Value oder Growth?

Jeder Bereich hat seine Legenden. Sei es Diego Maradona und Pele im Fussball, Larry Bird und Magic Johnson im Basketball oder die Legenden an der Gitarre: Jimi Hendrix und Jimmy Page.

Legenden gibt es auch im Investmentmanagement. Wenn man einen Teilbereich des Assetmanagements, nämlich Value Investing, betrachtet, stößt man unweigerlich auf zwei davon: Howard Marks und Jeremey Grantham.

Der erste ist der Gründer des Asset Managers Oaktree und hat sich in seiner Laufbahn auf High Yield Anleihen und notleidende Kredit spezialisiert. Jeremey Grantham ist der Mitgründer von GMO Asset Management.

Diese Woche lieferten sich die beiden einen Schlagabtausch zum Thema Wachstums- und Value-Aktien. Dabei boten sie unterschiedliche Strategien an, um mit der hohen Bewertungslücke zwischen den beiden Sektoren umzugehen: Vertrauen in Schnäppchen oder die Abkehr von traditionellen Bewertungen.

Niedrig bewertete Aktien in Sektoren wie Finanzen und Energie, die von der Coronavirus-Krise schwer getroffen wurden, haben ihre Erholung in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Trotzdem konnten sich auch Wachstumsaktien gut behaupten.

In einem Memo warnte Howard Marks davor, dass man sich „nicht von niedrigen Bewertungen verführen lassen sollte“, denn oft gebe es einen wirtschaftlichen, fundamentalen Grund, warum etwas günstig bewertet ist. Nur wenige Tage davor warnte hingegen Jeremy Grantham vor einer Blase bei großkapitalisierten Technologieaktien und empfahl stattdessen sich auf Schwellenländer und Value-Aktien zu konzentrieren.

Komplexe Welt

Wir befinden uns in einer komplexen Welt , in der es zu kurz gegriffen wäre, Unternehmen lediglich auf Basis von quantitativen Daten wie Kurs-Gewinn- oder Kurs-Buch-Verhältnis zu beurteilen. Dafür hat sich die Unternehmensstruktur in den letzten Jahrzehnten zu stark verändert.

Geistiges Eigentum, wie Patente, Lizenzen oder Software-Code, haben für den Wert eines Unternehmens deutlich an Bedeutung gewonnen. Auch das Humankapital und das damit verbundene Wissen und die Erfahrung sind bei der Bewertung eines Unternehmens wichtiger geworden.

Beide Faktoren (geistiges Eigentum und Humankapital) spiegeln sich jedoch in den ausgewiesenen Bilanzen der Unternehmen nur teilweise oder gar nicht wider. Deshalb sehen wir die strikte Trennung des Aktienmarkts in Value- und Wachstumsaktien auch als wenig hilfreich an.

Wir gehen vielmehr davon aus, dass es wichtig ist, Unternehmen ganzheitlich zu betrachten und einer gründlichen Due Dilligence zu unterziehen, um so den zukünftigen Wert zu ermitteln und ihn in Relation zum derzeitigen Preis zu setzten. Nur so können gute Investmententscheidungen getroffen werden.

Was ist seit letzter Woche passiert?

Die Politik bestimmte diese Woche zum großen Teil das Marktgeschehen. Der Sieg der Demokraten im Senatsrennen um die Sitze in Georgia hallte auch diese Woche noch nach.

Damit verbunden ist die Hoffnung vieler Marktteilnehmer auf zusätzlich Stimulusmaßnahmen in den USA. Davon konnten im Aktienbereich vor allem zyklische Unternehmen profitieren.

Die Renditen kreditsicherer Staatsanleihen in den USA blieben nach dem Anstieg der letzten Woche wenig verändert. In den USA liegt die Rendite von 10-jährigen Anleihen aktuell bei 1.10%, ein Niveau, das wir zuletzt im März 2020 gesehen haben.

Wir gehen davon aus, dass die zusätzlichen fiskalpolitischen Impulse zusammen mit der wirtschaftlichen Erholung und den fortschreitenden Impfmaßnahmen ein leicht höheres Renditeniveau rechtfertigten. Trotzdem erwarten wir lediglich einen moderaten Anstieg aus mehreren Gründen:

  • Die Inflationserwartungen bleiben weiterhin gut verankert, so dass die Zentralbanken weiterhin expansiv bleiben können. Dazu tragen auch die nach wie vor relativ große Produktionslücke und die hohe Arbeitslosigkeit, die durch die Pandemie entstanden sind, bei.
  • Die wichtigsten Notenbanken haben eine größere Toleranz für höhere Inflation signalisiert. Im Zuge der Pandemie ist die wichtigste Zentralbank der Welt, die US-Fed, zu einem „durchschnittlichen“ Inflationsziel über einen längeren Zeitraum übergegangen. Dadurch würde sie auch ein Überschießen des Inflationszieles von 2% zulassen.

In Europa haben wir diese Woche Divergenzen zwischen den Renditen im Staatsanleihensegment gesehen. Zum einen kam es zu einem leichten Rückgang der Rendite bei deutschen Staatsanleihen, während zum anderen die Rendite italienischer Staatsanleihen anstieg (von 0.53% auf 0.63%).

Der Grund waren die innenpolitischen Turbulenzen in Italien, die zum Auszug der beiden Minister der Partei Italia Viva aus der Koalition führten.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

CleanTech: Saubere Technologien gegen den Klimawandel

von Kilian Stemberger, Experte Research & Portfoliomanagement sowie Anlayst für quantitative Portfoliokonzepte und Datenanalyse bei der DJE Kapital AG.

Verschärfung der Klimaziele in der EU, angekündigter Wiederbeitritt der USA zum Pariser Klimaschutzabkommen, CO2-Neutralität in China noch vor dem Jahr 20601 – die Weltpolitik sagt dem Klimawandel den Kampf an. Zu spät kommt die Ansage laut Experten nicht, aber teuer wird sie allemal: 180 Milliarden Euro2 jährlicher Investitionen sind allein notwendig, um die Ziele der EU zu erreichen – noch vor deren jüngster Verschärfung.

Reduktion der Treibhausgase erfordert Handeln

Um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen, ist es notwendig, die Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Atmosphäre zu reduzieren. Das kann nur gelingen, wenn die Netto-Treibhausgasemissionen im Laufe der nächsten Jahrzehnte auf Null sinken. Eine sportliche Aufgabe bei 42 Milliarden Tonnen jährlich, die nur dann von Erfolg gekrönt werden kann, wenn bestehende emissionsarme Alternativen ausgebaut, zukunftsfähige Technologien umfassend marktfähig gemacht und wegweisende Innovationen erforscht werden. Für Investoren wie DJE Kapital ergeben sich dadurch vielversprechende Möglichkeiten, denn die Bekämpfung des Klimawandels stellt ein ganzes Bündel an Megatrends dar. Diese Trends zu unterstützen, zu finanzieren und daran zu partizipieren ist unser Ziel.

Wind und Solar als Energiequelle der Zukunft

Elektrizität, Heizung und Transport sind für nahezu drei Viertel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, weil die Energiegewinnung in diesen Sektoren aktuell zu 85 Prozent aus fossilen Brennstoffen erfolgt.3 Eine wesentliche CO2-Reduktion kann also nur durch eine rapide Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu emissionsarmen Energiequellen stattfinden. Man bedenke dabei, dass Wasserkraftwerke einen erheblichen Eingriff in die Natur bedeuten – die Atommüllfrage trotz intensiver Forschung bis dato ungeklärt ist und Produkte wie Biodiesel im Anbau sehr ressourcenintensiv sind. Wind und Solar sind also prädestiniert als primäre Energieträger der Zukunft. Durch Skaleneffekte4 und Forschung sanken die Investitionskosten enorm. Sie machen die beiden Energiequellen beispielsweise in Teilen Südamerikas bereits heute zur kostengünstigeren Alternative gegenüber der konventionellen Stromerzeugung. Aber man geht davon aus, dass sich dieser Trend auch noch in Zukunft fortsetzen wird: Im Vergleich zu den vergangenen Jahren soll Windkraft bis 2035 nochmals bis zu 27 Prozent günstiger werden, Photovoltaik sogar bis zu 45 Prozent.5 Dort sind die Preise bereits in den letzten Jahren massiv gefallen.

Enormes Wachstumspotenzial in der Windindustrie

Daraus resultiert enormes Wachstum mit Prognosen, die in jüngster Vergangenheit kontinuierlich nach oben angepasst werden müssen. So geht man bei der Windenergie in den kommenden zehn Jahren im Onshore-Bereich von mittlerem einstelligen Wachstum aus. Bisher nicht eingerechnet in diese Prognosen ist jedoch, dass produzierende Unternehmen aus Umwelt- und Kostengründen mehr und mehr die Umsetzung eigener Windkraftanlagen prüfen oder sich bei den Versorgern langfristige Exklusivrechte für grünen Strom (Power Purchase Agreements) sichern. Hinzu kommt ein prognostiziertes Wachstum von mehr als 20 Prozent p. a. bei den noch effizienteren Offshore-Anlagen (Windparks vor den Küsten) bis 2030. Sollte China das jüngst veröffentlichte Ziel – CO2-Neutralität bis 2060 – erfolgreich umsetzen, dürften all diese Prognosen zu konservativ sein. Mit unseren Fonds investieren wir in die europäischen und chinesischen Marktführer dieser sehr konzentrierten Branche.

Globaler Energiebedarf steigt

Abgesehen von der Abkehr fossiler Brennstoffe für die Stromproduktion selbst, gibt es weitere schlagkräftige Argumente, die für das enorme Potential erneuerbarer Energieträger sprechen: Für die Energiewende im Transportbereich ist das Thema Elektromobilität und die vielversprechende Brennstoffzelle maßgeblich. Letzten Endes sind beide jedoch klimatechnisch nur tragbar, wenn der Energiebedarf mittels grünen Stroms gedeckt wird. Weiter wird eine fortwährend steigende Weltbevölkerung die globale Stromnachfrage unabhängig vom Klimawandel erhöhen. Zu guter Letzt ein weniger offensichtliches Argument: Es ist bekannt, dass der CO2-Ausstoß pro Kopf in Entwicklungsländern gegenüber dem Rest der Welt deutlich niedrigerer ist. Ausschlaggebender Grund dafür ist leider kein ausgeprägteres Umweltbewusstsein, sondern mehr die Tatsache, dass 1,4 Milliarden Menschen dort der Zugang zu Strom fehlt. Dieses akute Problem ist sehr facettenreich und alles andere als trivial zu lösen. Aber Solarkraft könnte besonders auf dem afrikanischen Kontinent einen maßgeblichen Beitrag leisten.

So kommt es, dass bis zum Jahr 2050 ein Anstieg des weltweiten Energiebedarfs um fast 60 Prozent prognostiziert wird. Das entspräche einem Offshore-Windpark von der Größe Kanadas. Tatsächlich wird der Energie-Mix dann natürlich weitaus vielschichtiger sein, aber in Verbindung mit der Nutzung CO2-negativer Technologien, erscheint das Thema CO2-Neutralität nicht unmöglich zu sein. Diesen Wandel begleiten wir zum Beispiel mit Investitionen in Versorger, die bereit sind ihren Energie-Erzeugungs-Mix umzustellen.

Effiziente Speichersysteme sind gefragt

Mit der Elektrifizierung werden auch die Rufe nach effizienten Speicherlösungen lauter. Unser Energiebedarf schwankt über den Tagesverlauf, ist im Winter höher als im Sommer und kann sich aufgrund unvorhersehbarer Wettereignisse kurzfristig ad-hoc verändern. Hinzu kommt, dass der Wind nicht immer gleich stark bläst und die Sonne nicht immer gleich stark scheint. Konsequenz sind immer wieder auftretende Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage, die es im Sinne einer gesicherten Stromversorgung auszugleichen gilt. Es braucht also umfangreiche Speichersysteme, die den erzeugten Strom bei Bedarf ohne wesentlichen Energieverlust zur Verfügung stellen. Es gibt hier verschiedenste Lösungen. Dazu zählt Wasserstoff im Zusammenhang mit der „Power-to-Gas“-Alternative, die bekannteste ist jedoch die Batterie. Container voll mit E-Mobil-Autobatterien dienen vereinzelt schon heute als Speicher zur Aufnahme überschüssigen Stroms. Da solche Anlagen sehr platzintensiv sind, ist die Effizienz der Batterien maßgeblich. Bei diesem Thema haben im Moment die Asiaten die Nase vorn, sodass wir dort entsprechend engagiert sind.

Alternative Antriebe verändern den Mobilitätssektor

Dies gilt auch für die E-Mobilität. In Bezug auf die Reichweite und geringen Ladezeiten werden zukünftig enorme Skaleneffekten erwartet, welche diese Art des Antriebs attraktiver machen und so die Nachfrage danach steigern. Von diesem strukturellen Trend profitieren zahlreiche Zulieferer und auch Ladesäulen-Hersteller, ohne die sich keine flächendeckende E-Mobilitäts-Infrastruktur schaffen lässt.

Während im PKW-Segment wohl Elektrofahrzeugen die Zukunft gehört, dürfte im gewerblichen Verkehr wohl für mehrere Alternativen Platz sein. Das gilt besonders für die Brennstoffzelle. Im Gegensatz zur Batterie gibt es hier kein Speicherproblem. Die Reichweite ist – wie beim Verbrenner – abhängig von der Tankgröße. Und da Busse, LKWs oder gar Schiffe viel mehr Platz bieten, können sie auch größere Tanks einbauen. Kommerzielle Fahrzeuge haben den Vorteil, dass sie nicht zwingend auf eine flächendeckende Infrastruktur angewiesen sind.

Einige Branchen bleiben auf herkömmliche Technologien angewiesen

Nicht für alle Produkte oder Branchen gibt es mittel- bis langfristig gleichwertige CO2-neutrale Ersatztechnologien, wie im Bereich der Elektrizität oder Mobilität. So wird man beispielsweise in der Infrastrukturentwicklung weiterhin auf in der Herstellung enorm energieintensiven Zement angewiesen sein und auf die Bergbaubranche ohnehin weniger denn je verzichten können. Denn die Energiewende ist sehr mineralintensiv, denkt man nur an die Mengen an Lithium, Nickel und Cobalt, die für die Herstellung einer Batterie notwendig sind, oder den immensen Kupferbedarf für den Ausbau der E-Mobilitäts-Infrastruktur. In vielen dieser Nachfragetrends gibt es spannende Zulieferer, die wir mithilfe einer umfassenden Analyse ausfindig machen.

