„Nur nachhaltige Immobilien haben Zukunft“

In den vergangenen Monaten ist Nachhaltigkeit zu einem zentralen Thema in der Immobilienwirtschaft geworden. Der Rückenwind in Europa ist unverkennbar. Die Vorgabe der Europäischen Kommission zum Green Deal war der Auftakt dafür. Kapitalflüsse sollen in nachhaltige Investments gelenkt werden. Gleichzeitig will man dadurch die Langfristigkeit des Finanz- und Wirtschaftslebens fördern. Die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen haben die Entwicklung deutlich beschleunigt, bestätigt Peter Karl, Geschäftsführer der Erste Asset Management und CEO der ERSTE Immobilien KAG im Blog Interview mit Dieter Kerschbaum, Communications Specialist Österreich der Erste AM.

Warum nimmt die Immobilienbranche gerade jetzt das Thema Nachhaltigkeit ernst?

Die Immobilienbranche hat sich mit Nachhaltigkeit lange schwergetan. Man wurde von manchen belächelt, wenn man es als Investor thematisiert hat. Die neuen gesetzlichen Vorgaben beginnen erfreulicherweise Wirkung zu zeigen. Denn nicht nur die Investoren, sondern auch (vor allem gewerbliche) Mieter richten sich vermehrt nach Nachhaltigkeitskriterien. Wenn man dann kein nachhaltiges Gebäude anbieten kann, hat das Nachteile in der Vermarktung. Da erhöht sich gleichzeitig der wirtschaftliche Druck, eine Immobilie nachhaltig und damit marktfähig zu gestalten.

Wie hat die ERSTE Immobilien „Nachhaltigkeit“ definiert und welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit praktisch bei Ihren Immobilien?

Wir sind ein langfristig orientierter Immobilieninvestor. Gerade deshalb muss alles, was heute gekauft wird, auch in 5 oder 10 Jahren marktfähig sein. Meiner Meinung nach sind nur nachhaltige Immobilien zukunftsfähig. Für nicht nachhaltige Gebäude erwarte ich mittelfristig Probleme bei der Vermietung und wohl auch bei der Bewertung.

Ich persönlich sehe Nachhaltigkeit als Gebot der Stunde. Auch aus Verantwortung gegenüber den nachkommenden Generationen. Es ist wichtig, die nächsten Jahrzehnte so zu gestalten, dass Europa und die ganze Welt lebenswert bleiben. Ich glaube, dass es viele gute Gründe gibt, das Thema ernst zu nehmen.

Die ERSTE Immobilien KAG war die erste Gesellschaft im Immobilienbereich, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt. Bereits 2016 haben wir den nachhaltigen ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS aufgelegt. Er ist nach wie vor der einzige nachhaltige Publikumsimmobilienfonds in Österreich und wird auch für den gerade zur Zeichnung aufliegenden Fonds ERSTE REAL ASSETS investierbar sein – wenn man neben Immobilien auch Wert legt auf andere reale Werte, also Aktien und Gold.

Welche Kriterien müssen konkret erfüllt sein, damit eine Immobilie nach Ihrem Dafürhalten nachhaltig ist?

In unserem Nachhaltigkeitskatalog gibt es drei Hauptpunkte – Umweltkriterien, den sozialen Aspekt und die Wirtschaftlichkeit. Diese bilden zusätzlich zu den grundlegenden wirtschaftlichen, technischen und juristischen Ankaufskriterien eine Entscheidungsgrundlage für die Investitionen. Die Faktoren können jedoch nicht singulär für sich gesehen werden. Nur im Zusammenspiel der Aspekte kann eine Bewertung vorgenommen werden.

Wie transformieren Sie Ihren Immobilienbestand in einen nachhaltigen Bestand?

Sämtliche Immobilien bzw. Projekte durchlaufen vor Ankauf einen detaillierten Prüfungsprozess. In dessen Rahmen wird auch ihre soziale Komponente, die Umweltverträglichkeit und die Wirtschaftlichkeit bewertet. Dabei wird die grundsätzliche Eignung für unsere Immobilienfonds geprüft.

Diesen Prozess durchlaufen nun auch bereits angekaufte ältere Immobilien. Hier werden mögliche Sanierungen bzw. Adaptierungen im Hinblick auf Nachhaltigkeitskriterien geprüft. Dieses Thema betrifft vorrangig das Portfolio des ERSTE IMMOBILIENFONDS. Denn der ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS ist ja seit Start an nachhaltig ausgerichtet. Wir haben uns entschieden, im Portfolio des ERSTE IMMOBILIENFONDS Nachhaltigkeitskriterien insbesondere im Zusammenhang mit anstehenden Sanierungen miteinzubeziehen. Beispielsweise durch den Einbau von Photovoltaikanlagen zur Steigerung der Energieeffizienz. Oder die Verwendung von alternativen Dämmmaterialien anstatt Polystyrol. Denn ich halte nichts davon, Immobilien in Styropor einzupacken – und diese dann aufgrund der gestiegenen Energieeffizienz als nachhaltig zu verkaufen.

Wie bewerten Sie Nachhaltigkeitsrisiken bei Ihren Investitionsentscheidungen? Welche Rolle spielen dabei neben Gesetzen freiwillige Standards?

Wir greifen bei der Bewertung auf eine ESG-Toolbox zurück. Elemente der Toolbox sind unter anderem Nutzungsart, Mieterauswahl, Nachhaltigkeitsrating sowie klimaaktiv Zertifizierungen. Mit deren Hilfe gehen wir auf die unterschiedlichen Nachhaltigkeitsauswirkungen und Nachhaltigkeitsindikatoren ein. Nicht alle Elemente der Toolbox (Tools) werden in allen Anlagestrategien eingesetzt. Die Nutzung der Tools wird auf Basis der Anlagestrategie und des daraus zu erwartenden Risikopotenzials für jeden Immobilienfonds festgestellt.

Die Objekte werden im Zuge des detaillierten Prüfungsprozesses auf die grundsätzliche Eignung für die Fonds geprüft. Wir integrieren also bereits hier eine Prüfung der verschiedensten Risiken. Dadurch können wir schon in der Immobilienselektion ESG-Risiken reduzieren.

Daneben spielen selbstverständlich auch freiwillige Standards eine Rolle, die man nicht unterschätzen darf. Die Erste Asset Management (Erste AM) hat die Principles of Responsible Investing (PRI) der Vereinten Nationen (als erste in Österreich) unterzeichnet. Als Tochter der Erste Asset Management orientieren wir uns an diesen Grundsätzen. So arbeiten wir beispielsweise aktiv bei verschiedenen Organisationen mit um die Themen in der Immobilienwirtschaft voranzutreiben.

Wie setzen Sie die Taxonomieverordnung und die Offenlegungsverordnung der EU um?

Genaugenommen haben wir Nachhaltigkeitsrisiken, die in der Offenlegungsverordnung der EU behandelt werden, schon immer in unseren Auswahlprozess miteinbezogen. Sowohl auf Produkt- als auch auf Unternehmensebene. Denn wir verfolgen seit unserer Gründung an eine langfristige buy-and-hold Strategie bei den Investments. Nachhaltiger Werterhalt und die Erwirtschaftung von nachhaltigen Erträgen war und ist seit jeher unser Ziel. Im Zuge der Vorbereitung für die Offenlegungsverordnung und die Taxonomieverordnung haben wir die Gelegenheit genützt, um nachzujustieren und unseren Prüfungsprozess weiter zu schärfen.

Welche Bedeutung haben Immobilien-Zertifikate und ähnliche Auszeichnungen? Bieten sie einen echten Mehrwert, oder sind sie bloß ein Marketinginstrument (Stichwort „Greenwashing“)?

Leider gibt es das Thema „Greenwashing“ bei allen Anlageklassen. Für mich ist Nachhaltigkeit aber kein Hype – sie ist ernst gemeint. Meines Erachtens nach haben sich die am Markt verbreiteten Zertifikate stark weiterentwickelt. Auf manche Faktoren, wie insbesondere die soziale Nachhaltigkeit, legen wir als ERSTE Immobilien KAG noch mehr Wert. Dem wollen wir mit unserem eigenen Nachhaltigkeitskatalog gerecht werden.

Welchen Stellenwert werden die Zertifikate der freien Marktwirtschaft aus Ihrer Sicht im Kontext zu den harten EU-Standards haben?

Hier stehen wir am Anfang einer Entwicklung. Ich erwarte mir immer mehr gesetzliche Vorgaben in diese Richtung. Zumal auch der wirtschaftliche Druck auf die Immobilienbranche von Seiten der Investoren und Anlegern steigen wird. Wir glauben, dass vor allem private Anleger der Erfüllung von staatlichen bzw. öffentlichen Standards mehr Anerkennung beimessen. Dies ist auch der Grund, warum wir uns für das Umweltzeichen entschieden haben.

Inwieweit sind tatsächlich nachhaltige Immobilien teurer als konventionelle Immobilien? Wird sich das durch die kommenden EU-Standards ändern?

Wenn Projektentwickler vom Start weg in der Planung Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, entsteht in der Regel kein nennenswerter Mehraufwand. Möchte man jedoch die höchsten Standards erfüllen entstehen Zusatzkosten. Diese können durchaus bis zu 10 % an Mehrkosten verursachen. Da muss man sich im konkreten Fall überlegen, wie sinnvoll diese Mehrkosten sind. Aufgrund der Langfristigkeit von Immobilieninvestments bin ich jedoch der Meinung, dass sich diese Kosten mittel- bis langfristig durchaus rentieren. Denn ich erwarte mir bei nachhaltigen Immobilien eine bessere Entwicklung als bei konventionell errichteten Immobilien. Grundsätzlich kann man aber einen soliden nachhaltigen Standard ohne großen Zusatzaufwand bauen.

Wie gut sind die Projektentwickler Ihrer Beobachtung in diesem Bereich aufgestellt?

In der Vergangenheit hat sich die Projektentwicklerbranche leider wenig mit dem Thema auseinandergesetzt. Auch weil es keine gesetzlichen Vorgaben gab, an denen man sich orientieren konnte. Wenn dann aber doch ein Investor auf Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien bestanden hat musste in der Regel eine vorhandene Planung geändert werden. Was natürlich extra Kosten verursacht hat. Zum Glück hat mittlerweile ein Umdenken stattgefunden. Sicher auch im Hinblick auf die kommenden EU-Standards. Denn damit geht ein steigender Bedarf an nachhaltig errichteten Immobilien einher. Heute sind viele Projektentwickler fit was die Themen betrifft. Überlegungen, wie man Nachhaltigkeit in zukünftige Immobilienprodukte integrieren kann sind Teil von Strategieprozessen geworden. Erfreulicherweise merken wir bereits jetzt, dass das Angebot zunimmt. In den nächsten 5 Jahren wird dann deutlich spürbar sein, dass sich in der Branche viel verändert hat.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Gehört Kernenergie in die Kategorie der nachhaltigen Investitionen?

von Nicolas Pelletier, Investment Manager, Reyl & Cie, Genf.

Die globale Erwärmung ist ein grosses Risiko, und die Produktion von sauberer Energie ist eine der Antworten auf diese Herausforderung. Heute entfallen laut der Internationalen Energieagentur 63 Prozent der weltweiten Stromerzeugung auf fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas, 11 Prozent auf Kernkraft, 15 Prozent auf Wasserkraft und fast 11 Prozent auf saubere Energien wie Sonne, Wind, Erdwärme und Biomasse. Auch wenn Wind und Sonne die besten Lösungen zu sein scheinen und von immer grösseren Investitionen profitieren, hören diese Energiequellen ohne Wind oder Sonne auf, selbst wenn sie mit Batterien gekoppelt sind.

Prominenter Unterstützer

Bill Gates unterstützt in seinem neuesten Buch "Klima: Wie man eine Katastrophe vermeiden kann, Die aktuellen Lösungen. Die notwendigen Innovationen" eine Position zugunsten der Kernenergie. Ihm zufolge läuft ein Kernkraftwerk 24 Stunden am Tag und steht sehr selten still. Strom aus Kernenergie ist mit am günstigsten zu produzieren und stösst kein CO2 aus. Die Kilowattstundenproduktion ist reichlich und regelmässig. Die Kernenergie wird es ermöglichen, die Produktion von Elektrizität mit fossilen Brennstoffen zu ersetzen und auf den Anstieg des Stromverbrauchs in Verbindung mit Elektrofahrzeugen zu reagieren, was ebenfalls eine Lösung zur Bekämpfung der globalen Erwärmung darstellt.

Nachteile der Kernenergie

Die Kernkraft leidet jedoch unter zwei Problemen: der Abfallbehandlung und Unfällen. Aktuell werden zur Vermeidung von Abfall neue nukleare Produktionstechnologien entwickelt, zum Beispiel mit dem ITER-Projekt, dem internationalen thermonuklearen Versuchsreaktor. Die neue Technologie wird dieses Problem bis 2030 mit der Kernfusion lösen, die langfristig keinen radioaktiven Abfall produziert. Die US-Firma TerraPower entwickelt eine Klasse von Kernreaktoren, die sogenannten Wanderfeldreaktoren. Was die nuklearen Unfälle betrifft: Die bekannte Fälle Three Mile Island in den USA, Tschernobyl und Fukushima haben sie uns trotz ihrer Schwere erlaubt, zu lernen, Fehler zu korrigieren und die nukleare Stromerzeugung zuverlässiger zu machen.

Fazit: Die Kernenergie bleibt eines der notwendigen Mittel, um reichlich saubere Energie zu erzeugen und die globale Erwärmung zu begrenzen.


Über REYL

Die 1973 gegründete REYL-Gruppe ist eine diversifizierte, unabhängige Bankengruppe mit Niederlassungen in der Schweiz (Genf, Zürich, Lugano), in Europa (London, Luxemburg, Malta) sowie weitere Regionen weltweit (Singapur, Dubai). Sie verwaltet ein Vermögen von über CHF 13,5 Milliarden und beschäftigt mehr als 220 Mitarbeitende.
Die Gruppe verfolgt einen innovativen Ansatz im Bankgeschäft. Zu ihrem Kundenkreis zählen internationale Unternehmer und institutionelle Anleger, die sie in ihren Geschäftszweigen Wealth Management, Entrepreneur & Family Office Services, Corporate Advisory & Structuring, Asset Services und Asset Management betreut.
Die REYL & Cie AG ist in der Schweiz als Bank zugelassen und geht ihrer Tätigkeit unter direkter Kontrolle vonseiten der Schweizer Finanzmarktaufsichtsbehörde (FINMA) sowie der Schweizer Nationalbank (SNB) nach. Die Tochtergesellschaften der REYL-Gruppe werden im Übrigen durch das KAG in der Schweiz, die FCA in Grossbritannien, die CSSF in Luxemburg, die MFSA in Malta, die MAS in Singapur, den DFSA in Dubai und die SEC in den USA reguliert.
www.reyl.com

Schöne neue Post-Corona-Welt: Klimaschutz, Infrastruktur und Sozialpläne treiben die Preise

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Die Kombination aus Multi-Billionen-Euro- und Dollar-Paketen zur Wiederbelebung der Konjunktur, Investitionen in Klimaschutz und Infrastruktur sowie politisch unterstützte Lohnsteigerungen lässt die Inflation stärker als bisher steigen. So lautet das neue Post-Corona-Narrativ, mit dem eine Rückkehr einer moderaten Inflation bei stabilem Wachstum umschrieben wird. Positiv für Aktionäre: Dieses Szenario stützt die Kurse von Unternehmen, die im Zentrum des Investitionsschubs stehen.

