Eine italienische Tragödie – Mezzoforte

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste Asset Management.

Seit seiner Berufung zum Ministerpräsidenten Italiens, wird Giuseppe Conte mit der Figur des Arlecchino verglichen. In Carlo Goldonis Komödie „Der Diener zweier Herren“ begibt sich der schusselige Diener in den Dienst zweier Verliebter, ohne dass die von dessen Doppelgleisigkeit wissen.

Arlecchinos Konstrukt aus Täuschungen und Lügen führt beinahe zum Selbstmord der beiden, endet aber letztlich doch glücklich. Das Ende von Giuseppe Contes politischer Karriere hingegen glich eher einem tragischen Lehrstück nach Manier eines Niccolo Machiavelli.

Beflügelt durch gute Umfragewerte für die Lega Nord sprach Parteichef und Innenminister Matteo Salvini im August Conte und damit auch dem Regierungspartner Luigi di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung das Vertrauen ab. Bevor der Misstrauensantrag im Senat zur Abstimmung kam, gab Conte am 20. August seinen Rücktritt bekannt.

Im Folgenden sei skizziert, welche Auswirkungen die politischen Verwerfungen auf Italien, Europa und die Märkte haben könnten.

Italia che sarà, sarà

Wenn auch in der internationalen Presse in Bezug auf Italien zurzeit oft die Wörter Chaos oder Krise verwendet werden, könnte man zynisch entgegenhalten, dass die momentanen Zustände im italienischen Kontext nicht außergewöhnlich sind. So war die letzte Legislaturperiode mit 437 Tagen zwar kürzer als der Schnitt von 625 Tagen seit Ende des 2. Weltkrieges, aber statistisch gesehen lag die Zerfallswahrscheinlichkeit der Regierung bereits bei 43%.

Kommentatoren legen momentan einen großen Fokus auf die Wahlarithmetik, um herauszufinden ob Italien ein Premier Salvini „droht“. Vergessen wird dabei, dass die Regierung in Italien im Vergleich zu anderen Ländern wesentlich weniger Befugnisse hat.

Gerade diesen Umstand versuchte Contes Vorgänger Matteo Renzi ja erfolglos per Referendum zu ändern. Auch mit einem Premier Salvini läge die Zukunft Italiens immer noch zu einem großen Teil in den Händen namloser Bürokraten und des besonnenen Staatspräsidenten Sergio Mattarella.

Europa und der kranke Mann am Tiber

Beim letzten Italienurlaub fiel einem vielleicht der ein oder andere Carabiniere mehr auf, aber die Autobahn, auf der jener seine Runden zieht, ist immer noch so baufällig wie vor Antritt der Regierung Conte. Besonders Luigi di Maio hatte seinen Wählern Investitionen in die marode Infrastruktur des Landes versprochen.

Geliefert hat die Regierung vor allem symbolische Aktionen im Bereich der Außen- und Fremdenpolitik. In Wirtschaftsfragen fanden die rechte Lega mit ihren protektionistischen Bestrebungen und die eher linke Fünf-Sterne-Bewegung mit ihren Versprechen für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu wenige Anknüpfungspunkte.

Egal wie die nächste Regierung in Italien aussieht, die jüngsten Vorfälle haben es geschafft, Italien wieder ganz nach oben auf die Gesprächsordnung in den europäischen Hauptstädten zu bringen. Zuwanderung, Lohnwachstum, Infrastruktur – diese Herausforderungen wird Italien nicht ohne Hilfe Europas lösen können.

Gerade in Zeiten niedrigster Zinsen sollte man durch Lockerung der Maastricht-Regeln Italien erlauben, das stagnierende Wirtschaftswachstum zu befeuern, diese Einsicht macht sich zunehmend auch in Brüssel, Berlin und Paris breit.

Nebenschauplatz auf der globalen Bühne

Bei den Italien-Schlagzeilen der letzten Wochen möchte man meinen, an den Märkten müssten große Bewegungen stattgefunden haben. Im Gegenteil jedoch trottete im letzten Monat der italienische Aktienleitindex MIB im Gleichschritt mit dem deutschen DAX dahin.

Auch auf der Rentenseite blieb im selben Zeitraum der Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer gegenüber deutschen Staatsanleihen relativ konstant bei etwa 200 Basispunkten (bp) mit Ausnahme eines kurzen Sprungs auf 235 bp. Der Renditeaufschlag liegt damit ziemlich genau in der Mitte zwischen den Werten vor der Wahl der Regierung Conte im März 2018 (~125 bp) und dem Höhepunkt des Budgetstreits mit der EU im Oktober 2018 (~300 bp).

spread 10 jahre italien vs. deutschland

Grund für diese vermeintliche Indifferenz der Märkte dürfte die Prevalenz global gesehen größerer Themen wie Handelskrieg und Brexit sein. Bei all den Unkenrufen zu Italien ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Prognose der weiteren Entwicklung sehr schwierig.

Viele Anleger scheinen daher im Abwartemodus zu sein. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Ruhe spätestens mit Beginn des Wahlkampfes in Italien enden wird. Speziell die strauchelnde Fünf-Sterne-Bewegung wird vermutlich wieder mit großen Wahlversprechen aufhorchen lassen.

Besonders Rentenanleger, die keine Lust auf böse Überraschungen aus dem politischen Eck haben, sollten daher vorerst einen Bogen um italienische Staatsanleihen machen, frei nach dem Motto: Italien – lieber auf dem Teller als im Portfolio


Wichtige rechtliche Hinweise

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Schwaches Wachstum mit Risiken

Die jüngste Konfrontation zwischen den USA und China in den Bereichen Handel und Währung hat zu zeitweiligen Kursrückgängen bei risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien geführt. Mittlerweile befinden sich die Aktien in einem Erholungsmodus, so Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management. Sind die negativen Implikationen eines andauernden US-China Konflikts stark genug, um einen Abschwung beziehungsweise eine Rezession zu verursachen?

Treibende Faktoren

Die Bewegung der Marktpreise wird seit einigen Monaten vor allem von zwei Faktoren beeinflusst. 1) Die Geldpolitik wird immer unterstützender. Seit Anfang 2019 haben 16 Zentralbanken den jeweiligen Leitzinssatz gesenkt. Bis Jahresende werden noch mehr Maßnahmen folgen, zum Beispiel von der Europäischen Zentralbank. 2) Der Konflikt zwischen den USA und China auf multiplen Ebenen erhöht die Unsicherheit und dämpft die Unternehmensstimmung sowie die Investitionstätigkeit beziehungsweise die Industrieproduktion. Je nachdem wie die Dimensionen Größe, Dauer und Umfang des jeweiligen Faktors ausgeprägt sind, steigen beziehungsweise fallen die Assetpreise.

Ausgangssituation: Zinsen bei null Prozent

Zinsen zeigen die Tendenz, im Fall einer Verschlechterung des Umfelds (ansteigend Unsicherheit, rückläufiges Wirtschaftswachstum) zu fallen. Die aktuelle Ausgangssituation ist jedoch bereits von einem sehr niedrigen Zinsniveau charakterisiert. Zinsen fallen zwar weiterhin, allerdings immer schwerer. Das gilt vor allem für die Eurozone, wo die Zinsen bereits negativ sind.

  • Generell gilt: der Preis des Geldes (die Zinsen) gleichen das (gewünschte) Sparen und das (gewünschte) Investieren aus. Je geringer das Zinsniveau, desto weniger attraktiv wird das Sparen und umso attraktiver wird das Investieren.
  • Geldpolitik weniger effektiv: Wenn die Zinsen ein niedriges Niveau erreicht haben, wird die Geldpolitik immer ineffektiver. Die Leitzinsen können eben nicht mehr um mehrere Prozentpunkte gesenkt werden, um eine Rezession abzufangen. Das impliziert, dass eine Rezession größere Auswirkungen hat als in der Vergangenheit (höhere Arbeitslosigkeit, niedrigere Assetpreise).
  • Säkulare Stagnation: Wenn die Zinsen nicht mehr in dem nötigen Ausmaß fallen können, um die wirtschaftliche Aktivität ausreichend zu stimulieren, bleibt das Wirtschaftswachstum niedrig.
  • New Normal: Das niedrige Zinsniveau stellt damit kein (zyklisch bedingtes) außergewöhnliches sondern ein normales Niveau dar.
  • Schulden: Je niedriger das Zinsniveau, desto nachhaltiger wird der Schuldenbestand. Weil die Schuldenquoten allerdings weiter ansteigen, werden in der Zukunft Zinsanstiege unwahrscheinlicher.
  • Bewertung: Je niedriger das Zinsniveau, desto höher die Bewertung von Assetklassen. Dieser Effekt war auch in den vergangenen Monaten zu beobachten. Zahlreiche Wertpapierklassen weisen kräftige Kursanstiege auf. Allerdings: Ein überdurchschnittlicher Ertrag (Return) innerhalb von kurzer Zeit bedeutet ceteris paribus unterdurchschnittliche Erträge in der Zukunft.
  • Alternative Assets: Je niedriger das Zinsniveau und je höher die Bewertung der traditionellen Assetklassen, desto mehr steigt die Nachfrage beziehungsweise die Suche nach alternativen Veranlagungsformen an (zum Beispiel nach Kryptowährungen).
  • Ausweg: Der klassische Ausweg aus dieser „Zinsfalle“ ist eine sehr expansive Fiskalpolitik, massive Investitionen mit staatlicher Unterstützung.

Rückbau der Globalisierung

Die Ankündigung der USA im September die Zölle auf noch mehr Importe aus China anheben zu wollen und die darauf folgende Abschwächung der chinesischen Währung Renminbi haben zu Kursrückgängen bei risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien geführt. Mittlerweile befinden sich die Aktien in einem Erholungsmodus. Die Risiken sind klarerweise nach unten gerichtet, es gibt jedoch Argumente dafür, dass die Konfrontation nicht aus dem Ruder läuft:

  • Strategisch: Die Konfrontation zwischen den USA und China ist offensichtlich strategischer Natur, das heißt, sie bleibt für lange Zeit bestehen.
  • Zyklisch: Auch aus zyklischer Sicht hat der Konflikt an Intensität gewonnen. Die USA erhöhen die Zölle und führen Handels-Beschränkungen im Technologiesektor ein, China antwortet mit Gegenmaßnahmen.
  • Kein Nachgeben: Die Bereitschaft auf der chinesischen Seite, dem steigenden Druck aus den USA nachzugeben, ist gering. Die drei Bedingungen von China gelten weiterhin: 1) Liste der zu kaufenden US-Güter soll vernünftig sein; 2) bestehende Zölle und Beschränkungen sollen reduziert werden; 3) Vereinbarung soll die Würde Chinas respektieren.
  • Währungsinterventionen: China hat im August mit einer Abschwächung der Währung (Renminbi) geantwortet. Die USA haben China daraufhin als Währungsmanipulator gekennzeichnet. Kurioserweise war die Aktion der chinesischen Zentralbank (PBOC) darauf gerichtet, den vom Markt generierten Abschwächungsdruck des Renminbi zuzulassen. Das heißt die PBOC hat nicht mehr interveniert (Renminbi gekauft, US-Dollar verkauft). Der Titel „Währungsmanipulator“ hat zwar keine praktische Relevanz, könnte jedoch Präsident Trump die moralische Rechtfertigung für eine Währungsintervention geben (Abschwächung des US-Dollar). Das hätte wahrscheinlich markant negative Auswirkungen auf die Finanzmärkte.
  • Währungsturbulenzen: Die Abschwächung des Renminbi bedeutet einen Wirtschaftsstimulus für China. Allerdings mit einem wichtigen Nachteil: Die Wirtschaftsprobleme in China werden exportiert. Damit haben auch andere Länder einen Anreiz, ihre Währung abzuschwächen. Es droht eine Abwertungsspirale.
  • Beschränkung für die USA: Die Taktik der USA, den Druck auf China mit Zöllen und anderen Beschränkungen zu erhöhen, wird durch die negativen Implikationen für die eigene Wirtschaft und die Finanzmärkte beschränkt.
  • Fed: US-Präsident Trump scheint hier schon vorzubauen, indem er den Druck auf die Zentralbank erhöht, die Leitzinsen zu senken. Strategisch betrachtet wäre es ein ernstes Problem, wenn die wichtigste Zentralbank der Welt an Glaubwürdigkeit einbüßen sollte. Auf kurze Sicht könnte die Schuld für eine etwaige Rezession der Fed gegeben werden, weil sie eben nicht die Leitzinsen ausreichend gesenkt hat.
  • Beschränkung für China: Auch China hat einen Anreiz, den Konflikt nicht zu eskalieren. Es geht um den Marktzugang zur größten Volkswirtschaft der Welt und um den Zugang zu wichtigen Technologien. Zudem läuft die Abschwächung des Renminbi einem wichtigen strategischen Ziel zuwider: Für die Etablierung einer Reservewährung und den Ausbau des Finanzmarktes ist eine stabile Währung eine Voraussetzung. Auch kurzfristig betrachtet birgt die Abschwächung die Gefahr in sich, dass ähnlich wie im Jahr 2015 eine Kapitalflucht aus China einsetzen könnte (auch wenn Beschränkungen das verhindern sollen).

manufacturing confidence

Schlussfolgerung

Das reale globale Wirtschaftswachstum liegt etwas unter dem Potenzial (Durchschnittswachstum). Die Industrieproduktion und die Unternehmensinvestitionen stagnieren, während die kräftigen Bereiche Arbeitsmarkt und Servicesektor langsame Erosionsmerkmale aufweisen. Aktuell sind die Umfragen zur Unternehmensstimmung ein wichtiger Indikator für die Abschwächung der Rezessionswahrscheinlichkeit. Selbige fallen seit Anfang 2018. Der massive Schwenk der Geldpolitik von „Leitzinsanhebung“ auf „Leitzinssenkung“ hat die Kurse von zahlreichen Wertpapierklassen kräftig unterstützt. Das Zinsniveau ist jedoch bereits sehr niedrig, weshalb zusätzliche positive Impulse der Zentralbanken bescheiden sein werden. Wenn die Einschätzung Bestand hält, dass der Konflikt zwischen den USA und China nicht substanziell eskaliert, werden die Auswirkungen zwar negativ aber nicht stark genug sein, um eine globale Rezession auszulösen. Die Gültigkeit der Annahme wird in den kommenden Monaten mit Indikatoren wie jenen zur Unternehmensstimmung zu testen sein.


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Drohender „Hard-Brexit“ drückt Pfund weiter nach unten

Der neue britische Premierminister, Boris Johnson, bereitet Großbritannien auf einen ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union vor. Der Nachfolger von Theresa May hat sein Regierungsteam vor allem mit Brexit-Hardlinern besetzt.

Sollte es keine weiteren Verhandlungen und Zugeständnisse seitens der EU geben, werde Großbritannien die Union am 31. Oktober diesen Jahres ohne eine eigene vertragliche Regelung der künftigen Beziehungen verlassen, heißt es derzeit aus London.

Der „Hard-Brexit“ wurde lange als wirtschaftlich ungünstigster Ausgang des ersten EU-Austritts der Geschichte beschrieben. Nun könnte dieses schlimmste Szenario tatsächlich Realität werden. Schon jetzt spürt das Vereinigte Königreich massive Folgen der wirtschaftlichen Unsicherheit, die der Brexit verursacht. Besonders sichtbar wird dies etwa beim Kurs des britischen Pfunds.

Historische Tiefstände

Die konjunkturellen Risiken des Brexit belasten den Wert der britischen Währung stark. Bereits unmittelbar nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016 war das Pfund auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren gefallen. Nach der mit 51,9 % knappen Mehrheit für den Austritt rutschte es unter die Marke von 1,35 US-Dollar. Mehr als drei Jahre und drei Regierungschefs später tendierte der Pfund-Kurs in der Vorwoche nun im Bereich von 1,21 US-Dollar.

Seit dem Votum verbilligte sich das Pfund zum Euro um etwas mehr als 13 %, alleine in den vergangenen zwölf Monaten ging es 2,8 % abwärts. Der Wechselkurs wirkt sich stark auf Beteiligungen und Anlageprodukte aus, die in der Finanzmetropole London gehandelt werden.

Am Aktienmarkt steht den klaren Währungsverlusten jedoch eine grundsätzlich positive Tendenz gegenüber. Der Leitindex der Londoner Börse FTSE-100 beispielsweise hat seit Juni 2016 um über ein Fünftel zugelegt. Während ein niedrigerer Pfundkurs britische Produkte außerhalb des Königreichs attraktiver macht, wird es für Briten teurer, etwa aus der Eurozone zu beziehen.

Doch entscheidend für die weitere Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien werden nicht Wechselkurseffekte sondern Handelshemmnisse sein. Diese werden in Form von weniger Rechtssicherheit, Zöllen und höherem Bürokratieaufwand durch einen „Hard Brexit“ wieder stärker erwartet.

Brexit: kurs britisches pfund in euro

Gegenmaßnahmen in Haushalts- und Geldpolitik

Davon scheint selbst die neue Regierung in London überzeugt: Sie hat in der Vorwoche 2,1 Milliarden Pfund zusätzlich für Vorbereitungen auf einen Brexit veranschlagt. Insgesamt hat das Finanzministerium damit für das laufende Haushaltsjahr 4,2 Milliarden Pfund eingeplant, um auf einen No-Deal-Brexit vorbereitet zu sein.

434 Millionen Pfund sollen eingesetzt werden, um etwa die Medizinversorgung durch zusätzliche Frachtkapazitäten, Lager und Vorräte sicherzustellen. Einer der Knackpunkte dürfte die Grenze zwischen dem EU-Land Irland und der britischen Provinz Nordirland werden, an der Kontrollen drohen, die dann den Warentransport verlangsamen und verteuern.

Die britische Notenbank will unterdessen auf einen harten Brexit nicht automatisch mit einer Änderung ihrer Zinspolitik reagieren. Das stellte der Chef der Bank of England (BoE), Mark Carney, Ende Juni bei einer Anhörung im Parlament klar.

Die britischen Währungshüter ließen den Leitzins zuletzt einstimmig unverändert bei 0,75 %. Zugleich betonten sie, eine „stufenweise und begrenzte“ Straffung der Geldpolitik werde nötig, um ihr Inflationsziel in den kommenden Jahren zu erreichen. Eine Zinserhöhung stehe aber unter dem Vorbehalt, dass der Brexit reibungslos gelinge – eine Annahme, die aktuell nicht an Wahrscheinlichkeit gewinnt.

Bei der Reaktion sei neben Angebot und Nachfrage eben der Pfund-Wechselkurs zu berücksichtigen, sagte Carney.


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50 Jahre Mondlandung: Privatunternehmen im Weltraumgeschäft

Vor 50 Jahren, am 20. Juli 1969, betraten mit Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin die ersten Menschen den Mond. Das Apollo-Programm war damals kein kommerzielles Projekt, sondern vor allem politisch motiviert. Immerhin galt es für die USA im kalten Krieg nach dem Sputnik-Schock das Rennen zum Mond gegen die Sowjetunion zu gewinnen.

Inflationsbereinigt kostete der „große Schritt für die Menschheit“ nach heutigen Maßstäben weit über 100 Milliarden Dollar. Doch die Umwegrentabilität für die Privatwirtschaft kann kaum unterschätzt werden. So fanden viele der Innovationen des Mondlandeprogramms ihren Weg in die Privatwirtschaft und sind aus dem heutigen Alltagsleben kaum mehr wegzudenken, von Mikrochips bis zu drahtlosen Bohrmaschinen.

Seit 1972 hat mittlerweile kein Mensch mehr den Mond betreten, doch die Raumfahrtindustrie hat sich extrem gewandelt. Schon in den 1960ern setzte die NASA auf private Zulieferer wie Boeing, doch damals wurden Weltraumprogramme primär von staatlichen Agenturen betrieben.

Mittlerweile spielen privatwirtschaftliche Unternehmen eine bedeutende Rolle im Weltraumgeschäft: Etwa als Zulieferer für Raumfahrzeuge und Bodenausrüstung, als Transporteure von Lasten ins All oder als Betreiber und Nutzer von Satelliten.

SpaceX macht bei Raketenstarts NASA und ESA Konkurrenz

Raumfahrt im großen Stil betreibt etwa das aufstrebende US-amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk. SpaceX setzt beim Bau seiner Raketen auf Großproduktion und Wiederverwertbarkeit und macht damit öffentlichen Agenturen wie etwa der ESA Konkurrenz als Transporteur von Lasten ins All.

Das Unternehmen ist mittlerweile Marktführer bei Satellitenstarts und befördert laufend Wetter- oder Kommunikationssatelliten ins All und betreibt Versorgungsflüge zur internationalen Raumstation ISS.

Auch andere Firmen streben derzeit in den attraktiven Markt. So ist im Juli mit der Firma iSpace erstmals einem privaten chinesischen Raumfahrtunternehmen der Start einer Trägerrakete in die Erdumlaufbahn gelungen. Und auch in Europa drängen Private vor.

Der staatliche Schweizer Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Ruag plant derzeit Akquisitionen im Umfang von 500 Mio. Franken um seine Raumfahrtssparte auszubauen und will 2021 oder 2022 an die Börse gehen.

marktvolumen weltweite weltraumwirtschaft

Der gesamte Weltraummarkt hatte laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft 2018 eine Größe von rund 360 Mrd. US-Dollar. Davon entfielen 125 Mrd. Dollar auf die bodenbasierte Ausrüstung. Die Übertragung von TV-, Radio- oder Breitbandsignalen ist mit 102 Mrd. der wichtigste kommerzielle Service. Regierungsaktivitäten und die bemannte Raumfahrt kommen derzeit auf knapp 83 Mrd. und sind damit nur das drittwichtigste Segment.

Das könnte sich aber bald ändern. Nach dem Wunsch von US-Präsident Donald Trump sollen 2024 die ersten US-Astronauten auf den Mond zurückkehren, danach soll es weitergehen zum Mars. Auch andere Staaten wie etwa China oder Indien und sogar private Unternehmen nehmen mittlerweile den Mond ins Visier.

Anfang Mai präzisierte etwa Amazon-Chef Jeff Bezos seine kommerziellen Ambitionen bezüglich des Erdtrabanten: Mit dem Landegerät „Blue Moon“, das von seiner Firma Blue Origin entwickelt wird, möchte er sich in Kooperation mit der US-Raumfahrtbehörde NASA am neuen Wettlauf zum Mond beteiligen.

Für die europäische Weltraumagentur ESA tüfteln derzeit der Raketenbauer ArianeGroup und das deutsche Unternehmen PTScientists an Plänen für eine unbemannte Landung auf dem Mond vor dem Jahr 2025.

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Pestizide, Futtermittel und Fleischkonsum – Die Food Revolution

von Stefanie Schock, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Die Entwicklung der Welternährung ist durch die stetig wachsende Nachfrage nach Produkten aus Tierhaltung, geprägt. Wo ist der Fleischkonsum am meisten gestiegen?

Die Food Revolution, also die vermehrte Nachfrage nach Fleischprodukten, findet vor allem in Entwicklungsländern statt, die den größten Anteil am Bevölkerungswachstum tragen und Fleischprodukte nachfragen. Laut Welternährungsorganisation FAO hat sich die weltweite Fleischproduktion seit 1965 von damals 84 Millionen Tonnen auf 335 Millionen fast vervierfacht. Der Verbrauch und die Produktion von Fleisch könnten bis 2050 um 120 Prozent steigen.

Historisch sind große Teile des Konsumwachstums auf China und Brasilien zurückzuführen: der weltweite durchschnittliche Pro-Kopf-Fleischkonsum wuchs von 30,7 kg in den 1980ern auf 36,4 kg in 1997/1999. Vor allem die in dieser Periode stark wachsende Schweinefleischproduktion in China erklärt diesen Effekt, ohne China wäre der weltweite Durchschnitt annähernd unverändert geblieben. In Brasilien stieg der Fleischkonsum zwischen 1975 bis 1990 um 55%.

Die FAO rechnet außerdem damit, dass sich Schwellenländer an die sogenannte „western diet“ mit starkem Fleischanteil, angleichen werden.

Die Fleischproduktion ist an Futtermittel gebunden

Gebunden an die wachsende Nachfrage nach Fleisch ist auch der steigende Bedarf an Futtermitteln (hauptsächlich Getreide und Ölsaaten) deren Anbau aber auch negative Umwelt- u. Klimaeffekte haben kann:

  1. Durch den großflächigen Anbau von Futtermittel werden Primärwälder verdrängt, die ein wichtiger CO2- Speicher sind. Besonders herausfordernd ist die Situation in Australien wie ein WWF-Bericht aus dem Jahr 2018 beschreibt: hier wird 88% der gerodeten Waldfläche in Weideland umgewandelt. In Südamerika wurden zwischen 1990 und 2015 90 Mio. Hektar Waldfläche für Sojaanbau und Weidezwecke gerodet, wobei Soja auch als Futtermittel dient um z.B. die europäische Fleischnachfrage zu bedienen.
  2. Der Einsatz von Kunstdünger ist sowohl Energie- als auch CO2-intensiv und belastet die Umwelt. Durch übermäßigen Eintrag auf Feldern (man spricht auch von Eutrophierung) geraten auch angrenzende Ökosysteme wie Fließgewässer in Mitleidenschaft, denn der erhöhte Nährstoffgehalt im Wasser macht diese Systeme für sensible Lebensformen unbewohnbar.
  3. Pestizide, die in der konventionellen Landwirtschaft ebenfalls eingesetzt werden, haben negative Umwelteinflüsse und werden einer karzinogenen Wirkung wegen, verdächtigt.

Bayer AG & Monsanto Co: Punitive Damages

Nach der Übernahme von Monsanto Co. durch die Bayer AG kam es in den Vereinigten Staaten zu mehreren Klagen bzgl. des Herbizids „Roundup“, dass sich im Produktportfolio der Monsanto Co. befindet und einer karzinogenen Wirkung wegen unter Verdacht steht.

Der Bayer AG wurde vorgeworfen, die rechtlichen und Reputationsrisiken unterschätzt zu haben, die durch die Akquisition von Monsanto Co. entstanden sind und welche sich auf den Unternehmenswert negativ auswirken könnten. Der internationale Stimmrechtsberater ISS (International Shareholder Services) schlug daher vor, diese Fehleinschätzung auch in der Abstimmung über die Entlastung des Vorstands bei der diesjährigen Hauptversammlung Rechnung zu tragen.

In einer Reaktion der Bayer AG wurde darauf hingewiesen, dass nach Ergebnissen zahlreicher Studien ein Zusammenhang zwischen Roundup und karzinogenen Erkrankungen ausgeschlossen werden könnte.

In den Vereinigten Staaten kam es jedoch bereits zu 3 Gerichtsurteilen, die das Gegenteil beschlossen, bei der letzten Gerichtsverurteilung im Mai wurde einem klagenden Ehepaar die bis dato höchste Strafe von über zwei Milliarden Dollar zugesprochen. „Punitive damage“ meint in diesem Zusammenhang, dass die Strafe über den eigentlichen Schaden hinausgeht um unter anderem als Abschreckungssignal zu dienen. Bezüglich ihrer Glyphosat Produkte sieht sich die Bayer AG in Amerika mit rund 13.000 Klagen konfrontiert.

Auch über ein Einsatz-Verbot von Glyphosat wird vielerorts diskutiert: in Los Angeles wurde ein solches bereits eingeführt, mit dem Hinweis, dass das Herbizid nicht mehr einzusetzen sei, bis öffentliche Gesundheitsstellen und Umweltbeauftragte sicherstellen, dass der Einsatz bedenkenlos sei und auch in Österreich konnte sich eine Mehrheit für ein solches Verbot finden.

Bayer-Vorstand nicht entlastet

Bei der Hauptversammlung am 26.4.2019 wurde schließlich mit 56%er Mehrheit beschlossen, dass der Vorstand für das vergangene Geschäftsjahr nicht zu entlasten sei, der Aufsichtsrat jedoch mit 66% schon. Bei diesem Ergebnis spricht man auch von symbolischem Charakter, da wie auch schon in der Vergangenheit bei Klimaanträgen (Exxon Mobil, 2017) bewiesen wurde, Investoren ihr Stimmrecht auch zunehmend einsetzen, um Nachhaltigkeitsthemen zu adressieren, die sich negativ auf den Unternehmenswert auswirken könnten. 

Fleisch


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„2040 werden 60 Prozent aller Neuwagen E-Autos sein“

Kein Tag vergeht, an dem nicht auf die Folgen der Erderwärmung verwiesen wird bzw. Lösungsmöglichkeiten auf wirtschaftlicher und politischer Ebene diskutiert werden. In vielen Wirtschaftszweigen ist der Wandel schon heute spürbar. Die Finanzwirtschaft mit ihren Investitionen bietet einen Hebel um die Dekarbonisierung der Wirtschaft und eine Wende hin zu erneuerbaren Energien voranzutreiben.

Die Erste Asset Management beschäftigt sich seit fast zwei Jahrzehnten mit den Umwelttechnologien von heute und morgen. Über den Fonds ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT kann man sich an den spannendsten Unternehmen beteiligen und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Schutz der Natur und im Kampf gegen den Klimawandel. In unserem Interview beschreibt Fondsmanager Clemens Klein die Folgen der demografischen Entwicklung und welche neuen Umwelttechnologien erfolgversprechende Anwendungen erwarten lassen.

Ist der Klimawandel wieder ein in Mode gekommener Begriff oder eine Realität, der wir ins Auge sehen müssen?

Clemens Klein: Es braucht nicht allzu viel Fantasie um festzustellen, dass sich unser Klima verändert. Überschwemmungen ebenso wie Dürren, Verwüstungen durch Hurrikans, Luftverschmutzung in den Großstädten – die Naturkatastrophen der letzten Jahre häufen sich. Sie mahnen uns, wie wichtig die Begrenzung der Emission von Treibhausgasen und nachhaltiges Wirtschaften generell sind.

Der Klimagipfel von Paris mit seiner Erkenntnis, dass der maximale Temperaturanstieg 1,5 Grad Celsius betragen darf, um eine Klimakatastrophe abzuwenden, ist beinahe schon vergessen?

Clemens Klein: Nein, allein dadurch, dass in vielen Ländern Klimaschutz ein zentrales Thema im politischen Diskurs geworden ist, zeigt schon, dass sich was bewegt. Das Abkommen von Paris war eine wichtige Weichenstellung und hat die Grundlage und das Regelwerk für die notwendigen Schritte und Maßnahmen festgelegt. Was momentan noch fehlt, ist die rasche Umsetzung auf Einzelstaaten-Ebene. Aber der Druck auf die Politik, das Abkommen umzusetzen, von Seiten der Bevölkerung wächst laufend. Und wir werden auch nicht darum herumkommen: Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf rund 10 Milliarden und bis 2100 weiter auf rund 11 Milliarden Menschen anwachsen (derzeit: 7,7 Milliarden).

Treiber dieses Wachstums sind Asien und Afrika, die gemeinsam zur nächsten Jahrhundertwende rund 80 Prozent der Weltbevölkerung stellen werden. Dazu kommt der Trend zur Urbanisierung und damit verbunden steigenden Einkommen: Heute schon leben 55 Prozent der Menschen in Städten. 2050 werden es 70 Prozent sein. Die Menschen, die dort leben benötigen Strom, Wasser, Transportmittel, konsumieren zunehmend nach westlichen Gewohnheiten und verursachen wachsende Müllberge. Es braucht daher neue Technologien, um diese Herausforderungen bewältigen zu können.

Wie glaubhaft sind Sie als Asset Manager in Sachen Kohlendioxid-Verringerung? Welche Aspekte berücksichtigen Sie in der Kapitalanlage?

Clemens Klein: Erste Asset Management unterzeichnete 2015 als erste Fondsgesellschaft Österreichs den Montréal Carbon Pledge. Diese internationale Investoreninitiative wurde Ende 2014 mit dem Ziel ins Leben gerufen, durch die Messung und Veröffentlichung von CO2-Emissionen der in den Aktienfonds gehaltenen Unternehmen, langfristig zu einer Reduktion der Treibhausgase beizutragen. Mittlerweile ist diese Initiative auf über 120 Investoren angewachsen, die über 10.000 Milliarden Dollar an Vermögenswerten verwalten.

Wodurch unterscheidet sich der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT von anderen nachhaltigen Fonds Ihres Hauses?

Clemens Klein: Der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT konzentriert sich als Themenfonds ausschließlich auf Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit mit Umwelt- sowie Klimaschutz in Zusammenhang steht. Unsere Philosophie ist es, Unternehmen zu identifizieren, deren Produkte und Dienstleistungen für die Bewältigung der Auswirkungen von Megatrends wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung oder Wachstum der Mittelklasse bzw. der damit verbundenen Folgen wie Treibhausgasemissionen, Klimawandel, Knappheit von Ressourcen und ein erhöhtes Abfallvolumen von entscheidender Bedeutung sind.

Damit sich unsere Leser etwas vorstellen können: Nennen Sie uns die wichtigsten Themen, die sich im ERSTE STOCK WWF ENVORNMENT widerspiegeln.

Clemens Klein: Solar- und Windenergie zählen mittlerweile in vielen Ländern der Welt zu den billigsten Technologien zur Stromerzeugung. Damit wird sich das rasante Wachstum der vergangenen Jahre auch künftig, unabhängig von Förderungen weiter fortsetzen. Darüber hinaus werden neue Märkte wie Indien, Südamerika aber auch Afrika zu Schlüsselmärkten für die Wind- und Solarindustrie. Der Anteil der Solarenergie an der weltweiten Energieerzeugung wird von derzeit 3 Prozent bis 2050 in Richtung 30 Prozent steigen. Gleiches nehmen wir für den Einsatz der Windenergie an. Der weltweite Strom wird ‚a la long‘ sauberer werden.

Neue Antriebstechnologien wie Elektroautos und Wasserstoffautos und Biotreibstoffe der dritten Generation werden weiter an Bedeutung gewinnen. Auch hier sind es neben Umweltaspekten vor allem fallende Kosten, die für überdurchschnittliche Wachstumsraten sorgen werden. Nirgendwo sonst wird der technologische Fortschritt so mit Spannung beobachtet wie bei der neuen Generation von Fahrzeugen. Laut Bloomberg New Energy Finance werden im Jahr 2040 E-Autos 60 Prozent aller Neuwagenverkäufe ausmachen. Im Jahr 2016 lagen die Schätzungen noch bei 35 Prozent.

In Europa ist Norwegen jetzt schon führend und mehr als die Hälfte aller Neuwagen sind Elektrofahrzeuge: Neben steuerlichen Anreizen darf man dort mit einem E-Auto auf Busspuren fahren und braucht keine Autobahnvignette bezahlen. Wir dürfen aber nicht die Augen vor den Problemen verschließen: Wir benötigen sichere, erschwingliche Batterien mit genügend Reichweite. Und wir müssen einerseits klären, woher die Rohstoffe für die Produktion kommen und ebenso, was am Ende der Nutzungsdauer mit den Batterien geschieht. Unternehmen müssen ausweisen, dass zB ihre Lieferanten nicht Kobalt aus dem Kongo verwenden. Damit hätten wir als nachhaltige Investoren keine Freude.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Wind- und Solarenergie, aber auch dem zu erwartendem starken Wachstum der Elektromobilität gewinnen Themen wie Optimierung des Energie-Transports, aber auch „Smart Grid“ (intelligente Netzwerke) und „Smart Metering“ (intelligente Stromzähler) sowie Energiespeicher in Form von z.B. Batteriesystemen, aber auch Wasserstoff („Power to Gas“) stark an Bedeutung.

Die globale Wassernachfrage wird aufgrund der angeführten Megatrends bis 2050 um mehr als 50 Prozent zunehmen. Urbanisierung und steigende Einkommen führen zu einem geänderten Konsumverhalten. Daher sind hohe Investitionen in die Infrastruktur, Verbrauch- und Kostensenkung, Hygiene, Wasseraufbereitung aber auch Meerwasserentsalzung erforderlich.

Das globale Abfallvolumen wird sich bis 2025 gegenüber 2014 auf 6 Millionen Tonnen pro Tag verdoppeln und könnte bis 2100 weiter auf 11 Millionen Tonnen pro Tag ansteigen. Schon jetzt gelangen jedes Jahr mehr als 8 Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Das entspricht dem Gewicht von 16 Burj Chalifa, des aktuell höchsten Gebäudes der Welt oder 32.000 Wiener Riesenrädern. Ohne Maßnahmen, die der gigantischen Müllexplosion Einhalt gebieten, droht 2050 gewichtsmäßig mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren zu sein. Abfallvermeidung, Abfalltrennung und -sammlung, Abfallwiederverwertung und Recycling werden neben neuen Verpackungstechnologien zu zentralen Themen im Umweltbereich.

Welche Kriterien muss ein Unternehmen erfüllen, um auf Ihre Watchlist zu kommen? Und was muss geschehen, dass es in den ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT aufgenommen wird?

Clemens Klein: Wir legen Wert darauf, dass das Geschäftsmodell eines Unternehmens zum überwiegenden Teil von den von uns erwarteten Entwicklungen profitiert. Neue Technologien, die zur Lösung der durch die erwähnten Megatrends hervorgerufenen Auswirkungen beitragen, werden laufend ausgewertet und in das Portfolio aufgenommen. Es liegt in der Natur der Sache, dass dadurch auch viele jüngere und kleinere oder mittelgroße Unternehmen im Portfolio vertreten sind.

Wie gehen wir dabei vor? Zunächst werden laufend Unternehmen identifiziert, die die strengen Anforderungen der definierten Fondsstrategie erfüllen. Neue Ideen werden nach Prüfung durch den WWF sowie eines externen Research-Partners einem Umweltbeirat zur Entscheidung über die Aufnahme ins investierbare Anlageuniversum vorgelegt.

Aus dem investierbaren Universum erfolgt dann die Entscheidung über die Aufnahme ins Portfolio nach eingehender qualitativer sowie quantitativer Analyse durch uns als Fondsmanager. Ziel und Teil der Strategie ist es, Unternehmen über lange Perioden, entsprechend den langen Trends, die sie mit ihren Produkten oder Dienstleistungen bedienen, im Portfolio zu behalten. Einzelne Unternehmen befinden sich seit Auflage des ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT im Jahr 2001 durchgehend in den Beständen des Fonds. Abhängig von kurz- und mittelfristigen Entwicklungen, makroökonomischen Faktoren oder dem allgemeinen Marktumfeld erfolgt primär eine Anpassung der Themen und Gewichtungen im Fonds.

Aktuell liegt der Schwerpunkt der Veranlagungen in den Bereichen „Erneuerbare Energie“, „Energieeffizienz“ sowie „E-Mobilität“, die gemeinsam mehr als 60 Prozent der Portfoliostruktur repräsentieren. In den Bereichen „Erneuerbare Energie“ sowie „E-Mobilität“ sehen wir in den nächsten Jahren das größte Wachstumspotential. Dazu zählen aber auch komplementäre Technologien wie „Energiespeicherung“, „Selbstfahrende Autos“ oder „Intelligente Stromnetze“, die von den erwarteten Entwicklungen profitieren werden.

Können Sie uns einige Unternehmen im Fonds verraten, die die Umwelt nachhaltig „bearbeiten“ und ökologisch/klimaschonend wirtschaften?

Clemens Klein: Zu den größten Positionen zählen beispielsweise First Solar, eines der führenden Unternehmen im Solarbereich, TPI Composites, ein spezialisierter Hersteller von Rotorblättern für die Windindustrie, Xylem, führend im Bereich Wasserinfrastruktur, Wasseranalyse und Wasseraufbereitung aber auch Tomra Systems, der Weltmarktführer im Bereich Abfalltrennung, Abfallsortierung und Recycling.

Welche anderen (Umwelt)-Technologien spielen im Fonds eine wichtige Rolle?

Clemens Klein: Wasserstoff bzw. Brennstoffzellen, Meerwasserentsalzung, Wärmedämmung, oder effiziente Beleuchtungssysteme. Ein interessantes Unternehmen ist z.B. NEL ASA wegen Power to Gas- Energiespeicherung. Eines noch: Wo hohe Gewinnchancen, da auch höhere Risiken. Generell gilt für eine Investition in Umweltaktien, dass man eine entsprechende Risikobereitschaft mitbringen und auch stärkere Kursschwankungen vertragen muss.


Seit mehr als 10 Jahren gehen die Umweltschutzorganisation WWF und Erste Asset Management einen gemeinsamen Weg für den Klima und Umweltschutz. Der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT, dessen Anlagepolitik der WWF mitträgt, berücksichtigt sowohl wirtschaftliche als auch soziale und ökologische Kriterien. Für die Aufnahme in das Portfolio kommen nur Unternehmen in Frage, die ihre Verantwortung beim Kohlendioxid-Ausstoß und Wasserverbrauch ernst nehmen. Ein Anlagebeirat mit dem WWF prüft, ob die strengen Umweltvorgaben und Ausschlusskriterien eingehalten werden. Diese Partnerschaft beinhaltet auch eine Unterstützung der WWF-Flusserhaltungs- und Klimaschutzprojekte. Immerhin kamen der Natur dadurch bereits mehr als zwei Millionen Euro zugute.

Wichtige rechtliche Hinweise

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Chinese Growth Story – Was für eine Fortsetzung spricht

Johannes Scheuplein, Junior Fund Manager der Erste Asset Management, erklärt, warum der Handelskrieg mit den USA nicht das Ende der Entwicklungsgeschichte bedeutet und was für die Fortsetzung der Wachstums-Story Chinas spricht.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichem: Der Handelskonflikt traf die Märkte im Mai hart und das chinesische Wirtschaftswachstum hat weiter an Dynamik verloren. Allerdings kann der Handelskonflikt nicht ewig weitergehen.

Trump hat seine Kandidatur für die nächsten Präsidentschaftswahlen angekündigt, und wenn er sein Image als pragmatischer Geschäftsmann aufpolieren möchte, so sieht er sich gezwungen mit China ein Handelsabkommen zu schließen.

Sein Wahlkampf 2016 stützte sich auf drei Wahlversprechen. Das erste – Deregulierung und Steuersenkungen – hat er eingehalten. Das zweite – die Lösung des Immigrationsproblems und der Bau einer Mauer, für die Mexico zahlen soll – ist nach wie vor ungelöst. Daher besteht für Trump eine gewisse Dringlichkeit beim dritten Wahlversprechen – die Handelsbedingungen zwischen den USA und China neu zu ordnen – einen Erfolg zu verbuchen. Obwohl der Handelskrieg zu einem Technologiekrieg ausgeweitet und das chinesische Unternehmen Huawei hart getroffen wurde, hat China in Form von Rohstoffen auch Druckmittel gegenüber den USA und darüber hinaus genügend Möglichkeiten die Auswirkungen des Handelskrieges zu mildern.

Mit dem US-China-Friedensabkommen und der weicheren Haltung gegenüber Huawei haben sich zudem die Gespräche während des G20-Gipfels als konstruktiv erwiesen. Interessanterweise wurden die Zugeständnisse von US-Seite angekündigt und von den Chinesen nicht vollständig bestätigt. Ist dies ein weiterer Hinweis darauf, dass China die Oberhand hat und die USA einen Deal wirklich dringend brauchen?

Spielraum für Geldpolitik

Wachstums-Story China LeitzinsenAbbildung 1, Quelle: Bloomberg

Im Vergleich zu den meisten Industriestaaten hat China nach wie vor Spielraum für geldpolitische Maßnahmen (siehe Abbildung 1). Die jüngsten Fiskalpolitik konzentrierte sich eher auf Steuersenkungen (so wurden letztes Jahr Senkungen im Umfang von 1,4% des BIP und heuer von etwa 2% des BIP angekündigt) anstelle von Infrastrukturinvestitionen.

Aufgrund der hohen Sparquote (etwa 40% des verfügbaren Einkommens, verglichen mit 10% in den USA) könnte sich der Effekt nicht unmittelbar einstellen, doch auf lange Sicht sollten die Steuersenkungen zu einer besseren Ressourcenallokation führen, da Individuen und Unternehmen bei der Veranlagung überschüssiger Ersparnisse Risiko-Ertrags-Erwägungen miteinbeziehen werden.

Die höheren Ersparnisse werden auch den jüngsten Kreditboom relativieren. Wenn man die Ersparnisse in Betracht zieht, so erscheint die Nettokreditsumme weniger überwältigend. Darüber hinaus könnten Ersparnisse auch das sich verlangsamende Kreditwachstum kompensieren.

Wachstums-Story China Sparquote Abbildung 2, Quelle: Bloomberg

Von Alibababa zur politischen Struktur

Die politische Struktur Chinas kommt langfristigen strukturellen Entscheidungen ebenfalls entgegen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern verfügt in China die Regierung über die Möglichkeit, unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen, die sich langfristig bezahlt machen, da sie bei keiner Wählerschaft auf Stimmenfang gehen müssen. Dies führt zu einer höheren Stabilität bei politischen Entscheidungen mit einem langfristigen Zeithorizont.

Dies ist bei Langzeitprojekten wie China 2025 und der Belt Road Initiative (BRI) augenscheinlich. Die BRI zielt auf höhere Marktintegration ab. Die Infrastrukturinvestitionen könnten zu einer verringerten Abhängigkeit von den USA führen und Ricardianischem Wachstum analog zur Europäischen Integration führen.

Ein höheres Handelsvolumen in Renminbi (RMB) könnte auch den Anspruch des RMB, zu einer Leitwährung zu werden, stärken und gleichzeitig die Verwundbarkeit gegenüber der US-amerikanischen Strategie, den US-Dollar als Waffe in geopolitische Konflikte einzubringen, verringern.

Was China 2025 angeht, so lässt sich beobachten, dass China mehr und mehr versucht , in der Wertschöpfungskette weiter nach oben zu klettern. Der Technologiesektor im Speziellen ist ein gutes Beispiel, dass China zunehmend unabhängiger vom Rest der Welt wird.

Alibaba, Baidu und Tencent sind alles chinesische Unternehmen, die konkurrenzfähige Alternativen zu Amazon, Google und Co anbieten. Auch an der Front der Elektromobilität ist China sehr gut aufgestellt, da man bereits sehr früh mit Subventionen angefangen hat.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich alles um strukturellen Wandel dreht. Der hohe Anteil an staatlichen Unternehmen in der chinesischen Volkswirtschaft und die schwachen Urheberrechte bergen ein enormes Potential an Ineffizienzen, die in Zukunft behoben werden können.

Eine der Hauptaufgaben, mit denen sich China konfrontiert sieht, ist die Stärkung des Privatsektors und die Verringerung der Export- und Investitionsabhängigkeit durch die Erhöhung privater Ausgaben. China hat offensichtlich Bestrebungen in diese Richtung etwas zu tun. Die Reformthemen der Kommunistischen Partei Chinas beinhalten u.a. die Verbesserung der Sozialversicherung mittels einer Gesundheits- und Pensionsvorsorgereform. Eine verbesserte Sozialversicherung könnte letztlich zu einer Reduktion der Sparquote und somit zu erhöhtem Konsum führen.

Der Handelskonflikt sollte generell nicht als Übel angesehen werden, sondern als Chance für weitere Reformen in China. Angesichts des Drucks seitens der USA und des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums könnte sich China in Zukunft weiter dazu verpflichten geistiges Eigentum zu schützen.

Genau das wäre eine gute Neuigkeit für China-Investoren. Die Öffnung der Wirtschaft wird China die Möglichkeit geben das Wachstum durch Technologietransfers weiter voranzutreiben. Es gibt bereits Beispiele von Joint Ventures mit Unternehmen wie z.B. BMW, in denen ausländische Unternehmen einen Mehrheitsanteil halten.

Die Quintessenz ist letztendlich, dass noch ein enormes Verbesserungspotenzial besteht und dass China bereits dabei ist, seine strukturellen Probleme in Angriff zu nehmen. Obwohl große Unsicherheit besteht, scheint es das Risiko wert zu sein. Insbesondere vor dem Hintergrund der Integration Chinas in die globalen Finanzmärkte kann man davon ausgehen, dass die Aufnahme in große Benchmark-Indizes im Anleihen- und Aktienbereich weiter Impulse liefern wird. Die Wachstums-Story von China ist noch nicht vorbei.


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Marktausblick für das 2. Halbjahr 2019

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das erste Halbjahr 2019 ist vorbei. Auf dem Finanzmarkt verzeichneten viele Wertpapierklassen deutliche Kursanstiege. Gleichzeitig deutete die fallende Tendenz bei zahlreichen Wirtschaftsindikatoren auf eine Abschwächung des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes hin. Lesen Sie in unserem Marktausblick, wie das zusammenpasst.

Stagnation im Fertigungssektor

Zwischen der 2. Jahreshälfte 2018 und dem 1. Quartal 2019 ist die Weltwirtschaft am Potenzial gewachsen. Das ist jener Wert, der langfristig erwartet werden kann  – das heißt über einen Wirtschaftszyklus hinweg betrachtet. Das Potenzial-Wachstum liegt zwischen 2,5 und 3 Prozent. Der Gütersektor musste eine Abschwächung hinnehmen: Sowohl das Wachstum der Industrieproduktion als auch jenes der Unternehmensinvestitionen ist auf ein niedriges Niveau gefallen.

