Was für Anleger nach Jackson Hole zu beachten ist

von Simona Mocuta, Senior Economist bei State Street Global Advisors, zur aktuellen Jackson-Hole-Konferenz:

Die mit Spannung erwartete Rede des Fed-Vorsitzenden Powell auf dem Jackson-Hole-Symposium wirkte auf uns etwas enttäuschend. Unter dem Titel "Monetary Policy in the Time of Covid" konzentrierte sich die Rede fast ausschließlich auf die Inflationsdynamik und die Gründe, warum die Fed den jüngsten Inflationsanstieg weiterhin als vorübergehend ansieht. Nichts davon war wirklich neu, und die Rede versuchte auch nicht, eine endgültige Schlussfolgerung zu ziehen. Wie wir bereits seit Monaten argumentiert hatten, "wird die Zeit zeigen, ob wir eine nachhaltige Inflation von 2 Prozent erreicht haben".

Für Anleger, die über den Zeitpunkt der Beendigung der quantitativen Lockerung und künftiger Zinserhöhungen nachdenken, gab es zwei wichtige Botschaften. Einerseits gab der Vorsitzende Powell zu, dass er auf der FOMC-Sitzung (Federal Open Market Committee) im Juli zu denjenigen gehörte, die der Meinung waren, dass "wenn sich die Wirtschaft im Großen und Ganzen wie erwartet entwickelt, es angemessen sein könnte, das Tempo der Ankäufe von Vermögenswerten in diesem Jahr zu verringern". Die Aussage ist zu offensichtlich, um überhört zu werden und sie bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass das Tapering im Jahr 2021 beginnen wird. Wir gehen davon aus, dass die offizielle Ankündigung Anfang November erfolgen wird (die Sitzung am 21. und 22. September scheint zu früh und die am 14. und 15. Dezember zu spät zu sein). Das ist wahrscheinlich etwas aggressiver, als der Markt erwartet hat und um diese Haltung auszugleichen, hat sich der Vorsitzende Powell auch sehr bemüht, den Zeitpunkt des Taperings vom Zeitpunkt künftiger Zinserhöhungen abzukoppeln. "Der Zeitpunkt und das Tempo der bevorstehenden Verringerung der Ankäufe von Vermögenswerten soll kein direktes Signal für den Zeitpunkt der Zinserhöhung sein, für den wir einen anderen und wesentlich strengeren Test formuliert haben". Es gab vielleicht kein "direktes" Signal, aber sicherlich ein indirektes: eine Zinserhöhung im Jahr 2022 scheint immer wahrscheinlicher.

Gesundheit!

von Dominik Benedikt, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Gesundheit: Dieser Wunsch an unsere Mitmenschen ist ein ständiger Begleiter im sozialen Leben. Kein Wunder, gilt die Gesundheit den meisten Menschen doch als das höchste Gut. Das geht so weit, dass etwa in Frankreich vor jedem Glas (Wein) der Wunsch „Santé!“ (französisch für Gesundheit ) in die Runde geworfen wird. In hiesigen Breiten: „Zum Wohl!“. Historisch gesehen, war dieser Wunsch auch bitter nötig, sind doch viele Durchbrüche in der Medizin Produkte des letzten Jahrhunderts oder gar der letzten Jahre.

Das Verhältnis zur Gesundheit hat sich damit derart gewandelt, dass die neuesten Benimmregeln, die Gewohnheit ein Niesen mit dem Wort „Gesundheit“ mittlerweile als unhöflich qualifizieren, da dieses aus einem Schnupfen ein gröberes gesundheitliches Problem werden lassen. Gerade in den letzten Monaten muss man mit dieser Elmayer’schen Interpretation vielleicht nicht uneingeschränkt übereinstimmen. Dennoch mag die Interpretation von Gesundheit als etwas zu Wünschendes deplatziert sein.

Der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, bemerkte dazu, dass Gesundheit kein Wunsch sein dürfe, sondern ein Menschenrecht sein müsse.

Als Kernelement einer fairen Gesellschaft, ist Gesundheit somit auch eine der drei Säulen unseres neuen Impact-Fonds ERSTE FAIR INVEST.

Gesundheit – ein ungleiches Gut

In einem entwickelten Land mit einem gut ausgebauten, staatlichen Gesundheits- und Krankenversicherungs-System wie in Österreich, mag dies mitunter in Vergessenheit geraten, doch Gesundheit ist ein äußerst ungleich verteiltes Gut. Selbst in den USA, einem der fortgeschrittensten Länder in der Spitzenmedizin, können vergleichsweise einfache Krankheiten oder Verletzungen für viele Menschen den finanziellen Ruin bedeuten. 27,5 Millionen US-Amerikaner oder knapp unter 10 Prozent der Bevölkerung hatten 2018 keine Krankenversicherung. Auch in Österreich betrifft dies eine nicht vernachlässigbare Zahl an Menschen. Betrachtet man die Situation global, zeichnet sich noch ein viel schlimmeres Bild ab. Gerade in Schwellenländern fehlt es selbst an der grundlegendsten Versorgung. Selbst in einigen der CEE Staaten ist ein Gesundheitssystem, wie wir es verstehen, erst im Entstehen.

Deshalb ist für einen positiven Beitrag zur Gesundheit der Menschen nicht nur die Entwicklung immer neuer innovativer Therapien notwendig, sondern vor allem auch der Zugang zu diesen Behandlungsmöglichkeiten.

Dies ist ein Fakt, den wir auch in der Titelauswahl für den ERSTE FAIR INVEST berücksichtigen. Deshalb investiert der Fonds zum Start etwa in Gilead Sciences, ein US-amerikanisches Pharmaunternehmen, das Spitzenforschung in Bereichen wie der Onkologie betreibt. Das Unternehmen setzt aber auch Schwerpunkte in Krankheiten, wie Hepatitis C und HIV/AIDS, die besonders Entwicklungsländer stark betreffen. Das Besondere dabei ist, dass Gilead mit lokalen Partnern in diesen Ländern zusammenarbeitet, die entsprechende Medikamente äußerst kostengünstig bis kostenlos zur Verfügung stellen.

So erhalten derzeit geschätzt 12 Millionen Menschen HIV-Therapien von Gilead auf diese Art. Ebenso haben 2013 bis zu 100 Millionen Menschen ein revolutionäres Medikament für eine zuvor unheilbare Form von Hepatitis C erhalten. Damit schafft das Unternehmen für unzählige Menschen neue Heilungschancen und somit einen immensen positiven gesundheitlichen Impact in der Gesellschaft.

Zwar steht Gilead immer wieder in der Kritik, da es in entwickelten Märkten seine Medikamente zu äußerst hohen Preisen vermarktet, jedoch scheint uns dies verglichen mit dem zuvor beschriebenen Mehrwert als sekundär. Andere Pharmakonzerne, wie Novartis, hatten zur selben Zeit in Indien gegen die Produktion von Generika ihrer Medikamente für den Einsatz in Entwicklungsländern prozessiert.

Dies beschreibt das Spannungsfeld, in dem sich jegliche Investition in sozialen Impact bewegt: Lösungen für möglichst viele, speziell auch ärmere Menschen, zu generieren, und gleichzeitig Profit zu erwirtschaften. Was manchen als Widerspruch erscheinen mag, ist in unseren Augen keiner. Unsere Überzeugung ist, dass mittel- bis langfristig, positiver Impact und wirtschaftlicher Erfolg sich gegenseitig stützen.

Mehr als nur heilen

In obigen Zeilen haben wir Gesundheit vor allem als Heilung von Krankheit interpretiert. Dies ist zu reduktiv. Die Weltgesundheitsorganisation definiert Gesundheit als den „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur des Fehlens von Krankheit oder Gebrechen“. Der Verweis auf die Frage des Wohlergehens zeigt dabei die vielen gesellschaftspolitischen Fragen, die mit dem Thema Gesundheit einhergehen, wie jene der Armut, auf. Sie zeigt aber auch, dass Gesundheit auf einer ganz persönlichen Ebene mehr ist als eben nur Genesung.

Auch der ERSTE FAIR INVEST interpretiert daher das Thema weiter als Gesundheit und Wohlbefinden. Wir investieren auch in Themen wie gesunde Ernährung und Sport. Dies sind jene Bereiche, in denen gewisser Konsum einen positiven Einfluss auf das Wohlergehen des einzelnen Menschen haben kann. Zusätzlich helfen beide dieser Themenblöcke bei der direkten Prävention von Krankheiten.

Dies ist sowohl gesellschaftlich ein immenser positiver Beitrag als auch und vor allem für den einzelnen Menschen ein viel größerer Schritt zu seiner Gesundheit als erst wieder von Krankheit heilen zu müssen. Diese Chance und Verantwortung haben immer mehr Menschen für sich selbst erkannt, was zu beträchtlichen Wachstumschancen in beiden dieser Themen führt.

Warum Haustiere?

Diese Frage wurde seit dem Beginn der Entwicklung des Fonds immer wieder gestellt. Die Antwort lautet psychische Gesundheit. Internationale Studien zeigen, dass Haustiere einen signifikanten Beitrag zum psychischen Wohlergehen ihrer Besitzer leisten.

Gerade die Corona-Krise mit ihren wiederkehrenden Lockdowns hat zu einer beträchtlichen Steigerung der Anzahl an gehaltenen Haustieren geführt. Haustiere sind somit – Entschuldigung für die Formulierung – nicht nur schön anzusehen, sondern tatsächlich ein großer Baustein zum körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehen und somit der Gesundheit nach Definition der WHO.

Gesundheit ist mehr als nur eine Säule

Gerade die Frage der psychischen Gesundheit zeigt auch auf, wie das Thema mit weiteren Säulen des ERSTE FAIR INVEST verschränkt ist. Vor allem in der Arbeitswelt gewinnt der Erhalt der psychischen Gesundheit der Mitarbeiter immer mehr an Stellenwert, ebenso wie es die Vermeidung von Arbeitsunfällen schon seit Jahren tat – mit sehr unmittelbaren finanziellen Implikationen.

Auch Bildung leistet einen nachweislich positiven Beitrag zur Gesundheit der Menschen. Die Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten generiert zumindest relativen finanziellen Wohlstand durch finanzielle Inklusion.

Gesundheit ist somit das Thema oder eines der Themen, das die nachhaltigen Ziele des ERSTE FAIR INVEST am stärksten verbindet und aus menschlicher, wie Investment-Sicht, Chancen in sich birgt.

In diesem Sinne: Gesundheit!


warnhinweis-erste-fair-invest

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Was Anleger wissen sollten, wenn der TikTok Börsengang kommt

Bytedance, zu dem auch die Video-App TikTok gehört, ist eines der wertvollsten Start-ups der Welt. Mit einer Bewertung von 180 Milliarden Dollar und einem Umsatz von rund 34 Milliarden Dollar im letzten Jahr ist der Techkonzern für viele Anleger einer der meist erwarteten Börsengänge des Jahres1. Doch die chinesische Regierung greift aktuell gegen die eigenen, lange praktisch unregulierten, Techriesen hart durch. Auch die TikTok-Mutter Bytedance beugt sich dem Druck und verschiebt den Börsengang – vermutlich auf nächstes Frühjahr.

TikTok verzeichnete 2020 rund elf Millionen Nutzer in Deutschland und ist hierzulande wohl die bekannteste App des chinesischen Techkonzerns Bytedance2. Die Videoplattform ist vor allem unter Jugendlichen beliebt und ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Eroberung des globalen Marktes durch eine chinesische App. Der geplante Börsengang musste dennoch verschoben werden. Denn chinesische Behörden gehen zurzeit streng gegen den nachlässigen Umgang mit heiklen Daten der Internetunternehmen vor. „Pekings Regulierung fährt einen harten Kurs für mehr Cybersicherheit und Datenschutz, das bekamen auch bereits andere Internetgrößen wie Alibaba oder der Fahrdienstleister Didi zu spüren“, weiß Dmitry Ivanov, Geschäftsführer der Investmentplattform Freedom Finance Germany. Dennoch sei ein Börsengang im Frühjahr 2022 wahrscheinlich und für private Anleger durchaus spannend.

Mehr Downloads als Facebook

Bytedance wurde 2012 in Peking gegründet. Nach dem Erfolg der News App Toutiao startete der Gründer die soziale Plattform TikTok. Die App mit der man lustige Videos mit Musik und verschiedenen Filtern aufpeppen kann, konnte vor allem während der Pandemie einen beträchtlichen Wachstumsschub verzeichnen. Zu Beginn dieses Jahres überholte TikTok mit 689 Millionen aktiven Nutzern sogar den Platzhirsch Facebook als App mit den meisten Downloads. Einen Großteil seines Umsatzes macht Bytedance mit Werbung. Wobei die Plattform auch an In-App-Käufen, Live-Streams und Games verdient. ByteDance ist vor allem für TikTok weltweit bekannt, jedoch erzielt die App lediglich drei Prozent des globalen Umsatzes, während 97 Prozent aus den Aktivitäten in China stammen. Dennoch ist TikTok gelungen, woran andere chinesische Unternehmen gescheitert sind: Es hat den globalen Markt erobert.

Das teuerste Start-up der Welt

Im Jahr 2020 bewerteten die Investoren TikTok mit rund 50 Milliarden US-Dollar – sogar höher als den früheren Giganten Snapchat. Noch mehr wert ist jedoch die Konzernmutter Bytedance: Nach neuesten Informationen hat das Unternehmen rund 1,9 Milliarden aktive Nutzer monatlich und wird insgesamt mit 400 Milliarden Dollar bewertet, was es zum teuersten Startup der Welt macht. Während sich der Umsatz 2019 noch auf 17 Milliarden US-Dollar belief, waren es im letzten Jahr bereits doppelt so viel. „Bytedance hat im letzten Jahr ein starkes Wachstum verzeichnet und die Tendenz ist steigend“, so Ivanov weiter. Das zeige sich auch an den namhaften Investoren, zu denen unter anderem Morgan Stanley, Goldman Sachs oder die Bank of China gehören. 

