Ausblick für Silber: „Das Gold des armen Mannes holt auf“

von Nitesh Shah, Director Research bei WisdomTree.

Noch bis vor Kurzem hinkte Silber den Entwicklungen dieses Jahres hinterher. Es konnte größtenteils nicht mit dem Anstieg bei Gold mithalten. Das ändert sich jetzt. Die Gold-Silber-Ratio, ein Maß dafür, wie günstig Silber gegenüber Gold ist, befand sich im vergangenen Jahr auf einem erhöhten Niveau (d. h., Silber war sehr günstig). Obwohl die Ratio in den letzten Wochen gesunken ist, wird sie im kommenden Jahr nicht auf ein normales Niveau zurückkehren. Unseren internen Prognosen zufolge könnte der Silberpreis bis Ende des Jahres deutlich von 17,10 US Dollar pro Feinunze auf rund 26,50 US Dollar steigen und daraufhin zum Ende des ersten Quartals 2021 auf 21,40 US Dollar sinken. Diese Prognose beinhaltet den Gegenwind durch eine sinkende Nachfrage aus der Industrie. Versorgungsstörungen könnten deshalb ein Aufwärtsrisiko darstellen.

Mehr Mr. Hyde als Dr. Jekyll

Die Performance von Silber war dieses Jahr bis ungefähr Mitte Mai 2020 überaus enttäuschend. Es verhielt sich mehr wie ein Industriemetall als ein Edelmetall. Unserem Modell zufolge handelt es sich bei Silber um ein Hybridmetall, doch in letzter Zeit scheint seine starke historische Korrelation mit Gold aus dem Ruder zu laufen.

Abbildung 1: Preisentwicklung von Silber, Gold und Industriemetallen im bisherigen Jahresverlauf


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. 01.01.2020 bis 18.05.2020. Data basieren auf den Subindizes des Bloomberg Commodity Index. Der Bloomberg Industrial Metals Subindex beinhaltete Kupfer, Aluminium, Zink und Nickel. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Gold ist dieses Jahr um über 13 Prozent gestiegen, Silber hingegen entwickelte sich um 4 Prozent1 rückläufig. Dies führte zu einem Anstieg der Gold-Silber-Ratio auf bisher noch nie beobachtete Stände. Je höher die Ratio, desto günstiger ist Silber im Vergleich zu Gold. Auf einem Höhepunkt von 122 im März 2020 lag die Ratio um mehr als 4 Standardabweichungen über dem Durchschnitt. Erst Mitte Mai sank sie unter 3 Standardabweichungen über dem Durchschnitt. Entweder ist Silber sehr günstig oder es ist zu einer langfristigen Änderung in der Beziehung zwischen Silber und Gold gekommen. In letzter Zeit begann Silber gegenüber Gold aufzuholen. Die Korrelation zwischen den beiden Metallen könnte sich fortsetzen.

Abbildung 2: Gold-Silber-Ratio


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. 01.06.1990 bis 18.05.2020. Daten basierend auf den Edelmetallpreisen der London Bullion Market Association. StA entspricht dem Abstand vom Durchschnitt als Anzahl der Standardabweichungen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Modell

In unserem Artikel „Gold and silver: similar, but different“ (Gold und Silber: ähnlich, aber anders) argumentierten wir, dass die Kursentwicklung von Silber zu 80 Prozent mit Gold korreliert ist. Im Rahmen unserer Modellierung ist Gold deshalb der Faktor, der den Silberkurs am stärksten beeinflusst. Jedoch halten wir folgende Variablen ebenso für wichtige Einflussfaktoren:

  • Erhöhung der Produktionstätigkeit – Silber findet zu mehr als 50 Prozent2 in Anwendungen der Industrie (im Gegensatz zu Gold, bei dem dieser Anteil weniger als 10 Prozent beträgt). Stellvertretend für die industrielle Nachfrage verwenden wir den Global Manufacturing Purchasing Managers Index (PMI).
  • Erhöhung der Silberbestände – steigende Bestände signalisieren eine höhere Verfügbarkeit des Metalls und wirken sich deshalb negativ auf die Kurse aus. Stellvertretend verwenden wir die Bestände von Terminbörsen.
  • Erhöhung der Investitionen im Bergbau (Capex) – je mehr Minen investieren, desto höher wird das potenzielle Angebot in Zukunft ausfallen. Deshalb rechnen wir für diese Variable eine 18-monatige Verzögerung ein. Angesichts der Tatsache, dass das meiste Silber als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle gewonnen wird, beziehen wir den Investitionsaufwand (Capex) der wichtigsten 100 Bergbaugesellschaften mit ein (nicht nur auf Silber spezialisierte Bergbauunternehmen). 

Gold wird noch nie da gewesene Hochs erreichen

In „Goldausblick für das erste Quartal 2021: Bislang unbekanntes Terrain" haben wir unsere Prognosen für Gold für zwei wirtschaftliche Szenarien dargelegt – eine V-förmige und eine U-förmige wirtschaftliche Erholung. Ein U-förmige wirtschaftliche Erholung scheint immer wahrscheinlicher, daher nutzen wir dies als Basis für unseren Silberausblick. Bei der U-förmigen wirtschaftlichen Erholungsprognose unterstellen wir, dass sich die globale Wirtschaft bei der Erholung von COVID-19 schwertut. Die von den Zentralbanken und Finanzbehörden bereitgestellten Fazilitäten werden stark in Anspruch genommen und ausgeweitet. Es könnte deshalb zu weiteren Lockerungsmaßnahmen kommen. In diesem Umfeld könnte Gold auf 2200 US Dollar pro Feinunze steigen. Unabhängig von einer V- oder U-förmigen wirtschaftlichen Erholung zeigt unsere interne Prognose, dass Gold auf noch nie da gewesene Hochs steigen wird. Bei einer U-förmigen wirtschaftlichen Erholung könnte es sich über einen längeren Zeitraum auf einem Niveau über 2000 US Dollar pro Feinunze halten.

Schwache Prognose für Silber

Beim Wachstum könnte Silber Gold unseres Erachtens überholen. Silber könnte bis Ende dieses Jahres trotz einer schwachen industriellen Nachfrage und anwachsender Bestände auf 26,50 US Dollar pro Feinunze steigen. Ausgehend von einem Preis von 17,10 US Dollar pro Feinunze (19/05/2020) zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels (19.05.2020), entspräche dies einem Zuwachs von fast 55 Prozent. Er würde nicht ausreichen, um die Gold-Silber-Ratio auf ein normales Niveau zurückzuführen. In der Tat könnte die Ratio immer noch fast eine Standardabweichung über dem Durchschnitt liegen. Wenn unsere Goldprognose für das vierte Quartal 2020 von 2.100 US Dollar pro Feinunze korrekt ist und die Gold-Silber-Ratio sich normalisiert, würde der Silberpreis über 30 US Dollar liegen. Unseres Erachtens wird die Ratio angesichts der schwachen Industrienachfrage im kommenden Jahr nicht auf einen normalen Stand zurückkehren. Bis zum Ende des ersten Quartals 2021 könnte Silber auf 21,40 US Dollar pro Feinunze nachgeben, während Gold weiter auf 2.200 US Dollar zulegen könnte. Dies würde zu einem Anstieg der Gold-Silber-Ratio auf 102 führen. 

Abbildung 3: WisdomTree Silberprognose


Quelle: WisdomTree (Prognosen), Bloomberg (historische Daten), Daten verfügbar bis Schlusskurs vom 19. Mai 2020. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Die Industrienachfrage dürfte sich langsam erholen

Für die Manufacturing Purchasing Managers Indices (Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe) – unsere Ersatzgröße für die Silbernachfrage aus der Industrie – prognostizieren wir eine Erholung gegenüber den aktuellen Krisenständen. Die Erholung wird jedoch langsam vor sich gehen und innerhalb des Prognosehorizonts möglicherweise nicht über 50 steigen (Grenze zwischen Kontraktion und Wachstum). Da die Lockdown-Maßnahmen im aktuellen Umfeld nur langsam gelockert werden können und obwohl all die geld- und finanzpolitischen Lockerungsmaßnahmen die natürliche Nachfrage nach industrieller Aktivität möglicherweise stärken werden, wird sich diese Erholung im Vergleich zu 2009 langsamer entwickeln. 

Abbildung 4: Global Manufacturing Purchasing Managers Indices (PMIs)


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. 05.02.2009 bis 04.05.2020. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.
 

Angebot aus dem Silberabbau könnte steigen

Der Abbau von Silber ist seit vier Jahren rückläufig. Die Hauptursachen liegen in der sinkenden Qualität des Erzes in mehreren großen Primärsilberminen, eine geringere Silberproduktion in Kupferminen und erheblichen Störungen in großen Silberminen.

Die Höhe der Investitionen in Minen – eine der Ersatzgrößen unseres Modells – ging in den letzten Monaten zwar deutlich zurück, verzeichnete vor 18 Monaten jedoch noch einen Anstieg. Um in unserem Modell die Zeit widerzuspiegeln, bis eine Erhöhung der Investitionen zu einem merklichen Anstieg der Abbaumenge führt, rechnen wir eine Zeitverzögerung von 18 Monaten ein. Gegenwärtig könnten sich diese erhöhten Investitionen erwartungsgemäß niederschlagen und demzufolge das Angebot einen Teil der Preiszuwächse bei Silber wettmachen.

Betrachtet man die Lage jedoch auf mikroökonomischer Ebene, gibt es Grund zur Annahme, dass der Silberabbau dieses Jahr rückläufig sein wird. Aufgrund von COVID-19 wurde der Bergbau in Regionen mit hoher Silberproduktion wie Mexiko, Peru, Bolivien und der kanadischen Provinz Quebec vorübergehend eingestellt. Während wir in unserem Modell also auf möglichen Gegenwind durch einen Anstieg des Angebots hinweisen, besteht ein Aufwärtsrisiko beim Preis, falls es im Zusammenhang mit COVID-19 zu Störungen kommt.

Abbildung 5: Investitionswachstum durch Bergbauunternehmen


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand der Daten: 18. Mai 2020. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Silberbestände der Börsen steigen

In Bezug auf einen anderen Angebotsindikator – die Silberbestände –limitiert uns die beschränkte Datenlage hinsichtlich der globalen Bestände ein, weshalb wir die Bestände von Terminbörsen als Ersatzgröße heranziehen. Diese sind in den letzten Jahren unermüdlich angestiegen. Obwohl dies schwer mit den sinkenden Abbaumengen der letzten Jahre zu vereinbaren ist, erklärt es die relativ schwachen Silberpreise.

Hierbei ist zu beachten, dass eine Unterscheidung zwischen registriertem und qualifiziertem Bestand besteht. „Qualifiziert“ bedeutet, dass das Metall die Anforderungen der Börse erfüllt, jedoch nicht als Sicherheit für eine Transaktion am Terminmarkt eingesetzt wird. „Registriert“ bedeutet dagegen, dass das Metall die Anforderungen erfüllt und als Sicherheit für Transaktionen am Terminmarkt eingesetzt wird. Da das qualifizierte Metall leicht in registriertes Metall umgewandelt werden kann, verwenden wir die Gesamtmenge. Die meisten Zuwächse werden jedoch bei qualifiziertem und nicht bei registriertem Metall verzeichnet. Die Ursache dafür könnte einfach in der verstärkten Lagerung in COMEX-Lagerhäusern, anstatt in anderen Lagerhäusern liegen. Gleichwohl dämpft die größere Quelle sichtbarer Bestände den Preis von Silber. Unseren Erwartungen zufolge wird dies beim Preis auch weiterhin für Gegenwind sorgen.

Abbildung 6: Silberbestand


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand der Daten: 18. Mai 2020. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Fazit

Obwohl eine sinkende Industrienachfrage und potenzielle Anstiege des Angebots bei Silber für Gegenwind sorgen, sollte seine Korrelation mit Gold ihm starken Rückenwind geben. Diese Korrelation war in den letzten Monaten zwar schlecht, in den letzten Wochen scheint es jedoch, dass sich beide Metalle wieder annähern. Unsere Annahme zu den Angebotszuwächsen, die dem Modell zufolge auf der Behandlung von Zuwächsen des Investitionsaufwands basiert, könnte sich als irreführend erweisen. Das Silberangebot aus dem Bergbau könnte aufgrund der Einschränkungen durch COVID-19 in der Tat auf einem niedrigeren Niveau verbleiben. Deshalb könnte der Preis von Silber einem Aufwärtsrisiko unterliegen.


1) Im Jahr zum 18. Mai 2020, basierend auf Spotdaten von Bloomberg.
2) Laut Daten des Silver Institute.

Wie haben nachhaltige Unternehmen in der Corona-Krise performt?

von Harald Egger, Chief Analyst der Erste Asset Management.

Die Corona-Krise bestimmt die Aktienmärkte seit nunmehr drei Monaten. Es begann mit einer rasanten Talfahrt (20.2.2020), die den Weltindex innerhalb von 4 Wochen um 35% korrigieren ließ. Es folgte, für viele überraschend, eine durchaus kräftige Erholung, die den angefallenen Verlust (bis 19.5.2020) halbierte. Wir können getrost von drei ereignisreichen Monaten sprechen.

In diesem Blog interessiert uns aber wie sich Unternehmen mit unterschiedlichen ESG-Ratings in dieser Phase entwickelt haben. Es gibt unzählige Rating-Agenturen, die Unternehmen nach den Kriterien

  • Umwelt (Environment – E)
  • Soziales (Social – S)
  • Verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance G)

beurteilen und bewerten. Generell werden diese drei Kriterien berücksichtigt, wobei nicht nur die Schwerpunkte variieren können, sondern zum Teil auch die Schlüsse, die die Rating Agenturen daraus ziehen. In diesem Blog werden die ESG-Ratings von MSCI angewandt. 

1. ESG Ratings nach MSCI

MSCI verwendet eine regel-basierte Methode um Industrie -Führer und -Nachzügler zu identifizieren und berücksichtigt dabei die Industriezugehörigkeit. Unternehmen werden dahingehen bewertet, welchen ESG Risiken sie ausgesetzt sind und wie sie diese Risiken managen.

Im Folgenden interessiert uns wie sich Unternehmen mit unterschiedlichen Ratings in der Corona Krise bisher verhalten haben. Insbesondere natürlich, ob Unternehmen mit einem guten Rating eine bessere Performance aufweisen konnten, als Unternehmen mit einem „schlechten“ Rating.

Um diese Frage zu beantworten, hat der Autor unterschiedliche Portfolios gebildet, wobei die Unternehmen kapitalgewichtet wurden. Als Beobachtungszeitraum haben wir die Periode 20.2.2020-20.5.2020 (drei Monate) gewählt. Um regionale Unterschiede zu identifizieren wurden folgende Portfolios analysiert, jeweils nach den oben beschriebenen ESG Rating Klassen:

  • Developed Markets
  • Emerging Markets
  • USA
  • Europa ex UK
  • UK
  • Japan

Wie sich im Folgenden zeigt, gibt es durchaus regionale Unterschiede.

2. Entwickelte Länder (Developed Markets) versus Entwicklungsländer (Emerging Markets)

In den entwickelten Ländern hat es zwischen den Leader und den durchschnittlich bewerteten Unternehmen kaum Unterschiede gegeben (siehe Graphik 1). Allerding zeigt sich ein deutlicher Unterschied von 17,8% zwischen den Unternehmen mit einem AAA-Rating und solchen mit einem CCC-Rating. Das legt den Schluss nahe, dass es sich auszahlt vor allem die Nachzügler zu meiden. In Summe konnten die Leader die Laggards (kapitalgewichtet) um 1,5% outperformen.

