2022 – Schritt Richtung Normalisierung

Das Wirtschaftswachstum dürfte 2022 geringer ausfallen als im Vorjahr, sollte aber dennoch über dem historischen Schnitt zu liegen kommen. Die Notenbanken werden die geldpolitischen Zügel zwar anziehen, dies sollte die Märkte aber nicht sonderlich überraschen. In der Januar-Ausgabe von „märkteunteruns“ gibt die Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft in einer e-Publikation einen Ausblick.

Lockdowns unterbrechen Renditeanstieg

Nach starken Anstiegen seit August drehten die Anleiherenditen im November wieder deutlich nach unten (in Deutschland beispielsweise von -0,1 % auf -0,3 %). Hauptgrund: die neue Corona-Welle und Sorgen über neuerliche Lockdowns (auch schon vor Omikron), so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Entsprechend positiv war die Monatsperformance bei Euro-Staatsanleihen, während es bei Unternehmensanleihen nur für eine schwarze Monatsnull reichte. High-YieldAnleihen rutschten dagegen sogar (leicht) ins Minus (steigende Risikoaversion, so wie auch am Aktienmarkt). Bei US-Dollar-Anleihen sorgte der festere Dollar hingegen für eine schöne Monatsperformance.

Monatsschlusslichter: Emerging-Market-Anleihen. Seit Jahresbeginn zählen diese in Hartwährung und Lokalwährung zum schwächsten Anleihesegment. Ansonsten entspricht die Anleiheentwicklung seit Jahresbeginn immer noch dem Muster einer starken Konjunkturerholung: Stärkste Performance bei High Yield (parallel zum Aktienmarkt) dank stark fallender Risikoprämien. Schlechteste Performance bei etablierten Staatsanleihen aufgrund steigender Marktrenditen. Mit Omikron könnte diese Bilanz allerdings im Dezember noch durcheinandergebracht werden.

Neues Inflationshoch: US-Notenbank reduziert Anleihenkäufe

Neue Inflationsspitzen sorgten auch im November für Schlagzeilen: Über 6 % in den USA und rund 5 % in der Eurozone – das sind Niveaus, wie sie in diesen Ländern schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden. Im Dezember könnten manche Länder noch eines drauflegen. Ab Jänner dürfte aber der Gipfel erreicht sein und die Raten im Jahresverlauf 2022 wieder deutlich zurückgehen: erstens, weil Sondereffekte wegfallen, zweitens, weil der Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr (z. B. bei Rohstoffen) im Lauf von 2022 immer niedriger wird, drittens, weil Lieferengpässe (trotz Omikron) im Lauf von 2022 besser werden.

Allerdings dürfte angesichts des auch 2022 absehbar starken Arbeitsmarktes der Lohndruck steigen, das Inflationsniveau also nicht mehr nachhaltig auf die Vor-Corona-Niveaus zurückkehren. Für die US-Notenbank bedeutet das eine weitere Reduktion der Anleihenkäufe (je nach Eskalationsniveau von Omikron eventuell etwas verzögert). Und wohl auch den Beginn von Zinsanhebungen im zweiten Halbjahr 2022 (Marktkonsens). Die EZB hat hier dagegen noch deutlich mehr Luft und dürfte sich 2022 noch nicht zu Zinsanhebungen gedrängt sehen.

Anleihen jetzt untergewichtet gegenüber Rohstoffen

Auch wenn neue Corona-Ängste zuletzt den Kursrückgang am Anleihemarkt unterbrochen haben, und wir (noch) nicht einschätzen können, wie lange die aktuelle Phase sich erholender Anleihekurse noch anhält: Wir sind davon überzeugt, dass es sich dabei nur um eine Zwischenepisode handelt. Der Konjunkturausblick für 2022 bleibt stark genug, um eine Reduktion der expansiven Geldpolitik in den USA weiterhin zu rechtfertigen. Schärfere Lockdowns wegen Omikron würden das nur ein wenig verzögern, aber nicht aufheben. Den Unternehmenssektor sehen wir deshalb 2022 gut unterstützt (weiterhin starke Übergewichtung von Unternehmensanleihen), und den Renditeanstieg sich fortsetzen (Untergewichtung von Staatsanleihen).

Was unsere Anleihepositionierung in Summe betrifft, so hatten wir unsere kurzfristige Untergewichtung von Anleihen gegenüber Geldmarkt ja glücklicherweise vor einem Monat (vor der jüngsten Anleihekurserholung) geschlossen. Für eine Neuauflage gibt es aber inzwischen eine attraktivere Assetklasse als den Geldmarkt: Während uns Rohstoffpreise vor einem Monat noch überhitzt erschienen, so hat sich das inzwischen mit der Omikron-Korrektur drastisch verbessert. Mit Blick auf unser Konjunkturbild für 2022 öffnen wir deshalb jetzt eine neue Untergewichtung von Anleihen zugunsten einer Übergewichtung von Rohstoffen.


Weitere Details finden Sie in der neusten Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Nachhaltiges Investieren in Schwellenländer-Aktien?

Kaum irgendwo sonst ließe sich damit so viel Positives bewirken, und doch fristen die Emerging Markets bei Nachhaltigkeits-Investments bislang ein Schattendasein. Nur ein kleiner Prozentsatz der weltweiten ESG1-Investments entfällt bislang auf Schwellenländer und manche Investoren machen sogar gerade aus Nachhaltigkeitssicht einen großen Bogen um sie. Gerade hier zeigt sich, dass ein Ansatz, der lediglich auf „ESG-Musterschüler“ setzt, zwar auf dem Papier gute ESG-Kennzahlen für ein Aktien- oder Fondsportfolio liefert, aber zugleich mindestens zwei große Chancen weitgehend verpasst: Nämlich zum einen, tatsächlich etwas zu bewegen („impact investing“) und zum anderen, von großen ESG-Fortschritten einzelner Unternehmen zu profitieren.

Bei Raiffeisen Capital Management gehen wir deshalb den steinigen, aber lohnenderen Weg: Mit einem sehr strikten und zugleich ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz schließen wir die größten „ESG-Sünder“ aus, setzen aber zugleich auf viel Dialog mit Unternehmen, auf Unterstützung und aktive Einflussnahme. Und das lohnt sich, für alle Beteiligten.

Emerging Markets: eines der lohnendsten ESG-Investmentziele

Es leuchtet wohl jedem sofort ein, dass das Erreichen der Klimaziele, ein erfolgreicher Umwelt- und Artenschutz sowie ein ressourcenschonendes Wirtschaften mit den Schwellenländern steht und fällt. Das gilt nicht nur aufgrund ihrer hohen Anteile an Weltbevölkerung und Landfläche, sondern auch deshalb, weil sie noch mitten in der bzw. erst am Anfang von Industrialisierung und Modernisierung stehen. Es ist völlig unstrittig, dass der Planet es weder verkraftet noch ressourcenmäßig hergibt, dass sie dabei denselben Weg beschreiten, wie Europa, die USA oder Japan vor ihnen. Zugleich ist es absurd, wenn die entwickelten Nationen genau das einfordern, ohne aber den Schwellenländern zugleich technologisch und finanziell massiv dabei zu helfen. Die benötigten Summen sind hoch, aber kollektiv durchaus aufzubringen. Bislang sperren sich die entwickelten Nationen noch, doch langfristig führt an solchen großen globalen Investitionsprogrammen eigentlich kein Weg vorbei. Doch nicht nur staatliche Investoren, auch private Anleger halten sich mit Nachhaltigkeitsinvestments in die Schwellenländer noch auffällig zurück, obwohl sich dort damit besonders viel bewegen ließe.

Laut Morningstar machten zum 31. März 2021 nachhaltige Fonds im asiatisch-pazifischen Raum gerade einmal vier Prozent des weltweiten Vermögens für nachhaltige Anlagen aus, während auf Europa fast 82 % des Vermögens für nachhaltige Kapitalanlagen entfielen. Während dies einerseits Europas Vorreiterrolle auf diesem Gebiet demonstriert, zeigt es zugleich ein enormes Missverhältnis. Bei einigen Investoren hat der globale Schwenk zu ESG-Investments sogar dazu geführt, dass Schwellenländer-Investments reduziert wurden, weil man die ESG-Defizite dort als zu hoch und mit zu großen Reputationsrisiken behaftet ansieht und die Umsetzung verantwortungsbewussten Investierens dort noch als zu aufwendig erachtet.

Erhebliche Herausforderungen und großes Potenzial

Das sind durchaus legitime Erwägungen, aber nur in „ESG-Musterschüler“ zu investieren, verkennt zum einen die bereits erheblichen Fortschritte auf dem Gebiet in vielen Schwellenländern und widerspiegelt aus unserer Sicht einen zweifelhaften Nachhaltigkeits-Investmentansatz, der in mehrfacher Hinsicht viel Potenzial verschenkt. Denn zum einen vergibt man damit große Möglichkeiten der Einflussnahme auf all jene Unternehmen, die gerade noch dabei sind (oder damit begonnen haben) sehr viel nachhaltiger zu werden. Zum anderen sind es gerade jene Unternehmen, die viel Verbesserungspotenzial auf diesem Gebiet haben und es nutzen, die auch entsprechend überdurchschnittliches Ertragspotenzial für Investoren bereithalten. Und ja, das geht beispielsweise mit dem Risiko für Investoren einher, dass diese Fortschritte ausbleiben oder geringer ausfallen.

Ganzheitlicher, aktiver Ansatz

Dennoch sind wir der Ansicht, dass die Vorteile eines ganzheitlichen, aktiven Nachhaltigkeits-Investmentansatzes die Risiken klar überwiegen – die Entwicklungen und die Ergebnisse geben uns bislang Recht. Dabei verbinden wir einerseits sehr strikte Negativkriterien mit aktivem, beiderseits nutzbringendem Dialog mit den Unternehmen bis hin zu aktiver Einflussnahme auf die Unternehmen auf verschiedenen Ebenen (wie beispielsweise Abstimmungsverhalten, direkte Gespräche mit dem Management, Kooperation mit anderen ESG-Investoren). Bei den Negativkriterien fallen etwa bestimmte Branchen und Produkte (Kohleproduzenten, Uranminen) oder Unternehmenspraktiken (Kinderarbeit, schwere Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte, Korruption) heraus. Aber auch wenn Unternehmen bestimmte Daten nicht bereitstellen, die unerlässlich sind für eine eingehende ESG-Analyse, sind sie für uns nicht investierbar. Allerdings begnügen wir uns nicht allein damit. Vielmehr versuchen wir auf die betreffenden Unternehmen einzuwirken beziehungsweise sie zur Datenbereitstellung zu sensibilisieren. Zuweilen fehlt bei Unternehmen einfach nur das Bewusstsein, welche Daten für Investoren inzwischen wichtig sind. Die Bereitschaft und die Fähigkeit, solche Informationen zu liefern, sind in den letzten Jahren spürbar gestiegen, ebenso die entsprechenden Kapazitäten der großen internationalen Ratingagenturen, die inzwischen ESG-Kennzahlen erfassen. Bei Letzteren bauen wir speziell auf MSCI und ISS/oekom, ergänzen deren Daten aber durch eigenes Research und unseren eigenen Raiffeisen-ESG-Score. Ein gewisses Mindestrating von MSCI oder ISS/oekom ist eine Grundvoraussetzung, reicht allein aber noch nicht aus, damit ein Unternehmen für unsere nachhaltigen Emerging-Markets-Aktienfonds tatsächlich infrage kommt. Es muss sich auch nach unseren eigenen Analysen und Kennzahlen qualifizieren. Daher gibt es durchaus Unternehmen, in die wir nicht investieren, obwohl sie bei den großen internationalen Ratingagenturen recht ordentliche Werte aufweisen.

Alphaquelle Nachhaltigkeit

Manch einer mag bemängeln, dass es keine international einheitlichen ESG-Investmentstandards gibt. Das wäre aber ein völlig unrealistisches Ziel in einem sich rasch verändernden Umfeld, bei dem bei weitem nicht alles quantifizierbar ist. Wir sehen dies auch weniger als Hemmnis denn als eine weitere Möglichkeit für Investoren, mittels guter Analysen und gut strukturierter, konsistenter Investmentprozesse Alpha zu generieren. Als Beispiel seien hier die gerade in vielen asiatischen Ländern stark anzutreffenden Unternehmen in mehrheitlichem Familienbesitz zu nennen. Bei diesen gibt es potenzielle Corporate Governance-Probleme bis hin zur möglichen Benachteiligung von Minderheitsaktionären Es macht aber keinen Sinn, dies pauschal als negativ einzustufen. Denn diese Risiken müssen ja keineswegs immer schlagend werden. Die Praxis zeigt zudem, dass diese Unternehmen häufig sehr viel langfristiger orientiert sind und sehr viel weniger Fluktuation in Top-Positionen aufweisen als Nicht-Familienunternehmen. Nicht selten sind diese Unternehmen auch überdurchschnittlich erfolgreich. Es ist daher wichtig, immer genau hinzuschauen und nicht nur Kennzahlen zu addieren oder Checkboxen abzuhaken.

Der damit verbundene Mehraufwand ist zuweilen beträchtlich, lohnt sich aber nach unserer Erfahrung allemal. Wir sehen gutes Nachhaltigkeitsinvestieren daher aus Risiko-Ertragssicht als eine zusätzliche Alpha-Quelle an. Ähnlich wie bei „klassischem“ aktiven Management entscheidet dabei das „Wie“ maßgeblich über Erfolg und Misserfolg.

