Warum Flexibilität am Anleihenmarkt gefragt ist

von Mario Kaudela, Produktmanagement der Erste Asset Management.

Aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds wird die Jagd nach Rendite immer komplexer. Um laufende Erträge erwirtschaften zu können, müssen Anleiheinvestoren immer höhere Risiken eingehen. Viele Anleger nutzen deshalb die Expertise eines erfahrenen Fondsmanagements und investieren in einen flexibel gesteuerten Anleihenfonds.

Was kann man sich unter einem flexibel gesteuerten Anleihenfonds vorstellen?

Ein flexibler Anleihenfonds kann in die unterschiedlichsten Anleihesegmente investieren und hat damit die Möglichkeit, Chancen am Anleihemarkt zu nutzen.

Der Fonds sucht dabei laufend nach den aus seiner Sicht attraktivsten Anleihesegmenten, zum Beispiel nationale und internationale Staats- und Unternehmensanleihen, inflationsgeschützte Anleihen, Hochzinsanleihen, Emerging Market-Anleihen und Hypothekenanleihen.

Welche Fonds werden von der Erste Asset Management in dieser Kategorie angeboten?

Ein Fonds mit einer sehr hohen Flexibilität ist der im Jahr 2018 gestartete ERSTE FIXED INCOME PLUS. Je nach Markteinschätzung kann dabei die Gewichtung von Risikoanleihen im Fonds zwischen null Prozent und 100 Prozent schwanken.

Bis zu 100% Risikoanleihen? Gibt es auch Fonds für konservativere Anleger?

Mit dem ERSTE SELECT BOND und dem ERSTE SELECT BOND DYNAMIC bietet die Erste Asset Management bereits seit 2002 bzw. 2007 Anleihendachfonds an.

Um den Herausforderungen des Niedrigzinsumfelds besser begegnen zu können, wurden diese beiden Fonds mit Jänner 2020 auf die flexible Anlagestrategie des ERSTE FIXED INCOME PLUS umgestellt. Gleichzeitig wurden die Grenzen für den Anteil an Risikoanleihen angepasst.

Wie sehen nun die neuen Grenzen für Risikoanleihen im ERSTE SELECT BOND und ERSTE SELECT BOND DYNAMIC aus?

Damit der flexible Investmentansatz Wirkung zeigen kann, wurde im ERSTE SELECT BOND der maximale Anteil an Risikoanleihen von 10 Prozent auf 25 Prozent erhöht. Im ERSTE SELECT BOND DYNAMIC wurde der maximale Anteil an Risikoanleihen von 60 Prozent auf 50 Prozent reduziert.

Dafür kann der ERSTE SELECT BOND DYNAMIC ab sofort bis zu 10 Prozent in Fonds mit alternativen Anleihestrategien  investieren.

Fondsname Anteil Risikoanleihen*
ERSTE SELECT BOND Bis zu 25% (bislang bis zu 10%)
ERSTE SELECT BOND DYNAMIC Bis zu 50% (bislang bis zu 60%)

*Risikoanleihen sind beispielsweise High Yield Anleihen oder Schwellenländeranleihen

Das offene Fremdwährungsrisiko kann in allen Fonds bis zu 25% betragen.

Fondsname Offenes Fremdwährungsrisiko Alternative Investments
ERSTE SELECT BOND Bis zu 25% 0%
ERSTE SELECT BOND DYNAMIC Bis zu 25% Bis zu 10%
ERSTE FIXED INCOME PLUS Bis zu 25% Bis zu 30%

 

Somit gibt es nun die Auswahl aus drei flexiblen Anleihendachfonds mit unterschiedlicher Risikoausprägung.

Die angegebenen Portfoliopositionierungen bzw. Bandbreiten auf dem Stand der Marktentwicklung zum Redaktionsschluss. Im Rahmen des aktiven Managements können sich die genannten Portfoliopositionierungen jederzeit ändern.


Warnhinweise gemäß InvFG 2011

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

10 Thesen für die Märkte 2020

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Hauptherausforderungen für das Anlagejahr 2020 sind der US-Wahlkampf, Brexit und Handelsstreit. Ist die Furcht geopolitische Eskalation übertrieben? Hier unsere 10 Thesen für die Entwicklung der Finanzmärkte im Jahr 2020:

1) Das reale globale Wirtschaftswachstum steigt mild an

Die Abschwächung des Wachstums dauert nun bereits zwei Jahre an.

Fünf Hauptgründe dafür sind:

  1. eine „Normalisierung“ nach den hohen Wachstumsraten im Jahr 2017
  2. die Leitzinsanhebungen in vielen Teilen der Welt bis Ende 2018 um die Inflation niedrig zu halten
  3. die Maßnahmen in China um das Kreditwachstum einzudämmen
  4. die angestiegene Unsicherheit, die durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China ausgelöst wurde
  5. die Probleme im Autosektor aufgrund einer Verschärfung von Emissionsgrenzen.

All diese negativen Impulse haben das Wachstum auf ein Niveau gedrückt, das unter dem Potential liegt. Mittlerweile hat auf breiter Front eine Entspannung eingesetzt, die eine Wachstumsbeschleunigung bewirken wird.

Die Zentralbanken haben das geldpolitische Umfeld gelockert, sprich: die Leitzinsen gesenkt, in China wurden das Budgetdefizit deutlich ausgeweitet und die Leitzinsen sowie die Mindestreservesätze für Banken gesenkt, im Handelskonflikt gibt es voraussichtlich einen Mini-Deal und auch der Autosektor erholt sich.

Das sorgt erstens für eine Stabilisierung der schwachen Sektoren (Industrieproduktion, Unternehmensinvestitionen) und zweitens für eine nur milde negative Überwälzung auf die gut laufenden Sektoren (Arbeitsmarkt, Servicesektor, Konsum). Einer der wichtigsten Indikatoren für die Einschätzung von Rezessionsrisiken ist die Arbeitslosenrate.

Sollte sie in großen Ländern anzusteigen beginnen, würden die Risiken für eine Rezession allerdings zunehmen.

2) Die Inflation bleibt auf globaler Ebene niedrig

Diese Aussage hat nur scheinbar eine geringe Bedeutung. Denn sollte die Konsumentenpreisinflation nachhaltig und markant ansteigen, kämen die Zentralbanken unter Druck, die Leitzinsen anzuheben. Das wäre ein klassischer Auslöser für eine Rezession und fallende Aktienpreise.

Mittlerweile sind die Arbeitslosenraten im OECD-Raum sehr niedrig. Die Lohnentwicklung weist bereits eine ansteigende Tendenz auf. Bis dato hat keine Überwälzung auf die Konsumentenpreise stattgefunden. Zumindest heuer wird das so bleiben, weil das Umfeld zwar auf eine milde Erholung aber auf keine Boomphase hindeutet.

3) Die Geldpolitiken bleiben unterstützend

Nach den breit basierten Leitzinssenkungen im vergangenen Jahr und der Ausweitung der Zentralbankliquidität in den USA und der Eurozone gehen die Zentralbanken in eine abwartende Haltung über.

Auch in den Schwellenländern endet der Zinsenkungszyklus im ersten Halbjahr. Wichtig für die Entwicklung der Wertpapiere ist, dass die Zentralbanken die Leitzinsen nicht anheben, obwohl das Wirtschaftswachstum leicht ansteigt und die Unsicherheit wegen des Mini-Deals zwischen den USA und China etwas abnimmt.

Es könnte sogar, sein, dass im Widerspruch zu Punkt zwei (Inflation) wichtige Zentralbanken die Leitzinsen nicht anheben, obwohl die Inflation ansteigt. Das wäre dann der Fall, wenn das Zentralbankziel für die Inflation auf einen langen, auf den aktuellen Zeitpunkt zentrierten Durchrechnungszeitraum umgestellt wird.

Dabei wird für die Erreichung des Inflationsziels nicht nur die erwartete, sondern auch die vergangene Inflation berücksichtigt. Weil die Inflation in den vergangenen Jahren unter dem Zentralbankziel lag, würde das für die kommenden Jahre Inflationsraten erfordern, die über dem Inflationsziel liegen.

4) Die politischen Bewegungen mit einer Anti-Haltung zu etablierten Strukturen und geopolitische Konflikte werden weiterhin für Unsicherheit sorgen

Der wahrscheinliche Mini-Deal zwischen den USA und China bedeutet, dass der Handelskonflikt nicht unmittelbar eskaliert. Insgesamt geht es jedoch um einen strategischen Konflikt, der für lange Zeit bestehen bleiben wird. Zudem gibt es Hinweise für eine Fortsetzung der Tendenz für eine De-Globalisierung.

So ist zum Beispiel die Welthandelsorganisation nur noch eingeschränkt handlungsfähig. Im Austrittsprozess des Vereinigten Königreiches aus der EU geht es nach dem Brexit Anfang Februar um die Verhandlungen der zukünftigen Beziehungen. Dafür ist nicht viel Zeit. Denn die Verhandlungen sollten bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Nach der Übergangsperiode im heurigen Jahr droht damit ein ungeordneter Zustand für 2021. In den USA werden die Wahlen zur Präsidentschaft ein wichtiger Unsicherheitsherd sein.

In Italien könnte nach Neuwahlen die Partei von Salvini abermals in die Regierung kommen. In Deutschland könnten die Wahlen zum Bundestag im Jahr 2021 ihren Schatten vorauswerfen. Auch die andauernden Proteste in zahlreichen Städten auf dem Globus dürften weitergehen.

Denn ein wichtiger Grund dafür ist der langfristige Anstieg der Einkommens- und Vermögensungleichheit, der ein wichtiger politischer Katalysator geworden ist. Zu guter Letzt gibt es die jüngste Eskalation zwischen dem Iran und den USA auf ein latentes Kriegsrisiko hin.

5) Das um den Wirtschaftszyklus bereinigte Wirtschaftswachstum und das neutrale Zinsniveau bleiben niedrig

Das anhaltend niedrige Investitionswachstum ist einer der wichtigsten Gründe für das niedrige Produktivitätswachstum und das im Überfluss vorhandene Kapital. Darüber hinaus wächst die arbeitsfähige Bevölkerung (Alter zwischen 15 und 64 Jahren) im OECD-Raum nicht mehr.

Das bedeutet sowohl ein niedriges Potenzialwachstum des Bruttoinlandsproduktes als auch ein niedriges neutrales Zinsniveau (Niveau, das weder restriktiv noch unterstützend auf das Wirtschaftswachstum wirkt). Ein möglicher Ausweg wären massive Investitionen im privaten und öffentlichen Sektor zur Eindämmung des Klimawandels.

Im Unterschied zum gefallenden strukturellen Wachstum der entwickelten Volkwirtschaften verzeichnen die Schwellenländer gute Wachstumsraten. Aber auch hier zeichnet sich eine Verlangsamung ab.

Das chinesische Wirtschaftswachstum schwächt sich im Trend ab und Indien hat den Status als die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft im abgelaufenen Jahr verloren.

6) Die Budgetdefizite steigen an

Es gibt vier Argumente dafür, warum in den kommenden Jahren die Staatsdefizite ausgeweitet werden.

1) Die expansiven Geldpolitiken alleine werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um vom Risikoszenario einer säkularen Stagnation wegzukommen (anhaltend niedriges Wirtschaftswachstum, niedrige Inflation, niedrige Zinsen, niedriges Wachstum der Unternehmensgewinne).

2) Der ungebremste Aufstieg jener politischen Bewegungen, die gegen die etablierten Parteien sind, erhöht den Anreiz für Regierungen, die Budgetdefizite auszuweiten.

3) Zumindest solange die Realzinsen negativ sind, ist die Nachhaltigkeit der Schuldendynamik nicht in Gefahr.

4) Die Wichtigkeit von Maßnahmen zur Eindämmung von C02-Emissionen könnte selbst die konservativen Fiskalpolitiker überzeugen, die Budgetdefizite für Infrastrukturinvestitionen im Umweltbereich auszuweiten und mit Sozialmaßnehmen den Umstieg auf erneuerbare Energien zu erleichtern.

7) Der schnelle Anstieg der Verschuldungsquoten seit 2010 erhöht das Risiko von Finanzkrisen

In den entwickelten Volkswirtschaften stagniert die Gesamtverschuldung (staatliche und private Schulden) in Relation zum Bruttoinlandsprodukt seit 2010 bei rund 300%. In den Emerging Market Volkswirtschaften ist die Verschuldung rasant und markant angestiegen (um 54 Prozentpunkte auf 170 % vom BIP, beziehungsweise auf 55.000 Milliarden US-Dollar).

Insgesamt beträgt die globale Gesamtverschuldung 230% in Relation vom Bruttoinlandsprodukt. Der treibende Faktor dafür war die ansteigende Verschuldung im privaten Sektor in China. (Quelle: World Bank, Global Waves of Debt).

Auf die kurze Sicht hat die Verschuldung wenig Einfluss auf Marktbewegungen, erhöht aber die Verletzlichkeit im Krisenfall (Rezession, ansteigende Zinsen, fallender Risikoappetit), erhöht den Druck für Strukturreformen und verringert den Spielraum für Maßnahmen, die die Konjunktur unterstützten. Letzteres war 2019 in China der Fall.

8) ESG-Kriterien sind ein wesentlicher Bestandteil in der Entscheidungsfindung bei Finanzinvestitionen

Die Berücksichtigung von zusätzlichen Kriterien wie Umwelt (E – Environment), Soziales (S – Social) und Staats- und Unternehmensführung (G – Governance), also ESG, ist in der Mitte des Finanzmarktes angekommen.

Deren immer breitere Anwendung impliziert ceteris paribus eine bessere Ertragsentwicklung als von Nicht-ESG-konformen Investitionen.

9) Die erhöhten Bewertungen am Finanzmarkt implizieren eine unterdurchschnittliche Ertragsentwicklung

Der günstigste Zeitpunkt für eine Aktien-Investition ist am Höhepunkt einer Krise (Rezession). Dann sind die Kurse niedrig, das heißt, die geforderten Risikoprämien hoch.

Nach dem außerordentlich guten Jahr 2019 sind die Kurse von vielen Wertpapierklassen jedoch erhöht. Das impliziert eine bescheidene Ertragsentwicklung für die Zukunft.

10) Die risikobehafteten Wertpapierklassen weisen eine bessere Ertragsentwicklung auf als die kreditrisikolosen Anleihen

Das Umfeld favorisiert Aktien vor Staatsanleihen. Das Wirtschaftswachstum nimmt zu (mild), die global Unsicherheit nimmt ab (etwas), die Inflation bleibt niedrig (vorerst), die Geldpolitiken unterstützend (wichtig), ebenso wie die Fiskalpolitiken (wenig).

Das klingt beinahe zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich sind die Bewertung bereits überdurchschnittlich und die Risiken für eine Rezession (ansteigende Arbeitslosenraten), eine Schuldenkrise (in den Emerging Market Volkswirtschaften) oder eine geopolitische Eskalation (USA-China, USA-Iran) erhöht.


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Rückblick Börsen 2019 – ein Jahr schier unendlicher Geschichten?

Über weite Teile gestaltete sich das Jahr 2019 für die Anleger weltweit wie eine Art Fortsetzungsgeschichte aus dem Vorjahr: Die beherrschenden Themen blieben der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie das Hin und Her um den Brexit.

Erst gegen Jahresende schienen sich – wenn auch noch keine endgültigen Lösungen – zumindest wichtige Fortschritte abzuzeichnen.

Im Jahresverlauf belegten sich die beiden größten Volkswirtschaften wechselseitig mit neuen Zöllen und wirtschaftspolitischen Vergeltungsmaßnahmen.

Geprägt war der Handelskonflikt vor allem von widersprüchliche Ankündigungen vonseiten des US-Präsidenten Donald Trump, Fristen und Aufschüben, die die Aktienmärkte teils stark bewegten.

Handelskonflikte hielten Anleger in Atem

Im Dezember konnte schließlich ein Teilabkommen zwischen den USA und China und damit ein tatsächlicher Erfolg der Gespräche vermeldet werden konnte.

Bereits davor hatten die Aussichten auf eine solche Einigung etwa den Dow Jones Industrial Index auf neue Höchststände getrieben: Im Juli überschritt der prominenteste Leitindex des US-Aktienmarktes erstmals die Marke von 27.000 Punkten.

Im November knackte er dann mit 28.000 Punkten die nächste Rekordmarke. Auf Jahressicht verbesserte sich der Dow Jones um etwa 22,7 Prozent auf 28.621,39 Punkte (Stand 27.12.2019 ca. 11.15 Uhr).

Auch Investoren in Europa dürften mit der allgemeinen Marktentwicklung 2019 zufrieden sein: Der Euro-Stoxx-50 gewann über das Jahr um 26,1 Prozent, für den Frankfurter DAX ging  es um 26,3 Prozent nach oben und der ATX der Wiener Börse legte um 17,6 Prozent zu (Stände je zum 27.12.2019 ca. 11.15 Uhr).

Diesseits des Atlantiks wurde vor allem das Ringen um den Brexit gebannt verfolgt. Einen vorläufigen Schlusspunkt setzten hier die Parlamentswahlen in Großbritannien.

Sie ließen nach einer wechselhaften Entwicklung einen Austritt Großbritanniens zu den Konditionen eines von Wahlgewinner Boris Johnson zuvor neu verhandelten Brexit-Vertrages als wahrscheinlichsten Ausgang des Brexit erscheinen.

Angesichts eines lange befürchteten „Hard-Brexit“ ohne vertragliche Regelungen mit der EU, wurde dies an den Märkten als zumindest nicht schlechtestes aller Ergebnisse aufgenommen.

Wechselhafte Signale sorgten für Gesprächsstoff

Im Frühjahr und Sommer hatte ein Phänomen auf den Anleihenmärkten für Aufsehen gesorgt: Die Zinskurve von US-Anleihen zeigte erstmals eine inverse Entwicklung, bei der für kurzfristige Staatspapiere höhere Renditen verlangt werden als für Anleihen mit längerer Laufzeit.

Dies gilt als verlässliches Vorzeichen einer Rezession, was an den Finanzmärkten große Aufmerksamkeit erhielt. Ein weiterer Markt, der sich von Handelskonflikten und politischen Entwicklungen geprägt zeigte, war das Rohölgeschäft.

Nach einigen gescheiterten bis verhalten verlaufenden Börsengängen, setzte es ebenfalls zum Jahresende einen fulminanten Schlusspunkt bei den IPOs: Mit Saudi-Aramco gelang dem Saudi-Arabischen Ölriesen der größte Börsengang aller Zeiten.

Ausblick auf ein spannendes nächstes Jahr

Der in vielen Bereichen wechselhafte Verlauf des Jahres nahm schließlich ein optimistisches Ende. Im neuen Jahr werden sich die Anleger wohl einmal mehr mit Fragen beschäftigen müssen, die ihnen bekannt vorkommen werden:

  • Wie wird sich der Brexit kurzfristig auswirken und kann Boris Johnson mit neuer Machtbasis weitere Anpassungen auf den Weg bringen, das Land auf neue wirtschaftliche Beine zu stellen?
  • War das Teilabkommen zwischen den USA und China ein erster Schritt zu einer langfristigen Lösung ihrer Handelsstreitigkeiten, oder wird der Weg dorthin noch steiniger und weiter als gedacht?

Ein Ereignis, das eine für all diese Fragen wichtige Entscheidung bringen wird, wird jedenfalls 2020 noch stärker in den Mittelpunkt treten: Die US-Präsidentschaftswahlen, die mit dem kürzlich gestarteten Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump bereits im Vorfeld eine Verschärfung erfuhren.


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Wahlausgang in Großbritannien: Brexit nun so gut wie sicher

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Parlamentswahlen im Vereinigten Königreich brachten einen klaren Wahlsieg für die konservative Partei unter dem Vorsitz von Boris Johnson. Unter den möglichen zukünftigen Beziehungen zwischen den Briten und der Europäischen Union fällt ein Szenario weg: der Verbleib in der EU.

Politische Lähmung beendet

Der lähmende Konflikt zwischen der Regierung, die für den Austritt aus der EU eingetreten war, und dem Parlament, das sich in vielen Abstimmungen quergelegt hatte, ist damit entschieden: Ein Brexit Großbritanniens aus der Europäischen Union Ende Jänner 2020 ist so gut wie sicher.

Der Austrittsvertrag ist ausverhandelt. Weil das Hauptthema der Wahl der Ausstieg aus der EU war, kann ein eindeutiger Wählerwille abgeleitet werden. Auf einen Wahlsieg im Sinne einer relativen Mehrheit hatten die Umfragen bereits hingedeutet.

Die Kernfrage war, ob die Torys auch eine absolute Mehrheit im Parlament erreichen werden. Tatsächlich hat die konservative Partei mit 364 Sitzen einen Vorsprung von 79 Sitzen und damit die größte Mehrheit seit 1987 errungen.

Kaum Zeit für Freihandelsabkommen mit der EU

Der Austrittsprozess ist allerdings Ende Jänner noch (lange) nicht zu Ende. In dem zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich verhandelten Austrittsvertrag wurde eine Übergangsperiode zwischen dem Austrittszeitpunkt (Ende Jänner 2020) und den zukünftige Beziehungen bis Ende 2020 festgelegt.

Da bleibt kaum Zeit ein Freihandelsabkommen zu vereinbaren. Bis spätestens Ende Juni 2020 muss bekanntgegeben werden, ob die Frist um maximal zwei Jahre (Ende 2022) verlängert werden soll.

Auf der negativen Seite bleibt damit das Risiko eines ungeordneten („harten“) Brexit nach dem Auslaufen der Übergangsperiode, wenn kein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem VK zustande kommt.

Auf der positiven Seite haben die Tories nicht nur die absolute Mehrheit gesichert. Boris Johnson ist nun auch mit einem Polster ausgestattet, etwaige Abweichler (Hardliner), die gegen das noch zu auszuhandelnde Freihandelsabkommen mit der EU sein könnten, zu verkraften.

Fazit

Die chaotischen Zustände im Vereinigten Königreich waren einer der Gründe für die kräftig gefallene Unternehmensstimmung in vielen Ländern.

Gemeinsam mit der nun gestiegenen Aussicht für ein Handelsabkommen zwischen den USA und China sind zwei wichtige Voraussetzungen für eine milde Erholung des Wirtschaftswachstums sowohl in Europa als auch auf globaler Ebene erfüllt. Teilweise war dieses Szenario bereits in den Marktpreisen enthalten.

Die Renditen von Staatsanleihen steigen ebenso wie die Aktienkurse und das Britische Pfund gegenüber dem US-Dollar und dem Euro seit einigen Monaten. Der Wahlsieg der Tories wird diese Entwicklung verstärken.


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6 Meinungen – Die Weltwirtschaft 2020 aus Kundensicht

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Nach zahlreichen Dienstreisen in Zentral- und Europa, wo unser Ausblick für das nächste Jahr diskutiert wurde, sollen in diesem Beitrag einige Meinungen von Kunden zusammengefasst werden und mit unserem Basisszenario vergleichen werden.

Kundenmeinung Nummer 1: Das globale Wirtschaftswachstum bleibt niedrig. Eine Erholung ist nicht in Sicht.

Erste AM Meinung: Die Anzeichen für eine Bodenbildung im vierten Quartal 2019 haben zugenommen.

  1. Für die schwachen Sektoren (Industrieproduktion) gibt es zunehmend Anzeichen für eine milde Erholung. Der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor ist bereits das vierte Mal in Folge angestiegen.
  2. Die negativen Überwälzungseffekte auf den Arbeitsmarkt sind zwar erkennbar (abnehmendes Beschäftigungswachstum), das Ausmaß ist bis dato jedoch beschränkt.
  3. Die Wirtschaftspolitiken haben in diesem Jahr einen positiven Impuls erzeugt. Das betrifft die Geldpolitiken (Leitzinssenkungen, Anstieg der Zentralbankgeldmenge in den USA und in der Eurozone), die Fiskalpolitiken (leichte Ausweitungen der Budgetdefizite in den entwickelten Volkswirtschaften, deutlicher Anstieg in China) und die Kreditpolitik in China (leichter Anstieg des Kreditwachstums).
  4. Zu Guter Letzt bedeutet die Aussicht auf einen Mini-Deal zwischen den USA und China eine leichte Abnahme der geopolitischen Risiken.
  5. Weil die Marktstimmung bis August 2019 sehr negativ war und die Unternehmensstimmung noch immer sehr negativ ist, ist auch die Hürde für eine Verbesserung niedrig. Tatsächlich ist die Marktstimmung gemessen am ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen bereits das vierte Mal in Folge angestiegen. Diese positiven Entwicklungen werden ausreichen, damit das reale globale Wirtschaftswachstum im Laufe des Jahres 2020 von unterdurchschnittlich (unter dem Potential) in Richtung Potential ansteigt.

Kundenmeinung Nummer 2: Die Inflation bleibt niedrig

Erste AM Meinung: Tatsächlich bleibt im Basisszenario die Konsumentenpreisinflation niedrig. Vorerst.

Denn trotz der wahrscheinlichen Erholung des Wirtschaftswachstums im nächsten Jahr wird die Produktionslücke negativ sein. Zudem wird die niedrige beziehungsweise sogar negative Güterpreisinflation nach wie vor einen dämpfenden Einfluss auf die Konsumentenpreise ausüben.

Der Arbeitsmarkt ist jedoch fest (niedrige Arbeitslosenraten), weshalb das Lohnwachstum in einigen Ländern bereits angestiegen ist. Weil gleichzeitig das Produktivitätswachstum niedrig geblieben ist, hat das Wachstum der Lohnstückkosten zugenommen.

Bis dato hat sich dieser Kostenzuwachs beim fallenden Wachstum der Unternehmensgewinne bemerkbar gemacht (Margendruck). Das Risiko dafür, dass die Konsumentenpreisinflation mit einer großen Zeitverzögerung doch zunimmt, ist auf kurze Sicht gering, auf lange Sicht jedoch von Relevanz.

Kundenmeinung Nummer 3: Die Effektivität der Geldpolitiken ist niedrig

Erste AM Meinung: Die Geldpolitik hat mehr Kraft als allgemein angenommen, auch wenn die Effektivität abgenommen hat.

Die Lockerung der Geldpolitiken im Jahr 2019 war der Hauptgrund für den Kursanstieg der meisten Wertpapierklassen in diesem Jahr. Diese Lockerung des Finanzumfeldes wird mit einer Zeitverzögerung von einigen Monaten die wirtschaftliche Aktivität unterstützen. Die Frage ist natürlich, ob das Ausmaß der Lockerung ausreichend war.

Wir befinden uns in der besonderen Situation, dass das Zinsniveau bereits sehr niedrig ist. Die Zentralbanken sind nicht mehr in der Lage, im Fall von zunehmenden Rezessionsrisiken die Leitzinsen um mehrere Prozentpunkte zu senken.

Die Zentralbanken können nicht nur den Preis des Geldes (den Zinssatz), sondern auch die Geldmenge verändern. Tatsächlich haben die Zentralbanken in den USA und in der Eurozone die Geldpolitik auf eine Ausweitung der Zentralbankgeldmenge (M0) umgestellt. Aber auch diese mengenmäßige Lockerung hat nur noch eine geringe Wirkung auf das Wirtschaftswachstum.

Die Zentralbanken können allerdings nicht nur den Preis des Geldes (den Zinssatz), sondern auch die Geldmenge verändern. Tatsächlich haben die Zentralbanken in den USA und in der Eurozone die Geldpolitik auf eine Ausweitung der Zentralbankgeldmenge (M0) umgestellt. Aber auch diese mengenmäßige Lockerung hat nur noch eine geringe Wirkung auf das Wirtschaftswachstum.

Ein nächster, noch expansiverer Schritt wäre die Veränderung des Zentralbankzieles. Im Jahr 2020 könnte die US-Zentralbank das Inflationsziel auf einen langen, auf den aktuellen Zeitpunkt zentrierten Durchrechnungszeitraum umstellen.

Dabei wird für die Erreichung des Inflationsziels nicht nur die erwartete, sondern auch die vergangene Inflation berücksichtigt. Weil die Inflation in den vergangenen Jahren unter dem Zentralbankziel lag, würde das für die kommenden Jahre Inflationsraten erfordern, die über dem Inflationsziel liegen.

Unsere aktuelle Einschätzung für die Fed ist, dass die Leitzinsen nicht angehoben werden, auch wenn die globale Unsicherheit abnimmt und das reale Wirtschaftswachstum ansteigt. Die Umstellung auf ein durchschnittliches Inflationsziel würde bedeuten, dass die Fed die Leitzinsen nicht anhebt, auch wenn die Inflation ansteigt.

Die Fed besitzt eine hohe Glaubwürdigkeit und ihre Geldpolitik ist effektiver als jene in der Eurozone und in Japan.  Die Marktreaktion wäre ein deutlicher Anstieg der langlaufenden Renditen von Staatsanleihen und eine damit einher gehende Versteilung der Kurve.

Das heißt, der Unterschied zwischen den lang laufenden Renditen und den Geldmarktzinsen würde zunehmen. Der Markt würde damit einen langfristigen Anstieg auch der Geldmarktzinsen einpreisen. Die Fed hat eine Vorreiterrolle für unkonventionelle Geldpolitik. Diese Maßnahme würde auch auf andere Zentralbanken und Märkte ausstrahlen.

Kundenmeinung Nummer 4: Die Fiskalpolitiken bleiben restriktiv, weil das Schuldenniveau bereits sehr noch ist.

Erste AM-Meinung: Die Fiskalpolitiken sind auf globaler Ebene bereits leicht expansiv.

Die relevante Maßzahl ist hier das um den Wirtschaftszyklus bereinigte Budgetdefizit exklusive Zinszahlungen. Das Aggregat für den OECD-Raum weist einen deutlichen Rückgang von 2010 (-5% vom Bruttoinlandsprodukt) bis 2017 (-0,03% vom BIP) auf.

Die Staaten haben die strukturellen Budgetdefizite verringert und das Wirtschaftswachstum nach unten gedrückt. Danach ist eine Ausweitung der Defizite zwei Jahre in Folge auf heuer 1,4% erfolgt.

Es gibt vier Argumente dafür, warum in den kommenden Jahren die Staatsdefizite ausgeweitet werden.

  1. Die expansiven Geldpolitiken alleine werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um vom Risikoszenario einer säkularen Stagnation wegzukommen (anhaltend niedriges Wirtschaftswachstum, niedrige Inflation, niedrige Zinsen, niedriges Wachstum der Unternehmensgewinne).
  2. Der ungebremste Aufstieg jener politischen Bewegungen, die gegen die etablierten Parteien sind, erhöht den Anreiz für Regierungen, die Budgetdefizite auszuweiten.
  3. Zumindest solange die Realzinsen negativ sind, ist die Nachhaltigkeit der Schuldendynamik nicht in Gefahr.

Das vierte Argument überschneidet sich mit einer weiteren, ausgeprägten Kundenmeinung.

Kundenmeinung Nummer 5: Die Berücksichtigung von nachhaltigen ESG Kriterien ist wichtig (Environmental, Social and Governance)

Erste-AM Meinung: Das ist ein weiterer Hinweis dafür, dass das ESG-Thema in der Mitte des Finanzmarktes angekommen ist. 

Die Wichtigkeit von ESG könnte selbst die konservativen Fiskalpolitiker überzeugen, die Budgetdefizite für Infrastrukturinvestitionen im Umweltbereich auszuweiten.

Auch aus der Europäischen Zentralbank kommen Signale, wonach für die Ausgestaltung der Geldpolitik ESG-Kriterien aufgenommen werden können.

Kundenmeinung Nummer 6: Viele Wertpapierklassen sind bereits sehr hoch bewertet. Das Risiko einer Blase, ebenso wie die Nachfrage nach AI ist erhöht.

Erste AM-Meinung: Die überdurchschnittlichen Bewertungen stellen keine Überbewertung dar, weil die Zinsen gefallen sind. So lange sie auf einem niedrigen Niveau bleiben (wenn auch im nächsten Jahr etwas höher), bleiben die Bewertungen erhöht aber im Gleichgewicht.

Ein nachhaltiger, deutlicher Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus ist ohne eine massive Ausweitung der Budgetdefizite schwer vorstellbar. Danach sieht es im nächsten Jahr nicht aus. Dieser gute Nachricht (keine Überbewertung) folgt sogleich eine weniger gute: Die erhöhten Gleichgewichts-Bewertungen implizieren niedrige zukünftigen Erträge (Returns).

Die Nachfrage nach alternativen Veranlagungsformen (AI – Alternative Investments), zum Beispiel Private Equity, wird groß bleiben.

Im Zuge der Diskussionen sind noch zahlreiche andere Themen behandelt worden: Überalterung; fallende Investitionstätigkeit der Unternehmen; niedrige Produktivität; Digitalisierung; Rückbau der Globalisierung; Nachhaltigkeit des Euro; Geopolitik (US-China, Brexit); subjektive Inflation höher als die veröffentlichte, und so weiter. Um die Lesbarkeit dieses Artikels nicht zu strapazieren (nicht zu lange), werden diese Themen beim Jahresausblick 2020 behandelt werden, der im Jänner veröffentlicht werden wird.

FAZIT

Zusammengefasst sind wir etwas optimistischer als die wahrgenommene Kundenmeinung. Eine Formel könnte lauten: ESG plus Fiskalpolitik plus Geldpolitik ergibt weniger ESG Risiken und einen Ausweg aus dem Szenario einer säkularen Stagnation.


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Schnäppchen, Umsatz und Dividende: Hoffnungen für Anleger im US-Einzelhandel

In den USA fiel am vergangenen Freitag der Startschuss für das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel. Traditionell gelten die Aktionstage „Black Friday“ und „Cybermonday“ nach Thanksgiving als Auftakt für die umsatzstarken Wochen vor dem Jahreswechsel. Doch das alljährliche Spektakel bietet nicht nur Käufern eine Flut an Angeboten und Rabatten, es ist vor allem ein Gradmesser für die wichtigste Stütze der US-Konjunktur.

Unterschätzter Wirtschaftstreiber

Denn die Konsumausgaben privater Haushalte sind für rund zwei Drittel des gesamten Bruttoinlandsprodukts der USA verantwortlich. Im dritten Quartal 2019 waren es Daten des Bureau of Economic Analysis zufolge sogar 68,1 Prozent. Dieser hohe Anteil gestaltete sich über die vergangenen Jahre konstant hoch und gilt gerade in Zeiten ansonsten geringerer wirtschaftlicher Dynamik als verlässliche Stütze der Wirtschaftsleistung.

Neben der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung ist das Geschäft vor allem für Investoren großer Handelskonzerne von Bedeutung. Gute Umsätze begünstigen attraktive Dividendenmöglichkeiten und so blicken auch Anleger gespannt auf das Weihnachtsgeschäft. Dieses Jahr gestaltet sich das Umfeld jedoch gemischt.

Unterschiedliche Ausgangslagen für Einzelhandels-Aktien

Der weltgrößte Online-Händler Amazon rechnet etwa angesichts harter Konkurrenz im wichtigen Schlussquartal mit einem deutlich schwächeren Geschäft als Börsenexperten. Für das Geschäftsquartal, in den Thanksgiving und Weihnachten fallen, stellt der Konzern Nettoerlöse zwischen 80 und 86,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Analysten erwarteten bisher im Schnitt einen Umsatz von 87,37 Mrd. Dollar.

Andererseits hat der größte US-Einzelhändler Wal-Mart im dritten Geschäftsquartal dank florierender Online-Verkäufe besser als erwartet abgeschnitten. In den drei Monaten bis Ende Oktober kletterte der Gewinn im Jahresvergleich um mehr als 90 Prozent auf 3,3 Mrd. Dollar.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Indikatoren deuten auf soliden Konsum hin

Jüngsten Daten des Handelsministeriums in Washington zufolge, haben die US-Einzelhändler im Oktober ihren Umsatz leicht steigern können. Ihre Erlöse kletterten um 0,3 Prozent zum Vormonat, und damit etwas stärker als Ökonomen erwartet hatten. In den Monaten davor entwickelten sich die Umsätze teils überraschend deutlich stärker.

Allerdings hat sich laut dem Forschungsinstitut Conference Board im November die Stimmung der US-Verbraucher unerwartet eingetrübt. Das entsprechende Barometer fiel gegenüber Oktober von 126,1 Zählern auf 125,5 Punkte. Experten hatten mit einem Anstieg gerechnet.

Die Ökonomen der Federal Reserve (Fed) bleiben insgesamt zuversichtlich: „An diesem Punkt des langen Aufschwungs sehe ich das Glas weit mehr als halbvoll“, sagte jüngst der Notenbankchef Jerome Powell. Dies ist auch aufgrund des privaten Konsums der Fall, der im dritten Quartal um 2,9 Prozent zulegte. Damit dürfte alles für ein Weihnachtsgeschäft angerichtet sein, das nicht nur Konsumenten und Ökonomen, sondern auch Anlegern Freude bereitet.

ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA: mit „gutem Gewissen“ auf chancenreiche US-Aktien setzen

Konsum-Aktien spielen auch im ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA eine Rolle. Dieser auf US- und kanadische Aktien fokussierte Fonds ist in börsennotierten Unternehmen aller Größenordnungen investiert. Die Auswahl der für den Fonds in Frage kommenden Aktien geschieht auf Basis der nachhaltigen Kriterien der Erste Asset Management. Werte wie Procter & GamblePepsi oder das Bezahlunternehmen VISA sind derzeit prominent im Portfolio vertreten.

Der ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA bietet die Chance auf hohe Wertsteigerungen so wie in diesem Jahr und in den letzten 5 Jahren. Als AnlegerIn muss man sich bewusst sein, dass es jederzeit zu stark schwankenden Kursen kommen kann und auch ein Kapitalverlust möglich ist. Eine längere Behaltedauer von mindesten 6 Jahren ist daher zu empfehlen.

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Datum: 29.11.2019

Sowohl 2019 als auch im Schnitt der letzten 5 Jahre erfuhr der ERSTE RESPONSIBLE STOCK AMERICA eine hohe Wertsteigerung.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Moderates Wachstum als Treiber für die Kapitalmärkte in 2020

Erste Asset Management (Erste AM) blickt auf ein überdurchschnittlich gutes Anlagejahr zurück. Dank der überaus positiven Entwicklung nahezu aller Anlageklassen und erfreulicher Neuzuflüsse hat sich das Anlagevolumen von 58,5 Mrd. Euro zum Ultimo 2018 auf 63,7 Mrd. Euro (per 31.10.2019) gesteigert.

Das bedeutet einen Zuwachs von 8,9% und das Jahr ist noch nicht zu Ende. „Wer 2019 in Fonds investiert war, wurde durch eine außergewöhnliche Performance belohnt“, betont Heinz Bednar, Geschäftsführer Erste AM.

Nachhaltiges Fondsvolumen wächst deutlich zweistellig

Noch deutlicher fiel das prozentuelle Plus beim Volumen der Nachhaltigkeitsfonds aus: Waren es zu Jahresbeginn noch 5,4 Mrd. Euro, so kletterte das nach ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) verwaltete Volumen Ende Oktober auf 6,2 Mrd. Euro, was einem Zuwachs von 16,8% entspricht.

Mit insgesamt 15 nachhaltigen Publikumsfonds und mehreren Spezialfonds ist die Erste AM im Nachhaltigkeitsbereich Marktführerin in Österreich.

Wir nehmen eine Pionierrolle im Bereich Ethik und Nachhaltigkeit ein: Bereits 2001 wurde der erste nachhaltige Publikumsfonds aufgelegt. Nachhaltigkeit ist in unseren Augen kein Schlagwort, sondern entspricht unserer Überzeugung, dass ökologische und soziale Faktoren für unsere KundInnen langfristig eine bessere Performance bringen“, betont Heinz Bednar, Geschäftsführer Erste AM.

Milde Erholung des globalen Wirtschaftswachstums

Eine milde Erholung der Weltwirtschaft 2020 ist wahrscheinlicher geworden“, betont Anlagechef (Chief Investment Officer) Gerold Permoser. Seit etlichen Monaten werde von einer möglichen Abflachung der Weltwirtschaft gesprochen. „Einzelne Wirtschaftsindikatoren weisen darauf hin, dass die Weltkonjunktur nicht mehr ganz so rund läuft, aber von einer Rezession sind wir weit entfernt“, so Permoser.

Der private Konsum und die niedrige Arbeitslosigkeit stützen die Weltwirtschaft. Die Inflation verharre auf einem niedrigen Niveau und sei „unter Kontrolle“.

Die Börsen gelten gemeinhin als Vorlaufindikator für wirtschaftliche Entwicklungen und sind gerade nahe neuer Allzeit-Hochs bzw. haben diese übersprungen. Dagegen sind die Kurse der kreditsicheren Staatsanleihen nach ihrem Allzeit-Hoch Anfang September gefallen.

Um einer Konjunkturabflachung vorzubeugen haben die internationalen Notenbanken neuerlich die Geld- und Zinspolitik gelockert.

Permoser: „Die Börsen spiegeln die Zuversicht über den weiteren Konjunkturverlauf wider. Die Zuversicht überwiegt die Unsicherheiten, und das ist gut für die Kapitalmärkte.“

Deeskalation im Handelsstreit USA-China

Die Aussicht auf eine Übereinkunft im Konflikt zwischen den USA und China hat zugenommen. Diese wird zwar voraussichtlich nicht alle Konfliktbereiche (Handel, Technologie, Finanzen, Währung, Patentschutz) betreffen, aber immerhin könnten sich die beiden Länder auf einen „Waffenstillstand“ einigen.

Als belastend Themen stellen sich für Erste Asset Management der schwache Automobilsektor und damit verbunden eine „maue“ Geschäftslage im verarbeitenden Gewerbe dar, die der zyklischen Entwicklung geschuldet seien.

Bullenmärkte enden in der Regel in einem Feuerwerk

Auch 2020 sei die Erzielung positiver Renditen im Niedrigzinsumfeld die größte Herausforderung für Investoren. Die Aussicht auf eine Erholung der Weltkonjunktur und die moderate Bewertung in Relation zu den Unternehmensgewinnen machen Aktien auch 2020 zu einem attraktiven Anlageinstrument.

Das Ertragspotenzial von Dividende plus Gewinnwachstum liege zwischen 6 und 8 Prozent. Die Alternativen zu Aktien und Aktienfonds seien „überschaubar“, unterstreicht Heinz Bednar.

Dass der Aktienbullenmarkt nun schon seit über einem Jahrzehnt anhält, sei Tatsache und habe den AnlegerInnen im Laufe der Jahre überdurchschnittliche Gewinne beschert. „Wir sind trotz der mehr als zehnjährigen Hausse positiv gestimmt, was eine Fortsetzung des Aufwärtstrends 2020 betrifft. Die positiven Signale überwiegen“, so Bednar.

Asiatische Aktien besonders chancenreich

Im Aktiensegment sehen die Fondsmanager von Erste Asset Management Werte aus Asien als besonders aussichtsreich ein, aber auch die Börsen der USA, Europas, Japans und der Schwellenländer Zentral- und Osteuropas sollten nicht enttäuschen.

Bei den Branchen liegt der Fokus auf Rohstoffaktien, Industrie- und Konsumwerten sowie Finanzwerten. Neben Aktien sehen die Experten der Erste Asset Management höher rentierenden Unternehmensanleihen im Euro-Raum und in den USA sowie Anleihen der Schwellenländer in Hart- und Lokalwährung als attraktive Anlageklassen.


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Künstliche Intelligenz als Investition in die Zukunft

Investitionen in Zukunftstechnologien sind eine spannende Sache und eröffnen Chancen auf Gewinne in der Zukunft. In mehreren Beiträgen haben wir uns bereits mit den wichtigsten Entwicklungen beschäftigt, auch auf dem Gebiet der Gesundheits- und Umwelttechnologien. Heute geht es um das Thema „künstliche Intelligenz“. Bernhard Selinger, Fondsmanager des ERSTE FUTURE INVEST, gibt einen Einblick, welche Megatrends unser Leben in den nächsten Jahren verändern werden.

Künstlicher Intelligenz (per Definition ein Teilgebiet der Informatik, verbunden mit Automatisierung und maschinellem Lernen), wird zugeschrieben verschiedenste Bereiche des alltäglichen Lebens von Grund auf verändern zu können. Als eine Art Wegbereiterin kann die Digitalisierung gesehen werden. Sie schreitet seit Jahren unaufhaltsam voran und ist in beinahe jeden Lebensbereich vorgedrungen.

Folglich sind die Anforderungen an Rechner- und Speicherkapazität sowie Internet-Bandbreiten beinahe exponentiell im Steigen begriffen. Künstliche Intelligenz soll auf immer mehr Anwendungsfelder ausgerollt werden.

Die Mobilfunk-„Evolution“ von 5G zu 6G

5G ist heute in aller Munde –  das ultraschnelle Mobilfunk-Netz, das gerade ausgerollt wird. Aktuelle Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass 5G in weniger als 10 Jahren schon wieder überholt sein könnte. Höhere Frequenzen (4G rund 3GHz bzw. 5G bis zu 30GHz), die für größere Bandbreiten benötigt werden, gehen üblicherweise mit einer geringeren Reichweite einher.

Das ist nicht ganz unproblematisch, zumal die Infrastruktur auch hierzulande noch hinter her hinkt. Die Anzahl an benötigten Basisstationen könnte demnach auch bei einem Wechsel auf 6G noch einmal deutlich steigen.

Auch die Sicherheitsanforderungen an die Telekom- und Netzwerkinfrastruktur werden kontinuierlich steigen – mit interessanten Möglichkeiten für Nischenplayer, die hier Lösungen bieten (z.B. Cyan).

Computer Rechenleistung verdoppelt sich alle paar Jahre

Die anfallenden Datenmengen wollen in vernünftiger Zeit verarbeitet und ausgewertet werden. Das Mooresche Gesetz besagt, dass sich die Prozessorgeschwindigkeit von Computern alle paar Jahre verdoppelt – bei annähernd gleichbleibenden Kosten.

In den letzten Jahren hat diese Entwicklung an Fahrt verloren, zumal mittlerweile physische Limits beim Chipdesign erreicht sind: Auf modernen Prozessoren von ein paar Quadratmilimetern finden Milliarden an Transistoren Platz.

Leiterbahnen sind nur noch ein paar Atome breit. Branchenschätzungen gehen davon aus, dass auf Basis der aktuellen Siliziumtechnologie bei rund 5-7 Nanometern (1 Nanometer = 1 Millionstel Millimeter) endgültig Schluss ist mit weiteren Verkleinerungen. Der US-Chipproduzent Intel stellte im August 2019 die ersten 10 Nanometer Chips („Ice Lake“) vor. 7 Nanometer Chips befinden sich aktuell in der Entwicklungsphase und sollen nicht vor 2021 in den Handel kommen.

Bei grafikintensiven Anwendungen wie 3D-Design oder Virtual Reality (Dassault Systeme) kommen spezielle Grafik-Chips zum Einsatz. NVIDIA sehen wir in diesem Zusammenhang besonders gut positioniert.

Das große Match zwischen Netflix und Disney

Das große Match zwischen Netflix und Streaming-Newcomer Disney wird neben dem Content- Angebot auch über künstliche Intelligenz entschieden werden. Wer hat auf Basis der gesammelten Nutzerdaten seinen Algorithmus am besten trainiert um neuen Zusehern die für sie passendsten Filme und Serien vorschlagen zu können?

Chinesen Vorreiter bei automatisierten Fastfood-Bestellungen

Ähnliches kann man bei Fastfood-Selbstbedienungsterminals beobachten. Während manche einfach nur das Menü anzeigen, werden bei schlaueren Terminals Vorschläge auf Basis personenbezogener Daten gemacht: Beispielsweise gibt man seine Bonusclub-Daten ein, wo neben dem Alter und dem Geschlecht auch bisherige Bestellungen gespeichert sind.

Weiters können Faktoren wie Tag, Uhrzeit oder auch Wetter miteinbezogen werden. Yum China ist seit Jahren in diesem Bereich Vorreiter. KFC – neben Pizza Hut und Taco Bell die wichtigste Marke von Yum China – geht sogar noch einen Schritt weiter und setzt auf den sprachgesteuerten Bestellroboter „Dumi“.

Der Roboter, der in Zusammenarbeit mit dem Suchmaschinenbetreiber Baidu entwickelt wurde, ist in der Lage unterschiedliche lokale Dialekte zu verstehen. Er erkennt das Geschlecht, das Alter und sogar die Stimmung von seinem Gegenüber und passt die Menüvorschläge entsprechend an.

Der Branchenriese McDonalds hat erst kürzlich erkannt, dass er hier Aufholbedarf hat und investiert – allerdings mit Jahren Verspätung – vermehrt in digitale Bestellterminals, Apps und Datenauswertung.

Autonomes Fahren – Software macht den Unterschied

Eine der derzeit anspruchsvollsten Anwendungen für künstliche Intelligenz ist das autonome Fahren. Neben einer Vielzahl von technischen Systemen, wie Prozessoren, Kameras oder verschiedensten Sensoren (Radar, LIDAR, Ultraschall) ist es vor allem Software, die mit Hilfe eines Algorithmus Objekte erkennen und räumlich zuordnen kann.

