Wirtschaftliche Rahmenbedingungen für 2022 weitaus unsicherer als sie Ende 2020 waren

von Ellen Gaske, Lead Economist – G10 Economies, Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income.

Am Ende des Jahres 2021 fällt auf, dass die Weltwirtschaft keinen klaren Kurs hat, da die Bedingungen weitaus unsicherer sind als noch Ende 2020. Zentralbanker der ganzen Welt sind besorgt, dass sie in ihrem Kampf gegen die Inflation hinterherhinken, da die Bank of England in der vergangenen Woche endlich die Zinssätze angehoben hat und sich damit ihren Kollegen in Neuseeland und Norwegen anschließt, die ihre Politik kürzlich gestrafft haben. In der Zwischenzeit hat die US-Notenbank ihre Prognosen deutlich verschärft und rechnet mit drei Zinserhöhungen im Jahr 2022. Letztendlich gehen wir davon aus, dass die Fed den Leitzins nicht so stark anheben kann, wie sie es derzeit prognostiziert, und rechnen damit, dass der Leitzins am Ende unter 2 % liegen wird.

Die Maßnahmen der Zentralbanken bergen jedoch auch Abwärtsrisiken. Der Kurswechsel der politischen Entscheidungsträger wurde durch die jüngsten Inflationsdaten ausgelöst, und die Auswirkungen der höheren Kreditkosten könnten sich erst Monate später auf die Realwirtschaft auswirken, wenn Wachstum und Inflation abschwächen werden. Unser Basisszenario geht davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in den USA und in Europa im nächsten Jahr mit 3,6 % bzw. 4,3 % weiterhin über dem Trend liegen wird, während der Verbraucherpreisindex in der Kernrate im nächsten Jahr bei etwa 2,5 % bis 3 % und die PCE-Kernrate bei etwa 2,5 % liegen dürfte. Positiv ist jedoch, dass die EZB die Stimulierung wahrscheinlich länger aufrechterhalten wird als die Federal Reserve, dass das überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum in Europa die Kreditgrundlagen und die Ratings verbessern wird und dass die Fusions- und Übernahmetätigkeit in Europa den Markt für Unternehmensanleihen weniger stark beeinflussen wird als in den USA.

Indes verschlechtern sich die wirtschaftlichen Aussichten Chinas weiter, da die Inlandsnachfrage durch strenge COVID-Beschränkungen, eine strikte Dekarbonisierungspolitik und der Zerfall des Immobiliensektors hart getroffen wurde. Während die Exporte in den Jahren 2020 und 2021 eine wichtige Wachstumsquelle darstellten, wirft die nachlassende Wirtschaftsdynamik in den Industrieländern Fragen zur Auslandsnachfrage auf. Das schwache chinesische Wachstum (wir gehen von 8,0 % im Jahr 2021 und 4,5 % im Jahr 2022 aus) könnte weltweit einen gewissen disinflationären Impuls geben, während die USA und andere entwickelte Märkte mit ihrem jeweiligen Inflationsdruck zu kämpfen haben.

Ein wichtiger Schwerpunkt der Fed-Politik nach dem Abschluss des Tapering Anfang nächsten Jahres wird die Verwaltung ihrer Bilanz sein. Es ist zwar möglich, dass die Fed im Jahr 2022 mit dem Abbau der Bilanz beginnt, indem sie beschließt, einige Fälligkeiten nicht wieder anzulegen, doch erscheint ein Starttermin Anfang 2023 derzeit wahrscheinlicher. Die Notenbanker werden sich 2022 wahrscheinlich darauf konzentrieren, das Tempo der Zinserhöhungen zu kalibrieren, und sie könnten mehr Flexibilität gewinnen, wenn sie bis 2023 mit der quantitativen Straffung warten.

Trotz der makroökonomischen und politischen Ungewissheit glauben wir, dass die implizite und realisierte Volatilität an den Zinsmärkten der Industrieländer im nächsten Jahr geringer ausfallen könnte. Während Inflationssorgen in diesem Jahr für erhebliche Volatilität am Anleihemarkt sorgten, da die Zinssätze über die gesamte Kurve hinweg neu bewertet werden, gehen wir für 2022 von einer deutlich geringeren impliziten und realisierten Volatilität aus. Historische Muster zeigen, dass die implizite Volatilität während der Zinserhöhungszyklen durchweg zurückging, wenn die Forward-Rate-Preise realisiert wurden, und wir glauben, dass dieser Präzedenzfall auch für den kommenden Zyklus gilt. Wir gehen davon aus, dass sich die Verwerfungen bei den Zinssätzen in den Industrieländern in diesem Umfeld geringerer Volatilität verbessern werden, was sich positiv auf identifizierte Relativwertchancen auswirken dürfte.

Wir gehen weiter davon aus, dass die Fusions- und Übernahmetätigkeit im Jahr 2022 konstant bleiben wird, und sind vorsichtig, was das Potenzial für eine große fremdfinanzierte Übernahme eines IG-Unternehmens angeht.

Ausblick 2022 und darüber hinaus

Die Wochen vor Weihnachten und vor dem Jahreswechsel sind traditionell die Zeit, wo man Bilanz zieht über das abgelaufene Jahr und einen Ausblick auf das nächste gibt. Mit welchen Fakten beschäftigen wir uns momentan? Welche Entwicklungen werden die Märkte 2022 bewegen?

  • Die globale Wirtschaftserholung setzt sich fort, wenn auch in abgeschwächter Form.
  • Probleme in den Lieferketten werden sich erst im Jahr 2022 auflösen.
  • Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Neue Varianten sorgen für Verunsicherung.
  • In immer mehr Ländern steigen die Infektionsraten.
  • Die Notenbanken der großen Industrienationen haben angekündigt ihre quantitativen Lockerungen stufenweise zurückzufahren, bleiben aber bei ihrer expansiven Geldpolitik.

Position der Erste Asset Management

Wir sind optimistisch, dass sich die Erholung der Wirtschaft in Folge der globalen Pandemie 2022 fortsetzt. Zwar wird das globale Wachstum nicht mehr im selben Tempo wie heuer voranschreiten, aber mit rund 5% wird ein Wert prognostiziert, der deutlich über dem Potential liegt.

Quelle: IMF, World Economic Outlook Oktober 2021

Erholung wird vom privaten Sektor getragen

Verglichen mit früheren Rezessionen sind wir relativ schnell aus der Krise gekommen. Entscheidend dafür war die Geld- und Fiskalpolitik der Notenbanken und Regierungen, die mit ihrer Unterstützung die starke Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes im heurigen Jahr gestützt haben. 2022 wird die Erholung weitergehen und stark durch den privaten Sektor getragen. Die Konsum-Nachfrage wird hoch bleiben. Auch das Auffüllen der nach der Pandemie leeren Lager wird sich 2022 positiv auf die Nachfrage auswirken. Die Gefahr für Rückschläge durch eine weitere Covid-Welle ist zwar gegeben, aber nicht mehr so hoch wie in der Vergangenheit. Ein weiteres Risiko für unsere optimistische Prognose geht von anhaltend hohen Inflationsraten aus, welche wiederum die Zentralbank unter Druck bringen, die geldpolitischen Zügel schneller als derzeit erwartet, anzuziehen. Der starke Preisauftrieb ist unserer Meinung nach vor allem auf die Sondersituation der Engpässe bei Rohstoffen, Halbleitern und Transportkosten zurückzuführen. Diese Sondersituationen sollten sich im ersten Halbjahr 2022 weitgehend auflösen.

Quelle: Bloomberg, Erste Asset Management

China mit neuer Wachstumsstrategie

Eine Schlüsselrolle für die Fortsetzung der Erholung nimmt China ein. Die straff geführte Wirtschaftsmacht baut die Wirtschaft um und fokussiert sich auf eine Stärkung der Binnenwirtschaft und die größere Eigenständigkeit des Landes. Erreicht werden soll das durch eine Konzentration auf Schlüsselindustrien, die Stabilität am Finanz- und Immobilienmarkt, Mega-Investitionen in die Dekarbonisierung und die Verringerung der hohen Einkommensungleichheit. Durch diese Neuorientierung wird China zwar kurzfristig langsamer wachsen, längerfristig ist das aber positiv für die Wachstumsaussichten Chinas einzuschätzen. China könne damit der Motor der Weltwirtschaft bleiben, es werden nun aber eher Sektoren profitieren, die mit dem Konsum verknüpft sind und weniger die Immobilienwirtschaft und der Exportsektor.

Richtungsänderung in der Geldpolitik

Mit zunehmendem Fortgang der Erholung und einer stärkeren Rolle des Privaten Sektors werden die Zentralbanken 2022 ihre extrem unterstützende Geldpolitik der vergangenen zwei Jahre schrittweise zurückfahren. Vor allem die aktuell hohen Inflationsraten haben viele Zentralbanken schneller als zu Beginn des Jahres unter Druck gesetzt. Besonders in den Emerging Markets, wo Inflationserwartungen weniger gut verankert bzw. Zentralbanken oftmals einen geringeren Grad politischer Unabhängigkeit aufweisen, waren viele Zentralbanken gezwungen, die geldpolitischen Zügel anzuziehen.

Quelle: Bloomberg

Aktien-Bewertungen trotz Kursanstiegen nicht wesentlich gestiegen

Was bedeuten diese Entwicklungen für die Börsen und welche Perspektiven bieten Staatsanleihen? Gemessen an vergleichbaren Phasen in der jüngsten Vergangenheit haben sich die Unternehmensgewinne 2021 schneller und stärker erholt. Damit veränderten sich auch die Bewertungen der Unternehmen trotz der Kursanstiege zum Vorjahr nicht wesentlich. Aktien werden daher in den Portfolien der Erste Asset Management weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Chief Investment Officer Gerold Permoser bei der Präsentation des Ausblicks: „Wir erwarten, dass die Gewinne 2022 weiter steigen werden, aber nicht mehr mit der Dynamik, die wir heuer gesehen haben“. Zuwachsraten im Ausmaß des nominalen Wirtschaftswachstums – in der entwickelten Welt zwischen 5 und 10% – können durchaus erwartet werden. Damit sollten Aktieninvestoren auch mit Kursanstiegen in diesem Ausmaß rechnen können. Zumal Alternativen zu Aktien weiterhin rar gesät sind. Staatsanleihen betrachten wir wegen des Zinsänderungsrisikos und zu erwartender Renditeanstiege in unserem Erholungsszenario als unattraktiv.

Quelle: Bloomberg, Erste Asset Management, 29.10.2021

4 Langfristszenarien: Boom-Phase mit Inflation am wahrscheinlichsten

Die letzten beiden Jahre waren geprägt von der Pandemie und wechselseitigen Lockdown- und Erholungsphasen. So sehr diese Phasen zur Erklärung und Interpretation der Entwicklungen an den Finanzmärkten in letzter Zeit und in den nächsten Monaten herangezogen werden können, so ist darüber hinaus ein Blick auf langfristige Faktoren wichtig, um die Veranlagung entsprechend zu adjustieren.

Erste Asset Management Chefvolkswirt Gerhard Winzer sieht diese 4 langfristigen Szenarien bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Das wahrscheinlichste Szenario ist jenes einer inflationären Boom-Phase mit höheren Wachstumsraten als im Durschnitt der letzten 10 Jahre.

Das größte Risiko stellt ein stagflationäres Umfeld dar. In diesem Szenario würden die Wirtschaftspolitiken zu lange expansiv bleiben und die inflationären Kräfte wegen der sinkenden Zahl der Beschäftigten zunehmen – Stichwort wachsender Lohndruck.

Spannend bleibt in diesem Fall zu beobachten, welche Auswirkungen die Digitalisierung und die Bekämpfung des Klimawandels auf das Produktionswachstum haben werden. Die positiven Anzeichen überwiegen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Lockdowns unterbrechen Renditeanstieg

Nach starken Anstiegen seit August drehten die Anleiherenditen im November wieder deutlich nach unten (in Deutschland beispielsweise von -0,1 % auf -0,3 %). Hauptgrund: die neue Corona-Welle und Sorgen über neuerliche Lockdowns (auch schon vor Omikron), so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Entsprechend positiv war die Monatsperformance bei Euro-Staatsanleihen, während es bei Unternehmensanleihen nur für eine schwarze Monatsnull reichte. High-YieldAnleihen rutschten dagegen sogar (leicht) ins Minus (steigende Risikoaversion, so wie auch am Aktienmarkt). Bei US-Dollar-Anleihen sorgte der festere Dollar hingegen für eine schöne Monatsperformance.

Monatsschlusslichter: Emerging-Market-Anleihen. Seit Jahresbeginn zählen diese in Hartwährung und Lokalwährung zum schwächsten Anleihesegment. Ansonsten entspricht die Anleiheentwicklung seit Jahresbeginn immer noch dem Muster einer starken Konjunkturerholung: Stärkste Performance bei High Yield (parallel zum Aktienmarkt) dank stark fallender Risikoprämien. Schlechteste Performance bei etablierten Staatsanleihen aufgrund steigender Marktrenditen. Mit Omikron könnte diese Bilanz allerdings im Dezember noch durcheinandergebracht werden.

Neues Inflationshoch: US-Notenbank reduziert Anleihenkäufe

Neue Inflationsspitzen sorgten auch im November für Schlagzeilen: Über 6 % in den USA und rund 5 % in der Eurozone – das sind Niveaus, wie sie in diesen Ländern schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden. Im Dezember könnten manche Länder noch eines drauflegen. Ab Jänner dürfte aber der Gipfel erreicht sein und die Raten im Jahresverlauf 2022 wieder deutlich zurückgehen: erstens, weil Sondereffekte wegfallen, zweitens, weil der Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr (z. B. bei Rohstoffen) im Lauf von 2022 immer niedriger wird, drittens, weil Lieferengpässe (trotz Omikron) im Lauf von 2022 besser werden.

Allerdings dürfte angesichts des auch 2022 absehbar starken Arbeitsmarktes der Lohndruck steigen, das Inflationsniveau also nicht mehr nachhaltig auf die Vor-Corona-Niveaus zurückkehren. Für die US-Notenbank bedeutet das eine weitere Reduktion der Anleihenkäufe (je nach Eskalationsniveau von Omikron eventuell etwas verzögert). Und wohl auch den Beginn von Zinsanhebungen im zweiten Halbjahr 2022 (Marktkonsens). Die EZB hat hier dagegen noch deutlich mehr Luft und dürfte sich 2022 noch nicht zu Zinsanhebungen gedrängt sehen.

Anleihen jetzt untergewichtet gegenüber Rohstoffen

Auch wenn neue Corona-Ängste zuletzt den Kursrückgang am Anleihemarkt unterbrochen haben, und wir (noch) nicht einschätzen können, wie lange die aktuelle Phase sich erholender Anleihekurse noch anhält: Wir sind davon überzeugt, dass es sich dabei nur um eine Zwischenepisode handelt. Der Konjunkturausblick für 2022 bleibt stark genug, um eine Reduktion der expansiven Geldpolitik in den USA weiterhin zu rechtfertigen. Schärfere Lockdowns wegen Omikron würden das nur ein wenig verzögern, aber nicht aufheben. Den Unternehmenssektor sehen wir deshalb 2022 gut unterstützt (weiterhin starke Übergewichtung von Unternehmensanleihen), und den Renditeanstieg sich fortsetzen (Untergewichtung von Staatsanleihen).

Was unsere Anleihepositionierung in Summe betrifft, so hatten wir unsere kurzfristige Untergewichtung von Anleihen gegenüber Geldmarkt ja glücklicherweise vor einem Monat (vor der jüngsten Anleihekurserholung) geschlossen. Für eine Neuauflage gibt es aber inzwischen eine attraktivere Assetklasse als den Geldmarkt: Während uns Rohstoffpreise vor einem Monat noch überhitzt erschienen, so hat sich das inzwischen mit der Omikron-Korrektur drastisch verbessert. Mit Blick auf unser Konjunkturbild für 2022 öffnen wir deshalb jetzt eine neue Untergewichtung von Anleihen zugunsten einer Übergewichtung von Rohstoffen.


Weitere Details finden Sie in der neusten Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Die Anleger kauften den Dip. Wieder einmal.

von Tamás Menyhárt, Senior Fondsmanager der Erste Asset Management.

Gerade als es an den Aktienmärkten nach einem ruhigen Jahresausklang aussah, erschütterte das Auftauchen von Omikron – einer neuen Variante von Covid-19 – das Vertrauen der Anleger und führte zu einem mehrtägigen Ausverkauf, der am 26. November begann.

Auch wenn sich der Rückgang der wichtigsten Indizes in vielerlei Hinsicht von denjenigen unterschied, die wir im Jahr 2021 beobachtet haben, blieb eines gleich: Die Marktteilnehmer sprangen schnell auf den Zug auf und kauften, was zu der stärksten zweitägigen Performance von Aktien in diesem Jahr führte.

Omikron und die Fed

Eine sich verschlimmernde Pandemie und eine weitere Runde von Schließungen stellen weiterhin das größte Risiko für die laufende Erholung der Unternehmenserträge und der Wirtschaft dar.

Es sollte daher nicht überraschen, dass neue Varianten des Virus die Stimmung der Anleger kurzfristig beeinträchtigen. Diesmal wurde die Nervosität jedoch durch die Tatsache verstärkt, dass die Fed erst kürzlich mit der Drosselung ihrer monatlichen Wertpapierkäufe „Tapering“ begonnen hat.

