Emerging Markets Unternehmensanleihen: Zahlreiche Erholungs-Kandidaten bei Abmildern der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat Schwellenländer und entwickelte Länder gleichsam hart getroffen. Die Konsequenzen waren in allen Märkten ähnlich: schwächelnde Lieferketten, ausbleibende Konsumenten und ein massiver Anstieg der Staatsschulden. Bei Unternehmen sieht die Welt ganz anders aus: Sie konnten sich in der Krise gut behaupten. Unternehmensanleihen der Schwellenländer sind daher eine interessante Anlageklasse angesichts des aktuellen Niedringzins-Umfelds. Péter Varga, Senior Professional Fondsmanager in der Erste Asset Management, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum ist die Verschuldung ein ernstzunehmendes Risiko?

Während nationale Regierungen in Europa oder den USA einen kompakten wirtschaftlichen Maßnahmenkatalog erlassen haben und aus vergangenen Reformen zehren konnten, um die Krise abzumildern, war das in vielen Schwellenländern nicht annähernd der Fall. Eine große Anzahl an Staats- und Regierungschefs in den Emerging Markets haben die Zeiten der leichten Finanzierung an den Märkten nicht genutzt. Zudem spielen Korruption und Misswirtschaft ebenfalls eine negative Rolle. Viele Länder wie z.B. Angola, Ecuador, El Salvador oder Costa Rica stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand, sie haben notwendige wirtschaftliche Reformen in den letzten Jahren nicht oder nur halbherzig angepackt.

Wie wirkt sich der Verfall der Rohölpreise aus?

Viele Schwellenländer leiden unter der Preisentwicklung bei Rohstoffen – speziell durch den Preisverfall bei Rohöl. Die nationalen Notenbanken stehen unter gewaltigem Druck. In Chile und Peru hat man zu unorthodoxen Mitteln gegriffen und den Menschen Zugriff auf ihr kommendes Pensionsvermögen gegeben – mit weitreichenden Folgen für die Zukunft. Einstige Musterschüler wie Mexiko oder Kolumbien laufen Gefahr die Kontrolle über ihr Haushaltsdefizit und damit in den nächsten 1-2 Jahren auch ihr Investment Grade Rating zu verlieren.

Wer wird den Schwellenländern nun zur Seite stehen? Gibt es einen Ausweg?

Eines steht fest: viele Schwellenländer werden Hilfe vom Internationalen Währungsfonds oder der Weltbank erhalten um wieder auf die Beine zu kommen. Diese Unterstützung wird vermutlich im Vergleich zu vergangenen Bail-Outs und zügelloser Verschuldung mancher Länder an spezifische Umweltziele oder die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen gebunden sein. Das wird für eine positive mittelfristige Entwicklung sorgen, da sie auch ihre Wirtschaft umstrukturieren und zukunftsfit machen. Der Weg bis dahin wird aber von Tränen der Investoren begleitet sein.

Was machen die Unternehmen besser als die Staaten?

Bei Unternehmen in den Emerging Markets zeichnet sich ein gänzlich anderes Bild ab als bei Staaten. Viele sind gut durch die Krise gekommen, auch wenn sie Corona stark betroffen hat. Wir dürfen bei Unternehmen der Schwellenländer die Verschuldung nicht schönreden, aber die Kontrolle funktioniert bei großen Unternehmen besser als in so manchen Staaten. Die Anleihe-Emittenten sind meistens börsennotierte Aktiengesellschaften und damit einem starken Wettbewerb, einer Überprüfung und einem Risikomanagement unterzogen. Das bedeutet, dass Korruption oder Misswirtschaft kaum möglich sind. Darüber hinaus sind viele Unternehmen breit diversifiziert aufgestellt, weltweit tätig und hängen nicht so stark von der lokalen Wirtschaft ab. Des Weiteren generieren diese Unternehmen ihre Umsätze durch ihre Exporttätigkeit oft in Fremdwährung oder sichern ihre Verbindlichkeiten in der Fremdwährung ab.

Welche Unternehmen sind besonders interessant?

Bei der Auswahl der Unternehmen ist aktives Fondsmanagement und eine intensive Analyse während Corona umso entscheidender. Strukturell wichtige Branchen wie die Lebensmittelproduktion oder Telekommunikation haben zu Beginn der Krise gezielt Opportunitäten geboten. Unternehmen wie JBS, Marfrig oder Minerva Foods aus Brasilien, die einen starken weltweiten Zugang haben, konnten am Markt überzeugen. Interessant ist derzeit auch das Flugunternehmen GOL aus Brasilien. Das Flugunternehmen sollte sich deutlich erholen, wenn Infektionszahlen zurückgehen und Schnelltests an Flughäfen leicht verfügbar werden.

Wie attraktiv sind die Risikoprämien bei Schwellenländer-Unternehmensanleihen?

Der Appetit auf Emerging Markets Unternehmensanleihen ist nach wie vor gegeben. Bieten sie doch den Vorteil einer ausgeprägten Diversifizierung. Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen liegen bei 350 Basispunkten, immer noch über dem Niveau vor Covid-19. Schnäppchen sind am Markt nicht mehr so leicht zu finden. Daher sind aktives Management und langjährige Erfahrung besonders wichtig, um Erholungs-Kandidaten zu finden, die überproportional profitieren, wie z.B. das vorhin beschriebene Unternehmen der Luftfahrt.

Ganz nach der Investmentphilosophie der Erste AM werden bei der Auswahl für neue Titel intensiv Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt. Als Beispiel dafür dient Hikma Pharmaceuticals. Das jordanische Pharmaunternehmen ist ein Profiteur der Maßnahmen rund um COVID-19. Durch seine Produkte punktet es bei ESG-Scorings und ist so gut wie nicht verschuldet. Fitch Ratings hat das Unternehmen das erste Mal am 22.10 mit BBB- bewertet. (Jordanien ist mit B1/BB- bewertet).

Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit mittlerweile?

Die Europäische Kommission unter Ursula von der Leyen oder Xi Jinping in China haben sehr ambitionierte Pläne zur CO²-Neutralität und einer nachhaltigeren Wirtschaft vorgestellt. Neue Regularien im Bereich Nachhaltigkeit wie die geplante CO²-Importabgabe oder die Pläne über die Wasserstoff-Wirtschaft werden sich auf Unternehmen in den Schwellenländer auswirken. Es besteht hohe Planungsunsicherheit, welche Branchen und Firmen wie stark betroffen sein werdenSogenannte Green Bonds, also Anleihen, bei denen eine umweltfreundliche Verwendung der Mittel garantiert sein muss, kommen vermehrt von Unternehmen aus den Schwellenländern auf den Markt. Ähnlich wie bei Aktien trifft eine enorme Nachfrage auf ein beschränktes Angebot. Die Bewertungen sind aus ökonomischer Sicht nicht immer nachvollziehbar. Die grüne Wirtschaftswende ist nicht mehr aufzuhalten. Investitionen werden in Zukunft in Geschäftsfelder wie saubere Energie, Transport oder Recycling fließen und damit für Wachstum und Jobs sorgen. Hier entsteht eine neue Wachstumsstory, die Möglichkeiten und viel Optimismus bietet.

Investieren in Emerging Markets-Unternehmensanleihen mit dem ERSTE BOND EM CORPORATE

Der ERSTE BOND EM CORPORATE investiert in Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Der Fonds veranlagt hierbei weltweit und ermöglicht Investoren die Teilnahme an den Wachstumschancen dieser aufstrebenden Märkte. Fremdwährungsrisiken gegenüber dem Euro werden weitgehend abgesichert. Das Fondsvolumen beträgt aktuell 425 Millionen Euro (Stand: 20.10.2020).

Seit Jahresanfang legte der Fonds 5,6 % (Stand: 23.10.2020) zu. Seit Auflage des ERSTE BOND EM CORPORATE hat er über die letzten 10 Jahre eine Wertentwicklung von 5 % p.a.* erzielt. Mit diesem Track-Record wurde Erste AM als Fondsmanager bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Lipper Award. Das deutsche Anlegermagazin Börse Online bewertete den Fonds im Oktober mit der „Note 1“ und bedachte ihn mit einer Kauf-Empfehlung.


* Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt lt. OeKB Methode. Die Wertentwicklung unterstellt eine vollständige Wiederveranlagung der Ausschüttung und berücksichtigt die Verwaltungsgebühr sowie eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 3,50 % und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.
Dies ist eine Marketingmitteilung und keine Finanzanalyse. Sie wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.
Sofern in dieser Unterlage Portfoliopositionierungen von Fonds bekannt gegeben werden, basieren diese auf dem Stand der Marktentwicklung zum Redaktionsschluss. Im Rahmen des aktiven Managements können sich die genannten Portfoliopositionierungen jederzeit ändern.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

US-Präsidentschaftswahlen - Weitere Fiskalpolitische Massnahmen zu erwarten

von Christophe Nagy, Portfoliomanager des Comgest Growth America.

Turbulenzen gehören im „COVID-19-Jahr“ 2020 auch an den Aktienmärkten zum Alltag. Im dritten Quartal kletterte der S&P-Index parallel zur Erholung der Wirtschaft weiter nach oben. Dann fiel er zurück, als der Anstieg der Neuinfektionen in Europa eine ähnliche Entwicklung wie in den USA befürchten ließ. Zum jetzigen Zeitpunkt sind Vorhersagen zum Ende der Pandemie riskant und hängen nicht zuletzt von einem wirksamen Impfstoff ab.

Seit März steigt in den USA die Sparquote der Haushalte. Die Wiedereröffnung der Restaurants und Geschäfte könnte mit einer raschen Erholung des Konsums einhergehen. Diese Entwicklungen sprechen für eine rasche Erholung der Wirtschaft. Unabhängig davon gibt die mächtigste Wirtschaftsnation der Welt mit beispiellosen Konjunkturstimuli während der Corona-Pandemie den weitaus stärksten Impuls für die heimischen Unternehmen. Weitere fiskalpolitische Unterstützungsmaßnahmen vor oder nach den US-Präsidentschaftswahlen in Umfang von bis zu einer Billion US-Dollar sind möglich. Doch welche Sektoren in der neuen Regierungsperiode profitieren, hängt stark von der künftigen Ausrichtung der US-Politik ab. Der Blick richtet sich nun auf die Wahlen in den USA am 3. November, dessen Gewinner den Märkten neue Impulse geben könnte.

Infrastruktur- und Healthcare-Werte im Vorteil

Aus unserer Sicht ist besonders die Zusammensetzung des Kongresses für die künftige Ausrichtung der US-Politik entscheidend. Das derzeit wahrscheinlichste Szenario scheint ein von den Demokraten dominierter Kongress unter der Führung von Joe Biden. Dieser dürfte die von der Trump-Administration 2018 in Kraft gesetzte Senkung der Körperschaftssteuer wieder zurücknehmen und den bisherigen Ankündigungen zufolge sogar um einige Prozentpunkte erhöhen. Es ist davon auszugehen, dass dies Nutznießer der Steuersenkung wie den Einzelhandel, Versorger und Banken empfindlich trifft. Doch auch gegenüber den „Plattform-Unternehmen“ des Tech-Sektors dürften die Demokraten eine deutlich härtere Gangart einschlagen. Aufgrund des von den Demokraten angekündigten „Green New Deal“ winken dem Sektor der alternativen Energien viele Vorteile, wenn mehr Nachhaltigkeit in die US-Energiewirtschaft einkehrt. Darüber hinaus könnte eine allgemeine Krankenversicherung den gesamten Healthcare-Sektor stark begünstigen. Zum demokratischen Wahlprogramm gehört zudem die Verabschiedung eines Infrastrukturpakets. Beide Sektoren sollten aber auch bei einer republikanisch geführten Regierung unter Amtsinhaber Donald Trump profitieren.

IT-Sektor bleibt übergewichtet

Für den Technologiesektor sehen wir abseits möglicher regulatorischer Einschränkungen für einige FAANG-Titel noch viel Potenzial. Die Krise hat zudem einige Trends im Tech-Sektor beschleunigt. Dazu gehören: Home-Office, E-Commerce-Dienstleistungen und Automatisierung von Arbeitsabläufen bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Dementsprechend hoch ist auch unsere Gewichtung. Zu den aussichtsreichen Titeln gehört weiterhin Microsoft, dessen Betriebssoftware eine Milliarde Nutzer verzeichnet und die Arbeit im Home-Office erst möglich macht. Zusätzliche 50 Prozent Marktanteil sind für den Konzern vor dem Hintergrund seiner Online-Angebote noch möglich, denn nur die Hälfte der Nutzer weltweit verfügt über eine Internetverbindung. Krisenfestigkeit bei gleichzeitigem Wachstum haben neben Amazon auch der Lebensmittelriese Walmart sowie der Finanz- und Buchhaltungsdienstleister Intuit bewiesen, dessen adressierbarer Markt noch nicht voll erschlossen ist. Neben Amazon und Facebook trug dieser Titel am meisten zur Performance des Comgest Growth America (ISIN: IE0004791160) bei. Die Corona-Pandemie war zwar ein Stresstest für unser US-Portfolio, dennoch ist uns bei niedriger Volatilität eine gute Performance gelungen. Als Langfrist-Investoren haben wir ohnehin weittragende Entwicklungen im Blick. Diesem Vorhaben haben wir mit weiteren Zukäufen aussichtsreicher US-Qualitätswachstumsunternehmen wie dem Kosmetikanbieter Estée Lauder, dem Elektronikunternehmen Analog Devices (ADI) oder dem Aufzug-Hersteller Otis Rechnung getragen.

Unsere Anlagephilosophie, bei der wir uns auf Qualitäts- und Wachstumsaktien mit starken Geschäftsmodellen und soliden Wettbewerbsvorteilen konzentrieren, hat sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert. Nicht nur in der aktuellen Krise, sondern auch in allen anderen Marktphasen, die wir seit der Rezession von 2009 erlebt haben, hat sich der Qualitätswachstumsansatz bewährt. Wir sind uns daher sicher, dass er seinen Wert auch in diesen schwierigen Zeiten unter Beweis stellen wird. Der US-Markt bleibt für Investoren auf lange Sicht hochattraktiv.


Über Christophe Nagy

Christophe Nagy trat 2009 als Analyst und Portfoliomanager mit Schwerpunkt US-Aktien bei Comgest ein. Als Leader der US-Aktienstrategie kommt ihm eine entscheidende Rolle beim Aufbau des US Equity-Teams und der Ausrichtung der Research-Aktivitäten zu. Vor Comgest war er ab 1991 bei Mercer Consulting tätig. 1998 wechselte er mit Zuständigkeit für globale Wachstumsportfolios zu Carmignac Gestion, und 2002 übernahm er bei Edmond de Rothschild Asset Management die Aufgabe eines Senior-Portfoliomanagers. Christophe Nagy hat einen Masterabschluss der Ingenieurswissenschaften der Ecole des Mines in St-Etienne, Frankreich und erhielt 1991 einen MBA der INSEAD Graduate Business School bei Paris.

Über Comgest

Comgest ist eine internationale Boutique für Investments in Aktien der Industrie- und Schwellenländer. Sie ist zu 100% im Besitz der Mitarbeiter und Firmengründer. Diese seit über 30 Jahren bestehende solide Partnerschaft ist die Basis eines von Benchmarks und Indizes unabhängigen Qualitätswachstumsansatzes. Mit Büros in Europa, Asien und Nordamerika verwaltet Comgest ein Vermögen von 33 Milliarden Euro (Stand der Daten 31. Dezember 2019) und betreut Anleger rund um den Globus, die ein auf Langfristigkeit abzielendes Aktieninvestment anstreben.

US-Wahlergebnis beeinflusst die Märkte nur wenig

von Matthew Benkendorf, CIO von Vontobel Quality Growth.

Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Marktreaktionen schwer vorherzusagen sind und dass Wahlergebnisse nicht derart dramatische Auswirkungen auf die Märkte haben, wie man vielleicht glauben mag. Die Sorge vor Wahlergebnissen ist daher oft übertrieben.

Wie die Märkte auf Wahlen reagieren, hängt von mehr ab als davon, wer gewählt wird. Wichtige Faktoren sind beispielsweise das Bewertungsniveau der Märkte, das wirtschaftliche Umfeld, die Konjunkturaussichten und, wohl am entscheidendsten, die Prognosen für die Unternehmensgewinne. Denn die grundlegende Gesundheit der Wirtschaft und das Wachstum der Unternehmensgewinne sind am Ende die Faktoren, welche die Aktienkurse beeinflussen werden.