Der Begriff „Machine Learning“ beschreibt den Prozess, bei welchem der Algorithmus durch Hinzugabe weiterer Daten trainiert und somit die Vorhersagen verbessert werden können. Wenn beispielsweise in das System zigtausende Bilder von roten Ampeln (aus verschiedenen Blickwinkeln, bei unterschiedlichem Wetter usw.) eingelesen und spezifische Merkmale definiert werden, kann der Algorithmus auf den von den Kameras aufgenommenen Bildern eine „echte“ rote Ampel im Straßenverkehr zuverlässig erkennen und entsprechend reagieren.

Erfolgt das Training mit neuen Daten selbstständig – wenn also der Algorithmus seine „Erfahrung“ nutzt um sich selbst zu verbessern – spricht man auch von „Deep Learning“. Waymo, ein Unternehmen der börsennotierten Alphabet, ist im Bereich autonomes Fahren einer der aussichtsreichsten Kandidaten.

Das Unternehmen hat den besten Algorithmus in der Branche entwickelt basierend auf einem riesigen Datenschatz: In den letzten 10 Jahren haben Waymo Fahrzeuge rund 10 Millionen autonom gefahrene Kilometer abgespult. Aktuell sind rund 600 Fahrzeuge in Phoenix, Arizona, im Einsatz. Zudem startete Waymo zu Beginn des Jahres einen ersten kommerziellen Robo-Taxi Service.

ERSTE FUTURE INVEST – Der Fonds für alle Megatrends

Nicht aus jedem Hype oder Trend wird ein Megatrend. Künstliche Intelligenz hat das Potenzial wichtige langfristige technologische Veränderungen zu bewirken. Die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz beeinflusst nicht nur unser tägliches Leben sondern eröffnet auch neue Investitions-Möglichkeiten.

Wenn Anleger Megatrends erkennen und frühzeitig in entsprechende Aktien investieren, können sie unter Umständen ansehnliche Renditen erzielen. Vor diesem Hintergrund investiert der neue Aktienfonds ERSTE FUTURE INVEST in 5 potenzielle Megatrends – wie Gesundheit & Vorsorge, Lebensstil, Technologie & Innovation, Umwelt & saubere Energie und Aufstrebende Märkte, die für AnlegerInnen als attraktiv erachtet werden.


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Nachfrage am Ölmarkt verliert Dynamik erst ab 2030

Vor dem Hintergrund der weltweiten Debatte über geeignete Maßnahmen zum Klimaschutz wurde der Jahresbericht der Internationalen Energiebehörde (IEA) Mitte November mit Spannung erwartet. Dieser lieferte unter anderem Hinweise auf die mögliche Entwicklung der Öl-Nachfrage, die wiederum maßgeblich für die Preise ist, deren Bedeutung weit über die Erdölindustrie hinausgeht.

Bis 2025 bleibt das Wachstum der Nachfrage robust

Die IEA zeichnet in ihrem aktuellen Bericht ein differenziertes Bild der zu erwartenden Veränderungen durch die Bemühungen, den Ausstoß von Treibhausgasen einzudämmen. Ihr zufolge wird die Nachfragedynamik bei Öl wegen der Zunahme von Elektroautos und energiesparenden Fahrzeugen stark zurückgehen. Allerdings werde aus heutiger Sicht diese Entwicklung voraussichtlich erst ab den 2030er Jahren einsetzen: „Das Wachstum der Nachfrage bleibt bis 2025 robust“, sagte IEA-Direktor Fatih Birol.

In den kommenden fünf Jahren rechnet die Agentur mit einem jährlichen Anstieg der weltweiten Ölnachfrage um durchschnittlich eine Million Barrel pro Tag und erst danach dürfte das Nachfragewachstum nachlassen. Ab 2030 wird schließlich nur mehr mit einer Zunahme um 100.000 Barrel pro Tag gerechnet. Im Vergleich zu ihren Prognosen aus dem Vorjahr hat die IEA die Erwartungen hier halbiert.

Kurzfristig ist für die Nachfrage die Entwicklung der Weltkonjunktur zentral. Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) schätzt das Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung aktuell sowohl für heuer als auch für 2020 konstant auf 3 Prozent. Dies geht aus dem monatlichen Ölmarktreport der OPEC hervor, der nur einen Tag nach dem Jahresbericht der IEA veröffentlich wurde.

Saudi Aramco: größter Börsengang aller Zeiten

Die OPEC schätzt die Nachfrage nach Öl aus ihren Mitgliedsländern in diesem und im nächsten Jahr trotz der weltweit steigenden Nachfrage weiterhin leicht rückläufig ein. Grund dafür ist die zunehmende Bedeutung anderer Förderländer – allen voran der USA.

Am 5. Dezember treffen sich Vertreter der OPEC mit verbündeten Staaten, um angesichts der aktuellsten Einschätzungen über eine Verlängerung der Förderbeschränkungen zu beraten, mit denen sie die Preise stabilisieren wollen. Allgemein wird erwartet, dass die Fördermengen nicht weiter gesenkt, aber zumindest konstant gehalten werden.

Für das führende OPEC-Mitglied Saudi-Arabien fällt das Treffen in eine besonders spannende Zeit: Denn inzwischen können Anleger Aktien des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco zeichnen. Aramcos Börsenwert wird auf bis zu 2.000 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Zeichnungsfrist für Anteile des mit Abstand wertvollsten Unternehmens der Welt endet nur einen Tag vor dem OPEC-Treffen. Längerfristig stabile Aussichten auf den Ölmarkt dürften dem größten Börsengang aller Zeiten gelegen kommen.


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Was für eine Erholung der Weltwirtschaft spricht

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

In den vergangenen Wochen ist das Szenario einer Erholung  der Weltwirtschaft wahrscheinlicher geworden. Dem Lehrbuch entsprechend sind die Kurse der Aktienindizes angestiegen und die Kurse der kreditsicheren Staatsanleihen gefallen.

Darüber hinaus hat sich der US-Dollar, dem oftmals eine antizyklische Eigenschaft innewohnt, gegenüber einem Währungskorb abgeschwächt. In dem Blog sollen für diese Entwicklung sowohl die Gründe als auch die notwendigen Voraussetzungen für eine Fortsetzung beschrieben werden.

Positive Entwicklungen

  • Die Aussicht auf eine Übereinkunft im Konflikt zwischen den USA und China hat zugenommen. Diese wird zwar voraussichtlich nicht alle Konfliktbereiche (Handel, Technologie, Finanzen, Währung, Patentschutz) betreffen, aber immerhin könnten sich die beiden Länder auf einen „Waffenstillstand“ einigen. Das bedeutet, dass die nach unten gerichteten Risiken für die Weltwirtschaft abgenommen haben (Tail-Risiken).
  • Die Hinweise für eine Stabilisierung in den schwachen beziehungsweise kaum wachsenden Sektoren der Weltwirtschaft haben zugenommen. Das betrifft die sowohl die Industrieproduktion als auch die Unternehmensinvestitionen. Ein wichtiger Indikator in diesem Bereich ist der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor, der im Monat Oktober bereits das dritte Mal in Folge angestiegen ist. Auch bei jenem Indikator der am kräftigsten seit Anfang 2018 gefallen ist – die Unternehmensstimmung – gibt es vorsichtige Hinweise für eine Bodenbildung.
  • Tatsächlich sind generell die Stimmungsindikatoren stärker gefallen als die realwirtschaftlichen Indikatoren (Produktion, Konsum). Konstruktive Ereignisse hinsichtlich der globalen und geopolitischen Unsicherheit hätten die Kraft eine Trendumkehr einzuleiten.
  • Die Zentralbanken kaufen wieder Staatsanleihen (auf Netto-Basis). Die Federal Reserve kauft zwar nur kurzlaufende Staatspapiere (T-Bills), aber der Effekt einer zunehmenden Liquidität bleibt. Der Effekt ist eine Lockerung des Finanzumfelds (Financial Conditions), sprich: viele Assetpreise sind in diesem Jahr angestiegen. Mit einiger Zeitverzögerung wirkt das unterstützend für das Wirtschaftswachstum.
  • Auch die Fiskalpolitiken wurden lockerer, zwar nur in einem geringen Ausmaß, aber immerhin. Die relevante Maßzahl ist in diesem Zusammenhang das Staatsbudget exklusive Zinszahlungen, bereinigt um die Effekte des Wirtschaftszyklus in Relation zum Potenzialoutput der Volkswirtschaft. Das Aggregat für den OECD-Raum ist von 2018 auf 2019 um 0,4 Prozentpunkte auf minus 1,4 Prozent mehr ins Minus gerutscht. Das übt einen marginal positiven Impuls auf das Wirtschaftswachstum aus.
  • Beim Kreditumfeld ist vor allem die Entwicklung in China hervorzuheben. Von Anfang 2016 bis Ende 2018 war der Kreditimpuls negativ, d.h, die Veränderung des Kreditwachstums in Relation zum Wirtschaftswachstum war negativ. Neben der angestiegenen geopolitischen Unsicherheit und der Reduktion der globalen Zentralbankgeldmenge war das wahrscheinlich einer der Hauptgründe für die Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums. Seit Anfang 2019 ist der Kreditimpuls in China positiv – wenn auch nur leicht.

Diese positiven Entwicklungen sind allerdings gerade einmal stark genug, um eine weitere Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums anzuhalten. Für eine Trendumkehr reicht es wahrscheinlich nicht aus. Welche Entwicklungen sind dazu nötig? Natürlich müssen die bereits eingetretenen positiven Faktoren Bestand halten. Vor allem drei Eckpunkte sind relevant:

  • Die negativen Überwälzungseffekte von den schwachen auf die guten laufenden Sektoren Konsum / Services müssen gering bleiben. Hier ist die Nachrichtenlage weniger erfreulich. Das Beschäftigungswachstum hat sich bereits abgeschwächt und der Einkaufsmanagerindex für die Beschäftigungslage deutete auf einen weiteren Rückgang hin. Das bedeutet eine Erosion für die wichtigste Säule des Wirtschaftswachstums, den privaten Konsum. Für eine Trendumkehr ist es mithin zu früh. Das Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich für einige Quartale niedrig (unter dem Potenzial) bleiben.
  • Die Einschätzung, dass die Lockerung der Geldpolitik ausreichend effektiv war, um die Abschwächung des Wirtschaftswachstums zu stabilisieren mag stimmen. Allerdings signalisiert die Zentralbank in den USA ein Ende der Leitzinssenkungen (insgesamt um 0,75 Prozentpunkte auf eine Band von 1,5% – 1,75%). Das bedeutet eine höhere Hürde für die anderen Zentralbanken, die Leitzinsen zu senken. Anders ausgedrückt: der globale Zinssenkungszyklus läuft aus. Chairman Powell von der Federal Reserve hat allerdings klar gemacht, dass die Hürde für Leitzinsanhebungen groß ist. Diese würden vor allem im Fall eines nachhaltigen Inflationsanstiegs angedacht werden, weniger im Fall eines höheren Wirtschaftswachstums. Schlussfolgerung: die Geldpolitiken müssen locker bleiben.
  • Zu guter Letzt: Die Unternehmensgewinne müssen wieder wachsen. In den vergangenen Monaten ist das Gewinnwachstum der Unternehmen weltweit deutlich gefallen. Mittlerweile stagnieren diese. Das hat sowohl mit dem Ertragswachstum zu tun, das ebenso wie das nominelle Wirtschaftswachstum gefallen ist, als auch mit einem zunehmenden Wachstum der Lohnstückkosten.

Aufgrund des immer noch engen Arbeitsmarktes hat in zahlreichen Ländern eine Beschleunigung des Lohnwachstums eingesetzt. Das ist generell erfreulich. Weil allerdings das Produktivitätswachstum auf einem niedrigeren Niveau verharrt, ist das Wachstum der Lohnstückkosten angestiegen. Das kann theoretisch einen Druck für eine höhere Konsumentenpreisinflation bedeuten, oder aber einen Druck auf die Gewinnmargen. Genau das ist in den vergangenen Quartalen eingetreten. Im Erholungsszenario sinkt der Druck auf die Gewinnmargen der Unternehmen, wahrscheinlich über ein höheres Ertragswachstum.

Schlussfolgerung: Der Auftrieb für die risikobehafteten Wertpapierklassen kommt immer weniger von den Leitzinssenkungen der Zentralbanken (die auslaufen), sondern vor allen von den abnehmenden, nach unten gerichteten Risiken (Tail-Risiken), getrieben von der Aussicht auf einen Mini-Deal zwischen den USA und China.

Für eine Trendumkehr beim Wirtschaftswachstum müssen die negativen Überwälzungseffekte gering und die Zentralbankpolitiken locker bleiben sowie die Unternehmensgewinne wieder wachsen. Das könnte noch einige Quartale dauern.


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Batterie oder Brennstoffzelle – wer macht das Rennen?

von Clemens Klein, Senior Fondsmanager der Erste Asset Management.

Volkswagen investiert in den kommenden Jahren 40 Milliarden Euro in den Bereich Elektromobilität. Bis 2030 sollen 300 neue, batteriebetriebene Modelle lanciert und ab 2025 jährlich 2,5 Millionen Elektroautos abgesetzt werden. Einen ganz anderen Weg geht Hyundai.

Der koreanische Autokonzern setzt auf Wasserstoff und investiert Milliarden in den Aufbau einer Brennstoffzellenproduktion. Bis 2030 will das Unternehmen jährlich 500.000 Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb produzieren und damit weltweit zum Marktführer in dieser Technologie werden. Doch welcher Technologie gehört die Zukunft?

Brennstoffzellen- oder Wasserstoffautos

Genaugenommen sind Brennstoffzellen– oder Wasserstoffautos auch Elektroautos1. Nur wird der Elektromotor nicht mittels einer Batterie betrieben, sondern von einer Brennstoffzelle, die aus Wasserstoff und Sauerstoff Strom erzeugt.

Der Wasserstoff wird, wie vom Verbrennungsmotor gewohnt, innerhalb weniger Minuten getankt und ermöglicht Reichweiten von bis zu 700 Kilometer. Emissionen gibt es so gut wie keine – aus dem Auspuff kommt Wasserdampf.

Wasserdampf als einzige Emission, große Reichweite, schnelles Tanken – das Rennen scheint entschieden. Doch die Realität sieht anders aus. Während im vergangenen Jahr 2 Millionen Elektroautos neu zugelassen wurden und die weltweite Flotte auf mittlerweile 5 Millionen Fahrzeuge angestiegen ist, fuhren Ende 2018 gerade einmal 10.000 Wasserstoffautos rund um den Globus, 4.000 mehr als im Jahr zuvor.

Wie so oft sind es vor allem die Kosten, die über den Erfolg einer Technologie entscheiden. Und hier haben die in der Anschaffung ohnehin schon nicht ganz günstigen Elektroautos, dank dem rasanten Rückgang der Batteriepreise in den vergangenen Jahren, ganz klar die Nase vorn.

Auch im Betrieb sind die batteriebetrieben den Brennstoffzellenmodellen kostenmäßig überlegen. Und dann wäre da noch die Infrastruktur. In Österreich gibt es aktuell gerade einmal 5 Tankstellen, an denen Wasserstoff getankt werden kann.

Ist die zuletzt wieder aufkeimende Euphorie rund um die Brennstoffzelle, die sich auch in der Kursentwicklung der an der Börse gelisteten Unternehmen widerspiegelte, also einmal mehr nur ein Strohfeuer? Aus unserer Sicht nicht.

Zu überzeugend sind die Vorteile dieser Technologie, wie die Möglichkeit der längerfristigen Speicherung überschüssiger erneuerbarer Energie, die Nutzung bestehender Leitungsnetze, kurze Betankungszeiten sowie große Reichweite.

Batteriebetrieben oder Brennstoffzelle

Dazu kommt, dass der zur Gewinnung von Wasserstoff benötigte „Rohstoff“ Wasser nahezu unbegrenzt zur Verfügung steht. Wissenschafter der Standford University haben ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, Wasserstoff auch aus Meerwasser zu gewinnen, das bekanntlich 97% der Wasserreserven der Erde darstellt.

Und dass die Kosten neuer Technologien mit steigender Verbreitung dramatisch sinken können, haben Beispiele wie Wind- und Solarenergie, die mittlerweile in vielen Teilen der Welt die billigste Formen der Stromerzeugung darstellen, ebenso wie der Kostenrückgang bei Batterien von mehr als 85% während der vergangenen 10 Jahre eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Batteriebetrieben oder Brennstoffzelle, klar scheint jedenfalls, dass sich das Zeitalter der Verbrennungsmotoren nach einem 100-jährigen Siegeszug dem Ende zuneigt. Über die Notwendigkeit, einen der großen Verursacher für Treibhausgase, den Transportsektor, sauberer zu gestalten, besteht in vielen Ländern Konsens.

Norwegen will ab 2025 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zulassen, Holland, Schweden, Dänemark und weitere Länder, planen den Ausstieg bis 2030 und eine Reihe weiterer Staaten sieht das Ende der Verbrenner spätestens im Jahr 2040 gekommen.

Aber ist dieser Umstieg ökologisch wirklich sinnvoll? Immer wieder tauchen Studien auf, die zu belegen versuchen, alternative Antriebstechnologien wären nur geringfügig oder gar nicht umweltfreundlicher als die derzeit dominierenden Verbrennungsmotoren.

Klar ist: auch batteriebetriebene ebenso wie Brennstoffzellenautos verursachen Treibhausgas-, Stickoxid- sowie Partikelemissionen. Das liegt vor allem am Produktionsprozess für die Fahrzeug- sowie die Akku- bzw. Brennstoffzellenherstellung.

Bei Elektroautos kommen dazu Emissionen die bei der Produktion des benötigten Stroms, bei Wasserstoffautos jene Emissionen, die bei der Herstellung des Wasserstoffes anfallen. Im Betrieb verursachen beide Technologien keine Treibhaus- oder Stickoxidemissionen.

Eine aktuelle Studie des Bundesumweltamtes kommt daher zum Ergebnis, dass abhängig vom Strommix die Emissionen beider Technologien bei Treibhausgasen um bis zu 87%, bei Stickoxid um bis zu 66% unter jenen von Verbrennungsmotoren liegen.2


1) Zur Vereinfachung werden batteriebetriebene Elektroautos im Weiteren als Elektroautos bezeichnet, wasserstoffbetriebene als Brennstoffzellen- oder Wasserstoffautos.
2) Quelle: Ökobilanz alternativer Antriebe, Umweltbundesamt 2018

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Sprechen Sie Krypto – welche Krypto-Währungen gibt es?

von Harald Egger, Chief Analyst der Erste Asset Management.

Das Thema Libra ist wieder aktuell. Derzeit überwiegen aber die kritischen Stimmen, womit eine Realisierung aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich erscheint.

Für uns ein Anlass das Thema Krypto-Währungen ganz allgemein zu beleuchten. Laut der Internetseite Coinmarketcap gibt es per 15.10.2019 2980 Krypto-Währungen mit einer Marktkapitalisierung von $226,9 Mrd. Wie ist diese Zahl aber einzuordnen? Die meisten haben von Bitcoin gehört (die mit Abstand bedeutendste Krypto-Währung), heißt das, dass 2979 Krypto-Währungen mit Bitcoin als Zahlungsmittel konkurrieren? Die einfache Antwort lautet NEIN.

Jede Krypto-Währung verfolgt ein unterschiedliches Ziel. Wir wollen in diesem Blog nicht auf die unterschiedlichen Absichten eingehen, präsentieren aber im Folgenden eine einfache Unterteilung, nach der man diese Krypto-Währungen einordnen kann. Damit wird schnell klar, dass es sich bei den meisten sogenannten Krypto-Währungen gar nicht um eine Währung handelt.

Eine Währung zeichnet sich durch drei Eigenschaften aus:

  • Tauschmittel
  • Recheneinheit
  • Wertspeicher

Selbst Bitcoin erfüllt diese drei Eigenschaften nur zum Teil. Als Tauschmittel kann Bitcoin mitunter eingesetzt werden, aber bei weitem nicht flächendeckend. Die meisten Käufer halten Bitcoin als Wertspeicher (viele sprechen von Gold 2.0), das gilt umso mehr, wenn ein Staat eine schwache Währung hat (Bsp. Venezuela, Argentinien, Türkei, u.a.). Die mitunter wichtigste Eigenschaft, die Recheneinheit, ist nicht gegeben. D.h. mit ganz wenigen Ausnahmen werden keine Produkte in Bitcoin-Einheiten angeboten.

Dazu kommt, dass ein Staat bestimmt was eine offizielle Währung ist. Eine Währung ist dann staatlich anerkannt, wenn ein Kreditgeber diese als Rückzahlung akzeptieren muss (im englischen Legal Tender). Außerdem bestimmt der Staat womit man Steuern zahlen kann (der Kanton Zug in der Schweiz akzeptiert Steuerzahlungen in Bitcoin, in Japan ist Bitcoin Legal Tender).

Ein besserer Ausdruck statt Krypto-Währungen wäre demnach digitale Token, klingt aber nicht so spannend. Alle diese Token haben gemein, dass sie „nur“ digital existieren und von einer Software produziert werden, die kryptographische Verschlüsselungsmethoden anwendet.

Jeder, der sich ein wenig für diese Token interessiert sollte wissen, dass man diese grob gesprochen in 3 Gruppen einteilen kann, die ich im Folgenden kurz beschreiben möchte:

Payment Token

Dazu zählen beispielsweise Bitcoin, Bitcoin Cash, Dash, Monero u.a. Die Entwickler dieser Token verfolgen das Ziel ein Token anzubieten, der als Tauschmittel eingesetzt werden kann. D.h. die Token wurden als Zahlungsmittel entwickelt um Produkte zu erwerben.

Zu den Payment Token zählen auch sogenannte Stable Coins, also Token, die an eine Währung wie z.B. US Dollar gekoppelt sind (z.B. Tether). Im weitesten Sinne fällt auch die angedachte digitale Währung Libra in diese Kategorie. Im Gegensatz zu den oben genannten Payment Tokens hat Libra aber ein Unternehmen (Facebook mit Partner) als Emittenten.

Facebook sieht sich derzeit massivem Widerstand seitens vieler Regulierungsbehörden ausgesetzt, womit die Realisierung des Projekts sehr fraglich ist. Viele Staaten glauben, dass Libra systemrelevant sein könnte und wollen ihr Währungsmonopol keineswegs in Frage stellen.

Einige Partner wie Visa oder Mastercard haben  sich bereits von diesem Projekt distanziert.

Utility Token

Mehr als 90% der „Krypto-Währungen“ fallen in diese Kategorie.

Diese Token wurden dazu entwickelt um bestimmte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Diese Token können aber nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden Viele haben solche Token in ähnlicher Form schon kennengelernt ohne diese als Währung zu bezeichnen.

Vielleicht haben Sie schon einmal einen Flug mit Miles und More Punkten bezahlt. Oder Sie waren Autodrom fahren. Um das Gerät in Bewegung zu setzen müssen Sie 3€ in einen Plastik-Chip wechseln. Kein Supermarkt würde aber diesen Plastik-Chip als Bezahlmittel anerkennen.

So verhält es sich auch mit den Utility Tokens. Viele haben im ICO-Boom diese Token fälschlicherweise als Investment eingestuft – ein fataler Fehler. Utility Token sind nicht reguliert, wozu auch? Die FMA reguliert auch keine Autodrom-Chips.

Security Tokens

Security Token sind eine junge, aber vielversprechende Token-Kategorie. Im Gegensatz zu Utility Token sind diese reguliert. D.h. jemand der einen  Security Token auf den Markt bringt unterliegt der Prospektpflicht und benötigt eine Genehmigung einer Regulierung.

Security Token sind Aktien oder Anleihen ähnlich. D.h. der Besitzer eines Security Tokens hat bestimmte Rechte, wie z.B. Eigentumsanspruch, Stimmrecht, Dividendenanspruch. Wie funktionieren Security Token? Jeder kann Token generieren, allerdings benötigt man eine Rechtsanwaltskanzlei, die eine Verbindung zwischen dem Token und einem realen Asset herstellt.

Dazu kommt die Genehmigung einer Regulierung. Doch was wird tokenisiert? Derzeit sind es hautsächlich Immobilien, Kunstwerke, Juwelen, etc. es ist zum Beispiel möglich eine Immobile mit einem Gegenwert von 2Mio. zu tokenisieren. D.h. jemand kauft diese Immobilie, gründet dazu eine Zweckgesellschaft und begibt 200 Token im Gegenwert von €10,000.

Der Besitzer eines Token besitzt nun 0,5% dieser Immobile und erhält den entsprechenden Gegenwert der Miteinnahmen.

Noch sind diese Token schwer handelbar, weil es an funktionieren Märkten fehlt. Allerdings bereiten sich traditionelle Börsen darauf vor den Handel mit diesen Security Tokens aufzunehmen. Security Tokens haben das Potenzial das Finanzwesen deutlich zu verändern.

So wird es in absehbarer Zukunft auch möglich sein ohne Bankverbindung Aktien oder Fondsanteile in Form von Security Tokens zu erwerben. Wer heute schon Aktien, Indices oder Rohstoffe in Form von Security Tokens erwerben möchte, kann dies z.B. auf der Internetseite currency.com realisieren.

FAZIT

Krypto-Währungen werden sehr unterschiedlich eingesetzt. Auch im Wertpapierbereich hält die  Technologie langsam Einzug. Wir beobachten die Entwicklung genau. Auf der Veranlagungsseite sind Kryptowährungen für uns als Erste Asset Management kein Thema. Dafür fehlen wichtige Voraussetzungen. Auf der Technologieseite ist jedoch einiges zu erwarten.


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Cry Me A Rio de la Plata – Argentinien hat gewählt

von Felix Dornaus, Senior Fondsmanager Schwellenländeranleihen der Erste Asset Management.

Am Wochenende fand die Präsidentenwahl in Argentinien statt. Alberto Fernández besiegte mit 48% der Stimmen den amtierenden Präsidenten Mauricio Macri (40,4%). Ein zweiter Durchgang wird nicht notwendig sein.

Das Ergebnis für Macri ist besser als erwartet, es wird zumindest für eine starke Opposition im Parlament und daher für eine grössere Ausgewogenheit bei der Verabschiedung neuer Gesetze sorgen. Fernández gilt als linksorientierter Politiker, mit einer Nähe zum Peronismus/Kirchnerismus.

Der Finanzmarkt befürchtet eine populistische und unorthodoxe Wirtschaftspolitik von Fernández (im Gegensatz zu jener  Macris).

Massive Kapitalflucht aus Argentinien

Das Wahlergebnis war abzusehen und hat bereits zu einer massiven Kapitalflucht mit einhergehender Schrumpfung der internationalen Devisenreserven geführt.

Die Landeswährung kollabierte und die Refinanzierungfähigkeit des Landes in fremder Währung wurde so gut wie unmöglich. Bereits am Sonntag verschärfte die Zentralbank die Kapitalverkehrskontrollen massiv, um ein weiteres Ausbluten der Reserven zu verhindern.

Eine neuerliche Umschuldung wird daher unvermeidbar. Auch wenn Alberto Fernández immer wieder von „Restrukturierung Uruguay Style“ redet (KEIN ex ante Kapitalschnitt, nur „freiwillige“ Ausdehnung der Laufzeiten), so ist davon auszugehen, dass ein Schuldenverzicht seitens der Gläubiger (sogar seitens Währungsfonds!) unausweichlich ist.

Es scheiden sich die Geister bei der Einschätzung, wie groß dieser Kapitalschnitt tatsächlich werden könnte, die Szenarien bewegen sich momentan zwischen 20-60%. Wobei die derzeitigen Kurse eher die höhere Ziffer reflektieren.

Umschuldung mit weniger Reibung zwischen Schuldner und Gläubiger

Der Währungsfonds hat seine Auszahlungen unter dem laufenden Programm bis auf weiteres eingestellt. Es ist nicht auszuschließen, dass Anleihen ausgegeben vor 2016 (vor Amtsantritt Macris, daher bereits mindestens einmal umgeschuldet) präferenziell behandelt werden, wenngleich diese Hypothese mit großen juristischen Bedenken behaftet ist.

Da jedoch alle post 2016 Anleihen mit sogenannten CAC-Klauseln (Collective Action Clauses) versehen sind, dürfte bei deren Umschuldung mit weniger Reibung zwischen Schuldner und Gläubiger zu rechnen sein.

Angesichts der prekären Wirtschaftslage des Landes erwarte ich mir eine zeitnahe Bekanntgabe der Schlüsselpositionen: Wer verhandelt mit den Gläubigern, wer mit dem Währungsfonds, wer wird Finanzminister? Die notwendigen Massnahmen sollten jetzt rasch angekündigt und ergriffen werden, um dem Land und den Investoren wieder Planungssicherheit zu geben.

Auch wird interessant sein zu beobachten, welche Rolle der Ex-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner zukommen wird. Sie war für die völlige Isolation des Landes von den internationalen Kapitalmärkten verantwortlich. Ein zu großer Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen würde vom Markt mit Unwohlsein aufgefasst werden.

Währungsfonds als flexibler Partner

Der Währungsfonds (IWF) hat sich in den letzten Tagen weiter als flexibler  „Partner“ des Landes angeboten. Diese Haltung ist angesichts des schieren Volumens (ca $ 50 Mrd.) aushaftender  IWF Kredite auch nicht besonders überraschend. Bevor der IWF allerdings konkreter werden kann, bedarf es natürlich vorhergehender Sondierungsgespräche mit den neuen Verhandlungsteams, die ja bisher noch nicht genannt sind.

Exkurs CHILE

Die massiven sozialen Unruhen wurden von Studentenprotesten bezüglich einer eher  unscheinbaren Erhöhung von Tarifen des öffentlichen Transportes ausgelöst.

Dies lässt auf eine viel breitere Unzufriedenheit in der Bevölkerung schließen. Das Land genießt ein A1 Investment Grade und kann solide makroökonomische Daten vorweisen. Daran wird sich voraussichtlich auch kurzfristig nichts ändern. In einem drastischen Schritt hat Präsident Sebastián Piñera die gesamte Regierung zum Rücktritt aufgefordert und sucht mittels breitest möglicher Inklusion aller gesellschaftlichen Stakeholder ein neues Regierungsprogramm mit einem neuen Team auf die Beine zu stellen.

Noch zeigt sich die Bevölkerung skeptisch und hält den Druck „der Straße“ aufrecht. Der Markt reagiert bisher relativ gelassen, der 5 Jahres Credit Default Swap des Souveräns dehnte sich von 32 Bps (17.10.2019) auf derzeit 37 Bps aus.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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IMF Meetings in Washington: Liebkinder und Prügelknaben

von Felix Dornaus, Senior Fondsmanager Schwellenländeranleihen der Erste Asset Management.

Im Rahmen der Jahrestagungen des IMF finden verschiedene Veranstaltungen für Emerging Markets Investoren statt. Meinungsführer, Entscheidungsträger, Wirtschaftsforscher und Analysten aus Politik, Think-Tanks, Wirtschaft und der akademischen Welt halten Vorträge und/oder stellen sich der Diskussion mit Investoren.

Das Treffen bietet andererseits eine gute Gelegenheit für den Gedankenaustausch mit Fachkollegen und den Finger „auf den Puls“ des Marktgeschehens zu legen.

Die relevantesten Erkenntnisse: synchronisierter Slow-Down Modus

90% aller Länder befinden sich in einem synchronisierten Slow-Down Modus und einem Entglobalisierungschock. Der IMF sieht für 2019 das globale Wirtschafts-Wachstum bei ca. 3%. Für 2020 kann auf Grund einer verhaltenen Preisentwicklung bei Rohstoffen für die Emerging Markets im Durchschnitt nicht mit einer Wachstumsbeschleunigung gerechnet werden. Die USA werden nicht in eine Rezession rutschen und China kein Hard Landing produzieren.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist strukturell langfristiger Art, vor dem Hintergrund Sicherheit, Intellectual Property und Tech. Chinas Hauptinteresse ist nur, die Situation nicht noch schlechter werden zu lassen. Tarife und Handelsrestriktionen werden nicht so schnell zurückgenommen werden.

Die Auseinandersetzung beschleunigt Chinas Strategie der selektiven Entkoppelung („Disengagement“) und Bemühen, das Land auf eine mehr konsum- und dienstleistungsorientierte Basis zu stellen. Ein Ausdehnen der Sanktionen auf Finanzinstrumente gilt angesichts ungewisser internationaler Auswirkungen als unwahrscheinlich.

Der Handelszwist schadet dem Rest der Welt vermutlich mehr als den USA und China selbst. Die momentan propagierte „Phase 1“ in der Beilegung des Konfliktes wird eher als Waffenstillstand zu betrachten sein.

USMCA (Nachfolger von NAFTA) wird kein Opfer der Entwicklungen rund um ein Impeachment von Präsident Trump. Die Ratifizierung seitens der USA wird in Q1/2020 erwartet (vielleicht sogar schon Dezember 2019).

Die Emerging Markets Sorgenkinder

In Argentinien wird auf Grund der schieren Grösse ein Kapitalverzicht auch auf IMF Kredite notwendig sein. Der IMF zeigt sich „flexibel“, aber konkrete Details bezüglich Neuverhandlung des Finanzpaketes werden erst nach den am 26.10.19 stattfindenden Präsidentschaftswahlen bekannt werden. Für die privaten Gläubiger gehen die Schätzungen zum Kapitalschnitt auseinander (40-60%).

  • Venezuela: Die Kohäsion in der Opposition ist brüchig und macht der Regierung Maduro derzeit keine ernsthaften Probleme. Eine (komplizierte) Umschuldung sämtlicher Auslandsschulden ist nach wie vor unumgänglich, hat aber immer noch keinen offiziellen „Startschuss“ seitens des Schuldners bekommen.
  • Ecuador: Die sozialen Unruhen wurden vorerst beendet, die Regierung sucht mittels einer breiten gesellschaftlichen Einbeziehung nach konsensualen Lösungen für die prekäre Budgetsituation. Der IMF zeigt sich sehr kooperationswillig.
  • Zambia: Keine ernsthaften Massnahmen zur Lösung der Verschuldungssituation erkennbar. Sollte es dabei bleiben, besteht Umschuldungsgefahr.
  • Libanon: Das Modell der Staatsschuldenfinanzierung mithilfe von Bankeinlagen wird zunehmend kritisch hinterfragt. Gleiches gilt für die Unterstützung seitens arabischer Freunde (Saudi Arabien ?) in einer Stresssituation. Wackelkandidat.

Die Emerging Markets Liebkinder

  • Brasilien: Weiterhin Vertrauen in die kommenden Strukturreformen. Wird als „Best Performer 2020“ gesehen.
  • Ukraine: Die fiskalen Spannungen wurden erfolgreich bereinigt. Der Reformstau wurde reduziert und die Beziehungen zum Währungsfonds sind offenbar sehr gut.
  • Kolumbien: Mit 3,4% (2019) höchstes Wachstum aller EM Investmentgrade-Länder. Erwirtschaftung eine Primärüberschusses (+0,6%) in 2019. FDI und Remittances machen ca. 6.1%/GDP aus, bei einem Leistungsbilanzdefizit von -4,4% in 2019.
  • Russland und Ägypten genießen ebenfalls das Wohlwollen der Investoren.

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Ausblick 2020: Drei Szenarien für die Wirtschaftsentwicklung

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das Wachstum der Weltwirtschaft befindet sich an einem kritischen Punkt. Das reale Wirtschaftswachstum hat sich seit einigen Quartalen abgeschwächt. Mittlerweile befindet sich das Wachstumsniveau unter dem Potential, also jenem Wert, der bei optimaler Auslastung aller Ressourcen erreicht werden könnte.

Wie immer zeichnen die Frühindikatoren für die weitere Entwicklung ein gemischtes Bild. In weiterer Folge werden drei Szenarien für den Rest des Jahres sowie für 2020 vorgestellt.

Aktuelles Umfeld: Wirtschaftswachstum unter dem Potential

  • Auf der negativen Seite ist der konjunkturelle Abschwung gekennzeichnet von einer scharfen Abwärtsbewegung bei den Wachstumsraten für den Fertigungssektor / den Güterexporten und den Unternehmensgewinnen sowie einem Einbruch bei der Unternehmensstimmung.
  • Begleitet wurde diese Entwicklung von einer erhöhten geopolitischen Unsicherheit (USA-China Konflikt).
  • Auf der positiven Seite hat der gut laufende Servicesektor / der private Konsum das Wirtschaftswachstum in vielen Teilen der Welt unterstützt. Es können zwar negative Überwälzungseffekte vom schwachen Fertigungssektor auf die anderen Sektoren festgestellt werden, diese sind aber nur moderat. Hier ist vor allem der Arbeitsmarkt hervorzuheben. Das Beschäftigungswachstum ist zwar nicht mehr so hoch wie im vergangenen Jahr, aber immer noch gut genug, um die Arbeitslosenraten auf einem niedrigen Niveau zu halten.
  • Die Geldpolitiken haben, geführt von der US-amerikanischen Zentralbank, auf diese Eintrübung der Konjunktur mit Lockerungsschritten geantwortet. Das Besondere an dieser Situation ist, dass das Zinsniveau bereits sehr niedrig ist. Aber auch die Fiskalpolitiken wirken bereits mild unterstützend auf das Wirtschaftswachstum.

Für die drei Szenarien wird nun an jeder dieser vier Stellschrauben in einem unterschiedlichen Ausmaß gedreht:

Szenario 1: Erholung

Es findet eine leichte Beschleunigung beim realen globalen Wirtschaftswachstum von 2,0% – 2,3% im zweiten Halbjahr 2019 auf das Potenzialwachstum im nächsten Jahr statt (2,7%-3.0%, Wachstum im Quartalsabstand auf das Jahr hochgerechnet).

Dafür ist erstens eine Stabilisierung der Industrieproduktion nötig. Tatsächlich ist der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor zuletzt zweimal in Folge angestiegen. Zweitens wird ein kosmetisches Abkommen zwischen den USA und China erreicht und es kommt zu einer Einigung zwischen dem UK und der EU über den Brexit.

Drittens findet eine Stabilisierung beim rückläufigen Beschäftigungswachstum statt. Damit bleibt der private Konsum gut unterstützt. Viertens war die expansivere Ausgestaltung der Geldpolitiken ausreichend, um eine positive Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum zu haben.

Wesentlich für die Finanzmärkte ist, dass A) das Gewinnwachstum der Unternehmen ansteigt. Das bedeutet, der einsetzende Anstieg beim Umsatzwachstum ist kräftiger als die Fortsetzung beim ansteigenden Wachstum der Lohnstückkosten. B) Das beschleunigte Gewinnwachstum wirkt stärker als der mit dem Szenario einhergehende Zinsanstieg.

In diesem Szenario verzeichnen kreditsichere Staatsanleihen Kursverluste und Aktien Kursanstiege. Die Modellschätzung für US-Staatsanleihen lautet minus 2%, jene für globale Aktien auf plus 4%.

 Szenarios für US Staatsanleihen

Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Szenario 2: Rezession

Die Industrieproduktion und die Unternehmensinvestitionen schrumpfen und ziehen die anderen Sektoren, vor allem den Arbeitsmarkt, mit nach unten. Das ansteigende Wachstum der Lohnstückkosten sorgt für schrumpfende Unternehmensgewinne.

Eine Intensivierung im Konflikt zwischen den USA und China würde den Abschwung noch verstärken. Weil die Leitzinsen bereits sehr niedrig sind, kann die Geldpolitik nicht mehr demensprechend entgegensteuern. Die Fiskalpolitiken reagieren, wenn überhaupt, zu spät auf den Abschwung mit einer Ausweitung der Budgetdefizite.

Dieses Szenario ist positiv für kreditsichere Staatsanleihen und negativ für risikobehaftete Wertpapierklassen wie etwa Aktien.

Das gilt allerdings nur für Anleihen, deren Rendite noch hoch genug ist, um Renditerückgänge zuzulassen, das heißt, nicht für Staatsanleihen in der Eurozone und in Japan. Die Modellschätzung für US-Staatsanleihen lautet plus 7%, jene für globale Aktien minus 12%

Szenarios für globale Aktien

Szenario 3: Stagnation

Dieses Szenario ist von einer kuriosen Situation charakterisiert: Das Zinsniveau ist zwar sehr niedrig, aber immer noch zu hoch um die Wirtschaft zu stimulieren. Die Zinsen können nicht weiter fallen weil sie an die sogenannte effektive Zinsuntergrenze anstoßen. Die Geldpolitik kann keinen relevanten Stimulus mehr erzeugen.

Das Wirtschaftswachstum bleibt unter dem Potential und die Arbeitslosenraten steigen auf ein erhöhtes Niveau an. Weil die Volkswirtschaften offen sind, das heißt mit anderen Volkswirtschaften über Handels- und Finanzströme im Austausch stehen, können auch andere Länder in diese Situation hineingezogen werden.

Der Wirkungsmechanismus passiert vor allem über Finanzzuflüsse, die eine Festigung der Währung und fallenden Zinsen verursachen. Wirft man einen Blick auf Festigung des US-Dollar und die fallenden Renditen von US-amerikanischen Staatsanleihen, kommt einem das bekannt vor.

Um aus dieser „Zinsfalle“ herauszukommen liegt der Druck auf die Fiskalpolitik. Es wäre eine massive Ausweitung der Budgetdefizite für staatlich finanzierte Investitionen nötig. Wen das nicht geschieht, bleibt das Wirtschaftswachstum für eine längere Zeit niedrig.

Man spricht von einer säkularen Stagnation. Auch dieses Szenario ist positiv für Staatsanleihen und negativ für risikobehaftete Wertpapierklassen, allerdings nicht zu ausgeprägt wie im Szenario für eine Rezession.

Natürlich gilt das nur für Anleihen, die eine positive Rendite versprechen. Die Modellschätzung für US-Staatsanleihen lautet plus 2,5%, jene für globale Aktien minus 4%.

Zusammengefasst ist das fundamentale Umfeld für die Finanzmärkte herausfordernd. Die konjunkturelle Entwicklung könnte mit dem Erholungsszenario noch einmal die Kurve kratzen, aber die Risiken sind nach unten gerichtet.


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„Das Jahr 2019 war und ist bei Technologie-Aktien ein Übergangsjahr“

Bernhard Ruttenstorfer, Fondsmanager des Technologie-Aktienfonds der Erste Asset Management, erzählt worauf es beim Investieren in Technologie-Aktien ankommt, wie die Märkte reagieren und was von Big Tech dieses und nächstes Jahr zu erwarten ist.

In den Börsenprospekten von Tech-Unternehmen, die dieses Jahr IPOs machen, liest man immer wieder sinngemäß: “Wir wissen nicht, wann wir jemals Gewinn machen werden.” Trotzdem wird massiv investiert. Warum?

Bernhard Ruttenstorfer: Die Marktprognosen für Uber etwa besagen, dass 2025 Gewinn geschrieben werden soll. Aber im Technologiebereich ist es so: Es wird das Geschäftsmodell und der Markt gekauft. Uber und Lyft decken den Trend von Offline zu Online ab, und sie haben einen Netzwerk-Effekt: Je mehr Fahrer es gibt, desto mehr Kunden gibt es.

Die Geschäftsmodelle mögen sich in einem frühen Stadium befinden, aber der Trend geht in diese Richtung weiter. Uber hofft darauf, dass Autos in ein paar Jahren selbst fahren, das ist ein großer Kostenfaktor. Uber ist Markführer in einem stark wachsenden Markt. Deswegen sind diese Aktien sehr begehrt, auch wenn nicht direkt absehbar ist, wann es Gewinn gibt.

Als etwa Facebook 2012 an die Börse ging, machte das Unternehmen bereits Gewinn, trotzdem waren Anleger sehr skeptisch. Das ist ein krasser Unterschied zu heute. Warum?

Da muss man unterscheiden. Bei Facebook war zwar Profitabilität da, aber damals war die Frage offen, ob sie es schaffen, die Nutzer vom PC in die mobile App zu bringen und dort Umsätze zu erwirtschaften. Das war die große Sorge an der Börse damals. Wir wissen heute, dass man auch am Mobiltelefon ordentlich Umsatz und Gewinn machen kann. Zwei Faktoren haben Facebook in die Hände gespielt: Die Smartphone-Displays sind größer geworden, und die User haben Facebook am Phone viel intensiver genutzt.

Heute ist die Risikofreudigkeit viel größer als vor fünf Jahren. Bei neuen Börsengängen werden Aktien mit hohen Bewertungen gekauft, auch wenn die Gewinnzone noch weit entfernt ist. Diese Serie – Uber, Lyft, Slack, Pinterest u.a. – wird nicht so schnell abreißen. Airbnb ist der nächste Kandidat. Es sind die Zukunftsthemen, die gekauft werden.

Kann man 2019 bereits einen Trend absehen?

Das Jahr 2019 war und ist im Technologiebereich ein Übergangsjahr. Wir haben zurückgehendes Wachstum bei den Gewinnen gesehen. Aber das Hauptproblem, das sich schon im letzten Jahr abgezeichnet hat, war: auf der Hardware-seite sind Überkapazitäten entstanden. Das starke erste Halbjahr 2018 wurde fortgeschrieben, aber ab Mitte 2018 hat sich herausgestellt, dass es viel schlechter läuft und die Nachfrage gesunken ist. So sind etwa Zuwächse bei Server-Kapazitäten zurückgefahren worden.

2019 hat man die Auswirkungen gesehen. Die Hardware-Preise – etwa bei Speicher-Chips, bei CPUs – sind wegen der sinkenden Nachfrage gefallen. Und zusätzlich ist der Smartphone-Zyklus derzeit schwach. 2019 sehen wir langsam eine Bodenbildung, und 2020 sollte es wieder besser laufen.

Ein großes Thema ist der Handelsstreit zwischen den USA und China. Wie belastet er Tech-Aktien?

Tech-Aktien reagieren da sehr direkt, und das trifft gerade die USA, weil dort eben die größten Tech-Unternehmen sitzen. Mittelfristig ist das kein Problem: Wenn Huawei keine US-Technologie mehr kaufen darf, dann finden sich andere Unternehmen, etwa südkoreanische, japanische oder taiwanesische Konkurrenten.

Was eher ein Problem ist, sind die Zölle. Das wird z.B. die Margen von Apple treffen, weil sie die Preise nur teilweise erhöhen werden können und ohnehin schon ein Nachfrage-Problem haben. Im Handelskrieg geht es neben Energie um Technologie-Führerschaft. Die Amerikaner versuchen, Zeit zu gewinnen und die Chinesen nicht aufholen zu lassen. Das ist kurzfristig keine schöne Sache und mittelfristig ändert es die Geschäftsmodelle der Unternehmen. Dann wird eben anderswo produziert, das passiert bereits. Werke werden bereits in anderen asiatischen Ländern eröffnet.

Wie haben sich Tech-Aktien im Vergleich zum Gesamtmarkt entwickelt?

Es sind größtenteils Outperformer. Etwa Pinterest: Auch hier baut man auf Netzwerk-Effekte bei den regelmäßigen Nutzern. Wer es schafft, die Nutzer zu binden, der gewinnt.

In den USA ist die mögliche Zerschlagung von Big Tech zum großen Thema geworden. Wie würde sich ein Szenario, in dem Facebook Instagram oder WhatsApp oder Google YouTube verkaufen muss, auf den Tech-Aktien-Markt auswirken?

Für einen Technologie-Investor, der auch in Konkurrenten oder in abgespaltete Unternehmen investieren kann, ist das nicht wirklich ein Problem. Ich glaube nicht, dass das Sentiment darunter leiden würde. Man kennt die Problematik, dass etwa Facebook und Google den Online Werbe-Markt dominieren, seit vielen Jahren.

Kürzlich ist ein in Linz gegründetes Software-Unternehmen, Dynatrace, in New York an die Börse gegangen. Ist die US-Börse für europäische Tech-Unternehmen die spannendere Option als eine europäische?

Die Konkurrenz an US-Börsen ist sicherlich stärker, aber auch die Investoren-Basis ist größer. Ich würde aber nicht sagen, dass man als Technologie-Unternehmen in den USA notieren muss. Der Markt in Europa ist kleiner, aber nicht unattraktiver. Es gibt einige Unternehmen, die sich besser entwickeln als ihre US-Pendants.

Als Anleger, der in Tech-Stocks investieren will – auf welche Indikatoren muss man im Unterschied zu anderen Branchen achten?

Wir schauen etwa darauf, was widerstandsfähig und nicht so abhängig vom aktuellen Zyklus ist. In einem nächsten Schritt schauen wir, in welchem Segment es welche Marktteilnehmer gibt, wie sie positioniert sind und wie das Wachstum und die Profitabilität aussehen.

Das Segment der Speicher-Chips etwa hat eine relativ schwierige Zeit, weil sich die Preise mehr als halbiert haben. In solchen Momenten versuchen wir, solche Segmente zu meiden.

Interessant ist das Video-Gaming-Segment, dort finden wir kräftiges und stabiles Wachstum. Auch das Thema Sicherheit, dass mit dem Internet of Things immer wichtiger wird, ist für uns bedeutend.