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Waren die vergangenen beiden Jahrzehnte vor allem von Investitionen in Software und standardisierter Computer-Hardware getragen, die einfache Geschäftsmodelle aus der physischen Welt in das Internet übertragen haben, sind nun gewaltige Investitionen in reale Projekte gefragt. Im Mittelpunkt wird der Aufbau neuer und die Instandsetzung bestehender Infrastruktur stehen. Die ambitionierten Klimaziele der westlichen Industrienationen und Chinas – gerade wieder bestätigt durch den von US-Präsident Joe Biden ausgerichteten globalen Klimagipfel – sind nur mit einer Materialschlacht zu erreichen. Wind- und Solarkraft werden ebenso wie smarte Stromnetze weiter ausgebaut, Speichersysteme für Elektrizität geschaffen, Gebäude isoliert, Wasserstoff wird als Energieträger in Bereiche vorstoßen, in denen Batterien nicht die erforderliche Energiedichte bieten. China wird dabei eine digitale Infrastruktur aufbauen, in der die Energie- und Verkehrswirtschaft mit der Industrie und den Dienstleistungsanbietern verwoben wird.

„Der Chip-Mangel deutet auf ein fundamentales Problem auf der Angebotsseite hin“

Neben Know-How werden große Mengen Rohstoffe benötigt. Hier deutet sich ein Trendwechsel an. Der Kollaps der Rohstoffpreise nach der Finanzkrise setzte Bergbaukonzerne unter Druck. Aktionäre sahen keine Wachstumsperspektive mehr, Expansionsprojekte wurden zugunsten von Dividendenzahlungen gestoppt. Der US-amerikanische Think-Tank Variant Perception hat ein quantitatives Gerüst entwickelt, um die Kapitalausstattung von Branchen zu messen und potenzielle Produktionsflaschenhälse in der Weltwirtschaft zu identifizieren. Speziell in den USA waren es der Maschinenbau und die Halbleiterbranche, die mit wenig Kapital versorgt waren. An der Chip-Industrie lässt sich beispielhaft zeigen, wie knapp die Kapazitäten sind. Die Stilllegung von Fließbändern in der Automobilbranche aufgrund Chip-Mangels deutet auf ein fundamentales Problem auf der Angebotsseite hin.

Die Autoindustrie steht dabei im Zentrum einer steigenden Nachfrage nach knappen Rohstoffen. Arbeitet man die Periodentabelle der chemischen Elemente ab, so kommt als Stromleiter nur Kupfer in Frage. Rein technisch, aber nicht wirtschaftlich, wären Silber und Gold bessere Alternativen. Ein Elektroauto benötigt die vierfache Menge des Kupfers eines normalen Autos. Und auch wenn die Autos teilweise in der Nacht geladen werden, so müssen doch die innerstädtischen Stromnetze massiv ihre Kupferleitungen aufrüsten. Letztlich spielen die Autos ihren ökologischen Vorteil nur aus, wenn sie mit nachhaltig erzeugter Energie gespeist werden, die aus der Wind- oder Solarkraft gewonnen wird. Um diese im Land zu verteilen, müssen ebenfalls die Überlandstromnetze ausgebaut werden. Immerhin entfällt ein erheblicher Teil des Primärenergieverbrauchs in Deutschland auf den Verkehr. Eine Investmentbank bezeichnete nicht vollkommen ohne Grund Kupfer als das neue Öl.

„Von einem inflationäre Desaster sind wir meilenweit entfernt“

Kommt nun die globale Inflationswelle? Nach der Geldmengenausweitung durch die Notenbanken 2009 infolge der Finanzkrise blieb sie aus, weil sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes verlangsamte. Das Geld ging an die Börse und floss nicht in den Konsum. Diesmal sieht es anders aus. Tatsächlich werden bei einigen Rohstoffen die Preise weiter steigen. Auch die Löhne werden sich nach oben bewegen. Die Globalisierung wird sich neu ordnen, indem Lieferketten stärker auf mehrere globale Standorten verteilt werden, um sie besser vor regionalen Störungen zu schützen. Lagerbestände werden aufgebaut. Auch dies wird zunächst die Preise treiben. Von einem inflationären Desaster im Stil der 70-er Jahre sind wir aber meilenweit entfernt. Wir bewegen uns in eine gesunde Inflationsphase, mit Preissteigerungen, die in den USA die von der Notenbank avisierten zwei Prozent auch längerfristig realistisch erscheinen lassen. Europa wird noch länger kämpfen müssen. Zu mickrig ist das europäische Konjunkturpaket und zu langsam wird es ausbezahlt. Asien wird mit dem Aufbau seiner Infrastruktur ein wesentlicher Treiber der Inflation sein. Die Vorhersagen für die Inflation in den OECD-Staaten liegen bei jährlich knapp unter zwei Prozent auf die nächsten fünf Jahre. Wichtiger jedoch ist, dass die Inflation von einem entsprechenden Wachstum begleitet wird. Für die Kurse der Aktien und Anleihen von Unternehmen, die im Zentrum des Investitionsschubs stehen, wäre die moderate Rückkehr der Inflation sogar ein Gewinn.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Smart investieren in die Energiewende

Als der Raiffeisen-SmartEnergy-ESG-Aktien vor einem Jahr aufgelegt werden sollte, krachten unvermittelt die Börsenkurse nach unten und angesichts der hereinbrechenden Coronavirus-Pandemie stand den allermeisten Anlegern kaum der Sinn nach Klimawandel und Energiewende. Trotzdem war das Fondsmanagement überzeugt davon, dass es ein guter Zeitpunkt sei, den Fonds zu starten. Zu Recht, wie sich seither gezeigt hat, nicht zuletzt wegen seiner ausgezeichneten Wertentwicklung, wobei diese natürlich keinerlei Gewähr für die künftige Fondsperformance bietet. Heute hält uns Covid-19 noch immer fest im Griff, doch an den Börsen fokussiert man sich längst auf die Welt nach der Pandemie. Und die Politik verbindet vielerorts Konjunktur- und Wiederaufbauprogramme mit Investitionen, welche die Energiegewinnung klimafreundlicher machen und den Energieverbrauch reduzieren sollen. Das bedeutet anhaltenden, kräftigen Rückenwind für den Fonds. Ein Selbstläufer sind Investments auch in diesem Bereich aber selbstverständlich nicht, sondern den guten Ertragschancen stehen auch erhebliche Risiken gegenüber.

Smarter Zeitpunkt, smartes Fondskonzept

Rückblickend startete der Fonds zu einem sehr günstigen Zeitpunkt, auch wenn sich das vor einem Jahr kaum danach anfühlte. Dass das Fondsmanagement Aktien zu Ausverkaufspreisen einsammeln konnte, erklärt aber nur einen Teil der Wertentwicklung (siehe Chart am Ende des newsflash). Ebenso wichtig war und ist die Investmentstrategie. Und diese wird für die künftigen Ergebnisse natürlich mitentscheidend sein. Eine der großen Stärken des Raiffeisen-SmartEnergy-ESG-Aktien liegt darin, dass er das Thema Energiewende breit gefächert angeht und nicht etwa nur auf eine bestimmte Gruppe von Unternehmen und Technologien setzt. Es sprechen viele Gründe dafür, das Thema auf mehreren verschiedenen Ebenen abzudecken. Zum einen aus Gründen der Risikostreuung. Zum zweiten, weil selten vorhersagbar ist, welche Anbieter und Technologien sich langfristig durchsetzen werden. DEN vermeintlichen Gewinner herauszupicken, ist daher wenig erfolgversprechend. Und schließlich: man würde unnötig Investmentchancen verschenken, wenn man sich nur auf eine relativ kleine Gruppe von Unternehmen oder Themen fokussiert. Nicht zu unterschätzen und von vielen Anlegern oft übersehen: Dasselbe Investmentthema lässt sich mitunter auf ganz verschiedene Arten und zuweilen mit besseren Erfolgsaussichten umsetzen, wenn man dabei ein wenig „ums Eck“ denkt, wie im Abschnitt „Smart investieren in überhypte Trends“ noch gezeigt wird.

Energiewende: Schlüssel im Kampf gegen Klimawandel

Der Energiesektor ist für rund zwei Drittel aller Treibhausgase der Menschheit verantwortlich. Und allen Einsparbemühungen zum Trotz wird der globale Stromverbrauch weiter stark wachsen – in den kommenden 20 Jahren um geschätzte 60 %. Daran wird auch deutlich, wie gewaltig die Aufgabe ist und welch langfristiges hohes Wirtschaftspotenzial sie bietet.

Das Fondsmanagement investiert in rund 50 verschiedene Unternehmen, unterteilt in drei große Bereiche:

  1. Regenerative Stromversorger und Stromerzeuger
  2. Industrieunternehmen mit starkem Bezug zur Energiewende
  3. Technologieunternehmen

Sämtliche Unternehmen müssen dabei selbst auch nachhaltig wirtschaften, also die strengen Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, ohne die es kein Unternehmen in die Palette der Nachhaltigkeitsfonds der Raiffeisen KAG schafft, zu denen der Raiffeisen-SmartEnergy-ESG-Aktien ja gehört. Das bedeutet übrigens auch, dass der Fonds nicht auf Atomstromproduzenten setzt. Nuklearstrom mag zwar eine gute CO2-Bilanz haben, aber nachhaltig ist er ganz und gar nicht!

Zur ersten Gruppe, die auch den größten Anteil des Fondsvermögens umfasst, gehören vor allem Stromkonzerne mit Fokus auf regenerative Energien (Wasserkraft, Windkraft, Solarenergie) und Betreiber von Solar- oder Windkraftwerken. Zur zweiten Gruppe gehören beispielsweise Unternehmen, die Schlüsselkomponenten liefern, um Solar- und Windkraftwerke zu bauen, Elektrofahrzeuge herzustellen, aber auch vermeintlich „langweilige“ Unternehmen, die sich etwa mit der Gebäudesanierung befassen. Letzteres ist einer der Schwerpunkte im „Green New Deal“ der EU und das aus gutem Grund: Drei von vier Gebäuden in der EU gelten als energetisch ineffizient! 275 Milliarden Euro sollen bis 2030 jedes Jahr im Rahmen der „EU-Renovierungsoffensive“ für ihre Sanierung ausgegeben werden. Energie nicht zu verschwenden, ist letztlich immer noch die umweltfreundlichste und nachhaltigste Lösung. In der dritten Gruppe finden sich Technologieunternehmen, die beispielsweise Schlüsseltechnologien für die Energiewende liefern – z. B. Mikrochips für Elektroautos, Geräte zur smarten Steuerung des Energieverbrauchs, Batterietechnologien zur Energiespeicherung u.v.m.

Die Energiewende steht und fällt mit Speichertechnologien

Denn ohne leistungsfähige, langlebige und ressourcenschonend herstellbare Speichertechnologien wird die Energiewende kaum zu bewerkstelligen sein. Wind- und Sonnenenergie sind schließlich nicht durchgehend verfügbar und sie unterliegen oft starken Schwankungen. Als eine Alternative zu herkömmlichen Batterien und den (schon lange betriebenen) Pumpspeicherwerken kristallisiert sich zunehmend Wasserstoff heraus. Das Grundprinzip: Mit überschüssigem Strom (beispielsweise tagsüber durch Solarkraftwerke) wird aus Wasser oder Erdgas Wasserstoff gewonnen und dieser wird gespeichert. Benötigt man die Energie, lässt man den Wasserstoff zum Beispiel mit Sauerstoff reagieren (die vielen noch aus dem Chemieunterricht bekannte Knallgasreaktion). Gerade Wasserstoffaktien und Hersteller von Wasserstoff-Brennstoffzellen für den mobilen Einsatz erlebten im vergangenen Jahr einen regelrechten Hype. Einige davon sind auch im Raiffeisen-SmartEnergy-ESG-Aktien enthalten, doch Wasserstoff ist derzeit noch eine kleine Nische und die Aktienbewertungen in diesem Bereich sind zum Teil nur noch schwer nachzuvollziehen. Das gilt übrigens auch für die meisten Hersteller von Elektrofahrzeugen.

Smart investieren in überhypte Trends

Wer clever investiert, kann dennoch mit guten Risiko-Ertrags-Konstellationen auch vom Elektroauto-Trend profitieren, beispielsweise indem man in Unternehmen investiert, die unverzichtbare Bauteile für die Batterien oder die Elektronik dieser Fahrzeuge liefern. Eine weitere Möglichkeit des smarten Investierens in bereits sehr stark gehypte Trends bietet der bald schon exponentiell wachsende Berg von Solarpanelen, die künftig auch recycelt werden müssen. Mit dem massiven Ausbau der Solarstromerzeugung weltweit tut sich hier ein gewaltiger Wachstumsmarkt für spezialisierte Unternehmen auf. Recyceln mag an den Märkten weniger „in Mode“ sein und für viele Anleger weniger elektrisierend klingen als das Herstellen von Solarpanelen, ist aber möglicherweise sogar das langfristig einträglichere und letztlich auch nachhaltigere Geschäft. Und es berührt ein weiteres Investmentthema des Fonds, das auch medial immer stärkere Beachtung findet: die Kreislaufwirtschaft. So gibt es etwa Unternehmen, die Isoliermaterial für die bereits angesprochene Gebäudesanierung in hohem Umfang aus Plastikabfällen herstellen, von weggeworfenen PET-Flaschen bis hin zu Plastikmüll aus dem Meer.

