Don’t forget the other type of virus

The pandemic has emphasised the importance of building resilience into the economy; we should take the same approach to protecting ourselves from cyber threats, argues Aanand Venkatramanan, Head of ETF Investment Strategies, Index Funds, at LGIM.

I was recently asked whether a computer virus could ever be as economically devastating as the COVID-19 virus. We certainly shouldn’t compare the human impact of the two types of virus: COVID-19 has been a global tragedy, and our thoughts are first and foremost with all those affected.

But in looking to build back more resiliently from this crisis, we can and should apply what we have learned as broadly as possible. One clear lesson is the importance of acting swiftly to prevent and control threats, which brings us to cyber security.

As technology transforms every job, industry and government – and as more data migrates to the cloud, both private and public – no one can claim to be immune from cyber attacks and data breaches. The need to build up cyber defences, and the potential cost of not doing so, has never been higher.

Remember Travelex, for example? A ransomware attack against the company on New Year’s Eve left its systems down for days and the share price of its parent firm, Finablr, subsequently dropped by over 50% by the end of January.

Sophisticated cyber attacks could push any type of company into bankruptcy. A report issued by the National Cyber Security Alliance found that 10% of small businesses in the US that suffered a data breach did in fact end up filing for bankruptcy, and 37% experienced a financial loss.

This is not just the result of operations being halted or money being stolen; companies also face massive fines for lapses. In the European Union, General Data Protection Regulation rules allow for a maximum fine of €20 million or 4% of annual global turnover – whichever is greater – for infringements.

Check out technology

Companies don’t have to resign themselves to succumbing to these attacks. In a parallel way, the economic disruption experienced so far this year has demonstrated the value of investing in technological solutions early.

For example, the coronavirus has hit retailers hard – but not every retailer has suffered to the same degree. Most traditional supermarket stocks in the UK have declined this year, for instance, but Ocado* has thrived. Ocado isn’t the only one with an online service, so what distinguishes it?

I believe the key differentiator is the adoption of technology. Businesses like Ocado that have invested more in technology and automation, and have built robust digital communication structures, are in my view more likely to beat their peers and overcome shocks.

A pandemic-induced lockdown is one such shock. Another could be a devastating computer virus. Whatever comes next, companies should invest in the technology that will make them more resilient.


*For illustrative purposes only. Reference to a particular security is on a historic basis and does not mean that the security is currently held or will be held within an LGIM portfolio. The above information does not constitute a recommendation to buy or sell any security.

This article has first been published on lgimblog.com.

Aktien als Fieberthermometer der Volkswirtschaft

Der Aktienmarkt war in der Vergangenheit so etwas wie das der Fieberthermometer einer Volkswirtschaft oder repräsentierte zumindest die Größe und Zusammensetzung der Unternehmensgewinne eines bestimmten Index.

Heute werden die Aktienbörsen und deren Indizes oft von einer geringen Anzahl von Unternehmen dominiert. Dies zeigt beispielsweise ein Blick auf die Börsenplätze in den USA, Großbritannien oder Dänemark: Der dänische OMXC25 Index wird zum Beispiel von Novo Nordisk, einem führenden Pharmaunternehmen beherrscht. Im amerikanischen S&P 500 sind Microsoft, Apple, Amazon, Facebook, Alphabet für mehr als 22 Prozent der Marktkapitalisierung verantwortlich. Und im britischen FTSE 100 finden sich die Schwergewichte aus der Energiebrachen British Petrol und Royal Dutch, genauso wie die global aufgestellte Bank HSBC.

Index-Schwergewichte sind führend

Diese Aktien zählen auch auf globaler Ebene in ihren jeweiligen Sektoren (Pharma, Technologie, Energie, Banken) zu den führenden Unternehmen. Dadurch sind sie nur mehr in beschränktem Umfang von der wirtschaftlichen Entwicklungen in ihren Heimatmärkten abhängig. Die Börsen, wo diese Unternehmen gelistet sind, spiegeln eher eine globale als eine lokale Sichtweise wider.

Gesundheitswesen und Technologiebranche als Gewinner

Dies hat weiterrechende Implikationen: In den letzten Jahren konnte eine starke Divergenz in der Entwicklung unterschiedlicher Sektoren beobachtet werden. Auf der einen Seite stehen die Gewinner, wie das Gesundheitswesen und die Technologiebranche. Deren Profite befinden sich in einem strukturellen Aufwärtstrend. Auf der anderen Seite finden sich die Verlierer: Finanzwerte und Energieunternehmen. Diese Entwicklung wurde durch die Coronakrise nochmals verstärkt.

Die Gewinne der IT-Unternehmen sind in den letzten Jahren „explodiert“


Quelle: Bloomberg

Aufgrund der Dominanz weniger Unternehmen und damit bestimmter Sektoren in den „lokalen“ Aktienmärkten kommt es zu sehr unterschiedlichen Entwicklungen: So liegt die Börsenkapitalisierung des Gesundheits- und Technologiebereichs in Dänemark bei 52 Prozent und in den USA bei 40 Prozent. In den Europa und Großbritannien hingegen sind es nur 20 Prozent bzw. 12 Prozent(Quelle: BCA Research) und spielen somit im Vergleich eine weniger gewichtige Rolle.

Europäische Börsen hinken hinterher

Die Kehrseite der Medaille: In Dänemark macht die Marktkapitalisierung von Finanz- und Energieunternehmen nur 8 Prozent aus und in den USA 11 Prozent. In Europa hingen sind es 21 Prozent und in Großbritannien sogar 30 Prozent (Quelle: BCA Research). Dies erklärt, warum sich die Börsen in den USA in den letzten Jahren deutlich besser entwickelten als Europa in Europa und Dänemark neue Höchststände erreicht, während der britische Index hinterherhinkt.

Die Börsen in den USA und in Dänemark mit deutlichem Vorsprung

ERSTE STOCK GLOBAL: Fonds für die weltweit bedeutendsten Unternehmen

Aktien zählen langfristig zu den ertragsreichsten Anlageklassen die der Kapitalmarkt bietet. Hohe Erträge erfordern auch höheres Risiko. Während erfolgreiche Unternehmen steigende Aktienkurse ausweisen, gilt das Gegenteil für die Verlierer.

Daher ist neben der Entscheidung für ein Investment in Aktien auch die Selektion für den Erfolg der Veranlagung ausschlaggebend. Für AnlegerInnen, die nicht ständig selbst Aktien beobachten wollen oder können, ist der ERSTE STOCK GLOBAL eine Alternative. Dieser Aktienfonds der Erste Asset Management ist in qualitativ hochwertigen Wachstumsunternehmen ohne Einschränkung auf Größe, Branchenzugehörigkeit und Standort veranlagt. In die Veranlagungsentscheidungen fließen ökologische und soziale Faktoren sowie Unternehmensführungsfaktoren ein.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wie man US-Aktien bei aktuellen Bewertungen spielt

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Die globalen Aktienmärkte hatten im Jahr 2020 im Zusammenhang mit der globalen Pandemie und dem damit verbundenen Stillstand der Wirtschaft einen erheblichen Rückgang erlebt. In der vergangenen Woche sind die US-Aktien (S&P 500) allerdings wieder bis auf 2,5 Prozent ihres Allzeithochs von vor der Krise (SPX 3394,73, am 19. Februar 2020) angezogen.1 

Zweifelsohne ist diese Erholung für US-Aktienanleger förderlich, insbesondere da sie während einer Gewinnsaison im zweiten Quartal erfolgt, die eigentlich die extrem negativen Auswirkungen der globalen COVID-19-Pandemie auf US-Unternehmen widerspiegeln sollte. Trotz der positiven Entwicklung gibt es einige beachtenswerte Merkmale der Erholung und nach wie vor bestehende Unsicherheiten, die eine vollständige Rückkehr zu einer verstärkten Risikobereitschaft verhindern und in allen Anlegersegmenten große Bestände an Bargeldbeständen zurückhalten.

Seit dem Tiefststand des S&P 500 am 23. März 2020 (SPX 2247,64) hat der Index bis zum 22. Juli 2020 um 47 Prozent zugelegt und damit fast alle Verluste vom Ende des ersten Quartals wieder wettgemacht. Diese Entwicklung hat sich jedoch weitgehend auf die fünf größten Aktien (Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und Alphabet) konzentriert, die zusammengenommen fast ein Viertel (ca. 24 Prozent) zur Erholung beitrugen. Darüber hinaus geht fast die Hälfte (ca. 48 Prozent) der Erholung auf die beiden wichtigsten Sektoren (Technologie und Gesundheitswesen) plus Amazon zurück.2 Obwohl dies den Indexanlegern - und den Lesern des SPDR Sector Compass - zugutekam, hat es einen großen Teil des US-Aktienmarktes reif für Bewertungsmöglichkeiten gemacht, da die Vorteile der Erholung über diese Sektoren hinausgehen. 

Investoren zeigten sich außerdem verhalten optimistisch hinsichtlich der Aussichten für US-Aktien, das bisherige Allzeithoch zu halten oder sogar zu durchbrechen. Das lässt sich daran erkennen, dass die Bargeldbestände der institutionellen Realgeldanleger sich nach wie vor auf historisch hohen Niveaus befinden. Die Anleger sind eindeutig der Ansicht, dass eine nachhaltige, breit angelegte wirtschaftliche Erholung nicht möglich sein wird, solange keine medizinische Lösung für die COVID-19-Pandemie in Sicht ist.

Die relativen Chancen für Anleger in US-Aktien bei den derzeitigen Bewertungen könnten an drei Stellen zu finden sein: 

  • Erstens können Anleger von einer stabilen Dividendenstrategie wie den Dividend Aristocrats profitieren, die den Anlegern neben einer beachtlichen Rendite derzeit auch ein erhebliches Value-Exposure bietet (siehe Abbildung 1). Viele Unternehmen sahen sich im Zuge der COVID-19-Pandemie gezwungen, ihre Dividenden zu kürzen, unser Dividend Aristocrats Index hingegen musste in diesem Jahr aufgrund von Dividendenaussetzungen nur vier Aktien entfernen.
  • Zweitens können Anleger über unseren Exposure-Select-Index, der zur Vermeidung von Value-Fallen eine leichte Qualitätsbewertung verwendet, auch selektiv rein Value spielen. Dieser Index bietet auch ein relativ attraktives Rendite-Exposure (Abbildung 1), so dass sich Abwarten für Anleger bezahlt machen können.
  • Drittens kann für die vorsichtigsten Long-Anleger ein Ansatz mit geringer Volatilität die aggressivste Positionierung gegen negative Auswirkungen der anhaltenden Unsicherheit bieten.

Abbildung 1: Vergleich des aktuellen FaCS Active Exposure (vs. S&P 500 Index)

Wie man diese Themen spielt

In einem einzigen einfachen Trade können Anleger über unsere SPDR-ETFs auf jedes dieser Themen zugreifen. Der SPDR S&P U.S. Dividend Aristocrats UCITS ETF bietet Anlegern stabile Dividendenaktien zu einer relativ attraktiven Bewertung. Der SPDR MSCI USA Value UCITS ETF bietet die Gelegenheit, Value selektiv zu spielen, und der SPDR S&P 500 Low Volatility UCITS ETF ermöglicht es Anlegern, das Portfoliorisiko zu senken, indem er auf die am wenigsten volatilen S&P 500-Aktien abzielt. Um mehr über diese Fonds zu erfahren und die vollständige Performance-Historie einzusehen, folgen Sie bitte den untenstehenden Links.

SPDR S&P U.S. Dividend Aristocrats UCITS ETF
SPDR MSCI USA Value UCITS ETF
SPDR S&P 500 Low Volatility UCITS ETF


1) Quelle: Bloomberg Finance L.P., Stand: 22. Juli 2020.
2) Quelle: State Street Global Advisors, FactSet, Stand: 22. Juli 2020. Diese Informationen sind nicht als Empfehlung zu verstehen, in einen bestimmten Sektor zu investieren oder ein dargestelltes Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen. Es ist nicht bekannt, ob die gezeigten Sektoren oder Wertpapiere in der Zukunft rentabel sein werden.

Rennen um Corona-Impfstoff: Schon 25 Impfstoffkandidaten in klinischen Tests

Angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen in einigen Regionen arbeiten Forscher weltweit fieberhaft an möglichen Impfstoffen gegen das Corona-Virus und Medikamenten für die Behandlung der von dem Virus ausgelösten Lungenkrankheit COVID-19. Das internationale Rennen von Pharmafirmen und Universitäten um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs kommt mittlerweile voran. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden derzeit schon 25 Kandidaten klinisch getestet.

Bevor ein Wirkstoff als Medikament am Markt zugelassen wird, muss er mehrere Testphasen durchlaufen. Am Anfang stehen die sogenannten präklinischen Studien. Nach der Entwicklung des Impfstoffs im Labor wird er zunächst „in vitro“ – also quasi im Reagenzglas – an organischen Molekülverbindungen und Zellkulturen getestet. Darauf folgen Tests an lebenden, nicht menschlichen Organismen – von einfachen Bakterien bis zu Versuchstieren. 141 Impfstoffkandidaten befinden sich laut WHO derzeit in dieser vorklinischen Testphase.

Aussichtsreiche Wirkstoffkandidaten werden dann zu klinischen Studien zugelassen. In der sogenannten „Phase 1“ wird ein Wirkstoff zunächst an gesunden, freiwilligen Versuchskandidaten getestet. Hier soll zunächst nur die generelle Verträglichkeit und Unbedenklichkeit der Anwendung gezeigt werden. Verläuft diese Phase erfolgreich rückt der Wirkstoff weiter in Phase 2 und Phase 3 vor. In Phase 2 soll zunächst mit einer kleinen Gruppe von tatsächlichen Patienten die generelle Wirksamkeit des potenziellen Medikaments gezeigt werden. In Phase 3 wird schließlich eine größere Gruppe von Patienten mit dem Wirkstoff behandelt, auch um Fragen wie Dosierung und Nebenwirkungen zu klären. Erst bei erfolgreicher Absolvierung der Phase 3 kann die Marktzulassung für ein Medikament beantragt werden.

Schon fünf Impfstoffkandidaten in letzter Testphase vor Zulassung

Fünf Impfstoffkandidaten befinden sich laut WHO schon in Phase 3 und stehen damit auf der letzten Stufe vor einer potenziellen Marktzulassung. Darunter befinden sich drei von chinesischen Instituten entwickelte Wirkstoffe. Das chinesische Pharmaunternehmen Sinovac hat etwa zuletzt die dritte Testphase seines Impfstoffkandidaten in Brasilien gestartet.

Weit voran ist auch ein von der Universität Oxford gemeinsam mit dem britischen Pharmakonzern AstraZeneca entwickelter Wirkstoff. Der Impfstoff erwies sich laut einer im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Studie in den bisherigen Testreihen als gut verträglich und sorgte für die Bildung von Antikörpern sowie für eine Immunisierung gegen Covid-19. Die Ergebnisse der entscheidenden dritten Testphase werden im Herbst erwartet.

Ist diese erfolgreich, will der Pharmakonzern bis Ende des Jahres einen Coronavirus-Impfstoff auf den Markt bringen. Dieser soll laut AstraZeneca-Chef Pascal Soriot weltweit „zum Selbstkostenpreis“ von ungefähr 2,50 Euro pro Einheit verkauft werden. An der Börse wurden die Aussicht auf einen Corona-Impfstoff gut aufgenommen, seit Jahresbeginn hat die AstraZeneca-Aktie rund 13 Prozent zugelegt.

Schon zugelassen zu Phase 3 wurde auch ein Impfstoff des US-Pharmakonzerns Moderna. Das Unternehmen erhielt zuletzt einen Zuschuss über 486 Mio. US-Dollar von der US-Regierung. Im Rahmen ihres Programms „Warp Speed“ im Kampf gegen das Virus hat die US-Regierung schon mehrere Impfstoffprojekte mit gewaltigen Summen gefördert.

13 Wirkstoffe befinden sich laut WHO derzeit zumindest teilweise schon in Phase-2-Studien. Große Hoffnungen werden hier auf vom US-Pharmakonzern Pfizer gemeinsam mit dem deutschen Biopharmaunternehmen BioNTech entwickelten Impfstoff gesetzt. Anders als AstraZeneca und Chinas Pharmakonzerne arbeiten die beiden Unternehmen mit einem Impfstofftyp, der Ribonukleinsäure verwendet. Dieser chemische Botenstoff enthält Anweisungen zur Herstellung von Proteinen. Der Körper erkennt diese virusähnlichen Proteine ​​als Eindringlinge und kann dadurch eine Immunantwort gegen das eigentliche Virus auslösen.