Als einer der Vorreiter bei Nachhaltigen Investments in Österreich und Europa haben wir seit jeher viel Wert auf einen konsistenten, umfassenden Investmentprozess gelegt, den wir selbstverständlich auch kontinuierlich weiterentwickeln. Sowohl unsere bisherige Performance (die selbstverständlich nicht auf die Zukunft übertragbar ist) als auch die zahlreichen Auszeichnungen unseres Nachhaltigkeitskonzepts durch Dritte geben uns darin Recht.

Erst vor wenigen Tagen erhielten alle 16 von uns eingereichten Fonds die Höchstbewertung von „drei Sternen“ beim jährlich vergebenen FNG-Siegel2 des Forums nachhaltige Geldanlagen, darunter auch der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-EmergingMarkets-Aktien. Damit entfiel ein Viertel aller Höchstnoten (von insgesamt 281 eingereichten Fonds) auf die Fonds der Raiffeisen KAG.

Fusion des Raiffeisen-EmergingMarkets-Aktien in den Raiffeisen-Nachhaltigkeit-EmergingMarkets-Aktien

Mit 2. Dezember 2021 fusionierte der Raiffeisen-EmergingMarkets-Aktien in den Raiffeisen-Nachhaltigkeit-EmergingMarkets-Aktien. Dies steigert das Volumen von Schwellenländer-Aktien mit nachhaltigem Investmentansatz auf 279 Millionen Euro (Stand 06. Dezember 2021).


1) ESG steht für Umwelt (environment, E), Soziales (social, S) sowie gute Unternehmens- bzw. Staatsführung (governance, G).
2) FNG steht für Forum Nachhaltige Geldanlagen

Omikron bis Omega

Wird Omikron die letzte dominante Corona-Variante sein, oder ist sie das überhaupt, wir wissen es nicht. Ob die Impfungen hier funktionieren oder angepasst werden müssen, wird sich noch herausstellen. Und wie weit wir im griechischen Alphabet noch kommen werden, getrauen sich wohl selbst die Experten nicht zu prognostizieren.

Am Ende eines extrem starken Aktienjahres führen diese offenen Fragen verständlicherweise zu Verunsicherung unter den Anlegern, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Statt der üblicherweise positiven Saisonalität befinden wir uns an den Aktienmärkten nun unvermittelt im Korrekturmodus. Und nach einem derart ausgeprägten Anspringen der Volatilität dauert es in der Regel zumindest mehrere Wochen, bis sich die Märkte wieder beruhigt haben. Was uns zum Ausblick 2022 bringt.

Dieser fällt für die Aktienmärkte positiv aus. Auch wenn die aktuellen Erwartungen hinsichtlich Wirtschaftswachstum Omikron-bedingt etwas nach unten revidiert werden, sollte sich die Konjunkturerholung fortsetzen. Davon werden die Unternehmen profitieren und ihre Erträge steigern können. Gleichzeitig werden die Notenbanken ungeachtet hoher Inflationsraten die geldpolitischen Zügel nur langsam anziehen. Die Renditen an vielen Anleihemärkten könnten moderat steigen. Interessant bleiben die Rohstoffe. Die im Herbst gesehene Übertreibung ist vorüber, die Assetklasse somit auch wieder taktisch attraktiv. Somit wird hier zulasten von Anleihen eine Übergewichtung eingegangen. Bei den Aktien warten wir mit einer Neupositionierung noch ab.

Omikron sorgt für negativen Aktien-November

Der November hatte an den Aktienmärkten mit schönen Kursanstiegen begonnen, doch im Lauf des Monats verdichteten sich die Corona-Wolken immer mehr und brachten die Kurse unter Druck: Zu den steigenden Fall- und Hospitalisierungszahlen kamen bald verschärfte Einschränkungen, die trotz nach wie vor sehr guter Konjunkturdaten neue Konjunktursorgen schürten. Den vorläufigen Höhepunkt erreichten diese Ängste Ende November mit dem Auftreten der Virus-Variante Omikron.

Da die meisten Aktienmärkte im Vorfeld stark überkauft waren und sich die Mehrheit für ein erfolgreiches Überwinden von Corona positioniert hatte, war das böse Erwachen umso schmerzhafter. Heftige Tageseinbrüche waren die Folge, was auch die Monatsperformance fast aller Indizes (leicht) ins Minus drückte. Negativer Ausreißer: Russland, das in Verbindung mit dem Ölpreiseinbruch gegen Monatsende einen fast zweistelligen Monatsrückgang verbuchte (seit Jahresbeginn aber – nach dem ATX – trotzdem immer noch einer der stärksten Aktienmärkte ist!).

Omikron gefährdet Winter-Konjunktur; mittelfristiger Ausblick bleibt stark

Trotz Corona-Wellen und neuer Maßnahmenverschärfungen in einzelnen Ländern war die globale Wirtschaft eigentlich auf Kurs, um mit recht gutem Wirtschaftswachstum über den Winter zu kommen. Die neue Omikron-Variante stellt dieses Bild nun kurzfristig in Frage. Je infektiöser der neue Typ, und je weniger der bisherige Impfschutz schwere Fälle verhindert, desto mehr Lockdowns und wirtschaftliche Einschränkungen (im Wesentlichen im Dienstleistungssektor) wird es zwangsläufig (auch) diesen Winter geben.

Schlimmstenfalls würde man sich damit der Situation aus dem letzten Winter annähern (wo es praktisch noch gar keinen Impfschutz gab). Ein entsprechendes Quartal (Q1 2022) mit negativem Wirtschaftswachstum – wie auch in Q1 2021 - wäre dann leicht möglich (aber immer noch vergleichsweise harmlos in Anbetracht der Folgen des ersten Shutdowns im Frühling 2020). Wie auch die letzten Male wäre nach dem Aufheben der Lockdowns dafür der anschließende Wachstumsschub umso stärker. Das Wachstum würde sich entsprechend (nur) ein bis zwei Quartale nach hinten schieben. Trotz aller kurzfristigen Risiken und Rückschläge diesen Winter bleibt der mittelfristige Konjunkturausblick entsprechend sehr positiv.

Aktienmärkte: Chance zum Aufstocken

Ob Omikron die Aktienmärkte nur für Tage/Wochen oder gar für Monate in Atem halten wird, werden die medizinischen Ergebnisse der nächsten Wochen zeigen. Bis dahin dürften Verunsicherung der Investoren und Volatilität hoch bleiben. Aber auch vor Omikron waren die meisten Aktienmärkte bereits überhitzt und stark überkauft, so dass das Korrektur-Risiko hoch war (und wir auch entsprechend nur neutral positioniert). Nach der aktuellen Korrektur wird dagegen das Fundament für ein neuerliches Aufstocken der Aktienquote deutlich attraktiver! Wir bleiben zwar derzeit angesichts der eingangs erwähnten Unwägbarkeiten noch kurzfristig neutral gewichtet, was Aktien in Summe betrifft. Für 2022 ist unser Aktienmarktausblick aber unverändert positiv: Auch wenn die aktuellen Erwartungen hinsichtlich Wirtschaftswachstum Omikron-bedingt etwas nach unten revidiert werden sollten, bleibt das Bild einer fortgesetzten Konjunkturerholung aufrecht. Davon werden die Unternehmen profitieren und ihre Erträge steigern können. Gleichzeitig werden die Notenbanken ungeachtet hoher Inflationsraten die geldpolitischen Zügel nur langsam anziehen.

USA: Kurzfristiger Outperformer bei Corona-Zuspitzung?

Unsere Aktienmarktgewichtung bleibt gegenüber anderen Assetklassen kurzfristig neutral (kurzfristiges Omikron-Rückschlagsrisiko vs. positiver Ausblick für 2022). Innerhalb der Aktienmarktgewichtung stellen wir uns kurzfristig defensiver auf, um dem weiteren Corona-Risiko Rechnung zu tragen.

Auch wenn die großen US-Indizes bereits sehr teuer bewertet sind, würden sie bei einer weiteren Corona-Eskalation (samt Konjunkturängsten etc.) wahrscheinlich zu den relativen Gewinnern zählen (wie bei vergangenen Lockdown-Ängsten anschaulich zu beobachten). Deshalb gehen wir hier mit einer kurzfristigen Übergewichtung in den Dezember. Europa würde sich in so einem Fall dagegen vorübergehend wahrscheinlich schlechter entwickeln und wird untergewichtet. Erstens, weil hier die Unternehmen in den Indizes deutlich zyklischer aufgestellt sind. Und zweitens, weil Lockdowns in Europa wohl wieder strenger als in den USA gehandhabt würden. Obwohl sich die China-Ängste zuletzt etwas gelegt haben, dürften aber auch die Schwellenländer (EM) in so einer Situation stärker leiden (untergewichtet): Niedrigere Impfraten und geringere Ressourcen des Staates, um Corona-Kosten abzufedern, machen diese Länder potenziell anfälliger.


Weitere Details finden Sie in der neusten Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Unternehmensstimmen zum Thema "Erneuerbare Energien"

von Herbert Perus, Fondsmanagement – Corporate Responsibility bei der Raiffeisen KAG.

Zu den Engagement-Aktivitäten des Fondsmanagements von Raiffeisen Capital Management gehört auch der Dialog mit einigen der größten und für uns interessantesten börsennotierten Unternehmen, diesmal zum Thema erneuerbare Energien. Dabei wurden folgende Fragen gestellt - mit ausgewählten Unternehmensstimmen und Antworten zu den Fragestellungen:

Von welchen zukünftigen Energiepreisen gehen Sie in Ihren Planungen für kommende Projekte aus? Wie wird Ihrer Meinung nach der Energiemarkt der Zukunft generell aussehen?

First Solar, USA (Solarenergie): Das amerikanische Solarunternehmen First Solar ist für die Entwicklung der zukünftigen Energiepreise sehr zuversichtlich und geht davon aus, dass die Stromgestehungskosten von nicht subventionierter Solarenergie im Vergleich zu konventioneller Stromerzeugung, einschließlich Kohle, Kernkraft, Erdgas-Spitzenlastkraftwerken und sogar Windenergie, niedriger sein werden. Außerdem sieht das Solarunternehmen ein erhebliches Wachstumspotenzial bei der weltweiten Installation von Photovoltaik-Kapazitäten. Zusätzlich zu diesem Wachstumspotenzial erhofft sich First Solar möglicheVorteile durch die Dekarbonisierungsziele der US-Regierung.

Was ist aus Ihrer Sicht die richtige Kapitalstruktur eines Projekts im Bereich der erneuerbaren Energien und verändert sich diese Struktur im Laufe des Projekts?

National Grid, UK (Versorger): Bei dem Unternehmen National Grid werden Projekte in der Entwicklungsphase vom Projektentwickler finanziert. Das Unternehmen berichtet, dass beispielsweise bei Baubeginn in den USA eine Kapitalbeteiligung (Equity) vereinbart wird, die einen wesentlichen Teil der dauerhaften Kapitalstruktur ausmacht. Bei diesen typischen Tax-Equity-Partnerschaften gehen die Projekte (beispielsweise bei Windkraftanlagen) spätestens nach zwölf Jahren in den vollständigen Besitz des Equity-Sponsors über.

Wie hoch schätzen Sie die Auswirkungen und Risiken von Engpässen und/oder steigenden Kosten in der Lieferkette? Ist das ein kurzfristiges Phänomen oder sehen Sie langfristige Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Falck Renewables, Italien (Windenergie): Die Ereignisse im Suezkanal Anfang des Jahres haben die Bedeutung und den Einfluss von Lieferengpässen erstmals praktisch vor Augen geführt. Doch nicht nur die Havarie des Schiffes „Ever Given“ hat globale wirtschaftliche Folgen mit sich gezogen, auch der eingeschränkte Flugverkehr, Hafenschließungen im asiatischen Raum und die daraufhin steigenden Rohstoffpreise betreffen Unternehmen weltweit. Alle kontaktierten Stromerzeuger sind von den Engpässen und verteuerten Rohstoffen betroffen. Dennoch herrscht große Zuversicht, dass die Situation nächstes Jahr bewältigt ist. Beispielsweise erwartet das italienische Unternehmen Falck Renewables einen Rückgang der Rohstoffkosten im ersten Quartal des nächsten Jahres. Um diese Probleme zukünftig in den Griff zu bekommen, ist eine der Strategien des Unternehmens, auf die lang aufgebauten Beziehungen mit seinen Lieferanten zu setzen, um so Lieferschwierigkeiten oder gar Ausfälle zu vermeiden.

Aus unserer Sicht kann es durch den Eintritt vieler großer Energiegesellschaften in den Bereich der erneuerbaren Energien zu einem Druck auf die Gewinnmargen kommen. Wie hoch sehen Sie dieses Risiko?

Aker Offshore Wind, Norwegen (Windenergie): Für Aker Offshore Wind kann der Eintritt neuer kapitalstarker Konkurrenz zu Herausforderungen führen, doch mit seiner führenden Technologie im Offshore-Windgeschäft ist das Unternehmen zuversichtlich, sich auch gegen diese neuen Marktteilnehmer durchsetzen zu können. Besonders in der südlichen Hemisphäre sieht das Unternehmen Chancen, denn globale Riesen fokussieren sich primär auf die Märkte USA und UK.

Was kann Ihr Unternehmen positiv zum SDG 11* beitragen? Haben Sie spezifische Ziele in diesem Bereich?

