Auf das Beste hoffen, sich aber auf das Schlimmste vorbereiten

Der europäische ETF-Anbieter Tabula Investment Management Limited („Tabula”) empfehlt Investoren, zwar auf das Beste zu hoffen, sich aber auf das Schlimmste vorzubereiten. Zu den Risiken, die beachtet werden sollten, gehören zum einen die eingeschränkte Liquidität an den Anleihemärkten gegen Ende des Jahres, zum anderen, dass das Umfeld von sehr niedrigen und sehr stabilen US-Inflationsraten und entsprechenden Markterwartungen zu Ende gehen könnte.

Tabula warnt davor, die saisonale Illiquidität an den Rentenmärkten zum Jahresende hin zu unterschätzen. Alle Jahre wieder versuchen die Banken, ihre Bilanzen vor dem Jahresultimo so weit wie möglich abzuschmelzen. Investoren sind ebenfalls mit den anstehenden Jahresabschlüssen beschäftigt und schränken ihre Transaktionen ein. Gerade in der Corona-Krise könnte sich die Handelbarkeit von Instrumenten am Rentenmarkt noch schwieriger gestalten, als es in normalen Jahren der Fall war.

„Die Faktoren, die sich negativ auf die Liquidität an den Rentenmärkten auswirken, könnten dieses Jahr zu einem noch unberechenbareren Marktumfeld führen als üblich“, sagt Michael John Lytle, CEO von Tabula.

„Der starke Anstieg bei den COVID-Neuinfektionen, die Unberechenbarkeit von US-Präsident Trump vor seinem Auszug aus dem Weißen Haus, und die realwirtschaftlichen Schäden, die die Pandemie bereits angerichtet hat und die zunehmend sichtbar werden, könnten die aktuelle Markteuphorie in Bezug auf die Entwicklung von Impfstoffen einbremsen. Es scheint so, als seien die guten Neuigkeiten bereits alle eingepreist, die Risiken aber möglicherweise unterschätzt.“

Ein EUR IG-ETF mit starkem Fokus auf Liquidität 

Der Tabula iTraxx IG Bond UCITS ETF mit dem Ticker TTRX bildet physich replizierend die Entwicklung des iBoxx iTraxx Europe Bond Index ab, den Tabula in Zusammenarbeit mit IHS Markit entwickelt hat. Der Index beinhaltet gleichgewichtet Anleihen der 125 Emittenten, die im iTraxx Europe enthalten sind, dem Referenzinstrument für den breit diversifizierten Handel mit Kreditrisiken von europäischen Investment-Grade-Unternehmen über Credit Default Swaps.

Der Index wählt bis zu drei Anleihen für jedes Unternehmen aus der aktuellen Serie des iTraxx Europe aus. Er umfasst auf EUR lautende Anleihen mit einem ausstehenden Mindestbetrag von 500 Mio. EUR und einer Laufzeit von 3 - 7 Jahren (verlängert auf 1 - 10 Jahre, wenn ein Unternehmen keine Anleihen im Bereich von 3 - 7 Jahren begeben hat). Der Index wird im März und September in Übereinstimmung mit dem iTraxx Europe angepasst. Die Anleihen im ETF werden so gewichtet, dass jedes Unternehmen die gleiche Nominalgewichtung hat und der Index eine durchschnittliche Laufzeit von fünf Jahren aufweist.

Ankurbelung der Inflation in den USA: Es ist angerichtet 

Zu den oben erwähnten Risiken gehört auch das Thema (Angst vor steigender) Inflation. Die US-Fed hat sich im Sommer ein neues Inflationsziel gegeben, das oberhalb der bisherigen Zielmarke von jährlich knapp 2% liegt. Hinzu kommt, dass die zukünftige Biden-Administration eine im Zweifel lockere Geldpolitik gutheißen dürfte. Hierfür spricht beispielsweise, dass die ehemalige Fed-Vorsitzende Janet Yellen künftig das Finanzministerium leiten soll. Diese Personalie passt sehr gut zur globalen Entwicklung, dass die Distanz zwischen Fiskalpolitik und Geldpolitik weiter abnimmt.

„Eine lockere Geldpolitik im Zusammenspiel mit einer aggressiven Fiskalpolitik kann einen gefährlichen Cocktail für deutlich anziehende Inflationsraten kreieren. Daher nimmt das Thema Inflation bei vielen Investoren eine wichtigere Rolle ein, vor allem bei den Jahresausblicken für 2021“, sagt Michael John Lytle.

Er ergänzt: „Die Bilanz der Fed hat sich allein in den letzten sechs Monaten verdoppelt. Die Geldmengen in den gängigen Kategorien wachsen durch die Bank weg deutlich mehr als 10% in diesem Jahr. Änderungen bei den Aufgaben der Zentralbanken sowie einer im Zweifel aggressiveren Fiskalpolitik bedeuten Aufwärtsrisiken für die Inflationsraten, zumindest auf mittlere bis lange Fristen.“

Ein Fixed Income ETF, der einmaligen Schutz vor US-Inflation bietet

Der Tabula US Enhanced Inflation UCITS ETF (London Stock Exchange: TINF; Borsa Italiana für die EUR-gehedgte Anteilsklasse: TINE), der im Oktober lanciert wurde, kombiniert Exposures zu realisierter Inflation in den USA und US-Inflationserwartungen. Der ETF verbindet dazu ein TIPS-Portfolio mit Exposure zu US-Inflationserwartungen („Breakevens“). Tabula und Bloomberg entwickelten dafür den Bloomberg Barclays US Enhanced Inflation Index. Dessen Zeitreihe zeigt, dass bei verschiedenen Kombinationen von realisierter und erwarteter Inflation hohe Renditen erzielt werden können, vor allem in Marktphasen, in denen die US-Inflation anzieht.

Der Index bildet zu 100% die realisierte US-Inflation über ein breit diversifiziertes Portfolio an inflationsgeschützten US-Staatsanleihen (TIPS) ab. Zusätzlich fließen in seine Entwicklung zu 100% die US-Inflationserwartungen im 7 - 10jährigen Laufzeitenbereich hinein. Diese werden wie folgt berechnet: Long 100% 7 – 10jährige TIPS und gleichzeitig Short 100% 7 - 10jährige US-Staatsanleihen. Durch diese Konstruktion reagiert der Index sensitiv und kosteneffizient auf Veränderungen der mittelfristigen Inflationserwartungen in den USA. Der Index wird täglich berechnet und monatlich neu balanciert.


Tabula Investment Management Limited

Tabula ist ein Vermögensverwalter, der sich auf indexbasierte Rentenfonds konzentriert. Tabula hat seinen Sitz in London und bietet europäischen Anlegern UCITS-Fonds an, die in Irland ihr Domizil haben, hauptsächlich in Form von ETFs. Tabula vertritt die Meinung, dass der Trend zur indexbasierten Geldanlage, der die Aktienmärkte in den letzten beiden Jahrzehnten fundamental verändert hat, im Rentenmarkt gerade erst begonnen hat. tabulaim.com

Der Ölpreis dürfte sich erst im zweiten Halbjahr 2021 erholen

von Michel Salden, Leiter Rohstoffe bei Vontobel Asset Management.

Wenn die OPEC+ Anfang nächster Woche erneut zusammenkommt, wird die Organisation erdölexportierender Länder ihre bisherigen Rohölförderkürzungen voraussichtlich um mindestens drei bis sechs Monate verlängern. Schließlich muss die OPEC einen Ausgleich zwischen den kurzfristig schwächelnden Nachfrageperspektiven und dem Ziel einer sinnvollen Verknappung der Förderbedingungen bis Ende 2021 finden. Die kurzfristigen Aussichten sind aufgrund weiterhin stark steigender Infektionsfälle von COVID-19 in den USA und Europa schwach, wobei erneute Mobilitätseinschränkungen die Nachfrage nach Öl im Dezember um 1,5 Millionen Barrel pro Tag (mbpd) verringern werden. Das Wachstum der Erdölförderung außerhalb der OPEC (USA, Kanada, Mexiko, Brasilien) ist zudem sehr eingeschränkt, was bis Ende 2021 zu knapperen Angebotsbedingungen führen dürfte.

Obwohl die Lage in Europa und den USA derzeit noch auf eine schleppende Erholung der Ölnachfrage hindeutet, zeigen die Daten aus Asien, dass eine Normalisierung durchaus auch schneller kommen kann, als der Markt erwartet. Tatsächlich haben sich die Inlandsflüge in China bereits vollständig normalisiert. Allerdings ist die weltweite Kerosinnachfrage immer noch um 3 bis 4 mbpd niedriger als 2019, doch ein erfolgreiches Impfprogramm wird die Mobilität fördern und könnte die Ölnachfrage in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 wieder auf das Niveau von 2019 von 100 mbpd heben.

OPEC könnte westlichen Ölgesellschaften Marktanteile wegnehmen

Selbst wenn die OPEC im Sommer 2021 mit der Lockerung der Förderkürzungen beginnt, können die Förderbeschränkungen von 7,7 mbpd nur in vierteljährlichen Schritten von maximal 2 mbpd pro Quartal rückgängig gemacht werden. Dies bedeutet, dass die OPEC die Produktion von derzeit 24 auf 30 mbpd bis Ende 2021 erhöhen könnte. Allerdings muss sich die Organisation noch darauf einigen, wie viel von dieser schrittweisen Produktionssteigerung für die kürzlich wieder aufgenommene libysche Erdölförderung verwendet werden soll, um die Zusammenarbeit innerhalb der Organisation aufrechtzuerhalten und die Effektivität der OPEC zu gewährleisten. Libyen ist vor kurzem an den Markt zurückgekehrt und hat seine Rohölproduktion wieder erhöht, nachdem ein Waffenstillstand im vom Bürgerkrieg geplagten Land vereinbart werden konnte. Die lybischen Öllieferungen sind jedoch noch nicht in den derzeitigen Quotenzuteilungen berücksichtigt.

Wenn die Produktionssteigerung im nächsten Jahr realisiert wird, könnte die OPEC den westlichen Ölgesellschaften Marktanteile streitig machen. Das erhöhte Nachhaltigkeitsbewusstsein von Anlegern erschweren den westlichen Ölgesellschaften den Zugang zu langfristigen Finanzierungen, was letztlich ihre Produktionskapazitäten bedroht. Staatliche Ölgesellschaften, die hauptsächlich in Schwellenländern angesiedelt sind, sind nicht dem gleichen Druck ausgesetzt. Ihre Regierungen veranlassen sie sogar dazu, ihre Produktion zu erhöhen.

Darüber hinaus planen sowohl China als auch Indien den Ausbau der strategischen Lager- und Raffineriekapazitäten im Jahr 2021. Saudi-Arabien und Russland wollen strategische Lieferanten für beide Länder werden, weshalb die Verteidigung des Marktanteils während dieses strategischen Energieausbaus ein kurzfristiges, aber wichtiges Ziel der OPEC sein wird.

Aktuelle Rallye ist verfrüht

Derzeit erleben die Ölmärkte im Vorfeld der OPEC-Konferenz eine starke Preisrallye. Da sich aber die Positionierung an den Öl-Futures-Märkten noch verhalten gestaltet, scheint diese Rallye etwas verfrüht. Reales Aufwärtspotenzial auf das Preisniveau von 50 bis 55 US-Dollar wird sich wahrscheinlich erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 einstellen. Ein Überschreitung der Spanne von 55 bis 65 US-Dollar ist allerdings erst dann möglich, wenn die globalen Ölbestände (derzeit immer noch rund 8 Prozent über dem Normalwert) aufgrund der Stärke der Öl-Futures-Kurve schnell abnehmen (Abwicklung von Lagergeschäften) und die Luftfahrtindustrie wieder beginnt, sich für eine Zunahme des Luftverkehrs abzusichern (mittels Kauf von Futures).


Vontobel Asset Management

Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen über-zeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.
Mehr über Vontobel Asset Management finden Sie auch hier bei Twitter.

Die nächste Etappe für Schwellenländeranleihen

Der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors:

Seit die US-Wahlergebnisse bekannt wurden, gingen die Marktteilnehmer wieder mehr Risiko in ihren Portfolios ein, da die liquiden Mittel bereits im Hinblick auf das Jahresende eingesetzt wurden. Diese Marktbewegung wurde durch die Ankündigung, dass ein Impfstoff kurz vor dem Abschluss steht, noch verstärkt. Diese Entwicklungen waren besonders vorteilhaft für die Schwellenländer (EM), wo der designierte Präsident Joe Biden als Globalisierer gilt und daher wahrscheinlich einige der durch die Trump-Administration verursachten Verwerfungen rückgängig machen wird. Von der Nachricht, dass ein asiatisches Freihandelsabkommen - die Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) - unterzeichnet worden ist, wird der Welthandel zusätzlich profitieren.

Die Welt sieht also nach einem etwas freundlicherem Ort für die Schwellenländer aus, da für 2021 mit Wachstums gerechnet wird. Bisher gibt es auch nur vereinzelte Anzeichen für eine Inflation. Die PriceStats®-Indikatoren, die von State Street Global Markets entwickelt wurden, deuten darauf hin, dass die Inflationsfront in den Schwellenländern außerhalb Brasiliens und der Türkei kaum unter Druck steht. Daher erwarten wir eine Periode mit einer ausgewogeneren Geldpolitik, in der einige Zentralbanken, wie die Türkei, die Zinssätze anheben, während andere, wie Indonesien, im Modus der Lockerung bleiben. Das Rätsel in der Welt der Schwellenländer ist nach wie vor China, wo eine expandierende Wirtschaft im Jahr 2020 dazu geführt hat, dass die Rendite 10-jähriger Anleihen von den Tiefstständen unmittelbar nach der COVID-19-Krise um 80 Basispunkte gestiegen ist. Dies trotz der Anzeichen, dass die Inflation eingedämmt bleibt, und trotz einer Stärkung des Yuan.

Die besseren Wachstumsaussichten könnten einige Anleger dazu veranlassen, Hartwährungsfonds zu bevorzugen, bei denen die Renditen mehr von der Kreditwürdigkeit abhängen und bei denen ein stärkeres Wachstum dafür sorgen dürfte, dass die Länder ihre Schulden besser bedienen können. In der Tat hat der ICE BofA 0-5 Year EM USD Government Bond ex-144a Index trotz seiner niedrigen Laufzeit von weniger als 2,5 Jahren bis heute eine Rendite von 2% in USD ohne Absicherung erzielt.1 Bei einer Rendite von mehr als 2,3% bis zum Tiefststand ist dies eine Möglichkeit, einem Portfolio einen Anstieg der laufenden Rendite zu verschaffen und gleichzeitig das Durationsrisiko gering zu halten.

Höhen und Tiefen eines sinkenden USD

Nichtsdestotrotz ist eine zentrale Ansicht von State Street Global Markets, dass der USD seine Abwertung fortsetzen wird. Die Kombination aus der Tatsache, dass der USD nur wenig Unterstützung durch Zinsunterschiede genießt, gepaart mit der Hoffnung auf eine Rückkehr zu einem normaleren Umfeld, könnte die Attraktivität des USD als sicherer Hafen untergraben. Es besteht eine besonders enge inverse Beziehung zwischen den Veränderungen des handelsgewichteten USD (DXY) und den Renditen des Lokalwährungsindexes, aber viel weniger für den Hartwährungsindex.