Zu insgesamt vier RNA-Impfstoffkandidaten von BioNTech und Pfizer laufen derzeit in den USA und in Deutschland Studien der Phase I und II. Erste Ergebnisse dieser Studien in den USA sind Experten zufolge positiv ausgefallen. 45 Probanden hatten Antikörper gegen den Erreger SARS-CoV-2 entwickelt. Unklar ist aber noch, ob diese Antikörper tatsächlich vor einer Infektion schützen. Das sollen weitere Tests mit bis zu 30.000 Probanden zeigen.

Möglichst bald wollen Pfizer und BioNTech nun mit weiteren Studien der Phase 3 starten. So hat das besonders stark von der Pandemie betroffene Brasilien nach Sinovac und AstraZeneca zuletzt auch den deutsch-amerikanischen Impfstoffkandidaten für Tests zugelassen. Wenn die noch anstehenden Studien erfolgreich verlaufen, soll im Oktober das Zulassungsverfahren beantragt werden. Die USA haben bereits über 100 Millionen Dosen mit dem Wirkstoff für knapp 2 Mrd. Dollar geordert.

Impfstoff-Phantasie beflügelt Aktienkurse

Mit der Hoffnung auf einen Impfstoffkandidaten hat BioNTech zuletzt auch an der Börse für Aufmerksamkeit gesorgt. Das Unternehmen ist seit Oktober 2019 an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert. Seit Jahresbeginn hat der Kurs der Hinterlegungsscheine (ADR) von BioNTech schon rund 161 Prozent zugelegt. Mit einer Kapitalerhöhung hat das Unternehmen zuletzt rund 512 Mio. Dollar eingesammelt und sich damit weitere Mittel für die Impfstoffentwicklung sichergestellt.

Klinische Studien gestartet hat mittlerweile auch der deutsche Impfstoffentwickler CureVac. Mitte 2021 soll sein Wirkstoff marktreif sein. Auch CureVac plant einen Börsengang in den USA. Hauptinvestor bei CureVac ist derzeit Dievini, die Beteiligungsgesellschaft des SAP-Gründers Dietmar Hopp. Daneben sind zuletzt sowohl der deutsche Staat mit 23 Prozent als auch die britische Pharmafirma GlaxoSmithKline mit rund 10 Prozent bei CureVac eingestiegen.

Auch die österreichisch-französische Valneva mit einem Forschungsstandort in Wien arbeitet derzeit an einem Impfstoffkandidaten. Das aus der Fusion der österreichischen Intercell mit der französischen Vivalis entstandene Unternehmen will im November oder Dezember mit den klinischen Studien seines potenziellen Corona-Impfstoffes starten. Der Börsenkurs von Valneva hat sich heuer vor diesem Hintergrund bereits fast verdoppelt.

Neben der Entwicklung von neuartigen Impfstoffen gegen das Corona-Virus wird weltweit auch die Wirksamkeit schon existierender Medikamente für die Behandlung getestet. Hoffnungen liegen etwa auf dem Medikament Remdesivir des US-Pharmakonzerns Gilead. Das Mittel wurde ursprünglich zur Behandlung der Viruserkrankung Ebola entwickelt, aber nie für diesen Einsatz zugelassen.

Remdesivir gilt nun als eine von wenigen wirksamen Arzneien bei schweren Fällen der vom Virus ausgelösten Lungenkrankheit. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hatte die Zulassung für Patienten ab zwölf Jahren empfohlen. Ärzte sehen Remdesivir nicht als Allheilmittel, wohl aber als Lichtblick für Corona-Patienten. Das von Nichi-Iko Pharmaceutical hergestellte Medikamant Dexamethason zeigt Studien zufolge ebenfalls eine geringere Sterblichkeit bei Patienten und wurde in Japan nun zur Behandlung zugelassen.

Österreichische Marinomed vor Test ihres Wirkstoffs Carragelose

Auch die börsenotierte österreichische Marinomed will in einer klinischen Studie ihren Wirkstoff Carragelose im Einsatz gegen das Coronavirus testen. Zelltests hatten gezeigt, dass Carragelose das Potenzial habe, das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, zu reduzieren oder auch die Krankheit zu behandeln.

Das Biotech-Unternehmen hat bereits Produkte gegen Erkältungskrankheiten mit dem Wirkstoff zur Anwendung in Nase und Rachenraum am Markt. Nun soll nächstes Jahr ein Produkt zur Inhalation auf den Markt kommen, das in der Lunge gegen den Virus wirkt – „sofern die klinischen Daten das erlauben“, sagte die wissenschaftliche Leiterin von Marinomed, Eva Prieschl-Grassauer, bei einer Pressekonferenz.

Bei steigender Konzentration des Wirkstoffs könnten mehr als 90 Prozent des Virus unterdrückt werden. Das Produkt wurde zum Einsatz gegen Erkältungskrankheiten entwickelt, um die Zellen vor dem Eindringen von Viren zu schützen. Nun habe ein Zelltest gezeigt, dass der Wirkstoff die Zellen auch vor dem neuartigen Coronavirus schützen könne.

ERSTE STOCK BIOTEC profitiert von steigenden Gesundheitsausgaben

Einige der erwähnten Unternehmen sind auch im Portfolio des ERSTE STOCK BIOTEC enthalten. Der im April 2000 aufgelegte Aktienfonds der Erste Asset Management zeigt im heurigen Jahr eine positive Performance von 2,8 Prozent* (per 24.7.2020, Quelle Reuters Eikon), auf 5 Jahre berechnet beträgt die Wertentwicklung minus 0,62 Prozent pro Jahr*, siehe Grafik. Seit dem Fondsstart wurde eine beachtliche Wertsteigerung von 8,9 Prozent pro Jahr* vollzogen.

Fondsmanager Harald Kober, der die Entwicklung von Corona-Impfstoffen genau beobachtet, glaubt nicht, dass es nur das eine Heilmittel gibt oder nur ein Impfstoff den Durchbruch schaffen wird. Es werde mehrere Wirkstoffe von unterschiedlichen Firmen geben, die unterschiedliche Wirkungsweisen hätten – etwa für Ältere oder andere Gruppen – so Kober in einem Interview mit der Tageszeitung Die Presse. Ob damit das große Geld zu verdienen sei, sei fraglich, zumal viele Unternehmen ihre Präparate zum Selbstkostenpreis zur Verfügung stellen wollten. Zudem gebe es noch Unklarheiten, etwa zu der Frage, wie lange die Geimpften immun bleiben oder wie viele Dosen benötigt werden.

*Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt laut OeKB (Oesterreichische Kontrollbank)-Methode. Die Wertentwicklung unterstellt eine vollständige Wiederveranlagung der Ausschüttung und berücksichtigt die Verwaltungsgebühr sowie eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 4,0 Prozent und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Wird Corona das „große Geschäft“?

Der Biotechnologie-Sektor profitiere von vielen anderen Betätigungsfeldern wie zum Beispiel der Bekämpfung verschiedener Krebsarten oder Krankheiten, für die es noch keine wirksame Behandlung gebe. Die Covid-Krise habe vor Augen geführt, wie wichtig die teure Forschung und Entwicklung sei. Angesichts der alternden Weltbevölkerung sei es auch nötig die Diagnostik voranzutreiben, um die öffentlichen Kassen zu entlasten. Die Branche werde unabhängig von der Konjunktur wachsen, unterstreicht Kober.

AnlegerInnen, die den Einstieg in den Biotechnologie-Sektor erwägen, sind gut beraten mit einer breiten Streuung, wie sie beispielsweise im ERSTE STOCK BIOTEC gegeben ist. Denn in der Vergangenheit hat sich oft gezeigt, dass die Aktienkurse chancenreicher Unternehmen rasch steigen, aber auch umso schneller fallen können, wenn die hohen Erwartungen enttäuscht werden.

Umgekehrt verspricht der Biotechnologie-Sektor im Hinblick auf die Alterung der Gesellschaft und immer noch zahlreicher nicht besiegter Krankheiten überdurchschnittliche Wachstumschancen. Ein entsprechend langfristiger Anlagehorizont ist unbedingt einzuplanen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Gold ist die neue Put-Option... wieder einmal

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Gold hat den S&P 500 Index in diesem Jahr um 28 Prozent in den Schatten gestellt1. Trotz der Risiken hat sich der S&P-500-Index - ähnlich wie die meisten anderen Aktienindizes - von der Flaute im März dieses Jahres kräftig erholt. Wenn die Anleger zu Optionen eilen würden, um ihre Aktienengagements vor einem möglichen Abschwung zu schützen, würde sich dies in einem erhöhten Wert des VIX2 niederschlagen. Stattdessen sehen wir, dass der VIX weiter nachlässt und sich dem Niveau von 2019 nähert - als die Welt noch ganz anders aussah.

Wir sehen jedoch, dass Gold zunehmend als Put-Option eingesetzt wird- und das nicht zum ersten Mal. Nach früheren Zusammenbrüchen an den Aktienmärkten - insbesondere dem Dotcom-Crash und der globalen Finanzkrise - hat Gold Aktien stark übertroffen (siehe Abbildung unten). Wenn sich die Aktienkurse erholen, bewegen sie sich - auf eine Art und Weise, die wenig eingängig zu sein scheint - in dieselbe Richtung wie Gold. Seit März dieses Jahres haben sie dies in der Tat so gemacht.

Abbildung 1: Die Outperformance von Gold gegenüber Aktien in diesem Jahr erinnert an frühere Crashs

Abbildung 1.jpg
Quelle: WisdomTree, Blo
omberg. Daten vom 27. Juli 2020. Der Balken 2020 verkörpert die annualisierte Zahl der Outperformance bis zum 27. Juli 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Investitionen können an Wert verlieren.

Let’s „put“ the risks together

Investoren mit Aktienexposure interessieren sich möglicher Weise für die Absicherung folgender Risiken:

  • Einkünfte: Eine Kombination aus tatsächlichen und geschätzten S&P 500-Gewinnen im zweiten Quartal zeigt einen Rückgang von 44 Prozent im Jahresvergleich. Wenn die tatsächlichen Ergebnisse mit den Schätzungen übereinstimmen, wären die Nettogewinnmargen im zweiten Quartal 2020 die niedrigsten seit dem vierten Quartal 20093. Angesichts der Aktienrallye im zweiten Quartal könnte die Ertragsschwäche die Wall Street enttäuschen.
  • Infektionen: Der kontinuierliche Anstieg der täglich neu auftretenden Fälle von Covid-19-Infektionen auf der ganzen Welt könnte die Märkte in Mitleidenschaft ziehen, wenn Investoren erkennen, dass die Hoffnungen auf einen baldigen Impfstoff möglicherweise verfrüht sind.
  • Wirtschaftliche Daten: Die Bruttoinlandsproduktdaten des zweiten Quartals für die USA und Europa können als Realitätsprüfung dienen. Eine Erholung der Einkaufsmanagerindizes, die den Märkten viel Trost gespendet hat, deutet nur auf eine Verbesserung von Monat zu Monat und nicht auf eine ganzheitliche Erholung der Wirtschaft hin.
  • Geopolitik: Die Aktienmärkte haben die steigenden Spannungen zwischen den USA und China weitgehend verdrängt. Hätte Covid-19 in diesem Jahr nicht im Mittelpunkt gestanden, wären die Anleger vielleicht eher geneigt gewesen, der Sache mehr Beachtung zu schenken. Bis zur Pandemie waren Handelskriege das Thema, welches die Märkte am meisten quälte.

Können sich Aktien und Gold weiterhin parallel bewegen?

Abgesehen von häufigen, aber kurzlebigen Schwankungen haben sich die Aktienkurse seit März dank erheblicher geldpolitischer Anreize durch die Zentralbanken allgemein erholt. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Stimuli in den nächsten Monaten zurückgenommen werden. Aber auch die erwähnten Risiken werden wahrscheinlich nicht verschwinden. Dies schafft ein Szenario, in dem sowohl Aktien als auch Gold weiter nach oben drängen könnten. Die Anleger könnten ihr Aktienengagement weiter erhöhen, aber versuchen, ihr Abwärtsrisiko mit der scheinbar neuen Put-Option - Gold - zu mindern.


1) Stand: 27. Juli 2020.
2) VIX steht für den CBOE-Volatilitätsindex
3) Laut FactSet, Stand: 20. Juli 2020

Real Assets und die Suche nach robusten Erträgen

von Chris Urwin, Director of Research, Real Assets, und Laurence Monnier, Head of Quantitative Research, Real Assets, bei Aviva Investors.

Real Assets sind vielfältige Investments, die von Immobilien über Infrastruktur bis hin zu Private Debt reichen. Auf Real Assets haben in der Vergangenheit jene Investoren gesetzt, die an einer Illiquiditätsprämie oder an sicheren Anlagen interessiert waren. Doch nun sind die Perspektiven komplex: Die Ertragstreiber sind von COVID-19 in ganz unterschiedlicher Weise betroffen.

Long Income Real Estate hat sich in der Vergangenheit in Krisenzeiten gut entwickelt, da langfristige Mietverträge kaum am Konjunkturzyklus hängen. Unsere Analyse zeigt: Solche auf langfristigen Mietverträgen beruhenden Immobilieninvestments sind auf Zehnjahressicht risikobereinigt und auf Relative-Value-Basis attraktiv. Mit bonitätsstarken Mietern sind die Cashflows in der Regel stabil und bleiben vergleichsweise unberührt von kurzfristigen Turbulenzen.

Für Immobilien mit bonitätsstarken Mietern, etwa solche aus dem öffentlichen Dienst, sind die Ertragsaussichten gut. Supermärkte mit langfristigen Mietverträgen scheinen ebenfalls gut positioniert zu sein, da Bestellungen nach Hause zugenommen haben. Längerfristig könnte sich der Trend hin zu Online-Käufen aber verstärken – zu Lasten des stationären Einzelhandels.

In anderen Bereichen hat COVID-19 für neue Unsicherheiten gesorgt. Etwa wechselten viele Bildungseinrichtungen zum Online-Unterricht oder schlossen Einrichtungen und Unterkünfte komplett. Social Distancing hat auch Auswirkungen auf die Belegung von Studentenwohnheimen. Immobilien mit Mietgarantien seitens der Universitäten bieten Schutz für Vermieter, es bleibt aber abzuwarten, ob immer mehr Studenten auf Online-Unterricht übergehen.

Auch Hotels leiden. Viele von ihnen arbeiten bereits mit hohen Fixkosten und geringen Margen. Ihnen wird ein anhaltendes Social Distancing deutlich zusetzen.

Des Weiteren dürfte es in Teilsektoren zu erheblichen Veränderungen kommen. Im Logistikbereich könnten Nutzer zur Absicherung von Lieferketten ihre Lagerbestände erhöhen. Im Bürobereich könnte sich der Trend hin zum Home Office und flexiblen Arbeiten beschleunigen. Veränderungen in den Marktmieten dürften sich auch schneller in den Mieteinnahmen niederschlagen. Die Konsequenz: Die Qualität der Kernimmobilien wird dann wichtiger.

Erträge durch Infrastrukturinvestments

Auch Infrastruktur ist bei ertragsorientierten Investoren auf Interesse gestoßen. Unser Modell geht davon aus, dass nichtfremdfinanzierte, subventionierte Erneuerbare Energien-Projekte in Großbritannien höhere Renditen erwarten lassen – wenn auch bei höherem Risiko. vNicht-diskretionäre Dienstleistungen wie Versorgung und subventionierte Erneuerbare Energien zeigen die größte Widerstandsfähigkeit. Da der Zugang zu Daten mittlerweile zur Grundversorgung gehört, weisen Datenübertragung und -speicherung nun versorgerähnliche Eigenschaften auf. Unsicherheiten gibt es hingegen in Bereichen mit Nachfrageschocks, etwa dem Verkehrssektor.

Vor einer Bewährung steht außerdem die Widerstandsfähigkeit von Infrastrukturanleihen. In der Vergangenheit gab es wegen harter Vertragsklauseln und Liquiditätsreserven weniger Ausfälle bei Infrastruktur- als bei Unternehmensanleihen. Plötzliche Umsatzrückgänge könnten zwar zu technischen Ausfällen führen, entscheidend für die Vermeidung von Zahlungsausfällen und Restrukturierungen ist aber die Liquidität. Systemrelevante Infrastruktur dürfte im Übrigen von Anteilseignern und Regierungen unterstützt werden.

