Eine italienische Tragödie – Mezzoforte

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste Asset Management.

Seit seiner Berufung zum Ministerpräsidenten Italiens, wird Giuseppe Conte mit der Figur des Arlecchino verglichen. In Carlo Goldonis Komödie „Der Diener zweier Herren“ begibt sich der schusselige Diener in den Dienst zweier Verliebter, ohne dass die von dessen Doppelgleisigkeit wissen.

Arlecchinos Konstrukt aus Täuschungen und Lügen führt beinahe zum Selbstmord der beiden, endet aber letztlich doch glücklich. Das Ende von Giuseppe Contes politischer Karriere hingegen glich eher einem tragischen Lehrstück nach Manier eines Niccolo Machiavelli.

Beflügelt durch gute Umfragewerte für die Lega Nord sprach Parteichef und Innenminister Matteo Salvini im August Conte und damit auch dem Regierungspartner Luigi di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung das Vertrauen ab. Bevor der Misstrauensantrag im Senat zur Abstimmung kam, gab Conte am 20. August seinen Rücktritt bekannt.

Im Folgenden sei skizziert, welche Auswirkungen die politischen Verwerfungen auf Italien, Europa und die Märkte haben könnten.

Italia che sarà, sarà

Wenn auch in der internationalen Presse in Bezug auf Italien zurzeit oft die Wörter Chaos oder Krise verwendet werden, könnte man zynisch entgegenhalten, dass die momentanen Zustände im italienischen Kontext nicht außergewöhnlich sind. So war die letzte Legislaturperiode mit 437 Tagen zwar kürzer als der Schnitt von 625 Tagen seit Ende des 2. Weltkrieges, aber statistisch gesehen lag die Zerfallswahrscheinlichkeit der Regierung bereits bei 43%.

Kommentatoren legen momentan einen großen Fokus auf die Wahlarithmetik, um herauszufinden ob Italien ein Premier Salvini „droht“. Vergessen wird dabei, dass die Regierung in Italien im Vergleich zu anderen Ländern wesentlich weniger Befugnisse hat.

Gerade diesen Umstand versuchte Contes Vorgänger Matteo Renzi ja erfolglos per Referendum zu ändern. Auch mit einem Premier Salvini läge die Zukunft Italiens immer noch zu einem großen Teil in den Händen namloser Bürokraten und des besonnenen Staatspräsidenten Sergio Mattarella.

Europa und der kranke Mann am Tiber

Beim letzten Italienurlaub fiel einem vielleicht der ein oder andere Carabiniere mehr auf, aber die Autobahn, auf der jener seine Runden zieht, ist immer noch so baufällig wie vor Antritt der Regierung Conte. Besonders Luigi di Maio hatte seinen Wählern Investitionen in die marode Infrastruktur des Landes versprochen.

Geliefert hat die Regierung vor allem symbolische Aktionen im Bereich der Außen- und Fremdenpolitik. In Wirtschaftsfragen fanden die rechte Lega mit ihren protektionistischen Bestrebungen und die eher linke Fünf-Sterne-Bewegung mit ihren Versprechen für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu wenige Anknüpfungspunkte.

Egal wie die nächste Regierung in Italien aussieht, die jüngsten Vorfälle haben es geschafft, Italien wieder ganz nach oben auf die Gesprächsordnung in den europäischen Hauptstädten zu bringen. Zuwanderung, Lohnwachstum, Infrastruktur – diese Herausforderungen wird Italien nicht ohne Hilfe Europas lösen können.

Gerade in Zeiten niedrigster Zinsen sollte man durch Lockerung der Maastricht-Regeln Italien erlauben, das stagnierende Wirtschaftswachstum zu befeuern, diese Einsicht macht sich zunehmend auch in Brüssel, Berlin und Paris breit.

Nebenschauplatz auf der globalen Bühne

Bei den Italien-Schlagzeilen der letzten Wochen möchte man meinen, an den Märkten müssten große Bewegungen stattgefunden haben. Im Gegenteil jedoch trottete im letzten Monat der italienische Aktienleitindex MIB im Gleichschritt mit dem deutschen DAX dahin.

Auch auf der Rentenseite blieb im selben Zeitraum der Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer gegenüber deutschen Staatsanleihen relativ konstant bei etwa 200 Basispunkten (bp) mit Ausnahme eines kurzen Sprungs auf 235 bp. Der Renditeaufschlag liegt damit ziemlich genau in der Mitte zwischen den Werten vor der Wahl der Regierung Conte im März 2018 (~125 bp) und dem Höhepunkt des Budgetstreits mit der EU im Oktober 2018 (~300 bp).

spread 10 jahre italien vs. deutschland

Grund für diese vermeintliche Indifferenz der Märkte dürfte die Prevalenz global gesehen größerer Themen wie Handelskrieg und Brexit sein. Bei all den Unkenrufen zu Italien ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Prognose der weiteren Entwicklung sehr schwierig.

Viele Anleger scheinen daher im Abwartemodus zu sein. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Ruhe spätestens mit Beginn des Wahlkampfes in Italien enden wird. Speziell die strauchelnde Fünf-Sterne-Bewegung wird vermutlich wieder mit großen Wahlversprechen aufhorchen lassen.

Besonders Rentenanleger, die keine Lust auf böse Überraschungen aus dem politischen Eck haben, sollten daher vorerst einen Bogen um italienische Staatsanleihen machen, frei nach dem Motto: Italien – lieber auf dem Teller als im Portfolio


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Ein natürliches Heilmittel wird zu einem neuen Milliardenmarkt

Die Wirtschaftsprognosen sind atemberaubend. So stellen verschiedenste Analysten fest, dass der gegenwärtige CBD-Markt bereits Milliardenumsätze generiert und eine Vervielfachung in den nächsten Jahren wahrscheinlich ist, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc.

CBD steht für Cannabidiol – eines von über hundert pflanzlichen Cannabinoiden aus der Hanf-Pflanze, zu denen auch das allgemein bekanntere Cannabinoid THC (Tetrahydrocannabinol) zählt. Darin befinden sich neben pharmazeutisch vielversprechenden Cannabinoiden auch wirksame Terpene (ätherische Öle).

Die Lebensmittelindustrie ringt gegenwärtig noch mit der Pharmaindustrie um die Lizenzierung dieses biologischen Präparats. So wird auf Politischer Ebene debattiert, bis zu welcher Wirkstoffintensität das Präparat frei verkäuflich vertrieben werden darf und ab wann ein pharmazeutischer Vertrieb nötig ist.

Die WHO (World Health Organization) hat CBD bereits als unbedenklich eingestuft; somit gäbe es kein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial.

Aber was verspricht sich die Industrie von der Beimischung von CBD in Getränken, Nahrungsmitteln und Arznei? Eine ganze Menge!

Die vielfältigen positiven Eigenschaften des non-psychoaktiven, also nicht berauschenden, Cannabinoids lassen sich hervorragend vermarkten. Große Teile der Weltbevölkerung könnten von dem Wirkungsspektrum profitieren.

 CBD wirkt:

  • Analgetisch - schmerzstillend bzw. lindernd
  • Antiinflammatorisch - Entzündungshemmend
  • Antioxidativ – Radikalfänger von schädlichen freien Radikalen
  • Neuroprotektiv – Schutz von Nervenzellen und Nervenfasern
  • Antikonvulsiv – Anti-Epileptisch, krampflösend
  • Antiemetisch – Brechreiz und Übelkeit lindernd
  • Antiproliferativ – Anti Gewebe-vermehrend
  • Autophagie steigernd –   Abbau und Verwertung von fehlerhaften Zellen
  • Anxiolytisch – Angst- bzw. Anspannungslösend
  • Antipsychotisch – gegen Psychose wirkend
  • Immunsupressiv - immunologische Reaktion unterdrückend
  • Antibakteriell – gegen Bakterien wirkend
  • Knochenstimulierend – Knochen aufbauend
  • Antidiabetisch – gegen Diabetes wirkend
  • Schlaffördernd
  • Haut protektiv
  • und viel mehr

Eine Vielzahl von vielversprechenden Unternehmen forscht an dem Bio-Präparat, um verschiedenste Produkte zu entwickeln und am Markt zu etablieren. Die Produktpalette ist bereits beachtlich und wächst stetig - die ursprüngliche Hanfblüte wird in facettenreiche Formen gewandelt.

Pharmazeutisch lassen sich verschiedenste Szenarien zur Verwendung von CBD etablieren. Auch als Genuss- oder Nahrungsergänzungsmittel erfreut es sich größter und weiterwachsender Beliebtheit.


Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 9 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

China bald an Bord?

Nach Jahren des Wartens dürfte es bald soweit sein, dass China in den vielbeachteten JP Morgan GBI-EM GD Index aufgenommen wird, erklärt Mary-Therese Barton, Head of Emerging Market Debt bei Pictet Asset Management.

Fast geschafft?

Wir gehen davon aus, dass chinesische Anleihen demnächst in den am häufigsten nachgebildeten und am meisten investierten Index für Schwellenländer-Staatsanleihen in Lokalwährung Einzug halten werden.

Im April wurde China bereits in den Bloomberg Barclays Global Aggregate Index und den Bloomberg Barclays Emerging Markets Local Currency Bond Index aufgenommen, aber chinesische Anleihen sind weiterhin von dem stärker beachteten JP Morgan GBI-EM GD ausgeschlossen.

Bislang hat der JP Morgan GBI-EM GD Index Länder wie Indien und China aufgrund historischer Hürden, die ausländischen Anlegern den Zugang zu diesen Anleihemärkten erschwerten, ausgeschlossen. GD steht für „Global Diversified“ und dieser Index ist so konzipiert, dass er von Anlegern leicht nachgebildet werden kann. (Hinweis: In der JP Morgan GBI-EM Broad-Indexreihe für Schwellenländeranleihen in Lokalwährung sind Indien und China seit deren Einführung enthalten, aber nur sehr wenige aktive Anleger nutzen diese Index-Reihe.)

GEWICHTUNGEN IM JP MORGAN GBI-EM GLOBAL DIVERSIFIED NACH LAND (%)


Quelle: Pictet Asset Management/JP Morgan, Stand 30.06.2019

Angesichts der Größe des chinesischen Anleihemarkts spricht alles dafür, dass die Gewichtung im JP Morgan GBI-EM GD bei 7–10% liegen wird. 10% ist der zulässige Höchstwert für ein einzelnes Land in diesem Index, damit reiht sich China neben Polen, Mexiko, Indonesien und Brasilien ein (siehe oben).

Abgestufte Aufnahme

Falls und wenn JP Morgan die Aufnahme Chinas in den Index ankündigt, dürfte diese stufenweise erfolgen, beginnend mit 1% pro Monat bis zur Zielgewichtung. Dadurch wäre die Region Asien insgesamt ähnlich gewichtet wie Europa und hätte eine höhere Gewichtung als Lateinamerika.

GEWICHTUNGEN IM JP MORGAN GBI-EM GLOBAL DIVERSIFIED NACH REGION (%)


Quelle: Pictet Asset Management/JP Morgan, Stand 30.06.2019

Der Zugang zum chinesischen Markt für lokale Anleihen ist in den letzten Jahren erheblich einfacher geworden, insbesondere mit Bond Connect, das ausländischen Anlegern den direkten Zugang zu chinesischen Lokalanleihen direkt über die Börse Hongkong ermöglicht. Früher mussten ausländische Anleger einen langwierigen Prozess durchlaufen, der die Zuteilung einer QFII (Qualified Foreign Institutional Investor)-Quote durch die chinesische Devisenaufsichtsbehörde SAFE vorsah, außerdem musste eine lokale Clearingstelle mit internationaler Abwicklung gesucht werden.

Dieser Prozess war kompliziert und dauerte lange und die zugeteilten Quoten waren oft niedriger als von den Anlegern beantragt. Fast alle diese Hürden sind mittlerweile beseitigt, sodass chinesische Anleihen alle Voraussetzungen für eine Aufnahme in den JP Morgan GBI-EM GD Index erfüllen.

Welche Auswirkungen hat die Aufnahme?

Kurzfristig hat die Aufnahme Chinas in den Index keine nennenswerten Auswirkungen. Wir investieren schon seit Jahren über Zinssätze und die Währung in chinesische lokale Märkte. Unsere Asian Local Currency Debt-Strategien zum Beispiel nutzen den JP Morgan JADE Broad Index, in dem chinesische Onshore-Anleihen bereits 10% ausmachen. Viele unserer Fonds investieren bereits über Bond Connect in chinesische Onshore-Anleihen, wir waren damals Vorreiter.

Die Aufnahme in den Index wäre ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi. – Mary-Therese Barton

Was die Aufnahme Chinas in den Index mittel- bis langfristig bedeutet, darf jedoch nicht unterschätzt werden. Wie vor kurzem in einem unserer Artikel thematisiert, ist die fortschreitende Öffnung des chinesischen Onshore-Anleihemarkts eine ganz große Sache. Nach unserer Einschätzung wäre die Aufnahme in den JP Morgan GBI-EM GD Index ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi.


Das könnte Sie auch interessieren:

Über die Autorin

Mary-Therese Barton kam 2004 zu Pictet Asset Management und leitet den Bereich Emerging Debt. Bevor sie ihre jetzige Position im Jahr 2018 antrat, war sie Senior Investment Managerin im Team. Mary-Therese fing als Analystin für Schwellenländeranleihen an. Bevor sie zu Pictet kam, war sie bei Dun & Bradstreet als Ökonomin für die Analyse europäischer Länder zuständig. Mary-Therese Barton erwarb am Balliol College der Universität Oxford einen BA (Hon) in Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Sie hat außerdem einen MSc mit Auszeichnung in Finanzentwicklung vom Zentrum für Studien in Finanzmanagement, SOAS (School of Oriental and African Studies), Universität London. Zudem ist sie diplomierte Chartered Financial Analystin (CFA).

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

Folgen Sie Pictet Asset Management

Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

LGIM kommentiert die aktuelle politische Krise in Italien

Hetal Mehta, Senior European Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM), kommentiert die aktuelle politische Krise in Italien:

„Mit dem Rücktritt von Italiens Premierminister Giuseppe Conte endet die rein zeremonielle Rolle des Staatspräsidenten Sergio Mattarella. Er entscheidet nun darüber, ob eine alternative Regierung geformt werden kann oder vorgezogene Neuwahlen notwendig sind. Oberste Priorität wird dabei eine Lösung haben, die eine Verabschiedung des Haushaltsbudgets im Herbst sicherstellt und so verhindert, dass es zu einer automatischen Mehrwertsteuererhöhung von drei Prozentpunkten im nächsten Jahr kommt.

Obwohl die politische Unsicherheit insgesamt hoch bleibt, werden die Spannungen mit der EU nicht im selben Maß aufflammen wie 2018. Die Europäische Kommission verfolgt weiterhin eine pragmatische Einstellung im Hinblick auf haushaltspolitische Fehlentwicklungen. Das gilt vor allem, wenn das Wachstum in der Eurozone generell schwächelt und Länder wie Frankreich aller Voraussicht nach die 3-Prozent-Defizitgrenze überschreiten werden.“

Made in Africa – Freihandelsabkommen bietet Chancen für kleine Unternehmen

Abseits des Rampenlichts von weltwirtschaftlich prominenten Themen wie Brexit und Handelskonflikt haben 54 von 55 afrikanischen Ländern ein Freihandelsabkommen ratifiziert. Das Abkommen wird mit dem Inkrafttreten im Jahr 2020 die wirtschaftlichen Spielregeln auf dem Kontinent nachhaltig verändern und einen riesigen einheitlichen Binnenmarkt schaffen. Von diesem werden voraussichtlich sowohl kleine und mittelständische Unternehmen als auch Investoren profitieren können.

