem Untergewicht europäischer inflationsindexierter Anleihen. Klar übergekauft erscheint uns jedoch der Euro-Anleihenmarkt und hier insbesondere die Staatsanleihen, wo zuletzt sehr viel an Fantasie hinsichtlich der EZB eingepreist wurde.

Staats- und Unternehmensanleihen: Fallende Renditen in Erwartung lockerer Geldpolitik

Mittlerweile notiert rund ein Viertel aller global handelbarer Anleihen bei einer negativen nominellen Rendite. Vor allem in der Eurozone scheint das Inflationsziel von 2 % p. a. weit außer Reichweite und bezüglich der Wirkung des abermaligen Einsatzes geldpolitischer Stimulus-Maßnahmen bleiben wir vorerst skeptisch. Daher untergewichten wir weiterhin europäische gegenüber US-amerikanischen inflationsindexierten Staatsanleihen und gegenüber nominellen Euro-Anleihen. Wir behalten auch unser Übergewicht von Emerging-Market-Staatsanleihen bei.

Unternehmensanleihen profitierten im Juni von gesunkenen risikoarmen Staatsanleiherenditen und niedrigeren Risikoprämien. Trotz eines bereits außerordentlich guten Refinanzierungsumfeldes in der Eurozone dürfte der erwartete geldpolitische Stimulus (u. a. Anleihekäufe) dieser Assetklasse zusätzlichen Rückenwind verleihen. Wir nehmen im Rahmen unseres Unternehmensanleihen-Exposures weiterhin entsprechendes Risiko in Kauf. Die Übergewichtung von Euro-Unternehmensanleihen mit höherem Kreditrating gegenüber Euro-High-Yield bleibt aufrecht.

Mercosur: Größte Freihandelszone der Welt umstritten

Der G20-Gipfel startete Ende Juni unter schwierigen Vorzeichen: Die USA und China hatten offiziell ihre Handelsgespräche unterbrochen, der Konflikt um das Atomabkommen mit dem Iran war zuletzt erneut eskaliert und rund um den Brexit blieben weiterhin viele Fragen ungeklärt.

Noch selten dürfte sich die Gruppe der 20 wichtigsten Industriestaaten und mit ihr die Weltwirtschaft mit so vielen schweren Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert gesehen haben. Nicht nur Anleger blickten daher erwartungsvoll auf den Auftakt des Treffens im japanischen Osaka.

EU und Mercosur: Positive Überraschung in angespanntem Umfeld

Und tatsächlich startete das Wochenende mit einem Durchbruch. Doch die Nachricht, die den Kreis aus Protektionismus und Unsicherheit durchbrechen sollte, kam nicht aus Japan, sondern aus Brüssel und Buenos Aires:

Die Europäische Union und der südamerikanische Staatenbund Mercosur meldeten die Schaffung der größten Freihandelszone der Welt. Nach Verhandlungen, die sich über 20 Jahre gezogen hatten, erzielte man nun eine politische Einigung über den Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen. Der scheidende EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach von einem „historischen Moment“.

Das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay soll den Warenaustausch stärken und Unternehmen Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe bringen. Die EU-Kommission schätzt, dass das vereinbarte Abkommen europäischen Unternehmen 4 Milliarden Euro an Zöllen ersparen wird.

Potenzial an Waren- und Kapitalmärkten

Die Exporte von Unternehmen aus der EU in die vier Mercosur-Staaten beliefen sich Daten der Kommission zufolge 2018 auf rund 45 Milliarden Euro, in die andere Richtung waren es Ausfuhren im Wert von 42,6 Milliarden Euro. Für die lateinamerikanischen Staaten ist die EU bereits der wichtigste Handels- und Investmentpartner. Mercosur exportiert vor allem Nahrungsmittel, Getränke und Tabak in die EU.

Von dort gehen wiederum vor allem Maschinen, Transportausrüstungen sowie Chemikalien und pharmazeutische Produkte nach Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Auch am Kapitalmarkt stehen die beiden Regionen in regem Austausch.

Das kumulierte Volumen von Kapital aus der EU stieg von 130 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 381 Milliarden Euro im Jahr 2017. Umgekehrt hielten Investoren aus den Mercosur-Staaten im Jahr 2017 Beteiligungen im Wert von 52 Milliarden Euro in der EU.

Mercosur

Nächste Schritte und Skepsis

Bereits kurz nach Bekanntwerden der „historischen“ Vereinbarung  zeichnete sich Widerstand dagegen ab. Denn während sich Branchen wie die Autoindustrie mit den vorgesehenen Veränderungen zufrieden zeigten, fürchten beispielsweise Landwirte verschärfte Konkurrenz durch Rindfleisch, Geflügel und Zucker aus Südamerika.

Dort gelten schwächere Vorgaben beim Umwelt- Klima- und Pflanzenschutz und beim Einsatz von Antibiotika, was auch Konsumenten- und Umweltschützer auf den Plan rief: „Frankreich ist derzeit nicht bereit, das Abkommen zu ratifizieren“, sagte eine Regierungssprecherin in der Vorwoche im französischen Rundfunk.

Bevor das Abkommen umgesetzt werden kann, müssen unter anderem alle Mitgliedsstaaten der EU sowie das EU-Parlament dem Vertrag zustimmen. Und dafür wird es wohl noch Nachverhandlungen  und zusätzliche Vereinbarungen in einigen Bereichen brauchen. Die größte Freihandelszone der Welt ist also noch nicht am Ziel. Der Meilenstein ihrer Vereinbarung kann jedoch als positives Signal in einem konfliktreichen Umfeld gesehen werden.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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Emerging-Markets-Anleihen: Chancen trotz schwächerer Weltwirtschaft

Emerging-Markets-Anleihen legten im ersten Halbjahr 2019 einen starken Start hin. Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen performten in diesem Zeitraum gut, aber eine noch bessere Entwicklung zeigte sich bei Staats- und Unternehmensanleihen in Hartwährungen – insbesondere bei in US-Dollar emittierten Anleihen - deren Erträge gegenüber den Lokalwährungen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres deutlich besser abschnitten. Viele Investoren fragen sich, ob diese Entwicklung Bestand haben wird. Uday Patnaik, Head of Emerging Markets Debt bei Legal & General Investment Management, geht davon aus, dass dies nicht bei allen Schwellenländern der Fall sein wird – er sieht aber auch im derzeitigen Marktumfeld attraktive Chancen bei ausgewählten Emerging Markets: „Die Weltwirtschaft einschließlich der US-Wirtschaft wird sich wahrscheinlich in den nächsten sechs bis zwölf Monaten abschwächen. Dazu gesellen sich idiosynkratische Probleme innerhalb der Schwellenländer. Ich bin aber weiter fest davon überzeugt, dass sich mit der richtigen Positionierung in den Schwellenländern ein bedeutendes Alpha generieren lässt – nicht zuletzt infolge der Informationsasymmetrie in den Emerging Markets.“

In Bezug auf die Risiken sorgt sich der Experte vor allem um eine Eskalation des Handelskrieges zwischen China und den USA und als Folge dessen auch um einen möglichen Handelskrieg mit der EU im Laufe dieses Jahres, beispielsweise im Automobilsektor. „Unter der Annahme, dass sich die aktuelle globale Handelsdynamik nicht verbessert und die Situation in den nächsten Monaten weiter anhält oder sich sogar verschlechtert, wird der Welthandel das schwächste Jahr seit der Finanzkrise erleben. Dies könnte zu einer Verschärfung der finanziellen Bedingungen insbesondere außerhalb der USA führen und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes dämpfen. Es versteht sich von selbst, dass sich das globale Wachstum in einem solchen Szenario weiter abschwächen wird“, so Patnaik.