Wie beeinflusst die kommende 5G-Mobilfunk-Technologie den Markt?

Das ist spannend etwa bei Unternehmen wie Nokia, die Netzwerk-Komponenten bereitstellt, oder bei Qualcomm, das die ersten Smartphone-Chips für 5G produzieren. Da sehe ich aber nicht einen plötzlichen Sprung im Markt, weil 5G schrittweise in den Markt eingeführt wird. Es ist gut, wenn ein Markt nicht sprunghaft ansteigt, sondern wenn er sich kontinuierlich entwickelt. Das ist ideal für uns, weil wir langfristiges Wachstum bevorzugen.

Wer werden die Gewinner beim Thema autonomen Fahren sein?

Alphabet versucht, mit Waymo das Android des Autos zu etablieren. Autohersteller wollen jedoch nicht kooperieren, weil sie dann zum reinen Hardware-Hersteller verkommen, auch wenn Waymo das beste Produkt hat. Für uns interessant ist Nvidia, die Hard- und Software für Automobilhersteller bereitstellt.

Der Kampf derzeit lautet Google gegen die Autohersteller und einige IT-Unternehmen. Wie der Kampf ausgeht, ist schwer zu sagen. Aber: So, wie es jetzt nicht nur Android gibt, wird es auch nicht nur Waymo geben.

Wie glauben Sie wird sich Apple weiter entwickeln? Zuletzt war Apple ja nicht mehr das wertvollste börsennotierte Unternehmen und wurde von Microsoft überholt.

Apple setzt immer stärker auf Services. Sie wissen, dass der Smartphone-Markt eine gewisse Sättigung erreicht hat, und sie werden die Margen beim iPhone nicht steigern können. Bei Services sind die Margen höher, sie haben eine starke User-Basis, und man hat die Zoll-Problematik nicht. Das macht Sinn und ist der richtige Weg. Ein großes neues Produkt sieht man aber nicht kommen.

Was ist 2020 zu erwarten?

2020 sehen wir die Stärke des Marktes wieder kommen. Die Nachfrage bei Konsumenten wird wieder steigen, und bei Hardwareproduktion gibt es keine Überkapazitäten mehr. Wir sehen zwei Risiken: Regulierungen, die einzelne Unternehmen treffen können. Und: die Beeinträchtigung des globalen Wirtschaftswachstums durch den Konflikt zwischen den USA und China. Wenn Unternehmen davon wirklich getroffen werden und Konsumenten wirklich weniger Geld ausgeben – was noch nicht der Fall ist -, dann bekommt der Aktienmarkt für eine gewisse Zeit eine Delle.

Aber Technologie für sich gesehen ist sehr stark positioniert, weil die Nachfrage es auf vielen verschiedenen Segmenten fußt – von Unterhaltung über Sicherheit bis zu Gesundheit. Deswegen gibt es die hohe Volatilität bei Unternehmensgewinnen, die man noch vor einigen Jahren gesehen hat, nicht mehr.

Technologie und Innovation im ERSTE FUTURE INVEST

Technologie Aktien findet man auch im neu aufgelegten ERSTE FUTURE INVEST. Dieser Fonds deckt fünf große Megatrends ab, die die ExpertInnen der Erste Asset Management definiert haben.

Neben „Gesundheit & Vorsorge“ sind dies der „Lebensstil“, „Technologie & Innovation“, „Umwelt & saubere Energie“ sowie „aufstrebende Märkte“. Mehr Informationen zu diesen Megatrends lesen Sie hier.


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Wie golden ist das goldene Zeitalter der tschechischen Wirtschaft?

von Margarita Sinitsyna, Fondsmanager, Czech Republic Branch, der Erste AM.

Zwar ist die derzeitige Phase der tschechischen Wirtschaft nicht vollkommen perfekt, doch könnte man sie von vielerlei Perspektiven aus als goldenes Zeitalter bezeichnen.

Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf Rekordtief – es geht soweit, dass einige Unternehmen einfach über zu wenig Arbeitnehmer verfügen – Löhne steigen mit dem wahrscheinlich höchsten Tempo seit der Finanzkrise, und die Maßnahmen der Sozialpolitik nehmen an Fahrt auf.

Konsumenten kaufen eine Reihe an nicht unbedingt notwendigen Gütern und sind bereit, für Qualität zu zahlen. Darüber hinaus kaufen sie Immobilien, wo die Preise mittlerweile auf Rekordniveaus liegen.

Aber wie golden genau ist die derzeitige Periode wirklich?

Nach der globalen Finanzkrise 2008 bis 2009 erholte sich die tschechische Wirtschaft dank rascher fiskal- und geldpolitischer Maßnahmen – allerdings nicht für lange. Von 2011 bis 2013 fiel das BIP wieder, und die bereits relativ hohe Arbeitslosigkeit begann zu steigen.

Die Inflation fiel, was Befürchtungen hinsichtlich einer deflationären Spirale aufkommen ließ. Die tschechische Nationalbank (CNB) versuchte, die Wirtschaft mittels Zinssenkung auf das sogenannte technische Nullzinsniveau (0,05%) zu stützen.

Nachdem das Zinssenkungspulver verschossen war, entschloss sich die CNB dazu, auf Deviseninterventionen umzuschwenken und wertete die Heimatwährung im November 2013 ab. Durch die Unterstützung unter anderem des exportorientierten produzierenden Gewerbes war sie imstande, die wirtschaftliche Aktivität aufrecht zu erhalten.

Im Laufe der Zeit fiel die Arbeitslosigkeit konstant, das BIP-Wachstum stieg und nahm, ebenso wie das Lohnwachstum, Fahrt auf, was den Inflationsdruck erhöhte. Die Inlandsnachfrage war neben der Exportnachfrage einer der Treiber des Wirtschaftswachstums.

Auf der Angebotsseite entwickelte sich das produzierende Gewerbe gut. Unter den Faktoren, die das Umfeld eines gewissen Prosperitätsgrades schufen, waren nicht nur die Fiskal- und Geldpolitik, sondern auch günstige Entwicklungen bei den Haupthandelspartnern.

Quellen: Bloomberg/Tschechisches Statistisches Zentralamt

Entwicklungen nach der Devisenintervention

Im April 2017, nach mehr als drei Jahren, beendete die CNB ihre Deviseninterventionspolitik. Dies verlief jedoch nicht vollkommen klaglos. Womöglich ist es einfacher, Deviseninterventionen zu lancieren als diese zu beenden. Unter anderem aufgrund der soliden volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten war die verbreitete Ansicht jene, dass der fundamental gerechtfertigte Wechselkurs der CZK deutlich über jenem sein sollte, welcher künstlich mit Hilfe der Interventionen aufrechterhalten wurde.

Spekulationskapital floss auf Basis der Annahme, dass es zu einem abrupten und signifikanten Anstieg der tschechischen Krone kommen würde, in großem Stil in die Wirtschaft.

Kurz vor dem erwarteten Ausstieg aus dem Interventions-Regime intensivierten sich die Kapitalzuflüsse dermaßen, dass die Marktteilnehmer an einem bestimmten Punkt realisierten, dass die Währung überkauft war, was definitiv sofortige Gewinnmitnahmen verunmöglicht hätte.

Daraufhin passten sie ihre Strategien an, um über längere Zeiträume hinweg Gewinn einfahren zu können. Schlussendlich führte der Ausstieg aus dem Interventions-Regime zu einem geringeren Anstieg der Krone, als zunächst erwartet worden war.

Die sich beschleunigende Wirtschaft brachte im Verbund mit der ziemlich schwachen Krone die CNB dazu, einen Zyklus verschärfter geldpolitischer Maßnahmen zu starten, welcher bis dato acht Zinserhöhungen mit sich gebracht hat.

Striktere Bestimmungen im Bankensektor

Gemeinsam mit den strikteren Bestimmungen für den Bankensektor, welche zur Vorbeugung einer möglichen Immobilienblase und zur Eindämmung der bereits erhöhten Immobilienpreise ausgearbeitet worden waren, haben besagte Zinserhöhungen zu einer deutlichen Abkühlung des Hypothekenmarktes geführt.

Andererseits ist die eingeschränkte Verfügbarkeit von Immobilien, welche dieser Tage so oft in den Medien Erwähnung findet, kein großer Vorteil für die Wirtschaft.

Quellen: Bloomberg/Tschechisches Statistisches Zentralamt, Tschechische Nationalbank

In einem Umfeld geringer erwarteter Ertragsraten auf Sparguthaben, was zum Teil auf die globale Situation zurückzuführen ist, sowie der spekulativen Zuflüsse, und nicht zuletzt aufgrund der weniger strikten Änderungen im Anleihemarktregulativ, fanden Unternehmensanleihen von kleineren Emittenten ihren Weg in zahlreiche Portfolios von Privatinvestoren, nicht selten auch ohne genauere Evaluierung der Anlagefähigkeit.

Die Renditen derartiger Anleihen pflegen über jenen von einfach zugänglichen Standardinvestmentprodukten zu liegen. Einer Öffentlichkeit, welche das einfache Sparen mittels zinstragender Sparkonten aus früheren Zeiten noch kannte, erschienen diese Anleihen attraktiv.

Bestehen heutzutage irgendwelche größere Risiken?

Die eskalierenden globalen Handelsrisiken und die stockende deutsche Volkswirtschaft, die eng mit der tschechischen Wirtschaft verbunden ist, haben gemeinsam mit der verschärften Geldpolitik, welche bereits im Laufen war, zu einer Mäßigung des Wirtschaftswachstums geführt.

Es ist nicht auszuschließen, dass diese Faktoren letztlich abklingen werden und dass die tschechische Wirtschaft eine weitere Wachstumsverlangsamung in näherer Zukunft verhindern wird können. Es ist allerdings auch möglich, dass sich externe Faktoren noch nicht vollständig manifestiert haben und dass somit eine deutlichere Abschwächung noch vor uns liegt.

Vorerst ist das BIP-Wachstum trotz leichter Verlangsamung solide, der Arbeitsmarkt ist nach wie vor stark, und die Inflation bleibt robust. Daher besteht kaum Grund zur Lockerung der Geldpolitik.

Aufgrund der globalen Unsicherheiten und des bereits nachlassenden Inflationsdrucks scheint aber eine Verschärfung der Geldpolitik ebenso wenig opportun. Beim Meeting am 25. September nahm die CNB davon Abstand, ihre Zinssätze zu ändern.

Das massive Volumen an Spekulationskapital – laut einiger Schätzungen überstiegen die Deviseninterventionen 43% des BIP – schuf ein imaginäres Widerstandsniveau für die tschechische Krone. Man kann davon ausgehen, dass ein Großteil des Kapitals bis dato in der Wirtschaft verblieben ist.

Wie ist das Verhaltensmuster der Anleger

Obwohl der Anteil der von Devisenausländern gehaltenen Staatsschuld im Fallen begriffen ist (wenngleich nicht immer gleichmäßig), sind wir nach wie vor weit entfernt von den Niveaus vor der Intervention. (36,99% im Juli 209, 41,43% im März 2017 und nur 10,75% im Oktober 2013.)1

Bis jetzt ist das Verhaltensmuster der Anleger mit Devisenausländer-Status relativ stabil. Manchmal hört man allerdings die Befürchtung, dass ein Exit en masse Turbulenzen am Devisenmarkt hervorrufen könnte.

Wenngleich nicht alles perfekt ist, so wendet sich die finanzielle Situation vieler gesellschaftlicher Schichten heutzutage dem Besseren zu. Gleichzeitig verstärkt sich die Kritik dahingehend, dass in guten Zeiten kein Budgetpolster geschaffen wird und dass sich die abflauende Wirtschaftsleistung überdies erodierend darauf auswirken kann.

Der tschechische Fiskalrat warnt vor den über lange Sicht offenbar nicht nachhaltigen Staatsfinanzen. Zu den Empfehlungen, welche die Europäische Kommission der Tschechischen Republik gab, waren jene, die sich mit der notwendigen Verbesserung der langfristigen Nachhaltigkeit im Pensions- und Gesundheitssystem befassten.

Bis dato ist die fiskale Situation recht solide; sollten die derzeitigen Entwicklungen allerdings länger andauern, so würden die Staatsfinanzen im internationalen Vergleich eventuell weniger vorteilhaft aussehen, was wiederum früher oder später die Märkte auf den Plan rufen könnte.

Sollen wir uns Sorgen machen oder nicht?

Derzeit sieht es so aus, als ob starker Pessimismus vermutlich deplatziert wäre. Die heimische Wirtschaft erscheint recht widerstandsfähig gegenüber Entwicklungen im Ausland, der Konsum ist nach wie vor stark, der Polster im Zinssatz der CNB für eine (bis jetzt allerdings nicht sehr wahrscheinliche) Rezession ist, international betrachtet, ansehnlich, und die Fiskalposition ist sowohl in historischer als auch in internationaler Analyse solide.

Eine Anzahl bereits erwähnter Risiken könnte Auswirkungen auf jeden dieser Parameter mit sich bringen. Ob diese Risiken schlagend werden, würde nicht nur von heimischen Faktoren abhängen.

Eine etwaige weitere Verschärfung globaler Handelskonflikte, eine deutlichere Abschwächung in China oder Deutschland (und letztlich in anderen Ländern) und der nachgelagerte Effekt auf die tschechische Wirtschaft oder eine Vielzahl an anderen Faktoren könnten dazu führen, dass die Situation dreht.

Unserer Meinung nach ist eine teilweise Abschwächung des Wachstums, aber keine Rezession, nach wie vor das wahrscheinlichste Szenario.


1) https://www.mfcr.cz/en/themes/state-debt/debt-statistic/by-type-of-holder

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Megatrend Gesundheit: Medizinische Versorgung als Herausforderung

Die gute Nachricht: Wir leben im Schnitt länger, werden immer älter, können das Leben länger auskosten als andere Generationen vor 20, 30 Jahren. Aber wir werden immer mehr Menschen auf diesem Planeten, und wir tun nicht immer das Richtige für unsere Gesundheit.

Durch die geänderten Lebens- und Konsumgewohnheiten steigt weltweit der Fleisch- und Wasserverbrauch. In den Ländern, die sich an der Schwelle zu den entwickelten Volkswirtschaften befinden, gleicht sich der Speisezettel zur entwickelten Welt an.

Wo es bislang vorwiegend Reis und Gemüsen das „tägliche Brot“ konsumiert wurden, landet immer öfter auch ein Burger oder ein Steak am Teller. Typische Zivilisationskrankheiten wie zB Diabetes und hoher Cholesterin lassen sich dadurch nicht einbremsen und breiten sich immer weiter aus.

Zahl der Rentner explodiert

Global betrachtet wird die Gesellschaft zunehmend älter. In den westlichen Industrienationen geht der Alterungsprozess noch schneller vonstatten. Es wird erwartet, dass der Anteil der Menschen, die über 65 Jahre alt sind, bis 2080 fast 30 Prozent der Gesamtbevölkerung in den EU-Mitgliedsstaaten beträgt.

Der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe wird dann bereits deutlich mehr als die Hälfte des Anteils der arbeitenden Bevölkerung (15 bis 64 Jahre) ausmachen. Gleichzeitig steigt die globale Lebenserwartung – allein in den vergangenen 25 Jahren um 8,7 Jahre.1

Zurückzuführen ist dies vor allem auf die besseren Lebensumstände und den medizinischen Fortschritt.2 Der demografische Wandel bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich. Zum einen steigt der Bedarf an Pflege und medizinischer Versorgung.

Zum anderen stellt das Segment der Senioren eine wachsende, vermögende Gruppe von Verbrauchern dar, die als Konsumenten immer mehr an Bedeutung gewinnt.  Die Ausgaben für Gesundheit könnten arg strapaziert werden. Laut OECD werden sie bis 2050 in den OECD-Ländern von derzeit 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 9,5 Prozent steigen.

Pharma-, Biotech- und Pflegeunternehmen profitieren

Profiteure dieser Entwicklung können Unternehmen sein, die Produkte rund um die medizinische Versorgung, Gesundheit und die Betreuung älterer Menschen anbieten. Darunter fallen beispielsweise die Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Als weitere Nutznießer gelten Pharma-, Generika- und Biotechnologieunternehmen, die in der Forschung, Produktion und dem Vertrieb von Arzneimitteln tätig sind sowie Firmen, die sich mit den Themen Gesunde Ernährung und Gesundheitsvorsorge beschäftigen.

Die Entwicklung  innovativer Medikamente und die Aktivitäten um eine Explosion der Kosten im Gesundheitssystem zu vermeiden, kann als Megatrend eingestuft werden.

Als besonders interessante Querschnittstechnologie hat sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte die Biotechnologie erweisen (siehe dazu auch unseren Blog „Was können Biotechnologie-Aktien“). Deren Einsatzmöglichkeiten sind nicht auf ein Gebiet beschränkt sondern auf viele Anwendungsmöglichkeiten.

In der Krebs- und Gentherapie wird mittels biotechnologischer Verfahren versucht Gendefizite auszugleichen bzw. zu beheben. Die zellbasierte Krebstherapie befindet sich noch in einem frühen Stadium der Entwicklung. Anlegerinnen und Anleger können trotzdem schon jetzt am Erfolg innovative Medikamente partizipieren, die Krankheiten stabilisieren bzw. den Zustand der Patienten verbessern und dadurch einen Beitrag zum Wohlstand leisten.

Ein weiteres Therapiefeld sind die sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit und Zuckerkrankheit (Diabetes), wobei hier auch die Preisgestaltung zunehmend eine Rolle spielt.

Preisdruck bei Medikamenten

Gibt es doch im Biotech-Mekka“ USA regelmäßig vor Wahlen Diskussionen um die Kosten des Gesundheitssystems. Schon in der Vergangenheit hatten sich die Demokraten für mehr reglementierte Preise ausgesprochen, konnten sich aber letztendlich nie durchsetzen.

Und welche Ideen Präsident Trump zur Finanzierung des Gesundheitssystems verfolgt, ist auch nicht klar (siehe Bericht „Handelsblatt“ vom 28.3.2019)Eine Folge des größer werdenden Preisdrucks: Es kommen immer mehr Biosimilars, also generische Versionen von original Biotech-Medikamenten, auf den Markt. Denn nach Ablauf der Patentzeit der „Originale“ gibt es die Möglichkeit sie als Arznei nachzubauen.

Die Anwendungsgebiete der Biotechnologie kommen auch bei zahlreichen neurogenerativen Krankheiten zum Tragen wie z.B. bei Multipe Sklerose oder Alzheimer. Die Zahl der erkrankten Personen ist stark im Steigen. Es gibt dagegen nicht wirklich Medikamente und laufend Rückschläge bzw. Fehlversuche.


Datum: 26.09.2019 Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

„Nachholpotenzial“ bei Biotechnologie-Aktien

Die Chancen stehen gut, dass Biotech-Aktien in den kommenden Jahren diese Wachstumsdynamik fortsetzen können. Die zu erwartenden positiven Forschungsergebnisse in Krankheitsfeldern mit hohem medizinischem Bedarf wie auch das anhaltende Umsatz- und Gewinnwachstum liefern plausible Kaufargumente.

Nicht zuletzt sind die Aktien laut Erste AM Fondsmanager Harald Kober so günstig bewertet wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die jüngste Aufwärtsbewegung der anderen Sektoren haben sie nicht mitgemacht. „Nachholpotenzial wäre vorhanden“, so Kober.

Im Auge behalten muss man als Anleger/Anlegerin die möglichen hohen Kursschwankungen und die Folgen für die Unternehmen, wenn medizinische Versuche fehlschlagen oder eine erwartete Zulassung durch die Gesundheitsbehörden verwehrt bleibt.

Gesundheit und Biotechnologie im ERSTE FUTURE INVEST

Solche Aktien der Biotechnologie findet man auch im neu aufgelegten ERSTE FUTURE INVEST, der bei Erste Bank und Sparkasse gerade zur Zeichnung aufliegt. Dieser Fonds deckt fünf große Megatrends, die die ExpertInnen der Erste Asset Management definiert haben.

Neben „Gesundheit & Vorsorge“ sind dies der „Lebensstil“, „Technologie & Innovation“, „Umwelt & saubere Energie“ sowie „aufstrebende Märkte“. Mehr Informationen zu diesen Megatrends lesen Sie hier.


Quellen:

1. Eurostat (2016);
2. Eurostat (2019); Daten per Jun 2019

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Schreckmoment für Ölmarkt ohne langfristige Folgen

Ein Drohnenangriff auf Raffinerien der saudi-arabischen Ölgesellschaft Aramco sorgte in der Vorwoche für Bewegung am Ölmarkt. Zum Wochenstart sprangen die Preise für Rohöl auf ihre höchsten Stände seit mehreren Monaten.

Durch den Angriff, hinter dem die USA-Regierung Houthi-Rebellen aus dem Jemen mit Unterstützung durch den Iran vermutet, ging eine Produktion von 5,7 Millionen Barrel verloren. Damit zählte der abrupte Produktionsausfall zu den größten aller Zeiten. Dass die Ölpreise im Wochenverlauf dennoch schnell wieder nachgaben, hängt mit mehreren Faktoren zusammen.

Ölmarkt grundsätzlich gut versorgt

Die vorübergehenden Preisanstiege können sich durch Risikoaufschläge erklären. Saudi-Arabien gilt als einer der stabilsten Produzenten: „Wenn schon ein verhältnismäßig simpler Drohnenangriff fünf Prozent des Welt-Angebots ausschalten kann, besteht natürlich die Angst vor größeren Angebots-Schocks“, sagt Rohstoffexperte Alexander Weiss von der Erste Asset Management.

Ihm zufolge fiel die Marktreaktion aber sehr konzentriert aus: Sie wirkte sich nicht auf andere Sektoren aus. AnlegerInnen müssten aufgrund der jüngsten Entwicklungen keine fundamentale Neubewertung des Ölmarkts vornehmen.

Dies liegt vor allem daran, dass die Versorgungssituation aktuell grundsätzlich sehr gut ist. Die Internationale Energie-Agentur IEA erwartet für das kommende Jahr sogar einen Angebotsüberschuss auf dem Ölmarkt.

Die wichtigsten Förderländer, die sich in und mit der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC+) koordinieren, versuchen zwar die Produktion einzudämmen und so die Preise stabil zu halten. Andere Staaten weiten jedoch ihre Ölproduktion noch stärker aus.

Nach Einschätzung der IEA werde daher die Nachfrage nach Rohöl aus den OPEC-Mitgliedsstaaten im ersten Halbjahr 2020 rund 1,4 Millionen Barrel je Tag unter der Produktion der OPEC-Länder im August liegen.

Experten für Ölmarkt zuversichtlich

Ein weiterer Grund für die begrenzten Auswirkungen des Produktionsausfalls sind die aufgebauten Lagerbestände. So hatten sich etwa die USA zur Freigabe ihrer strategischen Ölreserven bereiterklärt, sollte es nach den Drohnenangriffen auf die Ölanlagen in Saudi-Arabien zu Engpässen kommen.

Dies spiegelt auch wider, wie stark die Bedeutung der Vereinigten Staaten am Ölmarkt gestiegen ist. Die USA haben im Juni dank der massiven Schieferölproduktion kurzzeitig sogar Saudi-Arabien als weltgrößten Ölexporteur überholt.

Die weltweite Konjunktureintrübung wird nach IEA-Einschätzung keinen Einbruch der Ölnachfrage zur Folge haben. Die Behörde hält an ihren Prognosen für dieses und kommendes Jahr fest. Demzufolge dürfte sich der globale Bedarf 2019 auf 1,1 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) pro Tag erhöhen und 2020 um weitere 1,3 Millionen Barrel steigen.

Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Handelsgespräche zwischen den USA und China nicht scheitern und sich die Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran wieder abschwächen.

Zusammenfassend sieht Erste Asset Management-Analyst Alexander Weiss die Ölversorgung längerfristig  nicht gefährdet. Daran hat auch der aufsehenerregende Angriff auf saudi-arabische Produktionsstätten nichts geändert: „Geopolitisch sehen wir momentan keine Eskalation.

Bis jetzt haben alle einen kühlen Kopf bewahrt.“, resümiert Weiss. Bereits Mitte vergangener Woche meldete der Ölkonzern Saudi Aramco, die Erdölproduktion in den angegriffenen Großanlagen sei bereits zu etwa 40 Prozent wiederhergestellt. Die volle Kapazität soll schon bis Ende September wieder zur Verfügung stehen.

Investieren in die bedeutendsten Rohstoffunternehmen

Wer in die weltweit bedeutendsten Rohstoffunternehmen investieren möchte, kann dies über den Fonds ESPA STOCK COMMODITIES tun. Der Fonds ist in börsennotierten Unternehmen aus den Sparten Energie, Metalle und Basismaterialien breitflächig investiert. Da es sich um einen Aktienfonds handelt, muss man mit Kursschwankungen an der Börse rechnen. Man hat aber die Chance langfristig von der steigenden Nachfrage nach Rohstoffen zu profitieren.


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Wie Megatrends unsere Gesellschaft beeinflussen

Digitalisierung, Energiewende, Klima und Globalisierung. Schlagworte, die heute inflationär verwendet werden. Wenn von Megatrends in der Geldanlage die Rede ist, dann meint man Themen bzw. Entwicklungen, die maßgebliche gesellschaftliche Veränderungen bewirken können.

Wie kann der Lebensstandard in der Zukunft gesichert werden? Wo sind die Wachstumsregionen und welche Innovationen und technologischen Entwicklungen sind in der Zukunft erfolgsversprechend? 44% der Österreicherinnen und Österreicher sehen Digitalisierung als größten Treiber der Gesellschaft, dicht gefolgt von technischen Fortschritt z.B. bei Medizin und Big Data mit 43%.

Nur knapp ein Drittel betrachtet die Automatisierung (33%) oder die Energiewende (29%) als sehr starken Einfluss. Laut einer repräsentativen Studie von Integral im Auftrag der Erste Asset Management (Erste AM) macht der demografische Wandel sogar nur 18% der Befragten Sorgen.

Großteil der Befragten sieht positive Effekte von Megatrends auf ihr Leben

41% der Österreicher sehen grundsätzlich einen positiven Effekt von Digitalisierung auf das eigene Leben, lediglich 14% befürchten einen negativen Einfluss. Insbesondere jüngere Befragte zwischen 16-29 Jahren meinen Digitalisierung werde sich sehr bzw. eher positiv auf ihren Job und ihre sozialen Kontakte auswirken.

„Megatrends sind aus gutem Grund in der öffentlichen Wahrnehmung sehr präsent. Wir stehen am Beginn spannender Entwicklungen: nachhaltige Energiequellen, autonomes Fahren, künstliche Intelligenz oder virtuelle Realität im Industrie- oder Medizinbereich zeigen aber bereits heute ihr enormes Potential“, betont Heinz Bednar, Geschäftsführer Erste AM.

Megatrends und Nachhaltigkeit bestimmen die Märkte

Denken wir nur an die Themen wie Automatisierung, das Internet der Dinge oder künstliche Intelligenz, dann wird deutlich, dass neue Geschäftsmodelle entstanden sind, deren wirtschaftliche Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft sind.

„Die größten Impulse gehen zweifelsohne vom Technologiesektor aus. Sowohl in der Informationstechnologie als auch in der Biotechnologie und in der Umwelttechnologie stehen wir vor bahnbrechenden Entwicklungen“, erklärt Gerold Permoser, Chief Investment Officer Erste AM. Treiber der Technologisierung ist die stetig wachsende Weltbevölkerung, deren Lebensgewohnheiten sich in großen Schritten verändert.

Um 2050 könnte unser Planet, laut UN, bereits ca. 10 Milliarden Menschen zählen (2019: ca. 7,7 Milliarden). Klimawandel und eine ständig wachsende Weltbevölkerung verlangen nach einer Alternative zu klassischen Energiearten. Neben neuen Quellen wie Wind oder Solar, entstehen auch Industrien rund um Themen wie Energieeffizienz und Energieversorgung (intelligente Netzwerke). 79% der ÖsterreicherInnen ist daher, laut eigener Angabe, das Thema Nachhaltigkeit im Sinne von „ökologisch, ethisch und sozial“ wichtig.

In Megatrends investieren

Erste Asset Management hat aktuell den Fonds ERSTE FUTURE INVEST zur Zeichnung aufgelegt. Dabei handelt es sich um einen aktiv gemanagten Aktienfonds – 5 ausgewählte Megatrends werden entweder mit ausgewählten Aktieneinzeltiteln oder spezialisierten Aktienfonds abgebildet.

Da sich Megatrends nicht nach typischen Mustern entwickeln, wird die Veranlagungspolitik des Fonds auf dieser Basis aktiv gesteuert. Auch die Aufteilung zwischen Aktien und Fonds wird laufend angepasst, wobei das Portfolio neben bekannten „Blue Chips“ gezielt attraktive, aber den meisten Anlegern weniger bekannte Mid-Cap-Unternehmen enthalten wird.

„Nicht aus jedem Hype oder Trend wird ein Megatrend. Bei einem Megatrend Fonds geht es um Entwicklungen, die viele Jahre anhalten sollten. Und da reden wir eher über 15 Jahre und länger, vielleicht auch Jahrzehnte“ so Permoser abschließend.


Der ERSTE Future Invest

Der neue Aktienfonds ERSTE FUTURE INVEST investiert in 5 potenzielle Megatrends – wie Gesundheit & Vorsorge, Lebensstil, Technologie & Innovation, Umwelt & saubere Energie und Aufstrebende Märkte, die für AnlegerInnen als attraktiv erachtet werden. Das erfahrene Fondsmanagement der Erste Asset Management beobachtet und bewertet die Megatrends und investiert in diese entweder mit ausgewählten Aktieneinzeltitel oder spezialisierten Aktienfonds.

Über die Studie

Die Erste Asset Management beauftragte das Marktforschungsinstitut Integral mit der Befragung der ÖsterreicherInnen (16-69 Jahre) rund um das Thema Digitalisierung/Megatrends. Die Studie ist repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren. Insgesamt wurden im Zeitraum von 30. August – 06. September 2019 n=510 Online-Interviews in Österreich durchgeführt.

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Geldpolitik stößt an Grenzen

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gestern den Einlagenzins für Banken von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt, der Leitzins bleibt unverändert auf 0 Prozent. Das Ziel von EZB-Präsident Mario Draghi ist die Finanzierungsbedingungen möglichst günstig zu halten. Ab dem 1. November werden zudem Anleihen für bis zu 20 Milliarden Euro im Monat gekauft.

1. Proaktive, lockere Geldpolitik

Zahlreiche Zentralbanken, allen voran jene in den USA haben in diesem Jahr einen Schwenk von Leitzinsanhebung auf Leitzinssenkung vollzogen. Die Hauptargumente für diese Umkehr waren nicht nur die Eintrübung der Aussichten für das reale Wirtschaftswachstum und die Inflation sondern auch die angestiegene Unsicherheit, ausgelöst durch den an Intensität gewonnenen Konflikt zwischen den USA und China. Das heißt, die Zentralbankpolitiken waren pro- und nicht reaktiv.

Das gilt auch für die Europäische Zentralbank. Mit den gestern, am 12. September gesetzten Maßnahmen (Leitzinssenkung, Anleiheankaufsprogramm, Reinvestition von auslaufenden Anleihen, neue langfristige Finanzierungsmodalitäten für Banken, gestaffeltes System für die Überschussliquidität der Banken) soll das geldpolitische Umfeld nochmals gelockert werden.

Lockerung des Finanzumfeldes

Die Zentralbanken waren damit in der Lage, trotz der Eintrübung des volkswirtschaftlichen Umfeldes Kursanstiege auf den Finanzmärkte zu befördern. Mit einer gewissen Zeitverzögerung wird dies auch unterstützend auf das Wirtschaftswachstum wirken.

Ähnliches gilt auch für die Stimulierungsmaßnahmen in China. So soll durch eine Absenkung der Mindestreservesätze für Banken das Kreditwachstum unterstützt werden. Die Maßnahmen waren bis jetzt vergleichsweise moderat. Eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums wurde bis jetzt nur gedämpft aber nicht verhindert.

Abgenommene Effektivität der Geldpolitik – säkulare Stagnation

Das außerordentlich niedrige Zinsniveau befindet sich bereits in der Nähe der sogenannten effektiven Zinsuntergrenze. Auf diesem Niveau können die Leitzinsen nicht mehr um mehrere Prozentpunkte gesenkt werden, um eine Rezession zu bekämpfen.

Im Fall einer weiteren wirtschaftlichen Eintrübung würden wir uns in der kuriosen Situation befinden, dass die Zinsen zwar niedrig aber immer noch zu hoch sind. In weiterer Folge könnten wichtige Volkswirtschaften in ein Umfeld abgleiten, das säkulare Stagnation heißt. Die Eigenschaften von diesem Szenario klingen wenig attraktiv aber bekannt:

  1. niedriges Wirtschaftswachstum,
  2. niedrige Inflation,
  3. niedrige Zinsen,
  4. niedriges Gewinnwachstum und
  5. erhöhte Anfälligkeit für eine Rezession,
  6. für eine längere Zeit.

Druck auf andere Politikbereich steigt an

Die Geldpolitik stößt an ihre Grenzen. Das gilt seit einiger Zeit für Japan und jetzt auch insbesondere für die Eurozone. Der klassische Ausweg aus der „Niedrigzinsfalle“ ist eine expansive Fiskalpolitik, sprich: Höhere Budgetdefizite könnten die Nachfrage erhöhen.

Das ist natürlich nur dann nachhaltig, wenn Investitionen gefunden werden, die einen positiven Cash Flow – direkt oder indirekt über zum Beispiel Maßnahmen zum Klimaschutz – versprechen. Für die Eurozone kommt erschwerend dazu, dass nach vor eine gemeinsame beziehungsweise eine koordinierte Fiskalpolitik fehlt (sowie eine gemeinsame Wirtschaftspolitik).

2.Das Volkswirtschaftliche Umfeld

Das volkswirtschaftliche Umfeld kann auf globaler Ebene mit schwachem Wachstum bei niedriger Inflation beschrieben werden. Mit den zur Verfügung stehenden Daten können die drei möglichen realistischen Szenarien 1) „Stabilisierung nach der Abschwächung“, 2) „Abgleiten in die Rezession“ oder 3) „säkulare (langfristige) Stagnation“ nur schwer voneinander unterschieden werden.

Reales globales Wirtschaftswachstum unter dem Potential

Versucht man mit den Konjunkturindikatoren das weltweite reale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes zu schätzen, erhält man eine Bandbreite von 2% bis 2,3% für das dritte Quartal 2019. Das liegt unter Potenzial, das heißt, unter jenem Wert mit dem die Weltwirtschaft bei Vollauslastung wachsen könnte (2,5% – 3,0%).

Schwache Anzeichen einer Stabilisierung

In den vergangenen Wochen sind Indikatoren veröffentlicht worden, die auf ein Ende der Abschwächung des Wirtschaftswachstums hindeuten. Diese Anzeichen sind allerdings schwacher Natur. Unter anderem hat im Sommer eine Verbesserung bei den Exporten und der Industrieproduktion im asiatischen Raum stattgefunden.

Zudem hat es mit dem Anstieg beim globalen Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor im Monat August eine marginale Verbesserung in jenem Sektor gegeben, den es seit Anfang 2018 am stärksten erwischt hat.

Abwärtsrisiken

Mittlerweile sind negative Überwälzungseffekte vom schwachen Fertigungssektor auf den Servicesektor und den Arbeitsmarkt erkennbar. Bis vor kurzem hat der starke Arbeitsmarkt die persönlichen Einkommen und damit den privaten Konsum unterstützt. Die Arbeitslosenraten sind zwar nach wie vor niedrig, aber das Beschäftigungswachstum ist bereits gefallen. Zudem deuten die umfragebasierten Indikatoren auf eine Fortsetzung der Abschwächung am Arbeitsmarkt an.

Disinflation

In vielen entwickelten Volkswirtschaften sind die Inflationsraten (Konsumentenpreise) unter dem jeweiligen Zentralbankziel. Zudem weisen zahlreiche Preisindikatoren eine fallende Tendenz auf. Der treibende Faktor dafür ist der rückläufige Inflationstrend auf der Produzentenebene. Das reflektiert die stagnierende Fertigung auf globaler Ebene.

Angespannte Geopolitik

Ähnlich wie auf der Wachstumsseite ist auch die geopolitische Seite nach wie vor angespannt. Gleichzeitig gibt es auch hier leichte Anzeichen einer Entspannung:

  • Die Konfrontation zwischen den USA und China ist strategischer Natur. Nach wie vor heben die USA die Zölle auf chinesische Importe an. China reagiert unter anderem damit, die Währung Renminbi gegenüber dem US-Dollar abschwächen zu lassen. Immerhin wurde für Oktober eine Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den USA und China vereinbart. Die Reaktion: Eine Festigung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar.
  • Mit der neuen Regierung in Italien zwischen PD und M5S ist die Wahrscheinlichkeit für eine Konfrontation zwischen Italien und der Europäischen Kommission gesunken.
  • Das Brexit-Chaos und der Zugang von Premier Johnson zur Politik (Hardball) verunmöglichen eine seriöse Prognose. Der Versuch des britischen Parlaments die Kontrolle über den Brexit-Prozess zu erlangen, hat die Wahrscheinlichkeit für einen ungeregelten Brexit am 31. Oktober nicht wirklich reduziert.

Die durch die geopolitische Ebene erzeugte Unsicherheit kann ganz gut mit einem Indikator in die Welt des Wirtschaftswachstums übersetzt werden. Die Stimmungsindikatoren für den Unternehmenssektor weisen seit Anfang 2018 eine fallende Tendenz auf.

Damit einhergehend ist auch das Wachstum der Unternehmensinvestitionen drastisch gefallen. Eine „Waffenstillstand“ zwischen den USA und China hätte das Potenzial, die Stimmungslage der Unternehmen zu stabilisieren.

Grafik: Fallende Unternehmensstimmung; Quelle: OECD

Schlussfolgerung

Das Besondere an der aktuellen Situation ist nicht die zyklische Abschwächung der Weltwirtschaft sondern das außerordentlich niedrige Zinsniveau. Denn dadurch ist die Effektivität der Geldpolitik drastisch gesunken und die Wahrscheinlichkeit für eine lange andauernde Stagnation angestiegen.

Positiv betrachtet könnten wir noch einmal die Kurve kratzen. Die bis jetzt gesetzten Lockerungsmaßnehmen der Zentralbanken auf globaler Ebene und die Stimulierungsmaßnahmen in China könnten ausreichen, wenn gleichzeitig die Unsicherheit auf der geopolitischen Seite sinkt, das heißt, wenn die USA und China eine (kosmetische) Übereinkunft erzielen.

Selbst aus einer säkularen Stagnation gäbe es – zumindest theoretisch – einen Ausweg: öffentlich finanzierte Investitionen.


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20 Jahre ESPA Bond Europe High Yield – Innovationen und Entwicklungen

von Bernd Stampfl, Senior Fund Manager Fixed Income Markets der Erste AM.

Als am 7. Mai 1998 Apple seinen ersten iMac vorstellte, steckte ein amerikanische Hard- und Softwareentwickler in seiner größten wirtschaftlichen Krise und mit dem Rücken zur Wand. Nachdem sein damaliger Gründer das Unternehmen im Jahr 1985 verlassen hatte, führten in den Jahren darauf falsche Managemententscheidungen aufgrund unklarer Strategien und einer viel zu umfangreichen Produktpalette zu einer Konzernkrise.

Im Jahr 1997 stand das Unternehmen sogar kurz vor der Pleite, und das Rating des Emittenten wurde von der Ratingagentur Standard and Poors auf B- herabgestuft, den tiefsten Stand in der Firmengeschichte.

Bei dem Unternehmen handelt es sich auch um Apple, und der Gründer hieß Steve Jobs. Steve Jobs verordnete bei seiner Rückkehr in das Unternehmen sofortige, strenge Sparmaßnahmen und begann seine Ideen und Visionen für Apple umzusetzen insbesondere die Entwicklung des Apple iMac.

Beginn des High Yield Marktes für europäische Unternehmensanleihen

Zu dieser Zeit war der Markt für europäische Unternehmensanleihen mit Junk-Rating (High Yield) noch sehr klein. Europäische Emittenten begaben ihre Anleihen aufgrund der Liquidität und der Anzahl der Marktteilnehmer lieber in US-Dollar. Am Jahresende 1997 waren nur 8 Anleihen denominiert in D-Mark und ECU handelbar.

Der vielleicht bekannteste Emittent darunter ist die Firma Geberit aus dem Sanitärbereich mit Sitz in der Schweiz. Alle anderen Unternehmen aus dem Index wurden in den Jahren darauf entweder übernommen oder existieren nicht mehr.

Vor der Einführung des Euros existierte de facto kein europäischer Kapitalmarkt für Unternehmensanleihen geschweige denn High Yield. Es gab bestenfalls illiquide, nationale Märkte segmentiert nach Währung und lokalen Zinsrisiken.

Es gab keinen harmonisierten Standard für Zinsusancen, zentrale Abwicklung, Emissionsprospekte etc. Nach dem zaghaften Beginn mit einzelnen in Vorläuferwährungen des Euro denominierten Anleihen, nahm der europäische High Yield-Markt mit der Einführung des Euro als Buchgeld in 1999 Fahrt auf.

Ein Iphone kam geflogen

Im Jahr 2000 belief sich die Anzahl der Titel bereits auf 60, im Folgejahr auf 97 und am 9. Januar 2007 auf 186, dem Tag als Apple sein erstes iPhone vorgestellt hat. Es war für das Unternehmen nicht nur ein kleiner weiterer Schritt. Mit dem iPhone gelang hier der ganz große Wurf.

In den ersten Jahren erreichte Apple nur einen Marktanteil von 4%, erwirtschaftete aber gleichzeitig über alle Hersteller hinweg 50% aller Gewinne. Und war rund 10 Jahre nach seiner größten Krise ganz oben angekommen.

Es gibt natürlich auch negative Beispiele, das soll aber nicht das Thema sein. Der Blogeintrag möchte auch nicht die Erfolgsgeschichte von Apple per se erzählen, sondern erinnern, dass ein Unternehmen selbst mit Junk-Rating dank einer guten Idee und Investoren, die auch daran glauben, sehr erfolgreich werden kann.

Pleite von Lehman Brothers

In den letzten 20 Jahren, seitdem es den ESPA Bond Europe High Yield gibt, ist vieles passiert. Die vielleicht schwierigsten, aber im Nachhinein auch interessantesten Tage und Wochen, waren diejenigen kurz vor und nach der Pleite von Lehman Brothers im September 2008.

Als sich damals die Risikoaufschläge (die zu bezahlenden höheren Zinsen gegenüber risikolosen Anleihen) für die Unternehmen im Universum fast über Nacht auf das Zwölffache ausweiteten, war es undenkbar, dass der Großteil der Unternehmen weiterbestehen würde. Die Folge von Massenkonkursen wäre u.a. ein massives Ansteigen der Arbeitslosigkeit gewesen.

Durch die koordinierten Interventionen der Zentralbanken wurde der Geldmarkt stabilisiert und das größte Übel verhindert. Innerhalb eines Jahres stieg die Anzahl der Anleihen im Universum von 169 auf 229.

Aktuell beläuft sich die Ziffer auf fast 500 Anleihen. Man könnte jetzt vermuten, dass darunter viele Unternehmen sind, die wie Apple damals kurz vor der Pleite stehen. Dem ist aber nicht so.

Neben vielen kleinen Unternehmen, die trotz eines Junk-Ratings gut aufgestellt sind, befinden sich im Universum auch bekannte Namen von Produzenten von Technologien für autonome Fahrsysteme für Automobile oder Weltmarktführer für Energiesysteme für Haushalte, Anbieter von Server-Systemen für Großunternehmen sowie auch Anbieter von digitalen Zahlungssystemen.

Das neue Apple

Vielleicht ist ja in 20 Jahren eines dieser Unternehmen das neue Apple. Das macht die Arbeit auch so interessant, aber auch herausfordernd. Und überhaupt ist, bedingt durch die Niedrigzinspolitik in den Jahren seit der Lehman Pleite, die Anzahl der Investoren am High Yield-Markt rasant gestiegen.

Eine höhere Anzahl an Investoren, gepaart mit gestiegenen Anlagevolumina bedeutet bei einer stabilen Anzahl und Volumen an investierbaren Titeln auch eine vergleichbar höhere Nachfrage nach Papieren. Investoren sind bereit, höhere Preise zu bezahlen auf der Suche nach Rendite.

Ein gut funktionierender Markt für Unternehmensanleihen ist für viele Unternehmen sehr wichtig insbesondere für Klein- und Mittelbetriebe oder Unternehmen mit einem relativ hohen Kapitalbedarf, um deren Investitionen in Forschung- und Entwicklung zu finanzieren.

Außerdem liefert der Markt für High Yield-Anleihen Bewertungen für die zukünftigen wirtschaftlichen Aktivitäten der emittierenden Unternehmen  angesichts aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen.

Quelle: Erste Asset Management GmbH

FAZIT

Der Markt für hochverzinsliche Unternehmensanleihen hat sich in den letzten 20 Jahren sehr stark verändert. Ähnlich wie auch das Nutzerverhalten im Internet, das Aufkommen neuer Finanzprodukte oder die Entwicklung von alternativen Energien. Alles verläuft schneller und direkter. Auch die Anlageentscheidungen müssen schneller getroffen und regelmäßig hinterfragt werden.

Der europäische High Yield-Markt startete Ende des vorigen Millenniums mit einer Marktkapitalisierung von knapp EUR 700 Millionen. Zuletzt belief sich die Marktkapitalisierung auf EUR 285 Milliarden. Der Fonds ESPA BOND EUROPE HIGH YIELD war quasi von der Geburtsstunde dieses für Unternehmen wichtigen Marktsegmentes dabei und konnte seit Auflage einen durchschnittlichen jährlichen Ertrag von 3,78% erzielen.


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IFA: Smartphone-Hersteller setzen Hoffnungen auf neuen Standard

Noch bis Mitte dieser Woche (11.09.) findet in Berlin die Internationale Funkausstellung (IFA) statt. Die Messe gilt als eine der wichtigsten Veranstaltungen für Unterhaltungselektronik und Kommunikationstechnik. Eine zentrale Rolle spielen bei der IFA daher Neuheiten im Bereich mobile Kommunikation und Smartphones.

Im Zuge dessen werden nicht nur die neuesten Modelle der Öffentlichkeit präsentiert, sondern auch Branchentrends und die Geschäftsentwicklung thematisiert.

Dieses Jahr steht neben faltbaren Smartphones der Datenfunkstandard 5G im Zentrum. Denn die schnellere Datenverbindung gilt als eine Hoffnung für börsennotierten Handyriesen, die sich mit Herausforderungen konfrontiert sehen.

Handelsstreit belastet Markt für Smartphones

So sorgt etwa der Handelsstreit zwischen den USA und China für Komplikationen. Sanktionen gegen den chinesischen Hersteller von Mobiltelefonen und führenden Netzwerkausrüster Huawei dürften den gesamten Sektor ausbremsen, erwarten Analysten.

Es sei zwar absehbar, dass vor allem der Marktführer Samsung sowie chinesische Rivalen wie Xiaomi einen Teil der Huawei-Kunden anlocken könnten, sagt Anshul Gupta vom Marktforschungsinstitut Gartner: „Ich gehe aber nicht davon aus, dass die wegbrechenden Huawei-Verkäufe komplett von anderen Playern aufgefangen werden. Dadurch wird der Markt noch etwas stärker schrumpfen.“

Für das zweite Quartal errechnet Gartner einen Rückgang der Smartphone-Verkäufe um 1,7 Prozent auf 368 Millionen Geräte. Vor allem die Nachfrage nach teuren Modellen sei zurückgegangen. Zum einen sähen Besitzer von Top-Modellen keinen Grund, ihre Geräte zu erneuern.

Zum anderen gebe es nicht genug Anreize für Nutzer mit Mittelklasse-Telefonen, auf teurere Modelle umzusteigen. Hier hofft man nun auf den 5G-Standard. Die neue Technologie könnte das Interesse an neuen und teureren Smartphones steigern, heißt es.

Smartphone

Hoffnung auf neuen Technologien

Samsung blieb im zweiten Quartal die klare Nummer eins und steigerte seinen Marktanteil nach Berechnungen von Gartner im Jahresvergleich von 19,3 auf 20,4 Prozent. Der Marktanteil von Huawei legte zwar von 13,3 auf 15,8 Prozent zu – sein Absatz verzeichnete aber einen deutlichen Einbruch, nachdem das Unternehmen Mitte Mai von der US-Regierung auf eine schwarze Liste gesetzt wurde.

Zusätzlich mussten die beiden Anbieter den Verkaufsstart ihrer Falt-Telefone verschieben, nun sollen sie im Herbst verfügbar sein. Während der Branchenprimus Samsung sein „Galaxy Fold“ auf der IFA präsentierte, stand beim chinesischen Konkurrenten Huawei die Vorstellung seines „Mate X“ an.

Samsung gab außerdem bekannt, ein 5G-fähiges Smartphone in der mittleren Preisklasse auf den Markt zu bringen.

