„Wir sind optimistisch für China im Jahr 2021“

China steht vor einem guten Jahr 2021. Man wird jedoch genau hinsehen müssen, um vom steigenden Wachstum zu profitieren, meint Eng Teck Tan, Senior Portfolio Manager von Nikko AM:

Was den Ausblick für Chinas Wirtschaft und Aktienmärkte angeht, sind wir optimistisch. Die vergangenen Jahre haben jedoch gezeigt, dass sich eine Outperformance nur durch aktive Anlageentscheidungen erzielen lässt. Die hohen Indexgewichtungen von Finanztiteln, zyklischen Werten und dem Internetsektor lassen eine uneinheitliche Marktentwicklung erwarten.

Auf Chinas Internetsektor, der von Tencent und Alibaba dominiert wird, könnten Herausforderungen zukommen. Finanzwerte haben weiterhin eigene Schwierigkeiten zu bewältigen, während die Erträge der zyklischen Werte niedrig sind. Sehr viel Positives sehen wir dagegen in Branchen, die in Zusammenhang mit erneuerbaren Energien, Halbleitern, der Cloud, künstlicher Intelligenz, Big Data, Elektrofahrzeugen, Automatisierung und Verbrauchern stehen.

Nach wie vor gibt es in China wichtige gesamtwirtschaftliche Entwicklungen, die das Wachstum antreiben. Dazu gehören die Urbanisierung, die HuKou-Reformen, die Steigerung der Binnennachfrage durch die Rentenreformen, die Strategie des Gleichgewichts zwischen Sparen und Ausgeben, die Produktion mit höherer Wertschöpfung sowie Trends zur Importsubstitution. Der Vergleich zur niedrigen Ausgangsbasis in der ersten Jahreshälfte 2020 dürfte positiv ausfallen. Zudem könnte der Schwung bis in die zweite Jahreshälfte 2021 hinein fortdauern, da die Corona-Impfungen zur Erholung der internationalen Wirtschaft beitragen dürften. Wir sind optimistisch für China im Jahr 2021.

5 Gründe sprechen für Japans Aktienmarkt

Mit Blick auf das Jahr 2021 identifiziert das Japan Equity Team von Nikko AM fünf Schlüsselthemen für die Zeit nach der Corona-Pandemie, die sich positiv auf Japans Unternehmen auswirken dürften: 

Chinas Erholung

Japans zweitgrößter Handelspartner erholt sich schnell von den negativen Corona-Auswirkungen. Etwa 20 % der japanischen Exporte fließen dorthin. Das Exportgeschäft mit China hat sich in der Pandemie deutlich stabiler entwickelt das als mit den USA. Die Nachfrage nach japanischen Werkzeugmaschinen ist ein Beispiel für die Rolle, die eine starke chinesische Wirtschaft spielt. Die Aufträge der Branche stiegen im November 2020 im Jahresvergleich um 8 % und markierten damit zum ersten Mal seit 26 Monaten ein positives Wachstum. 

Die Neuwagenverkäufe in China werden voraussichtlich die des Jahres 2020 übertreffen. Darüber hinaus haben China, Südkorea und Japan vor anderen Handelspartnern die Beschränkungen für Geschäftsreisen untereinander gelockert. Das dürfte auch den geschäftlichen Austausch zwischen Japan und China beleben. 

Japan ist gut positioniert, um vom Nachfragewachstum in China zu profitieren, da das Verhältnis zwischen Washington und Peking trotz des Wechsels im Weißen Haus angespannt bleiben dürfte. 

Deregulierung und Digitalisierung

Premierminister Yoshihide Suga, der sein Amt im September 2020 antrat, dürfte seine Position im Jahr 2021 festigen und damit die Basis für eine langfristige Regierung schaffen. Suga steht 2021 vor mehreren Herausforderungen. Die wichtigste ist die Pandemie, die zumindest in der ersten Jahreshälfte ganz oben auf der Agenda der Regierung stehen dürfte.

Der vollgepackte politische Kalender sieht außerdem im September die Präsidentschaftswahlen der regierenden Liberaldemokratischen Partei und die Unterhauswahlen im Oktober vor. Es wird erwartet, dass Suga sich auf populäre Maßnahmen konzentrieren wird, um seine Zustimmungswerte zu erhöhen. Dazu dürften Veränderungen bei der Krankenversicherung ebenso gehören wie der Druck auf die Telekommunikationsunternehmen, ihre Mobilfunkgebühren zu senken.

Ein weiteres Deregulierungsziel betrifft die digitale Technologie. Laut der im Juli veröffentlichten E-Government-Rangliste der Vereinten Nationen lag Japan im Jahr 2020 auf Platz 14, vier Ränge schlechter als im Jahr 2018. Die Pandemie hat deutlich gemacht, wie sehr die Digitalisierung des öffentlichen Sektors in Japan ins Hintertreffen geraten ist. Suga hat die „digitale Transformation“ (DX) der öffentlichen Verwaltung zu einem seiner wichtigsten politischen Pfeiler gemacht. Bis 2025 soll dieser Prozess abgeschlossen sein; die Investitionen in die entsprechenden Systeme dürften im laufenden Jahr beginnen. Hinzu kommen steuerliche Förderungen für privatwirtschaftliche Investitionen in digitale Lösungen wie z.B. Cloud-basierte Systeme.

Reduktion von CO2-Emissionen

2021 könnte für Japan ein Schlüsseljahr auf dem Weg sein, bis 2050 CO2-neutral zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird u.a. die Nutzung und Produktion von Wasserstoff gefördert. Auch hier erwägt die Regierung Steuererleichterungen.

Die Regierung hat ihr Ziel für die Wasserstoffnutzung im Jahr 2030 von ursprünglich 300.000 Tonnen auf 10 Millionen Tonnen deutlich erhöht. Dafür möchte sie technologische Durchbrüche in der Wasserstoffproduktion fördern und Veränderungen auf der Nachfrageseite anstoßen. Dieser Vorstoß dürfte einer Vielzahl von Branchen zugutekommen, z.B. den erneuerbaren Energien, den Infrastruktursektoren und den Herstellern von Wasserstoff-Brennstoffzellen.

Japan beheimatet eine Reihe global wettbewerbsfähiger Unternehmen mit Stärken in verschiedenen Technologien rund um das Thema Wasserstoff. Toyota zum Beispiel hat kürzlich die zweite Generation seines wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellenfahrzeugs Mirai vorgestellt. Japans Nähe zu China könnte ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung und der Einführung von Wasserstoff spielen. China hat sich verpflichtet, bis 2060 kohlenstoffneutral zu werden, und die Einführung von erneuerbaren Energien und Wasserstoff könnte ein Weg zu diesem Ziel sein.

Fortgesetzte Governance-Reform

Der 2015 erstmals eingeführte Corporate Governance (CG)-Kodex wird voraussichtlich im Frühjahr 2021 zum zweiten Mal überarbeitet. Die Revisionen bringen die Regelungen ihrem Zweck näher, die Rentabilität japanischer Unternehmen zu verbessern.

Wir hoffen, dass die vom japanischen Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie herausgegebenen „praktischen Richtlinien“ lebhafte Debatten zwischen Investoren und Unternehmen auslösen und letzteren die Möglichkeit geben, ihre Rolle neu zu bewerten. In der Tat werden mehr und mehr „Mutter-Kind-Doppel-Listings“ aufgelöst. Diese japanische Besonderheit ist zunehmend in die Kritik geraten, da solche Arrangements als Untergrabung von Minderheitsinteressen angesehen werden.

Neuausrichtung der Aktienmärkte

Plänen zur Neuausrichtung der Marktsegmente an der Tokioter Börse zufolge werden die fünf aktuellen Marktsegmente in „prime“, „standard“ und „growth“ umgewandelt, wobei Unternehmen im Prime-Segment eine handelbare Marktkapitalisierung von mindestens 10 Mrd. JPY aufweisen müssen.

Derzeit ist noch schwer abzuschätzen, welche Auswirkungen diese Neuordnung haben wird. Dennoch könnten Unternehmen, insbesondere KMUs, darauf abzielen, ihre Marktkapitalisierung (und damit den Shareholder Value) zu steigern und ihre handelbaren Aktien zu erhöhen. Auch der Aktienindex TOPIX wird von diesen Veränderungen tangiert sein und als Investmentvehikel bzw. Benchmark hoffentlich besser werden.


Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 249,1 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Im passiven Segment deckt Nikko AM mehr als 20 Indizes ab und umfasst einige der größten börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig und beschäftigt in 11 Ländern rund 200** Finanzfachleute mit rund 30 Nationalitäten. Weltweit vertreiben mehr als 400 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentstrategie des Hauses verbindet seine asiatische DNA konsequent mit einer globalen Perspektive für eine langfristige und nachhaltige Performance. Nikko AM ist zudem stolz auf seinen fortschrittlichen lösungsorientierten Ansatz, der zu der Auflage zahlreicher innovativer Fonds für seine Kunden geführt hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management zusammengefasst einschließlich aller verbundenen Unternehmen von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften zum 30. September 2020.
** Stand 30. September 2020 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.
 

Wird 2021 ein Value-Jahr?

Unzählige Prognosen für das kommende Jahr sagen für 2021 das Gegenteil von dem voraus, was gerade hinter uns liegt. Das Global Equity Teams von Nikko Asset Management teilt diesen Optimismus, denkt aber über die Makro-Prognosen hinaus:

Werden sich die Dinge im Vergleich zu 2019 stark verändert haben, wenn der Rausch der wiedergewonnenen Freiheit vorbei ist? Die Federal Reserve und andere Zentralbanken tun ihren Teil, aber wird der Wachstumsschub stark genug sein, um einen dauerhaften Inflationsimpuls zu erzeugen? Ein solcher Impuls könnte eine nachhaltige Rotation in die „Value“-Segmente des Marktes unterstützen.

Angesichts der hohen Staatsverschuldung ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Zinsen in nennenswertem Umfang steigen werden. Vor allem für Bankentitel bedeutet das echten Gegenwind.

Für Anleger ist der derzeitige Übergang von hoffnungslos zu hoffnungsvoll eine Phase der Neubewertung. Dabei kann man leicht die Orientierung verlieren und viel Zeit mit gesamtwirtschaftlichen Prognosen verbringen – und sich von dieser Sichtweise die neuen Anlageideen diktieren zu lassen. Das ist aus unserer Sicht ein bisschen so, als würde man ein Teleskop falsch herum benutzen. Wenn das Wirtschaftswachstum relativ blutleer bleibt, sollten Anleger diejenigen Unternehmen bevorzugen, die am ehesten in der Lage sind, auf Basis nachhaltiger Innovation ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum zu erzielen.

In den vergangenen Monaten haben wir einige zyklische Titel aufgestockt und dafür Wachstumstitel reduziert, bei denen die Bewertungen zu hoch geworden waren. Die meisten Beobachter (einschließlich uns) glauben, dass die Prämie für Wachstumsaktien in den nächsten Monaten weiter sinken könnte.

Wo die relativen Bewertungen zu weit und zu schnell gegangen sind, werden wir uns jedoch nicht scheuen, Wachstumsaktien wieder aufstocken. Dazu müssten wir davon überzeugt sein, dass sich das betreffende Unternehmen weiter verbessert und die zukünftigen Cash-Renditen wahrscheinlich höher sind als die der anderen. In vielen Fällen werden diese Verbesserungen untermauert durch Produkte und Dienstleistungen, die der Gesellschaft helfen, drängende langfristige Probleme zu lösen. Herausforderungen wie die Bereitstellung einer bezahlbaren Gesundheitsversorgung oder der Schutz unseres Klimas werden nachhaltiges Handeln erfordern, unabhängig davon, ob das Umfeld eher für Wachstum oder für Value spricht.


Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 249,1 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Im passiven Segment deckt Nikko AM mehr als 20 Indizes ab und umfasst einige der größten börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig und beschäftigt in 11 Ländern rund 200** Finanzfachleute mit rund 30 Nationalitäten. Weltweit vertreiben mehr als 400 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentstrategie des Hauses verbindet seine asiatische DNA konsequent mit einer globalen Perspektive für eine langfristige und nachhaltige Performance. Nikko AM ist zudem stolz auf seinen fortschrittlichen lösungsorientierten Ansatz, der zu der Auflage zahlreicher innovativer Fonds für seine Kunden geführt hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management zusammengefasst einschließlich aller verbundenen Unternehmen von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften zum 30. September 2020.
** Stand 30. September 2020 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.

Die goldenen Zwanziger

Chris Iggo, CIO AXA Investment Managers Core Investments, sieht neben dem Brexit-Freihandelsabkommen und der sich anbahnenden Machtübernahme der Demokraten in den USA die Anzahl der verabreichten Impfstoffe als eine der wichtigsten Messgrößen für die Märkte. Er liefert eine Szenarioanalyse für die größte Weltwirtschaft, die Vereinigten Staaten.

„Auf goldene Zwanzigerjahre gibt es eine Dreierwette, die nun zu zwei Dritteln erfüllt ist. Zum einen ist der Brexit vollzogen, zum anderen ist Trump so gut wie Geschichte. Um die Wette zu erfüllen, braucht es jetzt Fortschritte im Kampf gegen die Pandemie. Die Anzahl der verabreichten Impfstoffe in den verschiedenen Ländern wird damit mittelfristig zu einer der wichtigsten Messgrößen für die Märkte. Ein starker Rückgang der Neuerkrankungen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle dürfte eine Ausweitung der sozialen Mobilität sowie eine weitreichende Wiederöffnung von Wirtschaftssektoren zur Folge haben. Damit dürfte ein enormer Nachholbedarf bei Verbraucherausgaben und Investitionen einhergehen, der in der zweiten Jahreshälfte zu einem Aufschwung beitragen und die Gewinndynamik der Unternehmen deutlich stützen dürfte.