In Bezug auf idiosynkratische Herausforderungen aber auch Chancen innerhalb der Emerging Markets liegt der Fokus für Uday Patnaik hauptsächlich auf dem Wachstum Chinas – und darüber hinaus auch auf der Politik und den geldpolitische Maßnahmen in der Türkei, den Wahlen von Argentinien Ende 2019 und der Inflation in diesem Land, dem US-Iran-Konflikt und den möglichen Auswirkungen auf die Rohölpreise im Falle einer Eskalation, der wirtschaftlichen und humanitären Krise in Venezuela und der brasilianischen Rentenreform.

Chancen in Ägypten und Nigeria

Im Hinblick auf renditestärkere Gelegenheiten im Subinvestment-Grade-Bereich schätzt Patnaik derzeit Hartwährungsanleihen in Ägypten und Nigeria, einschließlich ausgewählter nigerianischer Finanzwerte. „Ägypten ist eine große, diversifizierte Wirtschaft in Nordafrika, dessen BIP-Wachstum mit aktuell 5,5 Prozent an Fahrt aufnimmt. Die Inflation ist stark gesunken - von 33 Prozent Mitte 2017 auf 13 Prozent im April dieses Jahres. Ägypten wird 2019 zum ersten Mal nach 15 Jahren einen Primärüberschuss von voraussichtlich 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften“, so Patnaik. In nur zwei Jahren hätten Wachstums- und finanzpolitische Restriktionen dazu beigetragen, die Staatsverschuldung von über 100 Prozent des BIP im Jahr 2017 auf rund 85 Prozent des BIP in diesem Jahr zu senken. Darüber hinaus bleibe der externe Sektor mit diversen Zuflüssen unter anderem aus dem Tourismus, Einnahmen aus dem Suezkanal sowie ausländischen Direktinvestitionen, sogenannten Foreign Direct Investments – kurz FDI -, stark. Die Devisenreserven seien mit rund 44 Milliarden US-Dollar auf dem höchsten Stand aller Zeiten und decken einen Importbedarf von 6,5 Monaten ab.

„In Nigeria sind die Unsicherheiten, die sich im Vorfeld der Wahlen ergeben hatten, mit der Wiederwahl des Amtsinhabers beseitigt. Der Zentralbankgouverneur wurde erneut gewählt, was Kontinuität in der Geld- und Fiskalpolitik verspricht. Mit 400 Milliarden US-Dollar ist Nigeria die größte Volkswirtschaft in Kontinental-Afrika und zum Beispiel größer als die Südafrika oder Ägypten. Die Haushaltsdefizite sind stabil bei 4,5 Prozent des BIP, aber mit einem öffentlichen Schuldenstand von nur 20 Prozent des BIP und damit weniger als die Hälfte des regionalen Durchschnitts“, fährt Patnaik fort. Im Außenhandel verzeichnete die Leistungsbilanz einen Überschuss mit Devisenreserven von 45 Milliarden US-Dollar – die Leistungsbilanz übersteigt die Staatsschulden annähernd das Zweifache der Staatsschulden und bedeutet eine Abdeckung der Importe über einen Zeitraum von zehn Monaten. Nigeria sei zwar von Öl abhängig, weist aber einen niedrigen Schuldenstand und eine Verbesserung der Ölproduktion seit Mitte 2016 auf. „Dazu gesellt sich die Tatsache, dass die Überweisungen und Portfolioströme fast 60 Prozent der Gesamtexporte ausmachen, was der Investment-Story mehr Stabilität verleiht“, erläutert Patnaik.

Im Investment-Grade-Bereich übergewichtet der Experte schließlich Katar. „Die jährlichen Exporte des Landes belaufen sich auf fast 50 Prozent des BIP, und der Leistungsbilanzüberschuss betrug im vergangenen Jahr mehr als 9 Prozent des BIP. Darüber hinaus lag der gesamtstaatliche Überschuss im vergangenen Jahr bei 5 Prozent des BIP, und es wird erwartet, dass der Überschuss in diesem Jahr auf über 6 Prozent ansteigen wird“, so Patnaik. Die QIA-Vermögenswerte von rund 320 Milliarden US-Dollar entsprechen 170 Prozent des BIP und 350 Prozent der Staatsverschuldung. Die Größe der Vermögenswerte ist so bemessen, dass sie Steuerausgaben über einen Zeitraum von 5,5 Jahren auf dem derzeitigen Niveau finanzieren können. Katar ist allerdings von der regionalen Geopolitik betroffen, insbesondere in Bezug auf seine Nachbarländer. Dies könnte sich jedoch unter dem Druck der USA etwas abschwächen.

Für Venezuela sei es wahrscheinlich, dass das Maduro-Regime in den nächsten Quartalen enden wird. Mit dem Druck der US-Regierung, der Flüchtlingskrise, der Hyperinflation, einer implodierenden Wirtschaft und US-Embargos ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Maduro-Regierung genügend US-Dollar aufbringen wird, um das Militär weiterhin zu einer Unterstützung zu bewegen. Venezuela ist interessant, weil es über eine der größten, wenn nicht sogar die größten Ölreserven der Welt verfügt. In den späten 1970er bis frühen 1980er Jahren wurde Venezuela von den internationalen Ratingagenturen mit AAA bewertet. „Venezuela muss seine Wirtschaft umstrukturieren und Investitionen einleiten, um die Ölförderung wiederzubeleben. Um diese wirtschaftlichen Ziele zu erreichen, muss jedoch zunächst die politische Situation gelöst werden. Wir halten unser Exposure auf venezolanischen Anleihen, da wir glauben, dass der ultimative Aufwärtstrend deutlich höher ist als aktuell eingepreist“, schließt Patnaik.

Top-down-Ansatz bei Investments in Schwellenländeranleihen erfolgversprechend Aus Sicht von Uday Patnaik sind Investoren bei Investments in Schwellenländeranleihen gut beraten, auf einen Top-down-Ansatz zu achten. „Die Schwellenländer und die Performance ihrer Schuldtitel werden von globalen Entwicklungen bestimmt. So müssen neben anderen Faktoren beispielsweise die US-Kurse, der US-Dollar, die Rohstoffpreise – insbesondere im Hinblick auf Rohöl und Metalle –, die Geopolitik, die Aktien- und Zinsvolatilität, die Weltwirtschaft und die Geldpolitik der Zentralbanken in den G7-Ländern plus China berücksichtigt werden. Deshalb ist ein makrothematischer Top-Down-Investmentansatz wichtig“, so Patnaik. „Ich verfüge über eine 30-jährige Erfahrung in Investments in Schwellenländeranleihen und habe in dieser Zeit noch nie einen Bottom-up-Ansatz erlebt, der in der Lage ist, das Kundenkapital zu schützen und Drawdowns so erfolgreich zu begrenzen wie ein Top-down-Ansatz.“

PE-Investitionen in Emerging Markets – guter Zeitpunkt für einen Einstieg?

Schwellenländer weisen trotz Handelskonflikten hohe Wachstumsraten auf. Private-Equity-Investitionen in diesen Regionen weisen tiefere Einstiegsbewertungen auf als vergleichbare Investitionen in Industrienationen. Darüber hinaus bieten Schwellenländer gute Möglichkeiten für Investoren mit Fokus auf Umwelt- und Sozialkriterien. Die Herausforderung bleibt, sich auf Anbieter zu konzentrieren, die durch Erfahrung, lokales Know-how und Risiko-Verständnis in den Märkten punkten.