Die Hoffnung auf mehr Dynamik am Smartphone-Markt betrifft längst nicht nur die Hersteller. Auch die Industrie ihrer Zulieferer hängt davon ab. Ein Beispiel dafür ist der heimische Halbleiterkonzern ams AG, dessen Aktien an der Zürcher Börse notieren. Sein Aktienkurs kam im Zuge der Handelsstreitigkeiten unter Druck.

Entscheidend für eine Entspannung werden neben den politischen Fortschritten zwischen den USA und China der rasche Ausbau der 5G-Infrastruktur in den einzelnen Ländern sowie die Nachfrage nach neuen Handys sein – und in diesem Bereich sind die Erwartungen an die Internationale Funkausstellung hoch.


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Argentinien weint (wieder) – Analyse zur Lage

von Felix Dornaus, Senior Fondsmanager Schwellenländeranleihen der Erste Asset Management.

Alberto Fernandez, der linksgerichtete Herausforderer des im Amt befindlichen Präsidenten Mauricio Macri, gewann die Vorwahlen im August in überzeugender Manier.

Kein einziger Meinungsforscher hätte auf so einen Ausgang getippt, womit auch der Markt am falschen Fuß erwischt wurde. Fernandez gilt als dem Kirchnerismus verbunden, wobei er allerdings bestrebt ist, diesen Eindruck nicht zu bestätigen.

Ungeachtet dessen ist seine Vizepräsidentschaftskandidatin Christina Kirchner, welche vor Mauricio Macri das Präsidentenamt innehatte und für die vollkommene Isolation des Landes von den internationalen Kapitalmärkten während ihrer Amtsperiode verantwortlich zeichnet.

Kommende Wahlen verschrecken Anleger

Die letztlich ausschlaggebenden Wahlen werden am 27. Oktober abgehalten, aber derzeit sieht eine zweite Amtsperiode für Macri eher unwahrscheinlich aus. Diese Aussicht verschreckt die Anleger, da sie die Rückkehr zu einer unorthodoxen und populistischen Einstellung zum Markt sowie eine provokative Haltung dem IWF gegenüber unter einem Fernandez-Kabinett befürchten.

Die Anleihekurse am Sekundärmarkt fielen auf ein Niveau, welches Zahlungsunfähigkeit als fast sicheres Ereignis einkalkulierte.

Die weit verbreitete Angst im Markt macht es bereits beinahe unmöglich für Argentinien, sich am lokalen Kapitalmarkt zu refinanzieren. Dies veranlasste die Behörden dazu, eine verpflichtende Reprofilierung für in Kürze fällig werdende, lokale Schuldtitel zu verhängen.

Kein Schuldenschnitt

Darüber hinaus kündigte Macri an, eine „freundschaftliche und freiwillige Reprofilierung“ der Auslandsschulden Argentiniens anzustreben, dies allerdings ohne Schuldenschnitt („haircut“).

Auch verwies er auf die „Notwendigkeit“ von Gesprächen hinsichtlich der Rückzahlungsstruktur bestehender IWF-Kredite, womit er den Fonds – welcher das Macri-Kabinett bis dato nach Kräften unterstützt hat – womöglich vor den Kopf stoßen könnte. Fernandez ist konkrete Informationen bezüglich seiner Haltung zu derlei Maßnahmen bisher schuldig geblieben.

Dies ist von Relevanz, da es im Falle eines Wahlsiegs womöglich seinem Kabinett obläge, selbige in die Tat umzusetzen.

Erste Runde an Kapitalkontrollen

Über das Wochenende implementierten die argentinischen Behörden die erste Runde an Kapitalkontrollen, um dem Abfluss von Devisenreserven Einhalt zu gebieten.

Die Bedienung von Auslandsschulden ist bisher noch nicht von den Kontrollen betroffen.

Mittlerweile steht das Land bei den meiste Rating-Agenturen auf „Selective Default“ (d.h. teilweise, selektive Bedienung bzw. Nichtbedienug von Schulden). Solch eine Situation wird vermutlich zu einem Kreditereignis am CDS-Markt führen.

Es ist schwer abzuschätzen, ob die derzeitigen Preisniveaus ein Restrukturierungsergebnis exakt reflektieren, aber ceteris paribus sind wir unserer Meinung nach nahe an Verwertungsniveau.


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Wer hat Angst vor der inversen Zinskurve?

Mitte August sorgte ein kleines Beben an den New Yorker Börsen für Aufregung. Sowohl der Dow Jones Industrial Index als auch der Nasdaq Composite Index gingen am 14. August mit satten Einbrüchen von je mehr als 3  Prozent aus dem Handel. Massive Indexverluste an den Aktienmärkten weltweit waren die Folge.

Dabei hatten in den Tagen zuvor Signale einer Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China eigentlich für hervorragende Stimmung unter den Anlegern gesorgt. Auch der US-Präsident hatte sich nicht auffällig geäußert. Was hatte  also den plötzlichen Einbruch an den Börsen verursacht?

Was verrät die Zinskurve über die Wachstumserwartungen?

Am US-Anleihenmarkt war die Rendite für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren unter jene für zehnjährige Schuldverschreibungen gefallen. Eine solche seltene Situation erzeugt eine inverse Zinskurve. Zuletzt war dies 2007 Fall und allen Rezessionen der US-Wirtschaft in den vergangenen fünf Jahrzehnten ging eine inverse Zinskurve voraus. Daher gilt die als zuverlässiger Vorbote einer Rezession.

Denn wenn Anleger dem Staat Geld leihen, begnügen sie sich üblicherweise bei kurzfristigen Anleihen mit einer niedrigeren Rendite als bei Anleihen, die über zehn oder mehr Jahre laufen. Die Logik dahinter ist einfach: Je kürzer die Laufzeit, umso überschaubarer ist das Risiko der Anlage und damit sinkt die geforderte Verzinsung.

Warum spielt die inverse Zinskurve so eine große Rolle?

Eine inverse Zinskurve deutet darauf hin, dass sich diese Einschätzung der Anleger umgekehrt hat. Sie halten dann das kurzfristige Risiko für höher als jenes für länger laufende Investments. In anderen Worten halten sie es für möglich, dass sich das Wirtschaftswachstum demnächst so sehr abschwächt, dass es dem Staat schwerer fallen wird, seine Schulden zurückzuzahlen.

Gleichzeitig rechnen sie langfristig mit niedrigeren Zinsen, weil sie davon ausgehen, dass die Zentralbanken der Wirtschaft mit billigerem Geld unter die Arme greifen werden müssen.

In diesem Umfeld wird es auch für Unternehmen und Konsumenten teurer, sich kurzfristig Geld zu leihen. Sie schieben daher Investitionen und Kaufentscheidungen auf, weil sie davon ausgehen, dass die Zinsen zu einem anderen Zeitpunkt wieder günstiger werden.

Dies reduziert Investitionen und Konsum, die einen großen Teil wirtschaftlicher Aktivitäten ausmachen und reduziert so tatsächlich das Wirtschaftswachstum.

Warum hat sich die Zinskurve gedreht?

Die Rendite kurzfristiger Anleihen hängt stark von der Zinspolitik der jeweiligen Notenbank ab, weil die Leitzinsen die Attraktivität anderer Finanzprodukte maßgeblich beeinflussen. Langfristige Staatspapiere werden eher von den Inflationserwartungen geprägt, da Anleger bei langen Laufzeiten besonders auf Wertstabilität achten.

In den vergangenen Jahren hat die Federal Reserve (Fed) die Zinsen schrittweise angehoben, was die Renditen zweijähriger Bonds antrieb. Als sie im März überraschend ankündigte, die Geldpolitik wieder zu lockern, normalisierte sich die Zinskurve noch einmal.

Doch als die Fed im Juli schließlich das erste Mal seit 2008 die Leitzinsen senkte, flachte die Zinskurve weiter ab und invertierte zuletzt schließlich.

Grund dafür sind die zunehmenden Sorgen, dass sich die globale Wachstumsschwäche getrieben durch Handelskonflikte weiter ausbreitet und lockerere Geldpolitik allein dagegen nicht mehr ankommen könnte.


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Eine italienische Tragödie – Mezzoforte

von Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste Asset Management.

Seit seiner Berufung zum Ministerpräsidenten Italiens, wird Giuseppe Conte mit der Figur des Arlecchino verglichen. In Carlo Goldonis Komödie „Der Diener zweier Herren“ begibt sich der schusselige Diener in den Dienst zweier Verliebter, ohne dass die von dessen Doppelgleisigkeit wissen.

Arlecchinos Konstrukt aus Täuschungen und Lügen führt beinahe zum Selbstmord der beiden, endet aber letztlich doch glücklich. Das Ende von Giuseppe Contes politischer Karriere hingegen glich eher einem tragischen Lehrstück nach Manier eines Niccolo Machiavelli.

Beflügelt durch gute Umfragewerte für die Lega Nord sprach Parteichef und Innenminister Matteo Salvini im August Conte und damit auch dem Regierungspartner Luigi di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung das Vertrauen ab. Bevor der Misstrauensantrag im Senat zur Abstimmung kam, gab Conte am 20. August seinen Rücktritt bekannt.

Im Folgenden sei skizziert, welche Auswirkungen die politischen Verwerfungen auf Italien, Europa und die Märkte haben könnten.

Italia che sarà, sarà

Wenn auch in der internationalen Presse in Bezug auf Italien zurzeit oft die Wörter Chaos oder Krise verwendet werden, könnte man zynisch entgegenhalten, dass die momentanen Zustände im italienischen Kontext nicht außergewöhnlich sind. So war die letzte Legislaturperiode mit 437 Tagen zwar kürzer als der Schnitt von 625 Tagen seit Ende des 2. Weltkrieges, aber statistisch gesehen lag die Zerfallswahrscheinlichkeit der Regierung bereits bei 43%.

Kommentatoren legen momentan einen großen Fokus auf die Wahlarithmetik, um herauszufinden ob Italien ein Premier Salvini „droht“. Vergessen wird dabei, dass die Regierung in Italien im Vergleich zu anderen Ländern wesentlich weniger Befugnisse hat.

Gerade diesen Umstand versuchte Contes Vorgänger Matteo Renzi ja erfolglos per Referendum zu ändern. Auch mit einem Premier Salvini läge die Zukunft Italiens immer noch zu einem großen Teil in den Händen namloser Bürokraten und des besonnenen Staatspräsidenten Sergio Mattarella.

Europa und der kranke Mann am Tiber

Beim letzten Italienurlaub fiel einem vielleicht der ein oder andere Carabiniere mehr auf, aber die Autobahn, auf der jener seine Runden zieht, ist immer noch so baufällig wie vor Antritt der Regierung Conte. Besonders Luigi di Maio hatte seinen Wählern Investitionen in die marode Infrastruktur des Landes versprochen.

Geliefert hat die Regierung vor allem symbolische Aktionen im Bereich der Außen- und Fremdenpolitik. In Wirtschaftsfragen fanden die rechte Lega mit ihren protektionistischen Bestrebungen und die eher linke Fünf-Sterne-Bewegung mit ihren Versprechen für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu wenige Anknüpfungspunkte.

Egal wie die nächste Regierung in Italien aussieht, die jüngsten Vorfälle haben es geschafft, Italien wieder ganz nach oben auf die Gesprächsordnung in den europäischen Hauptstädten zu bringen. Zuwanderung, Lohnwachstum, Infrastruktur – diese Herausforderungen wird Italien nicht ohne Hilfe Europas lösen können.

Gerade in Zeiten niedrigster Zinsen sollte man durch Lockerung der Maastricht-Regeln Italien erlauben, das stagnierende Wirtschaftswachstum zu befeuern, diese Einsicht macht sich zunehmend auch in Brüssel, Berlin und Paris breit.

Nebenschauplatz auf der globalen Bühne

Bei den Italien-Schlagzeilen der letzten Wochen möchte man meinen, an den Märkten müssten große Bewegungen stattgefunden haben. Im Gegenteil jedoch trottete im letzten Monat der italienische Aktienleitindex MIB im Gleichschritt mit dem deutschen DAX dahin.

Auch auf der Rentenseite blieb im selben Zeitraum der Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer gegenüber deutschen Staatsanleihen relativ konstant bei etwa 200 Basispunkten (bp) mit Ausnahme eines kurzen Sprungs auf 235 bp. Der Renditeaufschlag liegt damit ziemlich genau in der Mitte zwischen den Werten vor der Wahl der Regierung Conte im März 2018 (~125 bp) und dem Höhepunkt des Budgetstreits mit der EU im Oktober 2018 (~300 bp).

spread 10 jahre italien vs. deutschland

Grund für diese vermeintliche Indifferenz der Märkte dürfte die Prevalenz global gesehen größerer Themen wie Handelskrieg und Brexit sein. Bei all den Unkenrufen zu Italien ist zum jetzigen Zeitpunkt eine Prognose der weiteren Entwicklung sehr schwierig.

Viele Anleger scheinen daher im Abwartemodus zu sein. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Ruhe spätestens mit Beginn des Wahlkampfes in Italien enden wird. Speziell die strauchelnde Fünf-Sterne-Bewegung wird vermutlich wieder mit großen Wahlversprechen aufhorchen lassen.

Besonders Rentenanleger, die keine Lust auf böse Überraschungen aus dem politischen Eck haben, sollten daher vorerst einen Bogen um italienische Staatsanleihen machen, frei nach dem Motto: Italien – lieber auf dem Teller als im Portfolio


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Schwaches Wachstum mit Risiken

Die jüngste Konfrontation zwischen den USA und China in den Bereichen Handel und Währung hat zu zeitweiligen Kursrückgängen bei risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien geführt. Mittlerweile befinden sich die Aktien in einem Erholungsmodus, so Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management. Sind die negativen Implikationen eines andauernden US-China Konflikts stark genug, um einen Abschwung beziehungsweise eine Rezession zu verursachen?

Treibende Faktoren

Die Bewegung der Marktpreise wird seit einigen Monaten vor allem von zwei Faktoren beeinflusst. 1) Die Geldpolitik wird immer unterstützender. Seit Anfang 2019 haben 16 Zentralbanken den jeweiligen Leitzinssatz gesenkt. Bis Jahresende werden noch mehr Maßnahmen folgen, zum Beispiel von der Europäischen Zentralbank. 2) Der Konflikt zwischen den USA und China auf multiplen Ebenen erhöht die Unsicherheit und dämpft die Unternehmensstimmung sowie die Investitionstätigkeit beziehungsweise die Industrieproduktion. Je nachdem wie die Dimensionen Größe, Dauer und Umfang des jeweiligen Faktors ausgeprägt sind, steigen beziehungsweise fallen die Assetpreise.

Ausgangssituation: Zinsen bei null Prozent

Zinsen zeigen die Tendenz, im Fall einer Verschlechterung des Umfelds (ansteigend Unsicherheit, rückläufiges Wirtschaftswachstum) zu fallen. Die aktuelle Ausgangssituation ist jedoch bereits von einem sehr niedrigen Zinsniveau charakterisiert. Zinsen fallen zwar weiterhin, allerdings immer schwerer. Das gilt vor allem für die Eurozone, wo die Zinsen bereits negativ sind.

  • Generell gilt: der Preis des Geldes (die Zinsen) gleichen das (gewünschte) Sparen und das (gewünschte) Investieren aus. Je geringer das Zinsniveau, desto weniger attraktiv wird das Sparen und umso attraktiver wird das Investieren.
  • Geldpolitik weniger effektiv: Wenn die Zinsen ein niedriges Niveau erreicht haben, wird die Geldpolitik immer ineffektiver. Die Leitzinsen können eben nicht mehr um mehrere Prozentpunkte gesenkt werden, um eine Rezession abzufangen. Das impliziert, dass eine Rezession größere Auswirkungen hat als in der Vergangenheit (höhere Arbeitslosigkeit, niedrigere Assetpreise).
  • Säkulare Stagnation: Wenn die Zinsen nicht mehr in dem nötigen Ausmaß fallen können, um die wirtschaftliche Aktivität ausreichend zu stimulieren, bleibt das Wirtschaftswachstum niedrig.
  • New Normal: Das niedrige Zinsniveau stellt damit kein (zyklisch bedingtes) außergewöhnliches sondern ein normales Niveau dar.
  • Schulden: Je niedriger das Zinsniveau, desto nachhaltiger wird der Schuldenbestand. Weil die Schuldenquoten allerdings weiter ansteigen, werden in der Zukunft Zinsanstiege unwahrscheinlicher.
  • Bewertung: Je niedriger das Zinsniveau, desto höher die Bewertung von Assetklassen. Dieser Effekt war auch in den vergangenen Monaten zu beobachten. Zahlreiche Wertpapierklassen weisen kräftige Kursanstiege auf. Allerdings: Ein überdurchschnittlicher Ertrag (Return) innerhalb von kurzer Zeit bedeutet ceteris paribus unterdurchschnittliche Erträge in der Zukunft.
  • Alternative Assets: Je niedriger das Zinsniveau und je höher die Bewertung der traditionellen Assetklassen, desto mehr steigt die Nachfrage beziehungsweise die Suche nach alternativen Veranlagungsformen an (zum Beispiel nach Kryptowährungen).
  • Ausweg: Der klassische Ausweg aus dieser „Zinsfalle“ ist eine sehr expansive Fiskalpolitik, massive Investitionen mit staatlicher Unterstützung.

Rückbau der Globalisierung

Die Ankündigung der USA im September die Zölle auf noch mehr Importe aus China anheben zu wollen und die darauf folgende Abschwächung der chinesischen Währung Renminbi haben zu Kursrückgängen bei risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien geführt. Mittlerweile befinden sich die Aktien in einem Erholungsmodus. Die Risiken sind klarerweise nach unten gerichtet, es gibt jedoch Argumente dafür, dass die Konfrontation nicht aus dem Ruder läuft:

  • Strategisch: Die Konfrontation zwischen den USA und China ist offensichtlich strategischer Natur, das heißt, sie bleibt für lange Zeit bestehen.
  • Zyklisch: Auch aus zyklischer Sicht hat der Konflikt an Intensität gewonnen. Die USA erhöhen die Zölle und führen Handels-Beschränkungen im Technologiesektor ein, China antwortet mit Gegenmaßnahmen.
  • Kein Nachgeben: Die Bereitschaft auf der chinesischen Seite, dem steigenden Druck aus den USA nachzugeben, ist gering. Die drei Bedingungen von China gelten weiterhin: 1) Liste der zu kaufenden US-Güter soll vernünftig sein; 2) bestehende Zölle und Beschränkungen sollen reduziert werden; 3) Vereinbarung soll die Würde Chinas respektieren.
  • Währungsinterventionen: China hat im August mit einer Abschwächung der Währung (Renminbi) geantwortet. Die USA haben China daraufhin als Währungsmanipulator gekennzeichnet. Kurioserweise war die Aktion der chinesischen Zentralbank (PBOC) darauf gerichtet, den vom Markt generierten Abschwächungsdruck des Renminbi zuzulassen. Das heißt die PBOC hat nicht mehr interveniert (Renminbi gekauft, US-Dollar verkauft). Der Titel „Währungsmanipulator“ hat zwar keine praktische Relevanz, könnte jedoch Präsident Trump die moralische Rechtfertigung für eine Währungsintervention geben (Abschwächung des US-Dollar). Das hätte wahrscheinlich markant negative Auswirkungen auf die Finanzmärkte.
  • Währungsturbulenzen: Die Abschwächung des Renminbi bedeutet einen Wirtschaftsstimulus für China. Allerdings mit einem wichtigen Nachteil: Die Wirtschaftsprobleme in China werden exportiert. Damit haben auch andere Länder einen Anreiz, ihre Währung abzuschwächen. Es droht eine Abwertungsspirale.
  • Beschränkung für die USA: Die Taktik der USA, den Druck auf China mit Zöllen und anderen Beschränkungen zu erhöhen, wird durch die negativen Implikationen für die eigene Wirtschaft und die Finanzmärkte beschränkt.
  • Fed: US-Präsident Trump scheint hier schon vorzubauen, indem er den Druck auf die Zentralbank erhöht, die Leitzinsen zu senken. Strategisch betrachtet wäre es ein ernstes Problem, wenn die wichtigste Zentralbank der Welt an Glaubwürdigkeit einbüßen sollte. Auf kurze Sicht könnte die Schuld für eine etwaige Rezession der Fed gegeben werden, weil sie eben nicht die Leitzinsen ausreichend gesenkt hat.
  • Beschränkung für China: Auch China hat einen Anreiz, den Konflikt nicht zu eskalieren. Es geht um den Marktzugang zur größten Volkswirtschaft der Welt und um den Zugang zu wichtigen Technologien. Zudem läuft die Abschwächung des Renminbi einem wichtigen strategischen Ziel zuwider: Für die Etablierung einer Reservewährung und den Ausbau des Finanzmarktes ist eine stabile Währung eine Voraussetzung. Auch kurzfristig betrachtet birgt die Abschwächung die Gefahr in sich, dass ähnlich wie im Jahr 2015 eine Kapitalflucht aus China einsetzen könnte (auch wenn Beschränkungen das verhindern sollen).

manufacturing confidence

Schlussfolgerung

Das reale globale Wirtschaftswachstum liegt etwas unter dem Potenzial (Durchschnittswachstum). Die Industrieproduktion und die Unternehmensinvestitionen stagnieren, während die kräftigen Bereiche Arbeitsmarkt und Servicesektor langsame Erosionsmerkmale aufweisen. Aktuell sind die Umfragen zur Unternehmensstimmung ein wichtiger Indikator für die Abschwächung der Rezessionswahrscheinlichkeit. Selbige fallen seit Anfang 2018. Der massive Schwenk der Geldpolitik von „Leitzinsanhebung“ auf „Leitzinssenkung“ hat die Kurse von zahlreichen Wertpapierklassen kräftig unterstützt. Das Zinsniveau ist jedoch bereits sehr niedrig, weshalb zusätzliche positive Impulse der Zentralbanken bescheiden sein werden. Wenn die Einschätzung Bestand hält, dass der Konflikt zwischen den USA und China nicht substanziell eskaliert, werden die Auswirkungen zwar negativ aber nicht stark genug sein, um eine globale Rezession auszulösen. Die Gültigkeit der Annahme wird in den kommenden Monaten mit Indikatoren wie jenen zur Unternehmensstimmung zu testen sein.


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Drohender „Hard-Brexit“ drückt Pfund weiter nach unten

Der neue britische Premierminister, Boris Johnson, bereitet Großbritannien auf einen ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union vor. Der Nachfolger von Theresa May hat sein Regierungsteam vor allem mit Brexit-Hardlinern besetzt.

Sollte es keine weiteren Verhandlungen und Zugeständnisse seitens der EU geben, werde Großbritannien die Union am 31. Oktober diesen Jahres ohne eine eigene vertragliche Regelung der künftigen Beziehungen verlassen, heißt es derzeit aus London.

Der „Hard-Brexit“ wurde lange als wirtschaftlich ungünstigster Ausgang des ersten EU-Austritts der Geschichte beschrieben. Nun könnte dieses schlimmste Szenario tatsächlich Realität werden. Schon jetzt spürt das Vereinigte Königreich massive Folgen der wirtschaftlichen Unsicherheit, die der Brexit verursacht. Besonders sichtbar wird dies etwa beim Kurs des britischen Pfunds.

Historische Tiefstände

Die konjunkturellen Risiken des Brexit belasten den Wert der britischen Währung stark. Bereits unmittelbar nach dem Brexit-Referendum im Juni 2016 war das Pfund auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren gefallen. Nach der mit 51,9 % knappen Mehrheit für den Austritt rutschte es unter die Marke von 1,35 US-Dollar. Mehr als drei Jahre und drei Regierungschefs später tendierte der Pfund-Kurs in der Vorwoche nun im Bereich von 1,21 US-Dollar.

Seit dem Votum verbilligte sich das Pfund zum Euro um etwas mehr als 13 %, alleine in den vergangenen zwölf Monaten ging es 2,8 % abwärts. Der Wechselkurs wirkt sich stark auf Beteiligungen und Anlageprodukte aus, die in der Finanzmetropole London gehandelt werden.

Am Aktienmarkt steht den klaren Währungsverlusten jedoch eine grundsätzlich positive Tendenz gegenüber. Der Leitindex der Londoner Börse FTSE-100 beispielsweise hat seit Juni 2016 um über ein Fünftel zugelegt. Während ein niedrigerer Pfundkurs britische Produkte außerhalb des Königreichs attraktiver macht, wird es für Briten teurer, etwa aus der Eurozone zu beziehen.

Doch entscheidend für die weitere Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien werden nicht Wechselkurseffekte sondern Handelshemmnisse sein. Diese werden in Form von weniger Rechtssicherheit, Zöllen und höherem Bürokratieaufwand durch einen „Hard Brexit“ wieder stärker erwartet.

Brexit: kurs britisches pfund in euro

Gegenmaßnahmen in Haushalts- und Geldpolitik

Davon scheint selbst die neue Regierung in London überzeugt: Sie hat in der Vorwoche 2,1 Milliarden Pfund zusätzlich für Vorbereitungen auf einen Brexit veranschlagt. Insgesamt hat das Finanzministerium damit für das laufende Haushaltsjahr 4,2 Milliarden Pfund eingeplant, um auf einen No-Deal-Brexit vorbereitet zu sein.

434 Millionen Pfund sollen eingesetzt werden, um etwa die Medizinversorgung durch zusätzliche Frachtkapazitäten, Lager und Vorräte sicherzustellen. Einer der Knackpunkte dürfte die Grenze zwischen dem EU-Land Irland und der britischen Provinz Nordirland werden, an der Kontrollen drohen, die dann den Warentransport verlangsamen und verteuern.

Die britische Notenbank will unterdessen auf einen harten Brexit nicht automatisch mit einer Änderung ihrer Zinspolitik reagieren. Das stellte der Chef der Bank of England (BoE), Mark Carney, Ende Juni bei einer Anhörung im Parlament klar.

Die britischen Währungshüter ließen den Leitzins zuletzt einstimmig unverändert bei 0,75 %. Zugleich betonten sie, eine „stufenweise und begrenzte“ Straffung der Geldpolitik werde nötig, um ihr Inflationsziel in den kommenden Jahren zu erreichen. Eine Zinserhöhung stehe aber unter dem Vorbehalt, dass der Brexit reibungslos gelinge – eine Annahme, die aktuell nicht an Wahrscheinlichkeit gewinnt.

Bei der Reaktion sei neben Angebot und Nachfrage eben der Pfund-Wechselkurs zu berücksichtigen, sagte Carney.


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50 Jahre Mondlandung: Privatunternehmen im Weltraumgeschäft

Vor 50 Jahren, am 20. Juli 1969, betraten mit Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin die ersten Menschen den Mond. Das Apollo-Programm war damals kein kommerzielles Projekt, sondern vor allem politisch motiviert. Immerhin galt es für die USA im kalten Krieg nach dem Sputnik-Schock das Rennen zum Mond gegen die Sowjetunion zu gewinnen.

Inflationsbereinigt kostete der „große Schritt für die Menschheit“ nach heutigen Maßstäben weit über 100 Milliarden Dollar. Doch die Umwegrentabilität für die Privatwirtschaft kann kaum unterschätzt werden. So fanden viele der Innovationen des Mondlandeprogramms ihren Weg in die Privatwirtschaft und sind aus dem heutigen Alltagsleben kaum mehr wegzudenken, von Mikrochips bis zu drahtlosen Bohrmaschinen.

Seit 1972 hat mittlerweile kein Mensch mehr den Mond betreten, doch die Raumfahrtindustrie hat sich extrem gewandelt. Schon in den 1960ern setzte die NASA auf private Zulieferer wie Boeing, doch damals wurden Weltraumprogramme primär von staatlichen Agenturen betrieben.

Mittlerweile spielen privatwirtschaftliche Unternehmen eine bedeutende Rolle im Weltraumgeschäft: Etwa als Zulieferer für Raumfahrzeuge und Bodenausrüstung, als Transporteure von Lasten ins All oder als Betreiber und Nutzer von Satelliten.

SpaceX macht bei Raketenstarts NASA und ESA Konkurrenz

Raumfahrt im großen Stil betreibt etwa das aufstrebende US-amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk. SpaceX setzt beim Bau seiner Raketen auf Großproduktion und Wiederverwertbarkeit und macht damit öffentlichen Agenturen wie etwa der ESA Konkurrenz als Transporteur von Lasten ins All.

Das Unternehmen ist mittlerweile Marktführer bei Satellitenstarts und befördert laufend Wetter- oder Kommunikationssatelliten ins All und betreibt Versorgungsflüge zur internationalen Raumstation ISS.

Auch andere Firmen streben derzeit in den attraktiven Markt. So ist im Juli mit der Firma iSpace erstmals einem privaten chinesischen Raumfahrtunternehmen der Start einer Trägerrakete in die Erdumlaufbahn gelungen. Und auch in Europa drängen Private vor.

Der staatliche Schweizer Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Ruag plant derzeit Akquisitionen im Umfang von 500 Mio. Franken um seine Raumfahrtssparte auszubauen und will 2021 oder 2022 an die Börse gehen.

marktvolumen weltweite weltraumwirtschaft

Der gesamte Weltraummarkt hatte laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft 2018 eine Größe von rund 360 Mrd. US-Dollar. Davon entfielen 125 Mrd. Dollar auf die bodenbasierte Ausrüstung. Die Übertragung von TV-, Radio- oder Breitbandsignalen ist mit 102 Mrd. der wichtigste kommerzielle Service. Regierungsaktivitäten und die bemannte Raumfahrt kommen derzeit auf knapp 83 Mrd. und sind damit nur das drittwichtigste Segment.

Das könnte sich aber bald ändern. Nach dem Wunsch von US-Präsident Donald Trump sollen 2024 die ersten US-Astronauten auf den Mond zurückkehren, danach soll es weitergehen zum Mars. Auch andere Staaten wie etwa China oder Indien und sogar private Unternehmen nehmen mittlerweile den Mond ins Visier.

Anfang Mai präzisierte etwa Amazon-Chef Jeff Bezos seine kommerziellen Ambitionen bezüglich des Erdtrabanten: Mit dem Landegerät „Blue Moon“, das von seiner Firma Blue Origin entwickelt wird, möchte er sich in Kooperation mit der US-Raumfahrtbehörde NASA am neuen Wettlauf zum Mond beteiligen.

Für die europäische Weltraumagentur ESA tüfteln derzeit der Raketenbauer ArianeGroup und das deutsche Unternehmen PTScientists an Plänen für eine unbemannte Landung auf dem Mond vor dem Jahr 2025.

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Pestizide, Futtermittel und Fleischkonsum – Die Food Revolution

von Stefanie Schock, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Die Entwicklung der Welternährung ist durch die stetig wachsende Nachfrage nach Produkten aus Tierhaltung, geprägt. Wo ist der Fleischkonsum am meisten gestiegen?

Die Food Revolution, also die vermehrte Nachfrage nach Fleischprodukten, findet vor allem in Entwicklungsländern statt, die den größten Anteil am Bevölkerungswachstum tragen und Fleischprodukte nachfragen. Laut Welternährungsorganisation FAO hat sich die weltweite Fleischproduktion seit 1965 von damals 84 Millionen Tonnen auf 335 Millionen fast vervierfacht. Der Verbrauch und die Produktion von Fleisch könnten bis 2050 um 120 Prozent steigen.

Historisch sind große Teile des Konsumwachstums auf China und Brasilien zurückzuführen: der weltweite durchschnittliche Pro-Kopf-Fleischkonsum wuchs von 30,7 kg in den 1980ern auf 36,4 kg in 1997/1999. Vor allem die in dieser Periode stark wachsende Schweinefleischproduktion in China erklärt diesen Effekt, ohne China wäre der weltweite Durchschnitt annähernd unverändert geblieben. In Brasilien stieg der Fleischkonsum zwischen 1975 bis 1990 um 55%.

Die FAO rechnet außerdem damit, dass sich Schwellenländer an die sogenannte „western diet“ mit starkem Fleischanteil, angleichen werden.

Die Fleischproduktion ist an Futtermittel gebunden

Gebunden an die wachsende Nachfrage nach Fleisch ist auch der steigende Bedarf an Futtermitteln (hauptsächlich Getreide und Ölsaaten) deren Anbau aber auch negative Umwelt- u. Klimaeffekte haben kann:

  1. Durch den großflächigen Anbau von Futtermittel werden Primärwälder verdrängt, die ein wichtiger CO2- Speicher sind. Besonders herausfordernd ist die Situation in Australien wie ein WWF-Bericht aus dem Jahr 2018 beschreibt: hier wird 88% der gerodeten Waldfläche in Weideland umgewandelt. In Südamerika wurden zwischen 1990 und 2015 90 Mio. Hektar Waldfläche für Sojaanbau und Weidezwecke gerodet, wobei Soja auch als Futtermittel dient um z.B. die europäische Fleischnachfrage zu bedienen.
  2. Der Einsatz von Kunstdünger ist sowohl Energie- als auch CO2-intensiv und belastet die Umwelt. Durch übermäßigen Eintrag auf Feldern (man spricht auch von Eutrophierung) geraten auch angrenzende Ökosysteme wie Fließgewässer in Mitleidenschaft, denn der erhöhte Nährstoffgehalt im Wasser macht diese Systeme für sensible Lebensformen unbewohnbar.
  3. Pestizide, die in der konventionellen Landwirtschaft ebenfalls eingesetzt werden, haben negative Umwelteinflüsse und werden einer karzinogenen Wirkung wegen, verdächtigt.

Bayer AG & Monsanto Co: Punitive Damages

Nach der Übernahme von Monsanto Co. durch die Bayer AG kam es in den Vereinigten Staaten zu mehreren Klagen bzgl. des Herbizids „Roundup“, dass sich im Produktportfolio der Monsanto Co. befindet und einer karzinogenen Wirkung wegen unter Verdacht steht.

Der Bayer AG wurde vorgeworfen, die rechtlichen und Reputationsrisiken unterschätzt zu haben, die durch die Akquisition von Monsanto Co. entstanden sind und welche sich auf den Unternehmenswert negativ auswirken könnten. Der internationale Stimmrechtsberater ISS (International Shareholder Services) schlug daher vor, diese Fehleinschätzung auch in der Abstimmung über die Entlastung des Vorstands bei der diesjährigen Hauptversammlung Rechnung zu tragen.

In einer Reaktion der Bayer AG wurde darauf hingewiesen, dass nach Ergebnissen zahlreicher Studien ein Zusammenhang zwischen Roundup und karzinogenen Erkrankungen ausgeschlossen werden könnte.

In den Vereinigten Staaten kam es jedoch bereits zu 3 Gerichtsurteilen, die das Gegenteil beschlossen, bei der letzten Gerichtsverurteilung im Mai wurde einem klagenden Ehepaar die bis dato höchste Strafe von über zwei Milliarden Dollar zugesprochen. „Punitive damage“ meint in diesem Zusammenhang, dass die Strafe über den eigentlichen Schaden hinausgeht um unter anderem als Abschreckungssignal zu dienen. Bezüglich ihrer Glyphosat Produkte sieht sich die Bayer AG in Amerika mit rund 13.000 Klagen konfrontiert.

Auch über ein Einsatz-Verbot von Glyphosat wird vielerorts diskutiert: in Los Angeles wurde ein solches bereits eingeführt, mit dem Hinweis, dass das Herbizid nicht mehr einzusetzen sei, bis öffentliche Gesundheitsstellen und Umweltbeauftragte sicherstellen, dass der Einsatz bedenkenlos sei und auch in Österreich konnte sich eine Mehrheit für ein solches Verbot finden.

Bayer-Vorstand nicht entlastet

Bei der Hauptversammlung am 26.4.2019 wurde schließlich mit 56%er Mehrheit beschlossen, dass der Vorstand für das vergangene Geschäftsjahr nicht zu entlasten sei, der Aufsichtsrat jedoch mit 66% schon. Bei diesem Ergebnis spricht man auch von symbolischem Charakter, da wie auch schon in der Vergangenheit bei Klimaanträgen (Exxon Mobil, 2017) bewiesen wurde, Investoren ihr Stimmrecht auch zunehmend einsetzen, um Nachhaltigkeitsthemen zu adressieren, die sich negativ auf den Unternehmenswert auswirken könnten. 

Fleisch


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„2040 werden 60 Prozent aller Neuwagen E-Autos sein“

Kein Tag vergeht, an dem nicht auf die Folgen der Erderwärmung verwiesen wird bzw. Lösungsmöglichkeiten auf wirtschaftlicher und politischer Ebene diskutiert werden. In vielen Wirtschaftszweigen ist der Wandel schon heute spürbar. Die Finanzwirtschaft mit ihren Investitionen bietet einen Hebel um die Dekarbonisierung der Wirtschaft und eine Wende hin zu erneuerbaren Energien voranzutreiben.

Die Erste Asset Management beschäftigt sich seit fast zwei Jahrzehnten mit den Umwelttechnologien von heute und morgen. Über den Fonds ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT kann man sich an den spannendsten Unternehmen beteiligen und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Schutz der Natur und im Kampf gegen den Klimawandel. In unserem Interview beschreibt Fondsmanager Clemens Klein die Folgen der demografischen Entwicklung und welche neuen Umwelttechnologien erfolgversprechende Anwendungen erwarten lassen.

Ist der Klimawandel wieder ein in Mode gekommener Begriff oder eine Realität, der wir ins Auge sehen müssen?

Clemens Klein: Es braucht nicht allzu viel Fantasie um festzustellen, dass sich unser Klima verändert. Überschwemmungen ebenso wie Dürren, Verwüstungen durch Hurrikans, Luftverschmutzung in den Großstädten – die Naturkatastrophen der letzten Jahre häufen sich. Sie mahnen uns, wie wichtig die Begrenzung der Emission von Treibhausgasen und nachhaltiges Wirtschaften generell sind.

Der Klimagipfel von Paris mit seiner Erkenntnis, dass der maximale Temperaturanstieg 1,5 Grad Celsius betragen darf, um eine Klimakatastrophe abzuwenden, ist beinahe schon vergessen?

Clemens Klein: Nein, allein dadurch, dass in vielen Ländern Klimaschutz ein zentrales Thema im politischen Diskurs geworden ist, zeigt schon, dass sich was bewegt. Das Abkommen von Paris war eine wichtige Weichenstellung und hat die Grundlage und das Regelwerk für die notwendigen Schritte und Maßnahmen festgelegt. Was momentan noch fehlt, ist die rasche Umsetzung auf Einzelstaaten-Ebene. Aber der Druck auf die Politik, das Abkommen umzusetzen, von Seiten der Bevölkerung wächst laufend. Und wir werden auch nicht darum herumkommen: Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf rund 10 Milliarden und bis 2100 weiter auf rund 11 Milliarden Menschen anwachsen (derzeit: 7,7 Milliarden).

Treiber dieses Wachstums sind Asien und Afrika, die gemeinsam zur nächsten Jahrhundertwende rund 80 Prozent der Weltbevölkerung stellen werden. Dazu kommt der Trend zur Urbanisierung und damit verbunden steigenden Einkommen: Heute schon leben 55 Prozent der Menschen in Städten. 2050 werden es 70 Prozent sein. Die Menschen, die dort leben benötigen Strom, Wasser, Transportmittel, konsumieren zunehmend nach westlichen Gewohnheiten und verursachen wachsende Müllberge. Es braucht daher neue Technologien, um diese Herausforderungen bewältigen zu können.

Wie glaubhaft sind Sie als Asset Manager in Sachen Kohlendioxid-Verringerung? Welche Aspekte berücksichtigen Sie in der Kapitalanlage?

Clemens Klein: Erste Asset Management unterzeichnete 2015 als erste Fondsgesellschaft Österreichs den Montréal Carbon Pledge. Diese internationale Investoreninitiative wurde Ende 2014 mit dem Ziel ins Leben gerufen, durch die Messung und Veröffentlichung von CO2-Emissionen der in den Aktienfonds gehaltenen Unternehmen, langfristig zu einer Reduktion der Treibhausgase beizutragen. Mittlerweile ist diese Initiative auf über 120 Investoren angewachsen, die über 10.000 Milliarden Dollar an Vermögenswerten verwalten.

Wodurch unterscheidet sich der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT von anderen nachhaltigen Fonds Ihres Hauses?

Clemens Klein: Der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT konzentriert sich als Themenfonds ausschließlich auf Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit mit Umwelt- sowie Klimaschutz in Zusammenhang steht. Unsere Philosophie ist es, Unternehmen zu identifizieren, deren Produkte und Dienstleistungen für die Bewältigung der Auswirkungen von Megatrends wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung oder Wachstum der Mittelklasse bzw. der damit verbundenen Folgen wie Treibhausgasemissionen, Klimawandel, Knappheit von Ressourcen und ein erhöhtes Abfallvolumen von entscheidender Bedeutung sind.

Damit sich unsere Leser etwas vorstellen können: Nennen Sie uns die wichtigsten Themen, die sich im ERSTE STOCK WWF ENVORNMENT widerspiegeln.

Clemens Klein: Solar- und Windenergie zählen mittlerweile in vielen Ländern der Welt zu den billigsten Technologien zur Stromerzeugung. Damit wird sich das rasante Wachstum der vergangenen Jahre auch künftig, unabhängig von Förderungen weiter fortsetzen. Darüber hinaus werden neue Märkte wie Indien, Südamerika aber auch Afrika zu Schlüsselmärkten für die Wind- und Solarindustrie. Der Anteil der Solarenergie an der weltweiten Energieerzeugung wird von derzeit 3 Prozent bis 2050 in Richtung 30 Prozent steigen. Gleiches nehmen wir für den Einsatz der Windenergie an. Der weltweite Strom wird ‚a la long‘ sauberer werden.

Neue Antriebstechnologien wie Elektroautos und Wasserstoffautos und Biotreibstoffe der dritten Generation werden weiter an Bedeutung gewinnen. Auch hier sind es neben Umweltaspekten vor allem fallende Kosten, die für überdurchschnittliche Wachstumsraten sorgen werden. Nirgendwo sonst wird der technologische Fortschritt so mit Spannung beobachtet wie bei der neuen Generation von Fahrzeugen. Laut Bloomberg New Energy Finance werden im Jahr 2040 E-Autos 60 Prozent aller Neuwagenverkäufe ausmachen. Im Jahr 2016 lagen die Schätzungen noch bei 35 Prozent.

In Europa ist Norwegen jetzt schon führend und mehr als die Hälfte aller Neuwagen sind Elektrofahrzeuge: Neben steuerlichen Anreizen darf man dort mit einem E-Auto auf Busspuren fahren und braucht keine Autobahnvignette bezahlen. Wir dürfen aber nicht die Augen vor den Problemen verschließen: Wir benötigen sichere, erschwingliche Batterien mit genügend Reichweite. Und wir müssen einerseits klären, woher die Rohstoffe für die Produktion kommen und ebenso, was am Ende der Nutzungsdauer mit den Batterien geschieht. Unternehmen müssen ausweisen, dass zB ihre Lieferanten nicht Kobalt aus dem Kongo verwenden. Damit hätten wir als nachhaltige Investoren keine Freude.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Wind- und Solarenergie, aber auch dem zu erwartendem starken Wachstum der Elektromobilität gewinnen Themen wie Optimierung des Energie-Transports, aber auch „Smart Grid“ (intelligente Netzwerke) und „Smart Metering“ (intelligente Stromzähler) sowie Energiespeicher in Form von z.B. Batteriesystemen, aber auch Wasserstoff („Power to Gas“) stark an Bedeutung.

Die globale Wassernachfrage wird aufgrund der angeführten Megatrends bis 2050 um mehr als 50 Prozent zunehmen. Urbanisierung und steigende Einkommen führen zu einem geänderten Konsumverhalten. Daher sind hohe Investitionen in die Infrastruktur, Verbrauch- und Kostensenkung, Hygiene, Wasseraufbereitung aber auch Meerwasserentsalzung erforderlich.

Das globale Abfallvolumen wird sich bis 2025 gegenüber 2014 auf 6 Millionen Tonnen pro Tag verdoppeln und könnte bis 2100 weiter auf 11 Millionen Tonnen pro Tag ansteigen. Schon jetzt gelangen jedes Jahr mehr als 8 Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Das entspricht dem Gewicht von 16 Burj Chalifa, des aktuell höchsten Gebäudes der Welt oder 32.000 Wiener Riesenrädern. Ohne Maßnahmen, die der gigantischen Müllexplosion Einhalt gebieten, droht 2050 gewichtsmäßig mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren zu sein. Abfallvermeidung, Abfalltrennung und -sammlung, Abfallwiederverwertung und Recycling werden neben neuen Verpackungstechnologien zu zentralen Themen im Umweltbereich.

Welche Kriterien muss ein Unternehmen erfüllen, um auf Ihre Watchlist zu kommen? Und was muss geschehen, dass es in den ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT aufgenommen wird?

Clemens Klein: Wir legen Wert darauf, dass das Geschäftsmodell eines Unternehmens zum überwiegenden Teil von den von uns erwarteten Entwicklungen profitiert. Neue Technologien, die zur Lösung der durch die erwähnten Megatrends hervorgerufenen Auswirkungen beitragen, werden laufend ausgewertet und in das Portfolio aufgenommen. Es liegt in der Natur der Sache, dass dadurch auch viele jüngere und kleinere oder mittelgroße Unternehmen im Portfolio vertreten sind.

Wie gehen wir dabei vor? Zunächst werden laufend Unternehmen identifiziert, die die strengen Anforderungen der definierten Fondsstrategie erfüllen. Neue Ideen werden nach Prüfung durch den WWF sowie eines externen Research-Partners einem Umweltbeirat zur Entscheidung über die Aufnahme ins investierbare Anlageuniversum vorgelegt.

Aus dem investierbaren Universum erfolgt dann die Entscheidung über die Aufnahme ins Portfolio nach eingehender qualitativer sowie quantitativer Analyse durch uns als Fondsmanager. Ziel und Teil der Strategie ist es, Unternehmen über lange Perioden, entsprechend den langen Trends, die sie mit ihren Produkten oder Dienstleistungen bedienen, im Portfolio zu behalten. Einzelne Unternehmen befinden sich seit Auflage des ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT im Jahr 2001 durchgehend in den Beständen des Fonds. Abhängig von kurz- und mittelfristigen Entwicklungen, makroökonomischen Faktoren oder dem allgemeinen Marktumfeld erfolgt primär eine Anpassung der Themen und Gewichtungen im Fonds.

Aktuell liegt der Schwerpunkt der Veranlagungen in den Bereichen „Erneuerbare Energie“, „Energieeffizienz“ sowie „E-Mobilität“, die gemeinsam mehr als 60 Prozent der Portfoliostruktur repräsentieren. In den Bereichen „Erneuerbare Energie“ sowie „E-Mobilität“ sehen wir in den nächsten Jahren das größte Wachstumspotential. Dazu zählen aber auch komplementäre Technologien wie „Energiespeicherung“, „Selbstfahrende Autos“ oder „Intelligente Stromnetze“, die von den erwarteten Entwicklungen profitieren werden.

Können Sie uns einige Unternehmen im Fonds verraten, die die Umwelt nachhaltig „bearbeiten“ und ökologisch/klimaschonend wirtschaften?

Clemens Klein: Zu den größten Positionen zählen beispielsweise First Solar, eines der führenden Unternehmen im Solarbereich, TPI Composites, ein spezialisierter Hersteller von Rotorblättern für die Windindustrie, Xylem, führend im Bereich Wasserinfrastruktur, Wasseranalyse und Wasseraufbereitung aber auch Tomra Systems, der Weltmarktführer im Bereich Abfalltrennung, Abfallsortierung und Recycling.

Welche anderen (Umwelt)-Technologien spielen im Fonds eine wichtige Rolle?

Clemens Klein: Wasserstoff bzw. Brennstoffzellen, Meerwasserentsalzung, Wärmedämmung, oder effiziente Beleuchtungssysteme. Ein interessantes Unternehmen ist z.B. NEL ASA wegen Power to Gas- Energiespeicherung. Eines noch: Wo hohe Gewinnchancen, da auch höhere Risiken. Generell gilt für eine Investition in Umweltaktien, dass man eine entsprechende Risikobereitschaft mitbringen und auch stärkere Kursschwankungen vertragen muss.


Seit mehr als 10 Jahren gehen die Umweltschutzorganisation WWF und Erste Asset Management einen gemeinsamen Weg für den Klima und Umweltschutz. Der ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT, dessen Anlagepolitik der WWF mitträgt, berücksichtigt sowohl wirtschaftliche als auch soziale und ökologische Kriterien. Für die Aufnahme in das Portfolio kommen nur Unternehmen in Frage, die ihre Verantwortung beim Kohlendioxid-Ausstoß und Wasserverbrauch ernst nehmen. Ein Anlagebeirat mit dem WWF prüft, ob die strengen Umweltvorgaben und Ausschlusskriterien eingehalten werden. Diese Partnerschaft beinhaltet auch eine Unterstützung der WWF-Flusserhaltungs- und Klimaschutzprojekte. Immerhin kamen der Natur dadurch bereits mehr als zwei Millionen Euro zugute.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Chinese Growth Story – Was für eine Fortsetzung spricht

Johannes Scheuplein, Junior Fund Manager der Erste Asset Management, erklärt, warum der Handelskrieg mit den USA nicht das Ende der Entwicklungsgeschichte bedeutet und was für die Fortsetzung der Wachstums-Story Chinas spricht.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichem: Der Handelskonflikt traf die Märkte im Mai hart und das chinesische Wirtschaftswachstum hat weiter an Dynamik verloren. Allerdings kann der Handelskonflikt nicht ewig weitergehen.

