Rückkehr in eine normalere Welt?

Die jüngsten Entwicklungen bei den Pandemie-Zahlen in Europa, den USA und weiten Teilen Asiens geben Anlass zu Optimismus. Die drastischen Gegenmaßnahmen dürften in den kommenden Wochen fast überall nach und nach zurückgefahren werden. Gegenläufige Tendenzen, wie etwa in Singapur, mahnen zwar zur Vorsicht. Sie dürften den generellen Trend zur Lockerung und einem Hochfahren der Volkswirtschaften aber nicht stoppen. Selbst bei weniger guten Pandemiezahlen wird man künftig aber schwerlich in das bisherige Regime zurückfallen können. Zu groß sind die wirtschaftlichen und sozialen und damit mittelbar auch die gesundheitlichen Kosten mit jeder weiteren Woche von „Lockdowns“. In weiten Teilen Süd- und Südostasiens beispielsweise kamen „Lockdowns“ und Grenzschließungen mitten zur Haupterntezeit und die neue Aussaat kann ebenfalls nicht mehr lange warten. Können die zahlreichen Gastarbeiter aus anderen Ländern nicht schnell wieder in ihre Zielländer einreisen, drohen Hungerkatastrophen, unbezahlbare Lebensmittelpreise (Reis kletterte bereits auf ein 7-Jahres-Hoch) und Massensuizide von ruinierten Bauern. In diesem Fall wäre die imaginäre Kur definitiv schlimmer als die Krankheit selbst. In den USA und Teilen Europas beginnt auch die Stimmung in der Bevölkerung zu kippen. Auf Dauer lässt sich auch nur schwer mit imaginär geretteten Leben argumentieren gegen ganz real zerstörte wirtschaftliche Existenzen.

Damit rückt zunehmend die Frage in den Fokus der Märkte, wie schnell die Weltwirtschaft zu normaleren Verhältnissen zurückkehren kann und wie diese neue Normalität in den kommenden Quartalen und Jahren vermutlich aussehen wird? Wer wird sich schneller und stärker erholen, wer weniger? Diesbezüglich wird es ganz gravierende Unterschiede zwischen Branchen, Regionen und einzelnen Unternehmen geben. Viel wird dabei nicht nur vom Umfang, sondern auch der konkreten Ausgestaltung der fiskalischen Programme abhängen, die sich mit dem Wiederaufbau beschäftigen, im Gegensatz zu den aktuellen Nothilfeprogrammen, die die schlimmsten unmittelbaren Folgen der Krise auffangen sollen.

Enttäuschender EU-Gipfel zum Wiederaufbau

Bei den Verhandlungen über das Wiederaufbauprogramm für die EU hat es in der vergangenen Woche kaum Fortschritte gegeben. Die Ergebnisse waren insgesamt enttäuschend für die Märkte, die ohnehin schon nicht mit großen Erwartungen in den EU-Gipfel gegangen waren. Ein Kernproblem ist wieder einmal die prinzipiell ungelöste Zukunft der EU. Länder wie Frankreich und Italien möchten die aktuelle Krisensituation gern nutzen, um das von ihnen schon lange angestrebte Aufnehmen gemeinschaftlicher Schulden durchzusetzen. Dem steht heftiger Widerstand unter anderem aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich entgegen. Für diese ist ein großangelegtes Wiederaufbauprogramm möglich, auch ohne, dass man dafür in eine faktische Fiskalunion einsteigen muss. Langfristig wird es mit ziemlicher Sicherheit Lösungen geben, gleich welcher Art, nötigenfalls auch in sehr großem Umfang. Kurzfristig bleiben aber etliche Fragezeichen, speziell in Bezug auf Italien. Eine Herabstufung mit Verlust des Investment-Grade-Siegels steht im Raum, wobei der diesbezügliche Überprüfungstermin durch Standard&Poor‘s am vergangenen Freitag weder ein Downgrade (das war ohnedies unwahrscheinlich) noch einen verschlechterten Ausblick brachte.

Die EZB hat für den Fall eines Downgrades in ihren letzten Beschlüssen bereits Vorkehrungen getroffen, ohne dabei explizit Bezug auf Italien zu nehmen. Dass sie künftig Sicherheitsleistungen auch in Form von Nicht-Investment-Grade-Anleihen zulässt und selbst auch solche Bonds unter bestimmten Bedingungen kaufen kann, dürfte zumindest sicherstellen, dass bei einer etwaigen Herabstufung Italiens nicht sofort die nächste Euro-Krise droht. Langfristig ist schwer zu sehen, wie sich Italien ohne implizite (Teil-)Garantien durch die anderen EU-Länder und/oder die EZB finanzieren soll. Ein „Herauswachsen“ aus der rasant steigenden Verschuldungsquote ist aus heutiger Sicht komplett unrealistisch. Auf der anderen Seite ist es genauso unrealistisch, mit Italien ähnlich zu verfahren wie mit Griechenland. Auf den Märkten kamen italienische und spanische Staatsanleihen in der letzten Woche unter Druck, nicht zuletzt aufgrund sehr starker Emissionstätigkeit beider Länder. Auf der anderen Seite ist die EZB bis auf weiteres aber bereit und auch in der Lage, zu starke Spreadausweitungen durch Käufe zu verhindern. Im Interesse der gesamten Eurozone wird sie dies auch bis auf weiteres sicherstellen.

In den Rentenfonds waren und sind wir derzeit bei italienischen Staatsanleihen grundsätzlich neutral positioniert. Es wurde aber aus Risikomanagementerwägungen eine Italien-Shortposition im Vorfeld der EU-Beratungen eingegangen, so dass derzeit eine Untergewichtung italienischer Staatsanleihen besteht. Diese wird in den kommenden Tagen je nach Marktentwicklung und Nachrichtenlage möglicherweise angepasst.

Aus langfristiger, strategischer Sicht stellen Renditeaufschläge von 260 Basispunkten über 10jährigen deutschen Bundesanleihen, wie sie in der vergangenen Woche zeitweise zu beobachten waren, durchaus attraktive Niveaus dar. In der Strategischen Asset Allocation wurden daher in den letzten Tagen entsprechende Käufe bei italienischen Staatsanleihen getätigt.

Reduziertes Risiko auf der Aktienseite scheint weiterhin geboten

Keine wesentlichen Positionsveränderungen gab es hingegen in der kurz- bis mittelfristig ausgerichteten Taktischen Asset Allocation. Die aus Risikoüberlegungen erfolgten Aktienuntergewichtungen werden vorerst beibehalten und die Situation täglich neu betrachtet und bewertet. Für den Moment drängen sich sowohl aus markttechnischer Sicht als auch fundamental noch keine Veränderungen auf. Die schwerste globale Rezession seit vielen Jahrzehnten und gewaltige Unwägbarkeiten sowie anhaltend hohe Volatilitäten an den Aktienmärkten sprechen derzeit für ein Beibehalten des Sicherheitsfokus. Die kräftige Erholung des S&P500-Aktienindex mag, oberflächlich betrachtet, große Zuversicht im Markt signalisieren. Doch ist sie sehr stark von einer Handvoll großer Technologieaktien getrieben. Microsoft, Amazon, Apple, Alphabet (Google) und Facebook machen zusammen inzwischen mehr als 20 % der gesamten Marktkapitalisierung des S&P500 aus. Diese schlechte Marktbreite ist technisch negativ zu werten. Anderswo haben sich die Aktienmärkte sehr viel weniger stark erholt, etwa in Teilen Europas und in vielen Schwellenländern.

Ende des Nachhaltigkeitstrends oder nur eine Delle?

Verliert das Thema Nachhaltigkeit bei Regierungen und Unternehmen angesichts der Krise an Priorität? Zu einem gewissen Grad mag das tatsächlich der Fall sein, zumindest für den Moment, geht es doch in vielen Bereichen derzeit um Überlebenskampf und blankes Krisenmanagement. In solchen Situationen werden naturgemäß viele Projekte hinterfragt oder verschoben, und Nachhaltigkeitsprojekte sind davor nicht gefeit. In den geäußerten Einstellungen widerspiegelt sich nach Beobachtungen unseres Nachhaltigkeitsteams aber in keiner Weise eine Abkehr von Nachhaltigkeitsbestrebungen, weder in der Politik, noch bei den Unternehmen. Die EU hat schon mehrfach bekundet, an ihrem ehrgeizigen Aktionsplan festzuhalten und auch viele Unternehmen betrachten nachhaltigeres Wirtschaften unverändert als wichtigen Wettbewerbsfaktor und wesentliches Element der eigenen Zukunftssicherung.

Während die Bereitschaft zu mehr Nachhaltigkeit intakt zu sein scheint, könnte es bei den verfügbaren Ressourcen sowohl bei Staaten als auch in der Wirtschaft in den kommenden Jahren etwas anders aussehen. Verlässliche Aussagen dazu sind aktuell aber noch nicht möglich. Vorstellbar ist sicherlich, dass das eine oder andere Nachhaltigkeitsprojekt verzögert, weil knappere zeitliche und materielle Ressourcen für andere Prioritäten verwendet werden. Es könnte also zwar die eine oder andere Delle und Verzögerung im Nachhaltigkeitstrend geben. Dass er durch die aktuellen Ereignisse aber aus der Bahn geworfen wird, ist extrem unwahrscheinlich. Möglich ist andererseits aber auch, dass sich der gesamtgesellschaftliche Fokus noch verbreitert und beispielsweise neben den zuletzt sehr stark präsenten Umwelt- und Klimaschutz-Aspekten auch Themen wie Soziales, Gesundheitswesen, Versorgungssicherheit, regionale Kreisläufe etc. stärker zur Geltung kommen.

Aktienstrategien im Vergleich: Qualität setzt sich durch

von Harald Egger, Chief Analyst der Erste Asset Management.

Die Auswahl von Aktien auf Basis von bestimmten Faktoren ist in letzter Zeit wieder populär geworden. Dabei handelt es sich aber keineswegs um eine neue Entwicklung. Bereits in den 90er Jahren gab es zahlreiche akademische Publikation die beschreiben, dass es Aktien mit bestimmten Eigenschaften gibt, die einem Teil der modernen Portfoliotheorie von Markovitz aus dem Jahr 1952, und zwar dem Risikobegriff, widersprachen.

Diese Theorie besagt, dass eine höhere Wertentwicklung (Performance) nur mit einem höheren Risiko zu erzielen ist. Die Realität hat dieser Theorie in vielen Fällen widersprochen.

Doch was sind das für Eigenschaften, die eine bessere Wertentwicklung, und zwar risikobereinigt, in Aussicht stellen? Untersucht und vorgestellt wurden Dutzende solcher Kriterien, wobei nur wenige bis heute allgemein anerkannt sind:

Aktienfaktoren (bzw. Aktienstrategien) – Übersicht

Value-Strategie Aktien werden auf Basis von Bewertungskennzahlen ausgewählt (z. B. niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis oder hohe Dividendenrendite
Momentum-Strategie Aktien, die in der Vergangenheit z. B. über die letzten 6 oder 12 Monate den Markt in der Wertentwicklung geschlagen haben
Size-Strategie Aktien die nur eine niedrige Börsenkapitalisierung haben, sogenannte Small Caps
Qualitätsaktien-Strategie Aktien von Unternehmen mit hochprofitablen Geschäftsmodellen, niedrigem Verschuldungsgrad und einer stabilen Gewinnentwicklung
MinVola-Strategie Aktien mit einer geringeren Schwankungsfreudigkeit (niedrige Volatilität) im Vergleich zu einem Aktienindex


Im weiterem Sinn kann man auch Emerging Markets Aktien als Faktorstrategie dazu zählen, oder Growth-Strategien. Wobei es für den Faktor Growth/Wachstum bis heute keine einheitliche Definition gibt.

Manchmal wird die vergangene Gewinnentwicklung für die Portfoliozusammensetzung herangezogen, oft ist es auch die zukünftig erwartete Gewinnentwicklung oder die Aktienkursdynamik (Preis-Momentum), manchmal eine Kennzahl wie ein hohes Preis/Buchwert-Verhältnis.

Eine mögliche Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt ist die eine Sache, doch wie verhält es sich mit dem Risiko? 

Gerade in turbulenten Börsenzeiten, haben viele Investoren ein Bedürfnis nach Sicherheit. Ein Maß für die Sicherheit ist die Volatilität. Je geringer die Volatilität, desto weniger schmerzhaft sollten die Verluste in schwierigen Phasen ausfallen. Wenn der Gesamtmarkt fällt, sind fast alle Aktien davon betroffen. Allerdings kann das Ausmaß recht unterschiedlich ausfallen.

Bezogen auf die bekanntesten Faktoren, betrachten wir in Graphik 1 das Risiko (x-Achse)/ Ertragsprofil (y-Achse) unter Berücksichtigung der letzten 20 Jahre:

Ertrags-Risikoprofil verschiedener Aktienstrategien (- 20 Jahre)

Grafik 1; Quelle: Bloomberg; Erste Asset Management; annualisierte Werte. In den Auswertungen sind keine Spesen oder Steuern berücksichtigt; eigene Berechnungen

Alle genannten Aktienstrategien (Faktoren) konnten über einen Zeitraum von 20 Jahren eine Outperformance generieren (allerdings nicht zwangsläufig zur selben Zeit). Unter einer Faktor-Performance verstehen wir die Wertentwicklung (Performance) eines Portfolios mit Aktien, die eine dieser oben genannten Eigenschaften teilen.

Die Faktoren Momentum, Qualität, Wachstum und MinVola weisen ein geringeres Risiko als der Gesamtmarkt auf.

Qualitätsaktien in turbulenten Zeiten bevorzugt

Hohe Dividenden, Value, Small Caps und Emerging Markets konnten ebenfalls outperformen, allerdings verbunden mit einem höheren Risiko. Gerade in turbulenten Zeiten ist aber ein geringes Risiko eine willkommene Eigenschaft.

Investoren sollten derzeit also Qualitätsaktien, Wachstumsaktien und Aktien mit niedriger Volatilität bevorzugen. Aktien mit überdurchschnittlichem Risiko werden in einer Börsenkorrektur wahrscheinlich stärkere Verluste einfahren.

Value-,Small-Caps und Emerging Markets mit herben Verlusten in der Krise

Aktuell befinden sich die Aktienmärkte mitten in einer Korrektur. Vom 20. Feb.-24.März hat ein globales Aktienportfolio über 30% an Wert eingebüßt, konnte allerdings in den folgenden 20 Tagen um 28% zulegen.

Die Faktoren haben sich in dieser Zeit recht unterschiedlich verhalten, wie aus der Graphik 2 ersichtlich ist. Value und Small Cap Aktien haben herbe Verluste einstecken müssen, während Qualitäts-, Wachstums-, Momentum und MinVola-Aktien sich weitaus besser halten konnten.

Damit bestätigt sich die Aussage aus Graphik 1, dass manche Faktoren weniger riskant sind als andere Faktoren.

