Negativzinsen sind auch in den USA möglich

Die US-Notenbank hält die Leitzinsen als einzige der Großen derzeit noch im positiven Bereich. Im nächsten wirtschaftlichen Abschwung könnte auch die Fed gezwungen sein, negative Zinsen einzuführen. „Die Angst davor ist groß, die Auswirkungen müssen aber nicht negativ für die Märkte sein“, sagt Michael Bazdarich, Mitglied des Pension Solutions Team bei Western Asset. Dafür sind allerdings einige Bedingungen zu erfüllen.

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis negative Zinsen auch in den USA Einzug halten“, sagt Bazdarich. In der Eurozone und in Japan sind die Negativzinsen bereits seit Jahren gang und gäbe. „Die EZB arbeitet seit 2014 mit Minuszinsen, die japanische Notenbank seit 2016“, so Bazdarich. Die Notenbanken wollen auf diese Weise die schwache Wirtschaft ankurbeln und einen Absturz in eine Rezession verhindern. Ob die Negativzinsen hier wirklich hilfreich sind, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

In jedem Fall aber zeigen die Beispiele aus Europa und Japan, wie Unternehmen, Banken und der Staat mit negativen Zinsen umgehen. „Daraus lassen sich Rückschlüsse für die USA ziehen“, sagt Bazdarich. Sicher sei, dass der Ruf nach weiteren Zinssenkungen kommen werde, vor allem vonseiten der Politik, sobald die wirtschaftliche Dynamik nachlasse. „Und rein technisch werden auch die US-Banken keine Probleme haben, mit Minuszinsen umzugehen“, so Bazdarich.

Bei Anleihen ist es ganz einfach: Da ein negativer Kupon nicht ausgeschrieben werde, rutschten die Renditen einfach über höhere Kurse ins Minus. „Bei Pensionsverpflichtungen und Versicherungen ist es etwas komplexer“, sagt Bazdarich. Hier verlängern sich Laufzeiten und die Bewertungen steigen. Bei Geldmarktfonds sieht man eine andere Möglichkeit: Hier werden nicht die Renditen ins Minus gedrückt, sondern die Zahl der Fondsanteile für die Investoren verringert – was einer negativen Rendite gleichkommt. „In den USA wird durchaus ernsthaft diskutiert, ob negative Zinsen rechtlich zulässig sind“, sagt Bazdarich. „Dies ist aus unserer Sicht aber mit einem klaren ja zu beantworten.“

In den USA liegen die Leitzinsen derzeit bei 1,75 Prozent. „Um eine Rezession abzumildern oder zu verhindern, hat die Fed in den vergangenen Abschwüngen jeweils Zinskürzungen von mehr als 500 Basispunkten vorgenommen“, sagt Bazdarich. In der nächsten Abkühlung hat die Fed also nur zwei Möglichkeiten: „Entweder sie tut nichts, um die Wirtschaft zu stützen. Oder sie geht in die Minuszinspolitik“, so Bazdarich. „Wir gehen davon aus, dass der Druck der Politik und der Märkte so groß sein wird, dass die Fed ins Minus gehen wird.“

Anders als in Europa und Japan, wo sich Investoren wie weite Teile der Bevölkerung recht reibungslos mit Minuszinsen abgefunden haben, könnten die Vorbehalte in den USA aber größer sein. „Wir gehen davon aus, dass die Einführung von Negativzinsen nicht ohne großen Aufschrei verläuft“, sagt Bazdarich. Möglich ist auch, dass die Menschen dann anfangen, große Mengen Bargeld zu horten. „Das aber liefe der Absicht der Notenbanken entgegen“, so Bazdarich. Bargeld in Schließfächer zu stecken, sei kontraproduktiv für die Wirtschaft. „Es geht darum, möglichst viel Geld in produktivere Assets zu bekommen, etwa an den Aktienmarkt“, sagt Bazdarich. Deshalb werde das Horten von Bargeld erschwert. In Europa etwa sei der 500-Euro-Schein bereits aus dem Verkehr gezogen worden. „Ähnliches wird auch in den USA diskutiert“, sagt Bazdarich. Wenn auch auf beiden Seiten des Atlantiks eher mit der Begründung des Kampfes gegen Kriminalität und Geldwäsche. „Wobei die Geld-Horter oder deren Helfer vielleicht auch bald schon als unerwünscht gelten werden“, sagt Bazdarich.


Über Legg Mason

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.
Website: www.leggmason.de

Rückenwind für Alternative Anlagestrategien

von Christian Süttinger, CFA, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

In Zeiten hoher Volatilität und niedrigerer Renditen muss man sich an den Finanzmärkten nach Alternativen Strategien umsehen. Diese sind vor allem eines: ein Bündel von Investmentkonzepten.

An der Börse stehen „lang & kurz“ nicht für zeitliche Dimensionen. „Long/Short-Equity“ Strategien sind Aktienportfolios, deren Abhängigkeit zum Aktienmarkt gesteuert wird, und bis auf Null reduziert werden kann. Darin umgesetzt sind nicht nur Prognosen für steigende, sondern auch für fallende Kurse, wenn für ausgewählte Aktien eine negative Entwicklung erwartet wird.

„Managed Futures“ Strategien setzen auf Trends, die steigend oder fallend ausgeprägt sein können. Häufig werden sie als Absicherungsstrategie verwendet, um sich gegen die Volatilität der Aktienmärkte abzusichern. Die Entscheidungen dahinter treffen systematische Berechnungsmodelle, die den Faktor der menschlichen Emotion ausschließen.

Eine „Global Macro“ Strategie ist eine Investmentfondsstrategie, die in erster Linie auf den makroökonomischen und politischen Voraussetzungen verschiedener Länder beruht. „Global Macro“ Strategien nehmen fundamentale, ökonomische Entscheidungen vor und können positive oder negative Positionierungen eingehen.

Wie „Managed Futures“ Strategien handeln sie auf allen Finanzmärkten, das heißt Aktien, Anleihen, Zinsen, Währungen und Rohstoffe. Ein Sonderfall sind „Unconstrained Bond“ Strategien im Anleihenbereich, deren Investmentzugang vorsieht auch für fallende Staatsanleihenkurse aufgestellt zu sein.

Rückenwind durch das Marktumfeld

Die aktuelle Situation an den Investmentmärkten ist besonders positiv für Alternative Strategien. Folgende Faktoren wirken 2020 unterstützend:

  • Wachstumsstarke Aktien werden vom Markt – nach einem Rückschlag im August 2019 – wieder als sehr aussichtsreich eingeschätzt.
  • „Long/Short-Equity“ Strategien haben die Möglichkeit, darauf gezielt zu reagieren. Und haben es zuletzt erfolgreich getan.

Entwicklung des Faktors Wachstum (Aktien USA)

Chart 1: S&P 500 Growth Index / S&P 500 Value Index (Bloomberg: SGX Index dividiert durch SVX Index); 02/2015-02/2020, wöchentliche Daten

Anleiherenditen, also die Effektivverzinsung einer Anleihe, haben sich innerhalb einer Bandbreite stabilisiert. Stetige Renditen wirken für „Managed Futures“ Strategien günstig, da keine Trendbrüche auftreten. Ein Trend ist, wenn der Kurs eines Wertpapiers fortlaufend neue Hochpunkte oder neue Tiefpunkte, also eine bestimmte Richtung, entwickelt.

Für „Long-Short/Equity“ Strategien bedeuten sie das Ausbleiben von plötzlichen Sektoren- oder Stil-Wechseln, die auf Renditeänderungen folgen.

Anleiherenditen (USA 10 Jahre)

Chart 2: US Treasury Yield (Bloomberg: GTUSD10Y Govt), 02/2015-02/2020; wöchentliche Daten

Der Faktor Momentum, also die „Schwungkraft“ der Kurse trägt 2020 wieder zu den Aktienerträgen bei. Positives Momentum ermöglicht es „Long/Short-Equity“ Strategien, Portfolios für einen längeren Zeitraum unverändert zu lassen und Anpassungskosten zu vermeiden.

Entwicklung des Faktors Momentum (Aktien Europa, USA)

Chart 3: EU Momentum Long/Short Index, US Momentum Long/Short Index (Bloomberg: MSEEMOMO Index, MSZZMOMO Index), 02/2015-02/2020; wöchentliche Daten

Zugang für Anleger

Für die Umsetzung der Investmentidee rate ich zu Fonds, die über Strategien diversifiziert sind. Zugleich wird die Auswahl der Manager abgedeckt. ALPHA DIVERSIFIED 3 bietet als Multistrategie-Fonds Anlegern diese Chancen. Um dem aktuellen Umfeld Rechnung zu tragen, wurde das Portfolio im 4. Quartal 2019 dynamischer gestaltet.

Das aktuelle Marktumfeld schafft Rückenwind für Alternative Strategien, die ein Bündel von Investmentideen umfassen. Sie sind als Fonds unkompliziert investierbar.


Der ALPHA DIVERSIFIED 3 ist ein UCITS-konformer Absolute-Return-Dachfonds und setzt den Schwerpunkt auf die Alternativen Investmentstrategien wie beispielsweise „Global Macro“, „CTA Managed Futures“, „Long/Short-Equity“ und „Long/Short-Equity Marketneutral“. Der Fonds strebt insgesamt ein asymmetrisches Risiko-Ertragsprofil an, d.h. die eingesetzten Strategien sind darauf ausgerichtet, das allgemeine Verlustrisiko zu begrenzen und traditionelle Anlageklassen zu ergänzen.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Dividendenstrategien in europäischen Aktienmärkten

von Stefan Kuhn, Managing Director und Head of SPDR ETF Deutschland.

Trotz potentiell erhöhter Volatilität sehen wir immer noch gute Chancen an den europäischen Aktienmärkten. Für Investoren, die langfristig in europäische Aktien investieren möchten - aber auch für Investoren mit einem defensiveren Ansatz, können Dividendenstrategien mit eingebautem Qualitätsfilter ein hilfreicher Ansatz sein.

Das produzierende Gewerbe der Eurozone (z.B. Deutschland und Frankreich) scheint 2019 einen kurzfristigen Tiefpunkt erreicht zu haben. Darüber hinaus lagen die PMIs der Eurozone am Freitag, den 21. Februar, über den Erwartungen, angeführt vom deutschen Industriesektor, der ein 13-Monatshoch von 47,8 gegenüber dem Analysten-Konsens von 45,0 (und dem vorherigen Niveau von 45,3) verzeichnete.

Darüber hinaus hat die EZB den Technokraten Mario Draghi durch die diplomatische Christine Lagarde ersetzt. Mit diesem Wechsel werden die Marktteilnehmer immer optimistischer, dass Lagarde in Ländern wie Deutschland erfolgreich für fiskalische Stimulierungsmaßnahmen und so für eine Förderung des Wachstums eintreten kann. Während negative Zinssätze in Europa zur Stabilisierung des Produktionssektors beigetragen haben, suchen die Marktakteure nach neuen (fiskalischen) Investitionen zur Steigerung der Nachfrage und Förderung des Wachstums.

Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob das Jahr 2020 die lang erwartete Angleichung in der Eurozone (im Vergleich zu den USA) bringt. Da der Großteil des verbleibenden Gegenwinds in den aktuellen Bewertungen steckt, könnte dies eine Chance für europäische Aktien darstellen.

Um mehr darüber zu erfahren, warum einkommensorientiertes Investieren im aktuellen Umfeld sinnvoll ist, lesen Sie bitte unsere aktuelle Studie.

Wie man dieses Thema spielen kann

Die Familie der S&P Dividend Aristocrats Indizes wählt aus einer breit gefächerten Basis von Qualitätsunternehmen aus, die regelmäßig ihre Bardividenden angehoben haben und kombiniert Dividendenwachstum mit Dividendenrendite, um Anlegern durch eine defensivere Portfoliohaltung zu helfen, sich gegen Unsicherheiten zu wappnen. Hier finden Sie Einzelheiten zum Europe Dividend Aristocrats-Fonds, der Anlegern diese defensiven Eigenschaften bietet und gleichzeitig die Investitionsquote in Aktien hoch hält.