Innovation und Optimierung in nicht-substituierbaren Branchen

Um ihre künftige Daseinsberechtigung zu rechtfertigen wird es für diese Unternehmen überlebenswichtig sein, ihre Produktions- bzw. Förderungsprozesse so effizient und CO2-arm wie möglich zu gestalten. Bereits heute zeichnet sich in manchen Bereichen eine präferierte Auftragsvergabe an Zulieferer ab, die gegenüber ihren Wettbewerbern einen Nachhaltigkeitsvorsprung haben.

Dadurch wird es auch in diesen Branchen zu einem wesentlichen Wandel mit Gewinnern und Verlierern kommen. Entsprechend investieren vorausschauende Unternehmen bereits seit Jahren in die Entwicklung von klimatechnisch vertretbaren Alternativen. Mit Erfolg: In der Zementbranche ist mittlerweile ein Produkt mit deutlich niedrigerem CO2-Fußabdruck auf dem Markt, der zukünftig weiter reduziert werden kann. Durch die Beimischung von Bauschutt werden nicht nur vorhandene Materialien recycelt und weniger neuer Klinker benötigt, sondern die Produktkosten insgesamt fallen auch. Somit hat der Hersteller sogar finanziellen Anreiz das klimafreundlichere Produkt zu vertreiben.

Im Bergbau, wo schweres Gerät (etwa die haushohen Muldenkipper) den Förderprozess bestimmt, werden Unmengen fossiler Brennstoffe verbraucht. Minen-Unternehmen werden hier ihre kompletten Maschinenparks überdenken müssen. Aufgrund des hohen Energiebedarfs und der noch begrenzten Speicherkapazität von Batterien könnte dies ein interessantes Feld für Brennstoffzellen-betriebene Fahrzeuge und Geräte werden. Bei solch großen Maschinen kann die Brennstoffzelle ihren Effizienznachteil gegenüber der Batterie kaschieren, da genug Raum für einen großen Wasserstofftank verfügbar ist. Viele Minen haben bereits heute ihre eigenen Photovoltaikanlagen, die sie mit Hilfe eines Elektrolyseurs zur Wasserstoffgewinnung nutzen könnten.

Großes Investitionsspektrum: Klimawandel bündelt Megatrends

Der Klimawandel ist ein Bündel von aktuellen Megatrends, von dem Investoren auf verschiedenste Art profitieren können. Auch bei unserem Multi-Asset-Fonds DJE – Alpha Global PA (ISIN: LU0159549145) stehen Megatrends im Fokus. Zu den Top-10-Titeln im Fonds zählen zum Beispiel Vestas Wind Systems, weltweit größter Hersteller von Windkraftanlagen, Orsted, der Weltmarktführer im Bereich Offshore-Windenergie sowie Samsung SDI, einer der führenden Batteriehersteller für Elektroautos. Die Arbeit unserer elf Analysten spiegelt sich im DJE – Alpha Global wider, denn hier sind sämtliche Kernempfehlungen enthalten. Die oben genannten Megatrends sind nur ein kleiner Ausschnitt, denn der Fonds ist regional und sektoral gut diversifiziert. Weitere spannende Themen neben den grünen Technologien sind zum Beispiel eCommerce, Demographie & Gesundheit oder Digitales Leben & Innovation. Bei allen Investments wird zudem systematisch auf die Einhaltung von ESG-Kriterien geachtet, die fest im Investmentprozess verankert sind. Der Fonds trägt bei MSCI ein ESG-Fundrating von „A“.

Insgesamt kann sich weder in der Wirtschaft eine Branche noch in der Gesellschaft ein Individuum herausnehmen. Die Bekämpfung des Klimawandels betrifft jeden und alles. Da jeder etwas tun kann, ist das deutliche Unterschreiten der 2-Grad-Marke nicht unmöglich. Notwendig dafür ist allerdings ein Umdenken, wie es in der Wirtschaft gerade stattfindet. Und das bietet bei allen Risiken auch vielversprechende Chancen.


Quellen

1. https://www.evangelisch.de/inhalte/179719/12-12-2020/china-praezisiert-klimaziel
2. https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/IP_18_5868
3. https://ourworldindata.org/emissions-by-sector
4. Windenergieanlagen sind heute mehr als 20-mal so leistungsfähig wie vor 30 Jahren. https://www.unendlich-viel-energie.de/mediathek/grafiken/durchschnittliche-leistung-von-windenergieanlagen-in-deutschland
5. https://www.unendlich-viel-energie.de/mediathek/grafiken/erneuerbarer-strom-wird-billiger

Über die Dr. Jens Ehrhardt Gruppe

Die DJE Kapital AG ist seit 45 Jahren als unabhängige Vermögensverwaltung am Kapitalmarkt aktiv. Das Unternehmen aus Pullach bei München verwaltet mit rund 150 Mitarbeitern (davon rund 25 Fondsmanager und Analysten) aktuell über 14,4 Milliarden Euro (Stand: 31.12.2020) in den Bereichen individuelle Vermögensverwaltung, institutionelles Asset Management sowie Publikumsfonds. Zudem bietet die DJE Kapital AG seit 2017 mit Solidvest eine einzeltitelbasierte Online-Vermögensverwaltung an – als digitale Lösung im Rahmen aktiv gemanagter Depots. Das Online-Konzept basiert auf den breiten Kompetenzen in Vermögensverwaltung und Anlagestrategie der DJE Kapital AG – und ermöglicht ein diversifiziertes Portfolio nach individuellem Rendite-Risiko-Profil mit persönlichen Themenschwerpunkten im Aktienbereich. Vorstandsvorsitzender ist Dr. Jens Ehrhardt, sein Stellvertreter Dr. Jan Ehrhardt. Kern des Anlageprozesses und aller Investmententscheidungen ist die FMM-Methode (fundamental, monetär, markttechnisch), welche auf dem hauseigenen, unabhängigen Research basiert. Der Anspruch der DJE Kapital AG ist, ihren Kunden weitsichtige Kapitalmarktexpertise in allen Marktphasen zu bieten. Die DJE Kapital AG gehört zu den Unterzeichnern der „Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren“ der Vereinten Nationen (UNPRI). Dadurch ist die gesamte Vermögensverwaltung und damit auch Solidvest seit 2018 auf die Einhaltung übergreifender Nachhaltigkeitskriterien wie Umweltschutz und die Einhaltung von Menschenrechten sowie Arbeitsstandards ausgerichtet.

Chinas langer Marsch zurück an die Weltspitze

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Eine zentrale Rolle im 2021 gestarteten 14. Fünf-Jahresplan Chinas spielen der Ausbau einer digitalen Infrastruktur, Elektro- und Wasserstoffmobilität und ehrgeizige Klimaziele. Dazu muss man verstehen, dass für China der wirtschaftliche Aufstieg eine Rückkehr zum Normalzustand bedeutet. Die Wurzeln der chinesischen Geschichte reichen 5.000 Jahre zurück. Für den größten Teil dieses Zeitraumes war China der größte Wirtschaftsraum der Welt.

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Der jüngste Aufstieg entlang der Wertschöpfungskette in High-Tech-Branchen mit Internetkonzernen wie Alibaba, Tencent und Huawei ist für China nur eine Zwischenetappe. Auch wenn damit der Einfluss des Landes nun direkt in die Nervensysteme der westlichen Staaten, Unternehmen und Haushalte reicht. Mit dem jetzt in Kraft gesetzten Fünfjahresplan will China vor allem die Binnenkonjunktur stärken. Es soll weniger auf den Export von Waren, als mehr auf den Konsum im Inland gesetzt werden. Der Reichtum chinesischer Küstenmetropolen und der Hauptstadt soll sich tiefer in das Landesinnere verbreiten. Im neuen Fünfjahresplan wird zwar erstmals mit der Tradition eines Wachstumszieles gebrochen. Grund ist die Corona-Pandemie, die Chinas Wirtschaft erstmals seit 40 Jahren vorübergehend schrumpfen ließ. Eine Rückkehr des Wachstumsziels ist aber zu erwarten, zumal Chinas Wirtschaft die Corona-Pandemie hervorragend überstanden hat. Statt der 6,5 Prozent des noch aktuellen Jahresplans sind dann eher 4,5 Prozent zu erwarten. China setzt nun mehr auf Qualität als auf Tempo.

„Der Ausbau der digitalen Infrastruktur wird wahrscheinlich die westlichen Konkurrenten deutlich übertreffen“

Das zentrale Element der chinesischen Industriepolitik wird der Ausbau einer digitalen Infrastruktur sein, die nach ihrer Umsetzung wahrscheinlich die westlichen Konkurrenten deutlich übertreffen wird. Hand in Hand geht damit ein Ausbau des Hochgeschwindigkeits-Bahnnetzes, der Energieversorgung, sowie der Elektro- und Wasserstoffmobilität. All diese Komponenten spielen auch eine zentrale Rolle bei der Erreichung der selbstgesetzten sportlichen Klimaziele Chinas. Zwar will China die Klimaneutralität erst 2060 und damit zehn Jahre später als die EU erreichen, aber das Land startet auch bei der Senkung seiner Kohlendioxidemissionen deutlich später, während Europas Ausstoß schon seit den 90-er-Jahren sinkt.

Bei der Umsetzung vertraut China auf die Effizienz marktwirtschaftlicher Anreize. Die Makroebene legt die Marschrichtung inklusive Finanzierung fest. In der aktuellen Phase bis 2022 wird ein Kommunikationsnetz aus 5G-Mobilfunk und Satelliten ausgerollt. In der zweiten Phase (bis 2025) werden Cloud-Computing-Kapazitäten, intelligente Strom- und Eisenbahnnetze und die Grundlagen für ein Internet of Things für die industrielle Nutzung aufgebaut. Die im Westen nicht wirklich umgesetzte Industrie 4.0 wird in China damit Wirklichkeit. Höhere Automatisierung und eine effizientere Logistik sollen für die Bürger zu geringeren Lebenshaltungskosten und höherem Lebensstandard führen. Schließlich wird Chinas Pool an Arbeitskräften mit der Gesamtbevölkerung ab 2025 schrumpfen und altern. Langfristig sollen in China das Internet of Things, künstliche Intelligenz und Vernetzung beispielsweise Landwirtschaft, Medizin oder den Straßenverkehr verbessern.

„Die im Westen nicht wirklich umgesetzte Industrie 4.0 wird in China Wirklichkeit.“

Nimmt man Ultrahochspannungsleitungen und das Bahnnetz hinzu, so wird China Schätzungen zufolge rund 2,1 Billionen US-Dollar bis 2025 für seine neue Infrastruktur ausgeben. Es werden mehr als 200.000 neue Arbeitsplätze für Ingenieure pro Jahr geschaffen. Die Internetunternehmen Alibaba und Tencent haben für die nächsten drei bis fünf Jahre erhebliche Summen für digitale Infrastruktur-Investitionen reserviert. Die chinesische Technologiebörse STAR wird eine wesentliche Rolle bei der Finanzierung neuer Unternehmen spielen, die von dem erwarteten Infrastruktur-Boom profitieren werden. China verspricht sich durch diese Investitionen ab 2025 jährlichen Kostensenkungen von rund 700 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Betreiber der Infrastruktur könnten Schätzungen zufolge im Schnitt ihre Anlagen nach drei Jahren in Betrieb nehmen. Je nach Typ werden Projektrenditen zwischen 12 und 31 Prozent erwartet.

„China First – das Land will unabhängig von westlichen Zulieferern und Patenten werden.“

Wer profitiert von den Investitionen? China First! Der Handelskonflikt mit den USA hat China noch mehr angestachelt, in möglichst allen Bereichen unabhängig von westlichen Zulieferern und Patenten zu werden. Für den Investor wird es entscheidend sein, die gesamte Wertschöpfungskette in diesem Mammut-Projekt zu entschlüsseln und die Gewinner unter den lokalen Unternehmen zu identifizieren.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Ein neuer Bullenmarkt?

Trotz Covid-19 und der damit ausgelösten globalen Rezession, war das Jahr 2020 ein recht gutes Aktienjahr, sofern man auf die richtigen Sektoren und Regionen blickt: Die Aktien der Emerging Markets konnten aus dem turbulenten Jahr als einer der klaren Gewinner hervorgehen, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Dies ist jedoch nahezu ausschließlich dem asiatischen Raum zu verdanken, der anfangs ja sogar im Zentrum des „Corona-Sturms“ lag. Ein weiterer Gewinner sind die USA mit den Technologie- und Internet-Schwergewichten sowie „Big Pharma“ in den Aktienindizes.

Das Jahr endete sogar mit einem Kursfeuerwerk, ausgelöst durch den Wahlsieg Joe Bidens und Ankündigungen zu Impfstoff-Zulassungen, trotz Rekordzahlen bei den Neu-Infektionen. Einige US-Indizes erreichten wieder neue Allzeithochs und die Nachzügler-Börsen, vor allem aus Europa und den Emerging Markets, also die Old Economy, konnten recht gut aufholen. Dennoch war 2020 ein Jahr der Technologie, Internet- und Pharma-Titel, hingegen waren Grundstoffe, Energie- und Finanzwerte die Verlierer des Jahres.

Globale Konjunktur: Covid-19 hat uns noch immer im Griff, aber Zuversicht wächst

Mit der Angelobung von Joe Biden am 20. Januar 2021 zum 46. Präsidenten der USA wird allgemein eine Ära wiedergewonnener Pakttreue, Berechenbarkeit und Multilateralismus erwartet. Das ist für die globale Wirtschaftsentwicklung nicht unbedeutend, aber es sind auch weiterhin Fragen offen, etwa zum Umgang mit der Covid-19-Pandemie. Momentan wird von einer reibungslosen Impfaktion ausgegangen, zusätzlich stellt sich auch die Frage nach dem Ausmaß fiskalischer Maßnahmen für 2021 und einer dafür nötigen Mehrheit im Senat.

Nach wie vor gelten Fortschritte bei der Durchimpfung als Markttreiber. Eine überdurchschnittlich hohe US-Sparquote von knapp 15 %, dazu starkes Kreditwachstum in Europa und den USA sind Potenzial für ein gutes Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren und führen auch schon zu wieder steigenden langfristigen US-Inflationserwartungen. Die Kombination aus großzügiger Fiskalpolitik, global lockerer Geldpolitik und der Aussicht auf eine Erholung bei den Unternehmensgewinnen unterstützt die positive Stimmung.

Aktien USA und Europa: Ein neuer Bullenmarkt?

Mit den massiven Fiskalpaketen und insbesondere der aktuell ultralockeren Geldpolitik haben die Investoren offensichtlich jegliche Vorsicht abgelegt, die nachlassende Risikoaversion hat zu starken Bewertungserhöhungen geführt. Die Gewinne der Unternehmen werden 2021 ohne Zweifel gegenüber 2020 deutlich steigen. Ob sie aber bereits wieder das Niveau von 2019 erreichen können, ist fraglich. Insofern werden die Anleger mit den ausgeweiteten Kurs-Gewinn-Verhältnissen leben müssen.