Private Debt als weitere Option

Eine weitere Möglichkeit für ertragsorientierte Investoren bei vergleichsweise geringem Risiko ist die Prämie, die für vorrangig besicherte und festverzinsliche Private Debt-Investments gezahlt wird. Investoren mit mehr Risikoappetit könnten dank variabel verzinslichen Anleihen höhere Erträge erzielen, insbesondere mit Mittelstandskrediten.

Aufgrund von staatlichen Eingriffen haben sich die Aussichten für die Private Debt-Illiquiditätsprämie allerdings verschlechtert. Die eingeführten staatlichen Anleihegarantien als Reaktion auf COVID-19 haben die Lage stark verändert.

Auf der anderen Seite bleiben die Refinanzierungskosten der Banken hoch. Sie dürften Risiken weiter reduzieren, um Kapital für Neugeschäft zu schaffen. Dies sollte Spielraum für Kreditgeber aus dem Nicht-Banken-Bereich eröffnen.

Abgesehen davon lohnt sich ein Blick auf langfristige Trends: Die steigende Nachfrage nach Datennetzwerkkapazitäten oder erneuerbaren Energien schaffen Chancen. Darauf zu setzen kann dazu beitragen, die für Investoren so wichtigen Erträge zu erzielen.


https://www.avivainvestors.com/content/dam/aviva-investors/main/assets/views/real-assets-house-view/downloads/real-assets-house-view-2020.pdf

AVIVA INVESTORS

Aviva Investors ist die global tätige Asset-Management-Gesellschaft des britischen Versicherers Aviva plc. Das Unternehmen liefert seinen Kunden weltweit Investmentmanagementlösungen, Dienstleistungen und kundenorientierte Performance. Aviva Investors ist in 14 Ländern im asiatisch-pazifischen Raum, in Europa, Nordamerika und Großbritannien tätig und verwaltet ein Vermögen von 405 Milliarden Euro per 31. Dezember 2019.

Nachhaltige Energie – ERSTE GREEN INVEST

von Dominik Benedikt, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Der Klimawandel und seine Folgen gelten als die größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte. Um einen Umkehrtrend für eine umweltfreundliche Zukunft zu erreichen, bedarf es der gemeinsamen Anstrengung verschiedenster Bereiche.

Auch der Finanzsektor leistet mit der gezielten Steuerung von Investitionen einen wesentlichen Beitrag. In unserer neuen Serie blicken wir jeden Freitag auf eines der Schwerpunktthemen des neuen Umweltfonds ERSTE GREEN INVEST

Nachhaltigkeit ist vielschichtig

Müsste man Nachhaltigkeit auf eine einzige Größe reduzieren, so wäre diese zweifelsohne die Energie. Energie sowohl im Zentrum der ökologischen Probleme, die wir heute bewältigen müssen als auch der Lösungen. Als physikalische Größe gibt sie fundamentale Gesetzmäßigkeiten vor, gegen die kein Markt und kein politischer Wille bestehen kann.

Das Wort Energie geht ursprünglich auf das altgriechische energeia zurück, das bei Aristoteles das Prinzip beschreibt, das eine Veränderung verursacht und ohne das diese Veränderung der Wirklichkeit unmöglich wäre. Erst überraschend spät, Anfang des 19. Jahrhunderts, wurde es durch den Physiker Thomas Young auch dauerhaft eine naturwissenschaftliche Begrifflichkeit.

Der französische Physiker Nicolas Léonard Sadi Carnot begründete darauf einen neuen Zweig der Wissenschaft, die Thermodynamik. Seine Thesen entstanden aus dem Studium der Dampfmaschine, also jener Erfindung die, die industrielle Revolution ermöglichte – und in der Folge den gegenwärtigen Klimawandel angestoßen hat.

Die physikalische Unordnung

Vereinfacht ausgedrückt wurde und werden durch den massiven Abbau fossiler Energieträger, der Atmosphäre über etwas mehr als ein Jahrhundert immense Mengen an Energie zugeführt, die zuvor über Millionen Jahre unterirdisch gespeichert worden waren.

Gemäß des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik, führt eine solche Zunahme an Energie und Materie in einem System, konkret in Form von zunehmenden Treibhausgasen in der Atmosphäre, zu einer massive Zunahme der Entropie, oder anders ausgedrückt der „physikalischen Unordnung“. Das praktische Resultat sind immer unvorhersehbarere und extremere meteorologischen Ereignisse, und somit immer unberechenbarere Risken für Wirtschaft, Gesellschaft – und Investoren.

Erneuerbare Energieträger liefern die Energie um unsere Wirtschaft anzutreiben

Der Mensch kann die Physik nicht überlisten. Die gute Nachricht: er muss auch nicht. Erneuerbare Energieträger liefern die Energie um unsere Wirtschaft und Gesellschaft anzutreiben. Da diese Energie quasi bereits in Form von Sonneneinstrahlung, Wind oder Wasserkraft vorhanden ist, und „nur“ nutzbar gemacht werden muss, kommt es durch deren Nutzung zu keiner weiteren Zunahme der Entropie.

Der Umbau eines seit dem Ende des 18. Jahrhunderts gewachsenen Energiesystems ist natürlich eine gewaltige Herausforderung. Er ist aber ebenso eine immense Chance, die man gerade als nachhaltiger Investor nutzen kann. Der Ausbau von Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft zieht jährlich zumindest dreistellige Milliardenbeträge an Investitionen an.

Der Endverbrauch von erneuerbaren Energieträgern ist von 1988 bis 2018 von rund 88 Petajoule (PJ) auf rund 171 PJ angestiegen, während der Einsatz von Kohle in diesem Zeitraum von rund 54 PJ auf 18 PJ gesunken ist. Durch den Wandel zur Elektromobilität kann die Abhängigkeit vom Erdöl gebrochen werden, und durch die Entwicklung der Hydrolyse von Wasserstoff kann Strom aus erneuerbarer Energie langfristig gespeichert werden. Die Sommersonne erlaubt plötzlich sich im Winter behaglich zu wärmen.

Dieser Umbruch ist im vollen Gang. Es ist also kein Wunder, dass Energie auch im ERSTE GREEN INVEST das größte Thema ist – um den Wandel in Richtung Zukunft mit zu finanzieren, und von seiner ökologischen wie finanziellen Rendite zu profitieren.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Ein Blick auf die Märkte: Europäische Aktien scheinen günstiger, aber der Schein trügt

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Nach der Erholung der Börsen seit März erscheinen europäische Aktien im Vergleich zu US-Aktien "billiger". Aber das ist eine alte Geschichte.

Die CAPE®-Kennzahl (Cyclically Adjusted Price Earnings) von Professor Shiller misst den langfristigen Wert von Vermögenswerten, indem der Preis eines Aktienindex durch den gleitenden Durchschnitt der Gewinne der letzten 10 Jahre geteilt wird. Dadurch können die Auswirkungen zyklischer Ertragsschwankungen eliminiert werden. Abbildung 1 zeigt die Divergenz zwischen US-amerikanischen und europäischen Aktien seit der globalen Finanzkrise 2008. Die Geschichte, dass europäische Aktien jetzt billig sind, ist dasselbe Märchen, das im letzten Jahrzehnt auch schon erzählt wurde.

Abbildung 1: Europäische Aktien scheinen im Vergleich zu US-Aktien zunehmend billiger

Abbildung 1.png
Quelle: Barclays. Monatliche Daten bis 30/06/2020. US-Aktien beziehen sich auf den S&P500-Index. Europäische Aktien beziehen sich auf den Bloomberg European 500 Index. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Monetäre Anreize sind nicht der Grund dafür

Die expansive Geldpolitik der US-Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) hat seit 2008 dazu beigetragen, die Aktienmärkte in beiden Regionen anzukurbeln. Aber sind die europäischen Titel seit der globalen Finanzkrise aufgrund der geringeren Feuerkraft der EZB hinter den US-Aktien zurückgeblieben? Dies scheint nicht der Fall zu sein. Abbildung 2 zeigt, dass die Geldspritze der EZB im Verhältnis zur Wirtschaftskraft - wenn überhaupt - größer war als die der Fed.

Abbildung 2: Bei der monetären Anpassung: EZB und Fed im Einklang

Abbildung 2.png
Quelle: Bloomberg. Monatliche Daten bis 30/06/2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Tendenz zur "New Economy"

Aktien, die zur New Economy gehören, haben in den US-Indizes im Vergleich zu den europäischen ein zunehmend größeres Gewicht erhalten - insbesondere in den letzten 5 Jahren. Der Begriff "New Economy" bezieht sich auf Unternehmen, die an der vordersten Front im Innovationsbereich stehen. Technologie und Gesundheitswesen sind die führenden Kandidaten dieser Kategorie. Die Bewertungsmultiplikatoren sind in den letzten Jahren gestiegen, da die Märkte weiterhin auf die Innovation aus diesen Sektoren setzen, die das Zukunftswachstum vorantreiben.

Im Gegensatz dazu haben europäische Aktien immer noch einen hohen Anteil an den Sektoren der "Old Economy", darunter Finanzwerte, Verbrauchsgüter und Industrieunternehmen. Es ist nicht fair zu sagen, dass Unternehmen der "Old Economy" nicht innovativ sind. Allerdings tendieren diese Unternehmen im Vergleich zu den Internetgesteuerten Unternehmen der New Economy dazu auf Geschäftsmodelle im Stil des 20. Jahrhunderts aufzubauen.

Abbildung 3: Die US-Aktienmärkte haben sich in Richtung neuer Wirtschaftssektoren bewegt

Abbildung 3.png
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Daten vom 17. Juli 2020. Jeder Datenpunkt entspricht dem Stand vom 17. Juli für das jeweilige Jahr. US-Aktien beziehen sich auf den S&P500-Index. Europäische Aktien beziehen sich auf den European 500 Index von Bloomberg. Sektoren der 'New Economy' beziehen sich auf die kombinierte Gewichtung in den Bereichen Informationstechnologie, Gesundheitswesen und Kommunikationsdienste. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Was Investoren beachten sollten Eine starke Aktienperformance entsteht, wenn qualitativ hochwertige Unternehmen robuste Gewinne erwirtschaften. Dies kann in jedem Sektor - egal, ob Old oder New Economy - und in jeder Region geschehen. Es ergeben sich drei wichtige Erkenntnisse:

  1. Es ist hilfreich, die Bewertungsmultiplikatoren im Auge zu behalten, aber sich bei der Vorhersage der Performance nicht alleine auf sie zu verlassen. US-Aktien wurden in der Vergangenheit zu höheren Multiplikatoren gehandelt als europäische Aktien, und dies könnte auch in Zukunft der Fall sein.
  2. Wenn der nach Marktkapitalisierung gewichtete Sektormix nicht der wünschenswerteste ist, können sich Anleger auch für Ansätze entscheiden, die fundamentale Faktoren zur Gewichtung verwenden.
  3. Es gibt zudem Möglichkeiten, ein gezieltes Engagement in Innovationsbereichen zu erreichen. Neues Wachstum kommt aus Sektoren der New Economy. Dies sollte dazu ermutigen, auch neue Investitionsformen zu beschreiten.

Sind Technologieaktien heute, was einst die Versorger waren?

von Bernhard Ruttenstorfer, Senior Fondsmanager der Erste Asset Management.

Wenn man sich die atemberaubende Entwicklung der Technologie-Aktien in den letzten Jahren ansieht, werden Erinnerungen an das Jahr 2000 wach. Doch was ist anders als damals? Wie lassen sich die starken Kursgewinne erklären und gibt es noch Potenzial?

Vom Hoffnungsträger zum Ertragsbringer

 Eines vorweg genommen: Bewertung und Profitabilität sind nicht vergleichbar mit dem Jahr 2000.Vor ziemlich genau 20 Jahren (im April 2000) sahen Investoren nach einem jahrelangen Boom im Technologie-Sektor Höchstkurse.

Damals war das Umfeld von großen Erwartungen auf ein zukünftig ertragreiches Geschäft geprägt. Die Bewertungen standen damals und auch in den Jahren danach auf deutlich höheren Niveaus als heute. Die Profitabilität bei vielen Unternehmen war mit Standards, die wir aktuell sehen, nicht vergleichbar.

Anwendungen mit Zukunft: vom Autonomen Fahren bis zum Video-Gaming

 Die Bewertungen und die Profitabilität haben sich in den letzten 10 Jahren deutlich verbessert – nicht grundlos. Die rasanten technologischen Entwicklungen im letzten Jahrzehnt haben gezeigt, weshalb Technologie-Unternehmen ihren Preis wert sind.

Der Wandel des Technologie-Sektors innerhalb der letzten 20 Jahre ist beeindruckend. Anwendungen, die aus dem Tech-Sektor stammen, werden bereits vielfach eingesetzt und das quer über alle Branchen:

  • Kommunikation (Mobiltelefonie, Home Office, 5G usw.),
  • Unterhaltung (u.a. Videostreaming, Video-Gaming, Soziale Netzwerke),
  • Handel (via Online-Shopping, Logistik, usw.),
  • Bezahldienste (Digital-Payment online und offline, digitale Währungen usw.)
  • Sicherheit (z.B. Autonomes Fahren, Automatisierung in Produktion) oder auch
  • Big Data (z.B. mittels Künstlicher Intelligenz, Datenanalyse und Dateninterpretation)

Durch diese immense Bandbreite an Anwendungsmöglichkeiten ist Technologie-Sektor wesentlich robuster aufgestellt als in der Vergangenheit. Zusätzlich zur Erhöhung der Anzahl an Einsatzmöglichkeiten hat sich die Bedeutung der IT-Anwendungen/Produkte deutlich erhöht. Gerade die letzten Monate haben eindrucksvoll vor Augen geführt, dass IT ein kritischer Faktor sein kann.

Durch Corona wurde Home-Office „salonfähig“

Remote Computing (Cloud Computing) hat einen (oftmals) reibungslosen Umstieg vom Arbeiten im Office zum Arbeiten im Home-Office ermöglicht. Video-Telefonie oder zumindest saubere Lösungen für Audio-Calls waren ebenfalls hilfreich.

Konsumenten konnten trotz Ausgangsbeschränkungen und geschlossen Geschäften problemlos Konsumartikel beschaffen. Online-Shopping und Online-Payment machten es möglich. Und der Besuch im Kino wurde durch Video-Streaming zu Hause ersetzt. Dies sind nur ein paar wenige Beispiele.

Es war einfach notwendig, IT-Dienste zu nutzen. Das stützt die Profitabilität der Hersteller. Viel wichtiger ist für mich, dass diese Entwicklungen in den letzten Monaten nicht neu sind, sondern schon seit Jahren passieren. Die Fakten sprechen dafür. Die jüngste Vergangenheit hat diese Trends verstärkt, beschleunigt und manifestiert.

 Stabile Gewinn-Erwartungen für 2020

Die trotz der Corona-Krise erfreuliche Entwicklung im Jahr 2020 – immerhin sind Technologie-Aktien wieder knapp zweistellig im Plus (per 30.6.2020, Quelle Bloomberg. Anm.) lässt sich an den Unternehmensergebnisses bzw. Ergebnis-Erwartungen der Sektoren ablesen: während für den globalen entwickelten Aktienmarkt ein Gewinnrückgang von über 20 Prozent im Jahr 2020 erwartet wird, sieht der Markt für IT-Unternehmen ein stabiles Gewinn-Niveau für heuer.

FAZIT

Die Frage ob Technologieunternehmen heute das sind, was Versorger früher einmal waren, ist berechtigt. Die wirtschaftlichen Boom-Jahre von 2010 bis 2019 waren aus strategischer Sicht für IT-Unternehmen ebenso günstig wie die Ereignisse aus dem Jahr 2020.

Der Bedarf nach IT-Produkten steigt sowohl in Krisen- als auch in Boom-Zeiten. Technologie-Unternehmen bieten Lösungen, die unverzichtbar sind. Eigenschaften, die durchaus Versorgern zugesprochen werden können.

Anlegen in Technologie-Aktien mit dem ERSTE STOCK TECHNO

Ein Spiegelbild für den Erfolgslauf der Technologie-Aktien im letzten Jahrzehnt zeichnet der Technologie-Aktienfonds ERSTE STOCK TECHNO (siehe Grafik). Das Fondsmanagement setzt auf hochwertige und wachstumsstarke Unternehmen mit Schwerpunkt USA. In den Veranlagungsprozess sind ökologische und soziale Faktoren sowie Unternehmensführungsfaktoren integriert.

