Impact Investing: die Strategie zur Bewältigung ökologischer Herausforderungen

Impact Investments sind in der Finanzwirtschaft momentan in aller Munde. Es handelt sich um Investitionen mit der Absicht, neben einer finanziellen Rendite auch positive, messbare soziale und ökologische Auswirkungen zu erzielen. Der wachsende Impact-Investment-Markt stellt Kapital zur Verfügung um die dringendsten Herausforderungen der Welt in Bereichen wie erneuerbare Energien, Klimaschutz, Mikrofinanzierung sowie eine erschwingliche und zugängliche Grundversorgung wie Wohnen, Gesundheitswesen und Bildung zu bewältigen.

Impactfonds – das „Sahnehäubchen“ der nachhaltigen Investmentbranche

„Lange Zeit war es den Fondsgesellschaften überlassen, zu beurteilen, ob ein Fonds ein Impactfonds ist oder nicht. Mit dem Vorteil, innovative, neue Produkte schaffen zu können und dem Nachteil des Greenwashing durch Trittbrettfahrer“, betont Walter Hatak, Leiter Nachhaltige Investments in der Erste Asset Management. Die Offenlegungsverordnung der Europäischen Union, die Anfang März 2021 in Kraft getreten ist, stellt neue Transparenzregeln zu Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken in Finanzanlageprodukten und nachteiligen Auswirkungen auf. Die darin enthaltenen Artikel 9 Fonds haben vereinfacht gesagt das Ziel, neben Performance eine positive Wirkung, also Impact für die Gesellschaft zu generieren.

Der Impact muss messbar und sichtbar sein

Für die Impactfonds der Erste AM lassen wir jährlich ein extern beauftragtes Impactscreening durchführen, wo gemessen wird, welcher Impact durch die im Fonds investierten Titel erzielt werden konnte. Damit am Ende des Jahres ein positiver Impact berichtet werden kann, ist zuvor die Auswahl der richtigen Titel entscheidend. Dies können Aktien von Unternehmen sein, die Lösungen gegen den Klimawandel anbieten. Im festverzinslichen Bereich kommen Green Bonds oder Climate Awareness Bonds in Frage, die unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

„Es geht bei Impact nicht zwangsweise um Umweltthemen. Auch soziale Themen wie die Schaffung von Arbeitsplätzen in Entwicklungsländern durch Mikrokredite spielen eine wichtige Rolle für uns als Unternehmen“, so Hatak.

Viele Wege führen zum Impact-Ziel

Positiver Impact kann über unterschiedliche Wege erzielt werden. Die Erste AM nutzt hier sämtliche verfügbare Nachhaltigkeitswerkzeuge: einerseits durch die Fondsprodukte selbst, andererseits durch die Stimmrechtausübung und Unternehmensdialoge.

So wird über unseren ERSTE GREEN INVEST in Unternehmen veranlagt, die es zu ihrem Geschäftszweck gemacht haben, den Klimawandel zu bekämpfen und natürliche Ressourcen wie Wasser möglichst effizient zu nutzen. Im ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL IMPACT wird über Green Bonds, Climate-Awareness Bonds und Social Bonds gezielt in jene Projekte investiert, die sicherstellen sollen, dass unsere Nachfolgegenerationen einen lebenswerten Planten vorfinden werden. Der ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE erlaubt es dort Kapital zur Unternehmensgründung und damit zur Schaffung von Arbeitsplätzen zur Verfügung zu stellen, wo es ansonsten keinen oder nur erschwerten Zugang zu Finanzierungen gibt.

Durch die Ausübung der Stimmrechte, Einbringung von Aktionärsanträgen zu ökologischen und sozialen Themen sowie Investorendialoge können Fondsgesellschaften Druck auf Unternehmen ausüben. Dadurch wird auch abseits von Impactfonds positive Wirkung erzielt. Die Erste AM übte im Jahr 2020 Stimmrechte auf 363 Hauptversammlungen für über 3 Milliarden Euro Volumen aus. 

Und die anderen Fonds haben keinen Impact?

„Aus unserer Sicht hat jede Investmententscheidung eine Auswirkung, die unabhängig von der Produktschiene gemessen werden sollte. Aus diesem Grund sind wir 2015 als erste Fondsgesellschaft Österreichs dem Montréal Carbon Pledge beigetreten und veröffentlichen jährlich den CO2-Fußabdruck sämtlicher Publikumsfonds auf unserer Homepage“, so Hatak. Als Unternehmen sind wir stolz seit Beginn der Messung, auch dank unserer firmenweiten Mindeststandards, bei den CO2-Emissionen immer unterhalb des Gesamtmarktes gelegen zu sein. Zusätzlich veröffentlichen wir seit 2017 die Wasserrisiken in unseren Responsible Aktienfonds und haben die Berechnung heuer erstmalig auf die Responsible Rentenfonds ausgeweitet.

Selbst wenn es der Welt gelingt die Emissionen stark zurückzuschrauben, werden sie weiter steigen. Ähnlich wie ein tropfender Wasserhahn, der langsam aber stetig die Badewanne füllt, bis sie eines Tages übergeht. „Unser erklärtes Ziel muss die Klimaneutralität sein. Durch Impactfonds investieren wir in jene Unternehmen und in jene Projekte, die entscheidend dazu beitragen, den tropfenden Wasserhahn ein für alle Mal abzudrehen“, so Hatak abschließend.


Lesen Sie alles über Impact Investing, Greenwashing und Interviews mit Experten zum Thema in unserem ESGenius Newsletter hier: https://blog.de.erste-am.com/dossier/impact-investing/

Der ERSTE GREEN INVEST ist ein Impact Fonds, der sein Kapital in nachhaltige Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energie oder z.B. der Wasserwirtschaft veranlagt. Außerdem werden Unternehmen unterstützt, die eine Vorreiterrolle in der Umstellung von umweltbelastenden Prozessen der „Old Economy“ einnehmen.

Warnhinweis Erste Green InvestWarnhinweis Erste Responsible Microfinance

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Ausfall des Hedgefonds Archegos Capital zieht weite Kreise

Der Ausfall des US-Hedgefonds Archegos Capital zieht immer weitere Kreise und dürfte mehrere Großbanken teuer zu stehen kommen. Zuletzt hat die Credit Suisse vor hohen Verlusten gewarnt, da ein Hedgefonds ihren Nachschusspflichten nicht nachgekommen war. Insidern zufolge handelt es sich um Archegos. Das Bankhaus erwartet nun im Zusammenhang mit dem Ausfall Belastungen im Ausmaß von 4,4 Mrd. Schweizer Franken und fürchtet einen Verlust von rund 900 Mio. Franken im ersten Quartal. An den Börsen waren die Aktien zahlreicher Bankaktien vor dem Hintergrund der Schieflage zuletzt zeitweise massiv unter die Räder geraten.

Der Hedgefonds Archegos Capital des Investors Bill Hwang hatte in großem Umfang auf US-Aktien und teilweise dubiose chinesische Technologieaktien gesetzt. Der Fonds war Kunde bei zahlreichen renommierten Investmentbanken und kaufte über sie mit teilweise geliehenem Geld in Milliardenhöhe die entsprechenden Aktien. Die Aktien wurden dabei als Sicherheit für die Kreditlinien bei den Banken hinterlegt. Mit den Käufen auf Pump trieb der Fonds auch die Kurse „seiner“ Aktien teilweise kräftig nach oben. So war ViacomCBS zeitweise eine der erfolgreichsten US-Aktien.

Nach einer Kapitalerhöhung des US-Medienkonzerns fielen die Viacom-Aktien allerdings wieder, und die Banken forderten von Archegos Capital zusätzliche Sicherheiten für die Kreditlinien. Archegos konnte diesen Nachschussforderungen, sogenannten Margin Calls, allerdings nicht nachkommen. Hwang strebte laut Medienberichten eine Lösung mit den Banken an, scheiterte aber. Der Fonds geriet in Folge ins Straucheln und brach zusammen.

Medien zufolge konnten sich die kreditgebenden Banken nicht auf eine geordnete Abwicklung des Fonds einigen. Einige der Banken begannen die als Sicherheit hinterlegten Aktien zu verkaufen. So konnte laut Medien die Deutsche Bank ein Aktienpaket im Umfang von 4 Mrd. Dollar abstoßen. Die Bank kam nach eigenen Angaben ohne Verluste aus dem Deal mit Archegos heraus. Auch Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Credit Suisse sollen Aktienpakete verkauft haben. Mit den Verkäufen wurden teilweise in einer Kettenreaktion weitere Kursverluste ausgelöst, einige Banken dürften dabei das Nachsehen gehabt haben.

Zahlungsausfall des Fonds beschert Investmentbanken Milliardenverluste

Laut Medienberichten soll sich das Ausmaß der von Archegos gehaltenen Aktienpakete auf 20 bis 30 Mrd. Dollar belaufen haben. Analysten schätzen, dass sich die Verluste branchenweit auf bis zu fünf Mrd. Dollar oder sogar mehr belaufen. Finanzkreisen zufolge dürften Goldman Sachs, Morgan Stanley, UBS und die Deutsche Bank nur minimale Schäden erlitten haben. Stark betroffen seien dürften aber Credit Suisse und der japanische Finanzkonzern Nomura. Zuletzt hatte Nomura vor möglichen Belastungen in Höhe von etwa 2 Mrd. Dollar gewarnt.

Bei der Credit Suisse wurden bereits Konsequenzen gezogen. Das Hedgefonds-Debakel ist für die zweitgrößte Bank der Schweiz bereits der zweite Fehlschlag in diesem Jahr. Zuvor hatte die Pleite des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill Capital die Credit Suisse getroffen. Investmentbank-Chef Brian Chin und Risikochefin Lara Warner verlieren nun ihre Jobs. Die Konzernleitung verzichtet auf Boni. Zudem setzt die Bank den Rückkauf eigener Aktien aus und will die Dividende kappen. Auch die Ratingagentur Standard & Poors hat bereits reagiert und ihren Ratingausblick für die Credit Suisse von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt.

Finanzmarktregulierer diskutieren derzeit eifrig, wie derartige Pleiten in Zukunft verhindert werden könnten. Auch US-Finanzministerin Janet Yellen will die Risiken für das Finanzsystem durch Hedgefonds stärker untersuchen lassen. Dazu soll eine eigens dafür geschaffene Expertengruppe wiederbelebt werden. Archegos Capital wurde als „Family Office“ geführt, also eine Art exklusiver privater Verwalter nur für das eigene Vermögen. Da Hwang theoretisch nur sein eigenes Geld investierte hatte, galten für ihn weniger strikte Richtlinien als für andere Hedgefonds, die Kundengeld investieren. Möglicherweise wird die US-Börsenaufsicht SEC ihre Regeln hier nun nachschärfen. Sollte sich zudem herausstellen, dass Hwang doch auch mit fremdem Geld agiert hatte, bekäme er ohnedies Probleme mit den Aufsehern.

Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.

Große Hedgefondspleiten gab es schon in der Vergangenheit

Archegos Capital ist dabei kein Einzelfall, schon in der Vergangenheit hatten einzelne spektakuläre Hedgefonds-Pleiten große Wellen geschlagen. So führte die Russlandkrise 1998 und der Ausfall russischer Staatsanleihen zum Beinahe-Konkurs des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM). Da die umfangreichen Investitionen des Fonds weitere Gefahren für die Finanzmärkte darstellten, hatte die US-Notenbank damals mit Hilfe eines Bankenkonsortiums eine Kapitalspritze in Höhe von über 3 Milliarden Dollar organisiert und den Hedgefonds damit gerettet. Für Schlagzeilen sorgte auch der Hedgefonds des einstigen Starinvestors Bernard Madoff, der über eine Art Pyramidensystem seinen prominenten Anlegern hohe Renditen vorgegaukelt hatte.

Hedgefonds sind in der Vergangenheit oft ins Gerede gekommen, da ein Misslingen ihrer teilweise riskanten Anlagestrategien Kettenreaktionen in der Finanzbranche und den Märkten auslösen können. Dabei erfüllen Hedgefonds durchaus wirtschaftliche Funktionen. Hedgefonds können über eine breite Palette von alternativen Finanzinstrumenten und Investments teilweise größere Risiken eingehen als traditionelle Fonds, da sie die Risiken innerhalb des Fonds gegeneinander absichern, also „hedgen“ können.

Quelle: BarclayHedge 2021

Hedgefonds übernehmen mit ihren alternativen Anlagestrategien oft eine wichtige Rolle

So setzen Hedgefonds oft auf steigende Kurse in einem Marktsegment, wetten aber gleichzeitig über derivative Instrumente oder Leerverkäufe auf fallende Kurse in einem anderen. Dafür verkaufen Hedgefonds etwa geliehene Aktien, die sie erst später bei einem niedrigeren Kurs kaufen und zurückgeben wollen. Hedgefonds verwenden zudem oft Hebeltechniken um bei kleinem Einsatz durch zusätzlich geliehenes Geld große Renditen erzielen zu können.

Ihren Anlegern können sie damit bei höherem Risiko auch hohe Erträge bieten. Die alternativen Strategien der Hedgefonds ermöglichen zudem, dass sie auch in Börsenflauten Erträge erzielen können. Auch einige Pensionsfonds investieren daher aus Diversifikationsmotiven einen kleinen Teil ihres Anlageportfolios in Hedgefonds, quasi als Gegengewicht für traditionellere Anlagepositionen.

Am Markt übernehmen Hedgefonds mit ihren Investments auch quasi das Risiko für andere, die sich gegen Risiken absichern wollen. Sie stellen Liquidität zur Verfügung damit Risiko wie eine Ware gehandelt werden kann. Einige Vermögensverwalter wie etwa BlackRock sind mit dem Milliarden-Dollar-Vermögen ihrer Kunden auch in großem Stil direkt an zahlreichen börsenotierten Unternehmen beteiligt.


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Wie steht es um die globalen Aktienmärkte?

von Tamás Menyhárt, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Die globalen Aktienmärkte starteten kraftvoll ins neue Jahr und legten weiter zu, womit der Bullenmarkt nunmehr schon fast ein Jahr andauert. Allerdings hat sich die Marktstruktur in den letzten paar Monaten deutlich verändert.

Ein rascher Blick zurück auf die Entwicklung des Aktienmarktes in 2020

In 2020 rasselte die globale Wirtschaft in eine unvorhergesehene Rezession, als sich die diversen Regierungen bemühten, die Ausbreitung des Coronavirus durch landesweite Lockdowns und Einschränkungen der Mobilität zu verhindern. Dadurch fielen die Aktienindizes in einer selten zuvor gesehen Geschwindigkeit und brachten somit den längsten Bullenmarkt der Geschichte zu einem Ende.

Die seitens wichtiger Zentralbanken und Regierungen rasch ergriffenen Maßnahmen stimmten die Investoren jedoch schnell wieder freundlich. Die Flut an liquiden Mitteln und fiskalen Stützungsmaßnahmen resultierte in erhöhter Nachfrage auf den Finanzmärkten und steigenden Aktien- und Anleihepreisen.

Eine lockere Geldpolitik auf globaler Ebene führte zu historisch niedrigen Renditen. In den USA erreichten die 10J-Renditen im August mit 0,51% einen Allzeit-Tiefststand, und viele Eurozonen-Länder sind derzeit in der Lage, Schuldtitel mit negativer Verzinsung zu emittieren. 

Während niedrige Zinsen vor allem die Aktien in den USA unterstützten, sah man deutlich unterschiedliche Performance-Raten in den einzelnen Sektoren. Die zyklischeren Segmente des Aktienmarktes, z.B. Banken und der Energiesektor, verblieben auf den niedrigsten Niveaus seit Jahren. Die deutlichsten Nutznießer der Pandemie kamen aus dem Technologiesektor in den USA, der im S&P 500 stark gewichtet ist.

Die Verlagerung von Büroarbeit und Unterhaltung in die eigenen vier Wände trieb die Aktien jener Unternehmen an, die solcherlei Nachfrage befriedigen konnten, wie z.B. Netflix, Zoom und Logitech, neben vielen anderen. Zu Beginn der Erholungsphase, in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld und versorgt mit einem hohen Volumen an Liquidität, waren Anleger vorrangig an bestimmten Sektoren am Aktienmarkt interessiert, nämlich den schon erwähnten Technologieaktien und Unternehmen, die sich mit erneuerbarer Energie beschäftigten.

Der technologielastige Nasdaq-Index legte 2020 um mehr als 40% zu, und das trotz des deutlichen Verfalls gleich zu Beginn der Pandemie. Um zyklische und sogenannte Value-Aktien machten Anleger auch noch Monate, nachdem der S&P 500 zu steigen begonnen hatte, einen Bogen.

Impfungen als Signal für Sektorrotation

Die Verlagerung in der Sektor-Performance kam in Q4 2020, als klar wurde, dass wir uns der Zulassung der ersten Impfungsvarianten näherten. Die Neuigkeiten führten zu einer veränderten Stimmung im Markt, als Investoren ihren Blick auf jene Sektoren zu richten begannen, die von der Normalisierung am meisten profitieren würden, d.h. Banken, den Automobilsektor, Tourismus usw.

Zu diesem Zeitpunkt erreichten ein paar der FAANG (Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google)-Aktien, welche allesamt Nutznießer der Lockdowns während der Pandemie waren, neue Allzeit-Höchststände (und werden seitdem unter jenen Ständen gehandelt). Joe Bidens Wahlsieg befeuerte die Sektorrotation in Richtung zyklischer Aktien zusätzlich, da seine Wahlversprechen – inklusive einem massiven Stimuluspaket und Investitionen in grüne Infrastruktur – als konjunkturbelebend angesehen wurden.

Darüber hinaus gewannen die Demokraten am 5. Januar dieses Jahres unerwartet auch die Mehrheit im Senat, was in einer erhöhten Wahrscheinlichkeit resultierte, dass Bidens Pläne tatsächlich Realität werden könnten.

Das bedeutet, dass sich, obschon man die heurige Aktien-Performance bis dato auf den ersten Blick als einfache Fortführung des Trends der letzten zwölf Monate ansehen kann, in Wahrheit die Ranglisten der Gewinner und Verlierer deutlich verändert haben. Der Optimismus im Zusammenhang mit der Covid-Impfung sowie die sehr lockere Geldpolitik und die erhöhten Fiskalaufwendungen vor allem in den USA ließen zyklische und Value-Aktien in der Gunst der Anleger wieder steigen.

