Positionierung für Unsicherheiten bei globalen Aktien: Sind die Märkte zu schnell gestiegen?

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Die globalen Aktienmärkte hatten im Jahr 2020 im Zusammenhang mit der weltweiten Pandemie und der damit verbundenen wirtschaftlichen Abschwächung einen erheblichen Rückgang erlebt. Letzte Woche haben globale Aktien (MSCI World) jedoch wieder auf 1,5% ihres Allzeithochs vor der Krise angezogen (MXWO 2436.60 - 19. Februar 2020).1

Wir glauben, dass diese Erholung Aktienanleger ermutigen sollte, insbesondere nach einer Gewinnsaison im zweiten Quartal, welches eigentlich die extrem negativen Auswirkungen der globalen COVID-19-Pandemie auf US-Unternehmen hätte widerspiegeln sollen. Trotz der Ermutigung gibt es einige hervorstechende Merkmale der Erholung und nach wie vor bestehende Unsicherheiten, die eine vollständige Rückkehr zur "Risikofreudigkeit" verhindern und in allen Anlegersegmenten große Mengen an Bargeldbeständen zurückhalten.

Seitdem der MSCI World Index am 23. März 2020 seinen Tiefststand erreicht hatte (MXWO 1609,57), hat der Index bis zum 18. August 2020 um 49% zugelegt und damit fast den gesamten am Ende des ersten Quartals verlorenen Boden wieder gutgemacht.2 Genau an diesem Tag hatte die US-Notenbank unbegrenzte Anleihekäufe angekündigt.

Während die Investoren die Erholung der Preise für Vermögenswerte begrüßten, sollte nicht vernachlässigt werden, dass diese zum Teil durch noch nie dagewesene politische Unterstützung seitens der Regierungen und Zentralbanken gefördert wurde. Neben der akkommodierenden Politik der US-Notenbank erließ die US-Regierung am 27. März 2020 das CARES-Gesetz zur Unterstützung von Unternehmen und Einzelpersonen durch Mechanismen wie das Paycheck Protection Program ("PPP"). Die Unterstützung für das PPP wurde im April (zusätzliche Mittel in Höhe von 321 Milliarden US-Dollar) und Juni (zusätzliche Laufzeit und Zwecke für die Verwendung der Mittel) weiter ausgeweitet.3 Allerdings beginnt sich der Optimismus hinsichtlich weiterer Unterstützung - wie z.B. des 3 Billionen US-Dollar schweren HEROES Act - nach der Erholung des Aktienmarktes und angesichts der bevorstehenden Wahlen zu drehen.

Eine ähnliche Geschichte spielt sich an anderen größeren Aktienmärkten ab. Japan hat eine deutliche Erholung erlebt, der Nikkei 225 liegt innerhalb von 2% seines Vorkrisenhochs (NKY 24.083,51 - 20. Januar 2020).4 Die Ausreißer könnten sich in der Eurozone befinden, wo entschlossene fiskalische Maßnahmen sich verzögerten, sowie in den Vereinigte Königreich, das immer noch mit einer drohenden Brexit-Resolution zu kämpfen hat.

Die Anleger zeigen sich weiterhin verhalten optimistisch, was die Aussicht auf eine anhaltende Aufwärtsbewegung der globalen Aktien betrifft – vorausgesetzt, die fiskalische und monetäre Unterstützung bleibt bestehen und die Stimmung, dass eine medizinische Lösung kommt, bleibt optimistisch.

Die relativen Chancen für Aktieninvestoren nehmen bei den derzeitigen Bewertungen ab. Infolgedessen könnten vorsichtige Investoren beginnen, einen Ansatz mit niedriger Volatilität zu bevorzugen. Anleger, die einen diversifizierten Ansatz anstreben, um lange bei diesen Bewertungen zu bleiben, könnten eine Global Low Volatility-Allokation in Erwägung ziehen, um sich gegen die negativen Auswirkungen der anhaltenden Unsicherheit zu positionieren.


 

1) Quelle: Bloomberg Finance L.P., Stand 21. August 2020.
3) Quelle: Bloomberg Finance L.P., Stand 21. August 2020
3) Quelle: EY Tax, COVID-19 Response Tracker, Stand 20. August 2020
4) Quelle: Bloomberg Finance L.P., Stand 21. August 2020

Büroflächen nach Corona im Veränderungsmodus

„Corona als Katalysator für die Entwicklung auf den Büromärkten schafft eine neue Realität mit klaren Gewinnern und Verlierern“, sagt Alex Lund, Manager European Research and Strategy bei M&G Real Estate.

„Als Büros auf der ganzen Welt als Reaktion auf die Eindämmungsmaßnahmen der Regierungen geschlossen wurden, verlegte sich der Arbeitstag im Handumdrehen in unsere Küchen, Schlaf- und Wohnzimmer. Die CEOs beglückwünschten ihre Teams zu der Geschwindigkeit dieses Übergangs. Doch schon bald stellte sich die Frage, ob dies zu einem dauerhaften Wandel führen würde. Die Antwort ist sehr von den jeweiligen persönlichen Umständen abhängig. Zwar wurden die Home-Office-Richtlinien massenhaft angenommen, doch die individuellen Erfahrungen waren bei weitem nicht einheitlich. Sie waren und sind abhängig von der Kinderbetreuung, der Möglichkeit eines privaten, ruhigen Arbeitsplatzes, der Fähigkeit nach getaner Arbeit abzuschalten, der richtigen IT- und Schreibtischausstattung, sozialen Aspekten und vielem mehr.

Isolationsmüdigkeit aufgrund des Corona-Home-Offices

Die psychologischen Auswirkungen der Lockdowns sind entscheidend für die Sehnsucht der Mitarbeiter nach einer Rückkehr ins Büro. Viele sind zum Beispiel (noch) nicht bereit, wieder den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Doch die Geschichte lehrt uns, dass Erinnerungen schnell verblassen. Nach dem Terroranschlag von 9/11 in New York prophezeiten Kommentatoren das Ende des Wolkenkratzers. Offensichtlich war dies nicht der Fall. Sobald ein Impfstoff gefunden wird, könnten wir einen ersten neuen Ansturm auf die Büros erleben: Viele Arbeitnehmer sind isolationsmüde und suchen Sozialkontakte bei der Arbeit. Wir glauben fest an die Zukunft der Büroimmobilien. Die eigentliche Frage ist vielmehr, wie das moderne Büro aussehen sollte und ob die bestehenden Gebäude in einer Post-Virus-Welt noch angemessen sind.

Agiles Arbeiten bedeutet, Alternativen zu haben

Der Übergang zu flexibler Arbeit ist seit einigen Jahren im Gange. Inzwischen ist es allgemein anerkannt, dass die Mitarbeiter nicht mehr von neun bis fünf Uhr, an fünf Tagen in der Woche im Büro sein müssen. Es ist sinnvoll, dass sich agiles Arbeiten immer mehr in unserem Leben verankert. Aber Flexibilität bedeutet auch, die Möglichkeit zu haben, in einem Büro zu arbeiten. Oft hängt diese Wahl von den Umständen ab. Es ist außerdem wichtig, zwischen verschiedenen Kulturen und Branchen zu unterscheiden. Während Länder wie die Niederlande oder Schweden fortschrittlich sind, hat Japan sein Stereotyp vom „Angestellten“ noch nicht abgeschüttelt. Auch hat sich das flexible Arbeiten in bestimmten Branchen naturgemäß stärker entwickelt. Und es gibt Unterschiede zwischen den Bereichen oder dem Stadium der Karriere einer Person. Jüngere Mitarbeiter unter 35 Jahren wollen viel seltener von zu Hause aus arbeiten als die über 50-Jährigen. All dies deutet auf einen unterschiedlichen Bedarf an Flexibilität und Raum hin.

Das Bürogebäude wird bleiben, wobei der Schwerpunkt auf Qualität statt Quantität liegt. Die typische moderne Büroumgebung spiegelt heute etwas Ansprechenderes wider als Reihen identischer Kabinen. Das Büro ist ein Teil der Kultur einer Organisation. Im Kampf um Talente ist dies von entscheidender Bedeutung. Berufsanfänger haben oft bereits klare Vorstellungen rund um soziale Interaktion, Wohlbefinden und Arbeitsethik. Es ist wohl diese demografische Entwicklung, die von den Unternehmen am meisten berücksichtigt werden muss. Veraltete Schreibtischflächen wurden durch Break-out-Kaffeeplätze, Innovationszentren und Wohlfühleinrichtungen ersetzt. Während also der Platz pro Mitarbeiter zurückgegangen ist, sind die Einrichtungskosten und Servicekosten tendenziell gestiegen.

Gewinner und Verlierer

Verlierer sind die Flächen, die unter den modernen Bürostandards liegen: Back-Office-Standorte in außerstädtischen Gewerbegebieten oder in kleineren Städten. Callcenter oder Branchen, in denen die Technologie seit langem vorhanden ist, werden den Übergang in die heimische Wohnung ermöglichen. So wird der Bürosektor wie der Einzelhandel wahrscheinlich ein zweistufiger Markt werden. Büroimmobilien zählen dabei weniger auf kurzfristige Gewinne, sondern werden langfristig geplant. Ein weiterer Aspekt: Die Struktur von Büroimmobilien eignet sich gut für den Umbau in Wohngebäude.

Gewinner sind die zentralen Lagen. Die Verlagerung der Nutzer in zentral gelegene Front-Offices hat viele Gründen: bessere Anbindung, Agglomerationsvorteile, Talentbindung oder ein geringerer CO2-Fußabdruck. Wichtig ist dabei, dass wir sehr sorgfältig über die Gestaltung von Büroraum nachdenken und gleichzeitig längerfristige ESG-Ziele berücksichtigen. Der Schwerpunkt des Designs muss sich um Flexibilität, Annehmlichkeiten, das Wohlbefinden der Mitarbeiter und den menschlichen Aspekt der Arbeit drehen. Die hohe Qualität der Flächen wird eine höhere Ertragssicherheit mit sich bringen. Vermieter älterer Gebäude oder von Gebäuden außerhalb der attraktiven Lagen müssen sich möglicherweise an geringere Cashflows gewöhnen.