„Das Hauptziel des Abkommens ist es, Handelsbarrieren in Afrika abzubauen, um eine Freihandelszone mit großem Potenzial für Unternehmen zu schaffen“ sagt Yann Groeger, Regional Manager Afrika bei BlueOrchard. „Gerade die aufstrebende Mittelschicht Afrikas und eine wachsende junge Bevölkerung dürften von diesem Abkommen profitieren. Schon heute leben auf dem Kontinent 1,2 Milliarden Menschen; in 80 Jahren werden es laut Bevölkerungsforscher 4 Milliarden sein, verglichen mit schätzungsweise 5 Milliarden Menschen in Asien. Laut der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) wird sich dadurch auch die Produktionsleistung von 500 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf 930 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 nahezu verdoppeln. Das stellt einen gewaltigen neuen Markt dar, auch für Investoren.

Zollabbau als Katalysator für den afrikanischen Binnenhandel

Trotz der vielerorts fehlenden Infrastruktur und oft hohen Kosten für den Transport von Waren, zieht der afrikanische Binnenhandel weiter an. Seit dem Jahr 2010 hat sich der Anteil bereits um 20 Prozent erhöht – mit steigender Tendenz. Das Freihandelsabkommen wird wohl einen rapiden Zollabbau auslösen, von dem vor allem Klein- und Mikrounternehmen profitieren dürften. Dafür müssten jedoch die richtigen Anreize, wie zum Beispiel die Teilnahme an der Governance der Produktion, gesetzt werden. Wie der UNCTAD-Report berichtet, wird das Abschaffen der Zollbarrieren Kleinstunternehmen die Möglichkeit bieten, Teil von regionalen Wertschöpfungsketten zu werden und damit deutlich mehr abzusetzen.

Das klingt zwar noch sehr theoretisch, weist aber bereits Erfolge auf: Am Beispiel von Tee hat sich in Kenia gezeigt, wie auf nationaler Ebene kleine landwirtschaftliche Betriebe in die Wertschöpfungskette eingebunden werden können. Durch das Erhöhen des Anteils in der Verarbeitungs- und Vermarktungsphase erhalten die Landwirte in den Teefabriken mehr Mitspracherecht. Sie stellen etwa 70 Prozent der inländischen Teeproduktion bereit, wovon schätzungsweise rund 500.000 Haushalte leben können. Dies sind erfolgreiche Strukturen, die aufgrund des Freihandelsabkommens auf regionaler Basis weitergedacht werden können, beispielsweise durch das Erweitern auf die umgebenden Länder Kenias wie Uganda, Ruanda oder Tansania. Ähnliche Situationen finden sich in der Kakao-, Baumwoll- oder Getreideproduktion. Dies könnte mittel- bis langfristig für Investoren interessante Anlagemöglichkeiten bieten.

Durch den Beschluss und die Ratifizierung des afrikanischen Freihandelsabkommens ist bereits viel auf den Weg gebracht worden. Allerdings müssen noch einige entscheidende Details des Abkommens ausgearbeitet werden. Ein heikles Thema sind vor allem die Ursprungsregeln, die definieren, welche „Staatsangehörigkeit“ ein Produkt hat. Aber eines dürfte sicher sein: Afrika wächst durch diesen Beschluss zusammen.“


Über BlueOrchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges,integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 6 Mrd. USD in 80 Schwellen- und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter UCITS- sowie alternativer Investmentfondsmanager (AIFM). Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com

Gold könnte bei dauerhaft erhöhten geopolitischen Risiken auf über 1800 US Dollar steigen

von Nitesh Shah, Director – Research, WisdomTree.

Der Goldpreis hat in den vergangenen zwei Monaten um 14 Prozent zugelegt. Der Zuwachs geht mit einem plötzlichen Renditerückgang bei US-Staatsanleihen und einer verstärkten Nachfrage nach sicheren Anlagen einher. Wie wir in unserer Analyse „Goldmarkt als Maß aller Dinge“ausführten, haben die steigenden Spannungen zwischen den USA und China in Form von Handels- und Währungskonflikten auf dem Markt für Nervosität gesorgt, wodurch sich wiederum die Nachfrage nach sicheren Anlagen erhöht hat. Sowohl der Markt als auch die Trump-Regierung scheinen die US-Notenbank (Fed) zum Handeln gezwungen zu haben. Die Zornanfälle auf dem Markt haben die Entscheidungen der Fed klar beeinflusst: Die Zentralbank passte ihren geldpolitischen Kurs an, nachdem die Aktienmärkte zu Beginn dieses Jahres ins Wanken geraten waren. Die unentschlossene Vorgehensweise der Trump-Regierung beim Krisenthema Handel hat ebenso dazu geführt, dass die Fed eine Zinssenkung, quasi als „Versicherung“, durchgeführt hat. Die Fed Fund Futures zeigen, dass die Marktteilnehmer weitere Zinssenkungen im Laufe des Jahres erwarten, und dies wird die Renditen von US-Staatsanleihen voraussichtlich auf einem niedrigen Niveau halten. 

Der Ausblick auf die Wirtschaft, die Zinsen und die Währungskurse hat sich seit der Veröffentlichung unseres Goldausblicks im vergangenen Monat ganz offensichtlich verändert. Im Folgenden bieten wir einen aktualisierten Ausblick für das Edelmetall und fokussieren uns auf ein Szenario, in dem die Unsicherheit im geopolitischen Bereich und auf den Finanzmärkten auf einem erhöhten Niveau verbleibt.

Prognose des Basisszenarios

Unserer neuen Prognose für das Basisszenario zufolge steigt der Goldpreis im zweiten Quartal 2020 auf 1550 US Dollar pro Unze – ein Plus gegenüber einem Wert von 1500 US Dollar Mitte August 2019. Diese Prognose basiert darauf, dass die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen und der US-Dollar-Korb sich auf ihren aktuellen Ständen von 1,65 Prozent bzw. 97 halten. Unseren Erwartungen nach wird die Inflation bei rund 1,8 Prozent liegen. Obwohl ein negativer Preisdruck unseres Erachtens nicht unmittelbar bevorsteht, wäre eine über diesem Stand liegende Inflation nicht mit den Zinssenkungen der Fed vereinbar. Den Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zufolge befindet sich die spekulative Positionierung auf dem Markt für Goldtermingeschäfte mit 346.000 Kontrakten netto long auf einem stark erhöhten Niveau. Dieser Stand liegt nur knapp unter dem Allzeithoch von 348.000 Kontrakten netto-long vom Juli 2016. Die Marktstimmung hat sich bei Gold innerhalb kurzer Zeit sehr schnell geändert. Im November 2018 war die Stimmung bei dem Metall so schwach, dass die spekulative Positionierung netto short ausfiel. Da sich die Positionierung nie lange auf einem so hohen Stand wie dem heutigen gehalten hat, fahren wir die Positionierung in unserem Basisszenario auf bescheidenere 120.000 Kontrakte netto long zurück.

Abbildung 1: Goldpreisprognose

 
Quelle: WisdomTree Model Forecasts, Bloomberg Historical Data, Daten verfügbar bis Schlusskurs vom 13. August 2019. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Was, wenn sich die spekulative Positionierung auf einem hohen Niveau hält?

In unserem Basisszenario sind wir konservativ und senken die spekulative Positionierung auf einen Stand, der sich am langfristigen Durchschnitt orientiert. Doch was, wenn die spekulative Positionierung bis ins zweite Quartal 2020 so hoch bleibt wie heute (also bei 346.000 Kontrakten netto long)? Unser Modell zeigt, dass dies die Goldpreise auf fast 1815 US Dollar pro Unze. treiben würde.

Abbildung 2: Spekulative Positionierung in Goldfutures


Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Stand der Daten: 13. August 2019. Schätzungen sind kein zuverlässiger Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Mehrere geopolitische und finanzielle Risiken haben die Positionierung in Gold auf ein erhöhtes Niveau getrieben:

  • Die Handelsgespräche zwischen den USA und China sind zum Stillstand gekommen, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit eines größeren Protektionismus zwischen den beiden wirtschaftlichen Supermächten erhöht.
  • Die Befürchtungen des Markts, dass die Fed bei angespannten Arbeitsmärkten und einer nicht nachgebenden Inflation mit einer Lockerung der Geldpolitik einen Fehler begeht.
  • Die steigende Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits unter dem neuen britischen Premierminister.
  • Zunehmende Kontroversen im Nahen Osten, da der Iran die Anreicherung von Uran über den im Rahmen des Nuklearabkommens erlaubten Mengen fortsetzt. Angriffe auf Frachtschiffe um die Straße von Hormus – die von einem Drittel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls passiert wird – haben die Spannungen in der Region nach der Verhängung von Strafsanktionen gegen Teheran durch die Trump-Regierung zusätzlich verschärft.
  • Die argentinische Wirtschaft und die Aktien-/Anleihenmärkte befinden sich erneut in der Krise, was Ängste über einen größeren Ausverkauf im Bereich Emerging Markets verbreitet.
  • Erneut aufflammende politische Unsicherheit in Italien aufgrund eines Misstrauensantrags gegen den amtierenden Premier.

Politische Unruhen in Hongkong, wo der Widerstand gegen ein Auslieferungsgesetz, nach dem das Gerichtsverfahren gegen mutmaßliche Straftäter in Festlandchina vollzogen werden könnte, Forderungen nach breiteren demokratischen Reformen ausgelöst hat.

Obwohl viele dieser Probleme theoretisch schnell gelöst werden könnten, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dies in der Praxis nicht der Fall sein wird. Die Handelsgespräche zwischen den USA und China laufen beispielsweise bereits seit mehr als zwei Jahren ohne klare Lösung, da die Erwartungen beider Seiten offenbar viel zu weit voneinander entfernt liegen. Es ist nicht klar, was für eine Annäherung der beiden Seiten sorgen könnte. Auch beim Brexit scheint es sich um ein unlösbares Problem zu handeln – die Einzelheiten des von der vorherigen britischen Premierministerin May verhandelten Abkommens sind für die derzeitige Regierung unter Johnson unannehmbar und die Europäische Union ist nicht willens, die wichtigsten Stolpersteine zu verhandeln. Da der Iran sich offensichtlich in der politischen Isolation befindet, scheinen die Chancen höher, dass das Land sein Säbelrasseln fortsetzen wird, als sich den Forderungen der USA zu beugen.

Falls sich die geopolitische Lage weiter verschlechtert, könnte die spekulative Positionierung sogar noch weiter steigen. Sollte die Positionierung auf 400.000 Kontrakte netto long ansteigen, könnte der Goldpreis unserem Modell zufolge auf 1875 US Dollar/Unze zulegen – nur einen Hauch unter dem Goldpreis-Allzeithoch von 1900 US Dollar/Unze vom 5. September 2011.


Nitesh Shah, Director Research

beim auf ETPs spezialisierten US-Vermögensverwalter WisdomTree.
Nitesh Shah ist Director im Researchteam von WisdomTree. Zuvor war er bei ETF Securities als Commodities Strategist tätig, bevor das Unternehmen im April 2018 von WisdomTree übernommen wurde. Shah ist bereits seit 16 Jahren als Ökonom und Stratege tätig. Seine Erfahrung reicht über ein breites Spektrum an Märkten und Anlageklassen.
Bevor Shah zu ETF Securities kam, arbeitet er als Ökonom für europäische strukturierte Finanzmärkte bei Moody's Investors Service und ist dort Mitglied des globalen Makroökonomie-Teams. Zuvor ist er als Wirtschaftswissenschaftler beim Pension Protection Fund und als Aktienstratege bei Decision Economics tätig. Shah startet seine Karriere bei der HSBC Investment Bank.
Shah absolvierte ein Bachelor-Studium an der renommierten London School of Economics und hält einen Master of Arts in International Economics and Finance der Brandeis University (USA).

Wichtige Informationen

Dieses Material wurde von WisdomTree und seinen verbundenen Unternehmen erstellt und soll nicht für Prognosen, Research oder Anlageberatungen herangezogen werden. Zudem stellt es weder eine Empfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren oder zur Übernahme einer Anlagestrategie dar. Die geäußerten Meinungen wurden am Herstellungsdatum getätigt und können sich je nach den nachfolgenden Bedingungen ändern. Die in diesem Material enthaltenen Informationen und Meinungen wurden aus proprietären und nicht proprietären Quellen abgeleitet. Daher übernehmen WisdomTree und seine verbundenen Unternehmen sowie deren Mitarbeiter, Führungskräfte oder Vertreter weder die Haftung für ihre Richtigkeit oder Zuverlässigkeit noch die Verantwortung für anderweitig auftretende Fehler und Auslassungen (einschließlich Verantwortlichkeiten gegenüber einer Person aufgrund von Fahrlässigkeit). Die Verwendung der in diesem Material enthaltenen Informationen erfolgt nach eigenem Ermessen des Lesers. Wertsteigerungen in der Vergangenheit lassen keinen Schluss auf zukünftige Ergebnisse zu.

A Secular Outlook - US Equities

High valuations, inverted US yield curve, wage inflation, fewer buybacks... A tough environment for US equities is, in a nutshell, what Luca Paolini is expecting for the next five years. Pictet Asset Management's Chief Strategist looks at what to expect for the US equity market over the next half decade.

You can download the full Secular Outlook for an in-depth analysis at am.pictet.

Further information on the Secular Outlook (in German) can be found here; and please find Luca Paolini's view on emerging markets here.

Das Spiel mit dem Feuer

Die Aussichten verdunkeln sich. Tweets des US-Präsidenten Donald Trump haben zuletzt den fragilen Waffenstillstand zwischen den USA und China zunichte gemacht. Das Timing war denkbar ungünstig. Führende US-Unterhändler - Steven Mnuchin und Robert Lighthizer – waren gerade von einer Wiederaufnahme der Gespräche in Shanghai zurückgekehrt. „Trump hielt sich offenbar nicht an seine Berater, als er mit Wirkung zum 1. September Zölle in Höhe von zehn Prozent auf die verbleibenden Importe aus China im Wert von 300 Milliarden US-Dollar ankündigte, von denen einige nun auf Dezember verschoben wurden“, kommentiert Tim Drayson, Head of Economics bei Legal and General Investment Management (LGIM), die Lage.

Dies werde sich direkt auf hochkarätige Konsumgüter auswirken, pünktlich zur besten Urlaubs-Shopping-Zeit. Das unerwartete Vorgehen der Amerikaner habe China schockiert. Die Chinesen hielten Trump wahrscheinlich für zu unzuverlässig und zu unvernünftig, um sich mit ernsthaften Verhandlungen zu beschäftigen. Die Vertrauensbasis sei nicht mehr vorhanden. „Chinas Kalkül ist es womöglich, den USA zunehmend Schmerzen zuzufügen, um nach den Präsidentschaftswahlen 2020 einen Regierungswechsel herbeizuführen. Die Reaktion der USA, China als Währungsmanipulator zu bezeichnen, als Antwort auf eine leichte Abschwächung des Renminbi, hat die Spannungen nur noch weiter angeheizt“, sagt Drayson.

Die direkten Auswirkungen sind laut dem Ökonom eher überschaubar, das US-Wirtschaftswachstum könnte sich um 0,2 Prozent verringern. Insgesamt betrachtet, summierten sich aber die negativen Nachrichten. Das globale Wachstum habe sich im letzten Jahr bereits deutlich abgekühlt. Angesichts der schwierigen Investitionsbedingungen könnte sich der Rückgang der Produktion aufgrund der gestiegenen Lagerbestände verschärfen. „Wir befürchten, dass wir uns einem Wendepunkt nähern, an dem das Vertrauen stärker geschädigt wird und Unternehmen ihre Investitionen und ihre Beschäftigung reduzieren. Letzteres würde auch die Verbraucherstimmung eintrüben, die bisher trotz allem relativ gut gewesen ist.”