„Im vergangenen Jahr sind die Bewertungen von Private-Equity-Anlagen von einer bereits hohen Basis aus weiter angestiegen, trotz einer leichten Abschwächung im letzten Quartal“, sagt Philipp Müller, Head of Investment Solutions bei BlueOrchard. „Dies ist vor allem auf den zunehmenden Wettbewerb für Transaktionen durch Private-Equity-Manager und strategische Käufer zurückzuführen, die in Zeiten niedriger Zinsen auf der Suche nach Renditen und Wachstum sind.

Selbst während eskalierender Handelskonflikte zeigen Schwellenländer ein starkes Wachstum. Der Binnenkonsum in Emerging Markets hat sich in den letzten Jahren beschleunigt und stellt in Kombination mit demografischen Trends und einem stärkeren Wachstum in unterversorgten Gebieten einen wichtigen Treiber für ökonomischen und sozialen Fortschritt in diesen Regionen dar. Viele in Schwellenländern aktive Private-Equity-Fondsmanager befinden sich in einem frühen Entwicklungsstadium. Oft werden Fonds aufgelegt, die langfristig von dynamischen oder noch in entstehenden Märkten mit hoher Informationsasymmetrie profitieren. Ein wesentlicher Vorteil solcher Fonds in Bezug auf die Bewertungen ist ein geringerer Wettbewerb um Transaktionen.

Private Equity in Emerging Markets kann auch für Investoren interessant sein, die neben der finanziellen auch eine soziale oder ökologische Rendite erwirtschaften wollen. Umwelt- und Sozialaspekte spielen im Rahmen eines grundlegenden gesellschaftlichen Wandels eine größere Rolle. Auf institutionelle Investoren wächst daher der Druck, diese Aspekte stärker zu berücksichtigen. Impact-Investitionen, die Kapital für Unternehmen bereitstellen, die Sozial- oder Umweltnutzen generieren, stellen somit ein interessantes Investitionsziel dar. Dies gilt auch wegen des Fokus auf Kriterien wie Arbeitsbedingungen und gute Unternehmensführung, die nachweislich der Rendite von Anlagen in Schwellenländern zuträglich sind. Inzwischen operieren auch die größeren Fondshäuser nach diesem Muster - was früher das Terrain von spezialisierten Impact Investoren war, lockt nun auch größere Private-Equity-Manager.

Es gibt einige vielversprechende Anzeichen, dass Private-Equity-Investitionen in Emerging Markets sowie Impact-Investitionen interessante Renditen für Investoren liefern könnten, auch bezogen auf die Wachstumsraten einzelner Branchen wie Versicherungen oder Finanzdienstleistungen in Schwellenländern. Die Zielrenditen können sowohl die Performance von Private Equity in traditionellen Märkten, als auch die von börsennotierten Aktien aus Schwellenländern übertreffen. Die Herausforderung bleibt die Entscheidung, wo, wie und mit wem investiert werden soll. Im Hinblick auf Schwellenländer sind Erfahrung, lokales Know-how und ein detailliertes Verständnis der Risiken dieser Märkte von entscheidender Bedeutung.“


Über BlueOrchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges,integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 6 Mrd. USD in 80 Schwellen- und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter UCITS- sowie alternativer Investmentfondsmanager (AIFM). Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com

The case for global small company investing in an era of disruption

The theme of disruption is having a profound effect on how we live and how we invest, explain Matthew Dobbs, Fund Manager, Asian Equities & Head of Global Small Cap, and Kristjan Mee, Strategist, Research and Analytics, both Schroders. There are three factors which we think mean small caps are potentially the best way to tap into the theme.

Smaller companies (small caps) offer the potential for higher returns compared with investing in larger companies, although not without risks. The returns from individual stocks vary a lot and the market is relatively inefficient. This gives active investors greater opportunity to add value.

In addition, investors are increasingly being drawn to the small cap sector due to its ability to profit from the ever-growing theme of disruption.

Over the very long term, US small caps have handsomely outperformed large caps. $100 invested in US small caps in 1966 would be worth $56,232 today compared with $15,576 invested in large caps (Figure 1, left chart). There is also evidence that small caps outperform on a more global basis. Nonetheless, while small caps can outperform over the long run, they can also go through extended periods of underperformance (Figure 1, right chart).

Figure 1: Long-term small-cap performance has been impressive but cyclical

US-small-v-large-cap-disruption-770px.jpgPast performance is not a guide to future performance and may not be repeated.
Source: Credit Suisse, S&P. Data prior to March 2006 is Ibbotson. Data from March 2006 is S&P LargeMidCap vs. SmallCap. Data up to April 1 2019. USD return.

Understandably, such cyclicality might cool investors’ enthusiasm for small-cap investing. However, we believe that there are structural reasons why selective exposure to global smaller companies can potentially yield better returns than a broad market exposure. This belief is based on three key factors: the fundamental attributes of small caps, the relative inefficiency of small-cap equities, and the scale of the opportunity set.

The fundamentals

The fundamental case is based on the fact that small companies have the capacity to grow disproportionately from a relatively low revenue and profits base.

Almost by definition, it is only by investing in small companies that investors can gain effective exposure to a new technology or a market.

They are often the driving force behind disruption, benefiting from this trend rather than being a victim of it. They are less burdened with layers of management and there is less fear of losing sales volume or market share by introducing new products; a major issue for well-established large corporations. Smaller companies who are key players in the fast-growing electric vehicle and artificial intelligence industries are good examples - please see the full paper below for more information and case studies.

The opportunity

The opportunity case is the fact that the small cap market is much larger than the large cap market. For example, there are 6,216 small cap companies in the S&P Developed Benchmark Index, compared with 1,932 large and mid cap companies, according to S&P data as at March 31 2019. Large cap investors are at risk of ignoring the vast majority of the investment universe.

Small caps also tend to be more domestically focused than large caps. This means that, even if the broader global picture is less encouraging, it can be possible to identify companies that are exposed to supportive local growth dynamics. In contrast, large caps are more likely to be buffeted by global trends.

The inefficiency

The inefficiency case rests on the fact that the smaller a company, the less well-followed it is, and therefore the greater likelihood of pricing inefficiencies. This can result in greater opportunities for active managers to add value. Figure 2 illustrates this by showing that the number of broker forecasts declines as companies move further down the size spectrum. This relationship holds across all markets.

Figure 2: Average number of I/B/E/S* estimates per company by size

Company-earnings-estimate-by-size-770px.jpgSource: I/B/E/S, Schroders. Data as at March 31 2019
*Institutional Brokers’ Estimate System – A system that compiles estimates made by analysts on future earnings of publicly traded companies.

The consequence of these inefficiencies is greater opportunity for active small cap managers to outperform. Figure 3 shows the five-year annualized gross and net of fees excess returns of global, US and European active small and large cap funds.

In all regions, the median gross excess return for small caps has been positive, indicating that small cap managers on average do add value. Furthermore, in all regions, small cap funds have performed better than large cap funds.

However, after adjusting for fees, the median net excess returns are negative for global and US small cap funds. Because the cost of small cap funds is generally higher, the excess return must be large enough to cover that cost. Consequently, the fundamental advantages of small-cap stocks and manager skill are two necessary but not sufficient conditions for delivering positive excess returns after fees.

The good news for investors is that the top quartile of small-cap funds have been able to consistently outperform their benchmarks in all regions. This highlights the importance of manager selection to benefit from the inefficiencies in small caps.