Höhere Renditen und deren Auswirkungen auf den Aktienmarkt

Vielerlei Faktoren legen eine deutliche Erholung der Weltwirtschaft in 2021 nahe. Es besteht ein massiver Nachfrageüberhang seitens der Anleger, die Ersparnisse vieler Konsumenten sind aufgrund der von den Regierungen gesetzten Unterstützungsmaßnahmen vielerorts hoch, und die einzelnen Volkswirtschaften wie auch der Tourismus sollten langsam, aber sicher, mit dem Fortschreiten der Impfprogramme wieder geöffnet werden.

Da die Fed bisher keine Sorge über einen möglichen, längerfristigen Anstieg der Inflation an den Tag legt, testen die Anleger die Grenzen der Zentralbank aus, indem sie Anleihen verkaufen und so die Renditen in die Höhe treiben. Generell gesprochen, gibt es zwei Lesarten höherer Renditen: Langfristige Renditen spiegeln die wirtschaftlichen Wachstumserwartungen wider; ein Anstieg bedeutet daher, dass die Investoren von einer Wachstumsbeschleunigung ausgehen, was positiv ist. Allerdings sind die Renditen auch an die Inflationserwartungen gekoppelt. Wenn letztere steigen, so tun dies die Renditen ebenfalls. Das Erreichen des Fed-Inflationszieles von 2% wäre positiv zu werten, aber für den Fall, dass die Inflation über das Ziel hinausschießt, kann man davon ausgehen, dass der Anleiheabverkauf weiter.

10J US-Renditen sind heuer bis dato um mehr als 70 BP angestiegen (und um mehr als 100 BP seit ihren Allzeit-Tiefs). In Europa verzeichnete die Rendite der deutsche Bundesanleihe ebenfalls einen Anstieg, wenngleich nicht im selben Ausmaß wie die US Treasury-Renditen. Höhere Renditen üben Druck vor allem auf Aktien mit ambitionierten Bewertungen aus, von denen viele den sogenannte Growth-Kategorie angehören.

Das liegt daran, dass die Gewinne dieser Unternehmen eine längere Duration aufweisen, d.h. auf Basis ihrer höheren Wachstumsrate weiter in der Zukunft liegen. Allerdings bedeuten steigende Zinsen eine Verringerung des Barwerts der zukünftigen Unternehmensgewinne aufgrund von höheren Abzinsungsraten. Die verwundbarsten Marktsegmente sind jene, die in der Anfangsphase der Erholung die beste Performance verzeichneten, d.h. Big Tech und erneuerbare Energien.

Daher konnte der Nasdaq-Index mit seiner starken Technologie-Gewichtung heuer erst einen Gewinn von 1% verbuchen, während der industrielastige Dow-Jones-Index schon mehr als 7% gewonnen hat. Zyklische Sektoren wie Banken, Energie und Automobil sind in solch einem Umfeld bevorteilt, da ihre Unternehmensgewinne mit kurzer Duration versehen sind, d.h. dass selbige rasch auf das verbesserte wirtschaftliche Umfeld reagieren und weniger stark von steigenden Zinsen betroffen sind.

Im heurigen Jahr erwirtschafteten zyklische und Value-Aktien bisher eine starke Outperformance, wobei Europa die USA aufgrund seiner höheren Exposure in zyklischen Sektoren hinter sich lassen konnte.

Wo geht die Reise hin?

Derzeit ist das wahrscheinlichste Szenario, dass zyklische und Value-Aktien ihre relative Outperformance beibehalten werden. Auf globaler Ebene wurden die Wirtschaftsprognosen erst neulich nach oben revidiert, und die Gewinnschätzungen lassen sowohl in den USA als auch in Europa auf zweistellige Wachstumsraten schließen. Wenn das Impfprogramm auf Schiene bleibt und sich die Impfung auch gegen neue Varianten des Coronavirus als effizient herausstellt, deuten alle Zeichen auf eine starke Erholung der Wirtschaftsaktivität hin, vor allem in der zweiten Jahreshälfte.


Mehr über die ERSTE AM Aktienfonds finden Sie hier: https://www.erste-am.at/de/private-anleger/unsere-fonds/aktienfonds 

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Anleihenmärkte: Die Suche nach Rendite bleibt „Thema Nummer 1“

Dieter Kerschbaum, Communications Specialist Österreich der Erste Asset Management, interviewt Wolfgang Zemanek, Leiter Anleihenfondsmanagement der Erste Asset Management.

Das Jahr 2021 hat mit einem großen Vertrauensvorschuss für Risikoanlagen begonnen. Der Beginn der Impfungen gegen Covid-19 aber auch die starken Unternehmensergebnisse ließen die Kurse von Aktien und Unternehmensanleihen im spekulativen Bereich steigen. Sind die AnlegerInnen möglicherweise zu euphorisch angesichts der Prolongierung bzw. Verschärfung von Lockdowns? Oder ist der Optimismus berechtigt?

Diese Frage möchte ich zweigeteilt beantworten: Wenn wir die Realwirtschaft betrachten, dann ist die Situation eine andere als noch vor einiger Zeit. Die Konjunkturdaten haben sich deutlich verbessert, Die Prognosen für das Wirtschaftswachstums wurden trotz des Lockdowns stark nach oben revidiert. So sieht die US-Notenbank Fed für 2021 nun ein Wachstum der US-Wirtschaft von 6,5%. Im Dezember war sie noch von lediglich 4,2% ausgegangen. Dazu kommt, dass in den USA ein gewaltiges Konjunkturpaket in Höhe von 1.900 Milliarden US-Dollar beschlossen wurde, das Konsum und Exporte noch mehr beflügeln könnte. Auch in Asien läuft der Wirtschaftsmotor schon seit einiger Zeit rund. Daher ist die positive Stimmung der AnlegerInnen durchaus angebracht. In Europa hinkt man dieser Entwicklung hinterher: Einige Länder haben Probleme mit der Verteilung der Impfstoffe. Die Zahlen sind noch nicht dort, wo sie die Regierungen gerne hätten. Dennoch wird sich die Situation mit den zunehmenden Impfungen auch am europäischen Kontinent verbessern. Wir in der Erste Asset Management gehen davon aus, dass die Konjunktur in Europa mit der Entspannung bei der Pandemie im Jahresverlauf an Fahrt gewinnen wird.

US-Staatsanleihen litten unter einem deutlichen Renditeanstieg und unter einem schwächeren Dollar. Sehen Sie nun einen Punkt erreicht, wo das Potenzial der Renditeanstiege vorläufig ausgereizt ist – nicht zuletzt auf der energischen Ankündigung der Notenbanken, weiter Staatsanleihen aufzukaufen?

Das aktuelle Marktumfeld ist geprägt von stark steigenden Unternehmensgewinnen, steigenden Renditen von US-Staatsanleihen, aber auch von anhaltenden Aktivitäten der globalen Notenbanken, die ihre Bilanzsummen durch Wertpapieraufkäufe permanent ausweiten. Aktuell sehen wir eine Diskussion über eine mögliche Rückkehr der Inflation und von Leitzinsanhebungen, die eventuell früher kommen könnten als noch vor kurzem von den Analysten erwartet wurde. Dies ergibt sich aufgrund der positiven Aussichten speziell für die USA und weil viele Zentralbanken seit der Finanzkrise im Jahr 2008 das Deflationsrisiko (ein anhaltender Rückgang des Preisniveaus, Anm.) auf der Tagesordnung hatten. Man war viele Jahr besorgt, da die Inflationsentwicklung und das Wachstum nicht dort waren, wo man sie haben wollte.

Was wir jetzt sehen, ist das Resultat der lockeren Geldpolitik der Notenbanken, die der Rhetorik nach zu schließen, noch einige Zeit andauern könnte, sowie der Fiskalpakete speziell in den USA. Die US-Notenbank denkt nicht einmal an Anhebungen der Leitzinsen. Fed-Chef Powell hat kürzlich anklingen lassen, dass man trotz einer stärkeren konjunkturellen Belebung noch weit von den von der Notenbank anvisierten Zielen für die Beschäftigung und die Preisentwicklung entfernt sei. Mit anderen Worten: Die Inflation ist eher ein Gespenst, das an die Wand gemalt wird, weil man sie im Zusammenhang mit dem Wort „ausufernd“ verbindet. Eine moderate Preisentwicklung im Rahmen von circa 2 % ist ja das erklärte Ziel der Notenbank und keineswegs ungesund. Die Geldpolitik wird daher vorläufig unverändert bleiben. Die Leitzinsen werden vermutlich noch bis 2023 an der Nullmarke kleben. Die Europäische Zentralbank sieht ebenfalls keinen Grund die Leitzinsen anzuheben.

Die Renditen der US-Staatsanleihen sind im Vorfeld der jüngsten Erklärungen der US-Notenbank deutlich angezogen. Sehen Sie nun den Plafond erreicht oder wird der Anstieg weiter gehen?

Lassen wir bitte die Kirche im Dorf. Wir kommen von sehr niedrigen Niveaus und eine Marke zwischen 1 und 2% für die 10-jährigen US-Staatsanleihen ist nicht wirklich hoch, wenn man die Renditen vor 10 Jahren betrachtet. Aufgrund des Konjunkturoptimismus ist es aus unserer Sicht durchaus möglich und wahrscheinlich, dass die Renditen noch ein Stück in Richtung 2% anziehen. Dadurch wird unserem Basisszenario einer Normalisierung Rechnung getragen. Damit einhergehend ist eine Versteilerung der Zinskurve, d.h. die Differenz zwischen den Zinsen am kurzen und am langen Ende wird größer.

Hinweis: Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung zu.

Wie lautet Ihr mittelfristiges Szenario für Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinsentwicklung. Könnten die auch in der Eurozone deutlich anziehen? Wird die Inflation unterschätzt?

So wie in den USA sehen wir auch in Europa teilweise eine Normalisierung. Europa hinkt zwar der Entwicklung noch hinterher, doch der Rückstand könnte sich im Jahresverlauf verkleinern. Daher wird früher oder später auch in der Eurozone der Druck auf die Renditen steigen Die Renditen werden unserer Meinung nach aber deutlich langsamer ansteigen als in den USA, wenn überhaupt. Die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist deutlich lockerer als in den USA. Mit ihrem Pandemie-Notfallankaufprogramm („PEPP“), einem zeitlich befristeten Ankaufprogramm für Anleihen öffentlicher und privater Schuldner, wird die Liquidität am Markt gut unterstützt bleiben. Ursprünglich war ein Umfang von 750 Milliarden EUR vorgesehen. Am 4. Juni 2020 erhöhte der EZB-Rat das Volumen um 600 Milliarden Euro, am 10. Dezember 2020 erneut um 500 Milliarden Euro auf insgesamt 1.850 Milliarden Euro. Die EZB möchte alles andere tun als den zarten Konjunkturaufschwung abzuwürgen.

Wie positioniert sich Erste Asset Management im aktuellen Umfeld bei den Anleihenfonds? Sind US-Staatsanleihen bzw. Euro-Staatsanleihen wieder attraktiv oder machen Sie weiter einen Bogen um diese? Wo sehen Sie die besten Opportunitäten für Anleihen-Investoren?

Wir sind hier nahe bei den Investoren und den Marktteilnehmern. Das klar übergeordnete Thema an den Märkten ist die Suche nach Rendite und Normalisierung. Das treibt Investoren in Anlageklassen, die Renditen in einer Höhe bieten, mit denen sie Wertverluste durch die Inflation ausgleichen können. Bei US-Staatsanleihen sind wir noch etwas zurückhaltend, weil das Anstiegspotenzial bei den Renditen noch nicht ausgeschöpft ist. Etwas anderes sieht es in der Eurozone aus: Hier nimmt die EZB mit dem vorhin erwähnten PEPP-Programm möglichen Rendite-Anstiegen den Wind aus den Segeln. Anleihen mit einem gewissen Risiko-Aufschlag bieten aus unserer Sicht derzeit ein attraktives Chancen-Risikoprofil: Also konkret High Yield Anleihen in Europa und global betrachtet nachhaltige High Yield Anleihen. Daneben bleiben Unternehmensanleihen in den Emerging Markets ein Dauerthema. Für konservativere Investoren sind Unternehmensanleihen im Investment Grade eine gute Möglichkeit den Ertrag zu erhöhen.


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USA und Europa starten Neuanfang im gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel

Die USA und die EU sind mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Joe Biden wieder auf einer Linie. Der neue US-Klimabeauftragte John Kerry hat bei seinem ersten Besuch in dieser Rolle in Brüssel die Bedeutung der erneuerten Klimaschutzallianz mit Europa unterstrichen. „Wir sind entschlossen, unsere starke Allianz im Kampf gegen die Klimakrise zu erneuern“, sagte der ehemalige US-Außenminister am vergangenen Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung mit EU-Vertretern.

Kerry bekräftigte auch den hohen Stellenwert der Klimapolitik für die neue US-Administration und die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit in diesem Bereich. „Wir haben dafür keine besseren Partner als unsere Freunde hier in Europa“, sagte Kerry bei seinem Besuch und signalisierte damit einen Neustart der transatlantischen Beziehungen.

Kerrys Besuch in Brüssel hat vor allem große symbolische Bedeutung und steht für die klimapolitische Kehrtwende der USA unter ihrem neuen Präsidenten Joe Biden. Schon im Wahlkampf hatte Biden verstärkte internationale Zusammenarbeit und ambitionierte Klimaziele als wichtige Eckpfeiler seiner Politik angekündigt und sich damit scharf vom Kurs seines Vorgängers Donald Trump abgegrenzt.

Biden macht Trumps Ausstieg aus Klimaschutzabkommen rückgängig

Zu Beginn seiner Amtszeit hat Biden bereits einige Schritte im Kampf gegen die Erderwärmung gesetzt. So hat der neue US-Präsident im Jänner einen vorübergehenden Bohrstopp in der Arktis verhängt und plant derzeit den internationalen Klimagipfel „Earth Day“ am 22. April. Und schließlich hat Biden auch den von Ex-US-Präsident Donald Trump beschlossenen Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen rückgängig gemacht.

Das 2015 bei der UN-Klimakonferenz in Paris von 195 Staaten und der EU unterzeichnete Abkommen sieht eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau vor. John Kerry forderte bei seinem Besuch in Brüssel noch ehrgeizigere Ziele für die Bewältigung der Folgen des Klimawandels: „Paris allein reicht nicht, um diese Aufgabe zu schaffen“, so Kerry.

Europa und USA streben Klimaneutralität 2050 an

Um das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu bewältigen, müssen vor allem die Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) gedeckelt werden. Die USA und Europa bekräftigten in ihrer gemeinsamen Erklärung das Ziel bis spätestens 2050 unterm Strich keine Treibhausgase mehr auszustoßen. Die EU will Europa bis dahin klimaneutral machen, das heißt es werden gleich viele CO2-Emissionen beseitigt wie produziert. Allein bis 2040 will die EU laut ihrem im Vorjahr nachgeschärften Ziel die Treibhausgase um 55 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 senken. Zum Vergleich: 2019 lagen die Emissionen der EU laut einem EU-Bericht um gut 25 Prozent unter dem Niveau von 1990.

Kerry und EU-Vertreter forderten auch andere Länder auf, dem gemeinsamen Ziel der Klimaneutralität zu folgen um die globale Erwärmung zu begrenzen. Ohne die Hilfe anderer großer Treibhaus-Produzenten kann der Kampf gegen die Erderwärmung nicht gelingen. Gefordert sind hier die großen aufstrebenden Industrienationen. Vor allem Länder wie China oder Indien waren im 21. Jahrhundert für den weiter steigenden Welt-CO2-Ausstoß verantwortlich, heißt es in einem Bericht der EU. So lag im Jahr 2019 laut EU-Daten der Anteil von China an den Weltkohlendioxidemissionen bei 30,3 Prozent.

China selbst hat in dem Mitte März beschlossenen 14. Fünfjahresplan des Landes neben Wachstums- und anderen Vorgaben tatsächlich ein Klimaziel aufgenommen. Bis 2060 will das Land klimaneutral sein. Der Anteil nichtfossiler Energieträger am Energieverbrauch soll bis 2025 ein Fünftel, und 2030 schon 30 Prozent betragen. Dafür sollen aber auch die Kapazitäten von Atomkraftwerken erhöht werden.

Auch Unternehmen und Superreiche auf Klimakurs

Auch Unternehmen stellen sich zunehmend auf die Klimaziele ein. Unter den Vorreitern finden sich hier Automobilkonzerne. So will Volkswagen im Jahr 2030 bereits 70 Prozent aller Fahrzeuge der Kernmarke VW in Europa mit elektrischem Antrieb verkaufen. Für China und die USA peilt der Autohersteller eine Elektroauto-Quote von mindestens 50 Prozent an. Mit dem E-Autoboom dürfte auch die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien massiv steigen. Bis 2025 will die EU imstande sein, jedes Jahr Batteriezellen für mindestens sieben Millionen Elektroautos zu produzieren.

Eine immer wichtigere Rolle im Kampf gegen die Erderwärmung spielen schließlich auch die Initiativen einer Super-Reichen. So will etwa der Amazon-Gründer Jeff Bezos im Lauf des Jahres von seinem Chefposten zurücktreten – unter anderem um sich privaten Vorhaben wie etwa dem Kampf gegen den Klimawandel stärker widmen zu können. 10 Milliarden Dollar will der zweitreichste Mensch des Planeten dafür spenden. In einer ersten Runde verteilt sein neu geschaffener Bezos Earth Fund 791 Mio. Dollar an Organisationen und Projekte die sich für das Klima engagieren.

ERSTE GREEN INVEST: Potenzial für umweltfreundliche Technologien

In diesem langfristig viel versprechenden Umfeld sind auch die Aussichten für Aktien von Unternehmen, die neue Umwelttechnologien entwickeln bzw. sich zunutze machen, positiv zu werten. Angesichts der gestiegenen Bewertungsniveaus an den Börsen sind zwischenzeitliche Korrekturen jederzeit möglich und „gesund“. Die überdurchschnittlichen Wachstumsraten der „grünen Unternehmen“ sollten sich langfristig in besseren Ertragsmöglichkeiten für Fonds mit einem Fokus auf Ökologie und Umwelttechnologie niederschlagen.