Wer in Technologie-Aktien investiert, hat die Chance auf attraktive Wertsteigerung, muss aber die oftmals höheren Kursschwankungen und auch mögliche Verlustrisiken im Auge behalten. Es empfiehlt sich eine Anlagedauer von mindestens 6 Jahren.


Wichtige rechtliche Hinweise

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Ruhe nach dem Sturm

Der letzte Monat verlief, insbesondere im Vergleich zu den Marktausschlägen davor, recht ruhig. Weltweit sind die „Corona-Zahlen“ ungebrochen hoch, sogar steigend, die Marktlage hat sich aber beruhigt. Durch die expansiven Fiskalprogramme wird erstmals eine globale Staatsverschuldung von 100 % des ebenso globalen Bruttosozialprodukts überschritten. Da die Notenbanken einen Teil dieser Neuverschuldung absorbieren, herrscht Stabilität bzw. weiterer Optimismus in Form von niedrigen Renditen über die gesamte Renditekurve, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns.

Bleibt der Blick auf die Spread-Märkte, also die Marktsegmente mit Renditeaufschlägen: Hier ist in den letzten Monaten eine sehr gute Entwicklung zu sehen. High-Yield- und Emerging-Market-Anleihen, vor allem in Hartwährung, haben sich in den letzten Monaten wieder sehr gut erholt, ebenso die Unternehmensanleihen mit höherer Kreditqualität. Dennoch liegen sie unter den Niveaus zum Jahresbeginn.

Geld-/Kapitalmarkt: Niedrige Renditen auf längere Sicht

Immer wieder wird über eine Politik der Negativzinsen in den USA spekuliert bzw. am Terminmarkt vorübergehend auch gepreist. Die US-Fed sieht in einer Negative Interest Rate Policy (NIRP), wie sie ja auch die EZB verfolgt, vorerst jedoch keine Option. Die Notenbanken beginnen nun zunehmend, durch ihre Kaufprogramme nicht nur Geldmarkt und kurzlaufende Zinsen, sondern auch die gesamte Renditekurve zu steuern. Die EZB setzt dabei ihr Asset Purchase Programme (APP) mit einem Volumen von durchschnittlich 20 Milliarden Euro pro Monat fort, weitere zusätzliche Rahmen existieren unverändert – auch wesentliche Finanzierungsbeiträge der Fiskalprogramme, die bereits jetzt die Programme der letzten Krise 2008 bis 2010 um ein Vielfaches übersteigen.

Die Leitzinsen sollen auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau verbleiben, bis sich die Inflation nachhaltig Richtung Zielbereich entwickelt. Das wird angesichts der aktuellen Konjunkturlage, deren Normalisierung seitens EZB erst in 2022 gesehen wird, noch dauern.

Staats- und Unternehmensanleihen: Notenbanken sichern niedrige Renditen

Die aktuelle globale Rezession wäre ein gutes Umfeld für erstklassige Staatsanleihen, weniger für Unternehmensanleihen. Wesentlichste Treiber für niedrige Renditen bleiben jedoch die Anleihekäufe der globalen Notenbanken. Ein Ende ihrer Unterstützungsmaßnahmen ist vorerst nicht abzusehen. In Summe gehen wir davon aus, dass die Risikoprämien am Staatsanleihenmarkt – entgegen der fundamentalen Verfassung der meisten Staaten – vorerst weiter sinken werden. Wir bleiben bei unserer Übergewichtung von US-Staatsanleihen, bei den europäischen Staatsanleihen bevorzugen wir europäische Peripherieanleihen. Entgegen der schwachen wirtschaftlichen Lage, die steigende Ausfallsraten erwarten lässt, sind Corporate Bonds gefragt. Wie Staaten emittieren Unternehmen derzeit überdurchschnittlich viele Anleihen. Die Netto-Emissionserlöse fließen zum Großteil in Liquiditätsreserven, was aus Gläubigersicht kurzfristig positiv zu werten ist. Wir behalten unser Übergewicht an Euro-Unternehmensanleihen und US-Dollar-High-Yield-Anleihen.

Hartwährungsanleihen – zumeist in US-Dollar – aus Emerging Markets bleiben für uns unverändert eine der attraktiveren Anleiheklassen. Nach herben Verlusten sollte ein Großteil der durch die Krise ausgelösten fundamentalen Probleme hier bereits eingepreist sein. Wir finanzieren dieses Übergewicht durch ein Untergewicht bei europäischen Staatsanleihen.

Wachstumschancen in Asien trotz Covid-19

Die Corona-Pandemie hat eine globale Wirtschafts- und Finanzkrise ausgelöst. Davon sind auch die asiatischen Märkte betroffen. Dennoch bieten sich dort Anlagechancen für Investoren, die sich nicht verunsichern lassen.

„Für die asiatischen Märkte hat Covid-19 tiefgreifende Folgen gehabt. Volatile und sinkende Kurse verunsichern Investoren“, sagt Alistair Thompson, Senior Portfolio Manager bei FSSA Investment Managers (First State Investments). „Verluste sind jedoch anders zu bewerten als noch zu Jahresanfang. Da die meisten Unternehmen von der Krise betroffen sind, können auch gesunde Geschäftsmodelle leiden. Generell scheinen die Bilanzen der Unternehmen stabiler zu sein, als es ihre Kurse vermuten lassen. Unternehmen richtig zu bewerten, ist für Investoren eine der großen Herausforderungen in der Krise. Hinzu kommt, dass die Märkte für Währungen, Gold und Immobilien ebenfalls instabil sind.

Doch bieten die asiatischen Finanzmärkte auch Chancen. Viele Aktien folgen während der Krise einem positiven Trend und Investoren können langfristig positive Renditen erwarten. Der Technologiesektor ist dafür ein Paradebeispiel: Kontaktloses Bezahlen, E-Commerce und das Arbeiten aus dem Homeoffice fördern den Ausbau des Mobilfunk- und Internet-Netzes. Besonders Asien ist ein Vorreiter in der Technologisierung und Digitalisierung. Investoren könnten von der beschleunigten Entwicklung in diesen Wachstumsmärkten profitieren.

In der Krise wird es wichtiger denn je, den Fokus auf langfristiges Wachstum zu legen. Besonders in Zeiten, in denen die Bewertungen unzuverlässig sind, sollten Investoren auf die Qualität der Unternehmensführung achten und Geschäftsmodelle mit profitablen Wachstumsaussichten identifizieren. Vorschnelles Reagieren auf kurzfristige Marktereignisse kann einem langfristigen Erfolg im Weg stehen. Stattdessen gilt es, mehrere Jahre im Voraus zu denken. Ebenso reduziert ein divers aufgestelltes Portfolio die Verlustrisiken.

Trotz außergewöhnlich volatiler Kursverläufe asiatischer Aktien, ist die tatsächliche Performance vieler Unternehmen deutlich stabiler. Deshalb ist der enge Vergleich des Portfolios mit einer Benchmark meist wenig sinnvoll. Stattdessen sollten Investoren in volatilen Zeiten vermehrt auf absolute – statt relative – Erträge setzen. Das kann gelingen, wenn sie ihre Portfolios nach einem Bottom-up-Ansatz aufbauen, der sich auf die Analyse einzelner Unternehmen konzentriert. Makroökonomische Faktoren beeinflussen die Bewertung kaum. Dies erfordert, profitable Geschäftsmodelle sowie langfristige Wachstumschancen zu erkennen, und diese stärker als Kursverläufe zu gewichten.“


Über First State Investments

First State Investments ist eine globale Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Erfahrung in verschiedenen Anlageklassen und spezialisierten Anlagesektoren. In Australien ist First State Investments mittlerweile unter dem Namen First Sentier Investors tätig. First State Investments bietet eine Auswahl von Anlagelösungen für institutionelle Investoren und Kleinanleger weltweit, darunter Aktien-, Anleihe-, Multi-Asset-Anlagen und Anlagen in nicht börsennotierten Infrastrukturwerten.

Pzena setzt auf „Price-to-Normal“

Investoren stehen einer ganzen Reihe von schwierigen Herausforderungen gegenüber: Einer Phase zunehmender De-Globalisierung, pandemiebedingten hohen Volatilitäten und drohenden langen Rezessionen in wichtigen Ländern. Dazu kommen Billionen-schwere Rettungsprogramme von Zentralbanken und Wirtschaftsministerien, die seit Jahren schon marktverzerrend wirken und beim Investoren-Kalkül weiter in Betracht gezogen werden müssen.

Ein Phänomen ist die im historischen Vergleich ungewöhnlich lange Phase der Outperformance von Large-Cap-Growth-Aktien gegenüber den sogenannten klassischen Value-Ansätzen. Value-Manager hoffen seit langem auf ein „back to mean reverse“ und eine deutliche Höherbewertung der aus ihrer Sicht krass unterbewerteten Titel. Deutet sich nach zehn Jahren Growth vor Value nun eine Wende an? Und was ist heute eigentlich Value Investing?

HEDGEWORK hat hierzu mit Jörg Ahlheid gesprochen. Er ist Director of Business Development & Client Services bei Pzena Investment Management, einem ganz auf Value Investing konzentrierten Asset Manager mit Sitz in New York. Pzena (sprich: Pisina) ist auf institutionelle Investoren fokussiert und verwaltet derzeit rund 30 Milliarden US-Dollar in unterschiedlichen Fonds. Ahlheid hält Value derzeit für eine sehr kluge Alternative im Portfolio-Kontext. Starke Unternehmen günstig einzukaufen kann kein Fehler sein, ist seine Meinung. Natürlich könne niemand vorhersagen, wann sich die Schere von Growth zu Value wieder schließt. Aber dass sie sich schließen wird, davon ist er überzeugt.

Die Herausforderungen des Value Investing

Pzena betrachtet sich als klassischen Value-Manager. Aber was unterscheidet das eigentümerdominierte Unternehmen mit über 50 Partnern von anderen Value-Adressen? Laut Ahlheid untersucht der Ansatz von Pzena den Unternehmenswert und bewertet beide Seiten der Bilanz, ähnlich wie ein Private-Equity-Investor. Darüber hinaus stelle das unerschütterliche Festhalten an der Grundlagenforschung sicher, dass menschliche Emotionen die gute Forschung nicht außer Kraft setzen. Ahlheid ist es wichtig zu betonen, dass Pzena in den vergangenen 25 Jahren den Anlagestil nie verwässert hat. Value sei keine Single-Strategie, sondern eine Investmentphilosophie, fasst er das Pzena-Credo zusammen.

Wie sieht das im Detail aus? Das Team sucht bei einer Aktie nach fünf Eigenschaften: ein niedriges Price-to-normal, die aktuellen Einnahmen müssen unter dem historischen Durchschnitt liegen, es muss ein Unternehmensproblem vorliegen, das nur vorübergehend und nicht dauerhaft ist und das Unternehmen muss über ein grundsätzlich starkes Geschäftsmodell mit einem signifikanten Abwärtsschutz verfügen. Wenn das alles passt, hält Pzena langfristig an einem Unternehmen fest.

PRICE-TO-NORMAL

Wer über einen langen Zeitraum auf die Gewinne eines Unternehmens zurückblickt, kann unregelmäßige Cashflows oder ungewöhnliche Kosten analysieren. Dies ermöglicht es, zu einer forschungsbasierten Schätzung des typischen (normalisierten) Einkommens eines Unternehmens zu gelangen. Pzena glaubt, dass das Price-to-normal-Gewinn-Verhältnis ein besseres Maß für die Bewertung des langfristigen Anlegers ist, als andere Bewertungsmethoden (z. B. price-to-current-earnings, price-to-book usw.). Viele von ihnen weisen aus Sicht von Pzena Einschränkungen auf, die dazu führen können, dass ein Anleger attraktive Anlagemöglichkeiten übersieht, die aufgrund eines schwierigen Umfelds zu niedrigen Bewertungen gehandelt werden.

Beispielsweise könnte ein Anleger versehentlich Chancen verpassen, indem er Aktien mit einem hohen price-to-current-earnings vermeidet, bei denen die Aussichten für ein deutlich höheres normales Gewinnniveau günstig sind. Darüber hinaus ist das Price-to-normal-Verhältnis in allen Wirtschaftssektoren gleichermaßen relevant, wobei das Price-to-book-Verhältnis für einige Unternehmen (z. B. Finanzdienstleistungen) geeigneter sein kann als für andere.

Dreistufiger Analyseprozess

Nach dieser Einschätzung wartet das Pzena-Team mit einem weiteren dreistufigen Analyseprozess auf: Am Anfang steht die Ermittlung des Unternehmenswerts. Und hier sieht Ahlheid auch den USP bei Pzena. Statt der üblichen Kennziffern werde hier sehr auf das Pzena-eigene „Price-to-normal“-Modell abgestellt. Mittels des sogenannten proprietären „StockAnalyzer“-Models wird eine „naive“ Schätzung des normalisierten Gewinns (siehe Kasten) für jede Aktie im relevanten Universum erstellt.

In dieser Anfangsphase sind normalisierte Gewinne die zukünftigen Fünfjahres-Gewinne, die man erwarten würde, wenn nur die historische Leistung und die daraus resultierenden Gewinne des Unternehmens und seiner Branche zu erwarten wären.

Die Unternehmen werden dann nach ihrem Verhältnis des aktuellen Aktienkurses zum geschätzten normalisierten Gewinn eingestuft und in Quintile unterteilt – vom niedrigsten (billigsten) bis zum höchsten (teuersten). Das ergibt die Auswahl für die Fundamentalanalyse.

In der zweiten Stufe wird die Auswahlliste stark reduziert. Nicht jeder Anlageverwalter ist der Ansicht, dass fundamentale Unternehmensanalysen einen nachweisbaren Nutzen bringen. Das sieht man bei Pzena anders. Ahlheid betont, dass es die wichtigste Aufgabe der hauseigenen Analysten sei, die langfristige Ertragskraft der Unternehmen zu schätzen, die für das Portfolio in Frage kommen oder sich bereits darin befinden.

In dieser Phase konzentriert sich Pzena auf das am meisten unterbewertete Quintil der Aktien. Dieser Prozess führt zu einer ersten, gewöhnlich zwei Wochen dauernden Überprüfung der am attraktivsten erscheinenden Aktien. Hierbei soll ein Verständnis für die historische Ertragskraft des Unternehmens entwickelt werden, ebenso für die Probleme, die die Bewertung gedrückt haben, sowie für die potenziellen Katalysatoren für eine Outperformance. Nach dieser Überprüfung scheiden rund 70 Prozent der Top-Quintil-Namen aus.

Die dritte und letzte Stufe im Investment-Prozess umfasst somit nur noch die interessantesten Kandidaten. Jetzt untersuchen die Analysten von Pzena die Unternehmen intensiv – sie wollen die Branchenstruktur, die Wettbewerbslandschaft, die Ertragstreiber und die Hauptrisiken verstehen. Anschließend erstellen sie detaillierte Finanzmodelle. Letztendlich dreht sich alles um die Frage, ob Pzena bereit wäre, das gesamte Unternehmen zu dem Wert zu kaufen, der sich aus dem aktuellen Aktienkurs ergibt. Um diese Frage endgültig zu beantworten, sprechen die Analysten mit der Unternehmensleitung, mit Lieferanten und Kunden und besuchen sie vor Ort. Das Ergebnis dieser intensiven Prüfung ist ein Fünfjahres-Ertragsmodell, das auf einer vollständig recherchierten und nicht naiven Schätzung des normalisierten Einkommens aufbaut.


PZENA INVEST MANAGEMENT ist ein globaler Asset Manager, der einen klassischen Value-Investment-Ansatz verfolgt. Dieser basiert auf eine im Vergleich ungewöhnliche Methode der Unternehmensbewertung sowie auf langfristigen Mustern an den Märkten.

Value-Fonds von Pzena

Pzena ist neben dem institutionellen Mandatsgeschäft auch mit UCITS Publikumsfonds am deutschen Markt aktiv. Neben dem PZENA Global Value Fund (IE00B0S5SL34) und dem PZENA US Large Cap Value (IE00B6ZCYM29) scheint insbesondere der PZENA Emerging Markets Value (IE00BRF15F66) interessant, wenn man sich die aktuellen Bewertungen ansieht und zukünftig Schwellenländer nicht durch die Growth-Brille betrachtet, sondern durch das fundamentale Research eines klassischen Value-Investors. So soll langfristige Outperformance erzielt werden.

Hält die Fed eine weitere Überraschung bereit?

von Lidia Treiber, Director, Research, WisdomTree.