Verschiedene Parteien, gleiche Ziele

Auch wenn es unterschiedliche Parteien gibt, unterscheiden sich die Ziele der Kandidaten nicht immer drastisch. Unabhängig davon, wer in weniger als zwei Wochen die US-Präsidentschaftswahlen gewinnen wird, gehen wir davon aus, dass die Beziehungen zwischen den USA und China hinsichtlich Diebstahl geistigen Eigentums, Handel und damit verbundenen ESG-Themen weiterhin im Zentrum des Interesses stehen werden. Wir denken, dass die außenpolitische Haltung der USA gegenüber China unabhängig vom Wahlausgang recht ähnlich sein wird, aber sicherlich wird sich der Verhandlungsstil Joe Bidens gegenüber China von dem des derzeitigen Amtsinhabers Donald Trump unterscheiden. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch den Grenzen der Auswirkungen der Politik bewusst sein. Präsidenten oder Regierungen haben nur einen bestimmten Spielraum und können nur einige wenige Schlüsselpunkte auf ihrer Agenda angehen. Unabhängig vom Wahlausgang könnte aber die Politisierung des Umgangs mit der Covid-19-Pandemie bei beiden Parteien zu einem Ende kommen.

Kritische Reaktion auf Federal Reserve

Die Märkte reagieren kritisch auf das Unvermögen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Inflation zu erhöhen. Die letzten Maßnahmen haben gezeigt, dass die Fed damit entweder zunehmend an Einfluss verliert oder sich gar auf dem Weg der völligen Wirkungslosigkeit befindet. Investoren sollten von einer höheren Volatilität bei Themen ausgehen, die in der Vergangenheit keine Auswirkungen hatten. Wir erwarten nicht, dass ein Wechsel im Weißen Haus einen wesentlichen Einfluss auf die Politik der Fed haben wird. Sollten die Demokraten die Kontrolle im Kongress und im Weißen Haus erlangen (d. h. ein Szenario, in dem Joe Biden zum US-Präsidenten gewählt wird und die Demokraten das Repräsentantenhaus behalten, aber auch die Kontrolle über den Senat übernehmen), würde sich jedoch die Wahrscheinlichkeit eines umfangreichen Konjunkturprogrammes erhöhen. Nachdem die Fed viele Jahre lang eine vorherrschende Rolle bei der Stützung der Wirtschaft gespielt hat, könnte diese Entwicklung es der Fed auf der fiskalischen Seite ermöglichen, von ihrer übermäßig stützenden Haltung Abstand zu nehmen und Raum für keynesianische Maßnahmen zu schaffen, die der Realwirtschaft wirksamer helfen würden. Dies könnte beispielsweise durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und Förderung von Unternehmensinvestitionen erfolgen.

Blick auf Fundamentaldaten essenziell

Aus Anlagesicht ist es wichtig, sich mehr auf die grundlegende Stabilität bestimmter Unternehmen und ihre dauerhaften, nachhaltigen Wachstumsaussichten zu fokussieren. Der intensive Blick auf die Fundamentaldaten der Unternehmen und die prognostizierbare langfristige Ertragskraft können den Anleger unabhängig vom makroökonomischen oder politischen Hintergrund profitieren lassen. Als Bottom-up-Investoren machen wir uns keine allzu großen Sorgen über den Ausgang der bevorstehenden US-Wahlen, da politische Veränderungen nicht unbedingt wesentliche Auswirkungen auf die Unternehmen in unserem Portfolio haben werden.

Eine Wiederwahl von Amtsinhaber Donald Trump wird bei den aktuellen Fundamentaldaten wahrscheinlich nicht zu großen Veränderungen in den Sektoren führen. Ein Wahlsieg Joe Bidens wird eine stärker auf Umweltschutz ausgerichtete Agenda mit sich bringen, die mehr Druck oder eine genauere Prüfung von Sektoren, die Umweltschutzauflagen unterliegen, mit sich bringen könnte. Dies beträfe etwa den Energie- und Rohstoffbereich. Angesichts der Tatsache, dass Gesundheitsfürsorge im Fokus der Demokraten steht, könnte ein Wahlsieg von Joe Biden mehr Volatilität in diesem Sektor bedeuten, aber für Titel aus dem Gesundheitswesen mit soliden Fundamentaldaten sollte es weiterhin gut laufen. Bei Finanzwerten, die bereits unter Druck stehen, könnte es ebenfalls zu Volatilität kommen, da diese Unternehmen angesichts der üblicherweise strengeren Hand einer demokratischen Regierung aus aufsichtsrechtlicher Sicht wahrscheinlich keine große Unterstützung oder zunehmende Verbesserung erfahren werden.

Investitionen nicht von Wahlergebnis abhängig

Exakte Prognosen sind schlicht unmöglich. Die gute Nachricht für unsere Investoren ist, dass unsere Investitionsentscheidungen und unsere Portfoliopositionierung nicht vom Wahlergebnis oder irgendwelchen politischen Lösungen abhängen. Investoren sollten nach Unternehmen mit bewährten und wiederholt erfolgreichen Modellen und etablierten, marktführenden Positionen suchen. Für Investoren ist es von entscheidender Bedeutung, sich daran zu erinnern, dass der Erfolg eines Sektors und, noch wichtiger, der Erfolg von Unternehmen in diesem Sektor, von den zugrunde liegenden Gewinnen, der Nachhaltigkeit und des zukünftigen Wachstums dieser Gewinne abhängt.


Vontobel Asset Management

Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen überzeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.

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„Wir sehen eine steigende Nachfrage nach Krypto-Assets“

von Hansen Wang, Senior Associate bei der 21Shares AG.

Trotz des Ausbruchs der Corona-Pandemie war 2020 eines der stärksten Jahre für den Kryptomarkt. Im Interview mit Hedgework erklärt Hansen Wang von der 21Shares AG die wesentlichen Treiber der Wertentwicklung von Bitcoin und Ethereum und gibt einen Marktausblick.

Hedgework: Hansen, 2020 war bislang ein profitables Jahr für Bitcoin und Ethereum. Wie beurteilt ihr die Marktentwicklung in den kommenden Wochen und Monaten?

Hansen Wang: 2020 war tatsächlich ein sehr gutes Jahr für den Kryptomarkt. Bitcoin hat seit Jahresbeginn um über 60 Prozent zugelegt, Ethereum in derselben Zeit um rund 200 Prozent.

Hedgework: Was war der Treiber für diese Entwicklung?

Wang: Es gab sogar mehrere Treiber. Einerseits stieg die Nachfrage, insbesondere unter US-amerikanischen Institutionen, wo dieses Jahr mehrere große Marktteilnehmer hinzugekommen sind. Beispielsweise wurde gerade gestern bekanntgegeben, dass Paypal nun den Erwerb von Bitcoins ermöglicht, was den Preis von Bitcoin noch einmal in die Höhe stiegen ließ. Und zweitens gab es einen deutlichen Anstieg in der Nutzung von Blockchain-Applikationen. Im letzten Jahr allein ist das Kapital auf der Ethereum-Blockchain um 11 Milliarden Dollar gestiegen, was eine sehr positive Entwicklung ist.

Hedgework: Kann das so weitergehen?

Wang: Durchaus. Wir sehen eine steigende Nachfrage nach Kryptoassets und erwarten, dass dieser sich noch über das nächste Jahr und das darauffolgende hinziehen wird. Sobald es noch mehr regulatorische Klarheit gibt, werden auch größere Institutionen vermehrt investieren. 2020 war ein super Jahr für uns, 2021 wird noch besser.

Hedgework: Was sind die Vorteile, Bitcoin oder andere Kryptowährungen über eine ETP-Struktur zu kaufen, statt direkt?

Wang: Als Privatanleger kann man Kryptowährungen an unregulierten Kryptobörsen erwerben. Die meisten Institutionen dürfen demgegenüber derzeit keine physischen Kryptowährungen in ihre Mandate kaufen. Selbst wenn Sie es könnten, wäre der Handel von digitalen Assets mit einem erhöhten operativen und technischen Aufwand verbunden, was nicht zu deren Kerngeschäft gehört. Daher sind unsere regulierten ETPs eine ideale Alternative. Sie machen den Kauf eines Bitcoins genauso einfach wie den Kauf einer Siemens- oder BMW-Aktie.

Hedgework: Was ist der Unterschied zwischen den verschiedenen Kryptowährungen?

Wang: In der Tat gibt es derzeit ca. 7500 verschiedene Kryptowährungen auf dem Markt. Persönlich würde ich sagen, dass über 95 Prozent von diesen keinen wirklichen Nutzen haben. Der Grund, warum es die meisten dieser Währungen gibt, ist, dass die Ethereum-Blockchain den Fundraising-Prozess rapide vereinfacht hat, sodass Gründer einfacher denn je Zugang zu Kapital hatten. Daher haben etliche vermeintliche Unternehmer in 2017 eine Businessidee in ein Whitepaper geschrieben und via Initial Coin Offerings (ICOs) eigene Token an Interessenten verkauft. Mittlerweile hat sich aber herausgestellt, dass die meisten davon nutzlos sind.

Hedgework: Und die restlichen fünf Prozent?

Wang: Das sind die wenigen Kryptoassets, die die Vorteile der Blockchain korrekt ausnutzen und reale Probleme auf der Welt lösen. Dazu gehören zum Beispiel Bitcoin und Ethereum. Bitcoin ist ein alternatives Store-of-Value und gleichzeitig eine Währung, die gewisse Vorteile gegenüber traditionellen Store-of-Value-Assets wie Gold oder dem US-Dollar haben. Ethereum hingegen dient als ein globaler Computer, auf dem man dezentralisierte Applikationen bauen und nutzen kann.

Hedgework: Gibt es darüber hinaus Kryptowährungen, die interessant für Anleger sind?

Wang: Die größten und etabliertesten Kryptoassets sind am sichersten und haben sich am längsten bewährt. Wir haben mit der 21Shares AG verschiedene Basket-ETPs an der Börse notiert, um das Leben für Investoren, die Exposure zum allgemeinen Kryptomarkt haben wollen, zu vereinfachen. Der 21Shares Crypto Basket ETP ist zum Beispiel der erste börsennotierte Krypto-Basket ETP auf der Welt und bildet die fünf größten digitalen Währungen – nach Marktkapitalisierung gewichtet – ab. 

Hedgework: Vielleicht noch kurz zum Hintergrund – was genau macht die 21Shares AG und wer steckt dahinter?

Wang: Unser Business ist ganz einfach zu verstehen – wir strukturieren von der Schweiz aus Exchange Traded Products (ETPs) mit digitalen Assets wie Bitcoin oder Ethereum als Underlying Asset. Dabei haben Schweizer ETPs die gleiche Transparenz und Sicherheit wie ETFs, unterliegen allerdings nicht den OGAW-Diversifikationsanforderungen und sind daher besser für exotischere Anlageklassen wie Rohstoffe oder eben auch Kryptowährungen geeignet. Unsere institutionell strukturierten Krypto-ETPs ermöglichen professionellen und auch privaten Anlegern einen einfachen, sicheren und regulierten Zugang zu dieser aufstrebenden Anlageklasse. 

Hedgework: Wie ist das Thema deutsche Vertriebszulassung gelöst und was können wir in nächster Zeit noch von 21Shares erwarten?

Wang: Die ETPs sind allesamt an der Börse gelistet und verfügen über die notwendigen Vertriebszulassungen für Deutschland. Hinsichtlich unserer nächsten Projekte wiederum möchte ich betonen, dass wir in erster Linie eine Technologiefirma sind. So haben wir, als es 2018 noch keine Infrastruktur für börsennotierte Krypto-ETPs gab, einfach unsere eigene Plattform aufgebaut. Heute nutzen wir die Blockchain sowie unsere tiefe Finanzmarktkenntnis, um weitere innovative Produkte zu entwickeln, die dem Anleger Mehrwert bieten. Insofern haben wir auch immer einige neue Projekte in der Pipeline, sodass es sich lohnt, die Augen aufzuhalten! 


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

Hansen Wang ist Senior Associate bei der 21Shares AG. Er begann seine Karriere in einem Schweizer Multi-Family-Office, wo er zuständig war für ein 200 Millionen USD schweres Fund-of-Fund-Mandat. 2017 wechselte er von der traditionellen Finanzwelt in die Blockchain-Ökonomie und arbeitete zwei Jahre bei der Melonport AG, die 2018 vom World Economic Forum als einer der globalen Technology Pioneers gekrönt wurde. 

21Shares AG ist der führende Emittent für institutionell strukturierte Krypto-ETPs in Europa und macht Investitionen in Kryptoassets so einfach wie den Kauf und Verkauf von Aktien. Anleger können mit einer konventionellen ETP-Struktur unkompliziert, mit vollem Vertrauen und Sicherheit und kostengünstig in Kryptowährungen investieren, dank der von 21Shares eingeführten „21Shares“ ETP-Suite, die inzwischen aus elf Krypto-ETPs besteht. Die gesamte Produktpalette wird an der Deutschen Börse, SIX Swiss Exchange, Wiener Börse, BX Swiss und der Börse Stuttgart in CHF, USD, GBP und EUR in einem regulierten Umfeld gehandelt.
21Shares wurde 2018 gegründet und wird von einem talentierten Team von Unternehmern aus der Technologie- und Finanzwelt und erfahrenen Bankiers geleitet. Das Unternehmen mit Sitz in Zug und Büros in Zürich, Berlin und New York hat mehrere Weltneuheiten eingeführt, darunter den ersten börsennotierten Kryptoindex (HODL). 21Shares betreut mehr als 100 Millionen Dollar (AuM).
Mehr Infos: https://21shares.com/de/

e-Commerce und Nachhaltigkeit

von Andreas Perauer, Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsteams bei der Raiffeisen KAG.

Die Digitalisierung ist mittlerweile in allen Bereichen unseres Lebens angekommen. Smartphone, Tablet & Co ermöglichen es uns, die täglichen Aufgaben des Lebens zu bewältigen, unsere Freizeit zu gestalten, und auch zum Einkaufen müssen wir nicht mehr das Haus verlassen. Doch nicht nur privat, sondern auch im Berufsleben spielt Digitalisierung eine zunehmend wichtige Rolle. Sie ermöglicht Unternehmen, Prozesse zu optimieren und dadurch Kosten und Zeit zu sparen. Ein wesentlicher Faktor, der bei all dem nicht vergessen werden darf, ist die Nachhaltigkeit.

Die Engagement-Aktivitäten des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management beim Thema Digitalisierung beinhalten den Dialog mit einigen der größten börsennotierten Unternehmen im Bereich E-Commerce. Die Antworten lassen sich zu folgenden Aussagen und Ergebnissen zusammenfassen.

Covid-19 zeigte uns die Chancen, die sich aus der Digitalisierung ergeben. Wie hat sich das Virus auf Ihr Unternehmen ausgewirkt und wo sehen Sie die Chancen für Ihr Unternehmen/Ihre Branche?

Die schnelle Ausbreitung von Covid-19 führte im ersten Halbjahr 2020 global zu einer beträchtlichen Anzahl an temporären Geschäftsschließungen. Unternehmen mit bestehenden Onlinelösungen kamen mit dieser Belastung besser zurecht als andere. Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas beispielsweise berichtet von einem massiven Umsatzwachstum im Onlinebereich. Das Unternehmen beklagt jedoch die Tatsache, dass der Onlineboom die Verluste der physischen Vertriebskanäle nur teilweise ausgleichen konnte. Um diesem Problem entgegenzusteuern, will Adidas die Zahl der digitalen Kanäle und Tools künftig verdoppeln. Zusätzlich soll sich das durch die Corona-Krise entwickelte, zunehmende gesellschaftliche Interesse an Sport, Gesundheit und Wohlbefinden positiv auf das Unternehmen auswirken. Der britische Onlinesupermarkt Ocado konnte sein Umsatzvolumen durch den Lockdown deutlich steigern. Das Unternehmen zeigt sich besonders über die große Anzahl an Kunden, die zum ersten Mal überhaupt online einkauften, erfreut. Eines der Hauptziele sei es nun, diese Kunden auch über die Zeit des Coronavirus hinaus zu binden. Sowohl Ocado als auch der US-amerikanische Einzelhandelskonzern Walmart gehen von einer dauerhaften Verlagerung zu digitalen Vertriebskanälen aus, da das Kundenbedürfnis nach einem bequemeren Einkaufserlebnis ständig wächst. Walmart sieht sich durch die Erweiterung des Onlineangebots und der Kapazitäten für Zustell- und Abholservices gut positioniert, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

Befeuert durch die zunehmende Globalisierung, haben wir in den letzten Jahren einen massiven Wandel hin zu E-Commerce erlebt. Erwarten Sie, dass diese Trends anhalten?

