Mit grünem Gewissen in Hochzinsanleihen investieren

Der ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL HIGH YIELD feiert in diesen Tagen seinen ersten Geburtstag und pünktlich zu diesem Jubiläum gibt es auch eine Auszeichnung für den Fonds: das österreichische Umweltzeichen. Mario Kaudela, Produktmanagement der Erste AM, hat deshalb mit dem Fondsmanager Florian Zwettler über das erfolgreiche erste Jahr des Fonds, das österreichische Umweltzeichen und über die Zukunftsaussichten von Hochzinsanleihen gesprochen.

Gratuliere zum österreichischen Umweltzeichen! Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung?

Die Verleihung des Umweltzeichens bestätigt unsere langjährigen Bemühungen im Bereich der Nachhaltigkeit. Dieses Thema ist bei uns in der Erste Asset Management nicht nur ein Schlagwort, sondern ein tief integrierter und transparenter Prozess. Das wurde uns nun auch von externer Seite zum wiederholten Male bestätigt. Im ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL HIGH YIELD wenden wir unseren ganzheitlichen ESG-Ansatz nun erstmals im Bereich der Hochzinsanleihen an.

Wie werden die nachhaltigen Faktoren im Veranlagungsprozess berücksichtigt?

Im Rahmen unseres ESG-Ansatzes werden nicht nur ökologische, sondern auch soziale und Unternehmensführungsfaktoren in den Veranlagungsprozess integriert. Bei diesem „Best in Class“-Ansatz werden die nachhaltigsten Unternehmen in jeder Industrie ausgewählt. Zusätzlich müssen die Unternehmen bestimmte Mindestkriterien erfüllen.

Unternehmen, die erforderliche Mindestkriterien nicht erfüllen, werden vom weiteren Investmentprozess gänzlich ausgeschlossen. Das sind beispielsweise Unternehmen im Bereich der Atomkraft oder Rüstungsindustrie. Es werden aber auch Unternehmen ausgeschlossen, die schwerwiegende Menschen- oder Arbeitsrechtsverletzungen begehen.

Die Analyse von ESG-Faktoren erfordert viel Know-how und ist sehr zeitintensiv. Wie stellst du sicher, dass für die Bewertung der Finanzkraft der Unternehmen genügend Ressourcen übrig bleiben?

Die Analyse der Finanzkraft von Unternehmen ist speziell bei Hochzinsanleihen von großer Bedeutung. Die höhere Verzinsung resultiert ja aus der geringeren Bonität der Unternehmen.

Für die Analyse der ESG-Faktoren haben wir in der Erste Asset Management seit vielen Jahren eine eigene Abteilung. Mit Hilfe dieser Expertinnen und Experten kann einerseits die Qualität der ESG-Analyse sichergestellt werden und andererseits bleibt uns im Fondsmanagement genügend Zeit für eine umfassende Finanzanalyse der Unternehmen.

Der ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL HIGH YIELD hat einen sehr erfolgreichen Start hingelegt und feierte kürzlich seinen ersten Geburtstag. Was waren die wesentlichen Ereignisse im ersten Fondsjahr?

Seit Auflage des Fonds am 11. Mai 2020 konnte der Fonds im ersten Jahr eine Performance von mehr als 14 Prozent erzielen.* Profitieren konnte der Fonds dabei von der anhaltenden Erholung an den internationalen Finanzmärkten. Dank weltweit koordinierter Unterstützungsmaßnahmen der Zentralbanken und Regierungen kam es im High Yield-Segment zu niedrigeren Ausfallsraten als ursprünglich befürchtet. Das hat wesentlich zu dieser überdurchschnittlichen Performance im ersten Fondsjahr beigetragen.

Zu den Anleihen mit der besten Performance im Fonds zählten unter anderem Unternehmen aus dem Medienbereich wie Netflix oder Tele Columbus aber auch Retailunternehmen wie beispielsweise Kraft Heinz oder Limited Brands.

Welche Erwartungen gibt es für die nahe Zukunft und wie ist der Fonds in dieser Hinsicht aufgestellt?

Die aktuelle Positionierung des Fonds ist auf eine weitere Öffnung und Erholung der weltweiten Wirtschaft ausgerichtet. So sind beispielsweise der Konsum- und Reisesektor übergewichtet. Kaufhäuser und Geschäfte wie Nordstrom, Marks and Spencer oder Douglas sollten von den weiteren Öffnungsschritten in vielen Ländern profitieren können.

Im Reisesektor haben wir zum Beispiel Positionen in Samsonite oder Hotelketten wie Accor oder Hilton. Bezüglich der Regionen haben wir ein leichtes Übergewicht in den USA zulasten von europäischen High Yield-Unternehmensanleihen.

Abschließend noch eine etwas persönlichere Frage. Gibt es Unternehmen im Fonds, die dir besonders am Herzen liegen?

Grundsätzlich ist das Portfolio sehr breit gestreut und teilt sich auf sehr viele Branchen auf. Manche Branchen und Unternehmen haben noch einen etwas weiteren Weg in Sachen Nachhaltigkeit zu gehen, aber andere Unternehmen haben bereits einen sehr hohen ESGenius-Score (Anm.: Internes ESG-Rating).

Eines dieser Unternehmen ist Ørsted, der Weltmarktführer im Bereich von Offshore-Windparks. Ebenfalls erwähnenswert ist TerraForm Power. Das Unternehmen ist ein weltweiter Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen.

Beide Unternehmen leisten einen wertvollen Beitrag zum Ausbau von erneuerbaren Energien.

Fazit

In Zeiten, in denen die Zinsen von sicheren Staats- und Unternehmensanleihen niedrig oder negativ sind, lohnt sich der Blick auf das Segment der Hochzinsanleihen, die langfristig höhere Renditechancen bieten. Der ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL HIGH YIELD berücksichtigt zusätzlich ökologische und soziale Faktoren sowie Unternehmensführungsfaktoren und wurde kürzlich mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet.


*Wertentwicklungen unter zwölf Monaten haben aufgrund der kurzen Dauer keine Aussagekraft.

Der ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL HIGH YIELD ist ein Anleihenfonds, dessen Anlageuniversum sich nach ethisch-nachhaltigen Kriterien zusammensetzt. Der Fonds investiert schwerpunktmäßig in hochverzinsliche Unternehmensanleihen, die in EUR, GBP oder USD denominiert sind. Währungsrisiken werden strategisch meist abgesichert. Das Rating liegt vorrangig im High-Yield-Bereich (BB und niedriger). Im Rahmen eines ganzheitlichen ESG-Ansatzes werden im Veranlagungsprozess ökologische und soziale Faktoren sowie Unternehmensführungsfaktoren integriert.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Index-Zusammensetzung bei Themen-ETFs entscheidend

von Philipp von Königsmarck, Leiter des Wholesale-Geschäfts in Deutschland und Österreich bei Legal & General Investment Management.

Es gibt Themen-ETFs, deren zehn größte Positionen bis zu 50 Prozent des Gesamtportfolios ausmachen. Wenn ein paar Titel aus den Top 10 stark im Preis steigen, freuen sich Anleger natürlich, weil es die Gesamtperformance des Investments erhöht. Wenn deren Kurs allerdings ins Negative dreht, kann diese starke Gewichtung auch Frust bereiten. Denn dann ziehen die Titel die Wertentwicklung des Portfolios verhältnismäßig stark nach unten.

Derartige Strategien zielen darauf, durch die höhere Gewichtung bestimmter Titel eine Mehrrendite zum Markt zu erreichen. Das unterstellt, dass die Anbieter wissen, welche Unternehmen im Markt die besten Erträge in Zukunft generieren, die sich dann in einem entsprechenden Kurs widerspiegeln. Ein solcher Ansatz bietet sich eher für reife Märkte an, in denen sich schon abgezeichnet hat, welche Unternehmen die Nase vorne haben.

Besonders in Wachstumsmärkten der Zukunft, die heute noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen, wie zum Beispiel Wasserstoff, E-Commerce oder Robotik, ist ein solcher Ansatz jedoch schwierig. Denn niemand kann in einem jungen Markt mit Sicherheit sagen, wer die Gewinner von morgen sein werden. Der Markt junger Zukunftstechnologien ist hochdynamisch. Neue Produkte und Technologien kommen hinzu, Unternehmen werden gegründet, wachsen, kooperieren und fusionieren.

Daher bietet sich hier eher die Gleichgewichtung der Titel in einem ETF an, wodurch der Markt bestmöglich abgedeckt wird, um am Wachstum aller Titel gleichermaßen zu profitieren und Konzentrationsrisken im Portfolio zu senken. Dabei sollten Anleger darauf achten, dass es in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung der Gewichtung und gegebenenfalls Anpassung der einzelnen Titel gibt (das so genannte Rebalancing). Der Vorteil: Gewinne werden so mitgenommen und die Gewichtung der schlechter gelaufenen Titel wieder angepasst. Denn je nachdem, wie sich der Kurs jedes einzelnen Unternehmens entwickelt – kann dies zu einer Über- oder Untergewichtung im Portfolio führen.


Risk Warning: The value of an investment and any income taken from it is not guaranteed and can go down as well as up; you may not get back the amount you originally invested.

Inflationsanalyse: war’s das jetzt?

von Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste Asset Management.

Jetzt ist es also passiert. Die US-Inflation ist im April stark angestiegen. Gemessen am Konsumentenpreisindex betrug der Anstieg im Jahresabstand 4,2% und lag damit am oberen Ende dessen, was man in den letzten 30 Jahren gesehen hat. Dazu kam, dass die Analystengemeinschaft diesen Anstieg so nicht in den Karten hatte.

Erwartet wurden im Monatsabstand lediglich 0,2%, geworden sind es 0,8%. Die Aktienmärkte reagierten mit einem Rücksetzer. Die Bondmärkte sowieso. Jetzt stellt sich die Frage, ob die Zeit des unbesorgten „Koste es was es wolle“ vorbei ist und die Zentralbanken vor der Wahl stehen, entweder die Zinsen zu erhöhen oder die Inflation ansteigen zu lassen.

Das langfristige Szenario

Um solche Fragen einschätzen zu können, ist mir als CIO wichtig, dass wir in der Ersten Asset Management uns regelmäßig und intensiv mit dem langfristigen Kapitalmarktausblick auseinandersetzen. Unser systematischer Long Term Outlook (LTO) Prozess beruht im Wesentlichen auf drei Säulen:

Wir identifizieren die Treiber der mittel- bis langfristigen Wirtschafts- bzw. Marktentwicklung, wir erstellen und diskutieren unterschiedliche Wirtschafts- und Marktszenarien, um die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Abzweigungen zwischen den Szenarien besser zu verstehen und wir vertiefen laufend unser Wissen zu den Treibern, in dem sich z.B. Spezialisten aus der Investment Division intensiv in Themen einarbeiten oder wir uns im Rahmen eines EAM-eigenen akademischen Programms, mit den Treibern auseinandersetzen.

Natürlich ist die künftige Inflationsentwicklung eines der Kernthemen unseres LTOs. Wenn wir den Ausbruch der Coronakrise als Startpunkt unserer Betrachtung nehmen, was mir notwendig scheint, da die aktuelle wirtschaftliche Situation ohne Corona nicht erklärbar wäre, erwarteten wir vier unterschiedliche Phasen der Inflationsentwicklung:

  • Phase 1 fiel mit der Krise selbst zusammen. In dieser sind die Rohstoffpreise stark eingebrochen. So ging damals die Nachricht vom negativen Ölpreis um die Welt. Fallende Rohstoffpreise drücken die Inflation nach unten. Darüber hinaus war für diese Phase bezeichnend, dass sich Warenangebot und -nachfrage kaum getroffen haben. Denken Sie nur an Ihren eigenen Warenkorb im Lockdown, der wohl wenig mit ihren durchschnittlichen Konsumpräferenzen zu tun hatte. So sind etwa die geschätzten 3 Billionen Dollar an zusätzlichem Cash, das die US-Haushalte in dieser Phase aufgebaut haben, ein weiteres Indiz dafür, dass Angebot und Nachfrage kaum zueinanderfanden. Die Preisentwicklung von Standardwarenkörben war damit nicht repräsentativ und Inflationsraten mit Vorsicht zu genießen. Diese Intuition wurde inzwischen auch von akademischem Research aufgearbeitet und bestätigt. Die Inflation wurde in dieser Phase überschätzt.
  • Phase 2 war eine unvermeidlicher Basiseffekt. Selbst wenn die Preise auf sehr niedrigem Niveau verharrten, würde die Inflationsrate von negativ (der Rückgang der Preise) auf Null (verharren auf niedrigem Niveau) steigen. Wenn die Preise aber zulegen, gibt es einen Anstieg der Inflationsrate im Jahresabstand. Dieser hat wenig zu bedeuten. Er war erwartet und ist temporär. Denn um permanent zu sein, müssten die Preise stetig zulegen. Schaut man sich einen Korb von Rohstoffpreisen an, wird schnell klar, was für die Inflation zu erwarten ist. Der GSCI Spot (ein Index, der die Entwicklung der Kassapreise eines Korbs wichtiger Rohstoffe widerspiegelt) fiel in der Coronakrise um ca. 50% und liegt jetzt wieder fast 20% über dem Wert vor der Krise. Das wirkt sich in einem Inflationsschub aus. Insbesondere dann, wenn der Vergleichswert von vor der Krise aus der Berechnung der Veränderung fällt. In Summe sind die Rohstoffpreise aber ziemlich genau dort, wo sie im September 2018 waren. Und damals waren hohe Rohstoffpreise kein großes Thema.
  • In Phase 3 erwarteten wir, dass wir eine sehr unterschiedliche Auswirkung der Coronakrise auf verschiedene Bereiche der Wirtschaft sehen werden. Globale Lieferketten sind enorm komplex und wenn man Teile davon, aus welchen Gründen auch immer (querstehende Tanker im Suezkanal hatten wir nicht auf der Rechnung), unterbricht, wird das quer über die Welt Auswirkungen haben. Fehlende Lieferungen von Mikrochips, einer der derzeitigen globalen Engpässe, können sich damit auf die Autoproduktion (der Scheibenwischer eines Mittelklassewagen enthält heute mehr Elektronik als die Rakete, die die Menschheit zum Mond brachte) und diese wiederum in höheren Preisen für Gebrauchtwagen in den USA (im April >10% im Jahresabstand) widerspiegeln. Ich sehe dennoch keine Anzeichen dafür, dass die nächsten Jahre durch eine Autoknappheit gekennzeichnet sein werden. Auch diese Phase wird temporär sein. Es wird eine Zeit dauern, bis die Weltwirtschaft von dieser Unwucht in einen gleichmäßigen Lauf kommt. Neue Ausbrüche von Corona bzw. neue Mutanten wie derzeit in Taiwan oder Indien zu sehen, haben das Potential diese dritte Phase in die Länge zu ziehen.
  • Am spannendsten war und ist aus unserer Sicht die vierte Phase, die wir ursprünglich frühestens 3 bis 5 Jahren nach dem „Ende“ der Pandemie erwarteten. Getrieben von einer staatlich unterstützten, rapiden Erholungsphase, einer Veränderung der politischen Tektonik, einer zunehmenden Entflechtung der globalen Lieferketten, sowie einer zunehmenden Überalterung im Westen aber vor allem auch in China, könnte es dann tatsächlich zu einer Überhitzung der Wirtschaft kommen. Die Kernfrage wird dann sein, ob die Zentralbanken darauf mit restriktiver Geldpolitik reagieren oder die Überhitzung in permanent höherer Inflation resultieren lassen. Das würde spätestens dann der Fall sein, wenn die für Jahrzehnte stabil verankerten Inflationserwartungen anziehen.

Für mein Dafürhalten hält dieses Phasenmodell immer noch ganz gut. Nach der Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten und den ersten politischen Vorhaben seiner Präsidentschaft ist Phase 4 sicherlich näher gerückt, als ursprünglich angenommen. Sie liegt aber immer noch in der Zukunft.

Einmaliger Ausrutscher oder echte Inflation?

Wenn die zuvor beschriebenen Phasen halten, dann sollten wir irgendwo zwischen Phase 2 und 3 stecken. Nachdem die Februar- bzw. Märzwerte aus den Statistiken fallen, sollten viele Zeitreihen zum Teil deutliche Basiseffekte aufweisen (Phase 2). Dazu kommt, dass – je nach Pandemie- bzw. Impfstatus unterschiedlich – eine Rückkehr zum Status Quo Ante zu beobachten ist. Gleichzeitig, siehe etwa Indien oder Taiwan, sorgt die Pandemie immer noch für Schlagzeilen und wirtschaftshemmende Gegenmaßnahmen (Phase 3).

Ich glaube, dass die zuletzt hohen Inflationszahlen aus den USA gut in dieses Bild passen. Der Wert ist hoch, aber das war zu erwarten. Die Veränderung im Monatsabstand ist höher als erwartet, aber noch kein Grund zur Verunsicherung. Diese Einschätzung bestätigt sich mir auch, wenn man tiefer in Daten eintaucht.

