USA: Joe Biden hat mit Senatsmehrheit jetzt freie Fahrt für sein Wirtschaftsprogramm

Nach dem erfolgreichen Abschneiden der Demokraten bei den Senats-Stichwahlen im US-Bundesstaat Georgia dürfte der designierte US-Präsident Joe Biden bald deutlich mehr Spielraum für die Durchsetzung seiner wirtschaftspolitischen Programme haben. Denn seine Partei hat mit dem Sieg nun de facto die Mehrheit in beiden Kongresskammern.

Nach dem Sieg der demokratischen Kandidaten im Rennen um zwei Senatsposten verfügen die Demokraten nun über 50 Sitze im Senat und damit über genauso viele wie die Republikaner. Bei Patt-Situationen in der Kammer hat aber die designierte demokratische Vizepräsidentin Kamala Harris ebenfalls ein Stimmrecht im Senat. Im Repräsentantenhaus stellen die Demokraten bereits die Mehrheit.

An den Börsen wurde die neue Machtfülle für den neuen Präsidenten großteils positiv aufgenommen.  So konnte sowohl der Dow Jones als auch der deutsche Aktienindex DAX zuletzt neue Rekordstände erreichen. Denn mit der „blauen Welle“ ist Biden bei seinen Vorhaben nicht auf die Unterstützung der Republikaner angewiesen und kann nun noch umfangreichere Konjunkturprogramme im Kampf gegen die Coronakrise auf den Weg bringen.

Bereits beschlossen wurde vom US-Kongress zum Jahreswechsel ein Hilfspaket in Höhe von 900 Mrd. US-Dollar. Biden dürfte nun mit der Kontrolle über beide Kongress-Kammern diese Hilfen aufstocken. Auch Bidens Ernennung der ehemaligen Notenbankchefin Janet Yellen zur künftigen Finanzministerin wird von Beobachtern als Indiz für umfangreiche Hilfen gewertet, da Yellen als Verfechterin einer konjunkturstimulierenden Wirtschaftspolitik gilt.

Erwartet werden von Biden auch massive Investitionen in die Infrastruktur.  Das ist auch dringend nötig, denn die USA liegen bei der Infrastruktur in einem aktuellen Ländervergleich des Weltwirtschaftsforums nur mehr auf Platz 13. An den Börsen wurden derartige Programme schon vorweg genommen, so konnten die Aktien von in den USA aktiven Baustoffherstellern wie CRH oder HeidelbergCement zuletzt stark zulegen.

Fokus auf Klimapolitik und erneuerbare Energien

Einen besonderen Fokus will Biden dabei auf Klimapolitik und die Förderung erneuerbarer Energien legen. Die Aktien entsprechender Unternehmen waren entsprechend zuletzt gut gesucht. Der künftige Präsident hat Investitionen in der Höhe von zwei Billionen Dollar in die Klimapolitik und grüne Energien in Aussicht gestellt.

Analysten erwarten in Folge einen Boom der Elektroautos in den USA. So will Biden das Tankstellennetz für E-Autos ausbauen, zudem werden steuerliche Anreize für den Umstieg auf elektrische Fahrzeuge erwartet. Auch die vom scheidenden US-Präsidenten Donald Trump gelockerten Umweltschutzgesetze könnten unter Biden wieder in Kraft gesetzt werden.

Kommen Vermögenssteuern?

Auch einige der Steuersenkungen aus der Trump-Ära dürften unter dem neuen Präsidenten rückgängig gemacht werden. Biden steht dabei für eine stärkere Umverteilung und möchte Reiche und Konzerne stärker besteuern. So will er die auf 21 Prozent gesenkte Körperschaftssteuer wieder auf 28 Prozent erhöhen. Auch eine mögliche Vermögenssteuer steht zur Debatte.

Als wahrscheinlich gilt auch, dass Biden wie angekündigt die direkten Finanzhilfen von bisher 600 auf 2.000 Dollar pro Familie erhöht. Zum Jahreswechsel hatten die Republikaner den entsprechenden Beschluss noch verhindert, doch nun kann der künftige Präsident hier auf die Unterstützung des Senats zählen.

Mit seinen Konjunkturprogrammen muss der designierte Präsident auch gegen die triste Situation am Arbeitsmarkt kämpfen. In der Krise gingen in den USA mehr als 22 Millionen Jobs verloren, von denen bisher erst rund die Hälfte zurückgewonnen wurde. Die Lage bleibt dabei weiter angespannt. Laut dem am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktbericht sind im Dezember überraschend 140.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft gestrichen worden. Die Arbeitslosenquote lag weiter bei 6,7 Prozent.

Höhere Staatsverschuldung dürfte Zinsen nach oben treiben

Mit den umfangreichen Konjunkturpaketen der Demokraten wird an den Märkten aber auch eine höhere Staatsverschuldung erwartet. Dies dürfte die Inflation, aber auch Anleihenrenditen und Zinsen steigen lassen, wovon wiederrum Banken profitieren könnten. Am Staatsanleihenmarkt waren die Renditen zehnjähriger Anleihen zuletzt erstmals seit März über die Marke von einem Prozent gestiegen. Auch reagierten viele Bankaktien zunächst positiv auf die Senatswahl in Georgia.

Verluste gab es hingegen teilweise bei Technologiewerten, denn mit einer demokratischen Senatsmehrheit unter Biden befürchten große Tech-Konzerne auch stärkere Regulierungen der Branche. Bereits in einem im Oktober veröffentlichten Bericht hat der Wettbewerbsausschuss des Repräsentantenhauses Technologieriesen wie Amazon, Apple, Facebook und Google vorgeworfen ihre Marktmacht zu missbrauchen.  Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren forderte bereits ein rigoroses Vorgehen gegen diese Konzerne, bis hin zu einer möglichen Zerschlagung.

Änderungen zeichnen sich mit dem Machtwechsel auch in der Handelspolitik der USA ab. Biden will zwar mit seiner „Buy American“-Initiative ähnlich wie Trump amerikanische Hersteller gegen die Konkurrenz aus dem Ausland unterstützen. Im Gegensatz zu seinem republikanischen Vorgänger dürfte er dabei aber verstärkt auf Allianzen mit Europa setzen um den rasanten Aufstieg Chinas zu bremsen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Covid Impfungen – Vom Rennen zur Hatz

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Die Verteilung von Covid Impfungen hat in weiten Teilen der entwickelten Welt begonnen. Politiker, Kommentatoren und Bürger kritisieren den schleppenden Anlauf der Immunisierungen. Doch ähnlich wie bei der Tour de France zählt nicht wer während der ersten Etappe das gelbe Trikot trägt, sondern wer am Ende als Erster durchs Ziel fährt. Dafür sind drei Faktoren entscheidend: Die Versorgung mit Impfstoff, dessen Verteilung und vor allem die Impfbereitschaft.

Hat die EU mit AstraZeneca auf das falsche Pferd gesetzt?

Der CEO von BioNTech hat das Vorgehen der EU kritisiert. Nämlich dass bei der Bestellung des Impfstoffs im Sommer 2020 auf möglichst viele Anbieter gesetzt wurde anstatt auf den vielversprechendsten. Im nachhinein mag diese Feststellung zwar richtig sein, aber bei den bestellten Pfizer/BioNTech-Impfungen pro Kopf liegt die EU mit 0,33 sogar knapp vor den USA und Großbritannien mit etwa 0,30. Um das Ziel der Herden-Immunität zu erreichen (etwa 0,75 Impfungen pro Kopf) sind in jedem Fall andere Impfstoff-Kandidaten notwendig. Der Impfstoff von Moderna wurde in der EU dieser Tage zugelassen (pro Kopf EU: 0,18 USA: 0,30). Bei dem in Indien und Großbritannien bereits zugelassen Impfstoff von AstraZeneca steht die Zulassung noch in der Schwebe (pro Kopf EU: 0,44 USA: 0,75): Durch Ungenauigkeiten bei der Durchführung der Studien wurden Fragen über dessen Wirksamkeit aufgeworfen. Für die EU dürften aber letzten Endes die Ergebnisse der Phase 3 Studien der Impfstoffe von Johnson&Johnson (pro Kopf EU: 0,44 USA: 0,30) und CureVac (pro Kopf EU: 0,25 USA: 0) entscheidend sein. Diese werden für Ende Januar und Ende Februar erwartet. Beide Impfstoffe haben in Phase ½ robustere Ergebnisse geliefert als AstraZeneca und sind in einfachen Kühlschränken lagerbar.

Der „Moderna-Spritzer“ – eine gewagte Idee

In den USA plante man ab Zulassung der beiden mRNA Impfstoffe von Pfizer und Moderna monatlich bis zu 20% der Bevölkerung zu immunisieren. Dieses Ziel war von vorn herein ambitioniert. Wenn man bedenkt, dass während der Schweinegrippe-Pandemie 2009 monatlich nur etwa 10% der Bevölkerung geimpft werden konnten. Und zwar mit einem wesentlich leichter lagerbaren eindosigen Impfstoff. Die Verabreichung der zwei Dosen im Abstand von etwa einem Monat hat sich als administratives Nadelöhr entpuppt. Während man anfangs noch den zweiten Schuss der Impfung bei Verabreichung des ersten Schusses „reservierte“, um sicherzugehen, dass dieser in einem Monat auch wirklich verfügbar sein wird, geht man nun dazu über alle verfügbaren Dosen so schnell wie möglich zu verimpfen. Umstrittener ist die Idee den Impfstoff von Moderna zu verdünnen um noch mehr Personen schneller impfen zu können. Zwar legen die Ergebnisse der Phase 2 Studie zum Impfstoff nahe, dass dieser zumindest bei 18-55-jährigen auch in einer geringeren Dosis annähernd gleich wirksam wäre, jedoch herrscht in Wissenschaftskreisen Uneinigkeit über die Sinnhaftigkeit der Maßnahme. Es gibt Stimmen, die dies begrüßen würden, andere wiederum sprechen von nicht kalkulierbaren Risiken sollte SARS-CoV2 Resistenzen gegen schwache Impfstoffe entwickeln.

Impf-Angst und Impf-Neid

Letzten Endes ist jede Debatte über die Verfügbarkeit und Geschwindigkeit müßig, wenn sich eine renitente Minderheit in der Bevölkerung einer Impfung verweigert. Nachdem es auf absehbare Zeit noch keine zugelassenen Impfstoffe für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren geben wird und diese Gruppe in etwa 15% der Bevölkerung ausmacht, reichen 12% strikte Impfgegner in der Restbevölkerung um die Herdenimmunität zu verunmöglichen. Inwieweit eine Impfkampagne in Anbetracht dessen ohne eine Form von direktem oder indirektem Zwang gelingen kann, ist offen. Am anderen Ende des gesellschaftlichen Spektrums kommt es zunehmend zu Neid-Debatten, wenn es um die Priorisierung beim Zugang zu den Impfstoffen geht. In jeder Hinsicht werden die Regierungen am gesamten Erdball in den kommenden Monaten stärker denn je gefordert sein die richtigen Maßnahmen zu setzen um ein rasches Ende der Pandemie herbeizuführen. Die logistische Versorgung mit Impfstoffen mag zwar zu Beginn eine größere Rolle spielen. Für eine Zieldurchfahrt im gelben Trikot ist aber ein gesamtgesellschaftlicher Schulterschluss notwendig.


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Ausblick 2021: Die 98% Wirtschaft

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die risikobehafteten Wertpapierklassen haben in den vergangenen Wochen eine sehr gute Ertragsentwicklung gezeigt. Die Aktienkurse sind weiter angestiegen und die Renditeaufschläge für das Kreditrisiko haben das Vor-Pandemie Niveau erreicht beziehungsweise sind auf dem besten Weg dorthin.

Wie passt das zusammen, wo doch zahlreiche Länder mitten in der zweiten Infektionswelle stecken? Was kann für nächstes Jahr erwartet werden?

Durchhaltevermögen

Das wohl wichtigste bestimmende Element für die Kapitalmärkte sind die positiven Impfstoffnachrichten. Effekte und sichere Impfstoffe haben das Potential, den negativen Zusammenhang zwischen Virusentwicklung und Mobilität zu brechen.

Aktuell sind die hohen Fallzahlen in den USA Besorgnis erregend. In Europa werden aufgrund der negativen Virusentwicklung in einigen Ländern die Lockdownmaßnahmen verlängert beziehungsweise verschärft.

Die Entwicklung von Sars-CoV-2 wird auch im Jahr 2021 die Volkswirtschaften und die Märkte maßgeblich beeinflussen. Denn es wird einige Monate dauern, bis ein genügend großer Anteil der Bevölkerung geimpft werden kann, um Herdenimmunität zu erreichen. Zudem hängt viel von der Impfbereitschaft der Leute ab.

Damit ist entscheidend, dass die Marktteilnehmer weiterhin die aktuell negativen Nachrichten von der epidemiologischen und der volkswirtschaftlichen Seite ignorieren und auf eine anhaltende Erholung des BIP-Wachstums und der Unternehmensgewinne setzen. Eine dritte Infektionswelle stellt ein wichtiges Risiko für die erste Jahreshälfte 2021 dar.

Die 98% Wirtschaft

Das Basisszenario lautet auf eine holprige, uneinheitliche und teilweise Erholung. „Holprig“ deshalb, weil das Bruttoinlandsprodukt in Europa im vierten Quartal schrumpfen wird und auch jenes in den USA im ersten Quartal fallen könnte.

In einem Risikoszenario könnte es ruppig bleiben. Neben einer weiteren Infektionswelle ist hier der Fokus auf ansteigende Unternehmenskonkurse gerichtet. „Uneinheitlich“ deshalb, weil einige Sektoren und Länder weniger stark von der Pandemie betroffen sind als andere. Die Einzelhandelsumsätze haben in vielen Ländern bereits das Niveau vom Jänner überschritten und die Industrieproduktion sowie die Exporte sind auf dem besten Weg dorthin.

Während der Gütersektor also einen V-förmigen, wenn auch holprigen, Erholungspfad zeigt, sind wenig überraschend einige Sektoren im Servicesektor (jene mit direkten Konsumentenkontakten) stark beeinträchtigt. „Teilweise“ deshalb, weil jüngste Forschungen darauf hindeuten, dass diese Sektoren auf Jahre hinaus beeinträchtigt bleiben.

Man spricht von der 98%-Wirtschaft. Nichtsdestotrotz schlägt die Aussicht auf Herdenimmunität eine nachhaltige Erholung der globalen Wirtschaft vor. Das Risiko liegt in einer ruppiger als erwarteten Erholung und in einem stärkeren bleibenden volkswirtschaftlichen Schaden.

Herausforderndes Umfeld

Das strukturelle Umfeld ist jedoch herausfordernd. Dabei hat die Pandemie zum Teil bestehende Trends verstärkt. Die Zinsen sind nahe null Prozent, die Zentralbankgeldmengen sind nach oben hin explodiert, die Staatsverschuldung ist kräftig angestiegen und die soziale Ungleichzeit hat weiter zugenommen.

Zudem erfordert der Klimawandel gewaltige Investitionen, fällt das Wachstum der Erwerbsbevölkerung immer weiter und steigt der Altenquotient immer mehr an. Darüber hinaus hat die Digitalisierung einen Schub nach vorne erhalten, schreitet der Aufstieg Chinas voran ebenso wie die Integration der Europäischen Union. Zu guter Letzt bedeutet eine US-Präsidentschaft unter Biden unter anderem die Wiederbelebung des Multilateralismus.

Sekundärrundeneffekte vs. Strukturwandel

Um nur einen wichtigen Trend beziehungsweise Zielkonflikt hervorzuheben: Nach den Rettungsmaßnahmen im heurigen Jahr sind weiterhin große Anstrengungen seitens der Wirtschaftspolitik notwendig, um Sekundärrundeneffekte- und Überwälzungseffekte von den direkt betroffen Sektoren (Servicesektor) auf die gesamte Volkswirtschaft einzudämmen und gleichzeitig den Wirtschaftskreislauf möglichst effizient zu halten.

Doch wie nachhaltig ist die Tendenz von Offline zu Online? Wie viel wird weiterhin im Internet gekauft werden, wie viel wird weiterhin zu Hause gearbeitet werden und wie viele Geschäftstreffen werden auch in Zukunft virtuell stattfinden? Für welche Unternehmen sollen Konkurse abgewendet werden, welche sind vom Strukturwandel negativ betroffen (Zombieunternehmen)?

Wie lange soll es für welche Sektoren Kurzarbeitsprogramme geben? Im Basisszenario sind anhaltende Unterstützungsmaßnahmen seitens der Fiskalpolitik sehr wahrscheinlich. Im Unterschied zur Situation nach der Großen Finanzkrise 2008/2009 werden die Budgetdefizite langsamer zurückgefahren werden.

Paradigmenwechsel

Innerhalb kurzer Zeit haben auf der wirtschaftspolitischen Ebene vier Paradigmenwechsel stattgefunden.