Dennoch gibt es mittelfristig auch weiterhin genügend unterstützende Faktoren für die Aktienmärkte: Die Erholung der Wirtschaft könnte dem Bullenmarkt die fundamentalen Grundlagen geben, ein US-Präsident Biden für mehr Stabilität und Berechenbarkeit sorgen, dazu kommen weitere Stimuluspakete und Infrastrukturpläne.

Wie so oft hat sich Amerika in der Krise besser gehalten als Europa. Aus dieser Sicht gäbe es nun Aufholbedarf. Der niedrige Anteil an „modernen“ Branchen könnte aber wieder einmal gegen den alten Kontinent sprechen.

China und Indien, aber auch andere asiatische Länder, werden im Jahr 2021 hohes Wachstum aufweisen, nachdem sie schon 2020 relativ gut abschneiden konnten. Das ist auch an der Gewinnentwicklung der Unternehmen dieser Region abzulesen. Mit Verzögerung folgen nun auch die anderen Regionen und der erwartete globale Konjunkturaufschwung sollte weiter unterstützen. Die wirtschaftlich schwächer aufgestellten Regionen wie Lateinamerika und Südafrika könnten noch länger brauchen, um sich von der Krise zu erholen. Der Nahe Osten leidet an der Ölabhängigkeit und Emerging Europe muss sich weiter sektoral verbreitern, um die Dominanz von Rohstoff-, Energie- und Finanzunternehmen zu reduzieren.

Nachhaltige Infrastruktur in Entwicklungsländern – die große Lücke

Ohne Straßen, Strom- und Telekommunikationsnetze können Gesellschaft und Wirtschaft nicht funktionieren. Gerade in den Entwicklungsländern fehlt es jedoch häufig an Infrastruktur. Warum diese Herausforderung Investoren auch Möglichkeiten bietet.

„2,5 Billionen US-Dollar beträgt die jährliche Investitionslücke in den Entwicklungsländern nach Angaben der Vereinten Nationen (UN). Drei Viertel davon entfallen auf notwendige Infrastrukturinvestitionen“, so Felix Hermes, Head of Private Equity & Sustainable Asset bei BlueOrchard. „Die fehlende Infrastruktur in Entwicklungsländern wird Armut und Ungleichheit verstärken, wenn diese Lücke nicht geschlossen wird. Gleichzeitig eröffnet sich hier eine Chance: Investitionen in nachhaltige Infrastruktur.

Nachhaltige Infrastruktur in Entwicklungsländern ist die Basis für Wirtschaftswachstum und steigende Lebensqualität. Nachhaltig bedeutet, dass Assets so geplant, konstruiert, betrieben und stillgelegt werden, dass sie über den gesamten Lebenszyklus hinweg ökonomisch, finanziell, sozial, institutionell und ökologisch nachhaltig sind. Fortschrittliche Ansätze vermeiden nicht nur negative Effekte oder schließen nicht-nachhaltige Methoden aus, sie versuchen, Gesellschaft und Umwelt positiv zu beeinflussen und zum Erreichen wichtiger Entwicklungs- und Klimaziele beizutragen. Dazu gehört, zu prüfen, welchen sozialen und wirtschaftlichen Nutzen Investitionen stiften, hierfür Ziele zu setzen und Ergebnisse zu messen.

Besonders in den Entwicklungsländern ist der Bedarf an nachhaltiger Infrastruktur hoch. Eine Milliarde Menschen haben dort keinen Zugang zu Elektrizität, das entspricht ungefähr 20 Prozent. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung der Entwicklungsländer nach Prognosen der UN in den kommenden zehn Jahren um mehr als zehn Prozent wachsen wird. In Subsahara‐Afrika werde sie sich bis 2050 sogar verdoppeln. Die UN erwartet, dass Entwicklungsländer im Jahr 2023 rund 63 Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt beitragen werden. Daraus ergibt sich ein enormer Investitionsbedarf, den Regierungen und andere lokale Quellen nicht decken können. Um die Entwicklungsziele der UN (UN SDGs) bis zum Jahr 2030 zu erfüllen, fehlen rund 1,88 Billionen US‐Dollar für Infrastrukturinvestitionen. Bei dieser Schätzung sind die Folgen der Covid‐19‐Krise noch nicht berücksichtigt.

Diese Lücke bietet Investoren die Möglichkeit, mit Investitionen in nachhaltige Infrastruktur langfristig zu gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Verbesserungen beizutragen. Das ist besonders relevant, wenn man bedenkt, dass Entwicklungsländer laut Moody’s achtmal so stark unter dem Klimawandel leiden wie entwickelte Volkswirtschaften, aber wesentlich weniger dazu beitragen. Durch ihre geografische Lage und der Dominanz des Agrarsektors, sind sie von Wetterereignissen und dem Klimawandel stärker betroffen. Gleichzeitig sind sie durch ihre Wirtschaftsstruktur sowie fehlende Finanz‐ und Versicherungsinstitutionen weniger widerstandsfähig.

Investoren tragen mit Investments in nachhaltige Infrastruktur in Entwicklungsländern nicht nur langfristig zu den Entwicklungszielen der UN bei, sie werden zusätzlich mit stabilen Rückflüssen belohnt. Diese sind zudem risikoadjustiert höher als bei vergleichbaren Infrastrukturinvestitionen in entwickelten Volkswirtschaften. Hinzu kommt, dass Infrastrukturinvestitionen das Portfolio stabilisieren, da die Rückflüsse nur gering mit anderen Assetklassen korreliert sind.“


Über Blue Orchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges,integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance‐Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 7 Mrd. USD in 80 Schwellen‐ und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter UCITS‐ sowie alternativer Investmentfondsmanager (AIFM). Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com.

Berichtssaison 2021: alle Augen auf Nachhaltigkeit

von Fraser Lundie, Head of Credit, und Audra Delport, Deputy Head of Credit Research, im internationalen Geschäft von Federated Hermes.

Unser Engagement für eine nachhaltige Wertschöpfung bedeutet, dass wir uns nicht nur mit den finanziellen Erwartungen für die kommende Ertragssaison beschäftigen – sondern auch mit ESG-Aussichten. Da sich die Welt zunehmend mobilisiert, um den Klimawandel zu bekämpfen, ermutigen wir weiterhin Unternehmen, in die wir investieren, nachhaltige Geschäftspraktiken umzusetzen. Wir gehen davon aus, dass Bestrebungen zur Vermittlung von Klimazielen, wie zur Kohlenstoffneutralität, prominent thematisiert werden. Und wir werden den Nachhaltigkeitsaktivitäten der Unternehmen die gleiche Bedeutung beimessen wie den finanziellen Aspekten.

Erfreulich: Unternehmen heben ESG-Bemühungen zunehmend durch Gewinnmitteilungen hervor

Da das Interesse der Investoren am ESG-Profil von Unternehmen weiter zunimmt, werden Unternehmen immer deutlicher über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen sprechen – indem sie mehr Transparenz schaffen, Nachhaltigkeitsberichte einführen oder erweitern und bei Gewinnmitteilungen Zeit für die Hervorhebung wichtiger ESG-Entwicklungen einplanen. Dies stellt ein wichtiges Forum für Unternehmen dar, um ihre Erfahrungen mit den Kapitalmärkten zu teilen. Etwa zwei Drittel der globalen Unternehmen berichten bereits im Rahmen ihrer Gewinnmitteilung über ESG-Themen. Wir sehen dies als Best Practice für Unternehmen an, um über die Fortschritte auf ihrem Weg zur Nachhaltigkeit zu informieren.

Vermittlung und Auslegung von ESG-Initiativen: Herausforderungen bleiben

Obwohl Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsinitiativen immer deutlicher zum Ausdruck bringen, bleiben Herausforderungen. Während führende Gremien wie SASB (The Sustainability Accounting Standards Board), GRI (Global Reporting Initiative) oder TCFD (Task Force on Climate-related Financial Disclosures) große Fortschritte gemacht haben, ist eine weitere Standardisierung erforderlich, wie die Definition von kohlenstoffreichen Sektoren.

Darüber hinaus: die Unternehmensberichterstattung ist immer noch ausbaufähig und Investoren stehen vor Datenlücken bei wichtigen Kennzahlen wie den Scope-3-Treibhausgasemissionen (indirekte Emissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen). Die Bestrebungen zur Vereinheitlichung nehmen jedoch zu. So erwartet die britische Regierung, dass alle börsennotierten Emittenten und großen Vermögenden bis 2022 gemäß den Empfehlungen der TFCD berichten werden. Aus unserer Sicht ein dringend notwendiges und begrüßenswertes Ziel.

ESG-Narrative, die greifen – Verbindung zur finanziellen Relevanz

Wir bevorzugen Unternehmen, die ihre ESG-Bemühungen proaktiv in ihre langfristige Strategie einbinden. Unternehmen, die in dieser Hinsicht führend sind, legen spezifische Ziele fest und beschreiben detailliert, wie sie diese erreichen wollen. Entscheidend ist auch, dass die Unternehmen nachweisen, wie sich ihre ESG-Initiativen in verbesserten finanziellen Ergebnissen niederschlagen. Dies gelingt zum Beispiel, indem sie konkret quantifizieren, wie viel Geld der Emittent einspart durch den vermehrten Einsatz von recyceltem Wasser, die Substitution fossiler durch erneuerbare Energien oder eine verbesserte Mitarbeiterbindung durch Investitionen in ein verbessertes Human Capital Management.

Gewinnbeobachtung: Entscheidende Maßnahmen, um Klimaambitionen zu vermitteln

Der Klimawandel gilt als eines der größten Risiken für die Menschheit: Während ESG-Themen und ihre finanzielle Relevanz je nach Sektor variieren, haben wir im Jahr 2020 eine steigende Anzahl von Unternehmen gesehen, die sich zur Klimaneutralität verpflichtet haben. Über mehrere Sektoren hinweg, von Banken bis hin zu Energieerzeugern, wurden Ankündigungen zu mittel- und langfristigen Emissionsreduktionszielen gemacht, die mit diesen Verpflichtungen verbunden sind. Wir gehen davon aus, dass sich diese Dynamik beschleunigen wird, da im ersten Quartal und im Laufe des Jahres wahrscheinlich noch mehr Unternehmen ihre Ambitionen zur Klimaneutralität bekannt geben werden.

Darüber hinaus fordern wir dazu auf und erwarten von den Unternehmen, die ihre Ziele bereits skizziert haben, dass sie nun eine detaillierte Strategie vorlegen, wie diese Ziele erreicht werden. Wir waren beeindruckt von Unternehmen wie Barclays, die ihre BlueTrack-Methode zur Messung der finanzierten Emissionen detailliert dargelegt haben. Hervorzuheben ist auch Occidental Petroleum, die über die Fortschritte ihrer Anlage zur direkten Luftabscheidung – der weltweit ersten – informierten; diese besitzt das Potenzial, mehr Gewinne aus dem Kohlenstoffmanagement als aus dem Öl- und Gasgeschäft zu erzielen. Wir erwarten, dass andere Unternehmen diesem Beispiel folgen werden.

ESG im Fokus: aktives Engagement entscheidend für kontinuierliche Verbesserung

Wir sind der festen Überzeugung, dass gute ESG-Richtlinien und -Verhaltensweisen nicht nur der Risikominderung dienen – sondern auch den Cashflow und den Unternehmenswert steigern und so den Emittenten helfen, ihre Kapitalkosten zu senken. Daher integrieren wir die Analyse von ESG-Richtlinien und -Verhaltensweisen vollständig in unsere Investitionen. Dieser Prozess stützt sich auf mehrere Quellen, darunter unsere eigene Analyse von Unternehmensangaben, aktuelle Gewinnmitteilungen, proprietäre ESG-Scores und Daten von Drittanbietern.

Die aktive Auseinandersetzung mit Unternehmen spielt jedoch die wichtigste Rolle bei der Entwicklung unserer Ansichten. Unsere Engagement-Strategie ermöglicht es uns, ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, wie Unternehmen ESG-Risiken angehen und wie aufrichtig ihre Bemühungen sind. Darüber hinaus ermöglicht uns die Zusammenarbeit, Best Practices auszutauschen und Emittenten konstruktiv zu unterstützen, damit sie noch ambitioniertere ESG-Richtlinien und -Verhaltensweisen sowie eine verbesserte Transparenz verfolgen. Daher wird uns diese Berichtssaison die richtigen Werkzeuge zur Verfügung stellen, um unsere Anlageentscheidungen zu treffen, und wir hoffen, dass die Unternehmen unsere hochgesteckten, aber notwendigen Erwartungen erfüllen.


Über Federated Hermes

Federated Hermes ist ein führender globaler Investmentmanager mit einem verwalteten Vermögen von 525,2 Milliarden Euro (per 30. September 2020). Geleitet von unserer Überzeugung, dass verantwortungsbewusstes Investieren der beste Weg ist, um langfristig Wohlstand zu schaffen, umfassen unsere Anlagelösungen 162 Strategien aus den Bereichen Aktien, Anleihen, alternative/private Märkte, Multi-Asset und Liquiditätsmanagement sowie eine Reihe von separat verwalteten Depots. Wir bieten erstklassiges aktives Investmentmanagement sowie Engagement-Dienstleistungen für mehr als 11.000 Institutionen und Finanzintermediäre. Zu unseren Kunden zählen Unternehmen, Regierungsbehörden, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen und Trusts, Banken und Broker/Händler. Mit Hauptsitz in Pittsburgh beschäftigt Federated Hermes mehr als 1.900 Mitarbeiter, unter anderem in London, New York, Boston und weiteren Büros weltweit. Nähere Informationen finden Sie unter FederatedHermes.com. Diese Mitteilung wurde vom internationalen Geschäft von Federated Hermes verschickt.

2021 – Ein entscheidendes Jahr für Impact Investing

Werner Kolitsch, Country Head Germany & Austria bei M&G Investments (Foto anbei), zieht aus den Entwicklungen der immer beliebter werdenden Anlagestrategie des wirkungsorientierten Investierens Rückschlüsse für deren Aussichten in diesem Jahr.

„Nachhaltig agierende Unternehmen, die eine positive gesellschaftliche Wirkung – also einen „Impact“ – erzeugen, haben sich im zurückliegenden turbulenten Jahr im Allgemeinen als wirklich widerstandsfähig erwiesen. Es wurde deutlich, dass in der Krise gerade solche Unternehmen erfolgreich waren, die ihre Mitarbeiter und Lieferketten verantwortungsvoll und effektiv gemanagt haben.

