Chinas jüngstes Krypto-Verbot

Jason Guthrie, Head of Digital Assets, Europe, WisdomTree, kommentiert im Folgenden Chinas Verbot von Krypto-Anlagen.

Am 24. September 2021 bekräftigte die People's Bank of China (PBoC) ihren Standpunkt, dass digitale Vermögenswerte wie Bitcoin, Ether und Tether nicht den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels haben. Die PBoC stellte klar, dass sie Aktivitäten wie Marketing, Zahlung/Abrechnung und technische Unterstützung im Zusammenhang mit Krypto-Assets verbietet. Sie verschärft auch die Durchsetzung von Kryptobörsen oder Personen, die als zentrales Pendant für Kauf-/Verkaufsaktivitäten und die Ausgabe von Produkten für chinesische Kunden fungieren.

Obwohl es sich um eine relativ große Neuigkeit handelt, kam diese Wendung der Ereignisse nicht völlig unerwartet.

Die Botschaft der chinesischen Regulierungsbehörden in Bezug auf Krypto-Assets ist schon seit einiger Zeit konsistent. Am 27. August 2021 kündigte die PBoC in einer Pressemitteilung1 ihren Plan an, Finanzinstituten die Entwicklung und Beteiligung an Krypto-Geschäften zu untersagen. In gewisser Weise war der Plan bereits öffentlich und der Markt wartete nur noch auf einen Zeitplan für die Umsetzung.

Die Ankündigung des Krypto-Verbots fällt zeitlich mit dem Vorstoß der Zentralbank für eine eigene digitale Währung zusammen. Die PBoC hat kürzlich ihre digitale Zentralbankwährung (CBDC) in 28 Regionen eingeführt, darunter auch in führenden Wirtschaftsregionen. Innerhalb eines kurzen Zeitraums hat China seine eigenständige digitale Yuan-Mobile-App für fast 10 Prozent der Bevölkerung verfügbar gemacht2.

Wenn die PBoC die Einführung der CBDC vorantreibt, warum muss sie dann Kryptowährungen komplett verbieten? Die kurze Antwort lautet: Um den Wettbewerb auszuschalten.

Betrachtet man die 28 wichtigsten Zielgebiete, in denen China das CBDC3 vorantreiben will (siehe Abbildung 1), so zeigt der grüne Punkt, wo Huawei und Tencent ihren Sitz haben, und der rote Punkt, wo Alibaba ansässig ist. Diese Regionen sind die Pionierregionen der chinesischen Hightech-Entwicklung und beherbergen oft die technikbegeistertsten Unternehmen. Darüber hinaus waren Sichuan, XinJiang, Yunnan und die Innere Mongolei früher die treibende Kraft beim Bitcoin-Mining in China.

Dies sind die Gebiete Chinas, in denen mobile Zahlungssysteme schon früh eingeführt wurden und die eine treibende Kraft für die Verbreitung von Finanztechnologien darstellen. Wenn die PBoC will, dass sich ihr digitaler Yuan durchsetzt, wird dies wahrscheinlich ein wichtiges Schlachtfeld für sie sein, um die Herzen und Köpfe zu gewinnen. Es wird spekuliert, dass die PBoC versucht, die Konkurrenz zu verdrängen. Dennoch steht die Wirksamkeit eines solchen Schrittes noch nicht fest, da die Menschen nicht nur Kryptowährungen befürworten, weil sie "digital" sind.

Abbildung 1: Chinas Pilotprojekt zur CBDC-Einführung


Source: spp.gov.cn; zeemaps

Bitcoin und die digitale Währung der Zentralbank verfolgen unterschiedliche Ziele. Es gibt möglicherweise einen weiteren Grund dafür, dass die PBoC versucht, Kryptowährungen zu verhindern. Die Kerngedanken von Bitcoin sind Dezentralisierung und anonyme Transaktionen, während das Hauptziel der CBDC Zentralisierung und Datenerfassung ist. Das CBDC wird wahrscheinlich als ein gutes Instrument zur Überwachung wirtschaftlicher Aktivitäten, zur Verbesserung des Steuersystems und zur (erneuten) Durchsetzung von Kapitalkontrollen angesehen. Dieses CBDC-System passt zum wirtschaftlichen Ökosystem in China. Ein Verbot anderer Kryptowährungen, die in einem konkurrierenden Ökosystem existieren, wäre sinnvoll, wenn das Ziel darin besteht, den Einfluss der eigenen Zentralbankwährung auf das Währungssystem zu erhöhen.

Was dies für den Krypto-Markt bedeutet

Angesichts der Nachrichten vom 24. September 2021 erlebten die wichtigsten Kryptowährungen einen Rückschlag: Bitcoin (BTC) und Ether (ETH) verloren rund 10 Prozent, und der allgemeine Markt fiel innerhalb von 4 Stunden von zwei Milliarden US-Dollar auf 1,8 Milliarden US-Dollar4. Die Preise stabilisierten sich jedoch schnell bei 43.000 US-Dollar für BTC und 2.900 US-Dollar für ETH und begannen dann wieder zu steigen.

Abbildung 2: Preisbewegung von Bitcoin and Ether


Source: Glassnode; Wisdomtree. Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

Bei Kryptowährungen, an deren Mining und Handel chinesische Unternehmen praktisch nicht beteiligt sind, wird es zu einem kurzfristigen Nachfragerückgang kommen. Dieser dürfte sich auf die Volatilität auswirken, auch wenn dies relativ schnell eingepreist zu sein scheint.

Die mittelfristigen Auswirkungen auf die Nachfrage sind noch nicht abzusehen. Die internetbasierte Natur von Kryptowährungen bedeutet, dass es für jede Behörde bekanntermaßen schwierig ist, sie zu zensieren, selbst wenn diese Behörde China ist. Entschlossene Investoren werden wahrscheinlich einen Weg finden, wieder in den Markt einzusteigen. Wenn die PBoC jedoch in der Lage ist, ihren digitalen Yuan als überlegene Option zu verkaufen, könnte dies zu einer lokalen Verlangsamung und einem Rückgang der Akzeptanzraten führen.

Der längerfristige Trend einer geringeren Krypto-Konzentration in China ist weiterhin positiv für den Gesamtmarkt. Die USA sind in der Regel die Profiteure, da verbotene oder eingeschränkte Aktivitäten ins Ausland verlagert werden. Dies bringt mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht mit sich, etwas, das Regulierungsbehörden und Investoren sowohl von Börsen als auch von Minern gefordert haben.

Die Beteiligung des chinesischen Festlands an der Krypto-Industrie war bereits nach der Einführung von Bitcoin-Mining-Beschränkungen im Juni 2021 rückläufig5. Die betroffenen Miner haben ihre Aktivitäten bereits ins Ausland verlagert, vor allem in die Vereinigten Staaten. Daher hat diese Ankündigung nur begrenzte potenzielle Auswirkungen auf die Fundamentaldaten des Netzwerks (zum Beispiel die Bitcoin-Hashrate).

Ist dies ein Argument für die Kryptowährung?

Abschließend sollten wir anerkennen, dass die chinesische Bevölkerung Kryptowährungen bisher sehr gut angenommen hat. Einer der potenziellen Anwendungsfälle nativer Kryptowährungen wie Bitcoin besteht darin, dass sie den Menschen eine Möglichkeit bieten, Vermögen unbelastet von den Behörden zu halten und eine größere Kontrolle über ihr Finanzleben auszuüben. Ein Land mit einem hohen Maß an Überwachung, einer Tendenz zu staatlichen Eingriffen und Kapitalkontrollen sollte ein fruchtbarer Boden für ein solches Wertversprechen sein. Wenn die chinesische Regierung die Akzeptanz so hoch einschätzt, dass sie sich veranlasst sieht einzugreifen, könnte man annehmen, dass die Akzeptanz ein Niveau erreicht hat, das ihre Kontrolle in Frage stellt. Dies wiederum beweist die Gültigkeit dieses Anwendungsfalls.

Mit anderen Worten: China könnte Bitcoin verbieten, einfach weil es funktioniert.


1) http://www.pbc.gov.cn/goutongjiaoliu/113456/113469/4326288/index.html
2) https://www.theblockcrypto.com/news+/117641/china-digital-yuan-smart-contract-programmable
3) http://www.gov.cn/zhengce/zhengceku/2020-08/14/content_5534759.htm
4) https://coinmarketcap.com/charts/
5) https://www.cnbc.com/2021/06/21/bitcoin-btc-price-drops-on-china-crypto-mining-crackdown.html

Value vs Growth - Der Wert von Qualität und Wachstum

Die Frage, ob es sinnvoller ist, auf Value- oder auf Growth-Titel zu setzen, ist beinahe so alt wie die Börse selbst. Während Value-Investoren auf unterbewertete Aktien setzen, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, richten Growth-Investoren ihr Augenmerk auf das Wachstumspotential eines Unternehmens. Nach einer langen Schwächephase gewinnen Value-Titel seit einem guten halben Jahr wieder an Bedeutung. Alistair Wittet und Pierre Lamelin, Portfoliomanager bei der internationalen Fondsgesellschaft Comgest, sprechen sich jedoch für den Wert des Wachstums aus und erläutern, weshalb Qualitätstitel langfristig in der Lage sind, den Inflationsdruck abzufedern:

Unsere Anlage-Erfahrungen der letzten 30 Jahre zeigen, dass sich das Gewinnwachstum (Earnings Per Share, kurz EPS) eines Unternehmens tendenziell in Kurssteigerungen von drei bis fünf Jahren auswirkt. Das langfristige Gewinnwachstum über diese Zeit hinaus ist somit der wichtigste Werttreiber unserer Fonds. Dieses führt auch zu einer raschen Abwertung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV). Denn was auf kurze Sicht teuer wirkt, kann auf lange Sicht sogar günstig werden. Als wir etwa 2017 unsere Position in ASML eröffneten, wurde die Aktie des niederländischen Halbleiterspezialisten mit einem KGV von 32x bewertet. Bezugnehmend auf die Gewinne aus dem Jahr 2020 entspricht unser Einstiegspreis von damals heute einem KGV von 19x. Angesichts unserer Prognosen für 2025, sinkt es sogar auf 7x. So etwas nennen wir den „Wert des Wachstums“. Einer unserer Gründer, Wedig von Gaudecker, pflegte zu sagen: „Billig gekauft ist teuer bezahlt.“ Das ist die umgekehrte Art, diese Wachstumsgleichung auszudrücken. Denn wenn Unternehmen mit wenig oder gar keinem Wachstum billig gekauft werden und billig bleiben – eine Value-Falle – kann das Anleger teuer zu stehen kommen.

Anleger durchschauen Inflationsdruck

Zusätzlich kann der „Wert des Wachstums“ noch eine andere Bedeutung haben – insbesondere, wenn die Inflation weiter steigt und Investoren beginnen, den Kapitalwert des Wachstums zu ermitteln. Der Theorie zufolge müssen Investments mit langer Haltedauer, wie Qualitätswachstumsaktien, einen Bewertungsabschlag hinnehmen, da die Auswirkungen steigender Zinsen auf den aktuellen Nettowert langfristiger Gewinne viel höher sind als auf jenen kurzfristiger Gewinne. Die Bewertungsprämie von Ersteren sollte also reduziert werden. In der Praxis konnten wir diese Entwicklung im vergangenen Jahr, trotz der intensiven Inflationsdebatte, jedoch nicht bestätigen. Vielmehr scheint das Gegenteil einzutreten. Ein Grund dafür könnte sein, dass Anleger den kurzfristigen Inflationsdruck durchschauen und sich daher auf langfristige Trends konzentrieren. Derzeit gibt es starke Inflationstreiber: Die zahlreichen fiskal- und geldpolitischen Stimuli, die weltweit Volkswirtschaften während der Pandemie gestützt haben, der Druck auf die Lieferketten und der plötzliche Nachfrageschub bei Rohstoffen. Nichtsdestotrotz wirken der technologische Fortschritt, die Digitalisierung und der steigende globale Wettbewerb dieser Entwicklung entgegen.

Preissetzungsmacht als Schutzschild

Wir als Bottom-up-Investoren stellen keine Prognosen zur Inflation. Stattdessen verfolgen wir einen anderen Ansatz, um mit makroökonomischen Risiken umzugehen. Wir selektieren Aktien mit starken ökonomischen Burggräben, von denen wir überzeugt sind, dass sie Gegenwind aus dem Umfeld überstehen können. Umgekehrt meiden wir Aktien, die sensibel auf makroökonomische Umstände reagieren, und keine Burggräben aufweisen. In unseren europäischen Strategien haben wir beispielsweise in den letzten 30 Jahren nie in Aktien investiert, die stark auf Zinsen reagieren, wie es bei Banken und Versicherungen oft der Fall ist. Wir sind der Ansicht, dass sich Burggräben in Preissetzungsmacht niederschlagen, die wiederum höhere Gewinne ermöglicht. Ein Beispiel ist hierfür ist der globale Luxuskonzern LVMH. Einige der Mode-Marken von LVMH haben im vergangenen Sommer in verschiedenen Märkten ihre Preise erhöht – beispielsweise schwankten die Preise in der Sparte „Mode und Lederwaren“ im ersten Quartal 2021 zwischen vier und sieben Prozent.

Verschuldungsgrad wird zum Teufelskreis

Eine weitere Auswirkung der Inflation sind steigende Kosten für Verschuldungen. Je höher der Verschuldungsgrad eines Unternehmens, desto stärker wirken sich die steigenden Fremdkapitalkosten auf die Gewinne aus. Daher ist es entscheidend, die Bilanz eines Unternehmens genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA unseres Comgest Growth Europe Fonds liegt bei 1x, im Vergleich zu 1,8x für den MSCI Europe Index und 2,2x für den MSCI Europe Value Index. Wir sind überzeugt, dass die steigenden Verschuldungskosten unsere Portfoliobestände weit weniger fordern werden als den breiten Markt und insbesondere Value-Werte. Denn viele Unternehmen haben keine starken Burggräben, sodass sie nicht über die Preissetzungsmacht verfügen, um dem Inflationsdruck zu begegnen. In Kombination mit hoher Verschuldung könnte dies rasch zum Teufelskreis werden.

Unserer Meinung nach sind starke Bilanzen und Preissetzungsmacht in der Praxis zwei sehr gute Möglichkeiten, um mit Inflationsdruck umzugehen. Wir ziehen diese Sichtweise einer theoretischen Debatte darüber vor, inwieweit Investments mit langer Haltedauer vor dem Hintergrund der Inflation und steigender Zinsen gefährdet sein könnten. Wir bei Comgest sind überzeugt, dass Qualitätswachstum als Schutzschild gegen die Inflation dafür in den kommenden Jahren ein Paradebeispiel darstellen kann.


Über Comgest

Comgest ist eine internationale Boutique für Investments in Aktien der Industrie- und Schwellenländer. Sie ist zu 100% im Besitz der Mitarbeiter und Firmengründer. Diese seit über 30 Jahren bestehende solide Partnerschaft ist die Basis eines von Benchmarks und Indizes unabhängigen Qualitätswachstumsansatzes. Mit Büros in Europa, Asien und Nordamerika verwaltet Comgest ein Vermögen von rund 38,8 Milliarden Euro (Stand der Daten 31. Dezember 2020, geschätzt) und betreut Anleger rund um den Globus, die ein auf Langfristigkeit abzielendes Aktieninvestment anstreben.