Chancen und Risiken für Anleger

Erst im Juni hat US-Präsident Joe Biden das von seinem Vorgänger erlassene Verbot von TikTok rückgängig gemacht. Dennoch besteht immer das Risiko, dass wichtige Märkte ähnliche Maßnahmen ergreifen, da auch andere Regierungen über den wachsenden Einfluss der chinesischen Tech-Unternehmen besorgt sind. In Indien etwa wurde TikTok 2019 für kurze Zeit unter anderem wegen unangemessener Inhalte und unzureichendem Datenschutz verboten. Zieht man andererseits die wirtschaftliche Performance in Betracht, könnten gute fundamentale Faktoren zu einem schnell steigenden Aktienkurs führen. „Wir raten Anlegern jedoch, die Risiken und Diversifizierungsregeln nicht außer Acht lassen und nur einen Bruchteil ihres Portfolios in Unternehmen mit hohem Risiko investieren“, rät Ivanov abschließend. Je nach Risikobereitschaft könne dies etwa drei bis fünf Prozent des gesamten Anlagekapitals ausmachen.


1) https://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/bytedance-tiktok-mutter-legt-plaene-fuer-boersengang-auf-eis-a-f0b89aa4-7484-4305-bafa-876f69137f7a
2) https://www.wuv.de/tech/so_viele_nutzer_hat_tiktok_in_deutschland

Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 330.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. mit einer Kapitalisierung von über 3,8 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 2.500 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäischer Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse, gelistet. Freedom Finance bietet direkten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: an amerikanischen, europäischen und asiatischen Märkten.

China rückt Infrastruktur in den Fokus

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

China hat die Autonomie des Landes in den Mittelpunkt gestellt. Nach Meinung von Chinas Präsident Xi Jinping hängt die nationale Größe nicht von den besten Chatprogrammen und mobilen Videospielen ab. China will den Kern einer kritischen Infrastruktur selber produzieren: modernste Halbleiter, Batterien für Elektroautos, Verkehrsflugzeuge und Telekommunikationsgeräte. So soll Chinas Deindustrialisierung und die Unabhängigkeit von ausländischen Zulieferern vermieden werden.

Die jüngsten Eingriffe des chinesischen Staates in börsennotierte Privatunternehmen haben die einfache Idee von China als dem Wachstumsmarkt, der in jedes Portfolio gehört, erschüttert. Die Pro-China-Argumente waren bislang: Überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, eine wachsende Mittelschicht und technische Innovation. So manche Reportage über China verstieg sich schon in die Idee eines dem westlichen Kapitalismus überlegenen chinesischen Staatskapitalismus. China steht aber vor einer demographischen Herausforderung und muss sich gleichzeitig einer westlichen Allianz stellen, die Chinas geopolitischen Ambitionen Einhalt gebieten will. In diesem Jahr sahen sich Anleger in erfolgsverwöhnten chinesischen Tech-Unternehmen zudem gleich mit mehreren regulatorische Schocks konfrontiert. Ein Höhepunkt war, dass rund 100 Milliarden US-Dollar an Börsenwert von chinesischen Nachhilfeschulen nahezu ausradiert wurden. Die Absage des Börsengangs der Fintech-Unternehmens Ant Group, das zeitweise vollständige Verschwinden des Alibaba- und Ant-Gründers Jack Ma aus der Öffentlichkeit und der Schlag gegen den Mitfahrvermittler Didi Chuxing im Juni, nur wenige Tage nach dem dessen Börsengang, hat die Stimmung für chinesische Aktien extrem eingetrübt.

„China kämpft mit demographischen und sozialen Problemen“

Chinas Regierung greift auf mehreren Ebenen ein. Das ist zunächst die Demographie Chinas. Die Ein-Kind-Politik hat für eine schnell überalternde und schrumpfende Bevölkerung gesorgt. Nun droht sie enorme Anforderungen an das soziale Sicherungssystem zu stellen und gleichzeitig das Arbeitskräfteangebot in China drastisch auszudünnen. China ist nun zu einer Drei-Kind-Politik übergegangen, die jedoch den beschriebenen Trend erst spät bremsen wird. Hohe Bildungsausgaben sind aber ein Handicap auf dem Weg zu kinderreicheren Familien. Zuletzt haben Privathaushalte im Schnitt neun Prozent für Bildung ausgegeben. Als nächste Ebene folgt ein sich abzeichnender Generationenkonflikt. „Tang ping“, zu deutsch „flach liegen“, ist das Motto einer chinesischen Jugendkultur der Verweigerung. Die chinesische Millenials-Generation will nicht nur westlichen Konsum genießen, sondern auch Freizeit haben und sich dem Leistungsdruck des chinesischen Systems entziehen.

Um das Wachstum anzukurbeln und mehr besser bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen, hat China ein dritte Ebene von Reformen ausgerufen: Chinas Präsident Xi Jinping differenziert Technologie deutlich. Soziale Medien, E-Commerce zum Beispiel sind „nice to have“, aber nicht unbedingt nötig. Er wünscht sich modernste Halbleiter, Batterien für Elektroautos, Verkehrsflugzeuge und Telekommunikationsgeräte („need to have“), also Sektoren, die man einer kritischen Infrastruktur zurechnen kann. Damit sollen Chinas Fähigkeiten in der Produktion erhalten werden, um eine Deindustrialisierung zu vermeiden und die Unabhängigkeit von ausländischen Zulieferern zu erreichen. Die reale Wirtschaft, so Xi, sei die Grundlage des Wirtschaftswachstums und die Fertigungsindustrien dürften nicht aufgegeben werden. Hinter den jüngsten Schritten steht also nicht nur die Sozial-, sondern auch die Industriepolitik. Zu den unmittelbaren Herausforderungen zählt der Aufbau einer einheimischen Halbleiterindustrie, die Entwicklung fortschrittlicher Werkstoffe und dergleichen. Das „zufällige“ Durchsickern chinesischer Strategien, wie Taiwan zu annektieren sei, kommt nicht von ungefähr. Dort schlägt das Herz der weltweiten Halbleiter-fertigung, dort stehen die modernsten Chipfabriken – deren Maschinen übrigens nur von einem einzigen Lieferanten aus den Niederlanden hergestellt werden können.

„China will mit seinen Börsen-Champions den heimischen Kapitalmarkt stärken“

Wir bezweifeln, dass chinesische Unternehmen künftig noch eine realistische Chance haben werden, an US-amerikanischen Börsen neues Kapital aufnehmen zu können. Dies war auch eine der Botschaften Chinas an Unternehmen, die einen Börsengang anstreben. Die Champions sollen ein Listing in Hongkong oder der chinesischen Festlandsbörse anstreben, was den dortigen Kapitalmarkt stärken würde. Von der Kapitalseite kann sich China diesen Fokus angesichts praller inländischer Sparkonten leisten. Am Kapitalmarkt hat man die Signale verstanden. Während die chinesischen Internet-Superstars um Luft ringen, haben Infrastruktur-Sektoren zugelegt: Hersteller von Komponenten für Elektromobilität, Ausrüster für Hochspannungsnetze, regenerative Energien oder auch lokale Cloudbetreiber. Der lokale Kapitalmarkt ist enorm breit. Cybersecurity kann China mit eigenen Unternehmen ebenso bedienen, wie den Software-Bedarf in der öffentlichen Verwaltung. Umwelttechnologie und medizinische Versorgung sind alles Segmente, die in Zukunft stark wachsen werden. Daher ist die chinesische Festlandsbörse aktuell zu bevorzugen, da es noch Perlen zu fischen gibt.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Starke Nachfrage nach Rohstoffen

von Christian Süttinger, CFA, Senior Fondsmanager der Erste Asset Management.

Vom „Häuslbauer“ bis zum Autokäufer – im privaten Bereich können derzeit viele von Erfahrungen mit unerwartet hohen Preisen für Materialien, und von unerfreulich langen Lieferfristen für bestimmte Produkte berichten.

Das unmittelbarste Bild für diese Situation sind die Rohstoffpreise. Die folgende Grafik zeigt den Markt für Rohstoffe, sowie die enthaltenen Gruppen Energie, Industriemetalle und Edelmetalle. Dieser Chart kann so interpretiert werden: In den Jahren 2016 bis 2019 bestand ein etwa ausgeglichenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage, was sich in gleichbleibenden Preisen ausgedrückt hat. Nach der Pandemie 2020, die alle Rohstoffe, besonders Erdöl, betroffen hat, setzte jedoch ein starker Preisanstieg ein. Zugleich zeigt der Chart, dass Industriemetalle, darunter das wichtige Kupfer, „vorneweg“ sind, was ein erfreuliches Bild der Weltwirtschaft zeichnen sollte.

Wertentwicklung Rohstoffe

Quelle: Bloomberg; 08/2016-08/2021
Verwendete Indizes: Bloomberg Commodity Index Total Return; Bloomberg Energy Subindex Total Return; Bloomberg Industrial Metals Subindex Total Return; Bloomberg Precious Metals Subindex Total Return
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.

Wie wird die Preisentwicklung gemessen?

Die Preisentwicklung des Rohstoffmarkts wird über Referenzindizes gemessen, der Bloomberg Commodity Index nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein. Derzeit setzt sich der Index aus 23 Rohstoffen zusammen, die wie beschrieben klassifiziert werden. Die Gewichtungen im Index:

Quelle: Bloomberg; Stand 08/2021

Daneben gibt es weitere Referenzgrößen, etwa den S&P GSCI Index, der einen größeren Energieanteil aufweist, oder CRB Index und Rogers Index.

Wie ist die Situation für Gold, Kupfer und Erdöl?

Gold ist dafür bekannt, dass es in einem Krisenumfeld häufig an Wert gewinnt, wie es in der Finanzkrise 2008/2009, der Euro-Krise 2016 und der Pandemiekrise 2020 der Fall war. Diese Eigenschaft qualifiziert es für die Aufnahme in eine Finanzveranlagung. Jedoch sollte beachtet werden, es als Ergänzung zu einem Aktienkern im Depot zu sehen, da Aktien, ungeachtet zwischenzeitlicher Rückschlage, für eine langfristige Zielerreichung unverzichtbar sind.

Für die Preisentwicklung von Gold ist ein mitbestimmender Faktor, ob nationale Notenbanken Gold kaufen, um ihre Portfolios zu streuen. Das Ausmaß der Käufe hat historisch stark geschwankt. 2021 scheinen Notenbanken präsent zu sein, mit Brasilien, Ungarn und Thailand sind sogar neue Akteure an den Goldmarkt getreten. Für Russland, das stets ein primärer Mitspieler war, dürften die höheren Ölpreise Liquidität schaffen, um wieder aktiv zu werden. Kurzum, der Faktor Notenbanken sollte eine gewisse Untergrenze für den Goldpreis bieten.

Quelle: Bloomberg; 08/2016-08/2021
MSCI All Countries World Index; Bloomberg Gold Subindex Total Return
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.

Kupfer weist historisch einen starken Zusammenhang mit dem Wachstum der Weltwirtschaft auf. Zuletzt ist hier China ein bedeutender Akteur geworden, von dem ein substanzieller Teil des weltweiten Wachstums ausgeht, und dessen Industrie rohstoffabhängiger ist. In Volkswirtschaften wie Europa und den USA haben bereits der Dienstleistungssektor und der IT-Sektor mehr Raum eingenommen.

Kupfer ist für China ein strategisches Metall, wie das im aktuellen 5-Jahres-Plan festgelegt ist. Daraus ergibt sich eine hohe Lagerhaltung, die bereits 2020 zu außergewöhnlichen Käufen geführt hat. Das angestrebte Lagervolumen ist nicht erreicht, weshalb China, neben dem allgemeinen globalen Wachstum, preisunterstützend bleiben sollte. Zusätzlich sind Kupfer, bzw. Industriemetalle insgesamt, sowohl in der bisherigen Produktions- und Produktgestaltung – die durch ihren hohen CO2-Ausstoß verändert werden muss – wie in der kommenden ökologischen Wirtschaftsweise unverzichtbar.

Quelle: Bloomberg; 08/2016-08/2021
MSCI All Countries World Index; Bloomberg Copper Subindex Total Return
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.

Erdöl ist in der Preisentwicklung, wie der folgende Chart im Vergleich mit Aktien zeigt, stärker zurückgefallen als Kupfer. Das ist dem Umstand geschuldet, dass in der Pandemie nicht nur die Industrieproduktion stark zurückgefahren wurde, sondern auch die Mengen, die angeboten wurden, die Nachfrage deutlich übertroffen haben. Einerseits wird die Bedeutung von Öl für die Weltwirtschaft langfristig zurückgehen, um so deren Ökologisierung zu ermöglichen. Anderseits bedingt dieser Prozess einen graduellen Übergang, der Zeit erfordert. Zusätzlich ist die Situation so, dass erschlossene Ölquellen nach einer Frist abnehmende Erträge liefern, aber in den Ausbau neuer Vorkommen nicht mehr im erforderlichen Ausmaß investiert wird. Daraus könnte sich kurzfristig ein Aufholpotenzial des Erdölpreises ergeben.

Quelle: Bloomberg; 08/2016-08/2021
MSCI World All Countries Index; Bloomberg WTI Crude Oil Total Return
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.

Wie funktionieren Investments in Rohstoffe?

Für Unternehmen, die Rohstoffe verarbeiten, ist der physische Kauf möglich und notwendig. Für Finanzinvestoren ist das ausgeschlossen, da die Lagerung nicht durchführbar ist. Deshalb erfolgt der Zugang für Finanzinvestoren über sogenannte Rohstoff-Futures. Ein Rohstoffe-Futures ist das Recht, zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft einen Rohstoff zu kaufen, und so bis dahin an der Preisentwicklung teilzuhaben.