Wertentwicklung verschiedener Aktienstrategien im Vergleich (2020)

Grafik 2; Quelle: Bloomberg

Neben Value (siehe oben) und Small Caps (Unternehmen mit einem geringer Börsenwert), zählten erwartungsgemäß auch die Emerging Market (Aufstrebende Märkte in Asien und Südamerika z.B.) Aktien zu den Verlierern. Value Aktien haben zwar eine niedrige Bewertung (z.B: Kurs/ Buchwert, Kurs/ Gewinn-Verhältnis), dies hat allerdings zumeist einen Grund und bietet keineswegs Schutz vor überdurchschnittlichen Verlusten.

Diese Aktien sind stärker von einer konjunkturellen Entwicklung abhängig und verhalten sich dann unvorteilhaft, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern.

Das heißt, wer eine schnelle Erholung nach der Corona-Krise erwartet, kann jetzt attraktiv bewertete Value Aktien kaufen. Eine sogenannte V-Erholung wird allerdings nur mehr von einer Minderheit erwartet.

Qualitätsaktien auf lange Sicht interessant

Wer weiterhin eine schwierige Börsenphase erwartet und langfristig dennoch die Chance auf eine bessere Wertentwicklung als der gesamte Aktienmarkt wahren möchte, greift jetzt zu Qualitätsaktien mit überdurchschnittlichem Gewinnwachstum und geringer Schwankungsfreudigkeit.

Gerade diese Aktien eignen sich für Anleger mit einem langen Anlagehorizont und für Anleger, die nicht ständig ihr Portfolio an die konjunkturelle Entwicklung anpassen wollen.

Veranlagungstipps für die Strategie Qualitätsaktien

Der ERSTE EQUITY RESEARCH investiert in Qualitätsaktien. Die Basis für die Titelauswahl ist die öffentlich zugängliche Empfehlungsliste des Erste Group Research. Diese Aktienliste besteht zu ca. 80% aus „Global Playern“, also den wichtigsten und größten Unternehmen ihrer Branche, und zu 20% aus sogenannten „Rising Stars“. Das sind Unternehmen, die in den kommenden Jahren zu Global Playern werden könnten.

Das aktuelle Fondsportfolio besteht aus 49 Aktien, wobei zurzeit Titel aus Branchen bevorzugt werden, die weniger konjunkturabhängig sind als andere. Das sind z. B. die Gesundheitsbranche oder Informationstechnologie, welche zusammen etwa die Hälfte des Fonds ausmachen. Vom derzeitigen wirtschaftlichen Abschwung stark betroffene Branchen wie Tourismus, Freizeit, Automobil oder Rohstoffe sind im Fonds aktuell nicht vertreten.

Weitere  Aktienfonds, die bei der Titelauswahl auf hohe Qualität und Wachstum setzen sind der ERSTE STOCK GLOBAL und der ERSTE FUTURE INVEST. Diese Fonds haben sich in der aktuellen Krise gut gehalten.


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Mit Digital Health aus der Krise

von Kai Brüning und Hendrik Lofruthe, beide apoAsset.

Der Gesundheitssektor hat die Corona-Krise an der Börse bisher am besten überstanden, insbesondere Unternehmen im Bereich Digital Health. Gerade hier macht die Pandemie den großen Nachholbedarf sichtbar, aber auch das große Potenzial für Patienten, Ärzte und Anleger.

Die Pandemie beschleunigt die Nachfrage nach Digital Health enorm

Viele Unternehmen aus aller Welt erschließen dieses Potenzial zunehmend, seien es Telemedizin, elektronische Patientenakten, Krankenhaus- und Praxis-IT oder Künstliche Intelligenz in der Medizin. Hier tummeln sich Technologie-Giganten wie Alphabet, Alibaba, Amazon, Apple, Microsoft oder Samsung, aber auch viele kleinere Spezialisten und Pioniere. Die Pandemie wirkt hierbei wie ein Katalysator, denn virtuelle und digitale Anwendungen werden aktuell schneller adaptiert als je zuvor.

Die Grundlage für eine mögliche Outperformance wird jetzt gelegt

Dabei entstehen jetzt neue Gelegenheiten für selektive Käufe. Ein Vorteil ist, dass sich viele Digital-Health-Modelle auf Dienstleistungen für Unternehmen und Institutionen konzentrieren (business-to-business). Große Teile der Umsätze sind dabei wiederkehrend, das Risiko ist also begrenzt. Neue Vertragsabschlüsse sind im aktuellen Umfeld noch schwierig. Doch in jedem Fall ist mit steigenden Investitionen zu rechnen, denn die Systemrelevanz von Gesundheit ist sehr deutlich geworden.

Drei Beispiele, warum Digital Health künftig wichtiger wird – nicht nur bei Pandemien

Künstliche Intelligenz (KI): Aktuell richtet sich die öffentliche Wahrnehmung vor allem auf die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen Covid-19. Das erfordert Studien mit riesigen Datenmengen. Der Einsatz von KI kann deren Auswertung künftig stark verbessern und beschleunigen. Auch bei der Früherkennung und Steuerung von Pandemien, zum Beispiel über Tracing-Apps, kann KI eine sehr hilfreiche Rolle spielen.

Telemedizin: Sie ist derzeit gefragt wie nie. Auch vor Covid-19 haben verschiedene Studien gezeigt: Etwa zwei Drittel aller Erstkonsultationen wären ohne physische Anwesenheit eines Arztes möglich (oder gar nicht notwendig). Telemedizin soll Ärzte nicht ersetzen, sondern die Arzt-Patienten-Kommunikation digital ermöglichen. Die Herausforderung für die Anbieter ist dabei vor allem die Optimierung der Prozesse im Hintergrund. Die entsprechenden Algorithmen müssen Ärzte, Patienten, Abrechnungsdienstleister und Versicherungen optimal zusammenführen.

Gesundheitsmanagement: Wenn die Daten und Prozesse in den Kliniken, Praxen, Laboren und Gesundheitsämtern vollständig digitalisiert sind, wird auch die Diagnostik und Behandlung sehr viel effizienter, besser und schneller. Hier dürfte die Pandemie den Wandel ebenfalls beschleunigen.

Welchen Digital-Health-Unternehmen die Corona-Krise zugutekommt

Wir setzen aktuell verstärkt auf Unternehmen, deren Geschäftsmodelle relativ stabil sind (hoher Anteil wiederkehrender Umsätze) oder die für die Herausforderungen der Corona-Pandemie besonders zukunftsweisende Produkte und Dienstleistungen anbieten. Im Bereich Telemedizin gehören dazu beispielsweise Teladoc (USA), der weltweit größte Anbieter von Telemedizin in rund 130 Ländern und 30 Sprachen, und Ping An Healthcare and Technology (China), eine Plattform für Telemedizin, Gesundheitsakten, Terminverwaltung und Medikationsmanagement. Ein anderes Beispiel ist das Unternehmen Vocera (USA), das kabellose, stimmengesteuerte Kommunikationslösungen für Krankenhäuser und Praxen entwickelt. Es ermöglicht damit eine ansteckungsarme Kommunikation. Zum breiten Portfolio unserer Gesundheits-Investments gehört auch CompuGroup Medical (Deutschland), der europaweit größte Anbieter von Praxismanagement-Software. Hier sind mehr als 60% der Umsätze vertraglich gesichert und wiederkehrend, was für eine relativ hohe finanzielle Stabilität sorgt.


Über Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare, apoAsset

Kai Brüning ist seit 2011 Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset und Mitglied der Life Science Kommission der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Diplom-Kaufmann und DVFA Investment Analyst verfügt über 20 Jahre Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Als mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager verantwortet er unter anderem die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager Healthcare, apoAsset

Hendrik Lofruthe verfügt über langjährige professionelle Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt und verfügt über akademische Abschlüsse als M.Sc. Finance und CFA. Er gehört seit 2015 als Portfolio Manager Healthcare der apoAsset zum Spezialisten-Team für die mehrfach ausgezeichneten globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist laut Focus Money die beste Fondsanlagegesellschaft Deutschlands (Branchensieger beim Deutschlandtest 2019). Sie wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,2 Milliarden Euro, davon rund 1 Mrd. Euro in Gesundheitsfonds.
apoAsset bildet das größte deutsche Spezialisten-Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialist Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat, unter anderem mit dem Weltärztepräsidenten Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, dem Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und Dr. Markus Müschenich, Gründungsvorstand des Bundesverbands Internetmedizin. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Flugverkehr und Umweltbelastung

von Gernot Mayr, Senior Fondsmanager bei der Raiffeisen KAG.

Seit dem ersten Flug der Gebrüder Wright im Jahre 1903 in Kitty Hawk, North Carolina, hat sich viel getan. Der moderne Flugverkehr ermöglicht Reisen in die entlegensten Gegenden der Erde innerhalb kürzester Zeit, die Erschließung neuer Geschäftsfelder und einen globalen Warenaustausch ungeahnten Ausmaßes. Flugzeuge sorgen für Wohlstand und Wachstum und sind die Voraussetzung für viele Annehmlichkeiten des modernen Lebens. Neben den erwähnten Vorzügen hat der Flugverkehr allerdings auch massive Folgen für die Umwelt.

Flugzeuge werden mit Verbrennungsmotoren betrieben. Als Treibstoff kommt zumeist Kerosin, ein Mitteldestillat der Erdölproduktion, zum Einsatz. Kerosin besteht aus Kohlenwasserstoffen, zumeist Alkanen, mit einer Länge von 9 bis 13 Kohlenstoffatomen. Damit ähnelt Kerosin dem Diesel, enthält aber vermehrt etwas leichtere Moleküle (mit relativ geringer Streuung der Molekülgröße) und weist meist eine etwas geringere Dichte auf. Bei der Verbrennung von Kerosin wird Energie frei und als Nebenprodukt entstehen das vor allem für den Klimawandel – und damit für den Menschen – relevante Kohlendioxid und Wasser. In kleineren Mengen werden auch weitere Verbrennungsprodukte wie zum Beispiel Ozon oder Schwefeldioxid erzeugt.

Bei der Umweltbeeinträchtigung durch den Flugverkehr unterscheidet man vier Bereiche: den Beitrag zur Klimaveränderung, die allgemeine Verunreinigung der Luft, die Verunreinigung von Wasser und die Geräuschentwicklung. Während die Verunreinigung von Luft und Wasser sowie die Geräuschentwicklung lokale Phänomene sind, ist der Beitrag zur Klimaveränderung ein globales Problem, das durch die Entwicklungen der vergangenen Jahre verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist.

Neben dem Kohlendioxid, dessen Beitrag zum Klimawandel mittlerweile relativ gut untersucht ist, haben auch andere bei der Verbrennung von Kerosin entstehende Stoffe wie Ozon (O3), Stickoxide (NOX), Schwefelverbindungen (u. a. SO2) und das erzeugte Wasser (H2O) Einfluss auf den Treibhauseffekt, wobei hier die Wechselwirkungen mit dem Klima zum Teil noch relativ unbekannt sind.

Insbesondere die Effekte von Kondensstreifen und der dadurch unter gewissen Umständen entstehenden Zirruswolken sind nicht geklärt. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass der klimatologische Gesamteffekt des Fliegens größer ist als der Beitrag des entstehenden CO2 alleine.

Schätzungen zufolge erzeugte der zivile, kommerzielle Flugverkehr im Jahre 2018 ca. 900 Millionen Tonnen CO2. Bei 38 Milliarden Tonnen anthropogener Kohlendioxidproduktion liegt der Beitrag von zivilen Flugzeugen bei ca. 2,5 %.Von den 900 Millionen Tonnen entfielen 80 % auf den Passagier-, 20 % auf den Gütertransport. Schreibt man die Emissionen jenen Ländern zu, in denen die Flugzeuge starten, dann sind die Top-5-Länder wenig überraschend die Vereinigten Staaten, China, das Vereinigte Königreich, Japan und Deutschland.1 Wäre die EU ein Land, wäre sie auf Platz zwei.

Als Passagier kann man mit ca. 80 g CO2 pro geflogenem Kilometer rechnen, bei Flügen von unter 500 Kilometern steigt dies auf ca. 160 g an. Zum Vergleich: Ein Golf VI 1.6 TDI (77 kW Automatik) erzeugt laut Herstellerangaben 123 g CO2/km. Das gilt natürlich pro Fahrzeug, fahren vier Personen mit dem Auto, sind das ca. 30 g pro Kilometer und Person. Sowohl über die CO2-Produktion der militärischen Luftfahrt als auch über jene der privaten Luftbewegungen (kleine Turbo-prop-Maschinen und Business-Jets) liegen keine genauen Daten vor.

In Summe beziffert das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, im Deutschen oft als „Weltklimarat“ bezeichnet) den Anteil des gesamten Flugverkehrs am anthropogenen Treibhauseffekt mit ca. 3,5 %. Die Schätzungen über die von Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen gehen von 38 Gigatonnen aus.2 In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass diese Schätzungen mit großer Vorsicht zu betrachten sind, viele Schätzungskomponenten sind nur äußerst vage. Die genaue Menge des von Menschen erzeugten sowie des auf natürliche Weise freigesetzten Kohlendioxids kennt niemand.

ALTERNATIVEN VORHANDEN?

Um die Effekte zu reduzieren, wird an alternativen Antriebskonzepten gearbeitet. Die Überlegungen reichen von Bio-Kerosin, Kerosin, das nicht aus Erdöl gewonnen wird, bis Ethanol. Unabhängig davon, ob diese Alternativen wirklich geeignet sind, um die Emissionen nachhaltig zu senken, ist ein flächendeckender kommerzieller Einsatz von alternativen Antrieben bis auf weiteres nicht absehbar.

Der Einsatz von Bio-Kerosin, hier werden die Kohlenwasserstoffe aus hydrierten Pflanzenölen gewonnen, ermöglicht es zwar, die gleichen Flugzeuge weiter zu verwenden, birgt aber die gleichen Probleme wie andere Bio-Treibstoffe. Wenn zum Anbau von Raps- oder Palmöl Wälder abgeholzt werden oder wenn durch die erhöhte Nachfrage die Nahrungsmittelpreise steigen, wird die Umwelt- bzw. soziale Verträglichkeit dieser Alternativen in Frage gestellt. Das Präfix „Bio“ deutet in diesem Zusammenhang nur auf den pflanzlichen Ursprung hin, nicht auf die Herkunft aus ökologischer Landwirtschaft. Aus diesen Gründen soll die nächste Generation von Bio-Kerosin aus biologischen Abfällen bzw. Recyclingmaterial hergestellt werden.3

Mit einem flächendeckenden Einsatz von Bio-Kerosin ist aber in naher Zukunft nicht zu rechnen, da der Preis von Bio-Kerosin weit über dem Preis von aus Erdöl erzeugtem Kerosin liegt.

Im Jahr 2018 wurden ungefähr 39 Millionen kommerzielle Flugbewegungen gezählt.4 Die Steigerungsraten im vergangenen Jahrzehnt sind enorm und dürften ca. 5 % pro Jahr betragen haben. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt schätzt für die nächsten 20 Jahre eine Verdopplung der Passagierzahlen. Auch wenn in Europa Flughäfen wie Berlin oder auch Wien Kapazitäten erhöhen, liegt das wahre Wachstum im Fernen Osten. Alleine in China sind in den nächsten 15 Jahren über 200 neue Flughäfen geplant.

