Liegt die Zukunft der Wirtschaft in der Cloud?

von Chris Gannatti, Head of Research, Europe, WisdomTree.

Auch wenn "Krisen" und "Marktstörungen" nicht so selten sind, wie wir gerne glauben möchten, so hatten sie doch selten so bedeutende Auswirkungen auf das tägliche Leben, wie wir es bei der Covid-19-Pandemie gesehen haben.

Cloud Computing löst Probleme, wie wir sie früher mit der auf Diskette befindlichen Software kannten. Die Cloud aktualisiert diese heute auf die neueste Version und bietet Lösungen für Probleme zum Download. Zwar gab es diese Vorteile schon vor Covid-19, da seit Ausbruch der Pandemie so viele Menschen gezwungen waren, von zu Hause aus zu arbeiten. Die Realisierung dieser Vorteile hat sich jedoch aufgrund der Krise stark ausgeweitet.

Wenn wir einen Blick auf die Dienste werfen, die von Cloud-Unternehmen angeboten werden, sehen wir viele, die speziell aufgrund der Covid-19-Pandemie eine steigende Nachfrage verzeichnen. So hat die Pandemie zum Beispiel der Netzwerkdatenübertragung und der Cybersicherheit einen hohen Stellenwert eingeräumt, da viele Mitarbeiter in der Lage sein mussten, relativ schnell von überall aus zu arbeiten. Unternehmen wie Fastly und Zscaler, die sich diesen Herausforderungen stellen, haben in diesem Umfeld gut abgeschnitten und ihre Einnahmen im Jahresvergleich um 38.1 Prozent1 bzw. 39.7 Prozent2 gesteigert. Ähnlich verhält es sich mit Videokonferenzen, die für Menschen, die von zu Hause aus arbeiten, zu einem unverzichtbaren Instrument geworden sind. Die Nachfrage nach einem zuverlässigen Dienst für diejenigen, die eine virtuelle Verbindung benötigen, hat dazu geführt, dass der Umsatz von Zoom im Vergleich zum Vorjahr um 169 Prozent3 gestiegen ist.

Dies ist nur eine Momentaufnahme davon, wie einige der marktführenden Cloud-Unternehmen während der Pandemie zurechtkamen. Es ist vernünftig, sich zu fragen, wie die Zukunft des Geschäfts in einer Welt nach der Corona-Pandemie aussehen wird, und ob das Arbeiten von zu Hause aus zur neuen Norm wird. Wenn das der Fall ist, müssen die Unternehmen ihre Pläne für den Übergang zur Cloud beschleunigen. Dieser Übergang wird ein Segen für die Cloud-Branche sein. Es ist fast unvorstellbar, dass Unternehmen wieder aus der Cloud aussteigen, wenn man bedenkt, wie wichtig sie in den letzten Monaten für die Geschäftskontinuität war. So gesehen kommt man leicht zu der Überzeugung, dass die Zukunft des Geschäfts auf der Cloud beruhen könnte.

Das Analysehaus Gartner hat für das Jahr 2020 einen weltweiten Umsatz von 266 Milliarden US-Dollar für öffentliche Cloud-Dienste prognostiziert. Im Jahr 2022 könnten es Gartner zufolge etwa 354 Milliarden US Dollar sein, d.h. fast 100 Milliarden Dollar mehr in nur zwei Jahren. Wenn sich die Schätzungen der Analysten als richtig erweisen, entspricht dies einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 15-16 Prozent, was einen Anstieg von 266 Milliarden US Dollar im Jahr 2020 auf 354 Milliarden US Dollar 2022 bedeuten könnte4.

Angesichts des Potenzials der Cloudanbieter, liegt es auf der Hand, dass dieser Sektor für Investoren attraktiv ist. Cloud Computing könnte ein Weg für ein spezifischeres Engagement bei Technologieunternehmen mit ganz anderen Wachstumsaussichten im nächsten Jahrzehnt sein. Unserer Ansicht nach haben die Software- und Geschäftsmodellvorteile von Cloud-Unternehmen in der Vergangenheit zu besseren Margen, mehr Wachstum, freiem Cashflow und Effizienzmerkmalen im Vergleich zu Softwareunternehmen ohne Cloud Computing geführt.

Gegenwärtig gibt es Tausende von privaten Cloud-Unternehmen und 86 von ihnen gelten als "Einhorn"-Unternehmen im Wert von mehr als 1 Milliarde US Dollar. Der Blick auf dieses aktive Ecosystem eröffnet die Vorstellung über das zukünftige Potential der Cloud, denn viele der disruptiven, spannenden Ideen kommen von diesen neuen Firmen. Bis 2030 könnte mehr als 80 Prozent der Unternehmenssoftware in der Cloud betrieben werden5.


1) Fastly Announces First Quarter 2020 Financial Results https://investors.fastly.com/files/doc_financials/2020/q1/1Q20-Shareholder-Letter-FINAL.pdf
2) Zscaler Reports Third Quarter Fiscal 2020 Financial Results https://ir.zscaler.com/static-files/ef576930-524f-440c-a8fd-5c92b0d446fb
3) Zoom Reports First Quarter Results for Fiscal Year 2021, https://investors.zoom.us/news-releases/news-release-details/zoom-reports-first-quarter-results-fiscal-year-2021
4) Source: “Gartner Forecasts Worldwide Public Cloud Revenue to Grow by 17% in 2020.” Gartner Press Release. 13 November 2019.
5) Source: Deeter, April 2020.

Bieten Gesundheitsaktien Schutz in der Pandemie?

von Vinay Thapar, Portfoliomanager für US-Wachstumsaktien und das International Health Care Portfolio von AllianceBernstein.

Der Gesundheitssektor hat sich selbst in den schwierigsten Märkten als zuverlässiger, sicherer Hafen erwiesen. Doch die Coronavirus-Pandemie wirft Fragen nach seiner Widerstandsfähigkeit auf.

Bieten Gesundheitsaktien Schutz in der Pandemie?

Der Gesundheitssektor hat sich selbst in den schwierigsten Märkten als zuverlässiger, sicherer Hafen erwiesen. Doch die Coronavirus-Pandemie wirft Fragen nach seiner Widerstandsfähigkeit auf. Wenn man über die Pandemie hinaus auf die Veränderungen schaut, die die gesamte Branche erfasst haben, können Anleger defensive Gesundheitsaktien finden, die auch langfristige Wachstumsaussichten bieten.

Aktien des Gesundheitswesens haben sich im ersten Quartal besser entwickelt als alle anderen Sektoren. Im MSCI World Index fiel der Gesundheitssektor um 10,8 %, während die Benchmark in lokaler Währung um 20,1 % fiel (Abbildung, Diagramm links). Die Sektoren mit der schlechtesten Performance, wie Finanzen und Energie, fielen gar um 30,2 % respektive 43,0 %. Dagegen stellte das Gesundheitswesen einen relativ soliden Sektor in einem unsicheren Umfeld dar. Unsere Analyse zeigt, dass die Gesundheitsbranche während des jüngsten Abschwungs eine bessere relative Performance im Vergleich zum MSCI World erzielte als in früheren Marktkrisen (Abbildung, Diagramm rechts).


Abbildung: Bedingungen verschlechtern sich mit der Ausbreitung von COVID-19

Trotz ihrer guten relativen Wertentwicklung steht die Gesundheitsbranche vor Herausforderungen. Insbesondere wurden vielerorts Arztpraxen, die nicht direkt dem Bedarf im Zusammenhang mit Viren dienen, geschlossen, von Allgemeinmedizinern, Familienkliniken und Tierärzten bis hin zu anderen medizinischen Einrichtungen.

Große medizinische Einrichtungen und Netzwerke sind ebenfalls stark betroffen. Das liegt daran, dass sie elektive Operationen, Behandlungen chronischer Krankheiten, Orthopädie und andere Dienstleistungen, die den größten Teil ihrer Einnahmen generieren, für die Behandlung von COVID-19-Patienten zurückgestellt haben. Auch die Zahl der unfallbezogenen Operationen ist stark zurückgegangen, weil weltweit weniger Menschen Auto fahren, Fahrrad fahren, Sport treiben oder zu Fuß ins Freie gehen, weil sie zu Hause bleiben müssen. Wir glauben, dass die Krankenhäuser noch einige Zeit kämpfen werden, selbst wenn ihnen massiv geholfen wird, wie etwa durch mindestens 100 Milliarden US-Dollar aus dem CARES-Gesetz in den USA.

Auch die Arzneimittelunternehmen sind nicht immun. Als Antwort auf den weltweiten Ruf nach Virusbehandlungen und einem Impfstoff haben die großen Pharmakonzerne die sonstigen medizinischen Forschungsarbeiten in ihren Pipelines gebremst.

Es ist ein gemischtes Bild, aber alle Unternehmen des Gesundheitswesens haben ein beunruhigendes Merkmal gemein: Keines versucht auch nur zu erraten, wie hoch die Gewinne in den nächsten sechs Monaten sein werden. Doch trotz der getrübten Aussichten glauben wir, dass für die meisten Unternehmen im Gesundheitssektor der Nachfrageeinbruch durch die Krise nicht von Dauer sein wird.

Blick über die reine Wissenschaft hinaus

Kurzfristig sind viele Unternehmen des Gesundheitswesens dabei, dem Ruf nach dringend benötigter Hilfe nachzukommen. Diejenigen, die sich zum Beispiel auf Tests, Behandlungen und Schutzausrüstungen spezialisiert haben, beschleunigen die Produktion während der Krise exponentiell.

Die Reaktion ist beispiellos. Aber was den Gesundheitssektor zu einem Dauerbrenner macht, sind die Unternehmen, die alle Widrigkeiten überstehen. Deshalb ist es wichtig, über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse hinauszublicken und die Grundlagen jener Gesundheitsunternehmen zu betrachten, die für die Zukunft gerüstet sind.

Pandemie beschleunigt Wandel

Wie jeder Sektor umfasst auch das Gesundheitswesen viele Spezialgebiete, von denen einige direkt vom Umbruch profitieren können. Zum Beispiel können technologische Innovationen das Arzt-Patienten-Verhältnis revolutionieren. Da das Coronavirus Patienten dazu zwingt, Ärzte aus der Ferne zu konsultieren, glauben wir, dass sich die Einführung der sogenannten Telemedizin jetzt beschleunigen und eine neue Norm für Routineuntersuchungen und nicht dringende medizinische Konsultationen über Computer oder mobile Geräte schaffen wird.

In ähnlicher Weise erforschen Pharmaunternehmen virtuelle Produktmarketingstrategien, die das alte Kontaktmodell zwischen Außendienstmitarbeitern und medizinischen Fachkräften vor Ort auf den Kopf stellen werden. Tatsächlich hat das Gesundheitswesen bei der Einführung neuer Technologien in der Vergangenheit nur zögerlich Fortschritte gemacht. Es bedurfte einer Krise, um einen Innovationsschub auszulösen.

Heute auf Heilung hoffen, aber für morgen investieren

Angesichts der weltweiten massiven Anstrengungen wurden auch Hoffnungen auf einen Coronavirus-Impfstoff oder ein Heilverfahren geweckt. Doch man sollte es unserer Überzeugung nach unterlassen, in reine Hoffnungen auf ein Blockbuster-Medikament gegen COVID-19 zu investieren. Investments sollten langfristig ausgerichtet sein, keine binäre Wette auf einen plötzlichen Gewinn eingehen, egal wie hoch der Einsatz ist. Und in ein Unternehmen zu investieren, das davon überzeugt ist, dass es den Impfstoff entdecken könnte, ist unserer Ansicht nach hochriskant.

Sicherlich wird das Unternehmen, das den Impfstoff gegen COVID-19 findet, der große Gewinner sein, auch wenn Vermarktungschancen und Profitabilität insgesamt bescheiden sein könnten. Aber die Vorhersage wissenschaftlicher Durchbrüche ist keine umsichtige Auswahlstrategie für Gesundheitsaktien. An erster Stelle stehen solide Fundamentaldaten wie gesunde Bilanzen und dauerhafte Wettbewerbsvorteile.

Gesundheitsaktien bieten sowohl defensive Attribute als auch Wachstumspotenzial

Aus einer defensiven Perspektive betrachtet profitiert der Gesundheitssektor von einem stetigen Strom von Kunden, die seine vielfältigen Produkte und Dienstleistungen benötigen. Gleichzeitig verändert die rasante Innovation im Gesundheitswesen alles, von der Diagnostik und Roboterchirurgie bis hin zu minimal-invasiven Therapien und Technologien. Wir sind davon überzeugt, dass dieses ausgewogene Profil nicht nur in einer Krise, sondern auch in einer letztlichen Erholung sowohl Widerstandsfähigkeit als auch Wachstumsaussichten bietet.


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 28. Mai 2020.

Vinay Thapar

Vinay Thapar ist Senior Vice President und Portfoliomanager für US-Wachstumsaktien und das International Health Care Portfolio. Thapar stieß im Jahr 2011 zu AllianceBernstein (AB) und war zuvor drei Jahre lang Senior Investment Analyst für das globale Gesundheitswesen bei American Century Investments. Davor arbeitete er acht Jahre lang bei Bear Stearns in der Biotech Equity Research Group. Thapar hat einen Bachelor of Arts in Biologie von der New York University und ist CFA-Charterholder. Standort: New York.

Irrationaler Übermut auf den Aktienmärkten überdeckt Risiken in der Realwirtschaft

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Seit Jahresbeginn fast 11 Prozent Gesamtrendite. Die Stimmung bei Anlegern in den techlastigen NASDAQ-Composite-Index ist heiter und 2020 bislang ein großartiges Jahr. Das Leben an der Wall Street verläuft entsprechend gut. Bei anderen Anlegern, deren Vermögen auf den S&P500-Index ausgerichtet ist, herrscht zwar etwas mehr Nervosität, weil deren Renditen nicht so überragend ausfielen. Schlaflose Nächte haben Sie dennoch nicht, denn sie sehen, dass die Kurve ihres Index schnell ansteigt.

In der Realwirtschaft gingen im April 20 Millionen Arbeitsplätze verloren, und im Mai wurden nur 2,8 Millionen wieder zurückgewonnen. Nach den jüngsten Daten vom Juni liegt die Arbeitslosenquote in den USA jetzt bei 13,3 Prozent, im Februar lag die Quote noch bei 3,5 Prozent. Die US-Wirtschaft schrumpfte nach revidierten Schätzungen im ersten Quartal um annualisierte 5 Prozent. Dann kam es zu den Lockdowns, die alle Aktivitäten zum Stillstand brachten. Die Wachstumszahlen für das zweite Quartal werden dementsprechend besorgniserregender sein. Der erwähnte Zuwachs von 2,8 Millionen Arbeitsplätzen im Mai wurde an der Wall Street weithin gefeiert, während man andernorts auf Konjunkturprogramme von der Regierung wartete, um das Essen auf den Tisch bringen zu können.

Aktienmärkte und Realwirtschaft - diese beiden Universen waren in der Vergangenheit eng miteinander verbunden. Jetzt scheinen für beide unterschiedliche Realitäten zu gelten. Aktienkurse prognostizieren zukünftige Aktivitäten. Dies hängt stark von der Verfassung der zugrunde liegenden Wirtschaft ab. Wie sich die Aktienrenditen in der zweiten Hälfte dieses Jahres entwickeln werden, hängt von dieser Schlüsselfrage ab: Ist der Markt über sich selbst hinausgewachsen, oder prognostizieren die Aktienkurse richtig, was als eine schnellere als erwartete Erholung der Wirtschaftstätigkeit enden könnte?

Die Wirtschaft dürfte viel Arbeit vor sich haben, wenn die Aktienmärkte Recht haben. Noch nie waren die beiden Welten seit der globalen Finanzkrise so weit voneinander entfernt. Was ist die Ursache dafür und was sollten Anleger angesichts dieser neuen Verhältnisse tun?


Source: WisdomTree, Bloomberg. Data as at 17/06/2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Wo steht die US-Notenbank Fed? Auf der Seite der Realwirtschaft oder der Aktienmärkte?

Nach dem heftigen Crash Mitte März, als die Coronavirus-Pandemie die Märkte stärker in Mitleidenschaft zog, kam es zu einer starken Erholung der Aktienmärkte. Viele Investoren haben die Baisse "gekauft" und damit den Märkten geholfen, sich zu drehen und ein positives Momentum aufzubauen. Die Märkte fanden Trost in den Wirtschaftsprognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Zentralbanken auf der ganzen Welt prognostizierten schnell eine starke Erholung für 2021.

Den heiligen Gral jedoch stellte die Intervention der US-Notenbank (Fed) und anderer Zentralbanken auf der ganzen Welt dar. Ein monetärer Stimulus auf die Realwirtschaft wirkt – wenn überhaupt - nicht unmittelbar. Wachstum entsteht, wenn die Menschen Geld ausgeben. Aber diese halten sich in Zeiten erhöhter Unsicherheit zurück. Wenn die Beschäftigungssituation einer Person auf der Kippe steht, ist es unwahrscheinlich, dass sie sich ein neues Auto oder Haus kaufen wird - selbst wenn die Zinsen niedrig sind. Ein monetärer Stimulus führt jedoch zu einer sofortigen Liquiditätsspritze für die Finanzmärkte. Erhöhen Anleger jedoch das Risiko in ihren Portfolios, indem sie Aktien kaufen, weil diese attraktiv sind oder weil "es keine Alternative gibt"? Wenn sicherere Alternativen keine oder sogar negative Renditen aufweisen, sind die Anleger dann gezwungen, mehr Risiko einzugehen?


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Daten per Stand 17. Juni 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Abbildung 2 zeigt den klaren Zusammenhang zwischen der US-Geldmenge und steigenden Aktienbewertungen. Denken Sie daran, dass das Verhältnis von Terminkurs zu Gewinn das Verhältnis zwischen dem heutigen Kurs einer Aktie und dem erwarteten Gewinn im nächsten Jahr ist. Versierte Anleger hinterfragen die Nützlichkeit dieser Kennzahl vor allem dann kritisch, wenn die erwarteten Gewinne derart ungewiss sind. Aber genau das ist der Punkt. Eine ungewisse Ertragslage würde eine vernünftigere Bewertung in den Preis einfließen lassen.

In den 1970er und 1980er Jahren, als die Fed-Zinssätze zweistellig waren, lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für US-Aktien oft im einstelligen Bereich. Im Laufe der Zeit führten die Geldmengenexpansion der Fed und der Kauf von Vermögenswerten zu einem Rückgang der Zinssätze, was die Risikobereitschaft der Anleger erhöhte und die Aktienbewertungen in die Höhe trieb. Dies war allgemein ein stetiger Prozess bis zum laufenden Jahr, denn sowohl der Umfang der Bilanz der Fed als auch die Aktienbewertungen stiegen stark an.

Nun ist der Preis einer Aktie der Gegenwartswert, den Investoren künftigen Cashflows für die Dauer des Bestehens des Unternehmens beimessen. Aber hier liegt der Kern der Diskussion. Diese Unternehmen müssen auch nach Überwindung der Krise weiter bestehen. Wie Buchhalter sagen würden, braucht es ein "going concern", ein gut gehendes Geschäft. Kluges Investieren erkennt die Risiken. Was die Risiken verdeckt, ist irrationaler Übermut.

Wer die Risiken ignoriert, lässt sie nicht verschwinden

Am Donnerstag, 11. Juni, fiel der S&P-500-Index um rund sechs Prozent, als der von der Fed präsentierte düstere Wirtschaftsausblick die Märkte überraschte. Der CBOE-Volatilitätsindex (VIX) stieg am selben Tag von 27 auf fast 44, als die Anleger in Scharen Schutz suchten. Am 16. Juni legten die Märkte wieder zu, als die Fed ihre Entscheidung zum Aufkauf von Unternehmensanleihen bekräftigte. Die "Fed Put" kam ins Spiel - und setzte damit erneut eine Preisuntergrenze, von der sie sich wieder erholen konnten. Die zugrunde liegende wirtschaftliche Realität blieb unverändert.

Eine ganze Reihe von Risiken steht am Horizont, während sich die Märkte gleichzeitig nach vorne bewegen: Eine zweite Welle der Pandemie könnte die Regierungen zwingen, den Lockdown wieder zu verschärfen; zunehmende Konkurse könnten das Vertrauen der Unternehmen beeinträchtigen; verlorene Arbeitsplätze können dann vielleicht nicht wiederhergestellt werden; und leider könnte sich die U-förmige wirtschaftliche Erholung in einen „Nike-Swoosh“ bzw. ein "W" verwandeln. Nicht zu vergessen sind zudem die Handelskriege, die Märkte und die Weltwirtschaft zwei Jahre lang vor Ausbruch der Pandemie geplagt haben. Angesichts der erneuten Spannungen zwischen den USA und China in jüngster Zeit im Zusammenhang mit dem Sicherheitsgesetz für Hongkong ist das Problem noch lange nicht gelöst.

Ein klügerer Ansatz zum Umgang mit den Risiken

Ein defensiver Ansatz könnte dazu beitragen, die Risiken zu bewältigen, die wir derzeit an den Märkten sehen. Dies bedeutet nicht, dass wir auf potenzielle Aufwärtsgewinne verzichten müssen. Defensiv zu sein ist vielmehr gleichbedeutend mit einem ausgewogenen Investitionsansatz. Es bedeutet, die Risiken zu erkennen und eine Widerstandsfähigkeit des Portfolios aufzubauen, um im Laufe der Zeit ein besseres risikobereinigtes Ergebnis zu erzielen. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu haben, was in der Realwirtschaft passiert. Es geht darum, ein Portfolio aufzubauen, das Schocks standhält. Beispielsweise dann, wenn eine Zentralbank das Offensichtliche sagt, so wie die Fed mit ihrer Aussage, dass die anhaltende globale Pandemie wirtschaftliche Herausforderungen schaffen wird.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, defensive Portfolios aufzubauen. Wir wissen, wie wichtig es ist, dies auch umzusetzen. Deshalb widmen wir einen ganzen Abschnitt auf unserer Website ein Framework für defensive Assets. Autor Pierre Debru zeigt zu dieser Thematik Prinzipien auf, die für den Aufbau robusterer Portfolios erforderlich sind.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg, Datenstand per 17.06.2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Defensive Anlagen tragen dann zum Erfolg bei, wenn sie am meisten gebraucht werden. Bedenken Sie die starke Outperformance von Gold gegenüber Aktien in diesem Jahr (siehe Abbildung 03). In einem Portfolio ersetzt das Gold die Aktien nicht, sondern hat lediglich eine ergänzende Funktion. Andere defensive Anlageklassen tun dasselbe - wenn auch auf unterschiedliche Weise. Einer der bekanntesten Grundsätze lautet, nicht alle Eier in einen Korb zu setzen. Darüber sollten alle Anleger nachdenken.

Und erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang an das Gebot der Nächstenliebe? Vielleicht ist dies etwas, worüber die Akteure auf den Aktienmärkten nachdenken sollten. Ihr Schicksal scheint sich von dem ihrer Nachbarn in der realen Wirtschaft zu unterscheiden, aber beider Wege werden sich irgendwann kreuzen. Das müssen sie auch.


Sofern nicht anders angegeben, ist die Datenquelle Bloomberg mit Stand vom 17. Juni 2020.

„Ausblick nach dem Lock-Down: Aktien bieten weiterhin Chancen“

von Alexander Chamier, Senior Portfolio Manager für die Bereiche Renten & Multi Asset der Apo Asset Management GmbH (apoAsset).

Nach der Lockerung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen „Lock-Downs“ setzt die Konjunktur zur Erholung an. Zeitgleich sind die Bewertungen für Aktien massiv gestiegen. Noch sind die Investoren allerdings defensiv aufgestellt. In den Markt könnte noch viel Liquidität fließen. Das bietet Anlegern weiterhin Chancen. Dies gilt erst Recht für Aktien aus dem Gesundheitssektor. Diese sind relativ zum Gesamtmarkt historisch günstig bewertet.

Die globale Konjunkturerholung hängt am seidenen Faden des Covid-19-Infektionsverlaufs.

Die globale Konjunktur hat im zweiten Quartal 2020 bedingt durch die Covid-19-Pandemie einen schockartigen Einbruch erlebt. Auch Europa befindet sich aktuell in einer tiefen Rezession, vielleicht fällt der Rückgang noch stärker aus als in der Finanzmarktkrise 2008/2009. Die Regierungen der einzelnen Länder sowie die Zentralbanken haben weltweit rasch reagiert und massive geld- und fiskalpolitische Unterstützungsmaßnahmen auf den Weg gebracht, welche das Ausmaß der Finanzmarktkrise 2008/2009 überschreiten. Nachdem der gesellschaftliche und wirtschaftliche „Lock-Down“ im Zuge der Stabilisierung der globalen Infektionswelle gelockert werden konnte, werden Anzeichen sichtbar, dass sich die Konjunktur bereits auf dem Weg der Erholung befindet. Sollte eine große zweite Infektionswelle vermieden werden, ist von einer deutlichen Erholung im zweiten Halbjahr auszugehen. Aufgrund des sehr starken Einbruchs ist aber erst im Laufe des Jahres 2021 zu erwarten, dass die wirtschaftliche Aktivität das Niveau von Ende 2019 wieder erreicht.

Wir werden uns an höhere Bewertungen am Aktienmarkt gewöhnen müssen!

Die Aktienmärkte sind aufgrund des globalen Konjunktureinbruchs im März regelrecht eingestürzt. Kursrückgänge um bis zu 38 % (Quelle: Bloomberg; Index: Eurostoxx 50; Zeitraum: 19.02.2020-18.03.2020) in nur 4 Wochen haben sogar die Bewegungen aus dem Jahr 2008 in den Schatten gestellt. Allerdings haben Aktien fast ebenso schnell zur Erholung angesetzt. Getrieben von einer Stabilisierung der Infektionswelle und einer regelrechten Liquiditätsflut haben Aktien einen Großteil der Verluste bereits wieder ausgeglichen. Die Kombination von stark reduzierten Gewinnprognosen und der jüngsten Aktienmarktrallye hat zu Bewertungen am Aktienmarkt geführt (Kurs-Gewinn-Verhältnis (KVG) in Europa: 17,9), welche wir bisher nur aus der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre kannten (KGV auf Basis der geschätzten Gewinne; Quelle: MSCI, Thomson Reuters; Stand: 12.06.2020). Langfristig mag man zu Recht argumentieren, dass diese keine besonders attraktiven Einstiegsgelegenheiten bieten. Man muss sich aber vor Augen führen, dass das in Europa grassierende Negativzinsumfeld seit Jahren kaum Alternativen bietet. Dem Club der Niedrigzinsen sind die USA in den letzten 12 Monaten beigetreten. Am Immobilienmarkt haben wir ebenfalls eine Neubewertung in den vergangenen Jahren erlebt. Insofern ist es gut vorstellbar, dass diese hohen Bewertungen am Aktienmarkt uns noch eine Zeit begleiten und erst durch den Anstieg der Unternehmensgewinne in den nächsten Jahren abgebaut werden. Auf kurzfristige Sicht ist bemerkenswert, dass taktische Stimmungs- und Positionierungsdaten trotz der stark angezogenen Bewertungen keine Warnsignale geben. Teilweise sprechen Positionierungsdaten noch für ein sehr defensives Agieren der Investoren – dies bietet Chancen. Es scheint noch eine Menge Liquidität an der Seitenlinie zu warten, welche in den Aktienmarkt kommen könnte. Sollte eine zweite Infektionswelle vermieden werden, sehen wir daher mittelfristig, trotz der jüngsten Erholungsrallye, mehr Chancen für Aktien als für sichere Staatsanliehen.

Gesundheits-Aktien historisch günstig bewertet.

Während die Aktienmarktbewertungen in den letzten Wochen teilweise Augenreiben und Bauschmerzen auslösen, erscheinen Gesundheitsaktien relativ günstig bewertet. Während die Unternehmensgewinne am Gesamtmarkt eingebrochen sind, haben sich die Gewinnschätzungen am Gesundheitsmarkt sehr stabil entwickelt. Entsprechend sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse von Gesundheitsaktien viel weniger als am Gesamtmarkt gestiegen. Die relative Bewertung von Gesundheitsaktien erscheint gegenüber dem Gesamtmarkt so günstig wie seit 10 Jahren nicht mehr (KGV auf Basis der geschätzten Gewinne Europa Healthcare 17,5 vs. Europa Gesamtmarkt 17,9; Quelle: MSCI, Thomson Reuters; Stand: 12.06.2020). Wir sehen daher für diese Branche nicht nur aufgrund des strukturell stärkeren Gewinnwachstums ein überdurchschnittliches Chance-Risiko-Verhältnis.


Über Alexander Chamier

Alexander Chamier, CFA, ist seit 2015 Teil des Portfoliomanagements der Apo Asset Management GmbH (apoAsset) und als Senior Portfolio Manager für die Bereiche Renten & Multi Asset zuständig. Davor war der gelernte Bank- und Diplom-Kaufmann bei der Union Investment Institutional GmbH als Portfoliomanager Multi Asset/Investmentstratege tätig. Weitere Station seines Berufslebens war die AXA Konzern AG. Alexander Chamier ist verheiratet und Vater von 2 Kindern.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist einer der führenden Anbieter von Anlageprodukten mit Gesundheitsprofil. Seit über 20 Jahren entwickelt und managt das Unternehmen Investmentfonds für private und institutionelle Anleger. Weitere, langjährige Schwerpunkte sind Multi-Asset-Fonds sowie Rentenfonds. apoAsset wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem vom Anlegermagazin „Focus Money“ als eine der besten Fondsanlage-Gesellschaften Deutschlands. Die Fondsmanager der apoAsset bilden zusammen mit der Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialisten Medical Strategy GmbH, einem hochkarätigen wissenschaftlichen Beirat sowie den Gesellschafter Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Derzeit verwalten das Unternehmen ein Fondsvermögen von insgesamt rund 3,5 Mrd. Euro, davon rund 1 Mrd. Euro in Gesundheitsfonds.
Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Demand for cloud services drives strong revenue growth

by Chris Gannatti, Head of Research, Europe, WisdomTree.

The Covid-19 pandemic has been a very difficult period for global investors. From 19 February 2020 to 23 March 2020, currently the lowest recent point, the MSCI ACWI Index lost more than 33% of its value. Since 23 March 2020, however, the situation has improved for global equities, with the MSCI ACWI Index appreciating more than 36% through 2 June 2020. 

For 2020 year-to-date, we’ve seen the MSCI ACWI Index deliver a return of -7.26%. From a sector perspective:

  • During the downdraft (3 worst decliners)
    • Energy, as the price of oil was also dropping precipitously, was down 51.85%.
    • Financials, as there have been concerns about future non-performing loans, were down 41.44%.
    • Industrials were down 38.21%.
  • During the subsequent rally (3 best performers)
    • Energy, as the price of oil underwent a bit of recovery, was up 56.6%.
    • Materials were up 45.0%.
    • Consumer Discretionary was up 40.6%
  • For Year-to-Date 2020
    • Tech and Healthcare are the only two sectors in positive territory.
    • Financials and Energy are still down more than 22%.

It’s easier to follow good news

The contrarians amongst us may be thinking that Financials and Energy have really been hit hard by the Covid-19 pandemic, so there may be veritable “bargains” available there. However, with negative headlines, dividend cuts or cancellations, and possibilities of increasing non-performing loans, these certainly aren’t easy sectors to be comfortable with at present1.

Behaviourally speaking, it’s much easier to go after the more positive announcements, even if companies able to make more positive announcements would usually tend to have higher valuations. This may be an example of what is happening within cloud computing companies presently2.

Amidst the Covid-19 pandemic, cloud computing companies are delivering strong revenue growth

Within Figure 1, we look at the top 10 companies from within the BVP Nasdaq Emerging Cloud Index and take the most recent reported year-over-year growth in revenue. A few things were immediately clear:

  • Zoom Video Communications stands out. The company reported earnings results on 2nd June 2020 and highlighted year on year growth in revenue from $122 million to $328 million3, or 169%.
  • Datadog and Crowdstrike, while not having the overall brand recognition of Zoom in the current period, delivered year over year growth in revenues in the 80-90% range. 
  • Within this chart it’s important to keep in mind that what looks like lower year over year revenue growth, is actually still in the 20-40% range. Zoom is so high that it repositions the vertical scale, but to be clear all of these firms have grown revenues strongly through their most recent announcements.

Figure 1: Year-over-Year Revenue Growth for Top 10 Emerging Cloud Companies


Source
: Bloomberg, with the 10 companies selected being those with the 10 highest weights within the BVP Nasdaq Emerging Cloud Index as of 2 June 2020. Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value. You cannot invest directly in an index

Cloud company services have been in-demand

These companies are in fact representative of providing services that have seen demand rising during the Covid-19 Pandemic.

  • Fastly, Datadog and Zscaler, broadly speaking, are involved with helping networks deal with spikes in traffic and security in different ways. The pandemic has placed a premium on network data transmission and cybersecurity, as many employees needed to be able to work from anywhere quite quickly.
  • Zoom has generated a lot of attention, when people are forced to connect virtually, suddenly the demand for reliable video conferencing increases substantially. Twilio also operates in the communications space.
  • Shopify has made a name helping businesses jump into ecommerce efficiently. Wix.com specialises in helping users more easily develop presences on the web.
  • Docusign takes a formerly physical action, signing a piece of paper, into the virtual world. 2U is helping universities undertake a transition to providing more and more of their services online.
  • Okta provides an extremely useful service in a world that places more importance on using applications, since it seeks to improve security and helps people store passwords to multiple different web pages, among other things.

We don’t know exactly how the Covid-19 pandemic will influence the future of how business is done or how humans interact, but it’s becoming clear that the services of these types of companies may have become more important for the foreseeable future.


Unless otherwise stated, the data source is Bloomberg data source as of 2 June 2020.

1) As of 02 June 2020
2) As of 02 June 2020
3) Zoom Reports First Quarter Results for Fiscal Year 2021, https://investors.zoom.us/news-releases/news-release-details/zoom-reports-first-quarter-results-fiscal-year-2021

Vorgezogene OPEC Plus -Tagung könnte die Voraussetzung für eine Ausweitung der Produktionskürzungen schaffen

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Die OPEC+ hatte sich auf ein früher als ursprünglich geplantes Treffen vorbereitet. Dies trieb die Ölpreise in die Höhe. Streitigkeiten über die Einhaltung der Quoten lassen jedoch Zweifel an einer Vorverlegung des Treffens auf den heutigen Donnerstag aufkommen. Sollte das Treffen tatsächlich diese Woche stattfinden, dürften die Ölpreise am 3. Juni die Tagesverluste wieder wettmachen. Dies könnte dazu führen, dass Brent über 40 US Dollar pro Barrel und WTI über 38 US Dollar pro Barrel steigen.

Angesichts der raschen Vernichtung der Nachfrage und eines Angebotsüberhangs aus der Zeit, als das Kartell in einen Preiskrieg verwickelt war, schien die Herausforderung für die OPEC+, die Ölmärkte ins Gleichgewicht zu bringen, als sie Anfang Mai 2020 schließlich Förderkürzungen akzeptierte, unüberwindbar. Die Förderkürzungen von 9,7 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) - die größte jemals koordinierte Förderkürzung - erschienen uns nicht ausreichend, um die Märkte in Balance zu bringen, da diese Kürzungen nur zwei Monate (Mai und Juni) gedauert hätten, bevor sie sich bis Ende dieses Jahres auf 7,7 mb/d verlangsamen und von Januar 2021 bis April 2022 wieder auf 5,8 mb/d zurückgehen sollten. Doch die Nachfrage (von einem niedrigen Niveau ausgehend) scheint erste Anzeichen einer Erholung zu zeigen. Es könnte sein, dass die OPEC+ die Kürzungen um 9,7 mb/d um mehrere Monate verlängert. Das dürfte sich positiv auf den Ölpreis auswirken. Die OPEC+ hatte darüber diskutiert, ihr politisches Treffen vor dem geplanten Treffen am 10. Juni auf den 4. Juni vorzuverlegen. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels war die Datumsänderung noch nicht bestätigt. Russlands anfängliches Zögern, die Kürzungen zu verlängern, scheint überwunden zu sein, aber Russland und Saudi-Arabien sind sich einig, dass alle Mitglieder zuvor die Compliance verbessern müssen.

Warum wäre es sinnvoll, das Datum des Treffens zu ändern? Weil viele OPEC-Mitglieder in den ersten Wochen des Monats (für den Folgemonat) über ihre Preise und Absatzmengen entscheiden, bietet ihnen ein Treffen Anfang Juni eine gewisse Flexibilität bei den Versandentscheidungen im Juli. Wenn man bis zum 10. Juni warten würde, würden die Mitglieder Entscheidungen auf der Grundlage von Kürzungen um 7,7 mb/d treffen. Es wird schwierig sein, eine Erweiterung auf eine Produktionskürzung von 9,7 mb/d (oder eine Erhöhung der Kürzungen) umzusetzen, wenn man es bei der Sitzung am 10. Juni belässt. Ein vorgezogenes Abhalten des Treffens deutet darauf hin, dass die Bereitschaft besteht, für eine längere Zeit tiefere Einschnitte vorzunehmen.

Es versteht sich von selbst, dass sich die Ergebnisse eines OPEC+-Treffens selten im Voraus absehbar sind. Bei seinem Treffen im März 2020 kam das Kartell ohne jeden Deal davon, obwohl sich alle OPEC-Kernmitglieder für eine Kürzung aussprachen. Russland - der größte Nicht-OPEC-Partner - war mit den vorgeschlagenen Kürzungen nicht einverstanden. Dieser Schock löste einen Preiskampf aus. Im April dauerten die Dringlichkeitssitzungen der Gruppe Tage, nachdem Mexiko - ein weiterer Nicht-OPEC-Partner - sich weigerte, der ihm zugeteilten Quote zuzustimmen. Erst US-Präsident Trump - ein langjähriger Kritiker des Kartells - stimmte den Kürzungen im Namen Mexikos zu, um die Pattsituation aufzulösen. Das Drama um die Verschiebung des Sitzungstermins ist ein gutes Beispiel dafür, wie schwierig es ist, das Verhalten der OPEC vorherzusagen.

Laut einer Umfrage von Bloomberg scheint die Einhaltung der Quoten auf einem Niveau von 77 Prozent moderat zu sein. Die üblichen Nachzügler wie Irak und Nigeria scheinen die Bemühungen zu untergraben. Russland, ein Land, das sich normalerweise nicht so recht an die Quoten hält, scheint jedoch im Mai nahe daran gewesen zu sein, die Produktion auf das Quotenniveau zu bringen.

Seit dem letzten Treffen am 12. April ist die Produktion von Brent um 23 Prozent gestiegen, während WTI um 61 Prozent gestiegen ist. Allerdings gab es in diesem Zeitraum eine beträchtliche Volatilität auf dem Ölmarkt (einschließlich der WTI-Preise, die zum ersten Mal ins Negative sanken). Angesichts des starken Contango auf dem Markt war es für die Anleger schwierig, Renditen in der Nähe dieser Niveaus zu erzielen. Allerdings ist der Contango in der Tat auch erheblich zurückgegangen. Wenn die Ölpreise weiter steigen, könnten die Anleger dem Spot näher kommen.

Ausblick für Silber: „Das Gold des armen Mannes holt auf“

von Nitesh Shah, Director Research bei WisdomTree.

Noch bis vor Kurzem hinkte Silber den Entwicklungen dieses Jahres hinterher. Es konnte größtenteils nicht mit dem Anstieg bei Gold mithalten. Das ändert sich jetzt. Die Gold-Silber-Ratio, ein Maß dafür, wie günstig Silber gegenüber Gold ist, befand sich im vergangenen Jahr auf einem erhöhten Niveau (d. h., Silber war sehr günstig). Obwohl die Ratio in den letzten Wochen gesunken ist, wird sie im kommenden Jahr nicht auf ein normales Niveau zurückkehren. Unseren internen Prognosen zufolge könnte der Silberpreis bis Ende des Jahres deutlich von 17,10 US Dollar pro Feinunze auf rund 26,50 US Dollar steigen und daraufhin zum Ende des ersten Quartals 2021 auf 21,40 US Dollar sinken. Diese Prognose beinhaltet den Gegenwind durch eine sinkende Nachfrage aus der Industrie. Versorgungsstörungen könnten deshalb ein Aufwärtsrisiko darstellen.

Mehr Mr. Hyde als Dr. Jekyll

Die Performance von Silber war dieses Jahr bis ungefähr Mitte Mai 2020 überaus enttäuschend. Es verhielt sich mehr wie ein Industriemetall als ein Edelmetall. Unserem Modell zufolge handelt es sich bei Silber um ein Hybridmetall, doch in letzter Zeit scheint seine starke historische Korrelation mit Gold aus dem Ruder zu laufen.

Abbildung 1: Preisentwicklung von Silber, Gold und Industriemetallen im bisherigen Jahresverlauf


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. 01.01.2020 bis 18.05.2020. Data basieren auf den Subindizes des Bloomberg Commodity Index. Der Bloomberg Industrial Metals Subindex beinhaltete Kupfer, Aluminium, Zink und Nickel. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Gold ist dieses Jahr um über 13 Prozent gestiegen, Silber hingegen entwickelte sich um 4 Prozent1 rückläufig. Dies führte zu einem Anstieg der Gold-Silber-Ratio auf bisher noch nie beobachtete Stände. Je höher die Ratio, desto günstiger ist Silber im Vergleich zu Gold. Auf einem Höhepunkt von 122 im März 2020 lag die Ratio um mehr als 4 Standardabweichungen über dem Durchschnitt. Erst Mitte Mai sank sie unter 3 Standardabweichungen über dem Durchschnitt. Entweder ist Silber sehr günstig oder es ist zu einer langfristigen Änderung in der Beziehung zwischen Silber und Gold gekommen. In letzter Zeit begann Silber gegenüber Gold aufzuholen. Die Korrelation zwischen den beiden Metallen könnte sich fortsetzen.

Abbildung 2: Gold-Silber-Ratio


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. 01.06.1990 bis 18.05.2020. Daten basierend auf den Edelmetallpreisen der London Bullion Market Association. StA entspricht dem Abstand vom Durchschnitt als Anzahl der Standardabweichungen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Modell

In unserem Artikel „Gold and silver: similar, but different“ (Gold und Silber: ähnlich, aber anders) argumentierten wir, dass die Kursentwicklung von Silber zu 80 Prozent mit Gold korreliert ist. Im Rahmen unserer Modellierung ist Gold deshalb der Faktor, der den Silberkurs am stärksten beeinflusst. Jedoch halten wir folgende Variablen ebenso für wichtige Einflussfaktoren:

  • Erhöhung der Produktionstätigkeit – Silber findet zu mehr als 50 Prozent2 in Anwendungen der Industrie (im Gegensatz zu Gold, bei dem dieser Anteil weniger als 10 Prozent beträgt). Stellvertretend für die industrielle Nachfrage verwenden wir den Global Manufacturing Purchasing Managers Index (PMI).
  • Erhöhung der Silberbestände – steigende Bestände signalisieren eine höhere Verfügbarkeit des Metalls und wirken sich deshalb negativ auf die Kurse aus. Stellvertretend verwenden wir die Bestände von Terminbörsen.
  • Erhöhung der Investitionen im Bergbau (Capex) – je mehr Minen investieren, desto höher wird das potenzielle Angebot in Zukunft ausfallen. Deshalb rechnen wir für diese Variable eine 18-monatige Verzögerung ein. Angesichts der Tatsache, dass das meiste Silber als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle gewonnen wird, beziehen wir den Investitionsaufwand (Capex) der wichtigsten 100 Bergbaugesellschaften mit ein (nicht nur auf Silber spezialisierte Bergbauunternehmen). 

Gold wird noch nie da gewesene Hochs erreichen

In „Goldausblick für das erste Quartal 2021: Bislang unbekanntes Terrain" haben wir unsere Prognosen für Gold für zwei wirtschaftliche Szenarien dargelegt – eine V-förmige und eine U-förmige wirtschaftliche Erholung. Ein U-förmige wirtschaftliche Erholung scheint immer wahrscheinlicher, daher nutzen wir dies als Basis für unseren Silberausblick. Bei der U-förmigen wirtschaftlichen Erholungsprognose unterstellen wir, dass sich die globale Wirtschaft bei der Erholung von COVID-19 schwertut. Die von den Zentralbanken und Finanzbehörden bereitgestellten Fazilitäten werden stark in Anspruch genommen und ausgeweitet. Es könnte deshalb zu weiteren Lockerungsmaßnahmen kommen. In diesem Umfeld könnte Gold auf 2200 US Dollar pro Feinunze steigen. Unabhängig von einer V- oder U-förmigen wirtschaftlichen Erholung zeigt unsere interne Prognose, dass Gold auf noch nie da gewesene Hochs steigen wird. Bei einer U-förmigen wirtschaftlichen Erholung könnte es sich über einen längeren Zeitraum auf einem Niveau über 2000 US Dollar pro Feinunze halten.

Schwache Prognose für Silber

Beim Wachstum könnte Silber Gold unseres Erachtens überholen. Silber könnte bis Ende dieses Jahres trotz einer schwachen industriellen Nachfrage und anwachsender Bestände auf 26,50 US Dollar pro Feinunze steigen. Ausgehend von einem Preis von 17,10 US Dollar pro Feinunze (19/05/2020) zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels (19.05.2020), entspräche dies einem Zuwachs von fast 55 Prozent. Er würde nicht ausreichen, um die Gold-Silber-Ratio auf ein normales Niveau zurückzuführen. In der Tat könnte die Ratio immer noch fast eine Standardabweichung über dem Durchschnitt liegen. Wenn unsere Goldprognose für das vierte Quartal 2020 von 2.100 US Dollar pro Feinunze korrekt ist und die Gold-Silber-Ratio sich normalisiert, würde der Silberpreis über 30 US Dollar liegen. Unseres Erachtens wird die Ratio angesichts der schwachen Industrienachfrage im kommenden Jahr nicht auf einen normalen Stand zurückkehren. Bis zum Ende des ersten Quartals 2021 könnte Silber auf 21,40 US Dollar pro Feinunze nachgeben, während Gold weiter auf 2.200 US Dollar zulegen könnte. Dies würde zu einem Anstieg der Gold-Silber-Ratio auf 102 führen. 

Abbildung 3: WisdomTree Silberprognose


Quelle: WisdomTree (Prognosen), Bloomberg (historische Daten), Daten verfügbar bis Schlusskurs vom 19. Mai 2020. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Die Industrienachfrage dürfte sich langsam erholen

Für die Manufacturing Purchasing Managers Indices (Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe) – unsere Ersatzgröße für die Silbernachfrage aus der Industrie – prognostizieren wir eine Erholung gegenüber den aktuellen Krisenständen. Die Erholung wird jedoch langsam vor sich gehen und innerhalb des Prognosehorizonts möglicherweise nicht über 50 steigen (Grenze zwischen Kontraktion und Wachstum). Da die Lockdown-Maßnahmen im aktuellen Umfeld nur langsam gelockert werden können und obwohl all die geld- und finanzpolitischen Lockerungsmaßnahmen die natürliche Nachfrage nach industrieller Aktivität möglicherweise stärken werden, wird sich diese Erholung im Vergleich zu 2009 langsamer entwickeln. 

Abbildung 4: Global Manufacturing Purchasing Managers Indices (PMIs)


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. 05.02.2009 bis 04.05.2020. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.
 

Angebot aus dem Silberabbau könnte steigen

Der Abbau von Silber ist seit vier Jahren rückläufig. Die Hauptursachen liegen in der sinkenden Qualität des Erzes in mehreren großen Primärsilberminen, eine geringere Silberproduktion in Kupferminen und erheblichen Störungen in großen Silberminen.

Die Höhe der Investitionen in Minen – eine der Ersatzgrößen unseres Modells – ging in den letzten Monaten zwar deutlich zurück, verzeichnete vor 18 Monaten jedoch noch einen Anstieg. Um in unserem Modell die Zeit widerzuspiegeln, bis eine Erhöhung der Investitionen zu einem merklichen Anstieg der Abbaumenge führt, rechnen wir eine Zeitverzögerung von 18 Monaten ein. Gegenwärtig könnten sich diese erhöhten Investitionen erwartungsgemäß niederschlagen und demzufolge das Angebot einen Teil der Preiszuwächse bei Silber wettmachen.

Betrachtet man die Lage jedoch auf mikroökonomischer Ebene, gibt es Grund zur Annahme, dass der Silberabbau dieses Jahr rückläufig sein wird. Aufgrund von COVID-19 wurde der Bergbau in Regionen mit hoher Silberproduktion wie Mexiko, Peru, Bolivien und der kanadischen Provinz Quebec vorübergehend eingestellt. Während wir in unserem Modell also auf möglichen Gegenwind durch einen Anstieg des Angebots hinweisen, besteht ein Aufwärtsrisiko beim Preis, falls es im Zusammenhang mit COVID-19 zu Störungen kommt.

Abbildung 5: Investitionswachstum durch Bergbauunternehmen


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand der Daten: 18. Mai 2020. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Silberbestände der Börsen steigen

In Bezug auf einen anderen Angebotsindikator – die Silberbestände –limitiert uns die beschränkte Datenlage hinsichtlich der globalen Bestände ein, weshalb wir die Bestände von Terminbörsen als Ersatzgröße heranziehen. Diese sind in den letzten Jahren unermüdlich angestiegen. Obwohl dies schwer mit den sinkenden Abbaumengen der letzten Jahre zu vereinbaren ist, erklärt es die relativ schwachen Silberpreise.

Hierbei ist zu beachten, dass eine Unterscheidung zwischen registriertem und qualifiziertem Bestand besteht. „Qualifiziert“ bedeutet, dass das Metall die Anforderungen der Börse erfüllt, jedoch nicht als Sicherheit für eine Transaktion am Terminmarkt eingesetzt wird. „Registriert“ bedeutet dagegen, dass das Metall die Anforderungen erfüllt und als Sicherheit für Transaktionen am Terminmarkt eingesetzt wird. Da das qualifizierte Metall leicht in registriertes Metall umgewandelt werden kann, verwenden wir die Gesamtmenge. Die meisten Zuwächse werden jedoch bei qualifiziertem und nicht bei registriertem Metall verzeichnet. Die Ursache dafür könnte einfach in der verstärkten Lagerung in COMEX-Lagerhäusern, anstatt in anderen Lagerhäusern liegen. Gleichwohl dämpft die größere Quelle sichtbarer Bestände den Preis von Silber. Unseren Erwartungen zufolge wird dies beim Preis auch weiterhin für Gegenwind sorgen.