Angeboten werden Futures für unterschiedliche Zeitpunkte, von sehr kurzfristig (wenige Monate oder sogar Wochen) bis langfristig (einige Jahre). Dabei geben jene Futures, deren Zielzeitpunkt kürzer bevorsteht, die Preisentwicklung des physischen Rohstoffes (der sogenannte Spot-Preis) in der Regel direkter wieder als Futures, deren Zielzeitpunkt weiter in der Zukunft liegt. Deshalb erfolgen Investitionen meist dadurch, dass ein Future pro Rohstoff gekauft wird, bis zu dessen Fälligkeit es nicht lange dauert. Ist die erreicht, wird der Future auf einen neuen Zeitpunkt gewechselt. Das wird als „Rollen“ bezeichnet. Wie erwähnt, möchten Finanzinvestoren an der Preisentwicklung teilnehmen, die Rohstoffe aber nicht geliefert bekommen, da sie keine Möglichkeit zur Lagerung und für einen Weiterverkauf haben.

Ein interessanter Aspekt ist dabei das Verhältnis aus dem Preis von Futures, deren Fälligkeit kürzer bevorsteht, und dem Preis von Futures, bis zu deren Zielzeitpunkt es länger dauert. Ist der Preis der früheren Futures höher, deutet das auf einen Lieferengpass hin, da die Industrie, die Rohstoffe weiterverarbeitet, sie sofort braucht. Rohstoffe nur zu bestellen und mit der Lieferung noch zuwarten zu können, ist nicht mehr möglich.

Wie groß ist derzeit der Nachfrageüberhang?

Die Schlussfolgerung ist, dass der Lieferengpass bei Rohstoffen der stärkst seit 2007 ist. Das beschreibt folgende Grafik: Die Kennzahl „Backwardation“ errechnet dafür das Verhältnis aus kurzen und langen Futures-Fälligkeiten. Phasen, in denen wenig Nachfrage nach Rohstoffen bestand, lassen sich hier 2009 ausmachen, im Zuge der Globalen Finanzkrise, und 2020 als Folge der Pandemiesituation. Seit 2021 zeigt der „Engpass-Index“ nach oben!

Ausmaß des Nachfrageüberhanges bei Rohstoffen

Quelle: Bloomberg; Berechnung von Bloomberg
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.

Interessanterweise macht es diese Situation für Anleger leichter, in Rohstoffe zu investieren, da der Mechanismus des regelmäßigen Wechseln der Futures kostengünstiger wird. Es ist zugleich auch naheliegend, dass eine Phase von mehr Nachfrage als Angebot ein guter Investitionszeitpunkt ist.

Werden Rohstoffpreise in Zukunft die Inflation anheizen?

Besonders in den USA sind unerwartet hohe Werte für die Inflation festgestellt worden, die dann auch nicht ohne Auswirkungen auf die Finanzmärkte, in erster Linie für Staatsanleihen, geblieben sind. Später hat sich die Situation allerdings wieder entspannt. Die Inflationserwartung – die Inflation, mit der informierte Anleger in Zukunft rechnen – ist etwas zurückgegangen. Im historischen Vergleich ist sie nicht ungewöhnlich hoch.

Die Lesart, die sich hier behauptet hat, ist folgende: Ausschlaggebend für die Werte der US-Inflation waren weniger Rohstoffe und Löhne, sondern Komponenten, die durch die Pandemie eine turbulente aber vorübergehende Entwicklung erfahren haben: Autos (Neuwagen, Gebrauchtwagen) und Reisen (Hotels, Flugpreise). Die sogenannte Kerninflation hat sich im Vergleich zu den Werten bis Ende 2019 nicht gravierend verändert.

Fazit

Dass die Nachfrage nach Rohstoffen das Angebot übersteigt, ist eine Tatsache, die derzeit Wirtschaftstreibende und Private gleichermaßen kennen. Ob die gestiegenen Rohstoffpreise andauern, wird davon abhängen, ob das Wachstum der Weltwirtschaft kräftig bleibt. Bis zur Pandemie hatte man von einem wachstumsarmen, späten Stadium im Wirtschaftszyklus gesprochen. Jedoch hat die heftige Rezession 2020 möglicherweise die Rahmenbedingungen so verändert, dass jetzt ein neuer Wachstumszyklus bevorsteht.


In folgenden Fonds spielen Commodity Preise eine besondere Rolle:

ERSTE STOCK COMMODITIES

Der ERSTE STOCK COMMODITIES investiert weltweit vor allem in Unternehmen aus dem Bereich Rohstoffe. Der Investmentprozess des Fonds basiert auf fundamentaler Unternehmensanalyse. Im Rahmen der Anlagestrategie wird ein ausgewogenes Portfolio aus den Branchen Grundstoffe und Energie sowie eine stärkere Gewichtung in Unternehmen der entwickelten Märkte angestrebt. Eine Absicherung von Fremdwährungsrisiken ist grundsätzlich nicht vorgesehen, jedoch möglich. In den Veranlagungsprozess sind ökologische und soziale Faktoren sowie Unternehmensführungsfaktoren integriert.

ERSTE REAL ASSETS

Der ERSTE REAL ASSETS veranlagt überwiegend in die Assetklassen Aktien, Rohstoffe und Edelmetalle, Immobilien, Infrastrukturwerte sowie inflationsgesicherte Anleihen, welche in Zusammenschau den Schwerpunkt auf reale Werte bilden. Den Schwerpunkt bilden globale Aktien, Gold und Immobilien. Die Veranlagung erfolgt hierbei direkt oder indirekt über Investmentfonds oder Derivate. Die Allokation in Edelmetalle, insbesondere in Gold, z.B. in Form von Exchange Traded Commodities (Schuldverschreibungen), ist auf maximal 40% des Fondsvermögens beschränkt. Weiters können Immobilienfonds bis zu einer Höhe von 20% des Fondsvermögens erworben werden.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Neue Technologien gegen Wasserknappheit und für eine bessere Wasserverteilung

Der ständig wachsende Bedarf und eine zunehmend ungleichmäßige und unzuverlässige Versorgung machen Wasser zu einer der kostbarsten Ressourcen der Welt, sagt Aanand Venkatramanan, Head of ETF Investment Strategies bei Legal & General Investment Management. Neue Technologien und Verfahren sollen eine bessere Versorgungslage ermöglichen. Anleger können davon profitieren: 

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass weltweit zwei Milliarden zusätzliche Wasseranschlüsse benötigt werden. Nur 39 Prozent der Weltbevölkerung haben Zugang zu einer zuverlässigen Ver- und Entsorgung von Wasser, so dass Schätzungen zufolge fast 4,5 Milliarden Menschen ohne Kanalisationsanschluss leben. Darüber hinaus dürften 1,8 Milliarden Menschen in Ländern oder Regionen mit deutlicher Wasserknappheit leben, und für zwei Drittel der Weltbevölkerung könnten laut einem Bericht der Vereinten Nationen bis 2025 die Wasserversorgung schwierig werden.

Die Vereinten Nationen haben als ein Ziel für Nachhaltige Entwicklung definiert, einen Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen für alle zu gewährleisten – doch dafür muss noch viel getan werden. Herkömmliche Ansätze der Wassergewinnung, -speicherung und -verteilung müssen in Frage gestellt und innovative Lösungen gefunden werden, um unser Wasser-Ökosystem effizienter zu gestalten und die Versorgung zu sichern.

Das Potenzial dazu ist vorhanden: 

  • Erstens existieren bereits zahlreiche Anbieter von Wassertechnologie und digitalen Lösungen: Von der Entsalzung bis zur Desinfektion entwickeln innovative Unternehmen Wege, um Wasser leichter verfügbar und sicherer zu machen. Bei der Entwicklung effizienterer Technologien zur Gewinnung und Verteilung von Wasser sind erhebliche Fortschritte zu verzeichnen.
  • Zweitens können Versorgungsunternehmen zusätzlich zu ihrem angestammten Geschäft bei der Bereitstellung und Verwaltung der Wasserversorgung neue Technologien nutzen, um ihre Wasserinfrastruktur zu automatisieren und effizienter zu betreiben.
  • Drittens werden auch Ingenieurbüros, die sich auf die Entwicklung von Entsalzungsanlagen, Wasserrecycling- und/oder Abfallentsorgungsanlagen im Versorgungsmaßstab spezialisiert haben, hier eine wesentliche Rolle spielen.

Wir erwarten in den nächsten Jahren weltweit Investitionen in Milliardenhöhe. Laut Global Water Intelligence wird der globale Wassermarkt – die Summe der Investitions- und Betriebskosten von Versorgungsunternehmen und industriellen Wassernutzern für Wasser und Abwasser – im Jahr 2023 auf etwa 915 Milliarden US-Dollar geschätzt, das sind rund 777 Milliarden Euro. Das jährliche Wachstum liegt schätzungsweise bei 18,9 Prozent jährlich. Gleichzeitig sollen zwischen 7 und 12 Milliarden US-Dollar jährlich eingespart werden (Quelle: Bank of America Merrill Lynch).

Wer das Potenzial rund um das Thema Wasser erkennt, kann über den L&G Clean Water UCITS ETF (ISIN IE00BK5BC891) in diesem Markt investieren. Der ETF bildet aktuell 54 Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ab, die zudem relevante ESG-Kriterien erfüllen müssen: Anbieter von Wassertechnologie und digitalen Lösungen, Wassertechnikanbieter und Ingenieur-Unternehmen sowie reine Wasser-Versorgungsunternehmen. Dem ETF liegt der Solactive Clean Water NTR Index zugrunde, der von LGIM zusammen mit dem Researchhaus Global Water Intelligence entwickelt wurde. Die Marktkapitalisierung des Index setzt sich derzeit zu 54 Prozent aus Unternehmen mit geringer und mittlerer Marktkapitalisierung und zu 46 Prozent aus Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung zusammen. Die Überlappung mit MSCI World liegt unter drei Prozent (entspricht der Gewichtung der Titel aus dem ETF im MSCI World). Der ETF hat seit Jahresbeginn eine Wertentwicklung von 26 Prozent erzielt (Stand: 31. Juli 2021).

Warum die Energiekosten auf Null sinken könnten

von Audun Wickstrand-Iversen, Portfolio Manager der Fonds Disruptive Opportunities und Future Waves bei DNB Asset Management.

Täglich werden Berichte über die Energiezukunft, „über Peak Oil“ oder die Grüne Wende veröffentlicht. Gemeinsamer Nenner ist oftmals, dass der Energiepreis bis zum Jahr 2030 steigen wird und wir uns zur „Null-Emissions-Gesellschaft“ im Jahr 2050 entwickeln werden. In einigen dieser Berichte steigt der Energiepreis stark, manchmal aber nur „wenig“. Was ist, wenn wir völlig falsch denken? Was ist, wenn die Energiepreise und -kosten sinken und nicht steigen? Was ist, wenn die Produktionskosten für Energie gegen Null gehen? Können alle Berichte so falsch sein? Könnte sein!

Beginnen wir mit einem kleinen Solarkraftwerk von 10 MWp, das derzeit in einem europäischen Land gebaut wird. Bei 1.400 Sonnenstunden im Jahr produziert die Anlage genug Strom für 3.000 Haushalte, mit ca. 40.000 Solarmodulen entspricht dies 12-15 Fußballfeldern. Die Standardgarantie für die Solarmodule beträgt 20-25 Jahre Lebensdauer und maximal 20 Prozent Leistungsreduzierung. Zur Vereinfachung hat das Werk einen unbefristeten Vertrag von 20 Jahren mit einem Großkunden. Wie sieht eine solche Anlage finanziell aus? Das Finanzprofil eines Solarparks besteht hauptsächlich aus hohen Investitionen in die Anlage. Zuerst der Bau im Jahr 0, dann Abschreibung über einen Zeitraum von 15-20 Jahren mit Rückzahlung von Darlehen und Zinsen. Solarparks haben keine beweglichen Teile, was bedeutet, dass die Wartung oft mit dem Austauschen von Drähten und Sicherungen, dem Mähen von Gras und dem Waschen von Paneelen verbunden ist. Wechselrichter müssen nach zehn Jahren ausgetauscht werden und Batterien für die Zwischenspeicherung werden mit der Zeit schwächer. Hinzu kommen Verwaltungskosten im Zusammenhang mit Versicherungen, Grundmieten, Sicherheiten, Wirtschaftsprüfern und Steuern.

Mit einer heute zu 100% getätigten Investition wird die Anlage irgendwann zwischen 2035 und 2040 zurückgezahlt sein. Die also vollständig abgeschriebene Anlage hat den Eigentümern zusätzlich eine schöne Eigenkapitalrendite von fünf bis zwölf Prozent beschert. Was passiert dann? Empirische Daten zeigen, dass die Wirkung auf die Solarzelle um 10 Prozent und nicht um 20 Prozent gesunken ist – und genau hier sind wir beim Kern. Was ist, wenn die „Investition“ 40 Jahre lebt und nicht 20 Jahre? Ein Solarpanel mit splitterfreiem Glas und Qualität auf der Rückseite kann theoretisch noch lange, wahrscheinlich über 50 Jahre, Energie produzieren. Darüber hinaus ist der Inputfaktor Solar eine erneuerbare und kostenlose Ressource. Vom Jahr 2035 bis zur «Null-Emissions-Gesellschaft» im Jahr 2050 wird unsere Kleinanlage also neben den subventionierten norwegischen Wasserkraftwerken die billigste Kilowattstunde der Welt produzieren. Die einzigen Kosten sind Wartungs- und Verwaltungskosten.

Vervierfachung der jährlichen Installation ab 2020

Diese kleine Anlage allein wird den Systempreis nicht beeinflussen können. Es ist nur möglich, die Energiekosten auf null zu senken und dass die Gesamtstromproduktion preisbildend wird, wenn die Solarenergie groß ist. Die Frage ist, kann Solarenergie wirklich so groß werden?