Bei den Emerging Markets ist das Ergebnis überraschend, denn die Unternehmen mit einem positiven Rating haben deutlich underperformt (Graphik 2). Die Laggards haben sich in der Krise bisweilen mit –6,9% deutlich besser als die Leader mit -12,9% gehalten.

ESG Performance: Developed Markets (Grafik 1) vs Emerging Markets (Grafik 2)

Interessant ist auch die Frage welcher der drei ESG-Faktoren, den stärksten Performancebeitrag geleistet hat. In diesem Zusammenhang können wir feststellen, dass Unternehmen mit einem „guten“ E-Rating sowohl in den Developed Markets (Outperformance 6,0%) als auch in den Emerging Markets (3,5%) outperformen konnten (siehe Graphik 3 und 4).

Weniger Augenmerk haben die Investoren offensichtlich auf das S-Rating gesetzt, weder in den Developed noch in den Emerging Markets konnte damit eine bessere Performance erzielt werden. Das G-Rating hingegen hat in den Developed Market eine Rolle gespielt (+3,4%), während in den Emerging Markets dieser Faktor keine Relevanz hatte.

ESG Performance – nach Faktoren E-S-G: Developed Markets (Grafik 3) vs Emerging Markets (Grafik 4)

3. Europa versus USA

Die ESG Leader in Europa haben mit -16,9% die Laggards mit -23,0% deutlich outperformt. In den USA zeigte sich ein ähnliches Bild. Die Vorreiter konnten die Nachzügler um 4,2% ouperformen (-8,6% versus -12,9%).

Auffallend ist der extreme Performance-Unterschied (33,2%) zwischen den mit AAA bewerteten Firmen versus den am schlechtesten beurteilten Unternehmen (CCC).

ESG Performance: Europa (Grafik 5) vs USA (Grafik 6)

4. Japan und United Kingdom (UK)

In Japan lässt sich kein Performancevorteil der Leader gegenüber den Laggards ausmachen. Beide haben die durchschnittlich bewerteten Unternehmen hinter sich lassen können. Der Unterschied in UK hingegen ist markant und so wie wir es erwarten würden. Die Leader konnten mit -15,3% die Laggards mit -43,3% deutlich hinter sich lassen.

ESG Performance Japan (Grafik 7) vs UK (Grafik 8)

5. Resume

Die vorliegenden Zahlen untermauern, dass man mit Unternehmen, die ein positives ESG -Rating aufweisen bislang besser durch eine Krise gekommen ist. Zumindest trifft dies auf die Developed-Markets zu. In den USA war der Unterschied zwischen den Leader und den Laggards am größten.

In den Emerging Markets scheinen noch andere Gesetze zu gelten. Hier konnte zumindest nicht in der kurzen Beobachtungsperiode (18.2.2020-18.5.2020) ein Performance-Vorteil festgestellt werden. Im Gegenteil, die schlechter bewerteten Unternehmen konnten die Leader signifikant outperformen.

Das kann auch damit zusammenhängen, dass es vergleichsweise noch wenige Emerging Markets ESG Fonds gibt. Wenn wir nur das E-Rating heranziehen können wir aber global einen positiven Beitrag feststellen, inklusive den Emerging Markets.

Generell kann festgestellt werden, dass besser bewertete Unternehmen auch über einen längeren Zeitrahmen outperformen konnten. Dies lässt den Schluss zu, dass ESG-Faktoren in die Bewertung von Unternehmen mit einbezogen werden muss. Unternehmen mit einem guten Rating verdienen eine Prämie, während für schlechter bewertete Unternehmen ein Discount angesetzt werden muss.

Analysten, die diesen Fakt nicht berücksichtigen werden positiv bewertete Unternehmen generell als teuer empfinden und schlechter bewertete Unternehmen vermeintlich als günstig einstufen. Der bevorstehende Green-Deal der EU wird diese Tendenz eher noch verstärken.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Aktienmärkte zumeist freundlich, aber mit nachlassendem Schwung

In den meisten Staaten flaut die Covid-19-Pandemie inzwischen ab oder sie breitet sich zumindest nicht mehr mit wachsender Dynamik aus. Das gilt im Grundsatz interessanterweise für sehr unterschiedliche Lockdown-Regimes. Andererseits hat China eine Region mit rund 100 Millionen Menschen erneut unter Quarantäne gestellt. Man spricht aber zugleich von angeblich nur wenigen Dutzend neuen und fast ausschließlich importierten Fällen.

Für die Finanzmärkte verfestigt sich damit das Szenario einer schrittweisen Rückkehr zu „normaleren“ weltwirtschaftlichen Szenarien. Für einige Branchen, etwa Flugwesen, Tourismus, Kultur- und Sportveranstaltungen wird es eine solche Rückkehr bis auf Weiteres aber wohl kaum oder nur sehr eingeschränkt geben. Langfristig betrachtet könnte die Pandemie auch Prozesse beschleunigen, die ohnehin schon begonnen hatten (Homeoffice, Telearbeit, De-Globalisierung, De-Urbanisierung). Diese werden auch nach einem Ende der Covid-19-Problematik weiterlaufen und zu möglicherweise drastischen Veränderungen in vielen Wirtschaftszweigen führen. Nicht wenige Unternehmen in vielen Branchen werden möglicherweise ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen.

Die Aktienmärkte zeigen sich regional und vor allem nach Branchen weiter extrem unterschiedlich. Die Erholung der letzten Wochen ist bei zyklischeren, konjunktursensitiven und von der Pandemie stark betroffenen Sektoren sehr viel schwächer ausgeprägt als etwa im Technologie- und im Healthcare-Bereich. Das zeigt sich sowohl zwischen den als auch innerhalb der einzelnen Länder und Regionen, beispielsweise in den USA: Nasdaq (+4 % seit Jahresbeginn) versus Russel 2000 (-19 %). Zugleich wird daran deutlich, dass sich die Aktienmärkte keineswegs völlig von den realwirtschaftlichen Gegebenheiten abgekoppelt haben, wie ein bloßer Blick auf die großen US-Indizes Nasdaq oder S&P500 nahelegen könnte. In Europa endeten in den letzten Tagen die Leerverkaufsverbote in etlichen Ländern, was in einigen Fällen offenbar auch sofort von einigen Marktteilnehmern zu neuen (Leer-)Verkäufen genutzt wurde. In Österreich etwa war zu beobachten, dass ohne neue Nachrichten vor allem jene Aktien kurzzeitig stark abverkauft wurden, die sich in den Wochen seit Erlass des Leerverkaufsverbots besonders gut erholt hatten.

Staatsanleihen der Euro-Kernländer und der USA bewegten sich per Saldo wenig, während Anleihen der Euro-Peripheriestaaten sowie Unternehmens- und Schwellenländeranleihen zulegten. Der Konkurs des traditionsreichen globalen Autovermieters Hertz zeigt zugleich, dass auch gewaltige Fiskalprogramme und Notenbankhilfen keine Garantien gegen Firmenpleiten und Anleiheausfälle bieten. Die Rohölpreise erholen sich weiter (+20 % in den letzten zwei Wochen), nachdem die Lagerkapazitäten in den USA wohl doch erst einmal ausreichen werden, sich der Angebotsrückgang scheinbar sehr schnell vollzieht und China offenbar große Mengen Öl (zu Ausverkaufspreisen) abnahm. Der Goldpreis hält sich recht stabil auf hohem Niveau.

Wirtschaftsdaten außerhalb Chinas weiterhin schwach

Die Konjunkturdaten fielen zuletzt fast überall sehr schlecht aus und lagen teilweise noch unter den bereits sehr niedrigen Erwartungen. An den Märkten hakt man das bislang weitgehend ab und fokussiert sich stattdessen auf die kommende Erholung. China lieferte diesbezüglich gute und schlechte Nachrichten. Gute dahingehend, dass die chinesische Industrieproduktion fast schon wieder auf Vor-Corona-Niveau liegt. Schlechte insofern, als dass der fiskalische Stimulus (aktuell ca. 6,5 % - 8,5 % der jährlichen Wirtschaftsleistung) weiterhin zurückhaltender ausfällt als von den meisten erwartet bzw. erhofft wird. Zudem verzichtet Peking erstmals seit Jahrzehnten sogar auf ein explizites Wachstumsziel für das heurige Jahr. Damit ist man nicht gezwungen „auf Teufel komm raus“ zu stimulieren, um bestimmte Zielwerte zu erreichen. Zudem darf dies als weiteres Indiz dafür gesehen werden, wie fragil und unwägbar die weltwirtschaftliche Situation ist. Man scheint sich auch deshalb in Peking einiges Pulver trocken halten zu wollen. Abgesehen davon, dass der Spielraum für weitere Schulden deutlich geringer ist als vor einem Jahrzehnt, verspürt man dort derzeit wohl auch geopolitisch wenig Neigung, abermals die ganze Welt aus dem Konjunkturtal zu stimulieren. Das gilt umso mehr, als die USA zuletzt ihren Konflikt mit China verbal kräftig eskalierten und teils auch schon neue Maßnahmen gegen chinesische Unternehmen setzen. Dies lediglich als US-Wahlkampfgetöse oder reines innenpolitisches Ablenkungsmanöver abzutun, dürfte sich aller Wahrscheinlichkeit nach als ebenso kurzsichtig erweisen wie ähnliche Vorhersagen direkt nach Trumps Amtsantritt.

Noch keine grundlegende Neueinschätzung der kurz- und mittelfristigen Marktsituation

Vor zwei Wochen haben wir markttechnisch die meisten kurzfristigen Triebfedern für die starken Kurszuwächse seit März als weitgehend erschöpft ansehen. Die Seitwärtsbewegung seither scheint dies zu bestätigen. Auch die Volatilitäts-Indizes liegen bei Aktien, Anleihen und auch bei Öl in den USA in etwa dort, wo sie sich vor zwei Wochen befanden. Dass sie sich seither nicht stärker nach unten entwickelten, ist speziell beim kräftig erholten Öl bemerkenswert und ebenfalls ein Signal für weiter bestehende Kursrisiken.

Viel wird jetzt vor allem von zwei Faktoren abhängen. Zum einen: Bestätigen die Wirtschaftsdaten der kommenden Wochen einen beginnenden kräftigen weltwirtschaftlichen Turnaround, den zumindest ja die Aktienmärkte bereits weitgehend eingepreist haben? Zum anderen: Wie schnell gibt es Fortschritte bei Behandlungen und/oder Impfstoffen für Covid-19? Bei Letzteren wechseln sich zuversichtlich stimmende Meldungen mit solchen, die den Optimismus wieder dämpfen, ab. Es gibt jede Menge vielversprechender Ansätze für Impfstoffe, aber per Saldo noch wenig, was einen raschen Durchbruch erkennen lässt. Die jüngsten Daten zur Behandlung von Erkrankten mit Gileads Remdesivir waren insgesamt eher enttäuschend.

Die Maßnahmen zur Reduktion des absoluten Risikos in all jenen Fonds und Portfolios, die maßgeblich von der Taktischen Asset Allocation gesteuert werden, bestehen weiterhin. Sie werden fortlaufend überprüft und in den nächsten Tagen steht auch die turnusmäßige monatliche Diskussion der Taktischen Asset Allokation an. Zu betonen ist dazu einmal mehr, dass die Risikoreduktion nicht so sehr aus einer Marktmeinung zur nächsten großen Marktbewegung entspringt. Vielmehr ist sie davon geleitet, dass in der aktuellen extremen Situation Kapitalschutz weiterhin Vorrang vor Ertragsmaximierung hat.

Einstieg in eine EU-Schuldenunion?

Frankreichs Präsident und die deutsche Bundeskanzlerin stellten ein EU-Wiederaufbauprogramm in Höhe von rund 500 Milliarden Euro vor. Das Geld dafür soll von der EU-Kommission am Kapitalmarkt aufgenommen und über den EU-Haushalt zum Teil als nicht rückzahlbare Zuwendungen verteilt werden, vor allem an wirtschaftlich schwächere und besonders hart von der Krise getroffene Staaten. Zwar sind diese Gemeinschaftsschulden damit fürs Erste auf einzelne konkrete Projekte bezogen und keine „Corona-Bonds“, wie ursprünglich etwa von Frankreich und anderen Ländern gefordert. Kritiker fürchten aber trotzdem einen Dammbruch und den faktischen „Einstieg in eine EU-Schuldenunion durch die Hintertür“. Ablehnung und Kritik kam vor allem aus Österreich, Schweden, Dänemark und den Niederlanden. Der Gegenentwurf dieser Gruppe will Kredite statt Zuschüsse und sicherstellen, dass das Ganze eine einmalige und zeitlich eng befristete Ausnahme bleibt. Welche Lösung am Ende gefunden wird, dürfte sich in den kommenden Tagen etwas deutlicher abzeichnen, wenn die EU-Kommission ihrerseits Stellung zu den bisherigen Vorschlägen nimmt.

Key risks to monitor in AT1 CoCos

by Lidia Treiber, Director, Research, WisdomTree.

2020 has been a remarkable year for investors. A Covid-19 induced lockdown across the world, and a subsequent market crash has changed the shape of the global economy. In the months following the crash, investors have been looking at risk assets as they seek to take advantage of undervalued opportunities for growth. Some industries have been hit hard; some have weathered the storm and others have prospered. Going into January it would have been difficult to foresee buoyant industries being hurt so dramatically.

To give a sense of the impact, almost half of the FTSE 100 has either cut, cancelled, or delayed decisions around dividend disbursements until a later date1. The European banking sector is no different. The European Central Bank has requested Eurozone banks to stop dividend payments and share buybacks this year to help preserve cash levels amid the economic backdrop of Covid-19.

Sticking with the subject of European banks but looking at Additional Tier 1 Contingent Convertible Bonds (AT1 CoCos), there has been no intervention yet. Regulators have not requested banks to stop the coupon payments of their outstanding AT1 CoCos. Forcing banks to stop the coupon payments of their AT1 CoCos may upset credit spreads of other parts of the bank’s capital structure and create spread widening in the more senior bank debt as well, if investors worry about the financial position of banks. Regulators may be considering their actions and the risk that specific actions may have in creating distress in the banking system amid the existing global economic crisis.

We see three key factors that are interesting to monitor amid the current backdrop:

  • Bail-in risk (write down or equity conversion): While this remains a key risk given the market uncertainty around the economic impact of Covid-19 and rising loan loss provisions at banks globally, at the moment this risk appears to be somewhat mitigated by the reported high capital ratios of European banks. Common equity tier 1 ratios for the European banks are relatively high relative to their maximum trigger ratios which are typically 5.125% and 7%. It is important to note that AT1 CoCos allow for a supervisory body to establish when the point of nonviability of a bank has been reached and a statutory bail-in set up is required. Historically, regulators have treaded this line carefully as it could create a lack of clarity for this asset class.
  • Coupon non-payment risk appears to be mitigated at the moment as high capital ratios reported at the banks is a positive indicator that banks are meeting their capital adequacy requirements, as deemed by the regulator, to continue to pay coupons. It is interesting to note that CoCo coupons are subject to a maximum distributable amount when they must be cancelled, this is aimed at making sure banks maintain the required capital buffers. Smaller regional banks with lower capital buffers may face greater pressures in this area as they may have lower buffers and more limited access to capital markets than larger banks with higher capital buffers.
  • AT1 CoCos not called at first call date (extension risk): this risk is rising as credit markets have been facing a broad-based repricing of risk and yields have risen from the lows of January 2020. Banks with AT1 calls in the next 12 months may choose to extend to the next call date as new issuance cost have risen significantly amid the market environment.