Abbildung 6: Silberbestand


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand der Daten: 18. Mai 2020. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Fazit

Obwohl eine sinkende Industrienachfrage und potenzielle Anstiege des Angebots bei Silber für Gegenwind sorgen, sollte seine Korrelation mit Gold ihm starken Rückenwind geben. Diese Korrelation war in den letzten Monaten zwar schlecht, in den letzten Wochen scheint es jedoch, dass sich beide Metalle wieder annähern. Unsere Annahme zu den Angebotszuwächsen, die dem Modell zufolge auf der Behandlung von Zuwächsen des Investitionsaufwands basiert, könnte sich als irreführend erweisen. Das Silberangebot aus dem Bergbau könnte aufgrund der Einschränkungen durch COVID-19 in der Tat auf einem niedrigeren Niveau verbleiben. Deshalb könnte der Preis von Silber einem Aufwärtsrisiko unterliegen.


1) Im Jahr zum 18. Mai 2020, basierend auf Spotdaten von Bloomberg.
2) Laut Daten des Silver Institute.

Key risks to monitor in AT1 CoCos

by Lidia Treiber, Director, Research, WisdomTree.

2020 has been a remarkable year for investors. A Covid-19 induced lockdown across the world, and a subsequent market crash has changed the shape of the global economy. In the months following the crash, investors have been looking at risk assets as they seek to take advantage of undervalued opportunities for growth. Some industries have been hit hard; some have weathered the storm and others have prospered. Going into January it would have been difficult to foresee buoyant industries being hurt so dramatically.

To give a sense of the impact, almost half of the FTSE 100 has either cut, cancelled, or delayed decisions around dividend disbursements until a later date1. The European banking sector is no different. The European Central Bank has requested Eurozone banks to stop dividend payments and share buybacks this year to help preserve cash levels amid the economic backdrop of Covid-19.

Sticking with the subject of European banks but looking at Additional Tier 1 Contingent Convertible Bonds (AT1 CoCos), there has been no intervention yet. Regulators have not requested banks to stop the coupon payments of their outstanding AT1 CoCos. Forcing banks to stop the coupon payments of their AT1 CoCos may upset credit spreads of other parts of the bank’s capital structure and create spread widening in the more senior bank debt as well, if investors worry about the financial position of banks. Regulators may be considering their actions and the risk that specific actions may have in creating distress in the banking system amid the existing global economic crisis.

We see three key factors that are interesting to monitor amid the current backdrop:

  • Bail-in risk (write down or equity conversion): While this remains a key risk given the market uncertainty around the economic impact of Covid-19 and rising loan loss provisions at banks globally, at the moment this risk appears to be somewhat mitigated by the reported high capital ratios of European banks. Common equity tier 1 ratios for the European banks are relatively high relative to their maximum trigger ratios which are typically 5.125% and 7%. It is important to note that AT1 CoCos allow for a supervisory body to establish when the point of nonviability of a bank has been reached and a statutory bail-in set up is required. Historically, regulators have treaded this line carefully as it could create a lack of clarity for this asset class.
  • Coupon non-payment risk appears to be mitigated at the moment as high capital ratios reported at the banks is a positive indicator that banks are meeting their capital adequacy requirements, as deemed by the regulator, to continue to pay coupons. It is interesting to note that CoCo coupons are subject to a maximum distributable amount when they must be cancelled, this is aimed at making sure banks maintain the required capital buffers. Smaller regional banks with lower capital buffers may face greater pressures in this area as they may have lower buffers and more limited access to capital markets than larger banks with higher capital buffers.
  • AT1 CoCos not called at first call date (extension risk): this risk is rising as credit markets have been facing a broad-based repricing of risk and yields have risen from the lows of January 2020. Banks with AT1 calls in the next 12 months may choose to extend to the next call date as new issuance cost have risen significantly amid the market environment.

Most issuers, in 2019, called their AT1 CoCos in the run up to their first call in the cases where it was economically sound and, in many cases, replaced existing CoCos with new issuance. Banco Santander was the exception as they did not call one of their Euro denominated AT1 CoCos on their first call date, meanwhile calling their US Dollar denominated AT1 CoCos shortly afterwards. Most recently in 2020, Deutsche bank (DB) decided not to call their US Dollar denominated AT1 CoCos with their first call date in April 2020. The next call date for these AT1 CoCos appears to be in 5 years’ time and DB may decide to call these bonds then when market conditions may be more normalised.

Fundamental credit strength and guidance from the regulator are important aspects to monitor when considering which issuers are in a better position to withstand the current market conditions. Investors that are comfortable with the credit fundamentals of European banks and believe that the regulators may take steps to aid the European banks during the Covid-19 crisis to avoid broad systemic risks in the banking system may consider actively looking at the asset class. While a level of risk is inherent in risk assets, whether equities or AT1 CoCos, investors need to find comfort in them before allocating to any asset class.

Trotz Corona: Nachhaltige Fonds erweisen sich als krisenfest

Auch in der Corona-Pandemie setzen Investoren weiterhin auf nachhaltige Anlageprodukte. Viele Nachhaltigkeitsfonds haben in der Krise sogar deutlich besser abgeschnitten als konventionelle Investments. Das belegt für die EB – Sustainable Investment Management GmbH (EB-SIM), Asset-Management-Tochter der Evangelischen Bank, die Analyse der Zahlen für das 1. Quartal 2020. Demnach flossen allein in den Februar- und Märzwochen, in denen Teile des Kapitalmarkts praktisch zum Erliegen gekommen waren, noch zweistellige Millionenbeträge in die konsequent nachhaltig ausgerichteten Fonds der EB-SIM. Dabei konnte sich die durchschnittliche Performance der nachhaltigen Anlageprodukte durchaus sehen lassen und schnitt in den meisten Fällen besser ab als der Vergleichsindex der konventionellen Konkurrenz.

Trotz unvermeidlicher Kurseinbrüche erwiesen sich die nachhaltig ausgerichteten Fondsprodukte der EB-SIM in der Corona-Krise insgesamt als widerstandsfähiger als ihre herkömmlichen Pendants. Die Abwärtsbewegungen seit Ausbruch der Pandemie fielen gerade bei aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds mit dem Schwerpunkt Europa deutlich weniger stark aus. „Unser Befund bestätigt damit den Trend, auf den Analysen jüngst schon hingedeutet haben: Für eine stark wachsende Zahl an Investoren ist die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Auswahl von Wertpapieren ein wesentliches Instrument zur Begrenzung von Risiken – ganz zu Recht, wie das vergleichsweise erfolgreiche Abschneiden während des Corona-Abverkaufs zeigt“, so Dr. Oliver Pfeil, CIO der EB-SIM.

So hat der EB-Öko-Aktien-Fonds in der extremen Drawdown-Periode zwischen dem 19.02. und dem 23.03. zwar 27,5 Prozentpunkte eingebüßt. Er schlug damit allerdings die Benchmark um 6,3%. Der Vergleichsindex hatte um 33,8 % nachgegeben. Seit Jahresanfang bis Ende April hatte der Vergleichsindex Verluste von 10,2 % zu verzeichnen, während der EB-Öko-Aktien nur um 6,9% nachgab – ein Vorteil von 3,4 % für das Nachhaltigkeitsprodukt der EB-SIM.

Der relative Vorteil nachhaltiger Investments bezieht sich nicht nur auf die Aktienseite, sondern auch auf andere Asset-Klassen. Bei den Anleihen belegt auch das Abschneiden des in Schwellenländer-Unternehmen investierenden EB -SEMCOR (Sustainable Emerging Marktes Corporate Bonds) die Robustheit des nachhaltigen Ansatzes: Während die Benchmark in der Drawdown-Phase um 12,8 % nachgab, büßte der EB-SEMCOR um 12,5 % ein. Seit Jahresbeginn bis Ende April schnitt der SEMCOR mit einem Minus von 7,3% ab, der Vergleichsindex immerhin minus 7,7%. Ähnlich widerstandsfähig zeigte sich der Mischfonds EB-SMAI, der eine nachhaltig ausgerichtete Multi-Asset-Strategie verfolgt. Büßte die Benchmark seit Jahresbeginn 7,5 % ein, verzeichnete der EB-SMAI einen Rückgang von 5,6%.

„Die Zahlen belegen, dass wir in der Drawdown-Phase mit unserem aktiven Nachhaltigkeitsansatz einen substantiellen Mehrwert für unsere Kunden erzielt haben“, betont Dr. Pfeil. Schließlich bleibe als weiterer Vorzug der positive Impact der nachhaltigen Investments – selbst in schwächeren Phasen der Fonds. „Der sinnvolle, wirkungsorientierte Effekt des eingesetzten Kapitals bleibt auf jeden Fall bestehen.“

Die Gründe für die relativ gute Performance der Nachhaltigkeitsfonds sind vielfältig. „Nachhaltige Aktienfonds sind häufig eher defensiv positioniert, da sie in einem selektiven Investmentprozess in Qualitätsunternehmen mit starkem ESG-Profil investieren, die auch in Krisenzeiten relativ stabile Erträge aufweisen“, erläutert Dr. Pfeil. Diese Strategie habe erfolgreich zur Downgrade-Minimierung beigetragen. Als weiterer Faktor komme das aktive Risikomanagement dazu. Dank der Möglichkeit kurzfristigen Eingreifens erwiesen sich aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds oft als widerstandsfähiger. „Die Kombination macht den entscheidenden Performance-Vorteil aus.“

Durch die Corona-Krise sehen Experten allerdings auch das „S“ in ESG mit einer stärkeren Bedeutung versehen. „Gerade in Krisenzeiten trennt sich etwa beim Umgang mit Mitarbeitern, aber auch Zulieferern sehr deutlich die Spreu vom Weizen – wie man jetzt auf dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt beobachten kann“, erläutert Berenike Wiener, Head of CSR & Sustainable Finance der Evangelischen Bank.

Der Trend zum besseren Abschneiden nachhaltiger Anlageprodukte besteht nicht nur in der Krise. „Doch gerade die deutlich bessere Performance der hauseigenen Fonds auch unter schwierigen Rahmenbedingungen bestätigt uns bei der EB-SIM in unserer strategischen Ausrichtung und Fokussierung auf ausgewählte, ausschließlich nachhaltig orientierte und aktiv gemanagte Investmentprodukte“, betont Dr. Pfeil.


EB – Sustainable Investment Management GmbH

Die EB – Sustainable Investment Management GmbH (EB-SIM) ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Evangelischen Bank, deren Spezialprofil nicht nur in der erfolgreichen Vermögensanlage, sondern vor allem in der erfolgreichen Integration von ökonomischen und ESG-Faktoren liegt. Hierunter werden Faktoren aus der Ökologie und dem Umweltschutz, dem sozialen Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Zulieferern sowie eine ethische, verantwortungsvolle Unternehmensführung zusammengefasst. Sie bilden die Grundlage für den ethisch nachhaltigen Ansatz der EB-SIM, der in voller Übereinstimmung mit der werteorientierten, nachhaltigen Geschäftsstrategie der Muttergesellschaft, der Evangelischen Bank (EB), liegt.
Die EB-SIM, eine 100-prozentige Tochter der Evangelische Bank eG, der größten Kirchenbank Deutschlands, betreut mit mehr als 25 Mitarbeitern zum Jahresende 2019 ca. 4,5 Mrd. EUR in 100 Mandaten bzw. Fonds. Das wertebasierte Asset Management bildet seit mehr als 30 Jahren eines der Kerngeschäftsfelder der EB und wurde im Dezember 2018 als eigenständiges Geschäftsfeld ausgegründet. Der Sitz der EB-SIM GmbH ist in Kassel. Das Unternehmen wird durch Ulrich Nötges und Dr. Oliver Pfeil (CIO) geleitet. Alle Anlagekonzepte des Unternehmens entsprechen mindestens den Kriterien des EKD-Leitfadens für ethisch-nachhaltige Geldanlagen. Darüber hinaus orientiert sich das Portfolio Management der EB-SIM bei seinen Investitionen an den 17 Zielen der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs).
Weitere Informationen online unter www.eb-sim.de

Brent Rohöl: Vom Außenseiter zum Champion?

von Nitesh Shah, Rohstoffexperte und Director Research bei WisdomTree.

In den letzten Wochen, als Rohöl auf neue Tiefststände gefallen ist, haben viele Investoren auf eine Erholung gesetzt und sich entsprechend positioniert. Aber welche Rohöl-Benchmark sieht derzeit attraktiver aus? Das meiste Interesse der Finanzcommunity gilt dem WTI. So verzeichnete WisdomTree beispielsweise Zuflüsse in Höhe von 2,7 Milliarden US Dollar in WTI1 Exchange Traded Products (ETPs) im Vergleich zu 0,7 Mrd. USD in Brent ETPs2. Der bislang übersehene Brent könnte sich jedoch als überlegenere Benchmark erweisen. 

Vergangene Woche diskutieren wir in „Eine Geschichte zweier Benchmarks“ die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den beiden großen Öl-Futures-Kontrakten: Brent und WTI. Die beiden Benchmarks für leicht süßes Rohöl ähneln sich, in wirtschaftlicher Hinsicht ist jedoch Brent aus folgenden Gründen zu bevorzugen:

  • Im vergangenen Monat scheint Brent angesichts der Marktvolatilität robuster gewesen zu sein als WTI.
  • Die Contango-Situation3 bei Brent ist derzeit niedriger als bei WTI. Was darauf hinweist, dass der Rollwiderstand in Brent weniger aggressiv ist als in WTI.
  • Mit Blick auf die Erholung des Ölpreises in der Vergangenheit stellen wir fest, dass der Preis für Brent den für WTI im Allgemeinen übertrifft.
  • Wir haben argumentiert, dass das Abkommen der OPEC Plus4 zur Reduzierung der Produktion kurzfristig nicht ausreicht. Die koordinierten Kürzungen großer internationaler Akteure könnten jedoch darauf hindeuten, dass sich Brent stärker erholt als erwartet.

Es gilt nun, diese Argumente zu überprüfen.

Marktvolatilität und negative Preise

Wir befinden uns in einer Periode beispielloser Ölvolatilität5. Bisher ist Brent eleganter mit dieser Volatilität umgegangen.

Am 20. April 2020 wurde ein kurz vor Ablauf stehender Nymex WTI-Kontrakt negativ gehandelt6, ein einmaliger Vorgang für Rohöl-Futures-Kontrakte. Für die meisten Menschen war das eine Überraschung. Rückblickend identifizieren wir aber eine wichtige Sicherheitslücke im WTI-Kontrakt: da es sich um ein sogenanntes „Deliverable Future“ handelt, müssen bestimmte Schritte unternommen werden, um eine Lieferung zu vermeiden. Ein „Deliverable Future Contract“ bedingt, dass ein Investor, der einen Long-Futures-Kontrakt hält, nach Ablauf des Kontraktes 1000 Barrel Öl erhält (Vertragseinheiten in 1000 Barrel), es sei denn, der Vertrag wird geschlossen (durch Abschluss eines Gegengeschäfts). In normalen Zeiten gehen diese Vorgänge reibungslos vonstatten und es besteht keine Gefahr, dass versehentlich Barrel von Öl angenommen werden müssen. Tatsächlich führt laut Energy Information Administration (EIA) nur 1 Prozent der Kontrakte zu einer Lieferung. Kurz vor Auslauf des WTI-Vertrags vom Mai trieb jedoch eine Kombination aus geringer Liquidität und Infrastrukturbeschränkungen den Preis in den Keller. Jene, die versuchten, WTI-Kontrakte für Mai am 20. April zu schließen, warteten möglicherweise sehr lange und konnten niemanden finden, der bereit war, die andere Seite des Vertrags in einem Markt mit geringer Liquidität zu übernehmen. Besonders besorgniserregend waren fehlende Lagerkapazitäten in Cushing, Oklahoma, wo die Verträge abgeschlossen werden. UVP-Daten zeigen, dass das Arbeitslager zwischen 76 Prozent und 81 Prozent gefüllt war (was weit über der normalen Rate von unter 50 Prozent liegt). Darüber hinaus wurde die verbleibende Kapazität höchstwahrscheinlich vermietet oder anderweitig gebunden. In diesen verzweifelten Zeiten bezahlten einige Futures-Investoren, die WTI-Kontrakte schlossen, die andere Partei, um den Vertrag vor Ablauf zu schließen und die Lieferung zu vermeiden, da die Lagerung zu schwierig und/oder kostspielig wurde. Dadurch wurde die Benchmark mehrere Stunden lang in den negativen Bereich getrieben.

Das an der Intercontinental Exchange (ICE) gehandelte Brent leidet weniger unter negativen Preisen. Um es deutlich zu sagen - die ICE hat nicht entschieden, dass negative Preise unmöglich sind, aber als Vertrag mit Barausgleich ist der Anreiz für negative Preise schwerer zu identifizieren. Barausgleich bedeutet, dass den Inhabern der Futures die Differenz zwischen dem Anfangspreis und der Endabrechnung nach Ablauf des Kontraktes entweder gutgeschrieben oder abgezogen wird. Das Gerangel um Lagerkapazitäten oder einen Käufer, der Zugriff auf verfügbare Lagerkapazitäten hat, existiert nicht, wodurch diese Ursache für negative Preise beseitigt wird.

WTI-Futures, die zwei unterschiedliche Märkte - physische Lieferungen und spekulativ orienterte Finanzmarktakteure - bedienen, stießen auf Hindernisse. Brent hingegen verfügt über einen Terminmarkt für Beide. Für den physischen Austausch (EFP) gibt es außerdem einen außerbörslichen Mechanismus (bilaterale Verhandlungstransaktion), mit dem sichergestellt wird, dass sich der physische Markt und der Terminmarkt nicht unkontrolliert voneinander lösen. In den letzten Wochen hat sich die Spanne zwischen physischen Märkten und Terminmärkten vergrößert, aber es gab keine Anzeichen dafür, dass Brent-Futures auf Null oder darüber hinaus weiter ins Minus fallen.

Da der Juni-Brent-Kontrakt am 30. April auslief, schien der Übergang zum Juli-Brent-Kontrakt als aktiver Vertrag nahtlos zu funktionieren. Gegen Ende des Marktes am 30. konvergierte der Juli-Preis zum Schlusskurs des Juni-Kontrakts von 25,39 USD / Barrel und erholte sich dann am nächsten Handelstag wieder.

Grafik 1: Brent Juli hat Brent Juni am 30. April nahtlos als aktiven Kontrakt übernommen


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum vom 28. April bis 1. Mai 2020 unter Verwendung von Intraday-Handelsdaten in USD. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren.

Brent ist zwar teurer als WTI, aber nicht übermäßig teurer. Das heißt, die Anleger zahlen nicht zu viel für eine stabilere Preisbenchmark. In den letzten 10 Jahren betrug der Brent-WTI-Spread 7,79 USD / Barrel7. Heute liegt dieser Spread bei 7,36 USD / Barrel - ganz im Einklang mit diesem historischen Durchschnitt.

Rollwiderstand bei Brent weniger aggressiv

Rohstoff-ETPs bilden Terminkontrakte ab, nicht den physischen Spotpreis (Kassageschäft). Warum ist das wichtig? Wir beschreiben nun, warum die Form der Futures-Kurve einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtrendite einer Öl-Futures-Anlage haben kann. Zurzeit ist Brent in einer Position mit niedrigerem Contango als WTI. Dies könnte potenziell neue Investoren in Brent gegenüber neuen Investoren in WTI begünstigen.

Grafik 2: Die Brent-Futures-Kurve ist weniger steil als die WTI-Futures-Kurve


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand am 4. Mai 2020. Beachten Sie, dass der aktive Vertrag für WTI Juni ist, während der aktive Vertrag für Brent Juli ist. Die historische Performance ist kein Anhaltspunkt für die künftige Performance und jedes Investment kann im Wert sinken.

Brent hat WTI in Erholungsphasen oft übertroffen

Historisch gesehen zeigten Brent und WTI eine sehr starke Korrelation8. Eine Erholung bei der einen Rohöl-Benchmark ist also sehr wahrscheinlich auch bei der Anderen zu beobachten. Im Rahmen der Analyse von vier Perioden von Ölpreiscrashs, auf die eine Preiserholung folgte, stellten wir fest, dass Brent WTI übertraf (siehe Abbildung 3). Diese basieren alle auf Bloomberg Commodity Subindices Excess Return-Serien, die die Auswirkungen fortlaufender Verträge berücksichtigen [9]. Dies ist wichtig, da die Form der Futures-Kurve die Rendite für einen Anleger wie oben beschrieben beeinflusst.

Grafik 3: Erholungsphasen begünstigten im allgemeinen Brent im Vergleich zu WTI


Hinweis: Die Diagramme zeigen ein Jahr vor und nach dem Tiefstpreis. Indexiert auf 100 ein Jahr vor dem Preistief.
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Über vier getrennte Zeiträume von zwei Jahren: 10. Dezember 1997 bis 10. Dezember 1999, 15. November 2000 bis 1. November 2002, 12. Februar 2008 bis 12. Februar 2010 und 11. Februar 2015 bis 11. Februar 2017. Die historische Performance ist kein Anhaltspunkt für die künftige Performance und jedes Investment kann im Wert sinken.

OPEC-Maßnahmen könnten Brent überproportional begünstigen

Jeder Ölpreiscrash und jede anschließende Erholung weisen ihre eigenen Ursachen und Verlaufswege auf. In der Erholungsphase zeigen sie jedoch alle eine Gemeinsamkeit. Und diese liegt in den Bemühungen der OPEC-Mitglieder, die Märkte ins Gleichgewicht zu bringen. Die Richtgröße für OPEC-Mitglieder ist gewöhnlich Brent und demzufolge reagiert Brent häufig stärker auf OPEC-Maßnahmen als WTI.

Obwohl wir der Ansicht sind, dass der Deal der OPEC-Plus-Staaten unzureichend ist, um die Märkte kurzfristig ins Gleichgewicht zu bringen10, lässt der auf Langlebigkeit ausgerichtete Deal auf ein längerfristiges Marktgleichgewicht hoffen. Erfreulicherweise begannen Saudi-Arabien und Russland bereits vor dem offiziellen Start des Deals im Mai 2020 mit der Produktionskürzung (eine der Sorgen war, dass die Kürzungen sehr spät beginnen). Unter der Annahme, dass das Abkommen eingehalten wird, könnte Brent WTI erneut übertreffen.

Kurzfristig könnte es in den USA zu einer Insolvenzwelle im Öl- und Gassektor kommen, was die Produktion in den USA senken würde. In der Tat handelt es sich bei den USA auch um einen der agileren weltweiten Produzenten, die zeitnah beginnen könnten, die Produktion relativ schnell anzupassen. Die staatliche Hilfe für den unter Druck stehenden Öl- und Gassektor könnte jedoch die Produktionsanpassung verlangsamen. In einem Präsidentschaftswahljahr halten wir dies für wahrscheinlicher. Die jüngsten Justierungen der US-Notenbank Fed öffnen mehr Unternehmen des Öl- und Gassektors auch den Zugang zum „Main Street-Darlehensprogramm“11.

Die US-Schieferproduktion in Binnengebieten der USA hat zum Erreichen der Exportziele größere Hürden zu überwinden, wenn die Transportschiffe schon Monate im Voraus ausgebucht sind, um Öl zu lagern. Zudem sind die Pipelines, mit denen das Öl an die Küste gebracht wird, stark frequentiert. Der Anpassungsprozess der USA könnte folglich heute langsamer vonstatten gehen als in der Vergangenheit.

Unterm Strich gehen wir davon aus, dass die Maßnahmen der OPEC Plus (die Brent begünstigen) ein stärkerer Katalysator für das globale Marktgleichgewicht sein können als die Maßnahmen der Nicht-OPEC-Plus-Staaten (einschließlich den USA). Das G20-Treffen am 10. April 2020 zeigte, dass Länder außerhalb der OPEC Plus kaum bereit sind, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen.


1) West Texas Intermediat
2) Daten vom 1. Januar 2020 bis zum 1 Mai 2020
3) Contango ist eine Situation, in der der Futures-Preis einer Ware höher ist als der Spot-Preis. Contango tritt normalerweise auf, wenn ein Vermögenspreis im Laufe der Zeit voraussichtlich steigen wird. Dies führt zu einer ansteigenden Vorwärtskurve
4) Organisation der erdölexportierenden Länder und ihrer Partnerländer
5) Siehe An age of unprecedented oil volatility, 27. März 2020
6) Siehe Nymex WTI front month futures trade negative, 21. April 2020
7) 4. Mai 2010 bis 4. Mai 2020 unter Verwendung der Bloomberg-Front-Month-Daten
8) 0,95 von März 1990 bis März 2020 basierend auf monatlichen Daten unter Verwendung von Bloomberg Commodity Subindices
9) Siehe Rohstoff-ETPs bilden Terminkontrakten ab, nicht den physischen Spot. Warum ist das wichtig?, Mai 2020 https://www.wisdomtree.eu/de-de/-/media/eu-media-files/other-documents/research/market-insights/wisdomtree_market-insight_commodity-etps-exposed-to-futures-contracts.pdf
10) Siehe OPEC+ reaches a historic deal: but is it enough?, 14. April 2020
11) Größere und höher verschuldete Unternehmen qualifizieren sich ab dem 30. April 2020 für das Programm in einem Schritt, der weithin so interpretiert wurde, dass er kleine Ölunternehmen berücksichtigt werde.

"Schwellenländer: Abwärtsrisiken werden sich auf wohlhabende Regionen übertragen"

von Amlan Roy, Leiter des Global Policy Research bei State Street Global Advisors:

"Da die Beschränkungen der Lockdowns allmählich aufgehoben werden und wir mit den belastenden Kompromissen zwischen Gesundheit und Wirtschaft konfrontiert sind, ist mehr globale Zusammenarbeit erforderlich. Wissenschaftler und Gesundheitsexperten erfahren immer noch neue Erkenntnisse bei Testergebnissen, Fortschritten bei Impfstoffen, Ergebnissen sozialer Distanzierung und Virusmutationen. Infolgedessen sollten wirtschaftliche und soziale Maßnahmen mit diesen Erkenntnissen aufgebaut und weiterentwickelt werden."

"Die G7- und G20-Staaten standen während der globalen Finanzkrise im Mittelpunkt, weshalb jede Nation ihre Abhängigkeit von der weltweiten Nachfrage und den globalen Lieferketten verstehen muss. Die Schwellenländer sind für die Erholung der Industrieländer von großer Bedeutung, da diese Schwellenländer mit höheren Abwärtsrisiken von Rezessionen und Arbeitsplatzverlusten konfrontiert sind, die sich mit der Zeit wahrscheinlich auf andere wohlhabendere Regionen übertragen werden."

Niedrige Energiepreise infolge der COVID-19-Pandemie ziehen Zuckerpreise nach unten

von Aneeka Gupta, Director, Research, WisdomTree.

Die Preise für Zucker fiel auf 9,34 Cent1 und erreichten damit den niedrigsten Stand eines Frontmonats-Kontrakts seit September 2007. Der rapide Rückgang der Energiepreise aufgrund einer Kombination von Angebots- und Nachfrageschocks inmitten der COVID-19-Pandemie hat weitreichende negative Auswirkungen auf die Zuckerpreise. Denn neben anderen Produkten dient Zuckerrohr der Herstellung von Ethanol. Der Einbruch der Energiepreise zog die Ethanolpreise nach unten und macht die Herstellung von Ethanol demzufolge weniger attraktiv. Die spekulative Netto-Futures-Positionierung bei Zucker-Futures ist im Vergleich zum Vormonat um 120 Prozent zurückgegangen, was auf einen Anstieg der Shortpositionen um 49 Prozent zurückzuführen ist und damit das Ausmaß der Baisse bei den Zuckerpreisen unterstreicht.

Abbildung 1: Spekulative Netto-Positionierung auf Zucker-Futures stark rückläufig


Quelle: Kommission für den Warenterminhandel, WisdomTree vom 21. April 2020. Bitte beachten Sie: Standardabweichungsmaß für das Ausmaß der Variation oder Streuung einer Menge von Werten. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Sinkende Nachfrage nach Ethanol in Brasilien belastet Zuckerpreise

In der Saison 2019/20 wurden in Brasilien inmitten einer reichhaltigen Versorgungslage nur 34 Prozent und 2018/19 nur 35 Prozent des Zuckerrohrs zu Zucker verarbeitet. Derzeit ist die Verarbeitungssaison in Brasilien, weltgrößter Zuckerexporteur, im Gange. Bei niedrigen Energiepreisen sinkt die Nachfrage nach alternativen Kraftstoffen wie Ethanol, weshalb wir jetzt einen höheren Anteil des Zuckerrohrs erwarten, der zu Zucker verarbeitet wird. Brasilien verfügt über eine umfangreiche Flotte von Flexible-Fuel-Vehicles, Fahrzeugen, die sowohl mit Benzin als auch mit Ethanol betrieben werden können. Der brasilianische Ethanolsektor bat die Regierung um finanzielle Unterstützung, damit die Branche in Erwartung eines Rückgangs der Nachfrage nach Ethanol sechs Milliarden Liter Ethanol lagern kann. Darüber hinaus belastet zudem der schwache brasilianische Real die Zuckerpreise. Die brasilianische Währung verzeichnet im Jahr 2020 ihr bisher schwächstes Währungsjahr für Schwellenländer. Dies wird wahrscheinlich einen Anreiz für höhere Zuckerexporte aus Brasilien auf dem Weltzuckermarkt schaffen. Denn der schwächere Real ermutigt die Produzenten, mehr Zucker auf den Exportmärkten anzubieten, da dies ihre Einnahmen in USD erhöht.

Zucker-Konsum aufgrund der COVID-19-Pandemie unter Druck

Der industrielle Verbrauch von Zucker wird sich wahrscheinlich abschwächen, da Lebensmittel- und Getränkefabriken aufgrund von Produktionsstopps in Getränkefabriken und teilweiser Schließung von Restaurants betroffen sind. Während der Zuckerverbrauch der Haushalte sich kaum verändern dürfte und sogar steigen könnte, wird er nicht ausreichen, um den Rückgang des industriellen Verbrauchs auszugleichen. Während der großen Finanzkrise ging das Wachstum des weltweiten Zuckerverbrauchs im Erntejahr 2008/09 um zwei Prozent zurück. Wenn man dies als Anhaltspunkt nimmt, könnte sich der weltweite Zuckerverbrauch um einen vergleichbaren Betrag verlangsamen, solange der Lockdown andauert.

Der globale Zuckermarkt wird wahrscheinlich im Erntejahr 2020/21 wieder ins Gleichgewicht kommen

Nach Angaben des brasilianischen Beraters Job Economia wird Brasilien im Jahr 2020/21 voraussichtlich 41 Millionen Tonnen Zucker produzieren, gegenüber 30 Millionen Tonnen im Jahr 2019/20. Auch 2020/21 wird das Land rund 30 Millionen Tonnen Zucker exportieren.

Abbildung 2: Anteile der größten Zuckerproduzenten im Erntejahr 2018/19


Quelle: WisdomTree, International Sugar Organisation per 31 December 2019

In Thailand, zweitgrößter Exporteur der Welt, dürfte die Zuckerrohrverarbeitung im Erntejahr 2019/20 jedoch aufgrund der Dürre auf ein Zehnjahrestief von 75 Millionen Tonnen gesunken sein. In Indien führte der erste übermäßige Monsun seit 25 Jahren zu erheblichen Verzögerungen bei der Zerkleinerung in diesem Erntejahr. Der Ausbruch von COVID-19 verursachte eine weitere Produktionsverzögerung. Infolgedessen ging die Zuckerproduktion bis Mitte April im Jahresvergleich um 13 Prozent zurück und dürfte das Jahr mit einem niedrigen Wert von 27 Millionen Tonnen abschließen, bevor sie sich bis zum Erntejahr 2020/21 wieder auf über 30 Millionen Tonnen erholt. In den Ländern der Europäischen Union (EU) wird erwartet, dass die Gesamtzuckererzeugung mit 16,2 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr unverändert bleiben wird, da sich die Ernteerträge von einem fünfjährigen Tief erholen. In China scheint die Zuckerproduktion dem letzten Erntejahr zu entsprechen und könnte das Jahr mit 10 Millionen Tonnen beenden. Vor dem Hintergrund der hohen Produktion aus Brasilien, einem der größten Lieferanten, wird es immer wahrscheinlicher, dass der globale Zuckermarkt im Erntejahr 2020/21 zu einem Überschuss zurückkehren wird, was den Druck auf die Zuckerpreise weiter erhöhen wird.

Abbildung 3: Globaler Markt für Zucker: Überschuß in der Erntesaison 2020/21 wahrscheinlich


Quelle: International Sugar Organisation, WisdomTree per 24. April 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Leistung, und alle Investitionen sind Risiken und Unsicherheiten unterworfen.


1) Source: Bloomberg per 28. April 2020

Mit Digital Health aus der Krise

von Kai Brüning und Hendrik Lofruthe, beide apoAsset.

Der Gesundheitssektor hat die Corona-Krise an der Börse bisher am besten überstanden, insbesondere Unternehmen im Bereich Digital Health. Gerade hier macht die Pandemie den großen Nachholbedarf sichtbar, aber auch das große Potenzial für Patienten, Ärzte und Anleger.

Die Pandemie beschleunigt die Nachfrage nach Digital Health enorm

Viele Unternehmen aus aller Welt erschließen dieses Potenzial zunehmend, seien es Telemedizin, elektronische Patientenakten, Krankenhaus- und Praxis-IT oder Künstliche Intelligenz in der Medizin. Hier tummeln sich Technologie-Giganten wie Alphabet, Alibaba, Amazon, Apple, Microsoft oder Samsung, aber auch viele kleinere Spezialisten und Pioniere. Die Pandemie wirkt hierbei wie ein Katalysator, denn virtuelle und digitale Anwendungen werden aktuell schneller adaptiert als je zuvor.

Die Grundlage für eine mögliche Outperformance wird jetzt gelegt

Dabei entstehen jetzt neue Gelegenheiten für selektive Käufe. Ein Vorteil ist, dass sich viele Digital-Health-Modelle auf Dienstleistungen für Unternehmen und Institutionen konzentrieren (business-to-business). Große Teile der Umsätze sind dabei wiederkehrend, das Risiko ist also begrenzt. Neue Vertragsabschlüsse sind im aktuellen Umfeld noch schwierig. Doch in jedem Fall ist mit steigenden Investitionen zu rechnen, denn die Systemrelevanz von Gesundheit ist sehr deutlich geworden.

Drei Beispiele, warum Digital Health künftig wichtiger wird – nicht nur bei Pandemien

Künstliche Intelligenz (KI): Aktuell richtet sich die öffentliche Wahrnehmung vor allem auf die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen Covid-19. Das erfordert Studien mit riesigen Datenmengen. Der Einsatz von KI kann deren Auswertung künftig stark verbessern und beschleunigen. Auch bei der Früherkennung und Steuerung von Pandemien, zum Beispiel über Tracing-Apps, kann KI eine sehr hilfreiche Rolle spielen.

Telemedizin: Sie ist derzeit gefragt wie nie. Auch vor Covid-19 haben verschiedene Studien gezeigt: Etwa zwei Drittel aller Erstkonsultationen wären ohne physische Anwesenheit eines Arztes möglich (oder gar nicht notwendig). Telemedizin soll Ärzte nicht ersetzen, sondern die Arzt-Patienten-Kommunikation digital ermöglichen. Die Herausforderung für die Anbieter ist dabei vor allem die Optimierung der Prozesse im Hintergrund. Die entsprechenden Algorithmen müssen Ärzte, Patienten, Abrechnungsdienstleister und Versicherungen optimal zusammenführen.

Gesundheitsmanagement: Wenn die Daten und Prozesse in den Kliniken, Praxen, Laboren und Gesundheitsämtern vollständig digitalisiert sind, wird auch die Diagnostik und Behandlung sehr viel effizienter, besser und schneller. Hier dürfte die Pandemie den Wandel ebenfalls beschleunigen.

Welchen Digital-Health-Unternehmen die Corona-Krise zugutekommt

Wir setzen aktuell verstärkt auf Unternehmen, deren Geschäftsmodelle relativ stabil sind (hoher Anteil wiederkehrender Umsätze) oder die für die Herausforderungen der Corona-Pandemie besonders zukunftsweisende Produkte und Dienstleistungen anbieten. Im Bereich Telemedizin gehören dazu beispielsweise Teladoc (USA), der weltweit größte Anbieter von Telemedizin in rund 130 Ländern und 30 Sprachen, und Ping An Healthcare and Technology (China), eine Plattform für Telemedizin, Gesundheitsakten, Terminverwaltung und Medikationsmanagement. Ein anderes Beispiel ist das Unternehmen Vocera (USA), das kabellose, stimmengesteuerte Kommunikationslösungen für Krankenhäuser und Praxen entwickelt. Es ermöglicht damit eine ansteckungsarme Kommunikation. Zum breiten Portfolio unserer Gesundheits-Investments gehört auch CompuGroup Medical (Deutschland), der europaweit größte Anbieter von Praxismanagement-Software. Hier sind mehr als 60% der Umsätze vertraglich gesichert und wiederkehrend, was für eine relativ hohe finanzielle Stabilität sorgt.


Über Kai Brüning, Senior Portfolio Manager Healthcare, apoAsset

Kai Brüning ist seit 2011 Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset und Mitglied der Life Science Kommission der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Diplom-Kaufmann und DVFA Investment Analyst verfügt über 20 Jahre Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Als mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager verantwortet er unter anderem die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über Hendrik Lofruthe, Portfolio Manager Healthcare, apoAsset

Hendrik Lofruthe verfügt über langjährige professionelle Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt und verfügt über akademische Abschlüsse als M.Sc. Finance und CFA. Er gehört seit 2015 als Portfolio Manager Healthcare der apoAsset zum Spezialisten-Team für die mehrfach ausgezeichneten globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist laut Focus Money die beste Fondsanlagegesellschaft Deutschlands (Branchensieger beim Deutschlandtest 2019). Sie wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,2 Milliarden Euro, davon rund 1 Mrd. Euro in Gesundheitsfonds.
apoAsset bildet das größte deutsche Spezialisten-Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialist Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat, unter anderem mit dem Weltärztepräsidenten Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, dem Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und Dr. Markus Müschenich, Gründungsvorstand des Bundesverbands Internetmedizin. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

US Ölsorte WTI: Frontmonats-Futures-Handel negativ

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Der heute auslaufende Terminkontrakt auf die US-Ölsorte WTI für Mai - Nymex West Texas Intermediate - wurde gestern kurzzeitig nahe minus 40 US Dollar/pro Barrel gehandelt und liegt derzeit bei 1,42 Dollar/pro Barrel1. Im Laufe des heutigen Tages wird der aktive Kontrakt zum Kontrakt für Juni, der bei 21,40 Dollar/pro Barrel gehandelt wird2.

Grafik 1: Preis des Intraday WTI-Öl-Kontrakts für Mai 2020


Quelle: Bloomberg, 21/04/2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Wenn man sich eine generische WTI-Preisgrafik für den Frontmonat Mai anschaut (Grafik 1), kommt man in die Versuchung zu denken, dass man mit dem Übergang zum Juni-Kontrakt fast 60 US Dollar pro Barrel aus dem Nichts verdienen könnte. Aber das ist kaum möglich, es sei denn, Sie haben genügend physischen Lagerraum, um das gelieferte Öl einen Monat lang zu lagern.

Der Grund für den negativen Preis gestern war, dass die Öllagerung sehr schwierig wird. Leute werden derzeit dafür bezahlt, Öl zu übernehmen und zu lagern. Mit dem auslaufenden Vertrag kommt es zur Öllieferung zwischen dem 1. Mai und dem 31. Mai, so dass diejenigen, die einen langen Kontrakt haben und das Öl physisch erhalten, es irgendwo lagern müssen.

Ebenso hätten die Besitzer des Kontrakts vom Mai 2020 diesen höchstwahrscheinlich vor den gestrigen großen Preisbewegungen verlängern müssen und sich so vor großen Verlusten bewahrt. Wie die untenstehende Grafik  des WTI-Preises zeigt, hielten alle anderen WTI-Ölterminkontrakte einen positiven Preis und fielen nicht annähernd so stark wie die Kontrakte im Frontmonat.

Grafik 2: Vergleich der verschiedenen WTI-Ölterminkontraktpreise


Legende: Verträge in obiger Grafik: CLKO - Mai 2020, CLMO - Juni 2020, CLNO - Juli 2020, CLQO - August, CLUO - September.
Quelle: Bloomberg, 20/04/2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Bloomberg Commodity Oil Subindex

Der Vergleichsindex Bloomberg Commodity Oil Subindex folgte dem Mai-Kontrakt bis zum 7. April, begann dann aber zwischen dem 8. April und dem 15. April auf den Juli-Kontrakt überzugehen. Dieser Index hätte also nicht den gleichen Preisrückgang wie der generische WTI-Preis in Grafik 1 erfahren.


1) 7am GMT am 21/04/2020
2) 7am GMT am 21/04/2020

OPEC plus: Reicht das historische Abkommen aus?

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Nach der vom 6. März bis zum Osterwochenende andauernden Sackgasse, zeigen sich die OPEC+1 Staaten endlich bereit, die Ölförderung erneut zu drosseln. Der Schmerz war zu groß: Infolge sinkender Nachfrage und gleichzeitig steigendem Angebot fielen die Brent-Ölpreise auf ein 18-Jahres-Tief2. Nach der „Griechischen Tragödie“ am 6. März, in der sich eine Kluft zwischen Saudi Arabien und Russland auftat, war es jedoch ein schwieriges Unterfangen, die Produzenten wieder zusammenzubringen. Dieses Hindernis wurde überwunden, indem US-Präsident Trump ein Gespräch zwischen Präsident Putin (Russland) und König Salman (Saudi-Arabien) vermittelte. Doch damit endete die Rolle der USA in diesem Abkommen nicht. Nachdem Mexiko mit der dem Land zugeteilten Kürzung von 400.000 Barrel pro Tag nicht einverstanden war, schritten die USA ein und stimmten damit implizit einer Kürzung in Abstimmung mit Mexiko zu. Dies zeigt deutlich, dass die USA ebenso verzweifelt wie die Mitglieder des Kartells auf eine Verringerung des Überangebots und höhere Ölpreise drängen.

Verfahrene Situation: Mexiko verweigert Kürzungen

Die wegen der Weigerung Mexikos verfahrene Situation führte am Donnerstag, 9. April zu großen Verzögerungen im Verfahren. Bis zum Treffen der G20-Länder am Freitag, 10. April war immer noch keine Einigung erzielt worden. Das G20-Treffen unter dem Vorsitz Saudi-Arabiens war eine Gelegenheit für die Verbraucherländer, das für sie sichtbare Ausmaß der Nachfragevernichtung zum Ausdruck zu bringen, und aufzuzeigen, was sie tun, um das Angebot zu reduzieren (auch in Ländern, die große Produzenten sind). Das Kommuniqué dieses Treffens war jedoch schwach, es enthielt keine tragfähigen Zahlen in Bezug auf das tatsächliche Engagement. Anscheinend hatten die ursprünglichen Entwürfe des Kommuniqués mit der Draghi-Sprache der EZB im Sinne von „What ever it takes“ einen viel stärkeren Wortlaut. Die vorliegende verwässerte Fassung scheint jedoch das Ergebnis einer mangelnden Übereinstimmung und des Misstrauens unter den Mitgliedern zu sein.

Der Deal

Die OPEC+-Vereinbarung in ihrer jetzigen Form lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Produktionskürzungen von 9,7 Mio. Barrel pro Tag (mb/d) von Mai bis Juni 2020 im Vergleich zu den Niveaus vom Oktober 2018 für die meisten Länder
  • Der Referenzpunkt für Russland und SaudiArabien liegt bei 11mb/d (das ist höher als die im Oktober 2018 produzierte Menge)
  • Die Kürzungen verjüngen sich von Juli 2020 bis Dezember 2020 auf 7,7 mb/d und dann weiter auf 5,8 mbar/d im Zeitraum Januar 2021 bis April 2022
  • Einzelne Länderquoten sind noch nicht auf der Website der OPEC verfügbar

Reicht die Vereinbarung aus?

Die nun erreichte Vereinbarung stellt die umfangreichste jemals koordinierte Kürzung der Ölförderung dar. Die Schlüsselfrage ist, ob es ausreichen wird, um den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Da die Prognosen in bezug auf den Nachfrageeinbruch im April 2020 bei 15-22mb/d liegen und diese Maßnahmen erst im Mai in Kraft treten3, ist kurzfristig mit einem erheblichen Überhang zu rechnen. Die Vereinbarung gilt jedoch bis 2022, so dass eine Produktionseinschränkung das Überangebot am hinteren Ende auffangen könnte. Offensichtlich weiß niemand genau, wie lange und in welchem Umfang der mit COVID-19 verbundene Nachfrageeinbruch andauern wird. Zumindest der zweite Teil des doppelten Schocks auf den Ölmärkten - die Angebotssteigerung - wird damit in Angriff genommen.

Extremer Contango bleibt

Kurzfristig gehen wir davon aus, dass der extreme Contango4 auf dem Ölmarkt bestehen bleiben wird. Obwohl es keine verlässlichen Daten über die globale Lagerkapazität gibt, deutet die Tatsache, dass die Tankerraten im März 2020 um 116 Prozent5 gestiegen sind, darauf hin, dass die Lagerung an Land zur Neige geht und daher die schwimmende Lagerung sehr gefragt ist. Darüber hinaus liegt der Preis für West Texan Intermediate in Cushing bei einem Aufschlag von 6 US-Dollar gegenüber West Texan Intermediate in Magellan East Houston (31. März 2020). Dies deutet darauf hin, dass auf dem Festland gelagertes Öl mit einem erheblichen Aufschlag gegenüber dem an der Küste gehandelt wird. Da die Vereinbarung erst im Mai in Kraft tritt und Saudi-Arabien Öl mit dem stärksten Abschlag seit Jahrzehnten nach Asien verkauft, gehen wir davon aus, dass das kurzfristige Überangebot und die Preisschwäche das vordere Ende der Futures-Kurve für Rohöl mit einem starken Abschlag zum hinteren Ende der Kurve halten werden.


1) Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC) ist ein Kartell von 13 Öl Produzenten. OPEC+ ist das Kartell und 10 Partnerländer.
2) Siehe: An age of unprecedented oil volatility
3) Bloomberg-Umfrage 31. März 2020
4) siehe: An age of unprecedented oil volatility. Contango ist eine Situation, in der der Futures-Preis einer Ware höher ist als der Kassapreis. Contango tritt gewöhnlich dann auf, wenn erwartet wird, dass der Preis eines Vermögenswerts im Laufe der Zeit steigen wird. Dies führt zu einer nach oben geneigten Futures Kurve.
5) Quelle: Die Daten von Bloomberg basieren auf Very Large Crude Carrier (VLCC) und die letztendliche Quelle ist SSY

Dividenden von Infrastruktur-Aktien dürften deutlich über dem Marktniveau liegen

von Susanne Reisch, CFA, Senior Portfolio Manager, Infrastruktur-Aktien, BANTLEON.

Die Empfehlung einiger europäischer Regierungen und Aufsichtsbehörden, Gewinnausschüttungen zu kürzen, trifft Dividendenstrategien besonders deutlich. So sind im März die Eurostoxx50-Dividenden-Futures für 2020 um 55% gefallen. Mit -54,2% und -38,4% fällt die Korrektur auch in 2021 und 2022 sehr stark aus. Dies betrifft jedoch nicht alle Sektoren gleichermaßen. Die Renditen der Kernbereiche im Segment Basis-Infrastruktur – Versorger und Telekommunikation – liegen auch weiterhin deutlich über dem Durchschnitt. Während in anderen Sektoren der Einfluss der Coronavirus-Krise auf die Geschäftsentwicklung lange nachhallen wird, können Basis-Infrastruktur-Unternehmen Zahlungen aufgrund der Stabilität ihrer Geschäftsmodelle schnell wieder anheben und bereits 2021 wieder die Vor-Krisen-Dividendenniveaus erreichen.

Dividendenrenditen sind deutlich gefallen, aber nicht jeder Sektor ist gleich betroffen

Während der durch die Coronavirus-Krise ausgelösten Kapitalmarktturbulenzen war auch bei Aktien eine Flucht in sichere Häfen zu beobachten, also in Unternehmen, die solide Bilanzen haben sowie vermeintlich attraktive – und sichere – Dividendenrenditen boten. Nachdem einige europäische Regierungen und Aufsichtsbehörden die Empfehlung ausgesprochen haben, Dividenden zu kürzen, steht die Ausschüttungspolitik der Unternehmen nun erneut auf dem Prüfstand. Die Vorgabe trifft naturgemäß Dividendenstrategien besonders deutlich. So sind im März die Eurostoxx50-Dividenden-Futures für 2020 um 55% gefallen (2020er Dividenden, die gezahlt oder bereits bekanntgegeben wurden). Mit -54,2% und -38,4% fällt die Korrektur für die Dauer der erwarteten Rezession auch in 2021 und 2022 sehr stark aus. In diesem Umfeld ist eine sorgfältige Analyse der Motive für die Kürzungen wichtig: Handelt es sich um das Ergebnis einer deutlichen Verschlechterung der Ertragslage des Unternehmens oder um politischen Druck und taktisch motivierte Maßnahmen? Eine Analyse der bisherigen Entscheidungen zu Kürzungen oder Streichungen zeigt, dass nicht alle Sektoren gleich betroffen sind. Die Dividendenrenditen der Kernbereiche im Segment Basis-Infrastruktur – Versorger und Telekommunikation – liegen auch weiterhin deutlich über dem Durchschnitt. Im Gegensatz zu anderen Sektoren sind Kürzungen hier weitgehend auf einen temporären politischen Druck zurückzuführen, während die Liquiditätssituation der betroffenen Unternehmen stabil ist. Lediglich im Bereich Transport-Infrastruktur zeigen sich fundamental begründete Kürzungen, die auf die höhere Volatilität der Erträge in diesem Bereich zurückzuführen sind.

