Erholung auf den Finanzmärkten - ist das Schlimmste überstanden?

In der vergangenen Woche kam es zu teils kräftigen Erholungen und Gegenbewegungen auf den Finanzmärkten. Selbst sehr schlechte Wirtschaftsdaten (Arbeitslosenanträge USA, Einkaufsmanagerindizes Europa) und die weltweit rasant steigenden Infektionszahlen (speziell in den USA) steckten die Aktienmärkte gut weg. Ein weiteres positives Zeichen: Trotz der angespannten Situation gab es erstmals seit einigen Wochen wieder Neuemissionen von Unternehmensanleihen durch einige sehr bonitätsstarke Emittenten.

Haben wir die Tiefstkurse an den Aktienbörsen damit bereits erreicht? Verändert die Raiffeisen KAG ihre bislang sehr defensive Ausrichtung in Mischfonds und Mischportfolios?

Aktiengewichtung weiterhin deutlich reduziert

Es spricht aus heutiger Sicht einiges dafür, dass wir zumindest den größten Teil der Kursrückgänge hinter uns haben. Dass wir damit aber auch schon die absoluten Tiefstkurse auf den Aktienmärkten gesehen haben, ist keinesfalls sicher und nach allen historischen Erfahrungen eher unwahrscheinlich. Für eine Entwarnung auf den Aktienmärkten ist es noch zu früh, auch wenn es in den kommenden Tagen und Wochen vermutlich noch den einen oder anderen Aufwärtsschub geben wird. Die Unwägbarkeiten und Risiken für Volkswirtschaften, Unternehmen und Finanzmärkte bleiben bis auf weiteres überaus hoch und damit aller Voraussicht nach auch die Kursschwankungen. Weder ist derzeit die Entwicklung der Pandemie absehbar noch Umfang und Dauer der Eindämmungsmaßnahmen. Entsprechend ungewiss sind auch die Wachstums- und Gewinnaussichten für die Unternehmen. Klar scheint derzeit nur so viel, dass der Wachstumseinbruch weltweit wohl deutlich höher ausfallen wird als in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Nachdem die Weltwirtschaft zunächst einen Angebots- und Nachfrageschock aus China zu verdauen hatte, ist es jetzt China, dem sowohl auf der Angebots- als auch Nachfrageseite entsprechende neuerliche Schocks aus Europa und den USA sowie großen Schwellenländern drohen.

Fokus auf Risikomanagement bleibt vorerst bestehen

In den vergangenen Wochen wurden die Entscheidungen unserer Taktischen Asset Allocation (TAA) von Risikomanagement-Erwägungen dominiert und dabei bleibt es vorerst auch noch. Extreme Volatilitäten allerorten, selbst in an und für sich relativ schwankungsarmen Assetklassen, wie zum Beispiel US-Treasuries, sind kein geeignetes Umfeld, um aggressiv absolutes Risiko zu nehmen, sondern um es zu reduzieren und zu managen. In der Abwägung aller Faktoren bleibt es in der TAA daher vorerst bei der defensiven Ausrichtung mit stark reduzierten Aktienquoten bzw. signifikanten Absicherungen des Aktienexposures. Aufgehoben wird hingegen die Durationverkürzung bei Anleihen (siehe weiter unten).

Auf der Aktienseite ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass einzelne Regionen, Branchen und Unternehmen in ganz unterschiedlichem Maße von den aktuellen Entwicklungen betroffen sind, wobei sich das Bild dort natürlich ständig verändert, vor allem durch die Maßnahmen von Regierungen und Notenbanken. Jenseits absoluter Aktienquoten lässt sich mit unterschiedlichen Gewichtungen und nicht-direktionalen Strategien sowohl flexibel auf solche Entwicklungen reagieren als auch zusätzlicher Ertrag erwirtschaften. Als Schlüssel für eine Bodenbildung und nachhaltige Erholung auf den Aktienmärkten sehen wir weiterhin den Verlauf der Pandemie, aber auch die Gegenmaßnahmen von Notenbanken und Behörden an.

Zu unserem Risikomanagement-Arsenal gehören bekanntlich auch asymmetrische Absicherungen, die u.a. in diversen institutionellen Fonds und Mandaten sowie im Raiffeisen-GlobalAllocation-StrategiesPlus zum Einsatz kommen. Diese Absicherungen haben überaus gut funktioniert. Das wird besonders bei der relativen Entwicklung der beiden Risk-Parity-Fonds sichtbar: Der Raiffeisen-GlobalAllocation-StrategiesPlus setzt diese Strategien ein, der Raiffeisen 337-Strategic Allocation Master I hingegen nicht.

Positionierung bei Anleihen wird angepasst

Bei Anleihen wurde die zwischenzeitliche deutliche Durationverkürzung wieder neutralisiert. Regierungen und Notenbanken nehmen sehr viel Geld in die Hand und haben gewaltige Hilfspakete beschlossen. Damit haben sich Umfeld und Erwartungen auf den Anleihemärkten binnen weniger Tage sehr stark verändert. Die getroffenen Maßnahmen zur Risikoreduktion bei den Anleihen funktionierten sehr gut, sind aber unter den neuen Rahmenbedingungen nicht mehr angemessen.

Strategische Asset Allocation (SAA): Erste Käufe bei Aktien und Spreadprodukten

Im Gegensatz zur TAA fokussiert die SAA bekanntlich auf sehr langfristige Zeiträume und dabei stark auf fundamentale Bewertungen. Aktien sowie Spreadprodukte (Schwellenländeranleihen, Unternehmensanleihen) sind binnen weniger Wochen von teuren bis sehr teuren auf teils attraktive Bewertungsniveaus gefallen. Die SAA hat dies zum Anlass genommen, um in einem ersten Schritt Aktien sowie ausgewählte Spreadprodukte zu kaufen. Weitere Käufe könnten folgen, vor allem wenn es bei diesen Assetklassen zu weiteren Kursrückgängen kommt.

Nachhaltige Investments halten sich bislang überdurchschnittlich gut

Zwei sehr interessante Beobachtungen gibt es in Bezug auf nachhaltige Investments. Zum einen verzeichnen sie bisher offenbar deutlich weniger Kapitalabflüsse als viele nicht-nachhaltige Investments und die in den letzten Jahren ja sehr in Mode gekommenen ETFs. Zum zweiten trotzen sie auch bei der Wertentwicklung der Krise bislang offenbar überdurchschnittlich gut. Das spiegelt sich auch in den Nachhaltigkeitsfonds der Raiffeisen KAG wider. Zum einen liegt das daran, dass etliche Branchen sehr stark von der Krise betroffen sind (wie beispielsweise. Erdölförderung, Fluglinien, Reiseveranstalter, Automobilunternehmen), deren Unternehmen in unseren Nachhaltigkeitsfonds kaum oder gar nicht vertreten sind. Die Produkte und Dienstleistungen einiger Unternehmen in unseren Fonds sind sogar besonders gefragt im Kampf gegen das Coronavirus, wobei wir in diese Firmen bereits seit langem und daher unabhängig davon investiert hatten. Zum anderen ist ein Kernbestandteil unserer Aktien-Auswahl auch bei Nachhaltigkeitsinvestments die finanzielle Gesundheit der Unternehmen. Es liegt auf der Hand, dass sich dies bezüglich in Krisensituationen die Spreu vom Weizen besonders stark trennt. Und schließlich beobachten wir, dass die soziale Komponente innerhalb der Nachhaltigkeitskriterien gegenwärtig ebenfalls besonders gefragt ist und jenen Unternehmen tendenziell langfristige Vorteile verschaffen könnte, die gerade jetzt ihre soziale Verantwortung ernstnehmen. Nachhaltiges Investieren funktioniert langfristig!

Selbstverständlich sind nachhaltig agierende Unternehmen nicht immun gegen Wirtschaftskrisen und auch ESG-Investments1 natürlich nicht gefeit vor Wertverlusten. Auch unsere Nachhaltigkeitsfonds haben teils schmerzhafte Kursrückschläge erlitten. Für langfristig agierende Investoren, die seit fünf und mehr Jahren in diese Fonds veranlagt haben, stehen aber trotzdem noch immer gute Wertzuwächse zu Buche. Die entsprechenden Fonds liegen auch weiterhin teilweise deutlich vor den breiten Marktindizes bzw. ihren Referenzwerten. Wir bleiben überzeugt davon, dass nachhaltigen Investments die Zukunft gehört und dass diese trotz aller Risiken langfristig gute Ertragsaussichten bieten. Nicht unterschätzt werden sollte dabei, dass nachhaltiges Wirtschaften und der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit vor allem langfristig stattfinden. Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen brauchen daher auch langfristig agierende Kapitalgeber und Aktionäre. Mit unseren Fonds und unseren Investmentstrategien sind wir das zwar prinzipiell, sind dabei aber natürlich auch auf entsprechend langfristig investierende Fondsanleger und Investoren angewiesen.

Reibungslose Umstellung des Geschäftsbetriebs

Seit nunmehr zwei Wochen werden weite Teile unserer tagtäglichen Geschäftsprozesse von den allermeisten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern per Homeoffice und mittels moderner Telekommunikationsmittel abgewickelt. Wir können sehr zufrieden feststellen, dass faktisch alles weitgehend problemlos funktioniert und sich die Arbeitsabläufe, virtuellen Meetings sowie Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse sehr schnell gut eingespielt haben. Wir haben alles getan, um etwaige Ansteckungsrisiken innerhalb des Unternehmens zu minimieren und sind von Coronavirusfällen bislang verschont geblieben. Zugleich haben wir sehr robuste Krisenmechanismen etabliert, um auch beim etwaigen Ausfall von Kolleginnen und Kollegen jederzeit voll handlungsfähig zu bleiben. Es kommt uns derzeit zweifellos zugute, dass wir alle Vorgaben der Regulierungsbehörden für die Vorbereitung auf etwaige Krisenfälle immer sehr gewissenhaft umgesetzt haben. Selbstverständlich ist die gesamte aktuelle Situation für niemanden einfach und für alle mit erhöhten Anspannungen verbunden – für unsere Fondsanleger und Investoren, unsere Geschäftspartner und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Erfahrungen der vergangenen Tage und Wochen und das positive Feedbacks, dass wir in dieser Zeit erhalten haben, bestärken uns darin, dass wir diese Herausforderungen gemeinsam und gut meistern werden.


1) ESG steht für Umwelt (Environment, E), Soziales (Social, S) und gute Unternehmensführung (Governance, G).

"Immer noch wenig Zuversicht auf eine Wende"

von Amlan Roy, Leiter des Global Policy Research bei State Street Global Advisors.

"Zusätzlich zu den fiskalischen Maßnahmen, die bereits in Vorbereitung sind, um benachteiligte Haushalte, Arbeitnehmer und Kleinunternehmen direkt zu unterstützen, haben die People's Bank of China, die Bank of Korea und die Währungsbehörde von Singapur weitere Schritte zur Stärkung der Wirtschaft signalisiert. Eine koordinierte Finanz- und Geldpolitik ist neben guten Nachrichten an der Gesundheitsfront erforderlich. Die frustrierten Rufe von Ärzten und Krankenschwestern begannen in China, aber sie hallen immer noch in Italien, Spanien, Großbritannien und den USA wider. Die Ankündigung von Erleichterung ist wie die Ankündigung einer Rettung, aber solange die Rettung nicht greifbar ist, wird sie nicht mehr als eine leere Versprechung bleiben."

"Erkenntnisse aus Korea, China, Singapur und Japan sollten uns warnen, dass einer zweiten Runde von Ausbrüchen frühzeitig vorgesorgt werden sollte. Angesichts des am Terminmarkt auf ein Allzeittief gesunkenen Ölpreises, hoher Credit-Default-Swap (CDS)-Spreads und hoher Volatilität, gemessen sowohl am Volatilitätsindex (VIX) als auch am MOVE-Index, gibt es immer noch wenig Zuversicht auf eine Wende - aber vielleicht sind wir nicht weit von der Talsohle entfernt. Sektorale Wetten und einige risikobegrenzte Schritte wären beim Rebalancing am Quartalsende willkommen."

Was sagt uns der jüngste Abverkauf über die historische Rolle von Gold als Sicherer Hafen?