Most issuers, in 2019, called their AT1 CoCos in the run up to their first call in the cases where it was economically sound and, in many cases, replaced existing CoCos with new issuance. Banco Santander was the exception as they did not call one of their Euro denominated AT1 CoCos on their first call date, meanwhile calling their US Dollar denominated AT1 CoCos shortly afterwards. Most recently in 2020, Deutsche bank (DB) decided not to call their US Dollar denominated AT1 CoCos with their first call date in April 2020. The next call date for these AT1 CoCos appears to be in 5 years’ time and DB may decide to call these bonds then when market conditions may be more normalised.

Fundamental credit strength and guidance from the regulator are important aspects to monitor when considering which issuers are in a better position to withstand the current market conditions. Investors that are comfortable with the credit fundamentals of European banks and believe that the regulators may take steps to aid the European banks during the Covid-19 crisis to avoid broad systemic risks in the banking system may consider actively looking at the asset class. While a level of risk is inherent in risk assets, whether equities or AT1 CoCos, investors need to find comfort in them before allocating to any asset class.

Autobranche leidet unter Corona-Pandemie

Die Coronakrise hat auch der Autobranche historische Absatzeinbrüche beschert. So hat der europäische Herstellerverband ACEA zuletzt dramatische Einbrüche bei den Autozulassungen vermeldet. Im April wurden in der EU 270.682 Neuwagen zugelassen, das waren um 76 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Laut ACEA ist das der stärkste monatliche Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen. Insgesamt kamen in der EU von Jänner bis April 2,75 Millionen Neuwagen auf die Straße, ein Einbruch von 39 Prozent gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr. Grund war der fast vollständige Stillstand sowohl der Autoproduktion als auch des Autohandels in Folge der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

In Österreich fiel der Rückgang der Autoneuzulassungen im Monat April mit knapp 65 Prozent etwas glimpflicher aus, von Jänner bis April liegt der Einbruch am heimischen Automarkt mit rund 42 Prozent aber nahe dem EU-Schnitt.

Stärkster Einbruch an Neuzulassungen in Italien und Spanien

Am stärksten fielen die Einbrüche in den besonders stark von der Pandemie betroffenen Ländern aus: Im April kamen die Neuzulassungen in Italien mit minus 98 Prozent und in Spanien mit minus 97 Prozent praktisch völlig zum erliegen. In den Monaten Jänner bis April zusammengerechnet fielen die Neuzulassungen in beiden Ländern auf rund die Hälfte des Vorjahreswerts.

Ähnlich dramatisch ist der Rückgang in dem mittlerweile aus der EU ausgetretenen Großbritannien mit minus 97 Prozent im April und minus 43 Prozent von Jänner bis April. In Skandinavien, wo die Einschränkungen des öffentlichen Lebens weniger stark waren, sank der Absatz im April hingegen nur um rund ein Drittel.

Auch die großen europäischen Automobilschmieden waren von den Einbrüchen entsprechend betroffen. So gingen von Jänner bis April die Neuzulassungen von Automobilen der Konzerngruppen Fiat Chrysler (minus 48 Prozent), Renault (minus 47 Prozent), Peugeot (minus 44 Prozent) und Volkswagen (minus 33 Prozent) massiv zurück. Noch deutlicher waren die Rückgänge bei den japanischen Herstellern Mazda (minus 54 Prozent) und Honda (minus 51 Prozent). Am glimpflichsten davon kamen hingegen Toyota(minus 24 Prozent) und Volvo (minus 29 Prozent).

Europas größter Autohersteller Volkswagen hatte zuletzt für April einen Absatzeinbruch in Deutschland von rund zwei Drittel gemeldet. Damit habe sich der Heimatmarkt verglichen mit anderen europäischen Ländern noch einigermaßen gut gehalten, sagte VW-Marken-Vertriebschef Jürgen Stackmann bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Europaweit sei der Absatz der Marke VW um mehr als 83 Prozent eingebrochen. In den am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich seien im vergangenen Monat fast gar keine Autos verkauft worden.

Weiter gefragt sind trotz der Krise Elektroautos. So hat sich laut einer Untersuchung des Center of Automotive Management die Zahl der neuzugelassenen Elektrofahrzeuge in Deutschland von Jänner bis April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 63.000 verdoppelt.

Rasante Einbrüche weltweit, aber erster Lichtblick in China

Auch weltweit fällt der Autoabsatz derzeit rasant. In den USA, wo die Viruskrise gerade ihre volle Wucht entfaltet, sanken die Verkäufe im April um 47 Prozent. In Brasilien, wo das Virus ebenfalls grassiert, brach der Absatz um 77 Prozent ein.

Einziger Lichtblick ist China, wo sich der Pkw-Markt nach der Coronakrise inzwischen erholt. Nach einem Zusammenbruch des chinesischen Automarkts zu Jahresbeginn, geben die Absatzzahlen von April erstmals Anlass für vorsichtigen Optimismus, zumal die Regierung verschiedene Maßnahmen ergriffen hat, um die Autokonjunktur wieder anzukurbeln.

Im Februar wurde in China noch ein Zusammenbruch der Autoabsätze um fast 80 Prozent verzeichnet, im März lag der Rückgang noch bei 40 Prozent. Im April betrug das Minus laut Daten des Branchenverband China Passenger Car Association (PCA) nur mehr 5,5 Prozent.

Die Zahlen des Herstellerverband China Association of Automobile Manufacturers (CAAM) zeigen für April überhaupt nur mehr ein glimpfliches Minus von 2,6 Prozent. Die CAAM misst den Absatz der Hersteller an Händler, die PCA zählt den Verkauf an Endkunden. Chinas größter Autobauer SAIC erwartet nun für das zweite Quartal dank einer Erholung der Nachfrage und staatlicher Unterstützung eine Zunahme der Autoverkäufe.

Gesamtjahr 2020 dürfte Chinas Automarkt Minus bescheren

Das Gesamtjahr 2020 dürfte Chinas Automarkt aber dennoch ein dickes Minus bescheren. Der Branchenverband CAAM erwartet, dass der Absatz in China heuer um bis zu 25 Prozent einbrechen könnte. Sollte sich die Corona-Pandemie eindämmen lassen, könnte sich der Rückgang laut CAAM auf rund 15 Prozent eindämmen lassen.

Damit würde der größte Automarkt der Welt das dritte Jahr in Folge schrumpfen. Wegen des Zollstreits mit den USA und der schleppenden Konjunktur hatte der chinesische Markt bereits in den beiden vergangenen Jahren geschwächelt.

Betroffen sind davon auch die deutschen Automobilkonzerne Volkswagen, BMW und Daimler, für die China der wichtigste Einzelmarkt ist. Volkswagen rechnet aber angesichts der jüngsten Absatzzahlen damit, in Mai in China wieder die Vorjahresniveaus zu erreichen.

„Es ist klar zu erkennen, dass China die V-Form durchlaufen wird“, sagte der Volkswagen-Vertriebschef Stackmann mit Blick auf die Erholungskurve. Demnach folgt auf einen rasanten Rückgang bei Ausbruch der Pandemie, ein sehr schneller Wiederanstieg der Pkw-Verkäufe. Für Europa sieht Stackmann eine solche Entwicklung aber nicht, vor allem in Südeuropa dürfte die Erholung noch dauern.

Im Mai sollte sich die Lage entspannen

Im Mai dürfte sich die Lage in Europa zwar etwas entspannen, da viele Länder die Corona-Beschränkungen schon lockern. Branchenvertreter und Berater halten trotzdem ein Konjunkturprogramm für notwendig, um die Nachfrage wieder anzukurbeln.

Viele Menschen dürften wegen der Wirtschaftskrise vorsichtig sein und kostspielige Neuanschaffungen aufschieben. Die Lockerungen und Wiedereröffnungen der Autohäuser werden sich nach Meinung von Experten daher noch nicht in höheren Verkaufszahlen niederschlagen.

Mit raschen Konjunkturhilfen kann die deutsche Autobranche aber vorerst nicht rechnen. Hersteller, Händler und Kunden müssen bis in den Juni hinein auf eine Entscheidung der Regierung warten, ob der Staat die von der Branche dringend ersehnten Auto-Kaufprämien zahlt und damit der Industrie auf die Beine hilft.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

When risk is literally ‘off the charts’

by Tim Armitage, Quantitative Strategist at Legal & General Investment Management.

Good market-risk indicators are hard to come by. While many price- or sentiment-based indicators are good at highlighting what type of risk environment we have been in, precious few can claim to give a contemporaneous – let alone forward-looking – signal that the market is moving into a significantly different regime.

One indicator that we use as part of our risk-environment toolkit has proved useful in flagging such regime changes. Referred to internally as the TIM (Turbulence In Markets) monitor, it uses a similar methodology to State Street Global Markets’ Tail Risk Monitor.

The TIM monitor aims to provide a characterisation of the current financial market environment and the likelihood of extreme losses, based on the combined information from two indicators developed by Mark Kritzman, a professor at MIT: the Systemic Risk Index, which measures equity market fragility, and the Turbulence Index, a measure of ‘unusualness’ in global equity returns.

When equity markets are healthy, volatility can be caused by numerous market drivers or factors. History has taught us that when market volatility is driven by only a few factors, the system itself becomes more fragile and susceptible to large dislocations. The Systemic Risk Index uses a statistical technique called principal component analysis to determine how dominant a few factors are in explaining equity market volatility, and therefore how fragile the system is.

But fragility in and of itself doesn’t cause large dislocations; a catalyst is required. Hence the TIM monitor also uses the Turbulence Index to measure how unusual global equity sector returns have been compared to history. Unusualness can be characterised as either heightened volatility or a breakdown in correlations, and is often both in combination.

The TIM monitor can identify three distinct regimes – Watch, Warning, and Alert – dependent on the level of turbulence and the rate of change in systemic risk. Both sides of the equation need to be elevated for the monitor to move into Alert; a high level of turbulence is concerning, but if it transpires at a time of low market fragility it is much less so.

TIM flies

Needless to say, equity markets proved to be both fragile and extremely turbulent in the first quarter, so much so that the TIM monitor was – quite literally – off the charts. The monitor moved into Alert territory on 25 February, with the S&P 500 index down around 7.5% from its peak at that point; after that the index continued to fall a further 30% to its low on 23 March.

But what since then? The monitor has remained in Alert, and while turbulence has fallen somewhat as equities have rallied from their lows, the Systemic Risk Index has remained uncomfortably high (although as a consequence the rate of change, used in the monitor, has fallen), indicating that worryingly few factors continue to drive equity markets.

This may just reflect the fact that a small number of key drivers have been propelling the market back up again – swift and comprehensive monetary policy responses over the past decade have had a tendency to do exactly that in times of stress. Or it may be that markets remain especially prone to another large shock.

Though there are many inputs to our decision-making process, the warning sign from the TIM monitor is reflected in our positioning: far from chasing the rally, we are being careful not to assume stability in the risk environment. We may well learn that the worst is behind us, and that our caution is unjustified. But if that isn’t the case – well, then the TIM monitor probably needs a bigger chart.


This article has first been published on lgimblog.com.

Wie geht es mit Aktien während der Krise weiter?

Interview mit Peter Szopo, Chefaktienstratege Erste Asset Management, zur aktuellen Lage an den Kapitalmärkten und der Positionierung im Flaggschiff-Aktienprodukt ERSTE STOCK GLOBAL und ERSTE FUTURE INVEST. Das Interview führte Paul Severin, Communications und Digital Marketing der Erste AM.

Die Aktienbörsen haben sich von den Tiefstständen am 23.3. wieder deutlich erholt. Sollte man sich mit Zukäufen bei Aktien noch zurückhalten, oder auf eine Korrektur warten und dann erst einsteigen?

Kurzfristige Marktzyklen sind systematisch, d.h. mit einer gewissen Zuverlässigkeit, nicht prognostizierbar. Der Index der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq hat etwa trotz Krise das Jahresanfangsniveau bereits wieder erreicht, was nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre.

Aktuell gibt es beträchtliche Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Virusepidemie und wie Unternehmen und Konsumenten auf die Lockerung der Restriktionen reagieren werden. Die nach wie vor klügste Strategie ist es,regelmäßig und diszipliniert über Fondssparpläne in den Aktienmarkt zu investieren und damit die Einstiegskurse über verschiedene Marktphasen zu verteilen und von langfristig steigenden Kursen zu profitieren.

Wann werden sich die Märkte wieder soweit stabilisiert haben, dass ein Einstiegszeitpunkt in Aktien für vorsichtige und konservative Investoren gekommen ist?

Die Schwankungsfreudigkeit an den Börsen ist nach wie vor sehr hoch und wird noch in den nächsten Monaten über den langfristig gewohnten Niveaus bleiben. Der optimale Einstiegszeitpunkt lässt sich ohne die sprichwörtliche Kristallkugel nicht bestimmen, aber regelmäßige Investments in den Aktienmarkt stellen sicher, dass man von steigenden Kursen profitiert.

Mittelfristig, wenn sich die Wirtschaft vom aktuellen Schock erholt und vor allem die Unternehmensgewinne wieder nach oben drehen, bleiben die Aussichten für Aktien positiv. Bei den aktuell niedrigen Zinsniveaus ist davon auszugehen, dass Aktien über einen Drei- bis Fünfjahreszeitraum die attraktivste Anlageklasse bleibt.

Nicht nur Investoren warten auf einen Impfstoff gegen das Corona Virus. Wie stark sind Pharmaaktien im Portfolio gewichtet?

US-Aktien im Allgemeinen und Pharmaunternehmen in den USA und anderen Märkten haben einen signifikanten Anteil an den Positionen, die wir in unseren globalen Portfolios halten.

Im Erste Stock Global, unserem wichtigsten globalen Aktienprodukt, etwa halten wir aktuell fast ein Fünftel des Fondsvermögens in Pharma- und andere Medizinunternehmen. Unsere Positionen inkludieren Branchenriesen wie Abbott Laboratories und Thermo Fisher Scientific.

Ich möchte aber kein einzelnen Titel hervorheben, wichtig ist die Diversifikation nach Therapiefeldern, die Streuung zwischen reifen Pharmazieunternehmen mit einem breiten Arzneiportfolio und fokussierten Researchunternehmen wie Novo Nordisk, die in spezifischen, zukunftsträchtigen Pharma-Segmenten Forschung betreiben. Und auch Unternehmen, aus dem Bereich der Medizintechnik dürfen nicht fehlen und sind im Portfolio vertreten.

Wie wichtig ist die US-Börse in einem globalen Aktienportfolio?

Die US-Börse ist natürlich ein wichtiger Markt für einen globalen Aktienfonds. Aktuell hält der Stock Global, der seit Jahren von Andreas Rieger, dem EAM-Spezialisten für globale Aktienfonds, erfolgreich gemanagt wird, über 60% des Vermögens in den USA. Der Fokus liegt auf Qualitätsaktien mit überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten. Technologieunternehmen wie Alphabet oder Microsoft, Online-Retailer wie Amazon oder Alibaba Group aber auch bekannte und spannende Konsumgüteraktien wie Nike sind vertreten.

Wichtig ist in jedem Aktienportfolio die Diversifikation zwischen Brachen und Regionen sowie zwischen Großunternehmen und mittelgroßen, oft nicht so bekannten Unternehmen, die erfolgreiche spezifische Marktnischen besetzen. Oft sind das gerade Unternehmen, die auch aus ESG-Sicht attraktiv sind, also bei Umwelt-, sozialen und Governancekriterien ausgezeichnet abschneiden.