Der ERSTE GREEN INVEST investiert weltweit vor allem in Unternehmen aus dem Bereich Umwelttechnologie. Der Investmentprozess des Fonds basiert auf fundamentaler Unternehmensanalyse. Die Auswahl geeigneter Titel richtet sich auf Unternehmen, die vor allem in den Bereichen Energie, Wasser, Abfall & Recycling, Transformation und Adaption tätig sind. Eine messbare positive Auswirkung (Impact) auf die Umwelt beziehungsweise die Gesellschaft steht bei der Investmententscheidung im Vordergrund.

Hinweis: Aufgrund der erst sehr kurzen Laufzeit hat diese Darstellung der Wertentwicklung nur wenig Aussagekraft.


Wichtige rechtliche Hinweise:

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Emerging Markets Unternehmensanleihen: Nachhaltigkeit wird zum Erfolgsfaktor beim Investieren

Eine Anzahl an Schwellenländern, besonders jene in Asien, könnten gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen. Länder wie China haben die Corona-Krise vergleichsweise gut überwunden. Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs laut chinesischem Statistikamt im Jahr 2020 um 2,3 % und markierte damit die einzige Nation mit einem positiven Wachstum im Jahr 2020 unter den großen Volkswirtschaften der Welt.

Die Wachstumserholung war breit angelegt und wurde zunächst von Investitionen und Exporten angeführt. Ein Trend der sich 2021 fortzeichnet. Der Internationale Währungsfonds (IMF) geht davon aus, dass das Land der Mitte in diesem Jahr über 7 Prozent wachsen könnte. „Von Chinas Aufschwung und dem Appetit nach Rohstoffen profitieren viele Branchen“, betont Péter Varga, Senior Professional Fondsmanager in der Erste Asset Management. “Seit Anfang des Jahres kauft China die doppelte Menge an Öl wie im 4-jährigen Durchschnitt ein. Zum Teil, um die Wirtschaft zu befriedigen zu einem anderen Teil, um seine Reserven und Lager wieder aufzufüllen.“

Appetit auf Rohstoffe

Zudem investiert China kräftig in die Branchen der Zukunft. Das beginnt bei Autonomen Fahren und endet bei erneuerbarer Energie. Der Grund dahinter ist für Varga sehr deutlich: die Abhängigkeit von Flüßigerdgas und Lieferungen von Rohöl aus dem Ausland zu reduzieren. Der gigantische Energiebedarf des Landes soll in Zukunft immer stärker von Nuklear, Solar- oder Windenergie gestillt werden. Derzeit befindet sich der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch bei knapp einem Viertel (2019). Tendenz stark steigend. Vom Aufschwung im Inland haben vor allem Hightech New Economy-Unternehmen wie z.B Tencent enorm profitiert, so Varga. „In diesem Sektor sowie bei den Technologiezulieferern haben wir Profite mitgenommen, hier findet man aber kaum mehr große Risikoaufschläge auf Anleihen, die Unternehmen haben enorme Cash-Reserven aufgebaut.“

Ein Trend zeichnet sich klar ab: Unternehmen, die einen Schwerpunkt in Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien und Technologien setzen, haben die besten Zukunftsaussichten. Wichtig in diesem Zusammenhang: präzise Analyse und eine Bewertung in realistischem Rahmen. „Denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen“, so Fondsmanager Péter Varga, Schließlich steigen und fallen die Anleihen mit den wirtschaftlichen Erfolgen und Misserfolgen der Emittenten.

Bei der Auswahl der Unternehmen ist intensive Analyse entscheidend. „Waren es zunächst strukturell wichtige Branchen wie die Lebensmittelproduktion oder Telekommunikation, die besonders profitiert haben, bieten nun auch klassische Industrieunternehmen Opportunitäten“, erklärt Varga. Gemeint sind damit vor allem sogenannte „brick an mortar“ Unternehmen, also solche die nicht nur digitale Güter und Leistungen erbringen, sondern in klassischen Bereichen tätig sind, wie Chemieindustrie, Maschinenbau, Elektroindustrie sowie im Papiersektor. Hier nennt Varga den brasilianischen Papiererzeuger Klabin als Beispiel.

Welche Faktoren für Unternehmen in Schwellenländern ausschlaggebend sind

Nachhaltigkeitsfaktoren, die auf ESG (Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) beruhen, sind seit Jahren im Aufwind. Sowohl der neue US Präsident Joe Biden sowie die EU Kommission unter Ursula von der Leyen haben ambitionierte Pläne zur CO²-Neutralität und einer nachhaltigeren Wirtschaft vorgestellt. Neue Regularien im Bereich Nachhaltigkeit wie die geplante CO²-Importabgabe oder die Pläne über die Wasserstoff-Wirtschaft werden sich auf Unternehmen in den Schwellenländern auswirken. Die grüne Wirtschaft ist, angetrieben durch neue Investitionen und den politischen Willen von Staats- und Regierungschefs, in den Schaltzentralen nicht mehr aufzuhalten. Ein Beispiel wie man den aktuellen Trend nutzt, zeigt der ukrainische Stahlproduzent Metinvest, der von der von der Nachfrage nach Eisenerz Pellets – da sich mit diesen bei Stahlherstellung weniger CO2 produzieren lässt – profitiert.

„Unternehmen, die im Bereich erneuerbare Energien und Recycling tätig sind, werden von dieser nachhaltigen Welle profitieren. Bei klassischen Industriezweigen sind die Analyse und Engagement, also die Art Unternehmen gezielt zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen, entscheidend“, betont Varga. Die Erste Asset Management hat es mit seinem hauseigenen Nachhaltigkeitsteam geschafft mit dem brasilianischen Chemiehersteller Unigel ein eigenes Nachhaltigkeits-Rating zu erstellen. Unsere Pionierrolle und aktuelle Expertise in Sachen ESG verschaffen uns als Fondshaus natürlich größere Opportunitäten am Markt zu investiven“, so Varga abschließend

Über den ERSTE BOND EM CORPORATE

Der ERSTE BOND EM CORPORATE investiert in Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Der Fonds veranlagt hierbei weltweit und ermöglicht Investoren die Teilnahme an den Wachstumschancen dieser aufstrebenden Märkte. Fremdwährungsrisiken gegenüber dem Euro werden weitgehend abgesichert. Das Fondsvolumen beträgt aktuell fast 630 Millionen Euro (Stand: 26.02.2021).

Aufgrund unseres erfolgreichen Track-Records wurden wir als Fondsmanager bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter auch mit dem Lipper Award und nun auch mit dem 1. Preis vom Deutschen Branchenmagazin €uro und €uro am Sonntag.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Management der Zinskurve

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

In den letzten Tagen sind Aktien und andere risikobehaftete Wertpapierklassen unter Druck geraten, obwohl seit Jahresanfang der Optimismus für eine wirtschaftliche Erholung gestiegen ist. Kann das mit „Buy the rumor, sell the fact“ begründet werden? Waren also die guten Nachrichten in den Marktpreisen reflektiert? Oder steckt ein anderer Mechanismus dahinter, der von Bedeutung für zukünftige Entwicklungen sein könnte?

Wirtschaftswachstum höher als erwartet

Die Wirtschaftsindikatoren für das vierte Quartal 2020 haben sich in den meisten Ländern kräftiger als erwartet entwickelt. Die Schätzung für das globale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im vierten Quartal wurden seit Jahresanfang von 1,3% auf 1,8% (im Vergleich zum dritten Quartal) nach oben revidiert (Quelle: Erste AM). Der negative Effekt der Eindämmungsmaßnahmen auf die wirtschaftliche Aktivität war etwas geringer als angenommenen. Vor allem der Fertigungssektor und der Güterhandel konnte sich gut halten und haben Ende 2020 das Vor-Covid-Niveau überschritten.

Länderweise fällt die kräftige Entwicklung in den USA (aufgrund der hohen staatlichen Unterstützung) und in Nordost-Asien (gutes epidemiologisches Management, hohe Nachfrage nach Gütern, insbesondere im IT-Sektor) auf. Naturgemäß waren die kontaktintensiven Servicesektoren am stärksten betroffen. Die Indikatoren deuten für das erste Quartal auf eine Eintrübung des globalen Wachstums auf 0,5% im Vergleich zum Vorquartal hin. Der Rückgang ist weniger ausgeprägt als ursprünglich veranschlagt. Für die Zukunft lassen die angelaufenen Impfstoffprogramme, die üppigen Fiskalpakete in den USA und im Vereinigten Königreich sowie die generell erhöhten Sparquoten der Konsumenten eine baldige kräftige Beschleunigung des Wachstums erwarten. Natürlich gibt es regionale Unterschiede.

Optimismus: Vor-Covid Niveaus bereits Mitte 2022?

Dieses Umfeld hat für einige wichtige Länder zu einer Aufwärtsrevision der Projektionen für das Wirtschaftswachstum auf die mittlere Sicht (drei Jahre) geführt. Das Vor-Covid-Niveau (viertes Quartal 2019) wird den Prognosen entsprechend, von Land zu Land unterschiedlich, früher als gedacht erreicht werden. Zum Beispiel erwartet die Europäische Kommission mittlerweile ein Erreichen des Vor-Covid-Niveaus Mitte 2022 anstatt Ende 2023. Weil dadurch die Ressourcen-Auslastung am Arbeitsmarkt und bei der Produktion besser ausfällt (die negative Produktionslücke geringer als erwartet ist), wird der mittelfristige Inflationsausblick, von Land zu Land unterschiedlich, leicht nach oben genommen. Aktuell befindet sich die Konsumentenpreis-Inflation in vielen Ländern unter dem jeweiligen Zentralbank-Ziel. Die Zentralbank-Ziele für die Inflation könnten in einigen Ländern früher als gedacht erreicht werden.

Renditen der Staatsanleihen steigen

Auf dem Finanzmarkt haben die besseren Wachstums- und Inflationsaussichten zu einem Anstieg von Staatsanleihen-Renditen geführt. Die wichtigste Referenzrendite, die zehnjährige Staatsanleiherendite in den USA, ist von 0,91% am 1. Jänner auf 1,47% angestiegen.

Hierbei sind zwei Entwicklungen bemerkenswert:

  • Die Geschwindigkeit des Anstiegs hat zugenommen.
  • Der Anstieg der nominellen Renditen wurde seit Jänner im Unterschied zum vergangenen Jahr nicht mehr hauptsächlich von zunehmenden Inflationserwartungen sondern von einem Anstieg der realen Rendite getrieben.

Die in den Anleihekursen eingepreiste Inflation hält aktuell bei 2,21%. Anfang Jänner betrug sie 2% (Stand: 4.3.2021, Quelle Bloomberg). Im Unterschied dazu stieg die um die Inflation bereinigte Rendite von minus 1,09% auf minus 0,75% an. In den letzten Tagen haben die Renditeanstiege zu Kursrückgängen bei zahlreichen anderen Assetklassen geführt. Wie kann das sein, wo doch der Wachstumsoptimismus gestiegen ist?

Grafik: Struktureller Rückgang der realen Renditen

Hinweis: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Wertpapierpreise: Wachstum versus Zinsen

Prinzipiell gibt es zwei mögliche Gründe für Kursrückgänge: Entweder gibt es enttäuschende Nachrichten für die zukünftigen Cash Flows (Dividenden bei den Aktien), oder die Zinsen steigen an. Aktuell haben sich die Wirtschaftsnachrichten verbessert, weshalb auch die Zinsen angestiegen sind. Hier kommt eine wichtige Beziehung in der Volkswirtschaft zum Tragen: Höheres Wachstum geht mit höheren realen Zinsen einher. Wenn im Durchschnitt die Einkommen steigen, wird ein Anreiz benötigt, nicht alles für den Konsum auszugeben, sondern auch zu investieren. Leider gibt es eine sehr hohe Bandbreite für die Sensitivität zwischen realen Zinsen und Wachstum (0,5% bis 2%).

Wachsen die Dividenden, wirkt sich das positiv auf den Aktienpreis aus. Genau umgekehrt verhält es sich bei steigenden Zinsen: die haben für Aktien meistens einen negativen Beigeschmack. Der Zusammenhang zwischen Zinsen, Wachstum und Wertpapierpreisen wird anhand der vielleicht wichtigsten Gleichung in der Finanzwirtschaft sichtbar: Der Preis eines Wertpapiers ergibt sich aus den erwarteten zukünftigen Zahlungen (Cash Flows). Bevor die Cash Flows jedoch zusammengezählt werden können, müssen sie auf den heutigen Tag abgezinst werden.

Generell gilt:

  • Je höher der Zinssatz, desto niedriger der heutige Wert (Barwert) der zukünftigen erwarteten Cash Flows.
  • Je weiter die Cash Flows in der Zukunft liegen, umso größer ist dieser Zusammenhang (gemessen anhand der sogenannten Duration). Tatsächlich haben in der vergangene Woche Wertpapierklassen mit einer langen Duration (und einer hohen Bewertung wie etwas Technologieaktien) am meisten gelitten.

Zwei Kernthemen

Bewegungen bei den realen Zinsen beeinflussen maßgeblich die Kursbewegungen bei anderen Wertpapieren. Ein wesentlicher Grund, weshalb zahlreichen Wertpapierklassen in den vergangenen Jahrzehnten hohen Kursanstiege verzeichneten war der Umstand, dass die realen Zinsen stärker gefallen sind als die Wachstumsaussichten.

Daraus ergeben sich zwei Kernthemen:

1. Wenn die Renditen strukturell (auf die lange Sicht) ansteigen, ändert sich der Zusammenhang (die Korrelation) zwischen Aktien und Anleiherenditen von positiv auf negativ. Kurzfristige Rendite-Anstiege könnten, im Unterschied zur Zeitspanne von den 1990ern bis jetzt, im Durchschnitt mit kurzfristigen Kursrückgängen bei den Aktien einhergehen.

2. Für die weitere mittelfristige Entwicklung der Aktienpreise ist nicht so sehr relevant, ob die realen Zinsen steigen, sondern ob sieo stärker oder weniger stark als die Wachstumserwartungen ansteigen. Hier wird den Zentralbanken eine wesentliche Rolle zukommen.

Zinskurven-Management vor Herausforderungen

Solange die expliziten und impliziten Ziele der Zentralbanken wie Vollbeschäftigung, Inflation langfristig bei 2%, Finanzstabilität und niedrige Zinsen für die Finanzierung der hohen Staatsverschuldung nicht in Konflikt geraten, ist alles in Ordnung. Für den Finanzmarkt und die Staatsschuldendynamik ist die Geldpolitik jedoch effektiver (niedrige Leitzinsen und hohe Liquidität befördern Wertpapierpreise nach oben und umgekehrt) als für Wirtschaftswachstum und Inflation (Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Konsumentenpreisinflation ist gering, gemessen anhand der Phillips-Kurve). Ein Boom an den Märkten war die Folge. Die Renditeaufschläge für das Länderrisiko sind trotz ansteigender Staatsverschuldung (zum Beispiel für Italien) gesunken.

Die Zentralbanken signalisieren weiterhin eine anhaltend ultra-expansive Geldpolitik: auf absehbare Zeit sind keine Leitzins-Anhebungen zu erwarten Gleichzeitig sind die im Markt gepreisten Erwartungen für die erste Zinsanhebung jedoch näher gerückt: In den USA wird für März 2023 bereits eine vollständige Leitzinsanhebung eingepreist. Es geht aktuell also nicht darum, dass die Inflationserwartungen aus dem Ruder laufen, sondern darum, dass generell die Anleitung der Markterwartungen seitens der Zentralbanken (Forward Guidance) etwas unglaubwürdiger geworden ist. Kompliziert wird es nun, weil Renditeanstiege den Zentralbanken sogar recht sein könnten: dadurch wird das Risiko für eine Übertreibung auf den Märkten (Finanzstabilität) reduziert. Natürlich will man nur moderate und langsame Renditeanstiege, weil gleichzeitig verlautbart wird, die Zinsentwicklung auf den Märkten genau zu verfolgen (Verbalintervention). Sollten die Renditen jedoch weiterhin kräftig ansteigen, das heißt, mehr als die Wachstumserwartungen zunehmen, wird das Zinskurvenmanagement der Zentralbanken offensichtlicher werden. Denn in diesem Fall würden Zentralbanken (wahrscheinlich) mit mehr als nur „weichen“ Aussagen versuchen, die Geschwindigkeit von Zinsanstiegen zu drosseln.

Schlussfolgerung: Das Umfeld für die Finanzmärkte wird unterstützend bleiben. Die Zentralbanken werden starke und schnelle Rendite-Anstiege erfolgreich zu verhindern versuchen. Die Volatilitäten (Kursschwankungen) werden wahrscheinlich zunehmen, weil die Bewertungen bei vielen Wertpapierklassen vor allem wegen der vorangegangenen Rendite-Rückgänge überdurchschnittlich sind. Die realen Renditen könnten nun einen, wenn auch nur leichten, Anstiegstrend eingeschlagen haben.


Wichtige rechtliche Hinweise:

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Wie reagieren die Börsen aktuell auf Renditeanstiege?

In den 1990er Jahren meinte der demokratische Politikberater James Carville: „Früher dachte ich, wenn es eine Reinkarnation gäbe, wollte ich als Präsident oder als Papst oder als .400 Baseball-Hitter zurückkommen. Aber jetzt würde ich gerne als der Anleihenmarkt zurückkommen. Man kann jeden einschüchtern.“ Dies hat der Anleihenmarkt auch in den letzten Wochen abermals unter Beweis gestellt.

Die Wirtschaftsindikatoren für das vierte Quartal 2020 und für Anfang 2021 haben sich kräftiger als erwartet entwickelt , als Beispiel dient kräftiges Wachstum bei den Lieferungen für langlebige Kapitalgüter in den USA im Jänner.

Die Ausnahme bildeten die Einkaufsmanagerindizes in China, die im Jänner bereits das dritte Monat in Folge fielen. Gemeinsam mit dem angelaufenen Impfstoffprogrammen hat das zu einer Aufwärtsrevision der Erwartungen für das Wirtschaftswachstum für die mittlere Sicht geführt.

Weil auch die negative Produktionslücke geringer als erwartet ausfällt, wird der mittelfristige Inflationsausblick etwas nach oben genommen. Die Zentralbank-Ziele für die Inflation könnten in einigen Ländern früher als gedacht erreicht werden.