Heute macht die Sonnenenergie etwas mehr als 2 Prozent des weltweiten Stroms aus. Sie ist unbedeutend. Der Strom aus Wind und Sonne soll von 8 Prozent im Jahr 2019 auf 30 Prozent im Jahr 2030 steigen, wovon mehr als die Hälfte auf Solarenergie entfällt. Bis zum Jahr 2030 erwarten wir große Veränderungen bei der jährlichen Installation von Solarkraftwerken. Laut dem vieldiskutierten IEA-Bericht (Net Zero bis 2050) soll die Weltgemeinschaft bis 2030 jährlich 630 GWh installieren. Dies entspricht einer Vervierfachung der jährlichen Installation ab 2020 und einer leichten Änderung des Tempos von 2010 bis 2020, wenn die jährlichen Installationen sich verdreifacht haben. Bis 2030 könnten Solarenergie fast 20 Prozent der Produktion ausmachen und bis 2050 könnten 90 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen, so die IEA. In den meisten Ländern ist es jetzt am günstigsten , eine neue Kilowattstunde durch die Installation von Solarmodulen zu produzieren, und es wird stetig billiger. Das US-Energieministerium hatte Ende März erklärt, es gehe davon aus, dass der Preis für Solar-Großanlagen in den USA von derzeit 4,6 Cent/kWh auf 3 Cent im Jahr 2025 auf 2 Cent im Jahr 2030 sinken wird.

Die zwei wichtigsten Argumente für Solarenergie als disruptive Gelegenheit

Die Solarindustrie hat in den letzten zehn Jahren zwei Dinge bewiesen. Sie kann die Produktion zu sinkenden Kosten skalieren, was dazu führt, dass Solarkraftwerke jedes Jahr billiger werden und die erneuerbare Ressource Solar kostenlos bleibt.

Zurück zu unserer kleinen Solaranlage, über ihre Lebensdauer von 30-50 Jahren wird Solarenergie in größeren Regionen zu einem Preisführer werden. Dies wird wahrscheinlich irgendwann nach dem Jahr 2030 der Fall sein. Gleichzeitig gibt es mindestens zwei weitere relevante Argumente, die häufig auftauchen. (1) Die Fähigkeit des Stromnetzes, Solarstrom zu transportieren und zu speichern und (2) ist genügend Platz für alle Solarkraftwerke vorhanden?

Das Produktionsprofil der Solarenergie erfordert Zwischenspeicher (Batterien, Wasserstoff) und hohe Investitionen in die Infrastruktur. Diese riesigen Infrastrukturprogramme starten in diesen Tagen in den USA und in Europa, während sich gleichzeitig Investitionen in die Batterieproduktion von privatem Kapital vervielfacht.

Das zweite Argument, das häufig gegen eine großflächige Skalierung von Solarkraftwerken angeführt wird, ist der Platzbedarf. Das National Renewable Energy Laboratory (NREL) hat berechnet, dass die gesamte Stromproduktion Amerikas durch die Abdeckung der Mojave-Wüste (35.000 Quadratkilometer) ersetzt werden kann. Mit der erhöhten Effizienz von Solarmodulen und mehr Dächern, die mit Solarmodulen gefüllt werden, wird der Anteil auf einen kleinen Teil von Nevada, Texas oder Utah (16.000 Quadratmeilen) reduziert. Unabhängig davon, ist Raum auch eine Frage des Willens, der Kreativität und neuer Geschäftsmodelle. Vielleicht müssen wir das Meer nutzen, um Solarstrom zu produzieren? Oder Panels entlang der Stromleitungen? Oder die Straßen?

Das wichtigste Argument für Solarenergie finden wir nicht in der Finanzbuchhaltung, sondern in der «Energierechnung». In einer Stunde trifft die Sonne mit mehr Energie auf die Erde, als wir in einem Jahr verbrauchen können. Wenn es uns gelingt, Fragmente dieser Energie einzufangen, gibt es keine Energiekrise. Die Energierückzahlung, Energy Payback Time (EPBT), berechnet, wie lange ein Energiesystem braucht, um mehr Energie zu produzieren, als für die Erstellung des Systems verbraucht wurde. Bei Solarenergie variiert diese Zeit zwischen sechs und 36 Monaten, abhängig von der Anzahl der Sonnenstunden und der Temperatur. Bei einer Lebensdauer von 40 Jahren, EPBT von 36 Monaten, gibt es 37 Jahre "kostenlose" Energie für den Planeten und Energiekosten, die auf Null sinken.

Daher denke ich, dass unsere kleine 10 MWp Solaranlage, die heute gebaut wird, Teil einer Reise sein wird, auf der die Anlagen immer bezahlbarer werden. Um das Jahr 2030 herum wird die Solarenergie einen so großen Anteil im Strommix haben, dass sie für die Strompreisbildung relevant sein wird. In diesem Jahr werden rund 140 GW an Solarenergie gebaut, darunter "unsere", die 2030 fertiggestellt wird. Im Laufe des Jahres 2040 werden alle in diesem Jahrzehnt gebauten neuen Anlagen fertiggestellt und abbezahlt sein. Dort sind die Umrisse einer Legion von Solarkraftwerken auf der ganzen Welt zu sehen. Vielleicht ist Spanien ein Hinweis auf das, was kommt? Eine Kombination aus neuen und alten Solarkraftwerken wird den Strompreis bis 2025 nach unten drücken.

Dann lautet die Frage: "Wer kann mit einer vollständig abgeschriebenen Solaranlage mit kostenlosem Inputfaktor mithalten?" Wenn die Antwort darauf „niemand“ lautet, werden die Energiekosten bis zum Jahr 2050 auf null sinken und nicht steigen. Dies nennen wir bei DNB Asset Management eine disruptive Chance.


Über DNB

DNB Asset Management S.A. ist ein führender nordischer Vermögensverwalter, der Produkte innerhalb der nordischen Anlageklassen und in ausgewählten Themen-bereichen anbietet. Er gehört zu 100% der an der Osloer Börse notierten DNB ASA Group, die zu den erfolgreichsten Finanzdienstleistern Skandinaviens zählt.

Wie ein Einstieg in überbewertete Technologieaktien gelingt

von Nicky Maan, CEO von Spectrum Markets.

Der aktuelle Aufschwung ist nachhaltiger als erwartet und wird nicht nur von den Branchen getragen, von denen man erwarten würde, dass sie unmittelbar von der Krise profitieren. Die Frage, die sich aus dieser Entwicklung ergibt, ist: Wie nachhaltig ist dieser Boom für eine bestimmte Aktie?

Wenn man in diesem Zusammenhang an Covid-19 denkt, kommen einem sofort Marken wie Amazon oder Netflix in den Sinn. Am Beispiel der Streaming-Plattformen liegt die Vermutung nahe, dass der Wettbewerb zugenommen hat, während das Wachstumspotenzial aufgrund eines veränderten Nachfrageverhaltens deutlich abgenommen hat. Schließlich haben die Menschen mit aufgehobenen Restriktionen wieder mehr Alternativen. Die Frage sollte daher lauten: Kann ein Unternehmen aufgrund seines technologischen Vorsprungs und/oder seiner Innovations- und Veränderungsfähigkeit Marktmacht entwickeln oder erhalten, und wie diversifiziert ist seine Ertragsstruktur?

Am Beispiel von Amazon kann man feststellen, dass der E-Commerce zwar stetig wächst, die Margen aber ebenso stetig schrumpfen. Allerdings ist Amazon viel breiter aufgestellt. Der Cloud-Service AWS1 ist ein margenstarkes Geschäft mit sehr hohem Wachstumspotenzial, um nur ein Beispiel zu nennen. Amazon war hier ein Pionier und hat den Konkurrenten Google Cloud deutlich überflügelt. Ein sehr genauer Blick auf das Geschäftsmodell ist daher viel wichtiger als die Bewertung kurzfristiger Effekte. Das Gleiche gilt natürlich auch für Netflix. Zwar ist die Zahl der Neuabonnenten nach dem Ende der Lockdowns eingebrochen. Eine realistische Einschätzung des Wachstumspotenzials hängt aber auch hier von einer Reihe von Faktoren ab. Zum Beispiel, ob die Menschen in Zukunft überhaupt noch bereit sind, dicht gedrängt im Kino zu sitzen, oder in welche zusätzlichen Formate das Unternehmen einsteigen wird, sei es organisch oder durch Zukäufe?

Seit wir alle die revolutionäre Entstehungsgeschichte des Internets miterlebt haben, neigen wir dazu zu glauben, damit sei es getan: Wie viel mehr Vernetzung, effiziente Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Menschen oder Maschinen kann es noch geben? Dabei vergessen wir, welche Produktivitätsgewinne jeder kleine Zuwachs an Rechenleistung, Speicher- oder Übertragungskapazität bringt und wie viele neue Prozesse dadurch möglich werden. Online-Apotheken waren noch vor wenigen Jahren undenkbar. Heute sind ausgefeilte Ferndiagnosen und sogar Fernoperationen Realität.

Ein vermeintliches Hindernis für Investitionen in Zukunftstechnologien ist die massive Überbewertung von Technologieaktien. Zwar kostet nicht jede Technologieaktie knapp 3.000 Euro - um wieder das Beispiel Amazon zu verwenden -, aber es ist leider wahr, dass unterbewertete Werte gerade im Technologiesektor schwer zu finden sind. Andererseits muss man bedenken, dass gerade bei Technologiewerten nicht nur die extrem renditestarken Titel interessant sein können. Dort, wo Anlagemöglichkeiten aufgrund des niedrigen Zinsniveaus rar sind, lohnt es sich, nach Chancen in der zweiten und dritten Reihe zu suchen. Wer lieber in die bekannten Namen investieren möchte, dies aber nicht kann, weil die Einstiegsniveaus zu hoch sind, oder wegen des damit verbundenen Clusterrisikos für sein Portfolio nicht möchte, kann inzwischen auf viele andere Arten an der Performance solcher Aktien teilhaben. Zum Beispiel durch den Kauf von Teilaktien oder, bei einem aggressiveren Risiko-Rendite-Profil, über verbriefte Derivate auf Indizes.


1) Amazon Web Services

Physikalische Risiken der Erderwärmung

von Stefanie Schock, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Im August 2021 veröffentlicht das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) den ersten Bericht der 6ten Berichtsreihe über globale Klimaveränderungen. Der Bericht stellt die physikalisch-wissenschaftliche Basis für alle Folgeberichte dar.

Das IPCC arbeitet im Rahmen der Vereinten Nationen, um Regierungen und Entscheidungsträgern regelmäßige Assessments zur Verfügung zu stellen die Auswirkungen, zukünftige Risiken aber auch Adaptierungsoptionen bezüglich der Klimaveränderungen, aufzeigen.

Dem Bericht liegen 234 Autoren aus 34 Ländern zugrunde, inhaltlich wurden rund 14.000 wissenschaftliche Publikationen sowie 78.000 Reviews/Kommentare miteinbezogen sowie 46 Länder, die die finale Version kommentieren durften.

Die Veränderung des Klimas ist menschengemacht

Eine der Kernaussagen des Berichts ist die wissenschaftliche Tatsache, dass anthropogener Einfluss die Atmosphäre, Landflächen aber auch Ozeane, seit 1750, erwärmt hat. Daraus resultieren weitläufige Veränderungen der Atmosphäre (Schutzhülle der Erde), der Kryosphäre (Eis und Schnee) sowie der Biosphäre (Gesamtheit der Lebewesen). Jedes der letzten vier Jahrzehnte war außerdem wärmer als irgendein davorliegendes Jahrzehnt, zwischen 1850 und heute. Der globale Anstieg der Durchschnittstemperatur seit 1850-1900 und 2011-2019 beträgt rund 1,1 Grad Celsius (ab hier mit Grad abgekürzt). Dabei betrug die Erwärmung aufgrund der bekannten Treibhausgase zwischen +1 und +2 Grad, andere menschliche Einflüsse wie Aerosole erzeugten wiederum eine Abkühlung zwischen 0 Grad und 0,8 Grad. Natürliche (nicht menschliche) Einflüsse waren für Veränderungen im Bereich zwischen -0,1 Grad und +0,1 Grad verantwortlich. Auch die interne Variabilität des Systems verursachte Einflüsse zwischen -0,2 Grad und +0,2 Grad. Mit großer Sicherheit wurde festgestellt, dass Treibhausgase für die Erwärmungen der Troposphäre seit 1979 verantwortlich sind und der Ozonabbau in der Stratosphäre zwischen 1979 und den mittleren 1990ern mit höchster Wahrscheinlichkeit für eine Abkühlung in der Stratosphäre, verantwortlich war.

Die Simulation der Entwicklung der Temperaturen aufgrund von natürlichen Begebenheiten (Sonne, Vulkane) steht jener, beobachteten gegenüber, die den menschlichen Einfluss berücksichtigt:

Globaler Temperaturanstieg 1850-2020 (Quelle: IPCC)

Hitzewellen und Trockenheit verstärken sich in Häufigkeit und Intensität

Hitzewellen, Niederschläge und die daraus resultierende Bodenfeuchte wurden im Bericht als relevante, physikalische Risiken herausgearbeitet. In allen untersuchten Szenarien (+1 oder +1,5, +2 und +4 Grad) ergibt sich, dass Landoberflächen global mehr von Hitze betroffen sind als Ozeane und sich Arktis und Antarktis schneller erwärmen als tropische Regionen. In höheren Gebieten ist außerdem mit vermehrten Niederschlägen zu rechnen sowie im äquatorialen Pazifik und in Monsun-Regionen. In den Subtropen und einigen tropischen Bereichen werden Niederschläge jedoch abnehmen. Auch der Grad der Bodenfeuchte folgt diesem Muster. Große Veränderungen sind außerdem bei der Häufigkeit von Extremwetterereignissen zu erwarten. Hitzewellen die in einer Welt ohne menschlichen Einfluss nur einmal alle 50 Jahre auftreten, wurden zwischen 1850-1900 nur einmal gemessen, im +1 Grad Szenario, in dem wir uns augenblicklich befinden, fast fünfmal so oft mit einer um 1,2 Grad höheren Intensität, im +2 Grad Szenario treten diese bereits 14 mal so oft auf und im +4 Grad Szenario wären diese Extreme fast 40 mal so oft zu erwarten mit einer um 5 Grad höheren Intensität, als noch zwischen 1850 und 1900.