Hierfür spricht insgesamt eine robustere Ausgangslage als nach der Finanzkrise. Einen bedeutenden Beitrag können heute die Privathaushalte leisten. Mit der Pandemie nahm der Konsum deutlich ab, bei einer gleichzeitig stark anziehenden Sparquote. Dies ist ein Novum für die USA, deren Konsumausgaben meist bei mehr als 80 Prozent des BIP lagen. Zwischen 2009 und 2019 lag die US-amerikanische Sparquote im Durchschnitt bei rund sieben Prozent. Im zweiten Quartal des vergangenen Jahres lag sie dann bei 25 Prozent, im dritten Quartal bei 15 Prozent und im vierten Quartal wahrscheinlich immer noch bei 12 bis 13 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens. Zudem stieg das Nettovermögen an. Nach 2008 verzeichnete das Nettovermögen (Q2 2007 - Q1 2009) einen Rückgang um 15 Prozent. Zwischen dem dritten Quartal 2019 und dem dritten Quartal 2020 war ein Anstieg um mehr als sieben Prozent zu beobachten. Für die US-Gesamtwirtschaft bildet dies eine erfreuliche Ausgangslage. Vieles spricht somit dafür, beispielsweise Aktien von Fluggesellschaften oder Hotelkonzernen wieder in Betracht zu ziehen. Die Aktivierung von Ersparnissen dürfte zur Ankurbelung der Gesamtnachfrage beitragen und sich zudem günstig auf die weitere Aufwärtskorrektur bei den Unternehmensgewinnen auswirken.“


Die ausführliche und aktuelle Markteinschätzung „Roaring twenties“ von Chris Iggo, AXA IM CIO Core Investments, finden Sie in englischer Sprache hier.

Über AXA Investment Managers

AXA Investment Managers (AXA IM) ist ein aktiver, langfristig orientierter, weltweit tätiger Multi-Asset-Experte in der Vermögensverwaltung. Zusammen mit unseren Kunden erarbeiten wir schon heute die Lösungen für die Investmentherausforderungen von morgen. Dabei ist es unser Ziel, einen positiven Wandel für die Welt zu bewirken, in der wir alle leben. AXA IM verwaltet rund 830 Mrd. Euro Vermögen (Stand: Ende September 2020) und ist mit über 2.360 Mitarbeitern und 28 Niederlassungen in weltweit 20 Ländern tätig. AXA IM gehört zur AXA-Gruppe, einem weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen finanzielle Absicherung und Vermögensverwaltung.

SAP macht ernst: Der Qualtrics IPO steht an

SAP bringt seine US-Tochter Qualtrics an die Börse. Qualtrics entwickelt eine Software für Experience Management, mit der Unternehmen Feedback und Vorschläge für Verbesserungsaktionen zu Customer Experience, Mitarbeiterzufriedenheit, Markenwahrnehmung und Produkterfahrung in einem bekommen. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen konnte das Pandemie-Jahr Qualtrics nicht ins Wanken bringen. Zu Qualtrics Kunden zählen unter anderem Big Player aus den Bereichen Gesundheit und Technologie, zwei Branchen, die von der Corona Krise stark profitieren konnten. Warum eine Investition in die SAP-Tochter lohnenswert ist und wie auch Kleinanleger vom Qualtrics IPO profitieren können, weiß Dmitry Ivanov, Börsenexperte und Geschäftsführer des Online-Brokerhauses Freedom Finance Germany.

Der Hype um den Börsengang von Airbnb ist zwar weitaus größer gewesen, aber Branchenkenner und Anlageinteressierte beschäftigen sich seit einiger Zeit intensiv mit dem Börsengang von Qualtrics. Bereits im Juli 2020 hatte SAP angekündigt, Qualtrics an der US-Tech-Börse Nasdaq notieren zu wollen, nun ist daraus ein konkreter Plan geworden. Der Börsengang wird für Ende Jänner, spätestens Anfang Februar 2021 erwartet. „Qualtrics ist eine innovative Unternehmenssoftware am Puls der Zeit. 80% der Verbraucher wechseln die Marke, weil sie eine schlechte Erfahrung gemacht haben. Im Gegensatz zur Konkurrenz, die aufgebrachte Kunden häufig nur versucht zu beschwichtigen, hilft die Qualtrics Software Unternehmen, User Journeys nachhaltig zu verbessern“, erklärt Freedom Finance CEO Ivanov. Seinen Kunden legt er nahe, im Vorfeld einen genaueren Blick auf das Unternehmen zu werfen. Dafür hat Freedom Finance ein paar Informationen zum Unternehmen und seinem Börsengang zusammengestellt.

Qualtrics stattliche Bilanz im Pandemie-Jahr

Qualtrics als Marktführer in der Experience Management Industrie, konnte im ersten Quartal des Pandemiejahrs 2020 einen Umsatz von 550 Millionen Dollar erwirtschaften, was eine Wachstumsrate von 30% bedeutet. Für das gesamte Jahr belaufen sich die Schätzungen auf eine Wachstumsrate von 47%. Im Jahr zuvor lag der in den ersten drei Monaten generierte Umsatz bei 401,9 Millionen Dollar. Mit mehr als 12.000 Kunden, von denen 85% zu den Fortune 100, also den 100 größten Konzernen weltweit, gehören, ist Qualtrics im Krisenjahr 2020 gut aufgestellt gewesen. In der Krise konnte das Unternehmen außerdem zusätzliche Kunden aus NGO- und Regierungskreisen gewinnen, die im organisatorisch chaotischen Pandemie Jahr Unterstützung bei Qualtrics suchten. Und auch nach der Pandemie stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Aufwärtstrend anhält. „Die Pandemie hat die Digitalisierung in Unternehmen immens beschleunigt, was nach Ende der Corona-Krise zu gesteigertem Interesse an der Software beitragen könnte, da viele Kunden beispielsweise ihre Online-Customer Journey verbessern wollen“, analysiert der Freedom Finance CEO die Situation. 

Gehypte Schätzungen und rosige Aussichten für Anleger

Zuletzt wurde Qualtrics bei einer Finanzierungsrunde mit 14,4 Milliarden Dollar bewertet. Hauptaktionär bleibt SAP selbst, ebenfalls beteiligen, will sich der Qualtrics CEO und Co-Founder Ryan Smith, sowie die US-amerikanische Kapitalbeteiligungsgesellschaft Silver Lake Management. Der potenzielle Wert des globalen Markts für Customer Experience Management lag 2019 bei 6,62 Milliarden Dollar, bis zum Jahr 2027 wird eine Steigerung auf 17,5 Milliarden Dollar erwartet.

Im Windschatten der Fortune 100. Qualtrics solides Fundament

Was im Jahr 2002 in einer Garage im US-amerikanischen Bundesstaat Utah mit einer simplen Idee begann, ist mittlerweile zu einer innovativen Unternehmenssoftware für Experience Management herangereift. Zu Qualtrics Kunden zählen die Big Player der Finanz-, Gesundheits- und Technologiebranche, zudem Großkonzerne, wie Adidas, BMW, Coca-Cola oder Airbus. Qualtrics hat außerdem Zugang zum riesigen Kundenstamm von SAP mit über 400.000 Kunden in mehr als 180 Ländern. Das Unternehmen investiert viel in Sales und Marketing, was Qualtrics Bekanntheit fördern dürfte und weitere Kunden anziehen könnte. Eine kontinuierliche Verbesserung der Software, hält das Angebot langfristig attraktiv. Interessant für Investoren dürfte auch das Abonnement-System mit einer Mitgliedsdauer von mindestens einem Jahr sein, worüber sich Qualtrics eine langfristige Kundenbindung und Bezüge über einen größeren Zeitraum sichert.

Geldsegen auch für Kleinanleger. Hohe Renditen bei IPOs.

Auch für 2021 stehen neben dem Qualtrics IPO weitere vielversprechende Börsengänge an, darunter der IPO von Robinhood, ein Online-Trader und der von Netskope, ein Softwareentwickler für Cybersicherheit. „Eine Investition in IPOs war für Kleinanlegern lange nicht möglich und bildet bis heute die Ausnahme von der Regel. Normal bekommen zunächst große Kapitalgesellschaften und Banken die Möglichkeit in Erstemissionen zu investieren“, erklärt Ivanov. „Doch unser NASDAQ börsennotiertes Unternehmen, die Freedom Holding Corporation bietet deutschen Kunden über seine Tochtergesellschaft Freedom Finance Europe Ltd. die Gelegenheit, auch als Kleinanleger an IPOs teilzunehmen. Unter freedom24.com/ipo können sich Anleger registrieren und für ein IPO-Investment bewerben“, so der Freedom Finance Chef weiter. Der Run auf IPOs ist sehr groß, denn Neuemissionen legen besonders kurz nach der Einführung extrem an Wert zu. So haben sich die Airbnb und Doordash Aktien kurz nach dem US-Börsengang zwischenzeitlich verdoppelt. Unübertroffen bleibt aber derzeit das chinesische E-Commerce-Unternehmen Wunong Net Technology, Einzelhändler für Bio-Lebensmittel. Wunong legte an den beiden ersten Handelstagen um 440 Prozent zu. Was für Erstzeichner eine Gewinnsteigerung um nahezu 3.000 Prozent bedeutete. Wer die Möglichkeit bekommt, in attraktive IPOs zu investieren, kann also innerhalb von kürzester Zeit eine stattliche Rendite erzielen.


Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 140.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. Mit einer Kapitalisierung von über 2,5 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 1200 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäischer Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse gelistet. Freedom Finance bietet direkten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: am amerikanischen, europäischen, russischen und asiatischen Markt. Neben der Investition in Aktien bietet Freedom Finance ihren Kunden den Zugang zu Börsengängen (IPO) mit hohem Wachstumspotential. 

Den „Status low“ klug nutzen

von Ashish Shah, Co-CIO des Fixed Income- und Liquidity Solutions-Teams, bei Goldman Sachs Asset Management.

Mit Blick auf das makroökonomische Umfeld hat sich die gesamtwirtschaftliche Aktivität erholt, doch beim Wachstum haben wir es noch nicht über die Erholungsziellinie geschafft. Eine Neuausrichtung der gesamten Makropolitik und grüner Investitionen könnte für eine zyklisch starke Wachstumsphase sorgen, die Inflation verursacht. Aber: So weit sind wir noch nicht. Die Zentralbanken werden ihre Leitzinsen auf dem Niedrigniveau belassen und ihre Anleihekäufe so anpassen, dass die Finanzierungsbedingungen locker bleiben. Gleichzeitig wird die Fiskalpolitik weiterhin verhältnismäßig freundliche Impulse setzen.

Fünf Lösungswege für den „Status low“

Wir beginnen das Jahr 2021 also auch mit niedrigen Leitzinsen, Staatsanleiherenditen auf niedrigem Niveau und niedrigen Anleihespreads. Dieser aktuelle „Status low“ erfordert eine diversifizierte Herangehensweise, die wir in fünf Lösungswegen umsetzen:

1. Gesamtes Spektrum der Anlagechancen bei Anleihen nutzen

Eine freundliche makroökonomische Politik hat 2020 zwar alle Vermögenswerte beflügelt, doch es gibt Bewertungsunterschiede an den Anleihemärkten. Angesichts eines besseren Wachstumsausblicks erkennen wir Chancen bei Schwellenländer- und Unternehmensanleihen – besonders im Hochzinssegment. Wir bevorzugen zudem Hypothekenanleihen (MBS) von US-Bundesbehörden, die von den Anleihekäufen der US-Notenbank profitieren und weniger sensitiv auf zyklische Rückschläge reagieren.

2. Über und innerhalb von Anleiheklassen diversifizieren1

Anleihen sind keine homogene Anlageklasse – innerhalb der Sektoren gibt es Unterschiede. Schwellenländeranleihen beweisen dies: Dank kräftiger Konjunkturmaßnahmen und einer effektiven Eindämmung des Covid-19-Virus kommt Asien 2021 in die zweite Phase seiner Erholung, während Teile von Lateinamerika weiter mit wirtschaftlichen, politischen und sozialen Herausforderungen zu kämpfen haben.

Uns ist die angespannte geld- und fiskalpolitische Lage zwar bewusst, dennoch erkennen wir vereinzelte Chancen bei Schwellenländeranlagen. Ein besseres globales Wachstumsbild wird die Rohstoffpreise beflügeln, was den Volkswirtschaften mehrerer exportorientierter Schwellenländer zugutekommen wird. Auch die Nachfrage aus China könnte bestimmte Schwellenländer in den speziellen Wachstumskreis aufsteigen lassen, der dieses Jahr um China herum herrscht.

3. Risikoprämien nutzen, die durch Marktineffizienzen entstehen

Spreadsektoren weisen seit ihrem Ausverkauf im ersten Quartal 2020 eine beeindruckende Erholung auf – doch Bewegungen auf Sektorebene können Chancen auf Einzeltitelebene verschleiern. Während der Pandemie haben wir beispielsweise eine „COVID-19-Spread-Prämie“ erzielt, die sich bei Emittenten in Sektoren zeigte, bei denen man davon ausging, dass sie von den Maßnahmen zur Viruseindämmung extrem in Mitleidenschaft gezogen werden würden, wie etwa Fluggesellschaften und Hotels. Der Markt differenzierte Sektoren basierend auf ihrer COVID-19-Sensitivität – unterschied aber bei den zugrundeliegenden Emittenten nicht nach Fundamentaldaten des Unternehmens wie Bilanzpositionen.

In diesen Beispielen zeigen wir Risikoprämien auf, die durch Kreditrisiko- oder Liquiditätsdynamiken entstanden sind. Wie wir bereits Beginn 2020 erläutert haben, sind wir der Ansicht, dass wir mit einem daten- und technologieorientierten Investmentansatz in der Lage sein können, zukünftige Marktineffizienzen effektiv zu erkennen und unsere Überzeugungen gleichzeitig sehr präzise umzusetzen. Die Technologiebeschleunigung, die durch die Pandemie ausgelöst wurde, bestärkt uns in dieser Investmentphilosophie.

4. Währungen zur Absicherung von Risikoanlagen

Um zu gewährleisten, dass unsere Rentenportfolios ausgewogen und widerstandsfähig sind, vor allem in Phasen einer Risk-off-Stimmung am Markt, sichern wir unser Engagement in Unternehmensanleihen normalerweise mit Zinspositionen ab. Da die Zinsen jedoch so niedrig sind, eignen sich diese Positionen nur noch begrenzt. Daher haben wir unsere Absicherung durch Beimischung eines Währungskorbs diversifiziert, der ähnlich wie Staatsanleihen negativ mit Unternehmensanleihen korreliert. Zudem passen wir unsere Absicherung dynamisch an die Marktlage an.