Zwei weitere Faktoren tragen nach den Worten Draysons ebenfalls zu den Abwärtsrisiken bei. Erstens sei der Ansatz des neuen britischen Premierministers und seines Pro-Brexit-Kabinetts aggressiver als gedacht. „Wir waren daher gezwungen, unsere Wahrscheinlichkeit für einen Brexit ohne Deal zu erhöhen. In diesem Szenario erwarten wir, dass Großbritannien rasch in eine Rezession gerät, gefolgt von der Eurozone“, konstatiert der Experte. Für die Eurozone wäre dies eindeutig problematisch, da keine politischen Instrumente zur Verfügung stehen, um den Schock zu kompensieren. Wenigstens die Federal Reserve (Fed) habe Spielraum, zinssensible Teile der Wirtschaft wie den Wohnungsbau zu stimulieren. Die Fed, die in diesem Jahr weitere Kürzungen vorsehe, sei bisher einer der Gründe gewesen, warum man die US-BIP-Prognose nicht stärker herabgesetzt habe. „Wir bezweifeln nicht, dass die Fed alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen wird, wenn der Handelskrieg die Rezession noch stärker bedroht“, so Drayson.

Der zweite Punkt sei zwar ein Nischenbereich für Ökonomen, wirke sich jedoch auf Rezessionsindikatoren und Markteinschätzungen aus. Im Rahmen der jährlichen US-Benchmark-Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen seien die Unternehmensgewinne stark nach unten revidiert worden. Das Einkommen sei den Haushalten zugewiesen worden und zeige sich in einer höheren persönlichen Sparquote. „Unsere BIP-Komponentenmodelle deuten jetzt auf ein stärkeres Wachstum der Verbraucherausgaben hin, das durch geringere Unternehmensinvestitionen ausgeglichen wird – das BIP bleibt dabei insgesamt unverändert. Durch die Verschiebung der Zusammensetzung ist der zuvor anfällige Unternehmenssektor jedoch noch stärker gefährdet“, sagt Drayson und ergänzt: „Zwei unserer Rezessionsindikatoren – Gewinnmargen und Finanzierungslücke – bewegen sich jetzt auf den roten Bereich zu.“ Indessen werde der Haushaltssektor noch robuster. Unterm Strich sei die Auslösung einer Rezession in diesem Zyklus unwahrscheinlich. Darüber hinaus hätten schwächere Investitionen negative Auswirkungen auf den US-Fertigungszyklus, der tendenziell einen größeren Einfluss auf die US-Aktien- und Kreditmärkte habe, als dies durch die Gewichtung des BIP impliziert werde.

Inmitten der Dunkelheit gibt es jedoch eine positive Entwicklung: Die USA haben sich auf ein Haushaltsabkommen geeinigt und die Schuldengrenze um ein paar Jahre außer Kraft gesetzt. „Damit ist ein wichtiges Abwärtsrisiko beseitigt. Aber die Finanzpolitik ist dabei, neutraler zu werden, nachdem sie im vergangenen Jahr fast ein Prozent zum Wachstum beigetragen hat. Alles in allem ist eine weltweite Rezession nicht unser Basisszenario. Zugleich ist dies ist die größte Sorge, die wir seit der Krise im Euroraum haben“, resümiert Drayson.

Wieder einmal für lange Zeit im tiefen Tal

Da uns die niedrigen Zinssätze erhalten bleiben werden, ist es für Anleiheanleger besonders wichtig, das richtige Verhältnis von Risiko und Rendite zu finden, erklärt Ella Hoxha, Senior Investment Manager bei Pictet Asset Management.

Wenn Ihnen jemand vor zwanzig Jahren eine 10-jährige Anleihe mit einer Rendite angeboten hätte, die kaum die Inflation deckt, hätten Sie sicher dankend abgelehnt. In dem heutigen Niedrigzinsumfeld hingegen würden Sie vielleicht doch ernsthaft über das Angebot nachdenken.

Als Österreich im vergangenen Monat seine 100-jährigen Anleihen verkaufte, übertraf die Nachfrage das Angebot um das Fünffache – das Papier wurde mit einer Rendite von gerade einmal 1,2% verkauft. Das klingt absurd, ist aber vielleicht gar nicht so überraschend, wenn man bedenkt, dass Anleihen im Gesamtwert von 13 Bio. US-$ weltweit unter null Prozent rentieren.

Daran dürfte sich so bald nichts ändern. Die jüngsten Äußerungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank lassen darauf schließen, dass die Zinssätze in den kommenden Monaten weiter sinken werden.

Anleger, die auf der Suche nach Ertrag sind, scheinen in der Klemme zu stecken: Entweder sie nehmen niedrigere Renditen in Kauf oder sie gehen mehr Risiko ein.

Die Entscheidung muss aber gar nicht so radikal schwarz-weiß sein – mit dem richtigen Ansatz können Anleger von einem ausgewogenen Verhältnis von Rendite und Risiko profitieren.

Bei der Pictet-Absolute Return Fixed Income Strategie hat jahrelang die Idee, dass die Zinssätze längere Zeit auf extrem niedrigem Niveau verharren, unser Denken bestimmt. 

Historisch betrachtet hat die hohe Staatsverschuldung Wirtschaftswachstum gebremst und die Inflation niedrig gehalten. Das wiederum hat zu niedrigen Anleiherenditen geführt (siehe Abbildung). Wir gehen davon aus, dass sich diese Trends fortsetzen, auch wenn kurzzeitige Änderungen der wirtschaftlichen Bedingungen gelegentlich eine härtere Gangart der Zentralbanken auslösen können (wie wir Anfang des Jahres sehen konnten).

NIEDRIGE INFLATION, NIEDRIGE RENDITEN

Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihe, %, und Kernteuerungsrate, % im Jahresvergleich

Quelle: Bloomberg. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.01.1962–28.06.2019.

Wir spüren Gelegenheiten in Bereichen auf, in denen andere sich nicht trauen zu investieren, gleichen das Risiko aber auf Portfolioebene mit Sicherungsgeschäften aus. 

Unpopuläre Anleihen

Am risikoreicheren Ende des Spektrums sehen wir Wertpotenzial bei US-Unternehmensanleihen mit BBB-Rating, der niedrigsten Investment-Grade-Stufe. Die Preise in diesem Segment sind unter Druck geraten und diese Anleihen werden jetzt mit einem attraktiven Aufschlag gehandelt. Viele der großen Emittenten dieser Kategorie, darunter einige etablierte Konzerne, müssen nach Fusionen und Übernahmen Schulden abbauen. Im Zuge dessen entwickeln sich ihre Anleihen zu interessanten Anlagegelegenheiten.

Unternehmensanleihen dürften auch von den Zinssenkungen der US-Notenbank und dem daraus resultierenden wirtschaftlichen Schub profitieren.

NEGATIVE KORRELATION

Rollierende Korrelation über 5 Jahre: US-Unternehmensanleihen mit BBB-Rating gegenüber US-Staatsanleihen

Quelle: Bloomberg, Pictet Asset Management. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.2001–30.06.2019.

Diese Wertpapiere würden jedoch sehr empfindlich auf einen starken Abschwung oder eine Rezession reagieren. Das ist vielleicht nicht unser Basisszenario, aber unser Ansatz beruht auf der Gewichtung von Wahrscheinlichkeiten und Risiken. Unser Ziel ist es, alle möglichen Szenarien zu analysieren, die Gewinne für unsere Anleger bringen könnten, nicht nur bei Marktaufschwüngen, sondern auch bei -abschwüngen. Eine Long-Position in BBB-Anleihen an sich ist gemessen an diesem Ziel zu risikoreich, daher müssen wir einen kosteneffizienten Weg finden, um das Risiko zu senken und dennoch attraktive Renditen zu erzielen.

In diesem Fall bedeutet das, die Position abzusichern, indem in US-Staatsanleihen mit längerer Laufzeit – 10 bis 30 Jahre – investiert wird. In der Vergangenheit korrelierten die Renditen dieser Staatspapiere konsequent negativ mit denjenigen von BBB-Unternehmensanleihen, was für die Absicherung perfekt ist (siehe Abbildung). Wenn es der US-Wirtschaft schlecht geht, werden die US-Zinssätze noch weiter nach unten gehen als aktuell erwartet und dort lange Zeit verharren – davon profitieren Staatsanleihen mit längerer Laufzeit. Wir haben diese Position während des Ausverkaufs am Markt zu Jahresbeginn aufgenommen.

In ähnlicher Weise haben wir in Europa unsere Allokation in Investment-Grade-Unternehmensanleihen durch den Kauf länger laufender deutscher Bundesanleihen abgesichert – hier haben wir uns auf Emittenten aus der Immobilienbranche konzentriert.

Schwellenländer nicht unterschätzen

Die Chancen, ein ausgewogenes Verhältnis von Rendite und Volatilität zu erreichen, sind nicht auf die Industrieländer beschränkt. Auch in den Schwellenländern gibt es sie.

Schwellenländeranleihen reagieren in der Regel besonders empfindlich auf Veränderungen der US-Zinssätze. Daher dürften Zinssenkungen durch die US-Notenbank einer Anlageklasse zugutekommen, die bereits von der Transformation Chinas zu einer ausgewogeneren Wirtschaft profitiert.

Auf US-Dollar lautende Schwellenländeranleihen bieten daher die Möglichkeit, in den kommenden Jahren attraktive volatilitätsbereinigte Renditen zu erwirtschaften. Abgesehen von ihrem langfristigen Potenzial sind die Schwellenländer allerdings auch bekannt für kurzfristige Volatilitätsschübe. Wir sind überzeugt, dass wir dieses Risiko mit Short-Positionen in verschiedenen Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar reduzieren können.

Es ist bekanntermaßen schwer vorherzusagen, welchen Weg Märkte, Volkswirtschaften und die Politik einschlagen werden. Und wir möchten nicht unsere Performance aufs Spiel setzen, nur weil die Konjunkturprognosen falsch sind. Stattdessen konzentrieren wir uns darauf, langfristige Strukturtrends zu erkennen und in die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu investieren, während wir bei jeder Chance die Risiken abwägen und streuen. Jetzt, wo die Zinssätze am Tiefpunkt, Anleihen hingegen auf Rekordhoch sind, halten wir diesen Ansatz für sehr sinnvoll.


Das könnte Sie auch interessieren: China - Ein Balanceakt für Anleihenanleger

Über die Autorin

Ella Hoxha gehört seit Dezember 2018 als Senior Investment Manager dem Global Bonds Team an und ihr Schwerpunkt liegt auf globalen Zinssätzen und Devisen. Sie ist von Wellington Management zu Pictet gewechselt, wo sie über sieben Jahre als Managing Director und Fixed Income Portfolio Manager tätig war und sich in dieser Funktion hauptsächlich mit Absolute-Return-Strategien für das Global Bonds Team beschäftigte. Davor war sie bei Invesco Asset Management beschäftigt, wo sie über acht Jahre als Senior Portfolio Manager dem Global Bonds Team angehörte und mehrere globale und regionale Portfolios verwaltete, darunter den Invesco European Bonds Fund. Ella Hoxha besitzt einen MSc in International Finance der University of Westminster und einen BA Hons in Business Finance der Oxford Brookes University. Darüber hinaus ist sie Chartered Financial Analyst (CFA).

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

Folgen Sie Pictet Asset Management

Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Keine deutliche Konjunkturerholung in den kommenden Quartalen

Hetal Mehta, Senior European Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM), kommentiert die aktuelle deutsche BIP-Prognose für das zweite Quartal:

„Der leichte Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal, vermutlich aufgrund der Belastung durch den schwächelnden Nettohandel, bestätigt, dass das verarbeitende Gewerbe in einer Flaute steckt. Zurückzuführen ist das zum Teil auf die Abkühlung des globalen Wachstums. Angesichts steigender Gesamtinvestitionen und wachsenden Konsums scheint das aber nur begrenzt Auswirkungen auf die Binnennachfrage zu haben.

Indes bleibt das Unternehmensklima schwach, und der Arbeitsmarkt schwächelt. Wir erwarten daher keine deutliche Konjunkturerholung in den kommenden Quartalen.“

„Vorhersagen von Meteorologen sind verlässlicher“

Dieser Börsensommer ist wohl alles, nur nicht ruhig. Insbesondere der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China sorgt für Turbulenzen an den Börsen und schürt Rezessionsängste. Jeff Schulze, Investmentstratege bei der Legg Mason-Tochter Clearbridge Investments, warnt jedoch davor, sich nur auf die Signale des Aktienmarktes zu verlassen. Seiner Meinung nach sind die Vorhersagen von Meteorologen verlässlicher als der „allwissende Aktienmarkt“ – der im Vergleich viel zu selten richtig liegt, wenn es darum geht, einen wirtschaftlichen Abschwung anzukündigen. „Am Anfang vorheriger Rezessionen gab der Markt im Schnitt zehn Prozent nach. Entsprechend werden Kursrückgänge in dieser Größenordnung als Marktsignal für ein erhöhtes Rezessionsrisiko gewertet. Läge der Markt genauso oft richtig, wie es Meteorologen tun, hätten es seit 1965 ganze 28 Rezessionen geben müssen. Tatsächlich waren es aber nur sieben – und genau deshalb stehen Wetterfrösche im direkten Vergleich so gut da“, fasst Schulze die Fakten zusammen. Er gibt außerdem zu bedenken, dass es allein in den letzten zehn Jahren seit der Finanzkrise etwa sechs Korrekturen von mindestens zehn Prozent gegeben habe, also eine etwa alle zwei Jahre.

Sein Ratschlag für Anleger lautet daher, auch weitere Rezessionsindikatoren in die Analyse einfließen zu lassen und nicht nur den Aktienmarkt. Bei der Legg Mason-Tochter Clearbridge Investments schaut man sich beispielsweise auch Finanzindikatoren wie Credit Spreads oder die Yield Curve an, analysiert inflationäre Faktoren wie Rohstoffpreisänderungen, bewertet den Gesundheitszustand der Konsumseite – etwa über die Arbeitslosenquote – und evaluiert die allgemeine Geschäftstätigkeiten, etwa anhand von Umsatzrenditen.

Aktuell steht das Clearbridge Rezessionsrisiko-Dashboard auf gelb, was für Schulze jedoch nicht zwangsläufig bedeutet, dass nach gelb auch rot folgt: „Es gibt sie einfach nicht, die berühmte Kristallkugel. Unser Dashboard gibt uns aktuell Grund zur Vorsicht. Von den letzten elf Malen, als das Dashboard auf gelb stand, folgte in sieben dieser Fälle eine Rezession. Vier Mal folgte hingegen auf gelb wieder ein grün.” Was Schulze damit meint: Es besteht durchaus die Chance, dass sich die Wirtschaft erholt und eine Rezession damit abgewendet werden kann. „Der größte Treiber für eine wirtschaftliche Verbesserung ist historisch gesehen die Fed. Erkennt sie früh, dass ein mögliches Rezessionsrisiko besteht und setzt auf eine entgegenkommendere Politik, erholt sich die Wirtschaft“, gibt Schulze zu bedenken und führt weiter aus: „Die Fed hat sowohl 1995-96 als auch 1998 die Zinsen um 75 Basispunkte gesenkt. 2015-16 wurden die Zinsen anders als vom Markt erwartet nicht vier Mal, sondern nur einmalig erhöht, was unterm Strich 75 Basispunkte sind, die die Zinsen nicht angehoben wurden.“

Es bleibt also abzuwarten – auch mit Blick auf das weitere Vorgehen der Fed – ob die „Ampel“ des Legg Mason Clearbridge Rezessionsrisiko-Dashboards bald wieder grün leuchtet oder in ein Dunkelrot umschlägt. Wenn die Historie etwas gelehrt hat, so glaubt Schulze, dann dass sich die Tendenz in den nächsten ein bis zwei Quartalen eindeutig zeigen wird. Unabhängig davon geht Schulze davon aus, dass der Aktienmarkt kurzfristig weiter steigen wird. Ein gelbes Signal führe typischerweise zu einem positiven Aktienumfeld in den Monaten unmittelbar nach dem Signalumschwung. Und genau das erleben wir derzeit: Ein Aufwärts an den Märkten, obwohl die Wirtschaft zunehmend Anzeichen von Stress signalisiert.