Um die Bedeutung der Währung in Relation zu setzen: Wie bereits erwähnt, sind die Renditen chinesischer Anleihen seit Anfang April zwar gestiegen, die Gesamtrenditen waren jedoch immer noch positiv (+4,5%), da die kombinierten Währungs- (+7,2%) und Kuponrenditen (+2,0%) die Anleiheverluste (-4,5%) ausgeglichen haben.2 Darüber hinaus erscheintdie unterschiedlichen Währungen, diedurch den Bloomberg Barclays EM Local Currency Liquid Govt Index repräsentiertwerden, aus historischer Sicht gegenüber dem USD weiterhin um 7,3% unterbewertet.3

Die seit den US-Präsidentschaftswahlen gestiegenen Renditen in Landeswährung gegenüber dem Hartwährungsindex (ebenfalls auf dem Schaubild zu sehen)4 deuten darauf hin, dass die Anleger jetzt eine positivere Einstellung zum Eingehen von Risiken haben. Der Nachfrageschub könnte auch ein Produkt der angebotenen höheren Rendite sein, wobei der Bloomberg Barclays EM Local Currency Liquid Govt Index eine Rendite von über 3,7% auf den schlechtesten Wert lieferte.

Da sowohl die EM-Anleihen in Lokal- als auch in Hartwährung den USD als Basiswährung haben, ist eine Absicherung des Risikos einer USD-Abwertung sinnvoll. Die auf Jahresbasis umgerechneten Kosten für die Absicherung des EUR-USD mit 1-Monats-Forwards lagen im Dezember 2019 bei ca. 3% und liegen jetzt bei ca. 0,8%, so dass die Möglichkeit, zwischen EUR-abgesicherten und nicht abgesicherten Schuldtiteln aus Schwellenländern zu wechseln, weniger Anlass zur Sorge um die Performance gibt.

Wie man dieses Thema spielt

State Street Global Advisors hat in Zusammenarbeit mit Bloomberg Barclays eine für den ETF-Markt neue Methode zur Währungsabsicherung eingeführt, bei der nur die USD-Basiswährungsrendite des Index gegenüber dem EUR abgesichert wird. Es handelt sich derzeit um den einzigen ETF mit dieserBesonderheit, der es Anlegern ermöglicht, das volle Potenzial der lokalen Währung von Schwellenländeranleihen im Jahr 2020 auszuschöpfen.

Sollten sich die längerfristigen Prognosen eines schwächeren Dollars bewahrheiten, könnte dies Vermögenswerte aus Schwellenländern unterstützen. Die Möglichkeit, dieses Risiko abzusichern, könnte auch EUR-basierten Anlegern sehr helfen.

Um mehr über die Fonds zu erfahren, die ein Engagement in den oben beschriebenen Themen bieten können, und um die vollständige Performance-Historie dieser Fonds einzusehen, folgen Sie bitte den untenstehenden Links: 


1) Quelle: Bloomberg Finance L.P., Stand: 13. November 2020
2) Renditen chinesischer Anleihen im Bloomberg Barclays EM Local Currency Liquid Govt Index zwischen 31. März und 13. November, Quelle: Bloomberg Finance L.P.
3) Stand: 31. Oktober 2020.
4) Ein Teil der Underperformance des ICE BoA 0-5 Year EM USD Government Bond ex-144a Index kann auf seine niedrigere Duration zurückgeführt werden, aber selbst unter Berücksichtigung dieser Tatsache war die Erholung der Erträge aus der Lokalwährung seit Ende Oktober 2020 größer als bei den Hartwährungsindizes.

Die Schwellenländeraktien START sind das neue FAANG

von Tim Love, Investment Director für Schwellenländeraktien bei GAM Investments.

Obwohl die Wertentwicklung zahlreicher Schwellenländer (EM) in den Jahren 2018 und 2019 hinter der Performance des S&P 500-Index zurückblieb und sich das Jahr 2020 bislang ebenfalls in diese Serie einreiht, wäre es falsch, sich von diesen Märkten abzuwenden. Denn unter dem breiten Dach der Schwellenmärkte stemmte sich eine Gruppe von Aktien beharrlich gegen den Trend und setzt diese positive Entwicklung fort. Selbst die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China, die die Wertentwicklung einiger chinesischer Aktien unter Druck setzte, wirkte sich nicht negativ auf diese Unternehmen aus.

Wir bezeichnen diese Gruppe starker, innovativer Unternehmen mit dem Sammelbegriff START – für Samsung Electronics, Tencent Holdings, Alibaba Group, Reliance Industries und Taiwan Semiconductor. Unseres Erachtens wird START an den Schwellenmärkten zu einem vergleichbar bedeutenden Akronym werden wie FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Alphabet – vormals Google) in den USA und die Performance der gesamten Anlageklasse entscheidend beeinflussen. Wir haben diese Aktien auf Basis ihrer Marktdominanz, Führungsposition, Nachhaltigkeit und Umsetzungskompetenz sowie ihres Wachstumspotenzials und Wertversprechens identifiziert.

Samsung Electronics: 5G-Geschäft und Governance mit Aufholpotenzial

Samsung Electronics dürfte unter den Anbietern von Speicherprodukten hohe Margen erzielen und seine marktführende Position durch technologischen Fortschritt festigen. Die Verbesserung der Aktionärserträge ist ein weiterer positiver Faktor. Dank seiner führenden Position bei 5G-Handys könnte Samsung enorme Gewinne erzielen, wenn es dem Unternehmen gelingt, Huawei Marktanteile abzunehmen. Das Unternehmen befindet sich in einer wesentlich besseren Position, als noch vor wenigen Monaten vermutet wurde. Insbesondere zeigt es eine gesteigerte Widerstandsfähigkeit und verbesserte Umsetzungskompetenz. Die langfristige Strategie erweist sich zunehmend als transformativ und treibt das Wachstum sowie die Erträge im Halbleitersegment voran. Im Hinblick auf die strukturellen Wachstumsmerkmale in den Bereichen Computing, 5G und Daten, den wachsenden Gesamt-Absatzmarkt, die erstklassige Umsetzung im Sektor, die liquiden Mittel von 100 Mrd. USD, die hohe Free-Cashflow-Generierung und die Kapitalrendite ist der Bewertungsabschlag zu den Konkurrenten nach unserer Einschätzung nicht gerechtfertigt.

Die Governance-Praktiken von Samsung und die Geschäfte mit Tochterunternehmen geben zwar Anlass zur Sorge. Die Ernennung eines unabhängigen Verwaltungsratsmitglieds zeigt jedoch, dass das Unternehmen angesichts der Unsicherheit aufgrund der Korruptionsvorwürfe gegen den Vizepräsidenten Lee Jae-yong beabsichtigt, die Governance zu verbessern und sein Image aufzuwerten. Wir erwarten eine stärkere Unabhängigkeit und Transparenz des Verwaltungsrats. Darüber hinaus rechnen wir mit der Einführung eines unabhängigen Audit- und Compliance-Systems, sowie der Nutzung externer Benchmarks mit hohen Standards im Hinblick auf die Korruptionsbekämpfung. Dies ist nicht nur angesichts der komplexen Unternehmensstruktur wichtig, sondern auch im Hinblick auf die damit verbundenen Risiken in den Lieferketten. Das Unternehmen hat zwar formelle Beschwerdeverfahren zur effektiveren Überwachung des Engagements und der Zufriedenheit der Mitarbeitenden eingeführt. Diese Maßnahmen schützten es jedoch nicht vor Klagen aufgrund angeblicher Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte in einigen Ländern, in die Aktivitäten aus China verlagert wurden. Wir rechnen mit zunehmend starker Beachtung von Menschenrechten und Arbeitsschutzgesetzen.

Tencent Holdings dominiert Online-Konsumentenmarkt

Tencent beherrscht den chinesischen Online-Konsumentenmarkt gemessen an den Umsätzen, der Größe und des Datendurchsatzes. Die überwiegende Anzahl der Dienstleistungen des Unternehmens zählen auf Nutzerbasis zu den Top 3 in ihrer Sparte. Die Umsätze mit Zusatzangeboten bei «In-Game»-Dienstleistungen dürften weiter wachsen, da das Unternehmen über eine umfangreiche mobile Angebotspalette verfügt und mit Weixin das größte Kommunikations- und soziale Netzwerk Chinas betreibt. Der Umsatzmix ist gut diversifiziert: 16% werden aus Online-Werbung, 23% aus sozialen Netzwerken, 26% aus Fintech- und Geschäftsdienstleistungen und 34% aus Online-Spielen erzielt. Mit Barmitteln von circa 40 Mrd. USD und potenziell 20 Mrd. USD an freiem Cashflow in diesem Jahr verfügt das Unternehmen über robust gestützte Liquiditätsreserven. Dank seiner guten Fundamentaldaten und soliden Wachstumsaussichten konnte das Unternehmen die Schuldenlast erhöhen, ohne die Bilanzstärke zu gefährden. Den Bloomberg-Konsenserwartungen zufolge wird Tencent im Jahr 2020 den Umsatz voraussichtlich um 28% und das Vorsteuerergebnis um 27% steigern. Eine Ausweitung des «Gaming»-Geschäfts von Tencent auf internationale Märkte, eine stärkere Monetarisierung sozialer Werbung, umfangreichere Fintech-Angebote und strategische Upgrades, um vom Konsumenten-Internet und dem industriellen Internet zu profitieren, sind nur einige der potenziell positiven Impulsgeber für eine zukünftige Outperformance.

Tencent ist als «Variable Interest Entity» (VIE) strukturiert und verfügt über die höchste Governance-Bewertung unter vergleichbaren Unternehmen. Die Notierung in Hongkong sollte einen besseren Aktionärsschutz bieten. Das «Gaming»- und «Social-Media»-Unternehmen unterliegt einem permanenten regulatorischen Druck zur Einhaltung der chinesischen Zensurgesetze. Tencent führte Maßnahmen zur Suchtprävention ein, unter anderem ein «Healthy-Gameplay»-System, aufgrund dessen 32 mobile Spiele wegen mutmaßlicher Nichteinhaltung von Vorschriften aus dem Angebot entfernt wurden. Ferner richtete das Unternehmen eine Elternaufsichts-Plattform ein, die Eltern beim Schutz ihrer Kinder vor der Spielsucht unterstützen soll.

Alibaba Group überzeugt mit umfassendem E-Commerce-Angebot

Alibaba bietet dank seiner Führungsposition im E-Commerce in China ein attraktives Leistungsversprechen für Händler: eine umfassende Angebotspalette, die Handel, Logistik, Marketing-Technologie, Cloud Computing, Zahlungsabwicklung und Unterhaltung umfasst. Unseres Erachtens wird das Unternehmen weiter von der beschleunigten Akzeptanz des Online-Lebensmittelhandels sowie von Cloud-Dienstleistungen und Telearbeits-Anwendungen durch Benutzer und Anbieter profitieren. Die Freisetzung weiterer Synergien unter seinen mehr als 900 Millionen Nutzern der digitalen Wirtschaft sowie seinem breiten Spektrum von Produkten und Dienstleistungen dürften dem Unternehmen ebenfalls zugutekommen.

Alibaba wickelt nahezu ein Drittel der Zahlungen des chinesischen Einzelhandels ab und dringt weiter in weniger entwickelte Bereiche vor. Ant Group, an der Alibaba mit 33% beteiligt ist, strebt mit einer Bewertung von mindestens 225 Mrd. USD nach einer Doppelnotierung in Hongkong und Shanghai. Die erfahrene Unternehmensleitung wird die Produktinnovation weiter vorantreiben. Darüber hinaus erwarten wir, dass bisher noch weniger vermarktete Bereiche in den kommenden Jahren beginnen werden, signifikant zum Umsatzwachstum beizutragen. Im Geschäftsjahr 2021 dürften die Umsätze auf 100 Mrd. USD zusteuern und der freie Cashflow wächst rasant. Damit verfügt Alibaba aktuell über die stärkste Bilanz seiner Unternehmensgeschichte. Wenige Technologieunternehmen, einschließlich der FAANGs, können ähnlich hohe liquide und kurzfristig angelegte Mittel vorweisen.

Dank seiner Anreizsysteme und laufenden Investitionen in die Mitarbeiterschulung ist Alibaba generell gut aufgestellt, ein attraktiver Arbeitgeber für Spitzentalente in China zu bleiben, obwohl das Unternehmen aufgrund exzessiver Arbeitszeiten und Überstunden in der Kritik steht. Die Partnerschaftsstruktur des Unternehmens ist darauf ausgelegt, Talente zu binden und zu fördern, sowie die aktualisierten sechs Unternehmensgrundsätze für langfristige Nachhaltigkeit voranzutreiben. Die schwachen Eigentümer- und Verwaltungsratsstrukturen für Minderheitsaktionäre stellen allerdings einen Grund zur Sorge dar. Aufgrund seiner Partnerschaftsstruktur und der damit verbundenen Stimmrechtsvereinbarung ist Alibaba effektiv ein kontrolliertes Unternehmen. Die VIE-Struktur des Unternehmens räumt der Konzernleitung zudem eine verstärkte Kontrolle ein, und die Eigentümerrisiken werden durch rechtliche Unsicherheiten verschärft. Strenge Datensicherheitsmaßnahmen erscheinen unerlässlich, da eine Sicherheitslücke bei der Logistiktochter Cainiao im Juni 2018 darauf hindeutet, dass das Unternehmen unverändert einem hohen Risiko ausgesetzt ist.

Reliance Industries: Diversifikation in alternative Treibstoffe und Energiequellen

Das Unternehmen will den organisierten Einzelhandels- und E-Commerce-Markt in Indien mit einem Volumen von 700 Mrd. USD in Angriff nehmen. Dies soll in Höhe von mehr als 300 Mrd. USD im Bereich Chemie sowie mit 50 Mrd. USD in erneuerbaren Energien geschehen, da die Nachfrage von Öl auf alternative Treibstoffe umschwenkt. Die Nettoverschuldung wird im nächsten Investitionszyklus erheblich moderater als im abgelaufenen Zyklus sein, da das Unternehmen zunehmend Partnerschaften und Joint Ventures eingeht. Die Diversifikation vom reinen Raffineriegeschäft in anderweitige nachhaltige Energieformen, die Integration des Petrochemiegeschäfts, die Umleitung der Cashflows aus dem Telefongeschäft in andere digitale Bereiche und 5G-Lösungen sowie die Expansion in den Offline- und Online-Einzelhandel dürften zu einer ähnlichen Höherbewertung wie bei vergleichbaren, global agierenden Unternehmen beitragen. Unseres Erachtens werden die Vision und die Entschlossenheit des Unternehmens unterschätzt und unterbewertet.

Reliance ist ein Familienunternehmen und dürfte zukünftig über einen diversifizierteren Verwaltungsrat mit einer größeren Verantwortung der Geschäftsführung verfügen, um eine effektive Governance zu gewährleisten. Dank des höheren Umsatzanteils aus dem Telekommunikations- und Einzelhandelsgeschäft verringerte sich das ökologische Risiko. Dennoch rechnen wir mit ausdrücklichen Zielen für das Energiegeschäft zur Reduzierung der Treibhausgas- und Schadstoffemissionen. Trotz Bedenken räumen wir ein, dass das Unternehmen in jüngster Zeit zunehmend die Interessen seiner Minderheitsaktionäre berücksichtigte.