Da die Inflationszahlen noch keine Anzeichen einer Entspannung zeigen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die wichtigste Zentralbank der Welt bald gezwungen sein wird, die Geldpolitik schneller als ursprünglich geplant zu straffen.

Die Kapitalmärkte erwarten für die Zukunft mehrere Zinserhöhungen in den USA

Quelle: Bloomberg

Infolgedessen fiel der MSCI World Index um mehr als 4 % gegenüber seinem jüngsten Höchststand, und die Volatilitätsindizes stiegen auf den höchsten Stand seit Anfang Februar.

Im Zuge des Risikoabbaus gingen die 10-jährigen Renditen auf beiden Seiten des Atlantiks zurück, und die US-Renditekurve – einer der wichtigsten Indikatoren für das Vertrauen in das künftige Wachstum – flachte auf ein Niveau ab, das seit Ende 2020 nicht mehr erreicht wurde.

Der Volatilitätsindex VIX stieg zum ersten Mal seit Februar auf über 30

Quelle: Bloomberg

Interessanterweise fiel der technologielastige Nasdaq Composite in der Woche vom 26. November bis zum 3. Dezember überproportional – er blieb um 1,4 % hinter dem S&P 500 zurück -, obwohl der schnell wachsende Technologiesektor normalerweise defensive Eigenschaften aufweist, wenn der Marktstress zunimmt und die Renditen sinken.

Der Nasdaq Composite zeigte während des Ausverkaufs eine unterdurchschnittliche Performance, bevor er sich wieder erholte

Quelle: Bloomberg

Marktoptimismus kehrt schnell zurück

Obwohl es definitiv ein Fehler wäre, das Potenzial von Omikron, den Märkten zu schaden, schon jetzt abzutun, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass einer der Gründe für die schnelle Erholung der Aktienmärkte in den Erfahrungen der Anleger in diesem Jahr liegt.

Nämlich dass sich die mit neuen Varianten verbundenen Risiken in vielen Fällen als übertrieben erwiesen haben. Bislang deuten die Daten darauf hin, dass Omikron zwar eine höhere Übertragbarkeit aufweist, die mit der Variante verbundenen Symptome aber milder sind als bei den Vorgängern.

Außerdem hat der Markt wahrscheinlich erkannt, dass es mehr als nur einige kurze Ausfälle hier und da braucht, um die Weltwirtschaft von ihrem expansiven Kurs abzubringen. Die Welt stellt sich langsam aber sicher auf die kurzfristigen Unterbrechungen durch die Pandemie ein, und solange es Wachstum gibt, werden die Aktien den im März letzten Jahres begonnenen Bullenmarkt wahrscheinlich fortsetzen.

Wie wird dieses Jahr also enden?

Wie ich kürzlich argumentiert habe, bleiben Aktien auch in einem risikoreicheren Umfeld eine attraktive Anlageklasse, da die Anleiherenditen im Vergleich einfach zu niedrig sind. Ein politischer Fehler der US-Notenbank – eine zu aggressive Straffung – könnte diesem Narrativ in Zukunft schaden.

Man sollte aber nicht vergessen, dass wir uns erst in der Anfangsphase der geldpolitischen Straffung, dem „Tapering“ befinden, und die US-Notenbank in den letzten Jahren bewiesen hat, dass sie ein sehr geschickter Marktkommunikator ist.

Die Nachricht von Omikron ließ die 10-jährige US-Rendite sinken und führte zu einer Abflachung der Renditekurve

Quelle: Bloomberg

FAZIT

Die durch Omikron und die Fed verursachten Unsicherheiten werden uns wahrscheinlich bis zum Jahresende eine höhere Volatilität bescheren.

Dennoch sind die Indizes der Industrieländer auf dem besten Weg, das Jahr 2021 mit soliden zweistelligen prozentualen Zuwächsen zu beenden.

Für den S&P 500 und den MSCI World wäre dies, gemessen in USD, das dritte Jahr in Folge, während die europäischen Zuwächse auf die letztjährigen Rückgänge von Indizes wie dem Stoxx 600 oder dem Eurostoxx 50 folgen.

Ob das Jahr 2022 ein ähnlich gutes Jahr für Aktien werden kann, bleibt abzuwarten.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

German Debt Project 2021: Back to business

von Prof. Dr. Tobias Just, FRICS, Universität Regensburg und IREBS Immobilienakademie und Simon Wiersma, Universität Regensburg.

Bereits zum neunten Mal hat die IREBS unter dem Projektnamen „German Debt Project“ die Entwicklung des gewerblichen Immobilienfinanzierungsgeschäfts in Deutschland analysiert. Die Grundlage bildete wie in den letzten Jahren die enge Kooperation mit wichtigen Finanzierungshäusern in Deutschland, die Portfoliodaten in einem Datenfragebogen und in 21 persönlich geführten, strukturierten Interviews bereitstellten.

Die Ergebnisse lassen sich in fünf Kernaussagen zusammenfassen:

  1. Die Banken berichten, dass sich nach dem schweren Unsicherheitsschock 2020 bereits zum Ende des Jahres 2020 eine Normalitätsentwicklung eingesetzt hat. Die meisten Institute erwarten, dass dieser Prozess noch nicht beendet ist. Mit dieser Normalität ist gemeint, dass die meisten Banken wieder bereitwilliger als 2020 gewerbliche Immobilienkredite vergeben. Zwar ist die Spanne zwischen möglichen Geschäftsstrategien gemessen am Neugeschäftswachstum und auch gemessen an den Aktivitätsschwerpunkten größer als vor der Pandemie, aber insgesamt nähern sich die Strategien der Finanzinstitute wieder deutlich an. Dies führt auch dazu, dass der Wettbewerbsdruck seit der zweiten Jahreshälfte 2020 zugenommen hat.
  2. Dieser Wettbewerbsdruck zeigt sich insbesondere auf jenen Feldern, die als vergleichsweise risikoarm eingeschätzt werden, also z.B. die Finanzierung von Wohnungsportfolios und Logistikimmobilien. Einzelhandelsimmobilien und Hotelimmobilien werden noch immer mit großer Vorsicht eingeschätzt, auch wenn es hier zumindest keimenden Optimismus bei einem Teil der befragten Institute gibt. Für Büroimmobilien bleibt die Einschätzung weiterhin zwiegespalten: Für ein Teil der Institute sind Büroinvestments weiterhin sinnvoll und risikoarm, ein Teil der Institute ist jedoch angesichts der anhaltenden Diskussion um die Zukunft von Home-Office Arbeitsplätzen zurückhaltend. Konsens scheint es dahingehend zu geben, dass insbesondere Büroimmobilien in den Innenstädten wenigen Risiken ausgesetzt sind, und dass periphere Bürolagen stärker unter den Unsicherheiten leiden als die nicht vermehrbaren Kernstadtlagen. Projektentwicklungen werden insgesamt etwas zurückhaltender finanziert als vor der Pandemie. Im langjährigen Mittel ist der Anteil der Projektentwicklungsfinanzierungen aber weiterhin hoch.
  3. Dass die LTVs (loan-to-values) 2020 zum Teil deutlich zurückgegangen sind, liegt nicht nur an der Vorsicht der Banken und auch nicht nur an der grenzensetzenden Regulierung, sondern dass gerade bei den Investitionen in Core-Lagen die marktbestimmenden Grenzkäufer, also jene Käufer mit der höchsten Zahlungsbereitschaft, oft eigenkapitalstarke und sicherheitsorientierte Langfristinvestoren sind, deren Anlagedruck weiterhin hoch ist. Insofern ist eines der Hauptrisiken für die kommenden Jahre weniger der Fremdkapitalanteil, sondern eher die weiterhin aggressive Preisbildung gerade auf den als sicher eingeschätzten Investmentmärkten.
  4. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr ein eigener Fragenblock zum Thema ESG (environmental, social, governance) in der Finanzierung gemacht. Die Banken waren sich einig, dass dieses Thema eines der Leitthemen der kommenden Jahre wird. Alle Banken haben strategische Weichenstellungen vorgenommen, wobei die Geschwindigkeiten und die erreichten Meilensteine bei der Umsetzung dieser Strategien sehr unterschiedlich sind. Die Größe des Finanzierungsinstituts scheint ein verlässlicher (natürlich nicht ausschließlicher) Prädiktor dafür zu sein, wie weit eine Bank bereits in der Umsetzung ist.
  5. Im Jahr 2020 kreisten die persönlichen Interviews noch ausschließlich um die Unsicherheiten, die mit der Pandemie verbunden waren. In diesem Jahr bedeutet die „Rückkehr zur Normalität“, dass über ein umfangreiches Set an Chancen, aber über ein noch größeres Set an Risiken diskutiert wurden. Nachdem die größte Unsicherheit mit Blick auf Corona als überwunden wahrgenommen wurde, rückten die bereits zuvor erkannten Risiken wieder stärker in den Fokus: Überbewertungsrisiken, geopolitische Risiken, Zinsänderungsrisiken, regulatorische Anforderungen, strukturelle Wettbewerbsrisiken. Die Rückkehr zur Normalität ist keine Rückkehr zu einem ruhigen Aufschwung, sondern erfordert weiterhin umsichtiges Management, oder wie ein Gesprächspartner es sagte: „Es ist die Zeit für Profis“.

Für die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit danken wir dem vdp, der uns auch in diesem Jahr inhaltlich unterstützt hat. Darüber hinaus bedanken wir uns herzlich für die finanzielle Unterstützung bei unseren Sponsoren, die uns zudem auch in diesem Jahr mit Ideen und inhaltlicher Unterstützung geholfen haben, die Studie zu erstellen.


Dieser Beitrag wurde zuerst von der IREBS Immobilienakademie publiziert. Ein PDF des Beitrags finden Sie hier.

Der vollständige Bericht kann hier erworben werden: https://www.irebs-immobilienakademie.de/shop/publikationen/

Weitere Veröffentlichung dieses Texts: Just, Tobias und Wiersma, Simon (2021). Rückkehr zur Normalität: Vorstellung der Ergebnisse des German Debt Project 2021. In: vdp QUATERLY Q4.21, S. 18-19.

Chinesische Immobilien: vom spezifischen zum systemischen Risiko

von Nivedita Sunil, Portfoliomanagerin bei Lombard Odier Investment Managers (LOIM).

Der chinesische Immobilienmarkt hat in den letzten Monaten für Schlagzeilen gesorgt. Die Verkäufe auf dem Primärmarkt brachen in den letzten zwei Monaten dramatisch um rund 30 % ein. Ähnlichkeiten mit Lehman Brothers hallen unheilvoll in der Erinnerung der Anleger nach. Aber was ist wirklich los? Haben wir eine Lehman Brothers 2.0 vor uns oder ist die Situation heute anders?

Anfang des Jahres führte die chinesische Regierung ein zusätzliches Regelwerk ein, um den Immobiliensektor besser zu regulieren, und erklärte, dass "Wohnraum zum Leben da ist und nicht zum Spekulieren". Sie war der Ansicht, dass die marginale Nachfrage nach Immobilien in den letzten Jahren eher durch eine spekulative Nachfrage als durch eine echte zugrunde liegende Nachfrage angetrieben worden war. Diese spekulative Nachfrage hat dazu geführt, dass Immobilien für die Mittelschicht in städtischen Gebieten weniger erschwinglich sind. Bauträger wie Evergrande, die von verschiedenen Finanzierungskanälen im In- und Ausland profitieren, sind expandiert und haben sich auf Nebengeschäfte ausgeweitet. Die neuen Richtlinien führten dazu, dass ein großes Immobilienunternehmen in Zahlungsverzug geriet, wodurch die mit seinen Schulden verbundenen Zinssätze in die Höhe schnellten. Mehr als 400 neue Vorschriften wurden veröffentlicht, um den Immobilienmarkt zu säubern, darunter auch Beschränkungen des Zugangs zu Finanzmitteln. Auf dem Höhepunkt im Oktober dauerte es bis zu sechs Monate, bis ein Käufer eine Hypothek bekam, während es zuvor nur einen Monat gedauert hatte. Insgesamt wurde der Zugang zu Finanzmitteln für Bauträger nach unten korrigiert: Ihre verfügbare Liquidität sank plötzlich von 12 Monaten auf nur noch einen Monat, während verschiedene Beschränkungen eingeführt wurden und die Nachwirkungen des Evergrande-Falls im Hintergrund weitergingen. Zunächst betraf dieses Problem tatsächlich nur Evergrande und nicht den Markt als Ganzes. Als die Regierung ihre Regeln immer weiter verschärfte, begannen immer mehr Immobilienunternehmen zu scheitern (Fantasia, Modern Land...). Was zunächst ein spezifisches Risiko war, wurde zu einem systemischen Risiko. Es gibt mittlerweile eine Ausfallrate von 30% auf dem chinesischen Offshore-Immobilienmarkt (High Yield in Dollars). Chinesische Credit Default Swaps (CDS) haben zudem begonnen, das Ausfallrisiko zu berücksichtigen - alles klare Anzeichen dafür, dass das Risiko systemisch geworden ist.

Der chinesische Immobiliensektor ist 60 Billionen US-Dollar wert, umfasst 60% des Vermögens der Haushalte und macht direkt und indirekt bis zu 30% des chinesischen BIP aus. Wenn er zusammenbricht, könnten sich die Auswirkungen auf den gesamten Sektor auswirken und potenziell zu einem Rückgang der Wirtschaftsaktivität führen - wie es 2015 zu beobachten war. Tatsächlich ist der Immobiliensektor ein strategischer Sektor, da sich seine Aktivitäten kaskadenartig auf die Lieferkette auswirken (unbezahlte Bauunternehmer, nicht gebaute Häuser). Wir schätzen, dass ein Rückgang der Bautätigkeit um 10 % einem Verlust von etwa 2 % des BIP entspricht, und auf der Grundlage des derzeitigen Finanzierungsstatus der privaten Bauträger gehen wir davon aus, dass die annualisierte Bautätigkeit um bis zu 30-40 % sinken könnte, wenn diese Spannungen anhalten sollten. Alle Augen sind nun auf die chinesische Regierung gerichtet. Wird man Evergrande retten oder die derzeitigen Beschränkungen lockern?

Unserer Meinung nach wäre ein Festhalten am Status quo für China politisch und wirtschaftlich unhaltbar, insbesondere da Präsident Xi im nächsten Jahr seine dritte Amtszeit antritt. Daher erwarten wir für den Sektor eine gewisse Form der politischen Reaktion. Die PBoC erkennt nun die Bedeutung der Situation und hat beschlossen, ihren Reservesatz um 50 Basispunkte zu senken. Diese politische Entscheidung impliziert zwei Punkte: 1) Der Immobilienmarkt stellt nun ein klares systemisches Risiko für die chinesische Wirtschaft dar; 2) die Ansteckungsgefahr wird von den politischen Entscheidungsträgern ernst genommen, indem sie aktive Maßnahmen ergreifen. Der letzte Anstieg der Evergrande-Rendite ging mit einem Rückgang der chinesischen CDS einher. Dies deutet darauf hin, dass die Märkte offenbar wieder Vertrauen in die Absicht der Behörden gewinnen, das Risiko abzufedern, und daher weniger geneigt sind, einem Ansteckungsphänomen Glauben zu schenken. Wir gehen davon aus, dass die Behörden neue politische Maßnahmen einführen werden, die den Stress für Immobilienentwickler verringern dürften, so dass sie Finanzierungen zu angemessenen und nachhaltigen Renditen erhalten können. Da der Druck nachlässt, sind wir der Ansicht, dass Investment-Grade-Schulden aus den hohen und gestressten Renditeniveaus ausbrechen können: eine Chance für Anleger.

Einfach ausgedrückt: Die regulatorische Repression des Immobilienmarkts hat sich zu einem systemischen Risiko entwickelt. Mit dem Eingreifen der PBoC dürfte dieses Risiko nun abgefedert werden, was die Tür zu einer Phase der Stabilisierung öffnet.

Liquidationsschübe lähmen den Terminmarkt von Bitcoin, nicht jedoch sein langfristiges Potenzial

von Eliézer Ndinga, Research Lead, 21Shares.

Die deutlich gestiegenen Liquidationen der letzten Wochen haben die Spekulationsdynamik über den gesamten Kryptomarkt hinweg deutlich reduziert und auf den niedrigsten Stand seit dem Verbot in China im Mai gebracht. Am besten lässt sich die aktuelle Marktlage mit Hilfe eines Indikators abschätzen, der das Open Interest für Perpetual Swap-Contracts für Bitcoin der Marktkapitalisierung gegenüberstellt („OI vs Market Cap“). Der zugehörige Wert hat gerade den niedrigsten Punkt der letzten sechs Monate erreicht, wie in der untenstehenden Grafik zu sehen ist. Mit anderen Worten: Die Handelsaktivitäten werden auf dem Terminmarkt vermutlich stagnieren – zumindest für den Rest des Jahres. An seiner Stelle könnte jedoch der Spotmarkt weiter rege Aktivität verzeichnen.

Eine Veränderung dieser Situation könnte bald eintreten und ihre Ursache einmal mehr in China haben: Sollte die Volksrepublik nach Auftreten des ersten Omikron-Falles1 einen Lockdown verkünden, könnte das Versorgungsengpässe und damit eine der Hauptursachen für die in vielen Staaten grassierenden Lieferkettenprobleme mit sich ziehen. Da Chinas bisherige COVID-19-Politik außerordentlich strikt war, ist das nicht unwahrscheinlich. Ein landesweiter Lockdown könnte schnell zu Preiserhöhungen in Bereichen wie Herstellung und Transport führen. Bei 21Shares werden wir diese Situation und damit verbundene Inflationssteigerungen genau beobachten.

