Aufstieg der SPACs - Warum die Investition jetzt sinnvoll ist

In anderen Teilen der Welt bereits als neue Anlagestrategie bekannt, kommen sogenannte SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) in Deutschland gerade erst an. Der Börsen-Trend aus den USA verspricht Investoren hohe Kapitalerträge, aber auch Risiko. Anleger investieren dabei in ein zunächst leeres Unternehmen, das als sogenannter SPAC-Mantel an die Börse geht. Im nächsten Schritt wird mit einem bereits existierenden Unternehmen fusioniert, wodurch sich dieses den eigenen langwierigen Börsengang erspart. Investoren profitieren hingegen von größerer Transparenz und beträchtlichen Gewinnchancen. Freedom Finance Germany ermöglicht als erster Online-Broker auch deutschen Privatanlegern Zugang zu SPACs. Eine interessante Fusion des SPAC New Beginnings Acquisition Corp. mit dem US-amerikanischen Unternehmen Airspan Networks ist diesen Sommer geplant.

Auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten suchen sowohl Anleger als auch private Unternehmen neue Optionen, Kapital zu realisieren. SPAC IPOs erfreuten sich in den letzten Monaten vor allem in den USA äußerster Beliebtheit. Insgesamt wurden 2020 mehr als 200 SPAC-Transaktionen mit einem Volumen von über 64 Milliarden US-Dollar abgewickelt.1 Dazu wird ein Unternehmen, das erstmal kein Geschäft oder Produkt hat, als sogenannter SPAC-Mantel gegründet. Ziel ist es, dieses Unternehmen an die Börse zu bringen und mit dem dort eingesammelten Geld ein bereits bestehendes Unternehmen zu übernehmen. „Mit Hilfe eines SPAC Börsenganges können Unternehmen leichter an Kapital kommen, ohne dabei den langwierigen Prozess eines traditionellen IPOs durchmachen zu müssen“, erklärt Andrey Wolfsbein, Börsenexperte bei Freedom Finance Germany. Kunden von Freedom Finance bekommen sofortigen Zugang zu vielen verfügbaren SPACs und werden durch die eigenentwickelte Handelsplattform Freedom24 betreut.

Man muss sich des Risikos bewusst sein

SPACs sind grundsätzlich nicht neu, doch wurden sie in der Vergangenheit eher mit Vorsicht betrachtet. „Wer sein Geld in ein SPAC investiert, muss sich des hohen Risikos durchaus bewusst sein“, so Wolfsbein weiter. Man kaufe immerhin einen Börsenmantel, ohne dabei zu wissen, welche Firma am Ende integriert wird und müsse sich dabei auf die oft namhaften SPAC-Gründer verlassen. Anders als bei regulären IPOs dauert die Erstellung eines SPAC Börsenganges nur wenige Wochen. Auch die niedrigen Zinsen und die von den meisten Zentralbanken angewandte quantitative Lockerungspolitik haben das Geschäft mit den Firmenhüllen so lukrativ gemacht. Zudem bieten SPACs eine Möglichkeit, um während der erhöhten Marktvolatilität einer Pandemie an die Börse zu gehen. Im Vergleich zum traditionellen Börsengang besteht mehr Sicherheit hinsichtlich der Transparenz, denn Unternehmen, die in die Firmenmäntel übernommen werden, geben meist mehr Informationen preis, als üblicherweise in IPO-Prospekten zu finden sind. Wer außerdem mit der Firmenübernahme letztlich nicht einverstanden ist, kann seine Aktie zurückgeben und bekommt das investierte Geld zurück.

Airspan Networks: Durch Fusion an die Börse

Die Fusion des SPAC New Beginnings Acquisition Corp. (NBA) und dem Entwickler und Lösungsanbieter für 4G- und 5G-Netzwerke Airspan Networks ist für das dritte Quartal dieses Jahres geplant. Für Anleger bietet sich dabei eine interessante Investitionsmöglichkeit. Das Unternehmen Airspan Networks ist unter anderem Hauptlieferant von Geräten für die Bereitstellung von 5G-Netzen für große Telekommunikationsunternehmen wie Huawei oder Samsung. Darüber hinaus ist das Unternehmen führend im Bereich Fixed Wireless Access-Lösungen, beides stark wachsende Märkte. Der Unternehmenswert von Airspan Networks mit SPAC NBA wird sich auf etwa 837 Millionen US-Dollar belaufen, der Eigenkapitalwert wird 912,13 Millionen US-Dollar, bei einem Aktienkurs von 10,18 US-Dollar, betragen.


1) https://www.cnbc.com/2020/12/07/the-2021-outlook-for-the-booming-spac-market-and-traditional-ipos.html

Freedom Finance ist eine internationale und international geprüfte Investmentgesellschaft mit mehr als 140.000 Kunden. Freedom Finance ist Teil der amerikanischen Freedom Holding Corp. mit einer Kapitalisierung von über 2,5 Mrd. USD. Sie beschäftigt weltweit über 1200 Mitarbeiter und hat Niederlassungen in sieben Ländern. Die Freedom Holding Corp. ist als einziger europäi-scher Broker an der NASDAQ, einer führenden US-Börse, gelistet. Freedom Finance bietet direk-ten Zugang zum Handel an den größten Börsenplätzen: an amerikanischen, europäischen, russi-schen und asiatischen Märkten.

Kryptowährungen - ohne Regulierung geht es nicht

von Vincent Mortier, Deputy Chief Investment Officer bei Amundi.

Kryptowährungen sind technische Innovationen, die eine inklusivere Form des Finanzwesens versprechen. Sie können aber das geldpolitische Monopol der Zentralbanken nicht herausfordern, ohne das gesamte Finanzsystem zu gefährden. Es liegt nun an den Regulierungsbehörden, Rahmenbedingungen für die Nutzung dieser Assets zu schaffen und die finanzielle Stabilität zu sichern.

Die Covid-19-Krise hat den Kryptowährungen einen spektakulären und sicherlich auch spekulativen Schub verschafft. Können Kryptowährungen aber wirklich mit offiziellen Währungen in ihren traditionellen Funktionen konkurrieren? Der Boden ist zumindest bereitet: Dazu zählen die technologische Disruption und eine durch Blockchain möglich gewordene dezentrale Finanzwelt, aber auch die zunehmende Digitalisierung der Volkswirtschaften mit dem Wunsch nach einer digitalen Währung. Hinzu kommt nun die Suche nach neuen sicheren Häfen in einem Umfeld, in dem Staatsverschuldung und Inflationserwartungen steigen und ein Misstrauen gegenüber dem traditionellen Finanzsystem um sich greift.

Aber alle Kryptowährungen stellen nicht nur neue Chancen, sondern auch rechtliche, regulatorische und aufsichtsrechtliche Herausforderungen dar: Rechtssicherheit, Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und andere Formen der illegalen Finanzierung sowie Cybersicherheit sind betroffen. Der Bitcoin repräsentiert etwa 60Prozent der gesamten Kapitalisierung von Kryptowährungen mit mehr als 1.700 Mrd. USD im März 2021 (Quelle: Coinmarketcap). Die restlichen 40 Prozent setzen sich aus einer großen Anzahl von sehr heterogenen Produkten zusammen.

Dabei gibt es drei Arten von Kryptowährungen. Einige direkte Konkurrenten von Bitcoin haben auch eine „offizielle Berufung“ als Währung. Hierzu zählt zum Beispiel Litecoin, die neuntgrößte Kryptowährung nach Kapitalisierung, mit rund 13 Milliarden USD. Andere ermöglichen Smart Contracts, eine automatische Ausführung in der Blockchain von Vereinbarungen, die zuvor zwischen den Mitgliedern eines Netzwerks formalisiert wurden. Eine dritte Kategorie schließlich sind Stablecoins, digitale Vermögenswerte, die einen festen Wert im Vergleich zu traditionellen Währungen haben und häufig für Transaktionen mit anderen Kryptowährungen oder für internationale Überweisungen verwendet werden. Stablecoins sind wohl die direktesten Konkurrenten für offizielle Währungen. Ihr rasantes Wachstum beginnt die Aufmerksamkeit auf die Risiken zu lenken, die sie für das Finanzsystem darstellen könnten; insbesondere, wenn eine von ihnen plötzlich nicht mehr in der Lage sein sollte, ihren festen Wert zu halten.