Trump hat seine Kandidatur für die nächsten Präsidentschaftswahlen angekündigt, und wenn er sein Image als pragmatischer Geschäftsmann aufpolieren möchte, so sieht er sich gezwungen mit China ein Handelsabkommen zu schließen.

Sein Wahlkampf 2016 stützte sich auf drei Wahlversprechen. Das erste – Deregulierung und Steuersenkungen – hat er eingehalten. Das zweite – die Lösung des Immigrationsproblems und der Bau einer Mauer, für die Mexico zahlen soll – ist nach wie vor ungelöst. Daher besteht für Trump eine gewisse Dringlichkeit beim dritten Wahlversprechen – die Handelsbedingungen zwischen den USA und China neu zu ordnen – einen Erfolg zu verbuchen. Obwohl der Handelskrieg zu einem Technologiekrieg ausgeweitet und das chinesische Unternehmen Huawei hart getroffen wurde, hat China in Form von Rohstoffen auch Druckmittel gegenüber den USA und darüber hinaus genügend Möglichkeiten die Auswirkungen des Handelskrieges zu mildern.

Mit dem US-China-Friedensabkommen und der weicheren Haltung gegenüber Huawei haben sich zudem die Gespräche während des G20-Gipfels als konstruktiv erwiesen. Interessanterweise wurden die Zugeständnisse von US-Seite angekündigt und von den Chinesen nicht vollständig bestätigt. Ist dies ein weiterer Hinweis darauf, dass China die Oberhand hat und die USA einen Deal wirklich dringend brauchen?

Spielraum für Geldpolitik

Wachstums-Story China LeitzinsenAbbildung 1, Quelle: Bloomberg

Im Vergleich zu den meisten Industriestaaten hat China nach wie vor Spielraum für geldpolitische Maßnahmen (siehe Abbildung 1). Die jüngsten Fiskalpolitik konzentrierte sich eher auf Steuersenkungen (so wurden letztes Jahr Senkungen im Umfang von 1,4% des BIP und heuer von etwa 2% des BIP angekündigt) anstelle von Infrastrukturinvestitionen.

Aufgrund der hohen Sparquote (etwa 40% des verfügbaren Einkommens, verglichen mit 10% in den USA) könnte sich der Effekt nicht unmittelbar einstellen, doch auf lange Sicht sollten die Steuersenkungen zu einer besseren Ressourcenallokation führen, da Individuen und Unternehmen bei der Veranlagung überschüssiger Ersparnisse Risiko-Ertrags-Erwägungen miteinbeziehen werden.

Die höheren Ersparnisse werden auch den jüngsten Kreditboom relativieren. Wenn man die Ersparnisse in Betracht zieht, so erscheint die Nettokreditsumme weniger überwältigend. Darüber hinaus könnten Ersparnisse auch das sich verlangsamende Kreditwachstum kompensieren.

Wachstums-Story China Sparquote Abbildung 2, Quelle: Bloomberg

Von Alibababa zur politischen Struktur

Die politische Struktur Chinas kommt langfristigen strukturellen Entscheidungen ebenfalls entgegen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern verfügt in China die Regierung über die Möglichkeit, unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen, die sich langfristig bezahlt machen, da sie bei keiner Wählerschaft auf Stimmenfang gehen müssen. Dies führt zu einer höheren Stabilität bei politischen Entscheidungen mit einem langfristigen Zeithorizont.

Dies ist bei Langzeitprojekten wie China 2025 und der Belt Road Initiative (BRI) augenscheinlich. Die BRI zielt auf höhere Marktintegration ab. Die Infrastrukturinvestitionen könnten zu einer verringerten Abhängigkeit von den USA führen und Ricardianischem Wachstum analog zur Europäischen Integration führen.

Ein höheres Handelsvolumen in Renminbi (RMB) könnte auch den Anspruch des RMB, zu einer Leitwährung zu werden, stärken und gleichzeitig die Verwundbarkeit gegenüber der US-amerikanischen Strategie, den US-Dollar als Waffe in geopolitische Konflikte einzubringen, verringern.

Was China 2025 angeht, so lässt sich beobachten, dass China mehr und mehr versucht , in der Wertschöpfungskette weiter nach oben zu klettern. Der Technologiesektor im Speziellen ist ein gutes Beispiel, dass China zunehmend unabhängiger vom Rest der Welt wird.

Alibaba, Baidu und Tencent sind alles chinesische Unternehmen, die konkurrenzfähige Alternativen zu Amazon, Google und Co anbieten. Auch an der Front der Elektromobilität ist China sehr gut aufgestellt, da man bereits sehr früh mit Subventionen angefangen hat.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich alles um strukturellen Wandel dreht. Der hohe Anteil an staatlichen Unternehmen in der chinesischen Volkswirtschaft und die schwachen Urheberrechte bergen ein enormes Potential an Ineffizienzen, die in Zukunft behoben werden können.

Eine der Hauptaufgaben, mit denen sich China konfrontiert sieht, ist die Stärkung des Privatsektors und die Verringerung der Export- und Investitionsabhängigkeit durch die Erhöhung privater Ausgaben. China hat offensichtlich Bestrebungen in diese Richtung etwas zu tun. Die Reformthemen der Kommunistischen Partei Chinas beinhalten u.a. die Verbesserung der Sozialversicherung mittels einer Gesundheits- und Pensionsvorsorgereform. Eine verbesserte Sozialversicherung könnte letztlich zu einer Reduktion der Sparquote und somit zu erhöhtem Konsum führen.

Der Handelskonflikt sollte generell nicht als Übel angesehen werden, sondern als Chance für weitere Reformen in China. Angesichts des Drucks seitens der USA und des sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums könnte sich China in Zukunft weiter dazu verpflichten geistiges Eigentum zu schützen.

Genau das wäre eine gute Neuigkeit für China-Investoren. Die Öffnung der Wirtschaft wird China die Möglichkeit geben das Wachstum durch Technologietransfers weiter voranzutreiben. Es gibt bereits Beispiele von Joint Ventures mit Unternehmen wie z.B. BMW, in denen ausländische Unternehmen einen Mehrheitsanteil halten.

Die Quintessenz ist letztendlich, dass noch ein enormes Verbesserungspotenzial besteht und dass China bereits dabei ist, seine strukturellen Probleme in Angriff zu nehmen. Obwohl große Unsicherheit besteht, scheint es das Risiko wert zu sein. Insbesondere vor dem Hintergrund der Integration Chinas in die globalen Finanzmärkte kann man davon ausgehen, dass die Aufnahme in große Benchmark-Indizes im Anleihen- und Aktienbereich weiter Impulse liefern wird. Die Wachstums-Story von China ist noch nicht vorbei.


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Marktausblick für das 2. Halbjahr 2019

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das erste Halbjahr 2019 ist vorbei. Auf dem Finanzmarkt verzeichneten viele Wertpapierklassen deutliche Kursanstiege. Gleichzeitig deutete die fallende Tendenz bei zahlreichen Wirtschaftsindikatoren auf eine Abschwächung des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes hin. Lesen Sie in unserem Marktausblick, wie das zusammenpasst.

Stagnation im Fertigungssektor

Zwischen der 2. Jahreshälfte 2018 und dem 1. Quartal 2019 ist die Weltwirtschaft am Potenzial gewachsen. Das ist jener Wert, der langfristig erwartet werden kann  – das heißt über einen Wirtschaftszyklus hinweg betrachtet. Das Potenzial-Wachstum liegt zwischen 2,5 und 3 Prozent. Der Gütersektor musste eine Abschwächung hinnehmen: Sowohl das Wachstum der Industrieproduktion als auch jenes der Unternehmensinvestitionen ist auf ein niedriges Niveau gefallen.

Die Güterexporte schrumpften sogar. Die Frühindikatoren für diese Sektoren, wie etwa der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren“, Zeitreihe „Manufacturing Overall“, Quelle: JP Morgan) zeigen eine weitere Abschwächung in Richtung Stagnation an: für die Produktion und die Investitionen beziehungsweise eine weitere Schrumpfung der Güterexporte.

Erosion im Servicesektor

Im Unterschied dazu blieb der Servicesektor bis zum ersten Quartal vergleichsweise stark. Der globale Einkaufsmanagerindex für den Servicesektor ist im Juni zwar leicht angestiegen, der rückläufige Trend seit dem vergangenen Jahr ist aber eindeutig (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren“, Zeitreihe „Services Business Activity“, Quelle: JP Morgan).

Globaler Einkaufsmanagerindex, Sektoren

marktausblick Winzer Grafik Quelle: JP Morgan. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Wachstum unter Potenzial

Betrachtet man die Unterkomponente „Output“ für die beiden Sektoren Fertigung und Services zusammen, schlägt der letzte Wert (51,2) ein Wachstum des realen globalen Bruttoinlandsproduktes zwischen 2,0 und 2,5 Prozent auf das Jahr hochgerechnet vor (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „All-industry Output/business activity“).

Abschwächung des Beschäftigungswachstums

Der Arbeitsmarkt ist in vielen Teilen der Welt Dank der wirtschaftlichen Boom-Phase der vergangenen Jahre nach wie vor kräftig, sprich: die Arbeitslosenraten sind niedrig, und das Lohnwachstum steigt langsam aber doch an. Das unterstützt das Einkommens- und Konsumwachstum.

Allerdings sind auch hier Abschwächungstendenzen erkennbar (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „ All-industry Employment). Sollte das Wirtschaftswachstum tatsächlich unter Potenzial fallen, würde das mit einer Abschwächung des Beschäftigungswachstums einhergehen.

Abwärtsdruck bei der Inflation

Die Inflationsraten in den entwickelten Volkswirtschaften sind niedrig. Gleichzeit fallen sowohl die markt- als auch die umfragebasierten Inflationsindikatoren (siehe Grafik „Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten“, Zeitreihe „All-industry Output Prices“).

Zusammen mit dem Wirtschaftswachstum unter dem Potenzial hat sich das Risikoprofil für den Inflationsausblick markant verschoben, nämlich von einer ansteigenden Inflation in Richtung einer fallenden Inflation.

Globaler Einkaufsmanagerindex, Unterkomponenten

marktausblick Winzer Grafik 2Quelle: JP Morgan. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Abnahme der politischen und geldpolitischen Risiken

Gleichzeitig haben aufgrund von zwei Entwicklungen die nach unten gerichteten Risiken abgenommen:

  • Erstens wurde Ende Juni am Rande des G20-Treffens in Japan eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen China und den USA verkündet. Damit ist die Gefahr einer unmittelbaren Eskalation im Handels- und Technologiestreit vom Tisch. Bis auf weiteres werden die USA keine weiteren Zollanhebungen auf chinesische Importe vornehmen. Die mittel- und langfristigen Konfliktpotenziale bleiben natürlich bestehen.
  • Zweitens haben zahlreiche Zentralbanken eine Veränderung der geldpolitischen Ausrichtung auf Lockerung vorgenommen. Für die USA werden Leitzinssenkungen im Ausmaß von insgesamt einem Prozentpunkt innerhalb eines Jahres in den Marktpreisen reflektiert. Eine Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte Ende Juli ist sehr wahrscheinlich. Noch vergangenen September ging man von Leitzinsanhebungen um insgesamt 0,8 Prozentpunkte aus.

Lockerung der Geldpolitik

Die bis Ende 2018 begonnene Normalisierung der Leitzinsen (Anhebungen) und der Zentralbankbilanz (Schrumpfung) stand im Widerspruch zur Konjunkturabschwächung.

Nunmehr deuten Zentralbanken Lockerungsschritte an beziehungsweise haben bereits einige Zentralbanken mit Leitzinssenkungen reagiert. Die verwendeten Argumente der Zentralbanken können in drei Kategorien unterteilt werden:

Erstens, geringer Spielraum

Der Abstand der Leitzinsen zur Zinsuntergrenze ist bei den meisten Zentralbanken gering. In der Vergangenheit reagierten Zentralbanken auf eine Rezession mit Leitzinssenkungen im Ausmaß von mehreren Prozentpunkten . Das ist nun nicht mehr möglich. Leitzinsen können nur noch in einem geringen Ausmaß in den negativen Bereich abgesenkt werden.

Zweitens, erhebliche Schätzfehler

Um die Kernvariablen Beschäftigung und Inflation zu prognostizieren, verwenden die Zentralbanken zahlreiche volkswirtschaftliche Modelle. Jede Modellprognose hat jedoch Schätzfehler. Darum blicken die Zentralbanken nicht nur auf Punktprognosen, sondern auch auf die Streuung und verwenden aufgrund der inhärenten Modellunsicherheit nicht nur ein sondern mehrere Modelle. Seit einigen Jahren treffen die vom Zustand des Arbeitsmarktes abgeleiteten Inflationsprognosen (Anstieg) nicht zu. Die sogenannte Phillips-Kurve (Zusammenhang von Inflation und Arbeitslosenrate) ist verstärkt einer kritischen Betrachtung ausgesetzt. Zudem ist die Modellierung eines Handelskonfliktes mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Darüber hinaus gibt es eine große Bandbreite bei der Schätzung des neutralen Leitzinssatzes. Das ist jener Zinssatz der weder dämpfend noch unterstützend auf das Wirtschaftswachstum wirkt. Die ersten beiden Punkte implizieren rascher als früher auf eine Eintrübung des Umfeldes zu reagieren.

Drittens, Veränderung der Reaktion

Wie soll die Zentralbank auf das volkswirtschaftliche Umfeld reagieren? Aktuell geht es vor allem um die Frage, ob die Vergangenheit berücksichtigt werden soll. In vielen Ländern war die Inflation über Jahre hinweg unter dem Inflationsziel der jeweiligen Zentralbank. Wenn das langfristige Inflationsziel der Zentralbank erreicht werden soll (oftmals bei 2 Prozent), würde das eine angestrebte Inflation für die kommenden Jahren erforderlich machen, die über dem Inflationsziel liegt. Wenn die Zentralbanken tatsächlich auf eine solche Sichtweise umstellen, würde das eine noch lockerere geldpolitische Haltung bedeuten.

Marktausblick

Die wichtigsten Gründe für die umfassenden Kursanstiege können mit der vergleichsweise frühen Reaktion der Zentralbanken auf die Eintrübung des volkswirtschaftlichen Umfelds sowie dem „Waffenstillstand“ zwischen den USA und China erklärt werden. Für den Marktausblick auf des 2. Halbjahr geht es vor allem um eine Frage: Wie kräftig wird der schwache Gütersektor den Servicesektor, die Beschäftigung und die Inflation beeinflußen?

Dies wird die Gewinnentwicklung der Unternehmen maßgeblich beeinflussen. Im 4. Quartal 2018 und im 1. Quartal 2019 sind die Gewinne  geschrumpft. Solange es die Zentralbanken schaffen, das Wirtschaftswachstum etwas unter dem Potenzial zu stabilisieren und kein externer Schock eintritt (Handelsstreit, „harter“ Brexit, Krieg mit dem Iran), bleibt der Ausblick vorsichtig optimistisch für die risikobehafteten Wertpapierklassen (Aktien, Anleihen mit höherem Kreditrisiko, Unternehmensanleihen). Mit einer Fortsetzung der überdurchschnittlichen Kursanstiege sollte jedoch nicht gerechnet werden.


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Mercosur: Größte Freihandelszone der Welt umstritten

Der G20-Gipfel startete Ende Juni unter schwierigen Vorzeichen: Die USA und China hatten offiziell ihre Handelsgespräche unterbrochen, der Konflikt um das Atomabkommen mit dem Iran war zuletzt erneut eskaliert und rund um den Brexit blieben weiterhin viele Fragen ungeklärt.

Noch selten dürfte sich die Gruppe der 20 wichtigsten Industriestaaten und mit ihr die Weltwirtschaft mit so vielen schweren Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert gesehen haben. Nicht nur Anleger blickten daher erwartungsvoll auf den Auftakt des Treffens im japanischen Osaka.

EU und Mercosur: Positive Überraschung in angespanntem Umfeld

Und tatsächlich startete das Wochenende mit einem Durchbruch. Doch die Nachricht, die den Kreis aus Protektionismus und Unsicherheit durchbrechen sollte, kam nicht aus Japan, sondern aus Brüssel und Buenos Aires:

Die Europäische Union und der südamerikanische Staatenbund Mercosur meldeten die Schaffung der größten Freihandelszone der Welt. Nach Verhandlungen, die sich über 20 Jahre gezogen hatten, erzielte man nun eine politische Einigung über den Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen. Der scheidende EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach von einem „historischen Moment“.

Das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay soll den Warenaustausch stärken und Unternehmen Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe bringen. Die EU-Kommission schätzt, dass das vereinbarte Abkommen europäischen Unternehmen 4 Milliarden Euro an Zöllen ersparen wird.

Potenzial an Waren- und Kapitalmärkten

Die Exporte von Unternehmen aus der EU in die vier Mercosur-Staaten beliefen sich Daten der Kommission zufolge 2018 auf rund 45 Milliarden Euro, in die andere Richtung waren es Ausfuhren im Wert von 42,6 Milliarden Euro. Für die lateinamerikanischen Staaten ist die EU bereits der wichtigste Handels- und Investmentpartner. Mercosur exportiert vor allem Nahrungsmittel, Getränke und Tabak in die EU.

Von dort gehen wiederum vor allem Maschinen, Transportausrüstungen sowie Chemikalien und pharmazeutische Produkte nach Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Auch am Kapitalmarkt stehen die beiden Regionen in regem Austausch.

Das kumulierte Volumen von Kapital aus der EU stieg von 130 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 381 Milliarden Euro im Jahr 2017. Umgekehrt hielten Investoren aus den Mercosur-Staaten im Jahr 2017 Beteiligungen im Wert von 52 Milliarden Euro in der EU.

Mercosur

Nächste Schritte und Skepsis

Bereits kurz nach Bekanntwerden der „historischen“ Vereinbarung  zeichnete sich Widerstand dagegen ab. Denn während sich Branchen wie die Autoindustrie mit den vorgesehenen Veränderungen zufrieden zeigten, fürchten beispielsweise Landwirte verschärfte Konkurrenz durch Rindfleisch, Geflügel und Zucker aus Südamerika.

Dort gelten schwächere Vorgaben beim Umwelt- Klima- und Pflanzenschutz und beim Einsatz von Antibiotika, was auch Konsumenten- und Umweltschützer auf den Plan rief: „Frankreich ist derzeit nicht bereit, das Abkommen zu ratifizieren“, sagte eine Regierungssprecherin in der Vorwoche im französischen Rundfunk.

Bevor das Abkommen umgesetzt werden kann, müssen unter anderem alle Mitgliedsstaaten der EU sowie das EU-Parlament dem Vertrag zustimmen. Und dafür wird es wohl noch Nachverhandlungen  und zusätzliche Vereinbarungen in einigen Bereichen brauchen. Die größte Freihandelszone der Welt ist also noch nicht am Ziel. Der Meilenstein ihrer Vereinbarung kann jedoch als positives Signal in einem konfliktreichen Umfeld gesehen werden.


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Die Türkei nach dem Oppositionserfolg in Istanbul

In der Türkei herrscht Aufbruch-Stimmung. Nach dem Sieg des Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu bei den Bürgermeisterwahlen in Istanbul macht sich Hoffnung breit, dass das Land bald aus dem wirtschaftlichen Tief tauchen könnte. Die  Börse reagierte positiv und auch die Lira gewann etwas an Stärke. Alexandre Dimitrov, Fondsmanager des ESPA STOCK ISTANBUL, erläutert die Chancen der Türkei auf einen wirtschaftlichen Turnaround.

Wie werten Sie den Wahlerfolg des Oppositionskandidaten in Istanbul?

Es ist positiv, dass die regierende AKP und Präsident Erdogan das Ergebnis anerkennen. Politische Lockerungen sind vorerst dennoch nicht zu erwarten. Trotzdem ist der Sieg der Opposition in der größten türkischen Stadt mit mehr als 10 Millionen Wahlberechtigten ein deutliches Zeichen. Die AKP-Partei ist eigentlich eine wirtschafts- und investorenfreundliche Partei. Ihre Mitglieder beziehungsweise führende Parteifunktionäre dürften die Regierung und Präsident Erdogan nun bedrängen, zu dieser Politik zurückzukehren. Und Imamoglu (Name bedeutet „Sohn eines Imams“) ist eigentlich konservativ, ein Familienmitglied (ursprünglich stand hier „Frau“; die Red.) trägt Kopftuch. Worum es jetzt geht, ist die Rückgewinnung von Vertrauen. Und das geht nur Schritt für Schritt.

Doch gewisse politische Risiken sind latent, wenn man auch an den Konflikt mit den USA wegen des beabsichtigten Kaufs des Raketenabwehrsystems S-400 von den Russen denkt?

Das ist sicherlich ein weiteres Risiko. Mögliche US-Sanktionen stehen im Raum. Doch die Türkei ist ein wichtiger Nato-Partner. Die ersten Lieferungen werden im Juli erwartet. Als mögliche Sanktion könnten die USA die Beteiligung der Türkei an US-Kampfjets F-35 blockieren. Das Land könnte von der gemeinsamen Produktion ausgeschlossen werden. (Quelle: Spiegel online).

Wie gut oder besser gesagt schlecht geht es der türkischen Wirtschaft?

Die Stimmung ist positiver als zu Beginn des Jahres. Das Unternehmervertrauen ist im Juni wieder gestiegen (Turkey Confidence Index Real Sector). Die Kapazitätsauslastung stieg auf das höchste Niveau seit September 2018 (Quelle: Bloomberg). Dennoch wird für 2019 noch ein negatives Wachstum von 1,5 Prozent erwartet.

Das Außenhandelsdefizit ging rückgerechnet zum April des Vorjahres um 66 Prozent zurück, während die Exporte um 7 Prozent stiegen und die Importe um 14 Prozent schrumpfte. (Quelle: Bloomberg). Die Umsätze des Service-Sektors stiegen um 30 Prozent. Im Tourismus sehen wir heuer eine zweistellige Wachstumsrate. Wegen der in den letzten Jahren stark gefallenen Währung ist die beliebte Urlaubsdestination Türkei billiger geworden.

Die Wirtschaft der Türkei ist auf Rohstoffimporte angewiesen. Infolge der Lira-Schwäche verteuerten sich die Preise für Waren und Investitionen aus dem Ausland. Auch fiel es dem Staat und den Unternehmen zunehmend schwerer, ihre in Dollar aufgenommen Schulden zu bedienen. Das beginnt sich jetzt zaghaft zu ändern.

„Es geht um die Rückgewinnung von Vertrauen. Und das geht nur Schritt für Schritt.“
Alexandre Dimitrov, Fondsmanager ESPA STOCK ISTANBUL

 Was müsste die Regierung nun tun, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen?

Das ist nicht allzu schwierig. Sie muss wieder eine solide Finanzpolitik betreiben und so das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen. Auch muss klar sein, dass die Notenbank unabhängig agiert und sie verantwortungsvoll handelt. Bis die Glaubwürdigkeit wieder hergestellt ist und ausländische Kapitalzuflüsse wieder zunehmen, wird es noch eine Zeit dauern. Aber wir dürfen nicht außer Acht lassen: in der Türkei leben 80 Millionen Menschen und die sind überwiegend jung und konsumfreudig.

Wie hat die Börse in den vergangenen Jahren auf die latenten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten reagiert?

Mit einem Minus von 42 Prozent auf Sicht von 5Jahren zählt der türkische Aktienmarkt noch weltweit zu den schwächsten. Dazu ins Bild passt die Schwäche der Währung. Seit Anfang 2018 hat die türkische Lira 53 Prozent gegenüber dem Dollar verloren (Stand: 30.6.2019, Quelle Bloomberg) die türkische Notenbank hat eindeutig zu spät und zu zögerlich reagiert. Erst als die Inflationsrate im vergangenen Jahr auf 24 Prozent gestiegen war, wurde der Leitzins erhöht.

CHART: ENTWICKLUNG BÖRSE ISTANBUL UND WÄHRUNG

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einstieg in türkische Aktien?           

Das ist jedenfalls die beste Kaufgelegenheit seit fünf Jahren. Mit einem durchschnittlichen Gewinnverhältnis von 6,8 (bezogen auf die Gewinnerwartungen 2019, Quelle: Bloomberg) sind die Bewertungen extrem günstig. Türkische Aktien handeln mit einem 50-prozentigen Abschlag zu anderen Börsen der Schwellenländer (Quelle: Bloomberg, Stand 30.6.2019). Nur Russland ist billiger. Und die Inflation fiel Ende Mai auf 18,7 Prozent. Damit hat sich auch die Währung etwas stabilisiert. Die Türkei hat eine gut laufende Industrie. Alle Sektoren, die mit Exporten zu tun haben, stehen gut da.

Wie sind Sie in Ihrem Fonds ESPA STOCK ISTANBUL positioniert?

Wir investieren im Moment bevorzugt in Rohstoff-Unternehmen und exportlastige Unternehmen. Es gibt in der Türkei hochinteressante Unternehmen, die hervorragend gemanagt werden: z.B. der Haushaltsgerätehersteller Arçelik oder der Flughafenbetreiber TAV Airports. Vorsichtig sind wir bei Finanztiteln, d.h. bei Banken und Immoblien-Unternehmen.


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Kann Indien aus Chinas Schatten treten?

von Agne Loibl, Fund Managerin der Erste Asset Management.

Seit mehreren Jahren ist Indien eine der schnellst wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Im Wirtschaftsvergleich mit dem Schwergewicht China in den Emerging Markets lässt sich seit 2015 ein höheres Wachstum beobachten. Allgemein wird erwartet, dass Indien auch in den kommenden Jahren sein Wachstum bei 7% halten kann, während sich bei China eine Abschwächung auf unter 6% abzeichnet.

IndienQuelle: Bloomberg; Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Im Rahmen des Wahlkampfes für die im Frühjahr abgehaltenen Parlamentswahlen wurden die wirtschaftlichen Erwartungen des Landes in einem globalen Vergleich deutlich gemacht: Der damals amtierende Finanzminister des Landes prognostizierte den Aufstieg Indiens bis 2030 zur drittgrößten Wirtschaftsnation (mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 10Billionen USD) hinter den USA und China. Die hohen Erwartungen ziehen Investoren aus aller Welt an, der Aktienmarkt in Bombay boomt. Aber kann die Volkswirtschaft die hohen Erwartungen auch erfüllen oder wird Indien der sogenannte „ewige Hoffnungsträger“ bleiben? Eine der größten Herausforderungen Indiens besteht in der Schaffung von vorteilhaften wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der föderale Staatsaufbau begünstigte historisch die Entstehung von unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – jeder Bundesstaat hat eigene Gesetze und eine eigene Wirtschaftspolitik. Diese unterschiedlichen Gesetze in Kombination mit einer starken Überregulierung des privatwirtschaftlichen Sektors und hoher Bürokratie schreckten Investoren ab. China hingegen investierte in Infrastruktur und das Land kontrolliert Schritt für Schritt in Richtung Marktwirtschaft. Die Konsequenz könnte kaum deutlicher sein: Während vor rund 30 Jahren China und Indien ein ähnliches BIP / Einwohner aufwiesen, ist jenes von China heute rund dreieinhalbmal so groß.

IndienQuelle: Weltbank Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Genau diese Tatsache erhob Nanedra Modi zum Kernpunkt seines Wahlkampfes für die Parlamentswahlen im Jahr 2014. Er versprach Veränderungen mithilfe der Umsetzung von überfälligen Reformen und setzte sich für eine effiziente, wachstumsorientierte Regierungsführung ein mit dem Ziel der nationalen Vereinheitlichung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Damit traf Modi den Zeitgeist der reformwilligen Bevölkerung, und so setzte sich bei der Wahl erstmals seit 30 Jahren eine Partei mit einer absoluten Mehrheit an Parlamentssitzen durch. Seine erste Regierungsperiode 2014 – 2019 nutzte Premierminister Modi um unter dem Schlagwort „Make in India“ verbesserte Rahmenbedingungen für ein kompetitives Wirtschaftsumfeld zu schaffen.

Erleichterung der Kreditvergabe

Um den Handel über die Bundesstaaten hinweg zu erleichtern, vereinfachte und vereinheitlichte er das nationale Umsatzsteuer-System. Zahlreiche bestehende Investitionsbeschränkungen wurden aufgehoben, die rechtlichen Anforderungen zur Gründung von Unternehmen minimiert. Die Vergabe von Krediten – insbesondere durch ausländische Finanzinstitute wurde erleichtert. Eine wesentliche Unterstützung für das angeschlagene indische Bankensystem war die Einführung eines beschleunigten Insolvenzverfahrens; zuvor war die Fälligstellung und Verwertung notleidender Kredite nur sehr langsam möglich gewesen. Zusätzlich gab es für notleidende Banken staatliche Eigenkapitalzuschüsse.

Die Bekämpfung der Schattenwirtschaft, welche durch die Weltbank auf einen Anteil am BIP von rd. 20% geschätzt wurde, wurde mit einer rigorosen Demonetisierungspolitik angegangen. Dabei wurden bestimmte Banknoten (86% der im Umlauf befindlichen Geldmenge bzw. 12% des indischen BIP) für ungültig erklärt und der Umtausch stark limitiert. Auch andere Fundamentaldaten verbesserten sich signifikant: Die indische Zentralbank konnte die Inflation stabilisieren, zudem reduzierte sich das staatliche Budgetdefizit auf unter 4% des BIP.

Das Ergebnis der Reformen ist eindeutig: Im „Doing-Business-Index” der Weltbank, welcher das regulatorische Umfeld in einem Land für unternehmerisches Handeln misst, schaffte Indien binnen fünf Jahren den Sprung von Rang 134 auf Rang 77.

Die größte ökonomische Herausforderung

Eine große ökonomische Herausforderung bleibt jedoch die Arbeitslosigkeit, welche trotz des hohen Wirtschaftswachstums in den vergangenen Jahren angestiegen ist. Hier bestünden Möglichkeiten zu einer verbesserten Potenzialausnutzung im verarbeitenden Sektor. Im Gegensatz zum Dienstleistungssektor sind bei der Industrieproduktion keine hohen Wachstumsraten erkennbar. Im Zeitverlauf ist auch hier ein deutlicher Unterschied zur Entwicklung in China zu erkennen. Die Überregulierung der Privatwirtschaft wird in diesem Zusammenhang als einer der Hauptgründe für das zögerliche Wachstum in der Industrie angeführt. Vor allem größere Unternehmen sind mit umfangreichen Vorschriften konfrontiert, nachhaltiges Wachstum in der Industrieproduktion wird so deutlich erschwert.

IndienQuelle: Weltbank Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Nicht zuletzt wurde die Entwicklung der Arbeitslosenrate als eine der größten Schwächen in der ersten Amtszeit von Premierminister Modi wahrgenommen. Allen Reformbemühungen und -Umsetzungen zum Trotz entwickelte sich die Arbeitslosenrate gegenteilig und stieg an. Als Konsequenz dieser Entwicklung rechneten Beobachter vor den Parlamentswahlen im Frühjahr 2019 mit deutlichen Stimmverlusten für Premierminister Modi und seiner Bharatiya Janata Partein (BPJ). Umso überraschender fiel das Wahlergebnis aus: Premierminister Modi konnte nicht nur die absolute Mehrheit im Parlament verteidigen, sondern auch zusätzliche Parlamentssitze erlangen.

Land-Reform und Modernisierung

Es wird erwartet, dass die zweite Amtszeit von Premierminister Modi den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Industrieproduktion legen wird. Dieser Bereich umfasst neben einer Modernisierung der (teilweise prohibitiven) Arbeitsmarktgesetze insbesondere auch die sog. Land-Reform, welche den Erwerb von Grundstücken für die Errichtung von Industrieanlagen neu regeln soll. Ein weiteres Kernstück der Reformen der zweiten Amtszeit wird die schrittweise Privatisierung von Staatsunternehmen sein. Dieser längst überfällige Schritt würde eine raschere Modernisierung von zentralen Infrastruktur-Projekten (z.B. Eisenbahnsektor) des Landes mithilfe von privaten Investoren ermöglichen. Daneben sollten auch Beschränkungen für ausländische Investoren in Bezug auf die Beteiligungshöhe an Unternehmen in ausgewählten Sektoren reduziert werden.

Vieles deutet darauf hin, dass der Wille zu tiefgreifenden Reformen in Regierung und Gesellschaft gleichermaßen vorhanden ist. Der politische Rahmen erscheint nicht zuletzt aufgrund der parlamentarischen Mehrheitsverteilung günstig und somit könnten auch gesellschaftlich umstrittene Reformen umgesetzt werden. Wenn externe Faktoren wie die Entwicklung des Öl-Preises sowie der Wechselkurs zum US Dollar keine nachteilige Entwicklung zeigen, hätte Indien realistische Chancen den Status als „ewigen Hoffnungsträgers“ abzuschütten und sich global als starke Volkswirtschaft zu etablieren.

Wie wird die Liberalisierung des Kapitalmarktes genutzt?

Seit der Liberalisierung des indischen Kapitalmarktes nutzen immer mehr Unternehmen die Möglichkeit zu internationalen Emissionen. Dabei werden nicht nur „klassische“ Unternehmensanleihen begeben sondern auch Wandelanleihen in Euro und US Dollar. Obwohl Staatsanleihen den indischen Bond-Markt immer noch stark dominieren, wird der Anteil von Unternehmensanleihen immer größer. Im Hartwährungs-Unternehmensanleihen-Index von J.P.Morgan hält Indien derzeit einen Anteil von 4,5%, wovon mehr als 65% der inkludierten Anleihen über ein Investment Grade-Rating verfügen. Generell ist die Liquidität der Anleihen sehr gut und ermöglicht ein aktives Management der Investments. Zusätzlich bietet Indien aktuell einen  Aufschlag in der Bewertung (höheren Risikoaufschlag) gegenüber vergleichbaren Unternehmen in China und anderen asiatischen Ländern. In kommenden Jahren ist daher nicht nur von einem wachsenden (Emissions-)Markt auszugehen sondern auch von weiterhin interessanten Investmentmöglichkeiten.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Indien-Wahl: Regierung gestärkt für anstehende Herausforderungen

Indien gilt als die größte Demokratie der Welt. Die Wahlen zum nationalen Parlament im Mai lieferten neben weiteren Superlativen ein überraschendes Ergebnis: Mit rund 67 Prozent der insgesamt an die 900 Millionen Wahlberechtigten fiel die Wahlbeteiligung so hoch aus wie noch nie. Der haushohe Sieger des Wahlgangs war die Regierungspartei BJP und vor allem der amtierende Premierminister Narendra Modi. Die „Partei des indischen Volkes“ hat dabei eine beträchtliche Mehrheit von 303 der 545 Sitze im Unterhaus des Parlaments gewonnen. Obwohl einiges dagegen sprach, schnitt die Regierungspartei damit wesentlich besser ab als bei der vorangegangenen Parlamentswahl im Jahr 2014. Damals hatte sie mit 282 Sitzen als erste Partei seit 30 Jahren eine absolute Mehrheit erreicht.

Indien-Wahl

Bei den drei letzten Regionalwahlen vor der heurigen nationalen Parlamentswahl hatte Modi deutliche Verluste erlitten. Umfragen ließen bis zuletzt keinen großen Triumph seiner hindu-nationalisitischen und zunehmend als populistisch geltenden Partei erwarten. Dies lag vor allem an wirtschaftlichen Herausforderungen. Modi hatte Millionen neuer Arbeitsplätze versprochen und dieses Versprechen nicht einlösen können. Der nunmehrige Erfolg wird vor allem auf das Thema Sicherheit zurückgeführt, das mit Konflikten – etwa in der Region Kaschmir – zurückführt.

Bedeutung indischer Wirtschaftspolitik über das Land hinaus 

Dennoch wird Modis Wirtschaftspolitik in den 5 Jahren seiner 2. Amtszeit von besonderer Bedeutung sein und das nicht nur für Indien sondern auch für die Weltwirtschaft. Denn die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet in ihrer jüngsten Prognose (Mai) mit einem Wachstum der indischen Wirtschaft  von 7,2 Prozent im laufenden Jahr und 7,4 Prozent im Jahr 2020. Damit wird die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in Indien noch stärker eingeschätzt als für den Wachstumsmotor China (6,2 und 6,0 Prozent). Im Vergleich zur Weltwirtschaft wird Indien in den beiden Jahren mehr als doppelt so stark wachsen, prognostiziert die OECD.

Börse im Hoch

Auch während der abgelaufenen Amtszeit Narendra Modis machte die indische Wirtschaft eine überdurchschnittlich gute Figur. Der indische Aktienmarkt legte beinahe kontinuierlich zu. Anleger dürften sich mit seiner überraschend deutlichen Wiederwahl nun zufrieden gezeigt haben: In der Zeit um die Veröffentlichung des Wahlergebnisses und der erneuten Vereidigung des Premierministers verschob der Leitindex der Börse in Mumbai, Sensex 30, seinen Allzeithöchststand deutlich über die Marke von 40.000 Punkten. In den vergangenen 3 Monaten legte der Sensex um 4,5 Prozent zu und im Jahresvergleich steht er nun um gut 10,8 Prozent höher. In den letzten 5 Jahren hat der Sensex seinen Wert um mehr als die Hälfte gesteigert ((Quelle Bloomberg per 18.6.2019).

Indien-BörseHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Ein wichtiger Faktor für die starke Wirtschaftsentwicklung stellt gleichzeitig eine Herausforderung für Indien dar: Die äußerst junge Bevölkerung, die einerseits Wachstum ermöglicht und andererseits eine funktionierende Beschäftigungspolitik benötigt. Zu den inneren Risiken kommt verstärkt ein Problem, das inzwischen viele Volkswirtschaften weltweit wieder mehr zu spüren bekommen: Protektionismus.

Nach der Wahl folgten US-Zölle

Nur wenige Tage nachdem das Ergebnis der sechs Wochen dauernden Wahlen in Indien veröffentlicht worden war, strich US-Präsident Donald Trump Zollvergünstigungen beim Handel mit den USA. Ab 5. Juni erklärte Trump bisherige Sonderbehandlung Indiens im Rahmen eines Handelsprogramms für Entwicklungsländer für beendet, weil Indien den USA keinen „gerechten und angemessenen“ Zugang zu seinen Märkten gewähre, begründete Trump den Schritt.

Am Tag nach Inkrafttreten der Zölle auf indische Exporte in die USA senkte die Indische Notenbank ihren Leitzins zum dritten Mal in Folge um weitere 0,25 Prozent auf nunmehr 5,75 Prozent. Das tiefste Zinsniveau seit dem Jahr 2010 dürfte den Spielraum für die indische Wirtschaft etwas erweitern. Trotzdem werden vom „neuen alten“ Premier im Hinblick auf die Beschäftigung und die angespannte Versorgungssituation schon bald entschlossene wirtschaftspolitische Entscheidungen erwartet. An mangelnder Rückendeckung durch das Parlament sollten diese spätestens nach dem Erdrutschsieg im Mai nicht scheitern. Am vergangenen Sonntag teilte die indische Zollbehörde schließlich mit, Zölle auf 28 Produkte aus den USA teils massiv zu erhöhen.

In indische Aktien investieren

Wer an der Entwicklung von Unternehmen aus den aufstrebenden Volkswirtschaften partizipieren möchte, kann dies z.B. über Aktienfonds wie den ESPA STOCK GLOBAL EMERGING MARKETS tun. Das veranlagte Kapital ist auf unterschiedliche Regionen, Unternehmen und Sektoren verteilt. Börsennotierte Unternehmen aus Indien sind aktuell zu 10 Prozent in diesem Fonds gewichtet. Im Vergleich zu anderen Anlageklassen muss man größere Preisschwankungen berücksichtigen.


Indien-Wahl

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„Charts zeigen nicht die Zukunft. Sie erzählen Geschichten”

von Peter Szopo, Chief Equity Strategist der Erste Asset Management.

Die Vereinigten Staaten und Europa sind die zwei wichtigsten Aktienmärkte weltweit. Zusammen entfallen auf sie mehr als 80% der Marktkapitalisierung der entwickelten Welt. Im Folgenden präsentieren wir 6 Charts über den europäischen und den US-Aktienmarkt, die die Performance der Märkte, die Sektorenzusammensetzung, die Gewinnentwicklung und die Bewertung vergleichen – mit dem Ziel, die langfristig schwächere Entwicklung europäischer Aktien im Vergleich mit US-amerikanischen zu beleuchten.

Die Geschichte dieser Charts erzählt, dass die langfristige Underperformance europäischer Aktien aus einer Kombination struktureller und zyklischer Faktoren resultiert. Letztere, vor allem Gewinn- und Bewertungstrends, könnten europäischen Aktien im Verlauf des Jahres zu einem Aufschwung relativ zu US-Aktien verhelfen. Eine nachhaltige Drehung der relativen europäischen Performance bedürfte hingegen Änderungen im allgemeinen wirtschaftlichen Umfeld, wie z.B. eine Verlangsamung des unaufhaltsamen Wachstums des Technologie-Sektors und eine Erholung des geschwächten europäischen Bankensektors. Ob das in absehbarer Zeit eintreten wird, ist allerdings unsicher – denn wie der Titel dieses Blogs (eine Paraphrase eines Zitats des Ungeheuers Shrek¹) postuliert: Charts sagen uns nichts über die Zukunft.

Die traurige Performance Europas

Der europäische Aktienmarkt hinkt in seiner Performance über 30J, 20J, 10J und 5J dem US-Markt hinterher. Seit der Finanzkrise hat sich dieser Trend beschleunigt: seit 2007 hat der Stoxx600 relativ zum S&P 500 beinahe 40% eingebüßt (in Lokalwährung inklusive Dividenden).

Aktienmarkt* J-07 = Juli 2007, 0-07 = Oktober 2007, …

Die Sektorstruktur hat nicht geholfen

Einer der Gründe für Europas Underperformance ist die unterschiedliche Sektorstruktur der beiden Märkte. In den USA ist Informationstechnologie (IT) der größte Sektor, der überdies in den vergangenen zehn Jahren zu den Sektoren mit der besten Performance zählte. Mit über 20% ist seine Gewichtung vier Mal höher als in Europa. Hingegen hat in Europa der Finanzsektor den höchsten Anteil (>17% oder 4,3 Prozentpunkte über den USA), der im vergangenen Jahrzehnt bestenfalls eine mittelmäßige Performance aufwies.

Aktienmärkte EN=Energy, MT=Metals, IN=Industry, CS=Consumer staples,, CD= Consumer discretionary, CD=Consumer durables, HC=Health care, IT=Information Technology, UT=Utilities, RE= Real Estate, FN= Financials

Insgesamt verzeichneten jene Sektoren, die vor einem Jahrzehnt in Europa geringer gewichtet waren als in den USA, eine bessere Performance als der breite Markt, während jene, die in Europa vergleichsweise übergewichtet waren – neben Finanzwerten noch Versorger und Telekommunikation – eine schlechtere Entwicklung als der Markt aufwiesen. Dies zeigen die nachfolgenden zwei Charts: der linke Chart verdeutlicht, dass zwischen der Sektorgewichtung und der Performance in Europa eine negative Beziehung bestand, während – wie der rechte Chart zeigt – in den USA das Gegenteil der Fall war. In etwa die Hälfte der Underperformance Europas über diese Periode ist auf die unterschiedliche Sektorzusammensetzung zurückzuführen.

Sektorengewichtung vs. relative Performance

Quellen: Bloomberg; Erste Asset Management. Hinweise: X-Achsen: Differenz in MSCI-Sektorengewichtungen Europa und USA. Y-Achse: Performance der MSCI-Sektoren in Europa (USA) relativ zum Lokalindex. EN=Energy, MT=Metals, IN=Industry, CS=Consumer staples,, CD= Consumer discretionary, CD=Consumer durables, HC=Health care, IT=Information Technology, UT=Utilities, RE= Real Estate, FN= Financials

Wachstum in den USA, Value in Europa

Ein weiterer Unterschied zwischen den Aktienmärkten in den USA und Europa ist die jeweilige Faktorausrichtung. Dies ist, wie oben beschrieben, zum Teil auf die Sektorstruktur zurückzuführen, liegt aber auch an Unternehmensspezifika in den jeweiligen Sektoren. Der nachfolgende Chart verdeutlicht, dass die relative Performance von europäischen und US-Aktienmärkten eng mit dem Value/Growth-Zyklus in Verbindung steht, der seit mehr als einem Jahrzehnt wenig günstig für europäische Aktien verlief.

Aktienmärkte * J-01 = Jänner 2001, A-02 = April 02, J-03 = Juli 2003 0-04 = Oktober 2004, …

Unternehmensgewinne: Europa liegt zurück

Unternehmensgewinne sind eine weitere zentrale Erklärung für die matte relative Performance europäischer Aktien. Die im Vergleich zur USA langsame Erholung Europas nach der Finanzkrise drückte auf das Wachstum im Unternehmenssektor. Von 2009 bis 2018 war das jährliche Umsatzwachstum in Europa beinahe drei Prozentpunkte niedriger als in den USA (1,5% vs. 4,4%). Darüber hinaus zeigten die operativen Margen in den USA einen Aufwärtstrend, während sie sich in Europa seitwärts bewegten. Als Konsequenz war das jährliche Gewinnwachstum in Europa fünf Prozentpunkte niedriger als in den USA. Wenig überraschend lagen daher die Gewinnerwartungen in Europa meist unter jenen in den USA, was auch in der relativen Index-Performance zum Vorschein kommt (siehe nachfolgenden Chart).

Aktienmärkte * A-09 = April 2009, J-10 = Juli 2010, 0-10 = Oktober 2010, J-11 = Jänner 2011 …

Bewertungsabschlag

Seit Mitte der 2000er Jahre (der längste Zeitraum, für den wir über Daten zu Gewinnschätzungen verfügen) werden europäische Aktien durchschnittlich zu einem Abschlag im Vergleich zu US-Aktien gehandelt. Nach der Finanzkrise bewegte sich der Bewertungsabstand in einer Bandbreite von -17% bis -5%, ohne klaren Trend. Seit Q3 2018 befindet sich der Abschlag näher am oberen Ende der Bandbreite, was die Erwartungen stärkt, „mean reversion“ (also die Rückkehr zum Mittelwert) könnte zumindest zu einem vorübergehenden Aufschwung europäischer Aktien gegenüber dem US-Markt führen. ²

Aktienmärkte M-09 = Mai 09, N-09 = November 2009, …


1) „Man kann aus den Sternen nicht die Zukunft lesen, Esel, sie erzählen Geschichten.“
2) Anzumerken ist, dass der Bewertungsabstand auch die Unterschiede in der Sektorenzusammensetzung widerspiegelt. Dabei könnte man argumentieren, dass Europa künstlich unterbewertet aussieht, weil „billigere“ Sektoren wie Finanzwerte höher gewichtet sind. Allerdings birgt die Bereinigung um den Sektoreneinfluss diverse Risiken, und ein genauerer Blick auf die Sektor-Multiplikatoren verdeutlicht, dass die Unterbewertung Europas eine relativ robuste Tatsache darstellt.

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USA drängen Japan auf raschen Abschluss eines Handelsabkommens

Japan steht derzeit gleich auf mehreren Ebenen im Bann der Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Einerseits spürt die stark exportabhängige japanische Volkswirtschaft die Auswirkungen des Handelskonflikts der USA mit China, zudem verhandelt Japan derzeit selbst seine Handelsbeziehungen mit den USA. Präsident Trump hatte Japan nach seinem jüngsten Staatsbesuch in dem Land auf ein rasches Zustandekommen eines Handelsdeals gedrängt.

Erklärtes Ziel der Verhandlungen ist ein Freihandelsabkommen der beiden Länder und ein Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen. Trump stößt sich aber an Japans großem Überschuss im Handel mit den USA und will dieses Ungleichgewicht in den Verhandlungen korrigieren. Die USA hatten 2018 ein Handelsdefizit mit Japan in Höhe von rund 67,6 Milliarden US-Dollar.

JapanHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Freihandelsabkommen angestrebt

Um gegenzusteuern fordert der US-Präsident, dass Japan seinen Markt stärker für US-Produkte, etwa für landwirtschaftliche Güter, öffnet. Der Überschuss resultiert aber zu einem großen Teil auch aus Japans Autoexporten in die USA. Daher erwägt die US-Regierung zusätzliche Importzölle auf japanische Autos, eine Maßnahme die Japan unbedingt vermeiden möchte. Bei diesem Punkt dürften die Verhandlungspartner noch weit auseinanderliegen.