Die meisten Unternehmen des Eurostoxx50, die ihre Dividenden gekürzt oder die Entscheidungen auf das Ende des Hauptversammlungszeitfensters verschoben haben, gehören zu den Sektoren Banken, Reisen & Freizeit sowie Industriegüter. Aufgrund der staatlichen Eingriffe ist allerdings auch die geografische Aufteilung relevant. So haben bereits 60% der französischen und 33% der deutschen Unternehmen aus dem Eurostoxx50 ihre Dividenden gekürzt. Während aus Deutschland nur sehr wenige Infrastruktur-Unternehmen börsennotiert sind, hat vor allem die Entscheidung der französischen Regierung eine sehr negative Auswirkung auf die absoluten Dividendenniveaus für 2020. Dass weitere Regierungen sich der Empfehlung Frankreichs und Deutschlands anschließen, ist derzeit nicht auszuschließen. Zu spüren sein werden die niedrigeren Dividenden in den Monaten April und Mai, wenn die meisten europäischen Unternehmen normalerweise Dividenden ausschütten. Ob das Aussetzen von Dividendenzahlungen über spätere Sonderdividenden ausgeglichen wird, ist aktuell ungewiss und wird stark vom Verlauf der Rezession abhängen.

Das wahre Risiko vieler Unternehmen liegt in der 2021er Dividende

Ein weiteres Risiko bergen die 2021er Dividenden. Sie werden aus den Erträgen des Geschäftsjahres 2020 gezahlt, welche für die meisten Unternehmen tief ausfallen werden. Wir erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im Jahr 2020 um bis zu 8% schrumpfen wird. Entsprechend ist mit einer deutlichen Korrektur bei den Unternehmensgewinnen zu rechnen. Man könnte hier Einschnitte von über 40% sehen. In diesem Umfeld haben Basis-Infrastruktur-Aktien den Vorteil, dass sich ihre robusten und weitestgehend konjunkturunabhängigen Geschäftsmodelle weniger schlecht entwickeln sollten. Der Einbruch der Dividendenniveaus ist bei diesen Unternehmen ein kurzfristiger Effekt, unabhängig vom operativen Geschäft. Dementsprechend sind in diesem Segment des Aktienmarktes die Chancen groß, dass viele Unternehmen die 2021er Dividenden auf dem Niveau der Vorjahre beziehungsweise im Einklang mit ihren Dividendenplänen zahlen können.

Dividendenstrategien werden sich in den nächsten Jahren deutlich unterscheiden

Entscheidend für eine attraktive Dividendenstrategie im Kontext der Coronavirus-Krise wird somit kurzfristig das Land der Börsennotierung und mittelfristig die Robustheit der Geschäftsmodelle sein. Während Kürzungen von Investitionsplänen und Dividenden bei stark unterkapitalisierten Unternehmen nahe liegen, sollten Unternehmen mit starken Bilanzen ihre Dividenden weiterhin zahlen können. Aufgrund des staatlichen Einflusses und des sich in Kürze schließenden Fensters für Hauptversammlungsentscheidungen – hierzu gehört auch die Entscheidung über die Verwendung von Gewinnen – werden die 2020er Dividendenzahlungen stark betroffen sein. Für 2021 erwarten wir bereits eine deutliche Entspannung und den Wegfall staatlicher Einflussfaktoren.

Eurostoxx50-Dividenden-Futures kollabierten im März


Quellen: Bloomberg, Bantleon; Stand: 31. März 2020

Ölpreise im Zeitalter beispielloser Volatilität

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Wir leben in einer Zeit einer beispiellosen Volatilität der Ölpreise - wohl als Folge eines doppelten Schocks: die Nachfrage bricht zusammen, gleichzeitig steigt das Angebot. Die Ölpreise sind heute volatiler als während der 2008 begonnen großen Finanzkrise oder während der Ölkrise 2014-2016.

Der schiere Preisverfall über eine so kurze Zeitspanne war bisher kaum zu beobachten. Weder 2008 noch 2014 kam es zu derart massiven Verlusten. Wenn wir den Preisniedergang der letzten beiden Wochen auf Jahresbasis umrechnen, wird er die Rückgänge der Jahre 2008 und 2014 übertreffen.

Ein OPEC-Protagonist sucht Rache

Noch während unserer Diskussion um die sich als griechische Tragödie herausstellende Post-OPEC-Tagung veränderten die Ereignisse vom 5. und 6. März die Ölmärkte grundlegend. Die Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) und ihre Partnerländer (OPEC+) konnten sich nicht über eine gemeinsame Politik einigen. Wir glauben, dass die OPEC dadurch funktional nicht mehr existiert. Seit 2017 war die OPEC darauf angewiesen, dass Russland ihre Politik unterstützt. Und auch wenn Russland die vereinbarten Produktionsquoten gewöhnlich nicht in vollem Umfang umsetzt, ist die Einheit symbolisch wichtig, da Saudi-Arabien bereit war, mehr als seinen fairen Anteil zu kürzen, um dies auszugleichen. Aufgrund des Treuebruchs Russlands an diesem Bündnis senkt Saudi-Arabien nun die Preise und erhöht die Produktion. Die nachstehende Grafik zeigt den offiziellen saudischen Verkaufspreis für leichtes arabisches Rohöl nach Asien als Spanne zwischen dem durchschnittlichen Kassapreis in Dubai und dem zukünftigen Preis für Rohöl in Oman. Saudi-Arabien verkauft Öl mit einem Preisnachlass von fast 3 US Dollar pro Barrel an seine Konkurrenten. Nachdem sich Saudi-Arabien weigerte, an der ursprünglich für den 18. März geplanten Tagung des Joint Technical Commitee teilzunehmen, wurde das Treffen abgesagt.

Um es klarzustellen - Saudi-Arabien verfolgt jetzt eine eigene Agenda: Das Land möchte Russland größtmögliche Schmerzen zuzufügen, und scheint sich nicht darum zu kümmern, welche Verluste es dabei hinnehmen muss. Saudi-Arabien beabsichtigt, die Kapazität von derzeit 12 Millionen Barrel pro Tag auf 13 Millionen Barrel pro Tag zu erweitern. Noch im Februar 2020 produzierte die Ölmacht 9,6 Millionen Barrel pro Tag. Sollte das Land an der Kapazitätsgrenze produzieren, wird die Welt mit Öl geflutet.

Zweifache Schocks treiben extremen Contango an

Dieser Angebotsschock kommt zu einer Zeit, in der die Nachfrage durch die COVID19-Pandemie sowieso schon stark behindert wird. Dieser doppelte Tiefschlag führte zu einem extremen Contango1 an den Ölmärkten. Am Tag vor den OPEC-Treffen befand sich Öl in einem leichten Contango, wobei der Unterschied zwischen dem 1. und 36. Vertrag nur zwischen 2 und 3 Milliarden US-Dollar (WTI und Brent) lag. Am 19. März 2020 stieg der Contango extrem, wobei der Unterschied zwischen dem 1. und 36. Kontrakt zwischen 17 und 18 US-Dollar pro Barrel (WTI und Brent) liegt. Lediglich mitten in der Großen Finanzkrise von 2008 hatten wir einen derart tiefen Contango gesehen.

Wohin wird uns das führen?

Der Schmerz des Ölpreiskrieges 2014-2016 ist den OPEC-Ländern noch immer in Erinnerung. Er konnte Saudi-Arabien jedoch nicht davon abhalten, sich auf einen neuen Preiskrieg mit Russland einzulassen. Wir glauben nicht, dass die Gruppe in absehbarer Zeit ihren Kurs ändern wird und auch nicht daran, dass der Rest der OPEC ohne Saudi-Arabien operieren kann. Das Königreich am persischen Golf ist für den größten Teil der Swing-Produktion der Gruppe verantwortlich - d.h. für den Aufbau freier Produktionskapazitäten, die in Zeiten von Nachfrageschüben oder Angebotsausfällen genutzt werden können.

Es ist zu bezweifeln, dass der Rest der Welt in der Lage sein wird, sich schnell an diese neue Realität anzupassen. Die meisten globalen Ölgesellschaften verwenden nicht das Modell von Saudi Aramco (staatliche Ölgesellschaft in Saudi-Arabien), um überflüssige Kapazitäten zu halten. Die Einstellung der Produktion ist für die meisten Ölfirmen so langsam und kostspielig, dass die Finanzen des Unternehmens existenzbedrohend belastet werden.

Es gab Diskussionen über ein mögliches gemeinsames Ölbündnis zwischen den USA und Saudi-Arabien, die von US-Energieminister Dan Brouillette bestätigt wurden. Es war nur eine von vielen Strategien, die politische Entscheidungsträger in den USA diskutieren. Wir bezweifeln, dass die USA sich an einem Kartell beteiligen werden, das sie seit Jahrzehnten kritisieren. Verzweifelte Zeiten können allerdings verzweifelte Maßnahmen erfordern. Schließlich wurde das OPEC-Kartell auf die texanischen Ölpraktiken der 1930er bis 1970er Jahre ausgerichtet.

Wir halten es eher für möglich, dass die USA es der Marktwirtschaft erlauben werden, die Produktion zurückzuschrauben. Unsere Arbeitshypothese sieht den Break-even-Preis für die Ölförderung in den USA bei 50 US-Dollar/Barrel. Bei einem WTI-Preis von 25 US-Dollar pro Barrel zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels werden die amerikanischen Ölproduzenten leiden. Wir rechnen daher mit einem sprunghaften Anstieg der Konkurse. Im Ölpreiskrieg 2014-2016 brachen zwei Drittel der in den USA in Betrieb befindlichen Bohrinseln zusammen. In den USA dominiert die Schieferölförderung, die nicht die gleichen langen Vorlaufzeiten für das An- und Abschalten der Produktion aufweist, wie die traditionelle Ölförderung. Aber der Niedergang der Bohrinseln kam zu einer Zeit, als die technologischen Verbesserungen der Fördertechniken rasch zunahmen. Der endgültige Rückgang der Produktion fiel also nicht so massiv aus. Diesmal könnten in Betrieb befindliche Bohrinseln, die bereits seit einem Jahr sinkende Umsätze verzeichneten, mit entsprechenden Produktionsgängen einhergehen. Die USA könnten in der Tat zum neuen Swing-Produzenten der Welt werden.


1) Der Preis für eine Lieferung in der Zukunft liegt über dem aktuellen Kassapreis

Was sagt uns der jüngste Abverkauf über die historische Rolle von Gold als Sicherer Hafen?

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

In der Woche vom 9. bis 16. März 2020 fiel der Goldpreis um 10 Prozent. In derselben Woche fielen aber auch der S&P 500 um 13 Prozent, der DAX um 18 Prozent und der IBEX 35 um 20 Prozent. Wenn man sich diese Schlagzeilen ansieht, sieht Gold kaum wie der defensive Vermögenswert aus, als der es weithin anerkannt ist. Wenn wir jedoch über die Fassade hinwegblicken, können wir sehen, dass Gold sehr wohl seine traditionelle Rolle spielte.

In Zeiten extremer Marktvolatilität, in denen es viele Margenanforderungen für risikoreiche Anlagen gibt, bemühen sich Anleger oft um liquide Anlagen, um diese Forderungen zu erfüllen. Gold und Staatsanleihen sind zwei wichtige Vermögenswerte dieser Kategorie. Sie wurden verkauft, um Liquidität für andere Zwecke bereitzustellen und die Preise fielen dementsprechend (siehe Abbildung 1). Die Renditen der Treasuries, die bei fallenden Preisen für gewöhnlich steigen, bewegten sich im Gleichschritt mit dem Goldpreis.


Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Daten verfügbar bis Ende 17. März 2020. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Die Tatsache, dass Gold parallel zu den Aktienkursen fiel, obwohl seine langfristige Korrelation mit Aktien negativ ausfällt (-0,15 zwischen 1980 und 2020), ist nicht ungewöhnlich. Während der Großen Finanzkrise fiel der Goldpreis zwischen September und November 2008 zunächst um fast 20 Prozent, bevor er um 170 Prozent auf einen Höchststand im Jahr 2011 stieg. In Zeiten von Liquiditätsengpässen fiel Gold also zunächst zusammen mit dem Aktienmarkt. Als die Zentralbanken dem Finanzsystem Liquidität zuführten, begann Gold, sich mit seinen üblichen Eigenschaften zu verhalten.

Für 2020 erwarten wir ein ähnliches Muster. So milderten bereits die Liquiditätsspritzen und die Tatsache, dass sich die Aktien nicht im freien Fall befinden, den Verkaufsdruck auf Gold. Schon allein der Umfang der Maßnahmen der Zentralbanken und Finanzbehörden wird wahrscheinlich zu einer Erholung des Goldpreises führen. Gold wird als das Gegenstück zu den Fiat-Währungen1 angesehen. Die Tatsache, dass sein Angebot nicht beliebig erweitert werden kann, bedeutet, dass es seinen Wert besser halten sollte als der Wert der Währungen, die von den Zentralbanken im Rahmen der Ausweitung ihrer Geldpolitik ausgegeben werden.

Trotz aller Anreize seitens Notenbanken und Finanzbehörden ist die Länge und das Ausmaß des gegenwärtigen COVID-19-Schocks weitgehend nicht vorhersehbar. Daher ist es schwer zu beurteilen, ob der Stimulus ausreicht. Wir haben eine Reihe von Szenarien für Gold entwickelt, die darauf basieren, wie lange die Krise und damit die Lockerung der Geldpolitik dauert:

  • In einer "V-förmigen" wirtschaftlichen Erholung liegt der Schaden für das Wirtschaftswachstum weitgehend in der ersten Jahreshälfte. Demzufolge kann die Geldpolitik in der zweiten Jahreshälfte wieder gestrafft werden. In einem solchen Szenario sehen wir, dass der Goldpreis bis Juni 2020 zunächst auf 1965 US-Dollar/Unze steigt, danach aber bis Dezember 2020 auf 1370 US-Dollar fallen wird. Bei einer "U-förmigen" wirtschaftlichen Erholung, bei der die Weltwirtschaft im Laufe des Jahres 2020 weitere Anreize benötigt, dürfte der Goldpreis im Juni 2020 über 2090 USD/Unze liegen und für den Rest des Jahres nahe diesem Niveau bleiben.
  • In der "V-förmigen" wirtschaftlichen Erholung beginnt die Stimmung der Anleger gegenüber Gold zu sinken, da in der zweiten Jahreshälfte die "Risikobereitschaft" dominiert. In der "U-förmigen" Erholung hingegen bleibt die Stimmung gegenüber Gold sehr hoch, was die Unsicherheit in der Wirtschaft und die längerfristigen Auswirkungen einer lockeren Geldpolitik widerspiegelt.
  • In der "V-förmigen" Konjunkturerholung steigen die Renditen der Staatsanleihen mit der Straffung der Geldpolitik. In der "U-förmigen" Konjunkturerholung steigen die Renditen der Staatsanleihen, da die Geldpolitik kontinuierlich gelockert wird.

Unsere Szenarien basieren auf unserem Modell des Goldpreisverhaltens, das aufgrund von Daten aus dem Zeitraum zwischen 1995 und 2017 kalibriert wurde. Viele Aspekte der heutigen Zeit unterscheiden sich jedoch erheblich von denen der Vergangenheit. Da wir uns so weit aus der historischen Stichprobe heraus bewegen, könnte der Goldpreis mit Überraschungen, entweder nach oben oder nach unten, aufwarten.


1) Hat im Gegensatz zu Warengeld (Gold, Silber) keinen inneren Wert. Beispiel Dollar und Euro

Wie geht es jetzt an den Märkten weiter?

von Mobeen Tahir, Associate Director, Research, WisdomTree.

Menschen, Volkswirtschaften und auch die Finanzmärkte durchlaufen gerade eine schwierige Zeit. Länder auf der ganzen Welt haben dem Coronavirus den Kampf angesagt. Der Umgang mit Risiken und Unsicherheiten ist für Investoren in diesem Umfeld eine Herausforderung. Es gibt dabei keine einfachen Antworten. In diesem Artikel teilen wir unsere Gedanken über die Volatilität der Märkte und die Reaktion der politischen Entscheidungsträger. Anschließend bieten wir unsere Erkenntnisse darüber an, wie Anleger ihre Portfolios so positionieren könnten, dass sie durch diese Zeiten navigieren können.

Ein neuer Höhepunkt der Volatilität

Der CBOE-Volatilitätsindex (VIX), wichtiges Stimmungsbarometer für die Marktvolatilität, hat neue Höchststände erreicht, welche sogar die in der globalen Finanzkrise erreichten Niveaus übertreffen (Abbildung 1). In der Vergangenheit waren solche starken Volatilitätsspitzen nur von kurzer Dauer, aber das durchschnittliche Niveau der Volatilität kann über längere Zeiträume erhöht oder gedämpft ausfallen. Das durchschnittliche Niveau des VIX lag 2019 bei etwa 15.

Quelle: WisdomTree, Macrotrends. Stand 18/03/2020. Der VIX-Index bezieht sich auf den Volatilitätsindex der Chicago Board Options Exchange (CBOE). Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der überall auf der Welt geschlossenen Grenzen und abgeriegelten Städte werden in den kommenden Monaten sichtbar sein. Schon jetzt ist klar, dass Unternehmen, egal ob klein oder groß, bereits jetzt einen schweren Schlag einstecken müssen. Sie werden Unterstützung brauchen, um sich wieder zu erholen, und selbst dann werden nicht alle überleben. Daher ist zu erwarten, dass die Volatilität im Jahr 2020 hoch bleiben wird - oder zumindest im Durchschnitt höher als im Jahr 2019.

Reaktion der politischen Entscheidungsträger

Die Zentralbanken schalteten sich mit ihren üblichen Instrumenten der politischen Reaktion rasch ein. Die US-Notenbank und die Bank of England nahmen im März Notfallzinssenkungen vor. Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte zusätzliche Anleihenkäufe in Höhe von 750 Milliarden Euro an. Aber da die Zinssätze in vielen entwickelten Märkten bereits nahe bei 0 liegen, erkannten die politischen Entscheidungsträger die Notwendigkeit, zusätzliche fiskalische Anreize zu setzen.

Die US-Regierung deutete an, den Kongress um Unterstützung für einen 850 Milliarden Dollar schweren Konjunkturaufschwung bitten zu wollen. Auch die britische Regierung sagte ein Geschäftskreditpaket in Höhe von 330 Milliarden Pfund zu. Wahrscheinlich werden weitere Regierungen fiskalische Maßnahmen ankündigen, um angeschlagene Unternehmen zu unterstützen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Eine Zeit der Defensive

Wie Anleger auf die vorherrschende Marktvolatilität reagieren, hängt von mehreren Faktoren ab, darunter ihre Risikobereitschaft und ihr Anlagehorizont. Einige entscheiden sich möglicherweise für den taktischen Handel, andere suchen nach attraktiven Einstiegsmöglichkeiten für langfristige Investitionen. In diesem Blog werden wir einige unserer besten Ideen hervorheben, um potenziell robuste strategische Portfolios aufzubauen. Wir werden zudem auf die von Pierre Debru eingebrachten Ideen zu defensiven Anlagen zurückgreifen, und darauf eingehen, warum ein defensiver Ansatz zunehmend relevant und wichtig geworden ist.

Gold bekommt die höchste Medaille

Bei defensiven Vermögenswerten zeigte Gold in der Vergangenheit einen wirksamen Schutz vor Kursverlusten. In den 10 schlechtesten Quartalen für europäische Aktien der vergangenen 20 Jahre verzeichnete das Edelmetall 7 Quartale mit positiver Performance. Gold wird von den Anlegern als ein echter Wohlstandsspeicher wahrgenommen, was es in Zeiten turbulenter Finanzmärkte besonders attraktiv macht. In unserem jüngsten Gold Blog erörterten wir, dass die Preisschwäche von Gold in den letzten Tagen von seinen Safe-Hafen-Eigenschaften zeugt, da sich die Anleger im Zuge der Börsenrückgänge dem Gold als Liquiditätsquelle zugewandt haben. Etwas Ähnliches geschah während der globalen Finanzkrise. Der Goldpreis fiel zunächst im Oktober 2008 aufgrund von Margenausgleich und Liquiditätsbedarf, stieg dann aber bis August 2011 um 170 Prozente an. In Bullenphasen bietet Gold eine Absicherung gegen die Inflation, was es zu einem ausgewogenen Vermögenswert und zu einem wichtigen Instrument für die strategische Vermögensallokation macht.

Die richtige Laufzeit

In unserem Fixed-Income-Blog aus der Artikelserie zu defensiven Assets hebt Pierre Debru hervor, wie Staatsanleihen mit langer Laufzeit ein attraktives Gleichgewicht zwischen Abwärtsschutz und Aufwärtssicherung bieten können. Wenn die Zinsen fallen, entwickeln sich diese Anlagen stark, da die längere Laufzeit ihnen eine höhere Zinssensitivität verleiht. Das Upside kann durch eine Zuwendung zu Ansätzen mit höheren Renditen (Enhanced Yield), die von den nach Marktkapitalisierung gewichteten Benchmarks abweichen, erfasst werden, um eine höhere Rendite zu erzielen.

Ein Oase unter den Währungen

Unter den Währungen ist der US-Dollar in Zeiten erhöhter Marktvolatilität in der Regel ein sicherer Hafen für Anleger. Nach seinem jüngsten Aufschwung scheint der Dollar trotz der Zinssenkung der US-Notenbank wieder an Stärke zu gewinnen (Abbildung 2), was ein frühes Anzeichen dafür ist, dass er seine Safe-Hafen-Eigenschaften ausspielt.

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand 18/03/2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Rohstoffe – führt der einzige Weg nach oben?

Zyklische  Rohstoffe wurden durch den Marktabschwung stark getroffen. Besonders traf  dies bei Öl zu, das nun eine erhebliche Nachfragevernichtung durch die weltweit reichenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus einpreist. (Abbildung 3). Außerdem wird ein höheres Angebot eingepreist, da sich die Organisation der erdölexportierenden Länder und ihre Partner (OPEC +) nach ihren Treffen Anfang des Monats nicht auf Durchführungsmaßnahmen zum Marktausgleich einigen konnten. Öl wird in der Welt nach der Corona-Pandemie weiterhin benötigt werden. Die Preiskämpfe zwischen den erdölexportierenden Ländern sind unserer Meinung nach nicht haltbar. Daher scheinen die Risiken für die Ölpreise angesichts der derzeitigen Lage nach oben verzerrt zu sein.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Stand 18/03/2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

In ähnlicher Weise preisen auch die Industriemetalle eine erhebliche Nachfrageschwäche ein. Der Bloomberg-Subindex für Industriemetalle ist seit 19. März um fast 20 Prozent gesunken. Wenn die Regierungen ihr Versprechen einlösen, fiskalische Anreize zu schaffen und die Wirtschaft nach dem Ende der Sperrzeit wieder auf die Beine kommt, könnten die Industriemetalle einen Nachfrageschub erfahren.

Ein Allwetter-Ansatz für Anlagen

Die Aktienmärkte hatten es in den letzten einem Monat schwer. Wir glauben, dass ein defensiver Ansatz mit dem Schwerpunkt auf Qualität ein robuster Weg ist, um ein Kern-Engagement in Aktien zu erhalten. Unsere Definition von Qualität konzentriert sich auf Rentabilität, langfristiges Wachstum und einen geringeren Verschuldungsgrad.Unternehmen mit diesen starken Fundamenten haben in der Regel eine bessere Chance, Stress zu widerstehen und nach der Krise wieder stark aufzutreten. Daher kann eine Fokussierung auf Qualität potenziell eine gute Erfassungsquote bieten, d.h. eine defensive Haltung auf der unteren Seite, ohne zu viel von der positiven Seite aufzugeben.

Die kommenden Wochen und Monate werden die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte weiterhin mit großer Unsicherheit belasten. Einige der erwähnten Ideen können den Anlegern helfen, sich durch die Turbulenzen zu navigieren.

Notfallzinssenkung der Fed verpufft

von Lidia Treiber, Director, Research, WisdomTree.

Schon einmal reagierte die Federal Reserve (Fed) auf einen internationalen Ausverkauf auf den Aktienmärkten, indem sie am 22. Januar 2008 den Zinssatz für Bundesmittel von 4,25 auf 3,5 Prozent senkte und damit eine Notfallzinssenkung um 75 Basispunkte einleitete. Im Anschluss an diesen Schritt hatte der Offenmarktausschuß der Fed darauf hingewiesen, dass "angesichts einer Abschwächung der Wirtschaftsaussichten und zunehmender Abwärtsrisiken für das Wachstum" Handlungsbedarf bestehe. Im Eiltempo leitete die US-Notenbank bis zum 3. März 2020 ihre erste Notfallzinssenkung seit der Krise von 2008 im Bereich von 50 Basispunkten ein. Diesmal soll die Maßnahme eine Wirtschaft unterstützen, die durch Lieferengpässe in Teilen Asiens unter Druck gerät, welche sich möglicherweise noch verschlimmern könnten.

Die Zinssenkung der Fed könnte den Versuch verkörpern, die Nachfrageseite der wirtschaftlichen Gleichung wieder zu beleben, denn die Coronavirus-Epidemie bewirkt einen Rückgang der Konsumausgaben inmitten eines sich bereits ohnehin verlangsamenden globalen Wachstumsprozesses. In China gingen die Autoverkäufe im Februar um 80 Prozent zurück. Dies ist einer der größten monatlichen Rückgänge in der Geschichte, denn der Konsum wird durch Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus beeinträchtigt. Dies setzt die chinesische Autoindustrie, die sich bereits seit zwei Jahren in einem Rückgang befindet, weiter unter Druck. Auf Angebotsseite verzeichnete die chinesische Industrie ebenfalls eine der schwächsten Aktivitätsphasen in den bisherigen Aufzeichnungen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex sank von 50 im Januar 2020 auf 35,7 im Februar. Es wird zwar erwartet, dass viele chinesische Fabriken bis Ende dieses Monats wieder höhere Kapazitätsniveaus erreichen werden, dennoch könnten sich erhebliche negative Auswirkungen einstellen, wenn der Virus auf viele Länder übergreift. Die geldpolitische Lockerung der Fed dürfte zwar unmittelbare Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt haben. Dennoch werden die gewünschten positiven Nachfrageeffekte ohne eine Verpflichtung zu fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen nicht greifen.

Das Coronavirus beginnt sich in ganz Europa auszuweiten. Die Europäische Zentralbank verfügt gleichzeitig über weniger geldpolitische Instrumente, um die Verbrauchernachfrage wieder anzukurbeln. Obwohl wir bislang noch kein starkes Engagement zugunsten fiskalischer Stimulierungsmaßnahmen in Europa sehen - jetzt könnte der Zeitpunkt gekommen sein, der finanzkräftige Länder zur fiskalischen Expansion veranlasst. Dies könnte das geeignete Instrument sein, um die Nachfrageseite der Gleichung anzukurbeln und der Abschwächung des Wachstums in der ersten Hälfte des Jahres 2020 gegenzusteuern".


Sofern nicht anders angegeben, ist die Datenquelle Bloomberg, Stand 04. März 2020

apoAsset zu den Auswirkungen der Viruskrankheit Covid 19

Wir erwarten in den kommenden Wochen aufgrund der Viruskrankheit Covid 19 Gegenwind für die globale Wirtschaft, dessen Ausmaß noch zu beziffern ist, so Kai Brüning und Hendrik Lofruthe, beide apoAsset. Bislang konnten die Unternehmensgewinne in den vergangenen Wochen im Einklang mit der verbesserten Konjunkturstimmung moderat zulegen. Durch die zeitweise Unterbrechung der Lieferketten oder die Einstellung von Verkaufsaktivitäten ist hier jedoch mit Belastungen zu rechnen. Der Aktienmarkt hat im Zuge seiner deutlichen Korrektur bereits auf die Belastung reagiert.

Temporäre Belastungen für die globale Konjunktur

Während die Infektionszahlen in Europa und den USA aufgrund der langen Inkubationszeit noch deutlich zunehmen dürften, sind sie in China seit zwei Wochen rückläufig. Deshalb gehen wir aktuell auch nur von größtenteils temporären Belastungen für die globale Konjunktur aus. Die bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, dass das Virus zwar sehr infektiös ist, aber die Erkrankung insgesamt relativ häufig mild (nicht selten völlig symptomlos) verläuft. Auch die Sterblichkeit, die in China bei durchschnittlich ca. 3,5% liegt (und wahrscheinlich überschätzt wird) ist außerhalb – und erst recht in gut gerüsteten Gesundheitssystemen wie bei uns – wahrscheinlich sehr viel geringer. Es gibt begründete Vermutungen, die von 0,2 bis 0,4% ausgehen. Zum Vergleich: Bei der „normalen“ Grippe (Influenza A und B) beobachten wir bei uns in Deutschland in jedem Winter eine erhebliche Übersterblichkeit. Nicht selten geht es dabei um ca. 10.000 bis 30.000 zusätzliche, grippebedingte Tote. Auch in diesem Winter sind schon mehrere hundert Tote eindeutig als Folge der normalen Influenza registriert.

Ungeachtet dessen wirken sich die aktuellen Maßnahmen zu Covid 19 auf die harten Konjunkturzahlen aus. Auch noch drastischere öffentliche Maßnahmen sind nicht auszuschließen. Wir gehen davon aus, dass ein Großteil dieser negativen Effekte wieder aufgeholt wird.

Gewinner im Gesundheitssektor

Durch den Ausbruch der Epidemie gibt es aber gerade im Gesundheitssektor auch Gewinner. Gilead hat im Eilverfahren ein anti-virales Medikament in die Phase-III-Studie gegeben, welches durch die chinesischen Behörden bevorzugt getestet wird. Qiagen hat gerade einen Test zur Schnelldetektion der Viruskrankheit Covid 19 an Behörden in China, den USA und Europa ausgeliefert. Teladoc profitiert von der Aufforderung zur bevorzugten Nutzung von telemedizinischen Angeboten. Die Aktie legte seit Jahresanfang bis 29.02.2020 um 48,3% zu (Quelle: Bloomberg).

Gibt es Anpassungen in den Portfolios?

Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen der Covid-19-Diskussion auf den Kapitalmarkt in den nächsten Wochen abklingen werden und suchen in dieser Marktkorrektur gezielt Chancen im Aktienmarkt. Wir halten den Einfluss der Epidemie bzw. drohenden Pandemie für kurzfristig und ohne Auswirkung auf unsere strategischen Investmententscheidungen. Wir halten uns aktuell taktisch bei Investments in konsumnahen Titeln wie Zahnimplantaten zurück und setzen verstärkt auf Unternehmen, deren Geschäftsmodelle weniger diskretionär sind oder relativ sogar vom Coronavirus profitieren könnten, wie etwa Telemedizin oder Diagnostikanbieter.


Über Kai Brüning, Portfoliomanagement Healthcare

Kai Brüning ist seit 2011 Senior Portfolio Manager Healthcare der apoAsset und Mitglied der Life Science Kommission der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Der Diplom-Kaufmann und DVFA Investment Analyst verfügt über 20 Jahre Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Als mehrfach ausgezeichneter Fondsmanager verantwortet er unter anderem die globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über Hendrik Lofruthe, Portfoliomanagement Healthcare

Hendrik Lofruthe verfügt über langjährige professionelle Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Er gehört als Portfolio Manager Healthcare der apoAsset zum Spezialisten-Team für die mehrfach ausgezeichneten globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health, apo Medical Balance sowie apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist laut Focus Money die beste Fondsanlagegesellschaft Deutschlands (Branchensieger beim Deutschlandtest 2019). Sie wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,5 Milliarden Euro, davon rund 1 Mrd. Euro in Gesundheitsfonds.
apoAsset bildet das größte deutsche Spezialisten-Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehört neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialist Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat, unter anderem mit dem Weltärztepräsidenten Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, dem Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und Dr. Markus Müschenich, Gründungsvorstand des Bundesverbands Internetmedizin. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Was Anleihelaufzeiten im Portfolio bewirken

von Pierre Debru, Director, Research, WisdomTree.

Der vorige Teil II dieser Reihe konzentrierte sich auf defensive Aktienstrategien und zeigte, wie Exposures von Quality oder Multi-Faktor zur Bewältigung der aktuellen Unsicherheit auf den Weltmärkten dienen können.

Diesmal behandeln wir festverzinsliche Wertpapiere in lokaler Währung, d.h., auf festverzinsliche Assets in der Heimatwährung des Anlegers. Wir nehmen Euro-Vermögenswerte für Euro-Anleger in den Blick, unsere wichtigsten Ergebnisse jedoch sprechen für andere Währungen, wie beispielsweise auf US-Dollar lautende Assets für US-Dollar-Anleger. Ein besserer Einblick in einige der Vor- und Nachteile der unterschiedlichen festverzinslichen Anlagen soll Investoren dabei unterstützen, ihre Portfolien vor Aktienrisiken zu schützen. Dazu heben wir die Diversifizierungskraft längerfristiger Anlagen und das potenzielle Risiko einer unkontrollierten Flucht hin zu Quality hervor.

Welche Assets das richtige Gleichgewicht zwischen einem ein Multi-Asset-Portfolio vor Aktienabwärtsbewegungen schützenden defensiven Profil und einem angemessenen Aufwärtspotenzial zur Bewältigung unsicherer Perioden und spätzyklischer Rallys erbringen, stellten wir im ersten Teil dieser Reihe mithilfe eines defensiven Frameworks und seiner vier Hauptmerkmale - Risikominderung, Vielseitigkeit und Asymmetrie der Renditen, Diversifikation und Bewertung - vor.

Fixed Income: Aushängeschild für defensive Vermögenswerte

Historisch gesehen geht ein Multi-Asset-Portfolio von einem 60/40 Prozent Asset-Mix mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent festverzinslichen Vermögenswerten aus. Dieser Mix soll ein Exposure der historisch überlegenen Renditen von Aktien ermöglichen und gleichzeitig die Diversifizierungsvorteile zu gewähren, die in festverzinslichen Assets stecken. In diesem Rahmen gelten festverzinsliche Vermögenswerte als ultimative defensive Werte, die im Falle eines Aktienabschwungs eine gewisse Dämpfung bieten. Das ist teilweise auf ihre geringere Volatilität, aber vor allem auf ihre negative Korrelation mit Aktienrenditen zurückzuführen.

In Abbildung 1 betrachten wir die durchschnittliche monatliche Performance verschiedener festverzinslicher Anlagen (linke Achse) während verschiedener Aktienmarktregime. Referenzindex hierbei ist der Europe STOXX 600. Die durchschnittlichen Renditen jeder Anlage während der beiden für Aktien negativen Regime geben uns einen Einblick in ihre Risikominderungseigenschaften. So verlieren die europäischen Aktienmärkte (i) in einem bestimmten Monat mehr als 5 Prozent oder zwischen 0 und 5 Prozent (ii), was durch die blauen Balken veranschaulicht wird. Die durchschnittlichen Renditen jeder Anlage in den beiden für Aktien positiven Regimen liefern Information über die Asymmetrie ihres Profils und ihre Fähigkeit, in guten Zeiten eine positive Performance zu erzielen.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg.
 Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren.

Bezüglich der Ergebnisse auf der Seite der Risikominderung ist zu konstatieren, dass Cash und Staatsanleihen ihr Versprechen, positive Renditen in beiden für Aktien negativen Regimen zu bringen, einhalten. Erwähnenswert ist auch, dass Staatsanleihen der Eurozone nicht nur Drawdowns wie bei der Cash Position reduzieren, sondern auch einen positiven Aufschwung bewirken. Mit zunehmendem Kreditrisiko innerhalb eines festverzinslichen Assets verflüchtigt sich die Wirkung der Risikominderung tendenziell. In den letzten zwei Jahrzehnten verhielten sich Hochzins- und Schwellenländeranleihen ähnlich wie Aktien.

Auf der anderen Seite gilt bei den für Aktien positiven Regimes: Je höher das Kreditrisiko des festverzinslichen Vermögenswerts, desto besser seine Performance. Die Cash Position unterstreicht perfekt die Fallstricke, die sich aus der ausschließlichen Konzentration auf die Risikoreduzierung ergeben. Auch wenn diese Position in den Drawdown-Szenarien sehr gut abschneidet, profitiert sie nicht von der starken Preissteigerung, die andere Anleihen in wirtschaftlich besseren Zeiten aufweisen, und kann daher nicht als mittel- bis langfristige Investition angesehen werden.

Langfristige Staatsanleihen - Balance zwischen Risikominderung und Aufwärtspotenzial

Abbildung 2 veranschaulicht Staatsanleihen und die Auswirkungen von Laufzeit und Ratings auf deren Leistungsprofil. In Bezug auf die Risikoreduzierung ist ihre Performance bei Aktienabschwüngen umso höher, je höher die Bonität des Vermögenswerts rangiert (siehe EUR Treasury AAA). Dies ist teilweise auf das Verhalten der Anleger zurückzuführen. Sie neigen in Krisenzeiten dazu (wie deutschen Bundesanleihen oder US-Staatsanleihen), Geld in nicht riskante Safe-Haven Anlagen zu allokieren. Interessanterweise hat die Geschichte in Phasen fallender Aktienkurse gezeigt, dass die Verlängerung der Laufzeit der vorteilhafteste Hebel war - sogar besser als die Erhöhung der Kreditqualität (siehe EUR Treasury 15+ gegenüber EUR Treasury 1-3). Anlagen mit langer Laufzeit zeigen in Szenarien fallender Aktienkurse und steigender Anleihepreise (Anleiherendite fällt)eine größere Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Zinssätze.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg.
 Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf den täglichen Renditen in EUR.Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren.

In den beiden anderen Regimen führt eine Erhöhung der Bonität festverzinslicher Anlagen zu einer erheblichen Verschlechterung der Performance. AAA-Staatsanleihen weisen wie Cash in jedem Marktszenario außerhalb von Aktiencrashs eine sehr starke Performance-Belastung auf, was zu hohen Opportunitätskosten für das investierte Geld führt.

Der Effekt einer Änderung der Laufzeit scheint dagegen je nach Bonität zu variieren. Für AAA-Staatsanleihen erhöht eine Verlängerung der Laufzeit die Underperformance in Regimen, in denen sich Aktien positiv entwickelten. Bei Anleihen mit geringerer Qualität wie italienischen Staatsanleihen (Rating A- / BBB) verbessert eine Verlängerung der Laufzeit die Performance. Tatsächlich bieten Staatsanleihen der Eurozone mit langer Laufzeit (Durchschnittsrating AA- / A +) aufgrund ihrer negativen Korrelation mit Aktien und ihres höheren Volatilitätsprofils eine starke Outperformance bei Drawdowns von Aktien, liefern jedoch auch in anderen Regimen eine starke Performance.

Unterm Strich erzielen Staatsanleihen durchschnittlicher Kreditqualität und langer Laufzeit (siehe EUR Treasury 5-7 oder 15+) eine bessere Risikominderung als Cash-Positionen. Deutsche Bundesanleihen oder EUR Treasuries zeigen mittlerweile ein Aufwärtspotenzial, das nahe oder auf dem Niveau von EUR-Unternehmensanleihen liegt.

In Abbildung 3 ist zu beobachten, dass Staatsanleihen und insbesondere höher bewertete Staatsanleihen gemäß früheren Erkenntnissen eine stark negative Korrelation zu Aktien aufweisen, während Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen eine hohe positive Korrelation aufweisen. Wenn man lediglich die Korrelation während der Aktien-Drawdowns in den Blick nimmt, scheint höhere Volatility wie Anlagen mit längerer Laufzeit oder Unternehmensanleihen stark davon zu profitieren, wobei die Korrelation deutlich stärker abnimmt als bei anderen Anlagen.


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung, und Anlagen können an Wert verlieren. 

Auf der Suche nach Rendite zur Verbesserung der langfristigen Performance

Sobald der Asset Allocation-Mix ausgewählt wurde, der am besten zum Risikoprofil des Anlegers passt, muss der Implementierungsprozess in den Blick gefasst werden. Fixed Income ist eine weitläufige Anlageklasse mit unendlich vielen Möglichkeiten, in ein bestimmtes Segment zu investieren. In erneuter Anknüpfung an unser Framework besteht das Ziel darin, das gesuchte Verhalten der Anlageklassen unter Berücksichtigung der Bewertungen der Anlageklassen zu extrahieren (d. h., die Rendite zu verbessern, die wir aus den zugrunde liegenden Vermögenswerten extrahieren können). Durch systematische Strategien ist es unseres Erachtens möglich, das Ertragspotenzial eines festverzinslichen Segments wie Treasuries oder Aggregate zu verbessern. Die Nutzung günstiger Gelegenheiten, die Verlagerung der Exposures zwischen unterschiedlichen Ländern sowie Durations-Bereiche innerhalb dieses Segments können die Rendite steigern und damit das langfristige Ergebnis eines Portfolios verbessern. Insbesondere eine Treasury-fokussierte Strategie, die im Durchschnitt eine höhere Rendite und eine geringfügig höhere Duration als herkömmliche Benchmarks aufweist, ermöglicht eine Leistungsverbesserung in guten wirtschaftlichen Szenarien und dieselbe Defensivität in Abschwungphasen. Im nächsten Teil IV widmen wir uns der Suche defensiver Vermögenswerte, die sich auf Währungen konzentrieren.

„Über die Wirkung von Aktienstrategien“

von Pierre Debru, Director, Research, WisdomTree.

In der vergangenen Woche stellten wir zum Auftakt unserer Themenreihe ein Modell vor, mit dessen Hilfe Anleger beurteilen können, mithilfe welcher Assets und Investitionen sie unsichere Zeiten meistern und mögliche künftige Krisen bewältigen können. Heute zeigen wir auf, welche Assets am besten geeignet sind, um die Anlegerportfolios gegen etwaige bevorstehende Kursrückschläge bei Aktien zu schützen. Wir stellen zudem die potenziellen Opportunitätskosten für jeden Vermögenswert auf, falls der Drawdown nicht eintritt. Im Folgenden zeigen wir, dass traditionell defensive Aktienstrategien wie Minimum Volatility (Min Vol) oder Utilities in der Regel eine starke defensive Wirkung, aber auch begrenzte Aufwärtspotenziale aufweisen, während Faktoren wie Qualität, hohe Dividende oder Multi-Faktor ein ausgewogeneres Risiko-Rendite-Profil bieten, das mehr Flexibilität ermöglicht.

Aus Sicht von Euro-Anlegern gibt es unendlich viele Aktienkörbe, in die investiert werden könnte. Wir konzentrieren uns jedoch auf einige der gängigen klassischen Körbe aus Regionen (Europa, USA und Schwellenländer), Branchen und Faktoren. Bei den Sektoren konzentrieren wir uns auf 11 GICS-Sektoren (Global Industry Classification Standard) von Aktien aus Industrieländern. Darüber hinaus fokussieren wir 7 typisch klassische Faktoren, d.h. Minimum Volatility, Quality, Value, High Dividend, Size, Growth und Momentum sowie einen Multifaktor-Ansatz für Aktien aus Industrieländern (Weitere Informationen zu den verwendeten Indizes untenstehend).

Das Ausbalancieren von defensiver Wirkung und Aufrechterhalten des Aufwärtspotenzials ist der Versuch der Quadratur des Kreises

Unser Modell konzentriert sich auf 4 Aspekte: Risikominderung, Asymmetrie der Renditen oder Vielseitigkeit/Diversifikation und Bewertung.

Nachfolgende Abbildung konzentriert sich auf die Risikominderung und zeigt die Outperformance der verschiedenen Aktienmärkte in Drawdown-Perioden im Vergleich zum MSCI World. Hier sind definitiv 3 unterschiedliche Aktienkörbe zu unterscheiden:

  • Körbe mit höherem Risiko wie Finanzen, IT oder Europa, die in den meisten Zeiträumen eine Underperformance aufweisen und dem Markt auch eine allgemeine Underperformance liefern.
  • Körbe, die einen „Mittelweg“ wählen und somit keine starke Neigung nach oben oder unten gegenüber der Benchmark haben. Aktien aus Schwellenländern (EM) weisen insgesamt eine leicht verbesserte Wertentwicklung und geringere Drawdowns in vier Perioden auf, was den starken Vorteil der geografischen Diversifikation unterstreicht. US-Aktien profitieren von der Stärkung des US-Dollars in Krisenzeiten.
  • Defensive Körbe, die in allen Perioden eine Outperformance zeigen und insgesamt stark überdurchschnittlich abschneiden. Sie beinhalten zum einen Sektoren, wie Health Care, Basiskonsumgüter und Versorger und zum anderen Strategien wie Minimum Volatility und Quality.

Abb 1_Outperformance vs MSCI World in periods of equity drawdowns.png
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. In EUR. Vor September 2018 wurde MSCI World Communications von MSCI World Telecommunications vertreten. Weitere Details zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie im Disclaimer am Ende des Dokuments. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Diese erste Analyse hebt die 5 Vermögenswerte hervor, die in der Vergangenheit den höchsten Schutz bei Aktien-Drawdowns gezeigt haben. Als nächsten Schritt wollen wir das Aufwärtspotential dieser Vermögenswerte untersuchen, um ihre Vielseitigkeit zu beurteilen

Abb_2_Upside and Downside Capture vs MSCI World.png
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Weitere Einzelheiten zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie im Disclaimer am Ende des Dokuments. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung und Anlagen können an Wert verlieren.

In Abbildung 2 vergleichen wir, wie viel von der negativen Wertentwicklung der Aktien aus Industrieländern (bzw. der positiven Wertentwicklung) von den verschiedenen Aktienkörben (als positive bzw. negative Marktposition bezeichnet) erfasst wird. Von den 5 defensiven Körben, die wir in Abbildung 1 herausgegriffen haben, landen in Abbildung 2 vier in der Position unten links. Das bestätigt ihre Fähigkeit, den Aktienkursrückgänge historisch abzufedern, zeigt aber auch deutlich, wie viel von der Aufwärtsbewegung geopfert wird. Die Minimum Volatility Strategie zeigt beispielsweise ein Upside Capture von nur 70 Prozent.

In der Mitte des Diagramms scheinen 5 Körbe, nämlich Quality, High Dividend, Momentum, Multi-Factor und Energy, einen ausgewogeneren Kompromiss mit einer Upside Capture von über 90 Prozent und einer Downside Capture von unter 95 Prozent zu bieten. Solche Körbe würden einem Portfolio mehr Vielseitigkeit bieten. Insbesondere Multi-Factor weist mit einer starken Asymmetrie zwischen Upside Capture Ratio und Downside Capture Ratio ein sehr interessantes Profil auf.

Insgesamt ist Quality der einzige hier als defensiv hervorgehobene Ansatz, der einen ausgewogenen Kompromiss aufweist.

Geografische Diversifizierung zeigt starke Wirkung

Unser drittes Kriterium, die Diversifikation, spielt in der Regel in allen Anlageklassen, beispielsweise in Aktien und festverzinsliche Wertpapiere, eine größere Rolle als innerhalb einer bestimmten Anlageklasse. In Abbildung 1 zeigen Schwellenländer jedoch in allen vier der sechs betrachteten Zeiträume eine leichte Outperformance. Dies zeigt, was eine Diversifizierung weg vom eigenen Anlegermarkt hin zu anderen Regionen bewirken kann.

Vielseitigkeit und Verhalten bei Zinsschocks

Abgesehen davon sind das Verhalten und die Korrelation zu Zinsbewegungen interessante Aspekte bei Aktieninvestments. Die Wahrscheinlichkeit eines Zinsanstiegs im Laufe des Jahres 2020 ist alles andere als null, denn die Renditen in Europa sind bereits tief negativ und auf historischen Tiefstständen angelangt. Dies sollte in Bezug auf das Verhalten des Aktienkorbs berücksichtigt werden.

Abbildung 3 zeigt deutlich, dass die Aktienkörbe mit Minimum Volatility oder Utilities den Drawdown am ehesten reduzieren, jedoch in Perioden steigender Gewinne eine Underperformance aufweisen. Ausgewogenere Körbe wie Quality, Energy oder High Dividend, scheinen jedoch weniger anfällig für diese Verschärfung zu sein, was sie zu einem starken Kandidaten für die Auswahl eines defensiven Portfolios macht. Multi-Factor scheint aus diesem Blickwinkel heraus unter diesen defensiven Körben am effizientesten zu wirken und zeigt in diesen Zeiträumen eine starke Performance.

Abb 3 Annualised outperformance depending on 10Y Bund Change.png
Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum: Juli 2000 bis Dezember 2019. Berechnungen basieren auf monatlichen Renditen in EUR. Weitere Einzelheiten zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie im Disclaimer am Ende des Dokuments. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die zukünftige Wertentwicklung und Anlagen können an Wert verlieren.

Insgesamt scheint es unter Aktienkörben, bei denen der Drawdown historisch sank, zwei relativ getrennte Familien zu geben. Die erste, mit traditionell defensiven Assets wie Min Vol oder Utilities, weist eine sehr starke Defensivität, aber auch eingeschränktes Upside Capture und in der Tat anleihenähnliche Merkmale hoher Zinsempfindlichkeit auf. Die zweite Familie aus Quality, High Dividend, Multi-Faktor oder Energy bietet zwar defensive Charakteristika, ist jedoch ausgewogener, was eine größere Vielseitigkeit ermöglicht.

Warum sich bewertungsgesteuerte Strategien auszahlen

Ein letzter zu berücksichtigender Aspekt ist die Bewertung der Assets. Nicht selten werden einige Sektoren oder Stile nach einer Phase der Marktübertreibung sehr teuer. Praktiker werden sich an den Lauf bei Minimum Volatility-Aktien im Jahr 2016 erinnern, in jüngerer Zeit bei FANGs (Facebook, Amazon, Netflix, Alphabet).