Neben dem Beitrag zum Treibhauseffekt ist auch die allgemeine Verschmutzung von Luft sowie von Wasser ein Thema. Problematisch ist hier das aus Flugzeugen in der Regel nur in großen Höhen abgelassene Kerosin, von dem laut Spezifikation auch nur ein Bruchteil den Boden erreichen darf. Dennoch kann dieser Treibstoff Landschaften kontaminieren.5

Eine spezielle Umweltbeeinträchtigung ist die Lärmentwicklung, die aufgrund der steigenden Flugbewegungen ebenfalls zunimmt. Neben dem subjektiven Unwohlsein bei Lärmbelastung gibt es Hinweise auf physische oder psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Beschwerden.6 Der konkrete Nachweis von Ursache-Wirkungs-Beziehungen gestaltet sich hier allerdings schwierig.

Moderne Flugzeuge werden aufgrund neuerer Technologien, aus Kostengründen und dank strengerer Vorschriften effizienter und geräuschärmer gebaut als früher, durch die zu erwartenden Kapazitätserweiterungen werden diese Effekte jedoch mehr als aufgehoben. Dementsprechend ist im Flugverkehr auf absehbare Zeit von keiner sinkenden Umweltbelastung auszugehen.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Flugverkehr“ finden Sie links als PDF.

1) ICCT, international council on clean transportation, Graver, Zhang, Rutherford, CO2 emissions from commercial aviation, 2018
2) EU publications: Fossil CO2 and GHG emissions of all world countries 2019 report study
3) Aviations Fuel Guide,Version 2, Dezember 2018
4) ICCT, a. a. O.
5) Deutsches Umweltbundesamt, Häufig gestellte Fragen (FAQs) zum Treibstoffschnellablass, 2008
6) Deutsches Umweltbundesamt, Dr. Greiser, Greiser, Risikofaktor nächtlicher Fluglärm, 2010

Analyse in 10 Punkten – Langfristige Folgen der Corona-Pandemie

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Corona-Pandemie hat die Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Für einen großen Teil der Menschheit sind (oft) Leben und sehr häufig Lebensgrundlagen bedroht. Die Weltwirtschaft ist mit einer schweren Rezession konfrontiert. Sowohl das volkswirtschaftliche Angebot als auch die Nachfrage haben sich aufgrund der Eindämmungsmaßnahmen zum Teil in Luft aufgelöst. Der Welthandel ist eingebrochen. Die Lieferketten sind unterbrochen.

Auf dem Finanzmarkt haben sich zahlreiche Zustandsgrößen (die Financial Conditions) verschlechtert. Regeln für die Neuverschuldung der Staaten werden außer Kraft gesetzt. Die Geld- und Fiskalpolitik verschmelzen. Grundlegende Freiheiten wie der freie Reiseverkehr sind eingeschränkt. Ebenso steht die internationale Solidarität auf dem Prüfstand.

Die Faktoren, die den zukünftigen Verlauf bestimmen, sind nur mit großer Unsicherheit einzuschätzen. In diesem Beitrag sollen einige mögliche langfristige Folgen skizziert werden.

  1. Ausmaß des Einbruchs
  2. Dauer des Einbruchs
  3. Unsicherheiten bleiben
  4. Nur teilweise Erholung 
  5. Hohe Verschuldung
  6. Sparen oder investieren?
  7. Verschmelzung von Geld- und Fiskalpolitik
  8. Inflation
  9. Produktivität
  10. Fazit

1) Ausmaß des Einbruchs

Nur in einer Dimension hat die Unsicherheit deutlich abgenommen: Die veröffentlichten Wirtschaftsindikatoren für die Monate März und April bestätigen die Annahme eines markanten Einbruchs der wirtschaftlichen Aktivität.

Die OECD schätzt in ihrem Basisszenario einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von im Durchschnitt 25 Prozent ab dem Zeitpunkt der Eindämmungsmaßnahmen.

2) Dauer des Einbruchs

Auch hinsichtlich der Dauer des Einbruchs kann eine Schätzung mit zunehmender Zuversicht abgegeben werden als noch vor einem Monat. Mittlerweile ist ein Rückgang der Neuinfektionsrate eingetreten. Tatsächlich zeichnen sich vorläufige Lockerungsmaßnahmen für den Monat Mai ab.

Einige Länder haben bereits damit begonnen. Die brachiale Eindämmung der Reproduktionsrate wurde mit dem Einsatz eines Breitschwertes erreicht: Quarantäne, Geschäftsschließungen, soziale Distanzierung, Ausgangs- und Reisbeschränkungen.

Um die Reproduktionsrate auf einem niedrigen Niveau (unter eins) zu halten ist ein Waffenwechsel auf das Florett notwendig. Massiver Ausbau der Ressourcen für Kontaktverfolgung, Testungen (Antikörper und Infektion), Hygienemaßnahmen, Schutzmasken.

3) Unsicherheiten bleiben

Zahlreiche andere Faktoren bleiben mit großer Unsicherheit behaftet:

  • Die Eigenschaften des Virus (Mutationen).
  • Die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen (Zeitpunkt für die Fertigstellung)
  • Die Effektivität von Eindämmungsmaßnahmen (weitere Infektionswellen).

4) Nur teilweise Erholung

Falls sich die Wirtschaft im 2. Halbjahr erholt, veranschlagt der Internationale Währungsfonds eine Kontraktion des globalen Bruttoinlandsproduktes im Ausmaß von 3,0 Prozent im Jahr 2020, gefolgt von einem Wachstum von 5,8 Prozent im darauffolgenden Jahr.

Dieser Verlauf ähnelt jedoch nicht einem V-förmigen sondern einem U-förmigen Verlauf des Bruttoinlandsproduktes. Das im 1. Halbjahr 2020 in Luft aufgelöste Bruttoinlandsprodukt wird nicht bis Ende 2021 aufgeholt. Der kumulierte globale Verlust an nicht produzierten Gütern und Dienstleistungen beziehungsweise Einkommen wird für die Jahre 2020 und 2021 auf rund 9.000 Milliarden US Dollar geschätzt.

Die Hauptgründe für die nur teilweise Erholung sind Einkommensverluste von Unternehmen und Arbeitnehmern, Überwälzungs- und Rückkopplungseffekte von einem Sektor beziehungsweise Land zum anderen sowie unkoordinierte Eindämmungs- und Lockerungsmaßnahmen.

5) Hohe Verschuldung

Zumindest ein anhaltender Effekt der Pandemie-Krise ist klar: Die Verschuldungsniveaus werden sprunghaft ansteigen. Der Internationale Währungsfonds veranschlagt für die globale staatliche Neuverschuldung (Budgetdefizit) in diesem Jahr einen Wert von knapp 10 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.

Das wird zu einem sprunghaften Anstieg der globalen Staatsschuldenquote von 83 Prozent im vergangenen Jahr auf 96 Prozent in diesem Jahr führen. Für die Staatsschuldenquote in den entwickelten Volkswirtschaften wird ein Anstieg von 105 Prozent auf 122 Prozent veranschlagt.

6) Sparen oder investieren?

Bisher haben die Staaten an drei Stellschrauben gedreht.

  1. Maßnahmen den Virus betreffend (Forschung).
  2. Eindämmungsmaßnahmen.
  3. Wirtschaftliche Maßnahmen zur Linderung der Eindämmung.

Die nächste, noch ausständige Schraube könnte das wirtschaftliche Umfeld für das nächste Jahrzehnt bestimmen. Zur Wahl stehen zwei Optionen: Sparen oder Investieren? Das wird bestimmen, ob der Wohlstandsverlust (die 9.000 Milliarden US-Dollar) permanent sein wird und ob der Wachstumspfad des Bruttoinlandsproduktes der vergangenen Jahre gehalten werden kann.

7) Verschmelzung von Geld- und Fiskalpolitik

Die Wahl der Optionen ist also nicht so eindeutig wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. Wer soll zusätzliche, staatlich finanzierte, konjunkturpolitische Maßnahmen bezahlen? Der Ausgangspunkt ist das Verhältnis des Zinsniveaus zum nominellen Wirtschaftswachstum. Solange die Zinsen unter dem Wachstum liegen, ist die Staatsschuldendynamik nachhaltig.

Das gilt auch dann, wenn das Schuldenniveau sehr groß ist. In einigen wichtigen Ländern (USA, Deutschland) ist das tatsächlich der Fall. Sollten die Zinsen doch über das Wachstumsniveau ansteigen, könnte die Zentralbank intervenieren und eine Zinsobergrenze einziehen (Yield Curve Control).

Eine weitere Charakteristik der Pandemie-Krise ist die graduelle Verschmelzung der Geld- und Fiskalpolitik. Das Finanzministerium erhöht das Budgetdefizit und die Zentralbank erhöht die Anleiheaufkäufe (auch für Staatsanleihen). Theoretisch handelt es sich nur dann tatsächlich um eine Monetisierung der Staatsschuld, wenn die Anleiheaufkäufe permanent sind.

Von der politischen Seite wird der temporäre Charakter dieser Aktion betont. Praktisch betrachtet werden die Staatsanleihen für eine lange Zeit auf den Büchern der Zentralbank liegen bleiben. Dadurch bleibt auch die zusätzlich geschaffene Zentralbankliquidität im System und bleiben die Leitzinsen für eine längere Zeit auf einem niedrigen Niveau.

Diese Aussage gilt für beide Optionen (sparen oder investieren), wobei bei Option zwei die Chance auf einen Ausweg bestehen bleibt.

8) Inflation

Ein Zuviel an nachfrageseitigem im Vergleich zu angebotsseitigem Stimulus bei einer gleichzeitigen Monetisierung der Staatsschuld würde (theoretisch) einen Anstieg der Inflation bewirken. Das richtige Maß eines nachfrageseitigen Stimulus zu finden, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen (Reflation), ist naturgemäß schwer.

Das gilt insbesondere in der aktuellen Situation. Zu viel Stimulus könnte Inflation bedeuten, zu wenig Stimulus Deflation.

9) Produktivität

Weitere permanente Effekte der Pandemie-Krise sind mögliche Beeinträchtigungen des physischen Kapitals als auch des Humankapitals. Beides würde ein (noch) geringeres Produktivitätswachstum implizieren.

Wenn die Zeit der Arbeitslosigkeit zu lange dauert (die Pandemie zu lange dauert), könnten Fähigkeiten verloren gehen. Zudem könnte auch auf der physischen Seite der Kapitalstock in einigen Sektoren dauerhaft beschädigt bleiben (Verkaufsstellen, Tourismus, Transport, Bürogebäude, Fabriken, Gastronomie, Film, Sport). Darüber hinaus könnte zumindest für einige Produkte Druck entstehen an mehreren Standorten zu produzieren.

Dieser Aufbau an Redundanzen würde eine geringere Effizienz und höhere Kosten zugunsten einer höheren Versorgungssicherheit bedeuten. Auch hier könnte die angebotsseitige Fiskalpolitik ansetzen. Zu guter Letzt würde ein genereller Rückbau der Globalisierung zu einem Rückgang des Produktivitätswachstums und einer höheren Inflation führen.

10) FAZIT

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auf kurze Sicht ein Desaster. Auch auf mittlere Sicht werden negative Auswirkungen zu spüren sein, weil der Wachstumseinbruch vom ersten Halbjahr 2020 bis Ende 2021 wahrscheinlich nicht aufgeholt werden kann. Auf lange Sicht ist zumindest ein Effekt absehbar: Die Verschuldungsquoten werden angestiegen sein. Die Herangehensweise an dieses Phänomen könnte das kommende Jahrzehnt prägen.


Ein Dossier zum Thema Coronavirushttps://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Den Nutzen der Dividendenstabilität erkennen

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Unserer Meinung nach sollten sich Faktorinvestoren für einen Markt positionieren, der sein Augenmerk auf langfristige Fundamentaldaten legt. Da COVID-19 weiterhin die Wirtschaft bedroht, eignet sich die Methode der Dividendenaristokraten gut, um die stabilsten Dividendenauszahler ins Visier zu nehmen.

Die Geschwindigkeit und Enge des jüngsten Marktabschwungs sowie die große Anhäufung von Bargeldbeständen lassen auf einen Markt schließen, der nicht auf Fundamentaldaten basiert. Seit Ende Februar sind die Anlegerportfolios gezwungen, den Belastungen, die durch den weltweit koordinierten gesellschaftlichen Lockdown verursacht werden, standzuhalten. Während die Auswirkungen auf die entwickelten Marktwirtschaften noch lange nicht überwunden sind, scheinen die Aktien der Industrieländer den ersten Schock verdaut zu haben.

Portfolios, die zur Erzielung von Einkommen investieren, sehen sich in einem Umfeld, in dem soziale Umbrüche die Realwirtschaft erschüttert haben, besonders mit der Frage „Wie stabil sind die Dividenden?“ konfrontiert. Der Rückgang der Verbrauchernachfrage in einer Zeit hoher Unternehmensverschuldung hat viele Anleger dazu veranlasst, sich die Frage zu stellen, ob die Unternehmen weiterhin die erforderlichen Cashflows generieren werden, um regelmäßige Bardividenden an die Aktionäre auszuschütten.

Da die wirtschaftlichen Auswirkungen der globalen Pandemie die Dividenden weiterhin bedrohen, ist die Investment-Methode der Dividendenaristokraten besonders gut geeignet, die stabilsten Dividendenzahler ins Visier zu nehmen. Primäre Komponente bei der Aktienauswahl in dieser Strategie ist die langfristige Erfolgsbilanz (5-20 Jahre in Folge) bei der Aufrechterhaltung (oder Erhöhung) der regelmäßigen Bardividende, die an Aktionäre ausgeschüttet wird. Unternehmen, die in der Lage sein werden, ihre Dividendeneinnahmen aufrechtzuerhalten, werden dies in ihren Gewinnberichten bekräftigen wollen. Daher stellt die Gewinnsaison des 1. Quartals eine interessante Gelegenheit für Strategien wie die der Dividendenaristokraten dar, da sie auf diese Firmen abzielen.

Was das regionale Exposure anbelangt, so bevorzugen wir weiterhin die USA auf einer relativen Basis für Aktienanleger. Die USA hinken zwar einigen entwickelten europäischen Volkswirtschaften (z.B. Deutschland) hinterher und weisen auch zu einigen asiatischen Ländern (z.B. China und Südkorea) bereits einen Rückstand bei der Wiederöffnung auf, dennoch glauben wir, dass die zugrundeliegende fundamentale Stärke (vor der Pandemie) die Widerstandsfähigkeit und Erholung der US-Aktienpreise unterstützen wird, sobald der Markt zu seinen Fundamentaldaten zurückkehrt. Nach der Neugewichtung der US-Dividendenaristokraten im Januar hat ein durchschnittliches Unternehmen seine Dividende 37 Jahre in Folge erhöht. Darüber hinaus haben 51 Titel ihre Dividende seit über 40 Jahren erhöht (siehe Abbildung 1).

Anlegern, die über eine Überbewertung des US-Dollars besorgt sind - die zum Teil durch eine zunehmende Anhäufung von auf Dollar lautenden Bargeldbeständen verursacht wird - bietet der SPDR® S&P® U.S. Dividend Aristocrats EUR Hdg UCITS ETF Zugang zur US-Aktien-Dividendenstory mit einem Exposure, das vollständig gegenüber dem Euro abgesichert ist.