  1. Zentralbanken kaufen in sehr großem Ausmaß Staatsanleihen, mit denen die Staatsdefizite finanziert werden. Helikoptergeld zur Krisenbekämpfung ist mittlerweile ein konventionelles Werkzeug der Wirtschaftspolitik. Der Unterschied zwischen Geld- und Fiskalpolitik ist verschwommen.
  2. Das Wiederaufbauprogramm der Europäischen Union ist ein Schritt in Richtung Vergemeinschaftung der Schulden.
  3. Die Umstellung der Politik der US-amerikanischen Zentralbank (Fed) auf ein durchschnittliches Inflationsziel bedeutet, dass es auf absehbare Zeit keine Leitzinsanhebungen geben wird, auch wenn die Inflation ansteigt und die Arbeitslosenrate fällt.
  4. Die Signale der Fed und der Europäischen Zentralbank für ein Management der Zinskurve haben sich verdichtet. Deutliche Anstiege der Zinsen sind für das System schwer verkraftbar. Denn die Verschuldung im privaten und öffentlichen Sektor hat markant zugenommen und ein wichtiger Einflussfaktor für die außerordentlich gute Ertragsentwicklung der Kapitalmärkte in den vergangenen Jahrzehnten war das fallende Zinsniveau.

Konsensmeinung

Der Ausblick für die risikobehafteten Wertpapierklassen ist positiv, das heißt, Kursanstiege bei Aktien und Unternehmensanleihen mit einer niedrigen Kreditqualität, Kursrückgänge beim US-Dollar gegenüber einem Währungskorb und nur geringfügige Renditeanstiege (Kursverluste) bei Staatsanleihen mit einer hohen Kreditwürdigkeit.

Das kann mit der Erwartung einer anhaltenden wirtschaftlichen Erholung, den ultra-expansiven Geldpolitiken, den weiterhin unterstützenden Fiskalpolitiken und einer niedrigen Inflation begründet werden. Allerdings ist die Sichtweise zu 100 Prozent mit dem Konsens im Einklang.

Risiken

Risiken gibt es zahlreiche, denen noch dazu eine erhöhte Wahrscheinlichkeit innewohnt.

1) Die Bewertungskennzahlen der Wertpapierklassen sind bereits erhöht, das heißt, eine wirtschaftliche Erholung und ein kräftiger Anstieg der Unternehmensgewinne ab dem zweiten Quartal 2021 wird zu einem guten Teil in den Wertpapierkursen reflektiert.

2) Eine Konkurswelle und ansteigende Arbeitslosenraten, weil die Geld- und Fiskalpolitik zu früh die Unterstützungsmaßnahmen zurückfahren sowie eine dritte Infektionswelle könnten eine Erholung maßgeblich beeinträchtigen.

3) Die Inflation könnte überraschend signifikant ansteigen. Das würde zu Kursverlusten, das heißt, deutlichen Renditeanstiegen bei kreditsicheren Staatsanleihen führen, und damit den gesamten Kapitalmarkt unter Druck bringen (wenn die Zentralbanken dann nicht dagegenhalten).

Graue Rhinozerosse

Diese Risiken sind keine „schwarzen Schwäne“ (niedrige Wahrscheinlichkeit, starke Auswirkung), sondern eine Herde von grauen Rhinozerossen (erhöhte Wahrscheinlichkeit, ebenso starke Auswirkung), die nur darauf warten wütend zu werden.

Frei nach dem Buch von Michele Wucker „The Gray Rhino“. Auch wenn die positiven Impfstoffnachrichten Anlass für Optimismus geben, kann ein Portfolio nicht auf Autopilot (Erholung) gestellt werden.


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London Coughing – SARS-CoV2 Mutation bringt Herausforderungen

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Die gute Nachricht zuerst. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Effektivität der momentan in Produktion und Verteilung befindlichen Impfstoffe durch die seit September 2020 in Großbritannien in Umlauf befindliche Mutation von SARS-CoV-2 beeinträchtigt wird, ebenso wie dass die neue Virusvariante schwerere Verläufe oder eine erhöhte Sterblichkeit verursacht. Die höhere Übertragbarkeit der Virus-Variante dürfte jedoch zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung erfordern.

Eine klingende Bezeichnung und höhere Übertragbarkeit – in der Petri-Schale

VUI-202012/01 oder B.1.1.7 oder N501Y – eine klingende Bezeichnung für die englische Covid Variante, die über das Wochenende Panik in den Medien verbreitete, wurde ebenso wenig fixiert wie deren epidemiologischen Konsequenzen. Bekannt ist vorerst, dass die Variante wohl das erste Mal im Spätsommer in der Umgebung von London auftrat und 17 Mutationen (14 Austauschungen und 3 Löschungen im Genom) aufweist. Acht dieser Mutationen betreffen das Spike-Protein an der Virushülle, welches als Zielscheibe für die momentan in Produktion befindlichen Impfstoffe dient.

Zwar halten sich die Impfstoffhersteller mit Entwarnungsnachrichten noch zurück aber führende Forscher wie Dr. Christian Drosten von der Berliner Charitee und Dr. Emma Hodcroft von der Uni Bern zeigen sich optimistisch, dass die Impfstoffeffektivität nicht gefährdet ist. Die meisten Impfstoffe sind auf das gesamte Spike-Protein „trainiert“ und lassen sich von ein paar Mutationen nicht verwirren. Sollte wider Erwarten die Impfstoffeffektivität betroffen sein, könnten zumindest die Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna relative rasch „umprogrammiert“ werden – einer der vielen Vorteile der neuen mRNA Methode.

Tatsächlich geht die Gefahr bei der neuen Virus-Variante mehr von der erhöhten Übertragbarkeit aus. Speziell die N501Y Mutation erhöht die Affinität des Virus sich an ACE2 Rezeptoren menschlicher Zellen zu binden – das Virus bleibt leichter picken. Zwar zeigte die Virus Variante in der Petri-Schale eine um 70% höhere Übertragbarkeit aber inwieweit dieses Faktum oder eine Verkettung von saisonalen und epidemiologischen Rahmenbedingungen dazu geführt hat, dass sich diese Variante im Südosten Englands zur dominanten entwickelt hat ist noch nicht restlos geklärt.

Klar ist aber, dass im Fall einer leichteren Übertragbarkeit mit einem stärkeren Anstieg der Fallzahlen in den Gegenden gerechnet werden muss, in denen die Variante einen signifikanten Teil der Infektionen hervorruft. In letzter Konsequenz würde das vermutlich stärkere Restriktionen des Alltags- und Wirtschaftslebens erfordern, um eine Überlastung des betreffenden Gesundheitssystems zu verhindern.

Was die Mutationen bedeuten

Diverse EU Staaten haben Flug- und Fährverkehr von und nach Großbritannien eingeschränkt, was auf den ersten Blick sinnlos erscheint, da bereits Infektionen mit der neuen Variante in Italien, Belgien und Dänemark festgestellt wurden. Experten begrüßen die Maßnahmen jedoch, da es den Behörden die Möglichkeit gibt verstärkt nach Clustern mit der neuen Variante zu suchen und diese zu isolieren bevor die neue Variante dominierend wirkt.

Leider erschweren die Mutationen (69-70del Mutation) dieses Vorhaben, da diese bei einigen Testverfahren zu Fehlern führt. Zudem müssten für die rasche Identifikation der neuen Variante viel mehr Virenproben genetisch sequenziert werden, wofür in vielen Ländern schlicht die Laborkapazitäten fehlen. Eine gute Nachricht gibt es dann aber doch noch. Durch eine Mutation der neuen Variante wird das Virus für das Immunsystem an der Außenseite von befallenen Zellen leichter zu identifizieren sein.

Um die Veränderungen im Genom des Virus zu veranschaulichen, stellt man sich das Virus am Besten als Einbrecher vor, der versucht in einer Nacht so viele Häuser (Zellen) wie möglich auszurauben. Neuerdings hat der Einbrecher ein stärkeres Brecheisen (N501Y Mutation) mit dem er schneller Türen (ACE2 Enzyme) aufbrechen kann und dunklere Kleidung (69-70del Mutation) durch die er schwerer zu erkennen ist.

Gleichzeitig ist der Einbrecher aber auch unvorsichtiger geworden und löst während des Einbruchs öfter Lichtschranken aus. Polizisten (CD8+ Immunzellen), die nachts durch die Nachbarschaft patrouillieren sehen das auffällige Licht in den Fenstern (MHC Moleküle) und lassen das Haus samt Einbrecher in die Luft gehen.


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EZB und Europa-Parlament bringen Krisenprogramme für 2021 auf Schiene

Die Europäische Zentralbank (EZB) und das Europa-Parlament haben knapp vor Jahresende noch ihre jeweiligen Programme für den Kampf gegen die Krise im kommenden Jahr auf Schiene gebracht. Die EU-Abgeordneten haben zuletzt den rund 1,1 Billionen Euro schweren Gemeinschaftsetat für die kommenden sieben Jahre abgesegnet. Darin enthalten sind Corona-Hilfen im Umfang von 750 Mrd. Euro. Die EZB hat vergangene Woche zur Stützung der Konjunktur in der Krise unter anderem beschlossen, ihr „PEPP“ getauftes Pandemie-Anleihenkaufprogramm um 500 Milliarden Euro auf 1,85 Billionen Euro aufzustocken und die Käufe um neun Monate bis Ende März 2022 zu verlängern.

Gestartet hat die EZB ihr Notfallprogramm knapp nach Eskalation der Pandemie im März mit einem Volumen von damals 750 Milliarden Euro zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Das Anleihekaufprogramm PEPP („Pandemic Emergency Purchase Programme“) soll laut EZB dazu beitragen, dass alle Wirtschaftssektoren von besseren Finanzierungsbedingungen profitieren und damit den Corona-Schock absorbieren können.

Anleihenkaufprogramm soll bei Finanzierung der Krisenprogramme helfen

Konkret werden durch die Anleihenkäufe die Zinssätze am Anleihenmarkt gesenkt, Staaten und auch Unternehmen können sich so in der Krise günstiger refinanzieren. So können etwa Staaten ihre milliardenschweren Rettungsprogramme leichter finanzieren, wenn die EZB selbst als Käufer ihrer Staatsanleihen auftritt.

Während frühere EZB-Anleihenkaufprogramme an einen Kapitalschlüssel gebunden waren, der sich nach Bevölkerungsgröße und Wirtschaftskraft der einzelnen Euro-Länder bemisst, darf die Notenbank bei ihrem Corona-Notfallprogramm von diesem Schlüssel abweichen. Sie ist damit flexibler und kann mehr Anleihen der besonders von der Krise betroffenen Staaten kaufen.

Tatsächlich sanken die Kurse europäischer Staatsanleihen bei Ausbruch der Krise und ihre Renditen schossen kurzfristig nach oben, zeitgleich mit dem Start der PEPP-Anleihenkäufe legten die Anleihenkurse aber wieder zu und die Renditen kamen im Gleichschritt zurück. Nach einer ersten Aufstockung im Juni, hat die EZB nun erneut ihr Pandemie-Anleihenkaufprogramm massiv ausgeweitet.

Mit den Anleihenkäufen kämpft die EZB auch gegen die aktuell negative Inflation und versucht die Teuerungsrate wieder auf das volkswirtschaftlich gewünschte Maß zu heben. Zuletzt lag die Inflationsrate der Eurozone bei minus 0,3 Prozent und ist damit weit entfernt von der EZB-Zielmarke von rund zwei Prozent.

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Liquiditätsspritzen an Banken verlängert

Zudem sollen bei den „TLTRO III“ genannten großen EZB-Liquiditätsspritzen die Privatbanken nun deutlich länger von günstigeren Bedingungen profitieren. Bei diesen Geldspritzen winkt den Instituten sogar eine Prämie, wenn sie sich die Gelder leihen. Zudem sollen drei weitere dieser Kreditgeschäfte zwischen Juni und Dezember 2021 aufgelegt werden.

Der EZB-Rat beschloss zugleich auch eine neue Serie von Notfallkrediten für Banken, sogenannte „Pandemic Emergency Longer-Term Refinancing Operations“ (PELTRO). Im nächsten Jahr soll es davon vier Tranchen geben. Die Käufe im Rahmen des älteren Anleihenprogramms APP sollen darüber hinaus in einem monatlichen Umfang von 20 Milliarden Euro fortgesetzt werden.

Ihren Leitzins beließ die Notenbank hingegen wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent, auf dem er bereits seit März 2016 liegt. Auch der Einlagesatz bleibt bei minus 0,5 Prozent. Das bedeutet, dass Banken derzeit Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken.

Auch der Beschluss des EU-Budgets war diesmal mit besonderer Spannung erwartet worden. Ungarn und Polen wollten ursprünglich mit einem Veto verhindern, dass die Auszahlung von EU-Geld künftig an die Einhaltung von Rechtsstaatsprinzipien geknüpft wird. Deshalb blockierten sie zunächst das 1,1 Billionen Euro schwere EU-Budgetpaket. Ohne eine Lösung hätte damit gedroht, dass die EU mit einem Notbudget ins Jahr 2021 starten muss und auch das Corona-Hilfspaket nicht starten kann.

Nach Veto von Ungarn und Polen macht Kompromiss den Weg frei für das EU-Budget

Die Staats- und Regierungschefs einigten sich aber zuletzt auf ihrem Gipfel-Treffen auf einen Kompromiss. Dieser sieht vor, dass das neue Verfahren zur Ahndung von Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit durch eine Zusatzerklärung ergänzt wird. Darin ist unter anderem festgelegt, welche Möglichkeiten Ungarn und Polen haben, sich gegen die Anwendung der Regelung zu wehren. Eine davon ist eine Überprüfung der Verordnung für das Verfahren durch den Europäischen Gerichtshof.

Damit ist das im Budget vorgesehene Corona-Konjunkturprogramm im Umfang von 750 Milliarden Euro auf Schiene und soll den Aufschwung nach der Krise nun stützen. Der schnelle Einsatz von Corona-Impfstoffen könnte aus Sicht der EU-Kommission die wirtschaftliche Erholung dabei beschleunigen. „Wir könnten schneller als erwartet eine Rückkehr zum Bruttoinlandsprodukt auf dem Niveau vor der Krise sehen“, sagte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni zuletzt. Im ersten Quartal 2021 seien erste positive Zeichen zu erwarten. Davor würde aber ein schwieriger Winter vor uns liegen, so Gentiloni.


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Immobilien auch in Zeiten der Pandemie bei Investoren gefragt

Auch in der Corona-Krise hält die Nachfrage der Investoren nach Immobilien an. Durch die Hilfsaktionen der Notenbanken und der Staaten ist viel Kapital im Umlauf und die Zinsen werden noch längere Zeit auf den niedrigen Niveaus verharren. Die Volumina der in Österreich angebotenen offenen Immobilienfonds sind folglich auch 2020 gestiegen. Laut Statistik der Vereinigung Österreichischer Investmentfondsgesellschaften (VÖIG) lag das in offenen Immobilienfonds veranlagte Volumen Ende November bei 9,6 Milliarden Euro – ein Zuwachs um 4,7 Prozent verglichen mit Jahresbeginn. Neuerlich ein Rekordwert!

ERSTE Immobilien KAG steigert Anlage-Volumen auf rund 2,4 Milliarden Euro

Die ERSTE Immobilien KAG – sie steht für die Entwicklung, Auflage und Verwaltung von soliden Immobilieninvestments konnte mit den beiden Publikumsfonds ERSTE IMMOBILIENFONDS und ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS das Fondsvolumen noch deutlicher auf 2,48 Milliarden Euro erhöhen – ein Zuwachs von 10,7 Prozent verglichen mit dem Jahresende 2019 (Quelle VÖIG/OeKB per 30.11.2020). Für den ERSTE IMMOBILIENFONDS, der zu seinem „Geburtstag“ im Mai die 2 Milliarden Marke überschritten hatte, wurde im Juni eine Tranche von 100 Millionen Euro zur Zeichnung aufgelegt. Die Tranche war binnen weniger Wochen „ausverkauft“. Weitere Tranchen für beide Fonds sind für 2021 in Planung.