Dieses Umfeld hat zu einem Anstieg von Staatsanleiherenditen geführt. Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen in den USA stiegen von 1,0% Anfang Februar auf 1,4% per Monatsende an. Ähnlich verlief die Entwicklung in Deutschland, wo ein Anstieg von -0,5% auf -0,3% beobachtet werden konnte. Zwei Entwicklung waren dabei jedoch neu:

  • Der Anstieg verläuft nicht mehr langsam sondern relativ schnell
  • Der Anstieg der nominellen Renditen wird seit zwei Wochen nicht mehr von ansteigenden Inflationserwartungen (10Y US Breakeven Inflation Rates sogar leicht rückläufig auf zuletzt 2,15%), sondern von einem Anstieg der realen Rendite getrieben (10Y USA von -1% auf -0,75%).

Renditeanstiege betreffen nicht nur Staatsanleihen

Die Renditeanstiege betreffen aber nicht nur die Staatsanleihen. Grundsätzlich ergibt sich die Bewertung jedes Finanzinstruments (Aktien, Anleihen) aber auch von Immobilien aus der Summe der abgezinsten (diskontierten) zukünftigen Cashflows / Zahlungsströme.

Die Rendite kreditsicherer Staatsanleihen hat dabei einen direkten Einfluss auf die Höhe des Diskontzinssatzes. Steigen die Staatsanleiherenditen an, führt dies auch zu einem Anstieg des Diskontzinssatzes und (sofern die übrigen Erwartungen unverändert bleiben – ceteris paribus) fällt der Preis des Finanzinstruments.

Diesen Vorgang konnten wir letzte Woche auch an den Aktienmärkten beobachten. Der US-Leitindex S&P 500 verlor -2.4%, der EuroStoxx 50 schloss um 2% niedriger im Wochenvergleich (per Schlusskurs 26.2.2021, Quelle Bloomberg). Besonders betroffen von den Kursrückgängen waren Assets mit einer langen Duration und einer hohen Bewertung. Zu letzteren zählen z.B. US-Technologiewerte, die Verluste von fast 5% hinnehmen mussten (NASDAQ 100).

Für die nächsten Monat wird die Kernfrage sein, ob die Zinsen stärker ansteigen werden als die Wachstumserwartungen. Wir gehen aktuell davon aus, dass

  • sich die Erholung der Wirtschaft weiter fortsetzten wird und auch positiv überraschen kann
  • die Zentralbanken weiterhin ultraexpansiv bleiben werden, aber auch weiteren leichten Renditeansteigen nicht abgeneigt sind, weil dies das Risiko von Blasenbildungen reduzieren kann
  • im Falle weiterer und starker Renditeanstiege das „Zinskurven-Management“ der Zentralbanken offensichtlicher werden wird.

Das Finanzumfeld wird somit im Durchschnitt unterstützend bleiben, aber die Volatilität wird zunehmen.

Markt-Korrektur für Zukäufe in den Green-Tech-Fonds genutzt

Mit den deutlich angestiegenen Zinsen in den vergangenen Wochen sind vor allem Wachstumsunternehmen deutlich unter Druck geraten und eine Rotation in zyklische „Re-Opening“ Unternehmen war ersichtlich. Trotz dieser Kurskorrekturen verzeichnen alle wichtigen Aktienmärkte eine positive Performance seit Jahresanfang.

Noch deutlich stärker von Gewinnmitnahmen betroffen waren die Bereiche Cleantech, Wasserstoff/Brennstoffzellen, Elektromobilität sowie vor allem Erneuerbare Energie. Diese Bewegungen wirkten sich auch auf die Performance des ERSTE GREEN INVEST und des ERSTE STOCK ENVIRONMENT aus, der in den letzten Tagen ungefähr 10% an Wert verlor. Dies wurde genutzt, um Zukäufe zu tätigen.

Am fundamentalen Umfeld und somit unserem langfristigen Ausblick hat sich nichts geändert, weshalb wir zuletzt begonnen haben, die Korrektur vorsichtig für Zukäufen in den von uns am meisten favorisierten Unternehmen zu nutzen.


Warnhinweis Erste Green InvestWarnhinweis Erste WWF Stock Environment

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China 2021 – das Jahr des Büffels

von Jenny Teng, Senior Fund Manager der Erste Asset Management.

Basierend auf dem Mondkalender, ist der chinesische Tierkreis ein sich wiederholender Zyklus von 12 Jahren, wobei jedes Jahr durch ein Tier repräsentiert wird. 2021 ist das Jahr des Büffels: er wird mit Kraft, Ernte und Fruchtbarkeit assoziiert. Nach dem turbulenten Jahr 2020 gibt es gute Gründe sich im Jahr des Ochsen auf die Rückkehr zu Normalität und eine positive Entwicklung zu freuen. Das gilt besonders für China.

Pandemie in China weitgehend unter Kontrolle

Dank eines rigorosen Einschreitens, einschließlich Abriegelungen und massiver Tests, hat China die Epidemie weitgehend unter Kontrolle gebracht. China verfolgt eine „Null-Korona“-Politik, die dazu beigetragen hat die aufgetretenen Fälle durch lokale Übertragung bis zum Sommer 2020 auf Null zu senken. Die Behörden handelten schnell, um lokale Ausbrüche während des Winters einzudämmen. Infolgedessen ist das Leben in China im Großen und Ganzen zur Normalität zurückgekehrt.

Die Menschen kehren zur Arbeit zurück, die Schüler in die Schulen. Impfungen gegen COVID-19 sind im ganzen Land im Gange. China verfolgt das Ziel 50 Millionen seiner Bevölkerung bis zum Neujahrsfest im Februar zu impfen. Masken, besondere Zonen und Kontaktverfolgungs-Apps gehören zum neuen normalen Leben in China und sind wichtige Hilfsmittel, die dem Land helfen der COVID-19-Kurve voraus zu sein.

Wirtschaft erholt sich dank Exporte und Konsums

Die erfolgreiche Eindämmung von COVID-19 und gezielte politische Unterstützung ermöglichten eine V-förmige Erholung der chinesischen Wirtschaft. Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im Jahr 2020 um 2,3 % und markierte damit die einzige Nation mit einem positiven Wachstum im Jahr 2020 unter den großen Volkswirtschaften der Welt. Die Wachstumserholung war breit angelegt und wurde zunächst von Investitionen und Exporten angeführt.

Einige Monate später weitete die Erholung sich auf den Konsumbereich aus. Als sich das Coronavirus weltweit ausbreitete, begannen die Produktionskapazitäten außerhalb Chinas zusammenzubrechen. Dies stärkte Chinas Rolle als Produktionszentrum der Welt. Chinesische Unternehmen haben einen größeren Anteil an den weltweiten Exporten und stellen persönliche Schutzausrüstung, Unterhaltungselektronik und andere Waren her, die während der Pandemie stark nachgefragt wurden.

Wirtschaft soll sich bis 2035 verdoppeln

Chinas wirtschaftliche Stärke wird sich voraussichtlich bis ins Jahr 2021 fortsetzen, angeführt von der globalen Erholung und dem Binnenkonsum. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für China ein Wachstum von 8,1% im Jahr 2021 und von 5,6% im Jahr 2022. 2021 ist das Startjahr von Chinas 14. Fünfjahresplan: Es ist das Jahr, in dem die nächste Stufe zur Entwicklung einer Gesellschaft mit hohem Einkommen eingeleitet werden soll. Ziel: das BIP soll bis 2035 verdoppelt werden. Die Neuausrichtung der Wirtschaft auf Konsum, Dienstleistungen und grüneres Wachstum steht ganz oben auf der Agenda der Regierung.

Es wird erwartet, dass sich der Konsum wieder beleben wird und sowohl die Beschäftigung als auch das Einkommenswachstum weiter steigen werden – besonders nachdem Impfstoffe verfügbar sind. Neben der wirtschaftlichen Neuausrichtung setzt sich China auch ein langfristiges, ehrgeiziges Ziel der „Kohlenstoffneutralität“ bis 2060. Es sind verschiedene politische Maßnahmen in Bezug auf Energieverbrauch und Kohlenstoffemissionen zu erwarten.

Unsicherheitsfaktoren Kreditqualität und Menschenrechte

Der Weg zu Chinas Wachstum ist nicht frei vor Unsicherheiten: Im Inland könnten die Haushaltskonsolidierung und die Verlangsamung der Kreditvergabe zu einer Verschlechterung der Kreditqualität führen. Ausfälle und notleidende Kredite (NPLs), insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs), lokalen Staatsunternehmen (SOEs) und einigen lokalen staatlichen Finanzierungsvehikeln (LGFVs) könnten potenziell ansteigen.

In den Außenbeziehungen wird der Wettbewerb der Supermächte zwischen den USA und China weiterhin die Schlagzeilen beherrschen. Da die Biden-Administration wahrscheinlich mit ihren Verbündeten an der Auseinandersetzung mit China arbeiten wird, könnte sich der Wettbewerb um die Zusammenarbeit mit dem Rest der Welt verschärfen. Die Konfrontation in ideologiebezogenen Bereichen wie Demokratie und Menschenrechten könnte weiter eskalieren. US-Technologiebeschränkungen und Abkopplungsdruck könnten auch Chinas potenzielles Wachstum verringern.

Fazit

Es liegen noch einige Hindernisse vor China, aber unterm Strich wird die Supermacht im Jahr 2021 weiter wachsen, während der Rest der Welt noch damit kämpft das Coronavirus unter Kontrolle zu bringen. Schließlich soll das Jahr des Büffels ein besseres Jahr werden – für China und für die Welt.

IMF World Economic Outlook Update, Jänner 2021

Quelle: International Monetary Fund (IMF)

Investmentfonds für China/Asien

ERSTE STOCK EM GLOBAL

In den letzten 10 Jahren sind die Börsen der etablierten Märkte deutlich besser gelaufen als die der Wachstumsmärkte. Dies könnte sich in der laufenden Dekade umkehren. Es gibt gute Gründe, die ein starkes Wachstum in den Schwellenmärkten erwarten lassen: Neben der wirtschaftlichen Erholung nach dem Ende Pandemie, die in China bereits stark ausgeprägt ist, sind es die deutlich niedrigere Bewertung der Unternehmen und die tiefen Leitzinsen in vielen Märkten wie z.B. Thailand und Südkorea.

Der ERSTE STOCK EM GLOBAL bietet die Möglichkeit breit gestreut in Aktien der chancenreichsten Wachstumsregionen der Welt zu investieren. Werte aus China sowie Asien (z.B. Taiwan, Südkorea) machen derzeit über 80% des Portfolios aus. Wichtigster Sektor ist die Informationstechnik, aber auch Unternehmen aus dem Bergbau und Konsumwerte, die profitieren, wenn die Weltwirtschaft wieder in Schwung kommt, sind gut vertreten.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.

ERSTE BOND CHINA

Mit Euro-Staatsanleihen ist derzeit kaum Geld zu verdienen. Die Renditen sind so stark gesunken, dass selbst langlaufende Papiere die Inflation nicht annähernd ausgleichen können. Viele Investoren fragen sich, wo es in diesem schwierigen Umfeld noch Anleihen mit guter Bonität und attraktiven Ertragschancen gibt?

Der ERSTE BOND CHINA bietet eine interessante Anlagemöglichkeit mit dem Schwerpunkt auf chinesische Staatsanleihen. Der Fonds investiert überwiegend in ein diversifiziertes Portfolio von Staatsanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten, die auf die Währung Yuan (Renminbi) lauten. Zehnjährige Papiere aus der Volksrepublik werfen gut 3,1% Rendite ab (Quelle: Bloomberg, 29.1.2021), also deutlich mehr als sicher geltende Staatsanleihen aus Europa. Und dabei ist China auch ein guter Schuldner. Von den Ratingagenturen Standard & Poors und Fitch erhält das Land die Bonitätseinstufung „A+“. Moody’s vergibt aktuell ein „A1“.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Fonds zu.

Für beide Fonds gilt: Eine ausreichende Anlagedauer und Risikobereitschaft sind unbedingt erforderlich. Mit temporären Rückschlägen wirtschaftlicher oder politischer Art muss jederzeit gerechnet werden. Dem deutlich höheren Risiko verglichen zu den etablierten Aktien- und Anleihenmärkten stehen mittel- bis langfristig entsprechend höhere Wachstumschancen gegenüber.


Siehe auch unseren Blogbeitrag: Worauf man bei chinesischen Staatsanleihen achten sollte

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EU-Kommission senkt Wachstumsprognosen für 2021, ist aber optimistischer für 2022

Angesichts der weiter grassierenden Corona-Pandemie hat die EU-Kommission zuletzt ihre Wachstumsprognosen für 2021 gesenkt. Mit den Verzögerungen bei den Impfkampagnen einiger EU-Ländern könnten sich auch die Lockdowns weiter in die Länge ziehen und damit auch die erwartete Wirtschaftserholung verzögern, heißt es in der Begründung der Kommission.

Im laufenden ersten Quartal dürfte die Wirtschaft der Eurozone vor diesem Hintergrund noch schrumpfen, mit dem Anlaufen der Impfaktionen aber dann in Folge anziehen. Die Prognose beruht auf der Annahme, dass es gegen Ende des zweiten Quartals zu ersten Öffnungsmaßnahmen und in der zweiten Jahreshälfte dann zu spürbareren Lockerungen kommen wird. „Auch ein verbesserter Ausblick für die Weltwirtschaft dürfte der Konjunktur Auftrieb geben“, so die Kommission.

Im Gesamtjahr dürfte die Wirtschaft im Euroraum laut der aktuellen EU-Prognose damit aber nur um 3,8 Prozent wachsen. Zuletzt war die Kommission noch von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,2 Prozent ausgegangen. Für die gesamte EU prognostiziert sie nun ein BIP-Wachstum von 3,7 Prozent.

Optimistischer ist hingegen der Ausblick auf das kommende Jahr. Die Kommission erwartet für 2022 nun ein Wachstum von 3,8 Prozent in der Eurozone. Bei ihrer letzten Prognose im Herbst hatte sie noch ein Plus von 3,0 Prozent vorhergesehen. Auch im abgelaufenen Jahr 2020 dürfte die Eurozone etwas glimpflicher davon gekommen sein als erwartet. Nachdem die EU zuletzt noch ein Minus von 7,8 Prozent prognostiziert hatte, zeigten erste Schätzungen der Statistikbehörde Eurostat nun einen Konjunktureinbruch von nur 6,8 Prozent.

Hinweis: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Prognose für Österreich halbiert

Die Aussichten für Österreichs Wirtschaft haben sich laut der EU-Prognose etwas verschlechtert. Für 2021 hat die EU ihre Wachstumsprognose von zuletzt 4,1 auf jetzt 2 Prozent halbiert. Die Kommission begründet ihre Revision mit dem Lockdown im ersten Quartal und den Auswirkungen der Reisebeschränkungen auf den Wintertourismus. 2022 dürfte Österreichs Wirtschaft den Prognosen zufolge aber wieder in Schwung kommen und 5,1 Prozent zulegen.

Für Deutschlands Wirtschaft erwartet Brüssel ein Wachstum von 3,2 Prozent im Jahr 2021 und von 3,1 Prozent im Folgejahr. In Deutschland hatte zuletzt eine Verlängerung des Lockdowns neue Konjunktursorgen geschürt. Denn die Einschränkungen wegen der Pandemie kommen der deutschen Wirtschaft teuer zu stehen. Pro Woche entgeht Deutschland laut aktuellen Umfragedaten und Berechnungen des Münchner Forschungsinstituts ifo eine Wertschöpfung von 1,5 Milliarden Euro.

Die Corona-Rezession bei wichtigen Handelspartnern hat der deutschen Wirtschaft zudem den schwersten Exporteinbruch seit der Finanzkrise 2009 eingebrockt. Die Ausfuhr von Waren sank 2020 um 9,3 Prozent auf 1.204,7 Mrd. Euro, wie das Statistische Bundesamt zuletzt mitteilte.

Deutliche Erholung in Spanien und Italien

Eine deutliche Wirtschaftserholung könnten laut den Prognosen der EU-Kommission 2021 die von der Krise schwer getroffenen Länder Italien und Spanien sehen. Für Italien erwartet die Kommission nach einem Minus von 8,8 Prozent im abgelaufenen Jahr eine Erholung von 3,4 Prozent. Für Spanien prognostiziert die EU nach dem Rekordeinbruch von 11 Prozent im Vorjahr ein Wachstum von 5,6 Prozent. Spaniens Wirtschaft hatte bereits im vierten Quartal 2020 mit einem kleinen Wachstum von 0,4 Prozent positiv überrascht. Für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, Frankreich erwartet die Kommission ein Wachstum von 5,5 Prozent im laufenden Jahr und von 4,4 Prozent 2022.

Insgesamt sieht die EU-Kommission die Risiken ihrer Prognosen ausgewogener als noch im Herbst, aber weiter hoch. Das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftserholung dürfte vor allem mit der weiteren Entwicklung der Pandemie und dem Erfolg der Impfkampagnen abhängen. So könnten Impfstoff-Fortschritte unerwartet schnelle Lockerungen und damit eine kräftigere Erholung bringen. Auf der anderen Seite könnte eine unerwartet hartnäckige Pandemie-Entwicklung oder etwaige Impfstoffverzögerungen sich auch negativ niederschlagen.

„Außerdem besteht das Risiko, dass die Krise im wirtschaftlichen und sozialen Gefüge der EU tiefere Narben hinterlassen könnte, insbesondere wenn es verbreitet zu Insolvenzen und Arbeitsplatzverlusten kommt“, schreibt die Kommission. Dies würde auch den Finanzsektor treffen, die Langzeitarbeitslosigkeit erhöhen und Ungleichheiten verschärfen.

Inflationsausblick weiter gedämpft

Die Inflationsentwicklung dürfte laut der aktuellen EU-Prognose verhalten bleiben. Die Kommission erwartet eine Inflation von nur 0,3 Prozent im Jahr 2020. Im laufenden Jahr 2021 dürfte die Teuerung dann auf 1,4 Prozent ansteigen. Gegenüber der Herbstprognose wurde die Inflationserwartung für den Euroraum und die EU damit für 2021 leicht hochgeschraubt, bleibt insgesamt aber weiterhin niedrig. „Da sich die Erholung verzögert, dürfte der von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ausgehende Preisdruck gering bleiben“, schreibt die Kommission. Die Teuerung liegt damit weiter klar unter dem mittelfristig angestrebten Inflationsziel von 2,0 Prozent der Europäischen Zentralbank (EZB).


