Pictet Asset Management sieht Schwellenländeraktien aus Asien als Top- Performer der nächsten 5 Jahre

Aktien und Anleihen aus den Schwellenländern Asiens haben ein „verlorenes“ Jahrzehnt hinter sich. In den letzten 10 Jahren hinkten ihre Renditen jenen der globalen Indizes in US-Dollar hinterher. Und dies, obwohl die Volkswirtschaften der Region im gleichen Zeitraum für rund 70 Prozent des weltweiten BIP-Wachstums verantwortlich waren.

In den nächsten fünf Jahren dürfte sich die Situation komplett ändern: Die Renditen dürften die Dynamik der Region widerspiegeln. Dies bedeutet, dass asiatische Papiere derzeit in globalen Portfolios unterrepräsentiert sind. So lauten die Ergebnisse unserer Analyse der Schwellenländer Asiens – einer Region, die gekennzeichnet ist durch sich verbessernde Wachstumsaussichten, niedrige Inflation, glaubwürdigen Reformwillen und eine zunehmend diversifizierte Wirtschaft.

Anleger wären schlecht beraten, diesen Teil der Welt zu ignorieren. Möchten sie ähnliche Realrenditen erreichen wie in den letzten Jahren mit einem traditionellen ausgewogenen Portfolio, so sollten sie verstärkt in die Schwellenländer Asiens investieren. Unseren Berechnungen zufolge müssen Anleger mit der Referenzwährung Dollar ihr Exposure bei asiatischen Anlagen etwa verdreifachen, nämlich auf rund 25 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen, um in den nächsten fünf Jahren eine annualisierte Realrendite von 3,5 Prozent zu erzielen.

Wir gehen davon aus, dass Aktien aus den Schwellenländern Asiens in den nächsten fünf Jahren die Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung sein wird und rechnen mit durchschnittlichen Renditen von rund 11 Prozent pro Jahr in US-Dollar. Vietnam und Indien dürften besonders gut abschneiden.

Bei den festverzinslichen Papieren bieten dagegen Chinas Staatsanleihen das beste Risiko/Ertragsprofil. Auch die Investment-Grade-Anleihen der asiatischen Schwellenländer sind attraktiv. Währungen stellen eine zusätzliche Renditequelle dar. Unsere Modelle zeigen, dass die Währungen der Region zu denen gehören, die gegenüber dem US-Dollar am stärksten unterbewertet sind. Wir sehen gute Gründe dafür, dass sich dies ändern wird. Die Region weist einen Leistungsbilanzüberschuss auf, ihre Geldpolitik ist vergleichsweise wenig expansiv und mit dem Renminbi verfügt sie über eine Währung, die schon bald die Dominanz des Dollars in der Finanzlandschaft anfechten wird. Natürlich gibt es auch Risiken. Die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens sind mit großen Herausforderungen konfrontiert. Sie reichen von Chinas Schuldenberg bis hin zu Problemen, deren Lösung Jahrzehnte dauern wird, nicht zuletzt die sich verschlechternde Demografie, der Klimawandel und eine schwache Governance. Doch viele dieser Herausforderungen können mit einer Kombination aus technologischer Entwicklung und Innovation überwunden werden.


Über Pictet Asset Management und die Pictet-Gruppe

Pictet Asset Management umfasst sämtliche Tochtergesellschaften und Divisionen der Pictet-Gruppe, die in der institutionellen Vermögens- und der Fondsverwaltung tätig sind. Pictet Asset Management Limited untersteht der britischen Financial Conduct Authority.
Per 31. März 2021 beliefen sich die von Pictet Asset Management verwalteten Vermögen auf CHF 243 (USD 258/EUR 219/GBP 187) Milliarden. Pictet Asset Management hat achtzehn Vermögensverwaltungszentren auf der ganzen Welt, von London über Brüssel, Genf, Frankfurt, Amsterdam, Luxemburg, Madrid, Mailand, Paris und Zürich bis Hongkong, Taipeh, Osaka, Tokio, Singapur, Schanghai, Montreal und New York.
Die Pictet-Gruppe ist ein von sieben (bald neun) Teilhabern geführtes Unternehmen, dessen Grundsätze der Eigentumsübertragung und Nachfolgeregelung sich seit der Gründung im Jahr 1805 nicht verändert haben. Sie ist ausschließlich in den Bereichen Wealth Management, Asset Management, alternative Investmentlösungen und Asset Services tätig, betreibt kein Investmentbanking und ist nicht im Kreditgeschäft aktiv. Mit verwalteten und verwahrten Vermögen von CHF 662 (USD 703/EUR 598/GBP 510) Milliarden per 31. März 2021 zählt Pictet zu den führenden unabhängigen Vermögensverwaltern Europas im Privatkunden- und institutionellen Geschäft.
Die Gruppe hat ihren Hauptsitz in Genf, Schweiz, wo sie gegründet wurde, und beschäftigt rund 4'900 Personen. Sie hat 30 Büros weltweit in Amsterdam, Barcelona, Basel, Brüssel, Dubai, Frankfurt, Genf, Hongkong, Lausanne, London, Luxemburg, Madrid, Mailand, Monaco, Montreal, München, Nassau, New York, Osaka, Paris, Rom, Schanghai, Singapur, Stuttgart, Taipeh, Tel Aviv, Tokio, Turin, Verona und Zürich.

5 Jahre nach dem Brexit-Referendum: Großbritannien auf Erholungskurs in turbulenten Zeiten

Am 23. Juni 2016 stimmten die Briten mit einer knappen Mehrheit von 52 Prozent für einen Ausstieg aus der Europäischen Union und lösten damit ein politisches Beben aus. Fünf Jahre später – nach zähen Verhandlungen – ist der Ausstieg Realität. Nachdem Großbritannien Ende 2020 die Union verlassen hat, ist das Land seit Anfang 2021 auch nicht mehr Mittglied der EU-Zollunion und des Binnenmarkts.

Eine erste Bilanz des Austritts fällt durchwachsen aus. Die Hoffnungen der Brexit-Befürworter auf einen rasanten Aufstieg dank der Loslösung von der EU haben sich bisher, auch coronabedingt, nicht erfüllt. Die von Brexit-Gegnern befürchtete Katastrophe blieb allerdings aus. Politisch dürfte der Brexit zwar noch länger für Unruhe sorgen, wirtschaftlich ist Großbritannien unterm Strich auf einem guten Weg.

Konjunktur zieht nach Corona und Lockdowns wieder an – Inflation ebenfalls

Nach einem pandemiebedingten Rückgang im ersten Quartal dürfte sich die Wirtschaftsleistung des Vereinigten Königreichs im zweiten Quartal deutlich erholen. Laut aktuellen Prognosen des Verbands der britischen Industrie CBI (Confederation of British Industries) könnte das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) Ende dieses Jahres wieder das Niveau von vor der Pandemie erreichen. Die CBI-Experten prognostizieren für heuer ein BIP-Wachstum von 8,2 Prozent, gefolgt von 6,1 Prozent im kommenden Jahr. Vor allem auch die mit der Wiedereröffnung von Geschäften und Gastronomie gestiegene Binnennachfrage könnte die Wirtschaft ankurbeln, erwarten Experten.

Die Stimmung bei den Unternehmen ist weiter gut. Der vom Institut IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex fiel zwar zuletzt im Juni, allerdings von einem hohen Niveau. Das Stimmungsbarometer ging um 1,2 auf 61,7 Punkte zurück, liegt damit laut Markit so hoch wie selten seit dem Erhebungsbeginn im Jahr 1998.

Eine Erholung zeichnete sich zuletzt auch am britischen Arbeitsmarkt ab. Die Beschäftigung war im Mai den sechsten Monat in Folge gestiegen, die Beschäftigungsquote liegt jetzt laut der Statistikbehörde ONS bei 75,2 Prozent. Mit 28,5 Millionen lag die Beschäftigung immer noch gut eine halbe Million unter dem Niveau vor der Coronapandemie. Gleichzeitig ging die Arbeitslosenquote zurück und beträgt 4,7 Prozent. Die Umfragen von IHS Markit deuten auf eine Fortsetzung der Arbeitsmarkterholung hin. Viele Unternehmen berichteten in den Umfragen von einer hohen Bereitschaft, neues Personal einzustellen.

Dem stehen allerdings die mit der Erholung größer werdenden Inflationsängste gegenüber. Im Mai lagen die Verbraucherpreise um 2,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Die Teuerung ist damit laut ONS so stark wie seit Juli 2019 nicht mehr. Auch in anderen Industrienationen sind angesichts steigender Energiepreise und der Erholung dank der Fortschritte bei Corona-Impfungen steigende Inflationsraten zu beobachten. Die Markit-Ökonomen machen für die steigenden Preise von Vorprodukten und Rohstoffen Probleme in den Lieferketten aus.

Exportindustrie, Landwirtschaft und viele Arbeitgeber leiden unter Ausstieg

Auf Branchenseite fällt die Bilanz durchwachsen aus. Während die Binnennachfrage brummt, spürt die Exportwirtschaft den Ausstieg aus dem EU-Binnenmarkt und die damit verbundenen Handelserschwernisse. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen 1997 handelte Großbritannien im ersten Quartal mehr mit Nicht-EU-Ländern als mit der Gemeinschaft.

So leidet die von reibungslosen Handelsketten abhängige Automobilbranche unter der Flut neuer Vorschriften für den Austausch von Waren. Auch die Lebensmittelbranche beklagte zuletzt starke Einbußen. So sind die britischen Lebensmittelexporten in die EU allein im ersten Quartal des laufenden Jahres um 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

Zudem sind einigen Branchen mit dem EU-Ausstieg und den damit verbundenen Schwierigkeiten mit dem Arbeits- und Aufenthaltsrecht wichtige Arbeitskräfte aus dem EU-Raum abhandengekommen. Seit der Wiedereröffnung von Pubs und Restaurants nach dem Lockdown haben Gastronomen zunehmend Probleme, geeignetes Personal zu finden. Mit Juli endet eine Übergangsfrist, die EU-Bürgern in Großbritannien bisher weiter das Recht auf Wohnen und Arbeiten sowie Zugang zum Gesundheitssystem zugesichert hatte. Viele Wirtschaftstreibende fordern nun liberalere Regelungen um weiter EU-Bürger beschäftigen zu können.

Brexit-Gegner fürchten schließlich Firmenabwanderungen aus der Finanzmetropole London. Noch ist die City die unangefochtene Nummer eins unter Europas Finanzzentren. Doch Studien signalisieren bereits Abwanderungsbewegungen, von denen Frankfurt profitieren könnte.

An der Börse London ist die generelle Konjunkturerholung zu spüren. Der britische Aktienindex FTSE legte bis Ende Juni gut 8 Prozent zu. An anderen Märkten ging es allerdings noch etwas stärker oben, so weist der Euro-Stoxx-50 der wichtigsten Unternehmens der Eurozone im selben Zeitraum ein Plus von gut 15 Prozent aus und der deutsche DAX von gut 13 Prozent. Das britische Pfund konnte im Jahresverlauf gegen den Euro kräftig Boden gut machen.

Brexit spaltet Bevölkerung, Politiker, Nordirland und vielleicht auch Schottland

Politisch ist der Brexit hingegen weiter heftig umstritten und spaltet das Land. In der Bevölkerung halten sich Brexit-Gegner und -befürworter jüngsten Umfragen zufolge ziemlich die Waage. Die Risse verlaufen auch innerhalb der konservativen Partei. Premierminister Boris Johnson gab sich anlässlich des Jahrestags des Brexit-Referendums weiter überzeugt von seinem Kurs: „Wenn wir uns jetzt von dieser Pandemie erholen, werden wir das wahre Potenzial unserer wiedererlangten Souveränität nutzen, um uns zu vereinen und unser gesamtes Vereinigtes Königreich auf ein höheres Niveau zu heben“. Johnsons Parteikollege und Ex-Vizeregierungschef Michael Heseltine sprach hingegen von „unheilvollen Aussichten“ – etwa für die Fischindustrie, die Landwirtschaft, den Finanzplatz London, aber auch den Frieden in Nordirland.

Nordirland ist aufgrund der Brexit-Vereinbarung de facto weiter Teil des EU-Binnenmarkts und der Zollunion, womit eine Warengrenze zum Rest des Königreichs entstanden ist. Einige Beobachter sehen den Friedensprozess in Nordirland gefährdet, für andere ist ein Referendum für eine Wiedervereinigung mit der Republik Irland wahrscheinlicher geworden. In Schottland könnte in einigen Jahren ein Referendum über eine Abspaltung vom Vereinten Königreich und eine Rückkehr in die EU bevor stehen. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon strebt ein derartiges Referendum zwar generell an, dürfte damit aber noch etwas zuwarten.

Wie kann man in britische Aktien investieren?

Wer auf ein Wiedererstarken der europäischen Wirtschaft unter Einbeziehung Großbritanniens setzt, kann in der Veranlagung den ERSTE RESPONSIBLE STOCK EUROPE einsetzen. Dieser Fonds setzt auf hochwertige und wachstumsstarke Aktien von Unternehmen, die nach ökologischen, sozialen und Unternehmensführungs-Aspekten zu den Vorreitern zählen. Britische Aktien sind aktuell zu etwa 20 Prozent im Portfolio inkludiert. Die für Aktienfonds höhere Schwankungsintensität muss dabei berücksichtigt werden.

Quelle: Refinitv Datastream; Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Die spannendsten FinTech-Börsengänge 2021

Investitionen in Fintechs fielen pandemiebedingt vor allem zu Beginn des letzten Jahres schwach aus, jedoch erholte sich der Markt gegen Ende 2020 zunehmend. Laut einer aktuellen KPMG-Studie soll der Aufwärtstrend nicht nur bleiben, die Unternehmensberatung sagt der Branche für 2021 sogar eine deutliche Steigerung voraus. Dabei zeichnen sich bei den Start-ups aus dem Finanzbereich deutliche Trends ab die Anleger im Blick haben sollten. Denn in den USA stehen noch in diesem Jahr einige der am meisten erwarteten Börsengänge in diesem Bereich an. Dmitry Ivanov, Geschäftsführer von Freedom Finance Deutschland, weiß, von welchen jungen Wilden am Finanzmarkt Anleger profitieren können.