Renditen auf Tauchstation

Ist mit der jüngsten Zinsentscheidung der US-Notenbank, die Leitzinsen – erstmals seit zehn Jahren – um 25 Basispunkte zu senken, nun die bereits erwartete Zinswende nach unten eingetreten? Die US-Fed bleibt für weitere Schritte offen.

Mit dieser Entscheidung und den vom Markt ebenso erwarteten monetären Lockerungen in Europa war der Höhenflug der Rentenmärkte bis zuletzt ungebrochen. Insbesondere die „riskanteren“ Marktsegmente wie Emerging Markets und Unternehmensanleihen erreichen Renditetiefs wie seit längerem nicht gesehen. Diese Märkte können von einem neuen Liquiditätsschub der führenden Zentralbanken am meisten profitieren. Auch die Staatsanleihen gehen in die gleiche Richtung fallender Renditen, zehnjährige deutsche Bundesanleihen werden nun zu Renditen unter minus 0,4 % gehandelt, in der Schweiz weisen aktuell bereits alle (!) Laufzeiten deutlich negative Renditen auf.

Die Währungskomponente spielt durch den leicht schwächeren Euro wieder eine Rolle, US- und Emerging-Market-Anleihen konnten – in Euro – zusätzlich profitieren.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: USA setzt Startschuss zu Leitzinssenkungen

Die derzeit global schwache Entwicklung der Inflationserwartungen steht weiter im Mittelpunkt der Überlegungen der großen Notenbanken, von denen nun abermals eine lockerere Geldpolitik erwartet und auch im Markt gepreist wird. EZB-Präsident Draghi warnte am 25. Juli 2019 davor, dass der wirtschaftliche Ausblick in der Eurozone „schlimmer und schlimmer" werde. Die Inflationsrate in der Eurozone (2. Quartal 2019: 1,4 %) liegt weit unter dem Ziel von knapp unter 2 % und dürfte weiter sinken. Die Wachstumsraten könnten in Anbetracht der aktuellen Konjunkturindikatoren nachhaltig unter das langfristige Potenzialwachstum fallen.

Für September wird allgemein damit gerechnet, dass die EZB abermals ein Anleihekaufprogramm ankündigen wird, um dem entgegenzuwirken. Die Schätzungen gehen von einem monatlichen Kaufvolumen von 30 bis 45 Milliarden Euro ab Jänner 2019 für zumindest zwölf Monate aus. Negative Renditen bei risikoarmen europäischen Staatsanleihen bleiben bis auf Weiteres nichts Ungewöhnliches.

Staats- und Unternehmensanleihen: Renditen auf Tauchstation

Euro-Anleihen konnten einmal mehr von der Erwartung baldiger Zinssenkungen seitens der EZB profitieren. Der Marktanteil von globalen Anleihen mit negativen Renditen ist zuletzt wieder markant angestiegen. Mario Draghis Kassandrarufe hinsichtlich des schwachen Wirtschaftsausblicks in der Eurozone und der Notwendigkeit fiskalpolitischer Unterstützung bleiben ungehört. So meinte der deutsche Finanzminister Scholz kürzlich, er habe „keine Pläne, die staatliche Geldbörse zu zücken“.

Im Juli sahen wir schwächere Wirtschaftsdaten, eine abermalige Welle von Unternehmens-Gewinnrevisionen und höher erwartete High-Yield-Ausfallsraten. Die Renditeabstände (Spreads) der Euro-High-Yield-Bonds mit niedrigem Rating (B und CCC) stiegen in diesem Umfeld trotz einer erwarteten geldpolitischen Lockerung der EZB, die Spreads der Investmentgrade-Anleihen sanken hingegen.

Die Übergewichtung von Euro-Unternehmensanleihen mit höherem Kreditrating gegenüber Euro-High-Yield bleibt aufrecht.

Emerging Markets

Die Risikoprämien von Hartwährung-Staatsanleihen notieren mittlerweile rund 100 Basispunkte enger als noch zu Jahresbeginn 2019, obwohl Konjunkturindikatoren eine Wachstumsschwäche andeuten. Die globalen Handelsdaten haben sich ebenfalls nicht erholt. Die Treiber sind nicht die Fundamentaldaten, sondern die (erwarteten) geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der globalen Notenbanken. Wir erhöhen unser Übergewicht von Emerging-Market-Hartwährung-Staatsanleihen.

Negativ-Rückkopplung treibt Safe Haven Assets an

von Aneeka Gupta, Associate Director beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Das Spiel zwischen Trump, China und der US-Notenbank (Fed) führt zu einer negativen Rückkopplungsschleife, die dazu führen dürfte, dass Anlagen wie Gold und Silber im Laufe des Jahres 2019 weiter hoch notieren. Trumps Ankündigung, die Zölle auf die verbleibenden chinesischen Waren im Wert von 300 Mrd. US-Dollar ab dem 1. September 2019 auf 10 Prozent zu erhöhen, hat die Finanzmärkte erschüttert und den Weg für einen signifikanten Marktverkauf geebnet. Die Ankündigung erfolgte zufällig einen Tag nach der Sitzung des Federal Open Market Committee (BOMK) vom 30. bis 31. Juli 2019. Wie erwartet senkte die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte (bps) und beendete das Programm der Quantitativen Straffung. Die eigentliche Überraschung gab es auf der Pressekonferenz nach der Sitzung, auf der der Fed-Vorsitzende Jay Powell kämpferisch auftrat, als er auf die Zinssenkung nur als "zyklische Anpassung der Politik" und "nicht als Beginn einer langen Serie von Zinssenkungen" anspielte und damit die Aussicht auf weitere Zinssenkungen dämpfte. Powell nannte auch die Handelsunsicherheiten als eine der drei Säulen, die zur Entscheidung über die Senkung der Quartalspunkte führten.

Trumps Ankündigung einer Zollerhöhung für chinesische Waren ist höchstwahrscheinlich eine Taktik, die von ihm verwendet wird, um die Fed zu veranlassen, die Zinsen weiter zu senken. Diese zielt darauf ab, den Schlag auf das US-Wirtschaftswachstum abzumildern, während Trump den Einsatz gegen China erhöht. Gleichzeitig ist China entschlossen, die führende Wirtschaftsmacht der Welt zu sein und wird sich von Trump nicht aufhalten lassen. Als Reaktion auf Trumps Zollankündigung hat die chinesische Regierung staatliche Unternehmen angewiesen, die Einfuhr von US-Agrarprodukten einzustellen und hat den chinesischen Yuan abgewertet. China ist sich auch strategisch des übergreifenden Ziels von Trump bewusst - die US-Präsidentschaftswahlen 2020 zu gewinnen, und wird wahrscheinlich eine härtere Handelsposition einnehmen, um Trumps Chancen auf den Sieg zu verringern. Die Realität ist, dass das US-Wirtschaftswachstum bisher stabil erscheint.

Der jüngste Beschäftigungsbericht bestätigt, dass sich die US-Verbraucher weiterhin in einer stabilen Verfassung befinden, sich aber das Wachstum der Arbeitsplatzschaffung verlangsamt. Das Lohnwachstum bleibt gedämpft und der PCE Core Deflator liegt bei 1,6 Prozent im Jahresvergleich (yoy), was die letzte Zinssenkung der USA rechtfertigt. Wir glauben, dass die Fed nur dann wieder zum Handeln gezwungen sein wird, wenn sich die Verschlechterung des Welthandels sich auf die US-Wirtschaft auszuwirken beginnt. Dies scheint wahrscheinlich zu sein, da die US-Regierung und die chinesische Regierung in der Handelspolitik eine harte Haltung einnehmen.

Die Goldpreise notieren auf einem 6-Jahres-Hoch, da sich die Spannungen zwischen den USA und China verschärfen. Die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit im Welthandel belebt den Safe-Haven-Status von Gold und steht weiterhin im Vordergrund der Anleger. Dies zeigt sich an den Netto-Positionierungsdaten für spekulative Futures auf Goldfutures, die nun bei 292.847 Kontrakten liegen - mehr als eine Standardabweichung über ihrem Fünfjahresdurchschnitt, so die Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Zudem beliefen sich die Netto-Notenbankkäufe im ersten Halbjahr 2019 auf 374,1 Tonnen, 57 Prozent mehr als im Vorjahr und den höchsten Stand seit ihrer Aufnahme als Nettokäufer im Jahr 2010 nach Angaben des World Gold Council (WGC).

Diese Rekordkäufe der globalen Zentralbanken unterstreichen die Notwendigkeit, ihre Reserven vom US-Dollar weg zu diversifizieren. Der Kauf von Gold durch die Zentralbank ist in der Regel das klebrigere Geld und darf nicht unterschätzt werden. Gold steht auch in umgekehrter Relation zum US-Dollar, und wir erwarten, dass sich die weitere Schwäche des US-Dollars entfalten wird. Dies ist auf den zusätzlichen Druck von Trump auf die Fed, den reduzierten Renditevorteil des Dollars gegenüber Alternativen außerhalb des US-Dollar und die Ausweitung der Staatsverschuldung zurückzuführen ist, die mit dem Wirtschaftswachstum der USA überproportional wachsen wird. Die historische Verwendung von Silber als Währung, ein Mittel zur Werterhaltung und seine starke Korrelation zum Halten (fast 80 Prozent) in den letzten zehn Jahren sprechen dafür, dass Silber inmitten des volatilen Marktumfelds auf der Erfolgswelle des Goldes mitschwimmen wird.

Schwaches Wachstum mit Risiken

Die jüngste Konfrontation zwischen den USA und China in den Bereichen Handel und Währung hat zu zeitweiligen Kursrückgängen bei risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien geführt. Mittlerweile befinden sich die Aktien in einem Erholungsmodus, so Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management. Sind die negativen Implikationen eines andauernden US-China Konflikts stark genug, um einen Abschwung beziehungsweise eine Rezession zu verursachen?

Treibende Faktoren

Die Bewegung der Marktpreise wird seit einigen Monaten vor allem von zwei Faktoren beeinflusst. 1) Die Geldpolitik wird immer unterstützender. Seit Anfang 2019 haben 16 Zentralbanken den jeweiligen Leitzinssatz gesenkt. Bis Jahresende werden noch mehr Maßnahmen folgen, zum Beispiel von der Europäischen Zentralbank. 2) Der Konflikt zwischen den USA und China auf multiplen Ebenen erhöht die Unsicherheit und dämpft die Unternehmensstimmung sowie die Investitionstätigkeit beziehungsweise die Industrieproduktion. Je nachdem wie die Dimensionen Größe, Dauer und Umfang des jeweiligen Faktors ausgeprägt sind, steigen beziehungsweise fallen die Assetpreise.

Ausgangssituation: Zinsen bei null Prozent

Zinsen zeigen die Tendenz, im Fall einer Verschlechterung des Umfelds (ansteigend Unsicherheit, rückläufiges Wirtschaftswachstum) zu fallen. Die aktuelle Ausgangssituation ist jedoch bereits von einem sehr niedrigen Zinsniveau charakterisiert. Zinsen fallen zwar weiterhin, allerdings immer schwerer. Das gilt vor allem für die Eurozone, wo die Zinsen bereits negativ sind.

  • Generell gilt: der Preis des Geldes (die Zinsen) gleichen das (gewünschte) Sparen und das (gewünschte) Investieren aus. Je geringer das Zinsniveau, desto weniger attraktiv wird das Sparen und umso attraktiver wird das Investieren.
  • Geldpolitik weniger effektiv: Wenn die Zinsen ein niedriges Niveau erreicht haben, wird die Geldpolitik immer ineffektiver. Die Leitzinsen können eben nicht mehr um mehrere Prozentpunkte gesenkt werden, um eine Rezession abzufangen. Das impliziert, dass eine Rezession größere Auswirkungen hat als in der Vergangenheit (höhere Arbeitslosigkeit, niedrigere Assetpreise).
  • Säkulare Stagnation: Wenn die Zinsen nicht mehr in dem nötigen Ausmaß fallen können, um die wirtschaftliche Aktivität ausreichend zu stimulieren, bleibt das Wirtschaftswachstum niedrig.
  • New Normal: Das niedrige Zinsniveau stellt damit kein (zyklisch bedingtes) außergewöhnliches sondern ein normales Niveau dar.
  • Schulden: Je niedriger das Zinsniveau, desto nachhaltiger wird der Schuldenbestand. Weil die Schuldenquoten allerdings weiter ansteigen, werden in der Zukunft Zinsanstiege unwahrscheinlicher.
  • Bewertung: Je niedriger das Zinsniveau, desto höher die Bewertung von Assetklassen. Dieser Effekt war auch in den vergangenen Monaten zu beobachten. Zahlreiche Wertpapierklassen weisen kräftige Kursanstiege auf. Allerdings: Ein überdurchschnittlicher Ertrag (Return) innerhalb von kurzer Zeit bedeutet ceteris paribus unterdurchschnittliche Erträge in der Zukunft.
  • Alternative Assets: Je niedriger das Zinsniveau und je höher die Bewertung der traditionellen Assetklassen, desto mehr steigt die Nachfrage beziehungsweise die Suche nach alternativen Veranlagungsformen an (zum Beispiel nach Kryptowährungen).
  • Ausweg: Der klassische Ausweg aus dieser „Zinsfalle“ ist eine sehr expansive Fiskalpolitik, massive Investitionen mit staatlicher Unterstützung.