Die Güterexporte schrumpften sogar. Die Frühindikatoren für diese Sektoren, wie etwa der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren“, Zeitreihe „Manufacturing Overall“, Quelle: JP Morgan) zeigen eine weitere Abschwächung in Richtung Stagnation an: für die Produktion und die Investitionen beziehungsweise eine weitere Schrumpfung der Güterexporte.

Erosion im Servicesektor

Im Unterschied dazu blieb der Servicesektor bis zum ersten Quartal vergleichsweise stark. Der globale Einkaufsmanagerindex für den Servicesektor ist im Juni zwar leicht angestiegen, der rückläufige Trend seit dem vergangenen Jahr ist aber eindeutig (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren“, Zeitreihe „Services Business Activity“, Quelle: JP Morgan).

Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren

marktausblick Winzer Grafik Quelle: JP Morgan. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Wachstum unter Potenzial

Betrachtet man die Unterkomponente „Output“ für die beiden Sektoren Fertigung und Services zusammen, schlägt der letzte Wert (51,2) ein Wachstum des realen globalen Bruttoinlandsproduktes zwischen 2,0 und 2,5 Prozent auf das Jahr hochgerechnet vor (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „All-industry Output/business activity“).

Abschwächung des Beschäftigungswachstums

Der Arbeitsmarkt ist in vielen Teilen der Welt Dank der wirtschaftlichen Boom-Phase der vergangenen Jahre nach wie vor kräftig, sprich: die Arbeitslosenraten sind niedrig, und das Lohnwachstum steigt langsam aber doch an. Das unterstützt das Einkommens- und Konsumwachstum.

Allerdings sind auch hier Abschwächungstendenzen erkennbar (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „ All-industry Employment). Sollte das Wirtschaftswachstum tatsächlich unter Potenzial fallen, würde das mit einer Abschwächung des Beschäftigungswachstums einhergehen.

Abwärtsdruck bei der Inflation

Die Inflationsraten in den entwickelten Volkswirtschaften sind niedrig. Gleichzeit fallen sowohl die markt- als auch die umfragebasierten Inflationsindikatoren (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „All-industry Output Prices“).

Zusammen mit dem Wirtschaftswachstum unter dem Potenzial hat sich das Risikoprofil für den Inflationsausblick markant verschoben, nämlich von einer ansteigenden Inflation in Richtung einer fallenden Inflation.

Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten

marktausblick Winzer Grafik 2Quelle: JP Morgan. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Abnahme der politischen und geldpolitischen Risiken

Gleichzeitig haben aufgrund von zwei Entwicklungen die nach unten gerichteten Risiken abgenommen:

  • Erstens wurde Ende Juni am Rande des G20-Treffens in Japan eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen China und den USA verkündet. Damit ist die Gefahr einer unmittelbaren Eskalation im Handels- und Technologiestreit vom Tisch. Bis auf weiteres werden die USA keine weiteren Zollanhebungen auf chinesische Importe vornehmen. Die mittel- und langfristigen Konfliktpotenziale bleiben natürlich bestehen.
  • Zweitens haben zahlreiche Zentralbanken eine Veränderung der geldpolitischen Ausrichtung auf Lockerung vorgenommen. Für die USA werden Leitzinssenkungen im Ausmaß von insgesamt einem Prozentpunkt innerhalb eines Jahres in den Marktpreisen reflektiert. Eine Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte Ende Juli ist sehr wahrscheinlich. Noch vergangenen September ging man von Leitzinsanhebungen um insgesamt 0,8 Prozentpunkte aus.

Lockerung der Geldpolitik

Die bis Ende 2018 begonnene Normalisierung der Leitzinsen (Anhebungen) und der Zentralbankbilanz (Schrumpfung) stand im Widerspruch zur Konjunkturabschwächung.

Nunmehr deuten Zentralbanken Lockerungsschritte an beziehungsweise haben bereits einige Zentralbanken mit Leitzinssenkungen reagiert. Die verwendeten Argumente der Zentralbanken können in drei Kategorien unterteilt werden:

Erstens, geringer Spielraum

Der Abstand der Leitzinsen zur Zinsuntergrenze ist bei den meisten Zentralbanken gering. In der Vergangenheit reagierten Zentralbanken auf eine Rezession mit Leitzinssenkungen im Ausmaß von mehreren Prozentpunkten . Das ist nun nicht mehr möglich. Leitzinsen können nur noch in einem geringen Ausmaß in den negativen Bereich abgesenkt werden.

Zweitens, erhebliche Schätzfehler

Um die Kernvariablen Beschäftigung und Inflation zu prognostizieren, verwenden die Zentralbanken zahlreiche volkswirtschaftliche Modelle. Jede Modellprognose hat jedoch Schätzfehler. Darum blicken die Zentralbanken nicht nur auf Punktprognosen, sondern auch auf die Streuung und verwenden aufgrund der inhärenten Modellunsicherheit nicht nur ein sondern mehrere Modelle. Seit einigen Jahren treffen die vom Zustand des Arbeitsmarktes abgeleiteten Inflationsprognosen (Anstieg) nicht zu. Die sogenannte Phillips-Kurve (Zusammenhang von Inflation und Arbeitslosenrate) ist verstärkt einer kritischen Betrachtung ausgesetzt. Zudem ist die Modellierung eines Handelskonfliktes mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Darüber hinaus gibt es eine große Bandbreite bei der Schätzung des neutralen Leitzinssatzes. Das ist jener Zinssatz der weder dämpfend noch unterstützend auf das Wirtschaftswachstum wirkt. Die ersten beiden Punkte implizieren rascher als früher auf eine Eintrübung des Umfeldes zu reagieren.

Drittens, Veränderung der Reaktion

Wie soll die Zentralbank auf das volkswirtschaftliche Umfeld reagieren? Aktuell geht es vor allem um die Frage, ob die Vergangenheit berücksichtigt werden soll. In vielen Ländern war die Inflation über Jahre hinweg unter dem Inflationsziel der jeweiligen Zentralbank. Wenn das langfristige Inflationsziel der Zentralbank erreicht werden soll (oftmals bei 2 Prozent), würde das eine angestrebte Inflation für die kommenden Jahren erforderlich machen, die über dem Inflationsziel liegt. Wenn die Zentralbanken tatsächlich auf eine solche Sichtweise umstellen, würde das eine noch lockerere geldpolitische Haltung bedeuten.

Marktausblick

Die wichtigsten Gründe für die umfassenden Kursanstiege können mit der vergleichsweise frühen Reaktion der Zentralbanken auf die Eintrübung des volkswirtschaftlichen Umfelds sowie dem „Waffenstillstand“ zwischen den USA und China erklärt werden. Für den Marktausblick auf des 2. Halbjahr geht es vor allem um eine Frage: Wie kräftig wird der schwache Gütersektor den Servicesektor, die Beschäftigung und die Inflation beeinflußen?

Dies wird die Gewinnentwicklung der Unternehmen maßgeblich beeinflussen. Im 4. Quartal 2018 und im 1. Quartal 2019 sind die Gewinne  geschrumpft. Solange es die Zentralbanken schaffen, das Wirtschaftswachstum etwas unter dem Potenzial zu stabilisieren und kein externer Schock eintritt (Handelsstreit, „harter“ Brexit, Krieg mit dem Iran), bleibt der Ausblick vorsichtig optimistisch für die risikobehafteten Wertpapierklassen (Aktien, Anleihen mit höherem Kreditrisiko, Unternehmensanleihen). Mit einer Fortsetzung der überdurchschnittlichen Kursanstiege sollte jedoch nicht gerechnet werden.


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Mercosur: Größte Freihandelszone der Welt umstritten

Der G20-Gipfel startete Ende Juni unter schwierigen Vorzeichen: Die USA und China hatten offiziell ihre Handelsgespräche unterbrochen, der Konflikt um das Atomabkommen mit dem Iran war zuletzt erneut eskaliert und rund um den Brexit blieben weiterhin viele Fragen ungeklärt.

Noch selten dürfte sich die Gruppe der 20 wichtigsten Industriestaaten und mit ihr die Weltwirtschaft mit so vielen schweren Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert gesehen haben. Nicht nur Anleger blickten daher erwartungsvoll auf den Auftakt des Treffens im japanischen Osaka.

EU und Mercosur: Positive Überraschung in angespanntem Umfeld

Und tatsächlich startete das Wochenende mit einem Durchbruch. Doch die Nachricht, die den Kreis aus Protektionismus und Unsicherheit durchbrechen sollte, kam nicht aus Japan, sondern aus Brüssel und Buenos Aires:

Die Europäische Union und der südamerikanische Staatenbund Mercosur meldeten die Schaffung der größten Freihandelszone der Welt. Nach Verhandlungen, die sich über 20 Jahre gezogen hatten, erzielte man nun eine politische Einigung über den Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen. Der scheidende EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach von einem „historischen Moment“.

Das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay soll den Warenaustausch stärken und Unternehmen Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe bringen. Die EU-Kommission schätzt, dass das vereinbarte Abkommen europäischen Unternehmen 4 Milliarden Euro an Zöllen ersparen wird.

Potenzial an Waren- und Kapitalmärkten

Die Exporte von Unternehmen aus der EU in die vier Mercosur-Staaten beliefen sich Daten der Kommission zufolge 2018 auf rund 45 Milliarden Euro, in die andere Richtung waren es Ausfuhren im Wert von 42,6 Milliarden Euro. Für die lateinamerikanischen Staaten ist die EU bereits der wichtigste Handels- und Investmentpartner. Mercosur exportiert vor allem Nahrungsmittel, Getränke und Tabak in die EU.

Von dort gehen wiederum vor allem Maschinen, Transportausrüstungen sowie Chemikalien und pharmazeutische Produkte nach Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Auch am Kapitalmarkt stehen die beiden Regionen in regem Austausch.

Das kumulierte Volumen von Kapital aus der EU stieg von 130 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 381 Milliarden Euro im Jahr 2017. Umgekehrt hielten Investoren aus den Mercosur-Staaten im Jahr 2017 Beteiligungen im Wert von 52 Milliarden Euro in der EU.

Mercosur

Nächste Schritte und Skepsis

Bereits kurz nach Bekanntwerden der „historischen“ Vereinbarung  zeichnete sich Widerstand dagegen ab. Denn während sich Branchen wie die Autoindustrie mit den vorgesehenen Veränderungen zufrieden zeigten, fürchten beispielsweise Landwirte verschärfte Konkurrenz durch Rindfleisch, Geflügel und Zucker aus Südamerika.

Dort gelten schwächere Vorgaben beim Umwelt- Klima- und Pflanzenschutz und beim Einsatz von Antibiotika, was auch Konsumenten- und Umweltschützer auf den Plan rief: „Frankreich ist derzeit nicht bereit, das Abkommen zu ratifizieren“, sagte eine Regierungssprecherin in der Vorwoche im französischen Rundfunk.

Bevor das Abkommen umgesetzt werden kann, müssen unter anderem alle Mitgliedsstaaten der EU sowie das EU-Parlament dem Vertrag zustimmen. Und dafür wird es wohl noch Nachverhandlungen  und zusätzliche Vereinbarungen in einigen Bereichen brauchen. Die größte Freihandelszone der Welt ist also noch nicht am Ziel. Der Meilenstein ihrer Vereinbarung kann jedoch als positives Signal in einem konfliktreichen Umfeld gesehen werden.


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Die Türkei nach dem Oppositionserfolg in Istanbul

In der Türkei herrscht Aufbruch-Stimmung. Nach dem Sieg des Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu bei den Bürgermeisterwahlen in Istanbul macht sich Hoffnung breit, dass das Land bald aus dem wirtschaftlichen Tief tauchen könnte. Die  Börse reagierte positiv und auch die Lira gewann etwas an Stärke. Alexandre Dimitrov, Fondsmanager des ESPA STOCK ISTANBUL, erläutert die Chancen der Türkei auf einen wirtschaftlichen Turnaround.

Wie werten Sie den Wahlerfolg des Oppositionskandidaten in Istanbul?

Es ist positiv, dass die regierende AKP und Präsident Erdogan das Ergebnis anerkennen. Politische Lockerungen sind vorerst dennoch nicht zu erwarten. Trotzdem ist der Sieg der Opposition in der größten türkischen Stadt mit mehr als 10 Millionen Wahlberechtigten ein deutliches Zeichen. Die AKP-Partei ist eigentlich eine wirtschafts- und investorenfreundliche Partei. Ihre Mitglieder beziehungsweise führende Parteifunktionäre dürften die Regierung und Präsident Erdogan nun bedrängen, zu dieser Politik zurückzukehren. Und Imamoglu (Name bedeutet „Sohn eines Imams“) ist eigentlich konservativ, ein Familienmitglied (ursprünglich stand hier „Frau“; die Red.) trägt Kopftuch. Worum es jetzt geht, ist die Rückgewinnung von Vertrauen. Und das geht nur Schritt für Schritt.

Doch gewisse politische Risiken sind latent, wenn man auch an den Konflikt mit den USA wegen des beabsichtigten Kaufs des Raketenabwehrsystems S-400 von den Russen denkt?

Das ist sicherlich ein weiteres Risiko. Mögliche US-Sanktionen stehen im Raum. Doch die Türkei ist ein wichtiger Nato-Partner. Die ersten Lieferungen werden im Juli erwartet. Als mögliche Sanktion könnten die USA die Beteiligung der Türkei an US-Kampfjets F-35 blockieren. Das Land könnte von der gemeinsamen Produktion ausgeschlossen werden. (Quelle: Spiegel online).

Wie gut oder besser gesagt schlecht geht es der türkischen Wirtschaft?

Die Stimmung ist positiver als zu Beginn des Jahres. Das Unternehmervertrauen ist im Juni wieder gestiegen (Turkey Confidence Index Real Sector). Die Kapazitätsauslastung stieg auf das höchste Niveau seit September 2018 (Quelle: Bloomberg). Dennoch wird für 2019 noch ein negatives Wachstum von 1,5 Prozent erwartet.

Das Außenhandelsdefizit ging rückgerechnet zum April des Vorjahres um 66 Prozent zurück, während die Exporte um 7 Prozent stiegen und die Importe um 14 Prozent schrumpfte. (Quelle: Bloomberg). Die Umsätze des Service-Sektors stiegen um 30 Prozent. Im Tourismus sehen wir heuer eine zweistellige Wachstumsrate. Wegen der in den letzten Jahren stark gefallenen Währung ist die beliebte Urlaubsdestination Türkei billiger geworden.

Die Wirtschaft der Türkei ist auf Rohstoffimporte angewiesen. Infolge der Lira-Schwäche verteuerten sich die Preise für Waren und Investitionen aus dem Ausland. Auch fiel es dem Staat und den Unternehmen zunehmend schwerer, ihre in Dollar aufgenommen Schulden zu bedienen. Das beginnt sich jetzt zaghaft zu ändern.

„Es geht um die Rückgewinnung von Vertrauen. Und das geht nur Schritt für Schritt.“
Alexandre Dimitrov, Fondsmanager ESPA STOCK ISTANBUL

 Was müsste die Regierung nun tun, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen?

Das ist nicht allzu schwierig. Sie muss wieder eine solide Finanzpolitik betreiben und so das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen. Auch muss klar sein, dass die Notenbank unabhängig agiert und sie verantwortungsvoll handelt. Bis die Glaubwürdigkeit wieder hergestellt ist und ausländische Kapitalzuflüsse wieder zunehmen, wird es noch eine Zeit dauern. Aber wir dürfen nicht außer Acht lassen: in der Türkei leben 80 Millionen Menschen und die sind überwiegend jung und konsumfreudig.

Wie hat die Börse in den vergangenen Jahren auf die latenten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten reagiert?

Mit einem Minus von 42 Prozent auf Sicht von 5Jahren zählt der türkische Aktienmarkt noch weltweit zu den schwächsten. Dazu ins Bild passt die Schwäche der Währung. Seit Anfang 2018 hat die türkische Lira 53 Prozent gegenüber dem Dollar verloren (Stand: 30.6.2019, Quelle Bloomberg) die türkische Notenbank hat eindeutig zu spät und zu zögerlich reagiert. Erst als die Inflationsrate im vergangenen Jahr auf 24 Prozent gestiegen war, wurde der Leitzins erhöht.

CHART: ENTWICKLUNG BÖRSE ISTANBUL UND WÄHRUNG

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einstieg in türkische Aktien?           

Das ist jedenfalls die beste Kaufgelegenheit seit fünf Jahren. Mit einem durchschnittlichen Gewinnverhältnis von 6,8 (bezogen auf die Gewinnerwartungen 2019, Quelle: Bloomberg) sind die Bewertungen extrem günstig. Türkische Aktien handeln mit einem 50-prozentigen Abschlag zu anderen Börsen der Schwellenländer (Quelle: Bloomberg, Stand 30.6.2019). Nur Russland ist billiger. Und die Inflation fiel Ende Mai auf 18,7 Prozent. Damit hat sich auch die Währung etwas stabilisiert. Die Türkei hat eine gut laufende Industrie. Alle Sektoren, die mit Exporten zu tun haben, stehen gut da.

Wie sind Sie in Ihrem Fonds ESPA STOCK ISTANBUL positioniert?

Wir investieren im Moment bevorzugt in Rohstoff-Unternehmen und exportlastige Unternehmen. Es gibt in der Türkei hochinteressante Unternehmen, die hervorragend gemanagt werden: z.B. der Haushaltsgerätehersteller Arçelik oder der Flughafenbetreiber TAV Airports. Vorsichtig sind wir bei Finanztiteln, d.h. bei Banken und Immoblien-Unternehmen.


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Kann Indien aus Chinas Schatten treten?

von Agne Loibl, Fund Managerin der Erste Asset Management.

Seit mehreren Jahren ist Indien eine der schnellst wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Im Wirtschaftsvergleich mit dem Schwergewicht China in den Emerging Markets lässt sich seit 2015 ein höheres Wachstum beobachten. Allgemein wird erwartet, dass Indien auch in den kommenden Jahren sein Wachstum bei 7% halten kann, während sich bei China eine Abschwächung auf unter 6% abzeichnet.

IndienQuelle: Bloomberg; Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Im Rahmen des Wahlkampfes für die im Frühjahr abgehaltenen Parlamentswahlen wurden die wirtschaftlichen Erwartungen des Landes in einem globalen Vergleich deutlich gemacht: Der damals amtierende Finanzminister des Landes prognostizierte den Aufstieg Indiens bis 2030 zur drittgrößten Wirtschaftsnation (mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 10Billionen USD) hinter den USA und China. Die hohen Erwartungen ziehen Investoren aus aller Welt an, der Aktienmarkt in Bombay boomt. Aber kann die Volkswirtschaft die hohen Erwartungen auch erfüllen oder wird Indien der sogenannte „ewige Hoffnungsträger“ bleiben? Eine der größten Herausforderungen Indiens besteht in der Schaffung von vorteilhaften wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der föderale Staatsaufbau begünstigte historisch die Entstehung von unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – jeder Bundesstaat hat eigene Gesetze und eine eigene Wirtschaftspolitik. Diese unterschiedlichen Gesetze in Kombination mit einer starken Überregulierung des privatwirtschaftlichen Sektors und hoher Bürokratie schreckten Investoren ab. China hingegen investierte in Infrastruktur und das Land kontrolliert Schritt für Schritt in Richtung Marktwirtschaft. Die Konsequenz könnte kaum deutlicher sein: Während vor rund 30 Jahren China und Indien ein ähnliches BIP / Einwohner aufwiesen, ist jenes von China heute rund dreieinhalbmal so groß.

IndienQuelle: Weltbank Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Genau diese Tatsache erhob Nanedra Modi zum Kernpunkt seines Wahlkampfes für die Parlamentswahlen im Jahr 2014. Er versprach Veränderungen mithilfe der Umsetzung von überfälligen Reformen und setzte sich für eine effiziente, wachstumsorientierte Regierungsführung ein mit dem Ziel der nationalen Vereinheitlichung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Damit traf Modi den Zeitgeist der reformwilligen Bevölkerung, und so setzte sich bei der Wahl erstmals seit 30 Jahren eine Partei mit einer absoluten Mehrheit an Parlamentssitzen durch. Seine erste Regierungsperiode 2014 – 2019 nutzte Premierminister Modi um unter dem Schlagwort „Make in India“ verbesserte Rahmenbedingungen für ein kompetitives Wirtschaftsumfeld zu schaffen.

Erleichterung der Kreditvergabe

Um den Handel über die Bundesstaaten hinweg zu erleichtern, vereinfachte und vereinheitlichte er das nationale Umsatzsteuer-System. Zahlreiche bestehende Investitionsbeschränkungen wurden aufgehoben, die rechtlichen Anforderungen zur Gründung von Unternehmen minimiert. Die Vergabe von Krediten – insbesondere durch ausländische Finanzinstitute wurde erleichtert. Eine wesentliche Unterstützung für das angeschlagene indische Bankensystem war die Einführung eines beschleunigten Insolvenzverfahrens; zuvor war die Fälligstellung und Verwertung notleidender Kredite nur sehr langsam möglich gewesen. Zusätzlich gab es für notleidende Banken staatliche Eigenkapitalzuschüsse.

Die Bekämpfung der Schattenwirtschaft, welche durch die Weltbank auf einen Anteil am BIP von rd. 20% geschätzt wurde, wurde mit einer rigorosen Demonetisierungspolitik angegangen. Dabei wurden bestimmte Banknoten (86% der im Umlauf befindlichen Geldmenge bzw. 12% des indischen BIP) für ungültig erklärt und der Umtausch stark limitiert. Auch andere Fundamentaldaten verbesserten sich signifikant: Die indische Zentralbank konnte die Inflation stabilisieren, zudem reduzierte sich das staatliche Budgetdefizit auf unter 4% des BIP.

Das Ergebnis der Reformen ist eindeutig: Im „Doing-Business-Index” der Weltbank, welcher das regulatorische Umfeld in einem Land für unternehmerisches Handeln misst, schaffte Indien binnen fünf Jahren den Sprung von Rang 134 auf Rang 77.

Die größte ökonomische Herausforderung

Eine große ökonomische Herausforderung bleibt jedoch die Arbeitslosigkeit, welche trotz des hohen Wirtschaftswachstums in den vergangenen Jahren angestiegen ist. Hier bestünden Möglichkeiten zu einer verbesserten Potenzialausnutzung im verarbeitenden Sektor. Im Gegensatz zum Dienstleistungssektor sind bei der Industrieproduktion keine hohen Wachstumsraten erkennbar. Im Zeitverlauf ist auch hier ein deutlicher Unterschied zur Entwicklung in China zu erkennen. Die Überregulierung der Privatwirtschaft wird in diesem Zusammenhang als einer der Hauptgründe für das zögerliche Wachstum in der Industrie angeführt. Vor allem größere Unternehmen sind mit umfangreichen Vorschriften konfrontiert, nachhaltiges Wachstum in der Industrieproduktion wird so deutlich erschwert.

IndienQuelle: Weltbank Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Nicht zuletzt wurde die Entwicklung der Arbeitslosenrate als eine der größten Schwächen in der ersten Amtszeit von Premierminister Modi wahrgenommen. Allen Reformbemühungen und -Umsetzungen zum Trotz entwickelte sich die Arbeitslosenrate gegenteilig und stieg an. Als Konsequenz dieser Entwicklung rechneten Beobachter vor den Parlamentswahlen im Frühjahr 2019 mit deutlichen Stimmverlusten für Premierminister Modi und seiner Bharatiya Janata Partein (BPJ). Umso überraschender fiel das Wahlergebnis aus: Premierminister Modi konnte nicht nur die absolute Mehrheit im Parlament verteidigen, sondern auch zusätzliche Parlamentssitze erlangen.

Land-Reform und Modernisierung

Es wird erwartet, dass die zweite Amtszeit von Premierminister Modi den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Industrieproduktion legen wird. Dieser Bereich umfasst neben einer Modernisierung der (teilweise prohibitiven) Arbeitsmarktgesetze insbesondere auch die sog. Land-Reform, welche den Erwerb von Grundstücken für die Errichtung von Industrieanlagen neu regeln soll. Ein weiteres Kernstück der Reformen der zweiten Amtszeit wird die schrittweise Privatisierung von Staatsunternehmen sein. Dieser längst überfällige Schritt würde eine raschere Modernisierung von zentralen Infrastruktur-Projekten (z.B. Eisenbahnsektor) des Landes mithilfe von privaten Investoren ermöglichen. Daneben sollten auch Beschränkungen für ausländische Investoren in Bezug auf die Beteiligungshöhe an Unternehmen in ausgewählten Sektoren reduziert werden.

Vieles deutet darauf hin, dass der Wille zu tiefgreifenden Reformen in Regierung und Gesellschaft gleichermaßen vorhanden ist. Der politische Rahmen erscheint nicht zuletzt aufgrund der parlamentarischen Mehrheitsverteilung günstig und somit könnten auch gesellschaftlich umstrittene Reformen umgesetzt werden. Wenn externe Faktoren wie die Entwicklung des Öl-Preises sowie der Wechselkurs zum US Dollar keine nachteilige Entwicklung zeigen, hätte Indien realistische Chancen den Status als „ewigen Hoffnungsträgers“ abzuschütten und sich global als starke Volkswirtschaft zu etablieren.

Wie wird die Liberalisierung des Kapitalmarktes genutzt?

Seit der Liberalisierung des indischen Kapitalmarktes nutzen immer mehr Unternehmen die Möglichkeit zu internationalen Emissionen. Dabei werden nicht nur „klassische“ Unternehmensanleihen begeben sondern auch Wandelanleihen in Euro und US Dollar. Obwohl Staatsanleihen den indischen Bond-Markt immer noch stark dominieren, wird der Anteil von Unternehmensanleihen immer größer. Im Hartwährungs-Unternehmensanleihen-Index von J.P.Morgan hält Indien derzeit einen Anteil von 4,5%, wovon mehr als 65% der inkludierten Anleihen über ein Investment Grade-Rating verfügen. Generell ist die Liquidität der Anleihen sehr gut und ermöglicht ein aktives Management der Investments. Zusätzlich bietet Indien aktuell einen  Aufschlag in der Bewertung (höheren Risikoaufschlag) gegenüber vergleichbaren Unternehmen in China und anderen asiatischen Ländern. In kommenden Jahren ist daher nicht nur von einem wachsenden (Emissions-)Markt auszugehen sondern auch von weiterhin interessanten Investmentmöglichkeiten.


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Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Indien-Wahl: Regierung gestärkt für anstehende Herausforderungen

Indien gilt als die größte Demokratie der Welt. Die Wahlen zum nationalen Parlament im Mai lieferten neben weiteren Superlativen ein überraschendes Ergebnis: Mit rund 67 Prozent der insgesamt an die 900 Millionen Wahlberechtigten fiel die Wahlbeteiligung so hoch aus wie noch nie. Der haushohe Sieger des Wahlgangs war die Regierungspartei BJP und vor allem der amtierende Premierminister Narendra Modi. Die „Partei des indischen Volkes“ hat dabei eine beträchtliche Mehrheit von 303 der 545 Sitze im Unterhaus des Parlaments gewonnen. Obwohl einiges dagegen sprach, schnitt die Regierungspartei damit wesentlich besser ab als bei der vorangegangenen Parlamentswahl im Jahr 2014. Damals hatte sie mit 282 Sitzen als erste Partei seit 30 Jahren eine absolute Mehrheit erreicht.

Indien-Wahl

Bei den drei letzten Regionalwahlen vor der heurigen nationalen Parlamentswahl hatte Modi deutliche Verluste erlitten. Umfragen ließen bis zuletzt keinen großen Triumph seiner hindu-nationalisitischen und zunehmend als populistisch geltenden Partei erwarten. Dies lag vor allem an wirtschaftlichen Herausforderungen. Modi hatte Millionen neuer Arbeitsplätze versprochen und dieses Versprechen nicht einlösen können. Der nunmehrige Erfolg wird vor allem auf das Thema Sicherheit zurückgeführt, das mit Konflikten – etwa in der Region Kaschmir – zurückführt.

Bedeutung indischer Wirtschaftspolitik über das Land hinaus 

Dennoch wird Modis Wirtschaftspolitik in den 5 Jahren seiner 2. Amtszeit von besonderer Bedeutung sein und das nicht nur für Indien sondern auch für die Weltwirtschaft. Denn die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet in ihrer jüngsten Prognose (Mai) mit einem Wachstum der indischen Wirtschaft  von 7,2 Prozent im laufenden Jahr und 7,4 Prozent im Jahr 2020. Damit wird die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in Indien noch stärker eingeschätzt als für den Wachstumsmotor China (6,2 und 6,0 Prozent). Im Vergleich zur Weltwirtschaft wird Indien in den beiden Jahren mehr als doppelt so stark wachsen, prognostiziert die OECD.

Börse im Hoch

Auch während der abgelaufenen Amtszeit Narendra Modis machte die indische Wirtschaft eine überdurchschnittlich gute Figur. Der indische Aktienmarkt legte beinahe kontinuierlich zu. Anleger dürften sich mit seiner überraschend deutlichen Wiederwahl nun zufrieden gezeigt haben: In der Zeit um die Veröffentlichung des Wahlergebnisses und der erneuten Vereidigung des Premierministers verschob der Leitindex der Börse in Mumbai, Sensex 30, seinen Allzeithöchststand deutlich über die Marke von 40.000 Punkten. In den vergangenen 3 Monaten legte der Sensex um 4,5 Prozent zu und im Jahresvergleich steht er nun um gut 10,8 Prozent höher. In den letzten 5 Jahren hat der Sensex seinen Wert um mehr als die Hälfte gesteigert ((Quelle Bloomberg per 18.6.2019).

Indien-BörseHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Ein wichtiger Faktor für die starke Wirtschaftsentwicklung stellt gleichzeitig eine Herausforderung für Indien dar: Die äußerst junge Bevölkerung, die einerseits Wachstum ermöglicht und andererseits eine funktionierende Beschäftigungspolitik benötigt. Zu den inneren Risiken kommt verstärkt ein Problem, das inzwischen viele Volkswirtschaften weltweit wieder mehr zu spüren bekommen: Protektionismus.

Nach der Wahl folgten US-Zölle

Nur wenige Tage nachdem das Ergebnis der sechs Wochen dauernden Wahlen in Indien veröffentlicht worden war, strich US-Präsident Donald Trump Zollvergünstigungen beim Handel mit den USA. Ab 5. Juni erklärte Trump bisherige Sonderbehandlung Indiens im Rahmen eines Handelsprogramms für Entwicklungsländer für beendet, weil Indien den USA keinen „gerechten und angemessenen“ Zugang zu seinen Märkten gewähre, begründete Trump den Schritt.

Am Tag nach Inkrafttreten der Zölle auf indische Exporte in die USA senkte die Indische Notenbank ihren Leitzins zum dritten Mal in Folge um weitere 0,25 Prozent auf nunmehr 5,75 Prozent. Das tiefste Zinsniveau seit dem Jahr 2010 dürfte den Spielraum für die indische Wirtschaft etwas erweitern. Trotzdem werden vom „neuen alten“ Premier im Hinblick auf die Beschäftigung und die angespannte Versorgungssituation schon bald entschlossene wirtschaftspolitische Entscheidungen erwartet. An mangelnder Rückendeckung durch das Parlament sollten diese spätestens nach dem Erdrutschsieg im Mai nicht scheitern. Am vergangenen Sonntag teilte die indische Zollbehörde schließlich mit, Zölle auf 28 Produkte aus den USA teils massiv zu erhöhen.

In indische Aktien investieren

Wer an der Entwicklung von Unternehmen aus den aufstrebenden Volkswirtschaften partizipieren möchte, kann dies z.B. über Aktienfonds wie den ESPA STOCK GLOBAL EMERGING MARKETS tun. Das veranlagte Kapital ist auf unterschiedliche Regionen, Unternehmen und Sektoren verteilt. Börsennotierte Unternehmen aus Indien sind aktuell zu 10 Prozent in diesem Fonds gewichtet. Im Vergleich zu anderen Anlageklassen muss man größere Preisschwankungen berücksichtigen.


Indien-Wahl

Wichtige rechtliche Hinweise

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„Charts zeigen nicht die Zukunft. Sie erzählen Geschichten”

von Peter Szopo, Chief Equity Strategist der Erste Asset Management.

Die Vereinigten Staaten und Europa sind die zwei wichtigsten Aktienmärkte weltweit. Zusammen entfallen auf sie mehr als 80% der Marktkapitalisierung der entwickelten Welt. Im Folgenden präsentieren wir 6 Charts über den europäischen und den US-Aktienmarkt, die die Performance der Märkte, die Sektorenzusammensetzung, die Gewinnentwicklung und die Bewertung vergleichen – mit dem Ziel, die langfristig schwächere Entwicklung europäischer Aktien im Vergleich mit US-amerikanischen zu beleuchten.

Die Geschichte dieser Charts erzählt, dass die langfristige Underperformance europäischer Aktien aus einer Kombination struktureller und zyklischer Faktoren resultiert. Letztere, vor allem Gewinn- und Bewertungstrends, könnten europäischen Aktien im Verlauf des Jahres zu einem Aufschwung relativ zu US-Aktien verhelfen. Eine nachhaltige Drehung der relativen europäischen Performance bedürfte hingegen Änderungen im allgemeinen wirtschaftlichen Umfeld, wie z.B. eine Verlangsamung des unaufhaltsamen Wachstums des Technologie-Sektors und eine Erholung des geschwächten europäischen Bankensektors. Ob das in absehbarer Zeit eintreten wird, ist allerdings unsicher – denn wie der Titel dieses Blogs (eine Paraphrase eines Zitats des Ungeheuers Shrek¹) postuliert: Charts sagen uns nichts über die Zukunft.

Die traurige Performance Europas

Der europäische Aktienmarkt hinkt in seiner Performance über 30J, 20J, 10J und 5J dem US-Markt hinterher. Seit der Finanzkrise hat sich dieser Trend beschleunigt: seit 2007 hat der Stoxx600 relativ zum S&P 500 beinahe 40% eingebüßt (in Lokalwährung inklusive Dividenden).

Aktienmarkt* J-07 = Juli 2007, 0-07 = Oktober 2007, …

Die Sektorstruktur hat nicht geholfen

Einer der Gründe für Europas Underperformance ist die unterschiedliche Sektorstruktur der beiden Märkte. In den USA ist Informationstechnologie (IT) der größte Sektor, der überdies in den vergangenen zehn Jahren zu den Sektoren mit der besten Performance zählte. Mit über 20% ist seine Gewichtung vier Mal höher als in Europa. Hingegen hat in Europa der Finanzsektor den höchsten Anteil (>17% oder 4,3 Prozentpunkte über den USA), der im vergangenen Jahrzehnt bestenfalls eine mittelmäßige Performance aufwies.

Aktienmärkte EN=Energy, MT=Metals, IN=Industry, CS=Consumer staples,, CD= Consumer discretionary, CD=Consumer durables, HC=Health care, IT=Information Technology, UT=Utilities, RE= Real Estate, FN= Financials

Insgesamt verzeichneten jene Sektoren, die vor einem Jahrzehnt in Europa geringer gewichtet waren als in den USA, eine bessere Performance als der breite Markt, während jene, die in Europa vergleichsweise übergewichtet waren – neben Finanzwerten noch Versorger und Telekommunikation – eine schlechtere Entwicklung als der Markt aufwiesen. Dies zeigen die nachfolgenden zwei Charts: der linke Chart verdeutlicht, dass zwischen der Sektorgewichtung und der Performance in Europa eine negative Beziehung bestand, während – wie der rechte Chart zeigt – in den USA das Gegenteil der Fall war. In etwa die Hälfte der Underperformance Europas über diese Periode ist auf die unterschiedliche Sektorzusammensetzung zurückzuführen.

Sektorengewichtung vs. relative Performance

Quellen: Bloomberg; Erste Asset Management. Hinweise: X-Achsen: Differenz in MSCI-Sektorengewichtungen Europa und USA. Y-Achse: Performance der MSCI-Sektoren in Europa (USA) relativ zum Lokalindex. EN=Energy, MT=Metals, IN=Industry, CS=Consumer staples,, CD= Consumer discretionary, CD=Consumer durables, HC=Health care, IT=Information Technology, UT=Utilities, RE= Real Estate, FN= Financials

Wachstum in den USA, Value in Europa

Ein weiterer Unterschied zwischen den Aktienmärkten in den USA und Europa ist die jeweilige Faktorausrichtung. Dies ist, wie oben beschrieben, zum Teil auf die Sektorstruktur zurückzuführen, liegt aber auch an Unternehmensspezifika in den jeweiligen Sektoren. Der nachfolgende Chart verdeutlicht, dass die relative Performance von europäischen und US-Aktienmärkten eng mit dem Value/Growth-Zyklus in Verbindung steht, der seit mehr als einem Jahrzehnt wenig günstig für europäische Aktien verlief.

Aktienmärkte * J-01 = Jänner 2001, A-02 = April 02, J-03 = Juli 2003 0-04 = Oktober 2004, …

Unternehmensgewinne: Europa liegt zurück

Unternehmensgewinne sind eine weitere zentrale Erklärung für die matte relative Performance europäischer Aktien. Die im Vergleich zur USA langsame Erholung Europas nach der Finanzkrise drückte auf das Wachstum im Unternehmenssektor. Von 2009 bis 2018 war das jährliche Umsatzwachstum in Europa beinahe drei Prozentpunkte niedriger als in den USA (1,5% vs. 4,4%). Darüber hinaus zeigten die operativen Margen in den USA einen Aufwärtstrend, während sie sich in Europa seitwärts bewegten. Als Konsequenz war das jährliche Gewinnwachstum in Europa fünf Prozentpunkte niedriger als in den USA. Wenig überraschend lagen daher die Gewinnerwartungen in Europa meist unter jenen in den USA, was auch in der relativen Index-Performance zum Vorschein kommt (siehe nachfolgenden Chart).

Aktienmärkte * A-09 = April 2009, J-10 = Juli 2010, 0-10 = Oktober 2010, J-11 = Jänner 2011 …

Bewertungsabschlag

Seit Mitte der 2000er Jahre (der längste Zeitraum, für den wir über Daten zu Gewinnschätzungen verfügen) werden europäische Aktien durchschnittlich zu einem Abschlag im Vergleich zu US-Aktien gehandelt. Nach der Finanzkrise bewegte sich der Bewertungsabstand in einer Bandbreite von -17% bis -5%, ohne klaren Trend. Seit Q3 2018 befindet sich der Abschlag näher am oberen Ende der Bandbreite, was die Erwartungen stärkt, „mean reversion“ (also die Rückkehr zum Mittelwert) könnte zumindest zu einem vorübergehenden Aufschwung europäischer Aktien gegenüber dem US-Markt führen. ²

Aktienmärkte M-09 = Mai 09, N-09 = November 2009, …


1) „Man kann aus den Sternen nicht die Zukunft lesen, Esel, sie erzählen Geschichten.“
2) Anzumerken ist, dass der Bewertungsabstand auch die Unterschiede in der Sektorenzusammensetzung widerspiegelt. Dabei könnte man argumentieren, dass Europa künstlich unterbewertet aussieht, weil „billigere“ Sektoren wie Finanzwerte höher gewichtet sind. Allerdings birgt die Bereinigung um den Sektoreneinfluss diverse Risiken, und ein genauerer Blick auf die Sektor-Multiplikatoren verdeutlicht, dass die Unterbewertung Europas eine relativ robuste Tatsache darstellt.

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USA drängen Japan auf raschen Abschluss eines Handelsabkommens

Japan steht derzeit gleich auf mehreren Ebenen im Bann der Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Einerseits spürt die stark exportabhängige japanische Volkswirtschaft die Auswirkungen des Handelskonflikts der USA mit China, zudem verhandelt Japan derzeit selbst seine Handelsbeziehungen mit den USA. Präsident Trump hatte Japan nach seinem jüngsten Staatsbesuch in dem Land auf ein rasches Zustandekommen eines Handelsdeals gedrängt.

Erklärtes Ziel der Verhandlungen ist ein Freihandelsabkommen der beiden Länder und ein Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen. Trump stößt sich aber an Japans großem Überschuss im Handel mit den USA und will dieses Ungleichgewicht in den Verhandlungen korrigieren. Die USA hatten 2018 ein Handelsdefizit mit Japan in Höhe von rund 67,6 Milliarden US-Dollar.

JapanHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Freihandelsabkommen angestrebt

Um gegenzusteuern fordert der US-Präsident, dass Japan seinen Markt stärker für US-Produkte, etwa für landwirtschaftliche Güter, öffnet. Der Überschuss resultiert aber zu einem großen Teil auch aus Japans Autoexporten in die USA. Daher erwägt die US-Regierung zusätzliche Importzölle auf japanische Autos, eine Maßnahme die Japan unbedingt vermeiden möchte. Bei diesem Punkt dürften die Verhandlungspartner noch weit auseinanderliegen.

Auch Japans Geldpolitik stand in der Vergangenheit wiederholt in der Kritik. Japan wird vorgeworfen, den Kurs des Yen durch eine ultra-lockere Geldpolitik niedrig zu halten um seine Produkte im Ausland günstiger zu halten und seine Exportchancen zu verbessern. Um die Wirtschaft zu stützten hält die Notenbank ihre Zinsen schon lange bei praktisch null, und versucht zudem durch Käufe von Staatsanleihen auch die Renditen am Kapitalmarkt bei der Null-Linie zu halten.

Angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten will Japans Notenbank noch mindestens ein Jahr an den sehr niedrigen Zinsen festhalten, wie die Währungshüter nach ihrer geldpolitischen Sitzung Ende April mitteilten. Denn Japan wird auch vom Handelsstreit der USA mit China in Mitleidenschaft gezogen und spürt die Nachfrageschwäche aus China, aber auch die Beeinträchtigung von Lieferketten.

Japans Wirtschaft zuletzt trotz Exportrückgang überraschend stark

So haben Japans Unternehmen im April den fünften Monat in Folge weniger Waren im Ausland verkauft. Die Exporte fielen um 2,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahr, wie Japans Finanzministerium mitteilte. Die Ausfuhren nach China sind sogar noch stärker um 6,4 Prozent gefallen, wie aus der offiziellen Statistik hervorgeht. (Quelle: Japanisches Finanzministerium)

Auf Japans Wirtschaftsleistung haben sich die schwächelnden Exporte noch nicht niedergeschlagen. Der Exportrückgang wurde dabei zuletzt durch einen noch stärkeren Einbruch der Importe ausgeglichen. So ist Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um überraschend starke 2,1 Prozent gewachsen. Analysten hatten im Vorfeld im Mittel ein Minus von 0,2 Prozent erwartet. Ende 2018 war Japans Wirtschaftsleistung noch um 1,6 Prozent gewachsen.

Experten warnen aber vor einem drohenden Konjunkturabschwung. „Die Konjunktur hat bereits ihren Höhepunkt hinter sich“, sagte etwa der Chefvolkswirt des Instituts Tokai Tokyo, Hiroaki Muto. Der Ökonom stellt sich auf eine mögliche leichte Rezession ein. Viele Experten erwarten daher, dass Ministerpräsident Shinzo Abe die für Oktober angekündigte Anhebung der Mehrwertsteuer von acht auf zehn Prozent verschieben dürfte.


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Technologie-Aktienrallye: USA sind das „Maß der Dinge“

von Bernhard Ruttenstorfer, Fondsmanager der ESPA STOCK TECHNO.

Nach einem kräftigen Rücksetzer im Dezember 2018 feierten Technologie-Aktien in den ersten vier Monaten dieses Jahres ein fulminantes Comeback. Börsengänge wie jene der Fahrdienstanbieter Uber und Lyft sowie des Online-Grafik-Anbieters Pinterest sorgten für mediale Aufmerksamkeit. Auch die Gewinne der meisten Technologie-Unternehmen entsprachen den Erwartungen oder lagen darüber. Was waren die Gründe für den neuerlichen Kursaufschwung? Wovon profitiert der Technologie-Sektor und welche Perspektiven haben Anlegerinnen und Anleger? Darüber sprachen wir mit Bernhard Ruttenstorfer, Senior Fondsmanager ESPA STOCK TECHNO.

Worauf führen Sie die starken Kursanstiege im Jahr 2019 zurück?

Die Rallye im 1. Quartal war vor allem eine Folge der übertriebenen Kursrückgänge im 4. Quartal. Damals kam es zu einem irrationalen Abverkauf. Investoren nützen die günstigere Preisbasis um Aktien-Positionen im Technologie-Sektor aufzubauen bzw. aufzustocken. Dahinter steht natürlich eine positive Erwartung an die Geschäftsaussichten. Der Markt geht davon aus, dass sich die Geschäftsentwicklung der Unternehmen ab 2020 wieder deutlich verbessert. Die Kurse nehmen das jetzt schon weg. Die für das 1. Quartal gemeldeten Gewinne der Unternehmen konnten die Erwartungen mehrheitlich erfüllen oder wurden sogar übertroffen. Vor allem Unternehmen aus dem Software-Segment überzeugten. 2019 kann man als Übergangsjahr betrachten – mit geringfügigen Gewinnsteigerungen.

Sind die Aktien jetzt überbewertet bzw. sehen Sie weiteres Potenzial?

Ein Kursanstieg von rund 20 Prozent (Quelle: Reuters auf Basis eines weltweiten Technologie-Aktienindex) in wenigen Monaten schlägt sich natürlich in der Bewertung nieder. Doch hier muss man schon unterscheiden: Es gibt natürlich Segmente mit sehr ambitionierten Bewertungen wie z.B. bei gewissen Anbietern von Cloud-Software und Anbietern mobiler Zahlungsdienste. Bei den Letztgenannten sind die Bewertungen größtenteils gerechtfertigt, weil der Markt deutlich wächst und die Unternehmen profitabel wirtschaften mit relativ geringen Gewinnschwankungen. Wir sprechen hier von Unternehmen wie Paypal, Mastercard oder Visa. Sie sind die strukturellen Gewinner im Zahlungsverkehr und profitieren von einem geänderten Konsumverhalten, der sich in mehr Kaufabwicklungen über das Internet bzw. das Handy manifestiert. Attraktiv bewertet ist der Halbleitermarkt. Hier kam es in der zweiten Jahreshälfte 2018 zu einem Nachfrage-Einbruch. Jetzt zieht der Markt wieder an, die Nachfrage erholt sich. In Summe die Bewertung im Technologie-Sektor so attraktiv, dass nichts gegen weitere Kursanstiege spricht.

TechnologieHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Welche Themen sind aussichtsreich? Welche Schwerpunkte setzen Sie bei Ihren Investitionen?

Es sind alle Innovationen, die derzeit und in Zukunft den Zyklus von Produkten, deren Produktion, Absatz und Verbreitung bis hin zum Verbraucher berühren. Siehe Box: Die Treiber des Technologie-Aktienbooms. Da geht es um Themen wie Automatisierung, das Internet of Things, künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos, mobiles Zahlen, Cyber-Security usw. Im Bereich der Software ist das Thema Auslagerung in die Cloud nach wie vor sehr wichtig, und der Video-Gaming-Bereich mit seinen gigantischen Wachstumsperspektiven – damit verbunden die Zahlungsdienste. Im ESPA STOCK TECHNO-Fonds bevorzugen wir im Moment eher die Software-Anbieter: Dort sind die Preisschwankungen nicht so groß wie bei den Halbleitern. Die Preisentwicklung der Produkte ist da einfach stabiler.

Unternehmen wie Lyft, Uber, Pinterest sind heuer bereits an die Börse gegangen? Wie sieht es mit weiteren Börsengängen von Technologie-Unternehmen aus? Wie bedeutend sind die US-Börsen?

Die USA sind der Motor der Innovationen und daher auch an der Börse das Maß der Dinge. Die bedeutendsten und größten Börsengänge finden dort statt. Dazu kommt, dass die Aktienkurse in China stärker durch den Handelskonflikt in Mitleidenschaft gezogen werden als US-Tech-Unternehmen. Ein Beispiel dafür ist die Verbannung von Huawei auf eine schwarze Liste, die die Börsen am falschen Fuß erwischte. Was das bedeutet: US-Unternehmen können keine Produkte mehr an Huawei liefern. Das ist natürlich ein Bremsfaktor und schlecht für beide Konfliktparteien. Ich bin überzeugt, dass der Handelskrieg nur ein kurzfristiger Störfaktor sein wird. Er ändert nichts an dem radikalen Wandel bei Unternehmen und Konsumenten (durch die virtuelle Realität). Viele Branchen müssen sich auf starke Veränderungen einrichten: vom Autohandel bis zu den Zeitungen und Zeitschriften.

ESPA STOCK TECHNO – Investieren in die weltweit bedeutendsten Technologie-Unternehmen

Der ESPA STOCK TECHNO ist ein Aktienfonds, der in den bedeutendsten Technologieunternehmen weltweit investiert ist. Dabei entfallen ca. 80 Prozent auf US-Titel, sowie je 10 Prozent auf europäische und  japanische Aktien. Die Währungen werden gegenüber dem Euro nicht abgesichert. Der Fonds eignet sich als Beimischung zu einem bestehenden Aktienportfolio und ist für einen langfristigen Substanzzuwachs bestimmt. Aktuell werden Software-Unternehmen bevorzugt und Speicherchips eher untergewichtet. Technologie-Aktien bergen die Chancen auf hohe Kursgewinne. Allerdings können jederzeit  deutliche Kursrückschläge eintreten. Bei einer Investition in den Fonds sollte man  zu einer höheren Risiko-Bereitschaft bereit sein bzw. mögliche Kursverluste in Kauf nehmen können.