Was bedeutet Evergrande für asiatische High-Yields?

Welche Auswirkungen hat eine Umstrukturierung von Evergrande für asiatische Hochzinsanleihen (High Yield), die auf US-Dollar lauten? Und welche Stakeholder sind von einer möglichen Umstrukturierung besonders betroffen? Das Asian Fixed Income Team von Nikko Asset Management wagt einen Ausblick:

Auswirkungen auf asiatische High Yields und den Immobiliensektor

Die kurzfristigen Risiken im chinesischen Immobiliensektor haben zugenommen. Das aktuelle Kursniveau der Evergrande-Anleihen macht es jedoch unwahrscheinlich, dass eine mögliche Umstrukturierung zu umfangreichen (und erzwungenen) Verkäufen seitens der Anleger führen wird.

Insgesamt erwarten wir, dass sich die Regierung und Evergrande darauf konzentrieren werden, Kunden und Lieferanten zu schützen und gleichzeitig eine geordnete Umstrukturierung für die Gläubiger sicherzustellen. Letztere werden voraussichtlich stärker betroffen sein. Wir halten die systemischen Auswirkungen auf das Finanzsystem für überschaubar. Das Finanzierungsumfeld für Bauträger dürfte sich jedoch weiter verengen.

Systemische Auswirkungen auf alle Stakeholder-Gruppen

Die größte Gruppe von Stakeholdern sind die Hunderte von Zulieferern (einschließlich Bauunternehmen), bei denen Evergrande Verbindlichkeiten in Höhe von über 900 Mrd. Yuan hat. Evergrande hat zudem über 200 Mrd. Yuan an Anzahlungen von Kunden für bereits verkaufte, noch nicht fertig gestellte Häuser erhalten. Wir gehen davon aus, dass sich die Regierung und Evergrande darauf konzentrieren werden, unvollendete Projekte fertigzustellen. Evergrande-Führungskräfte sollen bereits einen „militärischen Befehl“ zur Fertigstellung von Häusern unterzeichnet haben. Die Lieferanten dürften daher zumindest zu besseren Bedingungen als die Gläubiger bezahlt werden, um die Fortsetzung der Arbeiten zu gewährleisten. Solange das Problem nicht gelöst ist, dürften die Immobilienverkäufe bei anderen risikoreichen Bauträgern zurückgehen, zum einen, weil die Kunden vorsichtiger werden, aber auch weil Lieferanten bei der Gewährung von Krediten vorsichtiger werden dürften.

Am Kreditmarkt schuldet Evergrande seinen Gläubigern rund 570 Mrd. Yuan, darunter Treuhandgesellschaften (schätzungsweise 222 Mrd.Yuan oder 1,1 % des Treuhandvermögens), Banken (etwa 170 Mrd. Yuan oder 0,1 % der Systemkredite), Inhaber von USD-Anleihen (19 Mrd. USD oder 2 % des Marktwerts und 6 % des Nennwerts des J.P. Morgan Asia Credit Index 1 HY Corporates) und Inhaber von CNY-Anleihen (53 Mrd. Yuan oder 0,18 % der chinesischen Onshore-Unternehmensanleihen).

Trust-Firmen: Die Treuhandfinanzierungen für Immobilien dürften weiter zurückgehen. Immerhin ist die Abhängigkeit der Bauträger von Treuhandfinanzierungen in den vergangenen zwei Jahren bereits deutlich zurückgegangen, was das Risiko begrenzt.

Banken: Die direkten Auswirkungen auf den chinesischen Bankensektor sind überschaubar, da die Kredite an Evergrande nur rund 0,1 % der Systemkredite ausmachen. Die Kapitalausstattung der wichtigsten Kreditgeber (zu denen Berichten zufolge die China Minsheng Bank und die China Zheshang Bank gehören) könnte sich jedoch den regulatorischen Grenzen annähern.

USD-Anleihen: Die Kurse der Evergrande-Anleihen spiegeln bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Umstrukturierung wider. Eine solche dürfte daher kaum zu umfangreichen (und erzwungenen) Verkäufen seitens der Anleger führen. Die Ansteckungsgefahr für andere Emittenten dürfte jedoch anhalten, bis die Probleme von Evergrande gelöst sind. Die Ausfallquote asiatischer USD-denominierter HY-Unternehmensanleihen wird durch die Einbeziehung von Evergrande erheblich steigen (rund 6% des Nennwerts der J.P. Morgan Asia Credit Index HY-Unternehmensanleihen).

CNY-Anleihen: Evergrande ist auf dem Onshore-Anleihemarkt relativ klein. Darüber hinaus werden die Tochtergesellschaften von Evergrande wahrscheinlich einen Teil der Onshore-Anleihen halten.

Zusammenfassung

Wir gehen davon aus, dass Evergrande eine Schuldenrestrukturierung mit einer gewissen staatlichen Unterstützung durchführt. Der Schwerpunkt dürfte auf dem Schutz von Kunden und Lieferanten liegen. Gleichzeitig soll eine geordnete Restrukturierung für die Gläubiger gewährleistet werden. Angesichts der potenziellen Auswirkungen auf das Systemrisiko sowie eines sehr restriktiven politischen Umfelds haben die kurzfristigen Abwärtsrisiken im chinesischen Immobiliensektor zugenommen. Eine defensivere Positionierung für diesen Sektor erscheint ratsam.


 

Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 282,1 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Die passiven Strategien von Nikko AM decken darüber hinaus mehr als 20 Indizes ab und umfassen einige der führenden börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig. Mitsamt seiner Tochtergesellschaften beschäftigt das Unternehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit rund 25 Nationalitäten, darunter rund 200** Finanzfachleute. Mit Tochtergesellschaften und angeschlossenen Unternehmen ist Nikko AM in 11 Ländern und Regionen präsent. Weltweit vertreiben mehr als 400 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentteams profitieren von einer einzigartigen globalen Perspektive, ergänzt durch die gewachsene asiatische DNA der Firma, und sind bestrebt, beständige Spitzenleistungen zu erbringen. Das Unternehmen ist außerdem stolz auf seinen progressiven, lösungsorientierten Ansatz, der zur Auflegung vieler innovativer Fonds für seine Kunden beigetragen hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management und Beratung von Nikko Asset Management einschließlich Tochtergesellschaften zum 30. Juni 2021.
** Stand 30. Juni 2021 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.

Globale Müllberge und Umweltgedanke als Treiber der Abfallindustrie

von Dmitry Ivanov, Geschäftsführer der Investmentplattform Freedom Finance Germany.

Nachdem Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit bis vor einigen Jahren noch eher individuell gelebt wurden, kann man heute durchaus von einer gesellschaftlichen Bewegung sprechen. Ganz besonders der Recycling- und Abfallwirtschaftsmarkt befindet sich im Wandel. Strengere Regierungsvorschriften, zahlreiche Initiativen zum Umweltschutz und die gestiegene Sensibilität der Bevölkerung lassen die Abfallindustrie boomen. Aufgrund des stetig steigenden Müllaufkommens rechnen Experten mit einer jährlichen Wachstumsrate des Marktes von mehr als fünf Prozent. Was bei einem Investment in die Abfallwirtschaft zu beachten ist und welche Aktie man im Auge behalten sollte, weiß die Investmentplattform Freedom Finance.

Glaubt man einem Bericht der Weltbank, so wird sich die Menge an Müll auf unserer Erde in den nächsten Jahren drastisch vervielfachen. Bis 2050 rechnet man mit einer rund 70-prozentigen Zunahme des weltweiten Abfallaufkommens. Während es heute noch etwa 2 Milliarden Tonnen Müll sind, sollen es in knapp 30 Jahren bereits rund 3,4 Milliarden Tonnen sein. Das wirkt sich auch auf den globalen Markt für Abfallmanagement aus: Laut Analysen soll dieser - bei einer jährlichen Wachstumsrate von 5,1 Prozent - bis zum Jahr 2026 542,7 Milliarden US-Dollar erreichen. Dmitry Ivanov, Geschäftsführer von Freedom Finance Deutschland, kennt die Hauptgründe für das Wachstum: „Analyseunternehmen haben festgestellt, dass das Aufkommen neuer Industrien, die Globalisierung und der steigende Verbrauch der Bevölkerung die Haupttreiber für die Expansion des Recycling- und Abfallwirtschaftsmarktes sind.“ Aber auch immer strengere staatliche Vorschriften zum Schutz der Umwelt, die zunehmende Bedeutung von Mülltrennung und die verkürzten Lebenszyklen elektronischer Produkte tragen zum Wachstum des Marktes bei. 

Globalisierung fördert die Müllproduktion

Nicht nur das steigende Bewusstsein der Bevölkerung hinsichtlich nachhaltiger und umweltbewusster Lebensweisen, sondern auch die Globalisierung fördert die Entwicklung der Abfallindustrie. „Durch die Zunahme des internationalen Handels in den letzten Jahrzehnten hat sich die Armut in den Entwicklungsländern verringert, wodurch sich gleichzeitig der Lebensstandard und die Kaufkraft erhöht hat“, weiß Ivanov. Außerdem wurden damals die meisten Produkte noch in der Nähe des Verbrauchsortes hergestellt und das Recycling erfolgte in der Nähe des Produktionsortes. Heute wird eine große Anzahl an Massenkonsumgütern auf der ganzen Welt verteilt. 

Zukunftssichere Branche

Während es in vielen Branchen aufgrund ihrer Schnelllebigkeit kaum möglich ist, Prognosen abzugeben, kann man sich auf die Zukunft der Abfallindustrie verlassen. „Viele Geschäftsmodelle sind durch den technologischen Wandel bedroht. Was vor wenigen Jahren noch interessant war, ist heute oftmals bereits Schnee von gestern“, so Ivanov. Abfall wird allerdings auch in Zukunft noch entstehen. Bedeutet für Investoren: die Nachfrage ist vorhanden – bei der Abfallentsorgung handelt es sich um ein Grundbedürfnis. „Der Vorteil eines Investments in den Abfallwirtschaftsmarkt ist die Beständigkeit. Denn als beispielsweise während der Coronakrise viele Unternehmen starke Verluste hinnehmen mussten, blieb der Bedarf nach Müllentsorgung bestehen“, verdeutlicht Ivanov. 

Vielversprechende Investmentchance

Ein Unternehmen, das direkt mit den Entwicklungen des Recycling- und Abfallwirtschaftsmarktes verbunden ist, ist der aus Nordamerika stammende Anbieter von Umweltdienstleistungen Clean Harbors. „Clean Harbors könnte sich als einer der Hauptnutznießer des Wachstums dieser Branche erweisen, denn das Unternehmen ist in diesem Bereich eines der größten Unternehmen in Nordamerika ist“, erläutert Ivanov. Da der Anbieter ein breites Spektrum an Dienstleistungen abdeckt und mit Unternehmen aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeitet, verfügt der Umwelt- und Entsorgungsdienstleister über sehr diversifizierte Einnahmequellen. Erst kürzlich hat Clean Harbors den Kauf von HydroChemPSC für eine Summe von 1,25 Milliarden Dollar bekanntgegeben, die Übernahme bestimmter Vermögenswerte von Vertex Energy für 140 Millionen Dollar soll demnächst folgen. Auch die finanziellen Ergebnisse Clean Harbors können sich sehen lassen: Im zweiten Quartal 2021 lagen ihre Einnahmen bei 926,5 Millionen Dollar 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehrere Investmentfirmen haben ihre Schätzungen für die Clean Harbors-Aktie im August bereits angehoben. „Wer Interesse an der Aktie hat, sollte sie zu einem Preis von 105 US-Dollar kaufen und nicht mehr als 2 Prozent seines Portfolios investieren“, rät Ivanov, der die Aktie bei einem Preis von 130 Dollar wieder verkaufen würde. 


Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 330.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. mit einer Kapitalisierung von über 3,8 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 2.500 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäischer Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse, gelistet. Freedom Finance bietet direkten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: an amerikanischen, europäischen und asiatischen Märkten. 

Gaspreis-Explosion treibt Strompreise nach oben und schürt Inflationssorgen

Die Gaspreise haben in der abgelaufenen Woche ihren rasanten Höhenflug fortgesetzt: Der EU-Erdgaspreis erreichte zu Wochenbeginn mit über 76 Euro zeitweise ein Rekordhoch. Angetrieben von den Gaspreisen legten auch die Strompreise weiter zu. Der Strompreis hat zuletzt erstmals die 100-Euro-Marke pro Megawattstunde überschritten. Zu Jahresbeginn lag der Preis noch bei 50 Euro. Geschürt wurden die jüngsten Gaspreisanstiege von einem Anstieg der Nachfrage gepaart mit einer gleichzeitigen Verknappung des Angebots.

Mit der Konjunkturerholung in Folge der beginnenden Lockdown-Lockerungen war die Nachfrage nach Energie in zahlreichen Ländern deutlich gestiegen. Vor allem in Asien zog die Nachfrage nach Gas heuer stark an. Aber auch in Europa wuchs die Nachfrage dank der Wirtschaftserholung und wegen des ungewöhnlich langen Winters. Laut einer Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) legte die EU-Gasnachfrage im zweiten Quartal um ein Viertel zu, das ist der stärkste Zuwachs seit 1985.

Dem stehen allerdings Engpässe auf Angebotsseite gegenüber. Der kalte Winter hatte bereits die Gaslager der europäischen Versorger abschmelzen lassen. Üblicherweise nutzen die Versorger dann die warme Jahreszeit um ihre Lager wieder zu füllen. Viele Versorger konnten sie angesichts der ungewöhnlich langen Kälteperiode nur langsam auffüllen. Derzeit sind die Gasspeicher nur zu 72 Prozent gefüllt. Üblicherweise liegt dieser Wert zum Ende der Auffüllphase bei knapp 90 Prozent. Einige Versorger in Europa dürften Marktbeobachtern zufolge auf ein Ende der Gaspreisrally gehofft und daher mit dem Auffüllen zulange zugewartet haben.

Weniger Angebot aus Norwegen und Russland

Zu den spärlich gefüllten Lagern kamen zuletzt noch andere Probleme auf der Angebotsseite. So gab es bei den wichtigen Gaslieferanten Norwegen und Russland einzelne Produktionsausfälle. Manche Experten und Politiker spekulieren über eine möglicherweise politisch motivierte Angebotsverknappung von Seiten Russlands. So ortet die Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, ein klares Motiv auf russischer Seite, Gaslieferungen zu verknappen, um die Inbetriebnahme der Pipeline Nord Stream 2 zu beschleunigen.

„Es wurde gesagt, dass mit Inbetriebnahme von Nord Stream 2 mehr Gas nach Europa fließen könnte“, sagte Kemfert zuletzt in einem Interview mit dem Fernsehsender Phoenix. Dies lasse den Eindruck entstehen, dass man die Preise auf dem europäischen Erdgasmarkt künstlich hoch treiben will, um den Druck zu erhöhen, dass Nord Stream 2 rasch fertiggestellt wird. Von russischer Seite wurden diese Spekulationen entschieden dementiert. Es seien alle Liefervereinbarungen eingehalten worden, heißt es aus Russland.