Fazit

Die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien und effizienterem Energieeinsatz ist ein Schlüsselfeld im Kampf gegen Treibhausgase, Umweltverschmutzung und globale Erwärmung. Der Raiffeisen-SmartEnergy-ESG-Aktien investiert in diesen Megatrend breit gefächert auf verschiedenen Gebieten. Dabei sind Investments auch in diesem Bereich natürlich kein Selbstläufer, sondern bedürfen einer sorgfältigen Auswahl, ständigen Beobachtung und gegebenenfalls Anpassung durch das Fondsmanagement. Es wird auch hier Gewinner und Verlierer geben und nicht jedes Investment wird am Ende halten, was sich Anleger davon versprachen. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich erneuerbarer Energien, effizienterer Energienutzung und den dafür benötigten Technologien und Komponenten engagieren. Dazu gehören beispielsweise hohe Kursschwankungen bis hin zu möglichen Kapitalverlusten.

KI im Gesundheitsmarkt: Trends und Kriterien für die Aktienauswahl

von Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager Healthcare, apoAsset.

Die Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) wächst derzeit besonders stark im Bereich Gesundheit und Medizin. Das kann die Medizin verbessern, bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich. Für Anleger gibt es wichtige Kriterien für die Aktienauswahl.

Der globale Gesundheitsmarkt ist mit rund 10 Billionen US-Dollar extrem groß, wächst langfristig überdurchschnittlich stark und unabhängig von den üblichen Konjunkturzyklen. Das macht ihn für Unternehmen und Anleger besonders attraktiv. Das Gesundheitswesen drängt sich für die Anwendung von KI förmlich auf, da der Markt sehr komplex ist, viele Teilnehmer und Interessensgruppen umfasst und jede Menge Daten entstehen. Dadurch entsteht eine große Hebelwirkung.

Auf dem Weg zum Multi-Milliarden-Markt

Der Investitionsbedarf bei KI in der Medizin ist hoch und erfordert einen langen Atem, wobei die Erfahrungen zu den Erfolgswahrscheinlichkeiten noch begrenzt sind – anders als etwa bei der Medikamentenentwicklung. Doch das reale Geschäft mit KI in der Medizin ist bereits jetzt rasant gewachsen und dürfte weiter boomen. Verschiedene Prognosen rechnen in den kommenden fünf Jahren mit durchschnittlich etwa 45 % mehr Umsatz pro Jahr. Das Segment ist damit auf dem Weg zu einem Multi-Milliarden-Markt, von dem auch Anleger profitieren können.

Wie vielfältig Gesundheits-Unternehmen in KI investieren

Die Vielfalt der Gesundheits-Unternehmen, die in KI investieren, ist extrem groß. Sie nutzen KI etwa bei bionischen Knie-Prothesen, die sich an die Gangart ihrer Träger anpassen, oder zur deutlich schnelleren Diagnose von Schlaganfällen oder Herzinfarkten, bei denen jede Minute zählt. Insgesamt sind es vier Gesundheitsbereiche, die sich für KI besonders eignen. Neben der Forschung und Entwicklung gehören dazu das Risikomanagement (Beispiel Fehleranalyse), die Produktion (Beispiel Logistik) und die Verbesserung von Abläufen. Was sehr technisch klingt, kann Ärzten und Patienten in der Praxis künftig spürbar helfen.

USA und Asien dominieren

Führend bei KI in der Medizin sind überwiegend Unternehmen in den USA und Asien, da sie dort ein besseres Finanzierungsumfeld und eine andere Regulatorik vorfinden. Daher gibt es dort auch mehr Anlagemöglichkeiten. Ein häufig zitiertes Beispiel ist Google mit seiner KI-Tochter DeepMind und dem Quantum AI Lab. Der Digital-Konzern kooperiert mit Pharma-Herstellern, um die Entwicklung von Medikamenten mit Quanten-Computern zu beschleunigen. KI im Gesundheitsbereich ist aber viel mehr als Google. Es etablieren sich immer wieder neue Unternehmen mit ganz eigener Expertise am Markt. Dazu gehören zum Beispiel zwei Unternehmen aus Großbritannien und Japan, die derzeit gemeinsam ein Medikament gegen Zwangsstörungen entwickeln. Mit Hilfe von KI haben sie nach nur einem Jahr einen potenziellen Wirkstoff gefunden, der nun in klinischen Studien geprüft wird. Auf konventionellem Weg würde eine solche Wirkstoffsuche mehrere Jahre dauern.

Kriterien für die Aktienauswahl

Aus Investorensicht gibt es neben dem Innovationsgrad und dem Entwicklungsstand weitere wichtige Kriterien für die Aktienauswahl. Dazu gehören das Geschäftsmodell, die Qualität des Managements und der Finanzierungsstand des Unternehmens. Hinzu kommt die Bewertung, also das Verhältnis zwischen dem Börsenkurs und dem realen Gewinn. Denn der schönste Algorithmus bringt nichts, wenn ein Unternehmen und seine Anleger damit kein Geld verdienen.


Fondsmanager-Interview zu KI in der Medizin: www.apoasset.de/artikel/der-schoenste-algorithmus-bringt-nichts-wenn-ein-unternehmen-damit-kein-geld-verdient

Rückblick 4. Expertenzirkel der apoAsset zu KI: www.apoasset.de/expertenzirkel-2021

Über Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager Healthcare, Apo Asset Management GmbH (apoAsset)

Hendrik Lofruthe ist seit 2015 Portfolio Manager Healthcare bei apoAsset. Er gehört zum Management-Team für die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance und apo Emerging Health. Er verfügt über akademische Abschlüsse als M.Sc. Finance und CFA und langjährige professionelle Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 4 Milliarden Euro. Ihre Schwerpunkte sind globale Gesundheitsfonds und Multi-Asset-Fonds. Das Unternehmen verfügt über ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialisten Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Weltweiter Halbleiter-Mangel fordert Automobil- und Elektronikbranche heraus

Der weltweite Halbleiter-Mangel könnte die erhoffte Erholung der Automobilbranche ausbremsen. So war die Chipkrise zuletzt auch ein bestimmendes Gesprächsthema unter den bei der Automesse Shanghai vertretenen Branchenvertretern. Der Direktor der Vereinigung der chinesischen Autohändler, Jia Xinguang, erwartet etwa für die zweite Jahreshälfte nur eine leichte Besserung, aber keine Lösung des Problems. Auch der Automobilriese Volkswagen stellt sich darauf ein, dass die Versorgung angespannt bleiben wird.

Autohersteller kämpfen derzeit weltweit mit den Engpässen bei Halbleitern. So hat Volkswagen zuletzt seine Fertigung im Werk in Emden wegen der Chipkrise für zwei Wochen geschlossen. Auch Ford hat wegen der Engpässe zuletzt die Produktion in einigen Werken angehalten. Hyundai hatte seine Produktion in einem Werk in Südkorea von 7. bis 14. April gestoppt.

Digitalisierung und Lockdowns schoben Chipnachfrage weltweit an

Auslöser der Chipkrise war der Ausbruch der Corona-Pandemie zu Beginn des Jahres 2020. Die weltweiten Lockdowns und Quarantänemaßnahmen infolge der Pandemie hatten der Digitalisierung einen enormen Schub verpasst. So hatte der Home Office Boom zu einer starken Steigerung der Laptop-Nachfrage und damit in Folge nach Computerchips geführt.

Die weitgehende Einschränkung der Freizeitgestaltung auf die eigenen vier Wände hatte gleichzeitig auch die Nachfrage nach Unterhaltungselektronik von Fernsehern bis Videospielkonsolen nach oben getrieben. Die Verlagerung von Arbeit und Freizeitaktivitäten in die digitale Welt hat schließlich auch die Anforderungen an die bestehende Internet-Infrastruktur erhöht. Die Nachfrage nach Speicherchips für Server und Rechenzentren ist kräftig gestiegen. Insgesamt waren die Umsätze mit Halbleitern laut den Marktforschern von Gartner 2020 weltweit um gut zehn Prozent auf 466 Mrd. Dollar gestiegen.

Die Automobilbranche selbst war davon anfangs nicht betroffen: Die Branche kämpfte zunächst mit hauseigenen Problemen wie pandemiebedingten Werkschließungen. Doch als die Automobilhersteller bereit waren ihre Produktion weltweit wieder hochzufahren, gab es ein neues Problem: Halbleiterhersteller weltweit waren ausgelastet und produzierten auf Hochtouren für die Elektronikbranche. Die für die Autos benötigten Computerchips waren plötzlich Mangelware.

Auch die Computerbranche dürfte die Folgen des weltweiten Chipmangels bereits spüren. Laut einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ von April, schlagen die Lieferengpässe bei Apple bereits auf die Produktion von Laptops und Tablets durch. Apple selbst hatte derartige Probleme bisher nicht bestätigt. Ein Ende der starken Nachfrage und des Chipmangels sind derzeit nicht in Sicht. Trends wie die Digitalisierung des Berufslebens oder autonomes Fahren dürften die Nachfrage eher noch verstärken, erwarten Marktforscher. Dazu kamen zuletzt noch einige Sonderfaktoren wie ein Ausfall der Chipproduktion in Texas nach einer Kältekatastrophe und Stromausfällen in dem US-Bundesstaat.

Kapazitäten der Chip-Auftragsfertiger am Limit

Ins Rampenlicht gerieten mit den Chip-Engpässen vor allem die großen Auftragsfertiger von Halbleitern, die sogenannten „Foundries“. Denn zahlreiche Chiphersteller wie etwa AMD, Nvidia oder Qualcomm operieren ohne eigene Fertigung als „Fabless companies“: Sie designen und vertreiben ihre Chips, die Fertigung selbst wird aber bei den Foundries in Auftrag gegeben.

Die dritte Gruppe am Chipmarkt sind die integrierten Hersteller – „Integrated Device Manufacturer“ bzw. „IDMs“, bei denen die ganze Kette von Design, Produktion bis zu Vertrieb im Haus erfolgt. Doch auch prominente IDMs wie Intel lagern ihre Produktion teilweise an die großen Auftragsfertiger aus. Viele prominente Chipfirmen sind damit selbst von der Chipkrise betroffen, da die Foundries derzeit an der Kapazitätsgrenze arbeiten und der Nachfrage nicht mehr nachkommen.

Um die Dienste der Foundries ist damit eine Art globaler Verteilungskampf entstanden. Im Rampenlicht stehen dabei vor allem zwei große asiatische Hersteller: Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) und der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung. Weltweit können derzeit nur diese beiden Konzerne die besonders dichtgepackten Chips auf Basis der sogenannten Fünf-Nanomenter-Technologie produzieren.

Vor allem der Marktführer TSMC hat vom Chipmangel zuletzt stark profitiert und seinen Gewinn im ersten Quartal überraschend stark auf 140 Mrd. Taiwan-Dollar oder umgerechnet gut 4 Mrd. Euro gesteigert. Zu den größten Kunden des Konzerns zählt der iPhone-Hersteller Apple. TSMC will jetzt binnen drei Jahren 100 Mrd. US-Dollar in den Ausbau seiner Produktion investieren.

Der deutlich kleinere Chipauftragsfertiger Globalfoundries geht einen anderen Weg und sucht die Zusammenarbeit mit seinen Kunden. Der US-Konzern will 450 Mio. Dollar in seine Produktion in Dresden investieren, ein Drittel davon sollen Kunden wie Infineon oder Bosch aufbringen. Die Abnehmer können sich über Vorauszahlungen Kapazitäten reservieren oder direkt in Produktionsanlagen investieren. Laut Informationen der Agentur Bloomberg könnte sich der Konzern zudem bald weiteres Kapital über einen möglichen Börsengang besorgen.

US-Präsident lud Konzerne zum Krisengipfel

Auch Politiker müssen mittlerweile auf die Chipkrise reagieren. Denn von dem Halbleitermangel sind nicht nur wichtige Industriezweige, sondern auch Teile der kritischen Infrastruktur betroffen. So hat die US-Regierung die Führungskräfte von fast 20 großen betroffenen Unternehmen im April zu einem Gipfeltreffen eingeladen um mögliche Strategien zu beraten. Präsident Joe Biden will die US-Halbleiterproduktion und Investitionen zur Förderung der Produktion von kritischen Gütern mit mindestens 100 Mrd. Dollar unterstützen.

Auch beim Antrittsbesuch des japanischen Ministerpräsidenten Yoshihide Suga bei Joe Biden zu Beginn des Monats dürfte die Halbleiterkrise ein wichtiges Thema gewesen sein. Angesichts der Lieferengpässe der Chipindustrie planen die USA und Japan einem Bericht von „Nikkei“ zufolge ein Abkommen über die Versorgung mit kritischen Halbleiterkomponenten.

Anlegen in Technologie-Aktien mit dem ERSTE STOCK TECHNO

Ein Möglichkeit an der Entwicklung von Technologie-Aktien zu partizipieren, bietet der Technologie-Aktienfonds ERSTE STOCK TECHNO (siehe Grafik). Das Fondsmanagement setzt auf hochwertige und wachstumsstarke Unternehmen mit Schwerpunkt USA. Die Halbleiter-Branche ist aktuell mit rund 14% im Fonds gewichtet. In den Veranlagungsprozess sind ökologische und soziale Faktoren sowie Unternehmensführungsfaktoren integriert.

Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.

Neben den langfristigen Trends zur Digitalisierung geben auch jüngste Meldungen diverser Halbleiterausrüster wie z.B. ASML (diese beliefern Foundries wie TSMC und Samsung Electronics) klare Hinweise, dass die hohe Nachfrage nach Computerchips kein kurzfristiger Effekt sein wird. „Die Orderbücher der Ausrüster sind gut gebucht, und auch auf deren Seite wird mit Hochdruck an zusätzlichen Auslieferungen gearbeitet. Strategische Überlegungen bezüglich Versorgungssicherheit aus Sicht Europas und der USA kommen noch hinzu“, betont Bernhard Ruttenstorfer, Senior Fondsmanager des ERSTE STOCK TECHNO.

Wer in Technologie-Aktien investiert, hat die Chance auf attraktive Wertsteigerung, muss aber die oftmals höheren Kursschwankungen und auch mögliche Verlustrisiken im Auge behalten. Es empfiehlt sich eine Anlagedauer von mindestens 6 Jahren.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Inflationsauswirkungen in 5 Sektoren

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Für viele Anleger hat die Inflation, COVID als größte Bedrohung für die Märkte überholt.1 Obwohl es umstritten ist, wie hoch und wie lange die Preise steigen können, gehen wir davon aus, dass die Inflationssorgen zumindest in der nahen Zukunft anhalten werden, wenn die Konjunktur, die Rohstoffpreise und die Wiedereröffnung der Märkte anziehen. Die Inflation dürfte in den USA, die eine rasche wirtschaftliche Erholung erleben, stärker sein als in Teilen der Welt, die mit Produktionslücken konfrontiert sind. Im Folgenden gehen wir der Frage nach, welche Sektoren am meisten gewinnen - oder verlieren - könnten, wenn der Inflationsdruck zunimmt.