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

In der Woche vom 9. bis 16. März 2020 fiel der Goldpreis um 10 Prozent. In derselben Woche fielen aber auch der S&P 500 um 13 Prozent, der DAX um 18 Prozent und der IBEX 35 um 20 Prozent. Wenn man sich diese Schlagzeilen ansieht, sieht Gold kaum wie der defensive Vermögenswert aus, als der es weithin anerkannt ist. Wenn wir jedoch über die Fassade hinwegblicken, können wir sehen, dass Gold sehr wohl seine traditionelle Rolle spielte.

In Zeiten extremer Marktvolatilität, in denen es viele Margenanforderungen für risikoreiche Anlagen gibt, bemühen sich Anleger oft um liquide Anlagen, um diese Forderungen zu erfüllen. Gold und Staatsanleihen sind zwei wichtige Vermögenswerte dieser Kategorie. Sie wurden verkauft, um Liquidität für andere Zwecke bereitzustellen und die Preise fielen dementsprechend (siehe Abbildung 1). Die Renditen der Treasuries, die bei fallenden Preisen für gewöhnlich steigen, bewegten sich im Gleichschritt mit dem Goldpreis.


Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Daten verfügbar bis Ende 17. März 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Die Tatsache, dass Gold parallel zu den Aktienkursen fiel, obwohl seine langfristige Korrelation mit Aktien negativ ausfällt (-0,15 zwischen 1980 und 2020), ist nicht ungewöhnlich. Während der Großen Finanzkrise fiel der Goldpreis zwischen September und November 2008 zunächst um fast 20 Prozent, bevor er um 170 Prozent auf einen Höchststand im Jahr 2011 stieg. In Zeiten von Liquiditätsengpässen fiel Gold also zunächst zusammen mit dem Aktienmarkt. Als die Zentralbanken dem Finanzsystem Liquidität zuführten, begann Gold, sich mit seinen üblichen Eigenschaften zu verhalten.

Für 2020 erwarten wir ein ähnliches Muster. So milderten bereits die Liquiditätsspritzen und die Tatsache, dass sich die Aktien nicht im freien Fall befinden, den Verkaufsdruck auf Gold. Schon allein der Umfang der Maßnahmen der Zentralbanken und Finanzbehörden wird wahrscheinlich zu einer Erholung des Goldpreises führen. Gold wird als das Gegenstück zu den Fiat-Währungen1 angesehen. Die Tatsache, dass sein Angebot nicht beliebig erweitert werden kann, bedeutet, dass es seinen Wert besser halten sollte als der Wert der Währungen, die von den Zentralbanken im Rahmen der Ausweitung ihrer Geldpolitik ausgegeben werden.

Trotz aller Anreize seitens Notenbanken und Finanzbehörden ist die Länge und das Ausmaß des gegenwärtigen COVID-19-Schocks weitgehend nicht vorhersehbar. Daher ist es schwer zu beurteilen, ob der Stimulus ausreicht. Wir haben eine Reihe von Szenarien für Gold entwickelt, die darauf basieren, wie lange die Krise und damit die Lockerung der Geldpolitik dauert:

  • In einer "V-förmigen" wirtschaftlichen Erholung liegt der Schaden für das Wirtschaftswachstum weitgehend in der ersten Jahreshälfte. Demzufolge kann die Geldpolitik in der zweiten Jahreshälfte wieder gestrafft werden. In einem solchen Szenario sehen wir, dass der Goldpreis bis Juni 2020 zunächst auf 1965 US-Dollar/Unze steigt, danach aber bis Dezember 2020 auf 1370 US-Dollar fallen wird. Bei einer "U-förmigen" wirtschaftlichen Erholung, bei der die Weltwirtschaft im Laufe des Jahres 2020 weitere Anreize benötigt, dürfte der Goldpreis im Juni 2020 über 2090 USD/Unze liegen und für den Rest des Jahres nahe diesem Niveau bleiben.
  • In der "V-förmigen" wirtschaftlichen Erholung beginnt die Stimmung der Anleger gegenüber Gold zu sinken, da in der zweiten Jahreshälfte die "Risikobereitschaft" dominiert. In der "U-förmigen" Erholung hingegen bleibt die Stimmung gegenüber Gold sehr hoch, was die Unsicherheit in der Wirtschaft und die längerfristigen Auswirkungen einer lockeren Geldpolitik widerspiegelt.
  • In der "V-förmigen" Konjunkturerholung steigen die Renditen der Staatsanleihen mit der Straffung der Geldpolitik. In der "U-förmigen" Konjunkturerholung steigen die Renditen der Staatsanleihen, da die Geldpolitik kontinuierlich gelockert wird.

Unsere Szenarien basieren auf unserem Modell des Goldpreisverhaltens, das aufgrund von Daten aus dem Zeitraum zwischen 1995 und 2017 kalibriert wurde. Viele Aspekte der heutigen Zeit unterscheiden sich jedoch erheblich von denen der Vergangenheit. Da wir uns so weit aus der historischen Stichprobe heraus bewegen, könnte der Goldpreis mit Überraschungen, entweder nach oben oder nach unten, aufwarten.


1) Hat im Gegensatz zu Warengeld (Gold, Silber) keinen inneren Wert. Beispiel Dollar und Euro

Banken werden die Rezession besser meistern, als vom Markt erwartet

von Sebastian Angerer und Ivor Schucking, Research Analysts bei der Legg-Mason-Boutique Western Asset Management.

Auch die Banken trifft die Angst vor einer globalen Rezession, diesmal ausgelöst durch das Corona-Virus. Eine Wiederholung der Finanzkrise 2008 wird an die Wand gemalt, Bankaktien verlieren deutlich. Dabei gilt: Die Banken werden eine Rezession deutlich besser abfedern, als der Markt das erwartet.

Es ist deutlich, dass die Erinnerung an die große Finanzkrise noch sehr lebendig ist. So scheinen Anleger zurzeit eine extrem pessimistische Sichtweise zu haben und zu erwarten, dass sich die Finanzkrise von 2008 wiederholen könnte. Dabei ist diese eher selten, anders als eine tatsächlich zu erwartende allgemeine Rezession. Sowohl in den USA als auch in Europa sind Bankaktien um mehr als 40 Prozent gefallen und die Spreads haben sich so stark ausgeweitet wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Anders als 2008 aber will die Politik in den USA wie in der EU diesmal aber die Banken nutzen, um ihre Volkswirtschaften zu stabilisieren. Zumal sich die Banken heute in einer ganz anderen Situation sehen: Sie haben ihre Risiken abgebaut und ihre Bilanzen in Ordnung gebracht, etwa indem sie mehr Kapital vorhalten und auch die Qualität der zugrundeliegenden Assets verbessert haben. Jetzt stehen einige Initiativen der Politik an, die Volkswirtschaften in Zusammenarbeit mit den Banken zu stützen. Die politischen Entscheidungsträger haben in der globalen Finanzkrise gelernt, dass ein funktionierendes Bankensystem sowohl für Kredite wie für Vertrauen sorgt und die Volkswirtschaften dadurch stabil hält.

Befeuert vom strengen Regelwerk Basel III haben die Banken in den vergangenen zehn Jahren Risikominimierung betrieben und ihre Bilanzen gestärkt. Europäische Banken haben seit 2007 mehr als eine Billion Euro Kapital zusätzlich aufgebaut, die US-Banken mehr als 700 Milliarden Dollar. Dies hat zu einer beträchtlichen Verbesserung der Kapitalquoten geführt. Dazu kommt, dass die Regulierung dazu beigetragen hat, Risiken herauszunehmen und ein insgesamt ausgeglicheneres Geschäftsmodell zu finden, indem geringeres Wachstum, konservativeres Kapitalmanagement und weniger Übernahmen belohnt werden.

Eine Rezession ist dabei das größte Risiko für Banken. Anders als 2008 würden die Geldinstitute im Falle eines Abschwung aber heute viel besser dastehen. Das neue, risikoärmere Geschäftsmodell der Banken in Verbindung mit solideren Bilanzen ist viel widerstandsfähiger gegen eine Rezession, als die Marktteilnehmer das erwarten. Wichtig ist, sich die stärksten Banken in den risikoärmsten Ländern herauszusuchen. Bankensysteme sind umso stärker, je höher das Wirtschaftswachstum, der Lebensstandard und die Regulierungsqualität in einem Markt sind. Vorsicht ist geboten bei Banken, die eine rasante Ausweitung ihrer Bilanz durch Kredite, Übernahmen oder den Eintritt in neue Märkte aufweisen. Die meisten großen Übernahmen im Sektor haben die Erwartungen nicht erfüllt. Qualitativ hochwertige, globale Bankaktien sind dagegen einen Blick wert. Eine tiefe, lang anhaltende Rezession oder eine Wiederholung der Finanzkrise wären natürlich eine Herausforderung, aber die globalen regulatorischen Best Practices und konservativen Stresstests der vergangenen zehn Jahre untermauern die These, dass die Banken stärker, sicherer und solider geworden sind – und der Markt das noch nicht eingepreist hat.

Investitionsmöglichkeiten im Gesundheitssektor

der aktuellen SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Nach den jüngsten und in diesem Ausmaß beispiellosen Maßnahmen der Zentralbank sowie dem Versprechen auf fiskalische Stimulierung durch viele große Volkswirtschaften hoffen wir, dass die Aktienmärkte eine gewisse Unterstützung erfahren werden. Für Anleger, die nach relativ sicheren Einstiegsmöglichkeiten in den Markt suchen, sind Investitionen in denGesundheitssektor eine Überlegung wert. Der Sektor hat sich an den meisten Tagen der aktuellen Krise relativ gut entwickelt und Zuflüsse von Anlegern gesammelt (wie in den Grafiken HIER zu sehen ist).

Unter den aktuellen Themen dieses Sektors ist der Wettlauf um die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus sicherlich das auffälligste. Investitionen in den gesamten Sektor sind  eine Möglichkeit, den erhofften Erfolg dieses Vorhabens zu sichern.

Ängste vor US-Regulierung gesunken

Die Entwicklungen während der Vorwahlen der US-Demokraten konnten das Risiko verringern, dass einige der härtesten Regulierungsvorschläge in Kraft treten. Nachdem der ehemalige Vizepräsident Joe Biden zum Spitzenreiter der Demokratischen Partei avancierte, stiegen die US-Gesundheitsaktien sprunghaft an, was darauf hindeutet, dass die Investoren Bidens Vision einer Ausweitung des Affordable Care Act dem Plan von Bernie Sanders für die allgemeine Gesundheitsversorgung (Medicare for All) vorziehen.

Es gibt nach wie vor Bedrohungen durch die derzeitige Regierung, aber auch diese könnten nun verringert werden. Die Regierung von Trump hat mehrere Ideen vorgeschlagen, die darauf abzielen, die Kosten für Medikamente durch Medicare zu senken. Diese Bemühungen waren aber aufgrund des heftigen Widerstands der Pharmaunternehmen und der Mitglieder beider politischer Parteien im Kongress vorerst zum Stillstand gekommen. Nun aber gibt die Notwendigkeit einer schnellen Reaktion auf die Bedrohung durch das Coronavirus der Industrie ein starkes Argument gegen den Preisdruck.

Weltweit könnte staatliche Soforthilfe direkt in die Gesundheitsversorgung fließen

Es wird wohl viele Schlagzeilen über die Ausgaben zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie geben, jedoch werden diese nicht zwingend dem gesamten Gesundheitssektor zugutekommen. Die Branchen innerhalb des Sektors haben unterschiedliche Triebkräfte und wirtschaftliche Empfindlichkeiten – die Aufschlüsselung zeigt das Tortendiagramm (LINK).

Viele Unternehmen werden von den Auswirkungen des Coronavirus negativ betroffen sein, wie z.B. durch den Ausfall von Routine-Operationen sowie Verzögerungen bei den klinischen und regulatorischen Zeitplänen und Forschungsausgaben. Die Unterbrechung der Lieferkette im Gesundheitswesen (es gibt bereits einen Mangel an Mustertests, Masken, Kitteln usw.) und die geringere Verfügbarkeit von Generika sind angesichts der starken Abhängigkeit von China bei der Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen ebenfalls problematisch.

Für Unternehmen der Gesundheitstechnologie könnte die Pandemie jedoch Wachstum generieren. Krankenhäuser und Vertriebspartner könnten von den steigenden Zulassungen und Verschiffung von Hilfsgütern profitieren.