Die Grundlage der Strategien der Dividendenaristokraten ist die langfristige Dividendenbilanz. Aus diesem Grund ist man in diesen Strategien zwar nicht vor Dividendenkürzungen gefeit, doch ist es nach wie vor wichtig, dass die Anleger den Wert der Dividendenstabilität erkennen. Diese Indexfamilie ist für das aktuelle Umfeld einzigartig positioniert, da sie Unternehmen auswählt, deren Managementteams nachweislich bestrebt sind, regelmäßige Bardividenden zu erhalten.


1) Siehe Indexbeschreibung in der Tabelle im Original für eine Erklärung der Hedging-Methodologie. Bitte lesen Sie die vollständige Index-Methodologie für vollständige Details.

US Ölsorte WTI: Frontmonats-Futures-Handel negativ

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Der heute auslaufende Terminkontrakt auf die US-Ölsorte WTI für Mai - Nymex West Texas Intermediate - wurde gestern kurzzeitig nahe minus 40 US Dollar/pro Barrel gehandelt und liegt derzeit bei 1,42 Dollar/pro Barrel1. Im Laufe des heutigen Tages wird der aktive Kontrakt zum Kontrakt für Juni, der bei 21,40 Dollar/pro Barrel gehandelt wird2.

Grafik 1: Preis des Intraday WTI-Öl-Kontrakts für Mai 2020


Quelle: Bloomberg, 21/04/2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Wenn man sich eine generische WTI-Preisgrafik für den Frontmonat Mai anschaut (Grafik 1), kommt man in die Versuchung zu denken, dass man mit dem Übergang zum Juni-Kontrakt fast 60 US Dollar pro Barrel aus dem Nichts verdienen könnte. Aber das ist kaum möglich, es sei denn, Sie haben genügend physischen Lagerraum, um das gelieferte Öl einen Monat lang zu lagern.

Der Grund für den negativen Preis gestern war, dass die Öllagerung sehr schwierig wird. Leute werden derzeit dafür bezahlt, Öl zu übernehmen und zu lagern. Mit dem auslaufenden Vertrag kommt es zur Öllieferung zwischen dem 1. Mai und dem 31. Mai, so dass diejenigen, die einen langen Kontrakt haben und das Öl physisch erhalten, es irgendwo lagern müssen.

Ebenso hätten die Besitzer des Kontrakts vom Mai 2020 diesen höchstwahrscheinlich vor den gestrigen großen Preisbewegungen verlängern müssen und sich so vor großen Verlusten bewahrt. Wie die untenstehende Grafik  des WTI-Preises zeigt, hielten alle anderen WTI-Ölterminkontrakte einen positiven Preis und fielen nicht annähernd so stark wie die Kontrakte im Frontmonat.

Grafik 2: Vergleich der verschiedenen WTI-Ölterminkontraktpreise


Legende: Verträge in obiger Grafik: CLKO - Mai 2020, CLMO - Juni 2020, CLNO - Juli 2020, CLQO - August, CLUO - September.
Quelle: Bloomberg, 20/04/2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Bloomberg Commodity Oil Subindex

Der Vergleichsindex Bloomberg Commodity Oil Subindex folgte dem Mai-Kontrakt bis zum 7. April, begann dann aber zwischen dem 8. April und dem 15. April auf den Juli-Kontrakt überzugehen. Dieser Index hätte also nicht den gleichen Preisrückgang wie der generische WTI-Preis in Grafik 1 erfahren.


1) 7am GMT am 21/04/2020
2) 7am GMT am 21/04/2020

Euro-Unternehmensanleihen: Das Virus ändert (fast) alles

Unternehmensanleihen gerieten in den letzten Wochen stark unter Druck. Je niedriger die Ratingklassen, umso höher fielen im Allgemeinen die Kursverluste aus. Investmentgrade-Anleihen haben seit Jahresbeginn rund sechs bis sieben Prozent an Wert verloren, High-Yield-Anleihen ungefähr das Doppelte davon. Die Ratingagenturen haben angesichts des sich dramatisch verschlechterten globalen Konjunkturbildes mit einer Vielzahl von Herabstufungen reagiert. Selbst sie wagen aber nicht, eine Prognose festzulegen, sondern operieren mit verschiedenen Szenarien.

Aktuelle Marktsituation

Ein schlagartig massiv verschlechterter weltwirtschaftlicher Ausblick, Risikoreduktion bei Investoren und gewaltiger plötzlicher Finanzierungsbedarf in vielen Branchen haben einen geradezu „perfekten Sturm“ an den Unternehmensanleihemärkten entfacht. Selbst die an sich hochliquiden US-Staatsanleihemärkte blieben zeitweilig nicht von Verwerfungen verschont. Gewaltige Fiskalprogramme und enorme Liquiditätshilfen der Notenbanken haben aber recht zügig erst einmal den allergrößten Druck aus den Märkten genommen. In diesem Zusammenhang war das Umschwenken der US-Notenbank, die nunmehr auch bereit ist, Unternehmensanleihen zu kaufen, zweifellos ein „game changer“. Wenngleich die Liquiditätssituation an den Kreditmärkten noch immer etwas angespannt ist, konnten bereits zahlreiche Unternehmen wieder Neuemissionen platzieren. Allerdings mussten sie dafür teilweise deutlichen Renditeaufschläge zum Sekundärmarkt bieten. Die zurückliegenden zwei Wochen haben dennoch eine wahre Flut an Neuemissionen gesehen; teilweise wurden neue Rekordmarken gesetzt.

Zu beobachten ist, dass der CDS-Markt und die Kassamärkte derzeit divergieren: Während es bei den CDS recht deutliche Erholungen gab, war eine solche bei den Kassapreisen bislang kaum zu verzeichnen. Ein Faktor dabei sind die sehr zahlreichen Neuemissionen. Sie werden mit teils erheblichen Renditeaufschlägen zum Sekundärmarkt platziert und führen dementsprechend zu einem signifikanten Re-pricing bei den Kassakursen bestehender Emissionen. Festzustellen ist dabei auch, dass sich die Credit-Märkte (gemessen an den CDS-Kursen) bislang weniger stark erholt haben als die Aktienmärkte und die Akteure dort die wirtschaftlichen Perspektiven offenbar weniger optimistisch einschätzen als die Marktteilnehmer auf den Aktienmärkten.

Bestimmte Probleme in einigen Branchen bestanden zugleich ja auch schon vor dem Ausbruch der Pandemie. Sie haben sich allerdings nochmals deutlich verschärft. Vor allem in den USA etwa betrifft das sehr stark den Energiesektor, speziell die Schieferöl-/Schiefergasindustrie. In Europa – aber eigentlich weltweit – steckte die Autobranche einschließlich seinen Zulieferern auch schon vor Corona in erheblichen Schwierigkeiten. Tourismusunternehmen und andere Dienstleister sind durch die Krise als neue große Sorgenkinder hinzugekommen.

Die Ratingagenturen haben – wenig überraschend – zahlreiche Herabstufungen vorgenommen und viele bestehende Ratings sind „under review“. Eine Welle weiterer negativer Ratinganpassungen in den kommenden Wochen ist faktisch sicher.

Markt-Ausblick

Die Anleihekurse reflektieren diese Perspektive bereits in erheblichem Umfang. Das bedeutet aber nicht, dass die Kurse schon „ihren Boden" gefunden haben. Es sind zweifellos Szenarien möglich, in denen es zu weiteren Kursrückgängen kommt. Ebenso sind aber auch Entwicklungen realistisch denkbar, die wesentlich weniger negativ verlaufen.

Euro-Unternehmensanleihen in den Investmentgrade- und High-Yield-Segmenten widerspiegeln in fast allen Ratingklassen aktuell bereits sehr extreme Ausfalls- und Recovery-Szenarien. Kreditrisikoprämien der Ratingkategorien AA bis B kompensieren bereits für Ausfallsraten, die nie zuvor registriert wurden. Selbst unter der Extrem-Annahme einer Recovery Rate von null Prozent wären sogar Ausfallsraten, wie sie in der Großen Depression der 1930er Jahre zu beobachten waren, überkompensiert. Hinzu kommt, dass Geld- und Fiskalpolitik in ungleich stärkerem Maße engagiert sind als damals. Die Ratingagentur Moodys legt sich beispielsweise auch nicht auf ein Szenario fest, sondern operiert mit drei verschiedenen Szenarien und versucht, eine wahrscheinlichkeitsgewichtete Aussage daraus abzuleiten. Moody’s erwartet in Abhängigkeit der Szenario-Annahmen einen Anstieg globaler Ausfallsraten auf 6,8 % (kurzer, heftiger Abschwung), 16,1 % (Finanzkrise) oder gar 20,8 % (sehr schwere Rezession/Depression).

Diese breite Streuung der Schätzungen veranschaulicht gut das allgemeine Dilemma – sowohl für Investoren als auch Emittenten. Mangels Visibilität zu Dauer und zum Umfang der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sind das Ausmaß der Umsatzeinbußen und künftige Kapitalerfordernisse kaum abschätzbar – weder für Unternehmen noch für Investoren. Weitgehend unklar ist darüber hinaus die weitere Geschäftsentwicklung nach dem Ende der Quarantäne-Maßnahmen. Die Welt post-Corona könnte sich in vielerlei Hinsicht erheblich von der Welt unterscheiden wie wir sie bisher kennen.

Credits: Mit der Einschränkung, dass sich in der aktuellen Situation angesichts extrem hoher Unwägbarkeiten allerorten und kaum vorhandener Visibilität nur sehr bedingt Aussagen treffen lassen, bleibt das Fondsmanagement vorsichtig optimistisch für den Investmentgrade-Bereich gestimmt. Auf Sicht der kommenden 12 Monate werden wieder engere Spreads erwartet. Für das Investmentgrade-Segment dürften sie in rund einem Jahr ungefähr bei 190 liegen. Zu beachten ist beim Thema „eingepreiste Szenarien“, dass die Marktpreise und Spreads natürlich nicht nur Ausfalls- und Downgrade-Wahrscheinlichkeiten wiederspiegeln, sondern in erheblichem Umfang auch Liquiditätsprämien enthalten. Diese dürften sich bei einer Marktberuhigung und verbesserter Visibilität auch wieder spürbar zurückbilden.

Ein latentes Risiko stellen zweifellos weiterhin die BBB- gerateten Anleihen dar, die bei Herabstufungen ins High-Yield-Segment abrutschen könnten („fallen angels“). Wie stark dieses Risiko jedoch tatsächlich schlagend wird, lässt sich derzeit kaum vorhersagen, zumal Fiskalprogramme und Notenbankkäufe gerade im Investmentgrade-Segment als unterstützende Faktoren wirken. Mögliche weitere Maßnahmen der Regierungen und/oder Notenbanken könnten etwaige Prognosen auch im positiven Sinne jederzeit über den Haufen werfen.

HighYield: Inmitten vieler Negativnachrichten sollte nicht übersehen werden, dass sich der Euro-High-Yield-Markt seit der Globalen Finanzkrise vor 10 Jahren stark gewandelt hat und heute eine erheblich höhere Emittentenqualität aufweist als damals. Während 2008/2009 rund 40 % der Emittenten BB geratet waren, sind es heute über 70 %. Das wird natürlich nicht verhindern können, dass die Ausfallsraten kräftig ansteigen werden, je nachdem, welches weltwirtschaftliche Szenario schlagend wird. Die Unternehmen im High-Yield-Segment sind aber zumindest in Europa im Allgemeinen finanziell solider aufgestellt als noch vor 10 Jahren. Das Fondsmanagement sieht die von der Ratingagentur Moody’s im extremen Szenario veranschlagten Ausfallsraten als äußerst pessimistisch an.

Es spricht vieles dafür, dass die aktuellen Kursniveaus trotz der verschlechterten weltwirtschaftlichen Perspektiven auf langfristige Sicht werthaltig sind und grimmigere Szenarien einpreisen, als sie letztlich eintreten werden. Dennoch sind auch tiefere Kursniveaus – insbesondere temporär – nicht auszuschließen, sind doch High-Yield-Spreads (mit aktuell ca. 720 Basispunkten) noch recht weit von den Extremwerten entfernt, die sie zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008 erreicht hatten und die beispielsweise im Falle einer längeren, schweren Rezession denkbar wären.

Es spricht vieles dafür, dass auf Gesamtmarktebene die schlimmsten Kursrückgänge und Spreadausweitungen hinter uns liegen. Ob damit bereits „der“ Boden erreicht wurde, lässt sich naturgemäß immer nur rückblickend beantworten. Es ist für Investmententscheidungen aber auch nur bedingt relevant, zumal Indizes und Gesamtmarktbetrachtungen ja auch nur wenig Aussagekraft für die konkrete Situation bei den Unternehmen im Fondsportfolio haben. Manchem mag es angesichts der stark verschlechterten weltwirtschaftlichen Situation paradox erscheinen, aber Investments in Unternehmensanleihen weisen derzeit sicherlich ein deutlich besseres Risiko-Ertragsprofil auf als etwa zu Jahresbeginn oder zu vielen anderen Zeitpunkten der letzten Jahre. Wir bleiben auch in der Krise und unter teils sehr schwierigen Marktbedingungen unserem langjährig bewährten Fokus auf Qualität treu. Gute Einzeltitelauswahl und ein konsequentes Risikomanagement bleiben wesentliche Erfolgsfaktoren und Performancetreiber. Auch wenn die Ergebnisse der Vergangenheit naturgemäß keine Rückschlüsse auf die Zukunft zulassen, ist das Fondsmanagement sehr zuversichtlich, auch künftig mit seinen langjährig bewährten Strategien und seiner Expertise Mehrwert für die Fondsanleger zu schaffen.

Biotechnologie-Branche auf der Suche nach COVID-Mittel

Das Corona-Virus hat die Wirtschaft und die Börsen fest im Griff. Auf der Suche nach einem geeigneten Medikament zur Bekämpfung der Pandemie lassen die Versuche des US-Pharmakonzern Gilead Hoffnung aufkeimen.

Harald Kober, Senior Fondsmanager des Aktienfonds ERSTE STOCK BIOTEC, führt diese Aktie u.a. im Portfolio und sieht weltweit verstärkte Investitionen in das Gesundheitswesen.

Ein Medikament des US-Pharmakonzerns Gilead Science zeigt einem Medienbericht zufolge Erfolge bei der Behandlung von COVID-19-Patienten. Was hat es dabei genau auf sich?

In einer Studie der University Chicago Medicine führte das ursprünglich gegen Ebola entwickelte Mittel Remdesivir zu einer schnellen Fiebersenkung und einem Rückgang der Symptome der Lungenkrankheit, so dass fast alle Patienten in weniger als einer Woche entlassen werden konnten, wie aus einem am Donnerstagabend veröffentlichten Bericht der Onlineplattform für Medizinnachrichten, STAT, hervorgeht.

Wie beurteilen Sie die Chancen auf eine Zulassung?

Es ist noch zu früh um daraus Schlüsse über eine baldige Heilmethode zu ziehen: Die Studie war keine randomisierte kontrollierte Studie. Deshalb sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. Erste randomisierte Studienergebnisse sind bis Ende April zu erwarten. Im Fall von positiven Studienergebnissen könnte noch im Mai/Juni 2020 eine Zulassung von Remdesivir zur Behandlung von COVID 19 erfolgen. Die Studien konzentrieren sich dabei vorwiegend auf schwer erkrankte Patienten im Spital.