Die Auswirkungen der Inflation auf die Sektoren

Angesichts der Auswirkungen der erodierenden Preismacht können Ausgaben (Einzelhandel oder Investitionen) vorgezogen werden, aber die Vorteile für einige werden durch höhere Eingangskosten wieder aufgehoben. Das Nettoergebnis in den einzelnen Sektoren wird durch eine Kombination von Faktoren wie der Elastizität der Nachfrage oder der Verfügbarkeit von Produkten bestimmt. Eine weitere wichtige Überlegung ist die Auswirkung höherer Zinssätze, die oft mit einem Inflationsdruck einhergehen und ihre eigenen, unterschiedlichen Folgen für die Sektoren haben. In letzter Zeit haben wir einen Anstieg der Anleiherenditen gesehen, aber die großen Zentralbanken sind weit davon entfernt, eine Straffung vorzunehmen.

Im Folgenden betrachten wir die unterschiedlichen Auswirkungen steigender Preise auf fünf Sektoren: drei, in denen sich die Inflation positiv auswirken könnte, und zwei, die darunter leiden könnten.

Rohstoffe: Ein Sektor-Play für den Rohstoff-Superzyklus

Rohstoffe, einschließlich aller Arten von Metallen, Öl und weichen Agrarprodukten, haben einen starken Start ins Jahr 2021 erlebt und sind eine Ursache für höhere Inflationserwartungen. Die Preise reagieren sowohl auf den Nachfragesog der wirtschaftlichen Wiederbelebung als auch auf den Angebotsschub durch die COVID-bedingten Störungen.

Wir glauben, dass Bergbauunternehmen im aktuellen Zyklus gut aufgestellt sind, um höhere Industriemetallpreise an ihre Kunden weiterzugeben. Auch wenn Preiserhöhungen oft neue Angebote in dieser Branche stimulieren, kann die Genehmigung und der Bau neuer Minen Jahre dauern, so dass die derzeitige Nachfrage-Angebots-Dynamik anhalten könnte.

Die Chemie- und Bauproduktehersteller sehen sich ähnlich günstigen Nachfrage- und Angebotstrends gegenüber, obwohl es einen Kostendruck durch Arbeits- und Rohstoffkosten geben wird.

Energie: Höchstes Inflations-Beta

Der Anstieg der Rohölpreise um fast 25 % im bisherigen Jahresverlauf schlägt sich in den Industrie- und Schwellenländern in einer hohen Benzinpreissteigerung nieder. Der Energiesektor weist eine hohe Sensitivität gegenüber diesem Anstieg auf. Die Korrelation von 0,6 zwischen dem S&P 500 Energy und der Inflation über die letzten 10 Jahre ist dreimal so hoch wie der Durchschnitt für US-Aktien.2 Es besteht eine direkte Verbindung zwischen den Öl- und Gaspreisen, die eine zentrale, aber volatile Komponente der VPI-Zahlen sind, und den Energieaktien, die eine starke Beziehung zu den Rohöl-Futures haben. Für jeden 1 %igen Anstieg des VPI bewegen sich die S&P 500-Energiepreise um 9 % (über die letzten 10 Jahre).3

Die Fähigkeit der Energieunternehmen, höhere Preise weiterzugeben, variiert je nach Branche, aber insgesamt ist der Nutzen in den großen Gewinnsteigerungen der letzten Monate zu erkennen. Mit Blick auf die Zukunft könnte sich das derzeitige Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage durch eine Verschlechterung der OPEC+-Vereinbarung zur Drosselung der Produktion und die Rückkehr von Fracking auf ein höheres Preisniveau verschlechtern.

Der Energiesektor weist zwar das höchste Inflations-Beta auf, leidet aber unter einer hohen Volatilität, was die risikobereinigten Renditen auf längere Sicht beeinträchtigt.

Industrieunternehmen: Wiedereröffnung und Stimulus-Nutznießer

Der Industriesektor ist eine vielfältige Gruppierung, die Hersteller von Luft- und Raumfahrtprodukten, Elektrotechnik, Transportunternehmen und Beratungsfirmen umfasst und daher nicht einfach zu verallgemeinern ist. Allerdings profitiert der Sektor traditionell von zyklischen Trends in dieser Phase der wirtschaftlichen Erholung. Mögliche Treiber in diesem Jahr sind die Rückkehr der Investitionen, die fortgesetzte Modernisierung der Fertigungsprozesse und neue Aufträge als Folge der Konjunkturpakete.

Die Preiskomponenten der jüngsten US-PMI-Zahlen signalisieren einen zunehmenden Inflationsdruck, wobei die Hersteller unter dem Anstieg der Inputpreise leiden, die sich nahe an Vierjahreshochs befinden, und gleichzeitig von der Messung der Outputpreise auf dem höchsten Stand seit Januar 2017 profitieren. Auch hier ist es wichtig, die Fähigkeit der verschiedenen Branchen zu beobachten, Kostensteigerungen weiterzugeben.

Der Industriesektor ist eine geeignete zyklische Wahl für ein hohes Inflations-Beta mit dem Potenzial, eine hohe Volatilität zu vermeiden.

Versorger: Begrenzte Preissetzungsmacht

Versorgungsunternehmen haben eine komplizierte Beziehung zur Inflation. Derzeit sehen sich Strom-, Gas- und Wasserversorger mit höheren Inputkosten für Rohstoffe wie Kohle und Erdgas konfrontiert, was sich auf die Gewinnmargen auswirken könnte. Versorgungsunternehmen haben eine begrenzte Preisgestaltungsmacht, da ein erheblicher Teil ihrer Einnahmeströme reguliert ist.

Lokale Landes- oder Staatsregulierer überwachen Preise, Produktion und Umwelt im Gegenzug für die Gewährung von Monopolmacht. Diese Kommissionen legen die Preise so fest, dass die Versorger eine bestimmte Kapitalrendite aus ihrer Tätigkeit erzielen können. Wenn die Kosten für diese Unternehmen aufgrund der Inflation steigen, werden ihnen in der Regel Preiserhöhungen zugestanden, die sie über die Netztarife an die Kunden weitergeben können. Je nach Regulierungsvereinbarung können höhere Kosten jedoch erst im nächsten Regulierungszyklus wieder geltend gemacht werden.

Schätzungsweise 60 % der weltweiten Erträge des Sektors stammen aus inflationsgesicherten regulierten Vermögenswerten, was einen gewissen Schutz bietet, der jedoch je nach Region und Tätigkeit variiert.4 Stromerzeugung und -versorgung sind weitgehend dereguliert (d.h. der Gewinn ist den Marktpreisen ausgesetzt), während die Übertragung und Verteilung tendenziell unter regulierten Rahmenbedingungen erfolgt und den Anspruch erheben kann, die Inflation im Laufe der Zeit auszugleichen. Daher verfügen integrierte Versorgungsunternehmen, die einen Großteil des Sektors ausmachen, nicht unbedingt über ein hohes Maß an Inflationsschutz.

Basiskonsumgüter: Preissensible Verbraucher und starker Wettbewerb

Der Sektor Basiskonsumgüter umfasst Lebensmitteleinzelhändler, Lebensmittel- und Getränkehersteller sowie Anbieter von Haushalts- und Gebrauchsgütern. Diese Unternehmen sind aufgrund der relativ unelastischen Nachfrage nach den von ihnen angebotenen Gütern relativ defensiv, leiden aber unter niedrigen Eintrittsbarrieren. Das Ausmaß des Wettbewerbs sowie die starke Standardisierung der Produkte und Eigenmarken bedeuten, dass die Unternehmen oft Mühe haben, die Kosten weiterzugeben, es sei denn, sie besitzen führende Marken oder ein einzigartiges Angebot. Die Gewinnmargen stehen unter ständigem Druck, der sich in inflationären Zeiten noch verstärken kann.

Die durch die Pandemie hervorgerufenen Veränderungen in der Lieferkette waren nicht hilfreich und könnten in Zukunft zu einer veränderten Beschaffung zwingen. Auch der Wunsch, nachhaltiger zu produzieren, lässt die Produktionskosten oft steigen. Es gibt jedoch einige positive längerfristige Trends, darunter die Premiumisierung und ein größeres Bewusstsein für Gesundheit und Wellness, die zu einem Anstieg der Produktpreise führen könnten.

Jüngste Daten zeigen, dass die Preisinflation bei Lebensmitteln sehr gering ist und die Preise für Haushaltswaren nur geringfügig über dem saisonalen Durchschnitt liegen.5 Gleichzeitig sind die Inputkosten in der gesamten Branche mit dem Preisdruck bei Rohstoffen und Vertriebskosten konfrontiert.


Um mehr über unsere Ansichten zu den Sektoren zu erfahren, lesen Sie bitte unseren aktuellen Sector & Equity Compass.

1) Laut dem Bank of America Fund Manager Survey aus März 2021 ist die Inflation zur Hauptsorge der Anleger geworden und hat COVID-19, das im Vorjahr die Hauptsorge war, abgelöst.
2) Quelle: S&P Dow Jones Indices März 2021.
3) Quelle: S&P Dow Jones Indizes März 2021.
4) Quelle: Citi Research, Januar 2021.
5) Quelle: PriceStats®, State Street Global Markets, Stand: 29. März 2021.

Inflationsdebatte – übertrieben optimistisch

von Joseph A. Filicetti, Produktspezialist bei Western Asset Management, Teil von Franklin Templeton. 

Die derzeitige Debatte über steigende Zinsen und Inflation in den USA erscheint uns doch übertrieben optimistisch. Wir sind zwar sehr zuversichtlich, dass wir die vor uns liegenden medizinischen und ökonomischen Herausforderungen meistern werden, wenn die COVID-19-Infektionen und die Beeinträchtigung des Wirtschaftsentwicklung zurückgehen, allerdings dürfte dies mehr Zeit in Anspruch nehmen, als die Märkte aktuell einpreisen.

Um einzuschätzen, wie schnell die US-Wirtschaft wieder auf das Niveau von vor dem Ausbruch der Coronakrise zurückkehren könnte, sollte man sich folgendes fragen: Wie präsentierte sich das damalige Umfeld? Nun, im Dezember 2019 befand sich die Arbeitslosigkeit in den USA auf einem 50-Jahres-Tief, Aktien notierten auf einem Allzeithoch – und die Fed senkte die Zinsen, weil die Inflation extrem niedrig war. Heute hingegen liegt die Arbeitslosigkeit, wenn man die Partizipationsrate betrachtet, bei fast 10 %. Rund 10 Millionen Amerikaner sind arbeitslos, wobei einige dieser Arbeitsplätze aufgrund von Covid dauerhaft verloren gegangen sind. Im Hinblick auf die Verschuldung ist die Lage deutlich schlechter als im Dezember 2019. Darüber hinaus werden die Steuerausgaben, die die Demokraten im März durch den Haushaltsabstimmungsprozess verabschiedet haben, zusätzlich zu den 900 Milliarden Dollar, die im Dezember 2020 genehmigt wurden – sowie die Möglichkeit eines Infrastrukturabkommens im späteren Verlauf dieses Jahres – durch noch mehr Schulden finanziert werden.

Dieser fiskalische Schub wird die US-Wirtschaft kurzfristig enorm ankurbeln. Doch wird er genügend Eigendynamik entwickeln, um längerfristig ein nennenswertes BIP-Wachstum zu generieren? Die Antwort darauf ist für uns nicht eindeutig. Nimmt man die größte Steuersenkung für Privatpersonen und Unternehmen in der Geschichte der USA im Jahr 2018, die als sich selbst verstärkender Impuls vermarktet wurde: Im Dezember desselben Jahres verpuffte das Wachstum und die Fed verbrachte das Jahr 2019 damit, eine Vielzahl zuvor durchgeführter Zinserhöhungen rückgängig zu machen – wiederum, weil die Inflation zu schwach war.

So spiegelt die aktuelle Preisgestaltung einen spektakulären Optimismus wider. Der aktuelle Fünf-Jahres-Forward deutet zum Beispiel darauf hin, dass die Fed den Leitzins in fünf Jahren über 2,0 % haben will. Dies bedeutet, dass die Fed in der Lage sein muss, all ihre Käufe und Anpassungen vollständig zurückzufahren, ohne das Wachstum zu bremsen. Ausserdem muss sie in der Lage sein, den Leitzins um mindestens 200 Basispunkte anzuheben, ohne das Wachstum zu beeinträchtigen; auch unsere enorme Schuldenlast darf das Wachstum nicht verlangsamen und die Fed müsste eine umfassende Vollbeschäftigung erreicht haben, von der alle profitieren. Ist es möglich, dass irgendetwas schief gehen kann oder es länger dauert, dies zu erreichen? All diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um nur die Gewinnschwelle zu erreichen!

Wir gehen davon aus, dass die Inflation in diesem Jahr durch Basiseffekte ansteigen wird. Sowohl der Vorsitzende als auch der stellvertretende Vorsitzende der Fed geben offen zu, dass sie bereit sind, eine "vorübergehende Inflation" in Kauf zu nehmen, da die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie nicht dauerhaft anhält. Ihr Inflationsziel ist nicht nur, mittelfristig 2 % zu erreichen, sondern ein hohes Maß an Vertrauen zu haben, dass es dauerhaft auf diesem Niveau bleibt. Längerfristige säkulare Kräfte, mit denen wir es seit der globalen Finanzkrise zu tun haben, haben die Inflation gedämpft. Dazu gehören die Verschuldung und die Alterung der Bevölkerung in den Industrieländern, die die Abhängigkeitsquotienten erhöhen, sowie der technologische Fortschritt. Während der technische Fortschritt die Produktivität im Laufe der Zeit erhöht, verdrängt er auch immer mehr Arbeitsplätze. Alle drei Faktoren haben sich im Laufe der Zeit verschlechtert. Derzeit deuten die 10-jährigen US-Staatsanleihen darauf hin, dass die Aufgabe der Fed bereits erfüllt ist – könnte auch dies zu optimistisch sein? Wir denken ja.

Unternehmensstimmen zum Thema demografischer Wandel

von Andreas Perauer, Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsteams bei der Raiffeisen KAG.

Die Alterung der Gesellschaft stellt sowohl den öffentlichen als auch den privaten Sektor vor große Herausforderungen. Speziell die gesundheitliche Behandlung und Betreuung älterer Menschen ist eine der Kernaufgaben, die es zu bewältigen gilt. Der Gesundheitssektor ist demnach einer der vom demografischen Wandel am stärksten betroffenen, gleichzeitig aber auch profitierenden Sektoren.