  • Die globalen Lieferketten laufen bei weitem noch nicht so rund, wie sie das vor der Pandemie getan haben. Die Preise für Schiffscontainer sind in den letzten Monaten deutlich schneller angestiegen als das international gehandelte Gütervolumen. Aus der Logistikbranche hört man, dass der Grund dafür kein Mangel an Containern, sondern ein Verteilungsproblem ist. Die Container sind nicht dort, wo sie in einer gut geschmierten Lieferkette sein sollten. Das dauert einfach und war auch ein Stück weit zu erwarten.
  • Viele, insbesondere kleine, Unternehmen hatten und haben Schwierigkeiten ihre Lagerhaltung optimal auf die Wechselfälle der Pandemie abzustellen. Auf die Unsicherheit der Covid Situation wurde völlig rational mit einem Lagerabbau reagiert. Genau das wirkt sich in der Phase der Wiederöffnung natürlich negativ aus. Dieses Verhalten spiegelt sich auch in den Zahlen wider. Die Lagerbestände im Einzelhandel liegen im Durchschnitt ca. 7% niedriger als vor dem Beginn der Corona Krise. Das deckt sich auch gut mit den Eindrücken, die man hat, wenn man selber einkaufen geht. Viele Geschäfte fahren noch mit angezogener Handbremse. Wenn die Nachfrage dann in Fahrt gerät, ist klar, dass es zu temporären Schwierigkeiten kommt. Schaut man sich Einzelhandelsumsätze nach Kategorien an, zeigt sich, dass die Umsätze im Vergleich zu Covid deutlich angezogen haben. Fast alle Kategorien (Ausnahme Kleidung und Restaurants) weisen zweistellige Zuwächse aus. Das ist genau der temporäre Effekt, den man erwartet hat. Sobald die Lager wieder voll und der erste Konsumhunger gestillt ist, wird es hier zu einer Entspannung kommen.
  • Am Ende des Tages steht der Arbeitsmarkt im Zentrum des Überhitzungsnarrativs. Und dieser ist noch weit von überhitzen entfernt. Die im April in den USA neu geschaffenen Arbeitsplätze lagen mit 218.000 deutlich hinter der erwarteten Million. Die Arbeitslosenrate ist mit 6,1% immer noch deutlich über dem Wert vor der Pandemie. Die USA und Europa haben in der Krise sehr unterschiedliche Strategien gefahren. In den USA stieg die Zahl der Arbeitslosen rasant an. In Europa wurde viel stärker auf Kurzarbeit gesetzt. Die Begründung dafür war, dass Unternehmen nach der Krise schnell durchstarten sollten. Eine Lehre aus der deutschen Situation nach der großen Finanzkrise 2008. Es war immer klar, dass neue Arbeitnehmer zu suchen, Zeit dauern wird und auch mit hohen Kosten verbunden ist. Das ist einer der Gründe, warum die Zahl der neu geschaffenen Jobs in den USA zuletzt hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Der Vorteil des US-Zugangs ist die erhöhte wirtschaftliche Flexibilität. Anders als in Europa werden die Arbeitnehmer z.T. nicht mehr in ihre alten Jobs zurückkehren, sondern in die Zweige der Wirtschaft, die nach Covid attraktiver und chancenreicher sind. Auch das ist keine große Überraschung, sondern eine Nebenwirkung der gewählten Strategie.

Meine letzten Punkte, warum es noch zu früh für die große Inflation ist, liegen in der Vergangenheit. Jene Triebkräfte, die zur großen Disinflation der letzten Jahrzehnte geführt haben, sind immer noch am Wirken. Die Globalisierung hat ihren Höhepunkt wahrscheinlich überschritten, ihre Auswirkung ist aber immer noch preisdrückend. Es gibt keinen Mangel an Konsumgütern. Der technologische Fortschritt hat durch COVID einen Boost bekommen und wird wohl in den nächsten Jahren, wenn Unternehmen ihre Business Modelle an die neuen Möglichkeiten angepasst haben werden, zu Produktivitätsfortschritten führen.

Inflationserwartungen in den USA immer noch niedrig

Zu guter Letzt sind die Inflationserwartungen im längerfristigen Vergleich immer noch sehr niedrig und stabil. Inflationserwartungen lassen sich an unterschiedlichen Gruppen von Indikatoren festmachen: Inflations-Swaps oder die in inflationsgesicherten Anleihen gepreisten Inflationserwartungen gehören zu den marktbasierten Indikatoren, Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen werden in Umfragen erhoben und die Prognosen von Marktprofis werden von spezialisierten Anbietern gesammelt.

Die US-Notenbank bietet mit ihrem Common Inflation Expectations Indikator, der 21 Indikatoren aus allen drei Gruppen in einer Zahl aggregiert, eine gute Zusammenfassung der Erwartungshaltung: Der Indikator ist zuletzt gestiegen, liegt aber im Vergleich der letzten 20 Jahre immer noch klar in der unteren Hälfte. Inflation gehörte in diesen ca. 20 Jahren nicht zu unseren Problemen. Eher das Fehlen derselben.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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Interpretation des wachsenden Interesses an Ether

von Jason Guthrie, Head of Digital Assets, WisdomTree.

Die Erwartungen an Kryptowährungen haben sich zu einem spannenden Thema entwickelt, sowohl für Marktteilnehmer als auch Beobachter und Presse. Obwohl der Markt für Kryptowährungen vor Kurzem nach einer Reihe negativer Nachrichten Rückschläge erlebte, gibt es auch positive Signale. Über Bitcoin (BTC) wurde bereits viel berichtet – eine interessante Möglichkeit für Investoren könnte aber zunehmend Ether (ETH) sein.

Am 12. Mai 20211 verzeichnete Ether ein neues Allzeithoch. Damit einher gingen Fragen von Investoren, ob die Dynamik von Dauer sein würde und ob sie das digitale Asset in ihr Portfolio aufnehmen sollten. Trotz des ausgebremsten Momentums durch die jüngsten Abverkäufe gibt es viele positive Punkte. Zwar ist bei Kryptowährungen jede Kursentwicklung kompliziert, ich möchte jedoch versuchen, dies in einen Kontext zu stellen und die wichtigsten Treiber von Ether zu umreißen.

Ether, die native Kryptowährung des Ethereum-Netzwerks, ist eine Kryptowährung wie Bitcoin, weist auf der Ebene des Netzwerks aber grundlegende Unterschiede auf. Dadurch ergeben sich äußerst unterschiedliche Anwendungsfälle. Bei Bitcoin handelt es sich primär um ein Wertaufbewahrungsmittel, was auf seine fest begrenzte Menge zurückzuführen ist. Außerdem wird es als Layer-1-Lösung für die globale Zahlungsinfrastruktur betrachtet. Daher kommt auch die Analogie zum digitalen Gold.

Ether wird verwendet, um das Ethereum-Netzwerk „anzutreiben“. Bei diesem handelt es sich um eine dezentralisierte Softwareplattform, die auf die Ausführung von kompiliertem Computercode – bekannt als Smart Contracts – ausgelegt ist. Diese Smart Contracts können zur Automatisierung einer Vielzahl von Funktionen genutzt werden – vom sehr einfachen Wertaustausch über Versicherungsverträge bis hin zu dezentralisierten Börsen, die alle über das dezentralisierte Ethereum-Netzwerk laufen. Die Komplexität der Smart Contracts bestimmt die Transaktionsgebühren (die sogenannten „gas fees“), die in Ether berechnet werden. Auf diese Weise ist der Ether-Preis ein Faktor der erwarteten Menge und Komplexität von Transaktionen auf dem Netzwerk sowie des potenziellen Werts verschiedener Anwendungen, die auf den Ethereum-Smart-Contracts aufbauen – wenn die Transaktionen über einen hohen wirtschaftlichen Wert verfügen, besteht die Bereitschaft, mehr für Transaktionen zu bezahlen. Daneben hat sich Ether unter den Kryptowährungen zu einem gewissen Grad den Status als „sichere Anlage“ erworben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es sich dabei um die zweitgrößte Kryptowährung handelt, die Nachfrage sehr beständig ist und die Mengenexpansion, obwohl nicht fix, sehr vorhersehbar und im Vergleich zu Fiat-Währungsstandards nach 2008 relativ moderat ist.

Was hat in den letzten Monaten also zu einem so großen Interesse an Ether geführt?

1. Aufregung um ETH 2.0

Es herrscht in diesem Bereich aktuell sehr viel Aufregung um die vorgeschlagenen künftigen Weiterentwicklungen des Ethereum-Netzwerks, die weithin als nächster großer Schritt des Ökosystems betrachtet werden. Es sind weitreichende Veränderungen geplant. Bei den beiden wichtigsten Entwicklungen handelt es sich einerseits um die Umstellung des Konsensmechanismus von Proof of Work (POW) auf Proof of Stake (POS) und andererseits um die Entwicklung von „Layer-2“-Lösungen zur Unterstützung der Netzwerkskalierung. Es wird spekuliert, dass diese Veränderungen dazu beitragen werden, die Nutzung des Ethereum-Netzwerks zu erhöhen und mehr Nutzer und Projekte auf die Plattform zu bringen. 
Außerdem wird mit dem möglichen Umstieg auf POS auf eine heftige Debatte im Krypto-Bereich eingegangen: den Energieverbrauch. POS ist sehr viel weniger energieintensiv als POW. Deshalb wird teilweise spekuliert, dass dies der zunehmenden Nutzung der Plattform Rückenwind verleihen wird.

2. Entwicklungen im Bereich Decentralized Finance (DeFi)

Eine der innovativsten Bereitstellungen der Smart Contracts ist das schnelle Wachstum von DeFi, zu dem es hauptsächlich auf dem Ethereum-Netzwerk gekommen ist. Dabei wird dezentralisierte Technologie zur Automatisierung der Wertübertragung genutzt, eine Rolle, die bis dato von großen Institutionen übernommen wird und äußerst profitabel ist. Es gibt DeFi-Produkte, die auf die Verdrängung von Börsen, eine Revolutionierung der Kreditvergabe, eine Innovation der Anleiheemission usw. abzielen. Die Projekte LINK und Uniswap DeFi auf Ethereum verzeichnen beispielsweise hohe Kapitalzuflüsse und weisen riesiges Potenzial auf. Wenn Ethereum seine Dominanz in diesem Bereich aufrechterhalten kann, dürfte dies die Nachfrage nach Ether weiter fördern.

3. Zyklische Abwanderung aus Bitcoin, wenn die Kurse seitwärts tendieren

Bitcoin ist immer noch die am weitesten verbreitete Kryptowährung. Seine Bull Runs erreichen große Aufmerksamkeit in den Medien und es ist mit Abstand der stärkste Markteintrittspunkt für neues Geld. Es ist jedoch allgemein bekannt, dass Marktschwankungen zyklisch verlaufen. Wenn Bitcoin also die Luft ausgeht, realisieren die Investoren häufig ihre Gewinne und investieren anderweitig. Ether ist häufig die nächste Wahl. Dabei handelt es sich um kein neues Phänomen. Krypto-Experten, die die Entwicklung beobachten, sprechen davon, dass der Markt einem Trend von BTC zu ETH, dann zu Altcoins2 mit hoher Marktkapitalisierung und DeFi und schließlich zu Projekten mit sehr geringer Marktkapitalisierung folgt. Dieses Muster ließ sich 2017 auf dem Markt beobachten und es kommt heute möglicherweise zu einer ähnlichen Entwicklung.

Gleichwohl verlaufen solche Trends nie linear. Die jüngsten Abverkäufe dienen als Erinnerung, dass jede Anlage auf risikoadjustierte Weise zu tätigen ist. Die Zukunft sieht für Kryptowährungen gut aus, den genauen Weg zu enträtseln, den sie im Rahmen ihrer Einführung einschlagen werden, ist jedoch fast unmöglich. Aus diesem Grund stellen digitale Assets derzeit einen Nischen-, aber wachsenden Teil innerhalb von Portfolios dar, deren Allokationen sich auf hochwertige Krypto-Assets verteilen.


1) Quelle: Coindesk am 17. Mai 2021
2) Eine Altcoin ist eine alternative digitale Währung zu Bitcoin

Schwellenländeranleihen - Luft nach oben

von Uday Patnaik, Head of Emerging Market Debt, und Volker Kurr, Head of Europe, Institutional bei Legal & General Investment Management.

Wir sehen Potenzial für eine weitere Einengung der Spreads. Zuflüsse in die Schwellenländer halten an, die technischen Daten für den Zeitraum Juni bis August dürften gut sein, und auch historisch gesehen sind in den Sommermonaten für Emerging Markets Debt positive Renditen zu erwarten.

Der globale Makroausblick bleibt weitgehend positiv, was auch der IWF-Ausblick vom April 2021 bestätigt. Über alle Regionen hinweg nimmt das Wachstum der Schwellenländer weiter Fahrt auf. Hinzu kommen weitere unterstützende Faktoren:

  • Internationale Entwicklungsbanken stellen den Schwellenländern verstärkt schnell ausgezahlte Finanzierungen zur Verfügung.
  • Die „Debt Service Suspension Initiative“ der G20 zur Aussetzung des bilateralen Schuldendienstes (von Land zu Land) wurde bis Ende 2021 verlängert.
  • Die potenzielle Aufstockung der Sonderziehungsrechte um 650 Milliarden US-Dollar, die Hälfte davon für die Schwellenländer, könnte bis zum Spätsommer verfügbar sein. 

Der letzte Punkt könnte sogar noch mehr Wirkung entfalten, falls die reicheren Länder ihren Anteil an den erhöhten Mitteln an ärmere Länder weiterleiten.

Einstweilen bleibt der Bestand an negativ verzinsten Schuldtiteln hoch, die Bilanzen der G4-Zentralbanken expandieren weiter und die Leitzinsen bleiben unverändert. Wichtig dabei: Der US-Dollar verharrt auf einem 5-Jahres-Tief und erholt sich nur mühsam. Die Rohstoffpreise bleiben robust, während die Bewertungen der Schwellenländer im Vergleich zu anderen festverzinslichen Anlageklassen immer noch relativ günstig sind. 

Kurzfristig sind vor allem die Bewertungen von US-Aktien negativ. Sollten sie innerhalb einer bestimmten Spanne verharren und der US-10-Jahreszins im Bereich von 1,55 – 1,80 Prozent liegen, so sind Schwellenländer ein überzeugender Carry-Trade.

Nachhaltige Erträge mit „doppelter Dividende“

Bequem Erträge über Zinsen am Geldmarkt einstreifen? Das war einmal. Die niedrigen Zinsen werden uns noch länger begleiten. Was wäre eine Alternative? Unternehmen, die einen Teil ihrer Erträge regelmäßig an die Aktionäre als Dividende ausschütten, sind wie ein Ersatz für Zinsen, die es momentan nicht gibt. Wer darüber hinaus Wert legt auf nachhaltige Prinzipien, kann mit dem Fonds ERSTE RESPONSIBLE STOCK DIVIDEND eine Art „doppelte Dividende“ lukrieren.

Die über viele Jahre andauernde Niedrigzinsphase an den Finanzmärkten scheint sich durch die jüngsten Erklärungen der maßgeblichen Notenbanken Feder Reserve (USA) und Europäische Zentralbank (EZB) bis auf weiteres fortzuschreiben. Auch wenn die Erwartungen an eine höhere Inflation mit den Öffnungsschritten nach der Pandemie gestiegen sind, wird weiterhin alles getan werden, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kommt – und zwar überall auf unserem Globus. Hohe Zinsen kann daher niemand so wirklich brauchen. Schon gar nicht die – nicht nur wegen Corona -schwer verschuldeten Staaten. Wenn aber die Notenbanken mit niedrigen Zinsen und Anleihen-Ankaufsprogrammen aus allen Rohren feuern, steigt die Gefahr, dass sich die Wirtschaft überhitzt. Wie gut den Notenbanken dieser Spagat zwischen den notwendigen Stimuli und der Rückkehr zur Normalität in den nächsten Jahren gelingen wird, werden wir sehen.

Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.
Quelle: Refinitiv Datastream

Trotz dieser für „Zinsjäger“ ungünstigen Vorzeichen, ist die Sparquote in Österreich immer noch enorm hoch. Wer sein Geld nur auf dem Sparbuch lässt, kann die steigende Teuerungsrate damit keinesfalls ausgleichen. Im Gegenteil: Unter dem Strich läuft man als Sparer auf längere Zeit Gefahr einen Kaufkraftverlust hinnehmen zu müssen. Es sei denn, man sieht sich um Alternativen um. Die Dividende bietet eine Alternative: Kauft man Aktien eines Unternehmens, wird man Miteigentümer und profitiert von Gewinnen, muss aber in schlechteren Zeiten möglicherweise Verluste in Kauf nehmen. Daher muss bei Dividendenaktien das Aktienkursrisiko berücksichtigt werden.

In einer langfristigen Betrachtung schneiden die Aktienkurse in der Wertentwicklung sehr gut ab.

Vorausgesetzt, man ist sich bewusst, dass Kursschwankungen für die Börsen charakteristisch sind – sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Wenn man einen Teil seines Geldes in Aktien anlegt, sollte man einen langen Atem haben, um mögliche Rückschläge wieder auszugleichen. Kursrückgänge bieten umgekehrt eine Chance für Zukäufe zu günstigeren Preisen.