Auch Japans Geldpolitik stand in der Vergangenheit wiederholt in der Kritik. Japan wird vorgeworfen, den Kurs des Yen durch eine ultra-lockere Geldpolitik niedrig zu halten um seine Produkte im Ausland günstiger zu halten und seine Exportchancen zu verbessern. Um die Wirtschaft zu stützten hält die Notenbank ihre Zinsen schon lange bei praktisch null, und versucht zudem durch Käufe von Staatsanleihen auch die Renditen am Kapitalmarkt bei der Null-Linie zu halten.

Angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten will Japans Notenbank noch mindestens ein Jahr an den sehr niedrigen Zinsen festhalten, wie die Währungshüter nach ihrer geldpolitischen Sitzung Ende April mitteilten. Denn Japan wird auch vom Handelsstreit der USA mit China in Mitleidenschaft gezogen und spürt die Nachfrageschwäche aus China, aber auch die Beeinträchtigung von Lieferketten.

Japans Wirtschaft zuletzt trotz Exportrückgang überraschend stark

So haben Japans Unternehmen im April den fünften Monat in Folge weniger Waren im Ausland verkauft. Die Exporte fielen um 2,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahr, wie Japans Finanzministerium mitteilte. Die Ausfuhren nach China sind sogar noch stärker um 6,4 Prozent gefallen, wie aus der offiziellen Statistik hervorgeht. (Quelle: Japanisches Finanzministerium)

Auf Japans Wirtschaftsleistung haben sich die schwächelnden Exporte noch nicht niedergeschlagen. Der Exportrückgang wurde dabei zuletzt durch einen noch stärkeren Einbruch der Importe ausgeglichen. So ist Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um überraschend starke 2,1 Prozent gewachsen. Analysten hatten im Vorfeld im Mittel ein Minus von 0,2 Prozent erwartet. Ende 2018 war Japans Wirtschaftsleistung noch um 1,6 Prozent gewachsen.

Experten warnen aber vor einem drohenden Konjunkturabschwung. „Die Konjunktur hat bereits ihren Höhepunkt hinter sich“, sagte etwa der Chefvolkswirt des Instituts Tokai Tokyo, Hiroaki Muto. Der Ökonom stellt sich auf eine mögliche leichte Rezession ein. Viele Experten erwarten daher, dass Ministerpräsident Shinzo Abe die für Oktober angekündigte Anhebung der Mehrwertsteuer von acht auf zehn Prozent verschieben dürfte.


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Technologie-Aktienrallye: USA sind das „Maß der Dinge“

von Bernhard Ruttenstorfer, Fondsmanager der ESPA STOCK TECHNO.

Nach einem kräftigen Rücksetzer im Dezember 2018 feierten Technologie-Aktien in den ersten vier Monaten dieses Jahres ein fulminantes Comeback. Börsengänge wie jene der Fahrdienstanbieter Uber und Lyft sowie des Online-Grafik-Anbieters Pinterest sorgten für mediale Aufmerksamkeit. Auch die Gewinne der meisten Technologie-Unternehmen entsprachen den Erwartungen oder lagen darüber. Was waren die Gründe für den neuerlichen Kursaufschwung? Wovon profitiert der Technologie-Sektor und welche Perspektiven haben Anlegerinnen und Anleger? Darüber sprachen wir mit Bernhard Ruttenstorfer, Senior Fondsmanager ESPA STOCK TECHNO.

Worauf führen Sie die starken Kursanstiege im Jahr 2019 zurück?

Die Rallye im 1. Quartal war vor allem eine Folge der übertriebenen Kursrückgänge im 4. Quartal. Damals kam es zu einem irrationalen Abverkauf. Investoren nützen die günstigere Preisbasis um Aktien-Positionen im Technologie-Sektor aufzubauen bzw. aufzustocken. Dahinter steht natürlich eine positive Erwartung an die Geschäftsaussichten. Der Markt geht davon aus, dass sich die Geschäftsentwicklung der Unternehmen ab 2020 wieder deutlich verbessert. Die Kurse nehmen das jetzt schon weg. Die für das 1. Quartal gemeldeten Gewinne der Unternehmen konnten die Erwartungen mehrheitlich erfüllen oder wurden sogar übertroffen. Vor allem Unternehmen aus dem Software-Segment überzeugten. 2019 kann man als Übergangsjahr betrachten – mit geringfügigen Gewinnsteigerungen.

Sind die Aktien jetzt überbewertet bzw. sehen Sie weiteres Potenzial?

Ein Kursanstieg von rund 20 Prozent (Quelle: Reuters auf Basis eines weltweiten Technologie-Aktienindex) in wenigen Monaten schlägt sich natürlich in der Bewertung nieder. Doch hier muss man schon unterscheiden: Es gibt natürlich Segmente mit sehr ambitionierten Bewertungen wie z.B. bei gewissen Anbietern von Cloud-Software und Anbietern mobiler Zahlungsdienste. Bei den Letztgenannten sind die Bewertungen größtenteils gerechtfertigt, weil der Markt deutlich wächst und die Unternehmen profitabel wirtschaften mit relativ geringen Gewinnschwankungen. Wir sprechen hier von Unternehmen wie Paypal, Mastercard oder Visa. Sie sind die strukturellen Gewinner im Zahlungsverkehr und profitieren von einem geänderten Konsumverhalten, der sich in mehr Kaufabwicklungen über das Internet bzw. das Handy manifestiert. Attraktiv bewertet ist der Halbleitermarkt. Hier kam es in der zweiten Jahreshälfte 2018 zu einem Nachfrage-Einbruch. Jetzt zieht der Markt wieder an, die Nachfrage erholt sich. In Summe die Bewertung im Technologie-Sektor so attraktiv, dass nichts gegen weitere Kursanstiege spricht.

TechnologieHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Welche Themen sind aussichtsreich? Welche Schwerpunkte setzen Sie bei Ihren Investitionen?

Es sind alle Innovationen, die derzeit und in Zukunft den Zyklus von Produkten, deren Produktion, Absatz und Verbreitung bis hin zum Verbraucher berühren. Siehe Box: Die Treiber des Technologie-Aktienbooms. Da geht es um Themen wie Automatisierung, das Internet of Things, künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos, mobiles Zahlen, Cyber-Security usw. Im Bereich der Software ist das Thema Auslagerung in die Cloud nach wie vor sehr wichtig, und der Video-Gaming-Bereich mit seinen gigantischen Wachstumsperspektiven – damit verbunden die Zahlungsdienste. Im ESPA STOCK TECHNO-Fonds bevorzugen wir im Moment eher die Software-Anbieter: Dort sind die Preisschwankungen nicht so groß wie bei den Halbleitern. Die Preisentwicklung der Produkte ist da einfach stabiler.

Unternehmen wie Lyft, Uber, Pinterest sind heuer bereits an die Börse gegangen? Wie sieht es mit weiteren Börsengängen von Technologie-Unternehmen aus? Wie bedeutend sind die US-Börsen?

Die USA sind der Motor der Innovationen und daher auch an der Börse das Maß der Dinge. Die bedeutendsten und größten Börsengänge finden dort statt. Dazu kommt, dass die Aktienkurse in China stärker durch den Handelskonflikt in Mitleidenschaft gezogen werden als US-Tech-Unternehmen. Ein Beispiel dafür ist die Verbannung von Huawei auf eine schwarze Liste, die die Börsen am falschen Fuß erwischte. Was das bedeutet: US-Unternehmen können keine Produkte mehr an Huawei liefern. Das ist natürlich ein Bremsfaktor und schlecht für beide Konfliktparteien. Ich bin überzeugt, dass der Handelskrieg nur ein kurzfristiger Störfaktor sein wird. Er ändert nichts an dem radikalen Wandel bei Unternehmen und Konsumenten (durch die virtuelle Realität). Viele Branchen müssen sich auf starke Veränderungen einrichten: vom Autohandel bis zu den Zeitungen und Zeitschriften.

ESPA STOCK TECHNO – Investieren in die weltweit bedeutendsten Technologie-Unternehmen

Der ESPA STOCK TECHNO ist ein Aktienfonds, der in den bedeutendsten Technologieunternehmen weltweit investiert ist. Dabei entfallen ca. 80 Prozent auf US-Titel, sowie je 10 Prozent auf europäische und  japanische Aktien. Die Währungen werden gegenüber dem Euro nicht abgesichert. Der Fonds eignet sich als Beimischung zu einem bestehenden Aktienportfolio und ist für einen langfristigen Substanzzuwachs bestimmt. Aktuell werden Software-Unternehmen bevorzugt und Speicherchips eher untergewichtet. Technologie-Aktien bergen die Chancen auf hohe Kursgewinne. Allerdings können jederzeit  deutliche Kursrückschläge eintreten. Bei einer Investition in den Fonds sollte man  zu einer höheren Risiko-Bereitschaft bereit sein bzw. mögliche Kursverluste in Kauf nehmen können.


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Country Report: Wirtschaft in Kroatien

von Ivana Kunstek, Senior Fund Manager der Erste Asset Management Croatia.

Meine Damen und Herren, Kroatiens Wirtschaft fährt offiziell unter vollen Segeln! Kroatien hat endlich das lang erwartete Investment-Grade-Rating erhalten, damit werden Anleihen mit guter bis sehr guter Bonität zusammengefasst. Zufälliger Weise (oder nicht) von derselben Agentur, die es zunächst vor sieben Jahren verweigerte. Zugegeben, die Reaktion darauf war im Land selbst recht verhalten (im Gegensatz zu jener, als Kroatien das Finale der Fußball-WM erreicht hatte!) – laut internen Schätzungen wurde nicht ein einziges Bier pro Kopf aufgrund der Rating-Nachricht geleert.

Dies kommt nicht ganz überraschend, zumal die unerträgliche Leichtigkeit des Seins und der Mangel an Kenntnissen im Bereich makroökonomischer Daten nach wie vor feste Grundpfeiler dieses Landes sind. Es besteht kein Zweifel, dass die neuesten Trends vielversprechend aussehen – doch haben wir tatsächliche Fortschritte gemacht, oder ist Kroatien nur ein Kollateralprofiteur von positiven äußeren Umständen, wie einige Analysten es behaupten?

Die Wirtschaft in Kroatien: Pro

Die Märkte sind seit jeher den Rating-Agenturen voraus. Wenn man sich die kroatische Anleihenrendite ansieht, so war die jüngste Rating-Heraufstufung ein perfekt vorgezeichnetes und erwartbares Szenario. Fiskale Parameter haben sich verbessert, und obwohl der Verschuldungsgrad (Verschuldung/BIP) mit 73,3%, absolut betrachtet, nach wie vor hoch ist, wurde er in den letzten drei Jahren um 10 Prozentpunkte reduziert. Gute Makrodaten in Verbindung mit guten Marktdaten ermöglichen die Chance, den Verlauf des Verschuldungsgrads zumindest auf einem nachhaltigen Niveau zu halten. Angesichts der Tatsache, dass sich die Renditen der langfristigen Anleihen nunmehr unter der Wachstumsrate des kroatischen BIPs befinden, bestehen gute Chancen, die Verschuldungskennzahlen auf „Lehrbuch-Niveau“ zu senken.

Anhaltende Verbesserungen im Budget

KroatienHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Der stark besteuerte Inlandskonsum bleibt das Rückgrat der Erholung für die Wirtschaft in Kroatien. Es wurde von der dreistufigen Einkommenssteuerreform, die vor allem Erwerbstätige mit mittleren und hohen Einkommen betraf, zusätzlich gestärkt. Man muss allerdings sagen, dass selbige hier eher selten sind, doch ein Potenzial darstellen, mit dem die Regierung arbeiten will. Fiskalüberschüsse sind keine Seltenheit mehr, sondern eher die Regel – trotz des Sturzes des größten kroatischen Handelsunternehmens und des Umstandes, dass Staatsgarantien im Rahmen eines vor kurzem aufkommenden Problems in der Schiffswerftindustrie aktiviert werden mussten.

Im August sollten Änderungen im Körperschaftssteuergesetz schlagend werden und hoffentlich den schwächelnden und noch immer seinen Schuldenberg abbauenden Unternehmenssektor unterstützen. Gleichzeitig kommt es in den Haushalten zu ungezügelter Kreditaufnahme: das Gesamtvolumen an Konsumentenkrediten ist nur 10% vom Gesamtvolumen an Eigenheimfinanzierungen entfernt. Die steigende Durchdringung mit EU-Fonds ist ebenso positiv zu sehen, da sie das Investitionswachstum fördert und weil sie den EUR-Wechselkurs in Zaum hält und somit ein jahrelanges Aufwertungsmuster der Lokalwährung unterstützt, und zwar nur Monate, bevor Kroatien sich offiziell um die Lancierung des Wechselkursmechanismus II (ERM2-Prozess) bemühen wird.

Lokalwährung in engem Band vor Wechselkursmechanismus II( ERM2) Beitritt

KroatienHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Quelle: EAM

Letzteres sollte eine reine Formalität darstellen, da sich Kroatien bereits mit vier von fünf Kriterien (1.Kompatibilität von Rechtswesen, 2.Preisstabilität, 3.Budget und 4.Konvergenz der langfristigen Zinsen) qualifiziert – einzig 5.Währungsstabilität, steht hier noch aus. Doch diese wird auch erst dann einer Überprüfung unterzogen, wenn man offiziell um Mitgliedschaft ansucht. Die historische Zeitreihe des Wechselkurses zeigt deutlich das Bekenntnis der kroatischen Zentralbank zur Aufrechterhaltung einer engen Bandbreite von Euro / Kroatische Kuna, wenngleich mit Anzeichen saisonaler Volatilität (bei der wir von keiner Änderung in der nahen Zukunft ausgehen).

Die Wirtschaft in Kroatien: Contra

Analysten warnen davor, dass all dies möglicherweise nicht reichen könnte. Dazu ist zu sagen: Kroatien ist tatsächlich in seiner Vergleichsgruppe eher ein Nachzügler (ungeachtet etwaiger Excel-Fähigkeiten).

Ein verlorenes Jahrzehnt?

KroatienHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. Quelle: EAM

Es stimmt, dass unser BIP auf normierter Basis noch immer nicht das Niveau von vor zehn Jahren erreicht hat. Und, dass wir Glück haben, dass unsere Haupthandelspartner wirtschaftlich gut dastehen und unsere Flaggschiff-Industrie, der für 20% des BIPs verantwortlich zeichnende Tourismus, den Trend mitgemacht hat. Es ist auch korrekt, dass die beachtliche Emigration die pro-Kopf-Zahlen nach oben verzerrt. Ohne Zweifel hätte man mehr tun sollen, und es ist klar, dass der Versuch der Regierung, alle Verdienste für sich in Anspruch zu nehmen, mit dem gesunden Menschenverstand nicht in Einklang zu bringen ist (und dass er auch von schlechtem Geschmack zeugt).

Aber es stimmt auch, dass vieles anders gemacht hätte werden können, was wahrscheinlich zu einer schlechteren Situation als der derzeitigen geführt hätte. Einige uns vergleichbare Staaten haben sich zu einer großangelegten Pensionsreform entschieden. Kroatien hat dies nicht getan. Die von Pensionsfonds gehaltenen Staatsanleihen machen beinahe 25% der Staatsschuld aus. Die Verbringung dieser Aktiva in die Erste Säule bei gleichzeitiger Sterilisierung hätte sich jederzeit positiv auf die Verschuldungskennzahlen ausgewirkt. Obwohl diese Idee im Raum stand, verschwand sie erstaunlicher Weise wieder in der Lade, aus der sie gekommen war.

Pensionsfonds widerstehen wundersamer Weise der Verlockung fiskalischer Anreize

KroatienHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Fazit

Es ist zu konstatieren, dass uns ein weiteres gutes Jahr bevorsteht. Ja, unser Fortschritt ist ein langsamer, und ja, es hätte besser gemacht werden können. Doch das sind versunkene Kosten. Wir sehen Aufwärtspotenzial in unserem Fondsvermögen (jenseits von EUR 800 Mio.), die Immobilienpreise erholen sich, Haushalte nehmen Kredite, und das globale Umfeld erzeigt positives Momentum für zukünftige Fremdkapitalemissionen. Sollte Fitch im Juni zu einem ähnlichen Urteil wie S&P Global Ratings kommen, so könnte dies zusätzlichen Schwung verleihen und einen großartigen Sommer einläuten. Bleiben Sie dran!


Wichtige rechtliche Hinweise

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Transformationsprozess in China

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste AM.

Der Aufstieg von China ist eine Erfolgsstory. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes in den vergangenen 38 Jahren beträgt beeindruckende 10%. Mittlerweile ist China mit knapp 16% Anteil am Welt-Bruttoinlandsprodukt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Begleitet wurde der wirtschaftliche Aufstieg von China von einem enormen Zugewinn an Bedeutung in den Bereichen Technologie, Geopolitik und Militär. Kann diese Erfolgsgeschichte eine Fortsetzung finden?

Transformationsprozess in China

Eine wichtige Maßzahl für den Entwicklungsstand einer Volkswirtschaft ist das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bereinigt um die Kaufkraftunterschiede. Hier hat China im vergangenen Jahr mit rund 18000 US-Dollar pro Kopf eine wichtige Marke erreicht. Der Wert beträgt knapp 29% des Entwicklungsstandes in den USA (rund 62000 US Dollar Volkseinkommen pro Einwohner). Auf diesem Niveau besteht im Allgemeinen für eine Volkswirtschaft das Risiko, in eine Stagnationsphase zu fallen (Middle-Income-Trap).

Das Modell „hohes Wachstum durch Kapitalakkumulation“ kann nicht mehr gehalten werden. Die Infrastruktur (Städte, Schienen, Häfen, Internet) ist hergestellt. Schlussendlich ist die wohl wichtigste Schlüsselgröße um das Entwicklungspotenzial einer Volkswirtschaft einzuschätzen die Produktivität. Schätzungen zufolge liegt das durchschnittliche jährliche Produktivitätswachstum (Total Factor Productivity) bei rund 3%.

Um sicherzustellen, dass dieser vergleichsweise hohe Wert Bestand hält, hat die chinesische Wirtschaftspolitik mittlerweile einen (weiteren) Transformationsprozess mit großen Ambitionen eingeleitet. Grob gesprochen geht es um die strategische Umstellung von Quantität (hohes Wachstum durch Kapitalakkumulation) auf die Qualität (mehr Wertschöpfung durch Innovation und technologischen Wandel):

  • Der Wachstumsfokus wurde vom Produktions- auf den Servicesektor, von den Investitionen auf den Konsum und vom externen Sektor auf die Inlandswirtschaft gelenkt.
  • Die Strategie „Made in China 2025“ oder MIC2025 ist eine Blaupause für die Verbesserung der Wertschöpfung in wichtigen Sektoren der Industrie mit dem Ziel in rund 30 Technologiesektoren die Führerschaft zu erreichen. Zudem soll in der Hochtechnologie ein größerer Anteil im Inland hergestellt werden (zum Beispiel bei Halbleitern). Darüber hinaus soll bis 2030 die Technologieführerschaft in dem Schlüsselsektor Künstliche Intelligenz erreicht werden.
  • Die Neue Seidenstraße („Belt and Road Initiative“) ist ein Sammelsurium an unterschiedlichen Investitionsprojekten außerhalb Chinas mit Ziel der Integration Eurasiens und Afrika mit China.
  • Gleichzeitig wird die Währung auf die lange Sicht internationalisiert. Das hat zur Folge, dass immer mehr Transaktionen, sowohl Waren als auch Dienstleistungen und Finanzen, nicht mehr in US-Dollar sondern in Renminbi abgerechnet werden. Mittlerweile ist die chinesische Währung Renminbi sogar eine offizielle Reservewährung, d.h., sie ist in den Korb der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen worden. Tatsächlich werden chinesische Wertpapiere in immer größerem Ausmaß in die internationalen Aktien– und Anleiheindizes aufgenommen.

China Grafik: Schüsselindikator Produktivität Hinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Die größten Streitpunkte für China

Aus dem Aufstieg von China zur Weltmacht erwächst naturgemäß eine Rivalität mit der bestehenden Supermacht, den USA. Diese wird durch den Aufschwung von nationalistischen und protektionistischen Grundhaltungen überlagert. Aktuell dominiert das drohende Scheitern der Handelsgespräche zwischen den USA und China das Marktgeschehen. Die Streitpunkte sind

  • das Handelsbilanzdefizit der USA mit China,
  • der vermeintlich erzwungene Technologietransfer von US zu chinesischen Unternehmen,
  • der schlechte Schutz für Rechte an geistigem Eigentum,
  • der Schutz und die Unterstützung für chinesische Unternehmen (Protektionismus),
  • die zukünftige Entwicklung der chinesischen Währung und
  • die chinesische Industriepolitik (MIC2025).

Eine weitere Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China würde negative Auswirkungen für die Weltwirtschaft haben. In diesem Fall würde China wohl wirtschaftsunterstützende Maßnahmen setzen (höhere Staatsausgaben, niedrigere Steuern, höheres Kreditwachstum, Abschwächung der Währung). Allerdings: Selbst wenn ein Kompromiss gefunden werden sollte, bleibt die strategische Rivalität bestehen. Zukünftige Konflikte sind in der neuen multipolaren, immer mehr nationalistisch geprägten Welt inhärent. Das ändert nichts daran, dass die Erfolgsgeschichte von China eine Fortsetzung finden wird, solange das gute Produktivitätswachstum gehalten werden kann.


Investieren in die Staatsanleihen einer aufstrebenden SupermachtDer Erste Bond China

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Globale Risiken: Die Geisterfahrer

von Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste Asset Management.

Eine alte Branchenweisheit besagt: Fondsmanagement ist Risikomanagement. Welche Risiken es dabei zu managen gilt, hat sich in den letzten Jahren spür- und objektivierbar verändert. Politische und gesellschaftliche Risiken laufen traditionellen, ökonomischen Risiken wie ausufernden Inflation oder Deflation, einer Blasenbildung auf den Finanzmärkten, einem Staatsbankrott oder einer großen Finanzkrise immer mehr den Rang ab.

Entsprechend diskutieren wir die und den Umgang mit der veränderte Risikolandschaft auch bei uns im Unternehmen heftig. Meist wird diese Diskussion mithilfe einer Risikomatrix geführt, in der man potentielle Risiken definiert und dann nach ihrem vermuteten Impact, z.B. auf die Aktienmärkte, und anhand ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Diese Vorgehensweise ist nicht besonders originell, erlaubt aber, sehr schnell zu erkennen ist, was zählt und was nicht.

Globale Risiken nach Eintrittswahrscheinlichkeit

Mit dieser Vorgehensweise sind wir nicht alleine. Anfang  jeden Jahres treffen sich im Schweizerischen Davos für ein paar Tage DIE globalen Entscheidungsträger und tun dasselbe. Sie bewerten die aus ihrer Sicht weltweit maßgeblichen Risiken nach Impact und Eintrittswahrscheinlichkeit und veröffentlichen die Ergebnisse im World Economic Forum Global Risk Report.

Säuberlich gegliedert in die Kategorien wirtschaftliche, geopolitische, gesellschaftliche, technologische und Umweltrisiken werden dort die Top-Ängste der globalen Elite aufgezählt.Das Ergebnis ist durchaus spannend und überraschend, denn die gewichtigsten Risiken sind durch die Bank Umweltrisiken. Die wirtschaftlichen Risiken hören auf, bevor die Umweltrisiken überhaupt erst beginnen. Und diese Einschätzung stammt nicht aus der Feder einiger allzu ökoorientierten Bäumeumarmer, sondern direkt aus dem Herz und Hirn des weltweiten Kapitalismus.

Global Risks Landscape 2019

Global risk

Quelle: World Economic Forum Global Risks Perception Survey 2018–2019, Link zum Report

Sie kennen sicher den Witz mit der Geisterfahrerwarnung im Radio: Ein Autofahrer hört die Meldung und wundert sich, warum nur vor einem Geisterfahrer gewarnt wird, obwohl ihm so viele entgegenkommen.Vor ein paar Jahren wurde man als nachhaltiger Asset Manager als Geisterfahrer auf der wirtschaftlichen Autobahn gesehen. Inzwischen sind ESG Risiken im Herz des Kapitalismus angekommen.

Angelehnt an Sartre: Die Geisterfahrer, das sind inzwischen die Anderen. Wir wollen in diesem ESG Letter auf diese Veränderung der Risikoeinschätzung eingehen und über die weltweit größten Risiken berichten und zeigen, wie man als nachhaltiger Asset Manager damit umgehen und auch noch Geld verdienen kann.

Viel Spaß beim Lesen unseres Dossiers zu Global Risk.


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Berichtssaison: Unerwartet gute Zahlen ermöglichen US-Börsen Rekordstände

An den US-Börsen hat die Berichtsaison in der Vorwoche ihren Höhepunkt erreicht. Eine ganze Reihe namhafter Konzerne hat bereits Ergebnisse für das erste Quartal vorgelegt. Im Vorfeld waren enttäuschende Quartalsergebnisse mit Gewinnrückgängen befürchtet worden. Diese Ängste haben sich Großteils nicht bewahrheitet, vielmehr konnten zahlreiche Unternehmen die Erwartungen von Analysten sogar übertreffen. In New York reagierten der S&P 500 und der Nasdaq Composite mit neuen Höchstständen sowohl im Verlauf als auch bei den Schlussständen.

US-Börsen: Positive Überraschungen in unterschiedlichen Branchen

Bereits Mitte der Woche hatten 129 Unternehmen Ergebnisse vorgelegt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters mit Bezug auf Daten des Finanzdatenanbieters Refinitiv berichtet, haben mehr als drei Viertel davon die Erwartungen übertroffen. Dazu zählten neben den Betreibern der sozialen Netzwerke Twitter und Facebook, der Spielwarenkonzern Hasbro. Auch der Technologieriese United Technologies und die Rüstungsschmiede Lockheed Martin überzeugten die Anleger und hoben bereits ihre Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr an. Besondere Aufmerksamkeit erregte das IT-Urgestein Microsoft mit seinen Zahlen zum ersten Jahresviertel: Microsoft steigerte dank eines guten Geschäfts mit Cloud-Diensten seine Umsätze in den ersten drei Monaten 2019 um 14 Prozent auf 30,57 Milliarden Dollar. Der Gewinn machte einen Sprung um fast 19 Prozent auf rund 8,8 Milliarden Dollar. Die positiven Überraschungen bei den Quartalszahlen zogen sich damit quer durch die unterschiedlichen Branchen und Sektoren.

US-BörseHinweis: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.

Enttäuschungen mit triftigen Gründen

Analysten merkten an, dass im positiven Umfeld der aktuellen Ergebnisse Enttäuschungen schwerer wiegen würden. Doch bei einigen Unternehmen gab es statt allgemeinen Konjunktursorgen konkrete Gründe dafür, warum sie hinter den Erwartungen geblieben waren. So fielen etwa die Einnahmen von Boeing schwächer aus. Der Flugzeughersteller strich seine Prognosen für das Gesamtjahr vorerst ersatzlos. Hier wirkte sich vor allem die Unsicherheit durch die Startverbote für seine 737-Max-Modelle nach zwei Abstürzen aus. Der Baumaschinenriese Caterpillar konnte nur wenig überzeugende Umsätze vorweisen. Dies lag wiederum an einer Absatzschwäche in Asien und dem Pazifikraum, wie das Unternehmen mitteilte. Der Baumaschinenkonzern könnte jedoch schon bald mit positiven Entwicklungen im Handelsstreit entlastet werden.

Erwartungen an Aktienmarkt vor möglicher Handelseinigung

Denn seit den starken Indexverlusten im Schlussquartal des Vorjahres sind die Verhandlungen zwischen den USA und China deutlich vorangeschritten. Eine Einigung im Handelskonflikt scheint für viele Anleger nur noch eine Frage der Zeit und gilt als der nächste wichtige Meilenstein für die Börsen. Weiters hat sich die Zurückhaltung der US-Notenbank Federal Reserve im laufenden Jahr positiv auf den Aktienmarkt ausgewirkt und schließlich haben sich seit Anfang April und mit zunehmendem Schwung der Berichtssaison die Gewinnerwartungen der Analysten wieder deutlich verbessert.

Fazit: Die Unternehmensergebnisse in den USA überraschen positiv und die Börsen honorieren das mit Kursanstiegen.


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Klimarisiken: Warum wir uns nicht schnell genug anpassen

von Stefanie Schock, Research Analyst der Erste Asset Management.

Klimarisiken sind allgegenwärtig. Extreme Wetterereignisse, Fluten, Stürme & Zyklone,  steigende Treibhausgasemissionen oder Naturkatastrophen sind Risiken die das World Economic Forum bereits seit 2011 unter den Top 5 identifiziert, wenn es darum geht welche Ereignisse mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden.

2019 sind bereits drei der Top 5 Risiken dem Klimabereich zuzuordnen, bei einer Betrachtung des Impacts sogar vier von fünf. Neben Naturkatastrophen und Extremen Wettereignissen findet sich auf Platz 2 aber auch unser Unvermögen uns an die Folgen des Klimawandels anzupassen sowie die damit in direktem Zusammenhang stehende globale Wasserkrise. Eine Priorisierung dieser Problematik ist aus Nachhaltigkeitssicht daher unumgänglich.

Wie warm wird es werden?

Im vierten nationalen Klimabericht der USA wird im November davor gewarnt, dass uns ohne eine Reduzierung der anthropogenen Treibhausgasemissionen bis zum Ende des Jahrtausends eine Klimaerwärmung von ~plus 5 Grad treffen könnte. Um das plus 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, hätten wir laut IPCC (Internationales Klimapanel) noch 12 Jahre um eine notwendige Kursänderung durchzuführen. Wichtige Funktionen übernehmen auch unsere Ökosysteme: Ozeane oder Waldflächen sind CO2-Speicher, deren Leistung durch die globale Klimaerwärmung beeinträchtigt ist.Ein Beispiel für die Abhängigkeit von den Leistungen dieser Systeme sind Mangrovenwälder in Küstengebieten: rund 200 Mio. Menschen die in diesen Gebieten leben und Nahrungsmittel anbauen sind auf Mangroven angewiesen um sich vor Sturmfluten und steigendem Meeresspiegel zu schützen. Der World Wide Fund for Nature warnt, dass seit Mitte des 20. Jhd. etwa die Hälfte der Mangrovenwälder verdrängt wurde was einer enormen CO2 Freisetzung entspricht, da die CO2 Speicherkapazität dieser Wälder rund drei bis fünf Mal höher als jene von terrestrischen Wäldern ist.

Neben marinen und terrestrischen Systemen sind anthropogene Systeme auch direkt betroffen. Nach IPCC-Auswertungen zeigt die Mehrheit der untersuchten Studien einen negativen Zusammenhang zwischen Ernteerträgen und der Klimaerwärmung, besonders im Bereich der Getreide- u. Maisernte, weniger betroffen sind Reis und Soja.

Global riskQuelle: WEF (World Economic Forum)

Welche Rolle spielt das Meer?

Schnell wachsende Städte und anhaltende Auswirkungen des Klimawandels machen mehr Menschen anfällig für den Anstieg des Meeresspiegels. Es wird erwartet, dass bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Schätzungen des WEF (World Economic Forum) zufolge leben bereits 800 Millionen Menschen in mehr als 570 Küstenstädten, die bis 2050 einem Meeresspiegelanstieg von 0,5 Metern ausgesetzt sind.

In einem Teufelskreis konzentriert sich die Urbanisierung nicht nur auf Menschen und Eigentum in potenziellen Schadens- und Störungsgebieten, sondern erhöht diese Risiken auch – zum Beispiel durch die Zerstörung natürlicher Resilienzquellen wie Küstenmangroven und die Belastung der Grundwasservorkommen. Durch die Intensivierung der Auswirkungen wird immer mehr Land unbewohnbar. Es gibt drei Hauptstrategien für die Anpassung an den steigenden Meeresspiegel: (1) Ingenieurprojekte zur Eindämmung von Wasser, (2) naturbasierte Lösungen und (3) personenbezogene Strategien, z. B. die Verschiebung von Haushalten und Unternehmen auf sicherere Wege oder In Sozialkapital zu investieren, um Gemeinschaften mit Hochwassergefahren widerstandsfähiger zu machen, heißt es in dem Bericht.

„Der Anstieg des Küsten-Meeresspiegels gehört zu den gravierendsten gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels. Der globale Anstieg des mittleren Meeresspiegels wird sich infolge der Klimaerwärmung über viele Jahrhunderte hinweg fortsetzen. Das detaillierte Tempo und der endgültige Anstieg hängen wesentlich von den künftigen Treibhausgasemissionen ab “, betont Pavel Kabat, Forschungsdirektor der WMO (World Meteorological Organization).

Warum Biodiversität wichtig ist?

Der Klimawandel verstärkt den Verlust an Biodiversität. Viele betroffene Ökosysteme – wie Ozeane und Wälder – sind wichtig, um Kohlenstoffemissionen zu absorbieren. Zunehmend fragile Ökosysteme bergen auch Risiken für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität. Da sich Umweltrisiken mit zunehmender Häufigkeit und Schwere kristallisieren, werden sich die Auswirkungen auf die globalen Wertschöpfungsketten wahrscheinlich verstärken und die Widerstandsfähigkeit insgesamt schwächen.

Fazit des Global Risk Reports

Die Umweltrisiken dominieren weiterhin die Ergebnisse der jährlichen Studie zur Erfassung der globalen Risiken (GRPS). Die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher. Besorgnis erregend ist der zunehmende Verlust an Biodiversität. Die Artenvielfalt ist seit 1970 um 60% zurückgegangen. In der menschlichen Nahrungskette wirkt sich der Verlust an biologischer Vielfalt auf die Gesundheit und die sozioökonomische Entwicklung aus, was sich wiederum auf Wohlbefinden, Produktivität und sogar regionale Sicherheit auswirkt.

Die Unterbrechung der Produktion und Lieferung von Gütern und Dienstleistungen aufgrund von Umweltkatastrophen ist seit 2012 um 29% gestiegen. Nordamerika war die Region, die am stärksten von umweltbedingten Lieferkettenstörungen im Jahr 2017 betroffen war. Diese Störungen waren vor allem auf Wirbelstürme und Waldbrände zurückzuführen.

In der US-amerikanischen Automobilindustrie verursachten beispielsweise nur Fabrikbrände und Unternehmenszusammenschlüsse mehr Störungen in der Lieferkette als Hurrikane. Wenn die Störungen eher an der Anzahl der betroffenen Anbieter als an der Anzahl der einzelnen Ereignisse gemessen werden, waren die vier wichtigsten Auslöser 2017 Hurrikane, extremes Wetter, Erdbeben und Überschwemmungen.

Umwälzungen in der globalen Abfallentsorgungs- und Recycling-Lieferkette im Jahr 2018 können ein Vorgeschmack sein. China verbot den Import von ausländischen Abfällen, darunter fast 9 Millionen Tonnen Plastikschrott, um die Umweltbelastung zu verringern. Dieses Verbot enthüllte Schwächen bei der inländischen Recyclingkapazität vieler westlicher Länder. Allein im ersten Halbjahr 2018 schickten die Vereinigten Staaten 30% des Plastiks, das zuvor in China deponiert worden wäre, in andere Länder wie Thailand, Malaysia und Vietnam.

Global Risk Report: https://www.weforum.org/reports/the-global-risks-report-2019


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Mikrofinanz: Die Welt ein Stückchen besser machen und dabei Geld verdienen

Martin Cech, Fondsmanager ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE: „Mikrofinanz eröffnet neue Perspektiven und verhindert ausbeuterische Kinderarbeit“

Es gibt Investments, die für eine bessere Welt sorgen. Mikrokredite eröffnen eine Chance auf ein besseres Leben und ermöglichen eine stabile Rendite für Anlegerinnen und Anleger. Mit dem Fonds ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE ist beides möglich: Mit Mikrofinanz die Welt ein Stückchen besser machen und dabei Geld verdienen.

Was versteht man unter Mikrofinanz?

„Sie ist ein Weg, einkommensschwachen Haushalten dieselben Dienstleistungen zu geben, die allen anderen auch zur Verfügung stehen“, formulierte es Kofi Annan, der ehemalige Generalsekretär der UNO. Mikrofinanz bedeutet also Menschen Finanzdienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die sonst keinen Zugang zu diesen haben. Mikrofinanz ist keine Spende, sie trägt aber zur Bekämpfung der Armut bei.

Wie funktionieren Mikrofinanz-Investments?

Anlegerinnen und Anleger investieren über Investmentgesellschaften wie zum Beispiel einen Fonds in Mikrofinanz-Institute. Diese Minibanken vergeben dann Minidarlehen an die Ärmsten der Armen, insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Mikrofinanz-Institute dienen als Brücke zwischen Investoren und Kreditnehmern. Sie sind in Schwellen- und Entwicklungsländern vor Ort und untersuchen die Lebensumstände eines Kleinstkreditnehmers genau, bevor ein Kleinkredit bewilligt wird. Dieses Know-how der Minibanken vor Ort haben Investoren in der Regel nicht bzw. ist eine direkte Vergabe der Kredite an tausende Kleinstkreditnehmer nicht möglich.  Deshalb investieren sie indirekt, wie z.B. über einen Fonds.

Die Ursprünge der Mikrofinanz reichen in die 1970-er Jahre zurück. Als Begründer des Mikrofinanz-Gedankens  gilt der Wirtschaftswissenschafter und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Er war Gründer und Geschäftsführer der Mikrokredite vergebenden Grameen Bank.

Welche Wirkung hat das investierte Geld für die Dritte Welt?

Mittlerweile gibt es mehr als 500 Millionen Menschen, die über Mikrofinanz-Institute Zugang zu Kleinstkrediten erhalten haben. Doch das reicht noch lange nicht. Noch immer gibt es über eine Milliarde Menschen weltweit, die in absoluter Armut leben. Martin Cech, Fondsmanager des Fonds ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE bringt es auf den Punkt:  „Ohne Zugang zu Krediten sind diese Menschen ihrem Schicksal ausgeliefert. Mikrofinanz eröffnet neue Perspektiven und verhindert auch Kinderarbeit.“

Dem gegenüber stehen Investoren in Industrieländern, die nach Möglichkeiten suchen, ihr Geld mit möglichst wenigen Kurs-Schwankungen profitabel und zugleich sinnvoll anzulegen. Dass such das weltweite Mikrofinanz Investitionsvolumen von seit 2005 von 1,5 Milliarden US-Dollar auf über 15 Milliarden US-Dollar (Wert für 2017, Quelle: Symbiotics) mehr als verzehnfacht hat, wundert daher nicht.

Wie sieht der typische Mikro-Kredit aus?

Die überwiegende Anzahl der Mikro-Kredite in den Entwicklungsländern sind Betriebsmittelkredite und keine Konsumkredite. Sie dienen zur Aufbau einer beruflichen Existenz vor allem in der Landwirtschaft. Aber auch im Handwerksbereich, im Tourismus, im Handel und in der Gastronomie werden sie gerne in Anspruch genommen. Das Kreditvolumen reicht von lediglich 300 Euro bis zu – gemessen an den Maßstäben der Schwellenländer – beträchtlichen 30.000 Euro. Die Laufzeit beträgt bis zu 3 Jahre, zurückgezahlt wird monatlich. Es handelt sich vorwiegend um Kredite in Lokalwährung. Knapp zwei Drittel der Kreditnehmer sind Frauen. Beispiele für einen typischen Mikro-Kredit sind z.B. ein Marktstand für Obst und Gemüse, der Kauf einer Nähmaschine oder von ein paar Quadratmetern Anbaufläche. Menschen, die solche Kredite bekommen, sind in der Regel überaus dankbar und bemühen sich penibel die Rückzahlungen einzuhalten. Nur etwa 2 von 100 Mikrokrediten können nicht oder nicht vollständig getilgt werden.

Mikrofinanz

Quelle: Symbioticsgroup.com

Wie kann man als PrivatanlegerIn in Mikrofinanz investieren?

Eine von wenigen Mikrofinanz-Investitionsmöglichkeiten ist der Dachfonds ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE. Er ist in verschiedenen Mikrofinanz-Fonds investiert. Damit ist das Vermögen des Fonds breit gestreut. Die Fonds investieren wiederum in Mikrofinanzinstitute, die dann Kredite an die KleinstunternehmerInnen vergeben.

Welche Risiken muss man einkalkulieren?

Es gibt verschiedenen Risiken, mit denen AnlegerInnen rechnen müssen, wenn sie in Mikrofinanz investieren, angefangen von Bonitätsrisiken bis zu Risiken der Ländern, politischen Ereignisse oder Naturkatastrophen. In Ecuador etwa erschütterte 2016  ein Erdbeben der Stärke 7,8 die Küstenregion und legte dort die Wirtschaft lahm. Aber auch Tsunamis, Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürre können der Wirtschaft schaden.

Das Fondsmanagement versucht solchen und ähnlichen Risiken dadurch entgegen zu steuern, dass das Risiko auf momentan 86 Länder verteilt wird. Schwerpunkte sind aktuell Indien, Kambodscha, Peru,  Ecuador, Costa Rica und Georgien (Obergrenze von 10 Prozent je Land, Anm.). Aktuell befinden sich im ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE 384 Mikrofinanzinstitute und 50 Fair Trade Institute.

Lohnt sich ein Investment in einen Mikrofinanz-Fonds?

Die Renditen können sich im aktuellen Niedrigzinsumfeld sehen lassen. Der Dachfonds ERSTE RESPONSIBLE MICROFINANCE erzielte über die vergangenen fünf Jahre eine Wertentwicklung von 2,09 Prozent pro Jahr*). Seit dem Start des Fonds 2010 beträgt der Wertzuwachs insgesamt 20,97 Prozent.

Mikrofinanz

*) Datum der Berechnung. 31.3.2019. Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt laut OeKB Methode. In der Wertentwicklung ist die Verwaltungsgebühr und eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung berücksichtigt. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 3,00 % und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu Quelle: Erste AM, FMP, 29.3.2019

„Wir wollen natürlich für unsere Kunden eine adäquate Anlage-Rendite erzielen. Darüber hinaus ist es uns wichtig, dass diese Investition einem guten Zweck dient und den Menschen, die in ärmlichen Verhältnissen leben, einen Weg zu einem besseren Leben eröffnet. So stellen wir sicher, dass auch eine soziale Rendite zum Tragen kommt“, betont Fondsmanager Cech.

Kauf- und Verkaufsaufträge dauern länger

Der Fonds richtet sich an Investoren, die nachhaltig agieren und ihr Geld langfristig zur Verfügung stellen wollen. Der Kauf- und Verkauf von Anteilen an diesem Fonds dauert viel länger als bei Aktien– und Anleihefonds. Eine Order, die bis zum 27. Tag eines Monats (spätestens 13 Uhr) abgegeben wird, wird mit dem 20. Tag des Folgemonats abgerechnet (zum Preis des letzten Werktages des Monats). Beim Verkauf wird erst im darauffolgenden vierten Monat (zum Preis des letzten Werktages des dritten Folgemonats) abgerechnet. Diese lange Orderzeit dient dem Schutz der AnlegerInnen: Nicht jeder Kauf- oder Verkaufsauftrag kann so schnell ausgeführt werden wie bei liquiden Aktien.

Fazit

Mikrofinanz ist keine Spende sondern eine Möglichkeit einkommensschwachen Menschen in den Entwicklungsländern Kredite für die Existenzgründung zur Verfügung zu stellen und dabei Geld zu verdienen. Es handelt sich um Investitionen, die mit der Entwicklung von Aktien, Anleihen oder Immobilien kaum zusammenhängen aber trotzdem eine Rendite ermöglichen. Investitionen in Mikrofinanz sollten langfristig angelegt sein, schon allein wegen der langen Abwicklung von Kauf- und Verkaufsaufträgen, was dem Schutz der Anlegerinnen und Anleger dient.


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IMF Spring Meetings: Emerging Markets – wie geht es weiter?

von Felix Dornaus, Senior Fondsmanager Schwellenländeranleihen, Erste Asset Management.

Im Rahmen der Jahrestagungen des IMF (Internationalen Währungsfonds) finden verschiedene Veranstaltungen für Emerging Markets Investoren statt. Meinungsführer, Entscheidungsträger, Meinungsforscher und Analysten aus Politik, Think-Tanks, Wirtschaft und der akademischen Welt halten Vorträge und/oder stellen sich der Diskussion mit Investoren. Das Treffen bietet andererseits eine gute Gelegenheit für den Gedankenaustausch mit Fachkollegen.

Meine wichtigsten Schlussfolgerungen aus den IMF Spring Meetings

Die Investoren in Emerging Markets sind nach wie vor positiv gestimmt, jedoch mit einer zunehmend vorsichtigeren Neigung. Offensichtliche Opportunitäten, Risiko aufzustocken, werden rarer, der Selektionsanspruch steigt.

Die makroökonomischen Daten aus China verbessern sich. Eine Mehrheit sieht die Unterzeichnung eines US-China Handelsabkommens in den nächsten Wochen bis Monaten. Beide Vertragsseiten wünschen sich einen Abschluss, wobei der grösste Stolperstein in der Formulierung von Vollstreckbarkeitsmechanismen liegt. Es ist zu erwarten, dass der Deal noch nicht vollumfänglich sein wird.

Argentinien

Bei den Präsidentenwahlen im Oktober dieses Jahres werden dem amtierenden Präsidenten Macri trotz hoher Unsicherheit die besten Chancen auf Sieg zugesprochen. Vermutlich in einem zweiten Wahldurchgang gegen Christina Kirchner. Die Zielerreichung unter dem bestehenden IMF Programm ist ermutigend. Die Dürre mit ihren negativen Auswirkungen auf die Leistungsbilanz ist überwunden. Die Roll-Over-Rate bei Zahlungsfälligkeiten des Souveräns liegt bei 100%. Bis Ende 2020 sollte keine Emission auf den internationalen Anleihemärkten notwendig sein. Das Land geniesst breite Rückendeckung seitens des IMF und anderer offizieller Kreditgeber.

Brasilien

Ist der Darling der Investoren. Dem erfolgreichem Abschluss der dringend notwendigen Pensionsreform wird eine Wahrscheinlichkeit von grösser als 50% noch in der zweiten Jahreshälfte 2019 eingeräumt. Das Wirtschaftsteam rund um den neuen Finanzminister Paulo Guedes geniesst grosses Vertrauen („Brazilian Avengers“).

Mexico

Für 2019 wird ein Wirtschaftswachstum von rd. 1-1,5% erwartet, und gehört damit zu den niedrigsten des EM Universums. Der Regierung des linken Präsidenten AMLO wird zwar eine besonnene Fiskalpolitik zugetraut, es bestehen jedoch gewisse Ängste hinsichtlich einer Schwächung der Institutionen, was das Risiko einer Bonitätsherabstufung erhöhen würde. Die bisherigen, staatsseitigen Stützungszusagen für die hochverschuldete nationale Erdölgesellschaft PEMEX werden noch als zu wenig detailliert empfunden. Ein Abschluss von USMCA, des Nachfolgers des trilateralen Handelsabkommens NAFTA, wird noch in 2019 erwartet, geniesst allerdings derzeit weder im US-amerikanischen noch im mexikanischen Kongress Priorität.

Russland

Die Möglichkeit weiterer US-Wirtschaftssanktionen stand im Vordergrund der Diskussionen. 2 neue Sanktionspakete sind vermutlich bereits ausformuliert, harren aber noch einer kongressseitigen Genehmigung. Diese kann allerdings jederzeit erfolgen, wobei Präsident Trump eine wahrgenommene Bremser-Rolle zukommt. Eine Ausdehnung der Sanktionen auf die Begebung neuer russischer Anleihen kann nicht ausgeschlossen werden. Nachdem die USA aufgrund ausreichender Eigenproduktion nicht mehr erdölimportabhängig sind, wäre auch Erdöl als Strategie-Tool vorstellbar. Zwischen Russland und den USA existiere derzeit kein Dialog.

Türkei

Der Finanzminister und Zentralbankpräsident bemühten sich sehr, auf entspannte Weise ihren Plan signifikanter Strukturreformen darzustellen. Mit mangelnder Überzeugungsfähigkeit. Über die Quellen finanzieller Mittel zur Bedienung der erheblichen kurzfristigen Schulden in ausländischer Währung (vor allem Privatsektor) entstand wenig Klarheit. Minister Albayrak mutmaßte allerdings, dass Verbindlichkeiten des Privatsektors weitestgehenst den Charakter von Inter-Company-Loans hätten, wodurch das Refinanzierungsrisiko erheblich niedriger sei als angenommen. Eine Annäherung an den Währungsfonds war nicht zu erkennen.

Venezuela

Die Staatsverschuldung 2019 wurde auf 920%/GDP geschätzt. Die Parallel-Regierung unter Guaido formiert sich zwar, deren Aussagen zum baldigen Sturz des Präsidenten Maduro erscheinen eher als Wunschdenken denn Realität. Bisher ist es noch nicht gelungen, das Militär zu überzeugen, sich gegen Maduro zu stellen. Unter dessen Regierung kam es zu einer Bruttonationalprodukt-Zerstörung, die ihresgleichen in der globalen Wirtschaftsgeschichte sucht. Die unvermeidbare Umschuldung der Auslandsverbindlichkeiten wird die „Mutter aller Umschuldungen“ und mit einem massiven Kapitalverzicht seitens der Gläubiger verbunden sein. Eine Verschärfung von Sanktionen seitens der USA gilt als wahrscheinlich.