5. Zentraler Grundsatz: nachhaltiger Fokus auf die ESG-Analyse

Die Pandemie hat unterstrichen, dass ESG-Faktoren kein „Bullenmarkt-Luxus“, sondern ein „Muss für den Bärenmarkt“ sind. Je mehr sich die Anleihespreads einengen, desto wichtiger wird es sein, ESG-Risiken, die wesentliche Abwärtsrisiken darstellen können, angesichts des asymmetrischen Renditeprofils von Anleihen zu kontrollieren. Wir betrachten ESG als ein sich entwickelndes Thema, das Anlageentscheidungen, Politikgestaltung und Finanzmärkte prägt. Denn die Kapitalkosten sowohl von Unternehmens- als auch von Staatsanleihen werden zunehmend von ESG-Merkmalen bestimmt. Die Einbeziehung von ESG-Kriterien ist daher maßgebend für die Wahl von Emittenten, den Portfolioaufbau und das Risikomanagement.

Corona, Makro und die Märkte: Was zu beachten ist

Die Pandemie: Wissenschaft und Forschung haben zwar einen Ausweg aus der Pandemie aufgezeigt. Zugleich ist zu beachten: Wie wir unter anderem mit einem Gesundheitsexperten kürzlich besprochen haben, erfordern Impfungen „ein bisher nie da gewesenes Maß an Zusammenarbeit, Abstimmung, Synchronisation und Integration“.

Das Makro-Umfeld: Zu den potenziellen Abwärtsrisiken für das Wachstum gehören gesundheitliche Rückschläge sowie gedämpfte Nachfrage, wenn Haushalte und Unternehmen ihre Aktivitäten einschränken, um die 2020 aufgenommenen Schulden zu reduzieren. Zudem könnten Konkurse und Zahlungsausfälle nach oben tendieren. Denn die Nachsicht im Hinblick auf Schuldendienst läuft bald aus. Wir achten außerdem auf geld- und fiskalpolitische Probleme. Ein bescheidenes Hilfspaket in den USA oder eine verfrühte Abkehr von der geldpolitischen Unterstützung, wenn sich der zyklische Hintergrund verbessert, könnten Volatilität an den Finanzmärkten auslösen. Im Verlauf von 2021 werden wir die Inflationserwartungen und die Verbesserungen am Arbeitsmarkt genau beobachten, um abzuschätzen, ob auf eine weniger expansive Geldpolitik hindeutende Äußerungen eventuell übertrieben sind.

Die Märkte: In einer Welt eingeengter Risikoprämien und rapiden Wandels lautet das Fazit für Anleger einfach: Bleiben Sie fokussiert. Wir sind überzeugt, dass man das Alpha steigern kann, wenn man mit Schnelligkeit auf die Risikostimmung reagiert. Ein begrenztes Spektrum an Chancen kann dazu führen, dass attraktive Anlagemöglichkeiten in Phasen einer Risk-on-Stimmung unter Anlegern schnell verschwinden und überbewertete Positionen das Renditepotenzial dämpfen. Risk-off-Phasen hingegen können Gelegenheiten für gezielte Käufe bieten.


1) Diversifikation bewahrt einen Anleger nicht vor Marktpreisrisiken und bietet keine Garantie, dass ein Gewinn erzielt wird.

Warum Öl und die meisten Rohstoffe im Aufwärtstrend sind

von Michel Salden, Leiter Commodities, Vontobel Asset Management.

Die meisten Rohstoffe befinden haben derzeit eine Glückssträhne. Selbst Öl, das immer noch mit einer schwachen Nachfrage zu kämpfen hat, hat dank der jüngsten einseitigen saudi-arabischen Produktionskürzungen das Potenzial, bis Mitte des Jahres nördlich von 60 US-Dollar zu notieren.

Derzeit erholen sich alle wichtigen Rohstoffmärkte. Das liegt an der positiven Kombination aus einem schwächelnden US-Dollar, der wirtschaftlichen Erholung vom COVID-19-Schock, den Stimulierungsmaßnahmen der Zentralbanken und den erhöhten Staatsausgaben für Infrastrukturprojekte. Alle zyklischen Rohstoffe, einschließlich Sojabohnen, Mais und Zucker, befinden sich derzeit in Backwardation – ein Umstand, der vor allem dem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage geschuldet ist. Sogar Getreide, das sich seit 2012 auf einem Abwärtspfad befand, hat sich in den letzten sechs Monaten um mehr als 45 % erholt, was auf die durch La Nina verursachten Dürren in Lateinamerika und China zurückzuführen ist. Das hat diese Länder dazu veranlasst, ihre strategischen Reserven aufzustocken. Darüber hinaus laufen die Märkte Gefahr, die Folgen der Inflationserwartungen zu unterschätzen, da alle großen Zentralbanken Zurückhaltung signalisieren, wenn es darum geht, ihre Geldpolitik zu normalisieren, selbst wenn die Inflation über 2,5 % steigen sollte.

Saudi-Arabien stabilisiert die Ölmärkte Bei der letzten OPEC-Sitzung überraschte Saudi-Arabien die Märkte mit der Ankündigung einer einseitigen Produktionskürzung von 1 Mio. Barrel pro Tag (mbpd) für Februar und März. Diese Kürzung gleicht die Produktionserhöhung von insgesamt 75 kbpd aus, die Russland und Kasachstan vor allem zur Deckung des inländischen Heizbedarfs im Winter gefordert hatten. Daher konnte Öl seine starke Preisrallye in Richtung 55 US-Dollar (für Brent) fortsetzen. Saudi-Arabien strebt einen weiteren Abbau der Lagerbestände im ersten Quartal an, obwohl normalerweise ein saisonaler Aufbau der weltweiten Ölvorräte zu beobachten wäre. Das würde es dem OPEC+-Kartell ermöglichen, die Produktion im zweiten Quartal in großem Umfang zu erhöhen, sobald der Impfstoff und wärmere Temperaturen die Mobilität und die Nachfrage nach Öl steigern dürften.

Die derzeitige Ölnachfrage ist aufgrund von Lockdowns in Europa immer noch fragil (-7 mbpd gegenüber 2019), aber bis zum Jahresende könnte sich die Nachfrage erholen und leicht unter dem 2019er-Niveau von 100 mbpd zu liegen kommen. Die Erholung der Flugaktivität (welche immer noch 40 % niedriger ist als 2018) bleibt entscheidend. Asien macht Hoffnung, da sich die Aktivität dort bereits komplett erholt hat.

Die Maßnahmen von Saudi-Arabien werden im Jahr 2021 zu einer täglichen Reduktion des Ölangebots von mehr als 1,4 mbpd führen, was zu einer vollständigen Auflösung der überschüssigen Lagerhaltung an Land führen wird. Die schwimmenden Lager auf See und in Öltankern wurden bereits abgebaut. Außerdem scheint Saudi-Arabien Russland eine helfende Hand reichen zu wollen, um den Weg für freundliche Verhandlungen über Produktionssteigerungen in Q2 zu ebnen. Russland fürchtet einen Wiederanstieg der Schieferölproduktion, wenn die Ölpreise zu schnell und zu hoch steigen. Die freien Kapazitäten außerhalb der OPEC+ sind jedoch begrenzt, da ein Wiederanstieg der Schieferölproduktion durch ESG-Trends gedeckelt wird, die zu höheren Finanzierungskosten führen. Dies dürfte dem Kartell helfen, die Marktkontrolle wiederzuerlangen. Es ist auch unklar, ob die neue Biden-Regierung dem Iran noch in diesem Jahr den Export von Öl erlauben wird. Daher hat der Ölpreis das Potenzial, weiter zu steigen, wobei Brent bis zur Jahresmitte über 60 US-Dollar und sogar in einer stärkeren Backwardation gehandelt werden dürfte.


Vontobel Asset Management

Vontobel Asset Management ist ein aktiver Vermögensverwalter mit globaler Reichweite und einem Multi-Boutique-Ansatz. Jede unserer Boutiquen zeichnet sich durch spezialisierte Anlagestrategien, eine starke Performancekultur und ein robustes Risikomanagement aus. Wir erbringen über-zeugende Lösungen für institutionelle und private Kunden. Unser Bekenntnis zu aktiver Vermögensverwaltung ermöglicht es uns, auf Grund eigener Überzeugungen zu investieren. Dadurch generieren unsere hochspezialisierten Teams Mehrwert für unsere Kunden. Mit 400 Mitarbeitenden weltweit, davon 160 Anlagespezialisten, agieren wir an insgesamt 13 Standorten in der Schweiz, Europa und den USA. Wir entwickeln Strategien und Lösungen in den Anlage- klassen Aktien, Anleihen, Multi Asset und alternative Anlagen. Das Ziel, hervorragende und wiederholbare Performance-Ergebnisse zu erreichen, ist seit 1988 für unseren Ansatz zentral. Eine starke und stabile Aktionärsstruktur garantiert unsere unternehmerische Unabhängigkeit und schützt unsere langfristige Denkweise, von der wir uns bei der Entscheidungsfindung leiten lassen.

Mehr über Vontobel Asset Management finden Sie auch hier bei Twitter.

Ein turbulenter Start ins neue Jahr - mit guten Gründen für Optimismus

Geir Lode, Head of Global Equities im internationalen Geschäft bei Federated Hermes, zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie und aktuellen globalen Entwicklungen. Diesmal: Ein zukünftig wohl demokratischer Senat in den USA und eine heftige Covid-19 Welle in Großbritannien und Europa sorgen für einen lebhaften Jahresstart an den Märkten – doch die weltweite Einführung eines Covid-19 Impfstoffes sowie die Aussicht auf ein Wirtschaftswachstum mit Fokus auf Nachhaltigkeit stimmen optimistisch.

Geir Lode, Head of Global Equities, bei Federated Hermes:

„Es war eine ereignisreiche Woche gleich zu Beginn des Jahres 2021, in der sowohl der NASDAQ als auch der S&P500 am ersten Handelstag des neuen Jahres um 1,5 Prozent fielen, diese Verluste aber im Nachgang wieder ausgleichen konnten.
Der schwache Dollar hat dazu beigetragen, die US-Aktien nach oben zu treiben, wobei zuvor ungeliebte Value-Titel dominierten. Banken, Energie und Bergbauunternehmen führten hier den Weg bislang an. Mit den Wahlergebnissen vom Mittwoch in Georgia, die auf einen demokratischen Senat hindeuten, mussten Technologie-Titel einen Rückschlag hinnehmen, da sich die Anleger über Bidens potenzielle Pläne für strengere Kartellvorschriften und höhere Steuern für den Sektor Sorgen machen.
Im Gegensatz dazu stiegen Mid- und Small-Cap-Aktien, die eher wirtschaftssensible Sektoren wie Finanzwerte und das produzierende Gewerbe umfassen, in der Hoffnung, dass die Demokraten eine neue Welle von Konjunktur- und Infrastrukturausgaben auslösen könnten, was das Wirtschaftswachstum und die Inflation ankurbeln würde.

In Großbritannien und Europa trieben Energie- und Finanzwerte die Märkte nach oben und schienen die anschwellende zweite Welle von Covid-19 und neue landesweite Lockdown-Maßnahmen abzuschütteln.
Chinesische Aktien erholten sich zunächst, nachdem die New York Stock Exchange beschlossen hatte, drei der größten Telekommunikationsunternehmen des Landes doch nicht von der Börse zu nehmen – um anschließend wieder zu fallen, nachdem die NYSE diese Entscheidung am nächsten Tag wieder rückgängig gemacht hatte, um Trumps Durchführungsverordnung nachzukommen.

Alles in allem ein turbulenter Start ins Jahr, doch weiterhin mit Gründen für umfassenden Optimismus. Die Pandemie hat ein gesellschaftliches Erwachen auf der ganzen Welt beschleunigt und ein klares Augenmerk auf Bereiche der Ungleichheit und Ungerechtigkeit gelegt. Nach der erfolgreichen Einführung der Covid-19-Impfstoffe weltweit erwarten wir ein Wirtschaftswachstum, das von zahlungskräftigen Verbrauchern angetrieben wird, die Nachhaltigkeit fordern. Dieses erhöhte soziale Bewusstsein wird von der neuen Regierung Bidens geteilt, zusammen mit einem klaren Fokus auf die Klimakrise. Und wir bleiben optimistisch, dass die Gesellschaft damit beginnen kann, ihre Schwächen zu überwinden und wichtige Schritte zu unternehmen, um unsere langfristigen Herausforderungen anzugehen.“


Über Federated Hermes

Federated Hermes ist ein führender globaler Investmentmanager mit einem verwalteten Vermögen von 525,2 Milliarden Euro (per 30. September 2020). Geleitet von unserer Überzeugung, dass verantwortungsbewusstes Investieren der beste Weg ist, um langfristig Wohlstand zu schaffen, umfassen unsere Anlagelösungen 162 Strategien aus den Bereichen Aktien, Anleihen, alternative/private Märkte, Multi-Asset und Liquiditätsmanagement sowie eine Reihe von separat verwalteten Depots. Wir bieten erstklassiges aktives Investmentmanagement sowie Engagement-Dienstleistungen für mehr als 11.000 Institutionen und Finanzintermediäre. Zu unseren Kunden zählen Unternehmen, Regierungsbehörden, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen und Trusts, Banken und Broker/Händler. Mit Hauptsitz in Pittsburgh beschäftigt Federated Hermes mehr als 1.900 Mitarbeiter, unter anderem in London, New York, Boston und weiteren Büros weltweit. Nähere Informationen finden Sie unter FederatedHermes.com. Diese Mitteilung wurde vom internationalen Geschäft von Federated Hermes verschickt.

Anleihen Ausblick 2021

Chris Iggo, CIO AXA Investment Managers Core Investments sieht für festverzinsliche Wertpapiere weiterhin wenig Spielraum und hält anhaltend niedrige Renditeniveaus für am wahrscheinlichsten. Er analysiert, wo im Jahr 2021 Potential und Diversifizierung mit Anleihen noch zu finden sind.