Wohnungsmarkt blieb von COVID-19 weitgehend verschont

Traditionellerweise ist die ERSTE Immobilien KAG mit ihren Immobilienfonds auf den Schwerpunkt Wohnen konzentriert. Die Auswirkungen durch die Corona-Pandemie waren kaum zu spüren, wie Geschäftsführer Peter Karl betont. Was die Geschäfts- und Büroflächen anbelangt sei der überwiegende Teil nicht von den Covid-19 bedingten Schließungen betroffen gewesen. Karl sagte mir: „Unsere Investmentstrategie hat sich bei beiden Fonds auch in unruhigen Zeiten bewährt. Daher werden wir weiterhin daran festhalten.“

Mietwohnungen im Stadtgebiet weiterhin gefragt

Die Vermietungstätigkeit ist nach der Lockdown-Zeit deutlich angesprungen. Seit März wurden 8 Objekte (5 in Wien, 1 in Schwechat, 1 in Fischamend und 1 Büroobjekt in Hamburg – siehe Objektdetails) mit einem Volumen von rund 292 Millionen Euro in die Portfolios der beiden Fonds übernommen. Die Vermietungen laufen „erfreulich“, wie Karl berichtet: „Die Mieten sind marktüblich, wir können unsere Wohnungen erfolgreich am Markt platzieren.“ In der Planung wird auf Wohnungsgrößen, Grundrisse und Ausstattung Einfluss genommen. Was zählt ist die Lage, die Ausstattung und gut durchdachte Grundrisse mit Größen zwischen 40 und 60 Quadratmetern. Jede der neu übernommenen Wohnungen verfügt über Freiflächen wie Garten, Terrassen, Balkone oder Loggien, die in Zeiten von Corona noch mehr an Bedeutung gewonnen haben.

Wohnen zählt zu den Grundbedürfnissen der Menschen. Die demografische Entwicklung ist dabei ausschlaggebend. Die Menschen ziehen vor allem im letzten Jahrzehnt verstärkt in Städte und städtische Ballungszentren. „Und wir investieren dort, wo Wohnraum nachgefragt wird bzw. in zunehmendem Ausmaß Pflegebedürfnisse gegeben sind“, betont ERSTE Immobilien-Geschäftsführer Karl.

Nachhaltige Objekte sind noch rar

Einen immer größeren Stellenwert am Immobilienmarkt bekommt das Thema Nachhaltigkeit. Beim ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS sind die klimaaktiv Basis- beziehungsweise Muss-Kriterien die Grundvoraussetzung für ein Investment. Außerdem sind ökologische und soziale Aspekte entscheidend. Der Fonds kann diese Ansprüche erfüllen und wurde letztes Jahr mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet. „Das Angebot am Markt für Objekte, die unseren Kriterien entsprechen, ist allerdings noch überschaubar“, bedauert Karl. „Umso mehr freut es uns, dass wir gerade in jüngster Zeit unser Portfolio um 3 Objekte erweitern konnten“. Auch für 2021 hat ERSTE Immobilien interessante Objekte im Visier und sieht einer positiven Realisierung zuversichtlich entgegen.

Details zu den neuen Objekten, die 2020 erworben wurden

Area 5.0 – ERSTE IMMOBILIENFONDS
Deelbögenkamp 4; 22297 Hamburg

Im Oktober hat der ERSTE IMMOBILIENFONDS das größte Einzelinvestment der Unternehmensgeschichte eingebucht. Die Büroimmobilie „Area 5.0“ befindet sich im Norden von Hamburg und wurde in den letzten Monaten umfangreich modernisiert. Das Objekt beherbergt moderne Büros aller Größenordnungen mit Meeting-Räumen und vielseitigen voll flexiblen Bereichen. Die Büroimmobilie verfügt über rd. 32.000 m² Nutzfläche und ist zu 100% vermietet. Die bonitätsstarken Unternehmen kommen unter anderem aus der Telekommunikationsbranche, dem Rundfunk sowie dem Technologie- und Internetbereich.

Favoritenstraße 92; 1010 Wien – ERSTE IMMOBILIENFONDS 

Das in Bau befindliche Wohnprojekt liegt unweit des Wiener Hauptbahnhofes und des Sonnwendviertels in der Fußgängerzone unweit des Columbuscenters. Neben Geschäftsflächen im EG und Büroräumlichkeiten im 1. OG sind 99 Wohnungen in Errichtung. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2022 geplant.

Schichtgründe 3B – ERSTE IMMOBILIENFONDS
Hans-Cermak-Gasse / Erna-Musikgasse, 1210 Wien

Die Schichtgründe (benannt nach der früheren Sodafabrik von Georg Schicht) liegen in einem größeren Entwicklungsgebiet im 21. Wiener Gemeindebezirk, nahe der Veterinärmedizinischen Universität. Die Wohnimmobilie verfügt über 200 Wohneinheiten, die sich auf 4 Gebäudekomplexe aufteilen. Die Wohnungen, mit 2 bis 4 Zimmern, sind mit Eichenparkett, modernen Fliesen sowie hochwertigen sanitären Einrichtungen ausgestattet. Die Immobilie besticht mit großzügig begrünten Freiflächen und einem Kinderspielplatz. Vor wenigen Tagen wurde das von dem Architekten Markt Gilbert konzipierte Gebäude mit dem Architecture Masterprize 2020 ausgezeichnet.

„Stages – Wohnen wo Unterhaltung zu Hause ist“ – ERSTE IMMOBILIENFONDS
Paragonstraße 2; 1030 Wien

Eine Wohnimmobilie über 11 Stockwerke mit insgesamt 115 Wohnungen und einem Kindergarten im Erdgeschoss. Wohnungen zwischen 49m² und 119 m², mit Freiflächen (Garten, Balkon oder Terrasse), hochwertige Ausstattung mit Parkettböden, Fußbodenheizung und Komplettküche, Nähe U3 Station Gasometer, bereits voll vermietet vor der Übergabe.

„Der Markhof“ – ERSTE IMMOBILIENFONDS 
Mautner Markhof-Strasse 6; 2320 Schwechat

Eine Wohnimmobilie mit 101 Wohnungen auf 2 Baukörper aufgeteilt, nahe der Wiener Stadtgrenze. Alle Wohnungen sind mit Parkettböden, kontrollierter Wohnraumlüftung sowie Küche mit hochwertigen Geräten ausgestattet. Es gibt eine große allgemeine Dachterrasse und einen Innenhof. Hauseigene Tiefgarage mit 160 PKW- und Motorrad-Stellplätzen, E-Car Ladestation.

Schichtgründe 4A – ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS
Hans-Cermak-Gasse / Angyalföldstraße, 1210 Wien

Weiteres Gebäude nahe der Veterinärmedizinischen Universität für studentisches Wohnen mit 69 Wohneinheiten, Gemeinschaftsküchen, Aufenthaltsräumen sowie Waschküche. Voll möblierte Zimmer, hochwertig ausgestattet mit komplettem Medienzugang (A1, UPC und SAT-Anschluss). Darüber hinaus befinden sich im Gebäude weitere 97 Wohnungen sowie eine Bäckerei und ein Kindergarten im Erdgeschoss. Die Wohnungen, mit 2 bis 4 Zimmern und einer Größe zwischen 39 und 100 m², verfügen mehrheitlich über individuelle Freiflächen wie Gärten, Terrassen oder Balkone. Die Immobilie ist klimaaktiv-zertifiziert mit dem Bronze Status.

Donaufelder Straße 95, 1210 Wien – ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS

Eine Wohnhausanlage mit 50 Wohnungen und Größen zwischen 40 und 74 Quadratmetern. Die Wohnungen verfügen Freiflächen wie Eigengärten, Terrassen, Balkone und Loggien. Schulen und Kindergärten befinden sich in der Nähe. Die Wohnhausanlage wird gerade errichtet und im Juni 2022 fertiggestellt. Das Gebäude ist klimaaktiv – Bronze Standard zertifiziert.

Seniorenresidenz Fischamend – ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS
Hainburger Straße 17-19, 2401 Fischamend

Ein Wohnheim mit Wohnräumen auf die Bedürfnisse der Bewohner/innen abgestimmt – in einer familiären und häuslichen Umgebung. Das Heim wird von HUMANOCARE betrieben. Das Unternehmen im Gesundheits- und Sozialbereich betreut seit über 20 Jahren Seniorenwohnheime in ganz Österreich. Mit seiner Erfahrung und Kompetenz unterstützt es ältere Menschen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Rehabilitation. Das Gebäude ist klimaaktiv ausgezeichnet.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wirtschaftliche Erholung als Treiber für die Kapitalmärkte in 2021

Wir blicken auf ein bewegtes Anlagejahr zurück. Nach dem Einbruch in den Monaten Februar und März kam es in diesem Jahr zu einer starken Erholung an den Märkten mit deutlichen Wertzuwächsen in fast allen Anlageklassen, insbesondere bei Aktienfonds im Technologie- und Umweltbereich. Die AnlegerInnen nützten die vergünstigten Marktpreise zur Aufstockung ihrer Bestände bzw. zu neuen Engagements am Fondsmarkt und profitierten von der positiven Marktentwicklung an den Weltbörsen.

Bei festverzinslichen Anlagen profitierten Staatsanleihen und Unternehmensanleihen unter anderem von den geldpolitischen Maßnahmen, insbesondere den Anleihen-Ankaufprogrammen der Zentralbanken. Auch mit Unternehmensanleihen der Emerging Markets konnte man seit Jahresbeginn überdurchschnittliche Wertanstiege lukrieren.

Anlagevolumen der Erste Asset Management über Niveau 2019

Der Ausgang der US-Wahlen und die Hoffnung auf ein absehbares Ende der Pandemie durch einen Impfstoff ließen die Zuversicht zuletzt weiterwachsen. Dank der überaus positiven Entwicklung nahezu aller Anlageklassen und erfreulicher Neuzuflüsse im gesamten Jahresverlauf liegt das Anlagevolumen der Erste AM nun bei 66,0 Milliarden (per 30.11.2020) und damit um 2,7% über dem Wert zum Jahresende 2019 (64,2 Milliarden Euro per 31.12.2019). Weiter an Bedeutung gewonnen hat mit einem veranlagten Volumen von über 14,0 Milliarden Euro das Segment der nachhaltigen Investmentfonds.

Fondsanleger profitierten von der Börsenentwicklung

„Dass sich die Märkte nach dem Einbruch im Frühjahr so schnell erholten, war in diesem Ausmaß nicht zu erwarten. Das ist umso erfreulicher für alle, die ihre Gelder in Fonds veranlagt und über die letzten Monate ihre Bestände weiter erhöht haben“, betont Heinz Bednar, Vorsitzender der Geschäftsführung der Erste Asset Management. „Wir sind zuversichtlich, dass der Ausblick für 2021 weiterhin Veranlagungen in Fonds begünstigt“.

Rezessionen aufgrund externer Schocks meistens schnell vorbei

Für Anlage-Chef (Chief Investment Officer) Gerold Permoser war vor allem das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Markterholung beeindruckend. „Die Märkte sind schneller und massiver als während der Lehmann-Krise 2008 zurückgekommen“. Rezessionen aufgrund externer Schocks würden meist schnell überwunden, da die Wirtschaft gesund sei. Insofern zeige der „Patient Wirtschaft“ ein Verhaltensmuster, wie es sein solle.

Wendepunkt sei das Stimulus-Paket in den USA gewesen. Regierungen und Notenbanken hätten viel schneller reagiert als 2008/2009. Die Aufmerksamkeit liege daher auch in den kommenden Monaten beim Zusammenspiel zwischen der Fiskal- und Geldpolitik. Die Realzinsen seien derzeit zwar extrem niedrig. Aber selbst bei einer leicht steigenden Inflation würden die realen Renditen 2021 weiter fallen. Dies sei stimulierend für die Wirtschaft und verschaffe den Regierungen weiteren Spielraum in der Fiskalpolitik.

Permoser: 2021 wird „Jahr der Erholung“

Die November-Rallye habe einen Blick ins neue Jahr eröffnet, die dem Sternenbild des Taurus entsprechen würde, also einem „Jahr der Erholung“ mit steigender politischer Stabilität, ausbleibenden Steuererhöhungen und einer effektiveren Bekämpfung der Pandemie. Mit Jahresbeginn 2021 sollte es zumindest 3 sichere Impfstoffe geben. Großbritannien habe bereits mit den Impfungen begonnen. Permoser: „Die Belastungen durch COVID gehen zurück, die politische Situation ist günstiger als vor einem Jahr, und die wirtschaftliche Erholung setzt ein, so Permoser.

Erste AM: Aktien auch 2021 erste Wahl – „Nachzügler“ könnten an Terrain gewinnen

Wirtschaftliche Erholungsphasen seien gut für die Aktienmärkte. Für die Erste AM bleibt diese Anlageklasse daher auch 2021 die erste Wahl. Für die Aktienmärkte sei mit einer Sektorrotation zu rechnen: Zykliker könnten outperformen. Der Fokus bei der Veranlagung in gemischten Fonds sei auf europäische Aktien gerichtet und die „Nachzügler“ aus dem Banken-, Energie und Industriesektor. Hier sei Europa besser aufgestellt als die USA. Wenn Zykliker die Nase vorn haben, dann sei das auch eine gute Voraussetzung für österreichische Aktien, denn im ATX seien viele solcher Aktien vertreten, betont Permoser. Neben Europa würden auch die Börsen Asiens und Japans gute Anlagechancen bieten.

Im Zinsbereich setze die Erste AM auf europäische und US-amerikanische Unternehmensanleihen sowie auf Staats- und Unternehmensanleihen der Emerging Markets, die auch heuer gut gelaufen seien. Euro- und US-Staatsanleihen seien dagegen weitgehend aus den gemischten Fonds verschwunden, da sie im Moment nicht attraktiv seien.

Neben den Zyklikern sieht die Erste AM aufgrund des Ausgangs der US-Wahl und des Klimawandels weiterhin Themenfonds wie den ERSTE FUTURE INVEST und ERSTE GREEN INVEST chancenreich, ebenso wie Mischfonds-Varianten, etwa YOU INVEST progressive. Zur Diversifikation der Portfolios würden sich Immobilienfonds eignen, wie zB der ERSTE RESPONSIBLE IMMOBILIENFONDS. Bei Anleihenfonds sei gemanagten Varianten wie dem ERSTE FIXED INCOME PLUS der Vorzug zu geben.


Die Aufzeichnung unseres Pressegesprächs finden Sie hier: https://webcast.virtual-events.at/erste-am/ausblick2021/0 

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Warnhinweis Erste Green Invest

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Asien-Pazifik Freihandelsabkommen RCEP – ein historischer Meilenstein

von Jenny Teng, Senior Fund Manager der Erste Asset Management.

In einer Periode, da Covid-19 der Weltwirtschaft stark zusetzt(e), unterzeichneten 15 Länder des Asien-Pazifik-Raumes am 15. November bei einem virtuellen Gipfel die Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP; „Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft“), was einen historischen Meilenstein im Globalisierungsprozess bedeutet. Die RCEP sollte in der zweiten Hälfte von 2021 in Kraft treten.

Wer ist involviert?

Die RCEP besteht aus zehn südostasiatischen Staaten (Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam) sowie aus China, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland.

Indien hatte zwar an den Verhandlungen in derem Frühstadium teilgenommen, entschloss sich jedoch letztes Jahr, sich aus selbigen zurückzuziehen. Es bestand die Sorge in Indien, dass seine Wirtschaftssektoren im Wettbewerb mit China nicht bestehen würden und niedrigere Zölle lokalen Produzenten schaden könnten. Als einer der ursprünglichen Verhandler kann Indien jedoch jederzeit der RCEP beitreten, sobald das Abkommen in Kraft tritt.

Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)

Quelle: World Bank

Was macht die RCEP so wichtig?

Mit einem Markt von 2,3 Milliarden Menschen und einem Gesamtvolumen von USD 25,8 Billionen, d.h. 30% des globalen BIP, stellt die RCEP das weltgrößte Freihandelsabkommen dar. Der Binnenmarkt in der Asien-Pazifik-Region wird mindestens 92% der Zölle auf den Güterverkehr zwischen den teilnehmenden Ländern abschaffen.

Mehr als 65% der Dienstleistungssektoren werden vollkommen geöffnet, und die ausländischen Beteiligungslimits bei Branchendienstleistern, Telekommunikation, Finanzdienstleistern, dem Computersektor, sowie Distribution und Logistikdienstleistungen werden angehoben. Die Ursprungsregeln des Vertrages enthalten einheitliche Standards darüber, wie viel Wertschöpfung eines Produktes aus der Region kommen muss, um das Endprodukt für Zollfreiheit zu qualifizieren. Grenzüberschreitende Lieferketten über mehrere Staaten hinweg werden die Geschäftsentwicklung für Unternehmen besser planbar machen und selbige dazu animieren, mehr in der Region zu investieren.

Abgesehen vom wirtschaftlichen Wert verdeutlicht die RCEP auch die politischen Bestrebungen des Raumes, regionale Kooperationen zu stärken und somit die Abhängigkeit von externer Hilfe zu drosseln. Die RCEP bringt Länder mit komplizierten diplomatischen Beziehungen an einen Tisch. China, Südkorea und Japan, zum Beispiel, haben erstmals dasselbe Freihandelsabkommen unterzeichnet.

Wer wird vermutlich profitieren und wer nicht?