Zwei Bereiche im Zusammenhang mit COVID-19 sind besonders interessant: Die Lieferung von COVID-19-Testsätzen und die Entwicklung von Impfstoffen für das Virus. Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind, könnten den Gesundheitssektor vorantreiben, die überwiegende Mehrheit von ihnen ist im MSCI World Health Care Index notiert.

Ein defensiver Sektor

Das Gesundheitswesen ist angesichts der bereitgestellten Produkte und Dienstleistungen defensiv aufgestellt, was sich in einem relativ stabilen Einkommenswachstum niederschlägt. Der Sektor hat in diesem Jahr im Vergleich zum übrigen Markt relativ geringe Anpassungen der Gewinnprognosen erfahren. Diese Defensivität lässt sich auch durch das niedrige Beta der Aktienkurse verdeutlichen.

Der Sektor wird oft als sicheres Spiel mit hohen Renditen und relativ geringer Verschuldung/Eigenkapital angesehen. Die meisten Unternehmen scheinen über einen ausreichend robusten Cashflow zu verfügen, um die Dividenden weiterhin zu bedienen – was nicht in allen Sektoren der Fall sein wird.

Die aktuellen Flows  bei Sektor-ETFs zeigen, dass   europäischdomizilierten Health Care ETFs (die analysierten Fonds tracken europäische, US und weltweite Healtcare Indizes) die zweitstärksten im Vergleich mit allen Sektoren seit Beginn des Jahres waren. Die von State Street Global Markets in der vergangenen Woche veröffentlichten Daten zeigten, dass institutionelle Anleger relative Nettokäufer von Gesundheitstiteln in Europa, den USA und auch weltweit waren, und dass sie im Durchschnitt aus stark untergewichteten Positionen stammten.

Wie man dieses Thema spielt

Es gibt drei ETFs, über die das Thema Health Care  gespielt werden kann. Um mehr über diese ETFs zu erfahren, einschließlich ihrer vollständigen Performance Geschichte, folgen Sie bitte den untenstehenden Links:

SPDR MSCI World Health Care UCITS ETF
SPDR S&P U.S. Health Care Select Sector UCITS ETF
SPDR MSCI Europe Health Care UCITS ETF

Wie geht es jetzt an den Märkten weiter?

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Menschen, Volkswirtschaften und auch die Finanzmärkte durchlaufen gerade eine schwierige Zeit. Länder auf der ganzen Welt haben dem Coronavirus den Kampf angesagt. Der Umgang mit Risiken und Unsicherheiten ist für Investoren in diesem Umfeld eine Herausforderung. Es gibt dabei keine einfachen Antworten. In diesem Artikel teilen wir unsere Gedanken über die Volatilität der Märkte und die Reaktion der politischen Entscheidungsträger. Anschließend bieten wir unsere Erkenntnisse darüber an, wie Anleger ihre Portfolios so positionieren könnten, dass sie durch diese Zeiten navigieren können.

Ein neuer Höhepunkt der Volatilität

Der CBOE-Volatilitätsindex (VIX), wichtiges Stimmungsbarometer für die Marktvolatilität, hat neue Höchststände erreicht, welche sogar die in der globalen Finanzkrise erreichten Niveaus übertreffen (Abbildung 1). In der Vergangenheit waren solche starken Volatilitätsspitzen nur von kurzer Dauer, aber das durchschnittliche Niveau der Volatilität kann über längere Zeiträume erhöht oder gedämpft ausfallen. Das durchschnittliche Niveau des VIX lag 2019 bei etwa 15.

Quelle: WisdomTree, Macrotrends. Stand 18/03/2020. Der VIX-Index bezieht sich auf den Volatilitätsindex der Chicago Board Options Exchange (CBOE). Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der überall auf der Welt geschlossenen Grenzen und abgeriegelten Städte werden in den kommenden Monaten sichtbar sein. Schon jetzt ist klar, dass Unternehmen, egal ob klein oder groß, bereits jetzt einen schweren Schlag einstecken müssen. Sie werden Unterstützung brauchen, um sich wieder zu erholen, und selbst dann werden nicht alle überleben. Daher ist zu erwarten, dass die Volatilität im Jahr 2020 hoch bleiben wird - oder zumindest im Durchschnitt höher als im Jahr 2019.

Reaktion der politischen Entscheidungsträger

Die Zentralbanken schalteten sich mit ihren üblichen Instrumenten der politischen Reaktion rasch ein. Die US-Notenbank und die Bank of England nahmen im März Notfallzinssenkungen vor. Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte zusätzliche Anleihenkäufe in Höhe von 750 Milliarden Euro an. Aber da die Zinssätze in vielen entwickelten Märkten bereits nahe bei 0 liegen, erkannten die politischen Entscheidungsträger die Notwendigkeit, zusätzliche fiskalische Anreize zu setzen.

Die US-Regierung deutete an, den Kongress um Unterstützung für einen 850 Milliarden Dollar schweren Konjunkturaufschwung bitten zu wollen. Auch die britische Regierung sagte ein Geschäftskreditpaket in Höhe von 330 Milliarden Pfund zu. Wahrscheinlich werden weitere Regierungen fiskalische Maßnahmen ankündigen, um angeschlagene Unternehmen zu unterstützen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Eine Zeit der Defensive

Wie Anleger auf die vorherrschende Marktvolatilität reagieren, hängt von mehreren Faktoren ab, darunter ihre Risikobereitschaft und ihr Anlagehorizont. Einige entscheiden sich möglicherweise für den taktischen Handel, andere suchen nach attraktiven Einstiegsmöglichkeiten für langfristige Investitionen. In diesem Blog werden wir einige unserer besten Ideen hervorheben, um potenziell robuste strategische Portfolios aufzubauen. Wir werden zudem auf die von Pierre Debru eingebrachten Ideen zu defensiven Anlagen zurückgreifen, und darauf eingehen, warum ein defensiver Ansatz zunehmend relevant und wichtig geworden ist.

Gold bekommt die höchste Medaille

Bei defensiven Vermögenswerten zeigte Gold in der Vergangenheit einen wirksamen Schutz vor Kursverlusten. In den 10 schlechtesten Quartalen für europäische Aktien der vergangenen 20 Jahre verzeichnete das Edelmetall 7 Quartale mit positiver Performance. Gold wird von den Anlegern als ein echter Wohlstandsspeicher wahrgenommen, was es in Zeiten turbulenter Finanzmärkte besonders attraktiv macht. In unserem jüngsten Gold Blog erörterten wir, dass die Preisschwäche von Gold in den letzten Tagen von seinen Safe-Hafen-Eigenschaften zeugt, da sich die Anleger im Zuge der Börsenrückgänge dem Gold als Liquiditätsquelle zugewandt haben. Etwas Ähnliches geschah während der globalen Finanzkrise. Der Goldpreis fiel zunächst im Oktober 2008 aufgrund von Margenausgleich und Liquiditätsbedarf, stieg dann aber bis August 2011 um 170 Prozente an. In Bullenphasen bietet Gold eine Absicherung gegen die Inflation, was es zu einem ausgewogenen Vermögenswert und zu einem wichtigen Instrument für die strategische Vermögensallokation macht.

Die richtige Laufzeit

In unserem Fixed-Income-Blog aus der Artikelserie zu defensiven Assets hebt Pierre Debru hervor, wie Staatsanleihen mit langer Laufzeit ein attraktives Gleichgewicht zwischen Abwärtsschutz und Aufwärtssicherung bieten können. Wenn die Zinsen fallen, entwickeln sich diese Anlagen stark, da die längere Laufzeit ihnen eine höhere Zinssensitivität verleiht. Das Upside kann durch eine Zuwendung zu Ansätzen mit höheren Renditen (Enhanced Yield), die von den nach Marktkapitalisierung gewichteten Benchmarks abweichen, erfasst werden, um eine höhere Rendite zu erzielen.

Ein Oase unter den Währungen

Unter den Währungen ist der US-Dollar in Zeiten erhöhter Marktvolatilität in der Regel ein sicherer Hafen für Anleger. Nach seinem jüngsten Aufschwung scheint der Dollar trotz der Zinssenkung der US-Notenbank wieder an Stärke zu gewinnen (Abbildung 2), was ein frühes Anzeichen dafür ist, dass er seine Safe-Hafen-Eigenschaften ausspielt.

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand 18/03/2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Rohstoffe – führt der einzige Weg nach oben?

Zyklische  Rohstoffe wurden durch den Marktabschwung stark getroffen. Besonders traf  dies bei Öl zu, das nun eine erhebliche Nachfragevernichtung durch die weltweit reichenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus einpreist. (Abbildung 3). Außerdem wird ein höheres Angebot eingepreist, da sich die Organisation der erdölexportierenden Länder und ihre Partner (OPEC +) nach ihren Treffen Anfang des Monats nicht auf Durchführungsmaßnahmen zum Marktausgleich einigen konnten. Öl wird in der Welt nach der Corona-Pandemie weiterhin benötigt werden. Die Preiskämpfe zwischen den erdölexportierenden Ländern sind unserer Meinung nach nicht haltbar. Daher scheinen die Risiken für die Ölpreise angesichts der derzeitigen Lage nach oben verzerrt zu sein.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand 18/03/2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

In ähnlicher Weise preisen auch die Industriemetalle eine erhebliche Nachfrageschwäche ein. Der Bloomberg-Subindex für Industriemetalle ist seit 19. März um fast 20 Prozent gesunken. Wenn die Regierungen ihr Versprechen einlösen, fiskalische Anreize zu schaffen und die Wirtschaft nach dem Ende der Sperrzeit wieder auf die Beine kommt, könnten die Industriemetalle einen Nachfrageschub erfahren.

Ein Allwetter-Ansatz für Anlagen

Die Aktienmärkte hatten es in den letzten einem Monat schwer. Wir glauben, dass ein defensiver Ansatz mit dem Schwerpunkt auf Qualität ein robuster Weg ist, um ein Kern-Engagement in Aktien zu erhalten. Unsere Definition von Qualität konzentriert sich auf Rentabilität, langfristiges Wachstum und einen geringeren Verschuldungsgrad.Unternehmen mit diesen starken Fundamenten haben in der Regel eine bessere Chance, Stress zu widerstehen und nach der Krise wieder stark aufzutreten. Daher kann eine Fokussierung auf Qualität potenziell eine gute Erfassungsquote bieten, d.h. eine defensive Haltung auf der unteren Seite, ohne zu viel von der positiven Seite aufzugeben.

Die kommenden Wochen und Monate werden die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte weiterhin mit großer Unsicherheit belasten. Einige der erwähnten Ideen können den Anlegern helfen, sich durch die Turbulenzen zu navigieren.

Coronacession

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Coronavirus-Pandemie stellt eine globale Gesundheits- und Wirtschafts- und Finanzkrise dar.

Der Begriff „Coronacession“ wurde als Kunstwort für Corona und Recession (Rezession) geboren. Die zentrale Frage ist, wie stark ausgeprägt der Notstand ist und wie lange er andauern wird.

Die Geschwindigkeit der Entwicklung ist atemberaubend. Die pessimistischen Szenarien von gestern sind die optimistischen von heute. Dieses Umfeld hatte deutlich negative Auswirkungen auf den Finanzmarkt.

Was ist mit dem Gesundheitssystem?

Die hohe Zuwachsrate der bestätigten Neuinfektionen außerhalb Asien ist Besorgnis erregend. Es geht unter anderem darum, dass rund fünf Prozent der Fälle eine intensive Behandlung in einem Krankenhaus benötigen. Wenn zu viele schwere Fälle auf zu wenige Spitalsbetten treffen, steigen die Todesfälle an.

Um eine Überforderung des Gesundheitssystems zu vermeiden, wurden von vielen Regierungen drastische Eindämmungsmaßnahmen wie etwa Ausgangsbeschränkungen gesetzt. Das Schlagwort lautet Social Distancing.

Wie ausgeprägt und wie lange die Maßnahmen der sozialen Isolierung andauern, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Wie stark kann die Geschwindigkeit der Zuwachsrate abgebremst werden? Wann wird ein Medikament einsetzbar sein?
  • Wann werden ausreichend Testkits, Schutzausrüstungen und Spitalsbetten zur Verfügung stehen?
  • Wann wird das Verfahren zur Nachverfolgung (Contact Tracing) ausgebaut sein?