Zahl der Aktionäre steigt

Erfreulicherweise ist die Zahl der Aktionäre und FondsanlegerInnen deutlich gestiegen. 57 Prozent aller jungen Erwachsenen bis 29 Jahre stehen dem Thema Geldanlage positiv gegenüber – und damit signifikant mehr als die 42 Prozent unter allen Altersklassen. Dem liegt ein generelles Umdenken der ÖsterreicherInnen zugrunde, denn vor fünf Jahren war die Positiv-Nennung mit 29 Prozent noch deutlich niedriger, wie eine Untersuchung der Fondsverbände im Rahmen des Weltfondstag 2021 zeigt. Immer mehr AnlegerInnen befassen sich mit den Risiken und Vorteilen von Fonds und haben in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht. Vor allem dann, wenn man sich die Risiken der Kursschwankungen zunutze macht wie beim regelmäßigen Sparen mit Fonds (s Fonds Plan).

Dividendenaktien können den Anlegerinnen und Anlegern helfen fehlende Zinserträge im Portfolio auszugleichen. Darüber hinaus sind sie eine gute Möglichkeit das Risiko im Aktienbereich zu streuen. Unternehmen, die regelmäßig Dividenden ausschütten, sind kapitalstark und erwirtschaften stabile Umsatzerlöse meist über viele Jahre. Innerhalb ihrer Branche und haben sie oft eine bedeutende Marktstellung. Schließlich müssen sie sich eine Ausschüttung „auch leisten können“. Wie wichtig die Dividende mittlerweile für die Generierung von Erträgen und damit auch Wohlstand ist zeigt diese Grafik: Seit 2011 ist die Gesamtsumme der weltweit gezahlten Dividenden um gut ein Drittel gestiegen.

Quelle: Statista / Janus Henderson Investors

Wegen der Pandemie mussten viele Unternehmen die Dividendenzahlungen im Vorjahr aussetzen. In diesem Jahr stehen die Vorzeichen günstiger: Es gibt einen gewissen „Nachholbedarf“. Mit den zunehmenden Öffnungen kehrt der Optimismus zurück. Die Unternehmensergebnisse im 1. Quartal 2021 lagen großteils über den Erwartungen und der Ausblick für die kommenden Quartale ist positiv. Es gibt auf Branchenebene deutliche Unterschiede: z. B. bei für Banken setzen die Aufsichtsbehörden enge Grenzen. und manche Branchen leiden nach wie vor von den Auswirkungen der Pandemie, etwa die Reisebranche oder die Luftfahrt.

Attraktive Dividendenrendite mit dem ERSTE RESPONSIBLE STOCK DIVIDEND

Es kommt daher darauf an, welche Dividendenaktien man sich ins Depot legt. Wer weder Willen noch Zeit dafür aufbringt dutzende oder hunderte Unternehmen zu analysieren, sollte die Auswahl geeigneter Dividenden-Aktien den Expertinnen und Experten von Fondsgesellschaften überlassen. Dafür bietet sich z.B. der Fonds ERSTE RESPONSIBLE STOCK DIVIDEND an.

Die Dividendenrendite der aktuell 49 investierten Aktien beträgt aktuell 3,9%. Die Dividendenrendite wird berechnet, indem die erwartete Dividende je Aktie mit dem aktuellen Aktienkurs in ein Verhältnis gesetzt wird. Ein Gutteil der Dividendenerträge kommt den AnteilseignerInnen zugute. Am 1. Juni ist es wieder soweit: Die nächste Ausschüttung steht auf dem Plan. Der Fonds verfolgt eine Ausschüttungsrendite von 3 % p.a. an. Neben der attraktiven Ausschüttung stehen Aktien von Unternehmen im Vordergrund, die nach ökologischen, sozialen und hinsichtlich der Unternehmensführung zu den Vorreitern zählen. Bei der Auswahl der Aktien werden auch ethische Aspekte berücksichtigt.

FAZIT

Auf attraktive Zinsen wird man noch Jahre warten müssen. Wer der Inflation ein Schnippchen schlagen möchte, sollte sich mit dem Thema Dividende und Dividendenaktien befassen. Eine interessante Variante ist die Kombination von Dividendenaktien mit der Auswahl entsprechender Titel nach nachhaltigen Kriterien (ESG). Es gibt also eine Art „doppelte Dividende“.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

AT1 CoCos glänzen inmitten steigender Renditen für Staatsanleihen

von Lidia Treiber, Director, Research, WisdomTree.

Die Anleihemärkte wurden in diesem Jahr von der Angst vor einer höheren „Inflation“ getrieben, was einige Parallelen zur Angst während des „Taper Tantrum“ im Jahr 2013 aufwirft. Das Anlegerverhalten ist abhängig von den Wirtschaftsdaten und davon, ob die Daten die Markterwartungen übertreffen. Während wir beginnen, aus der durch Covid-19 ausgelösten Krise herauszukommen, bemühen sich die Anleger, klare Parallelen zu früheren Krisen zu ziehen. Aufgrund der beispiellosen Natur der Krise bieten Daten den zuverlässigsten Einblick in den Markt. Da US-Daten, die sich auf das persönliche Einkommen, die persönlichen Sparquoten und das Lohnwachstum beziehen, einen unmittelbaren Einblick hinsichtlich des Inflationszustands in den USA liefern, überlegen die Anleger weiterhin, ob die Inflation vorübergehend oder länger anhält. Wir nennen die aktuellen Bewegungen der Zinskurven für Staatsanleihen den „Inflationsangst-Wutanfall“.

Steigende Renditen für Staatsanleihen führen zu einer Neubewertung von Anleihen und zu einem Anleiheuniversum, das den Anlegern eine höhere Entschädigung in Form höherer Renditen bieten sollte. Wenn wir jedoch Unternehmensanleihen mit hoher Rendite und Investment-Grade-Rating betrachten, sehen wir, dass die Kreditspreads1 seit Anfang 2021 gesunken sind. Hier werden Anleger in der Regel weniger für das Risiko entschädigt, das sie mit diesen Anleihen eingehen. Wenn die Credit Spreads sinken, suchen Anleger zunehmend nach Trades mit relativem Wert, bei denen Engagements in bestimmten Anlageklassen im Vergleich zu anderen Segmenten auf dem Rentenmarkt eine Renditeerhöhung bieten können.

Das Potenzial für eine Belebung der Inflation hat einige Anleger erschreckt. Die Aussicht auf ein steigendes Zinsumfeld ist für Anleger zu einer beunruhigenden Aussicht geworden. Angesichts der in diesem Jahr sinkenden Credit Spreads wird die Jagd nach einer Rendite immer dringlicher. Eine Anlageklasse, die traditionell übersehen wurde, sich jedoch bei steigenden Zinssätzen als widerstandsfähig erwiesen hat, sind zusätzliche Tier-1-bedingte Wandelanleihen (AT1 CoCos), die hauptsächlich von europäischen Banken ausgegeben werden.

Wenn wir uns ansehen, wie sich AT1 CoCos in Zeiten großer Veränderungen der Anleiherenditen verhalten haben, wird deutlich, dass sich nicht alle festverzinslichen Vermögenswerte bei Bewegungen der Renditen für Staatsanleihen gleich verhalten. In Erwägung zu ziehen wären unter anderem der große Ausverkauf von Anleihen im Jahr 2015 und der Ausverkauf der Trump-Reflation im Jahr 2016. In diesen Zeiträumen, in denen die Renditen für US-Staatsanleihen stiegen, konnte AT1 CoCos eine Diversifizierung bieten, indem es bessere Renditen erzielte als viele andere Bereiche des Rentenmarktes.

AT1 CoCos hat nun begonnen, das Interesse der Anleger zu wecken, da die Rendite im Vergleich zu europäischen Hochzins-Unternehmensanleihen relativ gestiegen ist. Credit Spreads können viel über die Wahrnehmung des Kreditrisikos durch den Markt aussagen, und der durchschnittliche Credit Spread der großen Banken ist heute deutlich niedriger als vor einem Jahr2.

Die Stimmung in Bezug auf Banken hat sich im vergangenen Jahr verändert. Die Märkte, die zuvor wegen der Auswirkungen von Lockdowns auf das Bankensystem nervös waren, sind jetzt mit den Aussichten für die Sektoren zufriedener. Während der Bankensektor aufgrund der Pandemie weiterhin mit sinkenden Einnahmen und höheren Risikovorsorge konfrontiert ist, waren die Kapitalquoten3 der europäischen Banken Ende 2020 im Allgemeinen höher als im Vorjahr. Wenn die tatsächlichen Bankverluste niedriger sind als ursprünglich erwartet, könnte sich die Rentabilität erholen.

Da sich die Stimmung bei Banken verbessert und die Aussicht auf Zinserhöhungen immer schwieriger wird, wird es immer schwieriger, das Potenzial von AT1 CoCos außer Acht zu lassen. Der bisherige Verlauf, Portfolios in einem Umfeld mit steigenden Zinsen ein gewisses Polster zu bieten, wird für Anleger sicherlich ein attraktives Angebot sein.


1) Kreditspreads sind definiert als der Spread über der Treasury-Kurve, der darauf abzielt, Anleger für das Liquiditäts- und Kreditrisiko zu entschädigen
2) Quelle: Bloomberg unter Berücksichtigung des World CDS-Monitors der Großbanken vom 4. Mai 2021
3) Quelle: WisdomTree, Markit, Bloomberg, zum 31. Dezember 2020 unter Berücksichtigung der Common Equity Tier 1 Capital Ratio (CET1), die auf einer vollständig geladenen Basis, die auf Bloomberg verfügbar ist, und aus den neuesten Finanzergebnissen des Emittenten, sofern sie nicht auf Bloomberg reflektiert werden, ausgewiesen wird. Europäisches Bankuniversum unter Verwendung des iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1-Index.

Warum Immobilienprofessionals mehr über Chinas Märkte lernen sollten

von Prof. Dr. Tobias Just, FRICS, Universität Regensburg und IREBS Immobilienakademie, und Prof. Dr. Bing Wang, Harvard University, Graduate School of Design, Cambridge.

China ist gewaltig: Auf 10 Millionen km2 leben 1,4 Mrd. Menschen und davon über 850 Millionen in Städten. Die Hälfte dieser Stadtbevölkerung wohnt in einer der etwa 130 Millionenstädte. Es gibt allein 30 Metropolen, die größer sind als Berlin. Tatsächlich zählt allein Shanghai siebenmal mehr Einwohner als Berlin und ist allein seit dem Jahr 2000 um dreieinhalb „Berlins“ gewachsen. Gerade der Urbanisierungsprozess der letzten vier Jahrzehnte ist schwindelerregend: Die Zahl der Einwohner in den gut 400 chinesischen Städten, für die im World Urbanization Prospects der UN Daten verfügbar sind, hat sich seit 1970 im Durchschnitt verdreizehnfacht, in Dongguan ist die Bevölkerungszahl in dieser Zeit nahezu um den Faktor 60 gestiegen und in Shenzhen um den Faktor 350. Gemäß geläufigen Prognosen, z. B. der United Nations, ist allenfalls eine Verlangsamung der Dynamik, aber noch lange keine Grenze der Entwicklung erreicht.

Für Immobilienmarktprofessionals und Immobilienmarktforscher bietet China sehr viele Untersuchungsfragen und wahrscheinlich auch sehr viele Geschäftsmöglichkeiten. Dies war der zentrale Grund, warum wir vor vielen Jahren begannen, uns intensiv mit Chinas Immobilienmärkten zu beschäftigen und vor allem den Sammelband „Understanding China’s real estate markets“ Anfang 2021 zu publizieren. Einen so großen Markt zu ignorieren, dürfte riskanter sein als über diesen zu lernen. Richtig ist, Chinas Märkte, und damit auch die Immobilienmärkte, unterliegen einer Vielzahl strikter Regeln, die zudem sehr häufig geändert werden.

Tatsächlich spielen Cross-Border-Immobilientransaktionen in China weiterhin eine große Rolle, eher für institutionelles als privates Kapital. Das Analysehaus RCA weist sogar einen steigenden Anteil der Cross-Border-Investments an allen Immobilientransaktionen aus, und dies dürfte die Entwicklung sogar aufgrund der Schwierigkeit, alle Transaktionen zu erfassen, eher unterschätzen. Gerade weil sich der regulatorische Rahmen für Immobilientransaktionen in China mitunter schnell ändert, lohnt die genaue und stetige Analyse.

Wir sind davon überzeugt, dass aus mindestens den folgenden fünf Gründen die Beschäftigung mit dem Geschehen auf chinesischen Immobilienmärkten lohnt: Erstens, die chinesische Wirtschaft ist zu groß und zu eng in die internationale Arbeitsteilung integriert, heftige Umschwünge auf möglicherweise überbewerteten Teilmärkten blieben nicht allein ein chinesisches Problem. Auch der massive Rückgang der aus China herausgehenden Immobilieninvestitionen seit 2017 könnte unanalysiert für den einen oder anderen westlichen Marktteilnehmer unangenehme Überraschungen bedeutet haben. Zweitens profitieren US-amerikanische und europäische Ingenieure, Zulieferer, Architekten, Stadtplaner, Bauprozessmanager, Investmentberater und Finanzdienstleister auch dann von der Dynamik auf den chinesischen Immobilienmärkten, wenn das Cross-Border-Investmentgeschäft schrumpfen würde. Es gibt folglich mannigfaltige indirekte Möglichkeiten, von der Entwicklung zu profitieren. Drittens gibt es Kapitalmarktprodukte, die direkt (z. B. als REIT) oder indirekt (siehe zum Beispiel die oben skizzierten Dienstleister) an dem Immobilienmarktgeschehen in China hängen.

Viertens: real estate is people’s business. Diese Binsenweisheit gilt auch für China, vielleicht sogar noch stärker als in Europa oder den USA. Persönliche Beziehungen werden nicht über Nacht geknüpft. Wer sich auf eine Zeit weiterer Öffnungen vorbereiten möchte – auch wenn die Planung keineswegs sicher ist –, muss früh mit dem Aufbau von Beziehungen beginnen. Fünftens, wenn sich 1,4 Milliarden Menschen auf den Weg machen, um über wirtschaftliche Aktivitäten Wohlstand aufzubauen, dann entstehen sehr viele Ideen. Unsere Kinder nutzen TikTok, wir bestellen vielleicht schon bei Alibaba Waren, und in vielen Einzelhandelsgeschäften kann mit Alipay bezahlt werden. Wir sollten als Immobilienprofessionals die Offenheit mitbringen, wenigstens zu schauen, was wir von chinesischen Architekten, Stadtplanern und Asset Managern lernen können. Manche Dinge lassen sich mit Sicherheit auch in Europa und den USA implementieren.

Der fünfte Punkt gilt gerade auch für die akademische Forschung und Ausbildung: Graeme Newell hat in einem aktuellen Artikel im Journal of Property Investment and Finance zu Recht gefordert, dass den asiatischen Immobilienmärkten mehr Beachtung in akademischen Publikationen geschenkt wird. Er bezieht dies zwar nicht ausschließlich, aber auch auf China. Um diesen Forschungsrückstand zu illustrieren, haben wir uns die Publikationen in einer Auswahl führender immobilienwirtschaftlicher Zeitschriften etwas genauer angeschaut (diese Zeitschriften waren: Real Estate Economics, The Journal of Real Estate Finance and Economics, Journal of Property Investment and Finance, Journal of Real Estate Research und das Pacific Rim Property Research Journal): Von den 507 Beiträgen, die seit 2018 in diesen Journals publiziert wurden, hatten nicht einmal 4 % der Artikel einen Bezug zu China, aber immerhin fast 9 % wurden von mindestens einem Co-Autor einer chinesischen Hochschule verfasst. Selbst wenn wir die Artikel zu Hongkong, respektive von Forschern aus Hongkong hinzurechnen, liegt der Anteil deutlich unterhalb des Anteils, den beispielsweise die chinesische Wirtschaft an der Weltwirtschaft einnimmt; dieser Anteil (inklusive Hongkong) liegt nämlich gemäß Daten der Weltbank in laufenden US-Dollar bei fast 17 %.

Mit unserem Sammelband zum chinesischen Immobilienmarkt möchten wir einen kleinen Beitrag leisten, um nicht nur diese Lücke in der akademischen Ausbildung und Forschung etwas zu schließen, sondern vor allem, um den genannten fünf guten Gründen, warum es sich für Immobilienprofessionals lohnt, sich mit den chinesischen Immobilienmärkten zu beschäftigen, neue Nahrung zu geben. Die Autoren zeigen makro- und regionalökonomische Entwicklungen auf, kennzeichnen die zentralen rechtlichen und steuerrechtlichen Rahmen, beschreiben die verbesserte Datenlandschaft, analysieren die Finanzierungs- und Investmentmärkte und skizzieren Entwicklungen für einzelne Assetklassen. Dies sind sicherlich nur kleine Schritte auf einer langen Reise, doch wenn diese Schritte helfen, dass sich mehr Professionals, Analysten und Akademiker mit den chinesischen Immobilienmärkten beschäftigen, dann sind wir zufrieden, da jede Reise in Gemeinschaft interessanter und unterhaltsamer ist.