Der Ausbruch der Coronavirus-Pandemie und die damit verbundenen Grenzschließungen führten uns die Nachteile der Globalisierung vor Augen. Es kam zu weltweiten Lieferengpässen, welche vereinzelt zu kompletten Produktionsstopps führten. Das Modehaus H&M hält trotzdem am Trend zur Globalisierung fest. Vor allem im Onlinehandel sieht H&M enorme Wachstumsmöglichkeiten und könnte nach eigenen Angaben den Anteil am Gesamtumsatz in relativ kurzer Zeit auf 100 % erhöhen. Dies sei aber keineswegs das Ziel des Unternehmens und würde auch nicht den länderspezifisch stark unterschiedlichen Kundenbedürfnissen entsprechen. Adidas sieht den Onlinevertrieb als relevantesten Vertriebskanal, um direkte Beziehungen zum Verbraucher aufzubauen, das Storytelling, also die Geschichte hinter den Produkten, zu kontrollieren und die Markenbekanntheit zu steigern. Für Adidas hat sich der Onlineabsatz während der Krise als sehr widerstandsfähig erwiesen und das Unternehmen geht davon aus, dass sich sowohl die Globalisierung als auch die digitale Transformation in den kommenden Jahren weiter beschleunigen werden. Der gleichen Meinung ist Nike. Das in den USA ansässige Unternehmen leitete vor kurzem mit der „Consumer Direct Acceleration“ die nächste Strategiephase der Digitalisierung ein und rechnet in den nächsten Jahren mit einem Anteil des Onlineabsatzes am Gesamtabsatz von in etwa 50 %. Auch Ocado erkennt die vorherrschenden Trends im Einzelhandel, das eigene Geschäft, der Lebensmittelhandel, sei jedoch weiterhin eine sehr regionale Branche, in der sich einige wenige lokale Akteure in der Regel den Markt aufteilen.

E-Commerce wird unter anderem aufgrund des Versands und des hohen Energieverbrauchs von Rechenzentren oft als umweltschädlich angesehen. Welche Maßnahmen setzen Sie, um diesen Problemen entgegenzuwirken?

Der französische Moderiese Kering, bekannt durch Luxusmarken wie Gucci oder Balenciaga, ist sich der Umweltbelastung durch den Onlinehandel bewusst und verfolgt daher eine klare Strategie zur Eindämmung des eigenen ökologischen Fußabdrucks. In enger Zusammenarbeit mit seinen Logistikplattformen und Spediteuren wird daran gearbeitet, die während der Lieferung zurückgelegten Entfernungen zu verringern, die Ladeprozesse und damit die Auslastung der Fahrzeugflotte zu optimieren und alternative, nachhaltigereTransportmöglichkeiten zu entwickeln. In Bezug auf den Energieverbrauch hat sich Kering in den letzten Jahren auf den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen fokussiert. So kommt der Strom mittlerweile in 36 Ländern zu 100 % aus erneuerbaren Quellen, im gesamten Konzern konnte der Anteil an erneuerbarer Energie im Vergleich zu 2017 um 48 % auf 84,8 % erhöht werden. Rakuten, Japans größte Online-Handelsplattform, hält fest, dass seine Rechenzentren nicht mit erneuerbarer Energie betrieben werden, da sich ihre Standorte nicht oder nur bedingt dafür eignen. Die Rechenzentren verfügen jedoch über energieeffiziente Technologien wie die natürliche Luftkühlung und jede Einheit muss ihren Stromverbrauch melden, wodurch zusätzliches Umweltbewusstsein gefördert werden soll. Im Bereich der Paketzustellung hat Rakuten zur Reduzierung von Mehrfachlieferungen alternative Lieferoptionen eingeführt, die es Kunden ermöglichen, ihre Bestellungen in der nächstgelegenen Rakuten-Box (abschließbare Paketzustellboxen) oder im Supermarkt abzuholen.

Ein Blick in die Zukunft Ihres Unternehmens: Inwieweit würden Sie erwarten, dass die Künstliche Intelligenz die menschliche Arbeit ablöst?

Weder Walmart noch Ocado gehen von einer Ablösung des Menschen durch Künstliche Intelligenz (KI) aus, sondern vielmehr von einer Verlagerung der Tätigkeiten. Während Roboter beispielsweise die Lagerbestände kontrollieren und Produkte aus den Lkws vollautomatisch scannen und sortieren, werden den Mitarbeitern mehr kundenorientierte Aufgaben zugeteilt. Rakuten sieht den Schlüssel darin, dass einfache Arbeit schrittweise auf KI verlagert wird, während die Kreativität und die komplexen Tätigkeiten beim Menschen bleiben. So setzt das japanische Unternehmen beispielsweise einen Chatbot ein, der rund um die Uhr auf gängige Kundenanfragen antwortet und passende Produkte empfiehlt. Auch Adidas, H&M, Kering und Nike sind sich darin einig, dass die Herstellung von Bekleidung und Modeaccessoires arbeitsintensiv ist und sich mit neuen Designs ständig ändert. Maschinen können nur bestimmte, sich wiederholende Aufgaben durchführen, das optimale Einsatzgebiet von Künstlicher Intelligenz liege daher in der Verarbeitung und Auswertung der riesigen Datenmengen, auch Big Data genannt, um dadurch ein auf den Kunden maßgeschneidertes Einkaufserlebnis bieten zu können.

COVID-Pandemie teilt Infrastruktur-Segmente in Gewinner und Verlierer auf

von Michael Gollits, Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Die Covid-19-Pandemie hat die Branche auf eine harte Probe gestellt. Auf den ersten Blick hat sich die Anlageklasse gut gehalten. Selbst inmitten einer Covid-19-Ausgangssperre ist es unmöglich, sich eine Welt vorzustellen, in der wir nicht weiterhin Mahlzeiten kochen, das Licht einschalten oder den Wasserhahn aufdrehen werden. Gleichzeitig ist allerdings durch die Pandemie global die Wirtschaftsleistung geschrumpft und der Ölpreis abgestürzt. Das hat viele Unternehmen im Infrastruktur-Segment schwer getroffen. Die Pandemie hat zu einer stärkeren Differenzierung in Verlierer und Gewinner geführt.

Der Verkehr steht im Auge des Covid-19-Sturmes

Obwohl in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich 35 Prozent der europäischen Infrastrukturinvestitionen auf den Verkehrssektor entfielen, befindet sich der Sektor nun im Auge des Sturms der Pandemie. Aber auch hier ist Differenzierung angezeigt. Der Warentransport zum Beispiel erweist sich als widerstandsfähiger als der Personenverkehr. Die EU-Kommission hat daher rasch "grüne Fahrspuren" vorgeschlagen - schnelle Grenzübergänge, die allen Lastkraftwagen offenstehen. Handelshäfen dürften weniger von Covid-19 betroffen sein als Passagierfähren und Flughäfen. Verkehrsbeschränkungen fordern einen hohen Tribut von den Flughäfen. Die Aussichten sind düster, lediglich der Luftfrachtverkehr hat sich nennenswert erholt. Angesichts ihrer strategischen Bedeutung werden Regierungen auch Flughäfen unterstützen. Dennoch wird dieses Segment auch bei einer Normalisierung des Lebens gehandicapt sein, da gekürzte Reisebudgets zu weniger Geschäftsreisen führen werden.

Infrastruktur in Zeiten der Pandemie: Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

 

Auf jeden Verlierer folgt ein Gewinner

Andere Infrastruktur-Sektoren erleben hingegen einen Boom. Die Arbeitswelt hat sich während der Pandemie verändert, mit einer globalen Verlagerung hin zur Telearbeit. Dabei sind zunächst die klassischen Subsektoren wie Festnetz- und Mobilfunkkommunikation gefragt. Aber an dieser Stelle zeigt sich auch, welchen Wandel Infrastruktur gerade durchläuft. Am Ende der Datenleitungen sitzen Rechenzentren für das Cloud-Computing mit standardisierten Dienstleistungen und benutzungsabhängiger Bezahlung oder Abonnement-Modellen. Die Eintrittsbarrieren in diesen Markt sind keineswegs niedrig. Die extrem hohen Anforderungen an Datensicherheit, Verfügbarkeit und Erreichbarkeit rund um die Welt können nur von wenigen kapitalstarken Anbietern erfüllt werden. Die hervorragenden Erfahrungen der Unternehmen während der Pandemie, die ihre IT-Infrastruktur in die Cloud ausgelagert haben und auf Telearbeit umschwenken konnten, wirken als Vorbild für die Wettbewerber. Covid-19 wird zum Beschleuniger eines Wandels hin zu einer anderen und dabei auch grüneren Infrastruktur.

Staaten werden mit dem privaten Sektor eine grünere Infrastruktur aufbauen

Der Staat hat eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung des Lebensunterhalts, der Unternehmen und der Wirtschaft gespielt. Allerdings sind die Regierungen nun mit kolossalen Defiziten konfrontiert. Dementsprechend werden die Regierungen versuchen, den Wert künftiger Verpflichtungen im Infrastrukturbereich durch Beteiligung privater Investoren zu reduzieren. Dies schafft Investoren die Gelegenheit, sich an dem perspektivischen grundlegendem Umbau von Infrastruktur zu beteiligen. Die meisten Regierungen haben Konjunkturprogramme für Infrastruktur gefordert. In Europa dürfte dies zum einen der Green-Deal-Investitionsschwerpunkt sein, der bereits der wichtigste Teil des EU-Haushalts ist. Ein weiterer Schwerpunkt dürfte die soziale Infrastruktur (z.B. Krankenhäuser, Schulen) sein, die durch die Krise getestet wurde. Es ist wahrscheinlich, dass die Regierungen eine Bilanz der Systemausfälle während der Pandemie ziehen und dabei einen Mangel an Widerstandsfähigkeit im Gesundheitswesen feststellen werden. Es besteht ein massiver Bedarf an Investitionen in Kapazität und Ausbildung des medizinischen Personals sowie an einer umfassenderen Neubewertung der Investitionen in Gesundheitseinrichtungen. Auch dies ist Infrastruktur. Die bereits gelockerten Maastricht-Regeln für die Haushaltspolitik werden eine echte Beschleunigung nachhaltiger Infrastrukturinvestitionen in Europa bewirken.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Investieren in Megatrends: Wasserstoff

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Jules Verne sah in seinem Roman „Die geheimnisvolle Insel“ bereits 1874 „Wasser als Brennstoff der Zukunft“ vorher. Die Bemühungen um Wasserstoff-Antriebe für Fahrzeuge weckten in den letzten Jahrzehnten jedoch eher Assoziationen mit Samuel Becketts „Warten auf Godot“, zumal ihnen Batteriefahrzeuge den Rang abliefen. Dank technologischer Durchbrüche und verstärkter staatlicher Investitionen könnte Wasserstoff aber schon bald ein zentrales Element künftiger E-Mobilität bilden, möglicherweise auch in Koexistenz mit dem Batterieantrieb. Und darüber hinaus spielt er auch bei der allgemeinen Energieversorgung unserer Städte und Betriebe in Zukunft möglicherweise eine wichtige Rolle.

Wasserstoff als Klima-Retter?

Das Abflauen der Corona-Krise (beziehungsweise das Gewöhnen an sie) lässt das Thema „Klimawandel“ wieder in den Fokus rücken. Diesbezüglich ist die Menschheit weit davon entfernt, die im Pariser Abkommen vereinbarten Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen zu erreichen. Diese sehen unter anderem vor, die CO2-Emissionen bis 2030 um 40 % gegenüber dem Stand von 1990 zu senken und bis 2050 soll gar Klimaneutralität herrschen, also eine Weltwirtschaft, die netto keinen nennenswerten CO2 -Ausstoß mehr verursacht. Doch stattdessen gab es im vergangenen Jahr ein abermaliges Rekordhoch an globalen CO2-Emissionen.

Wasserstoff könnte hier zu einer radikalen Wende beitragen. Er ist energiereich, faktisch unbegrenzt verfügbar und als Verbrennungsprodukt fällt im Grunde nur Wasser an. Trotz dieser positiven Voraussetzungen standen hohe technologische Hürden und mangelnde Wirtschaftlichkeit einem Einsatz bislang im Weg, vor allem für mobile Anwendungen. Das ändert sich aber zusehends. Immerhin 15 % der jährlichen CO2-Emissionen könnten mit Hilfe von Wasserstoff-Technologien in einem relativ überschaubaren Zeitraum eingespart und langfristig sogar eine CO2-neutrale Wirtschaft erreicht werden.

Wasserstoff: Stationärer und mobiler Energiespeicher der Zukunft?

Der Übergang zu einer Wirtschaft, die auf erneuerbaren Energien basiert, sieht sich mit mehreren technischen Problemen konfrontiert und eines der größten ist das Problem der Energiespeicherung. Strom aus Wind- und Solarkraftwerken fällt manchmal kaum und zu anderen Zeiten im Überfluss an. Batterien zu seiner Speicherung sind teuer, wenig umweltfreundlich in der Herstellung und zudem nur in begrenztem Umfang verfügbar. Mit Wasserstoff als Energiespeicher ließe sich das Problem wesentlich besser lösen. Überschüssige Elektroenergie kann genutzt werden, um Wasserstoff per Elektrolyse aus Wasser zu gewinnen. Der so erzeugte Wasserstoff lässt sich dann recht unkompliziert lagern und jederzeit als Energiequelle nutzen. ITM Power versorgt auf diese Weise etwa Wasserstofftankstellen. Google oder Ebay setzen zur autonomen Energieversorgung ihrer Server zum Beispiel bereits auf Brennstoffzellen von Bloom Energy.

Neben dem stationären Einsatz könnte Wasserstoff auch als mobiler Energiespeicher fungieren, beispielsweise mittels Brennstoffzellen zum Antrieb von Fahrzeugen. Hier werden – wie schon in der Vergangenheit – die technologisch kniffligsten Hürden zu nehmen sein.

Batteriefahrzeuge: Noch vor der Massenfertigung bereits veraltet?

Auch Wasserstoff-Fahrzeuge arbeiten grundsätzlich mit einem Elektromotor. Im Unterschied zu batteriebetriebenen Fahrzeugen wird die Elektroenergie bei ihnen erst an Bord aus dem gespeicherten Wasserstoff gewonnen. Die Sicherheit dieser Technologie kann inzwischen vollständig garantiert werden.

Zahlreiche Nachteile der bisherigen, batteriebasierten E-Mobilität ließen sich damit überwinden:

  • Begrenzte Reichweite und Abhängigkeit von den Außentemperaturen: 500km und darüber sind mit Wasserstoff möglich, ohne Einschränkungen durch Kälte oder Hitze
  • Ladezeit: unter 5 Minuten (häufig mehrere Stunden bei Batterien)
  • Umweltprobleme und mangelnde Nachhaltigkeit der Batterieherstellung und -entsorgung entfallen bei Wasserstoff
  • Sehr hohes Eigengewicht von Batterien und damit geringerer Nutzlastanteil

Lange standen der Wasserstoff-Technologie hohe Kosten und mangelnde Infrastruktur im Weg. Mittlerweile aber produziert beispielsweise Ballard Power Brennstoffzellen für den Schwertransport (LKW, Schiffe, Busse) um 64 % billiger als noch 2009. Weitere Kosteneinsparungen um 45 % werden bis 2023 angestrebt. Auch der Alstom-Konzern mit seinen Wasserstofflösungen für Schienenfahrzeuge profitiert von diesem Trend. Mit steigenden Stückzahlen werden langfristig auch die Preise bei PKWs fallen. Toyota plant, bis 2030 die Produktion von Brennstoffzellen-PKW zu versechzehnfachen. In China deutet vieles darauf hin, dass man in Wasserstoff-Elektroautos die Zukunft sieht, nicht in batteriebetriebenen Fahrzeugen.

Energie für Industrie und Haushalte

30 % des globalen Energiebedarfs entfallen derzeit auf das Betreiben von Gebäuden. Zum Heizen kann Wasserstoff in einem ersten Schritt Erdgas beigemischt werden. Langfristig könnte es Erdgas sogar vollständig ersetzen. Das bestehende Gas-Pipeline-Netz kann dafür genutzt werden, da dafür nur marginale Erweiterungen nötig sind. Air Liquide verfügt über das weltweit größte Pipeline-Netz zum Wasserstoffvertrieb. Eine flächendeckende Versorgung wird zum Schlüsselfaktor, vor allem auch im Mobilitätssektor.