Wie die zwei Seiten einer Medaille bedeuten die Maßnahmen zur Isolierung einerseits eine Eindämmung der Ausbreitung des Virus, aber andererseits auch die Auflösung eines Teils des Bruttoinlandsprodukts.

Das BIP ist die Summe der produzierten Güter und Dienstleistungen in einem bestimmten Zeitraum, gemessen in einer bestimmten Währung.

Was sind Sekundärrundeneffekte?

Wenn kein Hotelaufenthalt, kein Flug, kein Restaurantbesuch stattfindet, gibt es auch keine Transaktion, die als Beitrag zum BIP gemessen wird. Hier wird deutlich, dass es tatsächlich nicht nur auf das BIP ankommt, wenn es um die Lebensqualität geht. Gesundheit dominiert Wohlstand.

Zumindest eine Zeitlang. Denn die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind dramatisch. Die Schätzungen variieren, aber in einem Zeitraum von drei Monaten könnte das BIP, von Land zu Land unterschiedlich, zwischen fünf und zehn Prozent einbrechen.

Das ist zwar erheblich, aber immer noch nicht der eigentliche Kern des wirtschaftlichen Problems. Tatsächlich geht es um die sogenannten Überwälzungs- und Sekundärrundeneffekte. Wenn der Umsatz eines Unternehmens wegbricht, könnten die fixen Kosten nur noch eine kurze Zeit bedient werden.

Es drohen eine Konkurswelle (Unternehmen hören auf zu existieren), eine Kreditbremse (Banken vergeben keine Kredite) und ein Anstieg der Arbeitslosenraten.

Aus Luft Geld machen

So drastisch die Eindämmungsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus sind, so umfangreich sind auch Unterstützungsmaßnahmen zur Verhinderung einer Depression (anhaltentende, schwere Rezession).

Die Zentralbanken rund um den Globus verringern den Preis des Geld (den Leitzinssatz) auf null Prozent, erhöhen die Menge des Zentralbankgeldes in schwindelerregende Höhen, gewährleisten eine hohe und günstige Liquiditätsversorgung für die Banken, legen Ankaufsprogramme für Staats- und Unternehmensanleihen auf und versuchen die Dysfunktion am Kapitalmarkt zu bekämpfen (dazu weiter unten).

Die mächtigste „Waffe“ einer Zentralbank ist, dass sie aus Luft Geld machen kann. Natürlich muss mit einer solchen Möglichkeit sorgsam umgegangen werden, aber im Krisenfall wird sie eingesetzt. Die wichtigste Funktion der Zentralbank ist jene des Kreditgebers der letzten Instanz. Wenn sonst niemand Kredite vergibt, übernimmt die Zentralbank diese Funktion.

Die mächtigste „Waffe“ sind Steuereinnahmen

Die mächtigste „Waffe“ des Finanzministeriums in der Krisenbekämpfung sind die gesamten Steuereinnahmen, die aktuellen und die zukünftigen.

Damit können Arbeitnehmer in Kurzarbeit geschickt werden, die Arbeitslosenunterstützung bezahlt, Unternehmenskredite- oder -Anleihen garantiert, Krankenversicherungen übernommen, direkte Hilfen gewährleistet und Steuern und Abgaben gestundet werden.

Die mächtigste „Waffe“ des Finanzministeriums in der Krisenbekämpfung sind die gesamten Steuereinnahmen, die aktuellen und die zukünftigen.

Theoretisch könnte das Finanzministerium den Nachfrageausfall (Umsatzeinbruch) der Unternehmen gleich direkt ersetzen. Vorerst wird aber hauptsächlich indirekt geholfen.

Maßnahmen zur Krisenbekämpfung hat es in der Vergangenheit schon viele gegeben. Neu ist das hohe Ausmaß des Zusammenspiels zwischen Zentralbank und Finanzministerium.

Das Finanzministerium garantiert (in manchen Ländern) zum Teil die Anleihen (kurzlaufende Unternehmenskredite), die die Zentralbank kauft. Die Zentralbank kauft in einem hohen Ausmaß die Anleihen, die zuvor vom Staat emittiert worden ist.

Was ist Helikoptergeld?

Der Übergang zum sogenannten „Helikoptergeld“ (neu geschaffenes Zentralbankgeld, das direkt an Staat oder Bürger ausgezahlt wird) stellt keine Singularität sondern eine gleitende Entwicklung dar. In der Vollausprägung würde die Zentralbank direkt oder indirekt über das Finanzministerium jedem Bürger Geld überweisen.

Dieser Schritt wird zurzeit in den USA diskutiert. Die Kernaussage aller an der Wirtschaftspolitik beteiligten Parteien lautet „Koste es, was es wolle“, um die möglichen Sekundärruneneffekte abzufangen.

Marktteilnehmer von den Entwicklungen überrascht

Auch die Marktteilnehmer wurden von den Entwicklungen überrascht. Weil sich das maßgebliche volkswirtschaftliche Szenario seit Jahresanfang scharf von „Erholung der Weltwirtschaft im Jahr 2020“ auf „Kontraktion im ersten Halbjahr mit nach unten gerichteten Risiken“ geändert hat, waren die Kursbewegungen heftig.

Nach den deutlichen Kurseinbrüchen bei den Aktien und Unternehmensanleihen ist mittlerweile ein kräftiger Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr reflektiert. Die Kernfrage für eine Veranlagungsentscheidung ist, ob und wann es zu einer wirtschaftlichen Erholung kommen wird.

Zu den gefallen Aktienkursen kommt, dass die Liquidität für den Wertpapierhandel stark gefallen ist. Viele Wertpapiere können nur noch mit einem erhöhten Preisauf- beziehungsweise –abschlag gehandelt werden.

Dieses Phänomen ist schon von früheren Krisenzeiten bekannt. Die erhöhte Unsicherheit bewirkt einen gleichzeitigen Abverkauf, wodurch die Kursbewegung verstärkt wird.

Dazu gesellen sich technische Markteigenschaften, die die Kursbewegung nochmals verstärken (hoher Anteil von passiven Fonds, geringere Markttiefe aufgrund von regulatorischen Vorschriften, quantitative Signale). Dieser gefallenen Liquidität auf dem Markt begegnen die Zentralbanken mit umfangreichen Anleiheankaufsprogrammen.

Außergewöhnliches Umfeld

Das aktuelle Umfeld ist außergewöhnlich. Es stellt die vergangenen Krisen seit dem zweiten Weltkrieg in den Schatten. Um einen Blick in die Zukunft zu wagen, empfiehlt es sich, Szenarien zu entwerfen.

Szenario 1: Nach dem scharfen Einbruch im ersten Halbjahr, kommt es zu einer wirtschaftlichen Erholung im zweiten Halbjahr. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus werden zurückgefahren und jene zur Eindämmung der Sekundärrundeneffekte (siehe oben) sind erfolgreich.
Das Wirtschaftswachstum weist im Zeitablauf die Form eines „V“ auf. In diesem Fall sind für eine Veranlagung Aktien der Favorit.

Szenario 2: Die Wirtschaft erholt sich nur langsam, weil die wirtschaftspolitischen Maßnahmen nur eingeschränkt funktionieren. Die Stimmung bleibt gedämpft und drückt auf Investitionen, Konsum und den Arbeitsmarkt. Erst im Laufe des nächsten Jahres setzt eine Erholung ein.
Man spricht vom Szenario „U“, weil der Einbruch keine Schlucht sondern ein Tal darstellt. Dieses Szenario spricht für ein gemischtes (breit gestreutes) Portfolio.

Szenario 3: Auf absehbare Zeit findet keine Erholung statt. Die Eindämmungsmaßnahmen könnten länger als gedacht anhalten und die Unterstützungsmaßnahmen könnten nicht effektiv genug sein.
Man spricht vom Szenario „L“. Dieses Umfeld spricht für möglichst kreditsichere Veranlagungen (Staatsanleihen).

FAZIT

Eine erste spürbare Entspannung beziehungsweise Erholung bei den risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien und Unternehmensanleihen wird es wohl erst dann geben, wenn ein Ende der Eindämmungsmaßnahmen absehbar und gleichzeitig die Glaubwürdigkeit der Unterstützungsmaßnahmen hoch ist.


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Corona-Krise: Comeback der Märkte ab Sommer möglich

Ein Comeback der internationalen Aktienmärkte wird immer wahrscheinlicher, je näher der Sommer rückt. Dieser Meinung ist Michael Browne, Portfoliomanager bei der Legg-Mason-Investmentboutique Martin Currie.

„Die Erfahrung zeigt, dass das Coronavirus rund sieben Wochen nach dem Ausbruch der Epidemie in einem Land seinen Höhepunkt erreicht und sich abschwächt, sobald zwanzig bis vierzig Prozent der Bevölkerung infiziert waren“, erläutert der Portfoliomanager. „Demnach könnten die Märkte zwischen Mitte April und Ende Mai den Blick auf das zweite Halbjahr und 2021 richten“, so Browne. Er hält es aus ökonomischer Sicht für einen Vorteil, dass die Corona-Krise Europa während einer Phase ohnehin geringen Wachstums und niedriger Lagerbestände treffe. Auch, dass das Virus die Welt während der Osterferien ausbremse, sei aus Sicht der Wirtschaft ein willkommener Zufall: „An Ostern ist die Produktion ohnehin geringer, weswegen die konjunkturelle Delle aufgrund des Virus weniger stark ins Gewicht fällt“, so Browne.

Wann genau die Aktienmärkte zur Normalität zurückfinden, hänge neben der Eindämmung des Virus von weiteren Faktoren ab. Browne betont, wie wichtig staatliche Maßnahmen für betroffene Wirtschaftszweige sowie eine unterstützende Geldpolitik seitens der Notenbanken seien. Auch Banken selbst müssten Weitblick beweisen, um betroffene Kunden in dieser schwierigen Zeit zu stützen. Damit die Ökonomie in Schwung komme und auch die Märkte den Blick auf das zweite Halbjahr richten könnten, käme es darüber hinaus daraus an, dass Arbeiter und Angestellte in Europa schnell wieder in vollem Umfang tätig werden. „Je schneller eine Rückkehr zur Normalität gelingen kann, desto eher wird dies auch den privaten Konsum begünstigen. In diesem Bereich sind sogar Nachhol-Effekte und damit ein höherer Konsum als üblich möglich“, betont Browne.

Auch langfristig könnten die Lehren aus der Corona-Krise positive Effekte auf die Wirtschaft haben. „Was wir täglich in den Supermärkten beobachten, kann sich in der gesamten Wirtschaft durchsetzen. Lagerhaltung wird langfristig an Bedeutung gewinnen. Auch dürften einige Industriezweige den Pool ihrer Zulieferer erweitern. Dafür sind zunächst Investitionen nötig, die uns dabei helfen können, nach der Krise zur Normalität zurückzufinden“, erklärt Browne. Weiteres Potenzial sieht der Portfoliomanager im Bereich des Gesundheitswesens: „Regierungen werden ihre Lehren aus der Pandemie ziehen und künftig noch stärker darauf achten, vorbereitet zu sein. Dies dürfte höhere Ausgaben im Gesundheitswesen mit sich bringen“, so Browne.

Zwar sieht der Portfoliomanager die Märkte aktuell stark im Bann des Virus, doch hätten Regierungen mit ihrem Willen zu rigorosen Maßnahmen Handlungsfähigkeit bewiesen und sowohl Bevölkerung als auch Wirtschaft ein Stück weit beruhigt. „Sobald sich die Ausbreitung des Virus verlangsamt und das öffentliche Leben wieder aufgenommen werden kann, werden alle Beteiligten den Blick nach vorne richten. In China deutet sich angesichts niedriger Lagerbestände und einer langsamen Rückkehr zur Normalität bereits eine V-förmige Erholung an“, betont Browne und mahnt dazu, schwache Konjunkturdaten, welche während der tiefsten Krise erhoben wurden, nicht überzubewerten. „Diese Zahlen bilden lediglich den Worst Case ab, sagen aber wenig über die Erholungsbewegung aus“, so der Portfoliomanager von Martin Currie.


Über Legg Mason

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.
Website: www.leggmason.de

"Weltweite Ausgangssperren führen zu globaler Rezession"

von Amlan Roy, Leiter des Global Policy Research bei State Street Global Advisors.