Das sind gute Vorzeichen für Anleger in Impact-Aktienfonds, die mit ihrem Kapital nicht nur Rendite erzielen, sondern auch messbare Ergebnisse beim Kampf gegen die Herausforderungen, vor denen die Gesellschaften weltweit stehen, sehen wollen. Die Nachfrage nach solchen Investments steigt: Das Global Impact Investing Network schätzt, dass Anlagegesellschaften mittlerweile 715 Milliarden US-Dollar nach Impact-Vorgaben verwalten – im Jahr 2017 waren es gerade einmal 117 Milliarden. Das liegt auch daran, dass Impact-Strategien greifbarerer und leichter zu verstehen sind als viele andere ESG-Investitionen.

Durch die Pandemie wurden Aufmerksamkeit und Ressourcen von einer Vielzahl von Problemen weggelenkt, die dringend Finanzierungsmittel brauchen. Darum sehen wir 2021 als entscheidendes Jahr für nachhaltige Entwicklungen – sei es, um Armut zu lindern, Bildung zu fördern oder Gesundheitssysteme zu verbessern. Wirkungsorientierte Investments werden dabei eine wichtige Rolle spielen.

Klimawandel bleibt Megathema

Beim Klimaschutz geht es voran und Anleger haben die Möglichkeit, durch entsprechende Fonds diesen Umschwung mit zu tragen.

Viele Länder haben ihre Umweltziele skizziert, wie etwa den EU Green Deal. Mit den USA und China haben jüngst die weltweit größten Produzenten von Kohlendioxid erklärt, die globale Erwärmung zu bekämpfen: Im September gab China seine Pläne für eine grüne Erholung nach der Pandemie bekannt. Bis 2060 will das Land CO2-neutral sein. Für die USA machte der designierte Präsident Joe Biden deutlich, dass sein Land dem Klimaabkommen von Paris wieder beitreten will. Dieses hat zum Ziel, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen – idealerweise auf 1,5 Grad. Damit wird das Rennen um „Netto Null” bei den CO2-Emissionen endlich zu einer echten internationalen Anstrengung – wenn alle Beteiligten ihre Versprechen auch einhalten.

Soziale Faktoren wichtiger denn je

Die Ausbreitung des Coronavirus hat bestehende sozioökonomische Ungleichheiten noch verschärft.

Auch wenn beim Wiederaufbau nach der Krise zunächst einmal Wirtschaftsthemen im Vordergrund stehen werden, so glauben wir doch, dass wir in diesem Jahr eine Welle staatlicher Maßnahmen im sozialen Bereich sehen werden. Gleichzeitig gewinnen private Initiativen an Bedeutung. Zum Beispiel beim Thema Bildung: Impact Investoren unterstützen Projekte, bei denen Mädchen und Jungen qualitativ hochwertige Grund- und Sekundarschulbildung erhalten. Auch Zentren für Erwachsenbildung werden so gefördert, was gerade in Gebieten, in denen der Staat seiner Bildungsaufgabe nicht umfänglich nachkommt, besonders wichtig ist. So wird die Basis für wirtschaftliches und gesundheitliches Wohlergehen der kommenden Generationen gelegt.

Eine weitere Entwicklung trägt dazu bei, Impact Investing als Anlageklasse in diesem Jahr ganz oben stehen zu lassen: Wir haben festgestellt, dass es von Unternehmensseite großes Interesse daran gibt, Teil eines Impact-Fonds zu sein und so zu einer ausgewählten Gruppe zu gehören, die nachweislich Gutes für Gesellschaft und Umwelt tun. So können wir als Vermögensverwalter unseren Einfluss noch stärker nutzen und Firmen dabei helfen, die Offenlegung ihrer Aktivitäten zu verbessern oder positive Veränderungen vorzunehmen.“

„Wir sind optimistisch für China im Jahr 2021“

China steht vor einem guten Jahr 2021. Man wird jedoch genau hinsehen müssen, um vom steigenden Wachstum zu profitieren, meint Eng Teck Tan, Senior Portfolio Manager von Nikko AM:

Was den Ausblick für Chinas Wirtschaft und Aktienmärkte angeht, sind wir optimistisch. Die vergangenen Jahre haben jedoch gezeigt, dass sich eine Outperformance nur durch aktive Anlageentscheidungen erzielen lässt. Die hohen Indexgewichtungen von Finanztiteln, zyklischen Werten und dem Internetsektor lassen eine uneinheitliche Marktentwicklung erwarten.

Auf Chinas Internetsektor, der von Tencent und Alibaba dominiert wird, könnten Herausforderungen zukommen. Finanzwerte haben weiterhin eigene Schwierigkeiten zu bewältigen, während die Erträge der zyklischen Werte niedrig sind. Sehr viel Positives sehen wir dagegen in Branchen, die in Zusammenhang mit erneuerbaren Energien, Halbleitern, der Cloud, künstlicher Intelligenz, Big Data, Elektrofahrzeugen, Automatisierung und Verbrauchern stehen.

Nach wie vor gibt es in China wichtige gesamtwirtschaftliche Entwicklungen, die das Wachstum antreiben. Dazu gehören die Urbanisierung, die HuKou-Reformen, die Steigerung der Binnennachfrage durch die Rentenreformen, die Strategie des Gleichgewichts zwischen Sparen und Ausgeben, die Produktion mit höherer Wertschöpfung sowie Trends zur Importsubstitution. Der Vergleich zur niedrigen Ausgangsbasis in der ersten Jahreshälfte 2020 dürfte positiv ausfallen. Zudem könnte der Schwung bis in die zweite Jahreshälfte 2021 hinein fortdauern, da die Corona-Impfungen zur Erholung der internationalen Wirtschaft beitragen dürften. Wir sind optimistisch für China im Jahr 2021.

USA: Joe Biden hat mit Senatsmehrheit jetzt freie Fahrt für sein Wirtschaftsprogramm

Nach dem erfolgreichen Abschneiden der Demokraten bei den Senats-Stichwahlen im US-Bundesstaat Georgia dürfte der designierte US-Präsident Joe Biden bald deutlich mehr Spielraum für die Durchsetzung seiner wirtschaftspolitischen Programme haben. Denn seine Partei hat mit dem Sieg nun de facto die Mehrheit in beiden Kongresskammern.

Nach dem Sieg der demokratischen Kandidaten im Rennen um zwei Senatsposten verfügen die Demokraten nun über 50 Sitze im Senat und damit über genauso viele wie die Republikaner. Bei Patt-Situationen in der Kammer hat aber die designierte demokratische Vizepräsidentin Kamala Harris ebenfalls ein Stimmrecht im Senat. Im Repräsentantenhaus stellen die Demokraten bereits die Mehrheit.

An den Börsen wurde die neue Machtfülle für den neuen Präsidenten großteils positiv aufgenommen.  So konnte sowohl der Dow Jones als auch der deutsche Aktienindex DAX zuletzt neue Rekordstände erreichen. Denn mit der „blauen Welle“ ist Biden bei seinen Vorhaben nicht auf die Unterstützung der Republikaner angewiesen und kann nun noch umfangreichere Konjunkturprogramme im Kampf gegen die Coronakrise auf den Weg bringen.

Bereits beschlossen wurde vom US-Kongress zum Jahreswechsel ein Hilfspaket in Höhe von 900 Mrd. US-Dollar. Biden dürfte nun mit der Kontrolle über beide Kongress-Kammern diese Hilfen aufstocken. Auch Bidens Ernennung der ehemaligen Notenbankchefin Janet Yellen zur künftigen Finanzministerin wird von Beobachtern als Indiz für umfangreiche Hilfen gewertet, da Yellen als Verfechterin einer konjunkturstimulierenden Wirtschaftspolitik gilt.

Erwartet werden von Biden auch massive Investitionen in die Infrastruktur.  Das ist auch dringend nötig, denn die USA liegen bei der Infrastruktur in einem aktuellen Ländervergleich des Weltwirtschaftsforums nur mehr auf Platz 13. An den Börsen wurden derartige Programme schon vorweg genommen, so konnten die Aktien von in den USA aktiven Baustoffherstellern wie CRH oder HeidelbergCement zuletzt stark zulegen.

Fokus auf Klimapolitik und erneuerbare Energien

Einen besonderen Fokus will Biden dabei auf Klimapolitik und die Förderung erneuerbarer Energien legen. Die Aktien entsprechender Unternehmen waren entsprechend zuletzt gut gesucht. Der künftige Präsident hat Investitionen in der Höhe von zwei Billionen Dollar in die Klimapolitik und grüne Energien in Aussicht gestellt.

Analysten erwarten in Folge einen Boom der Elektroautos in den USA. So will Biden das Tankstellennetz für E-Autos ausbauen, zudem werden steuerliche Anreize für den Umstieg auf elektrische Fahrzeuge erwartet. Auch die vom scheidenden US-Präsidenten Donald Trump gelockerten Umweltschutzgesetze könnten unter Biden wieder in Kraft gesetzt werden.

Kommen Vermögenssteuern?

Auch einige der Steuersenkungen aus der Trump-Ära dürften unter dem neuen Präsidenten rückgängig gemacht werden. Biden steht dabei für eine stärkere Umverteilung und möchte Reiche und Konzerne stärker besteuern. So will er die auf 21 Prozent gesenkte Körperschaftssteuer wieder auf 28 Prozent erhöhen. Auch eine mögliche Vermögenssteuer steht zur Debatte.

Als wahrscheinlich gilt auch, dass Biden wie angekündigt die direkten Finanzhilfen von bisher 600 auf 2.000 Dollar pro Familie erhöht. Zum Jahreswechsel hatten die Republikaner den entsprechenden Beschluss noch verhindert, doch nun kann der künftige Präsident hier auf die Unterstützung des Senats zählen.

Mit seinen Konjunkturprogrammen muss der designierte Präsident auch gegen die triste Situation am Arbeitsmarkt kämpfen. In der Krise gingen in den USA mehr als 22 Millionen Jobs verloren, von denen bisher erst rund die Hälfte zurückgewonnen wurde. Die Lage bleibt dabei weiter angespannt. Laut dem am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktbericht sind im Dezember überraschend 140.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft gestrichen worden. Die Arbeitslosenquote lag weiter bei 6,7 Prozent.

Höhere Staatsverschuldung dürfte Zinsen nach oben treiben

Mit den umfangreichen Konjunkturpaketen der Demokraten wird an den Märkten aber auch eine höhere Staatsverschuldung erwartet. Dies dürfte die Inflation, aber auch Anleihenrenditen und Zinsen steigen lassen, wovon wiederrum Banken profitieren könnten. Am Staatsanleihenmarkt waren die Renditen zehnjähriger Anleihen zuletzt erstmals seit März über die Marke von einem Prozent gestiegen. Auch reagierten viele Bankaktien zunächst positiv auf die Senatswahl in Georgia.

Verluste gab es hingegen teilweise bei Technologiewerten, denn mit einer demokratischen Senatsmehrheit unter Biden befürchten große Tech-Konzerne auch stärkere Regulierungen der Branche. Bereits in einem im Oktober veröffentlichten Bericht hat der Wettbewerbsausschuss des Repräsentantenhauses Technologieriesen wie Amazon, Apple, Facebook und Google vorgeworfen ihre Marktmacht zu missbrauchen.  Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren forderte bereits ein rigoroses Vorgehen gegen diese Konzerne, bis hin zu einer möglichen Zerschlagung.

Änderungen zeichnen sich mit dem Machtwechsel auch in der Handelspolitik der USA ab. Biden will zwar mit seiner „Buy American“-Initiative ähnlich wie Trump amerikanische Hersteller gegen die Konkurrenz aus dem Ausland unterstützen. Im Gegensatz zu seinem republikanischen Vorgänger dürfte er dabei aber verstärkt auf Allianzen mit Europa setzen um den rasanten Aufstieg Chinas zu bremsen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

5 Gründe sprechen für Japans Aktienmarkt

Mit Blick auf das Jahr 2021 identifiziert das Japan Equity Team von Nikko AM fünf Schlüsselthemen für die Zeit nach der Corona-Pandemie, die sich positiv auf Japans Unternehmen auswirken dürften: 

Chinas Erholung

Japans zweitgrößter Handelspartner erholt sich schnell von den negativen Corona-Auswirkungen. Etwa 20 % der japanischen Exporte fließen dorthin. Das Exportgeschäft mit China hat sich in der Pandemie deutlich stabiler entwickelt das als mit den USA. Die Nachfrage nach japanischen Werkzeugmaschinen ist ein Beispiel für die Rolle, die eine starke chinesische Wirtschaft spielt. Die Aufträge der Branche stiegen im November 2020 im Jahresvergleich um 8 % und markierten damit zum ersten Mal seit 26 Monaten ein positives Wachstum. 

Die Neuwagenverkäufe in China werden voraussichtlich die des Jahres 2020 übertreffen. Darüber hinaus haben China, Südkorea und Japan vor anderen Handelspartnern die Beschränkungen für Geschäftsreisen untereinander gelockert. Das dürfte auch den geschäftlichen Austausch zwischen Japan und China beleben. 

Japan ist gut positioniert, um vom Nachfragewachstum in China zu profitieren, da das Verhältnis zwischen Washington und Peking trotz des Wechsels im Weißen Haus angespannt bleiben dürfte. 

Deregulierung und Digitalisierung

Premierminister Yoshihide Suga, der sein Amt im September 2020 antrat, dürfte seine Position im Jahr 2021 festigen und damit die Basis für eine langfristige Regierung schaffen. Suga steht 2021 vor mehreren Herausforderungen. Die wichtigste ist die Pandemie, die zumindest in der ersten Jahreshälfte ganz oben auf der Agenda der Regierung stehen dürfte.

Der vollgepackte politische Kalender sieht außerdem im September die Präsidentschaftswahlen der regierenden Liberaldemokratischen Partei und die Unterhauswahlen im Oktober vor. Es wird erwartet, dass Suga sich auf populäre Maßnahmen konzentrieren wird, um seine Zustimmungswerte zu erhöhen. Dazu dürften Veränderungen bei der Krankenversicherung ebenso gehören wie der Druck auf die Telekommunikationsunternehmen, ihre Mobilfunkgebühren zu senken.

Ein weiteres Deregulierungsziel betrifft die digitale Technologie. Laut der im Juli veröffentlichten E-Government-Rangliste der Vereinten Nationen lag Japan im Jahr 2020 auf Platz 14, vier Ränge schlechter als im Jahr 2018. Die Pandemie hat deutlich gemacht, wie sehr die Digitalisierung des öffentlichen Sektors in Japan ins Hintertreffen geraten ist. Suga hat die „digitale Transformation“ (DX) der öffentlichen Verwaltung zu einem seiner wichtigsten politischen Pfeiler gemacht. Bis 2025 soll dieser Prozess abgeschlossen sein; die Investitionen in die entsprechenden Systeme dürften im laufenden Jahr beginnen. Hinzu kommen steuerliche Förderungen für privatwirtschaftliche Investitionen in digitale Lösungen wie z.B. Cloud-basierte Systeme.