Die globalen Investitionen in Fintechs haben seit Beginn der Corona-Pandemie wieder deutlich zugelegt – die Tendenz ist steigend. Laut der Studie „KPMG Pulse of Fintech“1 stieg das Investitionsvolumen innerhalb des letzten Halbjahres 2020 sogar um das Doppelte, was einem Gesamtvolumen von 105,5 Milliarden Dollar entspricht. Unter anderem zogen Neo-Banken wie das US-Unternehmen Chime, Revolut aus Großbritannien oder der  schwedische Finanzdienstleister Klarna reichlich Kapital an. „Wir rechnen damit, dass sich in nächster Zeit neben Digitalbanken vor allem auch die Bereiche Zahlungsdienstleistung, durch den Anstieg an E-Commerce-Unternehmen, sowie Cyber Security sehr positiv entwickeln werden“, sagt Dmitry Ivanov. Eine gute Möglichkeit vom Wachstum der Unternehmen zu profitieren, sei laut dem Experten die Investition in deren Börsengange, denn gleich nach dem Start steigen Aktien dieser Firmen üblicherweise rasant an.

Top 5 der am meisten erwarteten Fintech-Börsengänge in den USA 2021

Das US-Unternehmen Stripe ist mittlerweile eines der wertvollsten Fintechs der Welt. Neben Klarna gehören auch Google, Amazon oder Spotify zu den Kunden der Plattform, die bereits in mehr als 120 Ländern genutzt wird. Seit Dezember wird mit „Stripe Treasury“ eine Finanzdienstleistungen angeboten, mit der Kunden bequem Geld senden, empfangen und verwahren können und im Frühjahr 2021 wurde auch die neue Funktion, das sogenannte „Stripe Issuing“ in Europa verfügbar. „Stripe sollten Anleger unbedingt im Auge behalten, das Fintech verwandelt sich von einer Bezahlplattform zu einem Bankensystem, das bereits das Vertrauen seiner Nutzer genießt“, sagt Ivanov. Eine Bewertung von 100 Milliarden US Dollar beim Börsengang wäre durchaus möglich.

Klarna ist derzeit auf Rekordkurs. Der schwedische Zahlungsdienstleister kommt nach der aktuellen Finanzierungsrunde auf eine Bewertung von fast 46 Milliarden Dollar. Während Corona das Wachstumstempo im Onlinehandel stark verstärkte, sehen offenbar auch Investoren noch reichlich Potenzial. Im letzten Jahr konnte Klarna sein Transaktionsvolumen auf 56 Milliarden Dollar steigern. Laut Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski könnte ein Börsengang in den USA noch in diesem Jahr stattfinden – ein Datum steht noch nicht fest.

Ein milliardenschwerer Börsengang ist auch für das US-Fintech Chime geplant. Die Banking-App ist seit dem Start im Jahr 2012 zu einer der am schnellsten wachsenden Fintech-Plattformen aufgestiegen. 2020 überholte diese sogar kurzzeitig den Online-Broker Robinhood Markets als das wertvollste Unternehmen unter den Finanz-Startups. „Die aktuelle Marktkapitalisierung des Startups beträgt 14,5 Milliarden US Dollar, der Börsengang könnte Chime jedoch mit mehr als 30 Milliarden Dollar bewerten“, ist Ivanov zuversichtlich. Der Sprung auf das Handelsparkett könnte Ende 2021 erfolgen.

Der US-Processing-Spezialist AvidXchange konnte in der aktuellen Finanzierungsrunde 128 Millionen US Dollar einsammeln. Im Fokus des Angebots steht die Automatisierung von Abrechnungen und Zahlungen im KMU-Bereich. Das Unternehmen wurde 2000 gegründet und wickelt jährlich Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von über 140 Milliarden US Dollar ab. Bei einem Börsengang könnte eine Bewertung von sieben Milliarden US Dollar erreicht werden.

Und auch das brasilianische Fintech Nubank strebt an die Börse. Die Digitalbank, die von Warren Buffets Berkshire Hathaway unterstützt wird, soll bereits mit verschiedenen Investmentbanken im Gespräch sein und könnte durch sein Börsendebüt mit mehr als 40 Milliarden Dollar bewerten werden. Es wäre in jedem Fall einer der größten IPOs eines südamerikanischen Unternehmens. Ende 2021 könnte es bereits so weit sein.


1) https://home.kpmg/de/de/home/media/press-releases/2021/02/investitionen-in-fintechs-nehmen-fahrt-auf.html

Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 290.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. mit einer Kapitalisierung von über 3,6 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 2000 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäischer Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse, gelistet. Freedom Finance bietet direkten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: an amerikanischen, europäischen, russischen und asiatischen Märkten.

Gesundheits-Apps – Neue Chancen für Anleger?

Der Pharmakonzern Sanofi steht bei der Zulassung seiner ersten digitalen Gesundheitsanwendung (DiGa) in den Startlöchern. Welche Bedeutung haben Gesundheits-Apps für Unternehmen? Welche Chancen bestehen für Anleger? Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager Healthcare, Apo Asset Management GmbH (apoAsset), hakt nach.

Wie bedeutend sind Gesundheits-Apps für den Geschäftserfolg von Pharma-Unternehmen?

Stand heute sind in Deutschland 17 digitale Gesundheitsanwendungen (DiGa) oder im Volksmund auch „Apps auf Rezept“ zugelassen. In anderen Ländern wie den USA ist diese Zahl zwar deutlich höher, an der aktuellen Bedeutung für den Geschäftserfolg von Pharma-Unternehmen ändert sich aber nichts – Gesundheits-Apps tragen bisher kaum zum Umsatz bei, vielmehr verbrennt die Entwicklung derzeit noch Geld. Dieses Kräfteverhältnis könnte sich aber ändern, wenn sich DiGas & Co. im Bewusstsein des Patienten verankern und die Verbindung zu Arzneimitteln herstellen. Das wird allerdings vom Regulator kritisch beobachtet werden, schließlich sollen Gesundheits-Apps nicht nur ein verlängerter Marketing-Arm für die Platzierung von Medikamenten sein.

Welcher Weg zur Innovation verspricht aus Investorensicht den größeren oder schnelleren Erfolg: die Kooperation von Pharmaunternehmen und App-Entwickler oder die Entwicklung komplett im eigenen Haus?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, bisher zeigt sich aber die Tendenz, dass die großen Pharmaunternehmen eher den Weg der Kooperation suchen. So können sie Wissen, das sie sich erst langwierig selbst aufbauen müssten, schnell einkaufen. Zum anderen ist das Risiko überschaubarer – wenn der Test nicht funktioniert, kann die Kooperation leichter wieder gekündigt als die eigene Abteilung abgewickelt werden.

Welche Auswirkungen erwarten Sie für Entwickler von Gesundheits-Apps und welche Chancen hält diese Entwicklung für Investoren bereit?

Für die Entwickler von Apps ist dieser Trend natürlich sehr spannend, weil „Big Pharma“ Ressourcen mitbringt, von denen viele Start-Ups nur träumen können. Das ermöglicht deutlich schnellere Entwicklungen – und Geschwindigkeit zählt, hat doch die erste Anwendung im Markt meist deutlich bessere Aussichten auf Marktanteile als Anbieter Nummer acht, neun oder zehn. Auch wenn Pharmaunternehmen heute noch nicht zu den großen Profiteuren von Gesundheits-Apps gehören, haben Apps oder vergleichbare Angebote heute dennoch eine hohe Relevanz für den Gesundheitsmarkt und damit auch für Investoren. Denn gerade chronische Krankheiten wie Depression, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen sich zum Beispiel durch ein durchgängiges Monitoring wesentlich besser behandeln. Unternehmen wie Livongo (mittlerweile Teil von Teladoc), iRhythm Technologies oder Dexcom sind an der Börse Milliarden wert und integrieren solche Mechanismen erfolgreich.


Über Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager Healthcare, Apo Asset Management GmbH (apoAsset)

Hendrik Lofruthe ist seit 2015 Portfolio Manager Healthcare bei apoAsset. Er gehört zum Management-Team für die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance und apo Emerging Health. Er verfügt über akademische Abschlüsse als M.Sc. Finance und CFA und langjährige professionelle Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 4 Milliarden Euro. Ihre Schwerpunkte sind globale Gesundheitsfonds und Multi-Asset-Fonds. Das Unternehmen verfügt über ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialisten Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Die neue Research-Plattform: Analysieren, mehr wissen und besser anlegen

Aktienmärkte sind komplexer und für die Investoren anspruchsvoller geworden. Doch das derzeitige Angebot verfügbarer Analysen hilft nach Ansicht von Prof. Dr. Peter Schömig, Chartered Financial Analyst (CFA) und Geschäftsführer bei LeanVal, Anlegern nur wenig, Aktien besser einschätzen und Strategien umsetzen zu können: „Viele Analysen sind auf kurzfristiges Handeln ausgelegt und werden auch nicht in einen Portfoliozusammenhang gesetzt.“ LeanVal Research wählt hierbei bewusst einen anderen Ansatz. Mit seiner multifunktionalen Research-Lösung bietet das Unternehmen für seine Kunden eine von der Einzelanalyse bis zur Portfoliokonstruktion in sich schlüssige und transparente Anwendung.

Unabhängigkeit ist ein hohes Gut, Mehrwert liefert LeanVal zudem durch seine hohe Datenqualität. Das Research-Universum umfasst derzeit jeweils die größten 600 europäischen und die größten 500 US-Werte. Dazu werden nicht nur historische fundamentale Daten aufgearbeitet, sondern auch umfassende Zukunftsprognosen für das gesamte Universum bereitgestellt. „Wir setzen auf fundamentale Bilanzanalyse und Bewertungsmethoden. Dazu haben wir intern ein außerordentliches Know-how in Sachen Rechnungslegung, Analyse und Bewertung, etwa in Person zweier Professoren für Corporate Finance, Rechnungswesen und Portfolio Management, aber auch die notwendige Erfahrung in der Big-Data-Analyse“, so Artur Kampik, CFA und ebenfalls LeanVal-Geschäftsführer.

LeanVal ist jedoch nicht nur Daten-Provider, sondern auch eine smarte Kommunikationsplattform: „Für alle Aktien in unserem Anlageuniversum stellen wir die Ergebnisse transparent dar. Wir zeigen nicht nur die Fundamentaldaten, sondern auch unsere eigenen Bewertungen und Kennzahlen – absolut und relativ“, so Schömig. Die Nutzer erhalten klare Informationen zum möglichen Kursziel sowie zur relativen Stärke eines Titels im Vergleich zum Gesamtmarkt. Darüber hinaus erstellt das Unternehmen pro Jahr etwa 100 fundamentale Unternehmensanalysen. Neben diesen fundierten Einzelanalysen des zugrunde liegenden Universums und Tools für die optimierte, selbstständige Portfoliogestaltung, besteht für Anleger auch die Möglichkeit der individuellen Betreuung und Rücksprache mit den LeanVal-Analysten, um die gewonnenen Erkenntnisse bestmöglich in das eigene Portfolio zu übersetzen. Auf Wunsch werden die Kunden dabei auch vom Asset-Management-Arm der LeanVal Gruppe unterstützt, der Conservative Concept Portfolio Management AG (CCPM).

Digitale Disruption im Aktien-Research überfällig

Auf Basis seiner ausgeprägten Expertise hat LeanVal den Research-Prozess als digitalen Informationsfluss vollständig neu strukturiert. „Früher wurden Research-Berichte an Kunden versandt, dort gelesen, die Aktienmeinung in verschiedene, interne Systeme übertragen und dann mit anderen Daten in der Aktienauswahl verarbeitet. Dieser Ansatz umfasst viele Schnittstellen zu unterschiedlichsten Systemen, er läuft auch heute an vielen Stellen noch analog und ist daher zeitintensiv und fehleranfällig“, weiß Kampik. „Es ist höchste Zeit, dass die digitale Disruption auch das Research erreicht. Unser gesamter Prozess ist daher vollständig digital, sehr schnell und ohne fehleranfällige Schnittstellen aufgesetzt.“

Bei LeanVal werden alle Rohdaten automatisch verarbeitet und KI-gestützt evaluiert. Wenn nötig, werden sie von versierten Analysten korrigiert. Jede Aktie im Universum wird wöchentlich anhand eines industriespezifischen Bewertungsverfahren neu bewertet. Das Ergebnis ist ein fundiertes Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten. Alle Ergebnisse werden dann nochmals von einem erfahrenen Analysten-Team auf ihre Plausibilität geprüft und gegebenenfalls angepasst, um eine höchstmögliche Datenqualität zu gewährleisten. Nur geprüfte Daten erscheinen in der digitalen Anwendung, alle Daten der Research-Plattform gibt es auch als tagesaktuelles Factsheet.

LeanVal setzt für seine Bewertungen ein proprietäres ROIC-Verfahren (Return on Invested Capital) ein, das auf unterschiedliche Branchen zugeschnitten ist. „Bei Banken oder Versicherungen zum Beispiel gibt es regulatorische Vorgaben zur Bilanzierung, die wir berücksichtigen. Die Tatsache, dass die Kennzahlen von Banken, Versicherungen und Corporates nicht 1:1 vergleichbar sind, muss bei Aktienauswahl und Portfoliokonstruktion beachtet werden. Das leistet unser Aktien-Screener“, erläutert Prof. Dr. Laurenz Czempiel, dritter Geschäftsführer bei LeanVal. Mit dem Screener können individuelle Strategien erstellt und ihre historische Performance getestet werden. „Viele Banken und Vermögensverwalter tun sich schwer, ihre Aktienstrategien so schnell und so professionell zurück zu testen, weil sie nicht die Daten, die Systeme und das nötige Know-how dafür haben. Wir ermöglichen das den Nutzern auf unserer Plattform mit wenigen Klicks.“

Neben der Unternehmensanalyse und -bewertung ermöglicht LeanVal seinen Kunden über den Research-Navigator auch die Portfolioerstellung und die Konzeption von Aktienstrategien. „Unsere Online-Tools verringern den Aufwand für die Erstellung eines Anlagekonzeptes von Stunden oder gar Tagen auf wenige Minuten“, erläutert Czempiel. „Sie sind dafür ausgelegt, auch die spezifischen Anforderungen professioneller und institutioneller Anleger hinsichtlich Datenqualität, Effizienz und Reporting zu erfüllen.“ Unter den LeanVal-Kunden finden sich Vermögensverwalter und Family Offices, genauso wie Banken und Sparkassen.