Azure Power, Indien (Solarenergie): Für den indischen Solarpanele-Hersteller Azure Power spielt SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) eine wesentliche Rolle, denn mit seinen Solarpanelen auf den Dächern der Stationen versorgt das Unternehmen die U-Bahn der 19-Millionen-Einwohnermetropole Delhi mit Energie. Das Unternehmen hat Pläne, die innerstädtische Solarversorgung auf den Dächern von Delhi auszubauen, der ansonsten benötigte Strom wird von Solarparks außerhalb der Metropole in der Peripherie erzeugt. Außerdem liefert Azure Power den Strom für weitere Schienennetze und dieWasserversorgung in Delhi.

Welche Investitionen sind in Ihrem Unternehmen geplant oder werden aktuell umgesetzt, um Treibhausgasemissionen zu verringern? Wie messen Sie den Erfolg dieser Maßnahmen?

Aker Offshore Wind, Norwegen (Windenergie): Bei der Errichtung neuer Projekte muss leider oft auf sehr CO2-intensive Rohstoffe zurückgegriffen werden. Eine Möglichkeit, mit diesem Problem umzugehen, ist beispielsweise, Windkraftwerksflügel wiederverwertbar zu machen, wie es das norwegische Unternehmen Aker Offshore Wind bereits umsetzt. Außerdem wird bei den Windparks von Aker Offshore Wind der Stahlverbrauch möglichst gering gehalten und auf nachhaltigere Baustoffe gesetzt. Bei der Kohlenstoffabscheidung wird auf die Expertise innerhalb der Aker Group zurückgegriffen, ganz besonders auf Aker Carbon Capture, ein Unternehmen, das seit 20 Jahren Erfahrung in diesem Bereich besitzt.

Der Umweltaspekt (E) der ESG-Dimensionen spielt bei Ihrem Unternehmen eine sehr große Rolle.Was sind darüber hinaus wichtige Maßnahmen in den Bereichen S (Soziales) und G (Governance/Unternehmensführung) in Ihrem Unternehmen?

Ormat, Israel (Geothermalenergie): Für das israelische Unternehmen Ormat ist Transparenz nicht nur ein Teil der sauberen Unternehmensführung, sondern auch ein wichtiger Teil des finanziellen Erfolgs. Durch Transparenz in den Prozessen will Ormat Möglichkeiten für neue Projekte und Engagement schaffen, außerdem bekennt sich Ormat zu einer sehr engen Kommunikation mit seinen Stakeholdern.


* Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen; SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden

Die vollständige Ausgabe 33 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Aktienmärkte: Fulminante Kurserholung im Oktober

Nach einem erstmals seit langem (leicht) negativen Aktienmarktmonat im September, setzte im Oktober bereits wieder eine fulminante Erholungsbewegung ein, die die US-Indizes sogar auf neue (Allzeit-)Höchststände katapultierte. Und das, obwohl Ölpreise, Inflationserwartungen und (Leit-)Zinserwartungen im Oktober weiter anstiegen. Dafür setzte sich in Bezug auf China und die Probleme im Immobiliensektor weitgehend die (aus unserer Sicht zutreffende) Meinung durch, dass China das Problem im Griff hat und eine Finanzmarktansteckung vermieden wird. Dementsprechend konnte auch der chinesische Aktienmarkt im Oktober den Vormonatsverlust praktisch wieder zur Gänze wettmachen, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns.

In Summe verbuchten damit die meisten Märkte im Oktober satte Monatszuwächse. Nur Japan – der Starperformer im September – musste einen großen Teil seiner Kurszuwächse des Vormonats wieder abgeben. Auffällig auch die Kursschwäche in Lateinamerika, und die – trotz starker Entwicklung in China – zurückbleibende Entwicklung der Emerging Markets in Summe.

Kurzfristig neutral gewichtet, mittelfristig weiter optimistisch

Auch wenn sich die meisten Aktienmärkte ab Mitte Oktober rasch von ihrer Schwächephase erholten: Der kurzfristige Ausblick bleibt noch von zahlreichen Risiken geprägt, die jederzeit zu einer neuerlichen Korrektur führen könnten. Dazu gehören Lieferengpässe, Produktionsausfälle, Inflationssorgen und damit verbundene Notenbankängste (Kurswechsel in der Geldpolitik der US-Notenbank, was historisch häufig zu kurzfristigen Turbulenzen auf den Aktienmärkten führte), langsameres Gewinnwachstum der Unternehmen... In unserer kurzfristigen (taktischen) Asset-Allocation behalten wir deshalb die neutrale Aktienmarktgewichtung aus dem Vormonat bei.

Unser mittel- und langfristiger Aktienmarktausblick bleibt aber unverändert bullish: Das wirtschaftliche und geldpolitische Umfeld ist auch 2022 noch stark unterstützend für Unternehmensgewinne und Aktienmärkte. Im Vorfeld eines US-Zinsanhebungszyklus war die Börsenentwicklung zwar oft ruppig; in den ersten Jahren steigender US-Leitzinsen entwickelten sich die Aktienmärkte aber meistens noch ausgezeichnet. Wir sehen deshalb aus aktueller Sicht zwischenzeitige Kursschwächen als Gelegenheit für eine neuerliche Übergewichtung.

Keine Angst vor China

Trotz negativer Nachrichten aus China scheint der Markt zunehmend auf unsere Sichtweise umzuschwenken, dass der Abverkauf des chinesischen Aktienmarktes wegen stärkerer Regulierung der Internetkonzerne und Sorgen vor einer Ansteckung durch die Immobilienpleiten übertrieben war. Nach der kleinen Markterholung im Oktober sehen wir hier mittelfristig weiteres Aufholpotenzial. In Summe sind wir in Emerging Markets derzeit nur neutral gewichtet: Taiwan und Südkorea sind übergewichtet, werden aber durch die Untergewichtung in Südafrika kompensiert. Mittelfristig erscheinen Emerging Markets aufgrund der attraktiven Bewertung aber nach wie vor interessant.

In den USA setzen wir auf Small Caps (übergewichtet, breiter US-Markt untergewichtet, in Summe neutral). Europäische Aktien sind nach wie vor deutlich übergewichtet – der prozyklische Branchenmix in Europa sollte hier weiterhin Rückenwind verleihen. Auf diese Weise müssen wir die sehr teuren US-Internet- und Tech-Riesen nicht übergewichten. Wir halten eine Übergewichtung in europäischen Finanztiteln und haben nunmehr Energie untergewichtet.


Weitere Details finden Sie in der November-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Rentenmärkte weiterhin auf Verliererseite

Nach dem heftigen Renditeanstieg im September schwächte sich das Tempo des Anstiegs im Oktober zwar etwas ab – aber auch das reichte für den Großteil der Anleihemärkte aus, um einen weiteren Monat mit (leicht) negativer Wertentwicklung zu verbuchen. Selbst der Renditeaufschlag von Unternehmensanleihen genügte nicht, um die Kursrückgänge zu kompensieren, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Einzig GBP-Anleihen erreichten durch eine deutliche Kurserholung des britischen Pfunds ein signifikantes Monatsplus. In Summe sind die Staatsanleiherenditen in den Industriestaaten damit wieder auf den Jahreshochs vom Frühjahr. Zieht man eine erste Zwischenbilanz für 2021, sieht man das klassische Muster einer starken Konjunkturerholung: Stärkste Performance bei High Yield (parallel zum Aktienmarkt) dank stark fallender Risikoprämien. Schlechteste (stark negative) Performance bei etablierten Staatsanleihen aufgrund steigender Marktrenditen – mit gut gerateten Unternehmensanleihen im Mittelfeld. Auf Euro-Basis stechen auch noch USD-Anleihen hervor, die aufgrund des im Jahresverlauf aufwertenden US-Dollars eine Extraperformance erzielten – auf USD-Basis ist auch dort die Staatsanleiheperformance tief negativ.

Hohe Inflationsraten: US-Notenbank reagiert in Kürze

Die Inflationsraten steigen weltweit weiterhin an. Das gilt insbesondere für Europa, wo man mit zuletzt 4,1 % p.a. dabei ist, zu den USA (die letzten Monate praktisch unverändert bei über 5 %) aufzuschließen. Hauptverantwortlich für den Anstieg sind der starke Rohstoffpreisanstieg und Lieferengpässe. Beides Faktoren, die für einen raschen Inflationsrückgang im Laufe von 2022 sorgen werden. Allein schon, weil die Rohstoffpreise dann nicht noch einmal so stark steigen werden. Für Europa ist deshalb bis Ende 2022 ein Rückgang unter 2 % realistisch, weshalb die EZB zu Recht keinen Grund für baldige Zinsanhebungen sieht.

In den USA dürfte es der Inflationsrückgang 2022 dagegen nicht mehr nachhaltig unter das 2 %-Ziel schaffen: Der wachsende Lohndruck könnte dort die Inflationsrate hartnäckig über diesem Wert halten. Dementsprechend bereitet sich die US-Notenbank auch schon auf ein Zurückfahren der Anleihekäufe im ersten Halbjahr 2022 vor – gefolgt von einem Zinsanhebungszyklus, vielleicht schon ab Herbst 2022.

Unternehmensanleihen bleiben übergewichtet gegenüber Staatsanleihen

Die Anleihemärkte stehen weiterhin im Zeichen des absehbaren Endes der Anleihekäufe und darauffolgender Zinsanhebungen der US-Notenbank. Resultat: An den Anleihemärkten sehen wir zunehmend höhere Renditen und flachere Zinskurven.

Nach dem starken Anstieg seit August preisen Anleiherenditen allerdings inzwischen recht aggressive Zinserwartungen ein und könnten kurzfristig eine Verschnaufpause einlegen, weshalb wir unsere kurzfristige Untergewichtung von Anleihen gegenüber Geldmarkt vorerst schließen.

Mittelfristig hat der Renditeaufwärtstrend aber insbesondere in den USA noch viel Luft nach oben: Innerhalb des Anleihesegments bleiben wir deshalb untergewichtet in risikoarmen Staatsanleihen (insbesondere US-Staatsanleihen) zugunsten einer starken Übergewichtung in Unternehmensanleihen (insbesondere auch High Yield). Geschlossen haben wir unsere Übergewichtung von EM-Hartwährungsanleihen.


Weitere Details finden Sie in der November-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Schreckgespenst Stagflation

von Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG*.

Von der (guten) Reflation, über die (temporäre) Inflation zur (bösen) Stagflation. Etwas überspitzt formuliert, könnte man so die Berichterstattung im Jahresverlauf zum Thema der Preissteigerungen im Zuge der Konjunkturerholung nach dem Corona bedingten Wirtschaftseinbruch kurz zusammenfassen. War zu Jahresbeginn die Reflationierung als gelungene Konsequenz der expansiven Notenbank- und Fiskalpolitik über den Begriff „Reflation Trade“ noch absolut positiv besetzt, so wurden die ersten markant erhöhten Inflationsraten ab dem zweiten Quartal – wenn auch als Folge von Basiseffekten erwartet – schon mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt. Da jedoch die meisten Analysten und Notenbanker nahezu gebetsmühlenartig den Inflationssprung als „transitorisch“, also vorübergehend und eben nicht als dauerhaft oder gar strukturell, kommentiert haben, beruhigten sich zum Sommerbeginn die Finanzmarktgemüter wieder relativ schnell. Im Verlauf des zweiten Halbjahres und mit der Erkenntnis, dass die Wachstumsdynamik zwar ihren Höhepunkt überschritten hat, die Inflationsraten jedoch länger als angenommen auf deutlich erhöhtem Niveau verharren, tauchte in den Medien auch der negativ besetzte Begriff der Stagflation auf. Negativ besetzt nicht zuletzt deshalb, weil neben anderen preistreibenden Effekten, die aktuell scheinbar nicht zu bremsende Energiepreisentwicklung das zuletzt in den 1970er und 1980er Jahren aufgetretene Phänomen in Erinnerung gerufen hat. Und diese Erinnerung ist keine gute, gilt doch das gleichzeitige Auftreten wirtschaftlicher Stagnation bei hoher Inflation als schlechteste aller Welten. Natürlich sind Schlagzeilen hinsichtlich einer Stagflation zum gegenwärtigen Zeitpunkt weit übertrieben, aber es gilt dennoch, etwaige sich verstärkende Tendenzen in diese Richtung auch in Hinblick auf den Handlungsspielraum der Notenbanken aufmerksam zu verfolgen.

Staatsanleihen – noch keine Stabilisierung der Inflationserwartungen

Unsere Erwartung höherer Staatsanleiherenditen hat sich zuletzt abermals bestätigt. Wir bleiben bei kerneuropäischen Staatsanleihen weiterhin vorsichtig, ebenso bei US-Staatsanleihen. Innerhalb der Euro-Staatsanleihen gewinnen inflationsindexierten Papiere wieder etwas an Bedeutung, nachdem sich die langfristigen Inflationserwartungen nach wie vor nicht stabilisiert haben.

Unternehmensanleihen: attraktivste Assetklasse innerhalb des Anleihesegments

Unternehmensanleihen erachten wir innerhalb des Anleihesegments derzeit als attraktivste Assetklasse, insbesondere Euro-Investmentgrade- und US-High-Yield-Unternehmensanleihen. Neu hinzu kommt die positive Bewertung von Euro-High-Yield-Credits, deren Risikoprämien wir – nach zwischenzeitlichen Anstiegen – nun wieder moderat attraktiv sehen. In Summe zeigte sich zuletzt, dass die Risikoprämien von Euro-Unternehmensanleihen Anstiege hinnehmen mussten, während jene von USD-Credits im Wesentlichen davon verschont blieben. Mitverantwortlich dafür ist unserer Meinung nach der Sektormix (USA mit mehr Energiewerten).

Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen: fundamentale Datenlage verliert an Dynamik

Das vermutlich frühere Ende des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank und ein möglicherweise aggressiverer Zinsanhebungszyklus macht Schwellenländer-Hartwährungsanleihen aus unserer Sicht zunehmend unattraktiver. Hinzu kommt, dass die fundamentale Datenlage in den Emerging Markets zuletzt etwas an Dynamik verloren hat.

Entwickelte Aktienmärkte: Thema Inflation rückt in den Fokus

Die internationalen Aktienmärkte präsentierten sich in den letzten Wochen erneut sehr fest. Zuletzt drängte das Thema Inflation immer stärker in den Mittelpunkt. Die Aktieninvestoren scheinen das aktuell zwar noch sehr entspannt zu sehen, wir erwarten aber, dass dies im Zusammenhang mit der Diskussion um den Zeitpunkt und den Pfad der Rückführung von Notenbankmaßnahmen (ausgehend von den USA) immer stärker in den Fokus der Anleger rücken wird. Wir behalten daher unsere neutrale Aktienposition bei.

Schwellenländer-Aktienmärkte: alte Technologien mit stärkster Entwicklung

Auch in den Schwellenländern macht sich der Trend bemerkbar, dass Aktien aus dem Bereich der alten Technologien (Energie, Grundstoffe und Finanz) die Sektoren mit der stärksten Entwicklung in diesem Jahr sind. Dies sollte nicht weiter überraschen, zumal Rohstoffpreise quer durch die Bank einen kaum bremsbaren Höhenflug erleben. Das massive Unterinvestment aufgrund des Klimawandels ist hier sehr stark spürbar. Die Gewinnentwicklung in Lateinamerika hat zuletzt einen Dämpfer erfahren, sollte sich aber demnächst erholen.

Rohstoffmärkte präsentieren sich weiter von der festen Seite

Die Rohstoffmärkte präsentieren sich weiter von der festen Seite. Dabei treten Angebotsthemen immer stärker in den Mittelpunkt. Trotz gestiegener Preise sind die Unternehmen, was Investitionen betrifft (und damit zukünftiges Angebot), weiterhin sehr diszipliniert. Diese Zurückhaltung dürfte zu keiner raschen Entspannung auf der Angebotsseite führen und daher die Rohstoffpreise weiter unterstützen.


* Die Raiffeisen KAG steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

Aktienmärkte: September wird volatilem Ruf gerecht

Seit langem erstmals wieder verbuchten die meisten Aktienmärkte im September einen Monatsrückgang. Die Gründe: weniger expansive Notenbanken, stark steigende Ölpreise (und entsprechende Inflationssorgen) sowie einzelne negative Schlagzeilen, wie eine große Firmenpleite (Evergrande) und Energieengpässe in China, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns.

Dementsprechend rar die positiven Ausnahmen: Auf der Gewinnerseite stehen Russland (Ölpreis!) und Japan mit über 5 % Kursplus, und auch der ATX schaffte immerhin ein kleines Plus. Der Rest der Börsen lag im September dagegen klar im Minus. Wobei diesmal das Schlusslicht nicht China war, sondern Westeuropa. Durchaus überraschend, weil der steile Kursrückgang in der zweiten Monatshälfte vor allem mit der Angst vor der Evergrande-Firmenpleite in China (und etwaigen Ansteckungseffekten) in Zusammenhang gebracht wird.

Aktienmärkte: Raueres Börsenwetter im Herbst?

Da nach der ersten steilen Erholungsphase an den globalen Aktienmärkten mit vorübergehend ungemütlicherem Fahrwasser zu rechnen war, hatten wir bereits Ende August unsere starke Aktienübergewichtung (gegenüber Staatsanleihen) halbiert. Seither haben die meisten Aktienmärkte zwar spürbar nachgegeben – trotzdem sehen wir das erhöhte Risiko kurzfristiger Kursrückgänge noch nicht gänzlich ausgestanden. Wir reduzieren unsere taktische Aktienübergewichtung deshalb weiter und sind mit Ende September jetzt kurzfristig neutral gewichtet. An möglichen Auslösern für zeitweilige Volatilität mangelt es nicht. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Steile Energiepreisanstiege (Inflations- und Konjunktursorgen), Störfeuer aus China, US-Schuldenobergrenze, und nicht zuletzt die üblichen Anpassungsturbulenzen an ein geringeres Tempo der Wirtschaftserholung.

Unser mittel- und langfristiger Aktienmarktausblick bleibt aber unverändert bullish: Das wirtschaftliche und geldpolitische Umfeld ist auch 2022 noch stark unterstützend für Unternehmensgewinne und Aktienmärkte. Wir erwarten deshalb auf Jahressicht weitere respektable Kursanstiege und würden schwächere Kurse im Herbst deshalb aus jetziger Sicht wieder als neuerliche Gelegenheit zum Aufstocken sehen. Immerhin sind wir erst 1,5 Jahre im neuen Bullenmarkt und im neuen Konjunkturaufschwung!

Emerging Markets: China dominiert Schlagzeilen

Sehr divergent im September die Emerging Markets (EM): Vom starken Plus in Russland bis zum Einbruch in Brasilien war alles vertreten. In Summe lag der Kursrückgang der EM im Rahmen der etablierten Märkte. Auffällig, dass auch die negative Performance Chinas nicht aus der Reihe tanzte, obwohl von dort viele der negativen Nachrichten kamen. Das passt recht gut zu unserer Einschätzung, dass insbesondere zu China bereits sehr viel negatives eingepreist wird: China hat ausreichend Willen und Mittel, um die Pleite von Evergrande nicht zu einem systemischen Problem werden zu lassen. Und die Regierung dürfte auch kein Interesse daran haben, große chinesische Konzerne dauerhaft zu beschädigen. Die Unternehmensgewinne entwickeln sich zumindest nach wie vor sehr gut. Wir sehen die aktuellen Kursniveaus als Chance und stocken China (inkl. Hongkong) weiter auf.

Im großen Regionen-Mix verstärken wir die Untergewichtung in den USA und erhöhen die Übergewichtung in Europa: Der deutlich zyklischere Branchenmix in Europa und der positive Gewinnrevisionstrend sprechen für eine zumindest zeitweilige Outperformance Europas (selbst ohne die teuren Bewertungen in den USA).


Weitere Details finden Sie in der Oktober-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Rentenmärkte legen Rückwärtsgang ein

Wie gewonnen, so zerronnen: Der kräftige Renditerückgang von Mai bis Anfang August wurde an den wichtigsten Anleihemärkten im September großteils ausgeglichen, der Kurszuwachs der Vormonate damit fast vollständig abgegeben. Als Gründe würden wir – neben anhaltend starker Konjunktur – die Angst vor weniger expansiven Notenbanken und einen im September stark gestiegenen Ölpreis ausmachen, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Letzterer könnte die jüngste Inflationsspitze noch etwas verlängern.

Auf den Rentenmärkten sorgte das im September für drastische Monatsrückgänge: Von rund 4 % Minus im Vereinigten Königreich, über rund 1,4 % Minus in Deutschland, bis zu -0,7 % bei Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Nur bei Unternehmensanleihen mit schlechterer Bonität (High Yield) war der Puffer hoher Renditeaufschläge groß genug, um auf Monatssicht noch eine rote Null zu erwirtschaften. Auf Lokalwährungsbasis galt das auch für US-Dollar-Anleihen; der aufwertende US-Dollar verbesserte aber die entsprechende Performance für Euro-Investoren, so dass auf Eurobasis bei US-Dollar-High-Yield sogar rund 2 % Monatsertrag übrig blieb – und ein deutliches Plus auch in den übrigen US-Dollar-Anleihesegmenten.

Notenbanken: US-Notenbank bewegt sich

Der starke Anstieg der Anleiherenditen kam wohl nicht von ungefähr – die Rhetorik der Notenbanken hat sich zuletzt deutlich weniger expansiv gestaltet. Die US-Notenbank stellte in Aussicht, dass die schrittweise Reduktion des Anleihekaufprogramms bereits Anfang November offiziell verkündet werden könnte (wenn keine schlechteren Arbeitsmarktdaten dazwischenkommen), spätestens aber Anfang 2022.

Zur Jahreswende 22/23 rechnet die US-Notenbank dann bereits mit ersten Zinsanhebungen. Norwegen ist da schon weiter (erste Zinsanhebung im September erfolgt) und auch das Vereinigte Königreich könnte Anfang 2022 bereits mit Zinsanhebungen starten. Für die Eurozone ist nichts dergleichen in Sicht: Da allgemein (von EZB und Analysten) erwartet wird, dass die Inflation (aktuell bei gut 3 % p.a., die nächsten Monate durchaus noch deutlich höher) 2022 wieder unter 2 % fällt, wird derzeit eine erste EZB-Zinsanhebung nicht vor 2024 gesehen.

Staats- und Unternehmensanleihen: Weiterhin Spread vor Duration

Wie erwartet entwickelte sich im jüngsten Anstieg der Anleiherenditen (und trotz kleinerer Korrekturen am Aktienmarkt) die Performance der Unternehmensanleihen deutlich besser als die der Staatsanleihen. Bei Staatsanleihen erwarten wir mittelfristig weiter steigende Anleiherenditen und damit weiter fallende Kurse (was bei Euro-Anleihen den schädlichen Effekt der negativen Renditen noch potenziert).

Unternehmensanleihen sehen wir durch den guten Konjunkturausblick und das komfortable Finanzierungsumfeld weiterhin gut unterstützt. Insofern bleibt unsere Ausrichtung innerhalb des Anleihesegments unverändert: Wir bleiben klar übergewichtet in Unternehmensanleihen (insbesondere Euro-Investment-Grade und US-Dollar-High-Yield) und untergewichtet in Staatsanleihen (global und Eurozone). Auch Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern behalten wir angesichts ihres attraktiven Renditeaufschlags weiterhin übergewichtet gegenüber Staatsanleihen der etablierten Märkte.


Weitere Details finden Sie in der Oktober-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Bewertungen – alles relativ

von Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG*.

Das Verhältnis zwischen Aktienkursen und den Gewinnen der Unternehmen, kurz KGV, eines globalen Aktienkorbes liegt aktuell bei 24. Das ist im historischen Kontext relativ hoch, denn nur rund 15 % der Beobachtungen der letzten fünfzig Jahre zeigen eine Bewertung in dieser oder in einer höheren Größenordnung. Anders gesagt: In 85 % des genannten Zeitraumes waren Aktien billiger als jetzt. Wenn man die Schwankungen der Unternehmensgewinne glättet, verbessert sich das Ergebnis nicht. Im Gegenteil: Dieser stabilere Bewertungsansatz deutet sogar darauf hin, dass Aktien im historischen Vergleich noch teurer sind. Warum kümmern uns diese sogenannten Bewertungen überhaupt, dieses Gerede, dass Aktien schon (zu) teuer sind? Diese Beschäftigung ist höchst relevant, vor allem wenn man langfristig denkt. Denn die Höhe der Bewertung zum Investitionszeitpunkt weist einen indirekten Zusammenhang mit den zu erwartbaren Erträgen der Veranlagung auf. Im Klartext: Je billiger man Aktien kauft, desto besser kann die Performance ausfallen – und umgekehrt. Die historische Betrachtung ist das eine. Aktienbewertungen müssen aber auch in den Kontext des aktuellen Umfelds gestellt und vor allem müssen auch Alternativveranlagungen beleuchtet werden. Globale Unternehmensanleihen bringen etwa nur noch rund 1,5 % Rendite. Somit sehen die rund 4 % Gewinnrendite aus Aktien (das ist der Kehrwert des KGV) wieder attraktiv aus. Alles relativ. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das, dass langfristig weiterhin kein Weg an Aktien vorbeiführt. Kurzfristig betrachtet, und damit zur taktischen Einschätzung, haben sich allerdings die Anzeichen verdichtet, dass sich die Anstiege bei wesentlich höherer Volatilität abflachen werden. Geldpolitik, Inflation und zuletzt auch die sprunghaft angestiegenen Gaspreise könnten auf kurze Sicht zu Nervosität an den Märkten führen.

Staatsanleihen – Inflationsdruck bleibt vorläufig aufrecht

Unsere Erwartung höherer Staatsanleiherenditen hat sich im September bestätigt. Wir bleiben bei kerneuropäischen Staatsanleihen weiterhin vorsichtig. Innerhalb der Euro-Staatsanleihen sind wir insbesondere bei inflationsindexierten Staatsanleihen zurückhaltend. Wir denken nicht, dass der unmittelbare Inflationsdruck abrupt nachlässt, die am Markt für inflationsindexierte Anleihen gepreisten mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen erachten wir hingegen als zu hoch.