Wichtige rechtliche Hinweise

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Country Report: Wirtschaft in Kroatien

von Ivana Kunstek, Senior Fund Manager der Erste Asset Management Croatia.

Meine Damen und Herren, Kroatiens Wirtschaft fährt offiziell unter vollen Segeln! Kroatien hat endlich das lang erwartete Investment-Grade-Rating erhalten, damit werden Anleihen mit guter bis sehr guter Bonität zusammengefasst. Zufälliger Weise (oder nicht) von derselben Agentur, die es zunächst vor sieben Jahren verweigerte. Zugegeben, die Reaktion darauf war im Land selbst recht verhalten (im Gegensatz zu jener, als Kroatien das Finale der Fußball-WM erreicht hatte!) – laut internen Schätzungen wurde nicht ein einziges Bier pro Kopf aufgrund der Rating-Nachricht geleert.

Dies kommt nicht ganz überraschend, zumal die unerträgliche Leichtigkeit des Seins und der Mangel an Kenntnissen im Bereich makroökonomischer Daten nach wie vor feste Grundpfeiler dieses Landes sind. Es besteht kein Zweifel, dass die neuesten Trends vielversprechend aussehen – doch haben wir tatsächliche Fortschritte gemacht, oder ist Kroatien nur ein Kollateralprofiteur von positiven äußeren Umständen, wie einige Analysten es behaupten?

Die Wirtschaft in Kroatien: Pro

Die Märkte sind seit jeher den Rating-Agenturen voraus. Wenn man sich die kroatische Anleihenrendite ansieht, so war die jüngste Rating-Heraufstufung ein perfekt vorgezeichnetes und erwartbares Szenario. Fiskale Parameter haben sich verbessert, und obwohl der Verschuldungsgrad (Verschuldung/BIP) mit 73,3%, absolut betrachtet, nach wie vor hoch ist, wurde er in den letzten drei Jahren um 10 Prozentpunkte reduziert. Gute Makrodaten in Verbindung mit guten Marktdaten ermöglichen die Chance, den Verlauf des Verschuldungsgrads zumindest auf einem nachhaltigen Niveau zu halten. Angesichts der Tatsache, dass sich die Renditen der langfristigen Anleihen nunmehr unter der Wachstumsrate des kroatischen BIPs befinden, bestehen gute Chancen, die Verschuldungskennzahlen auf „Lehrbuch-Niveau“ zu senken.

Anhaltende Verbesserungen im Budget

KroatienHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Der stark besteuerte Inlandskonsum bleibt das Rückgrat der Erholung für die Wirtschaft in Kroatien. Es wurde von der dreistufigen Einkommenssteuerreform, die vor allem Erwerbstätige mit mittleren und hohen Einkommen betraf, zusätzlich gestärkt. Man muss allerdings sagen, dass selbige hier eher selten sind, doch ein Potenzial darstellen, mit dem die Regierung arbeiten will. Fiskalüberschüsse sind keine Seltenheit mehr, sondern eher die Regel – trotz des Sturzes des größten kroatischen Handelsunternehmens und des Umstandes, dass Staatsgarantien im Rahmen eines vor kurzem aufkommenden Problems in der Schiffswerftindustrie aktiviert werden mussten.

Im August sollten Änderungen im Körperschaftssteuergesetz schlagend werden und hoffentlich den schwächelnden und noch immer seinen Schuldenberg abbauenden Unternehmenssektor unterstützen. Gleichzeitig kommt es in den Haushalten zu ungezügelter Kreditaufnahme: das Gesamtvolumen an Konsumentenkrediten ist nur 10% vom Gesamtvolumen an Eigenheimfinanzierungen entfernt. Die steigende Durchdringung mit EU-Fonds ist ebenso positiv zu sehen, da sie das Investitionswachstum fördert und weil sie den EUR-Wechselkurs in Zaum hält und somit ein jahrelanges Aufwertungsmuster der Lokalwährung unterstützt, und zwar nur Monate, bevor Kroatien sich offiziell um die Lancierung des Wechselkursmechanismus II (ERM2-Prozess) bemühen wird.

Lokalwährung in engem Band vor Wechselkursmechanismus II( ERM2) Beitritt

KroatienHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Quelle: EAM

Letzteres sollte eine reine Formalität darstellen, da sich Kroatien bereits mit vier von fünf Kriterien (1.Kompatibilität von Rechtswesen, 2.Preisstabilität, 3.Budget und 4.Konvergenz der langfristigen Zinsen) qualifiziert – einzig 5.Währungsstabilität, steht hier noch aus. Doch diese wird auch erst dann einer Überprüfung unterzogen, wenn man offiziell um Mitgliedschaft ansucht. Die historische Zeitreihe des Wechselkurses zeigt deutlich das Bekenntnis der kroatischen Zentralbank zur Aufrechterhaltung einer engen Bandbreite von Euro / Kroatische Kuna, wenngleich mit Anzeichen saisonaler Volatilität (bei der wir von keiner Änderung in der nahen Zukunft ausgehen).

Die Wirtschaft in Kroatien: Contra

Analysten warnen davor, dass all dies möglicherweise nicht reichen könnte. Dazu ist zu sagen: Kroatien ist tatsächlich in seiner Vergleichsgruppe eher ein Nachzügler (ungeachtet etwaiger Excel-Fähigkeiten).

Ein verlorenes Jahrzehnt?

KroatienHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Quelle: EAM

Es stimmt, dass unser BIP auf normierter Basis noch immer nicht das Niveau von vor zehn Jahren erreicht hat. Und, dass wir Glück haben, dass unsere Haupthandelspartner wirtschaftlich gut dastehen und unsere Flaggschiff-Industrie, der für 20% des BIPs verantwortlich zeichnende Tourismus, den Trend mitgemacht hat. Es ist auch korrekt, dass die beachtliche Emigration die pro-Kopf-Zahlen nach oben verzerrt. Ohne Zweifel hätte man mehr tun sollen, und es ist klar, dass der Versuch der Regierung, alle Verdienste für sich in Anspruch zu nehmen, mit dem gesunden Menschenverstand nicht in Einklang zu bringen ist (und dass er auch von schlechtem Geschmack zeugt).

Aber es stimmt auch, dass vieles anders gemacht hätte werden können, was wahrscheinlich zu einer schlechteren Situation als der derzeitigen geführt hätte. Einige uns vergleichbare Staaten haben sich zu einer großangelegten Pensionsreform entschieden. Kroatien hat dies nicht getan. Die von Pensionsfonds gehaltenen Staatsanleihen machen beinahe 25% der Staatsschuld aus. Die Verbringung dieser Aktiva in die Erste Säule bei gleichzeitiger Sterilisierung hätte sich jederzeit positiv auf die Verschuldungskennzahlen ausgewirkt. Obwohl diese Idee im Raum stand, verschwand sie erstaunlicher Weise wieder in der Lade, aus der sie gekommen war.

Pensionsfonds widerstehen wundersamer Weise der Verlockung fiskalischer Anreize

KroatienHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Fazit

Es ist zu konstatieren, dass uns ein weiteres gutes Jahr bevorsteht. Ja, unser Fortschritt ist ein langsamer, und ja, es hätte besser gemacht werden können. Doch das sind versunkene Kosten. Wir sehen Aufwärtspotenzial in unserem Fondsvermögen (jenseits von EUR 800 Mio.), die Immobilienpreise erholen sich, Haushalte nehmen Kredite, und das globale Umfeld erzeigt positives Momentum für zukünftige Fremdkapitalemissionen. Sollte Fitch im Juni zu einem ähnlichen Urteil wie S&P Global Ratings kommen, so könnte dies zusätzlichen Schwung verleihen und einen großartigen Sommer einläuten. Bleiben Sie dran!


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Transformationsprozess in China

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste AM.

Der Aufstieg von China ist eine Erfolgsstory. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes in den vergangenen 38 Jahren beträgt beeindruckende 10%. Mittlerweile ist China mit knapp 16% Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Begleitet wurde der wirtschaftliche Aufstieg von China von einem enormen Zugewinn an Bedeutung in den Bereichen Technologie, Geopolitik und Militär. Kann diese Erfolgsgeschichte eine Fortsetzung finden?

Transformationsprozess in China

Eine wichtige Maßzahl für den Entwicklungsstand einer Volkswirtschaft ist das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bereinigt um die Kaufkraftunterschiede. Hier hat China im vergangenen Jahr mit rund 18000 US-Dollar pro Kopf eine wichtige Marke erreicht. Der Wert beträgt knapp 29% des Entwicklungsstandes in den USA (rund 62000 US Dollar Volkseinkommen pro Einwohner). Auf diesem Niveau besteht im Allgemeinen für eine Volkswirtschaft das Risiko, in eine Stagnationsphase zu fallen (Middle-Income-Trap).

Das Modell „hohes Wachstum durch Kapitalakkumulation“ kann nicht mehr gehalten werden. Die Infrastruktur (Städte, Schienen, Häfen, Internet) ist hergestellt. Schlussendlich ist die wohl wichtigste Schlüsselgröße um das Entwicklungspotenzial einer Volkswirtschaft einzuschätzen die Produktivität. Schätzungen zufolge liegt das durchschnittliche jährliche Produktivitätswachstum (Total Factor Productivity) bei rund 3%.

Um sicherzustellen, dass dieser vergleichsweise hohe Wert Bestand hält, hat die chinesische Wirtschaftspolitik mittlerweile einen (weiteren) Transformationsprozess mit großen Ambitionen eingeleitet. Grob gesprochen geht es um die strategische Umstellung von Quantität (hohes Wachstum durch Kapitalakkumulation) auf die Qualität (mehr Wertschöpfung durch Innovation und technologischen Wandel):

  • Der Wachstumsfokus wurde vom Produktions- auf den Servicesektor, von den Investitionen auf den Konsum und vom externen Sektor auf die Inlandswirtschaft gelenkt.
  • Die Strategie „Made in China 2025“ oder MIC2025 ist eine Blaupause für die Verbesserung der Wertschöpfung in wichtigen Sektoren der Industrie mit dem Ziel in rund 30 Technologiesektoren die Führerschaft zu erreichen. Zudem soll in der Hochtechnologie ein größerer Anteil im Inland hergestellt werden (zum Beispiel bei Halbleitern). Darüber hinaus soll bis 2030 die Technologieführerschaft in dem Schlüsselsektor Künstliche Intelligenz erreicht werden.
  • Die Neue Seidenstraße („Belt and Road Initiative“) ist ein Sammelsurium an unterschiedlichen Investitionsprojekten außerhalb Chinas mit Ziel der Integration Eurasiens und Afrika mit China.
  • Gleichzeitig wird die Währung auf die lange Sicht internationalisiert. Das hat zur Folge, dass immer mehr Transaktionen, sowohl Waren als auch Dienstleistungen und Finanzen, nicht mehr in US-Dollar sondern in Renminbi abgerechnet werden. Mittlerweile ist die chinesische Währung Renminbi sogar eine offizielle Reservewährung, d.h., sie ist in den Korb der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen worden. Tatsächlich werden chinesische Wertpapiere in immer größerem Ausmaß in die internationalen Aktien– und Anleiheindizes aufgenommen.

China Grafik: Schüsselindikator Produktivität Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Die größten Streitpunkte für China

Aus dem Aufstieg von China zur Weltmacht erwächst naturgemäß eine Rivalität mit der bestehenden Supermacht, den USA. Diese wird durch den Aufschwung von nationalistischen und protektionistischen Grundhaltungen überlagert. Aktuell dominiert das drohende Scheitern der Handelsgespräche zwischen den USA und China das Marktgeschehen. Die Streitpunkte sind

  • das Handelsbilanzdefizit der USA mit China,
  • der vermeintlich erzwungene Technologietransfer von US zu chinesischen Unternehmen,
  • der schlechte Schutz für Rechte an geistigem Eigentum,
  • der Schutz und die Unterstützung für chinesische Unternehmen (Protektionismus),
  • die zukünftige Entwicklung der chinesischen Währung und
  • die chinesische Industriepolitik (MIC2025).

Eine weitere Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China würde negative Auswirkungen für die Weltwirtschaft haben. In diesem Fall würde China wohl wirtschaftsunterstützende Maßnahmen setzen (höhere Staatsausgaben, niedrigere Steuern, höheres Kreditwachstum, Abschwächung der Währung). Allerdings: Selbst wenn ein Kompromiss gefunden werden sollte, bleibt die strategische Rivalität bestehen. Zukünftige Konflikte sind in der neuen multipolaren, immer mehr nationalistisch geprägten Welt inhärent. Das ändert nichts daran, dass die Erfolgsgeschichte von China eine Fortsetzung finden wird, solange das gute Produktivitätswachstum gehalten werden kann.


Investieren in die Staatsanleihen einer aufstrebenden SupermachtDer Erste Bond China

Wichtige rechtliche Hinweise

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Globale Risiken: Die Geisterfahrer

von Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste Asset Management.

Eine alte Branchenweisheit besagt: Fondsmanagement ist Risikomanagement. Welche Risiken es dabei zu managen gilt, hat sich in den letzten Jahren spür- und objektivierbar verändert. Politische und gesellschaftliche Risiken laufen traditionellen, ökonomischen Risiken wie ausufernden Inflation oder Deflation, einer Blasenbildung auf den Finanzmärkten, einem Staatsbankrott oder einer großen Finanzkrise immer mehr den Rang ab.

Entsprechend diskutieren wir die und den Umgang mit der veränderte Risikolandschaft auch bei uns im Unternehmen heftig. Meist wird diese Diskussion mithilfe einer Risikomatrix geführt, in der man potentielle Risiken definiert und dann nach ihrem vermuteten Impact, z.B. auf die Aktienmärkte, und anhand ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Diese Vorgehensweise ist nicht besonders originell, erlaubt aber, sehr schnell zu erkennen ist, was zählt und was nicht.

Globale Risiken nach Eintrittswahrscheinlichkeit

Mit dieser Vorgehensweise sind wir nicht alleine. Anfang  jeden Jahres treffen sich im Schweizerischen Davos für ein paar Tage DIE globalen Entscheidungsträger und tun dasselbe. Sie bewerten die aus ihrer Sicht weltweit maßgeblichen Risiken nach Impact und Eintrittswahrscheinlichkeit und veröffentlichen die Ergebnisse im World Economic Forum Global Risk Report.

Säuberlich gegliedert in die Kategorien wirtschaftliche, geopolitische, gesellschaftliche, technologische und Umweltrisiken werden dort die Top-Ängste der globalen Elite aufgezählt.Das Ergebnis ist durchaus spannend und überraschend, denn die gewichtigsten Risiken sind durch die Bank Umweltrisiken. Die wirtschaftlichen Risiken hören auf, bevor die Umweltrisiken überhaupt erst beginnen. Und diese Einschätzung stammt nicht aus der Feder einiger allzu ökoorientierten Bäumeumarmer, sondern direkt aus dem Herz und Hirn des weltweiten Kapitalismus.

Global Risks Landscape 2019

Global risk

Quelle: World Economic Forum Global Risks Perception Survey 2018–2019, Link zum Report

Sie kennen sicher den Witz mit der Geisterfahrerwarnung im Radio: Ein Autofahrer hört die Meldung und wundert sich, warum nur vor einem Geisterfahrer gewarnt wird, obwohl ihm so viele entgegenkommen.Vor ein paar Jahren wurde man als nachhaltiger Asset Manager als Geisterfahrer auf der wirtschaftlichen Autobahn gesehen. Inzwischen sind ESG Risiken im Herz des Kapitalismus angekommen.

Angelehnt an Sartre: Die Geisterfahrer, das sind inzwischen die Anderen. Wir wollen in diesem ESG Letter auf diese Veränderung der Risikoeinschätzung eingehen und über die weltweit größten Risiken berichten und zeigen, wie man als nachhaltiger Asset Manager damit umgehen und auch noch Geld verdienen kann.

Viel Spaß beim Lesen unseres Dossiers zu Global Risk.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Berichtssaison: Unerwartet gute Zahlen ermöglichen US-Börsen Rekordstände

An den US-Börsen hat die Berichtsaison in der Vorwoche ihren Höhepunkt erreicht. Eine ganze Reihe namhafter Konzerne hat bereits Ergebnisse für das erste Quartal vorgelegt. Im Vorfeld waren enttäuschende Quartalsergebnisse mit Gewinnrückgängen befürchtet worden. Diese Ängste haben sich Großteils nicht bewahrheitet, vielmehr konnten zahlreiche Unternehmen die Erwartungen von Analysten sogar übertreffen. In New York reagierten der S&P 500 und der Nasdaq Composite mit neuen Höchstständen sowohl im Verlauf als auch bei den Schlussständen.

US-Börsen: Positive Überraschungen in unterschiedlichen Branchen

Bereits Mitte der Woche hatten 129 Unternehmen Ergebnisse vorgelegt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters mit Bezug auf Daten des Finanzdatenanbieters Refinitiv berichtet, haben mehr als drei Viertel davon die Erwartungen übertroffen. Dazu zählten neben den Betreibern der sozialen Netzwerke Twitter und Facebook, der Spielwarenkonzern Hasbro. Auch der Technologieriese United Technologies und die Rüstungsschmiede Lockheed Martin überzeugten die Anleger und hoben bereits ihre Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr an. Besondere Aufmerksamkeit erregte das IT-Urgestein Microsoft mit seinen Zahlen zum ersten Jahresviertel: Microsoft steigerte dank eines guten Geschäfts mit Cloud-Diensten seine Umsätze in den ersten drei Monaten 2019 um 14 Prozent auf 30,57 Milliarden Dollar. Der Gewinn machte einen Sprung um fast 19 Prozent auf rund 8,8 Milliarden Dollar. Die positiven Überraschungen bei den Quartalszahlen zogen sich damit quer durch die unterschiedlichen Branchen und Sektoren.

US-BörseHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Enttäuschungen mit triftigen Gründen

Analysten merkten an, dass im positiven Umfeld der aktuellen Ergebnisse Enttäuschungen schwerer wiegen würden. Doch bei einigen Unternehmen gab es statt allgemeinen Konjunktursorgen konkrete Gründe dafür, warum sie hinter den Erwartungen geblieben waren. So fielen etwa die Einnahmen von Boeing schwächer aus. Der Flugzeughersteller strich seine Prognosen für das Gesamtjahr vorerst ersatzlos. Hier wirkte sich vor allem die Unsicherheit durch die Startverbote für seine 737-Max-Modelle nach zwei Abstürzen aus. Der Baumaschinenriese Caterpillar konnte nur wenig überzeugende Umsätze vorweisen. Dies lag wiederum an einer Absatzschwäche in Asien und dem Pazifikraum, wie das Unternehmen mitteilte. Der Baumaschinenkonzern könnte jedoch schon bald mit positiven Entwicklungen im Handelsstreit entlastet werden.

Erwartungen an Aktienmarkt vor möglicher Handelseinigung

Denn seit den starken Indexverlusten im Schlussquartal des Vorjahres sind die Verhandlungen zwischen den USA und China deutlich vorangeschritten. Eine Einigung im Handelskonflikt scheint für viele Anleger nur noch eine Frage der Zeit und gilt als der nächste wichtige Meilenstein für die Börsen. Weiters hat sich die Zurückhaltung der US-Notenbank Federal Reserve im laufenden Jahr positiv auf den Aktienmarkt ausgewirkt und schließlich haben sich seit Anfang April und mit zunehmendem Schwung der Berichtssaison die Gewinnerwartungen der Analysten wieder deutlich verbessert.

Fazit: Die Unternehmensergebnisse in den USA überraschen positiv und die Börsen honorieren das mit Kursanstiegen.


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Klimarisiken: Warum wir uns nicht schnell genug anpassen

von Stefanie Schock, Research Analyst der Erste Asset Management.

Klimarisiken sind allgegenwärtig. Extreme Wetterereignisse, Fluten, Stürme & Zyklone,  steigende Treibhausgasemissionen oder Naturkatastrophen sind Risiken die das World Economic Forum bereits seit 2011 unter den Top 5 identifiziert, wenn es darum geht welche Ereignisse mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden.

2019 sind bereits drei der Top 5 Risiken dem Klimabereich zuzuordnen, bei einer Betrachtung des Impacts sogar vier von fünf. Neben Naturkatastrophen und Extremen Wettereignissen findet sich auf Platz 2 aber auch unser Unvermögen uns an die Folgen des Klimawandels anzupassen sowie die damit in direktem Zusammenhang stehende globale Wasserkrise. Eine Priorisierung dieser Problematik ist aus Nachhaltigkeitssicht daher unumgänglich.

Wie warm wird es werden?

Im vierten nationalen Klimabericht der USA wird im November davor gewarnt, dass uns ohne eine Reduzierung der anthropogenen Treibhausgasemissionen bis zum Ende des Jahrtausends eine Klimaerwärmung von ~plus 5 Grad treffen könnte. Um das plus 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, hätten wir laut IPCC (Internationales Klimapanel) noch 12 Jahre um eine notwendige Kursänderung durchzuführen. Wichtige Funktionen übernehmen auch unsere Ökosysteme: Ozeane oder Waldflächen sind CO2-Speicher, deren Leistung durch die globale Klimaerwärmung beeinträchtigt ist.Ein Beispiel für die Abhängigkeit von den Leistungen dieser Systeme sind Mangrovenwälder in Küstengebieten: rund 200 Mio. Menschen die in diesen Gebieten leben und Nahrungsmittel anbauen sind auf Mangroven angewiesen um sich vor Sturmfluten und steigendem Meeresspiegel zu schützen. Der World Wide Fund for Nature warnt, dass seit Mitte des 20. Jhd. etwa die Hälfte der Mangrovenwälder verdrängt wurde was einer enormen CO2 Freisetzung entspricht, da die CO2 Speicherkapazität dieser Wälder rund drei bis fünf Mal höher als jene von terrestrischen Wäldern ist.

Neben marinen und terrestrischen Systemen sind anthropogene Systeme auch direkt betroffen. Nach IPCC-Auswertungen zeigt die Mehrheit der untersuchten Studien einen negativen Zusammenhang zwischen Ernteerträgen und der Klimaerwärmung, besonders im Bereich der Getreide- u. Maisernte, weniger betroffen sind Reis und Soja.

Global riskQuelle: WEF (World Economic Forum)

Welche Rolle spielt das Meer?

Schnell wachsende Städte und anhaltende Auswirkungen des Klimawandels machen mehr Menschen anfällig für den Anstieg des Meeresspiegels. Es wird erwartet, dass bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Schätzungen des WEF (World Economic Forum) zufolge leben bereits 800 Millionen Menschen in mehr als 570 Küstenstädten, die bis 2050 einem Meeresspiegelanstieg von 0,5 Metern ausgesetzt sind.

In einem Teufelskreis konzentriert sich die Urbanisierung nicht nur auf Menschen und Eigentum in potenziellen Schadens- und Störungsgebieten, sondern erhöht diese Risiken auch – zum Beispiel durch die Zerstörung natürlicher Resilienzquellen wie Küstenmangroven und die Belastung der Grundwasservorkommen. Durch die Intensivierung der Auswirkungen wird immer mehr Land unbewohnbar. Es gibt drei Hauptstrategien für die Anpassung an den steigenden Meeresspiegel: (1) Ingenieurprojekte zur Eindämmung von Wasser, (2) naturbasierte Lösungen und (3) personenbezogene Strategien, z. B. die Verschiebung von Haushalten und Unternehmen auf sicherere Wege oder In Sozialkapital zu investieren, um Gemeinschaften mit Hochwassergefahren widerstandsfähiger zu machen, heißt es in dem Bericht.

„Der Anstieg des Küsten-Meeresspiegels gehört zu den gravierendsten gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels. Der globale Anstieg des mittleren Meeresspiegels wird sich infolge der Klimaerwärmung über viele Jahrhunderte hinweg fortsetzen. Das detaillierte Tempo und der endgültige Anstieg hängen wesentlich von den künftigen Treibhausgasemissionen ab “, betont Pavel Kabat, Forschungsdirektor der WMO (World Meteorological Organization).

Warum Biodiversität wichtig ist?

Der Klimawandel verstärkt den Verlust an Biodiversität. Viele betroffene Ökosysteme – wie Ozeane und Wälder – sind wichtig, um Kohlenstoffemissionen zu absorbieren. Zunehmend fragile Ökosysteme bergen auch Risiken für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität. Da sich Umweltrisiken mit zunehmender Häufigkeit und Schwere kristallisieren, werden sich die Auswirkungen auf die globalen Wertschöpfungsketten wahrscheinlich verstärken und die Widerstandsfähigkeit insgesamt schwächen.

Fazit des Global Risk Reports

Die Umweltrisiken dominieren weiterhin die Ergebnisse der jährlichen Studie zur Erfassung der globalen Risiken (GRPS). Die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher. Besorgnis erregend ist der zunehmende Verlust an Biodiversität. Die Artenvielfalt ist seit 1970 um 60% zurückgegangen. In der menschlichen Nahrungskette wirkt sich der Verlust an biologischer Vielfalt auf die Gesundheit und die sozioökonomische Entwicklung aus, was sich wiederum auf Wohlbefinden, Produktivität und sogar regionale Sicherheit auswirkt.

Die Unterbrechung der Produktion und Lieferung von Gütern und Dienstleistungen aufgrund von Umweltkatastrophen ist seit 2012 um 29% gestiegen. Nordamerika war die Region, die am stärksten von umweltbedingten Lieferkettenstörungen im Jahr 2017 betroffen war. Diese Störungen waren vor allem auf Wirbelstürme und Waldbrände zurückzuführen.

In der US-amerikanischen Automobilindustrie verursachten beispielsweise nur Fabrikbrände und Unternehmenszusammenschlüsse mehr Störungen in der Lieferkette als Hurrikane. Wenn die Störungen eher an der Anzahl der betroffenen Anbieter als an der Anzahl der einzelnen Ereignisse gemessen werden, waren die vier wichtigsten Auslöser 2017 Hurrikane, extremes Wetter, Erdbeben und Überschwemmungen.

Umwälzungen in der globalen Abfallentsorgungs- und Recycling-Lieferkette im Jahr 2018 können ein Vorgeschmack sein. China verbot den Import von ausländischen Abfällen, darunter fast 9 Millionen Tonnen Plastikschrott, um die Umweltbelastung zu verringern. Dieses Verbot enthüllte Schwächen bei der inländischen Recyclingkapazität vieler westlicher Länder. Allein im ersten Halbjahr 2018 schickten die Vereinigten Staaten 30% des Plastiks, das zuvor in China deponiert worden wäre, in andere Länder wie Thailand, Malaysia und Vietnam.

Global Risk Report: https://www.weforum.org/reports/the-global-risks-report-2019


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Mikrofinanz: Die Welt ein Stückchen besser machen und dabei Geld verdienen

Martin Cech, Fondsmanager ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE: „Mikrofinanz eröffnet neue Perspektiven und verhindert ausbeuterische Kinderarbeit“

Es gibt Investments, die für eine bessere Welt sorgen. Mikrokredite eröffnen eine Chance auf ein besseres Leben und ermöglichen eine stabile Rendite für Anlegerinnen und Anleger. Mit dem Fonds ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE ist beides möglich: Mit Mikrofinanz die Welt ein Stückchen besser machen und dabei Geld verdienen.

Was versteht man unter Mikrofinanz?

„Sie ist ein Weg, einkommensschwachen Haushalten dieselben Dienstleistungen zu geben, die allen anderen auch zur Verfügung stehen“, formulierte es Kofi Annan, der ehemalige Generalsekretär der UNO. Mikrofinanz bedeutet also Menschen Finanzdienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die sonst keinen Zugang zu diesen haben. Mikrofinanz ist keine Spende, sie trägt aber zur Bekämpfung der Armut bei.

Wie funktionieren Mikrofinanz-Investments?

Anlegerinnen und Anleger investieren über Investmentgesellschaften wie zum Beispiel einen Fonds in Mikrofinanz-Institute. Diese Minibanken vergeben dann Minidarlehen an die Ärmsten der Armen, insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Mikrofinanz-Institute dienen als Brücke zwischen Investoren und Kreditnehmern. Sie sind in Schwellen- und Entwicklungsländern vor Ort und untersuchen die Lebensumstände eines Kleinstkreditnehmers genau, bevor ein Kleinkredit bewilligt wird. Dieses Know-how der Minibanken vor Ort haben Investoren in der Regel nicht bzw. ist eine direkte Vergabe der Kredite an tausende Kleinstkreditnehmer nicht möglich.  Deshalb investieren sie indirekt, wie z.B. über einen Fonds.

Die Ursprünge der Mikrofinanz reichen in die 1970-er Jahre zurück. Als Begründer des Mikrofinanz-Gedankens  gilt der Wirtschaftswissenschafter und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Er war Gründer und Geschäftsführer der Mikrokredite vergebenden Grameen Bank.

Welche Wirkung hat das investierte Geld für die Dritte Welt?

Mittlerweile gibt es mehr als 500 Millionen Menschen, die über Mikrofinanz-Institute Zugang zu Kleinstkrediten erhalten haben. Doch das reicht noch lange nicht. Noch immer gibt es über eine Milliarde Menschen weltweit, die in absoluter Armut leben. Martin Cech, Fondsmanager des Fonds ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE bringt es auf den Punkt:  „Ohne Zugang zu Krediten sind diese Menschen ihrem Schicksal ausgeliefert. Mikrofinanz eröffnet neue Perspektiven und verhindert auch Kinderarbeit.“

Dem gegenüber stehen Investoren in Industrieländern, die nach Möglichkeiten suchen, ihr Geld mit möglichst wenigen Kurs-Schwankungen profitabel und zugleich sinnvoll anzulegen. Dass such das weltweite Mikrofinanz Investitionsvolumen von seit 2005 von 1,5 Milliarden US-Dollar auf über 15 Milliarden US-Dollar (Wert für 2017, Quelle: Symbiotics) mehr als verzehnfacht hat, wundert daher nicht.

Wie sieht der typische Mikro-Kredit aus?

Die überwiegende Anzahl der Mikro-Kredite in den Entwicklungsländern sind Betriebsmittelkredite und keine Konsumkredite. Sie dienen zur Aufbau einer beruflichen Existenz vor allem in der Landwirtschaft. Aber auch im Handwerksbereich, im Tourismus, im Handel und in der Gastronomie werden sie gerne in Anspruch genommen. Das Kreditvolumen reicht von lediglich 300 Euro bis zu – gemessen an den Maßstäben der Schwellenländer – beträchtlichen 30.000 Euro. Die Laufzeit beträgt bis zu 3 Jahre, zurückgezahlt wird monatlich. Es handelt sich vorwiegend um Kredite in Lokalwährung. Knapp zwei Drittel der Kreditnehmer sind Frauen. Beispiele für einen typischen Mikro-Kredit sind z.B. ein Marktstand für Obst und Gemüse, der Kauf einer Nähmaschine oder von ein paar Quadratmetern Anbaufläche. Menschen, die solche Kredite bekommen, sind in der Regel überaus dankbar und bemühen sich penibel die Rückzahlungen einzuhalten. Nur etwa 2 von 100 Mikrokrediten können nicht oder nicht vollständig getilgt werden.

Mikrofinanz

Quelle: Symbioticsgroup.com

Wie kann man als PrivatanlegerIn in Mikrofinanz investieren?

Eine von wenigen Mikrofinanz-Investitionsmöglichkeiten ist der Dachfonds ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE. Er ist in verschiedenen Mikrofinanz-Fonds investiert. Damit ist das Vermögen des Fonds breit gestreut. Die Fonds investieren wiederum in Mikrofinanzinstitute, die dann Kredite an die KleinstunternehmerInnen vergeben.

Welche Risiken muss man einkalkulieren?

Es gibt verschiedenen Risiken, mit denen AnlegerInnen rechnen müssen, wenn sie in Mikrofinanz investieren, angefangen von Bonitätsrisiken bis zu Risiken der Ländern, politischen Ereignisse oder Naturkatastrophen. In Ecuador etwa erschütterte 2016  ein Erdbeben der Stärke 7,8 die Küstenregion und legte dort die Wirtschaft lahm. Aber auch Tsunamis, Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürre können der Wirtschaft schaden.

Das Fondsmanagement versucht solchen und ähnlichen Risiken dadurch entgegen zu steuern, dass das Risiko auf momentan 86 Länder verteilt wird. Schwerpunkte sind aktuell Indien, Kambodscha, Peru,  Ecuador, Costa Rica und Georgien (Obergrenze von 10 Prozent je Land, Anm.). Aktuell befinden sich im ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE 384 Mikrofinanzinstitute und 50 Fair Trade Institute.

Lohnt sich ein Investment in einen Mikrofinanz-Fonds?

Die Renditen können sich im aktuellen Niedrigzinsumfeld sehen lassen. Der Dachfonds ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE erzielte über die vergangenen fünf Jahre eine Wertentwicklung von 2,09 Prozent pro Jahr*). Seit dem Start des Fonds 2010 beträgt der Wertzuwachs insgesamt 20,97 Prozent.

Mikrofinanz

*) Datum der Berechnung. 31.3.2019. Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt laut OeKB Methode. In der Wertentwicklung ist die Verwaltungsgebühr und eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung berücksichtigt. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 3,00 % und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu Quelle: Erste AM, FMP, 29.3.2019

„Wir wollen natürlich für unsere Kunden eine adäquate Anlage-Rendite erzielen. Darüber hinaus ist es uns wichtig, dass diese Investition einem guten Zweck dient und den Menschen, die in ärmlichen Verhältnissen leben, einen Weg zu einem besseren Leben eröffnet. So stellen wir sicher, dass auch eine soziale Rendite zum Tragen kommt“, betont Fondsmanager Cech.

Kauf- und Verkaufsaufträge dauern länger

Der Fonds richtet sich an Investoren, die nachhaltig agieren und ihr Geld langfristig zur Verfügung stellen wollen. Der Kauf- und Verkauf von Anteilen an diesem Fonds dauert viel länger als bei Aktien– und Anleihefonds. Eine Order, die bis zum 27. Tag eines Monats (spätestens 13 Uhr) abgegeben wird, wird mit dem 20. Tag des Folgemonats abgerechnet (zum Preis des letzten Werktages des Monats). Beim Verkauf wird erst im darauffolgenden vierten Monat (zum Preis des letzten Werktages des dritten Folgemonats) abgerechnet. Diese lange Orderzeit dient dem Schutz der AnlegerInnen: Nicht jeder Kauf- oder Verkaufsauftrag kann so schnell ausgeführt werden wie bei liquiden Aktien.

Fazit

Mikrofinanz ist keine Spende sondern eine Möglichkeit einkommensschwachen Menschen in den Entwicklungsländern Kredite für die Existenzgründung zur Verfügung zu stellen und dabei Geld zu verdienen. Es handelt sich um Investitionen, die mit der Entwicklung von Aktien, Anleihen oder Immobilien kaum zusammenhängen aber trotzdem eine Rendite ermöglichen. Investitionen in Mikrofinanz sollten langfristig angelegt sein, schon allein wegen der langen Abwicklung von Kauf- und Verkaufsaufträgen, was dem Schutz der Anlegerinnen und Anleger dient.


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IMF Spring Meetings: Emerging Markets – wie geht es weiter?

von Felix Dornaus, Senior Fondsmanager Schwellenländeranleihen, Erste Asset Management.

Im Rahmen der Jahrestagungen des IMF (Internationalen Währungsfonds) finden verschiedene Veranstaltungen für Emerging Markets Investoren statt. Meinungsführer, Entscheidungsträger, Meinungsforscher und Analysten aus Politik, Think-Tanks, Wirtschaft und der akademischen Welt halten Vorträge und/oder stellen sich der Diskussion mit Investoren. Das Treffen bietet andererseits eine gute Gelegenheit für den Gedankenaustausch mit Fachkollegen.

Meine wichtigsten Schlussfolgerungen aus den IMF Spring Meetings

Die Investoren in Emerging Markets sind nach wie vor positiv gestimmt, jedoch mit einer zunehmend vorsichtigeren Neigung. Offensichtliche Opportunitäten, Risiko aufzustocken, werden rarer, der Selektionsanspruch steigt.

Die makroökonomischen Daten aus China verbessern sich. Eine Mehrheit sieht die Unterzeichnung eines US-China Handelsabkommens in den nächsten Wochen bis Monaten. Beide Vertragsseiten wünschen sich einen Abschluss, wobei der grösste Stolperstein in der Formulierung von Vollstreckbarkeitsmechanismen liegt. Es ist zu erwarten, dass der Deal noch nicht vollumfänglich sein wird.

Argentinien

Bei den Präsidentenwahlen im Oktober dieses Jahres werden dem amtierenden Präsidenten Macri trotz hoher Unsicherheit die besten Chancen auf Sieg zugesprochen. Vermutlich in einem zweiten Wahldurchgang gegen Christina Kirchner. Die Zielerreichung unter dem bestehenden IMF Programm ist ermutigend. Die Dürre mit ihren negativen Auswirkungen auf die Leistungsbilanz ist überwunden. Die Roll-Over-Rate bei Zahlungsfälligkeiten des Souveräns liegt bei 100%. Bis Ende 2020 sollte keine Emission auf den internationalen Anleihemärkten notwendig sein. Das Land geniesst breite Rückendeckung seitens des IMF und anderer offizieller Kreditgeber.

Brasilien

Ist der Darling der Investoren. Dem erfolgreichem Abschluss der dringend notwendigen Pensionsreform wird eine Wahrscheinlichkeit von grösser als 50% noch in der zweiten Jahreshälfte 2019 eingeräumt. Das Wirtschaftsteam rund um den neuen Finanzminister Paulo Guedes geniesst grosses Vertrauen („Brazilian Avengers“).

Mexico

Für 2019 wird ein Wirtschaftswachstum von rd. 1-1,5% erwartet, und gehört damit zu den niedrigsten des EM Universums. Der Regierung des linken Präsidenten AMLO wird zwar eine besonnene Fiskalpolitik zugetraut, es bestehen jedoch gewisse Ängste hinsichtlich einer Schwächung der Institutionen, was das Risiko einer Bonitätsherabstufung erhöhen würde. Die bisherigen, staatsseitigen Stützungszusagen für die hochverschuldete nationale Erdölgesellschaft PEMEX werden noch als zu wenig detailliert empfunden. Ein Abschluss von USMCA, des Nachfolgers des trilateralen Handelsabkommens NAFTA, wird noch in 2019 erwartet, geniesst allerdings derzeit weder im US-amerikanischen noch im mexikanischen Kongress Priorität.

Russland

Die Möglichkeit weiterer US-Wirtschaftssanktionen stand im Vordergrund der Diskussionen. 2 neue Sanktionspakete sind vermutlich bereits ausformuliert, harren aber noch einer kongressseitigen Genehmigung. Diese kann allerdings jederzeit erfolgen, wobei Präsident Trump eine wahrgenommene Bremser-Rolle zukommt. Eine Ausdehnung der Sanktionen auf die Begebung neuer russischer Anleihen kann nicht ausgeschlossen werden. Nachdem die USA aufgrund ausreichender Eigenproduktion nicht mehr erdölimportabhängig sind, wäre auch Erdöl als Strategie-Tool vorstellbar. Zwischen Russland und den USA existiere derzeit kein Dialog.

Türkei

Der Finanzminister und Zentralbankpräsident bemühten sich sehr, auf entspannte Weise ihren Plan signifikanter Strukturreformen darzustellen. Mit mangelnder Überzeugungsfähigkeit. Über die Quellen finanzieller Mittel zur Bedienung der erheblichen kurzfristigen Schulden in ausländischer Währung (vor allem Privatsektor) entstand wenig Klarheit. Minister Albayrak mutmaßte allerdings, dass Verbindlichkeiten des Privatsektors weitestgehenst den Charakter von Inter-Company-Loans hätten, wodurch das Refinanzierungsrisiko erheblich niedriger sei als angenommen. Eine Annäherung an den Währungsfonds war nicht zu erkennen.

Venezuela

Die Staatsverschuldung 2019 wurde auf 920%/GDP geschätzt. Die Parallel-Regierung unter Guaido formiert sich zwar, deren Aussagen zum baldigen Sturz des Präsidenten Maduro erscheinen eher als Wunschdenken denn Realität. Bisher ist es noch nicht gelungen, das Militär zu überzeugen, sich gegen Maduro zu stellen. Unter dessen Regierung kam es zu einer Bruttonationalprodukt-Zerstörung, die ihresgleichen in der globalen Wirtschaftsgeschichte sucht. Die unvermeidbare Umschuldung der Auslandsverbindlichkeiten wird die „Mutter aller Umschuldungen“ und mit einem massiven Kapitalverzicht seitens der Gläubiger verbunden sein. Eine Verschärfung von Sanktionen seitens der USA gilt als wahrscheinlich.

US Präsident Trump: In einer ad hoc durchgeführten Umfrage unter rund 800 anwesenden Investoren wurde seiner Wiederwahl eine 70%ige Wahrscheinlichkeit zugeordnet.


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Rezession oder Wirtschaftswachstum?

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das Wirtschaftswachstum hat sich bis ins erste Quartal 2019 markant abgeschwächt. Die risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien haben dennoch deutliche Kursanstiege verzeichnet, weil die Zentralbanken eine ebenso ausgeprägte Veränderung der Geldpolitik von „Straffung“ auf „unveränderte Haltung / Lockerung“ vollzogen haben. Für das aktuelle Quartal zeichnet sich eine Änderung der beiden wichtigen Einflussfaktoren Wachstum und Geldpolitik für die Märkte ab.

Wachstumsrezession?

Die wirtschaftliche Aktivität befindet sich auf globaler Ebene nach wie vor in der Phase „Abschwächung“. Für das erste Quartal 2019 wird ein Wachstum im Quartalsabstand in einer Bandbreite von 2% – 2,5% auf das Jahr hochgerechnet geschätzt. Die Schätzung für das Potenzialwachstum beträgt rund 2,7%. Ein weiterer Wachstumsrückgang würde damit bereits den Übergang in die nächste Phase „Wachstumsrezession“ charakterisieren.

In diesem Umfeld schrumpft zwar nicht das Bruttoinlandsprodukt, was eine Rezession bedeuten würde, aber ein anhaltendes Wachstum unter dem Potenzial würde eine Abschwächung des Arbeitsmarktes und der Gewinne implizieren.

Grafik 1: globale Wachstumsabschwächung

Quelle: Bloomberg, EAM

Schwäche im Gütersektor

Insbesondere der Gütersektor ist schwach. Die Industrieproduktion fällt in vielen Ländern, ebenso wie die Auftragseingänge und die Güterexporte. Auf der negativen Seite sticht hier vor allem Deutschland hervor, wo die Fertigungsaufträge im Monat Februar um mehr als 8% im Jahresabstand geschrumpft sind. Zudem lassen die schwachen Fabriksauslieferungen auf eine stagnierende Investitionstätigkeit der Unternehmen schließen.

Unsicherheit

Auch die Indikatoren zur Unternehmensstimmung sind in zahlreichen Ländern gefallen. Das kann auf mehrere schwer einzuschätzende Entwicklungen wie den (Handels)konflikt zwischen den USA und anderen Ländern, das Brexit-Chaos und die Dauer der Abschwächung des Kreditwachstums in China zurückgeführt werden.

Lockerung der Geldpolitiken

In einem Sektor ist die Unsicherheit jedenfalls etwas gefallen. Nach den starken Kursrückgängen im vierten Quartal 2018 hat auf den Märkten eine Erholung stattgefunden, d.h., die Risikoprämien sind gesunken. Hauptverantwortlich dafür war die Veränderung der Konstellation zwischen den Kategorien Wirtschaftswachstum, Politik, und Geldpolitik von „Abschwächung“ „erhöhte Unsicherheit“ und „Straffung“ (Leitzinsanhebungen) im vierten Quartal auf „Abschwächung“, „erhöhte Unsicherheit“ und „unveränderte Haltung / Lockerung“ im ersten Quartal 2019.

Grafik 2: In den Marktpreisen eingepreiste Veränderung des US-Leitzinssatzes innerhalb der kommenden 12 Monate (aktuell rund minus 0,27 Prozentpunkte)

WirtschaftswachstumQuelle: Bloomberg, EAM

Verbesserung in China

Die Anzeichen für eine Stabilisierung des Wirtschaftswachstums sind zwar immer noch schwach, in den vergangenen Wochen haben sie jedoch zugenommen. An vorderster Stelle stehen hier die Hinweise für ein Ende des Rückgangs des Wirtschaftswachstums in China. Dazu gehören vor allem die Anstiege der Einkaufsmanagerindizes im Monat März und der mild positive Kreditimpuls in den Monaten Jänner und Februar. Wenn in China diese Verbesserung von den „harten“ Indikatoren wie der Industrieproduktion, den Exporten, den Importen, der Investitionstätigkeit und der Kreditvergabe bestätigt wird, werden wahrscheinlich auch in anderen Ländern die Daten den Gütersektor betreffend eine Erholung aufweisen.

Neues Haar in der Suppe

Wenn eine Wachstumsrezession vermieden wird, weil die Schwäche im Gütersektor endet und die Unsicherheit hinsichtlich politischer Entwicklungen etwas abnimmt, ist das per se eine positive Entwicklung für die Märkte. Allerdings würde dann auch ein wesentlicher unterstützender Faktor für die Märkte wegfallen: Die Tendenz, zunehmend geldpolitische Lockerungen einzupreisen. Für einige Länder reflektieren die Marktpreise bereits moderate Leitzinssenkungen, insbesondere für die USA.

Im Szenario „Stabilisierung“ ist das übertrieben. Das Verschwinden von Leitzinssenkungserwartungen ist von den Märkten wahrscheinlich verkraftbar, weil sich gleichzeitig auch die Wachstumsaussichten verbessern. Das erneute Auftreten von Erwartungen hinsichtlich Leitzinsanhebungen aufgrund von Inflationsanstiegen wäre jedoch nachteilig für die Märkte.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Megatrends am Aktienmarkt

von Dieter Kerschhbaum, Communications Specialist Österreich der Erste Asset Management.

Wenn von Megatrends in der Geldanlage die Rede ist, dann meint man oft Themen bzw. Entwicklungen, die auf viele Jahre Bestand haben und maßgebliche Veränderungen bewirken können.

Wie kann der Lebensstandard in der Zukunft gesichert werden? Welche Aspekte müssen bei der langfristigen Finanzplanung beachtet werden, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen? Wo sind die Wachstumsregionen und welche Innovationen und technologischen Entwicklungen sind in der Zukunft erfolgsversprechend? Diese Fragen müssen beantwortet werden, wenn ich als AnlegerIn profitieren will.

Was sind Megatrends?

Als Megatrends werden besonders tiefgreifende und länger andauernde Trends bezeichnet, die gesellschaftliche und technologische Veränderungen betreffen. Denken wir nur an die Themen wie Automatisierung, soziale Netzwerke, das Internet der Dinge oder künstliche Intelligenz, dann wird deutlich, dass neue Geschäftsmodelle entstanden sind, deren Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft sind.

1. BEVÖLKERUNGSWACHSTUM

Die größten Impulse gehen zweifelsohne vom Technologiesektor aus. Sowohl in der Informationstechnologie als auch in der Biotechnologie und in der Umwelttechnologie stehen wir vor bahnbrechenden Entwicklungen. Treiber der Technologisierung ist die stetig wachsende Weltbevölkerung, deren Lebensgewohnheiten sich in großen Schritten verändert. Um 2050 könnte unser Planet bereits 10 Milliarden Menschen zählen (2014: ca. 7,5 Milliarden).

Gesamtbevölkerung (Milliarden Personen) – 1950 – 2017

Quelle: United Nations; https://population.un.org/wpp/Download/Standard/Population/ 

Dabei nimmt die Bedeutung der peripheren Regionen zu: Asien und Afrika dürften um die nächste Jahrhundertwende bereits 40 Prozent der Weltbevölkerung stellen. Zugleich steigt die Zahl der Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen lieber in den Städten als am Land leben – Stichwort Urbanisierung. 2050 werden voraussichtlich 70 von hundert Menschen in Städten leben. Diese Menschen geben mehr aus, stärken also den Konsum und machen umgekehrt Investitionen der Städte in die Infrastruktur und den Umweltschutz unabdingbar.

Die Pariser Klimaziele sehen vor, dass die Erderwärmung mit maximal 2 Prozent begrenzt wird. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, wird sich herausstellen. Aber dass wir mehr saubere Energie benötigen, Energie sparen müssen um den Ausstoß an Kohlendioxid und den Wasserverbrauch zu verringern, steht außer Streit. Um all das bewältigen zu können sind neue Technologien erforderlich.

2. ERNEUERBARE ENERGIEN & ÖKOLOGIE

Klimawandel und eine ständig wachsende Weltbevölkerung verlangen nach einer Alternative zu klassischen Energiearten. Neben neuen Quellen wie Wind oder Solar, entstehen auch Industrien rund um Themen wie Energieeffizienz und Energieversorgung (intelligente Netzwerke).