US Präsident Trump: In einer ad hoc durchgeführten Umfrage unter rund 800 anwesenden Investoren wurde seiner Wiederwahl eine 70%ige Wahrscheinlichkeit zugeordnet.


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Rezession oder Wirtschaftswachstum?

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Das Wirtschaftswachstum hat sich bis ins erste Quartal 2019 markant abgeschwächt. Die risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien haben dennoch deutliche Kursanstiege verzeichnet, weil die Zentralbanken eine ebenso ausgeprägte Veränderung der Geldpolitik von „Straffung“ auf „unveränderte Haltung / Lockerung“ vollzogen haben. Für das aktuelle Quartal zeichnet sich eine Änderung der beiden wichtigen Einflussfaktoren Wachstum und Geldpolitik für die Märkte ab.

Wachstumsrezession?

Die wirtschaftliche Aktivität befindet sich auf globaler Ebene nach wie vor in der Phase „Abschwächung“. Für das erste Quartal 2019 wird ein Wachstum im Quartalsabstand in einer Bandbreite von 2% – 2,5% auf das Jahr hochgerechnet geschätzt. Die Schätzung für das Potenzialwachstum beträgt rund 2,7%. Ein weiterer Wachstumsrückgang würde damit bereits den Übergang in die nächste Phase „Wachstumsrezession“ charakterisieren.

In diesem Umfeld schrumpft zwar nicht das Bruttoinlandsprodukt, was eine Rezession bedeuten würde, aber ein anhaltendes Wachstum unter dem Potenzial würde eine Abschwächung des Arbeitsmarktes und der Gewinne implizieren.

Grafik 1: globale Wachstumsabschwächung

Quelle: Bloomberg, EAM

Schwäche im Gütersektor

Insbesondere der Gütersektor ist schwach. Die Industrieproduktion fällt in vielen Ländern, ebenso wie die Auftragseingänge und die Güterexporte. Auf der negativen Seite sticht hier vor allem Deutschland hervor, wo die Fertigungsaufträge im Monat Februar um mehr als 8% im Jahresabstand geschrumpft sind. Zudem lassen die schwachen Fabriksauslieferungen auf eine stagnierende Investitionstätigkeit der Unternehmen schließen.

Unsicherheit

Auch die Indikatoren zur Unternehmensstimmung sind in zahlreichen Ländern gefallen. Das kann auf mehrere schwer einzuschätzende Entwicklungen wie den (Handels)konflikt zwischen den USA und anderen Ländern, das Brexit-Chaos und die Dauer der Abschwächung des Kreditwachstums in China zurückgeführt werden.

Lockerung der Geldpolitiken

In einem Sektor ist die Unsicherheit jedenfalls etwas gefallen. Nach den starken Kursrückgängen im vierten Quartal 2018 hat auf den Märkten eine Erholung stattgefunden, d.h., die Risikoprämien sind gesunken. Hauptverantwortlich dafür war die Veränderung der Konstellation zwischen den Kategorien Wirtschaftswachstum, Politik, und Geldpolitik von „Abschwächung“ „erhöhte Unsicherheit“ und „Straffung“ (Leitzinsanhebungen) im vierten Quartal auf „Abschwächung“, „erhöhte Unsicherheit“ und „unveränderte Haltung / Lockerung“ im ersten Quartal 2019.

Grafik 2: In den Marktpreisen eingepreiste Veränderung des US-Leitzinssatzes innerhalb der kommenden 12 Monate (aktuell rund minus 0,27 Prozentpunkte)

WirtschaftswachstumQuelle: Bloomberg, EAM

Verbesserung in China

Die Anzeichen für eine Stabilisierung des Wirtschaftswachstums sind zwar immer noch schwach, in den vergangenen Wochen haben sie jedoch zugenommen. An vorderster Stelle stehen hier die Hinweise für ein Ende des Rückgangs des Wirtschaftswachstums in China. Dazu gehören vor allem die Anstiege der Einkaufsmanagerindizes im Monat März und der mild positive Kreditimpuls in den Monaten Jänner und Februar. Wenn in China diese Verbesserung von den „harten“ Indikatoren wie der Industrieproduktion, den Exporten, den Importen, der Investitionstätigkeit und der Kreditvergabe bestätigt wird, werden wahrscheinlich auch in anderen Ländern die Daten den Gütersektor betreffend eine Erholung aufweisen.

Neues Haar in der Suppe

Wenn eine Wachstumsrezession vermieden wird, weil die Schwäche im Gütersektor endet und die Unsicherheit hinsichtlich politischer Entwicklungen etwas abnimmt, ist das per se eine positive Entwicklung für die Märkte. Allerdings würde dann auch ein wesentlicher unterstützender Faktor für die Märkte wegfallen: Die Tendenz, zunehmend geldpolitische Lockerungen einzupreisen. Für einige Länder reflektieren die Marktpreise bereits moderate Leitzinssenkungen, insbesondere für die USA.

Im Szenario „Stabilisierung“ ist das übertrieben. Das Verschwinden von Leitzinssenkungserwartungen ist von den Märkten wahrscheinlich verkraftbar, weil sich gleichzeitig auch die Wachstumsaussichten verbessern. Das erneute Auftreten von Erwartungen hinsichtlich Leitzinsanhebungen aufgrund von Inflationsanstiegen wäre jedoch nachteilig für die Märkte.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Megatrends am Aktienmarkt

von Dieter Kerschhbaum, Communications Specialist Österreich der Erste Asset Management.

Wenn von Megatrends in der Geldanlage die Rede ist, dann meint man oft Themen bzw. Entwicklungen, die auf viele Jahre Bestand haben und maßgebliche Veränderungen bewirken können.

Wie kann der Lebensstandard in der Zukunft gesichert werden? Welche Aspekte müssen bei der langfristigen Finanzplanung beachtet werden, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen? Wo sind die Wachstumsregionen und welche Innovationen und technologischen Entwicklungen sind in der Zukunft erfolgsversprechend? Diese Fragen müssen beantwortet werden, wenn ich als AnlegerIn profitieren will.

Was sind Megatrends?

Als Megatrends werden besonders tiefgreifende und länger andauernde Trends bezeichnet, die gesellschaftliche und technologische Veränderungen betreffen. Denken wir nur an die Themen wie Automatisierung, soziale Netzwerke, das Internet der Dinge oder künstliche Intelligenz, dann wird deutlich, dass neue Geschäftsmodelle entstanden sind, deren Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft sind.

1. BEVÖLKERUNGSWACHSTUM

Die größten Impulse gehen zweifelsohne vom Technologiesektor aus. Sowohl in der Informationstechnologie als auch in der Biotechnologie und in der Umwelttechnologie stehen wir vor bahnbrechenden Entwicklungen. Treiber der Technologisierung ist die stetig wachsende Weltbevölkerung, deren Lebensgewohnheiten sich in großen Schritten verändert. Um 2050 könnte unser Planet bereits 10 Milliarden Menschen zählen (2014: ca. 7,5 Milliarden).

Gesamtbevölkerung (Milliarden Personen) – 1950 – 2017

Quelle: United Nations; https://population.un.org/wpp/Download/Standard/Population/ 

Dabei nimmt die Bedeutung der peripheren Regionen zu: Asien und Afrika dürften um die nächste Jahrhundertwende bereits 40 Prozent der Weltbevölkerung stellen. Zugleich steigt die Zahl der Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen lieber in den Städten als am Land leben – Stichwort Urbanisierung. 2050 werden voraussichtlich 70 von hundert Menschen in Städten leben. Diese Menschen geben mehr aus, stärken also den Konsum und machen umgekehrt Investitionen der Städte in die Infrastruktur und den Umweltschutz unabdingbar.

Die Pariser Klimaziele sehen vor, dass die Erderwärmung mit maximal 2 Prozent begrenzt wird. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, wird sich herausstellen. Aber dass wir mehr saubere Energie benötigen, Energie sparen müssen um den Ausstoß an Kohlendioxid und den Wasserverbrauch zu verringern, steht außer Streit. Um all das bewältigen zu können sind neue Technologien erforderlich.

2. ERNEUERBARE ENERGIEN & ÖKOLOGIE

Klimawandel und eine ständig wachsende Weltbevölkerung verlangen nach einer Alternative zu klassischen Energiearten. Neben neuen Quellen wie Wind oder Solar, entstehen auch Industrien rund um Themen wie Energieeffizienz und Energieversorgung (intelligente Netzwerke).

Plastikverbot, Verschmutzung und Recycling: weltweit steigende Abfallmengen aufgrund Bevölkerungswachstums verlangen nach Lösungen bei der Verwertung und Verarbeitung. (z.B. CO2 Ausstoß bei der thermischen Verarbeitung). „Ob persönliche Kaufentscheidungen, gesellschaftliche Werte oder Unternehmensstrategie – selbst wenn nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, entwickelt sich der Megatrend Neo-Ökolgie nicht zuletzt aufgrund technologischer Innovationen mehr und mehr zu einem der wirkmächtigsten Treiber unserer Zeit“, erklärt das deutsche Zukunftsinstitut.

3. WASSER

Themen wie Verbrauch- und Kostensenkung betreffen zunehmend auch die Industriestaaten. Hygiene und Infrastrukturinvestitionen kommen in den Entwicklungsländern dazu. Der Megatrend einer verbesserten Infrastruktur konzentriert sich vor allem auch auf die Wasserversorgung.

Trinkwasser ist eine grundlegende Notwendigkeit, die von vielen als selbstverständlich angesehen wird. Nach den jüngsten Problemen in Südafrika und mehreren Dürreperioden mit katastrophalen Auswirkungen ist klar, dass Wasserprobleme eine große Herausforderung ist – und eine große Investitionschance.

4. DIGITALISIERUNG

Digitalisierung ist ein Megatrend, der den sozialen und wirtschaftlichen Aufbau der zukünftigen Gesellschaft beeinflussen wird. Als Megatrend wird die Digitalisierung Wege finden, Hindernisse und Widerstände auf ihrem Weg zu überwinden. Viele Unternehmen und Organisationen versuchen jedoch, Megatrends auf unterschiedliche Weise zu verzögern. Die Geschichte sagt uns, dass dies nicht möglich ist und dass solche Versuche zum Scheitern verurteilt sind.

Bis zum Jahr 2020 wird eine gesamte Generation in einer vorwiegend digitalen Welt aufgewachsen sein. Computer, Internet, Mobiltelefone, SMS und soziale Netzwerke sind für diese Gruppe selbstverständlich. Ihre Vertrautheit mit der Technologie, das Vertrauen in die mobile Kommunikation und der Wunsch, mit großen Netzwerken von Familienmitgliedern, Freunden und Geschäftskontakten in Kontakt zu bleiben, werden unsere Arbeitsweise und unseren Verbrauch verändern.

Besonders 2 Treiber sind wichtig:

  • Technologieschub: Die digitale Technologie baut ihren Einfluss weiter aus. Das Infrastruktur-Rückgrat der digitalen Welt bietet Milliarden von Verbrauchern erschwingliches Breitband Internet. Parallel dazu werden in jeder Branche kostengünstige vernetzte Geräte eingesetzt, und Cloud Computing und die erforderlichen Informationsverarbeitungsmaschinen entwickeln sich unglaublich schnell.
  • Wirtschaftliche Vorteile: Die durch die Digitalisierung zu erzielenden wirtschaftlichen Vorteile sind real. In die neuen Digitalisierungstechnologien und -unternehmen floss eine Welle von Kapital ein, und die öffentlichen Märkte belohnen die Frühaufsteher mit beispiellosen Bewertungen

5. MOBILITÄT

Die Automobil- und Energiebranche bereitet sich auf eine der größten disruptiven Strömungen vor. Neue Startups drängen auf den Markt, und innovative Lösungen, die aus den aktuellen Megatrends hervorgehen, stellen den aktuellen Status Quo in Frage.

Es sind disruptive Innovationen – und insbesondere die Elektromobilität mit seinem berühmtesten Vertreter Tesla – die nicht nur die Automobilbranche, sondern auch die Energiewirtschaft vor große Herausforderungen und Möglichkeiten stellen.

Zwangsläufig müssen Unternehmen ihre Rolle in der Branche neu definieren und diese Zeit des Wandels als Chance für Innovation erkennen. Nicht nur alte Hasen im Automobilgeschäft stehen vor Herausforderungen, auch Energieversorger müssen Wege finden den höheren Strombedarf decken zu können, der sich aus diesen neuen Technologien ergibt.

6. GESUNDHEIT UND BIOTECHNOLOGIE

Die Menschheit wächst stetig und wird immer älter. Die Folge ist ein anhaltender Nachfrageboom nach Medikamenten. Von den etwa 35.000 bekannten menschlichen Krankheiten ist derzeit nur ein Drittel therapierbar und lediglich ein Bruchteil davon vollständig heilbar.

Der Biotech-Sektor stützt sich auf Technologie, die auf Biologie basiert und nutzt zelluläre und biomolekulare Prozesse, um neue Medikamente zu entwickeln. Derzeit stehen Patienten mehr als 250 biotechnologische Produkte und Impfstoffe zur Verfügung, viele davon für zuvor nicht behandelbare Krankheiten. Der Biotech-Sektor scheint zu boomen. Bleibt das so? Fondsmanager Harald Kober gibt hier einen Ausblick. 

Sie suchen einen Weg in Megatrends zu investieren?

Der trendige s Fonds Plan Mix orientiert sich an verschiedenen globalen Megatrends von unterschiedlichen Ländern und Branchen.

Mit dem unten vorgeschlagenen Fonds investieren Sie in viele unterschiedliche Bereiche unseres täglichen und zukünftigen Lebens. Diese unterschiedlichen Trends vereinen hohes Zukunftspotenzial hinsichtlich der Kursentwicklung verbunden mit hohem Potenzial von Kursschwankungen.


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Europäische Union im Spannungsfeld interner und externer Herausforderungen

von Christian Gaier, Senior Fondsmanager, Erste Asset Management.

Wenn über die Europäische Union gesprochen wird, ist aktuell vor allem das Thema BREXIT täglich medienpräsent. Jedoch werden dadurch auch andere wichtige Entwicklungen überschattet.

Was sind die Themen, die Europa abgesehen vom BREXIT  beschäftigen?

Präsident Trump hat als oberstes Ziel seiner Präsidentschaft erklärt das Handelsbilanzdefizit der USA mit dem Rest der Welt zu reduzieren. Im Rahmen der Neuausrichtung der Handelspolitik der Vereinigten Staaten sind vor allem die Verhandlungen mit China im Fokus. Jedoch wurde auch die Europäische Union immer wieder seitens Präsident Trump als unfairer Handelspartner angeprangert. Es gilt zu befürchten, dass nach einem Abschluss der Gespräche zwischen den USA und China, die USA potentiell die Europäische Union zu neuen Handelsvereinbarungen drängen will. Hier stünden vor allem Exporte von Autos in die USA im Fokus, sowie der Wunsch seitens der USA die europäischen Restriktionen im Agrargüterbereich zu reduzieren.

Gleichzeitig drängt China auf bessere und intensivere Handelsbeziehungen mit der Europäischen Union. Im Rahmen der „One Belt One Road“ Initiative plant China die Errichtung einer neuen Seidenstraße und es gibt bereits Zusammenarbeit in Infrastrukturprojekten zwischen China und einzelnen Staaten von Asien über Afrika bis auf den Balkan. Mit dem Hafen von Piräus hat der chinesische Staatskonzern Cosco Shipping die Haustüre zur Europäischen Union bereits geöffnet. Erst im März hatte Italien gemeinsam mit China ein „Memorandum of Understanding“ zur stärkeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Förderung von Infrastrukturprojekten unterzeichnet. Die einheitliche Linie der Europäischen Union ist jedoch noch nicht gefunden und es wird zunehmend wichtig, dass sich die Gemeinschaftsstaaten darauf verständigen.

Politische Verstimmung zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, dem Iran, der Türkei und potentiell anderen Staaten sind ein weiteres Thema. Hier ist Europa als strategischer Partner der USA im Rahmen der Nato gefragt sich zu emanzipieren. Dies passiert auch im Rahmen einer koordinierten Außenpolitik der Europäischen Union. So verfolgte diese etwa den Iran betreffend eine andere Position als die USA. Die Europäische Union wird sich aber diesem Spannungsfeld nicht entziehen können.

Wichtige Postenbesetzungen in der EU

Während die letzten Wahlen in Europa vor allem durch Verluste bei traditionellen Parteien in der politischen Mitte gezeichnet waren, wird nun mit Spannung die Wahl des europäischen Parlaments erwartet. Ob diese Wahl mit oder ohne dem Vereinigten Königreich stattfinden wird, ist immer noch nicht absehbar. Jedenfalls wird mit Spannung das Ergebnis der Wahl in Europa erwartet, da die Zusammensetzung des Parlaments richtungsweisend sein wird in Hinblick auf die Dynamik der weiteren Zusammenarbeit und Entwicklung. Entsteht nach der Wahl eine politische Zusammensetzung aus den unterschiedlichen Lagern im Parlament, welche sich auf keine gemeinsame Strategien einigen können birgt dies die Gefahr eines Stillstands auf europäischer Ebene.

Auch werden heuer wichtige europäische Ämter neu besetzt. So wird sich 2019 die Nachfolge von Donald Tusk als Präsident des Europäischen Rates und von Jean-Claude Juncker als Präsident der Europäischen Kommission entscheiden. Ende des Jahres endet auch die Amtszeit von Mario Draghi an der Spitze der Europäischen Zentralbank.

Europa als Wirtschaftsraum ist von globaler Bedeutung, jedoch innerhalb Europas sehen wir sehr starke regionale Unterschiede was das Wirtschaftswachstum, die Arbeitslosigkeit und die Entwicklung der Inflation betrifft. Entsprechend ist auch der Ausgang der Wahl ein wichtiger Faktor, da mit einem zerstrittenen Parlament die Schlagkraft der Wirtschaftspolitik gelähmt würde.

Themen wie die Sicherung der Außengrenzen sowie Migration werden so rasch nicht gelöst werden. Jedoch ist der politische Wille vorhanden darüber zu diskutieren und gemeinsam zu versuchen Lösungen zu finden. Viel wichtiger ist es aus unserer Sicht die positiven Entwicklungen hervorzuheben!

Erst kürzlich gab es die Beilegung des Namensstreits zwischen Griechenland und Nordmazedonien. Dies ist als Musterbeispiel friedlicher Konfliktlösung europäischer Partner zu verstehen. Nun ist der Weg frei für den Beitritt zur Nato und auch die Europäische Union muss liefern da Nordmazedonien seit 2005 zwar offiziell Beitrittskandidat ist, jedoch am Veto von Griechenland bisher die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen gescheitert ist.

Auch die Eurozone wächst weiter

Während der Wahlen in Italien sind noch Stimmen laut geworden, die den Sinn des Euro für Italien bezweifelt hatten. Diese sind nach einer turbulenten Phase der Regierungsbildung verstummt. Ganz im Gegenteil, vor allem jüngere Mitglieder der Europäischen Union bereiten sich intensiv auf die Einführung des Euro vor.

So hat sich etwa Bulgarien bereits 2018 für die Mitgliedschaft  im Europäischen Wechselkurs Mechanismus II (ERM II) Regime beworben, mit dem Wunsch und Ziel den Euro einzuführen. Der Schritt kommt für uns nicht überraschend, da Bulgarien ohnedies bereits seit Jahren die eigene Währung fix an die Deutsche Mark und später den Euro gebunden hatte. Im Rahmen des Beitritts zur Eurozone wird auch die Kooperation der Aufsicht über Banken und Kapitalmärkte intensiviert.

Auch Kroatien bereitet sich intensiv auf den Beitritt zu ERM II vor. Erwartet wird der Beitritt 2020 und auch in Kroatien ist der Euro im Verständnis der Bevölkerung bereits weit verbreitet.

Eurozone Investment Grade Staatsanleihen – wovon sprechen wir?

Jeder der heutzutage an Zinsen europäischer Staatsanleihen denkt, sieht sofort niedrige bis zum Teil sogar negative Zinsen, wobei gerade am kurzen Ende der Zinskurve die negativen Zinsen dominieren.

Dies ist jedoch nicht überall der Fall, denn das Investment-Universum besteht aus 15 Ländern von Portugal bis Finnland und von Irland bis Italien, wenn man von den traditionellen Eurozonenländern spricht. Auch jüngere Länder der Eurozone wie etwa Slowenien, die Slowakei und die baltischen Staaten sind in der Zwischenzeit fixer Bestandteil des Investment-Universums.

Die Assetklasse ist aufgrund des niedrigen Zinsumfeldes auch die Laufzeiten betreffend gewachsen. Gute Emittenten wie Österreich, Frankreich und Belgien nutzen die Gunst der Stunde und emittierten Anleihen mit Laufzeiten von 50 bis 100 Jahren.

Vergangene Performance hat keine Aussage über zukünftige Performance. Dennoch ist auf den durchschnittlichen Wertzuwachs von 3,47% p.a. über 10 Jahre, mit Stichtag 31.03.2019, zu verweisen und betrachtet man das Jahr 2018 hat diese Asset Klasse so manche Asset Klasse mit höherer Rendite in Total Return Terms betreffend übertroffen.

ESPA BOND COMBIRENT wird 50

Am 5. Mai 2019 feierte der ESPA BOND COMBIRENT seinen 50. Geburtstag. Ein guter Zeitpunkt den Fonds und seine Strategie zu betrachten:

Der ESPA BOND COMBIRENT ist ein Fonds, der in Staatsanleihen europäischer Emittenten investiert. Er setzt den Fokus auf Euro lautende Staatsanleihen, wodurch der Kunde kein Währungsrisiko zu tragen hat. Durch die Einschränkung auf Anleihen mit Investment-Grade-Rating wird auch bewusst auf Investitionen in das Junk Segment verzichtet um dem Kunden eine bessere Kreditqualität zu gewährleisten.

Durch seine lange Historie hat der Fonds die Euro Einführung aktiv miterlebt und davon profitiert. Diese führte zu einer sukzessiven Erweiterung des Investmentuniversums und damit zu einer breiteren Diversifikation für den Kunden.

Die beschriebenen internen und externen Herausforderungen der Eurozone und der Europäischen Union werden auch die Herausforderungen für die Positionierung des Fonds in den kommenden Jahren sein.


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„Die Suche nach Rendite geht weiter“

Unternehmensanleihenfonds lieferten in den vergangenen 10 Jahren überdurchschnittlich gute Erträge. Besondere Aufmerksamkeit erlangten Unternehmen des Rating-Segments BB – also Emittenten an der Schwelle vom Hochzinssegment zu Investmentgrade. Oftmals handelt es sich dabei um Anleihen, die z.B. aufgrund schlechter Geschäftszahlen herabgestuft wurden aber auf eine Rating-Verbesserung hoffen dürfen. Die in Aussicht gestellten Renditen sind dementsprechend höher als bei Top-Unternehmen. Es gibt nur relativ wenige Fonds, die speziell in solche Unternehmen investieren.

Einer von diesen, der ESPA BOND CORPORATE BB (ISIN: AT0000A09HC7) der Erste Asset Management, wurde bei den Lipper Fund Awards 2019 als bester Fonds seiner Vergleichsgruppe in den letzten 10 Jahren ausgezeichnet. Auf den Stichtag der Bewertung bezogen lag die Wertsteigerung bei 8,14 Prozent jährlich *). Diese Auszeichnung wiegt umso mehr, da der Fonds nicht nur in Österreich sondern zugleich auch in Deutschland und auf europäischer Ebene diese Kategorie gewonnen hat.

Rendite*) Quelle: FMP, Erste Asset Management per 31.12.2018. In der Wertentwicklung ist die Verwaltungsgebühr und eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung berücksichtigt. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 3,50 Prozent und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Bernd Stampfl, Senior Fondsmanager ESPA BOND CORPORATE BB, über den Fonds, das Zinsumfeld und seine Anlageschwerpunkte:

Was waren die jüngsten Entwicklungen, die diesen Sektor geprägt haben? Wie sieht es mit den Renditen aus?

Im letzten Jahr rückten politische Risiken wieder in den Vordergrund, was Investoren dazu veranlasste ihre Positionen zu überdenken. So waren Themen wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China, die eher riskante Haushaltsdisziplin der italienischen Regierung oder das Thema Brexit die allgemeinen Treiber der Unsicherheit. Trotz der Korrektur gegen Jahresende 2018 entwickelt sich der Markt für BB-Unternehmensanleihen weiterhin stabil. Das vorherrschende günstige Renditeniveau zu Jahresbeginn und die Aussicht auf ein baldiges Beilegen des Handelsstreites führten dazu, dass Investoren sich wieder auf die Suche nach Risiko machten und in diese Anlageklasse einstiegen. Wir konnten davon profitieren und befinden uns wieder auf dem Niveau von vor der Korrektur.

Was spricht derzeit für den Einstieg in dieses Segment?

Gegen Ende des vergangenen Jahres stiegen die Risikoaufschläge der BB-Anleihen auf ein Niveau, das umgelegt auf das Ausfallsrisiko einen Einstieg interessant macht. Und die EZB hat zuletzt signalisiert, dass ein Ende der Nullzinspolitik in der Eurozone auch 2019 nicht abzusehen ist. Die Suche nach Rendite geht also weiter. Ein weiterer Grund, der für diese Anleihen spricht: im Gegensatz zu amerikanischen Unternehmen nutzten europäische Emittenten die Gelder aus den Anleihen-Emissionen vermehrt für Investitionen, weniger zur Pflege des eigenen Aktien-Kurses. So sind im letzten Jahr in Europa die operativen Ergebnisse weiter angestiegen. Ebenso konnten die Unternehmen ihre Bilanzen in den letzten beiden Jahren verbessern und ihre operativen Tätigkeiten stärken.

Wie kann man den Sektor Unternehmensanleihen insgesamt charakterisieren? Wer sind denn die typischen Emittenten? Kommen sie aus der Finanzbranche? Oder sind es Telekom-Unternehmen? Oder andere?

Wenn man innerhalb der Anlageklasse Unternehmensanleihen die Sektoren nach der Größe der ausstehenden Schulden reiht, kommt der typische Emittent entweder aus dem Industriesektor, der Telekommunikation, dem Retail-Bereich oder dem Automobilsektor. Die Anteile dieser Sektoren sind in den letzten Jahren stabil geblieben. Einzig und allein durch Ratingveränderungen können sich diese Anteile massiv verschieben. So haben nach 2017 und 2018 erstmalig mehr Unternehmen den Aufstieg in die Investmentgrade-Klasse geschafft als sie diese verlassen haben.

Umgelegt auf das Vergleichsuniversum für BB-Emittenten sind hier die größten Unternehmen eine Telecom Italia bzw. die spanische Telefonica. Auch das israelische Pharmaunternehmen Teva, die französische Supermarktkette Casino oder der Autohersteller Fiat sind im BB-Segment prominent vertreten. Das Gesamtvolumen ist in Anbetracht des stabilen Marktumfeldes und der oben erwähnten Punkte stabil geblieben.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass BB-Anleihen verglichen mit den niedrigen Zinsen und dem Zinsabstand zu sicheren Unternehmensanleihen dank der gestiegenen Risikoprämien einen Mehrertrag bieten. In diesem allgemeinen Niedrigzinsumfeld ist kaum zu erwarten, dass die Zahlungsausfälle ein Thema werden.


Über die Lipper Fund Awards

Die jährliche Vergabe der Lipper Fund Awards from Refinitiv ist in der internationalen Fondsbranche bereits Tradition. Es werden diejenigen Fonds ausgezeichnet, die im Vergleich zu anderen Fonds mit demselben Anlageschwerpunkt kontinuierlich überdurchschnittliche risikoadjustierte Erträge erwirtschaftet haben. Relevant sind die Zeiträume 3, 5 und 10 Jahre. Die Fonds müssen in Österreich zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sein, die erstmalige Zulassung muss mindestens 3 Jahre zurückliegen. Stichtag für die diesjährige Bewertung war der 31.12.2018.

Über den ESPA BOND CORPORATE BB

Der ESPA BOND CORPORATE BB ist breit gestreut über circa 170 vorwiegend in Euro denominierte Unternehmensanleihen von Ländern wie Frankreich, Großbritannien und Italien. Aber auch die USA und Schwellenländer wie Brasilien und Mexiko sind nicht ganz ausgeklammert. Der Schwerpunkt liegt in den Branchen Telekommunikation und Grundstoffindustrie. Das Währungsrisiko gegenüber dem Euro ist komplett abgesichert.

Warnhinweis Corporate BB

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Die Türkei nach den Lokalwahlen

von Anton Hauser, Senior Fondsmanager der Erste Asset Management.

Die Lokalwahlen in der Türkei wurden von Präsident Erdogan zu einem Stimmungstest über seine Politik hochstilisiert. Die AK-Partei von Präsident Erdogan liegt zwar landesweit in Führung, in den Großstädten musste die Regierungspartei Niederlagen einstecken. So verlor die AK-Partei nach 20 Jahren Herrschaft die Wahl in Ankara und auch in Istanbul liegt der Oppositionskandidat bei der Auszählung voran. Die Wirtschaftskrise im Gefolge der Währungskrise vom letzten Jahr ist sicher als Hauptgrund für den Sieg der Opposition zu nennen. Die Wirtschaft durchlebt eine schwere Rezession, die Arbeitslosigkeit ist im Steigen begriffen und die Inflationsrate ist auf über 20% angestiegen.

Türkische Assets sind unter Druck gekommen

Im Vorfeld dieser Wahlen sind türkische Assets wie schon im Laufe des letzten Jahres erneut stark unter Druck gekommen. So verlor die Lira gegenüber dem Euro seit Anfang März mehr als 3%, die Rendite der 5-jährigen Lokalwährungsanleihe stieg um mehr als 200 Basispunkte auf 18,50% an und der Spread von USD-denominierten Staatsanleihen weitete sich um 95 Basispunkte auf 495 Basispunkte aus. Die türkische Zentralbank war gezwungen ihre Geldpolitik zu straffen, intervenierte am Devisenmarkt und die lokalen Banken wurden angehalten die Liquidität am TRY-Markt zu reduzieren. Dies führte dazu, dass die kurzfristigen Zinsen am lokalen Geldmarkt auf mehr als 1000% anstiegen.

Türkische Haushalte haben vermehrt ihre Ersparnisse von TRY in USD konvertiert. Dadurch sind die Nettofremdwährungsreserven weiter zurückgegangen und betragen trotz starker Emissionstätigkeit des Staates auf den internationalen Kapitalmärkten derzeit nur 24,7 Mrd USD. Das Leistungsbilanzdefizit ist zwar durch die Rezession und Dank des Rückgangs des Ölpreises fast verschwunden (nur 0,7% des BIP im Jänner), die kurzfristige Auslandsverschuldung von 130 Mrd. USD ist aber durch die Währungsreserven bei weitem nicht gedeckt.

Erdogans Expansive Fiskalpolitik

Ein Faktor der in den letzten Monaten einer zusätzlichen Verbesserung der Leistungsbilanz im Wege stand war sicherlich eine expansive Fiskalpolitik. Bedingt durch die Rezession enttäuschend niedrige Steuereinnahmen verbunden mit höheren Ausgaben, die teilweise dem Wahlzyklus geschuldet sind, haben zu einer Ausweitung des Defizits auf ein 10-Jahreshoch geführt. Um die Wahlchancen der AK-Partei von Präsident Erdogan zu erhöhen wurden außerdem die Staatsbanken angehalten ihre Kreditvergabe auszuweiten (Kreditimpuls von 2% des BIP) , was einerseits stabilisierend auf das Wachstum wirkt, andererseits aber eine noch tiefergreifende Anpassung der Leistungsbilanz verhindert hat.

Ausblick

Wir gehen nach den Lokalwahlen durch die Abnahme des politischen Risikos von einer Beruhigung der Situation aus. Präsident Erdogan hat zwar durch den Verlust des Bürgermeistersessels von Ankara und wahrscheinlich Istanbul eine Niederlage erlitten, wir erachten allerdings das Gesamtresultat als nicht ausreichend um nachhaltige Änderungen nach sich zu ziehen. Eine hohe nominelle Zinsdifferenz, positive Realzinsen, eine stark verbesserte Leistungsbilanz und ein mögliches Zurückfahren der wahlbedingten Stimulusmaßnahmen sind die lokalen Faktoren, die türkische Assets unterstützen sollten. Zusätzlich sollte die zurzeit stattfindende globale Lockerung der Geldpolitik Länder wie die Türkei unterstützen. Hauptrisikofaktoren sind die nach wie vor vorhandenen Ungleichgewichte, mögliche Fehler in Geld- und Fiskalpolitik, die Verhängung von Sanktionen durch die USA im Zusammenhang mit dem Kauf von russischen Raketenabwehrsystemen durch die Türkei. Des weiteren könnte eine weitere Abschwächung des globalen Wachstums eventuell verbunden mit einer Umkehr der Kapitalströme in Richtung Emerging Markets Druck auf türkische Assets ausüben.


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Ringen um stabile Ölpreise geht weiter

In der Vorwoche sind die Ölpreise auf die höchsten Stände seit vier Monaten gestiegen. Für den jüngsten Anstieg fand sich eine ganze Reihe von Gründen. So hat das US-Energieministerium Mitte der Woche einen überraschenden Rückgang der Lagerbestände an Rohöl in den USA gemeldet. Demnach waren sie zuletzt um 3,9 Millionen auf 449,1 Millionen Fass zurückgegangen. Im Vorfeld war hingegen mit einem Anstieg um drei Millionen Fass gerechnet worden.

Saudi-Arabien tonangebend

Außerdem hat Analysten zufolge der massive Stromausfall in Venezuela den Export von Rohöl stark beeinträchtigt. Unterdessen zeigte sich der saudi-arabische Energieminister Khalid al-Falih gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mit der aktuellen Situation am Ölmarkt zufrieden. Und so kam zu ungeplanten Angebotsausfällen noch die Ankündigung Saudi-Arabiens, weiterhin weniger Öl fördern zu wollen, als die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) im Rahmen ihrer Förderbeschränkungen mit anderen wichtigen Produzenten eigentlich vereinbart hat.

Saudi-Arabien ist der weltweit größte Ölproduzent und gilt als tonangebend in der OPEC. Daher scheint eine Änderung der Förderpolitik beim nächsten Treffen der erweiterten Gruppe der wichtigsten Förderländer am 17. und 18. April unwahrscheinlich. Zum Jahreswechsel hatten die Maßnahmen der sogenannten OPEC+ zur Stützung der Ölpreise durch den Austritt Katars aus dem Öl-Kartell einen Dämpfer erhalten, in der Folge aber wieder ihre Wirkung entfalten können.

Wie die Förderbeschränkungen den Ölmarkt verändert haben, zeigt der jüngste OPEC-Monatsbericht. Demnach dürfte die gesamte Welt-Ölproduktion zuletzt bei 99,15 Millionen Fass pro Tag gelegen haben. Davon entfielen im Schnitt noch 30,55 Millionen Fass täglich auf OPEC-Staaten. Ihr Anteil an der Gesamtproduktion ging damit wieder leicht zurück.

Ölpreise

Keine Trendumkehr in Sicht

Im Jahr 2017, dem ersten Gesamtjahr in dem die Förderbeschränkungen vereinbart waren, lag die tägliche Produktion insgesamt bei 92,6 Millionen Fass. 39,4 Millionen davon kamen damals noch aus OPEC-Staaten. Die Weltproduktion ist also etwas gestiegen, während die wichtigsten Länder ihren Anteil daran deutlich reduziert haben. Der Ölverbrauch wird von der OPEC im laufenden Jahr mit weltweit rund 100 Millionen Fass pro Tag prognostiziert. Wie schon im Vorjahr fällt der Zuwachs damit auch 2019 etwas geringer aus. Grund dafür ist die Konjunkturschwäche beispielsweise in Europa und Nordamerika. Das Gesamtbild stellt sich im neuen Monatsbericht aber unverändert dar.

USA erhöhen Ölproduktion

Doch ebenfalls in der Vorwoche veröffentlichte die Internationalen Energieagentur (IEA) ihren Bericht „Oil 2019“. Im Zuge dessen warnte die Agentur vor den Folgen eines wachsenden Exports von US-Öl. Dieser werde die internationalen Handelsströme von Rohöl – mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die Geopolitik – verändern, sagte IEA-Direktor Fatih Birol. In den kommenden fünf Jahren werden die USA demnach ihre Ölexporte dank der Schieferölförderung kräftig steigern, das Volumen der russischen Ausfuhren übertreffen und zu den Exporten Saudi-Arabiens aufschließen. In den kommenden fünf Jahren könnten der IEA zufolge die Vereinigten Staaten für 70 Prozent des globalen Anstiegs der Ölproduktion verantwortlich sein.

Mit diesen Aussichten dürfte das Ringen um den Ölpreis vorerst kein Ende nehmen: Auf der einen Seite zeigen sich Saudi-Arabien und die OPEC entschlossen, das Ölangebot niedriger zu halten. Auf der anderen Seite zeichnen sich massiv steigende Exporte von US-Schieferöl ab, die ursprünglich wesentlich für den Preisverfall in den vergangenen Jahren mitverantwortlich waren.


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Wasser: mehr als bloß ein Tropfen auf dem heißen Stein?

von Walter Hatak, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Wasser ist ein lebensnotwendiges Gut – eine medizinische Faustregel besagt, dass der Mensch nur drei Tage ohne Wasser überleben kann. Nicht ohne Grund wird bei der Erforschung fremder Planeten zuerst nach der Quelle des Lebens, dem Wasser, gesucht. Wassermangel kann ganze Regionen unbewohnbar machen und Menschen zur Flucht zwingen, weshalb die Beurteilung der Wasserverfügbarkeit auch auf globaler Ebene zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Das World Resources Institute hat eine Unterteilung des Wasserrisikos in physische, regulative und Reputationsrisiken vorgenommen und davon 12 Schlüsselindikatoren abgeleitet um eine Evaluierung der weltweit wichtigsten Wassereinzugsgebiete vornehmen zu können.

Beispielsweise wird bei den physischen Risikoindikatoren das Verhältnis der jährlichen Wasserentnahme zum Angebot an Wasser, die Häufigkeit von Fluten oder der Schweregrad von Dürreperioden gemessen. Ebenso wird die Rücklaufquote erhoben, also jene Wassermenge, die nach der Verwendung wieder rückgewonnen wird, sowie der Wasseranteil, der durch geschützte Ökosysteme bereitgestellt wird. Der Anteil an Süßwasser-Amphibien, die nach IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) als gefährdet eingestuft sind, stellt einen Indikator für das regulative Risiko dar: Ein hoher Anteil impliziert sensible Ökosysteme, die zukünftig verschärfte Regulierungen bei der Wasserentnahme zur Folge haben können. Denn vielerorts stammen Regulierungen aus Perioden mit noch genügend Wasserreserven und sind mittlerweile überholt. OECD-Angaben zufolge hat sich alleine die Entnahme aus Grundwasserreservoiren in den letzten 50 Jahren verzehnfacht, zwischen 2010 und 2055 wird ein weiterer Anstieg der Nachfrage nach Wasser um 55% prognostiziert.

Das Ergebnis dieser Risikoevaluierung ist der „Aqueduct Water Risk Atlas“ des World Resources Institutes, der eine weltweite Gegenüberstellung von Wasserrisiken auf regionaler Ebene ermöglicht. Jene Regionen mit einem geringen Wasserrisiko werden dabei hellgelb eingefärbt, jene mit einem hohen Wasserrisiko dunkelrot, Regionen ohne ausreichende Daten grau.

Overall Water Risk

Beispielhaft seien die folgenden Risiko-Regionen erwähnt, die in jüngerer Vergangenheit mit Wasserverknappung zu kämpfen hatten: Kalifornien hatte 2014 mit einem Dürre-Notstand zu kämpfen, der mit mehreren Waldbränden und einer Absackung des Bodens einherging. Kapstadt sah sich Anfang dieses Jahres zu drastischen Wassersparmaßnahmen gezwungen um den sogenannten Day Zero (=Tag ohne Wasser) zu verhindern.

Wasser(-mangel) als globales Risiko

Eine globale Wasserkrise wird vom World Economic Forum unter Berücksichtigung der möglichen Auswirkungen als fünftgrößtes Risiko für 2018 gewertet. Generell wird das Risiko einer Wasserverknappung seit 2012 konstant unter den 5 größten Risiken angeführt. An zweiter Stelle der globalen Bedrohungen stehen für 2018 extreme Wetterereignisse. Hier gibt es direkte Zusammenhänge: Die bereits existierende Wasserkrise kann auf fehlende Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zurückgeführt werden, der wiederum in Verbindung mit extremen Wetterereignissen steht. Durch längere Trockenperioden und intensivere Niederschläge kann der ausgetrocknete Boden die Regenmassen nicht mehr aufnehmen wodurch Wasser oberirdisch abrinnt und weniger Grundwasserneubildung wahrscheinlich ist. Nach Angaben des World Resources Institutes leben derzeit eine Milliarde Menschen in Regionen mit knappen Wasserressourcen. Bis 2025 könnte sich diese Zahl auf 3,5 Mrd. Menschen erhöhen. Die häufigsten Ursachen für Wasserknappheit sind die Verschmutzung von Wasser und die damit verbundene Bedrohung von Süßwasserquellen sowie der Klimawandel, der Dürreperioden sowie Fluten verstärkt, Niederschlagsrhythmen verändert, das Schmelzen von Gletschern beschleunigt und damit das Angebot an Wasser verändert.

Da ohne Wasser den Menschen die Lebensgrundlage fehlt, kann die Wasserverknappung in massiven Flüchtlingsbewegungen resultieren, die globale Auswirkungen über die betroffenen Gebiete hinaus haben. Man spricht deshalb mittlerweile von einem Risiko mit gesellschaftlichen Auswirkungen.

Wasser als Fußabdruck der ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds

Die Erste AM hat sich im Jahr 2015 dazu entschieden, als erste KAG in Österreich den Montreal Carbon Pledge zu unterzeichnen und dadurch verpflichtet, den CO-Fußabdruck der relevanten Aktienbestände zu veröffentlichen. Mit der Unterzeichnung und dem damit verbundenen koordinierten Vorgehen bedeutender Assetmanager konnte entsprechender Druck auf Unternehmensseite aufgebaut werden, um die Veröffentlichung von CO2–Daten voranzubringen. 

Eine ähnliche Erfolgsgeschichte soll die in Österreich erstmalige Berechnung des Wasserfußabdrucks für die ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds der Erste AM schreiben. Eine gesamtheitliche Analyse darf sich nicht auf die Messung des CO2-Ausstoßes beschränken.

Bei der Ermittlung der durchschnittlichen Wasserintensität der im Fonds gehaltenen Unternehmen wurde als zentrale Kennzahl die von den Unternehmen veröffentlichte Wasserentnahme herangezogen. Die mit der erstmaligen Messung des Wasserfußabdrucks einhergehende Pionierrolle hat allerdings den Nachteil, dass viele Datenpunkte noch nicht in ausreichender Qualität vorhanden sind. Um trotzdem eine seriöse Datengrundlage sicherzustellen, werden nur jene Werte berücksichtigt, die unabhängig von mehreren Datenprovidern bereitgestellt werden. Datenpunkte, die für weniger als 80 Prozent der relevanten Unternehmenstätigkeit ausgewiesen werden, bleiben gänzlich unberücksichtigt. Die daraus resultierende Menge an Wasserdaten ist mit einer Gesamtabdeckung von knapp 50% der Portfoliobestände leider noch nicht im Bereich der CO2-Kennzahlen. Diesbezüglich findet ein intensiver Austausch mit den Researchpartnern statt, um einerseits eine höhere Abdeckung zu erreichen und andererseits ein verstärktes Bewusstsein für die Bedeutung des regionalen Wasserverbrauchs aus Investorensicht zu erzielen.

Das Glas ist mehr als halb voll

Gesamtabdeckung der ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds mit Wasserdaten
Wasser - Intensität Erste Responsible AktienfondsQuelle: Bloomberg, MSCI-ESG, ISS-oekom, Berechnungen Erste Asset Management Wasser- und Umsatzdaten Geschäftsjahre 2015-2018

Wasserentnahme und -region als Inputgrößen für den Erste AM Waterfootprint

Der Süßwasserverbrauch gibt an, welche Wassermengen vom Unternehmen im letzten Geschäftsjahr aus Oberflächengewässern oder aus dem Grundwasser entnommen wurden. Der Wert ist sehr stark von der Branche des jeweiligen Unternehmens abhängig. Die Zuteilung des Wasserverbrauchs auf Wasserrisikoregionen (hoch/mittel/niedrig) erlaubt jedoch eine Differenzierung auch innerhalb der Branche und somit eine Einschätzung, inwieweit das Unternehmen zukünftig von einer Wasserverknappung betroffen sein könnte. Dazu muss vorab die Normalisierung des Wasserverbrauchs über den Jahresumsatz erfolgen, um eine Vergleichbarkeit von Unternehmen unterschiedlicher Größe zu ermöglichen. Die so ermittelte Wasserintensität kann dann, in einem letzten Rechenschritt, in Abhängigkeit der regionalen Verteilung der Standorte des Unternehmens, sowie der Gewichtung im Fonds, zu einem gewichteten Mittelwert aggregiert werden.

Im Gegensatz zum CO2-Fußabdruck liefert die regionale Komponente beim Wasserfußabdruck eine sehr wichtige Zusatzinformation. Unternehmen, deren Produktionsstätten in Regionen mit einem hohen Wasserstresslevel angesiedelt sind, haben ein besonders hohes Wasserrisiko, selbst wenn der Wasserverbrauch im Branchenschnitt liegt. Das liegt daran, dass in diesen Regionen die Wahrscheinlichkeit einer künftigen Wasserverknappung weitaus größer als in low stress regions (Regionen mit einem geringem Wasserstresslevel) ist. Eine tatsächliche Wasserverknappung kann unterschiedliche Implikationen wie strengere Regulierung der Wasserentnahmen, massive Preisanstiege oder sogar eine Schließung der Produktionsstätte nach sich ziehen. Insofern erscheint die Beurteilung des Wasserrisikos auch aus ökonomischer Sicht geboten. Die Einteilung in low, medium und high stress regions orientiert sich an der bereits beschriebenen Risikoeinstufung des World Resources Institutes inder physische, regulatorische und Reputationsrisiken berücksichtigt werden. Die darauf basierende Weltkarte mit regionaler Unterscheidung der Risikogebiete (siehe Grafik oben) ist auch online einsehbar.

Welche Pegelstände werden bei der Messung der Wasserinensität erreicht?

Wasser Intensität Erste Responsible Aktienfonds im VergleichQuelle: Bloomberg, MSCI-ESG, ISS-oekom, Berechnungen Erste Asset Management Wasser- und Umsatzdaten Geschäftsjahre 2015-2018; Indexdaten per 28.12.2018

Das Ergebnis zeigt aus Sicht der Erste AM, dass die Wasserintensität der in den ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds gehaltenen Unternehmen sowohl bei Betrachtung nach Risikoregion, als auch gesamthaft deutlich geringer ist, als im globalen Aktienmarkt. Dieses Ergebnis lässt sich auf die umfassende ESG-Analyse zurückführen, die sämtliche Unternehmen, die in den ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds gehalten werden, durchlaufen müssen. Ein wichtiger Teilaspekt des Nachhaltigkeitsratings ist dabei die Beurteilung, inwieweit ein Unternehmen von hohen Wasserentnahmen in Risikogebieten abhängig ist. Insofern zeigt diese Auswertung, dass die in den ERSTE RESPONSIBLE Aktienfonds investierten Unternehmen auch beim Wassermanagement zu den Branchenbesten zählen.


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Weltwassertag: Wie gehen wir mit Wasserarmut um?

Im Jahr 2006 begann eine international viel beachtete Partnerschaft zwischen der Erste Asset Management und dem WWF Österreich mit dem Ziel ein Produkt zu kreieren, das Finanzströme in eine nachhaltige Richtung lenkt, besonders nachhaltige Unternehmen fördert und einen positiven Nutzen für die Umwelt zu liefern. Der von der UNESCO ins Leben gerufene Weltwassertag möchte auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage aufmerksam machen.

Bedrohter Meer-Wert

Die unvorstellbaren Weiten der Weltmeere bedecken 71% unseres Planeten. Unerschöpflich scheinen die kostbaren Schätze, die sie uns Menschen bieten. Jedoch sind 93 Prozent der globalen Fischbestände überfischt oder bis an die Grenzen befischt. Was uns drastisch vor Augen führt, dass die Ozean-Giganten durch menschliche Eingriffe massiv unter Druck geraten und deren Ressourcen sehr wohl endlich sind.

Auf dem Spiel steht nicht weniger als die Lebensgrundlage von über 800 Millionen Menschen, die vom Fang, der Produktion, der Verarbeitung und dem Verkauf von Fisch abhängen. Die meisten von ihnen leben in Entwicklungsländern. Fisch ist in armen Teilen der Welt lebensnotwendige Nahrungs- und primäre Proteinquelle, die Abhängigkeit von der Meeres-Delikatesse also ungleich größer als in unseren Breiten.