Was Anleihelaufzeiten im Portfolio bewirken

von Pierre Debru, Director, Research, WisdomTree.

Der vorige Teil II dieser Reihe konzentrierte sich auf defensive Aktienstrategien und zeigte, wie Exposures von Quality oder Multi-Faktor zur Bewältigung der aktuellen Unsicherheit auf den Weltmärkten dienen können.

Diesmal behandeln wir festverzinsliche Wertpapiere in lokaler Währung, d.h., auf festverzinsliche Assets in der Heimatwährung des Anlegers. Wir nehmen Euro-Vermögenswerte für Euro-Anleger in den Blick, unsere wichtigsten Ergebnisse jedoch sprechen für andere Währungen, wie beispielsweise auf US-Dollar lautende Assets für US-Dollar-Anleger. Ein besserer Einblick in einige der Vor- und Nachteile der unterschiedlichen festverzinslichen Anlagen soll Investoren dabei unterstützen, ihre Portfolien vor Aktienrisiken zu schützen. Dazu heben wir die Diversifizierungskraft längerfristiger Anlagen und das potenzielle Risiko einer unkontrollierten Flucht hin zu Quality hervor.

Welche Assets das richtige Gleichgewicht zwischen einem ein Multi-Asset-Portfolio vor Aktienabwärtsbewegungen schützenden defensiven Profil und einem angemessenen Aufwärtspotenzial zur Bewältigung unsicherer Perioden und spätzyklischer Rallys erbringen, stellten wir im ersten Teil dieser Reihe mithilfe eines defensiven Frameworks und seiner vier Hauptmerkmale - Risikominderung, Vielseitigkeit und Asymmetrie der Renditen, Diversifikation und Bewertung - vor.

Fixed Income: Aushängeschild für defensive Vermögenswerte

Historisch gesehen geht ein Multi-Asset-Portfolio von einem 60/40 Prozent Asset-Mix mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent festverzinslichen Vermögenswerten aus. Dieser Mix soll ein Exposure der historisch überlegenen Renditen von Aktien ermöglichen und gleichzeitig die Diversifizierungsvorteile zu gewähren, die in festverzinslichen Assets stecken. In diesem Rahmen gelten festverzinsliche Vermögenswerte als ultimative defensive Werte, die im Falle eines Aktienabschwungs eine gewisse Dämpfung bieten. Das ist teilweise auf ihre geringere Volatilität, aber vor allem auf ihre negative Korrelation mit Aktienrenditen zurückzuführen.

In Abbildung 1 betrachten wir die durchschnittliche monatliche Performance verschiedener festverzinslicher Anlagen (linke Achse) während verschiedener Aktienmarktregime. Referenzindex hierbei ist der Europe STOXX 600. Die durchschnittlichen Renditen jeder Anlage während der beiden für Aktien negativen Regime geben uns einen Einblick in ihre Risikominderungseigenschaften. So verlieren die europäischen Aktienmärkte (i) in einem bestimmten Monat mehr als 5 Prozent oder zwischen 0 und 5 Prozent (ii), was durch die blauen Balken veranschaulicht wird. Die durchschnittlichen Renditen jeder Anlage in den beiden für Aktien positiven Regimen liefern Information über die Asymmetrie ihres Profils und ihre Fähigkeit, in guten Zeiten eine positive Performance zu erzielen.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg.
 Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren.

Bezüglich der Ergebnisse auf der Seite der Risikominderung ist zu konstatieren, dass Cash und Staatsanleihen ihr Versprechen, positive Renditen in beiden für Aktien negativen Regimen zu bringen, einhalten. Erwähnenswert ist auch, dass Staatsanleihen der Eurozone nicht nur Drawdowns wie bei der Cash Position reduzieren, sondern auch einen positiven Aufschwung bewirken. Mit zunehmendem Kreditrisiko innerhalb eines festverzinslichen Assets verflüchtigt sich die Wirkung der Risikominderung tendenziell. In den letzten zwei Jahrzehnten verhielten sich Hochzins- und Schwellenländeranleihen ähnlich wie Aktien.

Auf der anderen Seite gilt bei den für Aktien positiven Regimes: Je höher das Kreditrisiko des festverzinslichen Vermögenswerts, desto besser seine Performance. Die Cash Position unterstreicht perfekt die Fallstricke, die sich aus der ausschließlichen Konzentration auf die Risikoreduzierung ergeben. Auch wenn diese Position in den Drawdown-Szenarien sehr gut abschneidet, profitiert sie nicht von der starken Preissteigerung, die andere Anleihen in wirtschaftlich besseren Zeiten aufweisen, und kann daher nicht als mittel- bis langfristige Investition angesehen werden.

Langfristige Staatsanleihen - Balance zwischen Risikominderung und Aufwärtspotenzial

Abbildung 2 veranschaulicht Staatsanleihen und die Auswirkungen von Laufzeit und Ratings auf deren Leistungsprofil. In Bezug auf die Risikoreduzierung ist ihre Performance bei Aktienabschwüngen umso höher, je höher die Bonität des Vermögenswerts rangiert (siehe EUR Treasury AAA). Dies ist teilweise auf das Verhalten der Anleger zurückzuführen. Sie neigen in Krisenzeiten dazu (wie deutschen Bundesanleihen oder US-Staatsanleihen), Geld in nicht riskante Safe-Haven Anlagen zu allokieren. Interessanterweise hat die Geschichte in Phasen fallender Aktienkurse gezeigt, dass die Verlängerung der Laufzeit der vorteilhafteste Hebel war - sogar besser als die Erhöhung der Kreditqualität (siehe EUR Treasury 15+ gegenüber EUR Treasury 1-3). Anlagen mit langer Laufzeit zeigen in Szenarien fallender Aktienkurse und steigender Anleihepreise (Anleiherendite fällt)eine größere Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Zinssätze.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg.
 Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf den täglichen Renditen in EUR.Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren.

In den beiden anderen Regimen führt eine Erhöhung der Bonität festverzinslicher Anlagen zu einer erheblichen Verschlechterung der Performance. AAA-Staatsanleihen weisen wie Cash in jedem Marktszenario außerhalb von Aktiencrashs eine sehr starke Performance-Belastung auf, was zu hohen Opportunitätskosten für das investierte Geld führt.

Der Effekt einer Änderung der Laufzeit scheint dagegen je nach Bonität zu variieren. Für AAA-Staatsanleihen erhöht eine Verlängerung der Laufzeit die Underperformance in Regimen, in denen sich Aktien positiv entwickelten. Bei Anleihen mit geringerer Qualität wie italienischen Staatsanleihen (Rating A- / BBB) verbessert eine Verlängerung der Laufzeit die Performance. Tatsächlich bieten Staatsanleihen der Eurozone mit langer Laufzeit (Durchschnittsrating AA- / A +) aufgrund ihrer negativen Korrelation mit Aktien und ihres höheren Volatilitätsprofils eine starke Outperformance bei Drawdowns von Aktien, liefern jedoch auch in anderen Regimen eine starke Performance.

Unterm Strich erzielen Staatsanleihen durchschnittlicher Kreditqualität und langer Laufzeit (siehe EUR Treasury 5-7 oder 15+) eine bessere Risikominderung als Cash-Positionen. Deutsche Bundesanleihen oder EUR Treasuries zeigen mittlerweile ein Aufwärtspotenzial, das nahe oder auf dem Niveau von EUR-Unternehmensanleihen liegt.

In Abbildung 3 ist zu beobachten, dass Staatsanleihen und insbesondere höher bewertete Staatsanleihen gemäß früheren Erkenntnissen eine stark negative Korrelation zu Aktien aufweisen, während Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen eine hohe positive Korrelation aufweisen. Wenn man lediglich die Korrelation während der Aktien-Drawdowns in den Blick nimmt, scheint höhere Volatility wie Anlagen mit längerer Laufzeit oder Unternehmensanleihen stark davon zu profitieren, wobei die Korrelation deutlich stärker abnimmt als bei anderen Anlagen.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren. 

Auf der Suche nach Rendite zur Verbesserung der langfristigen Performance

Sobald der Asset Allocation-Mix ausgewählt wurde, der am besten zum Risikoprofil des Anlegers passt, muss der Implementierungsprozess in den Blick gefasst werden. Fixed Income ist eine weitläufige Anlageklasse mit unendlich vielen Möglichkeiten, in ein bestimmtes Segment zu investieren. In erneuter Anknüpfung an unser Framework besteht das Ziel darin, das gesuchte Verhalten der Anlageklassen unter Berücksichtigung der Bewertungen der Anlageklassen zu extrahieren (d. h., die Rendite zu verbessern, die wir aus den zugrunde liegenden Vermögenswerten extrahieren können). Durch systematische Strategien ist es unseres Erachtens möglich, das Ertragspotenzial eines festverzinslichen Segments wie Treasuries oder Aggregate zu verbessern. Die Nutzung günstiger Gelegenheiten, die Verlagerung der Exposures zwischen unterschiedlichen Ländern sowie Durations-Bereiche innerhalb dieses Segments können die Rendite steigern und damit das langfristige Ergebnis eines Portfolios verbessern. Insbesondere eine Treasury-fokussierte Strategie, die im Durchschnitt eine höhere Rendite und eine geringfügig höhere Duration als herkömmliche Benchmarks aufweist, ermöglicht eine Leistungsverbesserung in guten wirtschaftlichen Szenarien und dieselbe Defensivität in Abschwungphasen. Im nächsten Teil IV widmen wir uns der Suche defensiver Vermögenswerte, die sich auf Währungen konzentrieren.

Das Coronavirus erreicht Weltkonzerne

Die Ausbreitung des Coronavirus ist aktuell das bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Mitte Februar zeichneten sich bereits konkrete Folgen für Konzerne weltweit und den globalen Handel ab. In der Vorwoche sorgte der US-Elektronik-Riese Apple in diesem Zusammenhang für Aufsehen.

Apple teilte mit, seine Umsatzziele für das erste Quartal 2020 zu verfehlen. Erst drei Wochen zuvor hatte der iPhone-Hersteller die Spanne für seinen Umsatz im ersten Jahresviertel auf 63 bis 67 Milliarden Dollar (nach 58 Mrd. USD im Vorjahresquartal) geschätzt. Eine neue Prognose wurde nicht ausgegeben.

Nachfrage und Lieferketten sind beeinträchtigt

Die Börsen weltweit reagierten zunächst mit klaren Verlusten auf die Umsatzwarnung, weil Apple als besonders wichtiger Vertreter der Branche gilt und seine Aktie ein Zugpferd der US-Technologiebörse NASDAQ ist. Die Leitindizes konnten die Abschläge, die durch die neuerliche Verunsicherung ausgelöst worden waren, jedoch schnell wieder aufholen und wie im Fall des deutschen DAX schon bald wieder zu ihrer Rekordjagd zurückkehren.

Marktbeobachter befürchten dennoch, dass sich mittelfristig wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Epidemie niederschlagen könnten. Denn eine Reihe von Zulieferunternehmen, andere Technologieriesen und Branchen mit starker Abhängigkeit von China könnten dem Beispiel von Apple folgen. Einerseits haben die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus dazu geführt, dass Lieferketten durch vorübergehende Fabrikschließungen gestört wurden und daher die Nachfrage teilweise nicht gedeckt werden kann.

Andererseits blieben in China viele Geschäfte geschlossen, was den Absatz in dem wichtigen Markt erheblich beeinträchtigt. Dies spürten neben Elektronikunternehmen auch Luxusgüterkonzerne, für die China eine entscheidende Wachstumsregion darstellt. Adidas, der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt meldete einen Geschäftseinbruch in China seit dem chinesischen Neujahr am 25. Jänner um etwa 85 Prozent.

Auch österreichische Konzerne spüren Einschnitte

Darüber hinaus wurden zwei Dutzend Messen und Branchenkonferenzen wie etwa die Automesse in Peking und die weltgrößte Mobilfunkmesse MWC in Barcelona abgesagt, wodurch sich möglicherweise Geschäfte in Milliardenhöhe verzögern.