Wie Investoren sich anpassen

Unternehmen werden versuchen, verlorene Erträge durch Umstrukturierung und Kosteneinsparungen wieder hereinzuholen. Der traditionelle Bürogrundriss wird dabei wahrscheinlich im Mittelpunkt stehen. Wie sich Investoren an das Tempo der künftigen Veränderungen anpassen, wird wahrscheinlich in zehn Jahren über ihren Erfolg entscheiden, da Büroimmobilien eine sich langsam verändernde Assetklasse sind. Langfristig wird es der Nutzer sein, der die globalen Büroflächen prägt.“

Ein Blick auf die Märkte: Kippte die Stimmung am 11. August?

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Am Dienstag, dem 11. August, fiel der Goldpreis um mehr als fünf, der Silberpreis um fast 15 Prozent. Die Anleger fragten sich daher, ob eine wesentliche Veränderung der Marktstimmung eingetreten war. Sind defensive Absicherungen nicht mehr erforderlich? Wie wichtig sind Gold und Silber bei einer sich aufhellenden Risikostimmung? Ein Blick auf den breiteren Markt und die wirtschaftlichen Fundamente kann bei der Beantwortung dieser Fragen helfen.

Wie haben sich andere defensive und risikoreiche Anlagen seit dem denkwürdigen Tag im August verhalten?

Defensive Anlagen wie der US-Dollar erholten sich an diesem Tag. Das löste den anfänglichen Ausverkauf anderer Safe-Haven-Anlagen aus, wobei der Dollar seine Erholung jedoch nicht aufrechterhalten konnte und im bisherigen Jahresverlauf schwach bleibt. Der Dollar-Währungskorb fiel seit Jahresbeginn um etwa 3,7 Prozent. Die Renditen 10-jähriger US-Anleihenlegten an drei Tagen seit dem 11. August um über 10 Basispunkte zu. Sie bleiben aber mit rund 0,68 Prozent nahe den Rekordtiefstständen, verglichen mit rund 1,9 Prozent zu Jahresbeginn.

Risiko-Assets: Der S&P 500 verläuft seit dem Tag weitgehend flach, befindet sich aber seit März allgemein auf einem stetigen Aufwärtstrend. Der Euro Stoxx 50 Index hat den S&P 500 Index seit dem 11. August übertroffen und verzeichnet seit dem Schlusskurs vom 10. August ein Plus von etwa 1,4 Prozent (in EUR ausgedrückt).

Wie wird sich eine Veränderung der Wirtschafts- und Risikostimmung auf die Vermögensmärkte auswirken?

Sollte sich die Stimmung hinsichtlich des Wirtschaftswachstums verbessern, werden Risikoanlagen, wie Aktien und zyklische Rohstoffe, profitieren. Und angesichts eines Rückzugs bei Staatsanleihen wird Gold als Absicherung gegen einen eventuellen Anstieg der Inflation weiterhin gefragt sein. Silber wird aufgrund seiner hohen Korrelation mit Gold1 und der starken industriellen Nachfrage2 weiterhin eine vorsichtige Investitionsmöglichkeit bei der zyklischen Erholung bieten.

Sollte sich die Stimmung verschlechtern, wäre dies für Risikoanlagen natürlich nicht förderlich. Gleichwohl haben die US-Aktien seit Jahresbeginn dank der starken politischen Unterstützung und der Stärke des Technologiesektors eine beachtliche Widerstandsfähigkeit gezeigt. Ein trüberer Wirtschaftsausblick wird Gold und Silber mit ihren defensiven Eigenschaften ins Spiel bringen.

Abbildung 1: Die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum sind seit März dieses Jahres gestiegen

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Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Daten vom 17. August 2020. Monatliche Daten, die für den ZEW-Wachstumserwartungsindex für die Eurozone und die USA verwendet werden. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Investitionen können an Wert verlieren.

Hat sich die Stimmung letzte Woche geändert?

Die Stimmung - sowohl unter Ökonomen als auch auf den Märkten - hat sich seit dem Höhepunkt der Krise im März verbessert (siehe Abbildung oben). Die Veröffentlichung der ZEW-Wirtschaftswachstumserwartungen für die USA und die Eurozone am Dienstag, den 11. August, deutet lediglich auf eine Fortsetzung dieses Trends hin. Die Umkehrung des CBOE-Volatilitätsindex (VIX) seit März zeigt ein ähnliches Bild des zunehmenden Vertrauens in die Märkte. Somit hat sich die Stimmung in der vergangenen Woche nicht verändert, sondern den seit März eingeschlagenen Weg fortgesetzt. 

Nach der deutlichen Verschlechterung im zweiten Quartal wird die Erholung der Weltwirtschaft wahrscheinlich langsam und langwierig sein. Eine allmähliche Verbesserung der wirtschaftlichen Stimmung und ein herausfordernder Ausblick schließen sich nicht gegenseitig aus. Vielmehr stellen die Bestandteile einer stetigen, U-förmigen wirtschaftlichen Erholung unser zentrales Szenario bei WisdomTree dar.

Gold und Silber machen in dieser Woche bereits Gewinne, was hervorhebt, dass beide Edelmetalle zu den integralen Bestandteilen eines diversifizierten Portfolios gehören. In einem Zeitalter niedriger bis negativer Zinssätze und der Unsicherheit, die mit der Erholung der Weltwirtschaft einhergeht, bieten sie Ausgewogenheit, indem sie an den Aufwärtsrisiken partizipieren, aber auch Schutz vor den Abwärtsrisiken bieten. Strategische Anleger täten gut daran, die momentane Volatilität zu ignorieren. Taktische Anleger dagegen werden die Kursrückgänge, wie die der letzten Woche, wahrscheinlich als Kaufgelegenheit wahrnehmen.


Sofern nicht anders angegeben, handelt es sich bei den Daten um Quellen von WisdomTree, Bloomberg vom 17. August 2020.

1) historisch zwischen 0,7 und 0,8
2) mehr als die Hälfte der Verwendung von Silber stammt aus industriellen Anwendungen wie Elektronik, medizinischen Geräten und Solarstromerzeugung

Hochzins-Unternehmensanleihen bekommen Auftrieb

Hochzins-Unternehmensanleihen (High Yield) stehen derzeit wieder „hoch im Kurs“. Durch die energischen Schritte der Notenbanken zur Bekämpfung der Coronavirus-Krise bekommen sie Auftrieb. Was ist konkret geschehen?

  • In Europa können Banken High Yield-Anleihen als Sicherheiten direkt bei der Europäischen Zentralbank hinterlegen, wenn der Emittent am 6. April ein Investment Grade Rating hatte.
  • In den USA kauft die Notenbank direkt solche Anleihen, wenn der Emittent am 23. März ein Investment Grade Rating hatte.

Der plötzliche Stillstand der gesamten Wirtschaft brachte vielen Unternehmen enorme geschäftliche Einbußen. Auch jene Firmen, die sich vor der Corona-Krise in relativ guter Verfassung befanden, mussten dem Virus Tribut zollen. Das wirkte sich unmittelbar auf die Kreditqualität und das Rating aus. In den Monaten April, Mai und Juni stufte die US-Ratingagentur Moodys über 600 Unternehmen ab, darunter klingende Namen wie Ford, Renault, Lufthansa, Kraft Heinz (Ketchup).

Vom „Fallen Angel“ zum „Rising Star“

Die begebenen Anleihen dieser „Fallen Angels“ weisen nun einen entsprechenden Risikoaufschlag auf, weil sich Investoren die schlechtere Bonität durch höhere Zinsen abgelten lassen. Weshalb könnte sich ein Investment in „Hochprozenter“ rechnen? Durch die Konjunkturprogramme und die Erholung der Wirtschaft könnte sich bei dem einen oder anderen in Mitleidenschaft geratenen Unternehmen die Geschäftsaussichten verbessern. Die Risikoaufschläge könnten wieder sinken und die Papiere dadurch an Wert gewinnen. So werden die vormaligen „Fallen Angels“ zu „Rising Stars“.

Unternehmen wollen Kosten für Kapitalaufbringung senken

Mario Kaudela, Anlage-Experte bei der Erste Asset Management, kommentiert die Entwicklung: „Grundsätzlich sind die jüngsten Fallen Angels zumeist solide Unternehmen, die aufgrund der Sondersituation Corona eine etwas geringere Qualität aufweisen. Die Abstufung ist zwar Realität, das Rating ist aber nicht in Stein gemeißelt. Unternehmen die ins High Yield Segment herabgestuft werden, haben normalerweise das Ziel rasch wieder in den Investment Grade-Bereich zu kommen. Einerseits aus Reputationsgründen und andererseits aus Finanzierungsgründen. Schließlich wollen sie die Kosten für die Kapitalaufbringung so schnell wie möglich wieder verringern. Wenn also ein Unternehmen wieder Tritt fasst, werden die Risikoaufschläge geringer und eine Hochstufung des Ratings lässt dann normalerweise nicht lange auf sich warten.“

Risiko hat seinen Preis

Die Riskoaufschläge für Hochzins-Unternehmensanleihen sind zwar weit weg von den historischen Höchstständen während der Finanzkrise 2008, aber der Anstieg im März durch den Corona-Shutdown war deutlich. Die Lage hat sich in den letzten Monaten entspannt: Die Ausfallsrate, d.h. der Prozentsatz jener Unternehmen, die insolvent werden, liegt derzeit im niedrigen einstelligen Bereich. Sie muss jedoch im Zusammenhang mit der Entwicklung der Infektionszahlen im Auge behalten werden. Nun, da sich die Wogen geglättet haben, beginnen die Renditen wieder zu sinken und bieten Potenzial für Kursgewinne mit High Yield Anleihen.

Ein weiterer Grund für die Attraktivität dieser Anleihen ist die unverändert schwierige Suche nach attraktiven Renditen im aktuellen Tiefzinsumfeld. Derzeit stehen entsprechende Referenzanleihen von High Yields in Europa bei einer durchschnittlichen Verzinsung von 4,13% (Quelle: Refinitiv Datastream) und in den USA bei 5,95% (Quelle: Refinitiv Datastream). Angesichts der fortgesetzten Nullzinspolitik der Notenbanken und den teilweise bereits negativen Renditen von kreditsicheren Staatsanleihen bieten High Yield-Unternehmensanleihen die Möglichkeit positive Erträge einzufahren.