Die US-Notenbank (Fed) hat während der aktuellen Covid-19-Krise beispiellose Maßnahmen ergriffen, aber viele Marktteilnehmer fragen sich derzeit, ob sie noch einen Schritt weiter gehen und sich auf ein Zinskurvenmanagement - neben kurzfristigen sollen auch die längerfristigen Zinsen gesteuert werden - einlassen könnte.

Das veröffentlichte Protokoll der letzten Sitzung1 des Federal Open Market Committee2 (FOMC) zeigte, dass FOMC-Mitglieder im Allgemeinen datenbasierte Vorwärtsführungsmethoden unterstützen, aber weiterhin die Machbarkeit der Zinskurvenkontrolle (YCC, Yield Curve Control) in Frage stellen.

Obwohl YCC Vorteile bietet, kann man die erheblichen Auswirkungen auf die Kosten nicht ignorieren. Es ist wahrscheinlich, dass die Fed zusammen mit anderen Zentralbanken die Auswirkungen sehr sorgfältig untersucht, bevor sie entscheidet, ein solches Instrument einzusetzen.

Die Bank of Japan (BoJ) hat bereits 2016 erste Schritte gesetzt, YCC als politisches Instrument einzusetzen, um signifikante Zinssenkungen zu vermeiden. Nachdem sich die Leitzinsen im Januar 2016 in den negativen Bereich bewegt hatten, zeigte die Renditekurve für japanische Staatsanleihen (JGB) eine Abwärtsverschiebung über die gesamte Kurve, wobei 10-jährige JGBs -0,12 Prozent und 30-jährige JGBs im Juni 2016 0,32 Prozent boten. Dies führte schließlich dazu, dass die BoJ YCC als politisches Instrument einführte, das eine Zielrendite von 0 Prozent für 10-jährige Staatsanleihen und -0,1 Prozent am kurzen Ende der Renditekurve vorsah.

Als politisches Werkzeug trug YCC dazu bei, die Zinssätze zu senken, zu denen Unternehmen Kredite aufnehmen konnten, da die JGB-Renditen im Wesentlichen auf niedrigeren Niveaus verankert waren. Der BoJ ist ein erfolgreicher Einsatz von YCC in gewissem Maße gelungen. Allerdings ist die Größe des japanischen Marktes für Staatsanleihen erheblich kleiner als die Größe des US-Finanzmarkts, was YCC für die Fed über einen längeren Zeitraum zu einem schwierigeren Instrument macht.

Die Verankerung der Renditen von Staatsanleihen auf niedrigeren Niveaus könnte dazu führen, dass Anleger anderswo nach höheren Renditen streben. Bei festverzinslichen Wertpapieren besteht ein Risiko- und Ertrags-Kompromiss, bei dem höhere Renditen die Anleger für die mit einer bestimmten Anlage verbundenen größeren Risiken entschädigen. Eine der unbeabsichtigten Folgen von YCC oder anderen politischen Instrumenten, die darauf abzielen, die Renditen von Staatsanleihen niedrig zu halten, könnte daher sein, dass Anleger einen größeren Teil ihres Portfolios risikoreicheren Vermögenswerten zuweisen, um bestimmte Renditeziele zu erreichen.

Eine höhere Nachfrage nach Kreditrisiken hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Kreditspreads gesunken sind und Unternehmen auf den Primärmärkten Kredite zu niedrigeren Zinssätzen aufnehmen konnten. Im Jahr 2019 zeigten die Anleger eine starke Nachfrage nach Engagements in Unternehmensanleihen, was die Kreditspreads für Investment-Grade-Anleihen und High-Yield-Anleihen senkte. Dies führte dazu, dass beide Anlageklassen zweistellige Gesamtrenditen erzielten.3

Eine der wichtigsten Konsequenzen, die die Fed bei der Diskussionen rund um YCC wahrscheinlich berücksichtigen wird, ist, dass eine Begrenzung der Renditen die wertvollen Informationen beeinflusst, die Anleger von einem Markt für frei gehandelte Anleihen erhalten. So haben die Anleger bereits heftige Kritik an den Auswirkungen der quantitativen Lockerung auf die Renditen von Staatsanleihen und die Form der Zinsstrukturkurve geübt. Zwar beeinflussen auch andere derzeit verwendete politische Instrumente die Renditen von Staatsanleihen, doch kann der Anleihemarkt nach wie vor so funktionieren, dass die Fed und die Anleger nützliche Informationen über die Finanzlage erhalten. Daher wird jedes von der Fed neu eingeführte Politikinstrument, wahrscheinlich zumindest Möglichkeiten in Betracht ziehen, diese Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten.

Angesichts des bereits genutzten Forward Guidance Tools (Kommunikation der künftigen geldpolitischen Absichten) ist die Notwendigkeit eines Einsatzes von Front-End-YCC ein sehr umstrittenes Thema. Zwar ist die Debatte unter den FOMC-Mitgliedern noch nicht vom Tisch, jedoch deutet der Ton auf die Möglichkeit, dass YCC unter Umständen kurzfristig nicht das wünschenswerteste strategische Instrument ist.


 

Daten von Bloomberg erhalten, sofern nicht anders angegeben.

1) Die Besprechung fand am 10. Juni 2020 statt
2) Quelle: Website der Federal Reserve Gov: https://www.federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/monetary20200701a.htm
3) Verwendung des iBoxx USD Liquid Investment Grade Index und des iBoxx USD Liquid US High Yield Index als Referenz für die Anlageklasse

Öl-Förderung: Technologie und Entwicklung zu Nachhaltigkeit

von Bernhard Haas, Senior Fondsmanager der Erste AM.

Wir schreiben das Jahr 2005. Österreich feiert 50 Jahre Staatsvertrag und mit Angela Merkel wird erstmals eine Frau deutsche Bundeskanzlerin. In den USA wütet Hurrican Katrina und hinterlässt große Schäden. In der Ölindustrie wird dieses Jahr aber aus einem anderen Grund in Erinnerung bleiben: es gilt als der Beginn des Shale-Booms.

Technologie bei der Förderung von Öl

Durch neue Technologien konnte die Förderquote für Lagerstätten von 5-15% auf 35-45% angehoben werden, wodurch bisher nicht profitable Bohrungen lukrativ wurden. Bei einer dieser Technologien, dem directional drilling, spielte (und spielt) übrigens auch die österreichische SBO aus Ternitz eine entscheidende Rolle.

Während man sich anfangs vor allem auf Gaslagerstätten konzentrierte (da diese größer waren und damit höhere Erträge versprachen), wurden ab 2011 zunehmend Ölfelder erschlossen. Begünstigt durch hohe Ölpreise und eine gute Nachfrage entstand ein komplett neuer Industriezweig, inklusive Nebengewerben wie Banken, Restaurants etc. Die Konjunkturlokomotive nahm wieder Fahrt auf.

Schieferöl-Industrie als Opfer ihres Erfolges

Doch die Shale Industrie sollte bald Opfer ihres eigenen Erfolges werden. In der Vergangenheit wurde der Ölmarkt von einigen wenigen Spielern dominiert, die sich die Preise implizit (die Supermajors in der westlichen Welt) oder explizit (OPEC) untereinander ausmachten.

Hohe Gewinne, schöne Dividenden und ein unerschütterliches Geschäftsmodell führten dazu, dass die Liste der größten Unternehmen regelmäßig von Firmen aus dem Energiesektor dominiert wurde. Diese Balance wurde jedoch durch Shale Oil gestört. Eine Vielzahl von Kleinproduzenten, die alle ihre eigenen Vorstellungen und Träume vom kleinen Anteil am fetten Kuchen hatten, drängte auf den Markt.

Durch dieses Überangebot kam vor allem OPEC unter Druck: da der Kuchen an sich nicht größer wurde, verlor das Kartell zunehmend Marktanteile. Saudi Arabien, als beherrschender OPEC-Spieler zu dieser Zeit, beschloss daraufhin das „Shale Problem“ ein für alle Mal zu lösen.

Stark durch Kredite finanziert

Wie auch viele andere Booms (man denke beispielsweise an den US Hauspreisboom in den 2000ern) war auch der Shale Boom stark durch Kredite finanziert. Saudi Arabien stellte nun die einfache Überlegung auf, dass man durch eine Erhöhung der eigenen Fördermenge die Ölpreise recht schnell nach unten treiben könnte.

Shale Öl hat nämlich ein Problem: es ist etwas teurer als klassische (konventionelle) Förderung. Durch niedrigere Preise könnte somit die Shale Industrie „ausgehungert“ werden, die Banken stellen die Kredite fällig und die Industrie verschwindet so schnell, wie sie aufgetaucht ist.

Mittlerweile wissen wir aber, dass diese Taktik nicht funktioniert hat. Unter anderem konnten die Förderkosten gesenkt werden, sodass die Unternehmen länger „durchhalten“ konnten und schließlich schwanden die eigenen Geldreserven der OPEC-Staaten zunehmend. Die Strategie ging nach hinten los, OPEC musst wieder Förderquoten einführen. Der Ölpreis erholte sich, der Shale-Boom ging nach einem kurzen Luftloch weiter.

OPEC Staaten verlieren Marktanteile

Wir schreiben das Jahr 2019. Die OPEC Staaten verlieren wieder zunehmend Marktanteile, die Stimmung ist angespannt. Russland, das mittlerweile Teil des „OPEC+“ bezeichneten Gremiums ist, wird zunehmend rebellisch (unter anderem bestärkt durch einen einige Jahre vorher etablierten staatlichen Fonds, der Unternehmen in Zeiten niedriger Ölpreise unterstützen soll; welch Zufall!).

Bei einem regulären Treffen kann überraschend keine Einigung auf Förderquoten erzielt werden, der Ölpreis wiederholt daraufhin seine „Tauchübung“. Nach einigem Hickhack kann allerdings wieder ein Kompromiss erzielt werden, die Gefahr einer Wiederholung der Erfahrung von 2014-16 wirkt hier sehr „motivationsfördernd“.

Wir springen ein paar Monate vor, in den Februar dieses Jahres. Covid kommt in Europa an. Was als lokaler Ausbruch in China angefangen hat, entwickelt sich zunehmend zu einem globalen Problem. Nachdem die anfänglichen Maßnahmen in Europa kaum greifen und das italienische Gesundheitssystem praktisch kollabiert, ziehen die Staaten einer nach dem anderen die Reißleine: Lockdown, nichts geht mehr. Keine Autofahrten, keine Flugreisen. Praktisch über Nacht wird aus einer stabilen, leicht wachsenden Nachfrage nach Öl ein Einbruch von über 25%.

An sich wäre das schon schlimm genug um auf die Preise zu drücken, aber es kommt ein weiteres Problem hinzu. Die globalen Öl-Lager sind durch den vorherigen Preiskampf zwischen OPEC+ und der Shale Industrie bereits in der Nähe der Höchststände.

Die Förderung kann in vielen Regionen aber nicht so schnell gedrosselt werden, ähnlich einem Gartenschlauch der auch nach der Abschaltung noch einige Zeit nachwirkt (nur dass wir hier nicht von Minuten sondern aufgrund des hohen Drucks und der technischen Komplexität eher von Wochen und Monaten sprechen). Plötzlich weiß keiner mehr wohin mit dem ganzen Öl, an den US-Börsen sehen wir sogar einen Tag an dem der Preis negativ ist (was aber auch markttechnische Gründe hatte).

Wiedermal muss der OPEC-Ritter in seiner ölverschmierten Rüstung ausreiten um den Markt zu retten. In einem historischen Kompromiss, dem sich nach und nach auch Nicht-OPEC-Länder anschließen, wird eine weitere massive Förderkürzung für die Zeit der Krise beschlossen.

Der Ölpreis beginnt sich zu erholen, unterstützt von einer schrittweisen Öffnung der Wirtschaft, zuerst in China und mittlerweile in Europa. Die US Shale Industrie hat jedoch ein paar Schrammen erlitten: die Fördermenge brach erstmals seit 2016 wieder ein, dafür gleich um 20% innerhalb von 3 Monaten. Die Firmenbilanzen sind angeschlagen, viele kleinere und mittelgroße Firmen schließen sich zusammen um Kosten zu sparen.

Nachhaltige Investments werden zum Mainstream

Aber nicht nur der Markt macht den Ölfirmen zu schaffen. War das Thema „nachhaltig investieren“ bis vor ein paar Jahren nur einigen, wenigen Investoren ein Begriff, so hat sich die Situation zuletzt drastisch geändert. Dank u.a. der „Fridays for Future“ Bewegung und dem damit einhergehenden politischen Umbruch sind „ESG Investments“ mittlerweile im Mainstream angekommen. Sieht man sich die Situation im Energiebereich an muss man sagen: das ist auch gut so.

Während die Unternehmen vor einigen Jahren noch zumindest moralisch (wenn nicht gar rechtlich) zweifelhafte Verhaltensweisen an den Tag legten (Zurückhaltung von eigenen Untersuchungen zur Auswirkung des Klimawandels, Sponsoring von Forschergruppen die sich mit alternativen Erklärungen befassten etc.), hat sich die Situation hier deutlich gebessert.

Viele Unternehmen erkennen nun ihre Verantwortung an, einen Beitrag zur Reduktion der Emissionen zu leisten, sei dies über nachwachsende Treibstoffe (wie sie bspw. die finnische Neste anbietet) eine Änderung des Geschäftsmodells hin zu Strom (wie es viele der Supermajors machen wollen) oder eine gänzliche Neuausrichtung (wie bspw. die Anfangs angesprochene SBO, die verstärkt hochkomplexe Flugzeugteile herstellen will).

Ob dies wirklich am Gewissen der Firmen oder dem politischen und gesellschaftlichen Druck liegt, kann man debattieren, aber Fakt ist: die Unternehmen investieren.

Investitionen kosten natürlich Geld

Diese Investitionen kosten aber natürlich Geld. Die französische Total, die den Anteil an Erneuerbaren am Gesamtumsatz von aktuell 5% bis 2050 auf 40% schrauben will, wird dieses Jahr ca. 20% ihrer Investitionen in den Ausbau des Stromportfolios stecken.

Eine Zahl die in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Da aber gerade in der aktuellen Situation Geld nicht auf Bäumen wächst (im Schnitt reduziert die Branche laut Schätzungen ihre Capex in diesem Jahr um 20%!) muss an andere Stelle gespart werden, unter anderem in der Öl & Gasförderung. Langfristig sollte das dazu führen, dass die Fördermengen sinken, da bestehende Felder zunehmend erschöpfen (die meisten Schätzungen gehen von einer Abschwächung von ca. 4-7% p.a. aus).

Sollte die Nachfrage stabil bleiben, sollte das zu höheren Preisen führen, die dann wiederum einen starken Anreiz schaffen, die Produktion auszuweiten (unter anderem, da in weiten Teilen der USA dieses „ESG Thema“ deutlich skeptischer gesehen wird als in Europa) und der Zyklus wiederholt sich. „Sollte“ ist hierbei jedoch das Stichwort, denn langfristig könnte die zunehmende Elektrifizierung auf die Nachfrage drücken.

Fazit

In der Vergangenheit wurde die schwächelnde Nachfrage aus Europa und den USA vor allem durch China und andere asiatische Länder kompensiert. In einem optimistischen Szenario setzt sich dies solange fort, bis andere Länder (u.a. in Afrika) hier anschließen und wir irgendwann in 10-15 Jahren ein Plateau erreichen. Im pessimistischen Szenario gewinnen neue Antriebstechnologien (Strom, Wasserstoff) deutlich schneller Marktanteile und drücken auf einen wichtigen Teil der Ölnachfrage, während die Produktion nach wie vor zu hoch ist.

Kurzfristig dürfte der Ölpreis weiterhin stark vom weiteren Fortschreiten der Corona-Pandemie abhängen. Wie kann die USA die Situation meistern? Gibt es eine zweite Welle und wenn ja wird es wieder zu einem Lockdown kommen? Oder greifen die Förderkürzungen von OPEC++ und wir sehen eine graduelle Erholung (möglicherweise kurzfristig unterbrochen von diversen politischen Scharmützeln, die in dieser Branche immer wieder vorkommen). Langfristig ist die Kernfrage jedoch wie schnell wir unsere gewohnten Verhaltensweisen ändern und den Verbrauch einschränken. Menschen sind üblicherweise „Gewohnheitstiere“, aber diese Teslas sehen verdammt gut aus…


Unser Dossier zum Thema ESG: https://blog.de.erste-am.com/dossier-overview

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

„Künstliche Intelligenz im Portfolio-Management“

„Wir glauben daran, dass die technische und fundamentale Analyse zukünftig um den Baustein der Künstlichen Intelligenz ergänzt werden muss“, betont Dr. Sven Schmeier, Leiter des Portfoliomanagements bei Wealthgate. Künstliche Intelligenz, Machine Learning, Data Mining und Text Mining würden für deutlich genauere Prognosen an den Kapitalmärkten sorgen und höhere Renditechancen bei gleichzeitig deutlich reduziertem Risiko eröffnen, so der Referent des 176. Hedgeworks im Interview.