"Der Präsident der Federal Reserve von St. Louis, James Bullard, rechnet mit einem Anstieg der US-Arbeitslosenquote um 30 Prozent und einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 50 Prozent im zweiten Quartal. Eine ganze Palette von schlechten Prognosen zum BIP. Die US-Regierung kann den Rückgang der Verbraucherausgaben und der Investitionen nicht ausgleichen und der Kongress und der Senat müssen sich darauf einigen, wie die zwei Billionen US-Dollar ausgegeben werden, um diejenigen zu erreichen, die sie benötigen - Einzelpersonen wie Unternehmen.

"Sorgen bereitet jedoch nach wie vor die Liquidität. Die Regulierung muss für die Market-Maker gelockert werden und die Fed sollte die Liquidität und das Vertrauen durch erweiterte Befugnisse des Kongresses stärken. Die Volatilität scheint aufgrund der nach wie vor bestehenden Unsicherheit stetig hoch zu sein, da die totalen Lockdowns eine Ausnahmesituation darstellen. Die Kapitalabflüsse aus den Schwellenländern deuten darauf hin, dass die aktuelle Krise für die Entwicklungsländer schlimmer ist als die Asienkrise und die globale Finanzkrise. Das Ausmaß und der Umfang dürfte aufgrund der Auswirkungen auf Gesundheit, Sozialfürsorge und Beschäftigung noch viel schlimmer sein. Auch wenn dies besorgniserregend sein kann, sollten wir alles tun, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, und versuchen, nicht in Panik zu geraten".

Pandemie-Notkaufprogramm der EZB

von Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst bei Western Asset Management.

„Mit dem Pandemie-Notkaufprogramm („PEPP“) der EZB ist die europäische Geldpolitik in zwei Schritten vorgegangen: quantitativ, da der angekündigte Betrag sechs Prozent und mehr des BIP der Eurozone vor Jahresende entspricht, aber auch qualitativ, da das Programm sehr flexibel ist und einige frühere Beschränkungen de facto aufhebt. Solange Covid-19 die gewünschte Umsetzung der Geldpolitik gefährdet – ein sehr wichtiges Feigenblatt für rechtliche Anfechtungen, die zweifellos kommen werden – hat die EZB einen großen Ermessensspielraum bei der Wahl der zu kaufenden Vermögenswerte und kann die betreffenden Beträge bei Bedarf erhöhen. Darüber hinaus hat die EZB mit der Ankündigung dieses Programms im Wesentlichen mitgeteilt, dass sie bereit ist, die selbst auferlegten Emittenten- und Emissionsgrenzen für den Kauf von Staatsanleihen aufzugeben, die bei der höheren Summe der monatlichen Käufe vor dem Ende des PEPP zu einer verbindlichen Beschränkung geworden wären.

Wir erwarten, dass die europäische Peripherie einschließlich Griechenland von diesem Programm besonders profitieren wird, was sich bereits darin zeigt, dass sich die Spreads verengen. Aber der wahre Wert könnte darin liegen, dass es sich um eine unbefristete Verpflichtung zur Unterstützung der Finanzpolitiker handelt, während diese auf nationaler und auf supranationaler Ebene eine Bedrohung der monetären Transmission bekämpfen, wenn die Gespräche über die gemeinsame Ausgabe von Anleihen zustande kommen. Mit anderen Worten: Christine Lagardes unglückliche Bemerkung zur Spreadausweitung wurde teilweise zurückgenommen: Solange sich die Spreads ausweiten, weil sie von Covid-19 infiziert sind, wird die EZB zur Hilfe kommen.“

Die Aktienmärkte verbuchen wieder Zugewinne

Das letzte Update begann mit den Vorzügen des Bloomberg Terminals und auch heute haben wir uns wieder dessen riesiger historischen Datenbank bedient.

Kürzlich berichteten wir über jene zehn Tage, an denen der amerikanische Leitindex S&P500 seine größten Verluste an einem einzelnen Tag erlitt. Diese zehn Tage traten in sechs unterschiedlichen Jahren auf: 1929, 1931, 1937, 1987, 2008 und 2020.

Hätte man zu diesen Zeitpunkten (inklusive jener Tage mit den höchsten Verlusten) den S&P500 gekauft und für zehn Jahr gehalten, hätte man langfristig gute Erträge erwirtschaften können.

Nur wer 1929 und 1931 eingestiegen wäre, hätte über die nächsten 10 Jahre nur magere Zugewinne oder sogar Verluste erlitten.

Wir wollen damit aber nicht sagen, dass aus taktischer Sicht derzeit der beste Einstiegszeitpunkt ist – wir sind in der Regel in den letzten Tagen etwas vorsichtiger geworden. Dennoch haben sich natürlich die Bewertungen von Aktien aus langfristiger Sicht in den letzten Wochen verbessert.

Die Aktienmärkte verbuchen wieder Zugewinne

Zurück ins Heute: die Aktienmärkte konnten deutliche Zugewinne verbuchen. Der S&P500 schloss bei 6% im Plus.

Auch die europäischen Aktienmärkte legten um ca. 3% zu. Ausgelöst wurde dieser Anstieg durch die Ankündigung weiterer fiskal- und geldpolitischer Maßnahmen:

  • Die US Regierung gab bekannt ca. USD 1.200 Milliarden in die Wirtschaft zu pumpen, um diese zu stützen und ein starkes Ansteigen der Arbeitslosenraten zu verhindern. Dazu können direkte Geldtransfers an Konsumenten zählen, Hilfen für Klein- und Mittelbetriebe und Steuererleichterungen.
  • Die britische Regierung kündigte ebenfalls ein Maßnahmenpaket an. Dies soll Hilfen bei Hypothekarkrediten, Unterstützungen für Fluglinien und den Einzelhandel umfassen.
  • Die US Notenbank kündigte an, dass sie direkt Geldmarktpapiere von Industrieunternehmen kaufen wird, um so Liquiditätsengpässe in diesem Markt abzufedern.

Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass weitere Maßnahmen in Aussicht gestellt werden.

Ebenfalls positiv für die Märkte war das gute Abschneiden von Joe Biden (einem gemäßigten Demokraten) in den Vorwahlen, die kürzlich in den Bundesstaaten Arizona, Florida und Illinois abgehalten wurden.

Was haben wir in den letzten Tagen und Wochen in den Fonds getan?

In unseren Rentenfonds haben wir die Kassapositionen aufgebaut, um leicht defensiver positioniert zu sein.

Weiters haben wir schon vor längerem die Zinssensitivität in unseren Fonds reduziert. Dies hat uns in den letzten Tagen, in denen die Renditen von Staatsanleihen angestiegen sind, geholfen.

Aktuelle Daten des Coronavirus vom 19.03.2020 (Link hier)

Letztes Update: 19.03.2020; Quelle:  Johns Hopkins University Link


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

"Europa macht nur in der Krise spürbare Fortschritte"

von Elliot Hentov, Leiter des Policy Research EMEA bei State Street Global Advisors.

"Europa macht nur in einem Krisenmoment spürbare Fortschritte. Bei aller Kritik an der Zögerlichkeit der europäischen Staats- und Regierungschefs und der bürokratischen Natur der Politikgestaltung des Kontinents hat Europa schnell reagiert. Darüber hinaus ist die Reaktion breit und aussagekräftig, was die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen des virusbedingten 'Shutdowns' begrenzen dürfte. Mit Blick auf die Zukunft werden dadurch auch letztendlich die Erholung vom Virus und das künftige Krisenmanagement verbessert. Die Sorgen um die langfristige Finanzlage Italiens und der Teufelskreis der Staatsfinanzen sollten weniger akut werden, wenn wir den gegenwärtigen Krisenmoment verlassen."

Ist China zurück am Arbeitsplatz?

von Jenny Teng, Senior Fund Manager, Erste Asset Management.

Die noch vor dem Chinesischen Neujahr im Januar verhängten, strengen Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus, welche eine Absperrzone für 60 Millionen Einwohner der Provinz Hubei und strikte Quarantäne für Hunderte Millionen Menschen mit sich brachten, haben die chinesische Wirtschaft beinahe in die Knie gezwungen.

Als Zeichen, dass die Situation unter Kontrolle ist, hat China seine Bemühungen, die Produktion zu erhöhen und die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus-Ausbruchs zu minimieren, verstärkt.

Wie kommt die Wiederaufnahme der Produktion in China voran?

Das geschätzte Produktionsvolumen lag außerhalb der Provinz Hubei bei 60-70%. In Anbetracht der Tatsache, dass mehr und mehr Gebiete ihre Reiserestriktionen aufheben, sollte sich die Produktion Mitte bis Ende März wieder auf Normalniveau befinden.

Die Wiederaufnahme der Produktion hängt von Region, Sektor und Unternehmen ab. Geographisch betrachtet, hat der Großteil der Provinzen an der Ostküste eine Produktionsrate von über 90% wiederhergestellt, während sich stark infizierte Gebiete wie beispielsweise Hubei nach wie vor auf die Eindämmung des Virus konzentrieren.

Nach Sektoren betrachtet, verzeichnen der Finanz- und der IT-Sektor weitaus höhere Wiederaufnahme-Zahlen, wobei die Grundstoffindustrie langsam wieder in Fahrt kommt.

Mehr als 90% von Chinas verstaatlichten Unternehmen haben die Produktion wieder aufgenommen, während Klein- und Mittelbetriebe noch immer Schwierigkeiten haben, Vollproduktion zu erreichen.

Wie wirkt sich die Situation auf die chinesische Wirtschaft aus?

Die Produktions- und Konsum-Unterbrechung im Januar und Februar wird zu einer Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums in Q1 2020 führen. Darauf sollte eine starke Gegenbewegung in Q2 2020 (q/q) folgen.

Gegen Ende des Jahres sollte sich die chinesische Wirtschaft nach allmählicher Normalisierung wieder auf dem Niveau vor dem Virusausbruch befinden, was ein Wirtschaftswachstum von 5,7% für das Gesamtjahr (j/j) bedeuten würde.

Was die Wirtschaftstreiber anbelangt, so befinden sich geldpolitische und fiskale Lockerungen zur Stimulierung des Wachstums in Umsetzung.

Der Konsum könnte etwas vom verlorenen Boden gutmachen. Die Inlands- und Auslandsnachfrage sollte aufgrund der Lagerergänzung nach dem Produktionsausfall die Nachfrage unterstützen.

Des einen Freud‘, des anderen Leid

Während der Ausbruch des Coronavirus einen Wirtschaftsabschwung in den Bereichen Catering, Einzelhandel und Tourismus verursachte, schuf er für andere Sektoren wie E-Commerce, Online-Learning oder Online-Entertainment Chancen. „Weniger offline, mehr online; weniger Mensch, mehr Maschine“ ist ein starker Trend in vielerlei Wirtschaftszweigen.

Obwohl sich die chinesische Wirtschaft auf dem Weg der Besserung und zur Normalisierung zu befinden scheint, hängt nach wie vor eine Wolke der Unsicherheit über dem Horizont. Die Dauer und Schwere des Coronavirus-Ausbruchs außerhalb Chinas ist derzeit sehr schwer vorherzusagen. Regierungsinterventionen könnten in verschiedenen Ländern eine Reduktion der Nachfrage herbeiführen.

In jedem Falle ist das Coronavirus Stand jetzt ein einmaliger negativer Schock für die Wirtschaft, während Chinas langfristiger Wachstumstrend intakt bleibt.

Der Großteil der Provinzen an der Ostküste hat eine Produktionsrate von über 90% wiederhergestellt

Verlangsamung in Q1 2020, Rebound in Q2 2020


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Weitreichende fiskal- und geldpolitische Schritte

Für uns alle liegt ein ereignisreiches Wochenende hinter uns. Die österreichische Bundesregierung hat weitreichende Maßnahmen, die auch uns im täglichen Leben deutlich beeinflussen werden, erlassen.