„Anleihestrategien zeichnen sich aktuell durch niedrige Renditen und Kreditspreads auf Vorkrisenniveau aus. Höhere Anleiherenditen sind jedoch auch 2021 unwahrscheinlich. Anleger sollten hinterfragen, ob höhere langfristige Realrenditen ohne Inflation ein tragbares Szenario für die Zentralbanken sind. Selbst in einem positiveren wirtschaftlichen Umfeld beginnen die Märkte, ein "Tapering" der geldpolitischen Unterstützung einzupreisen. In einem solchen Szenario könnten die Renditen negativ ausfallen. Dies würde sich auf die Anleihen- und Aktienrenditen auswirken – vergleichbar mit 2018. Anleiheinvestoren sollten daher neben der Geldpolitik insbesondere die Wachstums- und Inflationserwartung im Blick behalten.

Im Jahr 2021 ist ein Anlageumfeld vergleichbar mit der letzten Finanzkrise realistisch. Damals schnitten kreditintensive Anlageformen vergleichsweise gut ab. Schwellenländeranleihen, Hochzinsanleihen und Kredite könnten für Anleger, die auf der Suche nach Rendite sind, auch 2021 attraktiv sein. Hochzinsanleihen und Darlehen bieten einen höheren Schutz gegen eine Verschiebung der risikofreien Zinssätze nach oben, und die Sorgen um die Kreditwürdigkeit sollten sich bei einer Erholung verringern.

Zudem stellt sich die Frage, ob festverzinsliche Wertpapiere weiterhin ihre Funktion als Absicherung gegen risikoreiche Anlagen bieten können. Dies war in der Vergangenheit eine nützliche Eigenschaft von festverzinslichen Anlagen. Traditionell können Schwankungen in einem Portfolio diversifiziert werden. Risikoreichere Vermögenswerte, Aktien etwa, können mit risikoärmeren Vermögenswerten wie Staatsanleihen kombiniert werden. Die Zinssätze befinden sich aktuell an der unteren Bandbreite und verfügen lediglich über begrenzten Spielraum. Damit wird die Kombination von Anlageklassen, die sich in wandelnden Marktphasen unterschiedlich entwickeln, erschwert. Die Entwicklung von US-Aktien im Vergleich zu Staatsanleihen sowie zwischen US-Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen zeigen dies seit dem Coronavirus-Schock im März ganz deutlich. In einem solchen Umfeld könnten vermeintlich sichere Währungen wie der Schweizer Franken und der japanische Yen die bessere Absicherungsoption sein, um das Abwärtsrisiko des Portfolios zu steuern.“

Die IPO-Blase – wann wird sie platzen?

von Mark Hawtin, Investment Director für Technologieaktien bei GAM Investments.

Die Unternehmensbewertungen im Segment disruptive Technologien sind insbesondere bei Neuemissionen (Initial Public Offerings, IPOs) teilweise deutlich angespannt. Auch Anfang Dezember ebbte die Welle der Neuemissionen nicht ab. Doordash und Airbnb sind die vorerst letzten namhaften Titel, die der Schwerkraft getrotzt haben: Nicht nur, dass ihre Ausgabekurse höher festgelegt wurden als erwartet – sie verzeichneten am ersten Handelstag auch Kurszuwächse von mehr als 100%. Bewegungen wie diese rufen Erinnerungen an die Dotcom-Blase aus dem Jahr 2000 hervor. Unseres Erachtens gibt es aktuell klare Anzeichen für einen irrationalen Überschwang am IPO-Markt. Jedoch weisen IPOs und Titel aus dem Bereich Heimarbeit wesentlich angemessenere Bewertungen auf als im Jahr 2000, als (tatsächlich oder gefühlt) alle disruptiven Unternehmen in schwindelerregende Höhen kletterten.

Das aktuelle Umfeld könnte sich in den nächsten zwölf Monaten als durchaus günstig für die Alpha-Generierung erweisen. Obwohl wir seit mehr als 25 Jahren für unsere Kunden in diesen Teil des Marktes investieren, haben wir bislang noch nie eine derartige Diskrepanz zwischen Bewertungen und Erwartungen erlebt. Eine Hysterie, die von der Digitalisierung aller Bereiche – einschließlich des Online-Wertpapierhandels – angeheizt wird, macht den Kauf und Besitz von Aktien noch einfacher. Das Ergebnis: Nach Angaben von The Ascent (Teil von The Motley Fool) werden aktuell Kundenvermögen in Höhe von mehr als 18,4 Billionen USD bei den führenden Online-Maklerunternehmen gehalten. Ein großer Teil dieser Vermögen treibt die Preise dieser «heißen» Wachstumstitel immer höher – weitgehend oder gänzlich ungeachtet ihrer Bewertungen. IPOs stellen dabei einen großen Teil dar, und nach unserer Ansicht zeigen Doordash und Airbnb deutlich, wie extrem überzogen die mittlerweile erreichten Niveaus sind.

Hype-Zyklus im IPO-Bereich

Der Renaissance IPO ETF verdeutlicht den Hype-Zyklus im IPO-Bereich. Obwohl die Wertentwicklung von IPOs traditionell im Zeitverlauf ziemlich genau jener des S&P 500 Index entspricht, haben sie sich jüngst davon entkoppelt. Noch deutlicher zeigt sich der Effekt, wenn man die Kursbewegungen der enthaltenen Titel am ersten Tag ihres Börsendebüts betrachtet. Der ETF kann die Wertpapiere gemäß Anlagebedingungen frühestens am ersten offiziellen Handelstag sowie in den ersten fünf Tagen nach dem Börsengang kaufen. Das bedeutet, dass die enormen Zeichnungsgewinne am ersten Handelstag in der Abbildung 1 (siehe Anhang) nicht enthalten sind. Die Abbildung verdeutlicht die potenziell irrationale Aktivität der privaten Anleger, die bei der Zeichnung einer Neuemission leer ausgehen, anschließend an den Börsengang die Preise jedoch undifferenziert in die Höhe treiben.

Laut Bloomberg übersteigt die Summe der im Jahr 2020 bei Börsengängen vereinnahmten Gelder die Marke von 160 Milliarden USD – das stellt einen neuen Rekord dar. Allein am Tag des Börsengangs von Doordash gab es sechs weitere Neuemissionen, darunter C3.ai, ein Anbieter von künstlicher Intelligenz für Unternehmen (+160% zum Ausgabekurs), die Plattform für Internetwerbung PubMatic (+ 60%) und vier neue Mantelgesellschaften (Special Purpose Acquisition Companies, SPACs), die zwar über viel Liquidität, jedoch noch über keine Anlagen verfügen. Wir sind davon überzeugt, dass sich aktuell auch am SPAC-Markt eine bedenkliche Blase bildet.

Kommt die Dotcom-Blase 2.0?

Im aktuellen Umfeld entwickeln sich die Kurse zahlreicher Bereiche auf besorgniserregende Weise. Da jedoch andererseits zahlreiche Unternehmen angemessen oder sogar günstig bewertet sind, erscheint die Möglichkeit, Alpha zu generieren, beträchtlich. Dadurch unterscheidet sich die aktuelle Situation wesentlich von dem Umfeld, in dem seinerzeit die Internetblase platzte. In Phasen, in denen eine schier wild gewordene Anlegerherde die Aktienkurse bestimmt, dürfte sich jedoch ein durchdachter Ansatz auszahlen, der sich auf die Substanz und das Wertpotenzial von Unternehmen konzentriert, um so Gefahren und Risiken zu vermeiden. Popularität ist nicht gleichbedeutend mit treuhänderischer Verantwortung.

Die Marktkapitalisierung von Tesla (rund 600 Milliarden USD per 11. Dezember 2020) entspricht dem kumulierten Marktwert aller etablierten Autohersteller. Im Rückschluss würde diese Bewertung bedeuten, dass Tesla entweder die gesamte bisherige Automobilindustrie ersetzen wird oder dass die Elektrofahrzeuge/Batterietechnologie von Tesla zur Entstehung eines völlig neuen, disruptiven und riesigen Segments des Transport- und Energiesektors führen wird. Nach unserer Ansicht lassen sich beide Szenarien kaum mit hinreichenden Argumenten belegen. Viele der großen, viel beachteten Neuemissionen, die unlängst erfolgten, weisen ebenfalls atemberaubende Bewertungen auf. Doordash schloss am Ende seines ersten Handelstages mit einer Marktkapitalisierung von rund 60 Milliarden USD – das entspricht dem 21-Fachen des Gesamtumsatzes im Jahr 2020. Grubhub, die Nummer eins auf dem US-Markt für Lebensmittellieferungen, wurde im ersten Halbjahr für einen Preis in Höhe des 4-Fachen der Umsätze übernommen und ihr Käufer, Just Eat Takeaway, ist mit dem 5,7-Fachen seines Gesamtumsatzes im Jahr 2020 bewertet. Uber, mit der Sparte Eats ebenfalls ein wichtiger Akteur auf dem Markt, ist mit dem 9-Fachen seiner Umsätze bewertet, die zweifellos unter dem Rückgang des «Ridesharing» infolge der Covid-19-Pandemie leiden. Im Softwarebereich könnte der Eindruck entstehen, dass Snowflake die Marktführerrolle übernimmt, lag die Bewertung der Aktie nach dem Börsengang doch bei einem astronomischen 175-Fachen seiner Umsätze im Jahr 2020.

Nächste disruptive Welle bietet viel Wertpotenzial

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Teilen des Universums der disruptiven Technologien, insbesondere bei den Neuemissionen, die Bewertungen mittlerweile extrem hoch sind, da Privatanleger anscheinend bereit sind, jeden Preis zu zahlen, um Aktien zu erwerben. Wir sind dennoch der Auffassung, dass die nächste Welle disruptiver Themen viel Wertpotenzial bietet, unter anderem in den Bereichen Automatisierung der Informationsverarbeitung, Gesundheitswesen, Industrie, Transport und Fintech. Unseres Erachtens werden wir insbesondere in diesen Segmenten Alpha für unsere Kunden generieren können.


Über GAM

GAM ist eine führende unabhängige, reine Vermögensverwaltungsgruppe. Das Unternehmen bietet aktive Anlagelösungen und -produkte für Institutionen, Finanzintermediäre und Privatkunden an. Das Investment-Management-Kerngeschäft wird durch eine Private-Labelling-Sparte ergänzt, die Management-Company- und andere unterstützende Dienstleistungen für Dritte umfasst. Per 30. Juni 2020 hat GAM 747 Vollzeitbeschäftigte in 14 Ländern und betreibt Anlagezentren in London, Cambridge, Zürich, Hongkong, New York, Mailand und Lugano. Die Vermögensverwalter werden von einem umfassenden weltweiten Vertriebsnetz unterstützt.
Die Aktien von GAM (Symbol «GAM») mit Sitz in Zürich sind an der SIX Swiss Exchange notiert. Per 30. September 2020 verwaltet die Gruppe Vermögen in Höhe von CHF 120.4 Milliarden (USD 131.1 Milliarden).1

1) Einschließlich CHF 0.3 Milliarden Geldmarktfonds per 30. September 2020. Wie mit den H1 2019 Resultaten bekanntgegeben, hat GAM mit der ZKB eine Vereinbarung über deren Verkauf abgeschlossen.

Tauchen nach den Perlen der Emerging Markets

von Andreas Scharf, Investment Analyst Healthcare, Apo Asset Management.

Am nachhaltigen Wachstum der Schwellenländer können Investoren durch zahlreiche Anlagemöglichkeiten teilhaben. Speziell Gesundheitsinvestments bieten Chancen, von attraktiven Nischenmärkten und dem Trend der fortschreitenden Symbiose von Technologie und Gesundheit zu profitieren.

Spätestens seit Anfang des neuen Jahrtausends und der Geburt der Bezeichnung BRIC – das Synonym für Brasilien, Russland, Indien und China – sind Schwellenländer in aller Munde und als Motor der Gesamtwirtschaft nicht mehr wegzudenken. Über 6,5 Milliarden Menschen und damit über 85 % der Gesamtbevölkerung leben in Schwellenländern und tragen, gemessen am BIP, mehr als 40 % zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei – Tendenz steigend. Unlängst hat sich neben BRIC auch die Bezeichnung MIST gesellt, die stellvertretend für die Länder Mexiko, Indonesien, Südkorea und Türkei steht und deren Wachstumsdynamik in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen hat. Für Anleger sind Investments aus Schwellenländern unabdingbar, um am nachhaltigen Wachstum, dem demografischen Wandel und an der rasant wachsenden Technologisierung zu partizipieren. Nicht zuletzt durch die niedrigeren Korrelationen zu entwickelten Märkten sind sie als Diversifikationsbaustein aus vielen Portfolios nicht mehr wegzudenken.

Aufholpotenzial zu entwickelten Ländern

Speziell der Gesundheitsmarkt bietet Anlegern, die in Schwellenländern investieren wollen, Chancen. So zeichnet sich das Aufholpotenzial zu den entwickelten Ländern in den Gesundheitsausgaben der Schwellenländer in Relation zum BIP ab. Geben die USA etwa 17 % des BIPs für Gesundheit aus, sind es in den meisten Schwellenländern deutlich unter 10 %. Die ärztliche Versorgung in Entwicklungsländern birgt ebenfalls deutliches Potenzial nach oben. So betreuen in Brasilien im Schnitt 2,1 Ärztinnen und Ärzte 1.000 Einwohner, während es in OECD-Ländern 3,4 sind. Bei steigendem Wohlstand und fortschreitender Entwicklung ist von einer Angleichung auszugehen und Investments in Gesundheit dürften zunehmen.