Investoren begeistern sich für Krypto

Immer mehr Unternehmen, institutionelle Investoren und Investmentfonds sind insbesondere an Bitcoin interessiert. Zahlungsplattformen, wie Paypal, akzeptieren sie als Zahlungsmittel. Dennoch: Bitcoin hat keine intrinsische Rendite, und es gibt keinen natürlichen Schutz gegen Kapitalverlust. Kryptowährungen besitzen keinen realen wirtschaftlichen Basiswert, es gibt kein Bewertungsmodell. Nachfrage und Angebot hängen nicht voneinander ab. Das Angebot ist begrenzt und wird nicht von einer zentralen Behörde gesteuert. Es ist wahrscheinlich, dass die Nachfrage durch den Grad der zukünftigen Regulierung geprägt wird.

Kryptowährungen zielten ursprünglich darauf ab, Transaktionskosten zu senken und den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erweitern. Sie könnten sich zu einem globalen Zahlungssystem entwickeln, das schneller, billiger und inklusiver ist als aktuelle Zahlungssysteme.

Die Vorteile:

  • Erleichterung von vertraulichen Transaktionen und Vermögensübertragungen in einem dezentralisierten Netzwerk
  • Reduktion der Transaktions- und Transferkosten
  • Freier Zugang für jeden mit Internet
  • Volles Eigentum an dem Vermögenswert, mit einem manipulationssicheren Schlüsselsystem als Alleininhaber

Die Nachteile:

  • Fehlende Regulierung und Anonymität begünstigen Cyberkriminalität, Schwarzmarkt, Geldwäsche und Steuerhinterziehung
  • Für Anwender birgt die Dezentralisierung neue Risiken, wie Datenverlust, kein Zugang zu den Daten, wenn ein Server physisch beschädigt wird, Cyber-Attacken ausgesetzt ist oder der Server dauerhaft vom Internet getrennt wird
  • Mangelnde Konvertierbarkeit und Liquidität
  • Irreversibilität von Transaktionen und Volatilität
  • Gefahr des Hackens
  • Risiko der finanziellen Instabilität

Spreu vom Weizen trennen

Die Vorteile der Innovation zu nutzen und gleichzeitig ihre Auswüchse zu kontrollieren, ist die Herausforderung für Regulatoren und Zentralbanken im 21. Jahrhundert. Sie vereint meist das Ziel, schnellere, zuverlässigere und günstigere Zahlungssysteme zu fördern, sowohl national als auch zwischen den Ländern. Es ist klar, dass Blockchain eine Möglichkeit bietet, die finanzielle Inklusion zu verbessern. Aber ihr Einsatz als Zahlungsmittel ist momentan potenziell destabilisierend und birgt systemische Risiken.

Totale Anonymität und rechtliche Immunität scheinen bei der Entwicklung dieser Vermögenswerte eine zentrale Rolle zu spielen. Die Regulierungsbehörden der G7 sind daher entschlossen, diese Ökosysteme zu regulieren. Danach werden sich die Preise der Kryptowährungen sicherlich deutlich anpassen. Aber sobald das regulatorische Umfeld geklärt ist, könnten Kryptowährungen wieder erstarken, dieses Mal auf den Bedürfnissen eines integrativeren Wirtschafts- und Finanzsystems aufbauend.

Unternehmen, institutionelle Investoren und Investmentfonds sind sehr interessiert, mehr digitale Assets zu halten. Diese sind sicherlich vielversprechend, aber immer noch spekulativer Natur.


Quelleninformationen und weitere Informationen finden Sie in den aktuellen Amundi Investment Insight Blue Paper März und im Amundi Research Center.

Keine Angst vor einer »Spacokalypse«

von Oliver Scharping, Portfolio Manager des Asset Managers BANTLEON.

Die Situation Anfang März wirkte surreal: Chamath Palihapitiya verkauft seine privaten Anteile an Virgin Galactic, dem ersten großen SPAC-Deal dieser Dekade. Der Kurs des Hype-SPACs Churchill Capital IV bricht um mehr als 50% seit Bekanntgabe der Fusion mit Lucid Motors ein. Der Bloomberg-Index für Post-Deal SPACs sinkt um mehr als 20% vom Hochpunkt im Februar. Und der Nachrichtensender CNBC spricht von einer »Spacokalypse«, während Bloomberg News berichtet, dass Hedgefonds angeblich anfangen, auf fallende Kurse bei SPACs zu setzen. Gleichzeitig reiben sich spezialisierte Fondsmanager aufgrund glänzender Aussichten die Hände.

SPACs (Special Purpose Acquisition Vehicles), wie die auf Übernahmen ausgelegten Mantelgesellschaften genannt werden, die vielversprechende Zielunternehmen suchen, sind erst seit ein paar Monaten wieder im deutschsprachigen Raum aktiv. Vorher waren sie nach magerer Performance hierzulande für mehrere Jahre von der Bildfläche verschwunden. Erst der jüngste SPAC-Boom in den USA führte bei uns zu einer Renaissance: Nach dem Lakestar Spac I, dem ersten SPAC dieser Dekade, initiiert von Venture Capitalist Klaus Hommels mit Sitz in Zürich (bekannt für seine Investitionen in Xing, Facebook, Skype, Revolut und Klarna), ist Mitte März auch das viel umjubelte SPAC von Entrepreneur und Investor Christian Angermaier (Frontier Acquisition Corp.) an die Börse gegangen. Da führt die plötzliche Preiskorrektur zu großer Verunsicherung bei vielen Anlegern. Ist der SPAC-Boom etwa schon vorbei, bevor er richtig begonnen hat?

Preisrückgang war eine gesunde Korrektur

»Ruhe bewahren« ist das Beste, was Anleger jetzt tun können. Nach der großen Euphorie im SPAC-Markt folgte Anfang März schlichtweg eine gesunde Korrektur: Der durchschnittliche Aufschlag zum Treuhandvermögen der Pre-Deal SPACs war nämlich zwischenzeitlich auf über 25% gestiegen. Dass 1 Euro Treuhandvermögen langfristig nicht ein Drittel oder Viertel mehr wert sein kann, war abzusehen. Die Darstellung in einigen Medien entspricht jedoch nicht der Realität. SPACs sind keineswegs nur auf (noch) unprofitable Tech-Start-Ups wie QuantumScape (Batterietechnologie) oder Virgin Galactic (Raumfahrttourismus) fokussiert und dies ist auch nicht die einzige Zukunft dieser bei uns relativ neuen Anlageklasse. Das Spektrum reicht vom SPAC des bekannten Value-Investors Bill Ackman (Pershing Square Tontine Holdings) bis hin zum ersten Bergbau-SPAC (African Gold Acquisition Corp.).

Kommt 2022 das Porsche-SPAC?

Carve-Outs, also Ausgliederungen aus Konglomeraten, sind die nächste große Opportunität für SPACs und eine attraktive Alternative zum klassischen Private Equity Buyout oder Sparten-IPO. Die Zahl an Opportunitäten ist dabei riesig, wie ein Blick auf die europäische Unternehmenslandschaft zeigt. Daimler will bekanntlich seine Truck-Sparte abspalten und VW liebäugelt mit einer Teilmonetarisierung von Audi oder Porsche. Auch die Zukunft von NestlésBeteiligung an L'Oréal ist ungewiss. Ein ähnlicher Multi-Milliardendeal wie zuletzt Lucid Motors wäre auch in der Schweiz und in Deutschland möglich. Ein Porsche-SPAC würde der neuen Assetklasse die Krone aufsetzen, aber selbst, wenn es zunächst nicht dazu kommt, bleibt die Assetklasse der 911er im Rückspiegel für klassische Private-Equity-Fonds.

Amerikaner als Vorbild

Die USA sind hier bereits einen Schritt weiter. Nicht nur Wachstumsunternehmen, sondern auch echte Value-Opportunitäten stehen dort bereits auf dem Einkaufszettel von SPACs: Value-Investing-Legende Joel Greenblatt hat mit Quinzel sein erstes SPAC registriert und auch Tracy Britt, ehemals rechte Hand von Warren Buffett, ist mit einem SPAC unterwegs. Bereits vor fast zehn Jahren hatte Investor Bill Ackman eine SPAC-ähnliche Mantelstruktur genutzt, um Burger King zurück an die Börse zu bringen. Etwas Ähnliches dürfte der notorische Tech-Kritiker mit seinen zwei jetzigen SPACs vorhaben. Der Aktivisten-Platzhirsch Elliott um Paul Singer, zuletzt unter anderem bei Aryzta aktiv und einst an Dufry beteiligt, hat ebenfalls zwei SPACs in petto, die sicher nicht in überbewertete Start-ups investieren werden. Bei weitem nicht jedes SPAC zielt also auf das nächste Helikopter-Taxi-Unternehmen ab, das erst im Jahr 2030 ein positives EBITDA aufweisen dürfte.