Kurzfristige Folgen für Bitcoin & Co.

Wie auch schon in unserer letzten Research Note wollen wir darauf hinweisen, dass Kryptoassets wie Bitcoin sogenannte Risk-on-Assets sind. Dadurch werden ihre Kurse erwartungsgemäß von negativen Ereignissen auf der Makroebene kurzfristig beeinflusst – die Volatilität steigt und die Korrelation zu den meisten anderen Asset-Klassen nimmt zu. Über einen längeren Zeitraum – wie etwa einer Haltezeit von fünf Jahren – hat der Bitcoin bis jetzt nicht nur unkorrelierte und überdurchschnittliche Renditen verzeichnet, sondern auch einen Sharpe-Quotient erzielt, der über dem von Gold, dem S&P 500 oder der langfristigen US-Staatsanleihe TLT liegt.

Das schnellste Pferd zum Sieg über die Inflation?

Das langfristige Potenzial des Bitcoin, Gold seinen Stellenwert als Wertanlage streitig zu machen und jenes von Smart Contract-Plattformen wie Ethereum, Solana und Avalanche, die Infrastruktur für Transaktionen im User-Owned-Internet (Web3) bereitzustellen, wird schon seit einiger Zeit von wertorientierten Investoren geschätzt. Diese Signale der Akzeptanz von Investoren, die ihr Vermögen bewahren, die Inflation ausgleichen und in Innovation investieren wollen, sind seit etwa März 2020 zu registrieren. Ein Beispiel ist Paul Tudor Jones, der im Mai 2020 verkündete, in Bitcoin als das „schnellste Pferd zum Besiegen der Inflation“ zu investieren.2 Seitdem hat sich eine beachtliche Vielfalt an Investoren dieser Ansicht angeschlossen, darunter Universitätsstiftungen, private Vermögensverwaltungen, Softwareunternehmen und Risikokapitalfirmen.


Quelle: The Case For Bitcoin

Ein weiterer Grund, warum wir die Zukunft auch im Vergleich zu den letzten Kurszyklen optimistisch sehen, ist das Innovationstempo und die finanzielle Unterstützung, die Unternehmer nicht nur von VC-Firmen, sondern auch von einem Crowdsourcing-Netzwerk von Talenten und Ressourcen erhalten. Ein augenscheinliches Beispiel ist die Initiative Braintrust.3 Ein gutes Indiz für diese neue Ära ist der Umfang der Risikokapital-Investitionen in der Blockchain-Branche. Diese sind im Jahresvergleich um mehr als 300 Prozent gestiegen. Trotz der jüngsten Kursentwicklungen haben sich die Grundlagen und das Fundament der Kryptoindustrie nicht geändert. Sie entwickelt sich stetig weiter, um ein besseres Internet zu schaffen als wir es heuten kennen – die Möglichkeiten reichen von Finanzdienstleistungen über eCommerce bis hin zu Medien, Musik und vielem mehr.

Wöchentliche Renditen

Die Renditen der fünf wichtigsten Kryptoassets in der letzten Woche waren wie folgt: BTC (-8.43 Prozent), ETH (-13.00 Prozent), BNB (-11.70 Prozent), SOL (-21.40 Prozent), und ADA  -13.40Prozent).

Über 21Shares

21Shares hat die weltweit größte Auswahl von börsengehandelten Kryptowährungsprodukten basierend auf ETPs. Im Jahr 2018 leistete das Unternehmen Pionierarbeit bei der Notierung des weltweit ersten Kryptowährungs-Index an der SIX Swiss Exchange. Im November 2021 verwaltet 21Shares knapp drei Milliarden Dollar in 20 Kryptowährungs-ETPs und 80 Notierungen. Darunter das weltweit einzige ETP-Produkt auf Binance sowie mit Tezos und Solana zwei ETPs, bei denen Anleger Staking-Erträge genieren können. Drei Krypto Baskets, HODL, HODLV und HODLX runden die aktuelle ETP-Suite ab. Die Krypto-ETPs sind an acht regulierten europäischen und schweizerischen Handelsplätzen notiert.
Weitere Informationen: https://21shares.com/

EB-SIM sieht 2022 Aktien und Sachwerte im Aufwind

Die EB-SIM, führender Vermögensverwalter für nachhaltige Investments im deutschsprachigen Raum, erwartet im kommenden Jahr Renditepotential vor allem bei weltweiten Aktien aus Industrieländern. Laut dem aktuell veröffentlichten Kapitalmarktausblick 2022, der auch eine Vorausschau bis 2032 umfasst, dürften neben Aktien auch die Anlageklasse Real Assets, insbesondere Infrastruktur und erneuerbare Energien, von einem sich normalisierenden wirtschaftlichen Umfeld und Investitionen in nachhaltige Technologien profitieren. Das Risiko sich verfestigender Inflation und ein aufwärts gerichteter Zinstrend lassen festverzinsliche Anlagen, mit Ausnahme von globalen Unternehmens- und Hochzinsanleihen, bis auf weiteres eher unattraktiv erscheinen.

„Die Aktienmärkte entwickelter Länder bleiben 2022 unser Fokus. Positive Wachstumsaussichten und schwächer werdende negative Effekte wie Lieferkettenprobleme, Rohstoff- oder Arbeitskräftemangel, sollten für eine gute Entwicklung der Unternehmensgewinne im kommenden Jahr sorgen. Breit diversifizierte Aktien, vor allem aus europäischen Industrieländern, bleiben damit eine attraktive Anlageklasse“, sagt Dr. Oliver Pfeil, Geschäftsführer und Chief Investment Officer der EB-SIM.

Nach dem Ertragseinbruch der ersten Covid-19-Pandemiewelle im Frühjahr 2020 haben sich die Unternehmensgewinne laut EB-SIM-Analyse 2021 auf das höchste Niveau seit der Finanzkrise geschraubt. Dieser Trend dürfte auch im neuen Jahr 2022 Bestand haben. „Gewinnsteigerungen von 20 Prozent und mehr trauen wir vor allem kleineren europäischen Firmen zu. Bei den größeren dürfte der Zuwachs 2022 noch deutlich über fünf Prozent liegen“, sagt Pfeil. In der Langfristbetrachtung bis 2032 erwartet der Kapitalmarktausblick für Aktien aus der Eurozone eine Rendite von durchschnittlich 5,2 Prozent pro Jahr. Mit 4,2 und 3,2 Prozent wird das Renditepotenzial von US- und japanischen Aktien schwächer gesehen.1

Das Thema Nachhaltigkeit werde im Jahr 2022 aber auch in der Dekade danach weiter an Fahrt aufnehmen und die Aktienbewertungen stützen, sind der Chief Investment Officer der EB-SIM und sein Team überzeugt. „Um die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen („Sustainable Development Goals“ – kurz SDGs) sowie Klimaneutralität zu erreichen, bedarf es umfangreicher Investitionen privater Unternehmen in nachhaltige Technologien. Firmen, die bei Umwelt (E für Environment), Sozialem (S für Social) und guter Unternehmensführung (G für Governance) Vorreiter sind, werden deshalb am Markt als Gewinner gesehen. So hat laut einer Studie von Imperial College Business School und IEA zum Beispiel ein Investment in Deutschland und Frankreich in erneuerbare Energien in der vergangenen Dekade eine um fast 200 Prozent bessere Wertentwicklung vollzogen als ein vergleichbares Investment in fossile Energien“, erläutert Pfeil.2

Die global noch niedrigen Zinsen liefern laut EB-SIM-Kapitalmarktausblick jedoch derzeit kaum Anreize, in Anleihen zu investieren – zumal bei Verlusten durch einen zu erwartenden, weltweiten Zinsanstieg die effektive Verzinsung solcher Anlagen noch niedriger ausfallen würde. „Die schrittweise Normalisierung der Geldpolitik, die Rückführung der Anleihekaufprogramme sowie der Einstieg in einen neuen Zinszyklus werden voraussichtlich zu einem schwierigen Umfeld für Renten führen. Vor allem Staatsanleihen könnten dadurch unter Druck geraten. Unternehmensanleihen sollten aufgrund des positiven konjunkturellen Ausblicks jedoch besser unterstützt bleiben“, sagt Pfeil. Im Langfristausblick bis 2032 sieht die EB-SIM allenfalls bei globalen Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen mit 1,2 und 2,8 Prozent noch nennenswertes Renditepotenzial.1

Eine Alternative für die schwachen Renditen am Anleihenmarkt würden laut den Experten der EB-SIM Anlagen in Sachwerte, etwa in nachhaltige Infrastruktur oder erneuerbare Energien, bieten. Auch mit diesen Investitionen können Anleger vom nachhaltigen Umbau der Wirtschaft profitieren. „Gerade in Zeiten hoher Inflation erscheint die Performance von Real Assets attraktiv. Die Erlöse sind regelmäßig an Preissteigerungsindizes geknüpft. Entsprechend kann diese Anlageklasse bei steigender Inflation sowohl eine stabile Performance als auch Werterhalt bieten“, erläutert der EB-SIM-Chief Investment Officer. „Zudem können Sachwerte wie erneuerbare Energien dazu dienen, Klimarisiken im Portfoliokontext zu adressieren.“


1) Alle Meinungsäußerungen geben die aktuelle Einschätzung von EB - Sustainable Investment Management GmbH wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung ändern kann. Alle dargestellten Prognosen für zukünftige Wertentwicklungen beruhen auf Berechnungen von möglichen Entwicklungen unter Berücksichtigung von negativen und positiven Szenarien und sind keine Garantie für tatsächliche künftige Wertentwicklungen. Alternative Anlagen sind mit diversen Risiken behaftet, nicht unbedingt für jeden Anleger geeignet und für jedes Portfolio verfügbar. EB - Sustainable Investment Management GmbH; Stand: 08.12.2021
2) Imperial College Business School, IEA (2021): Clean Energy Investing: Global Comparison of Investment Returns, https://www.imperial.ac.uk/business-school/faculty-research/research-centres/centre-climate-finance-investment/research/clean-energy-investing-global-comparison-investment-returns/; Die historische Wertentwicklung ist keine Garantie für eine entsprechende künftige Wertentwicklung.

Den kompletten Kapitalmarktausblick der EB-SIM samt jährlicher Rendite- und Risikoerwartungen für die wichtigsten Anlageklassen bis 2032 können Sie hier herunterladen: www.eb-sim.de/aktuelles/publikationen

Über EB – Sustainable Investment Management GmbH (EB-SIM)

Die EB – Sustainable Investment Management GmbH (EB-SIM) zählt zu den führenden Vermögensverwaltern für nachhaltige Investments. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel ist eine Tochter der Evangelischen Bank (EB). Mehr als 30 Jahre war das wertebasierte Asset Management eines der Kerngeschäftsfelder der EB und wurde im Dezember 2018 als eigenständiges Geschäftsfeld in die EB-SIM ausgegründet. Die EB-SIM beschäftigt über 40 Mitarbeiter und verwaltet ein Vermögen von circa 5,4 Milliarden Euro. Sie bietet institutionellen und über den Wholesale-Vertrieb privaten Kunden ausschließlich nachhaltige Anlagen in Aktien-, Anleihen- und Multi-Asset-Strategien sowie Private Debt und Real Assets. Ihre Anlagestrategien richtet sie konsequent an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) und den Klimazielen der Europäischen Union aus.
Seit Juni ist die EB-SIM auch Mitglied der Bundesinitiative Impact Investing (BII). Sie möchte durch den Aufbau des Impact-Investing-Ökosystems in Deutschland Voraussetzungen schaffen, dass zusätzliches Kapital zur Bewältigung sozialer und ökologischer Herausforderungen eingesetzt wird.

Trotz hoher Kapitaleinbußen: Bitcoin bleibt langfristiger Wertspeicher, Ethereum mit hohem Innovationstempo

von Eliézer Ndinga, Research Lead, 21Shares.

Der gesamte Kryptomarkt erlebte am vergangenen Freitag, 3. Dezember einen heftigen Ausverkauf, der durch Liquidationen der größten Long-Positionen der letzten drei Monate an noch verschärft wurde. Insgesamt beliefen sich diese Positionen über mehrere Derivat-Verkaufsstellen wie Deribit, BitMEX, Binance und OkEX hinweg auf 2,05 Milliarden US-Dollar. Dies übertraf den Drei-Monats-Rekord der Liquidation von einer Milliarde Long-Positionen am 19. September dieses Jahres.

Die Krypto-Industrie befindet sich in einer K-förmigen Erholung, die sich stark von früheren Korrekturen unterscheidet, bei denen die Markterholung mit der steigenden Dominanz von Bitcoin über die 40- bis 45-Prozent-Marke angeführt wurde. Mit anderen Worten: Die Zwei-Billionen-Dollar-Branche ist jetzt groß genug und beginnt demzufolge, anwendungsspezifische bzw. sektorspezifische Bullen- und Bärenmärkte zu definieren. Zwar hat Bitcoin im vergangenen Jahr eine Performance von 75 Prozent erzielt, dieses Mal war das Kryptoasset mit einem Rückgang von 26 Prozent gegenüber seinem höchsten gehandelten Wert von 69.000 US-Dollar einer der Nachzügler unter den Top 10 nach Marktkapitalisierung. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels wird Bitcoin mit über 51.000 US-Dollar gehandelt, was einem Anstieg von zwölf Prozent gegenüber seinem niedrigsten 7-Tage-Wert von 45.000 US-Dollar entspricht, der während des anhaltenden Ausverkaufs am vergangenen Wochenende erreicht wurde.

Investoren bleiben Investoren

Bitcoin verkörpert langfristig betrachtet alle Eigenschaften eines aufstrebenden Wertaufbewahrungsmittels. Zu beachten ist jedoch, dass sich die Marktteilnehmer, insbesondere kurzfristig orientierte Investoren, nicht von den Akteuren auf dem Aktienmarkt unterscheiden. Nach Angaben des Blockchain-Analyseunternehmens Glassnode verzeichneten Bitcoin-Anleger am Wochenende mit über 2,18 Milliarden Dollar an realisierten Verlusten die drittgrößte Kapitaleinbuße in der Geschichte. Daher können die kurzfristigen Kursbewegungen von Bitcoin dazu führen, dass sich der Vermögenswert wie ein Risiko-Asset verhält, das von makroökonomischen Ereignissen beeinflusst wird. So wie beispielsweise die Verbreitung und Unsicherheit im Zusammenhang mit der Omicron-Variante oder auch die unerwartete Ablehnung der Bitcoin-Spot-ETF-Anträge seitens der SEC in diesem Jahr.

Das Marktinteresse hat sich auf die Smart-Contract-Vertikale verlagert, während die Token einiger der größten Ethereum-basierten DeFi-Anwendungen wie Sushiswap (minus 74 Prozent), Uniswap (minus 61 Prozent) und Curve (minus 92 Prozent) im Vergleich zu ihrem Allzeithoch im negativen Bereich bleiben.

  • Terra, einer der Konkurrenten von Ethereum, ist zum ersten Mal in der Geschichte in die Top 10 des Kryptomarkts aufgestiegen. Während der Gesamtmarkt unter dem Ausverkauf litt, wurde Luna - das Kryptoasset von Terra - hauptsächlich im Preisfindungsmodus gehandelt und rang mit 13 Milliarden US-Dollar Solana den dritten Platz bei den in DeFi verwalteten Vermögenswerten ab. Terra liegt nun hinter der mit 17,9 Milliarden US-Dollar zweitplatzierten Binance Smart Chain. Ethereum liegt mit einem Marktwert 170 Milliarden US-Dollar klar auf Platz Eins.
  • Das Verhältnis von Ether:Bitcoin (ETH:BTC) als Marktindikator hat zum ersten Mal seit drei Jahren die 50-Prozent-Marke überschritten. Mit anderen Worten: Ethereum nimmt über 50 Prozent der Marktkapitalisierung von Bitcoin ein. Der Aufwärtstrend bei Ether begann im vergangenen Sommer und wurde vor allem durch den Anstieg der NFTs angeheizt.

Es ist noch zu früh, eine Aussage darüber zu treffen, ob Ethereum den Marktwert von Bitcoin in naher Zukunft überflügeln kann. Das Innovationstempo, mit dem Ethereum aktuelle Probleme wie Marktmanipulationen und hohe Transaktionsgebühren löst, macht allerdings erhebliche Fortschritte. In diesem Kontext ist es wichtig festzuhalten, dass sich die meisten Lösungen in einer frühen Phase der Entwicklung und des Lebenszyklus befinden, sich aber mit dem richtigen Ausführungsplan und einem nachhaltigen Engagement der jeweiligen Community durchsetzen werden. Flashbots sind beispielsweise führend bei der Lösung von Marktmanipulationen, während Skalierungsanwendungen auftauchen, die versuchen, Ethereum langfristig auf Millionen von Transaktionen pro Sekunde zu skalieren und die hohen Transaktionskosten dieser Blockchain zu senken. In diesem Sinne startete StarkNet letzte Woche im Mainnet, was auf ein großartiges kommendes Jahr für Ethereum-Skalierbarkeitslösungen hindeutet.

Wöchentliche Renditen

Die Renditen der fünf wichtigsten Kryptowährungen in der letzten Woche waren wie folgt - BTC (minus 11,60 Prozent), ETH (minus 7,61 Prozent), BNB (minus 7,08 Prozent), SOL ( minus 9,76 Prozent) und ADA ( minus 11,30 Prozent).