Quelle für die angegebenen Prozentzahlen: EU-Kommission

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„Umweltfreundliche Technologien werden auf Jahre hinaus wachsen“

Technologie und speziell umweltfreundliche Technologien waren die Börsenthemen schlechthin im letzten Jahr. Durch die klaren politischen Vorgaben hält der Aufwärtstrend bei diesen Aktien an. Die beiden Umweltfonds ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT sowie ERSTE GREEN INVEST bzw. ERSTE GREEN INVEST MIX konnten im abgelaufenen Jahr (Stand Ende Dezember 2020) eine erfreuliche Entwicklung verzeichnen – mit überdurchschnittlichen Wertzuwächsen für die InhaberInnen von Fondsanteilen. Clemens Klein, Senior Professional Fondsmanager der Erste AM, spricht über das abgelaufene Jahr, die Bewertungen und Zukunftsaussichten von Aktien der Umwelttechnologie.

Das Jahr 2020 ist für die Umweltaktienfonds und nachhaltige Investitionen generell sehr positiv gelaufen. Worauf führen Sie die Entwicklung zurück?

Aktien aus dem Technologie-Bereich standen im Fokus der AnlegerInnen. Der Bereich der Umwelttechnologie mit seinen vielen Innovationen war dabei federführend. Wenn man die einzelnen Segmente betrachtet, so standen Aktien der Solarenergie an der Spitze der Wertzuwächse. Aber auch alles, was mit Wasserstoff und Windenergie zu tun hatte, verzeichnete ein positives Jahr. Weniger stark zeigte sicher der Bereich Mobilität und vor allem das Thema Wasser, das deutlich hinter der Gesamtmarktentwicklung zurück blieb.

Man konnte also nicht viel falsch machen?

Sagen wir so: Die Kapitalströme sind trotz der weltweiten Pandemie nicht „abgerissen“. Die AnlegerInnen zeigten sich wenig beeindruckt und sehen die Umwelttechnologie als klare Zukunftsinvestition. Aber ja: Schiefgehen kann immer etwas – zum Beispiel, wenn man alles auf eine Karte setzt. Wenn man sein Geld in Aktien der Umwelttechnologie anlegen möchte, so empfiehlt sich eine Streuung über möglichst viele verschiedene Aktien und Geschäftszweige. Und diese Aufgabe erfüllt nun einmal ein Fonds hervorragend. Klar man sich auch selbst schlau machen und sich einige Titel herauspicken, die man selbst als chancenreich erachtet. Aber unter all den investierbaren Aktien – da sprechen wir immerhin von mehreren hundert Unternehmen, mag sich das eine oder andere befinden, das möglicherweise die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen kann. Wenn es dann möglicherweise rasch zu einem Kursverfall kommt, so können in einem Fonds die anderen Titel, die sich gut bzw. hervorragend entwickeln, den gefallenen Wert “auffangen“ Von daher ist ein Fonds auch immer unter dem Aspekt der Risiko-Streuung zu sehen. Abgesehen davon brauchen wir uns mit der Wertentwicklung nicht verstecken.

Welche Aktien liefen besonders gut in den Umwelttechnologie-Fonds?

Die Auswahl der Titel, die „richtige“ Selektion – wenn man so will „ein gutes Händchen“ – spielt eine entscheidende Rolle. Das gelingt nicht in jedem Jahr, aber wir freuen uns, dass wir zum wiederholten Male mit der Auswahl der Titel eine überdurchschnittliche Wertentwicklung für unsere KundInnen generieren konnten. Im Solarbereich war die Aktie Enphase Energy der Top-Performer. Aber auch andere Titel wie SunrunSunpower Daqo oder Sunnova lieferten wesentliche Beiträge zur Performance der Fonds (Quelle: Bloomberg). Daneben zeigten Titel aus dem Bereich Brennstoffzellen/Wasserstoff (Plug PowerCeres PowerNel ASABallard Power) sowie Spezialwerte im Bereich E-Mobilität (WorkhorseNiu Technologies) und Windenergie (TPI Composites) deutliche Zugewinne.

Wie sind die Zukunftsaussichten für den Bereich Umwelttechnologie? Warum könnten die Aktien weiter steigen?

Die Aussichten für Investments in den Bereichen Ökologie und Umwelttechnologie bleiben auch für 2021 unverändert positiv. Der Wahlsieg Joe Bidens in den USA wird, neben dem European Green Deal, für zusätzlichen politischen Rückenwind in vielen Bereiche der Umweltbranche sorgen. Im Fokus stehen dabei Themen wie Elektromobilität, Energieeffizienz, Wasserstoff sowie Erneuerbare Energie. So sollen allein in Europa bis 2025 zwei Millionen Ladestationen installiert werden, um den Umstieg auf Elektroautos voran zu bringen. In den USA sieht der Klimaplan des neuen Präsidenten die Sanierung von 4 Millionen Gebäuden vor: mit den Schwerpunkten Beleuchtung, Wärmedämmung sowie Heizung und Klimatisierung. Und auch in Europa soll die Renovierungsrate von Altbauten verdoppelt werden. Sowohl in den USA als auch in Europa aber vor allem in China werden in den kommenden Jahren hunderte Milliarden Euro in den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur investiert. Und natürlich bleibt Erneuerbare Energie weltweit eines der bestimmenden Themen im Umweltbereich. Wir haben in den vergangenen Monaten unsere Gewichtungen in allen angeführten Themen erhöht, um diese politischen Maßnahmen verstärkt abzubilden.

Aber man sagt, dass politische Börsen kurze Beine haben. Letztendlich muss sich das am Ende „rechnen“ – klarerweise für die Umwelt- und Klimabilanzen und die Investoren. Werden dabei beide Seiten auf ihre Rechnung kommen?

Neben der politischen Unterstützung sind es zunehmend aber vor allem auch wirtschaftliche Gründe, die für die positiven langfristigen Perspektiven von Investitionen in umweltfreundliche Technologien sprechen. In vielen Teilen der Welt ist die Solarenergie heute eine der billigsten Formen der Stromerzeugung, wodurch Subventionen überflüssig werden. Das ist insgesamt sehr positiv zu bewerten. Der deutliche Rückgang der Batteriepreise in den letzten Jahren (minus 80% seit 2010, minus 50% seit 2015) verhilft nicht nur der E-Mobilität zum Durchbruch, sondern wird in absehbarer Zeit dazu führen, dass Sonnen- oder Windenergie einschließlich der Speicherung die billigste Form der Stromerzeugung sein werden. Dies wird unweigerlich zu einer weiteren Beschleunigung der Nachfrage führen. Aber auch andere Bereiche der Fonds wie Recycling (Stichwort: Kunststoffe) oder Wasser werden in vielen Teilen der Welt immer wichtigere Themen und sollten deshalb auf Jahre hinaus deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen.

Fazit

Die Kursentwicklung von Aktien der Umwelttechnologie wird auch im Jahr 2021 stark davon abhängen, wie sich die internationalen Aktienmärkte entwickeln. In einem anhaltend freundlichen Umfeld sind auch die Aussichten für den ERSTE GREEN INVEST und den ERSTE GREEN INVEST MIX positiv einzuschätzen. Angesichts der gestiegenen Bewertungsniveaus an den Börsen sind zwischenzeitliche Korrekturen jederzeit möglich und „gesund“. Die überdurchschnittlichen Wachstumsraten der „grünen Unternehmen“ sollten sich langfristig in besseren Ertragsmöglichkeiten für Fonds mit einem Fokus auf Ökologie und Umwelttechnologie niederschlagen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Italien: Regierungsbildung mit einem alten Bekannten

In Italien haben die unterschiedlichen Standpunkte der Parteien innerhalb der Koalitionsregierung zum Thema Inanspruchnahme und Verwendung von EU-Hilfsgeldern eine Staatskrise ausgelöst. Es geht dabei auch um nicht weniger als die Verteilung von rund 210 Mrd. Euro an Hilfsgeldern. Mittendrin ist ein alter Bekannter: der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi.

Die Kleinpartei in der Regierung „Italia Viva“ rund um den ehemaligen Premierminister Renzi bestand auf ihrer Forderung zusätzlich zu den Geldern aus dem EU-Wiederaufbaufonds die Aktivierung der Pandemie-Krisenhilfe des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) in Anspruch zu nehmen, was von anderen Koalitionspartnern mit dem Hinweis auf Auflagen der EU bezüglich Verwendung der Mittel und Verlust an Souveränität abgelehnt wurde.

„Italia Viva“ steigt aus Koalition aus

Renzis Partei „Italia Viva“ stieg als Konsequenz daraus aus der Vierparteien-Regierungskoalition aus und die von ihr gestellten zwei Minister traten zurück.

Alle Versuche diese Krise über Zugeständnisse in dieser Frage oder über eine Kabinettsumbildung zu lösen sind gescheitert.

Premierminister Conte stellte sich einer Vertrauensabstimmung im Parlament. Dabei konnte er zwar die Vertrauensabstimmung in beiden Kammern des Parlaments gewinnen, verfehlte aber im Senat die absolute Mehrheit, woraufhin er nur mehr mit einer Minderheitsregierung weiter regieren konnte. Daraufhin reichte Premierminister Conte seinen Rücktritt ein und eröffnete damit offiziell diese Regierungskrise.

Damit stand auch die Möglichkeit von sofortigen Neuwahlen im Raum, was den Markt besonders beunruhigte, denn laut aktuellen Umfragen bestünde in diesem Fall die Möglichkeit, das ein Regierungswechsel hin zum EU-kritischen rechten Parteienspektrum rund um Salvini erfolgen könnte.

Spread italienischer Anleihen steigt an

Diese Aussicht ließ die Zinsdifferenz italienischer Staatsanleihen zu anderen europäischen Staatsanleihen vorübergehend empfindlich steigen. Die Marktunsicherheit kam auch in Form einer zunächst erhöhten Volatilität, je nach Nachrichtenlage, zum Ausdruck.

Neuerliche Versuche von Conte ein pro europäisches Regierungsbündnis zustande zu bringen scheiterten.

Sofortige Neuwahlen dürften jedoch für die allermeisten Beteiligten nicht die bevorzugte Lösung sein. Angesichts der Ergebnisse der Wahlumfragen riskieren die regierenden Parteien einen Sieg des Mitte-Rechts-Blocks, insbesondere wegen der deutlich geringeren Unterstützung für die größte Regierungspartei der Fünf Sterne Partei.

Mario Draghi mit Regierungsbildung beauftragt

Nachdem auch Staatspräsident Mattarella eigenen Aussagen zufolge sofortige Neuwahlen in Pandemie-Zeiten vermeiden möchte, beauftragte er Mario Draghi mit der Bildung einer neuen Regierung.

Der Staatspräsident dürfte der Marktreaktion zu Folge die richtige Wahl mit der als überparteilich geltenden Persönlichkeit getroffen haben. Der italienische Staatsanleihenmarkt reagierte darauf äußerst positiv indem die Zinsdifferenz 10-jähriger italienischer Staatsanleihen zu anderen europäischen Staatsanleihen auf historische Tiefststände gefallen ist.

Den ersten Reaktionen zu Folge stehen die Chancen gut, dass es Mario Draghi gelingt eine pro-europäische Regierung bzw. Expertenregierung zu bilden und damit die politische Unsicherheit in Pandemiezeiten zu beenden. Es wird ihm allgemein zugetraut, die notwendigen Reformen des Landes mit den zur Verfügung stehenden EU-Milliarden voran zu treiben und damit die aktuell vorherrschende Investorenzuversicht zu rechtfertigen und den mittelfristig positiven Ausblick auch mit Hilfe der Kaufprogramme der EZB bis zur nächsten regulären Parlamentswahl 2023 zu erhalten.


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10 Thesen für 2021 – Teilweise Erholung mit Risiken

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste AM.

Die angelaufenen Impfstoffprogramme und die sehr große Unterstützung von der geld- und fiskalpolitischen Seite haben zu Erwartungen einer anhaltenden Erholung der Weltwirtschaft geführt und die Preise von risikoreichen Wertpapierklassen aufwärts befördert. Wie kann es weitergehen? Im Folgenden werden anhand von zehn Thesen die Eckpunkte für dieses Jahr abgesteckt.

1. Das Rennen zwischen den Virusinfektionen auf der einen Seite und Impfungen auf der anderen Seite wird uns auch in einem Jahr noch beschäftigen.

Die Infektionen sind nach wie vor hoch. Die Welt befindet sich inmitten der zweiten Infektionswelle. In einigen Ländern gibt es Anzeichen für rückläufige Neuinfektionen. Die angelaufenen Impfstoffprogramme geben Anlass zur Hoffnung. Doch Produktions- und Verteilungsprobleme verlangsamen die Durchimpfung. Zudem sind die neuen Virusvarianten Besorgnis erregend. Sie sind infektiöser und reduzieren die Effektivität mancher Impfstoffe. Weitere Mutationen könnten zu neuerlichen Infektionswellen führen. Darüber hinaus haben die weniger entwickelten Länder nur einen eingeschränkten Zugang zu Impfstoffen. Auch die fallende Akzeptanz von Lockdown Maßnahmen behindert die Eindämmung von COVID-19. Das heißt, eine Immunisierung der Bevölkerung kann in diesem Jahr in einigen Ländern erreicht werden; aber nicht so schnell auf globaler Ebene und Mutationen können zu neuerlichen Ausbrüchen führen.

2. Die wirtschaftliche Erholung wird stattfinden, aber die Entwicklung bleibt ruppig, sektoral und geografisch uneinheitlich und unvollständig.

In der Rückschau war das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2020 höher als noch vor einigen Monaten erwartet. Die Lockdown Maßnahmen reduzierten das Bruttoinlandsprodukt in einem geringeren Ausmaß als im Frühjahr 2020. Zahlreiche Monatsindikatoren deuten jedoch auf eine deutliche Verlangsamung des globalen Wachstums ab dem Dezember 2020 hin. Dabei fallen vor allem zwei divergente Trends auf. A) In den USA hält sich die wirtschaftliche Aktivität besser als in anderen Ländern. Das liegt vor allem an den fiskalischen Unterstützungsmaßnahmen. Im Unterschied zu den USA werden zahlreiche Länder in Europa sowohl im vierten als auch im ersten Quartal schrumpfen. B) Der Dienstleistungssektor ist deutlich stärker als der Produktionssektor betroffen. Tatsächlich hat die globale Industrieproduktion Ende 2020 bereits das Niveau von Jänner 2020 erreicht. Mit der wahrscheinlichen Lockerung von Eindämmungsmaßnahmen ab dem Ende des ersten Quartals wird es, ähnlich wie im vergangenen Jahr, zu einer mechanistischen Erholung der wirtschaftlichen Aktivität kommen. Aufgrund der Impfstoffprogramme wird der Zusammenhang zwischen Virusentwicklung und Mobilität zusehends reduziert werden. „Nur“ die USA und China könnten Ende 2021 das Trendwachstum erreicht haben. Die Mehrzahl der entwickelten Länder wird erst in den Folgejahren die Erholung abgeschlossen haben. Jüngste Forschungen deuten auf eine „98%-Wirtschaft“ hin. Das heißt, durch die Pandemie könnten im Länderdurschnitt zwei Prozent des Produktionspotenzials nachhaltig zerstört worden sein.

3. Die Inflationsraten werden nur temporär überdurchschnittlich ansteigen.

Die Inflationsraten werden schon allein deshalb im Jahresabstand ansteigen, weil im vergangenen Jahr mit dem Ausbruch der Pandemie zahlreiche Preise gefallen sind. Aber auch die Preise für Nahrungsmittel, Energie und Industriemetalle sind angestiegen und sorgen für überdurchschnittliche Wachstumsraten der Preise im Monatsabstand. Zudem sorgen Lieferengpässe für zunehmenden Preisdruck im Transport (Container) und Produktion. Diese Entwicklung könnte sich verstärken, wenn die Eindämmungsmaßnahmen aufgehoben werden. Denn der dann einsetzende Nachholeffekt bedeutet einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage. All diese Effekt wären jedoch nur temporärer Natur und würden im Jahresverlauf verschwinden. Der zugrundeliegende Inflationsdruck wird niedrig bleiben. Dafür werden sowohl die anhaltend negative Produktionslücke (es wird unter dem Potenzial produziert) als auch die flache Philips-Kurve (geringer Zusammenhang zwischen Arbeitslosenrate und Lohnveränderungen) sorgen. Für ein Risikoszenario liegt ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung in den USA. Sollten die Fiskalpakete in den USA zu einer vorzeitigen Überhitzung führen, könnte die Inflation mit Zeitverzögerung überraschend ansteigen.

4. Die Geldpolitik wird ultra-expansiv bleiben.

Die wichtigen Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften (zum Beispiel die Fed in den USA und die Europäische Zentralbank) signalisieren eine anhaltend expansive Geldpolitik, auch wenn es zu einer wirtschaftlichen Erholung und zu einem Inflationsanstieg kommen sollte. Das betrifft alle Bereiche, also die Leitzinsen, die Ankaufsprogramme, die Liquiditätsversorgung der Banken und die Steuerung der Markterwartungen (Forward Guidance). Die Fed hat diese neue Politik bereits offiziell gemacht. Das durchschnittliche Inflationsziel von zwei Prozent auf die lange Sicht hat eine Überhitzung am Arbeitsmarkt (maximum employment) und ein moderates Überschießen der Inflation auf die mittlere Sicht zum Ziel.

5. Die Fiskalpalpolitik wird keynesianisch geprägt sein, insbesondere in den USA.

Anfang 2021 hat die Demokratische Partei in den USA die Mehrheit im US-Senat errungen. Damit kann Präsident Biden eine keynesianisch geprägte Fiskalpolitik (erhöhte Staatsausgaben für längere Zeit) betrieben. Tatsächlich hat er bereits ein zusätzliches Fiskalpaket in der Höhe von USD 1900 Milliarden vorgeschlagen, um die Pandemie zu bekämpfen. Weitere Fiskalpakete für die Bereiche Infrastruktur, Gesundheit und saubere Energie sind bereits angedacht. Natürlich wird es auch Steuererhöhungen geben, aber der Kernpunkt ist, dass im Unterschied zu vor zehn Jahren (nach der Großen Rezession) unmittelbar keine Konsolidierung des Staatsbudgets stattfinden wird. Das bedeutet einen zusätzlichen Impuls für das Wirtschaftswachstum mit Vorbildwirkung für andere Länder.