Der steirische Leiterplattenhersteller AT&S teilte zwar mit, dass alle drei seiner Produktionsstätten in China inzwischen wieder in Betrieb seien. Dennoch hat das börsennotierte Unternehmen seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2019/20 von bisher 1,03 Milliarden Euro auf 960 Millionen Euro gesenkt. Die Erwartungen der Marge beim Gewinn ohne Zinsen, Abschreibungen und Steuern (EBITDA) wurde von zuvor 20 bis 25 auf nunmehr 18 bis 20 Prozent reduziert.

Konjunkturmaßnahmen aber kein rasches Ende der Epidemie in Sicht

Unterdessen wurden in Asien Rufe nach staatlichen Konjunkturhilfen lauter. Südkoreas Präsident forderte in einer Kabinettssitzung, alle Möglichkeiten zu erwägen. Die Regierung von Singapur will umgerechnet 3,7 Milliarden Euro einsetzen, um Folgen für den Arbeitsmarkt und die Lebenshaltungskosten abzufedern. Weitere 530 Millionen Euro sollen in den Gesundheitssektor fließen. Auch Hongkong erhöht die Hilfsmittel, um die Folgen der Epidemie auf die Wirtschaft abzufedern.

Nach Einschätzung eines führenden chinesischen Fachmanns wird sich die Lage um den Virus möglicherweise erst Ende April stabilisieren: „Das ist eine sehr grobe Schätzung“, sagte Zhong Nanshan, Chef der Expertengruppe der chinesischen Regierung. Mit einem Höhepunkt des Ausbruchs im ganzen Land sei voraussichtlich bis Ende Februar zu rechnen. „Den Höchststand zu erreichen, bedeutet aber nicht den Wendepunkt“, mahnte der Mediziner zur Vorsicht.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Aussichten für Weltwirtschaft vorsichtig optimistisch, aber es bleiben Risiken

Die Aussichten für eine allmähliche Erholung des Weltwirtschaftswachstums bleiben vorsichtig optimistisch, sind aber nicht ohne Risiken. Darauf weist Kim Catechis hin, Leiter Anlagestrategie bei der Legg-Mason-Tochtergesellschaft Martin Currie.

Der Internationale Währungsfonds prognostiziert in seinem jüngsten World Economic Outlook im Januar ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,3 Prozent in diesem und 3,4 Prozent im kommenden Jahr. Der verhaltene Optimismus für die nächsten zwei Jahre gründet auf der Erwartung, dass einige Schwellenländer zu ihren langfristigen durchschnittlichen Wachstumsraten zurückkehren, darunter Indien, aber auch Brasilien, Mexiko, Russland und die Türkei. Dieser Optimismus wird untermauert durch die verbreiteten Zinssenkungen des vergangenen Jahres, die sich jetzt auswirken. „Für Investoren ist dies ein recht guter Hintergrund für globale Investments und ein gutes Vorzeichen für die Renditen im Jahr 2020. Aber es gibt zwei nicht zu übersehende Hauptrisiken: die Verschlechterung der weltweiten Handelsaktivitäten sowie die weitere Verzerrung der Wertschöpfungskette des Technologiesektors“, betont Catechis. Darüber hinaus seien weitere kritische Faktoren zu berücksichtigen, wie etwa die wirtschaftlichen Folgen des Brexits und der Klimawandel.

Hauptrisiko 1: Welthandel verschlechtert sich

2019 war kein gutes Jahr für die führenden Handelsnationen. Das globale Warenhandelsvolumen war in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,9 Prozent zurückgegangen. Deutschland verzeichnete ein Minus von 4,7 Prozent. Eine weitere Verschlechterung des Handels droht insbesondere, wenn der „Zollkrieg“ zwischen den USA und China anhält und sich auf andere Länder ausbreitet. „Zudem zeichnet sich eine potenziell heikle Handelsauseinandersetzung zwischen den USA und Europa ab. Die EU, der größte Verbrauchermarkt der Welt, hat sich zum wichtigsten Regulierungsorgan der Welt entwickelt, eine Rolle, die der US-Regierung nicht gefällt“, erläutert Catechis.

Hauptrisiko 2: Wertschöpfungskette des Technologiesektors wird weiter verzerrt

Das zweite Hauptrisiko liegt darin, dass die Wertschöpfungskette des Technologiesektors durch die zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China weiter verzerrt wird. Das würde dem Wachstum, den Investitionen und den Erträgen kurzfristig erheblich schaden. Zwar ist dieses Szenario am deutlichsten in der Technologie zu erkennen, aber es hat auch Auswirkungen auf jede Lieferkette in der globalen Wirtschaft. „Unternehmen haben Jahrzehnte daran gearbeitet, ihre Lieferketten zu optimieren. Nicht nur die Unternehmensgewinne sind gestiegen, auch die Verbraucher haben davon profitiert. Jetzt kommt eine neue Komponente ins Spiel, die schwer einzuschätzen und grundsätzlich instabil ist: die Politik“, so Catechis.


Über Legg Mason

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Batteries: one size doesn’t fit all

Batteries don’t just come in sizes like AAA and AA anymore, and new battery technologies are creating new battery applications, explains Luca Ramotti, ETF Analyst at Legal & General Investment Management.

In 2016 Sir James Dyson, the founder of the iconic vacuum-cleaner manufacturer, announced his company’s plans to develop a radically new electric vehicle, committing to invest £2 billion in the project. But last October, Dyson announced it was ditching this project and would be reallocating the funds to other products, including battery technology.

This strikes us less as a negative indicator for the electric-vehicle market, and more as a positive endorsement of the innovative and disruptive growth potential of new types of battery to which investors can gain exposure.

Electric vehicles are certainly one of the most promising areas of growth for battery producers, but batteries are now being deployed everywhere – from the portable electronic devices we all know and own to large-scale utility projects.

Currently, lithium-based batteries are undisputedly the dominant technology in almost every application, having unseated the previous nickel-cadmium standard. Lithium-ion batteries triumphed thanks to their relative stability, security, lower weight, and longer life span.

Yet we should not assume that lithium ion will always be the pre-eminent battery technology; the choice of most appropriate battery for any given use requires some trade-offs. We have identified seven factors that need to be taken into account:

  1. Safety: a key characteristic for every type of battery, from electric vehicles and mobile phones to utility-scale energy storage systems. Everyone remembers the media coverage of exploding smartphones.
  2. Power density: the amount of power that a battery can deliver per kilogram of weight.
  3. Energy density: the storage capacity per kilogram of weight.
  4. Velocity of recharge: the time necessary to recharge the battery. Batteries’ recharging process is not linear, and some batteries may be able to reach 80% of their charge rapidly.
  5. Life span: how many life cycles or years a battery can be used before its degradation affects its capacity. Batteries can start degrading as soon as they get out of the factory, irrespective of their usage, and some of them can be damaged if completely discharged.
  6. Temperature performance: the ability of a battery to work in different conditions and environments.
  7. Cost: the overall cost of a battery pack.

Li-ion roars

Manufacturers have learned how to use different cathode materials to improve different attributes of their lithium-ion batteries to make them better suited for different uses. For example, consider this non-exhaustive list of the different types of lithium-ion batteries:

  • Lithium cobalt oxide batteries (LCO) are often used in portable devices such as smartphones and laptops due to their low weight. However, this type of battery has a relatively short lifespan and doesn’t cope well with extreme temperatures.
  • Lithium nickel cobalt aluminium (NCA) batteries are used in the Tesla S Model. This technology provides impressive energy levels and ultra-fast charging, able to reach an 80% charge in 30 minutes. The large battery of the Tesla S Model provides a high driving range of over 400 kilometres, but at the expense of battery weight.
  • Lithium nickel manganese cobalt (NMC) is currently the most popular chemistry for electric vehicles other than Tesla. NMC batteries accounted for nearly 28% of global electric-vehicle sales in 2018, and are expected to account for 63% by 2027.
  • Lithium titanate (LTO) allows ultra-fast charging without stress, but at the cost of a lower capacity.
  • Lithium iron phosphate (LFP) is considered extremely safe and can deliver high power. LFP batteries can function in most environments with greater adaptability to different temperatures, so are often used in industrial vehicles.

And this is just some of the variety in the lithium family of batteries alone; alternative technologies are carving out their own niches in the battery market, notably in energy storage. In this space, li-ion batteries are constrained because they work best in mild temperatures.

Battery assiduous

One of the most promising technologies in this field is sodium-sulfur batteries, which are less sensitive to external temperatures. Furthermore, they allow for a longer period of storage and so reduce the total system cost. One of the leaders in this market is the Japanese manufacturer NGK Insulators, which provided sodium-sulfur battery systems for a 108MW/648MWh project completed in January 2019 in Abu Dhabi.

220 years have passed since Alessandro Volta paired copper and zinc discs separated by a layer of cardboard and salted water. Now, thanks to some recent breakthroughs, the battery technology market is again in an early growth phase, ready to power the next technological revolution.

Investors should be aware that the opportunities opened by battery technologies go beyond the adoption of electric vehicles. We have witnessed exceptional growth in storage capacity throughout the world and technological progress in this space is a vital step forward in the transition to a world that uses more renewable energy world.

The battery technology market is continually evolving. It is hard to say now which chemistry, if any, will become the standard. The price and supply of the raw materials adds further complexity to the chemistry. In recent years, for example, manufacturers have been trying to reduce the amount of lithium in their batteries due to the metal’s high price.

For investors looking to participate in this secular growth theme, we therefore believe it is crucial to gain exposure through a diversified portfolio spanning the full value chain of the battery market.


This article has first been published on futureworldblog.lgim.com.

Rede von Brexit-Chefunterhändler David Frost am Montag

James Binny, Global Head of Currency bei State Street Global Advisors, zur Rede von David Frost, Brexit-Chefunterhändler und Berater von UK-Premierminister Boris Johnson, am Montag in Brüssel:

„Zum Beginn der Verhandlungen ist auf beiden Seiten mit wenig Kompromissbereitschaft zu rechnen. Dieses Säbelrassen wird zu einer gewissen Währungsvolatilität führen - allerdings weniger stark als im letzten Jahr und die Kursspanne des Pfunds ist aufgrund der gesunkenen Unsicherheit höher. Während die Spannungen im Laufe des Jahres noch zunehmen könnten, wäre es für den britischen Premierminister Boris Johnson, der den "Brexit geschafft" hat, vorteilhaft, wenn das Thema jetzt etwas in den Hintergrund tritt, damit er sich auf andere Prioritäten konzentrieren kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass bis zum Jahresende eine Art von Deal erreicht wird, ist zwar hoch und es muss noch einiges verhandelt werden, aber Johnson kann behaupten, dass er die Deadline nicht weiter verschoben hat.“

Turbulenter Start ins Jahr für Ölpreis

Die Ölpreise sind zum Jahresstart stark unter Druck geraten. In der Vorwoche kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent zwischenzeitlich rund 54 US-Dollar. Anfang Jänner waren es noch fast 70 Dollar pro Fass gewesen. Als Hauptgrund für den Preisrückgang wurde an den Märkten die Sorge um die Folgen des Coronavirus in China angeführt.

Angesichts der Lungenkrankheit werden Auswirkungen auf die chinesische Konjunktur und damit eine spürbar niedrigere Nachfrage nach Öl befürchtet. So blieben etwa Betriebe auch nach den Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest geschlossen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Doch die Situation in China ist nur ein Aspekt der aktuellen Preisschwäche am Ölmarkt.

Coronavirus nicht einziger Belastungsfaktor

Die US-Energiebehörde EIA hat in ihrem aktuellen Monatsbericht ihre Prognosen für die Öl-Nachfrage deutlich gesenkt. Für das erste Quartal 2020 hat die EIA ihre Erwartungen für die tägliche Nachfrage um 900.000 Fass gegenüber der Schätzung im Jänner reduziert.

Spannend dabei ist, dass davon lediglich ein Minus von 320.000 Fass auf einen sinkenden Bedarf in China zurückgeführt wird. Dies könnte darauf hinweisen, dass eine mögliche Konjunkturschwäche in den OECD-Ländern (auf die eine Reduzierung der Prognosen um 500.000 Fass entfällt) als relativ höher eingeschätzt wird.