Plastikverbot, Verschmutzung und Recycling: weltweit steigende Abfallmengen aufgrund Bevölkerungswachstums verlangen nach Lösungen bei der Verwertung und Verarbeitung. (z.B. CO2 Ausstoß bei der thermischen Verarbeitung). „Ob persönliche Kaufentscheidungen, gesellschaftliche Werte oder Unternehmensstrategie – selbst wenn nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, entwickelt sich der Megatrend Neo-Ökolgie nicht zuletzt aufgrund technologischer Innovationen mehr und mehr zu einem der wirkmächtigsten Treiber unserer Zeit“, erklärt das deutsche Zukunftsinstitut.

3. WASSER

Themen wie Verbrauch- und Kostensenkung betreffen zunehmend auch die Industriestaaten. Hygiene und Infrastrukturinvestitionen kommen in den Entwicklungsländern dazu. Der Megatrend einer verbesserten Infrastruktur konzentriert sich vor allem auch auf die Wasserversorgung.

Trinkwasser ist eine grundlegende Notwendigkeit, die von vielen als selbstverständlich angesehen wird. Nach den jüngsten Problemen in Südafrika und mehreren Dürreperioden mit katastrophalen Auswirkungen ist klar, dass Wasserprobleme eine große Herausforderung ist – und eine große Investitionschance.

4. DIGITALISIERUNG

Digitalisierung ist ein Megatrend, der den sozialen und wirtschaftlichen Aufbau der zukünftigen Gesellschaft beeinflussen wird. Als Megatrend wird die Digitalisierung Wege finden, Hindernisse und Widerstände auf ihrem Weg zu überwinden. Viele Unternehmen und Organisationen versuchen jedoch, Megatrends auf unterschiedliche Weise zu verzögern. Die Geschichte sagt uns, dass dies nicht möglich ist und dass solche Versuche zum Scheitern verurteilt sind.

Bis zum Jahr 2020 wird eine gesamte Generation in einer vorwiegend digitalen Welt aufgewachsen sein. Computer, Internet, Mobiltelefone, SMS und soziale Netzwerke sind für diese Gruppe selbstverständlich. Ihre Vertrautheit mit der Technologie, das Vertrauen in die mobile Kommunikation und der Wunsch, mit großen Netzwerken von Familienmitgliedern, Freunden und Geschäftskontakten in Kontakt zu bleiben, werden unsere Arbeitsweise und unseren Verbrauch verändern.

Besonders 2 Treiber sind wichtig:

  • Technologieschub: Die digitale Technologie baut ihren Einfluss weiter aus. Das Infrastruktur-Rückgrat der digitalen Welt bietet Milliarden von Verbrauchern erschwingliches Breitband Internet. Parallel dazu werden in jeder Branche kostengünstige vernetzte Geräte eingesetzt, und Cloud Computing und die erforderlichen Informationsverarbeitungsmaschinen entwickeln sich unglaublich schnell.
  • Wirtschaftliche Vorteile: Die durch die Digitalisierung zu erzielenden wirtschaftlichen Vorteile sind real. In die neuen Digitalisierungstechnologien und -unternehmen floss eine Welle von Kapital ein, und die öffentlichen Märkte belohnen die Frühaufsteher mit beispiellosen Bewertungen

5. MOBILITÄT

Die Automobil- und Energiebranche bereitet sich auf eine der größten disruptiven Strömungen vor. Neue Startups drängen auf den Markt, und innovative Lösungen, die aus den aktuellen Megatrends hervorgehen, stellen den aktuellen Status Quo in Frage.

Es sind disruptive Innovationen – und insbesondere die Elektromobilität mit seinem berühmtesten Vertreter Tesla – die nicht nur die Automobilbranche, sondern auch die Energiewirtschaft vor große Herausforderungen und Möglichkeiten stellen.

Zwangsläufig müssen Unternehmen ihre Rolle in der Branche neu definieren und diese Zeit des Wandels als Chance für Innovation erkennen. Nicht nur alte Hasen im Automobilgeschäft stehen vor Herausforderungen, auch Energieversorger müssen Wege finden den höheren Strombedarf decken zu können, der sich aus diesen neuen Technologien ergibt.

6. GESUNDHEIT UND BIOTECHNOLOGIE

Die Menschheit wächst stetig und wird immer älter. Die Folge ist ein anhaltender Nachfrageboom nach Medikamenten. Von den etwa 35.000 bekannten menschlichen Krankheiten ist derzeit nur ein Drittel therapierbar und lediglich ein Bruchteil davon vollständig heilbar.

Der Biotech-Sektor stützt sich auf Technologie, die auf Biologie basiert und nutzt zelluläre und biomolekulare Prozesse, um neue Medikamente zu entwickeln. Derzeit stehen Patienten mehr als 250 biotechnologische Produkte und Impfstoffe zur Verfügung, viele davon für zuvor nicht behandelbare Krankheiten. Der Biotech-Sektor scheint zu boomen. Bleibt das so? Fondsmanager Harald Kober gibt hier einen Ausblick. 

Sie suchen einen Weg in Megatrends zu investieren?

Der trendige s Fonds Plan Mix orientiert sich an verschiedenen globalen Megatrends von unterschiedlichen Ländern und Branchen.

Mit dem unten vorgeschlagenen Fonds investieren Sie in viele unterschiedliche Bereiche unseres täglichen und zukünftigen Lebens. Diese unterschiedlichen Trends vereinen hohes Zukunftspotenzial hinsichtlich der Kursentwicklung verbunden mit hohem Potenzial von Kursschwankungen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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Europäische Union im Spannungsfeld interner und externer Herausforderungen

von Christian Gaier, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Wenn über die Europäische Union gesprochen wird, ist aktuell vor allem das Thema BREXIT täglich medienpräsent. Jedoch werden dadurch auch andere wichtige Entwicklungen überschattet.

Was sind die Themen, die Europa abgesehen vom BREXIT  beschäftigen?

Präsident Trump hat als oberstes Ziel seiner Präsidentschaft erklärt das Handelsbilanzdefizit der USA mit dem Rest der Welt zu reduzieren. Im Rahmen der Neuausrichtung der Handelspolitik der Vereinigten Staaten sind vor allem die Verhandlungen mit China im Fokus. Jedoch wurde auch die Europäische Union immer wieder seitens Präsident Trump als unfairer Handelspartner angeprangert. Es gilt zu befürchten, dass nach einem Abschluss der Gespräche zwischen den USA und China, die USA potentiell die Europäische Union zu neuen Handelsvereinbarungen drängen will. Hier stünden vor allem Exporte von Autos in die USA im Fokus, sowie der Wunsch seitens der USA die europäischen Restriktionen im Agrargüterbereich zu reduzieren.

Gleichzeitig drängt China auf bessere und intensivere Handelsbeziehungen mit der Europäischen Union. Im Rahmen der „One Belt One Road“ Initiative plant China die Errichtung einer neuen Seidenstraße und es gibt bereits Zusammenarbeit in Infrastrukturprojekten zwischen China und einzelnen Staaten von Asien über Afrika bis auf den Balkan. Mit dem Hafen von Piräus hat der chinesische Staatskonzern Cosco Shipping die Haustüre zur Europäischen Union bereits geöffnet. Erst im März hatte Italien gemeinsam mit China ein „Memorandum of Understanding“ zur stärkeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Förderung von Infrastrukturprojekten unterzeichnet. Die einheitliche Linie der Europäischen Union ist jedoch noch nicht gefunden und es wird zunehmend wichtig, dass sich die Gemeinschaftsstaaten darauf verständigen.

Politische Verstimmung zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, dem Iran, der Türkei und potentiell anderen Staaten sind ein weiteres Thema. Hier ist Europa als strategischer Partner der USA im Rahmen der Nato gefragt sich zu emanzipieren. Dies passiert auch im Rahmen einer koordinierten Außenpolitik der Europäischen Union. So verfolgte diese etwa den Iran betreffend eine andere Position als die USA. Die Europäische Union wird sich aber diesem Spannungsfeld nicht entziehen können.

Wichtige Postenbesetzungen in der EU

Während die letzten Wahlen in Europa vor allem durch Verluste bei traditionellen Parteien in der politischen Mitte gezeichnet waren, wird nun mit Spannung die Wahl des europäischen Parlaments erwartet. Ob diese Wahl mit oder ohne dem Vereinigten Königreich stattfinden wird, ist immer noch nicht absehbar. Jedenfalls wird mit Spannung das Ergebnis der Wahl in Europa erwartet, da die Zusammensetzung des Parlaments richtungsweisend sein wird in Hinblick auf die Dynamik der weiteren Zusammenarbeit und Entwicklung. Entsteht nach der Wahl eine politische Zusammensetzung aus den unterschiedlichen Lagern im Parlament, welche sich auf keine gemeinsame Strategien einigen können birgt dies die Gefahr eines Stillstands auf europäischer Ebene.

Auch werden heuer wichtige europäische Ämter neu besetzt. So wird sich 2019 die Nachfolge von Donald Tusk als Präsident des Europäischen Rates und von Jean-Claude Juncker als Präsident der Europäischen Kommission entscheiden. Ende des Jahres endet auch die Amtszeit von Mario Draghi an der Spitze der Europäischen Zentralbank.

Europa als Wirtschaftsraum ist von globaler Bedeutung, jedoch innerhalb Europas sehen wir sehr starke regionale Unterschiede was das Wirtschaftswachstum, die Arbeitslosigkeit und die Entwicklung der Inflation betrifft. Entsprechend ist auch der Ausgang der Wahl ein wichtiger Faktor, da mit einem zerstrittenen Parlament die Schlagkraft der Wirtschaftspolitik gelähmt würde.

Themen wie die Sicherung der Außengrenzen sowie Migration werden so rasch nicht gelöst werden. Jedoch ist der politische Wille vorhanden darüber zu diskutieren und gemeinsam zu versuchen Lösungen zu finden. Viel wichtiger ist es aus unserer Sicht die positiven Entwicklungen hervorzuheben!

Erst kürzlich gab es die Beilegung des Namensstreits zwischen Griechenland und Nordmazedonien. Dies ist als Musterbeispiel friedlicher Konfliktlösung europäischer Partner zu verstehen. Nun ist der Weg frei für den Beitritt zur Nato und auch die Europäische Union muss liefern da Nordmazedonien seit 2005 zwar offiziell Beitrittskandidat ist, jedoch am Veto von Griechenland bisher die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen gescheitert ist.

Auch die Eurozone wächst weiter

Während der Wahlen in Italien sind noch Stimmen laut geworden, die den Sinn des Euro für Italien bezweifelt hatten. Diese sind nach einer turbulenten Phase der Regierungsbildung verstummt. Ganz im Gegenteil, vor allem jüngere Mitglieder der Europäischen Union bereiten sich intensiv auf die Einführung des Euro vor.

So hat sich etwa Bulgarien bereits 2018 für die Mitgliedschaft  im Europäischen Wechselkurs Mechanismus II (ERM II) Regime beworben, mit dem Wunsch und Ziel den Euro einzuführen. Der Schritt kommt für uns nicht überraschend, da Bulgarien ohnedies bereits seit Jahren die eigene Währung fix an die Deutsche Mark und später den Euro gebunden hatte. Im Rahmen des Beitritts zur Eurozone wird auch die Kooperation der Aufsicht über Banken und Kapitalmärkte intensiviert.

Auch Kroatien bereitet sich intensiv auf den Beitritt zu ERM II vor. Erwartet wird der Beitritt 2020 und auch in Kroatien ist der Euro im Verständnis der Bevölkerung bereits weit verbreitet.

Eurozone Investment Grade Staatsanleihen – wovon sprechen wir?

Jeder der heutzutage an Zinsen europäischer Staatsanleihen denkt, sieht sofort niedrige bis zum Teil sogar negative Zinsen, wobei gerade am kurzen Ende der Zinskurve die negativen Zinsen dominieren.

Dies ist jedoch nicht überall der Fall, denn das Investment-Universum besteht aus 15 Ländern von Portugal bis Finnland und von Irland bis Italien, wenn man von den traditionellen Eurozonenländern spricht. Auch jüngere Länder der Eurozone wie etwa Slowenien, die Slowakei und die baltischen Staaten sind in der Zwischenzeit fixer Bestandteil des Investment-Universums.

Die Assetklasse ist aufgrund des niedrigen Zinsumfeldes auch die Laufzeiten betreffend gewachsen. Gute Emittenten wie Österreich, Frankreich und Belgien nutzen die Gunst der Stunde und emittierten Anleihen mit Laufzeiten von 50 bis 100 Jahren.

Vergangene Performance hat keine Aussage über zukünftige Performance. Dennoch ist auf den durchschnittlichen Wertzuwachs von 3,47% p.a. über 10 Jahre, mit Stichtag 31.03.2019, zu verweisen und betrachtet man das Jahr 2018 hat diese Asset Klasse so manche Asset Klasse mit höherer Rendite in Total Return Terms betreffend übertroffen.

ESPA BOND COMBIRENT wird 50

Am 5. Mai 2019 feierte der ESPA BOND COMBIRENT seinen 50. Geburtstag. Ein guter Zeitpunkt den Fonds und seine Strategie zu betrachten:

Der ESPA BOND COMBIRENT ist ein Fonds, der in Staatsanleihen europäischer Emittenten investiert. Er setzt den Fokus auf Euro lautende Staatsanleihen, wodurch der Kunde kein Währungsrisiko zu tragen hat. Durch die Einschränkung auf Anleihen mit Investment-Grade-Rating wird auch bewusst auf Investitionen in das Junk Segment verzichtet um dem Kunden eine bessere Kreditqualität zu gewährleisten.

Durch seine lange Historie hat der Fonds die Euro Einführung aktiv miterlebt und davon profitiert. Diese führte zu einer sukzessiven Erweiterung des Investmentuniversums und damit zu einer breiteren Diversifikation für den Kunden.

Die beschriebenen internen und externen Herausforderungen der Eurozone und der Europäischen Union werden auch die Herausforderungen für die Positionierung des Fonds in den kommenden Jahren sein.


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„Die Suche nach Rendite geht weiter“

Unternehmensanleihenfonds lieferten in den vergangenen 10 Jahren überdurchschnittlich gute Erträge. Besondere Aufmerksamkeit erlangten Unternehmen des Rating-Segments BB – also Emittenten an der Schwelle vom Hochzinssegment zu Investmentgrade. Oftmals handelt es sich dabei um Anleihen, die z.B. aufgrund schlechter Geschäftszahlen herabgestuft wurden aber auf eine Rating-Verbesserung hoffen dürfen. Die in Aussicht gestellten Renditen sind dementsprechend höher als bei Top-Unternehmen. Es gibt nur relativ wenige Fonds, die speziell in solche Unternehmen investieren.

Einer von diesen, der ESPA BOND CORPORATE BB (ISIN: AT0000A09HC7) der Erste Asset Management, wurde bei den Lipper Fund Awards 2019 als bester Fonds seiner Vergleichsgruppe in den letzten 10 Jahren ausgezeichnet. Auf den Stichtag der Bewertung bezogen lag die Wertsteigerung bei 8,14 Prozent jährlich *). Diese Auszeichnung wiegt umso mehr, da der Fonds nicht nur in Österreich sondern zugleich auch in Deutschland und auf europäischer Ebene diese Kategorie gewonnen hat.

Rendite*) Quelle: FMP, Erste Asset Management per 31.12.2018. In der Wertentwicklung ist die Verwaltungsgebühr und eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung berücksichtigt. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 3,50 Prozent und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Bernd Stampfl, Senior Fondsmanager ESPA BOND CORPORATE BB, über den Fonds, das Zinsumfeld und seine Anlageschwerpunkte:

Was waren die jüngsten Entwicklungen, die diesen Sektor geprägt haben? Wie sieht es mit den Renditen aus?

Im letzten Jahr rückten politische Risiken wieder in den Vordergrund, was Investoren dazu veranlasste ihre Positionen zu überdenken. So waren Themen wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China, die eher riskante Haushaltsdisziplin der italienischen Regierung oder das Thema Brexit die allgemeinen Treiber der Unsicherheit. Trotz der Korrektur gegen Jahresende 2018 entwickelt sich der Markt für BB-Unternehmensanleihen weiterhin stabil. Das vorherrschende günstige Renditeniveau zu Jahresbeginn und die Aussicht auf ein baldiges Beilegen des Handelsstreites führten dazu, dass Investoren sich wieder auf die Suche nach Risiko machten und in diese Anlageklasse einstiegen. Wir konnten davon profitieren und befinden uns wieder auf dem Niveau von vor der Korrektur.

Was spricht derzeit für den Einstieg in dieses Segment?

Gegen Ende des vergangenen Jahres stiegen die Risikoaufschläge der BB-Anleihen auf ein Niveau, das umgelegt auf das Ausfallsrisiko einen Einstieg interessant macht. Und die EZB hat zuletzt signalisiert, dass ein Ende der Nullzinspolitik in der Eurozone auch 2019 nicht abzusehen ist. Die Suche nach Rendite geht also weiter. Ein weiterer Grund, der für diese Anleihen spricht: im Gegensatz zu amerikanischen Unternehmen nutzten europäische Emittenten die Gelder aus den Anleihen-Emissionen vermehrt für Investitionen, weniger zur Pflege des eigenen Aktien-Kurses. So sind im letzten Jahr in Europa die operativen Ergebnisse weiter angestiegen. Ebenso konnten die Unternehmen ihre Bilanzen in den letzten beiden Jahren verbessern und ihre operativen Tätigkeiten stärken.

Wie kann man den Sektor Unternehmensanleihen insgesamt charakterisieren? Wer sind denn die typischen Emittenten? Kommen sie aus der Finanzbranche? Oder sind es Telekom-Unternehmen? Oder andere?

Wenn man innerhalb der Anlageklasse Unternehmensanleihen die Sektoren nach der Größe der ausstehenden Schulden reiht, kommt der typische Emittent entweder aus dem Industriesektor, der Telekommunikation, dem Retail-Bereich oder dem Automobilsektor. Die Anteile dieser Sektoren sind in den letzten Jahren stabil geblieben. Einzig und allein durch Ratingveränderungen können sich diese Anteile massiv verschieben. So haben nach 2017 und 2018 erstmalig mehr Unternehmen den Aufstieg in die Investmentgrade-Klasse geschafft als sie diese verlassen haben.

Umgelegt auf das Vergleichsuniversum für BB-Emittenten sind hier die größten Unternehmen eine Telecom Italia bzw. die spanische Telefonica. Auch das israelische Pharmaunternehmen Teva, die französische Supermarktkette Casino oder der Autohersteller Fiat sind im BB-Segment prominent vertreten. Das Gesamtvolumen ist in Anbetracht des stabilen Marktumfeldes und der oben erwähnten Punkte stabil geblieben.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass BB-Anleihen verglichen mit den niedrigen Zinsen und dem Zinsabstand zu sicheren Unternehmensanleihen dank der gestiegenen Risikoprämien einen Mehrertrag bieten. In diesem allgemeinen Niedrigzinsumfeld ist kaum zu erwarten, dass die Zahlungsausfälle ein Thema werden.


Über die Lipper Fund Awards

Die jährliche Vergabe der Lipper Fund Awards from Refinitiv ist in der internationalen Fondsbranche bereits Tradition. Es werden diejenigen Fonds ausgezeichnet, die im Vergleich zu anderen Fonds mit demselben Anlageschwerpunkt kontinuierlich überdurchschnittliche risikoadjustierte Erträge erwirtschaftet haben. Relevant sind die Zeiträume 3, 5 und 10 Jahre. Die Fonds müssen in Österreich zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sein, die erstmalige Zulassung muss mindestens 3 Jahre zurückliegen. Stichtag für die diesjährige Bewertung war der 31.12.2018.

Über den ESPA BOND CORPORATE BB

Der ESPA BOND CORPORATE BB ist breit gestreut über circa 170 vorwiegend in Euro denominierte Unternehmensanleihen von Ländern wie Frankreich, Großbritannien und Italien. Aber auch die USA und Schwellenländer wie Brasilien und Mexiko sind nicht ganz ausgeklammert. Der Schwerpunkt liegt in den Branchen Telekommunikation und Grundstoffindustrie. Das Währungsrisiko gegenüber dem Euro ist komplett abgesichert.

Warnhinweis Corporate BB

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Die Türkei nach den Lokalwahlen

von Anton Hauser, Senior Fondsmanager der Erste Asset Management.

Die Lokalwahlen in der Türkei wurden von Präsident Erdogan zu einem Stimmungstest über seine Politik hochstilisiert. Die AK-Partei von Präsident Erdogan liegt zwar landesweit in Führung, in den Großstädten musste die Regierungspartei Niederlagen einstecken. So verlor die AK-Partei nach 20 Jahren Herrschaft die Wahl in Ankara und auch in Istanbul liegt der Oppositionskandidat bei der Auszählung voran. Die Wirtschaftskrise im Gefolge der Währungskrise vom letzten Jahr ist sicher als Hauptgrund für den Sieg der Opposition zu nennen. Die Wirtschaft durchlebt eine schwere Rezession, die Arbeitslosigkeit ist im Steigen begriffen und die Inflationsrate ist auf über 20% angestiegen.

Türkische Assets sind unter Druck gekommen

Im Vorfeld dieser Wahlen sind türkische Assets wie schon im Laufe des letzten Jahres erneut stark unter Druck gekommen. So verlor die Lira gegenüber dem Euro seit Anfang März mehr als 3%, die Rendite der 5-jährigen Lokalwährungsanleihe stieg um mehr als 200 Basispunkte auf 18,50% an und der Spread von USD-denominierten Staatsanleihen weitete sich um 95 Basispunkte auf 495 Basispunkte aus. Die türkische Zentralbank war gezwungen ihre Geldpolitik zu straffen, intervenierte am Devisenmarkt und die lokalen Banken wurden angehalten die Liquidität am TRY-Markt zu reduzieren. Dies führte dazu, dass die kurzfristigen Zinsen am lokalen Geldmarkt auf mehr als 1000% anstiegen.

Türkische Haushalte haben vermehrt ihre Ersparnisse von TRY in USD konvertiert. Dadurch sind die Nettofremdwährungsreserven weiter zurückgegangen und betragen trotz starker Emissionstätigkeit des Staates auf den internationalen Kapitalmärkten derzeit nur 24,7 Mrd USD. Das Leistungsbilanzdefizit ist zwar durch die Rezession und Dank des Rückgangs des Ölpreises fast verschwunden (nur 0,7% des BIP im Jänner), die kurzfristige Auslandsverschuldung von 130 Mrd. USD ist aber durch die Währungsreserven bei weitem nicht gedeckt.

Erdogans Expansive Fiskalpolitik

Ein Faktor der in den letzten Monaten einer zusätzlichen Verbesserung der Leistungsbilanz im Wege stand war sicherlich eine expansive Fiskalpolitik. Bedingt durch die Rezession enttäuschend niedrige Steuereinnahmen verbunden mit höheren Ausgaben, die teilweise dem Wahlzyklus geschuldet sind, haben zu einer Ausweitung des Defizits auf ein 10-Jahreshoch geführt. Um die Wahlchancen der AK-Partei von Präsident Erdogan zu erhöhen wurden außerdem die Staatsbanken angehalten ihre Kreditvergabe auszuweiten (Kreditimpuls von 2% des BIP) , was einerseits stabilisierend auf das Wachstum wirkt, andererseits aber eine noch tiefergreifende Anpassung der Leistungsbilanz verhindert hat.

Ausblick

Wir gehen nach den Lokalwahlen durch die Abnahme des politischen Risikos von einer Beruhigung der Situation aus. Präsident Erdogan hat zwar durch den Verlust des Bürgermeistersessels von Ankara und wahrscheinlich Istanbul eine Niederlage erlitten, wir erachten allerdings das Gesamtresultat als nicht ausreichend um nachhaltige Änderungen nach sich zu ziehen. Eine hohe nominelle Zinsdifferenz, positive Realzinsen, eine stark verbesserte Leistungsbilanz und ein mögliches Zurückfahren der wahlbedingten Stimulusmaßnahmen sind die lokalen Faktoren, die türkische Assets unterstützen sollten. Zusätzlich sollte die zurzeit stattfindende globale Lockerung der Geldpolitik Länder wie die Türkei unterstützen. Hauptrisikofaktoren sind die nach wie vor vorhandenen Ungleichgewichte, mögliche Fehler in Geld- und Fiskalpolitik, die Verhängung von Sanktionen durch die USA im Zusammenhang mit dem Kauf von russischen Raketenabwehrsystemen durch die Türkei. Des weiteren könnte eine weitere Abschwächung des globalen Wachstums eventuell verbunden mit einer Umkehr der Kapitalströme in Richtung Emerging Markets Druck auf türkische Assets ausüben.


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Ringen um stabile Ölpreise geht weiter

In der Vorwoche sind die Ölpreise auf die höchsten Stände seit vier Monaten gestiegen. Für den jüngsten Anstieg fand sich eine ganze Reihe von Gründen. So hat das US-Energieministerium Mitte der Woche einen überraschenden Rückgang der Lagerbestände an Rohöl in den USA gemeldet. Demnach waren sie zuletzt um 3,9 Millionen auf 449,1 Millionen Fass zurückgegangen. Im Vorfeld war hingegen mit einem Anstieg um drei Millionen Fass gerechnet worden.

Saudi-Arabien tonangebend

Außerdem hat Analysten zufolge der massive Stromausfall in Venezuela den Export von Rohöl stark beeinträchtigt. Unterdessen zeigte sich der saudi-arabische Energieminister Khalid al-Falih gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mit der aktuellen Situation am Ölmarkt zufrieden. Und so kam zu ungeplanten Angebotsausfällen noch die Ankündigung Saudi-Arabiens, weiterhin weniger Öl fördern zu wollen, als die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) im Rahmen ihrer Förderbeschränkungen mit anderen wichtigen Produzenten eigentlich vereinbart hat.

Saudi-Arabien ist der weltweit größte Ölproduzent und gilt als tonangebend in der OPEC. Daher scheint eine Änderung der Förderpolitik beim nächsten Treffen der erweiterten Gruppe der wichtigsten Förderländer am 17. und 18. April unwahrscheinlich. Zum Jahreswechsel hatten die Maßnahmen der sogenannten OPEC+ zur Stützung der Ölpreise durch den Austritt Katars aus dem Öl-Kartell einen Dämpfer erhalten, in der Folge aber wieder ihre Wirkung entfalten können.

Wie die Förderbeschränkungen den Ölmarkt verändert haben, zeigt der jüngste OPEC-Monatsbericht. Demnach dürfte die gesamte Welt-Ölproduktion zuletzt bei 99,15 Millionen Fass pro Tag gelegen haben. Davon entfielen im Schnitt noch 30,55 Millionen Fass täglich auf OPEC-Staaten. Ihr Anteil an der Gesamtproduktion ging damit wieder leicht zurück.

Ölpreise

Keine Trendumkehr in Sicht

Im Jahr 2017, dem ersten Gesamtjahr in dem die Förderbeschränkungen vereinbart waren, lag die tägliche Produktion insgesamt bei 92,6 Millionen Fass. 39,4 Millionen davon kamen damals noch aus OPEC-Staaten. Die Weltproduktion ist also etwas gestiegen, während die wichtigsten Länder ihren Anteil daran deutlich reduziert haben. Der Ölverbrauch wird von der OPEC im laufenden Jahr mit weltweit rund 100 Millionen Fass pro Tag prognostiziert. Wie schon im Vorjahr fällt der Zuwachs damit auch 2019 etwas geringer aus. Grund dafür ist die Konjunkturschwäche beispielsweise in Europa und Nordamerika. Das Gesamtbild stellt sich im neuen Monatsbericht aber unverändert dar.

USA erhöhen Ölproduktion

Doch ebenfalls in der Vorwoche veröffentlichte die Internationalen Energieagentur (IEA) ihren Bericht „Oil 2019“. Im Zuge dessen warnte die Agentur vor den Folgen eines wachsenden Exports von US-Öl. Dieser werde die internationalen Handelsströme von Rohöl – mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die Geopolitik – verändern, sagte IEA-Direktor Fatih Birol. In den kommenden fünf Jahren werden die USA demnach ihre Ölexporte dank der Schieferölförderung kräftig steigern, das Volumen der russischen Ausfuhren übertreffen und zu den Exporten Saudi-Arabiens aufschließen. In den kommenden fünf Jahren könnten der IEA zufolge die Vereinigten Staaten für 70 Prozent des globalen Anstiegs der Ölproduktion verantwortlich sein.

Mit diesen Aussichten dürfte das Ringen um den Ölpreis vorerst kein Ende nehmen: Auf der einen Seite zeigen sich Saudi-Arabien und die OPEC entschlossen, das Ölangebot niedriger zu halten. Auf der anderen Seite zeichnen sich massiv steigende Exporte von US-Schieferöl ab, die ursprünglich wesentlich für den Preisverfall in den vergangenen Jahren mitverantwortlich waren.


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Wasser: mehr als bloß ein Tropfen auf dem heißen Stein?

von Walter Hatak, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Wasser ist ein lebensnotwendiges Gut – eine medizinische Faustregel besagt, dass der Mensch nur drei Tage ohne Wasser überleben kann. Nicht ohne Grund wird bei der Erforschung fremder Planeten zuerst nach der Quelle des Lebens, dem Wasser, gesucht. Wassermangel kann ganze Regionen unbewohnbar machen und Menschen zur Flucht zwingen, weshalb die Beurteilung der Wasserverfügbarkeit auch auf globaler Ebene zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Das World Resources Institute hat eine Unterteilung des Wasserrisikos in physische, regulative und Reputationsrisiken vorgenommen und davon 12 Schlüsselindikatoren abgeleitet um eine Evaluierung der weltweit wichtigsten Wassereinzugsgebiete vornehmen zu können.

Beispielsweise wird bei den physischen Risikoindikatoren das Verhältnis der jährlichen Wasserentnahme zum Angebot an Wasser, die Häufigkeit von Fluten oder der Schweregrad von Dürreperioden gemessen. Ebenso wird die Rücklaufquote erhoben, also jene Wassermenge, die nach der Verwendung wieder rückgewonnen wird, sowie der Wasseranteil, der durch geschützte Ökosysteme bereitgestellt wird. Der Anteil an Süßwasser-Amphibien, die nach IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) als gefährdet eingestuft sind, stellt einen Indikator für das regulative Risiko dar: Ein hoher Anteil impliziert sensible Ökosysteme, die zukünftig verschärfte Regulierungen bei der Wasserentnahme zur Folge haben können. Denn vielerorts stammen Regulierungen aus Perioden mit noch genügend Wasserreserven und sind mittlerweile überholt. OECD-Angaben zufolge hat sich alleine die Entnahme aus Grundwasserreservoiren in den letzten 50 Jahren verzehnfacht, zwischen 2010 und 2055 wird ein weiterer Anstieg der Nachfrage nach Wasser um 55% prognostiziert.

Das Ergebnis dieser Risikoevaluierung ist der „Aqueduct Water Risk Atlas“ des World Resources Institutes, der eine weltweite Gegenüberstellung von Wasserrisiken auf regionaler Ebene ermöglicht. Jene Regionen mit einem geringen Wasserrisiko werden dabei hellgelb eingefärbt, jene mit einem hohen Wasserrisiko dunkelrot, Regionen ohne ausreichende Daten grau.

Overall Water Risk

Beispielhaft seien die folgenden Risiko-Regionen erwähnt, die in jüngerer Vergangenheit mit Wasserverknappung zu kämpfen hatten: Kalifornien hatte 2014 mit einem Dürre-Notstand zu kämpfen, der mit mehreren Waldbränden und einer Absackung des Bodens einherging. Kapstadt sah sich Anfang dieses Jahres zu drastischen Wassersparmaßnahmen gezwungen um den sogenannten Day Zero (=Tag ohne Wasser) zu verhindern.

Wasser(-mangel) als globales Risiko

Eine globale Wasserkrise wird vom World Economic Forum unter Berücksichtigung der möglichen Auswirkungen als fünftgrößtes Risiko für 2018 gewertet. Generell wird das Risiko einer Wasserverknappung seit 2012 konstant unter den 5 größten Risiken angeführt. An zweiter Stelle der globalen Bedrohungen stehen für 2018 extreme Wetterereignisse. Hier gibt es direkte Zusammenhänge: Die bereits existierende Wasserkrise kann auf fehlende Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zurückgeführt werden, der wiederum in Verbindung mit extremen Wetterereignissen steht. Durch längere Trockenperioden und intensivere Niederschläge kann der ausgetrocknete Boden die Regenmassen nicht mehr aufnehmen wodurch Wasser oberirdisch abrinnt und weniger Grundwasserneubildung wahrscheinlich ist. Nach Angaben des World Resources Institutes leben derzeit eine Milliarde Menschen in Regionen mit knappen Wasserressourcen. Bis 2025 könnte sich diese Zahl auf 3,5 Mrd. Menschen erhöhen. Die häufigsten Ursachen für Wasserknappheit sind die Verschmutzung von Wasser und die damit verbundene Bedrohung von Süßwasserquellen sowie der Klimawandel, der Dürreperioden sowie Fluten verstärkt, Niederschlagsrhythmen verändert, das Schmelzen von Gletschern beschleunigt und damit das Angebot an Wasser verändert.

Da ohne Wasser den Menschen die Lebensgrundlage fehlt, kann die Wasserverknappung in massiven Flüchtlingsbewegungen resultieren, die globale Auswirkungen über die betroffenen Gebiete hinaus haben. Man spricht deshalb mittlerweile von einem Risiko mit gesellschaftlichen Auswirkungen.

Wasser als Fußabdruck der ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds

Die Erste AM hat sich im Jahr 2015 dazu entschieden, als erste KAG in Österreich den Montreal Carbon Pledge zu unterzeichnen und dadurch verpflichtet, den CO-Fußabdruck der relevanten Aktienbestände zu veröffentlichen. Mit der Unterzeichnung und dem damit verbundenen koordinierten Vorgehen bedeutender Assetmanager konnte entsprechender Druck auf Unternehmensseite aufgebaut werden, um die Veröffentlichung von CO2–Daten voranzubringen. 

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte soll die in Österreich erstmalige Berechnung des Wasserfußabdrucks für die ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds der Erste AM schreiben. Eine gesamtheitliche Analyse darf sich nicht auf die Messung des CO2-Ausstoßes beschränken.

Bei der Ermittlung der durchschnittlichen Wasserintensität der im Fonds gehaltenen Unternehmen wurde als zentrale Kennzahl die von den Unternehmen veröffentlichte Wasserentnahme herangezogen. Die mit der erstmaligen Messung des Wasserfußabdrucks einhergehende Pionierrolle hat allerdings den Nachteil, dass viele Datenpunkte noch nicht in ausreichender Qualität vorhanden sind. Um trotzdem eine seriöse Datengrundlage sicherzustellen, werden nur jene Werte berücksichtigt, die unabhängig von mehreren Datenprovidern bereitgestellt werden. Datenpunkte, die für weniger als 80 Prozent der relevanten Unternehmenstätigkeit ausgewiesen werden, bleiben gänzlich unberücksichtigt. Die daraus resultierende Menge an Wasserdaten ist mit einer Gesamtabdeckung von knapp 50% der Portfoliobestände leider noch nicht im Bereich der CO2-Kennzahlen. Diesbezüglich findet ein intensiver Austausch mit den Researchpartnern statt, um einerseits eine höhere Abdeckung zu erreichen und andererseits ein verstärktes Bewusstsein für die Bedeutung des regionalen Wasserverbrauchs aus Investorensicht zu erzielen.

Das Glas ist mehr als halb voll

Gesamtabdeckung der ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds mit Wasserdaten
Wasser - Intensität Erste Responsible AktienfondsQuelle: Bloomberg, MSCI-ESG, ISS-oekom, Berechnungen Erste Asset Management Wasser- und Umsatzdaten Geschäftsjahre 2015-2018

Wasserentnahme und -region als Inputgrößen für den Erste AM Waterfootprint

Der Süßwasserverbrauch gibt an, welche Wassermengen vom Unternehmen im letzten Geschäftsjahr aus Oberflächengewässern oder aus dem Grundwasser entnommen wurden. Der Wert ist sehr stark von der Branche des jeweiligen Unternehmens abhängig. Die Zuteilung des Wasserverbrauchs auf Wasserrisikoregionen (hoch/mittel/niedrig) erlaubt jedoch eine Differenzierung auch innerhalb der Branche und somit eine Einschätzung, inwieweit das Unternehmen zukünftig von einer Wasserverknappung betroffen sein könnte. Dazu muss vorab die Normalisierung des Wasserverbrauchs über den Jahresumsatz erfolgen, um eine Vergleichbarkeit von Unternehmen unterschiedlicher Größe zu ermöglichen. Die so ermittelte Wasserintensität kann dann, in einem letzten Rechenschritt, in Abhängigkeit der regionalen Verteilung der Standorte des Unternehmens, sowie der Gewichtung im Fonds, zu einem gewichteten Mittelwert aggregiert werden.

Im Gegensatz zum CO2-Fußabdruck liefert die regionale Komponente beim Wasserfußabdruck eine sehr wichtige Zusatzinformation. Unternehmen, deren Produktionsstätten in Regionen mit einem hohen Wasserstresslevel angesiedelt sind, haben ein besonders hohes Wasserrisiko, selbst wenn der Wasserverbrauch im Branchenschnitt liegt. Das liegt daran, dass in diesen Regionen die Wahrscheinlichkeit einer künftigen Wasserverknappung weitaus größer als in low stress regions (Regionen mit einem geringem Wasserstresslevel) ist. Eine tatsächliche Wasserverknappung kann unterschiedliche Implikationen wie strengere Regulierung der Wasserentnahmen, massive Preisanstiege oder sogar eine Schließung der Produktionsstätte nach sich ziehen. Insofern erscheint die Beurteilung des Wasserrisikos auch aus ökonomischer Sicht geboten. Die Einteilung in low, medium und high stress regions orientiert sich an der bereits beschriebenen Risikoeinstufung des World Resources Institutes inder physische, regulatorische und Reputationsrisiken berücksichtigt werden. Die darauf basierende Weltkarte mit regionaler Unterscheidung der Risikogebiete (siehe Grafik oben) ist auch online einsehbar.

Welche Pegelstände werden bei der Messung der Wasserinensität erreicht?

Wasser Intensität Erste Responsible Aktienfonds im VergleichQuelle: Bloomberg, MSCI-ESG, ISS-oekom, Berechnungen Erste Asset Management Wasser- und Umsatzdaten Geschäftsjahre 2015-2018; Indexdaten per 28.12.2018

Das Ergebnis zeigt aus Sicht der Erste AM, dass die Wasserintensität der in den ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds gehaltenen Unternehmen sowohl bei Betrachtung nach Risikoregion, als auch gesamthaft deutlich geringer ist, als im globalen Aktienmarkt. Dieses Ergebnis lässt sich auf die umfassende ESG-Analyse zurückführen, die sämtliche Unternehmen, die in den ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds gehalten werden, durchlaufen müssen. Ein wichtiger Teilaspekt des Nachhaltigkeitsratings ist dabei die Beurteilung, inwieweit ein Unternehmen von hohen Wasserentnahmen in Risikogebieten abhängig ist. Insofern zeigt diese Auswertung, dass die in den ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds investierten Unternehmen auch beim Wassermanagement zu den Branchenbesten zählen.


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Weltwassertag: Wie gehen wir mit Wasserarmut um?

Im Jahr 2006 begann eine international viel beachtete Partnerschaft zwischen der Erste Asset Management und dem WWF Österreich mit dem Ziel ein Produkt zu kreieren, das Finanzströme in eine nachhaltige Richtung lenkt, besonders nachhaltige Unternehmen fördert und einen positiven Nutzen für die Umwelt zu liefern. Der von der UNESCO ins Leben gerufene Weltwassertag möchte auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage aufmerksam machen.

Bedrohter Meer-Wert

Die unvorstellbaren Weiten der Weltmeere bedecken 71% unseres Planeten. Unerschöpflich scheinen die kostbaren Schätze, die sie uns Menschen bieten. Jedoch sind 93 Prozent der globalen Fischbestände überfischt oder bis an die Grenzen befischt. Was uns drastisch vor Augen führt, dass die Ozean-Giganten durch menschliche Eingriffe massiv unter Druck geraten und deren Ressourcen sehr wohl endlich sind.

Auf dem Spiel steht nicht weniger als die Lebensgrundlage von über 800 Millionen Menschen, die vom Fang, der Produktion, der Verarbeitung und dem Verkauf von Fisch abhängen. Die meisten von ihnen leben in Entwicklungsländern. Fisch ist in armen Teilen der Welt lebensnotwendige Nahrungs- und primäre Proteinquelle, die Abhängigkeit von der Meeres-Delikatesse also ungleich größer als in unseren Breiten.

Europa als weltweit größtem Markt und Importeur von Fisch- und Meeresfrüchten kommt entscheidende Bedeutung dabei zu, diese Lebensgrundlage zu erhalten. Schließlich stammen mehr als die Hälfte der Fisch-Importe aus Entwicklungsländern. Ohne sie könnte die europäische Nachfrage nicht gedeckt werden.

Machtlose Konsumenten?

Europäischen Konsumentinnen und Konsumenten ihre Macht beim Fischkauf bewusst zu machen, ist Ziel der WWF-Informations-Kampagne Fish Forward. In 11 EU-Ländern wird dafür geworben, Meere und Menschen mit dem Kauf von nachhaltigem Fisch zu unterstützen.

Mit dem WWF Fischratgeber fällt es beim Einkauf leicht, eine verantwortungsvolle Wahl zu treffen. Es werden Gütesiegel empfohlen und über 60 Fisch- und Meeresfrüchtearten nach dem einfachen Ampelsystem bewertet. Auf dem Smartphone ist der Ratgeber im Geschäft schnell bei der Hand.

Hinter den Kulissen arbeitet der WWF daran, die politischen Rahmenbedingungen in der weltweiten Fischerei zu verbessern. Auch Handelsunternehmen werden beraten, um mit einer nachhaltigen Einkaufspolitik ihrer wichtigen Rolle gerecht zu werden.

Geht doch

Was möglich ist, wenn Verbraucher, Unternehmen und Politik an einem Strang ziehen, zeigt ein WWF Fischerei-Verbesserungsprojekt auf den Philippinen:

Durch das Zusammenspiel von europäischer Konsum-Nachfrage nach nachhaltigem Thunfisch, der entsprechenden Umstellung des Fisch-Angebots eines heimischen Handelsbetriebs sowie den richtigen politischen Anreizen (drohende EU-Importverbote für Staaten, die illegale Fischerei unzureichend bekämpfen), arbeiten heute über 6.000 philippinische Fischer nachhaltig. Mit Handleinen fangen sie Gelbflossenthunfische für den europäischen Markt, erzielen damit ein höheres Einkommen und schonen die Fischbestände in ihren Gewässern.

Jeder kann einen Beitrag zum Schutz von Meeren und davon abhängigen Menschen leisten. Kaufen Sie nachhaltigen Fisch.

WELTWASSERTAG FAKTEN

  • Meere bedecken 71 Prozent unseres Planeten
  • 90 Prozent der Fischbestände sind überfischt oder bis an die biologischen Grenzen befischt
  • Fisch sichert die Lebensgrundlage von 800 Mio. Menschen – vor allem in Entwicklungsländern
  • 90 Prozent der weltweiten Fischer sind kleingewerblich
  • Weniger als 4 Prozent der Meeresfläche sind geschützt – Schutzgebiete sind essenzielle „Kinderstuben“ und Erholungsräume für Fischbestände
  • Europa ist der weltweit größte Markt und Importeur von Fisch und Meeresfrüchten – mehr als die Hälfte der Importe kommt aus Entwicklungsländern

Von Florian Kozak, Pressesprecher des WWF Österreich und Kommunikations-Koordinator der europaweiten WWF-Initiative ‚ Fish Forward – Nachhaltiger Fischkonsum zum Schutz von Meeren und Menschen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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Stabilisierung oder Abschwung?

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Mehrzahl der Wirtschaftsindikatoren deutet auf eine Abschwächung des weltweiten realen Wirtschaftswachstums hin. Insbesondere der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor hat im Monat Februar den fallenden Trend fortgesetzt und damit eine andauernde Schwäche im Fertigungssektor angezeigt. Es gibt zwar schwache Anzeichen für ein Ende des Abschwungs innerhalb der kommenden Monate, die Unsicherheit bleibt jedoch erhöht. Die Zentralbanken haben darauf reagiert und die geplanten Leitzinsanhebungen ausgesetzt beziehungsweise sogar Lockerungsmaßnahmen gesetzt. Gleichzeitig reflektieren die Marktpreise bereits eine Stabilisierung des Wachstums. Wie wird diese Zweiteilung zwischen dem Markt und dem wirtschaftlichen Umfeld aufgelöst werden?

„Normale“ Verlangsamung

Ein Teil der Abschwächung des Wirtschaftswachstums kann auf eine „Normalisierung“ im Sinne eines Wachstumsrückgangs vom überdurchschnittlich auf durchschnittlich zurückgeführt  werden. Dazu kommen aber auch die generelle Verschärfung der Zentralbankliquidität sowie der Anstieg der Unsicherheit.

Weniger Zentralbankliquidität

Motiviert durch das kräftige Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren haben die Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften eine Politik der graduellen „Normalisierung“ eingeleitet. Das bedeutet die Anhebung der sehr niedrigen Leitzinsen und die Einstellung beziehungsweise die Rückführung der Anleiheankaufsprogramme. Letzteres hat zu einem Rückgang der von den Zentralbanken deutlich ausgeweiteten Geldmenge (Geldbasis = Geldmenge M0) geführt.

Schrumpfung des Schattenbankensektors in China

Gleichzeitig sind einige Schwellenländer mit Ungleichgewichten durch die Leitzinsanhebungen in den USA unter Druck geraten die Leitzinsen anzuheben. In China war ein Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik auf die Schrumpfung des Schattenbankensektors gerichtet. Die Motivation in China war die hohe Schuldenquote (Schuldenbestand in Prozent des nominellen Bruttoinlandsproduktes) nicht weiter ansteigen zu lassen. Das wiederum hat zu einer deutlichen Abschwächung des Kreditwachstums geführt.

Anstieg der Unsicherheit

Zur selben Zeit sind die Unsicherheiten über die zukünftigen Beziehungen zwischen den großen Wirtschaftsblöcken angestiegen. Vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China kann hier genannt werden. Aber auch der chaotische Brexit-Prozess und die Zweifel an der Integrität der Eurozone (Italien) haben das Ihre dazu beigetragen.

Eintrübung der Unternehmensstimmung

Eine unmittelbare Auswirkung dieser ungünstigen Kombination von Faktoren ist eine Verschlechterung der Stimmung bei den Unternehmen. Sie drückt auf das Wachstum der Unternehmensinvestitionen. Im Unterschied dazu ist das Beschäftigungswachstum vergleichsweise kräftig geblieben (niedrige Arbeitslosenraten). Solange der Arbeitsmarkt fest bleibt (gutes Beschäftigungs- und Lohnwachstum), werden die privaten Einkommen und der private Konsum unterstützt. Der Pferdefuß: der Arbeitsmarkt ist ein Indikator, der der Konjunktur hinterher hinkt. Der überraschende geringe Beschäftigungsanstieg in den USA im Monat Februar (plus 20.000 Quelle: Bloomberg) im Vergleich zum Fünf-Jahresdurchschnitt von 215.000 besitzt zwar keine statistische signifikante Aussagekraft, hilft aber nicht die Unsicherheit zu verringern.

Grafik: Wachstum der Geldmenge und der Produzentenpreise in China sind wichtige globale Konjunkturindikatoren

Erholung am Finanzmarkt

Der Finanzmarkt hat im vierten Quartal 2018 auf die Eintrübung des Umfelds mit deutlichen Kursverlusten von risikobehafteten Wertpapierklassen (Aktien) reagiert. Die Hürde für positive Überraschungen war damit klein. Diese hat es tatsächlich gegeben:

  • Einige wichtige Zentralbanken haben Lockerungsmaßnahmen gesetzt. Hervorzuheben ist, dass für die USA die im Markt gepreisten Leitzinsanhebungen vollkommen verschwunden sind. Ein höheres Lohnwachstum würde die Fed jedoch in eine unkomfortable Situation bringen. Soll der Blick mehr auf die Beschäftigung oder die Inflation  gerichtet sein? Der Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne im Februar auf ein Niveau, das zuletzt vor zehn Jahren erreicht wurde, ist nicht hilfreich.
  • In der Eurozone ist die Stoßrichtung der Europäischen Zentralbank mittels einer Neuauflage eines geldpolitischen Instruments (TLTRO – langfristig günstige Liquidität für Banken in großer Menge) die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors und damit der gesamten Wirtschaft in der Eurozone zu erhöhen. Zudem hat die EZB den frühestmöglichen Zeitpunkt für die erste Leitzinsanhebung auf Beginn 2020 verschoben. Der Spielraum der Geldpolitik ist jedoch eingeschränkt. Die Ähnlichkeiten mit einer sogenannten Liquiditätsfalle (Japan-Szenario) sind auffällig.
  • In China ist das Kreditwachstum zuletzt angestiegen. Gleichzeitig fallen jedoch wichtige Indikatoren wie das Geldmengenwachstum M1 und die Produzentenpreisinflation.
  • Die Signale zu den Verhandlungen zwischen den USA und China stimmen vorsichtig optimistisch. Neben der nach wie vor erhöhten Wahrscheinlichkeit für ein Scheitern der Verhandlungen besteht jedoch das Risiko für Zollanhebungen auf Güter aus der EU in die USA.
  • Im Brexit-Prozess zeichnet sich auf die kurze Sicht als wahrscheinlichstes Szenario eine Verlängerung ab. Das Vereinigte Königreich wird im April wahrscheinlich noch Mitglied der Europäischen Union für ein paar Monate sein. Ein „Unfall“ (Austritt ohne Austrittsvertrag) kann jedoch leicht geschehen.
  • Die Signale für eine Wachstumsstabilisierung sind vorhanden aber schwach. Diese umfassen Indikatoren wie den globalen Einkaufsmanagerindex für den Servicesektor, der im Februar angestiegen ist.