Stromerzeuger von Preisanstiegen stark betroffen

Direkt betroffen sind von den Gaspreisanstiegen derzeit die Stromerzeuger. Europas Stromerzeugung ist weiter stark von den Rohstoffen Erdgas und Kohle abhängig. Angesichts der steigenden Preise für CO2-Emissionen ging der Trend dabei in Richtung Gas. „Gaskraftwerke emittieren weniger Treibhausgase als Kohlekraftwerke und werden deshalb bevorzugt, Kohlekraftwerke werden hinausgedrängt“, erklärte Robert Slovacek vom E-Wirtschaft-Verband Oesterreichs Energie im Gespräch mit der APA. Doch angesichts der steigenden Gaspreise wird nun teilweise wieder auf Kohle zurückgegriffen. So hat etwa Großbritannien in den vergangenen Wochen stillgelegte Kohlekraftwerke wieder hochgefahren.

Zu den am stärksten von Stromanstiegen betroffenen Ländern zählt auch Italien. Ohne staatliches Eingreifen könnten im nächsten Quartal der Strompreis um 40 Prozent und der Gaspreis um 30 Prozent steigen, warnte Italiens Premierminister Mario Draghi am Donnerstag. Die italienische Regierung plant bereits Maßnahmen, um die negativen Auswirkungen der steigenden Strompreise auf Familien und Unternehmen einzudämmen.

Energiepreise treiben Inflation weiter an

Die steigenden Gas- und Strompreise schüren mittlerweile auch die Sorgen vor weiteren Anstiegen der Inflation. Die Inflationsentwicklung wird derzeit an den Finanzmärkten aufmerksam verfolgt, denn Anstiege der Teuerungsraten könnten Gegenmaßnahmen der Notenbanken und damit ein baldiges Ende der aktuell konjunkturstützenden Geldpolitik zur Folge haben.

In den jüngsten Inflationsdaten der Eurozone haben sich die Energiepreise bereits deutlich niedergeschlagen. Im August waren die Verbraucherpreise laut Eurostat um 3,0 Prozent gestiegen, die Inflationsrate im Euroraum hat damit den höchsten Stand seit November 2011 erreicht. Im Juli hatte die Rate noch bei 2,2 Prozent gelegen. Besonders stark verteuerte sich im August erneut Energie, die 15,4 Prozent teurer war als ein Jahr zuvor.

Das deutsche Ifo-Institut erwartet für Deutschland heuer im Gesamtjahr eine Inflationsrate von 3,0 Prozent. Das wäre der stärkste Verbraucherpreisanstieg seit 28 Jahren. Eine höhere Teuerungsrate gab es zuletzt 1993 mit 4,5 Prozent. Dahinter stecken die Energiepreisanstiege, aber auch ein für das Land spezifischer Sonderfaktor: Die temporäre Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020 hatte zwar die Konjunktur gestützt, schiebt nun aber die Inflation an.

Auch Lebensmittelbranche leidet unter Preisrally

Doch nicht nur der Strommarkt, auch die Lebensmittelbranche litt zuletzt stark unter den Gaspreisanstiegen. Denn mit den Gaspreisen legten auch die Preise von Kohlendioxid (CO2) zu. CO2 ist ein Nebenprodukt bei der Düngemittelherstellung, die als Rohstoff natürliches Gas verwendet. Einzelne Düngemittelkonzerne hatten angesichts der Gaspreisanstiege ihre CO2-Produktion bereits gedrosselt oder sogar gestoppt.

Das CO2 fehlt jetzt in Schlachtbetrieben, wo es zu Betäubungszwecken eingesetzt wird. CO2 ist zudem wichtig für die Kühlkette der Lebensmittelbranche, für Vakuum-Verpackungen von Fleisch und für die Herstellung von Bier und Softdrinks. Fleischhersteller in Großbritannien kommen bereits jetzt zunehmend in Bedrängnis. Die Regierung griff zwar dem Industriezulieferer CF Industries für ein paar Wochen unter die Arme, um die Produktion von CO2 wieder zum Laufen zu bringen. Die britische Lebensmittelbranche warnt dennoch vor Engpässen.

Die weitere Entwicklung der Gas- und Ölpreise hängt nun stark von der Angebotslage, aber auch von der kommenden Wetterentwicklung ab. Etwas Entspannung dürfte bald eine geplante Erhöhung des norwegischen Gasangebots bringen. Grund zur Panik gibt es derzeit nicht, für eine Entwarnung sei es aber ebenfalls noch zu früh, so der Grundtenor von Energieexperten.

Mehrere europäische Staaten planen gerade Maßnahmen um die Folgen der Preisrally abzufedern, auch EU-weite Maßnahmen sind im Gespräch. Auf EU-Ebene soll ein «Werkzeugkasten» erstellt werden, aus dem Mitgliedsländer Maßnahmen wie etwa Mehrwertsteuersenkungen verwenden können, ohne die EU-Richtlinien für Energiemärkte zu verletzen. Viele Experten wie etwa Claudia Kemfert vom DIW fordern zudem eine stärkere Förderung erneuerbarer Energien um Europas Abhängigkeit von den russischen Gasimporten zu senken.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Indien auf dem Weg zum Technologie-Börsenstar

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Lange hat Chinas Erfolgsstory mit seinen vor Reichtum strotzenden Küstenmetropolen Indien blass aussehen lassen. Aber nun haben massive Eingriffe Chinas in die Privatwirtschaft Investoren verunsichert, während Indiens Börse vor dem Sprung zum fünftgrößten Kapitalmarkt der Welt steht. Ein großer Pluspunkt ist Indiens Demographie: Hier dominiert die Jugend, Indien hat damit das Potenzial, auf Jahre hinaus dynamisch zu wachsen

Aus wirtschaftshistorischer Perspektive ist die Entwicklung von China und Indien ein spannendes Unterfangen. Es ist faszinierend, weil die beiden Länder in Bezug auf Bevölkerungszahl, landwirtschaftlich nutzbarer Fläche und Ehrgeiz einerseits ähnlich und andererseits politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich doch recht unterschiedlich sind. Indiens Wirtschaft hat auf den ersten Blick politische, ökonomische, rechtliche und andere Vorteile gegenüber der Chinas. Dennoch war China seit den frühen 1980er Jahren weitaus stärker gewachsen als Indien. Die Gründe, die Indiens Wachstum hemmten, sind kompliziert. Es gibt politische, soziale und kulturelle Faktoren. Die soziale Undurchlässigkeit hat lange Zeit verhindert, dass junge Talente den ihnen zustehenden Platz in der Gesellschaft einnehmen konnten. Zudem profitierte China aus wirtschaftlicher Sicht von der hohen Sparrate, der Arbeitsmarktflexibilität und der Wirtschaftspolitik. Es gibt eine lange Liste von Gründen, warum die Sparquote in China hoch ist. Sie umfasst kulturelle, politische und wirtschaftliche Faktoren, vor allem ein fehlendes soziales Sicherheitsnetz. Die hohe Sparquote hat es China ermöglicht, seinen gesamten Industrialisierungsprozess selbst zu finanzieren.

„Indiens Internetsektor steht dort, wo China vor fünf Jahren stand“

Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden. Unter Ministerpräsident Narendra Modi setzte eine Aufbruchsstimmung ein, die weiter anhält. Mag China ein Erfolg auf makroökonomischer Ebene sein, so ist es Indien auf mikroökonomischer. Denn während China seine ehemaligen Internet-Einhörner einer regulatorischen Diät unterzieht, oder wie im Bildungssektor gar verbietet, steht Indiens Internetsektor dort, wo China vor fünf Jahren stand. Rund 20 Prozent der indischen Börsengänge kommen aus der Tech-Branche. Bis 2025 könnte deren Wert bei bis zu 600 Milliarden US-Dollar liegen. Das Segment könnte seinen Anteil am indischen Aktienmarkt von fünf auf 20 Prozent steigern. Indien hat weltweit den dritthöchsten Anteil an Unicorns, also Start-Ups, die bei einem Börsengang mindestens eine Milliarde US-Dollar erlösen könnten.

Treiber ist der hohe Anteil junger Menschen an der Bevölkerung in Indien, steigende Haushaltseinkommen und eine sehr schnelle Internetdurchdringung des Landes. Hier zeigt sich, wie sich der Aufbau einer starken digitalen Infrastruktur positiv auf das Wirtschaftswachstum eines ganzen Landes auswirkt. Bei der Entwicklung der Technologie-Start-Ups rechnen wir zudem nicht mit regulatorischen Risiken wie in China. Zusammen mit einer deutlich wachsenden Mittelschicht sehen wir eine enorme Wachstumschance. Indiens Aufstieg zum fünftgrößten Aktienmarkt der Welt steht somit wenig im Weg. Indien würde sich hinter den USA, China, der Eurozone und Japan einsortieren und wäre nach Schätzungen von Investmentbanken 2025 im Club der größten Kapitalmärkte der Welt angekommen.

„Indien ist der kostengünstigste Solarstromerzeuger weltweit geworden“

Langfristig muss Indien aber vor allem die Energie-Infrastruktur modernisieren, um auf einen langfristigen Wachstumspfad einzuschwenken. Es stellt sich die Frage, wie Indien als größter Nachfrager von Rohöl und Betreiber von Kohlekraftwerken seine Energiewende gestalten will. Premier Modi hat bereits als Minister der Region Gujarat seine Schlagrichtung vorgegeben, indem er dort die bis dahin größten Solarkapazitäten Indiens aufbaute. Mittlerweile könnte das Land unter optimalen Bedingungen 25 Prozent des Strombedarfs aus Solaranlagen decken. Indien ist der kostengünstigste Solarstromerzeuger weltweit geworden. Doch auch wenn Indien eigene Fertigungskapazitäten aufbaut, wird das geplante Kapazitätswachstum nicht ohne Solarpanele aus China funktionieren. Windenenergie wird ebenfalls eine Rolle spielen, wenn auch eine kleinere. Dennoch wird Indien auf absehbare Zeit nicht ohne Öl auskommen. Eine strategische Partnerschaft zwischen der saudischen Aramco und der indischen Reliance Industries sorgt für Sicherheit. Die Achilles-Ferse der Reformen ist hingegen die indische Kohleindustrie mit ihren enormen Überkapazitäten. Hier muss die Regierung schon bald entscheiden, in welchem Maß sie dem saubereren Erdgas Vorrang geben will. Dies ist aufgrund der angeschlagenen staatlichen Netzbetreiber, die letztlich die finanziellen Bürden dieser Überkapazitäten getragen haben, nicht einfach. Sollten die Netzbetreiber die Abnahmeverträge mit der Kohleindustrie neu verhandeln dürfen, wäre der Weg für Modis „Dash for Gas“ frei, was mit massiven Auswirkungen auf die Preise für Erdgas in der ersten Hälfte dieser Dekade verbunden wäre. Die ohnehin auf Rekordniveau befindlichen Gaspreise könnten somit durch Indiens Boom einen weiteren Schub erhalten.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Wahlenergebnis ohne Einfluß auf die Finanzmärkte - schnelle Koalitionsbildung wichtig vor Frankreich-Wahl 2022

von Dr. Reto Cueni, Chefvolkswirt bei Vontobel.

Am Morgen nach der Bundestagswahl hat sich SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz eindeutig positioniert, nachdem die SPD mit 206 Sitzen klar in Führung liegt, 53 Sitze mehr als bei der letzten Wahl im Jahr 2017. CDU/CSU erreichten 196 Sitze (-50) und die Grünen 118 (+51). Aus Sicht der Wirtschafts- und Finanzmärkte ist die große Nachricht, dass eine mögliche Links-Grün-Links-Koalition mit SPD, Grüne und Die Linke keine Mehrheit erreichen kann, was die Unsicherheit für die Märkte im Vorfeld der Koalitionsverhandlungen verringert. Wir waren und sind jedoch nicht der Meinung, dass die Koalitionsgespräche im Fokus der Finanzmärkte stehen werden, da so oder so eine der ehemaligen Regierungsparteien der neue Koalitionsführer sein wird. Wir halten eine Ampel-Koalition (SPD, Grüne, FDP) und eine Jamaika-Koalition (CDU/CSU, Grüne, FDP) nach wie vor für die wahrscheinlichsten Szenarien. Aber auch eine andere Version der Großen Koalition oder eine Kenia-Koalition (FDP, CDU/CSU, Grüne) sind im Gespräch.

1. Welches Szenario sehen Sie nach der Bundestagswahl?

Wir gehen davon aus, dass nach einer eher schwierigen Verhandlungsphase sehr wahrscheinlich eine Drei-Parteien-Koalition das Land regieren wird. Die höchste Wahrscheinlichkeit sehen wir entweder für eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP oder eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP. Weniger wahrscheinlich, aber immer noch im Gespräch ist auch eine Kenia-Koalition aus SPD, CDU/CSU und Grünen, so wie auch eine Große Koalition. Allerdings haben mehrere SPD-Spitzenpolitiker vor der Wahl deutlich gemacht, dass sie nicht mehr bereit sind, mit der CDU/CSU zusammenzuarbeiten. In Anbetracht dessen ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zweiparteienregierung gebildet wird, gering, es sei denn, es kommt zu einer Minderheitsregierung, was in Deutschland eher unwahrscheinlich ist.

2. Wie wird sich die erwartete lange Verhandlungsphase nach den Wahlen auf die Märkte auswirken? Wann könnten wir eine neue Regierung in Deutschland sehen?

Wir erwarten recht schwierige Verhandlungen, ähnlich wie nach der letzten Bundestagswahl im Jahr 2017, als die Regierungskoalition fast sechs Monate nach dem Wahltag gebildet wurde. Auch diesmal könnte es bis weit ins Jahr 2022 dauern, bis die Regierung endlich gebildet ist, da eine Koalitionsbildung mit drei Parteien in der Regel mühsamer ist. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass die Märkte durch die Verhandlungen und die deutschen Wahlen im Allgemeinen stark beeinflusst werden. Für einen globalen Investor werden die deutschen Wahlen aus zwei Gründen keine große Veränderung bedeuten: Erstens ist es praktisch unmöglich, dass eine EU- oder euroskeptische Partei Teil einer Regierungskoalition sein wird, und zweitens wird die stärkste Partei in Deutschland höchstwahrscheinlich eine der beiden Parteien sein, die das Land bereits in den letzten Jahren regiert haben.

Andererseits gehen wir davon aus, dass eine schnelle Koalitionsbildung positiv für die Finanzmärkte wäre, da nächstes Jahr in Frankreich Wahlen anstehen, bei denen Marine LePen mit ihrer EU- und euroskeptischen Partei zu einer echten Bedrohung für die Stabilität des Euro und der EU selbst werden könnte. Für die Märkte wäre es wichtig, vor der heißen Phase der französischen Wahlen im April 2022 eine starke und solide Führung in Deutschland zu sehen.

3. Gibt es irgendwelche Koalitionsergebnisse, die Risiken für die Finanzmärkte mit sich bringen könnten?

Nicht wirklich. Da das Wahlergebnis eine Links-Grün-Links-Koalition unmöglich macht (außer im unwahrscheinlichen Fall einer Minderheitsregierung), gehen wir davon aus, dass sich die deutschen und europäischen Märkte von etwaigen Koalitionsgesprächen und dem endgültigen Koalitionsergebnis nicht beeindrucken lassen werden. Solange es praktisch unmöglich erscheint, dass eine EU- oder euroskeptische Partei wie die AfD (Alternative für Deutschland) an einer Regierungskoalition beteiligt sein könnte, erwarten wir keine wesentlichen Auswirkungen auf den Euro.