Auch die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat ihre Prognose für die weltweite Nachfrage nach Rohöl kräftig gesenkt. Aus ihrer Sicht dürfte die Nachfrage im ersten Quartal um durchschnittlich 440.000 Barrel pro Tag niedriger ausfallen als bisher prognostiziert, wie aus dem Monatsbericht der OPEC hervorgeht.

Hält die Ölpreisstütze?

Vor diesem Hintergrund hat ein Komitee der OPEC ihren Mitgliedern und weiteren kooperierenden Ländern der OPEC+ bis Ende Juni eine zusätzliche Kürzung der vereinbarten Fördermengen um 500.000 Barrel pro Tag empfohlen.

Die zusätzliche Einschränkung soll Anfang März bei einem Treffen in Wien beschlossen werden. Doch im Vorfeld deutete sich verstärkter Widerstand gegen die Maßnahmen zur Preisstabilisierung an: Russland blockierte zunächst die Ausweitung der Produktionskürzungen und kündigte an, den Vorschlag des OPEC-Komitees genau zu „studieren“.

US-Lagerbestände bereits stark gestiegen

Erst im Dezember hatten sich wichtige Förderstaaten auf eine stärkere Drosselung um eine halbe Millionen Barrel pro Tag geeinigt. Ob im März eine erneute Einigung gelingt, ist fraglich. Zumal mit den USA ein aufstrebender Ölproduzent außerhalb der OPEC+ weiterhin keine Einschränkungen signalisiert.

Die zuständige US-Behörde hat ihre Prognose für das Wachstum der Weltnachfrage nach Öl in diesem Jahr um täglich 300.000 Barrel auf eine Million pro Tag reduziert. Dies dürfte jedoch vor allem zu einem verstärkten Lageraufbau und damit für höheren Druck auf die Preise führen – wie auch die offiziellen US-Lagerbestände nahelegen, die in der Vorwoche überraschend doppelt so stark zulegten wie erwartet.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

„Über die Wirkung von Aktienstrategien“

von Pierre Debru, Director, Research, WisdomTree.

In der vergangenen Woche stellten wir zum Auftakt unserer Themenreihe ein Modell vor, mit dessen Hilfe Anleger beurteilen können, mithilfe welcher Assets und Investitionen sie unsichere Zeiten meistern und mögliche künftige Krisen bewältigen können. Heute zeigen wir auf, welche Assets am besten geeignet sind, um die Anlegerportfolios gegen etwaige bevorstehende Kursrückschläge bei Aktien zu schützen. Wir stellen zudem die potenziellen Opportunitätskosten für jeden Vermögenswert auf, falls der Drawdown nicht eintritt. Im Folgenden zeigen wir, dass traditionell defensive Aktienstrategien wie Minimum Volatility (Min Vol) oder Utilities in der Regel eine starke defensive Wirkung, aber auch begrenzte Aufwärtspotenziale aufweisen, während Faktoren wie Qualität, hohe Dividende oder Multi-Faktor ein ausgewogeneres Risiko-Rendite-Profil bieten, das mehr Flexibilität ermöglicht.

Aus Sicht von Euro-Anlegern gibt es unendlich viele Aktienkörbe, in die investiert werden könnte. Wir konzentrieren uns jedoch auf einige der gängigen klassischen Körbe aus Regionen (Europa, USA und Schwellenländer), Branchen und Faktoren. Bei den Sektoren konzentrieren wir uns auf 11 GICS-Sektoren (Global Industry Classification Standard) von Aktien aus Industrieländern. Darüber hinaus fokussieren wir 7 typisch klassische Faktoren, d.h. Minimum Volatility, Quality, Value, High Dividend, Size, Growth und Momentum sowie einen Multifaktor-Ansatz für Aktien aus Industrieländern (Weitere Informationen zu den verwendeten Indizes untenstehend).

Das Ausbalancieren von defensiver Wirkung und Aufrechterhalten des Aufwärtspotenzials ist der Versuch der Quadratur des Kreises

Unser Modell konzentriert sich auf 4 Aspekte: Risikominderung, Asymmetrie der Renditen oder Vielseitigkeit/Diversifikation und Bewertung.

Nachfolgende Abbildung konzentriert sich auf die Risikominderung und zeigt die Outperformance der verschiedenen Aktienmärkte in Drawdown-Perioden im Vergleich zum MSCI World. Hier sind definitiv 3 unterschiedliche Aktienkörbe zu unterscheiden:

  • Körbe mit höherem Risiko wie Finanzen, IT oder Europa, die in den meisten Zeiträumen eine Underperformance aufweisen und dem Markt auch eine allgemeine Underperformance liefern.
  • Körbe, die einen „Mittelweg“ wählen und somit keine starke Neigung nach oben oder unten gegenüber der Benchmark haben. Aktien aus Schwellenländern (EM) weisen insgesamt eine leicht verbesserte Wertentwicklung und geringere Drawdowns in vier Perioden auf, was den starken Vorteil der geografischen Diversifikation unterstreicht. US-Aktien profitieren von der Stärkung des US-Dollars in Krisenzeiten.
  • Defensive Körbe, die in allen Perioden eine Outperformance zeigen und insgesamt stark überdurchschnittlich abschneiden. Sie beinhalten zum einen Sektoren, wie Health Care, Basiskonsumgüter und Versorger und zum anderen Strategien wie Minimum Volatility und Quality.

Abb 1_Outperformance vs MSCI World in periods of equity drawdowns.png
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. In EUR. Vor September 2018 wurde MSCI World Communications von MSCI World Telecommunications vertreten. Weitere Details zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie im Disclaimer am Ende des Dokuments. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Diese erste Analyse hebt die 5 Vermögenswerte hervor, die in der Vergangenheit den höchsten Schutz bei Aktien-Drawdowns gezeigt haben. Als nächsten Schritt wollen wir das Aufwärtspotential dieser Vermögenswerte untersuchen, um ihre Vielseitigkeit zu beurteilen

Abb_2_Upside and Downside Capture vs MSCI World.png
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Weitere Einzelheiten zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie im Disclaimer am Ende des Dokuments. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung und Anlagen können an Wert verlieren.

In Abbildung 2 vergleichen wir, wie viel von der negativen Wertentwicklung der Aktien aus Industrieländern (bzw. der positiven Wertentwicklung) von den verschiedenen Aktienkörben (als positive bzw. negative Marktposition bezeichnet) erfasst wird. Von den 5 defensiven Körben, die wir in Abbildung 1 herausgegriffen haben, landen in Abbildung 2 vier in der Position unten links. Das bestätigt ihre Fähigkeit, den Aktienkursrückgänge historisch abzufedern, zeigt aber auch deutlich, wie viel von der Aufwärtsbewegung geopfert wird. Die Minimum Volatility Strategie zeigt beispielsweise ein Upside Capture von nur 70 Prozent.

In der Mitte des Diagramms scheinen 5 Körbe, nämlich Quality, High Dividend, Momentum, Multi-Factor und Energy, einen ausgewogeneren Kompromiss mit einer Upside Capture von über 90 Prozent und einer Downside Capture von unter 95 Prozent zu bieten. Solche Körbe würden einem Portfolio mehr Vielseitigkeit bieten. Insbesondere Multi-Factor weist mit einer starken Asymmetrie zwischen Upside Capture Ratio und Downside Capture Ratio ein sehr interessantes Profil auf.

Insgesamt ist Quality der einzige hier als defensiv hervorgehobene Ansatz, der einen ausgewogenen Kompromiss aufweist.

Geografische Diversifizierung zeigt starke Wirkung

Unser drittes Kriterium, die Diversifikation, spielt in der Regel in allen Anlageklassen, beispielsweise in Aktien und festverzinsliche Wertpapiere, eine größere Rolle als innerhalb einer bestimmten Anlageklasse. In Abbildung 1 zeigen Schwellenländer jedoch in allen vier der sechs betrachteten Zeiträume eine leichte Outperformance. Dies zeigt, was eine Diversifizierung weg vom eigenen Anlegermarkt hin zu anderen Regionen bewirken kann.

Vielseitigkeit und Verhalten bei Zinsschocks

Abgesehen davon sind das Verhalten und die Korrelation zu Zinsbewegungen interessante Aspekte bei Aktieninvestments. Die Wahrscheinlichkeit eines Zinsanstiegs im Laufe des Jahres 2020 ist alles andere als null, denn die Renditen in Europa sind bereits tief negativ und auf historischen Tiefstständen angelangt. Dies sollte in Bezug auf das Verhalten des Aktienkorbs berücksichtigt werden.

Abbildung 3 zeigt deutlich, dass die Aktienkörbe mit Minimum Volatility oder Utilities den Drawdown am ehesten reduzieren, jedoch in Perioden steigender Gewinne eine Underperformance aufweisen. Ausgewogenere Körbe wie Quality, Energy oder High Dividend, scheinen jedoch weniger anfällig für diese Verschärfung zu sein, was sie zu einem starken Kandidaten für die Auswahl eines defensiven Portfolios macht. Multi-Factor scheint aus diesem Blickwinkel heraus unter diesen defensiven Körben am effizientesten zu wirken und zeigt in diesen Zeiträumen eine starke Performance.

Abb 3 Annualised outperformance depending on 10Y Bund Change.png
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Weitere Einzelheiten zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie im Disclaimer am Ende des Dokuments. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung und Anlagen können an Wert verlieren.

Insgesamt scheint es unter Aktienkörben, bei denen der Drawdown historisch sank, zwei relativ getrennte Familien zu geben. Die erste, mit traditionell defensiven Assets wie Min Vol oder Utilities, weist eine sehr starke Defensivität, aber auch eingeschränktes Upside Capture und in der Tat anleihenähnliche Merkmale hoher Zinsempfindlichkeit auf. Die zweite Familie aus Quality, High Dividend, Multi-Faktor oder Energy bietet zwar defensive Charakteristika, ist jedoch ausgewogener, was eine größere Vielseitigkeit ermöglicht.

Warum sich bewertungsgesteuerte Strategien auszahlen

Ein letzter zu berücksichtigender Aspekt ist die Bewertung der Assets. Nicht selten werden einige Sektoren oder Stile nach einer Phase der Marktübertreibung sehr teuer. Praktiker werden sich an den Lauf bei Minimum Volatility-Aktien im Jahr 2016 erinnern, in jüngerer Zeit bei FANGs (Facebook, Amazon, Netflix, Alphabet).

Wir sind von Bewertungsdisziplin fest überzeugt. Deshalb beinhaltet unsere Strategie einen Mechanismus zur Steuerung der Bewertung in unseren Portfolios durch Aktienscreening und Neugewichtung. Regelmäßiges Rebalancing hilft zudem dabei, Verschiebungen in der Gewichtung zu vermeiden. Insbesondere konzentrieren sich unsere Flaggschiff-ETFs (Equity Exchange Traded Funds) auf das Exposur in High Dividend und Quality durch klar definierte systematische Strategien. Diese investieren in die relevantesten Aktien und gewichten diese gleichzeitig durch Bardividenden, um ein angemessenes Bewertungsniveau aufrechtzuerhalten. Multifaktorstrategien profitieren von der Tatsache, dass Value einer der Faktoren bei der Aktienauswahl ist, weshalb auch die Bewertungen ziemlich genau kontrolliert werden.

Aktien: Das Jahr begann, wie das vorige geendet hat...

... nämlich mit steigenden Kursen an den Aktienbörsen, zumindest bis Mitte Jänner. Vor allem Technologiewerte und einige Emerging Markets, wie auch Russland und China, konnten gut zulegen. Die Beilegung des Handelsstreits und die wieder aufkommende Konjunkturhoffnung in China und damit Asien unterstützten diesen guten Start ins neue Jahr.

Dann kam das Coronavirus in die Quere und Börsen reagieren ja bekanntlich recht heftig auf negative Nachrichten, gerade wenn sie sich ohnehin in einer technisch überkauften Lage befinden. Die Volatilität sprang an, es folgte die schwächste Woche seit August 2019. Leidtragend war nicht nur China, sondern auch exportorientierte Märkte wie Europa. Die Auswirkungen treffen kurzfristig vor allem den Dienstleistungssektor (Tourismus) und zyklische Werte. Wie robust die Aktienmärkte dennoch sind, zeigen die USA – vor allem im Technologiesektor – und damit der Welt­Index, der sich kaum erschüttern ließ.