Wie wird Remdesivir eingesetzt?

Remdesivir wird IV (intra-venös) verabreicht. Das muss daher durch Ärzte erfolgen. Die Produktion des Medikamentes ist recht aufwendig und die verfügbaren Dosen sind limitiert.

Laut Aussagen von Gilead möchte das Unternehmen bis Ende 2020 mehr als 1 Million Einheiten produziert haben. Die Produktionskapazitäten können mit Hilfe von anderen Unternehmen ausgebaut werden.

Die Aktie von Gilead, die sich auch im Portfolio  ERSTE STOCK BIOTEC befindet, ist als Folge dieser Nachrichten Donnerstag nachbörslich um über 18 Prozent gestiegen? Wie ist der Anstieg zu bewerten?

Wir haben die Aktien mit über 5 Prozent im Fonds prominent gewichtet. Aber das hat verschiedene Gründe, nicht nur wegen COVID 19. Auch wenn dieser Anstieg für die Anteilscheininhaber erfreulich ist muss man relativieren, dass die Remdesivir-Euphorie schon 15 Milliarden US-Dollar von der Marktkapitalisierung von Gilead vor dem gestrigen nachbörslichen Anstieg ausgemacht hat.

Durch den nachbörslichen Anstieg sind weitere 20 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung dazu gekommen. Insgesamt also 35 Milliarden US-Dollar für eine Therapie einzupreisen ist schon sehr viel. Zudem hat Gilead angekündigt hat, dass es das Medikament zum Selbstkostenpreis vertreiben wird. Ob das das große Geschäft wird?

Im Zuge der weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie sind Aktien aus dem Bereich Gesundheit verstärkt ins Blickfeld der Investoren gerückt. Viele Aktien im Fonds sind aus den USA, wo die Preispolitik umstritten war. Wird sich das nun ändern?

Die COVID-19 Pandemie wird weltweit zu verstärkten Investitionen im Gesundheitswesen führen. Es hat gezeigt, dass es einen großen Mangel an Schutzausrüstung, Testkapazitäten, Spitalsbetten und geeigneten Medikamenten gibt. Hier wird insbesondere die Forschung (R&D) davon profitieren. Denn es zeigt sich, wie wichtig Innovation als Antwort auf lebensgefährliche Bedrohungen (Pandemien/Krankheiten) ist.

Vielleicht ist das auch COVID-19 ein Anlassfall um bei der Preisgestaltung auch die gesamtwirtschaftlichen Opportunitätskosten zu betrachten. Und Innovation wird nur dann stattfinden, wenn sich das auch auszahlt!


Über den Fonds: ERSTE STOCK BIOTEC

Der ERSTE STOCK BIOTEC investiert vor allem in Unternehmen der entwickelten Märkte aus dem Bereich Biotechnologie. Der Großteil der Unternehmen ist in den USA zu finden.

Ein Dossier zum Thema Coronavirushttps://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Starke Erholung mit Fragezeichen

In der vergangenen Woche gab es starke Erholungsbewegungen bei Aktien und riskanteren Anleihesegmenten (Unternehmensanleihen, Emerging-Markets-Anleihen). US-Aktien verzeichneten den stärksten Wochenzuwachs seit 46 Jahren. Unterdessen haben allein in den vergangenen zwei Wochen 16 Millionen US-Amerikaner Arbeitslosenhilfe beantragt. Nicht nur dieser Kontrast wirft Fragen auf (siehe weiter unten), so angenehm und ermutigend die Kursanstiege zweifellos sind.

Auch Unternehmensanleihen legten kräftig zu. Das gilt vor allem für die USA, nachdem die Notenbank zusätzliche und unerwartete Hilfsmaßnahmen ankündigte. Die Fed wird unter bestimmten Bedingungen zusammen mit dem US-Finanzministerium nun auch US-Unternehmensanleihen aus dem High-Yield-Segment kaufen. Speziell könnten künftig auch Anleihen von Nicht-Finanzinstituten erworben werden, die vom Investmentgrade-Bereich in den High-Yield-Bereich herabgestuft wurden, die so genannten „fallen angels“. Nachdem das bonitätsschwächste (BBB)Segment innerhalb des Investmentgrade-Universums in den letzten Jahren stark angewachsen ist, droht(e) von solchen Herabstufungen erhebliche Gefahr für die US-Creditmärkte. Entsprechend positiv reagierten die Finanzmärkte auf die Ankündigung der Notenbank.

Gute Nachrichten gab es auch in der Eurozone, für Investoren und für die von der Wirtschaftskrise und der Pandemie besonders hart getroffenen Staaten. Die EU-Finanzminister einigten sich grundsätzlich auf weitere Hilfen im EU-Rahmen und wollen diese im Rahmen des ESM-Mechanismus umsetzen. Gemeinsame Anleihen oder sonstige formal vergemeinschaftete Schulden der EU-Länder soll es aber weiterhin nicht geben.

Zumindest teilweise positive Nachrichten kamen vom Ölmarkt. Hier haben sich die OPEC-Plus Staaten sowie weitere Länder (beispielsweise USA; Kanada, Norwegen) auf weitreichende, wenn auch temporäre, Förderkürzungen geeinigt, die von einigen Beobachtern aber noch immer als zu gering eingeschätzt werden.

Trotz dieser positiven Entwicklungen bleiben viele Fragen, beispielsweise die folgenden:

  1. Die Fed-Maßnahmen verbessern zwar die Liquidität der Unternehmensanleihemärkte und können – dank dadurch verbessertem Kapitalzugang – wohl auch die Überlebenschancen einiger Unternehmen verbessern. Doch in wieweit kann die Fed tatsächlich verhindern, dass Unternehmen pleitegehen und dass die Ausfallsraten kräftig steigen?
  2. Es ist weiterhin sehr ungewiss, wann und wie gut die Weltwirtschaft wieder Tritt fasst. Die jüngsten Handels- und Produktionsdaten aus China waren teilweise besser als erwartet, doch stellt sich hier beispielsweise die Frage, wer all diese Güter denn abnehmen soll, wenn sich ein großer Teil von Chinas Handelspartnern im Lockdown befinden?
  3. Nach den jüngsten Kurszuwächsen liegt der marktbreite S&P500-Index seit Jahresbeginn nur noch rund 13 % im Minus. Widerspiegelt ein Kursrückgang von 13 % (16 % vom Allzeithoch) bereits ausreichend die Risiken aus der wohl schlimmsten globalen Wirtschaftskrise seit den 90er Jahren, nebst einem ziemlich unklaren Erholungspfad? (Weniger als ein Viertel der Befragten in der jüngsten Fondsmanager-Survey der Bank of America erwartet beispielsweise eine V-förmige Wirtschaftserholung.)
  4. Wie nachhaltig wird die temporäre Einigung auf Förderkürzungen auf die Ölmärkte wirken? Reicht dies, um für die öl-exportierenden Schwellenländer und viele Ölunternehmen ernsthafte Finanzprobleme abzuwenden?
  5. Zweit- und Drittrundeneffekte auf der Angebots- und Nachfrageseite sind selbst bei einem schnellen Ende der aktuellen Lockdowns unausweichlich, wenn auch schwer zu quantifizieren. Ein signifikanter Teil von Einkommen, Jobs und Wertschöpfungen wird vermutlich dauerhaft verlorengehen bzw. Jahre benötigen, um wieder ersetzt zu werden, selbst wenn das Coronavirus in Kürze keine Rolle mehr spielen sollte (eine für sich genommen schon optimistische Annahme). Hinzu kommen schon vor der Pandemie begonnene Umbauten bei den globalen Lieferketten. Die Auswirkungen all dessen auf einzelne Branchen und Regionen (positive wie negative) sind derzeit noch kaum zu quantifizieren.

Die Unwägbarkeiten bleiben also sehr hoch und damit auf absehbare Zeit vermutlich auch die Schwankungsbreiten auf den Märkten. Beispielhaft zur Illustration der Größe der Unwägbarkeiten: Jede weitere Woche des „Lockdowns“ bedeutet für die französische Wirtschaft ca. 0,7 % - 0,9 % weniger Wirtschaftsleistung, aufs Gesamtjahr gerechnet! Im Gegenzug hätte jede Woche, um die die Lockdowns früher enden, entsprechend positive Effekte.

Unter diesen Umständen haben für uns Risikomanagement und Vorsicht derzeit weiterhin Vorrang vor Ertragsmaximierung. An den kurz- bis mittelfristigen (taktischen) Aktien- und Anleihegewichtungen in den Mischportfolios haben wir seit unserem letzten Update keine grundlegenden Änderungen vorgenommen. Basierend auf langfristigen, fundamentalen Einschätzungen hatten wir im Rahmen der strategischen Asset Allokation ja bereits vor einiger Zeit erste Zukäufe getätigt. Wir halten diesbezüglich weiter Ausschau nach attraktiven Kaufgelegenheiten.

„Megatrends sind nicht aufzuhalten“

Interview mit Fondsmanager Bernhard Selinger zur Entwicklung des Fonds und der Aktienbörsen unter dem Coronavirus, wie er den Megatrends-Aktienfonds ERSTE FUTURE INVEST derzeit ausrichtet und die Situation einschätzt. Das Interview führte Dieter Kerschbaum von der Erste AM.

Die Technologie- und Wachstumsaktien wurden im März ebenfalls von der Ausbreitung von COVID-19 getroffen. Wie hat sich das auf den ERSTE FUTURE INVEST ausgewirkt und wie hat er sich im aktuellen Umfeld geschlagen?

Der Fonds konnte sich den Marktverwerfungen nicht entziehen, weist aber im Vergleich zum globalen Aktienmarkt einen deutlich geringeren Kursrückgang auf – auf Sicht Jahresbeginn bis Ende März verlor der Fonds rund 15 Prozent, der globale Aktienmarkt knapp 20 Prozent.

Die Idee des konzentrierten Trend-Portfolios, mit Fokus auf eine langfristige Ausrichtung und Titelselektion nach qualitativen Kriterien, hat die erste Bewährungsprobe somit bestanden. Auch die breite thematische Streuung der Megatrends – von Gesundheit über Umwelt bis Technologie – half in der Abwärtsphase.

Die Aktienmärkte unterliegen derzeit sehr hohen Kursschwankungen. Wie verhalten sich die AnlegerInnen in dieser Phase?

Die anhaltenden Zuflüsse in den Fonds deuten darauf hin, dass die AnlegerInnen einen kühlen Kopf bewahren und Marktübertreibungen auch für einen Einstieg nützen. Auch Sparpläne werden aufgrund des Durchschnittskosten-Effekts gerne dazu verwendet Schwankungen etwas auszugleichen.

Im Fonds wurden die Kursrückgänge für selektive Zukäufe von bestehenden Positionen genützt. Speziell US Blue Chips im Bereich Software und E-Commerce wurden aus Bewertungssicht wieder attraktiver.

Aktuell verbringen viele Menschen viel Zeit in den eigenen vier Wänden und haben oft auch ihren Arbeitsplatz dorthin verlegt – welche Unternehmen sind davon besonders stark betroffen bzw. können davon auch profitieren?

Besonders schwierig ist es für Branchen, die von den Ausgangssperren unmittelbar betroffen sind wie z.B. Kinos, Restaurants oder Cafes. Dieser sozusagen entgangene Konsum wird üblicherweise später nicht einfach nachgeholt. Anders ist das beim Kauf eines neuen Fernsehers oder Autos. Das könnte auch ein paar Wochen später nachgeholt werden.

Jemand aber, der aufgrund von Home-Office nicht mehr seinen täglichen Kaffee am Weg zur Arbeit beim Bäcker konsumiert, wird dies vermutlich nicht in der darauffolgenden Woche nachholen, indem er sechs Becher auf einmal kauft.

Andererseits gibt es Unternehmen, die von den Quarantäne-Maßnahmen weniger stark betroffen waren bzw. von der neuen Situation sogar profitieren konnten. Auf den Fonds bezogen wären beispielsweise Sun Art Retail, ein chinesischer Supermarkt-Betreiber mit starkem Fokus auf Online-Bestellungen sowie das chinesische Logistik-Unternehmen ZTO Express, zu nennen.

Diese Unternehmen profitierten von der landesweit stark gestiegenen Nachfrage nach Hauszustellungen. GDS Holdings, ein Betreiber von Rechenzentren in China, konnte sich die stark gestiegene Internet-Nutzung (Home-Office, E-Learning, Gaming etc.) zunutze machen.

Hat der jüngste Ölpreis-Verfall Auswirkungen auf den Fonds?

Titel aus unmittelbar betroffenen Branchen wie Öl- und Gas-Förderung werden aufgrund ihres Geschäftsmodells nicht in den Zukunftsthemen-Fonds aufgenommen. Trotzdem hat sich der stark gefallene Ölpreis auf das Portfolio ausgewirkt. Denn auch Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energie wurden von der scharfen Korrektur des Ölpreises mitgerissen.

Meiner Meinung nach in einem übertriebenen Ausmaß: Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Rohöl-Preis und der Nachfrage nach erneuerbaren Energiequellen wie Solar- oder Windkraft. Elektrizität wird kaum aus Öl (weniger als 5 Prozent der weltweiten Stromerzeugung) sondern hauptsächlich aus Ergas oder Kohle gewonnen.

Zudem sind Solar und Wind aufgrund von großen Investitionen in den Sektor und anhaltend fallenden Strom-Gestehungskosten deutlich wettbewerbsfähiger als in der Vergangenheit. Im Moment ist lediglich eine allgemein geringere Strom-Nachfrage aufgrund der aktuell geringeren wirtschaftlichen Aktivität zu beobachten. Aber – überspitzt formuliert – COVID-19 wird abklingen, während die Herausforderungen des Klimawandels bestehen bleiben.

Das Gesundheitswesen ist auch Teil der Zukunftsbranchen im Fonds. Derzeit läuft die Suche nach einem Impfstoff oder Medikament. Gibt es Unternehmen, in die der Fonds investiert, die davon profitieren könnten?

Absolut, zuletzt gab es vielversprechende Meldungen von Abbott Laboratories, einem weltweit tätigen Medizintechnik-Unternehmen und Marktführer bei Diagnose-Geräten für Blutanalyse. 60 Prozent der weltweiten Blut- und Plasmaspenden werden beispielsweise von Abbott-Geräten untersucht.

Derzeit werden in den USA Abbott-Laborgeräte (m2000 Reihe) für großflächig durchgeführte PCR-Tests (Polymerase-Ketten-Reaktion, Anm.) auf den Nachweis von COVID-19 und Antikörpern eingesetzt. Rund 175 Geräte befinden sich landesweit in Universitäten und Spitälern im Einsatz. Sie werten rund um die Uhr automatisiert eingehende Proben von tausenden Tests aus.

Wie geht es jetzt an den Börsen weiter?