Was heißt das für Anleger? Der Markt bietet aktuell ein geradezu paradiesisches Umfeld für Arbitrageure, die risikolos am SPAC-Boom mitverdienen wollen. Unter und zu NAV gekauft, sind die Mantelgesellschaften attraktive Investitionsmöglichkeiten. Zuletzt gab es mehr als 100 SPACs, die zum Discount handelten und damit risikolose Arbitrage ermöglichten. Im schlimmsten Fall droht eine niedrige einstellige Rendite als Entschädigung für die gehaltenen SPAC-Aktien. Kein schlechtes Risiko-Ertrags-Verhältnis. Und wenn es gut läuft, ist eine annualisierte Rendite im zweistelligen Bereich nicht unrealistisch.

Dass Hedgefonds SPACs leerverkaufen, ist quasi ausgeschlossen, weil dies einer Harakiri-Mission gleichkäme und strukturell kaum möglich ist. Stattdessen spekulieren sie auf sinkende Kurse ehemaliger SPACs, also nicht der risikolosen Mantelgesellschaften, sondern derjenigen Unternehmen á la Nikola, die über SPACs als Vehikel zu viel zu hohen Bewertungen an die Börse gekommen sind – oft nicht mit viel mehr als einer guten Vision, aber dafür schon mit Vorschusslorbeeren.

Nicht auf eigene Faust investieren

Wenn Anleger an eine Fortsetzung des SPAC-Booms glauben, sollten sie von Direktinvestments die Finger lassen. Nur Profi-Investoren haben das Know-how für die komplexe rechtliche Analyse dieser Vehikel und die hohen Mindestvolumina, um bereits zum IPO das Wunschvehikel zu zeichnen. Besser beraten sind Anleger mit Event-Driven-Fonds, deren Manager die nötige Erfahrung im komplexen Handel mit den SPAC-Units und -Warrants haben. Passive Lösungen wie ETFs, die einen Mix aus SPACs auf der Suche und ehemaligen SPACs anbieten, sind wegen des fehlenden Sicherheitsnetzes in Form des Treuhandvermögens tückischer und im besten Fall hochriskante Anlagen.

Solar und Biotech statt Kohle und Eisenerz: Australien muss sich aus der Abhängigkeit von China befreien

von Michael Gollits, Vorstand der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds.

Mit China als Mega-Markt vor der Haustüre konnte sich Australien lange auf seinem Rohstoffreichtum ausruhen. Die australische Wirtschaft hat seit Anfang der 90er Jahre keine Rezession mehr erlebt. Auf die Corona-Krise reagierte Australien mit einer konsequenten Lockdown-Politik und kann eine schnelle Wirtschaftserholung vorweisen. Jedoch wird die Abhängigkeit von China bei strategischen Importen, gerade von wichtigen Infrastruktur-Segmenten, für „Down Under“ immer mehr zum Problem.

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Die Handelsbeziehungen zwischen China und Australien sind viel komplexer als es auf den ersten Blick erscheint. Chinas Importe machen für Australien einen großen Teil seines Handelsvolumens aus. Dagegen ist Australien mit einem Anteil von etwa 2 Prozent nicht einmal unter Chinas Top-10-Handelspartnern zu finden. Damit kann es sich Peking natürlich leisten, sein wirtschaftliches Gewicht in die Waagschale zu werfen. Aber diese Logik gilt nicht für strategische Güter, die China braucht, wie zum Beispiel Eisenerz. Australien liefert etwa 70 Prozent von Chinas Eisenerzimporten, das waren im vergangenem Jahr fast 800 Mio. Tonnen. Angesichts der Tatsache, dass der gesamte verfügbare Markt für Eisenerz außerhalb Chinas nur 460 Mio. Tonnen beträgt, kann Australien das Eisenerz kaum woanders hinschicken - aber China kann es auch nirgendwo anders kaufen. Zudem liefert Australien im Durchschnitt 40 Prozent der Kokskohle, die in Chinas Stahlwerken verwendet wird. China kann für ein paar Monate Alternativen finden, aber die ambitionierten Infrastrukturpläne zur Erschließung des chinesischen Hinterlandes wären ohne Australiens Rohstoffe zum Scheitern verurteilt.

„Hohes Maß strategischer Abhängigkeit von China“

Es ist schwierig festzustellen, wie verwundbar Australien und andere Handelspartner gegenüber Handelssanktionen Chinas wären. Interessante Einblicke gewährt ein Bericht der Henry Jackson Gesellschaft, einer transatlantischen Denkfabrik mit Sitz in London, in dem die Handelsdaten von fünf Nationen untersucht wurden: USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland. Diese auch als „Five-Eyes-Allianz“ bekannte Gruppe hatte China aufgefordert, sein hartes Vorgehen gegen die Verwaltung von Hongkong zu beenden. Da mindestens vier der fünf Allianzmitglieder bereits ein angespanntes Verhältnis zu China haben, würden sie die Wucht eines neuen Handelsstreits deutlich spüren. Der Bericht identifiziert ein hohes Maß an "strategischer Abhängigkeit" von China, basierend auf den Handelsdaten, kategorisiert nach dem Harmonisierten System in der Comtrade-Datenbank der UN.

Grund zur Sorge ist vor allem dieser Aspekt: Ein Viertel aller Importe aus China in jedem der Länder betreffen kritische Bereiche wie beispielsweise Kommunikation, Energie, Gesundheitswesen, Transportsysteme, Wasser, Finanzdienstleistungen, Landwirtschaft und Informationstechnologie. Australiens Abhängigkeit ist am stärksten, da es sich auf China bei Komponenten für seine Bergbau- und Metallproduktionsindustrie, für verschiedene Industriechemikalien und Düngemittel, Vitamine, pharmazeutische Produkte und medizinische Geräte verlässt.

„Australien braucht eine Generalüberholung der Wirtschaft“

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Chinas Dominanz in vielen Branchen nicht zu brechen sein wird. "Die fünf Mächte sind bei einer Reihe von Exporten so abhängig von China geworden, dass sie möglicherweise nicht in der Lage sind, sich in allen strategischen Sektoren selbst zu versorgen, selbst bei kritischer Infrastruktur." Stattdessen rät der Bericht den Ländern, sich auf Zukunftstechnologien zu konzentrieren, die eine besondere strategische Bedeutung haben. Spätestens an diesem Punkt endet das Bild vom idyllischen Urlaubsparadies Down Under: Australien hat vom Aufstieg Chinas über Rohstoffexporte in der Vergangenheit erheblich profitiert. Dass sich Australien als Mitglied des Commonwealths aber den politischen Ansprüchen Chinas beugt ist absolut undenkbar. Chinas und Australiens wirtschaftliche Erfolge sind im nächsten Jahrzehnt noch über die Rohstoffabhängigkeit Chinas eng verknüpft. Australien würde jedoch jetzt schon gut daran tun, seine Wirtschaft einer Generalüberholung zu unterziehen, die derzeit vom Finanz- und Rohstoffsektor dominiert wird. Trotz zu erwartender Sticheleien Chinas wird sich Australien in der Region sowohl Indien als auch Japan zuwenden und seine Kooperation mit Fünf-Augen-Staaten ausbauen müssen. Australien verfügt über ein noch kaum genutztes Potenzial in der Solarindustrie. Steuervergünstigungen für Start-Ups beispielsweise in der Biotech-Branche zeigen in die richtige Richtung. Der mit rund 100 Milliarden Euro ausgestattete australische Staatsfonds kann weitere Impulse setzen. Die Arbeit für die Regierung in Canberra hat gerade erst begonnen.


Michael Gollits ist Vorstand von der Heydt & Co. AG und Portfolioadvisor des OVID Infrastructure HY Income Fonds. Der Fonds strebt die Erzielung einer attraktiven laufenden Ausschüttung bei möglichst gleichzeitiger Wertstabilität an. Michael Gollits startete seine Karriere bei F&C Management Ltd, in London. 1996 wechselte er zu einer deutschen Privatbank und war dort zuletzt als Bereichsleiter Wertpapiergeschäft verantwortlich für Kapitalmarktresearch, individuelles Vermögensmanagement und verantwortlicher Portfoliomanager einer Fondsfamilie. Von 2005 bis 2013 gestaltete er u.a. den Aufbau einer Privatbank in München und war als Geschäftsführer einer Hamburger Vermögensverwaltung für Kundenportfolios und gemischte Fonds mit Fokus auf Zukunftsthemen zuständig.

Wasserinvestments – eine sinnvolle Assetklasse für institutionelle Investoren?

von Stefan Klaile, CEO, und Ernesto Burzic, Head of Sales, beide XOLARIS Group.