4. Wie könnte das Ergebnis die anstehende Politik der Eurozone beeinflussen?

Erstens wäre eine starke und solide Führung im größten Land und in der größten Volkswirtschaft der EU wichtig, um die Entscheidungsfähigkeit der EU und ihrer Währungsunion zu gewährleisten. Eine Regierungskoalition mit der SPD und den Grünen könnte zu einer etwas schnelleren und tieferen Integration in Europa führen. Diese beiden Parteien könnten sogar eher bereit sein, zusätzliche Mittel für finanziell eingeschränktere Länder innerhalb der EU auszugeben (im Vergleich zu einer CDU/CSU-geführten Regierung). Solche zusätzlichen Ausgaben könnten zu einer Verringerung der immer noch starken und teilweise sogar wachsenden Divergenz der Wirtschaftskraft in der Eurozone führen. Andererseits könnte die Bedeutung von Menschenrechten und Umweltpolitik für eine SPD/Grüne-geführte Regierung auch zu einer harten Diskussion mit konservativeren und wirtschaftsfreundlicheren Regierungen in Europa führen.

5. Was würde passieren, wenn eine Minderheitsregierung gebildet wird?

Wir gehen nicht davon aus, dass eine Minderheitsregierung gebildet wird, da das deutsche Gesetzgebungsverfahren es sehr schwierig macht, ohne Kanzlermehrheit zu regieren. In der deutschen Geschichte gab es nur sehr wenige Fälle, in denen eine Minderheitsregierung gebildet wurde, und ihre Amtszeit reichte nur von wenigen Tagen bis zu einigen Monaten. Es ist wirklich fraglich, ob der deutsche Bundespräsident dem zustimmen würde. Sollte es wider Erwarten zur Bildung einer Minderheitsregierung kommen, wäre dies ein ziemlich fragiles Signal an die europäischen Partner und könnte zu einer Zunahme der Unsicherheit im Vorfeld der bevorstehenden französischen Wahlen im Frühjahr 2022 führen. Allerdings könnte es sein, dass die Partei mit den meisten Sitzen im Bundestag diesmal nicht an der neuen deutschen Regierung beteiligt ist.

6. Es wird vermutet, dass die Grünen an der neuen Koalitionsregierung in Deutschland beteiligt sein könnten. Wie wird ihre Politik die neue deutsche Regierung beeinflussen?

Die Politik der Grünen wird sicherlich auf mehr grüne Investitionen drängen, mehr als bereits in den Programmen der meisten Parteien enthalten ist. Die Grünen wollen die öffentlichen Ausgaben um 1,5 Prozent des BIP (etwa 50 Mrd. EUR) erhöhen. Aber der Trend zu mehr grünen Investitionen und weniger Fokus auf Haushaltsdisziplin ist bereits Teil eines Mainstreams, da sogar die finanziell restriktivere FDP oder CDU/CSU erklärt haben, wesentlich mehr für grüne Investitionen auszugeben.

7. Wie sieht der genaue Zeitplan für die Koalitionsbildung und die Wahl eines neuen Bundeskanzlers in Deutschland aus?

Es gibt keinen genauen Zeitplan. Der neue Deutsche Bundestag muss mindestens 30 Tage nach der Wahl zusammentreten, aber es gibt keinen festgelegten Zeitraum, bis zu dem er über einen potenziellen Kanzler abstimmen muss. Wenn der Bundestag jedoch ein erstes Mal über einen Kandidaten abgestimmt hat und keine absolute Mehrheit für den Kandidaten erreicht werden kann, gilt eine Frist von 14 Tagen, innerhalb derer der Bundestag erneut abstimmen muss. Nach der zweiten Abstimmung ist für die Wahl eines Bundeskanzlers nur noch eine relative Mehrheit erforderlich - eine Minderheitsregierung ist also möglich, müsste aber vom Bundespräsidenten akzeptiert werden. Lehnt der Bundespräsident dies ab, muss der Bundestag aufgelöst und innerhalb von 60 Tagen Neuwahlen angesetzt werden.


Vontobel Asset Management

Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen über-zeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.

Die Würfel sind gefallen – und nun?

Der Wahlausgang bietet viele Koalitionsmöglichkeiten, aber wenig Kapitalmarktimplikationen. Was Investoren im Blick haben sollten.

Bei der gestrigen Bundestagswahl ist es zu deutlichen Verschiebungen in der Parteienlandschaft gekommen. Mit 25,7 Prozent wird die SPD knapp vor der CDU/CSU stärkste Partei, verfügt aber über keine Regierungsmehrheit. „Aktuell ist offen, auf welche Koalition es hinausläuft und wie der Koalitionsvertrag aussehen könnte“, sagt Daniel Kerbach, CIO bei der BayernInvest, „wir gehen von längeren Verhandlungen aus. Dies kann zu einem temporären Risikoaufschlag für deutsche Staatsanleihen führen.“

„Als die wahrscheinlichsten Regierungskonstellationen gelten die Ampel-Koalition (SPD-Grüne-FDP), die Jamaika-Koalition (CDU/CSU-Grüne-FDP) sowie die große Koalition (CDU/CSU-SPD)“, so Kerbach weiter, „sie alle planen vorerst keine für den Kapitalmarkt gravierenden Veränderungen.“ Eine Beteiligung von FDP und Grünen an der Regierung könnte zu einem Innovationsschub führen.

„Stärkere EU- und Klimainvestitionen – wie sie Grüne und SPD fordern – unterstützen Spreads der Peripherie-Länder und den Euro. Ausgabenprogramme für Klimaprojekte und Infrastruktur werden sich am Anteil des BSP von 2% auf gut 4% verdoppeln“, sagt Wiebke Merbeth, Leiterin Nachhaltigkeit bei der BayernInvest.

„Wir empfehlen eine ausgewogene Risikoallokation mit Fokus auf substanzstarke Anlageklassen und zur Beimischung von Themen wie Industrieaktien und erneuerbare Energieaktien, die von den Konjunktur- und Ausgabeprogrammen der wahrscheinlichsten Regierungskoalitionen profitieren“, sagt Kerbach.

Fazit: Das Ergebnis der Bundestagswahl ist kapitalmarktfreundlich. Es ist jedoch von langwierigen Koalitionsverhandlungen auszugehen. Die Auswirkungen auf die europäischen und globalen Kapitalmärkte bleiben vorerst gering. Vielmehr dominieren die Zentralbanken (EZB & FED) die Märkte weiterhin durch Quantitative Easing und dessen Veränderungen in naher Zukunft.


BayernInvest

Als Assetmanager und deutscher ESG-Spezialist bietet die BayernInvest maßgeschneiderte Anlage- und Risikomanagement-Konzepte, eine professionelle Fondsverwaltung sowie ein marktführendes Nachhaltigkeitsreporting. Über die Alternative Investment-Plattform der BayernInvest Luxembourg S.A. werden auch komplexeAnlagestrategien im Bereich der Alternativen Anlageklassen umgesetzt. Mit einem verwalteten Volumen von über 100 Mrd. Euro und als 100-prozentige Tochter der BayernLB ist die BayernInvest regional verwurzelt mit dem Blick auf das internationale Marktgeschehen. Wir machen Nachhaltigkeit profitabel. Und Profitabilität nachhaltig. Weitere Informationen unter www.bayerninvest.de

EU und UK im Regulierungswettstreit

von Dr. Alpay Soytürk, Chief Regulatory Officer bei Spectrum Markets.

Es gab eine Debatte darüber, ob die regulatorischen Unterschiede zwischen den Finanzsektoren der Europäischen Union und des Vereinigten Königreichs nach dem Brexit sozusagen bereinigt sind. Da Großbritannien und die EU zwischen Juni 2016, dem Datum des Brexit-Referendums, und dem Ende der Brexit-Übergangszeit, die am 31. Dezember 2020 auslief, keine Fortschritte bei der gegenseitigen Angleichung der Regulierung des Finanzsektors erzielt haben, war eine gemeinsame Erklärung über die Bereitschaft zur Zusammenarbeit in regulatorischen Aspekten alles, was in dem um Weihnachten 2020 angenommenen 1.276-seitigen Handels- und Kooperationsabkommen zu finden war.

Obwohl Ende März dieses Jahres eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit in Regulierungsfragen unterzeichnet wurde, fehlen Details. Die Weigerung der EU, Großbritannien die "Äquivalenz" zu gewähren wurde als Indikator für die Unvereinbarkeit der Positionen gesehen. Wohin das führen wird, ist noch unklar – warum das wichtig ist, nicht.

Betrachtet man die gegenwärtigen Unterschiede – und diejenigen, die in Zukunft zu erwarten sind, wenn einflussreiche Stimmen wie die des britischen Arbeitskreises für Innovation, Wachstum und Regulierungsreform7 Gehör finden – könnte man zu dem Schluss kommen, dass es zwei divergierende Strömungen der Finanzmarktregulierung geben könnte, die jeweils um die beste Kombination aus Kundenschutz, Marktstabilität und -integrität und fairem, lebendigem Wettbewerb konkurrieren. Außerdem liegt es auf der Hand, dass dies zu einem Wettlauf nach unten bei den Regulierungsstandards führen muss, da beide Rechtsordnungen auch miteinander im Wettbewerb um die Anziehungskraft für Big Finance sowie um den fruchtbarsten Boden für Innovationen und junge Unternehmer zur Entwicklung von Zukunftstechnologien z.B. im Zahlungsverkehr, bei Handels- oder Nachhandelsdienstleistungen oder in anderen Bereichen stehen. Insbesondere die vorgeschlagene Dark-Pool-Verordnung deutet darauf hin, dass London versucht sein könnte, einen Teil des Handelsvolumens zurückzugewinnen, das es infolge des Austritts aus der Europäischen Union an den Kontinent verloren hat.

Andererseits könnte argumentiert werden, dass es Faktoren gibt, die den Spielraum für eine ungezügelte Lockerung der Normen einschränken. Einer davon ist, dass die Branche die Anwendbarkeit unterschiedlicher Standards für ein und dieselbe Dienstleistung generell ablehnt. Die Banken haben sich infolge des Brexits darauf eingestellt, unterschiedliche Kundenstämme von unterschiedlichen Hauptsitzen aus zu betreuen. Unterschiedliche Standards sind jedoch mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand verbunden, damit die internen Prozesse effizient bleiben. Bei einer Abwägung zwischen niedrigeren Standards für einen Teil des Geschäfts und höheren Standards für einen anderen Teil gegenüber höheren Standards für den größeren Markt um den Preis eines vollständigen Rückzugs aus dem kleineren Markt, könnten sich viele Unternehmen für das letztere Szenario entscheiden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Reifegrad des Kundenstamms, d. h. die Frage, inwieweit die Kunden an Standards gewöhnt sind, die sie nicht missen möchten, oder die Erwartungen der Allgemeinheit an die Durchsetzung von Standards zum Schutz ihrer Interessen.

In diesem Zusammenhang ist es denkbar, dass Großbritannien ein Regulierungssystem einführt, das flexibler auf kurzfristige Veränderungen reagieren kann und weniger restriktiv gegenüber kleineren Unternehmen ist, deren Tätigkeiten weniger einschneidend sind oder die in der Anlaufphase ihrer Unternehmen bestimmte Ausnahmen benötigen. Die EU versucht übrigens, einen ähnlichen Ansatz zu verfolgen, wie Regulierungsvorschläge wie ihre DLT-Pilotregelung8 zeigen. Was die Regulierung anbelangt, ist daher unseres Erachtens ein allgemeiner Trend zu mehr Flexibilität, Verhältnismäßigkeit und der Würdigung neuer Technologien und globaler Trends wahrscheinlicher. Dieses Phänomen, bei dem die Akteure in Politik, Recht und Wirtschaft darauf hinarbeiten, ein möglichst anspruchsvolles Umfeld für Unternehmen zu schaffen, wird als "Competitive Governance" bezeichnet. Man könnte es auch einen Wettlauf an die Spitze nennen.

Immobilien-Boom in China am Ende?

Die Zahlungsschwierigkeiten des chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande könnten das Ende des Immobilien-Booms in China einläuten, so Wilhelm Spitaler, Portfolio Management, Erste Asset Management.

Der wirtschaftliche Aufschwung Chinas war in den letzten Jahrzehnten auch von einem beispiellosen Aufschwung der chinesischen Immobilien-Branche begleitet.

Der Boom hat aber auch Schattenseiten und in den letzten Jahren zu einem Überangebot geführt: laut einem Bericht der Financial Times würde der aktuelle Wohnungs-Leerstand in China Platz für über 90 Millionen Menschen bieten. Aus chinesischer Sicht vermutlich eine kleine Zahl – aber aus europäischer Perspektive durchaus bemerkenswert: würden die leerstehenden Wohnungen doch ausreichen, um sämtliche Einwohner eines der fünf G7-Staaten (nämlich Frankreich, Deutschland, Italien, Großbritannien oder Kanada) zu beherbergen.

Evergrande-Kollaps – hausgemacht

Die chinesische Regierung hat auf den Immobilien-Boom und damit verbundene Risiken wie Überangebot und Spekulation reagiert und durch Regulierungsmaß-nahmen gegengesteuert: Peking formulierte – so der Financial-Times-Bericht – drei „rote Linien“, um die Finanzierungs-Levels zu reduzieren: Das Verhältnis Fremdkapital zu Vermögenswerten muss unter 70 Prozent, das Verhältnis Nettoschulden zu Eigenkapital unter 100 Prozent und das Verhältnis Barmittel zu kurzfristigen Verbindlichkeiten mindestens bei 100 Prozent liegen. Evergrande überschritt alle drei „roten Linien“, was zu einem Verbot weiterer Aufnahme von Schulden führte und damit Zahlungsschwierigkeiten und die aktuelle Krise ausgelöst hatte, die nun zunehmend zu einer politischen Krise mutieren dürfte.

Der Immobilienmarkt ist ein wichtiger Teil der chinesischen Erfolgsstory und damit auch wichtig für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung des Landes, das unter dem Motto „common prosperity“ – gemeinsamer Wohlstand – steht. Steigende Immobilienpreise und Wohlstand stehen in engem Zusammenhang mit einer prosperierenden Volkswirtschaft – dies muss die Regierung in Peking sicherstellen. Wohlstand kann auch durch Innovation oder Entwicklung „grüner“ Technologien erreicht werden – hier befindet sich China in einem Übergangsprozess, der durch die aktuellen Probleme eines großen Immobilienunternehmens bedroht erscheint.

Ein „Auffangen“ des Unternehmens könnte Marktteilnehmer dazu verführen, ebenfalls staatliche Hilfen in Anspruch nehmen zu wollen. Etwas, das die Regierung in Peking sicherlich nicht unterstützen will und darf.

Ein Konkurs könnte aber im Gegenzug – wie die volatile Marktentwicklung der letzten Tage gezeigt hatte – negative Auswirkungen auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung Chinas haben und das politische Ziel der „common prosperity“ gefährden.