Dieser Beitrag wurde zuerst von der IREBS Immobilienakademie publiziert. Ein PDF des Beitrags finden Sie hier.

Literatur

Cryptocurrencies: Was hat es mit Altcoins & Elon Musk auf sich?

von Harald Egger, Chief Analyst und Crypto Asset Specialist der Erste AM.

Laut der Branchenseite Coinmarketcap gibt es mittlerweile 9666 Krypto-Währungen mit einer Markkapitalisierung von €2Bn. Bitcoin dominiert nach wie vor die Kryptoszene mit einem Marktanteil von 45%. Mit einer Jahresperformance von knapp 100% (Stichtag 10.5.2021) liegt Bitcoin auch gut im Rennen. Dennoch steht die Leitwährung derzeit im Schatten vieler alternativer Cryptocurrencies, auch Altcoins genannt. Das kann man am besten am Markt-Dominanz-Chart erkennen, wonach diese zu Jahresbeginn noch bei über 70% gelegen ist.

Doch der Reihe nach, was sind Altcoins? Diese Frage ist leicht zu beantworten, alle „Anderen Coins“ aus Sicht des Bitcoins. Was ist die Bitcoin Markt Dominanz?

Grafik: Marktkapitalisierung von Bitcoin in Relation zu allen Krypto Währungen

Quelle: Tradingview.com (10.5.21)

Wenn der Bitcoin-Dominanz Kurs fällt deutet es darauf hin, dass die Altcoins besser performen und das offensichtlich in einem beachtlichem Ausmaß, wenn der Trend steil nach unten verläuft.

Exemplarisch möchte ich in diesem Blog auf zwei Coins eingehen, den Ether und den Dogecoin.

Ethereum ist dem Bitcoin auf den Fersen

Die Ethereum Blockchain erlebt derzeit ein Hoch. Ethereum ist eine Art Plattform Blockchain, auf der zahlreiche dezentrale Applikationen entwickelt wurden. Allen voran sind hier die DeFi (dezentrale Finanz) Apps zu nennen, wie z.B. Maker, Uniswap oder Aave. Diese Applikationen erlauben das Verleihen/ Leihen (Lending) von diversen Coins bzw. den Tausch diverser Coins (dezentrale Börsen) ohne Mittelsmänner.

Damit diese Applikationen funktionieren, müssen Krypto Währungen hinterlegt werden (Pooling Staking). Der Wert aller hinterlegten Coins ist in weniger als einem Jahr von unter €1Mrd. auf €70Mrd. gestiegen. Dazu kommt, dass jede Transaktion Kosten verursacht, diese werden mit Ether beglichen.

Neben DeFi ist auch der NFT Hype zu erwähnen, der ebenfalls Großteils auf der Ethereum Plattform abgewickelt wird. NFTs (non fungible Tokens) unterscheiden sich im Gegensatz zu herkömmlichen Coins wo alle gleich sind, dadurch dass jeder Coin ein Unikat ist. Dies wurde vor allem genutzt um digitale Kunstwerke zu tokenisieren.

Aber auch kleine Videos mit NBA Höhepunkten stehen hoch im Kurs. Selbst renommierte Auktionshäuser wie Sotheby haben sich bereits dem Thema gewidmet. Im April 2021 wurden auf diese Weise knapp $17Mio. umgesetzt.

Ebenfalls zu erwähnen ist die Europäische Investment Bank, die vor kurzem die erste digitale Bondemission auf einer öffentlichen Blockchain (eben Ethereum) abgewickelt hat.

Transaktionskosten von Ethereum angestiegen

Angesichts der rapiden Zunahme von Anwendungen ist es nicht verwunderlich, dass die Transaktionskosten auf Ethereum massiv angestiegen sind. Kleinanleger können sich Kosten von 50-150€ kaum noch leisten, weshalb Alternativen zu Ethereum wie Polkadot oder Cardano zwischenzeitliche Höhenflüge erlabt haben.

Ethereum hat aber mit einem Update der Blockchain reagiert (EIP 1559) wonach die Kosten neu geregelt werden sollen (zum Missfallen der Miner), das auf einer Basefee basiert. Zudem wird die Anstiegsrate von „neuen“ Ether deutlich reduziert und Teile der Ether Transaktionen werden „verbrannt“, also vernichtet. Außerdem steht in ansehbarer zeit der Wechsel von Proof of Work zu Proof of Stake bevor, der deutlich energieschonender Blöcke bildet.

All diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass Ether im Jahr 2021 den Bitcoin-Kurs deutlich hinter sich ließen. Mit einer Performance von 461% (Stichtag 10.5.21) schlägt sich Ethereum sehr gut. Die Marktkapitalisierung nähert sich damit der €400Mrd. Grenze.

Grafik: Kurs Ethereum


Quelle: Tradingview (10.5.2021)

Dogecoin: Spielball von Social Media Pump and Dump

Von wegen Starperformer Ether, Dogecoin schlägt mit einer Year-to Date Performance von 10,500% alle anderen bei weitem. Doch was steckt hinter Dogecoin? Ursprünglich wurde der Coin als Spaß-Kryptowährung (Meme) bereits 2013 veröffentlicht, quasi als Parodie auf Bitcoin. Mit einer Marktkapitalisierung von €55Mrd. kann man aber schwerlich von einem Witz sprechen. Das Logo der Münze zeigt einen Shiba, eine japanische Hunderasse.

Dogecoin ist ein Fork (Abspaltung) von Litecoin. Ein wesentlicher Unterschied zu Bitcoin ist die große Anzahl von 100Mrd. Coins die geprägt werden können. Damit ist Dogecoin im Gegensatz zu Bitcoin kein „seltenes Gut“. Dogecoin möchte sich auch gar nicht mit Bitcoin messen. Während bei Bitcoin eher größere Transaktionen abgewickelt werden, soll Dogecoin für Kleinstüberweisungen verwendet werden. Von einer flächendeckenden Anwendung sind wir freilich noch weit entfernt.

Vielmehr ist Dogecoin derzeit ein Spielball von Social Media Pump and Dump Aktionen, an der sich auch Elon Musk als Liebhaber des Coins beteiligt. Wenn er auf einen Tweet davon spricht, dass „Dogecoin die Zukunft der Kryptowährungen sein könne (7.5.2021), kann es passieren, dass der Coin innerhalb weniger Stunden um 40-50% steigt.

Wer Elon Musk kennt weiß, dass er mit seinen Äußerungen sehr wankelmütig sein kann. Bereits ein Tag nachdem er Dogecoin eine rosige Zukunft bescheinigt hat, bezeichnet er in einer Fernsehshow den Coin als „hustle“ (Abzocke, Schwindel). Dogecoin hat darauf mit einem Minus von 40% innerhalb eines Tages reagiert.

Kurze Zeit später berichtet ein Unternehmen von Musk SpaceX und das kanadische Unternehmen Geometric Energy, dass sie eine Raumfahrtmission im Jahr 2022 planen, dass zur Gänze in Dogecoin bezahlt werden soll. Das Wechselbad an positiven und negativen Nachrichten führt dazu, dass Dogecoin eine hohe Volatilität aufweist.

Chart: Kurs Dogecoin

Quelle Tradingview (10.5.2021)

Gruppen organisieren sich auf Reddit

Dazu gesellen sich auf Social Media Plattformen wie Reddit oder TikTok Gruppen (r/wallstreetbets), die diverse Coins pushen, nur um sie wenig später zu verkaufen. Man kennt diese Aktionen bereits von Robin Hood und Gamestop.

Ich möchte mit diesen beiden Beispielen darauf aufmerksam machen, dass es bei Crypto-Assets zu starken Kursbewegungen kommen kann, die zum Teil auf fundamentale Gründe zurückzuführen sind, wie z.B. beim Ether. Bei anderen Coins sind die Gründe aber eher fragwürdig. Dies ist nicht allein auf die Krypto Welt beschränkt. Wir kennen diese Bewegungen auch auf dem Aktienmarkt als die Aktien von Gamestop in wenigen Tagen um 2000% gestiegen sind.

Fazit

Dies mach deutlich, dass Social Media einen starken Einfluss auf diverse Kursbewegungen haben kann, das trifft sowohl bei Aktien zu als auch bei diversen Kryptowährungen, wie wir sie derzeit bei Dogecoin erleben. Nur sind Aktien (noch) stärker reguliert als Krypto-Währungen, damit ist ein Eingreifen der Regulierungsbehörden bei Kryptowährungen derzeit eher selten. Jeder Anleger sollte sich dieser Tatsache bewusst sein und wie bei Aktie auch bei Krypto-Währungen eigenständiges Research betreiben und nicht blind einem Celebrity im Social Netz folgen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Bitte beachten Sie, dass hinter Kryprowährungen ein enorm hoher und sehr komplexer technischer Aufwand steht, der von Anlegerinnen und Anlegern nicht unterschätzt werden darf.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Regionalisierung des weltweiten Handels bringt neue Chancen

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Die Globalisierung wird durch die COVID 19-Krise nicht rückgängig gemacht, aber sie führt zu einer Neuausrichtung des bisherigen Modells. Durch das Nearshoring, die Regionalisierung des Handels, entstehen Chancen für kostengünstigere Produktionsländer in der Nähe konsumstarker Volkswirtschaften. In diesen Ländern muss aber erheblich in Infrastruktur investiert werden, um Flaschenhälse bei Verkehrswegen und der Energieversorgung zu beseitigen.

Der Ausbruch der Corona-Krise führte beeindruckend die Schwächen der Globalisierung vor Augen. Die extrem arbeitsteilige Fertigung von Gütern über Länder und Kontinenten hinweg, kam zeitweise nahezu vollständig zum Erliegen. Mehr als ein Jahr später gibt es immer noch Versorgungsengpässe. China - der weltweit größte Produzent von pharmazeutischen Wirkstoffen – hatte zum Beispiel im März 2020 die industrielle Produktion fast vollständig eingestellt, um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen. Das führte zu einem Schock entlang der gesamten Produktionskette. Manche Länder sind zu 90-95 % ihrer Medikamenten-Importe auf Indien und China angewiesen und standen vor großen Schwierigkeiten.

„Eine Neuordnung des Globalisierungsmodells muss her “

Es stimmt zwar, dass sich die Globalisierung schon vor Covid-19 verlangsamt hat. Aber es ist dennoch unwahrscheinlich, dass sie in absehbarer Zeit ganz enden wird, selbst angesichts des großen Ausmaßes der aktuellen Krise. Dazu sind die dahinter stehenden Faktoren zu komplex. Für Unternehmen ist die Veränderung der Lieferkettenstrukturen mit enorm hohen Kosten verbunden. Die ausländischen Direktinvestitionen in den Schwellenländern bleiben hoch. Die Investitionen des privaten Sektors im Ausland werden wahrscheinlich weitergehen, allerdings könnten die Unternehmen ihre Investitionen diversifizieren und Verbindungen zu neuen Lieferanten an anderen Standorten zum Beispiel in Ostasien aufbauen. Vergangene Krisen haben gezeigt, dass die Menschen oft zu früheren Mustern zurückkehren, sobald eine Krise vorbei ist. Um also künftig Beeinträchtigungen durch Unterbrechungen von Lieferketten und Produktionsprozessen zu minimieren, ist aber dringend nötig, eine Neuordnung des Globalisierungsmodells anzugehen!

Wachsen wird die Bedeutung von „Nearshoring“, die Regionalisierung des Handels. So gibt es etwa in Europa Bemühungen, die Produktion von Überseestandorten in Länder zu verlagern, die kostengünstiger produzieren, aber geografisch näher liegen. Um die potenziellen Nutznießer dieser Entwicklung zu identifizieren, betrachten wir die Handelsbeziehungen von Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Auf diese Länder entfallen 16 % der weltweiten Konsumausgaben und der überwiegende Teil des europäischen Konsums. Aufgrund ihrer stärkeren Handelsbeziehungen könnten Polen, die Tschechische Republik, die Türkei und Ungarn vom Nearshoring profitieren. Außerdem bieten sie ein verlässliches Geschäftsumfeld und vergleichsweise niedrige Löhne.

„Flaschenhälse bei Verkehrswegen und Energieversorgung müssen beseitigt werden“

Mit 27% der weltweiten Konsumausgaben sind die USA die größte Konsumdrehscheibe. Um sie herum könnten drei Länder von einer teilweisen Neuordnung der Lieferketten profitieren. Mexiko, Brasilien und Kanada gehören zu den 14 wichtigsten Produktionsstandorten weltweit. Auf sie entfällt 1,2-1,5 % der globalen Produktionsleistung. Mexiko und Kanada sind auch die Hauptlieferanten für den US-Markt, auf die 14% bzw. 13% der gesamten Importe in die USA entfallen - übertroffen nur noch von China mit 22%.. Da Brasilien und vor allem Mexiko deutlich niedrigere Arbeitskosten haben, werden sie wohl am stärksten von US-Nearshoring-Aktivitäten profitieren. In Asien entfallen auf China und Japan 12% bzw. 6% der weltweiten Konsumausgaben. In den letzten Jahren hat vor allem Vietnam einen Anstieg der Exporte erlebt, da einige Unternehmen die Produktion aus China verlagert haben, um US-Zölle auf chinesische Waren zu vermeiden. Darüber hinaus ist der Lohnunterschied zu Vietnam aufgrund der steigenden Arbeitskosten in China beträchtlich. Trotz infrastruktureller Einschränkungen ist Vietnam ein wichtiger Standort für die Produktion von Basiskonsumgütern geworden - COVID-19 wird diesen Wachstumspfad wahrscheinlich verstärken. Durch die Neuorganisation des Welthandels erhalten mehr Nationen Aufstiegschancen. In diesen Ländern muss erheblich in Infrastruktur investiert werden. Flaschenhälse bei Verkehrswegen und der Energieversorgung müssen beseitigt werden, damit diese Länder ihr Potenzial entfalten können. Mit der Aussicht auf Investoren aus dem Ausland werden Infrastrukturprojekte attraktiver, die natürlich auch enorm positive Auswirkungen auf den Lebensstandard der dort lebenden Menschen haben wird. Investieren wird wieder dinglicher, abseits von puren „Tech-Unternehmen“.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Augen auf bei der Index-Auswahl von Themen-ETFs

Wenn Anleger in Themen-ETFs investieren, entscheiden sie sich für ein Thema mit Zukunftspotenzial. Sie antizipieren, dass der jeweilige Markt – sei es regenerative Energien, E-Commerce, Robotik, Cybersicherheit oder sauberes Wasser – in Zukunft stark wachsen wird und sie entsprechend partizipieren. Die Auswahl eines zukunftsträchtigen Themas ist jedoch nur der erste Schritt, erläutert Philipp von Königsmarck, Leiter des Wholesale-Geschäfts in Deutschland und Österreich bei Legal & General Investment Management (LGIM). Er erklärt, worauf Anleger im zweiten Schritt achten sollten, damit sie auf die Zukunft anstatt auf die Vergangenheit setzen:

Bei der Auswahl eines Themen-ETFs sollten Anleger unbedingt überprüfen, wie der dem Themen-ETF zugrunde liegende Index zusammengesetzt ist. Wie wird das Unternehmensuniversum und dann der Index bestimmt? Das ist das A und O, ob ein Index auf die Gewinner von morgen oder auf die von gestern setzt.

Häufig umfasst das Universum Unternehmen mit einer bestimmten Marktkapitalisierung in dem jeweiligen Themenfeld. In den Index gelangen dann die Titel mit der größten Marktkapitalisierung – also die Gewinner von gestern. Häufig orientiert sich die Auswahl an der gängigen internationalen Unternehmensklassifizierung wie dem Global Industry Classification Standard (kurz: GICS) von MSCI oder S&P. Die möglichen Gewinner von morgen fallen bei einer solchen Methodik durch das Raster. Sie haben die erforderliche Marktkapitalisierung (noch) nicht erreicht, da sich der Markt häufig noch in einer frühen Phase befindet. Aber genau hier schlummert das Wachstumspotenzial. Ein Beispiel: „Energiekontor“ – ein Titel aus dem L&G Clean Energy UCITS ETF – konnte seinen Umsatz 2020 im Vergleich zu 2019 um mehr als 100 Prozent steigern (Quelle: energiekontor.de). Das Kerngeschäft des deutschen Unternehmens liegt auf der Planung, dem Bau und der Betriebsführung von Windparks und Solaranlagen im In- und Ausland. 

Wer tatsächlich auf die Zukunft setzen möchte, darf nicht auf den ausgetrampelten Pfaden gehen. Vielmehr muss die Zusammensetzung des Unternehmensuniversums hoch spezialisierten Experten überlassen werden. Sie haben durch ihre Branchenkenntnisse tiefere Einblicke in den jeweiligen Markt und können dadurch – meist kleine und mittelgroße – Unternehmen identifizieren, die häufig nicht von gängigen Indizes wie dem MSCI World abgedeckt sind. Im Clean Energy ETF sind beispielsweise mehr als 50 Prozent kleine und mittelgroße Unternehmen enthalten. Damit liegt die Überlappung des ETF mit dem MSCI World Index bei nur 1,8 Prozent. Das heißt, Titel, die sowohl im ETF als auch im Index enthalten sind, machen nur 1,8 Prozent des Gewichts des MSCI World Index aus. Der Vorteil für Anleger: Das Klumpenrisiko im Portfolio ist geringer (Stand: Ende Q1/2021). Die Auswahl der Titel für den jeweiligen Index kann sich zudem an Kriterien wie themenbezogenem Umsatz, Marktführerschaft und der Rolle in der Wertschöpfungskette orientieren. 