Taiwan Semiconductor (TSMC): Marktführer dank technologischem Vorsprung

TSMC ist der weltweit größte exklusive Auftragsfertiger für Halbleiterprodukte mit einem Marktanteil von rund 50%. Durch die ständige Zunahme der Halbleiterkomponenten in Mobilgeräten, das Vordringen künstlicher Intelligenz (KI) und die Verbreitung des Internets der Dinge (IoT) dürfte die weltweit benötigte Rechenleistung nachhaltig wachsen. Der größere Umsatzbeitrag aus massenproduzierten 5-Nanometer-Chips und Pläne für den Beginn der Testproduktion von 3-Nanometer-Chips im Jahr 2021 deuten auf eine Ausweitung des technologischen Vorsprungs gegenüber den Konkurrenten hin. Dies dürfte sicherstellen, dass das Unternehmen seinen dominierenden Marktanteil in den nächsten drei Jahren behaupten kann. TSMC ist der Chip-Auftragsfertiger, der am meisten in Forschung und Entwicklung investiert und über die besten Produktionsanlagen verfügt. Dadurch kann es seine Führungsposition in technologischer Hinsicht sowie in Bezug auf den Marktanteil und die Rentabilität wahren.

TSMC dominiert den Auftragsfertigungsmarkt für «Advanced-Node-Chips» und dürfte diese Position dank Kapazitätserweiterungen und seines technologischen Vorsprungs weiter halten. Im Jahr 2020 investiert das Unternehmen schätzungsweise über 10 Mrd. USD in den Ausbau seiner «Advanced-Node»-Kapazitäten. Dies entspricht vermutlich der doppelten Summe des nächstgrößeren Konkurrenten. Nachdem das Unternehmen 2019 über 3,3 Mrd. USD für 18 neue «EUV»-Maschinen (Chipbearbeitung durch extrem ultraviolette Strahlung) investierte, verfügt es über mehr als das Dreifache der «EUV»-Lithografie-Kapazitäten seiner Konkurrenten. Zudem verfügt TSMC über leistungsstarke Wassermanagement-systeme. Sein Wasserschutzplan umfasst Recycling- und Wiederverwendungsinitiativen, die potenzielle operative Risiken aufgrund von Wasserknappheit vermeiden sollen. Es bietet seinen Mitarbeitenden wettbewerbsfähige Vergütungspakete und umfassende Karriereentwicklungsprogramme. Die jährliche Mitarbeiterfluktuation ist daher im Vergleich zum Branchendurchschnitt gering. Wir erwarten, dass das Unternehmen proaktiv Halbleiter mit «Cleantech»-Anwendungen wie intelligenten Stromnetzen und erneuerbaren Energien entwickeln wird.


Über GAM

GAM ist eine führende unabhängige, reine Vermögensverwaltungsgruppe. Das Unternehmen bietet aktive Anlagelösungen und -produkte für Institutionen, Finanzintermediäre und Privatkunden an. Das Investment-Management-Kerngeschäft wird durch eine Private-Labelling-Sparte ergänzt, die Management-Company- und andere unterstützende Dienstleistungen für Dritte umfasst. Per 30. Juni 2020 hat GAM 747 Vollzeitbeschäftigte in 14 Ländern und betreibt Anlagezentren in London, Cambridge, Zürich, Hongkong, New York, Mailand und Lugano. Die Vermögensverwalter werden von einem umfassenden weltweiten Vertriebsnetz unterstützt.
Die Aktien von GAM (Symbol «GAM») mit Sitz in Zürich sind an der SIX Swiss Exchange notiert. Per 30. September 2020 verwaltet die Gruppe Vermögen in Höhe von CHF 120.4 Milliarden (USD 131.1 Milliarden).1

1) Einschließlich CHF 0.3 Milliarden Geldmarktfonds per 30. September 2020. Wie mit den H1 2019 Resultaten bekanntgegeben, hat GAM mit der ZKB eine Vereinbarung über deren Verkauf abgeschlossen.

Ein Blick auf die Märkte – Die Achterbahnfahrt namens 2020

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree. 

Vom scharfen Einbruch im März bis zu den zaghaften Hüpfern im September und Oktober haben die Marktteilnehmer im Jahr 2020 bisher einen ziemlichen Ritt hinter sich. Hier sind die wichtigsten G-Kräfte, die die Entwicklung der Vermögenspreise in diesem Jahr beeinflusst haben:

Pandemie verschlechtert Wachstumsperformance 

Im Jahr 2019, als sich die Dominanz des Technologiesektors verfestigte, begannen die Wachstumstitel ihren Wert deutlich zu übertreffen1. Dieser Trend setzte sich 2020 fort - was an der Divergenz zwischen dem MSCI World Growth- und dem MSCI World Value-Index abzulesen ist -, da der Technologiesektor seit März von dem bei Aktien bevorzugten "Zuhause bleiben"-Handel profitiert hat. Die Stärke des Technologiesektors ist wahrscheinlich nicht nur vorübergehender Natur. Demzufolge wird erwartet, dass sich in Not geratene Sektoren erholen werden, wenn ein Impfstoff eine Heilung der Weltwirtschaft im kommenden Jahr ermöglicht. Value hat das Wachstum seit November übertroffen, hat aber immer noch großen Nachholbedarf.

Renditesuche bei festverzinslichen Wertpapieren

Die Suche nach Ertrag erwies sich in diesem Jahr zu einer noch größeren Herausforderung als je zuvor1. Da Zentralbanken wie die US-Notenbank (Fed) ihre Bilanzen auf Rekordhöhen ausweiteten, wurden die Kurse von Staatsanleihen gestützt, ihre Renditen aber demzufolge auf Rekordtiefs gefallen. Die Geldpolitik dürfte im kommenden Jahr weitgehend akkommodierend bleiben, auch wenn sich die Expansion der Geldmenge verlangsamt. Das bedeutet, dass die Renditen niedrig bleiben und die Kursgewinne bei Anleihen sich verlangsamen könnten. Anleihenanleger könnten versuchen, die Rendite ihrer festverzinslichen Portfolios zu erhöhen, indem sie Positionen in etwas höher rentierende Staatsanleihen mit Investment-Grade-Rating eingehen, aber nicht durch Kompromisse bei den Fundamentaldaten ein unverhältnismäßig hohes Risiko darstellen. 

Silber – wertvoller als alles andere

Silber, das manchmal als ein Spiel mit Hebelwirkung auf Gold angesehen wird, ist diesem Ruf in diesem Jahr gerecht geworden. Gold hat angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit und der Währungsabwertung in diesem Jahr von der Nachfrage nach sicheren Häfen profitiert. Es steht nun an der Schwelle zu einer stärkeren Inflationsabsicherung, wenn sich die Weltwirtschaft erholt. Silber wird neben seiner starken Korrelation mit Gold2 auch potenziell von der steigenden Nachfrage industrieller Anwendungen3 profitieren. Dazu gehören Elektronik, medizinische Geräte und schnell wachsende Technologien wie Solarenergie und Elektrofahrzeuge.

Eine "solidere" zyklische Erholung

Ein geringerer Kursrückgang im März und eine stetige Erholung seitdem bedeutet, dass die Industriemetalle die europäischen und britischen Aktien locker hinter sich gelassen haben und sich in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit den US-Aktien befinden. Während breite Aktiensektoren Gegenwind von zahlreichen angeschlagenen Sektoren zu spüren bekamen, profitierten die Basismetalle von einer zyklischen Erholung des verarbeitenden Gewerbes, einem schwachen US-Dollar und einer anziehenden Nachfrage aus China. Kupfer hat aufgrund der bisher hohen Kupferimporte Chinas im Jahr 2020 die Führung unter den Industriemetallen übernommen. Eine "Rückkehr zur Normalität" für die Weltwirtschaft und Chinas Fokus auf Wissenschaft und Technologie in seinem kürzlich angekündigten Fünf-Jahres-Plan für 2021-2025 könnte für die Industriemetalle ein gutes Vorzeichen bedeuten. 


1) „Wachstumstitel" sind Aktien, denen aufgrund ihrer Zukunftsaussichten das Potenzial zugeschrieben wird, den Markt zu übertreffen. Value"-Aktien sind Aktien, bei denen davon ausgegangen wird, dass sie unter ihrem Wert gehandelt werden, so dass sie das Potenzial haben, Gewinne zu erzielen. Value-Aktien werden in der Regel zu niedrigeren Bewertungsmultiplikatoren (z.B. Preis-Buchwert-Verhältnis) gehandelt als Wachstumstitel. Mit Stand vom 20. November 2020 ist der MSCI-Weltwachstumsindex um rund 24 Prozent (in USD) gestiegen, während der MSCI-Welt-Wertindex um rund 8 Prozent (in USD) gesunken ist.
2) Etwa 0,7-0,8 seit 1990. Quelle: WisdomTree, Stand 20. November 2020.
3) Mehr als 50 Prozent des Silberbedarfs entfallen auf industrielle Anwendungen. Quelle: WisdomTree: Silber-Institut, Stand November 2020

Dividendenzahler unter Druck: Hochzinsanleihen kommen besser durch die Krise

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Der weltweite Ausbruch von Covid-19 legte die Schwachstellen der Dividende-als-neuer-Zins-Logik offen. In der Pandemie wurden die Schwergewichte unter den Dividendenzahlern besonders stark getroffen. Während Aktionäre nicht wissen, ob und in welcher Höhe Dividenden gezahlt werden, zeigen Hochzinsanleihen aufgrund der Planbarkeit der Erträge eine deutlich bessere Entwicklung.

In den Dividenden-Aktienindizes stellt in der Regel die Finanzbranche den größten Anteil. Die europäische Finanzmarktaufsicht ESMA drängt derzeit Banken und Versicherungen angesichts der enormen wirtschaftlichen Risiken auf Zurückhaltung bei Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen. Anleger, die bei den Banken auf eine Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen im vierten Quartal gehofft hatten, wurden von der Weisung der EZB enttäuscht, dies bis mindestens Ende des Jahres zu unterlassen. Nicht nur die BaFin, sondern auch die US-Notenbank FED warnt vor einer zu entspannten Haltung der Branche bezüglich möglicher Kreditfälle.

„Anleger in Dividendenaktien sitzen im laufenden Jahr auf Kursverlusten, die ein Vielfaches der typischen jährlichen Dividendeneinnahmen entsprechen“

Nummer zwei unter den größten Dividendenzahlern, beispielsweise im STOXX Global Select Dividend, sind Immobilienunternehmen. Die Pandemie hat deutliche Spuren bei Einzelhandels-, Büro- oder Hotel-Immobilien hinterlassen. Ein Beispiel unter vielen: Der Immobilienriese Unibail-Rodamco-Westfield benötigt neues Kapital, die Aktie hatte seit Jahresanfang um bis zu 80% an Wert verloren. Alleine Immobiliengesellschaften mit überwiegend Wohnimmobilien im Portfolio wurden bislang verschont. Großzügige Kurzarbeitsprogramme und andere Maßnahmen für Privathaushalte haben hier Mietausfälle verhindert. Im Ergebnis sitzen Anleger in Dividendenaktien im laufenden Jahr oft noch auf Kursverlusten, die ein Vielfaches der typischen jährlichen Dividendeneinnahmen entspricht, während sich der breite Aktienmarkt deutlich besser schlägt.

Wie könnte eine Alternative zur Dividenden-Aktien aussehen? Ideal wäre eine Asset-Klasse, die mindestens die Ausschüttungen der typischen Dividendenzahlern bietet, die aber planbar sind. Hochverzinsliche Anleihen, ausgegeben von Unternehmen geringerer Bonität bieten dies. Natürlich soll auch hier nicht das Risiko eines Zahlungsausfalls verschwiegen werden. Die Historie zeigt aber, dass diese Risiken durch die Rendite kompensiert wurden. Tatsächlich haben US-Hochzinsanleihen über einen langen Zeitraum die Wertentwicklung der US-Aktienmarktes inklusive Dividenden übertroffen. Der lange Abwärtstrend der Zinsen, der den Aktienmarkt ganz erheblich stützte, spielt bei der Wertentwicklung aufgrund der unterdurchschnittlichen Laufzeiten von Hochzinsanleihen eine untergeordnete Rolle.

„Hochzinsanleihen haben sich 2020 aufgrund der Planbarkeit der Erträge sehr schnell wieder erholt, trotz der Verluste von Covid-19-Verlierern wie etwa am US-Energiesektor.“

Durch die Fixierung der Kuponzahlungen kamen Hochzinsanleger vergleichsweise entspannt durch das laufende Jahr. Zwar blieben ihnen ein scharfer Kursrückgang im Frühjahr nicht erspart. Während Aktionäre aber nicht wissen, wann und ob Dividenden gezahlt werden und sich Dividenden-Aktienindizes kaum erholt haben, liegen Hochzinsanleihen aufgrund der Planbarkeit der Erträge sehr viel besser. Und dies, obwohl es im Hochzins-Segment Corona-Verlierer wie etwa den US-Energiesektor gab, dessen Shale-Oil-Förderer unter dem Verfall der Ölpreise litten und einen erheblichen Anteil am Hochzinsmarkt haben.

„Notenbanken folgen der Hierarchie des Insolvenzrechtes: Gläubiger haben Vorrang vor dem Aktionär“

Dazu kommt, dass Notenbanken großes Interesse daran hatten, die Fremdkapitalversorgung der Unternehmen über den Anleihenmarkt vor Verwerfungen zu schützen. Hatte die US-Notenbank Fed zuvor schon Unternehmensanleihen hoher Bonität (Investmentgrade) gekauft, so trat sie nun als Käufer von Hochzins-Anleihen-ETFs auf. Die EZB begann wenig später mit dem Kauf von Anleihen der Unternehmen, die krisenbedingt vom Investmentgrade-Status in das Hochzins-Segment abgerutscht waren. Im Grunde folgt sie damit der Hierarchie des Insolvenzrechtes: Der Gläubiger hat Vorrang vor dem Aktionär.


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Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an.
Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögens-management und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Rentenmärkte: Von der höheren Aktienvolatilität unbeeindruckt

Der abgelaufene Monat war recht gut für Renteninvestoren, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Obwohl die Renditen schon sehr niedrig liegen, tut sich manchmal doch noch etwas. Staatsanleihen profitieren generell von der gestiegenen Aktienvolatilität, aber auch die Renditen der Euro-Peripherie, beispielsweise Italien, erreichten neue Tiefstände.

Unternehmensanleihen sind ebenfalls weitgehend unbeeindruckt von schwächeren Aktienmärkten, selbst Euro-High-Yields koppelten sich vom doch eher schwachen europäischen Aktienmarkt ab. Lediglich US-Staatsanleihen driften langsam, aber doch stetig nach oben, das ist – trotz massiver Käufe der US-Notenbank – auch dem explodierenden Budgetdefizit geschuldet. Generell ist bei US- oder UK-Anleihen heuer auch ein negativer Beitrag der Währung von bisher 4 bzw. 6 % zu berücksichtigen.

Die Anleihen der Emerging Markets konnten die Rückschläge aus dem März – gesamthaft gesehen – noch nicht wettmachen, das liegt unter anderem an den Wirtschafts- und Währungsproblemen einiger Schwellenländer. Es gibt aber auch dort gute Erträge von Titeln erstklassiger Schuldner.