Wir sahen in der letzten Woche wieder deutliche Kurssteigerungen. Die machen natürlich Mut für die Zukunft. Aber machen wir uns nichts vor: Vieles hängt jetzt davon ab, wie schnell sich die Wirtschaft global betrachtet wieder erholen wird. Je nachdem, wie sich die Nachrichtenlage darstellt, werden sich AnlegerInnen auf Kursschwankungen einstellen müssen.

Aber die Megatrends kann das Virus nicht aufhalten.

Was raten Sie derzeit Anlegern?

Wie beschrieben konnte erfreulicherweise bereits einiges wieder aufgeholt werden. Das stimmt uns zuversichtlich mittel- bis langfristig. Regelmäßig ansparen mit dem s Fondsplan macht auf jeden Fall Sinn, wenn man an die Zukunft und das Potenzial der Megatrends glaubt. Ja und die nötige Portion Gelassenheit – Motto „Nerven bewahren“.


Über den Fonds

Der ERSTE FUTURE INVEST ist ein aktiv gemanagter, globaler Aktienfonds, der in Megatrends („zukunftsträchtige“ Themen) investiert. Im Zuge der Titelselektion werden Aktien ausgewählt, die einem oder mehreren der folgenden Trends zugeordnet sind: Gesundheit und Vorsorge, Lebensstil, Technologie und Innovation, Umwelt und saubere Energie sowie aufstrebende Märkte.

Ein Dossier zum Thema Coronavirushttps://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

In der Zwischenzeit dürften die Ölpreise schwanken

von Elliot Hentov, Leiter des Policy Research EMEA bei State Street Global Advisors.

Wir hatten damit gerechnet, dass es im späteren Verlauf dieses Frühjahrs zu größeren Lieferengpässen kommen würde, aber das beispiellose OPEC+ Abkommen tritt erst am 1. Mai in Kraft. Das ist fast zwei Monate nach dem Beginn des Coronavirus-Schocks, der die Nachfrage seither um etwa 20 Prozent reduziert hat. Infolgedessen wurden die Lagerbestände massiv aufgestockt, und auch in den kommenden Monaten wird es ein erhebliches Überangebot geben. Auch wenn die OPEC+ Vereinbarung hilfreich ist, wird ein sinnvolles Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erst dann wiederhergestellt werden können, wenn Klarheit über die Erholung der Nachfrage herrscht. In der Zwischenzeit dürften die Ölpreise schwanken und weiterhin mit Abwärtsrisiken behaftet sein, bis sie in der zweiten Hälfte dieses Jahres einen starken Aufschwung erleben und sich dann bei etwa 25 Prozent unter ihrem Niveau vor der Krise einpendeln dürften.

Bedenken hinsichtlich der Veräußerung von Vermögenswerten der an Öl gebundenen Staatsfonds sind nicht marktrelevant, aber der große Finanzierungsbedarf dürfte dazu beitragen, die Renditen aller ölproduzierenden Schuldner in den Schwellenländern hoch zu halten. Dies könnte sich durch eine wahrscheinliche Rückkehr der herkömmlichen geopolitischen Risiken nach der Coronavirus-Krise mit einer Flucht der Anleger in sichere Werte und einer anhaltenden Dollar-Stärke noch verschärfen.

OPEC plus: Reicht das historische Abkommen aus?

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Nach der vom 6. März bis zum Osterwochenende andauernden Sackgasse, zeigen sich die OPEC+1 Staaten endlich bereit, die Ölförderung erneut zu drosseln. Der Schmerz war zu groß: Infolge sinkender Nachfrage und gleichzeitig steigendem Angebot fielen die Brent-Ölpreise auf ein 18-Jahres-Tief2. Nach der „Griechischen Tragödie“ am 6. März, in der sich eine Kluft zwischen Saudi Arabien und Russland auftat, war es jedoch ein schwieriges Unterfangen, die Produzenten wieder zusammenzubringen. Dieses Hindernis wurde überwunden, indem US-Präsident Trump ein Gespräch zwischen Präsident Putin (Russland) und König Salman (Saudi-Arabien) vermittelte. Doch damit endete die Rolle der USA in diesem Abkommen nicht. Nachdem Mexiko mit der dem Land zugeteilten Kürzung von 400.000 Barrel pro Tag nicht einverstanden war, schritten die USA ein und stimmten damit implizit einer Kürzung in Abstimmung mit Mexiko zu. Dies zeigt deutlich, dass die USA ebenso verzweifelt wie die Mitglieder des Kartells auf eine Verringerung des Überangebots und höhere Ölpreise drängen.

Verfahrene Situation: Mexiko verweigert Kürzungen

Die wegen der Weigerung Mexikos verfahrene Situation führte am Donnerstag, 9. April zu großen Verzögerungen im Verfahren. Bis zum Treffen der G20-Länder am Freitag, 10. April war immer noch keine Einigung erzielt worden. Das G20-Treffen unter dem Vorsitz Saudi-Arabiens war eine Gelegenheit für die Verbraucherländer, das für sie sichtbare Ausmaß der Nachfragevernichtung zum Ausdruck zu bringen, und aufzuzeigen, was sie tun, um das Angebot zu reduzieren (auch in Ländern, die große Produzenten sind). Das Kommuniqué dieses Treffens war jedoch schwach, es enthielt keine tragfähigen Zahlen in Bezug auf das tatsächliche Engagement. Anscheinend hatten die ursprünglichen Entwürfe des Kommuniqués mit der Draghi-Sprache der EZB im Sinne von „What ever it takes“ einen viel stärkeren Wortlaut. Die vorliegende verwässerte Fassung scheint jedoch das Ergebnis einer mangelnden Übereinstimmung und des Misstrauens unter den Mitgliedern zu sein.

Der Deal

Die OPEC+-Vereinbarung in ihrer jetzigen Form lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Produktionskürzungen von 9,7 Mio. Barrel pro Tag (mb/d) von Mai bis Juni 2020 im Vergleich zu den Niveaus vom Oktober 2018 für die meisten Länder
  • Der Referenzpunkt für Russland und SaudiArabien liegt bei 11mb/d (das ist höher als die im Oktober 2018 produzierte Menge)
  • Die Kürzungen verjüngen sich von Juli 2020 bis Dezember 2020 auf 7,7 mb/d und dann weiter auf 5,8 mbar/d im Zeitraum Januar 2021 bis April 2022
  • Einzelne Länderquoten sind noch nicht auf der Website der OPEC verfügbar

Reicht die Vereinbarung aus?

Die nun erreichte Vereinbarung stellt die umfangreichste jemals koordinierte Kürzung der Ölförderung dar. Die Schlüsselfrage ist, ob es ausreichen wird, um den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Da die Prognosen in bezug auf den Nachfrageeinbruch im April 2020 bei 15-22mb/d liegen und diese Maßnahmen erst im Mai in Kraft treten3, ist kurzfristig mit einem erheblichen Überhang zu rechnen. Die Vereinbarung gilt jedoch bis 2022, so dass eine Produktionseinschränkung das Überangebot am hinteren Ende auffangen könnte. Offensichtlich weiß niemand genau, wie lange und in welchem Umfang der mit COVID-19 verbundene Nachfrageeinbruch andauern wird. Zumindest der zweite Teil des doppelten Schocks auf den Ölmärkten - die Angebotssteigerung - wird damit in Angriff genommen.

Extremer Contango bleibt

Kurzfristig gehen wir davon aus, dass der extreme Contango4 auf dem Ölmarkt bestehen bleiben wird. Obwohl es keine verlässlichen Daten über die globale Lagerkapazität gibt, deutet die Tatsache, dass die Tankerraten im März 2020 um 116 Prozent5 gestiegen sind, darauf hin, dass die Lagerung an Land zur Neige geht und daher die schwimmende Lagerung sehr gefragt ist. Darüber hinaus liegt der Preis für West Texan Intermediate in Cushing bei einem Aufschlag von 6 US-Dollar gegenüber West Texan Intermediate in Magellan East Houston (31. März 2020). Dies deutet darauf hin, dass auf dem Festland gelagertes Öl mit einem erheblichen Aufschlag gegenüber dem an der Küste gehandelt wird. Da die Vereinbarung erst im Mai in Kraft tritt und Saudi-Arabien Öl mit dem stärksten Abschlag seit Jahrzehnten nach Asien verkauft, gehen wir davon aus, dass das kurzfristige Überangebot und die Preisschwäche das vordere Ende der Futures-Kurve für Rohöl mit einem starken Abschlag zum hinteren Ende der Kurve halten werden.


1) Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC) ist ein Kartell von 13 Öl Produzenten. OPEC+ ist das Kartell und 10 Partnerländer.
2) Siehe: An age of unprecedented oil volatility
3) Bloomberg-Umfrage 31. März 2020
4) siehe: An age of unprecedented oil volatility. Contango ist eine Situation, in der der Futures-Preis einer Ware höher ist als der Kassapreis. Contango tritt gewöhnlich dann auf, wenn erwartet wird, dass der Preis eines Vermögenswerts im Laufe der Zeit steigen wird. Dies führt zu einer nach oben geneigten Futures Kurve.
5) Quelle: Die Daten von Bloomberg basieren auf Very Large Crude Carrier (VLCC) und die letztendliche Quelle ist SSY

Dividenden von Infrastruktur-Aktien dürften deutlich über dem Marktniveau liegen

von Susanne Reisch, CFA, Senior Portfolio Manager, Infrastruktur-Aktien, BANTLEON.

Die Empfehlung einiger europäischer Regierungen und Aufsichtsbehörden, Gewinnausschüttungen zu kürzen, trifft Dividendenstrategien besonders deutlich. So sind im März die Eurostoxx50-Dividenden-Futures für 2020 um 55% gefallen. Mit -54,2% und -38,4% fällt die Korrektur auch in 2021 und 2022 sehr stark aus. Dies betrifft jedoch nicht alle Sektoren gleichermaßen. Die Renditen der Kernbereiche im Segment Basis-Infrastruktur – Versorger und Telekommunikation – liegen auch weiterhin deutlich über dem Durchschnitt. Während in anderen Sektoren der Einfluss der Coronavirus-Krise auf die Geschäftsentwicklung lange nachhallen wird, können Basis-Infrastruktur-Unternehmen Zahlungen aufgrund der Stabilität ihrer Geschäftsmodelle schnell wieder anheben und bereits 2021 wieder die Vor-Krisen-Dividendenniveaus erreichen.

Dividendenrenditen sind deutlich gefallen, aber nicht jeder Sektor ist gleich betroffen

Während der durch die Coronavirus-Krise ausgelösten Kapitalmarktturbulenzen war auch bei Aktien eine Flucht in sichere Häfen zu beobachten, also in Unternehmen, die solide Bilanzen haben sowie vermeintlich attraktive – und sichere – Dividendenrenditen boten. Nachdem einige europäische Regierungen und Aufsichtsbehörden die Empfehlung ausgesprochen haben, Dividenden zu kürzen, steht die Ausschüttungspolitik der Unternehmen nun erneut auf dem Prüfstand. Die Vorgabe trifft naturgemäß Dividendenstrategien besonders deutlich. So sind im März die Eurostoxx50-Dividenden-Futures für 2020 um 55% gefallen (2020er Dividenden, die gezahlt oder bereits bekanntgegeben wurden). Mit -54,2% und -38,4% fällt die Korrektur für die Dauer der erwarteten Rezession auch in 2021 und 2022 sehr stark aus. In diesem Umfeld ist eine sorgfältige Analyse der Motive für die Kürzungen wichtig: Handelt es sich um das Ergebnis einer deutlichen Verschlechterung der Ertragslage des Unternehmens oder um politischen Druck und taktisch motivierte Maßnahmen? Eine Analyse der bisherigen Entscheidungen zu Kürzungen oder Streichungen zeigt, dass nicht alle Sektoren gleich betroffen sind. Die Dividendenrenditen der Kernbereiche im Segment Basis-Infrastruktur – Versorger und Telekommunikation – liegen auch weiterhin deutlich über dem Durchschnitt. Im Gegensatz zu anderen Sektoren sind Kürzungen hier weitgehend auf einen temporären politischen Druck zurückzuführen, während die Liquiditätssituation der betroffenen Unternehmen stabil ist. Lediglich im Bereich Transport-Infrastruktur zeigen sich fundamental begründete Kürzungen, die auf die höhere Volatilität der Erträge in diesem Bereich zurückzuführen sind.

Die meisten Unternehmen des Eurostoxx50, die ihre Dividenden gekürzt oder die Entscheidungen auf das Ende des Hauptversammlungszeitfensters verschoben haben, gehören zu den Sektoren Banken, Reisen & Freizeit sowie Industriegüter. Aufgrund der staatlichen Eingriffe ist allerdings auch die geografische Aufteilung relevant. So haben bereits 60% der französischen und 33% der deutschen Unternehmen aus dem Eurostoxx50 ihre Dividenden gekürzt. Während aus Deutschland nur sehr wenige Infrastruktur-Unternehmen börsennotiert sind, hat vor allem die Entscheidung der französischen Regierung eine sehr negative Auswirkung auf die absoluten Dividendenniveaus für 2020. Dass weitere Regierungen sich der Empfehlung Frankreichs und Deutschlands anschließen, ist derzeit nicht auszuschließen. Zu spüren sein werden die niedrigeren Dividenden in den Monaten April und Mai, wenn die meisten europäischen Unternehmen normalerweise Dividenden ausschütten. Ob das Aussetzen von Dividendenzahlungen über spätere Sonderdividenden ausgeglichen wird, ist aktuell ungewiss und wird stark vom Verlauf der Rezession abhängen.

Das wahre Risiko vieler Unternehmen liegt in der 2021er Dividende

Ein weiteres Risiko bergen die 2021er Dividenden. Sie werden aus den Erträgen des Geschäftsjahres 2020 gezahlt, welche für die meisten Unternehmen tief ausfallen werden. Wir erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im Jahr 2020 um bis zu 8% schrumpfen wird. Entsprechend ist mit einer deutlichen Korrektur bei den Unternehmensgewinnen zu rechnen. Man könnte hier Einschnitte von über 40% sehen. In diesem Umfeld haben Basis-Infrastruktur-Aktien den Vorteil, dass sich ihre robusten und weitestgehend konjunkturunabhängigen Geschäftsmodelle weniger schlecht entwickeln sollten. Der Einbruch der Dividendenniveaus ist bei diesen Unternehmen ein kurzfristiger Effekt, unabhängig vom operativen Geschäft. Dementsprechend sind in diesem Segment des Aktienmarktes die Chancen groß, dass viele Unternehmen die 2021er Dividenden auf dem Niveau der Vorjahre beziehungsweise im Einklang mit ihren Dividendenplänen zahlen können.

Dividendenstrategien werden sich in den nächsten Jahren deutlich unterscheiden

Entscheidend für eine attraktive Dividendenstrategie im Kontext der Coronavirus-Krise wird somit kurzfristig das Land der Börsennotierung und mittelfristig die Robustheit der Geschäftsmodelle sein. Während Kürzungen von Investitionsplänen und Dividenden bei stark unterkapitalisierten Unternehmen nahe liegen, sollten Unternehmen mit starken Bilanzen ihre Dividenden weiterhin zahlen können. Aufgrund des staatlichen Einflusses und des sich in Kürze schließenden Fensters für Hauptversammlungsentscheidungen – hierzu gehört auch die Entscheidung über die Verwendung von Gewinnen – werden die 2020er Dividendenzahlungen stark betroffen sein. Für 2021 erwarten wir bereits eine deutliche Entspannung und den Wegfall staatlicher Einflussfaktoren.