Die Engagement-Aktivitäten des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management beim Thema demografischer Wandel beinhalten den Dialog mit einigen der größten börsennotierten Unternehmen der Medizintechnik-Branche. Dabei wurden folgende Fragen gestellt:

Wie wirkt sich der demografische Wandel auf Ihr Unternehmen aus? Inwieweit profitieren Sie davon und welchen positiven Impact können Sie leisten?

Philips, ein niederländischer Anbieter von Gesundheitstechnologie und Haushaltsgeräten, sieht die wachsende alternde Bevölkerung, die zunehmende Belastung durch chronische Krankheiten und die steigenden Ausgaben in Entwicklungsmärkten als wesentliche Einflussfaktoren auf das Unternehmen an. Ziel ist es, bis 2025 die Gesundheit und das Wohlbefinden von 2 Milliarden Menschen positiv zu beeinflussen, davon 300 Millionen, die in unterversorgten Gemeinden beispielsweise in Afrika leben. Der US-amerikanische Konzern Stryker, einer der weltweit größten Hersteller von orthopädischen Implantaten wie Fuß- und Sprunggelenke, erkennt im demografischen Wandel ebenfalls einen wesentlichen Inputfaktor für seine Produkte und Dienstleistungen. Der verfolgte kundenorientierte Forschungs- und Entwicklungsansatz, dezentrale Geschäftsabläufe sowie diverse Spezialistenteams sind alle auf die Entwicklung klinisch differenzierter Lösungen ausgerichtet, die die verschiedenen Bedürfnisse sowohl der Patienten als auch des Versorgungspersonals erfüllen sollen. Dazu zählt eben auch ein Fokus auf die demografischen Veränderungen auf Patientenebene. Das britische Unternehmen Smith & Nephew, ebenso führend im Bereich der Orthopädie, sieht seine Chance in der positiven Erwartungshaltung der Menschen gegenüber der Gesundheitsbranche. Die Menschen wollen ein aktives Leben führen und eine hohe Lebensqualität haben, und zwar unabhängig vom Alter. Mit neu entwickelten Technologien möchte Smith & Nephew genau dort ansetzen und die Grenzen des Möglichen verschwimmen lassen. Coloplast, spezialisiert in den Bereichen Stoma- und Kontinenztherapie, versorgt mit seinen Produkten bereits Millionen von Menschen, beobachtet gleichzeitg aber auch einen ständig steigenden Bedarf. Aus Nachhaltigkeitssicht sieht das dänische Unternehmen darin eine große Herausforderung, denn mehr Menschen zu helfen bedeutet gleichzeitig auch, mehr Produkte herzustellen und damit potenziell die Umweltbelastung zu erhöhen. Coloplast stellt sich dieser Herausforderung und setzt sich selbst strenge Nachhaltigkeitsziele, um so beispielsweise die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad und dadurch die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung und das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu unterstützen.

Nehmen Sie signifikante geografische Unterschiede wahr, auf die Sie sich einstellen müssen?

Das Gesundheitswesen und die Bedürfnisse der Patienten können je nach Region erheblich variieren, sowohl bei der Erbringung der Versorgung als auch bei der Regulierung. Dementsprechend müssen Unternehmen ihren Ansatz stetig anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zimmer Biomet, ein weiterer großer Anbieter von orthopädischen Implantaten mit Sitz in den USA, bietet beispielsweise unabhängig von der geografischen Lage die gleichen Produkte in derselben Qualität an, stellt in weniger entwickelten Ländern aber zusätzlich sicher, dass notwendige Schulungen für Chirurgen angeboten werden, damit die Produkte sicher und effektiv eingesetzt werden. Smith & Nephew unterstützt in entwickelten Märkten vor allem die Verbesserung der Effizienz und der Effektivität von Gesundheitssystemen, sodass Operationen in einer rationalisierten und integrierten Umgebung durchgeführt werden können. In Entwicklungsmärkten bietet der Konzern seine Lösungen zu angepassten, wettbewerbsfähigen Preisen an und führt ein aktives Produktspendenprogramm durch. Dadurch soll Menschen ein Zugang zu Gesundheitstechnologie ermöglicht werden, denen er sonst verwehrt bleiben würde. Auch für Coloplast ist es eine Herausforderung, sich an die lokalen Unterschiede der beinahe 100 Länder, in denen das Unternehmen operiert, anzupassen. Umso wichtiger ist es, globale Prinzipien und Richtlinien anzuwenden, die der wir tschaftlichen Tätigkeit, unabhängig von Länderspezifika, einen geeigneten Rahmen bieten.

Der demografische Wandel wirkt sich auch auf die Qualifikationsanforderungen an die Mitarbeiter aus. Wie gehen Sie mit diesem Risiko für aktuelle und zukünftige Mitarbeiter um?

Der demografische Wandel stellt für Unternehmen sowohl Chancen als auch Herausforderungen dar, die es angemessen zu managen gilt. Die Menschen leben und arbeiten länger, während die Mitarbeiterfluktuation vor allem innerhalb jüngerer Generationen nachweislich höher ist als in der Vergangenheit. Die Strategie von Coloplast zur Bewältigung dieser Herausforderungen umfasst drei wesentliche Bereiche: eine gesunde Balance zwischen neuen und bestehenden Mitarbeitern, die Weiterentwicklung des vorhandenen Humankapitals und die Inklusion und Vielfalt der Belegschaft. So sollen die richtigen Talente gewonnen und gehalten, die bestehenden Mitarbeiter weiterentwickelt und folglich die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an sich stetig ändernde Umstände sichergestellt werden. Im Bereich Vielfalt achtet Coloplast auf drei wesentliche Merkmale: Geschlecht, Herkunft und Generation. Speziell das letzte Kriterium spricht für eine vielfältige Belegschaft über alle Generationen hinweg. Zimmer Biomet verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Während bestehenden Mitarbeitern Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten am und abseits des Arbeitsplatzes geboten werden, führte das Unternehmen vor kurzem eine Richtlinie für virtuelle Arbeitsplätze ein, die es ermöglichen soll, neue und bisher ungenutzte Talentpools anzuziehen und zu engagieren. So soll sichergestellt werden, dass das Unternehmen in eine sichere Zukunft geführt werden kann. Als multinationales Unternehmen rekrutiert Philips Talente aus der ganzen Welt und verfügt derzeit über 81.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 120 Ländern. Um das Bewusstsein für die verschiedenen Möglichkeiten bei Philips zu schärfen, integriert die Firma sogenannte Experience Maps, welche die Erfahrungen beschreiben, die Mitarbeitende in strategischen Rollen entwickeln bzw. sich in Vorbereitung auf solche Rollen aneignen können. Dies ermöglicht funktionsübergreifende, traditionelle und unkonventionelle Karrierechancen.


Die vollständige Ausgabe 31 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Ist der Glanz von Gold ermattet?

Im Zuge der globalen Pandemie haben die wichtigsten Zentralbanken der Welt die expansive Geldpolitik nochmals gelockert und die Geldmenge weiter gesteigert. Es wird alles getan, dass die globale Wirtschaft nach vielen Monaten harter Einschränkungen in Schwung kommt. In den USA bzw. in China ist dies bereits eindrucksvoll gelungen. Manche Industriesektoren wie z.B. die Chipindustrie kommen mit der Produktion gar nicht nach, um die hohe Nachfrage zu befrieden. Das Thema Inflation ist auf einmal an der Tagesordnung. Wer einen stärkeren Anstieg der Preissteigerung abfedern möchte, hat dazu mehrere Möglichkeiten – mit realen Werten wie Aktien, Immobilien und Gold.

Mit dem gerade zur Zeichnung aufliegenden Fonds ERSTE REAL ASSETS investieren AnlegerInnen zum Start des Fonds in einen Mix aus ca. 50% globalen Aktien, 17% Immobilienfonds und 33 % Gold (vorrangig in Form von Exchange Traded Commodities (ETCs). Hans Engel, Goldexperte der Erste Group Research, im Interview mit Dieter Kerschbaum, Communications Specialist Österreich der Erste AM, über die Rolle des Goldanteils im Portfolio.

Der Goldpreis fiel im ersten Quartal um -5,9% in Euro gerechnet. Für ein Investment, von dem man sich Stabilität erwartet, ist das nicht so wenig. Ist der Glanz von Gold ermattet?

Bei der Betrachtung der aktuellen Entwicklung des Goldpreises muss man die Kirche im Dorf lassen. In den 5 Jahren hat sich der Preis ja fast verdoppelt, das heißt von Ende 2015 bis August 2020. Dass nach einem jahrelangen übermäßigen Anstieg eine gewisse Konsolidierung zu Tage getreten ist, war nicht weiter überraschend. Ich würde sogar sagen, dass sie gesund war. Überdies hat Gold letztes Jahr besser performt als die meisten Aktienmärkte: So ist der Goldpreis (auf US-Dollar Basis) um 24% gestiegen, während der breite US Aktienmarkt um 16% zulegte.


Hinweis: Die Preisentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.

Was war die Ursache für den Preisrückgang im 1. Quartal? Welche Einflussfaktoren waren ausschlaggebend?

Die Abschwächung des Goldpreises war vor allem dadurch begründet, dass Investoren aufgrund der erwarteten wirtschaftlichen Erholung in diesem Jahr verstärkt in riskantere Anlageklassen wie Aktien oder Unternehmensanleihen investierten. Gold wurde in diesem Umfeld weniger nachgefragt. Die Preise für Staatsanleihen kamen ebenfalls unter Druck, was in den USA zu einem Renditeanstieg führte. Die Opportunitätskosten für das Halten von Gold sind dadurch angestiegen.

Wie ist das Thema Inflation bzw. Inflationserwartung im Zusammenhang mit dem Goldpreis zu sehen?

Die in diesem Jahr höheren, volatilen Inflationsraten führen auch zu einer Schwankung der realen Renditen. Je niedriger die realen Renditen sind, umso deutlicher reagiert der Goldpreis mit Anstiegen. Der preiserhöhende Effekt ist aber nicht mehr so stark ausgeprägt, wie das bei negativen realen Renditen der Fall war. Ein starker Anstieg der Renditen ist allerdings unwahrscheinlich, da die globalen Notenbanken wegen der niedrigen Inflationsraten voraussichtlich noch einige Jahre ihre Leitzinsen nicht anheben werden. Durch die massiven Staatsanleihen-Ankäufe werden die Renditen niedrig halten.

Wie hat sich die Nachfrage nach Gold in den letzten Monaten entwickelt?

Die uns aktuell vorliegenden Zahlen reichen bis zum Ende des Vorjahres. Im vierten Quartal 2020 war sie um -28% (verglichen mit dem 4. Quartal 2019) gesunken. Durch die Folgen der COVID-19-Ausbreitung und wegen des angestiegenen Goldpreises ging der Juwelierbedarf im selben Zeitraum um -13% zurück. Der Absatz an Barren und Münzen stieg hingegen um +10%. Die globalen Notenbanken erhöhten geringfügig ihre Bestände.

In diesem Jahr ging die Konsolidierung weiter: Globale Gold-ETFs verloren im März 107,5 Tonnen (-5,9 Mrd. US Dollar, -2,9% der verwalteten Vermögen) und verzeichneten damit im vierten von fünf Monaten Abflüsse. Das weltweit verwaltete Vermögen liegt laut dem World Gold Council bei 3.574 Tonnen (Wert 194,5 Mrd. US-Dollar) und damit wieder auf dem Stand von Juni 2020. Seit dem Höchststand der Vermögenswerte im November 2020 sind die Bestände der Gold-ETFs in Tonnage ausgedrückt um fast 9% gesunken, was in etwa dem Verlust des Goldpreises im selben Zeitraum entspricht.

Kann man beim Goldpreis nach der Konsolidierung von einer Art Bodenbildung sprechen? Könnte die Nachfrage in den nächsten Monaten steigen und wenn ja weshalb?

Ich habe keine Kristallkugel und es gibt Einflussfaktoren, die sich rasch verändern können, wie z.B. die überraschend schnell gestiegenen Renditen der US-Staatsanleihen. Gold ist derzeit vor allem aus Diversifikationsgründen attraktiv. Etwas volatilere Aktienmärkte in den nächsten Monaten sollten eine baldige Stabilisierung des Goldpreises zur Folge haben. Wir prognostizieren für das zweite Quartal einen leichten Goldpreisanstieg. Er sollte in einer Spanne zwischen circa 1.750 bis 1.780 US-Dollar notieren. Langfristig sollte sich der Goldpreis in einem moderaten Aufwärtstrend bewegen. Also wir haben Luft nach oben.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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Befinden wir uns in einem Rohstoff-Superzyklus?

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research bei WisdomTree.

Die Vorstellung eines Rohstoff-Superzyklus ist für Rohstoffinvestoren aufregend. Der Begriff Superzyklus wird für eine Hausse verwendet, die sich über viele Jahre erstrecken kann. Was die Anleger antreibt, ist nicht nur die Aussicht auf attraktive Renditen bei ihren Rohstoffinvestitionen, wenn es tatsächlich einen Superzyklus gibt, sondern auch das Wissen, dass das Timing des Marktes nicht unbedingt entscheidend ist, da der Trend mehrere Jahre anhalten könnte.

Die Rohstoffmärkte haben nach ihrer Talsohle im März letzten Jahres im Großen und Ganzen erhebliche Gewinne erzielt. Doch kann die Hausse als frühe Phase eines Superzyklus eingestuft werden? Das Wichtigste: Damit aus einem zyklischen Aufschwung ein Superzyklus wird, muss es einen strukturellen Nachfragetreiber geben. In dem früheren so genannten Rohstoff-Superzyklus, der größtenteils im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts stattfand, war die rasche Industrialisierung in den BRIC-Staaten1 der Auslöser. Die globale Finanzkrise 2008 erwies sich als entscheidender Rückschlag. Eine spätere Erholung der Rohstoffe wurde zunächst durch die europäische Staatsschuldenkrise und schließlich durch Handelskriege zwischen China und den USA vereitelt. Während es bei verschiedenen Rohstoffen einzeln immer noch eine starke Performance gab, gingen die Gewinne der Anlageklasse aus dem ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts im zweiten Jahrzehnt des Jahrhunderts insgesamt verloren.

Das Erreichen des Tiefpunkts kann eine Erleichterungsrallye einleiten, reicht jedoch nicht aus, um einen gesamten Superzyklus auszulösen. Was könnte der Katalysator für einen weiteren Superzyklus in diesem Jahrzehnt sein und wenn es passiert, welche Form könnte er annehmen?