Nächste Tage zeigen, ob das Problem gelöst wird

Die nächsten Tage und Wochen werden daher wohl zeigen, wie das Problem gelöst wird – am wahrscheinlichsten vermutlich in Form einer Art von „geordneter Abwicklung“, die den Investoren Verluste bescheren wird, aber ein „spill-over“ auf andere Wirtschaftsbereiche verhindern soll.

Evergrande ist das erste Opfer der staatlichen chinesischen Regulierungsmaßnahmen – und unglücklicherweise eines der größten Unternehmen in der chinesischen Immobilien-Branche.

Daher sind die Auswirkungen auch an den amerikanischen und europäischen Börsen spürbar.

Das Unternehmen verfügte aber nie über eine besonders gute Bonität, war niemals im Bereich „investment grade“ geratet und wurde von den internationalen Rating-Agenturen schon seit Jahren im Hochrisiko-Bereich beurteilt. Eine wirtschaftliche Verschlechterung, wie durch die Corona-Pandemie und die regulatorischen Verschärfungen induziert, resultiert nun in Zahlungsschwierigkeiten. Ein Umstand, der so nicht verwundern darf.

Entwicklung Immobilienpreise ausgewählter chinesischer Städte (Quelle: Bloomberg, Stand 31.08.2021)

Fazit

Was ein bisschen verwundert: die Auswirkungen auf die Entwicklung der Immobilienpreise in ausgewählten chinesischen Städten hält sich, wie auf obenstehender Grafik ersichtlich ist, in Grenzen. Wir nehmen das als positives Zeichen, dass sich negative Effekte einer möglichen Evergrande-Pleite in Grenzen halten.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Schwellenländer zwischen US-Tapering und Pandemie

Wie geht es weiter in den Schwellenländern? Uday Patnaik, Head of Emerging Markets Debt, und Volker Kurr, Head of Europe Institutional bei Legal & General Investment Management (LGIM), geben eine Einschätzung:

Schwellenländer-Investoren sorgen sich weiterhin um das US-Zinsniveau und um das Corona-Virus. Bei ersterem dürfte ein „Tapering“ die Zinsen anheben, wenn auch nur in Maßen. Das Risiko besteht darin, dass die US-Zinsen aufgrund von Sorgen über eine steigende Zahl an Covid-Fällen stärker steigen könnten. Das erstgenannte Szenario (moderat steigende Zinsen) dürfte Schwellenländeranleihen vor allem aus technischen Gründen zugutekommen: Der Carry bleibt attraktiv, insbesondere für Fonds mit unterdurchschnittlicher Performance, die gegen Jahresende unter Druck stehen werden, ihre Performance zu verbessern.

Eine gewisse Sorge bereitet auch die Stärke des US-Dollars. Ein gutes US-Wachstum könnte allerdings das Leistungsbilanzdefizit ausgleichen. Für die Schwellenländer-Währungen wiederum spricht: Zwischenzeitlich verschafften höhere Lebensmittel- und Treibstoffpreise einer ganzen Reihe von Schwellenländern Auftrieb – von Brasilien, Peru und Mexiko in Lateinamerika bis hin zu Russland, Armenien, der Tschechischen Republik, Polen und der Ukraine in Mittel- und Osteuropa.

Darüber hinaus bleibt das Umfeld für die Schwellenländer günstig, da die Bilanzen der G4-Zentralbanken weiter zulegen, die Bewertungen der Schwellenländer im Vergleich zu US-Krediten attraktiv sind und die Cashflows (Tilgungs- und Kuponzahlungen, die an die Anleger zurückfließen) in den nächsten Monaten steigen werden, was zu den ohnehin schon hohen Barbeständen beitragen wird. Unter der Voraussetzung, dass die Wachstumsgeschichte weiter läuft – Infektionen in China und regulatorische Maßnahmen machen hier den Unterschied – sollte das dazu führen, dass die Schwellenländer bis zum Jahresende fester tendieren.

Was zeichnet eine Qualitätsaktie aus?

von Alexander Sikora-Sickl, Head of Global Strategies & Research, Erste Asset Management.

Wer kennt ihn nicht? Den vor allem bei Konsumgütern gebräuchlichen Spruch „Wer billig kauft, kauft teuer“? Gemeint ist damit, dass billige Konsumgüter oft nicht das halten, was sie versprechen. Dies ist meist auf die Haltbarkeit bezogen, also auf die Qualität. Wiederholte Ersatzbeschaffungen und das letzten Endes erworbene Qualitätsprodukt kosten in Summe mehr, als wenn der Konsument bereits zu Beginn mehr ausgegeben und in das Qualitätsprodukt investiert hätte.

Doch wie verhält es sich mit Aktien? Fährt der Anleger „a la Long“ auch mit qualitativ guten Aktien besser? Dieser Frage möchte ich hier nachgehen. Wobei sich an dieser Stelle die nächsten Fragen anschließen: Was zeichnet eine Qualitätsaktie aus? Ist es geringeres Risiko, ein höherer Ertrag oder beides? Und last but not least: Wie lässt sich der Begriff Qualität bei Aktien überhaupt definieren? Auch diese Fragen sollen im Folgenden näher beleuchtet werden.

Qualität eines Unternehmens

Will man die Qualität eines Unternehmens feststellen, stehen zunächst Kennzahlen aus Jahres- und Quartalsberichten im Vordergrund. Dabei werden Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Cash Flow Statement analysiert, Kennzahlen daraus errechnet und mit jenen anderer Unternehmen oder mit Marktdurchschnitten verglichen. Dieser Prozess ist als Fundamentalanalyse bekannt.

Darüber hinaus kann die Qualität eines Unternehmens auch über sogenannte weiche Kriterien beurteilt werden. Als Beispiel wäre hier die Umsetzungsstärke des Managements zu nennen oder dessen Glaubwürdigkeit. Dieser Beitrag soll sich auf fundamentale Kennzahlen konzentrieren. Sie ermöglichen es Anlegern effizient die Unternehmensqualität einzuschätzen und gegebenenfalls die Spreu vom Weizen zu trennen.

Bei Anleihen und Immobilien hat die Beurteilung der Qualität des Investitionsobjektes in Form eines Bonitätsratings oder eines Gutachtens eine lange Tradition. Im Zusammenhang mit Aktien taucht der Begriff Qualität erstmals in den frühen 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bei Benjamin Graham auf. Dieser war nach dem Börsenkrach von 1929 bestrebt, qualitativ gute von schlechten Aktien systematisch, anhand von Kennzahlen zu unterscheiden. Graham wird daher oft als Begründer der Fundamentalanalyse und des Value Investings gesehen. Letzteres deshalb, weil bei ihm die Preiswürdigkeit einer Aktie im Zentrum seiner Bemühungen stand. Deshalb wird auch heute noch der Begriff Qualität häufig mit Value in Verbindung gebracht.

Dies ist nicht korrekt, denn gerade Wachstumsaktien weisen nicht selten eine sehr hohe Qualität auf. Aus diesem Grund haben sich in den letzten Jahrzehnten Investmentansätze wie Quality-Growth etabliert: also das Investieren in Unternehmen, die starkes Wachstum und hohe Qualität vorweisen können. Heute hat sich weitgehend die Definition durchgesetzt, wonach man unter Qualitätsaktien die Aktien jener Unternehmen versteht, die eine hohe Profitabilität, ein nachhaltiges Wachstum und ein geringes unternehmerisches Risiko aufweisen. Als weiterer Eckpfeiler kommt häufig ein günstiges Bewertungsniveau hinzu, was aber je nach Investmentansatz nicht zwingend sein muss.

Kennzahlen, um die Qualität zu bestimmen

Beginnen wir bei der Profitabilität. Von einem Unternehmen hoher Qualität wird erwartet, dass es eine möglichst hohe Verzinsung auf das eingesetzte Kapital erwirtschaftet. Gemessen wird dies in der Praxis über diverse Rentabilitätskennzahlen, wie der Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity, ROE) oder der Gesamtkapitalrentabilität (Return on Assets, ROA). Eine hohe Rentabilität wird häufig dann erzielt, wenn aus dem erzielten Umsatz möglichst viel Gewinn generiert werden kann. Aus diesem Grund macht ein Blick auf die Gewinnmargen des Unternehmens Sinn, wie z.B. der Net Income Margin oder der Operating Margin.

Ein weiterer Faktor ist das bereits erwähnte Risiko des Unternehmens. Dieses fällt umso niedriger aus, je geringer die Verschuldung des Unternehmens ist. Je höher die Verschuldung, desto größer das Risiko, dass das Unternehmen in Zahlungsnot gerät, seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen kann und in den Bankrott schlittert. Für die rasche Beurteilung der Verschuldungssituation eines Unternehmens eignen sich allen voran das Verhältnis der Schulden zum Eigen- oder Gesamtkapital. Natürlich ließe sich diese sich gerade diese Thematik noch wesentlich weiter vertiefen und verfeinern, indem zwischen lang- und kurzfristigen Verschuldungskennzahlen unterschieden wird oder Gewinn- oder Cash Flow Größen in Relation zur Zinslast des Unternehmens gesetzt werden. Dies würde jedoch den Rahmen dieses Blogs sprengen.

Außerdem Achtung: hohe Eigenkapitalrentabilität und niedrige Verschuldung sind konkurrierende Ziele. Häufig wird erstere durch einen hohen Financial Leverage, also durch hohe Kreditaufnahmen, erreicht. Qualitätsunternehmen meistern jedoch beides, einen hohen ROE bei niedriger Verschuldung. Ein Blick auf den ROA enthüllt jene Unternehmen, deren hohe Eigenkapitalrentabilität auf eine hohe Verschuldung zurückzuführen ist.

Das dritte typische Kennzeichen für Qualitätsunternehmen ist das Wachstum. Wachstum bedeutet Steigerung der Umsätze, welche die wichtigste Quelle steigender Gewinne darstellen. Steigende Gewinne lassen wiederum die Rentabilität anwachsen und ermöglichen es dem Unternehmen seinen Verbindlichkeiten nachzukommen. Qualitätsunternehmen weisen daher ein relativ konstantes Wachstum auf, das sich von Wirtschaftszyklen weitgehend abgekoppelt hat. Dieses konstante Wachstum bezieht sich sowohl auf die durchschnittlichen Umsatz- und Gewinnsteigerungen der letzten Jahre als auch auf die prognostizierten Zuwächse in der nächsten Zukunft.

Als letzter Punkt bleibt die Bewertung des Unternehmens. Diese sagt per se nichts über die Qualität eines Unternehmens aus und wird daher nicht unmittelbar zu den Kriterien gezählt, die ein Qualitätsunternehmen auszeichnen. Die Bewertung rückt aber in den Fokus, wenn ein Investor eine Beteiligung an dem Unternehmen bzw. ein Anleger den Kauf von Aktien des Unternehmens anstrebt. Fällt die Bewertung zu hoch aus, kann selbst ein Unternehmen mit sehr hoher Qualität ein unattraktives Investment werden. Meines Erachtens spielt dies jedoch wesentlich mehr in die Value Thematik hinein, während dieser Beitrag die reine Qualität ins Zentrum der Betrachtung stellt.

Abschließend zum theoretischen Teil und als Übergang zur Praxis bzw. Empirie wollen wir uns die derzeit gängigsten Kennzahlen ansehen, mittels derer die Qualität von Unternehmen bestimmt wird.

Wie für viele andere Marktsegmente auch, existieren inzwischen Indizes, die das Segment der Qualitätsaktien abbilden. Die bekanntesten Indexanbieter in diesem Zusammenhang sind MSCI und Standard & Poor’s. Beide Firmen verwenden zur Bestimmung einer Qualitätsaktie drei Kennzahlen, die sich im Detail geringfügig unterscheiden. Sowohl für MSCI als auch für S&P stellt der ROE die wichtigste Messgröße dar. Als zweite Kennziffer kommt die Debt-to-Equity Ratio, das Verhältnis zwischen Verschuldung und Eigenkapital, zur Anwendung. Der Unterschied liegt in der dritten Kennzahl. Hier nimmt S&P nochmals auf die Bilanz Bezug und errechnet die Veränderung des Netto-Vermögens (Accruals Ratio) des Unternehmens über die letzten zwei Jahre. MSCI hingegen stellt mit seiner dritten Kennzahl auf die Gewinnsituation des Unternehmens ab. Konkret wird die Gewinn-Variabilität (Earnings Variability) herangezogen. Diese Kenngröße zeigt, wie stark die Gewinnentwicklung während der letzten 5 Jahre geschwankt hat. Je konstanter das erzielte Gewinnwachstum, desto besser ist die Qualität eines Unternehmens einzustufen.

Quality Investings und Erträge

Aus Sicht eines Anlegers ist nicht nur die Definition von Qualität auf Unternehmensebene von Bedeutung, sondern es stellt sich auch die Frage, ob es langfristig tatsächlich Sinn macht, in Aktien von Unternehmen mit hoher Qualität zu investieren? Von der Theorie her wäre zu erwarten, dass sich hohe Qualität, hinter der überdurchschnittliche Rentabilität, geringeres unternehmerisches Risiko und kontinuierliches Wachstum stecken, auch in positiven Returns niederschlägt.

Eine Performancevergleich ab der Jahrtausendwende zeigt, dass es sich definitiv ausgezahlt hätte, Aktien nach deren Qualität zu selektieren. Dies veranschaulicht nachfolgender Chart. Hätte man Ende 1999 100 US-Dollar in globale Aktien veranlagt, wären daraus bis Ende August 2021 329 US-Dollar geworden. Dies entspricht einer Rendite von 5,64% pro Jahr. Ein gängiger Investmentansatz ist das Value Investing. Dieses hätte im betreffenden Zeitraum aus den ursprünglichen 100 US-Doller etwa 293 US-Dollar gemacht, also 5,1% p.a. Gerade während der letzten Jahre standen vor allem wachstumsstarke Unternehmen im Zentrum des Anleger-Interesses, primär aus dem Technologiesektor. Wie die Zahlen zeigen, hätte sich eine Wachstumsstrategie auch längerfristig ausgezahlt und einen höheren Ertrag als der breite Markt gebracht. Konkret wurden aus 100 US-Dollar, die in Growth-Aktien veranlagt worden wären, 349 US-Dollar geworden – ein positiver Return von 5,9% pro Jahr. Der große Gewinner waren jedoch Qualitätsaktien. Diese hätten die genannten 100 US-Dollar über den Betrachtungszeitraum auf 519 US-Dollar anwachsen lassen. Das entspricht einer jährlichen Verzinsung von 7,87%. Damit führen Qualitätsaktien das Ranking der gängigen Investmentstile an. Dahinter folgen Aktien mit geringer Volatilität (+6,94% p.a.) und Aktien mit hoher Dividendenrendite (+5,95% p.a.).

Die eingangs gestellte Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Aktienselektion nach Qualitätskriterien, kann somit bejaht werden. Das Marktsegment Qualität konnte auf lange Sicht die anderen Sektoren klar schlagen.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Wie nachfolgende Tabelle zeigt, lieferten sich Qualitätsaktien in der jüngsten Vergangenheit ein Kopf an Kopf Rennen mit Wachstumstiteln. Einschränkend muss allerdings angemerkt werden, dass es diesbezüglich zu sehr starken Überschneidungen gekommen ist. Die Schwergewichte unter den Wachstumsaktien (Google, Apple, Amazon, Microsoft, etc.) weisen meist auch eine hohe Qualität auf.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Risiko des Quality Investings

Nachdem wir festgestellt haben, dass Qualitätsaktien langfristig superiore Renditen erzielen konnten bzw. sich in der jüngsten Vergangenheit in etwa gleich auf mit Wachstumsaktien entwickelten, stellt sich die Frage nach dem Risiko des Quality Investings.