Musterstrategien zu bewährten Faktoren – „Investment-Klassiker“ inklusive

Neben dem detaillierten Makro-Research und umfassenden Informationen für die Aktienbewertung und -selektion stellt LeanVal seinen Nutzern erfolgreiche Musterstrategien bereit. Die eigens entwickelte Hauptstrategie beruht auf den fünf Faktoren Value, Quality, Stability, Growth und Momentum und hat sich bereits in verschiedenen Marktphasen bewährt. Bei den Single-Style-Strategien liegt der Schwerpunkt, je nach Investmentmotiv, auf einem dieser fünf Faktoren. Bei den sogenannten „Guru“-Strategien handelt es sich um Ansätze, die von besonders erfolgreichen Asset Managern verfolgt, akademisch aufgearbeitet und in der Literatur vielfach diskutiert werden. „Die Datenqualität von LeanVal sowie unser Screener ermöglichen uns die Nachbildung dieser ‘Investment-Klassiker‘ unter den Aktienstrategien“, sagt Czempiel.

„Wir sind nicht nur ein Daten-Anbieter, wie etwa Bloomberg oder FactSet. Mit validierten Fakten und einer komfortablen Nutzeroberfläche und zusätzlichen Research-Leistungen, schaffen wir darüber hinaus weiteren Mehrwert für unsere Kunden. Alles, was wir hier tun, dient der Absicherung ihres Portfolios“, so Czempiel. So ist LeanVal in der Lage, individuell auf Kundenwünsche einzugehen, etwa indem bisher noch nicht betrachtete Unternehmen neu aufgenommen oder kundenspezifische Kennzahlen sowie ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) in die Analyse eingebracht werden.

Auch das modulare Preissystem kommt den Kundenbedürfnissen entgegen. Es reicht von der Einstiegsversion für den privaten Anleger bis hin zu Mehrfachlizenzen für institutionelle Investoren, inklusive aller Funktionen der Research-Plattform und der Option zum fachlichen Austausch mit den Analysten. Die verschiedenen Versionen und ihren jeweiligen Funktionsumfang können Interessenten derzeit für 14 Tage kostenlos testen.


Über die LeanVal Gruppe

Die LeanVal Gruppe ist ein unabhängiger Finanzdienstleister für institutionelle und semi-institutionelle Investoren mit Standorten in Frankfurt, Köln und München. Das Leistungsangebot umfasst Aktienresearch, Asset Management und digitale Plattformen für das Investment Management. Die LeanVal Research GmbH verfügt als fundamentales Analysehaus über weitreichende Expertise in der Analyse, Bewertung und Auswahl von Aktien sowie in der Gestaltung von Aktienstrategien. Das Research-Universum umfasst derzeit die 600 größten börsennotierten Unternehmen Europas und etwa 500 US-Aktien. Die digitale Lösung der LeanVal Research erlaubt allen Kundengruppen, bei sehr hoher Datenqualität und Datentiefe, eine fundierte Einzelanalyse des zugrunde liegenden Aktienuniversums sowie die selbstständige Portfoliogestaltung nach individuellen und vorgefertigten Anlagestrategien.
Die Asset-Management-Kompetenz ist in der Conservative Concept Portfolio Management AG (CCPM) gebündelt. Das 1991 gegründete Unternehmen bietet Investmentlösungen in Spezial- und Publikumsfonds. Der Fokus des täglichen Handelns liegt auf der Entwicklung und Verwaltung von optionsbasierten Volatilitätsstrategien, faktorbasierten Aktienstrategien sowie Multi-Asset-Lösungen. Abgerundet wird das Angebot durch Produkte im Bereich Private Debt.
Weitere Informationen unter: www.leanval.investments

Der Westen ist zurück: G-7 beschließen Klimaziele, Impfprogramme und China-Kurs

Mit frischem Schwung haben sich die Staatschefs der G7-Gruppe führender Industrienationen zuletzt bei ihrem Gipfel auf Klimaziele, Impfprogramme für arme Länder und eine gemeinsame Front gegen China verständigt. Für die G7 war der Gipfel im britischen Urlaubsort Carbis Bay eine Art Neustart nach dem Machtwechsel im Weißen Haus.

Während der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump hatte dessen Abschottungspolitik unter dem Slogan „America First“ die Gruppe fast an den Rand der Spaltung gebracht. Der amtierende US-Präsident Joe Biden setzt nun wieder verstärkt auf multilaterale Kooperationen und gute Beziehungen zu befreundeten Ländern. So sprach die deutsche Kanzlerin Angela Merkel von einem gelungenen G7-Neustart. Zwar sei es nicht so, dass die Welt nun keine Probleme mehr habe, sagte Merkel: „Aber wir können mit neuem Elan an der Lösung dieser Probleme arbeiten.“

Ein zentraler Beschluss des Gipfels war die Zusage, ärmere Länder im Kampf gegen die Corona-Pandemie stärker mit Impfstoff zu unterstützen als bisher. Laut Abschluss-Kommuniqué gibt es Zusagen über 870 Mio. Impfdosen, die zur Hälfte bis Jahresende an bedürftige Länder ausgeliefert werden sollen. Einige Organisationen kritisierten die Zusagen als unzureichend. So schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO den Bedarf armer Länder auf 11 Mrd. Dosen.

G7 peilen Klimaneutralität bis 2050 an

Eine wichtige Rolle spielte auch die Klimapolitik der Industrienationen. Unter Donald Trump waren die USA zwischenzeitlich aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgestiegen. Biden hat diesen Ausstieg mittlerweile wieder rückgängig gemacht und damit ein gemeinsames Vorgehen ermöglicht. Konkret haben sich die G7 bei ihrem Gipfel auf eine Verringerung des Ausstoßes von Kohlendioxid bis 2030 um etwa die Hälfte gegenüber 2010 geeinigt. Vollständige Klimaneutralität soll spätestens 2050 erreicht werden. Das bedeutet, dass dann kein Kohlendioxid ausgestoßen wird oder CO2-Emissionen vollständig kompensiert werden.

Zudem soll ein umfangreiches Hilfsprogramm Entwicklungsländern bei Investitionen gegen den Klimawandel unterstützen. Die „Build Back Better World“ („B3W“) genannte Initiative soll hunderte von Milliarden Dollar an Infrastrukturinvestitionen für Länder mit niedrigem Einkommen bereitstellen, so die G7. Allein Deutschland will seinen jährlichen Beitrag bei den Infrastrukturhilfen bis spätestens 2025 von vier auf sechs Milliarden Euro erhöhen.

Mindeststeuersatz für fairen Wettbewerb

Thematisiert wurde auch eine in allen Ländern idente Mindestbesteuerung für Unternehmen um Steuerschlupflöcher künftig zu schließen. Geeinigt haben sich die G7 auf einen Mindeststeuersatz von 15 Prozent, dieser Vorschlag soll nun im Juli der größeren Runde der G20-Länder präsentiert werden. Während zur Gruppe der G7 die USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und Kanada zählen, kommen im G20-Kreis auch weitere führende Volkswirtschaften wie China, Südkorea, Argentinien, Australien, Brasilien, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika und Türkei hinzu.

Die Zusammenarbeit werde gerechtere Wettbewerbsbedingungen schaffen, mehr Steuereinnahmen erzeugen und gegen Steuervermeidung vorgehen, heißt es in der Erklärung der G7. Die Konjunkturprogramme im Kampf gegen die Krise haben die Staatshaushalte einiger Länder erheblich belastet, dies dürfte ein Mitgrund für den Wunsch nach einer fairen Verteilung der Steuereinnahmen sein.

G7 reagieren auf rasanten Machtgewinn Chinas

Ein beherrschendes Thema des Gipfels war schließlich auch eine gemeinsame Positionierung gegenüber China. Denn nicht nur der Kurswechsel von Joe Biden, auch der rasante Aufstieg Chinas dürfte derzeit zu einem engeren Zusammenrücken der G7 beitragen. So wollen die G7 etwa der „neuen Seidenstraße“ Chinas und dem erstarkten Einfluss des Landes auf der Welt eine eigene Infrastrukturinitiative entgegensetzen. Davor hatte bereits der US-Senat Technologie-Investitionen in Höhe von 250 Mrd. Dollar beschlossen um Chinas globalen Einfluss etwas entgegenzusetzen.

Auch die von Joe Biden angeregte Investitionsoffensive der G7 in arme Länder ist vor diesem Hintergrund zu sehen. Die westlichen Industrienationen wollen nicht länger zusehen, wie China Einfluss gewinnt.

Schließlich haben die G7 in ihrem Kommuniqué China auch ausdrücklich zur Einhaltung von Menschen- und Freiheitsrechten ermahnt. Konkret zeigten sich die G7-Länder aber geteilter Meinung über ihre China-Politik. Während die USA einen möglichst harten Kurs fordern, will Deutschlands Kanzlerin Merkel eine Konfrontation möglichst vermeiden. Für viele deutsche Konzerne, etwa aus der Automobil- oder Maschinenbaubranche, ist China ein hochbedeutender Absatzmarkt.

Auch die NATO hatte ihren kritischen Ton gegenüber China bei ihrem jüngsten Gipfel verschärft. Chinas Zielsetzungen und sein selbstbewusstes Auftreten stellen die regelbasierte internationale Ordnung und für die Sicherheit des Bündnisses relevante Bereiche vor „systemische Herausforderungen“, hieß es in der NATO-Abschlusserklärung.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Veranlagung für Unternehmen – welche Möglichkeiten gibt es?

von Mario Kaudela, Produktmanagement der Erste AM.

Seit einiger Zeit verlangen eine Vielzahl an Banken für Einlagen von Firmenkunden eine sogenannte Verwahrgebühr. Wie ist es dazu gekommen und welche Alternativen gibt es? Diese Fragen sollen in diesem Beitrag kurz erläutert werden.

Wie alles begann…

Im Jahr 2014 beschloss die EZB erstmals in der Geschichte der Währungsunion Negativzinsen auf Gelder, die Banken bei der EZB parken, einzuführen. Anfangs lag dieser „Strafzins“ bei -0,10%. In den Folgejahren wurde dieser schrittweise gesenkt und liegt nunmehr seit September 2019 bei -0,50%. In der aktuellen Geldmarktsituation verursacht jede Einlage somit Kosten für die Bank.

Diese Kosten geben Banken – oft oberhalb eines bestimmten Freibetrages – nun in Teilen an Firmenkunden weiter, wie auch eine aktuelle Erhebung der Österreichischen Nationalbank zeigt.1 Im Gegensatz dazu sind negative Einlagenzinssätze auf Spareinlagen privater Haushalte in Österreich nach einem OGH-Urteil nicht möglich.

Die Auswirkungen von negativen Einlagezinssätzen im Zeitablauf

Eine Verwahrgebühr von beispielsweise -0,50% p.a. klingt auf den ersten Blick nicht dramatisch. Im Zeitablauf sind die Auswirkungen jedoch deutlich spürbar. Bei einer angenommenen Verwahrgebühr von -0,50% p.a. reduziert sich das einbezahlte Kapital nach fünf Jahren um 2,48%. Nach sechs Jahren beläuft sich der Verlust bereits auf fast 3% (siehe Grafik).

Quelle: EAM, eigene Berechnung

Welche Alternativen bieten sich?

Für Unternehmen stellt sich nun die Frage, ob sie weiterhin hohe Geldbestände auf negativ verzinsten Konten liegen lassen wollen oder ob sie Teilbeträge in kurz- bis mittelfristige Wertpapierveranlagungen umschichten. Investitionen in Wertpapiere bieten einerseits die Chance auf eine bessere Verzinsung als die Verwahrgebühr andererseits müssen dafür Schwankungen in Kauf genommen werden.

Eine mögliche Alternative zur Verwahrgebühr ist der ERSTE RESERVE CORPORATE. Dabei handelt es sich um einen Anleihenfonds mit kurzer Zinsbindung. Er investiert global in vorrangig auf Euro lautende Unternehmensanleihen. Es werden überwiegend Anleihen mit Investmentgrade-Rating gekauft. Die Zielbandbreite der Zinsduration reicht von 0 bis 1 Jahre. Etwaiges Fremdwährungsrisiko wird zumeist abgesichert.

Investieren in Unternehmensanleihen mit kurzer Zinsbindung

Der Fonds investiert überwiegend in kurzlaufende und variabel verzinsliche Unternehmensanleihen, weshalb das Portfolio ein vergleichsweise geringes Zinsänderungsrisiko aufweist. Aufgrund des tendenziell höheren Kreditrisikos von Unternehmensanleihen bieten sie einen Zinsaufschlag gegenüber vergleichsweise sicheren Staatsanleihen. Je schlechter die Kreditqualität des Unternehmens umso höher ist dieser Zinsaufschlag.

Deshalb wird nach grundlegender Unternehmensanalyse auch in Unternehmensanleihen investiert, die ein schlechteres Rating als Investment Grade haben. Daraus resultiert ein Portfolio dessen Anleihen per Ende Mai 2021 im Durchschnitt eine Rendite von 0,67% aufweisen.2 Dabei gilt zu beachten, dass ein Anstieg der Risikoaufschläge wie wir es zum Beispiel zu Beginn der COVID-19 Pandemie gesehen haben zu Kursverlusten führen kann.

Globaler Fokus

Der Fonds hat einen globalen Fokus wobei der Großteil der Emittenten aus Europa sowie den USA stammt. Die Unternehmen sind in den unterschiedlichsten Sektoren tätig, wobei aktuell der Finanzsektor den mit Abstand größten Anteil ausmacht. Die nächstgrößeren Sektoren im Portfolio sind der zyklische und nichtzyklische Konsum sowie Versorger.