Europa als weltweit größtem Markt und Importeur von Fisch- und Meeresfrüchten kommt entscheidende Bedeutung dabei zu, diese Lebensgrundlage zu erhalten. Schließlich stammen mehr als die Hälfte der Fisch-Importe aus Entwicklungsländern. Ohne sie könnte die europäische Nachfrage nicht gedeckt werden.

Machtlose Konsumenten?

Europäischen Konsumentinnen und Konsumenten ihre Macht beim Fischkauf bewusst zu machen, ist Ziel der WWF-Informations-Kampagne Fish Forward. In 11 EU-Ländern wird dafür geworben, Meere und Menschen mit dem Kauf von nachhaltigem Fisch zu unterstützen.

Mit dem WWF Fischratgeber fällt es beim Einkauf leicht, eine verantwortungsvolle Wahl zu treffen. Es werden Gütesiegel empfohlen und über 60 Fisch- und Meeresfrüchtearten nach dem einfachen Ampelsystem bewertet. Auf dem Smartphone ist der Ratgeber im Geschäft schnell bei der Hand.

Hinter den Kulissen arbeitet der WWF daran, die politischen Rahmenbedingungen in der weltweiten Fischerei zu verbessern. Auch Handelsunternehmen werden beraten, um mit einer nachhaltigen Einkaufspolitik ihrer wichtigen Rolle gerecht zu werden.

Geht doch

Was möglich ist, wenn Verbraucher, Unternehmen und Politik an einem Strang ziehen, zeigt ein WWF Fischerei-Verbesserungsprojekt auf den Philippinen:

Durch das Zusammenspiel von europäischer Konsum-Nachfrage nach nachhaltigem Thunfisch, der entsprechenden Umstellung des Fisch-Angebots eines heimischen Handelsbetriebs sowie den richtigen politischen Anreizen (drohende EU-Importverbote für Staaten, die illegale Fischerei unzureichend bekämpfen), arbeiten heute über 6.000 philippinische Fischer nachhaltig. Mit Handleinen fangen sie Gelbflossenthunfische für den europäischen Markt, erzielen damit ein höheres Einkommen und schonen die Fischbestände in ihren Gewässern.

Jeder kann einen Beitrag zum Schutz von Meeren und davon abhängigen Menschen leisten. Kaufen Sie nachhaltigen Fisch.

WELTWASSERTAG FAKTEN

  • Meere bedecken 71 Prozent unseres Planeten
  • 90 Prozent der Fischbestände sind überfischt oder bis an die biologischen Grenzen befischt
  • Fisch sichert die Lebensgrundlage von 800 Mio. Menschen – vor allem in Entwicklungsländern
  • 90 Prozent der weltweiten Fischer sind kleingewerblich
  • Weniger als 4 Prozent der Meeresfläche sind geschützt – Schutzgebiete sind essenzielle „Kinderstuben“ und Erholungsräume für Fischbestände
  • Europa ist der weltweit größte Markt und Importeur von Fisch und Meeresfrüchten – mehr als die Hälfte der Importe kommt aus Entwicklungsländern

Von Florian Kozak, Pressesprecher des WWF Österreich und Kommunikations-Koordinator der europaweiten WWF-Initiative ‚ Fish Forward – Nachhaltiger Fischkonsum zum Schutz von Meeren und Menschen.

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Stabilisierung oder Abschwung?

von Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.

Die Mehrzahl der Wirtschaftsindikatoren deutet auf eine Abschwächung des weltweiten realen Wirtschaftswachstums hin. Insbesondere der globale Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor hat im Monat Februar den fallenden Trend fortgesetzt und damit eine andauernde Schwäche im Fertigungssektor angezeigt. Es gibt zwar schwache Anzeichen für ein Ende des Abschwungs innerhalb der kommenden Monate, die Unsicherheit bleibt jedoch erhöht. Die Zentralbanken haben darauf reagiert und die geplanten Leitzinsanhebungen ausgesetzt beziehungsweise sogar Lockerungsmaßnahmen gesetzt. Gleichzeitig reflektieren die Marktpreise bereits eine Stabilisierung des Wachstums. Wie wird diese Zweiteilung zwischen dem Markt und dem wirtschaftlichen Umfeld aufgelöst werden?

„Normale“ Verlangsamung

Ein Teil der Abschwächung des Wirtschaftswachstums kann auf eine „Normalisierung“ im Sinne eines Wachstumsrückgangs vom überdurchschnittlich auf durchschnittlich zurückgeführt  werden. Dazu kommen aber auch die generelle Verschärfung der Zentralbankliquidität sowie der Anstieg der Unsicherheit.

Weniger Zentralbankliquidität

Motiviert durch das kräftige Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren haben die Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften eine Politik der graduellen „Normalisierung“ eingeleitet. Das bedeutet die Anhebung der sehr niedrigen Leitzinsen und die Einstellung beziehungsweise die Rückführung der Anleiheankaufsprogramme. Letzteres hat zu einem Rückgang der von den Zentralbanken deutlich ausgeweiteten Geldmenge (Geldbasis = Geldmenge M0) geführt.

Schrumpfung des Schattenbankensektors in China

Gleichzeitig sind einige Schwellenländer mit Ungleichgewichten durch die Leitzinsanhebungen in den USA unter Druck geraten die Leitzinsen anzuheben. In China war ein Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik auf die Schrumpfung des Schattenbankensektors gerichtet. Die Motivation in China war die hohe Schuldenquote (Schuldenbestand in Prozent des nominellen Bruttoinlandsproduktes) nicht weiter ansteigen zu lassen. Das wiederum hat zu einer deutlichen Abschwächung des Kreditwachstums geführt.

Anstieg der Unsicherheit

Zur selben Zeit sind die Unsicherheiten über die zukünftigen Beziehungen zwischen den großen Wirtschaftsblöcken angestiegen. Vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China kann hier genannt werden. Aber auch der chaotische Brexit-Prozess und die Zweifel an der Integrität der Eurozone (Italien) haben das Ihre dazu beigetragen.

Eintrübung der Unternehmensstimmung

Eine unmittelbare Auswirkung dieser ungünstigen Kombination von Faktoren ist eine Verschlechterung der Stimmung bei den Unternehmen. Sie drückt auf das Wachstum der Unternehmensinvestitionen. Im Unterschied dazu ist das Beschäftigungswachstum vergleichsweise kräftig geblieben (niedrige Arbeitslosenraten). Solange der Arbeitsmarkt fest bleibt (gutes Beschäftigungs- und Lohnwachstum), werden die privaten Einkommen und der private Konsum unterstützt. Der Pferdefuß: der Arbeitsmarkt ist ein Indikator, der der Konjunktur hinterher hinkt. Der überraschende geringe Beschäftigungsanstieg in den USA im Monat Februar (plus 20.000 Quelle: Bloomberg) im Vergleich zum Fünf-Jahresdurchschnitt von 215.000 besitzt zwar keine statistische signifikante Aussagekraft, hilft aber nicht die Unsicherheit zu verringern.

Grafik: Wachstum der Geldmenge und der Produzentenpreise in China sind wichtige globale Konjunkturindikatoren

Erholung am Finanzmarkt

Der Finanzmarkt hat im vierten Quartal 2018 auf die Eintrübung des Umfelds mit deutlichen Kursverlusten von risikobehafteten Wertpapierklassen (Aktien) reagiert. Die Hürde für positive Überraschungen war damit klein. Diese hat es tatsächlich gegeben:

  • Einige wichtige Zentralbanken haben Lockerungsmaßnahmen gesetzt. Hervorzuheben ist, dass für die USA die im Markt gepreisten Leitzinsanhebungen vollkommen verschwunden sind. Ein höheres Lohnwachstum würde die Fed jedoch in eine unkomfortable Situation bringen. Soll der Blick mehr auf die Beschäftigung oder die Inflation  gerichtet sein? Der Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne im Februar auf ein Niveau, das zuletzt vor zehn Jahren erreicht wurde, ist nicht hilfreich.
  • In der Eurozone ist die Stoßrichtung der Europäischen Zentralbank mittels einer Neuauflage eines geldpolitischen Instruments (TLTRO – langfristig günstige Liquidität für Banken in großer Menge) die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors und damit der gesamten Wirtschaft in der Eurozone zu erhöhen. Zudem hat die EZB den frühestmöglichen Zeitpunkt für die erste Leitzinsanhebung auf Beginn 2020 verschoben. Der Spielraum der Geldpolitik ist jedoch eingeschränkt. Die Ähnlichkeiten mit einer sogenannten Liquiditätsfalle (Japan-Szenario) sind auffällig.
  • In China ist das Kreditwachstum zuletzt angestiegen. Gleichzeitig fallen jedoch wichtige Indikatoren wie das Geldmengenwachstum M1 und die Produzentenpreisinflation.
  • Die Signale zu den Verhandlungen zwischen den USA und China stimmen vorsichtig optimistisch. Neben der nach wie vor erhöhten Wahrscheinlichkeit für ein Scheitern der Verhandlungen besteht jedoch das Risiko für Zollanhebungen auf Güter aus der EU in die USA.
  • Im Brexit-Prozess zeichnet sich auf die kurze Sicht als wahrscheinlichstes Szenario eine Verlängerung ab. Das Vereinigte Königreich wird im April wahrscheinlich noch Mitglied der Europäischen Union für ein paar Monate sein. Ein „Unfall“ (Austritt ohne Austrittsvertrag) kann jedoch leicht geschehen.
  • Die Signale für eine Wachstumsstabilisierung sind vorhanden aber schwach. Diese umfassen Indikatoren wie den globalen Einkaufsmanagerindex für den Servicesektor, der im Februar angestiegen ist.

Zusammenfassung

Die Mehrzahl der Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität befindet sich in einem fallenden Trend. Der Rückbau der Globalisierung hat unter Umständen nur eine Verschnaufpause erhalten. Immerhin haben die Zentralbanken die Politik der Liquiditätsverknappung gestoppt beziehungsweise sogar umgekehrt. Für eine Fortsetzung der seit Jahresanfang eingesetzten Erholung bei den risikobehafteten Wertpapierklassen ist eine Wachstumsstabilisierung nötig. Die Anzeichen dafür sind nach wie vor zu schwach. Die Kurse neigen sich seit Anfang März abermals nach Süden. Solange von der geopolitischen Seite keine Eintrübung erfolgt (Verhandlungen zwischen den USA und China, zwischen den USA und der EU und Japan, zwischen dem UK und der EU), besteht eine gute Chance, dass die stimulierenden Maßnahmen (mehr Liquidität) mit einer Zeitverzögerung von ein paar Monaten eine Wachstumsstabilisierung ermöglichen.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Ungarn: Normalisierung auf fiskalpolitischer und geldpolitischer Ebene in Sicht?

von István Kovács, Portfolio Manager Erste Asset Management Ungarn.

Die europäischen Medien verfolgen seit Jahren die unorthodoxe Wirtschaftspolitik in Ungarn und unterstützen diese oder lehnen sie ab, je nach politischer Couleur. Gleichzeitig betonen ungarische Entscheidungsträger immer wieder, dass sie sich im Normalbereich bewegen. Die Preisfrage derzeit lautet: können wir nun endlich von einer Normalisierung der Geld- und Fiskalpolitik in den kommenden Jahren ausgehen?

Was meine ich mit normaler Geld- und Fiskalpolitik, und worauf deuten die Signale hin? Normale Fiskalpolitik bedeutet einen Maßnahmen-Mix, der auf professioneller volkswirtschaftlicher Kompetenz beruht und nachhaltiges Wachstum sowie die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Landes unterstützt. Eine normale Geldpolitik erfordert eine glaubwürdige, unabhängige Zentralbank, die Inflation bekämpft und finanzielle Stabilität zum Ziel hat.

Ungarn: Leistungsbilanz in % des Bruttoinlandsprodukts (2008-2020E) 

Quelle: MNB; Erste Research; per 28.2.2019

Ein Blick hinter die Zahlen

Im Bereich der Fiskalpolitik sehen wir, dass sich die wichtigsten Makrozahlen verbessert haben und während der Orbán-Regierung unter Kontrolle gebracht worden sind; das Verhältnis von Verschuldung zu Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinkt langsam; das Defizit der Regierung beträgt seit fünf Jahren etwa 2% vom BIP. Es wird Jahr für Jahr ein Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet und die Beschäftigung verzeichnet Rekordstände. Die Zahlen per se sehen gut aus, doch sollte man hinter selbige blicken, um Nachhaltigkeit oder deren Absenz zu konstatieren. Die Wirtschaftsstruktur hat sich kaum verändert: die Wirtschaft wächst nach wie vor aufgrund multinationaler Industrieinvestitionen und Produktion sowie der sehr zyklischen Aktivität im Bausektor über ihrem Potenzial. Ungarn ist noch immer sehr exponiert gegenüber dem globalen Wirtschaftswachstum und damit ökonomisch verwundbar, wenngleich die größten Rating-Agenturen anerkennen, dass Ungarn große Fortschritte hinsichtlich seiner Widerstandsfähigkeit gegen Wirtschaftsschocks gemacht hat. S&P und Fitch haben Ungarn soeben auf zwei Stufen über Investment-Grade hinaufgestuft.

Ungarn: Exportquote in % des Bruttoinlandsprodukts (2008-2018)

Quelle: Weltbank; Februar 2019

Es ist Zeit, die Nachhaltigkeit der Geldpolitik unter Beweis zu stellen

Die Geldpolitik der Orbán-Ära sieht ähnlich aus. Es gibt zahlreiche positive Ergebnisse, wie z.B. die deutlich verminderte Brutto- und Nettoverschuldung gegenüber dem Ausland,  niedrige Inflationsraten, niedrige Renditen und ein stabiler Forint. Zwei Faktoren waren dabei entscheidend: die weltweit lockere Geldpolitik und die sich langsam verbessernde Glaubwürdigkeit der Zentralbank (obwohl letztere eher auf dem Erreichten als auf der Unabhängigkeit der Bank selbst beruht).

Nun ist es Zeit für den Gouverneur und das Team der Zentralbank zu beweisen, dass der bereits erreichte Fortschritt der ungarischen Geldpolitik ein nachhaltiger ist. – Gutes Timing, da Gouverneur Matolcsy gerade für eine zweite sechsjährige Amtsperiode gewählt wurde. Noch Ende letzten Jahres machte das Gerücht die Runde, dass Gouverneur Matolcsy es vorzöge, das Amt eines Ministers mit Verantwortlichkeit für die volkswirtschaftliche Strategie des Landes zu bekleiden, doch es sieht danach aus, als ob Herr Orbán dem bekannten Prinzip aus der Sportwelt folgte: Never change a winning team!

Schlussfolgerung

Wir gehen davon aus, dass die geldpolitische Normalisierung heuer beginnen sollte, sofern die Zentralbank die hart erkämpfte Glaubwürdigkeit behalten möchte. Der Ton der Zentralbank hat sich schon dahingehend geändert, dass sie nun betont, dass sich angesichts des von der Wirtschaft erreichten Potenzialwachstums die Geldpolitik nun einzig auf die Inflationszielerreichung fokussieren sollte; dabei wird die steueradjustierte Kerninflationsrate als Haupt-Benchmark für die Ausrichtung der Geldpolitik eingesetzt. Die Zukunft wird zeigen, ob das neue Sechsjahres-Mandat erfolgreich sein wird oder nicht. Wir hoffen auf das Beste, aber bleiben aufmerksam.


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Was können Biotechnologie-Aktien?

Aktien der Biotechnologie-Branche zählen zu den Aktien mit den höchsten Wachstumschancen aber auch mit den größten Kursschwankungen nach oben oder unten. Investmentfonds bieten eine Streuung auf eine größere Anzahl interessanter börsennotierter Biotechnologie-Unternehmen. Einer von diesen, der ESPA STOCK BIOTEC, konnte nach einem Rücksetzer im Jahr 2015 kontinuierlich zulegen (siehe Grafik Reuters Eikon, 22.2.2019*). Die Chancen stehen gut, dass Biotech-Aktien in den kommenden Jahren diese Wachstumsdynamik fortsetzen können. Im Biotechsektor herrscht derzeit eine große Aufbruchsstimmung. Bahnbrechenden Forschungsergebnisse in Krankheitsfeldern mit hohem medizinischem Bedarf wie auch das anhaltende Umsatz- und Gewinnwachstum liefern plausible Kaufargumente.

*) Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Biotechnologie einfach erklärt

Biotechnologie ist eine Technologie, die auf Biologie basiert. Sie nutzt zelluläre und biomolekulare Prozesse, um neue Medikamente zu entwickeln. Derzeit stehen Patienten mehr als 250 biotechnologische Produkte und Impfstoffe zur Verfügung, viele davon für zuvor nicht behandelbare Krankheiten.

Biotechnologie steht als Sammelbegriff für eine nahezu unüberschaubare Vielzahl von Verfahren, Produkten und Methoden. Die Einsatzmöglichkeiten der Biotechnologie sind nicht auf ein Gebiet beschränkt, sondern sehr vielfältig. So erforschen Biotechnologen kleine und große Organismen, Pflanzen, Tiere und Menschen, aber auch kleinste Teile wie einzelne Zellen oder Moleküle.

Zweige der Biotechnologie

Die Grüne Biotechnologie betrifft pflanzliche Anwendungen, zum Beispiel für landwirtschaftliche Zwecke. Die Rote Biotechnologie ist der Bereich medizinisch-pharmazeutischer Anwendungen, wie zum Beispiel die Herstellung von Medikamenten und Diagnostika. Die Weiße Biotechnologie oder Industrielle Biotechnologie umfasst biotechnologische Herstellungsverfahren, vor allem für chemische Verbindungen in der Chemieindustrie, aber auch Verfahren in der Textil– oder Lebensmittelindustrie. (Quelle: BMBF, Deutschland)

Gesundheitsausgaben steigen weltweit

Das Gesundheitswesen gilt als Leitindustrie des 21. Jahrhunderts. Durch das Wachstum der weltweiten Bevölkerung auf 9,2 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 und die prognostizierte Verdoppelung der Personen über 60 bis dahin, werden die Ausgaben für Gesundheit in den OECD-Ländern von derzeit 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 9,5 Prozent steigen (Quelle: OECD).

Der Biotechnologie-Sektor wird von neuen, innovativen und erfolgreichen Medikamenten-Entwicklungen profitieren. Es wird für die nächsten Jahre ein Umsatz und Gewinnwachstum im hohen einstelligen Bereich erwartet. Schon 2018 Jahr gab es in den USA eine rekordhohe Anzahl an Neuzulassungen. Letztes Jahr wurden 59 Medikamente zugelassen, nachdem schon im Jahr davor mehr als 40 Zulassungen erfolgten (Quelle: US Gesundheitsbehörde FDA). Die USA sind in der Forschung federführend und werden weiter die Innovationen fördern.

Wer sind die Wachstumstreiber der Biotechnologie?

  • Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat die Medikamenten-Entwicklung revolutioniert. Trotz zahlreicher Innovationen und Forschungserfolge sind nur wenige Medikamente für die 1.200 seltenen Krankheiten am Markt. Die Biotechnologie ist gefordert.
  • Kampf dem Krebs. Laut WHO starben 9,6 Millionen Menschen im Vorjahr an Krebs. Die Kosten dieser heimtückischen Krankheit belaufen sich auf gigantische 1,2 Billionen Dollar. Viele Krankheiten sind noch nicht hinreichend erforscht, geschweige denn gibt es wirksame Medikamente. Das könnte sich bald ändern. Neuartige Medikamente können gegen verschiedene Krebsarten eingesetzt werden, etwa Revlimid von Celgene, zur Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom. Weniger erfolgreich verlief der klinische Versuch von Bristol-Myers für das Medikament Opdivo. Ende des Vorjahres musste das Unternehmen bekannt geben, dass die Behandlung von Lungenkarzinom-Erkrankten fehlschlug.
  • Die Lebenstil-Krankheiten wie Diabetes (422 Millionen Erwachsene Erkrankte) oder Leberkrankheiten müssen wirksam bekämpft werden. Das dänische Unternehmen Novo Nordisk testet gerade eine Substanz gegen Fettleber, die gleichzeitig zur Bekämpfung von Allzheimer eingesetzt werden soll.
  • Immuntherapien stehen stellvertretend für das neue Zeitalter der Krebstherapie. Aktuell stehen hier die zellulären Ansätze im Vordergrund.
  • Daneben sind die Pipelines im Bereich der neurologischen Erkrankungen gut gefüllt. Die jüngsten Durchbrüche zeigen sich mit neuen Medikamenten für schwere Formen von Epilepsie und Wochenbettdepression.
  • Vermehrte Unternehmenskäufe und Übernahmen. Patentabläufe in der Pharma- und Biotechnologie-Branche gefährden die einstige Erfolgsgeschichte und müssen mit neuen Produkten ausgeglichen werden. Unternehmenskäufe und Übernahmen sind ein Weg um das Wachstum fortsetzen zu können. Ende Februar gab der amerikanische Diagnostik- und Biotechnikkonzern Danaher die Übernahme der Biopharmasparte von General Electric für 21,4 Milliarden Dollar bekannt. Der Schweizer Pharmakonzern Roche vereinbarte unterdessen die Übernahme der US-Biotechfirma Spark für 4,3 Milliarden Dollar und engagiert sich damit erstmals im Bereich der Gentherapie (Quelle: Handelsblatt, 26. Februar 2019).

Weitere Beispiele sind die Übernahmen von Celgene durch Bristol MyersLoxo durch Eli Lilly und Tesaro durch GlaxoSmithKline sowie IMDZ durch Merck.

Rückschlag-Gefahren für die Biotechnologie

Den grundsätzlich positiven Wachstumsperspektiven stehen potenzielle Rückschlag-Gefahren gegenüber, die nicht unterschätzt werden dürfen. So wirkte sich schon im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf der Einfluss der Politik auf die Preisgestaltung bei Medikamenten negativ aus. Sowohl Hilary Clinton als auch ihr Kontrahent Donald Trump hatten sich für niedrigere Medikamentenpreise ausgesprochen. Wenn jedoch Innovationen nicht honoriert werden dürfen und die Preise noch dazu stark reguliert sind, wird es dann noch Innovation geben?

Ein weiterer Faktor, der das Wachstum in der Zukunft hemmen könnte, ist die Konzentration der Forschung und unternehmerischen Tätigkeit der Biotechnologie-Unternehmen in den USA. Das Biotechnologie-Cluster liegt in den USA und nicht in Europa. Das heißt nicht, dass in Europa keine Innovation stattfindet. Das Ausmaß ist aber mit den USA nicht zu vergleichen. In den USA gibt es einige Clusters um Boston, San Francisco und New York herum. Dort forschen die Unternehmen schwerpunktmäßig zusammen. In dem Ausmaß gibt es das in Europa nicht. Es gibt einige in der UK, Frankreich, Deutschland und Schweden aber das ist Im Vergleich zu den USA sehr klein. Zudem ist die Angelsächsische Risiko-Mentalität eine andere als die der Europäer. Risiko-Kapital, was wir brauchen um schneller erfolgreich zu sein, ist dort leichter verfügbar als in Europa.

ESPA STOCK BIOTEC: Portfolio mit den Top-Biotechnologie-Unternehmen

Anleger, die breit gestreut den globalen Biotechnologie-Sektor abdecken möchten, könnten zum Beispiel in den ESPA STOCK BIOTEC investieren. Der im Jahr 2000 aufgelegte Aktienfonds der Erste Asset Management investiert in ein Portfolio, bestehend aus rund 80 börsennotierten Unternehmen, vornehmlich aus den USA, das als Zentrum der Biotechnologie-Branche gilt. Seit seinem Fondsstart hat der ESPA STOCK BIOTEC eine jährliche Wertsteigerung von 8,70 Prozent (per 31.1.2019, Quelle www.erste-am.at) erzielt*. In diesem Fonds werden alle wesentlichen Anwendungsgebiete der Biotechnologie erfasst wie zum Beispiel Krebsforschung, personalisierte Medizin, Alzheimer, Zelltherapien, seltene Krankheiten und Genforschung. Wer in den ESPA STOCK BIOTEC investiert, genießt die Chance auf hohe Wertsteigerung, muss aber auch entsprechende Risikobereitschaft mitbringen und hohe Kursschwankungen in Kauf nehmen. Mit regelmäßigen Investitionen in einen Fondssparplan lässt sich das Timing-Risiko in Zaum halten.

Aktien aus dem Segment der Biotechnologie ziehen zu Recht das Interesse der Anlegerinnen und Anleger auf sich. Für die nächsten Jahre wird ein Umsatz- und Gewinnwachstum der Unternehmen im hohen einstelligen Bereich erwartet. So wie in den letzten Jahren könnten neue Forschungsergebnisse und Firmenzusammenschlüsse den Aktien Auftrieb verschaffen. Beim Geld Anlegen in Biotechnologie-Aktien sollten die Risiken im Auge behalten werden. Starke Schwankungen der Aktienkurse können jederzeit auftreten. Mit dem s Fonds Plan Mix (Fondssparen) kann man auch schon mit kleinen Beträgen am Wachstum der aufstrebenden Biotechnologie-Aktien teilnehmen.


*Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt laut OeKB Methode. In der Wertentwicklung ist die Verwaltungsgebühr und eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung berücksichtigt. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 4,00 Prozent und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (zum Beispiel Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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Solide, nicht überragend: die Berichtssaison in den USA und in Europa

von Peter Szopo, Chief Equity Strategist der Erste Asset Management.

Unternehmensgewinne zählen zu den wichtigsten Performance-Treibern für einzelne Aktien wie auch für den Gesamtmarkt. Sie sind ein Indikator für die Schaffung von Shareholder-Value im börsennotierten Unternehmenssektor und dementsprechend übt das Gewinnwachstum einen maßgeblichen Einfluss auf die Performance von Aktien und Marktindizes aus. Deshalb ist die vierteljährliche Berichtssaison, wo Unternehmen nicht nur die erzielten Ergebnisse präsentieren, sondern oft auch Hinweise oder explizite Managementprognosen („Guidance“) über die nahe Zukunft geben, ein derart wichtiges Ereignis.

Die derzeit laufende Berichtssaison ist sogar noch wichtiger als sonst, da die Marktteilnehmer nach der massiven Korrektur im vierten Quartal 2018 nach Hinweisen suchen, ob der Abverkauf eine geänderte Gesamtrisikoeinschätzung seitens der Anleger (d.h. höhere Abzinsungsraten) widerspiegelt oder schlechtere Gewinnaussichten die Ursache waren (wenngleich diese Faktoren oftmals nicht vollständig voneinander getrennt werden können).

Nachfolgend ein paar Trends, die im Zuge der derzeitigen Berichtssaison sichtbar wurden:

1. Die Unternehmensgewinne liegen über den Erwartungen (oder, trefflicher, den Befürchtungen)

In den USA hatten per Mitte Februar fast 80% der Unternehmen ihre Ergebnisse veröffentlicht. Bei mehr als 70% waren die Gewinne besser als erwartet (lt. Bloomberg-Konsensus), und bei 60% lagen die Umsätze über den Erwartungen. Beide Zahlen sind solide, aber schlechter als im vergangenen Quartal.

Bloomberg

Auch in Europa dominieren die positiven Überraschungen bis dato. Von den Unternehmen, die bis Mitte Februar ihre Q4-Ergebnisse verlautbart hatten, verzeichneten 60% positive Umsatz- und 56% positive Gewinnüberraschungen. Historisch betrachtet, sind diese Prozentzahlen nicht herausragend, doch geben sie auch keinen Anlass zur übertriebenen Sorge; und, im Gegensatz zu den USA, sind sie auch besser als im vergangenen Quartal.

2. Aber: die Erwartungen waren vor der Berichtssaison deutlich reduziert worden

Zwar sieht das Verhältnis von positiven zu negativen Gewinnüberraschungen auf den ersten Blick solide aus, doch darf man nicht darüber hinweg sehen, dass die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal 2018 vor der Berichtssaison deutlich gestutzt wurden. In den USA fielen die 4Q-Schätzungen für die Gewinne der Unternehmen im Index während des Quartals um 2,9%, und in Europa wurden die Gewinnschätzungen um beinahe 12% reduziert. Anscheinend führten der Abverkauf in Q4 2018 und die globale Wachstumsverlangsamung zu deutlichen Gewinnrevisionen nach unten. Sie stellten sich angesichts der tatsächlich berichteten Ergebnisse als überzogen heraus, doch  ohne diese Revisionen hätten wir im Durchschnitt keine positiven Überraschungen in den USA gesehen und in Europa sogar eine negative Gewinnüberraschung von fast 10%.

3. Wachstumsverlangsamung in Q4

In den USA verringerte sich das jährliche Wachstum des Gewinns pro Aktie im Durchschnitt von 24% in Q3 2018 auf ca. 11% im letzten Quartal des Vorjahres, während es in Europa von 9% auf 2% fiel. Auf der Umsatzseite sieht das Bild etwas besser aus: in den USA verringerte sich das Umsatzwachstum um lediglich 1,5 Prozentpunkte auf ca. 8%, und in Europa stieg es sogar über jenes in Q3.

Mehrere Punkte sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert: zwar hat sich Wachstum verlangsamt, aber es blieb auch in Q4 noch z.T. deutlich positiv. Zweitens: der Unternehmenssektor in den USA wächst sowohl bei Gewinnen als auch Umsätzen nach wie vor schneller als sein europäisches Gegenstück – was bestätigt, dass der makroökonomische Hintergrund in den USA noch immer besser ist als in Europa. Drittens: die Margen in den USA stiegen weiter (was angesichts der Auswirkungen der US-Steuerreform keine Überraschung darstellt), während sie in Europa fielen.

4.Erwartungen für 2019: immer noch positiv, doch Risiken zeigen nach unten

Die bisherigen Ergebnisse der Berichtssaison haben nicht geholfen, den Abwärtstrend bei den Gewinnschätzungen zu stoppen. Zuletzt lagen Gewinnschätzungen für die Unternehmen im S&P 500– und im Stoxx 600-Index für das laufende Jahr 5-7% unter den Spitzen, die noch in der zweiten Hälfte 2018 erwartet worden waren.

Daher fiel der erwartete Gewinnzuwachs für das Gesamtjahr sowohl für das Universum des S&P 500 als auch des Stoxx 600 von hohen einstelligen Prozentsätzen auf zuletzt 6%. Allerdings halten die Negativrevisionen nach wie vor an, und ich erwarte, dass nach Ende der Berichtssaison die Konsensschätzung näher bei 3-4% liegen wird.

Anmerkung: Eine Konsensschätzung ist eine Zahl, die auf den aggregierten Schätzungen von Analysten basiert, die die jeweiligen Unternehmenssektoren abdecken.

All das impliziert für Investoren, dass Unternehmensgewinne nach zwei Jahren starken Wachstums vermutlich nicht mehr als Stütze für die US- und die europäischen Aktienmärkte funktionieren werden. Zwar scheinen sich die Negativrevisionen zuletzt verlangsamt zu haben, doch die Risiken deuten eher in Richtung einer weiteren Gewinnabschwächung. Das Weltwirtschaftswachstum verlangsamt sich nach wie vor, während sich Löhne und andere Kostenfaktoren beschleunigen. Es ist sicher, ob die Margen-Erwartungen der Analysten all diese Entwicklungen ausreichend reflektieren.

Allerdings besteht kein Grund, übermäßig pessimistisch zu sein, da a) derzeitige Schätzungen keinen wirklichen Einbruch bei den Gewinnen erwarten lassen und b) die Erwartungen auch schon deutlich zurückgenommen wurden. Beispielsweise gehen die derzeitigen Konsens-Schätzungen bereits davon aus, dass die Gewinne im ersten Quartal 2019 wahrscheinlich auf beiden Seiten des Atlantiks im Jahresvergleich schrumpfen werden. Anleger sind momentan nicht übermäßig optimistisch – was eigentlich schon wieder ein Grund für moderaten Optimismus ist.


Wichtige rechtliche Hinweise:

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Brexit: The Final Countdown

Anfang vergangener Woche forderte die britische Premierministerin Theresa May die Abgeordneten des Parlaments in London dazu auf, die „Nerven zu bewahren“. Ab dem 29. März soll Großbritannien nicht mehr Teil der Europäischen Union sein. Weil das britische Parlament den vorliegenden Brexit-Vertrag in einer Abstimmung am Donnerstag nun wiederholt abgelehnt hat, ist aber nach wie vor nicht klar, wie die Beziehungen zwischen dem ehemaligen Empire und der EU künftig aussehen werden.

Einen Vorgeschmack auf die Folgen des Brexit lieferten zuletzt Konjunkturdaten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2018 nur noch um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu. Im Dezember sank die Produktion britischer Unternehmen den fünften Monat in Folge. Vor allem die Autobauer und die Stahlindustrie drosselten ihre Produktion. Im Vorfeld des Brexit zeichnet sich Experten zufolge insbesondere bei den Investitionen die Unsicherheit der Unternehmen ab. Selbst im Falle eines Kompromisses würden deutliche Bremsspuren im Jahresverlauf zu sehen sein.

Wie schwer die Unsicherheit für Unternehmen wiegt, zeigt sich bereits jetzt. So wird der japanische Automobilhersteller Nissan die nächste Generation seines SUV-Modells X-Trail für den europäischen Markt in Japan statt wie geplant in England bauen. Auch Ford trifft verstärkt Vorkehrungen für einen Produktionsabzug aus Großbritannien. Und der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus droht für Fall eines ungeregelten EU-Austritts mit der Schließung von Fabriken in Großbritannien.

“Deal“ or „No Deal“ ist die Frage

Ohne Brexit-Vertrag mit der EU würden für die Briten plötzlich nur noch die Regelungen der Welthandelsorganisation (WTO) gelten. Dies würde bei Weitem nicht nur dem Standort Großbritannien schaden, wie eine aktuelle Studie des Salzburg Centre of European Studies zeigt. Im Falle dieses „Hard Brexit“ kommt es laut der Studie zu einem unmittelbaren Einbruch der britischen Industrieproduktion von bis zu rund 7,6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. In Österreich würde die Produktion im Industriebereich demzufolge in der maximalen Ausprägung um rund 4,5 Prozentpunkte gedämpft, in Deutschland um 4,2 Prozentpunkte. Noch stärker betroffen wären Frankreich und Italien.

Eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg kommt zu dem Schluss, dass nach einem ungeregelten Brexit die Jobs von weltweit 612.000 Menschen gefährdet wären: „In Österreich könnten direkt 2.000 und indirekt 4.000 Arbeitsplätze betroffen sein“, sagt Studienautor Oliver Holtemöller. Die Studie geht davon aus, dass die Importe Großbritanniens durch einen ungeregelten EU-Austritt um ein Viertel einbrechen würden.

2019_02_18_Grafik_APA_Brexit

Mit dem im Parlament vorerst erneut abgelehnten Brexit-Vertrag würde sich hingegen bis Ende 2020 ökonomisch kaum etwas ändern. Die Briten müssten sich weiter an EU-Recht halten, aber nicht mehr mitwirken, erklärt Stefan Griller, Professor für Europarecht an der Uni Salzburg. In diesem Fall würde den Berechnungen der Universität Salzburg zufolge eine wesentlich geringere Beeinträchtigung der Industrieproduktion in Großbritannien und den EU-Ländern eintreten.

Konservative stören sich bei Mays Deal aber vor allem an der vorgesehenen Grenzregelung zwischen Nordirland und Irland. Die EU will keine kontrollierte Grenze zwischen Nordirland und Irland. Die Briten wollen wiederum keine Grenzkontrollen zwischen dem britischen Festland und Nordirland. Eine Zusatzvereinbarung zum Brexit-Vertrag könnte diesen Streitpunkt zumindest teilweise entschärfen. Doch um eine solche auszuhandeln, würde Theresa May neben „Nerven“ noch Zeit und mehr Unterstützung für ihre Arbeit benötigen. Dem erteilten die britischen Abgeordneten bei der Abstimmung am vergangenen Donnerstag allerdings erneut eine klare Absage. Die Premierministerin verlor dabei auch wieder an Rückhalt in der eigenen Partei, was nicht nur ihre Verhandlungsposition Brüssel gegenüber geschwächt, sondern schließlich auch einen geregelten und damit glimpflicheren Brexit noch unwahrscheinlicher gemacht haben dürfte.


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Konstruktive Zentralbanken

Die Kurse der risikobehafteten Wertpapierklassen wie Aktien sind zu Jahresbeginn gestiegen, so Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste AM. Die Kernfrage für die Investoren: Hält diese Erholung nach den scharfen Einbrüchen im vierten Quartal länger an oder ist sie nur von kurzer Dauer?

Wachstum schwächt sich ab

Zentralbanken
Grafik 1: Fallende Konjunkturindikatoren

Die Weltwirtschaft befindet sich in der Konjunkturphase Abschwung. Das reale globale Wirtschaftswachstum fällt seit dem 4. Quartal 2017. Mittlerweile hat das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) Trend-Niveau erreicht. Auffällig dabei:  der Gütersektor ist besonders empfindlich für den Abschwung. In zahlreichen Ländern ist die Industrieproduktion Ende des vergangenen Jahres markant geschrumpft. Die Mehrzahl der umfragebasierten Frühindikatoren (Einkaufsmanagerindex, Frühindikatoren der OECD – siehe Grafik 1) deutet auf einen weiteren Wachstumsrückgang hin. Stellt diese Entwicklung lediglich eine Normalisierung nach einer Phase von nicht nachhaltig hohen Wachstumsraten dar? Oder haben die Rezessionsrisiken tatsächlich zugenommen?

Schwache positive Signale

ZentralbankenGrafik 2: Keine weiteren Leitzinsanhebungen

Nicht alle Wirtschaftsindikatoren zeigen nach Süden. Es gibt auch eine Reihe von –  zugegeben schwachen – Signalen, die auf eine Stabilisierung des Wirtschaftswachstums hoffen lassen. Bei den Einkaufsmanagerindizes für den Monat Jänner sind mit den Neuaufträgen in den USA und den Importen in China zwei wichtige Subkategorien angestiegen. In Deutschland sind die Ausgliederungen von Industriegütern im Dezember gegenüber dem Vormonat gewachsen. Zudem ist das Kreditwachstum in China im Monat Dezember nicht weiter gefallen. Dieses Umfeld deutet auf ein baldiges Ende der schrumpfenden Industrieproduktion hin.

Geldpolitik unterstützt Finanzmärkte

Die kräftigste Unterstützung für die Märkte kommt von der Geldpolitik  – abermals.

  • Die US-Zentralbank hat die Neigung für weitere Leitzinsanhebungen aufgebeben. Die Befürchtungen der Wirtschaft und der Märkte vor zu hohen Leitzinsen sind damit (vorerst) verschwunden. Die im Markt gepreisten zukünftigen Leitzinsanhebungen innerhalb der nächsten 12 Monate haben von 0,8 Prozentpunkten im September 2018 auf aktuell eine leichte Senkung gedreht (siehe Grafik 2). Zudem signalisiert die die US Notenbank Fed den Prozess der Bilanzschrumpfung der Zentralbank früher als allgemein erwartet zu beenden (= mehr Liquidität).
  • Die Europäische Zentralbank spricht von Abwärtsrisiken für die Wirtschaft (=Rezessionsrisiken). Damit ist der baldige Ausstieg von der aktuell sehr expansiven geldpolitischen Haltung noch unwahrscheinlicher geworden.
  • In China wurde der Mindestreservesatz (Reserve Requirement Ratio) mehrmals gesenkt (= mehr und billigere Liquidität für Banken). Das Wachstum der Zentralbankbilanz ist nach einem rückläufigen Trend im vergangenen Jahr im Dezember angestiegen.

Zusammenfassung

Als Hauptmotiv für die Abkehr von der graduellen Verschärfung des geldpolitischen Umfeldes wurde allgemein die Verschlechterung des Finanzumfeldes (= fallende Aktienkurse, höhere Renditeaufschläge für das Kreditrisiko) genannt. Hierbei sollen nicht fallende Aktienkurse per se vermieden werden. Es geht darum, die negative Rückkopplung von der Verschlechterung des Finanzumfeldes auf die Wirtschaft zu stoppen. Das scheint vorerst zu gelingen. Ein (möglicherweise) Auslaufen der Wachstumsabschwächung im 1. Halbjahr bei einer gleichzeitig unverändert expansiven Haltung der Zentralbanken unterstützt (vorerst) die risikobehafteten Wertpapierklassen (Aktien, Emerging Markets). Wichtig ist, dass die Frühindikatoren für das Wirtschaftswachstum bald aufhören zu fallen.


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Lateinamerika Überblick: Venezuela ein klassischer Umschuldungskandidat

Venezuela steckt in der Krise: Die Wirtschaft des Landes kollabiert, das Bruttoinlandsprodukt halbierte sich, in US-Dollar gerechnet, innerhalb der vergangenen fünf Jahre. Das Volumen der Erdölexporte – die einzige wichtige Einnahmequelle des Landes – fiel drastisch. Zu allem Überfluss wurden diese jüngst mit Sanktionen seitens der USA belegt. In den letzten zwei Jahren flohen laut Berichten angeblich über zwei Millionen Menschen in die benachbarten Länder, da das Geld für lebenswichtige Importe fehlt. Und der Machtkampf zwischen Nicolás Maduro und seinem Kontrahenten Juan Guaidó sowie ihren jeweiligen Unterstützern setzt sich fort. Ein von der „Straße“ getragener Regierungswechsel ist durchaus möglich.

Was bedeutet die Krise für venezolanische Anleihen?

Schon seit geraumer Zeit ist das Land ein klassischer Umschuldungskandidat. Ein Regime-Wechsel würde das nur beschleunigen. „Die Hoffnung vieler Marktteilnehmer auf einen Regime-Wechsel trieb den Sekundärmarktpreis venezuelanischer Anleihen in den vergangenen Wochen nach oben. Die aktuelle Entwicklung wirkt allerdings wie naiver Optimismus“, sagt Felix Dornaus, Senior Fondsmanager für Schwellenländeranleihen bei der Erste Asset Management (Erste AM).

Dafür hat der Südamerika-Experte gute Gründe: Seit dem 1. Februar 2019 hat das US-Finanzministerium den Handel mit Anleihen der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA und Anleihen der Republik Venezuela für US-Personen bis auf weiteres verboten. Das hat auch Auswirkungen auf den Handel zwischen Nicht-US-Personen. Die Liquidität lässt – aus Angst in die Schusslinie der USA zu geraten – massiv nach.

Zehn Milliarden an Krediten mit Erdöllieferungen besichert

„Zwar sitzt das Land auf den größten Erdölreserven der Welt, mangels funktionierender Infrastruktur wird es aber auch auf längere Sicht nicht davon profitieren können“, sagt Dornaus. Die Überschuldung ist massiv und Kredite von China und Russland, die jeweils auf eine Summe von zehn Milliarden US-Dollar geschätzt werden, sind bereits mit Erdöllieferungen besichert. Die Hälfte des größten ausländischen Assets, des Konzerns CITGO in den USA, ist ebenfalls bereits verpfändet. Erhebliche Schürfrechte im Land wurden unter anderem an russische Unternehmen verkauft. „Angesichts dieses Mangels an Ressourcen muss bei einer Restrukturierung mit der Notwendigkeit eines massiven Schuldennachlasses gerechnet werden, auch und vor allem seitens der privaten Gläubiger“, so Dornaus weiter.

Unter den gegebenen Bedingungen hält es der Experte für wahrscheinlich, dass die gegenwärtigen Assetpreise die Wertaufholung zu optimistisch widerspiegeln. Darüber hinaus sei es schwierig zu erfassen, wer welche Forderungsbestände halte („Reconciliation“). „Es zeichnet sich eine erneute Hold-Out-Problematik ab, ähnlich der letzten Umschuldung Argentiniens. Diese Restrukturierung wird chaotisch, langwierig und teuer für die Anleihenbesitzer“, schlussfolgert Dornaus.

Positive Aussichten für Peru, Kolumbien und Chile

Die Kombination aus steigenden US-Zinsen, sich abschwächender Weltwirtschaft und dem US-chinesischen Handelskonflikt belastete die Risikostimmung im Jahr 2018. Dieser einzigartige Cocktail führte zu einer generellen Neupreisung von Risiken. „In einem Umfeld höherer Volatilität haben wir – zumindest im Vergleich zu den letzten Jahren – steigende Spreads, schwächere Währungen und steigende lokale Renditen gesehen. Wenn wir in die Geschichte zurückblicken ist dies jedoch ein Prozess der Normalisierung, und es wird erwartet, dass die Volatilität auf diesem Niveau bleibt“, betont Christian Gaier, Head of Fixed Income Rates, Sovereigns & FX.

Schenkt man dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Glauben, der für 2019 stabile Rohstoffpreise prognostiziert, scheinen die Weichen für andere Länder Lateinamerikas gestellt. Die zyklische Erholung in den Anden (Peru, Kolumbien und teilweise Chile) dürfte sich fortsetzen. „Attraktive Renditeniveaus, kombiniert mit einem stabilen Wachstumsausblick, der von einer gesunden Kombination aus privatem Konsum und Investitionen getragen wird, bilden die Grundlage für attraktive langfristige Anlagemöglichkeiten“, ergänzt Gaier.

Als Low-Beta-Anleihen dürften die Schuldtitel dieser Länder zudem weniger von Schwankungen der globalen Risikostimmung betroffen sein. Bei Argentinien, Mexiko und Brasilien dagegen sei ein gesundes Maß an Vorsicht angebracht: „Zu den innenpolitischen Einflüssen in den jeweiligen Ländern gesellt sich als möglicher Risikofaktor das im Vergleich stärkere Beta hinzu – diese Länder sind also stärker von der globalen Risikostimmung betroffen. Investoren werden sich auf den lokalen News-Flow sowie die makroökonomischen Entwicklungen vor Ort konzentrieren müssen, um kurz- und mittelfristige Investmentchancen wahrnehmen zu können“, so Gaier abschließend.


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Big Trouble in Little China?

Der Handelskrieg, das Abkühlen der Weltwirtschaft und wachsende Unsicherheiten am Heimatmarkt: die Probleme, die sich der chinesischen Volkswirtschaft in den Weg stellen, werden nicht weniger, so Markus Auer, Discretionary Portfolio Management der Erste AM.

Das typische Bild des chinesischen Drachen zeigt ein massives Reptil mit großem, abgeschottetem Kopf, das keine Flügel besitzt und sich von einer Schlange nur durch vier klobige Beine unterscheidet. Zieht man dieses Fabelwesen zum metaphorischen Vergleich der chinesischen Wirtschaft heran, so behaupte ich, dass die vier Beine, die das Tier in Balance halten, Konsum, Export, Infrastruktur und Verschuldung sind. Derzeit erscheinen drei der vier Beine ausgesprochen zittrig.

Der große städtische Einzelhandels-Blues

Retail Chart 1

Während der heimische Konsum ständig im Wachstum begriffen ist, fällt das jährliche Wachstum in innerstädtischen Einzelhandelsverkäufen, wo der Großteil der Güter mit hohem Wertschöpfungsanteil konsumiert wird, seit 2010. Seit 2015 schien das jährliche Wachstum stabil zu sein, was Analysten zu der Annahme verleitete, dass die Umsätze wieder steigen würden. Der Handelskonflikt, der 2018 begann, brachte als Folgeerscheinung geringeres Konsumentenvertrauen und somit ein Ende dieser Hoffnungen. Ein weiteres Absinken der Wachstumsraten ist nunmehr das wahrscheinlichste Szenario.

Ein Pyrrhus-Sieg im Handelskrieg mit den USA?

Ratail Charts 2

Der Handelskonflikt war der dominierende Faktor in 2018, dies trotz der Tatsache, dass sich die Folgen erst allmählich zu manifestieren beginnen. Im Dezember 2018 erreichte der Außenhandelsüberschuss Chinas mit den USA einen neuen Rekord. Zwar bestehen widersprüchliche Erklärungsansätze bezüglich dieses ausgesprochen hohen Niveaus, doch steht fest, dass Donald Trump und die „Hawks“ innerhalb seiner Administration davon Notiz nehmen werden. Ein Handelsabkommen rückt damit in zunehmende Ferne und wird weiterhin das Wachstum belasten.

Die noch zu bauenden Brücken werden weniger

Retail Charts 3

Wenn Konsum das Blut der chinesischen Wirtschaft ist, so stellt die Infrastruktur das Rückgrat dar. Es hält Staatsunternehmen am Leben, bereitet den Weg für zukünftiges Wachstum und ist primär von zwei Rohmaterialien abhängig: Beton und Stahl. Nach einer bemerkenswerten Rallye seit 2015 verzeichnete der Stahlpreis 2018 einen Verfall , was auf ein Austrocknen der Infrastruktur-Pipeline hinweist. Zwar musste die letzte Investitionswelle im Infrastrukturbereich natürlich irgendwann abebben, doch war das starke Gefälle, welches der Stahlpreis aufwies, überraschend und  könnte auf eine turbulente Zukunft hindeuten. 

Drei außer Gefecht, bleibt noch einer?

Mit drei wackeligen Beinen stützt sich Wirts