Wir sind von Bewertungsdisziplin fest überzeugt. Deshalb beinhaltet unsere Strategie einen Mechanismus zur Steuerung der Bewertung in unseren Portfolios durch Aktienscreening und Neugewichtung. Regelmäßiges Rebalancing hilft zudem dabei, Verschiebungen in der Gewichtung zu vermeiden. Insbesondere konzentrieren sich unsere Flaggschiff-ETFs (Equity Exchange Traded Funds) auf das Exposur in High Dividend und Quality durch klar definierte systematische Strategien. Diese investieren in die relevantesten Aktien und gewichten diese gleichzeitig durch Bardividenden, um ein angemessenes Bewertungsniveau aufrechtzuerhalten. Multifaktorstrategien profitieren von der Tatsache, dass Value einer der Faktoren bei der Aktienauswahl ist, weshalb auch die Bewertungen ziemlich genau kontrolliert werden.

Wie sich die Coronavirus-Epidemie auf den Anleihensektor auswirkt

by Kevin Flanagan, Head of Fixed Income Strategy, WisdomTree.

Die Finanzmärkte starteten ungewöhnlich gut ins Neue Jahr. Normalerweise blicken die Marktteilnehmer auf die US-Notenbank und/oder die konjunkturelle Entwicklung. Diesmal stand allerdings das Coronavirus im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Zur Bewertung dieses Ereignisses ist der Einblick aus der Perspektive der Anleihenmärkte hilfreich, vor allem wenn man den Vergleich zum Ausbruch von SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) im Zeitraum von November 2002 bis Juli 2003 zieht.

Sicherlich beschäftigen sich auch andere Finanzexperten mit der Analyse dieser Situation. Allerdings stellte ich fest, dass der SARS-Ausbruch nicht im luftleeren Raum stattfand. Das aktuelle Coronavirus und der damit verbundene Risk-Off-Trade1 sind zweifellos Haupttriebkraft der jüngsten Entwicklungen im Bereich festverzinslicher Wertpapiere, insbesondere was den Markt der US-Treasuries (UST) angeht. Nachdem wir uns in die Materie vertieften (und zur Zeit des SARS-Ausbruchs auch auf den Märkten aktiv waren), stellten wir fest, dass die SARS-Episode vor 17 Jahren nicht unbedingt die Hauptursache für die dann folgende Zinsentwicklung war. Damals waren die Anleger noch mit den Folgen der Anschläge von 9/11, der Anthrax-Angst Ende 2001 sowie mit dem Corporate Governance-Skandal (Enron und WorldCom) beschäftigt. Aus makroökonomischer Sicht gewegten sich die USA gerade erst aus der Rezession des Jahres 2001 heraus, die US-Notenbank befand sich mit der Rückführung des US-Leitzinses von 6,50 auf 1,00 Prozent bis Juni 2003 mitten in einem aggressiven Zinssenkungszyklus.

Einige wichtige Highlights und Grafiken, die den Zeitraum der SARS-Ausbruch von November 2002 bis Juli 2003 veranschaulichen:

  • Die 10-Jahres-Rendite für UST fiel an einem Punkt um etwa 105 Basispunkte, lag aber am Ende fast 25 Basispunkte über dem vor der SARS-Nachricht „auf Band“ veröffentlichten Renditeniveau.
  • Die 3-Monats-/10-Jahres-Renditekurve flachte an einem Punkt um etwa 75 Basispunkte ab, war aber 50 Basispunkte breiter als im November 2002.
  • Die 2-Jahres/10-Jahres-Spanne der UST verringerte sich nur um etwas weniger als 15 Basispunkte, war aber Ende Juli 2003 um 55 Basispunkte höher.
  • Das reale US-BIP fiel im 4. Quartal 2002 auf einen Tiefststand von plus 0,6 Prozent, schnellte aber im 3. Quartal 2003 auf plus 7,0 Prozent zurück.
  • Die Spreads bei US-Investment Grade und High Yield Bonds waren durchweg rückläufig und verringerten sich um 84 bzw. 365 Basispunkte.

US Treasury 10-Yr Yield.pngQuelle: Bloomberg, Stand 30.1.2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Treasury Yield Curves.png
Quelle: Bloomberg, Stand 30.1.2020. Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und jede Anlage kann an Wert verlieren.

Hier sind einige wichtige Highlights der aktuellen Epidemiephase:

  • Die Rendite 10-jähriger UST fiel seit Beginn der Coronavirus-Schlagzeilen um etwa 30 Basispunkte
  • Die 3-Monats-/10-Jahreskurve der UST verengte sich um ähnliche 30 Basispunkte, was den oben erwähnten Rückgang der 10-Jahres-Rendite widerspiegelt und ist nun bei minus 2 Basispunkten wieder invertiert.
  • Die Kurve der 2- und /10-jährigen UST flachte um 6 auf plus 19 Basispunkte ab.
  • Die Spreads bei Investment Grade (IG) Bonds erhöhten sich um bescheidene 5 Basispunkte, während die Spreads bei High Yields (HY) um mehr als 65 Basispunkte anstiegen.

Zwar ist Chinas Wirtschaft im Jahr 2020 weitaus stärker von globalem Einfluss geprägt als noch vor 17 Jahren. Es besteht kein Zweifel, dass sich der Ausbruch des Corona-Virus negativ auf das chinesische BIP und damit auf das globale Wachstum auswirken wird. Ausgehend von einem Epidemie-Höchststand im ersten Quartal scheinen sich die Schätzungen auf einen Widerstand von etwa 0,5 bis 1,0 Prozentpunkten für China und 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte in Bezug auf die globalen Wachstumsaussichten zu konzentrieren. Die USA sind davon zwar nicht isoliert, doch die Auswirkungen auf das reale BIP dürften dort derzeit nur wenige Prozentpunkte betragen. Tatsächlich liegt der US-amerikanische Gesamthandel mit China, ausgedrückt in Prozent des BIP, im niedrigen einstelligen Bereich.

Sobald die Epidemie ihren Höhepunkt erreicht hat, ist zu erwarten, dass sich die Geschichte auf dem UST-Markt wiederholt, wobei die 10-Jahres-Rendite wieder näher an 2 Prozent heranrücken könnte und die erwähnten Zinskurven wieder steiler ausfallen dürften. Die 3-Monats/10-Jahres-Kurve dürfte zudem wieder in den positiven Bereich zurückgehen. Auch die Spreads bei High-Yield-Bonds könnten sich ausgehend von den derzeitigen Niveaus etwas verengen.

Jegliche konjunkturelle Verlangsamung wird sich wahrscheinlich in den folgenden Quartalen wieder umkehren, und zwar in gewissem Umfang. Was die Fed betrifft, so wurde auf der Sitzung des Offenmarktausschusses im Januar unterstrichen, dass sich die Politik in einer Warteschleife befinde, obwohl die Fed Funds Futures in diesem Jahr zwei Zinssenkungen einpreisten.


Sofern nicht anders angegeben, ist die Datenquelle Bloomberg, Stand 30.1.20.

1) Risk-Off-Trade: Stimmung der Unsicherheit bezüglich der allgemeinen Marktbedingungen

Virus stellt asiatische Schwellenländer vor große Herausforderungen

Die Aussichten für die Schwellenländer standen vor kurzem noch auf Wachstum: Die verarbeitende Industrie im Aufschwung, reichlich Liquidität der Zentralbanken und Phase eins des US-China-Handelsabkommens waren hierfür „vertrauensbildende Maßnahmen“. Der Ausbruch des Coronavirus bringt jedoch völlig neue Herausforderungen für die kommenden Wochen und Monate mit sich, urteilt das Multi-Asset-Team von Nikko Asset Management:

Gewiss wird der schwächere Konsum in China die asiatischen Schwellenländer belasten. Weniger sicher ist, welche Auswirkungen das Virus auf die Lieferketten haben wird. Vorsicht ist geboten, zumindest bis die genauen Ausmaße besser sichtbar sind. Unter der wahrscheinlichen Annahme, dass eine Pandemie vermieden wird, dürfte sich die Nachfrage genauso stark erholen wie 2003 nach dem SARS-Ausbruch.

Asien: Chancen im Norden

Die Nachfrage in Asien steigt, insbesondere im nördlichen Raum der Region. Taiwan und Südkorea sehen Verbesserungen im Handel – insbesondere bei Halbleitern und Elektronik, wo der Fertigungszyklus endlich aufwärts tendiert. Chinas Wachstum ist schwach, wird aber dank seiner hohen Qualität in das Wachstum und die Erträge des Privatsektors einfließen. Das Coronavirus ist für die chinesische Nachfrage kurzfristig eindeutig negativ, aber der größte Teil der verlorenen Nachfrage sollte kompensiert werden, sobald der Erreger effektiv eingedämmt ist. Die Erholung in China und Asien steht noch am Anfang; daher könnte ein virusinduzierter Schock den Nachfragezyklus wieder unterbrechen. Sollte es jedoch erforderlich sein, verfügt das Land noch über genügend politische Munition, um die Nachfrage zu stützen.

Indien: Coronavirus-Ausbreitung wäre verheerend

Die ASEAN-Staaten werden die Auswirkungen des schwächeren chinesischen Konsums zu spüren bekommen, vor allem im Tourismus, der so gut wie zum Erliegen gekommen ist. Die Region profitiert nach wie vor von den umgestalteten Lieferketten und einem bevorstehenden fiskalischen Schub; die relativ schwache lokale Nachfrage macht sie jedoch anfällig. Indien leidet nicht nur unter schwachem Wachstum; seine verfügbaren Gegenmaßnahmen sind auch begrenzt. Die jüngste Senkung der Unternehmenssteuern wird sich nicht stark auf das Wachstum auswirken, und sie verringert künftige politische Optionen. Die indische Inflation ist kürzlich in die Höhe geschnellt, was auch die geldpolitische Lockerungskapazität verringert. Indien ist eine relativ geschlossene Wirtschaft und daher weniger abhängig von der Nachfrage aus China. Aber seine Infrastruktur ist marode. Ein Ausbruch des Coronavirus könnte verheerende Auswirkungen haben.

China: Technologie-Chancen vs. Virus-Einbußen

Die Ertragsaussichten für Chinas Technologie-, Software- und Konsumsektoren sind recht gut. Kurzfristig könnte sich der Konsum jedoch vor allem auf Online-Verkäufe beschränken. Unterdessen erhöht MSCI die Gewichtung chinesischer A-Aktien in seinen Indizes weiter. Die Anleger bleiben in diesen Papieren deutlich untergewichtet, auch wenn die Kapitalströme von Hongkong nach China weiter steigen.

Viele Beobachter hielten im vergangenen Jahr mehr Anreize für erforderlich, um die chinesische Nachfrage wieder auf Kurs zu bringen. Die Regierung aber hielt an ihren Plänen fest: Sie verzichtete auf eine große kreditinduzierte Erholung und hielt stattdessen an ihrer Reformagenda fest, von der ein Großteil darauf abzielte, die Nachfrage des Privatsektors anzukurbeln. Nach wie vor investiert der Staat, inzwischen allerdings in den Sektoren Computer und Kommunikation, was umso wichtiger ist, als die USA drohen, Zulieferungen von Unternehmen wie Huawei abzuziehen. China produziert inzwischen 5 % des weltweiten Halbleiterangebots, gegenüber praktisch Null vor einem Jahr. Chinas Tech-Ambitionen in Verbindung mit dem bevorstehenden 5G-Rollout haben dem Hardware-Zyklus einen gesunden Schub verpasst. Zwar ist das Ausmaß der durch den Coronavirus verursachten Unterbrechung der Lieferketten derzeit schwer abzuschätzen, doch haben zuletzt ausgerechnet Live-Übertragungen aus Krankenhäusern die Wahrnehmung von 5G in einer Öffentlichkeit erhöht, die nach Neuigkeiten über das Virus sucht. Taiwan und Südkorea sind ebenfalls nach wie vor gut aufgestellt, um von der 5G-Einführung zu profitieren.


Über Nikko Asset Management

Mit einem verwalteten Vermögen von 230,9 Milliarden US-Dollar* ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Im passiven Segment deckt Nikko AM mehr als 20 Indizes ab und umfasst einige der größten börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.
Nikko AM ist seit 1959 in Japan ansässig und beschäftigt in 11 Ländern über 200** Finanzfachleute mit über 30 Nationalitäten. Weltweit vertreiben mehr als 300 Banken, Broker, Vermögensberater und Lebensversicherer die Produkte von Nikko AM.
Die Investmentstrategie des Hauses verbindet seine asiatische DNA konsequent mit einer globalen Perspektive für eine langfristige und nachhaltige Performance. Nikko AM ist zudem stolz auf seinen fortschrittlichen lösungsorientierten Ansatz, der zu der Auflage zahlreicher innovativer Fonds für seine Kunden geführt hat.
Weitere Informationen zu Nikko Asset Management und Zugang zu Investment Insights finden Sie auf der Homepage des Unternehmens.

* Assets under Management zusammengefasst einschließlich aller verbundenen Unternehmen von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften zum 30. September 2019.
** Stand 30. September 2019 einschließlich aller Mitarbeiter von Nikko Asset Management und seiner Tochtergesellschaften.

„Die Offensive gewinnt das Spiel, die Defensive die Meisterschaft“

von Pierre Debru, Director, Research, WisdomTree.

2020 bleibt wegen vielerlei offenen Themen ein Jahr der Unklarheiten. Zu diesen gehören der Abschluss des US-chinesischen Handelsabkommens, die langfristigen Auswirkungen der US-amerikanischen Schulden in Höhe von 14 Billionen US-Dollar oder das unkalkulierbare Ergebnis der US-Wahlen im November. Bereits einige Wochen nach Jahresbeginn gewannen diese Risiken mit dem Ausbruch der Nahost-Krise und den Spannungen zwischen USA und Iran sowie der von China ausgehenden Virusepedemie an Dynamik. Betrachtet man Aktienengagements in unsteten Zeiten wie diesen, besteht eine inhärente Spannung, denn es gilt, sich auf zwei ähnlich wahrscheinliche Szenarien vorzubereiten: einen plötzlichen Crash und eine spätzyklische Rallye.

Vor diesem makroökonomischen Hintergrund ist die Portfoliokonstruktion von größter Bedeutung. Ziel ist der Aufbau eines vielseitigen Portfolios, das sich schnell ändernden Marktbedingungen anpassen und unerwarteten Ereignissen widersetzen kann. Mit anderen Worten geht es um die Bildung von Portfolios, die sich defensiv verhalten, aber gleichzeitig auch an Markterholungen partizipieren können.

Hier werden wir uns darauf konzentrieren, wie wir von Natur aus defensive Assets finden und definieren.

Defensive Assets schneiden in Perioden sinkender Aktienkurse erfreulich ab

Wenn man die Bedeutung der Risiken in den einzelnen Assets eines typischen Multi-Asset- betrachtet, liegt die größte Risikoquelle in der starken negativen Wertentwicklung von Aktien, d.h. in sinkenden Aktienkursen. Tatsächlich zeigt die Analyse einer beispielhaften, verbreiteten Portfolioallokation von 60 Prozent europäische Aktien und 40 Prozent Euro-Anleihen einen Risikobeitrag von 90 Prozent aus dem Aktienanteil. Es ist daher nur natürlich, dass defensive Vermögenswerte tendenziell im Gegensatz zu Aktien, sozusagen als „Anti-Aktien“-Assets, definiert werden, d. h. als Vermögenswerte, die bei Kursrückgängen gut abschneiden.

Konzentrieren wir uns mit der folgenden Abbildung auf diese erste Definition und betrachten sechs bekannte Zeiträume, in denen Aktien Negativperformance aufwiesen: die Tech-Blase (September 2000 bis März 2003), die Finanzkrise (Juli 2007 bis März 2009), die Euro-Krise I (April 2010 bis Juli 2010), die Euro-Krise II (Mai 2011 bis Oktober 2011), die China-Krise (April 2015 bis Februar 2016) sowie das vierte Quartal 2018. Der untere Teil der Grafik zeigt die Performance des STOXX Europe 600 Total Return Index über diese Zeiträume (graue Schattierung).

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. In EUR. Weitere Informationen zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie unten auf der Seite.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen

Aktien verhalten sich zyklisch und schneiden daher in den oben genannten Krisenphasen historisch unterdurchschnittlich ab. Sowohl Rohstoffe als auch Hochzinsanleihen verhalten sich in allen sechs Drawdown-Perioden relativ zyklisch und weisen gleichfalls eine negative Wertentwicklung auf, wenn auch weniger als Aktien. Am anderen Ende des Spektrums lieferten Gold-, Bargeld- und Staatsanleihen in all diesen Zeiträumen historisch gesehen eine starke positive Wertentwicklung. Interessanterweise zeigt der japanische Yen in den meisten Perioden auch ein Verhalten vom Typ „Sicherer Hafen“.

Klassifizierung defensiver Assets

Gold, Bargeld, Yen oder Staatsanleihen performen gut in Phasen sinkender Aktienkurse und könnten die Kursrückgänge einwandfrei ausgleichen. Häufig sind die Verluste jedoch heftig und werden durch unvorhersehbare Ereignisse ausgelöst. Anleger haben keine Kristallkugel, die ihnen mitteilt, wann sie die oben genannten defensiven Vermögenswerte einsetzen sollen, am besten kurz vor der Trendwende nach unten. Daher könnten sie die Notwendigkeit in Betracht ziehen, für längere Zeit in defensive Vermögenswerte investiert zu bleiben, um sich auf mögliche Schocks vorzubereiten. Die damit verbundenen Opportunitätskosten können erheblich sein und sind je nach Anlage sehr unterschiedlich. Aus diesem Grund führen wir einen detaillierteren Rahmen zur Klassifizierung dieser Vermögenswerte ein. Dieser Rahmen basiert auf 4 Überlegungen:

  • Risikoreduzierung, d. h. Reduzierung von Drawdowns, Volatilität etc.
  • Asymmetrie der Renditen, d.h. Vielseitigkeit als Fähigkeit des Vermögenswerts, mehr von der Wertentwicklung eines Vermögenswerts sowohl in steigenden als auch in fallenden Phasen einzufangen und Opportunitätskosten zu reduzieren (d. h. die Wertentwicklung, von der ein Anleger nicht profitiert hat, weil er in einen anderen Vermögenswert investiert war).
  • Diversifikation, d. h. unkorreliertes Verhalten gegenüber dem Rest des Portfolios und insbesondere gegenüber Aktien
  • Bewertung, d. h. ein billigerer Vermögenswert weist normalerweise weniger Spielraum für negative Wertentwicklung und auch weniger Crowding-Effekte auf

Um die Vielseitigkeit eines Portfolios zu verbessern, ist es wichtig, für potenzielle Investments alle vier Aspekte zu berücksichtigen.

Risikoreduzierung

Interessanter Ausgangspunkt zur ersten Überlegung ist das Gesamtrisiko. Es gibt mehrere Möglichkeiten, um das Risiko in der Finanzierung auszudrücken: Volatilität, Tracking Error, relativer Drawdown u. a. Entgegen der weit verbreitenden Meinung sind solche Meßgrößen nicht vollständig austauschbar, und die Einstufung von Vermögenswerten gegenüber einer Meßgröße führt nicht zu den gleichen Ergebnissen wie die Einstufung gegenüber einer anderen. Gold weist beispielsweise eine aktienähnliche Volatilität auf, aber keine aktienähnlichen Drawdowns, die von seiner inhärenten positiven Schrägheit profitieren.

Insgesamt würde die Auswahl der Risikokennzahlen variierend von den Beschränkungen und Zielen der Anleger abhängen. Im weiteren liegt das Hauptaugenmerk auf den während der Drawdown-Phasen realisierten Performance.

Asymmetrie der Renditen

Nach der Fähigkeit zur Risikominderung ist das zweitwichtigste Merkmal eines defensiven Assets seine Vielseitigkeit, d. h. seine Fähigkeit zur Erzeugung einer Asymmetrie der Renditen. Bei der Vorbereitung auf eine Phase der Unsicherheit ist es wichtig, sich nicht nur auf das „Schlimmste“, sondern darüber hinaus auch auf andere Szenarien wie zum Beispiel eine unerwartete spätzyklische Rallye vorzubereiten.

Diversifikation

Im Kontext des Portfolios ist Diversifizierung maßgeblich. Einige Vermögenswerte verhalten sich derart asynchron, dass sie einem Portfolio unabhängig von ihren übrigen Eigenschaften einen Nutzen bringen. Staatsanleihen Yen und Gold zum Beispiel fallen in mit einer stark negativen Korrelation zu Aktien auf.

Quelle: WisdomTree, Bloomberg. Zeitraum Juli 2000 bis Dezember 2019. Die Berechnungen basieren auf den monatlichen Renditen in EUR. Weitere Einzelheiten zu den in der Abbildung verwendeten Indizes finden Sie unten auf der Seite. Die historische Performance ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance, und alle Anlagen können an Wert verlieren.

Bewertung

Die Bewertung findet vor allem innerhalb der einzelnen Anlageklassen Anwendung, denn ihr Maß ist sehr unterschiedlich. Deshalb betrachten wir sie nicht über die Anlageklassen hinweg. Der hier geschaffene Rahmen soll Investoren bei der Beurteilung helfen, mit welchen Vermögenswerten und Investitionen sie unsichere Zeiten überstehen und mögliche zukünftige Krisen bewältigen können. Gold und Staatsanleihen haben sich bereits als starke Herausforderer erwiesen.

Kandidaten gelten als wirtschaftsfreundlicher

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International, zum angekündigten Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer als Kanzlerkandidatin und als Parteivorsitzende der CDU:

„Nach der Ankündigung von Annegret Kramp-Karrenbauer als Kanzlerkandidatin und auch als Parteivorsitzende zurückzutreten, scheint der Weg frei für eine Schärfung des CDU-Profils. Nahezu alle jetzt im Spiel befindlichen möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer (Friedrich Merz, Markus Söder, Jens Spahn, Achim Laschet) gelten als wirtschaftsfreundlicher als die aktuelle CDU-Vorsitzende. Neue Positionierungen vor allem bei der Wachstums-, Investitions- und Steuerpolitik könnten folgen und sollten in Folge positive Effekte auf die deutsche Wirtschaft haben. Wir gehen davon aus, dass eine solche Profilschärfung von Seiten der Unternehmen in Deutschland ausdrücklich begrüßt wird.“

ESG-Ratings – fünf häufige Fallstricke

ESG-Ratings haben sich mittlerweile zu einem wichtigen Bestandteil bei die Wertpapier-, Fonds- und Mandatsauswahl entwickelt, was zu einer steigenden Zahl an Datenanbietern geführt hat. Allerdings bringen ESG-Ratings eine Reihe von Herausforderungen mit sich, über die sich Anleger und Asset Manager im Klaren sein müssen.

ESG-Bewertungen haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und betrachten heute ein Unternehmen in der Regel nicht mehr nur auf Basis einer potenziell vorhandenen ESG-Policy, sondern vor allem auf Basis des tatsächlichen Unternehmensverhaltens. Dennoch sollten Investoren bei der Verwendung externer ESG-Ratings Vorsicht walten lassen. „Es gibt nach wie vor Fallstricke und bisweilen widersprüchliche Ergebnisse", so Jeroen Bos, Head of Specialised Equity & Responsible Investing bei NN Investment Partners (NN IP). „Diese Fallstricke können jedoch überwunden werden.“

NN IP hat fünf häufige Fallstricke identifiziert, mit denen Investoren bei der Nutzung externer ESG-Ratingagenturen rechnen müssen:

Größere Unternehmen werden tendenziell begünstigt

ESG-Ratings lassen oft eine Größen-Bias erkennen, größere Unternehmen schneiden im Durchschnitt besser ab. Das bedeutet aber nicht, dass größere Unternehmen tatsächlich stärker auf die Umwelt oder die Gesellschaft achten. Meistens liegt das bessere Rating daran, dass größere Unternehmen über mehr Ressourcen verfügen, um ihre ESG-Politik und ihre Aktivitäten in diesem Bereich herauszustellen und zu reporten.

Branchenneutralität kann zu widersprüchlichen Ergebnissen führen

Die meisten ESG-Bewertungsmethoden sind allen Branchen gegenüber neutral eingestellt. Das bedeutet, dass es in jeder Branche die gesamte Bandbreite an ESG-Bewertungen gibt. Selbst in Branchen mit ernsthaften Nachhaltigkeitsproblemen – wie Öl, Gas und Tabak – schneiden einige Unternehmen bei den ESG-Kennzahlen sehr gut ab, z.B. aufgrund einer vorhandenen und auf dem Papier detaillierten ESG-Policy.

Die Korrelation zwischen ESG-Ratings ist gering

Untersuchungen von CSRHub zeigen, dass die Korrelation zwischen den ESG-Bewertungen verschiedener Ratingagenturen sehr gering ausfallen und bei nur 0,3 liegen kann. Das weist auf eine deutliche Inkonsistenz hin. Weitere Studien bestätigen diese Diskrepanz. Das veranschaulicht den subjektiven Charakter von ESG-Bewertungen, der zum Teil auf die verschiedenen Bewertungsmethoden zurückzuführen ist. Dennoch können die Erkenntnisse und Argumente, die den einzelnen ESG-Bewertungen zugrunde liegen, natürlich sehr hilfreich sein.

Viele Ratings werden von der Zeit überholt

Die Bewertungen der traditionellen ESG-Ratingagenturen können überholt sein, die aktuelle ESG-Bewertung eines Unternehmens kann durchaus genau seiner Bewertung von vor drei Jahren entsprechen. Das lässt sich zum Teil darauf zurückführen, dass der Bewertungsturnus sehr lang ist und sich zudem bestimmte ESG-Datenpunkte in der Regel nicht stark verändern. Es besteht die Gefahr, dass sich Veränderungen in den zugrunde liegenden ESG-Trends erst nach einiger Zeit in den ESG-Ratings niederschlagen. Mittlerweile gibt es jedoch neue ESG-Ratingagenturen, die sich durch den Einsatz neuer Technologien auf zeitnahe, situationsbedingte und auf dem Nachrichtenfluss basierende ESG-Daten konzentrieren, die sich häufiger aktualisieren.

Es gibt kaum Reporting-Standards

Die Erhebung solider, umfassender Daten bleibt eine Herausforderung. Das liegt hauptsächlich daran, dass Unternehmen nicht verpflichtet sind, umfangreich über verschiedenste ESG-Daten zu berichten. Obwohl viele Unternehmen freiwillig ESG-Informationen zur Verfügung stellen, mangelt es oft an Konsistenz, weil die Aufsichtsbehörden nicht in dem Maße Standards festlegen, wie sie es z. B. bei Finanzdaten fordern.

Jeroen Bos: „ESG-Ratings basieren sehr stark auf Meinungen, weniger auf Fakten. Daher ist es entscheidend, die dem jeweiligen Rating zugrunde liegenden Standpunkte zu verstehen. Da ESG-Bewertungen des gleichen Unternehmens von verschiedenen Rating-Agenturen sehr unterschiedlich ausfallen können, sind die Kombination verschiedener Quellen und deren Verknüpfung mit eigenen Analysen notwendig.“

Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen mit positivem ESG-Momentum bessere risikobereinigte Renditen aufweisen als Unternehmen mit stagnierenden ESG-Scores, selbst wenn diese hoch sind. Deshalb ist es wichtig, die ESG-Fortschritte der Unternehmen in den Fokus zu rücken und nicht ihre verschriftlichte ESG-Policy. Darüber hinaus können Investoren durch aktiven Dialog mit den Unternehmen erheblich zur Verbesserung der ESG-Daten beitragen. Nicht zuletzt könnten neue Technologien wie Natural Language Processing (NLP), das natürliche Sprache erfasst und Texte computerbasiert mithilfe von Algorithmen verarbeitet, unsere ESG-Erkenntnisse weiter vertiefen, da dank NLP die Vollständigkeit, Aktualität und Qualität der Datensätze verbessert werden kann.


Über NN Investment Partners

NN Investment Partners (NN IP) ist der Asset Manager der NN Group N.V., einer an der Euronext Amsterdam gehandelten Aktiengesellschaft. NN IP hat seinen Hauptsitz in Den Haag, in den Niederlanden und verwaltet insgesamt rund 287 Mrd. Euro* (313 Mrd. US-Dollar*) Assets under Management für institutionelle Kunden und Privatanleger weltweit. NN IP beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter und ist in 15 Ländern in Europa, USA, Lateinamerika, Asien und dem Nahen Osten vertreten. *Stand: 30. September 2019
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.nnip.com und www.nn-group.com

Erste Auswirkungen des Virenausbruchs in China

von Aneeka Gupta, Associate Director, Research, WisdomTree.

Der Ausbruch des neuartigen Coronavirusstamms in Wuhan, China, und dessen Ausbreitung auf andere Länder gibt den Finanzmärkten Anlass zur Sorge. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Coronaviren (CoV) eine große Virenfamilie, die Erkältungskrankheiten bis hin zu schwereren Erkrankungen wie das Nahost-Atemwegssyndrom (MERS-CoV) und das schwere akute Atemwegssyndrom (SARS-CoV) verursachen. Bis zum 22. Januar 2020 hat die nationale Gesundheitskommission Chinas 571 bestätigte Fälle von CoV-Stamm in China (darunter 444 in Hubei) und 393 Verdachtsfälle gemeldet. Die Investoren sind besorgt über die mögliche Verbreitung der Infektionen aufgrund der starken Reisesaison vor dem chinesischen Mond-Neujahrsfest.

Rückblick auf frühere Ausbrüche

Die Finanzmärkte beginnen bereits, die negativen Auswirkungen des Ausbruchs einzupreisen, wobei der CNY abwertete und der Hang-Seng-Index am 21. Januar mit -2,8 Prozent den bisher größten Tagesrückgang im Jahr verzeichnete. Nach Recherchen in Baidu nehmen die Bedenken der Bevölkerung zu. Mehrere Virenausbrüche in den letzten Jahren haben die Besorgnis über eine umfassendere Pandemie geweckt - SARS (2003), H1N1(2009) und H7N9 (2013). Von diesen wurde SARS in den letzten Tagen am häufigsten genannt, weil dieses Virus ebenfalls ein bisher unbekannter CoV-Stamm war, der angeblich vom chinesischen Festland ausging und sich schließlich weltweit ausbreitete und 800 Todesfälle verursachte. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von SARS waren erheblich, aber nur von kurzer Dauer. In Hongkong kam es während des Ausbruchs von März bis Juni 2003 zu einem starken Rückgang der Reise-, Tourismus- und Einzelhandelsaktivitäten. Wie schwerwiegend die wirtschaftlichen Auswirkungen sind, ist noch unklar. Es ist davon auszugehen, dass sie wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sind, wenn sie dem Muster historischer Fälle folgen. Wir glauben, dass das öffentliche Bewusstsein diesmal höher ist, was zum Teil auf die schnellere Reaktion der Behörden, die Nutzung des Internets und der sozialen Medien sowie die Bekanntheit des SARS-Virus zurückzuführen ist.

Die am stärksten gefährdeten Sektoren

Der CoV wird wahrscheinlich Auswirkungen auf die Transportindustrie haben. Fluggesellschaften wie China Southern werden wohl am stärksten betroffen sein, da sie gemessen an der Sitzkapazität den höchsten Marktanteil (38%) haben. Da die Verbraucher dazu neigen werden, zu Hause zu bleiben, um dem CoV nicht ausgesetzt zu sein, ist von negativen Auswirkungen auf Einzelhandel, Freizeitparks, Restaurants und Kinos auszugehen, da diese Sektoren normalerweise aufgrund der Saisonabhängigkeit vom chinesischen Neujahrsfest profitieren würden. Demgegenüber dürften Online-Gastronomie, verpackte Lebensmittel und Lebensmitteleinzelhändler von einer Verschiebung der Verbraucherpräferenzen profitieren, denn die Konsumenten werden überfüllte öffentliche Einrichtungen vermeiden. Der CoV-Ausbruch wird wahrscheinlich auch zu Störungen in den in Wuhan ansässigen Offline-Nachhilfeinstitutionen (AST) führen. Das Büro für Bildung in Wuhan hat die Aussetzung der Nachhilfekurse nach der Schule (AST) ab dem 21. Januar 2020 angekündigt. Während des SARS-Ausbruchs im Jahr 2003, als die Schule und die AST-Einrichtungen in bestimmten Regionen geschlossen wurden, erlebte der Fern- und Online-Unterricht ein bemerkenswertes Wachstum. Neben Peking, Zhengzhou, Xi'an und Nanjing ist Wuhan eine der wichtigsten Städte zur Rekrutierung und Ausbildung von Online-Lehrern und Tutoren für die meisten chinesischen Online-Bildungsunternehmen.

Für eine genauere Beurteilung des Ausmaßes der CoV-Infektionen ist es noch zu früh. Wir gehen von einer kurzen Dauer der Krise aus, wenn man dem Muster historischer Fälle folgt. Die langfristigen Aussichten Chinas hängen weiterhin entscheidend davon ab, wie sehr sich das Reich der Mitte weg von der alten Formel des industriellen Wachstums in Richtung der Wachstumstreiber der "New Economy" wie Konsum und Informationstechnologie bewegt. Wir gehen davon aus, dass sich die derzeitige Rallye am chinesischen Aktienmarkt bei anhaltender Volatilität bis ins Jahr 2020 hinein fortsetzen wird.

Rückläufige Wachstumserwartungen könnten Triebfeder für Anleiherenditen sein

von Lidia Treiber, Associate Director Research, WisdomTree.

Festverzinsliche Anlageklassen haben sich 2019 generell gut entwickelt, da die Investmentströme in Staatsanleihen aufgrund der zunehmenden Sorge um ein rückläufiges globales Wachstum, Handelskonflikte und Brexit stark gestiegen sind. Während die Nachfrage nach historisch sicheren Anlagen stieg, gaben die Renditen für Staatsanleihen nach, wodurch sich viele europäische Staatsanleihen in den Bereich negativer Zinsen begaben. In der Zwischenzeit haben die Forderungen der Investoren nach Anleihen mit höherer Verzinsung bei Risikoaktiva für Unterstützung gesorgt. Dieses Jahr flossen bis zum 4. Oktober 2019 bisher 40,22 Milliarden USD in Exchange Traded Funds (ETFs) für festverzinsliche Wertpapiere in Europa, ein Anteil von fast 53 Prozent an allen Exchange Traded Product (ETP)-Strömen, wobei die Ströme für Fixed-Income-ETFs weltweit im zweiten Quartal des Jahres einen neuen Meilenstein erreicht haben.

Bedeutende festverzinsliche Anlageklassen US-Investment-Grade-Unternehmensanleihen schnitten besser ab als die meisten wichtigen festverzinslichen Anlagen, im bisherigen Jahresverlauf zum 12. November 2019 mit einem Plus von 15,22 Prozent. Dies entspricht einer ihrer besten Renditen seit fast zehn Jahren, da die Investoren in einem Umfeld negativer Zinsen auf der Suche nach hochwertigen Erträgen sind. Ebenso überraschten europäische Staatsanleihen die Investoren. Sie starteten mit sehr niedrigen Renditen in das Jahr und konnten im selben Zeitraum eine Rendite von fast 10 Prozent erwirtschaften. Eine festverzinsliche Anlageklasse, die angesichts dieses Zeitrahmens im Vergleich zu ihrem Aktien-Pendant Renditen im zweistelligen Bereich erzielen konnte, waren Additional Tier 1 Contingent Convertible Bonds (AT1-CoCo-Anleihen). Durch regulatorische Anforderungen wie Basel III und andere Maßnahmen waren europäische Banken dazu gezwungen, ihre Kapitalreserven zu verbessern. Aufgrund dessen ist das europäische Bankensystem 2019 sehr viel besser mit Kapital versorgt, als dies in der letzten Finanzkrise der Fall war. AT1-CoCo-Anleihen sind nicht in den großen europäischen Referenzindizes enthalten und können Diversifizierungsvorteile für andere Risikoaktiva bieten, was zu ihrer Beliebtheit beigetragen hat.

Renditen langfristig niedrig

Unseres Erachtens werden die Leitzinsen 2020 einem ähnlichen Muster folgen wie 2019, da die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) den Markterwartungen niedrigerer Leitzinsen nachkommen wird, auch wenn ihre derzeitigen Zinsvorhersagen anhand der „Dot-Plots“ auf einen härteren Kurs schließen lassen. Da die Wirtschaftsdaten weiterhin die führenden Indikatoren für zukünftige geldpolitische Entscheidungen darstellen, werden schwächere Daten, angeführt von Europa, die Renditen 2020 voraussichtlich belasten. Wenn wir uns die Nominalrenditen auf der US-Zinsstrukturkurve heute im Vergleich zu vor fast zehn Jahren ansehen, haben sich die Zinsen in diesem Marktzyklus auf einem sehr viel niedrigeren Niveau normalisiert als vor der Krise 2008. Der allgemeine Verlauf der Zinsstrukturkurven für die USA, Großbritannien und Europa erscheint jeweils relativ flach, worin sich sehr viel niedrigere Wachstums- und Inflationserwartungen in der Zukunft widerspiegeln. Zum Ende des Jahres 2007 lagen die langfristigen Renditen für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren in den USA knapp unter 4,5 Prozent, in Großbritannien leicht über 4,0 Prozent und ebenso in Deutschland bei knapp über 4,5 Prozent. Wenn wir nun einen Blick auf den 15. November 2019 werfen, stellen wir bei den Renditen für 30-jährige Staatsanleihen eine hohe Abweichung in diesen drei Regionen fest: Die Renditen für Bundesanleihen sind nahe 0 Prozent, die Renditen für britische Gilts knapp über 1 Prozent und sogar die Renditen von US-Treasuries betragen rund 2 Prozent. Die Wachstumserholung in entwickelten Märkten seit der letzten Finanzkrise fiel moderater aus als dies nach früheren Krisen der Fall war. Europa befindet sich in einem unkonventionellen geldpolitischen Umfeld und das neue Programm zur quantitativen Lockerung wird die Renditen am langen Ende voraussichtlich nach unten ziehen und Risikoaktiva begünstigen. Generell erwarten wir, dass die Renditen am langen Ende eingeschränkt bleiben werden, sollten wichtige europäische Länder nicht deutliche finanzpolitische Impulse setzen, die sich auf die Wachstums- und Inflationserwartungen der Zukunft auswirken könnten. Angesichts der weiteren wirtschaftlichen Folgen des Brexit und der noch in diesem Jahr anstehenden US-Präsidentschaftswahlen, dürften beide Volkswirtschaften zu großen Teilen von den Ergebnissen dieser beiden Ereignisse beeinflusst werden.

Längere Duration in Betracht ziehen

In einem Umfeld, in dem einige Investoren beginnen, ihr Aktienrisiko möglicherweise durch Risikobudgetierung ihrer Portfolios zu senken, könnte eine Allokation in einem diversifizierten Korb aus festverzinslichen Anlageklassen dabei helfen, das Risiko-Rendite-Profil der Portfolios zu verbessern. Unseres Erachtens könnte ein Engagement mit einer langen Duration bei festverzinslichen Allokationen ein nützliches Instrument zur Portfoliodiversifizierung sein, das die Widerstandskraft gegen eine Korrektur der Aktienmärkte erhöhen könnte. Festverzinsliche Anlagen mit hoher Duration zeichnen sich historisch im Durchschnitt durch eine höhere Volatilität und höhere langfristige Renditen aus. Wenn es bei Aktien steil abwärts geht, bietet die Duration im Durchschnitt tendenziell jedoch eine bessere positive Performance als Engagements in Anleihen mit kürzerer Duration.

Im Zusammenhang mit Multi-Asset-Portfolios erhöhen Anlagen mit höherer Duration im Laufe eines vollen Wirtschaftszyklus tendenziell die Sharpe Ratio des Portfolios. Dabei wird angenommen, dass sich die Allokationen in einem Portfolio zu 60 Prozent auf Anleihen und zu 40 Prozent auf Aktien verteilen und für den Anleihenanteil des Portfolios Indizes mit unterschiedlichen Fälligkeitsprofilen eingesetzt werden. In diesen hypothetischen Szenarien war die Sharpe Ratio des Portfolios am höchsten, bei dem die Allokation in Anleihen im Korb mit der längsten Laufzeit platziert wurde. 

Taktische Allokation im Bereich Kredite

Obwohl die optionsbereinigten Aufschläge für Investment-Grade und Hochzinsanleihen seit der Marktkorrektur vom Dezember 2018 generell enger geworden sind, wird das aktuelle makroökonomische Umfeld langfristig niedriger Zinsen voraussichtlich Unterstützung für Unternehmensanleihen geben, die eine Renditeoptimierung bieten. Wenn sich das verlangsamte Wachstum beginnt, in den Bilanzen der Unternehmen niederzuschlagen, wird eine Outperformance bei Unternehmensanleihen voraussichtlich stärker auf den Fundamentaldaten basieren. Eine einzigartige Dynamik bei Unternehmensanleihen, die die Nachfrage in den Kundenportfolios weiter antreiben wird, sind die Diversifizierungsvorteile, die Unternehmensanleihen einem Portfolio mit Anleihen mit höherer Duration bieten können. Dies ist der Fall, da Treasuries und Unternehmensanleihen historisch gesehen eine Renditediversifizierung bieten, vor allem dann, wenn es auf den Aktienmärkten bergab geht.

Investoren in Unternehmensanleihen könnten im gesamten Verlauf des Jahres 2020 Volatilitätsphasen erleben. Obwohl die Investoren aufgrund der erhöhten Marktunsicherheit bezüglich ihrer Risikopositionen eher rückwirkend reagieren, wird sich die Nachfrage nach Kredit voraussichtlich fortsetzen, da die Renditen europäischer Staatsanleihen wahrscheinlich nicht die Einkommensverbesserung bieten werden, nach der viele Investoren suchen. Im Bereich Kredit sind AT1-CoCo-Anleihen weiterhin eine interessante Anlageklasse, da die Emittenten von AT1-CoCo-Anleihen – typischerweise europäische Banken – generell über ein InvestmentGrade-Rating verfügen. Die fundamentale Kreditqualität des europäischen Bankensektors ist 2019 relativ stabil geblieben. Betrachten wir die von Standard & Poor’s (S&P) gemeldeten Emittenten Ratings der europäischen Banken, die AT1-CoCo-Anleihen ausgeben, geht der Trend seit 2017 mehr in Richtung Ratingaufwertungen als Ratingabwertungen, was auf bessere Fundamentaldaten der Emittenten hindeutet. Außerdem werden sich die Anlagenkäufe der EZB voraussichtlich günstig auf die Finanzierungskosten von Banken auswirken und somit einem Teil der nachteiligen Auswirkungen negativer Zinsen auf das Bankensystem entgegenwirken. AT1-CoCo-Anleihen, die am unteren Ende der Kapitalstruktur der Banken, gleich über dem Bankvermögen, angesiedelt sind, bieten eine Renditeoptimierung gegenüber höherrangigen Bankschuldverschreibungen. Die Investoren müssen jedoch die Eigenschaften von AT1-CoCo-Anleihen in Betracht ziehen und bestimmen, ob das Risiko-Ertrags-Profil mit den allgemeinen Zielen ihres Portfolios vereinbar ist. Angesichts des wirtschaftlichen Hintergrunds ist dies unseres Erachtens eine der festverzinslichen Anlageklassen, die auch im Jahr 2020 weiterhin gut abschneiden könnte.


Alle Daten von Bloomberg, sofern nicht anders angegeben.

Wie die Ölmärkte auf weitere geopolitische Schocks reagieren

von Mobeen Tahir, Associate Director und Rohstoffexperte, WisdomTree.

Nachdem der Chef der iranischen Revolutionsgarde Qassem Soleimani bei einem US-Luftangriff in Übersee getötet wurde stiegen die Ölpreise in der ersten Woche des neuen Jahres an. Die Spannungen in der Region steigen immens , denn das irakische Parlament beschloss, das US-Militär aus dem Land auszuweisen. Das wiederum veranlasste US-Präsident Trump dazu, dem Land mit Sanktionen zu drohen. Das war am 8. Januar des neuen Jahres. Brent, das zum Ende des dritten Quartals im vergangenen Jahr mit rund 59 US Dollar pro Barrel gehandelt wurde, bewegte sich an diesem Tag bei 69 US Dollar.

In unserem jüngst veröffentlichten Jahresausblick 2020 betonten wir, dass die Ölmärkte angesichts der Fragilität im Nahen Osten keine angemessenen geopolitischen Risikoprämien eingepreist haben. Nachfolgend analysieren wir, was durch die Öl-Futures-Kurven eingepreist wird. Zudem stellen wir zur Diskussion, welche Richtung die Ölmärkte nehmen könnten.

Prämie des geopolitischen Risikos fehlt

Die Brent-Preise wurden im Oktober 2018, als die USA Sanktionen gegen den Iran ankündigten, mit rund 85 US Dollar pro Barrel gehandelt. Seitdem sind die Preise erheblich gefallen, da die Märkte aufgrund des lauen globalen Wirtschaftswachstums auf den Rückgang der Nachfrage fixiert waren. Der Zeitraum dazwischen war jedoch nicht frei von Schwankungen. Besonders merkwürdig ist jedoch, wie schnell nach Eintritt eines „geopolitischen“ Ereignisses die zunächst stark angestiegenen Olpreise stets wieder sanken. Zur Veranschaulichung dessen dient der Drohnenangriff auf saudische Ölfabriken im September 2019. Infolgedessen nahmen die Bedenken hinsichtlich der Ölversorgung auf den Weltmärkten zu, die Preise stiegen. Als die saudischen Behörden versicherten, dass der Schaden unter Kontrolle sei gingen sie schnell zurück. Angesichts der Spannungen in der Region in den letzten Monaten wurde eine dem geopolitischen Risiko angemessenen Prämie bei Öl nicht eingepreist. Die jüngsten Preisaktivitäten könnten ein frühes Indiz dafür sein, dass dies allmählich geschieht und wir uns einer faireren Preisspanne für Brent von etwa 70 bis 75 US Dollar pro Barrel nähern.

Was uns in Backwardation befindliche1 Futures-Kurven sagen

Eine in Backwardation befindliche Futures-Kurve zeigt normalerweise an, dass der Markt eher bereit ist, für eine schnelle Lieferung mehr zu zahlen als abzuwarten. Dies deutet auf eine kurzfristige Knappheit des Rohstoffs hin. Die Brent- und WTI-Kurven haben in den letzten drei Monaten eine deutlich stärkere Backwardation erfahren. Der Anstieg der Front-End-Preise begann im Oktober letzten Jahres, als die Märkte weitere Angebotskürzungen der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) einpreisten. Die OPEC und ihre Verbündeten, bekannt als OPEC plus, haben ihre Lieferungen um 0,5 Mio. Barrel pro Tag gesenkt, um die Gesamtmenge im Vergleich zum Stand von Oktober 2018 auf 1,7 Mio. Barrel pro Tag zu senken. Die steile Backwardation in den Kurven zeigt jedoch, dass Öl-Futures die Preisbildung wie folgt vornehmen:

  1. Das Angebot wird über längere Laufzeiten reichlich sein, da Engpässe aufgrund eines kurzfristigen Schocks durch mehr Ölquellen ausgeglichen werden können (z. B. könnte die OPEC das Angebot beeinflussen).
  2. Geopolitische Risiken werden allmählich dadurch eingepreist, dass die Kurve am vorderen Ende steiler wird.

Wenn die geopolitischen Spannungen anhalten oder sogar eskalieren, dürften die Ölpreise unter Aufwärtsdruck geraten. Die Front-End-Preise für Öl können volatil sein. In den letzten Monaten sind die Ölkurven nach geopolitischen Ereignissen rückläufiger geworden, bevor sie wieder abflachten. Um zu dem Schluss zu kommen, dass eine geopolitische Risikoprämie angemessen eingepreist wurde, müsste die Backwardation bestehen bleiben, solange die Risiken bestehen.

Die Ereignisse der letzten Woche hatten einen etwas stärkeren Einfluss auf Brent als eine internationalere Öl-Benchmark als auf WTI, das tendenziell stärker von der Angebots- und Nachfragedynamik in den USA beeinflusst wird.

Was geschieht jetzt?

Die Ölmärkte dürften weiterhin auf die Entwicklungen zwischen den USA und Iran reagieren. Ein regelrechter Konflikt zwischen beiden könnte zu einem großen Angebotsschock führen und die Straße von Hormus könnte für ein Drittel des globalen Ölvolumens, das derzeit durch sie fließt, unzugänglich werden. Ebenso könnte eine Deeskalation der jüngsten Spannungen die Nerven der Marktteilnehmer beruhigen und die Ölpreise dazu veranlassen, erneut zu sinken, wie dies angesichts anderer geopolitischer Ereignisse im vergangenen Jahr in der Region der Fall war.

Angesichts der Ungewissheit und des vorhandenen Spielraums würde die Rationalität vorschreiben, dass die Märkte das geopolitische Risiko bei Öl einpreisen, bis eine sinnvolle Lösung der Hauptprobleme zwischen den USA und dem Iran in Sicht ist. Angesichts der anhaltenden Spannungen werden die Märkte dieses Risiko wahrscheinlich stärker wahrnehmen und die Ölpreise so stützen. Wenn die Märkte jedoch wieder selbstgefällig werden und die Prämie demzufolge sinkt, bevor alle Probleme gelöst sind, könnte Öl als sehr gute Absicherung geopolitischer Risiken darstellen, da die Preise theoretisch immer dann steigen, wenn ein geopolitisches „Ereignis“ eintritt.


1) Eine Futures-Kurve wird als in Backwardation bezeichnet, wenn ihr Kassa- oder Barpreis höher als der Terminkurs ist. Die gegenteilige Situation, bei der der Terminkurs höher ist als der Kassa- oder Barpreis, wird als Contango bezeichnet.

Konjunkturerholung in Europa verliert an Schwung

von Aneeka Gupta, Associate Director Research bei WisdomTree.