Denn gerade dort mangelt es derzeit noch an der nötigen Infrastruktur: Weltweit sind gegenwärtig nur 470 Wasserstofftankstellen in Betrieb. Nel ASA und Linde zählen hier zu den führenden Anbietern. Politische Initiativen und Anreize müssen den Ausbau vorantreiben, um dem „Henne-Ei-Dilemma“ zu entkommen. Genau das ist jetzt zunehmend der Fall. Laut Energy Ministerial beispielsweise, sollen bis 2030 10.000 Wasserstoff-Tankstellen errichtet werden. Vor allem Schwerlasttransporter und LKW könnten Einsatzgebiet für Wasserstoff werden, denn für diese machen Batterien beim derzeitigen technologischen Stand nur wenig Sinn.

Woher stammt der vielversprechende Stoff?

Wie bereits angesprochen ist die umweltfreundliche Herstellungsvariante für Wasserstoff das Aufspalten (Elektrolyse) von Wasser. Angesichts der hohen Energiemengen, die dafür benötigt werden, war das bislang aber kaum wirtschaftlich. Schon gar nicht verglichen mit der Alternative, Wasserstoff aus Erdgas zu gewinnen, bei der jedoch in großen Mengen CO2 freigesetzt wird. Mit sinkenden Ökostrompreisen und Kostenreduktionen soll sich die Wasserstoff-Elektrolyse künftig nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch langfristig gegen Wasserstoff aus Erdgas durchsetzen. Dabei gibt es verschiedene vielversprechende, konkurrierende Technologien. So setzen Unternehmen wie Ballard Power, Plug Power, Powercell und Siemens aktuell auf die neuartige und flexible PEM-Technologie1, die derzeit auch am stärksten wächst. Bei Bloom Energy und Ceres Power hingegen kommen SOFC-Produkte2 zum Einsatz, die eine besonders hohe Effizienz zeigen.

Ein visionäres Investment!

Laut Bernstein Research soll der Brennstoffzellenmarkt bis 2030 jährlich um über 50 % wachsen. Wasserstoff soll damit von seinem derzeitigen Nischendasein bis 2050 auf einen Markt von rund einer Billion US-Dollar Umsatz jährlich expandieren. Investoren stehen damit noch am Beginn des geballten Wachstumspotenzials dieser Branche, wenn sie Jules Vernes Vision schließlich wahrwerden lässt.

Im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien sind wir derzeit in diesen Unternehmen investiert, um den beginnenden Megatrend „Wasserstoff“ zu partizipieren.

Fazit

Es versteht sich (fast) von selbst, dass in einer solchen, gerade im Aufbruch befindlichen Branche eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten sind. Daher können sich die entsprechenden Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Wasserstoff engagieren.


1) PEM steht für Protonenaustauschmembran-Brennstoffzelle
2) SOFC steht für Festoxidbrennstoffzelle; Eine Diskussion der verschiedenen Technologien an dieser Stelle würde zu weit führen; daher werden sie hier nur als Stichworte genannt.)

IWF: Einbruch der Weltwirtschaft weniger stark als befürchtet, aber immer noch größte Rezession seit Jahrzehnten

Die Weltkonjunktur dürfte die Folgen der Corona-Pandemie laut aktuellen Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) etwas besser verkraften als zuletzt befürchtet. Der IWF rechnet in seinem mit Spannung erwarteten Weltkonjunkturausblick für heuer nur mehr mit einem Einbruch der Weltwirtschaftsleistung von 4,4 Prozent. Damit hat der IWF seine letzte Prognose von Juni um 0,5 Prozentpunkte verbessert. Die Weltkonjunktur steht damit aber immer noch vor der größten Rezession seit der großen Depression vor fast hundert Jahren.

Im kommenden Jahr dürfte es wieder bergauf gehen, allerdings etwas langsamer als gedacht. Die Wachstumsprognosen für 2021 hat der IWF wegen der anhaltenden Folgen der Corona-Krise um 0,2 Prozentpunkte auf ein Plus von 5,2 Prozent gesenkt. Eine Erholung der Weltkonjunktur sei nicht sicher, solange sich die Pandemie weiter ausbreitet und eine Rückkehr zum normalen Alltag verhindert, so der Währungsfonds.

Vor allem die großen Industrienationen dürften heuer laut den IWF-Prognosen etwas glimpflicher davon kommen als gedacht. „Wir gehen von einer etwas weniger heftigen, aber immer noch tiefen Rezession aus“, sagte die IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath. Die massiven Konjunkturhilfen und geldpolitischen Maßnahmen dürften bei den großen Volkswirtschaften aber das Schlimmste verhindert haben.

Die Wirtschaftsleistung der Eurozone soll laut IWF damit heuer um 8,3 Prozent schrumpfen, für 2021 wird dann ein Wachstum von 5,2 Prozent erwartet. Für Österreich prognostiziert der Währungsfonds für 2020 einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,7 Prozent und für 2021 wieder ein Plus von 4,6 Prozent. Für Deutschland wird für heuer ein Minus von 6,0 Prozent und 2021 ein Plus von 4,2 Prozent erwartet.

Andere Länder, die von der Pandemie stärker betroffen waren, müssen allerdings mit stärkeren Einbrüchen rechnen. So rechnet der IWF für Frankreich und Großbritannien für heuer mit einem BIP-Einbruch von jeweils 9,8 Prozent, Italiens Wirtschaft soll den Prognosen zufolge sogar um 10,6 Prozent schrumpfen.

Chinas Wirtschaft könnte heuer wieder wachsen

Für die USA zeigt sich der IWF optimistischer: Dort soll die Wirtschaft 2020 um 4,3 Prozent schrumpfen. Im Juni hatte der IWF noch mit einem Einbruch von 8,0 Prozent gerechnet. 2021 könnte die US-amerikanische Wirtschaft laut den Währungsfonds-Prognosen wieder um 3,1 Prozent wachsen. Noch rasanter könnte die Erholung in China laufen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt könnte laut IWF bereits heuer um 1,9 Prozent wachsen und 2021 sogar um 8,2 Prozent zulegen.

Problematischer sieht der IWF die Lage in den Entwicklungsländern, die Schere zwischen reichen und armen Ländern könnte mit der Krise weiter aufgehen. In ärmeren Ländern seien die wirtschaftlichen Folgen der Krise gewichtiger und nachhaltiger. Die Pandemie könnte damit sämtliche Fortschritte bei der Armutsbekämpfung seit den 1990er Jahren zunichte machen. Insbesondere die Fortschritte im Gesundheitssystem sollten nun aber allen Ländern gleichermaßen zukommen, fordert der IWF bei der Präsentation seines Konjunkturausblicks.

Weltwirtschaftsausblick des IWF 2020 und 2021

Staatsverschuldung nach Hilfsprogrammen auf Rekordniveau

Auch die Hilfsprogramme vieler Länder dürften zwar Unternehmen und Privatpersonen geholfen haben, gleichzeitig aber massive Folgen für die öffentlichen Finanzen haben. So sei die Neuverschuldung weltweit im Durchschnitt um neun Prozent des BIP gestiegen. Die globale Staatsverschuldung dürfte auf fast 100 Prozent der jährlichen weltweiten Wirtschaftsleistung und damit auf ein Rekordhoch steigen.

Trotzdem fordert der IWF weitere fiskalische Unterstützung um Armut, Unterbeschäftigung und Ungleichheit infolge der Krise zu bekämpfen. Vor allen öffentliche Investitionen sind laut Währungsfonds geeignet, um die Investitionstätigkeit wieder anzuschieben. Wenn die Industrie- und Schwellenländer ein Prozent ihrer Wirtschaftsleistung investieren, könne dies das BIP um 2,7 Prozent erhöhen, rechnet der IWF-Direktor Vitor Gaspar vor.

Bankensektor stabil, mögliche Pleitewellen bei kleinen und mittleren Unternehmen

Aber nicht nur Staaten, auch viele private Unternehmen haben sich mit der Krise stark verschuldet. Größere Probleme sieht der IWF vor allem für Unternehmen außerhalb des Bankensektors. Mit zunehmender Dauer der Krise befürchtet der IWF daher ein wachsendes Risiko von Pleitewellen. Besonders betroffen sind kleinere und mittelgroße Firmen, die im Gegensatz zu großen Unternehmen einen schwierigeren Zugang zum Kapitalmarkt hätten und überwiegend von der Kreditvergabe der Banken abhängig seien. Den Bankensektor bewertet der IWF aber grundsätzlich als stabil. Etwaige Probleme von Haushalten und Unternehmen bei ihren Kreditrückzahlungen könnten aber auch auf die Banken durchschlagen.

Insgesamt erwartet der IWF eine Erholung, die aber langsam und anfällig für Rückschläge ist. Negative Überraschungen könnte es vor allem bei wieder stark steigenden Infektionszahlen, Rückschlägen in der Impfstoffentwicklung und Pleitewellen geben. Die Staatengemeinschaft ist laut IWF-Chefin Kristalina Georgiewa jetzt gefordert überall die Gesundheitssysteme zu stärken und einen Weg zu finden mit den Schulden der ärmeren Länder umzugehen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Rentenmärkte: Wie festgenagelt

Zuletzt war erstaunlich wenig Bewegung zu sehen: nicht am gesamten Rentenmarkt, aber bei den Staatsanleihe-Renditen der globalen Benchmarken aus den USA und der Eurozone. Und: Stillstand nicht nur bei kurzen Laufzeiten, das wäre durch die Notenbankpolitik leicht zu erklären, sondern auch bei den längeren Laufzeiten, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Trotz wieder gestiegener Aktien-Volatilität blieb es an den Rentenmärkten ruhig: keine „Flucht“ etwa aus dem High-Yield-Segment in die sicheren Häfen der Staatsanleihen. Die Renditeaufschläge der High Yields weiteten sich zuletzt zwar leicht aus, ebenso wie die der Emerging-Market-Anleihen (Hartwährung). Die Investorenstimmung hat sich jedoch bereits seit längerem ins Positive gedreht, die Politik der global führenden Notenbanken hat hier großen Einfluss. Etwas mehr Bewegung lösten Währungsentwicklungen aus. Im September profitierten US-Titel vom leicht gestiegenen Dollar, hingegen drückten die schwächeren Emerging-Market-Währungen weiter auf die Local-Bond-Performance.

Geld-/Kapitalmarkt: Forderung an Fiskalpolitik

Die Covid-19-Infektionszahlen dürften in den kommenden Monaten weiter ansteigen. Regionale Lockdowns, Reisewarnungen etc. könnten für einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung nachteilige Effekte haben. Auch die US-Wahl selbst bzw. die Ereignisse danach bergen das Potenzial von Turbulenzen.

Die globalen Notenbanken signalisieren im Grunde keine weiteren Ausbaustufen ihrer umfangreichen geldpolitischen Stimuluspakete. Die Geldpolitik alleine wird auch nicht genügen, daher fordern die Notenbanken sowohl in den USA als auch in Europa weitere – und massive – Fiskalimpulse. In den USA verhandelt der Kongress ein solches Paket, es dürfte aber vor der US-Wahl noch nicht beschlossen werden. In Europa steht das Fiskalpaket „Europäischer Aufbauplan“ der EU an.

Von der EZB wird gegen Jahresende eine Neupositionierung zu den Anleihen-Ankaufprogrammen erwartet, das betrifft insbesondere das mögliche Auslaufen des Notfallprogramms (PEPP) bzw. die Fortführung und Erweiterung der bestehenden Programme.

Staats- und Unternehmensanleihen: Niveaus vor der Krise

Staatsanleihen der europäischen Peripherie, insbesondere Italien und Spanien, waren und bleiben attraktiv. Deren Risikoprämien sind zuletzt weiter gesunken und befinden sich nun auf Niveaus von Februar 2020. Das weitere Abwärtspotenzial ist definitiv gesunken. Bei positiven Renditen bleiben Anleihen der Peripherie relativ zu Staatsanleihen Kerneuropas dennoch attraktiv, selbst wenn Peripherie-Spreads in etwa auf den aktuellen Niveaus verharren.

Dementsprechend finden sie im Rahmen unserer Asset Allocation eine positive Berücksichtigung, ebenso wie Euro-Unternehmensanleihen (Investment Grade). Wir übergewichten diese Anleihekategorie gegenüber europäischen Staatsanleihen. Die Übergewichtung von US-Dollar-High-Yield-Unternehmensanleihen gegenüber globalen Staatsanleihen nehmen wir indes zurück, da wir die Anleihen Allocation nach der sehr guten Entwicklung seit Ende des ersten Quartals 2020 vorerst etwas konservativer gestalten möchten. Das führt auch wieder zu einem Übergewicht an globalen und US-Staatsanleihen.

In Anbetracht der Unwägbarkeiten der politischen Entwicklung vor der US-Präsidentschaftswahl Anfang November und der zuletzt stärker angestiegenen Covid-19-Infektionsraten, könnten die Anleihemärkte von einer abermaligen gedämpften globalen Handelsaktivität stark negativ getroffen werden. Nachdem wir Emerging-Market-Hartwährungsanleihen über Monate hinweg gegenüber europäischen Staatsanleihen – erfolgreich – übergewichtet hatten, schließen wir diese Position.

Wie Impact Investing KKMUs durch die Krise hilft

von Maria Teresa Zappia, Chief Impact & Blended Finance Officer und Deputy CEO bei BlueOrchard.

Die Unterstützung der finanziellen Inklusion von Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen (KKMUs) durch Mikrofinanzinvestitionen in Schwellen- und Frontiermärkten ist wesentlich für deren Erholung nach der Krise und stärkt deren künftige Widerstandsfähigkeit.

„Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen beschäftigen weltweit 60 Prozent aller Arbeitnehmer und tragen 35 Prozent zum BIP in Entwicklungsländern bei. Als Hauptarbeitgeber von Frauen und Berufseinsteigern fungieren sie als zentraler Treiber von wirtschaftlicher Entwicklung und Innovation, vor allem in Schwellen- und Frontiermärkten“, sagt Maria Teresa Zappia, Chief Impact & Blended Finance Officer und Deputy CEO bei BlueOrchard. „Aufgrund ihrer charakteristischen Eigenschaften sind diese Unternehmen von den Folgen der Covid-19-Pandemie und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Auswirkungen überproportional betroffen. Zu diesen Eigenschaften gehören die Überrepräsentanz in Sektoren, die von den Maßnahmen zum Social Distancing betroffen sind, sowie begrenzte Bargeldreserven und beschränkter Zugang zu Finanzdienstleistungen und Krediten. Insbesondere der limitierte Zugang zu Liquidität stellt für KKMUs ein dringliches Problem dar. Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) haben 90 Prozent der untersuchten KKMUs infolge der Pandemie unter einer Verknappung der Cashflows gelitten. Dies ist besorgniserregend, da KKMUs in der Regel lediglich über minimale Reserven und Kreditaufnahmekapazitäten verfügen. Zu diesem Schluss kam eine kürzlich durchgeführte Studie der Asien-Pazifik-KKMU-Handelskoalition, welche bei der Hälfte der befragten KKMUs verfügbare Barreserven für nur einen Monat feststellte. Da es sich bei den meisten KKMUs in Entwicklungsländern um informelle und nicht registrierte Unternehmen handelt, haben diese zudem nur sehr begrenzten Zugang zu staatlichen Notfallkrediten. Diese Faktoren verringern ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Krisen und verstärken ihren Bedarf an Notfallliquidität, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Als Konsequenz dieser strukturellen Schwächen und der aktuellen Gesundheitskrise, die zu Unterbrechungen der Versorgungsketten, landesweiten Blockaden und einem Rückgang der globalen Nachfrage geführt hat, sind KKMUs gegenüber ihren größeren Konkurrenten, die leichter Zugang zu Krediten haben, benachteiligt. Laut einer internationalen Studie der IAO mussten in den vergangenen Monaten 70 Prozent der 1000 befragten KKMUs ihren Betrieb schließen. Allein in diesem Jahr haben mehr als 75 Prozent der KKMUs einen Umsatzrückgang erfahren, im zweiten Quartal gingen zudem schätzungsweise rund 300 Millionen Arbeitsplätze verloren.