Geld-/Kapitalmarkt: Forderung an Fiskalpolitik

Die kommenden Wochen und Monate dürften von den politischen Reaktionen in Bezug auf die stark gestiegenen Infektionszahlen geprägt sein: Wie weit werden neue Lockdown-Maßnahmen die Volkswirtschaften von ihrem langfristigen Wachstumspfad abkommen lassen und wie lange wird es dauern, den Weg zurückzufinden? Nach sehr guten Daten für das dritte Quartal werden die längerfristigen Prognosen wieder nach unten revidiert. Es ist zu erwarten, dass die Notenbanken bei ihren Wertpapier-Kaufprogrammen nun doch abermals positiv überraschen werden.

So sind auch die jüngsten Aussagen der EZB auf große Aufmerksamkeit gestoßen, obwohl Entscheidungen vorerst unterblieben. Für Dezember, wenn neue Prognosen vorliegen, wurde jedoch von Christine Lagarde ein Maßnahmenpaket angekündigt. Es wird mit einer Aufstockung des Ankaufprogrammes (PEPP) und erweiterten Refinanzierungsoperationen für die Banken gerechnet, es könnte sogar auch ein Zinsschritt folgen. Die EZB hat eine eher pessimistische Sicht auf das laufende Quartal und darüber hinaus eingenommen.

Staats- und Unternehmensanleihen: Weiter ein Zentrum der Stabilität

Staatsanleihen sind in Situationen hoher Aktienvolatilität ein oft gesuchter sicherer Hafen. Allerdings ist in den USA schon seit Monaten ein leichter Anstieg bei längeren Laufzeiten zu sehen.

Staatsanleihen der europäischen Peripherie, hauptsächlich Italien und Spanien, waren bislang unser stärkstes Übergewicht, das wird nun reduziert, nachdem deren Risikoprämien wieder Niveaus von Februar 2020 und damit „Vor-Covid-19-Niveaus“ erreicht haben. Bei „kerneuropäischen“ Staatsanleihen bleiben wir nach wie vor zurückhaltend.

Trotz der im Oktober gestiegenen Aktienvolatilität konnten sich Euro-Unternehmensanleihen gut halten und haben die gestiegene Risikoaversion praktisch nicht reflektiert. Wir bleiben weiterhin bei unserer Übergewichtung, da wir deren Refinanzierungsmöglichkeiten am Primärmarkt, selbst in Anbetracht eines weiteren Lockdowns, nicht gefährdet sehen. Zudem dürfte diese Assetklasse von einer erwarteten abermaligen Aufstockung des EZB-Anleiheprogramms im Dezember profitieren.

Emerging Markets: Asien (noch?) verschont

Während eine zweite heftige Covid-19-Infektionswelle über Europa schwappt, bleibt der asiatische Raum aktuell weiterhin verschont: hier gibt es wenig Neuinfektionen und eine stabile ökonomische Entwicklung. Insbesondere China lässt kaum mehr Einschränkungen der wirtschaftlichen Leistungen durch Corona erkennen. der wirtschaftlichen Leistungen durch Corona erkennen. Das lässt sich auch an der Gewinnentwicklung der asiatischen Unternehmen ablesen, die sich recht gut darstellt. Entsprechend stark auch die Performance des Aktienindex. Hingegen sind in der Peripherie der Emerging Markets, also Lateinamerika und auch Russland, damit Osteuropa, die negativen Spuren überdeutlich. In dieser fragilen Situation ist eine Untergewichtung von Emerging-Market-Hartwährungsanleihen eine der besten Möglichkeiten, um sich angesichts eines abermaligen Lockdowns und einer rückläufigen globalen Handelsaktivität zu positionieren. Aus diesem Grund haben wir diese Anleiheklasse bereits im Vormonat untergewichtet, nachdem wir hier einen Großteil des Jahres 2020 übergewichtet waren.

Die Qualität von Hochzinsanleihen steigt in der Rezession – Einstiegschancen für Investoren

Die enormen geld- und fiskalpolitischen Anreize unmittelbar im Anschluss an die Marktturbulenzen im März konnten das Anlegervertrauen wiederherstellen. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf aus erneuten Kapitalzuflüssen, Neuemissionen in beispiellosem Umfang, verringerten Rating-Herabstufungen und rückläufigen Ausfallprognosen war die Folge. Volker Kurr, Head of Europe, Institutional, und Martin Reeves, Head of Global High Yield, bei Legal & General Investment Management (LGIM) erläutern, warum sie die derzeitigen Bewertungen am Markt für Hochzinsanleihen für attraktiv halten:

Am Markt sind mittlerweile in so großem Umfang Refinanzierungen erfolgt, dass nur wenige Unternehmen noch zusätzliche Liquidität benötigen. Neuemissionen dienen jetzt eher dazu, die laufende Verzinsung zu reduzieren und ohnehin schon günstige Fälligkeitsstrukturen weiter zu strecken. Da die Renditen von Staatsanleihen eingebrochen sind, können sich selbst die so genannten „Fallen Angels“ – also Unternehmen mit gesunkener Bonität, deren Anleihe-Rating von Investment Grade auf Hochzinsniveau herabgestuft wurde – zu niedrigeren Kupons refinanzieren, als sie derzeit zahlen.

Dies deutet aus unserer Sicht darauf hin, dass die Ausfallwahrscheinlichkeiten in den Rating-Segmenten BB und B eher den Verhältnissen des Jahres 2016 als 2008 ähneln. Zwar dürfte sich im Bereich CCC eine Entwicklung wie 2008 ergeben, da Schuldner aus den Branchen Energie und Einzelhandel erneut stark unter Druck stehen, doch handelt es sich dabei heute um ein kleineres Marktsegment als in der Vergangenheit (siehe Abbildungen).

Abbildung 1: Die Bonität des globalen Hochzinsuniversums ist höher denn je

Abbildung 2: Der Markt für Hochzinsanleihen ist in Rezessionen gewachsen, aber die Bonität hat sich verbessert

BB-Anleihen dominieren Hochzinsmarkt

In den letzten Jahren war zu beobachten, dass die Zahlungsausfälle über den Marktzyklus hinweg insgesamt geringer ausfielen, weil sich die durchschnittliche Qualität von Hochzinsanleihen verbessert hat. Wie die Abbildungen zeigen, dominieren in der Benchmark mittlerweile Emissionen mit BB-Rating. Die Bonität von Hochzinsemissionen ist stetig gestiegen – und Fallen Angels haben dazu beigetragen. Nach dem Jahr 2008 wurden bei fremdfinanzierten Übernahmen Anleihen durch Loans verdrängt, da diese ohne Verpflichtung zur Einhaltung festgelegter finanzieller Anforderungen (Covenants) auskommen, leichter verfügbar sind und niedrigere Finanzierungskosten beinhalten. Nun könnten sich erstmals vom Loan-Markt ausgehend die Ausfallraten erhöhen.

Ähnlich wie nach 2008 wird das Volumen des Hochzinsmarkts unseres Erachtens deutlich zunehmen. Gründe dafür sind zum einen die gewachsene Bedeutung von Fallen Angels und zum anderen die Tatsache, dass einige notleidende Loans und direkte Kredite wahrscheinlich über Anleihen refinanziert werden dürften.

Erholung der Kurse muss noch nicht vorbei sein

Bisweilen wird die Ansicht vertreten, dass die Erholung der Kurse von Hochzinsanleihen vorbei sei, aber unserer Ansicht nach widerspräche dies den Erfahrungen aus der Vergangenheit. So gehen nach jedem starken Anstieg der Zahlungsausfälle die Insolvenzen deutlich zurück, und es kommt zu einem „Survivorship Bias“, insbesondere da Fallen Angels dann am Markt für Hochzinsanleihen ein höheres Gewicht haben.

Die Politik reagiert auf gravierende wirtschaftliche Verwerfungen stets auf dieselbe Weise: mit niedrigeren Zinsen und Anreizprogrammen. Berücksichtigt man diese positiven Faktoren in einem Umfeld, in dem die schwächsten Unternehmen bereits aussortiert worden sind, so erscheint eine deutliche Verbesserung der Ausfallraten nicht mehr überraschend. Das erklärt, warum sich der Hochzinsmarkt nach ausgeprägten Rückschlägen nicht nur recht schnell erholt, sondern weshalb diese Erholung auch über einige Jahre angehalten hat.

Im derzeitigen Umfeld mit den niedrigsten Zinsen aller Zeiten können die absoluten Erträge zwangsläufig nicht so hoch sein wie in früheren Phasen. Wir meinen jedoch, dass die Spread-Einengung immer noch ähnlichen Mustern wie in der Vergangenheit folgen dürfte, weshalb das Hochzinssegment auf risikobereinigter Basis attraktiv erscheint.

Besonders interessant an den jüngsten Marktentwicklungen war, dass die raschen Herabstufungen seitens der Rating-Agenturen bei Anleihen mit dem Status von Fallen Angels nur relativ begrenzte Auswirkungen hatten. Dies ist weitgehend auf das beispiellose Ausmaß der direkten staatlichen Unterstützung für die Unternehmen zurückzuführen. Infolgedessen haben sich absolut betrachtet die Renditechancen bei Fallen Angels verringert, da das im Kurs berücksichtigte Verlustrisiko begrenzt blieb. Jedoch hat sich dadurch möglicherweise ein attraktives risikobereinigtes Renditepotenzial in relativer Hinsicht ergeben.

Blick nach vorn

Mitte des Jahres 2021, wenn wahrscheinlich weitere Anreizprogramme auf den Weg gebracht werden, dürfte die Qualität am Markt für Hochzinsanleihen unserer Meinung nach zugenommen haben. Die Zahlungsausfälle sollten dann auf historisch niedrigem Niveau liegen, und die meisten Unternehmen dürften sich um eine Verbesserung ihrer Bonität und ihres Ratings bemühen.

Auch die Anleiherenditen werden wahrscheinlich historisch niedrig sein, wodurch sich aus fundamentaler Sicht die Bonität der Emittenten wesentlich verbessern sollte, weil die Belastung durch laufende Zinskosten sinkt. Der allgemeine Renditerückgang wird in Verbindung mit möglicherweise zunehmenden Sorgen hinsichtlich der Stabilität von Dividenden und Mieteinnahmen wahrscheinlich eine zunehmend verzweifelte Suche nach laufenden Erträgen auslösen. Damit einhergehen dürfte der dringende Wunsch, Zahlungsausfälle zu vermeiden, da die erzielten Erträge Verluste nicht mehr decken würden.

In dem skizzierten Umfeld sinkender Zahlungsausfälle könnte diese Kombination von Faktoren unserer Meinung nach die Spreads auf Rekordtiefs drücken und eine starke Nachfrage nach Hochzinsanleihen schaffen.

Digitalisierung verbessert die Diabetes-Behandlung

von Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare, apoAsset.

Die Zahl an Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, steigt immer weiter an. Die gute Nachricht: Diabetes ist wahrscheinlich das Krankheitsbild, bei dem bereits heute die Digitalisierung des Gesundheitswesens am wirkungsvollsten ist. In diesem Bereich engagieren sich immer mehr Unternehmen. Für die Behandlung könnte es einen Durchbruch jenseits der Medizintechnik geben.

Laut dem aktuellen Atlas der International Diabetes Federation haben 463 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 79 Jahren Typ2-Diabetes. Hinzu kommen noch einmal ca.1,1 Millionen Menschen, die an Typ1-Diabetes erkrankt sind. Sie produzieren kein körpereigenes Insulin mehr und müssen regelmäßig Insulin spritzen. Die Erwartung ist, dass sich diese Zahl bis zum Jahre 2045 auf 700 Millionen Menschen erhöht.

Prävention als Herausforderung

Insgesamt 10 % der weltweiten Gesundheitsausgaben fließen heute in die Behandlung von Diabetespatienten. Das sind 760 Mrd. US-Dollar. Insbesondere in den Schwellenländern ist Diabetes deutlich auf dem Vormarsch. Die Herausforderungen für Patienten, Ärzte und Gesellschaft sind komplex. Die größte liegt in der Prävention. Wird die Krankheit diagnostiziert, geht es darum, die Versorgung zu optimieren und die vorhandenen Therapiemöglichkeiten optimal aufeinander abzustimmen. Die Diabetes-Diagnose ist heutzutage kein Todesurteil mehr und die vorhandenen Behandlungsoptionen ermöglichen es Patienten immer mehr, ein weitestgehend „normales“ Leben zu führen.

Symbiose von Technologie und Gesundheit

Vermutlich ist Diabetes das Krankheitsbild, bei dem die Symbiose von Technologie und Gesundheit bereits heute am wirkungsvollsten ist. Verschiedene Apps auf mobilen Endgeräten erleichtern Patienten den täglichen Umgang mit der Krankheit. Zudem gibt es Unternehmen wie Livongo, die mittels ganzheitlicher Datenerhebung vornehmlich Typ2-Patienten digital 24/7 betreuen und somit aktives Gesundheitsmanagement der Patienten betreiben. Das Unternehmen hat sich Ende Oktober mit dem Marktführer der Telemedizin Teladoc zusammengeschlossen und gemeinsam wird für 2021 ein Umsatz von 2 Mrd. US-Dollar angestrebt.

Immer mehr Unternehmen engagieren sich auf dem Markt

Ein Bereich, der sich aktuell ebenso rasant entwickelt, ist die konstante Blutzuckermessung. Die Unternehmen Dexcom und Abbott sind hier die Marktführer und ermöglichen es vornehmlich Typ1- Patienten, rund um die Uhr über ihren Blutzuckerspiegel informiert zu sein und bei Bedarf einzugreifen. Aufgrund der einfachen Handhabung drängen die Unternehmen mehr und mehr auch in den wesentlich größeren Markt von Typ2-Patienten.

Die Krux der Automatisierung

Auch wenn es heute noch keine zugelassene Kombination von konstanter Blutzuckermessung und automatisierter Insulinzuführung mittels Algorithmen gibt, so stehen wir doch kurz vor diesem Durchbruch. Das Minimed 670G System von Medtronic kommt diesem Ziel schon sehr nahe. Ein schwerwiegendes Hindernis ist – wie immer, wenn der Mensch sich die Technologie zu Nutzen macht – die Sicherheit. Die Kernfrage lautet: Wie kann verhindert werden, dass ein Außenstehender die Insulinabgabe manipuliert?

Die Rolle der Gentherapie steigt

Schon heute ist absehbar, dass die Medizintechnik nicht die finale Lösung zur Behandlung von Diabetes sein wird. Ein zentrales Feld der Entwicklung von Therapeutika ist vielmehr die Gentherapie. Im Gegensatz zu anderen Krankheitsbildern ist Diabetes schon relativ gut verstanden und ein Durchbruch könnte hier eher als bei anderen Krankheiten gelingen.


Über Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare, apoAsset

Kai Brüning ist seit 2011 Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset und Mitglied der Life Science Kommission der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Diplom-Kaufmann und DVFA Investment Analyst verfügt über 20 Jahre Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Als mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager verantwortet er unter anderem die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist einer der führenden Anbieter von Anlageprodukten mit Gesundheitsprofil. Seit über 20 Jahren entwickelt und managt das Unternehmen Investmentfonds für private und institutionelle Anleger. Weitere, langjährige Schwerpunkte sind Multi-Asset-Fonds sowie Rentenfonds. apoAsset wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem vom Anlegermagazin „Focus Money“ als eine der besten Fondsanlage-Gesellschaften Deutschlands. Die Fondsmanager der apoAsset bilden zusammen mit der Beteiligung am Biotech-Investment- Spezialisten Medical Strategy GmbH, einem hochkarätigen wissenschaftlichen Beirat sowie den Gesellschafter Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Derzeit verwalten das Unternehmen ein Fondsvermögen von insgesamt rund 3,5 Mrd. Euro.
Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Renditechancen mit Hybridanleihen

von Roman Swaton, Head of Credits der Erste Asset Management.