Reduktion von CO2-Emissionen

2021 könnte für Japan ein Schlüsseljahr auf dem Weg sein, bis 2050 CO2-neutral zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird u.a. die Nutzung und Produktion von Wasserstoff gefördert. Auch hier erwägt die Regierung Steuererleichterungen.

Die Regierung hat ihr Ziel für die Wasserstoffnutzung im Jahr 2030 von ursprünglich 300.000 Tonnen auf 10 Millionen Tonnen deutlich erhöht. Dafür möchte sie technologische Durchbrüche in der Wasserstoffproduktion fördern und Veränderungen auf der Nachfrageseite anstoßen. Dieser Vorstoß dürfte einer Vielzahl von Branchen zugutekommen, z.B. den erneuerbaren Energien, den Infrastruktursektoren und den Herstellern von Wasserstoff-Brennstoffzellen.

Japan beheimatet eine Reihe global wettbewerbsfähiger Unternehmen mit Stärken in verschiedenen Technologien rund um das Thema Wasserstoff. Toyota zum Beispiel hat kürzlich die zweite Generation seines wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellenfahrzeugs Mirai vorgestellt. Japans Nähe zu China könnte ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung und der Einführung von Wasserstoff spielen. China hat sich verpflichtet, bis 2060 kohlenstoffneutral zu werden, und die Einführung von erneuerbaren Energien und Wasserstoff könnte ein Weg zu diesem Ziel sein.

Fortgesetzte Governance-Reform

Der 2015 erstmals eingeführte Corporate Governance (CG)-Kodex wird voraussichtlich im Frühjahr 2021 zum zweiten Mal überarbeitet. Die Revisionen bringen die Regelungen ihrem Zweck näher, die Rentabilität japanischer Unternehmen zu verbessern.

Wir hoffen, dass die vom japanischen Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie herausgegebenen „praktischen Richtlinien“ lebhafte Debatten zwischen Investoren und Unternehmen auslösen und letzteren die Möglichkeit geben, ihre Rolle neu zu bewerten. In der Tat werden mehr und mehr „Mutter-Kind-Doppel-Listings“ aufgelöst. Diese japanische Besonderheit ist zunehmend in die Kritik geraten, da solche Arrangements als Untergrabung von Minderheitsinteressen angesehen werden.

Neuausrichtung der Aktienmärkte

Plänen zur Neuausrichtung der Marktsegmente an der Tokioter Börse zufolge werden die fünf aktuellen Marktsegmente in „prime“, „standard“ und „growth“ umgewandelt, wobei Unternehmen im Prime-Segment eine handelbare Marktkapitalisierung von mindestens 10 Mrd. JPY aufweisen müssen.

Derzeit ist noch schwer abzuschätzen, welche Auswirkungen diese Neuordnung haben wird. Dennoch könnten Unternehmen, insbesondere KMUs, darauf abzielen, ihre Marktkapitalisierung (und damit den Shareholder Value) zu steigern und ihre handelbaren Aktien zu erhöhen. Auch der Aktienindex TOPIX wird von diesen Veränderungen tangiert sein und als Investmentvehikel bzw. Benchmark hoffentlich besser werden.


Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 249,1 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Im passiven Segment deckt Nikko AM mehr als 20 Indizes ab und umfasst einige der größten börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig und beschäftigt in 11 Ländern rund 200** Finanzfachleute mit rund 30 Nationalitäten. Weltweit vertreiben mehr als 400 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentstrategie des Hauses verbindet seine asiatische DNA konsequent mit einer globalen Perspektive für eine langfristige und nachhaltige Performance. Nikko AM ist zudem stolz auf seinen fortschrittlichen lösungsorientierten Ansatz, der zu der Auflage zahlreicher innovativer Fonds für seine Kunden geführt hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management zusammengefasst einschließlich aller verbundenen Unternehmen von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften zum 30. September 2020.
** Stand 30. September 2020 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.
 

Staats- und Unternehmensanleihen: Noch immer Potenzial

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel spricht in ihrer Silvesteransprache wohl allen aus der Seele, wenn sie meint: „Nie in den letzten 15 Jahren haben wir alle das alte Jahr als so schwer empfunden – und nie haben wir trotz aller Sorgen und mancher Skepsis mit so viel Hoffnung dem neuen Jahr entgegengesehen”. Wobei, wenn man nur auf die Kapitalmärkte im Jahresvergleich blickt, könnte man zur Auffassung gelangen, da sei ja nichts geschehen: Aktien global und USA deutlich positiv, Renditen stabil tief, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Das alles war jedoch nur durch massive Fiskalpakete und der Flutung der Geldmärkte mit Zentralbankgeld möglich. Die EZB und die anderen führenden Notenbanken pumpen hunderte Millionen in das System – stündlich –, eine wirkungsvolle Medizin, die ja den Virologen aktuell noch immer fehlt.

Die Covid-19-Impfprogramme stehen nun vor der Tür, weitere Rezepte für das Wirtschaftssystem müssen noch folgen: Abbau, oder zumindest Kontrolle der Schulden und sanftes Zurückfahren der umlaufenden Geldmenge. Das bedarf hoher Sorgfalt und Weitsicht. Immerhin, dass aus der Covid-19-Krise und unvermeidlichen Wachstumseinbrüchen keine Finanzkrise mit weitreichenden Folgen entstanden ist, ist ein großer Erfolg. Und es gibt auch 2021 gute Chancen für Investoren, vor allem in den Aktienmärkten, auch in den Emerging Markets! Aber ist eine Verfünffachung des Kurses der Aktie eines Autoherstellers mit knapp 500.000 Einheiten Jahresproduktion (zugegebenermaßen ein Innovationsführer) gerechtfertigt? Zum Vergleich, der VW-Konzern produziert diese Stückzahl in zwei bis drei Wochen. Ist ein 500 %-Anstieg von Bitcoin – gerne als „Krypto-Währung“ bezeichnet – von März 2020 bis zum Jahreswechsel nicht Indikation eines sichtbaren Exzesses durch das Gratisgeld der Notenbanken? Es werden wohl noch weitere Rezepte benötigt...

Rentenmärkte: Man konnte 2020 auch mit Renten verdienen

Auch wenn die Renditen generell noch nie gesehene Tiefstände aufweisen – mehr als ein Viertel des Volumens der globalen Rentenmärkte und drei Viertel der Euro-Staatsanleihen zeigen negative Renditen – es konnten auch 2020 Erträge mit Anleihen erzielt werden. Allen voran die Euro-Peripherie und Unternehmensanleihen, aber sogar deutsche Staatsanleihen weisen Kursgewinne über das Jahr 2020 auf.

Vor allem können aber Unternehmensanleihen, besonders auch High-Yield-Anleihen, nach einem ausgezeichneten vierten Quartal von den wieder starken Aktienmärkten und Konjunkturerwartungen profitieren. Dazu kommen noch die Anleihen der Emerging Markets: Bei den Hartwährungen hat sich durch die zuletzt sehr gute Performance die Jahresentwicklung nun ins Positive gedreht, die Lokalwährungsanleihen haben ebenfalls gut aufgeholt, jedoch drücken noch die zumeist schwachen Währungen auf das Ergebnis. Auch bei US- oder UK-Anleihen ist ein negativer Beitrag der Währungen von rund 8 bzw. 6 % für 2020 zu berücksichtigen.

Geld-/Kapitalmarkt: Angst vor „Hyperinflation“ unbegründet

Die globalen Notenbanken haben den Märkten Billionen zugeführt, um die Wirtschaft zu stützen. Solange der monetäre Transmissionsmechanismus aber nicht funktioniert, wird die Inflation auch nicht anziehen, die Angst vor Hyperinflation ist derzeit unbegründet. Bei einer erwarteten raschen Erholung der Wirtschaft – das Gelingen der Covid-19-Impfprogramme vorausgesetzt – könnten mittelfristig Unternehmen wie Beschäftigte wieder stärkere Preis- und Lohnforderungen durchsetzen. Damit würde die derzeit praktisch kaum vorhandene Inflation wieder anziehen. So ist ein leichter Anstieg im zweiten Halbjahr zu erwarten, was von den Notenbanken sogar erwünscht wäre, es stehen ja Ziele um 2 % im Raum.

Dass dennoch schon jetzt Potenzial für Renditeauftrieb vorhanden ist, veranschaulicht die Grafik: Der zuletzt stark steigende Preis des konjunktursensiblen Industriemetalls Kupfer (hier als Index in Gold angegeben) und Druck auf die US-Renditen – in der Vergangenheit war diese Korrelation recht deutlich.

Staats- und Unternehmensanleihen: Noch immer Potenzial

Spielraum für Zinsanhebungen ist – zumindest im Euroraum – de facto nicht vorhanden. Nicht nur Länder wie Italien oder Griechenland, sondern zahlreiche weitere Staaten hätten nach den massiven Fiskalpaketen Probleme mit ihrem Schuldenmanagement. Mittlerweile weisen drei Viertel der Euro-Staatsanleihen negative Renditen auf, die Ertragschancen sind entsprechend.

Früher hätte das deutlich erhöhte Angebot gepaart mit negativer Realverzinsung ein erhebliches Kursrisiko dargestellt, nunmehr wird, insbesondere im Notfall, mit weiterem Eingreifen der Notenbanken gerechnet. Auch bei den Unternehmensanleihen kamen nach dem Schock im Frühjahr die Risikoaufschläge wieder in die Nähe der Vor-Covid-19-Niveaus zurück und im abgelaufenen Jahr war dann ein Rekord an Neuemissionen zu verzeichnen, das wird sich 2021 in dieser Form nicht wiederholen. Auch wenn die Ausfallsraten moderat steigen werden, die Risikoaufschläge werden sich dadurch insgesamt kaum ändern. Wir sehen deshalb diese Assetklasse (Investmentgrade und High Yield) weiterhin positiv.

Im zu erwartenden Aufschwung 2021 sollten Emerging-Market-Anleihen, auch auf der Lokalwährungsseite, einer der Nutznießer sein. Nachdem sich der asiatische Raum bereits im abgelaufenen Jahr gut entwickelt hat, werden nun auch Osteuropa und Lateinamerika von der Erholung der westlichen Welt profitieren können. Hier haben auch die Währungen noch Potenzial.

Wird 2021 ein Value-Jahr?

Unzählige Prognosen für das kommende Jahr sagen für 2021 das Gegenteil von dem voraus, was gerade hinter uns liegt. Das Global Equity Teams von Nikko Asset Management teilt diesen Optimismus, denkt aber über die Makro-Prognosen hinaus:

Werden sich die Dinge im Vergleich zu 2019 stark verändert haben, wenn der Rausch der wiedergewonnenen Freiheit vorbei ist? Die Federal Reserve und andere Zentralbanken tun ihren Teil, aber wird der Wachstumsschub stark genug sein, um einen dauerhaften Inflationsimpuls zu erzeugen? Ein solcher Impuls könnte eine nachhaltige Rotation in die „Value“-Segmente des Marktes unterstützen.

Angesichts der hohen Staatsverschuldung ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Zinsen in nennenswertem Umfang steigen werden. Vor allem für Bankentitel bedeutet das echten Gegenwind.

Für Anleger ist der derzeitige Übergang von hoffnungslos zu hoffnungsvoll eine Phase der Neubewertung. Dabei kann man leicht die Orientierung verlieren und viel Zeit mit gesamtwirtschaftlichen Prognosen verbringen – und sich von dieser Sichtweise die neuen Anlageideen diktieren zu lassen. Das ist aus unserer Sicht ein bisschen so, als würde man ein Teleskop falsch herum benutzen. Wenn das Wirtschaftswachstum relativ blutleer bleibt, sollten Anleger diejenigen Unternehmen bevorzugen, die am ehesten in der Lage sind, auf Basis nachhaltiger Innovation ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum zu erzielen.

In den vergangenen Monaten haben wir einige zyklische Titel aufgestockt und dafür Wachstumstitel reduziert, bei denen die Bewertungen zu hoch geworden waren. Die meisten Beobachter (einschließlich uns) glauben, dass die Prämie für Wachstumsaktien in den nächsten Monaten weiter sinken könnte.

Wo die relativen Bewertungen zu weit und zu schnell gegangen sind, werden wir uns jedoch nicht scheuen, Wachstumsaktien wieder aufstocken. Dazu müssten wir davon überzeugt sein, dass sich das betreffende Unternehmen weiter verbessert und die zukünftigen Cash-Renditen wahrscheinlich höher sind als die der anderen. In vielen Fällen werden diese Verbesserungen untermauert durch Produkte und Dienstleistungen, die der Gesellschaft helfen, drängende langfristige Probleme zu lösen. Herausforderungen wie die Bereitstellung einer bezahlbaren Gesundheitsversorgung oder der Schutz unseres Klimas werden nachhaltiges Handeln erfordern, unabhängig davon, ob das Umfeld eher für Wachstum oder für Value spricht.


Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 249,1 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Im passiven Segment deckt Nikko AM mehr als 20 Indizes ab und umfasst einige der größten börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig und beschäftigt in 11 Ländern rund 200** Finanzfachleute mit rund 30 Nationalitäten. Weltweit vertreiben mehr als 400 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentstrategie des Hauses verbindet seine asiatische DNA konsequent mit einer globalen Perspektive für eine langfristige und nachhaltige Performance. Nikko AM ist zudem stolz auf seinen fortschrittlichen lösungsorientierten Ansatz, der zu der Auflage zahlreicher innovativer Fonds für seine Kunden geführt hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management zusammengefasst einschließlich aller verbundenen Unternehmen von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften zum 30. September 2020.
** Stand 30. September 2020 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.

Die goldenen Zwanziger

Chris Iggo, CIO AXA Investment Managers Core Investments, sieht neben dem Brexit-Freihandelsabkommen und der sich anbahnenden Machtübernahme der Demokraten in den USA die Anzahl der verabreichten Impfstoffe als eine der wichtigsten Messgrößen für die Märkte. Er liefert eine Szenarioanalyse für die größte Weltwirtschaft, die Vereinigten Staaten.

„Auf goldene Zwanzigerjahre gibt es eine Dreierwette, die nun zu zwei Dritteln erfüllt ist. Zum einen ist der Brexit vollzogen, zum anderen ist Trump so gut wie Geschichte. Um die Wette zu erfüllen, braucht es jetzt Fortschritte im Kampf gegen die Pandemie. Die Anzahl der verabreichten Impfstoffe in den verschiedenen Ländern wird damit mittelfristig zu einer der wichtigsten Messgrößen für die Märkte. Ein starker Rückgang der Neuerkrankungen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle dürfte eine Ausweitung der sozialen Mobilität sowie eine weitreichende Wiederöffnung von Wirtschaftssektoren zur Folge haben. Damit dürfte ein enormer Nachholbedarf bei Verbraucherausgaben und Investitionen einhergehen, der in der zweiten Jahreshälfte zu einem Aufschwung beitragen und die Gewinndynamik der Unternehmen deutlich stützen dürfte.