Der Mikrofinanzsektor spielt eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Herausforderungen für KKMUs, die die Covid-19-Krise verursacht hat. KKMUs brauchen nun mehr denn je Zugang zu Kapital. Die umfassende finanzielle Unterstützung der Mikrofinanzinstitutionen hilft den Unternehmern weiterhin Mitarbeiter zu bezahlen, Aufträge einzuholen und die Wirtschaft wieder hochzufahren. Besonders die auf Mikrofinanzierung ausgerichteten Impact-Investoren spielen mit ihren Investitionen in regionale und globale Mikrofinanzfonds eine direkte Rolle bei der Bereitstellung dieser wichtigen Unterstützung. Das globale Wachstum von Mikrofinanz-Investitionen zeigt, dass diese Anlageklasse nicht nur aus sozialer und finanzieller Sicht attraktiv ist, sondern dass Investoren auch die Resilienz gegenüber Krisen und volatilen Kapitalmärkten wertschätzen.“


Über Blue Orchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges,integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 7 Mrd. USD in 80 Schwellen- und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter UCITS- sowie alternativer Investmentfondsmanager (AIFM). Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com.

Achtung Cyberangriff – Das andere Virus

von Olivier de Berranger, CIO bei LFDE.

Am Nachmittag des 27. Juni 2017 wurde bekannt, dass ein massiver Angriff eines Virus auf zahlreiche Websites und Informationssysteme stattfand, von dem insbesondere Europa betroffen war. Die Kosten eines Angriffs lassen sich immer nur schwer beziffern, aber die Ransomware1 NotPetya soll verschiedenen Schätzungen zufolge letztendlich fast 10 Milliarden Dollar gekostet haben. Es wurden mindestens 2.000 Unternehmen ins Visier genommen, darunter die französische Bahn SNCF, die britische Werbeholding WPP und auch der Pharmakonzern Merck. Der Industriekonzern Saint-Gobain meldete beispielsweise Verluste von fast 250 Millionen Euro beim Umsatz und 80 Millionen beim Betriebsergebnis.

Unterschiedliche Organisationen wie das norwegische Parlament, das Tesla-Werk in Nevada und die italienische Sozialversicherung hatten jüngst eines gemeinsam: Sie alle waren Ziel einer ausgefeilten Cyberattacke. Im Cyberspace ist der weltweite Kampf um die Kontrolle über das Rohöl der digitalen Wirtschaft – die Daten – mit Angriffen unterschiedlichster Form in vollem Gange. Diese reichen vom Phishing personenbezogener Daten bis hin zu Ransomware. Derartige Angriffe haben in diesem Jahr zugenommen. Diejenigen, die Banken ins Visier nehmen, sollen sich laut der Agentur Moody‘s während des Lockdowns verdreifacht haben. Auch das Gesundheitswesen bleibt nicht verschont, und das Rote Kreuz erlebte im März die heftigsten Attacken in seiner Geschichte.

Zunehmende Cyberangriffe beflügeln Markt für Sicherheitslösungen

Digitale Sicherheit ist ein strategischer Faktor für Unternehmen, spätestens seit der Beschleunigung ihrer Digitalisierung und der allgemeinen Verbreitung von Telearbeit, die durch die Coronakrise verstärkt wurde. In der Folge ist digitale Sicherheit heute ein boomender Markt, der mit 43 Trillionen US-Dollar beziffert wird.2 Satya Nadella, CEO von Microsoft, schätzte Ende April, dass ein zwei Jahre umfassender digitaler Wandel innerhalb von nur zwei Monaten stattgefunden hat. Dieses beispiellose Vorpreschen hat natürlich einen starken Anstieg der Nachfrage nach Sicherheitslösungen bewirkt.

Zahlreiche Unternehmen weltweit haben bereits ihre Investitionen erhöht, um ihre Cyber-Hygiene, Präventionskapazitäten sowie Erkennungs- bzw. Reaktionsprotokolle zu verbessern. Die weltweiten Ausgaben für Software und Dienstleistungen für digitale Sicherheit dürften 2020 ein Volumen von 125 Milliarden Dollar erreichen und pro Jahr um durchschnittlich über 8% steigen, sodass sie bis 2024 bei über 170 Milliarden liegen werden.3 Ein starker struktureller Trend, den unser Managementteam erkannt hat. Dies zeigt sich beispielsweise durch unsere Investitionen in Zscaler, führend bei Cybersicherheit in der Cloud, oder in Okta, führend bei der neuen Architektur „Zero Trust Security“.

Neben dem Klimawandel ist das „Cyberrisiko“ eines der bedeutendsten Risiken, die das Weltwirtschaftsforum in Davos ausgemacht hat. Ein Risiko, gegen das viele Unternehmen sich impfen lassen und ihre Abwehr stärken müssen. Wie immer bedeuten neue Risiken aber auch neue Chancen. Willkommen im Zeitalter der Cyber-Resilienz!


1) Schadsoftware, die Daten als Geiseln nimmt
2) Marktforschungsunternehmen Canalys
3) Marktforschungsunternehmen IDC

Über LFDE – www.lfde.com

LFDE hat sich seit ihrer Gründung 1991 zu einer der bedeutendsten und dynamischsten Fondsgesellschaften Frankreichs entwickelt. Kernkompetenzen: Investments in europäische und internationale börsennotierte Unternehmen. LFDE nutzt ihre überzeugungsbasierte Managementexpertise, um institutionellen Investoren, Vertriebsgesellschaften und Privatanlegern nachhaltige Lösungen anzubieten, die eine Wertsteigerung der Kundeninvestments ermöglichen. LFDE ist in Deutschland, Spanien, Italien, der Schweiz und in den Benelux-Ländern vertreten und verwaltet zum 31.12.2019 Vermögen in Höhe von rund 10 Mrd. Euro. LFDE ist Unterzeichner der UNPRI-Grundsätze und des Carbon Disclosure Project und gehört zur Primonial-Gruppe, dem unabhängigen Marktführer in den Bereichen Entwicklung und Verwaltung von Anlagelösungen und Anlageberatung in Frankreich.

5 Sektoren im Blickpunkt der US-Präsidentschaftswahlen

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors:

Investitionen in Sektoren waren in der Vergangenheit eine effektive Methode, um die Marktmeinungen um die US-Wahlen herum zum Ausdruck zu bringen, wobei die beträchtliche Streuung der Renditen ausgenutzt wurde. In der Tat erwiesen sich Sektor-ETFs während des letzten Wahlzyklus als ein beliebtes Instrument und wir erwarten auch dieses Mal großes Interesse.

Im Folgenden sind die 5 Sektoren aufgeführt, die unseres Erachtens am stärksten von den bevorstehenden Wahlen betroffen sein könnten und somit eines der größten Aufwärtspotenziale oder Abwärtsrisiken darstellen. Wir schließen den Artikel mit einem Überblick über die politischen Überlegungen zur Leistung der Sektoren und einer Zusammenfassung der möglichen Ergebnisse und ihrer Auswirkungen auf die gesamte Bandbreite der Sektoren.

Gesundheitswesen: Geschützt durch die Pandemie

Die Szenarien für das US-Gesundheitswesen sind kompliziert, aber nicht so negativ, wie es die Untergewichtung durch institutionelle Anleger und das derzeit bescheidene Rating vermuten lassen.

Bei einem gespaltenen Kongress könnte Bidens Politik (nicht so aggressiv wie die einiger Demokraten) keine großen Auswirkungen auf den Sektor haben. Trotz des Affordable Care Act sind 20% der US-Bevölkerung nach wie vor nicht versichert. Bidens öffentliche Option für eine Versicherung könnte es den Amerikanern ermöglichen, eine Krankenversicherung (höchstwahrscheinlich über Medicare) von der Regierung zu kaufen, jedoch über die Krankenkassen. Dies könnte zu einem vorteilhaften Ergebnis für den Sektor führen. In dem weniger wahrscheinlichen Szenario einer vollständigen demokratischen Auskehrung könnte die öffentliche Option größer sein, und es würde Versuche geben, die Arzneimittelpreise zu kontrollieren, was den Markt verunsichern könnte.

Im Gegensatz dazu kann Trump, wenn er die Präsidentschaft behält, weitere Aufhebungen gegen Teile oder das gesamte Gesetz über erschwingliche Pflege beantragen. Die Beibehaltung des Status quo kann als vorteilhaft für den Gesundheitssektor angesehen werden, mit einem geringeren Risiko für Schlagzeilen durch drastische politische Veränderungen. Die Notwendigkeit für einen der beiden Männer, das Land durch eine Pandemie zu managen, die auf Gesundheitsvorsorge und -versorgung angewiesen ist, wobei die vollständige Öffnung der Wirtschaftstätigkeit nur mit einem wirksamen Impfstoff möglich ist, deutet jedoch darauf hin, dass der Sektor möglicherweise für einige Zeit nicht allzu stark betroffen sein wird.

Versorger: Ein Spiel mit grünen Richtlinien

Biden hat eine bedeutende grüne Politik mit der Zusage, bis 2035 mehr als 2 Billionen Dollar für die Erreichung der Klimaneutralität im US-Energiesektor auszugeben. Sein "Build Back Better"-Plan wird sich auf Investitionen in eine moderne und nachhaltige Infrastruktur zur Förderung sauberer Energien konzentrieren. Unternehmen, die sich auf erneuerbare Energien konzentrieren, könnten davon profitieren und den Versorgungsunternehmen eine große Option bieten, sollten sie sich wie ihre europäischen Konkurrenten für eine sauberere Stromerzeugung entscheiden.

Die Versorger werden auch von einer niedrigen Korrelation und niedrigen Beta zu den Aktienmärkten sowie von relativ geringen Volatilitätsmerkmalen profitieren, was im Falle einer negativen Marktreaktion auf ein umstrittenes Wahlergebnis hilfreich sein könnte.

Energie: Ein herausfordernder Ausblick mit Abwärtsrisiken

Der vielgeschmähte Energiesektor könnte unter einer Biden-Präsidentschaft mehr Druck durch die Finanzpolitik erfahren. Bidens überarbeiteter Plan für saubere Energie beinhaltet aggressive Grenzwerte für die Methanverschmutzung bei Öl- und Gasbetrieben und die Einschränkung der Produktion auf Bundesstaaten. Ein demokratischer Schwenk über den Kongress und die Präsidentschaft würde die Unterstützung der Gesetzgeber für zusätzliche Kohlenstoffsteuern erhöhen.

Diese unwirtlichen Aussichten für den Energiesektor werden durch den Hintergrund der potenziellen Vizepräsidentin Kamala Harris in Sachen Umweltgerechtigkeit noch verstärkt und könnten durch eine erneute Unterzeichnung des Pariser Abkommens über den Klimawandel strukturiert werden. Dies würde zu einer Zeit geschehen, in der der niedrige Ölpreis keine Erleichterung für die Gewinn- und Verlustrechnung oder den Cashflow bietet, was weiteren Druck auf die Dividenden und die einstmals attraktiven Renditen des Sektors ausüben würde.

Im Gegensatz dazu könnte eine Trump-Administration Schwierigkeiten haben, die Umweltvorschriften über die Maßnahmen der letzten vier Jahre hinaus weiter zu lockern. Gleichzeitig können ohne Kontrolle des Repräsentantenhauses die staatlichen Umweltauflagen strenger werden. 

Finanzen: Kurse könnten wichtiger sein als Regulierung

Im Jahr 2016 standen die Banken im Kreuzfeuer der Kritik, doch dann, zu Beginn der Trump-Präsidentschaft, profitierten sie erheblich von der Deregulierung und den Maßnahmen der Federal Reserve. Diesmal sind die Erwartungen gedämpft und es könnte sein, dass Änderungen der Zinssätze oder der Renditekurve des Finanzministeriums viel wichtiger für die Rentabilität ist als Gesetzesänderungen.

Wir gehen davon aus, dass sich die Regulierungsaufsicht unter einer demokratischen Regierung mit einer Überprüfung der von Trump auferlegten Reformen und der Unterstützung der Verbraucher gegenüber den Unternehmen intensivieren würde. Am weitreichendsten wäre eine Neueinführung des Glass-Steagall-Gesetzes, obwohl dies Zeit brauchen würde und eine beträchtliche demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus erfordern würde. So oder so würde eine Beibehaltung des Status quo diesem Sektor wahrscheinlich besser liegen.

Nichtbasis-Konsumgüter: Ein gemischtes Bild

Die wahrscheinlichen Auswirkungen sind gemischt - schwierig für Unternehmen der Nichtbasis-Konsumgüterindustrie. Jeder Anstieg der Verbraucherbilanz unter Biden könnte die Verbraucherausgaben ankurbeln und damit Einzelhändlern und Restaurants helfen. Die arbeitsabhängigen Freizeit- und Unterhaltungsindustrien könnten jedoch von einer Erhöhung der Mindestlöhne betroffen sein.

Amazon*, das das Gewicht und die Leistung des Sektors dominiert, könnte auch Gegenstand einer kartellrechtlichen Legitimierung sein, die auf monopolistisches Verhalten abzielt.

Auf der anderen Seite könnte eine Senkung der persönlichen Steuersätze durch Trump auch die Verbraucherausgaben ankurbeln. Dennoch sollten wir uns in allen Szenarien an den Hintergrund der höheren Arbeitslosigkeit erinnern, die aufgrund von COVID-19 entstanden ist.

Politische Implikationen für die Leistung von Sektoren

Die relative Sektorperformance um Wahlen herum passt nicht so recht zu zyklischen/defensiven oder Growth-/Valuethemen; andere Faktoren sorgen eher für Gegen- oder Rückenwind. Bedenken Sie die Erfahrungen in der unmittelbaren Zeit nach den Wahlen im Jahr 2016, als die Erwartungen an eine leichtere Regulierung die Leistung der Finanz- und Energiebranche begünstigten. Gewinner wurden auch in Sektoren mit hohen Unternehmenssteuersätzen angesichts der Erwartung von Steuersenkungen gefunden.

Im Jahr 2020 wird es wieder um Steuern gehen. Als wichtige Einnahmequelle für Biden hat er vorgeschlagen, den Körperschaftssteuersatz von 21% wieder auf 28% zu erhöhen, während Trump hofft, die Steuern weiter zu senken. Höhere Steuern, die von einem demokratischen Haus und einer demokratischen Präsidentschaft auferlegt werden, könnten das Gewinnwachstum bremsen und den Cashflow an den Aktienmärkten verringern, wenn auch je nach Steuersätzen mit größerem Gegenwind.

Der Standort der Hauptkunden eines Sektors wird ebenfalls ein Faktor sein, wobei die internationalen Märkte empfindlicher auf Handelsbeziehungen und/oder Bewegungen des Dollars reagieren, ebenso wie die Beschäftigungsgrundlagen, abhängig von etwaigen Mindestlohnplänen. Es lohnt sich auch, über die Nutznießer von Infrastrukturausgaben und neue grüne Politiken nachzudenken.

Die nachstehende Tabelle fasst die Auswirkungen für jeden Sektor in vier möglichen Wahlszenarien zusammen, wobei ein positiver oder negativer Nettoeffekt, ein gemischter Fall (mit Problemen, die in beide Richtungen ziehen) oder eine begrenzte Auswirkung zugeschrieben wird. Im Falle einer angefochtenen Wahl würden sich die Aktienmärkte zweifellos abschwächen. Im Vorfeld eines solchen Szenarios könnten sich Anleger in Sektoren mit geringer Volatilität wie Versorgungsunternehmen defensiv positionieren und Vorsicht in Sektoren walten lassen, die stärker von der Verbraucher- oder Geschäftsstimmung abhängig sind.

Mögliche Wahlergebnisse und ihre sektorübergreifenden Auswirkungen 


Quelle: State Street Global Advisors, Stand: 1. Oktober 2020.

**5 Sektoren, die in dieser Notiz aufgeführt sind. 


** Bei dieser Information handelt es sich um keine Empfehlung zur Anlage in einem bestimmten Sektor oder in einem darin enthaltenen Wertpapier.Bei den genannten Aktien handelt es sich nicht unbedingt um Bestände in die State Street Global Advisors investiert hat.

Wie Anleger sich vor möglichen neuen fiskalischen Stimuli positionieren sollten

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Nach einem glanzlosen September zeigen die US-Aktien im Oktober Auftrieb. Der NASDAQ-100-Index stieg um über 2,7 Prozent, der S&P-500-Index seit Monatsbeginn um über 3,4 Prozent1. Anfangs waren die Märkte von den Verzögerungen bei den lang erwarteten fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen in den USA enttäuscht. Nun scheinen sie die starken Effekte dieser Maßnahmen, die jederzeit - vor oder nach den US-Präsidentschaftswahlen - auftreten können, einzupreisen. Doch welche Vermögenswerte könnten davon profitieren und wie könnten sich Anleger positionieren?