Fazit: Es reicht also nicht aus, einen ETF auf einen Index zu setzen, der sich vor allem an der Größe der Marktkapitalisierung orientiert. Um Themen mit Wachstumspotenzial zu erfassen, bedarf es maßgeschneiderter Indizes, die die Zukunft fest im Blick haben.

Die Pandemie ist vorbei - der Inflationsanstieg ist da

Die Pandemie ist faktisch vorbei! Zumindest ist sie das aus der Sicht der allermeisten Finanzmarktteilnehmer. In den USA und Großbritannien ist die vielbeschworene Herdenimmunität nahezu erreicht, woran auch die derzeit bekannten Mutationen nichts ändern werden. Nicht einmal die teils apokalyptischen Bilder und Nachrichten aus Indien und neue Restriktionen in einigen asiatischen Staaten (in denen man die Pandemie längst als überwunden angesehen hatte), haben die Kurse auf den Finanzmärkten noch bewegen können. Nicht einmal in Indien selbst; dort notieren die Aktienindizes nur knapp unter ihren jüngst erreichten Allzeithochs. Stattdessen liegt der Fokus der Marktteilnehmer auf der post-Corona „Normalität“, und diese wird derzeit durch die Inflationsdebatte geprägt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies daher auch unser vorläufig letztes „Corona-Update“ und wir hoffen natürlich, dass wir diese newsflash-Reihe auch nie wiederaufnehmen müssen.

Dass die Inflationsraten im Frühjahr und Sommer fast überall auf der Welt kräftig nach oben gehen würden, haben die Finanzmärkte seit langem erwartet und auch weitgehend eingepreist. Insofern überrascht es auch nicht sonderlich, dass etwa US-Staatsanleihen zuletzt kaum auf die deutlich anziehenden Teuerungsraten reagierten. Gleichwohl kann das Ausmaß der Inflationsanstiege in den kommenden Monaten schon noch zu Überraschungen und damit auch zu Marktreaktionen führen. Der „Elefant im Raum“ ist dabei zweifellos die Frage, ob die Inflationsanstiege von Dauer sein werden?

Der Inflationsanstieg ist da – aber wie stark und wie dauerhaft?

Sowohl die US-Notenbank (Fed) als auch die große Mehrheit der Marktteilnehmer und Analysten gehen weiterhin von einer vorübergehenden inflationären Entwicklung aus. Die US-Notenbank wird derweil nicht müde zu betonen, dass sie nur auf anhaltende, tatsächliche Inflationsanstiege reagieren wird. Anders als in der Vergangenheit ist sie nicht gewillt, bereits im Vorfeld tätig zu werden. Genau das könnte aber viele Marktteilnehmer in ein Dilemma bringen. Denn da die Fed bewusst „hinter der Kurve“ bleiben und erst im Nachhinein reagieren will, entsteht damit geradezu zwangsläufig das Risiko, dass sie zu spät auf den Plan tritt und zumindest zeitweise die Kontrolle über die Situation verliert. Die wenigsten der heutigen Marktakteure haben noch die letzte Phase miterlebt, in der die Fed dem Inflationstrend hinterherhechelte. Und diejenigen, die damals noch dabei waren, sehen sich heute natürlich einer ganz anderen globalisierten Weltwirtschaft gegenüber als in den 1970ern und 1980ern.

Was sind die zentralen Argumente dafür, dass der aktuelle Inflationsanstieg keine dauerhafte Dynamik entfalten wird? Zum einen ist das Entladen einer über viele Monate angestauten Nachfrage naturgemäß ein einmaliges und zeitlich begrenztes Phänomen. Auch die enormen Fiskalprogramme werden nicht permanent erneuert werden. China scheint bei den Rohstoffimporte zudem erst einmal den größten Hunger gestillt zu haben. Und sowohl die noch immer relativ hohen Arbeitslosenquoten als auch die reduzierte Verhandlungsmacht von Arbeitnehmern und Gewerkschaften sprechen derzeit nicht für eine inflationäre Lohn-Preis-Spirale. Zugleich dürfte der Preisüberwälzungsspielraum der Unternehmen speziell in den USA spürbar abnehmen, wenn sich die Nachfrage normalisiert und der Staat nicht länger Billionen von Dollar an Privathaushalte und Unternehmen ausreicht. Gegen diese Sichtweise spricht, dass langfristig disinflationäre Faktoren der letzten Jahrzehnte jetzt spürbar nachlassen. Auch könnte das Bedürfnis vieler Investoren, sich gegen Inflationsanstiege zu wappnen, genau diese Inflationstendenzen kräftig verstärken. Beispielsweise dadurch, dass Rohstoffe in großen Mengen als Hedge gekauft werden und dadurch deren Preise weiter steigen. Auch sollte man nicht übersehen, dass ein durchaus erheblicher innenpolitischer Druck auf Regierungen entstehen könnte, für untere Einkommensschichten die Preissteigerungen mit weiteren Sozialtransfers auszugleichen.

Selbst wenn sich am Ende der Inflationsdruck als temporär erweisen sollte, könnten die Märkte zwischenzeitlich dennoch das Szenario eines dauerhaften Inflationsdrucks spielen – und sei es, weil hinreichend viele Marktteilnehmer sich gegen ein solches Szenario zu wappnen versuchen. Spannende Monate scheinen also programmiert, wobei die Inflationssorgen in den USA derzeit (noch) ungleich akuter und stärker sind als in Europa.

Finanzmärkte in den letzten Wochen

Die Aktienmärkte setzten ihre Kursanstiege in den letzten vier Wochen zumeist fort, mit neuen Allzeithochs bei den großen Indizes in den USA. Sie gaben ihre Zuwächse aber in den letzten Tagen weitgehend wieder ab oder drehten teilweise sogar ins Minus gegenüber Mitte April. Als Grund werden vor allem die wachsenden Inflationsängste und zum Teil Zinsbefürchtungen genannt. Fakt ist jedoch, dass die Abwärtskorrektur von vielen als längst überfällig angesehen wurde, angesichts etlicher Überhitzungsanzeichen und teils überbordender Euphorie besonders bei vielen neu an die Börse drängenden Kleinanlegern in den USA. Der generelle Aufwärtstrend der Aktienmärkte steht aber sowohl in den USA als auch Europa noch immer auf recht gesunden fundamentalen Beinen (Gewinnentwicklung, Zinsumfeld, Konjunkturdynamik) und auch das markttechnische Bild ist unverändert positiv (Marktbreite, Liquidität).

Auf den Staatsanleihemärkten in den USA und Europa bewegten sich die Kurse zumeist seitwärts. Inflationsgeschützte Anleihen zeigten sich dabei zumeist etwas stärker als vergleichbare nominal verzinsliche Anleihen. Leicht freundlicher tendierten Emerging--Markets-Hartwährungsanleihen. Bei den Währungen gab der US-Dollar zuletzt wieder etwas nach; im Gegenzug befestigte sich der Euro. Auch viele Rohstoffe legten weiter zu, ebenso das Gold.

Aktuelle taktische Positionierungen

In der Taktischen Asset Allokation gab es zuletzt nur kleinere Anpassungen. Aktien bleiben übergewichtet. Im Gegenzug sind Euro-Staatsanleihen, Geldmarkt und globale Staatsanleihen weiterhin untergewichtet. Unternehmensanleihen bleiben im Anleihebuch stark übergewichtet. Die zuvor bereits leicht übergewichteten Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen wurden aufgestockt. Daneben gibt es innerhalb der Aktien- und Anleihebücher eine ganze Reihe von unterschiedlichen Positionierungen auf regionaler und sektoraler sowie thematischer Ebene bzw. bei Zinskurvenstrategien. Weitere Aufstockungen bei den Aktien je nach Marktlage könnten in den kommenden Wochen bzw. Monaten folgen. Eine signifikante Longposition besteht zudem bei Rohstoffen, wobei sich diese auf breite Rohstoffsektoren erstreckt (ausgenommen natürlich landwirtschaftliche Rohstoffe).

ESG trennt die Spreu vom Weizen

In der Krise schlägt die Stunde der Wahrheit: Halten Anlagestrategien, was Anleger sich von ihnen versprechen? In der weltweiten Rezession durch Coronakrise und Lockdowns konnten ESG-Strategien punkten, sagen Shaunak Mazumder, Senior Fund Manager, und Philipp von Königsmarck, Head of Wholesale Sales Germany, bei Legal & General Investment Management:

ESG ist primär auf langfristige Ziele ausgerichtet, doch auch kurzfristig können Anleger von einer ESG-Strategie profitieren. Natürlich ist die Wertentwicklung in der Vergangenheit kein Indikator für die Zukunft, doch ESG-Strategien haben Anleger vor den schlimmsten Marktrückgängen bewahrt, weil sie Unternehmen mit den folgenden Eigenschaften bevorzugen: 

  • Gutes oder sich verbesserndes ESG-Profil: Nachhaltig orientierte Unternehmen meisterten die Zeit des Abschwungs besser als der Durchschnitt. Beispiele sind Novo Nordisk, Nestle, Nintendo und Microsoft.
  • Nachhaltiges Wachstum: Unternehmen mit wiederkehrenden und wachsenden Erträgen und hohen Margen haben sich als widerstandsfähig erwiesen – einige profitierten sogar von den verschiedenen Lockdowns. Beispiele sind der Versicherungsmakler AIA, der Börsenbetreiber Intercontinental Exchange, MSCI und TeamViewer.
  • Niedrige CO2-Bilanz: Unternehmen, die Lösungsansätze für das CO2-Problem anbieten oder selbst eine niedrige CO2-Bilanz haben, zum Beispiel Vestas, Johnson Matthey, Schneider und Carrier, spielen eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Welt und bieten Schutz gegen Energiepreisschwankungen.

Auch wenn aktuell die Beschränkungen weltweit wieder gelockert werden, glauben wir weiterhin, dass Kapital (sowohl Eigen- als auch Fremdkapital) und Liquidität in der nächsten Zeit für Unternehmen weiterhin eine zentrale Rolle spielen werden. Die meisten Optionen werden Unternehmen haben, die deutliches Wachstumspotenzial zeigen, belastbare Geschäftsmodelle aufweisen und – ganz entscheidend – einen Beitrag zum Aufbau inklusiver und nachhaltiger Volkswirtschaften beitragen können. 

Wir haben beobachtet, wie entscheidend es für Unternehmen gerade in schwierigen Zeiten ist, sich auf langfristige ESG-Ziele zu konzentrieren, anstatt sich an kurzfristigen Entscheidungen und kurzfristigen Gewinnen zu orientieren. Der Markt wird sich merken, welche Geschäftsmodelle und -praktiken widerstandfähig sind. Auf dem Gipfel der Krise konnten wir beobachten, wie sich einige Technologieunternehmen, Datenanbieter, Versicherungsmakler, Anbieter von Life-Sciences-Tools und Hersteller von pharmazeutischen Produkten Vorsprung verschafften. In der aktuellen Erholung bleiben solche Unternehmen auf dem Gewinnpfad, und wir erwarten, dass sie sich dort halten werden.

Banken, IT-Konzerne und Autobauer melden Gewinnsprünge im 1. Quartal

Mit Hochspannung verfolgt wird an den Börsen derzeit die auslaufende Quartalsberichtssaison. Börsianer erhoffen sich davon Aufschluss darüber, wie gut die großen Konzerne das erste Corona-Jahr weggesteckt haben. Die Erwartungen an eine Erholung vom Corona-Schock des Vorjahres waren dabei teilweise hoch gesteckt.

Während in Europa einige wichtige Unternehmen noch Zahlen präsentieren, haben die wichtigsten US-Konzerne schon ihre Zahlen vorgelegt. An den US-Börsen haben die Ergebnisse die jüngste Rally untermauert. So erreichte der Dow Jones zuletzt neue Rekordmarken.

US-Finanzkonzerne konnten Quartalsgewinne vervielfachen

Die größten Gewinnzuwächse unter den im Dow gelisteten Unternehmen haben dabei einige Finanzkonzerne gemeldet. So konnten American Express, Goldman Sachs und JP Morgan ihre Gewinne im abgelaufenen Jahr vervielfachen.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihren Nettogewinn im ersten Quartal etwa auf 6,7 Mrd. Dollar versechsfacht und die Markterwartungen damit weit übertroffen. Goldman Sachs profitierte vor allem vom Boom der Börsenmäntel, den sogenannten SPACs. JP Morgan konnte dank eines florierenden Handelsgeschäfts seinen Gewinn auf 14,3 Mrd. Dollar verfünffachen. Den US-Bankinstituten kommen auch die Konjunkturhilfen aus dem Weißen Haus zugute. Sie sorgen unter anderem dafür, dass in der Coronakrise der Konsum nicht so stark einbricht und die Kreditausfälle geringer ausfallen.

Auch American Express konnte seinen Gewinn im Quartal auf 2,2 Mrd. Dollar versechsfachen. Der Kreditkartenkonzern profitierte vor allem davon, dass in der Krise gebildete Rückstellungen für drohende Kreditausfälle aufgrund der verbesserten wirtschaftlichen Aussichten wieder aufgelöst wurden. Das operative Geschäft lief hingegen weiter schleppend, der Umsatz sank im Quartal um 12 Prozent. American Express litt weiter darunter, dass die Pandemie den internationalen Reiseverkehr lahmlegte, weshalb lukrative Hotel- oder Flugbuchungen wegfielen.

Aber auch einige europäische Bankhäuser erlebten eine starke Erholung. So hat die Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal so gut verdient wie seit sieben Jahren nicht und damit die Markterwartungen übertroffen. Für das Gesamtjahr wird ebenfalls ein Gewinn angepeilt.

IT-Giganten profitieren weiter von Home Office und Digitalisierungsschub

Starke Zahlen kamen in den USA auch von den großen IT-Giganten, die zu den Profiteuren des Digitalisierungsschubs infolge von Lockdowns und Home Office zählen. So meldete Apple für das erste Quartal ein Umsatzplus von 54 Prozent auf knapp 90 Mrd. Dollar. Der Gewinn fiel mit 23,6 Mrd. Dollar gut doppelt so hoch aus wie ein Jahr zuvor. Das iPhone spielte dabei wieder einmal die Hauptrolle und brachte knapp 48 Mrd. Dollar Umsatz ein, fast zwei Drittel mehr als vor einem Jahr.

Auch Facebook hat von den Lockdowns profitiert und meldete einen Gewinnsprung von 4,9 auf 9,5 Mrd. Dollar. Mit der Verlagerung vieler Lebensbereiche auf Online-Plattformen, dürfte auch die Nachfrage nach Werbung im digitalen Raum gestiegen sein. Bei Facebook wurden im vergangenen Quartal um 12 Prozent mehr Anzeigen geschaltet. Ihr durchschnittlicher Preis stieg im Jahresvergleich um 30 Prozent.

Amazon profitierte naturgemäß vom Internet-Shopping-Boom. Aber auch das riesige Cloud-Geschäft des Konzerns boomte weiter. Im ersten Quartal steigerte Amazon seinen Umsatz im Jahresvergleich um 44 Prozent auf rund 109 Mrd. Dollar. Den Gewinn erhöhte Amazon um mehr als das Dreifache auf den Rekordwert von 8,1 Mrd. Dollar. Damit übertraf der Konzern die Börsenerwartungen deutlich.

Der Einzelhandelsriese Walmart litt hingegen unter den Folgen der Pandemie und rutschte trotz boomender Online-Verkäufe in die roten Zahlen. Unterm Strich gab es einen Verlust von 2,1 Mrd. Dollar, nach einem Gewinn von 4,1 Mrd. im Vorjahresquartal.

Zu den großen Verlierern zählte auch Disney. Das florierende Streaming-Geschäft des Unternehmens konnte nicht die negativen Folgen der Pandemie abfedern. Der Gewinn des Unterhaltungskonzerns brach damit um 99 Prozent auf nur mehr 29 Mio. Dollar ein. An der Börse wurden die Zahlen und der Erfolg von Disneys Streaming-Dienst aber positiv aufgenommen, die Aktie erreichte zuletzt neue Höchststände.

Quelle: APA
Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.

Gute Zahlen zuletzt auch aus Europa

In Europa ist die Berichtssaison noch im Laufen, doch auch hier dürfte sich insgesamt die Erholung und der positive Trend des vierten Quartals fortsetzen. Starke Quartalszahlen gab es etwa dank guter Geschäfte in China und einer allgemeinen Markterholung von den deutschen Autobauern. So hat Daimler für das erste Quartal einen überraschend deutlichen Gewinn von 4,3 Mrd. Euro gemeldet. Vor einem Jahr waren als Nettogewinn nur 94 Mio. Euro übrig geblieben. Auch Volkswagen hat seinen Gewinn vervielfacht. Sorgen bereiten den Autobauern allerdings weiter die Lieferengpässe bei Halbleitern.