Wie Eingangs festgehalten, ist ein möglichst geringes Unternehmensrisiko ein wichtiges Element bei der Definition von Qualität auf Unternehmensebene. Von der Theorie her wäre somit zu erwarten, dass sich dies auch in einem niedrigeren Kursrisiko niederschlägt. Betrachtet man die Entwicklung der Investmentstile seit Ende 1999, so bestätigt sich diese Annahme. Abgesehen vom Segment der Aktien mit geringer Volatilität, weisen Qualitätsaktien die niedrigsten Kursschwankungen auf. So lag die Volatilität von Qualitätstiteln seit Ende 1999 bei 13,9% p.a., während der Gesamtmarkt eine Volatilität von 15,4% zu verzeichnen hatte. Im selben Zeitraum lagen Value- und Growth-Aktien bei einer Volatilität von 15,8% bzw. 15,9% pro Jahr. Auch in der jüngsten Vergangenheit verzeichneten Aktien mit hoher Qualität relativ gesehen die geringsten Kursschwankungen, wie nachfolgende Tabelle veranschaulicht.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Abschließend wollen wir das Verhältnis von Ertrag zu Risiko betrachten. Wie sich aus nachfolgender Grafik herauslesen lässt, weisen Qualitätsaktien langfristig das mit Abstand attraktivste Verhältnis zwischen Ertrag und Risiko auf. Wenn wir uns die Zahlen der zuvor angeführten Tabellen ansehen, so gilt dies auch für die jüngste Vergangenheit. Über manche Zeiträume hatte zwar Growth die Nase vorne, vom Risiko jedoch lagen Qualitätstitel immer besser.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Die Qualität im Auge behalten

Somit lässt sich festhalten, dass sich die Qualität eines Unternehmens auf längere Sicht auch in den Aktienkursen niederschlägt. Kurzfristig mögen starke Zyklen in anderen Segmenten zu beobachten sein. Dies war nach dem Platzen der Techblase zum Beispiel bei dividendenstarken Aktien oder Aktien mit geringer Volatilität der Fall oder zuletzt bei Wachstumstiteln. A la Long konnte sich Qualität durchsetzen und wies darüber hinaus eine relativ geringe Zyklizität in der Entwicklung auf. Das geringere Unternehmensrisiko und nachhaltige Wachstum ließen sich in den letzten Jahrzehnten in geringere Kursschwankungen bei gleichzeitig superioren Renditen ummünzen. Qualitätsaktien verhielten sich vom Gesamtbild her so, wie es die Theorie erwarten ließ.

Für den AnlegerInnen bedeutet dies, dass eine Orientierung an fundamentalen Qualitätskriterien Sinn macht. Die Empirie zeigt: Kräftiges Wachstum ist positiv, starkes Wachstum gepaart mit Qualität ist noch besser. Darüber hinaus reicht – wie oben erläutert – bereits der Blick auf einige wichtige fundamentale Eckdaten, um Aktien mit geringer Qualität auszuschließen bzw. solche mit hoher Qualität zu identifizieren.

Fonds für Qualitätsaktien

Auch in der Produktpallette der Erste Asset Management stellt die Unternehmensqualität einen wichtigen Eckpfeiler in der Aktienselektion dar. Besonders zum Tragen kommt dieser Aspekt beispielsweise im Fonds ERSTE EQUITY RESEARCH. Es handelt sich dabei um einen globalen Aktienfonds, der in seinem aktiven Investmentansatz Qualität mit Wachstum verbindet, also einen ausgeprägten Quality-Growth-Ansatz verfolgt. Basis für die Titelauswahl des Fonds ist die öffentlich zugängliche Empfehlungsliste des Erste Group Research.

Diese Liste besteht zu ca. 80% aus „Global Playern“, also den wichtigsten und größten Unternehmen Ihrer Branche, und zu 20% aus so genannten „Rising Stars“. Das sind Unternehmen, die in den kommenden Jahren zu Global Playern werden könnten. Bei der Titelauswahl wird auf Unternehmen gesetzt, welche eine relativ stabile Gewinnentwicklung bei überdurchschnittlich hoher Profitabilität aufweisen.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.
Quelle: Refinitiv Datastream


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Post-Covid-19: Investments in nachhaltige Infrastruktur

Damit die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals bzw. SDGs) in den Schwellenländern erreicht werden können, muss die Investitionslücke geschlossen werden. Dies wird vor allem durch Infrastrukturinvestments möglich. Denn sie werden nach der Covid-19-Krise einer der wichtigsten Treiber für nachhaltiges Wachstum in den Schwellenländern sein. Felix Hermes, Head of Private Equity & Sustainable Infrastructure bei BlueOrchard, erläutert, welche Rolle nachhaltige Infrastrukturinvestments nach der Corona-Pandemie in den Schwellenländern einnehmen werden.

Megatrends, die über die Energiewende hinausgehen, wie Urbanisierung, Smart Cities und Digitalisierung sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und werden sich vermehrt in Infrastrukturinvestments in Schwellen- und Frontier-Märkten niederschlagen. Um die Investmentlücke zu schließen, wird Privatkapital eine entscheidende Rolle spielen. Denn die Bilanzen der Regierungen werden aufgrund der Pandemie immer stärker belastet.

Bereits vor Pandemieausbruch hatten einige Schwellenländer umfangreiche Infrastrukturprogramme, vor allem im Energiebereich, aufgelegt. Die damit verbundenen Investitionen werden vermutlich nicht in gleichem Maße zurückgehen wie in früheren Krisenzeiten.

Erneuerbare Energien im Fokus

Investoren werden sich weiterhin auf den Energiesektor und hier vor allem auf erneuerbare Energien in den Schwellenländern fokussieren, sodass voraussichtlich zunehmend internationales Privatkapital in diesen Sektor fließen wird. Grund dafür ist eine Kombination aus Spillover- und Lerneffekten in diesen Ländern, weiter sinkende Investitions- und Lebenszykluskosten für Anlagen erneuerbarer Energien sowie die zunehmende politische Bedeutung von Klimaschutz in Schwellenländern. Dies könnte zu einem zunehmenden Wettbewerb in bestimmten Ländern führen, wie beispielsweise in Südostasien, was wiederum den Druck auf die Renditen erhöht.

Erhöhte Nachfrage nach Telekommunikationsinfrastruktur

Aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Datenverkehr und Konnektivität hat die Telekommunikationsinfrastruktur von der Pandemie profitiert. Dennoch bedarf es zusätzlicher Investitionen, um die digitale Kluft zwischen ländlichen und städtischen Gebieten in den Schwellenländern und Frontier-Märkten zu verringern. Die etablierten Telekommunikationsunternehmen haben weder die nötige Bilanz noch die Absicht, sich auf infrastrukturbezogene Investitionen zu konzentrieren. Um die Transaktion, wie Telekommunikationstürme und Glasfaseranlagen, zu finanzieren, sehen wir signifikante Chancen für private Investments. Das Wachstumspotenzial des Telekommunikations-Sektors basiert auf den guten Rahmenbedingungen, die sich in der steigenden Nachfrage durch das Internet der Dinge (IoT) und der Vernetzung sowie in der demografischen Entwicklung und technologischen Aufrüstung widerspiegeln.

Nicht zuletzt hat die Pandemie auch den dringenden Bedarf an Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur in mehreren Schwellenländern gezeigt. Dieser Sektor lag bisher nicht im Blickfeld privater Investoren. Allerdings bleibt die Frage zu klären, ob gesundheitsbezogene Investitionen aufgrund der zugrunde liegenden Anlagecharakteristika und des Risiko-Exposures (Volumenrisiko etc.) als Infrastruktur klassifiziert werden können.


About BlueOrchard Finance Ltd

BlueOrchard is a leading global impact investment manager and member of the Schroders Group. As a pioneering impact investor, the firm is dedicated to generating lasting positive impact for communities and the environment, while aiming at providing attractive returns to investors. BlueOrchard was founded in 2001, by initiative of the UN, as the first commercial manager of microfinance debt investments worldwide. Today, the firm offers impact investment solutions across asset classes, connecting millions of entrepreneurs in emerging and frontier markets with investors with the aim to make impact investment solutions accessible to all and to advance the conscious use of capital. Being a professional investment manager and expert in innovative blended finance mandates, BlueOrchard has a sophisticated international investor base and is a trusted partner of leading global development finance institutions. To date, BlueOrchard has invested over USD 8bn across more than 90 countries. Over 216 million poor and vulnerable people in emerging and frontier markets received access to financial and related services with the support of BlueOrchard as of March 2021. For additional information, please visit: www.blueorchard.com.

Norwegens Zentralbank auf dem Weg zur ersten Zinserhöhung im europäischen Raum

von Dr. Malte Kirchner, Institutional Senior Sales Spezialist bei DNB Asset Management.

Insgesamt zeigt sich, dass die starken Volkswirtschaften im Norden, insbesondere Norwegen, die Pandemie gut gemeistert haben und sowohl die Fundamentaldaten als auch die Aussichten für die nächsten Monate sehr gut sind. Aus diesem Grund schlagen sie bereits jetzt, im Gegensatz zu anderen Zentralbanken, einen Pfad der Erhöhung des Leitzinses ein.

Die Norges Bank wird den Leitzins mit aller Voraussicht nach um 25 Basispunkte auf 0,25 % anheben. Dies stünde im Einklang mit den seit Juni gegebenen Leitlinien, als die Zentralbank erklärte, dass der Leitzins höchstwahrscheinlich im September angehoben wird, da sie die Zinsen recht schnell auf ein „normal-Niveau“ anheben wollen. Diese Botschaft wurde während der August-Sitzung bekräftigt, auf der die wirtschaftliche Entwicklung als im Rahmen der Erwartungen liegend eingeschätzt wurde. Seit der Juni-Sitzung haben neue Informationen die Einschätzung der Norges Bank zu den kurz- und langfristigen Wachstumsaussichten wahrscheinlich nicht verändert. Die Wachstumsschätzung des BIP liegt bei 4 % und für 2022 erwarten die Experten der DNB ein BIP-Wachstum auf selbigem Level. Die Arbeitslosenquote soll gegen Ende 2022 auf knapp über 2 % sinken. Zwar berichten einige Sektoren von Schwierigkeiten bei der Einstellung von Arbeitskräften und es gibt Anzeichen für Lieferschwierigkeiten im verarbeitenden Gewerbe, doch glauben wir nicht, dass diese Faktoren die Leitzinsvorgaben der Norges Bank in großem Maße beeinflussen werden. Als Hauptwachstumstreiber erwarten wir im nächsten Jahr den privaten Konsum insbesondere im Bereich der Dienstleistungen. Norwegische Haushalte haben ihre Ersparnisse während der Pandemie stark erhöht und wir erwarten, dass sich dieser Nachholbedarf im kommenden Jahr in den Zahlen bemerkbar machen wird. Norwegen steht gerade kurz vor einer vollständigen Wiedereröffnung. Bisher haben etwa 90 % aller Erwachsenen eine Impfdosis erhalten und etwas mehr als 80 % sind vollständig geimpft. Die Zahl der neuen Covid-Fälle bleibt (für norwegische Verhältnisse) auf recht hohem Niveau, aber die Zahl der Krankenhauseinweisungen bleibt recht gering.

Das Gesamtbild der Inflation weicht zwar leicht vom Konsens ab, hat sich aber kaum verändert. Die Kerninflation geht allmählich zurück, da die NOK wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht hat, während die höheren Strompreise die Gesamtinflation des Verbraucherpreisindex auf über den Erwartungen liegende 3,4 % gegenüber dem Vorjahr ansteigen lassen. Wir gehen davon aus, dass sich die Norges Bank weiterhin auf die Kerninflation konzentrieren wird und dass eine unter dem Zielwert liegende Inflation kein Hindernis für eine Anhebung der Zinssätze darstellt, da sich die Kapazitätsauslastung der Normalität annähert. Der Zinspfad der Norges Bank sieht vor, dass in 3 weiteren Schritten der Leitzins bis Juni 2022 auf 1 % erhöht wird.


Über DNB

DNB Asset Management S.A. ist ein führender nordischer Vermögensverwalter, der Produkte innerhalb der nordischen Anlageklassen und in ausgewählten Themenbereichen anbietet. Er gehört zu 100% der an der Osloer Börse notierten DNB ASA Group, die zu den erfolgreichsten Finanzdienstleistern Skandinaviens zählt.

Europäische Anleihemärkte dürften das deutsche Wahlergebnis gelassen hinnehmen

von Ludovic Colin, Senior Portfoliomanager bei Vontobel.

Das Koalitionsspiel in Deutschland gleicht mehr und mehr einer Reise nach Jerusalem, so dass jede Art von Vorhersage im Moment schwierig erscheint.

Viele neigen dazu, zu vergessen, dass die Anzahl der Sitze im Bundestag variabel ist: Je nach Ergebnis könnte die Anzahl der Sitze auf 900 steigen (im Vergleich zu 706 heute). Die letzten Schätzungen gehen von 759 Sitzen aus, wobei die SPD die stärkste Fraktion im Parlament würde. Was die Koalitionsoptionen angeht, so ist eine große Koalition (SPD/CDU/CSU) weiterhin möglich, würde aber nur eine sehr knappe Mehrheit erhalten. Wahrscheinlicher ist, dass die Koalition aus drei oder mehr Parteien besteht, wodurch sich die Zahl der möglichen Kombinationen um ein Vielfaches erhöht.

Wenn die CDU/CSU Teil einer großen Koalition ist, wird es keinen massiven Wechsel in der Finanzpolitik in Deutschland oder der EU geben. Der einzige Unterschied könnte darin bestehen, dass die CDU/CSU in Deutschland nicht so schnell zu einer strikten finanzpolitischen Orthodoxie zurückkehren kann, wie sie es sich erhofft hat. Wenn die SPD allerdings schließlich den Ton angibt, wird es wahrscheinlich einen radikalen Meinungsumschwung in Bezug auf das Haushaltsdefizit, die europäische Integration und grüne Reformen geben. Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass ein solch radikaler Wandel stattfinden wird, und das Ergebnis dürfte wohl irgendwo in der Mitte liegen.

Bundesanleihen bleiben stabil, aber die Erhöhung der Haushaltsausgaben könnte alle EU-Zinskurven bewegen

Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass Deutschland einen Kurswechsel in der Finanzpolitik beschließt, ist das Land immer noch in einer viel besseren Verfassung als beispielsweise Frankreich. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Alternative als sicheren Hafen für europäische Staatsanleihen als Bundesanleihen. Daher werden sich die Renditen von Bundesanleihen im Vergleich zu denen der Nachbarländer nicht massiv bewegen. Eine Erhöhung der Steuerausgaben dürfte sich jedoch deutlich auf den gesamten Staatenverbund auswirken, indem sie Bewegungen in allen Renditekurven auslösen und die „Reflations‟-Erwartungen in Europa antreiben dürfte. Die EZB würde das begrüßen, da ihre Inflationsziele dann schneller erreicht würden, wodurch beispielsweise Quantitative Lockerungen überflüssig würden.