Vielfach wird empfohlen bei Aktien auf dividendenstarke Papiere zu setzen. Aufgrund der aktuellen Krise schütten aber viele Unternehmen plötzlich keine Dividenden mehr aus?

Die Fähigkeit und Bereitschaft von Unternehmen, die Aktionäre durch Ausschüttung an den Gewinnen teilhaben zu lassen, wird auch künftig ein wichtiges Kriterium bleiben. Man darf die aktuellen, politisch motivierten Turbulenzen nicht überbewerten.

Wichtig ist es, Unternehmen im Portfolio zu haben, deren Geschäftsmodell nicht auf dauerhaften Staatsinterventionen und –zuwendungen beruht. Dividenden, die operativ verdient werden, wird es auch künftig geben, und sie werden in der Titelselektion für unsere Fonds eine Rolle spielen.

Aktienfonds der Erste Asset Management haben sich mehr oder weniger parallel zu den großen Aktienindizes aufgrund der Corona Krise nach unten bewegt. Warum ist das so?

Gerade in volatilen Krisenphasen steigt die Korrelation zwischen Aktien stark an, d.h. dass die massiven Kursausschläge mehr oder weniger alle Aktien erfassen. Sich den Marktturbulenzen völlig zu entziehen ist unmöglich. Allerdings hat sich gerade in dieser Krise der Fokus auf Qualitätsaktien mit einer soliden Bilanzstruktur und guter Profitabilität bisher positiv niedergeschlagen.

Der Erste Stock Techno etwa ist trotz aller Turbulenzen im Markt seit Jahresbeginn im Plus, und hat dabei besser abgeschnitten als das Aktiensegment, in dem er investiert. Und der Erste Stock Global oder auch der Erste Future Invest haben seit Jahresbeginn deutlich weniger verloren als es die Gesamtmarktentwicklung erwarten ließe.

Das ist in einer turbulenten Phase wie zuletzt durchaus beachtlich und bestätigt, dass mit der richtigen Titelselektion und Portfoliokonstruktion die Risiken aktiv gesteuert werden können.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.


Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

"China und die Folgen der Krise"

von Elliot Hentov, Leiter des Policy Research EMEA bei State Street Global Advisors:

"Wir haben vielleicht zwei Monate länger auf den Nationalen Volkskongress Chinas warten müssen, aber er hat uns nicht enttäuscht. Erstens ist die Entscheidung, Hongkong ein neues Sicherheitsgesetz aufzuerlegen, ein ziemlich starkes Signal des Selbstvertrauens und zeigt deutlich, dass Peking glaubt, gegenüber den USA in der Welt nach der COVID-Krise stärker aufzutreten. Die gleichzeitige Verpflichtung zur Aufrechterhaltung des Handelsabkommens der Phase Eins ist jetzt nur noch ein Feigenblatt, um Zeit für eine geopolitische Eskalation bis zum Jahresende zu gewinnen. Trotz der bevorstehenden US-Strafmaßnahmen wird die relative Leistung des chinesischen Aktienmarktes stärker davon abhängen, wie geschickt die entwickelten Volkswirtschaften ihren Ausstieg aus dem Lockdown bewerkstelligen. Zweitens teilen wir das Bedauern des Marktes darüber nicht, dass China sich von seinem BIP-Wachstumsziel verabschiedet hat und begrüßen die Konzentration auf die Schaffung von Arbeitsplätzen. In einer Welt der fiskalischen Flexibilität ist es leichter, Beschäftigungsziele zu erreichen und es ist weniger wahrscheinlich, dass es zu Ungleichgewichten früherer Zeiten kommt. Als Folge davon winken höhere Anleiherenditen. All dies spricht zwar für eine weitere Abweichung von den entwickelten Volkswirtschaften, aber der Diversifizierungsvorteil untermauert weiterhin die Attraktivität chinesischer Vermögenswerte.“

Emerging Markets: Wo der Einbruch des Ölpreises die politische Stabilität gefährdet

Auch im zweiten Quartal 2020 steht Covid-19 im Zentrum der Aufmerksamkeit, während die Weltwirtschaft schrumpft. Die Trends, die die gegenwärtige Krise auslöst, schwächen die Volkswirtschaften der Schwellenländer unterschiedlich stark, zum Beispiel ihre Schuldentragfähigkeit oder Leistungs- und Steuerbilanzen. Das gilt auch für die politische Stabilität. Sobald die Welle des blindwütigen Verkaufens abklingt, sollten Investoren daher zwischen festverzinslichen Wertpapieren unterschiedlicher Länder differenzieren.

Der Ausbruch von Covid-19 hat die politischen und wirtschaftlichen Probleme im asiatisch-pazifischen Raum verschärft. Noch hält die erste Phase des Handelsabkommens zwischen China und den USA. Wahrscheinlich steht auch die Tür für weitere Verhandlungen im Laufe des Quartals offen. Doch ist fraglich, ob China die vereinbarten Importe abkaufen kann und ob die USA diese überhaupt liefern können. China versucht, seine Wirtschaft mithilfe der Geldpolitik und gezielter Maßnahmen für Schlüsselindustrien anzukurbeln. Angesichts des tiefen Wachstumseinbruchs zu Beginn dieses Jahres und den Herausforderungen, die auf die exportorientierte Wirtschaft zukommen, scheint eine rasche Erholung jedoch unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass andere asiatische Länder versuchen, die Gelegenheit zu nutzen, dass westliche Unternehmen ihre Lieferketten von China weg diversifizieren wollen. Die Gefahr eines erneuten, vom Ausland ausgehenden Corona-Ausbruchs – wie in Japan oder Hongkong – ist ein weiteres Risiko für das Wachstum Chinas.

Der andauernde Ölpreiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien in Verbindung mit der Pandemie wird erdölproduzierende Länder im Nahen Osten und Nordafrika belasten. Auch dort gibt es Unterschiede: Während die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait ihre Sozialausgaben voraussichtlich nur leicht kürzen müssen und negative politische Folgen vermeiden können, sind Länder mit weniger Energie- und Finanzreserven wie Oman und Bahrain dazu gezwungen, die Ausgaben stärker als ihre wohlhabenderen Nachbarn zu senken. Wir erwarten jedoch nicht, dass dies soziale Unruhen provoziert.

In Ecuador hingegen gefährden die niedrigen Ölpreise die Haupteinnahmequelle der Regierung. Das Land kämpft, um seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Das bietet der Opposition und den indigenen Demonstranten eine erneute Gelegenheit, die Regierung herauszufordern. Mit seinen Schulden kämpft auch Argentinien, dessen Wirtschaft zusammenbricht. Die neue Regierung hat die selbst gesetzte Frist versäumt, bis zum 31. März einen Schuldenrestrukturierungsplan auszuarbeiten. Die Shutdowns wegen Covid-19 verlangsamen diesen Prozess zusätzlich. Ebenso eingetrübt sind die Konjunkturaussichten Chiles. Rund die Hälfte der Gesamtexporte des Landes bestehen aus Kupfer, wovon der größte Teil wiederum nach China geht. Der Ausbruch des Virus hat weitere soziale Unruhen verhindert, aber wirtschaftliche Sorgen und das Verfassungsreferendum (das auf Q4 verschoben wurde) verstärken die Probleme.

Russland wird seine Rücklagen anzapfen und damit die Sozialausgaben auf dem bisherigen Niveau halten können. Trotz des niedrigen Ölpreises kann Moskau dies für ein Quartal durchhalten. Das wird der Regierung helfen, das gewünschte Ergebnis bei der Volksabstimmung über die Verfassungsänderung zu erzielen, sobald Covid-19 nachlässt. In Eurasien hingegen werden die meisten erdölproduzierenden Länder mit großen Ausfällen konfrontiert, die sie zwingen werden, ihre Ausgaben zu kürzen oder ihre Schulden zu erhöhen. Aserbaidschan, das ebenfalls über hohe Raffineriekapazitäten verfügt, wird die wirtschaftlichen Folgen der Krise möglicherweise besser bewältigen können als andere Länder in der Region.

Der Einbruch des Ölpreises ist auch für die erdölproduzierenden Länder in Subsahara-Afrika, darunter Ghana, Gabun und Angola, verheerend. Um die dadurch entstehende Haushaltslücke zu schließen, müssen sich die Länder entweder um höhere Schuldenfinanzierung bemühen oder zusätzliche Hilfen beim IWF und anderen internationalen Organisationen beantragen. Nigeria wird zu Sparmaßnahmen gezwungen sein, wie etwa öffentliche Ausgaben und Subventionen zu kürzen. Auch Privatisierungspläne muss es überdenken. Bleibt der Ölpreis unter 30 bis 40 US-Dollar pro Barrel, wird das Land seine Währung in diesem oder im kommenden Quartal wahrscheinlich abwerten müssen. Der Druck der Opposition auf den nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari wird zwar zunehmen, was sich aber nur geringfügig auf die politische Stabilität auswirken wird, da die nächste Wahl planmäßig im Jahr 2023 stattfindet. Während die Weltwirtschaft mit den Folgen des Coronavirus kämpft, bleibt auch Südafrikas Konjunktur schwach. Die Regierung wird vorschlagen, die Lohn- und Gehaltskosten des öffentlichen Dienstes deutlich zu reduzieren. Doch werden die Gewerkschaften drohen, gegen Kürzungen zu streiken.


Über First State Investments

First State Investments ist eine globale Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Erfahrung in verschiedenen Anlageklassen und spezialisierten Anlagesektoren. In Australien ist First State Investments mittlerweile unter dem Namen First Sentier Investors tätig. First State Investments bietet eine Auswahl von Anlagelösungen für institutionelle Investoren und Kleinanleger weltweit, darunter Aktien-, Anleihe-, Multi-Asset-Anlagen und Anlagen in nicht börsennotierten Infrastrukturwerten.

Wie wirkt sich die Covid-19 Pandemie auf den Mikrofinanzmarkt aus?

von Martin Cech, Senior Fundmanager der Erste Asset Management.

Im 1. Quartal 2020 breitete sich die Covid-19 Pandemie über alle Erdteile aus und wird in Folge von einer Gesundheitskrise zu einer globalen Wirtschaftskrise, die alle Wirtschaftsräume schwer – und vielfach in einem noch nicht abschätzbaren Ausmaß – belasten wird.

Notenbanken reagierten und lockerten teilweise deutlich ihre Geldpolitik, so reduzierte die US FED ihren Leitzinssatz in zwei Schritten um 150 Basispunkte auf 0,0 % – 0,25%. Auch Regierungen und Förder- bzw. Entwicklungsbanken stellen unfassbare hohe Summen zur Eindämmung von Arbeitslosigkeit und Firmenzusammenbrüchen in Aussicht. So kündigten beispielsweise die G20-Staaten Ende März ein Paket über USD 5 Billionen an.

Trifft die Coronavirus Ausbreitung Entwicklungs- und Schwellenländer genauso hart?

Die einzelnen Länder wurden bisher sehr unterschiedlich von der Pandemie getroffen, dennoch finden praktisch überall mehr oder weniger rigorose Lockdowns statt. Laut offizieller Statistik sind derzeit 187 Länder weltweit betroffen.

Mikrofinanz bedeutet Menschen Finanzdienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die sonst keinen Zugang zu diesen haben. Mikrofinanz ist keine Spende, sie trägt aber zur Bekämpfung der Armut bei. Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE ist derzeit durchgerechnet in 87 Ländern investiert und die breite geografische sowie auch regionale (Land / Stadt 54% : 46%) und sektorale Streuung sollen hier eine gute Diversifikation bieten.

Argumente dafür, dass die Pandemie in den investierten Entwicklungs- und Schwellenländern eine nicht so starke Ausbreitung erzielt, liegen an der demografischen Struktur sowie an der wiedereintretendne Erholung in einigen Ländern Asiens. Dennoch stellt Covid-19 viele Mikrofinanzkunden vor riesige Herausforderungen, ihr Geschäft weiter aufrecht zu erhalten bzw. Kreditraten zurück zu zahlen.

Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Aufgrund der vielfach stark in Mitleidenschaft gezogenen Geschäftsgrundlagen erfolgten von zahlreichen Mikrofinanzinstituten (MFI) Anfragen für Tilgungsstundungen derer Darlehen. In diesem Fall sollte die langjährige kooperative Zusammenarbeit zwischen den Managern von Mikrofinanzfonds und den weltweiten Mikrofinanzinstituten für konstruktive Lösungen hilfreich sein.

Das Ziel ist hier gemeinsam Wege zu finden, die für alle Seiten verträglich sind und eine Fortsetzung der Geschäftstätigkeiten ermöglichen.

Bei der Auswahl der Kreditvergabe an MFIs wurde immer schon großes Augenmerk auf solide Risikokennzahlen, eine stabile Qualität des zugrundliegenden Kreditportfolios und eine gute Rentabilität gelegt.

Die Vergabe von Neukrediten erfolgt derzeit noch selektiver und konservativer und sowohl in den Zielfonds als auch auf Dachfondsebene werden derzeit größere Kontobestände gehalten.

Wie hat sich der Mikrofinanzfonds geschlagen?

Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE verlor im März 1,46% und liegt seit Anfang des Jahres bei -1,09%. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die negative Wertentwicklung im März nicht aus tatsächlichen Kredit- und Zinsausfällen resultierte, sondern erhöhte Länderrisiken in den Bewertungen schlagend geworden sind. Weiters erfolgten Abwertungen bei Beteiligungen an MFIs, die derzeit einen Anteil von 3,2% im Fonds ausmachen.

Dritter Belastungsfaktor in der Wertentwicklung war die Abwertung zahlreicher Währungen, dies teilweise von Ländern, bei denen Rohstoffe einen hohen Anteil in der nationalen Wertschöpfungskette haben.

Das Darlehensportfolio konnte bei durchschnittlichen Zinssätzen von 6 – 7 % in EUR bzw. USD sowie 11 – 13% in Lokalwährungen positive Beiträge zur Wertentwicklung liefern. Auch die Absicherungskosten von USD-Positionen wurden durch die reduzierte Zinsdifferenz zwischen EUR und USD deutlich geringer.

Die größten Regionen im Fonds sind Süd/Südostasien mit 20,7% gefolgt von Zentralasien mit 15,8%, Zentralamerika mit 14,5% und Südamerika mit 10,3%. Der Anteil in Sub-Sahara Afrika beträgt 4,7%. Derzeit sind auf Dachfondsebene Investments in 396 verschiedene MFIs sowie 68 Agriculture Value Chain Actors erfasst. Der Anteil weiblicher Kreditnehmer beträgt 63%, das durchschnittliche Darlehen an Endkunden EUR 6.890.

Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

In den nächsten Monaten erwarten wir erhöhte Volatilitäten am Mikrofinanzmarkt. Dies wird einerseits auf Wertaufholungen bei Währungen und marktbewerteten Mikrofinanzanleihen als auch weitere Bewertungsabschläge in Folge von Rückstellungen für vergebene Darlehen zurückzuführen sein.

Mittelfristig ist jedoch wieder mit steigender Kreditnachfrage zu rechnen, um den Grundgedanken von Mikrofinanz – Menschen in ärmeren Weltregionen eine berufliche Existenz zu bieten – weiter verfolgen zu können.