Figure 3: Five-year annualized excess returns to end of March 2019

annualised-excess-returns-770px.jpgPast performance is not a guide to future performance and may not be repeated.
Source: Schroders, Morningstar. Data as at March 31 2019.


You can dowload and read the full paper in the link here.

This article has first been published on schroders.com.

GCC-Staaten treten dem EM-Club bei

China, die Türkei und Argentinien beherrschten in den letzten Monaten die Schlagzeilen – dabei wurde ein Schwellenländerereignis völlig übersehen: Dass die ölreichen GCC-Staaten in den führenden Schwellenländer-Staatsanleihenindex aufgenommen wurden, so Sabrina Khanniche, Senior Economist bei Pictet Asset Management.

Wir kommen...

Am 31. Januar sind fünf Länder des Golf-Kooperationsrats (Saudi-Arabien, VAE, Katar, Kuwait und Bahrain) in den mehrphasigen Prozess der Aufnahme in den JP Morgan EMBI Global Diversified Index eingetreten. Dies ist die größte einmalige Anpassung des führenden Index für auf US-Dollar lautende Schwellenländeranleihen aller Zeiten. Oman, das andere GCC-Mitglied, wurde bereits 2018 aufgenommen.

Die neuen GCC-Nationen werden 11,4% der Benchmark ausmachen, eine große Veränderung in gerade mal zwölf Monaten. China hingegen hat sechs Jahre gebraucht, um seinen Anteil von 2% auf 10% zu erhöhen. Wir haben das Wichtigste für Anleiheanleger zusammengefasst.

Hoch konzentriert

Saudi-Arabien beherrscht den GCC wirtschaftlich mit einem Anteil von 44% am Gesamt-BIP.  Die VAE machen 25%, Katar 14%, Kuwait 9%, Oman 5% und Bahrain 2% aus. Abbildung 1 zeigt, was alle GCC-Staaten gemeinsam haben: ihre Konzentration. Sie gehören laut UN zu den fünf der sechs am stärksten konzentrierten Volkswirtschaften*.

ABB. 1: Produktkonzentrationsindex der UN nach Land: 2017


Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, UNCTAD, 31.12.2017
* Der Index reicht von 0 bis 1, wobei ein Wert in der Nähe von 1 auf eine stark konzentrierte Volkswirtschaft hindeutet.

Der Grund für diese starke Konzentration ist, dass diese Nationen stark vom Erdölsektor abhängen, wie unten dargestellt.

ABB. 2.: Aufschlüsselung des BIP nach Wirtschaftsbereich & Land: 2018


Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream

Infolgedessen sind die GCC-Staaten sehr anfällig gegenüber Ölpreisschwankungen, was zu einer höheren Volatilität des BIP-Wachstums führt (siehe unten).

ABB. 3: Volatilität des BIP-Wachstums vs. Konzentrationsindex

 
Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, UNCTAD. * Konzentrationsgrad von exportierten Waren (ohne Dienstleistungen)

Diversifizieren...

Da die niedrigen Ölpreise ein Dauerproblem sein werden, müssen die GCC-Staaten ihre Volkswirtschaften diversifizieren. Sie haben bereits große Schritte in diese Richtung unternommen, wie an dem Konzentrationsindex in Abb. 4a abzulesen ist. Die VAE stechen deutlich hervor, auch wenn zu ihnen das ölreiche Abu Dhabi gehört.

Schaut man sich die „Ease of doing business“-Umfrage der Weltbank an, liegen die VAE erneut ganz weit vorne, mit einem eindrucksvollen 11. Platz von 190 (siehe Abb. 4b). Andere GCC-Staaten hingegen haben noch einen weiten Weg vor sich. Saudi-Arabien zum Beispiel hat seit 2005 zahlreiche Reformen auf den Weg gebracht, liegt aber weiterhin auf einem schlechteren Platz.

ABB. 4: a) Konzentrationsindex nach Land: Entwicklung/b) Abschneiden in der „Ease of doing business“-Umfrage der Weltbank*


Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, UNCTAD/ Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, Bloomberg, Weltbank. * Länder von Platz 1 bis 190  mit niedrigem Zahlenwert, d. h. günstige (unkomplizierte) Bedingungen für die Abwicklung von Geschäften

Für die Zukunft streben alle GCC-Länder eine wirtschaftliche Diversifizierung gemäß ihren jeweiligen Vision 2030-Zielen an. Sie müssen jetzt aber liefern: Die Anleger schauen ganz genau hin, was die Einführung der Mehrwertsteuer, Reformen für die Geschäftswelt und den Arbeitsmarkt, die Streichung von Subventionen usw. anbelangt.

Warum wurden die GCC-Staaten in den Index aufgenommen?

Die Staaten des GCC galten bisher als „zu reich“ und erfüllten daher nicht die üblichen Voraussetzungen für eine Aufnahme in den Schwellenländerindex. JP Morgan führte jedoch einen neuen Parameter ein, die Kaufkraftparität, sodass eine Aufnahme möglich wurde.

Es wurde auch dem Umstand Rechnung getragen, dass die Regierungen der GCC-Staaten mittlerweile die größten Anleiheemittenten weltweit sind, da sie sich im Zuge des Rückgangs der Ölpreise Mittel an den Anleihenmärkten beschaffen müssen. Das Emissionsvolumen der GCC-Staaten ist auf 4–5% des BIP des Blocks gestiegen.

Welche Auswirkungen hat das?

Der JP Morgan EMBI Index wird nicht nur um ein Ölpreis-Beta reicher, sondern bis Ende September werden Anleihen im Wert von rund 120 Mrd. US-$ in den Index aufgenommen. Die Anzahl der Länder im Index ist auf 72 gestiegen, so viele wie noch nie. Die Anzahl der Emittenten und Instrumente ist ebenfalls gestiegen (um 52 auf 731 bzw. um 14 auf 168).

Da sich Kuwait, Katar und die VAE im Ratingbereich „AA“ bewegen, steigt das gewichtete durchschnittliche Rating der Benchmark auf Investment-Grade (von BB+ auf BBB-). Dadurch werden die Auswirkungen der starken Herabstufungen von Brasilien, Russland und der Türkei auf das Rating ausgeglichen.

ABB. 5: Auf US-Dollar lautende 10-jährige Anleihen vs. Rating


Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, Bloomberg

Wie Abbildung 5 zeigt, gibt es bei Rating und Rendite Unterschiede zwischen den einzelnen GCC-Staaten. Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und die VAE weisen ein höheres Rating und niedrigere Renditen auf, bei Bahrain und dem Oman ist es umgekehrt.

Es ist noch zu früh, um Aussagen zu den breiteren Auswirkungen der Aufnahme auf die Renditen für die Anleger treffen zu können. Unsere Übersicht zur Marktbeobachtung zeigt jedoch, dass der JP Morgan EMBI Global Diversified seit Jahresbeginn der führende Anleiheindex ist – mit einer Rendite von 7,65%. Das ist fast doppelt so viel wie beim JP Morgan GBI-EM Global Diversified in Lokalwährung.

Insgesamt halten wir die GCC-Staaten im Vergleich zum breiteren Universum der Schwellenländer-Staatsanleihen angesichts ihrer hohen Ratings, geringeren Risiken und allgemein größeren finanziellen Puffer sowie der Tatsache, dass sie an den US-Dollar gekoppelt sind, relativ gesehen für attraktiv.