Dasselbe gilt – wenn auch in unterschiedlichen Ausmaß – für andere Länder und die Wirtschaft, denn seit Freitag wurden mehrere weitreichende fiskal- und geldpolitische Schritte gesetzt:

  • Am Freitag beschloss die deutsche Bundesregierung ein Maßnahmenpaket, um Unternehmen bei der Bewältigung der Auswirkungen durch das Corona-Virus zu unterstützten. Der Kreditanstalt für Wiederaufbau (einer Förderbank, KfW) kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Sie solle die kurzfristige Versorgung von Unternehmen (von Klein- bis Großbetrieben) mit ausreichend Liquidität sicherstellen. Somit werden für deutsche Unternehmen bis zu einer halben Billion Euro zur Verfügung gestellt werden. Aus unserer Sicht ist dies ein enorm wichtiger Schritt in Deutschland, denn somit ist sichergestellt, dass kurzfristige Liquiditätsengpässe bei Unternehmen und damit Konkurse verhindert werden können.
  • Ebenfalls am Freitag rief der US Präsident den landesweiten Notstand aus. Dies ermöglicht die Freigabe von Soforthilfen in der Höhe von USD 50 Mrd. Weiters wurde angekündigt, dass keine Zinszahlungen auf Studentenkredite zu leisten sind und Zuschüsse für Krankenstände.

Durch diese Schritte schlossen die Aktienmärkte am Freitag durchwegs im Plus. Europa (EuroStoxx 50) lag bei +1.6%. Am höchsten fielen jedoch die Gewinne in den USA aus. Befand sich der S&P500 tagsüber schon im Plus kam es in der letzten halben Stunde des Handelstags zu einer deutlichen Rallye.

Befeuert durch die Ankündigung von Donald Trump schloss der Leitindex bei +9.3%. Dies war der höchste Zugewinn an einem einzelnen Tag seit 2008.

Zinsschritt der US-Notenbank

Am Sonntag setzte die US Notenbank einen weiteren Zinsschritt. Obwohl dieser erwartet wurde, war der Zeitpunkt (Sonntagnachmittag – Lokalzeit USA) überraschend. Die US Fed senkte den Leitzinssatz um einen ganzen Prozentpunkt auf eine Bandbreite für den Leitzinssatz von 0%-0.25%.

Obwohl die Geldpolitik in einer Krise, die durch einen Angebots-Schock ausgelöst wird, weniger effektiv ist, erleichtert es dennoch weitere fiskalpolitische Maßnahmen. Weiters kündigte die Fed auch ein Anleihenankaufprogramm in der Größe von USD 700 Mrd. an.

Auf den Märkten wurde dieser Zinsschritt jedoch nicht positiv aufgenommen. Die hohe Volatilität zieht sich auch im heutigen Handelstag weiter. In den USA wurde wiederum (wie schon in der letzten Woche) der Handel zwischenzeitlich ausgesetzt.

Sowohl die Börsen in Europa als auch in den USA bewegen sich derzeit bei rund 10% im Minus. Die Maßnahmen der US-Zentralbank sind sehr umfangreich, aber auch sehr außergewöhnlich. Dadurch wird signalisiert, dass die Situation tatsächlich ernst ist.

Aktuelle Daten des Coronavirus vom 16.03.2020 (Link hier)

Letztes Update: 16.03.2020; Quelle: Johns Hopkins University Link


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Mögliche Implikationen für die Immobilienwirtschaft im Zuge der Corona-Pandemie

von Prof. Dr. Tobias Just, FRICS, Universität Regensburg und IREBS Immobilienakademie.

Das Coronavirus SARS-CoV-2 hat mittlerweile weite Teile des öffentlichen Lebens in Europa lahmgelegt: Schulen und Universitäten werden (fast) europaweit geschlossen, Veranstal­tungen werden abgesagt, Züge und Flugzeuge sind – falls nicht gestrichen – deutlich unter­ausgelastet, viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Homeoffice, innereuropäische Grenzen werden geschlossen. In den USA wurde inzwischen der Notstand ausgerufen.

All dies wurde vor zwei Wochen von vielen Menschen noch als sehr unwahrscheinlich einge­schätzt. Die sehr hohe Sterbewahrscheinlichkeit in Norditalien, die anhaltend steigenden Infektionszahlen, v. a. aber die Tatsache, dass nahezu alle europäischen Länder bis zuletzt einem sehr ähnlichen Trend bezüglich der Infektionsverläufe folgen – sozusagen mit wenigen Tagen Verzögerung demselben Verlauf wie Italien zu folgen scheinen –, haben ein Umdenken erzwungen.1 An einem einzigen Tag (13.03.) starben in Italien 250 Menschen. Das sind 100 mehr, als in China gemäß den gemeldeten Daten an der Erkrankung auf dem Höhepunkt der Entwicklung starben, dreimal mehr als in Südkorea bisher insgesamt. In­sofern ist es beruhigend, dass die Experteneinschätzungen von Virologen und Epidemio­logen heute schwerer wiegen als noch vor zwei Wochen – auch in Deutschland. Und es ist auch beruhigend, dass der ökonomische Rat von Finanz- und Wirtschaftsminister eng befolgt wird.

Weil sich die Pandemie in Europa noch auf einem exponentiellen Wachstumspfad befindet, eine halbwegs verlässliche Aussage zur nachhaltigen Mortalitätsrate auch von Experten nicht gegeben werden kann, die vielfältigen Maßnahmenpakete der Regierungen zur Sicherung von Liquidität, Absicherung von Krediten und später wohl auch zur direkten Stabilisierung von Nachfrage auch nicht annähernd in ihrer Dimension und Wirkungsweise bewertet werden können, ist es offensichtlich illusorisch, zu erwarten, dass alle möglichen Implikationen für die Wirtschaft, Gesellschaft und folglich auch die Immobilienmärkte einge­schätzt werden können.

Tatsächlich hängen die kurz- und vor allem mittelfristigen Implikationen entscheidend von Faktoren ab, über die auch heute allenfalls spekuliert werden kann: Wird sich die Entwick­lung im Sommer wie nach einer Grippe beruhigen? Wird es im Herbst eine neue, ähnlich ansteckende Corona-Welle geben? Werden die Antworten dann ähnlich ausfallen müssen wie aktuell, weil das Virus stark mutierte? Wurde ein wirksames Medikament oder ein Impf­stoff gefunden? Wie reagiert die Staatengemeinschaft, wenn irgendwo auf der Welt ein neues Virus beschleunigt Verbreitung findet? Auf keine dieser Fragen gibt es zum aktuellen Stand eine befriedigend beruhigende Antwort; daher sind sehr unterschiedliche Szenarien für die möglichen (immobilien-)wirtschaftlichen Zukünfte denkbar.

In den letzten zwölf Jahren war die aus einer regelrechten Krisenkaskade resultierende Un­sicherheit gut für die Immobilienwirtschaft, da die Melange aus niedrigen Zinsen und hohem Bevölkerungs- und Beschäftigungsanstieg einen hohen Nachfragezuwachs induzierte. Das aktuelle Unsicherheitsniveau hat freilich neue Höhen erreicht: Wie stark die Unsicherheit zuletzt gestiegen ist, zeigt zum Beispiel der VSTOXX, also der Index, der die Volatilität des Eurostoxx-Aktienindex abbildet: Der VSTOXX erreichte im März 2020 Niveaus, die zuletzt im Herbst 2008 erzielt worden waren. Selbst während der Griechenland-Krise zappelte der Eurostoxx nicht so hektisch hin und her wie jetzt. Ist dies also gut für die Immobilienwirt­schaft, weil die Immobilienanlage Sicherheit verspricht?

Es ist unwahrscheinlich, dass die gefühlte Gesetzmäßigkeit „hohe Unsicherheit ist gut für die Immobilienwirtschaft“ in der neuen Gemengelage aufrechterhalten werden kann, und zwar vor allem aus drei Gründen:

  1. Die deutsche Wirtschaft hat bereits 2019 deutlich an Schwung eingebüßt. Eine wachsende Zahl an Ökonomen hat bereits vor der Corona-Krise über Fiskalimpulse laut nachgedacht – nein diese gefordert. Der Corona-Schock trifft die Wirtschaft also in einer Phase, in der sie nach langem Aufschwung empfindsam geworden ist.2 Gleichzeitig scheinen die bis zuletzt rückläufigen Mietrenditen auf (fast) allen Immobilienteilmärkten zu implizieren, dass viele Investoren in ihren Ankaufsmodell­rechnungen dauerhaft steigende Mieten unterstellten. Diese Argumentation ließ sich allenfalls in einem Umfeld ohne gesamtwirtschaftliche Risiken führen. Doch genau dies muss nun neu bewertet werden. Die Abfolge von Pandemie und frei­heitsbeschränkenden Antworten ist ein gleichzeitiger Angebots- und Nachfrage­schock. Die fiskal- und geldpolitischen Impulse mögen die kurzfristigen Lasten mindern, mehr aber auch nicht. Corona zwingt zu einer Neubewertung der Erwartungen.
  2. Da die Beruhigung des öffentlichen Lebens nicht nur das Verarbeitende Gewerbe, sondern nun auch sehr viele Dienstleistungen betrifft (u. a. Tourismus, Messe­wesen, Gastronomie, Kultur, Verkehr, Handel), werden einige als besonders sicher eingeschätzte Branchen neu zu bewerten sein. Vermietungen werden daher zu Recht zu prüfen sein. In den letzten zehn Jahren standen die meisten dieser sicheren Branchen nicht in Frage.3
  3. Banken werden ihre Kreditkonditionen dann neu justieren müssen. Natürlich werden die Garantien der Regierung hier helfen, die akut heftigsten Anpassungen zu dämpfen. Doch Banken könnten das Ausfallrisiko einiger Dienstleistungen dauerhaft neu bewerten müssen. Die Immobilienfinanzierungen würden dann mit­telbar über die Nutzungen neu bewertet werden müssen. Und dies in einer Phase, in der die Banken (aufgrund von Basel IV) sowieso eher höhere Margen für Immobilienfinanzierungen kalkulieren müssen. Kapital würde dann mittelfristig teurer; die staatlichen Rettungsmaßnahmen sind keine Dauerlösung.

Gemäß Daten von RCA ist das Immobilientransaktionsvolumen in Asien in den ersten Wochen 2020 um etwa 50% unterhalb des Volumens der Vorjahre geblieben; in Europa und den USA nicht. Es spricht vieles dafür, dass das Transaktionsvolumen in Europa in ähnlicher Weise einen Dämpfer für Wochen erhält, und es ist fraglich, ob diese Delle in den Folge­quartalen ausgeglichen werden kann.

Hinzu tritt ein möglicherweise erst mittelfristig relevanter Effekt, der dann große Bedeutung erhalten wird, wenn die Unsicherheit tatsächlich nicht nur dieses Frühjahr anhält. Denn dann wird sich das Verhalten von Menschen und Unternehmen allmählich verändern. Die inter­nationale Arbeitsteilung könnte etwas zurückgedreht werden, es könnte mehr Redundanz in die Wertschöpfungsketten eingebaut werden, um die Stabilität der Systeme zu erhöhen, etc. Die meisten dieser Anpassungen dürften zu höheren Transaktionskosten oder weniger Skalierungsmöglichkeiten führen und so erzwingen, dass Kosten an anderer Stelle reduziert werden müssen (oder die Kosten und Inflation steigen). Dies können Personalkosten (z. B. durch Digitalisierung), Prozesskosten (z. B. durch Digitalisierung) oder Standortkosten (z. B. durch Digitalisierung und Standortverlagerung) sein. Der Nettoeffekt für die Fertigungskosten ist offen. Sollte der Nettoeffekt positiv sein, d. h., sollten die Fertigungskosten also schneller steigen als im Status quo, dann wären höhere Inflationsraten zu erwarten.

Aus dieser Gemengelage würde für die Immobilienpreisbildung spürbarer Druck entstehen, weil erstens die Mieterwartungen bereits kurzfristig nach unten angepasst werden müssen, die Kosten tendenziell schneller steigen als bisher erwartet und die Zinsen (wohl allenfalls mittelfristig) tendenziell stärker steigen als bisher prognostiziert. Da hier als Status quo die Erwartungen vor der Corona-Krise als Referenz gewählt wurden, bedeutet dies nicht zwin­gend, dass die Zinsen wirklich steigen werden – schon gar nicht kurzfristig, und auch nicht, dass die Inflationsraten besorgniserregende Höhen erreichen werden. Doch es bedeutet, dass den Preiszuwächsen neue Schranken gesetzt werden. Je länger und heftiger die wirt­schaftliche Pause weltweit greift, umso wahrscheinlicher und größer dürften zudem Fiskalprogramme ausfallen.