Das aktuelle Zinsumfeld liefert für Sparer, die traditionell in Anleihen vorsorgen wollen, wenig Anlass zur Freude. In den Tagen nach dem Weltspartag stimmt diese Tatsache vermutlich noch einmal nachdenklicher.

So ist der Anteil von Anleihen, die Renditen von weniger als einem Prozent abwerfen, sukzessive über die Jahre gestiegen. Bei einem breit gestreuten Anleihen-Index wie bspw. dem ICE BofA Global Fixed Income Markets beläuft er sich aktuell auf 66%, was einem historischen Höchstwert entspricht, vergleiche auch Grafik 1. (Der ICE BofA Index umfasst Staatsanleihen, Pfandbriefe, Unternehmens- und Bankanleihen aus den Ländern USA, Japan, Kanada, Australien, EU-Europa sowie UK und Schweiz mit einem Investment Grade-Rating.)

Grafik 1: Anteil der Anleihen mit einer Rendite <1% am globalen Fixed Income-Markt

Quelle: ICE BofA Global Fixed Income Markets Index, 28. Okt. 2020

Rendite bei Hybridanleihen (nachrangige Unternehmensanleihen) mit guten bis sehr guten Bonitäten interessant

Trotz all der expansiven geldpolitischen Maßnahmen seitens der Notenbanken, gibt es noch zumindest eine Fixed Income Subassetklasse mit überschaubarem Kreditrisiko aus entwickelten Volkswirtschaften, wo der Rendite suchende Investor fündig werden kann. Wir denken hier an nachrangige Unternehmensanleihen, wo die nachrangigen Emissionen selbst noch über ein Investment Grade-Rating (gute bis sehr gute Bonität) verfügen.

In der Grafik 2 werden diese als „Hybrids IG“ bezeichnet, wobei „IG“ als Abkürzung für Investment Grade steht und bei „Hybrids“ handelt es sich um die englischsprachige Bezeichnung für diesen Anleihentypus ob seiner Zwitterstellung zwischen Fremd- und Eigenkapital. Mit Stichtag 28. Oktober 2020 offerierte der entsprechende Index eine Rendite (effektiv) von 2,07% bei einem überschaubaren Zinsrisiko, charakterisiert anhand einer Duration von 4,28 Jahren.

Verglichen beispielsweise mit einem EMU-Staatsanleihenindex („Euro Govt“ in Grafik 2), wo die Rendite bei minus (sic!) 0,18% liegt, ist das ein nicht geringer Renditeaufschlag. Dieser Renditeaufschlag mutet noch einmal größer an, wenn man das deutlich höhere Zinsrisiko der EMU-Staatsanleihen anhand der Duration von 8,66 Jahren mitberücksichtigt.

Grafik 2: Aktuelle Rendite diverser Fixed Income Assetklassen (EUR ungesichert)


Quelle: ICE BofA Indizes zum 28. Okt. 2020

Wie Grafik 3 zeigt, hat sich zuletzt der Renditeaufschlag von nachrangigen Unternehmensanleihen (Hybrids IG) gegenüber vorrangigen Unternehmensanleihen (Non-Financials) im IG-Bereich erhöht. Diese Renditedifferenz ist durch die graue Fläche im Zeitablauf in Grafik 3 veranschaulicht und belief sich zuletzt auf 1,7%-Punkte, wie man an der rechten vertikalen Achse ablesen kann.

Unseres Erachtens sind es vor allem zwei Faktoren, die für den Anstieg der Renditedifferenz seit Ausbruch von Covid-19 Anfang des Jahres verantwortlich sind:

  1. Senior Unternehmensanleihen mit IG-Rating werden von der EZB im Rahmen ihres sogenannten Corporate Sector Purchase Programme (CSPP) angekauft. Zuletzt belief sich der Bestand bei der EZB auf EUR 245,1Mrd., was ca. 14% der Marktkapitalisierung eines gängigen Index entspricht. Berücksichtigt man nur jene Unternehmensanleihen, die sich überhaupt für das CSPP qualifizieren – es fallen bspw. Nicht-Eurozonen-Emittenten weg -, so wäre diese Quote noch höher.
  2. Der Hybrid-Markt musste zuletzt einiges Neuangebot verdauen. Denn zahlreiche Neuemissionen in den Monaten September und Oktober lassen das Kalenderjahr 2020 ein Rekordemissionsjahr für nachrangige Unternehmensanleihen werden mit ca. EUR 40Mrd an Neuemissionen.

Grafik 3: Senior Unternehmensanleihen (Non-Financials) versus Nachrangige

Quelle: ICE BofA Indizes

Fazit: Positives Bild für Hybridanleihen (nachrangige Unternehmensanleihen) mit guter bis sehr guter Bonität

Das technische Bild sollte nun die Assetklasse aber zumindest in naher Zukunft unterstützen. Viele Unternehmen emittieren Aktien statt Hybridkapital (z.B. Energias de Portugal, Vonovia, Unibail-Rodamco). Andere Unternehmen wie BHP Billiton und RWE reduzieren ihr ausstehendes Hybrid-Exposure. Der Hybrid-Markt ist durch eine defensive Branchenstruktur gekennzeichnet. Die beiden Sektoren Versorger und Telekommunikation machen ca. 40% aus.

Im IG-Bereich beläuft sich das Exposure gegenüber Peripherieländern nur auf 6% des Marktes. Trotz Kürzungen von Dividenden und staatlicher Eigenmittelspritzen ist das Risiko von Laufzeitverlängerungen durch Nichtkündigung zum ersten Kündigungstermin gering. Dieses sogenannte Extension-Risiko ist vorwiegend durch Spreadniveaus getrieben. Da wir keine nennenswerte Spreadausweitung sehen, sehen wir auch nur ein überschaubares Extensionrisiko.

Das Risiko von Kuponstundungen betrachten wir ebenfalls als relativ gering. Die im Oktober erlassene Durchführungsverordnung des deutschen Wirtschaftsstabilisierungsfonds beispielsweise untersagt nur die Leistung von Dividenden oder sonstigen Gewinnausschüttungen während der Stabilisierungsmaßnahme, nicht aber Kuponzahlungen. Obendrein unterstützt die Suche nach Rendite diese Assetklasse.

In der Top Down-Perspektive bewerten wir die Assetklasse als attraktiv. In der Bottom Up-Perspektive gilt es selektiv vorzugehen.

ERSTE BOND CORPORATE PLUS

Ein mögliches Produkt, um am Ertragspotenzial von Hybridanleihen (nachrangigen Unternehmensanleihen) zu partizipieren, stellt der Fonds ERSTE BOND CORPORATE PLUS dar. Aus Gründen der Diversifikation werden den Unternehmensanleihen auch Bank- und Versicherungsanleihen im Ausmaß von ca. 25% des Fondsvermögens beigemischt.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

COVID-19-Impfstoff verleiht Markt für Unternehmensanleihen neuen Aufwind

von Mondher Bettaieb-Loriot, Head of Corporate Bonds bei Vontobel Asset Management.

Das ohnehin schon freundliche Umfeld für Unternehmensanleihen entwickelter Märkte ist mit der Ankündigung eines potentiellen COVID-19-Impfstoffs noch freundlicher geworden. Pfizer und BIoNTech sind die ersten Arzneimittelhersteller, die glaubwürdige positive Ergebnisse ihrer COVID-19-Studien vermelden können. Es scheint, als könnte ihr Impfstoff 90% der Infektionen verhindern. Die Anlageklasse der Unternehmensanleihen dürfte davon besonders profitieren, da zum jetzigen Zeitpunkt die Erholungsphase des Kreditzyklus im Jahr 2021 eine sichere Sache zu sei scheint.

Gegenwärtig stützen die Unternehmen ihre Bilanzen mit Barmitteln, nachdem die Ergebnisse im zweiten und dritten Quartal deutlich besser als erwartet ausgefallen sind. Die verbesserten Unternehmensergebnisse gehen auch mit positiven Gewinnrevisionen einher. Dies ist ein Indiz dafür, dass der Kreditzyklus schneller als erwartet durchlaufen und dass die Erholungsphase wohl Anfang nächsten Jahres erreicht sein wird. Die Erholungsphase dürfte sich im Verlauf des nächsten Jahres weiter verfestigen, wobei sich EBITDA und Cashflows schneller als erwartet erholen dürften. Somit können Investoren über schwächelnde makroökonomische Daten, die COVID-19 verursacht hat, hinausblicken – dank der Anpassungen von Unternehmen, Einzelpersonen und Regierungen, welche die Weichen dafür gestellt haben, die Unternehmen über Wasser zu halten. Die fiskalpolitischen Maßnahmen, die sowohl in den USA als auch im europäischen Raum aufgestockt werden sollen, sollten dafür sorgen, dass die Erholung mit einer Rückkehr zu Vor-COVID-Niveaus bis spätestens Q4 2021 abgeschlossen sein wird. Bereits seit diesem Sommer kann festgestellt werden, dass die Investitionstätigkeiten und -absichten der Unternehmen zugenommen haben. Das ist ein weiteres gutes Omen für die Erholungsphase des Kreditzyklus.

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Die Erholungsphase ist in der Regel der Sweet Spot für Unternehmensanleihen und Kreditspreads, da die Unternehmen ihre Cashflows weiter steigern, tendenziell zum Vorteil von Anleihegläubiger handeln und letztlich Leverage reduzieren. In einer solchen Phase schrumpfen die Spreads in der Regel, und wir gehen davon aus, dass sich die Spreads im Mid-Yield-Bereich weiter verengen werden, da sie bisher noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben.

Nun zur US-Notenbank Fed: Auf dem Symposium in Jackson Hole legte der Fed-Vorsitzende Jay Powell Revisionen der Langzeitziele vor, womit bestätigt wurde, dass die Fed über den Mangel an Inflation besorgt ist. Tatsächlich kündigte die Fed an, dass sie ihre Inflationsstrategie von einem vorausschauenden symmetrischen Inflationsziel von 2% auf eine im Zeitdurchschnitt angestrebte Inflation von 2% umstellt. Die Fed glaubt, dass dies ihr Inflationsziel besser artikulieren und ein besseres Wirtschaftswachstum sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützen wird.

Das Streben nach einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% bedeutet, dass die Fed die Zinssätze auf Null halten wird, bis die Inflation im Durchschnitt 2% erreicht, was noch einige Jahre dauern kann. Man kann sogar davon ausgehen, dass die Fed die Zinssätze für längere Zeit nicht anheben wird, selbst wenn die Inflation einige Jahre lang über 2% liegen sollte. Somit ist es wahrscheinlich, dass die Zinsen in den USA bis 2024 auf der effektiven Untergrenze oder bei Null bleiben werden.

Diese Entwicklungen bei der US-Notenbank Fed sind für die Stimmung an den Märkten für Unternehmensanleihen in den Industrieländern äußerst positiv. Sie dürften die Anleger dazu ermutigen, ihre Allokationen zu Unternehmensanleihen zu erhöhen, da sich ihre Zweifel an der konjunkturellen Erholung lichten sollten. Die Veröffentlichung der erfolgreichen Testergebnisse für einen COVID-19-Impfstoff verleiht der Erholung nun eine zusätzliche Dimension und kurbelt so die Nachfrage nach Unternehmensanleihen an. Sobald die Unsicherheit abnimmt, dürfte die Jagd nach Renditen im Kontext ewig niedriger Zinsen wieder beginnen, zumal der Höhepunkt fundamentalen Kreditrisiken überschritten sein dürfte.

Bei der Erholung geht es um eine Verbesserung der Kreditkennzahlen. Das gesunkene Kreditrisiko hat bereits begonnen, sich zu manifestieren, wobei sich die Bonitätsveränderungen dank risikomindernder Maßnahmen, wie z.B. niedrigere Dividendenzahlungen, ausgesetzte Aktienrückkäufe, reduzierte M&A-Transaktionen sowie erneute Cashflow-Generierung, stabilisiert haben.


Vontobel Asset Management

Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen überzeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.

Mehr über Vontobel Asset Management finden Sie auch hier bei Twitter.

Auf Renditenjagd

Weltweit und schon seit der großen Finanzkrise vor 12 Jahren befinden sich Anleiherenditen in einer ständigen Abwärtsspirale. Die Covid-19-Pandemie hat diesen Trend nur noch beschleunigt. Es war die beispiellose Intervention der Zentralbanken, die fast durchgängig für einen weiteren Renditeneinbruch bei Staatsanleihen sorgte, während das Angebot zugleich in die Höhe schoss. Anleger, die in festverzinsliche Produkte investieren, geraten auf ihrer Jagd nach Renditen in ein zunehmendes Dilemma zwischen Risiko und Ertrag. Unter den festverzinslichen Wertpapieren sind – zumindest im historischen Vergleich – keine wirklich attraktiven Investitionschancen mehr auszumachen. Gesucht wird daher nach „nicht ganz so hässlichem Zeug“, was Anleger unweigerlich auf die Spur der Spread-Produkte bringt – von Staatsanleihen der EU-Peripherie über Unternehmensanleihen bis hin zu Schuldtiteln aus Schwellenländern. In diesem Newsflash wollen wir eine Kurzbetrachtung über den aktuellen Stand in diesem Anlageuniversum anstellen.

Staatsanleihen der EU-Peripherie

Seit zehn Jahren tut sich viel in der EU, auch wenn sich der Übergang zur Steuerunion manchmal anfühlt, als würde man Farbe beim Trocknen zusehen. Die Covid-19-Pandemie dürfte sozusagen den entscheidenden Anstoß zur Überquerung des Rubikon gegeben haben. Mit dem Corona Recovery Fund, einem mit EUR 750 Mrd. dotierten Wiederaufbaufonds, wird die Eurozone erstmals in größerem Ausmaß gemeinsame Schulden aufnehmen. Nix ist fix, aber eine Trendumkehr wird so immer unwahrscheinlicher. Es dürfte daher „nur“ eine Frage der Zeit sein, bis die Eurozone zur Steuerunion und der Großteil der Staatsschulden vergemeinschaftet wird.

Das bedeutet jedoch weder eine baldige Konversion der diversen Länder-Spreads noch Renditengleichheit unter den Anleihen der Euro-Staaten. Bis zur Vergemeinschaftung der Schulden (falls sie je kommen sollte) werden wohl noch Jahrzehnte vergehen, und auf dem Weg dahin könnte noch viel schieflaufen, zumindest für einzelne Länder. Nehmen wir etwa Italien. Es ist noch gar nicht so lange her, dass um ein Haar euroskeptische Parteien in Rom die Macht an sich gerissen hätten. Der Wiederaufbaufonds und vor allem die Perspektiven, die er eröffnet, machen den Austritt aus der Eurozone für alle Länder nun aber sehr viel unattraktiver. Die Dinge könnten sich trotzdem noch zum Schlechteren wenden. Bedienung und Rollierung der eigenen Schulden bleiben auf absehbare Zeit Aufgabe der einzelnen Länder, ebenso die Gestaltung der Wirtschaft, und die Innenpolitik könnte jederzeit für Überraschungen sorgen. Das hält die Spreads in Bewegung, und es wäre naiv anzunehmen, dass jene an der Peripherie ab sofort Einbahnstraßen sind.