Mit dem SDG 6 wollen die Vereinten Nationen bis zum Jahre 2030 sauberes Wasser und die Sanitärversorgung in allen Ländern dieser Erde gewährleisten. Dabei steht die Verbesserung der Wasserqualität im Fokus, insbesondere die Reduzierung der Verschmutzung von Grund- und Trinkwasser durch gefährliche Chemikalien aus den Produktionsprozessen in der Industrie und Landwirtschaft. Gewässer sollen als natürliche Ökosysteme geschützt und wiederhergestellt werden, denn der Artenverlust in Flüssen, Seen und Feuchtgebieten nimmt an Land wesentlich schneller zu als im Meer. Große Teile der Weltbevölkerung haben keinen ständigen Zugang zu sauberem Trinkwasser aber vielmehr noch keinen Zugang zu sauberen Toiletten, deren Abwässer behandelt und sicher entsorgt werden können. Dabei mangelt es also nicht nur an sauberem Trinkwasser, sondern es ist auch zu stark verschmutzt.

Daher gibt es seit vielen Jahren Bestrebungen von Seiten internationaler Organisationen den hohen Investitionsbedarf in Infrastruktur und Wassertechnologien durch entsprechende Investitionsmöglichkeiten für institutionelle Anleger attraktiver zu machen. Doch was genau verbirgt sich hinter einem „Wasserinvestment“, was ist unter den verschiedenen Investmentstrategien und Durchführungswege zu verstehen?

Als einfachste Form von Wasserinvestments stehen institutionellen Anlegern zunächst ETFs und Publikumsfonds zur Verfügung. Dabei selektieren die meisten Fondsanbieter börsengehandelte Versorgungsunternehmen und überwiegend Unternehmen, welche sich mit Wassertechnologien befassen. Man muss dabei beachten, dass der regionale Fokus oft auf den USA und dem US Dollar Raum liegt. Daher unterliegen diese Fonds den gleichen Schwankungen und Volatilitäten wie den großen Börsenindizes.

Im Bereich der geschlossenen Fonds finden sich Wasserinvestments meistens in Form von globalen Infrastrukturfonds, Fonds welche in Wasserrechten und -lizenzen investieren, sowie regional agierenden Impact Fonds. Bei globalen Infrastrukturfonds stellen Investitionen in Wasseraufbereitung und Wasserversorgung eine Beimischung dar, oftmals erfolgt aufgrund der regulatorischen Bestimmungen eine enge Zusammenarbeit mit regionalen Behörden und kommunalen Verwaltungen.

Besonders in den USA, Lateinamerika und Australien besteht ein funktionierender Markt für Wasserrechte und -lizenzen. Viele indigene Stämme leben in geschützten Gebieten sowie Reservaten und können sich durch Verkauf von Wasserrechten an Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe neue Einnahmequellen sichern. Einige lokal agierende Asset Management Firmen haben sich auf die Beratung dieser Stämme spezialisiert und bieten entsprechende Investitionsprogramme für institutionelle Anleger an. Trotz hoher Renditen durch den stetig steigenden Bedarf an Wasser für Industrie und die Landwirtschaft, muss beachtet werden, dass diese Wasserrechte und -lizenzen oft an Landrechte gekoppelt sind und eine Trennung von Wasser- und Landrechten nicht immer möglich ist, was die Fungibilität erschwert. Die Investition in geschlossene Fonds für Wasserrechte wird für die meisten europäischen institutionellen Investoren schwierig sein, da diese Fonds regional im US Dollar Raum oder in Emerging Markets investieren und neben der Absicherung des Währungsexposures auch die Zuordnung der Assets in ein regulatorisches Berichtswesen sowie in die Risikomessung erhebliche Schwierigkeiten mit sich bringt.

Einige Asset Manager konzipieren sogenannte Impact Fonds, welche mit Micro Lending Projekten in Entwicklungsländern bspw. Menschen in entlegenen Ort den Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen. Die Darlehensvergabe ist vergleichbar mit Mikrofinanzfonds. Bei den Impact Fonds sind lokal agierende Spezialisten unabdingbar, institutionelle Investoren sind daher stark auf die Zuverlässigkeit der Berichtserstattung der lokalen Projektbetreiber angewiesen. Auch sind diese Impact Fonds nicht für sehr große Anlagevolumina wie bei den global agierenden Infrastrukturfonds ausgelegt. Oftmals erfolgt eine Darlehensvergabe Im Bereich von einigen hundert bis tausend US Dollar für Filtersysteme oder Wasserpumpen. Für institutionelle Investoren wird eine Beteiligung in Impact Fonds in Hinblick auf die Kosten-/ Nutzenrelation eher nicht in Frage kommen.

Trotz aller guter Intentionen seitens der UN und internationalen Organisationen bringt eine Investition in Wasserprojekte bei der praktischen Umsetzung einige Herausforderungen mit sich, die bei institutionellen Anleger intern strategisch geklärt werden müssen: Wie passt Wasser als Assetklasse in die Gesamtstruktur der Kapitalanlagen, welchen Beitrag zu ordentlichen Erträgen und Ausschüttungen sind aus Wasserinvestitionen zu erwarten und welche aufsichtsrechtliche Problemstellungen und Haftungsfragen sind damit verbunden.

Durch eine globale Präsenz und mit lokalen Niederlassungen kann die XOLARIS AG institutionelle Anleger bei der Umsetzung einer Investitionsstrategie Wasserinvestments über das gesamte Spektrum von Alternative Investments unterstützen. Mit einem Netzwerk von Asset Managern und externen Beratern können sinnvolle Investmentstrategien, Durchführungswege und passgenaue Fondsstrukturen erarbeitet werden, die den jeweiligen aufsichts- und steuerrechtlichen Vorgaben der Anleger entsprechen. Möglich sind die Auflage einer vollumfänglichen Umbrella-Struktur (Investment-AG, SICAV S.A., etc.) mit Teilfonds für diverse Investmentstrategien, oder die Anmietung eines Compartments bzw. Teilfonds innerhalb einer Umbrella-Struktur der XOLARIS AG sofern nur eine schlanke Fondslösung für die Bündelung von Zielinvestments benötigt wird.

Die XOLARIS AG bietet global agierenden Asset Managern zudem eine Fondsplattform über die Niederlassung im Fürstentum Liechtenstein. Es ist bereits seit dem Jahr 1995 Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ist, hat mit den Gesetzen über bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (UCITSG) und über die Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFMG) die europäischen Richtlinien für OGAW und AIFM auf nationaler Ebene vollumfänglich umgesetzt. Liechtensteinische Fonds, deren Anbieter und deren Verwalter unterliegen somit den identischen Vorgaben auf europäischer Ebene in Form der Rechte und Pflichten, wie diejenigen in den EU-Mitgliedsstaaten bzw. weiteren EWR-Staaten. Darunter fallen neben Restriktionen konstitutiver Dokumentation gleichermaßen wie die ebenbürtige Teilnahme am europäischen Binnenmarkt über das Passporting. Anleger wiederum genießen in sämtlichen Ländern, die sich der Europäischen AIFM Richtlinie angeschlossen haben, den gleichen aufsichtsrechtlichen Schutz.

Die OECD hat Liechtenstein zudem im Rahmen der Länderprüfungen seit 2015 gute Noten ausgestellt. Liechtenstein verfügt nunmehr über dieselbe Einstufung wie z.B. Deutschland und tritt wirksam gegen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung ein. Auch dem AIA-Standard (Austausch bestimmter Informationen über Finanzkonten in Steuersachen) der OECD hat sich Liechtenstein bereits im Jahr 2014 verpflichtet. Einschließlich der EU-Staaten umfasst der AIA in Liechtenstein nunmehr weit über 100 Länder. Auch hiermit sorgt Liechtenstein für mehr Steuertransparenz für ausländische Investoren.

Neben den rechtlichen und steuerlichen Begebenheiten hat das Fürstentum Liechtenstein noch weitere Vorteile, die vor allem in der praktischen Umsetzung angedachter Finanzierungsstrukturen einen deutlichen Mehrwert im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten des EWR bieten. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere die Liechtensteinische Finanzmarktaufsicht („FMA“), die nicht nur durch äußerst präzise praktische Kenntnisse und Erfahrungswerte, sowohl markt- als auch anleger- und produktseitig auf sich aufmerksam macht. Auch die für einen Prüfungsprozess auf regulatorischer Ebene vorgegebenen Fristen werden dabei grundsätzlich in hohem Maße unterschritten, was für Produktanbieter und aufsichtsrechtliche Protagonisten in der Verwaltung eine hohe Planungssicherheit erzeugt.