Die europäischen Aktienmärkte leiden unter dem Zusammenfluss externer und interner Schwierigkeiten, globale Spannungen im Handel, die Konjunkturabschwächung in der chinesischen Wirtschaft, strukturelle Veränderungen in der Automobilindustrie und die andauernde Unsicherheit um den Brexit. Seit 2013 schneiden die europäischen Aktienmärkte schlechter ab als die US-Aktienmärkte, wobei der Abstand seit 2000 am größten ist. Value-Aktien spielen im Vergleich zu den USA in Europa eine größere Rolle, während Wachstumsaktien in den USA einen höheren Anteil haben. Seit der großen Finanzkrise haben Wachstumsaktien Value-Aktien deutlich überholt, was ebenfalls der mangelnden Wertentwicklung in Europa zuzuschreiben ist. Die europäische Gemeinschaftswährung wird gegenüber dem US Dollar derzeit auf dem niedrigsten Stand seit Mai 2017 gehandelt, doch für europäische Exporteure hat sich daraus bisher kein Wettbewerbsvorteil ergeben. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2019 flossen Mittel im Wert von 8,1 Mrd. US Dollar aus Exchange Traded Funds (ETFs) für in der Eurozone angesiedelten Aktien ab, was den starken Pessimismus gegenüber europäischen Aktien untermauert. Aufgrund des verhaltenen Ausblicks sind defensive Sektoren der europäischen Wirtschaft im Vergleich zu zyklischen Sektoren überlaufen. Europa kann nur dann ein Trendwende schaffen, wenn es zu einer Kombination aus Fortschritten in den Verhandlungen beim Welthandel, einer Erholung bei Value Aktien und sinnvollen finanzpolitischen Impulsen kommt.

Schwäche in der Industrie zieht auch Dienstleistungssektor nach unten

Bei der Verschlechterung der europäischen Wirtschaftsdaten zeichnet sich kein Ende ab. Der Einkaufsmanagerindex Flash Eurozone Manufacturing Purchasing Managers Index (PMI) fiel mit einem Wert von 45,6 im September auf seinen schlechtesten Stand seit fast sieben Jahren, ein Rückgang von 47 Punkten gegenüber August. Die Schwäche war auch im Dienstleistungssektor zu beobachten, wo der Flash Eurozone Services PMI ein achtmonatiges Tief erreichte. Dies ist ein besorgniserregendes Anzeichen. Abschwünge werden häufig zuerst im Industriesektor entdeckt und dann an den Dienstleistungssektor weitergegeben, da die Industrie tendenziell schneller auf sich verändernde Nachfragebedingungen reagiert. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Schwäche auf die Inlandsnachfrage auswirkt, war ein weiterer Rückgang in der Beschäftigungskomponente des Composite PMI auf ein Niveau, das mit stagnierender Beschäftigung und einer leicht steigenden Arbeitslosigkeit einhergeht.

Europas Nachzügler Deutschland

Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft, war von dem durch die Handelskonflikte und den Abschwung in China am stärksten betroffen, da der Export 47 Prozent am BIP ausmacht. Dies wurde anhand des aktuellen Rückgangs beim Industrie-PMI von 43,1 auf 41,4 im September offensichtlich, dem schlechtesten Stand seit mehr als zehn Jahren. Deutschland hat einen großen Anteil an der Autoproduktion. Die Einführung neuer Emissionstests durch die EU trugen ebenfalls zum Verlust des Momentums in der Branche bei. Die Tatsache, dass Deutschland über eine Supply Chain verfügt, die den Kontinent umspannt und 29 Prozent des BIP der Eurozone ausmacht, lässt die Wahrscheinlichkeit steigen, dass auch andere westeuropäische Volkswirtschaften die negativen Folgen einer Rezession in Deutschland zu spüren bekommen würden. Zu allem Übel hat die Welthandelsorganisation (WTO) die USA zur Erhebung von Zöllen auf europäische Luftfahrt- und Luxusgüter im Wert von fast 7,5 Mrd. US Dollar ermächtigt, da dem europäischen Flugzeughersteller Airbus SE illegale staatliche Zuschüsse bereitgestellt worden waren. Sollte die Trump-Regierung die Zölle einfordern, ist es wahrscheinlich, dass dies Vergeltungsmaßnahmen durch die EU nach sich ziehen und den Handelskonflikt zwischen den beiden Nationen weiter vertiefen würde. Am 20. September gab die Bundesregierung ein Klimapaket im Wert von 54 Mrd. Euro bekannt, das auf die Erreichung des Emissionsziels 2030 abzielen soll. Den Erwartungen nach soll dieses Paket aus vorhandenen Überschüssen im Energie- und Klimafonds finanziert werden, was einen geringfügigen finanziellen Impuls von netto weniger als 1,6 Prozent des BIP beinhaltet.

Geld- und Finanzpolitik müssen Hand in Hand gehen

Am 12. September legte die EZB ein umfangreiches Lockerungspaket mit folgendem Inhalt auf: Senkung des Einlagenzinssatzes um 10 Basispunkte, Neuauflage von Nettokäufen im Rahmen ihres Wertpapierkaufprogramms (Asset Purchase Programme; APP) mit monatlich 20 Mrd. Euro, großzügigere gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO III) und Einführung eines zweistufigen Einlagenzinssatzes zur Abmilderung der Kosten aus negativen Zinsen für Banken. Die Probleme in Europa lassen sich jedoch nicht allein durch Geldpolitik lösen. Das Hauptproblem in Europa ist nicht ein mangelnder Zugang zu Kapital für Unternehmen oder hohe Kapitalkosten, sondern eine mangelnde externe und interne Nachfrage. Aufgrund externer Erschütterungen wie Handelsstreitigkeiten, Brexit und Konjunkturschwäche in China sind die Nachfragebedingungen weiterhin schlecht. Deshalb muss in Europa bei der Finanzpolitik, die strenger ist als nötig, mehr getan werden, um die internen Nachfragebedingungen zu stärken. Der frühere EZB-Präsident Mario Draghi brachte diese Gedanken auch bei seiner letzten EZB-Pressekonferenz zum Ausdruck. Hierbei betonte er, dass die Finanzpolitik nun den Staffelstab von der geldpolitischen Lockerung übernehmen müsse, denn es sei unwahrscheinlich, dass die Wachstums- und Inflationsziele ohne die Rolle der Finanzpolitik erreicht werden könnten. Der aktuelle mehrjährige Finanzierungsrahmen deckt die Jahre 2014–2020 ab und umfasst 1.087 Mrd. Euro bzw. 1 Prozent des BIP der EU.

Die Vorbereitungen für den neuen Haushalt der Europäischen Union (EU) für 2021–2027 sind bereits in vollem Gange. Ein neuer mehrjähriger Finanzierungsrahmen für den Zeitraum 2021–2027 wurde von der Europäischen Kommission (EK) vorgeschlagen und zielt auf ein Budget von ungefähr 1,3 Trillionen Euro ab, das sich auf ein breites Spektrum unterschiedlicher politischer Prioritäten der Europäischen Union verteilt. Der neu vorgeschlagene mehrjährige Finanzierungsrahmen soll die soziale Dimension der Union stärken. Für nächstes Jahr wird die Europäische Kommission die Umsetzung der Programme fortsetzen, die im mehrjährigen Finanzierungsrahmen 2014–2020 genehmigt wurden, während sie die Annahme des vorgeschlagenen mehrjährigen Finanzierungsrahmens 2021–2027 voranbringt.

Bewertungen weiterhin zugunsten Europas

Europäische Bewertungen werden gegenüber denjenigen für die USA historisch gesehen mit einem Abschlag gehandelt. Laut des konjunkturbereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnisses (CAPE) werden europäische Aktien (CAPE von 18,35) im Vergleich zu US-Aktien (CAPE von 20,54) mit einem Abschlag von 10,6 Prozent gehandelt. Historisch gesehen haben europäische Unternehmen außerdem einen höheren Gewinnanteil an die Aktionäre in Form von Dividenden ausgeschüttet als in den USA. Höhere Dividendenrenditen in Europa von 3,71 Prozent, verglichen mit 1,9 Prozent bei US-Aktien, verbessern den Investment Case für europäische Aktien, vor allem in einer Zeit, in der globale Schuldverschreibungen im Wert von fast 14 Trillionen USD negativ verzinst werden.

Überhöhtes Interesse in bestimmten Segmenten des europäischen Markts

Der verhaltene Ausblick der Investoren hat zu einem überhöhten Interesse in bestimmten Segmenten des europäischen Markts geführt, nämlich bei Wachstums-, Large-Cap- und international exponierten Aktien. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Value- im Vergleich zu Wachstumsaktien ist so niedrig wie seit 2005 nicht mehr.

Obwohl europäische Small-Cap-Aktien eine Prämie von 6 Prozent auf die Dividendenrendite bieten, werden sie im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt gegenüber Large-Cap-Aktien auf KGVBasis mit einem Abschlag von 5 Prozent gehandelt. International exponierte europäische Aktien schneiden seit 2007 um 44 Prozent besser ab als ihre inländischen Pendants.


Soweit nichts anderes angegeben, stammen die Daten von Bloomberg.

"Vier Szenarien, die für Überraschungen am Horizont sorgen könnten"

von Jesper Koll, Senior Advisor to WisdomTree.

2020 wird ein herausragendes Jahr für Japan werden. Mein Hauptszenario hierfür ist simpel: Japans Exporte werden durch die wieder anziehende chinesische Nachfrage angekurbelt; und die Binnennachfrage überrascht durch starke Unternehmensinvestitionen, fiskalische Unterstützung und eine stetig wachsende Kaufkraft der japanischen Arbeitnehmer. Allerdings wird es darüber hinaus Überraschungen geben, die weder von den quantitativen Modellen der Experten noch von der aktuellen „Konsensweisheit“ der Massen erfasst werden. Hier sind also die Ausreißerszenarien, die mich nachts wach halten. So unwahrscheinlich sie auch erscheinen mögen, jede Bewegung in ihre ferne Richtung wird eine Kursänderung im aktuellen Konsens erzwingen.

1) Japan senkt die Körperschaftssteuer für Firmen, die in Japan ein Asien-Hauptquartier einrichten

Japan ist die unumstrittene Bastion der Stabilität in Asien und könnte leicht zum Standort asiatischer Headquarters sowohl etablierter multinationaler Unternehmen als auch unternehmerischer Neugründungen werden. Um jedoch die "natürlichen Vorteile" Japans wie stabile Politik, wirtschaftsfreundliche Rechtsstaatlichkeit, beste Infrastruktur, hohe Lebensqualität und einen hervorragenden Zugang zu ganz Asien wirklich nutzen zu können, muss ein Hindernis beseitigt werden, nämlich der sehr hohe Unternehmenssteuersatz. Mit grundsätzlich 30 Prozent müssen Unternehmen eine zwei- oder sogar dreimal so hohe Steuerlast tragen wie in Hongkong, Singapur oder anderen asiatischen Hauptstädten. Angesichts steigender politischer Risiken an anderer Stelle braucht Japan nur einen kleinen Schubs. Würde die Körperschaftssteuer für jedes Unternehmen, das seinen Asien-Hauptsitz in Japan errichtet, auf 20-25 Prozent gesenkt, würden viele CEOs ernsthaft in Erwägung ziehen, ihre Asien-Führungsteams zurück nach Tokio zu verlegen. Natürlich werden die japanischen Steuerbehörden gegen diese Idee sein; aber die Führer der jüngeren Generation der Liberaldemokratischen Partei erkennen voll und ganz an, dass 20 Prozent von Etwas besser sind als 30 Prozent von Nichts. Es könnte ein Investitionsboom aus dem Ausland folgen, der nicht nur hochwertige, hochbezahlte Arbeitsplätze für junge und alte Japaner schafft, sondern natürlich auch die Vielfalt und das globale Bewusstsein der lokalen Teams beschleunigt.

2) Der jährlichen Tarifverhandlungen, der "Shunto", bringen 2020 Lohnerhöhungen von vier Prozent, doppelt so viel wie im letzten Jahr

Für eine echte Abkopplung der japanischen Wirtschaft vom Auf und Ab des globalen Konjunkturzyklus braucht die Binnennachfrage und besonders der Konsum einen stärkeren Motor. Nach Jahrzehnten der Lohnzurückhaltung und des gewerkschaftlichen Lobbying mit dem Ziel langfristiger Arbeitsplatzstabilität statt kurzfristiger Lohnzuwächse ist der Arbeitsmarkt angespannt. Der "Kampf um Talente" sollte mit höheren Löhnen beginnen. Je höher der "Shunto", desto größer sind die Chancen auf positive Wachstumsüberraschungen im Jahr 2020. Gleichzeitig sollten mehr Unternehmen dem Beispiel von Toyota folgen und eine leistungsbezogene Vergütung einführen. In Japan wächst die Dynamik für beide Seiten. Man sollte sich nicht täuschen lassen, denn eine Erhöhung der Basisvergütung plus Leistungszulage ist gleichbedeutend mit einem Konsumboom.

3) Premierminister Abe geht nach Pjöngjang und leitet eine von Japan geführte Modernisierung der Infrastruktur für Nordkorea im Wert von 1 Billion Dollar ein

Für Sicherheits- und Verteidigungsexperten bleibt Nordkorea ein Sumpf, für einen Wirtschaftsexperten sind Nordkorea und Japan dagegen eine geradezu himmlische Verbindung, denn ein reichhaltiges Angebot an natürlichen Ressourcen und Arbeitskräften trifft auf weltweit führende Technologie und Kapital. PM Abe ist ein effektiver Förderer von Infrastrukturprojekten unter japanischer Führung. Eine konstruktive Beteiligung Nordkoreas an der Wirtschaftsdiplomatie würde nicht nur Japans Fortune fördern, sondern könnte ein Vermächtnis schaffen, das den Friedensnobelpreis für Abe Shinzo verdient. Unwahrscheinlich, werden viele sagen, aber so sieht eine friedliche Lösung ohne ein verstärktes wirtschaftliches Engagement aus. Früher oder später wird dies wahrscheinlich passieren.

4) Die US-Notenbank importiert das Geschäftsmodell der Bank of Japan (BoJ) und legt die 10-jährige US-Anleiherendite auf 2,5 Prozent fest

Wenn Trump seinen Wunsch erfüllt und die US-Wirtschaft vor den Präsidentschaftswahlen im November 2020 auf 3,5-4 Prozent beschleunigt, sind die US-Anleiherenditen im Begriff zu steigen, möglicherweise sogar bis zu fünf Prozent oder mehr für die 10-jährige Anleihe. Immerhin impliziert ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,5 Prozent ein nominales Wachstum von etwa 5-5,5 Prozent, und historisch gesehen lagen die Anleiherenditen selten unter einem nachhaltigen nominalen BIP-Wachstum. Entscheidend ist, dass steigende Renditen den Abwärtsdruck auf US-Risikoassets im allgemeinen - US-Aktien, Immobilien und Kredite - verstärken werden. Um dem zuvorzukommen, könnte der amtierende Präsident schwerlich zögern, die Fed dazu zu zwingen, das Geschäftsmodell der Bank of Japan zu importieren und die US-Long-Anleihe auf einem akzeptablen Niveau von circa 2,5 Prozent zu fixieren und die Wirtschaft im Wahlzyklus damit in den Overdrive-Modus zu schicken.

5) Die Bank von Japan bietet einen "People-Swap" an, bei dem sie den Aktienbestand des Exchange Traded Fund (ETF) an japanische Sparer verkauft.

Die BoJ besitzt fast acht Prozent des japanischen Aktienmarktes, einen Großteil davon durch ihr ETF-Kaufprogramm. Obwohl als Notmaßnahme zur Überwindung der Deflation gerechtfertigt, ist die De-facto-Verstaatlichung des Eigenkapitals durch die Zentralbank aus vielen Gründen kontraproduktiv geworden. Der wichtigste Grund ist der, dass ein reibungsloser Ausstieg kaum vorstellbar und möglicherweise die Angst vor einem Marktcrash groß ist, wenn die BoJ anfängt zu verkaufen. Wer also könnte den BoJ-Aktienüberhang kaufen und damit einen wahrscheinlichen Absturz verhindern? Es gibt nur eine Antwort: Der japanische Sparer, vor allem die ältere Generation (die über 65-Jährigen besitzen mehr als 70 Prozent des japanischen Nettofinanzvermögens). Um einen älteren Sparer dazu zu bringen, seine Bankeinlagen in ETFs zu tauschen, braucht es allerdings echte Anreize, wie beispielsweise Erbschaftssteuervorteile. Wenn die BoJ und das Finanzministerium zusammenarbeiten und ein System entwickeln können, bei dem Privatpersonen ETFs direkt von der BoJ kaufen und diese ETFs von der Erbschaftssteuer befreit werden, könnte die Zentralbank ihre Bilanz innerhalb kurzer Zeit bereinigen. Das Nettoergebnis wäre eine Reprivatisierung japanischer Aktien, ein gesünderes Eigentümerprofil der Unternehmen sowie ein besseres Risiko-Ertrags-Profil für die Bilanzen der privaten Haushalte.


* "Shunto" ist das japanische Wort für die jährlich stattfindende Frühjahrsrunde der Lohnverhandlungen zwischen Großunternehmen und Gewerkschaften.

Globales Makroumfeld 2020: Waffenruhe oder Weltuntergang im Handelskonflikt

Chris Gannatti, Head of Research bei WisdomTree, mit einem "Ausblick auf das globale Makroumfeld" als erste Folge einer Prognosereihe zu unterschiedlichen Assetklassen.

Waffenruhe oder Weltuntergang im Handelskonflikt?

Unser Wirtschaftsausblick für 2020 und darüber hinaus hängt davon ab, ob die USA und China ein Handelsabkommen schließen werden oder nicht. Sollte kein Abkommen erzielt werden, ist es wahrscheinlich, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession abrutscht, deren Anfänge sich bereits abzeichnen. Wir berücksichtigen dabei jedoch, dass in den USA 2020 Präsidentschaftswahlen stattfinden werden. Obwohl US-Präsident Donald Trump versucht, seine früheren Wahlversprechen wie u. a. die Senkung des Handelsdefizits umzusetzen, wird er es vermeiden, zu einem so entscheidenden Moment eine wirtschaftliche Rezession herbeizuführen. Voraussichtlich wird er versuchen, ein Abkommen zu schließen, jedoch nicht zu einem allzu frühen Zeitpunkt. Rückt dieser näher an die Wahlen, werden die Wähler ihn als denjenigen in Erinnerung behalten, der die US-Wirtschaft aus der Misere gezogen hat. Diese Strategie beinhaltet aber ein hohes Risiko, denn China verliert langsam die Geduld. So weigert sich das Land beispielsweise anzuerkennen, dass man bei den Verhandlungen die von Trump sogenannte „Phase Eins“ eines Abkommens erreicht habe. Die negativen Konsequenzen einer solch hoch riskanten Vorgehensweise könnten für die Weltwirtschaft katastrophal sein. In einem solchen Fall schließen wir eine weiche Landung aus.

Industrieproduktion, nicht Dienstleistungsbranche, Triebfeder des Abschwungs

Die globale Wirtschaft verlangsamte im vergangenen Jahr, was auf den abnehmenden Handel zurückzuführen ist.  Die Industrieproduktion – der wegen des Rückgangs beim Warenhandel am stärksten betroffene Sektor – ist rückläufig. Die Dienstleistungen in den hoch entwickelten Volkswirtschaften florieren aber weiterhin . Da die meisten hoch entwickelten Volkswirtschaften dienstleistungsorientiert sind, hat sich die sinkende Industrieproduktion noch nicht auf die Arbeitsmärkte ausgewirkt. Aufgrund des anhaltenden Handelskonflikts könnte es jedoch zu Zweitrundeneffekten kommen, die zweifellos auch den Dienstleistungsbereich betreffen werden. 

Der geldpolitische Spielraum ist eingeschränkt...

Die Entscheidungsträger haben bereits Maßnahmen ergriffen, um eine wirtschaftliche Rezession abzuwenden. In den Industrieländern wurde der Großteil dieser Maßnahmen bisher durch Währungsinstitutionen übernommen. Die Federal Reserve (Fed) in den USA begann die Zinsen zu senken, und falls sich die Handelsstreitigkeiten fortsetzen, könnte dies auch so weitergehen. In Japan und großen Teilen Europas befinden sich die Zinsen bereits im negativen Bereich, weshalb man sich dort auf die quantitative Lockerung, das sogenannte „Quantitative Easing“ (QE), und, was wahrscheinlicher ist, auf andere kreative Instrumente verlassen muss, um geldpolitische Impulse zu geben. Die quantitative Lockerung hat das negative Image, für eine Vermögenspreisinflation nicht aber für Preissteigerungen bei Gütern bzw. Dienstleistungen zu sorgen und dementsprechend die Investoren und nicht die Privathaushalte zu begünstigen. Die Chinesische Zentralbank (People’s Bank of China) hat ihre Geldpolitik gleichfalls hinsichtlich Zinsen und Mindestreserveanforderungen gelockert.

 ...könnte die Finanzpolitik zur neuen Geldpolitik werden?

Christine Lagarde, die politisch versierte frühere Leiterin des Internationalen Währungsfonds und frühere französische Finanzministerin, trat vor Kurzem ihr Amt als Präsidentin der Europäischen Zentralbank an. Gleichzeitig wurde Ursula von der Leyen, dienstältestes Mitglied in Angela Merkels Kabinett, Präsidentin der Europäischen Kommission. Diese neue personelle Kombination wird in den europäischen Institutionen für frischen Wind und kreative Ansätze sorgen. Da die Europäische Zentralbank (EZB) bereits erklärt hat, dass ihr geldpolitischer Handlungsspielraum eingeschränkt ist und sie sich bei finanzpolitischen Institutionen auf die Erfüllung ihrer Aufgaben verlassen muss, ist es durchaus möglich, dass wir uns auf eine Form der sogenannten „Modern Monetary Theory“ zubewegen. Da sie aufgrund seines hohen Exportanteils unter akutem Handlungsdruck steht, könnte sogar die finanzpolitisch konservative Hochburg Deutschland eine andere Tonart anschlagen. Einige Investoren befürchten, dass dies in den kommenden Jahren zu einer hohen Inflation führen könnte und flüchten sich in altbewährte, sichere Anlagen wie Gold. 

Anteil von Schuldverschreibungen mit negativen Renditen steigt aufgrund sinkender Leitzinsen

Immer mehr globale Anleihen werfen negative Renditen ab. Ja, die Investoren bezahlen die Emittenten sogar dafür, dass sie bei ihnen Geld aufnehmen. Noch 2014 war ein solches Phänomen vollkommen unbekannt, doch bereits im vergangenen Jahr 2019 belaufen sich solche Schuldverschreibungen auf fast 14 Trillionen USD. 

Die Nachfrage nach sicheren Anlagen ist so hoch, dass Investoren negative Endfälligkeitsrenditen in Kauf nehmen. In einem solchen Umfeld werden auch andere sichere Anlagen wie das früher für seinen Mangel an Rendite kritisierte Gold zunehmend interessant.

China fungiert nicht mehr als Stoßdämpfer

Sollten wir uns tatsächlich auf eine weitere Rezession zubewegen - werden dann alle geld- und finanzpolitischen Institutionen in die Vollen gehen? So lockerte China nach der Finanzkrise von 2008 die Geldpolitik und steckte viel Geld in Infrastrukturprojekte. Dies wird am prozentualen Anteil der Bruttoanlageninvestitionen Chinas am BIP deutlich, der 2009 deutlich zunahm, während er in anderen Industrienationen rückläufig war. Das Land erweiterte sein Urbanisierungsprogramm und baute dabei viele neue Straßen und Städte. Davon profitierten sowohl die globalen Rohstoffmärkte als auch die Weltwirtschaft.

Wir bezweifeln, dass sich dies wiederholt, denn China ist diesmal zu hoch verschuldet. Die Reaktion Chinas auf die Konjunkturabschwächung ist bisher aufgrund des widersprüchlichen Wunsches, die Finanzierung zurückzuschrauben, verhalten (vor allem wegen der Schattenbanken, die bei der Verbreitung von Krediten in den letzten zehn Jahren zu erfolgreich waren). 

Kreditvolumen sind die Ansprüche anderer einlagennehmender Unternehmen gegenüber dem privaten Sektor (von IFS), außer im Fall von Brasilien, bei dem das Kreditvolumen an den privaten Sektor durch die Monetary Policy and Financial System Credit Operations festgestellt und von der Banco Central do Brasil veröffentlicht wird, und im Fall von China, wo das Kreditvolumen der gesamten sozialen Finanzierung, bereinigt um die Schulden-Swaps von Lokalbehörden, entspricht.

Die Bereitschaft Chinas, die Rolle des globalen Stoßdämpfers zu übernehmen, hängt nun am seidenen Faden. Nach der großen Finanzkrise blieb das Land bei einer Politik der Währungsaufwertung. Heute lässt China eine Abwertung seiner Währung entsprechend den Fundamentaldaten zu . In der Tat schließen wir nicht aus, dass auch andere Länder eine an rein nationalen Interessen ausgerichtete Politik der Währungsabwertung verfolgen.

Es bestehen Abwärtsrisiken. Doch was geschieht, wenn ein Handelsabkommen bereits frühzeitig erzielt wird?

Wir fokussieren uns auf die Abwärtsrisiken, da die Präsidentschaftswahlen erst am 3. November 2020 stattfinden. Unseres Erachtens könnte die Wirtschaft bis dahin großen Schaden nehmen, wenn der Handelskonflikt bis spät ins Jahr hinein anhält. Sollte ein Handelsabkommen allerdings schon frühzeitig im Jahresverlauf erzielt werden, könnte es zu einer Verlängerung der Rally bei zyklischen Anlagen wie Aktien kommen, was wir über die letzten fünf Jahre hinweg beobachten konnten. Das schon seit einiger Zeit unterbewertete  Öl und auch die Industriemetalle könnten sich erholen. Eine Normalisierung der Geldpolitik könnte wieder auf der Tagesordnung stehen. Die Zentralbanken könnten anstreben, den zuvor verlorenen Handlungsspielraum wieder auszubauen. Es ist jedoch fraglich, ob das internationale Vertrauen je in vollem Umfang wiederhergestellt werden wird. Die Schwellenmärkte, scheinbar häufig Opfer politischer Entscheidungen der USA, könnten zögern, zum Status quo zurückzukehren. Man muss wissen, dass viele Zentralbanken in Schwellenländern ihre Reserven diversifiziert und diese beispielsweise aus dem US-Dollar in Gold umgeschichtet haben. 

Ein Abkommen zwischen den USA und China bedeutet außerdem nicht gleichzeitig den Abschluss eines globalen Abkommens. Nach dem „erfolgreichen“ Abschluss von Handelsabkommen mit Kanada, Mexiko und daraufhin China (falls es zu einem Deal kommen wird), ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die USA auf Europa konzentrieren werden. Das Land hat bereits mit der Einführung von Zöllen auf europäische Autoimporte gedroht. Die USA sind der wichtigste Exportmarkt für europäische Autos und machen 29 Prozent des Werts aller aus der EU exportierten Autos aus. US-Unternehmen exportieren im Vergleich dazu nur 19 Prozent ihres auf Autos entfallenden Exportwerts nach Europa. Um die Handelsvolumen zu relativieren, sollte beachtet werden, dass der globale Autohandel 8 Prozent des Welthandels ausmacht, was deutlich über den 3 Prozent liegt, die den Handelsströmen zwischen den USA und China zufallen. Deshalb könnte das globale Tauziehen um den Autohandel viel Schaden anrichten.


Wenn nicht anders angegeben, stammen die Daten ausschließlich von Bloomberg.

Börsengänge 2020: Licht und Schatten in der Tech-Welt

Das Jahr 2019 hielt für die Tech-Branche einige Enttäuschungen bereit: So entpuppte sich der langerwartete Börsengang von Uber als Misserfolg, von dem das Unternehmen sich bis heute nicht erholt hat. Im November kam es zu einem regelrechten Ausverkauf. Insgesamt kamen Aktien im Wert von fast einer Milliarde US-Dollar auf den Markt, der Kurs rutschte um 14 Prozent. Hoffnungsträger WeWork wiederum hat es gar nicht erst an die Börse geschafft. Der IPO wurde abgesagt, nachdem WeWork seine Bewertung stetig gesenkt hatte. Diese soll für den Börsengang unter 20 Milliarden US-Dollar gelegen haben – gegenüber einer vorherigen Bewertung von 47 Milliarden Dollar.

Das zeigt ein grundlegendes Problem der Branche auf: Viele junge Unternehmen sind sehr hoch bewertet, ohne bisher Gewinne erwirtschaftet zu haben. Das birgt zwar Risiken, Anleger müssen sich aber nicht abschrecken lassen. Auch heute noch bieten IPOs die Chance, bereits frühzeitig an einer Erfolgsgeschichte teilzuhaben, wie es damals bei Amazon oder Netflix der Fall war. Wichtig ist jedoch, sich nicht von hohen Bewertungen blenden zu lassen und das Geschäftsmodell kritisch zu betrachten. Auch 2020 gibt es wieder einige Börsenneulinge. Die Fondsboutique GAMAX Funds wirft einen ersten Blick auf drei potenzielle IPO-Kandidaten, ihre Stärken und ihre Risiken.

Didi Chuxing: Zwischen Marktführerschaft und Mordfällen

Auch wenn die Branche der Fahrdienstanbieter und ihre Investoren noch am Uber-IPO zu knacken haben – immer wieder werden Gerüchte über einen möglichen Börsengang des chinesischen Anbieters Didi Chuxing laut. Didi ist der weltweit größte Anbieter von Fahrdienstleistungen und bietet neben eigenen Fahrern, die ihre Privatautos nutzen, auch die Vermittlung von Taxis, Chauffeurdiensten, Mietautos und Reisebussen an. Bereits 2016 übernahm das Unternehmen das China-Geschäft von Wettbewerber Uber und expandierte zuletzt in Länder wie Australien, Mexiko und demnächst Costa Rica. Ein möglicher Börsengang wäre mehrere Milliarden Dollar schwer, schwarze Zahlen schreibt das mit 57 Milliarden US-Dollar bewertete Unternehmen jedoch noch nicht.

Größtes Risiko: Das Unternehmen hat seit einiger Zeit mit einem Sicherheits- und Reputationsproblem zu kämpfen, nachdem 2018 zwei Passagierinnen von ihren Fahrern getötet wurden. Zwar hat der Fahrdienst mit gesteigerten Sicherheitsvorkehrungen reagiert, der Einbruch der Fahrgastzahlen zwang das Unternehmen jedoch zu Sparmaßnahmen. 2018 verzeichnete Didi einen Verlust von 1,6 Milliarden US-Dollar.

Größte Stärke: Didi ist trotz aktueller Probleme der größte Ride-Sharing-Anbieter in China und deckt mit seinem Service geografisch die größte Fläche ab. Bereits 2018 registrierte die App mehr als 10 Milliarden Einzelfahrten. 2019 hatte Didi nach eigenen Angaben 550 Millionen registrierte Nutzer. Auch für die Zukunft scheint das Unternehmen gut gerüstet: Didi betreibt die größte Elektroautoflotte in China, inklusive eines Netzwerks an Ladestationen. Zudem ist geplant, in Shanghai einen autonomen Fahrservice mit Robo-Taxis zu launchen.

Robinhood: Aktien-App für Millennials

Das 2013 in Kalifornien gegründete Startup ermöglichte als erster Anbieter den kostenlosen Aktien und ETF-Handel per App, inzwischen ist – zumindest auf dem US-amerikanischen Markt – auch der Handel mit Optionen und Kryptowährungen möglich. Neben dem Kauf und Verkauf von Aktien bietet die App weitere Funktionen wie den Zugang zu Wirtschaftsartikeln und -videos, Analystenratings oder Benachrichtigungen bei Preisänderungen an. Anleger, die sich tiefergehend informieren möchten, können einen Premium-Account anlegen, der sie zusätzlich mit detaillierten Marktinformationen und Research-Reports versorgt. Hauptzielgruppe sind jüngere Anleger aus der Millennial-Generation zwischen Ende 20 und Ende 30. Die Idee überzeugt die Geldgeber: Robinhood hat bereits mehr als 900 Millionen US-Dollar eingesammelt und ist zurzeit mit ambitionierten 7,6 Milliarden US-Dollar bewertet. Aktuell expandiert die Plattform nach Großbritannien.

Größtes Risiko: Robinhood ist zurzeit noch defizitär und die Konkurrenz schläft nicht. Das ehemalige Alleinstellungsmerkmal des kostenfreien Aktienhandels wird inzwischen international von mehreren FinTechs kopiert. In Deutschland gehört zum Beispiel das Startup Trade Republic Bank zur Konkurrenz, in Großbritannien Revolut und Freetrade und in den USA Firsttrade und M1 Finance.

Größte Stärke: Die Stellung als Markt-Pionier und starke Wachstumsraten. Die Plattform zählte im Dezember 2019 mehr als 10 Millionen Accounts. Zum Vergleich: Ende 2018 betrug die Nutzerzahl 6 Millionen. Das entspricht einem Wachstum von 66 Prozent. Als First Mover konnte Robinhood sich damit einen großen Vorsprung verschaffen und die strategisch wichtige Zielgruppe der tech-affinen Millennials an seine Marke binden.

Airbnb: Disruptiver Marktführer

Der Community-Marktplatz hat vor elf Jahren den Trend zur Shared Economy mitbegründet und schreckt mit der Vermittlung von Unterkünften die Hotelbranche in mehr als 191 Ländern auf. Das Unternehmen arbeitet seit 2016 profitabel und hat bisher mehr als 4,8 Milliarden US-Dollar an Investorengeldern eingesammelt. Die aktuelle Marktbewertung beläuft sich auf rund 31 Milliarden US-Dollar. Private Anleger hoffen schon länger auf eine Chance, an der Erfolgsgeschichte teilzuhaben. Bereits 2018 war ein Börsengang im Gespräch, jetzt könnte es laut Aussagen von CEO Brian Chesky 2020 soweit sein.

Größtes Risiko: Dem Geschäftsmodell werden zurzeit Steine in Form von politischen Regulierungen in mehreren Städten weltweit in den Weg gelegt, zum Beispiel in Berlin, Boston und Toronto. Hinzu kommt, dass Airbnb ein weiterer Anbieter ist, der aufgrund von Gewaltverbrechen mit Reputationsproblemen zu kämpfen hat: Bei einer Halloween-Party in einem über Airbnb vermieteten Haus in Kalifornien kamen 2019 bei einer Schießerei fünf Menschen ums Leben. CEO Chesky twitterte daraufhin, in Zukunft gezielt gegen unautorisierte Parties vorgehen und das manuelle Screening von „high risk“ Buchungen verstärken zu wollen.

Größte Stärke: Airbnb ist First Mover in einem neuen Marktsegment, das die Spielregeln für die weltweite Hotelbranche verändert. Inzwischen macht die Plattform klassischen Hotels nicht nur Privatkunden, sondern auch Geschäftsreisende streitig. So investierte sie jüngst in die Firma Zeus Living, die unmöblierte Privathäuser in Firmenunterkünfte umwandelt und vermietet.

Risiko gehört zum Geschäft

Dies ist nur eine Auswahl an potenziellen IPO-Kandidaten. Die Liste möglicher Börsengänge im nächsten Jahr ist deutlich länger. Anleger sollten also nichts überstürzen. Wichtig ist, sich vor einem Investment intensiv mit dem jeweiligen Unternehmen auseinanderzusetzen. Jedes Geschäftsmodell birgt Risiken, entscheidend ist jedoch, wie eine Firma darauf reagiert. Airbnb und Didi haben schnell Konsequenzen gezogen. Das bedeutete besonders im Fall Didi zwar kurzfristig Einbußen bei Fahrgastzahlen und Umsätzen, verbessert langfristig jedoch die Sicherheit der Dienstleistungen und zahlt auf die Reputation ein. „Es kommt auf langfristiges Denken an“, sagt GAMAX Fondsexperte Tommaso Tabacchi. „Sowohl bei der Unternehmensführung als auch bei der Investment-Strategie. Anleger, die sich nicht nur an vielversprechenden Bewertungen orientieren, sondern das Unternehmen als Ganzes im Blick haben, können bei einem frühzeitigen Einstieg attraktive Renditen erwirtschaften.“


Über GAMAX Funds

Die Fondsboutique GAMAX Funds wurde 1992 gegründet und gehört seit 2001 zum italienischen Finanzdienstleistungskonzern Mediolanum Banking Group. Aktuell verwaltet GAMAX in drei Fonds ein Vermögen von rund 1 Milliarden Euro (Stand: 28.2.2019). Mit dem GAMAX Funds Junior und dem GAMAX Funds Asia Pacific bietet die Boutique zwei aktiv gemanagte Aktienfonds für ein gezieltes Investment in starke Marken sowie in den wachstumsstarken asiatisch-pazifischen Raum.

„Klimaschutz stärken, sozial-ethische Aspekte aber nicht vergessen.“

Thomas Katzenmayer, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Bank, bezieht zu den jüngst vorgestellten Eckpunkten eines Green New Deal der Europäischen Union Stellung:

„Mit der Vorstellung der Eckpunkte zum Green Deal hat die Europäische Kommission einen wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Wandel eingeleitet. Es ist richtig und wichtig, den bevorstehenden Herausforderungen aus der Klimaveränderung aktiv und ohne Zögern zu begegnen.

Die zukünftigen Maßnahmen, Initiativen und Veränderungsprozesse, um die Klimaneutralität Europas bis 2050 zu erreichen, werden enorme finanzielle wie personelle Kapazitäten in Anspruch nehmen. Zwar stellt die Europäische Kommission heraus, dass mit der Umsetzung des Green Deals zur sozialen Gerechtigkeit beigetragen wird, dennoch sollte Europa dabei nicht ein anderes Ziel, zu dem sie sich verpflichtet hat, aus den Augen verlieren: Erst im September 2015 wurde die Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung angenommen. Kernstück der Agenda 2030 bilden die 17 Ziele, die Sustainable Development Goals (SDGs). Auch bei der Umsetzung der SDGs hat sich die EU entschlossen, die Vorreiterrolle zu übernehmen.

Europa hat sich somit zwei ambitionierte Ziele gesetzt, wenngleich der Green Deal in ökologischen Aspekten als Teil der Agenda 2030 verstanden werden könnte. Es bleibt aus Sicht der Evangelischen Bank die Sorge, dass zwar die klimarelevanten Ziele der Agenda 2030 im Fokus der EU stehen, aber die sozial-ethischen Ziele wie hochwertige Bildung, Armuts- und Hungerbekämpfung oder der Abbau von Ungleichheiten an Priorität und Kapitalzufluss verlieren könnten.

Die Evangelische Bank richtet seit diesem Jahr ihre unternehmerischen Aktivitäten konsequent an den SDGs aus. Wesentlich für diese Entscheidung war, dass durch die SDGs die ökologischen, ökonomischen und sozial-ethischen Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden. Für die Evangelische Bank stehen alle drei Säulen im Einklang miteinander und setzen den Rahmen für ihr unternehmerisches Handeln.“


Die Evangelische Bank – DIE Nachhaltigkeitsbank

Die Evangelische Bank eG ist ein genossenschaftlich organisiertes, nachhaltiges Kreditinstitut. Als moderner Finanzdienstleister bietet sie Spezial-Know-how und umfassende Finanzlösungen für den kirchlich-diakonischen und sozialen Bereich. Mit einer Bilanzsumme von 7,7 Mrd. Euro ist die Evangelische Bank eG die größte Kirchenbank und zählt zu den zehn größten Genossenschaftsinstituten in Deutschland. Die Evangelische Bank ist als nachhaltig führende Kirchenbank Deutschlands Finanzpartner der Kirchen, Diakonie, Caritas, Freien Wohlfahrtspflege und der Sozialwirtschaft sowie aller privaten Kunden mit christlicher Werteorientierung. Rund 440 Mitarbeiter betreuen bundesweit etwa 19.000 institutionelle Kunden und ca. 72.000 private Kunden an 13 Standorten.

Johnsons Wette zahlte sich aus

Aneeka Gupta, Associate Director, Research, WisdomTree, zum Wahlsieg der Konservativen Partei bei den Parlamentswahlen in Großbritannien:

"Nachdem Johnsons überstürzte Brexit-Vereinbarung mit der EU mißlang, hat seine Wette auf eine vorgezogene Wahl zur Überwindung der Blockade im Parlament nun zu seinen Gunsten funktioniert. Sein Wahlmantra "Get Brexit Done" brachte ihm über Nacht den entscheidenden Sieg bei den britischen Wahlen ein. Mit der absoluten Mehrheit der Konservativen Partei steht nunmehr fest, dass das Vereinigte Königreich auf dem besten Weg ist, die Europäische Union bis Januar 2020 zu verlassen. Das Austrittsabkommen des britischen Parlaments bis zum jetzigen Stichtag 31. Januar ist nun sicher zu erreichen. Die Höhe der Mehrheit gibt Johnson zudem erheblichen Handlungsspielraum bei den Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zur EU. Im Manifest der Konservativen Partei wurde zugesagt, die Übergangszeit bis zum endgültigen Austritt Großbritanniens nicht über 2020 hinaus zu verlängern. Wir erwarten jedoch, dass eine Verlängerung nach einer Interimsphase am 1. Juli beantragt und zu gegebener Zeit auch gewährt wird. Das Risikosentiment und die Vermögenswerte dürften sich zunächst erholen, wobei erneute Unsicherheiten möglich sind. Die Schottische Nationalpartei ist auf dem besten Weg, in Schottland signifikante Fortschritte zu erzielen. Erneute Forderungen Schottlands nach einem weiteren Unabhängigkeitsreferendum sind daher möglich.

Das Pfund Sterling stieg aufgrund der Exit-Umfragen deutlich gegenüber dem US-Dollar und erreichte mit 1,351 den höchsten Stand seit Mai 2018. Die Inflation dürfte sich verlangsamen, da mit dem einem stärkeren Pfund auch Argumente für Zinssenkungen zu einem späteren Zeitpunkt gegeben sind. Wir erwarten höhere Renditen bei Staatsanleihen wegen der Kombination aus zurückgehenden Erwartungen kurzfristiger Zinssenkungen und einem Anstieg der Nachfrage nach Save-Haven Assets. Der FTSE 100 dürfte von der Rally beim britischen Pfund nicht profitieren, da 80 Prozent seiner Umsätze im Ausland erzielt werden. Allerdings dürften inländische Aktien, die sich bereits seit Anfang September besser entwickelt haben, von den aktuellen Wahlergebnissen noch einmal Rückenwind bekommen. Auch europäische Aktien dürften insgesamt höher notieren; insbesondere erwarten wir, dass sich die Finanzdaten, die stark mit dem Risiko eines No-Deal-Brexits korreliert sind, kurzfristig besser entwickeln werden."


Datenquelle: Bloomberg per 12. Dezember 2019.

Japan setzt auf Pragmatismus statt reine Geldpolitik oder Twitterbotschaften

von Jesper Koll, Senior Advisor von WisdomTree.

Der japanische Premierminister Abe verlieh seinem Führungsanspruch in Fragen der Wirtschaftspolitik letzte Woche einen enormen Schub, als sein Kabinett ein gewaltiges zusätzliches Finanzausgabenpaket genehmigte. Dies unterstreicht Japans herausragende Stellung unter den G7-Ländern als einzige Regierung, die in der Lage ist, eine rationale, pragmatische und entschlossene antizyklische Finanzpolitik zu betreiben. Japan verschwendet keine Zeit. Amerikanische und europäische Staatslenker dagegen scheinen festzustecken und gezwungen, ihre eigene Unfähigkeit zu kompensieren, eine gezielte, innovative und zeitgemäße Finanzpolitik zu entwerfen und umzusetzen, indem sie ständig insistieren, dass die Zentralbanker mehr tun müssen. Abe und sein Team schaffen Tatsachen. Mit Blick auf 2020 hat Japan nun das niedrigste Rezessionsrisiko.

Aus politischer Sicht ist es verlockend zu überlegen, warum nur noch Abes Japan und Xies China als die einzigen großen politischen Ökonomien übrig bleiben, in denen die herrschende Elite Lehren aus der einseitigen globalen Besessenheit von der Geldpolitik zu ziehen scheint. Als Instrument für ein effektives Krisenmanagement ist die Geldpolitik absolut geeignet; aber nur allzu gut dokumentiert sind sinkende wirtschaftliche Renditen und die unverhältnismäßig negativen Auswirkungen der umfassenden Währungsabhängigkeit auf die soziale Stabilität, um nicht ernst genommen zu werden. Unterm Strich sind sowohl die japanische als auch die chinesische Regierungselite viel zu einig und pragmatisch, um die Zukunft ihrer Nationen dem Mantra des "cut rates, buy assets, and good things will happen" anzuvertrauen. Was teilen Japan und China, was der "Westen" nicht hat? Beide verfügen über funktionierende Regierungen: China durch ein undemokratisches Top-Down-Diktat und Japan durch die De-facto-Mehrheit in einem demokratisch gewählten Parlament. Man könnte auch sagen: „Diejenigen, die es können, tun es; diejenigen, die es nicht können, twittern.“

Finanziell sollte der positive Einfluss der Finanzpolitik auf die Marktleistung nicht unterschätzt werden. Ja, die Größe ist entscheidend, und das neue Finanzpaket von Abe besteht aus eindrucksvollen 26 Billionen japanischen Yen, fast fünf Prozent des BIP. Davon steht etwa die Hälfte der Mittel bereit, die vor allem durch einen Neustart der öffentlichen Infrastrukturausgaben das BIP direkt speisen. Bei einem Teil dieser Ausgaben handelt es sich um nahezu unmittelbar ausführungsbereite Projekte zum Wiederaufbau der durch die diesjährige verheerende Taifun-Saison verursachten Zerstörungen, während der andere Teil im späteren Verlauf des Jahres 2020 schrittweise investiert wird, um einer konjunkturellen Abschwungphase nach den Olympischen Spielen entgegenzuwirken. Insgesamt sollte Japans BIP im Jahr 2020 um rund 0,5-0,75 Prozent steigen. Die Konsensus-Prognosen für die Zukunft müssen nach oben korrigiert werden.

Das "Team Abe" verdient also zehn von zehn Punkten für rechtzeitiges, entschlossenes und pragmatisches antizyklisches politisches Handeln. Aber wie sieht es mit echten politischen Strukturmaßnahmen aus, die Japans potenziell längerfristiges Wachstum erhöhen könnten? Hier gibt es noch mehr zu tun.

Vor allem zwei wichtige wirtschaftspolitische Maßnahmen sollten die Chancen eines zukünftigen Wohlstand Japans sowie das historische Erbe von Abe als Wirtschaftspolitiker deutlich stärken. Hinsichtlich des ersten Vorschlags gibt es bereits erste echte Impulse, zum zweiten Vorschlag werden wir wohl erst im kommenden Jahr mehr hören.

Aus Japan muss erstens eine Startup-Nation, ein Ökosystem des Unternehmertums werden. Nichts sichert historisch gesehen den nachhaltigen Wohlstand mehr als eine blühende Unternehmenskultur. Der Anstieg der Unternehmerzahl um ein Prozent erhöht das potenzielle BIP um ca. 0,5 Prozent. Das bedeutet, dass Japan seine potenzielle Wachstumsrate leicht verdoppeln könnte. Hierzu gibt es bereits gute Nachrichten: Der Steuerrat der Regierung hat gerade einen Steueranreiz für Unternehmensinvestitionen in Start-ups vorgeschlagen, wobei 25 Prozent aller Start-Up-Investitionen bis zu eine Million Dollar steuerlich absetzbar sind. Für 2020 ist dieser Steueranreiz darauf ausgerichtet, den bereits im Entstehen begriffenen Trend von Corporate Venture Capital in Japan anzuschieben. Hierzu ist zu sagen, dass dieser Steueranreiz nur für Venture-Capital-Investitionen von Unternehmen gilt und nicht für reine Risikokapitalfonds. Dennoch sollte der Nettoeffekt dieses Steueranreizes ein positiver Impuls für Japans längerfristiges Wachstumspotenzial und seine Unternehmensgewinne darstellen.

Zweitens muss Japan die Ansprüche auf Sozialleistungen durch die Einführung von Bedürftigkeitstests reduzieren. Es stellt eine pragmatische Lösung dar, die Beiträge im Verhältnis zum Nettofinanzvermögen zu erhöhen, um ein größeres Maß an sozialer Fairness zu schaffen und die Nachhaltigkeit des japanischen Gesundheits- und Sozialversicherungssystems zu gewährleisten. Tatsächlich beginnen Abes junge Nachfolger in der Liberalen Demokratischen Partei bereits damit ernsthaft zu untersuchen, wie dies erreicht werden kann. Für eine Nation, die davon besessen ist, die Kluft zwischen den Vermögenden und den Mittellosen zu minimieren, könnte sich die Prüfung der Mittelbereitstellung für öffentliche Dienstleistungen durchaus als politisch populär erweisen. Wenn dies mit einer stärkeren Deregulierung im medizinischen Dienstleistungssektor einhergeht, dürften die Nettoauswirkungen dazu beitragen, das Wachstumspotenzial zu steigern und Haushaltsschieflagen zu verringern.

Im Großen und Ganzen ist Japan auf dem Weg zu einem beispielhaften politischen Pragmatismus, wobei sowohl der unmittelbare zyklische als auch der längerfristige strukturelle Ausblick für überraschende Aufwärtsbewegungen in 2020 und darüber hinaus sorgen werden. Vor dem Hintergrund attraktiver Bewertungen und einer rekordverdächtigen Untergewichtung der Positionierung in- und ausländischer Investoren könnte Japan im Olympiajahr 2020 zu den Top-Performern aufsteigen.

Cyber-Medizin – Künstliche Intelligenz löst eine Revolution in der Gesundheitsversorgung aus

von Rolando Grandi, Fondsmanager Echiquier Artificial Intelligence, LFDE - La Financière de l’Échiquier.

In rund 40 Jahren könnte es so weit sein: Ab etwa 2060 soll das Programm „Endless“ ermöglichen, die menschliche „Seele“ – die persönlichen Daten einer Person – in einen künstlichen Empfängerkörper zu transplantieren. So lauten die kühnen Pläne der französischen Vorstandsvorsitzenden des digitalen Startups Transparence im gleichnamigen Buch des französischen Schriftstellers Marc Dugain1. Mag diese brillant erdachte Zukunftsvision noch in weiter Ferne liegen, schon jetzt entstehen in der Medizin durch Künstliche Intelligenz (KI) ganz neue Behandlungsmethoden, die die Gesundheitsversorgung revolutionieren. Angesichts der weltweiten Zunahme der Gesundheitskosten, die bis zum Jahr 2022 auf 10.000 Milliarden US-Dollar steigen dürften2, sind digitale Anwendungen in der Medizin überall auf der Welt auf dem Vormarsch. Künstliche Intelligenz gilt als die Hoffnung unserer Zeit – vor allem in der Medizin.