Quelle: Erste Asset Management. Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Entspannung bei Pandemie und Notenbank-Liquidität treiben Aktienkurse

In den letzten zwei Wochen ist es an der Corona-Front in Europa und weiten Teilen Asiens vergleichsweise ruhiger geworden. Auch in den USA weist der Trend der Neuinfektionen und Todesfälle inzwischen nach unten. Das hat die Finanzmärkte deutlich beflügelt und lässt in vielen Ländern erste spürbare Lockerungen der Gegenmaßnahmen zu. Vor allem die Aktienmärkte haben das bereits weitgehend vorweggenommen. So liegt der S&P500 seit Jahresbeginn weniger als zehn Prozent im Minus. Der Technologie-Index Nasdaq ist sogar schon wieder im Plus, ebenso einige Branchen, wie etwa Gesundheitsaktien.

Betrachtet man diese Kursniveaus, dann würde man nicht vermuten, dass die US-Arbeitslosenrate soeben von einem 50-Jahrestief auf ein 90-Jahreshoch explodiert ist und weite Teile der Wirtschaft mit den Folgen der Pandemie und der weltweit verordneten Lockdowns kämpfen.

Man könnte meinen, US-Aktien hätten die schwerste Rezession seit Jahrzehnten bereits wieder ausgepreist, noch bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Dieses Urteil trifft aber nur bedingt zu. Tatsächlich dürften es vor allem die gewaltigen Finanzspritzen der Notenbanken weltweit sein, die die Kurse auf den Finanzmärkten derzeit treiben. Der Blick allein auf die US-Indizes (die stärker denn je von einigen wenigen Technologiewerten dominiert sind) verstellt zudem den Blick darauf, dass auch in den USA sehr viele Aktien weit von ihren Höchstständen entfernt sind – besonders jene von kleineren und stärker binnenwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen.

Außerhalb der USA waren die Erholungen vielerorts ebenfalls stark, kamen aber bei weitem nicht an die Dynamik der US-Aktienmärkte heran. Der MSCI World steht derzeit noch vor wichtigen technischen Hürden.

Wachsender Optimismus über rasche, kräftige Erholung

Allgemein hat man an den Märkten das Jahr 2020 bereits als „verlorenes Jahr“ für Unternehmensgewinne „abgehakt“ und fokussiert sich auf eine derzeit weithin erwartete starke („V-förmige“) Erholung der Unternehmensgewinne in 2021 und 2022. Das ist zumindest das derzeit vielfach zu lesende und hörende Narrativ, und es entbehrt auch nicht einer gewissen Logik. Die Crux dabei ist aber, dass die wirtschaftlichen Szenarien für die kommenden Jahre alles andere als gewiss sind. Es bleiben viele Erholungs-Szenarien möglich, auch solche, die weniger günstig sind als das vielzitierte „V“. Nach wie vor kann beispielsweise niemand sagen, welche langfristigen Folgen die aktuelle Krise für Volkswirtschaften und Unternehmen haben wird. Viel wird davon abhängen, wie viele und welche Arbeitsplätze tatsächlich nur vorübergehend wegfallen und wie viele Jobs und Unternehmen es trotz aller staatlichen Hilfsprogramme künftig nicht mehr geben wird. Das wegfallende Einkommen und damit die Nachfrage des einen ist bekanntlich der verlorene Umsatz eines anderen. Hier droht im negativen Fall einiges an Zweit- und Drittrundeneffekten. Auch dazu lassen sich derzeit noch kaum verlässliche Prognosen abgeben, selbst wenn man optimistisch unterstellt, dass die Volkswirtschaften jetzt schrittweise wieder in Gang kommen und es keine größeren Rückfälle in Lockdown-Szenarien geben wird.

Kurzfristig drohen größere Schwankungen bei Aktien

Markttechnisch gehen wir davon aus, dass die meisten kurzfristigen Triebfedern für die starken Kurszuwächse der letzten Woche weitgehend erschöpft sind. Das gilt etwa für die im März extrem überverkaufte Marktsituation, für vormals bestehende Shortpositionen vieler kurzfristig agierender Marktteilnehmer und für die Möglichkeiten der Notenbanken, nochmals „nachzulegen“. Zugleich werden die veröffentlichten Wirtschaftsdaten bis auf Weiteres schwach sein – mit dem Potenzial für erhebliche Überraschungen in beide Richtungen. Im Gegenzug bedeutet das, dass weitere Erholungen bei den Aktien zunehmend schwieriger werden und die Volatilität wohl eher wieder steigen dürfte.

Werden die Tiefstkurse vom März nochmals getestet oder auch unterschritten? Durchaus möglich, aber keineswegs ein „Muss“. Das Potenzial für kräftige Korrekturen und größere Schwankungen ist jedoch erheblich, im Einklang mit den weiter bestehenden volkswirtschaftlichen Risiken und Unwägbarkeiten. Angesichts dessen bleibt es derzeit auch bei den Maßnahmen zur Reduktion des absoluten Risikos in all jenen Fonds und Portfolios, die maßgeblich von der Taktischen Asset Allocation gesteuert werden. Zu betonen ist, dass dies nicht so sehr aus einer Marktmeinung zur nächsten großen Marktbewegung entspringt. Vielmehr ist es davon geleitet, dass in der aktuellen extremen Situation Risikoreduktion und Kapitalschutz weiterhin Vorrang vor Ertragsmaximierung haben.

Langfristig attraktive Niveaus in einigen Assetklassen

Aus strategischer Sicht sind bzw. waren die Kursniveaus der letzten Wochen in diversen Assetklassen durchaus attraktiv. Dementsprechend haben wir diese in der Strategischen Asset Allokation auch zu deutlichen Zukäufen genutzt, etwa bei Aktien und Emerging-Markets-Anleihen. In kurzfristigen Zeithorizonten zieht es das Fondsmanagement derzeit unter Risiko-Ertragsaspekten vor, eher auf nicht-direktionale Strategien zu setzen und es ist damit in den letzten Monaten auch recht gut gefahren. Derzeit sind etwa europäische Aktien gegenüber (den bereits sehr weit nach oben gelaufenen) US-Aktien, Emerging-Markets-Aktien sowie gegenüber den Aktienmärkten der pazifischen Region übergewichtet. Generell werden derzeit eher defensive Aktien gegenüber stark zyklischen bevorzugt. Mit Zinskurvenstrategien sollte sich bei US-Staatsanleihen weiterhin Geld verdienen lassen. Und bei Staatsanleihen sieht das Fondsmanagement generell noch immer mehr Potenzial in den USA als in den Euro-Kernländern.

Karlsruhe vs. EU: Für die Märkte derzeit noch kaum von Belang

Bezüglich der Eurozone darf ein kurzer Hinweis auf das jüngste Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe nicht fehlen. Es sorgt zwar für viel mediale Diskussion, aber vergleichsweise wenig Bewegung auf den Märkten. In den kommenden Wochen wird vermutlich noch etliches über die rechtlichen Befugnisse der Mitgliedsstaaten gegenüber der Europäischen Union und das Potenzial für eine europäische Verfassungskrise aufgrund des Konflikts zwischen dem höchsten deutschen und dem höchsten EU-Gericht zu hören und zu lesen sein. Für die Finanzmärkte ist das Ganze derzeit aber weitgehend folgenlos, zumal sich die unmittelbare Forderung des deutschen Höchstgerichts wahrscheinlich relativ einfach erfüllen lässt. Die EZB dürfte – die von Karlsruhe ja grundsätzlich akzeptierten – QE-Maßnahmen in jedem Fall weiterführen und auch das neue PEPP-Programm ist derzeit nicht akut in Gefahr. Etwas schwieriger stellt sich jenseits pragmatischer Lösungen der eigentliche, tieferliegende Konflikt über die künftige Gestaltung Europas dar. Dass die EU-Kommission nun (als Reaktion auf das Urteil eines von dieser Regierung unabhängigen Gerichts) öffentlich ein Verfahren gegen die deutsche Regierung erwägt, ist politisch und atmosphärisch fragwürdig. Für die Finanzmärkte ist das alles aber wohl bis auf Weiteres nur ein Randthema.

Trotz Corona: Nachhaltige Fonds erweisen sich als krisenfest

Auch in der Corona-Pandemie setzen Investoren weiterhin auf nachhaltige Anlageprodukte. Viele Nachhaltigkeitsfonds haben in der Krise sogar deutlich besser abgeschnitten als konventionelle Investments. Das belegt für die EB – Sustainable Investment Management GmbH (EB-SIM), Asset-Management-Tochter der Evangelischen Bank, die Analyse der Zahlen für das 1. Quartal 2020. Demnach flossen allein in den Februar- und Märzwochen, in denen Teile des Kapitalmarkts praktisch zum Erliegen gekommen waren, noch zweistellige Millionenbeträge in die konsequent nachhaltig ausgerichteten Fonds der EB-SIM. Dabei konnte sich die durchschnittliche Performance der nachhaltigen Anlageprodukte durchaus sehen lassen und schnitt in den meisten Fällen besser ab als der Vergleichsindex der konventionellen Konkurrenz.

Trotz unvermeidlicher Kurseinbrüche erwiesen sich die nachhaltig ausgerichteten Fondsprodukte der EB-SIM in der Corona-Krise insgesamt als widerstandsfähiger als ihre herkömmlichen Pendants. Die Abwärtsbewegungen seit Ausbruch der Pandemie fielen gerade bei aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds mit dem Schwerpunkt Europa deutlich weniger stark aus. „Unser Befund bestätigt damit den Trend, auf den Analysen jüngst schon hingedeutet haben: Für eine stark wachsende Zahl an Investoren ist die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Auswahl von Wertpapieren ein wesentliches Instrument zur Begrenzung von Risiken – ganz zu Recht, wie das vergleichsweise erfolgreiche Abschneiden während des Corona-Abverkaufs zeigt“, so Dr. Oliver Pfeil, CIO der EB-SIM.

So hat der EB-Öko-Aktien-Fonds in der extremen Drawdown-Periode zwischen dem 19.02. und dem 23.03. zwar 27,5 Prozentpunkte eingebüßt. Er schlug damit allerdings die Benchmark um 6,3%. Der Vergleichsindex hatte um 33,8 % nachgegeben. Seit Jahresanfang bis Ende April hatte der Vergleichsindex Verluste von 10,2 % zu verzeichnen, während der EB-Öko-Aktien nur um 6,9% nachgab – ein Vorteil von 3,4 % für das Nachhaltigkeitsprodukt der EB-SIM.

Der relative Vorteil nachhaltiger Investments bezieht sich nicht nur auf die Aktienseite, sondern auch auf andere Asset-Klassen. Bei den Anleihen belegt auch das Abschneiden des in Schwellenländer-Unternehmen investierenden EB -SEMCOR (Sustainable Emerging Marktes Corporate Bonds) die Robustheit des nachhaltigen Ansatzes: Während die Benchmark in der Drawdown-Phase um 12,8 % nachgab, büßte der EB-SEMCOR um 12,5 % ein. Seit Jahresbeginn bis Ende April schnitt der SEMCOR mit einem Minus von 7,3% ab, der Vergleichsindex immerhin minus 7,7%. Ähnlich widerstandsfähig zeigte sich der Mischfonds EB-SMAI, der eine nachhaltig ausgerichtete Multi-Asset-Strategie verfolgt. Büßte die Benchmark seit Jahresbeginn 7,5 % ein, verzeichnete der EB-SMAI einen Rückgang von 5,6%.

„Die Zahlen belegen, dass wir in der Drawdown-Phase mit unserem aktiven Nachhaltigkeitsansatz einen substantiellen Mehrwert für unsere Kunden erzielt haben“, betont Dr. Pfeil. Schließlich bleibe als weiterer Vorzug der positive Impact der nachhaltigen Investments – selbst in schwächeren Phasen der Fonds. „Der sinnvolle, wirkungsorientierte Effekt des eingesetzten Kapitals bleibt auf jeden Fall bestehen.“

Die Gründe für die relativ gute Performance der Nachhaltigkeitsfonds sind vielfältig. „Nachhaltige Aktienfonds sind häufig eher defensiv positioniert, da sie in einem selektiven Investmentprozess in Qualitätsunternehmen mit starkem ESG-Profil investieren, die auch in Krisenzeiten relativ stabile Erträge aufweisen“, erläutert Dr. Pfeil. Diese Strategie habe erfolgreich zur Downgrade-Minimierung beigetragen. Als weiterer Faktor komme das aktive Risikomanagement dazu. Dank der Möglichkeit kurzfristigen Eingreifens erwiesen sich aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds oft als widerstandsfähiger. „Die Kombination macht den entscheidenden Performance-Vorteil aus.“

Durch die Corona-Krise sehen Experten allerdings auch das „S“ in ESG mit einer stärkeren Bedeutung versehen. „Gerade in Krisenzeiten trennt sich etwa beim Umgang mit Mitarbeitern, aber auch Zulieferern sehr deutlich die Spreu vom Weizen – wie man jetzt auf dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt beobachten kann“, erläutert Berenike Wiener, Head of CSR & Sustainable Finance der Evangelischen Bank.

Der Trend zum besseren Abschneiden nachhaltiger Anlageprodukte besteht nicht nur in der Krise. „Doch gerade die deutlich bessere Performance der hauseigenen Fonds auch unter schwierigen Rahmenbedingungen bestätigt uns bei der EB-SIM in unserer strategischen Ausrichtung und Fokussierung auf ausgewählte, ausschließlich nachhaltig orientierte und aktiv gemanagte Investmentprodukte“, betont Dr. Pfeil.


EB – Sustainable Investment Management GmbH

Die EB – Sustainable Investment Management GmbH (EB-SIM) ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Evangelischen Bank, deren Spezialprofil nicht nur in der erfolgreichen Vermögensanlage, sondern vor allem in der erfolgreichen Integration von ökonomischen und ESG-Faktoren liegt. Hierunter werden Faktoren aus der Ökologie und dem Umweltschutz, dem sozialen Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Zulieferern sowie eine ethische, verantwortungsvolle Unternehmensführung zusammengefasst. Sie bilden die Grundlage für den ethisch nachhaltigen Ansatz der EB-SIM, der in voller Übereinstimmung mit der werteorientierten, nachhaltigen Geschäftsstrategie der Muttergesellschaft, der Evangelischen Bank (EB), liegt.
Die EB-SIM, eine 100-prozentige Tochter der Evangelische Bank eG, der größten Kirchenbank Deutschlands, betreut mit mehr als 25 Mitarbeitern zum Jahresende 2019 ca. 4,5 Mrd. EUR in 100 Mandaten bzw. Fonds. Das wertebasierte Asset Management bildet seit mehr als 30 Jahren eines der Kerngeschäftsfelder der EB und wurde im Dezember 2018 als eigenständiges Geschäftsfeld ausgegründet. Der Sitz der EB-SIM GmbH ist in Kassel. Das Unternehmen wird durch Ulrich Nötges und Dr. Oliver Pfeil (CIO) geleitet. Alle Anlagekonzepte des Unternehmens entsprechen mindestens den Kriterien des EKD-Leitfadens für ethisch-nachhaltige Geldanlagen. Darüber hinaus orientiert sich das Portfolio Management der EB-SIM bei seinen Investitionen an den 17 Zielen der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs).
Weitere Informationen online unter www.eb-sim.de

EZB hält trotz Urteil des deutschen Verfassungsgerichts an Anleihenkäufen fest

Die Europäische Zentralbank (EZB) will trotz des jüngsten Urteils des deutschen Verfassungsgerichts an ihren Anleihenkäufen festhalten. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte zu Beginn der Vorwoche in einem Urteil die billionenschweren Anleihenkaufprogramme der EZB als teilweise verfassungswidrig einstuft.