Nettozuflüsse pro 21Shares ETP

Die Nettozuflüsse unserer ETPs beliefen sich in der vergangenen Woche auf 42,97 Millionen US-Dollar. Nachstehend finden Sie die Aufschlüsselung der Zu- und Abflüsse pro ETP.


Über 21Shares

21Shares hat die weltweit größte Auswahl von börsengehandelten Kryptowährungsprodukten basierend auf ETPs. Im Jahr 2018 leistete das Unternehmen Pionierarbeit bei der Notierung des weltweit ersten Kryptowährungs-Index an der SIX Swiss Exchange. Im November 2021 verwaltet 21Shares knapp drei Milliarden Dollar in 20 Kryptowährungs-ETPs und 80 Notierungen. Darunter das weltweit einzige ETP-Produkt auf Binance sowie mit Tezos und Solana zwei ETPs, bei denen Anleger Staking-Erträge genieren können. Drei Krypto Baskets, HODL, HODLV und HODLX runden die aktuelle ETP-Suite ab. Die Krypto-ETPs sind an acht regulierten europäischen und schweizerischen Handelsplätzen notiert.
Die Vision von 21Shares ist es, allen Anlegern eine einfache, sichere und regulierte Möglichkeit zu bieten, um über ein Bankkonto in Kryptowährungen zu investieren.
Weitere Informationen: https://21shares.com/

Nachhaltiges Investieren in Schwellenländer-Aktien?

Kaum irgendwo sonst ließe sich damit so viel Positives bewirken, und doch fristen die Emerging Markets bei Nachhaltigkeits-Investments bislang ein Schattendasein. Nur ein kleiner Prozentsatz der weltweiten ESG1-Investments entfällt bislang auf Schwellenländer und manche Investoren machen sogar gerade aus Nachhaltigkeitssicht einen großen Bogen um sie. Gerade hier zeigt sich, dass ein Ansatz, der lediglich auf „ESG-Musterschüler“ setzt, zwar auf dem Papier gute ESG-Kennzahlen für ein Aktien- oder Fondsportfolio liefert, aber zugleich mindestens zwei große Chancen weitgehend verpasst: Nämlich zum einen, tatsächlich etwas zu bewegen („impact investing“) und zum anderen, von großen ESG-Fortschritten einzelner Unternehmen zu profitieren.

Bei Raiffeisen Capital Management gehen wir deshalb den steinigen, aber lohnenderen Weg: Mit einem sehr strikten und zugleich ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz schließen wir die größten „ESG-Sünder“ aus, setzen aber zugleich auf viel Dialog mit Unternehmen, auf Unterstützung und aktive Einflussnahme. Und das lohnt sich, für alle Beteiligten.

Emerging Markets: eines der lohnendsten ESG-Investmentziele

Es leuchtet wohl jedem sofort ein, dass das Erreichen der Klimaziele, ein erfolgreicher Umwelt- und Artenschutz sowie ein ressourcenschonendes Wirtschaften mit den Schwellenländern steht und fällt. Das gilt nicht nur aufgrund ihrer hohen Anteile an Weltbevölkerung und Landfläche, sondern auch deshalb, weil sie noch mitten in der bzw. erst am Anfang von Industrialisierung und Modernisierung stehen. Es ist völlig unstrittig, dass der Planet es weder verkraftet noch ressourcenmäßig hergibt, dass sie dabei denselben Weg beschreiten, wie Europa, die USA oder Japan vor ihnen. Zugleich ist es absurd, wenn die entwickelten Nationen genau das einfordern, ohne aber den Schwellenländern zugleich technologisch und finanziell massiv dabei zu helfen. Die benötigten Summen sind hoch, aber kollektiv durchaus aufzubringen. Bislang sperren sich die entwickelten Nationen noch, doch langfristig führt an solchen großen globalen Investitionsprogrammen eigentlich kein Weg vorbei. Doch nicht nur staatliche Investoren, auch private Anleger halten sich mit Nachhaltigkeitsinvestments in die Schwellenländer noch auffällig zurück, obwohl sich dort damit besonders viel bewegen ließe.

Laut Morningstar machten zum 31. März 2021 nachhaltige Fonds im asiatisch-pazifischen Raum gerade einmal vier Prozent des weltweiten Vermögens für nachhaltige Anlagen aus, während auf Europa fast 82 % des Vermögens für nachhaltige Kapitalanlagen entfielen. Während dies einerseits Europas Vorreiterrolle auf diesem Gebiet demonstriert, zeigt es zugleich ein enormes Missverhältnis. Bei einigen Investoren hat der globale Schwenk zu ESG-Investments sogar dazu geführt, dass Schwellenländer-Investments reduziert wurden, weil man die ESG-Defizite dort als zu hoch und mit zu großen Reputationsrisiken behaftet ansieht und die Umsetzung verantwortungsbewussten Investierens dort noch als zu aufwendig erachtet.

Erhebliche Herausforderungen und großes Potenzial

Das sind durchaus legitime Erwägungen, aber nur in „ESG-Musterschüler“ zu investieren, verkennt zum einen die bereits erheblichen Fortschritte auf dem Gebiet in vielen Schwellenländern und widerspiegelt aus unserer Sicht einen zweifelhaften Nachhaltigkeits-Investmentansatz, der in mehrfacher Hinsicht viel Potenzial verschenkt. Denn zum einen vergibt man damit große Möglichkeiten der Einflussnahme auf all jene Unternehmen, die gerade noch dabei sind (oder damit begonnen haben) sehr viel nachhaltiger zu werden. Zum anderen sind es gerade jene Unternehmen, die viel Verbesserungspotenzial auf diesem Gebiet haben und es nutzen, die auch entsprechend überdurchschnittliches Ertragspotenzial für Investoren bereithalten. Und ja, das geht beispielsweise mit dem Risiko für Investoren einher, dass diese Fortschritte ausbleiben oder geringer ausfallen.

Ganzheitlicher, aktiver Ansatz

Dennoch sind wir der Ansicht, dass die Vorteile eines ganzheitlichen, aktiven Nachhaltigkeits-Investmentansatzes die Risiken klar überwiegen – die Entwicklungen und die Ergebnisse geben uns bislang Recht. Dabei verbinden wir einerseits sehr strikte Negativkriterien mit aktivem, beiderseits nutzbringendem Dialog mit den Unternehmen bis hin zu aktiver Einflussnahme auf die Unternehmen auf verschiedenen Ebenen (wie beispielsweise Abstimmungsverhalten, direkte Gespräche mit dem Management, Kooperation mit anderen ESG-Investoren). Bei den Negativkriterien fallen etwa bestimmte Branchen und Produkte (Kohleproduzenten, Uranminen) oder Unternehmenspraktiken (Kinderarbeit, schwere Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte, Korruption) heraus. Aber auch wenn Unternehmen bestimmte Daten nicht bereitstellen, die unerlässlich sind für eine eingehende ESG-Analyse, sind sie für uns nicht investierbar. Allerdings begnügen wir uns nicht allein damit. Vielmehr versuchen wir auf die betreffenden Unternehmen einzuwirken beziehungsweise sie zur Datenbereitstellung zu sensibilisieren. Zuweilen fehlt bei Unternehmen einfach nur das Bewusstsein, welche Daten für Investoren inzwischen wichtig sind. Die Bereitschaft und die Fähigkeit, solche Informationen zu liefern, sind in den letzten Jahren spürbar gestiegen, ebenso die entsprechenden Kapazitäten der großen internationalen Ratingagenturen, die inzwischen ESG-Kennzahlen erfassen. Bei Letzteren bauen wir speziell auf MSCI und ISS/oekom, ergänzen deren Daten aber durch eigenes Research und unseren eigenen Raiffeisen-ESG-Score. Ein gewisses Mindestrating von MSCI oder ISS/oekom ist eine Grundvoraussetzung, reicht allein aber noch nicht aus, damit ein Unternehmen für unsere nachhaltigen Emerging-Markets-Aktienfonds tatsächlich infrage kommt. Es muss sich auch nach unseren eigenen Analysen und Kennzahlen qualifizieren. Daher gibt es durchaus Unternehmen, in die wir nicht investieren, obwohl sie bei den großen internationalen Ratingagenturen recht ordentliche Werte aufweisen.

Alphaquelle Nachhaltigkeit

Manch einer mag bemängeln, dass es keine international einheitlichen ESG-Investmentstandards gibt. Das wäre aber ein völlig unrealistisches Ziel in einem sich rasch verändernden Umfeld, bei dem bei weitem nicht alles quantifizierbar ist. Wir sehen dies auch weniger als Hemmnis denn als eine weitere Möglichkeit für Investoren, mittels guter Analysen und gut strukturierter, konsistenter Investmentprozesse Alpha zu generieren. Als Beispiel seien hier die gerade in vielen asiatischen Ländern stark anzutreffenden Unternehmen in mehrheitlichem Familienbesitz zu nennen. Bei diesen gibt es potenzielle Corporate Governance-Probleme bis hin zur möglichen Benachteiligung von Minderheitsaktionären Es macht aber keinen Sinn, dies pauschal als negativ einzustufen. Denn diese Risiken müssen ja keineswegs immer schlagend werden. Die Praxis zeigt zudem, dass diese Unternehmen häufig sehr viel langfristiger orientiert sind und sehr viel weniger Fluktuation in Top-Positionen aufweisen als Nicht-Familienunternehmen. Nicht selten sind diese Unternehmen auch überdurchschnittlich erfolgreich. Es ist daher wichtig, immer genau hinzuschauen und nicht nur Kennzahlen zu addieren oder Checkboxen abzuhaken.

Der damit verbundene Mehraufwand ist zuweilen beträchtlich, lohnt sich aber nach unserer Erfahrung allemal. Wir sehen gutes Nachhaltigkeitsinvestieren daher aus Risiko-Ertragssicht als eine zusätzliche Alpha-Quelle an. Ähnlich wie bei „klassischem“ aktiven Management entscheidet dabei das „Wie“ maßgeblich über Erfolg und Misserfolg.

Als einer der Vorreiter bei Nachhaltigen Investments in Österreich und Europa haben wir seit jeher viel Wert auf einen konsistenten, umfassenden Investmentprozess gelegt, den wir selbstverständlich auch kontinuierlich weiterentwickeln. Sowohl unsere bisherige Performance (die selbstverständlich nicht auf die Zukunft übertragbar ist) als auch die zahlreichen Auszeichnungen unseres Nachhaltigkeitskonzepts durch Dritte geben uns darin Recht.

Erst vor wenigen Tagen erhielten alle 16 von uns eingereichten Fonds die Höchstbewertung von „drei Sternen“ beim jährlich vergebenen FNG-Siegel2 des Forums nachhaltige Geldanlagen, darunter auch der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-EmergingMarkets-Aktien. Damit entfiel ein Viertel aller Höchstnoten (von insgesamt 281 eingereichten Fonds) auf die Fonds der Raiffeisen KAG.

Fusion des Raiffeisen-EmergingMarkets-Aktien in den Raiffeisen-Nachhaltigkeit-EmergingMarkets-Aktien

Mit 2. Dezember 2021 fusionierte der Raiffeisen-EmergingMarkets-Aktien in den Raiffeisen-Nachhaltigkeit-EmergingMarkets-Aktien. Dies steigert das Volumen von Schwellenländer-Aktien mit nachhaltigem Investmentansatz auf 279 Millionen Euro (Stand 06. Dezember 2021).


1) ESG steht für Umwelt (environment, E), Soziales (social, S) sowie gute Unternehmens- bzw. Staatsführung (governance, G).
2) FNG steht für Forum Nachhaltige Geldanlagen

Nach dem IPO-Rekordjahr 2021: Die vielversprechendsten Börsendebüts für das kommende Jahr

Das Jahr 2021 neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu – und hat in Sachen IPO bereits jetzt alle Rekorde gebrochen. Nie zuvor gingen mehr Unternehmen an die Börse, nie wurden dabei mehr Gelder eingesammelt. Vielversprechende und auch durchaus erfolgreiche Börsengänge, wie die von Elektroautobauer Rivian oder dem Finanztechnologieunternehmen Affirm steigerten den Gesamtwert der diesjährigen US-Börsengänge auf mehr als eine Billion US-Dollar. Welche IPOs und Aktien man im kommenden Jahr 2022 im Auge behalten sollte, weiß die Investmentgesellschaft Freedom Finance.

Ob Robinhood, Coinbase oder Bumble: Im Jahr 2021 hatten so einige Unternehmen ihre vielerwarteten Börsengänge. Nicht alle waren so erfolgreich, wie der erst im November über die Bühne gegangene IPO von Rivian, der mit einer Bewertung von 100 Milliarden Dollar am ersten Handelstag zum größten Börsengang des Jahres wurde. Damit ist Rivian bereits jetzt hinter Tesla der zweitwertvollste US-Automobilhersteller – noch vor renommierten Unternehmen, wie Ford oder General Motors. Der Elektroautobauer hat damit erheblichen Anteil daran, dass der Marktwert der diesjährigen Börsendebütanten bei mehr als einer Billion Dollar liegt. Dmitry Ivanov, Deutschland-Chef bei der Investmentgesellschaft Freedom Finance, betont: „Das Jahr 2021 ist ein wahres Rekordjahr, was IPOs betrifft. Noch nie zuvor gingen so viele Unternehmen an die Börse, wie dieses Jahr und auch das dabei eingesammelte Kapital war noch nie höher.“ Die größte Rendite konnten Anleger bei dem eingangs erwähnten Unternehmen Affirm erzielen, dessen Aktienpreis im Vergleich zum Emissionspreis um knapp 210 Prozent stieg. „Auch Doximity, eine Online-Plattform für Ärzte, oder TaskUs, die Outsourcing-Dienstleistungen für schnell wachsende Technologieunternehmen anbieten, sind im Vergleich zu ihrem Startpreis bereits um 195 bzw. 178 Prozent gestiegen“, zeigt Ivanov weitere gelungene Börsendebüts auf. Auch im Jahr 2022 stehen wieder einige aussichtsreiche Börsengänge an, von denen sich Investoren ähnlich erfolgreiche Rendite versprechen.

Technologieunternehmen im Fokus

Glaubt man einem Bericht von Ernst & Young (EY), so stieg die Zahl der Börsengänge im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent, während das Emissionsvolumen gleichzeitig um 11 Prozent zunahm. Am stärksten fiel das Wachstum in Europa aus, wo sich die IPO-Anzahl sogar mehr als verdoppelt hat und das Emissionsvolumen um 83 Prozent anstieg. Dominiert wurden die Börsengänge in den letzten Monaten vor allem von Unternehmen aus dem Technologiesektor: „Seit Jahresbeginn gingen bereits mehr als 400 Technologieunternehmen an die Börse und auch für das kommende Jahr werden einige vielversprechende IPOs aus diesem Bereich erwartet“, so Ivanov. Experten rechnen unter anderem mit einem Börsengang des FinTechs Stripe, einer digitalen Zahlungsplattform, die bereits in mehr als 120 Ländern genutzt wird. „Laut Bloomberg befindet sich Stripe bereits in Gesprächen mit Investmentbanken für einen möglichen Börsengang im Jahr 2022. Dadurch, dass das Unternehmen zuletzt bereits mit 100 Milliarden Dollar bewertet wurde, könnte dieser IPO eines der größten Angebote überhaupt werden.“, erklärt der Börsen-Experte.

Zahlreiche vielversprechende Börsendebütanten

Mit der vollständig mobilen Bankplattform Chime steht ein weiterer Vertreter aus dem FinTech-Bereich vor seinem Wall-Street-Debüt. Der IPO des Unternehmens, das zahlreiche Dienstleistungen traditioneller Banken anbietet, ohne dabei physische Standorte zu führen, wird für März 2022 vermutet und soll zwischen 35 und 45 Milliarden US-Dollar einbringen. Verheißungsvoll ist zudem der erwartete IPO des Startups Databrics, das Software zur schnellen Verarbeitung großer Datenmengen und deren Aufbereitung für Analysen entwickelt hat. „Databrics hat bereits jetzt einen Stamm von über 5000 Kunden und zählt unter anderem Microsoft und Amazon zu seinen Investoren“, beschreibt Ivanov. Nach Angaben der Business Times könnte die Bewertung beim Börsengang zwischen 35 und 50 Milliarden Dollar liegen. Mit Instacart strebt außerdem einer der beliebtesten Lebensmittellieferdienste Nordamerikas an die Börse, der für etwa 85 Prozent der Haushalte in den USA und 80 Prozent in Kanada verfügbar ist. „Instacart hat ein komplexes Logistiksystem aufgebaut, das Vereinbarungen mit mehr als 400 Einzelhändlern umfasst, die wiederum mehr als 30.000 Geschäfte beliefern“, erläutert Ivanov. Zuletzt wurde das Unternehmen bereits mit 39 Milliarden Dollar bewertet, beim Börsengang könnten es sogar bis zu 50 Milliarden werden.