Positiver Ausblick für High Yield-Anleihen

Dies ist auch mit ein Grund, dass Erste Asset Management den Anteil von High Yield Anleihen in gemischten Fonds hochgefahren hat, siehe unseren Blog-Beitrag „Ausblick auf die Finanzmärkte“.

Was müssen AnlegerInnen bei Hochzins-Anleihen beachten?

Grundsätzlich sollte man für eine Investition in High Yield-Anleihen die eigene Risiko-Präferenz prüfen und Ausdauer mitbringen. Statt dem Kauf einer einzelnen Anleihe, bietet sich schon aufgrund der breiten Streuung ein Fonds an. Wenn ein paar Titel ausfallen, dann ist das weniger schmerzhaft, wenn es nur einen kleinen Teil eines Portfolios betrifft. Um Ausfälle weitgehend zu vermeiden, bedarf es bei der Auswahl der Anleihen eines professionellen Managements, das bei Fonds gegeben ist.

Beliebter Fonds: ERSTE BOND CORPORATE BB

Der ERSTE BOND CORPORATE BB erwirbt überwiegend Unternehmensanleihen internationaler Emittenten mit dem Rating „BB“, also jene Unternehmen, die an der Schwelle von High Yield zu Investment Grade stehen. Anleihen mit einem Rating BBB oder B dürfen auch erworben werden. Etwaige Fremdwährungsrisiken werden zumeist abgesichert. Der Fonds hat die Aufgabe, laufende Erträge in Euro zu erzielen. In den Veranlagungsprozess sind ökologische und soziale Faktoren sowie Unternehmensführungsfaktoren integriert.

Die durchschnittliche Rendite der im Portfolio gehaltenen Anleihen beträgt aktuell 3,17% (per 13.08.2020, Quelle: Erste AM). Bevorzugte Branchen sind Kommunikation, zyklischer und nicht zyklischer Konsum, Finanz- und Industrieunternehmen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Sputnik V – der Impfstoff, der aus der Kälte kam

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Als der russische Präsident Wladimir Putin am 11. August mit der Ankündigung von Sputnik V, dem weltweit ersten SARS-CoV-2-Impfstoff, seinen „Mission Accomplished“-Moment feierte, reagierte die globale Wissenschaftsgemeinschaft mit einer Mischung aus Skepsis und Verurteilung. Ist dies gerechtfertigt oder nur Russophobie?

Was ist Sputnik V?

Gam-COVID-Vak, besser bekannt unter seinem politisierten Namen Sputnik V, ist ein Adenovirus-Vektorimpfstoff, der vom Gamaleya-Institut in Moskau unter der Ägide des russischen Gesundheitsministeriums entwickelt wurde. Der Impfstoff verwendet zwei verschiedene Vektoren, um den menschlichen Körper für das SARS-CoV-2-Spike-Protein zu trainieren. Ad26 (identisch mit dem J&J-Impfstoff) für die „Primer“-Impfung und Ad5 (identisch mit dem CanSino-Impfstoff) als „Booster“ 21 Tage nach der ersten Impfung.

Funktioniert er?

Unklar. Obwohl es für den Impfstoff zwei abgeschlossene FDA-Phase-I/II-Studien NCT04436471 und NCT04437875 mit jeweils 38 Teilnehmern gibt, wurden bisher keine Daten über die Ergebnisse veröffentlicht, die über eine Pressemitteilung über die angebliche Wirksamkeit hinausgehen. Ebenso fehlen die Daten zu Studien, die an Nagern und nichtmenschlichen Primaten durchgeführt wurden. Dies folgt einem etablierten Muster des Gamaleya-Instituts, sich nicht an internationale Forschungsstandards zu halten.

Obwohl das Gamaleya-Institut, dessen Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, die höchste Autorität für die Entwicklung von Impfstoffen in Russland ist, verfügt es über keine nachgewiesene Erfolgsbilanz. Es hat einen Ebola-Impfstoff entwickelt, der bisher nur in Russland zugelassen ist, einem Land, das nicht sehr anfällig für Ebola-Ausbrüche ist, und sich nicht dem üblichen klinischen Prüfverfahren der FDA unterzogen hat.

Ungeachtet der Geheimhaltung gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass der entwickelte Impfstoff nicht eine gewisse Immunität gegen SARS-CoV-2 hervorruft. Die verwendeten Vektoren haben sich in den Impfstoffen von CanSino (zumindest etwas) und J&J als wirksam erwiesen. Die großen Unbekannten sind die Wirksamkeit angesichts der Tatsache, dass es sich bei den Vektoren um menschliche Adenoviren handelt, gegen die ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung zumindest eine gewisse Immunität besitzt, die sie unwirksam macht, und die Dauer der Immunität, die im Falle des CanSino-Impfstoffs offenbar nur von kurzer Dauer war.

Ist er sicher?

Wahrscheinlich ja. Ohne Berücksichtigung potenzieller Kontaminationen während der Herstellung scheint das Risiko ernsthafter unerwünschter Nebenwirkungen von Human-Adenovirus-Vektorimpfstoffen gering zu sein. Die Vektoren sind nicht in der Lage, sich im menschlichen Körper zu replizieren, und selbst wenn sie es könnten, wären die ausgelösten Symptome gutartig (Erkältung). Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Fieber, Müdigkeit und Muskelschmerzen. Dennoch ist es unethisch, die Bevölkerung einem Impfstoff mit unbekannten seltenen Nebenwirkungen auszusetzen. Selbst wenn eine extreme Nebenwirkung bei 1 von 2000 Menschen auftritt, wären davon allein in Russland 50.000 Menschen betroffen, wenn die gesamte empfängliche Bevölkerung geimpft wird.

Wer wird geimpft?

Medizinisches Personal wird den Impfstoff zuerst erhalten. Laut Pressemitteilungen wird die Impfung freiwillig sein. Kinder werden nicht geimpft, da, wie die Forscher behaupten, erst eine niedrigere verträgliche Dosis gefunden werden muss. Russland strebt an, im Dezember und Januar 5 Millionen Dosen pro Monat herzustellen. Bei diesem Tempo würde Russland, wenn man davon ausgeht, dass sich eine Dosis auf eine ganze Impfung (Primer & Booster) bezieht, 20 Monate brauchen, um einen ausreichenden Teil seiner Bevölkerung zu impfen. Die Tatsache, dass der Impfstoff aus zwei verschiedenen Komponenten besteht, erhöht die Anforderungen an die Überwachung während der Verteilung und stellt eine administrative Belastung für den maroden russischen Gesundheitsapparat dar.

Zusammenfassung

Sputnik V ist ein Publicity-Stunt, der im besten Fall eine gewisse Immunität für Mitarbeiter an vorderster Front des Gesundheitswesens mit tolerierbaren Sicherheitsrisiken und im schlimmsten Fall einen unwirksamen Impfstoff mit extremen, aber seltenen Nebenwirkungen erzeugen wird. Angesichts der geringen Produktionskapazität gehe ich davon aus, dass Russland, wie die meisten Länder, viele verschiedene Impfstoffe beschaffen wird, um die gesamte anfällige Bevölkerung zu impfen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Börsengang von Curevac

von Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset.

Der Börsengang von Curevac war überfällig. Wenn man die Börsenbewertung der beiden nächsten Wettbewerber Moderna und BioNTech zugrunde legt, erschien der Emissionspreis deutlich zu günstig. Im Unterschied zu BioNTech hat Curevac noch keine kommerziellen Partner zur klinischen Entwicklung und zur Vermarktung des Covid-Impfstoffes, wobei sie in GlaxoSmithKline über einen Partner verfügen, der mit Eigenkapital beteiligt ist und andere Projekte operativ unterstützt. Aus unserer Sicht rechtfertigt das aber nicht den immer noch deutlichen Bewertungsabschlag. Erfreulich ist der Börsengang im Übrigen nicht nur für uns als institutionelle Investoren mit einer Zuteilung, sondern auch für den deutschen Steuerzahler. Die vielfach kritisierte Beteiligung der KfW hat nun einen Buchgewinn von ca. €1,7 Mrd.


Über Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare, apoAsset

Kai Brüning ist seit 2011 Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset und Mitglied der Life Science Kommission der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Diplom-Kaufmann und DVFA Investment Analyst verfügt über 20 Jahre Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Als mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager verantwortet er unter anderem die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist laut Focus Money die beste Fondsanlagegesellschaft Deutschlands (Branchensieger beim Deutschlandtest 2019). Sie wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,2 Milliarden Euro, davon rund 1 Mrd. Euro in Gesundheitsfonds.
apoAsset bildet das größte deutsche Spezialisten-Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialist Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat, unter anderem mit dem Weltärztepräsidenten Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, dem Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und Dr. Markus Müschenich, Gründungsvorstand des Bundesverbands Internetmedizin. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

EU-Wiederaufbauplan bietet nur Aussicht auf höhere Schulden bei begrenzter Nachhaltigkeit

von Hans Stegeman, Chief Investment Strategist bei Triodos Investment Management.

Ökonomen fordern schon seit Jahren, dass zu einer gemeinsamen Währung auch eine gemeinsame Fiskal- und Wirtschaftspolitik gehört. In diesem Sinne ist der neue Deal ein echter Schritt vorwärts: Es wird einen von Europa finanzierten Fonds geben und es wird die Möglichkeit geben, Steuern auf europäischer Ebene zu erheben.

Von der Währungsunion zur Schuldenunion

Mit dem Programm wird ein erster Schritt in Richtung Vergemeinschaftung der europäischen Schulden gemacht. Ein vor allem für Südeuropa wichtiger Punkt ist, dass Wirtschaftsreformen diesmal keine Voraussetzung für die Hilfe darstellen. Und obgleich dies alles nur temporär ist, lehrt die europäische Geschichte, dass temporär eingesetzte Instrumente oft einen permanenten Charakter bekommen. Die Verteilung der Gelder erfolgt teilweise aufgrund der Größe der Volkswirtschaft eines Landes und teilweise aufgrund dessen, wie schwer das Land durch die Krise getroffen wurde. Die gern bemühte Solidarität gibt es dabei nur sehr begrenzt: Alle Staatsschulden bleiben bestehen. Nur für zusätzliche Schulden gilt die Solidarität.