Eurostoxx50-Dividenden-Futures kollabierten im März


Quellen: Bloomberg, Bantleon; Stand: 31. März 2020

Liquidity conditions slowly improve

by Altaf Kassam, Head of Investment Strategy & Research EMEA at State Street Global Advisors.

Across regions and asset classes we are seeing liquidity conditions slowly improve, although there’s still a lot of healing needed.

In equities, markets are slowly improving, with spreads starting to narrow in some areas. General liquidity is still challenged, however, and may remain that way as long as overall volatility remains higher.

In fixed income, investors have shifted their buying interest back toward risk, corporate issuers have been locking in financing at low Treasury rates (albeit high spreads) to secure liquidity for the next phase in the cycle, as the Fed has been easing off on purchases. The effort to improve liquidity is working: where transacting in Treasuries cost 10 times its ‘normal’ rate through much of the month of March we’ve now come down to a level about 5 times normal. Agency MBS too have seen much more stability and improved liquidity that is working through the system.

In foreign exchange, the positive risk environment has continued to support improved liquidity and a slight improvement in bid-ask spreads, as well as order book depth. Trading spreads are now much more attractive than most of March, but still much higher than in early January. USD carry is stable near 12bps against the G10 average while the cross-currency basis continues to point to a saturation of USD liquidity in currency forward markets. USD forward market yields are below USD Libor yields.

Auch Renten kein sicherer Hafen

Man könnte meinen, in Aktienkrisen weisen Staatsanleihen stets die Funktion eines sicheren Hafens auf. Das stimmt diesmal nur bedingt, nämlich bis Mitte März. Da erreichten Renditen länger laufender Staatsanleihen Rekordtiefs, in der Eurozone teilweise im deutlich negativen Bereich. Als dann im Marktstress ein globaler Ausstieg aus allen „riskanten“ Positionen erfolgte – die Suche nach Liquidität war nun dominierend – kamen selbst „sichere“ Staatsanleihen unter Druck. Am Ende waren nur noch die US-Treasuries Fels in der Brandung, diese profitierten auch von den massiven Leitzinssenkungen der US-Notenbank. Ende März trat, wie auch auf den Aktienmärkten, eine gewisse Beruhigung ein. Wesentlich dramatischer ist die Lage bei „Spread-Produkten“, also Anleihen mit Renditeaufschlag wie Unternehmensanleihen, insbesondere High Yield bzw. Emerging Markets. Deren Kurse fielen proportional zu den Aktienmärkten, die erreichten Renditeabstände waren seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr gesehen.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: Die Notenbanken bestimmen den Weg

Der Interkontinentalspread, also die Renditedifferenz zwischen US- und deutschen Staatsanleihen ist schon bis Februar deutlich gesunken, nun ist er regelrecht eingebrochen. Unser deutliches Übergewicht von US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen macht sich weiter bezahlt.

Sind US-Anleihen wohl doch der sichere Hafen? Oder sind es die wieder aufgenommenen massiven Anleihekäufe (Staats- und Hypothekaranleihen) der US-Fed, die im März den Leitzins um mittlerweile 1,5 Prozentpunkte gesenkt hat? Nun hat auch die USA Nullzinspolitik.

Es war vor beinahe 8 Jahren, als der EZB-Chef der Eurokrise mit der Ankündigung „whatever it takes... and believe me, it will be enough” einen verbalen Schlusspunkt setzte. Nun wird abermals und massiv „all in“ gegangen, auch die Fiskalpolitik schnürt weltweit nie dagewesene Konjunkturpakete. Es sollen in den Industrienationen bis zu 10 % des Sozialprodukts aufgewendet werden.

Staats- und Unternehmensanleihen: Große Unterschiede

Der Staatsanleihenmarkt bleibt von den quantitativen Lockerungsmaßnahmen der globalen Notenbanken getrieben, nun haben diese ihre Kaufabsichten vor allem für diese Anleiheklasse abermals deutlich artikuliert. Dies wird auch notwendig sein, da durch die Krisenabwehr das Nettoemissionsvolumen vieler Staaten deutlich ansteigen wird.

Neben unserer Übergewichtung von US- gegenüber deutschen Staatsanleihen nehmen wir nun eine Übergewichtung von italienischen gegenüber französischen Staatsanleihen vor.

Die Ertragserwartungen des Unternehmenssektors wurden im März sowohl von Analysten als auch von den Unternehmen selbst radikal nach unten revidiert. Die negativen Revisionen fallen mittlerweile stärker aus als im Herbst 2008. Noch fehlt die Visibilität in Bezug auf die tatsächliche Entwicklung der Ausfallsraten im High-Yield-Segment. Können die damaligen Ausfallsraten von 13 % (Europa) bzw. 14 % (USA) übertroffen werden? Wir nehmen erstmals seit langem keine Position bei Unternehmensanleihen ein, weder Über- noch Untergewichtung.

Emerging Markets: Schäden noch nicht absehbar

Die Dauer der Pandemie und das konkrete Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden sind nicht absehbar. Hartwährungsstaatsanleihen haben aktuell an Attraktivität gewonnen, werden aber auch in den kommenden Wochen mit starker Volatilität und zunehmenden Ausfallsrisiken konfrontiert sein. Wir sehen jedoch einen Großteil der fundamentalen Probleme bereits eingepreist und übergewichten diese Anleiheklasse gegenüber europäischen Staatsanleihen.

Ausnahmezustand

Es fällt schwer, die Auswirkungen der Covid 19-Pandemie in Worte zu fassen. Die Anzahl der Erkrankten und Toten bewegt sich scheinbar unaufhaltsam nach oben, was beispiellose Maßnahmen notwendig macht. Demokratie und Freiheitsrechte werden eingeschränkt und das Leben des Einzelnen in einen fundamental veränderten Modus gezwungen. Sich den Kopf über taktische Risikomaßnahmen in der Asset Allocation zu zerbrechen, erscheint dabei fast nebensächlich. Die Verantwortung für unsere Kunden und das anvertraute Vermögen endet aber auch in diesem Ausnahmezustand nicht, weshalb die volle Konzentration darauf gerichtet ist, diese Phase bestmöglich zu meistern. Dabei müssen wir uns eingestehen, dass wir weder den weiteren Verlauf der Pandemie noch die wirtschaftlichen Auswirkungen seriös einschätzen können. Ja, es gibt mittlerweile den einen oder anderen Anhaltspunkt, aber mehr nicht.

An dieser Stelle kann eine der Hauptaussagen des letztmonatigen Kommentars wiederholt werden: In einer solchen Situation steht das Vorsichtsprinzip über Ertragsoptimierung. Wir haben deshalb im Verlauf des März sowohl die Aktienquote als auch das Zinsänderungsrisiko signifikant reduziert. Die Entscheidung hinsichtlich der Aktien wurde zuletzt bestätigt, auch wenn sich die Märkte in den letzten Tagen zu stabilisieren scheinen.

Das Übergreifen der Pandemie auf die USA dürfte wohl noch für ausgeprägte Volatilität sorgen. Das Zinsänderungsrisiko wurde hingegen normalisiert, weil hier aufgrund der jüngsten Aussagen diverser Notenbanken das Bedrohungspotenzial begrenzt sein dürfte.

Kurzfristig wird die Marktentwicklung somit von ausgeprägter Unsicherheit gekennzeichnet sein. Wer einen längeren Horizont hat, etwa jenen der empfohlenen Behaltedauer unserer Fonds, findet schon jetzt interessante Möglichkeiten vor.

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Aktien: Beispiellose global-synchrone Marktbewegungen

Die Lage verdüsterte sich, nachdem es Ende Februar noch weniger dramatisch aussah. Es ist wohl auch schon in Vergessenheit geraten, dass ja einige Indizes Mitte Februar noch Höchststände aufweisen konnten, der US-Markt sogar mit All-Time-High. Mit der globalen Ausbreitung der Corona-Pandemie erfolgte im März aber auch der weltweite Einbruch der Aktienmärkte. Extreme Tages- und Wochenverluste und heftige Gegenbewegungen halten die Welt in Atem. Die Marktvolatilität, der gängige Risikofaktor am Finanzmarkt, erreichte im März Extremwerte, erst Ende des Monats trat eine Gegenbewegung und dann etwas Beruhigung ein. Immerhin stiegen die Aktien Ende März auch um rund 10 % in einer Woche, was den stärksten Wochengewinn seit 11 Jahren bedeutet. Und es gibt derzeit ein kleines Licht am Horizont: Chinas Aktienmarkt ist am wenigsten unter Druck, ein Indiz der Erholung. Ebenso lassen die letzten Tage im März die Suche nach einer Bodenbildung vermuten, aber die Lage bleibt fragil.

Globale Konjunktur: Lockdown

Die Welt kämpft derzeit vor allem mit der Eindämmung der weiteren Verbreitung des Coronavirus. Der Lockdown weiter Teile des sozialen aber auch des wirtschaftlichen Lebens zur Reduktion persönlicher Kontakte ist hierbei die wesentlichste Maßnahme.

Damit kommt die globale Wirtschaft einem temporären Stillstand nahe. Dramatisch negative Auswirkungen auf die Wachstums- und Arbeitsmarktzahlen sind anhand erster Indikationen absehbar. Obwohl erst wenige konkrete Daten zur Verfügung stehen, verdeutlicht die Abrisskante bei den Surprise Indizes in allen Regionen, dass die oftmals schon deutlich nach unten angepassten Prognosen dennoch mehrheitlich negativ übertroffen werden.

Die sich täglich verändernde Nachrichtenlage bestimmt weiterhin die Entwicklung an den Aktienmärkten und macht damit kurzfristige Prognosen fast unmöglich. Die unmittelbaren Folgen für die globale Konjunktur werden jedoch greifbarer, auch in den erwarteten Unternehmensgewinnen beginnen sich die Folgen dieser Krise nun deutlich zu manifestieren.

Aktien USA und Europa: Steiniger Weg vor uns

Im aktuellen Umfeld erachten wir Fundamentaldaten als weniger relevantes Anzeichen dafür, dass im Kampf gegen die Pandemie echte Fortschritte erzielt werden. Seit dem globalen Ausbruch der Krise haben Aktienmärkte aus Ländern, die schon weiter im Zyklus der Ansteckung bzw. erfolgreicher in der Bekämpfung derselben sind, sich besser gehalten als solche aus „Nachzüglerländern". Nicht nur absolut, sondern vor allem risikoadjustiert.

Wir glauben, dass die regionalen Ansteckungsraten in den nächsten Wochen weiter im Fokus der Anleger stehen werden und erfolgreiche „Coronabekämpfer" sich besser entwickeln werden. Das Gewinnwachstum für den MSCI Weltaktienindex inklusive Emerging Markets (basierend auf den rollierenden 12-Monatsergebnissen) war bereits Ende Februar zweistellig negativ. Während sich die Gewinnentwicklung in den Schwellenländern schon seit Ende Jänner deutlich negativ zeigt, sind nun ähnliche Entwicklungen in den entwickelten Regionen zu erwarten.

Emerging Markets: Schäden noch nicht absehbar

Lag das Auge des Hurrikans im Jänner und Februar eindeutig über China, so ist der Sturm nun weiterge zogen. Die verheerenden Verwüstungen der Corona-Pandemie werden zunehmend sichtbar: So zeigen Vorlaufindikatoren historische Tiefstände an und BIP-Wachstumszahlen werden laufend nach unten revidiert. Mittlerweile wird ein stärkerer Rückgang als in der Krise von 2008 erwartet.

Am wenigsten Visibilität gibt es noch immer auf der Unternehmensseite, wobei hier ebenso deutliche Gewinnrückgänge erwartet werden. Bisher regiert die Hoffnung auf einen kurzen Absturz.

Dow Jones: Eine kurze Krisengeschichte

Das Coronavirus ist in der vergangenen Woche auch in den USA voll angekommen. Anfang dieser Woche verzeichnet die Johns Hopkins Universität mehr als 300.000 bestätigte Infektionen mit der neuartigen Lungenkrankheit – so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt.

Während neben den gesundheitlichen Folgen die wirtschaftlichen Auswirkungen noch kaum zu beziffern sind, ordnet sich der damit verbundene Kurseinbruch an den Börsen in die Reihe der größten Börsencrashs der Geschichte ein.

Als wohl bekanntester Aktienindex der Welt bietet der Dow Jones Industrial Index einen spannenden Überblick der gravierendsten Krisen aus Sicht der Finanzmärkte. Noch im Februar dieses Jahres erreichte der „Dow“ die höchsten Stände seiner 136 Jahre langen Geschichte.

Am Höhepunkt einer Rekordjagd, die etwa im September des Vorjahres begann, stieg der Index auf über 29.500 Punkte. Nur wenige Wochen später fand sich der Dow Jones auf einem Level von unter 19.000 Punkten wieder, einem Punktestand, den er seit 2016 nicht mehr unterschritten hatte.

Am 16. März brach der Dow Jones um 12,9 Prozent oder 2.997,10 Punkte auf 20.188,52 Punkte ein. Dies war der schwächste Handelstag seit dem „schwarzen Montag“ im Jahr 1987.

Weltfinanzkrise und Turbulenzen nach der Jahrtausendwende

Bis dahin war der Einbruch des „Dow“ wenige Tage nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers Ende September 2008 der größte Tagesverlust in absoluten Zahlen gewesen. Damals war  der Dow innerhalb eines Tages um 777,68 Punkte abgerutscht.

Das Ereignis markierte den Start der bisher letzten Wirtschaftskrise, die ausgelöst von einer Spekulationsblase um Immobilien und Finanzprodukten auf Basis von Kreditobligationen erst Banken weltweit in Turbulenzen brachte und später viele Staaten vor allem in Europa in eine hohe Verschuldung trieb.

Schon am 13. Oktober 2008 konnte der Dow zwischenzeitlich mit einem Plus von 11,08 Prozent seinen bis dahin größten Tagesgewinn verbuchen, dies änderte jedoch nichts an der grundsätzlichen Talfahrt, die erst Anfang März 2009 auf Höhe von 6.500 Punkten ihren Tiefpunkt erreichen sollte.

Im April 2010 fand sich der Dow schließlich nach etwas mehr als eineinhalb Jahren wieder auf dem Niveau von Vorkrisenzeiten. Doch auch über diesen Punkt hinaus sollten die Folgen der weltweiten Finanzkrisen die Wirtschaft beeinträchtigen.

Eine ebenfalls beachtliche Verwerfung hatte es kurz nach der Jahrtausendwende gegeben: Als die US-Börsen am 17. September 2001 das erste Mal nach den Anschlägen vom 11. September wieder öffneten, sackte der Dow um 684,81 Punkte ab. Dies war in absoluten Zahlen der drittgrößte Tagesverlust seiner Geschichte. Prozentual büßte er 7,1 Prozent ein.

Darüber hinaus kam der Einbruch nur wenige Monate nach dem Platzen der Dot-Com-Blase. Der Dow erreichte erst im März 2006 wieder vergleichbar hohe Punktestände.