Altbewährt statt überholt

Neben Börsendebütanten können allerdings auch altbewährte Aktien von Unternehmen, die bereits länger an der Börse gelistet sind, gute Rendite bringen. „Die Aktie von Alphabet, dem Mutterkonzern von Google, stieg 2021 beispielsweise um mehr als 72 Prozent. Und auch die Tesla-Aktie wuchs seit Beginn des Jahres um knappe 56 Prozent“, nennt Ivanov einige Beispiele. Für das kommende Jahr empfiehlt Ivanov die Aktie von Meta Platforms, dem Mutterkonzern von Facebook, im Auge zu behalten. „Das digitale Werbegeschäft von Facebook wächst weiterhin stetig und das Portfolio von Meta bietet langfristig ein enormes Wachstumspotenzial“, so der Experte. Aufgrund des hervorragenden Geschäfts und der hohen Marktkapitalisierung ist zudem die Alibaba-Aktie stets interessant, wenngleich das größte Risiko von den chinesischen Regulierungsbehörden ausgeht. „Die Marktkapitalisierung von Alibaba ist gegenüber seinem Höchststand im vierten Quartal 2020 um mehr als 50 Prozent gesunken, obwohl sich im Unternehmen nichts grundlegend verschlechtert hat“, weiß Ivanov. Durch die Aktivitäten der chinesischen Behörden ergibt sich für Investoren zwar ein erhöhtes Risiko, aktuell aber auch ein verhältnismäßig günstiger Preis. Fallen die regulatorischen Hürden im nächsten Jahr weg, könnte die Alibaba-Aktie durchaus wieder steigen.


Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 330.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. mit einer Kapitalisierung von über 3,8 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 2.500 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäischer Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse, gelistet. Freedom Finance bietet direkten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: an amerikanischen, europäischen und asiatischen Märkten.

„Die Blockchain kann unser Leben in vielen Bereichen revolutionieren – und tut das schon“

Die Corona-Krise hat die digitale Transformation weltweit vorangetrieben. Insbesondere die Blockchain-Technologie erweist sich als möglicher digitaler Katalysator. Beim 190. Hedgework haben Axel Daffner und Christoph Hembacher, die den ART Transformer Equities Fund managen, das Potenzial aufgedeckt, das mit Blockchain-Investments verbunden ist.

Hedgework: Herr Daffner, Herr Hembacher, Sie sagen, die Blockchain werde unser Leben revolutionieren. Können Sie erklären, was Sie damit meinen?

Axel Daffner: Blockchain hat das Potential, Grundsätze unserer Gesellschaft zu verändern – keine andere technologische Entwicklung der letzten Jahre übt derzeit aktiv so viel Druck auf die Zentralbanken, die mächtigsten Institutionen der Welt, aus, wie die Blockchain und deren Anwendungsfall Kryptowährung. Künstliche Intelligenz, Virtual Reality und Machine Learning werden sicherlich auch unseren Arbeitsalltag verändern und auch erleichtern, aber nicht unser soziales Gesellschaftsgefüge verändern. Die Blockchain kann unser Leben in vielen Bereichen revolutionieren – und tut das schon.

Hedgework: Und woraus ergeben sich die angedeuteten attraktiven Investmentchancen?

Daffner: Die Blockchain hat weltweit über 85.000 Anwendungen, über alle Branchen und über alle Ländergrenzen hinweg. Sie wird laut der Gartner Group bis 2030 einen geschäftlichen Mehrwert von über 3,1 Billionen USD generieren.

Christoph Hembacher: Unternehmen können nicht mehr lokal arbeiten, sondern sind immer ein Teil der internationalen Wertschöpfungskette. Die Pandemie hat uns stärker in die digitale Welt bewegt als jede politische Initiative und damit das Geschäftsleben nachhaltig verändert. Die Blockchain-Technologie ermöglicht allen Beteiligten, jeder Transaktion im digitalen Raum mathematisch eindeutig zu vertrauen. Unternehmen, die sich der Blockchain-Technologie widmen und diese anwenden, erzielen durch Kosteneinsparungen und Umsatzsteigerungen einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Hedgework: Sie konzentrieren sich mit dem ART Transformer Equities Fonds demnach exakt auf das Thema Blockchain. Welche Investments suchen Sie?

Daffner: Als unabhängige Vermögensverwalter haben wir im Jahr 2016 nach investierbaren Möglichkeiten für unsere Kunden gesucht, die nicht nur das Thema Kryptowährungen berücksichtigen, sondern die zugrunde liegende Technologie. Kryptowährungen alleine wären für unsere Kundenportfolios zu volatil bzw. zu riskant und aufsichtsrechtlich gar nicht möglich. Da uns die Technologie von Anfang an fasziniert hat, haben wir beschlossen, das Wertschöpfungspotenzial der Blockchain über Aktien von Unternehmen abzubilden und einen globalen Aktienfonds mit diesem Themenschwerpunkt aufzulegen.

Hedgework: Wie groß ist das Anlageuniversum?

Hembacher: Als globaler Aktienfonds arbeiten wir mit einem proprietären Wertpapieruniversum von derzeit etwa 420 Unternehmen, die alle bereits Blockchain-Anwender oder Dienstleister bzw. Hardware-Anbieter im Blockchain-Ökosystem sind.

Hedgework: Sind das überwiegend Small Caps?

Daffner: Derzeit sind wir in 80 Unternehmen mit unserem Fonds investiert. Die durchschnittliche Marktkapitalisierung liegt bei ca. 172 Milliarden Euro.

Hembacher: Das Portfolio besteht aus sogenannten Venture-Unternehmen, also börsennotierten Jungunternehmen, Growth-Unternehmen – mit Track Record und weiterem Wachstumspotenzial – sowie aus etablierten Value-Unternehmen. Venture-Unternehmen bieten neue Produkte & Services im Rahmen der Blockchain-Technologie an, womit ihre USPs direkt auf dieser Technologie basieren. Growth-Unternehmen wiederum müssen sich in Wachstumsmärkten gegenüber Wettbewerbern um Marktanteile beweisen. Und bei den Value-Unternehmen schließlich handelt es sich unter anderem um Marktführer in bestehenden Märkten, die die Blockchain-Technologie einsetzen, um sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Mitbewerbern zu verschaffen.

Hedgework: Wie genau finden Sie Ihre Blockchain-Favoriten?

Daffner: Durch sehr viel Recherchearbeit. Das ist ja genau das Phänomen und einzigartige an der Blockchain-Technologie – die Entstehung und bisherige Entwicklung findet dezentral, abseits der bekannten Konzernstrukturen statt. Viele Unternehmen laufen der Technologie inzwischen hinterher. Dementsprechend finden Sie die wichtige Information zu den größten Blockchains, deren Funktion, sogar deren Source Codes öffentlich und kostenlos. Sie können jederzeit den Bitcoin Source Code umändern und Vorschläge machen. Wenn sich genügend Interessenten finden, können Sie das nächste Bitcoin update entwerfen. Das kommt einer Währungsreform aus dem Keller gleich.

Hedgework: Welches Potenzial messen Sie Ihren Investments bei?

Daffner: Wie uns der Corona-Crash im vergangenen Jahr gezeigt hat, haben sich die Aktien von Unternehmen, die unser Leben stärker digitalisieren, deutlich schneller von den Kursrückgängen erholt und relativ schnell neue Höchststände markiert. Digitalisierung ist somit kein Trend, sondern unsere Zukunft. Jede einzelne Technologie durchläuft einen Adoptionszyklus bis zu seiner Obsoleszenz. Die Erfindung des Buchdrucks war einst auch eine Revolution und jetzt können wir Druckerpressen im Museum bewundern. Derzeit beginnen wir jedoch jedes Gespräch noch mit einer Definition der Blockchain-Technologie und können uns so auch sicher sein, erst am Anfang des Adoptionszyklusses zu stehen.

Hedgework: Wie ist der Fonds bislang gelaufen?

Hembacher: Wir können uns bisher über eine Rendite von über 25 Prozent p.a. freuen, die unser anvisiertes Ziel bei Auflage von sechs Prozent Rendite p.a. deutlich übertrifft.

Daffner: Rückenwind hat uns sicherlich die Digitalisierungswelle auf Grund der Corona-Pandemie beschert. Wer hätte 2019 mit den Begriffen Lock-down oder Homeoffice besonders viel anfangen können – und plötzlich war das innerhalb kürzester Zeit in aller Munde. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass höhere Volatilitäten an Kapitalmärkten herrschen werden, weshalb die derzeitigen Unternehmensbewertungen mit herkömmlichen Maßstäben nicht mehr nachvollziehbar sind.

Hedgework: Was erwarten Sie sich vom kommenden Jahr?

Daffner: Corona wird uns wohl länger verfolgen als zunächst angenommen – hier liegt aber für viele Unternehmen und unsere Gesellschaft insgesamt auch eine unglaubliche Chance! Die ganze Welt spürt das Bedürfnis, flexibler zu werden und sämtliche Regeln bspw. im Bereich Klimaschutz, Pandemiebekämpfung und sozialer Gerechtigkeit zu ändern. Hierfür bedarf es technischer Systeme, um solche Entwicklungen zu unterstützen. Unternehmen, die diese Entwicklung vorantreiben, wie die MANGA-Unternehmen es in der Vergangenheit bewiesen haben, sind Unternehmen, die gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben – und das sind die Outperformer an der Börse.

Hedgework: Welche Sicherheitsnetze sind für den Fall der Fälle in die Anlagestrategie eingezogen?

Hembacher: Wir fahren mit unserem Fonds keine Absicherungsstrategie über Optionen oder Futures. Der Corona-Crash im letzten Jahr hat Absicherungsstrategien auch grundsätzlich in Frage gestellt. Unser fundamentales Research und die Diversifikation – keine Aktie wird über fünf Prozent gewichtet – haben uns bisher Recht gegeben und sind bei thematischen Investments das beste Sicherheitsnetz.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

Axel Daffner ist Vermögensverwalter und geschäftsführender Gesellschafter der Pegasos Capital GmbH mit Sitz in München. Bevor er im Jahre 2012 zu Pegasos Capital stieß, war der diplomierte Betriebswirt nach seinem Abschluss zunächst als Unternehmensberater und anschließend als Portfoliomanager für eine ebenfalls in München ansässige Vermögensverwaltung tätig.

Christoph Hembacher ist Geschäftsführer der Schleber Finanz-Consult GmbH. Der studierte Mathematiker war zuvor Analyst bei Merrill Lynch Pierce Fenner & Smith sowie Portfolio Manager bei ABN AMRO Asset Management.

Der ART Transformer Equities Fund ist ein globaler Aktienfonds mit Investmentfokus auf die Blockchain-Technologie und einem ausgewogenem Portfolioansatz, in dem er in die Profiteure der Digitalisierung, bei denen die Blockchain-Technologie Bestandteil ihrer Wertschöpfungskette ist, investiert. Der Fonds wurde am 1. Mai 2019 aufgelegt und hat seither einen jährlichen Wertzuwachs von 25,7 Prozent erzielt (per 30.09.2021). Das Fondsvolumen beträgt inzwischen rund 50 Millionen Euro.

Geldpolitische Normalisierung und Omikron-Variante dämpfen Wachstums- und Inflationserwartungen

von Martin Roßner, Gründer und Geschäftsführer von ThirdYear Capital.

Seit beinahe zwei Jahren beeinflusst die Pandemie bereits Volkswirtschaften und Finanzmärkte. Während dieser Zeit haben Infektionswellen das Wachstum mehrmals negativ beeinflusst. Vor allem der Dienstleistungssektor leistet – aufgrund der geringen Mobilität – einen weit unterdurchschnittlichen Wachstumsbeitrag. Zusätzlich verhindern aber auch ausbleibende Unternehmensinvestitionen in Covid-sensitiven Sektoren, wie bspw. den gewerblichen Immobilien, einen nachhaltigen zyklischen Fortschritt. Wie die Pandemiewellen das Wachstum negativ beeinflussen, zeigt ein Blick auf die Entwicklung des Ölpreises, der als Indikator für Wachstum und Inflation gilt.

Aus genannten Gründen hängt das Wachstum während der Pandemie damit ungewöhnlich stark von der politischen Unterstützung ab. Das Auftreten der neuen Omikron-Variante könnte insbesondere ein Risiko für Wachstum darstellen, weil die Fed die Geldpolitik vermehrt auf hohe Inflationsraten ausrichtet. Zero-Covid-Politik in Teilen Asiens und neue Mobilitätseinschränkungen in Europa bedeuten, dass die Weltkonjunktur derzeit besonders stark von U.S.-amerikanischem Wachstum abhängt.

Ein Investmentportfolio sollte deswegen auf Wachstumseinbrüche über die Regionen hinweg vorbereitet sein. Die im ART Global Macro Fonds umgesetzte Strategie vermeidet deswegen Investments in besonders spekulativen und wachstumsgetriebenen Märkten. Das Portfolio kombiniert stattdessen Aktienmärkte mit defensiven Staatsanleihen in ausgewählten europäischen und asiatischen Ländern, in denen das Inflationsrisiko begrenzt ist.


Lesen Sie hierzu außerdem das aktuelle Research von ThirdYear Capital: Research 12/2021

In unserem aktuellen „Fonds im Fokus“ finden Sie zusätzlich passend zur Marktphase unsere Fondsempfehlungen mit allen relevanten Kennzahlen auf einen Blick: Fonds im Fokus - Ultimo 11/2021 + Research 12/2021

AGATHON Capital

Die AGATHON CAPITAL GmbH ist ein Spezialist für innovative und nachhaltige Fondsstrategien. Mit einem betreuten Volumen von über 1,8 Mrd. Euro gilt AGATHON seit mehr als 10 Jahren als unabhängiger und verlässlicher Partner für liquide Finanzprodukte im Bereich Spezial- und Publikumsfonds.
Das altgriechische Wort „agathon“ steht für „das Gute, das Nützliche“. Der Name ist zugleich Verpflichtung. Als Bindeglied hilft AGATHON institutionellen und semi-institutionellen Investoren Renditen zu sichern, Risiken zu steuern und mit innovativen Fondslösungen die Kapitalanlage zu diversifizieren. AGATHON bündelt finanzwissenschaftliches Know-how mit leistungsstarken Produkten ihrer Fondspartner und legt so die Grundlage für ein umfassendes Leistungsspektrum mit bestmöglicher Performance für ihre Kunden. Seit 2016 ist AGATHON Fondsinitiator der ART Fonds-Familie. Ziel ist es, spezialisierte Asset Manager zu finden und zu entwickeln, die in jedem Börsenzyklus eine attraktive Rendite generieren können. Im Rahmen des Core-Satellite-Ansatzes erhalten somit professionelle Investoren maßgeschneiderte Satelliten-Lösungen.
Weitere Informationen unter www.agathon-capital.de

Martin Roßner / ThirdYear Capital

Martin Roßner ist seit März 2015 Gründer und Geschäftsführer von ThirdYear Capital. Zuvor sammelte er über 8 Jahre Erfahrung bei der Man Group in verschiedenen Bereichen wie Global-Macro-Research, Risikomanagement und Asset Allokation. Er ist Träger eines Master-Abschlusses in Quantitative Economics der Universität St. Gallen und hat zahlreiche Weiterbildungsexamen wie CFA, CAIA und FRM bestanden.
Die Third Year GmbH ist bankenunabhängiger Anbieter „quantamentaler“ Makro-Strategie und Absoluter Returns mit Sitz in München. Das Team vereint langjährige Global Macro-Research und Investment Erfahrung bei einem führenden alternativen Asset Manager mit akademischer Präzision. Die Firma nutzt Daten und Technologien, um ein tiefes Verständnis der Volkswirtschaft systematisch und in Echtzeit auf liquide Anlageklassen anzuwenden. Das Unternehmen begann im Jahr 2015 mit der Strategie-Entwicklung und der Publikation ökonomischer Analysen. Seit August 2020 wird die Strategie systematisch im ART Global Macro (UCITS) Fonds angewendet und stetig optimiert.
Weitere Informationen unter www.third-year.com

Omikron bis Omega

Wird Omikron die letzte dominante Corona-Variante sein, oder ist sie das überhaupt, wir wissen es nicht. Ob die Impfungen hier funktionieren oder angepasst werden müssen, wird sich noch herausstellen. Und wie weit wir im griechischen Alphabet noch kommen werden, getrauen sich wohl selbst die Experten nicht zu prognostizieren.

Am Ende eines extrem starken Aktienjahres führen diese offenen Fragen verständlicherweise zu Verunsicherung unter den Anlegern, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Statt der üblicherweise positiven Saisonalität befinden wir uns an den Aktienmärkten nun unvermittelt im Korrekturmodus. Und nach einem derart ausgeprägten Anspringen der Volatilität dauert es in der Regel zumindest mehrere Wochen, bis sich die Märkte wieder beruhigt haben. Was uns zum Ausblick 2022 bringt.

Dieser fällt für die Aktienmärkte positiv aus. Auch wenn die aktuellen Erwartungen hinsichtlich Wirtschaftswachstum Omikron-bedingt etwas nach unten revidiert werden, sollte sich die Konjunkturerholung fortsetzen. Davon werden die Unternehmen profitieren und ihre Erträge steigern können. Gleichzeitig werden die Notenbanken ungeachtet hoher Inflationsraten die geldpolitischen Zügel nur langsam anziehen. Die Renditen an vielen Anleihemärkten könnten moderat steigen. Interessant bleiben die Rohstoffe. Die im Herbst gesehene Übertreibung ist vorüber, die Assetklasse somit auch wieder taktisch attraktiv. Somit wird hier zulasten von Anleihen eine Übergewichtung eingegangen. Bei den Aktien warten wir mit einer Neupositionierung noch ab.

Omikron sorgt für negativen Aktien-November

Der November hatte an den Aktienmärkten mit schönen Kursanstiegen begonnen, doch im Lauf des Monats verdichteten sich die Corona-Wolken immer mehr und brachten die Kurse unter Druck: Zu den steigenden Fall- und Hospitalisierungszahlen kamen bald verschärfte Einschränkungen, die trotz nach wie vor sehr guter Konjunkturdaten neue Konjunktursorgen schürten. Den vorläufigen Höhepunkt erreichten diese Ängste Ende November mit dem Auftreten der Virus-Variante Omikron.