Der Fonds wird zunächst durch die Emission von EU-Anleihen finanziert. Damit wird das Tabu, dass die Europäische Union (EU) nicht selbst auf den Kapitalmarkt gehen darf, endlich aufgehoben. Ebenfalls neu ist, dass Europa die Möglichkeit hat, diese Schulden durch gemeinsame (neue) Steuern zu finanzieren, zum Beispiel eine Plastikabgabe oder CO2-Zölle für importierte Waren. Diese Steuerquellen passen gut zur vorgegebenen Richtung des Wiederaufbaufonds und zum neuen EU-Haushalt: mehr Raum für Nachhaltigkeit.

Reicht das?

Trotz aller erkennbaren Bemühungen in Richtung einer solidarischen Lösung lässt sich einige Kritik üben. Erstens ist das Programm viel zu klein, um wirklich großen Einfluss zu haben. 750 Milliarden entsprechen weniger als 5 % des BIP der EU. Es ist für einen Zeitraum von mehreren Jahren (2021–2025) vorgesehen und wird somit längst nicht genug sein, um die Auswirkungen der Coronakrise zu bekämpfen. Zweitens gilt es ein sehr kompliziertes Verfahren zu durchlaufen, bevor auch nur ein Cent zur Verfügung gestellt wird. Die nationalen Regierungen müssen zuerst Pläne erstellen, die auf europäischer Ebene geprüft werden müssen und erst dann kann ein Zuschuss oder Kredit gewährt werden. Hinzu kommt: Die Bedingungen für diesen neuen Kredit umfassen keine Reformauflagen wie bei bisherigen Formen der Hilfe. Drittens ging der Kompromiss auf Kosten von Finanzmitteln, die zu einer besseren Nachhaltigkeit der EU hätten beitragen können: Geld für Forschung, Gesundheitsversorgung und ein weiterer Teil für nachhaltigen Wiederaufbau.

Der wichtigste Kritikpunkt: Das Abkommen zeigt wieder das Demokratiedefizit Europas und erhält die Divergenzen zwischen den einzelnen Ländern aufrecht. Der Kompromiss ist so abstrakt, dass die meisten Europäerinnen und Europäer die Folgen nicht abschätzen können. Denn erstmals wurde ein Tabu gebrochen: mehr Raum für gemeinsame Politik, während gleichzeitig die Wirtschaftskonvergenz nicht weiter unterstützt wird. Solange es kein klares Bekenntnis dazu gibt, werden verschiedene Gruppen von Ländern immer unterschiedliche Interessen vertreten und von Solidarität wird keine Rede sein. Ein weitreichender Anstieg des gemeinsamen Schuldenbergs lässt sich schon heute skizzieren: Die Länder Südeuropas werden es in der Eurozone auch weiter schwer haben; strukturelle Reformen werden nicht erzwungen. Neben der geldpolitischen Betäubung haben wir nun die Möglichkeit des europäischen Schuldentransfers als zweites Ventil. Der einzige Vorteil ist, dass dieses etwas grüner geworden ist, aber es bietet keine Aussicht auf eine stabilere EU. Das Einzige, worauf sich zukünftige Generationen verlassen können, ist, dass sie höhere Schulden tragen werden.


Über Triodos Investment Management

Triodos Investment Management (Triodos IM) hat zum Ziel ein breites Spektrum von Investoren – die ihr Geld für langfristige, positive Veränderungen einsetzen möchten – mit innovativen, nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen zu vereinen. Damit dienen wir als Katalysator in Sektoren, die für den Übergang zu einer gerechteren, nachhaltigeren und humaneren Welt von zentraler Bedeutung sind.
In den vergangenen 25 Jahren, in denen wir in Sektoren wie Energie und Klimaschutz, den sozial verantwortlichen Finanzsektor sowie nachhaltige Lebensmittel und Landwirtschaft investiert haben, haben wir uns ein fundiertes Wissen aufgebaut. Außerdem investieren wir auch in börsennotierte Unternehmen, die einen wesentlichen Beitrag zum Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft leisten. Unser verwaltetes Vermögen beträgt 4,9 Mrd. Euro (Stand 31.12.2019). Triodos Investment Management ist ein weltweit aktiver Impact Investor und eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Triodos Bank NV.

Über Impact Investing: Impact Investing bringt das Konzept ESG (Environmental, Social and Governance) auf die nächste Stufe, indem es Investitionen ausfindig macht, die eine messbare positive Wirkung und gleichzeitig einen finanziellen Ertrag erzielen. Das Global Impact Investing Network (GIIN) definiert Impact-Investitionen als "Investitionen, die mit der Absicht getätigt werden, neben einer finanziellen Rendite auch positive, messbare soziale und ökologische Auswirkungen zu erzielen". Bei Impact Investing ist die externe positive Wirkung des Unternehmens oder Projekts das Schlüsselelement und nicht nur die Sicherstellung, dass interne Prozesse ethisch und verantwortungsbewusst durchgeführt werden.

Mikrokredite befähigen Unternehmerinnen

Investitionen in den Mikrofinanzsektor helfen dabei, die finanzielle Kluft zwischen Männern und Frauen zu schließen und Ungleichheiten zu überwinden. Warum es sich darüber hinaus lohnen kann, in die Assetklasse zu investieren.

„Trotz erheblicher Anstrengungen in den vergangenen Jahren ist die Geschlechterungleichheit immer noch beständiges Merkmal unserer modernen Gesellschaft“, so Maria Teresa Zappia, Deputy CEO von BlueOrchard. „Mit Blick auf den fehlenden Zugang zu guter Arbeit, dem Lohngefälle und der politischen Unterrepräsentation von Frauen, ist die Herausforderung beträchtlich, Parität zwischen den Geschlechtern zu erreichen – eines der 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung. Dies gilt insbesondere für Entwicklungsländer, in denen Frauen immer noch häufig von der Arbeitswelt ausgeschlossen sind und wo der Frauenanteil an den insgesamt 1,7 Milliarden Erwachsenen ohne Bankkonto bei 56 Prozent liegt.

Laut dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan gibt es kaum ein wirksameres Entwicklungsinstrument als die Förderung von Frauen. Studien zeigen, dass die wirtschaftliche und soziale Teilhabe von Frauen die Wirtschaft stärkt und die Lebensqualität erhöht – nicht nur für Frauen, sondern auch für ihre Familien, ihre Gemeinschaften und letztlich für die gesamte Gesellschaft.

Ein erfolgreiches Instrument zur finanziellen Teilhabe von Frauen ist Mikrofinanz. Hier hat sich gezeigt, dass Investitionen in Unternehmerinnen tendenziell stärkere soziale Auswirkungen haben. Das liegt zum Teil daran, dass Frauen ihr Geld eher für die Bedürfnisse (Bildung, Ernährung und Gesundheitsversorgung) ihrer Kinder, Familien und sozialer Gemeinschaften ausgeben, als für den Kauf von Konsumgütern. Investitionen in Unternehmen von Frauen sind zudem weniger riskant. Frauen sind in der Regel risikoscheuer und vorsichtiger bei finanziellen Entscheidungen als Männer, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls sinkt.

Asien ist besonders interessant: Der Anteil weiblicher Kleinstunternehmer in der gesamten Region wächst, insbesondere aber in Volkswirtschaften wie Myanmar, Indonesien, Malaysia, Thailand und Vietnam. Wird die Kreditlücke in nur 15 Ländern der ASEAN-Region bis 2020 geschlossen, könnte dadurch das Pro-Kopf-Einkommens bis 2030 um zwölf Prozent steigen. Zudem würde die Wirtschaft im asiatisch-pazifischen Raum jährlich um 89 Milliarden US-Dollar wachsen, wenn Frauen ihr wirtschaftliches Potenzial ausschöpfen könnten.“


Über BlueOrchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges, integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 7 Mrd. USD in 80 Schwellen- und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter UCITS- sowie alternativer Investmentfondsmanager (AIFM).
Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com.

Ein Blick auf die Märkte: Small-Cap-Prämie bei europäischen Aktien in Sicht

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Es gibt derzeit eine ”Size-Prämie” für kleinkapitalisierte Unternehmen (Small Caps) sozusagen als Anreiz für Investoren, das Risiko von Investitionen in diese kleinen Unternehmen einzugehen. Im Vergleich zu großkapitalisierten Aktien sind diese Firmen in der Regel stärker auf das Inland ausgerichtet und mit einer größeren Unsicherheit in Bezug auf ihre Zukunft behaftet. Über lange Zeiträume hinweg und auch generell erwarten Anleger, dass sich diese Prämie in Form von outperformenden Small-Cap-Aktien besser entwickelt als Large-Cap-Aktien.

Was wir in diesem Jahr erleben

Seit Jahresbeginn haben sich Small Caps in den USA deutlich schlechter entwickelt als Large Caps. Europäische Aktien zeigen dagegen ein stark kontrastierendes Bild, denn hier entwickelten sich Small Caps etwas besser als Large Caps. Daraus ergibt sich die Kernfrage: Ist diese relative Performance symptomatisch für die anhaltende Wirtschaftskrise oder deutet sie auf eine sich verändernde Dynamik bei Small Caps in den USA im Vergleich zu Europa hin?

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Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Daten vom 07. August 2020. Large Cap-Indizes beziehen sich auf die jeweiligen regionalen MSCI-Indizes und Small Cap-Indizes auf die jeweiligen regionalen MSCI Small Cap-Indizes. Netto-Total-Return-Indizes werden in den jeweiligen Währungen, d.h. USD und Euro, verwendet. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Ist die Prämie in den USA erodiert?

Wenn wir auf die globale Finanzkrise (GFC) zurückblicken, stellen wir fest, dass sich die Small Caps in den USA im Zeitraum 2008-2009 tatsächlich besser entwickelt haben als die Large Caps. Tatsächlich war die Outperformance in den USA im Vergleich zu Europa viel größer. Könnte es also sein, dass die Prämie in den USA im Laufe der Zeit erodierte?