HEDGEWORK: Herr Schmeier, Sie sind seit vielen Jahren mit dem Thema Künstliche Intelligenz befasst und betonen immer wieder, wie wichtig der Einsatz von KI im Portfolio-Management sei. Weshalb ist das so?

Sven Schmeier: Wir haben in den letzten Jahrzehnten einen zunehmenden Wandel hin zu automatisiertem Handel beobachten können. So hat sich zum Beispiel der automatisierte Handel an der Eurex bereits in den Jahren 2004 bis 2006 vervierfacht und bis dato einen Umsatz von etwa 30 Prozent erreicht (Quelle: Wikipedia). Je nach Grad der Automatisierung werden mittlerweile Orders vollständig ohne menschliches Eingreifen getätigt. Die Funktionsweise, also die automatische Generierung von Kauf- und Verkaufssignalen, basiert meist auf der Analyse von historischen Marktdaten und der Aggregation von Real-time-Kursen. Das funktioniert insgesamt zufriedenstellend – im Normalfall – und versagt in unerwarteten Situationen. Nicht zuletzt ist diese Art von automatisiertem Handel mitverantwortlich für die rasante Talfahrt der Börsen innerhalb der ersten Tage der Corona-Krise. Hier wurde viel Geld vernichtet, allein aus dem Grund, dass alle diese Verfahren ähnlich funktionieren und sich entsprechende Sog-Effekte exponentiell verstärken. Insofern müssen zur künftigen Vermeidung von selbstverstärkenden Effekten intelligentere Verfahren eingesetzt werden, die aus der Eingleisigkeit auszubrechen vermögen. Der Einsatz von Verfahren der Künstlichen Intelligenz ist in der Lage, die benötigten zusätzliche Dimensionen zu erzeugen und die gewünschte und benötigte Robustheit zu garantieren. Das hat unser Globallytics Fund No. 1 eindrucksvoll bewiesen.

HEDGEWORK: Damit stellt sich die Frage, wie konkret KI eingesetzt werden kann?

Sven Schmeier: Es gibt hier verschiedene Ansatz- und Einsatzgebiete für Künstliche Intelligenz. Sie kann zur Gefahrenvermeidung eingesetzt werden, indem wir Modelle trainieren, die speziell in Krisenzeiten einen kühlen Kopf bewahren. Wir können intelligente Bewertungsmethoden einsetzen, die weg von starren Algorithmen und hin zu flexiblen situationsadaptiven Entscheidungen führen. Aufgrund der Flexibilität, speziell von KI-Verfahren aus dem Maschinellen Lernen, können wir wesentlich mehr Daten – sogar Daten, die vermeintlich überhaupt nichts mit Wirtschaft oder Börse zu tun haben – benutzen, sie aggregieren und Informationen extrahieren, um somit Wissen zu schaffen, das dann wiederum die entsprechenden Triggerpoints generiert. 

Gerade die Entwicklungen innerhalb der Forschung und Wissenschaft hin zu sich selbsterklärenden Verfahren lassen auf eine weitere Akzeptanz und den Einsatz solcher Systeme hoffen, die den Menschen mit einbeziehen und ein quasi hybrides Portfoliomanagement schaffen können. Der Computer arbeitet autonom, bis er feststellt, dass Situationen auftreten, die er selbst nicht entscheiden kann. Der Mensch wird dann informiert, der Computer beschreibt die Situation und macht eventuell sogar Lösungsvorschläge, die der Mensch dann abwägt und entscheidet, oder der Mensch macht seinerseits Vorschläge, die vom Computer wiederum in das gelernte Modell eingearbeitet werden können. Das wäre für mich das Szenario der Zukunft.

HEDGEWORK: Sie haben sicher die Auswirkungen von KI auf Portfolios getestet. Was können Sie darüber berichten?

Sven Schmeier: Wir haben einige Auswirkungen speziell unserer KI analysiert und testen sie ständig im laufenden Betrieb. Wie schon viele vor uns haben wir natürlich verschiedene Methoden bzw. publizierte Artikel studiert. Wir haben Methoden evaluiert, die wie bereits erwähnt auf historischen und aktuellen Kursverläufen basieren. Wir haben uns den Problematiken und Lösungen von KI-Verfahren der sogenannten Sentiment-Analyse gewidmet, die derzeit von verschiedenen Anbietern genutzt werden. Hier werden Stimmungen vor allem in den Social Media analysiert und genutzt, um kursbezogene Prognosen zu erstellen. Natürlich haben wir Fundamentalanalysen bzw. deren mögliche Automatisierung beobachtet und sogar teilweise implementiert. Insbesondere haben wir uns auf Methoden konzentriert, die aus dem Natural Language Processing stammen, also aus der automatischen KI-basierten Verarbeitung der natürlichen Sprache. Hier extrahieren wir insbesondere relevante Informationen – die Relevanz wird hierbei von der KI bewertet, nicht vom Menschen – und fügen sie einer weiteren Verarbeitungsstufe zu. Insgesamt aggregieren und konsolidieren wir Informationen aus vielen verschiedenen Quellen und treffen dann Kauf- und Verkaufsentscheidungen auf Basis von Modellen, die aus dem Bereich des Maschinellen Lernen stammen.

HEDGEWORK: Inzwischen gibt es bereits etliche Portfoliomanager, die von sich sagen, KI einzusetzen. Wie können Investoren die Ansätze unterscheiden?

Sven Schmeier: Die Ansätze kann man grob in die oben erwähnten Klassen unterscheiden: Historische und aktuelle Kurse, Fundamentalanalyse, Sentiment-Analyse, Natural Language Processing und eine irgendwie geartete Klassifikation in „Kauf oder Nicht-Kauf“. Viele Anbieter benutzen auch Begriffe wie Big-Data-Analyse oder generell Big Data. Das beschreibt allerdings im Wesentlichen, dass sie sehr viele Daten sammeln, und dann mit den genannten Methoden weiterarbeiten. Hier noch ein kleiner Hinweis: Selten sagt die reine Quantität von Daten zur Entscheidungsfindung etwas aus, die Qualität ist entscheidend. Und natürlich die Güte der Verfahren bzw. der Modelle, die sie benutzen. Gerade das Beispiel Sentiment-Analyse, also das Erfassen von Stimmungen in einer Nachricht, ist für den Menschen häufig sehr leicht, für den Computer hingegen sehr schwer. Beispielsweise der Satz: „Na das ist aber jetzt ganz toll“ wird vom Computer häufig ganz anders bewertet als vom Menschen. 

HEDGEWORK: Lassen Sie uns doch ein wenig tiefer in Ihre Strategie hineinschauen. Wie groß ist das Aktienuniversum, das Sie regelmäßig screenen? 

Sven Schmeier: Unser Aktienuniversum umfasst derzeit rund 1500 Titel. Der Fokus liegt dabei auf Europa, Nordamerika und Japan, wobei wir auch darauf achten, dass bei unseren Titeln ein entsprechendes Handelsvolumen vorhanden ist. Einerseits wollen wir mit unseren Käufen und Verkäufen die Kurse nicht zu stark beeinflussen und andererseits arbeiten wir nicht mit Limits, da wir die Liquidität sofort wieder reinvestieren.

HEDGEWORK: Und wie lange dauert das? 

Sven Schmeier: Um die besten Ergebnisse zu erzielen, hat die Aktualität sowie Qualität der Nachrichten die höchste Priorität und natürlich eine sehr kurze Bearbeitungszeit der KI. Darum ist die Programmierung der KI sehr schlank und effizient. Das betrifft auch die Trainingszeiten. Die tägliche Verarbeitung läuft rund 30 Minuten und berücksichtigt hierbei alle erfassten und relevanten Nachrichten zu potenziellen Titeln aus unserem Anlageuniversum.

HEDGEWORK: Wie viele Aktien finden am Ende den Weg ins Portfolio?

Sven Schmeier: Unsere aktuelle Obergrenze beträgt 33 Titel, welche jeweils mit 3 Prozent des Fondsvermögens gewichtet werden. Eine individuelle Gewichtung pro Titel findet nicht statt. Allerdings können einzelne Titel aufgrund ihrer Performance kurzfristig über- oder untergewichtet sein.

HEDGEWORK: Wie lange ist bei Ihren Investments die durchschnittliche Haltedauer?

Sven Schmeier: Die durchschnittliche Haltedauer beträgt derzeit 10 Tage. Das kann allerdings variieren, sobald es starke Signale für eine kürzere oder längere Haltedauer gibt. Unsere KI bewertet natürlich auch weiterhin Daten bezüglich der Titel im Portfolio, die KI-Modelle sind für verschiedene Entscheidungsaspekte optimiert.

HEDGEWORK: Arbeiten Sie dabei auch mit Derivaten?

Sven Schmeier: Bisher arbeiten wir nicht mit Derivaten. Allerdings sind wir derzeit in der Diskussion darüber, ob uns Derivate als Absicherungsinstrumente dienen können. So hat uns beispielsweise der schwache US-Dollar in den letzten Wochen einige Performancepunkte gekostet. Für uns gilt: falls Derivate zum Einsatz kommen, dann nur als reines Absicherungsinstrument.

HEDGEWORK: Wie können Sie bei diesem doch recht hohen Turnover die Kosten im Griff behalten?

Sven Schmeier: Das ist eine Frage, die uns auch lange beschäftigt hat und die natürlich essentiell ist. Daran sind ja in der Vergangenheit schon andere innovative Fonds gescheitert. An erster Stelle benötigen wir dazu die richtigen Partner, die unsere Orders mit hoher Qualität und zu guten Konditionen abwickeln. Diesen Dienstleister haben wir glücklicherweise gefunden. Als Zweites ist es wichtig, das Fondsvolumen weiter zu steigern, damit sich die Fixkosten pro Order relativieren. Zudem sind es stetige Optimierungen, die uns an dieser Stelle voranbringen. Es könnte zum Beispiel sein, dass wir einen Titel aufgrund seiner maximalen Haltedauer verkaufen – dieser jedoch am selben Tag erneut zum Kauf empfohlen wird. Mittlerweile prüft die KI solche Fälle selbstständig und verlängert dann entsprechend die Haltedauer des Titels. Damit sparen wir uns unnötige Transaktionskosten.

HEDGEWORK: Bestehen in Ihrem Portfolio Sicherheitsmechanismen, um große Kursverluste wie etwa durch Corona vermeiden zu können?

Sven Schmeier: Zum Start vor knapp einem Jahr war unser Ziel, eine Outperformance durch die richtige Auswahl an Titeln mit Hilfe unserer KI zu generieren. Aufgrund der derzeitigen Sondersituation bedarf es aus Risikogesichtspunkten einer zusätzlichen manuellen Liquiditätssteuerung. Unser Plan ist es jedoch, auch diese Aufgabe kurz- bis mittelfristig an die KI zu übergeben. Die ersten Ideen hierzu sind bereits entwickelt und durchlaufen derzeit ein sehr vielversprechendes Backtesting.

HEDGEWORK: Und wie schützen Sie sich davor, dass Informationen falsch ausgewertet werden und falsche Kaufsignale erzeugen könnten? 

Sven Schmeier: Hier müssen wir zwei Fälle unterscheiden – Kaufsignale, die aufgrund falscher Meldungen erzeugt werden und solche, die aufgrund der fehlerhaften Einschätzung durch die KI getroffen werden. Zur Vorbeugung falscher Informationen nutzen wir unterschiedliche Nachrichtenportale und setzen hier auf Redundanz – in der Hoffnung, dass nicht alle von derselben Quelle abgeschrieben haben. Somit wird die Analyse nicht von einzelnen, abweichenden Meinungen verfälscht, sondern die Gesamtstimmung betrachtet. Was die KI betrifft, so evaluieren wir ständig die aktuelle Performanz der trainierten Modelle. Das passiert, indem wir die Ergebnisse unserer Orders in der Rückschau mit den zugrundeliegenden Nachrichten vergleichen und evaluieren. Hierdurch können wir aktiv die Schwellenwerte der Konfidenzen getroffener Entscheidungen kontrollieren und verändern. Einfach gesprochen heißt das: Wir prüfen ständig, wann wir der KI vertrauen wollen und können und wann nicht – das basiert auf mathematischen Erklärbarkeitskomponenten, die ebenfalls Teil der KI sind. Grundsätzlich unterliegt die KI damit einem ständigen Lern- sowie Optimierungsprozess.

HEDGEWORK: Welche Kennzahlen und Faktoren kommen bei Ihrer Strategie zum Einsatz? 

Sven Schmeier: Die KI liefert die Grundlage für die Anlageentscheidung durch das Analysieren der Nachrichten. Eine weitere Qualitätsstufe, die bereits vollautomatisch durch die KI abläuft, ist die Prüfung der Titel auf ihre Qualität. Dazu haben wir ein eigenes Scoringmodell entwickelt. Neben der Profitabilität spielen beispielsweise auch das Umsatzwachstum oder die Verschuldungsquote eine Rolle. Unser Portfolio besteht somit durchgehend aus Aktien, welche ein positives Momentum sowie eine Mindestqualität an Fundamentaldaten aufweisen. 

HEDGEWORK: Welche Rolle spielt bei Ihrer Strategie generell der Faktor Mensch noch?

Sven Schmeier: Bei dem eigentlichen Portfoliomanagement wird die Rolle des Menschen beim Globallytics Fund No. 1 immer geringer. Grundsätzlich sind wir mit der Performance schon sehr zufrieden, da wir vor allem im Year-to-Date-Vergleich eine Outperformance gegenüber allen wichtigen Indizes aufweisen können. Jedoch ist es unser Anspruch, die KI stetig weiterzuentwickeln und zu optimieren. Und deshalb spielt der Mensch quasi hinter den Kulissen eine sehr große Rolle – das sind dann aber eher die Experten für KI und Programmierung, die sich von den Finanzexperten nur mehr beraten lassen. Das Tagesgeschäft läuft bereits fast ausnahmslos über die KI – die Weiterentwicklung und die Ideen werden jedoch weiterhin vom Menschen gesteuert.

HEDGEWORK: Zum Schluss vielleicht noch ein Ausblick, auf welche Art und Weise sich das Thema KI im Portfolio-Management weiterentwickeln wird?

Sven Schmeier: Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass mittel- bis langfristig die KI und der Mensch ein Team darstellen werden, in dem jeder Partner seine Stärken einbringen wird – das gilt nicht nur im Bereich der Geldanlage. Dies bedeutet, dass eine stetige Prüfung und Hinterfragung von KI-Entscheidungen erfolgen sollte, die KI hingegen den Menschen entsprechend durch eine Selbsterklärbarkeit dazu bringen kann, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. So kann die KI beispielsweise volkswirtschaftliche Zusammenhänge und Korrelationen in kürzester Zeit berechnen. Mehrere Tausend Unternehmen können in Sekunden anhand festgelegter, aber auch erlernter Kriterien gegenübergestellt werden. Die Reihe an Aufgaben, welche eine KI in einem Bruchteil an Zeit für uns übernehmen kann, ließe sich fast endlos fortsetzen. Umgekehrt ist derzeit der Mensch mit seinem Basis- und Hintergrundwissen besser in der Lage Interpretationen vorzunehmen. Allerdings wird auch diese Grenze in Zukunft in Richtung der KI verschoben werden. Insgesamt sind wir daher der Meinung, dass die KI einen massiven Einfluss auf das zukünftige Portfoliomanagement und die zukünftigen Geldanlageentscheidungen haben wird.


Dr. Sven Schmeier

hat Physik und Informatik an der Universität des Saarlandes studiert und 1997 mit dem Diplom (MSc) abgeschlossen. Seine Dissertation in Computerlinguistik beschäftigt sich mit der "Explorativen Suche auf mobilen Geräten". Er ist Leiter des Portfoliomanagements bei Wealthgate und außerdem Chief Engineer und Associate Head of Speech and Language Technology Lab des DFKI, bestehend aus mehr als 30 Forschern, Ingenieuren und Beratern auf verschiedenen Ebenen. Bei Globallytics ist er für die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Basistechnologie verantwortlich, sowie für die Betreuung von KI- und Machine Learning-Verfahren.
Er hat außerdem umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Data Mining und Machine Learning, Mensch-Computer-Dialogsysteme, Informationsextraktion, semantische Suche, Big Data Analytics, Fragebeantwortung und mobile Anwendungen von NLP-Technologien und hat dazu mehr als 30 nationale und internationale Projekte in Forschung und Industrie erfolgreich geleitet. Im Jahr 2004 erhielt er ein Patent für ein Verfahren zur automatischen Klassifikation eines Textes durch ein Computersystem des Deutschen Patentamts.