Die RCEP wird den Handel und die Wirtschaft generell in der Asien-Pazifik-Region deutlich ankurbeln. Laut dem Peterson Institute for International Economics, einem Think-Tank aus Washington, wird die RCEP zu einer dauerhaften Erhöhung des Weltwirtschaftsvolumens um USD 186 Mrd. und des BIP der Mitgliedsstaaten um 0,2% führen.

Diese Vorteile werden großteils China, Japan und Korea zufließen (USD 85 Mrd., 48 Mrd. und 23 Mrd.). Indonesien, Malaysia, Thailand und Vietnam werden ebenfalls zu den Gewinnern der RCEP zählen. Das Abkommen wird China auch zu einem politischen Gewinner machen, da es dem Land ermöglicht, sich im Zentrum des asiatisch-pazifischen Handels- und Finanznetzwerkes zu positionieren.

RCEP – der weltgrößte Binnenmarkt

Quelle: World Bank

Die USA haben sich nach Trumps Ernennung zum US-Präsidenten aus der Trans-Pacific Partnership (TPP), einem wichtigen Handelsabkommen, welches die Beziehungen mit etlichen Ländern in der Asien-Pazifik-Region (darunter Japan, Australien, Malaysia, Singapur und Vietnam) verbessert hätte, zurückgezogen.

Dieser Rückzug verringerte den US-Einfluss in der Wirtschaftsdiplomatie der Asien-Pazifik-Region deutlich. Zwar ist es wahrscheinlich, dass das Biden-Kabinett Trumps Agenda hinsichtlich des Auskommens mit Asien einer Korrektur unterziehen wird, doch ist unklar, ob die USA wieder einem Freihandelsabkommen in der Region beitreten werden.

Taiwan, ein weiterer wichtiger wirtschaftlicher Player in der Region, ist ebenfalls nicht Teil der RCEP. Taiwan generiert 62% seines BIP aus Handelstätigkeit, und die Teilnehmerstaaten aus dem RCEP-Abkommen zeichnen für 58% des gesamten taiwanesischen Handelsvolumens verantwortlich. Taiwan muss sich auf erhöhten Wettbewerb in wichtigen Exportmärkten wie z.B. China und Südkorea einstellen. Weitere taiwanesische Unternehmen könnten sich dazu gezwungen sehen, ihre Produktionsstätten aus Taiwan nach Südostasien zu verlegen.


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OPEC+ ringt bei laufendem Treffen um Entscheidung zu Förderbeschränkungen

Die Augen der internationalen Wirtschaftswelt sind derzeit auf Wien gerichtet. Im OPEC-Hauptquartier in Wiens erstem Bezirk ringen derzeit die Mitgliedsstaaten des Ölkartells OPEC und ihre Verbündeten in Videokonferenzen um eine gemeinsame Entscheidung über Fördermengen und damit die weitere Entwicklung der Ölpreise. Erste informelle Verhandlungen am Wochenende sind OPEC-Kreisen zufolge ergebnislos geblieben.

Die OPEC-Mitglieder selbst haben sich bei ihrem Treffen am Montag auf die Notwendigkeit einer Verlängerung ihrer Förderbeschränkungen um weitere drei Monate von Jänner an verständigt. Dies teilte der algerische Energieminister Abdelmadjid Attar, der derzeit die rotierende OPEC-Präsidentschaft innehat, mit. Doch der schwierigste Teil steht noch aus: Am Dienstag müssen die OPEC-Mitglieder in weiteren Verhandlungen noch ihre Verbündeten aus dem erweiterten Kreis der sogenannten „OPEC+“ auf ihre Seite bringen. Mit Spannung wird erwartet, ob sich der Quasi-OPEC-Führer Saudi-Arabien mit dem Wunsch nach einer Beibehaltung der aktuellen Förderbeschränkungen gegen die Begehrlichkeiten anderer wichtiger Förderländer aus der OPEC+ wie etwa Russland durchsetzt.

Beschlossen wurden die aktuellen Förderbeschränkungen in Reaktion auf die Corona-Pandemie und die damit eingebrochene Nachfrage nach Rohöl. Der Preis für die europäische Referenzölsorte Brent war von Preisen bei 70 Dollar je Fass im April bis unter 20 Dollar abgestürzt. Die US-Ölsorte WTI fiel sogar auf Niveaus um die 10 Dollar je Barrel.

Im April hatten sich die OPEC und ihre Partner auf eine Kürzung der Fördermenge von 9,7 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag geeinigt um dem Ölpreisverfall wegen der Pandemie entgegenzuwirken. Diese Ölmenge entsprach etwa zehn Prozent des globalen Ölangebots. Im August liefen einige der Förderkürzungen aus, und die Produktion musste in Folge nur mehr um 7,7 Millionen Fass gedrosselt werden.

Im Herbst hatte die OPEC ihre Prognose für die Ölnachfrage 2021 angesichts der weltweit überraschend starken zweiten Corona-Welle auf 96,3 Millionen Barrel pro Tag nach unten geschraubt. Als Hintergrund für die Prognoserevision nannte die OPEC in ihrem Monatsbericht ihre ebenfalls nach unten revidierten Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum. An den Märkten wurde daher zunächst mit einer Beibehaltung der Förderkürzungen beim anstehenden OPEC-Treffen gerechnet.

Belastet wurden die Ölpreise auch vom erwarteten Wiederhochfahren der libyschen Ölproduktion. Die Blockade wichtiger Ölfelder und Exporthäfen in Libyen durch die Truppen von General Khalifa Haftar hatte die Ölproduktion in dem Krisenstaat heuer zeitweise zum Erliegen gebracht. Im September hatte Haftar allerdings ein Ende der Blockade angekündigt.

Impfstoff-Hoffnungen wecken Begehrlichkeiten auf Fördererhöhungen

Mit den jüngsten Fortschritten potenzieller Impfstoffkandidaten auf dem Weg zur Zulassung mehrten sich aber die Hoffnungen auf eine wieder anziehende Ölnachfrage. Die Brent-Ölpreise stiegen entsprechend zuletzt auf Niveaus knapp unter 50 Dollar pro Fass. Damit stiegen aber auch die Begehrlichkeiten einiger Förderländer die Ölhähne wieder stärker zur öffnen.

Saudi-Arabien und andere wichtige OPEC-Länder wünschen sich OPEC-Insidern zufolge eine Verlängerung der bestehenden Vereinbarungen und Förderkürzungen um drei bis vier Monate. Saudi-Arabien fürchtet eine Ölschwemme und damit Rückschläge beim Abbau der Lagerbestände.

Einige der Verbündeten der OPEC+ drängen aber auf Fördererhöhungen. Russland soll sich etwa für eine stufenweise Erhöhung der Fördermengen ab Jänner aussprechen. Das Land ist wirtschaftlich stark von seinen Ölexporten abhängig und hat daher besonders unter der Pandemie gelitten. Auch Kasachstan lehnt Kreisen zufolge eine Beibehaltung der bestehenden Fördergrenzen ab.

Vom Ausgang der OPEC-Verhandlungen hängt nun jedenfalls die weitere Richtung der Ölpreise ab. Nach Einschätzung von Russland sind die Unstimmigkeiten im Ölverbund derzeit nicht so stark wie im Frühjahr, als ein Preiskrieg führender Ölstaaten die Ölpreise zusätzlich belastet hatte. OPEC-Kreise stellen sich aber auf besonders schwierige Verhandlungen ein.

An den Märkten dürfte Analysten zufolge derzeit eine Beibehaltung der Förderkürzungen eingepreist sein. Eine Fortsetzung der Förderbeschränkungen und die Aussicht auf Corona-Impfstoffe sollten die Ölpreise weiter stützen. So haben auch Großanleger an den wichtigen Rohstoffterminmärkten aktuellen Zahlen zufolge zuletzt verstärkt auf höhere Ölpreise gesetzt.

Sollten die Verhandlungen aber scheitern, erwarten Experten deutliche Rückgänge der Ölpreise. Insbesondere falls auch die weltweiten Reisebeschränkungen noch etwas länger andauern sollten, könnte dies zu einem regelrechten Ölpreiseinbruch führen. Die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) können sich für diesen Fall Ölpreisrückgänge auf bis zu 25 Dollar je Fass vorstellen.

Weichenstellung auch für US-Schieferölindustrie

Von entscheidender Bedeutung ist die OPEC-Entscheidung auch für die heuer mit der Pandemie stark unter die Räder gekommene US-Ölindustrie. Denn von der Höhe der Ölpreise hängt es ab, welche Fördermöglichkeiten profitabel betrieben werden können. Insbesondere die Schieferölproduzenten hängen stark von der Ölpreisentwicklung ab.

Die aus Umweltschutzgründen umstrittene Fracking-Technik, bei der Öl aus Gesteinsschichten gepresst wird, erfordert kostspielige Investitionen. Bei niedrigen Ölpreisen schreiben die Schieferölproduzenten daher Verluste. Sollten die Ölpreise allerdings weiter anziehen, könnten sich auch die USA bald wieder unter den weltweit größten Ölexporteuren finden.

Ölaktien mit starkem Jahresschluss-Spurt

Als Folge der weltweiten Ausgangsbeschränkungen und Betriebssperren gerieten Ölaktien im Frühjahr stark unter Druck. Mit der Erholung des Ölpreises gewannen sie im Jahresverlauf an Terrain und erfuhren im November einen kräftigen Schub nach oben. Mit der Aussicht auf einen Impfstoff gegen die Pandemie und der damit verbundenen Hoffnung auf eine Normalisierung des Wirtschaftslebens im nächsten Jahr könnte sich dieser Trend fortsetzen. Rückschläge im Kampf gegen den Lockdown bzw. eine Nichteinigung der wichtigsten Ölförderländer, was die Ölfördermengen betrifft, können umgekehrt zu erneuten Rückschlägen führen.

Der Aktienfonds ERSTE STOCK COMMODITIES bietet die Möglichkeit von einer Fortsetzung der Erholung des Rohstoffsektors zu profitieren. Unternehmen aus dem Erdöl- und Erdgassektor und damit verbundene Ausrüstungs-, Raffinerie- und Transportunternehmen repräsentieren derzeit immerhin rund die Hälfte des Fondsvermögens.

Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Fazit

Die Mitglieder der OPEC und ihre Verbündeten ringen wieder einmal um eine gemeinsame Entscheidung über Fördermengen und damit die weitere Entwicklung der Ölpreise. Seit dem Tief im Juni geht es wieder bergauf. Davon profitieren auch die Notierungen der Ölaktien. Sie bringen die Hoffnung auf eine Normalisierung des Wirtschaftslebens 2021 zum Ausdruck.


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Renditechancen mit Hybridanleihen

von Roman Swaton, Head of Credits der Erste Asset Management.

Das aktuelle Zinsumfeld liefert für Sparer, die traditionell in Anleihen vorsorgen wollen, wenig Anlass zur Freude. In den Tagen nach dem Weltspartag stimmt diese Tatsache vermutlich noch einmal nachdenklicher.

So ist der Anteil von Anleihen, die Renditen von weniger als einem Prozent abwerfen, sukzessive über die Jahre gestiegen. Bei einem breit gestreuten Anleihen-Index wie bspw. dem ICE BofA Global Fixed Income Markets beläuft er sich aktuell auf 66%, was einem historischen Höchstwert entspricht, vergleiche auch Grafik 1. (Der ICE BofA Index umfasst Staatsanleihen, Pfandbriefe, Unternehmens- und Bankanleihen aus den Ländern USA, Japan, Kanada, Australien, EU-Europa sowie UK und Schweiz mit einem Investment Grade-Rating.)

Grafik 1: Anteil der Anleihen mit einer Rendite <1% am globalen Fixed Income-Markt

Quelle: ICE BofA Global Fixed Income Markets Index, 28. Okt. 2020

Rendite bei Hybridanleihen (nachrangige Unternehmensanleihen) mit guten bis sehr guten Bonitäten interessant

Trotz all der expansiven geldpolitischen Maßnahmen seitens der Notenbanken, gibt es noch zumindest eine Fixed Income Subassetklasse mit überschaubarem Kreditrisiko aus entwickelten Volkswirtschaften, wo der Rendite suchende Investor fündig werden kann. Wir denken hier an nachrangige Unternehmensanleihen, wo die nachrangigen Emissionen selbst noch über ein Investment Grade-Rating (gute bis sehr gute Bonität) verfügen.

In der Grafik 2 werden diese als „Hybrids IG“ bezeichnet, wobei „IG“ als Abkürzung für Investment Grade steht und bei „Hybrids“ handelt es sich um die englischsprachige Bezeichnung für diesen Anleihentypus ob seiner Zwitterstellung zwischen Fremd- und Eigenkapital. Mit Stichtag 28. Oktober 2020 offerierte der entsprechende Index eine Rendite (effektiv) von 2,07% bei einem überschaubaren Zinsrisiko, charakterisiert anhand einer Duration von 4,28 Jahren.

Verglichen beispielsweise mit einem EMU-Staatsanleihenindex („Euro Govt“ in Grafik 2), wo die Rendite bei minus (sic!) 0,18% liegt, ist das ein nicht geringer Renditeaufschlag. Dieser Renditeaufschlag mutet noch einmal größer an, wenn man das deutlich höhere Zinsrisiko der EMU-Staatsanleihen anhand der Duration von 8,66 Jahren mitberücksichtigt.

Grafik 2: Aktuelle Rendite diverser Fixed Income Assetklassen (EUR ungesichert)


Quelle: ICE BofA Indizes zum 28. Okt. 2020

Wie Grafik 3 zeigt, hat sich zuletzt der Renditeaufschlag von nachrangigen Unternehmensanleihen (Hybrids IG) gegenüber vorrangigen Unternehmensanleihen (Non-Financials) im IG-Bereich erhöht. Diese Renditedifferenz ist durch die graue Fläche im Zeitablauf in Grafik 3 veranschaulicht und belief sich zuletzt auf 1,7%-Punkte, wie man an der rechten vertikalen Achse ablesen kann.

Unseres Erachtens sind es vor allem zwei Faktoren, die für den Anstieg der Renditedifferenz seit Ausbruch von Covid-19 Anfang des Jahres verantwortlich sind:

  1. Senior Unternehmensanleihen mit IG-Rating werden von der EZB im Rahmen ihres sogenannten Corporate Sector Purchase Programme (CSPP) angekauft. Zuletzt belief sich der Bestand bei der EZB auf EUR 245,1Mrd., was ca. 14% der Marktkapitalisierung eines gängigen Index entspricht. Berücksichtigt man nur jene Unternehmensanleihen, die sich überhaupt für das CSPP qualifizieren – es fallen bspw. Nicht-Eurozonen-Emittenten weg -, so wäre diese Quote noch höher.
  2. Der Hybrid-Markt musste zuletzt einiges Neuangebot verdauen. Denn zahlreiche Neuemissionen in den Monaten September und Oktober lassen das Kalenderjahr 2020 ein Rekordemissionsjahr für nachrangige Unternehmensanleihen werden mit ca. EUR 40Mrd an Neuemissionen.

Grafik 3: Senior Unternehmensanleihen (Non-Financials) versus Nachrangige

Quelle: ICE BofA Indizes

Fazit: Positives Bild für Hybridanleihen (nachrangige Unternehmensanleihen) mit guter bis sehr guter Bonität

Das technische Bild sollte nun die Assetklasse aber zumindest in naher Zukunft unterstützen. Viele Unternehmen emittieren Aktien statt Hybridkapital (z.B. Energias de Portugal, Vonovia, Unibail-Rodamco). Andere Unternehmen wie BHP Billiton und RWE reduzieren ihr ausstehendes Hybrid-Exposure. Der Hybrid-Markt ist durch eine defensive Branchenstruktur gekennzeichnet. Die beiden Sektoren Versorger und Telekommunikation machen ca. 40% aus.

Im IG-Bereich beläuft sich das Exposure gegenüber Peripherieländern nur auf 6% des Marktes. Trotz Kürzungen von Dividenden und staatlicher Eigenmittelspritzen ist das Risiko von Laufzeitverlängerungen durch Nichtkündigung zum ersten Kündigungstermin gering. Dieses sogenannte Extension-Risiko ist vorwiegend durch Spreadniveaus getrieben. Da wir keine nennenswerte Spreadausweitung sehen, sehen wir auch nur ein überschaubares Extensionrisiko.

Das Risiko von Kuponstundungen betrachten wir ebenfalls als relativ gering. Die im Oktober erlassene Durchführungsverordnung des deutschen Wirtschaftsstabilisierungsfonds beispielsweise untersagt nur die Leistung von Dividenden oder sonstigen Gewinnausschüttungen während der Stabilisierungsmaßnahme, nicht aber Kuponzahlungen. Obendrein unterstützt die Suche nach Rendite diese Assetklasse.

In der Top Down-Perspektive bewerten wir die Assetklasse als attraktiv. In der Bottom Up-Perspektive gilt es selektiv vorzugehen.