Unternehmensanleihen: Unternehmenssektor präsentiert sich margenstark

Euro-Unternehmensanleihen (Investmentgrade-Non-Financials) erachten wir gegenüber Euro-Staatsanleihen als interessanter. Auch US-Dollar-High-Yield-Unternehmensanleihen sehen wir – währungsgesichert – gegenüber Globalen Staatsanleihen als attraktiver. Das Spread-Einengungspotenzial erachten wir zwar als relativ gering, Spread-Ausweitungen sind unserer Meinung nach aber deutlich unwahrscheinlicher. In Summe präsentiert sich der Unternehmenssektor margenstark. Hohe Rohstoffpreise und Lieferkettenengpässe belasten einen Teil der Unternehmen in Form höherer Inputkosten, gleichzeitig profitieren sie nach wie vor von pandemiebedingten Kosteneinsparungsprojekten.

Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen: Zins- und Geldpolitik der USA entscheidend

Für Schwellenländer-Hartwährungsanleihen wird das Timing der endenden Anleihenkäufe durch die US-Notenbank relevant sein, deren Umsetzung wir weiterhin als "marktschonend" beurteilen und risikoreichere Anleiheklassen dadurch wenig gefährdet sehen. In Summe erachten wir die Zins- und Geldpolitik der USA für relevanter als die fundamentale Verfassung der Emerging Markets.

Entwickelte Aktienmärkte: Fokus auf erwartete Rückführung von Notenbankmaßnahmen

An den internationalen Aktienmärkten hat in den letzten Wochen eine leichte Konsolidierung eingesetzt. Neben den Evergrande-Turbulenzen - deren Auswirkungen auf die globalen Aktienmärkte wir für begrenzt sehen - rückt die Diskussion um den Zeitpunkt und Pfad der Rückführung von Notenbankmaßnahmen, ausgehend von den USA, immer stärker in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger. Wir erwarten, dass dies in den kommenden Monaten für stärkere Volatilität sorgen wird.

Schwellenländer-Aktienmärkte: Regulatorische Eingriffe in China belasten Technologie-Sektor

Die Covid-Entwicklung im asiatischen Raum hinterlässt mittlerweile auch in der Konjunktur ihre Spuren: War die Region bisher Covid-Musterschüler, funktioniert die Strategie mittlerweile mit der ansteckenderen Delta-Variante nicht mehr so reibungslos. Das belastet insbesondere auch die Aktienmärkte, die relativ zu entwickelten Märkten neuerlich sehr schlecht aussehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die regulatorischen Eingriffe, bei den bisher so erfolgreichen chinesischen Tech-Giganten, auch einen bisher sehr erfolgreichen Sektor massiv treffen.

Rohstoffe: Angebotsthemen treten in den Fokus

Die Rohstoffmärkte präsentieren sich weiter von der festen Seite. Dabei treten vermehrt Angebotsthemen in den Fokus, die daher die zyklischeren Rohstoffsegmente unterstützen. Trotz gestiegener Preise sind die Unternehmen, was Investitionen betrifft (und damit zukünftiges Angebot), weiterhin sehr diszipliniert. Diese Zurückhaltung dürfte zu keiner raschen Entspannung auf der Angebotsseite führen und daher die Rohstoffpreise weiter unterstützen.


* Die Raiffeisen KAG steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

Aktienmärkte: Anhaltender Boom auch im August – Ausreißer China

In fast allen Aktienmärkten schlug der August als äußerst positiver Monat zu Buche – mit großteils noch höheren Monatszuwächsen als im Juli. Rund 3 % p.m. schaffte der globale Aktienmarkt, Osteuropa (inkl. ATX) lag mit 4-5 % sogar noch deutlich darüber. Die großen US-Indizes eilen damit schon seit rund einem Jahr von einem Allzeit-Hoch zum nächsten; aber auch in Europa erreichten viele Indizes im August neue Allzeit-Hochs (wie z. B. der DAX mit 16.000 Punkten). Die Gesamtperformance seit Jahresbeginn ist dementsprechend beeindruckend und liegt für viele dieser Indizes schon bei über 20 % – der ATX nach wie vor als Spitzenreiter auf unserer Liste, mit bereits über 30 %! Großer Ausreißer in dieser Erfolgsbilanz war einmal mehr China, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns: Die regulatorischen Eingriffe der chinesischen Behörden bei zahlreichen (insbesondere Internet-)Unternehmen befeuerten auch im August die Ängste der Investoren. Das brachte die Kurse dieser Unternehmen (zum Teil sehr hoch kapitalisierte Börsen-Schwergewichte) unter Druck und führte zu einem weiteren Monat mit starker Underperformance für den chinesischen Aktienmarkt (mit teilweise beträchtlichen Kurseinbrüchen bei den direkt betroffenen Unternehmen). Und das in einem Monat, in dem Asien und selbst Emerging Markets in Summe mit rund 3 % Monatsplus eigentlich glänzend performten.

Aktienmärkte: Kurzfristig ungemütlich, Trend bullish

Nach der schon beinahe linear steilen Aufwärtsphase an den Aktienmärkten seit Mai 2020 sollte man sich darauf einstellen, dass die nächste Marktphase zunehmend wieder zu einer „normalen“, weniger steilen Marktentwicklung zurückfinden dürfte. Zu der zwischendurch auch kleinere Korrekturen gehören. Potenzielle Auslöser dafür in den kommenden Monaten: zwischenzeitig schwächere Wirtschaftsdaten, die hohe Inflation (gepaart mit der Aussicht auf eine Reduktion der Anleihekäufe der US-Notenbank) oder politische Ereignisse. Wir nehmen entsprechend unsere starke Aktienübergewichtung (gegenüber Staatsanleihen) etwas zurück – auch um einen Teil der Gewinne nach dem ausgezeichneten Sommer ins Trockene zu bringen und Luft zu haben, etwaige Korrekturen wieder zum Aufstocken zu nutzen.

In Summe bleiben wir aber klar übergewichtet in Aktien und erwarten auf Jahressicht weitere respektable Kursanstiege: Das wirtschaftliche und geldpolitische Umfeld bleibt auch 2022 noch stark unterstützend für Unternehmensgewinne und Aktienmärkte. Angesichts des anhaltenden Wirtschaftsbooms und der mangelnden Anlagealternativen wäre es ein Fehler, sich jetzt aus dem Aktienmarkt zurückzuziehen.

Emerging Markets: Abverkauf in China zu Ende?

Auch im August wurde die Aktienmarktentwicklung in den Emerging Markets (EM) von den Turbulenzen an den chinesischen Börsen dominiert. Regionen wie Lateinamerika (und auch die Emerging Markets in Summe) schafften im Windschatten der boomenden etablierten Märkte jedoch trotz China ein kleines Monatsplus. Allerdings ist China in den meisten EM-Indizes aufgrund der hohen Marktkapitalisierung stark gewichtet, so dass die weitere Entwicklung in China für die relative Entwicklung des breiten EM-Segments entscheidend bleiben dürfte.

Wir haben den zweistelligen Kurseinbruch des chinesischen Aktienmarktes im Juli für eine neue China-Übergewichtung innerhalb der EM genutzt. Seither hat sich der Rückgang stark verlangsamt – mit Ende August notiert China aber noch einmal etwas schwächer. Grund genug, die Übergewichtung Chinas (samt Region, also auch Hongkong und Taiwan) noch einmal aufzustocken, da wir den Abverkauf in China nach wie vor für übertrieben erachten.

Rally auf den Rentenmärkten flacht ab

Nach dem starken Rückgang in den Vormonaten pendelten sich US-Anleiherenditen im August auf tiefen Niveaus ein (Zehnjährige um 1,3 %), so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Ähnlich am europäischen Rentenmarkt: Der drastische Renditerückgang vom Juli wurde auch hier gestoppt, zehnjährige deutsche Anleiherenditen kamen im August unter -0,4 % zur Ruhe. Entsprechend flach bis leicht negativ verlief die Performance bei Staatsanleihen – nur der etwas stärkere US-Dollar bescherte auf Euro-Basis einen kleinen Gewinn bei US-Dollar-Anleihen.

(Leicht) positiv verlief der August auch am High-Yield-Markt – positives Umfeld und steigende Aktienmärkte stützen dort nach wie vor. Top-Anleiheperformer im August war dementsprechend im Hartwährungsbereich das US-Dollar-High-Yield-Segment, da dort noch der erwähnte Rückenwind durch den festeren US-Dollar dazukam. Dicht gefolgt von Emerging-Market-Anleihen (in Hartwährung) mit einem Monatsplus von immerhin 0,9 %.

Notenbanken: Hohe Inflation aussitzen

Während in den USA die Inflationsrate im Sommer bei 5,4 % verharrte, erreicht die Inflationswelle jetzt auch die Eurozone: Im August stieg dort die Inflationsrate laut vorläufigen Daten von 2,2 auf 3,0 % p.a. – immerhin der höchste Wert seit November 2011! Selbst die Kernrate verdoppelte sich von 0,7 auf 1,6 %. Auf den ersten Blick dramatisch, aber eine Folge von Basiseffekten, Rohstoffpreiserholungen, Lieferengpässen und anderen Verzerrungen im Umfeld von Corona.

Zwar dürfte die Inflation auch den Rest des Jahres noch ungewöhnlich hoch bleiben – die Europäische Zentralbank (EZB) geht aber unverändert davon aus, dass sich der Großteil dieser Effekte 2022 nicht noch einmal wiederholt. Die PreisNIVEAUS bleiben dann zwar 2022 durchaus hoch, der PreisZUWACHS (= Inflationsrate) würde dann aber wieder unter die Zielmarke von 2 % zurückkehren. Entsprechend bekräftigt die EZB, sie werde ihre lockere Geldpolitik weiter fortsetzen. Die US-Notenbank ist da schon weiter und dürfte im Licht eines starken Arbeitsmarktes und kräftigen Lohnwachstums 2022 ihre Anleihekäufe bereits schrittweise reduzieren (Ankündigung noch heuer).

Staats- und Unternehmensanleihen: Wir bleiben klar positioniert

Die Anleihemärkte folgen derzeit weitgehend der Sichtweise der Notenbanken und ließen sich auch vom jüngsten Inflationsanstieg nicht erschüttern. Obwohl wir diese Einschätzung zur weiteren Inflationsentwicklung weitgehend teilen, erscheint uns das aktuelle Anleiherenditeniveau dennoch zu tief. Etablierte Staatsanleihen sind aus unserer Sicht unverändert unattraktiv: In der Eurozone, weil das negative Renditeniveau per se schon für einen unbefriedigenden Ertragsausblick sorgt; in den USA, weil mit einer Reduktion der Anleihekäufe sowie anhaltend starker Konjunktur und gutem Arbeitsmarkt die Anleiherenditen ins nächste Jahr hinein wieder steigen und die Kurse unter Druck bringen dürften.

Gleichzeitig spricht dieses Umfeld aber unverändert für Unternehmensanleihen, und dort auch für High Yield (was sich heuer bereits bezahlt machte) – hier bleiben wir weiterhin optimistisch und stark übergewichtet.

Auch Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern behalten wir angesichts ihres attraktiven Renditeaufschlags weiterhin übergewichtet.


Weitere Details finden Sie in der September-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Schreckgespenst Geldpolitik? Noch nicht!

von Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG.

Wenn sich die Währungshüter in Jackson Hole zum Gedankenaustausch treffen, hält die Finanzwelt den Atem an. Zurecht, denn die Geldpolitik ist einer der wesentlichsten Treiber der Wirtschafts- und Marktentwicklung. Gerade in den Jahren seit der Finanzkrise hat eine ultralockere Geldpolitik rund um den Globus den Anlegern wahre Kursfeuerwerke – vor allem an den Aktienmärkten – beschert. Die Kursentwicklung der letzten zehn Jahre lag etwa am US-Aktienmarkt im besten Dezil der Nachkriegszeit. Vor diesem Hintergrund beobachten die Anleger verständlicherweise mit Argusaugen, wann diese enorme geldpolitische Stützung wegfallen könnte. Die Erinnerungen an Ende 2018 sind noch präsent, als eine restriktivere Fed die Aktienmärkte schließlich in die Knie gezwungen hat. Die folgende 180-Grad-Drehung in der Geldpolitik hat dann allerdings nicht nur Schlimmeres verhindert, sondern auch den Treibstoff für ein sehr gutes Aktienjahr 2019 geliefert. Doch langsam! Von einer restriktiven Geldpolitik sind wir so weit entfernt wie von der Herdenimmunität gegen Corona. Nur zur Sicherheit: wir diskutieren aktuell, wann die Fed ihre Anleihenkäufe reduzieren könnte. Dieser Zeitpunkt wird allgemein rund um den Jahreswechsel taxiert. Bedeutet, dass bis weit ins Jahr 2022 hinein Anleihen gekauft werden. Und erst dann kommen höhere Leitzinsen, welche aktuell nahe Null liegen. Ein geldpolitisch induzierter Abschwung an den Aktienmärkten ist daher nicht vor 2023 wahrscheinlich. Bis dahin werden sich die Anstiege wohl abflachen und von höherer Volatilität begleitet sein. Rückschläge sind nicht zuletzt nach diesem extrem starken Sommer, etwa aufgrund von zwischenzeitlich enttäuschenden Konjunktur- oder Inflationsdaten, jederzeit möglich. Auf mittlere Sicht bleibt eine Übergewichtung von Aktien jedoch das Gebot der Stunde, zumal viele Anleihesegmente weiterhin unter der unattraktiven Renditelandschaft leiden.