Da die meisten Aktienmärkte im Vorfeld stark überkauft waren und sich die Mehrheit für ein erfolgreiches Überwinden von Corona positioniert hatte, war das böse Erwachen umso schmerzhafter. Heftige Tageseinbrüche waren die Folge, was auch die Monatsperformance fast aller Indizes (leicht) ins Minus drückte. Negativer Ausreißer: Russland, das in Verbindung mit dem Ölpreiseinbruch gegen Monatsende einen fast zweistelligen Monatsrückgang verbuchte (seit Jahresbeginn aber – nach dem ATX – trotzdem immer noch einer der stärksten Aktienmärkte ist!).

Omikron gefährdet Winter-Konjunktur; mittelfristiger Ausblick bleibt stark

Trotz Corona-Wellen und neuer Maßnahmenverschärfungen in einzelnen Ländern war die globale Wirtschaft eigentlich auf Kurs, um mit recht gutem Wirtschaftswachstum über den Winter zu kommen. Die neue Omikron-Variante stellt dieses Bild nun kurzfristig in Frage. Je infektiöser der neue Typ, und je weniger der bisherige Impfschutz schwere Fälle verhindert, desto mehr Lockdowns und wirtschaftliche Einschränkungen (im Wesentlichen im Dienstleistungssektor) wird es zwangsläufig (auch) diesen Winter geben.

Schlimmstenfalls würde man sich damit der Situation aus dem letzten Winter annähern (wo es praktisch noch gar keinen Impfschutz gab). Ein entsprechendes Quartal (Q1 2022) mit negativem Wirtschaftswachstum – wie auch in Q1 2021 - wäre dann leicht möglich (aber immer noch vergleichsweise harmlos in Anbetracht der Folgen des ersten Shutdowns im Frühling 2020). Wie auch die letzten Male wäre nach dem Aufheben der Lockdowns dafür der anschließende Wachstumsschub umso stärker. Das Wachstum würde sich entsprechend (nur) ein bis zwei Quartale nach hinten schieben. Trotz aller kurzfristigen Risiken und Rückschläge diesen Winter bleibt der mittelfristige Konjunkturausblick entsprechend sehr positiv.

Aktienmärkte: Chance zum Aufstocken

Ob Omikron die Aktienmärkte nur für Tage/Wochen oder gar für Monate in Atem halten wird, werden die medizinischen Ergebnisse der nächsten Wochen zeigen. Bis dahin dürften Verunsicherung der Investoren und Volatilität hoch bleiben. Aber auch vor Omikron waren die meisten Aktienmärkte bereits überhitzt und stark überkauft, so dass das Korrektur-Risiko hoch war (und wir auch entsprechend nur neutral positioniert). Nach der aktuellen Korrektur wird dagegen das Fundament für ein neuerliches Aufstocken der Aktienquote deutlich attraktiver! Wir bleiben zwar derzeit angesichts der eingangs erwähnten Unwägbarkeiten noch kurzfristig neutral gewichtet, was Aktien in Summe betrifft. Für 2022 ist unser Aktienmarktausblick aber unverändert positiv: Auch wenn die aktuellen Erwartungen hinsichtlich Wirtschaftswachstum Omikron-bedingt etwas nach unten revidiert werden sollten, bleibt das Bild einer fortgesetzten Konjunkturerholung aufrecht. Davon werden die Unternehmen profitieren und ihre Erträge steigern können. Gleichzeitig werden die Notenbanken ungeachtet hoher Inflationsraten die geldpolitischen Zügel nur langsam anziehen.

USA: Kurzfristiger Outperformer bei Corona-Zuspitzung?

Unsere Aktienmarktgewichtung bleibt gegenüber anderen Assetklassen kurzfristig neutral (kurzfristiges Omikron-Rückschlagsrisiko vs. positiver Ausblick für 2022). Innerhalb der Aktienmarktgewichtung stellen wir uns kurzfristig defensiver auf, um dem weiteren Corona-Risiko Rechnung zu tragen.

Auch wenn die großen US-Indizes bereits sehr teuer bewertet sind, würden sie bei einer weiteren Corona-Eskalation (samt Konjunkturängsten etc.) wahrscheinlich zu den relativen Gewinnern zählen (wie bei vergangenen Lockdown-Ängsten anschaulich zu beobachten). Deshalb gehen wir hier mit einer kurzfristigen Übergewichtung in den Dezember. Europa würde sich in so einem Fall dagegen vorübergehend wahrscheinlich schlechter entwickeln und wird untergewichtet. Erstens, weil hier die Unternehmen in den Indizes deutlich zyklischer aufgestellt sind. Und zweitens, weil Lockdowns in Europa wohl wieder strenger als in den USA gehandhabt würden. Obwohl sich die China-Ängste zuletzt etwas gelegt haben, dürften aber auch die Schwellenländer (EM) in so einer Situation stärker leiden (untergewichtet): Niedrigere Impfraten und geringere Ressourcen des Staates, um Corona-Kosten abzufedern, machen diese Länder potenziell anfälliger.


Weitere Details finden Sie in der neusten Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Warum trotz steigender Märkte Vorsicht geboten ist

State Street Global Advisors, die Vermögensverwaltungsgesellschaft der State Street Corporation hat heute den jährlichen Global Market Outlook 2022 mit den wichtigsten makroökonomischen Trends sowie wichtigen Anlagethemen für das kommende Jahr veröffentlicht.

Die Experten von State Street Global Advisors sind der Ansicht, dass die derzeitige wirtschaftliche Erholung, wenngleich sie auch weiterhin in verschiedenen Regionen, Sektoren und Wirtschaftsbereichen ungleichmäßig verläuft, anhalten wird. Auch 2022 dürfte sich daher ein über dem Potenzial liegendes globales Wachstum ergeben, nachdem der Markt den Höhepunkt der fiskalischen und monetären Unterstützung bereits überschritten hat.

Das hohe Wachstum und die hohe Inflation, die 2021 das makroökonomische Bild beherrschten, werden sich auch 2022 fortsetzen. State Street Global Advisors geht jedoch davon aus, dass sich die akuten Inflationssorgen bis Mitte 2022 deutlich reduzieren und eine gewisse "Inflationsrotation" einsetzen wird - insbesondere in den USA. Denn die Inflation wird vor allem bei den Wohnkosten noch intensiver, wobei der Inflationsdruck in anderen Bereichen nachlässt. Während die Zentralbanken in den Schwellenländern die Entwicklung hin zu höheren Zinssätzen vorerst anführen, dürften die Zentralbanken der Industrieländer im Laufe des nächsten Jahres nachziehen. Auch wenn die Märkte weiter steigen dürften, rechtfertigen bestimmte Probleme und Herausforderungen eine Bewertung der Vermögensallokation und der Anlagestrategien zum Schutz vor Kursverlusten.

"Die Fed könnte das Tempo ihrer quantitativen Lockerung im ersten Quartal 2022 beschleunigen, um sich auf ihre erste Zinserhöhung vorzubereiten, aber es gibt viele Unsicherheiten in Bezug auf das Tempo der Straffung - einschließlich der Unsicherheiten, die durch das Auftauchen der Omicron-Variante entstehen", sagte Simona Mocuta, Chefvolkswirtin von State Street Global Advisors.

Gaurav Mallik, Chief Portfolio Strategist, fügte hinzu: "Ein Großteil der Inflation, die wir derzeit erleben, ist aufgrund früherer fiskalischer Anreize und Herausforderungen in der Lieferkette quasi in das System eingebrannt. Die Zentralbanken wissen, dass aggressive Zinserhöhungen unwirksam sein und auch die Wachstumsaussichten beeinträchtigen können. Daher glauben wir, dass sich die Zentralbanken darauf konzentrieren werden, die Kontrolle über die Erwartungen der Märkte und der Anleger zurückzugewinnen, um eine stetige und schrittweise Normalisierung in den nächsten zwei Jahren zu gewährleisten."

Ausblick für den Rentenmarkt

Vor einem starken makroökonomischen Hintergrund hat der Übergang von einer akkommodierenden zu einer strafferen Geldpolitik begonnen, wobei die Zentralbanken signalisieren, dass die ersten Zinserhöhungen seit Beginn der Pandemie bevorstehen. Während die kurzfristigen Zinssätze als Reaktion auf mögliche Zinserhöhungen im Jahr 2022 gestiegen sind, ist State Street Global Advisors der Ansicht, dass der Anstieg der Renditen und der aggressive Ton der Fed zu einer Beschleunigung des Konjunkturzyklus führen könnten. Daher wird eine weitere Abflachung der Zinskurve erwartet.

Lori Heinel, Global Chief Investment Officer, kommentierte: "Wir halten im nächsten Jahr risikoreichere festverzinsliche Spreads für eine gute Quelle von Carry und zusätzlicher Rendite gegenüber US-Treasuries. Die Spreads in risikoreicheren festverzinslichen Sektoren, einschließlich Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen, dürften durch starke Fundamentaldaten und die Renditenachfrage ausländischer Anleger gut gestützt werden. Ein positiveres Umfeld für sogenannte ‚Rising Stars' wird dazu beitragen, dass auch das Umfeld für Zahlungsausfälle und Herabstufungen günstig ist. 

Ausblick für den Aktienmarkt

Da die Volatilität am Aktienmarkt weiter zunimmt, ist Vorsicht geboten. Die Risikoprämie für Aktien liegt sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt und das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis für den MSCI World ist auf einem nachhaltigen Niveau. Zudem scheinen die Aussichten für Unternehmensgewinne stark zu bleiben. Daher sind die Experten der Meinung, dass Aktien im Vergleich zu anderen Anlageklassen attraktive Überschussrenditen bieten.

Während die allmähliche Anhebung der Renditekurve den Finanzwerten zugute kam, wird der erneute Schwerpunkt der Regierung auf harter Infrastruktur jedoch zyklische Werte wie Industrie-, Rohstoff- und Energieunternehmen unterstützen. Europäische Aktien, die im Vergleich zu US-Aktien attraktiv bewertet sind und gleichzeitig ein starkes Ertragswachstumspotenzial aufweisen, dürften sich in einer günstigen Lage befinden, da die Aktienmärkte der Region eher zyklisch ausgerichtet sind. Die Unternehmen der Schwellenländer hingegen müssen noch in vollem Umfang von der Wiedereröffnung des Handels profitieren, da die Impfquoten hier noch nicht so hoch sind. Das bedeutet, dass das Wachstum der Schwellenländer wahrscheinlich erst später im nächsten Jahr an Gestalt annehmen wird.
"Wir erwarten, dass die Märkte 2022 weniger selbstgefällig sein werden, weil die Geldpolitik gestrafft wird und der Inflationsdruck anhält. State Street Global Advisors sieht eine Chance für aktives Management in den kommenden Jahren und glaubt, dass Anleger von einem selektiven Ansatz am Aktienmarkt profitieren können", fügt Altaf Kassam, EMEA Head of Investment Strategy & Research, hinzu.
Zusätzlich zu seinem makroökonomischen und marktbezogenen Ausblick für 2022 hat State Street Global Advisors drei Schlüsselthemen identifiziert, die im nächsten Jahr die Aufmerksamkeit der Anleger besonders verdienen:

Von festverzinslichen Anlagen profitieren

Angesichts der hartnäckig niedrigen Zinsen denken viele Anleger zu Recht über Alternativen zu festverzinslichen Wertpapieren nach, die ein höheres Renditepotenzial bieten könnten. Es sei aber wichtig, das Potenzial bestimmter Bereiche von festverzinslichen Wertpapieren - einschließlich Schwellenländeranleihen – dennoch nicht zu vernachlässigen, um signifikante Renditen und Ertragssteigerungen zu erzielen. Gleichzeitig kann die ausschließliche Konzentration auf die Rendite dazu führen, dass Anleger die entscheidende Rolle, die festverzinsliche Anlagen bei der Diversifizierung von Portfoliorisiken und der Bereitstellung von Liquidität spielen können, übersehen. Das gilt insbesondere für Anleger, die Renditen durch ein Engagement in illiquiden privaten Vermögenswerten angestrebt haben. Im diesjährigen Global Market Outlook weisen die Experten erneut darauf hin, dass festverzinsliche Anlagen nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Anlagediversifizierung spielen und eine Möglichkeit darstellen, die Flexibilität in Portfolios zu erhöhen, in denen die Allokation in häufig illiquide alternative Anlagen zugenommen hat.

Wie Anleger mit dem Klimawandel Schritt halten

State Street Global Advisors ist der Meinung, dass der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft am besten als ein multidimensionaler Schock verstanden werden kann. Dieser wird sich im Laufe der Zeit vollziehen und erhebliche regulatorische und wirtschaftliche Konsequenzen auf die Investitionen haben. Die Dekarbonisierung - die zunehmend eskalieren wird - hat dabei auch sekundäre Auswirkungen, die zu einer stärkeren Beteiligung sowohl der Industrie- als auch der Schwellenländer führen könnten. Dies bringt enorme Wachstumschancen mit sich und verbessert die Handelsbilanzen der Netto-Energieimporteure im derzeitigen System fossiler Brennstoffe. Die Anleger werden daran erinnert, die regulatorischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft im Auge zu behalten. Gleichzeitig muss die zunehmende Bedeutung von Stewardship und Verantwortung, bessere Klimaangaben, die Herausforderungen bei der Integration von ESG-Kriterien und Kohlenstoffpreisen sowie die strukturellen Auswirkungen der Dekarbonisierung auf die Unternehmensgewinne beobachtet werden.

China-Engagements neu überdenken

Die makroökonomischen Gründe für Investitionen in China bleiben laut der Experten trotz der Schlagzeilen der letzten Monate intakt. Der globale Marktausblick macht deutlich, dass die geringe Korrelation chinesischer Vermögenswerte mit anderen Märkten sowie der strukturell unterbewertete chinesische Aktienmarkt und die gesunde Renditeprämie chinesischer Anleihen im Vergleich zu den entwickelten Märkten gute Gründe für Anleger sind, China-Engagements auf eigenständiger Basis zu positionieren. Aktive Strategien seien dabei zu bevorzugen.


Über State Street Global Advisors

State Street Global Advisors ist seit vier Jahrzehnten im Dienste von Regierungen, Institutionen und Finanzberatern weltweit tätig. Mit einem rigorosen, risikobewussten Ansatz, der auf Forschung, Analyse und markterprobter Erfahrung beruht, bauen wir auf einer breiten Palette von aktiven und Indexstrategien auf, um kosteneffiziente Lösungen zu schaffen. Als Verwalter helfen wir den Portfoliounternehmen zu erkennen, dass das, was fair für die Menschen und nachhaltig für den Planeten ist, eine langfristige Performance erzielen kann. Und als Pioniere im Bereich Index-, ETF- und ESG-Investitionen erfinden wir immer wieder neue Wege für Investitionen. So sind wir mit einem von uns verwalteten Vermögen von 3,86 Billionen US-Dollar† zum viertgrößten Vermögensverwalter der Welt geworden.

*Pensions & Investments Research Center, Stand: 31.12.20.
Diese Zahl bezieht sich auf den 30. September 2021 und umfasst ca. 59,84 Mrd. US-Dollar an Vermögenswerten in Bezug auf SPDR-Produkte, für die State Street Global Advisors Funds Distributors, LLC (SSGA FD) ausschließlich als Vertriebsstelle fungiert. SSGA FD und State Street Global Advisors sind miteinander verbunden.

Investmentausblick: Alternative Investments

von Christian Süttinger, CFA, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Alternative Investments bilden eine Anlageklasse neben Aktien, Anleihen und Immobilien. Wir sprechen hier über „liquide“ Alternative Investments, die sich durch eine laufende Handelbarkeit auszeichnen, und unterscheiden die Strategien Long/Short-Equity, Global Macro und CTA Managed Futures.

Wie ist das Marktumfeld für Alternative Investments?

2021 verläuft sehr auf Aktien ausgerichtet, da Investoren die hohen Unternehmensgewinne registrieren und entsprechende Anlageentscheidungen treffen.

Anleihen treten in den Hintergrund und sind in den Ertragsaussichten zugleich durch das aktuelle Zinsniveau und die Politik der Zentralbanken limitiert.

Was hat sich seit Jahresbeginn bei Alternative Investments getan?

Ein wichtiger Einflussfaktor für Long/Short-Equity ist das Abschneiden von Wachstumsaktien (die Sektoren Internet, Technologie) im Vergleich zu Substanzaktien (Energie, Banken).

Der Grund dafür ist, dass Fondsmanager nach besonderen Wachstumschancen suchen. Die bessere Entwicklung von Growth seit 2020 als Folge der COVID-Krise war 2021 bereits etwas auf dem Rückzug und starken Schwankungen unterworfen, wie der folgende Chart zeigt.

Entwicklung von Growth- und Value-Aktien


Quelle: Bloomberg; MSCI World Growth, MSCI World Value

Ausschlaggebend ist zugleich die Entwicklung der „Gewinner“ relativ zu den „Nachzüglern“. Übertreffen die Favoriten die leerverkauften „Verlierer“, entstehen marktunabhängige Erträge durch Stockpicking. Ein stabiler Verlauf dieses Momentums ist vorteilhaft, da in den Portfolios wenig Änderungsbedarf entsteht. Der folgende Chart zeigt, dass die Kurse der Gewinner 2021 einen sehr uneinheitlichen Verlauf genommen haben.