Cyber-Medizin senkt Kosten

Denn hier kann die KI ihr Potenzial in verschiedenen Bereichen entfalten: in der Biotechnologie, der Epidemiologie, bei e-Therapien, beim Einsatz von Chirurgie-Robotern und intelligenten Prothesen, in der pharmakologischen Überwachung und vielem mehr. An allen medizinischen Fronten werden Fortschritte und Durchbrüche erzielt. KI revolutioniert die Effizienz in der medizinischen Forschung und senkt dabei die Kosten. So musste das US-Medtech-Unternehmen Illumina bisher jährlich eine Million US-Dollar für die DNA-Sequenzierung aufwenden. Im Jahr 2019 waren es nur noch ganze 1.000 US-Dollar. Und in den nächsten zehn Jahren dürften diese Kosten auf 100 US-Dollar sinken. Die Generierung flächendeckender und strukturierter Datenmengen ermöglicht die KI-basierte Entwicklung von Medikamenten und personalisierten Therapien für jeden Patienten.

Beschleunigte Therapieentwicklung

Die 2019 erfolgte Gründung des europäischen KI-Startup-Inkubators AI Factory for Health durch Microsoft und den britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca ist äußerst vielversprechend. Betreut werden vor allem Start-ups, die sich auf Onkologie spezialisiert haben, wie beispielsweise Owkin. Dieses von einem Mathematiker und einem Onkologen gegründete, auf „Machine Learning“ für medizinische Anwendungen spezialisierte Start-up mit Sitz in Paris und New York verwendet KI und Big Data, um die Forschung für Krebstherapien zu beschleunigen und gleichzeitig die Vertraulichkeit der Patientendaten zu gewährleisten. Ein revolutionärer Ansatz für KI, der bereits Früchte trägt: Owkin hat im Oktober eine bahnbrechende Entdeckung im Bereich der Tumorbiologie gemacht.

E-Health: Fit und in Hochform

In China mit seinen zwölf Millionen medizinischen Fachkräften für 1,4 Milliarden Einwohner revolutionieren virtuelle Assistenten den Zugang zur medizinischen Versorgung. Gesundheitsplattformen wie WeChat von Tencent oder Good Doctor von Ping An Healthcare & Technology – die ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2019 verdoppelt haben – sind stark auf dem Vormarsch. Obwohl Europa den Sprung noch nicht gewagt hat: An Gesundheits-Apps fehlt es auch hier nicht. Qare (Frankreich) ermöglicht zum Beispiel den Zugang zu einer von der Krankenkasse erstatteten Online-Sprechstunde auf dem Smartphone. Könnte das eine Lösung für die medizinische Versorgungswüste sein?

Medizinroboter: Assistenzärzte der Zukunft

Weitere KI-basierte Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten bietet die Robotik, deren Marktvolumen sich 2019 weltweit auf 6,5 Milliarden US-Dollar belief. Dank der Erfolge der Robotikforschung sind Medizinroboter wahrnehmungs- und entscheidungsfähig, führen präzise Handlungen aus und sind daher aus dem Gesundheitssektor nicht mehr wegzudenken: Pflegeroboter animieren ältere und hilfsbedürftige Heimbewohner zu kognitiven Übungen, intelligente Prothesen reparieren oder optimieren den menschlichen Körper, Medizinroboter verbessern die Fertigkeiten von Chirurgen. Ein Beispiel ist das Da Vinci-Chirurgiesystem von Intuitive Surgical, das weltweit bereits fünf Millionen Operationen durchgeführt hat. Zudem hat ein 5G-gesteuerter Roboterarm in diesem Jahr für einen chinesischen Chirurgen die erste Gehirnoperation ausgeführt – in 3.000 Kilometern Entfernung. Eine Premiere.

Die Anwendungsbereiche für KI sind sehr vielfältig und der Markt boomt. Schätzungen zufolge wird die Bruttowertschöpfung des Gesundheitssektors in den Industrieländern 2035 ganze 2.260 Milliarden US-Dollar betragen und nach Berücksichtigung des KI-Beitrags sogar 2.721 Milliarden US-Dollar3. Das ist mehr als das BIP Frankreichs.


1) Transparence, M. Dugain, Gallimard, 2019
2) 2019 Global Health Care Outlook, Global Healthcare Sector Issues in 2019, Deloitte
3) How AI boosts Profits and Innovation, Accenture & Frontier Economics, 2017

Über LFDE - La Financière de l’Échiquier – www.lfde.com

LFDE - La Financière de l'Échiquier hat sich seit der Gründung 1991 zu einer der bedeutendsten und dynamischsten Fondsgesellschaften Frankreichs entwickelt. Die Kernkompetenzen liegen bei der Titelauswahl in europäische und internationale börsennotierte Unternehmen. LFDE nutzt seine überzeugungsbasierte Managementexpertise, um institutionellen Investoren und Vertriebspartnern nachhaltige Produkte und Lösungen anzubieten, die eine Wertsteigerung der Kundenanlagen ermöglichen. LFDE verwaltet mittlerweile ein Vermögen von rund 9 Milliarden Euro und beschäftigt in Frankreich und den Niederlassungen in Deutschland, Spanien, Italien, der Schweiz und den Benelux-Ländern mehr als 130 Mitarbeiter. LFDE gehört zur Primonial-Gruppe, dem unabhängigen Marktführer in Frankreich in den Bereichen der Vermögensverwaltung über die Entwicklung, Auswahl, die Zusammenstellung und das Angebot von vollständigen Lösungen für professionelle Vermögensverwalter sowie deren Kunden.

„Rohstoffe treten auf der Stelle – Aktien zeigen sich erholt“

von Nitesh Shah, Director Research bei WisdomTree.

Wir warten immer noch auf eine Bestätigung eines "Phase 1-Abkommens“ zwischen den USA und China, wobei der Begriff "Phase 1" wirklich nur von den USA verwendet wird. In Ermangelung eines Abkommens könnte es am 15. Dezember zu einer Erhöhung der US-Zölle auf chinesische Waren kommen, obwohl wir glauben, dass die Frist zur Fortsetzung der Verhandlungen noch weiter bis zur letzten Minute hinausgeschoben werden könnte. So oder so - wir sind nicht zuversichtlich, dass noch in diesem Jahr ein sinnvolles Abkommen erreicht wird - die Phase 1 als ein erster Teilvertrag wird sowieso kein umfassendes Abkommen darstellen. Vor diesem Hintergrund werden defensive Absicherungen über Gold trotz der vorzeitigen Erholung an den Aktienmärkten in der Gunst der Marktteilnehmer bleiben.

Industriemetalle: Wenig Optimismus herrscht vor

Der Bereich der Industriemetalle teilt nicht den gleichen Optimismus wie die Aktienmärkte. Sie gaben im vergangenen Monat um 4,8 Prozent nach, angeführt von Nickel mit minus 14,0 Prozent. Der Grund liegt in der Besorgnis über die Auswirkungen auf die Nachfrage angesichts länger andauernder Handelszwistigkeiten. Der Sektor der Energiewirtschaft konnte sich gegen den Trend der Preisrückgänge im Rohstoffkomplex behaupten, aber ob die dort verzeichneten Gewinne anhalten werden, wird von der politischen Sitzung der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) Anfang Dezember abhängen. Wir erwarten, dass das Kartell die aktuellen Versorgungseinschnitte zumindest verlängert, wenn nicht sogar vertieft, denn dies dürfte die einzig sinnvolle Maßnahme sein.

Angesichts zaghafter Anzeichen für einen beginnenden Aufschwung in der US-Wirtschaft wird die US-Notenbank am 10. und 11. Dezember am Status quo festhalten. Es ist zudem unwahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung am 12. Dezember die politischen Rahmenbedingungen ändern wird, aber unter der neuen Präsidentin könnte die EZB zum ersten Mal seit acht Jahren Hinweise über eine Kursänderung in den kommenden Monaten geben. Die Zentralbanken werden es generell vermeiden, die Märkte in Schrecken zu versetzen, da die Liquidität in den letzten Wochen des Jahres tendenziell abnimmt.

Im Jahresrückblick liegen Edelmetalle vor Rohstoffen

Im Rückblick der vergangenen 12 Monate verzeichneten Edelmetalle mit einem Plus von 18 Prozent die deutlich bessere Performance im Rohstoffkomplex. Einzelne Rohstoffe wie Nickel mit plus 33 Prozent und Palladium mit plus 58 Prozent haben sich aus spezifischen Gründen außerordentlich gut entwickelt. Wieder einmal hat Erdgas die Energiebilanz belastet, während die Öl- und Produktpreise gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind.

Da das Angebot der Nicht-OPEC-Staaten weiter zunimmt, steigt der Druck auf die OPEC, das Angebot zu verknappen und so das globale Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Die sinkende Zahl der Ölförderanlagen in den USA sind Warnsignal dafür, wie nachhaltig das Produktionswachstum in einer Zeit schwacher Preise sein kann. Bei der Performance von Agrarrohstoffen und Getreide ergab sich im letzten Monat eine Aufspaltung. Die kurze Rallye bei Kaffee, Kakao und Zucker trug dazu bei, dass sich die Preise der Soft Commodities - mit Ausnahme von Baumwolle – erholten. Getreide verzeichnete dagegen - angeführt von Mais, Sojabohnen und Weizen - aufgrund schwächerer Ernteaussichten einen Rückgang bei den spekulativen Nettopositionierungen. Die Unsicherheit der Handelsvereinbarungen belastet den Sektor der Industriemetalle erneut. Diese notierten nach einer leichten Erholung im Vormonat einen weiteren schwierigen Monat, da sich das an den Aktienmärkten vorherrschende bullishe Sentiment nicht ganz auf den Sektor der Basismetalle niederschlug. Industriemetalle haben wegen des ausbleibenden Durchbruchs zwischen den USA und China beim Thema Handel nicht im Wert bewegt. Einzig Palladium ist ein Lichtblick in diesem für Edelmetalle weiterhin eintönigen Monat. An den Aktienmärkten herrschte dagegen allgemein eine risikofreundliche Marktstimmung, was auf die guten Wirtschaftsdaten des dritten Quartals in den USA sowie auf den verhaltenen Optimismus an der amerikanisch-chinesischen Handelsfront zurückzuführen war. Die Preise für Edelmetalle gaben im Lauf des Monats nach, da die Nachfrage nach Safe-Haven Investments nachgab. Palladium überstrahlte den Sektor der Edelmetalle und steigerte damit seine Zuwächse der Monate weiter.

Vielfältige Facetten des Risikos - Worauf Anleihe-Investoren achten sollten

von Lidia Treiber, Director - Research bei WisdomTree.

Das Anlagerisiko bei Anleihen liegt in der Bereitschaft und der Fähigkeit der Emittenten, die Schulden zurückzuzahlen. Je nachdem, welche Anlageklasse in der Anleihe abgebildet wird, ist das Ausfallrisiko einer Anleihe unterschiedlich zu bewerten.

Schwellenmarktanleihen: Politische Risiken dominieren

Um die Fähigkeit zur Schuldentilgung bei Emerging Market Sovereign Bonds (EM Sov) einschätzen zu können, sind grundlegende Aspekte eines Landes zu berücksichtigen: Ein starkes Wirtschaftswachstum, eine stabile Währung, die Ertragsfähigkeit (d. h. operative Steuereinnahmen), Schuldenlast und verbesserte demografische Merkmale.

Die Bereitschaft eines Schwellenlands zur Schuldentilgung hängt unmittelbar mit der Staatsführung bzw. dem bestehenden politischen System zusammen. Es ist durchaus möglich, dass eine Regierung beschließt, ihre Schulden nicht zurückzuzahlen, auch wenn sie aus fundamentaler Sicht dazu in der Lage ist. Das politische Risiko darf bei der Betrachtung der Exposition in Schwellenländer nicht außer Acht gelassen werden und schlägt sich normalerweise in den Bewertungen der Ratingagenturen nieder.

Bei Engagements in Schwellenländer-Staatsanleihen in Landeswährung müssen Anleihegläubiger zudem mit Abwertungsrisiken umgehen. Die Regierung eines Schwellenlandes kann die landeseigene Währung abwerten und dabei technisch kein Ausfall- oder Kreditereignis generieren. Dies sollten Anleger berücksichtigen, wenn sie das Risiko-Ertrags-Verhältnis zwischen Schwellenländer-Staatsanleihen und anderen festverzinslichen Risikoaktiva vergleichen.

High-Yield-Anleihen: Ausfallraten hängen vom Marktumfeld ab

Emittenten, die von den Ratingagenturen als hochverzinslich eingestuft werden, erhalten diese Bewertung ebenfalls in Anlehnung an die mit den Anleiheinhabern vereinbarte Fähigkeit und Bereitschaft, Zinsen und Kapitalbetrag zurückzuzahlen. Emittenten, bei denen ein Ausfallrisiko in Bezug auf Zins- oder Tilgungszahlungen besteht, erhalten ein High Yield bzw. Non-Investment Grade Rating. Um Investoren für den Kauf ihrer Emission zu gewinnen, zahlen Emittenten dann in der Regel einen höheren Kupon als Emittenten mit Investment Grade-Rating. Eine Anleihe gilt als Non-Investment-Grade-Anleihe, wenn ihre Bonität von Standard & Poor's und Fitch unter BBB- und von Moody's unter Baa3 liegt.

Die Ausfallraten für Emittenten mit hohen Renditen steigen in der Regel, wenn das Marktumfeld negativ ist. Dies erzeugt Druck auf die Emittenten, wie dies während der Finanzkrise 2008 der Fall war. Das Risiko wird in der Regel neu bewertet und der von Investoren erwartete optionsbereinigte Credit Spread (OAS) kann erheblich steigen, wie es am amerikanischen High Yield Markt, unter Berücksichtigung des hier als Referenz geltenden ICE BofAML US-High Yield Master II OAS-Index (US HY-Index), der Fall war. Der US-High Yield-Index erreichte im November 2008 einen Höchststand von fast 2000 Basispunkten über US-Staatsanleihen. Derzeit – per 31. Oktober 2019 - liegt er bei rund 398 Basispunkten.

Wandelanleihen: Anleger profitieren vom Aufwärtspotential des Unternehmens

Wandelanleihen, sogenannte Convertibles, sind ebenfalls festverzinsliche Schuldtitel von Aktiengesellschaften. Der Emittent schüttet Zinsen aus, kann die Anleihe aber in eine vorgegebene Anzahl an Stammaktien oder Aktien umwandeln. Die Umstellung von einer Anleihe auf eine Aktie kann entsprechend des Anleiheprospekts zu bestimmten Zeiten erfolgen und liegt normalerweise im Ermessen des Anleiheinhabers.

Aus Sicht der Emittenten besteht der Vorteil der Emission von Wandelschuldverschreibungen darin, dass der Emittent die Schuldverschreibungen in vielen Fällen zu einem niedrigeren Kupon anbieten kann, als dies bei einer Anleihe ohne Wandelschuldverschreibung der Fall wäre. Der Anleiheinhaber kann die Anleihen in Aktien umwandeln und damit potenziell von dem damit verbundenen Aufwärtspotenzial profitieren. Typischerweise sinkt die Rendite je höher der Wert der Umwandlungseigenschaft ist.

Unter Bonitätsgesichtspunkten handelt es sich bei mehr als 50 Prozent der Wandelanleihe-emissionen um Anleihen ohne Rating, wobei die andere Hälfte hauptsächlich zwischen High-Yield- und Investment-Grade-Anleihen beinhaltet1. Wandelanleihen werden in der Regel von Unternehmen mit niedriger Bonität und hohem erwarteten Wachstum ausgegeben. Tesla Motors beispielsweise haben bereits 2014 eine große Anzahl an Wandelschuldverschreibungen emittiert. Damals wiesen sie nur geringe bis negative Gewinne aus und konnten Anlegern niedrigere Kupons anbieten als es mit festverzinslichen Anleihen zum gleichen Zeitpunkt möglich gewesen wäre. Die Kouponzahlung für ihre Wandelschuldverschreibungen lag zwischen 25 und 125 Basispunkten, weit unter dem Niveau, dass sie mit anderen Anleihen aufgrund ihrer damals schwachen Fundamentaldaten erreicht hätten. 

Additional-Tier-1-Convertible Bonds, kurz CoCo-Bonds: Positiver Trend bei den Ratings europäischer Banken

Additional-Tier-1-Convertible Bonds haben sich als Anlageklasse nach der Finanzkrise von 2008 entwickelt mit dem Ziel, das Systemrisiko im globalen Bankensystem zu verringern. Die sogenannten AT1-CoCos werden in der Regel von europäischen Banken ausgegeben, um ihre Kapitalbeschaffung aufgrund der nach der Finanzkrise strengeren Basel-III-Kapitalanforderungen zu stärken.

Innerhalb der Kapitalstruktur einer Bank gehören AT1-CoCo-Anleihen zu den Nachranganleihen. Diese gelten als Hybrid-Instrumente, die unter bestimmten Bedingungen (Auslöser) in Aktien umgewandelt oder abgeschrieben werden können. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass die Wandlung oder Abschreibung zu einem Zeitpunkt erfolgt, der eher für den Emittenten günstiger ist als für Anleger. Deshalb ist auch ein Renditeaufschlag erforderlich, damit das Risiko-Rendite-Profil überhaupt attraktiv ist.

Anleger von AT1-CoCos tendieren dazu, die Fundamentaldaten der Emittenten zu analysieren, wenn sie das Instrument erwägen. Banken mit starken Fundamentaldaten und Kapitalreserven neigen in der Regel weniger dazu, den Einsatz des Konvertierungsmechanismus zu fordern. Der Benchmark für die Anlageklasse, der Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1-Index von iBoxx, besteht größtenteils aus Schuldtiteln großer europäischer Banken, deren vorrangige Anleihen derzeit ein Rating bei „Investment Grade“ aufweisen. Insbesondere 24 Prozent2 des Index setzen sich aus Anleihen zusammen, die von den Ratingagenturen mit BBB bewertet und von global systemrelevanten Banken (GSIBs) begeben wurden.

Generell profitierten AT1-CoCos emittierende europäische Banken von einer Verbesserung ihrer Fundamentaldaten mit Rating-Upgrades um fast 36 Prozent im Jahr 2017, 30,2 Prozent im Jahr 2018 und bereits 9,3 Prozent im Jahr 20193. Dies spiegelt einen positiven Trend für das Segment der europäischen Banken wider, da die Anzahl der Upgrades die der Downgrades in den letzten drei Jahren übertrafen. Der langfristige S&P-Ausblick für das Jahr 2019 für die Stichprobe der europäischen Banken, die AT1 CoCos emittieren, zeigt, dass der Sektor im Jahr 2019 weitgehend stabil ist. 33 Banken wiesen eine stabile Prognose auf, sieben Banken eine positive und nur sechs Banken eine negative Prognose4. Das durchschnittliche Rating der AT1-Cocos emittierenden europäischen Banken, beträgt Ende September 2019 A-. 

Die Darstellung der jeweiligen Rendite festverzinslicher Risikoaktiva je Laufzeiteinheit veranschaulicht die unterschiedliche Renditeentwicklung in diesen Anlageklassen (Abb. 1).

Abbildung 1


Quelle: WisdomTree, Markit, Bloomberg. Daten Stand 1. Oktober 2019 spiegeln Zahlen nach der Neugewichtung wieder. Rendite ist Yield-to-Worst, Effektive OA-Dauer ist die effektive, optionsbereinigte Duration. Markit-Indizes verwenden für die Rendite eine dauerangepasste Marktwertgewichtung. Der AT1 CoCos ist der iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1 Index, der US HY ist der iBoxx USD Liquid High Yield Index, der EUR HY ist der iBoxx EUR Liquid High Yield Index, der EM Gov ist der iBoxx USD Liquid Emerging Markets Sovereigns Index und die Wandelanleihen werden durch die Titel des Bloomberg Barclays Global Convertibles Composite Total Return Unhedged USD repräsentiert.

Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Während alle Anleiheinstrumente unterschiedliche Renditeprofile bieten, ist die Korrelationsmatrix (Abb. 2) dieser Risiko-Exposures gleichfalls erwähnenswert. Es ist zu erkennen, dass ein breit gefächertes Engagement in Risikoaktiva innerhalb von Anleihen von Vorteil ist. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Aktiva nicht perfekt korrelieren und eine Diversifizierung dazu beitragen kann, das potenzielle Risiko-Ertragsprofil von Anlegerportfolios bei unterschiedlichen wirtschaftlichen Ergebnissen zu verbessern.

Abbildung 2


Quelle: WisdomTree, Bloomberg. für den Zeitraum vom Freitag, 31. Dezember 2013 bis zum 30. Februar 2019. Basiert auf monatlichen Renditen und enthält Backtesting-Daten. Alle Indizes lauten auf ihre Basiswährung (in der Tabelle angegeben). Alle Anleihenindizes sind Total-Return-Indizes. Alle Aktienindizes sind Net-Total-Return-Indizes. AT1 CoCos EUR H ist der iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1 Index (EUR hedged), US HY ist der iBoxx USD Liquid High Yield Index, EUR HY ist der iBoxx EUR Liquid High Yield Index, EM Gov ist der iBoxx USD Liquid Emerging Markets Sovereigns Index und die Wandelanleihen werden durch die Bestandteile des Global Convertibles Composite Total Return Unhedged USD von Bloomberg Barclays repräsentiert.

Sie können nicht direkt in einen Index investieren. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.


Quellenangaben

1Quelle: Bloomberg. Daten per 31. Oktober 2019. Das Rating entspricht dem von Bloomberg angegebenen allgemeinen Qualitätsrating basierend auf dem konservativen Durchschnitt von Moody's, S & P und Fitch, ausgedrückt in der Moody's-Nomenklatur. Moody's, S & P und Fitch sind die drei wichtigsten Ratingagenturen, die Ratings vergeben, die die Fähigkeit eines Schuldners zur Rückzahlung von Schulden durch rechtzeitige Kapital- und Zinszahlungen sowie die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls bewerten. Moody's weist Anleiheratings von Aaa, Aa, A, Baa, B, Caa, Ca, C zu, wobei WR und NR als zurückgezogen und nicht bewertet gelten. Standard & Poor's und Fitch weisen Anleiheratings mit AAA, AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C und D zu.Ratings unter Baa3 von Moody's oder BBB- von S & P und Fitch gelten als Non-Investment Grade. Der bedingte Wandelanleihenmarkt wird durch die Bestandteile des Global Convertibles Composite Total Return Unhedged USD von Bloomberg Barclays repräsentiert.
2Quelle: WisdomTree, Markit. Daten per 30. September 2019.
3Quelle: WisdomTree, Markit. Daten per 30. September 2019. Unsere Stichprobe basiert auf europäischen Banken innerhalb der Markit-Indizes, die AT1-CoCos unter Berücksichtigung der S & P-Bonität emittieren.
4Quelle: Bloomberg. Daten zum Ratingausblick per 6. November 2019. Unsere Auswahl an Emittenten basiert auf europäischen Banken innerhalb der Markit-Indizes, die AT1 CoCos unter Berücksichtigung der S & P-Bonität zum 30. September 2019 emittieren. 

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Gesundheits-Apps – auch ein Rezept für Anleger?

Ab 2020 übernehmen Krankenkassen die Kosten für vom Arzt verschriebene Gesundheits-Apps. Mit dem entsprechenden Gesetz, das am 07. November 2019 verabschiedet wurde, leistet der Gesetzgeber nicht nur der Digitalisierung im Gesundheitswesen Vorschub. Er schafft außerdem die Voraussetzung, dass sich neben den bisher weit über 100.000 Apps, die sich vor allem Lifestyle, Fitness und Ernährung widmen, auch eine steigende Anzahl von Gesundheits-Apps aus den Bereichen Diagnostik und Therapie etablieren. Um Patienten, die sich bislang auf die hauseigenen Angebote ihrer Krankenkasse oder auf die Berichte von Stiftung Warentest verlassen mussten, die Auswahl zu erleichtern, soll mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine zentrale Instanz für die Beurteilung von Gesundheits-Apps geschaffen werden.

Nutzen und ethische Fragen

Auch wenn Medikamentenpreise oft als zu hoch kritisiert werden und neue Therapien für seltene Krankheiten mit bis zu siebenstelligen Beträgen Schlagzeilen machen, so fällt der Löwenanteil der Gesundheitsausgaben doch für die Behandlung an. Durch die geplanten Gesundheits-Apps auf Rezept können enorme Behandlungskosten, wie sie z.B. durch mehrfache Diagnostik entstehen, eingespart werden.

So vielversprechend die Gesundheits-Apps auf Rezept auch sind: Noch stehen die ethischen Fragen nach Datenhoheit und -schutz und nach einer möglichen Unterwanderung des Solidaritätsprinzips der Krankenversicherung im Raum, die geklärt werden müssen. Klar ist aber auch: Die Durchdringung der Medizin mit digitalen Lösungen wird fortschreiten, weil sie signifikante Vorteile für die Gesundheitsversorgung bietet. Gesundheits-Apps sind dabei nur ein Baustein und werden schon bald Teil unseres immer stärker vernetzten Alltags sein.

Wo es Bedarf gibt

Gesundheits-Apps, bei denen es um mehr als Lifestyle und Fitness geht, adressieren oft Krankheitsfelder, bei denen der Patient bzw. sein Verhalten eine entscheidende Rolle für den Erfolg einer Behandlung hat. Diabetes und das zugehörige Insulinmanagement sind so ein Fall. Aber auch psychische Krankheiten, bei denen schnelle Hilfe sehr wichtig ist, Patienten aber oft erst Monate auf einen Termin warten müssen, sind ein vielversprechender Ansatzpunkt für „erste Hilfe“ durch eine App oder telemedizinische Konsultation.

Eine lohnende Entwicklung aus Anlegersicht?

Der Markt für Gesundheits-Apps ist noch sehr jung. Daher gibt es bislang kaum investierbare, d.h. börsennotierte Unternehmen, die sich auf die Entwicklung von Gesundheits-Apps konzentrieren. In diesem Feld tummeln sich zahlreiche Start-ups und sogar die Krankenkassen selber bieten entsprechende Gesundheits-Apps an. Da in Deutschland gerade erst die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Verschreiben von Apps geschaffen wurden, hält sich der Umsatz in diesem Bereich noch in Grenzen. Hier lohnt der Blick ins Ausland, wo es bereits einzelne Unternehmen gibt, die ihr Geld mit Gesundheits-Apps verdienen. Livongo aus den USA beispielsweise ist erst im Sommer an die Börse gegangen und bietet eine ganze Reihe von Apps oder App-ähnlichen Lösungen an, mit denen Patienten, Verwandte und Ärzte die Behandlung von chronischen Krankheiten besser überwachen und umsetzen können. Fest steht: In den nächsten Jahren dürfte der Markt für Gesundheits-Apps wachsen, sich ausdifferenzieren und auch für Investoren vielfältiger und attraktiver werden.


Über Hendrik Lofruthe

Hendrik Lofruthe verfügt über langjährige professionelle Investment-Erfahrung im weltweiten Gesundheitsmarkt. Er gehört als Portfolio Manager Healthcare der Apo Asset Management GmbH (apoAsset) zum Spezialisten-Team für die mehrfach ausgezeichneten globalen Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, apo Digital Health und apo Medical Balance sowie für den neu aufgelegten apo Emerging Health.

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) ist laut Focus Money die beste Fondsanlagegesellschaft Deutschlands (Branchensieger beim Deutschlandtest 2019). Sie wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,5 Milliarden Euro, davon rund 1 Mrd. Euro in Gesundheitsfonds.
apoAsset bildet das größte deutsche Spezialisten-Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehört neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialist Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat, unter anderem mit dem Weltärztepräsidenten Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, dem Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, und Dr. Markus Müschenich, Gründungsvorstand des Bundesverbands Internetmedizin. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de

Aufwärtskorrektur beim Ölpreis möglich

von Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree.

Seit Monaten herrscht auf dem Ölmarkt eine flaue Stimmung. In sieben der letzten acht Wochen waren die US-Öllagerbestände höher als es die Ergebnisse der Bloomberg Konsensus-Umfrage konstatierten. Dies trug zum pessimistischen Sentiment bei. Selbst die zweiwöchige Schließung der Keystone Pipeline, die kanadisches Öl in die USA bringt, tat wenig dazu, die Preise nach oben zu treiben.

Angesichts dieser schwachen Preissituation ist die Anzahl der Öl-Bohranlagen in USA zurückgegangen. Dennoch bleibt die US-Ölproduktion auf Spitzenniveau konstant.


Quelle: WisdomTree, Baker Hughes, Energy Information Administration, Daten per 8. November 2019

Die USA zogen angebohrte, aber noch unfertige Bohrlöcher, sogenannte „DUCs“ heran, die zu Zeiten höherer Preise gebaut, aber für die zukünftige Nutzung geschlossen wurden, um die Produktion auf gleicher Höhe zu halten. Die DUC-Bestände können jedoch nicht ewig währen. Eine Ära schwacher Preise setzt die Schieferöl-Produzenten unter Druck. Chesapeake Energy beispielsweise gab vergangene Woche eine "Going-Concern"-Warnung heraus. Niedrigere Produktionsmengen könnten im Laufe der Zeit zu einer Aufwärtskorrektur der Preise führen.


Quelle: WisdomTree, Daten per September 2019

Time to seize the European small cap equity opportunity

von Aneeka Gupta, Associate Director, Research, WisdomTree.

Macro-economic data in Europe has been weak since the start of 2018. Global macro headwinds linked to the US – China trade wars coupled with domestic structural issues such as tightening of emission regulations are to blame. Sentiment towards European equities is at its weakest point evident from the record outflows of US$8.1Bn from European linked Exchange Traded Funds (ETFs) in the first 10 months of 2019. We believe investors’ loss of confidence is probably overdone. As of late European economic data is starting to stage a turnaround especially when compared to US macro-economic data evident from the chart below.

Figure 1: European economic data starts to improve


Source: WisdomTree, Bloomberg as of 21 October 2019.

Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

Early lead of small caps price performance could signal further upside in macro data

European small cap stocks have historically tracked the annual change in Eurozone industrial production since 2000. The chart below illustrates the annual change of industrial production in the Eurozone with a 3-month lag plotted against the performance of small versus large cap European stocks. Its worth noting that the industrial sector constitutes the highest sector weight across European Small caps (22%) in comparison to large caps (11%)1. The improvement in price performance of small versus large cap European stocks has historically signalled a rebound in Eurozone industrial production.

Figure 2: Small vs large cap stock performance compared to EU Industrial Production (3-month lag)


Source: WisdomTree, Bloomberg as of 30 September 2019.
Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

Brexit and German Fiscal boost – the next catalysts for European small caps

There are a few catalysts on the horizon that could trigger further upside in Eurozone industrial production, such as (1) improvement in Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) lead indicators (2) additional fiscal easing from Germany (3) easing of Brexit related uncertainty as the odds of a No-deal reduces. While the withdrawal bill passed Parliament “in principle” on 22 October, the government was defeated on the fast-tracking of the implementation. The EU has agreed to postpone the Brexit deadline until 31 January 2020 to allow Boris Johnson more time to persuade members of Parliament to ratify the deal he struck on October 17. The UK will now hold a general election on December 12 in an attempt to break the deadlock. The United Kingdom (UK) is the largest and oldest small cap market in Europe, representing 33% of the small cap universe in Europe. As we receive more clarity on the path UK might follow in its departure from the EU, we believe it will pave the way for further upside across European small cap stocks permitting a greater willingness to invest. The next largest small cap region by market cap is Germany – accounting for 11% of European small cap market share1. Germany, Europe’s largest economy has been hit hardest by trade, the Chinese slowdown and the ongoing US-China trade wars. The fact that Germany has a continent-wide supply chain that accounts for 29% of Eurozone GDP raises the probability of Germany’s slide into recession negatively impacting other Western European economies. So far, the German government announced a €54Bn climate spending package aimed at reaching the 2030 emissions reduction target on 20 September 2019. This is expected to be financed from existing surpluses in the energy and climate fund implying a minor net fiscal net boost of less than 1.6% of GDP. We believe this is far from sufficient to fight the downturn of the German economy. We expect the recent run of weak economic data releases from Germany to eventually persuade the German finance minister Olaf Scholz to unleash a more meaningful round of fiscal stimulus.

Small cap stocks are not a value trap

European small cap stocks are attractively valued compared to large cap stocks. The Price to Earnings ratio (P/E) of small versus large cap European stocks is trading at a 7% discount compared to its long-term average since 2007. The estimated dividend yields for MSCI Europe Small Cap real time Index at 2.97% is in line with the long-term average since 2007. Leverage for small caps is only slightly higher that of its large cap peers, confirmed by Net Debt to Earnings before interest, tax, depreciation and amortization (EBITDA) at 3.91 vs 3.79x respectively. Owing to the cautious outlook on Europe, there has been an overcrowding in defensive sectors which constitute a larger proportion of large caps compared to small caps.1 Free cash flow yields of European small cap stocks also remain healthy at 3.62x.

Figure 3: Small cap vs large cap European stocks are trading at a 7% discount to their long-term average


Source: WisdomTree, Bloomberg as on 30 September 2019.

Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

Interestingly relative earnings momentum of small versus large cap European stocks has started to improve over the second half of 2019 and this is clearly being reflected in the outperformance of small versus large cap European stocks, which we believe is still at a nascent stage.

Figure 4: Small cap vs large cap European price performance versus earnings momentum 3-month % change


Source: WisdomTree, Bloomberg as on 30 September 2019.

Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

European small cap stocks are known to be more inefficient than large caps which offers a greater possibility of alpha generation. While sentiment remains weak across Europe, favourable valuations, positive earnings momentum coupled with a slowly improving macro backdrop could provide a timely opportunity to invest in European small cap stocks.


1) Historical performance is not an indication of future performance and any investments may go down in value.

Die Talfahrt der Cannabis Stocks 2019

Bereits seit 7 Monaten setzt sich die abwärts Rally der Cannabis Aktien fort. Allein im Oktober verlor der kanadische Cannabis Index 18 % sowie der US Index 6 %. Das strapaziert die Hanfaffinen Anleger auf das Äußerste. Natürlich bedeutet das ebenfalls: Man konnte seit 2016 die führenden Titel der Branche nicht mehr so günstig einkaufen. Für Investoren, die mit dem Einstieg in die Cannabis Industrie liebäugeln, könnte somit die gegenwärtige Situation äußerst interessant sein, so Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc.

Für bereits investierte Anleger ist das Marktniveau eine Geduldsprobe. Generell war klar, dass ein Investment in die junge Industrie Risikokapital darstellt und langfristig ausgelegt sein sollte.

Amerikanische Finanzhäuser betreiben seit Anfang 2019 erste Short-Derivat Produkte auf die Cannabis Industrie. Somit verdienen Investoren Geld am Kursverfall der Industrie. Für gewöhnliche Anleger mit einem Long-Term-Fokus ein eher unangenehmes Finanz-Instrument.

Die E-Liquid Industrie der USA erlitt durch eine grassierende Lungenkrankheit deutliche Vertrauenseinbußen. Auch wenn die Situation mittlerweile unter Kontrolle erscheint und die Medien andere Spektakel in den Vordergrund stellen, es bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Zudem ist der Zwist der Lebensmittel- und Pharmaindustrie rund um das hochwirksame Bio-Präparat Cannabidiol (CBD) noch immer nicht beigelegt. Die Lobby-Riesen streiten auf dem amerikanischen Parkett (FDA) und dem europäischen Kontinent um die Lizenz und Vertriebserlaubnis des in der Cannabispflanze enthaltenen Wirkstoffs.

Eine positive Erwartungshaltung birgt die Legalisierungsthematik in Mexiko. Hier entschied das Bundesgericht, das eine Legalisierung dem mexikanischen Grundgesetz entspräche, somit ist das Parlament im Zugzwang. Die Frist für eine funktionale Gesetzgebung wurde allerdings Ende Oktober verschoben. Eine Legalisierung von Cannabis würde dem Land mit 130 Mio. Einwohnern eine neue Dynamik verschaffen und die massiven Kartell-Strukturen des Schwarzmarktes aufweichen.

Grundsätzlich gibt es mittelfristig nahezu weltweit Bemühungen Cannabis zu legalisieren. Luxembourg wird voraussichtlich 2020/21 das erste europäische Land mit einer funktionalen Cannabis Liberalisierung sein, welches eine hohe Symbolkraft mit sich brächte. 

Medizinisches Cannabis hat mittlerweile einen akzeptablen Stellenwert in der modernen Schulmedizin. Vor wenigen Jahren noch als Droge stigmatisiert finde es nun in Nordamerika, Lateinamerika, Europa und Teilen Asiens sowie Afrikas breite und ausweitende Anwendung.

Durch technologischen Fortschritt und die legalen Rechtsräume entstand eine regelrechte Forschungswelle. Während im vergangenen Jahrhundert kaum klinische Studien durchgeführt wurden, werden gegenwärtig über 350 klinische Studien spezifisch um Cannabinoide ausgeführt und versprechen weitere Patente und Lizenzen.

Auch der nachwachsende Rohstoff aus der Nutzhanf Pflanze findet weitere Verwendung. Die Industrie steckt teils noch in den Kinderschuhen, dennoch kann man behaupten das Nutzhanf „best in class“ der regenerativen Rohstoffe ist. Dieser Umstand findet in der gegenwärtigen Klima-Debatte größtmöglichen Zuspruch. Politik und Gesellschaft fordern exakt derlei Innovationen um Konsum aus der Lebensmittel-, Bau-, Textil- und Verpackungsindustrie mit einem bestmöglichen Umweltschutz zu verbinden.

Auch wenn Hanf Aktien aktuell schwere Zeiten durchleben, langfristig gibt es genügend aussichtsreiche Perspektiven, um positiv voraus zu schauen.

Am Freitag, den 8. November 2019 sind signifikante 2,2 Milliarden Dollar in den Cannabis-Markt geflossen, der globale Hanf Index legte über 5% zu. Ein Indikator, dass die Talsohle möglicherweise durchschritten wurde.


Über die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG

Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. „Der Clou an unserem Business ist die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Wachstumschance der Hanfpflanze,“ erklärt Daniel Stehr. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen finden Sie auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

ESG-Regulierung – Auswirkungen auf deutsche (alternative) Asset Manager

von Dr. Harald Glander und Daniel Lühmann, Rechtsanwälte bei Simmons & Simmons LLP, anlässlich des 169. Hedgeworks.

Environmental, Social and Governance – ESG sind Begriffe, welche nicht erst seit der Konsultation des Entwurfs des Merkblatts der BaFin zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken, Aufmerksamkeit unter den unterschiedlichen Akteuren im Finanzsektor erfahren haben. Sie stehen in Zusammenhang mit den ehrgeizigen Klimaschutz-, Umweltschutz- und Nachhaltigkeitszielen der EU, welche wesentliche Auswirkungen auf den europäischen Finanzsektor haben. Eine Einschätzung.

Ende September 2019 hat die BaFin den Entwurf eines Merkblatts zum Umgang mit dem Thema „Nachhaltigkeitsrisiken“ zur Konsultation gestellt. Darin weist sie darauf hin, dass verbindliche gesetzliche oder aufsichtsrechtliche Vorgaben im Hinblick auf Nachhaltigkeitsrisiken durch das Merkblatt weder abgeschwächt noch erweitert werden sollen. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die noch ausstehenden europäi­schen Konkretisierungen zur Integration von Nachhaltigkeitsrisiken bei den im Anwendungsbereich des Merkblatts befindlichen Unternehmen. Dennoch möchte die BaFin den von ihr beaufsichtigten Unternehmen eine Orientierung im Umgang mit diesem Thema geben. Dazu definiert die BaFin in ihrem Entwurf den Begriff „Nachhaltigkeitsrisiken“.

Unter Berücksichtigung des Proportionalitätsprinzips sieht die BaFin das von ihr veröffentlichte Merkblatt als ein Kompendium von Good-Practices, das in den unterschiedlichen Unternehmen Anwendung finden soll. Somit stellt dieses beispielsweise für AIF-KVGen eine Ergänzung der Mindestanforderungen an das Risikomanagement, wie sie in der KAMaRisk niedergelegt sind, dar.

Aktionsplan und Legislativvorschläge der EU-Kommission: Die Initiative der BaFin ist im Zusammenhang mit den europäischen Bemühungen zur Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums zu betrachten. Der Aktionsplan der Kommission soll das Erreichen der Klimaziele der Europäischen Union bis zum Jahr 2030 sicherstellen. Durch die Annahme der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen sowie des Übereinkommens von Paris über den Klimawandel im Jahr 2015 hat sich die EU verpflichtet, eine nachhaltige Gesellschaft und Wirtschaft zu fördern. Insoweit hat sich die EU unter anderem dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen ihrer Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2030 um 40 % gegenüber dem Stand von 1990 zu senken.

Um die vereinbarten Klimaziele erreichen zu können, werden nach Einschätzung der EU-Kommission jährlich bis zu 180 Milliarden Euro zusätzlicher Investitionen benötigt. Auf Grundlage des von der Kommission im März 2018 vorgestellten Aktionsplans zur Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums, soll dieser Investitionsrückstand durch die Hilfe des europäischen Finanzsektors aufgeholt werden. Der Fondsindustrie als Schnittstelle zwischen Investoren und (alternativen) Investments kommt dabei eine tragende Rolle zu.

Der Aktionsplan der Kommission berücksichtigt die Empfehlungen einer von ihr im Jahr 2016 eingesetzten hochrangigen Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen. Unter dem Eindruck der Empfehlungen der Sachverständigengruppe verfolgt die Kommission mit dem Aktionsplan drei Ziele. Kapitalflüsse sollen zunächst auf nachhaltige Investitionen umgelenkt werden, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erzielen. Ferner sollen durch die Umsetzung des Aktionsplans die finanziellen Risiken, welche sich aus Klimawandel, Ressourcenknappheit, Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben, bewältigt werden. Schließlich soll auf lange Sicht die Transparenz in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit gefördert werden.

Die Umsetzung der zuvor genannten Ziele soll durch zehn Maßnahmen sichergestellt werden. Kernpunkte dieser Maßnahmen sind die Einführung eines europäischen Klassifikationssystems für nachhaltige Tätigkeiten (sog. Taxonomie). In diesem Zusammenhang hat die Kommission im Mai 2018 drei Legislativvorschläge zur Umsetzung des Aktionsplans veröffentlicht. Zentrales Element der Vorschläge ist die Taxonomie-Verordnung, auf deren Grundlage der Grad der ökologischen Nachhaltigkeit einer Investition messbar gemacht werden soll. Zu den Legislativvorschlägen der Kommission zählt auch die Offenlegungs-Verordnung. Diese sieht umfassende Offenlegungspflichten bezüglich der Nachhaltigkeitsrisiken für beispielsweise Finanzportfolioverwalter, AIF- und OGAW-Verwaltungsgesellschaften vor.

Änderungen europäischer Richtlinien und Level-2-Maßnahmen: Neben den Legislativvorschlägen der Kommission soll die Umsetzung des Aktionsplans durch Änderungen europäischer Richtlinien und dazugehöriger Level-2-Maßnahmen unterstützt werden. Hierzu hat die Kommission unter anderem die ESMA im Juni 2018 aufgefordert, Vorschläge für eine Implementierung von Nachhaltigkeitsrisiken und -faktoren durch die Änderung der OGAW-Richtlinie, der AIFM-Richtlinie sowie der zweiten Finanzmarkt-Richtlinie samt Level-2-Maßnahmen bis Ende April 2019 vorzubereiten. Mit den durch die ESMA erarbeiteten und bereits konsultierten Änderungsvorschlägen soll erreicht werden, dass einerseits zugelassene OGAW- und AIF-KVGen Nachhaltigkeitsrisiken und -faktoren aufgrund eines prinzipienbasierten Ansatzes in ihre interne Prozesse integrieren. Insoweit umfasst die Empfehlung der ESMA Vorgaben bezüglich der organisatorischen Anforderungen, der Verhaltenspflichten sowie an das Risikomanagement der KVGen. Andererseits sollen ESG-Präferenzen in die Prozesse und Verfahren der Unternehmen im Anwendungsbereich der zweiten Finanzmarkt-Richtlinie implementiert werden. Wertpapierdienstleistungsunternehmen sollen demnach künftig die ESG-Präferenzen ihrer Kunden abfragen und diese Präferenzen in Bezug auf Produkte und Dienstleistungserbringung berücksichtigen.

Auswirkungen auf die Fondsindustrie: Das durch die BaFin zur Konsultation gestellte Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken kommt für die betroffenen Unternehmen zu keinem idealen Zeitpunkt. Mit dem Merkblatt unterstreicht die BaFin ihre Absicht, Nachhaltigkeit im Finanzsektor zu einem aufsichtsrechtlichen Schwerpunktthema zu machen. Nach Abschluss der Konsultation wird erwartet, dass dieses als Grundlage für die aufsichtliche Praxis der BaFin dienen wird. Dieser Umstand steht im Spannungsverhältnis zu der Umsetzung der europäischen Regulierungsbestrebungen. Zwar nimmt die Umsetzung des Aktionsplans der Kommission durch die Entwicklungen weiter Konturen an. Es wird aber wohl nicht zum zeitlichen Gleichlauf mit der BaFin-Initiative kommen. Insoweit ist durch die ausstehenden europäischen Konkretisierungen zur Integration von Nachhaltigkeitsrisiken in die unternehmens­eigenen Prozesse ein mehrstufiger Implementierungsprozess zu erwarten. Dies macht es nicht nur den betroffenen Unternehmen, sondern auch den (regulierten) Investoren schwer, einen gemeinsamen Nenner im Investitionsprozess zu finden. Durch den Druck der Kapitalgeber gibt es bereits jetzt auf der Seite der Investoren viele individuelle Kriterien, die im Rahmen eines nachhaltigen Investments Beachtung finden sollen.

Auch auf der politischen Ebene scheinen die europäischen und nationalen Bestrebungen in Bezug auf eine nachhaltige Finanzwirtschaft auseinanderzulaufen. So wird die Bundesregierung durch den Sustainable-Finance-Beirat bei der Umsetzung einer nachhaltigen Wirtschaftsfinanzierung unterstützt. Trotz der pluralistischen Zusammensetzung des Beirats, sind die betroffenen Unternehmen nicht durch ihre Interessenvertretungsverbände (bspw. BAI oder BVI) als Mitglieder des Beirats vertreten. Dies hat unter den betroffenen Verbänden zu Kritik geführt. Sind sie jedoch auf der europäischen Ebene am Gesetzgebungsprozess beratend beteiligt.

Trotz der Kritik am Status quo wird die Zukunft zeigen, ob die europäischen und nationalen Initiativen zu einer nachhaltigen Finanzwirtschaft führen und positive Auswirkungen auf die Klimaschutz-, Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsziele der EU haben werden.


Dr. Harald Glander

ist Rechtsanwalt und Partner bei Simmons & Simmons und im Bereich Financial Services und Investmentfonds am Frankfurter Standort von Simmons & Simmons tätig. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Freien Universität Berlin und der University of Cape Town (LL.M.) hat er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zum Dr. jur. promoviert.

Daniel Lühmann

ist Rechtsanwalt und Supervising Associate im Bereich Financial Services und Investmentfonds der inter­nationalen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons und am Frankfurter Standort tätig.

Simmons & Simmons LLP

ist eine führende Rechtsanwaltskanzlei mit über 1.500 Mitarbeitern in Asien, dem Nahen Osten und Europa. In Deutschland unterhält die Kanzlei Büros in Düsseldorf, Frankfurt am Main und München. Ein Schwerpunkt der internationalen Beratungstätigkeit von Simmons & Simmons stellt der Sektor Asset Management und Investmentfonds dar. 

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Simmons & Simmons LLP

Dr. Harald S. Glander, LL.M.
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Daniel Lühmann, LL.M.
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Geldpolitik allein kann die Probleme Europas nicht lösen

von Aneeka Gupta, Associate Director Research bei WisdomTree, anlässlich des Antritts der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Das Hauptproblem Europas ist nicht der fehlende Zugang von Unternehmen zu Kapital oder hohe Kapitalkosten, sondern vielmehr eine unzureichende externe und interne Nachfrage. Aufgrund äußerer Schocks wie Handelskriege, Brexit und Konjunkturabschwächung in China bleiben die globalen Nachfragebedingungen weiterhin schwach. Aus diesem Grund muss die Finanzpolitik in Europa, die nach wie vor restriktiver als notwendig ist, mehr tun, um die Binnennachfrage zu stützen. Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi schloss sich dieser Überlegung auch auf der jüngsten Pressekonferenz der EZB an, auf der er betonte, dass eine monetäre Lockerung nunmehr angebracht sei, da Wachstums- und Inflationsziele ohne fiskalpolitische Eingriffe kaum erreicht werden dürften. Es wird immer deutlicher, dass die Geldpolitik allein die Probleme Europas nicht lösen kann. Christine Lagardes künftige Hauptrolle wird darin liegen, Länder mit Haushaltsüberschüssen wie die Niederlande und Deutschland davon zu überzeugen, mehr zu investieren, um das Wachstum zu unterstützen.

Innerhalb der EZB herrscht derzeit eine tiefe Spaltung. Einige Mitglieder des EZB-Rates bezweifeln die Wirksamkeit negativer Zinssätze und die quantitative Lockerung zur Verbesserung der Kreditvergabe. Darüber hinaus gibt es die Besorgnis, dass sich Minuszinsen auf inländische Sparkassen und Banken ungünstig auswirken werden. Die Leiter der französischen und österreichischen Zentralbanken haben sich öffentlich gegen die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen der EZB ausgesprochen. Der unerwartete Rücktritt von Sabine Lautenschläger, die zu den geldpolitischen Falken zählt, ist ein weiteres Zeichen für die Uneinigkeit innerhalb der EZB. Aus Berichten im Anschluss an die EZB-Sitzung geht hervor, dass 9 von 25 Ratsmitgliedern ihre Ablehnung des kürzlich vom ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi angekündigten Lockerungspakets zum Ausdruck brachten. In diesem Zusammenhang wird Christine Lagarde auch damit beauftragt, die Kohärenz zwischen den Mitgliedern des EZB-Rates zu verbessern. Letztendlich wird sie nur auf diese Weise in der Lage sein, den Rat geschlossen zu vertreten und damit den Investoren eine effektive und glaubwürdige Kommunikation zu ermöglichen.