Vom guten Geschäft mit der Automobilindustrie profitierte auch Siemens und konnte zuletzt gute Ergebnisse präsentieren. Im zweiten Geschäftsquartal von Jänner bis März sprang der Gewinn des Technologiekonzerns von 0,7 auf 2,4 Mrd. Euro. Neben dem Automobil-Geschäft liefen auch die Maschinenbau- und Softwareaktivitäten des Konzerns gut.

FAZIT: Die meisten börsen-gelisteten Unternehmen scheinen gut aus der Corona-Krise zu kommen. Die robuste Verfassung gibt den Aktien Rückhalt.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Das neue Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG) – Was ändert sich für Wertpapierfirmen?

Am 26. Juni 2021 tritt das Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG) in Kraft, das die EU-Richtlinie über die Beaufsichtigung von Wertpapierinstituten (IFD) in deutsches Recht umsetzt. Marcus Columbu und Swantje Teller, Rechtsanwälte bei act AC Tischendorf, beleuchten auf Hedgework, was auf Finanzmarktakteure zukommt und worauf insbesondere zu achten ist.

Was genau ist das Thema?

Am 26. Juni 2021 tritt das neue Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG) in Kraft, das die EU-Richtlinie über die Beaufsichtigung von Wertpapierinstituten (IFD) in deutsches Recht umsetzt. Flankierend gilt die EU-Verordnung über die Aufsichtsanforderungen an Wertpapierinstitute, die Investment Firm Regulation (IFR). Das Ziel dieser Gesetzgebung ist es, den unterschiedlichen Geschäftsmodellen und den damit verbundenen Risiken von Banken und Wertpapierfirmen gerecht zu werden.

Künftig werden nach dem WpIG drei Klassen von Wertpapierfirmen unterschieden, nämlich große, mittlere und kleine Wertpapierinstitute („WPI“), für die unterschiedliche Regelungen und Anforderungen gelten. Diese reichen von zahlreichen Erleichterungen bis hin zur Beachtung von strengen Regelungen und einer Überwachung.

Das WpIG ist dann für Sie relevant, wenn Ihre Wertpapierfirma im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Nummer 4 der RL (EU) 2014/65 (MiFID 2) einzustufen ist (also im Wesentlichen Tätigkeiten gemäß § 1 Abs. 1a Satz 2 KWG anbietet).

Durch das WpIG wird die Regulierung und Beaufsichtigung von Wertpapierfirmen aus dem Kreditwesengesetz (KWG) sowie weitgehend aus der EU-Kapitaladäquanzverordnung (CRR) herausgetrennt und in ein eigenes, abgeschlossenes Aufsichtsregime überführt. Betroffen sind im Wesentlichen Institute, die über eine Erlaubnis gemäß § 1 Abs. 1a Satz 2 KWG (und nicht gemäß § 1 Abs 1 Satz 2 KWG) verfügen (sogenannte MiFID-2 Institute) und die nicht als Klasse 1 Wertpapierfirmen eingestuft werden.

Konkret werden die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Wertpapierinstitute der Klasse 2 (mittlere Wertpapierinstitute) und Klasse 3 (kleine Wertpapierinstitute) nicht mehr im KWG, sondern im WpIG nach folgenden Kriterien geregelt:

  1. Zusätzliche Genehmigung für Wertpapier-Nebendienstleistungen und Nebengeschäfte, § 15 Abs.2 WpIG
  2. Risiken, Eigenmittel, Liquiditäts- und Eigenmittelanforderungen sowie Melde- und Offenlegungspflichten (jetzt in der IFR),
  3. Geschäftsorganisation, Risikomanagement, Vergütungspolitk (nur mittlere WPI) sowie die Anforderungen an die Geschäftsleitung und die Aufsichtsorgane (jetzt in der IFD, d.h. im WpIG für Deutschland). Gleiches gilt für die Befugnisse und Instrumente der Aufsichtsbehörden und die konsolidierte Aufsicht (WpIG).
  4. Anzeigepflichten von § 24 KWG nach §§ 64 WpIG (alle WPI), § 65 WpIG (große WPI), § 66 WpIG (kleine und mittlere WPI) und 67, 68 WpIG
  5. Geschäftsorganisation nun in §§ 40-45 WpIG (vormals § 25a f. KWG)
  6. Vergütungssystem nun in § 46 WpIG (vormals § 25d KWG). Der Entwurf der Wertpapierinstituts-Vergütungsverordnung befindet sich derzeit in der Konsultation
  7. Solvenzaufsicht nun in §§ 38, 39 WpIG (vormals §§ 10 bis 12a KWG, im Wesentlichen aber CRR-Verordnung)
  8. MiFID II-Erlaubnistatbestände im WpIG (§ 2 Abs.2 WpIG) und nicht mehr im KWG (vormals § 1 Abs. 1a Satz 2 KWG) – keine wesentlichen Veränderungen, aber Erlaubnispflicht von Wertpapiernebendienstleistungen
  9. Erlaubnispflicht (von §32 KWG in § 15 WpIG verschoben - beachte Genehmigungsfiktion für erteilte Zulassungen bis zum 26. Juni 2021, § 86 Abs.1 WpIG) – keine wesentlichen Veränderungen
  10. Inhaberkontrollverfahren von § 2c KWG nach §§ 24-27 WpIG – keine wesentlichen Veränderungen
  11. Bestimmungen zu vertraglich gebundenen Vermittlern von § 25e KWG in § 28 WpIG – keine wesentlichen Veränderungen
  12. Anforderungen an Geschäftsleiter und Verwaltungs-/Aufsichtsorgane nun in §§ 20-23 WpIG für kleine und mittlereWPI, für große WPI gelten weiterhin die §§ 25c, 25d, 36 KWG (zus. Absichtserklärung nach § 65 Abs.1 Nr.1 WpIG) – keine wesentlichen Veränderungen
  13. EU-Passporting von § 24a KWG nach §§ 70-72 WpIG bzw. § 53b KWG nach §§ 73-75 WpIG – keine wesentlichen Veränderungen
  14. Geldwäscherechtliche Pflichten nun in §§ 33 bis 37 WpIG (vormals § 25g bis 25m KWG) – keine wesentlichen Veränderungen

Schritt 1: Welche Klassifizierung trifft auf mich zu?

Die erste Klasse, die sog. großen WPI, unterliegen unverändert den bankaufsichtsrechtlichen Anforderungen (fallen also weiterhin unter das KWG, etc.). Daher ist das WpIG für diese Gruppe nicht relevant. Hingegen entfaltet das WpIG seine Wirkung für mittlere WPI (Klasse 2) sowie für kleine WPI (Klasse 3).

Ihr WPI ist als große Wertpapierfirma einzustufen, wenn Sie Emissionsgeschäft oder Eigenhandel betreiben und über eine Bilanzsumme (alleine oder in der Gruppe) von EUR 15 Mrd. oder mehr verfügen. Wertpapierfirmen mit einer Bilanzsumme von EUR 5 Mrd. fallen ebenfalls darunter, wenn sie von der BaFin als systemrelevant eingestuft werden.

Mittlere WPI, wenn eine oder mehrere der folgenden Voraussetzungen erffüllt sind (Überschreitung der in Art. 12 IFR genannten Schwellenwerte für kleine WPI):

  1. Bilanzsumme ab EUR 100 Mio.,
  2. Brutto-Gesamteinkünfte ab EUR 30 Mio.,
  3. Summe verwalteter Assets ab EUR 1,2 Mrd. (Art. 17 IFR)
  4. Kundenaufträge (Art. 20 IFR) pro Tag ab EUR 100 Mio. (Kassa) oder ab EUR 1 Mrd. (Derivate) beträgt.

Sofern Wertpapierinstitute Eigenhandel betreiben, sind sie grundsätzlich als mittelgroß einzustufen. Ferner sind WPI automatisch als mittlere WPI einzustufen, wenn sie Kundengelder halten (Art. 18 IFR), Vermögenswerte verwahren oder verwalten (Art. 19 IFR), Handelsgeschäfte betreiben (Art.33 IFR), Clearingaktivitäten betreiben (Art. 22,23 IFR) und ein Handelsgegenparteiausfallrisiko haben (Art. 26 IFR).

Kleine WPI sind solche, die ausschließlich Aktivitäten im Sinne des Art. 12 IFR betreiben beziehungsweise die dort genannten Schwellenwerte nicht überschreiten und die keine Verflechtung begründen.

Empfehlung: Falls Sie nur knapp in Klasse 1 oder 2 fallen, sollten Sie prüfen, ob Sie durch ohnehin geplante Anpassungen ihres Geschäftsmodells in die niedrigere Klasse kommen können. Wir unterstützen Sie dabei gerne.

Schritt 2: Welche Änderungen gilt es zu beachten?

Durch die Einführung der IFR und des WpIG ergeben sich Änderungen für mittlere und kleine WPI. Insbesondere müssen die mittleren Wertpapierinstitute überarbeitete Bestimmungen zu Kapital- und Liquiditätsanforderungen (unten Ziffer 1), Internal Governance (unten Ziffer 2), Offenlegungs- und Meldepflichten (unten Ziffer 3) sowie Anforderungen an die Vergütung (unten Ziffer 4) umsetzen.

1. Anforderungen an das Anfangskapital und Liquiditätsanforderungen

Das WpIG regelt in § 17 die Anforderungen an das Anfangskapital. Dieses muss eine Wertpapierfirma dauerhaft vorhalten, um eine Erlaubnis erhalten bzw. behalten zu können. Weiterhin sollten Sie beachten, dass die vorgesehenen Eigenmittelanforderungen nach der Größe der Wertpapierinstitute unterschieden werden. Ein Kernelement der Neuerungen ist die Berechnungsmethode der Höhe der vorzuhaltenden Eigenmittel. Diese orientiert sich mit der neuen Regelung stärker an der Tätigkeit der Wertpapierfirmen. Bestimmungen zur Berechnung der Eigenmittel finden Sie in den Art. 9 ff IFR.

Die laufenden Kapitalanforderungen sind für kleine WPI im Wesentlichen unverändert, d.h. Vorhalten wenigstens ihres Mindestkapitals (Art. 11 Abs. 1 buchst. b), Art. 14 IFR, § 38 WpIG) beziehungsweise (sofern höher), Ausrichtung an den fixen Gemeinkosten (Art. 11 Abs. 1 buchst. a), Art. 13 IFR, § 38 WpIG).

Für mittlere WPI gelten andere Anforderungen gemäß den Art. 13 ff. IFR und 38 ff. WpIG. Aus diesen Bestimmungen ergeben sich unterschiedliche Faktoren, von denen der jeweils höchste maßgeblich für die laufenden Kapitalanforderungen ist. Diese unterschiedlichen Faktoren sind unterteilt in die Mindestkapitalanforderungen (vgl. Ziffer 1.1), den Liquiditätsanforderungen, die sich aus den fixen Gemeinkosten ergeben (fixed overhead requirements, vgl. Ziffer 1.2) und den K-Faktor-Anforderungen (Art. 15 bis 32 IFR), die sich aus den erbrachten regulierten Dienstleistungen und den Risiken für Kunden, Märkte und Institute ergeben. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der K-Faktoren:

K-Faktoren K-Faktor Kapitalanforderungen für
Kundenrisiken K-AUM das verwaltete Vermögen
  K-COH bearbeitete Kundenaufträge
  K-ASA verwahrte und verwaltete Vermögenswerte
  K-CMH gehaltene Kundengelder
Marktrisiken K-NPR das Nettopositionsrisiko des Handelsbuchs
  K-CMG geleistete Marginzahlungen
Institutsrisiken K-TCD Handelsgegenparteiausfallrisiken im Handelsbuch
  K-DTF den täglichen Handelsstrom
  K-Con das Konzentrationsrisiko

 

Die Art. 43 bis 45 IFR und die §§ 39, 52 WpIG treffen Regelungen über die Liquiditätsanforderungen. Danach haben mittlere WPI mindestens 1/3 der fixen Gemeinkosten als liquide Aktiva vorzuhalten (vgl. Art. 13 Abs. 1 IFR). Einzelheiten der zu berücksichtigenden Positionen sowie zu Herausrechnung und Herabsetzung der vorzuhaltenden liquiden Aktiva ergeben sich aus den genannten Bestimmungen. Ferner müssen mittlere WPI laufend ihre Risikotragfähigkeit sicherstellen und entsprechende Verfahren zu deren Sicherstellung implementieren (Proportionalitätsprinzip). Bei kleinen WPIkann die BaFin entsprechendes anordnen, sofern und soweit sie dies als angemessen einstuft.

Empfehlung: stellen Sie sicher, dass Ihre Berechnungsmethode passt und sichern Sie sich insbesondere ab, indem Sie stets den höchsten Faktor (Mindestkapitalanforderungen, Liquiditätsfaktoren an den fixen Gemeinkosten ausgerichtet, K-Faktoren) ansetzen.

2. Anforderungen an die Risiko- und Geschäftsorganisation

Die besonderen Anforderungen an die Risiko- und Geschäftsorganisation ergeben sich aus Art. 35 ff IFR und § 41 WpIG. Ferner aus den EBA (Draft) Guidelines on internal governance under Directive (EU) 2019/2037 (IFD), die sich allerdings nur an mittlere WPI und WPI im Gruppen-konsolidierungskreis richten.

Als kleines WPI muss Ihre Risiko- und Geschäftsorganisation zweckdienlich und der Art, dem Umfang und der Komplexität (Proportionaliätsgrundsatz) der Ihrem Geschäftsmodell innewohnenden Risiken und Ihren Geschäften angemessen sein. Sie müssen klare und transparente Organisationsstrukturen mit ebensolche Berichtslinien vorhalten und Verfahren zur Identifizierung, Beurteilung, Steuerung, Überwachung und Kommunikation von Risiken implementieren. Ferner müssen Sie sicher stellen, angemessene Kontrollmechanismen, einschließlich entsprechender Rules & Procedures umzusetzen.

Auslagerungen haben Sie hinsichtlich der Regelungsdichte, dem Monitoring und der Risikosteuerung am Proportionalitätsgrundsatz auszurichten. Insgesamt gibt es hier wenige Änderungen zum bisherigen Stand, gegebenenfalls aber dann wenn (falls) MaRisk/MaComp/BA-IT für kleine und mittlere WPI angepasst werden.

Als mittleres WPI unterliegen Sie den Regelungen zum Konzentrationsrisiko in den Art. 35 ff IFR. Demnach sind Sie verpflichtet, die Konzentrationsrisiken fortlaufend zu überwachen (und daher zu berechnen). Beachten Sie die Obergrenzen (Art. 37 IFR) und Meldepflichten (Art. 38 IFR) ebenso wie die Bestimmungen in den Art. 39 ff. IFR zur Berechnung detaillierte Bestimmungen.

Auch Bestimmungen zu Liquiditätsanforderungen, insbesondere für mittlere WPI, die aber auch auf kleine WPI Anwendung finden können, haben Eingang in die IFR (Art. 43 ff. IFR) gefunden.

Mittlere WPI haben einen Risikoausschuss und einen Vergütungskontrollausschuss einzurichten, wenn Ihr WPI über bilanzielle Vermögenswerte von mehr als EUR 100 Mio. oder mehr als EUR 300 Mio. außerbilanzielle Vermögenswerte verfügt oder die BaFin deren Einrichtung anordnet.

Empfehlung: Überprüfen Sie ihr Risikomonitoring und Ihre Prozesse im Meldewesen, um die neuen Pflichten in jedem Fall zu erfüllen.

Die EBA Guidelines on internal governance under IFD (EBA/CP/2020/27), die sich am Proportionalitätsgrundsatz orientieren, beinhalten Regelungen zu den Geschäftsleitern und Aufsichtsorganen der mittleren WPI, Vorgaben zu den internen Kontrollfunktionen und den dazu implementierten internen Bestimmungen (Rules & Procedures), Vorgaben zu gruppenweiten Bestimmungen, Code of Conduct, Conflict of Interest Policy, Bestimmungen zum Schutz von Hinweisgebern, etc. Die EBA legt dabei besonderen Wert auf klare, transparente und gut dokumentierte Bestimmungen und nimmt die Geschäftsleiter ausdrücklich in die Pflicht, diese zu kennen. Insgesamt haben sich die Bestimmungen an Recht und Ordnung an den Werten des mittleren WPI und an dessen Risiko- und Geschäftskultur auszurichten. Im Wesentlichen trifft die EBA hier keine gänzlich neuen Vorgaben. Mittlere WPI sind aber gut beraten, die neuen Richtlinien im Detail zu studieren und erforderlichenfalls Anpassungen ihrer bestehenden Organisationsrichtlinien vorzunehmen.