Der schwache Start des ATX hat seine Gründe in der Indexzusammensetzung mit Dominanz von Finanz, Öl und zyklischen Werten.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien USA und Europa: Gewinnwachstum kann entscheidend werden

Die Entspannung im Handelskonflikt in Kombination mit vereinzelten vorsichtig optimistischeren Konjunkturdaten sorgte generell für eine gute Unterstützung der Aktienmärkte. Im Gegensatz zu 2018 waren im vergangenen Jahr die Unternehmensgewinne kein relevanter Faktor. Das Gewinnwachstum war de facto null, somit erhöhten die Kursgewinne am Aktienmarkt die Bewertung merklich. Dennoch sollten heuer Unternehmensgewinne wieder ein bestimmender fundamentaler Faktor werden.

Die Gewinnqualität – gemessen an der erzielten Marge – war bisher respektabel, zieht man in Betracht, dass sich die Kostenbasis (Löhne, Gehälter, Rohstoffe) für die Unternehmen sukzessive erhöht hat.

Für das Jahr 2020 wird derzeit in den USA mit einem Gewinnwachstum von 9 % gerechnet, wobei die Prognosen vom Jahresbeginn in der Regel in den Folgemonaten nach unten revidiert werden. Trotz einiger kurzfristig warnender Signale setzen wir auf eine weitere Verbesserung bei den Fundamentaldaten und sind daher nun in Aktien übergewichtet.

Der asiatische Raum scheint sich mittlerweile konjunkturell zu erholen. Das findet mittlerweile auch bei der Gewinnentwicklung von Emerging-Market-­Aktien seinen Niederschlag: der Gewinnrückgang, der seit Anfang 2018 angehalten hat, scheint beendet zu sein. Damit konnten sich Schwellenländeraktien im Vergleich zum entwickelten Aktienraum endlich wieder von der etwas freundlicheren Seite zeigen. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, zumindest nach der aktuellen Irritation.

Wie sich die Coronavirus-Epidemie auf den Anleihensektor auswirkt

by Kevin Flanagan, Head of Fixed Income Strategy, WisdomTree.

Die Finanzmärkte starteten ungewöhnlich gut ins Neue Jahr. Normalerweise blicken die Marktteilnehmer auf die US-Notenbank und/oder die konjunkturelle Entwicklung. Diesmal stand allerdings das Coronavirus im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Zur Bewertung dieses Ereignisses ist der Einblick aus der Perspektive der Anleihenmärkte hilfreich, vor allem wenn man den Vergleich zum Ausbruch von SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) im Zeitraum von November 2002 bis Juli 2003 zieht.

Sicherlich beschäftigen sich auch andere Finanzexperten mit der Analyse dieser Situation. Allerdings stellte ich fest, dass der SARS-Ausbruch nicht im luftleeren Raum stattfand. Das aktuelle Coronavirus und der damit verbundene Risk-Off-Trade1 sind zweifellos Haupttriebkraft der jüngsten Entwicklungen im Bereich festverzinslicher Wertpapiere, insbesondere was den Markt der US-Treasuries (UST) angeht. Nachdem wir uns in die Materie vertieften (und zur Zeit des SARS-Ausbruchs auch auf den Märkten aktiv waren), stellten wir fest, dass die SARS-Episode vor 17 Jahren nicht unbedingt die Hauptursache für die dann folgende Zinsentwicklung war. Damals waren die Anleger noch mit den Folgen der Anschläge von 9/11, der Anthrax-Angst Ende 2001 sowie mit dem Corporate Governance-Skandal (Enron und WorldCom) beschäftigt. Aus makroökonomischer Sicht gewegten sich die USA gerade erst aus der Rezession des Jahres 2001 heraus, die US-Notenbank befand sich mit der Rückführung des US-Leitzinses von 6,50 auf 1,00 Prozent bis Juni 2003 mitten in einem aggressiven Zinssenkungszyklus.

Einige wichtige Highlights und Grafiken, die den Zeitraum der SARS-Ausbruch von November 2002 bis Juli 2003 veranschaulichen:

  • Die 10-Jahres-Rendite für UST fiel an einem Punkt um etwa 105 Basispunkte, lag aber am Ende fast 25 Basispunkte über dem vor der SARS-Nachricht „auf Band“ veröffentlichten Renditeniveau.
  • Die 3-Monats-/10-Jahres-Renditekurve flachte an einem Punkt um etwa 75 Basispunkte ab, war aber 50 Basispunkte breiter als im November 2002.
  • Die 2-Jahres/10-Jahres-Spanne der UST verringerte sich nur um etwas weniger als 15 Basispunkte, war aber Ende Juli 2003 um 55 Basispunkte höher.
  • Das reale US-BIP fiel im 4. Quartal 2002 auf einen Tiefststand von plus 0,6 Prozent, schnellte aber im 3. Quartal 2003 auf plus 7,0 Prozent zurück.
  • Die Spreads bei US-Investment Grade und High Yield Bonds waren durchweg rückläufig und verringerten sich um 84 bzw. 365 Basispunkte.

US Treasury 10-Yr Yield.pngQuelle: Bloomberg, Stand 30.1.2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

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Quelle: Bloomberg, Stand 30.1.2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Hier sind einige wichtige Highlights der aktuellen Epidemiephase:

  • Die Rendite 10-jähriger UST fiel seit Beginn der Coronavirus-Schlagzeilen um etwa 30 Basispunkte
  • Die 3-Monats-/10-Jahreskurve der UST verengte sich um ähnliche 30 Basispunkte, was den oben erwähnten Rückgang der 10-Jahres-Rendite widerspiegelt und ist nun bei minus 2 Basispunkten wieder invertiert.
  • Die Kurve der 2- und /10-jährigen UST flachte um 6 auf plus 19 Basispunkte ab.
  • Die Spreads bei Investment Grade (IG) Bonds erhöhten sich um bescheidene 5 Basispunkte, während die Spreads bei High Yields (HY) um mehr als 65 Basispunkte anstiegen.

Zwar ist Chinas Wirtschaft im Jahr 2020 weitaus stärker von globalem Einfluss geprägt als noch vor 17 Jahren. Es besteht kein Zweifel, dass sich der Ausbruch des Corona-Virus negativ auf das chinesische BIP und damit auf das globale Wachstum auswirken wird. Ausgehend von einem Epidemie-Höchststand im ersten Quartal scheinen sich die Schätzungen auf einen Widerstand von etwa 0,5 bis 1,0 Prozentpunkten für China und 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte in Bezug auf die globalen Wachstumsaussichten zu konzentrieren. Die USA sind davon zwar nicht isoliert, doch die Auswirkungen auf das reale BIP dürften dort derzeit nur wenige Prozentpunkte betragen. Tatsächlich liegt der US-amerikanische Gesamthandel mit China, ausgedrückt in Prozent des BIP, im niedrigen einstelligen Bereich.

Sobald die Epidemie ihren Höhepunkt erreicht hat, ist zu erwarten, dass sich die Geschichte auf dem UST-Markt wiederholt, wobei die 10-Jahres-Rendite wieder näher an 2 Prozent heranrücken könnte und die erwähnten Zinskurven wieder steiler ausfallen dürften. Die 3-Monats/10-Jahres-Kurve dürfte zudem wieder in den positiven Bereich zurückgehen. Auch die Spreads bei High-Yield-Bonds könnten sich ausgehend von den derzeitigen Niveaus etwas verengen.

Jegliche konjunkturelle Verlangsamung wird sich wahrscheinlich in den folgenden Quartalen wieder umkehren, und zwar in gewissem Umfang. Was die Fed betrifft, so wurde auf der Sitzung des Offenmarktausschusses im Januar unterstrichen, dass sich die Politik in einer Warteschleife befinde, obwohl die Fed Funds Futures in diesem Jahr zwei Zinssenkungen einpreisten.


Sofern nicht anders angegeben, ist die Datenquelle Bloomberg, Stand 30.1.20.

1) Risk-Off-Trade: Stimmung der Unsicherheit bezüglich der allgemeinen Marktbedingungen

Signifikantes Wachstumspotenzial spricht für Investments in Infrastruktur

Signifikantes Wachstumspotenzial, stabile Cashflows, die Inflationsabsicherung und die geringe Korrelation zu den meisten wichtigen Anlageklassen sprechen aktuell für Investments in Infrastruktur. „Wir erwarten, dass das Infrastrukturvermögen in der kommenden Dekade global um 114 Prozent wächst und bis 2030 ein Volumen von 110 Billionen US-Dollar erreichen wird“, prognostiziert Shane Hurst, Senior-Portfoliomanager des Legg Mason RARE Infrastructure Value Fund.

Dabei werde sich das Vermögen in den entwickelten Industrienationen voraussichtlich von 27 auf über 50 Billionen US-Dollar fast verdoppeln, während es sich in den Schwellenländern sehr wahrscheinlich von 22 auf über 60 Billionen US-Dollar nahezu verdreifachen wird. Der private Sektor spiele bei der Finanzierung eine immer größere Rolle. Bei börsennotierten Infrastrukturinvestments, die von der Entwicklung besonders profitieren, liegt sein Anteil schon heute bei über 40 Prozent.

Energie und Transport als Wachstumsmotoren

Die Veränderung des Energiemix, die Sanierung bestehender Anlagen und zusätzliches Wachstum durch neu entstehende Anlagen treiben laut Hurst die Ausgaben für Infrastruktur. In den Industrienationen stehen in den kommenden zwei Jahrzehnten vor allem die Themen Wartung, Upgrades und Kapazitätsausweitung im Vordergrund. Die Experten von RARE Infrastructure rechnen mit Investitionen in die Energieversorgung und -effizienz von 2018 bis 2040 in Höhe von weltweit 20 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig erwarten sie von 2018 bis 2038 beispielsweise einen Zuwachs des Flugpassagieraufkommens von 144 Prozent. In den Schwellenländern prägen Bevölkerungswachstum und Verstädterung die weitere Entwicklung. 2030 wird es vermutlich 43 Megastädte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern gegenüber 33 im Jahr 2018 geben; bis 2030 werden voraussichtlich 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, gegenüber 55 Prozent im Jahr 2018.

Börsennotierter Infrastrukturmarkt als alternative Option

Anleger, die von dieser Entwicklung profitieren wollen, stehen dafür grundsätzlich zwei Wege offen: nicht-börsennotierte und börsennotierte Investment-Vehikel. Dabei wurde die Allokation in die Anlageklasse Infrastruktur zunächst zum größten Teil auf private Markttransaktionen und nicht-börsennotierte Infrastrukturfonds ausgerichtet. Die seit etwa 2011 deutlich gestiegene Nachfrage nach nicht-börsennotierten Infrastrukturanlagen konnte allerdings nicht durch eine entsprechende Zunahme des Angebots gedeckt werden. Diese Dynamik in Verbindung mit stimulierenden monetären Rahmenbedingungen hat einen erheblichen Abwärtsdruck auf die Renditen ausgeübt und den Kapitaleinsatz in nicht-börsennotierte Infrastrukturanlagen immer schwieriger gemacht. Dagegen bietet der börsennotierte Infrastrukturmarkt den Anlegern viele Investitionsmöglichkeiten: „Bei hochwertigen Infrastrukturaktien hat der Investor die Flexibilität, seinen Anlagehorizont wählen oder ändern zu können“, erläutert Hurst. Diese Flexibilität, aber auch größere Liquidität und niedrigere Gebühren seien Vorteile börsennotierter gegenüber nicht-gelisteter Infrastrukturinvestments.