Zu den aktuell größten Emittenten im Fonds zählen Unternehmen wie beispielsweise Ford Motor, Banco Santander, HSBC, Volkswagen oder Anheuser-Busch InBev. Insgesamt sind derzeit 116 unterschiedliche Emittenten im Fonds vertreten.2

Langjährige Expertise

Der ERSTE RESERVE CORPORATE wurde im Jahr 2002 aufgelegt und konnte seitdem eine Performance von 1,95% p.a. erwirtschaften. Das vorherrschende Niedrigzinsumfeld hatte natürlich auch Auswirkungen auf den Fonds und so beläuft sich die Wertentwicklung des Fonds über die letzten 5 Jahre auf 0,73% p.a.3

Quelle: EAM, Zeitraum: 08.07.2002 – 31.05.2021 

Kommerz Mix Rechner

Aufgrund der Charakteristik des Fonds bildet der ERSTE RESERVE CORPORATE die Basis des neuen Kommerz Mix Rechners. Dieses Tool bietet darüber hinaus die Möglichkeit individuell bis zu drei weitere Investmentfonds beizumischen. Zur Auswahl stehen gemischte Fonds sowie ein Aktienfonds. Durch Schieben der Regler kann die Gewichtung der Fonds angepasst werden. Nach Anpassung der Gewichte ist sofort ersichtlich, welchen Ertrag und welches Risiko das Portfolio in der Vergangenheit gehabt hätte.4

Fazit

Negative Zinsen bei Unternehmenseinlagen lässt Firmen die Verwaltung ihrer kurz- bis mittelfristigen Einlagen überdenken. Eine Möglichkeit stellt die Investition in Wertpapiere mit kurzer Zinsbindung wie sie beispielsweise der ERSTE RESERVE CORPORATE bietet.

Für Investoren mit einem längeren Horizont sowie einer größeren Risikotoleranz könnte auch die Ergänzung um gemischte Fonds sowie Aktienfonds von Interesse sein. Wie ein derartiges Portfolio in der Vergangenheit ausgesehen hätte, kann mit dem neuen Kommerz Mix Rechner dargestellt werden.4


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

1) OeNB Presseaussendung vom 17.03.2021
2) Quelle EAM, Daten per Ende Mai 2021. Die aktuelle Zusammensetzung des Fonds ist eine Momentaufnahme und kann sich in Zukunft ändern.
3) Quelle EAM, Daten per Ende Mai 2021. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.
4) Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Der langfristige Ansatz für ESG US-Anleihen mit Investment-Grade-Rating

Die jüngsten Kapitalflüsse und Performance-Trends bei ESG-Anleihen im US-Investment-Grade-Bereich (IG) deuten darauf hin, dass die Anleger das langfristige Potenzial des Engagements erkannt haben. Der Trend zu ESG-Investitionen im IG-Kreditbereich wurde durch den gesellschaftlichen Wandel und neue Vorschriften vorangetrieben, und wir sehen nun auch Belege dafür, dass ein ESG-Ansatz dazu beitragen kann, sowohl die Volatilität zu reduzieren als auch die längerfristige Performance zu verbessern.

Zuflüsse verdeutlichen Anlegerpräferenz für IG-Anleihen mit ESG

Anleihen mit Investment-Grade-Rating (IG) haben sich im 2. Quartal 2021 nach einem schwachen Jahresauftakt erholt. Die Kombination aus einem Rückgang der US-Treasury-Renditen, der darauf zurückzuführen ist, dass die Anleger ihre Baisse-Attitüde zurückgeschraubt haben, und einer allmählichen Verengung der Spreads gegenüber Treasuries hat zu Renditen von über 2,5 % für einen Index über alle Laufzeiten geführt. Outright-Renditen von mehr als 2 % machen diese Strategien vor allem für EUR-basierte Anleger interessant, wo die Renditen für festverzinsliche Wertpapiere weiterhin niedrig sind.1

Natürlich gibt es Währungsrisiken, die sich angesichts des Anstiegs von EUR/USD über 1,21 von knapp unter 1,18 zu Beginn dieses Quartals als nicht unerheblich erwiesen haben. Da die Zinsspreads im historischen Vergleich relativ eng sind, können diese jedoch kosteneffektiv abgesichert werden.

Bei den Mittelzuflüssen hält der Trend zu IG-Anleihen an, wobei die Mittel hauptsächlich in ESG-Strategien fließen. Dieser Trend wurde durch den gesellschaftlichen Wandel, neue Vorschriften und ein besseres Verständnis der ESG-Performance vorangetrieben, da sich gezeigt hat, dass ein ESG-Ansatz sowohl zur Verringerung der Volatilität als auch zur Verbesserung der längerfristigen Performance beitragen kann.

Der europäische Blick: Absicherung kann eine Überlegung wert sein

Der Renditeanstieg bei europäischen IG-Anleihen sieht mit rund 175 Basispunkten auf ungesicherter Basis großzügig aus und sollte daher für europäische Anleger interessant sein, die sich mit einer Rendite von knapp 30 Basispunkten auf den Bloomberg Barclays Euro Corporate Index begnügen müssen. Da die Kosten für die Absicherung in den letzten Jahren jedoch deutlich gesunken sind, ist die Absicherung des Währungsrisikos sinnvoll. Bereinigt um die Kosten für die Absicherung bietet die Renditedifferenz von knapp 120bp den größten Aufschlag seit Mitte 2017.

Apropos Absicherung: Der EUR hat sich gegenüber dem USD wieder über 1,21 erholt und ist damit nicht mehr weit von seinem Fünfjahreshoch bei knapp über 1,25 entfernt. Anleger, die der Dringlichkeit einer Absicherung des USD-Risikos skeptisch gegenüberstehen, sollten sich daran erinnern, dass der EUR/USD im Jahr 2014 bei 1,39 lag. Zu den Fundamentaldaten, die den USD stützen, gehören ein sich ausweitendes US-Leistungsbilanzdefizit, ein großes Haushaltsdefizit und eine strukturell höhere Inflation als im Euroraum, die alle auf einen potenziellen weiteren Rückgang hindeuten.

Performance-Attribution zeigt, dass ESG in der Lage ist, die Volatilität zu reduzieren und die langfristigen Renditen zu steigern

Der Nachweis, dass Unternehmen mit höherem ESG-Scoring typischerweise stabiler sind, kann während der COVID-Krise beobachtet werden. Im Zeitraum von Ende 2019 bis Ende März 2020, dem Krisenzeitraum, erzielte der Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex-Controversies Select Index eine Rendite von -205,9 Bp gegenüber der Rendite des Bloomberg Barclays US Corporate Index von -363,4 Bp.2

Abbildung 1: Performance-Attribution für den Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex-Controversies Select Index vs. den Bloomberg Barclays US Corporate Index

Eine Performance-Attribution deutet darauf hin, dass die Asset-Allokation die Hauptursache für die unterschiedlichen Ergebnisse war. Dies macht Sinn, wenn man bedenkt, dass einige der am schlechtesten abschneidenden Bereiche des Marktes für Unternehmensanleihen aus Energie und Transport waren, beides Sektoren, in denen der Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex-Controversies Select Index ein wesentlich geringeres Gewicht hat als der Mutterindex.

Umgekehrt wirkte sich die höhere Gewichtung des ESG-Index im Bereich Technologie unterstützend aus, da dieser Sektor Namen enthält, die im Großen und Ganzen als vorteilhaft für das Arbeitsumfeld wahrgenommen wurden. Der Effekt ist in Abbildung 2 zu sehen, in der die monatlichen Treiber der relativen Performance dargestellt sind. Die geringere Gewichtung von Energie ist ein klarer Grund für die Outperformance des ESG-Index im ersten Quartal 2020.

Im Gegensatz dazu kam es im Zeitraum seit Ende März 2020 zu einer allgemeinen Kompression der Kreditspreads, nicht zuletzt weil die Federal Reserve (Fed) ankündigte, mit dem Kauf von Unternehmensanleihen zu beginnen. Dieses Sicherheitsnetz der Fed führte dazu, dass einige der am stärksten überverkauften Anleihen den stärksten Aufschwung erlebten. Es sollte nicht überraschen, dass der Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex-Controversies Select Index mit einer Rendite von 472,8 Basispunkten gegenüber 524,3 Basispunkten für den Bloomberg Barclays US Corporate Index nicht an die Performance des Mutterindex herankam.3

In Bezug auf die Sektoren veränderte sich der Energiesektor von einer Stütze der relativen Performance des SASB ESG-Index zu einem Hindernis, da sich die Ölpreise erholten. Auch der Technologiesektor hat sich von einer wichtigen Stütze für die ESG-Performance zu einem Hemmschuh entwickelt.

Abbildung 2: Performance-Attribution nach Sektor für den Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex-Controversies Select Index vs. den Bloomberg Barclays US Corporate Index

Die Attribution zeigt auch einen ESG-Effekt durch die Wertpapierauswahl (Abbildung 3). Dies trug mehr als 50 Basispunkte zur Outperformance in Q1 2020 bei und deutet darauf hin, dass in Zeiten von Stress die Emittenten mit niedrigeren ESG-Ratings am aggressivsten auf dem Markt angeboten werden. Es überrascht nicht, dass es eine starke Überschneidung mit den Sektoren gibt, die die großen Beweger waren, wie z. B. Energie. REITs und Tech leisteten im März 2020 ebenfalls einen signifikanten positiven Beitrag, obwohl die Auswahl von Tech-Titeln im Januar und Februar tatsächlich als relative Belastung für die Performance wirkte. Die Titelauswahl in der Grundstoffindustrie und im Bankensektor leistete ebenfalls einen negativen Beitrag.

Seit März gab es eine gewisse "Entschädigung", da die Wertpapierauswahl die relative Performance des Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex-Controversies Select Index belastete. Dieser Effekt war jedoch bescheiden, da die Wertpapierauswahl nur -12,7 Basispunkte zum ESG-Index beigetragen hat und damit weit davon entfernt ist, die während der Krise erzielten Gewinne wieder aufzuholen. In der Tat war der einzige Monat, in dem es zu einer signifikanten Belastung kam, der April 2020, während der unmittelbaren Erholung von der Krise.

Abbildung 3: Performance-Attribution nach Titelauswahl für den Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex-Controversies Select Index vs. den Bloomberg Barclays US Corporate Index

 


Wie man dieses Thema spielt

Anleger, die Zugang zu den oben beschriebenen Themen suchen, können dies über einen SPDR ETF tun. Um mehr über den ETF zu erfahren und die vollständige Performance-Historie zu sehen, klicken Sie bitte auf den unten stehenden Link:

SPDR Bloomberg SASB U.S. Corporate ESG UCITS ETF (Acc) 

SPDR Bloomberg SASB U.S. Corporate EUR Hdg ESG UCITS ETF 

1) Die Rendite für den Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex-Controversies Select Index betrug 2,63 % vom 31. März 2021 bis zum 10. Juni 2021. Die Rendite dieses Index lag zum 9. Juni 2021 bei 2,06 % gegenüber 0,24 % für den Bloomberg SASB EUR Corporate ESG Ex-Controversies Select Index.
2) Quelle: Bloomberg Finance L.P., Stand: 30. April 2021.
3) Quelle: Bloomberg Finance L.P., Stand: 30. April 2021.

Aktien konsolidieren

Im Mai haben sich die internationalen Aktienmärkte eingebremst, der breite Durchschnitt für entwickelte Märkte und Emerging Markets ist zuletzt fast unverändert, erklärt Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Dabei konnte die Mehrzahl der Branchen und Sektoren durchaus spürbar zulegen, allen voran Energie- und Finanztitel. Die Indexschwergewichte aus den Bereichen Technologie und Konsum notierten aber etwas schwächer, was sich auf den Gesamtmarkt naturgemäß spürbar auswirkt.

Europäische Aktien sind zuletzt positiv aufgefallen. Gegen den globalen Trend konnten die heimischen Titel auch im Mai zulegen. Einer der wesentlichen Treiber für diese Entwicklung war die Performance von zyklischen Konsumwerten, die entgegen der Vorgaben aus den USA stark zulegen konnten. Herausragend war im Mai die Wertentwicklung in Osteuropa. Die Region konnte, angeführt von den großen Märkten Russland und Polen, stark zulegen und damit den Rückstand auf internationale Märkte – was die Performance seit Jahresbeginn betrifft – egalisieren.

Aktien: Von der Hoffnung zum Wachstum

Aktienmarktzyklen verlaufen in unterschiedlichen Phasen. Nach dem Abschwung – im aktuellen Fall dem coronabedingten – folgt die Hoffnungsphase. Trotz noch schlechter Fundamentaldaten steigt der Aktienmarkt in dieser Phase steil an – nicht zuletzt angetrieben durch eine lockere Geldpolitik. Die nächste Phase ist jene, in welcher der geldpolitische Impuls nachlässt und die Märkte stärker von den Fundamentaldaten getrieben werden – also von Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinnen.

Die Wertentwicklung am Aktienmarkt ist in dieser Phase flacher, dafür kann diese Phase über Jahre andauern. Der Übergang von Phase 1 zu Phase 2 verläuft oft etwas holprig und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Markt aktuell genau mit diesem Übergang beschäftigt ist. Insofern ist ein Andauern der aktuellen Konsolidierung im Bereich des Möglichen. Gründe dafür sind dann am Markt schnell bei der Hand, Inflation etwa. Mittelfristig ist der Ausblick aber weiterhin positiv, weil wir erst am Beginn der Wirtschaftserholung stehen und nicht am Ende.

Emerging-Market-Aktien sind nicht, was sie einmal waren, nämlich eine breite Gruppe aus Ländern und Unternehmen mit tendenziell zyklischer Charakteristik. Auch in den Schwellenländern ist eine Konzentration einge­ treten, wie sie im Westen zu beobachten ist. Mittlerweile wird die Assetklasse von vier Ländern – China, Korea, Taiwan, Indien – dominiert und dort ist der Technologiesektor jener mit der höchsten Bedeutung.


Die Einschätzungen von Raiffeisen Capital Management finden Sie links als PDF mit Grafiken.

The Benefits of Real Estate Diversification on a Global and Regional Basis

von Jarkko Lehtonen, PM UB Nordic Property Fund.

Real estate is increasingly becoming a significant element of asset allocation among institutional investors with a long-term focus. Even before the Covid-19 crisis, institutional investors had seen real estate as an integral part of their portfolios, and at United Bankers, we believe that this trend will continue.

Relying on an open-ended structure, the UB Nordic Property Fund has built a well-diversified portfolio of “Core Plus” commercial properties across the Nordic countries to provide investors the opportunity to tap on attractive real estate returns. A Core Plus strategy involves taking more risk than a “Core” strategy and implicitly going up the risk curve by investing in what are known as secondary locations. The additional risk associated with these secondary locations is balanced by long-term leases with high quality tenants in our portfolio.

Diversification Source One: Geographies

UB Nordic Property Fund owns a well-diversified portfolio of 46 different properties that generate stable cash flows for the fund and its investors. In our Core Plus strategy, we want to give our investors the benefit of the stable rental income the properties in our portfolio generate. These stable return sources are an important part of the value proposition of this fund, as is its diversification. When UB Nordic Property Fund was launched in 2016, the fund was offered primarily to Finnish asset owners, most of whom already had significant direct exposure to Finnish real estate. The aim was to provide these institutions exposure and diversification to the broader Nordic real estate markets.