Hinsichtlich der Risikokultur der mittleren WPI betont die EBA beispielsweise, dass diese angemessen und solide ausgestaltet sein soll und konsequent durchzusetzen ist. Mittlere WPI sollen ihre Risiken institutsweit und ganzheitlich bewerten und ihre Risikokultur transparent kommunizieren sowie schriftlich nachvollziehbar festhalten. Vor dem Hintergrund der bisher vorliegenden Bestimmungen ist davon auszugehen, dass diese Vorgabe bei einigen mittleren WPI Anpassungen ihrer Organisationsrichtlinien und Unternehmenskommunikation nach sich zieht. In diesem Zusammenhang macht die EBA auch Vorgaben zum Internen Kontroll- und zum Risikomanagementsystem. Auch diese Vorgaben sind prinzipiell nicht neu, im Detail aber durchaus beachtenswert, abhängig vom individuellen mittleren WPI.

Besondere Schwerpunkte setzt die EBA auf angemessene Bestimmungen zu Mitarbeitergeschäften und Interessenskonflikten. Mitarbeitergeschäfte sind nachvollziehbar zu dokumentieren und haben einen Freigabeprozess zu durchlaufen. Wo Interessenkonflikte nicht vermieden werden können (was jedoch das Ziel jedes mittleren WPI sei sollte), hat es angemessene Bestimmungen zum Umgang mit Interessenkonflikten vorzuhalten. Auch aus diesen EBA Vorgaben ergeben sich Besonderheiten, die bisher noch nicht alle mittleren WPIangemessen umgesetzt haben dürften.

Die Bestimmungen zum Schutz von Hinweisgebern richten sich bereits nach der ab dem 16. Dezember 2021 verbindlichen Richtlinie (EU) 2019/1937 zum Schutz von Hinweisgebern. Mittlere WPI sind gut beraten, sich bereits jetzt mit der Implementierung und Umsetzung der hierfür erforderlichen Prozesse zu beschäftigen (vgl. § 13 WpIG).

Die Vorgaben der EBA zum Business Continuity Management und allgemein zur Transparenz sind nicht neu und daher eher als Vervollständigung anzusehen. Schließlich gibt die EBA noch Vorgaben dazu, welche Aspekte bei der Ausarbeitung der internen Richtlinien zu beachten sind. Wir empfehlen, den in Annex I der EBA Guidelines hinterlegten Katalog durchzusehen und auf vollständige Berücksichtigung zu überprüfen. Sollte ein mittleres WPInachbessern müssen, fällt es positiv ins Gewicht, alle Aspekte berücksichtigt und dokumentiert zu haben.

Empfehlung: Die Umsetzungspflichten der EBA Guidelines und der damit zusammenhängenden Bestimmungen der IFR und des WpIG sind stark am Proportionalitätsgrundsatz ausgerichtet. Dies bietet einen relativ großzügigen Spielraum zur Umsetzung dieser Vorgaben, sofern Sie entsprechend nachvollziehbare Begründungen vorhalten, die sich auf die bei Ihnen umgesetzte Prozesse und Maßnahmen beziehen. Wir stellen immer wieder fest, dass Institute hier Spielraum nach unten haben, der mit der richtigen Begründung nutzbar wird und sich teilweise erheblich auf die Organisations- und Kostenstruktur Ihres WPI auswirkt.

3. Anzeigepflichten und Offenlegung

Bei Anzeige- und Meldepflichten ergeben sich, abgesehen von ad-hoc Meldungen, im Wesentlichen zwei Intervalle:

Mindestens jährlich sind Risikomanagementziele und -politik, Unternehmensführung, Diversity, Eigenmittel und Eigenmittelanforderungen sowie zur Vergütung der Mitarbeiter und zu Anlagestrategie (Art. 46 bis 52 IFR) offenzulegen.

Meldepflichten (Art. 54, 55 IFR): Eigenmittel, Kapital/K-Faktoren, Bilanz, GuV und Geschäftsaktivitäten sind bei mittleren WPI quartalsweise, bei kleinen und nicht verflochtenen WPI jährlich zu melden. Ferner sind Angaben zu Konzentrationsrisiken von Gegenparteien (nach Typ) abzugeben und die Einhaltung der Liquiditätsanforderungen zu melden.

Empfehlung: Überprüfen Sie, ob Sie Ihre Prozesse im Meldewesen richtig angepasst haben. Unzutreffende oder fehlende Meldungen lösen unnötige Anfragen der Aufsicht aus.

4. Vergütungspolitik

Für kleine WPI gelten die alten Bestimmungen nicht mehr (mit Ausnahme der Bestimmungen in der MaComp). Ferner sind keine der Vorgaben des WpIG zu Vergütungssystemen auf kleine WPI anwendbar (vgl. § 38 Abs. 1 WpIG). Ob dies vor dem Hintergrund der bereits in der Konsultation befindlichen Wertpapier-Institutsvergütungsverordnung so bleibt, wird sich wohl spätestens Anfang Juni 2021 zeigen.

Für mittlere WPI hingegen gelten neue Vergütungs-Regularien (Art. 26 ff. IFD und §§ 44, 46 WpIG) und die EBA Guidelines on sound remuneration policies under IFD (EBA/CP/2020/26). Diese beinhaltet erweiterte Governance-Regelungen und spezifische Risk Taker-Anforderungen (Ermittlung, Auszahlung der variablen Vergütung und Offenlegung).

Die EBA betont im Rahmen der neuen Vergütungsleitlinien (EBA/CP/2020/26), dass die Vergütungspolitik mit einem soliden und wirksamen Risikomanagement vereinbar sein soll und betont hierbei Geschlechterneutralität.

Im Hinblick auf die neuen Vergütungsgrundsätze ergeben sich auf den ersten Blick systemisch wenig Neuerungen. Die Regelungsbereiche der Bestimmungen decken sich im Wesentlichen mit den bereits bekannten Bestimmungen. Beachtenswert sind besonders die Vorgaben der Schwellenwerte von EUR 100 Mio. und EUR 300 Mio., die sich aus dem Proportionalitätsgrundsatz ergeben und nach denen sich die Intensität und Extensität der Regelungsdichte ergibt.

Auch für den Bereich der Vergütungspolitik ihres WPI empfehlen wir Ihnen daher, sich noch einmal mit den eventuell relevanten Abweichungen vertraut zu machen, um Nachbesserungen zu vermeiden. Bei der Vergütungspolitik ist hierbei besondere Sorgfalt geboten, da sie vor dem Hintergrund arbeitsrechtlicher Restriktionen beziehungsweise Dienstverträgen mit fester Laufzeit grundsätzlich kaum nachbesserungsfähig ist. Auseinandersetzungen mit der Aufsicht in diesem Bereich hätten daher besondere Tragweite. Vor diesem Hintergrund gibt es besondere Übergangsvorschriften zur Anpassung des Vergütungssystems bis zum 31. Dezember 2021 beziehungsweise 30. Juni 2022.

Dennoch ist eine intensive Lektüre der EBA Guidelines on sound remuneration policies under IFD (EBA/CP/2020/26) empfehlenswert. Eine Anpassung Ihres Vergütungssystems könnte vor deren Hintergrund, in Verbindung mit den Bestimmungen der Art. 26 ff. IFD und §§ 44, 46 WpIG erforderlich sein. Zwar steht eine neue Wertpapier-Institutsvergütungsverordnung (noch) aus. Die bestehenden Vorgaben sind aber dennoch beachtenswert.

Empfehlung: auch bei der Konzeption von Vergütungssystemen treten erfahrungsgemäß immer wieder Unklarheiten auf. Das ist vor dem Hintergrund arbeitsrechtlicher, nicht dispositiver Regelungen besonders ärgerlich. Daher empfehlen wir stets, hierauf ein besonderes Augenmerk zu legen. Wir unterstützen Sie hierbei gerne sowohl bei aufsichtsrechtlichen als auch bei arbeitsrechtlichen Fragestellungen.

Ferner empfehlen wir, den Entwurf der Wertpapier-Institutsvergütungsverordnung zu prüfen und nach der Konsultationsphase Ende Mai / Anfang Juni gegebenenfalls weitere Anpassungen vorzunehmen. Aus diesem Grund sollten Sie Ihr Vergütungssystem derzeit noch nicht finalisieren.

5. Praxishinweis

Finanzdienstleister sind umfassend von den regulatorischen Neuerungen betroffen, die in weniger als zwei Monaten bereits in Kraft treten. Die verbleibende Zeit bis dahin sollten Sie nutzen, um sich umfassend auf die neuen Regelungen und Anforderungen einzustellen und diese rechtzeitig umzusetzen, was zu umfassenden Umstrukturierungsmaßnahmen beinhalten.

Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung als Berater von Finanzdienstleistern, Asset Managern und Banken sowie aus zahlreichen Gerichtsverfahren im Bereich der Anlegerhaftung, aber auch vor dem Hintergrund unserer Expertise als ausgelagerte Compliance-Beauftragte kennen wir den Markt genau.

Daher können wir Sie effizient unterstützen, Ihre internen und externen Prozesse praxisnah und gerichtsfest zu gestalten.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

Marcus Columbu ist Rechtanwalt und Partner sowie Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bei act AC Tischendorf Rechtsanwälte Partnerschaft mbB und leitet die Praxisgruppe Banking, Regulatory, Capital Markets. Er berät mittlere bis große Finanzdienstleister und Asset Manager sowie einige Banken in den Bereichen Regulatory und Compliance bei Projekten und ihrem regulatorischen Tagesgeschäft. Er ist daneben ausgelagerter Chief Compliance Officer mehrerer Asset Manager und Finanzdienstleister sowie ESG-Beauftragter und zudem als Aufsichtsrat tätig.

Swantje Teller ist Rechtsanwältin bei act AC Tischendorf Rechtsanwälte Partnerschaft mbB und Mitglied der Praxisgruppe Banking, Regulatory, Capital Markets. Sie berät mittlere Finanzdienstleister sowie Privatbanken in den Bereichen Regulatory und Compliance sowie zu verschiedenen Haftungsfragen des Bankrechts. Daneben vertritt sie Finanzdienstleister und Banken bei der Abwehr von Schadensersatzklagen aufgrund vermeintlicher Falschberatung und Prospekthaftung.

act AC Tischendorf Rechtsanwälte Partnerschaft mbB 
Als eine der ersten Ausgründungen aus einer Großkanzlei auf dem deutschen Markt im Jahr 2000 gilt die act AC Tischendorf Rechtsanwälte Partnerschaft mbB als eine der Top-Wirtschaftskanzleien in Deutschland. Sie hat ihren Sitz in Frankfurt am Main, der Finanzmetropole Deutschlands und Drehscheibe für das internationale Geschäft. In Fachveröffentlichungen (Legal 500, JUVE, Best Lawyers etc.) wird act AC Tischendorf in den Kernbereichen M&A/Corporate-, Restrukturierung/Insolvenz und Arbeitsrecht unter den Top-Kanzleien aufgeführt. Mit ihrem Kanzleiverbund act legal verfügt die Kanzlei zudem über Büros in allen relevanten Wirtschaftsregionen Europas und steuert so auch grenzüberschreitende Projekte aus einer Hand.

Cyber-Angriff auf Colonial Pipeline: Auswirkungen auf den Ölmarkt

von Aneeka Gupta, Director, Research, WisdomTree.

Colonial Pipeline Co. musste am Freitag aufgrund eines Ransomware-Angriffs, der einige seiner IT-Systeme betraf, den Betrieb einstellen. Der Lieferant von Benzin, Diesel und Flugzeugtreibstoff für die US-Ostküste ist die größte US-Ölprodukt-Pipeline (mit einer Kapazität zum Transport von 2,5 Millionen Barrel Benzin und anderen Ölprodukten pro Tag) und wurde für mehr als zwei Tage geschlossen. Da nicht klar ist, wann die volle Kapazität der Pipeline wiederhergestellt sein wird, steigen die Rohölpreise zusammen mit den Benzinpreisen. Dies hat dazu geführt, dass der Crack-Spread von US-Benzin gegenüber WTI-Rohöl auf 62,4 US-Dollar pro Barrel gestiegen ist.

Sollte der Ausfall über einen längeren Zeitraum andauern, könnte dies weitreichende Auswirkungen auf die Ölmärkte haben, die über die USA hinausgehen und auch Europa betreffen. Um die Versorgungslücke an der US-Ostküste zu schließen, könnte Europa beginnen, Benzin in die USA zu verschiffen. Inmitten der Beeinträchtigung könnte es auch Forderungen geben, den Jones Act auszusetzen. Das Gesetz schreibt vor, dass Waren, die zwischen US-Häfen verschifft werden, auf Schiffen transportiert werden müssen, die von US-Bürgern oder Personen mit ständigem Wohnsitz in den USA gebaut, besessen und betrieben werden. Präsident Joe Biden könnte sich auf eine Reihe von Notfallbefugnissen berufen, um die Versorgung der großen Städte und Flughäfen entlang der Ostküste sicherzustellen. Bislang werden einige Tanker zur vorübergehenden Lagerung von Benzin im US-Golf bereitgehalten, falls es zu einem längeren Ausfall kommen sollte. Händler könnten damit beginnen, Ersatzlieferungen zu beschaffen. Die Möglichkeit, Gas per Schiff über die Küste zu transportieren, könnte jedoch durch strengere Vorschriften von nicht-amerikanischen Schiffen beeinträchtigt werden. Colonial Pipeline arbeitet einen Plan für den Neustart aus und das Weiße Haus hat eine behördenübergreifende Task Force eingerichtet, um den Störfall zu beheben. Pipelines bleiben aufgrund ihrer zentralen Rolle für die US-Wirtschaft ein wichtiges Thema.

Der Stillstand bei Colonial könnte den Benzinpreisen Rückenwind verleihen, der zu einer Zeit der höchsten Nachfrage nach Benzin kommt. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem die diesjährige Autofahrersaison in den USA beginnt. Der Bedarf an Kraftstoffen, einschließlich Benzin und Flugzeugtreibstoffen, steigt mit der Rückkehr der Bürger zur Arbeit, da die Einschränkungen aufgehoben wurden. Die Benzinvorräte bewegen sich seit März auf einem Viermonatstief, während die Dieselbestände knapp über dem Fünfjahresdurchschnitt für diese Jahreszeit liegen. Angesichts der Ungewissheit über die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Unterbrechung der kritischen Infrastruktur in einer Zeit steigender Nachfrage, könnten die Benzinpreise für einen längeren Zeitraum erhöht bleiben.

ESG-Risiko im Spotlight – der EU-Ansatz

von Hebing Dong und Dominik Varga, beide Erste AM.

Vom kältesten Winter, der jemals in Peking aufgezeichnet wurde, bis zum Sturm in Texas, der die Welt überraschte, erinnert uns das extreme Wetter immer wieder an das Eindringen des Klimawandels in das tägliche Leben eines jeden Menschen. Das Klimarisiko kann nicht länger ignoriert werden. Dies gilt auch für das Asset Management.

Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR)

Als Reaktion auf nachhaltige Risiken in der Veranlagung von Finanzinstrumenten trat die EU-Offenlegungsverordnung für nachhaltige Finanzen (SFDR) am 10. März 2021 in Kraft. Das Nachhaltigkeitsrisiko umfasst nicht nur immer offensichtlicher werdende Klimakrise, sondern auch jedes „Umwelt-, Sozial- oder Governance-Risiko oder jede Bedingung, die, falls sie auftritt, eine tatsächliche oder potenzielle wesentliche negative Auswirkung auf den Wert einer Investition hat“.

Die SFDR zielt darauf ab, die Integration des Nachhaltigkeitsrisikomanagements in Anlageentscheidungen zu fördern, das Risiko von Finanzprodukten für Nachhaltigkeitsrisiken zu verringern, die Offenlegung zu standardisieren und die Transparenz sowie die Vergleichbarkeit von „nachhaltigen Finanzprodukten“ zu verbessern.

Zwei Implementierungsphasen

Die Implementierung ist in zwei Phasen unterteilt. Die erste Phase erfordert eine prinzipienbasierte Offenlegung vom 10. März 2021 bis zum Beginn der zweiten Phase, deren Datum noch nicht festgelegt ist. Während dieses Zeitraums liegt es an den Vermögensverwaltern, das Offenlegungsformat zu bestimmen. Den Anlegern werden verschiedene Kanäle angeboten, um zu erfahren, wie nachhaltige Risiken berücksichtigt und gesteuert werden.

Erstens auf der Website. Richtlinien auf Unternehmensebene zum Nachhaltigkeitsrisikomanagement und Vergütungsrichtlinien für Fondsmanager im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsinvestitionen sind auf der Website des Vermögensverwalters verfügbar. Zweitens Prospekt. Für Finanzprodukte, die als „Förderung von Umwelt- oder Sozialmerkmalen“ oder „nachhaltige Investitionen“ eingestuft sind, können Anleger im Prospekt die Anlagestrategie finden, um diese Ziele zu erreichen. Drittens regelmäßige Berichte. Die Leistung zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele ist in regelmäßigen Berichten zu finden, beispielsweise im Jahresbericht eines Investmentfonds.