Rückbau der Globalisierung

Die Ankündigung der USA im September die Zölle auf noch mehr Importe aus China anheben zu wollen und die darauf folgende Abschwächung der chinesischen Währung Renminbi haben zu Kursrückgängen bei risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien geführt. Mittlerweile befinden sich die Aktien in einem Erholungsmodus. Die Risiken sind klarerweise nach unten gerichtet, es gibt jedoch Argumente dafür, dass die Konfrontation nicht aus dem Ruder läuft:

  • Strategisch: Die Konfrontation zwischen den USA und China ist offensichtlich strategischer Natur, das heißt, sie bleibt für lange Zeit bestehen.
  • Zyklisch: Auch aus zyklischer Sicht hat der Konflikt an Intensität gewonnen. Die USA erhöhen die Zölle und führen Handels-Beschränkungen im Technologiesektor ein, China antwortet mit Gegenmaßnahmen.
  • Kein Nachgeben: Die Bereitschaft auf der chinesischen Seite, dem steigenden Druck aus den USA nachzugeben, ist gering. Die drei Bedingungen von China gelten weiterhin: 1) Liste der zu kaufenden US-Güter soll vernünftig sein; 2) bestehende Zölle und Beschränkungen sollen reduziert werden; 3) Vereinbarung soll die Würde Chinas respektieren.
  • Währungsinterventionen: China hat im August mit einer Abschwächung der Währung (Renminbi) geantwortet. Die USA haben China daraufhin als Währungsmanipulator gekennzeichnet. Kurioserweise war die Aktion der chinesischen Zentralbank (PBOC) darauf gerichtet, den vom Markt generierten Abschwächungsdruck des Renminbi zuzulassen. Das heißt die PBOC hat nicht mehr interveniert (Renminbi gekauft, US-Dollar verkauft). Der Titel „Währungsmanipulator“ hat zwar keine praktische Relevanz, könnte jedoch Präsident Trump die moralische Rechtfertigung für eine Währungsintervention geben (Abschwächung des US-Dollar). Das hätte wahrscheinlich markant negative Auswirkungen auf die Finanzmärkte.
  • Währungsturbulenzen: Die Abschwächung des Renminbi bedeutet einen Wirtschaftsstimulus für China. Allerdings mit einem wichtigen Nachteil: Die Wirtschaftsprobleme in China werden exportiert. Damit haben auch andere Länder einen Anreiz, ihre Währung abzuschwächen. Es droht eine Abwertungsspirale.
  • Beschränkung für die USA: Die Taktik der USA, den Druck auf China mit Zöllen und anderen Beschränkungen zu erhöhen, wird durch die negativen Implikationen für die eigene Wirtschaft und die Finanzmärkte beschränkt.
  • Fed: US-Präsident Trump scheint hier schon vorzubauen, indem er den Druck auf die Zentralbank erhöht, die Leitzinsen zu senken. Strategisch betrachtet wäre es ein ernstes Problem, wenn die wichtigste Zentralbank der Welt an Glaubwürdigkeit einbüßen sollte. Auf kurze Sicht könnte die Schuld für eine etwaige Rezession der Fed gegeben werden, weil sie eben nicht die Leitzinsen ausreichend gesenkt hat.
  • Beschränkung für China: Auch China hat einen Anreiz, den Konflikt nicht zu eskalieren. Es geht um den Marktzugang zur größten Volkswirtschaft der Welt und um den Zugang zu wichtigen Technologien. Zudem läuft die Abschwächung des Renminbi einem wichtigen strategischen Ziel zuwider: Für die Etablierung einer Reservewährung und den Ausbau des Finanzmarktes ist eine stabile Währung eine Voraussetzung. Auch kurzfristig betrachtet birgt die Abschwächung die Gefahr in sich, dass ähnlich wie im Jahr 2015 eine Kapitalflucht aus China einsetzen könnte (auch wenn Beschränkungen das verhindern sollen).

manufacturing confidence

Schlussfolgerung

Das reale globale Wirtschaftswachstum liegt etwas unter dem Potenzial (Durchschnittswachstum). Die Industrieproduktion und die Unternehmensinvestitionen stagnieren, während die kräftigen Bereiche Arbeitsmarkt und Servicesektor langsame Erosionsmerkmale aufweisen. Aktuell sind die Umfragen zur Unternehmensstimmung ein wichtiger Indikator für die Abschwächung der Rezessionswahrscheinlichkeit. Selbige fallen seit Anfang 2018. Der massive Schwenk der Geldpolitik von „Leitzinsanhebung“ auf „Leitzinssenkung“ hat die Kurse von zahlreichen Wertpapierklassen kräftig unterstützt. Das Zinsniveau ist jedoch bereits sehr niedrig, weshalb zusätzliche positive Impulse der Zentralbanken bescheiden sein werden. Wenn die Einschätzung Bestand hält, dass der Konflikt zwischen den USA und China nicht substanziell eskaliert, werden die Auswirkungen zwar negativ aber nicht stark genug sein, um eine globale Rezession auszulösen. Die Gültigkeit der Annahme wird in den kommenden Monaten mit Indikatoren wie jenen zur Unternehmensstimmung zu testen sein.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Sprudelnde Steuereinnahmen, gesellschaftliche Vorzüge und vielversprechende Investitionen

Die globale Prohibition von Cannabis bröckelt, so Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Großteile Nordamerikas und Europas sowie Teile Südamerikas und Asiens nutzen Medical Cannabis. 11 Staaten der USA sowie Kanada haben auch die Genussmittel-Anwendung von Cannabisblüten für Erwachsene legalisiert. 

Allen voran Colorado, der westlich-zentral-amerikanische Bundesstaat hat bereits 2014 Cannabis vollumfänglich legalisiert. Das bedeutet neben der medizinischen Anwendung auch den Erwachsenen Konsum als Genussmittel staatlich reguliert.

Für den Bundesstaat Colorado könnte es nach dieser Entscheidung kaum besser laufen. Seit 2014 wurden Cannabis-Produkte im Wert von ca. 6 Milliarden Dollar verkauft, allein im vergangenen Jahr 2018 wurden 1,5 Milliarden Dollar umgesetzt. Das resultiert in Steuereinnahmen von 266,5 Millionen Dollar, summiert über 1 Milliarde Dollar Steuereinnahmen in den 4 Jahren seit der Legalisierung. Colorado hat 6 Millionen Einwohner – miteinbezogen sind Anreihen-Staaten und Tourismus.

Laut seriösen Statistiken sinkt die Zahl der jugendlichen Konsumenten stetig. Die legale Cannabis-Industrie verkauft das Genussmittel für Erwachsene in Fachgeschäften, sogenannten Dispensaries. Die Zahl der Schwarzmarkt-Dealer, die keinen Jugendschutz einhalten, sinkt. Das Interesse und der Reiz an dem nun legalen Cannabis nehmen scheinbar ab. Es gibt weitergehend weder eine steigende Anzahl von Verkehrsunfällen noch von anderen Ordnungswidrigkeiten oder Verbrechen.

Für Deutschland locken, laut einer renommierten Studie von Prof. Dr. Justus Haucap, Steuereinnahmen in Höhe von mindestens 2.66 Milliarden Euro jährlich sowie zehntausende legale, neue Arbeitsplätze. Weitergehend fiel ein beträchtlicher Aufwand für Justiz- und Polizeiapparat nicht mehr an.

Auch bei unseren Nachbarn gibt es volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Zustimmung. Da die bisherige, restriktive Gesetzgebung in Frankreich ihre Wirkung verfehlt habe, plädieren Experten des renommierten Rats für Wirtschaftsanalysen CAE (conseil d’analyse économique) für die Legalisierung von Cannabis. Der Rat ist direkt dem Premierminister Frankreichs unterstellt und soll der Regierung bei politischen Entscheidungen helfen. Das bisherige System von Verboten in Frankreich, das seit 50 Jahren gefördert werde, sei ein Misserfolg, so die Autoren. Trotz einer der strengsten Gesetzgebungen in der EU gehöre Frankreich zu den größten Konsumenten von Cannabis. Das Land könne bei einem jährlichen Konsum von 500 bis 700 Tonnen Cannabis Steuereinnahmen von bis zu 2,8 Milliarden Euro erzielen. Zudem entstünden auch hier die erwähnten positiven Eigenschaften für die Gesellschaft.

Neben der pharmazeutischen Anwendung und der Verarbeitung als Bio-Rohstoff, bringen die möglichen massiven Steuereinnahmen der Genussmittelbranche eine politische Entwicklung in Schwung, die der Legalisierungs-Thematik und der Hanf-Industrie weitergehende Kraft verleiht.

Schätzungen gehen von einem jährlichen globalen Genussmittel-Cannabis-Umsatz von 344 Milliarden Euro aus. Es wäre wünschenswert, diese seit Jahrzehnten ohnehin bestehende Schwarzmarkt-Industrie in eine legale, steuerzahlende Industrie zu wandeln. Wie das funktioniert, zeigen uns bereits Teile Nordamerikas.


Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 8 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Aktien zwischen Geldpolitik und Wirtschaftsdaten

Nach der jüngsten EZB-Sitzung ist klar, dass es wieder Lockerungsschritte in der Geldpolitik geben wird. Die letzten Daten geben der Notenbank recht, oder zumindest eine Rechtfertigung. Die Inflation ist weit vom Ziel der Notenbanken entfernt und Teile der Wirtschaft – siehe Produktionssektor – schwächen sich immer stärker ab. Die Befürworter meinen, die Notenbank habe unbegrenzte Mittel und würde ihr Ziel früher oder später erreichen. Die Gegner monieren, dass die bisherigen Maßnahmen nichts gebracht hätten außer eine Perversion des Anleihenmarktes. Die Aktienmärkte sitzen zwischen den Stühlen. Die Liquiditätsschwemme trifft zwar (noch) nicht direkt auf den Aktienmarkt, durch sinkende Zinsen und Renditen eröffnet sich jedoch für den Aktienmarkt der Spielraum für höhere Bewertungen. Darüber hinaus ist der Zusammenhang zwischen Liquidität und Volatilität negativ, also je mehr Liquidität, desto geringer die Volatilität. Geringeres Risiko bedeutet wiederum höhere Bewertungen.

Trotzdem handeln viele Aktienmärkte im Nirgendwo. Europa, Japan und Emerging Markets sind trotz aller Bemühungen immer noch unter den Niveaus von Anfang 2018. Der US-Markt überstrahlt einfach alles mit den großen Technologie-Werten, die den Markt zu Höchstständen treiben. US-Industriewerte haben übrigens auch seit anderthalb Jahren keinen neuen Höchststand mehr gesehen. Weite Teile des globalen Aktienmarktes leiden unter der Abschwächung der Wirtschaft und der Unternehmensgewinne.

Momentan sind die Faktoren Liquidität und Fundamentaldaten im Gleichgewicht, eine neutrale Haltung daher weiterhin gerechtfertigt. Wie wird sich das auflösen? Entweder die Wirtschaftsdaten erholen sich (unterstützt etwa durch Fortschritte im Handelskonflikt) oder der Produktionssektor zieht den Dienstleistungssektor mit nach unten in die Rezession. Mit mehr Evidenz in die eine oder andere Richtung werden wir uns wieder aktiver positionieren als zuletzt.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien: Anhaltende Hochstimmung

Heuer gibt es kein Sommerloch, denn der US-Markt hat im Juli wieder ein Allzeithoch erreicht! Teilweise bessere Unternehmensdaten und vor allem die Aussicht auf geldpolitische Lockerungen trieben die Stimmungslage nach oben. Die Marktvolatilität (der „Angstfaktor“) sank zeitgleich auf weit unterdurchschnittliche Werte. Ausschlaggebend sind aber weniger fundamentale Daten, die globale Konjunkturverlangsamung ist ja weiterhin gegeben, sondern die in Aussicht gestellte – eventuell sogar längerfristige – monetäre Lockerung der führenden Notenbanken. Das lässt auch Handelskonflikte oder politische Spannungen um den Iran in den Hintergrund treten.

Osteuropa (Russland) ist 2019 weiter top, auch Europa hat gut aufgeholt, das sah nach dem ersten Quartal noch schlechter aus – wobei Deutschland aktuell eher stagniert. China und damit auch Emerging Asia sind im zweiten Quartal aufgrund des Handelskonflikts zurückgefallen. Durch das große Gewicht Asiens liegt auch der globale Emerging-Market-Aktienindex deutlich hinter den „entwickelten Märkten“.

Globale Konjunktur: Konjunkturindikatoren tendenziell unter Druck

Beim Blick auf die Wirtschaftsdaten stehen die vorauseilenden Frühindikatoren, etwa die Einkaufsmanagerindizes aus der Industrie, weiter unter Druck. Die Unsicherheit rund um den Handelskonflikt lastet insbesondere auf der Exportindustrie (z. B. deutsche Autohersteller). Die Economic Surprise Indices, welche die Abweichung aller veröffentlichen Konjunkturdaten in Relation zum Analystenkonsens abbilden, sind allesamt im negativen Terrain. Die Daten fallen also mehrheitlich schwächer aus als die Prognosen der Volkswirte. Die sogenannten harten Daten zum Arbeitsmarkt, zum Konsum oder auch zum Immobilienmarkt halten sich allerdings noch relativ stabil auf hohem Niveau.

Die aktuell und auch mittelfristig erwarteten niedrigen Inflationszahlen eröffnen zudem den Notenbanken Spielraum für expansive Schritte. Diese sind mit der US-Leitzinssenkung soeben angelaufen. Auf der Unternehmensebene dürften die US-Unternehmensgewinne auch in der laufenden Berichtssaison positiv überraschen, wenngleich der Ausblick verhalten ausfällt.

Aktien USA und Europa: Feste Märkte dank Geldpolitik-Erwartungen

Die Aktienmärkte entwickelten sich in den letzten Wochen tendenziell seitwärts, weiterhin stehen weniger die Fundamentaldaten im Mittelpunkt, als vielmehr politische Themen wie Handelspolitik und vor allem die Geldpolitik. Denn die internationalen Notenbanken erweisen sich einmal mehr als wichtigster Unterstützungsfaktor.

Relativ gute aktuelle Berichtssaison in den USA: Obwohl im Vorfeld der Veröffentlichungen zum zweiten Quartal ein rückläufiges Gewinnwachstum erwartet wurde, fällt die Zwischenbilanz etwa der Hälfte aller S&P 500-Unternehmen positiv aus. Dennoch tendieren die Gewinnrevisionen der Analysten auf Basis des Ausblicks der Firmenchefs sowohl in den USA wie auch in allen anderen Regionen nach einer Erholung im Frühjahr nun wieder nach unten. In Europa stellen sich die Quartalsberichte im Gegensatz zu den USA durchwachsen dar und es mehren sich insbesondere in der Exportwirtschaft Gewinnwarnungen infolge erschwerter operativer Rahmenbedingungen.

Wir behalten aktuell unsere neutrale Aktiengewichtung in den Portfolios bei.

Emerging Markets: Es sind nicht die Fundamentaldaten

Die leichte Erholung bei der Gewinnentwicklung von Emerging-Market-Aktien setzt sich fort. Insbesondere bei Aktien aus dem asiatischen Raum ist das bemerkenswert, da hier der Einfluss des Handelskonflikts und der damit einhergehende Rückgang des Welthandels den stärksten Niederschlag finden sollte. Dennoch war die Kursentwicklung im Vergleich zu den entwickelten Aktienmärkten sehr verhalten. Daher haben wir Emerging-Market-Aktien weiter vorsichtiger gewichtet bis sich auch der Preistrend verbessert. Fundamental bleiben Emerging-Market-Aktien attraktiv bewertet.

Volkswirtschaften in Mitteleuropa – losgelöst von der Eurozone

Die mitteleuropäischen Staaten trotzen der schwächelnden Eurozone mit starken Wachstumsraten, so Nikolay Markov, Senior Economist bei Pictet Asset Management. Was sind die Gründe dafür und wie können Investoren davon profitieren?

Die Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa konnten überraschend kräftige Wachstumsraten erzielen und sich dadurch offensichtlich vom schwächelnden Euroraum loslösen. Ihre Widerstandsfähigkeit verdanken sie einer regen Binnennachfrage, gestützt von Verbraucherkrediten. Wie lange kann dieser Trend anhalten und wie können Investoren davon profitieren?

STEIGENDE VERBRAUCHERKREDITE IN DEN V4-STAATEN

Abb. 1: Zunahme der Verbraucherkredite in den V4-Staaten

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv, Daten vom April 2019

Dabei sind drei Einflussfaktoren zu berücksichtigen. 

1. Angespante Lage auf dem Arbeitsmarkt

Historisch niedrige Arbeitslosenquoten und ein starkes Beschäftigungswachstum sorgen für eine deutlich angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt und beflügeln zugleich die Verbraucherausgaben (siehe Abb. 2 und Abb. 3 unten).