Was geschah beim letzten Mal?

Als Ende März in den USA ein fiskalischer Stimulus in Höhe von zwei Billionen Dollar angekündigt wurde, wurde er zu einer wichtigen Triebkraft, die die Märkte zum Drehen brachte. Die Aktienindizes erholten sich stark, selbst zu einer Zeit, als die Schäden der Pandemie für die Realwirtschaft am schlimmsten waren. Dieses Paradoxon wurde weniger rätselhaft, wenn man es in Verbindung mit der Rallye des Goldpreises betrachtet - der von den Anlegern effektiv zur Absicherung ihrer Risiko-Exponierung, einer Verkaufsoption für Aktien, genutzt wurde (siehe Abbildung unten).

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Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Daten per Stand 12. Oktober 2020. Total-Return-Index für NASDAQ 100 und Kassapreis für Gold verwendet. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Investitionen können an Wert verlieren.

Von gelernten Lektionen

Anleger können aufgrund der Historie der letzten Stimuli einige Lehren ziehen, um ihre Portfolios vor und nach der nächsten fiskalischen Stimulierung in den USA mit den besten Erfolgschancen auszurichten:

  1. Denken Sie an Aktien, aber treffen Sie eine sorgfältige Auswahl: Die Rallye der Aktien seit März war nicht für alle Sektoren und Faktoren gleich günstig. Die klaren Gewinner waren bisher Technologieunternehmen und solche, die sich als "hochwertige" Unternehmen qualifizieren, d.h. Unternehmen, die während der Krise eine hohe Rentabilität aufrechterhalten haben. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend zumindest solange fortsetzt, bis die Bedrohung durch das Virus sinnvoll überwunden ist.
  2. Denken Sie an Risiken und an Diversifizierung: Risiken und Unsicherheiten für die Aktienmärkte sind nach wie vor im Überfluss vorhanden - der Verlauf der Pandemie und die wirtschaftliche Erholung sind nach wie vor höchst unsicher. Daneben ist der Ausgang der US-Wahlen und die Auswirkungen auf kritische Themen wie den Handel sind noch offen. Wenn Diversität nach dem vorherigen Impuls zu Beginn des Jahres wünschenswert und fruchtbar war, dann sollte sie auch jetzt noch erforderlich sein.
  3. Denken Sie an Wachstum und an Inflation: Fiskalische Anreize können die gute Art von Inflation erzeugen. Dazu gehört eine Nachfrage-Sog-Inflation, die durch einen Anstieg der Gesamtnachfrage in der Wirtschaft angetrieben wird. Dies geht mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit einher. Zyklische Vermögenswerte wie Aktien und Industriemetalle bieten eine natürliche Absicherung gegen diese Art von Inflation, da ihre Nachfrage wächst, wenn die Wirtschaft an Fahrt gewinnt. Gold hingegen dient als effektive Inflationsabsicherung, da es ein echter "Wohlstandsspeicher" ist, da steigende Preise den realen Wert von Fiat-Währungen untergraben.

1) per 12. October

US-Wahlausgang könnte Bären in Winterschlaf schicken

von Olivier de Berranger, CIO bei LFDE.

Nach einem unfreiwilligen Winterschlaf hat der Bär Trump seine Höhle verlassen. Aber für wie lange?

Alles begann am 2. Oktober, als der US-Präsident verkündete, sich mit COVID-19 infiziert zu haben, und sich in Quarantäne begab. Tags darauf schlug die Meldung über seine Verlegung ins Militärkrankenhaus Walter Reed ein wie eine Bombe, denn er hatte die gesundheitlichen Folgen der Pandemie stets bewusst kleingeredet. Auch wenn die spärlichen Informationen über seinen Zustand beruhigend wirken sollten, warf seine Behandlung auf Basis eines noch in der Testphase befindlichen Moleküls Fragen über die Schwere der Symptome auf. Zur allgemeinen Überraschung verließ Trump drei Tage später die Klinik und begab sich im Weißen Haus in Isolation. Nach den auf Twitter verbreiteten Videos zu urteilen, erfreut er sich bester Gesundheit. Der Rest steht auf einem anderen Blatt. Wie ein waidwunder Bär fährt er seine scharfen Krallen aus, so dass seine Widersacher in einem Ausschuss seine Amtsfähigkeit untersuchen lassen möchten. Der Bär Trump scheint verunsichert durch eine Kampagne, die ihm entgleitet. Wellen von für die Republikaner ungünstigen Umfragen brechen über einen bereits angeschlagenen Präsidenten herein. Ein nunmehr vorstellbarer Erdrutschsieg der Demokraten könnte diese im Senat, im Weißen Haus und im Repräsentantenhaus an die Macht bringen.

Nervosität des US-Präsidenten dringt nicht zu Anlegern durch

Seit seiner Entlassung aus der Klinik häufen sich Trumps Wutausbrüche und Personalrochaden. Nachdem er die Aussetzung der ohnehin mühsamen Verhandlungen über das Konjunkturpaket verkündet hatte, machte er dies nur Stunden später wieder rückgängig und verkündete zielgerichtete Maßnahmen für kleine Unternehmen und einkommensschwache Haushalte. Der Beschluss des überparteilichen Wahlkampfkomitees, die Debatte am 15. Oktober virtuell abzuhalten, ließ den Mann im Weißen Haus vor Wut schäumen. In einem Wahlkampf, in dem es kaum direkten Austausch mit dem Volk gibt, wäre ein Sinneswandel in Bezug auf dieses Duell keine Überraschung.

Die Finanzmärkte scheinen von den Ausbrüchen des US-Präsidenten jedoch unbeeindruckt. Die Volatilität von Aktien sinkt zudem seit Tagen deutlich. Dies ist ein Signal, dass die Nervosität des Präsidenten nicht zu den Anlegern durchdringt, vermutlich, weil ein deutlicher, schwer anfechtbarer Sieg der Demokraten immer wahrscheinlicher wird. Ein solches Szenario könnte die Bären – wie pessimistische Anleger genannt werden – sowohl in der Politik als auch in der Finanzwelt ab November in den Winterschlaf schicken. Allerdings sollte uns der überraschende Wahlausgang von 2016 stets eine Mahnung sein, dass das Fell des Bären nicht verteilt werden sollte, bevor er erlegt wurde.


Über LFDE – http://www.lfde.com

LFDE hat sich seit ihrer Gründung 1991 zu einer der bedeutendsten und dynamischsten Fondsgesellschaften Frankreichs entwickelt. Kernkompetenzen: Investments in europäische und internationale börsennotierte Unternehmen. LFDE nutzt ihre überzeugungsbasierte Managementexpertise, um institutionellen Investoren, Vertriebsgesellschaften und Privatanlegern nachhaltige Lösungen anzubieten, die eine Wertsteigerung der Kundeninvestments ermöglichen. LFDE ist in Deutschland, Spanien, Italien, der Schweiz und in den Benelux-Ländern vertreten und verwaltet zum 31.12.2019 Vermögen in Höhe von rund 10 Mrd. Euro. LFDE ist Unterzeichner der UNPRI-Grundsätze und des Carbon Disclosure Project und gehört zur Primonial-Gruppe, dem unabhängigen Marktführer in den Bereichen Entwicklung und Verwaltung von Anlagelösungen und Anlageberatung in Frankreich.

Unterstützung der Energiewende durch Wasserkraft-Investments

von Dieter Merz, Geschäftsführer der Renaio Capital GmbH.

Die Bundesregierung und die Europäische Union versuchen, im Rahmen des von Ursula von der Leyen vorgelegten „Green Deals“ die Energiewende voranzutreiben. So sollen die EU-Treibhausgasemissionen auf nunmehr 50% gegenüber 1990 reduziert werden. Ferner sollen kurzfristig Gesetzesinitiativen hinsichtlich einer höheren Bepreisung fossiler Energieträger und verschärfter CO2-Grenzwerte vorgelegt werden.

Bedeutung und Vorteile von Wasserkraft

Wasserkraft ist eine bewährte und ausgereifte Technologie, die schon in vorindustrieller Zeit zum Antrieb von z.B. Mühlen- und Sägewerken genutzt wurde. Die ersten Wasserkraftwerke wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und betrieben.

Wasserkraft hat viele Vorteile; so ist die Technologie extrem langlebig und unterliegt langen Amortisationszeiten. Die relativ hohen Investitionskosten werden durch die lange Betriebsdauer und die niedrigen Betriebskosten kompensiert. Die langen Modernisierungsintervalle und geringen Nachinvestitionen führen zu relativ niedrigen Lebenszykluskosten und zu sehr hohen Restwerten bei Wasserkraftwerken.

Darüber hinaus unterstützen Investitionen in Wasserkraft direkt einige SDGs (Sustainable Development Goals) der UN, wie z.B. Ziel 7, „Affordable and Clean Energy“, oder Ziel 9, „Industry, Innovation and Infrastructure“. Ferner trägt Wasserkraft direkt zu Ziel 11 „Sustainable Cities and Communities“ bei, da Kommunen direkt mit erneuerbarem Strom versorgt werden können. In der Konsequenz unterstützt Wasserkraft auch Ziel 13, „Climate Action“, da es eine direkte Auswirkung auf die Reduzierung des CO2-Ausstoßes gibt.

Kleine und mittelgroße Wasserkraftanlagen schaden dem Ökosystem nicht, da sie sich gut in die landschaftlichen Gegebenheiten integrieren lassen und meist an wirtschaftlich und ökologisch günstigen Standorten gebaut werden.

Wasserkraft unterliegt im Vergleich zu Solar- oder Windenergie zudem weniger Schwankungen und ist daher auch als einzige erneuerbare Stromquelle grundlastfähig.

Hohe Energie-Effizienz

Die Energie-Effizienz von Wasserkraft ist sehr hoch und beträgt im Durchschnitt ca. 90%. Wasserkraft ist im Vergleich zu anderen Energieträgern die mit Abstand effizienteste Technologie. Ein Wasserkraftwerk erzielt pro Megawatt installierter Leitung im Schnitt rund 5 Gigawattstunden Strom pro Jahr und somit ca. das Fünffache einer vergleichbaren Photovoltaikanlage.


Quelle: EURELECTRIC (2011), Hydropower in Europe: Powering Renewables

Wasserkraft in Zentraleuropa

In zentraleuropäischen Ländern, wie z.B. Polen, besteht ein großer Nachholbedarf in Bezug auf umweltfreundliche Energiegewinnung. Der Anteil erneuerbarer Energien am polnischen Strom-Mix beträgt lediglich knapp 13%; aufgrund der verbreiteten Nutzung von Stein- und Braunkohle ist der CO2-Emissionsfaktor in Polen sehr hoch. Um die Klimaziele der EU zu erreichen, könnte Wasserkraft daher ein entscheidender Faktor auf dem Weg zu emissionsarmer Energieerzeugung sein.

Betriebsführung und Wartung

Da die einzigen laufenden Kosten bei Wasserkraftwerken bei der Betriebsführung und Wartung entstehen, kommt diesem Bereich eine besondere Bedeutung zu. Eine Optimierung dieser beiden Punkte kann durch eine moderne Wartungssoftware erreicht werden. Dies führt z.B. zu reduzierten Ausfall- und Wartungszeiten. Ferner muss sichergestellt werden, dass immer ein kompetentes Wartungs- bzw. Technik-Personal vor Ort verfügbar ist, um eine optimale Betriebsführung gewährleisten zu können.


Quelle: Enpure

Fazit

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Wasserkraft-Investitionen nicht nur eine nachhaltige und gut kalkulierbare Investitionsart, sondern auch eine stabile Ertragsquelle unabhängig konjunktureller Schwankungen darstellen. Die Risiken sind stark begrenzt, wenn man Partner auswählt, die Erfahrung im Wasserkraftmarkt, in der technischen und rechtlichen Due-Diligence sowie in der Betriebsführung haben. Das Team von RENAIO setzt genau diese Kriterien erfolgreich in einem Infrastrukturfonds um und darf aktuell vier Wasserkraftanlagen zu seinem Portfolio zählen. Sie wollen mehr darüber erfahren? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 17. September 2020.

Dieter Merz

Dieter Merz, Geschäftsführer der Renaio Capital GmbH, war über 20 Jahre leitend für Multi-Asset Portfolien und als CIO für die Anlagestrategie in einigen renommierten deutschen Privatbanken tätig. Darüber hinaus betreute er UHNWIS, Family Offices und Institutionelle Kunden. Seit 2015 liegt sein Schwerpunkt auf Alternativen Investments und seit 2008 auf der Implementierung nachhaltiger Investmentlösungen.

Trump versus Biden: Duell auf Tiefstniveau

von Joseph V. Amato, Chief Investment Officer Equities beim US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman.

Die politischen Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten sind für Investoren wichtig. Aber das Schreiduell zwischen Trump und Biden von vergangener Woche war nicht sehr erhellend.

Die Erwartungen an die TV-Debatte waren hoch und viele hatten auf mehr Klarheit über die unterschiedlichen Positionen von Präsident Donald Trump und dem früheren Vizepräsidenten Joe Biden gehofft. In einer der wohl wichtigsten Wahlen in der neueren US-Geschichte ist eine solche Vergleichsmöglichkeit dringend nötig.

Stattdessen glich das Duell einem peinlichen Schulhofstreit – es fehlte nur, dass man sich prügelte oder an den Haaren zog. Zum Glück galten die Corona-Abstandsregeln... Die unvermeidliche Frage nach Sieger und Verlierer sorgte anschließend für viel Diskussionsstoff. Für mich steht der Verlierer fest: das amerikanische Volk. Mich schaudert bei dem Gedanken, dass unsere Kinder dieses Debakel gesehen haben. Ich war so frustriert, dass ich angefangen habe zu zappen. Zum Schluss bin ich beim Baseballspiel der New York Yankees gelandet. Dabei kann man immerhin den Ton abstellen und bekommt trotzdem alles mit.

Manche mögen die Debatte für gutes Polittheater gehalten haben, aber aus unserer Sicht war sie für Investoren außerordentlich ernüchternd. Es wurde mehr als deutlich, wie tief die Politik in der größten Volkswirtschaft der Welt gesunken ist. Themen wie Wirtschaft, Steuern und Regulierung kamen ohnehin kaum vor – und das, obwohl die beiden Parteien hier so weit auseinanderliegen wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Wir müssen uns also selbst eine Meinung bilden.

Fiskalpolitik, Steuern und Regulierung

Zu Beginn des Wahlkampfs, im August, schrieben wir, dass „die Show beginnt“ und Marktvolatilität wohl unvermeidbar sei. Aufgrund der Wahlen warnten wir dann vor einem Monat vor einem unruhigen Herbst.

Im September wurde es dann tatsächlich volatil; der S&P 500 gab um fast 10 Prozent nach. Für die Zeit unmittelbar nach der Wahl am 3. November zeigen die Futures auf den CBOE VIX Index jetzt noch höhere Volatilitätserwartungen an – wohl wegen der turbulenten Debatte letzten Dienstag. Die Nachricht vom Donnerstag über Trumps positiven Coronatest machte die Sache nicht besser. Bei Redaktionsschluss war unklar, was das für Washington bedeutet.

Natürlich sind politische Prognosen immer schwierig, doch alles in allem könnte ein "Blue Sweep", also ein Wahlsieg der Demokraten sowohl im Weißen Haus als auch im Kongress und im Senat, wahrscheinlicher geworden sein – mit weitreichenden Folgen für Investoren.

Freie Hand

Wenn die Demokraten freie Hand haben, ist mit gewaltigen Konjunkturprogrammen zu rechnen, vielleicht mit bis zu 5 Billionen US-Dollar Volumen. Kurzfristig dürfte es darum gehen, in der anhaltenden Coronakrise Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern. Wahrscheinlich wird aber auch langfristig das Wachstum gefördert – mit Schuldenerlassen für die Bundesstaaten sowie Investitionen in Infrastruktur, erneuerbare Energien und 5G.

Strategische Ausgabenprogramme könnten der Wirtschaft durchaus nützen und die Erholung fördern. Für die Märkte wäre das gut. Doch auch hier muss irgendjemand die Zeche zahlen.

Darüber hinaus plant Biden beachtliche Steuererhöhungen. Wenn sie 2021 umgesetzt werden, könnte dies die positiven Wirkungen der höheren Staatsausgaben zunichtemachen. Analysten schätzen, dass höhere Steuern die Gewinne je Aktie der S&P-500-Unternehmen durchaus um 9-10 Prozent dämpfen könnten. Einkommens- und Kapitalertragssteuern könnten Wirtschaft und Märkten ebenfalls schaden. Wir hoffen, dass die bei einer Biden-Administration wohl unvermeidlichen Steuererhöhungen zumindest gestreckt werden, damit sich die Wirtschaft erholen kann.