Häufigkeit von extremen Hitzewellen in verschiedenen Erwärmungsszenarien (Quelle: IPCC)

Auch für Hitzewellen/Dürren, die die Agrarwirtschaft und Ökosysteme negativ beeinflussen ergibt sich ein ähnliches Bild. Diese konnten zwischen 1850 und 1900 einmal beobachtet werden, finden nun fast doppelt so oft statt und würden in einem +4 Grad Szenario viermal so oft auftreten.

Häufigkeit von Dürren die Landwirtschaft und Ökologie beeinträchtigen in verschiedenen Erwärmungsszenarien (Quelle: IPCC)

Temperaturen steigen in Europa stärker als der globale Schnitt

Nach den Ergebnissen des Berichts werden die Temperaturen in Europa mit einer Geschwindigkeit ansteigen, die über dem globalen Schnitt liegt. Hitzeextreme werden an Häufigkeit zunehmen und kritische Schwellwerte für Ökosysteme und anthropogene Systeme, werden überschritten werden. Die Häufigkeit von Kältewellen und Tagen mit Frost wird weiterhin abnehmen. Während in der nördlichen Hemisphäre in den Wintermonaten vermehrter Niederschlag zu erwarten ist, ist mit einem Rückgang der Niederschläge in den Sommern in der mediterranen Region, zu rechnen. Dadurch wird in ganz Europa, aber vor allem in mediterranen Regionen mit häufigeren Hitzewellen und Dürren zu rechnen sein bzw. mit trockenen Konditionen, die Flächenbrände begünstigen. Hochwässer und Überschwemmungen werden in Europa immer häufiger auftreten sowie ein Anstieg des Meeresspiegels mit Ausnahme in der baltischen Region. Damit zusammenhängend werden sich auch Küstenlinien verlagern. Wie schon in den vergangenen Jahren werden sich Gletscher und Permafrost weiter zurückziehen und weniger lange Perioden mit Schneebedeckung in höheren Gebieten, auftreten.

Veränderung von Tagen mit >35 Grad Temperaturen und Niederschlagsveränderungen in Europa 2041-2060 im Vergleich zu 1995-2014 (Quelle: IPCC)


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Anlageklasse Infrastruktur profitiert von der Pandemie

von Zehrid Osmani, Leiter für langfristige europäische und globale Aktienstrategien bei Martin Currie.

Die mittelfristigen Opportunitäten nach der Pandemie schätzen wir als sehr positiv ein. Warum? Wenn wir uns umsehen, was aktuell attraktiv ist, ist einer der ersten Punkte, die es zu unterstreichen gilt, dass die Erholung proportional zu den fiskalischen Stimuli erfolgt. Einige dieser Stimuli werden für Infrastrukturausgaben genutzt werden und somit avanciert der Bereich der Infrastrukturausgaben zu einem wichtigen Thema. Wenn wir uns also die Opportunitäten genauer ansehen, können wir acht besonders hervorheben. Davon befinden sich vier im Bereich der Infrastrukturausgaben.

Die erste Opportunität betrifft den Sektor erneuerbare Energie. Dieser wird durch die Tatsache begünstigt, dass sich Wirtschaftsmächte verstärkt auf die Dekarbonisierung ihrer Aktivitäten konzentrieren. Das zweite ist die elektrische Fortbewegung, was im Grunde eine andere Form der CO2-Reduktion darstellt. Dies lässt sich weiter auf zwei Aspekte herunterbrechen. Das erste ist der Hochgeschwindigkeits-Zugverkehr und das andere sind elektrische Fahrzeuge. Das dritte Thema innerhalb der Infrastruktur ist die 5G Technik bei der Telefonie zur Steigerung der Produktivität und Verbesserung der wirtschaftlichen Aktivität. Das vierte Element der Infrastrukturausgaben findet sich bei der Gesundheitsinfrastruktur. Wir sind der Meinung, dass -während sich die Wirtschaften aus der Pandemie herausbewegen - ein großer Schwerpunkt die Infrastruktur im Gesundheitswesen sein wird. Die Ausgaben bei der Infrastruktur im Gesundheitswesen werden eine zweifache Ausrichtung haben: die physische Gesundheitsinfrastruktur, aber auch eine Zunahme der Digitalisierung im Gesundheitssystem, um die Produktivität zu steigern.

Die weiteren vier Bereiche, in denen wir Opportunitäten sehen, sind zum einen das Cloud-Computing, da Unternehmen und Regierungen ihre Aktivitäten verstärkt online verlagert haben. Daher liegt auch ein verstärkter Fokus auf der Cybersicherheit, ein wachsender Trend in diesem Bereich. Weitere wichtige Faktoren sind der Komplex Robotics und Automation. Wir sind der Meinung, dass Unternehmen ihre Produktionsstätten im Verlauf ihrer Erholung belastbarer und ihre Lieferketten stabiler machen werden, auch aufgrund der Erfahrungen während der Pandemie. Dies wird voraussichtlich verstärkt Investitionen in Robotics und Automation nach sich ziehen. Dies ist zwar eine Opportunität, die schon zuvor existierte, sich jetzt im Verlauf der Pandemie jedoch weiter beschleunigt hat. Weitere Bereiche sind die Online-Bildung und Gaming. Beide bieten strukturelle Wachstumschancen, die im Verlauf der Pandemie stark beschleunigt wurden. Der letzte Bereich ist die Hygiene. Seit Beginn der Pandemie hat sich der Fokus auf die Hygiene im Bereich der Lebensmittel und Gebäude – sowohl im beruflichen wie im privaten Kontext – verstärkt und sich zu einem nach unserer Einschätzung zu einer etablierten Gewohnheit entwickelt. 

Weltraumtourismus lenkt von den nachhaltigen Vorteilen der Weltraumtechnologie ab

von Malcom McPartlin, Co-Manager des Aegon Global Sustainable Equity Fund bei Aegon Asset Management.

Der "Wahnsinn" des Weltraumtourismus, der von zwei berühmten Milliardären durch Reisen in die Weiten des Weltalls versinnbildlicht wird, sollte nicht von dem Potenzial der Weltraumtechnologie ablenken, einen erheblichen Beitrag zum Streben nach Nachhaltigkeit in der Welt zu leisten.

Während die Flüge in der Nachhaltigkeitsgemeinde Bestürzung hervorriefen, sollten Investoren nicht aus den Augen verlieren, dass die technologischen Entwicklungen der Raumfahrtindustrie im letzten Jahrzehnt in den kommenden Jahren positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Planeten haben könnten.

Die jüngsten Nachrichten über das 'neue Weltraumrennen' waren nicht gerade von Nachhaltigkeit geprägt. Durch die Berichterstattung, dass einige der bekanntesten Milliardäre der Welt in den Weltraum fliegen, wurde in nachhaltigen Kreisen einige negative Reaktionen hervorgerufen. Sollten sie nicht etwas Sinnvolleres mit ihren enormen Ressourcen tun? Wie viel Kohlenstoff haben diese Flüge verbrannt? Das sind sehr berechtigte Fragen.

Der Hinweis, dass sich hinter dem "Egoismus" dieses Wettlaufs ins All eine ganze Reihe positiver Entwicklungen verbergen, die dazu beitragen könnten, die Welt umweltfreundlicher zu machen, ist jedoch angebracht. In den letzten zehn Jahren hat es in der Raumfahrttechnologie bedeutende Fortschritte gegeben, die mit der Zeit einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Antrieb der Welt leisten können.

Das Herzstück der Fortschritte in der Raumfahrttechnik ist eine erhebliche Senkung der Kosten für die Beförderung von Nutzlasten ins All, die in der letzten Dekade um etwa das Hundertfache gesunken sind. Das von SpaceX entwickelte Konzept der wiederverwendbaren Raketen in Verbindung mit der fortschreitenden Miniaturisierung der Technologie hat dazu geführt, dass private Kapitalinvestitionen die Wirtschaftlichkeit der Raumfahrt verändert haben. Wir gehen davon aus, dass dieser Paradigmenwechsel bei den Kosten der Raumfahrttechnik im kommenden Jahrzehnt zu einer Welle von bahnbrechenden Produkten und Dienstleistungen führen wird.

Die jüngste Einführung eines speziellen, auf die Raumfahrt ausgerichteten Investmentfonds hat die Aufmerksamkeit auf die Unternehmen in der Frühphase gelenkt, die durch diese technologische Entwicklung gefördert werden.

Die angestrebten Vorteile im Bereich der Nachhaltigkeit sind u. a. die Bereitstellung satellitengestützter Konnektivität für die 3 bis 4 Milliarden Menschen, die derzeit nicht über eine solche verfügen - etwas, das einen massiven Unterschied für Bildung, Handel und wirtschaftlichen Wohlstand in den Entwicklungsländern bedeuten könnte -, Energieeffizienz und, durch die Bereitstellung eines leistungsfähigeren globalen Überblicks über Klimadaten und Umweltwissenschaften, wirksamere Klimaschutzmaßnahmen und eine bessere ESG-Berichterstattung.

Wir erwarten, dass diese Art von Technologien die Unternehmen in die Lage versetzen wird, weiterhin einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft und unseren Planeten auszuüben. Wenn wir also das nächste Mal einen Milliardär in seinem neuesten Weltraumspielzeug vorbeifliegen sehen, können wir uns damit trösten, dass wir mit der Entwicklung des Weltraumss etwas Sinnvolleres erreicht haben als den Irrsinn des Weltraumtourismus.


Über Aegon Asset Management

Aegon Asset Management besteht aus aktiven globalen Investoren. Unsere 380 Anlageexperten verwalten und betreuen ein Vermögen von 381 Mrd. € / 447 Mrd. USD / 324 Mrd. £ (Stand: 31. März 2021) für einen weltweiten Kundenstamm bestehend aus Pensionsplänen, öffentlichen Fonds, Versicherungsgesellschaften, Banken, Vermögensverwaltern, Family Offices und Stiftungen.
Wir organisieren unsere Anlagekapazitäten rund um vier zielgerichtete Anlageplattformen, auf denen wir über umfangreiche Expertise in den einzelnen Anlageklassen verfügen: Fixed Income, Real Assets, Equities und Multi-Asset & Solutions. Jede Plattform umfasst engagierte Teams, die global organisiert sind und sich für die Maximierung ihrer Spezialgebiete einsetzen. Diese Plattformen werden von Teams unterstützt, die sich dem verantwortungsvollen Investieren und dem Multi-Management widmen.
Indem wir unsere Investmentteams global organisieren, arbeiten wir daran, unser Fachwissen und unsere Research-Ressourcen über regionale Grenzen hinweg nutzbar zu machen. Wir sind davon überzeugt, dass dies unser Performance-Potenzial steigert und zu besseren Anlageergebnissen für unsere Kunden beiträgt.
Über alle Plattformen hinweg teilen wir den Glauben an ein fundamentales, Research-getriebenes aktives Management, das durch ein effektives Risikomanagement und ein Bekenntnis zu verantwortungsvollem Investment untermauert wird. Unsere Investmentplattformen haben die Flexibilität, ihre Ressourcen und Prozesse so zu organisieren, dass sie am besten zu ihrem jeweiligen Schwerpunkt passen.
Wir sind ein globales Unternehmen: Unsere 1.200 Mitarbeiter sind in ganz Europa, Amerika und Asien tätig. Wir investieren global und betreuen unsere Kunden lokal.
Für weitere Informationen über Aegon Asset Management, siehe www.aegonam.com

Sportmedizin-Aktien: Fitness für die Geldanlage

von Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare, apoAsset.

Die Olympischen Spiele und Paralympics bieten auch neue Trends der Sportmedizin. Für Gesundheits-Unternehmen ist das ein interessantes Wachstumsfeld. An der Börse gibt es dafür spannende Beispiele.

Karbon-Technologie im Behindertensport

Die Paralympics zeigen eindrucksvoll, was Medizintechnik im Sport leisten kann. Markus Rehm, der deutsche Leichtathlet des Teams Össur, verbesserte kürzlich den Weitsprung-Weltrekord, auch dank seiner besonderen Unterschenkel-Prothese aus Karbon. Das isländische Unternehmen Össur hat sich auf High-Tech-Hilfen dieser Art spezialisiert. Im Alltag wäre diese Sprint-Prothese zwar kaum brauchbar, da man sich in einem speziellen Winkel darauf bewegen muss. Doch die neue Karbon-Technologie macht auch alltagstaugliche Prothesen angenehmer. Sie reduziert die Notwendigkeit, den Körper aktiv nach vorne zu drücken, und hilft, die Schrittlänge auszugleichen. Damit sind Medizintechnik-Entwicklungen aus dem Sport auch unternehmerisch interessant, weil sie sich in einem größeren Markt einsetzen lassen.

Wearables im Spitzen- und Breitensport: Gewinnen die Software- oder Hardware-Hersteller?

Die Digitalisierung erweitert die Sportmedizin ebenfalls. Belastungs-EKGs können eine viel höhere Aussagekraft bekommen, wenn man sie vergleicht – sei es mit eigenen früheren Daten oder mit Daten ähnlicher Menschen. Auch das Trainings- und Wettkampf-Monitoring kann so optimiert werden. Wearables, also am Körper getragene Instrumente zur Messung von Vitaldaten, können auch bei der Prävention helfen. Aus Sicht der Börse ist dabei die ewig junge Frage, wer am stärksten davon profitiert: die Hardware- oder die Softwareanbieter?