AUFGRUND DER SINKENDEN ARBEITSLOSIGKEIT UND DES BESCHÄFTIGUNGSWACHSTUMS IST DIE LAGE AUF DEM ARBEITSMARKT ANGESPANNT

Abb. 2 (links): Arbeitslosenquote / Abb. 3 (rechts): Beschäftigungswachstum

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv. Links: Daten aus Ungarn und Rumänien vom März 2019; Daten aus Polen vom April 2019; Daten aus der Tschechischen Republik vom Mai 2019. Rechts: Daten aus der Tschechischen Republik und aus Ungarn vom März 2019; Daten aus Polen und Rumänien vom April 2019.

Infolgedessen stiegen die Nominallöhne in allen V4-Staaten merklich an, von 7,1 % in der Tschechischen Republik bis hin zu 21,6 % in Rumänien. In der Eurozone liegt dieser Wert bei gerade einmal 2,4 %. 

IM UNTERSCHIED ZUR EUROZONE SIND DIE LÖHNE IN DEN V4-STAATEN GESTIEGEN

Abb. 4: Nominallöhne, % im Jahresvergleich, gleitender 6-Monats-Durchschnitt

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv. Daten aus der Tschechischen Republik, aus Ungarn und der Eurozone vom März 2019. Daten für Polen und Rumänien vom April 2019.

2. Lohninflation zieht Verbraucherpreisinflation nach sich

Die zweite Stufe des Transmissionskanals, d. h. von der Lohn- hin zur Verbraucherpreisinflation, ist auch in den V4-Staaten eingetreten – im Gegensatz zum Euroraum. Sowohl die Gesamtteuerung als auch die Kerninflationsrate sind gestiegen (siehe Grafik unten).

DIE LOHNSTEIGERUNGEN SCHLAGEN SICH IN DER INFLATION NIEDER

Abb. 5: Durchschnitt der Gesamtteuerung und der Kernrate des VPI, % im Jahresvergleich

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv. Daten vom Mai 2019; Daten für die Eurozone vom Juni 2019.

3. Zentralbanken

Angesichts des zunehmenden Inflationsdrucks wären verstärkte Maßnahmen seitens der Zentralbanken zur Eindämmung der Inflation zu erwarten. Außer in Tschechien und mit Einschränkungen in Rumänien fehlt dieses Element jedoch bislang im gesamten Szenario.

ZENTRALBANKEN REAGIEREN LANGSAM AUF DEN INFLATIONSDRUCK

Abb. 6 (links): wichtigste Leitzinsen der Zentralbanken / Abb. 7 (rechts): VPI-Inflation und Inflation des Erzeugnispreisindexes in Rumänien

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv. Links: Alle Daten vom Juni 2019; Daten für die Eurozone vom Mai 2019.
Rechts: Inflation des Erzeugerpreisindexes im April 2019, VPI-Inflation im Juni 2019.

Besonders besorgniserregend ist die Lage in Rumänien. Dort liegt die Inflation mittlerweile über dem angestrebten Wert (siehe Abb. 7 oben rechts), nachdem die Zentralbank letztes Jahr eine Normalisierung der Geldpolitik eingeleitet, die restriktiven Maßnahmen anschließend aber ausgesetzt hat.

Investoren in den V4-Staaten sollten auf eine baldige Normalisierung der Geldpolitik achten. Dies liegt an den positiven innerstaatlichen Bedingungen, die zu einer höheren Kerninflation beitragen. In der Eurozone wünscht man sich solche Verhältnisse, befindet sich aber in dieser Hinsicht leider am anderen Ende. Dennoch müssen Investoren auch eine Auge darauf haben, dass einige Volkswirtschaften aufgrund der wachsenden Leistungsbilanzdefizite, der Verschlechterung des Staatsetats und der steigenden Staatsverschuldung gefährdet sind. Dies trifft insbesondere auf Rumänien und Ungarn zu.

Fazit

Die V4-Staaten sind aufgrund ihres lohninduzierten Wachstums weitgehend immun gegen die Stagnation in der Eurozone. Nach unserer Auffassung bieten sich dadurch Investitionsmöglichkeiten insbesondere bei den Aktien (siehe nächster Abschnitt).

EINSCHÄTZUNG UNSERES EMERGING EUROPE EQUITY TEAMS

von Christopher Bannon, Senior Investment Manager, Pictet Emerging Europe.

Mit der Flut steigen zwar alle Boote, ein Wirtschaftsboom sorgt dagegen nicht immer für steigende Aktien. Dies ist gerade in den V4-Staaten zu beobachten. Auffallend ist zum Beispiel die in Polen seit Jahresbeginn anhaltende Underperformance in maßgeblichen Indexsektoren wie Finanzen oder Energie, wohingegen im Mid-Cap-Bereich der Basiskonsumgüter und Kommunikationsdienstleistungen eine starke Outperformance zu verzeichnen ist.

VERBRAUCHERORIENTIERTE SEKTOREN FÜHREN DAS WACHSTUM AN

Abb. 8: MSCI-Indizes für Polen

Quelle: Pictet Asset Management, Bloomberg L.P., vom 30.06.2019

Das konsumdominierte Wachstum ging auf Kosten von Banken und Energieunternehmen, die das Rückgrat an Steuereinnahmen für einen expansiven Politikkurs bilden.

Darüber hinaus sind die Märkte der V4-Staaten im Vergleich zu den maßgeblichen gleichrangigen Ländern* Russland und Türkei teuer (siehe Grafik unten).

DIE V4-STAATEN SIND IM VERGLEICH ZU MASSGEBLICHEN GLEICHRANGIGEN LÄNDERN TEUER

Abb. 9: Schätzungen für die V4-Staaten

Quelle: Pictet Asset Management, Factset, vom 30.06.2019

Insgesamt sehen wir die Volkswirtschaften der V4-Staaten als Märkte für eine Stockpicking-Strategie, wo wir selektiv in vielversprechende Werte investieren. Aktuell halten wir vorrangig Papiere an polnischen Unternehmen, die von Konsumausgaben abhängig sind, und meiden den Finanz- und Bankensektor.


* MSCI EM Europe Index

Das könnte Sie auch interessieren:

Über die Autoren

Nikolay Markov kam 2013 als Volkswirt zur Fixed Income-Abteilung bei Pictet Asset Management. Davor arbeitete er bei der Geldpolitikanalyse der Schweizer Nationalbank, wo er Untersuchungen zu den Regeln der Geldpolitik für die Schweiz durchführte. Vor dieser Position arbeitete er als Lehr- und Forschungsassistent an der Universität Genf und nahm an internationalen akademischen Konferenzen teil. Nikolay Markov hat einen PhD in Volkswirtschaft von der Universität Genf und erwarb am Studienzentrum der Schweizer Nationalbank in Gerzensee ein PhD-Zertifikat.

Christopher Bannon kam 2007 zu Pictet Asset Management und ist heute Senior Investment Manager im Emerging Markets Equities Team mit Spezialisierung auf Schwellenländer Europas und Russland.
Christopher Bannon kam 2007 als Risikomanager zu Pictet, bevor er 2011 ins Emerging Equities Research Team wechselte, wo er sich auf den Energiesektor in den globalen Schwellenmärkten spezialisierte. Christopher Bannon begann 2005 seine berufliche Laufbahn bei Citigroup, wo er 18 Monate als Analyst in der Abteilung für titelspezifische Ereignisse arbeitete.
Christopher Bannon schloss das Trinity College Dublin mit einem BA (Hons) in Mathematik und Philosophie ab und erwarb dann am Imperial College London einen MSc (mit Auszeichnung) im Finanzwesen. Zudem ist er Chartered Financial Analyst (CFA).

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 165 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

Folgen Sie Pictet Asset Management

Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

Handelskrieg: Die Eskalationsspirale dreht sich weiter

Nächste Runde im Handelskrieg: Präsident Trump hat angekündigt, alle verbleibenden Importe aus China ab dem 01. September mit Strafzöllen in Höhe von zehn Prozent zu belegen. Das betrifft Waren im Gegenwert von rund 300 Milliarden US-Dollar. „Praktisch wird der betroffene Warenwert deutlich geringer ausfallen. Importe aus China stürzen bereits jetzt ab – seit Jahresbeginn um 12 Prozent – und werden wahrscheinlich noch deutlich weiter fallen“, kommentiert Tim Drayson, Head of Economics bei Legal and General Investment Management (LGIM). Der Einbruch des Handels zwischen den USA und China sei bereits jetzt größer als während der Finanzkrise.

Die vorherigen Strafzölle hätten vor allem Investitionsgüter und Zwischenerzeugnisse betroffen und schienen in den US-amerikanischen Lieferketten teilweise absorbiert worden zu sein. Die neuen Zölle hingegen würden direkt prominente Konsumgüter wie Kleidung, Schuhe, Videospiele, Fernseher, Telefone und Sportartikel treffen. „Wenn Trump sagt, er wolle China mit immer neuen Abgaben herausfordern, wird auch der Mehrheit der US-Bevölkerung klar werden, dass dann die USA darunter leiden. Die Verbraucher bekommen jedoch vom Einzelhandel die Erklärung, dass die Preissteigerungen auf Trumps neue Zölle zurückgehen“, erklärt der Ökonom. Er prognostiziert einen weiteren Rückgang des US-Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent und einen Anstieg der Kerninflation um 0,1 Prozent, vorausgesetzt 50 Prozent laufen durch. Zudem seien indirekte Auswirkungen auf das Geschäftsklima sowie die finanziellen Rahmenbedingungen zu erwarten. „Die Strafzölle werden zwar die Staatseinnahmen verbessern, aber der Haushalt ist inzwischen festgeschrieben“, so Drayson. Es bestehe also nur wenig Spielraum, mit den Mehreinnahmen die Folgen abzumildern.

„Die Fed kann einen Teil der Auswirkungen ausgleichen“, so Drayson. Der Markt habe bereits eine Leitzinssenkung im September vollständig eingepreist. Allerdings sei die Fed eher zurückhaltend, über die bereits eingepreisten Wachstumsimpulse hinaus aktiv zu werden. „Zum einen besteht die Möglichkeit, dass Trump plötzlich umschwenkt und ein Abkommen abschließt. Zum anderen missbilligt die Notenbank Trumps Versuche, sie zu Zinssenkungen zu drängen“, macht Drayson deutlich. Sollten sich die Strafzölle unmittelbar inflationär auf die Konsumgüter auswirken, könnte es für die Fed einfacher sein, Trumps Forderungen zu widerstehen.

Wie werde China zurückschlagen? Peking habe bereits Gegenmaßnahmen angekündigt. „Die chinesische Führung wird ihren Ansatz ändern und dazu übergehen, den USA größtmöglichen Schaden zuzufügen. Das Ziel ist, einen Regierungswechsel bei den US-Präsidentschaftswahlen 2020 herbeizuführen“, sagt er. Trump werde wahrscheinlich noch stärker auf seine erfolglose Strategie setzen, China zu Strukturreformen zu zwingen, denen Peking nicht zustimme.

In der Zwischenzeit geht Drayson von weiteren Konjunkturmaßnahmen in China aus. Darüber hinaus werde die chinesische Führung bereit sein, den Renminbi auf über 7 RMB gegenüber dem Dollar abzuwerten. „Das wird die Auswirkungen zwar teilweise ausgleichen, aber wir erwarten dennoch einen weiteren Rückgang des offiziell prognostizierten chinesischen Wirtschaftswachstums für 2020 von 0,2 Prozent“, argumentiert Drayson. „US-Wirtschaftsunternehmen werden in China ein zunehmend schwieriges Terrain vorfinden. Unmittelbar über gestiegene Regulierung, Strafen und Ungleichbehandlung; mittelbar durch einen patriotischen Boykott von US-Marken. Vermutlich wird China zudem eine Kampagne führen, um Tourismusreisen in die USA zu unterbinden“, schließt Drayson.

Drohender „Hard-Brexit“ drückt Pfund weiter nach unten

Der neue britische Premierminister, Boris Johnson, bereitet Großbritannien auf einen ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union vor. Der Nachfolger von Theresa May hat sein Regierungsteam vor allem mit Brexit-Hardlinern besetzt.

Sollte es keine weiteren Verhandlungen und Zugeständnisse seitens der EU geben, werde Großbritannien die Union am 31. Oktober diesen Jahres ohne eine eigene vertragliche Regelung der künftigen Beziehungen verlassen, heißt es derzeit aus London.

Der „Hard-Brexit“ wurde lange als wirtschaftlich ungünstigster Ausgang des ersten EU-Austritts der Geschichte beschrieben. Nun könnte dieses schlimmste Szenario tatsächlich Realität werden. Schon jetzt spürt das Vereinigte Königreich massive Folgen der wirtschaftlichen Unsicherheit, die der Brexit verursacht. Besonders sichtbar wird dies etwa beim Kurs des britischen Pfunds.

Historische Tiefstände

Die konjunkturellen Risiken des Brexit belasten den Wert der britischen Währung stark. Bereits unmittelbar nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016 war das Pfund auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren gefallen. Nach der mit 51,9 % knappen Mehrheit für den Austritt rutschte es unter die Marke von 1,35 US-Dollar. Mehr als drei Jahre und drei Regierungschefs später tendierte der Pfund-Kurs in der Vorwoche nun im Bereich von 1,21 US-Dollar.

Seit dem Votum verbilligte sich das Pfund zum Euro um etwas mehr als 13 %, alleine in den vergangenen zwölf Monaten ging es 2,8 % abwärts. Der Wechselkurs wirkt sich stark auf Beteiligungen und Anlageprodukte aus, die in der Finanzmetropole London gehandelt werden.

Am Aktienmarkt steht den klaren Währungsverlusten jedoch eine grundsätzlich positive Tendenz gegenüber. Der Leitindex der Londoner Börse FTSE-100 beispielsweise hat seit Juni 2016 um über ein Fünftel zugelegt. Während ein niedrigerer Pfundkurs britische Produkte außerhalb des Königreichs attraktiver macht, wird es für Briten teurer, etwa aus der Eurozone zu beziehen.

Doch entscheidend für die weitere Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien werden nicht Wechselkurseffekte sondern Handelshemmnisse sein. Diese werden in Form von weniger Rechtssicherheit, Zöllen und höherem Bürokratieaufwand durch einen „Hard Brexit“ wieder stärker erwartet.

Brexit: kurs britisches pfund in euro

Gegenmaßnahmen in Haushalts- und Geldpolitik

Davon scheint selbst die neue Regierung in London überzeugt: Sie hat in der Vorwoche 2,1 Milliarden Pfund zusätzlich für Vorbereitungen auf einen Brexit veranschlagt. Insgesamt hat das Finanzministerium damit für das laufende Haushaltsjahr 4,2 Milliarden Pfund eingeplant, um auf einen No-Deal-Brexit vorbereitet zu sein.

434 Millionen Pfund sollen eingesetzt werden, um etwa die Medizinversorgung durch zusätzliche Frachtkapazitäten, Lager und Vorräte sicherzustellen. Einer der Knackpunkte dürfte die Grenze zwischen dem EU-Land Irland und der britischen Provinz Nordirland werden, an der Kontrollen drohen, die dann den Warentransport verlangsamen und verteuern.

Die britische Notenbank will unterdessen auf einen harten Brexit nicht automatisch mit einer Änderung ihrer Zinspolitik reagieren. Das stellte der Chef der Bank of England (BoE), Mark Carney, Ende Juni bei einer Anhörung im Parlament klar.