UB Nordic Property Fund’s portfolio, which had a market value of €354 million as of the end of 2020, had at that time an exposure of 47 percent to Norwegian properties, 23% to Danish, 16% to Swedish and 14% to properties in Finland. The Norwegian property market has been of interest to the fund for many reasons, one of which revolves around the difference between the economic landscapes of these four countries.

While Sweden, Norway, Denmark and Finland appear to be fairly similar, the characteristics of each economy are distinctive in their own way. Our current level of exposure to the Norwegian market, for example, reflects our assessment of the opportunity set in Norway and therefore provides the best diversification for all of our investors, regardless of where their domestic property market is.

Diversification Source Two: Property Types

We hold several different types of commercial properties. That is the most important principle behind this well-diversified portfolio. The fund has approximately 51 percent of its portfolio invested in logistics properties, 37 percent in office properties and 9 percent in retail properties; the remainder is invested in what we define as special opportunities. During these past two years, we have been most active in the industrial segment, consisting of logistics and production facilities, which has turned out to very successful, especially in light of the ongoing Covid-19 pandemic. Investors are focusing on logistics, and the need for modern facilities is pressing in the Nordic region, as it is in most developed countries around the world.

The retail segment of the property market, on the other hand, has been under stress for much of the past decade. E-commerce has been steadily growing over the past several years and the Covid-19 pandemic has just accelerated the shift. With an increased share of work being done remotely, property investors are also worried about the impact of the pandemic on office properties. We have seen the office segment undergoing structural change for some time and the inevitable work-from-home trend has only added to the headwinds in the short-term.

The future of offices is still under debate, and we question the simplistic notion that Covid-19 will “kill the office”. This pandemic accelerated the change that would inevitably take place. We are observing a change in how customers use office premises, but in the longer term, we do not expect to see a future where companies do not need offices anymore. These trends had been there before, they have just accelerated during the Covid-19 pandemic.

On the Open-Ended Structure, Liquidity Mismatches and Avoiding Speculation

Institutional investors tend to have an extended investment horizon and real estate properties are well suited for such long-term-oriented investors. Occasionally, however, cash is scarce and there may be a demand for liquidity. The open-ended structure of the UB Nordic Property Fund enables investors to exit from their investments on a quarterly basis. These open-ended Alternative Investment Funds (AIFs) domiciled in Finland are attractive because they offer improved liquidity to investors.

Better liquidity is a good thing for investors but does represent a certain challenge for the fund managers. Because real estate is not a very liquid asset class as such, there is some degree of liquidity mismatch here. In reality, this mismatch did neither pose a problem for UB Nordic Property Fund during the cash-strapped environment in the first quarter of 2020, nor during the somewhat uncertain period that followed. In the Covid-19 crisis, our worst quarter in terms of redemptions was the end-of-June quarter 2020, but we only had a few million euros in redemptions. We are confident that we have managed to communicate properly to our investors that our vehicle is essentially a long-term investment and there is no point in worrying about short-term fluctuations.

The open-ended structure also enables United Bankers to build a growing, more diversified portfolio of properties with an attractive risk-return profile. In a closed-end structure, you are quite exposed as a fund manager to timing [the market]: you have to start buying assets immediately after raising capital and then ultimately required to sell all the properties at end of the fund’s tenure. With an open-ended fund, both new and existing investors have the opportunity to get exposure to an increasingly more diverse property portfolio. A bigger fund size also definitely helps the fund manager, making it a more attractive partner in the eyes of property sellers, brokers, service providers and other stakeholders. 

In our experience, a bigger fund size arguably also helps in fundraising, as attracting investors with this kind of dynamic diversification is actually easier. It is simply less of a leap into the unknown for the investor to make that investment decision. We would not mind the fund growing to become twice the size it is today, as it arguably gives added value to both existing and new investors to have a larger, hence more diversified portfolio. 

In terms of what investors should expect from an investment in the UB Nordic Property Fund, we point out that every year we aim at paying out an annual dividend of up to five percent. The team running the fund has managed to pay out a that successfully in the previous two years. That is something we want to keep doing. Our team has succeeded in building a very attractive portfolio, which has a weighted average unexpired lease term of 8.7 years. Our initial yield is 6.3 percent, which is remarkably high. As we apply leverage, with our loan-to-property portfolio now leveraged up to 54 percent, we can achieve an ROE of 9 percent.

In this Core Plus strategy, we want to give our investors the benefit of stable income, without hard assumptions on the future value of the properties. We want to stress that investors’ returns from this fund ultimately come from the real rental income rather than value appreciation. Speculation is not how we manage funds at United Bankers. We do not buy properties for an expected value uplift; we buy properties for their real income potential.


Jarkko Lehtonen, Portfolio Manager, (MSc in Eng., Helsinki University of Technology), has been working with real estate for more than sixteen years. He worked for seven years in the Kesko Group with real estate leasing and sales. In 2011 Jarkko founded Capitol Asset Management and took over the management of a portfolio of 77 grocery properties on behalf of Sveafastigheter Ab (a Swedish property investor). In June 2014, Jarkko was involved in selling the portfolio to another Swedish property investor Redito. LinkedIn

United Bankers Plc (UB) is a Helsinki-based Financial Services group. Founded in 1986, UB started its business in securities brokerage. Today, the company's business areas include Asset and Wealth Management and Capital Markets services.
UB is a Nordic pioneer and a global specialist within Real Asset investments. In Wealth Management, UB offers discretionary Asset Management to private and institutional asset owners in Finland and Sweden
UB Fund Management Ltd, established in 2007, is a subsidiary within the group, dedicated to the administration of investment funds. These include European Union UCITS regulated vehicles as well as AIFMD regulated funds.
For more information, please refer to UB’s website at www.unitedbankers.com

Geplante Fed-Verkäufe sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

von David Norris, Head of US Credit bei TwentyFour Asset Management.

Bereits vor einigen Wochen hat sich gezeigt, dass die Märkte äußerst nervös auf jedes Zeichen der US-Notenbank Fed reagieren. Somit ist es auch nur wenig überraschend, dass die kürzliche Ankündigung der Fed, Anleihen und ETFs im Wert von knapp 14 Mrd. US-Dollar zu verkaufen, die sie auf dem Höhepunkt der COVID-19-Krise erworben hatte, für Aufregung unter den Marktteilnehmern sorgte.

Die Botschaft der Fed in Bezug auf die Geldpolitik – dass jegliche Inflation, die aus der Erholung der US-Wirtschaft resultiert, nur vorübergehend sein sollte und eine Anhebung der Zinssätze den Entscheidungsträgern fern liegt – war im letzten Jahr äußerst konsistent und bleibt es wohl auch im Jahr 2021, obwohl mehrere Datenpunkte darauf hindeuteten, dass sich eine dauerhaftere Form der Inflation einstellen könnte.

Wenn es um Zinserhöhungen geht, hat sich jedoch der Ton einiger Fed-Mitglieder in den letzten Tagen deutlich geändert. Die stellvertretenden Vorsitzenden der Fed, Richard Clarida und Randal Quarles, erklärten kürzlich, dass eine Diskussion über die Reduzierung der monatlichen Käufe von Staatsanleihen und MBS im Wert von 120 Mrd. US-Dollar bei kommenden Sitzungen beginnen könnte, und fügten damit ähnliche Kommentare von Mary Daly, Präsidentin der San Francisco Fed, Robert Kaplan, Präsident der Dallas Fed, und Patrick Harker, Präsident der Philadelphia Fed, hinzu. Auch wenn der Fed-Vorsitzende Jerome Powell noch Mitte 2020 sagte, dass die Fed nicht einmal „darüber nachdenken würde, die Zinsen anzuheben", so denken er und seine FOMC-Kollegen heute eindeutig darüber nach, die Zinsschraube wieder enger zu ziehen.

Die Frage für Investoren ist nun natürlich, wann genau und wie stark die Fed auf die Bremse treten wird. Angesichts der nachweislich starken US-Wirtschaftsdaten der jüngsten Zeit, einschließlich der guten – wenn auch leicht hinter den Erwartungen zurückgebliebenen – Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft von 559.000 am letzten Freitag, lohnt es sich, vor der Sitzung am 15. und 16. Juni zu überlegen, was die Fed mit dem Abbau ihrer Bestände an Unternehmensanleihen zu diesem Zeitpunkt signalisieren will.

Auf den ersten Blick könnte dieser Schritt zur Auflösung der Secondary Market Corporate Credit Facility (SMCCF) als ein Signal der Fed für das Unvermeidliche interpretiert werden: ein erster Schritt, um ein Komfortniveau für die weitere Debatte zu schaffen, und vielleicht ein Hinweis für Investoren, bei den kommenden Sitzungen mehr als nur Lippenbekenntnisse zu diesem Thema zu erwarten. Allerdings dürfte die Juni-Sitzung zu früh sein, um mehr Klarheit zu schaffen, aber jede Diskussion sollte den Ton für zukünftige Erwartungen angeben, wobei die September-Sitzung vielleicht ein vernünftigeres Ziel für einen klareren Zeitplan darstellt.

Das Signal ist hier wichtiger als das Rauschen, denn die Menge der im SMCCF gehaltenen Unternehmensanleihen und ETFs ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Nachdem die Fed im März 2020 250 Mrd. US-Dollar für das Programm vorgesehen hat, hält sie derzeit 4,94 Mrd. US-Dollar in kurzlaufenden Anleihen (4,8 Mrd. US-Dollar in Investment Grade und 144,5 Mio. US-Dollar in High Yield) und 8,6 Mrd. US-Dollar in ETFs (7,4 Mrd. US-Dollar in Investment Grade und 1,2 Mrd. US-Dollar in High Yield). Um diese Werte in die richtige Perspektive zu rücken, sollte man sich vor Augen führen, dass sich die Emissionen von Investment-Grade-Unternehmen in den USA seit Jahresbeginn auf ca. 720 Mrd. US-Dollar und von High-Yield-Unternehmen auf ca. 257 Mrd. US-Dollar belaufen, was etwa 7 Mrd. US-Dolar an Investment-Grade- und 2,5 Mrd. US-Dollar an High-Yield-Emissionen pro Tag entspricht. Die Bestände der Fed werden auch von den täglichen Handelsvolumina der Unternehmensanleihen in den Schatten gestellt, so dass wir trotz des Versprechens der Zentralbank, „das Potenzial für negative Auswirkungen auf das Funktionieren des Marktes zu minimieren, indem die täglichen Liquiditäts- und Handelsbedingungen berücksichtigt werden", keine Probleme sehen.

Der Markt eröffnete am vergangenen Donnerstag nach der Ankündigung vom Mittwoch flach bis leicht schwächer, aber nach der anfänglichen Überraschung wurde dies in den sekundären Spreads kaum registriert. Wichtig ist, dass sowohl der US Investment-Grade- als auch der US High-Yield-Index sehr nahe an ihren Allzeithochs liegen, und die anhaltende Suche nach Rendite es dem Markt sehr wahrscheinlich ermöglichen wird, dieses zusätzliche Angebot leicht zu absorbieren, zumal die Fed ihren Zeitplan als schrittweise und geordnet beschrieb. Obwohl wir kurzfristig keine wesentliche Ausweitung der Spreads erwarten, bleiben wir gegenüber Anleihen mit höherer Duration äußerst vorsichtig, da wir der Ansicht sind, dass die potenziell anhaltende Inflation, die von den jüngsten Daten suggeriert wird, nicht in den Renditen von US-Treasuries eingepreist ist, die derzeit bei 1,58 Prozent für 10-jährige Anleihen liegen.

Was wir erwarten, ist ein spezifischer Dialog über Zinserhöhungen bei der Fed-Sitzung in der kommenden Woche und das uns zusammen mit dem am 7. Juli veröffentlichten Sitzungsprotokoll eine bessere Vorstellung von der Bandbreite der Ansichten über den Zeitplan der Zinserhöhungen geben sollte. Während wir kurzfristig keine Änderung der Politik erwarten, haben wir das Gefühl, dass die Fed mit ihrer SMCCF-Ankündigung die Tür für eine Normalisierung der Geldpolitik geöffnet hat.


Vontobel Asset Management

Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen überzeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.
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Rentenmärkte uneinheitlich

Nachdem die Renditen an den Rentenmärkten weltweit in den ersten vier Monaten des Jahres im Gleichschritt nach oben marschiert sind, präsentierten sich Schuldtitel im Mai uneinheitlich, erklärt Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. In internationalen Märkten (z. B. USA, UK, Kanada, Australien) liegen die Renditen etwas niedriger als noch im April. In der Eurozone hingegen war eine Fortsetzung des Renditeaufwärtstrends zu beobachten. Davon waren sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen betroffen.

Weiterhin aufwärts gerichtet sind auch die Inflationserwartungen. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone muss man in die Jahre 2013/2014 zurück­ blicken, um Werte wie die aktuellen in der Historie wiederzufinden. Erfreulich war zuletzt die Entwicklung von Anleihen aus den Schwellenländern. Sowohl Titel in Hartwährung als auch jene in Lokalwährung verzeichneten Kursgewinne und liegen damit seit Jahresbeginn nur noch leicht im Minus.

Geld­/Kapitalmarkt: Inflation erregt Aufmerksamkeit

Das Thema Inflation ist nunmehr in der Mitte der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit angekommen. Große Zeitungsreportagen berichten von steigender Nachfrage, welche auf leere Lager und Lieferschwierigkeiten trifft. Dass infolgedessen in vielen Bereichen die Preise nach oben schießen, verstehen nicht nur studierte Volkswirte. Am Markt wird das Thema schon seit längerem gespielt.

Die gepreisten Inflationserwartungen steigen seit über einem Jahr. In der ersten Phase war das aber lediglich eine Normalisierung nach dem „Corona-Crash“. Zuletzt war jedoch eine regelrechte Beschleunigung zu beobachten, welche die Inflationserwartungen (Deutschland) über die 2018er Hochs gehievt hat. Grund zur Panik? Eher nicht. Viele der aktuell inflationstreibenden Faktoren werden sich normalisieren und in einem Jahr sind die Ungleichgewichte bereinigt. Dass wir aber in der Zwischenzeit noch die eine oder andere spektakuläre Inflationszahl sehen werden, ist trotzdem recht wahrscheinlich.