Ein reiner Schrittzähler ist eher ein Konsumgut, bei dem es auf Volumenmaximierung ankommt. Interessanter sind meist die Software bzw. der Algorithmus, um klinisch validierte Daten zu gewinnen und medizinisch zu nutzen. Der wissenschaftliche Nachweis spielt dabei eine zentrale Rolle. Ein Beispiel ist Apple, deren Smartwatch auch als Medizinprodukt zugelassen ist. Ihr EKG-Sensor und die entsprechende Software kann Herzrhythmus-Störungen erkennen. Aktuell laufen damit auch Studien zur Messung des Sauerstoff-Gehalts im Blut, was bei Asthma helfen könnte. Ein weiterer Vorreiter ist die Google-Mutter Alphabet. Sie führt mit ihrer Tochter Verily Life Sciences umfangreiche medizinische Studien durch und hat zudem kürzlich Fitbit übernommen, das auf Smartwatches und Aktivitäts-Tracker spezialisiert ist.

Orthopädie: Sport mit neuen Gelenken?

Ein klassischer Bereich der Sportmedizin ist die Orthopädie. Viele haben in der Pandemie das Laufen neu entdeckt, denn zu wenig Bewegung macht krank. Doch manche verschleißen ihre Gelenke, weil sie technisch falsch laufen oder übertreiben. Selbst ehemalige Sport-Profis leiden oft an den Spuren der Überbelastung, etwa die Tennislegende Boris Becker, dem ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden musste. Für solche Fälle sind Unternehmen wie Zimmer Biomet oder Stryker, beide aus den USA, prädestiniert. Orthopädische Implantate für Knie, Ellbogen, Schultern oder die Wirbelsäule gehören zu ihrem Kerngeschäft. Der demographische Wandel und das Bedürfnis nach Sport bis ins hohe Alter trägt hier zu einem langfristig stabilen Wachstum bei.


Über Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare, apoAsset

Kai Brüning ist Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset und Mitglied der Life Science Kommission der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Diplom-Kaufmann und DVFA Investment Analyst verfügt über 20 Jahre Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Als mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager verantwortet er unter anderem die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist eine der führenden Fondsanlagegesellschaften mit dem Schwerpunkt Gesundheit. Sie wurde 1999 gegründet, vielfach ausgezeichnet und verwaltet Fonds mit einem Volumen von rund 4 Milliarden Euro. Ein weiterer Schwerpunkt sind Multi-Asset-Fonds. Das Unternehmen verfügt über ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung an der Medical Strategy GmbH, ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat sowie die Gesellschafter Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und Deutsche Ärzteversicherung AG. www.apoasset.de

Deutschlands Wirtschaft erholt sich

Deutschlands Wirtschaft ist zurück auf Wachstumskurs und erholt sich damit von der Pandemiedelle vom Jahresbeginn. Im zweiten Quartal ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 1,5 Prozent gestiegen, nach einem Einbruch von 2,1 Prozent im ersten Quartal. Im Detail ist das Bild aber durchwachsen: Während Dienstleister und Einzelhändler von den Lockerungen der Corona-Maßnahmen profitieren, wird die Industrie von Materialmangel und Lieferengpässen gebremst.

Dabei hat sich die Auftragslage der Industrie zuletzt weiter verbessert: Laut jüngsten Daten des statistischen Bundesamts stieg der preisbereinigte Auftragseingang im Juni überraschend deutlich um 4,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ökonomen hatten im Schnitt einen nicht einmal halb so starken Anstieg von 1,9 Prozent erwartet. Die Aufträge liegen damit auch schon um 11,2 Prozent über dem Niveau von Februar 2020, dem letzten Monat vor dem Start der Lockdowns.

Beigetragen hatte dazu die gute Nachfrage in den Bereichen EDV und Optik, aber auch der für Deutschlands Wirtschaft wichtige Maschinenbau kann sich über steigende Aufträge freuen. So hat der deutsche Maschinenbauverband VDMA zuletzt für das erste Halbjahr ein Auftragsplus von 29 Prozent für die Branche gemeldet.

Doch noch schlägt sich die gute Nachfrage nicht in Produktion und Umsätzen nieder: Anhaltende Lieferengpässe bremsen Deutschlands Industrie aus. So war die Produktion im verarbeitenden Gewerbe im Juni überraschend um weitere 1,3 Prozent geschrumpft. Das vom deutschen ifo-Institut ermittelte Barometer der Industrie-Erwartungen fiel zudem im Juli um 5 auf 22 Punkte.

Chipmangel bremst Automobilbranche

Hintergrund sind die anhaltenden Engpässe bei Vorprodukten und Rohstoffen wie etwa Containern, Computerchips und Bauholz. 83,4 Prozent der Unternehmen spürten im Juli laut einer Umfrage des ifo-Instituts das Fehlen von Vorprodukten. Laut den Umfragedaten ist das der größte Material-Mangel seit 30 Jahren.

Neben den Herstellern von Elektrogeräten ist die für Deutschland wichtige Automobilindustrie besonders von dem anhaltenden Engpass bei Computerchips betroffen. Die Autobauer können wegen des Halbleitermangels derzeit nicht so viele Autos bauen, wie sie verkaufen könnten. Die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland brachen entsprechend im Juli wieder um rund ein Viertel auf 235.400 Fahrzeuge ein, zeigen Daten des Kraftfahrt-Bundesamts.

Die Autohersteller selbst warnten zuletzt trotz guter Geschäftszahlen vor den Folgen des Chipmangels. So stellt sich etwa Volkswagen angesichts des Halbleitermangels auf ein „sehr herausforderndes“ drittes Quartal ein. Der Autobauer verweist vor allem auf Lieferengpässe in Südostasien, wo es in mehreren Ländern mit wichtigen Standorten der Halbleiterindustrie wegen der neu aufflammenden Pandemie zu Produktionsstillständen gekommen ist. Auch BMW gab sich bei der Präsentation eines unerwartet starken zweiten Quartals für den Ausblick vorsichtig: Der Halbleitermangel und höhere Rohstoffpreise dürften auch das zweite Halbjahr belasten, warnte der Konzern.

Einzelhändler und Dienstleister profitieren von Öffnungen

Positiv entwickelten sich hingegen zuletzt dank der Lockerungen der Corona-Beschränkungen der Einzelhandel und der Dienstleistungssektor. Die deutschen Dienstleister sind im Juli gemessen am IHS-Einkaufsmanagerindex so stark gewachsen wie überhaupt noch nie: Der vom Institut IHS Markit auf Basis von monatlichen Umfragen ermittelte Index stieg gegenüber dem Vormonat um 4,3 auf 61,8 Punkte. Ab 50 Punkten signalisiert das Barometer Wachstum.

Das schlägt sich bereits im Arbeitsmarkt nieder. „Viele Firmen stellten mit neuer Rekordrate zusätzliche Mitarbeiter ein“, erklärte der Markit-Ökonom Andrew Harker. Damit ist die Arbeitslosigkeit im Juli zuletzt weiter gesunken, das war seit 15 Jahren der erste Rückgang in dem traditionell schwachen Urlaubsmonat. Normalerweise steigt die Arbeitslosigkeit in diesem Monat wegen der Sommerpause in vielen Bereichen, doch dieser Effekt wurde nun durch die starke Erholung am Arbeitsmarkt überkompensiert.

Die deutschen Einzelhändler spürten das Ende der Lockdowns und den Effekt der Wiedereröffnungen von Geschäftslokalen naturgemäß besonders stark. Ihre Einnahmen stiegen im Juni inflationsbereinigt überraschend kräftig um 4,2 Prozent. Ökonomen hatten nur ein Plus von 2,0 Prozent erwartet. Im April hatten die Lockdown-Verordnungen laut dem Statistischen Bundesamt noch für Einbußen von 6,8 Prozent gesorgt, im Mai schlugen sich die ersten Öffnungen dann in einem Plus von 4,6 Prozent nieder.

DAX nahe Rekordhoch, Delta-Variante und Inflation bleiben Unsicherheitsfaktoren

An der Börse schlug sich die Wirtschaftserholung zunächst in neuen Höchstständen nieder, zuletzt zeigte sich der Markt aber unentschlossen. Der deutsche Aktienindex DAX bewegt sich nun schon seit Wochen knapp unterhalb seines im Sommer erreichten Rekordhochs bei gut 15.800 Punkten. Den guten Aussichten vieler Branchen stehen die Sorgen wegen der rasanten Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus gegenüber. Vor allem Dienstleister fürchten die damit möglicherweise drohenden neuen Lockdowns.

Dazu kommen noch Ängste wegen der mit einem Wirtschaftsaufschwung einhergehenden Inflation und drohenden Gegenmaßnahmen der Notenbanken in Form einer schrittweisen Abkehr von ihrer aktuell konjunkturstützenden Geldpolitik. Dazu beigetragen hat die jüngste Rohstoffpreisrally, die sich zunehmend in Endprodukten und damit den Verbraucherpreisen niederschlägt.

Im Juli waren die deutschen Verbraucherpreise um 3,8 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen, das war der stärkste Preisanstieg seit 1993. „Verantwortlich für den weiteren Anstieg der Inflationsrate im Juli 2021 ist insbesondere ein Basiseffekt, der auf die coronabedingte Senkung der Mehrwertsteuersätze im Juli 2020 zurückzuführen ist“, erklärten die Experten vom statistischen Bundesamt. Die deutsche Regierung hatte die Mehrwertsteuer 2020 im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie temporär gesenkt, was viele Waren und Dienstleistungen günstiger machte. Nun kehrt sich dieser Effekt um.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Konjunkturdaten für Europa hellen sich auf – Unternehmensgewinne besser als erwartet

der aktuelle Marktkommentar des PGIM Fixed Income-Teams.

Mit einem BIP von 2,0 % im 2. Quartal, das stärker als erwartet ausfiel, bleibt die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone etwa ein Viertel hinter der Erholung in den USA zurück, weshalb wir unsere BIP-Prognose für 2021 BIP-Prognose für den Euroraum von 5,2 % auf 5,4 %. Angesichts des relativ hohen Prozentsatzes der europäischen Arbeitskräfte, die weiterhin von Kurzarbeit betroffen sind - etwa 8 % in Frankreich und fast 5,5 % in Deutschland sowie im gesamten Euroraum - halten wir die Erholung in Europa nicht für selbsttragend, und unsere BIP-Prognose für 2022 für den Euroraum bleibt bei 3,9 %.

Während sich die Aufmerksamkeit auf die Pläne der Zentralbanken zum Ausstieg aus ihrer beispiellosen akkommodierenden Politik richtet, bieten die neuesten Details zur Ausstiegsstrategie der Bank of England einen Ausblick auf dieses Thema. Der Entwurf der britischen Notenbank sieht eine Anhebung der Leitzinsen – möglicherweise auf nur 0,5 % – vor, bevor sie ihre Bilanz kürzt (d. h. eine quantitative Straffung). Dies ist nach Ansicht der Bank of England weniger wirksam als eine quantitative Lockerung. Der Rest der Bilanzintervention könnte daher aus vorübergehenden Anpassungen bestehen, die auf das Funktionieren der Märkte abzielen, und die Feinabstimmung der Strategie könnte ein antizyklischeres Management ihrer Bilanz in einem Umfeld niedriger und langfristiger Zinssätze erleichtern.

Mit Blick auf die Zukunft sehen wir weiterhin, dass ESG-gebundene Emissionen auf dem europäischen Markt eine zunehmende Rolle spielen, da die Hürden für die Emission nachhaltiger Anleihen relativ niedrig sind und die Aussicht besteht, dass die EZB ihre QE-Käufe auf ESG-orientierte Angebote umstellen könnte. So schätzten wir, dass in der zweiten Junihälfte mehr als die Hälfte der am Euro-Markt begebenen Anleihen ESG-gebunden waren. In Europa verzeichneten Hochzinsanleihen positive Renditen, und die Spreads verengten sich, da die Primäremissionen zurückgingen und die Unternehmensgewinne besser ausfielen als erwartet.

Rekordstimmung für den EURGPB und den WTI-Ölpreis

Spectrum Markets, der paneuropäische Handelsplatz für verbriefte Derivate, hat seine SERIXTM-Daten zur Stimmung unter den europäischen Privatanlegern für Juli veröffentlicht. Für eine Überraschung sorgte eine Rekordstimmung für den Euro gegenüber dem Pfund sowie für den WTI.

Die Stimmung für den EURGBP stieg im vergangenen Monat mit 119 auf ein neues Rekordhoch und setzte damit seinen Positivtrend fort. Dieser begann im Juni letzten Jahres mit einem SERIXTM-Wert von 78, als die Europäische Zentralbank ihre erste Sitzung zur Ankündigung eines neuen und flexiblen Inflationsziels von 2 % abhielt.

„Die Stimmung gegenüber dem Euro-Pfund-Paar hat sich seit dem letzten Sommer deutlich verbessert und der SERIXTM erreicht im Juli ein neues Rekordhoch“, erklärt Michael Hall, Head of Distribution bei Spectrum Markets. „Es überrascht nicht, dass die EZB-Sitzung am 22. Juli großes Interesse am Markt hervorrief. Wir konnten an diesem Tag einen starken Anstieg der Handelsvolumina von Privatanlegern auf unserer Plattform verzeichnen.“

Auch die monatliche Stimmung der Privatanleger gegenüber dem WTI erreichte mit einem SERIXTM-Wert von 105 ein Rekordniveau, nachdem er im Vormonat noch bei 96 gelegen hatte. Die Juli-Werte erreichten den bisher höchsten Wert für den WTI seit Markteintritt von Spectrum im Oktober 2019.

„Zwar haben sich die Opec+-Mitglieder im Juli auf eine neue Vereinbarung zur Erhöhung der Produktion ab August geeinigt, doch der Stimmungsumschwung lässt darauf schließen, dass die Privatanleger keine Preissenkung bei weiteren 400.000 Barrel pro Tag in nächster Zeit sehen“, erklärt Hall.

Im Juli wurden 61,2 Millionen verbriefte Derivate auf Spectrum gehandelt, wobei 31,7 % der Geschäfte außerhalb der traditionellen Handelszeiten (d. h. zwischen 17:30 und 9:00 Uhr MEZ) stattfanden.
84,5 % der gehandelten Derivate waren an Indizes, 7,2 % an Währungspaare und 8,3 % an Rohstoffe gekoppelt. Die drei am häufigsten gehandelten Basiswerte waren DAX 30 (32 %), OMX 30 (16,4 %) und NASDAQ 100 (12,9 %).