Insgesamt scheinen periphere Spreads derzeit etwas ins Stocken geraten zu sein, und ohne starken neuen Katalysator wird sich wohl nicht viel in die eine oder andere Richtung bewegen. Bis dahin sehen wir bei Staatsanleihen von Peripherieländern wenig Grund für eine deutlichere Richtungswette. Dennoch können wegen großer Unterschiede in der Wachstumsdynamik, Reformgeschwindigkeit etc. von Peripherieländern (vorübergehende) Paarkontrakte in Einzelfällen immer noch zusätzliche Renditepotenziale erschließen.

Unternehmensanleihen

Lange Zeit hindurch stellten Unternehmensanleihen für die meisten Anleger die beste Möglichkeit dar, in einem Niedrigzinsumfeld Renditen zu erzielen. Auf den rabiaten Abverkauf im Frühjahr folgte bald eine erneute Jagd nach jeder Unternehmensanleihe, die einen einigermaßen guten Renditeaufschlag bot. Nun, nicht nach jeder. So begierig Anleger sind, Unternehmensanleihen in die Finger zu bekommen, so nervös werden sie, wenn der Emittent einem erhöhten Ausfallrisiko ausgesetzt ist. Somit bleibt die Volatilität bei Einzeltiteln hoch, auch wenn das Emissionsvolumen insgesamt in diesem Jahr neue Rekorde aufstellen dürfte, und weiterhin Geld in den Markt strömt. Rating-Agenturen waren schnell bei der Hand, als es im Frühjahr galt, Anleiheemittenten massiv herabzustufen, und sie entwarfen düstere Ausfallszenarien. Ihren Eintritt verhinderte nur eine beispiellose fiskalische und monetäre Unterstützung. Vom mächtigen Strom der Rating-Herabstufungen in den letzten Monaten ist nur noch ein kleines Rinnsal geblieben. Doch völlig verschwunden sind die Ausfallrisiken nicht. Traditionell weisen die USA aus vielerlei Gründen deutlich höhere Ausfallraten auf als Europa. Das dürfte auch so bleiben. Moody's zum Beispiel schätzt die Ausfallrate 2021 für Europa auf 4,9 %, jene für die USA auf 9,1 %.

Schon der geringste Hinweis auf Turbulenzen kann einzelne Anleihen tatsächlich in einem Augenblick zu Fall bringen. Deshalb gilt es mehr denn je, Positionen, Branchen und makroökonomische Entwicklungen ständig und intensiv zu beobachten. Gute Diversifizierung und die richtige Größe der Positionen sind immer noch wichtige Schutzmaßnahmen, weil es schwierig sein kann, Stop-Losses richtig zu treffen, wenn sich alle gleichzeitig durch denselben schmalen Ausgang quetschen.

Im Zusammenhang damit bildet sich seit einigen Monaten ein interessanter Trend heraus. Großanleger bemühen sich um die Kumulierung von Positionen, doch das zu geringe Angebot auf den Sekundärmärkten macht ihren Kaufbestrebungen oft einen Strich durch die Rechnung. Also bieten sie aggressiv auf dem Primärmarkt, was wiederum die Anleihepreise auf dem Sekundärmarkt in die Höhe treibt. Infolgedessen und anders als bei „normalem“ Marktverhalten kann es sich in dieser Situation lohnen, Anleihen von Emittenten zu besitzen, die gerade erst dabei sind, den Markt anzuzapfen. Übrigens schafft das auch Möglichkeiten für relativ kleinere Investoren wie unsere Fonds. Da es uns meist gelingt, die von uns benötigten Volumina auf den Sekundärmärkten zu halten, profitieren wir bis zu einem gewissen Grad von diesen Schwierigkeiten der sehr großen Anlieger.

Da wir gerade von Corporate Bond Funds und damit von Raiffeisen 304 - Euro Corporates und Raiffeisen-Europa-HighYield sprechen – sie haben sich in diesem schwierigen Umfeld recht gut geschlagen. Unser Fokus auf eine angemessene Diversifizierung, ein eher defensiver Ansatz bei der Auswahl der Branchen und Emittenten und die opportunistische Nutzung von Chancen haben sich fast das ganze Jahr über gelohnt. Weniger gut als die Outperformance von Titeln geringerer Qualität hat in den letzten Wochen unsere etwas defensive Positionierung funktioniert. Wir hatten solche Phasen aber auch schon in der Vergangenheit und bleiben angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Herausforderungen bei unserem Qualitätsfokus.

Die zukünftigen Renditeerwartungen sind eher gedämpft: Die aktuellen Marktrenditen deuten für Euro-Unternehmen mit Investment-Grade über die nächsten 12 Monate bestenfalls auf eine Jahresrendite von nominell 0,5-1 % hin, es sei denn, es käme zu substanziellen Bewegungen bei den Spreads und Renditen von Staatsanleihen. Für Euro-Hochzinsanleihen mag die derzeitige nominelle Rendite von ~4,5 % zunächst faszinierend erscheinen, doch es gilt auch eine gewisse (bescheidene) Spreadausweitung und höhere Ausfallraten in den nächsten 12 Monaten zu berücksichtigen. Die Unternehmensgewinne sind schließlich rückläufig, der Verschuldungsgrad steigt, und die derzeitige Wirtschaftslage sieht nicht gerade rosig aus. Je nach den gewählten Szenarien und Annahmen liegen die nominellen Hochzinsrenditen (für die wahrscheinlichsten Szenarien) irgendwo zwischen leicht positiv und leicht negativ. In diesem Zusammenhang sollte man bedenken, dass die EZB ja Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating und nicht Hochzinsanleihen kauft. Die aktuellen Spreads bieten, wie schon eine ganze Weile, nur geringen (bei hohen Renditen) oder gar keinen (bei Investment-Grade-Anleihen) Schutz vor steigenden Zinsen. Andererseits werden die Zentralbanken auf absehbare Zeit einen massiveren Anstieg der Marktrenditen wohl zu verhindern wissen. Natürlich noch eine ganz andere Sache sind die realen Renditen.

Schwellenländeranleihen

Im Frühjahr kam es zu einem Abverkauf von Anleihen aus Schwellenländern (EM), doch diese haben den Großteil der Verluste bereits wieder wettgemacht. Hartwährungsanleihen haben sich hierbei deutlich besser bewährt als Anleihen in lokaler Währung. Letztere erholten sich zunächst, tendierten dann aber gegenüber dem US-Dollar mehr oder weniger seitwärts. Mit der Stärkung des Euro befinden sich Anleihen in lokaler Währung für Investoren mit Euro-Fokus im Klaren – zweistelligen – Abschwung, während sich Hartwährungsanleihen für das Jahr um Null eingependelt haben. Was die Mittelflüsse in Fonds betrifft, so investieren Anleger wieder vermehrt in Schwellenländeranleihen in Hartwährung, meiden aber nach wie vor Anleihen in lokaler Währung. Zugleich fallen die absoluten Renditen von EM-Hartwährungsanleihen im historischen Vergleich mit langfristigen US-Dollar-Renditen von derzeit durchschnittlich 5 % sehr niedrig aus. Der Spread von in Dollar denominierten EM-Anleihen gegenüber US-Staatsanleihen liegt mit rund 415 Bp etwa in der Mitte zwischen den jüngsten Extremwerten. Das impliziert für die kommenden Jahre ein angemessenes Renditepotenzial durch die Spread-Einengung und bietet einen gewissen Schutz vor leicht steigenden Treasury-Renditen. Diese Umstände und die höhere Rendite weisen Hartwährungsanleihen der Schwellenländer als nützliche Ergänzung zu globalen Anleiheportfolios aus. Ein massiver Anstieg der Renditen von US-Treasuries ist angesichts der Zusage der Fed, die Zinsen insgesamt längerfristig niedrig zu halten und jene für Treasuries nur leicht anzuheben, unwahrscheinlich, würde er doch einen globalen Wirtschaftsaufschwung implizieren, der wiederum positive Auswirkungen auf Schwellenländeranlagen hätte. Beide Effekte würden sich wohl gegenseitig aufheben oder hätten unter dem Strich positive Auswirkungen auf Schwellenländer-Hartwährungsanleihen. Sollte der besagte globale Aufschwung ausbleiben, dürften die Renditen der Treasuries noch weiter sinken und Schwellenländeranleihen gleich mit sich ziehen. Allerdings könnten sich in einem solchen Umfeld auch einzelne Länderrisiken und Volatilitäten stärker bemerkbar machen.

Eine nachhaltige globale Konjunkturerholung wäre, falls sie eintritt, höchstwahrscheinlich sehr vorteilhaft für Anleihen in lokaler Währung. Bei einer Fortsetzung der historischen Muster und Korrelationen käme ein dynamischeres globales Wachstumsumfeld insbesondere der Wirtschaft der Schwellenländer zugute und ginge zugleich mit einer Dollarschwäche einher, was wiederum die meisten EM-Währungen stützen würde. Ähnlich wie bei Unternehmensanleihen gehen Investoren aber auch im EM-Raum sehr selektiv vor. Stärkere Länder sind gefragt, schwächere werden gemieden. Wir setzen bei unseren EM-Anleihefonds seit langem auf Qualität, und das gegenwärtige Umfeld spricht zusätzlich dafür. In unserem Anleihefonds in lokaler Währung, dem Raiffeisen-EmergingMarkets-LocalBonds, halten wir Positionen in schwächeren Ländern wie Brasilien, der Türkei und Südafrika recht gering oder haben sie ganz abgestoßen. Das funktioniert gut, auch wenn in den letzten Wochen, ähnlich wie bei Hochzins-Unternehmensanleihen, eine Rallye der Emittenten geringerer Qualität zu verzeichnen war. Da wir gerade davon sprechen und wenn wir uns nun Mittel- und Osteuropa zuwenden, so beobachten wir die Türkei sehr genau, um feststellen zu können, ob wir unser Exposure wieder aufbauen können. Die weitgehende Vermeidung von Anleihen in türkischer Währung hat sich bezahlt gemacht, aber wir sehen auch erste Anzeichen für ein vorläufiges Ende der Abwertung der Lira. Wenngleich die strukturellen wirtschaftlichen Probleme des Landes nicht so bald verschwinden dürften, haben die Märkte viele negative Entwicklungen bereits eingepreist und die Lira seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro auf eine Talfahrt von rund 40 % geschickt. Der russische Rubel profitiert hingegen von den wesentlich solideren wirtschaftliche Fundamentaldaten des Landes im Vergleich zur Türkei, hatte aber unter erneuten politischen Risiken und der Androhung zusätzlicher Sanktionen zu leiden. Gegenüber dem Euro musste der Rubel 2020 rund 24 % abgeben. Das scheint doch etwas übertrieben, selbst wenn man den niedrigeren Ölpreis und die Risiken weiterer Sanktionen des Westens in Betracht zieht.

Spread-Produkte im Rahmen unserer taktischen und strategischen Vermögensallokation

Generell setzen wir in unseren gemischten (Anleihen-) Portfolios und in unserer taktischen Vermögensallokation nach wie vor sehr stark auf Unternehmensanleihen. Doch während wir an Unternehmen mit Investment-Grade-Rating festhalten, haben wir im Rahmen unserer taktischen Vermögensallokation erst kürzlich unser Engagement in Hochzins- und Hartwährungsanleihen der Schwellenländer reduziert. Wir erwarten für diese Märkte kurzfristig steigende Risiken und eine potenziell höhere Volatilität (US-Wahlen, weiterer Anstieg der COVID-19-Infektionen in vielen Ländern, keine neuen Impulse in naher Zukunft).

Was die langfristige, strategische Vermögensallokation betrifft, so nutzten wir die Schwäche der Spread-Produkte zu einer deutlichen Erhöhung unserer Position im ersten Quartal des Jahres. Bei enger werdenden Spreads und sinkenden Renditen nahmen wir Gewinne aus diesen Positionen mit und bauten sie ab oder verkauften sie ganz (z. B. italienische Staatsanleihen). Unternehmens- und Schwellenländeranleihen (in Hart- und lokalen Währungen) sehen wir auch in den nächsten Jahren noch als einigermaßen attraktive Anlageklassen. Aus diesem Grund werden wir sie weiterhin in unseren strategischen Vermögensallokationsportfolios halten.

Covid-Impfstoff: Pfizer, BioNTech und der Anfang vom Ende?

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Am 9. November gab Pfizer in einer Presseaussendung einen ersten Vorgeschmack auf die Ergebnisse der Phase 3 Studie des gemeinsam mit dem deutschen Unternehmen BioNTech entwickelten Covid Impfstoffes. Mit einer geschätzten Wirksamkeit von 90% und dem Beginn der Impfkampagne womöglich schon im Jänner 2021 zeichnet sich Licht am Ende des Tunnels ab. Einige Hürden bleiben aber noch.

Wie wird die Impfstoffwirksamkeit bestimmt?

Alle momentan laufenden Phase 3 Studien für Covid-Impstoffe laufen nach dem selben Schema ab. Die Studienteilnehmer (ca. 45000) werden blind in eine Placebo- und eine Behandlungsgruppe geteilt. Weder die Teilnehmer noch die Wissenschaftler wissen wer in welcher Gruppe ist. Die Teilnehmer gehen ihrem gewöhnlichen Alltag nach und melden sich bei den Studienzentren im Fall von Nebenwirkungen und bei einer nachgewiesenen Covid-Erkrankung. Bei genügend festgestellten Covid-Erkrankungen kommt es zu einer Interim-Analyse (IA) in der dann erst eruiert wird wie viele der Erkrankten in der Behandlungsgruppe waren. Im Zuge der IA nach 94 Fällen konnte Pfizer nun eine Wirksamkeit von 90% feststellen, was darauf hindeutet, dass mindestens 85 der Erkrankungen in der Placebogruppe aufgetreten sind und maximal 9 in der Behandlungsgruppe – ein beachtlicher Erfolg.

Wie schnell kann der Impfstoff verteilt werden?

Sowohl die USA als auch die EU haben den Impfstoff von Pfizer bereits bestellt. Pfizer rechnet mit einer Produktion von 50 Mio. Dosen noch 2020 und 1,3 Mrd. Dosen für 2021. Es handelt sich um einen zweidosigen Impfstoff, daher können bis Ende 2021 ca. 600 Mio. Menschen geimpft werden – ein bisschen weniger als die Bevölkerung der EU und der USA, aber vermutlich genug um die Pandemie zumindest dort zu stoppen. Wenn man die Schweinegrippe-Pandemie als Szenario heranzieht, erscheint es durchaus möglich, dass in den westlichen Ländern monatlich 5-10% der Bevölkerung immunisiert werden können. Zwei Herausforderungen bleiben aber: der Impfstoff von Pfizer muss bei -70°C gelagert und transportiert werden, was die Einrichtung zentraler Impfstellen mit entsprechendem Equipment voraussetzt. Zudem setzt die Immunität erst 7 Tage nach der letzten Impfdosis, die 28 Tage nach der ersten Dosis verabreicht wird, ein. Es vergeht also mehr als ein Monat zwischen dem ersten Nadelstich und der Immunität. Der Impfstoff muss zudem noch separat für Kinder getestet und zugelassen werden.

Was kann jetzt noch schiefgehen?