Zusammenfassung

Die Mehrzahl der Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität befindet sich in einem fallenden Trend. Der Rückbau der Globalisierung hat unter Umständen nur eine Verschnaufpause erhalten. Immerhin haben die Zentralbanken die Politik der Liquiditätsverknappung gestoppt beziehungsweise sogar umgekehrt. Für eine Fortsetzung der seit Jahresanfang eingesetzten Erholung bei den risikobehafteten Wertpapierklassen ist eine Wachstumsstabilisierung nötig. Die Anzeichen dafür sind nach wie vor zu schwach. Die Kurse neigen sich seit Anfang März abermals nach Süden. Solange von der geopolitischen Seite keine Eintrübung erfolgt (Verhandlungen zwischen den USA und China, zwischen den USA und der EU und Japan, zwischen dem UK und der EU), besteht eine gute Chance, dass die stimulierenden Maßnahmen (mehr Liquidität) mit einer Zeitverzögerung von ein paar Monaten eine Wachstumsstabilisierung ermöglichen.


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Ungarn: Normalisierung auf fiskalpolitischer und geldpolitischer Ebene in Sicht?

von István Kovács, Portfolio Manager Erste Asset Management Ungarn.

Die europäischen Medien verfolgen seit Jahren die unorthodoxe Wirtschaftspolitik in Ungarn und unterstützen diese oder lehnen sie ab, je nach politischer Couleur. Gleichzeitig betonen ungarische Entscheidungsträger immer wieder, dass sie sich im Normalbereich bewegen. Die Preisfrage derzeit lautet: können wir nun endlich von einer Normalisierung der Geld- und Fiskalpolitik in den kommenden Jahren ausgehen?

Was meine ich mit normaler Geld- und Fiskalpolitik, und worauf deuten die Signale hin? Normale Fiskalpolitik bedeutet einen Maßnahmen-Mix, der auf professioneller volkswirtschaftlicher Kompetenz beruht und nachhaltiges Wachstum sowie die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Landes unterstützt. Eine normale Geldpolitik erfordert eine glaubwürdige, unabhängige Zentralbank, die Inflation bekämpft und finanzielle Stabilität zum Ziel hat.

Ungarn: Leistungsbilanz in % des Bruttoinlandsprodukts (2008-2020E) 

Quelle: MNB; Erste Research; per 28.2.2019

Ein Blick hinter die Zahlen

Im Bereich der Fiskalpolitik sehen wir, dass sich die wichtigsten Makrozahlen verbessert haben und während der Orbán-Regierung unter Kontrolle gebracht worden sind; das Verhältnis von Verschuldung zu Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinkt langsam; das Defizit der Regierung beträgt seit fünf Jahren etwa 2% vom BIP. Es wird Jahr für Jahr ein Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet und die Beschäftigung verzeichnet Rekordstände. Die Zahlen per se sehen gut aus, doch sollte man hinter selbige blicken, um Nachhaltigkeit oder deren Absenz zu konstatieren. Die Wirtschaftsstruktur hat sich kaum verändert: die Wirtschaft wächst nach wie vor aufgrund multinationaler Industrieinvestitionen und Produktion sowie der sehr zyklischen Aktivität im Bausektor über ihrem Potenzial. Ungarn ist noch immer sehr exponiert gegenüber dem globalen Wirtschaftswachstum und damit ökonomisch verwundbar, wenngleich die größten Rating-Agenturen anerkennen, dass Ungarn große Fortschritte hinsichtlich seiner Widerstandsfähigkeit gegen Wirtschaftsschocks gemacht hat. S&P und Fitch haben Ungarn soeben auf zwei Stufen über Investment-Grade hinaufgestuft.

Ungarn: Exportquote in % des Bruttoinlandsprodukts (2008-2018)

Quelle: Weltbank; Februar 2019

Es ist Zeit, die Nachhaltigkeit der Geldpolitik unter Beweis zu stellen

Die Geldpolitik der Orbán-Ära sieht ähnlich aus. Es gibt zahlreiche positive Ergebnisse, wie z.B. die deutlich verminderte Brutto- und Nettoverschuldung gegenüber dem Ausland,  niedrige Inflationsraten, niedrige Renditen und ein stabiler Forint. Zwei Faktoren waren dabei entscheidend: die weltweit lockere Geldpolitik und die sich langsam verbessernde Glaubwürdigkeit der Zentralbank (obwohl letztere eher auf dem Erreichten als auf der Unabhängigkeit der Bank selbst beruht).

Nun ist es Zeit für den Gouverneur und das Team der Zentralbank zu beweisen, dass der bereits erreichte Fortschritt der ungarischen Geldpolitik ein nachhaltiger ist. – Gutes Timing, da Gouverneur Matolcsy gerade für eine zweite sechsjährige Amtsperiode gewählt wurde. Noch Ende letzten Jahres machte das Gerücht die Runde, dass Gouverneur Matolcsy es vorzöge, das Amt eines Ministers mit Verantwortlichkeit für die volkswirtschaftliche Strategie des Landes zu bekleiden, doch es sieht danach aus, als ob Herr Orbán dem bekannten Prinzip aus der Sportwelt folgte: Never change a winning team!

Schlussfolgerung

Wir gehen davon aus, dass die geldpolitische Normalisierung heuer beginnen sollte, sofern die Zentralbank die hart erkämpfte Glaubwürdigkeit behalten möchte. Der Ton der Zentralbank hat sich schon dahingehend geändert, dass sie nun betont, dass sich angesichts des von der Wirtschaft erreichten Potenzialwachstums die Geldpolitik nun einzig auf die Inflationszielerreichung fokussieren sollte; dabei wird die steueradjustierte Kerninflationsrate als Haupt-Benchmark für die Ausrichtung der Geldpolitik eingesetzt. Die Zukunft wird zeigen, ob das neue Sechsjahres-Mandat erfolgreich sein wird oder nicht. Wir hoffen auf das Beste, aber bleiben aufmerksam.


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Was können Biotechnologie-Aktien?

Aktien der Biotechnologie-Branche zählen zu den Aktien mit den höchsten Wachstumschancen aber auch mit den größten Kursschwankungen nach oben oder unten. Investmentfonds bieten eine Streuung auf eine größere Anzahl interessanter börsennotierter Biotechnologie-Unternehmen. Einer von diesen, der ESPA STOCK BIOTEC, konnte nach einem Rücksetzer im Jahr 2015 kontinuierlich zulegen (siehe Grafik Reuters Eikon, 22.2.2019*). Die Chancen stehen gut, dass Biotech-Aktien in den kommenden Jahren diese Wachstumsdynamik fortsetzen können. Im Biotechsektor herrscht derzeit eine große Aufbruchsstimmung. Bahnbrechenden Forschungsergebnisse in Krankheitsfeldern mit hohem medizinischem Bedarf wie auch das anhaltende Umsatz- und Gewinnwachstum liefern plausible Kaufargumente.

*) Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Biotechnologie einfach erklärt

Biotechnologie ist eine Technologie, die auf Biologie basiert. Sie nutzt zelluläre und biomolekulare Prozesse, um neue Medikamente zu entwickeln. Derzeit stehen Patienten mehr als 250 biotechnologische Produkte und Impfstoffe zur Verfügung, viele davon für zuvor nicht behandelbare Krankheiten.

Biotechnologie steht als Sammelbegriff für eine nahezu unüberschaubare Vielzahl von Verfahren, Produkten und Methoden. Die Einsatzmöglichkeiten der Biotechnologie sind nicht auf ein Gebiet beschränkt, sondern sehr vielfältig. So erforschen Biotechnologen kleine und große Organismen, Pflanzen, Tiere und Menschen, aber auch kleinste Teile wie einzelne Zellen oder Moleküle.

Zweige der Biotechnologie

Die Grüne Biotechnologie betrifft pflanzliche Anwendungen, zum Beispiel für landwirtschaftliche Zwecke. Die Rote Biotechnologie ist der Bereich medizinisch-pharmazeutischer Anwendungen, wie zum Beispiel die Herstellung von Medikamenten und Diagnostika. Die Weiße Biotechnologie oder Industrielle Biotechnologie umfasst biotechnologische Herstellungsverfahren, vor allem für chemische Verbindungen in der Chemieindustrie, aber auch Verfahren in der Textil– oder Lebensmittelindustrie. (Quelle: BMBF, Deutschland)

Gesundheitsausgaben steigen weltweit

Das Gesundheitswesen gilt als Leitindustrie des 21. Jahrhunderts. Durch das Wachstum der weltweiten Bevölkerung auf 9,2 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 und die prognostizierte Verdoppelung der Personen über 60 bis dahin, werden die Ausgaben für Gesundheit in den OECD-Ländern von derzeit 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 9,5 Prozent steigen (Quelle: OECD).

Der Biotechnologie-Sektor wird von neuen, innovativen und erfolgreichen Medikamenten-Entwicklungen profitieren. Es wird für die nächsten Jahre ein Umsatz und Gewinnwachstum im hohen einstelligen Bereich erwartet. Schon 2018 Jahr gab es in den USA eine rekordhohe Anzahl an Neuzulassungen. Letztes Jahr wurden 59 Medikamente zugelassen, nachdem schon im Jahr davor mehr als 40 Zulassungen erfolgten (Quelle: US Gesundheitsbehörde FDA). Die USA sind in der Forschung federführend und werden weiter die Innovationen fördern.

Wer sind die Wachstumstreiber der Biotechnologie?

  • Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat die Medikamenten-Entwicklung revolutioniert. Trotz zahlreicher Innovationen und Forschungserfolge sind nur wenige Medikamente für die 1.200 seltenen Krankheiten am Markt. Die Biotechnologie ist gefordert.
  • Kampf dem Krebs. Laut WHO starben 9,6 Millionen Menschen im Vorjahr an Krebs. Die Kosten dieser heimtückischen Krankheit belaufen sich auf gigantische 1,2 Billionen Dollar. Viele Krankheiten sind noch nicht hinreichend erforscht, geschweige denn gibt es wirksame Medikamente. Das könnte sich bald ändern. Neuartige Medikamente können gegen verschiedene Krebsarten eingesetzt werden, etwa Revlimid von Celgene, zur Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom. Weniger erfolgreich verlief der klinische Versuch von Bristol-Myers für das Medikament Opdivo. Ende des Vorjahres musste das Unternehmen bekannt geben, dass die Behandlung von Lungenkarzinom-Erkrankten fehlschlug.
  • Die Lebenstil-Krankheiten wie Diabetes (422 Millionen Erwachsene Erkrankte) oder Leberkrankheiten müssen wirksam bekämpft werden. Das dänische Unternehmen Novo Nordisk testet gerade eine Substanz gegen Fettleber, die gleichzeitig zur Bekämpfung von Allzheimer eingesetzt werden soll.
  • Immuntherapien stehen stellvertretend für das neue Zeitalter der Krebstherapie. Aktuell stehen hier die zellulären Ansätze im Vordergrund.
  • Daneben sind die Pipelines im Bereich der neurologischen Erkrankungen gut gefüllt. Die jüngsten Durchbrüche zeigen sich mit neuen Medikamenten für schwere Formen von Epilepsie und Wochenbettdepression.
  • Vermehrte Unternehmenskäufe und Übernahmen. Patentabläufe in der Pharma- und Biotechnologie-Branche gefährden die einstige Erfolgsgeschichte und müssen mit neuen Produkten ausgeglichen werden. Unternehmenskäufe und Übernahmen sind ein Weg um das Wachstum fortsetzen zu können. Ende Februar gab der amerikanische Diagnostik- und Biotechnikkonzern Danaher die Übernahme der Biopharmasparte von General Electric für 21,4 Milliarden Dollar bekannt. Der Schweizer Pharmakonzern Roche vereinbarte unterdessen die Übernahme der US-Biotechfirma Spark für 4,3 Milliarden Dollar und engagiert sich damit erstmals im Bereich der Gentherapie (Quelle: Handelsblatt, 26. Februar 2019).

Weitere Beispiele sind die Übernahmen von Celgene durch Bristol MyersLoxo durch Eli Lilly und Tesaro durch GlaxoSmithKline sowie IMDZ durch Merck.

Rückschlag-Gefahren für die Biotechnologie

Den grundsätzlich positiven Wachstumsperspektiven stehen potenzielle Rückschlag-Gefahren gegenüber, die nicht unterschätzt werden dürfen. So wirkte sich schon im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf der Einfluss der Politik auf die Preisgestaltung bei Medikamenten negativ aus. Sowohl Hilary Clinton als auch ihr Kontrahent Donald Trump hatten sich für niedrigere Medikamentenpreise ausgesprochen. Wenn jedoch Innovationen nicht honoriert werden dürfen und die Preise noch dazu stark reguliert sind, wird es dann noch Innovation geben?

Ein weiterer Faktor, der das Wachstum in der Zukunft hemmen könnte, ist die Konzentration der Forschung und unternehmerischen Tätigkeit der Biotechnologie-Unternehmen in den USA. Das Biotechnologie-Cluster liegt in den USA und nicht in Europa. Das heißt nicht, dass in Europa keine Innovation stattfindet. Das Ausmaß ist aber mit den USA nicht zu vergleichen. In den USA gibt es einige Clusters um Boston, San Francisco und New York herum. Dort forschen die Unternehmen schwerpunktmäßig zusammen. In dem Ausmaß gibt es das in Europa nicht. Es gibt einige in der UK, Frankreich, Deutschland und Schweden aber das ist Im Vergleich zu den USA sehr klein. Zudem ist die Angelsächsische Risiko-Mentalität eine andere als die der Europäer. Risiko-Kapital, was wir brauchen um schneller erfolgreich zu sein, ist dort leichter verfügbar als in Europa.

ESPA STOCK BIOTEC: Portfolio mit den Top-Biotechnologie-Unternehmen

Anleger, die breit gestreut den globalen Biotechnologie-Sektor abdecken möchten, könnten zum Beispiel in den ESPA STOCK BIOTEC investieren. Der im Jahr 2000 aufgelegte Aktienfonds der Erste Asset Management investiert in ein Portfolio, bestehend aus rund 80 börsennotierten Unternehmen, vornehmlich aus den USA, das als Zentrum der Biotechnologie-Branche gilt. Seit seinem Fondsstart hat der ESPA STOCK BIOTEC eine jährliche Wertsteigerung von 8,70 Prozent (per 31.1.2019, Quelle www.erste-am.at) erzielt*. In diesem Fonds werden alle wesentlichen Anwendungsgebiete der Biotechnologie erfasst wie zum Beispiel Krebsforschung, personalisierte Medizin, Alzheimer, Zelltherapien, seltene Krankheiten und Genforschung. Wer in den ESPA STOCK BIOTEC investiert, genießt die Chance auf hohe Wertsteigerung, muss aber auch entsprechende Risikobereitschaft mitbringen und hohe Kursschwankungen in Kauf nehmen. Mit regelmäßigen Investitionen in einen Fondssparplan lässt sich das Timing-Risiko in Zaum halten.

Aktien aus dem Segment der Biotechnologie ziehen zu Recht das Interesse der Anlegerinnen und Anleger auf sich. Für die nächsten Jahre wird ein Umsatz- und Gewinnwachstum der Unternehmen im hohen einstelligen Bereich erwartet. So wie in den letzten Jahren könnten neue Forschungsergebnisse und Firmenzusammenschlüsse den Aktien Auftrieb verschaffen. Beim Geld Anlegen in Biotechnologie-Aktien sollten die Risiken im Auge behalten werden. Starke Schwankungen der Aktienkurse können jederzeit auftreten. Mit dem s Fonds Plan Mix (Fondssparen) kann man auch schon mit kleinen Beträgen am Wachstum der aufstrebenden Biotechnologie-Aktien teilnehmen.


*Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt laut OeKB Methode. In der Wertentwicklung ist die Verwaltungsgebühr und eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung berücksichtigt. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 4,00 Prozent und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (zum Beispiel Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

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Solide, nicht überragend: die Berichtssaison in den USA und in Europa

von Peter Szopo, Chief Equity Strategist der Erste Asset Management.

Unternehmensgewinne zählen zu den wichtigsten Performance-Treibern für einzelne Aktien wie auch für den Gesamtmarkt. Sie sind ein Indikator für die Schaffung von Shareholder-Value im börsennotierten Unternehmenssektor und dementsprechend übt das Gewinnwachstum einen maßgeblichen Einfluss auf die Performance von Aktien und Marktindizes aus. Deshalb ist die vierteljährliche Berichtssaison, wo Unternehmen nicht nur die erzielten Ergebnisse präsentieren, sondern oft auch Hinweise oder explizite Managementprognosen („Guidance“) über die nahe Zukunft geben, ein derart wichtiges Ereignis.

Die derzeit laufende Berichtssaison ist sogar noch wichtiger als sonst, da die Marktteilnehmer nach der massiven Korrektur im vierten Quartal 2018 nach Hinweisen suchen, ob der Abverkauf eine geänderte Gesamtrisikoeinschätzung seitens der Anleger (d.h. höhere Abzinsungsraten) widerspiegelt oder schlechtere Gewinnaussichten die Ursache waren (wenngleich diese Faktoren oftmals nicht vollständig voneinander getrennt werden können).

Nachfolgend ein paar Trends, die im Zuge der derzeitigen Berichtssaison sichtbar wurden:

1. Die Unternehmensgewinne liegen über den Erwartungen (oder, trefflicher, den Befürchtungen)

In den USA hatten per Mitte Februar fast 80% der Unternehmen ihre Ergebnisse veröffentlicht. Bei mehr als 70% waren die Gewinne besser als erwartet (lt. Bloomberg-Konsensus), und bei 60% lagen die Umsätze über den Erwartungen. Beide Zahlen sind solide, aber schlechter als im vergangenen Quartal.

Bloomberg

Auch in Europa dominieren die positiven Überraschungen bis dato. Von den Unternehmen, die bis Mitte Februar ihre Q4-Ergebnisse verlautbart hatten, verzeichneten 60% positive Umsatz- und 56% positive Gewinnüberraschungen. Historisch betrachtet, sind diese Prozentzahlen nicht herausragend, doch geben sie auch keinen Anlass zur übertriebenen Sorge; und, im Gegensatz zu den USA, sind sie auch besser als im vergangenen Quartal.

2. Aber: die Erwartungen waren vor der Berichtssaison deutlich reduziert worden

Zwar sieht das Verhältnis von positiven zu negativen Gewinnüberraschungen auf den ersten Blick solide aus, doch darf man nicht darüber hinweg sehen, dass die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal 2018 vor der Berichtssaison deutlich gestutzt wurden. In den USA fielen die 4Q-Schätzungen für die Gewinne der Unternehmen im Index während des Quartals um 2,9%, und in Europa wurden die Gewinnschätzungen um beinahe 12% reduziert. Anscheinend führten der Abverkauf in Q4 2018 und die globale Wachstumsverlangsamung zu deutlichen Gewinnrevisionen nach unten. Sie stellten sich angesichts der tatsächlich berichteten Ergebnisse als überzogen heraus, doch  ohne diese Revisionen hätten wir im Durchschnitt keine positiven Überraschungen in den USA gesehen und in Europa sogar eine negative Gewinnüberraschung von fast 10%.

3. Wachstumsverlangsamung in Q4

In den USA verringerte sich das jährliche Wachstum des Gewinns pro Aktie im Durchschnitt von 24% in Q3 2018 auf ca. 11% im letzten Quartal des Vorjahres, während es in Europa von 9% auf 2% fiel. Auf der Umsatzseite sieht das Bild etwas besser aus: in den USA verringerte sich das Umsatzwachstum um lediglich 1,5 Prozentpunkte auf ca. 8%, und in Europa stieg es sogar über jenes in Q3.

Mehrere Punkte sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert: zwar hat sich Wachstum verlangsamt, aber es blieb auch in Q4 noch z.T. deutlich positiv. Zweitens: der Unternehmenssektor in den USA wächst sowohl bei Gewinnen als auch Umsätzen nach wie vor schneller als sein europäisches Gegenstück – was bestätigt, dass der makroökonomische Hintergrund in den USA noch immer besser ist als in Europa. Drittens: die Margen in den USA stiegen weiter (was angesichts der Auswirkungen der US-Steuerreform keine Überraschung darstellt), während sie in Europa fielen.

4.Erwartungen für 2019: immer noch positiv, doch Risiken zeigen nach unten

Die bisherigen Ergebnisse der Berichtssaison haben nicht geholfen, den Abwärtstrend bei den Gewinnschätzungen zu stoppen. Zuletzt lagen Gewinnschätzungen für die Unternehmen im S&P 500– und im Stoxx 600-Index für das laufende Jahr 5-7% unter den Spitzen, die noch in der zweiten Hälfte 2018 erwartet worden waren.

Daher fiel der erwartete Gewinnzuwachs für das Gesamtjahr sowohl für das Universum des S&P 500 als auch des Stoxx 600 von hohen einstelligen Prozentsätzen auf zuletzt 6%. Allerdings halten die Negativrevisionen nach wie vor an, und ich erwarte, dass nach Ende der Berichtssaison die Konsensschätzung näher bei 3-4% liegen wird.

Anmerkung: Eine Konsensschätzung ist eine Zahl, die auf den aggregierten Schätzungen von Analysten basiert, die die jeweiligen Unternehmenssektoren abdecken.

All das impliziert für Investoren, dass Unternehmensgewinne nach zwei Jahren starken Wachstums vermutlich nicht mehr als Stütze für die US- und die europäischen Aktienmärkte funktionieren werden. Zwar scheinen sich die Negativrevisionen zuletzt verlangsamt zu haben, doch die Risiken deuten eher in Richtung einer weiteren Gewinnabschwächung. Das Weltwirtschaftswachstum verlangsamt sich nach wie vor, während sich Löhne und andere Kostenfaktoren beschleunigen. Es ist sicher, ob die Margen-Erwartungen der Analysten all diese Entwicklungen ausreichend reflektieren.

Allerdings besteht kein Grund, übermäßig pessimistisch zu sein, da a) derzeitige Schätzungen keinen wirklichen Einbruch bei den Gewinnen erwarten lassen und b) die Erwartungen auch schon deutlich zurückgenommen wurden. Beispielsweise gehen die derzeitigen Konsens-Schätzungen bereits davon aus, dass die Gewinne im ersten Quartal 2019 wahrscheinlich auf beiden Seiten des Atlantiks im Jahresvergleich schrumpfen werden. Anleger sind momentan nicht übermäßig optimistisch – was eigentlich schon wieder ein Grund für moderaten Optimismus ist.


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Brexit: The Final Countdown

Anfang vergangener Woche forderte die britische Premierministerin Theresa May die Abgeordneten des Parlaments in London dazu auf, die „Nerven zu bewahren“. Ab dem 29. März soll Großbritannien nicht mehr Teil der Europäischen Union sein. Weil das britische Parlament den vorliegenden Brexit-Vertrag in einer Abstimmung am Donnerstag nun wiederholt abgelehnt hat, ist aber nach wie vor nicht klar, wie die Beziehungen zwischen dem ehemaligen Empire und der EU künftig aussehen werden.

Einen Vorgeschmack auf die Folgen des Brexit lieferten zuletzt Konjunkturdaten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2018 nur noch um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu. Im Dezember sank die Produktion britischer Unternehmen den fünften Monat in Folge. Vor allem die Autobauer und die Stahlindustrie drosselten ihre Produktion. Im Vorfeld des Brexit zeichnet sich Experten zufolge insbesondere bei den Investitionen die Unsicherheit der Unternehmen ab. Selbst im Falle eines Kompromisses würden deutliche Bremsspuren im Jahresverlauf zu sehen sein.

Wie schwer die Unsicherheit für Unternehmen wiegt, zeigt sich bereits jetzt. So wird der japanische Automobilhersteller Nissan die nächste Generation seines SUV-Modells X-Trail für den europäischen Markt in Japan statt wie geplant in England bauen. Auch Ford trifft verstärkt Vorkehrungen für einen Produktionsabzug aus Großbritannien. Und der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus droht für Fall eines ungeregelten EU-Austritts mit der Schließung von Fabriken in Großbritannien.

“Deal“ or „No Deal“ ist die Frage

Ohne Brexit-Vertrag mit der EU würden für die Briten plötzlich nur noch die Regelungen der Welthandelsorganisation (WTO) gelten. Dies würde bei Weitem nicht nur dem Standort Großbritannien schaden, wie eine aktuelle Studie des Salzburg Centre of European Studies zeigt. Im Falle dieses „Hard Brexit“ kommt es laut der Studie zu einem unmittelbaren Einbruch der britischen Industrieproduktion von bis zu rund 7,6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. In Österreich würde die Produktion im Industriebereich demzufolge in der maximalen Ausprägung um rund 4,5 Prozentpunkte gedämpft, in Deutschland um 4,2 Prozentpunkte. Noch stärker betroffen wären Frankreich und Italien.

Eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg kommt zu dem Schluss, dass nach einem ungeregelten Brexit die Jobs von weltweit 612.000 Menschen gefährdet wären: „In Österreich könnten direkt 2.000 und indirekt 4.000 Arbeitsplätze betroffen sein“, sagt Studienautor Oliver Holtemöller. Die Studie geht davon aus, dass die Importe Großbritanniens durch einen ungeregelten EU-Austritt um ein Viertel einbrechen würden.

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Mit dem im Parlament vorerst erneut abgelehnten Brexit-Vertrag würde sich hingegen bis Ende 2020 ökonomisch kaum etwas ändern. Die Briten müssten sich weiter an EU-Recht halten, aber nicht mehr mitwirken, erklärt Stefan Griller, Professor für Europarecht an der Uni Salzburg. In diesem Fall würde den Berechnungen der Universität Salzburg zufolge eine wesentlich geringere Beeinträchtigung der Industrieproduktion in Großbritannien und den EU-Ländern eintreten.

Konservative stören sich bei Mays Deal aber vor allem an der vorgesehenen Grenzregelung zwischen Nordirland und Irland. Die EU will keine kontrollierte Grenze zwischen Nordirland und Irland. Die Briten wollen wiederum keine Grenzkontrollen zwischen dem britischen Festland und Nordirland. Eine Zusatzvereinbarung zum Brexit-Vertrag könnte diesen Streitpunkt zumindest teilweise entschärfen. Doch um eine solche auszuhandeln, würde Theresa May neben „Nerven“ noch Zeit und mehr Unterstützung für ihre Arbeit benötigen. Dem erteilten die britischen Abgeordneten bei der Abstimmung am vergangenen Donnerstag allerdings erneut eine klare Absage. Die Premierministerin verlor dabei auch wieder an Rückhalt in der eigenen Partei, was nicht nur ihre Verhandlungsposition Brüssel gegenüber geschwächt, sondern schließlich auch einen geregelten und damit glimpflicheren Brexit noch unwahrscheinlicher gemacht haben dürfte.


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Konstruktive Zentralbanken

Die Kurse der risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien sind zu Jahresbeginn gestiegen, so Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste AM. Die Kernfrage für die Investoren: Hält diese Erholung nach den scharfen Einbrüchen im vierten Quartal länger an oder ist sie nur von kurzer Dauer?

Wachstum schwächt sich ab

Zentralbanken
Grafik 1: Fallende Konjunkturindikatoren

Die Weltwirtschaft befindet sich in der Konjunkturphase Abschwung. Das reale globale Wirtschaftswachstum fällt seit dem 4. Quartal 2017. Mittlerweile hat das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) Trend-Niveau erreicht. Auffällig dabei:  der Gütersektor ist besonders empfindlich für den Abschwung. In zahlreichen Ländern ist die Industrieproduktion Ende des vergangenen Jahres markant geschrumpft. Die Mehrzahl der umfragebasierten Frühindikatoren (Einkaufsmanagerindex, Frühindikatoren der OECD – siehe Grafik 1) deutet auf einen weiteren Wachstumsrückgang hin. Stellt diese Entwicklung lediglich eine Normalisierung nach einer Phase von nicht nachhaltig hohen Wachstumsraten dar? Oder haben die Rezessionsrisiken tatsächlich zugenommen?

Schwache positive Signale

ZentralbankenGrafik 2: Keine weiteren Leitzinsanhebungen

Nicht alle Wirtschaftsindikatoren zeigen nach Süden. Es gibt auch eine Reihe von –  zugegeben schwachen – Signalen, die auf eine Stabilisierung des Wirtschaftswachstums hoffen lassen. Bei den Einkaufsmanagerindizes für den Monat Jänner sind mit den Neuaufträgen in den USA und den Importen in China zwei wichtige Subkategorien angestiegen. In Deutschland sind die Ausgliederungen von Industriegütern im Dezember gegenüber dem Vormonat gewachsen. Zudem ist das Kreditwachstum in China im Monat Dezember nicht weiter gefallen. Dieses Umfeld deutet auf ein baldiges Ende der schrumpfenden Industrieproduktion hin.

Geldpolitik unterstützt Finanzmärkte

Die kräftigste Unterstützung für die Märkte kommt von der Geldpolitik  – abermals.

  • Die US-Zentralbank hat die Neigung für weitere Leitzinsanhebungen aufgebeben. Die Befürchtungen der Wirtschaft und der Märkte vor zu hohen Leitzinsen sind damit (vorerst) verschwunden. Die im Markt gepreisten zukünftigen Leitzinsanhebungen innerhalb der nächsten 12 Monate haben von 0,8 Prozentpunkten im September 2018 auf aktuell eine leichte Senkung gedreht (siehe Grafik 2). Zudem signalisiert die die US Notenbank Fed den Prozess der Bilanzschrumpfung der Zentralbank früher als allgemein erwartet zu beenden (= mehr Liquidität).
  • Die Europäische Zentralbank spricht von Abwärtsrisiken für die Wirtschaft (=Rezessionsrisiken). Damit ist der baldige Ausstieg von der aktuell sehr expansiven geldpolitischen Haltung noch unwahrscheinlicher geworden.
  • In China wurde der Mindestreservesatz (Reserve Requirement Ratio) mehrmals gesenkt (= mehr und billigere Liquidität für Banken). Das Wachstum der Zentralbankbilanz ist nach einem rückläufigen Trend im vergangenen Jahr im Dezember angestiegen.

Zusammenfassung

Als Hauptmotiv für die Abkehr von der graduellen Verschärfung des geldpolitischen Umfeldes wurde allgemein die Verschlechterung des Finanzumfeldes (= fallende Aktienkurse, höhere Renditeaufschläge für das Kreditrisiko) genannt. Hierbei sollen nicht fallende Aktienkurse per se vermieden werden. Es geht darum, die negative Rückkopplung von der Verschlechterung des Finanzumfeldes auf die Wirtschaft zu stoppen. Das scheint vorerst zu gelingen. Ein (möglicherweise) Auslaufen der Wachstumsabschwächung im 1. Halbjahr bei einer gleichzeitig unverändert expansiven Haltung der Zentralbanken unterstützt (vorerst) die risikobehafteten Wertpapierklassen (Aktien, Emerging Markets). Wichtig ist, dass die Frühindikatoren für das Wirtschaftswachstum bald aufhören zu fallen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Lateinamerika Überblick: Venezuela ein klassischer Umschuldungskandidat

Venezuela steckt in der Krise: Die Wirtschaft des Landes kollabiert, das Bruttoinlandsprodukt halbierte sich, in US-Dollar gerechnet, innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Das Volumen der Erdölexporte – die einzige wichtige Einnahmequelle des Landes – fiel drastisch. Zu allem Überfluss wurden diese jüngst mit Sanktionen seitens der USA belegt. In den letzten zwei Jahren flohen laut Berichten angeblich über zwei Millionen Menschen in die benachbarten Länder, da das Geld für lebenswichtige Importe fehlt. Und der Machtkampf zwischen Nicolás Maduro und seinem Kontrahenten Juan Guaidó sowie ihren jeweiligen Unterstützern setzt sich fort. Ein von der „Straße“ getragener Regierungswechsel ist durchaus möglich.

Was bedeutet die Krise für venezolanische Anleihen?

Schon seit geraumer Zeit ist das Land ein klassischer Umschuldungskandidat. Ein Regime-Wechsel würde das nur beschleunigen. „Die Hoffnung vieler Marktteilnehmer auf einen Regime-Wechsel trieb den Sekundärmarktpreis venezuelanischer Anleihen in den vergangenen Wochen nach oben. Die aktuelle Entwicklung wirkt allerdings wie naiver Optimismus“, sagt Felix Dornaus, Senior Fondsmanager für Schwellenländeranleihen bei der Erste Asset Management (Erste AM).

Dafür hat der Südamerika-Experte gute Gründe: Seit dem 1. Februar 2019 hat das US-Finanzministerium den Handel mit Anleihen der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA und Anleihen der Republik Venezuela für US-Personen bis auf weiteres verboten. Das hat auch Auswirkungen auf den Handel zwischen Nicht-US-Personen. Die Liquidität lässt – aus Angst in die Schusslinie der USA zu geraten – massiv nach.

Zehn Milliarden an Krediten mit Erdöllieferungen besichert

„Zwar sitzt das Land auf den größten Erdölreserven der Welt, mangels funktionierender Infrastruktur wird es aber auch auf längere Sicht nicht davon profitieren können“, sagt Dornaus. Die Überschuldung ist massiv und Kredite von China und Russland, die jeweils auf eine Summe von zehn Milliarden US-Dollar geschätzt werden, sind bereits mit Erdöllieferungen besichert. Die Hälfte des größten ausländischen Assets, des Konzerns CITGO in den USA, ist ebenfalls bereits verpfändet. Erhebliche Schürfrechte im Land wurden unter anderem an russische Unternehmen verkauft. „Angesichts dieses Mangels an Ressourcen muss bei einer Restrukturierung mit der Notwendigkeit eines massiven Schuldennachlasses gerechnet werden, auch und vor allem seitens der privaten Gläubiger“, so Dornaus weiter.

Unter den gegebenen Bedingungen hält es der Experte für wahrscheinlich, dass die gegenwärtigen Assetpreise die Wertaufholung zu optimistisch widerspiegeln. Darüber hinaus sei es schwierig zu erfassen, wer welche Forderungsbestände halte („Reconciliation“). „Es zeichnet sich eine erneute Hold-Out-Problematik ab, ähnlich der letzten Umschuldung Argentiniens. Diese Restrukturierung wird chaotisch, langwierig und teuer für die Anleihenbesitzer“, schlussfolgert Dornaus.

Positive Aussichten für Peru, Kolumbien und Chile

Die Kombination aus steigenden US-Zinsen, sich abschwächender Weltwirtschaft und dem US-chinesischen Handelskonflikt belastete die Risikostimmung im Jahr 2018. Dieser einzigartige Cocktail führte zu einer generellen Neupreisung von Risiken. „In einem Umfeld höherer Volatilität haben wir – zumindest im Vergleich zu den letzten Jahren – steigende Spreads, schwächere Währungen und steigende lokale Renditen gesehen. Wenn wir in die Geschichte zurückblicken ist dies jedoch ein Prozess der Normalisierung, und es wird erwartet, dass die Volatilität auf diesem Niveau bleibt“, betont Christian Gaier, Head of Fixed Income Rates, Sovereigns & FX.

Schenkt man dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Glauben, der für 2019 stabile Rohstoffpreise prognostiziert, scheinen die Weichen für andere Länder Lateinamerikas gestellt. Die zyklische Erholung in den Anden (Peru, Kolumbien und teilweise Chile) dürfte sich fortsetzen. „Attraktive Renditeniveaus, kombiniert mit einem stabilen Wachstumsausblick, der von einer gesunden Kombination aus privatem Konsum und Investitionen getragen wird, bilden die Grundlage für attraktive langfristige Anlagemöglichkeiten“, ergänzt Gaier.

Als Low-Beta-Anleihen dürften die Schuldtitel dieser Länder zudem weniger von Schwankungen der globalen Risikostimmung betroffen sein. Bei Argentinien, Mexiko und Brasilien dagegen sei ein gesundes Maß an Vorsicht angebracht: „Zu den innenpolitischen Einflüssen in den jeweiligen Ländern gesellt sich als möglicher Risikofaktor das im Vergleich stärkere Beta hinzu – diese Länder sind also stärker von der globalen Risikostimmung betroffen. Investoren werden sich auf den lokalen News-Flow sowie die makroökonomischen Entwicklungen vor Ort konzentrieren müssen, um kurz- und mittelfristige Investmentchancen wahrnehmen zu können“, so Gaier abschließend.


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Big Trouble in Little China?

Der Handelskrieg, das Abkühlen der Weltwirtschaft und wachsende Unsicherheiten am Heimatmarkt: die Probleme, die sich der chinesischen Volkswirtschaft in den Weg stellen, werden nicht weniger, so Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Das typische Bild des chinesischen Drachen zeigt ein massives Reptil mit großem, abgeschottetem Kopf, das keine Flügel besitzt und sich von einer Schlange nur durch vier klobige Beine unterscheidet. Zieht man dieses Fabelwesen zum metaphorischen Vergleich der chinesischen Wirtschaft heran, so behaupte ich, dass die vier Beine, die das Tier in Balance halten, Konsum, Export, Infrastruktur und Verschuldung sind. Derzeit erscheinen drei der vier Beine ausgesprochen zittrig.

Der große städtische Einzelhandels-Blues

Retail Chart 1

Während der heimische Konsum ständig im Wachstum begriffen ist, fällt das jährliche Wachstum in innerstädtischen Einzelhandelsverkäufen, wo der Großteil der Güter mit hohem Wertschöpfungsanteil konsumiert wird, seit 2010. Seit 2015 schien das jährliche Wachstum stabil zu sein, was Analysten zu der Annahme verleitete, dass die Umsätze wieder steigen würden. Der Handelskonflikt, der 2018 begann, brachte als Folgeerscheinung geringeres Konsumentenvertrauen und somit ein Ende dieser Hoffnungen. Ein weiteres Absinken der Wachstumsraten ist nunmehr das wahrscheinlichste Szenario.

Ein Pyrrhus-Sieg im Handelskrieg mit den USA?

Ratail Charts 2

Der Handelskonflikt war der dominierende Faktor in 2018, dies trotz der Tatsache, dass sich die Folgen erst allmählich zu manifestieren beginnen. Im Dezember 2018 erreichte der Außenhandelsüberschuss Chinas mit den USA einen neuen Rekord. Zwar bestehen widersprüchliche Erklärungsansätze bezüglich dieses ausgesprochen hohen Niveaus, doch steht fest, dass Donald Trump und die „Hawks“ innerhalb seiner Administration davon Notiz nehmen werden. Ein Handelsabkommen rückt damit in zunehmende Ferne und wird weiterhin das Wachstum belasten.

Die noch zu bauenden Brücken werden weniger

Retail Charts 3

Wenn Konsum das Blut der chinesischen Wirtschaft ist, so stellt die Infrastruktur das Rückgrat dar. Es hält Staatsunternehmen am Leben, bereitet den Weg für zukünftiges Wachstum und ist primär von zwei Rohmaterialien abhängig: Beton und Stahl. Nach einer bemerkenswerten Rallye seit 2015 verzeichnete der Stahlpreis 2018 einen Verfall , was auf ein Austrocknen der Infrastruktur-Pipeline hinweist. Zwar musste die letzte Investitionswelle im Infrastrukturbereich natürlich irgendwann abebben, doch war das starke Gefälle, welches der Stahlpreis aufwies, überraschend und  könnte auf eine turbulente Zukunft hindeuten. 

Drei außer Gefecht, bleibt noch einer?

Mit drei wackeligen Beinen stützt sich Wirtschaft des chinesischen Drachen nunmehr auf das vierte, d.h. Verschuldung, auf welches die chinesische Regierung ohne Zweifel großen Einfluss vermittels der gehorsamen Bank of China ausübt. Zwar ist das Verschuldungsniveau schon hoch, doch bin ich der Ansicht, dass nach wie vor Spielraum besteht, bevor die Verschuldung ein besorgniserregendes Volumen erreicht.

Zusammenfassend kann man konstatieren, dass China sich Problemen ausgesetzt sieht, die es nicht alle vollends unter eigener Kontrolle hat. China hat auf unangenehme Art und Weise  herausgefunden, was es bedeutet, die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA herauszufordern und sieht sich nicht nur nationalem Schmach von Seiten des US-Präsidenten mit lockeren Fingern ausgesetzt, sondern musste sich auch selbst hausgemachte Probleme eingestehen, die zu lange ignoriert worden waren.

Ob dies nun zu einer Rezession in China führt (d.h. zu einer Periode von 5% oder weniger an Wirtschaftswachstum) oder lediglich eine Periode durchschnittlichen Wachstums mit sich bringen wird, ist noch unklar. Da letztere Szenario ist jedenfalls wahrscheinlicher. Der chinesische Drache kann gut auf einem Bein dahinschlittern und ein Ende in einem großen Feuerball vermeiden.


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Weltwirtschaftsforum Davos 2019: im Zeichen von Wirtschaftsabschwung und Handelskrieg

Wie jedes Jahr haben sich in der abgelaufenen Woche im Schweizerischen Davos wieder Staatschefs, hochrangige Wirtschaftsexperten und Unternehmenslenker getroffen um sich beim Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (World Economic Forum) auszutauschen. Angesichts von Handelskrieg, Brexit und eines drohenden Wirtschaftsabschwungs wurde das WEF-Treffen heuer von zahlreichen Aufrufen zu verstärkter internationaler Kooperation dominiert.

Schon zu Beginn des Treffens hat der internationale Währungsfonds (IWF) in seinem viel beachteten „World Economic Outlook“ vor einer Eintrübung der Weltwirtschaft gewarnt. Vor dem Hintergrund des Handelsstreits und anderer Unsicherheiten haben sich die Aussichten für die Weltwirtschaft laut der aktuellen IWF-Prognose eingetrübt. Das globale Bruttoinlandsprodukt dürfte heuer nur noch um 3,5 Prozent und 2020 um 3,6 Prozent zulegen, prognostizierte der IWF. Im Oktober lagen die Prognosen noch bei jeweils 3,7 Prozent.

Davos internationale Kooperation

 

„Eine globale Rezession steht sicher noch nicht vor der Tür“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde bei der Vorstellung des Berichts in Davos. „Aber das Risiko eines stärkeren Rückgangs des weltweiten Wachstums ist sicherlich gestiegen.“

„Die Verlangsamung scheint früher zu kommen als erwartet“, sagte auch IWF-Vizechef David Lipton zu Reuters TV. Noch laufe die Konjunktur gut. Es gebe aber zahlreiche Risiken, von den Handelsstreitigkeiten bis hin zu schlechteren Finanzierungsbedingungen.

Merkel wirbt bei Weltwirtschaftsforum für multilaterale Zusammenarbeit

Mehrere Staatschefs haben in Davos vor diesem Hintergrund eine verstärkte internationale Zusammenarbeit und eine Abkehr vom Protektionismus gefordert. Sie suche nach Verbündeten für den Multilateralismus, sagte etwa Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und sprach sich für weitere Freihandelsverträge aus: „Alles andere würde ins Elend führen.“ Gleichzeitig wünsche sich Merkel eine Reform der großen internationalen Organisationen um den massiv gestiegenen Einfluss von Volkswirtschaften wie China oder Indien widerzuspiegeln.

Auch Japan, das derzeit die Gruppe der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G-20) anführt, sprach sich für eine Stärkung der multilateralen Ordnung aus. „Japan ist entschlossen, die freie, offene und regelbasierte internationale Ordnung zu bewahren und weiterzuentwickeln“, kündigte Ministerpräsident Shinzo Abe auf dem Weltwirtschaftsforum an.

Ohne die USA zu nennen, forderte Abe dazu auf, das Vertrauen in die internationale Handelsordnung wiederherzustellen. Der Welthandelsorganisation (WTO) kommt dabei als Hüterin des Freihandels eine wichtige Rolle zu. Doch US-Präsident Donald Trump sieht sein Land von der WTO schlecht behandelt und hatte sogar mit einem Austritt gedroht.

Für Chinas Vizepräsident Wang Qishan gerät sogar die internationale Ordnung ernsthaft in Gefahr. Er kritisierte in Davos, dass viele Länder immer mehr nach innen schauten und Hürden für internationalen Handel und Investitionen, Unilateralismus, Protektionismus und Populismus zunähmen. Wang beschrieb die wirtschaftliche Globalisierung als „unausweichlichen Trend“. Es gebe enormes Potenzial, wenn die Wettbewerbsvorteile einzelner Länder ausgenutzt und die wirtschaftliche Verbundenheit verbessert würden. Als Antwort auf die Herausforderungen in der Welt müssten die Länder gemeinsam und aktiv dieser Linie folgen, forderte Wang.

Den andauernden Handelskrieg mit den USA erwähnte der Wirtschaftspolitiker in seiner Rede mit keinem Wort. Wang hätte in Davos auch mit US-Präsident Donald Trump, der kurzfristig absagte, zusammentreffen sollen, um über den Handelskonflikt zu sprechen. Generell war das Weltwirtschaftsforum heuer auch von prominenten Absagen geprägt. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May waren heuer wegen innenpolitischer Probleme nicht nach Davos gekommen. Österreich war heuer mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und Außenministerin Karin Kneissl vertreten.


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Emerging Markets – Unternehmensanleihen Ausblick 2019

Was waren im vergangenen Jahr die größten Herausforderungen und wo bestehen die Opportunitäten 2019? Péter Varga, Emerging Markets Fondsmanager der Erste AM, gibt die Antworten zu den wichtigsten Fragen.

Handelskonflikt drückt auf die Euphoriebremse

Das vergangene Jahr war aus vielerlei Gründen herausfordernd für Emerging Markets Anleihen. Neben dem Zinserhöhungszyklus in den USA und der Korrektur an den Rohstoffbörsen, waren es die erhöhten politischen Risiken in Ländern wie Venezuela, Südafrika oder der Türkei, die zu einer erhöhten Volatilität führten. Im Vordergrund stand die in einen Handelskonflikt zugespitzte Rivalität der zwei Supermächte USA und China. Die Sorge der US-Regierung ist, dass China immer mehr zum Technologieanführer wird.

Das bestätigen die Ausgaben der Volksrepublik für Forschung und Entwicklung, die in den vergangenen Jahren exponentiell angestiegen sind. „Das chinesische Unternehmen Huawei ist 2018 beim weltweiten Verkauf von Smartphones hinter Samsung auf den zweiten Platz gezogen, vorbei an Apple. Das geht nicht spurlos an den USA vorbei. Genauso wenig wie die chinesischen Errungenschaften in der Weltraumforschung, die Investitionen in Afrika, oder die „One Belt, One Road“ Initiative“, betont Peter Varga, verantwortlicher Fondsmanager für Schwellenländer-Unternehmensanleihen in der Erste Asset Management. „Die angespannte Lage zwischen den USA und China wird sich selbst mit einem Handelsabkommen 2019 nicht in Luft auflösen.“

Entblößte Schwächen, gute Investitionsmöglichkeiten

Insbesondere Europa, das 2017 die Erwartungen deutlich übertraf, hat 2018 geschwächelt. Ursachen waren die Querelen rund um den Brexit und die Verlangsamung der Weltwirtschaft. Diese und die sich ausweitende Spanne zwischen US- und Eurolandzinsen führten zu einer Rallye im US Dollar. Die Kombination aus höheren US-Zinssätzen und einem starken Dollar entblößte wiederum die Schwächen von anfälligen Schwellenmärkten. Argentinien und die Türkei, die u.a. aufgrund fehlender ausländischer Direktinvestitionen große Leistungsbilanzdefizite aufweisen, erlebten beide eine Währungskrise und einen deutlichen Rückgang der Asset Preise.

Diese Faktoren führten zu einer allgemein schlechteren Stimmung gegenüber Schwellenländern und zu Abflüssen von Privatanlegern – jedoch weniger als befürchtet. „Die großen Kursschwankungen der Anleihenpreise im Vorjahr ermöglichten gute Investitionschancen, selbst in den Ländern wie der Türkei oder Argentinien. Es war das Jahr der aktiven Investoren“, erklärt Varga.

Die positiven Trends nicht übersehen

Es gibt viele positive Entwicklungen: nach den Präsidentenwahlen in Brasilien soll nun ein lang ersehnter Reformkurs eingeschlagen werden. Die Investoren antworteten mit einem Kursfeuerwerk. In Südafrika sieht man erste positive Reform-Schritte und China war – vor der Zuspitzung der Rivalität mit den USA – dabei, seine Wirtschaft auf ein durch Technologie, Nachhaltigkeit und mehr Binnennachfrage basiertes Wachstum zu transformieren.