Staats­ und Unternehmensanleihen: Weitere Renditeanstiege wahrscheinlich

Der Ausblick für Staatsanleihen bleibt weiterhin schwierig, die Vorzeichen deuten auf weiter steigende Renditen. Zunächst ist hier die Konjunkturerholung zu nennen, die gerade in den nächsten Monaten ihre stärkste Dynamik entwickeln wird. Im nächsten Jahr werden sich die Wachstumsraten wieder auf ein „normales“ Niveau einpendeln.

Im Zusammenhang mit einer stärkeren Konjunktur wird in den nächsten Monaten auch die Inflation anspringen – auch nicht eben günstig für Anleihen. Schließlich sind aus einer vergleichenden Analyse heraus andere Marktsegmente (z. B. Aktien oder Rohstoffe) attraktiver, was zu entsprechenden Umschichtungen führen wird. Innerhalb der Anlagekategorie Anleihen sind inflationsindexierte Anleihen und Unternehmensan­ leihen nach wie vor zu bevorzugen. Steigende Inflationserwartungen einerseits und ein höherer laufender Ertrag andererseits sprechen für eine bessere Wertentwicklung dieser Segmente im Vergleich mit Staatsanleihen.

Emerging Markets: Anleihen attraktiv

In den ersten Monaten des Jahres konnten sich Emerging-Market-Anleihen nicht wesentlich von ihren Kollegen in den entwickelten Märkten emanzipieren. Der Trend zu steigenden Renditen – und damit zu negativen Wertentwicklungen – machte auch vor den Schwellenländern nicht halt. Zuletzt gab es jedoch ein kräftiges Lebenszeichen, insbesondere von den Hartwährungs­ anleihen. Der Ausblick ist positiv, die Einflussfaktoren legen eine Erholung dieser Anlagesegmente nahe. Eine Erholung der Weltkonjunktur sowie ein etwas schwächerer US-Dollar tun der Kategorie üblicherweise gut. Wenn die Renditen von US-Staatsanleihen weiter ansteigen, könnte sich dies allerdings als Bremsklotz herausstellen.


Die Einschätzungen von Raiffeisen Capital Management finden Sie links als PDF mit Grafiken.

Schnelle Erholung in der entwickelten Welt

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Aktuell sind die Marktteilnehmer besonders herausgefordert, den zugrundeliegenden Trend (Signal) von zufälligen Schwankungen (Noise) zu unterscheiden. In den vergangenen Wochen lagen einige Wirtschaftsindikatoren unter den Erwartungen, einige Inflationsindikatoren darüber. Maßgebliche Zentralbanken sendeten Signale für einen Ausstieg aus der expansiven Haltung. Ein stagflationäres Umfeld (kein Wachstum, hohe Inflation, Anm.) wäre in der Tat negativ für zahlreiche Anlagelassen. Doch der zugrundeliegende Trend schlägt ein anderes, positiveres Umfeld vor.

Nach einem Schock, diesmal ausgelöst durch die Pandemie, entwickeln sich die Indikatoren im Zeitablauf laut der Theorie wie folgt:

  • In Schockphase scharf runter.
  • In Erholungsphase scharf rauf.
  • Nach der anfänglichen sprunghaften Erholung durch die Öffnungsmaßnahmen folgt ein zwar abnehmendes aber immer noch überdurchschnittliches Wachstum für einige Quartale.

Wenn das Umfeld stimmt, die Wirtschaftspolitik unterstützend bleibt und neue Virus-Varianten keinen Strich durch die Rechnung machen, kann das so lange weiter gehen, bis Vollbeschäftigung erreicht ist.

Grafik: Schnelle Erholung der Industrieproduktion

Quelle: Refinitiv Datastream
Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.

Die Realität weicht mitunter von der Theorie ab, doch im Großen und Ganzen unterstützen die Indikatoren diesen Pfad.

Robuste Gewinnentwicklung der Unternehmen

Resilienz. In zahlreichen Ländern war im vierten Quartal 2020 und im ersten Quartal 2021 der negative Einfluss der Lockdown-Maßnahmen auf das Bruttoinlandsprodukt geringer als erwartet. Gleichermaßen hat die Gewinnentwicklung der Unternehmen im ersten Quartal zum Teil deutlich überrascht.

Zuversicht: Die globalen umfragebasierten Frühindikatoren sind mehrheitlich positiv und deuten damit auf eine Beschleunigung des Wachstums hin.

Heterogenität: Die Beschleunigung des Wachstums erfolgt nicht in allen Ländern gleichzeitig und ist auch nicht gleich stark ausgeprägt. Sie kann durch Unterschiede in der pandemischen Entwicklung (hohe Virus-Fallzahlen in Indien, dritte Infektionswelle in Europa im Frühjahr), der Wirtschaftspolitik (Fiskalpakete in den USA),  den Wirtschaftsstrukturen (Anteil der kontaktintensiven sowie der zyklischen Sektoren) und den unterschiedlichen Kapazitäten im Gesundheitsmanagement (geringer in den Schwellenländern) sowie in der Wirtschaftspolitik (nötige Zinsanhebungen und geringerer fiskalischer Spielraum in einigen Schwellenländern) erklärt werden.

Verzerrungen: Einige Wirtschaftsindikatoren in den USA waren im April schwach. Das kann darauf zurückgeführt werden, dass aufgrund der fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen die März-Indikatoren sehr kräftig waren (Normalisierung im April) und Engpässe die Produktion behindert haben (Rückstau an Aufträgen).

Engpässe: Die schnelle Erholung hat dazu geführt, dass in manchen Sektoren das Angebot mit der Nachfrage nicht mithalten kann. Das Resultat sind gestiegene Preise für Industriemetalle, Holz, Energie, Seetransport, geringere Produktion in Teilsegmenten (Autos), Arbeitskräftemangel in Teilsegmenten und längere Lieferzeiten. Tatsächlich steigen auf globaler Ebene in den umfragebasierten Indikatoren die Kauf- und Verkaufspreise der Unternehmen deutlich an. Im Einklang damit haben die Produzentenpreise überdurchschnittlich zugenommen. Der vielzitierte starke Inflationsanstieg in den USA im Monat April (+0,9% im Monatsabstand in der Kernrate) kann vor allem durch Öffnungsmaßnahmen (Beherbergung) und Lieferengpässe (Autos) begründet werden.

Grafik: Höhere Kauf- und Verkaufspreise bei Unternehmen (Diffusionsindex)

Quelle: JP Morgan
Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.

Transitorischer Inflationsanstieg: Diese Preisentwicklungen sind im wahrscheinlichsten Szenario vorübergehend. Die notwendigen Voraussetzungen für einen strukturellen Inflationsanstieg wären

  •  anhaltend hohe Wirtschaftswachstumsraten nach Erreichen der Vollbeschäftigung (expansive Geld- und Fiskalpolitiken erzeugen eine positive Produktionslücke) und
  •  ansteigende Inflationserwartungen der Konsumenten und Unternehmen, die eine Lohn-Preis Spirale in Gang setzen.

Zurzeit sind selbst die USA noch weit von Vollbeschäftigung entfernt. Sie liegt rund 8,2 Millionen unter Vor-Covid Niveau. Die langfristigen Inflationserwartungen sind zwar gestiegen, stellen aber eher eine Normalisierung dar.

Abschwächung in China. Die Indizien für eine zugrundeliegende Abschwächung nehmen zu. Vor allem das Kreditwachstum fällt. Der negative Kreditimpuls wird auf die wirtschaftliche Aktivität im Inland drücken aber auch die globale Exporttätigkeit beeinträchtigen. Das wirkt der globalen Erholung entgegen.

Weiche versus harte Indikatoren: Die umfragebasierten (weichen) Indikatoren sind bereits auf sehr hohe Niveaus gestiegen. Sie deuten auf eine deutliche Verbesserung der harten Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung hin. Fallende weiche Indikatoren in den kommenden Monaten wären keine Überraschung, würden aber nicht auf einen Wirtschaftsabschwung sondern auf eine Normalisierung der anfänglich hohen Wachstumsraten im zweiten und dritten Quartal hindeuten.

Zielkonflikt: Die Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften sind mit einem Zielkonflikt konfrontiert: Zur Unterstützung der Wirtschaft wollen sie so lange wie möglich auf dem Gaspedal bleiben (niedrige Leitzinsen, Anleiheankaufsprogramme). Die US-Zentralbank hat maximale Beschäftigung und eine Inflationsrate von moderat über zwei Prozent zum Ziel, damit die langfristigen Inflationserwartungen bei zwei Prozent stabil bleiben (und nicht absinken). Eine lange expansive Haltung erhöht jedoch das Risiko einer Blasenbildung auf den Finanzmärkten. Die Lösung lautet: Langsames und vorsichtiges Aussteigen aus der expansiven Haltung.

Ausstieg: Tatsächlich signalisieren (Forward Guidance) immer mehr Zentralbanken (Bank of England, Bank of Canada) eine Reduktion der Anleiheankaufsprogramme (Tapering). Selbst die Fed diskutiert darüber. Eine Ankündigung der Fed darüber könnte im Sommer erfolgen. In der Forward Guidance für die Leitzinsen bleiben die großen Zentralbanken vorsichtig. Tenor: Zuwarten bis die Ziele (zwei Prozent Inflation, Vollbeschäftigung) erreicht sind. Der Fokus liegt als auf der Vergangenheit, nicht auf Prognosen. In den USA könnte die erste Leitzinserhöhung Ende 2022 erfolgen. Im Unterschied dazu deuten kleinere Zentralbanken bereits für heuer Zinsanhebungen an (Ungarn, Tschechien, Norwegen). Brasilien, Russland und die Türkei spielen in einer anderen Liga. Dort haben erhöhte Inflationsrisiken bereits zu deutlichen Leitzinsanhebungen geführt.

Fundamentale Daten: Die Impfstoffprogramme und die damit einhergehenden Öffnungsmaßnahmen, die  hohen persönliche Sparquoten, Nachholeffekte, die fiskalischen Stimuli (vor allem in den USA) und die expansiven Geldpolitiken führen zu hohen BIP-Wachstumsraten in den kommenden Quartalen. Der Pferdefuß: in den niedrigen Risikoprämien der Anlageklassen ist bereits einiges von den guten Entwicklungen vorweggenommen. Die Renditen der Staatsanleihen werden wahrscheinlich weiter steigen. Generell gilt: So lange die Renditen weniger stark steigen als die Wachstumsraten der Unternehmensgewinne, bleiben Aktien attraktiv. Die hohen Bewertungen der Anlageklassen erhöhen jedoch die Kursschwankungen (Volatilität).


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Das globale Wachstum der Augenmedizin

von Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager Healthcare, apoAsset.

Am 6. Juni ist der Sehbehinderten-Tag. Weltweit wird die Augenmedizin immer wichtiger, sei es bei Medikamenten, der Medizintechnik oder im Handel. Das zeigt sich auch an der Börse. Getragen wird das Wachstum durch die steigende Lebenserwartung, die zunehmende Nachfrage in Schwellenländern und Innovationen wie KI und Gentherapien.

Ob einfache Kontaktlinsen, komplexe Augen-OPs oder neuartige Medikamente – in der Augenmedizin dreht sich alles darum, die Sehkraft zu erhalten oder wiederherzustellen. So vielfältig die Krankheiten sind, so vielfältig sind auch die Unternehmen und die Möglichkeiten, in sie zu investieren.

Dabei verfolgen die beteiligten Unternehmen auch neue Ansätze. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis kooperiert beispielsweise mit dem Start-Up RetinAI, um mit Künstlicher Intelligenz eine schnellere und genauere Diagnose der altersbedingten Makula-Degeneration zu entwickeln. Das ist die häufigste Ursache von Erblindungen bei Erwachsenen in Deutschland. Auch aus der Biotechnologie kommen wirtschaftlich und medizinisch interessante Innovationen: Das US-Unternehmen Spark Therapeutics hat eine Gentherapie zur Behandlung einer seltenen, vererbbaren Augenkrankheit entwickelt. Vermarktet wird sie ebenfalls von Novartis.

Silver Ager und Schwellenländer haben den größten Bedarf

Nach Schätzungen der WHO sind über 4,5 % der Weltbevölkerung sehbehindert oder blind, die meisten davon sind älter als 50 Jahre. Aufgrund des demographischen Wandels dürften es langfristig deutlich mehr werden. Weltweit betrachtet wären die meisten Sehbehinderungen und Erblindungen jedoch vermeidbar. Sie entstehen meist dadurch, dass sie nicht rechtzeitig behandelt oder operativ behoben werden. In Ländern mit relativ schlechter Gesundheitsversorgung kommen Augenkrankheiten besonders häufig vor. Der größte Nachholbedarf und die größten Wachstumschancen liegen daher in aufstrebenden Schwellenländern wie Indien oder China. Dort werden die Gesundheitssysteme am stärksten ausgebaut. Doch Volkskrankheiten wie der Graue Star sind selbst bei bester medizinischer Versorgung noch nicht heilbar. Daher besteht auch in Industrieländern noch großer Bedarf an Innovationen und immer besseren Therapien.

Breites Wachstum: Vom Massenmarkt Brillen bis zum Nischenmarkt High-Tech-Linsen

Allein Lesehilfen haben ein jährliches Umsatzpotenzial von 85 Milliarden Euro, prognostiziert der französische Brillenglas-Hersteller EssilorLuxottica. Zunehmende Alternativen sind Laser und mikroinvasive OPs. Dabei werden Patienten künstliche Linsen ins Auge eingesetzt, so genannte Intraokular-Linsen. Dieser chirurgische Markt ist schätzungsweise 8,5 Milliarden Euro groß und wächst jedes Jahr um fünf bis sieben Prozent.

Von Carl Zeiss Meditec und Aerie Pharmaceuticals bis zu großen Gesundheitskonzernen

Wo liegen in der Augenheilkunde mögliche Anlage-Chancen? Ein Überblick über die wichtigsten Unternehmen der Ophthalmologie zeigt ein gemischtes Bild: So tummeln sich an der Börse einerseits Unternehmen wie Alcon (Schweiz/USA), Carl Zeiss Meditec (Deutschland) oder Cooper (USA), die sich ausschließlich auf die Augenheilkunde spezialisiert haben. Alcon, ehemals Teil von Novartis und mittlerweile wieder eigenständig, spielt bei Augen-OPs, Diagnostik und Linsen eine starke Rolle. Auf dem Gebiet der intraokularen Linsen zählt der US-Riese Johnson & Johnson zu den Marktführern. Bei Augenmedikamenten dominieren zwar generell vor allem die großen Pharmaunternehmen wie Novartis (Schweiz) oder Abbvie (USA), deren Produktportfolios weit größer sind. Trotzdem finden sich auch hier Nischenplayer wie Aerie Pharmaceuticals (USA).