Auch wenn der Leidensdruck in Gesellschaft und Wirtschaft momentan sehr hoch ist, sollte nicht das Kind mit dem Badewasser ausgeschüttet werden. Durch die lange Dauer zwischen Injektion der ersten Dosis und Immunität wäre ein Beginn der Impfkampagne vor den Familienzusammenkünften zu Weihnachten vermutlich unklug, da man hier Gefahr läuft, die Geimpften in falscher Sicherheit zu wiegen. Da aber ohnehin zuerst medizinisches Personal, Ordnungskräfte (Polizei, Rettungsdienste, etc.) und Bewohner von Kranken- und Pflegeanstalten geimpft werden, ist dieses Risiko nicht allzu hoch. Nichtsdestotrotz werden Social Distancing Maßnahmen den Großteil des Jahres 2021 kennzeichnen. Geringeres Risikobewusstsein, die Aussicht auf einen Impfstoff und die ohnehin schon vorherrschende Pandemie-Müdigkeit könnten zu einem Ansteigen der Fallzahlen und in letzter Konsequenz neuerlich zu Lockdowns führen.

Bedrohen Mutationen die Effektivität des Impfstoffes?

Die zuletzt in Dänemark von Nerzen auf Menschen übertragene mutierte Virusvariante zeigt zwar 5 Mutationen am für die Impfstoffe entscheidenden Spike Protein auf der Virushülle, Grund zur Besorgnis gibt es deswegen aber noch nicht. Zum einen ist der Ausbruch dieser Variante noch auf eine kleine Region im Norden Dänemarks begrenzt und selbst bei einer größeren Ausbreitung ist im ungünstigen Fall derzeit nur mit einer verringerten Impfstoffeffektivität zu rechnen. Weitere Mutationen am Spike Protein könnten tatsächlich zu einer drastisch verringerten Effektivität führen, aber selbst in diesem Fall kann die von BioNTech entwickelte Plattform an zukünftige Varianten des Virus angepasst und schneller zugelassen werden (ähnlich wie beim Grippeimpfstoff). Bei all der Freude über ein etwaiges Ende der Pandemie sollte die bahnbrechende Entwicklung des weltweit ersten beim Menschen effektiven mRNA Impfstoffes nicht außer Acht gelassen werden. BioNTech hat damit nicht nur eine neue Ära der Impfstoffentwicklung eingeleitet, auch im Bereich der Krebsforschung dürften diese Entwicklungen noch Früchte tragen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Gewinner und Verlierer, die in den USA nicht auf dem Stimmzettel standen

Christopher Smart, Chefstratege und Leiter des Barings Investment Institute, befasst sich in seinen aktuellen Leitgedanken mit wichtigen Entwicklungen, die im Schatten der US-Präsidentschaftswahl stehen, für Wirtschaft und Anleger aber massive Auswirkungen haben können:

Neben der wichtigen Entscheidung über einen neuen Präsidenten hat die US-Wahl einige Erkenntnisse gebracht, auf die Investoren achten müssen. Einerseits, dass sich die Amerikaner wieder in einer Weise in der Politik engagieren, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben, auch wenn sie nach wie vor tief gespalten sind. Andererseits scheint die Wirtschaft nach wie vor auf eine langsame, ungleichmäßige Erholung zuzusteuern, solange neue COVID-19-Fälle nicht zu erheblichen neuen Einschränkungen führen.

Die Gewinner

Politische Partizipation: Als Prozentsatz der Wahlberechtigten war dies die höchste Wahlbeteiligung seit 1900.
Die Aktien: Weitere fiskalische Stimulierungsmaßnahmen scheinen auf dem Weg zu sein. Joe Biden plant eine zweite Runde von Ausgaben für die Infrastruktur, der eine knappe republikanische Mehrheit nur schwer widerstehen kann. Sofern die COVID-19-Beschränkungen keine erheblichen Einschränkungen der Aktivitäten erzwingen, verheißt dies Gutes für Wachstum und Kapitalanlagen.
Klimapolitik: Der Wiedereintritt in das Pariser Klimaabkommen, das die USA vergangene Woche offiziell verlassen haben, ist ein Versprechen Joe Bidens für den „ersten Tag“.

Die Verlierer

Meinungsforscher: Jedermanns beliebtester Sündenbock war die „Vorhersage“-Industrie, die im Großen und Ganzen ein Bild des glatten Erfolgs der Demokraten zeichnete, was sich so nicht bewahrheitete.
Die Globalisierung: Biden mag eher ein Internationalist als Trump sein, aber keiner von beiden wird in den nächsten vier Jahren auf größere Handelsabkommen drängen, und keiner wird vor Zöllen zurückschrecken, wenn er glaubt, dass der Hebel hilft.
China: Die Auseinandersetzungen werden unter einer Biden-Präsidentschaft eher noch zunehmen, sofern er auch emotionalere Themen rund um Hongkong, Taiwan und das Südchinesische Meer einbringt. Diese würden Fortschritte eher erschweren als erleichtern.
Schatzanleihen: Die Zinssätze werden zunächst niedrig bleiben. Wenn sich die Erholung jedoch fortsetzt und die Finanzpolitik eine gewisse Unterstützung bietet, dann dürften die Renditen in naher Zukunft eher nach oben als nach unten driften.
Großbritannien: Während Präsident Trump wenig Geduld für europäische Institutionen hatte, wird eine Biden-Administration wahrscheinlich schnell wieder mit der Europäischen Union und ihren größten Mitgliedern zusammenarbeiten. Boris Johnsons Hoffnungen auf ein rasches US-Handelsabkommen nach dem Brexit waren nie realistisch und werden wahrscheinlich einen weiteren Rückschlag erleiden.

Alles in allem sehen wir das Bild eines Landes, das sich engagiert, das gespalten ist und sich schnell verändert. Und es verfügt immer noch über eine Wirtschaft, die in der Lage ist, sich von schweren Rückschlägen zu erholen, und bereit ist, immer wieder neu zu investieren.


Über Christopher Smart, PhD CFA, Chief Global Strategist & Head of the Barings Investment Institute

Christopher Smart war Senior Fellow am Carnegie Endowment for International Peace und am Mossavar-Rahmani Center for Business and Government der Harvard Kennedy School; von 2013 bis 2015 war er als Sonderassistent des Präsidenten beim Nationalen Wirtschaftsrat und beim Nationalen Sicherheitsrat tätig, wo er als Hauptberater für Handel, Investitionen und eine breite Palette von globalen Wirtschaftsfragen fungierte. Christopher Smart war zudem vier Jahre als stellvertretender Assistent des Finanzministeriums tätig. In dieser Funktion leitete er die Reaktion auf die europäische Finanzkrise und konzipierte das Engagement der USA in der Finanzpolitik in Europa, Russland und Zentralasien.

Über Barings

Barings ist ein globales Finanzdienstleistungsunternehmen mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 354 Milliarden USD*, das auf die Bedürfnisse des sich wandelnden Investitions- und Kapitalbedarfs unserer Kunden ausgerichtet ist. Durch aktives Asset Management und Direct Origination bieten wir innovative Lösungen und Zugang zu differenzierten Möglichkeiten an öffentlichen und privaten Kapitalmärkten. Als Tochtergesellschaft von MassMutual verfügt Barings über eine starke globale Präsenz mit Geschäfts- und Anlageexperten in Nordamerika, Europa und im asiatisch-pazifischen Raum.
*Stand: 30. September 2020

Klimawandel – Anpassen genauso wichtig wie Eindämmen

Die automatische Reaktion auf eine bevorstehende Katastrophe besteht häufig aus dem Versuch, diese abzuwenden beziehungsweise einzudämmen. Dieses Muster zeigt sich auch in Bezug auf den Klimawandel. Worauf Klimainvestitionen in Ergänzung zum Abschwächen der Folgen des Klimawandels künftig noch stärker abzielen sollten.

„Wird über Klimaschutz gesprochen, liegt der Fokus häufig auf dem Eindämmen des Klimawandels“, so Philipp Müller, CEO von BlueOrchard. „Die aktuelle Klimakrise erfordert jedoch auch eine Anpassung unserer Lebens- und Arbeitsweisen, um unsere Verwundbarkeit gegenüber dem Klimawandel zu verringern. Dies gilt insbesondere für die am stärksten betroffenen Schwellen- und Grenzmärkte.

Diese Länder haben historisch gesehen am wenigsten zum Klimawandel beigetragen, sind aber für dessen Effekte am verwundbarsten. Die Auswirkungen des Klimawandels werden durch die Abhängigkeit von der Landwirtschaft als Wirtschaftsmotor und dem hohen Anteil von Menschen ohne Zugang zu Versicherungen verstärkt. Menschen in diesen Ländern können wenig unternehmen, um die Bedrohung ihres Lebensunterhalts durch den Klimawandel zu mindern. Die Gefahrenquelle liegt oft außerhalb ihrer Reichweite. Sie können jedoch Maßnahmen ergreifen, um sich anzupassen. Dies wird für das Überleben des Agrarsektors in vielen Ländern von entscheidender Bedeutung sein. Klimaversicherungen sollten nicht nur einigen wenigen zur Verfügung stehen, sondern allen und vor allem besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen. Sie brauchen einen Zugang zu verlässlichen und erschwinglichen Klima-Risikoversicherungen.

Was die Klima-Finanzierung betrifft, so konzentrieren sich derzeit nur fünf Prozent der Investitionen auf das Thema ‚Anpassung‘. Die überwiegende Mehrheit davon richtet sich auf Abschwächungsmaßnahmen, wie das Reduzieren von Treibhausgasemissionen oder Investitionen in erneuerbare Energien. Diese Diskrepanz hat zu einer beträchtlichen Investitionslücke im Bereich der Klimaanpassung geführt, die auf etwa 200-310 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt wird.

Investitionen in die Klimaanpassung decken ein breites Spektrum potenzieller Sektoren ab – von der Entwicklung von Technologien und Daten zur Frühwarnung vor extremen Wetterereignissen bis hin zu Lösungen für einen leichteren Zugang zu bereits verfügbaren Versicherungsprodukten (z.B. parametrische Versicherungen, kostengünstigere Ernte- und Tierhaltungsversicherungen), um die Auswirkungen des Klimawandels auf wirtschaftlicher Ebene abzuwehren.

Versicherungsanbieter und versicherungsbezogene Initiativen können eine entscheidende Rolle beim Abschwächen der finanziellen Auswirkungen negativer Klimaereignisse auf arme und gefährdete Bevölkerungsgruppen spielen. Versicherungsleistungen erreichen die Menschen viel schneller als Nothilfemaßnahmen und ermutigen Menschen darüber hinaus, wirksame Anpassungsstrategien umzusetzen. Die Datenverfügbarkeit ist sowohl für die Versicherer als auch für die in den betroffenen Gebieten lebenden Menschen von entscheidender Bedeutung. Wenn wir die Auswirkungen des Klimawandels besser verstehen, kann der Einsatz von Ressourcen durch strategische Investitionen besser priorisiert werden.“


Über BlueOrchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager und Mitglied der Schroders Group. Das Unternehmen verfolgt das Ziel nachhaltiges, integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Das Unternehmen hat eine nachgewiesene Erfolgsbilanz im Angebot von erstklassigen Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur aufgebaut. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungsbanken. BlueOrchard hat bisher mehr als 7 Mrd. USD für sophistizierte globale private und öffentliche Kunden investiert und damit greifbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com

Die Infektionslage bestimmt den Ausblick

Dass die Covid-19-Infektionszahlen im Herbst wieder ansteigen würden, war Konsens. Eine Eskalation, wie wir sie dieser Tage erleben, inklusive nahender Auslastung der Gesundheitssysteme, hatten wir allerdings nicht in den Karten. Insofern ist es notwendig, das Strategiedrehbuch zu überdenken, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. In den letzten Monaten hatten wir in der taktischen Positionierung mit Blick auf die wichtigsten Einflussfaktoren für die Finanzmärkte zunehmend Zuversicht gefasst. Eine beginnende Konjunkturerholung, über den Erwartungen liegende Unternehmensergebnisse, die niedrige Inflation und signifikante Maßnahmen seitens Geld- und Fiskalpolitik bewogen uns zu einer schrittweisen Anhebung der Aktienquote in den gemischten Fonds. Zuletzt war die Ausrichtung neutral, mit dem Plan, die US-Wahl vorübergehen zu lassen und dann aktienseitig weiter zuzukaufen.

Aufgrund der jüngsten Entwicklungen in Sachen Covid-19 ist es jedoch angezeigt, von diesem Plan fürs Erste abzuweichen. Weder ist die Dauer der Lockdowns noch deren Strenge absehbar, und auch nicht die Anzahl der Länder, die sich zu einem solchen Schritt gezwungen sehen. Damit steht auch über den Auswirkungen auf die globale Konjunktur ein großes Fragezeichen. In Bezug auf die Märkte heißt das nicht unbedingt, dass große Rückschläge drohen. Sowohl Regierungen als auch Notenbanken werden ihre Maßnahmen abermals hochfahren, um die negativen Auswirkungen der Pandemie einzudämmen. Dass sich damit einige Segmente der globalen Finanzmärkte noch weiter von der wirtschaftlichen Realität entfernen werden, ist ein Risiko, um das wir uns wohl früher oder später kümmern müssen.

Aktien: Nur ein Thema – Corona-Virus

Es scheint stets nur eine Begründung für die aktuellen Marktbewegungen zu geben: Covid-19. Die Erholung nach dem ersten Einbruch, also die Phase Ende März bis in den Juli war an manchen Märkten – allen voran denen der USA, insbesondere bei den Technologiewerten – so unerwartet wie beeindruckend. Nicht nur die Tech-Börse NASDAQ, auch der etwas breitere Markt (S&P500) erreichten im 3. Quartal Höchststände. Das hat sich nun wieder gedreht. Mit der „zweiten Welle“ steigt nun die Marktvolatilität deutlich an, zu sehen an deutlichen Tagesbewegungen. Dennoch verläuft die Berichtssaison zum dritten Quartal in den USA und Europa recht gut, mit situationsbedingt verhaltenen Ausblicken.

Völlig unterschiedlich ist das Bild in den Emerging Markets, hier kann sich China und damit auch der Asien-Index äußerst gut behaupten, als ob es keine zweite Welle gäbe. Hingegen fallen Lateinamerika und auch Russland – sowie Osteuropa und der ATX – weiter zurück, das ist einem unvorteilhaften Sektormix (Rohstoffe, Finanz) ebenso wie teilweise schwachen Währungen geschuldet.

Aktien USA und Europa: Die Infektionslage bestimmt den Ausblick

Die stark steigenden Covid-19-Infektionszahlen und damit einhergehende erneute Einschränkungen haben nun auch die internationalen Aktienmärkte erfasst. Unmittelbar negativen wirtschaftlichen Auswirkungen stehen nun wohl weiterhin umfangreiche Fiskalpakete und die Aussicht auf nochmalig aggressivere geldpolitische Maßnahmen gegenüber.

Positiv zu sehen ist, dass zuletzt sogar positive Gewinnrevisionen überwogen haben: Die Berichtssaison für das dritte Quartal 2020 ist gut angelaufen. In den USA können die Unternehmen erneut die Erwartungen mehrheitlich deutlich übertreffen, vor allem auch die großen „Tech-Titel“. Wenngleich das Ausmaß der positiven Überraschungen etwas unter jenem im zweiten Quartal liegt, so ist die Abweichung immer noch weit überdurchschnittlich. Auch in Europa (hier hat die „Old Economy“ deutlich mehr Gewicht) verlief die Berichtssaison bis dato durchaus besser als erwartet. Auch hier überwiegen die positiven Überraschungen.