Hierfür spricht insgesamt eine robustere Ausgangslage als nach der Finanzkrise. Einen bedeutenden Beitrag können heute die Privathaushalte leisten. Mit der Pandemie nahm der Konsum deutlich ab, bei einer gleichzeitig stark anziehenden Sparquote. Dies ist ein Novum für die USA, deren Konsumausgaben meist bei mehr als 80 Prozent des BIP lagen. Zwischen 2009 und 2019 lag die US-amerikanische Sparquote im Durchschnitt bei rund sieben Prozent. Im zweiten Quartal des vergangenen Jahres lag sie dann bei 25 Prozent, im dritten Quartal bei 15 Prozent und im vierten Quartal wahrscheinlich immer noch bei 12 bis 13 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens. Zudem stieg das Nettovermögen an. Nach 2008 verzeichnete das Nettovermögen (Q2 2007 - Q1 2009) einen Rückgang um 15 Prozent. Zwischen dem dritten Quartal 2019 und dem dritten Quartal 2020 war ein Anstieg um mehr als sieben Prozent zu beobachten. Für die US-Gesamtwirtschaft bildet dies eine erfreuliche Ausgangslage. Vieles spricht somit dafür, beispielsweise Aktien von Fluggesellschaften oder Hotelkonzernen wieder in Betracht zu ziehen. Die Aktivierung von Ersparnissen dürfte zur Ankurbelung der Gesamtnachfrage beitragen und sich zudem günstig auf die weitere Aufwärtskorrektur bei den Unternehmensgewinnen auswirken.“


Die ausführliche und aktuelle Markteinschätzung „Roaring twenties“ von Chris Iggo, AXA IM CIO Core Investments, finden Sie in englischer Sprache hier.

Über AXA Investment Managers

AXA Investment Managers (AXA IM) ist ein aktiver, langfristig orientierter, weltweit tätiger Multi-Asset-Experte in der Vermögensverwaltung. Zusammen mit unseren Kunden erarbeiten wir schon heute die Lösungen für die Investmentherausforderungen von morgen. Dabei ist es unser Ziel, einen positiven Wandel für die Welt zu bewirken, in der wir alle leben. AXA IM verwaltet rund 830 Mrd. Euro Vermögen (Stand: Ende September 2020) und ist mit über 2.360 Mitarbeitern und 28 Niederlassungen in weltweit 20 Ländern tätig. AXA IM gehört zur AXA-Gruppe, einem weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen finanzielle Absicherung und Vermögensverwaltung.

SAP macht ernst: Der Qualtrics IPO steht an

SAP bringt seine US-Tochter Qualtrics an die Börse. Qualtrics entwickelt eine Software für Experience Management, mit der Unternehmen Feedback und Vorschläge für Verbesserungsaktionen zu Customer Experience, Mitarbeiterzufriedenheit, Markenwahrnehmung und Produkterfahrung in einem bekommen. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen konnte das Pandemie-Jahr Qualtrics nicht ins Wanken bringen. Zu Qualtrics Kunden zählen unter anderem Big Player aus den Bereichen Gesundheit und Technologie, zwei Branchen, die von der Corona Krise stark profitieren konnten. Warum eine Investition in die SAP-Tochter lohnenswert ist und wie auch Kleinanleger vom Qualtrics IPO profitieren können, weiß Dmitry Ivanov, Börsenexperte und Geschäftsführer des Online-Brokerhauses Freedom Finance Germany.

Der Hype um den Börsengang von Airbnb ist zwar weitaus größer gewesen, aber Branchenkenner und Anlageinteressierte beschäftigen sich seit einiger Zeit intensiv mit dem Börsengang von Qualtrics. Bereits im Juli 2020 hatte SAP angekündigt, Qualtrics an der US-Tech-Börse Nasdaq notieren zu wollen, nun ist daraus ein konkreter Plan geworden. Der Börsengang wird für Ende Jänner, spätestens Anfang Februar 2021 erwartet. „Qualtrics ist eine innovative Unternehmenssoftware am Puls der Zeit. 80% der Verbraucher wechseln die Marke, weil sie eine schlechte Erfahrung gemacht haben. Im Gegensatz zur Konkurrenz, die aufgebrachte Kunden häufig nur versucht zu beschwichtigen, hilft die Qualtrics Software Unternehmen, User Journeys nachhaltig zu verbessern“, erklärt Freedom Finance CEO Ivanov. Seinen Kunden legt er nahe, im Vorfeld einen genaueren Blick auf das Unternehmen zu werfen. Dafür hat Freedom Finance ein paar Informationen zum Unternehmen und seinem Börsengang zusammengestellt.

Qualtrics stattliche Bilanz im Pandemie-Jahr

Qualtrics als Marktführer in der Experience Management Industrie, konnte im ersten Quartal des Pandemiejahrs 2020 einen Umsatz von 550 Millionen Dollar erwirtschaften, was eine Wachstumsrate von 30% bedeutet. Für das gesamte Jahr belaufen sich die Schätzungen auf eine Wachstumsrate von 47%. Im Jahr zuvor lag der in den ersten drei Monaten generierte Umsatz bei 401,9 Millionen Dollar. Mit mehr als 12.000 Kunden, von denen 85% zu den Fortune 100, also den 100 größten Konzernen weltweit, gehören, ist Qualtrics im Krisenjahr 2020 gut aufgestellt gewesen. In der Krise konnte das Unternehmen außerdem zusätzliche Kunden aus NGO- und Regierungskreisen gewinnen, die im organisatorisch chaotischen Pandemie Jahr Unterstützung bei Qualtrics suchten. Und auch nach der Pandemie stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Aufwärtstrend anhält. „Die Pandemie hat die Digitalisierung in Unternehmen immens beschleunigt, was nach Ende der Corona-Krise zu gesteigertem Interesse an der Software beitragen könnte, da viele Kunden beispielsweise ihre Online-Customer Journey verbessern wollen“, analysiert der Freedom Finance CEO die Situation. 

Gehypte Schätzungen und rosige Aussichten für Anleger

Zuletzt wurde Qualtrics bei einer Finanzierungsrunde mit 14,4 Milliarden Dollar bewertet. Hauptaktionär bleibt SAP selbst, ebenfalls beteiligen, will sich der Qualtrics CEO und Co-Founder Ryan Smith, sowie die US-amerikanische Kapitalbeteiligungsgesellschaft Silver Lake Management. Der potenzielle Wert des globalen Markts für Customer Experience Management lag 2019 bei 6,62 Milliarden Dollar, bis zum Jahr 2027 wird eine Steigerung auf 17,5 Milliarden Dollar erwartet.

Im Windschatten der Fortune 100. Qualtrics solides Fundament

Was im Jahr 2002 in einer Garage im US-amerikanischen Bundesstaat Utah mit einer simplen Idee begann, ist mittlerweile zu einer innovativen Unternehmenssoftware für Experience Management herangereift. Zu Qualtrics Kunden zählen die Big Player der Finanz-, Gesundheits- und Technologiebranche, zudem Großkonzerne, wie Adidas, BMW, Coca-Cola oder Airbus. Qualtrics hat außerdem Zugang zum riesigen Kundenstamm von SAP mit über 400.000 Kunden in mehr als 180 Ländern. Das Unternehmen investiert viel in Sales und Marketing, was Qualtrics Bekanntheit fördern dürfte und weitere Kunden anziehen könnte. Eine kontinuierliche Verbesserung der Software, hält das Angebot langfristig attraktiv. Interessant für Investoren dürfte auch das Abonnement-System mit einer Mitgliedsdauer von mindestens einem Jahr sein, worüber sich Qualtrics eine langfristige Kundenbindung und Bezüge über einen größeren Zeitraum sichert.

Geldsegen auch für Kleinanleger. Hohe Renditen bei IPOs.

Auch für 2021 stehen neben dem Qualtrics IPO weitere vielversprechende Börsengänge an, darunter der IPO von Robinhood, ein Online-Trader und der von Netskope, ein Softwareentwickler für Cybersicherheit. „Eine Investition in IPOs war für Kleinanlegern lange nicht möglich und bildet bis heute die Ausnahme von der Regel. Normal bekommen zunächst große Kapitalgesellschaften und Banken die Möglichkeit in Erstemissionen zu investieren“, erklärt Ivanov. „Doch unser NASDAQ börsennotiertes Unternehmen, die Freedom Holding Corporation bietet deutschen Kunden über seine Tochtergesellschaft Freedom Finance Europe Ltd. die Gelegenheit, auch als Kleinanleger an IPOs teilzunehmen. Unter freedom24.com/ipo können sich Anleger registrieren und für ein IPO-Investment bewerben“, so der Freedom Finance Chef weiter. Der Run auf IPOs ist sehr groß, denn Neuemissionen legen besonders kurz nach der Einführung extrem an Wert zu. So haben sich die Airbnb und Doordash Aktien kurz nach dem US-Börsengang zwischenzeitlich verdoppelt. Unübertroffen bleibt aber derzeit das chinesische E-Commerce-Unternehmen Wunong Net Technology, Einzelhändler für Bio-Lebensmittel. Wunong legte an den beiden ersten Handelstagen um 440 Prozent zu. Was für Erstzeichner eine Gewinnsteigerung um nahezu 3.000 Prozent bedeutete. Wer die Möglichkeit bekommt, in attraktive IPOs zu investieren, kann also innerhalb von kürzester Zeit eine stattliche Rendite erzielen.


Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 140.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. Mit einer Kapitalisierung von über 2,5 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 1200 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäischer Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse gelistet. Freedom Finance bietet direkten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: am amerikanischen, europäischen, russischen und asiatischen Markt. Neben der Investition in Aktien bietet Freedom Finance ihren Kunden den Zugang zu Börsengängen (IPO) mit hohem Wachstumspotential. 

Den „Status low“ klug nutzen

von Ashish Shah, Co-CIO des Fixed Income- und Liquidity Solutions-Teams, bei Goldman Sachs Asset Management.

Mit Blick auf das makroökonomische Umfeld hat sich die gesamtwirtschaftliche Aktivität erholt, doch beim Wachstum haben wir es noch nicht über die Erholungsziellinie geschafft. Eine Neuausrichtung der gesamten Makropolitik und grüner Investitionen könnte für eine zyklisch starke Wachstumsphase sorgen, die Inflation verursacht. Aber: So weit sind wir noch nicht. Die Zentralbanken werden ihre Leitzinsen auf dem Niedrigniveau belassen und ihre Anleihekäufe so anpassen, dass die Finanzierungsbedingungen locker bleiben. Gleichzeitig wird die Fiskalpolitik weiterhin verhältnismäßig freundliche Impulse setzen.

Fünf Lösungswege für den „Status low“

Wir beginnen das Jahr 2021 also auch mit niedrigen Leitzinsen, Staatsanleiherenditen auf niedrigem Niveau und niedrigen Anleihespreads. Dieser aktuelle „Status low“ erfordert eine diversifizierte Herangehensweise, die wir in fünf Lösungswegen umsetzen:

1. Gesamtes Spektrum der Anlagechancen bei Anleihen nutzen

Eine freundliche makroökonomische Politik hat 2020 zwar alle Vermögenswerte beflügelt, doch es gibt Bewertungsunterschiede an den Anleihemärkten. Angesichts eines besseren Wachstumsausblicks erkennen wir Chancen bei Schwellenländer- und Unternehmensanleihen – besonders im Hochzinssegment. Wir bevorzugen zudem Hypothekenanleihen (MBS) von US-Bundesbehörden, die von den Anleihekäufen der US-Notenbank profitieren und weniger sensitiv auf zyklische Rückschläge reagieren.

2. Über und innerhalb von Anleiheklassen diversifizieren1

Anleihen sind keine homogene Anlageklasse – innerhalb der Sektoren gibt es Unterschiede. Schwellenländeranleihen beweisen dies: Dank kräftiger Konjunkturmaßnahmen und einer effektiven Eindämmung des Covid-19-Virus kommt Asien 2021 in die zweite Phase seiner Erholung, während Teile von Lateinamerika weiter mit wirtschaftlichen, politischen und sozialen Herausforderungen zu kämpfen haben.

Uns ist die angespannte geld- und fiskalpolitische Lage zwar bewusst, dennoch erkennen wir vereinzelte Chancen bei Schwellenländeranlagen. Ein besseres globales Wachstumsbild wird die Rohstoffpreise beflügeln, was den Volkswirtschaften mehrerer exportorientierter Schwellenländer zugutekommen wird. Auch die Nachfrage aus China könnte bestimmte Schwellenländer in den speziellen Wachstumskreis aufsteigen lassen, der dieses Jahr um China herum herrscht.

3. Risikoprämien nutzen, die durch Marktineffizienzen entstehen

Spreadsektoren weisen seit ihrem Ausverkauf im ersten Quartal 2020 eine beeindruckende Erholung auf – doch Bewegungen auf Sektorebene können Chancen auf Einzeltitelebene verschleiern. Während der Pandemie haben wir beispielsweise eine „COVID-19-Spread-Prämie“ erzielt, die sich bei Emittenten in Sektoren zeigte, bei denen man davon ausging, dass sie von den Maßnahmen zur Viruseindämmung extrem in Mitleidenschaft gezogen werden würden, wie etwa Fluggesellschaften und Hotels. Der Markt differenzierte Sektoren basierend auf ihrer COVID-19-Sensitivität – unterschied aber bei den zugrundeliegenden Emittenten nicht nach Fundamentaldaten des Unternehmens wie Bilanzpositionen.

In diesen Beispielen zeigen wir Risikoprämien auf, die durch Kreditrisiko- oder Liquiditätsdynamiken entstanden sind. Wie wir bereits Beginn 2020 erläutert haben, sind wir der Ansicht, dass wir mit einem daten- und technologieorientierten Investmentansatz in der Lage sein können, zukünftige Marktineffizienzen effektiv zu erkennen und unsere Überzeugungen gleichzeitig sehr präzise umzusetzen. Die Technologiebeschleunigung, die durch die Pandemie ausgelöst wurde, bestärkt uns in dieser Investmentphilosophie.