Seit Anfang 2008 ist die Performance von Small Caps im Vergleich zu Large Caps in den USA flach, während in Europa eine gesunde Outperformance deutlich sichtbar ist. Es scheint, dass die Outperformance von Small Caps in den USA in diesem Zeitraum nachgelassen hat, während Small Caps in Europa ihren Vorsprung halten konnten.

Was erklärt diese Dynamik?

Technische Dominanz: Die Performance von US-Großunternehmen wird zunehmend von Technologieaktien bestimmt - insbesondere im Jahr 2020. Dies war 2008/2009 noch nicht der Fall. Im August 2020 machen Informations- und Kommunikationsdienstleistungen zusammen rund 38 Prozent des Gesamtgewichts im S&P 500 Index aus, gegenüber rund 20 Prozent im August 2008. Im Gegensatz dazu beträgt das gemeinsame Gewicht der beiden Sektoren im Bloomberg European 500 Index im August 2020 rund 12,5 im August 2008 rund 11 Prozent.

Absolute Outperformance der USA: Trotz ihrer schwachen Wertentwicklung im Vergleich zu den Large Caps haben sich die amerikanischen Small Caps seit Jahresbeginn 2020 besser entwickelt als die europäischen Small Caps. Der MSCI USA Small Cap-Index ist um 5,2 Prozent , der MSCI Europe Small Cap-Index dagegen um 11,7 Prozent gefallen.. Einer der Gründe dafür war eine schnellere finanzielle Reaktion mit gezielter Unterstützung für kleine US-Unternehmen im Vergleich zu dem koordinierten Finanzpaket der Europäischen Union, das in der Umsetzung viel länger dauerte.

Die richtige Belichtung für die richtige Geografie auswählen: Investoren, die von bestimmten Faktoren profitieren wollen, täten gut daran, die Geographien zu identifizieren, in denen diese Faktoren am besten zum Tragen kommen. Die Leistung der Faktoren ist in den verschiedenen Regionen nicht einheitlich, was auf idiosynkratische Gründe innerhalb dieser Märkte zurückzuführen ist.


Alle Daten stammen von Bloomberg mit Stand vom 07. August 2020.

Neue Stabilität auf den Rentenmärkten

Die globalen Notenbanken leisten ganze Arbeit, folglich ist es an den Märkten recht ruhig geworden, eine gewünschte Stabilität? So weisen die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen seit Monaten kaum Schwankungen auf. Ist das bereits ein Anzeichen der vieldiskutierten Renditesteuerung der – von dieser noch verneinten – US Notenbank, wie es etwa die Bank of Japan erfolgreich praktiziert?

Auch deutsche Staatsanleihen, die europäische Benchmark für „sichere“ Anleiheveranlagungen, verlaufen seit den Schwankungen im März nur seitwärts, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Allerdings können die Anleihen der Euro-Peripherie und Unternehmensanleihen in den letzten Wochen und Monaten eine recht gute Wertentwicklung aufweisen. Ebenso holen High-Yield- und Emerging-Market-Anleihen weiter auf, wenn da nicht die Währung wäre: Die in den letzten zwei Monaten schwächere Performance von US-Anleihen oder Emerging Markets in Lokalwährung ist nahezu ausschließlich dem wieder stärkeren Euro geschuldet, der daraus resultierende Abschlag für US-Titel lag folglich im letzten Monat bei 5 %.

Geld-/Kapitalmarkt: Zentralbanken steuern den Markt

Die US-Notenbank hat bei ihrer Sitzung Ende Juli bekräftigt, dass sie die gesamte Palette der ihr zur Verfügung stehenden Mittel, nutzen wird, um die US-Wirtschaft zu stützen. Deren Pfad wird laut Fed signifikant von der Entwicklung der Corona-Krise abhängen, die aktuell Wirtschaftsaktivität, Beschäftigungssituation und Inflation stark belastet. Der Leitzins wurde zuletzt wie erwartet in der Bandbreite von 0 % bis 0,25 % beibehalten und Zinsanhebungen sind auf absehbare, durchaus längere Zeit nicht zu erwarten. Auch ein Blick auf länger laufende Zinsen zeigt die nun schon seit Monaten anhaltende Stabilität.

In Europa hat die Europäische Zentralbank den Leitzins ebenfalls unverändert gelassen und behält ihr Anleihen-Kaufprogramm unverändert bei. Also wenig Neues von der EZB, deren Chefin Christine Lagarde zuletzt meinte: „Wir sind gut unterwegs.“ Die am EU-Gipfel mühsam vereinbarten Hilfspakete zur Corona-Krise wurden ebenfalls vorerst positiv vom Markt aufgenommen.

Staats- und Unternehmensanleihen: Zurück zur alten Normalität?

Die schon erwähnten EU-Hilfspakete dürften – vorbehaltlich einer Ratifizierung – die Renditeabstände der Euro-Staatsanleihen weiter schmelzen lassen. Ein erster Schritt in Richtung einer Fiskalunion? Dementsprechend bevorzugen wir am europäischen Staatsanleihenmarkt nach wie vor Peripherieanleihen gegenüber europäischen Kernländern (wie Deutschland), zudem behalten wir unser Übergewicht von US- und UK-Staatsanleihen bei.

In der Historie der Corporate Bond Märkte (Unternehmensanleihen) von Euro und US-Dollar zählt der Monat Juli, absolut wie auch relativ (Renditeabstände), zu den performance-stärksten Monaten überhaupt, das war auch heuer im Juli der Fall. Neben diesem saisonalen Effekt profitierten Corporate Bonds von einer allgemeinen wirtschaftlichen Erholung sowie geld- und fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen. Die vor wenigen Monaten noch vorherrschenden hohen Ausfallsängste sind mittlerweile deutlich gesunken. Wir behalten das Übergewicht an Euro-Unternehmensanleihen und US-Dollar-High-Yield-Anleihen bei.

Wir beurteilen auch Emerging-Market-Anleihen trotz der kräftig gesunkenen Risikoprämien weiterhin als attraktiv. Hartwährungsanleihen aus Emerging Markets bleiben für uns unverändert eine der attraktiveren Anleiheklassen.

Trump sagt chinesischen Firmen hinter TikTok und WeChat den Kampf an

US-Präsident Donald Trump hat seine Kampfansage gegen die von chinesischen Firmen betriebenen sozialen Mediendienste TikTok und WeChat verschärft und damit auch für neue Spannungen im Handelsstreit mit China gesorgt. Der Republikaner verfügte zuletzt Anordnungen, die Transaktionen mit dem TikTok-Betreiber ByteDance und dem WeChat-Eigner Tencent untersagen. Die Dekrete treten in 45 Tagen in Kraft.

Damit richtet sich Trump gegen zwei auch in den USA sehr beliebte Dienste. WeChat ist ein erfolgreicher WhatsApp-Konkurrent, der Dienst hat in den USA rund drei Millionen User, die meisten davon Chinesen. Der WeChat-Betreiber Tencent ist zudem mit fünf Prozent am Elektroautokonzern Tesla, zwölf Prozent an der Snapchat-Mutter Snap und auch an dem Musikstreaming-Dienst Spotify und dem weltgrößten Musiklabel Universal Music beteiligt.

TikTok ist eine international erfolgreiche Videoplattform mit Hunderten Millionen Nutzern weltweit. Nutzer können dort eigene Clips hochladen, bearbeiten oder Videos von anderen ansehen. Das Netzwerk hat sich in den USA zunehmend zu einer Plattform für politische Debatten und Kampagnen entwickelt, was auch Trump ein Dorn im Auge sein dürfte. Die App hat rund 100 Millionen Nutzer in den USA. Sie ist vor allem bei jungen Nutzern sehr beliebt. Sechs von zehn Teenagern in den USA verwenden mittlerweile TikTok. Das geht aus einer halbjährlich unter 5.200 Jugendlichen durchgeführten Umfrage der US-Investmentbank Piper Sandler hervor.

Die US-Regierung warnt schon länger vor der angeblichen Gefahr, dass über TikTok Daten von Amerikanern in die Hände chinesischer Behörden geraten könnten. TikTok versichert zwar, die chinesische Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Präsident Trump hat zuletzt dennoch mit Verweis auf die Datensicherheit mit einem Komplettverbot von TikTok gedroht. Er sieht weiter die Gefahr von Spionage und politischer Einflussnahme aus Peking, hätte aber keinen Einwand gegen einen Weiterbetrieb der Plattform mit einem amerikanischen Eigentümer in den USA. Sollte aber bis 15. September kein Verkauf an eine US-Firma unter Dach und Fach sein, gilt das Verbot.

Microsoft zu Übernahme des US-Teils von TikTok bereit

Microsoft hat sich in Folge nach politischem Druck aus dem Weißen Haus in Stellung gebracht, das US-Geschäft von  TikTok zu übernehmen. Der Softwareriese will bis Mitte September einen Deal mit dem TikTok-Eigentümer ByteDance aushandeln. Bytedance selbst ist nach der Verbotsankündigung von US-Präsident Donald Trump Insidern zufolge zu einem vollständigen Verkauf der US-Geschäfte der Plattform bereit.

Trump hat daraufhin gefordert, dass die US-Regierung bei einer möglichen Übernahme des nordamerikanischen Geschäfts von TikTok durch den Microsoft mitverdient. Nach einem Gespräch mit Microsoft-Chef Satya Nadella berichtete Trump, er habe diesem gesagt, dass „ein sehr erheblicher Teil“ des Verkaufspreises in die US-Staatskasse fließen müsse, „weil wir dieses Geschäft ermöglichen“. Mehrere US-Medien sprachen von einer ungewöhnlichen Einmischung, für die es in der jüngeren amerikanischen Geschichte keine Beispiele gebe.

In China hatte diese Pläne massive Kritik hervorgerufen. Chinas Regierung wirft Trump „Einschüchterung“ vor. Seine Drohung das Unternehmen in den USA zu verbieten, sei „einfach und klar Einschüchterung“, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. ChinesischeTikTok-Nutzer haben zudem angekündigt, im Falle eines Verkaufs an Microsoft Dienste wie den Twitter-Konkurrenten Weibo oder die Video-App Douyin sowie die Nachrichtenplattform Jinri Toutiao zu deinstallieren. Auch amerikanische TikTok-User hatten in sozialen Medien zuletzt massiv gegen die Verbotspläne von Trump protestiert.