Emerging Markets: Asien (noch?) verschont

Während eine zweite heftige Covid-19-Infektionswelle über Europa schwappt, bleibt der asiatische Raum aktuell weiterhin verschont: hier gibt es wenig Neuinfektionen und eine stabile ökonomische Entwicklung. Insbesondere China lässt kaum mehr Einschränkungen der wirtschaftlichen Leistungen durch Corona erkennen. Das lässt sich auch an der Gewinnentwicklung der asiatischen Unternehmen ablesen, die sich recht gut darstellt. Entsprechend stark auch die Performance des Aktienindex. Hingegen sind in der Peripherie der Emerging Markets, also Lateinamerika und auch Russland, damit Osteuropa, die negativen Spuren überdeutlich.

Bidens Spielräume wären begrenzt

John Vail, Chief Global Strategist bei Nikko Asset Management, kommentiert die US-Wahlen:

Derzeit sieht es so aus, als ob Biden die Präsidentschaft gewinnt, die Republikaner aber ihre Mehrheit im Senat verteidigen. Bis endgültige Sicherheit herrscht, dürften zwei Monate ins Land ziehen. In der Zwischenzeit schwelgen sowohl die Aktien- als auch die Anleihemärkte in Erwartung eines abgeschwächten demokratischen Konjunkturprogramms. Es besteht jedoch eine große Wahrscheinlichkeit, dass der Weg dorthin blockiert wird.

Biden hätte selbst ohne Kongressmehrheiten die Möglichkeit, alle Executive Orders von Trump zu annullieren, doch auch diese Macht könnten ihm regionale Gerichte beschneiden. Auch bestimmte gesetzliche Änderungen können auf diese Weise blockiert werden, wie im Fall Trump häufig geschehen. Eins ist so gut wie sicher: Die Medienbranche wird angesichts all dieser Ungewissheit und einer wahrscheinlich noch tieferen Spaltung des Landes weiterhin florieren.

Viele Unternehmen können in einer derart festgefahrenen Situation gedeihen, solange es weiterhin steuerliche und monetäre Anreize gibt und größeren Unruhen ausbleiben. In dieser Hinsicht waren die Gewinne im 3. Quartal in den USA extrem gut, da die Kosten weiter gesenkt wurden und die Preissetzungsmacht in vielen Branchen sehr stark zu sein schien. Besonders die Kosten für Werbung und Produktrabatte schienen in vielen Branchen stark zu sinken. Die Nachfrage nach technischer Hard- und Software stieg eindrucksvoll an, auch wenn ein Teil der Komponentennachfrage von einem großen chinesischen Hersteller vor dessen Sanktionierung stammte. Die Autohersteller meldeten viel bessere Gewinne als erwartet, da die Nachfrage nach hochpreisigen Modellen stieg und die Kosten gesenkt wurden. Bisher scheint es im 4. Quartal wenig Grund zu geben, mit enttäuschenden Gewinnen zu rechnen, und letztlich sind die (erwarteten) Unternehmensgewinne die wichtigsten Determinanten der Aktienentwicklung. Ein Bereich, der Anlass zur Sorge gibt, ist die mangelnde Aufmerksamkeit des Marktes für die Tatsache, dass viele der jüngsten Mega-Fusionen, insbesondere im Technologiesektor, aus Wettbewerbsgründen blockiert werden könnten.

Japanische Aktien dürften nicht allzu stark vom US-Trend abweichen. Beide Präsidentschaftskandidaten wollen stabile Beziehungen aufrechterhalten, und die globalen Wirtschaftstrends begünstigen nun in hohem Maße japanische Unternehmen.


Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 235,9 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Im passiven Segment deckt Nikko AM mehr als 20 Indizes ab und umfasst einige der größten börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig und beschäftigt in 11 Ländern rund 200** Finanzfachleute mit rund 30 Nationalitäten. Weltweit vertreiben mehr als 400 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentstrategie des Hauses verbindet seine asiatische DNA konsequent mit einer globalen Perspektive für eine langfristige und nachhaltige Performance. Nikko AM ist zudem stolz auf seinen fortschrittlichen lösungsorientierten Ansatz, der zu der Auflage zahlreicher innovativer Fonds für seine Kunden geführt hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management zusammengefasst einschließlich aller verbundenen Unternehmen von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften zum 30. Juni 2020.
** Stand 30. Juni 2020 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.

US-Unternehmen sind für jedes Wahlergebnis gut gerüstet

von Christian Hantel, Senior Portfolio Manager von Vontobel Asset Management.

Amerika hat am Dienstag gewählt, doch weiß die Bevölkerung immer noch nicht, wer ihr nächster Präsident sein wird. Auch wenn Joe Bidens Chancen auf einen Sieg derzeit hoch sind, lassen Donald Trumps Äußerungen darauf schließen, dass er das Wahlergebnis anfechten wird. Sollte dann ein ausgedehnter politischer und rechtlicher Kampf um das Wahlergebnis folgen, würde sich für die Finanzmärkte aufgrund der erhöhten Unsicherheit ein viel gefürchtetes Bärenszenario bewahrheiten. Allerdings dürfte es sich dabei nur um eine vorübergehende Erscheinung handeln. Tatsächlich waren US-Unternehmen bereits vor der Wahl in die Erholungsphase des Kreditzyklus eingetreten und sind somit gut darauf vorbereitet, der zu erwartenden Marktvolatilität mit Cash-Beständen auf Allzeithochs zu begegnen.

Darüber hinaus werden die Kreditmärkte für Unternehmen von der US-Notenbank (Fed) stark unterstützt. Ursprünglich startete die Fed das Programm zum Kauf von Unternehmensanleihen als Rettungsschirm, in dessen Rahmen die Unternehmen die Fed als Kreditgeber letzter Instanz nutzen konnten. Jetzt kauft die Fed aktiv US-Unternehmensanleihen mit einer Laufzeit von bis zu vier Jahren, einschließlich Anleihen mit BB-Rating. Dies hat die Märkte besänftigt und Anreize für Investoren geschaffen, in Unternehmensanleihen zu investieren. Für den Fall, dass die Marktunsicherheit aufgrund eines unklaren US-Wahlergebnisses anhält, könnte die Fed das Vertrauen in den Markt für Unternehmenskredite relativ leicht wiederherstellen, indem sie ihre Aktivitäten am Primär- und Sekundärmarkt intensiviert. Daher sollte sich jede Spreadausweitung als überschaubar erweisen und die Liquiditätsbedingungen sollten weiterhin günstig bleiben.

Während eine Periode erhöhter Volatilität vor uns liegt, können Anleger von Fehleinschätzungen und Marktineffizienzen profitieren. Abgesehen von den Renditechancen bei Anleihen desselben Emittenten, die auf verschiedene Währungen lauten, hat die verstärkte Aktivität der Zentralbanken an den amerikanischen und europäischen Kreditmärkten dazu geführt, dass sich die Spreads in einigen Märkten anders als üblich verhalten, wodurch sich für globale Anleger Kaufgelegenheiten ergeben. Jede Marktschwäche kann sich in eine Kaufgelegenheit verwandeln, sofern der Emittent einer fundamentalen Kreditanalyse unterzogen wird.

Während sich die US-Wirtschaft noch immer erholt, dürfte der US-Markt im Vergleich zu anderen lokalen Märkten in Europa oder Asien weiterhin einen angemessenen Renditevorteil bieten. Darüber hinaus sind die Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zurückgegangen. Dies hat ausländische Investoren, wie z.B. Kunden aus Asien, in den US-Dollar-Markt gezogen, insbesondere in Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating.

Sobald das Wahlergebnis endgültig feststeht, werden alle Augen auf die Umsetzung der Steuerpolitik der neuen US-Regierung gerichtet sein. Sollte Joe Biden der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden, dürfte eine teilweise Rückabwicklung der Steuerreform von 2018 zuerst die Sektoren betreffen, die anfangs am meisten von der Steuersenkung profitiert haben: Transport und Finanzen.


Vontobel Asset Management

Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen über-zeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.
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US Wahl 2020: 15 Punkte für die Finanzmärkte

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Ergebnisse der Wahlen in den USA stehen noch nicht fest. Das Rennen um die Präsidentschaft, dem Senat und dem Repräsentantenhaus wird knapp. Eines ist jedoch klar: Die Zusammensetzung der Exekutive und der Legislative und die Kombination zwischen den beiden ist auf multiplen Ebenen wichtig für die USA und die Welt. Anbei 15 Punkte, um die Wartezeit zu verkürzen.

  1. Umfragen. Die Umfragen haben auf einen Erdrutschsieg der Demokraten hingedeutet. Abermals werden die Erwartungen nicht erfüllt.
  2. Märkte. Der US-Dollar hat sich gegenüber den anderen Reservewährungen etwas gefestigt, die Aktienfutures sind im Minus, die 10jährige Rendite von US-Staatsanleihen ist gesunken und der Mexikanische Peso hat sich abgeschwächt. Das kann mit den gesunkenen Erwartungen für ein großes Fiskalpaket begründet werden.
  3. Anfechtung. Weil der Wahlausgang knapp ist, wird es Anfechtungen geben.
  4. Unruhen. Das unmittelbar größte Risiko ist, dass sich Trump zum Sieger erklärt, obwohl die Wahl noch nicht entschieden ist.
  5. Briefwahl. Aufgrund des außergewöhnlich hohen Anteils von Briefwahlstimmen könnte ein endgültiges Ergebnis noch einige Tage auf sich warten lassen. Die Swing States sind Michigan and Pennsylvania.
  6. Klimawandel. Während Trump die Prognosen den Klimawandel betreffend nicht anerkennt, spricht sich Biden für Investitionen aus, um den Klimawandel zu bekämpfen.
  7. Staatsführung. Die überwiegende Mehrheit der Analysten attestieren Trump eine schlechte Staatsführung. Das reicht vom Umgang mit der Corona-Pandemie bis hin zur Schwächung von demokratischen Normen und Werten. Die Spaltungstendenzen der Bevölkerung würden unter Trump wahrscheinlich noch zunehmen.
  8. Regulierung. Das Programm der Demokraten argumentiert für eine Regulierung von einigen Schlüsselsektoren (Technologie, Finanzen, Gesundheit, Energie). Trump würde die Deregulierungspolitik wahrscheinlich fortsetzten.
  9. Mindestlöhne. Biden möchte die Mindestlöhne anheben.
  10. Steuern. Biden möchte die unter Trump abgesenkten Unternehmenssteuern teilweise wieder anheben und auch die Steuern für Vermögende anheben.
  11. Staatsausgaben. Die demokratische Partei möchte ein umfassendes staatliches Investitionsprogramm in den Bereichen Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und Klimawandel umsetzten.
  12. Exekutive / Legislative.
    a) Biden Präsidentschaft und Republikanische Mehrheit im Senat: Biden könnte wenig umsetzen. Für die Aktienmärkte wäre das wahrscheinlich der schlechteste Wahlausgang.
    b) Trump Präsidentschaft und Demokratische Mehrheit im Senat: Ein größeres Fiskalpaket wäre wahrscheinlich, Regulierungen, höhere Steuern und progressive Ideen nicht.
    c) Biden Präsidentschaft und Demokratische Mehrheit: Ein umfangreiches Fiskalpaket, Regulierungen sowie die Umsetzung einiger progressiver Ideen der Demokraten wäre wahrscheinlich.
    d) Trump Präsidentschaft und Republikanische Mehrheit. Der Status quo.
  13. Protektionismus. Unter den Demokraten würden Einfuhrzölle wahrscheinlich nicht so stark als Politikinstrument benützt werden.
  14. China. Die Beziehungen zwischen China und den USA werden weiterhin von Rivalität geprägt sein. Unter Biden wäre der Ton wahrscheinlich etwas versöhnlicher.
  15. Multilateralismus. Unter Trump hat eine Schwächung beziehungsweise sogar ein Rückzug von internationalen Organisationen stattgefunden (WHO, WTO, Paris-Abkommen, NATO). Unter einer Trump-Präsidentschaft würde sich diese Tendenz fortsetzen. Biden ist klar für Multilateralismus.

Nicht nur die Demokraten, auch die Märkte haben auf den Fortschritt der Wahlauszählung enttäuscht reagiert. Letzteres bedeutet jedoch nicht, dass Trump für die Aktienmärkte nachträglich ist. Bei der Marktreaktion handelt es sich um die Enttäuschung, dass ein großes Fiskalpaket weniger wahrscheinlich geworden ist.

Aus der Investment Division

Die Märkte reagierten volatil und nervös auf das knappe Rennen und die gestiegene Unsicherheit. Der US Leitindex S&P 500 schwang während der asiatischen Handelssitzung zwischen Zugewinnen und Verlusten hin und her. Aktuell (für alle folgende Marktdaten gilt Stand 10:00 Vormittags) liegt der Index mit 0.4% im Plus. Die europäischen Aktienmärkte haben durch die Bank schwächer eröffnet, der EuroStoxx 50 liegt handelt aktuell 0.7% schwächer.

Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen fielen merklich um 10 Basispunkt auf aktuell 0.8%. Auch die europäischen Staatsanleihenmärkte liegen durchwegs im Plus. Der Goldpreis ist im Tagesvergleich schwächer mit ca. 0.8%.

Wir gehen derzeit davon aus, dass die Volatilität an den Märkten heute und in den nächsten Tagen erhöht bleiben wird. Die Märkte könnten erst nach Feststehen des tatsächlichen Wahlausgangs eine Richtung finden. Dazu kommen noch die steigenden Neuinfektionen mit dem Corona-Virus, die heute etwas in den Hintergrund getreten sind.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

More volatility, questions about stimulus

Talib Sheikh, Head of Strategy, Multi-Asset, at Jupiter AM, comments on the implications of a too-close-to-call U.S. election, and what the clarity of a Trump or a Biden win might mean.

The result still looks too close to call until Thursday at the very earliest with delayed postal vote counting likely to be important in key states. Futures on the tech-heavy NASDAQ began the day outperforming, and the dollar rallying with bond yields lower. Further volatility looks likely.

A Trump election win would cause some short-term volatility given investor positioning favoured Biden, but a clear resolution to the election is still likely to be positive overall for risk assets as a whole. Negotiations over fiscal stimulus will resume, and we expect these will be resolved favourably with a smaller and more targeted package than would have followed a Biden "blue sweep."

In the case of a Biden victory and Democrats winning the Senate, we would expect to see a very large fiscal package boost markets. The Democrats would be likely to push forward expansionary programmes of infrastructure and public spending. We would expect the dollar to continue its weakening trend, which combined with a less confrontational approach to global trade, would be beneficial for most Asian and emerging market economies and currencies, particularly China and Mexico. A Biden-led divided government would look to pursue similar policies but would be severely handicapped by a Republican senate.

A potential Trump victory would probably bring the continuation of erratic and confrontational foreign policy, particularly towards China and Mexico. This combined with the reduced threat of a weaker dollar would be more negative for emerging market economies and currencies, in Asia and Latin America in particular, than would have been the case under a Biden "blue sweep."

Once, the election is behind us, the threat of a Covid-19 second wave as the northern US heads into winter will take over as the key market worry.