Entwicklung des Faktors Momentum bei Aktien


Quelle: Bloomberg; MorganStanley US Momentum Long; MorganStanley US Momentum Short

Als Auslöser gilt, dass in der Pandemie ein kurzer Zeithorizont und rasch wechselnde Stimmungen die Oberhand bekommen haben. Auch wenn die Auswirkungen von COVID nicht rasch wegfallen werden, so erwarten wir doch die Rückbesinnung auf die Fundamentaldaten der Unternehmen und ein starkes Alpha durch Aktienauswahl.

Ereignisse, die im Lauf des Jahres bei Hedgefonds Schlagzeilen geschrieben haben, darunter: Archegos (die überdimensionierten, kreditfinanzierten Spekulationen eines einzelnen Investors), Greensill (die Turbulenzen eines Unternehmers im Finanzbereich und verbundene Fonds) und sogenannte Meme-Stocks (Aktien mit explodierendem Social-Media-Interesse) sind nicht mehr in den Medien präsent.

In den Portfolios von Global Macro und CTA Managed Futures Managern befinden sich in der Regel Staatsanleihen als diversifizierender Teil zu Aktien, Währungen und Rohstoffen.

Zwar ist es möglich, von steigenden oder fallenden Kursen zu profitieren, jedoch war die Entwicklung von Staatsanleihen 2021 kaum zu prognostizieren und nicht gewinnbringend zu nützen. Diese Ertragskomponente hat dieses Jahr gefehlt.

Entwicklung der Strategien Global Macro und CTA Managed Futures


Quelle: Bloomberg; Epsilon Global Trend; IQ Hedge Macro

Was erwarten wir für 2022?

Wir rechnen damit, dass Aktien der Favorit der Anleger bleiben. Folglich sehen wir attraktive Chancen für die Strategie Long/Short-Equity, die sich auf die Selektion konzentriert. Gelegenheiten für erfolgreiches Stockpicking gibt es viele:

  • Die Pandemie ist in den globalen Lieferketten präsent und führt zu Engpässen. Dafür sind Branchen und Unternehmen unterschiedlich gut gerüstet.
  • Einzelne Industriesektoren haben vorübergehende „Übergewinne“ dank der explodierenden Güternachfrage in den Lockdowns erzielt, zulasten des Dienstleistungssektors.
  • Die Dauerhaftigkeit der erhöhten Inflation wird die Zukunft zeigen. Unterschiedliche Auswirkungen von Inflation auf Unternehmen sind ein Ansatzpunkt für einen differenzierten Zugang.
  • Durch den Übergang zu sauberer, nachhaltiger Energie wird es Gewinner und Verlierer geben.
  • China, dessen Immobiliensektor fragil ist und das politischen Einfluss besonders auf Technologiefirmen ausübt, lohnt eine genaue, abgestufte Sicht der Investoren.
  • Passive Geldflüsse in ETF und Indexfonds eröffnen Chancen für aktives Management, als Gegenpol.

Die Strategie Global Macro wird von der Normalisierung der Weltwirtschaft und der wieder höheren Aussagekraft von volkswirtschaftlichen Daten profitieren, sobald die Verwerfungen der Pandemie abklingen.

Zugleich sehen erfahrene Global Macro Manager stets das „Big Picture“ und laufen nicht Gefahr, einen Einzelaspekt in den Vordergrund zu stellen, der vielleicht gerade Tagesgespräch ist.

CTA Managed Futures ist die Strategie mit der geringsten Abhängigkeit (Korrelation) zu Aktien, und wird deshalb zu jedem Zeitpunkt eine Rolle in einem breitgestreuten Portfolio einnehmen.

Für den Weltwirtschafts-Zyklus steht nach der Frühphase jetzt eine mittlere Phase bevor, die häufig mit stabilen und gewinnbringenden Trends in vielen Anlageklassen einhergeht.

Wie sind wir derzeit innerhalb der Strategien positioniert?

Im Bereich Long/Short-Equity haben wir den Growth-Anteil reduziert und setzen einen Schwerpunkt bei Value, sowie in Europa als jener Region, die Stockpicking zur Zeit stärker honoriert als die USA. Besondere Schwerpunkte in einzelnen Industriesektoren sehen wir nicht als vorteilhaft und bevorzugen eine ausgewogene Ausrichtung.

Global Macro haben wir, als etwas Ruhe in die Inflationsdiskussion und die widersprüchlichen Erwartungen an die USA-Notenbank eingekehrt ist, bereits höher gewichtet. Das ging zulasten von CTA Managed Futures, da dieser Strategie momentan die Performancequelle Anleihenrenditen fehlt.

Fazit

Diversifikation – das bedeutet Erträge, die von der Entwicklung des Aktienmarktes nur wenig abhängig sind – ist derzeit schwierig zu finden. Der Weg über liquide Alternative Investments ist dabei erfolgversprechend.

Der Multistrategie-Fonds Alpha Diversified 3 stellt unser „Best of Alternative Investments“-Angebot dar. Wir sind überzeugt, dass Alternative Investments eine stabile und ertragreiche Erweiterung zu Aktien und Anleihen bleiben.

Wertentwicklung Alpha Diversified 3 (5 Jahre)


1) Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt lt. OeKB Methode. Die Wertentwicklung unterstellt eine vollständige Wiederveranlagung der Ausschüttung und berücksichtigt die Verwaltungsgebühr sowie eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Modernisierung schlägt Neubau - ETF-Studie zu grünen Immobilien

von Marcus Weyerer, ETF Investment Strategist bei Franklin Templeton Investments.

Pro 10 Mio. EUR Investitionssumme führt der im Bereich grüne Gebäude investierte Anteil zu Emissionseinsparungen in Höhe von 786 Tonnen CO2-Äquivalent, was dem jährlichen Stromverbrauch von 571 europäischen Haushalten entspricht.

2018 entfielen auf den Gebäude- und Bausektor 36 % des Endenergiever­brauchs und 39 % der Energie- und prozessbezogenen Kohlenstoffdioxid-Emissi­onen (CO2-Emissionen), von denen 11 % aus der Herstellung der Baumaterialien und -produkte wie Stahl, Zement und Glas stammten (Quelle: 2019 Global Status Report for Buildings and Construction (windows.net)).

Die Analyse der Mittelverwendung grüner Anleihen-ETF-Portfolios verglich die einzelnen Teilsektoren miteinander. Sowohl der Neubau als auch die Modernisierung bestehender Gebäude haben ihre Berechtigung. Herauszufinden ist hierbei, welcher der beiden Bereiche mehr CO2 im Verhältnis zu einer bestimmten Investitionssumme einspart.

Klarer Gewinner im Hinblick auf den Kohlenstoff-Auswirkungsgrad (Carbon Impact Ratio, CIR) ist die Modernisierung bestehender Gebäude, bei der sich Emissionseinsparungen von 0,36 Tonnen für jede ausgesto­ßene Tonne an CO2 ergaben. Dies muss jedoch im Kontext betrachtet werden: Die Einsparungen ergeben sich daraus, dass ein bereits bestehendes Gebäude moderni­siert wird, um es energieeffizienter zu machen. Dadurch wird deutlich, wie energie-intensiv das Bauwesen tatsächlich ist – denn es sind hohe Mengen an CO2 für relativ geringe Einsparungen erforderlich. Daraus lässt sich folgern, dass Emit­tenten zu Offenlegungen bezüglich der Beschaffung der Materialien, der Gebäu­destandards, der Entsorgung und des Recyclings angehalten werden sollten. Der Großteil der Emissionen kann auf die Materialien zurückgeführt werden. So ist etwa die Herstellung von Zement und Stahl mittels traditioneller Methoden seit jeher äußerst CO2-intensiv. Diese Emissionen fallen zu einem gewissen Grad auch durch eine Modernisierung nicht weg. Gebäude können oftmals energieeffizi­enter gemacht werden, doch gehen damit nach wie vor die induzierten Emissionen aus einer fundamental kohlenstoffintensiven Bauphase einher.

Stahl und Zement muss dringend dekarbonisiert werden

Bei Betrachtung des Baus neuer Gebäude beläuft sich der errechnete durch­schnittliche Kohlenstoff-Auswirkungsrad auf 0,07, was darauf schließen lässt, dass bei Neubauten nicht sehr viel CO2 eingespart wird. Demnach würden sich Emissionsein­sparungen hier entweder aus der Bau- oder aus der Betriebsphase der Gebäude erge­ben, wobei erstere so CO2-intensiv ist, dass etwaige Effizienzgewinne aus der Betriebsphase des Gebäudes – z.B. mittels Smart-Home-Geräten oder einer effizienteren Beheizung – durch die umfangreichen Emissionen in der Lieferkette zunichte gemacht würden. Solange Baumaterialien wie Stahl und Zement nicht dekarbonisiert sind, wer­den im Bauwesen wohl nur moderate CO2-Einsparungen realisiert werden können, was der im Rahmen unserer Erkenntnisse für Investoren ermittelten Notwendigkeit von Transparenz in der Präsentationsphase der Anleihe noch mehr Gewicht verleiht.

Damit Investoren in der Lage sind, die potenziellen Auswirkungen zu beurteilen, soll­ten im Idealfall ausführliche Informationen über Gebäude im Rahmenwerk für grüne Anleihen zur Verfügung gestellt werden. Dabei sollte berücksichtigt werden, ob der Großteil der Mittel für die Modernisierung oder für neue Gebäude aufgewendet wird, wie hoch der laufende Energiebedarf maximal ausfallen wird, woher die Materialien beschafft werden und wie sich die Abfallbewirtschaftung gestaltet.

Bei Gebäuden basiert der CIR-Ansatz auf den Emissionseinsparungen durch das mit der grünen Anleihe finanzierte Projekt ausgehend vom durchschnitt­lichen Emissionsfaktor für Gebäude im jeweiligen Land. Es gibt einige wich­tige Aspekte in Bezug auf das Klimarisiko, die nicht von allen Emittenten offengelegt werden und sich potenziell stark auf die Emissionen auswirken könnten. Dazu zählen Emissionen aus der Herstellung von Materialien wäh­rend der Bauphase und die Emissionen in Verbindung mit dem Abriss beste­hender Gebäude, wenn diese einem Neubau weichen sollen. Für Infrastruk­turanlagen mit langer Lebenszeit ist es wichtig, in Bezug auf die veränderten Klimaauswirkungen durch starke Niederschläge und Überschwemmungen sowie Hitzestress und Stürme zu planen.

Wie sieht ein wirklich grünes Gebäude – von der Konzeption bis zum Betrieb – aus? Alle grünen Gebäude weisen einen Fokus auf einen „niedrigen Energiebedarf“ auf. Allerdings gibt es nach wie vor keine einheitliche Definition für „grüne“ Immobilien.
Daraus folgt, dass grüne Anleihen, die zur Finanzierung „grüner“ Gebäude begeben werden, eine unterschiedlich starke Senkung des Energiebedarfs vorsehen. Einzelheiten zur Beschaffung, den verwendeten Materialien, den Baupraktiken und den Abrissplänen sollten daher stets offengelegt werden. Strenge, regulatorisch vorgeschriebene und bis auf den Konzeptionspro­zess ausgeweitete Standards stellen sicher, dass bereits frühzeitig nach­haltige Praktiken angewandt werden.

Best Practice

Bei der Modernisierung alter Gebäude und dem Bau neuer grüner Gebäude fallen erhebliche Emissionen an. In den Rahmenwerken für grüne Anleihen müssen so viele Informationen wie möglich darüber offengelegt werden, wie die Mittel eingesetzt werden. Zudem müssen grüne Gebäudestandards ausgewiesen werden, denn deren Umsetzung ist wesentlich in Bezug auf Belange wie Abfallentsor­gung und Materialbeschaffung.

Spitzenreiter: Berlin Hyp

Berlin Hyp demonstriert in ihrem Rahmenwerk für grüne Anleihen ein herausragendes Maß an Transparenz. Das Unter­nehmen bietet Anreize für Kre­dite für grüne Gebäude, indem es einen Abschlag von 10 Basis­punkten gewährt. Damit soll das eigene strategische Ziel, bis 2020 etwa 20 % des Kreditportfolios auf grüne Vermögenswerte umzustellen, gefördert werden. Dieses Ziel wurde erreicht. Dies stellt einen lobenswerten „Zusatznut­zen“ dar. Außerdem legt das Unternehmen in seinem Rah­menwerk die maximalen Emissi­onen pro Quadratmeter für neun verschiedene Gebäudekategorien genau fest. Zudem ist die Nen­nung spezifischer Anforderungen für externe Nachhaltigkeitszerti­fizierungen wie LEED oder BREEAM eine nützliche Infor­mation für Investoren.

Muss das Assetmanagement durch Corona neu erfunden werden?

von Katrin Neuhaus, VLR Germany GmbH – exklusiver Assetmanager der EPH European Property Holdings.

Corona hat unsere Welt komplett durcheinandergewirbelt. Die Pandemie ist ein nicht vorhersehbares Jahrhundertereignis und hat auch die Immobilienbranche nicht verschont – auch wenn die verschiedenen Assetklassen nicht alle gleichermaßen betroffen waren und weiterhin sind. Aber heißt das, dass alles Bisherige außer Kraft gesetzt wurde und man sich als Immobilieninvestor und Assetmanager auf solche exogenen Schocks überhaupt nicht vorbereiten kann? Die Antwort ist vielschichtig.

Sicherlich stellt Corona die ganze Immobilienbranche vor neue Herausforderungen und ist eine Art Brandbeschleuniger für alle, die eh schon mit strukturellen Problemen zu kämpfen hatten. Die Pandemie ist aber auch ein Beschleuniger von Trends, die sich zuvor bereits angebahnt hatten und auch künftig Bestand haben werden. Schon seit Längerem steigt die Bedeutung eines aktiven Assetmanagement von Immobilien. Corona hat diese Entwicklung noch einmal kräftig angeschoben und gezeigt, wie wichtig ein funktionierendes und vor allem aktives Assetmanagement ist – aufgrund der Digitalisierung und der veränderten Ansprüche der Mieter. Wer bereits vor Corona eine aktive Kommunikationskultur mit seinen Mietern gepflegt hat, ist klar im Vorteil. Aber auch die Fundamentaldaten einer Immobilie und die Lage haben sich als entscheidende Stabilitätsfaktoren bewährt. Hochwertige und moderne Objekte in erstklassigen Standorten bieten generell eine starke Substanz – auch für die langfristige Vermietbarkeit von Flächen. Das wurde durch Corona noch vehementer ins Bewusstsein von Immobilieninvestoren und Assetmanagern gerückt.

Aber was genau können Assetmanager aus der Corona-Krise lernen?

Ganz klar sind Assetmanager durch die Corona-Krise deutlich stärker gefordert. Diese müssen noch näher an den Mietern dran sein, um die veränderten Bedürfnisse und Anforderungen zu erkennen und frühzeitig zu reagieren. Schließlich hat sich die Art und Weise des Lebens und Arbeitens immens verändert. Vielmehr müssen die Flächen generell den Nerv der Zeit treffen und bereits einige Entwicklungen vorwegnehmen. Das erfordert natürlich, flexibler zu werden und am Puls des Markts zu bleiben. Natürlich sinkt das Leerstandsrisiko generell mit attraktiven Flächen mit Drittverwendungsmöglichkeit in guter Lage. Dreh- und Angelpunkt ist indes die laufende Kommunikation mit den Mietern, um ein Gespür für veränderte Trends zu bekommen und schnell effiziente Lösungen zu finden. Dabei gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt: den regelmäßigen persönlichen Kontakt. Es reicht schon lange nicht mehr, Mietrechnungen und einmal im Jahr die Nebenkostenabrechnung zu schicken – essenziell ist eine gute und persönliche Gesprächsbasis. Das steigert die Zufriedenheit der Mieter. Und je zufriedener der Mieter in der Fläche ist, desto schneller findet man gemeinsame Lösungen. Das wirkt sich auch langfristig positiv auf den Vermietungsstand aus. Die zunehmende Digitalisierung sollte zwar ebenfalls berücksichtigt werden, dies kann aber nur als zusätzliche Unterstützung dienen und den persönlichen Austausch nicht ersetzen.

Entscheidender denn je ist, sich mit den Geschäftsmodellen der Mieter auszukennen und sich damit zu beschäftigen, wie volatil diese sind oder wie etabliert das Unternehmen am Markt ist. Die Bonität der Mieter spielt ebenso eine Rolle und ob diese über finanzielle Reserven verfügen. Das ist insbesondere bei Neuvermietungen wichtig, aber man sollte bei Bestandsmietern gleichermaßen up to date bleiben. Aber auch die Reporting-Anforderungen sind generell gestiegen, um die viel dynamischere Entwicklung im Objekt an die Investoren zu berichten. Es geht auch darum, kontinuierlich an wichtige Daten zu gelangen, diese zu analysieren und Handlungsoptionen abzuleiten. Dabei ist viel Engagement gefragt.

Fazit: Corona bietet Herausforderungen und große Potenziale für Assetmanager

Corona hat uns gezeigt, wie wichtig ein aktives Assetmanagement und solide Strukturen in der Kommunikation mit den Mietern sind. Deutlich wurde aber auch, dass eine höhere Flexibilität im Assetmanagement gefordert ist, um frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren. Dies leistet einen großen Beitrag, um die Immobilien zukunftsfähig aufzustellen und für etwaige neue exogene Krisen gerüstet zu sein. Damit steigt die Verantwortung für das Assetmanagement. Dessen Potenzial ist erheblich, um auch in Krisenzeiten für stabile Mieteinnahmen sowie für den Werterhalt des Immobilienportfolios zu sorgen und schließlich zum Erfolg des Immobilieninvestments beizutragen.