Daneben ist der Liechtensteinische Anlagefondsverband („LAFV“) zu nennen. Dieser ist nicht ausschließlich zu Marketingmaßnahmen für den Fondsstandort Liechtenstein ins Leben gerufen worden, sondern vielmehr auch zur Bündelung der Interessen der Marktteilnehmer und zur Vertretung dieser gegenüber den Regulatoren und weiterer korrespondierender Protagonisten. Ein lohnendes Beispiel für die Sinnhaftigkeit von Synergien ist mit Sicherheit die Standardisierung in den konstituierenden Dokumentationen, die zu einer deutlichen Kosten- und Aufwandsreduktion in der Konzipierung neuer Finanzierungsvorhaben geführt hat. Daneben agiert der LAFV zudem als Publikationsorgan sämtlicher Investmentfondsstrukturen im Land und sorgt dadurch für ein Höchstmaß an Transparenz.

Weitere Vorteile liegen zweifelsohne in den individuellen Strukturierungsmöglichkeiten aufgrund der sehr flexiblen Gesellschaftsstrukturen oder auch den sehr einfachen Zugängen zum Schweizerischen Investorenmarkt, was mit Sicherheit ein Unikum in den Kreisen der EWR-Staaten darstellt. Auch die weitestgehend auf die Bank-to-Bank Kommunikation abgestellte Abwicklung in der Administration von Investmentfondsstrukturen, deren automatisierten Anteilszeichnungs- und Anteilrückgabeprozessen, sowie die Ausgabe von depotfähigen Anteilsscheinen sind nicht nur in Punkto Transparenz und Sicherheit ein Zugewinn für Investoren. 

Dank der aufgeführten Fakten und weiterer vielseitiger Vorteile ist der Standort Liechtenstein bestens gerüstet sich weiterhin sowohl zu einem der attraktivsten vollregulierten Fondsplätze als auch zu einem der führenden Innovationsträger zukünftiger Finanzierungsstrukturen zählen zu dürfen.


XOLARIS Group

Seit 10 Jahren wächst die XOLARIS Group stetig und bündelt Ihre Kompetenzen in einer unabhängigen international tätigen Kapitalverwaltung. Die 2010 gegründete XOLARIS Group steht mit ihren vollregulierten Alternativen Investment Fund Managern („AIFM“) sowie ihren prozessual vollintegrierten Gesellschaften für Administration und Kommunikation für eine unabhängige White Label – Investmentgesellschaft mit Fokus auf Alternative Investmentfonds („AIF“).
Mit Hauptsitz in Liechtenstein und Tochtergesellschaften in Deutschland, Frankreich, und Asien kann die gesamte Wertschöpfungskette von Alternativen Investmentstrukturen abgebildet werden, stets getreu ihrem Motto: „Investment Quality – Made with Passion.“
Die einzelnen Einheiten der Gruppe bieten Dienstleistungen von der Beratung zur Auflage, der Strukturierung und der Verwaltung über die Buchhaltung bis hin zur Administration Alternativer Investmentvermögen und weiterer Sachwertinvestmentstrukturen.
Als von Produktanbietern rechtlich unabhängiger Dienstleister für die Konzeption, die Verwaltung und die Administration Alternativer Kapitalanlagen, versteht sich die XOLARIS Group in ihrer Gesamtheit als "Enabler" für Initiatoren und Investoren.

Erfahren Wasserstoffbrennstoffzellen den Durchbruch?

von Nitesh Shah, Director, Research, Europa, WisdomTree.

Wasserstoff ist heutzutage in aller Munde. Doch es fühlt sich an, als hätte Wasserstoffschon einmal diesen Punkt erreicht. Das Konzept einer Wasserstoffbrennstoffzelle wurde 1839 entwickelt1. Bereits in den 1970er Jahren produzierten Autohersteller Demonstrationsfahrzeuge für Wasserstoffbrennstoffzellen, und einige Branchenexperten sprachen davon, dass sie die Autoindustrie revolutionieren würden. In den 1970er, 80er, 90er, 2000er und 2010er Jahren gelang es Wasserstoff-Brennstoffzellenautos jedoch nicht, bedeutende Fortschritte zu erzielen. Warum werden die 2020er Jahre anders sein? Wir glauben, dass 2020 ein Wendepunkt für die Investitionen erreicht wurde. Viele Länder, die sich den Klimazielzielen angeschlossen haben, erkennen, dass eine Mischung alternativer Energiequellen erforderlich sein wird, um diese Ziele zu erreichen. Die Abhängigkeit von nur einer Handvoll erneuerbarer Energiequellen kann dazu führen, dass Länder von Energieknappheit bedroht sind. Lithium-Ionen-Batterien waren die Hauptstütze des Marktes für Elektrofahrzeuge und werden dies wahrscheinlich auch in den nächsten zehn Jahren bleiben. Die Lithium-Ionen-Batterie benötigte jedoch 20 Jahre Forschung und Entwicklung, bevor sie Anfang der neunziger Jahre auf den Markt gebracht und erst Jahrzehnte später tatsächlich in Fahrzeugen eingesetzt wurde. Wasserstoffbrennstoffzellen befinden sich möglicherweise ebenfalls in einem früheren Stadium der Kommerzialisierung in Fahrzeugen.

Durch Emissionen farbcodiert

Während Brennstoffzellenautos am Auspuff keine Emissionen verursachen, war die Erzeugung von Wasserstoff in erster Linie ein umweltschädliches Geschäft. Der größte Teil des heute produzierten Wasserstoffs verwendet Erdgas als Ausgangsmaterial, das kaum als ein kohlenstoffarmer Kraftstoff angesehen werden kann. Dieser „graue Wasserstoff“ macht etwa 95 Prozent der aktuellen Produktion aus und ist relativ günstig. Es ist jedoch möglich, Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen zu erzeugen. Aktuell stammt nur ein kleiner Teil der Wasserstoffversorgung aus dieser „grünen Wasserstoffquelle“, aber die Investitionspipeline hat das Tempo beschleunigt. Das deutet darauf hin, dass diese jahrhundertealte Idee verwirklicht werden könnte. Zwischen dem „grauen“ und dem „grünen Wasserstoff“ liegt der „blaue Wasserstoff“, der aus fossilen Brennstoffen hergestellt wird. Die Kohlenstoffemissionen werden jedoch mithilfe von Technologien wie Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -bindung reduziert.

Die Nachfrage nach Elektrolyseuren steigt

Für die Herstellung von Wasserstoff ist ein Elektrolyseur erforderlich – ein Gerät, mit dem Wasserstoff und Sauerstoff mithilfe von elektrischem Strom von Wasser getrennt werden können. Der elektrische Strom kann aus erneuerbaren Quellen bereitgestellt werden. Laut Bloomberg New Energy Finance stiegen die Lieferungen von Elektrolyseuren im Jahr 2020 auf 200 Megawatt – ein Anstieg von 30 Prozent gegenüber 2019. Das ist noch relativ wenig, doch für 2030 wurden 17 Gigawatt Elektrolyseurkapazität angekündigt. Darüber hinaus scheinen sich die politischen Entscheidungsträger hinter Wasserstoff zu stellen. Neun Länder sowie die Europäische Union haben 2020 Roadmaps für Wasserstoff angekündigt. Ihre Zielvorgaben zusammen genommen wäre bis 2030 eine Elektrolyseurkapazität von 65 Gigawatt möglich. Während dies Ambitionen ohne konkrete Finanzierung sein mögen, ist die politische Ausrichtung für Wasserstoff eindeutig positiv. Wie wir bei Lithium-Ionen-Batterien gesehen haben, kann eine Produktion in größerem Maßstab die Kosten senken. Wenn die Kosten für grünen Wasserstoff sinken, kann die Akzeptanz von Wasserstoffbrennstoffzellen steigen.

Ein Index für die Wertschöpfungskette von Batterien, der sich mit dem Markt entwickelt

Im Bereich der Wertschöpfungskette für elektrochemische Speicher und Batterien möchten wir nicht nur die heutige Technologie erfassen, sondern auch neue Technologien, die die Energiewende in den kommenden Jahren vorantreiben könnten. Der Anteil des Engagements in neue Technologien des WisdomTree Battery Solutions Index beträgt mehr als ein Viertel. Von den 36 Teilsektoren in diesem Index sind Wasserstoffbrennstoffzellen – als aufstrebende Technologie angesehen – der größte Teilsektor und machen 12 Prozent des Index aus (und acht der 93 Bestandteile des Index).Wenn Wasserstoffbrennstoffzellen tatsächlich dem Weg von Lithium-Ionen-Batterien folgen, könnte der WisdomTree Battery Solutions Index gut positioniert sein, um diese Entwicklung im Megatrend der Energiewende zu erfassen.