6. Die Ungleichgewichte haben zugenommen und üben einen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und die Märkte aus.

6.1 Die überdurchschnittliche Bewertungen von Wertpapierklassen als Ergebnis der zunehmenden überschüssigen Liquidität a) reduzieren die langfristigen Ertragserwartungen, b) erhöhen das Risiko von zukünftigen Verwerfungen (Korrekturen, Krisen) und c) limitieren den Handlungsspielraum der Wirtschaftspolitik (Mehr Liquidität könnte die Finanzmarktstabilität gefährden).
6.2. Ähnlich ist es mit den hohen Verschuldungsquoten. Diese a) dämpfen das Wirtschaftswachstum auf die lange Sicht, b) erhöhen das Risiko von zukünftigen Krisen und c) schränken den Handlungsspielraum der Wirtschaftspolitik ein (Wie stark kann die Verschuldung noch zunehmen?).
6.3 Die Einkommens- und Vermögensungleichheit innerhalb und zwischen den Ländern nimmt weiter zu. Dadurch steigen auch die Risiken für das liberale, demokratische und rechtsstattliche System an.

7. Die politischen Effekte, die von der Pandemie ausgehen, sind zugegeben schwer abschätzbar aber wahrscheinlich negativ.

Darauf deuten einige historische Beispiele hin, wo wirtschaftliche Schocks zu politischen Umwälzungen geführt haben. Es wird vielfach argumentiert, dass ein wichtiger Katalysator für den Aufstieg des Populismus und der Anti-Establishment Bewegungen die Große Finanzkrise 2008 / 2009 war. Denn die Ungleichheit der Einkommensverteilung hatte weiter zugenommen. Die Folgen waren unter anderem der Brexit und die Trump-Präsidentschaft. Auch deshalb ist der Anreiz für die Regierungen angestiegen, die Staatsdefizite nicht schnell zu konsolidieren. Auf der positiven Seite sticht vor allem der neue US-Präsident Biden hervor. Dieser steht klar für Multilateralismus. Internationale Organisationen wie die WTO (Welthandelsorganisation), die WHO (Weltgesundheitsorganisation) und die NATO sowie das Pariser Klimaschutzabkommen werden dadurch gestärkt. Gleichzeitig wird die Rivalität zwischen den beiden Supermächten USA und China bestehen bleiben, auch wenn der Umgangston ein anderer sein wird. Es zeichnet sich bereits ab, dass ein wesentlicher Konfliktpunkt die Vorherrschaft in der Halbleitertechnologie sein wird.

8. Der Handlungsspielraum der Wirtschaftspolitik ist (wie bereits erwähnt) gesunken.

Neben den hohen Bewertungen der Wertpapierklassen und der hohen Verschuldung stoßen viele Leitzinsen an der Untergrenze an und sind die Zentralbankbilanzen massiv angestiegen. Damit kann die Wirtschaftspolitik weniger effektiv auf zukünftige Krisen reagieren. Ebenso wichtig wird die Inflationsentwicklung in den kommenden Jahren sein (wahrscheinlich kein Thema für dieses Jahr). Solange die Geld- und Fiskalpolitik dieselben Ziele verfolgen (Vollbeschäftigung, Inflation bei zwei Prozent) ist alles in Ordnung. Was passiert jedoch, wenn diese Ziele tatsächlich erreicht werden sollten, die Zentralbank die Leitzinsen deshalb anheben möchte, aber die Fiskalpolitik aufgrund der hohen Verschuldung für anhaltend niedrige Zinsen argumentiert? (Erst) dann könnte die Inflation tatsächlich deutlich ansteigen, wenn die Zentralbank die Zinsen bei null Prozent belässt (Fiscal Dominance).

9. Der Klimawandel beeinflusst zunehmend unmittelbar das Geschehen auf der wirtschaftlichen, politischen und Marktebene.

Der Einfluss des Klimawandels wird von Jahr zu Jahr sichtbarer. Das wiederum hilft, die Umstellung auf ein klimafreundliches Wirtschaften zu beschleunigen. Beide Trends haben Implikationen für die Wirtschaft, die Politik und die Märkte. Dabei werden drei Dimensionen berührt: a) Adäquate Bepreisung von fossilen Brennstoffen. b) Mehr und transparentere Informationen zu Handlungen, die den Klimawandel beeinflussen, erhöhen die Anreize für eine Umstellung. c) Substanzielle Förderung von Innovationen und Investitionen. Die Europäische Zentralbank argumentiert, dass beide Trends (Klimawandel und Politikumstellung) einen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und die Inflation und damit auf das Primärziel Preisstabilität, aber auch die Finanzstabilität und die Bankenaufsicht sowie die (sehr große) Zentralbankbilanz haben. Aus diesem Grund sind Überlegungen zum Klimawandel integraler Bestandteil der laufenden Überprüfung der geldpolitischen Strategie der EZB. (Quelle: Rede von EZB-Präsidentin Lagarde vom 25. Jänner 2021). Eine Konsequenz: Der Anteil an „grünen“ Finanzierungen (Kredite, Anleihen, Aktien) und Investitionen (EU-Wiederaufbaufonds) wird weiter zunehmen.

10. Die Marktentwicklung wird von zunehmenden Schwankungen aber einer insgesamt positiven Entwicklung an den Risikomärkten geprägt sein.

Die Preise der meisten risikoreichen Wertpapierklassen sind seit Ende März 2020 kräftig angestiegen. In den Marktpreisen ist bereits zu einem guten Teil eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft reflektiert. Das liegt an der sehr großen Unterstützung der Geld- und Fiskalpolitik und den angelaufenen Impfstoffprogrammen. Ein wichtiger Kurstreiber wird jedoch wahrscheinlich wegfallen. Die Renditen von Staatsanleihen werden im wahrscheinlichsten Szenario nicht mehr fallen. Generell wird das Investmentregime „Suche nach Rendite“ wahrscheinlich bestehen bleiben. Ein hohes und zunehmendes Ausmaß an Liquidität trifft auf ein begrenztes Angebot an Assets mit einer positiven Ertragserwartung. Das hält die Wertpapierkurse auf einem überdurchschnittlichen Niveau, impliziert aber auch ein erhöhtes Risiko für Kurskorrekturen. Das könnte bedeuten a) eine moderat positive Ertragsentwicklung an den Aktienmärkten und bei den Rohstoffen (Industriemetalle, Energie); b) anhaltend enge Renditeaufschläge für das Kreditrisiko; c) moderate Renditeanstiege von kreditsicheren Staatsanleihen, vor allem in den USA; d) teilweise Abschwächung des US-Dollar (gegenüber dem Chinesischen Renminbi und zyklischen Währungen wie dem Australischen Dollar), aber Seitwärtsentwicklung des US-Dollar gegenüber dem Euro. Zu den angesprochenen Kurskorrekturen: Solange die Inflation niedrig bleibt, werden Staatsanleihen zum einen nach wie vor ein gutes Absicherungsinstrument gegenüber Kurskorrekturen bei Aktien sein und zum anderen (im Gleichgewicht) die Bewertungsniveaus von Risikowertpapierklassen auf einem hohen Niveau halten. Das könnte sich mittelfristig ändern, wenn die Inflation tatsächlich ansteigen sollte (ein großes Wenn). Aus diesem Grund wird auch die Nachfrage nach Gold erhöht bleiben. Weil das Systemrisiko generell angestiegen ist (siehe Ungleichgewichte), könnte auch die Nachfrage nach digitalem Gold (Bitcoin) tendenziell zunehmen, auch wenn die Volatilität von Bitcoin sehr groß ist.


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Was steckt hinter dem Höhenflug von Bitcoins?

von Harald Egger, Chief Analyst und Crypto Asset Specialist der Erste AM.

Bitcoin hat in den letzten 5 Jahren im Durchschnitt eine Performance von 142% p.a. erzielen können. Allein in den letzten 4 Monaten hat Bitcoin um 190% zulegen können. Am 10.1.2021 wurde ein neues All Time-High bei knapp $42,000 (€34,139) markiert, bevor eine gesunde Korrektur einsetzte. Manche kritisieren die hohe Volatilität, vernachlässigen dabei aber das enorme Potenzial. Viele fragen sich nach dem starken Anstieg, kann man jetzt noch einsteigen oder ist es bereits zu spät. Im Folgenden will ich Gründe diskutieren, die zum Anstieg des Bitcoin Preises in den letzten Monaten geführt haben.

Quelle: Bloomberg

1. Halving

Das Blockchain System bei Bitcoin basiert auf einem Wettbewerb zwischen den „Minern“. Dabei werden Blöcke mit Transaktionen generiert und mit einer Verschlüsselungsmethode ein sogenannter Hash gebildet, der eine bestimmte Nebenbedingung erfüllen muss. Die Berechnung dauert im Schnitt 10min. Jener Miner der zuerst einen gültigen Block generiert bekommt alle Transaktionskosten und als Reward 6,25 neue Bitcoins. Nachdem ein Block an die Kette (Blockchain) angehängt wurde, beginnt der Wettlauf von vorne. Zuvor muss aber jeder Teilnehmer die komplette Datenbank auf den aktuellen Stand bringen. Alle 4 Jahre halbiert sich der Reward. Es kommen somit immer weniger neue Bitcoins auf den Markt. Bei gleichbleibender Nachfrage und halbierten Angebot ergibt sich zwangsläufig ein Preisdruck nach oben. Im Mai letzten Jahres hat wieder ein Halving (das dritte in der Geschichte von Bitcoin) stattgefunden, drei-vier Monate später begann in der Vergangenheit ein neuer Aufwärtstrend, so auch diesmal seit September 2020.

2. Fortschritte in der Regulierung

Vor allem Institutionelle Investoren brauchen Rechtssicherheit und Klarheit bezüglich ihrer Investments. Der Vorschlag der EU-Kommission im September 2020 Crypto Asset zu regulieren hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, wenngleich es sich vorerst um einen Vorschlag und nicht um ein Gesetz handelt. Nichtsdestotrotz wird die EU unter MiCA (Markets in Crypto Assets) eine an MiFID angelehnte Regulierung vornehmen. Diese Maßnahmen sollten wesentlich dazu beitragen, dass Bitcoin das Image einer Geldwäschewährung ablegen kann. Schon heute kontrolliert Interpol alle Bitcoin-Transaktionen auf der Blockchain und kann entsprechende Maßnahmen setzen, um kriminelle Aktivitäten zu unterbinden.

3. QE, ZIRP und hohe Staats-Verschuldung

Aufgrund der Corona Krise haben die Notenbanken mit einer massiven Ausweitung der Geldmenge reagiert (QE-Quantitative Easing) und gleichzeitig die Zinsen weiter Richtung Null reduziert mit der Absicht sie in naher Zukunft nicht zu erhöhen (ZIRP zero interest rate policy). Viele Staaten haben zudem mit enormen Hilfspaketen auf einen drohenden Kollaps der Wirtschaft reagiert. Damit sind die Schulden vieler Länder auf über 100% zum GDP gestiegen.

Diese Maßnahmen waren sicher notwendig, doch immer mehr Anleger fürchten aufgrund dessen eine Geldentwertung und flüchten in Sachwerte. Von diesem Trend profitiert auch Bitcoin, da deren Menge nach oben begrenzt ist (12Mio.) und durch keine Institution verändert werden kann. D.h. Bitcoin ist für viele Anleger ein Inflationsschutz bei langfristiger Betrachtung.

4. Institutionelle steigen ein

Durch die Nullzinspolitik sind auch viele Institutionelle Anleger verzweifelt auf der Suche nach Rendite. Immer mehr Anleger stoßen dabei auf Bitcoin. Bitcoin wurde zwar als Zahlungsmittel konzipiert, entwickelt es sich immer mehr zu einem Finanz-Asset. Obwohl die Volatilität hoch ist, kann eine kleine Beimischung von 1-3% in ein traditionelles Portfolio Sinn machen. Aufgrund der niedrigen Korrelation zu anderen Asset Klassen erhöht sich das Gesamtrisiko eines Portfolios kaum, die Rendite kann aber spürbar höher sein. Zu diesem Schluss kommt auch Fidelity, die dazu ein viel beachtetes Research verfasst hat.

Bitcoin hat sich somit von einem Zahlungsmittel zu einem Asset entwickelt und wird immer mehr mit Gold verglichen. Manche sprechen gar von Gold 2.0. Dabei hat Bitcoin viele Vorteile wie leichtere Lagerung oder Transportfähigkeit.

Anzeichen dafür, dass Institutionelle Anleger das Marktgeschehen prägen, ist der sprunghafte Anstieg der Assets under Management von Bitcoin Tracker, die vorwiegend von dieser Investorengruppe gekauft wird. Ein Beispiel dafür ist der Grayscale Unit Trust der innerhalb eines Jahres das Volumen von 2Mrd auf 25Mrd. steigern konnte.

5. Investmentbanken starten mit Research und Prognosen

Immer mehr Investmentbanken covern Kryptowährungen, allen voran Bitcoin und versuchen die steigende Nachfrage von Institutionellen Anlegern mit entsprechendem Research zu begleiten. Es hat sich noch kein allgemein anerkanntes Modell etabliert wonach man den Wert von Bitcoin erfassen kann. Im Folgenden möchte ich aber drei Ansätze vorstellen, die von Researchern immer wieder verwendet werden.

Mining Cost (Herstellungskosten)

Bei dieser Methode wird der Preis von Bitcoin in Relation zu den Herstellungskosten (Strom, Hardwarekosten) gesetzt. Aktuell liegt das Verhältnis bei 2,8, verglichen mit einem Durchschnittswert von knapp unter 2 wäre Bitcoin somit überbewertet.

Vergleich mit Gold

JP Morgan hat in einem Research Report1 ein Vergleich Bitcoin mit Gold hergestellt. Die Analysten trauen Bitcoin zu langfristig das Volumen zu erreichen, das Privatanleger (ausgenommen Zentralbanken) in Gold (Barren, Münzen, ETFs) angelegt haben. Daraus ergibt sich ein theoretischer Preis von $146,000. Das Investmenthaus stellt aber klar, dass es sich hier um eine langfristige Schätzung handelt und dass der Wert nur dann erreicht werden kann, wenn die Volatilitäten der beiden Asset Klassen sich angenähert haben.

Stock to Flow Modell

Das Stock to Flow Modell ist sehr populär und wird von vielen Analysten zitiert. Diese Bewertungsmethode wird generell bei Commodities sehr gerne angewandt. Bei dieser Methode wird die jährlich neu geschürfte Menge von Bitcoins in Relation zu den bestehenden Bitcoins gesetzt. Nachdem das neue Angebot alle 4 Jahre halbiert wird, gibt es einen entsprechenden Sprung im „Fair Value“. Nach diesem Modell müsste der Bitcoin Preis bis zum nächsten Halving (2024) sich bei etwas über $100,000 einpendeln. Zur Illustration habe ich das Modell nachgebaut.

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

Neben Investmentbanken beschäftigen sich aber zahlreiche spezialisierte Analysten mit der Bewertung von Bitcoin. Als ein Beispiel sei hier Swissrex mit einem Prognosemodell erwähnt. Dabei wird das Stock To Flow Modell etwas adaptiert, daraus resultieren etwas niedrigere Prognosen.

6. Traditionelle Plattformen ermöglichen den Kauf von Bitcoin

Das Unternehmen Paypal, ein wichtiger Zahlungsabwickler hat bekanntgegeben, dass es den Erwerb und den Handel von Bitcoin auf ihrer Plattform ermöglichen wird (Start USA 2020). Zudem soll es möglich sein Rechnungen mit Bitcoin zu bezahlen. Der Händler bekommt nach wie vor Dollar, Paypal wechselt im Hintergrund die Bitcoins gegen eine entsprechende Fiat-Währung. Dazu gesellen sich diverse Online Broker (z.B. Swissquote), die den Kauf von Bitcoins ermöglichen. Ein Halten und Verwahren der Private Keys ist nicht mehr notwendig. Damit wird eine neue weniger Technik-affine Kundengruppe als Bitcoin Käufer gewonnen.

Fazit

Der Markt für Kryptowährungen wird von Bitcoin und Ethereum dominiert. In Summe wurde das Volumen von 1000 Milliarden (1 Billion) US-Dollar überschritten und ist daher auf den Radarschirm auch von institutionellen Anlegern gekommen. Neben den Chancen müssen Anleger aber auch Risiken berücksichtigen. In erster Linie ist die sehr hohe Schwankungsfreudigkeit zu nennen. Es handelt sich aber noch um eine junge, weitgehend unregulierte Veranlagung mit mangelnder Transparenz. In vieler Hinsicht muss Bitcoin auch noch an einer Imagekorrektur arbeiten. Viele sehen Bitcoin als Geldwäscheinstrument und als bevorzugte Währung im Darknet. Gerade in dieser Hinsicht haben aber Regulierungen und Exekutive viel dazu beigetragen, dass Kriminelle auf Kryptowährungen mit höherem Anonymisierungsfaktor übergehen (z.B. Monero).

Obwohl Bitcoin als Zahlungsmittel ohne Intermediäre konzipiert wurde, entwickelt sich Bitcoin immer mehr als eine eigene Asset Klasse. Wir gehen davon aus, dass Bitcoin in immer mehr Asset-Allokation Mandaten oder in der Vermögensverwaltung Einzug halten wird. Große Investmenthäuser wie Fidelity oder BlackRock haben bereits erste Schritte gesetzt. Auch beginnen diverse Unternehmen damit einen Teil ihrer Cash Bestände in Bitcoin zu tauschen.


1) JP Morgan, Flows & Liquidity, 4.1.2021

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US-Berichtssaison startet positiv

Mit Spannung verfolgt wird an den Weltbörsen gerade die in den USA angelaufene Ergebnisberichtssaison. Während der sogenannten „Earnings Season“ berichten fast alle wichtigen börsennotierten US-Konzerne über ihr abgelaufenes Geschäftsquartal und geben einen Ausblick auf das kommende Jahr.