Gesundheitsmarkt: Attraktive Nischen

Gesundheitsinvestments in Schwellenländern haben oft einzigartige Alleinstellungsmerkmale und bedienen attraktive Nischenmärkte. So operiert zum Beispiel das costa-ricanische Unternehmen Establishments Labs als globales Unternehmen für Hightech-Medizinprodukte und Ästhetik. Es verantwortet die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von silikongefüllten Brust- und Körperimplantaten in einem relativ unelastischen Nachfrageumfeld nach Brustrekonstruktion bedingt durch Mastektomie (Amputation). Nach Rückrufen von Wettbewerberimplantaten ist die Motiva-Linie die einzige auf dem Markt verbliebene, die durch Studien die Sicherheit des Produktes nachgewiesen hat. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal kann sich das Unternehmen von Wettbewerbern abheben und Großteile des Gesamtmarktes für sich beanspruchen. Auch das ungarische Unternehmen Gedeon Richter mit Fokus Osteuropa bedient insbesondere die Nische Frauengesundheit und hat mit der Übernahme der Hormonpflaster-Sparte von Johnson & Johnson die Spezialisierung auf Gynäkologie voranbringen können.

Symbiose von Technologie und Gesundheit

Mit einem Investment in Schwellenländer partizipiert der Anleger zudem am Trend der steigenden Symbiose aus Technologie und Gesundheit. Vor allem asiatische Unternehmen weisen Alleinstellungsmerkmale auf und bieten oft einzigartige Opportunitäten, an der rasant wachsenden Digitalisierung in der Gesundheitsbranche teilzuhaben. Das Unternehmen Ping An Healthcare aus China betreibt eine mobile Plattform für Online-Konsultationen und Gesundheitsmanagement. Es ermöglicht mit seiner Technologie Zugang zu Gesundheitsdiensten in China und schafft Effizienz in dessen Gesundheitsmarkt. Digitale Anwendungen für jedermann lassen die Bedeutung der Gesundheit in der Bevölkerung steigen. Prävention wird ebenfalls zunehmend wichtiger und lässt den Krankheitsmarkt, ähnlich wie in den entwickelten Ländern, auch in den Schwellenländern mehr und mehr zu einem Gesundheitsmarkt werden.

Fokus auf lokale Player

Für eine Direktinvestition in heimische Unternehmen spricht dabei, dass sich lokale Player in ihrem heimischen Umfeld besser entfalten können. Etablierte Unternehmen der entwickelten Welt haben es in der Regel schwer, direkt über eigene Anstrengungen Märkte in Schwellenländern zu erschließen. Oft sind gesetzliche, kulturelle und soziale Hürden zu hoch für ein Direktinvestment. Häufig fehlt ihnen auch das Know-how, bestimmte Nischen und Märkte zu bedienen.


Über Andreas Scharf, Investment Analyst Healthcare, Apo Asset Management GmbH (apoAsset)

Andreas Scharf ist seit 2020 als Investment Analyst Healthcare bei apoAsset tätig. Der studierte Betriebswirt und Master of Science in Finance ist u.a. für die Analyse von Unternehmen und Märkten des Gesundheitssektors sowie für die Entwicklung neuer Anlageideen und die Weiterentwicklung von Investmentprozessen zuständig. Zudem gehört er zum Spezialisten-Team für den Fonds apo Emerging Health. Zuvor war Andreas Scharf bei der Lang und Schwarz AG tätig. Dort verantwortete er u.a. das Market Making für deutsche Aktien, die Entwicklung und Implementierung von Preisstrategien durch entsprechende Programmierung sowie Markt- und Industrieanalysen.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,5 Milliarden Euro. Ihre Schwerpunkte sind globale Gesundheitsfonds und Multi-Asset-Fonds. Das Unternehmen verfügt über ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialisten Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Sieben Themen, die Anleger 2021 beachten sollten

- Von defensiven Sektoren bis hin zu steileren Zinskurven: Alex Pelteshki, Co-Manager des Aegon Strategic Global Bond Fund, beleuchtet sieben Themen und Risiken, die die Anlagemärkte im Jahr 2021 prägen dürften.

"Es war ein denkwürdiges Jahr für die Welt und für die Finanzmärkte. Doch jetzt, da die Coronavirus-Krise dank rechtzeitiger Impfstoffbemühungen wohl schon im Rückspiegel zu sehen ist, ändern sich die Perspektiven für 2021 rasant.“

1. Einengung des Renditeabstands zwischen den Sektoren, doch Alpha wird outperformen

Wir erwarten weiterhin eine Renditekompression bis ins Jahr 2021 hinein und gehen davon aus, dass sich der Abstand zwischen Covid-Verlierern und Covid-Gewinnern schließlich einengt. Wir rechnen mit weiteren Gewinnen, insbesondere im Reise-, Freizeit- und Glücksspielsektor, also in Bereichen, die von der Pandemie im Jahr 2020 direkt betroffen waren und die am meisten von der Wiedereröffnung der Wirtschaft profitieren dürften. Zugleich sehen wir wenig weitere Gewinne für "defensive" Sektoren wie TMT und Versorger. Diese sind prädestiniert dafür, im Jahr 2021 unter dem Strich negative Renditen zu generieren. Insgesamt erwarten wir von nun an wenige Fortschritte bei den Leitindizes. Wir glauben vielmehr, dass die Titelselektion die Rendite Ihrer Anleiheallokation im Jahr 2021 dominieren wird, im Gegensatz zur Jagd nach Beta.

2. Vorsicht vor dem Übermut der Anleger

Zudem empfehlen wir dringend, Trades zu vermeiden, die mittlerweile totgeritten und in den Kursen eingepreist sind. Eine zunehmende Einengung der Indexniveaus ist – auch wenn mathematisch immer noch erreichbar – ein Paradebeispiel für einen solchen Trade. Seit der Ankündigung einer wohl positiven Entwicklung eines Impfstoffs ist die Stimmung der Anleger extrem optimistisch geworden. Daher notieren Positionen in (synthetischen) Kreditindizes in der Nähe der Allzeithochs.

Wir sind sehr vorsichtig, jetzt solche Trades zu tätigen. Während wir uns weiterhin auf engere Spreads zum Jahresende 2021 einstellen, reduzieren wir die Risiken, um ein Liquiditätspolster für einen günstigeren Einstiegspunkt zu schaffen. 

3. Carry ist Trumpf

Long-Positionen in Cash-Bonds gegenüber Short-Positionen in Anleihe-Indizes waren dank der Begrenzung des Renditeniveaus durch die globalen Zentralbanken selten so attraktiv. Da sie nicht in der Lage waren, genügend Anleihen auf dem freien Markt zu erwerben, und von dem schnellen Stimmungswandel im Hinblick auf die Risiken überrascht wurden, mussten viele Investoren mit exorbitant hohen Bargeldpositionen dem Markt hinterherlaufen. Sie hatten kaum eine andere Wahl, als die synthetischen Anleihe-Indizes in die Nähe ihrer Allzeithochs zu bringen. Dies lässt viele Möglichkeiten offen, ein sorgfältig ausgewähltes Portfolio mit ausgesuchten Anleihen zu verwalten, die vom Markt noch übersehen werden, und das Marktrisiko für einen attraktiven Carry herauszunehmen. 

4. Steilere Zinskurven

Die Zinskurven werden steiler und das allgemeine Zinsniveau dürfte im Jahr 2021 höher sein als jetzt.  Allein die Tatsache, dass das kurze Ende der der Zinsstrukturkurve für Staatsanleihen durch das Dreigestirn FED, EZB und BOE stabil gehalten wird, bedeutet, dass das einzige mögliche Ausgleichsventil am langen Ende der Kurve liegt.  Dennoch erwarten wir keine gravierende Zunahme der Kurvensteilheit. Während wir mit weiteren moderaten Entwicklungen dieser Art rechnen, sind die Zinskurven derzeit angemessen steil. Zudem werden sie gedeckelt, wenn man sie als restriktiv hinsichtlich der finanziellen Rahmenbedingungen betrachtet.

5. Der vorzeitige Abgesang auf die Risikoparität

Ausgehend von den obigen Ausführungen vertreten wir grundsätzlich die Gegenposition zu dem in letzter Zeit sehr gängigen Argument, dass die berühmte Risikoparität zwischen Risikoaktiva und risikofreien Staatsanleihen nicht mehr besteht. Wenngleich die Ergänzung einer traditionell auf Staatsanleihen basierenden Absicherung durch Alternativen wie Edelmetalle oder Devisen durchaus sinnvoll erscheint, sind wir dennoch vorsichtig, da es sich dabei um wesentlich volatilere und weniger stabile Möglichkeiten handelt.

Gleichzeitig wird uns der sukzessive Anstieg des globalen Zinsniveaus, der die Konsenserwartung des Marktes widerspiegelt, viele gute Gelegenheiten bieten, die Absicherung von Kreditrisiken auf eine eher traditionelle Weise neu zu strukturieren.

6. Die Rückkehr der Schwellenländer

Ausgewählte Emerging Markets bieten unserer Ansicht nach derzeit mehr Potenzial als manche Teile der Investment Grade- und High Yield-Märkte der Industrieländer. Die deutlich schnellere, durch eine erfolgreiche Fiskalpolitik sowie die Eindämmung des Virus angetriebene Erholung – insbesondere in Asien – bringt eine zyklische Erholung zurück ins Spiel. Von diesem Trend profitieren in erster Linie die Rohstoffexporteure sowie die exportorientierten Volkswirtschaften der Alten Welt.

7. Die Positionierung der Investoren sowie ETFs können zu größeren Ausschlägen führen

Unsere größten Bedenken für das Jahr 2021 bestehen in Bezug auf die Konsenspositionierung der Anleger, den Überschwang der Anleger und die Marktliquidität. Die beiden erstgenannten hängen direkt mit dem FOMO-Faktor (Fear Of Missing Out – die Angst, etwas zu verpassen) zusammen. Angesichts der aktuellen Bewertungen gehen wir davon aus, dass wir nicht mehr weit vom Punkt der maximalen Zuversicht entfernt sind. Dies ist für sich genommen kein negativer Katalysator, könnte sich aber dazu entwickeln.

Dies führt zu unserer zweiten großen Befürchtung: die Marktliquidität. Die Kombination aus der überzogenen Positionierung und der Dominanz von Indexfonds (ETFs) könnte sehr schnell dazu führen, dass die Marktliquidität verkümmert, wenn die größten passiven Manager zusätzliche Mittel benötigen.

Beides könnte einen explosiven Cocktail bilden, der viele Portfolios in Flammen aufgehen lassen könnte. Daher halten wir uns von Crowded Trades fern und ziehen es vor, agil zu sein, wenn andere gierig sind.


About Aegon Asset Management

Aegon Asset Management is comprised of active global investors. Our 380 investment professionals manage and advise on assets of €364 / USD 408 billion (as of June 30, 2020) for a global client-base of pension plans, public funds, insurance companies, banks, wealth managers, family offices and foundations.
We organize our investment capabilities around four focused investment platforms where we have extensive asset-class expertise: fixed income, real assets, equities and multi-asset & solutions. Each platform has dedicated teams, organized globally and committed to maximizing their specialist areas. These platforms are supported by teams dedicated to responsible investing and multi-management.
By organizing our investment teams globally, we work to harness our expertise and research resources across regional boundaries. We believe this enhances our performance potential and helps provide better investment outcomes for clients.
Across platforms, we share a common belief in fundamental, research-driven active management, underpinned by effective risk management and a commitment to responsible investment. Our investment platforms have the flexibility to organize their resources and processes to best suit their area of focus.
We are a global business: Our 1,200 employees work across Europe, the Americas and Asia. We invest globally and serve clients locally.
For more information about Aegon Asset Management, visit www.aegonam.com

Moderate Aussichten für die Aktienmärkte am Jahresanfang

von Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Kurz vor dem Jahreswechsel sorgten zwei entscheidende politische Entscheidungen noch einmal für positive Stimmung an den internationalen Kapitalmärkten. In den USA bedeutet die Zustimmung des amtierenden Präsidenten Trump zum neuen Konjunkturpaket mit einem Umfang von 900 Milliarden USD, dass wichtige staatliche Unterstützungen für Arbeitslose, Mieter und Unternehmen, wie etwa Gaststätten und Fluggesellschaften, gezahlt werden können. Zudem unterzeichnete Trump einen Übergangshaushalt, um einen kurzfristigen Government-Shutdown, also die Schließung von Bundesbehörden aufgrund fehlender Finanzierung der Ausgaben, zu vermeiden.

In Europa hingegen lag der Fokus auf dem Ende der Brexit-Übergangsfrist am 31. Dezember. Zwar tritt der kurz vor Weihnachten ausgehandelte Vertrag zwischen der Europäischen Union und Großbritannien über die künftigen Handelsbeziehungen aufgrund der notwendigen, aber erst im kommenden Jahr möglichen Zustimmung des EU-Parlaments am 1. Januar nur vorläufig in Kraft – und auch in den kommenden Jahren dürften immer wieder langwierige Verhandlungen zu Detailfragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit folgen. Trotzdem konnten mit dem Erhalt des zollfreien Handels zu befürchtende chaotische Verhältnisse an den Grenzen und für bestehende Lieferketten vermieden werden.

Damit wurden sowohl in den USA als auch in Europa gewichtige wirtschaftliche Belastungsfaktoren für den Start ins neue Jahr aus dem Weg geräumt. Ohnehin leiden Volkswirtschaften und Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks nach wie vor erheblich unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie, die vor allem die Konsumentenstimmung und die Zuversicht in vielen Dienstleistungssektoren zuletzt deutlich dämpfte. Der weitere Verlauf der Pandemie und daraus resultierende Shutdown-Maßnahmen dürften somit in den kommenden Wochen die wichtigsten Einflussfaktoren an den Börsen bleiben.

Zwar stimmte der Beginn der Impfkampagnen in vielen Staaten zuletzt ebenfalls positiv, doch bis ausreichend viele Menschen zur Erreichung einer Herdenimmunität geimpft sind, werden noch Monate vergehen. Damit erscheinen alle möglichen, derzeit absehbaren positiven Markteinflüsse bereits weitgehend eingepreist zu sein – immerhin notieren mittlerweile nicht mehr nur die US-Aktienindizes, sondern auch der DAX auf einem Allzeithoch. Das erhöht jedoch die Gefahr eines Jahresstarts mit größeren Schwankungen, vor allem, wenn wie zuletzt in Großbritannien, negative Corona-Überraschungen vermeldet werden müssen.