Mehr über Schwellenländer: Argentinien – im Auge des Hurrikans

Über die Autorin

Sabrina Khanniche ist seit 2011 als Ökonomin im Fixed Income-Team bei Pictet Asset Management beschäftigt. Vor Pictet war sie vier Jahre als Finanzingenieurin bei Groupama Asset Management tätig und in dieser Funktion für die Analyse und Modellierung von Hedgefondsrisiken zuständig. In dieser Rolle veröffentlichte und präsentierte sie ihre Arbeiten auf internationalen Fachkonferenzen. Frau Khanniche hat an der Universität Paris West Nanterre La Défense einen Masterabschluss und einen Doktortitel erworben.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

3 Juristen an der Spitze der großen Zentralbanken, gut oder schlecht?

Wie ist die Nominierung von Christine Lagarde als Nachfolgerin von Mario Draghi bei der EZB zu werten? Legg Mason hat die Experten von drei seiner Tochtergesellschaften dazu befragt – mit jeweils ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Michael Browne, Co-Manager des Legg Mason Martin Currie European Absolute Alpha Fund, sagt:

„Die Nominierung von Christine Lagarde – und die von Ursula von der Leyen als neue Kommissionspräsidentin der EU – haben das Risiko eines harten Brexit deutlich verschärft. Bei beiden Nominierungen schwingt ein Beigeschmack mit, nämlich dass Europa nicht integriert genug sei und man deshalb mehr tun müsse. Und meiner Meinung nach wird Großbritannien das erste Land sein, dass diese These zu spüren bekommt, wenn es die Brexit-Bedingungen erneut verhandeln will. Es sieht nach einem Schulterschluss aus.

Ein ähnliches Konfliktpotenzial gibt es mit Blick auf die populistischen Politiker in Europa. Sie haben sich bei der letzten Europawahl gut geschlagen und werden nun eindeutig gemieden. Sowohl Italien als auch die osteuropäischen Länder haben im Poker um die Top-Jobs und damit an Einfluss verloren. Hier schwelen Konflikte und aus unserer Sicht ist das Risiko einer erneuten italienischen Schuldenkrise in den kommenden fünf Jahren groß.

Natürlich müssen beide Nominierungen noch durch das EU-Parlament. Und auch hier könnte es zu deutlichem Unmut der führenden politischen Parteien kommen, die mit dem Ende des Spitzenkandidaten-System unzufrieden sind, bei dem die größten Parteien im Parlament ihre Kandidaten für die Positionen ernennen können. Auch von den Populisten ist ein gewisses Ressentiment zu erwarten. Sie werden dafür über die Position des Parlamentschefs entscheiden – die eine Position, die noch in ihrem Einflussbereich ist.“

Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst bei der Legg Mason-Tochter Western Asset Management, sagt:

„Mit Christine Lagarde würde ein weiterer fähiger Kommunikator und Krisenmanager an der Spitze der EZB sitzen. Ihr bisheriger Werdegang als französische Finanzministerin könnte ihr dabei helfen, wo es sinnvoll ist, ihre ehemaligen Amtskollegen geschickt zu einem expansiveren finanzpolitischen Kurs zu bewegen. Das würde die finanzpolitische Bürde der EZB reduzieren – ein Punkt, den auch Draghi in jüngster Vergangenheit immer wieder gemacht hat. Aus finanzpolitischer Sicht gehen wir davon aus, dass Lagarde den gemäßigten Kurs beibehält. Und mit Sicherheit würde sie sich einer Wiederaufnahme des Wertpapieraufkaufprogramms nicht verweigert, sollte die Not hierfür (noch) deutlicher werden. Wir hoffen, dass ihr Defizit mit Blick auf institutionelle Kenntnisse – Duisenberg, Trichet und Draghi haben zuvor alle nationale Zentralbanken geleitet, bevor sie EZB-Präsident wurden, und kannten die europäischen Prozesse und das Prozedere daher – nicht zu einer stärker ausgeprägten Volatilität in der Kommunikation führen wird. Dieses Risiko könnten wir gerade in der frühen Amtsperiode von Jerome Powell bei der amerikanischen Notenbank beobachten.“

Francis Scotland, Portfoliomanager und Co-Director of Global Macro Research bei der Legg Mason-Tochter Brandywine Global, sagt:

„Sehr bald schon könnten Juristen die drei großen Zentralbanken der Welt leiten: die Bank of Japan, die Federal Reserve und nun mit der Nominierung von Christine Lagarde auch die EZB. Ist das etwas Gute oder Schlechtes? Ist einen Juristen zu fragen, die Geldpolitik zu verantworten, vergleichbar damit, einen Volkswirt zu fragen, Richter am Obersten Gericht zu werden? Es bleibt abzuwarten, welche Neigung die europäische Geldpolitik künftig bekommen wird. Kuroda läuft im Windschatten von Premier Abe und hat die Hälfte der japanischen Schulden aufgekauft. Draghi hat Trichets straffe Geldpolitik umgekehrt und mit dem Aufkauf von Staatsanleihen die Verfechter des harten Geldes durch den Kakao gezogen. Powell hatte den Weg einer Normalisierung bereits abgeschrieben, bevor er von den Märkten Ende 2018 gedemütigt unterworfen wurde. Lagarde saß bisher an der Spitze einer Organisation, die im Gegenzug für finanzielle Rettung eine finanzpolitische Nüchternheit von den Ländern verlangen konnte. Sie könnte also zum Florett für die modernen geldpolitischen Theoretiker werden, die unermüdliche Staatsausgabe fordern, die dann mittels Gelddruckmaschine finanziert werden müssen.“

Anlagemöglichkeiten in Kryptoassets – ist die Branche reif für institutionelle Investoren?

Martin Schmidt von Postera Capital gilt als ausgewiesener Experte im Segment der Kryptoassets. In seinem Vortrag anlässlich des 166. Hedgeworks befasste er sich mit der Frage, inwieweit institutionelle Investoren das Thema bereits aufgenommen haben und inwiefern die Anlageklasse bereits genutzt wird.

Hedgework: Nach dem Hype um den Jahreswechsel 2017/18 stürzten die Kurse von Bitcoin und Co. ab, viele Anleger sagten deren Ende voraus. 2019 haben sich die Kurse jedoch wieder deutlich erholt. Was hat sich seitdem geändert?

Martin Schmidt: Nach dem großen Hype wurde es in der Öffentlichkeit erst mal recht ruhig um das Thema Blockchain und Kryptoassets. Die Branche selbst hat sich aber stetig weiterentwickelt: Entwickler, Start-Ups und auch ein paar große Unternehmen haben im letzten Jahr gute Arbeit geleistet. Diese in Branchenkreisen „Krypto-Winter“ genannte Zeit wurde genutzt, um Projekte und Produkte weiterzuentwickeln. Die Kursentwicklung in einem so jungen Markt, wie in dem für Kryptoassets, ist immer ein Stück weit spekulativ, es gibt Über- und Untertreibungen. Die jüngsten Kursanstiege reflektieren jedoch auch die Fortschritte, die die gesamte Krypto-Branche im letzten Jahr gemacht hat.

Hedgework: Was wären Beispiele für die von Ihnen genannten Fortschritte im Krypto­segment?

Schmidt: Zunächst mal gab es Forschritte bei den Kryptoassets selbst. Im Bitcoin-Umfeld beispielsweise wurde das sogenannte Lightning-Netzwerk, das schnelle und günstige Zahlungen ermöglicht, maßgeblich weiterentwickelt. Sehr wichtig war auch, dass renommierte Vermögensverwalter wie Fidelity ganz konkrete Pläne vorgestellt haben, um ihren Kunden den Kauf und die Verwahrung von Kryptoassets wie Bitcoin oder Ether zu ermöglichen. In Deutschland ist beispielsweise die Börse Stuttgart sehr aktiv. Weitere Anbieter wie das Start-Up Coindex stehen in den Startlöchern, hier geht es um eine indexbasierte Anlage in ein gestreutes Kryptoportfolio für Privatanleger.