Europäische Staatsanleihen unattraktiv

Europäische Staatsanleihen sind derzeit weniger attraktiv, da sich das Wachstum in Europa bis zum Jahresende besser entwickeln dürfte als im Rest der Welt, was zu Veränderungen in der EZB-Politik führen sollte. Die EZB dürfte eine entspanntere Haltung einnehmen und den Renditen Raum geben zu steigen. Die Ergebnisse der deutschen Wahlen werden diesen Kurs nicht ändern, sodass es keine dauerhaften Auswirkungen auf die Rentenmärkte geben wird.


Vontobel Asset Management

Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen überzeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.
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Wasserstoff in Japan: Anlagechance der Zukunft

Ein Weg zur Reduzierung von Treibhausgasen führt über Wasserstoff-Technologien. Auf diesem Gebiet bietet sich Japans Unternehmen eine goldene Zukunft, meint Shigeru Aoyagi, Japan Value Chief Portfolio Manager bei Nikko Asset Management:

Viele japanische Unternehmen verfügen über die notwendigen Technologien zur Nutzung von Wasserstoff. Allerdings fehlt es häufig noch an der konkreten Umsetzung und an notwendigen Datengrundlagen. Oder die Firmen stecken noch in der Versuchsphase und sehen daher noch keine positiven Auswirkungen auf ihre Gewinne.

Beispiel Kawasaki. Am ehesten bekannt für seine Industrieprodukte, vom Motorrad bis zum Schiff, hat Kawasaki Heavy Industries im 20. Jahrhundert zum Aufstieg Japans zur Industriemacht beigetragen. Inzwischen setzt das Unternehmen mit seinem Wasserstoff-Schwerpunkt voll auf das 21. Jahrhundert.

Kawasaki Heavy ist das einzige Unternehmen der Welt, das über Kerntechnologien für jeden Schritt entlang der Wasserstofflieferkette verfügt. Das Unternehmen ist in der Lage, den flüchtigen Brennstoff zu produzieren, zu lagern und zu transportieren und ihn dann zur Energieerzeugung zu nutzen. Nur wenige können die nötigen Technologien nachahmen. So hat Kawasaki Anfang 2021 das weltweit erste Tankschiff vorgestellt, das flüssigen Wasserstoff transportieren kann. Das Unternehmen strebt bis 2040 einen Nettoumsatz von 500 Mrd. Yen (fast 4 Mrd. Euro) im Wasserstoffsegment an.

Japans Ziel der CO2-Neutralität rückt Wasserstoff in den Fokus

Japan hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu sein. Wenn das Land seinen Energiemix umgestaltet und seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert und wenn die Atomkraft keine brauchbare Alternative mehr darstellt, dürfte Wasserstoff eine Schlüsselrolle zukommen.

Ein Zwischenziel der Regierung lautet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 46 % gegenüber dem Stand von 2013 zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Land in den kommenden Jahren seine Anstrengungen drastisch verstärken. Die beiden wichtigsten Stellschrauben sind: Energie einsparen und Alternativen zu fossilen Brennstoffen einführen. Energieeinsparung spielt vor allem bei der Stromgewinnung eine wichtige Rolle. Der Energiesektor ist aber nur für 36 % der japanischen CO2-Emissionen verantwortlich. Um die verbleibenden 64 % in den Griff zu bekommen, ist der Einsatz von alternativen Brennstoffen unumgänglich.

Die Atomenergie ist eine solche Alternative. Die Regierung dürfte jedoch auf Widerstand stoßen, wenn sie versucht, deren Nutzung auszuweiten. Zu präsent ist Fukushima 2011 noch im öffentlichen Gedächtnis. Da Japan nur wenige andere Möglichkeiten hat, wird das Land versuchen, seinen Energiebedarf mit Wasserstoff zu decken.

Wasserstoff kann aus Erdgas und Kohle hergestellt oder durch Elektrolyse aus Wasser gewonnen werden. Bei ersterem entsteht CO2, das in einem Prozess namens Carbon Capture and Storage (CCS) abgeschieden wird, während der Wasserstoff für die Nutzung extrahiert wird. Bei letzterem werden enorme Mengen an CO2-freiem Strom aus erneuerbaren Energiequellen, vor allem Sonnenenergie, verwendet. Da Japan weder über die erforderlichen natürlichen Ressourcen noch über den nötigen Platz verfügt, um riesige Solarparks für die Elektrolyse zu errichten, muss es Wasserstoff aus Australien und dem Nahen Osten beziehen, die über reichlich natürliche Ressourcen, Land und Sonnenlicht für Solarfarmen verfügen.

Ammoniak – der günstigere Übergang

Allerdings stellt der Transport von in Australien und im Nahen Osten hergestelltem Wasserstoff nach Japan eine große technologische Herausforderung dar, da Wasserstoff für den Transport durch Abkühlung auf -253 Grad Celsius von Gas in Flüssigkeit umgewandelt werden muss. Aus diesem Grund steht Ammoniak, das als Verbindung von Wasserstoff mit Stickstoff als Wasserstoffträger dienen kann, derzeit im Mittelpunkt des Interesses. Es verflüssigt sich schon bei -33 Grad Celsius und lässt sich daher viel einfacher lagern und transportieren. Außerdem ist es sehr weit verbreitet; die Infrastruktur zur Lagerung und zum Transport ist bereits vorhanden. Wir glauben daher, dass Ammoniak in großem Umfang als Alternative zu Wasserstoff verwendet werden wird, bis die Technologie und die Infrastruktur für den effektiven Transport von Wasserstoff entwickelt sind.

Damit sich Wasserstoff als Energiequelle durchsetzt, müssen die mit ihm verbundenen Kosten gesenkt werden. Derzeit sind die Kosten für die Stromerzeugung mit Wasserstoff mehr als viermal so hoch wie die mit Ammoniak. Zunächst wird die japanische Öffentlichkeit einen Teil der Last durch höhere Steuern und Stromrechnungen vermutlich tragen müssen.

Fazit aus Anlegersicht

Die Einführung von Wasserstoff steht noch am Anfang. Sie bietet aber Potenzial für Unternehmen, die die richtigen Lösungen parat haben oder entwickeln. Diese Unternehmen und ihre Technologien müssen vom Markt größtenteils erst noch entdeckt werden. Wir möchten als Value-Anleger solche Unternehmen identifizieren, bevor sich ihre Stärken und ihr Know-how in ihren Aktienkursen niederschlagen.


Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 282,1 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Die passiven Strategien von Nikko AM decken darüber hinaus mehr als 20 Indizes ab und umfassen einige der führenden börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig. Mitsamt seiner Tochtergesellschaften beschäftigt das Unternehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit rund 25 Nationalitäten, darunter rund 200** Finanzfachleute. Mit Tochtergesellschaften und angeschlossenen Unternehmen ist Nikko AM in 11 Ländern und Regionen präsent. Weltweit vertreiben mehr als 400 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentteams profitieren von einer einzigartigen globalen Perspektive, ergänzt durch die gewachsene asiatische DNA der Firma, und sind bestrebt, beständige Spitzenleistungen zu erbringen. Das Unternehmen ist außerdem stolz auf seinen progressiven, lösungsorientierten Ansatz, der zur Auflegung vieler innovativer Fonds für seine Kunden beigetragen hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management und Beratung von Nikko Asset Management einschließlich Tochtergesellschaften zum 30. Juni 2021.
** Stand 30. Juni 2021 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.

Deutsche Bundestagswahl – Entscheidung über die Zukunft

von Thomas Schuckert, Fondsmanager der Erste AM.

Deutschland wird am 26. September 2021 zur Bundestagswahl schreiten. Nach 16 Jahren allerdings erstmals ohne eine Option „Angela Merkel“. Das mediale Hauptaugenmerk liegt derzeit auf den 3 umfragestärksten Parteien SPD, CDU/CSU sowie den GRÜNEN. Nach 2 von 3 geplanten TV-Diskussionen („Trielle“) dürften bereits etwa 75% der Wähler eine Entscheidung getroffen haben.

Die SPD sowie die GRÜNEN würden in der Wählergunst im Vergleich zur letzten Bundestagswahl 2017 deutlich zulegen, die CDU/CSU müsste ein deutliches Minus zu Kenntnis nehmen. Aber wenn die vergangenen Wochen eines gezeigt haben, dann das Höhenflüge in Umfragewerten sehr schnell beendet und das Potential für signifikante Änderungen durchaus vorhanden ist.

Trend und Trendumkehr

Im Verlauf des Wahlkampfs sind die drei führenden Parteien SPD, CDU/CSU und GRÜNE bereits durch Höhen und Tiefen geschritten. Die Umfragewerte von Annalena Baerbock (GRÜNE) sind von Höchstständen im April mit Aussicht auf Platz 1 deutlich eingebrochen (Korrekturen des Lebenslaufs, Nebeneinkünfte, Plagiatsvorwürfe). Der Wahlsieg dürfte trotz eines hohen Stellenwerts des Umweltschutzes als Wahlmotiv und der statistischen Schwankungsbreite kaum noch erreichbar sein.

Olaf Scholz (SPD, Finanzminister) genießt erst seit wenigen Wochen ein positives Stimmungsumfeld. In den letzten Tagen häuft sich jedoch Kritik (Versäumnisse im Wirecard-Skandal, Cum-Ex Geschäfte der Bank „Warburg, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen einen Finanz-Staatssekretär). Dies könnte ein rasches Ende seines Höhenfluges bewirken.

Armin Laschet (CDU/CSU, Ministerpräsident NRW) hatte seit der Wahl zum Spitzenkandidaten mit Querschüssen aus den eigenen Reihen zu kämpfen. Öffentliche Kritik am Corona-Kurs der Bundesregierung unter Angela Merkel als auch Fehler bei öffentlichen Auftritten während der Hochwasserkatastrophe in NRW im Juli haben Platz 1 in den jüngsten Wahlumfragen gekostet.

Die anhaltend schlechten Umfragewerte für CDU/CSU sowie deren Kanzlerkandidaten haben kurz vor der Wahl zu einem „Sinneswandel“ bei dem Parteienbündnis geführt. Ein gemeinsamer Auftritt mit Dauerkontrahent Söder am CSU-Parteitag, ein 6-Punkte-Sofortprogramm sowie gemeinsame Wahlkampfauftritte mit Angela Merkel sollen die Trendwende bringen. Doch zumindest der Vorsprung bei Umfragen zur Eignung als Bundeskanzler/in (ähnlich wie bei Umfragen zur Sympathie) wird Olaf Scholz wohl nicht mehr zu nehmen sein.

Die Inhalte und Konzepte

In der Außenpolitik gibt es unter den 3 umfragestärksten Parteien im Kern der Sache kaum Unterschiede. Die Befürwortung internationaler Zusammenarbeit sowie eine pro-europäische Haltung in unterschiedlich ausgeprägter Form teilen die Parteien ebenso wie eine Ablehnung gegenüber der aktuellen Politik Russlands. Eine unmittelbare Kursänderung ist nicht zu erwarten.

Deutlich differenzierter fallen die Vorschläge im Bereich „Ökologisierung der Wirtschaft“ aus. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts verlangt eine detailliertere Regelung zum Klimaschutz bis Ende 2022 und in der Bevölkerung ist das Thema Umweltschutz eines der wichtigsten Wahlmotive.

Die deutsche Wirtschaft wird sich nachhaltig verändern. Die Weichen für die Abkehr von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Technologien wie Solar bzw. Wasserstoff müssen gestellt werden. Unternehmen in Geschäftsfeldern wie Energiegewinnung (Kohle), Stahl- und Zementerzeugung, Automobilindustrie und Chemie werden gefordert sein, ihre langfristige Ausrichtung und ihre Geschäftsmodelle mehr oder weniger stark anzupassen. Dafür ist langfristige Planungssicherheit für die notwendigen Investitionen erforderlich.

Die Errichtung von Off-Shore Windparks, Solar- und Photovoltaikanlagen sowie der dafür notwendigen Infrastruktur zur Beförderung der Energie an die Konsumenten ist essenziell. Forschung und Entwicklung von Speichertechnologie sowie Investitionen im Bereich Digitalisierung und Ausbau des Breitbandnetzes müssen getätigt werden, um konkurrenzfähig und als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben.

Der Gestaltungsspielraum der nächsten Regierung ist groß und wird weitreichende Lenkungseffekte entfalten können. Eine ausgewogene Aufteilung der Kosten zwischen allen Beteiligten ist für die nötige Akzeptanz der Maßnahmen unerlässlich. Die Konzepte jedoch könnten diverser nicht sein.

CDU/CSU:

  • Beibehaltung bzw. Abbau der Staatsverschuldung
  • Innovationskraft der Unternehmen fördern, weitere Verwendung des Verbrennungsmotors
  • Abbau der Bürokratie, keine Steuererhöhungen, Entlastung der Familien
  • keine staatliche Preisbestimmung bei der CO2 Besteuerung

SPD:

  • Investitionen in öffentlichen Verkehr, Digitalisierung und Wohnbau
  • CO2-Neutralität 2045
  • Erhöhung des Mindestlohns
  • Sicherung des Rentensystems (ohne Anhebung des Antrittsalters)

GRÜNE:

  • jährliche Investitionen in Höhe von 50 Mrd. € für die Ökologisierung, eigenes Ministerium für Umweltschutz, vorzeitiger Ausstieg aus Kohle (derzeit 2038)
  • Erhöhung des Mindestlohns, Transferzahlungen aus Einnahme der CO2-Steuer
  • ab 2030: Neuzulassungen nur mehr für emissionsfreie Autos
  • höhere Kapitalanforderungen für Banken

Auf Basis der aktuellen Umfrageprognosen könnten erstmalig 3 Parteien zur Bildung einer Regierung mit Stimmenmehrheit benötigt werden. Eine „AMPEL“, „JAMAIKA“ oder „Große“ Koalition mit einer 3. Partei (sofern notwendig) sind dabei noch die wahrscheinlichsten Szenarien aller rechnerischen Mehrheiten. Die Verhandlungen dürften schwierig werden und einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine Links-Koalition aus SPD, GRÜNE und LINKE dürfte nach jüngsten Aussagen eher unwahrscheinlich sein (wenn auch mit hohem Potential an politischer Überraschung und Irritation).

Sofern sich die Stimmenzuwächse für die Mitte-Links Parteien beim Wahlergebnis bestätigen, könnten sich deren Inhalte auch verstärkt im zukünftigen Regierungspaket widerspiegeln. Mögliche Auswirkungen wären eine expansivere Fiskalpolitik einerseits und eine stärkere Berücksichtigung sozialer Aspekte wie etwa eine Anhebung des Mindestlohns oder Transferleistungen. Beschränkungen bei Anstiegen der hohen Energiepreise (z.B. Indexierung) sind möglich.

Eine lockere Fiskalpolitik könnte das Wirtschaftswachstum weiterhin unterstützen. Unternehmen kämpfen aktuell mit Lieferengpässen, was in den letzten Monaten zu Kapazitätseinschränkungen und spürbaren Preiserhöhungen in vielen Bereichen geführt hat. Weitere Preissteigerungen für Güter und Dienstleistungen (z.B. aus Mindestlohnerhöhungen) könnten Inflationsängste weiter beflügeln, Erwartungen bei künftigen Lohnverhandlungen beeinflussen und letztendlich zu höheren Renditeerwartungen an den Kapitalmärkten führen.