Staatsanleihen – Zurückhaltung angebracht

Der aktuelle Konjunkturausblick würde höhere Renditen rechtfertigen. Dementsprechend bleiben wir vor allem bei kerneuropäischen Staatsanleihen zurückhaltend. Das trifft innerhalb der Euro-Staatsanleihen auch auf inflationsindexierte Staatsanleihen zu. Die gepreisten Inflationserwartungen sind nach wie vor sehr hoch. Die realen Renditen deutscher Staatsanleihen sind so tief wie nie zuvor. Wir denken nicht, dass die Inflationsraten kurzfristig bzw. abrupt sinken werden. Die am Markt für inflationsindexierte Anleihen gepreisten mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen erachten wir hingegen als zu hoch.

Unternehmensanleihen: Ausfallsraten bei High-Yield-Anleihen zuletzt deutlich gesunken

Innerhalb dieser Assetklassen sehen wir bei Euro-Unternehmensanleihen (Investmentgrade Non-Financials) sowie bei US-Dollar-High-Yield-Unternehmensanleihen die größten Chancen. Die Ausfallsraten der Letztgenannten sind deutlich gesunken (dzt. 3 %) und werden von der Ratingagentur Moody's in einem Jahr bei 2 % erwartet. Die Gewinnmargen steigen weiterhin an und die Gewinnrevisionen deuten nach Norden. Zudem entspannt sich die Verschuldungssituation und der Refinanzierungsmechanismus funktioniert insbesondere im High-Yield-Segment äußerst gut.

Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen: kein wesentlicher Aufwärtsdruck bei Risikoprämien

Wir erachten Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen weiterhin als attraktiv. Das Spread-Einengungspotenzial ist unserer Meinung nach jedoch deutlich gesunken. Der weitere Verlauf der Covid-Pandemie, damit verbundene Unterbrechungen der Lieferketten aus den Schwellenländern sowie die Maßnahmen der US-Notenbank (Tapering, Zinsausblick) werden die Entwicklung dieser Anleiheklasse in den kommenden Monaten prägen. Wir erwarten keinen wesentlichen Aufwärtsdruck der Risikoprämien von Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen.

Entwickelte Aktienmärkte: Kapitalmarktumfeld bleibt unterstützend

Die internationalen Aktienmärkte präsentieren sich weiterhin sehr fest. Die Aussicht auf weiter expansive Notenbanken und eine starke Gewinnentwicklung sorgen aktuell für ein sehr unterstützendes Kapitalmarktumfeld. Eine nachlassende Dynamik bei Wirtschaftswachstum und Gewinnmomentum sowie zunehmende Diskussionen um den Zeitpunkt der Rückführung von Notenbankmaßnahmen in den USA werden dennoch für Volatilität in den kommenden Monaten sorgen.

Schwellenländer-Aktienmärkte können mit entwickelten Aktienmärkten nicht mithalten

Die Covid-Entwicklung im asiatischen Raum hinterlässt mittlerweile auch in der Konjunktur ihre Spuren: War die Region bisher Covid-Musterschüler, funktioniert die Strategie mit der ansteckenderen Delta-Variante mittlerweile nicht mehr so reibungslos. Das belastet insbesondere auch die Aktienmärkte, und lässt sie relativ zu entwickelten Märkten neuerlich sehr schlecht aussehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die regulatorischen Eingriffe bei den bisher so erfolgreichen chinesischen Technologie-Giganten auch einen bisher sehr erfolgreichen Sektor massiv treffen.

Rohstoffe: Angebotsthemen unterstützen zyklischere Rohstoffsegmente

Die Rohstoffmärkte präsentieren sich weiter von der festen Seite. Dabei treten vermehrt Angebotsthemen in den Fokus, die daher die zyklischeren Rohstoffsegmente unterstützen. Trotz gestiegener Preise sind die Unternehmen was Investitionen betrifft (und damit zukünftiges Angebot) weiterhin sehr diszipliniert. Diese Zurückhaltung dürfte zu keiner raschen Entspannung auf der Angebotsseite führen und daher die Rohstoffpreise weiter unterstützen.


*Die Raiffeisen KAG steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

Sommer-Rally auf den Rentenmärkten

Beherrschendes Thema auf den internationalen Anleihemärkten war im Juli der deutliche Renditerückgang, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns: Trotz neuerlicher Inflationsanstiege über Konsensus und auf Mehrjahreshochs (und trotz unverändert sehr starker Konjunkturdaten) ging das Renditeniveau in den USA und Deutschland um knapp 0,25 % nach unten. Deutsche Anleiherenditen lagen zum Monatsende mit rund –0,45 % wieder auf Niveaus wie im September 2020 (vor den Impfungen). Entsprechend positiv die Monatsperformance auf den Rentenmärkten: US-Staatsanleihen liegen seit Jahresbeginn sogar schon wieder im Plus und das Minus in Europa hat sich deutlich reduziert.

Zusammen mit stabilen Renditeaufschlägen für Unternehmensanleihen sorgte das bei Unternehmensanleihen ebenfalls für einen weiteren Performancezuwachs im Juli: In der Gesamtjahresbetrachtung seit Jänner glänzen weiterhin die High-Yield-Märkte mit dem größten Plus. Dieses Anleihesegment profitiert (ähnlich wie der Aktienmarkt) am stärksten von der Verbesserung von Wirtschaft und Unternehmensdaten.

Unauffällig dagegen seit Jahresbeginn die Anleihesegmente in den Emerging Markets (EM): Die Aufregung in den EM konzentrierte sich im Juli auf die Aktienmärkte.

Geld-/Kapitalmarkt: Notenbanken beruhigen

Vergleichsweise geradezu bescheiden: die Inflation im Euroraum mit +2,2 % p. a. (und +0,9 % p. a. ohne Energiepreise). Zwar dürfte dieser Wert auch in Europa heuer vorübergehend noch deutlich ansteigen; für 2022 erwartet die Inflationsprognose der EZB dann aber wieder einen (realistischen) Rückgang auf 1,5 %.

Gleichzeitig versuchen die Notenbanken ihr Möglichstes, um die Finanzmärkte betreffend Inflation und Zinsausblick nicht zu verschrecken: Die EZB hat kürzlich ihr Inflationsziel leicht nach oben korrigiert (auf 2 % statt knapp unter 2 %) und sich außerdem neuen Spielraum geschaffen, vorübergehend höhere Inflationsraten ohne Zinsanhebung auszusitzen. Selbst die US-Notenbank (zwangsläufig bereits deutlich näher am Beginn des Ausstiegs aus der extrem lockeren Geldpolitik) wird nicht müde, den vorübergehenden Charakter der aktuellen Inflationsspitze zu betonen. Die nächste Nagelprobe kommt für die Märkte diesbezüglich recht rasch: Bis Herbst wird von der US-Notenbank eine Ankündigung zur Reduktion ihrer Anleihekäufe (startend dann wahrscheinlich mit Anfang 2022) erwartet.

Staats- und Unternehmensanleihen: Auch für den Rest des Jahres klare Präferenzen

Die tiefenentspannte Sichtweise auf die Inflation teilen die Notenbanken derzeit auch mit den Märkten, und hier insbesondere mit den Anleihemärkten. Anders ist es nicht zu erklären, dass zeitgleich mit den hohen Inflationsraten (und starken Wirtschaftsdaten) die Anleiherenditen im Juli kräftig nach unten gingen.

Auf Sicht der nächsten Quartale bleiben wir allerdings ungebrochen negativ für die zu erwartende Performance bei Staatsanleihen aus den Industrieländern (und entsprechend untergewichtet). Solange der globale Konjunkturausblick nicht radikal nach unten dreht, gilt sogar fast zwangsläufig: Je tiefer das aktuelle Rendite-Startniveau, desto schlechter der zukünftige Performance-Ausblick.

Gleichzeitig spricht dieses Umfeld aber weiterhin für Unternehmensanleihen, und dort auch für High Yield (was sich heuer bereits bezahlt machte) – hier bleiben wir weiterhin optimistisch und stark übergewichtet.

Und auch Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern behalten wir angesichts ihres attraktiven Renditeaufschlags weiterhin übergewichtet. Wie in der letzten Ausgabe befürchtet, gaben einige EM-Währungen (insbesondere der Brasilianische Real) im Juli einen Teil ihrer jüngsten Kursperformance wieder her. Das von uns zuletzt bevorzugte Segment der EM-Hartwährungsanleihen hielt sich damit im Juli deutlich stabiler als die entsprechenden EM-Lokalwährungsanleihen und wird von uns weiterhin übergewichtet.


Weitere Details finden Sie in der August-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Nicht alles wie erwartet

Wenngleich das Resümee für den bisherigen Verlauf des Kapitalmarktjahres 2021 positiv ausfällt, ist bei weitem nicht alles nach Plan verlaufen, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns.

Im Zuge einer deutlich anziehenden Weltkonjunktur war zu erwarten, dass nach Jahren, in denen der US-Aktienmarkt aufgrund seiner relativ hohen Gewichtung von Technologie- und Wachstumswerten outperformt hat, im heurigen Jahr europäische Aktien und vor allem Emerging-Market-Aktien eine bessere Marktperformance aufweisen werden. Dies war zu Beginn des Jahres auch tatsächlich der Fall, jedoch trübte sich in weiterer Folge die Perspektive für die Emerging Markets aufgrund der Covid-19-Situation und der damit verbundenden schwächeren Wirtschaftsdaten sowie einer Reihe belastender Nachrichten aus China sukzessive ein. Folglich haben die Emerging Markets seit Jahresbeginn gegenüber entwickelten Aktienmärkten sehr klar underperformt. Auch die über einige Monate anhaltende Outperformance von Europa-Aktien ist zuletzt wieder ins Stocken geraten. Dies ist einerseits auf den erneuten Favoritenwechsel von zyklischen Value-Aktien in Richtung defensiver Growth-Aktien und andererseits auf die – entgegen der Konsenserwartung – wieder deutlich rückläufigen Anleiherenditen zurückzuführen. Die damit verbundene Verflachung der Zinskurven lastet auf Finanzwerten, welche in Europa relativ hoch gewichtet sind.

Die Entwicklung des Euro zum US-Dollar ist ebenfalls unerwartet verlaufen. Anders als prognostiziert notiert der US-Dollar seit Jahresbeginn gegen den Euro etwas fester und stützt damit zusätzlich die Performance von US-Assetklassen für Anleger auf Eurobasis.

Aktienmärkte: Positiver Juli trotz Crash in China

Auf den Aktienmärkten war der Juli zwar wieder mehrheitlich positiv, aber deutlich heterogener im Monatsverlauf (signifikante, aber sehr kurze Korrektur Mitte des Monats wegen Delta-Ängsten) und zwischen den Regionen: In Europa und den USA reichte es im Juli trotz zwischenzeitiger Korrektur mehrheitlich für ein respektables Monatsplus und neue Allzeithochs bei einigen Indizes, etwa dem S&P 500. Japan rutschte dagegen ins Minus und liegt jetzt sogar unter den Ständen vom Jahresanfang. Die Emerging Markets kamen dagegen im Juli massiv unter Druck: Zum einen, weil dort angesichts der regional immer noch sehr niedrigen Impfquote die schweren (Delta-)Coronafälle zunehmen. Zum anderen, weil im Juli der Aktienmarkt in China mit –15 % Monatsperformance völlig unter die Räder kam. Und zwar hausgemacht und zum Glück auf China beschränkt: Massive regulatorische Eingriffe bei zahlreichen (insbesondere Internet-) Unternehmen verschreckten dort die Anleger. Damit ist der chinesische Aktienmarkt inzwischen auch zweistellig unter den Niveaus vom Jahresbeginn. Und er zog angesichts der starken Gewichtung von China in asiatischen und EM-Benchmarks auch deren Performance stark nach unten.

Rohstoffe setzen trotz Delta auf Konjunkturerholung

Während Euro und US-Dollar stagnierten, reichten die Aktienmarktturbulenzen Mitte Juli (und die damit etwas größere Anlegervorsicht) aus, um sicheren Häfen wie Schweizer Franken und Japanischen Yen Auftrieb zu geben. Seit Jahresbeginn zählen diese Währungen aber in Summe trotzdem zu den schwächeren Wechselkurspaaren gegenüber dem Euro. Die seit Jahresbeginn sehr festen EM-Währungen legten dagegen im Juli eine Verschnaufpause ein – der Brasilianische Real musste sogar einen beträchtlichen Teil seines Vormonatsgewinns wieder hergeben. Sehr fest (zum Euro) dagegen neuerlich das Britische Pfund.

Bei vielen Rohstoffpreisen (insbesondere Öl) sorgten die Delta-Ängste im Juli zwischenzeitig – ähnlich wie auf den Aktienmärkten – für eine deutliche Korrektur; diese wurde aber auch dort rasch wieder aufgeholt. In Summe konnten Industriemetalle und Energie (sprich: Öl) ihre positive Jahresperformance im Juli weiter ausbauen. In einer Größenordnung, die sich auch gegenüber Aktienmärkten nicht verstecken muss. Edelmetalle treten dagegen weiter auf der Stelle.