Die Energiewende könnte die wichtigste treibende Kraft für die Zukunft sein. Dieser Megatrend wurde durch die Pandemie ausgelöst, bei der die politischen Entscheidungsträger die Notwendigkeit von Finanzspritzen erkannt haben, um Wachstum zu induzieren, anstatt sich nur auf die Geldpolitik zu verlassen. Darüber hinaus wird ein großer Teil aller Infrastrukturausgaben, die im Rahmen einer Haushaltserweiterung eingeführt werden, wahrscheinlich für umweltfreundliche Initiativen verwendet. Ein Drittel der von Präsident Biden zugesagten Infrastrukturausgaben in Höhe von 2 Billionen US-Dollar ist für den Transport- und Elektrofahrzeugsektor bestimmt.2 China hat bereits einen neuen Plan für die Energiefahrzeugindustrie eingeführt, der 2021 in Kraft getreten ist und darauf abzielt, reine Elektrofahrzeuge bis 2035 zur Hauptoption für den Automobilabsatz zu machen3. Viele Länder in Europa haben bereits an verschiedenen Stellen im nächsten Jahrzehnt Verbote für neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor eingeführt.

Die politischen Entscheidungsträger ebnen daher den Weg für das Gedeihen dieser Branche. Zuletzt erklärte der Autohersteller Jaguar Land Rover seine Absicht, die Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie in diesem Jahr zu testen, um die gesamte Flotte bis 2025 zu elektrifizieren. Die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen bei den Verbrauchern verläuft ebenfalls exponentiell. Laut Wood Mackenzie könnten bis 2040 weltweit 300 Millionen Elektrofahrzeuge auf Straßen fahren – gegenüber rund 5 Millionen im Jahr 2019.

Die Energiewende ist ein gutes Zeichen für grüne Metalle wie Kupfer, Nickel, Silber, Aluminium und Platin, um nur einige zu nennen. Für Metalle gibt es eine strukturelle Quelle des Nachfragewachstums, die sich in den kommenden Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, voraussichtlich beschleunigen wird. Die Nachfrage dürfte auch globaler Natur sein und nicht von einer Handvoll Ländern getrieben werden. Und die kurzfristige Schwäche des US-Dollars könnte genau den zusätzlichen Anstoß für eine Beschleunigung dieses Megatrends geben.

Rohstoffinvestoren haben zahlreiche Optionen, die von einzelnen Rohstoffen bis hin zu gezielten oder breiten Körben reichen. Die wesentlichste Feststellung bei der Betrachtung der globalen börsengehandelten Produktströme für Rohstoffe ist, wie breit angelegte Körbe im letzten Jahr aus der Bedeutungslosigkeit zu den dominierenden Strömen in diesem Jahr aufgestiegen sind. Die Zuflüsse in breite Rohstoffe haben seit Jahresbeginn 6 Milliarden US-Dollar überschritten, während Industriemetalle mit einem Nettomittelzufluss von knapp 800 Millionen US-Dollar an zweiter Stelle stehen4.

Befinden wir uns in einer Hausse für Rohstoffe? Dies scheint sicherlich der Fall zu sein. Ist es ein Superzyklus? Es ist womöglich noch zu früh, um das zu sagen, aber die Frage verdient sicherlich Aufmerksamkeit. Könnte sich eine Teilmenge des Rohstoffuniversums wie Metalle in einem Superzyklus befinden? Dafür Argumente zu finden, wird von Tag zu Tag einfacher. Unabhängig davon, ob Anleger den Begriff Superzyklus annehmen oder nicht, ist es in der Tat eine aufregende Zeit für Rohstoffe.


1) BRIC-Länder beziehen sich auf Brasilien, Russland, Indien und China
2) Quelle: Das Weiße Haus.
3) Quelle: Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas
4) Quelle: Bloomberg, per 09. April 2021.

Impact Investing: die Strategie zur Bewältigung ökologischer Herausforderungen

Impact Investments sind in der Finanzwirtschaft momentan in aller Munde. Es handelt sich um Investitionen mit der Absicht, neben einer finanziellen Rendite auch positive, messbare soziale und ökologische Auswirkungen zu erzielen. Der wachsende Impact-Investment-Markt stellt Kapital zur Verfügung um die dringendsten Herausforderungen der Welt in Bereichen wie erneuerbare Energien, Klimaschutz, Mikrofinanzierung sowie eine erschwingliche und zugängliche Grundversorgung wie Wohnen, Gesundheitswesen und Bildung zu bewältigen.

Impactfonds – das „Sahnehäubchen“ der nachhaltigen Investmentbranche

„Lange Zeit war es den Fondsgesellschaften überlassen, zu beurteilen, ob ein Fonds ein Impactfonds ist oder nicht. Mit dem Vorteil, innovative, neue Produkte schaffen zu können und dem Nachteil des Greenwashing durch Trittbrettfahrer“, betont Walter Hatak, Leiter Nachhaltige Investments in der Erste Asset Management. Die Offenlegungsverordnung der Europäischen Union, die Anfang März 2021 in Kraft getreten ist, stellt neue Transparenzregeln zu Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken in Finanzanlageprodukten und nachteiligen Auswirkungen auf. Die darin enthaltenen Artikel 9 Fonds haben vereinfacht gesagt das Ziel, neben Performance eine positive Wirkung, also Impact für die Gesellschaft zu generieren.

Der Impact muss messbar und sichtbar sein

Für die Impactfonds der Erste AM lassen wir jährlich ein extern beauftragtes Impactscreening durchführen, wo gemessen wird, welcher Impact durch die im Fonds investierten Titel erzielt werden konnte. Damit am Ende des Jahres ein positiver Impact berichtet werden kann, ist zuvor die Auswahl der richtigen Titel entscheidend. Dies können Aktien von Unternehmen sein, die Lösungen gegen den Klimawandel anbieten. Im festverzinslichen Bereich kommen Green Bonds oder Climate Awareness Bonds in Frage, die unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

„Es geht bei Impact nicht zwangsweise um Umweltthemen. Auch soziale Themen wie die Schaffung von Arbeitsplätzen in Entwicklungsländern durch Mikrokredite spielen eine wichtige Rolle für uns als Unternehmen“, so Hatak.

Viele Wege führen zum Impact-Ziel

Positiver Impact kann über unterschiedliche Wege erzielt werden. Die Erste AM nutzt hier sämtliche verfügbare Nachhaltigkeitswerkzeuge: einerseits durch die Fondsprodukte selbst, andererseits durch die Stimmrechtausübung und Unternehmensdialoge.

So wird über unseren ERSTE GREEN INVEST in Unternehmen veranlagt, die es zu ihrem Geschäftszweck gemacht haben, den Klimawandel zu bekämpfen und natürliche Ressourcen wie Wasser möglichst effizient zu nutzen. Im ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL IMPACT wird über Green Bonds, Climate-Awareness Bonds und Social Bonds gezielt in jene Projekte investiert, die sicherstellen sollen, dass unsere Nachfolgegenerationen einen lebenswerten Planten vorfinden werden. Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE erlaubt es dort Kapital zur Unternehmensgründung und damit zur Schaffung von Arbeitsplätzen zur Verfügung zu stellen, wo es ansonsten keinen oder nur erschwerten Zugang zu Finanzierungen gibt.

Durch die Ausübung der Stimmrechte, Einbringung von Aktionärsanträgen zu ökologischen und sozialen Themen sowie Investorendialoge können Fondsgesellschaften Druck auf Unternehmen ausüben. Dadurch wird auch abseits von Impactfonds positive Wirkung erzielt. Die Erste AM übte im Jahr 2020 Stimmrechte auf 363 Hauptversammlungen für über 3 Milliarden Euro Volumen aus. 

Und die anderen Fonds haben keinen Impact?

„Aus unserer Sicht hat jede Investmententscheidung eine Auswirkung, die unabhängig von der Produktschiene gemessen werden sollte. Aus diesem Grund sind wir 2015 als erste Fondsgesellschaft Österreichs dem Montréal Carbon Pledge beigetreten und veröffentlichen jährlich den CO2-Fußabdruck sämtlicher Publikumsfonds auf unserer Homepage“, so Hatak. Als Unternehmen sind wir stolz seit Beginn der Messung, auch dank unserer firmenweiten Mindeststandards, bei den CO2-Emissionen immer unterhalb des Gesamtmarktes gelegen zu sein. Zusätzlich veröffentlichen wir seit 2017 die Wasserrisiken in unseren Responsible Aktienfonds und haben die Berechnung heuer erstmalig auf die Responsible Rentenfonds ausgeweitet.

Selbst wenn es der Welt gelingt die Emissionen stark zurückzuschrauben, werden sie weiter steigen. Ähnlich wie ein tropfender Wasserhahn, der langsam aber stetig die Badewanne füllt, bis sie eines Tages übergeht. „Unser erklärtes Ziel muss die Klimaneutralität sein. Durch Impactfonds investieren wir in jene Unternehmen und in jene Projekte, die entscheidend dazu beitragen, den tropfenden Wasserhahn ein für alle Mal abzudrehen“, so Hatak abschließend.


Lesen Sie alles über Impact Investing, Greenwashing und Interviews mit Experten zum Thema in unserem ESGenius Newsletter hier: https://blog.de.erste-am.com/dossier/impact-investing/

Der ERSTE GREEN INVEST ist ein Impact Fonds, der sein Kapital in nachhaltige Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energie oder z.B. der Wasserwirtschaft veranlagt. Außerdem werden Unternehmen unterstützt, die eine Vorreiterrolle in der Umstellung von umweltbelastenden Prozessen der „Old Economy“ einnehmen.

Warnhinweis Erste Green InvestWarnhinweis Erste Responsible Microfinance

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Die Stärke von Mid Cap-Anlagen

der aktuelle SPDR Strategie Espresso von State Street Global Advisors.

Während viele Investoren dazu neigen, bei der Aktienallokation an Large Caps und Small Caps zu denken, sollten sie unserer Meinung nach auch Mid Caps in Betracht ziehen. Sowohl die historische Performance als auch die Sektordiversifizierung legen nahe, dass Mid Caps einen Platz im breiteren Portfolio eines Anlegers haben sollten.

Mid Caps: ein Bereich, den man leicht vergisst

Obwohl viele Anleger bei ihren US-Aktienallokationen an Large Caps gegenüber Small Caps denken, gibt es ein Marktsegment, das tendenziell weitgehend übersehen wird: die Mid Caps. Im europäischen ETF-Bereich haben Investoren mehr als 220 Milliarden US-Dollar in US Large Cap-ETFs gesteckt, während Mid Cap-Strategien nur 1,4 Milliarden* US-Dollar angezogen haben.

Wir sind der Meinung, man sollte dem Mid Cap-Bereich mehr Aufmerksamkeit schenken und nennen dafür zwei Hauptgründe: Performance und Diversifizierung. 

Performance

Langfristig bieten Mid Caps tendenziell höhere risikobereinigte Renditen als Large Caps und Small Caps. Und selbst in absoluten Zahlen, wenn wir die rollierenden 5-Jahres-Renditen seit dem Start des Index im Jahr 1995 betrachten, hat der S&P MidCap 400 Index den S&P 500 in 73 %** der Zeiträume übertroffen.

Diversifizierung

Anleger, die weiterhin in US-Aktien investieren möchten, aber wegen der Konzentration auf Technologiewerte innerhalb des S&P 500 Index beunruhigt sind, können auch den S&P MidCap 400 Index als Möglichkeit zur Diversifizierung ihres Engagements nutzen. 

Der S&P MidCap 400 Index ist weitaus diversifizierter als der S&P 500, wobei der größte Sektor, die Industrieunternehmen, nur 18,3 % des Index ausmachen. Die Gewichtung des Technologiesektors ist massiv reduziert und macht nur 14,3 % des Gesamtindex aus, verglichen mit mehr als einem Viertel der Gewichtung im S&P 500. Der Mid-Cap-Index ist auch viel stärker in anderen zyklischen Sektoren engagiert, wobei der Finanzsektor mit 15,8 % und der zyklische Konsumgütersektor mit 14,6 % den zweitgrößten Anteil ausmachen.

Aufgrund dieser geringeren Gewichtung des Technologiesektors und der höheren Gewichtung der stärker zyklisch ausgerichteten Sektoren könnte der S&P MidCap 400 Index besser positioniert sein, um eine Outperformance zu erzielen, wenn die valueorientierte und zyklische Rotation im weiteren Verlauf des Jahres weiter an Fahrt gewinnt.

Zugang zu diesem Engagement mit SPDR ETFs

Anleger können über den SPDR S&P 400 U.S. Mid Cap UCITS ETF, den größten und kostengünstigsten in Europa verfügbaren S&P MidCap 400 ETF, ein Engagement im S&P MidCap 400 Index aufbauen. Um mehr über diesen ETF zu erfahren und die vollständige Performance-Historie zu sehen, besuchen Sie bitte die Fondsseite.


*Quelle Morningstar Direct zum 31. März 2021
**Quelle: State Street Global Advisors, Morningstar Direct, Stand: 31. März 2021

Ausfall des Hedgefonds Archegos Capital zieht weite Kreise

Der Ausfall des US-Hedgefonds Archegos Capital zieht immer weitere Kreise und dürfte mehrere Großbanken teuer zu stehen kommen. Zuletzt hat die Credit Suisse vor hohen Verlusten gewarnt, da ein Hedgefonds ihren Nachschusspflichten nicht nachgekommen war. Insidern zufolge handelt es sich um Archegos. Das Bankhaus erwartet nun im Zusammenhang mit dem Ausfall Belastungen im Ausmaß von 4,4 Mrd. Schweizer Franken und fürchtet einen Verlust von rund 900 Mio. Franken im ersten Quartal. An den Börsen waren die Aktien zahlreicher Bankaktien vor dem Hintergrund der Schieflage zuletzt zeitweise massiv unter die Räder geraten.

Der Hedgefonds Archegos Capital des Investors Bill Hwang hatte in großem Umfang auf US-Aktien und teilweise dubiose chinesische Technologieaktien gesetzt. Der Fonds war Kunde bei zahlreichen renommierten Investmentbanken und kaufte über sie mit teilweise geliehenem Geld in Milliardenhöhe die entsprechenden Aktien. Die Aktien wurden dabei als Sicherheit für die Kreditlinien bei den Banken hinterlegt. Mit den Käufen auf Pump trieb der Fonds auch die Kurse „seiner“ Aktien teilweise kräftig nach oben. So war ViacomCBS zeitweise eine der erfolgreichsten US-Aktien.

Nach einer Kapitalerhöhung des US-Medienkonzerns fielen die Viacom-Aktien allerdings wieder, und die Banken forderten von Archegos Capital zusätzliche Sicherheiten für die Kreditlinien. Archegos konnte diesen Nachschussforderungen, sogenannten Margin Calls, allerdings nicht nachkommen. Hwang strebte laut Medienberichten eine Lösung mit den Banken an, scheiterte aber. Der Fonds geriet in Folge ins Straucheln und brach zusammen.