Damit stellten sich die Verfassungsrichter auch gegen ein Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH), der die Anleihenkäufe im Dezember 2018 als rechtens einstufte.

Die EZB-Notenbanker zeigten sich von dem Urteil bis dato unbeirrt. Die EZB sei eine unabhängige Institution, die rechenschaftspflichtig gegenüber dem Europäischen Parlament sei und durch ihr Mandat angetrieben werde, sagte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag in einer Konferenz der Nachrichtenagentur Bloomberg.

„Wir werden weiterhin tun, was immer nötig ist, um dieses Mandat zu erfüllen“, so die EZB-Chefin. „Wir sind entschlossener denn je, für günstige Finanzbedingungen in allen Wirtschaftssektoren und Ländern zu sorgen, damit dieser beispiellose Schock gedämpft wird“, sagte auch der EZB-Vize Luis de Guindos.

EZB hat seit 2015 schon 2,6 Billionen in Wertpapierkäufe gesteckt

Zwischen 2015 und 2018 hatte die EZB rund 2,6 Billionen Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere gesteckt – den größten Teil über ihr „Public Sector Purchase Programme“ (PSPP), auf das sich das Urteil bezieht. Im November 2019 wurden die Käufe neu aufgelegt, zunächst in vergleichsweise geringem Umfang von 20 Milliarden Euro im Monat.

Mit den Anleihenkäufen will die EZB eine drohende Deflation verhindern, nachdem ihre Zinssenkungen nicht ausreichend Wirkung gezeigt hatten. „Quantitative Lockerung“ oder „Quantitative Easing“ (QE) heißt das im Fachjargon.

Notenbanken versuchen normalerweise über die Steuerung ihrer Leitzinsen geldpolitische Ziele, wie Geldwertstabilität oder Wirtschaftswachstum, zu erreichen. Nach der Finanzkrise haben viele Notenbanken ihre Leitzinsen aber schon auf praktisch null gesenkt und dieses Instrument ausgeschöpft.

In diesem Fall können Notenbanken auf unkonventionelle Maßnahmen wie „Helikoptergeld“ oder eben Anleihenkäufe zurückgreifen.

Vor der EZB sind schon andere Zentralbanken diesen Weg gegangen. Vorreiter war die japanische Notenbank, die 2001 ein Anleihenkaufprogramm gestartet hatte um gegen die Deflation im Land vorzugehen.

2008 hatte die US-Notenbank im Kampf gegen die Finanzkrise ein gewaltiges Anleihenkaufprogramm angekündigt, nachdem sie ihren Leitzins zuvor schon auf null gesenkt hatte. Seit 2009 betreibt auch die britische Zentralbank Anleihenkäufe.

Im Rahmen dieser Programme kaufen die Notenbanken private oder öffentliche Wertpapiere, wie etwa Staatsanleihen, von den Geschäftsbanken auf. Durch diese Käufe wird die Geldbasis und die Liquidität der Banken erhöht, gleichzeitig wird das Zinsniveau am Anleihenmarkt dadurch gesenkt.

Damit soll die Kreditnachfrage, die Investitionstätigkeit und der private Konsum angekurbelt, aber auch eine zu niedrige Inflation bekämpft werden. Die EZB versucht über ihr Kaufprogramm auch ihr Inflationsziel von knapp zwei Prozent zu erreichen. Davon ist sie derzeit freilich weit entfernt. Der Verbraucherpreisanstieg im Euroraum lag zuletzt bei 0,4 Prozent, angesichts der Krise stellt sich die EZB auf einen weiteren Rückgang ein.

Käufe laut Urteil keine verbotene Staatsfinanzierung, aber fehlende Prüfung verfassungswidrig

Kritiker der Anleihenkaufprogramme führen oft an, dass es sich dabei um eine verdeckte Form von Staatsfinanzierung handeln könnte. Schon 2017 hatte das deutsche Verfassungsgericht sich mit der Frage an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) gewandt, ob es sich bei den EZB-Anleihenkäufen um eine verbotene Staatsfinanzierung handelt.

Der EuGH hatte in seinem viel beachteten Urteil die Käufe aber für rechtmäßig erklärt. Auch die Verfassungsrechtler in Karlsruhe haben die EZB in ihrem aktuellen Urteil in diesem Punkt „freigesprochen“. Verfassungswidrig sei aber, dass die EZB nicht die Verhältnismäßigkeit ihrer Maßnahmen überprüft habe. Die Notenbank hätte etwa auch die wirtschaftlichen Folgen für Sparer, Aktionäre und Immobilienpreise prüfen müssen.

Der EZB-Rat müsse nun in einer Frist von drei Monaten zeigen, dass das Kaufprogramm verhältnismäßig sei. Ansonsten sei es der deutschen Bundesbank untersagt, nach einer Übergangsfrist von höchstens drei Monaten, daran teilzunehmen.

Die Bundesbank ist mit einem Anteil von gut 26 Prozent der größte Anteilseigner der EZB, entsprechend groß ist ihr Kaufvolumen.

Der Deutsche Bundestag sollte als Konsequenz des Urteils per Gesetz Informationen von der Bundesbank über EZB-Aktivitäten anfordern. Das wird in einer Reuters vorliegenden vertraulichen juristischen Analyse des Bundestags vorgeschlagen.

Der Bundestag soll die Verhältnismäßigkeit der EZB-Anleihenkäufe prüfen und fortlaufend über das Kaufprogramm informiert werden, heißt es in dem Papier. Zudem müsse die Verhältnismäßigkeit der Ankaufprogramme in regelmäßigen Abständen überprüft werden.

Die Europa-Juristen des Bundestags erwarten keine großen Auswirkungen des Urteils auf das Anleihenkaufprogramm PSPP, auf das es sich bezieht. Auch Analysten erwarten, dass die EZB die Verhältnismäßigkeit nachweisen und die PSPP-Anleihenkäufe fortsetzen wird.

Obergrenzen könnten Pandemie-Notfallprogramm betreffen

Schwieriger könnte es werden, wenn man das Urteil auf das heuer aufgelegte 750 Mrd. Euro schwere Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP) der EZB beziehen würde.

Denn laut Urteil ist das das Verbot der Staatsfinanzierung nur dann gewahrt, wenn der EZB-Anteil an einer Staatsanleihe 33 Prozent nicht übersteigt und die EZB ihre Käufe auf die einzelnen Länder entsprechend dem Anteil der lokalen Notenbanken am EZB-Kapital aufteilt.

Genau diese Ankaufobergrenzen und Aufteilungsschlüssel werden im Rahmen des neuen PEPP-Anleihekaufprogramms aber flexibel gehandhabt. Das dürfte es der EZB nun schwieriger machen und ihren Spielraum einschränken.

Die EZB könnte nun darauf verweisen, dass das Pandemie-Programm nicht von dem Urteil erfasst wird, oder die Grenzen und Schlüssel auch hier einhalten. Jedenfalls dürfte die EZB auch an ihrem PEPP-Krisenprogramm unbeirrt festhalten, erwarten Analysten.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Rentenmärkte driften auseinander

Es gibt aktuell nur einen Markt, der die Krisenstimmung im März unbeschadet überstanden hat: US-Staatsanleihen. Die massive Leitzinssenkung der Fed und das wieder forcierte Anleihen-Kaufprogramm konnten noch einiges Kurspotenzial heben. Andere Staatsanleihen verloren in der Markthektik Mitte März, konnten sich im April jedoch wieder einigermaßen erholen. Die Erwartung hoher Budgetdefizite schlägt sich noch nicht nieder.

Ganz anders die Lage bei den Spread-Produkten, also Anleihen mit Renditeaufschlag (Risikoprämie): Hochzinsanleihen verloren deutlich, die Renditeabstände aus 2008/09 wurden allerdings nicht erreicht. Am stärksten kamen jedoch die Anleihen aus den Schwellenländern unter Druck, dort lasten zusätzlich die oft schwachen Währungen auf der Wertentwicklung. Die deutliche Erholung an den Aktienmärkten konnte sich hier nur gedämpft auswirken. Somit driften die bis Februar weitgehend im globalen Gleichlauf befindlichen Rentenmärkte deutlich auseinander. Ein Resultat aktuell hoher Risikovermeidung, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Die vollständige Ausgabe finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: Staatliche Interventionen bestimmend

Globale Nullzinspolitik: Die US-Notenbank hat Ende April beschlossen den Leitzins in der Bandbreite von 0 bis 0,25 % zu belassen, das bleibt bis auf Weiteres aufrecht. Notenbankchef Powell deutete auch an, dass die „Schlacht noch lange nicht gewonnen“ sei. Die Fed, die EZB und andere führende Notenbanken kaufen massiv Anleihen am Markt auf oder weiten Kreditlinien aus.

Diese Interventionen wirken sich nicht nur auf die Renditen der Staatsanleihen aus, sondern auch auf die Renditeaufschläge der Unternehmensanleihen, die nach den starken Anstiegen im März nun wieder zurückgekommen sind. Diese Unterstützungsmaßnahmen halten den Zugang zum Primärmarkt aufrecht, mit erstaunlichen Rekorden bei Emissionsvolumina. Dadurch sinken die unmittelbaren Refinanzierungsrisiken der Unternehmen, die wiederum Dividendenzahlungen kürzen und Investitionsvorhaben verschieben. Auf der Sicherung der kurzfristigen Liquiditätsversorgung liegt das Hauptaugenmerk der Unternehmen, wovon in erster Linie Gläubiger profitieren. Diese Entwicklung kann noch anhalten.

Staats- und Unternehmensanleihen: Unsicherheiten bleiben

Die Krise wird vor allem wieder die Schuldentragfähigkeit der europäischen Peripherieländer in Frage stellen. Dies gilt umso mehr, wenn man von keinem finanzierungstechnischen Zusammenhalt der Eurozone-Länder ausgeht. Wir erwarten diesen allerdings schon und mit der zunehmenden Anzahl an bewältigten Krisen in der Eurozone steigt unsere Zuversicht. Wir bleiben bei der Übergewichtung von US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen.

Bei Unternehmensanleihen hoher Qualität (Investmentgrade) erfolgt die Generierung des Cashflows in der aktuellen Krise weniger durch operative Einnahmen, sondern durch Fremdkapitalemissionen. Dies wird langfristig zwar die Bonitätsprofile belasten (Ratingagenturen reduzieren bereits flächendeckend die Kredit-Ratings), kurzfristig ist dieses Vorgehen aber alternativlos. High-Yield-Unternehmen fehlt praktisch seit über einem Monat der Zugang zum Anleihen-Primärmarkt, weshalb wir hier noch zurückhaltend sind. Aber wir übergewichten wieder Euro-IG-Unternehmensanleihen.

Emerging Markets: Von der Krise stark betroffene Regionen

Viele Schwellenländer sind von der Rohstoffpreisentwicklung bzw. damit verbundenen Exporterlösen abhängig. Deren Entwicklung verlief vor dem Hintergrund der aktuellen Krise zuletzt sehr schwach, weshalb die Risikoprämien der Anleihen weiterhin auf hohen Niveaus verharrten. Wir sehen jedoch einen Großteil der auf uns zukommenden fundamentalen Probleme bereits eingepreist. Hartwährungsanleihen bleiben für uns eine der attraktiveren Anleiheklassen. Aus diesem Grund erhöhen wir diese Position gegenüber Euro-Staatsanleihen etwas.

Brent Rohöl: Vom Außenseiter zum Champion?

von Nitesh Shah, Rohstoffexperte und Director Research bei WisdomTree.

In den letzten Wochen, als Rohöl auf neue Tiefststände gefallen ist, haben viele Investoren auf eine Erholung gesetzt und sich entsprechend positioniert. Aber welche Rohöl-Benchmark sieht derzeit attraktiver aus? Das meiste Interesse der Finanzcommunity gilt dem WTI. So verzeichnete WisdomTree beispielsweise Zuflüsse in Höhe von 2,7 Milliarden US Dollar in WTI1 Exchange Traded Products (ETPs) im Vergleich zu 0,7 Mrd. USD in Brent ETPs2. Der bislang übersehene Brent könnte sich jedoch als überlegenere Benchmark erweisen. 

Vergangene Woche diskutieren wir in „Eine Geschichte zweier Benchmarks“ die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den beiden großen Öl-Futures-Kontrakten: Brent und WTI. Die beiden Benchmarks für leicht süßes Rohöl ähneln sich, in wirtschaftlicher Hinsicht ist jedoch Brent aus folgenden Gründen zu bevorzugen:

  • Im vergangenen Monat scheint Brent angesichts der Marktvolatilität robuster gewesen zu sein als WTI.
  • Die Contango-Situation3 bei Brent ist derzeit niedriger als bei WTI. Was darauf hinweist, dass der Rollwiderstand in Brent weniger aggressiv ist als in WTI.
  • Mit Blick auf die Erholung des Ölpreises in der Vergangenheit stellen wir fest, dass der Preis für Brent den für WTI im Allgemeinen übertrifft.
  • Wir haben argumentiert, dass das Abkommen der OPEC Plus4 zur Reduzierung der Produktion kurzfristig nicht ausreicht. Die koordinierten Kürzungen großer internationaler Akteure könnten jedoch darauf hindeuten, dass sich Brent stärker erholt als erwartet.

Es gilt nun, diese Argumente zu überprüfen.

Marktvolatilität und negative Preise

Wir befinden uns in einer Periode beispielloser Ölvolatilität5. Bisher ist Brent eleganter mit dieser Volatilität umgegangen.

Am 20. April 2020 wurde ein kurz vor Ablauf stehender Nymex WTI-Kontrakt negativ gehandelt6, ein einmaliger Vorgang für Rohöl-Futures-Kontrakte. Für die meisten Menschen war das eine Überraschung. Rückblickend identifizieren wir aber eine wichtige Sicherheitslücke im WTI-Kontrakt: da es sich um ein sogenanntes „Deliverable Future“ handelt, müssen bestimmte Schritte unternommen werden, um eine Lieferung zu vermeiden. Ein „Deliverable Future Contract“ bedingt, dass ein Investor, der einen Long-Futures-Kontrakt hält, nach Ablauf des Kontraktes 1000 Barrel Öl erhält (Vertragseinheiten in 1000 Barrel), es sei denn, der Vertrag wird geschlossen (durch Abschluss eines Gegengeschäfts). In normalen Zeiten gehen diese Vorgänge reibungslos vonstatten und es besteht keine Gefahr, dass versehentlich Barrel von Öl angenommen werden müssen. Tatsächlich führt laut Energy Information Administration (EIA) nur 1 Prozent der Kontrakte zu einer Lieferung. Kurz vor Auslauf des WTI-Vertrags vom Mai trieb jedoch eine Kombination aus geringer Liquidität und Infrastrukturbeschränkungen den Preis in den Keller. Jene, die versuchten, WTI-Kontrakte für Mai am 20. April zu schließen, warteten möglicherweise sehr lange und konnten niemanden finden, der bereit war, die andere Seite des Vertrags in einem Markt mit geringer Liquidität zu übernehmen. Besonders besorgniserregend waren fehlende Lagerkapazitäten in Cushing, Oklahoma, wo die Verträge abgeschlossen werden. UVP-Daten zeigen, dass das Arbeitslager zwischen 76 Prozent und 81 Prozent gefüllt war (was weit über der normalen Rate von unter 50 Prozent liegt). Darüber hinaus wurde die verbleibende Kapazität höchstwahrscheinlich vermietet oder anderweitig gebunden. In diesen verzweifelten Zeiten bezahlten einige Futures-Investoren, die WTI-Kontrakte schlossen, die andere Partei, um den Vertrag vor Ablauf zu schließen und die Lieferung zu vermeiden, da die Lagerung zu schwierig und/oder kostspielig wurde. Dadurch wurde die Benchmark mehrere Stunden lang in den negativen Bereich getrieben.