ERSTE BOND CORPORATE PLUS

Ein mögliches Produkt, um am Ertragspotenzial von Hybridanleihen (nachrangigen Unternehmensanleihen) zu partizipieren, stellt der Fonds ERSTE BOND CORPORATE PLUS dar. Aus Gründen der Diversifikation werden den Unternehmensanleihen auch Bank- und Versicherungsanleihen im Ausmaß von ca. 25% des Fondsvermögens beigemischt.


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Covid-Impfstoff: Pfizer, BioNTech und der Anfang vom Ende?

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Am 9. November gab Pfizer in einer Presseaussendung einen ersten Vorgeschmack auf die Ergebnisse der Phase 3 Studie des gemeinsam mit dem deutschen Unternehmen BioNTech entwickelten Covid Impfstoffes. Mit einer geschätzten Wirksamkeit von 90% und dem Beginn der Impfkampagne womöglich schon im Jänner 2021 zeichnet sich Licht am Ende des Tunnels ab. Einige Hürden bleiben aber noch.

Wie wird die Impfstoffwirksamkeit bestimmt?

Alle momentan laufenden Phase 3 Studien für Covid-Impstoffe laufen nach dem selben Schema ab. Die Studienteilnehmer (ca. 45000) werden blind in eine Placebo- und eine Behandlungsgruppe geteilt. Weder die Teilnehmer noch die Wissenschaftler wissen wer in welcher Gruppe ist. Die Teilnehmer gehen ihrem gewöhnlichen Alltag nach und melden sich bei den Studienzentren im Fall von Nebenwirkungen und bei einer nachgewiesenen Covid-Erkrankung. Bei genügend festgestellten Covid-Erkrankungen kommt es zu einer Interim-Analyse (IA) in der dann erst eruiert wird wie viele der Erkrankten in der Behandlungsgruppe waren. Im Zuge der IA nach 94 Fällen konnte Pfizer nun eine Wirksamkeit von 90% feststellen, was darauf hindeutet, dass mindestens 85 der Erkrankungen in der Placebogruppe aufgetreten sind und maximal 9 in der Behandlungsgruppe – ein beachtlicher Erfolg.

Wie schnell kann der Impfstoff verteilt werden?

Sowohl die USA als auch die EU haben den Impfstoff von Pfizer bereits bestellt. Pfizer rechnet mit einer Produktion von 50 Mio. Dosen noch 2020 und 1,3 Mrd. Dosen für 2021. Es handelt sich um einen zweidosigen Impfstoff, daher können bis Ende 2021 ca. 600 Mio. Menschen geimpft werden – ein bisschen weniger als die Bevölkerung der EU und der USA, aber vermutlich genug um die Pandemie zumindest dort zu stoppen. Wenn man die Schweinegrippe-Pandemie als Szenario heranzieht, erscheint es durchaus möglich, dass in den westlichen Ländern monatlich 5-10% der Bevölkerung immunisiert werden können. Zwei Herausforderungen bleiben aber: der Impfstoff von Pfizer muss bei -70°C gelagert und transportiert werden, was die Einrichtung zentraler Impfstellen mit entsprechendem Equipment voraussetzt. Zudem setzt die Immunität erst 7 Tage nach der letzten Impfdosis, die 28 Tage nach der ersten Dosis verabreicht wird, ein. Es vergeht also mehr als ein Monat zwischen dem ersten Nadelstich und der Immunität. Der Impfstoff muss zudem noch separat für Kinder getestet und zugelassen werden.

Was kann jetzt noch schiefgehen?

Auch wenn der Leidensdruck in Gesellschaft und Wirtschaft momentan sehr hoch ist, sollte nicht das Kind mit dem Badewasser ausgeschüttet werden. Durch die lange Dauer zwischen Injektion der ersten Dosis und Immunität wäre ein Beginn der Impfkampagne vor den Familienzusammenkünften zu Weihnachten vermutlich unklug, da man hier Gefahr läuft, die Geimpften in falscher Sicherheit zu wiegen. Da aber ohnehin zuerst medizinisches Personal, Ordnungskräfte (Polizei, Rettungsdienste, etc.) und Bewohner von Kranken- und Pflegeanstalten geimpft werden, ist dieses Risiko nicht allzu hoch. Nichtsdestotrotz werden Social Distancing Maßnahmen den Großteil des Jahres 2021 kennzeichnen. Geringeres Risikobewusstsein, die Aussicht auf einen Impfstoff und die ohnehin schon vorherrschende Pandemie-Müdigkeit könnten zu einem Ansteigen der Fallzahlen und in letzter Konsequenz neuerlich zu Lockdowns führen.

Bedrohen Mutationen die Effektivität des Impfstoffes?

Die zuletzt in Dänemark von Nerzen auf Menschen übertragene mutierte Virusvariante zeigt zwar 5 Mutationen am für die Impfstoffe entscheidenden Spike Protein auf der Virushülle, Grund zur Besorgnis gibt es deswegen aber noch nicht. Zum einen ist der Ausbruch dieser Variante noch auf eine kleine Region im Norden Dänemarks begrenzt und selbst bei einer größeren Ausbreitung ist im ungünstigen Fall derzeit nur mit einer verringerten Impfstoffeffektivität zu rechnen. Weitere Mutationen am Spike Protein könnten tatsächlich zu einer drastisch verringerten Effektivität führen, aber selbst in diesem Fall kann die von BioNTech entwickelte Plattform an zukünftige Varianten des Virus angepasst und schneller zugelassen werden (ähnlich wie beim Grippeimpfstoff). Bei all der Freude über ein etwaiges Ende der Pandemie sollte die bahnbrechende Entwicklung des weltweit ersten beim Menschen effektiven mRNA Impfstoffes nicht außer Acht gelassen werden. BioNTech hat damit nicht nur eine neue Ära der Impfstoffentwicklung eingeleitet, auch im Bereich der Krebsforschung dürften diese Entwicklungen noch Früchte tragen.


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US Wahl 2020: 15 Punkte für die Finanzmärkte

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Ergebnisse der Wahlen in den USA stehen noch nicht fest. Das Rennen um die Präsidentschaft, dem Senat und dem Repräsentantenhaus wird knapp. Eines ist jedoch klar: Die Zusammensetzung der Exekutive und der Legislative und die Kombination zwischen den beiden ist auf multiplen Ebenen wichtig für die USA und die Welt. Anbei 15 Punkte, um die Wartezeit zu verkürzen.

  1. Umfragen. Die Umfragen haben auf einen Erdrutschsieg der Demokraten hingedeutet. Abermals werden die Erwartungen nicht erfüllt.
  2. Märkte. Der US-Dollar hat sich gegenüber den anderen Reservewährungen etwas gefestigt, die Aktienfutures sind im Minus, die 10jährige Rendite von US-Staatsanleihen ist gesunken und der Mexikanische Peso hat sich abgeschwächt. Das kann mit den gesunkenen Erwartungen für ein großes Fiskalpaket begründet werden.
  3. Anfechtung. Weil der Wahlausgang knapp ist, wird es Anfechtungen geben.
  4. Unruhen. Das unmittelbar größte Risiko ist, dass sich Trump zum Sieger erklärt, obwohl die Wahl noch nicht entschieden ist.
  5. Briefwahl. Aufgrund des außergewöhnlich hohen Anteils von Briefwahlstimmen könnte ein endgültiges Ergebnis noch einige Tage auf sich warten lassen. Die Swing States sind Michigan and Pennsylvania.
  6. Klimawandel. Während Trump die Prognosen den Klimawandel betreffend nicht anerkennt, spricht sich Biden für Investitionen aus, um den Klimawandel zu bekämpfen.
  7. Staatsführung. Die überwiegende Mehrheit der Analysten attestieren Trump eine schlechte Staatsführung. Das reicht vom Umgang mit der Corona-Pandemie bis hin zur Schwächung von demokratischen Normen und Werten. Die Spaltungstendenzen der Bevölkerung würden unter Trump wahrscheinlich noch zunehmen.
  8. Regulierung. Das Programm der Demokraten argumentiert für eine Regulierung von einigen Schlüsselsektoren (Technologie, Finanzen, Gesundheit, Energie). Trump würde die Deregulierungspolitik wahrscheinlich fortsetzten.
  9. Mindestlöhne. Biden möchte die Mindestlöhne anheben.
  10. Steuern. Biden möchte die unter Trump abgesenkten Unternehmenssteuern teilweise wieder anheben und auch die Steuern für Vermögende anheben.
  11. Staatsausgaben. Die demokratische Partei möchte ein umfassendes staatliches Investitionsprogramm in den Bereichen Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und Klimawandel umsetzten.
  12. Exekutive / Legislative.
    a) Biden Präsidentschaft und Republikanische Mehrheit im Senat: Biden könnte wenig umsetzen. Für die Aktienmärkte wäre das wahrscheinlich der schlechteste Wahlausgang.
    b) Trump Präsidentschaft und Demokratische Mehrheit im Senat: Ein größeres Fiskalpaket wäre wahrscheinlich, Regulierungen, höhere Steuern und progressive Ideen nicht.
    c) Biden Präsidentschaft und Demokratische Mehrheit: Ein umfangreiches Fiskalpaket, Regulierungen sowie die Umsetzung einiger progressiver Ideen der Demokraten wäre wahrscheinlich.
    d) Trump Präsidentschaft und Republikanische Mehrheit. Der Status quo.
  13. Protektionismus. Unter den Demokraten würden Einfuhrzölle wahrscheinlich nicht so stark als Politikinstrument benützt werden.
  14. China. Die Beziehungen zwischen China und den USA werden weiterhin von Rivalität geprägt sein. Unter Biden wäre der Ton wahrscheinlich etwas versöhnlicher.
  15. Multilateralismus. Unter Trump hat eine Schwächung beziehungsweise sogar ein Rückzug von internationalen Organisationen stattgefunden (WHO, WTO, Paris-Abkommen, NATO). Unter einer Trump-Präsidentschaft würde sich diese Tendenz fortsetzen. Biden ist klar für Multilateralismus.

Nicht nur die Demokraten, auch die Märkte haben auf den Fortschritt der Wahlauszählung enttäuscht reagiert. Letzteres bedeutet jedoch nicht, dass Trump für die Aktienmärkte nachträglich ist. Bei der Marktreaktion handelt es sich um die Enttäuschung, dass ein großes Fiskalpaket weniger wahrscheinlich geworden ist.

Aus der Investment Division

Die Märkte reagierten volatil und nervös auf das knappe Rennen und die gestiegene Unsicherheit. Der US Leitindex S&P 500 schwang während der asiatischen Handelssitzung zwischen Zugewinnen und Verlusten hin und her. Aktuell (für alle folgende Marktdaten gilt Stand 10:00 Vormittags) liegt der Index mit 0.4% im Plus. Die europäischen Aktienmärkte haben durch die Bank schwächer eröffnet, der EuroStoxx 50 liegt handelt aktuell 0.7% schwächer.

Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen fielen merklich um 10 Basispunkt auf aktuell 0.8%. Auch die europäischen Staatsanleihenmärkte liegen durchwegs im Plus. Der Goldpreis ist im Tagesvergleich schwächer mit ca. 0.8%.

Wir gehen derzeit davon aus, dass die Volatilität an den Märkten heute und in den nächsten Tagen erhöht bleiben wird. Die Märkte könnten erst nach Feststehen des tatsächlichen Wahlausgangs eine Richtung finden. Dazu kommen noch die steigenden Neuinfektionen mit dem Corona-Virus, die heute etwas in den Hintergrund getreten sind.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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6 Unsicherheitsfaktoren auf den Finanzmärkten

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Corona-Pandemie bestimmt auf multiplen Ebenen das Marktgeschehen. Aktienkurse sind Ende Oktober – und damit rechtzeitig zu Halloween – ins Minus gerutscht. Trotz der angestiegenen Volatilität kann man bei risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien mit einer zyklischen Perspektive, das heißt bis 2022, bleiben.

Höhere Risikoprämien

Generell gilt: Eine Verschlechterung des fundamentalen Umfeldes bedeutet einen Anstieg der Risikoprämien, das heißt, niedrigere Kurse. Seit September haben vor allem drei Risikofaktoren Impulse für Kurskorrekturen geliefert. Im September korrigierten Technologieaktien, danach war die abnehmende Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Fiskalpaket in den USA noch vor den Wahlen im Fokus der Investoren.

Ende Oktober drücken die steigenden Infektionszahlen sowie die Maßnahmen der Regierungen die Infektionswelle zu brechen auf die Kurse. Das dämpft nicht nur unmittelbar die wirtschaftliche Aktivität, sondern lässt auch die Unsicherheit ansteigen. Doch wann ist genügend Unsicherheit in den Kursen eingepreist?

Kurze Antwort: Sobald die Hoffnungen beziehungsweise Erwartungen für eine schnelle wirtschaftliche Erholung ohne bleibenden Schaden nicht mehr eingepreist sind.

Uneinheitliche, teilweise, fragile Erholung

Die in den vergangenen Monaten veröffentlichten Wirtschaftsindikatoren lassen bereits ein Muster für die Art der wirtschaftlichen Entwicklung erkennen.

  1. Erholung. Wenn die Maßnahmen zur sozialen Distanzierung gemildert werden, steigt die wirtschaftliche Aktivität sprunghaft an.
  2. Uneinheitlich. Die Erholung ist im Gütersektor stärker ausgeprägt als im Servicesektor. Die Einzelhandelsumsätze befinden sich in zahlreichen Ländern über dem Niveau von Jänner. Die Vorlaufindikatoren für die Industrieproduktion deuten auf ein Erreichen des Jänner-Niveaus im ersten Quartal 2021 hin.Im Unterschied dazu drücken Maßnahmen zur sozialen Distanzierung auf einige Bereiche im Servicesektor (Gastronomie, Kultur, Reisen). Diese Tendenz ist auch am Arbeitsmarkt erkennbar. Es findet zwar eine trendweise Erholung statt. Die arbeitsintensiven, vergleichsweise niedrig bezahlten Arbeitsplätze sind jedoch stärker betroffen. Manche Analysten sprechen von einer K-förmigen Entwicklung (Industrieproduktion und Güterexporte rauf, Reisen und Gastronomie runter).
  3. Teilweise. Der strukturelle Trend hin zu mehr Digitalisierung (Online-Handel, Home-office, Virtuelle Meetings), die uneinheitliche Entwicklung am Arbeitsmarkt und der wahrscheinliche Anstieg der Unternehmenskonkurs als Folge der Rückführung der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen wirken disruptiv. Im Basisszenario wird in den meisten Ländern das Niveau des Bruttoinlandsproduktes vom vierten Quartal 2019 im Jahr 2022 erreicht worden sein. Der vor der Pandemie etablierten Trend in die Zukunft projiziert wird jedoch wahrscheinlich nicht erreicht werden.
  4. Fragil. Das Coronavirus ist nicht verschwunden. Auf eine Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen folgt ein Anstieg der Infektionszahlen. Sobald eine Überforderung des Gesundheitssystems droht, werden Wellenbrecher gesetzt. Folge: Auf die Erholung der wirtschaftlichen Aktivität folgt ein Rückgang. Der Erholungspfad ist ruppig.

Sechs Unsicherheitsfaktoren

Davon abgeleitet können für das strukturelle Umfeld sechs Unsicherheitsfaktoren identifiziert werden:

  1. Epidemiologie I: Die Entwicklung des Coronavirus. Die zweite Infektionswelle wird wahrscheinlich nicht die Letzte gewesen sein.
  2. Maßnahmen der Politik I: Je stärker die Eindämmungsmaßnahmen gesetzt werden, umso mehr wird die wirtschaftliche Aktivität gedämpft.
  3. Epidemiologie II: Die Suche nach einem Impfstoff. Experten erwarten beziehungsweise erhoffen die Zulassung für Impfstoffe im ersten Halbjahr 2021. Je effektiver die Impfstoffe sind und auch je breitflächiger produziert und verteilt werden kann, desto mehr werden die Maßnahmen zur sozialen Distanzierung an Schärfe verlieren. Folgesatz: Desto mehr nimmt dann das Potential für eine stärker ausgeprägte wirtschaftliche Erholung zu.
  4. Veränderung des Verhaltens der Konsumenten und Unternehmen: Das Verhalten der Bevölkerung wird vorsichtiger bleiben, auch ohne Maßnahmen zur sozialen Distanzierung. Die gestiegene Präferenz für Online-Handel und Home-Office wird nicht verschwinden.
  5. Bleibender Schaden für das Potentialwachstum: Das Ausmaß ist ungewiss, aber in den kommenden zehn Jahren wird das Wirtschaftswachstum wahrscheinlich unter dem Wert der vergangenen zehn Jahre liegen.
  6. Maßnahmen der Politik II: Die wirtschaftsunterstützenden Maßnahmen der Geld- und Fiskalpolitik haben die Folgewirkungen der Lockdownmaßnahmen gelindert. Damit aus dem Lockdown kein Knockdown wird, das heißt, aus einer Liquiditäts- keine Solvenzkrise wird, sind zusätzliche Fiskalpakete nötig. Die Anzeichen dafür sind günstiger geworden. Mit Blick auf die US-Wahlen bedeutet das, dass im Fall eines Wahlsieges von Biden sowie einer Mehrheit der Demokraten im Senat ein umfangreiches Fiskalpaket in den USA wahrscheinlich ist.