Auch mögliche Regulierungsverschärfungen behalten wir im Blick. Sie könnten das Geschäftsklima belasten, bei großen wie kleinen Unternehmen gleichermaßen. Sie würden dann weniger investieren. Selbst wenn die Demokraten den Senat nicht gewinnen, könnte Biden – wie zuvor schon Trump – viele neue Vorschriften mittels Dekreten einführen.

Eine grundsätzlich andere Politik als in den letzten vier Jahren kann man sich zurzeit nicht gut vorstellen, vor allem in den Bereichen Steuern und Regulierung. An den Märkten hält man aber sowohl den Status quo als auch eine Machtteilung für besser als einen klaren Sieg der Demokraten.

Höhere Steuern und strengere Vorschriften wären der Anlegerstimmung wohl abträglich; die Kurs-Gewinn-Verhältnisse gingen zurück. Zeitlich gestreckt wären solche Maßnahmen für Aktien aber wohl weniger folgenschwer, als manche befürchten.

Corona bleibt das überragende Thema

Weil der Shutdown so massiv war, dürften bessere Nachrichten zur Pandemie, was die Auswirkungen auf die Märkte angeht, die Wahlen wohl in den Schatten stellen. Eine Normalisierung der Weltwirtschaft wäre für die Märkte mehr als gut, würde sie doch für deutlich mehr Konsum und höhere Unternehmensgewinne sorgen.

Dennoch glauben wir, dass sowohl das Virus als auch die Wahlen enorme langfristige Folgen haben. Wie viele andere Investoren, die sich vor einem volatilen November schützen wollen, begrenzen auch wir die Risiken – zumal politische Entwicklungen von Natur aus schwer prognostizierbar sind.

Wenn wir, unsere Kunden und andere Investoren einen Wunsch an die beiden Kandidaten richten könnten, dann diesen: Einer von beiden, Trump oder Biden, wird in den nächsten vier Jahren ein Land mit 22 Billionen US-Dollar Wirtschaftsleistung anführen. Es wäre wirklich nett, wenn sie sich vernünftig darüber austauschten, was sie vorhaben – und warum.

Aktienquote erhöht

Die US-Wahl wirft ihre Schatten voraus, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Die erste TV-Konfrontation deutet darauf hin, dass die kommenden Wochen kein Höhepunkt der niveauvollen Auseinandersetzung werden dürften. Aber solches kann man wohl von keinem Wahlkampf der Welt erwarten. Für die Finanzmärkte ist es wichtiger, ob es am Wahlabend oder wenigstens innerhalb von wenigen Tagen nach der Wahl einen anerkannten Sieger geben wird. Hier gibt es beträchtliche Zweifel. Auch das Gezerre um zusätzliche Fiskalspritzen in den USA trägt nicht unbedingt zu einer positiven Stimmung am Markt bei. Überbewerten sollte man diese politischen Einflüsse aber nicht, insbesondere was den mittelfristigen Ausblick betrifft. Die Wahl wird vorübergehen und früher oder später werden die USA einen Präsidenten und ein Fiskalpaket haben. Eine erhöhte Volatilität ist in den nächsten Wochen trotzdem zu erwarten.

Andererseits gibt auch positive Einflussfaktoren. Zunächst ist die Weltwirtschaft auf Erholungspfad, auch wenn der eine oder andere Indikator vorübergehend schwächelt. Die Unternehmensgewinne haben ihre Talsohle durchschritten und werden im nächsten Jahr zweistellig wachsen. Und am Anleihenmarkt sind die Renditen vieler Segmente, wie etwa Euro-Staatsanleihen, wieder zu ihren Tiefständen zurückgekehrt und damit unattraktiver geworden.

Es gilt nun eine Positionierung für eine mittelfristig positiv erwartete Marktphase einzugehen. Dies wird eingeleitet, indem die Aktienquote um einen Schritt auf neutral erhöht wird. Die Marktkorrektur der letzten Wochen bietet eine gute Gelegenheit hierfür. Weitere Schritte sind geplant, am besten im Zuge von Rücksetzern, die in den nächsten Wochen durchaus noch wahrscheinlich sind.

Aktien: Die erwartete Korrektur

Seit Monaten wurde von einer wohl bevorstehenden Korrektur an den erstaunlich festen Aktienmärkten gesprochen. Ende August riss nun die Aktienrally, die seit Ende März fast friktionsfrei anhielt, ab. Vor allem die fulminanten Anstiege im Technologie-Sektor – der NASDAQ-Index verzeichnete Ende August ein Plus von rund 40 % seit Jahresbeginn – waren für eine Korrektur prädestiniert.

Eine regionale Betrachtung zeigt drei Blöcke: China und Asien haben die Krise soweit gut überstanden, hingegen liegen Lateinamerika und Osteuropa mit Russland deutlich im Minus, so auch der ATX. Dazwischen die global bedeutenden Märkte der USA und Europas mit 0 bis minus 10 % seit Jahresbeginn. Weiter sind alle Blicke auf den Markt der USA gerichtet, wo der Präsidentschaftswahlkampf in die finale Phase kommt. Dazu kommen anstehende neue Fiskalpakete und eine weiter lockere Geldpolitik, allesamt unterstützend für den Aktienmarkt. Aber: ein Allzeithoch am Aktienmarkt und das gleichzeitige Hoch der Covid-19-Infektionsfälle lassen sich längerfristig schwer vereinen.

Aktien USA und Europa: Heißer Herbst?

An den internationalen Aktienmärkten kam es in den letzten Wochen zu einer leichten Konsolidierung. Die umfangreichen Fiskalpakete und geldpolitischen Maßnahmen stellen weiterhin einen wichtigen Unterstützungsfaktor dar. Zuletzt ist die negative Gewinnrevisionsdynamik deutlich abflacht bzw. teilweise überwiegen sogar positive Revisionen.

Nach einer Abkühlung der übertrieben positiven Stimmung (inklusive Verbesserung der Fundamentaldaten) haben wir unsere bisherige Aktienuntergewichtung geschlossen.

Der Herbst ist grundsätzlich die Jahreszeit, in der die Volatilität an den Börsen im Durchschnitt höher liegt als in den restlichen Monaten. In Jahren, in denen in den USA Präsidentschaftswahlen stattfinden, ist dieser Effekt noch erheblich stärker ausgeprägt und das heurige Jahr dürfte da keine Ausnahme bilden. In Phasen erhöhter Unsicherheit gelten die US-Börsen als „Safe-Heaven-Aktienmärkte“, die sich in einem solchen Umfeld traditionell besser halten können.

„Mit Long/Short-Ansatz den ESG-Faktor für Hedgefonds-Strategien nutzen“

Jason Mitchell, Co-Head of Responsible Investment der Man Group, hat beim 178. Hedgework erläutert, wie sich Hedgefund-Strategien sinnvoll mit ESG-Zielen verbinden lassen. Dabei zeigte er einerseits, welcher Aufwand damit verbunden ist und andererseits, weshalb sich das lohnt.

HEDGEWORK: Jason, der ESG-Ansatz hat auch in der Hedgefondsbranche Einzug gehalten. Wie weit verbreitet ist er inzwischen?

Jason Mitchell: Genau genommen ist der ESG-Gedanke in der Unternehmenswelt schon sehr viel weiter fortgeschritten, nicht zuletzt, weil die Kunden der Unternehmen dies erwarten. In der Hedgefondswelt ist er indes noch weniger ausgeprägt. Wir haben ein paar Rahmenbedingungen, die die Verbände vorgeschlagen haben. Aber es gibt auch noch reichlich Diskussionen, wie die Fonds das Thema konkret ausgestalten sollen. Oder, um es anders auszudrücken – uns fehlt noch so etwas wie das Best-Practice im Umgang mit ESG. Gleichzeitig bin ich aber sehr zuversichtlich, dass wir hier schon bald große Fortschritte sehen werden. Die Investoren wünschen das und viele Fondsanbieter, wie auch wir, arbeiten hart daran.

HEDGEWORK: Was sind im Moment die größten Hindernisse?

Mitchell: Das ist zunächst die Frage, wie Stewardship in Hedgefonds integriert werden kann, in Fonds, die mit Derivaten arbeiten oder mit CFDs, die mehrfach gehebelt sind und so weiter. Wenn man beginnt, synthetisch zu investieren, dann verliert man beispielsweise die Stimmrechte, auf die es bei nachhaltigem Investieren ja unter anderem ankommt. Ein weiterer Punkt sind die ESG-Scores, mit denen Asset Manager bevorzugt arbeiten, die aber an sich schon recht umstritten sind. Hinzu kommt, wie diese Scores in einem Long/Short-Umfeld eingesetzt werden können. Sollen Manager also die besten Scores kaufen und die schlechtesten verkaufen? Oder sollen sie, wie bei Long-only-Investments, die schlechten Scores einfach ausschließen?

HEDGEWORK: Sagen Sie es uns!

Mitchell: Meiner Auffassung nach sollten ESG-orientierte Hedgefonds long und short gehen. Aber sie müssen aufpassen, dass sie dabei die Faktor-Risiken nicht aus den Augen verlieren. Insbesondere, wenn hierfür verschiedene Sub-Manager beauftragt sind. Das ist ein Thema, in das wir sehr viel Zeit investieren. 

HEDGEWORK: Wie ist der Stand der Dinge?

Mitchell: Ob ESG-Faktoren wirklich "Alpha-Faktoren" sind, die ihren Gegenstücken Value, Momentum, Quality und Low Volatility entsprechen, ist innerhalb der Anlegergemeinschaft nach wie vor umstritten. ESG-Skeptiker verweisen auf die fehlende Historie, unsaubere Rohdaten und Inkonsistenzen zwischen den Anbietern. Allerdings hat sich, trotz der anhaltenden Debatte, die Performance der ESG-Faktoren beispielsweise im Jahr 2019 gut entwickelt und Erträge erbracht, die Aufmerksamkeit verdienen. ESG-Champions verweisen daher auf eine sich entwickelnde Welt, in der Verantwortung und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehen. So glauben auch wir, dass Verbraucher und Investoren zunehmend mit Unternehmen in Verbindung gebracht werden wollen, die ihre Umweltauswirkungen berücksichtigen, ihre Mitarbeiter gut behandeln und über starke Governance-Strukturen verfügen. Und, dass dies durch höhere Einnahmen und Gewinne und bessere Aktienkurse zu einem bedeutenden Einfluss auf die Geschäfte des Unternehmens führen wird. Beispielsweise haben die MSCI-Standardindizes im Jahr 2019 schlechter abgeschnitten als die MSCI ESG Leaders, die anhand der MSCI-eigenen ESG-Faktoren auf Aktienebene konstruiert werden und über Sektorgewichtungen verfügen, die auf den zugrunde liegenden Mutterindex abzielen und somit eine relativ sektorneutrale Sicht der ESG bieten.

HEDGEWORK: Wie geht die Man Group hierbei vor?

Mitchell: Wir präferieren eine nuanciertere Sicht auf die Performance der ESG-Faktoren, die sich durch die Linse des proprietären ESG-Modells von Man Numeric ergibt, das auf 15 fundamentalen Säulen basiert. Darüber hinaus stellen wir sicher, dass unser ESG-Modell sektorneutral ist und sich auch gegenüber Faktoren wie Size, Value, Momentum oder Beta neutral verhält. Damit wollen wir sicherstellen, dass der ESG-Faktor-Investor nicht einfach irgendeinen anderen Faktor kauft und die beobachtete Performance damit nicht einfach ein Proxy für einen anderen gemeinsamen Faktor ist.

HEDGEWORK: Welche Nachhaltigkeitskriterien stehen bei Ihnen im Vordergrund?

Mitchell: Skeptiker von ESG-Faktoren unterstellen oft, dass Governance der einzige produktive ESG-Faktor ist. Im Gegensatz dazu zeichneten wiederum die Renditen der ESG-Faktoren im Jahr 2019 ein anderes Bild. Hier schnitten Umweltfaktoren am besten ab, wobei Unternehmen mit geringer Kohlenstoffintensität stark belohnt wurden. In der sozialen Dimension belohnten die Investoren andererseits das soziale Bewusstsein, während die Transparenz der Aktionäre den besten Governance-Faktor darstellte. Alles in allem waren 14 der 15 ESG-Säulen für das Jahr positiv, was unserer Meinung nach an sich schon bemerkenswert ist und die allgemein positive ESG-Performance in diesem Zeitraum widerspiegelt. Vielleicht sollte ich noch ergänzen, dass es sich bei jeder der 15 ESG-Säulen von Man Numeric um unterschiedliche ESG-Konzepte handelt, die jeweils eine geringe Korrelation zueinander aufweisen. Es handelt sich dabei nicht einfach nur um leichte Variationen derselben Konzepte, sondern um orthogonale Faktoren, die unabhängige Ansichten über die Stärke der ESG eines Unternehmens zum Ausdruck bringen. 

HEDGEWORK: In Ihrem Ansatz kommt es sehr stark auf die Qualität der Daten an, die Sie verwenden. Andererseits haben Sie betont, dass die vorhandenen ESG-Scores vielfach umstritten sind. Welchen Weg gehen Sie hier?

Mitchell: Zunächst ist zu betonen, dass die Datenqualität für jeden quantitativen Investmentprozess von größter Bedeutung ist, ganz gleich, wie gut ein Modell ist, es ist dem Untergang geweiht, wenn es mit Daten schlechter Qualität gefüttert wird. Für unseren Ansatz bedeutet das, dass wir verlässliche ESG-Daten brauchen. Diese Daten sind in den letzten zehn Jahren gereift, und wir treten in eine Phase ein, in der sie sowohl eine lange Geschichte als auch eine breite Abdeckung haben, die sie für quantitative Investmentfirmen interessant machen. Im Gegensatz zu traditionellen quantitativen Faktoren, die etwa aus Jahresabschlüssen und Bilanzdaten gewonnen werden, sind ESG-Statistiken jedoch oft qualitativ, diskretionär und unreguliert. Tatsächlich haben die ESG-Daten, die wir von Anbietern erhalten, in der Regel eine kurze Historie und werden oft rückwirkend erhoben. Daher besteht die Herausforderung für einen quantitativen Manager darin, wie er diese unstrukturierten Daten in nützliche Erkenntnisse umwandeln kann.

HEDGEWORK: Das bedeutet, um einen Long/Short-Ansatz mit ESG-Impact zu fahren, müssen Sie herausfinden, welche Unternehmen über einen hohen Score verfügen und welche schlecht zu bewerten sind. Wie trennen Sie die Spreu vom Weizen?

Mitchell: Das ist richtig. Wir sind der Meinung, dass wir, wenn wir uns die Zeit nehmen, die Nuancen der Methodik der einzelnen Anbieter zu verstehen und mit ihren Datenmakros richtig umzugehen, potenziell einen einzigartigen, Alpha-generierenden Datensatz aufbauen können. Unserer Ansicht nach können wir nur durch das Verständnis dessen, was jedes Datenelement zu messen versucht, und durch die Anwendung der richtigen quantitativen Instrumente an den richtigen Stellen relevante Erkenntnisse gewinnen, die uns helfen, unser Ziel zu erreichen, langfristige ESG-Investitionsaussichten zu ermitteln. Man Numeric hat also damit begonnen, zunächst die relevanten Anbieter auszuwählen, um anschließend die Ergebnisse der Auswertungen direkt in die entsprechenden Portfolios zu integrieren. Allerdings gibt es inzwischen Hunderte von ESG-Datenanbietern, sodass eine naive Vermischung all ihrer Daten unserer Ansicht nach keine aussagekräftigen Ergebnisse bringt. Aufgrund des subjektiven Charakters einiger ESG-Daten besteht unser Ansatz darin, die Datenanbieter auf die gleiche Weise zu verwenden wie Analystenmeinungen, das heißt, diese subjektiven Meinungen zu einem einzigen Score zusammenzufassen. Also haben wir rund ein Dutzend Anbieter ausgewählt und ausführlich getestet und schließlich in unseren strengen quantitativen Rahmen integriert.

HEDGEWORK: Ist das nicht ein immenser Aufwand?