Es gilt abzuwarten, welchen Einfluss die Nachfolge von Angela Merkel in den politischen Diskurs und die Entscheidungsfindung auf europäischer Ebene nehmen wird. Für viele, bevorstehende Probleme wird es einen gemeinsamen europäischer Weg brauchen, bei dessen Verhandlungen die politische Gesinnung der/des künftigen Regierungsvorsitzenden eine mehr oder weniger prägende Rolle spielen wird.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Theranos: Benutzerfreundlichkeit und/oder technologischer Fortschritt

von Christian Süttinger, CFA, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Theranos ist 2003 in den USA mit der Geschäftsidee angetreten, die medizinische Labortechnologie benutzerfreundlicher, niederschwelliger und kostengünstiger zu gestalten. Das Ziel war es, an einer Vielzahl von Orten, beispielsweise in einer Drogeriemarkt-Kette, „Mini-Labore“ aufzustellen, bei denen man durch die Abgabe weniger Tropfen Blutes rasch einen Überblick über seine persönlichen Werte und das allgemeine Gesundheitsbild gewinnen kann.

Die Vorteile wären umfassend gewesen – eine klare Stärkung und Vereinfachung der Gesundheitsvorsorge, die man so ganz bequem in den Alltag integrieren könnte.

Dieses Vorhaben umfasste mehrere Aspekte:

  • Benutzerfreundlichkeit – die Blutentnahme auf eine Weise, wie man sie heute von der Selbstmessung des Blutzuckers kennt, bei der das Messgerät an der Fingerspitze angesetzt wird.
  • Eine Miniaturisierung der Labortechnologie, um mobile Labore anbieten zu können, nicht größer als ein Computer, die in der Lage sind, alle erforderlichen Analysen sofort durchführen zu können, um anschließend die Resultate dem Benutzer auszudrucken oder online zur Verfügung zu stellen, mit einer Kopie an den Arzt, falls gewünscht.
  • Eine Weiterentwicklung der Diagnostik. Als Theranos startete, war es nicht möglich, mit wenigen Tropfen Blutes eine Vielzahl von Analysen durchführen zu können. Wir kennen das von der Blutabnahme im Labor – oft ist es notwendig, 3, 4 Röhrchen zu füllen, währenddessen wir gar nicht hinschauen können! Ein Grund ist der Umstand, dass nicht jede Analyse, nicht jede Diagnostik das Blut im Ausgangszustand belässt, also ein Prozess Blut verbraucht, das für weitere Analysen nicht mehr herangezogen werden kann.

Die Benutzerfreundlichkeit und Miniaturisierung hat Theranos geliefert: Die „MiniLab“-Technologie stand bereit und wurden 2013 in der USA-Drogeriekette Walgreens den Konsumenten angeboten. Die diagnostische Weiterentwicklung, d.h. aus wenigen Tropfen entnommenen Blutes Aussagen zu gewinnen über eine Vielzahl von Blutwerten, Viren, Bakterien, bis zur Gen-Diagnostik konnte Theranos jedoch nach einhelliger Auffassung nicht lösen.

Elizabeth Holmes, die Gründerin von Theranos, sieht sich deshalb derzeit einem Gerichtsverfahren gegenüber. Der Vorwurf lautet, sie habe gegenüber ihren Investoren irreführende Aussagen gemacht, was die Machbarkeit und das bereits erreichte betrifft. Holmes hatte es als „Silicon Valley Star“ auf die Titelseite vieler Magazine geschafft, und von mitunter prominenten Investoren große Summen Kapitals erhalten, das durch die Abwicklung der Firma 2018 verloren scheint.

Wenige Auswertungsergebnisse, Due Diligance

Fachliche Präsentationen von Elizabeth Holmes sind online verfügbar. Geht man sie mit dem Wissenstand von heute durch, fällt auf, dass sich ein Großteil aus Aussagen zur Benutzerfreundlichkeit und „Demokratisierung“ der neuen Labortechnologie zusammensetzt. Eine Festlegung dazu, wie der diagnostische Fortschritt erreicht worden sei, fehlt aber weitgehend oder wird für einen späteren Zeitpunkt angekündigt. Versuchsdaten und Auswertungsergebnisse, die für die medizinische Community von großer Bedeutung sind, kommen kaum vor. Interessant ist, dass unter den öffentlich einsehbaren Patenten, die Theranos angemeldet hat, Tools zur Entnahme, Lagerung und Handling der Blutproben weitaus überwiegen.

Für viele Finanzinvestoren waren Aussagen zur Usability offenbar ausreichend. Gelegentlich wird diskutiert, ob Elizabeth Holmes in Steve Jobs ein Vorbild gesehen habe, der die Konsumentenelektronik quasi im Alleingang revolutioniert hat. Allerdings sind Smartphones keine Laborgeräte – wo ein genialer Zugang dazu, was Konsumenten wirklich wollen, gepaart mit einem Fortschritt der Technik, umwälzend gewirkt hat, wäre andererseits ein Fortschritt der Diagnostik notwendig gewesen, der bisher nicht herstellbar ist. Eine Lehre aus der Theranos-Story ist, dass eine „due diligence“ im Healthcare-Bereich, also der Check, welche Projekte erfolgversprechend sind, ohne wissenschaftlichen Input scheitern kann.

Hoffnung nicht verflogen

Jedenfalls ist die Hoffnung auf hocheffiziente Bluttests trotzdem nicht verflogen. Wagniskapitalgeber wie Verily oder General Catalyst haben in den vergangen 12 Monaten hunderte Millionen Dollar für Technologiefirmen wie Genalyte oder Truvian Sciences zur Verfügung gestellt. LabCorp, Cue Health oder Sight Diagnostics sind andere beispielhafte Namen in diesem Bereich. (Quelle: Financial Times). Es bleibt also spannend!

Für Anleger hat sich ein breitgestreutes Investment in Healthcare gelohnt. Dass sich der Marktindex über die vergangenen fünf Jahre verdoppelt hat, zeigt die Ertragskraft dieses Sektors, dessen Stellenwert in der Zukunft nur noch zunehmen wird. Die langfristige demographische Entwicklung zeigt einen höheren Anteil älterer Menschen, die gesund und medizinisch gutversorgt bleiben möchten.

Quelle: Bloomberg; 09/2016 bis 09/2021; MSCI USA Healthcare Index
Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Fazit

Der Aufstieg und die nachfolgenden Schwierigkeiten des Labordiagnostik-Unternehmens Theranos zeigen, dass „Usability“, also die Benutzerfreundlichkeit, für den Erfolg von Produkt- und Geschäftsideen nicht ausreichend ist, wenn die damit verbundene technologische Weiterentwicklung nicht Schritt halten kann.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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EZB-Anpassungen sind kein Tapering, sondern ein Zeichen funktionierender Märkte

der aktuelle Marktkommentar des PGIM Fixed Income-Teams.

In der vergangenen Woche hat die EZB das Pandemie-Anleihekaufprogramm geringfügig reduziert und, wenn man die ausbleibende Marktreaktion nach der Ankündigung betrachtet, den Markt recht erfolgreich davon überzeugt, dass es sich dabei nicht um ein Tapering handelt. Es ist nicht klar, dass die Anleger diesen Schritt als ein Signal hinsichtlich des geldpolitischen Kurses interpretieren sollten; wir sind vielmehr der Meinung, dass die Senkung als Ergebnis eines besseren Funktionierens der Märkte seit dem Ausbruch der Pandemie zu sehen ist.

Das leicht verlangsamte Tempo zeigt, dass sich der Markt auf die Zukunft der allgemeinen Stimulierungsmaßnahmen der EZB konzentriert, wenn die Zentralbank im März 2022 das PEPP im März 2022 ablöst. Unserer Ansicht nach wird es für die Mitglieder des EZB-Ratsmitglieder zunehmend schwierig angesichts ihrer Meinungsverschiedenheiten zur Entwicklung von Wachstum und Inflation sowie zu Schlüsselfragen wie die Anhebung des Emittentenlimits für Anleihekäufe.

Die jüngste Erholung der Inflation und des Wachstums in Europa erscheint uns vorübergehend und deutet darauf hin, dass im Euroraum weitere Anreize erforderlich sind. Unsere Wirtschaftsprognosen stimmen weitgehend mit den Schätzungen der EZB überein, wonach sich die Inflation von 2,2 % in diesem Jahr auf 1,7 % bzw. 1,5 % in den Jahren 2022 und 2023 abschwächen wird. Die EZB wird ihre Projektionen für 2024 im Dezember veröffentlichen, was eine gewisse Klarheit über die politischen Ansichten der Beamten nach März 2022 schaffen wird. Das Risiko besteht darin, dass sich die kurzfristige Inflation als anhaltend hoch erweisen wird, was die Argumente der konservativen Ratsmitglieder für eine deutliche Aufstockung des regulären APP-Konjunkturprogramms nach dem Auslaufen des Pandemic-Programms schwächen würde.

Die EZB besteht zwar darauf, dass es sich bei der Anpassung nicht um ein „Tapering“ handelt, doch unterstreicht dies den Trend, dass die Zentralbanken ihre geldpolitische Unterstützung reduzieren oder eine Verringerung ankündigen. Dazu gehören die Zentralbanken in Kanada, Australien und Polen. Wir gehen davon aus, dass die Fed im vierten Quartal mit dem Tapering in Höhe von etwa 15 Mrd. USD/Monat beginnen wird, aber in der Zwischenzeit könnten auch Bedenken aufkommen, dass die Fed hinter die Inflationskurve zurückfällt.

Gold-Ausblick bis Q2 2022: Es ist eine Anpassung an die Inflationsrealität notwendig

von Nitesh Shah, Director, Research, Wisdom Tree.

Nach einer Erholung für den größten Teil des zweiten Quartals 2021 haben die Drawdowns im Juni und August 2021 das Metall zurückgeworfen. Basierend auf unserem Modellierungsrahmen sieht Gold stark unterbewertet aus. Die Inflation, aktuell bei über 5 Prozent1, ist brandaktuell und deutet auf einen Goldpreis über 2000 US-Dollar/Unze hin. Dennoch pendelt der Preis um die Marke von 1785 US-Dollar/Unze2. Wie Abbildung 1 unten zeigt, weist unser Modell darauf hin, dass der Goldpreis im Juli 2021 im Jahresvergleich um fast 12 Prozent gestiegen sein sollte, während er in Wirklichkeit um 8 Prozent im Jahresvergleich gefallen ist.

Quelle: Bloomberg, WisdomTree-Preismodell, Stand 31. Juli 2021.
Der angepasste Goldpreis ist der Preis, den das Modell prognostiziert hätte. Die Konstante hat eine wirtschaftliche Signifikanz, wird aber bei ökonometrischen Modellen zur Erfassung sonstiger Gegebenheiten verwendet. Sie gibt den Veränderungsgrad der Goldpreise bei ansonsten unveränderten Variablen wieder (obschon dies unrealistisch wäre).
Prognosen sind kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen jeglicher Art unterliegen Risiken und Unsicherheiten.

Unserer Ansicht nach wird Gold, wenn es sein traditionelles Verhalten wiedererlangt, vom heutigen Niveau steigen und dem Gegenwind moderat steigender Staatsanleiherenditen und einer leichten Inflationsabkühlung entgegenwirken. Das seltsame Verhalten von Gold in letzter Zeit wird auch durch die Abkehr von den Realkursen in den letzten Monaten deutlich (Abbildung 2). Wie wir in der Vergangenheit gesehen haben, werden diese kurzfristigen Abgänge jedoch häufig korrigiert (z. B. im November 2019 und November 2020).

Quelle: Bloomberg, WisdomTree. 4. August 2019 bis 4. August 2021.
Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Das Gold-Rahmenwerk von WisdomTree

Mithilfe unseres Modellrahmenwerks, erläutert in unserem Blogbeitrag „Gold: how we value the precious metal”, stellen wir eine Prognose für den Goldkurs bis zum dritten Quartal 2022 bereit. Dieser Ausblick beinhaltet eine Konsensansicht zu den makroökonomischen Inputs für unser Modell, basierend auf einer Umfrage unter Ökonomen von Bloomberg im Juli 2021.

Welcher wirtschaftliche Konsens treibt die Ergebnisse an?

Die Konsensmeinung lautet, dass die Inflation von 5,4 Prozent im Juli 2021 auf 2,6 Prozent im zweiten Quartal 2022 sinken wird. Es scheint, dass der Konsens im Großen und Ganzen den Leitlinien der Zentralbanken folgt, dass eine erhöhte Inflation vorübergehend ist und weitgehend von Basiseffekten getrieben wird.

Quelle: WisdomTree Model Forecasts, Bloomberg Historical Data, Daten zum 31. Juli 2021 verfügbar.
Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung und jegliche Investitionen unterliegen Risiken und Unsicherheiten.

Der Konsens geht auch davon aus, dass die Renditen von US-Staatsanleihen steigen werden, wodurch der Renditerückgang, den wir in den letzten drei Monaten erlebt haben, bis Ende des Jahres weitgehend aufgehoben und dann auf ein Niveau steigen wird, das wir seit 2019 nicht mehr gesehen haben.

Der US-Dollar bleibt über den Prognosehorizont relativ flach und geht leicht von 92,6 bei Redaktionsschluss (16. August 2021) auf 91,0 zum Ende der Prognose zurück. Im Einklang mit dem Szenario nachlassender Inflationssorgen und steigender Renditen von Staatsanleihen erwarten wir, dass die spekulative Positionierung von derzeit 200.000 Kontrakten netto auf 130.000 netto zurückgehen würde.

Wenn wir diese Annahmen in unser Modell einbeziehen, kommen wir bis zum zweiten Quartal 2022 auf einen Goldpreis von 1890 US-Dollar/Unze, könnten aber bis Ende des Jahres einen Höchststand von 1970 US-Dollar/Unze erreichen. Trotz des Gegenwinds einer nachlassenden Inflation und steigender Renditen von US-Staatsanleihen korrigiert Gold in diesem Szenario immer noch nach oben, nachdem es unterbewertet war.

Andere Szenarien

Wir schreiben dem Konsensszenario eine Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent zu. Wir untersuchen auch einige andere Szenarien [Details finden Sie hier]. In einem Bullen-Szenario sollten eine hartnäckig hohe Inflation und eine Zentralbank, die ihr nicht im Weg steht, Gold auf ein Allzeithoch von 2.190 US-Dollar/Unze treiben. Im Bären-Szenario könnte eine restriktive Bewegung der Federal Reserve dazu führen, dass der Goldpreis auf 1550 US-Dollar/Unze fällt.

Fazit

Gold ist im Vergleich zu unserer Modellprognose derzeit unterbewertet. Wenn das Verhalten von Gold zurückschnellt, besteht Aufwärtspotenzial für das Metall. Selbst in unserem Konsensszenario, in dem es Gegenwind durch Inflationsabschwächung und steigende Staatsanleiherenditen gibt, sollten die Goldpreise gegenüber dem heutigen Niveau steigen.


1) Die US-VPI-Inflation betrug im Juli 2021 5,4 Prozent
2) Stand: 16. August 2021