Effizienz und Elektrotrend: Alles klar zur Verkehrswende?

von Mark Lewis, globaler Leiter für Nachhaltigkeitsforschung bei BNP Paribas Asset Management.

Die Steigerungsraten sind beeindruckend: Die Zahl der in Deutschland im September neu zugelassenen Elektroautos ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 150 Prozent gestiegen. Bei den Plug-in-Hybriden beträgt der Zuwachs immerhin noch über 50 Prozent, so die Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA). Und das ist nur der Anfang. Der Anstieg wird wohl auch in den kommenden Monaten anhalten, er könnte sogar noch größer werden. Besonders im nächsten Jahr, wenn viele neue Elektroautos auf den Markt kommen werden.

Der Haken dabei: Die absoluten Zahlen sind indes noch klein, kaum 6.000 neue Batterieautos sind im September zugelassen worden. Doch die Autohersteller haben 2020 zum Jahr des Umbruchs erklärt: Opel macht den Anfang mit dem Corsa-e, Volkswagen bringt seinen neuen ID.3 zu den Händlern. Porsche hat den Taycan im Angebot, Jaguar den I-Pace und die süddeutschen Premiumhersteller Audi, Daimler und BMW wollen besonders mit neuen Plug-in-Hybriden punkten.

Abb. 1: Neuzulassungen bei E-Autos

Geringer Anteil: Fast 48.000 Elektroautos kamen 2019 neu auf die deutschen Straßen – von insgesamt gut 47 Millionen Pkw allein hierzulande.

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Stand: September 2019

Elektroautos auf dem Vormarsch

Der Siegeszug der Elektroautos weltweit dürfte wohl spätestens in fünf Jahren nicht mehr aufzuhalten sein: So gehen die Analysten von DNV GL davon aus, dass Elektroautos 2024 kostentechnisch gleichauf mit Verbrennern liegen werden, was ihren gesamten Lebenszyklus vom Kauf bis zum Betrieb und Reparaturen angeht. Den „Electric Car Tipping Point“ – den Zeitpunkt, wo bereits jedes zweite Auto mit einem Elektromotor unterwegs sein wird – erwarten Experten der Boston Consulting Group um das Jahr 2030.

Allerdings werden sie sich wohl nur dann flächendeckend durchsetzen können, wenn auch der Aufbau einer Infrastruktur gelingt. Auch hängt der Erfolg der Elektroautos davon ab, wie sehr sich Käufer von möglichen Reichweiteneinschränkungen beeindrucken lassen und welche Maßnahmen die Regierung für oder gegen Elektroautos trifft. Aus rein wirtschaftlicher Sicht sind sie – verglichen mit herkömmlichen Fahrzeugantrieben – schon jetzt deutlich im Vorteil.

Erneuerbare sind siebenmal wirtschaftlicher als Öl

In einer aktuellen Untersuchung „Wells, Wires and Wheels“ ermittelten wir den Energy Return on Capital Invested (EROCI). Betrachtet wird, welchen Energieertrag Öl und erneuerbare Energien abwerfen, wenn diese Energie zum Antrieb von Autos und anderen leichten Nutzfahrzeugen genutzt wird. Sprich: Wie weit kommt man aktuell mit einem Investment von 100 Milliarden US-Dollar?

Das Urteil ist mehr als eindeutig: Schon heute bringen bei gleichem Kapitaleinsatz mit Wind- und Solarenergieprojekten betriebene Elektroautos sechs bis siebenmal mehr Energie auf die Straße als solche, deren Benzinmotoren im weitesten Sinne mit Öl betrieben werden. Der Unterschied ist weniger deutlich, wenn man von Dieselfahrzeugen ausgeht, doch auch dann sind Wind- und Solarenergie immer noch drei- bis viermal so effektiv wie der Verbrennungsmotor. Der „Break-Even-Point“, also die Schwelle, an der für dasselbe Geld dieselbe Menge an Antriebsenergie zur Verfügung steht, liegt demnach bei etwa 9 bis 10 Dollar pro Barrel Öl, wenn dieses in Benzinmotoren fließt und 17 bis 19 Dollar pro Barrel bei Dieselmotoren. Damit Öl wettbewerbsfähig bleibt, müsste der Preis also deutlich fallen: Brent-Öl kostet derzeit 60 US-Dollar, während die Sorte WTI für 54 Dollar gehandelt wird (Stand vom 18. Oktober 2019).

Der Ölpreis muss auf 10 Dollar pro Barrel sinken

Sprit ist schlicht zu teuer, gerade langfristig betrachtet: Um das Mobilitätsniveau von Benzin aus dem Jahr 2018 für die nächsten 25 Jahre zu halten, sind Investitionen von schätzungsweise 24,6 Billionen US-Dollar notwendig. Die Kosten für neue Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien liegen dagegen bei nur 4,6 bis 5,2 Billionen Dollar. Kurz: In diesem Zeitraum die gleiche Mobilität aus Benzin zu erzielen wie mit erneuerbaren Energien im Zusammenspiel mit Elektrofahrzeugen, kostet etwa sechs bis siebenmal so viel. Denn auch Ölquellen sprudeln nicht ewig. Um den aktuellen Versorgungsstandard zu halten, müssen jedes Jahr rund zehn Prozent der Förderstätten ersetzt werden. Und die Erschließung neuer Ölfelder wird laufend teurer, weil die einfach zu erreichenden Lagestätten vielfach bereits erschlossen sind. Wind und Sonne stehen dagegen fast unbegrenzt zur Verfügung.

Selbst wenn man die die Kosten für den Aufbau einer neuen Netzinfrastruktur berücksichtigt, also die Erweiterung der Übertragungs- und Verteilungsnetze, um die zusätzlichen Strommengen zu bewältigen, die aus all den neuen Wind- und Solarkapazitäten entsteht, zeigt die Analyse: Die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien schlägt die von Öl glasklar. Egal, ob in Form von Benzin oder Diesel, die Tage von Öl als Kraftstoff für Autos sind gezählt.

Einfach mal 41 Prozent des globalen Ölbedarfs ersetzen

Das hat weitreichende Folgen für die Mineralölkonzerne. Der Ölindustrie erwächst hier – erstmals in ihrer Geschichte – eine ernstzunehmende Bedrohung für ihr Geschäftsmodell: Derzeit entfallen 36 Prozent der Rohölnachfrage auf den Betrieb leichter Nutzfahrzeuge und anderer Fahrzeuge, die sich für die Elektrifizierung eignen. Weitere 5 Prozent fließen in die Stromerzeugung. Die konkurrierenden, erneuerbaren Energien könnten also leicht bis zu 41 Prozent des weltweiten Ölbedarfs ersetzen. Für sie sprechen die kurzfristigen Grenzkosten von Null, ihre Umweltfreundlichkeit und dass sie einfacher zu transportieren sind.

Abb. 2: Ölnachfrage

Harte Konkurrenz: Die erneuerbaren Energien könnten leicht bis zu 41 Prozent des weltweiten Ölbedarfs ersetzen.

Quelle: BNP Paribas Asset Management

Allerdings: Die Ölindustrie genießt derzeit einen massiven Größenvorteil gegenüber Wind- und Solarenergie. 2018 lieferte Öl 33 Prozent der weltweit benötigten Energie, verglichen mit nur 3 Prozent gespeist aus Wind und Sonne. Doch dieser Vorsprung schmilzt. Vor 100 Jahren hätte auch die Ölindustrie nicht dieselbe Energie liefern können wie heute. Sie hat über Jahrzehnte eine globale Lieferkette aufgebaut, während Wind und Sonne erst am Anfang der gleichen Entwicklung stehen.

Elektrofahrzeuge sind (noch) zu teuer

Und: Noch sind Elektroautos vergleichsweise teuer. Seit dem Sommer vermarktet Opel den Corsa-e als „Volkselektroauto“ ab einem Einstiegspreis von 29.900 Euro. Auch die Konkurrenten VW, Honda oder Mini Cooper bieten aktuell E-Autos für „jedermann“ für knapp 30.000 Euro. Günstiger ist das Solarauto des Münchner StartUps Sono Motors. Den Sion gibt es für nur 16.000 Euro – doch der Preis gilt ohne Batterie. Die kann man mieten; beim Kauf schlägt sie mit nochmals 9.500 Euro zu Buche.

All dies ist erst ein Anfang, um Durchschnittsverdienern die E-Mobilität schmackhaft zu machen. Doch schon 2024 könnten sich die Preise für Elektroautos denen von herkömmlichen Fahrzeugen angeglichen haben. Dann werden die Karten neu gemischt und den Ölkonzernen droht womöglich das gleiche Los wie den europäischen Versorgern in den letzten zehn Jahren: Sie hatten den Ausbau der Wind- und Solarenergie zunächst verpasst und Milliarden Euro in Anlagen zur Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen versenkt.

Das Klimapaket als Boost für die Verkehrswende

Auch die Politik ist in der Pflicht, sie hat jetzt die Chance, die Energiewende und den damit verbundenen Nutzen für Umwelt und Gesundheit gezielt zu fördern. Etwa über steuerliche Anreize für Elektrofahrzeuge, wie sie etwa in Norwegen erfolgreich waren, eine verbesserte Ladeinfrastruktur und entsprechende Energiespeichertechnologien.

Die Bundesregierung formulierte ihre nächsten Schritte dazu Mitte September, im aktuellen Klimaschutzplan. Demnach will die Große Koalition emissionsarme Fahrzeuge bis 2025 von der Kfz-Steuer ausnehmen und die Kaufprämie für Elektroautos erhöhen. Vorgesehen ist auch der Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur. Bis 2030 sollen insgesamt eine Million öffentliche Ladepunkte zur Verfügung stehen. Bisher sind es erst rund 20.000. Und es bleibt abzuwarten, ob die Zuwachszahlen hier ähnlich schnell steigen wie bei den neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland.


Über BNP Paribas Asset Management

BNP Paribas Asset Management ist der unabhängige Vermögensverwalter von BNP Paribas, einem der weltweit größten Finanzunternehmen. BNP Paribas Asset Management verwaltet 575 Milliarden Euro Vermögen (Stand: 30. Juni 2019) mit verschiedensten aktiven, passiven und quantitativen Investmentlösungen für eine Vielzahl von Anlageklassen und Regionen. Mit rund 500 Investmentexperten und 500 Kundenbetreuern ist BNP Paribas Asset Management für Privatkunden, Unternehmen und institutionelle Anleger in 71 Ländern tätig und engagiert sich seit 2002 in vielen Bereichen der Nachhaltigen Investments (SRI).

Nr. 2 der nachhaltigen UN-Entwicklungsziele: Kein Hunger

SDG – drei Buchstaben, die unser aller Zukunft ab sofort prägen. Und zwar zum einen, indem wir das, was sich dahinter verbirgt, künftig gezielt und aktiv umsetzen. Zum anderen, weil ihre Botschaft uns überhaupt erst eine wirkliche Zukunftsperspektive schafft. Denn diese Buchstaben stehen für Sustainable Development Goals, also nachhaltige Entwicklungsziele der UN, die bis 2030 umgesetzt werden sollen. Diese ehrgeizige Welt-Agenda gilt für jeden Menschen überall auf dieser Welt – Staatsoberhäupter und Politiker, Arbeitgeber und Arbeitnehmer! 

Nr. 2: KEIN HUNGER

Ein Kind verhungert. Was für uns unvorstellbar scheint, passiert auf diesem Planeten tatsächlich alle zehn Sekunden! Obwohl Nahrung als Menschenrecht gilt und obwohl es – noch – genug Nahrung für alle gibt, sind weit über 800 Millionen Menschen von Hunger und zwei Milliarden von Mangelernährung betroffen. Das erklärte Ziel bis 2030 lautet: Kein Mensch soll mehr Hunger leiden.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Hunger geht vor allem mit Armut Hand in Hand. Und während Regierungen und Konzerne Strategien nach ihren eigenen Interessen ausrichten, wird die Kluft zwischen Arm und Reich größer. Darüber hinaus zerstören Kriege und bewaffnete Konflikte die landwirtschaftliche Infrastruktur. Nicht zuletzt beeinträchtigen Wetterextreme Ernten und Widerstandskraft der Bevölkerung. Eine Situation, die nicht zuletzt auf Ressourcenverschwendung und Klimawandel zurückzuführen ist! Und hier wird besonders deutlich, dass Konsequenzen oft jene am stärksten belasten, die gar nicht zu den Hauptverursachern gehören.

Die Zeit zu handeln ist jetzt: Gemeinsam lässt sich viel erreichen, wenn sich jeder einzelne seine Verantwortung bewusst macht. Unternehmen, Bildungseinrichtungen sowie alle Privathaushalte können Lebensmittelverschwendung gezielt vermeiden – durch Resteverwertung, durchdachte Lagerung, Lebensmittelspenden und Aufklärungsarbeit. So wird ja beispielsweise das Mindesthaltbarkeitsdatum oft als Verfallsdatum missinterpretiert…

Es steht jedem frei, sich aktiv zu engagieren und Geld oder Lebensmittel zu spenden. So ist der Bundesverband Deutsche Tafel e. V. dank dem Engagement seiner über 60.000 ehrenamtlichen Helfer mit bald 1.000 Tafeln in ganz Deutschland vertreten. Internationale Initiativen wie die Welthungerhilfe setzen sich seit Generationen dafür ein, den Hunger in der Welt zu beenden. Mehr Informationen finden sich beispielsweise unter www.tafel.de oder www.welthungerhilfe.de.


Die Evangelische Bank: DIE Nachhaltigkeitsbank

Die Evangelische Bank eG ist ein genossenschaftlich organisiertes, nachhaltiges Kreditinstitut. Als moderner Finanzdienstleister bietet sie Spezial-Know-how und umfassende Finanzlösungen für den kirchlich-diakonischen und sozialen Bereich. Mit einer Bilanzsumme von 7,7 Mrd. Euro ist die Evangelische Bank eG die größte Kirchenbank und zählt zu den zehn größten Genossenschaftsinstituten in Deutschland. Die Evangelische Bank ist als nachhaltig führende Kirchenbank Deutschlands Finanzpartner der Kirchen, Diakonie, Caritas, Freien Wohlfahrtspflege und der Sozialwirtschaft sowie aller privaten Kunden mit christlicher Werteorientierung. Rund 440 Mitarbeiter betreuen bundesweit etwa 19.000 institutionelle Kunden und ca. 72.000 private Kunden an 13 Standorten.

Erneuter Tankerangriff befeuert geopolitische Risiken

Nitesh Shah, Director, Research WisdomTree, mit einem aktuellen Kommentar zum erneuten Angriff auf einen iransichen Öltanker vor der Küste Saudi-Arabiens.

Die geopolitischen Risiken dauern unvermindert an. Obwohl der Ölmarkt die Preise nicht wiederspiegelt, werden wir ständig daran erinnert, dass die Risiken bleiben. Heute Morgen wurde ein iranischer Tanker, der vor der Küste Saudi-Arabiens im Roten Meer unterwegs war, von zwei Raketen getroffen. Niemand hat sich bislang zu diesem Angriff bekannt Der Ölpreis (Brent) stieg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung um bescheidene zwei Prozent.

Bereits vor weniger als einem Monat wurden saudische Ölförderanlagen von Houthi-Rebellen aus dem Jemen angegriffen, was weitgehend – seitens Saudi Arabien, USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich – dem Iran angelastet wurde. In der Folge verschwanden 5,7 Millionen Barrel Öl vom Markt und der Preis fiel um 20 Prozent. Allerdings gab er schnell wieder nach, als Saudi-Arabien bis Ende September die Produktion wieder auf das Niveau vor dem Vorfall brachte.

Die heutigen Attacken dürften die globale Ölversorgung kaum beeinträchtigt haben. Aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Es ist offensichtlich, dass die Vorkommnisse in der Region keine Einzelfälle sind. Im Laufe der Monate Mai und Juni gab es bereits mehrere Angriffe auf Schiffe, die sich in und um die Seestraße von Hormus bewegten. Wir glauben, dass die Spannungen in der Region nicht nachlassen. Daher sollte eine höhere geopolitische Prämie bei Öl eingepreist werden. Der Ölpreis ist im vergangenen Monat gesunken, da die Nachfrageprognosen zurückgenommen wurden. Allerdings verblassen kleinere Nachfrageveränderungen im Vergleich zum Risiko großer Angebotseinbrüche, wenn die Eskalation der Spannungen in der Region andauern.

Palladiumpreise erreichen neuen Höchststand

40 Prozent des weltweit gehandelten Metalls stammen aus Südafrika. Wegen der dort gerade laufenden Tarifverhandlungen ist das Streikrisiko erhöht und demzufolge die Versorgung mit diesem Metall gefährdet. Dazu Nitesh Shah, Director, Research und Rohstoffexperte bei WisdomTree, mit einem aktuellen Kommentar.

"Der Preis für Palladium erreichte diese Woche ein neues Hoch und lag am Montag, den 30. September, bei 1685 US-Dollar/Unze. Seit sieben Jahren besteht bei Palladium ein Versorgungsdefizit, und auch in diesem Jahr wird für das Metall ein Defizit prognostiziert (Quelle: Metal Focus). Die Nachfrage nach dem Metall, das zur Verringerung der Umweltverschmutzung in Katalysatoren von Autos verwendet wird, ist in den letzten Jahren gestiegen und wird diesen Trend wahrscheinlich fortsetzen, da die Umweltstandards weltweit verschärft werden. Da fast 40 Prozent des Palladiums aus südafrikanischen Minen stammen, stellt dies ein erhebliches Risiko für die globale Versorgung dar. Die oberirdischen Palladiumbestände könnten auf 12,9 Mio. Unzen sinken und damit nur 14,4 Monate der Nachfrage decken (Quelle: Metal Focus).

"Überraschend ist, dass die spekulative Positionierung in Palladium-Futures nicht erhöht ist. Im Gegensatz zu anderen Edelmetallen, deren Positionierung in den letzten Monaten stark zugenommen hat, sieht die Positionierung von Palladium zahm aus. Dies deutet darauf hin, dass die jüngsten Kursgewinne mehr von der Angebotsknappheit und weniger von der Nachfrage der Anleger getrieben wurden."

Wendepunkt bei den Schwellenländeraktien erreicht?

von Aneeka Gupta, Associate Director, Research, WisdomTree.

Schwellenländeraktien notieren auf dem niedrigsten Niveau im Vergleich zu US-Technologiewerten seit 2000. Das wirft die Frage auf, ob jetzt ein Wendepunkt bei Schwellenländer-Aktien erreicht sein könnte. Als die Titel zuletzt auf einem so niedrigen Niveau wie jetzt gehandelt wurden, folgte eine acht Jahre lang währende kraftvolle Erholung. Die Zusammensetzung der Schwellenländersektoren hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und ist ausgereifter, sie beinhalten nun größere Finanz- und Technologieaktien und einen geringeren Anteil von Materialien und Rohstoffaktien.

Quelle: WisdomTree, Bloomberg vom 13. September 2019. 
Wichtiger Hinweis: Emerging Markets-Aktien werden durch den MSCI Emerging Market Index und US-Technologie-Aktien durch den Nasdaq 100 Index erfasst. Die Linie in der obigen Grafik stellt den MSCI Emerging Markets Index geteilt durch den Nasdaq 100 Index dar. Der MSCI Emerging Markets Index besteht aus 26 Entwicklungsländern, darunter Argentinien, Brasilien, Chile, China, Kolumbien, Tschechien, Ägypten, Griechenland, Ungarn, Indien, Indonesien, Korea, Malaysia, Mexiko, Pakistan, Peru, Philippinen, Polen, Katar, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Taiwan, Thailand, Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. 
Die historische Performance ist kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investitionen können an Wert verlieren.

Die Schwellenländer werden stark durch das Wechselspiel der zwischen Trump, China und US-Notenbank (Fed) gebildeten Troika beeinflusst. Im ersten Quartal 2019 funktionierte dies für Schwellenländer gut, da die Fed einen Zinssenkungszyklus einleitete und die Frist für Zollschranken bis zum 31. März verlängert wurde. Seitdem haben die Schwellenländer jedoch eine Achterbahnfahrt hinter sich, denn die Handelskriege zwischen den USA und China eskalierten zuletzt und es ergaben sich zudem spezifische Risiken in Argentinien und der Türkei. Dennoch wurden die Ertragsergebnisse bei Schwellenländern im zweiten Quartal von Konsenseffekten bei 72 Prozent der Marktkapitalisierung des MSCI EM Index dominiert – 43 Prozent der Marktkapitalisierung schlug zuvor den Konsens verglichen mit nunmehr 28 Prozent, dies markiert eine Erholung gegenüber dem Vorquartal. Interessanterweise wurde die deutliche Verbesserung vor allem vom IT-Sektor getragen, angeführt von Korea und Taiwan.

Den jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds zufolge wird das Wachstum der Schwellenländer dieses Jahr voraussichtlich bei 4,1 Prozent liegen und im kommenden Jahr auf 4,7 Prozent steigen. Es wird erwartet, dass sich das BIP-Wachstum der entwickelten Märkte von 1,9 Prozent in diesem Jahr auf nur 1,7 Prozent im Jahr 2020 weiter verlangsamt. Der Großteil des globalen Wachstums, das voraussichtlich von 3,2 Prozent in diesem Jahr auf 3,5 Prozent im nächsten Jahr steigen wird, könnte aus den Schwellenländern kommen. Einer der Hauptgründe, warum die Wachstumsraten der Schwellenländer zögern, liegt an den Wachstumsstimuli in China. Die aktuellen Bewertungen spiegeln eine hohe Unsicherheit unter den Schwellenländer-Investoren wider. Wir glauben, dass die niedrigen Bewertungen bei Schwellenländer-Aktien angesichts der positiven Ertragsdaten, der günstigen Wachstumsaussichten und der jüngsten Deeskalation der Handelskriege zwischen den USA und China einen aussichtsreichen Einstiegspunkt darstellen könnten.

Nach den jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds wird das Wachstum voraussichtlich in den Schwellenländer 4,1 Prozent betragen.

Kurseinbrüche der Cannabisindustrie – Einstiegschance oder Fluchtursache

von Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc.

Im August setzte sich, den fünften Monat in Folge, die Talfahrt der Cannabisindustrie an den Börsen fort. Allein im vergangenen Monat verlor der globale Cannabis Index über 10% seiner Kapitalisierung. Wo liegen hierfür die Ursachen und welche Entwicklung lässt sich ableiten? Erlaubt die gegenwärtige Situation nun eine ideale Investition in eine Zukunftsindustrie oder sollte nach einem nahezu halbjährigen Abwärtstrend die Anlage überdacht werden?

Die globalen Player der Hanf-Industrie sitzen in Nordamerika, hier kommen die Kapitalanlagen größtenteils an:

Kanada hat Cannabis ganzheitlich legalisiert, hier gibt es einheitliche Regularien für den Binnenhandel und Export. Hier klemmte es im Detail, die wirtschaftliche Umsetzung nach der politischen Legalisierung musste erst funktional werden. Die Abgabe der Blüten, der Verkauf von cannabishaltigen Getränken und Lebensmitteln, vieles wurde konzipiert und auf den Weg gebracht.

In den USA gelten andere Gesetze. Cannabis ist auf Bundesebene der USA illegal, wenn auch nicht plausibel, gilt es noch immer als hochgefährliches Betäubungsmittel der Stufe 1. In 33 Bundesstaaten ist die medizinische Anwendung legal, in 11 Bundesstaaten ist auch der erwachsenen Konsum als Genussmittel staatlich kontrolliert und legal. In den USA wirken somit gegenwärtig die größten Hindernisse für reales Wachstum. 

Die Finanzwirtschaft hat keine klaren Befugnisse zur Kooperation mit der Cannabisindustrie. Eine Bank, die mit Cannabisproduzenten oder Verkäufern Geschäfte betreibt, gefährdet ihr Vermögen und die Lizenzen. Inhaber von Cannabisunternehmen fällt es schwer Konten zu eröffnen, Versicherungen abzuschließen oder Rentenpläne für ihre Arbeitnehmer zu gestalten. Für die Unternehmen gilt kein Konkursschutz des Bundes. Sie dürfen weitergehend mit den Erlösen des Geschäftes keine Überweisung über Bundesgrenzen hinweg tätigen. Ein Teil Ihrer Geschäftstätigkeiten und Zahlungen müssen die Cannabis-Unternehmer der USA auch 2019 noch in bar abwickeln. Paradox, denn allein in Kalifornien ist der dynamische, legale Markt mit einem Cannabisumsatz von 3,1 Milliarden US-Dollar die am schnellsten wachsende Quelle für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

Das „SAFE“-Bankengesetz (Secure and Fair Enforcement), woran der Kongress gegenwärtig arbeitet, löst diese Thematik. Führende Demokraten, aber auch Republikaner, sprechen sich weitergehend für eine bundesweite Legalisierung von Medical Cannabis aus, auch das würde die partizipierende Finanzindustrie klarer strukturieren. Zudem bemühen sich die Größen der Pharma- und Lebensmittelindustrie um die Milliardenerlöse aus der CBD-Industrie. Der nicht berauschende Wirkstoff eignet sich als Medizin und auch als Nahrungsergänzungsmittel und stellt bemerkenswerte Umsätze in Aussicht. Vor der FDA (Food and Drug Assoication) der USA kämpfen nun die Lobbys auch hier um ihr Revier.

Einige weitere, kleinere und größere Hindernisse, wie beispielsweise der aktuelle Lizenzentzug des Unternehmens CannTrust, hat die globale Cannabisindustrie noch zu bewältigen. Das ändert jedoch nichts an der wegweisenden Funktion als Medizin, als nachhaltiger Bio-Rohstoff oder als gewinnbringendes Genussmittel.

So schätzt die ws-hc, unter der Berücksichtigung des Einsatzes von Wagniskapital, die aktuelle Marktbewertung als gesund ein und sieht den Zeitpunkt somit als interessante Einstiegsmöglichkeit in die Hanfindustrie an.


Über die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG

Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. „Der Clou an unserem Business ist die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Wachstumschance der Hanfpflanze,“ erklärt Daniel Stehr. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen finden Sie auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 13 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Augmented Reality hebt Trading und Datenanalyse auf neue Dimensionen

von Dmitry Parilov, Managing Director of Data Solutions and Products bei dxFeed.

Klingt nach Science-Fiction, ist es aber nicht: Der Broker erklärt dem Investor, wie sich bestimmte Kursbewegungen auf dessen Portfolio auswirken und welche Entscheidungen zur Auswahl stehen. So weit, so gewöhnlich. Doch während der Börsenmakler in Frankfurt an seinem Schreibtisch sitzt, ist der Geschäftspartner unterwegs in Hongkong. Das Gespräch findet in einem virtuellen Konferenzraum statt, beide Geschäftspartner nutzen Augmented Reality (AR)-Headsets oder –Brillen. Dreidimensionale Darstellungen von Charts, Grafiken, Kurven und anderen Daten ordnen sich frei schwebend im virtuellen Raum an und lassen sich per Gesten interaktiv bedienen.

Sehen Sie in folgendem Video, wie die nahe Zukunft des Tradings aussehen kann


BU: Trading mit Augmented Reality: Frei schwebende Charts Im virtuellen Raum per Gesten bedienen. Videoquelle: Devexperts. Das Video auf YouTube: https://youtu.be/_CtQrMby1sU 

Die Unterstützung von Trading- und Datenanalyseplattformen durch Augmented Reality stellt Händlern und Investoren eine hoch entwickelte Finanztechnologie bereit, die ihnen die Überwachung und Visualisierung der Finanzmärkte mit einer enormen Informationstiefe ermöglicht. Neuartige oder verbesserte Darstellungen dynamischer Daten durch Heatmaps oder zweidimensionale Bilder, die auf Knopfdruck oder Geste in 3D-Formen übergehen, ermöglichen eine holografische Visualisierung und bieten vollkommen neue Einblicke. So lassen sich beispielsweise Geschäftschancen und hochaktuelle Entwicklungen auf einer intuitiven Oberfläche deutlicher hervorheben, was es Tradern ermöglicht, schneller zu agieren. Dank AR/MR-Technologiesind Nutzer nicht mehr auf die Größe ihres Computer-, Handy- oder Tablet-Displays beschränkt, sondern profitieren von einer echten 360-Grad-Ansicht und nahezu unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten.

Beim Tragen eines AR-Headsets oder einer AR-Brille werden hoch entwickelte holografische Darstellungen der Finanzdaten und -Feeds in das reale Gesichtsfeld des Nutzers eingeblendet. So können beispielsweise Investoren, die in neuen Märkten tätig werden möchten, auf exakte historische Daten zurückgreifen, indem sie die Tick-Market-Replay- und Backtesting-Funktion nutzen, um faktenbasierte Entscheidungen zu treffen. Finanzanalysten, die bestimmte Aktien an einer größeren Börse beobachten wollen, können entsprechende Informationen mit der vollen Datentiefe abrufen und auch visualisieren. Die vergangene Performance der letzten Monate oder Jahre kann ermittelt und in Form einer holografischen Datendarstellung umgehend an den Kunden weitergeleitet werden.

Mit Augmented Reality bekommt der Begriff „Mobiler Arbeitsplatz“ eine ganz neue Bedeutung, denn Kunden oder Finanzberater können in einem virtuellen Konferenzraum zur gleichen Zeit mit Personen vor Ort und (per Videokonferenz) mit Gesprächspartnern, die sich an einem beliebigen Standort auf der Welt befinden, sprechen. Aktionen in der AR-Finanzlandschaft können komplett vertraulich behandelt und vor neugierigen Augen geschützt werden. Oder sie lassen sich im „Zuschauermodus“ für Kollegen und Kunden auf externe Rechner spiegeln, die ebenfalls mit AR-Technologie arbeiten. So können sie gemeinsam die Finanzlandschaft analysieren und mit den Daten interagieren.

Die Technologie hinter der AR-Plattform

Zwar eignen sich sämtliche auf dem Markt erhältlichen AR-Headsets für Trading und Marktdatenanalyse, doch wartet die Finanzwelt auf neue Entwicklungen, die sich in puncto Design und Tragekomfort normalen Brillen annähern und so längere Tragezeiten ermöglichen.

Abhängig vom Gerätehersteller und der Situation können Nutzer Gesten- und Spracherkennung, Bluetooth-Mäuse oder einen Clicker einsetzen, um holografische Objekte zu bedienen. Mithilfe von Software-Editoren, mit denen sich dreidimensionale Orderbücher, Charts oder Volatilitätsflächen erstellen lassen, kann die Software auf jedes „Wearable“-Gerät überspielt werden. Eine der Kernfunktionen AR-gestützter Trading- und Marktdatenanalyse-Plattformen ist jedoch das Streaming von Finanzdaten aus den Kapitalmärkten.

Ergebnis ist ein leistungsstarkes Tool, das beliebige Daten-Feeds an eine AR-gestützte virtuelle Marktdatenstruktur anpassen kann. Die gesammelten und gespeicherten historischen Daten stammen von den wichtigsten Börsen der USA, Kanadas und Europas. Jede einzelne Kursänderung (Tickdaten) wird live gestreamt und kann über das AR-Headset exakt angezeigt und überprüft werden.

Welche Vorteile haben Trader und Analysten durch AR-Unterstützung?

Trading und Datenanalyse mit AR-Unterstützung bieten Finanzdienstleistern eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Höherer Darstellungs-Komfort: Drahtlose AR-Headsets bzw. AR-Brillen ersetzen mehrere, an einem festen Standort installierte Monitore; zudem entfallen die Größenbeschränkungen der Displays von Computern, Mobiltelefonen und Tablets.
  • Mobiles Arbeiten: Durch eine 360-Grad-Ansicht kann der Nutzer buchstäblich überall im Raum arbeiten.
  • Effiziente Zusammenarbeit: Kunden und Kollegen können per Videokonferenz von jedem beliebigen Standort der Welt aus in einem virtuellen Konferenzraum an Projekten mitarbeiten; „Point of View“-Funktionen ermöglichen die Überwachung und gemeinsame Analyse von Finanzdaten, was Missverständnisse vermeidet und den Entscheidungsprozess beschleunigt.
  • Höhere Produktivität: Die holografische Darstellung sorgt für eine verbesserte Marktdatenvisualisierung – ein entscheidender Vorteil für Trader, die auf der Grundlage von Daten wichtige Entscheidungen in kurzer Zeit treffen müssen.
  • Effektive Trainings: Mithilfe der AR/MR-Finanztechnologie können Studenten und Trading-Einsteiger anhand historischer Daten und der Market-Replay-Methode Muster erkennen und analysieren, um sich den Finanzmarkt auf einer tieferen Ebene zu erschließen.
  • Intuitivere Nutzeroberfläche: Die Anzeige, Analyse und Bearbeitung großer Mengen komplexer Daten wird vereinfacht.
  • Zugriff auf historische Marktdaten: Nutzer können zurückliebende Marktaktivitäten über die Tick-Market-Replay-Funktion nachvollziehen, Strategien mit der Backtesting-Funktion testen und gleichzeitig die aktuellen Marktbewegungen im Auge behalten.
  • Jederzeit besser informiert: Integrierte, in Echtzeit übertragene News-Feeds und Finanzinformationen mehrerer Anbieter werden in ein und derselben Textansicht zusammengefasst. Auch das Live-Streaming von News-Kanälen wird unterstützt.

Um sich im Wettbewerb zu behaupten, setzen Banken, Investmentfonds, Hedgefonds, FX-Brokerhäuser, Eigenhändler und Börsen heute zunehmend auf die AR-Technologie. Die treibende Kraft hinter Trading und Datenanalyse via Augmented Reality sind derzeit jedoch Einzel-Trader, Investoren und Berater für Finanzinstitutionen auf der ganzen Welt. Für sie ist eine effiziente Zusammenarbeit via AR von großem Vorteil.


Über den Autor

Dmitry Parilov ist Managing Director of Data Solutions and Products bei dxFeed, ein Mitglied der VR/AR Association und Tochtergesellschaft von Devexperts. Dmitry begann seine berufliche Laufbahn vor mehr als zehn Jahren in der IT-Branche. Energie und Inspiration schöpft er aus der Leitung weltweiter Projekte für die renommiertesten, auf Telekommunikation und Finanzen spezialisierten Produkt- und Lösungsanbieter. Der erfahrene Manager hat seine Fähigkeiten als strategischer Leiter zahlreicher Tier 1-/Tier 2- und Pre-Sales-Projekte sowie beim Aufbau großer, dezentral arbeitender Teams und Niederlassungen mehrfach unter Beweis gestellt.
Er absolvierte seinen Master of Science in Mathematik an der Saint Petersburg State University und promovierte in mathematischer Analyse (Ph.D.) an dem Steklov Mathematical Institute of Russian Academy of Sciences.

Über dxFeed

dxFeed ist eine Tochtergesellschaft von Devexperts, dessen Fokus auf der Bereitstellung von Finanzmarktdaten und -dienstleistungen liegt. Das Unternehmen liefert weltweit Daten an Buy-Side- und Sell-Side-Institutionen der Finanzbranche, insbesondere an Trader, Datenanalysten, quantitative Analysten und Portfolio-Manager.
Aktuell versorgt dxFeed weltweit mehr als 6 Millionen Endnutzer über direkte und B2B2C-Beziehungen mit Daten. Die Informationen zu mehr als 1,7 Millionen Finanzinstrumenten (Aktien, Futures, Optionen, Indizes, FX, Derivate und Kryptowährungen) stammen aus verschiedenen Börsen Nordamerikas, Europas und anderer Regionen auf der ganzen Welt.
dxFeed hat seinen Hauptsitz in München und betreibt weitere Niederlassungen in New York, Chicago, Istanbul, Porto und Tokio. Mit seinem Portfolio cloudbasierter Datenlösungen stellt es On-Demand-, Echtzeit- und historische Marktdaten, Referenzdaten und Daten zu Kapitalmaßnahmen sowie Market-Replay-, Charting- und aggregierte Daten bereit. Über APIs und Oberflächen-Tools mit vielfältigem Funktionsspektrum liefert dxFeed zudem Lösungen für die Betrugserkennung und komplexe Berechnungen, Multi-Asset-Preiskalkulationstools, Markt-Scanner und -Alerts sowie Lösungen zur Indexautomatisierung und -wartung.
Mit der weltweit ersten AR/VR-Visualisierungslösung für Finanzdaten ist dxFeed Pionier auf diesem Gebiet. Darüber hinaus hat das Unternehmen eine Suite ausgereifter Datenanalyse-Tools und -Terminals entwickelt. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.dxfeed.com.

Ölpreisschock - Große geopolitische Erschütterungen könnten folgen

Vor dem Hintergrund der Krise am Golf kommentiert Nitesh Shah, Director Research beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree, den Ölpreisschock.

"Drohnenangriffe von Houthi-Rebellen am Wochenende auf die Anlagen des saudischen Staatskonzerns Aramco haben die Ölpreise in die Höhe getrieben. Der Ölpreis war in den letzten drei Monaten tendenziell gesunken. Seit heute Morgen jedoch, als die Preise um mehr als 20 Prozent stiegen, hat sich eine abrupte Veränderung vollzogen, die anfänglichen Gewinne lagen bei plus 10 Prozent zum Zeitpunkt des Schreibens. Erste Schätzungen des Schadens deuten auf eine Aussetzung von 5,7 Mio. Barrel Öl hin, was mehr als die Hälfte der saudi-arabischen Produktion bzw. fast 5 Prozent des weltweiten Angebots ausmacht. Der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman - der erst knapp eine Woche im Amt ist - sagte, dass durch den Angriff die Gasproduktion um 50 Prozent abgefallen sei.

Die Ölproduktion wurde schwer getroffen. Aber noch größer sind die politischen Auswirkungen. Die Houthi-Rebellen im Jemen werden vom Iran unterstützt. Der Saudi-Jemen-Krieg (Houthi), der seit 2015 geführt wird, wird allgemein als Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran angesehen. Der Konflikt könnte sich nun in einen offenen Krieg mit dem Iran verwandeln. Der Iran rasselte vor allem mittels seiner Stellvertreter mit den Säbeln als es im Mai und Juni dieses Jahres auf Angriffe auf Schiffe rund um die für den Öltransport wichtigste Seestraße der Welt, die Straße von Hormuz, kam.

Das relative Fehlen von Nachrichten in den Schlagzeilen hatte den Markt zu der Annahme verleitet, dass es eine Deeskalation der Risiken in der Region gäbe. Erst letzte Woche fielen die Ölpreise an einem einzigen Tag um mehr als 2 Prozent, als Präsident Trump seinen nationalen Sicherheitsberater John Bolton entließ, der allgemein als Iran-Habicht angesehen wurde. Die Ereignisse der letzten Tage sind eindeutig kein Zeichen einer Deeskalation. Wir glauben, dass die geopolitische Prämie für Öl steigen wird, da das Risiko einer militärischen Intervention in der Region von Tag zu Tag wächst."

Medical Cannabis bereichert das Repertoire der Schulmedizin

Vor wenigen Jahren war medizinisches Cannabis noch stigmatisiert und kaum beachtet. Seitdem ist global einiges geschehen, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. In Israel werden in Pflege- und Altenheimen Patienten mit Cannabis versorgt, das kanadische Gesundheitsamt gibt auf 263 Seiten Anwendungshinweise für Cannabis zur Therapie von vielseitigen Krankheiten und in den USA reduziert sich das Ausmaß der Opioid-Epidemie durch medizinisches Cannabis.

Cannabis gilt nun also in Teilen der Welt als legale Heilpflanze. Eine Heilpflanze ist eine Nutzpflanze, die zu Heilzwecken oder als Arzneipflanze zur Linderung von Krankheiten innerlich oder äußerlich verwendet wird. Sie kann als Rohstoff für Phytopharmaka in unterschiedlichen Formen, aber auch für Teezubereitungen, Badezusätze und Kosmetika verwendet werden.

Cannabis wird für das Gesundheitswesen unter Berücksichtigung der GMP Richtlinien (Good Manufacturing Pratice) kultiviert. Unter der „Guten Herstellungspraxis“ versteht man einen Maßstab zur Qualitätssicherung der Produktionsabläufe und -umgebung in der Produktion von Arzneimitteln und Wirkstoffen, aber auch bei Kosmetika, Lebens- und Futtermitteln. 

Das somit qualitäts- und reinheitskontrollierte Medical Cannabis hat ein umfassendes Wirkspektrum, das gegenwärtig in hunderten klinischen Studien erfasst und lizensiert wird. Bereits lizensiert sind Medical Cannabis-Medikamente beispielsweise gegen Multiple Sklerose, Epilepsie und zur begleitenden Therapie in der Onkologie. Das pharmazeutische Potenzial von Cannabinoiden und Terpenen ist kaum zu begrenzen und lässt somit auf weitere wegweisende Lizensierungen schließen.

Das Endocannabinoid-System (ECS) wurde vor knapp 30 Jahren entdeckt und Studien, die sich mit seiner Funktion beschäftigen, befinden sich noch in den Kinderschuhen. Obwohl sich die Situation langsam bessert, hat das Jahrzehnte geltende Verbot der Cannabispflanze die klinische Forschung gravierend verlangsamt und behindert. Cannabis ist die einzige Quelle von Phytocannabinoiden, weshalb es ein verbotener Prozess war, das Material für die Studien zu beschaffen. Das ändert sich gegenwärtig, sodass auch hierdurch mit umfassenden Fortschritten zu rechnen ist.

Neben den Patienten, die Linderung ihrer Erkrankung erfahren dürfen, bietet diese Entwicklung maßgeblich eine Chance für Investoren. 


Über die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG

Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. „Der Clou an unserem Business ist die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Wachstumschance der Hanfpflanze,“ erklärt Daniel Stehr. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen finden Sie auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 12 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Hohe Dividendenrenditen bei UK-Aktien – worauf Fixed-Income Investoren achten sollten

von Chris Gannatti, Head of Research Europa, WisdomTree.

Zeitenwende auf den Anleihenmärkten: Noch vor einem Jahr1 betrug die 10-jährige Rendite für US-Treasuries 2,85 Prozent und die 10-jährige Rendite bei deutschen Bundesanleihen 38 Basispunkte2. Mittlerweile liegen die Zahlen bei 1,51 Prozent bzw. minus 0,68 Prozent3. Während dies kurzfristig eine massive Risikoaversion der Anleger signalisiert, stellt sich die viel wichtigere Frage, was Investoren, die Erträge aus ihren Portfolios benötigen, nun tun können.

Aktien des Vereinigten Königreichs generieren mit derzeit 5,25 Prozent4 die höchste Dividendenrendite der Aktienmärkte der entwickelten Länder. Daraus lassen sich zwei wichtige Aussagen über die aktiven britischen Fixed Income Investoren herleiten: Erstens haben sich die Briten an sehr hohe Dividendenrenditen gewöhnt, denn aus politischer Sicht bevorzugen britische Unternehmen die Auszahlung von Dividenden an ihre Aktionäre viel mehr als den Aktienrückkauf. Zum Zweiten könnten auch Investoren außerhalb Großbritanniens zur Deckung ihres Fixed Income Bedarfs an britischen Aktien Gefallen finden - vorausgesetzt, sie sind in der Lage, eine Vorhersage zum Brexit zu treffen.

Britische Investoren brauchen mehr Diversifikation

Der Blick allein auf das Vereinigte Königreich ist in Bezug auf das Generieren von Dividendenerträgen vielleicht nicht die beste Investmentstrategie, schließlich gehört der Aktienmarkt des Landes mit nur 97 Werten im MSCI UK Index per 31. Juli 2019 im Gegensatz zu 1.554 Werten im MSCI World ex-UK Index5 nicht zu den größten Märkten.

Unterschiede in der Gewichtung der Sektoren berücksichtigen

Die meisten Investoren erkennen den massiven Einfluss, den neue Technologien auf die heutige Gesellschaft haben. Demzufolge richten sich beispielsweise Aktienindizes in den USA und in China immer stärker auf diesen Sektor aus. Mit 17,5 Prozent im IT Sektor weist der MSCI World ex-UK-Index das größte Einzelsektor-Exposure auf (Abb 1). Im Vereinigten Königreich macht dieser Sektor nur etwa 1 Prozent6 aus.

Auf dem britischen Aktienmarkt dagegen ist der Energiesektor mit etwa 17,4 Prozent einer der größten Sektoren. Wir wissen, wie stark Unternehmen von den Preisschwankungen bestimmter Rohstoffe wie Öl beeinflusst werden können. Der MSCI World ex-UK Index weist in diesem Bereich eine Gewichtung von nur 4,75 Prozent auf.

Wir sind der Ansicht, dass Investoren die besonderen Risiken der Informationstechnologie und Energie durch die Kombination von regionalen Aktienertragsstrategien besser ausgleichen könnten.

Ein weiterer Vorteil der Diversifikation ergibt sich aus der Betrachtung des Dividendenwachstums. Im vergangenen Jahr steigerten britische Aktien ihre Dividenden um über 11 Prozent, nicht-britische Aktien dagegen nur um 6,8 Prozent. In den letzten 10 Jahren stiegen die Dividenden britischer Aktien pro Jahr allerdings nur um 4,7 Prozent, nicht-britische Aktien um 6,4 Prozent7. Da wir nicht wissen, woher das zukünftige Wachstum kommen könnte, ist die regionale Diversifikation des Portfolios umso wichtiger.

Rendite ist nicht alles

Bei der Konstruktion von Aktienertragsstrategien gilt die "Renditegewichtung" als unverzichtbar auf dem Weg, die höchstmögliche Rendite zu erzielen. Das größte Exposure stellen daher Unternehmen mit der höchsten individuellen Dividendenrendite dar. Die Gewichtung nach Dividendenrendite ohne Rücksicht auf Erträge, Schulden oder Auszahlungsquoten ist selten, da die meisten Manager die Risiken erkennen und auf unterschiedliche Weisen zu mindern versuchen. Betrachtet man nur den renditegewichteten FTSE UK Dividend+ Index, so ergibt sich am Ende ein Exposure von 28,3 Prozent bei Finanzwerten und 10,6 Prozent bei Versorgungsunternehmen - ganz anders als der MSCI UK Index, der lediglich 19,8 Prozent Finanztitel bzw. 2,9 Prozent Versorger beinhaltet.

Niemand weiß, wie lange die globalen Zinssätze noch auf dem niedrigen Niveau verharren. Sicher ist jedoch, dass Investoren angesichts der alternden Bevölkerung immer mehr feste Erträge erwirtschaften müssen. Wenn ein Portfolio Ertrag generieren soll, sind britische Aktien ein unerlässlicher Bestandteil einer diversifizierten, nicht nur auf Rendite konzentrierten Strategie.


1) 27 August 2018
2) Quelle: Bloomberg, Daten per 27. August 2018.
3) Quelle: Bloomberg, Daten per 27. August 2019.
4) Quelle: Bloomberg, Daten per 31. Juli 2019. UK-Aktien, vertreten durch den MSCI United Kingdom Index und andere Aktienrenditen der entwickelten Märkte, vertreten durch die 22 anderen MSCI-Länderindizes, die als "entwickelte Märkte" eingestuft werden.
5) Quelle: Bloomberg, Bloomberg, beschränkt auf Monatsenddaten für MSCI-Index Komponenten.
6) Bezieht sich auf Gewichtung des Sektors Informationstechnologie innerhalb des MSCI United Kingdom Index. Beschränkung auf Monatsenddaten für MSCI-Index Komponenten
7) Quelle: UK-Aktien beziehen sich auf den MSCI United Kingdom Index. Nicht-britische Aktien beziehen sich auf den MSCI World ex-UK Index. Alle Daten werden zum 31. Juli 2019 gemessen, d.h. eine Jahreszahl bezieht sich auf den Zeitraum vom 31. Juli 2018 bis 31. Juli 2019 und eine 10-Jahreszahl auf den Zeitraum vom 31. Juli 2009 bis 31. Juli 2019. Die Daten basieren auf monatlichen Indexrenditen.

Hanf vs. Krypto

Die Kursentwicklung der jeweiligen Indices der Hanf-Branche und von Kryptowährungen zeigen spezielle Gemeinsamkeiten, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Werden die positiven Eigenschaften beider Sektoren nun miteinander verbunden, so bietet diese Kombination eine gute Perspektive für die Zukunft.

Die Hanf-Branche ist ein Kultthema der modernen Finanzindustrie. Vor wenigen Jahren waren die drei Branchen Cannabis als Genussmittel, Cannabis als Medizin sowie Nutzhanf als nachhaltiger Bio-Rohstoff noch keine Pressemeldung wert. Seitdem gab es eine fulminante, teils globale Entwicklung, sodass die Hanfindustrie innerhalb weniger Jahre ein rasantes Wachstum erlebte und gegenwärtig mit ca. 40 Milliarden Euro kapitalisiert ist.

Kryptowährungen sind seit 2008 ein viel diskutiertes Thema der Finanzindustrie, funktional durch die Blockchain Technologie. Unbestritten ist es ein innovatives Thema der FinTech Branche, wäre da nicht der horrende Energieverbrauch. Es gibt mittlerweile über 1000 Kryptowährungen mit einem summierten jährlichen Energieverbrauch und CO2 Ausstoß gleichzusetzen mit einer Million Trans-Atlantik Flügen, oder aber dem jährlichen Energieverbrauch einer Volkswirtschaft wie Irland. In Zeiten der globalen Klimakrise wird somit die fehlende Nachhaltigkeit deutlich.

Die Kursentwicklung der jeweiligen Indices zeigen hingegen spezielle Gemeinsamkeiten. 
Zeitweise ein astronomisches Wachstum gepaart mit einer extremen Volatilität. 
Gegenwärtige Kurseinbrüche der Cannabisindustrie gingen Kurseinbrüche der bekanntesten Kryptowährungen Bitcoin, Litecoin oder Ethereum voraus. Die Branchen verhalten sich häufig alternierend zur etablierten Finanzindustrie und bieten ein vielseitiges zukünftiges Potenzial.