Wealthgate

ist eine Finanz-Manufaktur, die die Ziele, Wünsche und Ideen der Anlegerkundschaft erkennt und passgenau umsetzt. Basierend auf über 15 Jahren Forschungsarbeit ist es Wealthgate gelungen, KI-Technologien erfolgreich einzusetzen – im Globallytics Fund No. 1. Die Strategie des Fonds basiert auf Künstlicher Intelligenz und einer vollständig digitalen Auswahl eines weltweiten Anlageuniversums. Dabei werden gezielt Unternehmen herausgefiltert, die eine überdurchschnittliche Performance erwarten lassen. Der Globallytics Fund No.1 verwendet rein datengetriebene Strategien auf Basis von wissenschaftlich fundierten Methoden. Je nach Marktsituation beträgt die Aktienquote zwischen 0 und 100 Prozent.
Das wissenschaftliche Modell von Dr. Sven Schmeier und Valentin Häußer beinhaltet verschiedene Faktoren und Kennzahlen, welche die kurzfristige positive Performance von Unternehmen identifiziert. Im Rahmen des Risikomanagements werden die selektierten Positionen nur mit einer kurzen Haltedauer versehen, um langfristige, schwer vorhersehbare, negative Markttendenzen zu vermeiden. 

Mission accomplished

In der Taktischen Asset Allocation wird weiterhin eine vorsichtige Positionierung eingenommen, Aktien bleiben mit einem Schritt untergewichtet, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Diese Entscheidung fußt zunächst auf den jüngsten Entwicklungen in Sachen COVID-19, wobei die durchaus Besorgnis erregenden Entwicklungen der Corona-Zahlen vom Markt momentan weitgehend ignoriert werden. Darüber hinaus ist in den nächsten Wochen im Zuge der Berichtssaison für die Ergebnisse des abgelaufenen zweiten Quartals mit einer Welle an negativen Unternehmensmeldungen zu rechen. Dass es weit verbreitet zu signifikanten Rückgängen bei den Unternehmensgewinnen gekommen ist, sollte nicht weiter überraschen. Nach der starken Erholung der Aktienkurse der letzten Wochen und Monate ist der Markt jedoch korrekturanfällig geworden und die Quartalsberichte könnten als Auslöser für einen Rückschlag herhalten.

Der positive Grundtenor am Markt war in den letzten Monaten sehr stark von den geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen gestützt. Was die Finanzmärkte betrifft, war es vor allem die Geldpolitik, die zu der Erholung geführt hat. Mit Aktienmärkten und riskanten Segmenten des Anleihenmarktes, die ihre Verluste großteils egalisiert haben, gilt für die Notenbanken jetzt einmal „Mission accomplished“ (=„Mission erfüllt“) und die Motivation für weitere Maßnahmen dürfte bis auf Weiteres gering sein. Somit tritt dieser zuletzt wesentliche Unterstützungsfaktor in den Hintergrund, zumal die Finanzmärkte ja bekanntlich weniger auf den Status quo achten und stärker von der Veränderung beeinflusst werden. Erst wenn die Märkte neuerlich unter Druck kommen sollten, etwa weil der Süden der USA die steigenden Corona-Fallzahlen nicht in den Griff bekommt, würden die Notenbanken wohl wieder einschreiten.

Aktien: Als wäre nichts gewesen?

Anfang März wurde hier die Vermutung publiziert, dass Ende Juni und zumindest bis Jahresende die Aktienmärkte wieder höher stehen könnten als Ende Februar. Dann folgte der Absturz im März. Dennoch, der aggregierte Weltindex (MSCI) steht nun wieder dort, manche Märkte somit auch darüber!

Es liegt aber keine generelle „V-förmige“ Erholung vor, zumindest nicht in allen Regionen und Sektoren. Das Tempo der Erholung war beeindruckend, einige Sektoren wie Technologie oder Pharma haben die Krise sehr gut überstanden, der Index der Technologiebörse NASDAQ notiert nahe dem Allzeithoch! Der Dow Jones, der vor allem auf den „traditionellen“ Unternehmen basiert, hinkt dadurch entsprechend nach. Andere Regionen wie Lateinamerika, obwohl zuletzt wieder etwas Boden gut gemacht, oder Sektoren wie Finanz oder Energie, sind noch weiter davon entfernt und haben noch einen längeren Weg der Erholung vor sich. Auch der ATX leidet an seinem sehr unvorteilhaften Branchenmix.

Aktien USA und Europa: Es dominiert die Zuversicht

Die rasant negative Entwicklung bei der durchschnittlichen Gewinnmarge von Unternehmen aus dem S&P500-Aktienindex verdeutlicht einmal mehr die Dramatik der Folgewirkungen durch das Coronavirus. Für viele Unternehmen sind die Umsätze de facto von einer Woche auf die nächste markant weggebrochen, ein Großteil der Kosten ist jedoch zunächst geblieben, was die Gewinnspanne entsprechend deutlich nach unten drückt.

Auch wenn das Ausgangsniveau vor Ausbruch der Corona-Krise in den USA relativ solide war und viele Unternehmen immer wieder mit sehr rascher Anpassungsfähigkeit positiv überraschen, bis die Gewinne in Relation zum Umsatz wieder anspringen wird es dauern. Am schlechtesten stehen die Gewinnerwartungen – auch in Europa – für die Sektoren Energie, Grundstoffe und Industrie. Wir sehen auch in Anbetracht der zu erwartenden Verbesserung der Fundamentalfaktoren kurzfristig zu viel Zuversicht eingepreist und sind daher mit einem Schritt Aktienuntergewichtung weiterhin vorsichtig positioniert.

Emerging Markets: Unterschiedliche regionale Entwicklung

Durch die Emerging Markets geht ein Riss, der am besten von der Gewinnentwicklung veranschaulicht wird: In Asien kommt es zu einem leichten Rückgang der Gewinnentwicklung, wobei hingegen in Lateinamerika und Europa dramatische Gewinneinbrüche zu verzeichnen sind. Auch bei der Entwicklung der Corona-Krise ist dieser regionale Unterschied zu erkennen, bei dem die äußerst ruhige Entwicklung in Asien hervorzuheben ist. Daher kann die wirtschaftliche Erholung hier sehr stark voranschreiten. Das ist generell positiv, da Asien der weitaus bedeutendste Teil im Emerging-Market-Aktienindex ist.

Ein Blick auf die Märkte: Von einer V-förmigen Erholung ist keine Rede

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Es ist sicher nützlich, wirtschaftliche Daten zu verfolgen. Dennoch ist hierbei Vorsicht geboten. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) ist ein hilfreicher Indikator, um den Zustand der Wirtschaft zu beurteilen. Ein Wert über 50 - zu einem beliebigen Zeitpunkt - signalisiert, dass die wirtschaftliche Aktivität expandiert, ein Wert unter 50 dagegen zeigt eine Konjunkturabschwächung an. Der PMI des verarbeitenden Gewerbes in den Vereinigten Staaten liegt bei über 50 und hat sich seit seinem Stand im April und Mai stark erholt. Ein weiterer ermutigender Indikator ist der Zuwachs von 4,8 Millionen Arbeitsplätzen in der US-Wirtschaft im Juni, nachdem im Mai 2,5 Millionen Arbeitsplätze hinzugekommen waren.

Die Reaktion des Aktienmarktes

Dies sind positive Nachrichten für die Aktienmärkte. Während der viertägigen Arbeitswoche in den USA stieg der S&P 500 Index in der vergangenen Woche um über 2,5 Prozent, während der NASDAQ Composite Index um über 3,4 Prozent zulegte.

Figure 01: PMIs schließen sich mit US-Aktien zur V-Form zusammen

Abbildung 1.jpgQuelle: Bloomberg, Daten vom 4.7.2020- 3.7.20. Der NAPMPMI-Index bezieht sich auf das Institute for Supply Management (ISM) Manufacturing PMI. SPX Index bezieht sich auf den S&P 500 Index. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Investitionen können an Wert verlieren.

Warum Vorsicht geboten ist

Die Wirtschaftsdaten sind in der Tat ermutigend und ein Schritt in die richtige Richtung. Sie laufen jedoch nicht auf eine V-förmige wirtschaftliche Erholung hinaus. Investoren sollten daher Folgendes berücksichtigen:

  • PMIs heben die monatlichen Veränderungen der wirtschaftlichen Aktivität hervor. Angesichts der Tatsache, dass die USA (und die Weltwirtschaft) aus den strikten Lockdowns herauskommen, ist eine deutliche Erholung der PMIs nicht überraschend.
  • Die Zunahme von rund 7,3 Millionen Arbeitsplätzen in den USA im Mai und Juni folgt auf den Verlust von 20 Millionen Arbeitsplätzen im April. Die US-Arbeitslosigkeit ist im Juli mit 11,1 Prozent immer noch extrem hoch und wird bei einer weiteren Verbesserung der Wirtschaft ganz allmählich auf ein erträglicheres Niveau zurückkehren.
  • Die Wachstumszahlen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das zweite Quartal 2020 und die Inflationszahlen für Juni dürften im Vergleich zu den Aktienmärkten ein ernüchterndes Bild der Welt zeichnen.
  • Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei, und in den USA ist seit Mitte Juni ein starker Anstieg der täglichen Neuinfektionen zu verzeichnen. Selbst wenn die Pandemie überwunden ist, wird die wirtschaftliche Erholung also wahrscheinlich langsam und stetig verlaufen. Die Anleger sollten sich noch überlegen, welche Aktienengagements ihren Portfolios in der vor ihnen liegenden Unsicherheit Ausgewogenheit und Robustheit verleihen.

Covid19 – Möglicher Impfstoff ist eine logistische Herausforderung

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Investoren begrüßen eine Studie für eine mögliche Impfung gegen das Corona Virus von Pfizer und BioNTech. Die Aktien von Pfizer sind daraufhin kräftig angestiegen. Die Hoffnung auf einen Impfstoff gegen das SARS-COV2 Virus wird für Oktober erwartet und unterstützt.

Selbst wenn der Impfstoff verfügbar ist, wird die Logistik der Herstellung und effektiven Verteilung eines solchen Impfstoffs auf globaler Ebene oder sogar mit großen Ländern nur selten diskutiert.

Verteilungsschlüssel von Impfstoffen in den USA

Impfstoffhersteller produzieren bereits Hunderte von Millionen Dosen

Derzeit befinden sich mehrere Impfstoffkandidaten in der so genannten Risikoproduktion. Die Impfstoffhersteller haben mit der Produktion von Hunderten von Millionen Dosen begonnen, um für den Vertrieb bereit zu sein, sobald ein Kandidat die Phase-III-Studien bestanden hat.

Während die Hersteller einen Teil der finanziellen Last tragen, falls der Kandidat scheitert, wird der größte Teil der Kosten von den Regierungen (im Falle des Impfstoffs von Oxford von den USA über die BARDA) und den NGOs (Gates Foundation) getragen. Es stellt sich auch die Frage der Verdrängung anderer Impfstoffproduktionsketten, ein Problem, das vor allem Schwellenländer betrifft.

Weltweite Verteilung eines Impfstoffs gewaltige Aufgabe

Die Verteilung eines Impfstoffs weltweit und selbst in großen Ländern ist eine gewaltige Aufgabe und erfordert eine strenge staatliche Planung und Überwachung. Die meisten entwickelten Volkswirtschaften verfügen über strategische Spielbücher für Pandemien (hier ist die 250-seitige US-Bibel zu diesem Thema), die jedoch oft mit Blick auf eine Grippepandemie geschrieben wurden. Sie regeln, wer den Impfstoff zuerst bekommt, mit dem allgemeinen Ziel, den Verlust von Menschenleben zu verhindern und die öffentliche Ordnung zu wahren.

Daher werden gefährdete Gruppen, medizinisches Personal, Polizei, Streitkräfte und die Zentralregierung zuerst geimpft. Die Verteilung an die breite Bevölkerung richtet sich dann nach der für einen solchen Einsatz vorhandenen Logistik. In den USA zum Beispiel ist das Center for Disease Control and Prevention (CDC) die einzige Institution, die die Kühlkettenlogistik und die Überwachung einer landesweiten Impfstoffverteilung übernehmen kann.

Sorge um öffentliche Akzeptanz

Während das CDC während der aktuellen Pandemie heftig für seine verpfuschte Handhabung von Tests kritisiert wurde, sollten Bedenken hinsichtlich einer ähnlichen Verhudelei bei der Impfstoffverteilung gegen die erfolgreiche Verteilung des Schweinegrippeimpfstoffs im Jahr 2009 abgewogen werden. Eine weitere Sorge ist jedoch die öffentliche Akzeptanz des Impfstoffs.

Während so genannte „Anti-Vaxxer“ einen kleinen, wenn auch lauten Anteil der Bevölkerung ausmachen, haben viele Menschen Bedenken geäußert, einen Impfstoff zu erhalten, der ihrer Meinung nach durch die Entwicklung gehetzt wurde.

In den meisten Richtlinien der Regierung wird darauf hingewiesen, dass es dringend notwendig ist, dass führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens diesen Bedenken durch konsequente und transparente Aufklärung begegnen. Zur Veranschaulichung des Problems, mit dem zumindest die USA konfrontiert sein könnten, siehe unten.

Überwachung der Versorgungskette essenziell

Eine oft unterschätzte Aufgabe während einer großen Impfkampagne ist die Überwachung, die sicherstellt, dass die Menge an Dosen am richtigen Ort ankommt, dass die Impfstoffe nicht untätig in Verteilungszentren liegen oder auf dem Schwarzmarkt landen, dass unerwünschte Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden und vor allem, dass die Regierung weiß, wer geimpft worden ist.

Eine nationale Impfkampagne erfordert einen effektiven Bürokratieapparat und eine transparente Kommunikation zwischen den beteiligten Regierungsstellen. Cyberabwehr ist in dieser Phase ein oft vernachlässigter Faktor, da feindliche Akteure die Impfkampagne zu diesem Zeitpunkt mit relativ einfachen Mitteln möglicherweise ernsthaft stören könnten.

Fazit

Die Hoffnung für einen möglichen Impfstoff im Oktober unterstützt die positive Entwicklung an den Aktienbörsen. Neben den geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen wäre ein Mittel gegen das Covid19 das richtige Medikament für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Unternehmensstimmen zum Thema Gesundheit

von Andreas Perauer, Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsteams bei der Raiffeisen KAG.

Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen hat Covid-19 der Pharmaindustrie keinen Stillstand, sondern eine Überbelastung beschert. Seit Beginn der globalen Krise versuchen die Unternehmen das Virus so gut wie möglich in den Griff zu bekommen, angefangen von Tests über Medikamente zur Linderung der Symptome bis hin zu Impfstoffen. Vieles konnte bereits erreicht werden, aber vor allem im Bereich der Medikamente zur Behandlung des Virus sowie bei der Entwicklung eines geeigneten Impfstoffs wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet.

Die Engagement-Aktivitäten des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management beim Thema Gesundheit beinhalten den Dialog mit einigen der größten börsennotierten Unternehmen der Branche. Dabei wurden folgende Fragen gestellt:

Wie wirkt sich Covid-19 auf Ihr Unternehmen aus? Können Ihre Produkte und Dienstleistungen zur Bekämpfung des Virus beitragen?