Das an der Intercontinental Exchange (ICE) gehandelte Brent leidet weniger unter negativen Preisen. Um es deutlich zu sagen - die ICE hat nicht entschieden, dass negative Preise unmöglich sind, aber als Vertrag mit Barausgleich ist der Anreiz für negative Preise schwerer zu identifizieren. Barausgleich bedeutet, dass den Inhabern der Futures die Differenz zwischen dem Anfangspreis und der Endabrechnung nach Ablauf des Kontraktes entweder gutgeschrieben oder abgezogen wird. Das Gerangel um Lagerkapazitäten oder einen Käufer, der Zugriff auf verfügbare Lagerkapazitäten hat, existiert nicht, wodurch diese Ursache für negative Preise beseitigt wird.

WTI-Futures, die zwei unterschiedliche Märkte - physische Lieferungen und spekulativ orienterte Finanzmarktakteure - bedienen, stießen auf Hindernisse. Brent hingegen verfügt über einen Terminmarkt für Beide. Für den physischen Austausch (EFP) gibt es außerdem einen außerbörslichen Mechanismus (bilaterale Verhandlungstransaktion), mit dem sichergestellt wird, dass sich der physische Markt und der Terminmarkt nicht unkontrolliert voneinander lösen. In den letzten Wochen hat sich die Spanne zwischen physischen Märkten und Terminmärkten vergrößert, aber es gab keine Anzeichen dafür, dass Brent-Futures auf Null oder darüber hinaus weiter ins Minus fallen.

Da der Juni-Brent-Kontrakt am 30. April auslief, schien der Übergang zum Juli-Brent-Kontrakt als aktiver Vertrag nahtlos zu funktionieren. Gegen Ende des Marktes am 30. konvergierte der Juli-Preis zum Schlusskurs des Juni-Kontrakts von 25,39 USD / Barrel und erholte sich dann am nächsten Handelstag wieder.

Grafik 1: Brent Juli hat Brent Juni am 30. April nahtlos als aktiven Kontrakt übernommen


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum vom 28. April bis 1. Mai 2020 unter Verwendung von Intraday-Handelsdaten in USD. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren.

Brent ist zwar teurer als WTI, aber nicht übermäßig teurer. Das heißt, die Anleger zahlen nicht zu viel für eine stabilere Preisbenchmark. In den letzten 10 Jahren betrug der Brent-WTI-Spread 7,79 USD / Barrel7. Heute liegt dieser Spread bei 7,36 USD / Barrel - ganz im Einklang mit diesem historischen Durchschnitt.

Rollwiderstand bei Brent weniger aggressiv

Rohstoff-ETPs bilden Terminkontrakte ab, nicht den physischen Spotpreis (Kassageschäft). Warum ist das wichtig? Wir beschreiben nun, warum die Form der Futures-Kurve einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtrendite einer Öl-Futures-Anlage haben kann. Zurzeit ist Brent in einer Position mit niedrigerem Contango als WTI. Dies könnte potenziell neue Investoren in Brent gegenüber neuen Investoren in WTI begünstigen.

Grafik 2: Die Brent-Futures-Kurve ist weniger steil als die WTI-Futures-Kurve


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand am 4. Mai 2020. Beachten Sie, dass der aktive Vertrag für WTI Juni ist, während der aktive Vertrag für Brent Juli ist. Die historische Performance ist kein Anhaltspunkt für die künftige Performance und jedes Investment kann im Wert sinken.

Brent hat WTI in Erholungsphasen oft übertroffen

Historisch gesehen zeigten Brent und WTI eine sehr starke Korrelation8. Eine Erholung bei der einen Rohöl-Benchmark ist also sehr wahrscheinlich auch bei der Anderen zu beobachten. Im Rahmen der Analyse von vier Perioden von Ölpreiscrashs, auf die eine Preiserholung folgte, stellten wir fest, dass Brent WTI übertraf (siehe Abbildung 3). Diese basieren alle auf Bloomberg Commodity Subindices Excess Return-Serien, die die Auswirkungen fortlaufender Verträge berücksichtigen [9]. Dies ist wichtig, da die Form der Futures-Kurve die Rendite für einen Anleger wie oben beschrieben beeinflusst.

Grafik 3: Erholungsphasen begünstigten im allgemeinen Brent im Vergleich zu WTI


Hinweis: Die Diagramme zeigen ein Jahr vor und nach dem Tiefstpreis. Indexiert auf 100 ein Jahr vor dem Preistief.
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Über vier getrennte Zeiträume von zwei Jahren: 10. Dezember 1997 bis 10. Dezember 1999, 15. November 2000 bis 1. November 2002, 12. Februar 2008 bis 12. Februar 2010 und 11. Februar 2015 bis 11. Februar 2017. Die historische Performance ist kein Anhaltspunkt für die künftige Performance und jedes Investment kann im Wert sinken.

OPEC-Maßnahmen könnten Brent überproportional begünstigen

Jeder Ölpreiscrash und jede anschließende Erholung weisen ihre eigenen Ursachen und Verlaufswege auf. In der Erholungsphase zeigen sie jedoch alle eine Gemeinsamkeit. Und diese liegt in den Bemühungen der OPEC-Mitglieder, die Märkte ins Gleichgewicht zu bringen. Die Richtgröße für OPEC-Mitglieder ist gewöhnlich Brent und demzufolge reagiert Brent häufig stärker auf OPEC-Maßnahmen als WTI.

Obwohl wir der Ansicht sind, dass der Deal der OPEC-Plus-Staaten unzureichend ist, um die Märkte kurzfristig ins Gleichgewicht zu bringen10, lässt der auf Langlebigkeit ausgerichtete Deal auf ein längerfristiges Marktgleichgewicht hoffen. Erfreulicherweise begannen Saudi-Arabien und Russland bereits vor dem offiziellen Start des Deals im Mai 2020 mit der Produktionskürzung (eine der Sorgen war, dass die Kürzungen sehr spät beginnen). Unter der Annahme, dass das Abkommen eingehalten wird, könnte Brent WTI erneut übertreffen.

Kurzfristig könnte es in den USA zu einer Insolvenzwelle im Öl- und Gassektor kommen, was die Produktion in den USA senken würde. In der Tat handelt es sich bei den USA auch um einen der agileren weltweiten Produzenten, die zeitnah beginnen könnten, die Produktion relativ schnell anzupassen. Die staatliche Hilfe für den unter Druck stehenden Öl- und Gassektor könnte jedoch die Produktionsanpassung verlangsamen. In einem Präsidentschaftswahljahr halten wir dies für wahrscheinlicher. Die jüngsten Justierungen der US-Notenbank Fed öffnen mehr Unternehmen des Öl- und Gassektors auch den Zugang zum „Main Street-Darlehensprogramm“11.

Die US-Schieferproduktion in Binnengebieten der USA hat zum Erreichen der Exportziele größere Hürden zu überwinden, wenn die Transportschiffe schon Monate im Voraus ausgebucht sind, um Öl zu lagern. Zudem sind die Pipelines, mit denen das Öl an die Küste gebracht wird, stark frequentiert. Der Anpassungsprozess der USA könnte folglich heute langsamer vonstatten gehen als in der Vergangenheit.

Unterm Strich gehen wir davon aus, dass die Maßnahmen der OPEC Plus (die Brent begünstigen) ein stärkerer Katalysator für das globale Marktgleichgewicht sein können als die Maßnahmen der Nicht-OPEC-Plus-Staaten (einschließlich den USA). Das G20-Treffen am 10. April 2020 zeigte, dass Länder außerhalb der OPEC Plus kaum bereit sind, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen.


1) West Texas Intermediat
2) Daten vom 1. Januar 2020 bis zum 1 Mai 2020
3) Contango ist eine Situation, in der der Futures-Preis einer Ware höher ist als der Spot-Preis. Contango tritt normalerweise auf, wenn ein Vermögenspreis im Laufe der Zeit voraussichtlich steigen wird. Dies führt zu einer ansteigenden Vorwärtskurve
4) Organisation der erdölexportierenden Länder und ihrer Partnerländer
5) Siehe An age of unprecedented oil volatility, 27. März 2020
6) Siehe Nymex WTI front month futures trade negative, 21. April 2020
7) 4. Mai 2010 bis 4. Mai 2020 unter Verwendung der Bloomberg-Front-Month-Daten
8) 0,95 von März 1990 bis März 2020 basierend auf monatlichen Daten unter Verwendung von Bloomberg Commodity Subindices
9) Siehe Rohstoff-ETPs bilden Terminkontrakten ab, nicht den physischen Spot. Warum ist das wichtig?, Mai 2020 https://www.wisdomtree.eu/de-de/-/media/eu-media-files/other-documents/research/market-insights/wisdomtree_market-insight_commodity-etps-exposed-to-futures-contracts.pdf
10) Siehe OPEC+ reaches a historic deal: but is it enough?, 14. April 2020
11) Größere und höher verschuldete Unternehmen qualifizieren sich ab dem 30. April 2020 für das Programm in einem Schritt, der weithin so interpretiert wurde, dass er kleine Ölunternehmen berücksichtigt werde.

Hohe Schwankungen auch beim Goldpreis

von Hans Engel, Global Equity Research Expert, Erste Group.

Der Goldpreis ist seit Jahresbeginn in US-Dollar um 12,4 Prozent bzw. in Euro um plus 16,4 Prozent gestiegen (Stand: 30.04.2020, Quelle: Bloomberg).

„Safe-Haven“ für Investoren

Für die signifikant positive Performance gab es mehrere Ursachen. Die Volatilität an den Aktienmärkten ist in den letzten Wochen auf Rekordhochs angestiegen. Investoren nutzten Gold wegen der durch die Corona-Krise entstandenen Unsicherheit als „Safe-Haven“.

Während die Aktienindizes fielen, stieg der Goldpreis teilweise kräftig an. Aufgrund des Preisanstiegs ist global der Absatz an Schmuckgold zurückgegangen. Physisches Gold wird von den Anlegern aktuell verstärkt nachgefragt.

Gemäß der Daten der US-amerikanischen Commodity Futures Trading Commission waren in den letzten Monaten vor allem große Händler mit einem sehr kurzfristigen Fokus am Goldmarkt aktiv.

Dies erklärt auch die derzeitigen sehr hohe tägliche Schwankungsfreudigkeit des Goldpreises, da verstärkt Spekulanten am Marktgeschehen teilnehmen. Die Kursschwankungen sind seit Ende Februar sprunghaft angestiegen und liegen inzwischen auf einem extrem hohen Niveau, das auch von Aktienindizes selten erreicht wird.

Notenbank-Politik unterstützt Goldpreis

Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins in den letzten Wochen mehrmals gesenkt. Die Fed Funds Rate beträgt nur mehr Null bis 0,25 Prozentpunkte. Zinssenkungen unterstützen den Aufwärtstrend des Goldpreises. Die Opportunitätskosten der Gold-Haltung in Form entgangener Renditen ist damit gering.

Des weiteren ist die Ausweitung der Bilanzsummen der globalen Notenbanken ein positiver Faktor, der für einen mittelfristigen Goldpreisanstieg spricht. Die Furcht vor steigender Staatsverschuldung bei gleichzeitiger Finanzierung über die Notenbanken motiviert Anleger in Gold zu investieren, weil bei physischem Gold kein Kreditrisiko (Emittentenrisiko) besteht.

Ausblick: Aufwärtstrend intakt

Die Investment-Nachfrage nach Gold dürfte wegen der stark angestiegenen Volatilität an den Finanzmärkten hoch bleiben. Die jüngsten Zinssenkungen in den USA, die global niedrigen Renditen und der voraussichtlich abschwächende US-Dollar sind positive Faktoren, die für einen moderat steigenden Goldpreis sprechen.

Die deutlich erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit und die immer noch hohe Volatilität an den Aktienmärkten unterstützt die Aufwärts-Preistendenz. Der Aufwärtstrend ist auch technisch betrachtet intakt. Er dürfte mittelfristig andauern, voraussichtlich aber weniger stark ausgeprägt als im April.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Anatomie einer Erholung

Der schärfsten Aktienkorrektur der Geschichte folgte eine steile Erholung, noch bevor die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft in vollem Umfang greifbar sind. Die meisten Märkte konnten die Hälfte bis zwei Drittel der Verluste wieder aufholen. Einige Profiteure der Krise, wie die Bereiche Technologie oder Gesundheit, lagen zuletzt, bezogen auf den Jahresbeginn, sogar schon wieder im positiven Bereich. All das scheint vielen angesichts des Sturms, der über die Weltwirtschaft fegt, schwer nachvollziehbar. Daher hier ein Erklärungsversuch, der nicht zuletzt auch für eine Einschätzung der nächsten Zukunft notwendig ist. Erstens: Nach starken Abverkäufen folgen zwangsläufig Gegenbewegungen. Diese sind von technischen Faktoren getrieben, beispielsweise decken ultrakurzfristige Marktteilnehmer ihre Leerverkäufe zurück. Überdies haben Stimmungslage (Sentiment) und Positionierung im Verlauf des März negative Extremwerte erreicht – und das sind auch oft Vorzeichen für steigende Märkte. Zweitens: Ob die wirtschaftliche Erholung einem V, einem U oder einem anderen Buchstaben gleicht, ist Gegenstand der Diskussion. Viele Prognosen, wie etwa jene des Währungsfonds, gehen in Richtung V, wenn man sich das erwartete Wirtschaftswachstum 2021 ansieht. Der Markt nimmt diese Erholung vorweg. Und drittens reagieren die Notenbanken mit beispiellosen Maßnahmen. Diese zielen zuallererst auf die Stabilisierung der Finanzmärkte ab. Wenn sie signalisieren, ihre weitgehend unbeschränkten Möglichkeiten auch in Zukunft zu nützen, stützt das alle Marktsegmente. Viele Marktteilnehmer folgen hier dem Motto „Don’t fight the Fed!“.

Unsere Einschätzung dazu: Erstens sind die kurzfristigen technischen Treiber ausgelaufen, zweitens werden auch bei einem V die Daten der nächsten Monate dramatisch negativ sein. Letztlich, drittens, die Notenbanken bleiben zwar ein gewichtiger Unterstützungsfaktor, können kurzfristig allerdings nicht mehr signifikant nachlegen. Daher rechnen wir mit weiterhin hoher Volatilität und mit deutlichen Rücksetzern, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Die vollständige Ausgabe finden Sie links als PDF.

Aktien: Licht am Ende des Tunnels?

Oder nur der entgegenkommende Zug? Nach den dramatischen Marktbewegungen im März, die teilweise panische Ausmaße angenommen hatten, trat im April trotz schlechter Nachrichtenlage eine markante Beruhigung ein. Der Welt-Index, getrieben vor allem durch die USA, legte mit plus 10 % im April eine beachtliche Erholung vor – entgegen weiter alarmierender Gesundheits- wie Wirtschaftsdaten.

Die im Vormonat schon vermutete zumindest kurzfristige Bodenbildung fand somit statt, der Grund liegt hauptsächlich in globalen staatlichen Interventionen, also monetären und fiskalischen Unterstützungen in bisher noch nie gesehenem Umfang. Das führte vor allem zu Rückdeckungen von Verkaufspositionen, eine breite Investorennachfrage muss noch folgen. Aus heutiger Sicht am besten davongekommen sind Asien und China, am schlimmsten erwischt hat es Lateinamerika: die Gründe sind vielschichtig, einerseits bereits vorhandene politische und wirtschaftliche Krisen, andererseits der Verfall der Rohstoffpreise. Auch die Währungen der Schwellenländer kamen zusätzlich unter Druck.