William Gove wird allgemein die Schaffung der ersten Brennstoffzelle der Welt im Jahr 1839 zugeschrieben, obwohl er sie als „Gas-Voltaik-Batterie“ bezeichnete. Er erzeugte einen elektrischen Strom unter Verwendung einer elektrochemischen Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff an einem Platinkatalysator.
Stand am 17. Februar 2021.

Ein Meer an Möglichkeiten mit Investitionen im Bereich Ocean Technology

Storm Capital Management mit Sitz in Oslo wurde 2006 gegründet und ist ein unabhängiger Vermögensverwalter, der sich im Besitz der Partner befindet und sich ausschließlich auf die nordischen Kreditmärkte konzentriert. Storm verwaltet zurzeit den Storm Bond Fund. In folgendem Interview spricht das Storm-Team über neue Investmentmöglichkeiten im Bereich Ocean Technology (Maritime Logistik, Offshore Renewables und O&G sowie Aquakultur). FondsTrends sprach mit einem der Investment Directors und Partner Thomas W. Pedersen und Marcus S. Mohr, ebenfalls Partner und verantwortlich für das Business Development, über verschärfte ESG-Regeln, skalierbare und konstante Marktchancen für den ozeanischen Raum sowie über das Entstehen dauerhafter Finanzierungslücken, die es durch alternative Quellen zu schließen gilt.

FondsTrends: Seit 2008 offenbarten sich enorme Finanzierungschancen hinsichtlich der Finanzierung im Bereich Ocean Technology. Herr Pedersen, Herr Mohr – welche Philosophie verfolgt „Storm“?

Thomas Pedersen: Seit der Finanzkrise 2008 spielen alternative Kapitalanbieter in der gesamten Wirtschaft eine tragende Rolle um die Lücke zu füllen, die die Banken hinterlassen haben. Während der maritime Raum lange Zeit insbesondere von europäischen Banken dominiert wurde, hat die zunehmende Bankenregulierung in jüngerer Zeit auch eine wachsende Marktchance für alternative Anbieter geschaffen. Unser Ansatz basiert in diesem Bereich auf privat ausgehandelten Transaktionen in enger Partnerschaft mit unseren Kunden, deren Bedürfnisse wir so besser verstehen und maßgeschneiderte Lösungen anbieten können, die daraufhin als Katalysator für die Umsetzung ihrer Strategie dienen. Die Entwicklung dieses Ansatzes kostet Zeit, führt aber nach der Umsetzung in der Regel zu einem besseren Risiko-Ertrags-Verhältnis. Zudem ist unser Ansatz insofern nicht spekulativ, da wir nicht auf steigende Zinsen oder Vermögenswerte setzen. Stattdessen finanzieren wir Anlagen und Betreiber, um ihnen die Geschäftstätigkeit mit robusten Endkunden zu ermöglichen, die wiederum unsere Investitionen tragen.

Marcus Mohr: Aus meiner Perspektive eines Investmentmanagers vertreten wir die eindeutige Philosophie, weiterhin künftig vollkommen unabhängig zu handeln, wie wir es seit jeher tun. Dies ist besonders wichtig, um stets die bestmöglichen Investitionen für unsere Kunden tätigen zu können, ohne dass eine zweite Agenda im Raum steht. Darüber hinaus befinden wir uns im Besitz von Partnern und verfolgen somit das gleichgerichtete Interesse, die besten risikoadjustierten Renditen für unsere Kunden zu erzielen.

FondsTrends: Wie würden Sie angesichts der vielfältigen Marktchancen als auch deren Anforderungen Ihre grundlegende Anlagestrategie beschreiben?

Thomas Pedersen: Wie bereits erwähnt bieten wir unseren Kunden privat verhandelte Kreditlösungen an. Dabei sind wir strukturell flexibel, was bedeutet, dass die Investitionen in unterschiedlichen Formen und anhand verschiedener Instrumente erfolgen können. Das Grundprinzip, ein attraktives Risiko-Ertrags-Profil auf nicht-spekulativer Basis zu gewährleisten, bleibt jedoch das gleiche. Wir betrachten die gesamte Wertschöpfungskette und versuchen, Anlagen und Betreiber mit einer starken operativen Erfolgsbilanz zu finanzieren. Diese zeichnen sich typischerweise durch robuste Endverbraucher aus, auf deren Cashflow wir zugreifen wollen. Dies geschieht entweder auf Basis langfristiger Verträge, beispielsweise für LNG-Tanker als eine Form schwimmender Pipelines, oder durch eine führende Marktposition, die unseren Kunden eine regelmäßige Versorgung ihrer Endverbraucher ermöglicht. Dabei geht es nicht alleinig um die reine Vermögensfinanzierung, sondern auch um operative Aspekte und die Marktposition unseres Kunden, die letztlich die Assets in Cashflows umwandeln.

FondsTrends: Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) verfolgt das Ziel, die Emissionswerte bis 2050 um 50 % zu reduzieren und verabschiedete unlängst ein weiteres Regelwerk. Dennoch bemängeln einige Kritiker die Stagnation der Situation, was die EU zu einem Appell an die maritime Industrie animierte, sich aktiver im Kampf gegen den Klimawandel zu engagieren. Ihr Unternehmen verfolgt dabei die von den Vereinten Nationen geförderte „Responsible Strategy Policy“, die unter anderem die „Poseidon Principles“ beinhaltet. Welche Auswirkungen ergeben sich daraus für den konkreten Investmentprozess?

Thomas Pedersen: Der Seeverkehr macht ca. 90 % des weltweiten Warenverkehrs aus und ist im Grunde die emissionseffizienteste Art des Gütertransports. Dennoch entfallen etwa 2,4 % der weltweiten CO2-Emissionen auf diesen Sektor. Bis vor kurzem hat sich die maritime Industrie nur langsam angepasst, was vermutlich daran lag, dass keine realen Konsequenzen auf das Unterlassen von Maßnahmen folgten. In den letzten ein bis zwei Jahren hat die Regulierung insbesondere durch den Green Deal der EU an Dynamik gewonnen. Interessanterweise scheint für mich persönlich nicht die Regulierung selbst, sondern der kommerzielle Druck die treibende Kraft des Wandels zu sein. Die Endkunden fordern jetzt ebenso wie die Banken klimaneutrale Wertschöpfungsketten, einschließlich des Transports. Um weiterhin im Markt bestehen zu können, müssen sich die maritimen Unternehmen entsprechend anpassen. Die Auswirkungen für uns bei Storm erstrecken sich auf mehrere Ebenen: den Anlagentyp, den wir finanzieren, die Risikobewertung dieser Anlagen (werden sie vorzeitig veraltet sein?) sowie insbesondere die Herangehensweise unserer Kunden an die Anpassungen an die neue Umgebung. Unsere permanente Frage lautet: Wird der Kunde den nötigen Willen und die Fähigkeit aufweisen, sich an neue Anforderungen anzupassen, um weiterhin im Geschäft bleiben zu können?“ Es handelt sich um eine Risikobewertung sowohl harter als auch weicher Faktoren, die man vor fünf Jahren vermutlich noch nicht wahrgenommen hätte.

FondsTrends: Obwohl die Corona-Pandemie nach wie vor grassiert und im Zuge ist, die Welt grundlegend zu verändern, scheint sie jedoch bislang eher moderat auf die Meereswirtschaft zu wirken. Insbesondere die maritime Industrie ist von COVID-19 weniger betroffen als andere Transportsegmente. In welchen Teilbereichen sehen Sie die größten Wachstumschancen?

Thomas Pedersen: Tatsächlich beeinflusst COVID-19 die maritime Branche bisher geringer als andere Sektoren, allerdings können wir die langfristigen Auswirkungen in Bezug auf veränderte Handelsmuster und ähnliches noch nicht abschätzen. Wir verfolgen einen nicht-spekulativen, langfristigen Ansatz und zur Unterstützung dessen streben wir langfristige Cashflows von robusten Kunden an. Die maritime Industrie selbst ist sehr diversifiziert, angefangen bei den verschiedenen Segmenten der industriellen Schifffahrt bis hin zu erneuerbaren Offshore-Energien und der Aquakultur, wodurch sich eine große Bandbreite an Chancen eröffnet. Die beiden Hauptchancen, die wir in den verschiedenen Segmenten dieses diversifizierten Universums sehen, sind der anhaltende Rückgang traditioneller Bankenfinanzierungen und die zunehmenden Anforderungen an die Einhaltung von ESG-Richtlinien in verschiedenster Form bei zukünftigen Finanzierungen.

FondsTrends: Sie bewegen sich auf einem tendenziell eher spezifischen Markt und Ihr Team verfügt über eine langjährige Erfahrung im Finanzwesen und im maritimen Bereich. Wodurch zeichnet sich der grundsätzliche Erfolg von Storm aus?