Nach dem jüngsten Verbot von Geschäften mit ByteDance und Tencent ist aber von einem Verkauf des US-Geschäfts ohnedies keine Rede mehr. Nachdem ByteDance einem Verkauf des US-Geschäfts offengegenüber gestanden war, vergraulte Trump mit dem jüngsten Dekret nun auch den TikTok-Betreiber. TikTok kündigte an, gegen ein Verbot durch die US-Regierung juristisch vorgehen zu wollen.

Handelskrieg weiter angeheizt

Mit seiner Kampfansage heizt der US-Präsident auch den Handelsstreit zwischen den USA und China wieder an. An den Börsen löste der Streit weltweit Sorgen aus: „Wir könnten den Beginn eines IT-Kriegs sehen“, sagte Nana Otuki, Chefanalyst bei Monex Securities. IT-Experte James Lewis vom Center for Strategic and International Studies ist sich sicher: „China wird Vergeltung üben.“ Er sieht eine neue Dimension in dem schon lange andauernden Streit der Großmächte: „Dies ist ein Bruch in der digitalen Welt zwischen den USA und China.“

Seit gut zwei Jahren beschäftigt der Handelskrieg die beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Ein im Jänner unterzeichnetes Handelsabkommen sorgte nur zwischenzeitlich für eine Beruhigung. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist der Ton wieder schärfer geworden. Kritiker vermuten in dem Feldzug gegen die chinesischen Apps auch einen politischen Schachzug Trumps, um in der heißen Phase des Wahlkampfs von der Coronakrise im eigenen Land und dem Einbruch der US-Wirtschaft mit Millionen Arbeitslosen abzulenken.

Erste AM Aktienfonds für Technologie-Unternehmen

ERSTE STOCK TECHNO – der im Jahr 2000 aufgelegte Aktienfonds  investiert vor allem in Unternehmen der entwickelten Märkte aus dem Bereich Technologie. Der Großteil der Unternehmen in diesem Bereich ist in den USA zu finden. Das führt dazu, dass Aktien aus dem pazifischen Raum und aus Europa im Fonds eher eine untergeordnete Rolle spielen.

ERSTE FUTURE INVEST – ist ein aktiv gemanagter, globaler Aktienfonds, der in Megatrends („zukunftsträchtige“ Themen) investiert. Im Zuge der Titelselektion werden Aktien ausgewählt, die einem oder mehreren der folgenden Trends zugeordnet sind: Gesundheit und Vorsorge, Lebensstil, Technologie und Innovation, Umwelt und saubere Energie sowie aufstrebende Märkte.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Ein Blick auf die Märkte: „Risk-on oder Risk-off?“

Es ist beides. Auf den ersten Blick erscheinen die Marktbewegungen in Erwartung und als Reaktion auf die Wirtschaftsdaten des zweiten Quartals rätselhaft. Wir fügen in diesem Text die Puzzleteile zusammen, um dem Ganzen einen Zusammenhang zu geben, wobei wir uns auf die US-Aktienmärkte konzentrieren, so Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Der gefürchtete Realitätscheck

Die US-Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal dieses Jahres im Jahresvergleich um über neun Prozent. Die ersten wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenunterstützung beliefen sich in der Woche bis zum 24. Juli auf 1,43 Millionen - ein Anstieg gegenüber dem Niveau des Vormonats. Diese Zahlen sind eine unangenehme Erinnerung an das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens, den die anhaltende Pandemie verursacht. Ein Wiederanstieg der Einkaufsmanagerindizes (PMI) im Juni und Juli gibt aber Anlass zur Hoffnung. Sie deuten auf erste Anzeichen einer möglicherweise langsamen und dauerhaften Erholung hin.

Abbildung 1: Eine scharfe, aber nicht unerwartete Kontraktion der US-Wirtschaft

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Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Die vierteljährlichen Daten von Q2 2000 bis Q2 2020 zeigen den US GDP CURY Index, der das nominale US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Dollar im Jahresvergleich saisonbereinigt darstellt. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Investitionen können an Wert verlieren.

Die US-Notenbank (Fed) behielt nach ihren Sitzungen Anfang letzter Woche ihren verhaltenen Ton bei. Die geldpolitischen Anpassungen sind zu einer so wichtigen Triebkraft der Märkte geworden, dass sie fast schon zu einem offensichtlichen Bestandteil des Programms der Fed wurde. Aber solange die Inflation nicht von ihrem derzeitigen Niveau ausgehend sinnvoll ansteigt, scheint eine solche Zurückhaltung nicht nur gerechtfertigt, sondern vielleicht sogar unvermeidlich. Das Schicksal der wirtschaftlichen Erholung hängt auch von weiteren Impulsen der US-Regierung ab - ein Thema, um das der Kongress noch ringt.

Risk-on oder Risk-off?

Wenn es um wirtschaftliche Ergebnisse geht, die einen direkten Einfluss auf die Vermögenswerte haben, müssen Märkte entweder die Auswirkungen ex-ante "einpreisen", um nicht überrascht zu werden - oder reagieren, wenn das Ereignis eintritt. In semi-effizienten Märkten erhalten wir typischerweise eine Mischung aus Ex-ante- und Ex-post-Preisaktionen. Zusammengenommen sollte uns dieses Preisverhalten Aufschluss darüber geben, ob die Stimmung an den Märkten zugunsten des Risikos, also „risk-on“ oder risikoscheu „risk-off“ steht. Um jegliche Marktineffizienz zu berücksichtigen und die Auswirkungen der Wirtschaftsdaten des zweiten Quartals vollständig zu erfassen, beobachten wir die Preisbewegungen an den US-Märkten im Laufe des Monats Juli:

Abbildung 2: Preisbewegungen an US-Märkten, Juli

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Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Move über Juli 2020 gezeigt. Gesamtrendite für den S&P 500 Index gezeigt. Spotpreis-Bewegung für Gold angezeigt. Der VIX-Index bezieht sich auf den CBOE-Volatilitätsindex (VIX). Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Keine der oben genannten Assetklassen zeigte eine überraschende Reaktion auf die BIP-Ankündigung für das zweite Quartal, sondern setzten im Allgemeinen ihren bereits im Juli eingeschlagenen Kurs fort. Theoretisch bedeutet das, dass die Vermögensmärkte die wirtschaftliche Kontraktion bereits eingepreist hatten. Aber ergeben die widersprüchlichen Stimmungssignale einen Sinn?

Die gemischten Signale in Verbindung bringen

Es gibt drei wichtige Erkenntnisse aus dem oben erwähnten Preisverhalten des Marktes:

  • Eine ganzheitliche Betrachtung der Märkte ist erforderlich
    Um die Marktstimmung zu messen, sollten Anleger über die verschiedenen Anlageklassen hinweg schauen, als ob es sich um ein diversifiziertes Portfolio handeln würde. Wenn die Liquidität hoch und die Zinssätze extrem niedrig sind, muss Kapital eingesetzt werden. Anleger partizipieren daher an der zyklischen Erholung, indem sie in risikoreiche Anlagen investieren, aber mit Safe-Hafen-Anlagen wie Gold und Anleihen diversifizieren.
  • Die monetäre Unterstützung verlieh den Aktienmärkten Robustheit
    Die US-Aktien haben das Schrumpfen der Wirtschaft um 9,5 Prozent im Jahresvergleich beiseite geschoben. Da sich die US-Aktienindizes auf oder über ihren Allzeithochs befinden, lässt sich schwerlich behaupten, dass dies bereits eingepreist war. Wenn Anleger ihre Risiken durch Diversifizierung statt durch Reduzierung des Aktienengagements managen, verleiht dies den Aktienmärkten Widerstandsfähigkeit gegenüber wirtschaftlichen Risiken.
  • Es könnte ein erhebliches Aufwärtspotenzial bestehen
    Bislang haben die Gewinne aus technologieorientierten Aktien den Weg gewiesen, und es ist unwahrscheinlich, dass es sich hierbei nur um eine vorübergehende Phase handelt. Die Pandemie hat lediglich bestimmte thematische, technologiegetriebene Verschiebungen beschleunigt, die ohnehin unvermeidlich waren. Wenn jedoch ein Impfstoff der Welt hilft, aus der Pandemie herauszukommen, könnte dies ein starkes Aufwärtsszenario für alle Aktien schaffen, da sich dann auch depressive Sektoren erholen werden. Jene qualitativ hochwertigen Unternehmen, die die anhaltende Krise überleben, werden am Ende die größten Gewinner sein.

Starke Märkte trotz schwacher Daten

In der letzten Juliwoche wurden für die meisten Länder die ersten Schätzungen für das Wirtschaftswachstum des zweiten Quartals veröffentlicht. Aufgrund des Lockdowns kam es zu einem massiven Einbruch der Wirtschaft, in vielen Ländern dem stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen. Vor dem Hintergrund dieser dramatisch schlechten Wirtschaftsentwicklung rufen die Entwicklungen an den Finanzmärkten bei vielen Beobachtern Unverständnis hervor. Immerhin liegen globale Aktien in Lokalwährung bereits wieder auf dem Niveau des Jahresbeginns, fast so als ob nichts geschehen wäre. Viele Begründungen für diese Diskrepanz wurden an dieser Stelle in den letzten Monaten bereits diskutiert, allen voran die Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen sowie die Hoffnung auf eine rasche Erholung der Wirtschaft, die aktuell durch so manchen Vorlaufindikator geschürt werden.

Ein weiterer Aspekt ist die zunehmende Verengung des Marktes auf wenige Titel aus den Bereichen Technologie, Internet oder Kommunikation. Ohne die Performancebeiträge der großen Vier (Amazon, Apple, Microsoft, Google) würde der S&P500-Index seit Jahresbeginn kein leichtes Plus aufweisen, sondern wäre rund 4 % im Minus. Der Börsenwert dieser Unternehmen liegt aktuell bei 5,8 Billionen US-Dollar und damit so hoch, wie der Gesamtwert der 350 „kleinsten“ Unternehmen in diesem Index. Die Bezeichnung „der Markt“ als Synonym für eine repräsentative Entwicklung ist daher nicht mehr zutreffend.