Globale Konjunktur: Nach dem Lockdown

Die Folgen des staatlich verordneten Stillstands, etwa für die europäische Wirtschaft, lassen sich beispielsweise anhand der Einkaufsmanagerindizes verdeutlichen. Sowohl der Index für den Industriebereich als auch, noch deutlicher, der Index für den Dienstleistungssektor sind deutlich eingeknickt. Auch das Konsumentenvertrauen in der Eurozone hat durch die erhöhte Unsicherheit infolge der Pandemie und die stark negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gelitten.

Auch in den USA liegt ein ähnlich dramatischer Befund vor, die New York Fed errechnet bereits jetzt einen Einbruch der US-Wirtschaft um etwa 12 % im Jahresvergleich.

Auch die Revisionen der Unternehmensgewinne kennen derzeit in allen Regionen nur eine Richtung, dennoch überwiegen aktuell die weiterhin negativen Überraschungen. Obwohl die Berichtssaison derzeit noch im Gange ist, wird das erste Quartal 2020 wohl mit einem deutlichen Gewinnrückgang abgeschlossen werden. Und die nationalen Lockdowns reichen ja weit ins nächste, das zweite Quartal hinein.

Aktien USA und Europa: Markante Kurserholung

Negative Konjunktur- und Gewinndaten werden in der aktuellen Erholung ausgeblendet, der treibende Faktor ist einmal mehr die umfangreiche Zentralbankenliquidität.

Die stärksten Revisionen der Gewinnschätzungen gab es in den Ländern mit den höchsten COVID-19 Fallzahlen bzw. den negativsten Ansteckungsdynamiken. In Ländern, die im „Corona-Zyklus” schon weiter fortgeschritten sind, waren die Gewinnrevisionen bei weitem nicht mehr so dramatisch. Auf die jüngsten Kursentwicklungen hatte dies nur bedingt Einfluss. Auffällig ist vor allem die doch recht gute Performance von US-Small-Caps und Russland, während man in Japan eigentlich eine bessere Kursentwicklung hätte erwarten können. Hier spielten unter anderem Unterschiede in den Branchengewichtungen der einzelnen Länder und Wechselkursbewegungen eine Rolle.

Kurzfristig steht für uns weiterhin das Risikomanagement und damit eine vorsichtige Portfolioausrichtung im Vordergrund. Angesichts der markanten Kurserholung steigt das Risiko für erneute Kursrücksetzer.

Emerging Markets: Von der Krise stark betroffene Regionen

Auch Aktien aus den Emerging Markets konnten sich zuletzt erholen. Auf Sektorebene sind die Bereiche Gesundheit und Telekom seit Jahresbeginn mittlerweile sogar im Plus. Am stärksten unter Druck hingegen die zyklischen Sektoren wie Finanz, Energie und Industrie. Die Gewinnentwicklung geht deutlich zurück und trifft jene Regionen stärker, die „zyklischer“ aufgestellt sind. Und das Tief bei den Gewinnen ist noch nicht erreicht, da auch hier die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin rückläufig ist.

"Schwellenländer: Abwärtsrisiken werden sich auf wohlhabende Regionen übertragen"

von Amlan Roy, Leiter des Global Policy Research bei State Street Global Advisors:

"Da die Beschränkungen der Lockdowns allmählich aufgehoben werden und wir mit den belastenden Kompromissen zwischen Gesundheit und Wirtschaft konfrontiert sind, ist mehr globale Zusammenarbeit erforderlich. Wissenschaftler und Gesundheitsexperten erfahren immer noch neue Erkenntnisse bei Testergebnissen, Fortschritten bei Impfstoffen, Ergebnissen sozialer Distanzierung und Virusmutationen. Infolgedessen sollten wirtschaftliche und soziale Maßnahmen mit diesen Erkenntnissen aufgebaut und weiterentwickelt werden."

"Die G7- und G20-Staaten standen während der globalen Finanzkrise im Mittelpunkt, weshalb jede Nation ihre Abhängigkeit von der weltweiten Nachfrage und den globalen Lieferketten verstehen muss. Die Schwellenländer sind für die Erholung der Industrieländer von großer Bedeutung, da diese Schwellenländer mit höheren Abwärtsrisiken von Rezessionen und Arbeitsplatzverlusten konfrontiert sind, die sich mit der Zeit wahrscheinlich auf andere wohlhabendere Regionen übertragen werden."

Coronakrise dämpft Erwartungen an Geschäftszahlen in den USA

Die erste Berichtssaison des Jahres 2020 wird thematisch von der Coronakrise beherrscht. Obwohl die Lungenkrankheit abgesehen von China in den meisten Ländern mit März erst im letzten Monat des ersten Quartals zu einem massiven Problem wurde, wirken sich die wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Pandemie bereits beträchtlich aus.

Nicht nur bereits veröffentlichte Ergebnisse fielen deutlich schwächer aus. Anleger und Analysten erwarteten wegen der Folgen des weltweiten Kampfs gegen das Virus auch noch mittelfristig weniger Gewinn.

Gedämpfte Erwartungen

Im Vorfeld der ersten Zahlenvorlagen in den USA zeichnete sich bereits ein starker Rückgang der Gewinne ab. Daten von Refinitiv zufolge wurden Mitte April beispielsweise für die Unternehmen im US-Leitindex S&P 500 durchschnittlich knapp 13  Prozent weniger Gewinn im ersten Jahresviertel verglichen mit der Vorjahresperiode erwartet.

Besonders hohe Gewinnrückgänge wurden im Energiesektor (-55 Prozent) erwartet. Industrie-, Konsumgüter- und Finanzkonzernen wurde um etwa ein Drittel weniger Gewinn zugetraut.

Vorsichtsmaßnahmen schlagen sich nieder

In den USA eröffnen traditionell die großen Banken den vierteljährlichen Zahlenreigen: Bei Goldman Sachs, Bank of America und Citigroup hatte sich der Gewinn im ersten Quartal halbiert. Beim Branchenprimus JPMorgan schrumpfte er um gut zwei Drittel, bei Wells Fargo um fast 90 Prozent.

Am besten schlug sich im Branchenvergleich noch Morgan Stanley mit einem Gewinnrückgang von 30 Prozent auf 1,7 Milliarden US-Dollar. Damit fiel die erste Runde der Geschäftsberichte auf den ersten Blick noch unerfreulicher aus als befürchtet. Doch noch sind die niedrigeren Gewinne vor allem auf Vorsichtsmaßnahmen der Banken zurückzuführen. Sie bildeten Rücklagen, um auf mögliche Kreditausfälle ausgelöst durch die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise vorbereitet zu sein.

Auch Gewinner im trüben Umfeld

Neben Schwierigkeiten für Unternehmen zeichnen sich besonders für Privathaushalte schwere Zeiten ab. So haben in den USA in den ersten fünf Wochen der Pandemie mehr als 26 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner ihre Jobs verloren. Dies wird wiederum die Umsätze konsumabhängiger Konzerne belasten.

Trotz der trüben Aussichten profitierten andere Unternehmen vorerst sogar von der aktuellen Situation. Ausgangbeschränkungen und Abstandsregelungen begünstigten etwa das Geschäft von Kommunikationsdienstleistern. Als plakatives Beispiel dafür dient der Videostreaming-Anbieter Netflix. Er meldete in der Vorwoche 15,8 Millionen neue zahlende Kunden und damit fast doppelt so viele Neukunden, wie von Analysten erwartet worden war.

Der Quartalsumsatz von 4,5 Milliarden im Q1 2019 auf 5,8 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn lag bei 709 Millionen, mehr als doppelt so hoch wie im Vorquartal.

Pharmaunternehmen und Gesundheitskonzerne stehen angesichts der Corona-Herausforderungen ebenfalls im Fokus. So halfen etwa Bevorratung durch Konsumenten dem Arzneimittelhersteller Eli Lilly, dessen Umsatz um gut 15 Prozent auf 5,86 Mrd. kletterte. Beim französischen Branchenkollege Sanofi stiegen die Erlöse zum Jahresstart um rund 7 Prozent auf knapp 9 Mrd. Euro, wie der Konzern vor dem Wochenende mitteilte.

Das bereinigte Ergebnis je Aktie erhöhte sich ohne Wechselkurseffekte um fast 16 Prozent auf 1,63 Euro. Der Gewinn unterm Strich legte um 48 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro zu. Etwa die Hälfte des Wachstums sei mit der Erhöhung von Lagerbeständen im Zuge der Covid-19-Krise zu erklären, hieß es.

Während die Regierungen weltweit mit Hilfspaketen und Konjunkturhilfen versuchen, die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise möglichst schnell einzudämmen, stehen in den kommenden Tagen Quartalsberichte weitere prominenter Aktiengesellschaften dies- und jenseits des Atlantiks auf dem Programm.

Auch darunter könnte sich die ein oder andere positive Überraschung finden. Den Daten von Refinitiv zufolge könnten sich diese neben dem Kommunikations- und dem Gesundheitssektor auch unter den Versorger-, oder Technologiewerten finden.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Niedrige Energiepreise infolge der COVID-19-Pandemie ziehen Zuckerpreise nach unten

von Aneeka Gupta, Director, Research, WisdomTree.

Die Preise für Zucker fiel auf 9,34 Cent1 und erreichten damit den niedrigsten Stand eines Frontmonats-Kontrakts seit September 2007. Der rapide Rückgang der Energiepreise aufgrund einer Kombination von Angebots- und Nachfrageschocks inmitten der COVID-19-Pandemie hat weitreichende negative Auswirkungen auf die Zuckerpreise. Denn neben anderen Produkten dient Zuckerrohr der Herstellung von Ethanol. Der Einbruch der Energiepreise zog die Ethanolpreise nach unten und macht die Herstellung von Ethanol demzufolge weniger attraktiv. Die spekulative Netto-Futures-Positionierung bei Zucker-Futures ist im Vergleich zum Vormonat um 120 Prozent zurückgegangen, was auf einen Anstieg der Shortpositionen um 49 Prozent zurückzuführen ist und damit das Ausmaß der Baisse bei den Zuckerpreisen unterstreicht.

Abbildung 1: Spekulative Netto-Positionierung auf Zucker-Futures stark rückläufig


Quelle: Kommission für den Warenterminhandel, WisdomTree vom 21. April 2020. Bitte beachten Sie: Standardabweichungsmaß für das Ausmaß der Variation oder Streuung einer Menge von Werten. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Sinkende Nachfrage nach Ethanol in Brasilien belastet Zuckerpreise

In der Saison 2019/20 wurden in Brasilien inmitten einer reichhaltigen Versorgungslage nur 34 Prozent und 2018/19 nur 35 Prozent des Zuckerrohrs zu Zucker verarbeitet. Derzeit ist die Verarbeitungssaison in Brasilien, weltgrößter Zuckerexporteur, im Gange. Bei niedrigen Energiepreisen sinkt die Nachfrage nach alternativen Kraftstoffen wie Ethanol, weshalb wir jetzt einen höheren Anteil des Zuckerrohrs erwarten, der zu Zucker verarbeitet wird. Brasilien verfügt über eine umfangreiche Flotte von Flexible-Fuel-Vehicles, Fahrzeugen, die sowohl mit Benzin als auch mit Ethanol betrieben werden können. Der brasilianische Ethanolsektor bat die Regierung um finanzielle Unterstützung, damit die Branche in Erwartung eines Rückgangs der Nachfrage nach Ethanol sechs Milliarden Liter Ethanol lagern kann. Darüber hinaus belastet zudem der schwache brasilianische Real die Zuckerpreise. Die brasilianische Währung verzeichnet im Jahr 2020 ihr bisher schwächstes Währungsjahr für Schwellenländer. Dies wird wahrscheinlich einen Anreiz für höhere Zuckerexporte aus Brasilien auf dem Weltzuckermarkt schaffen. Denn der schwächere Real ermutigt die Produzenten, mehr Zucker auf den Exportmärkten anzubieten, da dies ihre Einnahmen in USD erhöht.

Zucker-Konsum aufgrund der COVID-19-Pandemie unter Druck

Der industrielle Verbrauch von Zucker wird sich wahrscheinlich abschwächen, da Lebensmittel- und Getränkefabriken aufgrund von Produktionsstopps in Getränkefabriken und teilweiser Schließung von Restaurants betroffen sind. Während der Zuckerverbrauch der Haushalte sich kaum verändern dürfte und sogar steigen könnte, wird er nicht ausreichen, um den Rückgang des industriellen Verbrauchs auszugleichen. Während der großen Finanzkrise ging das Wachstum des weltweiten Zuckerverbrauchs im Erntejahr 2008/09 um zwei Prozent zurück. Wenn man dies als Anhaltspunkt nimmt, könnte sich der weltweite Zuckerverbrauch um einen vergleichbaren Betrag verlangsamen, solange der Lockdown andauert.

Der globale Zuckermarkt wird wahrscheinlich im Erntejahr 2020/21 wieder ins Gleichgewicht kommen

Nach Angaben des brasilianischen Beraters Job Economia wird Brasilien im Jahr 2020/21 voraussichtlich 41 Millionen Tonnen Zucker produzieren, gegenüber 30 Millionen Tonnen im Jahr 2019/20. Auch 2020/21 wird das Land rund 30 Millionen Tonnen Zucker exportieren.

Abbildung 2: Anteile der größten Zuckerproduzenten im Erntejahr 2018/19


Quelle: WisdomTree, International Sugar Organisation per 31 December 2019

In Thailand, zweitgrößter Exporteur der Welt, dürfte die Zuckerrohrverarbeitung im Erntejahr 2019/20 jedoch aufgrund der Dürre auf ein Zehnjahrestief von 75 Millionen Tonnen gesunken sein. In Indien führte der erste übermäßige Monsun seit 25 Jahren zu erheblichen Verzögerungen bei der Zerkleinerung in diesem Erntejahr. Der Ausbruch von COVID-19 verursachte eine weitere Produktionsverzögerung. Infolgedessen ging die Zuckerproduktion bis Mitte April im Jahresvergleich um 13 Prozent zurück und dürfte das Jahr mit einem niedrigen Wert von 27 Millionen Tonnen abschließen, bevor sie sich bis zum Erntejahr 2020/21 wieder auf über 30 Millionen Tonnen erholt. In den Ländern der Europäischen Union (EU) wird erwartet, dass die Gesamtzuckererzeugung mit 16,2 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr unverändert bleiben wird, da sich die Ernteerträge von einem fünfjährigen Tief erholen. In China scheint die Zuckerproduktion dem letzten Erntejahr zu entsprechen und könnte das Jahr mit 10 Millionen Tonnen beenden. Vor dem Hintergrund der hohen Produktion aus Brasilien, einem der größten Lieferanten, wird es immer wahrscheinlicher, dass der globale Zuckermarkt im Erntejahr 2020/21 zu einem Überschuss zurückkehren wird, was den Druck auf die Zuckerpreise weiter erhöhen wird.

Abbildung 3: Globaler Markt für Zucker: Überschuß in der Erntesaison 2020/21 wahrscheinlich


Quelle: International Sugar Organisation, WisdomTree per 24. April 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Leistung, und alle Investitionen sind Risiken und Unsicherheiten unterworfen.


1) Source: Bloomberg per 28. April 2020