Aktienmärkte: Höhere Volatilität, Trend weiterhin aufwärts

Die kleine Aktienmarktkorrektur im Juli sehen wir als Vorgeschmack auf die nächste Phase des Aktien-Bullenmarktes: weniger steil aufwärts als in den letzten 12 Monaten und ruppiger mit zwischenzeitigen Korrekturen. Das stärkste Jahreswachstum bei BIP, Vorlaufindikatoren, Unternehmensgewinnen und Aktienmärkten liegt wohl hinter uns. Allerdings ist üblicherweise auch in dieser nächsten Phase die Aktienmarktperformance auf Jahressicht immer noch klar positiv. Immerhin ist der Konjunkturaufschwung samt neuem Bullenmarkt gerade einmal etwas mehr als ein Jahr alt. Gefährlich hohe Leitzinsen, die die Konjunktur zum Kippen bringen könnten, sind noch weit weg. Gründe für zwischenzeitige kleinere Korrekturen werden sich trotzdem finden: Ob das der Herbst mit Delta ist (angesichts der hohen Impfquoten bei den Risikogruppen wohl ohne Konjunkturschaden machbar), Ankündigungen der US-Notenbank die Anleihekäufe 2022 zu reduzieren (Begleiterscheinung der boomenden Konjunktur), steigende Anleiherenditen (detto) oder etwas ganz Neues. Angesichts auch in den nächsten 12 Monaten wohl zweistellig steigender Unternehmensgewinne bleiben wir aber stark übergewichtet in Aktienmärkten (vs. Staatsanleihen) mit einer Übergewichtung von Europa (und Japan) gegenüber den USA.

Emerging Markets: Einbruch in China als Chance

Obwohl die meisten Emerging Markets (EM) im globalen Impfrennen weiterhin deutlich abgeschlagen sind, was angesichts der neuen Delta-Variante auch wirtschaftlich ein Nachteil ist, haben sich die Unternehmensgewinne heuer auch dort stark gesteigert. Bewertungsseitig hat sich damit vor allem die EM-Region Asien zuletzt massiv verbessert: Auch dort gehen die Unternehmensgewinne heuer steil nach oben und liegen bereits weit über dem Niveau vom Jahresbeginn bzw. von vor Corona. Gleichzeitig notieren die Börsenkurse aufgrund des jüngsten Kurseinbruchs in China inzwischen mehr als 10 % unter dem Jahresstartwert. Wir halten den Abverkauf in China für übertrieben und konzentrieren entsprechend unsere neue Übergewichtung in EM auf China. Auch bei Türkei und Brasilien sind wir kurzfristig übergewichtet – zu Lasten von Indien und den übrigen EM, was in Summe eine neutrale EM-Gewichtung innerhalb der globalen Aktienmärkte ergibt.


Weitere Details finden Sie in der August-Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's "märkte | unter uns".

Verlust an Biodiversität

von Klaus Glaser, Global Portfolio Advisor und Experte für Corporate Social Responsibility bei der Raiffeisen KAG.

Aktuell hält uns die globale Gesundheitskrise um Covid-19 im Bann, ihre Auswirkungen sind unmittelbar zu spüren. Und danach wird wieder vermehrt das Augenmerk auf eine weitere globale Krise und deren Bekämpfung – überwinden wäre wohl utopisch – gerichtet werden, die Klimakrise. Eine dritte globale Herausforderung, wahrscheinlich die nachhaltigste, komplexeste, bedrohlichste, bleibt dabei oft im Hintergrund: der Verlust an Biodiversität.

Eine populäre Umschreibung von Biodiversität mit Artenvielfalt ist zu kurz gegriffen, denn Biodiversität bezieht zusätzlich noch die genetische Vielfalt (Mikroebene) und übergeordnet die Vielfalt der Ökosysteme mit ein. Die globale Herausforderung ist bekannt, schon 1992 wurde auf dem „Erdgipfel“ in Rio de Janeiro das wichtigste multilaterale Vertragswerk und somit die aktuelle völkerrechtliche Grundlage von 196 Mitgliedsstaaten beschlossen: die UN-Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity, CBD). Alle zwei Jahre folgen Konferenzen mit verschiedenen Protokollen, etwa das Nagoya-Protokoll von 2010.

In der Präambel des CBD-Abkommens verpflichteten sich (hier stark verkürzt) „die Vertragsparteien ... im Bewusstsein des Eigenwerts der biologischen Vielfalt ... besorgt darüber, dass die biologische Vielfalt durch bestimmte menschliche Tätigkeiten erheblich verringert wird ... die biologische Vielfalt zum Nutzen heutiger und künftiger Generationen zu erhalten und nachhaltig zu nutzen“.

Die drei gleichwertigen Ziele sind dabei

  • die Erhaltung der biologischen Vielfalt,
  • die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und
  • die ausgewogene und gerechte Aufteilung ... etwa derVorteile und Ressourcen.

Die Konvention geht dabei weit über die rein ökologischen Erfordernisse hinaus, indem sie auch soziale, wirtschaftliche, wissenschaftliche, erzieherische, kulturelle und ästhetische Belange anspricht.

Die wesentlichen Ursachen für den – nun bereits vermehrt sichtbaren – Verlust an biologischer Vielfalt sind die Schrumpfung und Degradierung von Habitaten, die Übernutzung von Böden, die Einführung nichtnativer Arten, die allgemeine Umweltverschmutzung und der Klimawandel. Das ist im Wesentlichen vom Menschen gemacht.

BIODIVERSITÄTS-STRATEGIE ÖSTERREICH

Auch Österreich hat die CBD übernommen und 2014 die „Biodiversitäts-Strategie Österreich 2020+“ veröffentlicht. Diese beinhaltet zwölf Ziele in fünf Handlungsfeldern, die sich an internationalen Zielsetzungen orientieren, sowie einen umfangreichen Maßnahmenkatalog für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Österreich. In dieser Strategie wird einerseits das Strategiefeld umfangreich dokumentiert, entschlossene Maßnahmen weichen jedoch gerne Evaluierungen, Erörterungen und Bildungsmaßnahmen. Ein Bericht des österreichischen Umweltbundesamts bescheinigt Fortschritte in einigen, aber nicht allen Zielen und kommt zum Schluss, dass weiterer dringender Handlungsbedarf gegeben und die Intensivierung der Aktivitäten zum Schutz der Biodiversität unverzichtbar ist.


Quellen und Links

Rentenmärkte: Rendite-Aufwärtstrend vorerst gestoppt

Der bis inklusive April zu beobachtende Renditeanstieg auf den weltweiten Rentenmärkten ist seither in eine Seitwärts-Konsolidierung übergegangen, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Im Juni kamen die Anleiherenditen in Summe kaum noch vom Fleck – die Monatsbewegungen auf den großen internationalen Anleihenmärkten reichten von leichten Renditerückgängen (z. B. USA) bis zu Seitwärtsbewegungen (z. B. Deutschland). Und das trotz nach oben schießender Inflationsveröffentlichungen, denn die gepreisten Inflationserwartungen waren im Vorfeld schon stark gestiegen.

Bei der Performance seit Jahresbeginn haben unverändert High-Yield-Unternehmensanleihen die Nase vorn – sie profitieren ähnlich wie Aktien von der starken Verbesserung bei Unternehmen und Konjunktur. Am anderen Ende der Skala sind Staatsanleihen die Performance-Schlusslichter: Die seit Jahresbeginn deutlich gestiegenen Marktrenditen sorgten hier für Kursrückgänge, auch wenn es im Juni eine kleine Gegenbewegung gab.

Im Juni kam die auffälligste Bewegung im Anleihesegment von der starken Erholung des US-Dollars. Das sorgte auf Euro-Basis bei allen US-Dollar-Anleihen für eine beeindruckende Monatsperformance.

Geld-/Kapitalmarkt: Inflationsanstieg im Juni lässt Märkte kalt

Die Beschleunigung der globalen Konjunktur hat eine Schattenseite: Inflation. Mit der rasanten Preiserholung bei praktisch allen Rohstoffpreisen (auf zum Teil Mehrjahreshochs) liegen diese Preise weit über dem Krisenniveau des Vorjahres. Zusammen mit einigen Produktionsengpässen und einer kurzfristig übersteigerten Nachfrage führte das im Juni zu teilweise spektakulären Inflationszahlen: von 3 % p.a. in Österreich bis 5 (!) % in den USA.

Allerdings betonen die Notenbanken weiterhin, dass sie diesen Anstieg als vorübergehend erachten: Rohstoffpreise werden auf die nächsten zwölf Monate kaum neuerlich so stark ansteigen, Produktion und Nachfrage bis 2022 wieder in Balance kommen. Auf die Zins- und Anleihenmärkte hatten die Inflationszahlen kaum Auswirkungen, denn die gepreisten Inflationserwartungen (und Anleiherenditen) waren schon in den Vormonaten steil angestiegen.

Verschreckter reagierten die Kapitalmärkte auf die Prognose der US-Notenbank, die für 2023 erste Leitzinsanhebungen in Aussicht stellte. Zuerst aber müssen die Notenbanken eine schrittweise Reduktion ihrer Anleihenkäufe ankündigen: Für die US-Notenbank wird eine solche Ankündigung bis Herbst erwartet; für die EZB bis Jahresende.

Staats- und Unternehmensanleihen: Ausblick bleibt schwierig

Positiv ist festzuhalten, dass die Anleihenmärkte die hohen Inflationszahlen im Juni gut weggesteckt haben. Außerdem wird inzwischen eine absehbare Reduktion („Tapering“) der Anleihenkäufe (sowohl der EZB als auch der US-Notenbank) bereits allgemein erwartet, sollte also zunehmend eingepreist sein. Trotzdem dürfte sich das Umfeld für Anleihen in den nächsten Quartalen weiter verschlechtern und Anleiherenditen entsprechend noch weiter nach oben, Anleihekurse nach unten wandern.

Denn eine Reduktion der Anleihenkäufe (in den USA um die Jahreswende erwartet) dürfte dem Markt zunehmend Unterstützung entziehen (vor allem, falls die EZB 2022 dem Beispiel folgen sollte). Anhaltend hohes Wirtschaftswachstum und damit (zumindest in den USA) auch steigende Leitzinserwartungen dürften Anleiherenditen weiter nach oben drücken, selbst wenn die aktuelle Verschnaufpause am Anleihenmarkt über den Sommer vielleicht noch andauert. In einem solchen Umfeld sollten Unternehmensanleihen weiterhin klar outperformen – hier konzentriert sich weiterhin unsere größte Anleihen-Übergewichtung. Ebenfalls einen interessanten Renditeaufschlag gibt es bei Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern – auch für dieses Segment sind wir optimistischer als für klassische Staatsanleihen der Industrieländer.

Emerging Markets: Unternehmensgewinne holen auf

Auf der Anleihenseite werden Lokalwährungsanleihen in den EM einmal mehr von der Währungsseite dominiert: Mehrere große Länder wie Brasilien und Russland verzeichneten im Juni eine starke Aufwertung, die sich aber auch rasch wieder umkehren könnte. Wir bewerten den Ertrag-Risiko-Aspekt von EM-Hartwährungsanleihen als deutlich attraktiver und setzen mit einer Übergewichtung auf dieses Segment.

Ausblick zweites Halbjahr

Das erste Halbjahr 2021 verlief wie nach Drehbuch für den Film „Die Weltwirtschaft lässt die Covid-Krise hinter sich“. Aktien, und hier vor allem die zyklischen Vertreter, konnten zulegen, die gesamte Renditekurve hat sich nach oben verschoben und versteilert, erklärt Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Diverse Rohstoffe zeigten spürbare Preisanstiege. Getrieben war diese Marktentwicklung von besseren Konjunkturdaten inklusive sinkender Arbeitslosigkeit, höherer Inflation und einer starken Erholung der Unternehmensgewinne. Gerade in den letzten Wochen hat sich die Diskussion über Inflation und mögliche Auswirkungen auf die Geldpolitik verstärkt. Die Aussagen der Fed in Richtung früherer Zinsanhebungen haben dann auch kurzfristig für Verunsicherung gesorgt, bevor die Notenbanker wieder zurückgerudert sind.

Im zweiten Halbjahr 2021 werden uns wohl einerseits diese Themenschwerpunkte, andererseits aber auch die Marktentwicklungen erhalten bleiben. Die Konjunkturerholung wird voranschreiten, das zeigen die Vorlaufindikatoren. Die eine oder andere Inflations- und Infektionszahl wird zu hochgezogenen Brauen der Anleger, aber nicht zu nachhaltigen Aktienkorrekturen führen. Und die Unternehmen werden auf ihrem Erholungspfad weitergehen. Klarerweise wurden die guten Nachrichten zum Teil schon durch die erwähnte positive Performance vorweggenommen. Konjunktur- und Marktzyklus sind jedoch noch relativ jung, Potenzial ist weiterhin vorhanden. Mit diesem Ausblick wird die Aktienquote zulasten der Anleihen weiter angehoben. Auch den Rohstoffen wird weiterhin Preisfantasie zugebilligt.

Aktienmärkte nehmen wieder Fahrt auf

Auf Euro-Basis konnten im Juni die meisten Aktienmärkte (und alle hier gezeigten Indizes) eine positive Performance verbuchen. Besonders auffällig: Osteuropa und Russland, wo sich die Aufholjagd vom Mai auch im Juni fortsetzte. Damit zählen diese Märkte seit Jahresbeginn – auf Euro Basis – inzwischen zu den Top-Performern! Wobei eine starke Ausrichtung auf zyklische Branchen, die vom Konjunkturaufschwung besonders profitieren, heuer bis dato generell kein Nachteil war: Man sieht das am EURO STOXX 50 (großer Finanzsektor) in Osteuropa und Russland (Finanz, Rohstoffe, Energie) und in Perfektion am ATX, der sich auf genau diese Branchen (plus Industrie) konzentriert. Wenig überraschend ist der ATX damit seit Jahresbeginn der Top-Performer (nachdem er letztes Jahr in der Rezession einer der schwächsten Indizes war). Am unteren Ende der Performance-Skala liegen weiterhin die asiatischen Märkte, sowohl Japan als auch China. Wobei sich China hier in guter Gesellschaft befindet: Die Emerging Markets generell hinken heuer in der Performance Europa (insbesondere Zentral- und Osteuropa) hinterher. Einzig Lateinamerika konnte im Juni – nicht zuletzt aufgrund der starken Aufwertung in Brasilien – deutlich aufholen.