Die Auswirkungen des Coronavirus variieren von Unternehmen zu Unternehmen und hängen vor allem von dem jeweiligen Geschäftsmodell ab. Während sich beispielsweise Sanofi aus Frankreich stark darauf fokussiert, mit seinen Produkten aktiv an der Bekämpfung des Virus teilzunehmen, konzentriert sich die dänische Firma Novo Nordisk eher darauf, die bestehenden Kunden bestmöglich zu servicieren. Das Unternehmen bedient mit seinen Produkten hauptsächlich chronische Krankheiten wie Diabetes, welche mit dem Coronavirus nicht unmittelbar in Zusammenhang stehen. Aufgrund der vielerorts geltenden Sicherheitsregeln rechnet Novo Nordisk daher vorerst mit einer sinkenden Anzahl an Neukunden. Das Unternehmen zeigt mit einer Spende von 2.000 Tonnen Ethanol für die Herstellung von Desinfektionsmitteln jedoch soziales Engagement und arbeitet eng mit den Behörden an der Analyse von Covid-19-Tests zusammen. Eine ähnliche Vorgehensweise verfolgt die deutsche Merck, welche für eine Studie der französischen Forschungseinrichtung Inserm das Medikament Interferon-beta 1a (Rebif®) kostenfrei zur Verfügung gestellt hat. Außerdem hat auch Merck sich mit einer Spende von 150.000 Litern Desinfektionsmittel sehr großzügig gezeigt. Die Firma Evotec, ebenfalls aus Deutschland, berichtet davon, dass ihr Geschäft wenig bis gar nicht von Covid-19 betroffen ist. Grund dafür ist, dass Evotec vorwiegend im B2B-Bereich und dort größtenteils innerhalb von langfristigen Partnerschaften mit Pharma- und Biotechnologieunternehmen, akademischen Instituten und Stiftungen arbeitet. Das Unternehmen bleibt daher von kurzfristigen Änderungen im Endkonsumentenbereich weitestgehend unbeeinflusst.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um Engpässe bei der Lieferung wichtiger Arzneimittel zu vermeiden? Planen Sie aufgrund der jüngsten Erkenntnisse Anpassungen Ihrer Lieferkette?

Vor allem zu Beginn der Pandemie war in der Gesellschaft eine gewisse Angst vor Lieferengpässen zu spüren. Dies führte zu auffälligem Einkaufsverhalten, wie beispielsweise im Falle von Toilettenpapier. Im Gesundheitsbereich war es eher der Mangel an Equipment wie Masken und Desinfektionsmitteln als der Mangel an Medikamenten, der es in die Nachrichten schaffte. Dass etwa für die schwedische Firma AstraZeneca Medikamentenmangel kein Thema war, wird mit der Führung eines hohen Lagerbestands an pharmazeutischen Wirkstoffen begründet, während die gesamte Lieferkette einer sorgfältigen Planung der Geschäftskontinuität unterliegt. Durch ein globales Netzwerk an Produktionsstätten war der Nachschub laut Unternehmen zu keiner Zeit gefährdet. Unsicherheiten in der Auslieferung, etwa durch geschlossene Grenzen, umgeht Astra-Zeneca mittels Luftfrachtverkehr. Generell zeigen die kontaktierten Unternehmen durch die größtenteils mögliche Aufrechterhaltung der Produktionskapazitäten eine positive Haltung gegenüber der Entstehung von Engpässen. Auch bei Merck traten keine kritischen Störungen auf, etwaige Lieferverzögerungen beliefen sich auf weniger als sieben Tage. Das Unternehmen sieht sich jedoch zusehends mit zusätzlichen Kosten konfrontiert, um das geforderte Level sowohl in der Beschaffung als auch in der Lieferung aufrechterhalten zu können.

Haben Sie Ihre Pläne für Forschung und Entwicklung aufgrund des Virusausbruchs angepasst? Sind aus der Krise Kooperationen hervorgegangen?

Forschung und Entwicklung (F&E) sind im Gesundheitsbereich essenzielle Faktoren und stellen dementsprechend auch hohe Kosten dar. Woran geforscht und was entwickelt wird, muss daher genau geplant werden. Der Ausbruch des Coronavirus zwang viele Unternehmen, von diesen Plänen abzuweichen. Novartis beispielsweise entschied sich für die kurzfristige Einleitung einer klinischen Studie mit dem Wirkstoff Ruxolitinib (Jakavi®). Vorklinische Studien deuten darauf hin, dass Ruxolitinib die Zahl der Patienten, die aufgrund eines schweren Krankheitsverlaufs Intensivpflege und mechanische Beatmung benötigen, reduzieren könnte. AstraZeneca arbeitet gemeinsam mit der schwedischen Regierung und mehreren Hochschulen an der Entdeckung eines neuartigen Antikörpers, der das SARS-CoV-2-Virus erkennen, binden und neutralisieren kann, um so das Ausmaß der Erkrankung verringern zu können. Darüber hinaus initiierte das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit GlaxoSmithKline und der University of Cambridge zur Errichtung neuer Testlabors. Für Sanofi ist es wichtig, neben den zahllosen Studien rund um Covid-19 die laufenden Studien für andere Produktkandidaten nicht aus den Augen zu verlieren. Diese werden daher sorgfältig und fortlaufend evaluiert. Auch Novo Nordisk führt abseits des Coronavirus eingeleitete klinische Studien fort und rechnet mit keinen signifikanten Verzögerungen bei jenen, die sich bereits dem Abschluss nähern. Neue Studien sind jedoch aufgrund der Belastung der Systeme nicht geplant.

Welche Möglichkeiten offenbart die Digitalisierung Ihrem Unternehmen/Ihrer Branche?

Merck sieht in der Digitalisierung eine große Chance für das Gesundheitswesen. Das Unternehmen arbeitet gemeinsam mit der Softwarefirma Palantir Technologies an einer Plattform namens Syntropy. Diese soll es weltweit führenden Experten ermöglichen, im Kampf gegen Krebs und viele andere Krankheiten zusammenzuarbeiten und so das Leben vieler Menschen zu verbessern. Nach Ansicht von Merck generieren Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt eine mit unglaublicher Geschwindigkeit wachsende Menge an biomedizinischen Daten, aber ein Großteil davon sei in Silos innerhalb und zwischen Einrichtungen eingeschlossen. Für Wissenschaftler seien diese kritischen Daten daher häufig nicht zugänglich, ein Umstand, den es laut Merck zu verändern gilt. Auch für Novartis stellt die Digitalisierung von Prozessen eine Schlüsselpriorität dar. Einsatz findet sie vor allem in der Überwachung von klinischen Studien, der Lagerverwaltung und in F&E-Prozessen. Digitalisierung spiegelt sich auch im Kommunikationsverhalten wider. Aufgrund der aktuellen Situation sind virtuelle Besprechungen keine Seltenheit mehr, auch nicht in der Gesundheitsbranche. Die kontaktierten Unternehmen führen Online-Konferenzen sowohl innerhalb der Organisation als auch mit Ärzten und Krankenhäusern durch. Geht es nach Evotec, ist man für die Möglichkeit solcher Konferenzen dankbar, den persönlichen Kontakt können sie dennoch nicht ersetzen.


Die aktuelle Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's NACHHALTIG INVESTIEREN zum Thema Covid-19 und Gesundheit finden Sie links als PDF.

Internet für Alle: Aktien Megatrends

von Bernhard Selinger, Senior Fundmanager der Erste AM.

Egal ob E-Mail, Suche nach Informationen, Einkaufen, Social Media oder Musik/Video-Streaming: das Internet ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aktuelle Ereignisse rund um COVID-19 und dem folgenden sprunghaften Anstieg des Internet-Datenaufkommens (Home-Office, E-Learning, Gaming etc.) haben unsere digitale Abhängigkeit sehr deutlich vor Augen geführt.

Zahlen aus dem jüngsten Bericht der „International Telecommunication Union“ (ITU), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf, belegen auch das historisch starke Wachstum. So stieg zwischen 2005 und 2019 die globale Zahl der Internet-Nutzer im Schnitt um 10% pro Jahr. Während im Jahr 2005 die globale Verbreitung des Internets in der Bevölkerung bei knapp unter 17% lag, war es 2019 schon knapp 54%.

Das sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass aktuell rund 3,6 Mrd. Menschen keinen (oder nur sehr eingschränkten) Zugang zum Internet haben – also über 46% der Weltbevölkerung.

Dabei gibt es enorme Unterschiede hinsichtlich Regionen und Einkommen: während in entwickelten Ländern knapp 90% der Menschen Zugang zu Internet haben, sind es in den ärmsten Ländern nur knapp 20%. Nach Regionen aufgeteilt ist die Internet-Nutzung in Europa am höchsten und in Afrika und einigen Staaten in Süd-Asien am geringsten (Quelle: ITU).

Internet-Nutzung nach Regionen und Wohlstand

„Digitale Inklusion“, die Möglichkeit zur Teilhabe an der digitalen Welt, unabhängig von Geschlecht, Bildung oder Einkommen stellt daher auch ein Ziel der Vereinten Nationen im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDGs) dar. Genau genommen „Ziel 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur“, sieht vor „den Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologie erheblich zu erweitern sowie in den am wenigsten entwickelten Ländern einen allgemeinen und erschwinglichen Zugang zum Internet bereitzustellen“ (Quelle: Vereinte Nationen).

Entlegene Gebiete mit geringer Bevölkerungsdichte sind beispielsweise mit konventioneller Telekom-Infrastruktur (Glasfaser- oder Kupferleitungen, Mobilfunk-Netze) sehr schwierig zu erschließen und auf Dauer kaum wirtschaftlich rentabel zu betreiben.

Einige Unternehmen haben es sich daher zum Ziel gesetzt, mit Hilfe neuer Technologie, dieses Problem zu überwinden und unabhängig vom Standort eine globale Versorgung mit Breitband-Internet zu ermöglichen.

Laser statt Funkwellen

Viele neue Lösungsansätze für eine möglichst großflächige Versorgung mit Breitband-Internet wurden durch Fortschritte im Bereich der Übertragungstechnik ermöglicht. Daten-Übertragung über weite Strecken mittels Laser, im Gegensatz zu Funkwellen, bietet beispielsweise deutliche Vorteile hinsichtlich Geschwindigkeit (höhere Bandbreite), Kosten (höhere Energieeffizienz, keine Lizenzen notwendig) sowie Sicherheit („Abhören“ unmöglich). Mynaric zum Beispiel ist ein technologisch führendes Unternehmen in der Herstellung von Laser-Kommunikationsgeräten.

Nach Jahren von Forschung und Entwicklung läuft aktuell die Serien-Fertigung an. Boden-gestützte Laser, angebunden an ein Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz, könnten Daten mit hoher Bandbreite an erdnahe Satelliten (LEO – low-earth-orbit) oder unbemannte Fluggeräte (Ballon, Dronen) weitergeben werden, welche wiederum über Funkwellen (RF – radio-frequency) mit einer Vielzahl von Endgeräten verbunden sind.

Laser-Kommunikation Darstellung

Quelle: Mynaric

Endgeräte reichen vom klassischen Smartphone oder Laptop zu einer Vielzahl von „Internet of Things“ (IoT) Anwendungen, beispielsweise bei Produktionsbetrieben („Smart Factories“) oder in der Landwirtschaft („Smart Farming“). Eine Fülle von Sensoren, welche bei derartigen Anwendungen zum Einsatz kommen, generiern eine bis dato nie dagewesene Menge an Daten.

Schätzungen gehen davon aus, dass eine „Smart Factory“ bis zu 1 Petabyte (1,000 Terabyte) Daten am Tag generieren könnte (Quelle: Intel) – das wären ungefähr 1 Mrd. Minuten Musik im mp3-Format oder 160 Millionen E-Books).

Die Fluggeräte, wenn auch untereinander mittels Laser verbunden, können auf diesem Weg weite Distanzen überbrücken und daher auch entlegenste Regionen mit Breitband-Internet versorgen.

The new space race

Softbank – „HAPS“

„HAPS“ („High Altitude Platform Station“) beschreibt ein unbemanntes Flugobjekt mit einer Flugelspannweite von 78 Metern, welches, in einer Höhe von rund 20 Kilometern und mit einer Geschwindigkeit von rund 110 km/h über einem Ziel kreisend, ein Gebiet in einem Radius von rund 200 Kilometern mit Daten versorgen könnte.

Schichten der Atmosphäre

Quelle: Screenshot HAPS; Website: https://www.hapsmobile.com/en/#concept

Die 10 Propeller werden über Solarpanele, welche sich an der Oberseite der Flügel befinden, mit Energie versorgt. Die Datenübertragung zwischen Basis-Station am Boden und Fluggerät, genauso wie die Verbindung mehrerer Fluggeräte untereinander, könnte mittels Laser über weite Distanzen ermöglicht werden.

Unter guten Bedingungen – in der Stratosphäre herrscht üblicherweise eine nur sehr geringe Windgeschwindigkeit – könnte der Hawk 30 bis zu 7 Monate ohne Unterbrechung im Einsatz sein (Quelle: Softbank).

HAWK 30

Quelle: Screenshot HAPS; Website: https://www.hapsmobile.com/en/#concept

Alphabet – „Loon“

Einen etwas anderen Weg schlägt die Alphabet-Tochter „Loon“ ein: statt Flugzeugen werden mit Helium gefüllte Ballons verwendet an deren Ende Solar-Panele sowie das Equipment für die Datenübertragungen hängen. Die rund 12 Meter hohen sowie 15 Meter breiten Ballons steigen (genau wie der „HAPS“ Gleiter) auf eine Höhe von rund 20 Kilometern über dem Erdboden. Ein Algorithmus nützt durch gezieltes Auf- und Absteigen Änderungen bei Windströmungen um autonom über einen definierten Gebiet stationiert zu bleiben.

Ballon und mobile Startplattform

Quelle: Loon

Die Reichweite für die Datenversorgung eines Ballons wird von Alphabet mit rund 40 Kilometern angegben. Jedoch besteht auch hier die Möglichkeit mehrere Ballons mittels Laser zu verbinden – entsprechende Tests wurden bereits erfolgreich absolviert.

Über eine Distanz von 100 Kilometern konnte eine Laser-Verbindung zwischen zwei Ballons über Stunden unterbrechungsfrei und mit sehr hoher Bandbreite (155 Mbit/s) aufrecht erhalten werden.

Die Ballons kamen auch bereits bei Katastrophen erfolgreich zum Einsatz z.B. im Oktober 2017 in Puerto Rico um nach dem Hurrican „Maria“ rasch eine Mobilfunk-Notversorgung für Hilfskräfte und Betroffene errichten zu können (Quelle: Loon).

SpaceX – „Starlink“

Den technisch vermutlich anspruchsvollsten Weg geht das private US-Raumfahrtunternehmen SpaceX: ein Netzwerk von hunderten erdnaher Satelliten (LEO – low-earth-orbit) soll in einer Höhe von rund 550 Kilometern die gesamte Erde abdecken.

Während geostationäre Satelliten (GEO – geostationary earth orbiter) sich in Umlaufbahnen in einer Höhe von rund 36,000 Kilometern synchron zur Erde bewegen, ermöglichen erdnahe Satelliten aufgrund der geringeren zurückzulegenden Distanz der Funkwellen eine deutlich schnellere Kommunikation.

SpaceX – Falcon 9 Trägerrakete

Quelle: unsplash

Im Moment befinden sich 538 „Starlink“ Satelliten im Orbit – die erste Ausbaustufe (geplant Ende 2021) sieht 1.584 Satelliten vor. Die rund 260 kg schweren Satelliten sind eine Eigenentwicklung von SpaceX, ebenso wie die Falcon 9 Trägerraketen, welche die Satelliten in die Erdumlaufbahn befördert.

Gegen Ende des Jahres ist weiters geplant, alle Satelliten mit Laser-Kommunikationsgeräten auszustatten, um einen schnellen Datenaustausch im Satelliten-Netzwerk zu ermöglichen. Die Kommunikation der Satelliten mit den Endgeräten am Boden erfolgt wiederum über Funkwellen. (Quelle: SpaceX).

Fazit

Digitalisierung zählt zu einem der Megatrends im ERSTE FUTURE INVEST. Die COVID-19 Krise hat diesen Trend noch weiter beschleunigt, sei es im Bereich E-Commerce, E-Learning oder durch Cloud- und Streaming-Anwendungen. Gefragter denn je sind daher auch kreative technische Lösungen um die „digitale Kluft“ zwischen Ländern zu schließen und „Internet für Alle“ Wirklichkeit werden zu lassen.

Der ERSTE FUTURE INVEST ist ein aktiv gemanagter, globaler Aktienfonds, der in Megatrends („zukunftsträchtige“ Themen) investiert. Im Zuge der Titelselektion werden Aktien ausgewählt, die einem oder mehreren der folgenden Trends zugeordnet sind: Gesundheit und Vorsorge, Lebensstil, Technologie und Innovation, Umwelt und saubere Energie sowie aufstrebende Märkte.

Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen. Die vorhandenen Daten sind aufgrund der kurzen Zeitspanne nicht aussagekräftig. Quelle: Erste AM


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Ein Dossier zum Thema Coronavirus mit Analysen: https://blog.de.erste-am.com/dossier/coronavirus/

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.