Zusätzlich ist eine derartige Konzentration als Warnzeichen zu sehen, weil sie auf eine Überhitzung der Investorenstimmung und auf eine einseitige Positionierung der Anleger hindeutet. Dies ist einer der Gründe, warum wir taktisch vorsichtig bleiben, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns.

Aktien: Sehr optimistische Marktstimmung

Die erstaunlich rasche, v-förmige Erholung mancher Konjunktur-Vorlaufindikatoren hat eine recht positive Wirkung am Aktienmarkt hinterlassen, trotz täglich berichteter neuer Höchststände bei den globalen COVID-19-Infektionszahlen. Die Entwicklung an den Aktienmärkten selbst weist zwar keine klare V-Form auf, sie ist dennoch beeindruckend. Und die Zentralbanken leisten einen wesentlichen Beitrag, dass die Lage so bleiben kann.

Das Technologie-Segment erreicht immer wieder neue Höchststände, aber auch der „breite Markt“, wie in den USA etwa durch den S&P500 Index repräsentiert, ist seit Jahresbeginn wieder im Plus. In aller Stille hat sich auch der DAX Index, eher ein Repräsentant der „Old Economy“, wieder weit nach oben bewegt. Lediglich die Emerging Markets aus Lateinamerika bzw. Russland, damit auch Osteuropa, bleiben unter Druck. Das reflektiert auch die Einschätzung der dort schleppenden Bewältigung der COVID-19-Krise, eine Einschätzung, die andererseits für die ebenfalls schwer getroffene US-Region sehr optimistisch ist.

Aktien USA und Europa: Starke Märkte trotz schwacher Daten

Die internationalen Aktienmärkte präsentieren sich angesichts der Nachrichtenlage weiterhin überraschend fest. Die Unternehmensgewinne sind bereits im ersten Quartal deutlich eingebrochen und im Zuge der laufenden Berichtssaison zum zweiten Quartal geht es weiter bergab. Allerdings gibt es zwei Lichtblicke, denn zum einen berichtet bis dato eine deutlich überwiegende Mehrheit der Unternehmen bessere Ergebnisse als befürchtet, das liegt natürlich auch an der recht tiefen Messlatte, also bereits stark nach unten revidierten Prognosen. Zum anderen sollte das zweite Quartal den Tiefpunkt bei der negativen Gewinnentwicklung darstellen.

Wenn sich tatsächlich ab dem dritten Quartal eine nachhaltige Trendwende in Richtung positives Gewinnwachstum auf breiter Front abzeichnet, wäre einerseits Entwarnung gegeben und andererseits das gegenwärtige Kursniveau bei den Aktien besser unterstützt. Wir sehen kurzfristig dennoch viel Zuversicht eingepreist und sind daher weiterhin noch etwas vorsichtiger positioniert.

Emerging Markets: Attraktiv durch schwachen US-Dollar

Die wichtigste Region der Emerging Markets, nämlich Asien, ist global gesehen bisher am besten durch die Krise gekommen. Die Gesundheitsmaßnahmen haben dazu geführt, dass man wohl dort am ehesten von einer v-förmigen Erholung sprechen könnte. In Asien kommt es folglich zu einem vergleichsweise geringen Rückgang bei der Gewinnentwicklung, hingegen sind in Lateinamerika und Osteuropa dramatische Gewinneinbrüche zu verzeichnen.

Da ein beträchtlicher Teil der Verschuldung zahlreicher Emerging Markets in US-Dollar denominiert ist, erleichtert dessen Schwäche es diesen Staaten, ihre Schulden zu bedienen bzw. zurückzubezahlen. Dies führt in einer solchen US-Dollar-Schwächephase üblicherweise zu einer relativen Outperformance von Aktien aus den Emerging Markets.

Rückkehr der Inflation: Jetzt über TIPS nachdenken?

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Zwar bleiben viele Kernfragen zur Beständigkeit des Wiederaufschwungs beim Wirtschaftswachstum weiterhin ungeklärt, trotzdem gehen die Befürchtungen hinsichtlich einer rezessionsbedingten Deflation rasch zurück. Die TIPS 5Y-Breakevens in den USA haben einen großen Teil ihres Einbruchs von Anfang des Jahres 2020 ausgleichen können und liegen mit 1,4 Prozent wieder innerhalb von 20 Basispunkten ihres 5-Jahres-Durchschnitts. Dabei waren mehrere Faktorenausschlaggebend:

  • Die Wirtschaftsindikatoren haben sich rasch erholt und die Rohstoffpreise, insbesondere für Öl, wurden in die Höhe getrieben. Dies war ein Schlüsselfaktor dafür, dass der State Street Global Markets PriceStats®-Indikator wieder normalere Inflationsniveaus signalisiert (siehe „Inflation in Focus: Normality in Sight“).
  • Ein weiterer Faktor ist der schwächere USD mit einem Rückgang des handelsgewichteten DXY-USD-Index um fast 4 Prozent seit Ende Juni. Da die Unterstützung für den USD durch höhere Zinssätze nicht mehr gegeben ist, wird erwartet, dass diese Schwäche anhält. Darüber hinaus sprechen der hohe Tribut, den die Pandemie in den USA zu fordern scheint und die Anzeichen einer Blockade im Kongress ebenfalls gegen eine kurzfristige Erholung des USD.
  • Die State Street-Daten zeigen, dass die Positionierung in US TIPS bis zum Ende des zweiten Quartals stark untergewichtet war (siehe SPDR Bond Compass für das dritte Quartal). Da sich die Inflationserwartungen wieder erholt haben, ist ein Teil dieser Untergewichtung sicherlich gedeckt worden.
  • Außerdem gibt es auch längerfristige Bedenken: Das neue Rekordhoch des Goldpreises, das oft als Absicherung gegen die Inflation angesehen wird, ist ein Anzeichen dafür, dass die Marktteilnehmer das Gefühl haben, dass die Risiken zunehmen. Während die demografische Bevölkerungsalterung weiterhin einen Abwärtsdruck auf die Inflation ausüben könnte, hat der Prozess der globalen Handelsliberalisierung hingegen eine wichtige Rolle beim strukturellen Abwärtstrend der Inflation seit den 1980er Jahren gespielt. Da die globalen politischen Spannungen zunehmen und der liberale Konsens, dass "mehr Handel immer besser ist", sich in der Auflösung befindet, scheint sich dieser Trend umzukehren. In der Tat werden in den nächsten Jahren wahrscheinlich mehr Handelsbarrieren, weniger Einwanderung und eine stärkere Verlagerung der Produktion zu verzeichnen sein, was den Kostendruck auf die Unternehmen erhöhen dürfte.

Reale Renditen auf neuen Tiefstständen und weiter fallend

Trotz eines beträchtlichen Abwärtsdrucks auf die nominalen Erträge wurde die Ausweitung der Breakevens erreicht. Die Realrenditen sind auf Allzeittiefs eingebrochen und scheinen mit -95bp für zehnjährige Realrenditen nicht viel Wert zu bieten. Im internationalen Vergleich sind diese Zahlen allerdings nicht unbedingt so niedrig, da die Realrenditen im Euro-Währungsgebiet im 10-Jahres-Zeitraum bei -1,3% und der Extremwert in UK bei -3% liegen (obwohl dies durch die Tatsache verzerrt wird, dass die britischen Linker den RPI als Index verwenden, der in der Regel etwa 100 bp über dem CPI liegt – was bedeutet, dass eine nähere Annäherung wahrscheinlich -2% beträgt). 

Niedrige Realrenditen könnten auch das Urteil des Marktes über die Post-COVID-19-Wirtschaft sein. Es ist sicherlich plausibel, dass der Kompromiss zwischen Wachstum und Inflation durch die Pandemie negativ beeinflusst werden könnte. Das Wachstum dürfte durch die Produktivitätsschwäche von "Zombie"-Unternehmen, die mit hohen Schuldenständen zu kämpfen haben, belastet werden, während die Inflation aus den bereits dargelegten Gründen steigen könnte.

Angesichts der Anzahl der Faktoren, die die Inflation in die Höhe treiben, erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass die Inflationserwartungen wieder auf das Niveau vom März 2020 zurückfallen werden. TIPS bieten einen gewissen Schutz vor einem Aufflammen der US-Inflation und sollten weiterhin von den Käufen der Fed profitieren. Wie bereits erwähnt, sind sie im Vergleich zu den nominalen Staatsanleihen bereits gestiegen – was außerdem auffällt, ist, dass der Anstieg der Spot-Breakevens zwar zugenommen hat, der Anstieg der „5Y5Y forward inflation swap rate“ jedoch eher bescheiden ausfiel. Im Vergleich zu ihrer zehnjährigen Geschichte und im Verhältnis zu Preisdruckindikatoren – wie der Komponente der von der National Association of Purchasing Managers gezahlten Preise – ist sie nach wie vor niedrig. Es besteht also Spielraum für eine weitere Ausweitung der Gewinnschwellen, wenn die Befürchtungen zunehmen, dass die Inflation stärker verankert wird.

Goldpreis mit neuem Allzeithoch

von Hans Engel, Global Equity Research Expert, Erste Group.

Die Goldpreise erreichten Ende letzter Woche einen Rekordwert und schafften einen neuen Meilenstein in einem Bullenlauf, der Anfang 2019 begann und während der Coronavirus-Pandemie an Dynamik gewonnen hat. Das Edelmetall stieg im Jahr 2020 um rund 30% in USD und hat den Preis von 2.000 USD je Feinunze erreicht – ein neues Allzeithoch.

So funktioniert der Goldmarkt und warum die Preise jetzt steigen

Der Goldpreis befindet sich seit Beginn 2019 in einem Aufwärtstrend. 2020 stieg er in USD um +28% bzw. in EUR um +22%. Im Juli erzielte der Goldpreis ein Rekordhoch. Der Preisanstieg war heuer größer als beim Nasdaq 100 Index, einem der seit Jahresbeginn am besten performenden Aktienindizes.