Der steigende US-Dollar war zwar eine Herausforderung für einzelne Länder, hatte jedoch keine Ansteckung zur Folge. „Etliche Schwellenländer haben ein relativ niedriges Schuldenniveau, finanzieren sich immer verstärkter in der heimischen Währung und sind daher gut positioniert. Gleichzeitig sind die längerfristigen wirtschaftlichen Wachstumsaussichten für die Schwellenländer nach wie vor positiv, Kapital fließt wieder zu“, so Varga.

Wo sind die interessantesten Unternehmen zu Hause?

Investoren stehen vor einer Reihe wichtiger Fragen, die je nach Ergebnis die Performance im Jahr 2019 vorantreiben können. Neben dem US-Dollar waren Schwellenländer historisch immer an die Entwicklung der Weltwirtschaft gebunden. In den letzten Jahren wurden sie vermehrt zu einem eigenen Treiber. In China, wo sich die Konjunktur etwas verlangsamt hat und die Handelszölle die Stimmung belasten, hat die Regierung z.B. klare Impulse gesetzt. Darunter auch Steuersenkungen und eine Lockerung der Kreditvergabe.

Interessant sind für uns chinesische High-Yield Anleihen im  Hausbau Sektor. In Brasilien sind es vor allem auch Unternehmen im High-Yield Bereich, die von einem Konjunkturaufschwung profitieren könnten. In Mexiko finden wir Industriewerte und Immobilienunternehmen, die aufgrund politischer Schritte der neuen Regierung günstiger geworden sind. Natürlich beobachten wir laufend, ob sich Opportunitäten auftun, das betrifft auch defensivere Branchen, die eine stabile Nachfrage haben. Das trifft auf Telekommunikationsunternehmen zu, wie z.B. Turkcell in der Türkei“, betont Varga.

Was sorgt für Performance und welche Expertise ist entscheidend?

Grundsätzlich können sehr aktive Manager, die rasch auf wechselnde Gegebenheiten reagieren und nah am Markt sind, anvertraute Kundengelder in diesem volatilen Umfeld am besten schützen oder Verluste im Sell Off vermeiden. Aktives Management kann auch flexibel auf Marktverwerfungen, wie z.B. bei Liquiditätsengpässen agieren. Zudem bietet die „margin of safety“ die sich aus der Unterbewertung ausgewählter Unternehmen und dem tatsächlichen (inneren) Wert ergibt, einen zusätzlichen Risiko-Puffer. Ausgezeichnetes aktives Management ist somit immer auch gelebtes Risikomanagement.

Gerade in Anlageklassen wie Emerging Market Anleihen ist ausgewiesene Expertise von Nischen-Anbietern gegenüber globalen Unternehmen oft im Vorteil.  „Seit Auflage des ERSTE BOND EMERGING MARKETS CORPORATE  haben wir auf über die letzten 10 Jahre eine Wertentwicklung von 9,8 % p.a. erzielt. Mit diesem Track-Record wurden wir als  Fondsmanager bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter auch mit dem Lipper Award. Zudem führen wir unsere Peergruppe per Ende 2018 auf 1, 5 und 10 Jahre als unangefochtener Spitzenreiter an“, betont Varga abschließend.

INFO:

Der ERSTE BOND EMERGING MARKETS CORPORATE investiert in Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Der Fonds veranlagt hierbei weltweit und ermöglicht Investoren die Teilnahme an den Wachstumschancen dieser aufstrebenden Märkte. Fremdwährungsrisiken gegenüber dem Euro werden weitgehend abgesichert und der Lokalwährungsanteil beträgt maximal 10%. Das Fondsvolumen beträgt aktuell 370 Millionen Euro (Stand: 30.12.2018). Das Morningstar Rating vergleicht europaweit die historische Wertentwicklung von Fonds mit ähnlichen Anlagezielen.

Das zuständige Fondsmanagement-Team verwaltet knapp 1,5 Milliarden EUR in Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern – Publikumsfonds und institutionelle Mandate zusammengerechnet.


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Hoffnung auf Entspannung in Handelsstreit beschert Börsen freundlichen Jahresstart

Neue Hoffnungen auf ein Ende des Handelskriegs zwischen den USA und China haben den Börsen einen guten Start ins neue Jahr beschert. Auslöser waren die jüngsten Gespräche von Vertretern der beiden Länder in Peking. Der US-Leitindex Dow Jones konnte vor diesem Hintergrund bis Freitag knapp drei Prozent zulegen. Auch wichtige europäische Aktienindizes wie der DAX oder der Euro-Stoxx-50 legten zwischen zwei und drei Prozent zu. Noch deutlicher nach oben ging es in Wien, der österreichische Aktienindex ATX hat seit Jahresbeginn schon gut sechs Prozent zugelegt (alle Angaben per 11.1.2019).  Vor allem während der mit Spannung erwarteten Gespräche konnten die Börsen zulegen. Nach Ende der Verhandlungen kamen die Märkte angesichts der noch offenen Differenzen aber wieder etwas ins Stocken.

wertentwicklung-globale-aktien

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Freundlicher Jahresauftakt an den Börsen

In der zweiten Jänner-Woche hatten sich Unterhändler von China und den USA zu Gesprächen in Peking getroffen. Die Verhandlungen über eine Beendigung des Handelskriegs waren ursprünglich auf zwei Tage angesetzt, wurden dann aber überraschend verlängert. An den Märkten wurde das Treffen aufmerksam verfolgt. Es handelte sich dabei um die ersten direkten Gespräche seit US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping Anfang Dezember eine 90-tägige Pause im Zollstreit vereinbart hatten. Zuvor hatten sich beide Länder noch mit immer neuen Sonderzöllen in Milliardenhöhe überzogen.

Gespräche bringen Fortschritte, viele Differenzen müssen aber noch ausgeräumt werden

Beide Länder berichteten von einem konstruktiven Gesprächsverlauf. Chinas Handelsministerium teilte mit, die Gespräche hätten „das gegenseitige Verständnis vergrößert und eine Grundlage geschaffen, um die Besorgnisse beider Seiten anzusprechen“. Trotz erster Fortschritte ist der Weg zum Ende des Handelskriegs aber noch weit.

China hat laut dem US-Handelsministerium seine Zusagen bekräftigt, „bedeutende Mengen“ an Produkten der USA zu kaufen und mehr Dienstleistungsgeschäfte zuzulassen. Bei den zusätzlichen Importen und einer Öffnung des chinesischen Marktes für US-Kapital gab es laut dem „Wall Street Journal“ auch Fortschritte. Doch blieben weiter Differenzen über Fragen wie den Schutz geistigen Eigentums oder Subventionen für chinesische Unternehmen.

Als Zeichen für Fortschritt wurde gewertet, dass die chinesische Regierung während der Gespräche angekündigt hatte, seinen Markt für weitere genetisch modifizierte Getreidesorten zu öffnen, was die USA seit Jahren gefordert hatten. Die Handelsgespräche hatten zudem den Weg für mögliche weitere Verhandlungen auf höherer Stufe geebnet, zitiert das „Wall Street Journal“ informierte Kreise. Ein möglicher nächster Schritt wäre ein Treffen zwischen dem Chinas Vizepremier Liu He und dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer. Auch könnte US-Präsident Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit Chinas Vizepräsident Wang Qishan zusammenkommen.

Doch die Zeit drängt. US-Präsident Trump hatte im Dezember zugesagt, seine angekündigte weitere Erhöhung der US-Sonderabgaben auf chinesische Importe im Wert von 200 Mrd. Dollar vorerst bis 1. März auszusetzen. Gibt es bis dahin keine Einigung, droht aber eine Eskalation, die nicht nur die Wirtschaft in China und den USA, sondern auch einige europäische Länder schwer treffen könnte.

Auch an anderen „Fronten“ sorgt die Politik Trumps weiter für Schlagzeilen. So kam zuletzt Bewegung in den Handelsstreit der USA mit der EU, nachdem ranghohe Vertreter beider Seiten zusammenkamen, um ein gemeinsames Abkommen auszuloten. Gelöst ist der Konflikt um drohende US-Strafzölle auf europäische Autos aber noch nicht. Auch der Streit um die von Trump geplante Grenzmauer zu Mexiko dauert an und verhindert die Verabschiedung eines Haushaltsgesetzes durch den Kongress. Die Folge ist die seit 22. Dezember anhaltende Stilllegung eines Großteils der Bundesbehörden.


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Nach dem BREXIT-Votum: 4 Szenarien für das Britische Pfund

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste AM.

Das britische Unterhaus (House of Commons) hat am Dienstag den zwischen der britischen Regierung und der EU ausverhandelten Austrittsvertrag mit 432 zu 202 Stimmen deutlich abgelehnt. Mit dieser gewaltigen Niederlage hat es Theresa May zweieinhalb Jahre nach dem Brexit-Referendum nicht geschafft einen Konsens im Parlament zu finden. Dieses Ergebnis war allgemein erwartet worden. Es ist wenig Zeit für weitere Verhandlungen. Die chaotischen Zustände werden verlängert.

Für die weitere Entwicklung besteht eine erhebliche Unsicherheit. Grundsätzlich gibt es 4 mögliche Entwicklungen:

Der Euro hat in den letzten 5 Jahren im Vergleich zum Britischen Pfund klar zugelegt.

1. Ein„harter“ BREXIT

Beziehungsweise ein Austritt des Vereinigten Königreichs ohne Austrittsvertrag. Premierministerin May (sollte sie das gegen sie eingeforderte Misstrauensvotum heute Abend bestehen) hat nun bis kommenden Montag Zeit um einen alternativen Plan dem Parlament vorzulegen. Das ist wenig realistisch. Resolutionen für eine Veränderung des Austrittsvertrages werden wahrscheinlich verabschiedet werden. Es wird jedoch schwer sein einen Konsens im Parlament zu finden. Selbst wenn im Parlament eine Mehrheit für eine Position gefunden wird, muss diese noch mit der EU ausverhandelt werden. Dafür bleibt nicht mehr viel Zeit. Schlussendlich akzeptieren die Abgeordneten den „harten“ Brexit. Dieses Umfeld ist negativ für das Britische Pfund.

2. Ansuchen um eine Verlängerung für den Stichtag (29. März).

Das ist möglich, allerdings müssten die anderen 27 EU Staaten zustimmen. Der verlängerte Stichtag würde wahrscheinlich vor den EU-Parlamentswahlen liegen, die am 23 Mai beginnen.  In diesem Szenario ist viel möglich: So könnten ein neuerliches Referendum über den Ausstieg des UK von der EU oder Neuwahlen stattfinden. Daraus resultieren zwei Entwicklungspfade: Entweder kein Brexit (siehe Punkt 4) oder abermals zähe Verhandlungen mit einem nicht vorhersagbaren Ausgang zwischen der Regierung und dem Parlament sowie der EU. Der Ausblick für das Britische Umfeld bleibt sehr unsicher. Natürlich könnte letztendlich ein Kompromiss zwischen dem UK und dem Parlament gefunden (siehe den nächsten Punkt) werden.

3. „Geordneter“ Brexit beziehungsweise ein Austritt des UK mit einem Austrittsvertrag.

Entweder der bestehende Austrittsvertrag wird doch akzeptiert, oder im Parlament werden Abänderungen verabschiedet, die die EU akzeptiert. Die Verhandlungen über die zukünftigen Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU können beginnen. So könnte zum Beispiel das UK doch in der Zollunion bleiben oder der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) beitreten. Das würde einen „soften“ Brexit darstellen. Oder die Übergangsperiode nach dem Brexit könnte auf einen langen Zeitraum ausgedehnt werden. Dieses Szenario ist günstig für das Britische Pfund.

4. Kein Brexit beziehungsweise Rückzug vom Austrittsprozess nach Artikel 50.

Ob es für dieses Szenario vor einem neuen Referendum oder vor Neuwahlen eine Mehrheit im Parlament geben wird, ist fraglich. Das Parlament könnte jedoch ein Gesetz verabschieden, wonach das UK in der EU bleiben soll, wenn kein Kompromiss zwischen der EU und dem UK gefunden wird. Die gesetzliche „Voreinstellung“ wird von „harter Brexit auf „kein Brexit“ verändert. Dieses Szenario ist sehr positiv für das Britische Pfund.

FAZIT

Die Liste an Fehleinschätzungen wird länger (David Cameron über den Ausgang des Brexit-Referendums, Theresa May mit der Drohung eines „harten“ Brexit). Somit bleibt nur noch die Hoffnung, dass die rationalen Argumente überwiegen und zumindest ein Austritt ohne Austrittsvertrag vermieden wird.


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10 Thesen für das Jahr 2019

Zu Jahresbeginn 2019 ist die Stimmung der Investoren getrübt. Die Marktpreise reflektieren bereits den Übergang von der aktuellen Wirtschaftszyklusphase „Abschwung“ zu einer Rezession. Ist die Furcht vor einer Rezession übertrieben?

Hier die 10 Thesen von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste AM, für die Entwicklung der Finanzmärkte im Jahr 2019:

Abschwächung, aber keine Rezession

Das reale globale Wirtschaftswachstum schwächt sich auf globaler Ebene seit einigen Quartalen ab. Mittlerweile ist die negative Produktionslücke verschwunden. Die Arbeitslosenraten sind bereits niedrig. Allein das impliziert ein Abschwächung von einem überdurchschnittlichen Wachstum auf ein Trendwachstum (genauer: von über dem Potenzial in Richtung Potenzial). Neben den marktbasierten Frühindikatoren deuten auch die umfragebasierten Indikatoren (Einkaufsmanagerindizes) und die „realen“ Indikatoren (Industrieproduktion) auf eine Fortsetzung der Verlangsamung des Wachstums hin.

Der Rückgang des Wachstums in den USA stellt eine Normalisierung nach sehr kräftigen Quartalen im vergangenen Jahr dar – verursacht durch einen fiskalischen Stimulus (massive Defizitausweitung). Zudem haben die Leitzinsanhebungen der US-Zentralbank die zinssensitiven Sektoren beeinträchtigt. In China führte die Eindämmung des Schattenbankensystems zu einer Verknappung der Liquidität und einer Abschwächung des Wachstums. Letzteres ist der wichtigste Grund für die schwache Entwicklung des Gütersektors auf globaler Ebene (Exporte, Produktion, Investitionen). Eine technische Rezession, definiert als eine Schrumpfung des realen Bruttoinlandsprodukts zwei Quartale in Folge, ist in einigen Ländern denkbar (z.B. in Deutschland im 2. Halbjahr 2018). Auf globaler Ebene erwarten wir jedoch „lediglich“ eine Fortsetzung der Abschwächung. Die wichtigste Annahme dabei: in China erfolgt ein ausreichend kräftiger positiver Stimulus, um das Wachstum zu stabilisieren.

Niedrige Konsumentenpreisinflation

Die Inflation bleibt in den entwickelten Volkswirtschaften niedrig. Die wirtschaftliche Boom-Phase hat nicht lange genug gedauert, um einen nachhaltigen Aufwärtsdruck auf die Konsumentenpreisinflation auszuüben. Das Positive daran: Es fällt einer Zentralbank leichter unterstützende Maßnahmen zu setzen. Das ist zuletzt in den USA geschehen. Dort hat die Zentralbank den Zinsanhebungszyklus angehalten.

Lohninflation

Die Arbeitslosenraten sind in vielen Ländern auf einem niedrigen Niveau angelangt. Wir sehen ein beschleunigtes Wachstum der Lohnkosten. Gleichzeitig verliert das Wirtschaftswachstum an Fahrt. Das hohe Wachstum der Unternehmensgewinne kommt unter Druck.

Niedrige Leitzinsen

In zahlreichen Ländern sind die um die Inflation bereinigten Leitzinsen negativ. Selbst in den USA, wo es bereits einige Zinsanhebungen gegeben hat, sind die Leitzinsen nach Abzug der Teuerung nur leicht positiv. Die realen Leitzinsen werden in diesem Jahr niedrig bleiben. Allerdings: Wenn die Annahme für die USA stimmt, dass die Rezessionsängste übertrieben sind, wird die US-Zentralbank im 2. Halbjahr den Leitzinssatz anheben. Auch die Reduktion der Geldmenge (M0) wird in den USA weitergehen. Lediglich die Zentralbank in China (PBoC) wird weiterhin Lockerungsmaßnahmen setzen.

Unterstützende Fiskalpolitiken

Die Fiskalpolitiken wirken mild expansiv auf das weltweite Wirtschaftswachstum. Der Stimulus kommt (nach wie vor) aus den USA und (zunehmend) aus China. Aber auch in Italien und Frankreich findet eine Ausweitung der Budgetdefizite statt.

Restriktives Kreditumfeld

Das Kreditumfeld übt einen dämpfenden Einfluss auf das Wirtschaftswachstum aus. Generell verschärfen in den Emerging Markets Volkswirtschaften die Banken die Vergaberichtlinien für Kredite. Das Kreditwachstum wird daher fallen. Besonders relevant ist der negative Kreditimpuls in China (fallendes Kreditwachstum). Der Grund ist die Ausrichtung der Politik auf die Reduktion des Schattenbankensystems. Die chinesische Wirtschaftspolitik versucht die Abschwächung zu dämpfen, indem sie den Banken mehr und billigere Liquidität zur Verfügung stellt. Auch in der Eurozone und in den USA ist der Kreditimpuls leicht negativ.

Populismus

Die populistische Bewegung bleibt auf globaler Ebene relevant. In diesem Jahr werden unter anderem die EU-Parlamentswahlen ein Gradmesser dafür sein. Der plausibelste Grund für die Anti-Establishment Haltung ist die andauernde Stagnation der Realeinkommen in zahlreichen Ländern. Das hat Implikationen:

  • Verschlechterung der Qualität der Staatsführung. Die Entscheidungsfindung ist zäh und schwer prognostizierbar (Regierungsstillstand in den USA, Chaos im britischen Parlament über den Austritt aus der EU).
  • Stillstand bzw. Rückbau der Globalisierung. Der Welthandel und internationale Organisationen (WTO, EU) sind unter Druck.
  • Politik ist auf höheren Lohnanteil vom BIP ausgerichtet (Italien).
  • Strukturreformen finden nicht bzw. nur eingeschränkt statt (Italien, Frankreich, Eurozone). Die Aussichten auf eine weitere Vergemeinschaftung in der Eurozone und eine höhere Produktivität in Italien sind gering. In Brasilien hat der neue Präsident Jair Bolsonaro Hoffnungen auf wirtschaftsliberale Reformen geweckt. Ob diese tatsächlich im zersplitterten Parlament verabschiedet werden, ist unsicher.

Rivalität USA – China

Auf der geopolitischen Ebene wird die andauernde Rivalität zwischen den USA und China dominieren. Auch wenn es zu einer (vorläufigen) Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China kommen sollte, wird der strukturelle Trend von einer uni- zu einer multipolaren Welt weitergehen. Damit wird es weiterhin Konflikte auf einer breiteren Ebene geben (Technologiesektor, Export- und Investitionsbeschränkungen).

Geringer Spielraum

Zahlreiche strukturelle Probleme werden einen unmittelbaren Einfluss auf die Märkte haben. Der Spielraum für die Wirtschaftspolitik ist eingeschränkt. Eine durchschnittliche Rezession hätte damit größere negative Auswirkungen als früher.

  • Der aktuelle Leitzinssatz ist in wichtigen Ländern nicht weit von der effektiven Zinsuntergrenze und dem neutralen Zinssatz entfernt. Die Europäische Zentralbank kann die Leitzinsen bei einer Rezession nicht mehr senken. Auch bei einer Stabilisierung des Wachstums auf einem niedrigen Niveau wird es der EZB schwer fallen, die Leitzinsen anzuheben. Die US-Zentralbank stößt bereits bei einem Leitzinsband von 2,25 – 2,5 Prozent an jenes Zinsniveau an, das weder unterstützend noch restriktiv auf die Volkswirtschaft wirkt.
  • Die Staatsschuldenquoten (Italien) und die Neuverschuldung (USA) sind bereits sehr hoch.
  • In China behindert die hohe Verschuldung im privaten Sektor einen weiteren positiven Kreditstimulus.

Suche nach einem „fairen“ Kurs

Das Investmentregime ist auf der Suche nach dem fundamental gerechtfertigten Wertpapierkurs ausgerichtet (Value-Strategie) – im Unterschied zu „Carry“, „Trend“ und „Spekulation“.

Zusammenfassung

Wenn die wichtigste These “Abschwächung, aber keine Rezession“ Bestand hält, sind die risikobehaftete Wertpapierklassen (Aktien) attraktiver als die kreditrisikolosen Staatsanleihen. Was die Märkte bereits einpreisen, ist der Übergang zu einer Rezession. Die vorsichtigeren Signale der US-Zentralbank vorerst keine weitere Leitzinsanhebung unterstützen die Märkte. Ebenso die Senkung der Mindestreserverichtlinien für Banken in China (mehr Liquidität), der gefallene Ölpreis, die Einigung zwischen Italien und der Europäischen Kommission über die geplante Neuverschuldung und die (mögliche) Einigung zwischen den USA und China im Handelsstreit. Negative Faktoren sind der trendmäßige Rückgang der umfragebasierten Frühindikatoren für das Wirtschaftswachstum und die politische Unsicherheit (US Regierungsstillstand, Brexit).


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Börsenjahr 2018 – Politik und Volatilität beherrschten das Marktgeschehen

2018 war ein Jahr der politischen Börsen. Allen voran beherrschten drei große Themenblöcke das internationale Marktgeschehen: Der Handelsstreit zwischen den USA und China, der Brexit und Italien, wobei hier zunächst die Bildung einer neuen Regierung, später der Budgetstreit mit der EU-Kommission in den Fokus rückte.

Im Jahresverlauf gesellten sich immer wieder Sorgen um eine weltweite Eintrübung der Konjunktur dazu. Die ersten Befürchtungen diesbezüglich flammten bereits im Februar im Zuge neuer Arbeitsmarktdaten in den USA auf. Die damaligen Daten für Jänner zeigten einen deutlicheren Anstieg der Stundenlöhne als erwartet und schürten damit höhere Inflationserwartungen. Dies wiederum löste die Sorge aus, dass die US-Notenbank ihre Zinsen rascher anheben und damit das US-Wirtschaftswachstum ausbremsen könnte.

Bis Jahresschluss hat die Fed die Zinsen nun insgesamt vier Mal angehoben, die Spanne liegt aktuell bei 2,25 bis 2,50 Prozent. Zum Jahresbeginn stand sie bei 1,25 bis 1,50 Prozent. Bisher hielt sich die US-Wirtschaft aber robust, auch wenn der Schwung im Laufe des Jahres leicht nachgelassen hat. Im dritten Quartal wuchs die US-Wirtschaft auf das Gesamtjahr gesehen um 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im zweiten Jahresviertel.

Für Turbulenzen sorgten die höheren Zinsen aber indirekt an den Schwellenländer-Märkten, denn die höhere Zinsspanne lieferte deutlichen Schub für den US-Dollar und setzte damit zahlreiche Währungen in den sogenannten „emerging markets“ unter Druck. In Kombination mit jeweiligen lokalen wirtschaftspolitischen Problemen gab es insbesondere bei der türkischen Lira, der indischen Rupie, dem brasilianischen Real sowie dem argentinischen Peso starke Kurseinbrüche zu sehen.

Die Konjunktursorgen ließen im vierten Quartal überdies die Ölpreise massiv abrutschen. Binnen weniger Wochen verloren die Kurse der beiden wichtigen Ölsorten Brent und WTI mehr als 20 Prozent an Wert und riefen damit das erweiterte Ölkartell OPEC+ auf den Plan, das im Dezember erneut eine Kürzung ihrer Produktion um 1,2 Mio. Barrel pro Tag bis Juni 2019 beschlossen hat. Ob dies ausreichen wird, um den Ölmarkt zu stabilisieren, ist derzeit aber noch ungewiss. Brent und WTI gehen jedenfalls klar schwächer aus dem Jahr: Derzeit steht bei Brent bei rund 53 und WTI bei rund 45 Dollar je Barrel (159 Liter). Zum Jahresstart lagen die Kurse noch bei 66 bzw. 60 Dollar.

Auf Jahressicht durchwegs Kursverluste an den Aktienmärkten

Auch die Bilanz an den Aktienmärkten ist durchwegs negativ. An den US-Börsen fallen die Abschläge noch moderat aus. Der Dow Jones steht derzeit um rund siebeneinhalb Prozent im Minus und der S&P-500 hat auf Jahressicht bereits 7,7 Prozent verloren. Der japanische Leitindex Nikkei-225 hält bei einem Jahresminus von bisher rund zwölf Prozent. Europas Märkte kamen etwas stärker unter die Räder. Der Euro-Stoxx-50 geht mit einem Minus von rund 15 Prozent aus dem Jahr, der Frankfurter DAX dürfte rund 18 Prozent einbüßen. Beim ATX in Wien beläuft sich der Abschlag auf rund 20 Prozent.

2019 dürfte die Politik das Marktgeschehen weiter maßgeblich mitbestimmen, zumal weder der Handelsstreit, noch der Brexit bisher gelöst ist. Ebenso werden die Sorgen um die globale Konjunkturentwicklung bleiben, denn die Wachstumsprognosen für das kommende Jahr deuten auf eine weltweite Eintrübung der Dynamik hin. Marktexperten rechnen daher auch für das kommende Jahr mit einer anhaltend erhöhten Volatilität an den Märkten.


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China vs. USA: Supermächte im direkten Vergleich

von Thomas Oposich, Senior Fondsmanager der Erste Asset Management.

Bei meiner letzten Investorenkonferenz in Peking Anfang November sind zwei Welten von Personengruppen unterschiedlicher Stimmungslage aufeinander gestoßen: auf der einen Seite durch die Tarifstreitigkeiten zwischen den USA und China verunsicherte Investoren, auf der anderen Seite selbstbewusste chinesische Unternehmer, die darauf vertrauen, dass die Staatsführung die Geschicke des Landes lenkt. In 7 Grafiken vergleiche ich die beiden Supermächte:

G20-Treffen im Schatten des Tarifstreits zwischen USA und China

Der Tarifstreit hielt die Investorenwelt zumindest bis zum G20-Treffen in Atem. Die Präsidenten Xi Jinping und Donald Trump haben sich dann bei einem bilateralen Treffen am 1. Dezember in Buenos Aires darauf geeinigt, die nächste Zollrunde im Handelskrieg zwischen den USA und China zu verschieben. Gemäß der Erklärung des Weißen Hauses hat sich China verpflichtet, seine Importe aus den USA mit Schwerpunkt auf Agrar-, Energie- und Industrieerzeugnissen zu erhöhen. Die USA und China werden unverzüglich mit den Verhandlungen über „strukturelle Veränderungen“ in den Bereichen Schutz des geistigen Eigentums, nichttarifäre Handelshemmnisse und Dienstleistungshandel beginnen. Wenn innerhalb von 90 Tagen keine Einigung zu diesen Fragen erzielt wird, haben die USA gedroht, die zuvor für den 1. Januar geplanten Maßnahmen umzusetzen und den Zollsatz für chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar von 10% auf 25% anzuheben. In diesem Fall würde dann China höchstwahrscheinlich Vergeltungsmaßnahmen ergreifen.

Was bedeutet das für den Ausblick? Die Investoren können sich dank der kurzen Pause im amerikanischen Handelskrieg mit China zunächst einmal ein wenig entspannen. Aber die Gefahr einer erneuten Eskalation ist evident. Diebstahl von geistigem Eigentum und Subventionen für bevorzugte Industrien sind seit langem bestehende Probleme, die nur schwer in 90 Tagen zu lösen sein werden.

Ist der Handelskrieg zwischen den USA und China nicht Teil eines größeren geopolitischen Konflikts zwischen den beiden Supermächten?

Würde es nach der Bevölkerungsgröße gehen, hat China gegenüber den USA den Führungsanspruch schon für sich gewonnen.
Einwohner China 2017: 1.390 Mrd. (IWF Schätzung für 2023: 1.420,9 Mrd.)
Einwohner USA 2017: 325 Mio. (IWF Schätzung für 2023: 338,6 Mio.)

Auch in Punkto Wirtschaftsleistung (siehe Abbildung 1) wird es eng für die USA. 1990 betrug Chinas Wirtschaft laut IWF 1.100 Mrd. US-Dollar PPP (in Kaufkraftparitäten gerechnet). Das waren damals nur 19% der amerikanischen Wirtschaftsleistung. Dann kam die rasante Entwicklung.
2000: 3.700 Mrd. IWF US-Dollar PPP; IWF (36% der USA)
2017: 23.000 Mrd. IWF US-Dollar PPP; IWF (119% der USA)
IWF Schätzungen zu Folge werden für 2023, 37.000 Milliarden US-Dollar PPP also 151% der USA erwartet.

<p" style="text-align: center;">Abb 1. Quelle: IWF

Es lassen sich zumindest vier weitere gute Gründe anführen, warum die USA noch in diesem Jahrhundert von China als Supermacht abgelöst werden kann.

1. Verteidigungshaushalt

2017 waren die globalen Militärausgaben so hoch wie nie. Nach Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri sind die Militärausgaben im vergangenen Jahr auf 1,7 Billionen Dollar gestiegen. Das sind umgerechnet mehr als 1.400 Milliarden Euro und 1,1 Prozent mehr als noch ein Jahr davor. Die Erhöhung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen China und seinen Nachbarn sowie den USA. Die USA belegt mit 610 Mrd. US-Dollar den ersten Platz gefolgt von China mit 228 Mrd. US-Dollar, die den zweit größten Militärhaushalt stellen (siehe Abbildung 2). Danach folgen die Schwellenländern Saudi-Arabien (69 Mrd. US-Dollar), Russland (66 Mrd. US-Dollar) und Indien (64 Mrd. US-Dollar). Auch wenn China noch deutlich hinter den USA liegt, ist doch die dynamische Entwicklung eindeutig auf Seiten Chinas.
Die Verteidigungsausgaben sind ein wichtiger Schlüsselfaktor für Innovationen in den Bereichen Kommunikation, Transport und Energie und eine Vielzahl anderer.

Abb 2. Quelle: SIPRI, Weltbank, eigene Berechnungen

2. Ausgaben für Forschung und Patentanmeldungen

Abbildung 3 zeigt, dass die Forschungs- und Entwicklungsausgaben (R&D) Chinas in Prozent des BIP im Jahr 2000 nur 0,9% ausmachten (gegenüber 2,6% in den USA); zuletzt lagen sie bei 2,1% (2,7% in den USA). Die durchschnittliche Wachstumsrate der letzten 15 Jahre belief sich in China auf 5,6%, im Vergleich dazu in den USA auf nur ca. 0,3%.
Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass China bei der Patentregistrierung im internationalen Patensystem (PCT) die Nase vorne hat (siehe Abbildung 4). Mit Huawei Technologies, ZTE Corporation und BOE Technology schafften es drei chinesische Unternehmen unter die Top 10. Während Intel Corporation und Qualcomm Corporation auf Seiten der USA und Mitsubishi Electric Corporation und Sony Corporation aus Japan die aktivsten Unternehmen waren.

Abb3. Quelle: OECD


Abb4. Quelle: Patent Cooperation Treaty (PCT), WIPO Statistics Database

3. Anzahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen

China gewinnt an Boden im Bereich Wissenschaft und Technik. Denn die Anzahl der Publikationen von Forschungsartikeln in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern (Science & Engineering = S&E) ist auch ein wichtiger Indikator für die zukünftige Innovationsstärke eines Landes. Im Jahr 2003 (siehe Abbildung 5) machte China gerade einmal mit 87.000 Veröffentlichungen nur 7,4% des globalen Gesamtvolumens aus, die USA mit 322.000 (27,2%), und Europa mit 389.000 (32,9%).
Und heute? China hat mit 426.000 Veröffentlichungen die USA mit 409.000 mittlerweile überholt. China hat somit mit 18,6% seinen Anteil mehr als verdoppelt, hingegen reduzierte sich der Anteil der USA deutlich auf 17,8%. Europa steht mit 614.000 (29,9%) weiterhin an der Spitze.
Betrachtet man die Detailzahlen aller Forschungsarbeiten, auf die sich China und der Rest konzentrieren, so handelt es sich bei China hauptsächlich um reine Ingenieurwissenschaften (28,9%), Biowissenschaften (14%) und medizinische Wissenschaften. (13.3%).

Abb 5. Quelle: National Science Foundation

4. Anzahl der STEM (Science, Technology, Engineering and Mathematics) Studenten

China wird nicht umsonst als eine der ältesten Zivilisationen und Hochkulturen der Menschheit bezeichnet. Denn Bildung boomt in China und das schon seit geraumer Zeit, wie Abbildung 6 zeigt. Zwischen 2000 und 2014 ist die jährliche Zahl der chinesischen Bachelor-Absolventen in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern von 359.000 auf 1,66 Millionen gestiegen. Im Gegensatz dazu ist die Anzahl der U.S. Absolventen von 483.000 auf 742.000 pro Jahr gestiegen.

Abb 6. Quelle: National Science Foundation

Fazit

Eine Reihe von strukturellen Faktoren spricht also dafür, dass in geopolitischer Hinsicht die sich bereits abzeichnende Entwicklung vom uni- zum multipolaren System ihre Fortsetzung findet. China gewinnt an Einfluss, die Dominanz der USA nimmt ab. Diese Entwicklung wird aber auch als Argument dafür verwendet, dass der Konflikt zwischen den USA und China nicht nur ein Handelsstreit ist. Die Aussetzung der geplanten Anhebung der Zölle auf chinesische Importe für 90 Tage sorgt wohl tatsächlich nur für eine kurze Entspannung in der säkularen Auseinandersetzung zweier rivalisierender Mächte respektive Systeme.

Auf lange Sicht gesehen hat diese Aussage auch für den globalen Finanzmarkt ihre Gültigkeit. Der chinesische Offshore-Markt für Unternehmensanleihen in US-Dollar ist erwachsen geworden, und die Weichen für höhere Kapitalflüsse aus dem Ausland wurden gestellt. So hat sich das Volumen für chinesische Unternehmen, die in US-Dollar emittieren in den letzten 5 Jahren um 161,5 Mrd. US-Dollar von 79,8 Mrd US-Dollar auf 241,3 Mrd. US-Dollar erhöht. Der Anteil Chinas an einem repräsentativen Index wie z.B. dem J.P. Morgen CEMBI Broad ist innerhalb von 5 Jahren von 11,5% auf 24,6% gestiegen (siehe Abbildung 7). Die Anzahl der Unternehmen, die diese Kanäle der Finanzierung gewählt haben, hat sich auf 126 fast verdoppelt. Angesichts dieses rasant gestiegenen Anteils chinesischer Emittenten gewinnen Investorenkonferenzen, wo sich chinesische Unternehmen präsentieren und sich Gläubigerfragen in kleiner Runde stellen, an Bedeutung für Fondsmanager, die Kapital global in Emerging Markets allozieren.

Abb 7. J.P. Morgan CEMBI Broad Index


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Slowakei: Budget und Weg zur langfristigen Nachhaltigkeit

Die Wirtschaft in der Slowakei läuft derzeit mit großem Schwung. Die letzten Jahre waren von einem zyklischen Aufschwung gekennzeichnet. Martin Brozman, Portfolio Manager der Erste Asset Management Slovakia, über das neue Budget, Treiber dieses Aufwärtstrends und mögliche Risiken in der Zukunft.

Neues Budget in Slowakei 2019-2021

Am 10. Oktober verabschiedete die Regierungspartei SMER den Budgetentwurf für die kommenden drei Jahre, d.h. bis 2021. Laut Vorhersage wird das Budgetdefizit heuer 0,6% des BIP erreichen und in 2019 auf 0,1% schrumpfen. In 2020 sollte das Budget ausgeglichen sein und in 2021 sogar einen leichten Überschuss von 0,2% generieren. Dazu kommt ein niedriger Schuldenstand von prognostizierten 49% des BIP in 2018 (2017: 51%), der aufgrund einer erwarteten Konsolidierung der öffentlichen Finanzen bis 2021 auf 45% fallen sollte. Dies ist deutlich unter der Maastricht-Grenze von 60% und, noch wichtiger, signifikant unter dem EU-Durchschnitt von 86,8%.

Fehlende Strukturreformen

Allerdings enthält das Budget keine der wichtigen strukturellen Reformen, die die Slowakei braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben; das Bildungswesen, Infrastrukturentwicklung und Straßenbau sind hier die Schlüsselthemen. Die generelle Arbeitslosenrate liegt bei historisch niedrigen 6,5%, was nahe der Vollbeschäftigung ist. Trotz dessen, dass dies die höchste Rate unter den Visegrad 4 (V4)-Staaten ist, bleibt die Nachfrage nach Facharbeitern unverändert hoch. Dies bildet jedoch eine leichte Divergenz zwischen Angebot und Nachfrage in der arbeitenden Bevölkerung; der Mangel an Fachkräften drückt auf das Wachstumspotenzial. Es scheint, als ob ein naheliegender Schritt gewesen wäre, dem Bildungsbereich und Forschung & Entwicklung mehr Ressourcen zukommen zu lassen, um den Bedarf des Arbeitsmarktes zu decken und so das Wachstum des in der Slowakei erzeugten Mehrwerts zu stärken.

SlowakeiQuelle: Finanzministerium der Slowakischen Republik; Slovenská sporiteľna, a.s.

Jaguar Land Rover

Am 25. Oktober eröffnete Jaguar Land Rover seine Produktion in Nitra, welche annahmegemäß deutlich zum BIP-Wachstum beitragen wird. Der Budgetentwurf sieht +4,5% für nächstes Jahr vor. Dies bedeutet die Ankunft des vierten Fahrzeugbauers in der Slowakei. Die Frage eines möglicherweise zu großen Maßes an Vertrauen in Autoexporte kommt in diesem Zusammenhang auf, zumal die Fahrzeugproduktion in den nächsten fünf Jahren um etwa 40% wachsen sollte. Sie zeichnet derzeit für 35% der gesamten slowakischen Industrieproduktion und für 40% aller Industrieexporte verantwortlich. Die Slowakei liegt beim Verhältnis der Anzahl produzierter Fahrzeuge pro 1000 Einwohnern ganz vorne, mit derzeit 0,192 Fahrzeugen pro Person und Jahr. Die führenden Exportmärkte für lokal produzierte Fahrzeuge sind Deutschland, Österreich und andere CEE-Märkte. Dies könnte man angesichts des derzeitigen, unnötige Unsicherheit verursachenden Handelsdisputs zwischen den USA und China als Vorteil sehen. Andererseits könnte das Land Sekundäreffekte der Strafzölle über Subunternehmer zu spüren bekommen.

Wachstum angetrieben von...

Im Lichte der positiven wirtschaftlichen Stimmung und des BIP-Wachstums, welches vorrangig von der Inlandsnachfrage, privatem Konsum und Investitionen getrieben ist, hat sich die Kreditvergabe sowohl im Inland als auch auf Unternehmensebene simultan beschleunigt. Privat- und Unternehmenskredite stiegen in 2017 um etwa 12% bzw. 10% an. Um die Kontrolle über die Situation nicht zu verlieren, implementierte die slowakische Zentralbank eine Vorschrift, kraft derer die Gesamtverschuldung nicht mehr als das Achtfache des jährlichen Haushalts-Nettoeinkommens und das Kreditvolumen nicht mehr als 90% des Immobilienwerts ausmachen dürfe. Moody’s geht von Inlandskreditwachstum von etwa 6% bis 2012 aus, während das Verhältnis von Krediten zu Einlagen bei Kommerzbanken von derzeit 90% auf über 100% steigen sollte, was auf weitere Expansion hinweist, wenngleich mit verringerter Geschwindigkeit.

In Q2 emittierte die Slowakische Republik ihre erste 50J-Anleihe, mit einem Emissionsvolumen von EUR 500 Mio. und einem Kupon von 2,25%. Die Anleger zeigten großes Interesse, in Folge war die Emission um einen Faktor von 3x überzeichnet. Hierbei handelte es sich um die längstlaufende Anleihe in der CEE-Region in den letzten zehn Jahren und um die längstlaufende jemals in der Geschichte der Slowakei. Diese Platzierung am Kapitalmarkt kann man als gemessen und erfolgreich bezeichnen, zumal historisch niedrige Fremdkapitalkosten ausgenutzt wurden.

In Summe darf man konstatieren, dass die Slowakei die Phase prolongierten Wachstums bis mindestens 2012 genießen wird können. Die Haupttreiber sind die Industrieproduktion – vornehmlich aufgrund der Automobilindustrie –, privater Konsum, Kreditwachstum und Investitionen. Wachstumshemmend könnte sich hingegen die Fehlallokation von Budgetausgaben zuungunsten von Strukturreformen auswirken, wie z.B. einer Bildungsreform, wo großer Spielraum hinsichtlich der Ausprägungen selbiger im Zusammenspiel mit den Notwendigkeiten des Marktes besteht. Dies könnte es der Slowakei ermöglichen, den Abstand zu den anderen V4-Staaten bei Indikatoren wie der Arbeitslosenrate und dem BIP zu schließen.

SlowakeiQuelle: Bloomberg
Wichtige rechtliche Hinweise: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.


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Handelskonflikt und FED: was machen die Finanzmärkte?

Die positive Reaktion der Aktienmärkte auf die Einigung zwischen den USA und China den Handelskonflikt vorerst nicht eskalieren zu lassen, war nur von kurzer Dauer. Die risikobehafteten Wertpapierklassen sind weiter unter Druck, so Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management. Nach wie vor belastet eine Reihe von Faktoren die Märkte.

Handelskonflikt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

US-Präsident Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping haben am Rande des G20-Treffens in Buenos Aires eine Übereinkunft erreicht, unmittelbar keine weiteren Zollanhebungen vorzunehmen. Für die Dauer von 90 Tagen soll über neue Handelsbeziehungen verhandelt werden. Die Aussicht auf eine Einigung ist bescheiden. Denn das US-Handelsbilanzdefizit mit China wird groß bleiben und die vielfach kritisierten Praktiken von China wie erzwungener Know-How Transfer und Staatssubventionen werden Bestand halten. Dazu kommt, dass der strukturelle Aufstieg von China auf wirtschaftlicher, politischer und militärischer Ebene den Umstieg von einem unipolaren zu einem multipolaren System bedeutet. China versucht die Eindämmungsversuche (Containment) der USA zu überwinden. Die beiden Länder sind natürliche Rivalen.

Wachstumsabschwächung

Das reale globale Wirtschaftswachstum hat sich bereits von 3,8 Prozent (Wachstum im Quartalsabstand auf das Jahr hochgerechnet) im 3. Quartal 2018 auf 2,8 Prozent abgeschwächt (Quelle: Bloomberg/Erste AM). Eine Reihe von Konjunkturindikatoren deutet auf eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Abschwächung hin. Zu nennen sind vor allem:

Flache Zinskurve in den USA

Der Abstand zwischen dem 10-jährigen und dem Drei-Monatszinssatz in den USA hat deutlich abgenommen (aktuell 0,49 Prozentpunkte). Generell gilt: Wenn die kurzfristigen Zinsen höher als die langfristigen sind (inverse Zinskurve), ist in der Vergangenheit eine Rezession eingetreten.

Negativer Kreditimpuls in China

Das Kreditwachstum in China sinkt. Wenn die Veränderung des Kreditbestandes unter dem nominellen Wirtschaftswachstum liegt, ist der Kreditimpuls negativ. D.h., das Kreditumfeld drückt auf die wirtschaftliche Aktivität.

Handelskonflikt

Zwei Politikbereiche wirken diesen negativen Faktoren entgegen

US-Zentralbank wird vorsichtiger

In den USA haben einige Zentralbankmitglieder mit Aussagen die Marktpreise für die zukünftigen Leitzinsanhebungen reduziert. Aktuell ist nicht einmal mehr eine vollständige Leitzinsanhebung für 2019 nach der allgemein erwarteten Anhebung im Dezember um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 – 2,50 Prozent eingepreist.

Im Kern geht es um das Konzept des neutralen Leitzinssatzes. Dieses Niveau wirkt weder dämpfend noch unterstützend auf die Wirtschaft. Der Pferdefuß dabei ist, dass dieser Zinssatz nicht genau geschätzt werden kann. Ein Politikfehler im Sinne von zu kräftigen Leitzinsanhebungen, die eine Rezession auslösen, ist damit eine substantielle Gefahr. Nun haben einige Zentralbankmitglieder in den letzten Wochen unterstrichen, wonach das untere Ende der Bandbreite der Schätzungen für den neutralen Zinssatz bald erreicht wird (dovish tone). Dahinter steckt wahrscheinlich die Annahme, dass einige zinssensitive Sektoren wie der private Immobilienmarkt Abschwächungstendenzen zeigen und zahlreiche Marktentwicklungen wie die Verflachung der Zinskurve (siehe oben), die Ausweitung der Renditeaufschläge für das Kreditrisiko und die Outperformance der defensiven Sektoren auf den Aktienmärkten auf einen Abschwung hindeuten.

Die US Notenbank kann allerdings nur solange zurückhaltend agieren, solange die Inflation nicht ansteigt. Tatsächlich werden die Inflationsraten aufgrund des gesunkenen Ölpreises in den nächsten Monaten sinken. Auch die Güterpreisinflation und ist rückläufig (auf globaler Ebene). Aber der Anstieg der Lohninflation deutet nach wie vor auf Aufwärtsrisiken bei der zugrundeliegenden Inflation hin.

Expansive Fiskalpolitiken

Insbesondere in den USA und China werden die Budgetdefizite ausgeweitet. Das hat einen mild unterstützenden Effekt auf das globale Wirtschaftswachstum.

FAZIT

Die Aussetzung von weiteren Zollanhebungen in den USA auf chinesische Importe, die vorsichtige Sprache der US-Zentralbank und die expansiven Fiskalpolitiken unterstützen die Wirtschaft und die Märkte. Die Risiken wie eine weitere Eskalation im Handelsstreit, eine weitere Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums (insbesondere jenes in China) und deutliche Fed-Leitzinsanhebungen aufgrund einer höheren Inflation dämpfen jedoch die Kursanstiege von risikobehafteten Wertpapierklassen.


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Rumänien: der Glanz verblasst

Am 1. Januar 2019 wird Rumänien den Vorsitz des EU-Rats in einer Periode übernehmen, da das Land langsam aber beständig von einem Wachstums-Champion zum Nachzügler innerhalb der EU wird, so Monica Croitoru, Fund Manager der Erste Asset Management.

Auf politischer Ebene erreichte die ständige Erosion der gerichtlichen Unabhängigkeit seitens der sozialdemokratischen Regierung im Sommer einen Höhepunkt. Die vorgeschlagenen Veränderungen wurden von den Bürgern mit Protesten begleitet und zogen Kritik von EU-Institutionen auf sich, unter anderem von der Venedig-Kommission (beschäftigt sich im Council of Europe mit Verfassungsrecht). Da der Kampf gegen Korruption zusehends abschwächt, ist nicht auszuschließen, dass Rumänien demnächst zu Polen und Ungarn auf die Liste der EU-Länder kommt, die sich mit einem Artikel-7-Verfahren konfrontiert sehen. Das politische Umfeld verspricht für 2019 ein ereignisreiches Jahr, zumal im Mai 2019 die europäischen Parlamentswahlen und im November und Dezember 2019 die Präsidentschaftswahlen stattfinden.

Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich

Währenddessen führt der politische Lärm zu Eintrübungen in der Realwirtschaft. Das BIP wuchs 2017 – von signifikanten Expansionsmaßnahmen im Fiskalbereich befeuert – um 6,9%. Für 2018 hingegen erwartet der IWF eine Verringerung auf 4,0% und für 2019 auf 3,4%. Nachdem der Konsum durch aufeinander folgende Erhöhungen des Mindestlohns, der Löhne im öffentlichen Sektor und der öffentlichen Pensionen angekurbelt worden war, fiel er im ersten Halbjahr 2018 deutlich. Darüber ist das finanzielle Umfeld seit September 2017, als die rumänische Zentralbank den Weg einer restriktiven Geldpolitik zum Behufe der Inflationsbekämpfung einschlug, merklich straffer geworden. Trotz dreier Zinserhöhungen in 2018 von 1,75% auf 2,50% und wahrscheinlichen Interventionen seitens der rumänischen Nationalbank am Devisenmarkt zwecks Verlangsamung der RON-Abwertung bleibt die Inflation unbeirrt hoch bei über 5,0%. Zwar wird erwartet, dass sie in den kommenden Monaten aufgrund von statistischen Basis-Effekten unter 4,0% fallen wird, aber dennoch verbleibt sie außerhalb des Zielbands der Zentralbank.