Globale Konjunktur: Wachstumsboom auch noch 2022?

Mit dem Ende der letzten Lockdowns im Dienstleistungssektor zeichnet sich inzwischen auch für diesen Wirtschaftsbereich ein Wachstumsboom ab. Das indizieren die Vorlaufindikatoren, und das spiegelt sich auch in den Wachstumsschätzungen für 2021 wider: Für die USA erwartet die Notenbank heuer ein reales BIP-Wachstum von 6,5 % p.a. Damit wäre die US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr bereits wieder größer als unmittelbar vor Corona.

In der Eurozone dürfte dieser Punkt erst im ersten Halbjahr 2022 erreicht sein. Aber trotzdem wäre die EZB-Prognose von 4,6 % für 2021 das stärkste Wachstum seit Jahrzehnten. Noch erfreulicher: Beide Notenbanken rechnen auch für 2022 noch mit einer boomenden Konjunktur. Dann sind die Einmaleffekte der wirtschaftlichen Öffnungen (höherer Output im Vergleich zum Krisenjahr 2020) zwar bereits Geschichte; angesichts der aufgestauten Nachfrage bei Konsum und Investitionen und der sich deutlich verbessernden Arbeitsmarktsituation erscheint die EZB-Prognose von 4,7 % für 2022 aber durchaus realistisch.

Aktien: Bullenmärkte dauern länger als ein Jahr

Wie fast immer nach Rezessionen brachten auch diesmal die ersten zwölf Monate nach dem Rezessionstief (März/April 2020) die spektakulärste Aktienmarktperformance. Dieses Tempo der Aktienmarkterholung lässt sich natürlich nicht dauerhaft halten. Zudem bekommt der Markt wahrscheinlich Gegenwind durch steigende Leitzinserwartungen in den USA und eine Reduktion der üppigen Liquiditätszufuhr. Das sind allerdings normale Phasen in der Entwicklung eines Bullenmarktes, der damit üblicherweise noch lange nicht zu Ende ist. Erst wenn die Notenbank den Leitzins immer höher schraubt, um die Konjunktur einzubremsen, wird es mit jedem Jahr gefährlicher für den – bis dahin schon alten – Bullenmarkt. Insofern empfehlen wir weiterhin eine deutliche Aktien-Übergewichtung. Denn aktuell ist der Bullenmarkt gerade ein Jahr alt und kein neuerlicher Konjunktureinbruch oder (zu) hohe Leitzinsen in Sicht. Zinserwartungen und Anleiherenditen dürften zwar (weiter) nach oben klettern, was ein klassischer Auslöser für eine kleinere Korrektur sein könnte. Das große Bild bleibt aber bullisch. Und es gibt Sektoren, die sogar von steigenden Anleiherenditen profitieren: Der Bankensektor etwa als schönes Beispiel für den zyklischen Sektor, den wir derzeit favorisieren.

Emerging Markets: Unternehmensgewinne holen auf

Auch in den Emerging Markets (EM) ist die Aktienmarktperformance seit Jahresbeginn mit rund 11 % (auf Euro-Basis) durchaus zufriedenstellend. Dennoch fällt auf, dass diese Ländergruppe damit etwas hinter der Performance von Europa zurückbleibt. Die Gründe dafür dürften auch die weitere Entwicklung prägen: Einerseits sind die meisten EM-Indizes stark von China, Taiwan und Südkorea, und dort von einigen großen Tech-Unternehmen beeinflusst. In einer Phase, in der zyklische Branchen im globalen Konjunkturboom outperformen, kein Beinbruch, aber auch nicht optimal. Außerdem sind viele EM außerhalb Ostasiens noch stark von Corona (und den Gegenmaßnahmen) betroffen – dort hinkt man den Industriestaaten im Überwinden der Krise hinterher. Die gute Nachricht: Auch dort macht man große Fortschritte und inzwischen sind die Unternehmensgewinne in allen drei EM-Sub-Regionen stark im Aufwind. Das sollte in weiterer Folge auch die Aktienmarktperformance in diesen Ländern beflügeln. Wir empfehlen aktienseitig eine Übergewichtung von Emerging Markets.

Unternehmensstimmen zum Thema "Biodiversität"

von Andreas Perauer, Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsteams bei der Raiffeisen KAG.

Der im August 2019 vom Weltklimarat veröffentlichte Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme argumentiert, dass die derzeitige Landnutzung und die globalen Nahrungsmittelsysteme den Klimawandel, die Bodendegradation, den Verlust der biologischen Vielfalt und andere Umweltbedrohungen verschärfen. Die Art und Weise, wie wir uns ernähren, ist demnach ein wesentlicher Faktor für den Erhalt der Biodiversität. Umso wichtiger wird es sein zu beobachten, in welche Richtung sich die Lebensmittelindustrie bewegt.

Die Engagement-Aktivitäten des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management beim Thema Biodiversität beinhalten den Dialog mit einigen der größten börsennotierten Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Dabei wurden folgende Fragen gestellt. Die Antworten auf diese Fragestellungen lassen sich zu nachstehenden Aussagen und Ergebnissen zusammenfassen.

Ist der negative Einfluss unserer globalen Nahrungsmittelsysteme auf die Biodiversität ein Problem, das Sie als für Ihr Unternehmen relevant erachten? Überwachen Sie aktiv Ihren positiven/negativen Einfluss auf die Biodiversität? Was sind die Ergebnisse?

Für Bayer, spezialisiert in den Bereichen Gesundheit und Agrarwirtschaft, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die intensivierte Landwirtschaft zu einem lokalen Rückgang der Artenvielfalt und zu einer Beeinträchtigung der Ökosysteme geführt hat. Aus diesem Grund investiert das deutsche Unternehmen in Forschung und Entwicklung, um ein besseres Gleichgewicht zwischen Produktivität und Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme zu erreichen. Die Definition von Indikatoren zur Messung der Auswirkungen von Produkten entpuppt sich dabei als eine sehr komplexe Aufgabe. Bayer versucht es mit einem erst kürzlich von der University of Denmark entwickelten Modell, das die Umweltauswirkungen jedes Pflanzenschutzmittels auf unterschiedliche Anbauflächen messen kann, und überprüft damit sein gesamtes Produktportfolio. Mit dieser Messung kann festgestellt werden, welche Produkte die höchsten Umweltauswirkungen haben, wo diese entstehen und wo Bayer dementsprechend für eine Verbesserung sorgen kann. Auch Nestlé, der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt, sieht in der Messung von Auswirkungen auf die Biodiversität, speziell aufgrund der enormen regionalen Unterschiede, eine größere Herausforderung als zum Beispiel beim Thema CO2. Es sei dennoch möglich, etwa durch den Einsatz von Satellitentechnologie zur Überwachung von Entwaldungsrisiken und durch Pilotfarmen, die Nestlé speziell zur Überwachung, Messung und Wiederherstellung der Bodengesundheit errichtet hat. Der Zeitraum, bis diese Bemühungen messbare Ergebnisse liefern, kann dabei erheblich variieren. Während die Entwaldung nahezu in Echtzeit überwacht und gemessen werden kann, kann es bei der Regeneration des Nährbodens durchaus drei bis vier Jahre dauern, um Daten zu generieren, die Auswirkungen belegen können. Einer ähnlichen Vorgehensweise folgt der US-amerikanische Lebensmittelproduzent Campbell Soup, der im Jahr 2020 zur Risikobewertung des eigenen Beschaffungsprozesses mit der Non-Profit-Organisation The Sustainability Consortium zusammengearbeitet hat. Dabei wurden die mit den Herkunftsländern verbundenen Risiken von 30 Inhaltsstoffkategorien im Zusammenhang mit dem Verlust der biologischen Vielfalt, des Wasserverbrauchs und der Entwaldung bewertet und die Priorisierung der verwendeten Inhaltsstoffe auf Basis der Ergebnisse adoptiert.

Wie kann Ihr Unternehmen zum Sustainable Development Goal 15 beitragen? Haben Sie sich bestimmte Ziele gesetzt?

Der Erhalt und die Förderung der Biodiversität ist ein wesentlicher Punkt des nachhaltigen Entwicklungsziels SDG 15 Leben an Land. Für den britischen Konzern Unilever, mit Marken wie Knorr, Eskimo, Coral und Axe einer der weltweit größten Produzenten von Konsumgütern, bilden die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) eine einmalige Gelegenheit, eine bessere Welt zu schaffen. Das Unternehmen weist darauf hin, dass allein für die Transformation des Lebensmittel- und Landsystems Geschäftschancen in Höhe von rund 3 Billionen US-Dollar ermittelt wurden. Das Wachstumspotenzial von Öko-Innovationen, die sowohl die Umwelt schützen als auch das Wohlergehen der Menschen fördern, sei daher enorm. Dementsprechend setzt der Lebensmittelproduzent auch selbst auf Rohstoffe von landwirtschaftlichen Betrieben, die nachhaltige Praktiken hinsichtlich des Erhalts der Fruchtbarkeit des Bodens, des Wasser- und Düngemittelverbrauchs sowie des Schutzes der biologischen Vielfalt anwenden. Nestlé verfolgt zur Erreichung des SDG 15 einen klaren Plan, der eine entwaldungsfreie Hauptzulieferkette sowie einen Anteil an Rohstoffen, die mit regenerativen Landwirtschaftsmethoden hergestellt wurden, von 20 % bis 2025 und 50 % bis 2030 vorsieht. Campbell Soup wiederum fordert von allen Lieferanten die Einhaltung sämtlicher geltenden Umweltgesetze. Darüber hinaus wird von den Lieferanten erwartet, dass sie Maßnahmen zum Schutz und zur Verbesserung der Böden sowie zum Schutz und zur Förderung natürlicher Lebensräume, einheimischer Arten und der biologischen Vielfalt ergreifen. Außerdem verbietet das Unternehmen die Produktion auf Ländereien, die in den letzten zehn Jahren nicht für Landwirtschaft genutzt wurden. Novozymes, ein dänisches Biotechnologieunternehmen, ist davon überzeugt, dass seine Enzyme und mikrobiellen Lösungen den Landwirten helfen, die Effizienz der Pflanzen- und Tierproduktion zu steigern, die Umweltauswirkungen zu verringern und gleichzeitig die Klimaresilienz zu stärken. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, durch Effizienzverbesserungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Jahr 2022 zur Gewinnung von 500.000 Tonnen an zusätzlichen Lebensmitteln beizutragen. Im Jahr 2020 lag dieser Wert internen Schätzungen zufolge bereits bei 136.000 Tonnen.

Prognosen zufolge wird die Weltbevölkerung bis 2050 um weitere zwei Milliarden Menschen ansteigen. Wird es möglich sein, all diese Menschen nachhaltig zu ernähren? Welche Rolle könnte Ihr Unternehmen dabei spielen?

Bayer sieht in einer intensiven Landwirtschaft mit hohen Erträgen pro Hektar Ackerland einen entscheidenden Faktor für die kontinuierliche Verfügbarkeit hochwertiger und erschwinglicher Lebensmittel. Das liege daran, dass die Intensivierung der Landwirtschaft dazu führen wird, dass immer weniger Land für die Lebensmittelproduktion benötigt wird. Während die landwirtschaftlichen Erträge in den letzten 40 Jahren um 60 % gestiegen sind, hat sich die landwirtschaftliche Nutzfläche nur um 5 % erhöht. DigitaleTechnologien spielen dabei eine wichtige Rolle, ebenso wie verbessertes Saatgut und optimierte landwirtschaftliche Praktiken. Unilever sieht sich in derVerantwortung, ein globales Lebensmittelsystem mitzugestalten, das für alle fair ist. Aus diesem Grund hat das Unternehmen die „Future Foods“-Initiative gestartet und verpflichtet sich damit zu einem jährlichen Umsatzziel von einer Milliarde Euro durch pflanzliche Fleisch- und Milchalternativen innerhalb von fünf bis sieben Jahren, zu einer Halbierung der Lebensmittelabfälle im direkten Betrieb von der Fabrik bis zum Regal bis 2025, zur Verdoppelung der Anzahl der gesundheitsfördernden Produkte bis 2025 sowie zu einer fortwährenden Reduktion des Kalorien-, Salz- und Zuckergehalts aller Produkte. Auch Kellogg’s, ein weltweit führender Produzent von Getreideprodukten, will seinen Beitrag zu einer nachhaltigen Nahrungsmittelversorgung leisten und hat sich dazu verpflichtet, bis Ende 2030 eine Million Landwirte und Arbeiter durch Programme zu unterstützen, die auf Klima-, soziale und finanzielle Widerstandsfähigkeit ausgerichtet sind. Kellogg’s bietet dabei eigene Schulungen und technische Unterstützung an, um bewährte Verfahren zu vermitteln, die die Produktivität der landwirtschaftlichen Betriebe verbessern sowie zur Regeneration der Bodengesundheit, zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen beitragen.


Die vollständige Ausgabe 32 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.