Exklusiver Content entscheidet im Streaming-Krieg

Walt Disney hat aktuell seine Wachstumspläne bekannt gegeben. Bis 2024 erwartet das Unternehmen bis zu 350 Mio. Abonnenten für seine Streaming-Dienste. Disney plant darüber hinaus, seine Investitionen in Inhalte zu verdoppeln und arbeitet an etwa 35 Fernsehserien. Exklusiver Content gilt als das entscheidende Unterscheidungsmerkmal im Streaming-Krieg. Die Kinobosse leiden noch immer unter der kürzlich erfolgten Ankündigung von Warner, alle 17 neuen Filme im nächsten Jahr auf dem Streaming-Dienst HBO Max zur gleichen Zeit wie in den US-Kinos zu veröffentlichen.

Die jüngste Studie von Ampere Analysis über den US-amerikanischen und europäischen Markt für Abonnement-Video-on-Demand (SVOD) zeigt, dass der durchschnittliche US-Haushalt mittlerweile im Schnitt vier verschiedene Abonnement-Videodienste nutzt. Zum Vergleich: In den fünf größten westeuropäischen Ländern haben die Streaming-Haushalte im Durchschnitt zwei Dienste.

„Die Pandemie, nationale Lockdowns und die Einführung neuer, von den Studios unterstützter Abo-Dienste haben den Trend zum parallelen Nutzen verschiedener Abo-Streaming-Dienste beschleunigt“, erläutert Mikko Ripatti, Senior Client Portfolio Manager bei DNB Asset Management. Inzwischen gibt es in den USA und den großen westeuropäischen Märkten mehr als 400 Millionen Abonnements für Streaming-Dienste. Aber das Debüt von Diensten wie HBO Max, Peacock und Disney+ und der damit verbundene Rückzug der Studios bei der Lizenzierung von Film- und Fernsehrechten an Dritte bedeutet, dass die Verbraucher zunehmend mehrere Produkte abonnieren müssen, um Zugang zu allen Fernseh- und Filmen zu haben, die sie sehen wollen. Während also der Durchschnittshaushalt nun mehr Dienste abonniert, um auf zusätzliche aktuelle Inhalte zugreifen zu können, bedeutet der Rückzug der Studios bei der Lizenzierung von Film- und Fernsehrechten an Dritte, dass einige Angebote schrumpfen.

Da sich der Wettbewerb verschärft und langjährige Lizenzvereinbarungen auslaufen, wird sich dieser Trend vermutlich fortsetzen. Dies bedeutet, dass für die Nutzer die Möglichkeit nur einen oder zwei Streaming-Dienste zu bezahlen und auf alle wichtigen TV-Sendungen und Filme zuzugreifen, zunehmend an Bedeutung verliert.

Alexios Dimitropoulos, Research Manager bei Ampere Analysis, kommentiert: "2020 war ein unglaubliches Jahr für Abo-Video-on-Demand. Die Pandemie hat zu einem massiven Wachstum der Abonnementzahlen geführt, und die neuen Dienste, die in diesem Jahr gestartet sind, haben beeindruckende Kundenzahlen verzeichnet. Die Verbraucher werden Zugang zu mehr hochwertigen Inhalten als je zuvor haben, da neue und bestehende Dienste mehr Originalinhalte produzieren. Da die Studios jedoch ihre Direct-to-Consumer-Strategie fortsetzen, neigt sich das goldene Zeitalter des Zugangs zu preiswerten Inhalten seinem Ende zu.“


Über DNB

DNB Asset Management S.A. ist ein führender nordischer Vermögensverwalter, der Produkte innerhalb der nordischen Anlageklassen und in ausgewählten Themenbereichen anbietet. Er gehört zu 100% der an der Osloer Börse notierten DNB ASA Group, die zu den erfolgreichsten Finanzdienstleistern Skandinaviens zählt.

Mögliche Szenarien für 2021 – als Blick über den Tellerrand

von David Wehner, Senior Portfoliomanager bei der Do Investment AG.

Nach einem ereignisreichen Kapitalmarktjahr 2020, das durch die Covid-19-Pandemie geprägt war und alle vorigen Einschätzungen widerlegt sowie soziale wie wirtschaftliche Super-Trends verstärkt hat, wollen wir einen etwas anderen Blick ins neue Jahr wagen: Mit drei Szenarien, die generell unter dem Radar liegen und bitte nicht als unsere offizielle Sicht auf die Märkte verstanden werden sollten. Wir möchten vielmehr über den Tellerrand blicken – und zum Nachdenken anregen.

Die Erwartungen an 2021 sind sehr hoch. Die vergangenen drei Jahre waren durch eine Konjunkturschwäche geprägt, die letztendlich mit der Covid-19-Pandemie ihren Tiefpunkt fand. Durch die massiven fiskal- und geldpolitischen Unterstützungsprogramme und den Durchbruch bei der Impfstoff-Entwicklung im November dieses Jahres ist eine konjunkturelle Erholung im nächsten Jahr Markt-Konsens und nahezu ausgemacht. Bei ihren Prognosen für das Wirtschaftswachstum und die Aktienmarktentwicklung überbieten sich die Investmenthäuser und Analysten. Wir gehen ebenfalls von einer konjunkturellen Erholung im nächsten Jahr aus. Dabei glauben wir, dass diese Entwicklung alles andere als linear erfolgen wird – und es im Verlauf des Jahres zu Rückschlägen an den Märkten kommen kann. Allerdings ist ein Kapitalmarktjahr lang. Wie auch in diesem Jahr kann ein Ereignis alle Erwartungen über Bord werfen.

Drei teils zugespitzt formulierte Thesen:

1. Der Covid-19-Impfstoff rettet Menschenleben – tötet aber Unternehmen

Die Pandemie hat den eingeschlagenen Weg der Zentralbanken seit der Finanzkrise 2008/09 nochmals verstärkt. Der Ankauf von Billionen Euro an Assets hat dazu geführt, dass die Renditen von Staatsanleihen und Investmentgrade-Unternehmensanleihen neue Tiefststände erreicht haben. Investoren sind gezwungen immer größere Risiken einzugehen, um entsprechende Zielrenditen zu erzielen. Sie investieren verstärkt in Hochzins-Anleihen von Unternehmen mit einer fragwürdigen Bonität. Die durch den Impfstoff eingeleitete Konjunktur-Erholung sollte Unternehmen mit einer schwachen Bonität unterstützen.

Doch die Realität sieht anders aus. Die massiven Unterstützungsmaßnahmen gepaart mit dem Konjunktur-Boom in 2021 führt zu einer Überhitzung der Wirtschaft. Die Inflation steigt rapide an. Die nachlassende Unterstützung seitens der Zentralbanken führt zu steigenden Renditen bei langen Laufzeiten. Unternehmen, die nur durch die extrem niedrigen Finanzierungsmöglichkeiten überlebensfähig waren, müssen in der zweiten Hälfte des Jahres Insolvenz anmelden. Trotz Konjunktur-Erholung steigen die Ausfallraten bei Hochzins-Unternehmensanleihen.

2. Schuldenkrise 2.0: Deutschland übernimmt explizite Haftung für Europa

Unser Wirtschaftssystem basiert auf einem schuldenfinanzierten Wachstum. Dieses System kann bis zu einem gewissen Punkt ausgereizt werden, ab dann überwiegen die Nachteile. Seit der Finanzkrise haben sich die globalen Schuldenstände nahezu verdoppelt. Die erste europäische Schuldenkrise hat Italien, Spanien, Griechenland, Portugal und Irland ins Visier genommen. Einige Länder haben in den vergangenen Jahren zum Teil strukturelle Veränderungen vorgenommen. Andere Länder wie Italien genießen eher die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten, welche die EZB bereitstellt und unternehmen keinerlei Anstrengungen.

Es gibt einen neuen „kranken Mann Europas“: Frankreich. Der Verschuldungsgrad der privaten Haushalte wird aufgrund der Covid-19-Pandemie auf 140% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen. Die Staatsverschuldung erreicht ein Niveau von 120% des BIP. Aufgrund weiterer Lockdown-Maßnahmen und ständiger fiskalpolitischer Unterstützung durch die Regierung in Paris beginnt der Markt an der Schuldentragfähigkeit Frankreichs zu zweifeln. Die Renditen für französische und weitere südeuropäische Länder steigen stark an. Die Bonität der Rettungsprogramme EFSF und ESM wird ebenfalls angezweifelt. Die EZB kann durch weitere Anleihekäufe keine Stabilisierung herbeiführen. Deutschland bleibt keine andere Wahl als die explizite Garantie für die Schulden der Eurozone auszusprechen. Aus der Europäischen Union würde eine Transferunion.

3. Digitalisierung macht Arbeiten obsolet – Grundeinkommen kommt

Die Corona-Krise hat Digitalisierungsprozesse nochmals beschleunigt. Die harten und leichten Lockdowns haben die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Aus Präsenzterminen und globalen Flugreisen wurden Videokonferenzen. Aus Bürotätigkeit wurde zum Großteil Homeoffice. Die Industrie wird ebenfalls ihre Lehren aus diesem Jahr ziehen und die Automatisierung stärker vorantreiben, um unabhängig von der Gesundheitssituation ihrer Angestellten und verhängten Lockdowns produzieren zu können.

Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Auswirkungen. Eine Studie der Oxford-Universität geht davon aus, dass durch künstliche Intelligenz, Automatisierung und Globalisierung zwei Milliarden Jobs weltweit und 50% der Stellen in den USA wegfallen könnten. In der gleichen Zeit steigt der wirtschaftliche Output, selbst in der Pro-Kopf-Betrachtung. Um sozialen Unfrieden zu vermeiden wird das Grundeinkommen eingeführt. Menschen, die trotz guter Bildung keinen Arbeitsplatz erhalten können, werden durch eine Transferzahlung entlohnt. Diese Systemveränderung hat gravierende gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen. Die Städte haben Überkapazitäten bei Bürogebäuden, die in diesem Szenario nicht mehr genutzt werden. Zudem sind die Menschen nicht mehr gezwungen in den überteuerten Städten zu leben. Viele ziehen aufs Land und widmen sich in der nun frei gewordenen Zeit der Bildung und Kultur.

Unterm Strich: Dieser Blick über den Tellerrand hat in Summe geringe Eintritts-Wahrscheinlichkeiten, zumindest für 2021. Allerdings hat auch für 2020 im Vorfeld niemand mit einer globalen Pandemie gerechnet. Der daraus resultierende Paradigmen-Wechsel wird das nächste Jahrzehnt weiter prägen. Über die Do Investment AG: Die Do Investment AG ist Teil der Unternehmensgruppe von Herrn Silvius Dornier. Eingebunden in ein einzigartiges Netzwerk und in enger Verknüpfung mit dem Family Office der Familie Silvius Dornier werden Privatpersonen, mittelständische Unternehmerfamilien, konservative Institutionen und Stiftungen ganzheitlich in allen Fragen der Vermögensplanung und des Vermögensmanagements betreut. Die Kernkompetenzen der Do Investment AG liegen neben der Strukturierung und Verwaltung von liquiden Vermögenswerten in ausgewählten Sachwertinvestments im Bereich der Agrarwirtschaft. Die Do Investment AG ist durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gemäß Kreditwesengesetz (KWG) zugelassen und unterliegt deren Aufsicht.

Statement Nicolas Mackel, Luxembourg for Finance, zum Abkommen-EU-UK

Statement von Nicolas Mackel, CEO von Luxembourg for Finance, zum Abschluss des Abkommens zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich:

„Fast viereinhalb Jahre nach dem Brexit-Referendum haben die EU und das Vereinigte Königreich endlich eine Vereinbarung gefunden, die ihre künftigen Beziehungen regeln wird.

Finanzdienstleistungen sind zwar nie Gegenstand der Verhandlungen gewesen und spielen im Abkommen keine Rolle. Dennoch ist es für die Finanzbranche in Europa gut und wichtig, dass ein Abkommen zustande gekommen ist. Denn die grundsätzliche Fähigkeit von EU und Vereinigtem Königreich, sich schlussendlich doch zu einigen ist ein positives Signal im Hinblick auf die finanzmarktrelevanten Themen, die beide Partner noch zu klären haben; etwa die Äquivalenz-Regeln.

Wir können nun mehr darauf hoffen, dass diese Diskussionen wieder von einem guten Willen beider Seiten getragen werden, der dringend benötigt wird. Denn es ist im Interesse aller Beteiligten, den Zugang zu Kapital nicht zu erschweren – auch und gerade angesichts der großen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und deren Folgen.

Generell gilt: Finanzdienstleister müssen weiter zusammenarbeiten, um die unterschiedliche Expertise aus den verschiedenen Finanzzentren Europas einschließlich Londons zu nutzen. Nur so lassen sich die großen Herausforderungen, vor denen wir alle stehen, meistern. Hierzu zählen die Digitalisierung, die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie sowie die Förderung eines nachhaltigen Wachstums.“


Hintergrundinformation

Seit dem Brexit-Referendum im Jahr 2016 haben mehr als 60 internationale Finanzdienstleister, unter anderem Banken, Vermögensverwalter, Versicherungen und Zahlungsdienstleister, bekanntgegeben, ihre Geschäftstätigkeiten und -funktionen nach Luxemburg zu verlagern. Über Luxembourg for Finance

Luxembourg for Finance (LFF) ist für die Entwicklung des Finanzzentrums Luxemburg zuständig. LFF wurde 2008 gegründet und agiert als öffentlich-private Partnerschaft zwischen der luxemburgischen Regierung und dem luxemburgischen Verband der Finanzindustrie. Ziel der Vereinigung ist es, die luxemburgische Finanzdienstleistungsbranche weiterzuentwickeln und neue Geschäftsmöglichkeiten zu identifizieren. LFF verbindet internationale Investoren mit den in Luxemburg angebotenen Finanzdienstleistungen, wie zum Beispiel Investmentfonds, Vermögensverwaltung, Kapitalmarktoperationen oder Beratungsdienstleistungen.

Von Bitcoin bis Populismus – was bringt das Börsenjahr 2021?

von Olivier de Berranger, CIO bei LFDE.