Institutionelle Anleger werden sich dann noch stärker auf Anleihen von Ländern guter Bonität stürzen. Es gäbe also (etwas) mehr Investitionsmöglichkeiten für institutionelle Anleger, und auch dies dürfte sich negativ auf die Immobilienpreisbildung auswirken.4 Welche Immobilien­klasse nun stärker oder weniger stark betroffen sein wird, hängt massiv von der Länge der aktuellen Welle, der Frequenz zukünftiger Wellen, der institutionellen Antwort auf diese Wellen, dem Maßnahmenpaket der Regierungen und insbesondere den Verschiebungen auf den Weltmärkten und in der Gesellschaft ab. Da hier die Unsicherheit mit der Granularität der Prognose zunimmt, dürften in Zukunft v. a. Flexibilität im Sinne von Adaptionsfähigkeit und damit verbunden Liquidität des Objekts wichtiger werden.

Und trotz all dieser plausiblen Belastungsfaktoren wäre es unzureichend, würde nicht auch darauf verwiesen, dass mittelfristig Lernprozesse die Wirtschaft – und dann auch die Immo­bilienwirtschaft – schützen dürften: In Singapur, Korea und Japan verliefen die Ansteckungs­kurven günstiger als in Europa, wahrscheinlich, weil diese Länder durch frühere Erfahrungen vorbereitet waren und rasch angemessen reagieren konnten.5 In keinem dieser Länder wurden Immobilien dauerhaft als Anlageklasse in Frage gestellt, nachdem SARS oder MERS in Asien grassierten. Diese Erfahrung stimmt optimistisch, dass – bei aller berechtigten Sorge um die Gesundheit und auch die Wirtschaft – die stärksten Waffen des Menschen seine Lernfähigkeit und Anpassungsfähigkeit sind und dass diese auch in der aktuellen Krise Lösungen bieten. Wie stark und anhaltend die Immobilienmärkte in Deutschland belastet werden, hängt also auch von der institutionellen Lernfähigkeit hierzulande ab. Zwei rasche Lehren könnten sein, dass es erstens Themen gibt, bei denen wir die Frage nach der richtigen Zuständigkeit neu hochwerfen dürfen, und dass es zweitens Themen gibt, bei denen wir alle, die wir täglich die besten Fußball-Bundestrainerinnen, die besten Finanz­ministerinnen, die besten Zukunftsforscherinnen, die besten Erzieherinnen und die besten Zentralbankerinnen in einer Person sind, einfach den qualifizierten Experten vertrauen, damit keine wertvolle Zeit verloren wird.


1) Sehr eindrucksvoll zu den ähnlichen Trendverläufen in europäischen Ländern: https://www.algebris.com/policy-research-forum/blog/covid-19-facts/. Deutschland hat demnach in Bezug auf Italien nur eine Verzögerung von elf Tagen. Andere Auswertungen schätzen die Verzögerung auf neun Tage.
2) Es werden aktuell die üblichen Buchstabenspiele zum Beschreiben der wahrscheinlichen Rezession aus der Schublade geholt: Die meisten Ökonomen vertrauen auf die Wirksamkeit der verordneten Medizin und vermuten eine V-Rezession – die Wirtschaft bricht heftig ein, erholt sich aber rasch wieder (die aktuell geschätzten Rückgänge des Bruttoinlandsprodukts um rd. 1% im Quartalsvergleich dürften bald kassiert werden, da diese Schätzungen noch vor den drakonischen Maßnahmen getätigt wurden). Die Auswirkungen für die Immobiliennachfrage wären im Falle eines ausgeprägten V dennoch überschaubar. Doch wie 2008 wird auch der L-Typ (und irgendwann sicherlich auch wieder der W-Typ) diskutiert.
3) Kredite und Stundungen helfen auch nur dort dauerhaft, wo die Unternehmen nachhaltig eine auskömmliche Marge erwirtschaften werden, die eine Rückzahlung der Kredite zulässt.
4) Ob dieser Allokationseffekt groß ausfällt, hängt natürlich auch davon ab, wie nachhaltig institutionelle Investoren aus Aktien und Unternehmensanleihen Gelder abziehen.
5) In Italien sind (Stand 15.03.) rd. 410 infizierte Fälle je 1 Mio. Einwohner gemeldet; in Spanien sind es 167, in Deutschland 67. Und die Beschleunigungsphase ist noch nicht zu Ende. In Singapur liegt dieser Wert bei 39, in Japan sogar nur bei knapp 7. Für Südkorea werden zwar nun gegen Ende der Entwicklung 159 Fälle je 1 Mio. Einwohner ausgewiesen, die Sterblichkeit ist aber selbst zu diesem Zeitpunkt deutlich niedriger als aktuell in Italien oder Frankreich.

Dieser Beitrag wurde zuerst von der IRE|BS Immobilienakademie publiziert. Ein PDF des Beitrags finden Sie hier.

Prof. Dr. Tobias Just FRICS

Prof. Dr. Tobias Just FRICS ist Wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer der IREBS Immobilienakademie und Lehrstuhlinhaber für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg.
IREBS Immobilienakademie GmbH, Kloster Eberbach, 65346 Eltville
Telefon: 06723 9950-30
E-Mail: tobias.just@irebs.de
www.irebs-immobilienakademie.de

Aktien: Nach gutem Start in die „Corona-Baisse“

Um es gleich vorweg zu nehmen, die Performance der Aktienbörsen in der letzten Februarwoche war sehr schwach, mit Verlusten von 5 bis über 10 % in einer Woche. Die Marktvolatilität, der gängige Risikofaktor, sprang ruckartig an, das induzierte weitere Verkäufe. Das Drama hatte nur einen Namen: COVID-19 und dessen mittlerweile globale Ausbreitung.

Die vorläufige Beilegung des Handelsstreits und die dadurch wieder aufkommende Konjunkturhoffnung in China sind vorerst verflogen, wobei China und Asien eine bessere Wertentwicklung als Europa aufweisen. Wachstumsprognosen werden nun laufend korrigiert und vereinzelt werden kurzfristige Gewinnwarnungen veröffentlicht.

Wobei, das ist bereits fast in Vergessenheit geraten, einige Indizes Mitte Februar noch Höchststände aufweisen konnten, der US-Markt mit All-Time-High. So gesehen sind die Verluste seit Jahresbeginn weniger dramatisch.

Rohstofflastige Indizes wie Russland (damit Osteuropa) oder Lateinamerika, dort über die Währung, sind im aktuellen Szenario besonders betroffen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien USA und Europa: Gewinnwachstum abgeflaut

Wie die Grafik zeigt, ist das Gewinnwachstum in den USA aktuell bei null und in Europa sogar negativ. Dies ist einerseits auf Basiseffekte zurückzuführen – etwa auf die vergangene US-Steuerreform –, andererseits auf die schwächelnde globale Konjunktur in 2019, Stichwort Handelskonflikt.

Grundsätzlich wurde für 2020 sowohl eine Belebung des globalen Wachstums ausgehend von China als auch ein damit verbundenes hohes einstelliges Gewinnwachstum erwartet. Dieses positive Szenario ist durch die Folgen des Virusausbruchs wohl nicht mehr aufrecht zu halten.

Die starke Performance der Technologie-Branche war nicht auf einige wenige Titel und auch nicht auf die USA begrenzt, in allen Regionen war die Kursentwicklung der Tech-Unternehmen schon länger weit besser als die der jeweiligen lokalen Märkte. Lediglich in den Emerging Markets startete diese Outperformance verzögert. Wir halten die jüngsten Rückschläge nur für temporär und gehen vorerst weiter von einer besseren relativen Performance des Technologiesektors aus.

Emerging Markets: Rückfall zu befürchten

In der zweiten Jahreshälfte 2019 hatte sich konjunktureller Optimismus breitgemacht. Auch bei der Gewinnentwicklung, insbesondere im asiatischen Raum, hatte sich das zwischenzeitlich manifestiert. Mit der Virusepidemie hat sich dies nunmehr deutlich verändert und die Erwartung bezüglich der Unternehmensdaten verschlechtert sich zusehends, steht doch China als große Volkswirtschaft praktisch seit Wochen still. Damit verwundert es auch nicht, dass Schwellenländeraktien wieder global unter Druck kommen.

Bewährungsprobe für Lagarde: Die Erfahrung fehlt

von Andreas Billmeier, Sovereign Research Analyst der Legg-Mason-Tochter Western Asset Management.

Die EZB hat heute ein Paket geschnürt, das den Schwerpunkt auf die Bereitstellung von Liquidität für Banken zu günstigen Zinssätzen legt, aber keine Zinssenkung vorsieht. Darüber hinaus weitet die EZB das Programm für den Ankauf von Vermögenswerten um 120 Milliarden Euro aus. EZB-Präsidentin Christine Lagarde deutete dabei an, dass der Kauf von Unternehmensanleihen verstärkt werde. Wichtig war Lagarde, dass das Paket einstimmig unterstützt wurde. Mit anderen Worten: Eine Zinssenkung war wohl nicht gegen die Einwände einiger Zentralbanker durchführbar. Lagarde fügte hinzu, dass sie jetzt eine deutliche fiskalpolitische Reaktion der Eurogruppe erwarte.

Die Aussagen Lagardes waren vielleicht etwas zu dünn verglichen mit den Hoffnungen des Marktes auf eine vollständige Flexibilität beim Ankaufprogramm. Lagarde schien zeitweise etwas unsicher zu sein und vermied es, auf ein paar pointierte Fragen zu antworten. Für so einen schwierigen Moment in ihrer Amtszeit scheint die Erfahrung wohl noch nicht zu reichen. So sagte sie beispielsweise, die EZB sei nicht dazu da, die Spreads zu schließen, was technisch gesehen richtig ist. Wir aber denken, dass sie eine solche Aussage angesichts der aktuellen Lage vermieden hätte, wäre die Erfahrung mit den Finanzmärkten größer gewesen.

Aus unserer Sicht ist dies ein gutes Paket für das, was für die EZB machbar ist. Und wir stimmen mit Lagarde überein: Die Einstimmigkeit der EZB war wahrscheinlich wichtiger als eine Zinssenkung um zehn Basispunkte. Der Liquiditätsschub ist massiv und wenn dies, wie von Lagarde gefordert, durch Kreditgarantieprogramme ergänzt wird, sollte es für die Banken gut möglich sein, weitere Kredite zu vergeben. Dies aber müssen die Finanzpolitiker der Eurozone in der kommenden Woche entscheiden.


Über Legg Mason

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.
Website: www.leggmason.de

Verwerfungen am Finanzmarkt – die Szenarien

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Verwerfungen am Finanzmarkt finden eine Fortsetzung. Die Kurse der risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien und Unternehmensanleihen mit einer niedrigen Kreditqualität fallen.

Im Gegensatz dazu steigen die Kurse jener Wertpapierklassen, denen der Charakter eines „sicheren Hafens“ innewohnt, nämlich kreditsichere Staatsanleihen und Gold. In den Marktpreisen wird in einem zunehmenden Ausmaß eine globale Rezession reflektiert.

4 Unsicherheiten

Der dominierende Faktor für die Marktentwicklung ist die Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19). Dabei geht es im Prinzip um vier Unsicherheiten:

1)    Die Entwicklung des Virus. Nach wie vor nehmen die bestätigen Neuinfektionen von COVID-19 außerhalb Chinas mit einer hohen Zuwachsrate zu. Die Fragen zu den Eigenschaften des Virus können nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Saisonal (abhängig von der Temperatur) oder permanent? Therapie? Impfung? Mutationen? Anzahl der asymptomatischen Fälle?

2)    Die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung. Die notwendigen Schritte um die Ausbreitung des Virus einzudämmen haben naturgemäß einen stark negativen Effekt auf die wirtschaftliche Aktivität. Für das erste Quartal 2020 zeichnet sich eine Schrumpfung des globalen Bruttoinlandsprodukts ab.

3)    Die Überwälzungseffekte auf anfänglich nicht betroffene Sektoren und Länder. Das betrifft die Unterbrechung von Lieferketten und die vorsichtigere Haltung hinsichtlich Konsum und Investitionen.