Ein Zwillingsdefizit ist im Entstehen

Im Lichte dieser Entwicklungen sieht sich die Regierung mit einem schwierigen Dilemma konfrontiert: entweder reduziert sie die explodierenden Sozialausgaben, um das Budgetdefizit in 2019 bei 3,0% zu stabilisieren, oder sie riskiert sogar noch höhere Raten. In Anbetracht der populistischen Agenda der Regierung in den Wahljahren 2019/20 ist die letztere Option die wahrscheinlichere. Rumänien hat über die Jahre ein Zwillingsdefizit-Problem geschaffen, mit welchem das Land in seiner Region alleine dasteht. Die makroökonomische Exponiertheit ist seit 2016 im Steigen begriffen, da die bedachtsame Fiskalpolitik rasch ins Gegenteil gekehrt wurde. Das Fiskaldefizit wurde 2017 trotz der ausgezeichneten Wachstumszahlen mit Müh und Not unter 3,0% gehalten, und für 2019 wird mit einer Überschreitung von 2019 ausgegangen. Dies nährt die Befürchtung, dass die Regierung sich dazu entschließen könnte, die zweite Säule des verpflichtenden Pensionssystems umzustoßen. Die Einstellung aller Zahlungen in das Pflichtpensionssystem würde Budgeteinnahmen von etwa 0,8% des BIP bringen und könnte hinsichtlich der fiskalischen Belastungen vorübergehend Erleichterung schaffen. Veränderungen bei der verpflichtenden Privatpensionsvorsorge könnten 2019 vorgeschlagen werden.

Rumänien: Fiskalbilanz und LeistungsbilanzQuelle: Erste Asset Management GmbH 
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Steigendes Lohnwachstum bei gleichzeitig langsamem Produktivitätswachstum haben zu einer Erosion der Kostenwettbewerbsfähigkeit des Landes geführt, während das Leistungsbilanzdefizit im August 2018 auf 3,7% des BIP anstieg. In Verbindung mit der überbewerteten Währung (RON) und dem sich verlangsamenden Wachstum in der Eurozone ist von negativen Effekten für rumänische Exporte auszugehen. Darüber hinaus ist es bis dato noch zu keinem Anstieg der strukturellen oder Investment-Zuflüsse aus der EU gekommen. Eine starke Erholung in den kommenden Monaten ist angesichts der Tatsache, dass die Regierung öffentliche Ausgaben zurückfährt, unwahrscheinlich. Daher sind Zuflüsse aus ausländischen Direktinvestitionen und aus der EU nicht ausreichend, um das Leistungsbilanzdefizit auszugleichen, was den RON für externe Schocks verwundbar macht. Die Zentralbank hat bereits große Summen an Fremdwährungsreserven eingesetzt, um eine noch deutlichere nominelle Abwertung abzuwenden.

RumänienÖÖffentliche und private SektorlöhneQuelle: Erste Asset Management GmbH 
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Was kommt als Nächstes?

Die derzeitigen politischen und fiskalen Entwicklungen machen Rumänien verwundbar für mögliche Herabstufungen des Ratings, was zu einem Verlust des Investment Grade-Status führen würde. Sogar ohne Verschlechterung des Kredit-Ratings haben rumänische Anleihen seit September 2017 eine deutliche Korrektur verzeichnet. Da die Effekte der Zinserhöhungen seitens der Zentralbank und die steigende Inflation signifikant waren, bekamen Lokalwährungsanleihen als erste die Konsequenzen zu spüren. Hartwährungsanleihen (EUR) verbuchen zwar weitere Spreads als der faire Wert dies annehmen ließe, doch können sie, relativ gesehen, aufgrund der expansiven Geldpolitik der EZB auf eine bessere Performance als Lokalwährungsanleihen zurückblicken.

Der Antritt des Vorsitzes des EU-Rats während der Brexit-Verhandlungen könnte Rumänien die Chance geben, seinen Glanz als Wachstums-Champion und Unterstützer europäischer Werte wie Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit wieder zu erlangen. Es bleibt abzusehen, inwieweit das Land von dieser Möglichkeit Gebrauch machen wird.


Wichtige rechtliche Hinweise:

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Wirtschafts-Ausblick 2019: Gründe optimistisch zu bleiben

Der Wirtschafts-Ausblick 2019 deutet auf Anzeichen, dass die Weltwirtschaft 2019 einen etwas langsameren Gang einlegt. Eine Reihe von wichtigen Frühindikatoren deutet auf eine graduelle Abschwächung des realen globalen Wirtschaftswachstums hin. Das Niveau bleibe aber gut, d.h. mit einem prognostizierten Wert von etwa 3,25 Prozent über dem langfristig zu erwartenden Wert (dem Potenzial).

Störfeuer: China Handelsstreit, Italien und Brexit 

Zwar sei die Anzahl der Länder mit sinkendem Wachstum gestiegen, aber keine einzige Wirtschaft zeige ein negatives Wachstum seines Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die Gefahr einer Rezession im nächsten Jahr sei daher sehr gering, sagt Heinz Bednar, Vorsitzender der Geschäftsführung der Erste Asset Management zum Jahresausblick 2019. Vor dem Hintergrund der im November deutlich gefallenen Aktienkurse und Notierungen von Unternehmensanleihen sieht Bednar intakte Chancen für Anleger an den internationalen Kapitalmärkten.

Mögliche Störfeuer, wie ein Ausufern des Budgetstreites der EU mit Italien, ein harter Brexit (unregulierter Austritt Großbritanniens aus der EU) und ein Ende des „Waffenstillstands“ zwischen den USA und China im Handelsstreit, könnten erneut zu höheren Volatilitäten führen. Um reale Renditen zu erzielen, gebe es zu Aktien und höher rentierenden Unternehmensanleihen kaum Alternativen, so Bednar. Auch bei den heuer aufgrund der Zinserhöhungen im Dollarraum in Mitleidenschaft gezogenen Schwellenländern sehen die Experten der Erste Asset Management selektive Einstiegschancen in Lokalwährung.

Laut CIO Gerold Permoser halte sich die Inflationsgefahr in Grenzen. Lediglich in den USA, wo die Federal Reserve ihr 2,0 Prozent-Ziel erreicht habe, könnte die niedrige Arbeitslosenrate die Inflation nach oben treiben. In Europa bleibe die Inflation unter dem Zentralbank- Ziel von 2,0 Prozent. Das höhere Wachstum der Arbeitskosten mache sich noch nicht bemerkbar. In China gebe es sogar einen Rückgang der Inflation aufgrund gefallener Produzentenpreise. Auch der deutlich gefallene Ölpreis dämpfe den Preisauftrieb.

Zentralbanken könnten eine Pause einlegen

„So lange die Inflation in den entwickelten Volkswirtschaften niedrig bleibt, haben die Zentralbanken den Spielraum, im Fall einer drastischen Verschärfung des Finanzumfeldes im Zinsanhebungszyklus zu pausieren“, so Permoser. Das gelte insbesondere für die Zentralbank der USA, die aufgrund der Schwächezeichen am Immobilienmarkt zuletzt eine „Pause“ im Zinserhöhungszyklus angedeutet habe. Eine abermalige Erhöhung der Leitzinsen im  Dezember sei zwar an den Märkten eingepreist, ob 2019 weitere Zinsschritte folgen werden, sei mittlerweile fraglich. Auch im Euroraum sieht Permoser kein Umfeld stark steigender Leitzinsen. Es könnte zu einer Zinsanhebung durch die EZB kommen, allerdings sei offen wann dies geschehe. Die Volatilität werde auch 2019 ein Thema an den Rentenmärkten sein. In einem  Umfeld stabiler Renditeniveaus und intakter Wachstumschancen bevorzugt die Erste Asset Management Hochzins-Unternehmensanleihen in Europa und in den USA sowie Schwellenländer-Unternehmensanleihen in lokaler Währung.

Aktien bleiben der Favorit unter den Anlageklassen

Politische Risiken und eine leichte Konjunkturabkühlung einerseits, weiterhin niedrige Zinsen und robuste  Unternehmensgewinne andererseits lassen Aktien auch für 2019 als attraktivste Anlageklasse erscheinen. Zwar wurden die Börsen-Bullen eingebremst, man müsse Investitionen in Aktien langfristig betrachten. „An den Börsen haben wir vor 2018 eine lange Phase steigender Kurse gesehen. Die jüngste Kurskorrektur an den internationalen Aktienbörsen führt dazu, dass die Bewertungen im Vergleich zu den erwarteten Unternehmensgewinnen wieder fair sind, betont Erste AM-Anlagechef Permoser. Mit Blick auf 2019 meint der Experte, dass die regionalen Unterschiede in der Performance abnehmen werden. Vieles spreche für eine breit diversifizierte, global ausgerichtete Aktienstrategie.


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Brexit-Einigung vor Abstimmung in britischem Parlament

Das „Scheidungsabkommen“ der Briten mit der EU steht. Auf dem mit Spannung erwarteten EU-Sondergipfel am Sonntag haben sich Großbritannien und die EU auf ihre Beziehungen nach dem Brexit Ende März 2019 geeinigt. Jetzt fehlt nur noch die Abstimmung im britischen Unterhaus. Es wird eng.

Im Vorfeld hatten sich Unterhändler der britischen Regierung und der EU-Kommission bereits auf eine entsprechende politische Erklärung verständigt. Dabei waren bis knapp vor dem Gipfel noch viele große Punkte wie der Zugang der Briten zum EU-Binnenmarkt offen.

Für die britische Premierministerin Theresa May steht dabei viel auf dem Spiel. Nach der Veröffentlichung des Entwurfs schlug ihr massiver Widerstand aus dem eigenen Land entgegen. Die Gegenspieler Mays befürchten, dass das Vereinigte Königreich auch nach dem Brexit auf unbestimmte Zeit in eine Zollunion mit der EU hineingezwungen würde, wobei Nordirland zudem eine Sonderrolle hätte. Der Vertrag sieht eine einmalige Verlängerung der zunächst bis Ende 2020 angesetzten Übergangsphase vor. Zudem wurde keine „harte Grenze“ mit wiedereingeführten Kontrollen zwischen der britischen Provinz Nordirland und Irland beschlossen.

Obwohl das Papier vom Kabinett am 14. November gebilligt wurde, nahmen noch am selben Tag gleich drei Minister, darunter auch der Brexit-Minister Dominic Raab, ihren Hut. Aus dem Parlament kommt indessen noch weniger Zustimmung für den Entwurf. Eine Mehrheit für den Vertrag scheint weit entfernt. Dagegen wird bereits der Sturz Mays vorbereitet. Geplant ist ein Misstrauensvotum, noch gibt es allerdings nicht genug Befürworter für ein solches. Zudem werden die Rufe nach einem zweiten Brexit-Referendum lauter. Das Parlament soll Anfang Dezember – nach der Billigung des endgültigen Vertrags auf dem EU-Gipfel – über den Deal abstimmen.

Um den Vertrag politisch besser verkaufen zu können, versucht May nun in den letzten Tagen vor dem EU-Sondergipfel der Staatengemeinschaft noch weitreichende Zusicherungen zur künftigen Wirtschaftspartnerschaft abzuringen. Die EU zeigt sich jedoch unnachgiebig und will den Briten keine Hintertür zu ihrem Binnenmarkt öffnen.

May erhält Unterstützung aus der Wirtschaft und von der Notenbank

Rückendeckung für den Entwurf erhält May jedoch von der britischen Wirtschaft. Die Chefin des britischen Industrieverbandes CBI, Carolyn Fairbairn, gab am Montag grünes Licht für den bisher ausverhandelten Vertrag. „Er ist nicht perfekt, er ist ein Kompromiss, aber er ist ein hart erkämpfter Fortschritt“, sagte sie. Der Deal und vor allem seine Übergangsperiode entferne das Vereinigte Königreich einen Schritt vom „albtraumhaften Abgrund eines Nicht-Vertrags“. Der CBI begrüßte vor allem die bis Ende 2020 dauernde Übergangsphase, in der Großbritannien vorerst im EU-Binnenmarkt und der Zollunion bleibt, um einen harten Schnitt für die Wirtschaft zu verhindern.

Auch von der britischen Notenbank Bank of England (BoE) kommen unterstützende Signale. Laut Zentralbankchef Mark Carney hilft ein Abkommen mit einer Übergangslösung der Wirtschaft und erleichtert den EU-Austritt.

Brexit: Währungsvergleich EURO-PfundWichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

An den Märkten wird der Streit um das Brexit-Papier aufmerksam verfolgt. Das Pfund verlor nach den zahlreichen Ministerrücktritten Mitte November kurzzeitig an Terrain, konnte sich jedoch kurz darauf wieder etwas erholen. Die Stimmung an den Aktienbörsen zeigt sich dagegen bereits seit längerem getrübt. Hierfür sind jedoch nicht nur der Krimi um den Brexit, sondern auch der Haushaltsstreit zwischen der EU und Italien sowie enttäuschende Unternehmensergebnisse vor allem aus dem US-Technologiesektor verantwortlich.


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Europäisches Bankensystem, getrübt durch Italienische Banken

Das Jahr hatte gut für europäische Märkte begonnen. Italienische Banken und Aktien waren besonders populär bei den Anlegern, so Tamás Menyhárt, Fondsmanager der Erste Asset Management. Doch dann kam der Budgetentwurf der neuen italienischen Regierung, was die Stimmung abrupt zum Drehen brachte.

Italienische Banken waren zu Beginn des Jahres unter den Outperformern 

Im Januar erzielte der Stoxx 600, ein breiter Index europäischer Aktien, seinen höchsten Stand seit 2015. Dies galt ebenso für europäische Banken (laut Stoxx 600 Banks Index), die im ersten Monat des Jahres um beinahe 5% anstiegen. Die italienischen Märkte starteten noch besser ins neue Jahr: der FTSEMIB-Index, welcher die 40 größten italienischen Unternehmen beinhaltet, wuchs im Januar um mehr als 7%, und italienische Banken waren mit einem Anstieg von mehr als 13% unter den Top-Performern im Aktienbereich.

Nach Jahren enttäuschender wirtschaftlicher Daten konnte die Eurozone 2017 positiv überraschen. Die politische Stimmung in Europa verbesserte sich deutlich, nachdem der marktfreundliche Kandidat Macron die populistische Bedrohung in Gestalt von Marine Le Pen bei den Präsidentschaftswahlen besiegt hatte. Die Stimmung besserte sich auch gegenüber Italien deutlich. Nach der Rettung von Banca Monte dei Paschi schien es, als sei das Schlimmste für den italienischen Bankensektor vorüber. Unicredit – das nach Vermögen größte Kreditinstitut Italiens – reduzierte erfolgreich sein hohes Volumen an notleidenden Krediten, unter Mithilfe einer Kapitalspritze.

Intesa San Paolo – die zweitgrößte italienische Großbank – kaufte die venezianischen Banken, was der Sektorkonsolidierung Vorschub leistete. Anfang 2018 schienen die italienischen Banken am richtigen Weg, große Teile ihrer notleidenden Kredite bei auf den Ankauf säumigen Fremdkapitals spezialisierten Private Equity-Unternehmen abzuladen. Die Begeisterung der Anleger über sauberere Bilanzen war zu Anfang des Jahres groß, wodurch der FTSEMIB im Mai sein höchstes Niveau seit 2008 erreichte und den breiten europäischen Markt hinter sich ließ.

Italienische Banken: Italienischer FTSEMIB-Index

Italienischer FTSEMIB-Index erreicht im Mai 2018 höchstes Niveau seit 2008

Stimmung auf den Märkten dreht ins Negative

Derzeit ist es hingegen schwer vorstellbar, dass die oben angesprochene, starke Performance im heurigen Jahr stattgefunden hat. Derzeit liegen alle Aktienindizes deutlich unter ihren Vorjahreswerten, wobei die italienischen Indizes das Schlusslicht bilden. Europäische Banken haben mehr als 20% verloren. Unter den Bankaktien mit der schlechtesten Performance finden sich zahlreiche italienische Banken Namen, die um mehr als 28% gefallen sind. Was ist passiert?

Ein Großteil der negativen Performance an den europäischen Märkten lässt sich durch externe Faktoren erklären: der sich verschärfende Handelskonflikt zwischen den USA und China, Sorgen bezüglich der Tatsache, dass sich die US-Wirtschaft in einer spätzyklischen Phase befindet und das langsame Auslaufen der Ära billigen Geldes drücken allesamt auf die Stimmung der Investoren im heurigen Jahr. Zusätzlich sieht sich die EU auch mit einem deutlichen, internen Problem konfrontiert: Italien.

Italienische Banken: Intesa San Paolo

Intesa San Paolo – Italiens zweitgrößte Bank – verlor mehr als 40% seit ihrem Hoch im Mai 2018

Italiens Verschuldung und das Problem mit der Qualität der Vermögenswerte

Italien verfügt über die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone. Mit einem Verschuldung/BIP-Verhältnis von 130% liegt das Land hinter Griechenland an zweiter Stelle; bei nomineller Verschuldung liegt Italien ganz vorne. Das Wirtschaftswachstum ist seit Jahrzehnten verhalten, und das nominelle BIP befindet sich nach wie vor unter dem Vorkrisenniveau. Die mittelmäßige Performance der italienischen Wirtschaft hat sich über die Jahre negativ auf die Qualität der zur Sicherung von Bankkrediten aufgebrachten Vermögenswerte ausgewirkt. Gegen Ende 2015 machten notleidende Kredite beinahe 16% der gesamt ausstehenden Kreditsumme im italienischen Bankensystem aus. Nach Verkauf von Teilen selbiger säumiger Kredite fiel das Verhältnis 2017 auf 11%. Notleidende Kredite ziehen Bankgewinne in Mitleidenschaft, da Rückstellungen zu bilden sind und diese sich gewinnmindernd auf die G + V-Rechnung auswirken. Außerdem muss ein Kredit in der Bilanz voll abgeschrieben werden, sobald er zum Teil uneinbringlich geworden ist. Dies reduziert das Vermögen der Bank und somit auch ihr Eigenkapital.

Der Budgetstreit zwischen der italienischen Regierung und der EU

Aufgrund der hohen Verschuldung des Landes und des hohen Anteils an notleidender Kredite wurden Anleger nervös, als die neu gewählte Regierung – bestehend aus einem populistischen linken und einem radikalen rechten Flügel – ihren neuen Budgetvorschlag für die kommenden Jahre vorstellte. Das angekündigte Defizitziel liegt bei 2,4%. Die Zahl erscheint als solche nicht übermäßig hoch, doch das Problem liegt an der Art, wie das Geld ausgegeben werden soll: die Regierung plant Steuersenkungen, eine Herabsetzung des Pensionsalters und die Einführung eines Mindesteinkommens für Arme und Arbeitslose. Die Europäische Kommission (EK) ist auch der Ansicht, dass die BIP-Schätzungen der italienischen Regierung zu optimistisch sind. Somit könnte das Defizit höher als 2,4% ausfallen.

Im Lichte dieser Zweifel akzeptierte die EK den Budgetvorschlag Italiens nicht und ersuchte um eine revidierte Fassung – eine bisher nicht dagewesene Situation in der EU. Die Regierung aber gab nicht nach, womit die Spannungen zwischen den beiden Seiten nach wie vor bestehen. Theoretisch könnte die EK Italien eine Strafzahlung von 0,2% v. BIP auferlegen, sollte das Land keine Änderungen bei den Ausgabenplänen vornehmen. Dies wären mehr als EUR 3 Mrd.

Anlegernervosität spiegelt sich in höheren italienischen Renditen wider 

 Aus der Sicht des Investors kommt der italienische Disput zu einer Unzeit. Zwar ist das Wachstum in der Eurozone noch immer solide, doch gleichzeitig verlangsamt es sich auch zusehends im Vergleich zu letztem Jahr. Die Nervosität auf den Märkten ist aufgrund des Handelskonflikts zwischen den zwei größten Volkswirtschaften bereits erhöht. Darüber hinaus bereitet die EZB die Märkte langsam aber sicher auf monetäre Straffung vor: Quantitative Easing (QE), also der Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen seitens der EZB, wird – so die Erwartungen – heuer auslaufen, und die erste Zinserhöhung wird für Ende nächsten Jahres erwartet. Italien hat ein großes Volumen an Fremdkapital zu refinanzieren, und die Straffung der Geldpolitik wird diese Übung nicht leichter machen. Der Spread zwischen den 10J-Renditen von Italien und Deutschland – eine Maßzahl der Angst im Markt – liegt bei etwa 3%, dem höchsten Wert seit mehr als fünf Jahren. Ein Niveau von 4% wird als kritisch für sowohl den italienischen Staat als auch die Banken angesehen.

Der Anstieg der italienischen Anleiherenditen ist ebenfalls negativ für italienische Banken. Letztere halten große Anteile an der italienischen Staatsschuld. Ein Anstieg der Renditen resultiert in niedrigeren Anleihepreisen und somit in einer Verringerung der Vermögenswerte und letztlich des Eigenkapitals der Banken.

Italienischer Banken: Der Spread zwischen italienischen und deutschen 10J-Renditen

Der Spread zwischen italienischen und deutschen 10J-Renditen klettert auf sein höchstes Niveau in 5 Jahren

Herausfordernder Ausblick für europäische und italienische Banken

In absehbarer Zukunft wird die Situation in Italien vermutlich den bei weitem bedeutendsten Faktor für die Performance der Bankaktien in Europa darstellen. Fundamental sieht die Situation deutlich besser aus als vor ein paar Jahren. Die Kapitalisierung im Bankensektor ist stärker, die Qualität der Vermögenswerte hat sich deutlich verbessert, und die Kosten sind unter Kontrolle. Viele Banken können in den letzten Jahren aufgrund von höherem Nettozinseinkommen und höheren Gebühren wieder auf Ertragswachstum verweisen. Außerdem scheint die Zeit der großen regulatorischen Veränderungen vorbei zu sein. Die Bewertung des Sektors ist attraktiv; es besteht ein 30%-Abschlag zum breiteren europäischen Markt (auf Basis des KGVs für 2019 von SX7P vs. SXXP), und die Dividendenrendite liegt über 5%.

FAZIT

Damit Bankaktien eine bessere Performance als der Markt erzielen, müssten Anleger allerdings davon überzeugt sein, dass die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone weder plant, den Euro zu verlassen, noch dass das Land in eine Schuldenkrise läuft. Die jüngsten Kommentare seitens der italienischen Regierung deuten keine rasche Lösung an. Positive Impulse könnten von einem niedrigeren Budgetdefizit oder einem Regierungswechsel kommen. Das wahrscheinlichste Szenario ist scheinbar aber ein nachhaltiger Disput zwischen der EU und Italien, was das Umfeld für europäische Bankaktien erschwert.


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Der Technologie-Zyklus ist noch lange nicht zu Ende

Technologie-Aktien sind in den letzten zehn Jahren stärker gestiegen als alle anderen Aktien. Nach einer deutlichen Korrektur hat der Markt wieder Auftrieb bekommen. Wie schätzt Bernhard Ruttenstorfer, Senior Fondsmanager des ESPA STOCK TECHNO, die Zukunftsaussichten für Technologie Aktien ein?*

Die Korrektur Mitte Oktober hat Sie nicht wirklich überrascht?

Stimmt, wir sehen seit 2008 eine starke Aufwärtsbewegung bei den Notierungen von Technologie-Aktien. Diese war natürlich mehrmals unterbrochen, was auch gesund ist, aber – sie hat nie lange gedauert. Generell  sind Wachstumsaktien verglichen mit wertbeständigen (Value)-Titeln hoch bewertet, aber dafür gibt es gute Gründe. Wir sehen bei Technologie-Aktien weiter steigende Umsätze und Gewinne. Viele Geschäftsfelder sind noch nicht entwickelt, viele Innovationen sind noch längst nicht gereift.

Technologie-Aktien Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Also alles „eitel Wonne“ bei Technologie-Aktien?

Es gibt natürlich „Stolpersteine“, mit denen der Markt und die Unternehmen nicht rechnen. Sehen wir uns z.B. die sozialen Medien an:  Facebook hatte in letzter Zeit Probleme mit dem Datenschutz – Stichwort Weitergabe von Nutzerdaten an die Firma Cambridge Analytica. Die Politik möchte nun stärker regulierend eingreifen. Es sollen nicht zu viele Falschinformationen verbreitet werden. Das heißt, es könnten Gesetze kommen, die die Social Media einschränken. Eine stärkere Regulierung könnte die Umsätze drücken und die Kosten in die Höhe treiben. In Europa haben wir durch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schon einen  „Vorgeschmack“ bekommen.

Welche Produkttrends und Innovationen werden künftig die Treiber des Technologie-Sektors sein?

Allgemein sehen wir eine sehr breite Kundennachfrage in vielen Sektoren. Die Technologie-Unternehmen sprechen nicht nur „normale“ Konsumenten an sondern auch Industriekunden. In der Autoindustrie wird der IT-Anteil immer größer. Diverse Anbieter erproben gerade Assistenzsysteme und selbstfahrende Systeme. Die Kommunikation im Auto wird immer wichtiger, z.B. mit digitalen Displays. Auch die Elektromobilität erfordert immer mehr IT im Auto. In der industriellen Produktion gewinnt das Thema Robotik stark an Bedeutung. Gemeint ist die Verknüpfung der Fabriken miteinander, damit schneller und flexibler produziert werden kann. In der Produktion werden Roboter-Fertigungsstraßen modernisiert. Mercedes produziert eine Elektroversion auf der normalen Fertigungsstraße. Da müssen die Belieferung und jeder Montagegriff in Echtzeit funktionieren. Im Medizinbereich kommen bald

Hörgeräte mit Live-Übersetzung auf den Markt. Die haben innen viel Technik, bedingt durch die erforderliche IT-Anbindung, leistungsstarke Prozessoren, starke Batterien. Das alles muss kompakt und leicht sein.

Wie sieht es am Smartphone-Markt aus?

Smartphones sind nicht mehr der große Renner, aber von den Social Media halten wir nach wie vor viel. Manche Titel wie facebook und twitter wurden vom Markt abgestraft, da sie gewissen Trends hinterher hängen. Das wurde in den letzten Quartalszahlen durch geringes Umsatzwachstum durchaus zurecht untermauert. Trotzdem lösen sich diese Dinge nicht in Luft auf. Die Frage ist nur: Gibt es einen neuen Anbieter, der den etablierten Diensten Paroli bieten kann? Wenn dies der Fall ist, könnte ihn zB Facebook ganz einfach kaufen, wie wir bei Instagram und Whats App gesehen haben. Das waren zwar teure Deals, aber es war die richtige Entscheidung.

Kommen wir zum ESPA STOCK TECHNO. Wie ist der Fonds im aktuellen Umfeld positioniert? Auf welche Aktien setzen Sie?

Der ESPA STOCK TECHNO investiert in die bedeutendsten Technologie-Unternehmen weltweit. Die USA sind dabei tonangebend. Im Moment haben wir ein Übergewicht bei Halbleiter-Herstellen. Hardware-Hersteller und Speicherhersteller sind untergewichtet gegenüber dem Technologie-Index. Wir verfolgen die eine oder andere Einzeltitel-Wette: So halten wir das größte Übergewicht bei Nvidia dem Marktführer für künstliche Intelligenz. uns Autonomes Fahren, E-Gaming und künstliche Intelligenz bei Datencentern sind ebenfalls Themen für den Fonds. Der Hersteller Workday hat eine Personalsoftware entwickelt, die rein auf Cloud-Basis funktioniert. Starkes Wachstumspotenzial sehen wir auch bei Electronic Arts und Activision Blizzard im Live-Streaming von E-Gaming-Turnieren. In Europa kann unser Villacher „Lokalmatador“ Infineon wesentliche Akzente für das Internet of Things, die Industrie- und Roboterkommunikation sowie im Bereich Energiemanagement setzen. Alle diese Themen und Unternehmen deckt der ESPA STOCK TECHNO ab!

Wie sind die Gewinnaussichten der Technologie-Unternehmen?

Die Konsensschätzungen der Analysten sehen in Summe ein Gewinnwachstum von 20 Prozent für 2018 und 2019. 2020 sollten die Gewinne nochmals um 10 Prozent steigen, so die Prognosen. Das bei einem fast zweistelligen Umsatzwachstum. Die Aussichten sind also gut. Rückschläge bei den Aktienkursen, wie wir sie Mitte Oktober gesehen haben, muss man in der persönlichen Anlage-Entscheidung immer  miteinbeziehen.


*Das Interview mit Bernhard Ruttenstorfer führte Dieter Kerschbaum, Communications Specialist Österreich der Erste Asset Management.

Warnhinweise gemäß InvFG 2011

Der ESPA STOCK TECHNO kann aufgrund der Zusammensetzung des Portfolios eine erhöhte Volatilität aufweisen, d.h. die Anteilswerte können auch innerhalb kurzer Zeiträume großen Schwankungen nach oben und nach unten ausgesetzt sein.

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Ergebnis der US-Kongresswahl

Das Ergebnis der US-Kongresswahl am Dienstag hat an den Finanzmärkten international für Entspannung gesorgt. Bei der Wahl haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus – dem Unterhaus des US-Kongresses – zurückerobern können. Der Senat bleibt hingegen in republikanischer Hand.

Der Kongress ist das oberste Gesetzgebungsorgan der Vereinigten Staaten und besteht aus zwei Kammern, dem Repräsentantenhaus und dem Senat. Die parlamentarische Arbeit spielt sich im Zusammenwirken von Repräsentantenhaus und Senat ab, wobei der Kongress als Ganzes laut Verfassung Gegenspieler der Regierung ist.

Das Ergebnis der US-Kongresswahl fiel so aus, wie es im Vorfeld erwartet worden war. Damit wird laut Analysten wieder viel Unsicherheit aus den Märkten genommen, was bei den Investoren auch entsprechend positiv aufgenommen wurde. Die US-Leitindizes zogen im Zuge der wieder gesunkenen Risikoaversion am Mittwoch geschlossen um mehr als zwei Prozent nach oben. Auch an Asiens und Europas Börsen stellten sich am Donnerstag Kursgewinne ein. Der US-Dollar gab dagegen gegenüber dem Euro etwas Terrain ab. Der Euro kletterte zur Wochenmitte zwischenzeitlich auf knapp 1,15 Dollar nach oben.

An den US-Anleihenmärkten bewegte sich am Mittwoch nicht viel, die Renditen für mittlere und längere Laufzeiten gaben jedoch etwas nach. Dies rührt daher, dass das Regieren für US-Präsident Donald Trump in Zukunft etwas schwieriger werden dürfte. Da das Repräsentantenhaus nun von den Demokraten beherrscht wird, wird am Markt damit gerechnet, dass die Haushalts- und Steuerpolitik etwas weniger locker ausfallen wird als bisher. Neue fiskalische Impulse könnten damit ausbleiben, was wiederum das Wirtschaftswachstum im Land bremsen sowie eventuell den Zinserhöhungskurs der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mittelfristig verlangsamen könnte. Diese Aussicht drückt die US-Anleihenrenditen etwas nach unten.

Grafik US Kongresswahl Ergebnisse

Keine Trendwende in US-Wirtschafts- und Zinspolitik nach der US-Kongresswahl erwartet 

Aber auch wenn Trumps Politik nun stärker unter die Kontrolle der Demokraten gekommen ist, glauben Analysten nicht an eine große Wende in der US-amerikanischen Wirtschafts- und Außenpolitik. In Bezug auf die internationalen Handelskonflikte der USA dürfte Trump so weiter machen wie bisher. Auf großen Widerstand muss er sich Experten zufolge dabei nicht einstellen, da es auch im demokratischen Lager durchaus Befürworter seiner protektionistischen Tendenzen – vor allem gegenüber China – gebe.

Bei der US-Notenbankpolitik wird vorerst ebenfalls nicht mit großen Änderungen nach der Wahl gerechnet- Die Fed dürfte nach Meinung von Experten ihren Kurs im Großen und Ganzen fortsetzen. Bei der Zinssitzung am Donnerstagabend haben die Währungshüter den Leitzins wie erwartet unverändert gelassen, für Dezember wurde jedoch erneut eine weitere Anhebung angedeutet. Die letzte Erhöhung fand im September statt, damals wurde die Zinsspanne auf 2,00 bis 2,25 Prozent angehoben.


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Gründe, optimistisch zu bleiben

Insgesamt ist das Jahr 2018 von einer Abfolge von Mini-Schocks und Kursverlusten in immer mehr Wertpapier-Segmenten geprägt. Im Oktober sind Aktienveranlagungen mit einer Momentum-Strategie, also einer Strategie, die versucht von Markttrends zu profitieren, nicht gut gelaufen. Zu dieser Kategorie gehören vor allem die Technologie-Aktien. Das Vertrauen der Investoren in die Finanzmärkte erodiert und es ist schwer, ohne einen guten Überblick, optimistisch zu bleiben.

Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management, mit Gründen, vorsichtig optimistisch zu bleiben:

Wachstum

Eine Reihe von wichtigen Frühindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor deuten auf eine graduelle Abschwächung des realen globalen Wirtschaftswachstums hin. Das Niveau bleibt aber gut, d.h., über dem langfristig zu erwartenden Wert (dem Potenzial). Nachsatz: Eine Rezession wurde noch selten prognostiziert. Das reale BIP-Wachstum von lediglich 0,2 Prozent im Quartalsabstand in der Eurozone war hoffentlich nur ein Ausreißer.

Liquidität

Die Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften reduzieren schrittweise die sehr wirtschaftsunterstützende geldpolitische Haltung. Die Leitzinsen werden angehoben und die Nettoankaufsprogramme laufen aus. Die wichtigste Zentralbank der Welt, die US-Fed, hat das Zielband für den Leitzinssatz mittlerweile auf 2-2,25 Prozent angehoben und indiziert weitere Zinsschritte auf über 3 Prozent. Insgesamt wirken die Geldpolitiken nach wie vor expansiv. Wenn die Leitzinsen allerdings zu schnell auf ein zu hohes (d.h., restriktives) Niveau angehoben werden, und die Zentralbankgeldmenge zu schnell reduziert wird, könnten die Märkte verstärkt unter Druck kommen, und / oder könnte eine Rezession ausgelöst werden.

Asynchronität

Die US-Wirtschaft boomt, während der „Rest“ der Welt Abschwächungstendenzen zeigt. Das hat vor allem jene Volkswirtschaften unter Druck gebracht, die in US-Dollar verschuldet sind (höhere Zinsen), deren Wirtschaftswachstum sich abschwächt (niedrigeres Einkommenswachstum) und wo Ungleichgewichte vorhanden sind (Leistungsbilanz- und Budgetdefizite). Aber auch für die USA nehmen die Anzeichen für eine Abschwächung zu: Der Immobilien- und der Automarkt stagnieren, das Wachstums der Unternehmensinvestitionen ist gefallen und die Lager haben ganze zwei Prozentpunkte zum tollen Wirtschaftswachstum im 3. Quartal von 3,5 Prozent (im Quartalsabstand, auf das Jahr hochgerechnet) beigetragen. Bleibt „nur“ noch, dass die Abschwächung in der Eurozone und in China nicht zu kräftig ausfallen.

Bewertungen / Risikoprämien

Die Bewertungen waren Anfang des Jahres bei vielen Wertpapierklassen deutlich überdurchschnittlich, d.h., die eingepreisten Risikoprämien waren sehr niedrig. Bei manchen Wertpapierklassen wurde sogar ein zyklisches Tief erreicht (zum Beispiel betrug der Renditeaufschlag bei US-Unternehmensanleihen Anfang Februar lediglich 0,9 Prozentpunkte, aktuell: 1,23 Prozentpunkte). Mittlerweile sind einige Wertpapierklassen „billig“. Das gilt insbesondere für Emerging Markets.

Positionierung

Die Positionierung in Richtung der risikobehafteten Wertpapierklassen ist im Jahresverlauf gesunken. Allerdings konnte eine „Kapitulation“ der letzten Optimisten, wodurch weitere Kursverlusten ausgelöst werden könnten, noch nicht beobachtet werden.

Strategie

Bis Anfang Oktober waren Momentum-Aktien einer der wenigen Bereiche, die positive Erträge aufwiesen. Wenn die Erwartungen für das Gewinnwachstum nicht mehr gesteigert werden können, weil die Situation bereits sehr gut ist, bricht eine Momentum-Strategie. Im Allgemeinen geht eine Sektor-Umschichtung mit erhöhten Kursschwankungen (Volatilität) einher.

Renditen

Es ist bemerkenswert, dass die kreditrisikolosen Staatsanleihen trotz der Kursrückgänge bei den Aktien und der Zunahme der Risiken keine signifikanten Renditerückgänge aufweisen. In den USA ist die Rendite von inflationsgeschützten Staatsanleihen von 0,42 Prozent Anfang dieses Jahres auf 1,04 Prozent angestiegen. Das ist nicht dramatisch, verringert allerdings den Barwert der zukünftigen Gewinne etwas und übt einen Druck für einen höheren Risikoaufschlag aus. Gründe dafür könnten die boomende US-Wirtschaft, die Leitzinsanhebungen und die drastische Ausweitung des Budgetdefizits in den USA sein.Politik: Die politische Ebene stellt mit der Eskalation des Handelskonfliktes der USA mit China, der nicht nachhaltigen Budgetpolitik in Italien und den Gefahren eines ungeordneten Brexits einen wichtigen Grund für die Ausweitung der geforderten Risikoprämien dar.

Ölpreis

Der Ölpreis hat zwar die Aktienkursrückgänge im Oktober mit Preisrückgängen begleitet (Brent aktuell bei knapp 76 US Dollar pro Fass). Das Risiko eines Kursanstiegs aufgrund einer Angebotsverknappung, der die Kaufkraft dämpfen würde, bleibt jedoch.

Feedback

Eine Verschärfung des Finanzumfelds übt einen wirtschaftsdämpfenden Effekt aus. In der Türkei deutlich negativ, in Italien moderat negativ, in den USA bis dato nur minimal.

Inflation

Wichtig ist die Entwicklung der Inflation. So lange sie in den entwickelten Volkswirtschaften niedrig bleibt, haben die Zentralbanken den Spielraum, im Fall einer drastischen Verschärfung des Finanzumfeldes im Zinsanhebungszyklus zu pausieren. Das gilt insbesondere für die Zentralbank in den USA.

Zusammenfassung

Das Basisszenario ist (noch) in Ordnung. Die Frühindikatoren deuten lediglich auf eine moderate Abschwächung des Wirtschaftswachstums hin. Die Zentralbanken agieren vorsichtig und die gefallenen Marktpreise reflektieren bereits eine Menge an möglichen negativen Entwicklungen.


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Gemischte Stimmungslage an US-Börsen

Nach einem erfreulichen Start in die US-Berichtssaison hat sich das Blatt an den US-Börsen in der vergangenen Woche gewendet. Enttäuschende Ergebnisse aus der Technologiebranche überschatteten die starken Zahlen von US-Großbanken und sorgten dafür, dass der Dow Jones seine Jahresgewinne vollständig ausradierte und auf Jahressicht in den negativen Bereich abrutschte. Der Technologieindex Nasdaq Composite steht dagegen im Vergleich zum Jahresbeginn noch im Plus, büßte jedoch alleine im Monat Oktober bisher rund 850 Punkte ein und steuert damit auf den schwächsten Oktober seit dem Jahr 2008 zu. Ein kurzer Erholungsversuch am Donnerstag blieb dabei vergeblich.

Zum Wochenschluss belasteten vor allem die schwachen Ergebnisse von Amazon und der Google-Mutter Alphabet. Beide Konzerne enttäuschten trotz Gewinnen in Milliardenhöhe die sehr hoch gesteckten Markterwartungen. Bei beiden Konzernen fiel der Quartalsumsatz schwächer als erwartet aus, zudem fanden Analysten und Anleger das Wachstumstempo der beiden Unternehmen nicht ausreichend. Einige Tage zuvor hatten bereits die Ergebnisse des Computer-Urgesteins IBM mit Rückgängen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn enttäuscht. Erfreuliche Zahlen von Intel und Facebook halfen der pessimistischen Grundstimmung dagegen nicht.

Investoren blicken bereits auf das Jahr 2019

Die Unternehmenszahlen sind jedoch nicht allein ausschlaggebend für das derzeit volatile Sentiment. Experten zufolge konzentrieren sich die Investoren bereits verstärkt auf die Aussichten für das Jahr 2019 und hier haben sich die Gewinnaussichten für Unternehmen aufgrund der makroökonomischen Entwicklungen zuletzt eingetrübt. Die laufenden Handelskriege, stärker schwankende Ölpreise aufgrund politischer Spannungen zwischen den USA und Saudi-Arabien, der Haushaltsstreit zwischen der EU und Italien und die stockenden Brexit-Verhandlungen schüren zunehmend Sorgen um den Zustand der globalen Konjunktur.

So fiel der jüngste US-Konjunkturbericht, das sogenannte „Beige Book“, der Federal Reserve (Fed) verhalten aus und konstatierte der US-Wirtschaft zwar ein robustes, aber weniger dynamisches Wachstum. Im dritten Quartal fiel das annualisierte Wachstum mit 3,5 Prozent deutlich schwächer aus als im Vorquartal (Q2 2018: 4,3 Prozent), blieb jedoch knapp über den Erwartungen.

Laut Fed wird die US-Wirtschaft vor allem durch die Unsicherheit über die weiteren Entwicklungen in der Handelspolitik belastet. Die USA streitet derzeit vor allem mit China über deren Handelspolitik. Die Volksrepublik leidet ebenfalls unter dem Konflikt mit den USA und verzeichnete im dritten Quartal 2018 mit 6,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum das schwächste Wachstum seit 2009.

Zusätzlich verschärft wird die Lage an den Aktienmärkten durch die steigenden Leitzinsen in den USA. Erst im September hat die Notenbank ihren Leitzinskorridor auf 2,00 bis 2,25 Prozent angehoben und bis Ende 2019 vier weitere Schritte signalisiert. Einige Notenbanker haben sich sogar noch für einen weiteren Schritt 2018 ausgesprochen. Durch die höheren Zinsen haben auch die US-Anleihenrenditen wieder deutlich angezogen. Die höhere Verzinsung am Anleihenmarkt macht Investments in Aktien tendenziell unattraktiver und hatte zuletzt die Aktienbörsen belastet.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

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Brasilien: Fundamental gute Unternehmen trotz politischer Unsicherheit

von Florian Zwettler, Fundmanager der Erste Asset Management.

Im aktuellen Umfeld globaler Unsicherheiten in Schwellenländern ausgehend von idiosynkratrischen Ereignissen in der Türkei und Argentinien, dem Handelskonflikt zwischen den USA und China und im Hinblick auf die Präsidentenwahl, war Ende September wohl einer der spannendsten Zeitpunkte um Brasilien zu besuchen. Weder im Stadtbild von Rio de Janeiro noch in Sao Paulo waren zu meiner Überraschung überdimensionierte Wahlplakate zu sehen. In persönlichen Gesprächen jedoch, war das Thema Wahlen allgegenwärtig. Der Ausgang der Wahlen schien ungewiss, die Wähler wirkten unentschlossen. Das Land ist gespalten zwischen dem rechtsgerichteten Lager mit Kandidat und Ex-Offizier Jair Bolsonaro (Anhänger der Partei Partido Social Liberal, kurz PSL) und dem linken Flügel mit Fernando Haddad, dem Ersatzkandidaten des ehemaligen Präsidenten Lula da Silva (welcher aufgrund einer Gefängnisstrafte wegen Korruption nicht kandidieren durfte). Fernando Haddad ist der frühere Bürgermeister von Sao Paulo und wird von der politisch linken Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores (PT) unterstützt. Die Wochenzeitung „The Economist“ betitelte den Rechtskandidaten Bolsonaro zuletzt als „Latin America’s latest menace“ und verurteilte den Kandidaten somit als nächste Gefahr für die gesamte Region Lateinamerika. Im Gegensatz dazu reagierten die Märkte wenig überraschend, aufgrund der politischen Agenda und des wirtschaftlichen Programms von Berater Paul Guedes, positiv auf dessen deutlichen Wahlsieg in der ersten Runde.

Neben einer Betriebsbesichtigung des Zellstoff- und Papierproduzenten Suzano am letzten Tag der Konferenz standen an den Tagen zuvor einundzwanzig Unternehmen, die Brasilianischen Entwicklungsbank BNDES und ein lokaler politischer Consultant Arko AdviceRede und Antwort auf aktuelle Entwicklungen, laufende Jahresergebnisse und strategische, zukünftige Ausrichtungen. Beinahe alle besuchten Unternehmen konnten ihre Fundamentaldaten erneut verbessern, ihre Schuldenniveaus weiterhin senken und ihre Liquiditätskennzahlen über die letzten zwei bis drei Jahre steigern. Jedoch befinden sich aktuell alle Unternehmen im stattfindenden Sog globaler Turbulenzen an den Märkten – dies kehrte sich jedoch in den ersten beiden Oktoberwochen um – und die Wirtschaft erwartet noch die zweite Runde einer Wahl mit unklaren wirtschaftlichen und politischen Folgen für Brasilien und dessen Unternehmen. Allgemeiner Konsens unter den Unternehmen war es, längst anstehende strategische Projekte und große Investitionen erst nach den Wahlen unter weniger Unsicherheiten tätigen zu wollen.

Die dominanten Unternehmenssektoren gemessen an der Wirtschaftsleistung und Anzahl an Mitarbeitern in Brasilien sind:

  1. Energie (gesehene Vertreter waren PetrobrasUltraparRaizenCosan und Ocyan) mit einem Umsatz von über 100 Mrd. Euro und 250.000 Mitarbeitern.
  2. Die Lebensmittel- und Fleischproduktionsbranche mit den getroffenen Vertretern von JBSBRFMafrig & Minerva liegen auf dem zweiten Platz mit einem Umsatz in Höhe von rund 65 Mrd. Euro und über 400.000 Mitarbeitern.
  3. Der dritte Sektor mit Unternehmen wie Vale, Teile von VotorantimCementis oder Suzano beschäftigt sich mit dem Abbau, Verarbeitung und Export von Rohstoffen. Deren Umsatz liegt bei knapp 60 Mrd. Euro und 150.000 Mitarbeitern.

Eindrücke aus Unternehmensgesprächen

Die ein bis eineinhalb stündigen Unternehmensgespräche waren minutiös getaktet, sehr intensiv und unglaublich lehrreich. Ohne ins Detail gehen zu wollen hier einige Eindrücke ausgewählter Unternehmen in 1-2 Sätzen:

  • Das im Staatsbesitz befindliche Unternehmen Petrobras ist eines der weltweit größten Öl- und Gasunternehmen mit größtenteils lokaler Produktion von zuletzt 2,8 Millionen Barrels pro Tag. Das Unternehmen befindet sich weiterhin am Pfad zur Schuldenreduktion mit geplanten Einnahmen aus Anlageverkäufen in Höhe von 13,5 Mrd. und 15 Mrd. US Dollar werden aus dem freien Cash Flow bis Jahresende erwirtschaftet.
  • Das private Krankenhauskonsortium Rede D’or ist in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt um 25% gewachsen und deren Einkünfte werden zu 100% aus privaten Krankenversicherungen, welche wiederum vom privaten Einkommen, der allgemeinen Arbeitslosenrate und Wirtschaftswachstum Brasiliens abhängig sind, generiert. Potentielle Kunden stellen ungefähr 47 von knapp über 200 Millionen Brasilianern dar.
  • Die Brasilianische Entwicklungsbank BNDES wird auch im laufenden Jahr wieder ähnlich viele Kredite wie letztes Jahr, knapp 70 Mrd. Brasilianische Real (rund 15 Mrd. Euro) vergeben. 40% davon fließen in lokale Infrastrukturprojekte, jeweils 20% in Handel und Serviceleistungen und ein besonderer Schwerpunkt wird auf Innovation, Nachhaltigkeit und saubere Energie gelegt.
  • Vale, eines der größten Metall- und Bergbauunternehmen (Global die #1 in Eisenerz- und Nickelproduktion), verdient mit jeder verkauften Tonne Eisenerz eine Prämie über dem international gehandelten Eisenerzpreis, da Eisenerz nicht gleich Eisenerz ist. Der Verkaufspreis ergibt sich aus unterschiedlichen Rohstoffstandards und einem optimalen Mischverhältnis von Aluminiumoxid Al2O3 und Siliciumdioxid SiO2.
  • Die größte brasilianische Mediengruppe Globo leidet seit einigen Jahren wie auch viele andere Unternehmen im gleichen Sektor mit anhaltend hoher internationaler Konkurrenz (Netflix, Amazon und Co.) und sinkenden Gewinnspannen. Zweidrittel ihrer Umsätze werden aus Werbeeinnahmen und ein Drittel aus erfolgreichen Eigenproduktionen (unter den lokalen Konferenzteilnehmer sehr beliebt) generiert.
  • Den beiden fleischexportierenden Unternehmen BRF und JBS steckt noch immer der „Gammelfleisch-Skandal“ aus dem Jahre 2017 in den Knochen. BRF ist dabei seine Produktionsstätten in Europa abzustoßen und verzichtet auf eine Erzeugung „höherwertiger“ Produkte, welche speziell für Exportmärkte wie Europa mit höheren Standards errichtet wurden und für den einheimischen Markt zu teuer sind.
  • Die im Staatsbesitz befindliche Cemig Gruppe möchte sich wieder auf ihr Kerngeschäft: die Energiegewinnung, -transformation und den -vertrieb mithilfe von 116 Kraftwerken und einem Stromnetz mit einer Länge von 600.000 km (entspricht 15x dem Erdumfang) konzertieren und veräußert alle anderen Beteiligungen.
  • Suzano ist im Besitz von 1,2 Millionen Hektar Eukalyptuswälder. Das entspricht knapp einem Viertel des gesamten Waldbestandes Österreichs. Eukalyptus Bäume haben einen Wirtschaftszyklus (Pflanzung bis Rodung) von fünf bis sieben Jahren und das Unternehmen arbeitet gerade an einem Verfahren zur Herstellung von Zellstoffen für Windeln aus 100% Eukalyptus. Das Unternehmen rechnet in diesem Segment mit höheren Wachstumsraten und Gewinnspannen als im traditionellen Papiersektor.