4. Währungen zur Absicherung von Risikoanlagen

Um zu gewährleisten, dass unsere Rentenportfolios ausgewogen und widerstandsfähig sind, vor allem in Phasen einer Risk-off-Stimmung am Markt, sichern wir unser Engagement in Unternehmensanleihen normalerweise mit Zinspositionen ab. Da die Zinsen jedoch so niedrig sind, eignen sich diese Positionen nur noch begrenzt. Daher haben wir unsere Absicherung durch Beimischung eines Währungskorbs diversifiziert, der ähnlich wie Staatsanleihen negativ mit Unternehmensanleihen korreliert. Zudem passen wir unsere Absicherung dynamisch an die Marktlage an.

5. Zentraler Grundsatz: nachhaltiger Fokus auf die ESG-Analyse

Die Pandemie hat unterstrichen, dass ESG-Faktoren kein „Bullenmarkt-Luxus“, sondern ein „Muss für den Bärenmarkt“ sind. Je mehr sich die Anleihespreads einengen, desto wichtiger wird es sein, ESG-Risiken, die wesentliche Abwärtsrisiken darstellen können, angesichts des asymmetrischen Renditeprofils von Anleihen zu kontrollieren. Wir betrachten ESG als ein sich entwickelndes Thema, das Anlageentscheidungen, Politikgestaltung und Finanzmärkte prägt. Denn die Kapitalkosten sowohl von Unternehmens- als auch von Staatsanleihen werden zunehmend von ESG-Merkmalen bestimmt. Die Einbeziehung von ESG-Kriterien ist daher maßgebend für die Wahl von Emittenten, den Portfolioaufbau und das Risikomanagement.

Corona, Makro und die Märkte: Was zu beachten ist

Die Pandemie: Wissenschaft und Forschung haben zwar einen Ausweg aus der Pandemie aufgezeigt. Zugleich ist zu beachten: Wie wir unter anderem mit einem Gesundheitsexperten kürzlich besprochen haben, erfordern Impfungen „ein bisher nie da gewesenes Maß an Zusammenarbeit, Abstimmung, Synchronisation und Integration“.

Das Makro-Umfeld: Zu den potenziellen Abwärtsrisiken für das Wachstum gehören gesundheitliche Rückschläge sowie gedämpfte Nachfrage, wenn Haushalte und Unternehmen ihre Aktivitäten einschränken, um die 2020 aufgenommenen Schulden zu reduzieren. Zudem könnten Konkurse und Zahlungsausfälle nach oben tendieren. Denn die Nachsicht im Hinblick auf Schuldendienst läuft bald aus. Wir achten außerdem auf geld- und fiskalpolitische Probleme. Ein bescheidenes Hilfspaket in den USA oder eine verfrühte Abkehr von der geldpolitischen Unterstützung, wenn sich der zyklische Hintergrund verbessert, könnten Volatilität an den Finanzmärkten auslösen. Im Verlauf von 2021 werden wir die Inflationserwartungen und die Verbesserungen am Arbeitsmarkt genau beobachten, um abzuschätzen, ob auf eine weniger expansive Geldpolitik hindeutende Äußerungen eventuell übertrieben sind.

Die Märkte: In einer Welt eingeengter Risikoprämien und rapiden Wandels lautet das Fazit für Anleger einfach: Bleiben Sie fokussiert. Wir sind überzeugt, dass man das Alpha steigern kann, wenn man mit Schnelligkeit auf die Risikostimmung reagiert. Ein begrenztes Spektrum an Chancen kann dazu führen, dass attraktive Anlagemöglichkeiten in Phasen einer Risk-on-Stimmung unter Anlegern schnell verschwinden und überbewertete Positionen das Renditepotenzial dämpfen. Risk-off-Phasen hingegen können Gelegenheiten für gezielte Käufe bieten.


1) Diversifikation bewahrt einen Anleger nicht vor Marktpreisrisiken und bietet keine Garantie, dass ein Gewinn erzielt wird.

Warum Öl und die meisten Rohstoffe im Aufwärtstrend sind

von Michel Salden, Leiter Commodities, Vontobel Asset Management.

Die meisten Rohstoffe befinden haben derzeit eine Glückssträhne. Selbst Öl, das immer noch mit einer schwachen Nachfrage zu kämpfen hat, hat dank der jüngsten einseitigen saudi-arabischen Produktionskürzungen das Potenzial, bis Mitte des Jahres nördlich von 60 US-Dollar zu notieren.

Derzeit erholen sich alle wichtigen Rohstoffmärkte. Das liegt an der positiven Kombination aus einem schwächelnden US-Dollar, der wirtschaftlichen Erholung vom COVID-19-Schock, den Stimulierungsmaßnahmen der Zentralbanken und den erhöhten Staatsausgaben für Infrastrukturprojekte. Alle zyklischen Rohstoffe, einschließlich Sojabohnen, Mais und Zucker, befinden sich derzeit in Backwardation – ein Umstand, der vor allem dem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage geschuldet ist. Sogar Getreide, das sich seit 2012 auf einem Abwärtspfad befand, hat sich in den letzten sechs Monaten um mehr als 45 % erholt, was auf die durch La Nina verursachten Dürren in Lateinamerika und China zurückzuführen ist. Das hat diese Länder dazu veranlasst, ihre strategischen Reserven aufzustocken. Darüber hinaus laufen die Märkte Gefahr, die Folgen der Inflationserwartungen zu unterschätzen, da alle großen Zentralbanken Zurückhaltung signalisieren, wenn es darum geht, ihre Geldpolitik zu normalisieren, selbst wenn die Inflation über 2,5 % steigen sollte.

Saudi-Arabien stabilisiert die Ölmärkte Bei der letzten OPEC-Sitzung überraschte Saudi-Arabien die Märkte mit der Ankündigung einer einseitigen Produktionskürzung von 1 Mio. Barrel pro Tag (mbpd) für Februar und März. Diese Kürzung gleicht die Produktionserhöhung von insgesamt 75 kbpd aus, die Russland und Kasachstan vor allem zur Deckung des inländischen Heizbedarfs im Winter gefordert hatten. Daher konnte Öl seine starke Preisrallye in Richtung 55 US-Dollar (für Brent) fortsetzen. Saudi-Arabien strebt einen weiteren Abbau der Lagerbestände im ersten Quartal an, obwohl normalerweise ein saisonaler Aufbau der weltweiten Ölvorräte zu beobachten wäre. Das würde es dem OPEC+-Kartell ermöglichen, die Produktion im zweiten Quartal in großem Umfang zu erhöhen, sobald der Impfstoff und wärmere Temperaturen die Mobilität und die Nachfrage nach Öl steigern dürften.

Die derzeitige Ölnachfrage ist aufgrund von Lockdowns in Europa immer noch fragil (-7 mbpd gegenüber 2019), aber bis zum Jahresende könnte sich die Nachfrage erholen und leicht unter dem 2019er-Niveau von 100 mbpd zu liegen kommen. Die Erholung der Flugaktivität (welche immer noch 40 % niedriger ist als 2018) bleibt entscheidend. Asien macht Hoffnung, da sich die Aktivität dort bereits komplett erholt hat.

Die Maßnahmen von Saudi-Arabien werden im Jahr 2021 zu einer täglichen Reduktion des Ölangebots von mehr als 1,4 mbpd führen, was zu einer vollständigen Auflösung der überschüssigen Lagerhaltung an Land führen wird. Die schwimmenden Lager auf See und in Öltankern wurden bereits abgebaut. Außerdem scheint Saudi-Arabien Russland eine helfende Hand reichen zu wollen, um den Weg für freundliche Verhandlungen über Produktionssteigerungen in Q2 zu ebnen. Russland fürchtet einen Wiederanstieg der Schieferölproduktion, wenn die Ölpreise zu schnell und zu hoch steigen. Die freien Kapazitäten außerhalb der OPEC+ sind jedoch begrenzt, da ein Wiederanstieg der Schieferölproduktion durch ESG-Trends gedeckelt wird, die zu höheren Finanzierungskosten führen. Dies dürfte dem Kartell helfen, die Marktkontrolle wiederzuerlangen. Es ist auch unklar, ob die neue Biden-Regierung dem Iran noch in diesem Jahr den Export von Öl erlauben wird. Daher hat der Ölpreis das Potenzial, weiter zu steigen, wobei Brent bis zur Jahresmitte über 60 US-Dollar und sogar in einer stärkeren Backwardation gehandelt werden dürfte.


Vontobel Asset Management

Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen über-zeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlage- klassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.

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Ein turbulenter Start ins neue Jahr - mit guten Gründen für Optimismus

Geir Lode, Head of Global Equities im internationalen Geschäft bei Federated Hermes, zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie und aktuellen globalen Entwicklungen. Diesmal: Ein zukünftig wohl demokratischer Senat in den USA und eine heftige Covid-19 Welle in Großbritannien und Europa sorgen für einen lebhaften Jahresstart an den Märkten – doch die weltweite Einführung eines Covid-19 Impfstoffes sowie die Aussicht auf ein Wirtschaftswachstum mit Fokus auf Nachhaltigkeit stimmen optimistisch.

Geir Lode, Head of Global Equities, bei Federated Hermes:

„Es war eine ereignisreiche Woche gleich zu Beginn des Jahres 2021, in der sowohl der NASDAQ als auch der S&P500 am ersten Handelstag des neuen Jahres um 1,5 Prozent fielen, diese Verluste aber im Nachgang wieder ausgleichen konnten.
Der schwache Dollar hat dazu beigetragen, die US-Aktien nach oben zu treiben, wobei zuvor ungeliebte Value-Titel dominierten. Banken, Energie und Bergbauunternehmen führten hier den Weg bislang an. Mit den Wahlergebnissen vom Mittwoch in Georgia, die auf einen demokratischen Senat hindeuten, mussten Technologie-Titel einen Rückschlag hinnehmen, da sich die Anleger über Bidens potenzielle Pläne für strengere Kartellvorschriften und höhere Steuern für den Sektor Sorgen machen.
Im Gegensatz dazu stiegen Mid- und Small-Cap-Aktien, die eher wirtschaftssensible Sektoren wie Finanzwerte und das produzierende Gewerbe umfassen, in der Hoffnung, dass die Demokraten eine neue Welle von Konjunktur- und Infrastrukturausgaben auslösen könnten, was das Wirtschaftswachstum und die Inflation ankurbeln würde.

In Großbritannien und Europa trieben Energie- und Finanzwerte die Märkte nach oben und schienen die anschwellende zweite Welle von Covid-19 und neue landesweite Lockdown-Maßnahmen abzuschütteln.
Chinesische Aktien erholten sich zunächst, nachdem die New York Stock Exchange beschlossen hatte, drei der größten Telekommunikationsunternehmen des Landes doch nicht von der Börse zu nehmen – um anschließend wieder zu fallen, nachdem die NYSE diese Entscheidung am nächsten Tag wieder rückgängig gemacht hatte, um Trumps Durchführungsverordnung nachzukommen.

Alles in allem ein turbulenter Start ins Jahr, doch weiterhin mit Gründen für umfassenden Optimismus. Die Pandemie hat ein gesellschaftliches Erwachen auf der ganzen Welt beschleunigt und ein klares Augenmerk auf Bereiche der Ungleichheit und Ungerechtigkeit gelegt. Nach der erfolgreichen Einführung der Covid-19-Impfstoffe weltweit erwarten wir ein Wirtschaftswachstum, das von zahlungskräftigen Verbrauchern angetrieben wird, die Nachhaltigkeit fordern. Dieses erhöhte soziale Bewusstsein wird von der neuen Regierung Bidens geteilt, zusammen mit einem klaren Fokus auf die Klimakrise. Und wir bleiben optimistisch, dass die Gesellschaft damit beginnen kann, ihre Schwächen zu überwinden und wichtige Schritte zu unternehmen, um unsere langfristigen Herausforderungen anzugehen.“


Über Federated Hermes

Federated Hermes ist ein führender globaler Investmentmanager mit einem verwalteten Vermögen von 525,2 Milliarden Euro (per 30. September 2020). Geleitet von unserer Überzeugung, dass verantwortungsbewusstes Investieren der beste Weg ist, um langfristig Wohlstand zu schaffen, umfassen unsere Anlagelösungen 162 Strategien aus den Bereichen Aktien, Anleihen, alternative/private Märkte, Multi-Asset und Liquiditätsmanagement sowie eine Reihe von separat verwalteten Depots. Wir bieten erstklassiges aktives Investmentmanagement sowie Engagement-Dienstleistungen für mehr als 11.000 Institutionen und Finanzintermediäre. Zu unseren Kunden zählen Unternehmen, Regierungsbehörden, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen und Trusts, Banken und Broker/Händler. Mit Hauptsitz in Pittsburgh beschäftigt Federated Hermes mehr als 1.900 Mitarbeiter, unter anderem in London, New York, Boston und weiteren Büros weltweit. Nähere Informationen finden Sie unter FederatedHermes.com. Diese Mitteilung wurde vom internationalen Geschäft von Federated Hermes verschickt.

Covid Impfungen – Vom Rennen zur Hatz

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Die Verteilung von Covid Impfungen hat in weiten Teilen der entwickelten Welt begonnen. Politiker, Kommentatoren und Bürger kritisieren den schleppenden Anlauf der Immunisierungen. Doch ähnlich wie bei der Tour de France zählt nicht wer während der ersten Etappe das gelbe Trikot trägt, sondern wer am Ende als Erster durchs Ziel fährt. Dafür sind drei Faktoren entscheidend: Die Versorgung mit Impfstoff, dessen Verteilung und vor allem die Impfbereitschaft.

Hat die EU mit AstraZeneca auf das falsche Pferd gesetzt?

Der CEO von BioNTech hat das Vorgehen der EU kritisiert. Nämlich dass bei der Bestellung des Impfstoffs im Sommer 2020 auf möglichst viele Anbieter gesetzt wurde anstatt auf den vielversprechendsten. Im nachhinein mag diese Feststellung zwar richtig sein, aber bei den bestellten Pfizer/BioNTech-Impfungen pro Kopf liegt die EU mit 0,33 sogar knapp vor den USA und Großbritannien mit etwa 0,30. Um das Ziel der Herden-Immunität zu erreichen (etwa 0,75 Impfungen pro Kopf) sind in jedem Fall andere Impfstoff-Kandidaten notwendig. Der Impfstoff von Moderna wurde in der EU dieser Tage zugelassen (pro Kopf EU: 0,18 USA: 0,30). Bei dem in Indien und Großbritannien bereits zugelassen Impfstoff von AstraZeneca steht die Zulassung noch in der Schwebe (pro Kopf EU: 0,44 USA: 0,75): Durch Ungenauigkeiten bei der Durchführung der Studien wurden Fragen über dessen Wirksamkeit aufgeworfen. Für die EU dürften aber letzten Endes die Ergebnisse der Phase 3 Studien der Impfstoffe von Johnson&Johnson (pro Kopf EU: 0,44 USA: 0,30) und CureVac (pro Kopf EU: 0,25 USA: 0) entscheidend sein. Diese werden für Ende Januar und Ende Februar erwartet. Beide Impfstoffe haben in Phase ½ robustere Ergebnisse geliefert als AstraZeneca und sind in einfachen Kühlschränken lagerbar.