Die britischen Währungshüter ließen den Leitzins zuletzt einstimmig unverändert bei 0,75 %. Zugleich betonten sie, eine „stufenweise und begrenzte“ Straffung der Geldpolitik werde nötig, um ihr Inflationsziel in den kommenden Jahren zu erreichen. Eine Zinserhöhung stehe aber unter dem Vorbehalt, dass der Brexit reibungslos gelinge – eine Annahme, die aktuell nicht an Wahrscheinlichkeit gewinnt.

Bei der Reaktion sei neben Angebot und Nachfrage eben der Pfund-Wechselkurs zu berücksichtigen, sagte Carney.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Sag niemals Niedrigzins!

Mehr Spannung für Ihr Bond-Portfolio – mit globalen Lokalwährungsanleihen

von Susanne Hellmann, DekaBank.

Gute Nachrichten für alle, die wehmütig an die guten alten Zinsen zurückdenken: Hohe laufende Zinserträge sind auch heute noch möglich! Rentenorientierte Anleger können ihr Portfolio durch granular gestreute Anlagen in Lokalwährungen ergänzen und sich damit die Chance auf überdurchschnittliche Ausschüttungen und zusätzliches Kurspotenzial nutzen. Weiterer positiver Effekt: Eine höhere Diversifikation.

Harte Währungen, harte Konditionen

Sprechen Anleger über Währungsinvestments, dann assoziiert man damit in erster Linie die großen Schwergewichte wie US-Dollar, Euro, britisches Pfund, Schweizer Franken oder den japanischen Yen. Doch auch wenn die Zinssätze für langlaufende US-Staatsanleihen wieder eine nennenswerte Höhe erreicht haben, bieten die Kupons von Anleihen in den anderen Hartwährungen keinen wirklichen Grund zur Euphorie: Echte Rendite-Pick-ups gibt es nur für ein deutlich höheres Durations- und/oder Kreditrisiko. Ein Engagement in Fremdwährung wird zudem von vielen institutionellen Investoren noch immer eher als Spekulation denn als solide Positionierung empfunden und am besten möglichst zügig abgesichert.

Ziel: Überrendite. Richtung: Emerging Markets

Fakt ist jedoch: Schwellenländer und Frontier Markets repräsentieren einen Großteil der weltweiten Wirtschaftskraft und profitieren besonders stark von der Globalisierung. Für eine Anlage in diesen Märken sprechen insbesondere eine relativ geringe Staatsverschuldung und eine gute Wachstumsdynamik. Diese liegt oft über denen der westlichen Industrienationen.

Für eine Anlage sprechen insbesondere eine relativ geringe Staatsverschuldung und eine gute Wachstumsdynamik.

Geringe Staatsverschuldung

Die Verschuldungsquote von Schwellenländern ist oft deutlich geringer als in Industrienationen.

Starke Wachstumsdynamik

Kontinuierlich steigender Anteil der Emerging Markets am weltweiten Wirtschaftswachstum.

Fünf Gründe für ein Investment in Emerging & Frontier Markets:

1.     Kontinuierlich niedrige Renditen in der Eurozone

Der gegenwärtige Renditedruck führt zu Kapitalzuflüssen in den Emerging Markets. Steigendes internationales Interesse, höhere Liquidität und Nachfrage nach lokaler Währung kann zu steigenden Preisen führen.

2.     Globales Wirtschaftswachstum schwächt ab

Schwellenländer sollten auch zukünftig weiterhin höhere Wachstumsraten als Industriestaaten bieten. Eine globale Rezession ist derzeit nicht zu erwarten.

3.     USA und US-Dollar verlieren an Dominanz

US-Renditen sollten in nächster Zeit nur moderat steigen. Auch ein Trend in Bezug zu Euro oder US-Dollar ist nicht zu erkennen. Stattdessen zeichnet sich bereits ein paar Jahren ein globaler Trendwechsel ab, in dessen Folge der US-Dollar an Dominanz verlieren wird.

4.     Geringe Inflationsgefahren

Die globalen Zentralbanken sollten weiterhin eher zu einer lockeren Geldpolitik neigen.

5.     Krise in den Schwellenländern nicht in Sicht

Landesspezifische Risiken, wie etwa Wahlen in Argentinien oder Deleveraging in China, lassen sich durch breite Diversifikation und höhere Zinserträge abfedern.

Währungen neu denken!

Anleger, die überproportionale Ausschüttungen fordern, aber auch überschaubare Wertschwankungen tolerieren, sollten sich dem Markt für Fremdwährungsanlagen vorurteilsfrei nähern: Vergleicht man die Renditen eines beliebigen Emittenten für eine in Hartwährung und eine in lokaler Währung begebene Anleihe mit identischer Laufzeit, ist die lokale Variante sehr oft die attraktivere Alternative. Die Rendite-Spreads in Lokalwährung sind deutlich höher als bei Euro- oder US-Dollar-Denominierung und ermöglichen zusätzliche Erträge.

Robuster Investmentprozess für solide Ergebnisse

Mit einer Anlage in lokalen Währungen aus Schwellenländern und Frontier Markets können Anleger an vergleichsweise hohen Kupons partizipieren, sich die Chance auf mögliche Wechselkursgewinne sichern und schließlich ihre risikoadjustierte Rendite deutlich verbessern – sofern sie die Auswahl der Länder, Emittenten und schließlich die Selektion der Einzeltitel in einen soliden, bewährten Prozess überführen, über globale Marktzugänge und Referenzbanken verfügen und auf eine hohe Expertise im laufenden Management von Währungs- und Anleihepositionen zurückgreifen können.

Schritt 1: Quality first!

Wer Wert auf Qualität legt und von der aufwendigen fundamentalen Analyse einzelner Unternehmen absehen möchte, konzentriert sich auf supranationale, staatliche oder staatsnahe Emittenten sowie Förderbanken und Finanzinstitutionen weltweit und legt den Schwerpunkt auf lokale Währungen – ohne sich darauf zu beschränken. So benötigen Entwicklungsbanken oftmals lokale Währungen zur Kreditvergabe an Unternehmen auf dem Heimatmarkt, unter anderem für Projektfinanzierungen. Zugleich begeben andere Institutionen Hartwährungsanleihen mit attraktiven Zinssätzen, um ihren Auslandsverpflichtungen nachzukommen. 

Das grundsätzlich weltweite Auswahluniversum an Ländern und Währungen wird dabei lediglich durch etwaige Anlagebeschränkungen für ausländische Investoren, begrenzte Konvertierbarkeit oder unzureichende Liquidität für institutionelle Bedürfnisse eingeschränkt.


Anlageinstrumente

Der Schwerpunkt liegt auf liquiden und gut bewertbaren fest oder variabel verzinslichen Wertpapieren, aber auch inflationsgebundenen Anleihen.


Schritt 2: Top-down zu Land und Währung

Ist das Auswahluniversum hinreichend definiert, gibt die fundamentale Analyse der möglichen Zielländer und -währungen Aufschluss über deren Attraktivität für eine Investition. Im Interesse des Anlegers stehen neben der wirtschaftlichen Entwicklung insbesondere politischer Konsens und Stabilität. Makroökonomische Kennzahlen zur Solvenz, Liquidität und Stabilität fungieren als objektiv-quantitative Entscheidungsparameter für eine mögliche Investition.

Auf Basis der kurz- bis mittelfristigen Marktperspektiven unter Berücksichtigung von Inflationsentwicklung und etwaiger Wechselkurseffekte erfolgt die Szenario- und Performance-Simulation. 


Währungen brauchen Expertise.

Wechselkursentwicklungen von Lokalwährungen sind oftmals von anderen Einflussfaktoren abhängig als Hartwährungen. Die Bewertung des Trade-offs zwischen Zinschance und Wechselkursrisiko erfordert höchste Expertise in der qualitativen und quantitativen Analyse.


Schritt 3: Bottom-up zum Portfolio

Bei der Erstellung einer Empfehlungsliste für die Einzeltitelselektion stehen die mittelfristige Bonität der Emittenten und die Liquidität der Wertpapiere im Vordergrund. Die Analyse umfasst u. a. eine Relative-Value-Betrachtung gegenüber vergleichbaren Wertpapieren, Emittenten und Neuemissionen. Für die Auswahl einzelner Anleihen ist die lokale Zinsstrukturkurve von großer Bedeutung. In der Praxis hat sich bereits oft herausgestellt, dass längere Laufzeiten weder eine lohnenswerte Zusatzrendite noch die nötige Liquidität aufweisen, weshalb die durchschnittliche Duration des optimierten Portfolios vergleichsweise niedrig ist (derzeit unter drei Jahren).


Wer absichert, verliert.

Mit einer qualitativ hochwertigen Auswahl und einer extrem granularen Diversifikation von Emittenten, Währungen und Restlaufzeiten lassen sich die Länder-, Kredit- und Liquiditätsrisiken bereits deutlich reduzieren. Eine Absicherung der Wechselkursrisiken kostet Anleger mindestens den Renditevorteil gegenüber dem Euro. Zumeist sind aber Forward-, Swap- und Optionsmärkte nicht hinreichend entwickelt oder liquide und Absicherungen daher nur zu sehr hohen Kosten verfügbar. In Einzelfällen können Derivate dennoch zur Absicherung eingesetzt werden.


Schritt 4: Lokal anlegen, global diversifizieren

Anleger sollten eine wirklich globale Diversifikation anstreben – wer sich nur auf die größten Emerging Markets, wie etwa die BRICS-Staaten oder die Next Eleven beschränkt, vergibt nicht nur Renditechancen, sondern reduziert auch die möglichen Diversifikationseffekte.

Eine intelligente Gleichgewichtung der Währungen innerhalb definierter Marktgrößen – für Frontier Markets etwa 1 Prozent, für mittelgroße Märkte ca. 2 Prozent und für etablierte Emerging Markets rund 3 Prozent – sorgt für eine höchst granulare Risikostreuung über Länder und Emittenten. Unter diesen Bedingungen kann das Zielportfolio über 70 Währungen, mehr als 300 Emittenten und über 1000 Anleihen umfassen.


Durchhalten zahlt sich aus

Handelskosten, also die Geld-Brief-Spanne und Transaktionsgebühren, sind bei Engagements in Schwellenländern und ihren Finanzinstrumenten deutliche höher als etwa in der Eurozone. Ein intelligenter Ansatz reduziert die Handelskosten, indem Anleihen in der Regel bis zur Endfälligkeit gehalten werden.


Schritt 5: Integriertes Risikomanagement durchführen

Risikomanagement und -controlling erfordern angesichts der Anzahl der Währungen und Positionen klar definierte Prozesse und eine permanente Überwachung der Risiko- und Performance-Kennziffern.

  • Länderrisiken
  • Kreditrisiken
  • Zinsrisiken
  • Wechselkursrisiken
  • Liquiditätsrisiken
  • operationelle Risiken

Die Strategie im Überblick

Anlageziel

  • Realisierung einer höheren Rendite als in Euro-Anleihen
  • Benchmarkfreie Strategie

Investmentuniversum

  • global
  • staatliche, staatsnahe und supranationale Emittenten, Banken
  • Fokus auf Lokalwährungen aus Emerging Markets, Frontier Markets und Industrienationen

Management

  • aktiv, fundamentalanalytisch (qualitativ und quantitativ)
  • systematische Entscheidungsfindung
  • Kombination von langjähriger Expertise und mathematischer Modellierung

Ansatz

  • Fokus auf kontinuierlich hohe Ausschüttungen
  • granulare Diversifikation
  • kurze Duration
  • Endfälligkeitsansatz (Held to maturity)  

Ziele eines typischen Anlegers

  • Erzielung hoher regelmäßiger Ausschüttungen
  • Sicherung einer Chance auf Zusatzerträge durch Währungs- und Kursgewinne
  • Wertschwankungen sollten toleriert werden 

Über die Deka

Die DekaBank ist das Wertpapierhaus der Sparkassen, gemeinsam mit ihren Tochtergesellschaften bildet sie die Deka-Gruppe. Mit Total Assets in Höhe von rund 276 Mrd. Euro (per 31.12.2018) sowie rund 4,7 Millionen betreuten Depots ist sie einer der größten Wertpapierdienstleister und Immobilien-Asset Manager in Deutschland. Sie eröffnet privaten und institutionellen Anlegern Zugang zu einer breiten Palette an Anlageprodukten und Dienstleistungen. Die DekaBank ist fest verankert in der Sparkassen-Finanzgruppe und richtet ihr Angebotsportfolio ganz nach den Anforderungen ihrer Eigentümer und Vertriebspartner im Wertpapier¬geschäft aus.

Deka Institutionell ist der Partner für institutionelle Anleger in der Deka-Gruppe. Ihr Angebot deckt die gesamte Wertschöpfungskette professioneller Asset Management- und Kapitalmarktdienstleistungen ab. Ein betreutes institutionelles Vermögen von rund 139 Mrd. Euro spiegelt das wachsende Vertrauen professioneller Anleger in die Produkte und Leistungen der Deka wider. Das Spektrum umfasst die ganze Bandbreite des institutionellen Asset Managements und Liquiditätsmanagements sowie des Kredit- und Risikomanagements. Abgerundet wird das Angebot durch Serviceleistungen wie Master-KVG, als Kern des Asset Servicing, und Verwahrstelle.

Kontakt

Susanne Hellmann

Abteilungsleiterin Vertrieb Institutionelle Anleger
DekaBank

susanne.hellmann@deka.de
+49 (0) 69 71 47 – 87 64

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen Wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de, erhalten.

Cobots: Die Zukunft der Industrie

Menschen, die eng mit Robotern zusammenarbeiten, sind die Zukunft der Industrie, aber Sicherheit hat oberste Priorität, so der Verwaltungsbeirat von Pictet Asset Management.

Violine spielende Roboter haben vielleicht ein millionenfaches Publikum auf YouTube, aber diejenigen, die wirklich die Welt verändern, sind die, welche profane Aufgaben mit einem hohen Grad an Präzision ausführen und die menschlichen Kollegen nicht gefährden.

Die Entwicklung von Robotern, die in direkter Nähe zu Menschen eingesetzt werden können, ist erst seit einigen Jahren möglich, dank größerer Rechenleistung und immer kleineren Sensoren und Motoren. Daraus hat sich ein Spezialgebiet entwickelt, das sich auf Industriecluster wie das dänische Odense konzentriert, einem ehemaligen Zentrum für Schiffsbau, das Mitglieder des Pictet-Robotics Advisory Board vor kurzem besucht haben.

In den 1980er Jahren, als dänische Werften gegen die Billigkonkurrenz z. B. aus Südkorea ankämpfen mussten, fingen weitsichtige Werftbesitzer an, nach Wegen zu suchen, bestimmte qualifizierte, vor allem aber profane Aufgaben wie routinemäßige Schweißarbeiten zu automatisieren. Ein hoher Zuschuss an den lokalen Zweig des Dänischen Technologischen Instituts legte den Grundstein für die Entwicklung eines bedeutenden Zentrums für Robotik. Heute beschäftigen sich in Odense 4.000 Menschen mit Robotik – damit ist Dänemark eines der größten Robotikländer der Welt.

Da das Hauptaugenmerk auf kommerziellen Anwendungen liegt, ist die Arbeit der Robotikunternehmen in Odense nicht ganz so glamourös wie die der Wissenschaftler am MIT, die humanoide Maschinen entwickeln. Die Technologie ist aber nicht weniger komplex oder beeindruckend – das beste Beispiel sind die von Universal Robots, einem zu Teradyne gehörenden Unternehmen aus Odense, gebauten kollaborativen Maschinen.*

Montageroboter zum Beispiel sind in der Industrie schon lange gang und gäbe, aber Roboter, die autonom und doch eng mit Menschen zusammenarbeiten, sind eine noch sehr junge Entwicklung, so das Advisory Board.