Betrachtet man die SERIXTM-Daten für die drei wichtigsten zugrundeliegenden Märkte, so zeigt sich, dass der DAX 30 von 98 auf 101 gestiegen ist, während die beim OMX 30 in diesem Jahr zu beobachtende Aufwärtsdynamik wieder etwas abgenommen hat und im Juli von 94 auf 92 gesunken ist. Die Stimmung im NASDAQ 100 stieg unterdessen von 91 im Juni auf 98.


Über Spectrum Markets

Spectrum Markets ist der Handelsname der Spectrum MTF Operator GmbH. Sie hat ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main und ist ein paneuropäischer Handelsplatz für verbriefte Derivate, der sich an Finanzinstitutionen und deren Privatanleger richtet.
Die von der BaFin regulierte und MiFID II-konforme Plattform nutzt ein einzigartiges, offenes System, durch das Anleger mit großer Auswahl, Kontrolle und Stabilität handeln können. Durch seine europaweit gültige ISIN, den 24/5 Handel und seine proprietäre Plattform garantiert Spectrum die Mindestliquidität seiner Produkte und ist in der Lage, schnell und sicher eine beträchtliche Anzahl von Orders auszuführen und mehrere Quotes pro Sekunde zu verarbeiten. Weitere Informationen finden Sie unter spectrum-markets.com

Aus Sicht der Investoren gibt es noch Ungewissheiten

Der Weltklimarat IPCC hat gestern seinen neuesten Bericht über den Klimawandel veröffentlicht. Dies kommentieren Dr. Christopher Kaminker, Head of Sustainable Investment Research & Strategy, und Michael Urban, Senior Sustainability Analyst bei Lombard Odier:

Der Bericht enthält fünf verschiedene Szenarien, vom besten bis zum schlimmsten Fall, wobei selbst der beste Fall einen Temperaturanstieg im kommenden Jahrzehnt vorhersagt. Die wichtigsten Punkte des Berichts sind nachstehend aufgeführt.

  • Das von den Wissenschaftlern modellierte Best-Case-Szenario, bei dem der Atmosphäre mehr Kohlenstoff entzogen als zugeführt wird, deutet darauf hin, dass die Erwärmung bis 2040 wahrscheinlich 1,5 °C erreichen wird
  • Technologien zur Kohlenstoffentfernung sind noch nicht in dem erforderlichen Umfang verfügbar und könnten sogar unerwünschte Auswirkungen haben
  • Das letzte Jahrzehnt war heißer als jeder andere Zeitraum in den letzten 125.000 Jahren
  • Selbst wenn es der Welt gelingt, die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, sind einige langfristige Auswirkungen der bereits stattfindenden Erwärmung wahrscheinlich unausweichlich und unumkehrbar. Dazu gehört der Anstieg des Meeresspiegels, das Abschmelzen des arktischen Eises sowie die Erwärmung und Versauerung der Ozeane.

Der jüngste IPCC-Bericht untermauert eindeutig die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken, aber auch Chancen. Generell unterstreicht er, wie wichtig es für Investoren ist, Übergangsrisiken, physische Risiken und Prozessrisiken bei ihren Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen.

Wenn man bedenkt, dass die Marktkapitalisierung von Clean-Tech-Unternehmen im Jahr 2020 um 1 Mrd. USD zugenommen hat, während die Marktkapitalisierung von Öl- und Gasunternehmen um etwa 680 Mrd. USD geschrumpft ist (WEF, 2021), dürfte der IPCC-Bericht sicherlich die ohnehin schon lebhafte Nachfrage nach Investitionslösungen für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel verstärken.
Der Bericht legt nahe, dass extreme klimabedingte Ereignisse schwerer und häufiger werden. Angesichts der eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und des zunehmenden Drucks von Seiten der Zivilgesellschaft, der Konsumenten und der Investoren scheint es sehr wahrscheinlich, dass weitere klimapolitische Maßnahmen folgen werden.

Aus Sicht der Investoren gibt immer noch Ungewissheiten, wie man mit dem Nett-Null-Ziel umgehen soll, aber der Bericht legt im Allgemeinen nahe, dass aggressivere Ziele erforderlich sind (d. h. frühere Zieldaten, ein klareres Zwischenziel bis 2030, weniger Ausgleichsmaßnahmen usw.).

Wenn zum Beispiel Extremereignisse schlimmer/häufiger werden, dann könnte Netto-Null bis 2050 nicht mehr ausreichen. Oder, wenn Netto-Null bis 2050 das Beste ist, was wir tun können, dann sind mehr Anpassungsinitiativen erforderlich, um die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren. Diese Überlegungen sollten die Investoren dazu veranlassen, die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen Investitionsentscheidungen zur Eindämmung (d.h. zur Bewältigung von Übergangsrisiken) und zur Anpassung (d.h. zur Bewältigung von physischen und Haftungsrisiken) weiter zu prüfen.

Über die Festlegung von Zielen hinaus müssen Investoren konkrete und realistische Aktionspläne von Unternehmen sehen, um ihre Ziele zu erreichen. Die Standardisierung von Klimametriken wird hier entscheidend sein. Zu diesem Zweck haben wir bei Lombard Odier eng mit dem TCFD an der Entwicklung von Standards für den impliziten Temperaturanstieg (Implied Temperature Rise, ITR) zusammengearbeitet. Gut konzipierte ITR-Metriken bieten eine robuste und intuitive Möglichkeit, die Ausrichtung von Anlageportfolios auf ein bestimmtes Temperaturanstiegsziel zu bewerten (z. B. 1,5 °C für Net Zero).

Die nächste Grenze für Investoren, bei der Lombard Odier Pionierarbeit leistet, besteht in der Messung und Umsetzung des von uns so genannten Climate Value Impact (CVI). CVI liefert eine quantifizierte Vorstellung davon, ob Unternehmen wahrscheinlich positiv oder negativ von den physischen sowie den politisch-wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein werden. CVI umfasst Übergangs-, physische und Haftungsrisiken. Im Wesentlichen übersetzt CVI die Klimawissenschaft des IPCC in entscheidungsrelevante Informationen, um die klimabezogenen Risiken und Chancen in den Portfolios unserer Kunden proaktiv zu managen.

Sommer-Rally auf den Rentenmärkten

Beherrschendes Thema auf den internationalen Anleihemärkten war im Juli der deutliche Renditerückgang, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns: Trotz neuerlicher Inflationsanstiege über Konsensus und auf Mehrjahreshochs (und trotz unverändert sehr starker Konjunkturdaten) ging das Renditeniveau in den USA und Deutschland um knapp 0,25 % nach unten. Deutsche Anleiherenditen lagen zum Monatsende mit rund –0,45 % wieder auf Niveaus wie im September 2020 (vor den Impfungen). Entsprechend positiv die Monatsperformance auf den Rentenmärkten: US-Staatsanleihen liegen seit Jahresbeginn sogar schon wieder im Plus und das Minus in Europa hat sich deutlich reduziert.

Zusammen mit stabilen Renditeaufschlägen für Unternehmensanleihen sorgte das bei Unternehmensanleihen ebenfalls für einen weiteren Performancezuwachs im Juli: In der Gesamtjahresbetrachtung seit Jänner glänzen weiterhin die High-Yield-Märkte mit dem größten Plus. Dieses Anleihesegment profitiert (ähnlich wie der Aktienmarkt) am stärksten von der Verbesserung von Wirtschaft und Unternehmensdaten.

Unauffällig dagegen seit Jahresbeginn die Anleihesegmente in den Emerging Markets (EM): Die Aufregung in den EM konzentrierte sich im Juli auf die Aktienmärkte.

Geld-/Kapitalmarkt: Notenbanken beruhigen

Vergleichsweise geradezu bescheiden: die Inflation im Euroraum mit +2,2 % p. a. (und +0,9 % p. a. ohne Energiepreise). Zwar dürfte dieser Wert auch in Europa heuer vorübergehend noch deutlich ansteigen; für 2022 erwartet die Inflationsprognose der EZB dann aber wieder einen (realistischen) Rückgang auf 1,5 %.

Gleichzeitig versuchen die Notenbanken ihr Möglichstes, um die Finanzmärkte betreffend Inflation und Zinsausblick nicht zu verschrecken: Die EZB hat kürzlich ihr Inflationsziel leicht nach oben korrigiert (auf 2 % statt knapp unter 2 %) und sich außerdem neuen Spielraum geschaffen, vorübergehend höhere Inflationsraten ohne Zinsanhebung auszusitzen. Selbst die US-Notenbank (zwangsläufig bereits deutlich näher am Beginn des Ausstiegs aus der extrem lockeren Geldpolitik) wird nicht müde, den vorübergehenden Charakter der aktuellen Inflationsspitze zu betonen. Die nächste Nagelprobe kommt für die Märkte diesbezüglich recht rasch: Bis Herbst wird von der US-Notenbank eine Ankündigung zur Reduktion ihrer Anleihekäufe (startend dann wahrscheinlich mit Anfang 2022) erwartet.

Staats- und Unternehmensanleihen: Auch für den Rest des Jahres klare Präferenzen

Die tiefenentspannte Sichtweise auf die Inflation teilen die Notenbanken derzeit auch mit den Märkten, und hier insbesondere mit den Anleihemärkten. Anders ist es nicht zu erklären, dass zeitgleich mit den hohen Inflationsraten (und starken Wirtschaftsdaten) die Anleiherenditen im Juli kräftig nach unten gingen.

Auf Sicht der nächsten Quartale bleiben wir allerdings ungebrochen negativ für die zu erwartende Performance bei Staatsanleihen aus den Industrieländern (und entsprechend untergewichtet). Solange der globale Konjunkturausblick nicht radikal nach unten dreht, gilt sogar fast zwangsläufig: Je tiefer das aktuelle Rendite-Startniveau, desto schlechter der zukünftige Performance-Ausblick.

Gleichzeitig spricht dieses Umfeld aber weiterhin für Unternehmensanleihen, und dort auch für High Yield (was sich heuer bereits bezahlt machte) – hier bleiben wir weiterhin optimistisch und stark übergewichtet.

Und auch Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern behalten wir angesichts ihres attraktiven Renditeaufschlags weiterhin übergewichtet. Wie in der letzten Ausgabe befürchtet, gaben einige EM-Währungen (insbesondere der Brasilianische Real) im Juli einen Teil ihrer jüngsten Kursperformance wieder her. Das von uns zuletzt bevorzugte Segment der EM-Hartwährungsanleihen hielt sich damit im Juli deutlich stabiler als die entsprechenden EM-Lokalwährungsanleihen und wird von uns weiterhin übergewichtet.


Weitere Details finden Sie in der August-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Wie viele Chips sind in einem Auto verbaut?

von Bernd Stampfl, Senior Fund Manager Fixed Income Markets der Erste AM.

Als in den USA die Inflationszahlen für den Mai 2021 veröffentlicht wurden, waren vielen Marktteilnehmer von den stark gestiegenen Verbraucherindexzahlen überrascht. Allein im Mai stiegen diese um 0,6%. Das ist eine außergewöhnlich hohe Zahl. Vor allem wenn man bedenkt, dass in den Monaten zuvor die Inflation aus fundamentalen Gründen noch keine relevante Größe erreicht hat.

Gestiegene Arbeitslosigkeit, Sparprogramme bei den Unternehmen und die generelle Konjunktursorge aufgrund der Covid 19-Pandemie sorgte für einen Investitionsrückstau, der sich erst mit Beginn der globalen Durchimpfung wieder aufzulösen begann.

Viele Ökonomen begannen darauf die Inflationsdaten auszuwerten und fanden heraus, dass mit einem Anteil von fast 30% der starke Preisanstieg für Gebrauchtwagen den größten Anteil an dieser Bewegung hatte. Zum ersten Mal besteht in einzelnen Fällen sogar die Möglichkeit, dass Neuwagen nach einer gewissen Laufzeit trotz Nutzung nicht an Wert verlieren – sondern sogar an Wert zugewinnen.

Verbraucherpreisindex Gebrauchtwagen in den USA 

Quelle: Einheiten – Index 1982-1984=100U.S. Bureau of Labor Statistics, Federal Reserve Economic Data, eigene Grafik

Gründe für die starken Preisanstiege gibt es viele. Bemerkenswert ist auch die Vehemenz, wie diese vonstattengeht.

Zu aller erst ist hier die Covid 19-Pandemie zu nennen. Als im April 2020 weltweit die „Rollläden“ heruntergezogen wurden, stoppte auch die Nachfrage nach Mietwagen. Viele Verleihfirmen waren in Folge aus Bilanzgründen in Folge dazu gezwungen, ihre Wagenflotte zu verkleinern oder teilweise komplett abzustoßen. Das führe über Nacht zu einem massiven Einbruch bei Gebrauchtwägen.

Mit dem langsamen Anstieg der Durchimpfung bei der Bevölkerung begannen die Verleihfirmen ihren Fuhrpark wieder aufzustocken. Die Kunden der Verleihfirmen begannen aufgrund des noch latenten Infektionsrisikos individuelle und sichere Touren abseits des Massentourismus zu buchen. Das führe dazu, dass wieder vermehrt Autos bei den Herstellern nachgefragt wurden.

Neuwagen werden zu Mangelware

Die Autohersteller haben enorme Schwierigkeiten, diesen stark gestiegenen Bedarf nach Neuwagen zu decken. Und das kann ich aus eigener Erfahrung erzählen.

Als Vater von zwei Kindern weiß ich, dass der Spielzeugbedarf im Leben eines jeden Kindes vielleicht konstant bleibt. Nur wachsen diese Spielzeuge und Fortbewegungsmittel mit den Kindern ständig mit. Und so steigt auch der Platzbedarf im Auto. Während der Koffer eines durchschnittlichen Vaters im Laufe der Zeit kleiner wird, werden die der Kinder immer größer. Und so haben wir dieses Jahr beschlossen ein neues Auto anzuschaffen.