Hedgework: Auch bei Kryptoassets bestimmt sich der Kurs aus Angebot und Nachfrage. Die Kursanstiege zeigen, dass die Nachfrage gestiegen sein muss. Woher kommt die Nachfrage?

Schmidt: Derzeit sehen wir eine steigende Nachfrage insbesondere beim Bitcoin, dem „Leit-Asset“ des Krypto-Universums. Dies hat verschiedene Gründe: Einerseits hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Kryptoassets auch nach dem Hype Ende 2017 nicht plötzlich wieder verschwinden. Für viele Anleger, die erstmals in Krypto­assets investieren, ist Bitcoin das erste logische Investment in diesem Bereich. Dies gilt insbesondere für institutionelle Anleger. Fördernd wirkt aber auch die Unsicherheit der aktuellen Geldpolitik. Viele Anleger bewerten die Strategien der Zentralbanken kritisch und suchen Möglichkeiten, Mittel abseits der traditionellen Märkte zu investieren. Bitcoin profitiert hiervon als alternative Möglichkeit der Wertspeicherung und wird quasi als Hedge gegen eine nicht nachhaltige Geldpolitik genutzt. Darüber hinaus entwickeln sich auch die Anwendungs-Szenarien.

Hedgework: Was meinen Sie damit?

Schmidt: Der Einsatz von Smart Contracts in vielen Bereichen der Wirtschaft basiert zum Beispiel auf der Ethereum-Blockchain. Jeder Einsatz solcher Smart Contracts erhöht die Nachfrage nach dem Ether-Token, das wirkt unterstützend für den Kurs. Auch Anwendungen auf Basis der Stellar-Blockchain oder innerhalb des Ripple-Bankenkonsortiums sind positiv für die Kurse der entsprechenden Token.

Hedgework: Ist das inzwischen auch ein institutionelles Thema?

Schmidt: Ja, wir spüren ein deutlich steigendes Interesse. Wesentlich dafür ist, dass sich die Branche professionalisiert hat. Mittlerweile gibt es Produkte, die institutionellen Ansprüchen gerecht werden. Allerdings sollten Investoren genau hinschauen, denn die Investment-Infrastruktur hat oftmals noch nicht den Reifegrad, den Inves­toren aus anderen Anlageklassen kennen. Leider ist es auch so, dass viele Banken und Vermögensverwalter noch zögern, einen Krypto-AIF zu empfehlen, obwohl regulatorisch und technisch nichts dagegen spricht. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig.

Hedgework: Regulierung ist ein gutes Stichwort. Gibt es hier Rückenwind von den Aufsichtsbehörden?

Schmidt: Auf der einen Seite ist es positiv, dass sich BaFin, Bundesbank, ESMA und andere mittlerweile intensiv mit Kryptoassets beschäftigen. Hier bewegt sich etwas, das war lange Zeit anders. Auch vom Gesetzgeber gibt es endlich Bewegung, die Bundesregierung hat erste gesetzliche Regelungen angekündigt, um die Ausgabe von Wertpapieren auf Basis der Blockchain-Technologie zu erleichtern. Allerdings wird in den meisten Fällen versucht, die Anwendung der Blockchain-Technologie in alte „Denkmuster“ zu packen. Dann sind viele Kompromisse nötig, um eine dezentrale, auf verschlüsselten, verteilten Datenpaketen basierende Technologie in Prozesse zu packen, die zentral ausgerichtet sind und starke „Aufpasser“ benötigen. Aber gut ist auf jeden Fall, dass die Diskussion in Gang gekommen ist.

Hedgework: In Deutschland bietet Postera Capital seit 2018 den Postera Fund – Crypto I an, den ersten regulierten Krypto-Fonds für (semi-)professionelle Anleger. Wie hat sich der Fonds in dem sehr volatilen Umfeld geschlagen?

Schmidt: Der Fonds hat sich seitdem im Marktvergleich positiv entwickelt. Der Start des Fonds inmitten des größten Bärenmarktes der Kryptogeschichte war sehr herausfordernd, in den ersten Monaten stand die Risikoreduktion im Fokus. Seit Frühjahr 2019 ist es jedoch die Nutzung der Chancen am aktuellen Aufschwung des Krypto­marktes. Das aktive Fondsmanagement mit Steuerung der Cashquote und die Auswahl der investierten Token hat zu einer niedrigeren Volatilität und somit zu einer besseren risikoadjustierten Rendite als im Vergleichsmarkt geführt. Daher sind wir mit dem Start zufrieden. Wir mussten ja viel Pionierarbeit leisten, von der Diskussion mit der Regulierungsbehörden, über das Setup mit der Token-Verwahrung, bis hin zur Anlagestrategie.

Hedgework: Welche Rolle könnten Kryptoassets in einem professionellen Portfolio spielen?

Schmidt: Aus unserer Sicht sollten Kryptoassets mittlerweile fester Bestandteil einer professionellen Portfolioallokation sein. In Deutschland ist das noch nicht Standard, international wird das jedoch zunehmend so gesehen. Wegen ihrer hohen Volatilität werden Kryptoassets im Regelfall zwar nur als Beimischung in Frage kommen. Aufgrund ihrer geringen Korrelation zu anderen Assetklassen, ihrer Liquidität und der Renditechancen sind sie jedoch eine ernst zu nehmende alternative Anlageform. Wir plädieren für eine langfristige Perspektive auf Kryptoassets. Natürlich können Anleger die hohe Volatilität auch für kurzfristige Spekulationen nutzen. Aus unserer Sicht sind Kryptoassets jedoch gerade für einen längerfristigen Anlagehorizont interessant, da man in eine Zukunftstechnologie investiert. Wenn man von der langfristigen Wertentwicklung überzeugt ist, kann man mit der kurzfristigen Volatilität gut leben.

Hedgework: Herr Schmidt, vielen Dank für das Gespräch


Das Interview führte Joachim Althof.

Martin Schmidt

ist Partner der Postera Capital GmbH, eines Beratungs- und Beteiligungsunternehmens im Bereich Blockchain und Kryptoassets mit Sitz in Düsseldorf.

Postera Capital

ist eine Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf, die auf Investmentmöglichkeiten in Kryptoassets spezialisiert ist. Dabei liegt der Fokus auf der Finanzanalyse und der Bewertung von Kryptoassets für professionelle Investoren. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung von Anlagestrategien und strukturierten Investmentprozessen im Bereich Kryptoassets.

Hedging rising rates: it’s all about the carry

by Jiongjun Bai, Quantitative Strategist at Legal & General Investment Management.

With interest rates in developed nations remaining near historically low levels, here’s a look at what investors can do to get their portfolios ready for any future hikes.

In the latter half of 2018, there were growing concerns that the low interest-rate environment might change soon, with central banks becoming more hawkish in their rhetoric on future base rates. At that time, we thought bond investors might worry that sharply rising interest rates might affect their portfolios. We therefore started to build a backtesting framework to construct a variety of systematic ‘payer swaps’ strategies – whereby you lock into paying a fixed interest rate for a set period of time in exchange for receiving floating interest rates – in an attempt to help investors optimise their rising-rates hedging programme.