EPH European Property Holdings Ltd. (EPH) ist eine an der SIX Swiss Stock Exchange kotierte Investmentgesellschaft, die ein umfangreiches Immobilienportfolio im Gesamtwert von rund 1,5 Milliarden Euro hält. Im Rahmen der geografischen Diversifikation und der strategischen Absicht, Werte und Cashflows zu stabilisieren, investiert die Gesellschaft derzeit ausschließlich in Zentraleuropa. Die EPH wird von der Valartis Group AG und ihren Tochtergesellschaften verwaltet. Die VLR Germany GmbH, mit Sitz in Frankfurt am Main, ist der exklusive Asset Manager der EPH.

Inflation am Höhepunkt – was sind die Gründe?

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Konsumentenpreisinflation lag im OECD-Raum im Oktober bei 5,2% im Jahresabstand. Das ist der höchste Wert seit 1997.

Hat die Inflation einen Höhepunkt erreicht oder stehen wir erst am Anfang einer anhaltenden Periode hoher Inflationsraten? Neben der Pandemie wird die Inflationsentwicklung einen maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte im nächsten Jahr haben.

Besondere Umstände

Der treibende Faktor für die hohen Inflationsraten ist in erster Linie pandemiebezogen. Die Pandemie stellt einen massiven externen Schock dar. Auf zahlreichen Ebenen ist der „normale“ Zustand verlassen worden.

Das umspannt das Gesundheitssystem, volkswirtschaftliche Kenngrößen wie Bruttoinlandsprodukt und Inflation, die Geld-, Fiskal- und Wirtschaftspolitik und sogar die Grundeinstellung zu Solidarität, zur liberalen Demokratie und zum Rechtsstaat.

Gleichzeitig gilt die wohl wichtigste Erkenntnis in der Volkswirtschaftslehre, die den Zusammenhang zwischen Angebot, Nachfrage und Preise beschreibt, nach wie vor: Wenn das Angebot mit einer zunehmenden Nachfrage nicht mithalten kann, steigen die Preise an.

Einbrechende Nachfrage

Mit dem Ausbruch der Pandemie ist ein neuer treibender Faktor für die wirtschaftliche Aktivität hinzugekommen: Der negative Einfluss der Neuinfektionen auf das Wachstum. Dieser wird durch die Maßnahmen zur sozialen Distanzierung (Lockdown) verstärkt.

Dieser Effekt war im vergangenen Jahr im Zuge der ersten Infektionswelle besonders ausgeprägt. Der BIP-Einbruch innerhalb von zwei / drei Monaten war so stark, dass das globale BIP im Jahresdurchschnitt deutlich unter dem Jahr 2019 lag (um 3,4% pa, Quelle: OECD).

Ähnlich auch die Energienachfrage: diese fiel um 4% (Quelle: IEA). Am Arbeitsmarkt fielen im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum vierten Quartal 2019 die gearbeiteten Stunden je nach Region zwischen 12% und 21% (Quelle: BIS). In der Periode nach dem 2. Weltkrieg sind solche starken Ausschläge einzigartig.

Schnelle Verbesserung der Nachfrage

Zusperren geht jedoch einfacher als aufsperren. Mit dem Abklingen der ersten Infektionswelle setzte eine sprunghafte Erholung ein. Für heuer rechnet die OECD mit einem BIP-Wachstum von 5,6%.

Die IEA rechnet mit einem Anstieg der globalen Energienachfrage von 4,6% und die gearbeiteten Stunden befanden sich laut BIS im zweiten Quartal 2021 nur noch um rund 5% unter vom Vor-Pandemieniveau.

Zudem erfolgt die Erholung nicht gleichmäßig hinsichtlich der Länder und Sektoren und ist das Wirtschaftsgefüge global vernetzt (Lieferketten). Besonders die Nachfrage nach Konsumgütern sticht hervor: diese befindet sich bereits markant über dem Vor-Pandemieniveau.

Engpässe

Mit dem schnellen und uneinheitlichen Anstieg der Nachfrage konnte die Angebotsseite nicht mithalten, wodurch Engpässe auf mehreren Ebenen entstanden: Bei Komponenten (Chips), im Transport (Schifffahrt), im Energiesektor (Gas, Rohöl, Kohle) und am Arbeitsmarkt.

Die Folgen sind eine eingeschränkte Produktion und hohe Inflationsraten sowie eine Behinderung des Lageraufbaus und ein Kaufkraftverlust. Hier wird der stagflationäre Einfluss der Pandemie sichtbar.

Hohe Inflationsraten

Bereits zu Jahresanfang wurde ein Anstieg der Inflation erwartet. Die Begründung dafür waren die niedrigen Preisanstiege im vergangenen Jahr. Der Basiseffekt hat die Inflationsrate im Jahresabstand nach oben ansteigen lassen.

Die Engpässe, die durch die schnell ansteigende Nachfrage im Güter- und Energiesektor entstanden sind, waren jedoch überraschend und haben zu einem kräftigen Anstieg der Preise für Konsumgüter, Transport und Energie geführt.

Für den Energiesektor kommt auch zum Tragen, dass in den vergangenen Jahren die Investitionstätigkeit für die fossiler Energien abnahm, während die Investitionen in klimafreundliche Energieträger mangelhaft waren. Der Preisanstieg der Nahrungsmittelpreise kann wiederum (unter anderem) mit dem Anstieg der Kosten für Energie und Transport erklärt werden.

Basisszenario: Die Inflation fällt nicht auf das Niveau vor der Pandemie zurück

Die Phase der hohen Inflationsraten dauert länger an als zu Jahresanfang erwartet wurde. Immer mehr Ökonomen und Zentralbanker sprechen nicht mehr von einer vorübergehenden Entwicklung. Schlussendlich ist jede Entwicklung transitorisch. Jede neue ernste Virusvariante birgt das Risiko von neuen Verwerfungen zwischen Angebot und Nachfrage mit dementsprechenden Preisschüben in sich.

Im Basisszenario werden die aktuell hohen Inflationsraten im nächsten Jahr fallen, weil die Gründe dafür schrittweise in den Hintergrund treten werden: die von der Pandemie ausgelösten Ungleichgewichte zwischen Nachfrage und Angebot.

Die hohe Güternachfrage wird sich wahrscheinlich normalisieren und die Engpässe auf der Produktions- und Logistikseite werden sich schrittweise auflösen. Die Kombination aus einer sich schnell schließenden negativen Produktionslücke (rasant fallende Arbeitslosenraten), Wachstum über dem Potential und der nur graduellen Normalisierung der Geldpolitik wirken jedoch inflationär.

Deshalb wird im Basisszenario die zugrundeliegende Inflation über dem Vor-Pandemieniveau bleiben. Unsere Inflationsschätzung für das 4. Quartal 2021 liegt für die entwickelten Volkswirtschaften bei rund 5% (Wachstum im Quartalsabstand auf das Jahr hochgerechnet). Für das 4. Quartal 2022 rechnen wir mit einer Inflation zwischen 2% – 2,5% (ebenfalls annualisiert). Allerdings drängen sich einige Fragen auf:

Inflationäre Kräfte

Gibt es neben der Pandemie auch andere, strukturelle Kräfte, die auf die Inflation einwirken?
Die Risiken für eine strukturell ansteigende Inflation sind bei drei Punkten angesiedelt:

  1. Die expansive Geld- und Fiskalpolitiken könnten zu lange, auch nach dem Erreichen von Vollbeschäftigung, expansiv (wirtschaftsunterstützend) bleiben. Mit dem Ausbruch der Pandemie ist eine Veränderung der politischen Ökonomie feststellbar. Der Fokus liegt auf Beschäftigung (verständlicherweise) und auf einer höheren Inflation (weil sie in den vergangenen zehn Jahren unter dem Zentralbankziel lag).
  2. Der mit der Öffnung von China einsetzende zwei Jahrzehnte anhaltende deflationäre Druck auf die Güterpreise könnte permanent weggefallen sein. Die Globalisierung stagniert beziehungsweise könnte sich sogar zum Teil permanent umkehren (Deglobalisierung). Der China-Effekt (boomende Exporte, fallende Güterpreise) hat abgenommen.
  3. Gleichzeitig könnte die Veränderung in der Altersstruktur die Inflation unterstützen. In immer mehr Ländern fehlt die arbeitsfähige Bevölkerung. Das könnte zu einer höheren Lohninflation führen. Langfristig betrachtet ist die Entwicklung der Lohnstückkosten die wichtigste Bestimmungsgröße für die Inflation.

Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik

Wie werden die Zentralbanken auf die Inflationsentwicklung reagieren?

Generell gilt: Je weniger fest die Inflationserwartungen am Zentralbankziel verankert sind, je schneller sich die Arbeitslosenrate der Vollbeschäftigung annähert (NAIRU-Grenze oder Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment) und je eher die Angebotsseite permanent beeinträchtigt ist (gefallene Beteiligung am Arbeitsmarkt, Deglobalisierung), desto schneller werden die Leitzinsen in den entwickelten in Richtung neutrales Niveau angehoben werden.

Für die US-Zentralbank veranschlagen wir für das nächste Jahr ein Ende für das Anleiheankaufsprogramm im Frühjahr und drei Leitzinsanhebungen. Die EZB wird im Basisszenario die Leitzinsen unverändert belassen, aber die Marktteilnehmer auf ein Verlassen der Negativzinspolitik im Jahr 2023 vorbereiten.

Zielkonflikte

Für das nächste Jahr kristallisiert sich neben der Pandemie ein weiteres zentrales Thema heraus. Wenn die Inflationsraten nicht fallen, nehmen die Zielkonflikte für die Zentralbanken zu.

Denn in diesem Fall kämen die Zentralbanken unter Druck, die Leitzinsen stärker und früher als derzeit erwartet anzuheben. Restriktive Maßnahmen seitens der Geldpolitik würden jedoch die Zielgrößen

  • a) Wachstum und Beschäftigung,
  • b) Finanzstabilität,
  • c) Finanzierung der Staatsdefizite und für die EZB
  • d) Integrität der Eurozone in Mitleidenschaft ziehen.

Positiv betrachtet: Auch wenn man nicht mehr von einer vorübergehenden Inflationsentwicklung sprechen kann, werden im nächsten Jahr im Basisszenario die Inflationsraten graduell fallen. Die Zentralbanker sind jedoch herausgefordert, genau in der angemessenen Geschwindigkeit die ultra-expansive Haltung zu reduzieren.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Unternehmensstimmen zum Thema "Erneuerbare Energien"

von Herbert Perus, Fondsmanagement – Corporate Responsibility bei der Raiffeisen KAG.

Zu den Engagement-Aktivitäten des Fondsmanagements von Raiffeisen Capital Management gehört auch der Dialog mit einigen der größten und für uns interessantesten börsennotierten Unternehmen, diesmal zum Thema erneuerbare Energien. Dabei wurden folgende Fragen gestellt - mit ausgewählten Unternehmensstimmen und Antworten zu den Fragestellungen:

Von welchen zukünftigen Energiepreisen gehen Sie in Ihren Planungen für kommende Projekte aus? Wie wird Ihrer Meinung nach der Energiemarkt der Zukunft generell aussehen?

First Solar, USA (Solarenergie): Das amerikanische Solarunternehmen First Solar ist für die Entwicklung der zukünftigen Energiepreise sehr zuversichtlich und geht davon aus, dass die Stromgestehungskosten von nicht subventionierter Solarenergie im Vergleich zu konventioneller Stromerzeugung, einschließlich Kohle, Kernkraft, Erdgas-Spitzenlastkraftwerken und sogar Windenergie, niedriger sein werden. Außerdem sieht das Solarunternehmen ein erhebliches Wachstumspotenzial bei der weltweiten Installation von Photovoltaik-Kapazitäten. Zusätzlich zu diesem Wachstumspotenzial erhofft sich First Solar möglicheVorteile durch die Dekarbonisierungsziele der US-Regierung.

Was ist aus Ihrer Sicht die richtige Kapitalstruktur eines Projekts im Bereich der erneuerbaren Energien und verändert sich diese Struktur im Laufe des Projekts?

National Grid, UK (Versorger): Bei dem Unternehmen National Grid werden Projekte in der Entwicklungsphase vom Projektentwickler finanziert. Das Unternehmen berichtet, dass beispielsweise bei Baubeginn in den USA eine Kapitalbeteiligung (Equity) vereinbart wird, die einen wesentlichen Teil der dauerhaften Kapitalstruktur ausmacht. Bei diesen typischen Tax-Equity-Partnerschaften gehen die Projekte (beispielsweise bei Windkraftanlagen) spätestens nach zwölf Jahren in den vollständigen Besitz des Equity-Sponsors über.

Wie hoch schätzen Sie die Auswirkungen und Risiken von Engpässen und/oder steigenden Kosten in der Lieferkette? Ist das ein kurzfristiges Phänomen oder sehen Sie langfristige Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Falck Renewables, Italien (Windenergie): Die Ereignisse im Suezkanal Anfang des Jahres haben die Bedeutung und den Einfluss von Lieferengpässen erstmals praktisch vor Augen geführt. Doch nicht nur die Havarie des Schiffes „Ever Given“ hat globale wirtschaftliche Folgen mit sich gezogen, auch der eingeschränkte Flugverkehr, Hafenschließungen im asiatischen Raum und die daraufhin steigenden Rohstoffpreise betreffen Unternehmen weltweit. Alle kontaktierten Stromerzeuger sind von den Engpässen und verteuerten Rohstoffen betroffen. Dennoch herrscht große Zuversicht, dass die Situation nächstes Jahr bewältigt ist. Beispielsweise erwartet das italienische Unternehmen Falck Renewables einen Rückgang der Rohstoffkosten im ersten Quartal des nächsten Jahres. Um diese Probleme zukünftig in den Griff zu bekommen, ist eine der Strategien des Unternehmens, auf die lang aufgebauten Beziehungen mit seinen Lieferanten zu setzen, um so Lieferschwierigkeiten oder gar Ausfälle zu vermeiden.

Aus unserer Sicht kann es durch den Eintritt vieler großer Energiegesellschaften in den Bereich der erneuerbaren Energien zu einem Druck auf die Gewinnmargen kommen. Wie hoch sehen Sie dieses Risiko?

Aker Offshore Wind, Norwegen (Windenergie): Für Aker Offshore Wind kann der Eintritt neuer kapitalstarker Konkurrenz zu Herausforderungen führen, doch mit seiner führenden Technologie im Offshore-Windgeschäft ist das Unternehmen zuversichtlich, sich auch gegen diese neuen Marktteilnehmer durchsetzen zu können. Besonders in der südlichen Hemisphäre sieht das Unternehmen Chancen, denn globale Riesen fokussieren sich primär auf die Märkte USA und UK.

Was kann Ihr Unternehmen positiv zum SDG 11* beitragen? Haben Sie spezifische Ziele in diesem Bereich?

Azure Power, Indien (Solarenergie): Für den indischen Solarpanele-Hersteller Azure Power spielt SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) eine wesentliche Rolle, denn mit seinen Solarpanelen auf den Dächern der Stationen versorgt das Unternehmen die U-Bahn der 19-Millionen-Einwohnermetropole Delhi mit Energie. Das Unternehmen hat Pläne, die innerstädtische Solarversorgung auf den Dächern von Delhi auszubauen, der ansonsten benötigte Strom wird von Solarparks außerhalb der Metropole in der Peripherie erzeugt. Außerdem liefert Azure Power den Strom für weitere Schienennetze und dieWasserversorgung in Delhi.

Welche Investitionen sind in Ihrem Unternehmen geplant oder werden aktuell umgesetzt, um Treibhausgasemissionen zu verringern? Wie messen Sie den Erfolg dieser Maßnahmen?

Aker Offshore Wind, Norwegen (Windenergie): Bei der Errichtung neuer Projekte muss leider oft auf sehr CO2-intensive Rohstoffe zurückgegriffen werden. Eine Möglichkeit, mit diesem Problem umzugehen, ist beispielsweise, Windkraftwerksflügel wiederverwertbar zu machen, wie es das norwegische Unternehmen Aker Offshore Wind bereits umsetzt. Außerdem wird bei den Windparks von Aker Offshore Wind der Stahlverbrauch möglichst gering gehalten und auf nachhaltigere Baustoffe gesetzt. Bei der Kohlenstoffabscheidung wird auf die Expertise innerhalb der Aker Group zurückgegriffen, ganz besonders auf Aker Carbon Capture, ein Unternehmen, das seit 20 Jahren Erfahrung in diesem Bereich besitzt.

Der Umweltaspekt (E) der ESG-Dimensionen spielt bei Ihrem Unternehmen eine sehr große Rolle.Was sind darüber hinaus wichtige Maßnahmen in den Bereichen S (Soziales) und G (Governance/Unternehmensführung) in Ihrem Unternehmen?

Ormat, Israel (Geothermalenergie): Für das israelische Unternehmen Ormat ist Transparenz nicht nur ein Teil der sauberen Unternehmensführung, sondern auch ein wichtiger Teil des finanziellen Erfolgs. Durch Transparenz in den Prozessen will Ormat Möglichkeiten für neue Projekte und Engagement schaffen, außerdem bekennt sich Ormat zu einer sehr engen Kommunikation mit seinen Stakeholdern.


* Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen; SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden

Die vollständige Ausgabe 33 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.