Anpassung an weniger optimistisches Szenario

Das Umfeld deutet darauf hin, dass der Verlauf der Erholung von der Pandemie weder die Form eines V (schnelle Erholung ohne bleibenden Schaden) noch eines U (langsamere Erholung ohne bleibenden Schaden) haben wird. Das Basisszenario lautet L-förmige Erholung, wobei das L nach links gekippt ist.

Wo befinden wir uns gerade? Am Fuß des L. Dieser zeigt allerdings nicht in der Form einer geraden Linie nach oben, sondern ist wellenförmig. Das aktuelle Marktgeschehen kann mithin als Anpassung an ein weniger optimistisches Szenario beschrieben werden.

Aber auch hier lautet die Wirtschaftszyklusphase „Erholung“ und nicht „Rezession“. Der zyklische Ausblick für Aktien bleibt damit positiv, auch wenn die Volatilität beziehungsweise der Gegenwind zugenommen hat. Rechtzeigt zu Halloween gibt es tatsächlich einiges zu fürchten.


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Emerging Markets Unternehmensanleihen: Zahlreiche Erholungs-Kandidaten bei Abmildern der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat Schwellenländer und entwickelte Länder gleichsam hart getroffen. Die Konsequenzen waren in allen Märkten ähnlich: schwächelnde Lieferketten, ausbleibende Konsumenten und ein massiver Anstieg der Staatsschulden. Bei Unternehmen sieht die Welt ganz anders aus: Sie konnten sich in der Krise gut behaupten. Unternehmensanleihen der Schwellenländer sind daher eine interessante Anlageklasse angesichts des aktuellen Niedringzins-Umfelds. Péter Varga, Senior Professional Fondsmanager in der Erste Asset Management, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum ist die Verschuldung ein ernstzunehmendes Risiko?

Während nationale Regierungen in Europa oder den USA einen kompakten wirtschaftlichen Maßnahmenkatalog erlassen haben und aus vergangenen Reformen zehren konnten, um die Krise abzumildern, war das in vielen Schwellenländern nicht annähernd der Fall. Eine große Anzahl an Staats- und Regierungschefs in den Emerging Markets haben die Zeiten der leichten Finanzierung an den Märkten nicht genutzt. Zudem spielen Korruption und Misswirtschaft ebenfalls eine negative Rolle. Viele Länder wie z.B. Angola, Ecuador, El Salvador oder Costa Rica stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand, sie haben notwendige wirtschaftliche Reformen in den letzten Jahren nicht oder nur halbherzig angepackt.

Wie wirkt sich der Verfall der Rohölpreise aus?

Viele Schwellenländer leiden unter der Preisentwicklung bei Rohstoffen – speziell durch den Preisverfall bei Rohöl. Die nationalen Notenbanken stehen unter gewaltigem Druck. In Chile und Peru hat man zu unorthodoxen Mitteln gegriffen und den Menschen Zugriff auf ihr kommendes Pensionsvermögen gegeben – mit weitreichenden Folgen für die Zukunft. Einstige Musterschüler wie Mexiko oder Kolumbien laufen Gefahr die Kontrolle über ihr Haushaltsdefizit und damit in den nächsten 1-2 Jahren auch ihr Investment Grade Rating zu verlieren.

Wer wird den Schwellenländern nun zur Seite stehen? Gibt es einen Ausweg?

Eines steht fest: viele Schwellenländer werden Hilfe vom Internationalen Währungsfonds oder der Weltbank erhalten um wieder auf die Beine zu kommen. Diese Unterstützung wird vermutlich im Vergleich zu vergangenen Bail-Outs und zügelloser Verschuldung mancher Länder an spezifische Umweltziele oder die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen gebunden sein. Das wird für eine positive mittelfristige Entwicklung sorgen, da sie auch ihre Wirtschaft umstrukturieren und zukunftsfit machen. Der Weg bis dahin wird aber von Tränen der Investoren begleitet sein.

Was machen die Unternehmen besser als die Staaten?

Bei Unternehmen in den Emerging Markets zeichnet sich ein gänzlich anderes Bild ab als bei Staaten. Viele sind gut durch die Krise gekommen, auch wenn sie Corona stark betroffen hat. Wir dürfen bei Unternehmen der Schwellenländer die Verschuldung nicht schönreden, aber die Kontrolle funktioniert bei großen Unternehmen besser als in so manchen Staaten. Die Anleihe-Emittenten sind meistens börsennotierte Aktiengesellschaften und damit einem starken Wettbewerb, einer Überprüfung und einem Risikomanagement unterzogen. Das bedeutet, dass Korruption oder Misswirtschaft kaum möglich sind. Darüber hinaus sind viele Unternehmen breit diversifiziert aufgestellt, weltweit tätig und hängen nicht so stark von der lokalen Wirtschaft ab. Des Weiteren generieren diese Unternehmen ihre Umsätze durch ihre Exporttätigkeit oft in Fremdwährung oder sichern ihre Verbindlichkeiten in der Fremdwährung ab.

Welche Unternehmen sind besonders interessant?

Bei der Auswahl der Unternehmen ist aktives Fondsmanagement und eine intensive Analyse während Corona umso entscheidender. Strukturell wichtige Branchen wie die Lebensmittelproduktion oder Telekommunikation haben zu Beginn der Krise gezielt Opportunitäten geboten. Unternehmen wie JBS, Marfrig oder Minerva Foods aus Brasilien, die einen starken weltweiten Zugang haben, konnten am Markt überzeugen. Interessant ist derzeit auch das Flugunternehmen GOL aus Brasilien. Das Flugunternehmen sollte sich deutlich erholen, wenn Infektionszahlen zurückgehen und Schnelltests an Flughäfen leicht verfügbar werden.

Wie attraktiv sind die Risikoprämien bei Schwellenländer-Unternehmensanleihen?

Der Appetit auf Emerging Markets Unternehmensanleihen ist nach wie vor gegeben. Bieten sie doch den Vorteil einer ausgeprägten Diversifizierung. Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen liegen bei 350 Basispunkten, immer noch über dem Niveau vor Covid-19. Schnäppchen sind am Markt nicht mehr so leicht zu finden. Daher sind aktives Management und langjährige Erfahrung besonders wichtig, um Erholungs-Kandidaten zu finden, die überproportional profitieren, wie z.B. das vorhin beschriebene Unternehmen der Luftfahrt.

Ganz nach der Investmentphilosophie der Erste AM werden bei der Auswahl für neue Titel intensiv Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt. Als Beispiel dafür dient Hikma Pharmaceuticals. Das jordanische Pharmaunternehmen ist ein Profiteur der Maßnahmen rund um COVID-19. Durch seine Produkte punktet es bei ESG-Scorings und ist so gut wie nicht verschuldet. Fitch Ratings hat das Unternehmen das erste Mal am 22.10 mit BBB- bewertet. (Jordanien ist mit B1/BB- bewertet).

Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit mittlerweile?

Die Europäische Kommission unter Ursula von der Leyen oder Xi Jinping in China haben sehr ambitionierte Pläne zur CO²-Neutralität und einer nachhaltigeren Wirtschaft vorgestellt. Neue Regularien im Bereich Nachhaltigkeit wie die geplante CO²-Importabgabe oder die Pläne über die Wasserstoff-Wirtschaft werden sich auf Unternehmen in den Schwellenländer auswirken. Es besteht hohe Planungsunsicherheit, welche Branchen und Firmen wie stark betroffen sein werdenSogenannte Green Bonds, also Anleihen, bei denen eine umweltfreundliche Verwendung der Mittel garantiert sein muss, kommen vermehrt von Unternehmen aus den Schwellenländern auf den Markt. Ähnlich wie bei Aktien trifft eine enorme Nachfrage auf ein beschränktes Angebot. Die Bewertungen sind aus ökonomischer Sicht nicht immer nachvollziehbar. Die grüne Wirtschaftswende ist nicht mehr aufzuhalten. Investitionen werden in Zukunft in Geschäftsfelder wie saubere Energie, Transport oder Recycling fließen und damit für Wachstum und Jobs sorgen. Hier entsteht eine neue Wachstumsstory, die Möglichkeiten und viel Optimismus bietet.

Investieren in Emerging Markets-Unternehmensanleihen mit dem ERSTE BOND EM CORPORATE

Der ERSTE BOND EM CORPORATE investiert in Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Der Fonds veranlagt hierbei weltweit und ermöglicht Investoren die Teilnahme an den Wachstumschancen dieser aufstrebenden Märkte. Fremdwährungsrisiken gegenüber dem Euro werden weitgehend abgesichert. Das Fondsvolumen beträgt aktuell 425 Millionen Euro (Stand: 20.10.2020).

Seit Jahresanfang legte der Fonds 5,6 % (Stand: 23.10.2020) zu. Seit Auflage des ERSTE BOND EM CORPORATE hat er über die letzten 10 Jahre eine Wertentwicklung von 5 % p.a.* erzielt. Mit diesem Track-Record wurde Erste AM als Fondsmanager bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Lipper Award. Das deutsche Anlegermagazin Börse Online bewertete den Fonds im Oktober mit der „Note 1“ und bedachte ihn mit einer Kauf-Empfehlung.


* Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt lt. OeKB Methode. Die Wertentwicklung unterstellt eine vollständige Wiederveranlagung der Ausschüttung und berücksichtigt die Verwaltungsgebühr sowie eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 3,50 % und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

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Dies ist eine Marketingmitteilung und keine Finanzanalyse. Sie wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.
Sofern in dieser Unterlage Portfoliopositionierungen von Fonds bekannt gegeben werden, basieren diese auf dem Stand der Marktentwicklung zum Redaktionsschluss. Im Rahmen des aktiven Managements können sich die genannten Portfoliopositionierungen jederzeit ändern.

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IWF: Einbruch der Weltwirtschaft weniger stark als befürchtet, aber immer noch größte Rezession seit Jahrzehnten

Die Weltkonjunktur dürfte die Folgen der Corona-Pandemie laut aktuellen Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) etwas besser verkraften als zuletzt befürchtet. Der IWF rechnet in seinem mit Spannung erwarteten Weltkonjunkturausblick für heuer nur mehr mit einem Einbruch der Weltwirtschaftsleistung von 4,4 Prozent. Damit hat der IWF seine letzte Prognose von Juni um 0,5 Prozentpunkte verbessert. Die Weltkonjunktur steht damit aber immer noch vor der größten Rezession seit der großen Depression vor fast hundert Jahren.

Im kommenden Jahr dürfte es wieder bergauf gehen, allerdings etwas langsamer als gedacht. Die Wachstumsprognosen für 2021 hat der IWF wegen der anhaltenden Folgen der Corona-Krise um 0,2 Prozentpunkte auf ein Plus von 5,2 Prozent gesenkt. Eine Erholung der Weltkonjunktur sei nicht sicher, solange sich die Pandemie weiter ausbreitet und eine Rückkehr zum normalen Alltag verhindert, so der Währungsfonds.

Vor allem die großen Industrienationen dürften heuer laut den IWF-Prognosen etwas glimpflicher davon kommen als gedacht. „Wir gehen von einer etwas weniger heftigen, aber immer noch tiefen Rezession aus“, sagte die IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath. Die massiven Konjunkturhilfen und geldpolitischen Maßnahmen dürften bei den großen Volkswirtschaften aber das Schlimmste verhindert haben.

Die Wirtschaftsleistung der Eurozone soll laut IWF damit heuer um 8,3 Prozent schrumpfen, für 2021 wird dann ein Wachstum von 5,2 Prozent erwartet. Für Österreich prognostiziert der Währungsfonds für 2020 einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,7 Prozent und für 2021 wieder ein Plus von 4,6 Prozent. Für Deutschland wird für heuer ein Minus von 6,0 Prozent und 2021 ein Plus von 4,2 Prozent erwartet.

Andere Länder, die von der Pandemie stärker betroffen waren, müssen allerdings mit stärkeren Einbrüchen rechnen. So rechnet der IWF für Frankreich und Großbritannien für heuer mit einem BIP-Einbruch von jeweils 9,8 Prozent, Italiens Wirtschaft soll den Prognosen zufolge sogar um 10,6 Prozent schrumpfen.

Chinas Wirtschaft könnte heuer wieder wachsen

Für die USA zeigt sich der IWF optimistischer: Dort soll die Wirtschaft 2020 um 4,3 Prozent schrumpfen. Im Juni hatte der IWF noch mit einem Einbruch von 8,0 Prozent gerechnet. 2021 könnte die US-amerikanische Wirtschaft laut den Währungsfonds-Prognosen wieder um 3,1 Prozent wachsen. Noch rasanter könnte die Erholung in China laufen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt könnte laut IWF bereits heuer um 1,9 Prozent wachsen und 2021 sogar um 8,2 Prozent zulegen.

Problematischer sieht der IWF die Lage in den Entwicklungsländern, die Schere zwischen reichen und armen Ländern könnte mit der Krise weiter aufgehen. In ärmeren Ländern seien die wirtschaftlichen Folgen der Krise gewichtiger und nachhaltiger. Die Pandemie könnte damit sämtliche Fortschritte bei der Armutsbekämpfung seit den 1990er Jahren zunichte machen. Insbesondere die Fortschritte im Gesundheitssystem sollten nun aber allen Ländern gleichermaßen zukommen, fordert der IWF bei der Präsentation seines Konjunkturausblicks.

Weltwirtschaftsausblick des IWF 2020 und 2021

Staatsverschuldung nach Hilfsprogrammen auf Rekordniveau

Auch die Hilfsprogramme vieler Länder dürften zwar Unternehmen und Privatpersonen geholfen haben, gleichzeitig aber massive Folgen für die öffentlichen Finanzen haben. So sei die Neuverschuldung weltweit im Durchschnitt um neun Prozent des BIP gestiegen. Die globale Staatsverschuldung dürfte auf fast 100 Prozent der jährlichen weltweiten Wirtschaftsleistung und damit auf ein Rekordhoch steigen.

Trotzdem fordert der IWF weitere fiskalische Unterstützung um Armut, Unterbeschäftigung und Ungleichheit infolge der Krise zu bekämpfen. Vor allen öffentliche Investitionen sind laut Währungsfonds geeignet, um die Investitionstätigkeit wieder anzuschieben. Wenn die Industrie- und Schwellenländer ein Prozent ihrer Wirtschaftsleistung investieren, könne dies das BIP um 2,7 Prozent erhöhen, rechnet der IWF-Direktor Vitor Gaspar vor.

Bankensektor stabil, mögliche Pleitewellen bei kleinen und mittleren Unternehmen

Aber nicht nur Staaten, auch viele private Unternehmen haben sich mit der Krise stark verschuldet. Größere Probleme sieht der IWF vor allem für Unternehmen außerhalb des Bankensektors. Mit zunehmender Dauer der Krise befürchtet der IWF daher ein wachsendes Risiko von Pleitewellen. Besonders betroffen sind kleinere und mittelgroße Firmen, die im Gegensatz zu großen Unternehmen einen schwierigeren Zugang zum Kapitalmarkt hätten und überwiegend von der Kreditvergabe der Banken abhängig seien. Den Bankensektor bewertet der IWF aber grundsätzlich als stabil. Etwaige Probleme von Haushalten und Unternehmen bei ihren Kreditrückzahlungen könnten aber auch auf die Banken durchschlagen.

Insgesamt erwartet der IWF eine Erholung, die aber langsam und anfällig für Rückschläge ist. Negative Überraschungen könnte es vor allem bei wieder stark steigenden Infektionszahlen, Rückschlägen in der Impfstoffentwicklung und Pleitewellen geben. Die Staatengemeinschaft ist laut IWF-Chefin Kristalina Georgiewa jetzt gefordert überall die Gesundheitssysteme zu stärken und einen Weg zu finden mit den Schulden der ärmeren Länder umzugehen.


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US-Wahlkampf in heißer Phase: Richtungsentscheid mitten in der Krise

Das Rennen um das Amt des US-Präsidenten geht mitten in der Corona-Krise nach dem ersten TV-Duell und der Corona-Infektion von Donald Trump in die entscheidende Phase. In landesweiten Meinungsumfragen liegt der Demokrat Joe Biden derzeit vor dem republikanischen Amtsinhaber Trump.

So zeigt eine nach der TV-Debatte durchgeführte Umfrage von Reuters/Ipsos zufolge für Biden einen Vorsprung von neun Prozentpunkten. Für leichte Unsicherheit sorgte am Freitag schließlich Donald Trumps Corona-Infektion. Einige Analysten erwarten davon einen Vorteil für die Demokraten, andere mögliche Sympathie-Effekte für Trump.