Analysten zufolge könnte die Quartalssaison durchaus positiv überraschen, denn nach dem Krisenjahr 2020 liegt auch die Latte der Erwartungen niedrig. Nach dem Einbruch während der Eskalation der Pandemie konnten US-Unternehmen schon in den beiden vergangenen Quartalen im Schnitt die Erwartungen von Analysten übertreffen. In der Tat weisen die bisher berichtenden Unternehmen mehrheitlich starke Ergebnisse aus: Über 86% der im Index der 500 größten börsengelisteten Unternehmen in den USA haben positiv überrascht.

Bankergebnisse durchwachsen, Investmentbanken boomen

Den Auftakt machten heuer traditionell die großen US-Bankhäuser. Die Ergebnisse sind dabei sehr gemischt ausgefallen und wurden an den Börsen tendenziell negativ aufgenommen. Während der Online-Wertpapierhandel boomte und auch das Investmentbanking-Geschäft gut lief, entwickelte sich das Privatkundengeschäft einiger Banken schlecht.

Starke Gewinnsteigerungen meldeten entsprechend die stark im Wertpapierhandel engagierten Investmentbanken Goldman Sachs und JP Morgan. So hat die größte US-Bank JP Morgan das Ergebnis im vierten Quartal um 42 Prozent gesteigert und einen Rekordgewinn von 12,1 Mrd. US-Dollar erzielt. Die Bank profitierte auch davon, dass ein Teil der Rückstellungen für ausfallsbedrohte Kredite angesichts des verbesserten Wirtschaftsausblicks wieder aufgelöst werden konnte.

Goldman Sachs konnte den Gewinn noch stärker um 135 Prozent auf 4,5 Mrd. Dollar steigern und übertraf damit die Markterwartungen. Die Einnahmen stiegen über alle Geschäftsbereiche hinweg, vor allem der Aktienhandel boomte. Der Investmentbank half dabei, dass sie traditionell kein großes Privatkundengeschäft mit hohen Kreditausfällen hat.

Anders verlief das Quartal für stark im Privatkundenbereich aktive Banken. So fiel das Nettoergebnis der Bank of Amerika um gut 20 Prozent auf 5,5 Mrd. Euro. Auch der Gewinn der Citigroup fiel um 7 Prozent auf 4,6 Mrd. Dollar. Für das gesamte Jahr 2020 meldete die Bank einen Gewinneinbruch von 41 Prozent. Auch die Großbank Wells Fargo litt eigenen Angaben zufolge unter den Folgen der Pandemie, konnte den Gewinn aber immerhin um 4 Prozent auf 3,0 Mrd. Dollar steigern.

Netflix nach Zahlen auf Rekordkurs

Gefeiert wurden an der Börse die von Netflix gemeldeten Zahlen. Der für seine Serienhits bekannte Streaming-Dienst hat offenbar weiter von den Lockdowns und dem Trend zum Streamen profitiert. Netflix steigerte die Zahle seiner Abonnenten im vierten Quartal um 8,5 Millionen auf knapp 204 Millionen und überschritt damit erstmals die Marke von 200 Millionen Nutzern. Das Ergebnis sank zwar um rund acht Prozent auf 542 Mio. Dollar, die Erlöse stiegen aber um 20 Prozent auf 6,6 Mrd.

Die Zahlen übertrafen die Markterwartungen deutlich, die Netflix-Aktie stieg allein am Tag der Veröffentlichung um 17 Prozent und erreichte damit neue Rekordstände. Die Nutzerzahlen würden zeigen, dass die gewachsene Zahl der Streaming-Dienste nicht zu einer Kannibalisierung führt, erklärten Analysten. Nutzer seien offensichtlich gewillt mehrere Videodienste parallel zu bezahlen. Positiv wurde zudem das von Netflix in Aussicht gestellte Aktienrückkaufprogramm aufgenommen.

Auch der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble hat von der Krise und den Lockdowns profitiert. Vor allem Wasch-, Reinigungs- und Gesundheitsprodukte waren vor dem Hintergrund der Pandemie gefragt. Der Umsatz stieg im vierten Quartal um 8 Prozent auf 19,7 Mrd. US-Dollar und übertraf damit die Analystenerwartungen. Der Nettogewinn nahm um 4 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar zu. Der Krankenversicherer UnitedHealth konnte im Pandemie-Jahr ebenfalls zulegen. Im vierten Quartal brach der Überschuss zwar um 38 Prozent auf 2,2 Mrd. Dollar ein, im Gesamtjahr steigerte das Unternehmen seinen Gewinn aber um 11 Prozent auf 15,4 Mrd. Dollar.

Gemischt sind die von den IT-Schwergewichten IBM und Intel gemeldeten Zahlen aufgenommen worden. IBM hatte im Schlussquartal einen überraschend starken Gewinnrückgang von 66 Prozent auf 1,3 Mrd. Dollar gemeldet. Ein schrumpfender Gewinn war zwar erwartet worden, für Enttäuschung sorgte aber der Umsatzrückgang von gut sechs Prozent. Vor allem vom boomenden Cloud-Geschäft hatten sich Anleger hier mehr erwartet.

Positiv wurden die Zahlen von Intel aufgenommen. Der Chipkonzern hat zwar einen Gewinnrückgang von 15 Prozent auf 5,9 Mrd. Dollar gemeldet, der Quartalsumsatz von 20 Mrd. lag aber über den zuvor in Aussicht gestellten Niveaus. Intel dürfte damit weiter vom Ausbau von Rechenzentren angesichts des Trends zum Home Office profitiert haben.

Airlines mit massiven Verlusten

Naturgemäß schlecht entwickelten sich im Pandemiejahr die Geschäfte der Airlines. So haben die Krise und Reisebeschränkungen der United Airlines auch im Schlussquartal einen hohen Verlust von 1,9 Mrd. Dollar einbrockt. Im vierten Quartal des Vorjahres hatte die Airline noch einen Gewinn von 641 Mio. gemacht. Im Gesamtjahr 2020 erlitt United Airlines einen Verlust von 7,1 Mrd. Dollar. Noch stärker fiel mit 12 Mrd. Dollar der Jahresverlust der Delta Airlines aus. Die Fluglinie ist damit weiter auf staatliche Unterstützungen angewiesen um die Krise zu überstehen.

Fazit: Die Berichtssaison in den USA hat positiv begonnen. Die große Mehrheit der Unternehmen überraschte mit höheren Gewinnen als erwartet. Während die Lockdown-Gewinner gute Zahlen präsentierten, fielen die Zahlen bei Banken gemischt aus.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Value oder Growth?

Jeder Bereich hat seine Legenden. Sei es Diego Maradona und Pele im Fussball, Larry Bird und Magic Johnson im Basketball oder die Legenden an der Gitarre: Jimi Hendrix und Jimmy Page.

Legenden gibt es auch im Investmentmanagement. Wenn man einen Teilbereich des Assetmanagements, nämlich Value Investing, betrachtet, stößt man unweigerlich auf zwei davon: Howard Marks und Jeremey Grantham.

Der erste ist der Gründer des Asset Managers Oaktree und hat sich in seiner Laufbahn auf High Yield Anleihen und notleidende Kredit spezialisiert. Jeremey Grantham ist der Mitgründer von GMO Asset Management.

Diese Woche lieferten sich die beiden einen Schlagabtausch zum Thema Wachstums- und Value-Aktien. Dabei boten sie unterschiedliche Strategien an, um mit der hohen Bewertungslücke zwischen den beiden Sektoren umzugehen: Vertrauen in Schnäppchen oder die Abkehr von traditionellen Bewertungen.

Niedrig bewertete Aktien in Sektoren wie Finanzen und Energie, die von der Coronavirus-Krise schwer getroffen wurden, haben ihre Erholung in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Trotzdem konnten sich auch Wachstumsaktien gut behaupten.

In einem Memo warnte Howard Marks davor, dass man sich „nicht von niedrigen Bewertungen verführen lassen sollte“, denn oft gebe es einen wirtschaftlichen, fundamentalen Grund, warum etwas günstig bewertet ist. Nur wenige Tage davor warnte hingegen Jeremy Grantham vor einer Blase bei großkapitalisierten Technologieaktien und empfahl stattdessen sich auf Schwellenländer und Value-Aktien zu konzentrieren.

Komplexe Welt

Wir befinden uns in einer komplexen Welt , in der es zu kurz gegriffen wäre, Unternehmen lediglich auf Basis von quantitativen Daten wie Kurs-Gewinn- oder Kurs-Buch-Verhältnis zu beurteilen. Dafür hat sich die Unternehmensstruktur in den letzten Jahrzehnten zu stark verändert.

Geistiges Eigentum, wie Patente, Lizenzen oder Software-Code, haben für den Wert eines Unternehmens deutlich an Bedeutung gewonnen. Auch das Humankapital und das damit verbundene Wissen und die Erfahrung sind bei der Bewertung eines Unternehmens wichtiger geworden.

Beide Faktoren (geistiges Eigentum und Humankapital) spiegeln sich jedoch in den ausgewiesenen Bilanzen der Unternehmen nur teilweise oder gar nicht wider. Deshalb sehen wir die strikte Trennung des Aktienmarkts in Value- und Wachstumsaktien auch als wenig hilfreich an.

Wir gehen vielmehr davon aus, dass es wichtig ist, Unternehmen ganzheitlich zu betrachten und einer gründlichen Due Dilligence zu unterziehen, um so den zukünftigen Wert zu ermitteln und ihn in Relation zum derzeitigen Preis zu setzten. Nur so können gute Investmententscheidungen getroffen werden.

Was ist seit letzter Woche passiert?

Die Politik bestimmte diese Woche zum großen Teil das Marktgeschehen. Der Sieg der Demokraten im Senatsrennen um die Sitze in Georgia hallte auch diese Woche noch nach.

Damit verbunden ist die Hoffnung vieler Marktteilnehmer auf zusätzlich Stimulusmaßnahmen in den USA. Davon konnten im Aktienbereich vor allem zyklische Unternehmen profitieren.

Die Renditen kreditsicherer Staatsanleihen in den USA blieben nach dem Anstieg der letzten Woche wenig verändert. In den USA liegt die Rendite von 10-jährigen Anleihen aktuell bei 1.10%, ein Niveau, das wir zuletzt im März 2020 gesehen haben.

Wir gehen davon aus, dass die zusätzlichen fiskalpolitischen Impulse zusammen mit der wirtschaftlichen Erholung und den fortschreitenden Impfmaßnahmen ein leicht höheres Renditeniveau rechtfertigten. Trotzdem erwarten wir lediglich einen moderaten Anstieg aus mehreren Gründen:

  • Die Inflationserwartungen bleiben weiterhin gut verankert, so dass die Zentralbanken weiterhin expansiv bleiben können. Dazu tragen auch die nach wie vor relativ große Produktionslücke und die hohe Arbeitslosigkeit, die durch die Pandemie entstanden sind, bei.
  • Die wichtigsten Notenbanken haben eine größere Toleranz für höhere Inflation signalisiert. Im Zuge der Pandemie ist die wichtigste Zentralbank der Welt, die US-Fed, zu einem „durchschnittlichen“ Inflationsziel über einen längeren Zeitraum übergegangen. Dadurch würde sie auch ein Überschießen des Inflationszieles von 2% zulassen.

In Europa haben wir diese Woche Divergenzen zwischen den Renditen im Staatsanleihensegment gesehen. Zum einen kam es zu einem leichten Rückgang der Rendite bei deutschen Staatsanleihen, während zum anderen die Rendite italienischer Staatsanleihen anstieg (von 0.53% auf 0.63%).

Der Grund waren die innenpolitischen Turbulenzen in Italien, die zum Auszug der beiden Minister der Partei Italia Viva aus der Koalition führten.


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USA: Joe Biden hat mit Senatsmehrheit jetzt freie Fahrt für sein Wirtschaftsprogramm

Nach dem erfolgreichen Abschneiden der Demokraten bei den Senats-Stichwahlen im US-Bundesstaat Georgia dürfte der designierte US-Präsident Joe Biden bald deutlich mehr Spielraum für die Durchsetzung seiner wirtschaftspolitischen Programme haben. Denn seine Partei hat mit dem Sieg nun de facto die Mehrheit in beiden Kongresskammern.

Nach dem Sieg der demokratischen Kandidaten im Rennen um zwei Senatsposten verfügen die Demokraten nun über 50 Sitze im Senat und damit über genauso viele wie die Republikaner. Bei Patt-Situationen in der Kammer hat aber die designierte demokratische Vizepräsidentin Kamala Harris ebenfalls ein Stimmrecht im Senat. Im Repräsentantenhaus stellen die Demokraten bereits die Mehrheit.

An den Börsen wurde die neue Machtfülle für den neuen Präsidenten großteils positiv aufgenommen.  So konnte sowohl der Dow Jones als auch der deutsche Aktienindex DAX zuletzt neue Rekordstände erreichen. Denn mit der „blauen Welle“ ist Biden bei seinen Vorhaben nicht auf die Unterstützung der Republikaner angewiesen und kann nun noch umfangreichere Konjunkturprogramme im Kampf gegen die Coronakrise auf den Weg bringen.

Bereits beschlossen wurde vom US-Kongress zum Jahreswechsel ein Hilfspaket in Höhe von 900 Mrd. US-Dollar. Biden dürfte nun mit der Kontrolle über beide Kongress-Kammern diese Hilfen aufstocken. Auch Bidens Ernennung der ehemaligen Notenbankchefin Janet Yellen zur künftigen Finanzministerin wird von Beobachtern als Indiz für umfangreiche Hilfen gewertet, da Yellen als Verfechterin einer konjunkturstimulierenden Wirtschaftspolitik gilt.

Erwartet werden von Biden auch massive Investitionen in die Infrastruktur.  Das ist auch dringend nötig, denn die USA liegen bei der Infrastruktur in einem aktuellen Ländervergleich des Weltwirtschaftsforums nur mehr auf Platz 13. An den Börsen wurden derartige Programme schon vorweg genommen, so konnten die Aktien von in den USA aktiven Baustoffherstellern wie CRH oder HeidelbergCement zuletzt stark zulegen.

Fokus auf Klimapolitik und erneuerbare Energien

Einen besonderen Fokus will Biden dabei auf Klimapolitik und die Förderung erneuerbarer Energien legen. Die Aktien entsprechender Unternehmen waren entsprechend zuletzt gut gesucht. Der künftige Präsident hat Investitionen in der Höhe von zwei Billionen Dollar in die Klimapolitik und grüne Energien in Aussicht gestellt.

Analysten erwarten in Folge einen Boom der Elektroautos in den USA. So will Biden das Tankstellennetz für E-Autos ausbauen, zudem werden steuerliche Anreize für den Umstieg auf elektrische Fahrzeuge erwartet. Auch die vom scheidenden US-Präsidenten Donald Trump gelockerten Umweltschutzgesetze könnten unter Biden wieder in Kraft gesetzt werden.

Kommen Vermögenssteuern?

Auch einige der Steuersenkungen aus der Trump-Ära dürften unter dem neuen Präsidenten rückgängig gemacht werden. Biden steht dabei für eine stärkere Umverteilung und möchte Reiche und Konzerne stärker besteuern. So will er die auf 21 Prozent gesenkte Körperschaftssteuer wieder auf 28 Prozent erhöhen. Auch eine mögliche Vermögenssteuer steht zur Debatte.

Als wahrscheinlich gilt auch, dass Biden wie angekündigt die direkten Finanzhilfen von bisher 600 auf 2.000 Dollar pro Familie erhöht. Zum Jahreswechsel hatten die Republikaner den entsprechenden Beschluss noch verhindert, doch nun kann der künftige Präsident hier auf die Unterstützung des Senats zählen.

Mit seinen Konjunkturprogrammen muss der designierte Präsident auch gegen die triste Situation am Arbeitsmarkt kämpfen. In der Krise gingen in den USA mehr als 22 Millionen Jobs verloren, von denen bisher erst rund die Hälfte zurückgewonnen wurde. Die Lage bleibt dabei weiter angespannt. Laut dem am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktbericht sind im Dezember überraschend 140.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft gestrichen worden. Die Arbeitslosenquote lag weiter bei 6,7 Prozent.

Höhere Staatsverschuldung dürfte Zinsen nach oben treiben

Mit den umfangreichen Konjunkturpaketen der Demokraten wird an den Märkten aber auch eine höhere Staatsverschuldung erwartet. Dies dürfte die Inflation, aber auch Anleihenrenditen und Zinsen steigen lassen, wovon wiederrum Banken profitieren könnten. Am Staatsanleihenmarkt waren die Renditen zehnjähriger Anleihen zuletzt erstmals seit März über die Marke von einem Prozent gestiegen. Auch reagierten viele Bankaktien zunächst positiv auf die Senatswahl in Georgia.

Verluste gab es hingegen teilweise bei Technologiewerten, denn mit einer demokratischen Senatsmehrheit unter Biden befürchten große Tech-Konzerne auch stärkere Regulierungen der Branche. Bereits in einem im Oktober veröffentlichten Bericht hat der Wettbewerbsausschuss des Repräsentantenhauses Technologieriesen wie Amazon, Apple, Facebook und Google vorgeworfen ihre Marktmacht zu missbrauchen.  Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren forderte bereits ein rigoroses Vorgehen gegen diese Konzerne, bis hin zu einer möglichen Zerschlagung.

Änderungen zeichnen sich mit dem Machtwechsel auch in der Handelspolitik der USA ab. Biden will zwar mit seiner „Buy American“-Initiative ähnlich wie Trump amerikanische Hersteller gegen die Konkurrenz aus dem Ausland unterstützen. Im Gegensatz zu seinem republikanischen Vorgänger dürfte er dabei aber verstärkt auf Allianzen mit Europa setzen um den rasanten Aufstieg Chinas zu bremsen.


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Covid Impfungen – Vom Rennen zur Hatz

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Die Verteilung von Covid Impfungen hat in weiten Teilen der entwickelten Welt begonnen. Politiker, Kommentatoren und Bürger kritisieren den schleppenden Anlauf der Immunisierungen. Doch ähnlich wie bei der Tour de France zählt nicht wer während der ersten Etappe das gelbe Trikot trägt, sondern wer am Ende als Erster durchs Ziel fährt. Dafür sind drei Faktoren entscheidend: Die Versorgung mit Impfstoff, dessen Verteilung und vor allem die Impfbereitschaft.

Hat die EU mit AstraZeneca auf das falsche Pferd gesetzt?