Patienten werden zu Konsumenten

Mit jeder medizinischen Innovation wächst natürlich auch der Anspruch der Patienten und ihr Einfluss auf die Wahl der Behandlung. Ihre Rolle wandelt sich vom Hilfe-Empfänger zum Konsumenten. Dies versuchen Unternehmen zu ihren Gunsten zu nutzen durch Innovationen im Vertrieb und Marketing, zum Beispiel durch Bonusprogramme für Kontaktlinsen. In der Brillenindustrie spielt neben dem medizinischen Faktor zum Beispiel auch die Mode eine wichtige Rolle. Während eine Brille einst als Makel galt, wird sie heute oft als modisches Accessoire verkauft.


Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager Healthcare, Apo Asset Management GmbH (apoAsset)

Hendrik Lofruthe ist seit 2015 Portfolio Manager Healthcare bei apoAsset. Er gehört zum Management-Team für die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance und apo Emerging Health. Er verfügt über akademische Abschlüsse als M.Sc. Finance und CFA und langjährige professionelle Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 4 Milliarden Euro. Ihre Schwerpunkte sind globale Gesundheitsfonds und Multi-Asset-Fonds. Das Unternehmen verfügt über ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialisten Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

„Interessant wird es ab 2022, wenn KVGs die Nachhaltigkeit bzw. den Impact messen und belegen müssen“

Die FiNet Asset Management AG hat 2018 den aktiven, nachhaltigen Robo-Advisor vividam gestartet und ist seither mit Fragen zur Transparenz und des Greenwashings befasst. Portfoliomanager Frank Huttel erklärt, wie sein Haus damit umgeht und was 2022 an neuen Regelungen auf die Branche zukommt.

Hedgework: Herr Huttel, die FiNet Asset Management hat im Dezember 2018 den nachhaltigen Robo Advisor vividam gestartet. Was sind Ihre Erfahrungen bislang?

Frank Huttel: Es ist für einen Nischenanbieter im Bereich der digitalen Geldanlage anfangs sehr schwer, sich einen Namen und Reputation aufzubauen. Hier haben wir als klassischer Vermögensverwalter einiges gelernt. Aber das hat sich seit bzw. mit Corona im März letzten Jahres deutlich geändert. Nicht nur, dass Nachhaltigkeit kein Nischenthema mehr ist, sondern auch, dass die Wertentwicklung von nachhaltigen Fonds in 2020 in der Regel besser war, als die von konventionellen Produkten. Unser ausschließlich nachhaltiger Robo-Advisor vividam konnte davon profitieren und eine Outperformance gegenüber den Benchmarks erzielen. Nicht nur dank der Wertentwicklung entwickelt sich das Volumen für unsere Verhältnisse inzwischen sehr dynamisch. Wir können nach etwa 2,5 Jahren inzwischen behaupten, dass wir kein Nobody mehr sind, auch wenn wir der Exot unter den rund 40 Anbietern in Deutschland sind. Aber das macht es sehr spannend.

Hedgework: In welchen Varianten ist vividam erhältlich?

Huttel: vividam ist ursprünglich im Dezember 2018 mit drei rein nachhaltigen Strategien gestartet, die sich hauptsächlich in der Aktienfondsquote unterscheiden. Die Strategie „zaghaft“ hat eine Aktienfondsquote von 30%, bei „gelassen“ steigert diese sich auf 50% und bei „weitblickend“ beträgt die Aktienfondsquote 70%. Auf Kunden- und Beraterwunsch haben wir dann im Juli 2019 den „Klippenspringer“ nachgelegt. Beim Namen handelte es sich erst nur um einen Arbeitstitel, der uns aber immer besser gefallen hat. Er sagt nämlich alles – 100% nachhaltige und teils themenbasierte Aktienfonds für AnlegerInnen, die lange anlegen wollen und das Adrenalin der Märkte spüren möchten. 

Hedgework: Wie viele Mittel verwalten Sie inzwischen damit und wie ist der bisherige Anlagerfolg der vier Strategien?

Huttel: Wir haben im Mai die Marke von 10 Millionen Euro überschritten und das Volumen seit Jahresbeginn verdoppelt. Das mag im Vergleich zu den großen Anbietern im Markt wenig sein, aber Größe ist aus unserer Sicht nicht ausschlaggebend. Wir haben eine schlanke Kostenstruktur und sind deutlich früher profitabel als viele andere Anbieter. Es gab ja schon Häuser, die mit größeren Volumina den Geschäftsbetrieb eingestellt haben. Wir setzen zwar auch auf Social Media, arbeiten aber von Anfang an hauptsächlich mit Beratern bzw. „Zuführern“, die uns Kunden zuführen. Daher bezeichnen wir uns auch als hybriden bzw. B2B2C-Robo-Advisor.

Hedgework: Und der Anlagerfolg?

Huttel: Die Performance in 2020 war aus unserer Sicht herausragend. So konnte die Strategie „gelassen“, die wir auch vividam 50 nennen, 11,84% vor VV-Gebühren von 1,29% erzielen (Anmerk.: die Gebühr wurde inzwischen auf 1,18% reduziert, die Daten sind hier einzusehen). Wir sind auch bei einigen Echtgeldvergleichen von Portalen wie brokervergleich.de oder geldanlage-digital.de aufgeführt, wo die Performance nach allen Kosten und Steuern veröffentlich werden. Auch dort sind wir ganz oben in den Ranglisten und vor den meisten konventionellen und oftmals „günstigen“ Anbietern. Aber ich will hier kein Konkurrenten-Bashing betreiben.

Hedgework: Weshalb haben Sie sich für die nachhaltige Ausrichtung entschieden?

Huttel: Wir haben schon seit 2014 nachhaltige, analoge Vermögensverwaltungs-strategien im Programm. Mit der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung und dem Erfolg einiger Robo-Advisor haben wir beschlossen, uns ebenfalls mit dem Thema zu beschäftigen. Da wir aber kein Me-too-Produkt lancieren wollten, haben wir uns für die vermeintliche Nische entschieden. Dass dieser Schritt nicht falsch war, sieht man daran, dass die meisten Anbieter nun auch auf diesen Zug aufspringen. Konkurrenz belebt das Geschäft! Inzwischen ist klar, dass Nachhaltigkeit in der Finanzbranche das neue Normal ist.

Hedgework: Was bedeutet Nachhaltigkeit in der täglichen Anlagepraxis und wie unterscheidet sich diese von konventionellen Robos? 

Huttel: Unsere Hausaufgaben haben wir ja schon länger gemacht. Der Entschluss, nachhaltig zu investieren mit dem Ziel, eine positive Wirkung (Impact) zu erzielen, ist umgesetzt. Hier orientieren wir uns an den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen, den sogenannten SDGs. Da wir grundsätzlich Buy & Hold-Investoren sind, betreiben wir kein Markttiming und tauschen Fonds eher selten aus. Es gilt allerdings, die bestehenden Fonds regelmäßig zu monitoren, ob diese unseren Ansprüchen noch genügen.

Strategisch suchen wir nach Themen, in die man künftig investieren kann, um das Portfolioprofil noch zu schärfen. Man denke hier beispielsweise an das Thema Wasserstoff, wo wir aber noch nicht investiert sind. In 2020 wäre es sicherlich gut gewesen, aber dieses Jahr korrigieren die Titel teils deutlich. Es ist nun an uns, ob und wann wir solch ein Thema allokieren. Das ist vielleicht der größte Unterschied zu konventionellen und anderen nachhaltigen Angeboten. Wir suchen nach Themen, die die 17 UN-SDGs unterstützen und setzen dies mit aktiven, liquiden Fonds um. ETFs meiden wir eigentlich, da die Geiz-ist-geil-Mentalität aus unserer Sicht nicht zur Nachhaltigkeit passt. Dennoch haben wir vor Kurzem erstmals einen sehr spezialisierten ETF im Bereich Ernährung in der Klippenspringer-Strategie allokiert.

Hedgework: Haben Sie auch getestet, was Ihr Ansatz für die Performance bedeutet?

Huttel: Zunächst möchte ich noch betonen, dass wir uns neben dem Tagesgeschäft sehr viel mit dem Thema „Messung der Wirkung“ und dem Reporting, das ab 2022 verpflichtend wird, beschäftigen. Hier liegen einige Herausforderungen vor uns. Und bezüglich des Erfolgs sehen wir ja, dass die Wertentwicklung unserer vier Strategien gegenüber einer konventionellen Benchmark besser ist. Das gilt zwar nicht für jedes Jahr, aber es war 2020 sehr deutlich zu sehen. Und dabei gehen wir keine Klumpenrisiken ein. Betrachtet man verschiedene Indizes von MSCI, so sieht man, dass deren ESG- oder SRI-Varianten die Stammindizes seit Auflage outperformt haben. Wahrscheinlich stehen wir aber sowieso vor einem Paradigmenwechsel. Wir sprechen vom 6. Zyklus, dem grünen Kondratieff-Zyklus. Um das Pariser Klimaabkommen zu erreichen, müssen wir alles auf den Kopf stellen und hinterfragen. Damit sind historische Vergleiche sinnlos.

Hedgework: Seit März ist die Offenlegungsverordnung in Kraft. In welche der drei Nachhaltigkeitskategorien ist vividam einzuordnen? 

Huttel: Wir haben auf unseren Factsheets die Kategorien aller Fonds abgetragen. Es überrascht nicht, dass wir keinen Fonds nach Artikel 6 im Portfolio haben. Wenn es so gewesen wäre, hätten wir diesen sofort verkauft. Da wir „impact alligned“ sind, also in Fonds investieren, die sich an den SDGs orientieren, haben wir einige Fonds, die in Artikel 9 eingestuft sind. Der Rest ist Artikel 8. Würde man einen Durchschnitt errechnen, hätte der „Klippenspringer“ einen Wert von 8,53. Aber was sagt das aus? Diese Frage wird seit März heftig diskutiert. Es ist eine Selbsteinstufung der KVGen und sagt letztlich etwas über Transparenz aus – es ist aber kein Siegel oder Rating. Es gibt eine erste Studie von Morningstar, die den Finger in die Wunde legt. Nach Meinung etlicher Fachleuten sind viele Fonds weder Artikel 8 noch 9 zuzuordnen. Interessant wird es daher ab 2022, wenn KVGen die Nachhaltigkeit bzw. den Impact messen und belegen müssen. Dann wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Herabstufungen kommen. Und das ist für die Branche sicherlich nicht gut!

Hedgework: Inzwischen ist zu hören, dass der Regulierer über weitere Verschärfungen im Nachhaltigkeitssegment nachdenkt.

Huttel: Das stimmt. Hier gibt es ganz aktuell einen neuen Vorstoß der Bafin, die strengere Regeln für deutschenachhaltige Fonds fordert. Eine Veröffentlichung ist noch im zweiten Quartal 2021 geplant. Der Leitlinienentwurf sieht unter anderem vor, dass ein nachhaltiges Investmentvermögen zu mindestens 90% in nachhaltige Vermögensgegenstände investiert sein muss. Auch Mindestausschlusskriterien werden vorgeschlagen, etwa mit Blick auf fossile Brennstoffe oder Atomstrom. Lässt die Investmentstrategie keine festen Anlagegrenzen zu, sollen die Anlagebedingungen vorsehen, „dass bei mindestens 90% des Investmentvermögens die Nachhaltigkeitsgesichtspunkte/-faktoren bei der Auswahl der Vermögensgegenstände von entscheidender Bedeutung sind“. Allerdings handelt es sich dabei um einen unkoordinierten Alleingang der Bafin innerhalb Europas und stößt auf große Kritik.

Hedgework: Wie stehen Sie dazu?

Huttel: Grundsätzlich sind wir ein Befürworter von guter Regulierung, um Greenwashing etc. zu verhindern. Es muss aber umsetzbar sein und für alle gelten. Und hier wird es selbst für Anbieter schwierig, die schon lange ernsthaft nachhaltig investieren. Es fehlt leider zur Messung der Nachhaltigkeit oft an validen Daten der Unternehmen und Staaten. Das wird noch dauern, so dass der Regulierer hier noch mit Sanktionen warten sollte. Außerdem wäre es zielführend, wenn Gesetze und Verordnungen besser aufeinander abgestimmt sind. Das ist momentan ein großes Problem. Und das verschlimmert der Vorstoß der Bafin weiter.

Hedgework: Wo sehen Sie momentan die größte Herausforderung?

Huttel: Das Thema „Messen und Berichten“ ist die Herausforderung der nächsten Jahre. Nur wenn wir glaubwürdig sind und es belegen, werden die Kunden die Produkte auch kaufen. Dafür benötigen wir aber mehr taxonomiebezogene (Umsatz-)Daten der Unternehmen. Das wird kommen, dauert aber leider noch. Dies ist vor allem wichtig, wenn es darum geht, Umsätze den SDGs zuzuordnen. Hier wäre eine globale Initiative beispielweise der UN wünschenswert, um eine Open-Source-Datenbank aufzubauen, auf die jeder kostenfrei zugreifen kann. Das würde auch die zunehmende Macht der Ratingagenturen und Datenanbieter beschneiden. Eine Abhängigkeit von immer weniger und größer werdenden Anbietern kann ein Problem für die ganze Branche, aber vor allem für spezialisierte Boutiquen werden.

Hedgework: Sie haben es angesprochen – mit dem Zuwachs an Nachhaltigkeitsinvestments nimmt auch die Gefahr von Greenwashing zu. Wie schützen Sie Ihre Portfolios vor Greenwashern?