As specialists in quantitative analysis, or ‘quants’, we believe more in systematic strategies as it is very challenging to consistently time the market. Indeed, investors did not anticipate that the market sentiment had changed quickly towards the end of last year. And while it now again seems that rates are going to be lower for even longer, we feel that we should still share our findings as the predictions could be wrong again.

A negative carry trade

Interest-rate curves are usually upward sloping, which means owners of payer swaps usually suffer losses as time passes (known as negative carry). The chart below shows the average steepness of the yield curve over the past 10 years.

Average yield curves over the past 10 years

Carry is defined as the P&L resulting from the passage of time, assuming that the shape of the yield curve remains unchanged

Why is paying carry bad for performance?

In recent decades, there has been a phenomenon commonly known as ‘forward rate bias’ which has seen predictions of future rate rises hardly materialise over time. This is shown in the next chart. This has led to a frustrating time for owners of payer swaps, with the carry cost not historically balanced by rising yields.

UK base rate and market forward rates

The carry versus convexity conundrum

To counter this, certain segments of interest-rate curves can be flat and offer the possibility of reducing the negative carry effect, or even achieving a positive carry as time passes.

Taking the EUR swap curve in the first chart as an example, two potential approaches would lead to a much less negative carry as time progresses: a 20-year spot-starting swap, in which you lock the paying period from the start date; and a 10y10y forward-starting swap, in which you lock the paying period starting in 10 years’ time for the next 10 years. These could enable investors to manage an environment where rates take time to increase.

Unfortunately, such strategies offer less convexity – convexity being the non-linear relationship between price and large interest-rate movements. All else being equal, the higher the convexity, the higher the returns payer swaps make if interest rates rise. Hence, these will offer less protection for immediate and large increases in interest rates, as shown in this final chart.

P&L of swaps following yield-curve shocks

Investors, then, face a conundrum when it comes to rising-rates hedging:

  • Looking to minimise the negative carry effect if there is limited visibility on timing, but this comes at the cost of reduced protection for large and immediate increases in interest rates.
  • Going for convexity if the investor expects an imminent increase in interest rates to seek to maximise portfolio protection.

While markets move in cycles and multiple indicators could reflect a shift in the environment, it is very challenging to consistently time markets. Hence, we focus on systematic investment strategies that could be beneficial for investors who have limited visibility on timing.

In our next blog, we will introduce our backtest framework and a case study to compare different systematic hedging strategies.


This article has first been published on futureworldblog.lgim.com.

Die Türkei nach dem Oppositionserfolg in Istanbul

In der Türkei herrscht Aufbruch-Stimmung. Nach dem Sieg des Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu bei den Bürgermeisterwahlen in Istanbul macht sich Hoffnung breit, dass das Land bald aus dem wirtschaftlichen Tief tauchen könnte. Die  Börse reagierte positiv und auch die Lira gewann etwas an Stärke. Alexandre Dimitrov, Fondsmanager des ESPA STOCK ISTANBUL, erläutert die Chancen der Türkei auf einen wirtschaftlichen Turnaround.

Wie werten Sie den Wahlerfolg des Oppositionskandidaten in Istanbul?

Es ist positiv, dass die regierende AKP und Präsident Erdogan das Ergebnis anerkennen. Politische Lockerungen sind vorerst dennoch nicht zu erwarten. Trotzdem ist der Sieg der Opposition in der größten türkischen Stadt mit mehr als 10 Millionen Wahlberechtigten ein deutliches Zeichen. Die AKP-Partei ist eigentlich eine wirtschafts- und investorenfreundliche Partei. Ihre Mitglieder beziehungsweise führende Parteifunktionäre dürften die Regierung und Präsident Erdogan nun bedrängen, zu dieser Politik zurückzukehren. Und Imamoglu (Name bedeutet „Sohn eines Imams“) ist eigentlich konservativ, ein Familienmitglied (ursprünglich stand hier „Frau“; die Red.) trägt Kopftuch. Worum es jetzt geht, ist die Rückgewinnung von Vertrauen. Und das geht nur Schritt für Schritt.

Doch gewisse politische Risiken sind latent, wenn man auch an den Konflikt mit den USA wegen des beabsichtigten Kaufs des Raketenabwehrsystems S-400 von den Russen denkt?

Das ist sicherlich ein weiteres Risiko. Mögliche US-Sanktionen stehen im Raum. Doch die Türkei ist ein wichtiger Nato-Partner. Die ersten Lieferungen werden im Juli erwartet. Als mögliche Sanktion könnten die USA die Beteiligung der Türkei an US-Kampfjets F-35 blockieren. Das Land könnte von der gemeinsamen Produktion ausgeschlossen werden. (Quelle: Spiegel online).

Wie gut oder besser gesagt schlecht geht es der türkischen Wirtschaft?

Die Stimmung ist positiver als zu Beginn des Jahres. Das Unternehmervertrauen ist im Juni wieder gestiegen (Turkey Confidence Index Real Sector). Die Kapazitätsauslastung stieg auf das höchste Niveau seit September 2018 (Quelle: Bloomberg). Dennoch wird für 2019 noch ein negatives Wachstum von 1,5 Prozent erwartet.

Das Außenhandelsdefizit ging rückgerechnet zum April des Vorjahres um 66 Prozent zurück, während die Exporte um 7 Prozent stiegen und die Importe um 14 Prozent schrumpfte. (Quelle: Bloomberg). Die Umsätze des Service-Sektors stiegen um 30 Prozent. Im Tourismus sehen wir heuer eine zweistellige Wachstumsrate. Wegen der in den letzten Jahren stark gefallenen Währung ist die beliebte Urlaubsdestination Türkei billiger geworden.

Die Wirtschaft der Türkei ist auf Rohstoffimporte angewiesen. Infolge der Lira-Schwäche verteuerten sich die Preise für Waren und Investitionen aus dem Ausland. Auch fiel es dem Staat und den Unternehmen zunehmend schwerer, ihre in Dollar aufgenommen Schulden zu bedienen. Das beginnt sich jetzt zaghaft zu ändern.

„Es geht um die Rückgewinnung von Vertrauen. Und das geht nur Schritt für Schritt.“
Alexandre Dimitrov, Fondsmanager ESPA STOCK ISTANBUL

 Was müsste die Regierung nun tun, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen?

Das ist nicht allzu schwierig. Sie muss wieder eine solide Finanzpolitik betreiben und so das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen. Auch muss klar sein, dass die Notenbank unabhängig agiert und sie verantwortungsvoll handelt. Bis die Glaubwürdigkeit wieder hergestellt ist und ausländische Kapitalzuflüsse wieder zunehmen, wird es noch eine Zeit dauern. Aber wir dürfen nicht außer Acht lassen: in der Türkei leben 80 Millionen Menschen und die sind überwiegend jung und konsumfreudig.

Wie hat die Börse in den vergangenen Jahren auf die latenten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten reagiert?

Mit einem Minus von 42 Prozent auf Sicht von 5Jahren zählt der türkische Aktienmarkt noch weltweit zu den schwächsten. Dazu ins Bild passt die Schwäche der Währung. Seit Anfang 2018 hat die türkische Lira 53 Prozent gegenüber dem Dollar verloren (Stand: 30.6.2019, Quelle Bloomberg) die türkische Notenbank hat eindeutig zu spät und zu zögerlich reagiert. Erst als die Inflationsrate im vergangenen Jahr auf 24 Prozent gestiegen war, wurde der Leitzins erhöht.

CHART: ENTWICKLUNG BÖRSE ISTANBUL UND WÄHRUNG

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einstieg in türkische Aktien?           