Weihnachten bedeutet gemeinsame Zeit mit der Familie bei einem guten Festessen. Es ist aber bei manchen auch die bevorzugte Zeit, um Diskussionen über brennende aktuelle Themen loszutreten. Bei jenen, die in diesem Jahr das Glück haben werden, ein Familienmitglied zu treffen, das sich für Finanzen interessiert, besteht ein gewisses Risiko, dass die Gespräche abschweifen: von COVID-19 über Bitcoin bis zur Entkopplung von Finanzmärkten und „Realwirtschaft“.

Bitcoin mal wieder auf Höhenflug

Zuerst zum Bitcoin. Genauso wie wir uns in erster Linie an die verspäteten Züge erinnern, tendieren wir umgekehrt auch dazu, uns auf die Finanzwerte mit außerordentlich starker Wertentwicklung zu konzentrieren. Nachdem sich der Bitcoin seine Einladung zum Festessen an Weihnachten 2017 durch einen Jahresanstieg von +1.375 % verdient hatte, ist er 2020 dank der Verdreifachung seines Kurses wieder mit von der Partie – auch wenn er als Tauschmittel bei weitem noch nicht massenhaft genutzt wird. Das Thema ist so interessant, dass sich auch die Zentralbanken allmählich damit befassen. Aber kann man hier ernsthaft von einer Währung sprechen? Und was ist mit Libra – inzwischen unter dem neuen Namen „Diem“ – der virtuellen Währung von Facebook? Wer bezahlt heutzutage sein Brot mit einer Kryptowährung?

Keine Anzeichen für echte Entkopplung der Finanzmärkte

Neben dem Bitcoin ist das Thema, das für Gesprächsstoff sorgt, die offenkundige Entkopplung zwischen Wirtschaft und Märkten. Es wird wahrscheinlich mit folgenden Worten eingeläutet: „Die Märkte sind verrückt geworden. Die Aktien steigen, während es immer mehr soziale Hilfspakete gibt. Ein Blick in die Zeitung genügt, um das zu verstehen!“ Auch wenn der zweite Teil des Satzes richtig ist, gilt dies für den ersten bei weitem nicht. Die wirtschaftliche Lage ist wirklich komplex. Steigende Arbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit, und sinkende Unternehmensrentabilität – die Wirtschaftskrise, die wir derzeit erleben, ist die schwerste der Nachkriegszeit. Doch es gilt zu verstehen, dass sich die zeitliche Dimension der Realwirtschaft und der Kurse von Finanzwerten strukturell unterscheidet. Daher kommt es häufig zu einer vermeintlichen Entkopplung. Die Konjunkturdaten bilden die Vergangenheit ab oder bestenfalls die aktuelle Lage, während die Finanzmärkte die Zukunftserwartungen widerspiegeln. Ihr Zeithorizont wird in der Regel auf rund sechs Monate geschätzt. Genau hierin liegt der ganz entscheidende Unterschied.

Populismus bleibt langfristiges Risiko

Mitte 2021 dürften die Wirtschaftsaussichten viel klarer sein als gegenwärtig. Die Verabreichung der ersten Impfstoffe wird zunächst das Tempo der Ansteckungen verringern und sie dann hoffentlich ganz verhindern. Die Regierungen werden die Wirtschaft in dieser schwierigen Phase weiterhin unterstützen und beispiellose Konjunkturpakete schnüren, um das Tempo der Erholung zu beschleunigen. Die Staatsausgaben werden folglich steigen. Überdies werden die Notenbanken weiterhin Liquidität bereitstellen, damit sich Staaten, Unternehmen und Privathaushalte auf Dauer günstig finanzieren können. Die Fed verkündete jüngst, dass sie die extrem lockeren geldpolitischen Bedingungen noch für längere Zeit beibehalten wird, wie dies auch die EZB kurz zuvor bekanntgegeben hatte. Die Aussichten könnten alleine durch das längerfristige politische Risiko getrübt werden, denn es herrscht ein Misstrauen gegenüber den traditionellen Parteien. Dies könnte sich durch die zunehmenden sozialen Ungleichheiten und einen bisweilen riskanten Umgang mit der Pandemie verstärken. Die nächsten Wahlen werden ein gutes Barometer für den derzeit anschwellenden Populismus sein.


Über LFDE – http://www.lfde.com

LFDE hat sich seit ihrer Gründung 1991 zu einer der bedeutendsten und dynamischsten Fondsgesellschaften Frankreichs entwickelt. Kernkompetenzen: Investments in europäische und internationale börsennotierte Unternehmen. LFDE nutzt ihre überzeugungsbasierte Managementexpertise, um institutionellen Investoren, Vertriebsgesellschaften und Privatanlegern nachhaltige Lösungen anzubieten, die eine Wertsteigerung der Kundeninvestments ermöglichen. LFDE ist in Deutschland, Spanien, Italien, der Schweiz und in den Benelux-Ländern vertreten und verwaltet zum 31.12.2019 Vermögen in Höhe von rund 10 Mrd. Euro. LFDE ist Unterzeichner der UNPRI-Grundsätze und des Carbon Disclosure Project und gehört zur Primonial-Gruppe, dem unabhängigen Marktführer in den Bereichen Entwicklung und Verwaltung von Anlagelösungen und Anlageberatung in Frankreich.

2021: Das Jahr der Erholung für Japan?

von Reiko Mito, Investment Director für japanische Aktien bei GAM Investments.

Mit Blick auf das Jahr 2021 gibt es unseres Erachtens mehrere Gründe, die für eine gute Konjunkturerholung in Japan sprechen. Zum einen haben die Quartalsergebnisse für Q3 2020 die Bodenbildung bei den Gewinnen bestätigt, denn sie haben die Ergebnisse in Q2 und den Konsens deutlich übertroffen. Im Jahresvergleich sind die Gewinne immer noch rückläufig, was bedeutet, dass sich der Aufwärtstrend in 2021 fortsetzen dürfte. Die Fundamentaldaten haben inzwischen begonnen, sich zu erholen, nachdem die Frühindikatoren im Mai ihren Tiefpunkt erreicht hatten.

Zum anderen ist die aktuelle Corona-Lage in Japan besser als in anderen Industrieländern. Zwar erlebt Japan ähnlich wie andere Länder seit Ende November die sogenannte dritte Welle, allerdings gibt es täglich «nur» etwa 3.000 neue Fälle bei einer Bevölkerung von 120 Millionen, weshalb die wirtschaftliche Aktivität weiterhin intakt ist.

Darüber hinaus sorgt der Wahlsieg von Joe Biden bei den US-Präsidentschaftswahlen für mehr Vorhersehbarkeit und es wird erwartet, dass die Volatilität abnimmt. Eine Reihe von Bidens politischen Maßnahmen sind für japanische Unternehmen förderlich. So dürfte seine Umweltpolitik japanischen Unternehmen zugutekommen, die zu den Vorreitern im Bereich energiesparende Produktion zählen.

Die starke Erholung im benachbarten China ist ebenfalls positiv für Japan. Chinas Stärke – sowohl in der Produktion, als auch im Konsumbereich – trägt zu den Umsätzen vieler japanischer Unternehmen bei. Außerdem kündigte der japanische Premierminister Suga am 8. Dezember ein Konjunkturpaket im Wert von 700 Mrd. US-Dollar an. Auch wenn die Erwartungen an den Märkten gering sind, kommt seine Politik der Deregulierung und den Märkten zugute. So setzt er sich beispielsweise für eine Konsolidierung der Industrie ein, was die Rentabilität der japanischen Unternehmen verbessern sollte. Kurzfristig liegt der Fokus der Regierung insbesondere auf der Bewältigung der Corona-Pandemie. Sugas Politik und ihre Auswirkungen könnten die Märkte im weiteren Verlauf jedoch durchaus überraschen.


Über GAM

GAM ist eine führende unabhängige, reine Vermögensverwaltungsgruppe. Das Unternehmen bietet aktive Anlagelösungen und -produkte für Institutionen, Finanzintermediäre und Privatkunden an. Das Investment-Management-Kerngeschäft wird durch eine Private-Labelling-Sparte ergänzt, die Management-Company- und andere unterstützende Dienstleistungen für Dritte umfasst. Per 30. Juni 2020 hat GAM 747 Vollzeitbeschäftigte in 14 Ländern und betreibt Anlagezentren in London, Cambridge, Zürich, Hongkong, New York, Mailand und Lugano. Die Vermögensverwalter werden von einem umfassenden weltweiten Vertriebsnetz unterstützt.
Die Aktien von GAM (Symbol «GAM») mit Sitz in Zürich sind an der SIX Swiss Exchange notiert. Per 30. September 2020 verwaltet die Gruppe Vermögen in Höhe von CHF 120.4 Milliarden (USD 131.1 Milliarden).1

1) Einschließlich CHF 0.3 Milliarden Geldmarktfonds per 30. September 2020. Wie mit den H1 2019 Resultaten bekanntgegeben, hat GAM mit der ZKB eine Vereinbarung über deren Verkauf abgeschlossen.

Schwellenländeranleihen: Liquidität, ungleichmäßige Konjunkturerholung und Schuldentragfähigkeit

von Liam Spillane, Head of Emerging Market Debt bei Aviva Investors.

Was die Finanzmärkte betrifft, so zeigen sich die radikalen Veränderungen durch die Pandemie nirgendwo so deutlich wie in den Schwellenländern. Die beispiellose Unterstützung durch die Notenbanken und Staaten hat geholfen, die Märkte zu stabilisieren. Die Impfstoffe lassen zwar eine Konjunkturerholung erwarten, doch die Unterstützung dürfte dennoch nicht übereilt zurückgefahren werden. Vorerst könnte dies dazu führen, dass weitere Risiken eingegangen werden, was zu einer Outperformance von Lokalwährungsanleihen führen könnte. Den Anlegern muss hier jedoch ein Drahtseilakt gelingen. Sie müssen den langfristigen finanziellen Schaden vieler Länder ebenso berücksichtigen wie mögliche Anzeichen dafür, dass die Notenbanken die Liquidität schneller einschränken als erwartet.

1. Schwellenländeranleihen bieten echte Portfoliodiversifizierung

Die Märkte für Schwellenländeranleihen dürften 2020 positive Renditen verzeichnen – trotz des schwierigen Jahresbeginns. Die kontinuierliche und großzügige Bereitstellung von Liquidität durch die Notenbanken lässt hoffen, dass dieser Trend anhält.

Weltweit haben die Notenbanken als Reaktion auf die Corona-Pandemie Rekordmengen an Anleihen und anderen Vermögenswerten aufgekauft und dabei in historischem Ausmaß Liquidität in die Finanzmärkte gepumpt. Die Schwellenländer, in denen manche Notenbanken erstmals seit vielen Jahren auf quantitative Lockerungen und unkonventionelle Maßnahmen gesetzt haben, bildeten hier keine Ausnahme.

Die Folge: Weltweit schwimmen die Anleger in Liquidität. Da festverzinsliche Anlagen in den Industrieländern nur geringe Renditeaussichten bieten, zog die globale Nachfrage nach Schwellenländeranleihen an. Dies gilt insbesondere für Staatsanleihen in Hartwährung.

Die Impfstoffverteilung lässt zwar auf eine dynamischere Konjunkturentwicklung im kommenden Jahr hoffen, doch die Notenbanken dürften dennoch zögern, die Geldpolitik übereilt zu straffen. Dies wird die Nachfrage nach renditestärkeren Anlagen wie Schwellenländeranleihen wohl weiter stützen, nicht zuletzt, da sie eine echte Portfoliodiversifizierung ermöglichen.

2. Hartwährungsanleihen präferiert

In den Volkswirtschaften der Schwellenländer hat sich der Ausbruch des Coronavirus ganz unterschiedlich ausgewirkt. Die asiatischen Länder haben sich insgesamt relativ gut behauptet. Andere Länder, insbesondere in Lateinamerika, wurden sehr viel stärker in Mitleidenschaft gezogen.

Die ökonomischen Aussichten für das Jahr 2021 sind etwas besser, obwohl sich die Anleger wie immer darüber im Klaren sein sollten, dass Schwellenländeranleihen keine einheitliche Anlageklasse bilden. Während einige Länder die Pandemie früher oder später relativ unbeschadet hinter sich lassen dürften, haben andere massiven Schaden genommen.

Die rasante Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds hat zu einer scharfen Abwertung von Schwellenländerwährungen geführt. Dies ist eine Erklärung dafür, dass sich Schwellenländeranleihen in Hartwährungen 2020 mit großem Abstand besser entwickelt haben als ihre Pendants in Lokalwährungen.

Wir ziehen Hartwährungsanleihen weiterhin vor. Lokalwährungsanleihen könnten jedoch zunehmend attraktiver werden, wenn die Lage der Weltwirtschaft sich schneller bessert als wir derzeit erwarten – etwa infolge der Impfkampagnen.

3. Nachhaltigkeit einiger Schwellenländer wird infrage gestellt

Die globale Liquiditätsschwemme hat den Schwellenländern geld- und fiskalpolitische Maßnahmen ermöglicht, die mit Blick auf ihren Umfang und ihre Umsetzung außergewöhnlich waren. Für manche Volkswirtschaften der Schwellenländer besteht nun jedoch ein erhebliches Risiko, dass die Nachhaltigkeit einiger dieser Maßnahmen infrage gestellt wird, sobald die Welt zu einer gewissen Normalität zurückkehrt.

Der Markt hat den Schwellenländern bisher einen Vertrauensvorschuss eingeräumt, da die Welt teilweise regelrecht in Liquidität schwimmt. Das Risiko für manche Länder besteht darin, dass die Notenbanken den Hahn zudrehen und sie allmählich auf dem Trockenen sitzen.

Die Renditen auf den Märkten für Industrieländeranleihen sind weiter extrem niedrig. Sollten die Impfkampagnen eine stärkere Konjunkturerholung nach sich ziehen, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit steigen. In einem solchen Szenario dürften Anleger von Schwellenländeranleihen sehr viel wählerischer werden.