AUFSTIEG DER ROBOTER

 Gesamtjahresumsatz weltweit, in Tsd.Quelle: Barclays Research. Prognosen vom 15.02.2016.

Industrieroboter, die nicht einfach nur strikt vorgegebene Aufgaben abarbeiten oder auf einen menschlichen Bediener angewiesen sind, können qualifizierte Arbeiter entlasten, die sich dann komplexeren Aufgaben widmen können. Sie sind sogar eine noch größere Hilfe, wenn sie mit diesen Arbeitern zusammenarbeiten oder in nächster Nähe zu ihnen arbeiten.

Cobots zum Beispiel können Montagearbeiten übernehmen und unliebsame Routineaufgaben ausführen, sodass ihre menschlichen Kollegen Zeit für Aufgaben mit einem höheren Mehrwert wie Qualitätskontrolle und individuelle Anpassungen haben.

Indem nach Möglichkeit Standardkomponenten ergänzend zu den intern konstruierten Teilen verwendet werden, können die Unternehmen aus Odense schnell Industrieroboter für spezielle Einsatzzwecke bauen und ganze Arbeitssysteme entsprechend den Anforderungen der Kunden konzipieren.

Kein Wunder, dass bis 2025 mit mehr als 728.000 verkauften Einheiten dieser Robotersysteme gerechnet wird – das entspricht einem Umsatz von 11.5 Mrd. US-$ pro Jahr. Barclays Equity Research zufolge hatte der Markt 2017 einen Wert von gerade mal 800 Mio. US-$, nachdem er 2012 praktisch aus dem Nichts heraus entstanden ist. Ein Großteil der Nachfrage kommt aus der Automobil- und Technologiebranche.

Adieu Plackerei

Durch diese Form der Automatisierung zum Beispiel bleiben den Arbeitern mühselige Lagerarbeiten wie Materialtransporte erspart. Roboter wie die von Mobile Industrial Robots*, einem anderen Unternehmen aus Odense, gebauten Flurfördergeräte werden zunehmend in Verteilzentren eingesetzt. Ein drittes Unternehmen beschäftigt sich mit Roboterschweißen und zielt damit auf einen großen Markt ab, an dem immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die die nötigen Fähigkeiten für diese Tätigkeit besitzen (in Großbritannien z. B. ist der typische Schweißer im Durchschnitt 55 Jahre alt).

Dorthin zu gelangen, war jedoch eine enorme Herausforderung. Cobots, die auf große Mengen hochwertiger Sensordaten angewiesen sind, konnten erst im Zuge der Entwicklung komplexerer Sensoren und durch Fortschritte bei der Rechenleistung für die Verarbeitung dieser Daten gebaut werden, so das Advisory Board.

Auch die KI leistet einen wesentlichen Beitrag – weil sich Industrieroboter dadurch viel leichter anlernen lassen. In einigen Fällen zum Beispiel müssen die Roboter nicht mehr mit Computercode programmiert werden, sondern können durch menschliche Bediener durch die Aufgaben geführt werden. Der Mensch steuert direkt die Arme des Roboters, der so während der Arbeit lernt.

ANNÄHERUNG

Formen der Zusammenarbeit mit IndustrieroboternGrüner Bereich: Arbeitsplatz des Roboters; gelber Bereich: Arbeitsplatz des Arbeiters. Quelle: IRF, basierend auf: Bauer et al. (2016)

Da Menschen keine Roboter sind, müssen sich diese autonomen Roboter aus Sicherheitsgründen an unterschiedliche Bedingungen anpassen können. Um die Sicherheit zu gewährleisten, müssen kollaborative Industrieroboter in der Lage sein, Menschen in ihrer Umgebung zu erkennen und ihre Tätigkeit sofort zu unterbrechen oder Platz zu machen, wenn Verletzungsgefahr besteht. Sobald die Gefahr vorüber ist, müssen sie ihre Arbeit sofort wieder aufnehmen können. Fortschritte in diesem Bereich werden durch die neueste Technologie erleichtert.

Um die Sicherheit des Menschen zu gewährleisten, müssen sich Roboterhersteller nach Normen richten, die von der International Organization for Standardization (ISO) festgelegt wurden. Die Sicherheit ist das Teuerste an diesem Prozess – das ist vielleicht auch der Grund, warum die chinesische Regierung sich nicht mehr der ISO unterwerfen, sondern ihre eigenen Sicherheitsstandards entwickeln möchte. Macht China damit wirklich ernst, besteht die Gefahr, dass die Sicherheit der Arbeiter zu kurz kommt, weil es nur noch um billig billig geht.

Da den Faktoren Sicherheit, Kosten und Anpassungsfähigkeit immer stärker Rechnung getragen wird, werden menschliche Arbeiter zunehmend mit Cobots zusammenarbeiten. Roboter werden verstärkt menschliche Aufgaben übernehmen, im Wesentlichen aber gefährliche oder anstrengende Tätigkeiten, sodass für den Menschen die interessanten, abwechslungsreichen Tätigkeiten übrigbleiben. Und Mensch und Roboter werden immer mehr Seite an Seite arbeiten.


* Die Pictet-Robotics Strategie investiert in Teradyne, zu dem Universal Robots und Mobile Industrial Robots gehören

Erfahren Sie mehr zu Robotikindustrie: Die Robotik-Industrie

Über das Beratungsgremium

Jede thematische Strategie profitiert von einem engagierten Beratungsgremium namhafter Wissenschaftler, Unternehmer und Akademiker. Dies ermöglicht uns, unsere Ansichten gegen Fachleute in ihren jeweiligen Bereichen zu testen und uns damit ein vertieftes Verständnis für das regulatorische Umfeld und die Trends zu verschaffen, die das Thema unterstützen.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 167 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

Mehr zu den Anlagestrategien von Pictet Asset Management

Folgen Sie Pictet Asset Management

Für weitere Informationen steht Ihnen Frank Böhmer gerne zur Verfügung.
Telefon: 069-79 5009 1224
e-mail: fbohmer@pictet.com

50 Jahre Mondlandung: Privatunternehmen im Weltraumgeschäft

Vor 50 Jahren, am 20. Juli 1969, betraten mit Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin die ersten Menschen den Mond. Das Apollo-Programm war damals kein kommerzielles Projekt, sondern vor allem politisch motiviert. Immerhin galt es für die USA im kalten Krieg nach dem Sputnik-Schock das Rennen zum Mond gegen die Sowjetunion zu gewinnen.

Inflationsbereinigt kostete der „große Schritt für die Menschheit“ nach heutigen Maßstäben weit über 100 Milliarden Dollar. Doch die Umwegrentabilität für die Privatwirtschaft kann kaum unterschätzt werden. So fanden viele der Innovationen des Mondlandeprogramms ihren Weg in die Privatwirtschaft und sind aus dem heutigen Alltagsleben kaum mehr wegzudenken, von Mikrochips bis zu drahtlosen Bohrmaschinen.

Seit 1972 hat mittlerweile kein Mensch mehr den Mond betreten, doch die Raumfahrtindustrie hat sich extrem gewandelt. Schon in den 1960ern setzte die NASA auf private Zulieferer wie Boeing, doch damals wurden Weltraumprogramme primär von staatlichen Agenturen betrieben.

Mittlerweile spielen privatwirtschaftliche Unternehmen eine bedeutende Rolle im Weltraumgeschäft: Etwa als Zulieferer für Raumfahrzeuge und Bodenausrüstung, als Transporteure von Lasten ins All oder als Betreiber und Nutzer von Satelliten.

SpaceX macht bei Raketenstarts NASA und ESA Konkurrenz

Raumfahrt im großen Stil betreibt etwa das aufstrebende US-amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk. SpaceX setzt beim Bau seiner Raketen auf Großproduktion und Wiederverwertbarkeit und macht damit öffentlichen Agenturen wie etwa der ESA Konkurrenz als Transporteur von Lasten ins All.

Das Unternehmen ist mittlerweile Marktführer bei Satellitenstarts und befördert laufend Wetter- oder Kommunikationssatelliten ins All und betreibt Versorgungsflüge zur internationalen Raumstation ISS.

Auch andere Firmen streben derzeit in den attraktiven Markt. So ist im Juli mit der Firma iSpace erstmals einem privaten chinesischen Raumfahrtunternehmen der Start einer Trägerrakete in die Erdumlaufbahn gelungen. Und auch in Europa drängen Private vor.

Der staatliche Schweizer Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Ruag plant derzeit Akquisitionen im Umfang von 500 Mio. Franken um seine Raumfahrtssparte auszubauen und will 2021 oder 2022 an die Börse gehen.

marktvolumen weltweite weltraumwirtschaft

Der gesamte Weltraummarkt hatte laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft 2018 eine Größe von rund 360 Mrd. US-Dollar. Davon entfielen 125 Mrd. Dollar auf die bodenbasierte Ausrüstung. Die Übertragung von TV-, Radio- oder Breitbandsignalen ist mit 102 Mrd. der wichtigste kommerzielle Service. Regierungsaktivitäten und die bemannte Raumfahrt kommen derzeit auf knapp 83 Mrd. und sind damit nur das drittwichtigste Segment.

Das könnte sich aber bald ändern. Nach dem Wunsch von US-Präsident Donald Trump sollen 2024 die ersten US-Astronauten auf den Mond zurückkehren, danach soll es weitergehen zum Mars. Auch andere Staaten wie etwa China oder Indien und sogar private Unternehmen nehmen mittlerweile den Mond ins Visier.

Anfang Mai präzisierte etwa Amazon-Chef Jeff Bezos seine kommerziellen Ambitionen bezüglich des Erdtrabanten: Mit dem Landegerät „Blue Moon“, das von seiner Firma Blue Origin entwickelt wird, möchte er sich in Kooperation mit der US-Raumfahrtbehörde NASA am neuen Wettlauf zum Mond beteiligen.

Für die europäische Weltraumagentur ESA tüfteln derzeit der Raketenbauer ArianeGroup und das deutsche Unternehmen PTScientists an Plänen für eine unbemannte Landung auf dem Mond vor dem Jahr 2025.

Sie suchen einen Weg in Megatrends zu investieren?

Der trendige s Fonds Plan Mix orientiert sich an verschiedenen globalen Megatrends von unterschiedlichen Ländern und Branchen.

Mit dem unten vorgeschlagenen Fonds investieren Sie in viele unterschiedliche Bereiche unseres täglichen und zukünftigen Lebens. Diese unterschiedlichen Trends vereinen hohes Zukunftspotenzial hinsichtlich der Kursentwicklung verbunden mit hohem Potenzial von Kursschwankungen.


warnhinweise fonds

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Fed hält die Tür für weitere Zinssenkungen offen

Zum gestrigen FOMC Meeting ein Kommentar von Kevin Flanagan, Senior Fixed Income Strategist bei WisdomTree:

"Endlich hat das Federal Open Market Committee (FOMC) der US Notenbank Fed getan, was weithin erwartet wurde und den Leitzins um einen Viertelpunkt gekürzt. Die Fed gab zudem bekannt, dass sie ihre Bilanzreduzierungen im August, zwei Monate früher als bislang angekündigt, beenden würde. Angesichts der für die Fed typischen Sprachwahl, der „Fed Speak“, den sich ändernden Markterwartungen und der jüngsten Erholung auf dem Arbeitsmarkt war es für die politischen Entscheidungsträger an der Zeit, der Spekulation ein Ende zu setzen. Die nunmehr beschlossene Zinssenkung um 25 Basispunkte passt zwar zum Narrativ der „Zusicherungs-Politik“ der Fed, lässt aber dennoch die Frage offen, was die Zukunft bringen könnte.

Um es auf den Punkt zu bringen: Im Gegensatz zur Juni-Sitzung des FOMC beschränkte sich das Treffen diesmal auf die übliche Grundsatzerklärung und die Pressekonferenz des Vorsitzenden Jerome Powell. Mit anderen Worten: diesmal gab es keine blauen Dotplots (die langfristigen Prognosen für den Leitzins). An der Grundsatzerklärung, die die Fed als ihre offizielle politische Haltung ansieht, wurde gegenüber der Juni-Sitzung wenig verändert. Dazu gehört die Formulierung, man werde „entsprechend handeln", was die Tür für zusätzliche Zugeständnisse in diesem Jahr offen hält. Tatsächlich sind diejenigen, die einen Zinsschritt von 50 Basispunkten erwartet hatten, vom Ergebnis des Juli-Meetings ein wenig enttäuscht. Man hat den Fokus nun auf eine weitere Zinssenkung in der nächsten FOMC-Sitzung vom 17. bis 18. September verlagert.

Denken Sie daran zurück, dass diese Zinssenkung wirklich nicht auf der Grundlinie der Fed-Prognose für die US-Wirtschaft beruhte; es war vielmehr der Versuch der stimmberechtigten Mitglieder, den möglichen negativen Auswirkungen der Handelsunsicherheit und der Verlangsamung des globalen Wachstums entgegenzuwirken. Wäre die Fed nicht zurückgerudert, hätten die Geld- und Anleihemärkte die politischen Entscheidungsträger in die Ecke gedrängt. Trotz der Tatsache, dass die finanziellen Bedingungen in den USA vor diesem Treffen einfacher waren als zu Beginn der Zinserhöhung durch die Fed Ende 2015, gab es Bedenken hinsichtlich einer Verschärfung der Marktbedingungen ohne eine Zinssenkung. Die Fed befindet sich mit dieser Entscheidung also möglicherweise wieder im "datengetriebenen" Modus und es scheint, als ob die Geldpolitik in diesem Jahr immer noch in Richtung einer weiteren Zinssenkung tendiert.

Fazit

Im Vorfeld der FOMC-Sitzung suchten die Fed-Fonds-Futures (Terminkontrakte, die die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer in Bezug auf das Leitzins-Niveau abbilden) nach einer Zinssenkung von 100 Basispunkten bis Ende 2020. Hier könnte es für den US Treasury Markt (UST) heikel werden. Während wir im Laufe dieses Jahres als Erweiterung der heutigen "Zusicherungs-Police“ noch einen weiteren Rückgang um 25 Basispunkte sehen können, sieht unser Basisszenario keine zusätzliche Zinssenkung um 50 Basispunkte vor. Die Geld- und Anleihemärkte haben also bereits viele gute Nachrichten an der Zinsfront eingepreist, so dass es den Anschein hat, dass die Enttäuschung im UST-Markt gestiegen ist, insbesondere wenn die Fed nur die Hälfte der derzeit erwarteten Zinssenkungen liefert."

„Generell waren die Märkte von der fehlenden Forward Guidance der Fed enttäuscht“

Tim Drayson, Head of Economics bei Legal and General Investment Management (LGIM), kommentiert die aktuelle Zinssenkung der Fed:

„Für die Fed gestaltet es sich als schwierig, die Märkte, die auf eine Unterstützung durch die US-Notenbank setzen, weiterhin positiv zu überraschen. Doch die Hoffnung auf eine Zinssenkung um mehr als 25 Basispunkte war angesichts solider Wirtschaftsdaten und der lockeren Finanzkonditionen nicht angemessen. Generell waren die Märkte von der fehlenden Forward Guidance der Fed enttäuscht - dies räumt der Notenbank jedoch mehr Flexibilität ein. Die fehlende Forward Guidance spiegelt sich auch im Komitee wider, das sich über den Bedarf weiterer Stimuli uneinig ist. Denn es gibt keinen Präzedenzfall dafür, wie man auf Handelskonflikte reagieren sollte.“