Wegen des komplizierten US-Wahlsystems haben Umfragen allerdings nur eine begrenzte Aussagekraft. So unterlag 2016 die Demokratin Hillary Clinton Trump, obwohl sie zwei Prozentpunkte vor dem Republikaner lag. Nach einem von Medien als „chaotisch“ beschriebenen Schlagabtausch im ersten TV-Duell der Kontrahenten, bringt die am Freitag bekannt gewordene Corona-Infektion des Präsidenten nun weitere Unsicherheit in den Wahlkampf.

Die Weichenstellung im Weißen Haus kommt dabei zu einem historischen Zeitpunkt. Die Corona-Pandemie hatte den USA einen nie dagewesenen Konjunktureinbruch beschert, wenn auch jüngste Zahlen auf einen weniger dramatischen Einbruch hinweisen als zuletzt noch befürchtet. Trumps anfängliche Wirtschaftserfolge mit Unternehmenssteuersenkungen wurden damit jedenfalls zunichte gemacht.

Corona-Krise brachte historischen Wirtschaftseinbruch

Laut US-Handelsministerium ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 31,4 Prozent zurück. Ökonomen sehen die US-Wirtschaft inzwischen aber wieder auf Erholungskurs. Die OECD erwartet für die USA in ihrer jüngsten Prognose 2020 nur einen Einbruch um 3,8 Prozent. Das wäre ein moderateres Minus als in vielen anderen Industriestaaten.

Auch andere Zahlen zeigen das Bild einer angeschlagenen Volkswirtschaft. Das Außenhandelsdefizit ist trotz der von Trump eingeführten Strafzölle in der Nähe der Allzeithochs. Der Konsum, die tragenden Säule der weltgrößten Wirtschaft, brach wegen der Kontaktbeschränkungen und steigender Arbeitslosigkeit im Frühjahr um 33,2 Prozent ein. Die Exporte stürzten wegen der weltweiten Rezession und gestörter Lieferketten um 64,4 Prozent ab. Auch die Investitionen litten massiv unter den Folgen der Pandemie.

Der US-Arbeitsmarkt hat sich im September weiter von seinem schweren Einbruch in der Corona-Krise erholt, aber weniger stark als erhofft. Laut dem am Freitag gemeldeten monatlichen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung ging die Arbeitslosigkeit deutlich von 8,4 auf 7,9 Prozent zurück, und die Beschäftigung stieg weiter. Ökonomen werteten die Zahlen als Zeichen eines abnehmenden Erholungstempos. So schufen die Firmen außerhalb der Landwirtschaft im September 661.000 Stellen, Analysten hatten im Mittel mit 850.000 gerechnet.

Trump will Steuersenkungen fortschreiben, Biden Unternehmenssteuern erhöhen

Entsprechend entscheidend ist in dieser heiklen Phase der Wahlausgang, der auch eine wirtschaftspolitische Richtungsentscheidung wird. Ein konträres Programm fahren die beiden Kontrahenten etwa mit ihren Steuerplänen. Trump möchte im Fall seiner Wiederwahl seine Steuerreformen bis nach 2025 verlängern. Der amtierende Präsident hatte unter anderem die Unternehmenssteuer von 35 auf 21 Prozent gesenkt und damit einen Wirtschaftsimpuls gegliedert.

Biden hat hingegen vorgeschlagen, die Unternehmenssteuer auf 28 Prozent zu erhöhen. Mit diesem Steuersatz würden die USA über vielen europäischen Ländern wie Spanien oder Großbritannien liegen. Biden will zudem die Auslagerung von US-Jobs ins Ausland mit Strafzöllen stoppen. Für Unternehmen, die in den USA investieren soll es hingegen Steuererleichterungen geben. Bei den Personensteuern will Biden wieder für eine progressivere Steuerkurve sorgen. Im Vergleich zu anderen Demokraten wie Bernie Sanders sind seine Steuerpläne aber insgesamt moderat.

Biden könnte Wirtschaftsbeziehungen zu EU verbessern

Mögliche Auswirkungen könnte der Ausgang der Präsidentenwahlen auch auf den Fortgang der Handelskonflikte mit China und der EU haben. Unter Trump war der Handelskonflikt zwischen den USA und der EU eskaliert. Trump hatte Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte eingeführt, weil er den Exportüberschuss der EU-Länder gegenüber den USA für ungerecht hält. Die EU hatte mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte reagiert. Trump hat wiederholt auch mit Strafzöllen für Autoimporte aus der EU gedroht, die besonders deutsche Hersteller treffen würden.

Biden würde nach Angaben seines Beraters Tony Blinken den Handelskonflikt mit der EU beenden. „Die EU ist der größte Markt der Welt, wir müssen unsere Wirtschaftsbeziehungen verbessern“, sagte Blinken zuletzt bei einer Veranstaltung der US-Handelskammer. „Wir müssen einen künstlichen Handelskrieg beenden, den die Trump-Regierung begonnen hat“, so der Berater. Beobachter zeigen sich allerdings skeptisch, so fürchtet der deutsche Bundesverband Großhandel auch unter Biden eine protektionistische Politik.

Entscheidend werden auch die künftigen Beziehungen zu China sein. Trump hatte den Konflikt zuletzt mit seinem Feldzug gegen den chinesischen Betreiber der populären Kurzvideo-Plattform Tiktok, Bytedance weiter angeheizt. Die US-IT-Branche sieht derartige Schritte mit gemischten Gefühlen: Einerseits eröffnen sich damit Chancen für US-Unternehmen, die Verschlechterung der Beziehungen könnte aber auch ein Problem sein für Branchengiganten wie Apple, für die China ein wichtiger Markt ist.

Auch andere Wirtschaftssektoren könnten vom Wahlausgang direkt betroffen sein. So möchte Trump schon seit längerer Zeit seine Gesundheitsreform durchbringen und damit das Krankenversicherungssystem „Obamacare“ seines Vorgängers aushebeln. Der Landwirtschaft hat Trump zuletzt weitere Milliardenhilfen angekündigt.

Trumps Corona-Infektion bringt weitere Unsicherheit

Unklar ist auch, ob Trump eine etwaige Niederlage umgehend akzeptieren würde. Trump hatte bereits angekündigt, dass er in diesem Fall Wahlbetrug vermuten würde. Für Verunsicherung an den Märkten sorgte am Freitag schließlich auch Trumps Corona-Infektion. Wegen seiner Quarantäne dürfte Trump nun jedenfalls Wahlkampfveranstaltungen in drei umkämpften US-Bundesstaaten verpassen. Jedenfalls bringt Trumps Infektion ein weiteres Fragezeichen in einen ohnedies schwer einzuschätzenden Wahlkampf.

FAZIT: Der Wahlkampf für die US-Präsidentenwahl ist nun in der heißen Phase. Ob unter Trump oder Biden – die Vereinigten Staaten werden als führende Wirtschaftsmacht der Welt auch nach den Wahlen den „Takt“ an den Finanzmärkten bestimmen. 

Fonds für den US-Aktienmarkt

Wer von einer Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung nach dem Lockdown und auch nach den Präsidentenwahlen überzeugt ist, hat mehrere Möglichkeiten in den US-Aktienmarkt zu investieren.

ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA

Beim ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA wird auf qualitativ hochwertige und wachstumsstarke US-Unternehmen gesetzt. Die Investition in Aktien von Unternehmen, die nach ökologischen, sozialen und Governance-Aspekten zu den Vorreitern zählen, steht bei der Investmententscheidung im Vordergrund. Im Rahmen eines ganzheitlichen ESG-Ansatzes werden dabei auch ethische Aspekte berücksichtigt.

ERSTE BEST OF AMERICA

Der ERSTE BEST OF AMERICA ist ein Dachfonds, der in nordamerikanische Aktienfonds investiert. Für die Gewichtung der Fonds sind eine breite Diversifikation der Investmentstile und ein insgesamt ausgewogenes Risiko-Ertragsverhältnis maßgeblich. Die Maximalgewichtung eines Fonds beträgt 20%. In den Veranlagungsprozess fließen ebenfalls ökologische und soziale Faktoren sowie Unternehmensführungsfaktoren ein.


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Zinsen – niedrig für länger?

von Gerhard Beulig, Senior Fondsmanager Multi-Asset-Management, Erste AM.

Die Zinsen scheinen seit vielen Jahren nur noch eine Richtung zu kennen – und zwar nach unten. Nur unterbrochen durch einige Korrekturphasen ist schon seit einigen Jahren sogar das Tabu gebrochen worden, dass Renditen auf Anleihen doch immer positiv sein müssen!

Die Rendite einer 10-jährigen deutschen Bundesanleihe erreichte ein negatives Niveau erstmals im Jahr 2016. Der zuvor undenkbare Zustand scheint sich mittlerweile verfestigt zu haben. Ein Gutteil der Staatsanleihen in Europa und Japan liefert negative Renditen. Auch am Geldmarkt – sprich auch bei den Sparbüchern – hat sich bereits die Diskussion ergeben, ob diese auch negativ verzinst sein könnten. Was hat nun zu dieser Entwicklung geführt.

Rückläufige Inflationsraten

Aus Japan kennt man dieses Phänomen schon seit dem Platzen der spekulativen Immobilienblase Ende der 80er Jahre. Eine schwächelnde Konsumnachfrage, auch aufgrund der Zunahme der älteren Bevölkerung, trifft auf eine immer effizienter arbeitende Produktionsseite. Die Globalisierung hat diesen Effekt – wie auch schon der Name sagt – auf globaler Ebene noch verstärkt.

Durch die Konzentration der Produktion in Regionen und Ländern, die die besten Voraussetzungen dafür haben, konnten wie nie zuvor Produkte zu sehr niedrigen Preisen produziert werden. Die Inflation, die einen großen Einfluss auf das Zinsniveau hat, ging in den letzten Jahrzehnten auch wegen dieser Entwicklung stetig zurück.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Expansive Geldpolitik der Notenbanken

Ein weiterer sehr wichtiger Faktor war die notwendige expansive Politik der Notenbanken – insbesondere der EZB – nach der letzten großen Finanzkrise von 2008. Um den Erhalt des Euroraums, und damit des Euros selbst, zu sichern wurden Staatsanleihen von allen Euroländern aber insbesondere der Peripherieländer angekauft. Die große Sorge war damals die Deflation, deren Verfestigung in eine Abwärtsspirale der Wirtschaft gemündet hätte.

So wurde über verschiedene Ankaufprogramme einerseits versucht das Inflationsziel zu erreichen, andererseits die Zinsen für die Staaten niedrig zu halten. Es sollte Zeit für notwendige Strukturreformen gewonnen werden ohne überbordende Zinszahlungen für die schon damals relativ hohe Staatsverschuldung.

Effekte auf Nachfrageseite nicht eindeutig

Auf der Nachfrageseite scheint die Effektivität einer Niedrigzinspolitik noch nicht eindeutig geklärt zu sein. Von manchen Beobachtern wird ins Treffen geführt, dass etwa die Sparquoten der Konsumenten, beispielsweise für die Altersvorsorge, noch erhöht werden da ja keine Zinsen mehr auf diese Ersparnisse erwartet werden. Höhere Sparquoten führen natürlich zu geringerem Konsum.

Auf der anderen Seite scheint auch die Kreditnachfrage für Investitionen oder auch für die Anschaffung von Konsumgütern eher weniger auf die Verringerung der Zinsen zu reagieren als etwa kreditfinanzierte Immobilieninvestitionen, was unter anderem auch einen großen Einfluss auf die Preisentwicklung von sowohl Privaten wie auch gewerblich genutzten Immobilien hatte.

Staaten profitieren von niedrigem Zinsniveau

Mittlerweile – insbesondere bedingt durch die aktuell notwendig gewordene starke Neuverschuldung im Zuge der Corona-Krise – scheint ein niedriges Zinsniveau für die Staatsverschuldung essentiell zu ein. Die Stützungs- und Konjunkturprogramme müssen finanziert werden. Von manchen Politikern hört man öfter die Aussage, dass man sich das ja leisten könnte weil das Zinsniveau nahe Null sei. Das ist natürlich richtig, sollte aber nach Bewältigung der aktuellen Krise nicht einen Anreiz darstellen vom Ziel eines ausgeglichen Budgets abzuweichen.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Das Niedrigzinsumfeld bleibt uns noch länger erhalten

Wie lange wird uns nun das Niedrigzinsumfeld begleiten? Wie es aussieht noch länger. Die Effekte der demographischen Entwicklung, der Unterstützung der Zentralbanken und der eher schwachen Konsumnachfrage werden wohl länger andauern. Erste Anzeichen für ein zumindest Stagnieren des Trends gibt es bei der Globalisierung. Ein Wiedererstarken der Regionalisierung war in den letzten Monaten deutlich zu erkennen.

Trotzdem wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis sich der traditionelle Sparbuchsparer wieder über einen spürbaren Kapitalzuwachs freuen wird können. In den Vordergrund treten immer mehr Veranlagungsformen wie Aktien, Unternehmensanleihen oder andere Veranlagungsformen, die realen Wertzuwachs versprechen.


Alle Artikel unserer neuen Serie “Longterm Outlook“https://blog.de.erste-am.com/dossier/longterm-outlook/

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Könnte es zu einem Anstieg der Inflation kommen?

von Agne Loibl, Fund Managerin, Erste Asset Management.

Anfang September kündigte die Fed eine tiefgreifende Änderung ihrer Politik an, nämlich die Implementierung von sogenanntem Average Inflation Targeting. Dies ermöglicht temporär höhere Inflationszahlen, ohne selbige bei 2% verankern zu müssen.

Woher kommt diese Initiative der Fed? Ist Inflation wieder ein Gesprächspunkt? In diesem Artikel besprechen wir die Anforderungen an die Fed-Politik für höhere Inflation.

Krisenmodus: Regierungen und Zentralbanken mussten reagieren

Die Pandemie brachte einen deutlichen Einbruch der Weltwirtschaft mit sich. Um das wirtschaftliche Wohl wiederherzustellen, boten die Zentralbanken volle geldpolitische Unterstützung an. Gleichzeitig brachten die Regierungen fiskalpolitische Instrumente zum Einsatz, nämlich großangelegte Konjunkturpakete.

  • Diese Pakete resultieren in riesigen Budgetdefiziten. Die OECD erwartet heuer fiskalische Primärdefizite von mehr als 10% in ihren Mitgliedsstaaten, was wiederum zu einem Anstieg der Staatsschuld als Prozentsatz des BIP von 28 Prozentpunkten führt.
  • Es wird vielerorts davon ausgegangen, dass die Ausgabenprogramme in den kommenden Jahren verlängert werden. Dies wird zusätzliche Verschuldung mit sich bringen.
  • Die Zentralbanken finanzieren praktisch diese Ausgaben. Seit Beginn der Krise haben die vier großen Zentralbanken (US Fed, EZB, BoE, BoJ) ihre Bilanzen durch den Ankauf von Vermögenswerten um USD 3,7 Billionen verlängert.
  • Die großen Zentralbanken sind nach wie vor die größten Käufer von Staatsschulden, ungeachtet der Rendite. Daher bleiben die langfristigen Zinsen der jeweiligen Emittentenstaaten trotz ansteigender Verschuldung niedrig.

Interessanter Weise hatten diese monetären und fiskalpolitischen Interventionen einen beschränkten Effekt auf die Inflation. Der Konsumentenpreisindex (KPI) ist seit Beginn der Pandemie in den größeren Ländern nicht gestiegen.

Eine neue wirtschaftliche Herangehensweise am Horizont

Auf den ersten Blick sieht es danach aus, als ob die entsprechenden Stellen nur das getan hätten, was in so einer Situation zu tun war. Doch wir denken, dass aus dieser Krise ein neues wirtschaftliches Modell im Rahmen eines Paradigmenwechsel erwachsen könnte. Dieser Wechsel wird Regierungen (Fiskalseite) und Zentralbanken (monetäre Seite) betreffen.

a) Fiskalseite

  • Die Pandemie war der „Was es auch koste“-Moment der Regierungen. Sie reagierten mit massiven Ausgaben, in deren Folge Sparkurse keine Tugend mehr darstellen.
  • Die breite Öffentlichkeit ist für diese Maßnahmen. Im Gegensatz zur globalem Finanzkrise von 2008, als „nur“ die Finanzinstitutionen unterstützt wurden, profitieren nunmehr viele Teile der Bevölkerung direkt.
  • Daher wird es für Regierungen möglich, ein deutlich höheres Volumen an Schulden und Primärdefiziten in Lokalwährung zu tragen. Wir nehmen an, dass die Regierungen dazu bereit sind.

b) Monetäre Seite – Einsatz neuer Instrumente

  • Um die Zinsen niedrig zu halten, können Banken die Renditekurve kontrollieren. Niedrige Zinsen bedeuten trotz steigender Verschuldung niedrige(re) Zinszahlungen. Wir gehen für absehbare Zeit von niedrigen oder sogar negativen Zinsen in den größten Volkswirtschaften aus.
  • Zusätzlich kann das Risiko steigender Inflation mittels des Konzepts von Average Inflation Targeting gemildert werden. Den Zentralbanken steht ein höheres Maß an Flexibilität beim Umgang mit der Zielrate zur Verfügung, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu kompromittieren.
  • Für Anleger gibt es eingeschränkte Alternativen: alle vier großen Zentralbanken sind mit denselben wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. In Anbetracht ähnlicher monetärer Lösungsansätze können die Investoren die niedrigen Zinsen nicht vermeiden. Der Großteil will eben in entwickelten Märkten investieren.