Thomas Pedersen: Es stimmt, dass wir sektoral ausgerichtet und keine Generalisten sind. Wir beobachten, dass die Anzahl an Fondsmanagern und verfügbarem Kapital im Bereich der generalistischen Privatkredite/Direktkredite enorm ansteigt. Das beeinflusst die Investitionsrenditen und das Risikoprofil. Der maritime Wirtschaftssektor an sich stellt eine enorme und mehrere Billionen US-Dollar schwere Branche dar, deren jährliches globales Finanzierungsvolumen wir auf etwa 100 Milliarden US-Dollar beziffern – es besteht also reichlich Platz, auch wenn es derzeit nur sehr wenige dedizierte Finanzierungsanbieter gibt. Uns ist die Glaubwürdigkeit in dem was wir tun wichtig und das können wir nur erreichen, wenn wir es bereits schon einmal gemacht haben. Bei der maritimen Finanzierung ist dies der Fall, da wir über eine langjährige Erfahrung und ein globales Netzwerk verfügen. Die Kombination dieser Erfahrung und des Netzwerks mit der Ausrichtung auf die Investoren ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Da wir eine von Partnern geführte Vermögensverwaltung sind, stellt sich unser Erfolg nur im Einklang mit dem Erfolg unserer Investoren ein, wodurch die richtigen Anreize während des gesamten Investitionsprozesses geschaffen werden.

Marcus Mohr: Storm Capital Management betreibt seit 2008 einen Fonds, der vorwiegend in Unternehmensanleihen investiert und wir evaluieren bereits seit geraumer Zeit die Einführung einer zweiten Strategie. Wir haben uns mit unseren Investoren des Storm Bond Fund in Verbindung gesetzt und erfahren, dass erheblicher Bedarf bezüglich einer maritimen Privatkredit-Strategie besteht. Der Grund liegt schlicht in der Branchendynamik, die in den kommenden Jahren überdurchschnittliche, risikobereinigte Renditen verspricht sowie der Tatsache, dass die maritime Industrie einen Teil der norwegischen DNA verkörpert und die herausragendsten Talente in Oslo zu finden sind. Darüber hinaus verfolgten wir Thomas und sein Team bereits bei ihrem ersten Fonds und sind überzeugt, dass sie zu den leistungsstärksten Managementteams auf dem maritimen Privatkreditmarkt zählen. Daher freuen wir uns sehr, sie mit an Bord zu haben.

FondsTrends: Kommen wir abschließend noch zu einer persönlicheren Frage: Wie haben Sie beide die COVID-19-Pandemie und ihre bisherigen Auswirkungen auf das Arbeitsleben erlebt?

Thomas Pedersen: Wir hatten insofern großes Glück, als dass ein Großteil unserer Arbeit bereits vor dem Ausbruch der Pandemie per E-Mail und Telefonkonferenzen erfolgte. Natürlich haben wir auch vermehrt auf Videokonferenzen zurückgegriffen, da dies de facto die primäre Möglichkeit geworden ist, Personen erstmals zu treffen und dieses Element des Arbeitslebens wird wahrscheinlich bleiben. Aber es ist kein vollständiger Ersatz für den menschlichen Kontakt, der für die Geschäftsentwicklung und die Generierung von Ideen unerlässlich ist und ich freue mich darauf, wieder persönliche Kundengespräche führen zu können. Privat genieße ich es, mehr Zeit mit der Familie verbracht zu haben.

Marcus Mohr: Normalerweise reise ich sehr viel durch Europa, um mich mit Investoren zu treffen. Das macht einen großen Teil meiner Arbeit aus und ist etwas, das ich wirklich vermisse. Nichtsdestotrotz haben wir es geschafft, unser firmenweites verwaltetes Vermögen (AUM) während der Pandemie durch großartige Kommunikationsmittel und die fantastische Unterstützung seitens unserer Kunden zu steigern. Ungeachtet dessen freue ich mich sehr auf meine erste Reise (hoffentlich im 1. Halbjahr 2021), bei der ich mich mit Investoren vor Ort treffen kann. Positiv ist jedoch, dass ich während der Pandemie meine Familie mehr gesehen habe, was sehr schön war und die Zeit wie im Flug vergehen ließ.

FondsTrends: Herr Pedersen, Herr Mohr, herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für Sie beide! Wir wünschen Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben.


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 18. Februar 2021.

Thomas W. Pedersen

Thomas W. Pedersen ist einer der Investment Directors und Partner bei Storm Private, einer Abteilung von Storm Capital Management AS. Herr Pederson greift auf über zwanzig Jahre Erfahrung im Bereich Investment Banking und Asset Management zurück. Nach einer 15-jährigen Tätigkeit bei Goldman Sachs in London in unterschiedlichen Funktionen, arbeitete er in der Corporate Finance-Abteilung des Unternehmens Clarksons Platou. Vor seiner Tätigkeit bei Storm, fungierte er bis 2019 als Managing Director für den Offshore Merchant Partners Asset Yield Fund. Herr Pedersen verfügt über einen Master-Abschluss der Norwegian School of Economics sowie der École des Hautes Études Commerciales in Paris.

Marcus S. Mohr

Marcus S. Mohr, Partner und verantwortlich für den Bereich Business Development bei Storm Capital Management, arbeitete vor seinem Einstieg bei Storm im Jahr 2012 als Investmentbanker bei der Citigroup in London. Ferner blickt er auf einen elfjährigen Erfahrungsschatz aus den Bereichen Business Development sowie Investmentbanking zurück. Herr Mohr erwarb einen Master of Science in Finance and Economics an der University of Strathclyde, den er mit Auszeichnung abschloss.

Investments in Technologiewerte: was Investoren beachten sollten

von Chris Gannatti, Head of Research, Europa, bei WisdomTree.

Unternehmen in der Informationstechnologiebranche haben die globalen Aktienmärkte seit der weltweiten Finanzkrise 2008/09 auf Rekordhochs getrieben. Da Investoren sich über die Konzentration in den Benchmarks bewusst sind, die sich nach der Marktkapitalisierung der weltweit größten Unternehmen richtet, wollen sie ihr Portfolio zukunftsträchtig aufstellen. Der Hauptvorteil eines gezielten, „thematischen“ Aktienengagements liegt darin, dass die Investoren aufkommende Themen über den gesamten Technologiesektor hinweg einbeziehen können, anstatt die Allokation in Unternehmen wie Facebook, Amazon, Alphabet, Apple, Microsoft und andere Großkonzerne zu erhöhen.

Thematische Ansätze in Bezug auf die Aktienmärkte sind nichts Neues und in Europa gibt es aktiv gemanagte Strategien bereits seit den frühen 2000er-Jahren. Anfangs wechselten die aktiven Manager dabei entweder zwischen verschiedenen Themen, wenn diese als attraktiv galten, oder sie engagierten sich in mehreren Themen gleichzeitig. Die zunehmende Verfügbarkeit von Anlagemöglichkeiten in Exchange Traded Funds, die um 2015 ihren Anfang nahm, hat den Markt insofern verändert, dass derzeit fast unbegrenzte thematische Optionen verfügbar sind.

Durch die Einteilung des breiten Universums thematischer Strategien in Kategorien lassen sich die Portfoliobausteine in einem sinnvollen Kontext analysieren. Dabei wurden vier weit gefasste Kategorien ermittelt: „Demografie und soziale Veränderungen“, „Technologische Veränderungen“, „Geopolitische Veränderungen“ und „Umweltbelastungen“. Die Kategorien sind wichtig, um das „Risiko“ für einen kommenden Zeitraum einzuschätzen. Es ist unwahrscheinlich, dass sich alle vier Kategorien über einen bestimmten Zeitraum hinweg gleich gut entwickeln – hingegen ist es wahrscheinlicher, dass beispielsweise Strategien zu „technologischen Veränderungen“ aufgrund der Marktbedingungen stärker begünstigt werden. Eine zukünftige Periode könnte zum Beispiel für „Demografie und soziale Veränderungen“ günstiger ausfallen. Ein Portfolio, das sich ausschließlich aus „technologiefokussierten“ thematischen Strategien zusammensetzt, ist gegenüber veränderlichen Marktbedingungen weniger widerstandsfähig als ein Portfolio, das eine Diversifizierung über den Technologiebereich hinweg anstrebt und in mindestens einer anderen dieser Kategorien investiert ist.