Aktienuniversum für börsennotierte Infrastrukturanlagen

Der Schwerpunkt liegt dabei auf defensiven Anlagen, die stabile Erträge über die Wirtschaftszyklen hinweg bieten wie Gas-/Elektrizitätsübertragung und -verteilung, Wasser und Abwasser; zum anderen auf Wachstumswerten, die zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Dazu gehören beispielsweise Flughäfen, Mautstraßen, Eisenbahnen oder Häfen. „Für Investitionen in den börsennotierten Infrastrukturmarkt eignen sich vor allem die größten und liquidesten Unternehmen weltweit, etwa 200 lassen sich hier identifizieren“, sagt Hurst. Stabile Cashflows und die wachsende Vermögensbasis haben hier zwischen 2012 und 2018 zu einem durchschnittlichen jährlichen Dividendenwachstum von rund sieben Prozent geführt. Das Netto-Wachstum der Sachanlagen lag im selben Zeitraum bei 7,7 Prozent.


Über Legg Mason

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.
Website: www.leggmason.de

"Investoren sollten der deutschen Politik früher als später mehr Aufmerksamkeit schenken"

Elliot Hentov, Leiter des Policy Research bei State Street Global Advisors, zur aktuellen politischen Lage in Deutschland und deren Auswirkungen auf den Markt:

"Die Erwartungen an einen größeren Politikwechsel durch die Merkel-ähnliche Nachfolgerin waren insbesondere in Fiskal- und Eurozonenfragen sehr gering. Nun erscheint eine ernsthafte Möglichkeit, dass die nächste deutsche Regierung bei den staatlichen Investitionen, der Besteuerung und der verstärkten Integration der Eurozone vorankommt - ganz zu schweigen von der grünen Politik, die laut Umfragen in der Regierungsbeteiligung zu erwarten ist. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass sich Deutschland weiter polarisiert und in Bezug auf politische Initiativen noch mehr stagniert. Schließlich wirft die Frage der Nachfolge auch die Möglichkeit auf, dass die Wahlen bereits 2020 statt 2021 stattfinden, was vielleicht einige längerfristige Trends vorwegnehmen könnte - alles in allem sollten Investoren der deutschen Politik früher als später mehr Aufmerksamkeit schenken."

Anleihen: War das ein guter Start ins neue Jahr?

In Europa, insbesondere in den Kernmärkten der Eurozone, war im letzten Quartal etwas „die Luft draußen“ und die Renditen drifteten von deutlich negativ wieder langsam zur Null-­Linie. Auch im Jänner sah es anfangs nach einer Prolongation aus, bis die Marktpanik durch das Coronavirus die Lage drehte. Die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen – Inbegriff eines sicheren Hafens – fielen in diesem Risk­-Off-­Szenario um 20 Basispunkte. Diese kurzfristige Rentenrally betraf vor allem jene Märkte, die im Dezember noch deutlich nachgegeben haben, also auch UK und USA.

Auch die Unternehmensanleihen, begleitet von hohen Emissionsvolumen, hatten einen guten Start ins neue Jahr. Anleihen aus den Emerging Markets, die üblicherweise auf Aktienschwächen und Volatilität sensibler reagieren, konnten sich gut halten. Auf den ersten Blick also ein guter Start ins neue Jahr.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: EZB startet Review-Prozess

Beim jüngsten Meeting der Europäischen Zentralbank (EZB) am 23. Jänner 2020 gab es erwartungsgemäß keine Änderung des Leitzinses. Laut Christine Lagarde wird die EZB aber bis Jahresende nicht im „Auto­-Pilot-­Modus“ fahren. Ein angekündigtes EZB-Review soll die quantitative Formulierung von Preis­ stabilität, Nutzung geldpolitischer Werkzeuge, Analyseansätze und Kommunikationspraktiken der EZB umfassen und bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Anmerkung: Die aktuelle geldpolitische Strategie wudde 1998 verabschiedet und zuletzt 2003 konkretisiert. Das Thema nachhaltiger Investments wird seitens der EZB ebenfalls an Bedeutung gewinnen, möglicherweise könnten nachhaltige Unternehmensanleihen im Rahmen des monatlichen Kaufprogramms bevorzugt behandelt werden.

Im tourlichen Zinsentscheid der US­-Fed Ende Jänner 2020 wurde – erwartungsgemäß – das aktuelle Zinsziel von 1,5 % bis 1,75 % nicht angetastet. Frühestens ab Herbst 2020 ist eine Zinssenkung im Ausmaß von etwa 25 Basispunkten vom Markt eingepreist.

Staats- und Unternehmensanleihen: Risikoprämien der Unternehmensanleihen bleiben tief

Europäische Staatsanleiherenditen tendierten zuletzt leicht nach oben und entfernten sich damit weiter von den Analysten-Konsensschätzungen, die etwa deutsche zehnjährige Staatsanleiherenditen Mitte 2020 bei 0,40 % sehen. Abgesehen von der aktuellen Lage um das Coronavirus teilen wir in unserer längerfristigen Sicht diese Meinung nicht und bleiben bei unserer Untergewichtung von Euro-Staatsanleihen gegen­ über Unternehmensanleihen (BBB bis BB Ratings) bzw. Emerging-Market-­Anleihen. US-Staatsanleihen bleiben übergewichtet.

Die Aktivität am Primärmarkt ist zu Jahresbeginn in der Regel ein guter Stimmungsindikator für Unternehmensanleihen. Vor allem in den USA übertrifft das bisherige Emissionsvolumen jenes der Vergleichsperiode im Vorjahr deutlich. Allgemein ist das Emissionsvolumen von USD Corporate Bonds und von Financial Bonds (Euro & US-Dollar) auffällig hoch.

Wir denken, dass dieses Stimmungsbild auch in den kommenden Wochen wieder dominiert und die Risikoprämien tief bleiben.

Emerging­-Market­-Hartwährungsanleihen feierten im wahrsten Sinne des Wortes einen Spread-Rutsch ins neue Jahr 2020, die Renditen sind auch im Vergleich zu Lokalwährungsanleihen stärker gefallen. In Anbetracht der erwarteten abermaligen Ausweitung der globalen Notenbankbilanzen und der lockeren Geldpolitik bleibt unsere Übergewichtung dieser Assetklasse aufrecht. Hinzu kommt, dass die Einigung beim „Deal“ zwischen den USA und China das positive Sentiment unterstützen sollte.

Virus stellt asiatische Schwellenländer vor große Herausforderungen

Die Aussichten für die Schwellenländer standen vor kurzem noch auf Wachstum: Die verarbeitende Industrie im Aufschwung, reichlich Liquidität der Zentralbanken und Phase eins des US-China-Handelsabkommens waren hierfür „vertrauensbildende Maßnahmen“. Der Ausbruch des Coronavirus bringt jedoch völlig neue Herausforderungen für die kommenden Wochen und Monate mit sich, urteilt das Multi-Asset-Team von Nikko Asset Management:

Gewiss wird der schwächere Konsum in China die asiatischen Schwellenländer belasten. Weniger sicher ist, welche Auswirkungen das Virus auf die Lieferketten haben wird. Vorsicht ist geboten, zumindest bis die genauen Ausmaße besser sichtbar sind. Unter der wahrscheinlichen Annahme, dass eine Pandemie vermieden wird, dürfte sich die Nachfrage genauso stark erholen wie 2003 nach dem SARS-Ausbruch.

Asien: Chancen im Norden

Die Nachfrage in Asien steigt, insbesondere im nördlichen Raum der Region. Taiwan und Südkorea sehen Verbesserungen im Handel – insbesondere bei Halbleitern und Elektronik, wo der Fertigungszyklus endlich aufwärts tendiert. Chinas Wachstum ist schwach, wird aber dank seiner hohen Qualität in das Wachstum und die Erträge des Privatsektors einfließen. Das Coronavirus ist für die chinesische Nachfrage kurzfristig eindeutig negativ, aber der größte Teil der verlorenen Nachfrage sollte kompensiert werden, sobald der Erreger effektiv eingedämmt ist. Die Erholung in China und Asien steht noch am Anfang; daher könnte ein virusinduzierter Schock den Nachfragezyklus wieder unterbrechen. Sollte es jedoch erforderlich sein, verfügt das Land noch über genügend politische Munition, um die Nachfrage zu stützen.

Indien: Coronavirus-Ausbreitung wäre verheerend

Die ASEAN-Staaten werden die Auswirkungen des schwächeren chinesischen Konsums zu spüren bekommen, vor allem im Tourismus, der so gut wie zum Erliegen gekommen ist. Die Region profitiert nach wie vor von den umgestalteten Lieferketten und einem bevorstehenden fiskalischen Schub; die relativ schwache lokale Nachfrage macht sie jedoch anfällig. Indien leidet nicht nur unter schwachem Wachstum; seine verfügbaren Gegenmaßnahmen sind auch begrenzt. Die jüngste Senkung der Unternehmenssteuern wird sich nicht stark auf das Wachstum auswirken, und sie verringert künftige politische Optionen. Die indische Inflation ist kürzlich in die Höhe geschnellt, was auch die geldpolitische Lockerungskapazität verringert. Indien ist eine relativ geschlossene Wirtschaft und daher weniger abhängig von der Nachfrage aus China. Aber seine Infrastruktur ist marode. Ein Ausbruch des Coronavirus könnte verheerende Auswirkungen haben.

China: Technologie-Chancen vs. Virus-Einbußen

Die Ertragsaussichten für Chinas Technologie-, Software- und Konsumsektoren sind recht gut. Kurzfristig könnte sich der Konsum jedoch vor allem auf Online-Verkäufe beschränken. Unterdessen erhöht MSCI die Gewichtung chinesischer A-Aktien in seinen Indizes weiter. Die Anleger bleiben in diesen Papieren deutlich untergewichtet, auch wenn die Kapitalströme von Hongkong nach China weiter steigen.

Viele Beobachter hielten im vergangenen Jahr mehr Anreize für erforderlich, um die chinesische Nachfrage wieder auf Kurs zu bringen. Die Regierung aber hielt an ihren Plänen fest: Sie verzichtete auf eine große kreditinduzierte Erholung und hielt stattdessen an ihrer Reformagenda fest, von der ein Großteil darauf abzielte, die Nachfrage des Privatsektors anzukurbeln. Nach wie vor investiert der Staat, inzwischen allerdings in den Sektoren Computer und Kommunikation, was umso wichtiger ist, als die USA drohen, Zulieferungen von Unternehmen wie Huawei abzuziehen. China produziert inzwischen 5 % des weltweiten Halbleiterangebots, gegenüber praktisch Null vor einem Jahr. Chinas Tech-Ambitionen in Verbindung mit dem bevorstehenden 5G-Rollout haben dem Hardware-Zyklus einen gesunden Schub verpasst. Zwar ist das Ausmaß der durch den Coronavirus verursachten Unterbrechung der Lieferketten derzeit schwer abzuschätzen, doch haben zuletzt ausgerechnet Live-Übertragungen aus Krankenhäusern die Wahrnehmung von 5G in einer Öffentlichkeit erhöht, die nach Neuigkeiten über das Virus sucht. Taiwan und Südkorea sind ebenfalls nach wie vor gut aufgestellt, um von der 5G-Einführung zu profitieren.


Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 230,9 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Im passiven Segment deckt Nikko AM mehr als 20 Indizes ab und umfasst einige der größten börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig und beschäftigt in 11 Ländern über 200** Finanzfachleute mit über 30 Nationalitäten. Weltweit vertreiben mehr als 300 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentstrategie des Hauses verbindet seine asiatische DNA konsequent mit einer globalen Perspektive für eine langfristige und nachhaltige Performance. Nikko AM ist zudem stolz auf seinen fortschrittlichen lösungsorientierten Ansatz, der zu der Auflage zahlreicher innovativer Fonds für seine Kunden geführt hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management zusammengefasst einschließlich aller verbundenen Unternehmen von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften zum 30. September 2019.
** Stand 30. September 2019 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.

Die Sorgen- und Liebkinder in Lateinamerika

von Peter Paul Pölzl, Erste Asset Management.

Bei einer Lateinamerika Konferenz in London teilten Mitglieder nationaler Zentralbanken, professionelle Anleger unterschiedlicher Investmenthäuser als auch lokale Vertreter aus Lateinamerika ihre Einblicke in die Region und gaben einen Ausblick für das kommende Jahr.