Mitchell: Den wir aber leisten müssen, wenn wir unserem Anspruch gerecht werden wollen. Es gibt große Unterschiede zwischen einzelnen Sektoren, der Größe von Unternehmen und auch hinsichtlich deren Veröffentlichungen. ESG an sich sowie auch das Reporting ist mit hohen Fixkosten verbunden. Große Ölfirmen beispielsweise haben oft einen höheren ESG-Reporting-Score als viele kleine Green-Tech-Firmen, weil sie über die Infrastruktur verfügen, um detaillierte ESG-Daten offenzulegen, während kleinere Firmen dies nicht tun. Macht dies einen Öl-Major "grüner" als einen kleinen Biokraftstoffhersteller? Das macht es zwingend erforderlich, dass wir sorgfältig mit den Unterschieden zwischen Industrie und Sektor umgehen, damit wir bei Querschnittsvergleichen nicht in die Irre geführt werden.

HEDGEWORK: Und das zahlt sich aus?

Mitchell: Nach meiner bisherigen Erfahrung schon. Durch das Verstehen, Interpretieren und Zusammenstellen der uneinheitlichen, unordentlichen Daten können wir die handelsüblichen Variablen potenziell in ein nützliches und informatives Kauf- oder Verkaufssignal verwandeln.

HEDGEWORK: Wie sieht die bisherige Erfolgsbilanz für den speziellen Long/Short-Ansatz der Man Group aus? 

Mitchell: Wir fahren die Strategie jetzt etwa 12 Monate, was zu kurz ist, um eine endgültige Beurteilung abzugeben. Allerdings sind wir mit dem bisher erreichten sehr zufrieden. Und wir sind zuversichtlich, dass dies sich weiter bestätigen wird. So hat sich beispielsweise bewährt, dass wir die Long- und die Short-Seite symmetrisch gestaltet haben. Traditionelle Strategien sehen zumeist ein Übergewicht auf der Long-Seite vor und nutzen die Short-Seite allein, um das Risiko zu managen. Wir gewichten beide Seiten gleich. Zudem sehen wir ESG definitiv als unkorrelierten Faktor – und behandeln ihn auch so. Und vielleicht zum Abschluss, um zu betonen, wie wichtig der Bereich ist, haben wir einen eigenen CIO für ESG-Investments eingesetzt.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

Jason Mitchell ist Co-Head des Bereichs Responsible Investment bei der Man Group und Co-Chairs des Stewardship and Active Ownership Committee der Man Group.
Von 2004 bis 2008 arbeitete Jason bei Man GLG als Portfoliomanager. Zwischen 2008 und 2010 beriet er die britische Regierung bei der Infrastrukturentwicklung in Subsahara-Afrika. Im Jahr 2010 kehrte er als Portfoliomanager zu Man GLG zurück, bevor er 2017 als Nachhaltigkeitsstratege für die gesamte Man-Gruppe aktiv wurde. Bevor er zu Man GLG kam, war er Vizepräsident bei Andor Capital Management und Investment Research Analyst bei Pequot Capital Management.
Neben der Verwaltung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsstrategien hält er Vorträge und veröffentlicht in großem Umfang über verantwortungsbewusste Investitionen. Jasons Artikel und Kommentare zu nachhaltigen Investitionen wurden in einer Reihe von hochrangigen Publikationen zitiert, darunter Institutional Investor, Wall Street Journal, AIMA Journal und Investment Europe.
Jason hat einen MSc in internationaler politischer Ökonomie von der London School of Economics und einen Bachelor-Abschluss in englischer Literatur. Er ist Fellow der Royal Society of the Arts und des British-American Project. Er wurde zu einem der Rising Stars des Institutional Investor's 2011 Hedge Fund ernannt.

Man Group ist ein aktives Investment-Management-Unternehmen, das sich darauf konzentriert, bestmögliche Kundenlösungen mit überragender Performance anzubieten. Dabei werden die neuesten Technologien eingesetzt, um sicherzustellen, dass das Unternehmen in der sich ständig weiterentwickelnden Branche an der Spitze bleibt. Mit den Bedürfnissen der Kunden im Mittelpunkt bietet die Man Group eine umfassende Palette von Anlagelösungen einschließlich Absolute-Return- und Long-only-Fonds. Dabei wird die Philosophie verfolgt, dass der Schlüssel zur Gewinnung von wiederholbarem Alpha aus den Kapitalmärkten darin liegt, den unternehmerisch denkenden Vermögensverwaltern einen institutionellen Rahmen zu bieten, in dem sie sich ausschließlich auf die Alpha-Generierung und das Research konzentrieren können.

US-Wahl - Die Welt hält den Atem an

von Olivier de Berranger, CIO bei LFDE.

Die Politik in den USA hat einen solchen Einfluss auf die Geschehnisse im Rest der Welt, dass die US-Wahlen in allen Ländern fast genauso wichtig sind wie die jeweiligen nationalen Wahlen.

Für die anstehende Wahl sind die Prognosen so verworren, dass Märkte wie Menschen den Atem anhalten und schon auf die geringste Bewegung reagieren. Die TV-Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden zeigte es, denn diese war derart angespannt und so wenig informativ, dass die Märkte anschließend fielen, sich dann aber wieder erholten. Eines wurde dadurch jedoch deutlich, wenn auch nicht im Hinblick auf die politischen Positionen, sondern die Vitalität der Kandidaten: Sie bewies, dass Biden Trump standhalten kann, was ihm sehr zugutekam. Die jüngste Wendung ist der positive COVID-19-Test von Donald Trump. Auch wenn dieser Test keine unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen hat, gaben die Märkte unverzüglich deutlich nach. Neben dem Markt für Staatsanleihen profitierte hiervon vor allem ein anderer Kurs: die Quote von Joe Biden bei den Anbietern von Online-Wetten. So gilt Joe Biden zum 2. Oktober bei einem der größten Wettanbieter mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 60 % als Sieger, während der Abstand in den Umfragen geringer ist. Nebenher bemerkt ist auch die Quote von Mike Pence, dem aktuellen Vizepräsidenten, keineswegs bei null. Zwar ist die Möglichkeit seiner Wahl anstelle von Trump vorerst quasi null, doch wäre sie für die Märkte nicht verführerisch, wenn sie konkreter würde?

Solange sich die Unsicherheit im Zusammenhang mit diesen Wahlen nicht wenigstens etwas verflüchtigt, könnten die Märkte weiterhin auf ihrem aktuellen Niveau herumdümpeln. Es sei denn, es tritt ein Ereignis ein, wie z. B. der Rückzug eines Kandidaten oder die rasche Verfügbarkeit eines Impfstoffs oder Medikaments, wie es mit mysteriösen Worten vom Institut Pasteur in Lille jüngst angedeutet wurde.

Liquiditätsfluss der EZB könnte sich verstärken und verlängern

Diese Oberflächenwellen verhindern nicht die Bewegung mancher Tiefenströmungen. Dies gilt insbesondere für die Fortschritte, die die Befürworter einer neuerlichen Verstärkung der geldpolitischen Anreize durch die Zentralbanken erzielten. Diese Strömung hat seit der Rede von Christine Lagarde vor dem Europäischen Parlament am Montag, dem 30. September, bei der sie eine bedeutende Änderung an der Auslegung des EZB-Mandats andeutete, an Stärke gewonnen. So solle das Mandat nicht mehr eine Inflation „unter, aber nahe an 2 %“ sicherstellen, sondern sie „um 2 %“ ausrichten und dabei für gewisse Zeit auch ein Niveau über diesem Grenzwert zulassen. Damit folgt die EZB-Präsidentin der Fed, die ihre Doktrin kurz zuvor in diesem Sinne geändert hatte, auf dem Fuße. Falls diese Denkströmung auch in Europa die Oberhand gewinnt, könnte sich der Liquiditätsfluss der Zentralbank verstärken und verlängern. Hierfür müssen jedoch noch die Verfechter der geldpolitischen Orthodoxie, allen voran die deutsche Bundesbank, ihren Widerstand aufgeben.

Auf anderer Ebene, und sehr viel gedämpfter, gibt es einen Konflikt, dessen finanzielle Auswirkungen auf lange Sicht nicht weniger erheblich sind als das Duell zwischen den Kandidaten in den USA. Aber dieser Konflikt betrifft nur die Europäer. Denn trotz ihrer stark abweichenden Ansichten sind sich die beiden US-Kandidaten wenigstens in einem Punkt einig: den noch stärkeren geldpolitischen Anreizen und der unbegrenzten Verschuldung. Während die Welt den Atem anhält, während sich die Europäer um die Zehntelstelle hinter der „Inflation von 2 %“ zanken und sich mit dem Vereinigten Königreich entzweien, sind sich die gespaltenen Amerikaner zumindest im Hinblick auf ihre Zentralbank einig. Sie erhöhen ungeniert ihr Haushaltsdefizit und bewegen sich – wenn auch mühsam – in Richtung eines neuen Konjunkturpakets. Werden sie – wenn die Wahlen vorbei sind und die Welt aufatmen kann – für die Fortsetzung des Wettkampfs dann mehr Sauerstoff gespeichert haben?


Telex

US-Arbeitslosigkeit erneut rückläufig. Die Arbeitslosenquote in den USA weist für September einen weiteren Rückgang auf 7,9 % gegenüber zuvor 8,4 % aus. Dies ist die fünfte positive Überraschung in Folge. Allerdings sinkt die Erwerbsquote auf 61,4 % gegenüber 61,7 % im Vormonat, was die ermutigenden Zahlen zur Arbeitslosigkeit teilweise ausgleicht.
China auf vollen Touren. Die Umfragen unter chinesischen Einkaufsmanagern zeigen seit Monaten eine sehr dynamische Wirtschaft. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe liegt für September bei 51,5 gegenüber 51 im Vormonat. Vor allem der Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe steigt von 55,2 auf 55,9, den höchsten Wert seit 2013.

Über LFDE – http://www.lfde.com

LFDE hat sich seit ihrer Gründung 1991 zu einer der bedeutendsten und dynamischsten Fondsgesellschaften Frankreichs entwickelt. Kernkompetenzen: Investments in europäische und internationale börsennotierte Unternehmen. LFDE nutzt ihre überzeugungsbasierte Managementexpertise, um institutionellen Investoren, Vertriebsgesellschaften und Privatanlegern nachhaltige Lösungen anzubieten, die eine Wertsteigerung der Kundeninvestments ermöglichen. LFDE ist in Deutschland, Spanien, Italien, der Schweiz und in den Benelux-Ländern vertreten und verwaltet zum 31.12.2019 Vermögen in Höhe von rund 10 Mrd. Euro. LFDE ist Unterzeichner der UNPRI-Grundsätze und des Carbon Disclosure Project und gehört zur Primonial-Gruppe, dem unabhängigen Marktführer in den Bereichen Entwicklung und Verwaltung von Anlagelösungen und Anlageberatung in Frankreich.

"Ein schwacher US-Dollar ist ein gutes Vorzeichen für Rohstoffe"

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Der US-Dollar zeigte in diesem Jahr eine bedeutende Schwäche, wobei der größte Teil der Abwertung seit Juni erfolgte. Der Kassakurs des Dollar-Index - gemessen als durchschnittlicher Wechselkurs zwischen dem Dollar und den wichtigsten Weltwährungen - fiel zwischen dem 15. Mai und dem 31. August um über 8 Prozent (siehe Abbildung 01 unten). Der US-Dollar wird in Zeiten von Finanzmarktvolatilität und wirtschaftlicher Unsicherheit in der Regel als ein sicherer Hafen angesehen. In diesem Jahr ist er diesem Ruf jedoch nicht gerecht geworden.

Im März, als die Pandemie die Märkte erstmals stärker in den Griff nahm, stieg der Dollar stark an, konnte seine Gewinne jedoch nicht lange halten. Auch im September, als die Ängste vor einer zweiten Welle und die Unsicherheit wegen der US-Wahlen zu einer Volatilität an den Aktienmärkten führten, leitete der Dollar wieder eine Erholung ein. Diesmal scheint er jedoch noch schneller an Schwung verloren zu haben.

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Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Daten vom 1. Jan. 2020 bis 4. Okt. 2020. Der US-Dollar wird durch den DXY-Index (Dollar-Index-Kassakurs) und Broad Commodities durch den Bloomberg Commodities Index repräsentiert.Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Länger schwächer?

Worauf können Dollar-Bullen noch zählen, wenn die Nachfrage nach sicheren Häfen trotz der Herausforderungen, vor denen Märkte und Wirtschaft stehen, ausbleibt? Die Stärke der Währung ist relativ, und die Schwäche anderer wichtiger Währungen wie Pfund Sterling und Euro könnte zur Wiederbelebung des Dollars beitragen. Euro und Pfund Sterling könnten fallen, wenn die mit dem Brexit verbundenen Unsicherheiten und Disruptionen die wirtschaftlichen Aussichten sowohl für Europa als auch für Großbritannien beeinträchtigen. Dies müsste durch kontinuierlich verbesserte US-Konjunkturdaten unterstützt werden.

Dollar-Bären würden auf kurzfristige Risiken hinweisen, die der wirtschaftlichen Erholung gegenüberstehen, einschließlich der Risiken einer zweiten Infektionswelle sowie der mit den US-Wahlen verbundenen Unsicherheit. Wenn das Gespräch auf längerfristige Aussichten gelenkt wird, könnten sie am Ende einen K.O.-Schlag austeilen, indem sie die auf die Langfrist-Politik der Federal Reserve verweisen. Eine ultralockere Geldpolitik über einen längeren Zeitraum wird zwangsläufig Druck auf die Währung ausüben.

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Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Daten vom 28. April 2006 bis 04. Oktober 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Rohstoffinvestoren: Kein Grund zur Klage

Die Dollarschwäche trieb die Erholungsrallye bei den Rohstoffen auf breiter Front voran - auch wenn sie die verschiedenen Rohstoffsektoren auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichem Ausmaß unterstützt. Zwei Hauptgründe belegen, dass insbesondere seit Juni die Schwäche des Dollars den Rohstoffsektor begünstigte und zeigen, warum eine anhaltende Dollarschwäche für Rohstoffanleger eine gute Nachricht sein könnte:

Der Horteffekt

Angesichts der Dollarschwäche haben sich Anleger alternativen sicheren Häfen zugewandt, die bessere "Vermögensspeicher" darstellen. Gold und Silber haben am meisten von diesem "Horteffekt" profitiert. Sowohl die Stärke des Dollar als auch die Schwäche von Gold waren im März von kurzer Dauer. Anleger haben sich physischen Edelmetallen zugewandt, da sie wissen, dass sie aufgrund ihres begrenzten Angebots nicht wie Fiat-Währungen von den politischen Entscheidungsträgern als Reaktion auf Krisen abgewertet werden können (siehe Abbildung 2 oben).

Der Kaufkrafteffekt

Zyklische Rohstoffe profitieren ebenfalls von der Dollarschwäche, da Inhaber anderer Währungen es billiger finden, in Dollar gehandelte Rohstoffe zu kaufen. Sowohl Industriemetalle als auch Agrarrohstoffe dürften von diesem Effekt profitieren.

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Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Daten vom 1. Jan. 2017 bis 31. Dez. 2018. Der US-Dollar wird durch den DXY-Index (Dollar-Index-Kassakurs) und Broad Commodities durch den Bloomberg Commodities Index repräsentiert. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Knackpunkt Handelskriege

Der Dollar verlor 2017 und Anfang 2018 erheblich an Wert, was die breite Rohstoffbasis unterstützte (siehe Abbildung 03 oben). Zu den Gründen für den Wertverlust der Währung gehörte wohl auch eine Zunahme der protektionistischen Rhetorik von Präsident Trump. Die Möglichkeit der USA, sich selbst zu isolieren, anstatt eine integrale Kraft in der globalen

Wirtschaftsmaschinerie zu sein, schadete dem Dollar damals. Der Grund dafür, dass die Rohstoffe keinen dauerhaften Aufschwung erleben konnten, lag darin, dass die protektionistische Rhetorik schließlich in einem Handelsstreit zwischen den USA und China gipfelte, bei dem auf mehrere Rohstoffe direkte Zölle erhoben wurden. Während Gold als geopolitische Absicherung profitierte, litten zyklische Rohstoffe wie Industriemetalle und landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Der Knackpunkt ist daher, dass breite Rohstoffgruppen nur dann dauerhaft von einem schwachen Dollar profitieren können, wenn die Währungsschwäche auf eine akkommodierende Geldpolitik und nicht auf eine Beschleunigung der Handelskriege gründet. Wenn die Handelsspannungen wieder eskalieren, wird erwartet, dass defensive Rohstoffe wie Edelmetalle ihre Gewinne auf zyklische Sektoren ausdehnen werden.