Schwarze Tage im 20. Jahrhundert

Bis zu den jüngsten Kursrutschen galt das Jahr 1987 als das schwärzeste an den Aktienmärkten nach dem Zweiten Weltkrieg. Am 19. Oktober 1987 brach der Dow um 22,6 Prozent ein.

Das war prozentuell gesehen der größte Tagesverlust seiner Geschichte. In den fünf Jahren zuvor hatte er insgesamt rund 250 Prozent zugelegt. Die USA kämpften zu dieser Zeit jedoch mit einem massiven Handelsbilanzdefizit und die Inflation wurde im Vorfeld des Börsenkrachs zunehmend zum Problem, bevor die US-Notenbank erstmals seit drei Jahren die Leitzinsen hob.

Darüber hinaus hatte sich an den Devisenmärkten eine derartige Verunsicherung breit gemacht, dass selbst das Vertrauen in den US-Dollar nachließ. Der Dow Jones brauchte bis Sommer 1989 um erstmals wieder auf die Höhe von vor dem Crash zurückzukehren.

Das letzte verhältnismäßig gleichbedeutende Ereignis hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 55 Jahre zurück gelegen. Bereits im Jahr 1929 hatte es einen „Schwarzen Montag“ gegeben, der einem „Schwarzen Donnerstag“ gefolgt war und auf den noch ein „Schwarzer Dienstag“ unmittelbar folgen sollte. Am 28. Und 29. Oktober 1929 brach der Dow um insgesamt 23 Prozent ein.

Der 12,8-prozentige Kurseinbruch vom 28. Oktober blieb bis zum „Schwarzen Montag“ 1987 der größte Tagesverlust. Ausgelöst war er durch das Platzen einer Spekulationsblase worden, die sich aufgrund fehlender Regulierung und Kontrolle sowie mangelndem Wissen vieler Anleger gebildet hatte.

Der Börsencrash von 1929 läutete die Große Depression ein, die die US-Gesellschaft maßgeblich prägen sollte. Es dauerte bis deutlich nach dem Zweiten Weltkrieg, dass der Dow Jones das hohe Niveau von vor dem großen Absturz wieder erreichen konnten: Im Herbst 1954.

Auslöser und Reaktion auf Krisen entscheidend

Das erste Quartal 2020 des berühmtesten Aktienindex der Welt wird zweifelsohne als eines seiner schlechtesten in die Geschichte eingehen: In den ersten drei Monaten 2020 verlor er mehr als 26 Prozent seines Wertes.

Wie seine Historie jedoch zeigt, muss ein tiefer Fall nicht zwangsläufig eine besonders lange Durststrecke für Anleger bedeuten. Entscheidend für die Erholung sind neben den Gründen für den Einbruch, vor allem die Lehren und Reformen, die Politik und Investoren daraus ableiten.


Ein Dossier zum Thema Coronavirus: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Stabilisierung auf den Märkten, aber noch keine Entwarnung

Die vergangene Woche stand im Zeichen vorsichtiger Stabilisierung auf den Finanzmärkten. Die Schwankungsbreiten gingen nach den extremen Kursausschlägen der letzten Wochen etwas zurück. Für Entwarnung scheint es aber weiterhin viel zu früh. Vorhersagen über den Verlauf der Pandemie und der weltwirtschaftlichen Entwicklung gleichen nach wie vor einem Stochern im Nebel. Angesichts dessen haben für uns Risikomanagement und Vorsicht weiterhin Vorrang vor Ertragsmaximierung. An den kurz- bis mittelfristigen (taktischen) Aktien- und Anleihegewichtungen in den Mischportfolios wurden seit unserem letzten Update keine grundlegenden Änderungen vorgenommen.

Aktiengewichtung bleibt reduziert, Fokus weiterhin auf Risikomanagement

Die ganz große Panik an den Finanzmärkten scheint fürs erste vorüber. Die Kurssschwankungen haben in den letzten Tagen etwas abgenommen. Für eine Entwarnung auf den Risikomärkten (Aktien, Spreadprodukte, Rohstoffe) ist es gleichwohl weiterhin zu früh. Zu beachten ist, dass auch bei einem baldigen Ende der „Lockdowns“ die Weltwirtschaft ja nicht im Handumdrehen auf den Vor-Corona-Modus zurückschalten kann. Unterbrochene Lieferketten, Zweitrundeneffekte von Angebots-, Nachfrage- und Ölpreisschocks sowie die Nachwirkungen von enormen Einkommensverlusten werden noch lange zu spüren sein, trotz aller Fiskalpakete. Bestimmte Branchen, wie etwa der Tourismus, werden außerdem nur sehr langsam wieder zur Normalität zurückkehren können. In weiterer Folge betrifft das beispielsweise auch Hersteller von Luxusgütern, Flugzeugbauer, Fluggesellschaften, die Werbebranche, Ölkonzerne und viele mehr. Die Unwägbarkeiten für Volkswirtschaften, Unternehmen und Finanzmärkte bleiben bis auf weiteres sehr hoch und damit ebenso das Risiko für weitere größere Kursschwankungen.

Es lassen sich plausible Argumente sowohl für deutlich höhere als auch deutlich niedrigere Aktienkurse finden, je nachdem, wie schnell oder wie langsam und wie umfassend sich die Weltwirtschaft erholt. Unter diesen Umständen haben für uns Risikomanagement und Vorsicht aktuell weiterhin Vorrang vor Ertragsmaximierung. An den kurz- bis mittelfristigen (taktischen) Aktien- und Anleihegewichtungen in den Mischportfolios haben wir seit unserem letzten Update daher auch noch keine grundlegenden Änderungen vorgenommen. Bei Branchen und Regionen hingegen gibt es durchaus einige aktive Positionierungen – beispielsweise eine Übergewichtung von Asien exklusive Japan und eine Untergewichtung Japans oder eine Longposition in Energieaktien gegenüber Versorgern. Bei Anleihen sind beispielsweise US-Staatsanleihen zu Lasten von Euro-Staatsanleihen übergewichtet. Zudem besteht eine kleine Longposition bei Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen. Das Fondsmanagement betrachtet diese Assetklasse als weiterhin aussichtsreich, sieht den Zeitpunkt für ein stärkeres Aufstocken allerdings noch nicht gekommen.

Emerging Markets: Sehr unterschiedlich von der Krise betroffen

Die Aktienmärkte der Schwellenländer haben in den vergangenen Wochen natürlich auch stark gelitten, ebenso die Volkswirtschaften. Kursrückgänge und volkswirtschaftliche Schäden sind dabei sehr ungleich verteilt. Während sich etliche asiatische Märkte (zum Beispiel China, Taiwan) vergleichsweise gut gehalten haben, sind anderswo sehr starke Kursverluste zu verzeichnen, beispielsweise in Südamerika, aber auch in Osteuropa. Das betrifft sowohl die Aktienkurse als auch oftmals die Währungen. Das ist weniger den direkten Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie in diesen Ländern geschuldet – die Fallzahlen und Gegenmaßnahmen sind dort zumeist (noch) sehr überschaubar. Vielmehr sind es die mittelbaren weltwirtschaftlichen Folgen, die dort zu Buche schlagen. Dazu gehören nicht zuletzt die massiv gefallenen Rohstoffpreise sowie starke Kapitalabflüsse, die neben den Aktien auch Anleihen und Währungen vieler Schwellenländer kräftig unter Druck brachten. Der von Saudi-Arabien entfesselte Preiskrieg auf dem Ölmarkt schadet naturgemäß den Ölexporteuren (Russland, Golfstaaten), nützt im Gegenzug aber natürlich sehr stark den Importeuren (zum Beispiel Türkei, Indien, China).

In den Emerging Markets-Anleihefonds hilft die etwas defensivere Positionierung, die schon vor dem Ausbruch der Krise bestand und die vom Fondsmanagement in den letzten Wochen noch etwas ausgebaut wurde. Bei den Aktienfonds hat das Fondsmanagement natürlich ebenfalls reagiert und unter anderem Unternehmen aussortiert, die besonders stark von möglichen Zahlungsschwierigkeiten bedroht sein könnten, falls die aktuelle Krisensituation länger andauert. Positionen im Mittleren Osten wurden deutlich reduziert bzw. ganz verkauft. Im Gegenzug wurden etwa Telekommunikationswerte aufgestockt, speziell in China und Taiwan. Das Fondsmanagement bevorzugt aktuell tendenziell jene Länder, die bereits weiter bei der Pandemie-Bekämpfung vorangekommen sind. Auch sie werden aber natürlich in den kommenden Monaten unter Zweit- und Drittrundeneffekten leiden.

Emerging Markets: Bewertungsniveaus teilweise sehr attraktiv

Aktien: Auf Basis ihrer zyklisch-adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) liegen Schwellenländeraktien rund eine Standardabweichung unter ihrem langjährigen Mittelwert. Sie befinden sich damit auf Bewertungsniveaus, an denen sie in der Vergangenheit wieder nach oben drehten (1998, 2008, 2015). Einzuschränken ist , dass sie diese Niveaus natürlich auch unterschießen könnten, bevor sie einen Boden finden. Die zweite Einschränkung ist dahingehend zu machen, dass Bewertungen auf künftiger KGV-Basis bei einem dauerhaften Wegbrechen der Gewinne natürlich höher liegen würden als derzeit und damit trügerisch sein können. Auch bei den Kurs-Buchwerten sind die Niveaus langfristig attraktiv und liegen teilweise unter den Werten der globalen Finanzkrise. Insgesamt ist also bereits sehr viel Negatives in den Märkten eingepreist und für langfristige Investoren bieten sich damit durchaus gute Einstiegsniveaus. Selektion bleibt natürlich Trumpf – selbstverständlich sind nicht alle Länder, Branchen und Unternehmen bereits Kaufkandidaten.

Anleihen: Auf Basis der Renditeaufschläge gegenüber US-Staatsanleihen handeln Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen auf vergleichbaren Niveaus wie zur globalen Finanzkrise 2008/2009. Der durchschnittliche Renditeaufschlag von Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen gegenüber US-Staatsanleihen stieg auf über 700 Basispunkte an. Auf absoluter Basis liegen die Renditen natürlich noch deutlich unter den damaligen Werten. Am stärksten haben sich die Renditeaufschläge in den illiquideren Märkten ausgeweitet (speziell in Afrika) während die Bewegungen in Asien und Europa weniger stark ausgeprägt waren.

Zeit, sich wieder ins Wasser zu trauen? Möglicherweise - mit Wandelanleihen

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Nachdem die Composite PMIs zu Beginn des Monats auf 27,5 abgestürzt waren, folgten europäische und US-amerikanische PMIs dem gleichen Weg mit Werten zwischen 30 und 40, zusammen mit miserablen Vertrauenszahlen. Ein guter Teil der entwickelten Volkswirtschaften "bleibt zu Hause", mit Ausnahme der grundlegenden Bereiche – wenn die Situation andauert, könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen katastrophale Ausmaße erreichen. Während China auf der anderen Seite des Peaks zu stehen scheint, sieht sich das Land immer noch mit einem Mangel an Nachfrage konfrontiert, was eine Belebung der Aktivität verzögern könnte.

Dennoch hat die Koordinierung auf der Währungs- und Steuerseite in den letzten 10 Tagen die Märkte etwas beruhigt. Wie unsere Kollegen in ihrer jüngsten Notiz hervorgehoben haben, ist eine kontinuierliche Koordinierung an vielen Fronten erforderlich: Bereitstellung von Ressourcen und Richtlinien zur Unterdrückung der Epidemie, Unterstützung der Einnahmen durch Steuerpakete, Liquiditätsspritzen über QE (Quantitative Easing), Koordinierung multilateraler Organisationen und die Ermöglichung der Unterstützung der Schwellenländer durch die Entwicklungsbanken.

Während die Wirtschaftsdaten weiterhin enttäuschend ausfallen werden, wurden von den G4-Zentralbanken (und anderen) viele Maßnahmen angekündigt, die zur Erholung der Märkte und zur Spread-Einengung beigetragen haben. Doch die Rating-Herabstufungen werden allmählich die Upgrades übersteigen und Gewinnrevisionen könnten die am 24. März begonnene Erholung unter Druck setzen.

Ist es also schon Zeit, wieder in die Märkte zu gehen?

Diese Gründe sprechen dafür:

  • Fiskalische Maßnahmen sind sowohl in den USA als auch in Europa in Größe und Umfang beträchtlich und werden bald auch in Japan ergriffen werden.
  • Die Zentralbanken haben alles auf COVID-19 abgefeuert, was sie können.
  • EZB: 750 Mrd. € PEPP (pandemic emergency purchase programme) und OMT (outright monetary transactions) könnten aktiviert werden, wodurch die Zentralbanken möglicherweise vom Kapitalschlüssel (d.h. dem Umfang der jedem Land zugeteilten Käufe) abweichen und die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone in Schach halten könnten.
  • Das QE der Fed geht so weit, dass es auch ETFs für Unternehmensanleihen einschließt und mindestens bis September dauern wird - es kommt zu den bereits angekündigten 700 Milliarden Dollar hinzu - und es wird bis zu 300 Milliarden Dollar an neuen Finanzierungen für Arbeitgeber und Verbraucher bereitstellen. Es werden zwei Einrichtungen geschaffen, um großen Arbeitgebern Kredite zur Verfügung zu stellen - die Primary Market Corporate Credit Facility (PMCCF) für die Ausgabe neuer Anleihen und Darlehen und die Secondary Market Corporate Credit Facility (SMCCF) zur Bereitstellung von Liquidität für ausstehende Unternehmensanleihen.
  • Die Zahl der COVID-19-Fälle und Todesfälle ist zwar hoch und steigt weiter an, doch in Ländern, die bereits früher mit dem Lockdown begonnen haben, wie z.B. Italien, gibt es einige Anzeichen für eine Eindämmung.

Diese Gründe sprechen dagegen:

  • Einige fiskalische Maßnahmen sind zwar vorhanden, aber möglicherweise zu langsam, um einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Zahlungsausfälle zu vermeiden, die die Stimmung und die Verbraucherausgaben belasten würden.
  • Die Ausfallraten werden steigen und Gewinnrevisionen möglicherweise nicht vollständig eingepreist, was in Frage stellt, ob Vermögenswerte in Hochzins- und Aktienwerten billig sind.
  • Die Zahl der COVID-19-Fälle könnte sich in den ursprünglich betroffenen Ländern verlangsamen, aber in den USA, Großbritannien und Deutschland wird sie vermutlich später ihren Höhepunkt erreichen. Und ohne globale Koordination verschließen sich die Länder auf der anderen Seite der Kurve nun für Ausländer, wie z.B. von China diese Woche angekündigt. Daher könnten die Blockaden länger als erwartet andauern.

Was haben Wandelanleihen bisher getan und was können sie für ein vorsichtiges Comeback an den Märkten bieten?

Seit Beginn der jüngsten Marktturbulenzen haben globale Wandelanleihen ihre Rolle als Schutz gegen die negativen Auswirkungen von Aktienengagements gespielt. Und dank eines geringeren Exposures im Energiebereich haben Wandelanleihen die hochverzinslichen Unternehmensanleihen, insbesondere die US-amerikanischen Hochzinsanleihen, übertroffen.