Medien zufolge konnten sich die kreditgebenden Banken nicht auf eine geordnete Abwicklung des Fonds einigen. Einige der Banken begannen die als Sicherheit hinterlegten Aktien zu verkaufen. So konnte laut Medien die Deutsche Bank ein Aktienpaket im Umfang von 4 Mrd. Dollar abstoßen. Die Bank kam nach eigenen Angaben ohne Verluste aus dem Deal mit Archegos heraus. Auch Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Credit Suisse sollen Aktienpakete verkauft haben. Mit den Verkäufen wurden teilweise in einer Kettenreaktion weitere Kursverluste ausgelöst, einige Banken dürften dabei das Nachsehen gehabt haben.

Zahlungsausfall des Fonds beschert Investmentbanken Milliardenverluste

Laut Medienberichten soll sich das Ausmaß der von Archegos gehaltenen Aktienpakete auf 20 bis 30 Mrd. Dollar belaufen haben. Analysten schätzen, dass sich die Verluste branchenweit auf bis zu fünf Mrd. Dollar oder sogar mehr belaufen. Finanzkreisen zufolge dürften Goldman Sachs, Morgan Stanley, UBS und die Deutsche Bank nur minimale Schäden erlitten haben. Stark betroffen seien dürften aber Credit Suisse und der japanische Finanzkonzern Nomura. Zuletzt hatte Nomura vor möglichen Belastungen in Höhe von etwa 2 Mrd. Dollar gewarnt.

Bei der Credit Suisse wurden bereits Konsequenzen gezogen. Das Hedgefonds-Debakel ist für die zweitgrößte Bank der Schweiz bereits der zweite Fehlschlag in diesem Jahr. Zuvor hatte die Pleite des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill Capital die Credit Suisse getroffen. Investmentbank-Chef Brian Chin und Risikochefin Lara Warner verlieren nun ihre Jobs. Die Konzernleitung verzichtet auf Boni. Zudem setzt die Bank den Rückkauf eigener Aktien aus und will die Dividende kappen. Auch die Ratingagentur Standard & Poors hat bereits reagiert und ihren Ratingausblick für die Credit Suisse von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt.

Finanzmarktregulierer diskutieren derzeit eifrig, wie derartige Pleiten in Zukunft verhindert werden könnten. Auch US-Finanzministerin Janet Yellen will die Risiken für das Finanzsystem durch Hedgefonds stärker untersuchen lassen. Dazu soll eine eigens dafür geschaffene Expertengruppe wiederbelebt werden. Archegos Capital wurde als „Family Office“ geführt, also eine Art exklusiver privater Verwalter nur für das eigene Vermögen. Da Hwang theoretisch nur sein eigenes Geld investierte hatte, galten für ihn weniger strikte Richtlinien als für andere Hedgefonds, die Kundengeld investieren. Möglicherweise wird die US-Börsenaufsicht SEC ihre Regeln hier nun nachschärfen. Sollte sich zudem herausstellen, dass Hwang doch auch mit fremdem Geld agiert hatte, bekäme er ohnedies Probleme mit den Aufsehern.

Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.

Große Hedgefondspleiten gab es schon in der Vergangenheit

Archegos Capital ist dabei kein Einzelfall, schon in der Vergangenheit hatten einzelne spektakuläre Hedgefonds-Pleiten große Wellen geschlagen. So führte die Russlandkrise 1998 und der Ausfall russischer Staatsanleihen zum Beinahe-Konkurs des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM). Da die umfangreichen Investitionen des Fonds weitere Gefahren für die Finanzmärkte darstellten, hatte die US-Notenbank damals mit Hilfe eines Bankenkonsortiums eine Kapitalspritze in Höhe von über 3 Milliarden Dollar organisiert und den Hedgefonds damit gerettet. Für Schlagzeilen sorgte auch der Hedgefonds des einstigen Starinvestors Bernard Madoff, der über eine Art Pyramidensystem seinen prominenten Anlegern hohe Renditen vorgegaukelt hatte.

Hedgefonds sind in der Vergangenheit oft ins Gerede gekommen, da ein Misslingen ihrer teilweise riskanten Anlagestrategien Kettenreaktionen in der Finanzbranche und den Märkten auslösen können. Dabei erfüllen Hedgefonds durchaus wirtschaftliche Funktionen. Hedgefonds können über eine breite Palette von alternativen Finanzinstrumenten und Investments teilweise größere Risiken eingehen als traditionelle Fonds, da sie die Risiken innerhalb des Fonds gegeneinander absichern, also „hedgen“ können.

Quelle: BarclayHedge 2021

Hedgefonds übernehmen mit ihren alternativen Anlagestrategien oft eine wichtige Rolle

So setzen Hedgefonds oft auf steigende Kurse in einem Marktsegment, wetten aber gleichzeitig über derivative Instrumente oder Leerverkäufe auf fallende Kurse in einem anderen. Dafür verkaufen Hedgefonds etwa geliehene Aktien, die sie erst später bei einem niedrigeren Kurs kaufen und zurückgeben wollen. Hedgefonds verwenden zudem oft Hebeltechniken um bei kleinem Einsatz durch zusätzlich geliehenes Geld große Renditen erzielen zu können.

Ihren Anlegern können sie damit bei höherem Risiko auch hohe Erträge bieten. Die alternativen Strategien der Hedgefonds ermöglichen zudem, dass sie auch in Börsenflauten Erträge erzielen können. Auch einige Pensionsfonds investieren daher aus Diversifikationsmotiven einen kleinen Teil ihres Anlageportfolios in Hedgefonds, quasi als Gegengewicht für traditionellere Anlagepositionen.

Am Markt übernehmen Hedgefonds mit ihren Investments auch quasi das Risiko für andere, die sich gegen Risiken absichern wollen. Sie stellen Liquidität zur Verfügung damit Risiko wie eine Ware gehandelt werden kann. Einige Vermögensverwalter wie etwa BlackRock sind mit dem Milliarden-Dollar-Vermögen ihrer Kunden auch in großem Stil direkt an zahlreichen börsenotierten Unternehmen beteiligt.


Wichtige rechtliche Hinweise:

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„Inflation auf dem Vormarsch – ein Risiko für fast alle Anlageklassen“

Basierend auf einem quantitativen und fundamentalen Ansatz identifiziert Martin Roßner von ThirdYear Capital aktuell ein ungewöhnlich hohes Inflationsrisiko, worauf nur die wenigsten Investoren vorbereitet sein dürften. Im Interview mit Hedgework erklärt Roßner die Notwendigkeit inflationsrobusten Investierens.

Hedgework: Herr Roßner, Sie sehen die Inflation auf dem Vormarsch. Seit Jahrzehnten sind wir an niedrige Inflation und meist fallende Zinsen gewöhnt. Was ist diesmal anders?

Martin Roßner: Als Reaktion auf die Pandemie sind sowohl geld- als auch fiskalpolitische Unterstützungen deutlich höher als in der Zeit nach der globalen Finanzkrise 2008/2009. Historische Pandemien waren als Nachfrageschocks zwar disinflationäre Ereignisse, allerdings verringert die ursprünglich nicht einplanbare Bereitstellung des Impfstoffs den Bedarf an finanzieller Überbrückung. Die politische Unterstützung ist deswegen überdosiert und erzeugt im Falle einer zeitnahen und nachhaltigen Überwindung der Pandemie das größte Inflationsrisiko seit 40 Jahren.

Hedgework: Wo sehen sie – regional betrachtet – derzeit das größte Inflationsrisiko?

Roßner: Die relativ rasche Verteilung des Impfstoffs und die bereits ansteigende Mobilität erzeugen ein akutes Inflationsrisiko in den USA. Güterpreise sind bereits während der Pandemie deutlich angestiegen. Wenn man diesen Anstieg auf Dienstleistungen nach der Verteilung des Impfstoffs überträgt, entstehen Inflationsraten weit über dem von der Fed tolerierten Niveau. Zusätzlich riskiert der aktuelle Kurs der Politik die Entstehung inflationärer Tendenzen am Arbeitsmarkt. Die Divergenz zwischen der scheinbar unbesorgten Fed und ökonomischer Realität erzeugt Risiken für die Finanzmärkte.

Hedgework: Was bedeutet das für andere Regionen, insbesondere für Europa?

Roßner: In den meisten Ländern werden im Laufe des Jahres nicht nur Preisanstiege, sondern auch von den USA exportierte finanzielle Risiken zur Restriktion für die Politik führen. Finanzielle Abflüsse aus Entwicklungsländern machen Finanzmärkte dort besonders riskant. Auch in der Eurozone wird die vermeintlich gestärkte finanzielle Stabilität getestet werden, sobald steigende Inflation den Handlungsspielraum der EZB einschränkt.

Hedgework: Welche Indikatoren haben sie dafür?

Roßner: In der eigenen Global-Makro-Strategie nutzen wir „Nowcasts“ für kurzfristige Vorhersagen von Kerninflation, Gesamtinflation und Löhnen. Diese werden ergänzt um führende Indikatoren und Finanzmarktdaten. Ein makroökonomisches Ungleichgewicht erzeugt nämlich in der Regel Turbulenzen an den Finanzmärkten, bevor es in den ökonomischen Daten vollständig auftaucht. Hedgefonds-Blow-ups aufgrund von Short-Positionen in viralen Aktien wie Gamestop oder Pleiten wie bei der Greensill-Bank bestätigen anekdotisch die Existenz unerwarteter Risiken.

Hedgework: Wie schnell kann denn Ihr Szenario zur Realität werden?

Roßner: Der Fortschritt beim Impfen und die vorausschauende Natur der Märkte bedeuten, dass die beschriebenen Risiken noch vor dem Sommer an die Oberfläche kommen können. 

Hedgework: Was würde das für die verschiedenen Anlageklassen bedeuten – welche wären besonders betroffen, welche weniger oder gar nicht?

Roßner: Aktuell sind Staatsanleihen und Gold im Abverkauf. Die nötige Rücknahme politischer Unterstützung macht die meisten anderen Anlageklassen ebenfalls riskant. Die scheinbare Flucht von Kapital in zyklische Märkte wie den DAX als vermeintlich sicheren Hafen ist vermutlich nicht nachhaltig, weil Inflation schlussendlich ein Bremsen des Konjunkturzyklus erfordert.

Hedgework: Wie sollten sich Investoren darauf einstellen?

Roßner: Investoren sollten in diesem komplexen Umfeld frühzeitig und in der Breite Risiko reduzieren, um Kapital zu erhalten.

Hedgework: Viele vermeintlich inflationstreibenden Faktoren, wie das Wiederanheben der Mehrwertsteuer, die Erholung der Rohstoffpreise oder der Konsumstau, sind hinlänglich bekannt. Das müsste den handelnden Akteuren doch Luft verschaffen, sich auf das beschriebene Szenario vorzubereiten und entsprechende Weichen zu stellen – oder sehen Sie das anders?

Roßner: Niedrige Inflation und meist fallende Zinsen sind in den Portfolios der meisten Investoren tief verankert. Ähnlich wie im Jahr 2000 werden einige sophistizierte institutionelle Investoren davon profitieren, dass die Herde der Privatinvestoren im Durchschnitt komplett unvorbereitet ist. Privatinvestoren sind wegen der ungewöhnlich hohen spekulativen Aktivität in überschwänglichen Märkten der lebendige Inflationsschutz der Fed. Allerdings wird ein enormer negativer Wohlstandseffekt benötigt, um Inflation effektiv entgegenzuwirken.

Hedgework: Wie werden Ihrer Einschätzung nach die Notenbanken reagieren – sehen Sie denn überhaupt die Möglichkeit einer Zinsanhebung?

Roßner: Die Fed wartet mit der finanziellen Straffung ab, bis schwache Wirtschaftssektoren gestärkt und andere Länder nicht mehr in der Rezession sind. Danach sollten sich Investoren nicht darauf verlassen, dass systemrelevante Risiken eine unmittelbare Restriktion für die Rücknahme geldpolitischer Unterstützung darstellen. Zum Beispiel rückt ein Fed-Put an den Aktienmärkten in ungewöhnlich weite Ferne. Amerikanische Banken wurden in einem Stress-Test der Fed kürzlich spezifisch darauf geprüft, ob sie einem Abverkauf von 55% an den Aktienmärkten standhalten können.

Hedgework: Ihre Marktanalysen basieren auf einem „quantamentalen“ Ansatz. Können Sie erklären, was dahintersteckt?

Roßner: Wir investieren quantitativ und fundamental – was wir als quantamental bezeichnen – in liquide Anlageklassen wie Aktien, Staatsanleihen, Inflation und Währungen. Die systematische Strategie nutzt kurzfristige wirtschaftliche Prognosen, um historische Ursache-Wirkungs-Ketten in Echtzeit zu erkennen und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte zu antizipieren. Der Ansatz des quantamentalen Investierens soll die Chance auf Profite sowohl aus fundamentalen Trends als auch aus größeren Wendepunkten an den Kapitalmärkten eröffnen. Um die entscheidende Flexibilität an Wendepunkten zu haben, verzichtet die Strategie bewusst auf technische Elemente wie Trendsignale.

Hedgework: Bietet dieser Ansatz auch Möglichkeiten, um vom Inflationsrisiko zu profitieren?

Roßner: Der Ansatz zielt auf Absolute Returns ab, also auf deutlich positive Renditen, so unabhängig wie möglich von der Marktumgebung. Das erfordert nicht nur Renditepotenzial, sondern auch Risikobegrenzung und Differenzierung. Positionierung in Zinskurven, Währungen und Short-Investments erzeugen derzeit sowohl Renditepotenzial als auch Differenzierung. Die Risikobegrenzung mit Hilfe umfangreicher Risikomaße wird in volatilen Märkten besonders wertvoll.

Hedgework: Wie lange arbeiten Sie schon mit diesem Ansatz und was hat er bislang gebracht?

Roßner: ThirdYear Capital wurde 2015 gegründet und optimierte stetig den quantamentalen Makro-Ansatz. Seit August 2020 wird dieser Ansatz im ART Global Macro UCITS-Fonds umgesetzt.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

Martin Roßner ist seit März 2015 Gründer und Geschäftsführer von ThirdYear Capital. Zuvor sammelte er über 8 Jahre Erfahrung bei der Man Group in verschiedenen Bereichen wie Global-Macro-Research, Risikomanagement und Asset Allokation. Er ist Träger eines Master-Abschlusses in Quantitative Economics der Universität St. Gallen und hat zahlreiche Weiterbildungsexamen wie CFA, CAIA und FRM bestanden.