Das ist jedenfalls die beste Kaufgelegenheit seit fünf Jahren. Mit einem durchschnittlichen Gewinnverhältnis von 6,8 (bezogen auf die Gewinnerwartungen 2019, Quelle: Bloomberg) sind die Bewertungen extrem günstig. Türkische Aktien handeln mit einem 50-prozentigen Abschlag zu anderen Börsen der Schwellenländer (Quelle: Bloomberg, Stand 30.6.2019). Nur Russland ist billiger. Und die Inflation fiel Ende Mai auf 18,7 Prozent. Damit hat sich auch die Währung etwas stabilisiert. Die Türkei hat eine gut laufende Industrie. Alle Sektoren, die mit Exporten zu tun haben, stehen gut da.

Wie sind Sie in Ihrem Fonds ESPA STOCK ISTANBUL positioniert?

Wir investieren im Moment bevorzugt in Rohstoff-Unternehmen und exportlastige Unternehmen. Es gibt in der Türkei hochinteressante Unternehmen, die hervorragend gemanagt werden: z.B. der Haushaltsgerätehersteller Arçelik oder der Flughafenbetreiber TAV Airports. Vorsichtig sind wir bei Finanztiteln, d.h. bei Banken und Immoblien-Unternehmen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Chinas Strategiewechsel bei der Elektromobilität

Staatliche Subventionen für den Kauf von Elektroautos stehen in China vor dem Aus. Noch heuer werden sie im Schnitt um rund 50 % gesenkt. 2020 werden sie gänzlich gestrichen. Läutet dies Chinas Abkehr von der Elektromobilität ein? Nein, keineswegs, aber eine Strategieänderung ist sehr wohl auszumachen, argumentiert Mag. Leopold Quell, Fondsmanager für Emerging Markets bei der Raiffeisen KAG.

China ist Weltmarktführer im Bereich Elektromobilität. 60 % aller weltweit verkauften Elektroautos wurden im vierten Quartal des letzten Jahres in China verkauft. 2013 lag dieser Wert noch bei unter 10 %. Landesweit gibt es bereits rund 300.000 Ladestationen. Das sind fast fünfmal so viele wie in den USA.

Über drei Viertel der globalen Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen-Batterien befinden sich in China. Doch dies ist aus Sicht der chinesischen Regierung nur der Anfang. Man möchte hier nichts dem Zufall überlassen und die starke Position in dieser Hightech-Schlüsselindustrie noch ausbauen.

GRÜNDE FÜR DEN STRATEGISCHEN FOKUS

Einerseits ist die Schonung der Umwelt und hier vor allem die Verbesserung der Luftqualität zu nennen, die durch den Umstieg von Autos mit Verbrennungs- auf solche mit Elektromotoren zu erzielen wäre. In vielen Regionen Chinas, wie in und um Beijing herum, ist die CO2-Belastung in der Luft – insbesondere im Winter – so hoch und der Unmut der Bevölkerung dermaßen groß, dass verzweifelt nach Lösungen gesucht wird. Der Individualverkehr ist zwar nicht der größte Emittent von CO2 (dies sind mit klarem Abstand die kohlebetriebenen Kraftwerke), jedoch wäre trotzdem eine spürbare Erleichterung zu erreichen.

Andererseits wittert China die Chance, am globalen Automarkt langfristig nicht nur als Abnehmer, sondern auch als Anbieter zu partizipieren. Chinesischen Herstellern von Autos mit Verbrennungsmotoren ist es bislang nicht gelungen, außerhalb Chinas nennenswerte Marktanteile zu erzielen. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass dies chinesischen Champions wie etwa Geely Automobile noch gelingen wird, aber der Weg dorthin ist steinig und die Vorbehalte westlicher Konsumenten gegen chinesische Autos sind erheblich. Elektroautos könnten den Markt jedoch revolutionieren und eine komplette Neuordnung der Machtverhältnisse bewirken.

FRAGEN SIE SICH SELBST...

Würden Sie ein chinesisches Elektroauto kaufen? Nein? Was, wenn es eine höhere Reichweite als Konkurrenzmodelle aufweisen und bei Crashtests gut abschneiden würde? Was, wenn es preislich einem Auto mit Verbrennungsmotor ebenbürtig wäre? Was, wenn es außerdem noch mit modernem Design und Fahrspaß (Beschleunigung!) auftrumpfen würde? Noch gibt es kein solches Model T, wie jenes von Ford, das vor mehr als 100 Jahren den Markt für die Mittelschicht öffnete. Aber genau das ist das erklärte Ziel chinesischer Hersteller und der chinesischen Regierung.

Wie passt es da ins Bild, dass China kürzlich bekannt gab, Subventionen für den Kauf von Elektroautos zu streichen? 2018 wurde der Kauf eines Elektroautos mit einer Reichweite von mehr als 400 Kilometern mit umgerechnet rund 6.600 Euro vom Staat subventioniert. Ein stolzer Betrag, der im Verlauf von 2019 um etwa die Hälfte fallen wird. 2020 wird das Subventionsmodell in der bisherigen Form gänzlich eingestellt. Auch auf Provinzebene sind ab Juni 2019 keine Zuschüsse mehr erlaubt. Die entsprechenden Budgets müssen nunmehr zum Ausbau von Ladestationen in den jeweiligen Provinzen verwendet werden.

BONUS / MALUS FÜR HERSTELLER

An die Stelle des Subventionsmodells, welches die Konsumenten stützt, tritt ein Bonus/ Malus-Quotensystem für Hersteller. Bereits 2019 müssen mindestens 10 % aller in China produzierten PKWs Elektroautos sein. 2020 wird diese Mindestgrenze auf 12 % angehoben. All jene Autoproduzenten – egal ob es sich um chinesische oder ausländische handelt –, die diesen Wert nicht erreichen, müssen Strafzahlungen leisten oder jenen Herstellern, die die Vorgabe übererfüllen, ihre überschüssige Quote abkaufen, was diese wiederum in die Lage versetzen wird, günstigere Preise für Elektroautos anzubieten.

Überspitzt formuliert tauscht die Regierung mit diesem Kurswechsel Zuckerbrot gegen Peitsche. Traditionelle Autohersteller werden damit unter Druck gesetzt, Elektroautos herzustellen oder zusätzliche Kosten tragen zu müssen. Der Fingerzeig, in welche Richtung sich der Automarkt entwickeln soll, könnte nicht klarer sein. Die große Frage ist jedoch, ob der Konsument mitspielt und die Absatzzahlen von Elektroautos (weiter) stark ansteigen oder ob hier letztendlich an der Nachfrage vorbei produziert wird.

Derzeit wird die Erhöhung der Durchdringungsrate von Elektrofahrzeugen nur mit Hilfe von Subventionen praktiziert. Am Beispiel des europäischen Marktes lässt sich ablesen, dass die Absatzzahlen von Elektroautos sehr stark mit entsprechenden Steuererleichterungen und anderen Anreizmaßnahmen, wie der Benutzung von Busspuren oder kostenlosem Parken, korrelieren. So haben Elektroautos ausschließlich in Norwegen und den Niederlanden nennenswerte Marktanteile gewinnen können, während ihr Anteil am Gesamtautomarkt in Ländern wie Deutschland oder Frankreich, wo die Unterstützung geringer ausfällt, wesentlich kleiner ist. Daten zeigen, dass Kürzungen von Subventionen für Elektroautos zu einem deutlichen Einbruch der Absatzzahlen führen. Entsprechend risikoreich ist also der Kurswechsel in China.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Elektromobilität“ finden Sie links als PDF.