Zahlreiche Schwellenländer hatten vor der Corona-Pandemie ein Jahrzehnt schwächeren Wirtschaftswachstums hinter sich, da der internationale Handel stagnierte und strukturelle Reformen ausblieben. Auch wenn die Impfstoffe im Jahr 2021 eine moderate Konjunkturerholung auslösen, dürften die Sorgen angesichts der langfristigen Wachstumsaussichten der Schwellenländer bleiben.

Hierdurch wird es wahrscheinlicher, dass die Anleger früher oder später die Fähigkeit einiger Länder infrage stellen werden, die 2020 stark gestiegene Staatsverschuldung wieder unter Kontrolle zu bekommen. Auch die Nachhaltigkeit der Geldpolitik könnte in Zweifel gezogen werden.


AVIVA INVESTORS

Aviva Investors ist die global tätige Asset-Management-Gesellschaft des britischen Versicherers Aviva plc. Das Unternehmen liefert seinen Kunden weltweit Investmentmanagementlösungen, Dienstleistungen und kundenorientierte Performance. Aviva Investors ist in 14 Ländern im asiatisch-pazifischen Raum, in Europa, Nordamerika und Großbritannien tätig und verwaltet ein Vermögen von 389 Milliarden Euro per 30. Juni 2020.

Gold: Neues Jahr, neue Chancen?

von Stefan Breintner, stellvertretender Leiter Research & Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG.

Goldanlagen zählen 2020 zu jenen Investments, die insgesamt vom Ausbruch der Covid-19-Pandemie profitierten: trotz eines Einbruchs der historisch gesehen wichtigsten Nachfragekomponente – der Schmuckindustrie – um 40,5 Prozent auf 910,3 Tonnen. In den ersten neun Monaten 2020 konnte der Goldpreis um ca. 20 Prozent auf 1.827 US-Dollar pro Unze (oz) zulegen. In Euro gerechnet lag das Kursplus aufgrund des gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung abwertenden US-Dollar bei ca. 11 Prozent.

2020: Rekordjahr für Gold als Investment

Treiber des Goldpreisanstiegs 2020 war die Investmentnachfrage – vor allem nach mit Gold hinterlegten Indexfonds (ETFs). Von Januar bis November standen trotz eines größeren Abflusses im November insgesamt Zuflüsse von 916 Tonnen zu Buche, ein historischer Rekordwert. Somit kompensierte die ETF-Nachfrage den Rückgang auf der Schmuckseite. Auch die Nachfrage nach Barren und Münzen entwickelte sich im bisherigen Jahresverlauf sehr gut und erreichte mit ca. 627 Tonnen in etwa das Niveau aus dem Jahr 2009, als Gold aufgrund der Finanzkrise stark gefragt war. 2020 stellt damit auf der Gold-Nachfrageseite eine absolute Ausnahmesituation dar. Es ist das Jahr, in dem die Investmentnachfrage erstmals die Schmucknachfrage als traditionell wichtigste Nachfragekomponente deutlich übertreffen sollte, was nicht einmal im Krisenjahr 2009 der Fall war.

Im November 2020 kam es beim Goldpreis zum stärksten Monatsrückgang seit vier Jahren. Der Grund hierfür waren vor allem Nachrichten über die Wirksamkeit von potenziellen Covid-19-Impfstoffen und damit verbundene Hoffnungen über eine Eindämmung der Pandemie im kommenden Jahr. Der Goldpreisrückgang im November ging einher mit ETF-Abflüssen. Nachdem die ETFs zuvor acht Monate hintereinander Zuflüsse verbuchten, kam es im November aufgrund der temporären Impfstoff-Euphorie zu Abflüssen. Die gute Marktstimmung trug dazu bei, dass zyklische Rohstoffe wie Öl und Industriemetalle stärker nachgefragt wurden und Gold als sicherere Anlage dagegen verkauft wurde. Nach Daten des World Gold Councils flossen im November 107 Tonnen mit einem Wert von ca. 6,8 Mrd. US-Dollar ab. Dies war der erste Monatsabfluss seit einem Jahr und in US-Dollar gerechnet der zweithöchste seit Beginn der Datenreihe.

Covid-19 geht, Geldschwemme und Staatsschulden bleiben

Die entscheidende Frage im Hinblick auf die Goldpreisentwicklung im kommenden Jahr dürfte sein, ob die ETF-Nachfrage auf hohem Niveau bleiben wird oder ob Anleger wieder Gold aus den ETFs abziehen. Die ultra-lockere Geldpolitik der Notenbanken dürfte sich auch im Falle eines durchschlagenden Erfolgs der Impfstoffe und einer graduellen Normalisierung der Wirtschaft erst einmal nicht ändern. EZB-Präsidentin Lagarde hat sich bereits dahingehend geäußert, dass ein Impfstoff kein „Game-Changer“ sei. Die Covid-19-Pandemie hat zu einem in der Geschichte beispiellosen Anstieg von Notenbankbilanzsummen und Staatsschulden geführt. So entsprechen beispielsweise seit Ausbruch der Pandemie die Netto-Käufe von Staatsanleihen durch die EZB den Netto-Anleiheemissionen der Euro-Staaten.

Die amerikanische Notenbank hat seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie Anleihen im Umfang von rund 3.000 Mrd. US-Dollar erworben. Die EZB hat mit ihren Anleihekäufen von rund 2.000 Mrd. Euro allein seit dem Frühjahr 2020 die Neuverschuldung der Euro-Staaten voll finanziert. Zum Vergleich: Der Wert der Gold-Jahresproduktion aller weltweiten Minen in Höhe von 3.464 Tonnen entspricht ca. 204 Mrd. US-Dollar. Der insgesamte Wert des jemals geförderten Goldes beträgt aktuell ca. 12.000 Mrd. US-Dollar. Ein Ende des Gelddruckens von EZB und FED ist nicht in Sicht. Noch weniger ist aus heutiger Sicht an eine Rückführung dieser kaum rückzahlbaren Schulden zu denken. Gold sollte hiervon als wertstabile Anlage profitieren und demzufolge dürfte die Investmentnachfrage im kommenden Jahr weiter hoch, aber wohl nicht auf den Rekordniveaus des Jahres 2020 liegen.

Schmucknachfrage dürfte 2021 wieder anziehen

Im kommenden Jahr ist konjunkturbedingt aber mit einer besseren Schmucknachfrage zu rechnen – insbesondere aus den beiden wichtigsten Ländern China und Indien. Beide verzeichneten in den ersten neun Monaten historische Einbrüche von 43 Prozent auf 274 Tonnen bzw. 57 Prozent auf 171 Tonnen. Damit erscheint die Prognose, dass 2021 die zusätzliche Schmucknachfrage einen möglichen Rückgang der Investmentnachfrage kompensieren kann, nicht abwegig. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 fragten die Schmuckverarbeiter Chinas und Indiens 637 bzw. 545 Tonnen nach und machten damit 56 Prozent der weltweiten Goldnachfrage der Schmuckindustrie von 2.107 Tonnen aus. Die jüngst kräftige Erholung der chinesischen Wirtschaft von der Corona-Pandemie spricht auch für eine bevorstehende Erholung der chinesischen Schmucknachfrage. Insgesamt könnte 2021 damit die gesamte Gold-Nachfrage das Angebot durchaus übertreffen – was natürlich vorteilhaft für die Preisentwicklung wäre.

Niedrigzinsen: auch 2021 positiver Treiber für Gold

Die US-Geldmenge M1 wächst aktuell als Folge der ultra-lockeren Geldpolitik der Notenbank gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50 Prozent. Aus heutiger Sicht wird sich daran vorerst nichts ändern, da die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Pandemie weiter bekämpft werden müssen. Angesichts weiterhin hoher Corona-Neuinfektionen, die schärfere Lockdowns zur Folge haben, wächst aktuell der Druck auf die Politik nochmals zusätzliche Stimulierungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Ein Ende des Gelddruckens von EZB und FED ist damit zunächst weiter nicht in Sicht. Gold sollte hiervon als wertstabile Anlage in einer Papiergeldwelt profitieren. Zu einer Änderung der Notenbankpolitik in den USA dürfte es erst dann kommen, wenn die Inflation über einen längeren Zeitraum über zwei Prozent liegt und gleichzeitig Vollbeschäftigung herrscht. Beide Kriterien zusammen waren in den letzten 20 Jahren nur selten erfüllt. Zinserhöhungen erscheinen daher weiter auf absehbare Zeit unrealistisch.

Die Geldschwemme sollte perspektivisch zu mehr Inflation führen und die Realrenditen (Zinsen abzüglich Inflationsrate) von Anleihen weiter in den negativen Bereich drücken. Zusätzliche schuldenfinanzierte Konjunkturhilfen würden die Inflationserwartungen voraussichtlich steigen lassen und die Realzinsen ebenfalls drücken. Negative Realzinsen sind ein sehr starkes Argument für einen steigenden Goldpreis, denn das große Gegenargument gegen die Goldanlage ist, dass sie keinen laufenden Ertrag (Zinsen oder Dividenden) abwirft. Insgesamt sollten die Zinsen in den USA und Europa wohl noch für lange Zeit auf sehr niedrigem Niveau verharren und daher Gold als zinslose Anlage keine Konkurrenz machen. Man muss sich bei dieser Betrachtung auch stets vor Augen halten, dass aktuell laut Bloomberg das Volumen aller ausstehenden Anleihen mit derzeitiger Negativverzinsung bei fast 18.000 Mrd. US-Dollar liegt – also dem 1,5-fachen des Wertes des jemals geförderten Goldes. Solange an den Rentenmärkten solche Konstellationen herrschen, wird auch der Aufwärtstrend bei Gold anhalten.

Goldangebot aus Minenproduktion könnte strukturell fallen

Generell folgt die Preisfindung auch auf den Edelmetall- und Rohstoffmärkten den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Die weltweite Goldminenproduktion steht für ca. 73 Prozent des jährlich neu hinzukommenden Goldangebots – der Rest entfällt auf die Altgoldaufbereitung. Bereits 2018 könnte die Goldminenproduktion mit 3.509 Tonnen (Wert ca. 206 Mrd. US-Dollar) einen Höhepunkt erreicht haben. In den ersten neun Monaten in 2020 fiel die weltweite Goldminenproduktion vor allem aufgrund der zahlreichen Covid-19 bedingten Minenschließungen im 2. Quartal um 5,4 Prozent auf 2.456 Tonnen. Im 2. Quartal lag der Rückgang sogar bei -10 Prozent. 2021 sollte sich die Produktion wieder erholen, aber generell dürfte das Goldangebot aus laufender Produktion in den kommenden Jahren strukturell fallen. Dies ist vor allem auf kaum mehr nennenswerte Goldfunde in den letzten Jahren, den generell abnehmenden Goldgehalt im Gestein, sowie die in den letzten Jahren geringe Explorationstätigkeit zurückzuführen.

Während die Geldmengen also weltweit wegen der Anleihekäufe der Zentralbanken mit einem enormen Tempo steigen, fällt das Goldangebot. Der Wert des in einem Jahr neu hinzukommenden Goldes kann die neu hinzukommenden Schulden in den USA oder im Euroraum keineswegs aufwiegen. Auch das sämtliche in den Gold-ETFs gehaltene Gold hat aktuell nur einen Marktwert von rund 240 Mrd. US-Dollar. Das ist nur ein Bruchteil bzw. ca. 12 Prozent der Marktkapitalisierung von Apple. Von einer zu starken Positionierung der Anleger in Gold kann daher nicht gesprochen werden.

Fazit: Weiteres Aufwärtspotenzial für Goldpreis in 2021

Von dem Anfang August verzeichneten Rekordniveau – 2.075 US-Dollar pro Unze – hat sich Gold in US-Dollar rund 12 Prozent verbilligt. Die Chancen, dass der Goldpreis seinen im Herbst 2020 unterbrochenen Aufwärtstrend in 2021 wieder aufnimmt, sind angesichts der weiter ultra-lockeren Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken und weiterhin tiefen bzw. negativen Realzinsen gegeben. Auf der Nachfrageseite sollte sich die Investment-Komponente in 2021 zwar schwächer entwickeln, aber dies sollte durch eine anziehende Schmucknachfrage und eine wieder bessere Zentralbanknachfrage kompensiert werden. Auf der Angebotsseite ist mit einem weiteren Rückgang zu rechnen und auch die Markttechnik gibt derzeit eher Kauf- als Verkaufssignale.


Über die Dr. Jens Ehrhardt Gruppe

Die DJE Kapital AG ist seit 45 Jahren als unabhängige Vermögensverwaltung am Kapitalmarkt aktiv. Das Unternehmen aus Pullach bei München verwaltet mit rund 150 Mitarbeitern (davon rund 25 Fondsmanager und Analysten) aktuell über 13,4 Milliarden Euro (Stand: 30.09.2020) in den Bereichen individuelle Vermögensverwaltung, institutionelles Asset Management sowie Publikumsfonds. Zudem bietet die DJE Kapital AG seit 2017 mit Solidvest eine einzeltitelbasierte Online-Vermögensverwaltung an – als digitale Lösung im Rahmen aktiv gemanagter Depots. Das Online-Konzept basiert auf den breiten Kompetenzen in Vermögensverwaltung und Anlagestrategie der DJE Kapital AG – und ermöglicht ein diversifiziertes Portfolio nach individuellem Rendite-Risiko-Profil mit persönlichen Themenschwerpunkten im Aktienbereich. Vorstandsvorsitzender ist Dr. Jens Ehrhardt, sein Stellvertreter Dr. Jan Ehrhardt. Kern des Anlageprozesses und aller Investmententscheidungen ist die FMM-Methode (fundamental, monetär, markttechnisch), welche auf dem hauseigenen, unabhängigen Research basiert. Der Anspruch der DJE Kapital AG ist, ihren Kunden weitsichtige Kapitalmarktexpertise in allen Marktphasen zu bieten. Die DJE Kapital AG gehört zu den Unterzeichnern der „Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren“ der Vereinten Nationen (UNPRI). Dadurch ist die gesamte Vermögensverwaltung und damit auch Solidvest seit 2018 auf die Einhaltung übergreifender Nachhaltigkeitskriterien wie Umweltschutz und die Einhaltung von Menschenrechten sowie Arbeitsstandards ausgerichtet.