Die aktuelle Situation in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru waren die Kernthemen bei diesem Gedanken-Austausch. Der Grundtenor für Investoren war recht freundlich, mit einhergehenden aufwärts- und abwärts gerichteten Risiken.

Milde Erholung des Wachstums

Lateinamerika blickt auf ein Jahrzehnt eines besonders niedrigen Wachstums des Bruttoinlandsproduktes zurück. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist die strukturelle Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China und der damit einhergehende deutliche Rückgang der Rohstoffpreise. Für das vergangene Jahr schätzt der Internationale Währungsfonds ein reales Wachstum von lediglich 0,2 Prozent im Jahresabstand. Dazu gesellen sich soziale Unruhen und politische Konflikte.

Die Risiken bleiben sowohl aufwärts und abwärts gerichtet. Positive Beiträge zur wirtschaftlichen Situation in Lateinamerika könnten das leicht anziehende Wirtschaftswachstum auf globaler Ebene, der beruhigte Handelskonflikt zwischen den USA und China, abflauende politische Risiken und höhere Rohstoffpreise bringen.

Läuft der Zinssenkungszyklus 2020 aus?

Zudem kann weiterhin Unterstützung auf der monetären Ebene (Leitzinssenkungen) erwartet werden. Im Unterschied zum vergangenen Jahr wird das Ausmaß der geldpolitischen Lockerungen allerdings nur mehr in einem geringen Ausmaß ausfallen. Im Jahr 2019 haben es die Leitzinssenkungen der US-amerikanischen Zentralbank (Fed) und die generell rückläufigen Inflationsraten (4. Quartal 2019: rund 3,2 Prozent p.a.; Quelle: Erste AM) wichtigen Zentralbanken in Lateinamerika ermöglicht, den jeweiligen Leitzinssatz zu senken.

Der über die Länder aggregierte Leitzinssatz beträgt aktuell rund 5 Prozent. Das Ende der Leitzinssenkungen in den USA und die leicht anziehende Inflation sprechen für ein Auslaufen des Zinssenkungszyklus in Lateinamerika im ersten Halbjahr 2020. Die Ausnahme stellt Mexiko dar. Hier könnte auch in der zweiten Jahreshälfte 2020 der Leitzinssatz gesenkt werden.

Auf der staatlichen Seite wird der Fokus weiterhin auf die Konsolidierung der Staatsfinanzen liegen. Das um die Zinszahlungen bereinigte Budgetdefizit in Prozent des Bruttoinlandsproduktes wird gemäß der Schätzung des Internationalen Währungsfonds von minus 1 Prozent im vergangenen Jahr auf nur noch minus 0,5 Prozent fallen.

Auch wenn auf der Konferenz mitunter von einer „kontrolliert expansiven“ Fiskalpolitik gesprochen wurde, stellt dieser Rückgang einen wachstumsdämpfenden Effekt dar. Positiv betrachtet: Die Staatsverschuldung könnte sich bei knapp unter 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes konsolidieren.

Es wird noch uneinheitlicher

Der zentrale Risikofaktor für die kommenden Jahre stellt ein ausbleibender Anstieg des Wirtschaftswachstums in Lateinamerika in einem Umfeld von niedrigen Rohstoffpreisen und einem niedrigem globalem Wachstum dar. Ebenso werden soziale Unruhen und politische Spannungen in Lateinamerika weiterhin im Blickfeld bleiben und über die nächsten Jahre zu beobachten sein.

Diese führen zu steigenden heterogenen Risiken in der Region, welche auch im heurigen Jahr eine wichtige Rolle spielen werden. Der Unterschied zwischen den „guten“ und „schlechten“ Ländern wird noch größer.

Als „Sorgenkinder“ fallen insbesondere folgende Länder ins Auge:

  • Argentinien: Aufgrund von Zahlungsunfähigkeit wird das Land gezwungen sein Umschuldungsmaßnahmen zu treffen, die mit einem Kapitalverzicht für Investoren verbunden sein werden. Kapitalverkehrskontrollen sind bereits seit 2019 in Kraft.
  • Chile: Die aktuellen Proteste und sozialen Unruhen stellen den größten politischen und wirtschaftlichen Test der chilenischen Institutionen seit der Rückkehr zur Demokratie dar. Weiters steht Chile 2020 vor einem historischen Umbruch und schreibt seine Verfassung neu. Optimisten glauben, dass die Prinzipien, die Chiles Wirtschaft erfolgreich gemacht haben – eine offene Wirtschaft, die Achtung des Privateigentums, eine unabhängige Zentralbank und eine solide makroökonomische Politik –, beibehalten werden. Pessimisten sind hingegen weit weniger zuversichtlich und sehen als Risiko, dass etwaige Maßnahmen zum sozialen Ausgleich überschießen könnten. Die Unsicherheit darüber könnte die private Investitionstätigkeit bremsen.

Die Liebkinder in Lateinamerika:

  • Kolumbien: Die dynamische inländische Nachfrage unterstützt das Wirtschaftswachstum in Kolumbien. Allerdings zeigte im vergangenen Jahr der Arbeitsmarkt leichte Schwächen. Zudem steht für 2020 als zentraler Risikofaktor das Leistungsbilanzdefizit im Fokus (IWF: rund 4 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt). Kolumbien genießt jedoch das Wohlwollen der Investoren.
  • Peru: Die peruanische Wirtschaft wies solide volkswirtschaftliche Indikatoren auf und genießt ein gutes Vertrauen der Investoren. Die erhöhte Nachfrage nach lokalen Staatsanleihen sowie das positive Sentiment über die peruanische Wirtschaft ließ die Renditen im letzten Jahr fallen.
  • Brasilien: Durch die Erholung von der schwersten Rezession der Geschichte (2014 bis 2016), sowie das gestiegene Vertrauen durch die von der neuen Regierung geschaffenen Reformen, genießt Brasilien wieder das Wohlwollen der Investoren.
  • Mexiko: Nach einem Jahr ohne Wirtschaftswachstum kann Mexiko im Jahr 2020 die Trendwende schaffen und mithilfe von wiederholt starken Makro-Fundamentaldaten sowie dem USMCA-Handelsabkommen mit den USA und Kanada einen leichten Anstieg des Wirtschaftswachstums erwirtschaften.

Suche nach Rendite

Im aktuellen globalen Niedrigzinsumfeld suchen Anlegerinnen und Anleger nach attraktiven Renditen. Eine Antwort auf diese Frage lautet Lateinamerika. Ein selektives Verhalten wird aufgrund der steigenden uneinheitlichen Risiken wichtig sein, wenn es darum geht die Chancen auf dem Kontinent in 2020 zu evaluieren. Die Unterschiede in den aktuellen Rendite-Niveaus spiegeln die unterschiedlich eingepreisten Risiken wider. Aus diesen Gründen bleibt ein aktives Management im Vordergrund.

Renditen von Lokalwährungsanleihen

Daten per 03.02.2020; Quelle: Bloomberg, JP Morgan (GBI-EM Div Index) Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Währungen tendieren zur Schwäche

Die politischen und sozialen Unruhen brachten im vergangenen Jahr nicht nur die Wirtschaft in Turbulenzen. Auch die Währungen kamen unter Druck. Sowohl der argentinische und der chilenische Peso als auch der brasilianische Real erreichten historische Tiefststände gegenüber dem US-Dollar.

In Argentinien und Chile sah man sogar Devisenmarktinterventionen der nationalen Zentralbanken um die lokalen Währungen zu stabilisieren. Eine Ausnahme hingegen war der mexikanische Peso, der im Jahresvergleich seitwärts lief.

Die meisten Währungen der Region haben sich in den letzten Wochen des Jahres gegenüber dem US-Dollar gefestigt. Das kann hauptsächlich auf den Optimismus in Bezug auf das „Phase 1 Abkommen“ über die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China zurückgeführt werden.

Im Unterschied zur auf der Konferenz vertretenen Meinung sehen wir für die wichtigsten Währungen in Lateinamerika das Potenzial für eine leichte Festigung. Die Währungsentwicklung bleibt naturgemäß ein wesentlicher Risikofaktor für Lokalwährungsanleihen.

Lokalwährungsanleihen werden attraktiv

Das Umfeld für Lokalwährungsanleihen in Lateinamerika wird etwas günstiger. Das Risiko für Leitzinsanhebungen ist kleiner als jenes von Zinssenkungen. Zudem könnte die tendenzielle Währungsabschwächung ein Ende finden. Der aktuelle Fall des zeigt jedoch, dass nicht prognostizierbare Ereignisse einen Strich durch die Rechnung machen können.

Investieren in Lokalwährungsanleihen

Eine Möglichkeit bequem und breit gestreut in Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer zu investieren bietet der Fonds ERSTE BOND EM GOVERNMENT LOCAL. Es werden dabei vor allem Länder aus Zentral- und Osteuropa, Asien, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Afrika ausgewählt.

Daneben können auch Unternehmensanleihen von Emittenten aus den jeweiligen Staaten beigemischt werden. Der Lateinamerika-Anteil im Portfolio beträgt derzeit cirka ein Drittel*. Den langfristig hohen Ertragschancen stehen das Risiko hoher Kursschwankungen und das Fremdwährungsrisiko gegenüber (Details siehe Link).

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Vorteile für den Anleger

  • Breite Risikostreuung durch die Auswahl von Anleihen verschiedenster Schwellenländer.
  • Langfristig hohe Ertragschancen.
  • Chance auf jährliche hohe Ausschüttungen.

Zu beachtende Risiken

  • Emerging Markets unterliegen traditionell hohen Schwankungen, mittlere bis hohe Kursschwankungen sind daher möglich.
  • Erhöhtes Risiko durch Beimischung von Emittenten mit mittlerer bis geringer Schuldnerbonität.
  • Aufgrund der Anlage in Fremdwährungen kann der Fondsanteil durch Wechselkursänderungen belastet werden.
  • Kapitalverlust ist möglich.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

„Die Offensive gewinnt das Spiel, die Defensive die Meisterschaft“

von Pierre Debru, Director, Research, WisdomTree.

2020 bleibt wegen vielerlei offenen Themen ein Jahr der Unklarheiten. Zu diesen gehören der Abschluss des US-chinesischen Handelsabkommens, die langfristigen Auswirkungen der US-amerikanischen Schulden in Höhe von 14 Billionen US-Dollar oder das unkalkulierbare Ergebnis der US-Wahlen im November. Bereits einige Wochen nach Jahresbeginn gewannen diese Risiken mit dem Ausbruch der Nahost-Krise und den Spannungen zwischen USA und Iran sowie der von China ausgehenden Virusepedemie an Dynamik. Betrachtet man Aktienengagements in unsteten Zeiten wie diesen, besteht eine inhärente Spannung, denn es gilt, sich auf zwei ähnlich wahrscheinliche Szenarien vorzubereiten: einen plötzlichen Crash und eine spätzyklische Rallye.

Vor diesem makroökonomischen Hintergrund ist die Portfoliokonstruktion von größter Bedeutung. Ziel ist der Aufbau eines vielseitigen Portfolios, das sich schnell ändernden Marktbedingungen anpassen und unerwarteten Ereignissen widersetzen kann. Mit anderen Worten geht es um die Bildung von Portfolios, die sich defensiv verhalten, aber gleichzeitig auch an Markterholungen partizipieren können.

Hier werden wir uns darauf konzentrieren, wie wir von Natur aus defensive Assets finden und definieren.

Defensive Assets schneiden in Perioden sinkender Aktienkurse erfreulich ab

Wenn man die Bedeutung der Risiken in den einzelnen Assets eines typischen Multi-Asset- betrachtet, liegt die größte Risikoquelle in der starken negativen Wertentwicklung von Aktien, d.h. in sinkenden Aktienkursen. Tatsächlich zeigt die Analyse einer beispielhaften, verbreiteten Portfolioallokation von 60 Prozent europäische Aktien und 40 Prozent Euro-Anleihen einen Risikobeitrag von 90 Prozent aus dem Aktienanteil. Es ist daher nur natürlich, dass defensive Vermögenswerte tendenziell im Gegensatz zu Aktien, sozusagen als „Anti-Aktien“-Assets, definiert werden, d. h. als Vermögenswerte, die bei Kursrückgängen gut abschneiden.