In der zweiten Phase, die ab dem 1. Januar 2022 beginnen soll, ist eine Offenlegung gemäß den Regulatory Technical Standards (RTS) erforderlich – eine sekundäre Maßnahme des SFDR. Ausgewiesene Vorlagen und standardisierte Metriken sind für die relevante Offenlegung zu verwenden. Insbesondere kann eine Hauptauswirkungserklärung (Principal Adverse Impact Statement, PAI) verwendet werden, um jährlich auf Unternehmensebene Bericht zu erstatten, wenn dies beschlossen wird. Gemäß dem Entwurf der RTS soll eine Erklärung zu den wichtigsten nachteiligen Auswirkungen den Anlegern einen quantitativen und qualitativen Überblick über die aggregierten nachteiligen Auswirkungen von Anlagen durch einen Vermögensverwalter geben, der 16 obligatorische Leistungsindikatoren in Bezug auf Umwelt- und Sozialaspekte, einschließlich Treibhausgasemissionen, umfasst: Unter anderem Biodiversität, Abfall, Wasserverschmutzung, Gender-Diversität im Vorstand, Richtlinien gegenüber umstrittenen Waffen usw.

Unser Vorgehen

Erste Asset Management war schon immer ein Pionier für nachhaltiges Investieren. Wir verfolgen verschiedene Ansätze, einschließlich ESG-Integration, Ausschlüsse, Best-in-Class- / Positiv-Screening, Themen, Engagement und Active Ownership (Ausübung der Stimmrechte für alle Aktien-Publikumsfonds). Diese Ansätze werden je nach Produktdesign auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichem Fokus angewendet, sodass die Präferenzen verschiedener Anleger erfüllt werden können. Unsere Partnerschaft mit dem World Wildlife Fund (WWF) kann beispielsweise auf das Jahr 2006 zurückgeführt werden. Aufgrund der Umweltkompetenz des WWF werden Investitionen bewusst in Sektoren und Technologien getätigt, die Vorteile für die Umwelt bringen und somit Impact schaffen können. Unsere Responsible Fondsfamilie verwendet eine Reihe von Ausschlusskriterien und einen Best-in-Class-Ansatz. Der nachhaltige Fußabdruck dieser Fonds wird genau bewertet und überwacht.

Risiken und Zukunftsaussichten

Es überrascht nicht, dass die größte Herausforderung bei der Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen die Verfügbarkeit von Daten ist, die jedoch durch die Regulierung und das ESG-Bewusstsein der Unternehmenswelt zunehmend verbessert werden. Im Rahmen der EU-Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung müssen Unternehmen mehr nichtfinanzielle Informationen über ihre sozialen und ökologischen Auswirkungen offenlegen, um sicherzustellen, dass Investoren, die Zivilgesellschaft und andere Stakeholder Zugang zu den benötigten Informationen haben. Als Vermögensverwalter mit weltweiten Investitionen kann es jedoch durchaus vorkommen, dass einige Unternehmen aus Nicht-EU-Ländern keine Daten melden oder über keine Daten verfügen. Da die EU führend bei der Offenlegung nachhaltiger Finanzierungen ist, ist früher oder später mit einem positiven Spillover-Effekt für Nicht-EU-Regionen zu rechnen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Themen-ETFs laufen Branchen-ETFs den Rang ab – eine Überraschung?

Themen-ETFs werden Branchen-ETFs überholen. Davon gehen die Analysten von Bloomberg aus. Sie schätzen, dass Themen-ETFs weltweit ein Gesamtvolumen von 500 Milliarden US-Dollar in den nächsten fünf Jahren erreichen könnten. Das wäre mehr als in allen Branchen-ETFs zusammen. Obwohl traditionelle Branchen-Fonds ein Grundpfeiler der Portfoliokonstruktion sind, überrascht uns diese Entwicklung nicht. Das sagt Philipp von Königsmarck, Leiter des Wholesale-Geschäfts in Deutschland und Österreich bei Legal and General Investment Management (LGIM):

Viele der traditionellen Branchenfonds verwenden das internationale Klassifikationsschemata „Global Industry Classification Standard“ (kurz: GICS). Anhand dessen werden Unternehmen einem spezifischen Bereich und passenden Subkategorien zugeordnet wie zum Beispiel „Technologie“, „Energie“, „Transportwesen“, „IT“, „Gesundheitswesen“ etc.

Die Verlagerung von Branchen- zu Themenfonds spiegelt unserer Meinung nach wider, dass viele Anleger erkennen, dass die Suche nach Wachstumsthemen über die Branchenfokussierung als Näherungswert unzulänglich ist. Häufig decken diese Aktien nur am Rande das gewünschte Thema ab und sind bereits über gängige Indizes in den Aktienportfolios enthalten (Stichwort Klumpenrisiko). Ein weiteres Problem: Traditionelle Sektoren nach der GICS-Klassifizierung sind oft zu breit und zu sehr auf die Marktkapitalisierung und damit mehr auf die Vergangenheit als die Zukunft ausgerichtet. Dadurch erfassen sie nicht die Wachstumsthemen, die unsere Lebens- und Arbeitsweise umwälzen.

Der Aufstieg von Robotik, künstlicher Intelligenz und Automatisierung betrifft beispielsweise mehr als nur Technologiewerte, sondern auch unser Gesundheitssystem und den E-Commerce. Zwei Beispiele Ocado und JD.COM verfügen beide über hochautomatisierte Lager. Bei Ocado in Andover ist es möglich, 260.000 Bestellungen pro Woche auszuliefern. Und JD.com benötigt nur vier Mitarbeiter für ein 40.000 Quadratmeter großes Lager. Ein weiteres Beispiel: 3D Systems und Materialise konzentrieren sich beide auf 3D-Bildgebungssoftware und entwickeln Produkte für die Industrie, Medizin- und Dentalbranche.

Was können Themen-ETFs also bieten, das Branchen- oder breite Marktindizes nicht können? Themen-ETFs, die sich von den traditionellen Branchenfonds unterscheiden, setzen auf Unternehmen, deren Geschäftsmodell möglichst ganz auf das gewählte Zukunftsthema ausgerichtet ist – sogenannte „Pure Player“. Diese Unternehmen sind in der Regel kleine oder mittlere Unternehmen, die in den gängigen Indizes wenig oder nicht repräsentiert sind, so dass Überlappungen vermieden werden können. Ein paar Beispiele: Fastly Inc aus dem L&G Cyber Security UCITS ETF, das unter anderem Cloud-Sicherheitslösungen anbietet; ITM Power und Ceres Power im L&G Hydrogen Economy UCITS ETF, die sich mit Wasserstofftechnologien beschäftigen;

Die Unternehmen in einem Themen-ETF werden nicht nach Größe der Marktkapitalisierung ausgewählt, sondern nach Wachstumspotenzial. Dabei ist eine Gleichgewichtung der Titel im Index wichtig: Denn in der Frühphase eines Trends, in der es die höchsten Wachstumsraten gibt, kann niemand genau sagen, welche Unternehmen zu den Gewinnern oder Verlierern von morgen zählen werden.

Aus diesen Gründen ist es für uns wenig überraschend, dass Themen-ETFs laut Bloomberg insgesamt bereits jeden einzelnen GICS-Sektor innerhalb des S&P 500 Index mit mehr als 180 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten übertroffen haben und mehr als doppelt so groß wie jeder einzelne Sektor außer dem Technologie-Sektor sind (Quelle: Bloomberg Intelligence März 2021).

Sell in May?

von Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG*.

Die alte Börsenweisheit legt nahe, mit steigenden Außentemperaturen die Aktienquote im Portfolio zu senken. Tatsächlich lässt sich anhand historischer Daten zeigen, dass das im Mai beginnende Halbjahr an den Aktienmärkten im Schnitt etwas schwächer verläuft als die kalte Jahreszeit. Die Geschichte zeigt aber auch, dass dieses Phänomen nicht jedes Jahr auftritt und dass die Abweichungen in Einzeljahren eklatant ausfallen können. Somit ist diese so genannte Saisonalität ein netter Aufhänger für einen Marktkommentar, als Entscheidungsregel für reale Portfolios aber unbrauchbar. Relevanter sind beispielsweise Wirtschaftsdaten. Dort haben sich zuletzt vor allem die Frühindikatoren zu neuen Höhen aufgemacht. Umfragen deuten auf eine breit gefasste Überzeugung hin, dass Impfen eine schrittweise Öffnung und so eine nach und nach eintretende Erholung der Wirtschaft ermöglichen wird. Damit in Zusammenhang stehen die Unternehmensgewinne. Dieser ganz wesentliche Treibstoff für die Aktienmärkte weist heuer eine besonders hohe Oktanzahl auf. Von der niedrigen Basis des letzten Jahres werden die Gewinne kräftig, im zweistelligen Bereich, ansteigen. Dieser fundamentale Teil der Analyse, Konjunktur und Unternehmen, präsentiert sich somit bombenfest. Hinsichtlich Anlegerstimmung, Positionierung und Markttechnik ist zuletzt aber die eine oder andere Ampel von grün auf gelb gesprungen. Großer Optimismus vieler Marktteilnehmer mahnt professionelle Anleger zur Vorsicht. Und wenn Märkte innerhalb ihres Aufwärtstrends noch einmal beschleunigen, dann kann das ebenfalls als Warnzeichen dienen. Insgesamt ergeben die Indikatoren nach wie vor eine positive Beurteilung für die Aktienmärkte.

Staatsanleihen: Zurückhaltung bei deutschen und französischen Papieren

Bei Euro-Staatsanleihen – vor allem bei französischen und deutschen Papieren – bleiben wir weiterhin zurückhaltend. Ausgenommen sind italienische Staatsanleihen, die wir neutral sehen. Schwellenländer-Hartwährungsanleihen halten wir im Vergleich zu globalen Staatsanleihen (vor allem aus den USA und aus Japan) für chancenreicher.

Unternehmensanleihen: Newsflow sollte unterstützend wirken

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Financials) betrachten wir gegenüber Euro-Staatsanleihen als die bessere Wahl. Ebenso gegenüber anderer Euro-Non-Sovereign-Anleihen (Quasi Government, Collateralized Bonds). Der von uns beobachtete und erwartete kurzfristige Newsflow sollte diese Anleiheklasse weiter unterstützen.

Entwickelte Aktienmärkte: unverändert positive Sichtweise

Die internationalen Aktienmärkte konnten in den letzten Wochen weiter zulegen, wobei die Gewinnerliste dabei von zyklischeren Marktsegmenten angeführt wird. Diese Entwicklung wird vor allem durch die positiven Gewinnrevisionen sowie den Impffortschritt unterstützt. Kurzfristig mahnen verschiedene Stimmungsindikatoren zwar zu Vorsicht (überkaufte Marktsituation), dennoch erwarten wir auf mittlere Sicht ein unverändert positives Kapitalmarktumfeld.

Schwellenländer-Aktien: Lateinamerika und Osteuropa holen auf

Auch bei Aktien aus den Emerging Markets ist ersichtlich, dass die Bewegung aktuell sehr stark von zyklischen Sektoren getrieben ist. So sind Grundstoffwerte im heurigen Jahr die klaren Gewinner. Wir gehen davon aus, dass auch die kommenden Monate von zyklischen Aktiensektoren getragen werden. Beim Gewinnwachstum ist erkennbar, dass die Regionen Lateinamerika und Osteuropa, deren Unternehmen besonders von der Krise getroffen waren, jetzt sehr stark aufholen.

Rohstoffe: Angebotsthemen treten in den Vordergrund

Die Rohstoffmärkte zeigen sich in diesem Jahr weiterhin von der starken Seite. Aktuell treten immer stärker Angebotsthemen in den Vordergrund und unterstützen die zyklischeren Marktsegmente. In diesem sehr freundlichen Marktumfeld, mit steigenden Renditen in den USA, präsentierten sich Edelmetalle hingegen schwächer.


*Die Raiffeisen KAG steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

Weitere Details finden Sie in der neusten Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Corona-Inflation: Wie sich Anleger schützen und sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen

von Dmitry Ivanov, Geschäftsführer von Freedom Finance Germany.

Die Corona-Pandemie führt seit über einem Jahr zu einem konstanten Auf und Ab an den Börsen weltweit. Doch nun stehen alle Zeichen auf wirtschaftlicher Erholung. Die noch nie dagewesene Menge an Fördergeldern, die aktuell in die Wirtschaft fließen sowie die aufgestaute Nachfrage seitens der Konsumenten, könnten so einen plötzlichen und heftigen Anstieg der Ausgaben verursachen und somit auch die Inflation maßgeblich antreiben. Vor diesem Hintergrund ist es für Anleger sinnvoll, ihr Portfolio durch Investments in Branchen wie Rohstoffe, Industrie, Bergbau oder Finanzwerte zu schützen. Naturgemäß steigen Unternehmensaktien in diesen zyklischen Sektoren nach Krisen oft rasant an. Konsumgüter wie Autos, Luxusmarken und Tourismus profitieren ebenfalls von der Wirtschaftserholung und bieten aktuell gute Chancen.

Nach vielen krisengebeutelten Monaten, deutet nun dank mehr oder weniger erfolgreicher globaler Impfkampagnen, alles auf eine steile Konjunktur hin. Wenn sich die Wirtschaft erholt, fangen die Menschen an, mehr Geld auszugeben. Die hohe Nachfrage führt wiederum zu höheren Preisen und in Verbindung mit den aktuell enormen staatlichen Fördergeldern, könnte dies zu einer Inflation führen, die über dem Zielwert der Fed von knapp über zwei Prozent liegt. So legten die US-Verbraucherpreise im März bereits um 0,6 Prozent gegenüber des Vormonats1 zu – ein erstes Zeichen für steigende Inflation. „Um sich als Anleger abzusichern, ist es notwendig auf Sektoren und Branchen zu setzen, die in einem Umfeld steigender Inflation eine Rendite bringen, die über der aktuellen Inflationsrate liegt“, erklärt Dmitry Ivanov, Geschäftsführer von Freedom Finance Germany. Vielversprechende Investments seien Aktien von Unternehmen aus dem Energiesektor wie beispielsweise die österreichische OMV AG mit einem Aufwärtspotenzial von rund 15 Prozent. Bei Rohstoffproduzenten wie etwa der BHP Group schätzt der Experte den Kursgewinn sogar auf 18,5 Prozent. Als Beispiel für ein spannendes Investment im Bereich Finanzwerte nennt Ivanov die französische Großbank BNP Paribas, der er ein Kursziel von 60 Euro und somit ein Wachstum von 16,8 Prozent voraussagt.

Krisenbranchen erkennen und nutzen

Besonders Branchen, die sich durch die Abhängigkeit von konjunkturellen Entwicklungen auszeichnen, können von der aktuellen Situation profitieren. Typischerweise leiden vor allem Luxusmarken, Autohersteller, Technologieunternehmen aber auch alle Rohstoffunternehmen, die diese Waren herstellen unter einer wirtschaftlichen Krise. Unter schwierigen finanziellen Bedingungen lehnen Verbraucher Waren oder Dienstleistungen aus diesen Branchen ab. Verbessert sich die wirtschaftliche Lage, steigen die Aktien solcher Unternehmen aber dagegen oft sehr schnell. „Wir raten unseren Kunden derzeit unbedingt einen Blick auf zyklische Konsumwerte, also Autos, Luxusgüter und Tourismus zu werfen“, so Ivanov. „Diese Branchen profitieren immer von guten Konjunkturzeiten, werden jedoch durch den erwarteten Corona-Reiseboom noch zusätzlich Gewinne erzielen.“ Eine Krise bietet eine Gelegenheit, diese Vermögenswerte zu einem unterbewerteten Preis zu kaufen. „Die Geschichte zeigt, dass Unternehmen in den am stärksten betroffenen Branchen, wenn sie sich von Rezessionen erholen, überdurchschnittlich gut abschneiden und Aktienkurse auch schneller steigen als die anderer Sektoren“, stellt Ivanov fest.

Bidens Infrastrukturplan als Treiber für die Wirtschaft

Eine wichtige Wachstumskomponente für den Markt stellt das Infrastruktur-Ausgabenpaket von US-Präsident Joe Biden dar. Der fast zwei Billionen Dollar schwere Plan wird in den nächsten acht Jahren zu Verbesserungen der Infrastruktur in den USA sowie zu einem Übergang zu klimafreundlicherer Energie beitragen. Der Betrag soll dabei in vier Sektoren aufgeteilt werden, darunter 650 Milliarden Dollar für Infrastruktur, 620 Milliarden Dollar für Transport, 580 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung und 400 Milliarden Dollar für die Wirtschaft.2 „Unternehmen aus diesen Bereichen werden in den kommenden Monaten und Jahren stabile Renditen einfahren. Wer nicht auf Einzelaktien setzen möchte, ist mit ETFs gut beraten, die viele Unternehmen aus einer Branche beinhalten und so vom Aufschwung des gesamten Sektors profitieren“, rät Ivanov abschließend.


1) https://www.cnbc.com/2021/04/13/us-consumer-price-index-march-2021.html
2) https://www.asme.org/government-relations/capitol-update/president-biden-announces-2-25-trillion-infrastructure-plan

Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 140.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. mit einer Kapitalisierung von über 2,5 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 1200 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäischer Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse, gelistet. Freedom Finance bietet direkten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: an amerikanischen, europäischen, russischen und asiatischen Märkten.