Der „Moderna-Spritzer“ – eine gewagte Idee

In den USA plante man ab Zulassung der beiden mRNA Impfstoffe von Pfizer und Moderna monatlich bis zu 20% der Bevölkerung zu immunisieren. Dieses Ziel war von vorn herein ambitioniert. Wenn man bedenkt, dass während der Schweinegrippe-Pandemie 2009 monatlich nur etwa 10% der Bevölkerung geimpft werden konnten. Und zwar mit einem wesentlich leichter lagerbaren eindosigen Impfstoff. Die Verabreichung der zwei Dosen im Abstand von etwa einem Monat hat sich als administratives Nadelöhr entpuppt. Während man anfangs noch den zweiten Schuss der Impfung bei Verabreichung des ersten Schusses „reservierte“, um sicherzugehen, dass dieser in einem Monat auch wirklich verfügbar sein wird, geht man nun dazu über alle verfügbaren Dosen so schnell wie möglich zu verimpfen. Umstrittener ist die Idee den Impfstoff von Moderna zu verdünnen um noch mehr Personen schneller impfen zu können. Zwar legen die Ergebnisse der Phase 2 Studie zum Impfstoff nahe, dass dieser zumindest bei 18-55-jährigen auch in einer geringeren Dosis annähernd gleich wirksam wäre, jedoch herrscht in Wissenschaftskreisen Uneinigkeit über die Sinnhaftigkeit der Maßnahme. Es gibt Stimmen, die dies begrüßen würden, andere wiederum sprechen von nicht kalkulierbaren Risiken sollte SARS-CoV2 Resistenzen gegen schwache Impfstoffe entwickeln.

Impf-Angst und Impf-Neid

Letzten Endes ist jede Debatte über die Verfügbarkeit und Geschwindigkeit müßig, wenn sich eine renitente Minderheit in der Bevölkerung einer Impfung verweigert. Nachdem es auf absehbare Zeit noch keine zugelassenen Impfstoffe für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren geben wird und diese Gruppe in etwa 15% der Bevölkerung ausmacht, reichen 12% strikte Impfgegner in der Restbevölkerung um die Herdenimmunität zu verunmöglichen. Inwieweit eine Impfkampagne in Anbetracht dessen ohne eine Form von direktem oder indirektem Zwang gelingen kann, ist offen. Am anderen Ende des gesellschaftlichen Spektrums kommt es zunehmend zu Neid-Debatten, wenn es um die Priorisierung beim Zugang zu den Impfstoffen geht. In jeder Hinsicht werden die Regierungen am gesamten Erdball in den kommenden Monaten stärker denn je gefordert sein die richtigen Maßnahmen zu setzen um ein rasches Ende der Pandemie herbeizuführen. Die logistische Versorgung mit Impfstoffen mag zwar zu Beginn eine größere Rolle spielen. Für eine Zieldurchfahrt im gelben Trikot ist aber ein gesamtgesellschaftlicher Schulterschluss notwendig.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Anleihen Ausblick 2021

Chris Iggo, CIO AXA Investment Managers Core Investments sieht für festverzinsliche Wertpapiere weiterhin wenig Spielraum und hält anhaltend niedrige Renditeniveaus für am wahrscheinlichsten. Er analysiert, wo im Jahr 2021 Potential und Diversifizierung mit Anleihen noch zu finden sind.

„Anleihestrategien zeichnen sich aktuell durch niedrige Renditen und Kreditspreads auf Vorkrisenniveau aus. Höhere Anleiherenditen sind jedoch auch 2021 unwahrscheinlich. Anleger sollten hinterfragen, ob höhere langfristige Realrenditen ohne Inflation ein tragbares Szenario für die Zentralbanken sind. Selbst in einem positiveren wirtschaftlichen Umfeld beginnen die Märkte, ein "Tapering" der geldpolitischen Unterstützung einzupreisen. In einem solchen Szenario könnten die Renditen negativ ausfallen. Dies würde sich auf die Anleihen- und Aktienrenditen auswirken – vergleichbar mit 2018. Anleiheinvestoren sollten daher neben der Geldpolitik insbesondere die Wachstums- und Inflationserwartung im Blick behalten.

Im Jahr 2021 ist ein Anlageumfeld vergleichbar mit der letzten Finanzkrise realistisch. Damals schnitten kreditintensive Anlageformen vergleichsweise gut ab. Schwellenländeranleihen, Hochzinsanleihen und Kredite könnten für Anleger, die auf der Suche nach Rendite sind, auch 2021 attraktiv sein. Hochzinsanleihen und Darlehen bieten einen höheren Schutz gegen eine Verschiebung der risikofreien Zinssätze nach oben, und die Sorgen um die Kreditwürdigkeit sollten sich bei einer Erholung verringern.

Zudem stellt sich die Frage, ob festverzinsliche Wertpapiere weiterhin ihre Funktion als Absicherung gegen risikoreiche Anlagen bieten können. Dies war in der Vergangenheit eine nützliche Eigenschaft von festverzinslichen Anlagen. Traditionell können Schwankungen in einem Portfolio diversifiziert werden. Risikoreichere Vermögenswerte, Aktien etwa, können mit risikoärmeren Vermögenswerten wie Staatsanleihen kombiniert werden. Die Zinssätze befinden sich aktuell an der unteren Bandbreite und verfügen lediglich über begrenzten Spielraum. Damit wird die Kombination von Anlageklassen, die sich in wandelnden Marktphasen unterschiedlich entwickeln, erschwert. Die Entwicklung von US-Aktien im Vergleich zu Staatsanleihen sowie zwischen US-Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen zeigen dies seit dem Coronavirus-Schock im März ganz deutlich. In einem solchen Umfeld könnten vermeintlich sichere Währungen wie der Schweizer Franken und der japanische Yen die bessere Absicherungsoption sein, um das Abwärtsrisiko des Portfolios zu steuern.“

Die IPO-Blase – wann wird sie platzen?

von Mark Hawtin, Investment Director für Technologieaktien bei GAM Investments.

Die Unternehmensbewertungen im Segment disruptive Technologien sind insbesondere bei Neuemissionen (Initial Public Offerings, IPOs) teilweise deutlich angespannt. Auch Anfang Dezember ebbte die Welle der Neuemissionen nicht ab. Doordash und Airbnb sind die vorerst letzten namhaften Titel, die der Schwerkraft getrotzt haben: Nicht nur, dass ihre Ausgabekurse höher festgelegt wurden als erwartet – sie verzeichneten am ersten Handelstag auch Kurszuwächse von mehr als 100%. Bewegungen wie diese rufen Erinnerungen an die Dotcom-Blase aus dem Jahr 2000 hervor. Unseres Erachtens gibt es aktuell klare Anzeichen für einen irrationalen Überschwang am IPO-Markt. Jedoch weisen IPOs und Titel aus dem Bereich Heimarbeit wesentlich angemessenere Bewertungen auf als im Jahr 2000, als (tatsächlich oder gefühlt) alle disruptiven Unternehmen in schwindelerregende Höhen kletterten.

Das aktuelle Umfeld könnte sich in den nächsten zwölf Monaten als durchaus günstig für die Alpha-Generierung erweisen. Obwohl wir seit mehr als 25 Jahren für unsere Kunden in diesen Teil des Marktes investieren, haben wir bislang noch nie eine derartige Diskrepanz zwischen Bewertungen und Erwartungen erlebt. Eine Hysterie, die von der Digitalisierung aller Bereiche – einschließlich des Online-Wertpapierhandels – angeheizt wird, macht den Kauf und Besitz von Aktien noch einfacher. Das Ergebnis: Nach Angaben von The Ascent (Teil von The Motley Fool) werden aktuell Kundenvermögen in Höhe von mehr als 18,4 Billionen USD bei den führenden Online-Maklerunternehmen gehalten. Ein großer Teil dieser Vermögen treibt die Preise dieser «heißen» Wachstumstitel immer höher – weitgehend oder gänzlich ungeachtet ihrer Bewertungen. IPOs stellen dabei einen großen Teil dar, und nach unserer Ansicht zeigen Doordash und Airbnb deutlich, wie extrem überzogen die mittlerweile erreichten Niveaus sind.

Hype-Zyklus im IPO-Bereich

Der Renaissance IPO ETF verdeutlicht den Hype-Zyklus im IPO-Bereich. Obwohl die Wertentwicklung von IPOs traditionell im Zeitverlauf ziemlich genau jener des S&P 500 Index entspricht, haben sie sich jüngst davon entkoppelt. Noch deutlicher zeigt sich der Effekt, wenn man die Kursbewegungen der enthaltenen Titel am ersten Tag ihres Börsendebüts betrachtet. Der ETF kann die Wertpapiere gemäß Anlagebedingungen frühestens am ersten offiziellen Handelstag sowie in den ersten fünf Tagen nach dem Börsengang kaufen. Das bedeutet, dass die enormen Zeichnungsgewinne am ersten Handelstag in der Abbildung 1 (siehe Anhang) nicht enthalten sind. Die Abbildung verdeutlicht die potenziell irrationale Aktivität der privaten Anleger, die bei der Zeichnung einer Neuemission leer ausgehen, anschließend an den Börsengang die Preise jedoch undifferenziert in die Höhe treiben.

Laut Bloomberg übersteigt die Summe der im Jahr 2020 bei Börsengängen vereinnahmten Gelder die Marke von 160 Milliarden USD – das stellt einen neuen Rekord dar. Allein am Tag des Börsengangs von Doordash gab es sechs weitere Neuemissionen, darunter C3.ai, ein Anbieter von künstlicher Intelligenz für Unternehmen (+160% zum Ausgabekurs), die Plattform für Internetwerbung PubMatic (+ 60%) und vier neue Mantelgesellschaften (Special Purpose Acquisition Companies, SPACs), die zwar über viel Liquidität, jedoch noch über keine Anlagen verfügen. Wir sind davon überzeugt, dass sich aktuell auch am SPAC-Markt eine bedenkliche Blase bildet.

Kommt die Dotcom-Blase 2.0?

Im aktuellen Umfeld entwickeln sich die Kurse zahlreicher Bereiche auf besorgniserregende Weise. Da jedoch andererseits zahlreiche Unternehmen angemessen oder sogar günstig bewertet sind, erscheint die Möglichkeit, Alpha zu generieren, beträchtlich. Dadurch unterscheidet sich die aktuelle Situation wesentlich von dem Umfeld, in dem seinerzeit die Internetblase platzte. In Phasen, in denen eine schier wild gewordene Anlegerherde die Aktienkurse bestimmt, dürfte sich jedoch ein durchdachter Ansatz auszahlen, der sich auf die Substanz und das Wertpotenzial von Unternehmen konzentriert, um so Gefahren und Risiken zu vermeiden. Popularität ist nicht gleichbedeutend mit treuhänderischer Verantwortung.

Die Marktkapitalisierung von Tesla (rund 600 Milliarden USD per 11. Dezember 2020) entspricht dem kumulierten Marktwert aller etablierten Autohersteller. Im Rückschluss würde diese Bewertung bedeuten, dass Tesla entweder die gesamte bisherige Automobilindustrie ersetzen wird oder dass die Elektrofahrzeuge/Batterietechnologie von Tesla zur Entstehung eines völlig neuen, disruptiven und riesigen Segments des Transport- und Energiesektors führen wird. Nach unserer Ansicht lassen sich beide Szenarien kaum mit hinreichenden Argumenten belegen. Viele der großen, viel beachteten Neuemissionen, die unlängst erfolgten, weisen ebenfalls atemberaubende Bewertungen auf. Doordash schloss am Ende seines ersten Handelstages mit einer Marktkapitalisierung von rund 60 Milliarden USD – das entspricht dem 21-Fachen des Gesamtumsatzes im Jahr 2020. Grubhub, die Nummer eins auf dem US-Markt für Lebensmittellieferungen, wurde im ersten Halbjahr für einen Preis in Höhe des 4-Fachen der Umsätze übernommen und ihr Käufer, Just Eat Takeaway, ist mit dem 5,7-Fachen seines Gesamtumsatzes im Jahr 2020 bewertet. Uber, mit der Sparte Eats ebenfalls ein wichtiger Akteur auf dem Markt, ist mit dem 9-Fachen seiner Umsätze bewertet, die zweifellos unter dem Rückgang des «Ridesharing» infolge der Covid-19-Pandemie leiden. Im Softwarebereich könnte der Eindruck entstehen, dass Snowflake die Marktführerrolle übernimmt, lag die Bewertung der Aktie nach dem Börsengang doch bei einem astronomischen 175-Fachen seiner Umsätze im Jahr 2020.

Nächste disruptive Welle bietet viel Wertpotenzial

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Teilen des Universums der disruptiven Technologien, insbesondere bei den Neuemissionen, die Bewertungen mittlerweile extrem hoch sind, da Privatanleger anscheinend bereit sind, jeden Preis zu zahlen, um Aktien zu erwerben. Wir sind dennoch der Auffassung, dass die nächste Welle disruptiver Themen viel Wertpotenzial bietet, unter anderem in den Bereichen Automatisierung der Informationsverarbeitung, Gesundheitswesen, Industrie, Transport und Fintech. Unseres Erachtens werden wir insbesondere in diesen Segmenten Alpha für unsere Kunden generieren können.


Über GAM

GAM ist eine führende unabhängige, reine Vermögensverwaltungsgruppe. Das Unternehmen bietet aktive Anlagelösungen und -produkte für Institutionen, Finanzintermediäre und Privatkunden an. Das Investment-Management-Kerngeschäft wird durch eine Private-Labelling-Sparte ergänzt, die Management-Company- und andere unterstützende Dienstleistungen für Dritte umfasst. Per 30. Juni 2020 hat GAM 747 Vollzeitbeschäftigte in 14 Ländern und betreibt Anlagezentren in London, Cambridge, Zürich, Hongkong, New York, Mailand und Lugano. Die Vermögensverwalter werden von einem umfassenden weltweiten Vertriebsnetz unterstützt.
Die Aktien von GAM (Symbol «GAM») mit Sitz in Zürich sind an der SIX Swiss Exchange notiert. Per 30. September 2020 verwaltet die Gruppe Vermögen in Höhe von CHF 120.4 Milliarden (USD 131.1 Milliarden).1

1) Einschließlich CHF 0.3 Milliarden Geldmarktfonds per 30. September 2020. Wie mit den H1 2019 Resultaten bekanntgegeben, hat GAM mit der ZKB eine Vereinbarung über deren Verkauf abgeschlossen.