Konzentrieren wir uns mit der folgenden Abbildung auf diese erste Definition und betrachten sechs bekannte Zeiträume, in denen Aktien Negativperformance aufwiesen: die Tech-Blase (September 2000 bis März 2003), die Finanzkrise (Juli 2007 bis März 2009), die Euro-Krise I (April 2010 bis Juli 2010), die Euro-Krise II (Mai 2011 bis Oktober 2011), die China-Krise (April 2015 bis Februar 2016) sowie das vierte Quartal 2018. Der untere Teil der Grafik zeigt die Performance des STOXX Europe 600 Total Return Index über diese Zeiträume (graue Schattierung).

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. In EUR. Weitere Informationen zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie unten auf der Seite.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen

Aktien verhalten sich zyklisch und schneiden daher in den oben genannten Krisenphasen historisch unterdurchschnittlich ab. Sowohl Rohstoffe als auch Hochzinsanleihen verhalten sich in allen sechs Drawdown-Perioden relativ zyklisch und weisen gleichfalls eine negative Wertentwicklung auf, wenn auch weniger als Aktien. Am anderen Ende des Spektrums lieferten Gold-, Bargeld- und Staatsanleihen in all diesen Zeiträumen historisch gesehen eine starke positive Wertentwicklung. Interessanterweise zeigt der japanische Yen in den meisten Perioden auch ein Verhalten vom Typ „Sicherer Hafen“.

Klassifizierung defensiver Assets

Gold, Bargeld, Yen oder Staatsanleihen performen gut in Phasen sinkender Aktienkurse und könnten die Kursrückgänge einwandfrei ausgleichen. Häufig sind die Verluste jedoch heftig und werden durch unvorhersehbare Ereignisse ausgelöst. Anleger haben keine Kristallkugel, die ihnen mitteilt, wann sie die oben genannten defensiven Vermögenswerte einsetzen sollen, am besten kurz vor der Trendwende nach unten. Daher könnten sie die Notwendigkeit in Betracht ziehen, für längere Zeit in defensive Vermögenswerte investiert zu bleiben, um sich auf mögliche Schocks vorzubereiten. Die damit verbundenen Opportunitätskosten können erheblich sein und sind je nach Anlage sehr unterschiedlich. Aus diesem Grund führen wir einen detaillierteren Rahmen zur Klassifizierung dieser Vermögenswerte ein. Dieser Rahmen basiert auf 4 Überlegungen:

  • Risikoreduzierung, d. h. Reduzierung von Drawdowns, Volatilität etc.
  • Asymmetrie der Renditen, d.h. Vielseitigkeit als Fähigkeit des Vermögenswerts, mehr von der Wertentwicklung eines Vermögenswerts sowohl in steigenden als auch in fallenden Phasen einzufangen und Opportunitätskosten zu reduzieren (d. h. die Wertentwicklung, von der ein Anleger nicht profitiert hat, weil er in einen anderen Vermögenswert investiert war).
  • Diversifikation, d. h. unkorreliertes Verhalten gegenüber dem Rest des Portfolios und insbesondere gegenüber Aktien
  • Bewertung, d. h. ein billigerer Vermögenswert weist normalerweise weniger Spielraum für negative Wertentwicklung und auch weniger Crowding-Effekte auf

Um die Vielseitigkeit eines Portfolios zu verbessern, ist es wichtig, für potenzielle Investments alle vier Aspekte zu berücksichtigen.

Risikoreduzierung

Interessanter Ausgangspunkt zur ersten Überlegung ist das Gesamtrisiko. Es gibt mehrere Möglichkeiten, um das Risiko in der Finanzierung auszudrücken: Volatilität, Tracking Error, relativer Drawdown u. a. Entgegen der weit verbreitenden Meinung sind solche Meßgrößen nicht vollständig austauschbar, und die Einstufung von Vermögenswerten gegenüber einer Meßgröße führt nicht zu den gleichen Ergebnissen wie die Einstufung gegenüber einer anderen. Gold weist beispielsweise eine aktienähnliche Volatilität auf, aber keine aktienähnlichen Drawdowns, die von seiner inhärenten positiven Schrägheit profitieren.

Insgesamt würde die Auswahl der Risikokennzahlen variierend von den Beschränkungen und Zielen der Anleger abhängen. Im weiteren liegt das Hauptaugenmerk auf den während der Drawdown-Phasen realisierten Performance.

Asymmetrie der Renditen

Nach der Fähigkeit zur Risikominderung ist das zweitwichtigste Merkmal eines defensiven Assets seine Vielseitigkeit, d. h. seine Fähigkeit zur Erzeugung einer Asymmetrie der Renditen. Bei der Vorbereitung auf eine Phase der Unsicherheit ist es wichtig, sich nicht nur auf das „Schlimmste“, sondern darüber hinaus auch auf andere Szenarien wie zum Beispiel eine unerwartete spätzyklische Rallye vorzubereiten.

Diversifikation

Im Kontext des Portfolios ist Diversifizierung maßgeblich. Einige Vermögenswerte verhalten sich derart asynchron, dass sie einem Portfolio unabhängig von ihren übrigen Eigenschaften einen Nutzen bringen. Staatsanleihen Yen und Gold zum Beispiel fallen in mit einer stark negativen Korrelation zu Aktien auf.

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf den monatlichen Renditen in EUR. Weitere Einzelheiten zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie unten auf der Seite. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Bewertung

Die Bewertung findet vor allem innerhalb der einzelnen Anlageklassen Anwendung, denn ihr Maß ist sehr unterschiedlich. Deshalb betrachten wir sie nicht über die Anlageklassen hinweg. Der hier geschaffene Rahmen soll Investoren bei der Beurteilung helfen, mit welchen Vermögenswerten und Investitionen sie unsichere Zeiten überstehen und mögliche zukünftige Krisen bewältigen können. Gold und Staatsanleihen haben sich bereits als starke Herausforderer erwiesen.

Coronavirus: Epidemie in China stört Erholungsszenario

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Zu Jahresbeginn sind die Märkte mit einer negative Entwicklung konfrontiert: Die Ausbreitung des Coronavirus in China und die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung. Die Märkte haben mit Kursrückgängen bei Aktien, Energie und Industriemetallen sowie Kursanstiegen bei kreditsicheren Anleihen reagiert.

Milde Erholung der Weltwirtschaft

Die Abschwächung des realen globalen Wirtschaftswachstums hat rund zwei Jahre gedauert. Mit einem Wert von rund 2 Prozent im Quartalsabstand (auf das Jahr hochgerechnet) war das Wachstum der Weltwirtschaft im vierten Quartal 2019 besonders schwach.

In den vergangenen Wochen haben die Anzeichen für eine Bodenbildung zugenommen. Insbesondere im schwachen Fertigungssektor verbesserten sich die Frühindikatoren. Hervorzuheben ist der Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor, der seit August 2019 eine leicht steigende Tendenz aufweist.

Leichte Erholung im Fertigungssektor

Quelle: JP Morgan Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Gut gelaufene Märkte

Diese positive Entwicklung war in den Marktpreisen zu Beginn des Jahres bereits enthalten. Seit September 2019 sind die Kurse risikobehafteter Wertpapierklassen gestiegen (positives Momentum). Die Marktteilnehmer waren mehrheitlich auf steigende Kurse positioniert (Übergewichtung von Aktien).Die Bewertungsmaßzahlen waren überdurchschnittlich. In einem solchen Umfeld sind die Märkte anfällig für eine Korrektur.

Coronavirus war Auslöser für Korrektur

Der exponentielle Anstieg der Infektionsraten und die außerordentlich scharfen Maßnahmen in China zur Eindämmung der Ausbreitung haben zu einem Anstieg der Risikoaversion der Investoren geführt.

Nach den kräftigen Kursanstiegen der vergangenen Monate hätte es jedes beliebige ernstzunehmende Ereignis gewesen sein können. Die Eskalation zwischen dem Iran und den USA war nicht stark genug, die Epidemie in China schon.

Exponentiell ansteigende Infektionen mit dem Coronavirus (2019-nCov)

Quelle: IMF Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Ursache für Abschwung?

Die Unsicherheit ist gestiegen: Werden die negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum so stark sein, um die wahrscheinliche, milde Erholung des globalen Wirtschaftswachstums abzuwürgen? Sowohl das das Ausmaß (gering oder stark), die Dauer (ein Quartal oder länger) als auch die Breite (China, Asien oder global) der Auswirkungen sind unklar.

Jedenfalls ist positiv zu werten, dass das Wachstum der neuen Infektionen abnimmt. Die Zuwachsrate vom dritten auf den vierten Februar betrug 19 Prozent, eine Woche davor lag sie bei 35 Prozent. Diese abnehmende Tendenz ist der wichtigste Grund dafür, dass das Basisszenario „milde Erholung der Weltwirtschaft“ unverändert bleibt.

China ist wichtig

In China wurden Fabriken wurden geschlossen, Reisen verboten, Städte abgeriegelt und Quarantänen festgelegt. Das öffentliche Leben ist in manchen Städten zum Stillstand gekommen. Die angestellten Vergleiche zu früheren Fällen (SARS im Jahr 2003) hinken in einem wesentlichen Punkt: Die Bedeutung von China hat zugenommen.

Der Anteil von China am Welt-Bruttoinlandsprodukt ist von damals rund 9 Prozent auf knapp 20 Prozent im vergangenen Jahr angewachsen. Zudem sind die Wertschöpfungsketten auf globaler Ebene integriert. Ein Ausfall bei einem wichtigen Baustein beeinflusst das gesamte System.

Zunehmender Anteil von China am Welt-Bruttoinlandsprodukt

Quelle: IMF Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Zentralbanken als Stabilisator

Die Zentralbank in China (People‘s Bank of China) hat mit einer Zufuhr von zusätzlicher Liquidität reagiert um die Wirtschaft und die Märkte zu stabilisieren. Die in den Marktpreisen abgebildeten Erwartungen für die zukünftigen Zentralbank-Leitzinsen drehten innerhalb kurzer Zeit auf noch weitere Senkungen.

Hier setzten die Marktteilnehmer auf den etablierten Zusammenhang zwischen zunehmender Wachstumsunsicherheit, Verschärfung des Finanzumfeldes und Lockerung der geldpolitischen Haltung.

Diese Schlüsse zieht die Erste AM

  • Das Basisszenario „milde Erholung des Weltwirtschaftswachstums“ wird beibehalten. Diese wird jedoch nicht wie ursprünglich veranschlagt bereits im ersten Quartal 2020 sondern im zweiten Quartal Eine Fortsetzung der tendenziellen Verbesserung bei einigen wichtigen Wirtschaftsindikatoren wird im ersten Quartal wahrscheinlich ausbleiben.
  • Das nach unten gerichtete Risiko (Tail-Risiko) hat jedenfalls zugenommen.
  • Blick man über die kurze Sicht hinaus, bleiben risikobehaftete Wertpapierklassen wie Aktien attraktiver als Anleihen mit einer niedrigen Rendite wie Staats- und Unternehmensanleihen in der Eurozone.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Kandidaten gelten als wirtschaftsfreundlicher

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International, zum angekündigten Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer als Kanzlerkandidatin und als Parteivorsitzende der CDU:

„Nach der Ankündigung von Annegret Kramp-Karrenbauer als Kanzlerkandidatin und auch als Parteivorsitzende zurückzutreten, scheint der Weg frei für eine Schärfung des CDU-Profils. Nahezu alle jetzt im Spiel befindlichen möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer (Friedrich Merz, Markus Söder, Jens Spahn, Achim Laschet) gelten als wirtschaftsfreundlicher als die aktuelle CDU-Vorsitzende. Neue Positionierungen vor allem bei der Wachstums-, Investitions- und Steuerpolitik könnten folgen und sollten in Folge positive Effekte auf die deutsche Wirtschaft haben. Wir gehen davon aus, dass eine solche Profilschärfung von Seiten der Unternehmen in Deutschland ausdrücklich begrüßt wird.“