Der CEO von BioNTech hat das Vorgehen der EU kritisiert. Nämlich dass bei der Bestellung des Impfstoffs im Sommer 2020 auf möglichst viele Anbieter gesetzt wurde anstatt auf den vielversprechendsten. Im nachhinein mag diese Feststellung zwar richtig sein, aber bei den bestellten Pfizer/BioNTech-Impfungen pro Kopf liegt die EU mit 0,33 sogar knapp vor den USA und Großbritannien mit etwa 0,30. Um das Ziel der Herden-Immunität zu erreichen (etwa 0,75 Impfungen pro Kopf) sind in jedem Fall andere Impfstoff-Kandidaten notwendig. Der Impfstoff von Moderna wurde in der EU dieser Tage zugelassen (pro Kopf EU: 0,18 USA: 0,30). Bei dem in Indien und Großbritannien bereits zugelassen Impfstoff von AstraZeneca steht die Zulassung noch in der Schwebe (pro Kopf EU: 0,44 USA: 0,75): Durch Ungenauigkeiten bei der Durchführung der Studien wurden Fragen über dessen Wirksamkeit aufgeworfen. Für die EU dürften aber letzten Endes die Ergebnisse der Phase 3 Studien der Impfstoffe von Johnson&Johnson (pro Kopf EU: 0,44 USA: 0,30) und CureVac (pro Kopf EU: 0,25 USA: 0) entscheidend sein. Diese werden für Ende Januar und Ende Februar erwartet. Beide Impfstoffe haben in Phase ½ robustere Ergebnisse geliefert als AstraZeneca und sind in einfachen Kühlschränken lagerbar.

Der „Moderna-Spritzer“ – eine gewagte Idee

In den USA plante man ab Zulassung der beiden mRNA Impfstoffe von Pfizer und Moderna monatlich bis zu 20% der Bevölkerung zu immunisieren. Dieses Ziel war von vorn herein ambitioniert. Wenn man bedenkt, dass während der Schweinegrippe-Pandemie 2009 monatlich nur etwa 10% der Bevölkerung geimpft werden konnten. Und zwar mit einem wesentlich leichter lagerbaren eindosigen Impfstoff. Die Verabreichung der zwei Dosen im Abstand von etwa einem Monat hat sich als administratives Nadelöhr entpuppt. Während man anfangs noch den zweiten Schuss der Impfung bei Verabreichung des ersten Schusses „reservierte“, um sicherzugehen, dass dieser in einem Monat auch wirklich verfügbar sein wird, geht man nun dazu über alle verfügbaren Dosen so schnell wie möglich zu verimpfen. Umstrittener ist die Idee den Impfstoff von Moderna zu verdünnen um noch mehr Personen schneller impfen zu können. Zwar legen die Ergebnisse der Phase 2 Studie zum Impfstoff nahe, dass dieser zumindest bei 18-55-jährigen auch in einer geringeren Dosis annähernd gleich wirksam wäre, jedoch herrscht in Wissenschaftskreisen Uneinigkeit über die Sinnhaftigkeit der Maßnahme. Es gibt Stimmen, die dies begrüßen würden, andere wiederum sprechen von nicht kalkulierbaren Risiken sollte SARS-CoV2 Resistenzen gegen schwache Impfstoffe entwickeln.

Impf-Angst und Impf-Neid

Letzten Endes ist jede Debatte über die Verfügbarkeit und Geschwindigkeit müßig, wenn sich eine renitente Minderheit in der Bevölkerung einer Impfung verweigert. Nachdem es auf absehbare Zeit noch keine zugelassenen Impfstoffe für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren geben wird und diese Gruppe in etwa 15% der Bevölkerung ausmacht, reichen 12% strikte Impfgegner in der Restbevölkerung um die Herdenimmunität zu verunmöglichen. Inwieweit eine Impfkampagne in Anbetracht dessen ohne eine Form von direktem oder indirektem Zwang gelingen kann, ist offen. Am anderen Ende des gesellschaftlichen Spektrums kommt es zunehmend zu Neid-Debatten, wenn es um die Priorisierung beim Zugang zu den Impfstoffen geht. In jeder Hinsicht werden die Regierungen am gesamten Erdball in den kommenden Monaten stärker denn je gefordert sein die richtigen Maßnahmen zu setzen um ein rasches Ende der Pandemie herbeizuführen. Die logistische Versorgung mit Impfstoffen mag zwar zu Beginn eine größere Rolle spielen. Für eine Zieldurchfahrt im gelben Trikot ist aber ein gesamtgesellschaftlicher Schulterschluss notwendig.


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Ausblick 2021: Die 98% Wirtschaft

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die risikobehafteten Wertpapierklassen haben in den vergangenen Wochen eine sehr gute Ertragsentwicklung gezeigt. Die Aktienkurse sind weiter angestiegen und die Renditeaufschläge für das Kreditrisiko haben das Vor-Pandemie Niveau erreicht beziehungsweise sind auf dem besten Weg dorthin.

Wie passt das zusammen, wo doch zahlreiche Länder mitten in der zweiten Infektionswelle stecken? Was kann für nächstes Jahr erwartet werden?

Durchhaltevermögen

Das wohl wichtigste bestimmende Element für die Kapitalmärkte sind die positiven Impfstoffnachrichten. Effekte und sichere Impfstoffe haben das Potential, den negativen Zusammenhang zwischen Virusentwicklung und Mobilität zu brechen.

Aktuell sind die hohen Fallzahlen in den USA Besorgnis erregend. In Europa werden aufgrund der negativen Virusentwicklung in einigen Ländern die Lockdownmaßnahmen verlängert beziehungsweise verschärft.

Die Entwicklung von Sars-CoV-2 wird auch im Jahr 2021 die Volkswirtschaften und die Märkte maßgeblich beeinflussen. Denn es wird einige Monate dauern, bis ein genügend großer Anteil der Bevölkerung geimpft werden kann, um Herdenimmunität zu erreichen. Zudem hängt viel von der Impfbereitschaft der Leute ab.

Damit ist entscheidend, dass die Marktteilnehmer weiterhin die aktuell negativen Nachrichten von der epidemiologischen und der volkswirtschaftlichen Seite ignorieren und auf eine anhaltende Erholung des BIP-Wachstums und der Unternehmensgewinne setzen. Eine dritte Infektionswelle stellt ein wichtiges Risiko für die erste Jahreshälfte 2021 dar.

Die 98% Wirtschaft

Das Basisszenario lautet auf eine holprige, uneinheitliche und teilweise Erholung. „Holprig“ deshalb, weil das Bruttoinlandsprodukt in Europa im vierten Quartal schrumpfen wird und auch jenes in den USA im ersten Quartal fallen könnte.

In einem Risikoszenario könnte es ruppig bleiben. Neben einer weiteren Infektionswelle ist hier der Fokus auf ansteigende Unternehmenskonkurse gerichtet. „Uneinheitlich“ deshalb, weil einige Sektoren und Länder weniger stark von der Pandemie betroffen sind als andere. Die Einzelhandelsumsätze haben in vielen Ländern bereits das Niveau vom Jänner überschritten und die Industrieproduktion sowie die Exporte sind auf dem besten Weg dorthin.

Während der Gütersektor also einen V-förmigen, wenn auch holprigen, Erholungspfad zeigt, sind wenig überraschend einige Sektoren im Servicesektor (jene mit direkten Konsumentenkontakten) stark beeinträchtigt. „Teilweise“ deshalb, weil jüngste Forschungen darauf hindeuten, dass diese Sektoren auf Jahre hinaus beeinträchtigt bleiben.

Man spricht von der 98%-Wirtschaft. Nichtsdestotrotz schlägt die Aussicht auf Herdenimmunität eine nachhaltige Erholung der globalen Wirtschaft vor. Das Risiko liegt in einer ruppiger als erwarteten Erholung und in einem stärkeren bleibenden volkswirtschaftlichen Schaden.

Herausforderndes Umfeld

Das strukturelle Umfeld ist jedoch herausfordernd. Dabei hat die Pandemie zum Teil bestehende Trends verstärkt. Die Zinsen sind nahe null Prozent, die Zentralbankgeldmengen sind nach oben hin explodiert, die Staatsverschuldung ist kräftig angestiegen und die soziale Ungleichzeit hat weiter zugenommen.

Zudem erfordert der Klimawandel gewaltige Investitionen, fällt das Wachstum der Erwerbsbevölkerung immer weiter und steigt der Altenquotient immer mehr an. Darüber hinaus hat die Digitalisierung einen Schub nach vorne erhalten, schreitet der Aufstieg Chinas voran ebenso wie die Integration der Europäischen Union. Zu guter Letzt bedeutet eine US-Präsidentschaft unter Biden unter anderem die Wiederbelebung des Multilateralismus.

Sekundärrundeneffekte vs. Strukturwandel

Um nur einen wichtigen Trend beziehungsweise Zielkonflikt hervorzuheben: Nach den Rettungsmaßnahmen im heurigen Jahr sind weiterhin große Anstrengungen seitens der Wirtschaftspolitik notwendig, um Sekundärrundeneffekte- und Überwälzungseffekte von den direkt betroffen Sektoren (Servicesektor) auf die gesamte Volkswirtschaft einzudämmen und gleichzeitig den Wirtschaftskreislauf möglichst effizient zu halten.

Doch wie nachhaltig ist die Tendenz von Offline zu Online? Wie viel wird weiterhin im Internet gekauft werden, wie viel wird weiterhin zu Hause gearbeitet werden und wie viele Geschäftstreffen werden auch in Zukunft virtuell stattfinden? Für welche Unternehmen sollen Konkurse abgewendet werden, welche sind vom Strukturwandel negativ betroffen (Zombieunternehmen)?

Wie lange soll es für welche Sektoren Kurzarbeitsprogramme geben? Im Basisszenario sind anhaltende Unterstützungsmaßnahmen seitens der Fiskalpolitik sehr wahrscheinlich. Im Unterschied zur Situation nach der Großen Finanzkrise 2008/2009 werden die Budgetdefizite langsamer zurückgefahren werden.

Paradigmenwechsel

Innerhalb kurzer Zeit haben auf der wirtschaftspolitischen Ebene vier Paradigmenwechsel stattgefunden.

  1. Zentralbanken kaufen in sehr großem Ausmaß Staatsanleihen, mit denen die Staatsdefizite finanziert werden. Helikoptergeld zur Krisenbekämpfung ist mittlerweile ein konventionelles Werkzeug der Wirtschaftspolitik. Der Unterschied zwischen Geld- und Fiskalpolitik ist verschwommen.
  2. Das Wiederaufbauprogramm der Europäischen Union ist ein Schritt in Richtung Vergemeinschaftung der Schulden.
  3. Die Umstellung der Politik der US-amerikanischen Zentralbank (Fed) auf ein durchschnittliches Inflationsziel bedeutet, dass es auf absehbare Zeit keine Leitzinsanhebungen geben wird, auch wenn die Inflation ansteigt und die Arbeitslosenrate fällt.
  4. Die Signale der Fed und der Europäischen Zentralbank für ein Management der Zinskurve haben sich verdichtet. Deutliche Anstiege der Zinsen sind für das System schwer verkraftbar. Denn die Verschuldung im privaten und öffentlichen Sektor hat markant zugenommen und ein wichtiger Einflussfaktor für die außerordentlich gute Ertragsentwicklung der Kapitalmärkte in den vergangenen Jahrzehnten war das fallende Zinsniveau.

Konsensmeinung

Der Ausblick für die risikobehafteten Wertpapierklassen ist positiv, das heißt, Kursanstiege bei Aktien und Unternehmensanleihen mit einer niedrigen Kreditqualität, Kursrückgänge beim US-Dollar gegenüber einem Währungskorb und nur geringfügige Renditeanstiege (Kursverluste) bei Staatsanleihen mit einer hohen Kreditwürdigkeit.

Das kann mit der Erwartung einer anhaltenden wirtschaftlichen Erholung, den ultra-expansiven Geldpolitiken, den weiterhin unterstützenden Fiskalpolitiken und einer niedrigen Inflation begründet werden. Allerdings ist die Sichtweise zu 100 Prozent mit dem Konsens im Einklang.

Risiken

Risiken gibt es zahlreiche, denen noch dazu eine erhöhte Wahrscheinlichkeit innewohnt.

1) Die Bewertungskennzahlen der Wertpapierklassen sind bereits erhöht, das heißt, eine wirtschaftliche Erholung und ein kräftiger Anstieg der Unternehmensgewinne ab dem zweiten Quartal 2021 wird zu einem guten Teil in den Wertpapierkursen reflektiert.

2) Eine Konkurswelle und ansteigende Arbeitslosenraten, weil die Geld- und Fiskalpolitik zu früh die Unterstützungsmaßnahmen zurückfahren sowie eine dritte Infektionswelle könnten eine Erholung maßgeblich beeinträchtigen.

3) Die Inflation könnte überraschend signifikant ansteigen. Das würde zu Kursverlusten, das heißt, deutlichen Renditeanstiegen bei kreditsicheren Staatsanleihen führen, und damit den gesamten Kapitalmarkt unter Druck bringen (wenn die Zentralbanken dann nicht dagegenhalten).

Graue Rhinozerosse

Diese Risiken sind keine „schwarzen Schwäne“ (niedrige Wahrscheinlichkeit, starke Auswirkung), sondern eine Herde von grauen Rhinozerossen (erhöhte Wahrscheinlichkeit, ebenso starke Auswirkung), die nur darauf warten wütend zu werden.

Frei nach dem Buch von Michele Wucker „The Gray Rhino“. Auch wenn die positiven Impfstoffnachrichten Anlass für Optimismus geben, kann ein Portfolio nicht auf Autopilot (Erholung) gestellt werden.


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London Coughing – SARS-CoV2 Mutation bringt Herausforderungen

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Die gute Nachricht zuerst. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Effektivität der momentan in Produktion und Verteilung befindlichen Impfstoffe durch die seit September 2020 in Großbritannien in Umlauf befindliche Mutation von SARS-CoV-2 beeinträchtigt wird, ebenso wie dass die neue Virusvariante schwerere Verläufe oder eine erhöhte Sterblichkeit verursacht. Die höhere Übertragbarkeit der Virus-Variante dürfte jedoch zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung erfordern.

Eine klingende Bezeichnung und höhere Übertragbarkeit – in der Petri-Schale

VUI-202012/01 oder B.1.1.7 oder N501Y – eine klingende Bezeichnung für die englische Covid Variante, die über das Wochenende Panik in den Medien verbreitete, wurde ebenso wenig fixiert wie deren epidemiologischen Konsequenzen. Bekannt ist vorerst, dass die Variante wohl das erste Mal im Spätsommer in der Umgebung von London auftrat und 17 Mutationen (14 Austauschungen und 3 Löschungen im Genom) aufweist. Acht dieser Mutationen betreffen das Spike-Protein an der Virushülle, welches als Zielscheibe für die momentan in Produktion befindlichen Impfstoffe dient.

Zwar halten sich die Impfstoffhersteller mit Entwarnungsnachrichten noch zurück aber führende Forscher wie Dr. Christian Drosten von der Berliner Charitee und Dr. Emma Hodcroft von der Uni Bern zeigen sich optimistisch, dass die Impfstoffeffektivität nicht gefährdet ist. Die meisten Impfstoffe sind auf das gesamte Spike-Protein „trainiert“ und lassen sich von ein paar Mutationen nicht verwirren. Sollte wider Erwarten die Impfstoffeffektivität betroffen sein, könnten zumindest die Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna relative rasch „umprogrammiert“ werden – einer der vielen Vorteile der neuen mRNA Methode.

Tatsächlich geht die Gefahr bei der neuen Virus-Variante mehr von der erhöhten Übertragbarkeit aus. Speziell die N501Y Mutation erhöht die Affinität des Virus sich an ACE2 Rezeptoren menschlicher Zellen zu binden – das Virus bleibt leichter picken. Zwar zeigte die Virus Variante in der Petri-Schale eine um 70% höhere Übertragbarkeit aber inwieweit dieses Faktum oder eine Verkettung von saisonalen und epidemiologischen Rahmenbedingungen dazu geführt hat, dass sich diese Variante im Südosten Englands zur dominanten entwickelt hat ist noch nicht restlos geklärt.

Klar ist aber, dass im Fall einer leichteren Übertragbarkeit mit einem stärkeren Anstieg der Fallzahlen in den Gegenden gerechnet werden muss, in denen die Variante einen signifikanten Teil der Infektionen hervorruft. In letzter Konsequenz würde das vermutlich stärkere Restriktionen des Alltags- und Wirtschaftslebens erfordern, um eine Überlastung des betreffenden Gesundheitssystems zu verhindern.

Was die Mutationen bedeuten

Diverse EU Staaten haben Flug- und Fährverkehr von und nach Großbritannien eingeschränkt, was auf den ersten Blick sinnlos erscheint, da bereits Infektionen mit der neuen Variante in Italien, Belgien und Dänemark festgestellt wurden. Experten begrüßen die Maßnahmen jedoch, da es den Behörden die Möglichkeit gibt verstärkt nach Clustern mit der neuen Variante zu suchen und diese zu isolieren bevor die neue Variante dominierend wirkt.

Leider erschweren die Mutationen (69-70del Mutation) dieses Vorhaben, da diese bei einigen Testverfahren zu Fehlern führt. Zudem müssten für die rasche Identifikation der neuen Variante viel mehr Virenproben genetisch sequenziert werden, wofür in vielen Ländern schlicht die Laborkapazitäten fehlen. Eine gute Nachricht gibt es dann aber doch noch. Durch eine Mutation der neuen Variante wird das Virus für das Immunsystem an der Außenseite von befallenen Zellen leichter zu identifizieren sein.

Um die Veränderungen im Genom des Virus zu veranschaulichen, stellt man sich das Virus am Besten als Einbrecher vor, der versucht in einer Nacht so viele Häuser (Zellen) wie möglich auszurauben. Neuerdings hat der Einbrecher ein stärkeres Brecheisen (N501Y Mutation) mit dem er schneller Türen (ACE2 Enzyme) aufbrechen kann und dunklere Kleidung (69-70del Mutation) durch die er schwerer zu erkennen ist.

Gleichzeitig ist der Einbrecher aber auch unvorsichtiger geworden und löst während des Einbruchs öfter Lichtschranken aus. Polizisten (CD8+ Immunzellen), die nachts durch die Nachbarschaft patrouillieren sehen das auffällige Licht in den Fenstern (MHC Moleküle) und lassen das Haus samt Einbrecher in die Luft gehen.


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