In normalen Zeiten kann man vielleicht mit einer Lieferung eines Neuwagens innerhalb von 4 Monaten rechnen. In meinem Fall dürfen wir sogar 8 Monate darauf warten. Der Autohändler erklärte mir, dass viele Autozulieferer weit hinter dem Soll hinterherhinken. Da viele Produktionsstraßen in den Lockdowns geschlossen werden mussten und die Einzelteile jetzt erst nachproduziert werden, können die angestrebten Lieferfrequenzen bei einer just-in-time – Produktion nicht eingehalten werden. Und das liegt jetzt nicht nur am viel zitierten Problem mit ausstehenden Lieferungen von Halbleitern, sondern an der gesamten Produktionskette.

2021 zwischen 2 und 4 Millionen Autos nicht gebaut

Zum genaueren Verständnis dazu vielleicht zwei Zahlen. Die Produktion von einem Halbleiterchip dauert je nach Eigenschaft zwischen sechs Wochen und drei Monaten. Wenn man noch dazu rechnet, dass aus diesem Grund im ersten Halbjahr 2021 zwischen zwei und vier Millionen Autos nicht gebaut werden konnten, ergibt das einen massiven Nachzieheffekt und Fehlbestand. Und der wird so schnell nicht geschlossen werden können.

Wussten Sie eigentlich, dass in einem herkömmlichen Auto der modernsten Bauart bis zu 1400 Computerchips eingebaut sind? Ich nämlich nicht. Und durch die Entwicklungen hin zur autonomen Fahrweise bzw. weg von einem Verbrennungsmotor und hin einem e-Auto wird diese Zahl noch weiter ansteigen.

Das zeigt auch der folgende Chart, der den Markt für Gebrauchtwagen mit jenem von Neuwagen vergleicht. Auch hier, bei den Neuwagen, beginnt der Markt langsam nachzuziehen und steigt seit dem zweiten Quartal 2021 ebenso.

Für viele Autobesitzer ist vermutlich jetzt die Zeit gekommen, sich für ein neues Auto zu entscheiden bzw. über einen Kauf eines „sauberen“ Autos nachzudenken. Der Klimaplan der europäischen Kommission mit dem Titel „Fit for 55“, der ein Ende des Verbrennungsmotors im Jahr 2035 vorsieht, zwingt die Hersteller ihren Fahrplan hin zu reinen Elektroautos oder alternativen Antrieben zu überdenken.

Neue Technologien werden leichter und schneller verfügbar sein. Großstädte beginnen aufgrund der Klimaänderung die inneren Stadtteile zu begrünen und im Rahmen dessen die Anzahl der Parkplätze zu reduzieren.

FAZIT

Die nächsten Jahre werden sehr spannend werden und die Entwicklung schnell voranschreiten. Zwei Dinge sind aber fix. Sie wird auf jeden Fall nachhaltig werden und einen massiven Technologiesprung mit sich bringen. Mein altes Auto hat in den letzten 12 Jahren gute Arbeit geleistet. Jetzt wird es Zeit für eine saubere Alternative.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

20 % aller neuen Transaktionen sind ESG-bezogene Emissionen

von Thomas Hanson, Head of Europe High Yield bei Aegon Asset Management.

Die Aussichten für High Yield sind zum jetzigen Zeitpunkt sehr unsicher. Fest steht, dass der Markt weiterhin durch ein Umfeld sich verbessernder Fundamentaldaten der Unternehmen solide gestützt wird. Die Gewinne haben im bisherigen Jahresverlauf die Erwartungen weitgehend übertroffen, so dass die Unternehmen damit beginnen konnten, einen Teil der Schäden zu beheben, die durch die weltweite Pandemie an den Kreditkennzahlen entstanden sind.  Die Ausfälle bei hochverzinslichen Wertpapieren hielten sich auf beiden Seiten des Atlantiks erstaunlich in Grenzen, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Unternehmen entweder über die öffentlichen Anleihemärkte oder über verschiedene staatliche Initiativen problemlos Zugang zu Kapital hatten. Die Ausfallraten haben vor einiger Zeit ihren Höhepunkt erreicht und sind nun in Europa auf einen niedrigen einstelligen Wert gesunken. Wir gehen davon aus, dass sie noch einige Zeit niedrig bleiben werden.

Klarer Trend ist die Zunahme von nachhaltigen Investments

Zudem bleibt der Markt weiterhin konstruktiv und High Yield ist nach wie vor einer der wenigen Anlageformen, mit denen man im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere eine attraktive Rendite erzielen kann. Der Primärmarkt war in diesem Jahr bisher unglaublich aktiv, insbesondere im Bereich der europäischen High Yield-Anleihen, wobei die Bruttoemissionen im letzten Jahr fast die Gesamtzahl des Jahres 2021 übertrafen. Dennoch werden diese Transaktionen im Allgemeinen vom Markt gut aufgenommen und haben sich in der Regel gut entwickelt. Ein eindeutiger Trend ist die Zunahme von ESG-bezogenen Emissionen, wobei grüne Anleihen oder nachhaltigkeitsbezogene Schuldverschreibungen 2021 etwa 20 % aller neuen Transaktionen in Europa ausmachten, was ein Rekordniveau darstellt.  Diese Art der Emission wird sich eindeutig fortsetzen.

Teure Kreditspreads: Das gilt es zu beachten

Das Bewertungsbild bei High Yields hat sich zunehmend verengt, da die Spreads seit dem letzten Jahr stark angestiegen sind. Im Vergleich zu den historischen Durchschnittswerten und dem Fair Value erscheinen uns die Kreditspreads recht teuer. In diesem Zusammenhang gibt es jedoch einige Dinge zu beachten. Erstens sind die Spreads zwar derzeit recht eng, aber der Markt wird durch die bereits erwähnte Kombination aus sich verbessernden Fundamentaldaten und einem positiven technischen Umfeld gut unterstützt, was die Ausweitung der Spreads in Zeiten der Volatilität begrenzen dürfte. Zweitens bietet die Anlageklasse ein attraktives relatives Carry im Vergleich zu Investment-Grade-Krediten mit einer weitaus geringeren Zinssensitivität, die Schutz vor steigenden Renditen der zugrunde liegenden Staatsanleihen bieten kann. Innerhalb unserer Fonds haben wir die Übergewichtung von CCC deutlich reduziert, behalten aber eine gesunde Übergewichtung von High Yields mit niedrigerem Rating bei, da wir das Spreadrisiko dem Durationsrisiko vorziehen.

Nicht alles wie erwartet

Wenngleich das Resümee für den bisherigen Verlauf des Kapitalmarktjahres 2021 positiv ausfällt, ist bei weitem nicht alles nach Plan verlaufen, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns.

Im Zuge einer deutlich anziehenden Weltkonjunktur war zu erwarten, dass nach Jahren, in denen der US-Aktienmarkt aufgrund seiner relativ hohen Gewichtung von Technologie- und Wachstumswerten outperformt hat, im heurigen Jahr europäische Aktien und vor allem Emerging-Market-Aktien eine bessere Marktperformance aufweisen werden. Dies war zu Beginn des Jahres auch tatsächlich der Fall, jedoch trübte sich in weiterer Folge die Perspektive für die Emerging Markets aufgrund der Covid-19-Situation und der damit verbundenden schwächeren Wirtschaftsdaten sowie einer Reihe belastender Nachrichten aus China sukzessive ein. Folglich haben die Emerging Markets seit Jahresbeginn gegenüber entwickelten Aktienmärkten sehr klar underperformt. Auch die über einige Monate anhaltende Outperformance von Europa-Aktien ist zuletzt wieder ins Stocken geraten. Dies ist einerseits auf den erneuten Favoritenwechsel von zyklischen Value-Aktien in Richtung defensiver Growth-Aktien und andererseits auf die – entgegen der Konsenserwartung – wieder deutlich rückläufigen Anleiherenditen zurückzuführen. Die damit verbundene Verflachung der Zinskurven lastet auf Finanzwerten, welche in Europa relativ hoch gewichtet sind.

Die Entwicklung des Euro zum US-Dollar ist ebenfalls unerwartet verlaufen. Anders als prognostiziert notiert der US-Dollar seit Jahresbeginn gegen den Euro etwas fester und stützt damit zusätzlich die Performance von US-Assetklassen für Anleger auf Eurobasis.

Aktienmärkte: Positiver Juli trotz Crash in China

Auf den Aktienmärkten war der Juli zwar wieder mehrheitlich positiv, aber deutlich heterogener im Monatsverlauf (signifikante, aber sehr kurze Korrektur Mitte des Monats wegen Delta-Ängsten) und zwischen den Regionen: In Europa und den USA reichte es im Juli trotz zwischenzeitiger Korrektur mehrheitlich für ein respektables Monatsplus und neue Allzeithochs bei einigen Indizes, etwa dem S&P 500. Japan rutschte dagegen ins Minus und liegt jetzt sogar unter den Ständen vom Jahresanfang. Die Emerging Markets kamen dagegen im Juli massiv unter Druck: Zum einen, weil dort angesichts der regional immer noch sehr niedrigen Impfquote die schweren (Delta-)Coronafälle zunehmen. Zum anderen, weil im Juli der Aktienmarkt in China mit –15 % Monatsperformance völlig unter die Räder kam. Und zwar hausgemacht und zum Glück auf China beschränkt: Massive regulatorische Eingriffe bei zahlreichen (insbesondere Internet-) Unternehmen verschreckten dort die Anleger. Damit ist der chinesische Aktienmarkt inzwischen auch zweistellig unter den Niveaus vom Jahresbeginn. Und er zog angesichts der starken Gewichtung von China in asiatischen und EM-Benchmarks auch deren Performance stark nach unten.

Rohstoffe setzen trotz Delta auf Konjunkturerholung

Während Euro und US-Dollar stagnierten, reichten die Aktienmarktturbulenzen Mitte Juli (und die damit etwas größere Anlegervorsicht) aus, um sicheren Häfen wie Schweizer Franken und Japanischen Yen Auftrieb zu geben. Seit Jahresbeginn zählen diese Währungen aber in Summe trotzdem zu den schwächeren Wechselkurspaaren gegenüber dem Euro. Die seit Jahresbeginn sehr festen EM-Währungen legten dagegen im Juli eine Verschnaufpause ein – der Brasilianische Real musste sogar einen beträchtlichen Teil seines Vormonatsgewinns wieder hergeben. Sehr fest (zum Euro) dagegen neuerlich das Britische Pfund.

Bei vielen Rohstoffpreisen (insbesondere Öl) sorgten die Delta-Ängste im Juli zwischenzeitig – ähnlich wie auf den Aktienmärkten – für eine deutliche Korrektur; diese wurde aber auch dort rasch wieder aufgeholt. In Summe konnten Industriemetalle und Energie (sprich: Öl) ihre positive Jahresperformance im Juli weiter ausbauen. In einer Größenordnung, die sich auch gegenüber Aktienmärkten nicht verstecken muss. Edelmetalle treten dagegen weiter auf der Stelle.

Aktienmärkte: Höhere Volatilität, Trend weiterhin aufwärts

Die kleine Aktienmarktkorrektur im Juli sehen wir als Vorgeschmack auf die nächste Phase des Aktien-Bullenmarktes: weniger steil aufwärts als in den letzten 12 Monaten und ruppiger mit zwischenzeitigen Korrekturen. Das stärkste Jahreswachstum bei BIP, Vorlaufindikatoren, Unternehmensgewinnen und Aktienmärkten liegt wohl hinter uns. Allerdings ist üblicherweise auch in dieser nächsten Phase die Aktienmarktperformance auf Jahressicht immer noch klar positiv. Immerhin ist der Konjunkturaufschwung samt neuem Bullenmarkt gerade einmal etwas mehr als ein Jahr alt. Gefährlich hohe Leitzinsen, die die Konjunktur zum Kippen bringen könnten, sind noch weit weg. Gründe für zwischenzeitige kleinere Korrekturen werden sich trotzdem finden: Ob das der Herbst mit Delta ist (angesichts der hohen Impfquoten bei den Risikogruppen wohl ohne Konjunkturschaden machbar), Ankündigungen der US-Notenbank die Anleihekäufe 2022 zu reduzieren (Begleiterscheinung der boomenden Konjunktur), steigende Anleiherenditen (detto) oder etwas ganz Neues. Angesichts auch in den nächsten 12 Monaten wohl zweistellig steigender Unternehmensgewinne bleiben wir aber stark übergewichtet in Aktienmärkten (vs. Staatsanleihen) mit einer Übergewichtung von Europa (und Japan) gegenüber den USA.

Emerging Markets: Einbruch in China als Chance

Obwohl die meisten Emerging Markets (EM) im globalen Impfrennen weiterhin deutlich abgeschlagen sind, was angesichts der neuen Delta-Variante auch wirtschaftlich ein Nachteil ist, haben sich die Unternehmensgewinne heuer auch dort stark gesteigert. Bewertungsseitig hat sich damit vor allem die EM-Region Asien zuletzt massiv verbessert: Auch dort gehen die Unternehmensgewinne heuer steil nach oben und liegen bereits weit über dem Niveau vom Jahresbeginn bzw. von vor Corona. Gleichzeitig notieren die Börsenkurse aufgrund des jüngsten Kurseinbruchs in China inzwischen mehr als 10 % unter dem Jahresstartwert. Wir halten den Abverkauf in China für übertrieben und konzentrieren entsprechend unsere neue Übergewichtung in EM auf China. Auch bei Türkei und Brasilien sind wir kurzfristig übergewichtet – zu Lasten von Indien und den übrigen EM, was in Summe eine neutrale EM-Gewichtung innerhalb der globalen Aktienmärkte ergibt.


Weitere Details finden Sie in der August-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".