Huttel: Das ist eine Herausforderung. Wir gehen zweistufig vor. Zuerst legen wir einen Fokus auf Anbieter mit einer echten langfristigen Historie und glaubwürdigen Ansätzen. Bei diesen sind die Interessen aller Beteiligten gleichgerichtet. Zweitens muss man mit den Managern sprechen und sich die Positionen in den Portfolien anschauen. Gefällt einem etwas nicht, muss man in den Dialog treten. So wie wir es tun und mit den Fondsmanagern in den Dialog gehen, erwarten wir es auch von den KVGs. „Vote and Voice“ ist uns sehr wichtig. Nur wer seine Aktionärsrechte in Anspruch nimmt und Druck ausübt, kann etwas verbessern. Und wenn uns ein Fonds nicht gefällt, werden wir diesen gegebenenfalls auch verkaufen.

Hedgework: Was könnte der Gesetzgeber tun, um hier ordnend einzugreifen?

Huttel: Das ist eine schwierige Frage. Eine „grüne Polizei“ wäre zwar schön, aber eine Illusion. Es gibt keine allgemeingültige Definition von Nachhaltigkeit und hängt oft von Werten und Einstellungen ab. Das finde ich auch gar nicht schlecht und lässt Raum für Kreativität im positiven Sinne. Grundsätzlich sollte der Gesetzgeber aber kontrollieren – beispielsweise durch Wirtschaftsprüfer –, ob der Name des Produkts nicht irreführend ist oder die Strategien eingehalten werden. Was es nicht geben darf, ist etwa ein ETF mit dem Zusatz „ex fossil“, der dann aber doch noch in fossile Energieträger investiert.

Hedgework: Können Sie abschließend einen Ausblick geben, wie sich das Segment der Robo Advisor weiterentwickeln wird?

Huttel: Man hört ja schon hier und da den Abgesang auf den deutschen Robo-Advisor-Markt. Auch wenn die Prognosen bis jetzt nicht eingetreten sind, ist es noch zu früh, es als gescheitert zu bezeichnen. Ich denke, die Robo-Advisor werden sich weiterentwickeln und der Name an sich bald wegfallen. Wir sind alle digitale Vermögensverwalter und unterstützen Kunden, die es alleine nicht können und wollen und bereit sind, Geld dafür zu bezahlen. Diese ewige „Es ist zu teuer“-Diskussion geht mir auf die Nerven. Wer es kann und will, kann sich einen oder zwei ETFs kaufen und einen Sparplan drauflegen – fertig. Wer mehr will, zahlt mehr. Das „mehr“ muss aber auch gerechtfertigt sein, zum Beispiel durch einen guten Service.

Hedgework: Können Sie ein Beispiel geben?

Huttel: Bei uns bekommt jede Kundin oder Kunde einen „Coach“ zugewiesen, wenn sie/er nicht bereits über diesen zu uns kam. Dieser Coach steht mit Rat und Tat bis zu einer gewissen Schwelle zur Seite. Dass andererseits Nachhaltigkeit mehr als eine Mode ist, ist unbestritten. Kein Robo wird daran vorbeikommen. Dann stellt sich nur die Frage, ob sie das mit billigen, hellgrünen ETFs umsetzen, oder mit aktiven Fonds, die echt etwas bewirken. Wir stehen für Letzteres! 


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hedgework.

Frank Huttel ist Portfoliomanager bei der FiNet Asset Management AG und Verantwortlicher für den seit 2018 aktiven nachhaltigen Robo-Advisor vividam. Der Wirtschaftsinformatiker (EBS) blickt inzwischen auf 26 Jahre Berufserfahrung als Händler und Portfoliomanager bei verschiedenen Adressen zurück. Als Portfoliomanager betreute er unter anderem einen Managed-Futures-Fonds und war verantwortlich für Kundenmandate mit einem Volumen von rund 750 Millionen Euro. Seit 2009 ist er Prokurist und Portfoliomanager bei der FiNet Asset Management AG in Marburg. Seit 2019 trägt er den Titel des SRI-Advisor der EBS.
Mehr Infos unter: www.vividam.de

Trading-App Robinhood geht an die Börse – Das wird für Privatanleger im Juni wichtig

Immer mehr Menschen investieren ihr Geld in Aktien und nehmen ihre finanzielle Zukunft so selbst in die Hand. Gerade junge Anleger suchen ihr Glück dabei zunehmend in Trading-Apps, auf denen man schnell und unkompliziert Aktien auf dem Handy handeln kann. Herkunft des Trends ist wie so häufig die USA, wo Robinhood 2013 als erste Investment-App den Markt revolutionierte. Acht Jahre und knapp 20 Millionen Nutzer später wagt die App nun ihren vielerwarteten Gang an die Börse.

In Zeiten von Nullzinsen und wieder steigender Inflation, wenden sich viele Menschen vermehrt dem Aktienmarkt zu. Mittlerweile geht das bereits ganz einfach via Smartphone, wo man bei sogenannten Trading-Apps mit nur wenigen Klicks sein Geld investieren kann. Seit 2013 ist dies bereits auf der Plattform Robinhood möglich: „Bei Robinhood kann man neben Aktien auch provisionsfrei in ETFs, Optionen und Kryptowährungen investieren“, erklärt Bolatbek Maldybayev, Executive Director der Investmentgesellschaft Freedom Finance. Aufgrund ihrer einfachen Benutzerfreundlichkeit hat die App den Markt damals nachhaltig verändert und speziell jungen Anlegern den Zugang zum Handel komplexer Instrumente erleichtert. Mit Erfolg: bis 2020 zählte Robinhood bereits knapp 13 Millionen Menschen zu seinem Kundenstamm, der alleine in den ersten beiden Monaten dieses Jahres noch einmal um sechs Millionen Menschen wuchs. 

Einfache Anwendung

Anders als viele herkömmliche Broker zeichnete sich Robinhood von Anfang an durch eine einfache Benutzeroberfläche aus. „Die Registrierung gelingt in kürzester Zeit, der Handel erfolgt kostenlos und ist rund um die Uhr möglich“, nennt Maldybayev einige Vorteile und ergänzt: „Speziell Menschen aus der Generation Z, die bevorzugt auf dem Mobilgerät traden, wissen dies zu schätzen“. Die innovative Herangehensweise von Robinhood veränderte zudem die Branche als Ganzes. Folglich mussten sich auch andere große Marktteilnehmer an die neuen Bedingungen anpassen, um auf Kurs zu bleiben. Gemeinhin gilt die Plattform als Wegbereiter einer neuen jungen Anleger-Generation am Finanzmarkt in den USA.

Vielversprechende Bewertung

Durch den anvisierten Börsengang möchte das Finanzunternehmen seine Position auf dem US-Markt weiter stärken. Im März reichte Robinhood einen vertraulichen Antrag für eine Erstnotiz bei der US-Börsenaufsicht SEC ein – jetzt steht der IPO kurz bevor. Dieser dürfte die letzte Bewertung von 11,7 Milliarden US-Dollar, die das Unternehmen bei seiner letzten Finanzierungsrunde im September 2020 erhalten hatte, deutlich übersteigen. „Aktuelle Berichte gehen davon aus, dass der Börsengang von Robinhood einen Wert von knapp 40 Milliarden US-Dollar erreichen könnte“, so Maldybayev. Diese Zahlen hängen sicherlich auch mit dem aktuellen Rekordumsatz von 331 Millionen US-Dollar, den das Unternehmen im 1. Quartal 2021 erreicht hat, zusammen. Im 1. Quartal 2020 lag der Umsatz noch bei 91 Millionen, im 4. Quartal 2020 bei 221 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig stiegen die Einnahmen aus den Ordergebühren im Vergleich zum Jahr 2020 um 514 Prozent auf 682 Millionen US-Dollar. Geld verdient Robinhood durch Zinsen aus den Einlagen der Kunden, Gebühren im Rahmen des Margin-Handels sowie einem Abschlag von Market Makern bei der Weitergabe von Orders.

Chancen und Risiken

Nichtsdestotrotz musste Robinhood auch einige Kritik einstecken. Gegner argumentieren, dass die App das Handeln zu einfach macht und damit auch uninformierte Nutzer dazu verleitet, schnell Geld zu investieren. Anleger hätten dadurch ihr Kapital verloren und mussten Verluste durch hohe Kredite decken. „Zukünftig könnte dies zu Einschränkungen oder einem Verbot von Transaktionen für Anfänger und damit zu geringeren Erträgen führen“ warnt Maldybayev vor Problemen mit den Regulierungsbehörden. Für Aufsehen bei Kleinanlegern sorgte Robinhood, als inmitten des erzeugten Short Squeeze die Käufe von GameStop-Aktien eingestellt wurden, Verkäufe aber weiterhin möglich waren. Folglich unterstellten die Anleger dem Unternehmen Marktmanipulation, da sie vom Handel ausgeschlossen wurden. Ihr stetiges Wachstum und das innovative Geschäftsmodell sprechen allerdings durchaus weiterhin für eine Investition. „Zudem ließ Robinhood zuletzt verlauten, Kunden künftig die Teilnahme an Börsengängen zu ermöglichen und die Aktien dabei zum Ausgabepreis anzubieten“, betont der Trading-Experte. Als Investor muss man also für sich selbst abwägen, ob sich das Risiko eines Investments in Robinhood rentiert.


Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 230.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. mit einer Kapitalisierung von über 3 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 2.000 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäischer Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse, gelistet. Freedom Finance bietet direkten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: an amerikanischen, europäischen, russischen und asiatischen Märkten. 

Der Wind hat sich gedreht

von Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG*.

Der jüngste Anstieg der Teuerungsrate in den USA hat die meisten Beobachter überrascht. Mit 4,2 % lag die Inflation aber nicht nur weit über den Erwartungen, sondern auch auf einem Niveau, das nach der Finanzkrise nicht mehr zu sehen war. Spätestens mit dieser Veröffentlichung hat sich der Wind gedreht. Nach vielen Jahren relativ niedriger Inflation befürchten nun viele Anlegerinnen und Anleger, dass die Flut an Notenbankgeld und Staatsausgaben in den nächsten Jahren zu überbordenden Preisanstiegen führen wird. Und gerade Investoren müssen ein solches Szenario ja wirklich fürchten: sowohl die Sparer, deren Einlagen real noch weniger bringen als schon zuletzt, als auch die Anleger in Aktien und Anleihen, die ja in den letzten Jahren massiv von der lockeren Geldpolitik profitiert haben. Und sollte diese Geldpolitik – inflationsbedingt – nicht weiterverfolgt werden können, dann fiele wohl ein ganz wesentlicher Treiber der guten Performance der letzten Jahre weg. Nicht zuletzt deshalb beeilen sich diverse Notenbanker in den letzten Wochen zu betonen, dass ein guter Teil des aktuellen Inflationsanstiegs von vorübergehender Natur sei. Und diesem Argument ist einiges abzugewinnen. Konsum und Investitionen haben sich aufgestaut, wie das Wasser in einem Schlauch mit Knick. Dieser Druck entlädt sich mit zunehmenden Öffnungen, was zunächst zu einem Anspringen der Nachfrage führt. Gepaart mit Lieferengpässen in einigen Branchen und Basiseffekten führt dies zu sprunghaft ansteigenden Inflationsraten. Vieles davon wird sich wieder einpendeln, wodurch die Notenbanken etwaige Bremsmanöver hinauszögern können. Diese Erwartung ergibt im Zusammenspiel mit einem sehr guten fundamentalen Umfeld einen positiven Aktienausblick. Anleihen bleiben unter Druck und sind nur selektiv interessant. Die Beimischung von Rohstoffen ist weiterhin attraktiv.

Staatsanleihen: Schwellenländer-Hartwährungsanleihen mit meisten Chancen

Bei Euro-Staatsanleihen – vor allem bei französischen und deutschen Papieren – bleiben wir weiterhin zurückhaltend. Ausgenommen sind italienische Staatsanleihen, die wir neutral sehen. Schwellenländer-Hartwährungsanleihen sehen wir im Vergleich zu globalen Staatsanleihen (vor allem aus den USA und aus Japan) als chancenreicher.

Unternehmensanleihen: Newsflow sollte unterstützend wirken

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Financials) betrachten wir gegenüber Euro-Staatsanleihen als die bessere Wahl. Ebenso gegenüber anderer Euro-Non-Sovereign-Anleihen (Quasi Government, Collateralized Bonds). Der von uns beobachtete und erwartete kurzfristige Newsflow sollte diese Anleiheklasse weiter unterstützen.

Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen: Unterstützung durch globalen Aufschwung

Die globale wirtschaftliche Erholung unterstützt auch die Ertragserwartungen dieser Anleiheklasse, wenngleich das Ende der Covid-19-Pandemie in den Schwellenländern langsamer vonstattengeht. Wir erwarten vorerst keinen wesentlichen Aufwärtsdruck bei den Risikoprämien von Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen, sondern bewerten diese nach wie vor als attraktiv.

Entwickelte Aktienmärkte: unverändert positives Kapitalmarktumfeld

Die internationalen Aktienmärkte sind im zweiten Quartal in einen Konsolidierungsmodus eingetreten. Die Märkte sind nun sicher, dass wir die Corana-Pandemie hinter uns lassen werden und damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie und wann die Geldpolitik ihren Pfad ändern wird. Kurzfristig mahnen verschiedene Stimmungsindikatoren zwar zu Vorsicht (überkaufte Marktsituation), wir erwarten aber auf Sicht der nächsten Monate ein unverändert positives Kapitalmarktumfeld.

Schwellenländer-Aktien: Ausbruch nach oben möglich

Aktien aus den Emerging Markets sind nach den starken Anstiegen bereits im ersten Quartal in eine Konsolidierungsphase eingetreten. Zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass ein Ausbruch nach oben erfolgen kann. Getragen wird die Bewegung von Osteuropa, das stärker zyklisch geprägt ist und daher anders klassifiziert werden muss als etwa Asien. Beim Gewinnwachstum ist erkennbar, dass die Regionen Lateinamerika und Osteuropa, deren Unternehmen besonders von der Krise getroffen wurden, jetzt sehr stark aufholen.

Rohstoffe: Edelmetalle präsentieren sich schwächer

Auch das zweite Quartal ist bisher an den Rohstoffmärkten von Stärke geprägt. Dabei treten immer mehr Angebotsthemen in den Vordergrund und unterstützen die zyklischeren Marktsegmente. Nicht verwunderlich ist, dass sich im Umfeld steigender Renditen Edelmetalle im ersten Quartal schwächer präsentiert haben. Die Pause bei den Renditeanstiegen zuletzt und die damit einhergehenden Anstiege bei Gold zeigen, dass ein struktureller Trend hin zu Gold besteht.


*Die Raiffeisen KAG steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.