Brasiliens Wirtschaft befindet sich gerade erst wieder in einer Erholungsphase nach einer der schwersten wirtschaftlichen Rezessionen des Landes ausgelöst durch den größten Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens „Lava Jato“ (ein milliardenschwerer Korruptionsskandal rund um das verstaatlichte Unternehmen Petrobras mit dem deutschen Namen „Autowäsche“ Skandal), einem erwarteten Budgetdefizit von 8,9% des BIP (Italien hat eben mit einer geplanten  Neuverschuldung von 2,4% des BIP Aufsehen erregt) und damit einhergehend einem rasant wachsenden Staatsschuldenberg, Auf Unternehmensebene bleiben jedoch Verschuldungsgrade gering und Fundamentaldaten verbessern sich. Werden eine dringend benötigte fiskalische Konsolidierung, Privatisierungen und eine Sozial- und Pensionsreform von der neuen Regierung angestoßen, werden wir unsere momentan taktisch neutrale Positionierung mit selektiven Unternehmen überdenken.

Weitere politische Ergänzungen…

In der ersten Runde der Präsidentenwahl setzten sich die beiden – wie Ende September von Arko Advice prognostiziert – Kandidaten Haddad und mit leichten Vorteilen Bolsonaro durch. Mit diesem Ergebnis setzt sich der globale Trend an Anti-Establishment, Frustwählern und ein Schmelzen der politischen Mitte hin zu teilweise politischen Extremen und Populisten auch in Brasilien fort, obwohl beide Kandidaten historisch gesehen hohe Ablehnungsrate in Bevölkerung haben. Bolsonaro steht vor allem bei weiblichen Wählerinnen aufgrund sexistischer und frauenfeindlicher Aussagen in ihrer Ungunst, wohingegen Haddad für viele Brasilianer als Lula-Nachfolger und einer möglichen Fortsetzung des bestehenden und korrupten Systems (Stichwort „Lava Jato“) steht, und deswegen für viele Brasilianer keine Alternative bietet. Welcher Kandidat ist nun in der finalen zweiten Runde zu favorisieren? Anhaltender Rückenwind, die Bewegung gegen Korruption und somit gegen PT und dass seit 1989 immer der Erstrundengewinner auch die zweite Runde, falls es eine gab, gewann, spricht für einen Wahlsieg des Rechtspopulisten und marktfreundlicheren Kandidaten Bolsonaro. Darüber hinaus genießt Bolsonaro die Unterstützung drei bedeutender Blöcke im Kongress, den sogenannten „BBB“-Repräsentanten (bull, bullet and bible) für Landwirtschaft, Militär und den evangelischen Gruppierungen im Lande. Selbst unter einem Sieg Bolsonaros werden angestrebte und wirtschaftlich dringend benötigte Wahlversprechen wie eine allgemeine Sozial- und Pensionsreform mit dem neu gewählten und sehr zersplitterten Unterhaus (30 unterschiedliche Parteien) sowie Senat (21 unterschiedliche Parteien) aufgrund benötigter qualifizierter Mehrheiten nur schwer durchsetzbar sein, wohingegen das engere Team mit mindestens fünf ehemaligen Generälen die Recht-und-Ordnungs-Agenda: Kampf gegen Kriminalität und Korruption schnell an Fahrt aufnehmen könnte.


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Interessante Renditen bei Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen

Am 17. Oktober 2018 feierte der ERSTE BOND LOCAL EMERGING seinen 10. Geburtstag. Ein guter Zeitpunkt um die Anlageklasse „Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen“ genauer zu betrachten, so Christian Gaier, Senior Fondsmanager der Erste Asset Management.

Was ist die Charakteristik von einem Anleihenfonds, der in Lokalwährungen von Schwellenländern veranlagt?

Das interessante an dem Fonds ist, dass dieser ausschließlich in Emittenten aus den Schwellenländern („Emerging Markets“) veranlagt. Dazu zählen zum Beispiel Staatsanleihen aus zentral- und osteuropäischen Ländern wie Ungarn oder Polen, asiatische Emittenten wie Thailand oder Malaysia, Lateinamerika, dem Nahen Osten und aus Afrika.

Die Anleihen notieren in der jeweiligen Landeswährung, wie zum Beispiel in mexikanischem Peso, brasilianischem Real, polnischem Zloty oder südafrikanischem Rand. Das mit einem Investment verbundene Fremdwährungsrisiko wird dabei bewusst nicht abgesichert. Der Vorteil für den Euro-Investor liegt darin, dass die Kupons bzw. Zinsniveaus in diesen Ländern teilweise deutlich höher sind. Das Risiko sind die höheren Kursschwankungen, die damit verbunden sind.

Turbulenter Start vor zehn Jahren

Trotz der Fondsgründung in den Nachwehen der Lehman Brothers Pleite vom 15. September 2008 und der damals vorherrschenden Verunsicherung auf den Märkten, war es aus unserer Sicht der nächste logische Schritt die Produktpalette für Schwellenländer-Staatsanleihen zu erweitern.

Waren wir damals noch unter den ersten Anbietern, hat sich die Asset Klasse in der Zwischenzeit etabliert und ist fixer Bestandteil so mancher Asset Allokation.

Anlageklasse wächst weiter indem neue Länder wie China, Serbien und Afrikanischen Staaten investierbar werden

Während das Investmentuniversum vor zehn Jahren 15 Länder mit einer durchschnittlichen Zinssensitivität von 4,2%*) umfasste, stehen dem Fondsmanagement heute Anleihen aus 19 Ländern mit einer durchschnittlichen Zinssensitivität von 5,1%1) zur Verfügung. Die steigende Zinssensitivität belegt auch das reifer werden des bestehenden Investment-Spektrums und die Fähigkeit der einzelnen Länder Anleihen mit immer längeren Laufzeiten in Lokalwährung zu emittieren, was eine fristenkonforme Finanzierung ermöglicht. Das ist positiv für den jeweils heimischen Bankensektor und Unternehmen, denen die Zinskurve mit den verschiedenen Fristigkeiten als Grundlage zur Finanzierung in Lokalwährung dient.

Die größere Anzahl der Länder und die steigende Zinssensitivität belegt die rasante Entwicklung dieser Anlageklasse.

Aber auch die nächsten Länder klopfen bereits an die Türe. Das größte davon ist China. Als drittgrößter Lokalmarkt weltweit – und mit Abstand größter Lokalmarkt in den Emerging Markets – bedeutet dies eine weitere Aufwertung der Asset Klasse und weiterhin steigendes Interesse internationaler Investoren.

Aber auch andere Länder wie Ägypten, Kasachstan, Nigeria und Serbien sind durchaus Kandidaten.

Finanzierung im Wandel

Die zunehmende Finanzierung der Staatshaushalte in Landeswährung ist aus Investoren Sicht eine positive Entwicklung. Neben der Entstehung der neuen Anlageklasse „Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährung“ als Investmentopportunität, profitieren auch die einzelnen Länder von einer geringeren Abhängigkeit von Finanzierungen in US Dollar.

Das Verhältnis Lokalwährungsschulden zu Fremdwährungsschulden ist außerdem ein wichtiger Indikator in der Beurteilung der Finanzierungsstruktur der jeweiligen Staatshaushalte aus Investorensicht.

SchwellenländeranleihenVergleich Marktwert von Schwellenländerleihen in Lokalwährung und in harter Währung 2002-2018)

Wenn die Gesamtschulden im tragbaren Rahmen sind, was in den meisten Emerging Markets Volkswirtschaften der Fall ist, wirkt sich diese Entwicklung positiv auf die Risikoaufschläge aus. Das heißt die Finanzierung wird dadurch für diese Länder günstiger.

Rendite und Währung bestimmen die Attraktivität dieser Anlageklasse

Die Bewertung der Attraktivität von Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen basiert auf zwei Faktoren:

  1. Die Rendite2:

Während bereits das absolute Rendite Niveau von knapp 6,75% attraktiv klingt2, muss diese immer auch mit einer risikofreien Alternativen verglichen werden um diese in den richtigen Kontext zu setzen.

Als Euro Investor wird dafür die Rendite der 10 jährigen deutschen Staatsanleihe als Referenzwert herangezogen und der Risikoaufschlag (Renditedifferenz) errechnet. Derzeit beträgt die Renditedifferenz knapp 625 Basispunkten (das sind 6,25%-Punkte) – ein auch im historischen Vergleich interessanter Wert.

Renditeniveau Anleihen aus Schwellenländern und die Renditedifferenz im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen (2008-2018)
SchwellenländeranleihenQuelle: Bloomberg; Daten per 15.10.2018; die Kennzahl „Rendite“ entspricht der durchschnittlichen Wertpapierrendite der in einem Index oder Investmentfonds gehaltenen Wertpapiere vor Abzug von Kosten aus der Absicherung von Fremdwährungsrisiken; bitte beachten Sie, dass diese Rendite-Kennzahl nicht der Wertentwicklung entspricht. In dieser Kennzahl werden auch keine ertragsmindernden Kosten wie die Verwaltungsgebühr oder individuelle Konto– und Depotgebühren berücksichtigt.

Für den traditionellen Euro-Anleihen-Investor, sprich Euro-Staatsanleihen oder Euro-Unternehmensanleihen-Investor, endet hier die Analyse, da er keinem Währungsrisiko ausgesetzt ist.

Im Fall von Emerging Markets Lokalwährungen und des ERSTE BOND LOCAL EMERGING muss jedoch auch die Attraktivität der zweiten Komponente im Fonds – die Währung – in Betracht gezogen werden. Diese kann durchaus als Chance und nicht nur als Risiko verstanden werden.

  1. Die Währung:

Ein marktüblicher Indikator für Lokalwährungen sind real effektive Wechselkurse. Diese bilden nicht ausschließlich Veränderungen der Marktkurse, sondern auch Veränderungen des relativen Preisniveaus ab. Aus diesem Grund werden sie als langfristiger Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes verwendet.

Basierend auf diesem Indikator kann man aktuell von keiner Überbewertung der Emerging Markets Lokalwährungen sprechen.

Real effektive Wechselkurse ausgewählter Länder 1994-2018 im VergleichSchwellenländeranleihen

Wichtig: Die Währungskomponente bringt eine hohe Schwankungsfreudigkeit (Volatilität) in ein Portfolio. Diese ist für den klassischen Euro Bond Investor eine neue Erfahrung und verunsichert so manchen Investor, da diese die gesamte Portfolio-Volatilität erhöht.

Die Währungsvolatilität ist auch als Chance zu verstehen, da durch aktives Management immer wieder kurz und mittelfristige Investitionsmöglichkeiten genutzt werden können – auch wenn der Fokus auf einer strategischen Ausrichtung des Fonds auf dem langfristen Wertzuwachs liegt.

Fazit

Auf längere Sicht profitiert ein Anleger von dem höheren Renditeniveau dieser Anleihen. Der Investor erkauft sich die höhere Rendite mit einem höheren Risiko, das vor allem durch die teilweise kräftig ausfallenden Währungsschwankungen beeinflusst wird. Aktuell ist das Renditeniveau dieser Anleihen für einen risikofreudigen Investor interessant, insbesondere im Vergleich zu einer deutschen oder österreichischen Staatsanleihe.


1) Modified Duration = Zinsempfindlichkeit einer Anleihe; sie gibt die prozentuelle Änderung des Preises bei einer absoluten Änderung des Renditeniveaus um 1%-Punkt an; Berechnung auf Basis eines globalen Schwellenländeranleihenindex (JP Morgen);
2) Die Kennzahl „Rendite“ entspricht der durchschnittlichen Wertpapierrendite der in einem Index oder Investmentfonds gehaltenen Wertpapiere vor Abzug von Kosten aus der Absicherung von Fremdwährungsrisiken; bitte beachten Sie, dass diese Rendite-Kennzahl nicht der Wertentwicklung entspricht. In dieser Kennzahl werden auch keine ertragsmindernden Kosten wie die Verwaltungsgebühr oder individuelle Konto– und Depotgebühren berücksichtigt; Daten per 15.10.2018; Quelle: Bloomberg

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Aktienentwicklung der vergangenen Woche: Korrektur, kein Kollaps

by Peter Szopo, Chief Equity Strategist der Erste Asset Management.

Am Mittwoch letzter Woche verlor der S&P 500-Index mehr als 3%. Diesem Rückgang folgte am Tag darauf ein weiteres Minus von 2%. Diese zwei Handelstage – die beiden letzten einer Serie von sechs Verlust-Tagen in Folge – bewirkten letztlich, dass der US-Leitaktienindex 6,7% gegenüber seinem vorigen Höchststand eingebüßt hat.

Derartige Korrekturen ereignen sich zwar nicht allzu oft, sind aber auch nicht extrem selten. Sie signalisieren nicht notwendigerweise einen grundlegenden Umbruch im Marktgefüge. Das letzte Mal verzeichneten die Märkte einen Einbruch in dieser Größenordnung (d.h. von mehr als 5% innerhalb von drei Tagen) im Februar dieses Jahres. Davor hatten wir ähnliche Korrekturen im Januar 2016 und im August 2015 gesehen. Keiner dieser Abstürze war so nachhaltig, um den Bullenmarkt für mehr als ein paar Wochen einzubremsen.

Natürlich bedeutet die Erholung der Kurse am Freitag nicht, dass die Probleme vorbei sind. Vielmehr wäre es überraschend, wenn wir nur ein paar Tage nach einer Verdopplung der Aktienvolatilität wieder zur Normalität zurückkehrten. In 2015, 2016 und auch im ersten Quartal dieses Jahres dauerte es zwei Monate oder länger, bevor die Volatilität sich wieder dem Niveau vor dem Kurseinbruch näherte.

Die letztwöchige Korrektur wurde umfassend kommentiert1, was nicht überrascht, da sich der jetzige Bullenmarkt bereits in seinem neunten Jahr befindet und es eine Vielzahl an Risiken gibt, die ihn zum Erliegen bringen könnten.

Zwei Fragen liegen auf der Hand:

  • Was verursachte den Rückschlag?
  • Und noch wichtiger, was ist künftig zu erwarten?

Kein klar erkennbarer Auslöser

An Schuldigen für die Korrektur der letzten Woche besteht kein Mangel: der starke Anstieg der US Anleiherenditen; die erwartete Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums; der drohende Handelskrieg; der schrumpfende (Liquiditäts-)“Fressnapf“ seitens der Fed; ambitionierte Bewertungen; und die jüngste Attacke von Präsident Trump auf die US-Notenbank. Allerdings ist keine dieser Erklärungen vollkommen überzeugend.

Ja, die 10J-Renditen für US-Staatsanleihen stiegen in der ersten Oktober-Woche um 17 Basispunkte, was Aktieninvestoren verunsichert haben könnte; doch die Renditen waren auch in den ersten drei September-Wochen um 20 Basispunkte gestiegen, ohne den S&P 500-Index auf seinem Weg zum historischen Höchststand am 20. September zu bremsen. Es ist auch bemerkenswert, dass gleichzeitig zwei weitgehend widersprüchliche Erklärungen hinsichtlich der negativen Zinseffekte im Umlauf sind: bis vor kurzem waren Experten über die Abflachung der Zinskurve in den USA besorgt, weil sie als Barometer für eine kommende Rezession gesehen wurde, während nunmehr für einige Kommentatoren die steigenden langfristigen Zinsen und die steiler werdende Zinskurve als Hauptverursacher des letztwöchigen Preisverfalls gelten.

Was die anderen Erklärungsansätze betrifft: die Verlangsamung des globalen (aber immer noch soliden) Wachstums, die Handelspolitik von Präsident Trump und die geldpolitischen Intentionen der Fed sind seit geraumer Zeit bekannt und daher nicht wirklich plausible Erklärungen für den Rückschlag letzte Woche. Barry Ritholtz, Bloomberg-Kolumnist und Investor, hat zurecht darauf hingewiesen2, dass viele der angeblichen Gründe für die Korrektur einfach ex-post-Erklärungen kurzfristiger Marktbewegungen sind, die eher einem Random-walk-Modell entsprechen, als irgendwas anderem.

Der Anfang vom Ende? 

Wahrscheinlich nicht – obschon der Gegenwind stärker wird.

Wie zuvor festgestellt, gibt es eine lange Liste an Risiken, die das Potenzial dazu hätten, die globalen Aktienmärkte aus der Bahn zu werfen. Der Handelskrieg zwischen den USA und China; die Stärkung der Zentrifugalkräfte in Europa als Reaktion auf Brexitturbulenzen und Budgetprobleme in Italien; langsameres Wachstum in China, Fehler der Geldpolitik in den USA oder sonst wo; Krisen in den Schwellenmärkten; steigende Rohölpreise – um nur die offensichtlichsten Herausforderungen zu nennen. Jede einzelne auf der Liste könnte zu einer Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums, steigender Unsicherheit und wachsender Risikoaversion führen.

Allerdings gibt es auch zahlreiche Faktoren, die erwarten lassen, dass die Rahmenbedingungen für Aktien noch geraume Zeit positiv bleiben. Vor allem ist die Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession – die größte Bedrohung für US-Aktien – in den nächsten zwölf Monaten nach wie vor niedrig. Die von der New York Fed ermittelte Kennzahl der Rezessionswahrscheinlichkeit liegt unter 15% (obwohl sie in letzter Zeit etwas anstieg). Laut einer jüngsten Umfrage unter US- Unternehmensökonomen gehen 56% der Teilnehmer erst für 2020 von einer Rezession aus, während 33% den Beginn erst 2021 oder später erwarten3. Der Datenfluss in letzter Zeit stützt diese Vorhersagen weitgehend, was impliziert, dass die größte Bedrohung für US- und somit globale Aktienmärkte ein wenig wahrscheinliches Szenario darstellt.

Auch die Konsensgewinnprognosen gehen für 2018 und 2019 in den entwickelten Märkten von einem soliden Wachstum aus. Laut Daten von Factset ist global ein Gewinnwachstum von 10% in 2018 und von 12% in 2019 zu erwarten. Und ähnlich wie 2017 (und im Gegensatz zu 2014-2016) wurden die Gewinnschätzungen heuer im Jahresverlauf nach oben revidiert. In den USA war der Hauptauslöser natürlich die Steuerreform, doch positive Gewinnanpassungen zogen sich bis ins zweite und dritte Quartal.

Zur Aktienentwicklung der vergangenen Woche

Ebenso wichtig ist, dass die Bewertungen aufgrund des soliden Gewinnausblicks nunmehr ein geringeres Risiko darstellen. In einem früheren Blogeintrag4 hatte ich darauf hingewiesen, dass sich Anleger 2018 nicht auf eine Ausweitung der Marktmultiplikatoren verlassen sollten. In der Tat sind die aggregierten Aktienbewertungen im Jahresverlauf gefallen, mit dem Resultat, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2019 laut Bloomberg in den USA 15,4x, in Europa 12,5x und in Japan 14,3x beträgt. Das sind keine ambitionierten Bewertungen.

Zuletzt ist darauf hinzuweisen, dass der jüngste Anstieg der langlaufenden US-Renditen sogar ein positives Signal darstellen könnte. Er stützt die Annahme, dass Investoren hinsichtlich des langfristigen Wachstums-Ausblicks für die USA positiver gestimmt sind – was schließlich auch für Aktien positiv ist5, solange die Fed keine geldpolitischen Fehler begeht.

Fazit

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Korrektur letzte Woche als Erinnerung dient (sofern es derer bedurfte), dass Aktienkurse keiner Einbahnstraße folgen. Die Zahl an Tagen mit Verlusten von mehr als 1% ist 2018 gestiegen, was als Signal dafür zu sehen ist, dass die Anleger nervöser geworden sind. Die Liste potentieller Risiken ist lang (eigentlich wie immer), aber dennoch ist es in den letzten Wochen zu keinen fundamentalen Änderungen gekommen, die eine komplette Revision unserer Weltsicht im allgemeinen und unserer Meinung zu den Aktienmärkten im speziellen erforderten. Natürlich muss man die Hauptrisiken beobachten und die Portfolios gegebenenfalls mit den hereinkommenden Daten wie z.B. den bevorstehenden Quartalsgewinnen und der Management-Guidance der Unternehmen abstimmen, doch die Korrektur per se rechtfertigt derzeit keinen Rückzug aus Aktienveranlagungen.


1) Wigglesworth, R., “What is behind the global stock market sell-off?”, https://www.ft.com/content/af34550e-cd01-11e8-b276-b9069bde0956 , 11.10.2018
El-Erian, M.A., “How to Think About the Market Sell-Off”, https://www.bloomberg.com/view/articles/2018-10-10/u-s-stocks-and-bonds-fed-pullback-contributed-to-market-plunge , 11.10.2018
Mackintosh, J., “Is It Time to Buy the Dip?”, https://www.wsj.com/articles/is-it-time-to-buy-the-dip-1539266570, 11.10.2018
FT Editorial, “The long bull market enters its twilight period”  https://www.ft.com/content/9ed80a84-ce0a-11e8-b276-b9069bde0956, 12.10.2018.
2) Ritholtz, B., “The Stock-Market Meltdown That Everyone Saw Coming”, https://www.bloomberg.com/view/articles/2018-10-11/the-stock-market-meltdown-that-everyone-saw-coming, 11.10.2018.
3) Kearns, J., Two-Thirds of U.S. Business Economists See Recession by End-2020”, https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-10-01/two-thirds-of-u-s-business-economists-see-recession-by-end-2020, 1.10.2018
4) Peter Szopo, „Globale Aktienmärkte: Fünf Charts zur aktuellen Situation“, https://blog.de.erste-am.com/globale-aktienmaerkte-fuenf-charts-zur-aktuellen-situation/ , 29.1.2018.
5) Irwin, N, “Interest Rates Are Rising for All the Right Reasons”, https://www.nytimes.com/2018/10/11/upshot/interest-rates-are-rising-thats-great-news-for-most.html , 11.10.2018.

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Vor zehn Jahren eskalierte die Finanzkrise mit der Lehman-Pleite

Vor zehn Jahren eskalierte die Finanzkrise mit dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers und brachte die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs. Die schlimmsten Folgen der Krise konnten zwar seit damals abgewandt werden und auch an den Börsen ging es wieder nach oben, die Nachwirkungen der Krise sind aber bis heute zu spüren.

Ihren Ausgang nahm die Krise am US-Immobilienmarkt. Hypothekenbanken begaben zunehmend schlecht besicherte Immobilienkredite. Diese wurden in Wertpapieren verbrieft und als Anlageform bei Investoren platziert. Als die Preise am US-Häusermarkt sanken und viele Hypotheken wertlos wurden, sorgten die globalen Verflechtungen für einen Flächenbrand. Dieser erreichte seinen Höhepunkt mit der Pleite der renommierten US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.

Die Lehman-Pleite löste heftige Turbulenzen an den Börsen aus, das Misstrauen in das Finanzsystem breitete sich damals rasant über den Globus aus. Der Welthandel brach ein, und in vielen Ländern stürzt die Wirtschaft in eine Rezession.  In den USA schrumpfte die Wirtschaft in vier Quartalen in Folge und die Arbeitslosigkeit stieg auf den höchsten Stand seit den 1980er-Jahren.

Während der Finanzkrise, Rettungspakete und Zinssenkungen bewahrten Banken und Märkte vor dem Kollaps

Regierungen und Notenbanken reagierten auf die Finanzkrise mit umgehenden Notfallmaßnahmen. So haben die USA und viele europäische Länder mit gewaltigen Staatshilfen und Rettungspaketen Banken und Versicherer teilweise vor dem Kollaps bewahrt. Die wichtigsten Notenbanken der Welt haben wenige Wochen nach der Lehman-Pleite in einer historisch einmaligen konzertierten Aktion ihre Leitzinsen gesenkt.

Mit weiteren Senkungen brachten die Notenbanken ihre Leitzinsen auf Nullniveau um die Kreditvergabe und Investitionen wieder anzukurbeln und die Wirtschaft in Schwung zu bringen. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) bis 2014 ihre Zinsen sukzessive gesenkt und schließlich sogar Strafzinsen für Einlagen der Banken verlangt. Parallel dazu versuchten Notenbanken mit Anleihenkäufen im großen Stil die Zinsen auch an den Finanzmärkten zu drücken. Die EZB hat 2010 mit Anleihekäufen begonnen, ein umfangreiches Kaufprogramm im Ausmaß von 60 Milliarden Euro monatlich sollte später folgen.

In Europa eskalierte im Zuge der Finanzkrise auch die Lage in Griechenland. Seit 2010 haben die EU-Partner und der Internationale Währungsfonds das überschuldete Land mit insgesamt 289 Milliarden Euro an vergünstigten Krediten vor der Staatspleite bewahrt. Die griechische Schuldenkrise erreichte 2015 einen Höhepunkt, als nach der drohenden Pleite Griechenlands die griechischen Banken für drei Wochen schließen mussten. Im vergangenen Sommer ist nun das letzte Hilfspaket des Euro-Rettungsschirm für Griechenland ausgelaufen, nun muss das Land wieder ohne internationale Finanzhilfen auskommen.

Mittlerweile haben sich die Börsen wieder erholt. Internationale Leitindizes wie der Dow Jones oder deutsche DAX haben das Niveau von vor der Krise wieder erreicht und sind auf neue Allzeithochs gestiegen. Auch die Rezession in den USA ist lange überwunden. Ein ambivalentes Bild liefern die Leitzinsen. Während die US-Notenbank schon begonnen hat ihre Zinsen wieder zu erhöhen, liegen die Zinsen der EZB weiter bei praktisch null. Auch am Immobilienmarkt wirkt die Krise nach, in Ländern wie Deutschland und Österreich sind die Preise für Wohnungen angesichts der rekordtiefen Zinsen deutlich gestiegen. Die Rahmenbedingungen im Finanzsektor haben sich als Folge der Krise ebenfalls geändert. So haben die internationalen Aufsichtsbehörden seit damals die Kreditinstitute mit strikten Kapital Vorgaben robuster gemacht.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Umfeld wird unfreundlicher

Das Umfeld für die Finanzmärkte wird unfreundlicher, so Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste AM. Die vier Gründe dafür sind: Die zunehmenden Anzeichen für eine Abschwächung des Weltwirtschaftswachstums; Zentralbanken heben die Leitzinsen an; die Erosion des Vertrauens der Investoren; und der Anstieg des Ölpreises.

Abschwung des Wirtschaftswachstums

Das reale globale Wirtschaftswachstum wird bald nicht mir als kräftig bezeichnet werden können. Die Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität deuten auf einen Rückgang des Wachstums (rund 3% im 2. Quartal) in Richtung Potenzial an (rund 2,5%). Z.B. ist vor ein paar Tagen ein umfragebasierter Indikator für die Eurozone veröffentlicht worden, der das Wirtschaftsvertrauen in der Eurozone messen soll. Dieser Indikator fällt seit Jahresanfang.  Ebenso deuten die vorläufigen September-Werte für den globalen Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor auf eine Fortsetzung des rückläufigen Trends hin. Für die kommenden Monate ist insbesondere das Ausmaß der Wachstumsabschwächung der chinesischen Volkswirtschaft von Interesse.

US -Zentralbank Leitzinsanhebungen

Die US-Zentralbank hat mit der Leitzinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte  auf ein Zielband für den Leitzinssatz von 2% – 2,25% einen Meilenstein erreicht. Zum ersten Mal seit langer Zeit ist der (um die Inflation bereinigte) Leitzinssatz nicht mehr negativ. Die Zentralbank prognostiziert für die kommenden Jahre eine Inflation von 2,1%. Nächster Meilenstein: jenes Leitzinsniveau, dass weder unterstützend noch restriktiv auf die wirtschaftliche Aktivität wirkt. Die Fed schätzt diesen neutralen Leitzinssatz auf 3,0%.

Erosion des Vertrauens

Die schrittweise Anhebung der Zölle auf chinesische Importe in den USA (bis jetzt USD 250 Milliarden), die externen und internen Ungleichgewichte in den Emerging Markets Volkswirtschaften, die dahinschmelzenden Anzeichen für eine Einigung zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU über die Bedingungen des Austritts und die beabsichtigte expansive Fiskalpolitik in Italien dämpfen das Vertrauen der Investoren.

„Harter“ Brexit?

Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union stellt ein wichtiges Ereignis dar:

  1. erstmals tritt ein Land aus der EU aus, das noch dazu zu den Großen Sieben Staaten gehört,
  2. stehen die Bedingungen für den Austritt noch nicht fest, obwohl die Zeit drängt und
  3. sind die zukünftigen Beziehungen zwischen der EU und dem VK noch nicht klar.

Davon abgeleitet bestehen einige erhöhte Unsicherheiten:

  • Werden die Anti-elitäre Strömungen zunehmen und die Konvergenz von Europa nachhaltig stören?
  • Wird im April 2019 ein „harter“ Brexit stattfinden oder kommt eine Einigung für eine Übergangsperiode zustande?
  • Wie groß wird das entgangene Bruttoinlandsprodukt des VK aufgrund des EU-Austritts tatsächlich sein? Die Schätzungen schwanken beträchtlich.  Generell sind hohe Unsicherheiten nachteilig für die Investitionstätigkeit. Das gilt sowohl für Unternehmen als auch für die Marktteilnehmer. Zumindest eines kann festgehalten werden: An einem ungeordneten Austritt haben die wenigsten Leute ein Interesse.

Expansive Fiskalpolitik in Italien

Die italienische Regierung hat eine Indikation für die Neuverschuldung des Staates für das nächste Jahr bekannt gegeben: 2,4% vom Bruttoinlandsprodukt. Die Details wurden noch nicht veröffentlich, dennoch kann bereits jetzt gesagt werden:

  • Dieser Wert liegt markant über dem von der Europäischen Kommission im vergangenen Frühjahr angegebenen Wert von 1,7%.
  • Die hohe Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt wird nicht wie von der Kommission veranschlagt von 130,7% auf 129,7% fallen.
  • Maßnahmen, die die stagnierende Produktivität verbessern würden, sind nicht erkennbar. Die Eckpunkte des Budgets lauten „Grundeinkommen“ und „niedrigeres Pensionsantrittsalter“.
  • Die Europäische Kommission wird das Budget nicht akzeptieren. Der Konflikt mit der EU wird an Intensität gewinnen.
  • Die Ratingagenturen werden die Kreditwürdigkeit von Italien wahrscheinlich herabstufen. Mit einem Rating von BBB von Standard & Poor‘s ist nicht mehr viel Platz bis zum Below Investment Grade Bereich („Ramschstatus“).
  • Weitere Renditeanstiege der italienischen Staatsanleihen als Reaktion auf die Verschlechterung der Kreditwürdigkeit wären negativ für die italienischen Banken – die Kreditvergabe würde leiden.
  • Die Frühindikatoren für das italienische Wirtschaftswachstum deuten wie für viele andere Länder auch auf eine Abschwächung. Das veranschlagte Budgetdefizit von 2,4% wird nachträglich betrachtet größer sein.

In einem Umfeld, in dem die Marktteilnehmer generell einen Fokus auf Ungleichgewichte richten und vertrauensbildende Maßnahmen einfordern, ist die Bekanntgabe einer nicht nachhaltigen Budgetpolitik negativ für italienische Wertpapierklassen.

Ansteigender Ölpreis

Das Anstieg des Ölpreises (aktuell: US-Dollar 82 pro Fass) ist vor allem auf eine erwartete Verschlechterung des globalen Produktionsvolumens (Sanktionen gegenüber dem Iran ab November) zurückzuführen. Das wirkt dämpfend auf die Kaufkraft der ölimportierenden Länder.

Schlussfolgerung: Es gibt wenige Wertpapierklassen, die seit Jahresanfang einen positiven Ertrag aufweisen. Insbesondere die Aktien und Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer haben gelitten. D.h., zu einem Teil ist das unfreundliche Umfeld in den niedrigeren Marktpreisen enthalten.  Aus diesem Grund bleiben wir für einige risikobehaftete Wertpapierklassen, z.B. für Aktien in den Industriestaaten, vorsichtig optimistisch.


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Budget-Entscheidung in Italien lässt Anleihezinsen massiv steigen

von Hannes Kusstatscher, Junior Fund Manager der Erste AM.

Der Haushaltsplan der italienischen Regierung sorgt für Aufregung in der Finanzwelt. Die erste Reaktion der Märkte auf den italienischen Budgetplan ist negativ. Die Entscheidung der italienischen Regierung, für 2019 eine höhere Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zuzulassen, ließ die Renditen italienischer Staatsanleihen in die Höhe schnellen.

Budget-Entscheidung in Italien

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Die meisten Investoren sind davon ausgegangen, dass Finanzminister Giovanni Tria das Defizitziel unter 2 Prozent halten wird. Die Zinsspreads (gemeint Zinsdifferenz zu deutschen Staatsanleihen) haben sich massiv ausgeweitet. Lag die Rendite der 10-jährigen italienischen Staatsanleihen noch im Mai bei rund 1,8 Prozent, so ist der Anleihezinssatz im Zuge der Diskussionen über das Staatsbudget mittlerweile auf über 3,3 Prozent gestiegen (Quelle: Bloomberg, Daten per 4.10.2018)

Dabei ist das offizielle Dokument noch nicht einmal veröffentlicht worden. Normalerweise hätte Finanzminister Tria bereits am 27. September das Dokument mit dem Budgetplan herausgeben sollen, doch in den letzten Tagen gab es immer wieder Änderungen und Anpassungen auf Wunsch der Koalitionspartner. Derzeit wird in Rom noch immer um die Aufteilung der Gelder und die Prognosen für 2020 und 2021 gerungen. Dabei geht es nicht nur um die Umsetzung der vielen Vorhaben, sondern auch um einen Kompromiss mit der EU um eine mögliche Zurückweisung des Budgets durch die Europäische Kommission zu verhindern.

 Was die Finanzmärkte kritisch sehen:

  • Viele Marktteilnehmer haben ein Defizitziel für 2019 von knapp unter 2 Prozent erwartet. Der nun veranschlagte Wert von 2,4 Prozent wird als negativ aufgefasst, da das tragbare Defizit von einigen Investmenthäusern bei rund 2,3 Prozent geschätzt wird. Auch für 2020 und 2021 budgetiert die Regierung mit einem höheren Defizit. Während am Freitag noch von 2,4 Prozent pro Jahr die Rede war, wurden die Prognosen bereits nach unten revidiert und liegen nun bei 2,1 Prozent für 2020 und 1,8 Prozent für 2021. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Verschuldung in den nächsten Jahren gleich bleibt oder sogar ansteigt, falls das Wirtschaftswachstum nicht positiv überrascht.
  • Mit dem Budgetplan werden die neuen Wachstumsprognosen für 2019 und 2020 publiziert, die in die Berechnung des Defizitziels einfließen. Die letzten Schätzungen des Finanzministeriums vom April belaufen sich auf 1,4 Prozent und 1,3 Prozent.1 Da sich das Wachstum in Italien wie in der gesamten Eurozone mittlerweile abgeschwächt hat, gehen die Märkte von einer Senkung aus. Der IWF etwa hat seine Prognosen für 2018 und 2019 im Juli schon von 1,5 auf 1,2 Prozent und von 1,1 auf 1 Prozent gesenkt. Nach letzten Erkenntnissen prognostiziert die neue Regierung ein Wachstum für 2019 von 1,5 Prozent und für 2020 von 1,6 Prozent. Sollten die Zahlen tatsächlich so kommen, wäre das eine Erhöhung der Schätzungen und somit wenig glaubwürdig. Antonio Tajani, Präsident des Europäischen Parlaments hat die Zahlen bereits als „Propaganda“ bezeichnet.
  • Der Budgetplan muss bis zum 15. Oktober 2018 der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Da Italien bereits 2018 die Budgetvorgaben nicht einhalten wird droht dem Land im Frühjahr 2019 ein EU-Verfahren, sollte das Budget für 2019 die Mehrausgaben nicht berücksichtigen.2 Die Reaktion aus Brüssel auf das neue Budget ist zudem wichtig, da das Verhältnis mit Italien derzeit getrübt ist.
  • Besonders wichtig ist die Reaktion der Ratingagenturen auf den Budgetplan. Italien droht im Herbst die Herabstufung und das Budget wird maßgeblich darauf Einfluss haben, ob es dazu kommen wird. Einige Analysten gehen davon aus, dass bereits ein Defizit von 1,9 Prozent zu einer Herabstufung führen würde.

Wer hat sich durchgesetzt?

Während der Finanzminister immer wieder auf ein straffes Budgets bestanden hat, haben die beiden stellvertretenden Ministerpräsidenten Di Maio und Salvini ein höheres Defizitziel gefordert, um ihre Wahlversprechen umsetzen zu können. Die Märkte waren dadurch in den letzten Wochen sehr volatil. Letztendlich konnten sich Di Maio und Salvini durchsetzen. Die Märkte haben darauf vorerst negativ reagiert und warten nun auf die Reaktion aus Brüssel.

Investoren beunruhigt

Für Investoren besonders beunruhigend war der im Mai verfasste Regierungsvertrag zwischen den beiden neuen Regierungsparteien (unter anderem bestehend aus Steuerreform, Grundeinkommen und einer Überarbeitung der Pensionsreform), dessen Umsetzung dem Staat über mehrere Jahre in Summe bis zu 125 Mrd. Euro kosten und daher zu einer massiven Ausweitung der Staatsschulden führen würde. Die Märkte haben bereits drastisch darauf reagiert und so befindet sich das Zinsdifferenzial zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen auf einem deutlich höheren Niveau als noch vor den Parlamentswahlen.

Was bedeutet die Budgetverkündung – welche Maßnahmen werden umgesetzt? 

Während die Lega durch ihre restriktive Zuwanderungspolitik bei der eigenen Wählerschaft punktet, steht vor allem die 5-Sterne-Bewegung unter massivem Zugzwang und versuchte daher bei der Budgeterstellung einen Erfolg für sich zu verbuchen. Ihr Versprechen eines Grundeinkommens soll im neuen Budget aufgenommen werden, und auch die Steuerreform (Flat Tax) und Überarbeitung der Pensionsreform soll in den nächsten Jahren umgesetzt werden.

Die im Jänner 2019 drohende Erhöhung der Mehrwertsteuer, für deren Abwenden rund 12,4 Mrd. Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt werden müssen, konnte ebenfalls verhindert werden.


1) Documento di economia e finanza 2018 (26.04.2018)
2) Morgan Stanley Research – How to Play the Budget (10.09.2018)

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Wenn der Algorithmus zu viel weiß

„Wer nichts zu verstecken hat, der hat auch nichts zu befürchten“ ist ein bekanntes Argument, wenn es um die Einschränkung von Privatsphäre geht – sei es durch staatliche Überwachungsprogramme, durch Social Media oder Big Data. Was hat es mit diesem Argument auf sich? Schließlich bestimmt doch der User auf den Social Media Plattformen selbst, was er von sich preisgibt? Und warum sollte ich vor irgendjemandem verheimlichen, dass ich eine Vorliebe für Harley Davidson habe und gerne Musik vom Wu-Tang Clan höre?

Dieser Frage, nämlich ob die sogenannten „Likes“ auf Facebook mehr über einen Menschen aussagen, als die damit artikulierten Vorlieben, ging der Wissenschaftler Michael Kosinski an der University of Cambridge im Jahr 2012 nach.1 Dazu baute er mit Kollegen eine Facebook-App, die kostenlos ein Persönlichkeitsprofil erstellte, sofern der User sich bereit erklärte, einen Fragebogen auszufüllen und sein Facebookprofil zu teilen.

Anschließend suchte Kosinski nach statistischen Zusammenhängen zwischen den „Likes“ und den erhobenen Persönlichkeitsstrukturen. Die Ergebnisse sind verblüffend – anhand der „Likes“ war es möglich, mit einer 88 prozentigen Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, ob die Person homosexuell oder heterosexuell ist. Die Zuordnung der politischen Ansichten einer Person war mit einer Wahrscheinlichkeit von 85% möglich. Bei den Eingangs angeführten Interessen könnte beispielsweise davon ausgegangen werden, dass der User heterosexuell (hört Musik vom Wu-Tang Clan) und unterdurchschnittlich intelligent (Vorliebe für Harley Davidson) ist.

Wenn der Algorithmus mehr als der Ehepartner weiß

In der anschließenden Forschungsarbeit im Jahr 2014 verglich Kosinski die Genauigkeit einer auf Facebook „Likes“ basierenden Persönlichkeitsanalyse mit Einschätzungen des näheren Umfeldes der Probanden.2 Die Ergebnisse sind erschreckend: ab 10 Likes kann der Computer die Persönlichkeit des Users besser beurteilen als seine Arbeitskollegen, ab 70 Likes besser als seine Freunde, ab 150 Likes besser als seine Familienmitglieder und ab 300 Likes besser als der Ehepartner!

Und dabei wurde nur ein Bruchteil des digitalen Fußabdrucks, den jeder von uns täglich hinterlässt, berücksichtigt! Würde der Algorithmus beispielsweise noch um Suchabfragen, das Surfverhalten im Internet und bargeldlose Einkäufe erweitert werden, könnten noch präzisere Aussagen getroffen werden.

Hundewerbung vs. Wahlmanipulation

Zu wissen, dass jemand einen Hund besitzt und dieser Person deshalb Werbung für Hundefutter zu schicken, erscheint nicht unbedingt anstößig. Zu wissen, dass jemand schwanger ist und dieser Person Werbung für Babyflaschen und Umstandskleidung zu senden, könnte hingegen schon ein unerwünschter Eingriff in die Privatsphäre mit unerwünschten Folgen für die betroffene Person sein. Vielleicht wollte die werdende Mama ihr Glück noch geheim halten?

Die Manipulation des Abstimmungsverhaltens bei politischen Wahlen durch das Ausspielen von Ängsten, die dank Social Media individuell je nach Persönlichkeitsstruktur an den potentiellen Wähler adressiert werden können, ist jedenfalls nicht zu dulden. Dies stellt einen Angriff auf das Fundament unserer Demokratie dar, wenn nicht mehr Fakten und politische Programme relevant sind, sondern die perfekte Übermittlung der passenden Botschaft. In dieser Hinsicht erscheint es fast grotesk, wenn der bedeutendste ehemalige Kunde von Cambridge Analytica und zugleich Präsident der USA das Wort „fake news“ benutzt.

Edward Snowden, der durch seine Enthüllungen offenbarte, wie unser digitaler Fußabdruck von staatlicher Überwachungssoftware ausgewertet wird, entkräftet das zu Beginn angeführte Argument deshalb wie folgt: „Wer keine Angst um seine Privatsphäre hat, weil er nichts zu verbergen hat, der dürfte auch keine Angst um freie Meinungsäußerung haben, weil er nichts zu sagen hat.“


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Back-To-School-Season macht Sommer für US-Einzelhändler zu zweitem Weihnachten

US-Einzelhändler dürften sich knapp vor Schulstart wieder auf eine umsatzstarke Sommersaison freuen. Denn in den Sommerferien statten zahlreiche Eltern ihre Kinder für den Schulbeginn mit Büchern, Heften, Schreibmaterial, Smartphones, Laptops und Kleidung aus und lassen die Kassen der Händler klingeln. Die sogenannte „Back-To-School-Season“ spielt in den USA eine wichtige Rolle und gilt als zweitstärkster Umsatzbringer nach dem Weihnachtsgeschäft.

Der Präsident der National Retail Federation (NRF) Matthew Shay erwartet für heuer dank des soliden Verbrauchervertrauens ein sehr starkes Back-To-School-Geschäft. Laut einer von der NRF in Auftrag gegebenen Studie dürften US-Familien 27,5 Milliarden Dollar ausgeben. In den vergangenen zehn Jahren gab es laut dem Handelsverband nur zweimal noch höhere Ausgaben, nämlich im Jahr 2012 (30,3 Mrd.) und im Jahr 2017 (29,5 Mrd.).

Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Deloitte kommt zu ähnlichen Ergebnissen und einem geschätzten Marktvolumen von 27,6 Mrd. Dollar. 15,1 Mrd. und damit der größte Teil der Ausgaben dürfte laut der Studie auf Kleidung entfallen, gefolgt von Schulmaterial (6,0 Mrd.), Computern (3,7 Mrd.) und anderen elektronischen Geräten wie Tablets oder Smartphones (2,8 Mrd.)

Größte Ausgaben im Nordosten der USA, klassische Händler weiter vor Online-Shops

Deutliche Unterschiede im Kaufvolumen gibt es laut der Deloitte-Studie je nach Region. Während im Nordosten der USA die Ausgaben bei durchschnittlich 568 Dollar pro Haushalt liegen und im Westen bei 513 Dollar, kommen der mittlere Westen (493 Dollar) und die südlichen Bundesstaaten (488 Dollar) auf niedrigere Werte als der US-Schnitt (510 Dollar).

Traditionelle Geschäfte dürften dabei weiter beliebt sein: 57 Prozent der geplanten Ausgaben wollen Eltern in Geschäften tätigen, nur 23 Prozent sollen über Online-Shopping abgewickelt werden. Bei 20 Prozent ihrer geplanten Ausgaben waren die 1.200 von Deloitte befragten Haushalte zum Zeitpunkt der Umfrage noch unschlüssig.

Noch deutlich stärker fällt die Back-To-School-Season ins Gewicht, wenn man auch die Einkäufe für College-Studenten mitberücksichtig. Die Ausgaben für den Hochschul-Start dürften heuer auf einem Rekordniveau liegen, erklärt NRF-Präsident Shay.  Laut der vom Handelsverband bei Prosper Insights and Analytics in Auftrag gegebenen Studie dürften die Ausgaben für Schüler und Studenten gemeinsam heuer bei 82,8 Mrd. Dollar liegen und damit die 83,6 Mrd. vom Vorjahr nur knapp verfehlen.

Die größte Änderung im Kaufverhalten erwartet Shay vom Elektronik-Bereich. Laptops, Tablets und Smartphones gehören mittlerweile selbstverständlich zu jedem Haushalt, Eltern warten hier mit der Anschaffung nicht mehr auf den Schulstart, so der NRF-Präsident. Zunehmen dürfte hingegen der Einfluss der Kinder auf das Kaufverhalten ihrer Eltern. Dank Social Media und anderer Kanäle sind Kinder zunehmend besser informiert und auch selektiv, so Shay.


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Starke USA, schwache Emerging Markets, Inflationsgefahr – Geht der Wirtschaftsboom bald zu Ende?

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Seit Jahresanfang hat es mehrere negative Entwicklungen gegeben: Angefangen von Zins- und Inflationsängsten in den USA, über die Befürchtungen einer Eskalation des Handelskonfliktes der USA mit dem „Rest“ der Welt bis hin zu einem Vertrauensverlust für Italien und einige Emerging Market-Volkswirtschaften. Zu guter Letzt haben die Befürchtungen hinsichtlich einer Rezession (auf mittlere Sicht), eines „harten“ Brexit und der Finanzmarktstabilität – zehn Jahre nach Lehman – zugenommen.

Dieses Umfeld hat in der Ertragsentwicklung von vielen Wertpapierklassen (negative) Spuren hinterlassen. Wenige Assets, vor allem US-Cash, US-Unternehmensanleihen mit einer niedrigen Kreditwürdigkeit und US-Aktien weisen positive Erträge auf. Gleichzeitig ist das reale globale Wirtschaftswachstum kräftig geblieben: Mit rund 3 Prozent liegt es über dem langfristig zu erwartenden Wert, das heißt, dem Potenzial. Die Unsicherheiten sind zu einem Teil schon in den Marktpreisen enthalten. In diesem Blog sollen ausgehend vom aktuellen Umfeld drei Szenarien für die kommenden Quartale bzw. das nächste Jahr beleuchtet werden.

Aktuell: Boom-Phase mit Abwärtsrisiken

Die Ressourcenauslastung hat sich mittlerweile so deutlich verbessert, dass die negativen Produktionslücken verschwunden sind. Das ist unter anderem an den markant gesunkenen Arbeitslosenraten zu sehen. Allerdings weisen zahlreiche Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität einen fallenden Trend auf.

Zudem ist die Zusammensetzung des weltweiten Wachstums uneinheitlicher geworden. Bemerkenswert ist vor allem das starke Wachstum in den USA und die Abschwächung in den Emerging Market-Volkswirtschaften. Letztere sind mit einer klassischen „Anpassung“ der externen (hohe Leistungsbilanzdefizite) und internen (hohe Budgetdefizite, hohe Inflation) konfrontiert. Diese wird durch die Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China verstärkt.

Steigende Löhne führen zu Aufwärtsdruck bei Inflation

Die Inflationsraten sind in den entwickelten Volkswirtschaften niedrig, wobei der zyklische Aufwärtsdruck zunimmt. Zu sehen ist das unter a