Goldpreis in USD

Quelle: Datenanbieter; Preise 28.07.2020

Der bisherige Goldpreisanstieg hat zahlreiche Gründe. Die wichtigsten sind das global niedrige Renditeniveau von Staatsanleihen und die bestehende globale wirtschaftliche Unsicherheit.

Bedingt durch die COVID-19 Ausbreitung haben die Lockdowns einen schweren wirtschaftlichen Schaden verursacht. Die wichtigsten Notenbanken haben daraufhin die Kaufprogramme für Anleihen stark ausgeweitet und die Leitzinsen auf Null oder nahe Null gesenkt.

Eine Vielzahl von Staatsanleihen weist nun negative Renditen auf

Dadurch werden diese Anleihen aus Ertrags-Gesichtspunkten für Investoren unattraktiv. Die Realverzinsung ist selbst in den USA, deren Staatsanleihen positive Renditen aufweisen, leicht negativ. Gold hat dadurch zusätzlich an Attraktivität gewonnen.

Die stark angestiegene Volatilität an den Aktienmärkten reflektiert die Unsicherheit über den weiteren globalen wirtschaftlichen Ausblick. Der Volatilitätsindex VIX erreichte im ersten Quartal sogar den höchsten Stand der letzten 20 Jahre. Um Portfolios weiterhin zu diversifizieren, setzen Anleger daher jetzt verstärkt auf Gold. Der Absatz von Gold-ETFs erreichte 2020 in der Folge sowohl mengen- als auch wertmäßig ein Rekordhoch.

Starke Nachfrage nach physischem Gold

Auch physisches Gold wurde stark nachgefragt. Diese Trends sollten mittelfristig andauern. Die globalen Notenbanken (FED, EZB, Bank of Japan) werden wegen der negativen Folgen der COVID-19-Ausbreitung voraussichtlich noch einige Jahre ihre Leitzinsen nicht anheben und durch Staatsanleihen-Ankäufe die Renditen sehr niedrig halten. Die Langfristigkeit dieser Situation wird den Investoren immer stärker bewusst.

Die voraussichtlich lange Zeit sehr niedriger Zinsen unterstützt den Goldpreis. Der globale Goldhandel findet in USD statt. Eine Abschwächung des USD hat deshalb in der Regel steigende Goldpreise zu Folge. Der unten stehende Chart zeigt den US Dollarindex, der den Wert des USD im Vergleich zu die wichtigsten globalen Währungen misst, und den Goldpreis.

Die tendenziell gegenläufige Entwicklung vom USD und dem Goldpreis wird hierbei ersichtlich. Da der USD mittelfristig voraussichtlich nicht stärker notieren sollte (siehe
Währungsanalyse unten), dürfte dies ebenfalls einen positiven Effekt auf den Goldpreis haben.

Dollarindex und Goldpreis

Quelle: Erste Group Research, Datenanbieter;

Ausblick

In den nächsten Monaten sollte aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten und der niedrigen bzw. negativen Renditen der Goldpreis moderat aufwärts tendieren.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Recycling und Kreislaufwirtschaft

Die Lösung vieler Umweltprobleme findet sich in Ideen oder Prozessen, die als Kreislauf funktionieren, wie beispielsweise erneuerbaren Energieträgern. Dominik Benedikt, Senior Research Analyst der Erste Asset Management, über die Goldmine Abfall und wie man durch Recycling profitieren kann.

Nachhaltigkeit und Ökonomie vereint, dass beide in Kreisläufen funktionieren. Um diese soll es hier gehen. Aber keine Sorge, ich bin weder Elton John noch verfüge ich über eine brauchbare Singstimme, und werde es daher vermeiden Ihnen vom „Circle of Life“ zu trällern.

Fakt ist, dass eine kontinuierliche, lineare Entnahme aus einem System in Richtung eines anderen Systems zumindest langfristig zu Problemen führt. Dies gilt ebenso für die negative Leistungsbilanz einer Volkswirtschaft, wie für den Abbau und die Verbrennung fossiler Energieträger die damit zunehmende Entropie in der Atmosphäre. Die Lösung auf diese Probleme findet sich in Ideen oder Prozessen, die als Kreislauf funktionieren, wie beispielsweise erneuerbaren Energieträgern.

Wie Sand am Meer, oder doch nicht?

Was im Bereich der Energie Gültigkeit hat, gilt umso mehr für natürliche Ressourcen. Manche Rohstoffe aufgrund der großen Vorkommen wie der sprichwörtliche Sand am Meer verfügbar – und selbst dieser wird zumindest in bestimmten benötigten Qualitäten immer knapper – so ist deren Abbau doch häufig mit ökologischen und sozialen Problemen behaftet. Ein Beispiel ist Lithium, für dessen Abbau enorme Mengen Wasser eingesetzt werden müssen.

Zwar verschwindet Wasser wiederum streng genommen am blauen Planeten nicht, denn etwaige Verluste spielen nur über geologische Zeiträume eine Rolle. Diesem grundsätzlichen Kreislauf zum Trotz spielt es aber sehr wohl eine Rolle, wie Wasser genutzt wird. Wasser mag global nicht vergehen, nutzbare Süß- oder Trinkwasserquellen aber sehr wohl mit beträchtlichen Konsequenzen.

Was für solch weit verfügbare Ressourcen gilt, gilt natürlich umso mehr für knapper verfügbare Rohstoffe, wie Kobalt.

Rohstoff für die Nachhaltigkeit

Die Beispiele Lithium und Kobalt sind nicht von ungefähr gewählt. Die beiden Rohstoffe sind das Ausgangsmaterial jener Batterien, die den nachhaltigen Wandel zur Elektromobilität antreiben sollen.

Kobalt ist jedoch ein durchwegs problematisches Material. Erstens ist es nicht nur beschränkt verfügbar, sondern liegen etwa 60% der Vorkommen in der Demokratischen Republik Kongo, einem Land in dem Menschenrechtsverstöße Gang und Gebe sind. Zweitens wird es häufig unter katastrophalen Arbeitsbedingungen abgebaut. Rund 20% des Abbaus erfolgt in unregulierten Minen, in denen Arbeitssicherheit ein Fremdwort, Kinderarbeit und schwerste Unfälle dafür an der Tagesordnung sind. Drittens ist Kobalt ein giftiges Schwermetall. In Spuren ist es als Vitamin B12 lebensnotwendig, gelangen aber große Mengen aus achtlos entsorgten Akkus ins Grundwasser ist es hochgiftig und anderem karzinogen.

Dennoch ist es derzeit trotz aller Anstrengungen der Batterieindustrie den Kobaltanteil in den Akkumulatoren zu senken, noch nicht möglich ganz darauf zu verzichten.

Die Antwort ist Recycling. Durch Recycling ist es möglich, die in Batterien enthaltenen Metalle rückzugewinnen. Dadurch wird nicht nur der Lebenszyklus von Elektroautos – ein häufiger Kritikpunkt an der Elektomobilität – sondern auch eine alternative, nachhaltigere Kobaltquelle erschlossen.

Dies trägt auch unmittelbar dazu bei, die sozialen und ökologischen Probleme, die mit der steigenden Nachfrage nach Lithium und Kobalt einhergehen, abzufedern.

Umicore, Europas größtes Recyclingunternehmen für Batterien, gewinnt nach eigenen Angaben bis zu 80% des in den Batterien enthalten Materials zurück. Ein vollständiges Recycling scheitert weniger an der Machbarkeit, als an einer noch mangelnden Wirtschaftlichkeit. Trotz dieser Einschränkung investiert der ERSTE GREEN INVEST in Umicore, da wir die Lösungen des Unternehmens als Schlüssel für eine nachhaltige Elektromobilität sehen.

Goldmine Abfall

Die Beschränkung des Recyclings aufgrund von Kostenargumenten ist ein immer weniger triftiges Argument. Tomra, ein weiteres Unternehmen im ERSTE GREEN INVEST, führt dies vor. Das Recycling-Unternehmen liefert nicht nur Recycling-Technologie, sondern hat in den USA begonnen auf eigene Rechnung eine Rohstoffkette für wiederverwertetes Plastik aufzubauen. Diese beginnt bei der Sammlung und Sortierung und endet bei der Wiedervermarktung der sauber getrennten Kunststoffe.

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass durch die unsachgemäße Entsorgung jährlich Rohstoffe in einem Wert zwischen 90 und 120 Milliarden USD verloren gehen – ein Schatz der nur gehoben werden muss. Diese Zahl beinhaltet noch nicht einmal die Kosten der so vermiedenen Verschmutzung der Ozeane (oder anderer Ökosysteme) durch Plastik(-inseln). Nachhaltigkeit und Wertschöpfung gehen hier somit Hand in Hand.

Der Lebenszyklus

Also doch the Circle of Life? Nicht ganz. Eine Herausforderung des Recyclings ist, dass dieses bei vielen Materialien häufig noch ein Downcycling bedeutet: aufgrund von Verunreinigungen kann das wiederwertete Material nur für minderwertigere Nutzungen in den Kreislauf rückgeführt werden.

Ein Ansatz der versucht dies zu umgehen ist „Cradle to Cradle“. Dieser Entwurf für eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft wurde Ende der 1990er-Jahre vom deutschen Chemiker Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough entworfen. Dabei geht es darum, Produkte von Anfang an so zu entwerfen, dass diese am Ende ihres Lebenszyklus vollständig und ohne Downcycling der Rohstoffe wiederwertet werden können.

Dieser Prozess fußt auf der sogenannten Lebenszyklusanalyse, einem weiteren Themenfeld des ERSTE GREEN INVEST, in dem Tomra seit den 1990er-Jahren als Pionier tätig ist, das aber mittelfristig weit über das Unternehmen zu einem massiven Umdenken wie Güter entstehen und Wirtschaftskreisläufe ablaufen, führen wird. Alles Chancen für jene die frühzeitig darin investiert haben.


Der Finanzsektor leistet mit der gezielten Steuerung von Investitionen einen wesentlichen Beitrag, um beim Klimawandel einen Umkehrtrend zu erreichen. In unserer neuen Serie blicken wir auf eines der Schwerpunktthemen des neuen Umweltfonds ERSTE GREEN INVEST.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.