Der Weg zu hoher Inflation – und zurück

Um die Inflation zum Steigen zu bringen, müsste man die derzeitigen fiskalischen und monetären Maßnahmen verlängern:

  • Selbst nach einer signifikanten Wende der Wirtschaft zum Positiven würden die Regierungen und Zentralbanken auf dem von ihnen gewählten Kurs bleiben. Keine Seite will für ein „Abwürgen“ der Erholung verantwortlich gemacht werden.
  • Ein Anstieg der Inflation wäre ziemlich sicher das Ergebnis steigender Lohnkosten. Dies würde die Rückkehr zu Vollbeschäftigung und die Beibehaltung wirtschaftlichen Wachstums bedingen.
  • Wenn es zu höheren Inflationszahlen käme, so würden diese unserer Meinung nach für längere Zeit erhöht bleiben. Hohe Inflation wäre vorteilhaft für Regierungen, da der Schuldenstand in Prozent vom BIP einer Reduktion unterzogen würde.
  • Die jeweiligen Institutionen müssten dem Treiben ein Ende setzen: die Regierungen beendeten die fiskalen Maßnahmen (Primärdefizite), während die Zentralbanken die Zinsen erhöhten und die Maßnahmen zur Kontrolle der Renditekurve sowie die Anleiheankaufsprogramme beendeten.

Ist das ein wahrscheinliches Szenario?

Wir stellen eine signifikante Veränderung seitens der Zentralbanken bei der Beurteilung von Inflation fest. Die Ankündigung der Fed könnte man als die Eröffnung eines Pfades in Richtung höherer Inflation sehen. Wir würden uns auch ähnliche Statements von den anderen großen Zentralbanken erwarten.

Die Kombination aus vorherrschendem Zeitgeist auf der Fiskalseite und der Anwendung diverser Instrumente auf der monetären Seite könnte mittelfristig zu höherer Inflation führen.

Solange erhöhte Inflation nur kurzfristig geduldet wird, könnten die makroökonomischen Effekte positiv sein. Natürlich birgt dieser Weg ein gewisses Risiko – die Zentralbanken müssten die Situation genau verfolgen und bei Bedarf sehr kurzfristig eingreifen.

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Japans neuer Ministerpräsident Suga will Land mit altem Team und Reformen aus der Krise führen

In Japan hat am Mittwoch offiziell eine neue Ära begonnen: Japans neuer Regierungschef Yoshihide Suga wurde, wie erwartet, mit der Mehrheit seine Liberaldemokratischen Partei (LDP) zum Ministerpräsidenten gewählt und tritt damit die Nachfolge von Shinzo Abe an.

Abe hatte im Sommer nach fast achtjähriger Rekordamtszeit aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt angekündigt. Die Erfolge seiner „Abenomics“ genannten Wirtschaftspolitik wurden zuletzt durch die Corona-Pandemie wieder zunichte gemacht. Der 71jährige Suga übernimmt damit große Herausforderungen.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist vor dem Hintergrund der Coronakrise in die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit gerutscht. Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal um aufs Jahr hochgerechnet real 27,8 Prozent eingebrochen.

Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn vergleichbarer Aufzeichnungen im Jahr 1980. Die Wirtschaft des Landes war bereits in den beiden Vorquartalen geschrumpft und steckt damit offiziell in einer Rezession. Schon vor der Coronakrise hatte Japan mit den Folgen des Handelskonflikts zwischen China und den USA und einer Erhöhung der Konsumsteuer zu kämpfen.

Japan in schlimmster Rezession der Nachkriegszeit

Japans Privatkonsum war im abgelaufenen Quartal um 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft. Da Japan keine harten Quarantäne-Maßnahmen verhängt hat, fiel der Konsumrückgang verhältnismäßig glimpflich aus.

Schwerer getroffen wurde aber die wichtige Exportwirtschaft des Landes. Laut jüngsten Regierungsdaten sind die Exporte im August um 14,8 Prozent eingebrochen. Das ist der sechste Monat in Folge mit einem zweistelligen Rückgang.

Ökonomen rechnen zwar für das laufende Quartal wieder mit einem Aufschwung von über 10 Prozent, diese Prognose ist aber mit Unsicherheit behaftet. Es bleibt noch abzuwarten, wie sich eine etwaige zweite Infektionswelle auf die Wirtschaft auswirken werde. Insgesamt erwarten Experten, dass es noch Jahre dauern könnte, bis sich Japan vollständig von der Krise erholt.

Um die Krise abzufedern hatte bereits die Regierung von Abe gigantische Konjunkturprogramme verabschiedet. Der neue Ministerpräsident Suga will nun die Wirtschaftspolitik seines Vorgängers und auch den Kurs der „Abenomics“ weiterführen. Unter diesem Schlagwort wollte Abe mit einem aufeinander abgestimmten Mix aus extrem expansiver Geldpolitik, schuldenfinanzierter Konjunkturprogramme und Reformen das Land aus der Stagnation holen.

Abenomics brachte expansive Geldpolitik und schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme

Auf Wunsch Abes begann Japans Notenbank schon 2013 mit einer drastischen geldpolitischen Lockerung. Massive Ankäufe von Staatsanleihen sollten die Zinsen und den japanischen Yen niedrig halten, die Deflation bekämpfen und Liquidität in die Wirtschaft spülen.

Etwa 45 Prozent von Japans Staatsschulden hat die Notenbank bereits in ihren Büchern. Diese Niedrigzinspolitik ermöglichte Abe umfangreiche, schuldenfinanzierte Wirtschaftsprogramme. Dazu kamen Reformen am Arbeitsmarkt, Deregulierungen und ein von 39,5 auf 29,7 Prozent gesenkter Unternehmenssteuersatz.

Bis 2018 schlug sich das Programm auch tatsächlich in Wirtschaftswachstum, sinkenden Arbeitslosenquoten und steigenden Börsenkursen nieder. So hat der Nikkei-Index während Abes Amtszeit seinen Kurs mehr als verdoppelt und entwickelte sich damit besser als andere internationale Indizes.

Ein Kollateralschaden des Programms ist aber die drastisch gestiegene Staatsverschuldung. Mit einer Verschuldung von 237 Prozent des BIP führt Japan derzeit die OECD-Liste der höchstverschuldeten Länder klar an und liegt deutlich vor den nächstgereihten Ländern Griechenland (184 Prozent) und Italien (157 Prozent).

Suga will im Kampf gegen die Krise Konjunkturprogramm und Reformen fortführen

Japans neuer Ministerpräsident Suga will nun das Wirtschaftsprogramm seines Vorgängers im Wesentlichen weiterführen. Als wichtigste Punkte seiner Regierungsarbeit nannte er den Kampf gegen das Coronavirus und die Wirtschaftskrise.

Bereits unter Abe war Suga als Kabinettssekretär für die Umsetzung einiger Reformen verantwortlich und will nun weitere Reformvorhaben auf den Weg bringen. Schon angedeutet hat er die Schaffung einer neuen Behörde für Digitalisierung und eine Reform der zahlreichen Regionalbanken des Landes.

Neben der Wirtschaftskrise muss sich Suga auch anderen Problemen wie der Überalterung der Gesellschaft und außenpolitische Herausforderungen stellen. So ist das Verhältnis mit China, Nord- und Südkorea sowie Russland derzeit angespannt. Möglicherweise könnte er auch vorgezogene Parlamentswahlen in Japan ausrufen. Schließlich muss er auch entscheiden, was mit den wegen der Pandemie auf 2021 verschobenen Olympischen Spielen passieren soll.

Politikexperten und -insider beschreiben Suga als einen „trockenen“ und pragmatischen „Workaholic“, der Reformen „mit eiserner Hand“ umsetzt. Im Gegensatz zu seinen oft aus Politikerdynastien entstammenden Kollegen wie Abe kommt er aus verhältnismäßig einfachen Verhältnissen.

In der Öffentlichkeit genießt er große Unterstützung. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde er aber erst im Vorjahr, als ihm die Verkündung des Namens der neuen Kaiserära „Reiwa“ den Spitznamen „Onkel Reiwa“ einbrachte.

Einige Analysten werfen ihm einen Mangel an Visionen vor, andere loben seinen Reformwillen. Seine Wahl verdankt er Beobachtern zufolge parteiinternen Machtgruppen, die ihn wohl als Garant für Stabilität und Kontinuität in der Krise sehen. Suga setzt nicht nur weiter auf das Konzept der „Abenomics“, auch an seinem Kabinett verändert Suga nur wenig und lässt die Besetzung wichtiger Schlüsselministerien gleich.

US-Investor Buffet investiert in japanische Aktien

Glückwünsche aus dem Ausland erhielt Suga schon von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin. Vorschusslorbeeren bekam Japans Wirtschaftspolitik heuer aber auch schon von Warren Buffet.

Amerikas legendärster Investor hat laut einem Bericht der Financial Times schon Monate vor Abes Rücktrittsankündigung erstmals begonnen mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway massiv in japanische Aktien zu investieren. Buffet, der für seine Investments in langfristige Turnarounds statt in kurzfristige Spekulationen berühmt ist, dürfte damit wohl auf den langfristigen Erfolg der Abenomics setzen.

Japanische Aktien mit dem ERSTE STOCK JAPAN erwerben

Der Fonds ERSTE STOCK JAPAN bietet die Möglichkeit breit gestreut in Unternehmen zu investieren, die an der Börse Tokyo gelistet sind. Wie bei jedem Aktienfonds besteht die Chance auf eine attraktive Wertsteigerung des investierten Kapitals, die möglichen Risiken wie z.B. hohe Kursschwankungen, Währungsrisiko durch den japanischen Yen, müssen im Auge behalten werden.

Der ERSTE STOCK JAPAN erzielte in den letzten 5 Jahren eine Wertsteigerung von 4,5 Prozent pro Jahr. Im heurigen Jahr liegt er wegen der Corona-Verwerfungen vom Frühjahr noch 4,5 Prozent im Minus (Quelle: Reuters Eikon), hat aber stark aufgeholt.

Warnhinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.


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Droht uns die säkulare Stagnation?

von Zak Tim Kay Salmutter, Senior Portfolio Manager der Erste Asset Management.

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut. Doch wie gut wird es der Wirtschaft in den kommenden Jahren gehen? Ein von einigen Ökonomen als realistisch erachtetes Szenario ist, dass wir in eine Phase der „säkularen Stagnation“ eintreten werden. Oder bereits eingetreten sind. Was ist damit gemeint?

Säkulare Stagnation ist gekennzeichnet durch lang anhaltendes („säkulare“) niedriges Wirtschaftswachstum („Stagnation“). Normalerweise senken Zentralbanken während Rezessionen bzw. Phasen niedrigen Wachstums die Zinsen, sodass es attraktiver wird für Unternehmen Kapital aufzunehmen und Investitionen zu tätigen. In einer säkularen Stagnation ist das jedoch nicht möglich.

Wenn die Leitzinsen bereits sehr niedrig sind können sie nicht mehr um mehrere Prozentpunkte abgesenkt werden. Das führt zu der scheinbar paradoxen Situation, dass Leitzinsen bei null Prozent zu hoch sind, um einen Umschwung herbeizuführen. Somit bleiben Zinsen anhaltend niedrig, ohne jedoch eine nachhaltigen Stimulierung der Wirtschaft zu induzieren.

Renditen von 10-jährigen Staatsanleihen bereinigt um die Inflation

Quelle: Bloomberg, EAM

Warum investieren Unternehmen so wenig?

Hier gibt es mehrere Gründe. Niedriges oder gar negatives Bevölkerungswachstum führen dazu, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und somit die Notwendigkeit für Investitionen geringer ausfallen. Investitionen rentieren sich also weniger.

Zudem befindet sich auch das Produktivitätswachstum in den OECD-Staaten seit mehreren Jahren in einem sinkenden Trend. Dies mag angesichts des merklichen technischen Fortschritts überraschen.

Doch es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass technologischer Fortschritt oft erst mit merklicher Verzögerung von einigen Jahren oder Jahrzehnten breitflächig in der Wirtschaft ankommt. Zudem schlagen sich einige Fortschritte nicht im Bruttoinlandsprodukt (BIP) beziehungsweise in höheren Gewinnen von Unternehmen wider.

Man denke hier an etwa an die vielen kostenlosen digitalen Dienste. Schließlich ist es die letzten Jahrzehnte zu einer erhöhten Marktkonzentration in einigen Industrien gekommen. Je mehr Marktmacht Unternehmen haben, desto weniger ist es notwendig Investitionen zu tätigen um konkurrenzfähig zu bleiben.

Produktivitätswachstum in den USA? und der Eurozone?

Legende: USA, Eurozone, Trend

Quelle: OECD. Warnhinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Was kann getan werden?

Geldpolitik stößt in einer säkularen Stagnation an seine Grenzen. In einer bargeldlosen Gesellschaft wäre es theoretisch denkbar, Zinssätze deutlich unter null zu senken, womit auch Investitionen mit niedrigen Ertragserwartungen rentabel wären. Dieser unter Ökonomen diskutierte Fall dürfte aber auf absehbare Zeit ein theoretischer bleiben.

Eine andere bereits jetzt praktizierte Möglichkeit ist, durch Stützungskäufe von Wertpapieren seitens der Zentralbanken die Renditeaufschläge für Kreditrisiko (Risikoprämien) zu senken.

Somit wird auch über diesen Kanal die Kapitalaufnahme für Unternehmen günstiger. Die Kehrseite für Anleger: die Renditen an den Märkten werden immer geringer. Zudem stehen dem womöglich begrenzten Nutzen dieser Strategie auch Risiken gegenüber. Die Bewertung, also das Verhältnis von Ertrag zum Risiko, wird immer teurer. Das heißt, auch das Risiko von starken Überbewertungen (Blasen) nimmt zu.

Diese Tendenz verstärkt zudem die Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft, da gerade jene profitieren, die bereits viel Vermögen haben. Zentralbanken müssen mit diesem Instrument also äußerst vorsichtig umgehen, um nicht mehr Schaden anzurichten als zu helfen.

Als Alternative zur ultra-expansiven Geldpolitik würde sich eine stärkere Rolle für die Fiskalpolitik anbieten. Staatliche Investitionen in Infrastruktur etwa, auch in Hinblick auf die Probleme des Klimawandels, könnten die fehlende Nachfrage seitens der privaten Haushalte und Unternehmen zum Teil ersetzen.

Zudem könnten solche Investitionen auch die Rentabilität für Privatinvestitionen erhöhen. Wirtschaftsinstitutionen wie der Internationale Währungsfonds (IMF) – ehemals nicht für die Befürwortung nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik bekannt – haben die Notwendigkeit einer stärkeren Rolle für den Staat erkannt. Ob der politische Wille angesichts aktueller Rekordschuldenstände gegeben ist, bleibt abzuwarten.

Fazit

Der beschriebene Fall der säkularen Stagnation ist nicht nur ein theoretischer. Das Paradebeispiel einer Volkswirtschaft die sich seit mehreren Jahren in einer solchen Situation befindet ist Japan. Die Hauptmerkmale der säkularen Stagnation finden sich hier alle wieder: niedriges Bevölkerungswachstum, niedriges Wirtschaftswachstum, niedrige Zinsen, niedrige Inflation. Und generell niedrige Erträge an den Kapitalmärkten. Europa scheint sich klar in eine ähnliche Richtung hinzubewegenDie USA dürfte nicht weit davon entfernt sein.

Die Situation wurde durch COVID-19, trotz positiven Aspekten wie etwa einer forcierten Beschleunigung in der Digitalisierung, insgesamt wohl noch einmal verschärft. Trends wie sinkendes Bevölkerungswachstum werden auf längere Zeit hinaus nur schwer umkehrbar sein, ebenso wie die Machtlosigkeit der Zentralbanken.

Ob das Japan-Szenario mittelfristig abwendbar ist wird sich zeigen. Wenn überhaupt dürfte dies am ehesten mit mehr Wettbewerb, einer weniger ungleich verteilten Gesellschaft und einem Paradigmenwechsel hin zu einer deutlich größeren Rolle für staatliche Investitionen gelingen.


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