Zudem nimmt das Risiko von zunehmenden Konkursraten zu, weil die Umsätze wegbrechen könnten aber dennoch die fixen Kosten (Steuern, Kreditzinsen) zu bedienen sind. In China zeichnet sich zwar eine Erholung im zweiten Quartal ab, aber die Wahrscheinlichkeit für eine abermalige Schrumpfung in Japan und der Eurozone hat deutlich zugenommen.

Auch für die USA steigen die Rezessionsrisiken an, weil sich das Virus weiter ausbreitet.

4)    Die Maßnahmen zur Dämpfung der negativen wirtschaftlichen Auswirkungen. Auf globaler Ebene haben die Zentralbanken bereits mit Lockerungsmaßnahmen reagiert. Das betrifft vor allem Leitzinssenkungen. In Ländern, wo der Leitzinssatz bereits sehr niedrig ist, könnten andere Maßnahmen wie eine zielgerichtete, höhere Liquiditätsversorgung der Banken und höhere Wertpapierankaufs-Programme gesetzt werden.

Damit soll die negative Rückkopplung von einer Verschärfung des Finanzumfelds auf die wirtschaftliche Aktivität eingedämmt werden. Zudem wird über fiskalische Konjunkturpakete nachgedacht. Am wichtigsten sind jedoch jene Maßnahmen, die zunehmende Konkurse verhindern sollen (Kurzarbeit, Moratorien für Steuerzahlungen).

Das Scheitern des Ölkartells

Dazu kommt das Scheitern des Ölkartells OPEC plus Russland. Der massive Kursverfall des Ölpreises hat uneinheitliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft (Öl importierende vs. Öl exportierende Länder).

Die gemeinsame globale Klammer ist, dass dadurch der ohnehin schon zunehmende Druck für niedrigere Inflationsraten nochmals zunimmt. Der Fokus ist aktuell auf jene Öl produzierenden Unternehmen und Länder mit einer hohen Verschuldung gerichtet (sinkende Kreditwürdigkeit).

Unterschiedliche Szenarien

Seit einigen Wochen reflektiert die Kursentwicklung der Wertpapierklassen die Revisionen von anfänglich positiven hin zu negativen volkswirtschaftlichen Szenarien wider:

  • Szenario 1: Erholung im Jahr 2020
  • Szenario 2: schnelle Erholung im 2. Quartal nach dem Einbruch im 1. Quartal – Szenario „V“
  • Szenario 3: Erholung im 2. Halbjahr – Szenario „U“
  • Szenario 4: Mittlerweile stoßen die Kurse in Regionen vor, die immer mehr mit einer Rezession im Einklang stehen – Szenario „L“.

FAZIT

Anders ausgedrückt haben anfangs die kurzfristig orientierten Investoren Aktien verkauft, mittlerweile haben auch die langfristig (konjunkturzyklisch) orientierten Investoren zu kapitulieren begonnen. Der wohl wichtigste Faktor für die weitere Entwicklung der Wertpapierkurse ist die weitere Ausbreitung von COVID-19.

Positiv betrachtet: Wenn die Zuwachsraten an Neuinfektionen spürbar abnehmen, könnte das der Auslöser für eine einsetzende Erholung bei den risikobehafteten Wertpapierklassen sein.


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Notenbanken, grüne Infrastruktur und 5G: drei Gründe für Optimismus

Die Chancen für eine V-förmige Erholung der Märkte ist zunehmend unwahrscheinlich. Experten der Fondsgesellschaft Legg Mason sehen trotzdem bereits mittelfristig wieder Chancen: Koordinierte Liquiditätsspritzen der Notenbanken, der Aufbau grüner Infrastruktur und die Einführung des 5G-Mobilfunkstandards sollten die Börsen stützen.

Eine zentrale Rolle könnten zuerst Notenbanken und Regierungen spielen: „Obwohl Zinssenkungen wenig dabei helfen, die direkten Folgen des Virus auf der Angebotsseite zu mildern, könnten doch koordinierte Liquiditätsspritzen für die Wirtschaft dafür sorgen, dem Markt eine klare Botschaft zu senden und die Situation zu stabilisieren“, sagt Jeff Schulze, Investmentstratege der Legg-Mason-Tochter ClearBridge Investments.

Auch Investitionen in Infrastruktur könnten inmitten der Krise eine stabilisierende Wirkung haben. „Wir gehen davon aus, dass Investitionen in Infrastruktur ein wichtiges Werkzeug für Regierungen sein werden“, sagt Charles Hamieh von der Legg-Mason-Boutique RARE Infrastructure und verweist insbesondere auf nachhaltige Maßnahmen. „Viele Regionen, wie beispielsweise die EU, Kalifornien oder Virginia, haben sich ambitionierte Klimaziele gesteckt. Die schwachen ökonomischen Aussichten und auch die Folgen der Corona-Krise könnten Katalysatoren dafür sein, diese Ziele früher anzugehen als bislang geplant“, so Hamieh und nennt exemplarisch Projekte für erneuerbare Energie. Hinzu komme, dass nachhaltige Investments nach ESG-Kriterien am Markt auf Zuspruch stoßen.

Neben Investments in regenerative Energien könnte auch der neue Mobilfunkstandard 5G dabei helfen, das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wieder anzuschieben. 5G gilt als Zukunftstechnologie und Voraussetzung für Entwicklungen im Bereich Internet der Dinge. „Wir gehen davon aus, dass die Einführung des ersten 5G-iPhones im September der gesamten Branche neue Impulse geben wird“, sagt Deepon Nag, Senior Analyst für Technologie bei der Legg-Mason-Tochter ClearBridge Investments. „Hersteller von Smartphones dürften unmittelbar vom neuen Mobilfunkstandard profitieren, aber auch Ausrüster und Zulieferer können zusätzliche Aufträge erwarten“, so der Analyst und verweist darauf, dass steigende Bandbreiten und größere Datenvolumina auch Investitionen in bestehende Infrastruktur nötig machen. „Anders als 3G oder 4G startet 5G weltweit fast zur selben Zeit. Wir erwarten daher, dass sich dieser Standard viel schneller etablieren wird als seine Vorgänger“, so Nag.

Obwohl Investmentstrategen wie Jeff Schulze die aktuelle wirtschaftliche Situation als angespannt bewerten, hätten sich die ersten Maßnahmen der US-Notenbank bereits bewährt. „Die Ausweitung der Bilanz der Notenbank hat die Rezessionsgefahr in den USA deutlich abgemildert. Auch die gesunkenen Ölpreise sind nicht durchweg negativ zu werten und stützen wichtige Branchen wie die Luftfahrt oder auch die Chemieindustrie. Mittels bewährter Maßnahmen aus der Zeit der Finanzkrise und zielgerichteter Investitionen in Zukunftstechnologie kann die Weltwirtschaft bis Jahresende stabilisiert werden“, betont Schulze.


Über Legg Mason

Das Motto von Legg Mason lautet „Investing to Improve LivesTM“. Ziel ist es, Anlegern weltweit dabei zu helfen, bessere Ergebnisse bei der Geldanlage zu erzielen und ihnen dafür ein breiteres Spektrum an Investitionsstrategien, Anlegevehikeln sowie Zugang zu unabhängigen Investmentmanagern mit einer breiten Expertise bei Aktien, Anleihen, alternativen und liquiden Investments anzubieten. Insgesamt verwaltet Legg Mason ein Vermögen von 637 Milliarden US-Dollar (Stand: 30. Juni 2018). Wenn Sie mehr über Legg Mason und seine Tochtergesellschaften erfahren möchten, schauen Sie auf der web site oder im newsroom vorbei oder folgen Sie Legg Mason auf LinkedInTwitter, oder Facebook.
Website: www.leggmason.de

Markterholung oder mehr Volatilität? Ziehen Sie Wandelanleihen in Betracht

Im gegenwärtigen Umfeld schützen globale Wandelanleihen vor Volatilität in den Portfolios der Anleger, so State Street Global Advisors im aktuellen SPDR Strategie Espresso. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit in Bezug auf das Coronavirus könnten Wandelanleihen auch in den kommenden Monaten einen wichtigen Schutz darstellen.

Der chinesische Caixin-Composite-PMI ist letzte Woche auf 27,5 gestürzt. Zudem sahen wir überraschend positive Zahlen des US-ISM-Manifacturing Index bei 57,3 (gegenüber den prognostizierten 54,8). Auch die europäischen PMIs, gestützt durch eine Notfallkürzung um 50 Basispunkte durch die US-Notenbank am Dienstag, den 3. März, gefolgt von der Bank of Canada am 4. März, zeigten sich besser als erwartet. Die Märkte haben sich nach der Wiederbelebung des demokratischen Kandidaten Joe Biden und seinen starken Ergebnissen des „Super Tuesday“ weiter erholt.

Die Anleger begrüßten die Verschnaufpause nach einem herausfordernden Ende im Februar, wo wir an sechs aufeinanderfolgenden Tagen fallende Aktienmärkte und Abflüsse von Hochzins- als auch von Unternehmensanleihen-ETFs (ca. 7 Milliarden USD in der Woche vom 24. bis 28. Februar) erlebten.

Im gegenwärtigen Umfeld schützen globale Wandelanleihen vor Volatilität in den Portfolios der Anleger. Die Unsicherheit über die Schwere des Coronavirus und seine Auswirkungen auf das globale BIP-Wachstum bleibt aber auch weiterhin bestehen. Wir gehen daher davon aus, dass Wandelanleihen aufgrund ihres Profils weiterhin helfen können, wenn die Märkte mit mehr Volatilität zu kämpfen haben. Es könnte sein, dass wir in den kommenden Wochen beunruhigende Wirtschaftsdaten zu sehen bekommen, da die Wachstumserwartungen angepasst werden und die Märkte weiterhin auf die Coronavirus-Schlagzeilen reagieren.

Globale Wandelanleihen: Update 2020

  • Ein zentrales Thema unter Anlegern ist die Verringerung des Exposures und des Delta-Risikos, während man gleichzeitig in den zugrunde liegenden Wandelaktien investiert bleibt, die auch in diesem Jahr Widerstandsfähigkeit und Wachstumschancen gezeigt haben.
  • Im bisherigen Jahresverlauf haben sich die globalen Wandelanleihen um -0,20% gegenüber -9,09% (Thomson Reuters Qualified Global Convertible Bond Index USD gegenüber MSCI ACWI Index USD) per Ende Februar 2020 entwickelt.
  • Wandelanleihen haben die Anleger auch teilweise gegenüber High Yield geschützt und den USD-Index um 120 Basispunkte übertroffen.
  • Der Ausverkauf auf dem Markt hat es ermöglicht, dass die Prämien sich verringern und den Anlegern die Möglichkeit geboten, sich zu einem reduzierten Delta-Niveaueinzukaufen, was einen weiteren Schutz gegen Markt-/Makrovolatilität bietet.
  • Insgesamt hat die Anlageklasse dazu beigetragen, die Anleger vor dem Rückzug aus Aktien zu bewahren, wobei die Anleihen seit Jahresbeginn eine überdurchschnittliche Performance aufweisen. Zu den Namen gehören Tesla (+47,2%), Semiconducting Manufacturing (+22,3%), Ring Central (+34,9%) und Service Now (+12,4%).
  • Auf der anderen Seite wurden einige Unternehmen durch die aktuellen Marktbedingungen belastet, wie z.B. NMC Health Jersey Ltd (-40,1%), Intelsat (-36,1%) und Chesapeake Energy (-2,2%). Ihr Beitrag war jedoch geringer, da sie nur 0,33% des Portfolios ausmachen, gegenüber 4,85% bei den drei oben genannten Top-Emittenten.
  • Schließlich haben Wandelanleihen in jeder der vergangenen Perioden, in denen der Volatility Index (VIX) 25 durchbrochen hat (ca. +1 Standardabweichung), den besonderen Schutz gezeigt, den sie durch ihre Konvexität bieten. In der letzten Februarwoche fiel der von unserem ETF nachgebildete Thomson Reuters Qualified Global Convertible Index nur um -4,8% gegenüber -10,4%, die der MSCI ACWI (globaler Aktienindex) fiel. Die Grafik zeigt die wöchentliche Performance des Wandelanleihenindex in USD unhedged gegenüber dem globalen Aktienindex für jede Stufe des VIX.