ThirdYear Capital ist Anbieter „quantamentaler“ Global-Macro-Strategien und Fondsberater des ART Global Macro UCITS Fonds. „Quantamental“ wird dabei als Kombination aus quantitativ und fundamental verstanden. Mit Hilfe von Daten und Technologien wird ein tiefes Verständnis der Volkswirtschaft auf liquide Anlageklassen angewendet. Im spezifischen Ansatz von ThirdYear Capital nutzt die systematische Strategie das Nowcasting (kurzfristige wirtschaftliche Prognosen), um historische Ursache-Wirkungs-Ketten in Echtzeit zu erkennen und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte zu antizipieren. 

Endlich wieder Wachstum

von Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG*.

Ein Jahr und ein paar Tage sind vergangen, seit die Weltbörsen im März letzten Jahres ihren Tiefpunkt infolge der Covid-19-Krise erreicht hatten. Dieser damals extrem negativen Vorwegnahme künftiger fundamentaler Entwicklungen folgte ein sehr deutlicher Einbruch bei den Unternehmensgewinnen. Das zweite Quartal 2020 hat mit einem Minus von 31 % den stärksten Gewinnrückgang im Jahresvergleich seit der globalen Finanzkrise 2008 hervorgebracht. Zu beachten ist allerdings, dass mit der Berichterstattung über exakt dieses sehr negative zweite Quartal 2020 ein Phänomen begonnen hat, das wir inzwischen bei jeder nachfolgenden Berichtssaison und auch nahezu im selben – historisch gesehen, weit überdurchschnittlichen – Ausmaß beobachten konnten: Die Tendenz der deutlich positiven Überraschungen in Relation zu den Analystenschätzungen. Denn für das genannte zweite Quartal 2020 war ein noch wesentlich dramatischerer Gewinneinbruch infolge der Gesundheitskrise und der wirtschaftlichen Auswirkungen erwartet worden. Der Markt blickt jedoch meist mit einem gewissen Grundoptimismus voraus und honoriert einerseits diese positiven Überraschungseffekte und preist andererseits infolge dessen eine ähnliche Tendenz auch für das nächste Quartal. Zurecht, wie bereits erwähnt. Denn seit dem zweiten Quartal 2020, konnten insbesondere US-Unternehmen die Erwartungen des Marktes nicht nur erfüllen, sondern Quartal für Quartal bei weitem übererfüllen. Bereits das vierte Quartal 2020 hat schon wieder eine leicht positive Gewinnentwicklung gegenüber dem Vorjahr hervorgebracht. Nun folgen mit dem ersten und zweiten Quartal 2021 jene beiden Berichtsphasen, die erwartungsgemäß infolge des Basiseffekts und der klaren Erholungstendenzen der Weltwirtschaft die im heurigen Jahr höchsten positiven Veränderungsraten bei den Unternehmensergebnissen aufweisen sollten.

Staatsanleihen: weiterhin Zurückhaltung bei deutschen und französischen Papieren

Bei Euro-Staatsanleihen – vor allem bei französischen und deutschen Papieren – bleiben wir weiterhin zurückhaltend. Ausgenommen sind italienische Staatsanleihen, die wir neutral sehen. Schwellenländer-Hartwährungsanleihen sehen wir im Vergleich zu globalen Staatsanleihen (vor allem aus den USA und aus Japan) als chancenreicher.

Unternehmensanleihen: erwarteter Newsflow sollte Anleiheklasse unterstützen

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Financials) betrachten wir gegenüber Euro-Staatsanleihen als bessere Wahl. Ebenso gegenüber anderer Euro-Non-Sovereign-Anleihen (Quasi Government, Collateralized Bonds). Der von uns beobachtete und erwartete kurzfristige Newsflow sollte diese Anleiheklasse weiter unterstützen.

Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen: Risikoprämien ohne wesentlichen Aufwärtsdruck

Schwellenländer-Hartwährungsanleihen sehen wir weiterhin positiv und sind entsprechend positioniert. Emerging Markets-Hartwährungsanleihen mussten seit Anfang 2021 im Zuge stärker steigender US-Renditen und einer steileren US-Zinskurve leichte Verluste hinnehmen. Ihre Risikoprämien blieben jedoch nahezu unverändert. Wir denken, dass die Risikoprämien von Schwellenländer-Hartwährungsanleihen keinen wesentlichen Aufwärtsdruck verspüren werden.

Entwickelte Aktienmärkte: positives Kapitalmarktumfeld zu erwarten

Die internationalen Aktienmärkte konnten in den letzten Wochen weiter zulegen, wobei die Gewinnerliste von zyklischeren Marktsegmenten angeführt wird. Trotz negativer Nachrichten zum Thema Covid-19 (weitere Mutationen) stützen die positiven Gewinnrevisionen sowie der Impffortschritt etwa in den USA. Kurzfristig mahnen verschiedene Stimmungsindikatoren zwar zu Vorsicht (überkaufte Marktsituation), wir erwarten aber auf Sicht der nächsten Monate ein unverändert positives Kapitalmarktumfeld.

Schwellenländer-Aktien bleiben zuletzt hinter entwickelten Märkten zurück

Auch bei Aktien aus den Emerging Markets ist in den letzten Wochen ein klarer Trend gut erkennbar: Aktien des Wachstumsbereichs ("Growth") sind im aktuellen Marktumfeld steigender Renditen deutlich mehr belastet als Aktien aus dem Wertebereich ("Value"). Nachdem mittlerweile Aktien aus dem Wachstumsbereich im Emerging-Markets-Index sehr hoch gewichtet sind, kommt es aktuell zu einer Underperformance von Emerging Markets vs. entwickelter Märkte. Der Aufholprozess zyklischer aufgestellter Regionen setzt sich fort.

Rohstoffe: Energiepreise befinden sich in Konsolidierungsphase

Die Rohstoffmärkte zeigen sich in diesem Jahr weiterhin von der starken Seite. Nach den Anstiegen im Jänner und Februar befinden sich zuletzt vor allem die Energiepreise in einer Konsolidierungsphase. In diesem sehr freundlichen Marktumfeld, mit steigenden Renditen in den USA, präsentierten sich Edelmetalle hingegen schwächer.


* Die Raiffeisen KAG steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

Weitere Details finden Sie in der neusten Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Wie steht es um die globalen Aktienmärkte?

von Tamás Menyhárt, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Die globalen Aktienmärkte starteten kraftvoll ins neue Jahr und legten weiter zu, womit der Bullenmarkt nunmehr schon fast ein Jahr andauert. Allerdings hat sich die Marktstruktur in den letzten paar Monaten deutlich verändert.

Ein rascher Blick zurück auf die Entwicklung des Aktienmarktes in 2020

In 2020 rasselte die globale Wirtschaft in eine unvorhergesehene Rezession, als sich die diversen Regierungen bemühten, die Ausbreitung des Coronavirus durch landesweite Lockdowns und Einschränkungen der Mobilität zu verhindern. Dadurch fielen die Aktienindizes in einer selten zuvor gesehen Geschwindigkeit und brachten somit den längsten Bullenmarkt der Geschichte zu einem Ende.

Die seitens wichtiger Zentralbanken und Regierungen rasch ergriffenen Maßnahmen stimmten die Investoren jedoch schnell wieder freundlich. Die Flut an liquiden Mitteln und fiskalen Stützungsmaßnahmen resultierte in erhöhter Nachfrage auf den Finanzmärkten und steigenden Aktien- und Anleihepreisen.

Eine lockere Geldpolitik auf globaler Ebene führte zu historisch niedrigen Renditen. In den USA erreichten die 10J-Renditen im August mit 0,51% einen Allzeit-Tiefststand, und viele Eurozonen-Länder sind derzeit in der Lage, Schuldtitel mit negativer Verzinsung zu emittieren. 

Während niedrige Zinsen vor allem die Aktien in den USA unterstützten, sah man deutlich unterschiedliche Performance-Raten in den einzelnen Sektoren. Die zyklischeren Segmente des Aktienmarktes, z.B. Banken und der Energiesektor, verblieben auf den niedrigsten Niveaus seit Jahren. Die deutlichsten Nutznießer der Pandemie kamen aus dem Technologiesektor in den USA, der im S&P 500 stark gewichtet ist.

Die Verlagerung von Büroarbeit und Unterhaltung in die eigenen vier Wände trieb die Aktien jener Unternehmen an, die solcherlei Nachfrage befriedigen konnten, wie z.B. Netflix, Zoom und Logitech, neben vielen anderen. Zu Beginn der Erholungsphase, in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld und versorgt mit einem hohen Volumen an Liquidität, waren Anleger vorrangig an bestimmten Sektoren am Aktienmarkt interessiert, nämlich den schon erwähnten Technologieaktien und Unternehmen, die sich mit erneuerbarer Energie beschäftigten.

Der technologielastige Nasdaq-Index legte 2020 um mehr als 40% zu, und das trotz des deutlichen Verfalls gleich zu Beginn der Pandemie. Um zyklische und sogenannte Value-Aktien machten Anleger auch noch Monate, nachdem der S&P 500 zu steigen begonnen hatte, einen Bogen.

Impfungen als Signal für Sektorrotation

Die Verlagerung in der Sektor-Performance kam in Q4 2020, als klar wurde, dass wir uns der Zulassung der ersten Impfungsvarianten näherten. Die Neuigkeiten führten zu einer veränderten Stimmung im Markt, als Investoren ihren Blick auf jene Sektoren zu richten begannen, die von der Normalisierung am meisten profitieren würden, d.h. Banken, den Automobilsektor, Tourismus usw.

Zu diesem Zeitpunkt erreichten ein paar der FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google)-Aktien, welche allesamt Nutznießer der Lockdowns während der Pandemie waren, neue Allzeit-Höchststände (und werden seitdem unter jenen Ständen gehandelt). Joe Bidens Wahlsieg befeuerte die Sektorrotation in Richtung zyklischer Aktien zusätzlich, da seine Wahlversprechen – inklusive einem massiven Stimuluspaket und Investitionen in grüne Infrastruktur – als konjunkturbelebend angesehen wurden.

Darüber hinaus gewannen die Demokraten am 5. Januar dieses Jahres unerwartet auch die Mehrheit im Senat, was in einer erhöhten Wahrscheinlichkeit resultierte, dass Bidens Pläne tatsächlich Realität werden könnten.

Das bedeutet, dass sich, obschon man die heurige Aktien-Performance bis dato auf den ersten Blick als einfache Fortführung des Trends der letzten zwölf Monate ansehen kann, in Wahrheit die Ranglisten der Gewinner und Verlierer deutlich verändert haben. Der Optimismus im Zusammenhang mit der Covid-Impfung sowie die sehr lockere Geldpolitik und die erhöhten Fiskalaufwendungen vor allem in den USA ließen zyklische und Value-Aktien in der Gunst der Anleger wieder steigen.

Höhere Renditen und deren Auswirkungen auf den Aktienmarkt

Vielerlei Faktoren legen eine deutliche Erholung der Weltwirtschaft in 2021 nahe. Es besteht ein massiver Nachfrageüberhang seitens der Anleger, die Ersparnisse vieler Konsumenten sind aufgrund der von den Regierungen gesetzten Unterstützungsmaßnahmen vielerorts hoch, und die einzelnen Volkswirtschaften wie auch der Tourismus sollten langsam, aber sicher, mit dem Fortschreiten der Impfprogramme wieder geöffnet werden.

Da die Fed bisher keine Sorge über einen möglichen, längerfristigen Anstieg der Inflation an den Tag legt, testen die Anleger die Grenzen der Zentralbank aus, indem sie Anleihen verkaufen und so die Renditen in die Höhe treiben. Generell gesprochen, gibt es zwei Lesarten höherer Renditen: Langfristige Renditen spiegeln die wirtschaftlichen Wachstumserwartungen wider; ein Anstieg bedeutet daher, dass die Investoren von einer Wachstumsbeschleunigung ausgehen, was positiv ist. Allerdings sind die Renditen auch an die Inflationserwartungen gekoppelt. Wenn letztere steigen, so tun dies die Renditen ebenfalls. Das Erreichen des Fed-Inflationszieles von 2% wäre positiv zu werten, aber für den Fall, dass die Inflation über das Ziel hinausschießt, kann man davon ausgehen, dass der Anleiheabverkauf weiter.

10J US-Renditen sind heuer bis dato um mehr als 70 BP angestiegen (und um mehr als 100 BP seit ihren Allzeit-Tiefs). In Europa verzeichnete die Rendite der deutsche Bundesanleihe ebenfalls einen Anstieg, wenngleich nicht im selben Ausmaß wie die US Treasury-Renditen. Höhere Renditen üben Druck vor allem auf Aktien mit ambitionierten Bewertungen aus, von denen viele den sogenannte Growth-Kategorie angehören.

Das liegt daran, dass die Gewinne dieser Unternehmen eine längere Duration aufweisen, d.h. auf Basis ihrer höheren Wachstumsrate weiter in der Zukunft liegen. Allerdings bedeuten steigende Zinsen eine Verringerung des Barwerts der zukünftigen Unternehmensgewinne aufgrund von höheren Abzinsungsraten. Die verwundbarsten Marktsegmente sind jene, die in der Anfangsphase der Erholung die beste Performance verzeichneten, d.h. Big Tech und erneuerbare Energien.

Daher konnte der Nasdaq-Index mit seiner starken Technologie-Gewichtung heuer erst einen Gewinn von 1% verbuchen, während der industrielastige Dow-Jones-Index schon mehr als 7% gewonnen hat. Zyklische Sektoren wie Banken, Energie und Automobil sind in solch einem Umfeld bevorteilt, da ihre Unternehmensgewinne mit kurzer Duration versehen sind, d.h. dass selbige rasch auf das verbesserte wirtschaftliche Umfeld reagieren und weniger stark von steigenden Zinsen betroffen sind.

Im heurigen Jahr erwirtschafteten zyklische und Value-Aktien bisher eine starke Outperformance, wobei Europa die USA aufgrund seiner höheren Exposure in zyklischen Sektoren hinter sich lassen konnte.

Wo geht die Reise hin?

Derzeit ist das wahrscheinlichste Szenario, dass zyklische und Value-Aktien ihre relative Outperformance beibehalten werden. Auf globaler Ebene wurden die Wirtschaftsprognosen erst neulich nach oben revidiert, und die Gewinnschätzungen lassen sowohl in den USA als auch in Europa auf zweistellige Wachstumsraten schließen. Wenn das Impfprogramm auf Schiene bleibt und sich die Impfung auch gegen neue Varianten des Coronavirus als effizient herausstellt, deuten alle Zeichen auf eine starke Erholung der Wirtschaftsaktivität hin, vor allem in der zweiten Jahreshälfte.


Mehr über die ERSTE AM Aktienfonds finden Sie hier: https://www.erste-am.at/de/private-anleger/unsere-fonds/aktienfonds 

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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