Hanf bietet zudem bereits ein reales Wirtschaftswachstum und einen vielseitigen Umweltschutz. Arbeitsplätze entstehen und Steuern werden generiert, wie in Kanada, Kalifornien oder Colorado bereits ersichtlich ist. Die junge nordamerikanische Cannabis-Industrie wächst, auch wenn die Branche teils durch fehlende Infrastrukturen gebremst wird und letztendlich politisch beeinflusst wird.



Während politische und ökonomische Unruhen die Finanzmärkte verstimmen, gilt Bitcoin als Piraten-Devise und alternativer Hafen. Genau als die USA und China gegenseitig Strafzölle verhängen befindet sich der Bitcoin wieder auf einem Höhenflug.

Ebenso ist die Krypto-Industrie nicht frei von Skandalen, wie etwa als der Chef einer kanadischen Krypto-Börse verstarb, seine Passwort geschützten Zugänge mit ins Grab nahm, und über 115.000 Kunden ca. 150 Millionen Dollar verloren.


Sollte es zukünftig tatsächlich eine Energiewende geben, in der erneuerbare Energien gänzlich etabliert werden, sind Kryptowährungen ein gefragtes Zahlungsmittel ohne negative Konsequenzen für die Umwelt. Potenziell ein Zahlungsmittel der Zukunft.

Aktuell sollte Investoren bewusst sein, dass Bitcoins und Co. außerordentlich energiebedürftige digitale Währungen darstellen, während die Hanfindustrie Biorohstoff, Medizin und ein Genussmittel liefert. Werden die positiven Eigenschaften beider Sektoren nun miteinander verbunden, so bietet diese Kombination eine gute Perspektive für die Zukunft. 


Über die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG

Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. „Der Clou an unserem Business ist die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Wachstumschance der Hanfpflanze,“ erklärt Daniel Stehr. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen finden Sie auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 11 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Handelskriege schmerzen - Edelmetalle als Oase in der Rohstoff-Wüste

von Nitesh Shah, Director Research und Rohstoff-Experte bei WisdomTree.

Präsident Trumps und Präsident Xis endloses Zaudern bei den Handelsgesprächen tragen zur Angst auf dem Markt bei. Nicht nur die Rohstoffmärkte, auch die großen Aktienmärkte und andere zyklische Anlagen leiden. Das Zaudern der Lenker beider Supermächte erinnert an König Midas legendäre Macht in der griechischen Mythologie. Edelmetalle - insbesondere Gold und Silber - scheinen die Oase in der ausgetrockneten Wüste der Investitionsmöglichkeiten zu sein. In diesem Monat geht es nicht nur um Handelskriege, die Investoren Sorgen bereiten: Geopolitische Bedenken im Nahen Osten, die Wirtschaftskrise in Argentinien, ein womöglich harter Brexit und soziale Unruhen in Hongkong – um nur einige Themen zu nennen. Die Panik beansprucht die Märkte, viele Kommentatoren sprechen von der nächsten globalen Rezession. Eine vorübergehende Umkehrung der US-Anleihezinskurve wurde von vielen als unheilvolles Zeichen für eine möglicherweise bevorstehende US-Rezession angesehen. Negative Bruttoinlandsprodukte in Großbritannien und Deutschland im zweiten Quartal 2019 wirken als Problembeschleuniger. Obwohl wir darauf verweisen, dass es in der Vergangenheit mehr Kurveninversionen als Rezessionen gegeben hat und die Inversion sowieso nur vorübergehend war. Es ist klar, dass sich die Aufmerksamkeit der Anleger und der Zentralbanker nun auf die Vermeidung der nächsten Krise konzentriert.

Die Diskussionen darüber, wie die nächste Krise vermieden werden kann, werden beim Jackson Hole Symposium noch in dieser Woche anschwellen. Auf der in Wyoming stattfindenden Konferenz tauschen Zentralbanker, Wissenschaftler und Ökonomen aus der ganzen Welt ihre Ansichten aus. In einer Phase von Handelskriegen und wetteifernden Währungsabwertungen stellt sich die Frage, ob die Zentralbanken bereit sind, eine globale Antwort zu geben, oder ob es im Ergebnis bei einer "Beggar-the-neighbour“ Politik kommt, die einem einzelnen Land auf Kosten anderer Länder hilft? Die Furcht vor Letzterem wird die Entschlossenheit des Marktes, defensive und schwer zu verwertende Hard Assets zu halten, noch einmal verfestigen. Da wir wissen, dass Handelskonflikte von bestimmten politischen Entscheidungsträgern an sich leicht gelöst werden können, besteht auch die Gefahr, dass es verfrüht sein könnte, wenn die Notenbanken den Markt mit Liquidität überschwemmen, da dies die Vermögenswerte weiter verzerren könnte. In dieser Phase der Unsicherheit greifen die Anleger zu Recht nach Absicherungsinstrumenten.

17 Billionen US-Dollar negativ verzinsliche Anleihen weltweit und die Angst vor einem konjunkturellen Abschwung könnten Investoren dazu veranlassen, nach alternativen Anlagen zu suchen. Rohstoffe sind wahrscheinlich eine Anlaufstelle. Obwohl einige davon im Fadenkreuz des Handelskrieges stehen, werden die Vorteile von Finanzinstrumenten, die durch harte Vermögenswerte gestützt werden, genau analysiert. Das Argument für Zero-Yielding-Assets wie Gold und Silber ist aus historischer Sicht stark, wenn die Alternativen dazu Assets mit negativen Erträgen sind.

Ergebnisse nach Sektoren:

  • Agrarrohstoffe stehen im Mittelpunkt des US-amerikanischen und chinesischen Handelskonflikts. Steigende Handelsspannungen in Verbindung mit besser als erwarteten Ernteprognosen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) haben die Performance der meisten Agrarrohstoffe im vergangenen Monat beeinträchtigt, mit Ausnahme von Sojaöl. Die Short-Positionierung bei den meisten Agrarrohstoffen mit Ausnahme von Sojaöl und Lean-Schweinen ist gestiegen und unterstreicht das Bären-Sentiment.
  • Edelmetalle waren eine Oase in der ausgetrockneten Wüste der Rohstoffe. Die defensiven Eigenschaften von Gold und Silber sind in verunsicherten Finanzmärkten gefragt, wo nicht absehbar ist, wie sich die Finanzmärkte entwickeln werden, wenn Handelskriege andauern und sich die Zentralbanken auf der ganzen Welt auf eine einfache politische Festlegung einstellen.
  • Industriemetalle stehen unter Druck angesichts des amerikanisch-chinesischen Handelskonflikts. Sie sind aufgrund ihres zyklischen Charakters in der Regel Konjunktureinflüssen gegenüber am empfindlichsten. Die erneute Eskalation der Handelskriege, die Stärke des US-Dollars und die Abschwächung der chinesischen Wirtschaft haben den Industriemetallkomplex belastet.
  • Globale Nachfragebedenken treiben die Energiepreise nach unten. Der Energiekomplex hatte einen negativen Monat, da schwache Wirtschaftsdaten und die Fortsetzung des Handelsstreits zwischen den USA und China Bedenken hinsichtlich einer geringeren Nachfrage über einen längeren Zeitraum aufkommen ließen.

Können wir einen holistischen Marketplace gründen, der als Vehikel für nachhaltige Produkte dient?

Die Interessen verschiedener Gesellschaftsschichten stehen häufig im Konflikt. Mit einem holistischen Marketplace, der sich Profiten zwar nicht verweigert, aber das Ziel hat, zum Vorteil Aller zu sein, wollen wir mit unserem Startup KayKay verschiedene Interessen vereinen, erklärt Martin Kreitl, Initiator von KayKay. Für dieses Konzept suchen wir derzeit mutige Investoren und Interessenten.

Digitale Kaufberatung durch KayKay

Das spezifische Ausgangsproblem, das unser Startup KayKay lösen möchte, hat jeder schon einmal erlebt. Man sucht im Internet ein passendes Produkt für ein Bedürfnis oder einen Konsumwunsch. Je nach Shopping-Charakter eines Menschen kann dies ein zeitaufwendiger und anstrengender Prozess sein. Am Ende bricht man den Such- oder Kaufprozess dann doch wieder ab, weil man sich von der Auswahl erschlagen fühlt und eine wirklich hilfreiche digitale Kaufberatung fehlt. Kein Wunder, denn neuropsychologische Studien belegten jüngst, dass das nahezu endlose Produktregal entscheidungstechnisch höchst ineffizient ist.

Insbesondere die Suche nach nachhaltigen Produkten im E-Commerce empfinden wir derzeit als nur sehr unzufriedenstellend gelöst.

Wir wollen deshalb einen skalierbaren Marketplace für nachhaltige Produkte erschaffen. Als nachhaltig definieren wir alle Produkte, die ein staatliches Umweltzeichen oder etabliertes Vereinszeichen tragen dürfen. Anstatt sich klassischerweise auf der Suche nach dem passenden Produkt durch einen schier endlosen Produktkatalog zu klicken, wird man bei KayKay durch ein mehrschichtiges KI-Beratungssystem zum passenden Produkt geführt, ohne dabei bevormundet zu werden.

Durch drei Features, die dem Nutzer das Auffinden und Aussuchen von Produkten vereinfacht, hebt sich KayKay von anderen Produktkatalogen zusätzlich ab:

  1. Das grundlegendste Feature unseres mehrschichtigen Beratungssystems sind die authentischen Produktkarten. Jede Produktkarte besitzt umfassende Informationen zum Produkt. Über unsere Smartphone-App kann zusätzlich jeder ein Video zu einem Produkt erstellen. So kann ein Handwerker, der sich mit nachhaltigen Wandfarben auskennt, das jeweilige Produkt in einem Video rezensieren; oder eine Beauty-Bloggerin kann mit dem Smartphone ein Produkt aus der Bio-Kosmetik in einem Video vorführen. Ein solches Video lässt es zu, dass ein potentieller Käufer einen schnelleren und authentischeren Eindruck über das jeweilige Produkt gewinnen kann als dies beispielsweise durch reine Fotos oder geschriebene Rezension der Fall wäre.
  2. Das nächste Feature ist das Produkt-Clustering ähnlich einer Google Maps Karte. Durch unseren speziellen Clustering-Algorithmus lässt sich aus einer Produkt-Datenbank eine virtuelle Produktwelt erstellen, bei denen statt Häuser in einer Stadt Produktkarten in mehreren Subclustern zu sehen sind, die zusammen ein großes Sortimentcluster ergeben. Sucht man nun ein Produkt oder mehrere Produkte einer Nische, so wird man zum jeweiligen Produkt oder Subcluster hinein gezoomt und kann sich die Produkte genauer ansehen und vor allem deren Relationen zueinander intuitiv nachvollziehen.
  3. Das dritte Feature ist das Quartettkartenspiel zur Produktauswahl. Dabei können maximal 16 Produkte für ein Quartettkartenspiel ausgewählt werden. Es müssen jedoch nicht zwingend 16 Stück ausgewählt werden. Die restlichen Produkte werden durch unseren DeepLearning-Algorithmus aus den Gemeinsamkeiten der bisher ausgewählten Produkte ergänzt. Dann spielt man ein Produkt gegen ein anderes Produkt und entscheidet sich für das besser Zusagende bis ein Siegerprodukt übrig bleibt. Auf diese Weise lasst sich auf transparente Weise ein Entscheidungsprozess begleiten.

In drei Schritten vom Affiliate über einen Marketplace zur Genossenschaft

Um KayKay am Markt zu etablieren leiten wir in Phase 1 (Pre-Seed) des Geschäftsmodells von unserer Plattform per Affiliate-Links zu den jeweiligen Shops von nachhaltigen Herstellern (z.B. Weleda, Hess Natur) weiter, auf denen ein nachhaltiges Produkt gekauft werden kann und erhalten im Falle eines Kaufs eine Affiliate-Provision. In Phase 2 werden wir zum dann Marketplace. Wir entwickeln eine Schnittstelle, bei der überregionale sowie lokale Hersteller oder Händler von nachhaltigen Produkten sich bei uns anmelden und seine Produkte anbieten kann.

Die eigentliche Vision, die uns jedoch antreibt, ist ein holistisches System nach dem Vorbild des lange verschollenen Buches »Solidarismus: Natürliche wirtschaftliche Erlösung des Menschen« von Rudolf Diesel. Rudolf Diesel schlug bereits 1903, sehr grob zusammengefasst und auf heute übertragen, eine Genossenschaftsbank vor, in die jedes Mitglied beispielsweise 1€ pro Monat, also 12€ pro Jahr, einzahlt. Bei beispielsweise 10 Millionen freiwilligen Mitgliedern kommen so jedes Jahr 120 Millionen Euro in die Kassen. Dieses Geld wird einzig und allein dafür verwendet, denjenigen Menschen, die unternehmerische Ideen umsetzen wollen und dafür einen Kredit bei einer anderen Bank beantragen wollen, die Bürgschaft zu übernehmen. Dieses Geld würde also nur gebraucht werden, wenn eine Bürgschaft tatsächlich in Anspruch genommen werden müsste. Ansonsten könnte es möglicherweise gar am Anleihenmarkt sehr langfristig angelegt werden. Im Gegenzug zur Bürgschaft verpflichtet sich der Kreditnehmer bei Erfolg seiner Unternehmensidee seine Produkte an die Mitglieder der Bank (für eine gewisse Zeit oder eine gewisse Stückzahl) zum Selbstkostenpreis zu verkaufen. Selbstverständlich können hierbei die Produkte auch an Menschen außerhalb der Bank zu einem im Markt konkurrenzfähigen Preis verkauft werden.

In Phase 3 wollen wir deshalb mit einer Bank kooperieren. Zunächst können Menschen, die die digitale Plattform KayKay gut finden und gerne nutzen, für einen Jahresbetrag, beispielsweise 12€ oder auch 50€, Mitglied unserer Genossenschaft werden. Dafür erhalten sie einige Vorteile auf der Plattform und vor allem Zugang zu allen Produkten, die im Selbstkostenpreis-Programm entstehen. Will nun beispielsweise jemand eine kleine fast vollautomatisierte Schuhfabrik mit 3D-Drucker in Deutschland aufbauen und einen Kredit in Höhe von beispielsweise 10 Millionen Euro bei einer Kreditbank beantragen, so würde KayKay die dafür benötigte Bürgschaft übernehmen, sofern gewisse Auswahlkriterien erfüllt sind. Diese Fabrik würde nun beispielsweise Schuhe aus recyceltem Plastik produzieren und im freien Markt für 50€ verkaufen. Mitglieder der Genossenschaft würden diese Schuhe für einen Selbstkostenpreis erhalten, der vielleicht bei 5€ liegen würde.

Auf diese Weise würde sich ein holistisches System kreieren lassen, welches sowohl ökologisch als auch sozial nachhaltig agiert und innovative Ideen fördert.

Wir wollen mit KayKay holistischen Marketplace gründen, der sich Profiten zwar nicht verweigert, aber das Ziel hat, zum Vorteil Aller zu sein.

Für dieses Konzept suchen wir derzeit mutige Investoren und Interessenten.


Über den Autor

Martin Kreitl ist Initiator von KayKay und wird künftig als Geschäftsführer die Vision von KayKay voranbringen. Gleichzeitig übernimmt er das User Experience Design. Er absolvierte ein Diplom als Designer (Visuelle Kommunikation) an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main und ein Auslandssemester and der Zürcher Hochschule der Künste im Master »Transdiziplinarität«.
Mail: servus@kaykay.app
Web: martinkreitl.com 

Teammitglieder

Elisabeth Keck wird die Rolle des CFO übernehmen und damit betriebswirtschaftliche und juristische Fragestellungen verantworten. Sie absolvierte zunächst ein Diplom (FH) in Biotechnologie, dann ein Diplom (FH) in Wirtschaftsingenieurwesen und befindet sich nun in den letzten Zügen ihres juristischen Staatsexamens.

Michael Zitzelsberger übernimmt die Rolle des CTO und damit die Erstellung und Weiterentwicklung der Software und Systemarchitektur. Er absolvierte ein Diplom (FH) in Informatik. Er arbeitete als Freiberufler für Kunden wie beispielsweise Audi und Skoda.

Hanf, Nachhaltigkeit und die Weltklimaziele

Der Klimawandel hat Auswirkungen auf sämtliche Weltregionen. Es bedarf neben den globalen Handelswegen und der aktuellen Thematik um Freihandelsabkommen unbedingt regionale, nachhaltige Wertschöpfungsketten, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Aber was kann Hanf in dieser komplexen Sachlage bieten?

Das Eis der Polkappen schmilzt ab, der Meeresspiegel steigt. In einigen Regionen kommt es häufiger zu extremen Wetterereignissen und zunehmenden Niederschlägen, während andernorts verstärkt extreme Hitzewellen und Dürren auftreten. Im Juli wüteten Großfeuer nahe des Nordpols in Russland und Kanada. Gegenwärtig brennt es flächendeckend um den Äquatorraum: Sowohl in der Amazonasregion als auch im Süden des afrikanischen Kontinents. Indonesien verlegt für veranschlagte 30 Milliarden Dollar die Hauptstadt von Jakarta nach Borneo, um den Gefahren des steigenden Meeresspiegels entgegenzuwirken.

Die nötigen globalen Gegenmaßnahmen sind umfassend. Sie beinhalten, unter anderem, die Reduktion von Treibhausgasemissionen, petrochemischen Kunststoffen, und der industriellen Massentierhaltung; den Schutz von Forst bzw. Waldbeständen; und die Nutzung erneuerbare statt fossiler Energie. Um die Versorgung und Sicherheit zukünftiger Generationen jedoch sicherzustellen, bedarf es neben den globalen Handelswegen und der aktuellen Thematik um Freihandelsabkommen unbedingt regionale, nachhaltige Wertschöpfungsketten.

Was kann Hanf in dieser komplexen Sachlage bieten?

  • Hanf ist ein regionaler Bio-Rohstoff mit unzähligen Verwendungszwecken:
    Infrastrukturprojekte, beispielsweise, bleiben bei wachsender Weltbevölkerung unabdingbar. Biobasierte Baustoffe können ein Beitrag zum Klimaschutz leisten. Zum einen speichern sie CO2, das die Hanf-Pflanzen im Wachstum aufgenommen haben, in Form von Kohlenstoffverbindungen für vergleichsweise lange Zeiträume, zum anderen ist der Energieaufwand zur Herstellung häufig gering. So haben Hanffasern einen Energiebedarf zur Herstellung von ca. 10 MJ/kg, Glasfasern benötigen ca. 55 MJ/kg und Carbonfasern ca. 130 MJ/kg.
  • Hanf hat Potenzial, Waldflächen zu schützen:
    In Brasilien wird u.a. Brandrodung für die Erschließung landwirtschaftlicher Fläche betrieben. Diese Flächen werden zumeist für die Nutztierhaltung als auch für die Produktion von Soja-Protein als Futtermittel verwendet. Hanf bietet ein besser verträgliches Protein als Soja und wächst überregional. Hanf liefert somit ein regionales veganes Protein, welches in der zukünftigen Welternährungsfrage eine Schlüsselrolle spielen kann. Des Weiteren werden noch immer Waldflächen zur Herstellung von Papier und Verpackungsmaterial gerodet, obwohl Hanf um ein Vielfaches schneller wächst und funktionalere Fasern bietet.

Mit der Legalisierung der Nutzhanfindustrie im Dezember 2018 in den USA beginnt nun eine ökologische Trendwende. Einerseits verspricht die Industrialisierung umfassendes Wachstum, andererseits einen möglichen Umweltschutz. In Hanf zu investieren bedeutet in die Zukunft zu investieren.


Über die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG

Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. „Der Clou an unserem Business ist die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit, Vielfältigkeit und Wachstumschance der Hanfpflanze,“ erklärt Daniel Stehr. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen finden Sie auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 10 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Ein natürliches Heilmittel wird zu einem neuen Milliardenmarkt

Die Wirtschaftsprognosen sind atemberaubend. So stellen verschiedenste Analysten fest, dass der gegenwärtige CBD-Markt bereits Milliardenumsätze generiert und eine Vervielfachung in den nächsten Jahren wahrscheinlich ist, erklärt Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc.

CBD steht für Cannabidiol – eines von über hundert pflanzlichen Cannabinoiden aus der Hanf-Pflanze, zu denen auch das allgemein bekanntere Cannabinoid THC (Tetrahydrocannabinol) zählt. Darin befinden sich neben pharmazeutisch vielversprechenden Cannabinoiden auch wirksame Terpene (ätherische Öle).

Die Lebensmittelindustrie ringt gegenwärtig noch mit der Pharmaindustrie um die Lizenzierung dieses biologischen Präparats. So wird auf Politischer Ebene debattiert, bis zu welcher Wirkstoffintensität das Präparat frei verkäuflich vertrieben werden darf und ab wann ein pharmazeutischer Vertrieb nötig ist.

Die WHO (World Health Organization) hat CBD bereits als unbedenklich eingestuft; somit gäbe es kein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial.

Aber was verspricht sich die Industrie von der Beimischung von CBD in Getränken, Nahrungsmitteln und Arznei? Eine ganze Menge!

Die vielfältigen positiven Eigenschaften des non-psychoaktiven, also nicht berauschenden, Cannabinoids lassen sich hervorragend vermarkten. Große Teile der Weltbevölkerung könnten von dem Wirkungsspektrum profitieren.

 CBD wirkt:

  • Analgetisch - schmerzstillend bzw. lindernd
  • Antiinflammatorisch - Entzündungshemmend
  • Antioxidativ – Radikalfänger von schädlichen freien Radikalen
  • Neuroprotektiv – Schutz von Nervenzellen und Nervenfasern
  • Antikonvulsiv – Anti-Epileptisch, krampflösend
  • Antiemetisch – Brechreiz und Übelkeit lindernd
  • Antiproliferativ – Anti Gewebe-vermehrend
  • Autophagie steigernd –   Abbau und Verwertung von fehlerhaften Zellen
  • Anxiolytisch – Angst- bzw. Anspannungslösend
  • Antipsychotisch – gegen Psychose wirkend
  • Immunsupressiv - immunologische Reaktion unterdrückend
  • Antibakteriell – gegen Bakterien wirkend
  • Knochenstimulierend – Knochen aufbauend
  • Antidiabetisch – gegen Diabetes wirkend
  • Schlaffördernd
  • Haut protektiv
  • und viel mehr

Eine Vielzahl von vielversprechenden Unternehmen forscht an dem Bio-Präparat, um verschiedenste Produkte zu entwickeln und am Markt zu etablieren. Die Produktpalette ist bereits beachtlich und wächst stetig - die ursprüngliche Hanfblüte wird in facettenreiche Formen gewandelt.

Pharmazeutisch lassen sich verschiedenste Szenarien zur Verwendung von CBD etablieren. Auch als Genuss- oder Nahrungsergänzungsmittel erfreut es sich größter und weiterwachsender Beliebtheit.


Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 9 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Made in Africa – Freihandelsabkommen bietet Chancen für kleine Unternehmen

Abseits des Rampenlichts von weltwirtschaftlich prominenten Themen wie Brexit und Handelskonflikt haben 54 von 55 afrikanischen Ländern ein Freihandelsabkommen ratifiziert. Das Abkommen wird mit dem Inkrafttreten im Jahr 2020 die wirtschaftlichen Spielregeln auf dem Kontinent nachhaltig verändern und einen riesigen einheitlichen Binnenmarkt schaffen. Von diesem werden voraussichtlich sowohl kleine und mittelständische Unternehmen als auch Investoren profitieren können.

„Das Hauptziel des Abkommens ist es, Handelsbarrieren in Afrika abzubauen, um eine Freihandelszone mit großem Potenzial für Unternehmen zu schaffen“ sagt Yann Groeger, Regional Manager Afrika bei BlueOrchard. „Gerade die aufstrebende Mittelschicht Afrikas und eine wachsende junge Bevölkerung dürften von diesem Abkommen profitieren. Schon heute leben auf dem Kontinent 1,2 Milliarden Menschen; in 80 Jahren werden es laut Bevölkerungsforscher 4 Milliarden sein, verglichen mit schätzungsweise 5 Milliarden Menschen in Asien. Laut der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) wird sich dadurch auch die Produktionsleistung von 500 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 auf 930 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 nahezu verdoppeln. Das stellt einen gewaltigen neuen Markt dar, auch für Investoren.

Zollabbau als Katalysator für den afrikanischen Binnenhandel

Trotz der vielerorts fehlenden Infrastruktur und oft hohen Kosten für den Transport von Waren, zieht der afrikanische Binnenhandel weiter an. Seit dem Jahr 2010 hat sich der Anteil bereits um 20 Prozent erhöht – mit steigender Tendenz. Das Freihandelsabkommen wird wohl einen rapiden Zollabbau auslösen, von dem vor allem Klein- und Mikrounternehmen profitieren dürften. Dafür müssten jedoch die richtigen Anreize, wie zum Beispiel die Teilnahme an der Governance der Produktion, gesetzt werden. Wie der UNCTAD-Report berichtet, wird das Abschaffen der Zollbarrieren Kleinstunternehmen die Möglichkeit bieten, Teil von regionalen Wertschöpfungsketten zu werden und damit deutlich mehr abzusetzen.

Das klingt zwar noch sehr theoretisch, weist aber bereits Erfolge auf: Am Beispiel von Tee hat sich in Kenia gezeigt, wie auf nationaler Ebene kleine landwirtschaftliche Betriebe in die Wertschöpfungskette eingebunden werden können. Durch das Erhöhen des Anteils in der Verarbeitungs- und Vermarktungsphase erhalten die Landwirte in den Teefabriken mehr Mitspracherecht. Sie stellen etwa 70 Prozent der inländischen Teeproduktion bereit, wovon schätzungsweise rund 500.000 Haushalte leben können. Dies sind erfolgreiche Strukturen, die aufgrund des Freihandelsabkommens auf regionaler Basis weitergedacht werden können, beispielsweise durch das Erweitern auf die umgebenden Länder Kenias wie Uganda, Ruanda oder Tansania. Ähnliche Situationen finden sich in der Kakao-, Baumwoll- oder Getreideproduktion. Dies könnte mittel- bis langfristig für Investoren interessante Anlagemöglichkeiten bieten.

Durch den Beschluss und die Ratifizierung des afrikanischen Freihandelsabkommens ist bereits viel auf den Weg gebracht worden. Allerdings müssen noch einige entscheidende Details des Abkommens ausgearbeitet werden. Ein heikles Thema sind vor allem die Ursprungsregeln, die definieren, welche „Staatsangehörigkeit“ ein Produkt hat. Aber eines dürfte sicher sein: Afrika wächst durch diesen Beschluss zusammen.“


Über BlueOrchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges,integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 6 Mrd. USD in 80 Schwellen- und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter UCITS- sowie alternativer Investmentfondsmanager (AIFM). Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com

Gold könnte bei dauerhaft erhöhten geopolitischen Risiken auf über 1800 US Dollar steigen

von Nitesh Shah, Director – Research, WisdomTree.

Der Goldpreis hat in den vergangenen zwei Monaten um 14 Prozent zugelegt. Der Zuwachs geht mit einem plötzlichen Renditerückgang bei US-Staatsanleihen und einer verstärkten Nachfrage nach sicheren Anlagen einher. Wie wir in unserer Analyse „Goldmarkt als Maß aller Dinge“ausführten, haben die steigenden Spannungen zwischen den USA und China in Form von Handels- und Währungskonflikten auf dem Markt für Nervosität gesorgt, wodurch sich wiederum die Nachfrage nach sicheren Anlagen erhöht hat. Sowohl der Markt als auch die Trump-Regierung scheinen die US-Notenbank (Fed) zum Handeln gezwungen zu haben. Die Zornanfälle auf dem Markt haben die Entscheidungen der Fed klar beeinflusst: Die Zentralbank passte ihren geldpolitischen Kurs an, nachdem die Aktienmärkte zu Beginn dieses Jahres ins Wanken geraten waren. Die unentschlossene Vorgehensweise der Trump-Regierung beim Krisenthema Handel hat ebenso dazu geführt, dass die Fed eine Zinssenkung, quasi als „Versicherung“, durchgeführt hat. Die Fed Fund Futures zeigen, dass die Marktteilnehmer weitere Zinssenkungen im Laufe des Jahres erwarten, und dies wird die Renditen von US-Staatsanleihen voraussichtlich auf einem niedrigen Niveau halten. 

Der Ausblick auf die Wirtschaft, die Zinsen und die Währungskurse hat sich seit der Veröffentlichung unseres Goldausblicks im vergangenen Monat ganz offensichtlich verändert. Im Folgenden bieten wir einen aktualisierten Ausblick für das Edelmetall und fokussieren uns auf ein Szenario, in dem die Unsicherheit im geopolitischen Bereich und auf den Finanzmärkten auf einem erhöhten Niveau verbleibt.

Prognose des Basisszenarios

Unserer neuen Prognose für das Basisszenario zufolge steigt der Goldpreis im zweiten Quartal 2020 auf 1550 US Dollar pro Unze – ein Plus gegenüber einem Wert von 1500 US Dollar Mitte August 2019. Diese Prognose basiert darauf, dass die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen und der US-Dollar-Korb sich auf ihren aktuellen Ständen von 1,65 Prozent bzw. 97 halten. Unseren Erwartungen nach wird die Inflation bei rund 1,8 Prozent liegen. Obwohl ein negativer Preisdruck unseres Erachtens nicht unmittelbar bevorsteht, wäre eine über diesem Stand liegende Inflation nicht mit den Zinssenkungen der Fed vereinbar. Den Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zufolge befindet sich die spekulative Positionierung auf dem Markt für Goldtermingeschäfte mit 346.000 Kontrakten netto long auf einem stark erhöhten Niveau. Dieser Stand liegt nur knapp unter dem Allzeithoch von 348.000 Kontrakten netto-long vom Juli 2016. Die Marktstimmung hat sich bei Gold innerhalb kurzer Zeit sehr schnell geändert. Im November 2018 war die Stimmung bei dem Metall so schwach, dass die spekulative Positionierung netto short ausfiel. Da sich die Positionierung nie lange auf einem so hohen Stand wie dem heutigen gehalten hat, fahren wir die Positionierung in unserem Basisszenario auf bescheidenere 120.000 Kontrakte netto long zurück.

Abbildung 1: Goldpreisprognose

 
Quelle: WisdomTree Model Forecasts, Bloomberg Historical Data, Daten verfügbar bis Schlusskurs vom 13. August 2019. Prognosen sind kein Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Was, wenn sich die spekulative Positionierung auf einem hohen Niveau hält?

In unserem Basisszenario sind wir konservativ und senken die spekulative Positionierung auf einen Stand, der sich am langfristigen Durchschnitt orientiert. Doch was, wenn die spekulative Positionierung bis ins zweite Quartal 2020 so hoch bleibt wie heute (also bei 346.000 Kontrakten netto long)? Unser Modell zeigt, dass dies die Goldpreise auf fast 1815 US Dollar pro Unze. treiben würde.

Abbildung 2: Spekulative Positionierung in Goldfutures


Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Stand der Daten: 13. August 2019. Schätzungen sind kein zuverlässiger Indikator für die zukünftige Performance und alle Investments beinhalten Risiken und Unsicherheiten.

Mehrere geopolitische und finanzielle Risiken haben die Positionierung in Gold auf ein erhöhtes Niveau getrieben:

  • Die Handelsgespräche zwischen den USA und China sind zum Stillstand gekommen, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit eines größeren Protektionismus zwischen den beiden wirtschaftlichen Supermächten erhöht.
  • Die Befürchtungen des Markts, dass die Fed bei angespannten Arbeitsmärkten und einer nicht nachgebenden Inflation mit einer Lockerung der Geldpolitik einen Fehler begeht.
  • Die steigende Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits unter dem neuen britischen Premierminister.
  • Zunehmende Kontroversen im Nahen Osten, da der Iran die Anreicherung von Uran über den im Rahmen des Nuklearabkommens erlaubten Mengen fortsetzt. Angriffe auf Frachtschiffe um die Straße von Hormus – die von einem Drittel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls passiert wird – haben die Spannungen in der Region nach der Verhängung von Strafsanktionen gegen Teheran durch die Trump-Regierung zusätzlich verschärft.
  • Die argentinische Wirtschaft und die Aktien-/Anleihenmärkte befinden sich erneut in der Krise, was Ängste über einen größeren Ausverkauf im Bereich Emerging Markets verbreitet.
  • Erneut aufflammende politische Unsicherheit in Italien aufgrund eines Misstrauensantrags gegen den amtierenden Premier.

Politische Unruhen in Hongkong, wo der Widerstand gegen ein Auslieferungsgesetz, nach dem das Gerichtsverfahren gegen mutmaßliche Straftäter in Festlandchina vollzogen werden könnte, Forderungen nach breiteren demokratischen Reformen ausgelöst hat.

Obwohl viele dieser Probleme theoretisch schnell gelöst werden könnten, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dies in der Praxis nicht der Fall sein wird. Die Handelsgespräche zwischen den USA und China laufen beispielsweise bereits seit mehr als zwei Jahren ohne klare Lösung, da die Erwartungen beider Seiten offenbar viel zu weit voneinander entfernt liegen. Es ist nicht klar, was für eine Annäherung der beiden Seiten sorgen könnte. Auch beim Brexit scheint es sich um ein unlösbares Problem zu handeln – die Einzelheiten des von der vorherigen britischen Premierministerin May verhandelten Abkommens sind für die derzeitige Regierung unter Johnson unannehmbar und die Europäische Union ist nicht willens, die wichtigsten Stolpersteine zu verhandeln. Da der Iran sich offensichtlich in der politischen Isolation befindet, scheinen die Chancen höher, dass das Land sein Säbelrasseln fortsetzen wird, als sich den Forderungen der USA zu beugen.

Falls sich die geopolitische Lage weiter verschlechtert, könnte die spekulative Positionierung sogar noch weiter steigen. Sollte die Positionierung auf 400.000 Kontrakte netto long ansteigen, könnte der Goldpreis unserem Modell zufolge auf 1875 US Dollar/Unze zulegen – nur einen Hauch unter dem Goldpreis-Allzeithoch von 1900 US Dollar/Unze vom 5. September 2011.


Nitesh Shah, Director Research

beim auf ETPs spezialisierten US-Vermögensverwalter WisdomTree.
Nitesh Shah ist Director im Researchteam von WisdomTree. Zuvor war er bei ETF Securities als Commodities Strategist tätig, bevor das Unternehmen im April 2018 von WisdomTree übernommen wurde. Shah ist bereits seit 16 Jahren als Ökonom und Stratege tätig. Seine Erfahrung reicht über ein breites Spektrum an Märkten und Anlageklassen.
Bevor Shah zu ETF Securities kam, arbeitet er als Ökonom für europäische strukturierte Finanzmärkte bei Moody's Investors Service und ist dort Mitglied des globalen Makroökonomie-Teams. Zuvor ist er als Wirtschaftswissenschaftler beim Pension Protection Fund und als Aktienstratege bei Decision Economics tätig. Shah startet seine Karriere bei der HSBC Investment Bank.
Shah absolvierte ein Bachelor-Studium an der renommierten London School of Economics und hält einen Master of Arts in International Economics and Finance der Brandeis University (USA).

Wichtige Informationen

Dieses Material wurde von WisdomTree und seinen verbundenen Unternehmen erstellt und soll nicht für Prognosen, Research oder Anlageberatungen herangezogen werden. Zudem stellt es weder eine Empfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren oder zur Übernahme einer Anlagestrategie dar. Die geäußerten Meinungen wurden am Herstellungsdatum getätigt und können sich je nach den nachfolgenden Bedingungen ändern. Die in diesem Material enthaltenen Informationen und Meinungen wurden aus proprietären und nicht proprietären Quellen abgeleitet. Daher übernehmen WisdomTree und seine verbundenen Unternehmen sowie deren Mitarbeiter, Führungskräfte oder Vertreter weder die Haftung für ihre Richtigkeit oder Zuverlässigkeit noch die Verantwortung für anderweitig auftretende Fehler und Auslassungen (einschließlich Verantwortlichkeiten gegenüber einer Person aufgrund von Fahrlässigkeit). Die Verwendung der in diesem Material enthaltenen Informationen erfolgt nach eigenem Ermessen des Lesers. Wertsteigerungen in der Vergangenheit lassen keinen Schluss auf zukünftige Ergebnisse zu.

Negativ-Rückkopplung treibt Safe Haven Assets an

von Aneeka Gupta, Associate Director beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Das Spiel zwischen Trump, China und der US-Notenbank (Fed) führt zu einer negativen Rückkopplungsschleife, die dazu führen dürfte, dass Anlagen wie Gold und Silber im Laufe des Jahres 2019 weiter hoch notieren. Trumps Ankündigung, die Zölle auf die verbleibenden chinesischen Waren im Wert von 300 Mrd. US-Dollar ab dem 1. September 2019 auf 10 Prozent zu erhöhen, hat die Finanzmärkte erschüttert und den Weg für einen signifikanten Marktverkauf geebnet. Die Ankündigung erfolgte zufällig einen Tag nach der Sitzung des Federal Open Market Committee (BOMK) vom 30. bis 31. Juli 2019. Wie erwartet senkte die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte (bps) und beendete das Programm der Quantitativen Straffung. Die eigentliche Überraschung gab es auf der Pressekonferenz nach der Sitzung, auf der der Fed-Vorsitzende Jay Powell kämpferisch auftrat, als er auf die Zinssenkung nur als "zyklische Anpassung der Politik" und "nicht als Beginn einer langen Serie von Zinssenkungen" anspielte und damit die Aussicht auf weitere Zinssenkungen dämpfte. Powell nannte auch die Handelsunsicherheiten als eine der drei Säulen, die zur Entscheidung über die Senkung der Quartalspunkte führten.

Trumps Ankündigung einer Zollerhöhung für chinesische Waren ist höchstwahrscheinlich eine Taktik, die von ihm verwendet wird, um die Fed zu veranlassen, die Zinsen weiter zu senken. Diese zielt darauf ab, den Schlag auf das US-Wirtschaftswachstum abzumildern, während Trump den Einsatz gegen China erhöht. Gleichzeitig ist China entschlossen, die führende Wirtschaftsmacht der Welt zu sein und wird sich von Trump nicht aufhalten lassen. Als Reaktion auf Trumps Zollankündigung hat die chinesische Regierung staatliche Unternehmen angewiesen, die Einfuhr von US-Agrarprodukten einzustellen und hat den chinesischen Yuan abgewertet. China ist sich auch strategisch des übergreifenden Ziels von Trump bewusst - die US-Präsidentschaftswahlen 2020 zu gewinnen, und wird wahrscheinlich eine härtere Handelsposition einnehmen, um Trumps Chancen auf den Sieg zu verringern. Die Realität ist, dass das US-Wirtschaftswachstum bisher stabil erscheint.

Der jüngste Beschäftigungsbericht bestätigt, dass sich die US-Verbraucher weiterhin in einer stabilen Verfassung befinden, sich aber das Wachstum der Arbeitsplatzschaffung verlangsamt. Das Lohnwachstum bleibt gedämpft und der PCE Core Deflator liegt bei 1,6 Prozent im Jahresvergleich (yoy), was die letzte Zinssenkung der USA rechtfertigt. Wir glauben, dass die Fed nur dann wieder zum Handeln gezwungen sein wird, wenn sich die Verschlechterung des Welthandels sich auf die US-Wirtschaft auszuwirken beginnt. Dies scheint wahrscheinlich zu sein, da die US-Regierung und die chinesische Regierung in der Handelspolitik eine harte Haltung einnehmen.

Die Goldpreise notieren auf einem 6-Jahres-Hoch, da sich die Spannungen zwischen den USA und China verschärfen. Die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit im Welthandel belebt den Safe-Haven-Status von Gold und steht weiterhin im Vordergrund der Anleger. Dies zeigt sich an den Netto-Positionierungsdaten für spekulative Futures auf Goldfutures, die nun bei 292.847 Kontrakten liegen - mehr als eine Standardabweichung über ihrem Fünfjahresdurchschnitt, so die Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Zudem beliefen sich die Netto-Notenbankkäufe im ersten Halbjahr 2019 auf 374,1 Tonnen, 57 Prozent mehr als im Vorjahr und den höchsten Stand seit ihrer Aufnahme als Nettokäufer im Jahr 2010 nach Angaben des World Gold Council (WGC).

Diese Rekordkäufe der globalen Zentralbanken unterstreichen die Notwendigkeit, ihre Reserven vom US-Dollar weg zu diversifizieren. Der Kauf von Gold durch die Zentralbank ist in der Regel das klebrigere Geld und darf nicht unterschätzt werden. Gold steht auch in umgekehrter Relation zum US-Dollar, und wir erwarten, dass sich die weitere Schwäche des US-Dollars entfalten wird. Dies ist auf den zusätzlichen Druck von Trump auf die Fed, den reduzierten Renditevorteil des Dollars gegenüber Alternativen außerhalb des US-Dollar und die Ausweitung der Staatsverschuldung zurückzuführen ist, die mit dem Wirtschaftswachstum der USA überproportional wachsen wird. Die historische Verwendung von Silber als Währung, ein Mittel zur Werterhaltung und seine starke Korrelation zum Halten (fast 80 Prozent) in den letzten zehn Jahren sprechen dafür, dass Silber inmitten des volatilen Marktumfelds auf der Erfolgswelle des Goldes mitschwimmen wird.

Sprudelnde Steuereinnahmen, gesellschaftliche Vorzüge und vielversprechende Investitionen

Die globale Prohibition von Cannabis bröckelt, so Daniel Stehr, Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Großteile Nordamerikas und Europas sowie Teile Südamerikas und Asiens nutzen Medical Cannabis. 11 Staaten der USA sowie Kanada haben auch die Genussmittel-Anwendung von Cannabisblüten für Erwachsene legalisiert. 

Allen voran Colorado, der westlich-zentral-amerikanische Bundesstaat hat bereits 2014 Cannabis vollumfänglich legalisiert. Das bedeutet neben der medizinischen Anwendung auch den Erwachsenen Konsum als Genussmittel staatlich reguliert.

Für den Bundesstaat Colorado könnte es nach dieser Entscheidung kaum besser laufen. Seit 2014 wurden Cannabis-Produkte im Wert von ca. 6 Milliarden Dollar verkauft, allein im vergangenen Jahr 2018 wurden 1,5 Milliarden Dollar umgesetzt. Das resultiert in Steuereinnahmen von 266,5 Millionen Dollar, summiert über 1 Milliarde Dollar Steuereinnahmen in den 4 Jahren seit der Legalisierung. Colorado hat 6 Millionen Einwohner – miteinbezogen sind Anreihen-Staaten und Tourismus.

Laut seriösen Statistiken sinkt die Zahl der jugendlichen Konsumenten stetig. Die legale Cannabis-Industrie verkauft das Genussmittel für Erwachsene in Fachgeschäften, sogenannten Dispensaries. Die Zahl der Schwarzmarkt-Dealer, die keinen Jugendschutz einhalten, sinkt. Das Interesse und der Reiz an dem nun legalen Cannabis nehmen scheinbar ab. Es gibt weitergehend weder eine steigende Anzahl von Verkehrsunfällen noch von anderen Ordnungswidrigkeiten oder Verbrechen.

Für Deutschland locken, laut einer renommierten Studie von Prof. Dr. Justus Haucap, Steuereinnahmen in Höhe von mindestens 2.66 Milliarden Euro jährlich sowie zehntausende legale, neue Arbeitsplätze. Weitergehend fiel ein beträchtlicher Aufwand für Justiz- und Polizeiapparat nicht mehr an.

Auch bei unseren Nachbarn gibt es volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Zustimmung. Da die bisherige, restriktive Gesetzgebung in Frankreich ihre Wirkung verfehlt habe, plädieren Experten des renommierten Rats für Wirtschaftsanalysen CAE (conseil d’analyse économique) für die Legalisierung von Cannabis. Der Rat ist direkt dem Premierminister Frankreichs unterstellt und soll der Regierung bei politischen Entscheidungen helfen. Das bisherige System von Verboten in Frankreich, das seit 50 Jahren gefördert werde, sei ein Misserfolg, so die Autoren. Trotz einer der strengsten Gesetzgebungen in der EU gehöre Frankreich zu den größten Konsumenten von Cannabis. Das Land könne bei einem jährlichen Konsum von 500 bis 700 Tonnen Cannabis Steuereinnahmen von bis zu 2,8 Milliarden Euro erzielen. Zudem entstünden auch hier die erwähnten positiven Eigenschaften für die Gesellschaft.

Neben der pharmazeutischen Anwendung und der Verarbeitung als Bio-Rohstoff, bringen die möglichen massiven Steuereinnahmen der Genussmittelbranche eine politische Entwicklung in Schwung, die der Legalisierungs-Thematik und der Hanf-Industrie weitergehende Kraft verleiht.

Schätzungen gehen von einem jährlichen globalen Genussmittel-Cannabis-Umsatz von 344 Milliarden Euro aus. Es wäre wünschenswert, diese seit Jahrzehnten ohnehin bestehende Schwarzmarkt-Industrie in eine legale, steuerzahlende Industrie zu wandeln. Wie das funktioniert, zeigen uns bereits Teile Nordamerikas.


Die ws-hc Stehr & Co Hanf Consulting UG recherchiert und analysiert das gesamte Potenzial des vielseitigen Anlageuniversums der globalen Hanf-Industrie. Zur Risikodiversifikation einer Investition in die Hanfbranche, bedarf es einer breiten Streuung in die Wertschöpfungskette des Hanfs: Anbau, Lizenzen & Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie. Der erste deutsche aktiv gemanagte Hanf Aktienfonds ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global (WKN A2N84J) bietet seit dem 3.12.2018 eine mögliche Investmentlösung an. Weitere Informationen auf ws-hc.de.

Über Daniel Stehr

Daniel Stehr ist Geschäftsführer und Initiator der ws-hc. Bereits Ende der 90`er Jahre hat Herr Stehr seine ersten internationalen Erfahrungen mit dem Handel der bekannten Titel der New Economy (NASDAQ Chicago) sammeln dürfen. Seit nun zwei Jahrzehnten hat er sich seine Expertise in der nationalen und internationalen Finanzbranche aufgebaut. Im Kundenauftrag hat Herr Stehr bereits zahlreiche Investitionen in die Hanf-Branche Nordamerikas begleitet.

Dies ist Teil 8 der Serie von ws-hc. Weitere Teile finden Sie hier:

Fed hält die Tür für weitere Zinssenkungen offen

Zum gestrigen FOMC Meeting ein Kommentar von Kevin Flanagan, Senior Fixed Income Strategist bei WisdomTree:

"Endlich hat das Federal Open Market Committee (FOMC) der US Notenbank Fed getan, was weithin erwartet wurde und den Leitzins um einen Viertelpunkt gekürzt. Die Fed gab zudem bekannt, dass sie ihre Bilanzreduzierungen im August, zwei Monate früher als bislang angekündigt, beenden würde. Angesichts der für die Fed typischen Sprachwahl, der „Fed Speak“, den sich ändernden Markterwartungen und der jüngsten Erholung auf dem Arbeitsmarkt war es für die politischen Entscheidungsträger an der Zeit, der Spekulation ein Ende zu setzen. Die nunmehr beschlossene Zinssenkung um 25 Basispunkte passt zwar zum Narrativ der „Zusicherungs-Politik“ der Fed, lässt aber dennoch die Frage offen, was die Zukunft bringen könnte.

Um es auf den Punkt zu bringen: Im Gegensatz zur Juni-Sitzung des FOMC beschränkte sich das Treffen diesmal auf die übliche Grundsatzerklärung und die Pressekonferenz des Vorsitzenden Jerome Powell. Mit anderen Worten: diesmal gab es keine blauen Dotplots (die langfristigen Prognosen für den Leitzins). An der Grundsatzerklärung, die die Fed als ihre offizielle politische Haltung ansieht, wurde gegenüber der Juni-Sitzung wenig verändert. Dazu gehört die Formulierung, man werde „entsprechend handeln", was die Tür für zusätzliche Zugeständnisse in diesem Jahr offen hält. Tatsächlich sind diejenigen, die einen Zinsschritt von 50 Basispunkten erwartet hatten, vom Ergebnis des Juli-Meetings ein wenig enttäuscht. Man hat den Fokus nun auf eine weitere Zinssenkung in der nächsten FOMC-Sitzung vom 17. bis 18. September verlagert.

Denken Sie daran zurück, dass diese Zinssenkung wirklich nicht auf der Grundlinie der Fed-Prognose für die US-Wirtschaft beruhte; es war vielmehr der Versuch der stimmberechtigten Mitglieder, den möglichen negativen Auswirkungen der Handelsunsicherheit und der Verlangsamung des globalen Wachstums entgegenzuwirken. Wäre die Fed nicht zurückgerudert, hätten die Geld- und Anleihemärkte die politischen Entscheidungsträger in die Ecke gedrängt. Trotz der Tatsache, dass die finanziellen Bedingungen in den USA vor diesem Treffen einfacher waren als zu Beginn der Zinserhöhung durch die Fed Ende 2015, gab es Bedenken hinsichtlich einer Verschärfung der Marktbedingungen ohne eine Zinssenkung. Die Fed befindet sich mit dieser Entscheidung also möglicherweise wieder im "datengetriebenen" Modus und es scheint, als ob die Geldpolitik in diesem Jahr immer noch in Richtung einer weiteren Zinssenkung tendiert.

Fazit

Im Vorfeld der FOMC-Sitzung suchten die Fed-Fonds-Futures (Terminkontrakte, die die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer in Bezug auf das Leitzins-Niveau abbilden) nach einer Zinssenkung von 100 Basispunkten bis Ende 2020. Hier könnte es für den US Treasury Markt (UST) heikel werden. Während wir im Laufe dieses Jahres als Erweiterung der heutigen "Zusicherungs-Police“ noch einen weiteren Rückgang um 25 Basispunkte sehen können, sieht unser Basisszenario keine zusätzliche Zinssenkung um 50 Basispunkte vor. Die Geld- und Anleihemärkte haben also bereits viele gute Nachrichten an der Zinsfront eingepreist, so dass es den Anschein hat, dass die Enttäuschung im UST-Markt gestiegen ist, insbesondere wenn die Fed nur die Hälfte der derzeit erwarteten Zinssenkungen liefert."