Selbst innerhalb der weit gefassten Kategorie „Technologische Veränderungen“ können sich Investoren auf untergeordneten Ebenen für einen Fokus auf Themen wie „Cloud-Computing“, „Künstliche Intelligenz“, „Cybersicherheit“, „Nanotechnologie“ entscheiden. Anhand dieser Kategorien lässt sich auch das Jahr 2020 in einen Kontext bringen. Im Laufe des vergangenen Jahres stand Cloud-Computing für eine Gruppe von Unternehmen, die während der COVID-19-Lockdowns hilfreiche Lösungen für die Bedürfnisse von Unternehmen und Verbrauchern boten. Ihre Performance spiegelte dies in der Tat wider. Das erste Quartal 2021 zeigte, dass sich die Volatilität bei Cloud-Computing-Strategien kurzfristig wohl erhöhen könnte. Das Hauptaugenmerk muss jedoch darauf gerichtet bleiben, dass die große Mehrheit der Unternehmenssoftware bis 2030 Cloud-basiert sein könnte und die Größe dieses „Kuchens“ sich heute auf rund 4 Billionen USD beläuft1.

Ein weniger langfristig ausgerichtetes und für 2021 opportunistisches Portfolio könnte sich in Richtung künstlicher Intelligenz mit einem starken Engagement in Halbleiter bewegen. Denn Halbleiter werden in zahlreichen Branchen benötigt und im bisherigen Jahresverlauf 2021 ist es bereits zu Engpässen gekommen. Cybersicherheit ist in einer Welt der Telearbeit zu einem interessanten Thema geworden. Trotz schwankender Aktienkurse dürfte die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen stetig steigen.

Wo der Fokus eines Investors im thematischen Universum der Aktienstrategien auch liegen mag, wesentlich ist, dass stets sowohl die Methodik als auch die Komponenten geprüft werden. Es kann zwar sein, dass die Strategien im selben „Thema“ investieren, doch eine genauere Analyse kann unterschiedliche Engagements und zugrunde liegende Unternehmen ergeben. Bei WisdomTree sind wir von fundierten Auswahlmodellen überzeugt, bei denen jede zugrunde liegende Komponente über eine direkte Verbindung zum übergeordneten Thema verfügt. Dies kann sowohl zu einer kürzeren bzw. konzentrierteren Liste von Unternehmen führen als auch, je nach Thema, zu einer längeren Liste von Unternehmen mit unterschiedlichen Beteiligungsgraden in der „Wertschöpfungskette“ des Themas.

Bei thematischen Strategien ist es wichtig, dass die Methodik und das Engagement der Strategie zu den Ansichten des Investors passen und sich in sein Portfolio einfügen. Ansätze, bei denen sich das Engagement mit dem Thema weiterentwickeln kann, sind sogar noch wirkungsvoller.


1 Loten, Angus. „Software Bots Multiply to Cope with ‘Stretched’ Resources.“ Wall Street Journal. 25. Januar 2021.

Weltfrauentag: Frauen fördern mit Mikrofinanz

„Die Förderung von Frauen interessiert mich grundsätzlich – nicht nur am Internationalen Frauentag“, sagt Edda Schröder, Gründerin der Invest in Visions GmbH. Mit dem IIV Mikrofinanzfonds, der dieses Jahr sein 10jähriges Bestehen feiert, unterstützt Invest in Visions mit ihren Investoren MikrokreditnehmerInnen in den Entwicklungs- und Schwellenländern. „In mehr als der Hälfte der Fälle profitieren Frauen von dem Kapital und bekommen dadurch die Chance auf eine bessere Zukunft“, freut sich die Expertin.

Aussichtsreich

Jede Erfolgsgeschichte bestätigt Edda Schröder in ihrer Entscheidung, nicht nur auf die finanzielle, sondern auch auf die soziale Rendite zu achten: „Oftmals sind es die Frauen, die die Familien zusammenhalten, und ihren Kindern eine bessere Zukunft sichern wollen, indem sie ihnen beispielsweise kostenpflichtige Schulen ermöglichen.“ Die Mikrokredite helfen den Frauen nicht nur ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern, sondern auch ihre soziale Stellung. In vielen Ländern wird der gesellschaftliche Status der Frau dadurch gefördert, dass sie mit Hilfe eines Mikrokredites einer selbständigen Tätigkeit nachgehen kann. Oftmals werden Mikrokredite an Frauengruppen vergeben, die teilweise seit mehreren Jahrzehnten existieren. Die Mitglieder der Gruppen haften gegenseitig für die Darlehen, helfen sich aber auch gegenseitig in schwierigen Zeiten. Erfolgsgeschichten gibt es viele:

So verkaufte eine Straßenverkäuferin in Peru eine traditionelle Maisspeise, die sie in ihrer eigenen einfachen Küche herstellte. Mithilfe eines Mikrokredits konnte sie eine professionelle Küche einrichten. Heute hat sie 13 Angestellte, bietet die Maisspeise in 20 Variationen an und verkauft diese an einem Stand sowie über ihren eigenen Cateringdienst.

Auch die erste landwirtschaftliche Erzeugerin von Goji-Büschen in Moldawien hat dem IIV Mikrofinanzfonds viel zu verdanken. 2016 hatte die Bäuerin bereits 6 Hektar Land bepflanzt. Um die Goji-Beeren aufzubewahren, benötigte sie ein Kühlhaus – auch um die Beeren zusätzlich gefroren anbieten zu können. Für den Kauf von Tiefkühlgeräten nahm sie einen Mikrokredit auf. Mittlerweile läuft ihr Geschäft so gut, dass sie ihre Beeren auch im Ausland verkauft. Das dritte und vorerst letzte Darlehen nahm sie im November 2020 auf. 

Ausgezeichnet

Ende 2020 wurde Schröder vom Karrierenetzwerk „Fondsfrauen“ zur „Frau des Jahres“ gewählt. Die Auszeichnung erhielt sie für ihr Engagement für Frauen in den Entwicklungs- und Schwellenländern sowie für ihre besondere unternehmerische Leistung als Pionierin in Sachen Mikrofinanz. „Edda Schröder ist eine sehr mutige Frau, die ihren eigenen Weg gegangen ist. Mit ihrem beruflichen Thema Impact Investing erzielt sie eine positive Wirkung für Frauen und Mütter, die es sonst sehr schwer haben“, begründete die Jury ihre Wahl. Auch als Unternehmen gehe Invest in Visions mit positivem Beispiel voran: Fast 60 Prozent der Mitarbeitenden sind Frauen.

Ausgesucht

Zurzeit ist Invest in Visions in 33 Ländern weltweit aktiv. Der Fonds fokussiert sich auf Latein- und Mittelamerika, die Karibik, Afrika, Asien, Zentralasien, den Kaukasus und Osteuropa, den Nahen Osten sowie den pazifischen Raum. Mit 84 Mikrofinanzinstituten (MFIs), deren Management-Teams insgesamt aus über einem Drittel Frauen bestehen, arbeitet Invest in Visions mittlerweile zusammen. Das Angebot an MFIs ist natürlich viel umfangreicher, aber für jede Entscheidung waren entweder Schröder selbst oder ihre Mitarbeiter vor Ort, um die Qualität der Institute zu überprüfen. „Als Unterzeichner der Principles for Responsible Investment (PRI) prüfen wir jede neue Partnerschaft und überzeugen uns beispielsweise davon, dass angemessene Zinssätze verlangt werden und die Auswahl der Projekte den ESG-Kriterien der Weltbank folgt“, so Schröder.

Corona habe allerdings einiges durcheinandergewirbelt: „Normalerweise mache ich jedes Jahr mindestens drei bis vier Reisen, um uns vor Ort zu vergewissern, dass die Projekte unseren Vorstellungen und Regeln entsprechen. Aber die Pandemie hat mir leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Glücklicherweise haben wir vertrauensvolle Partner vor Ort, mit denen wir im ständigen Austausch stehen“, reflektiert Schröder.


Über INVEST IN VISIONS

Die Invest in Visions GmbH wurde 2006 von Edda Schröder mit der Vision gegründet, institutionellen und privaten Anlegern den Zugang zu Impact Investments zu ermöglichen, also zu Anlagen, die neben finanziellen Erträgen auch positive gesellschaftliche Auswirkungen bieten.
Wir haben uns als Mikrofinanzinvestor der ersten Stunde einen Namen gemacht und im Jahr 2011 mit der Auflegung des IIV Mikrofinanzfonds als erstem Fonds dieser Anlageklasse in Deutschland für private und institutionelle Anleger einen wichtigen Meilenstein erreicht.
Neben Mikrofinanz beschäftigen wir uns mit den Bereichen Bildung, erneuerbare Energien (dezentrale Projekte) und nachhaltige Agrarwirtschaft sowie mit der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) und ganz allgemein mit sozialen Projekten und Wirkungskrediten. Unsere Produktlösungen sind dabei Fonds und eine Inhaberschuldverschreibung (IIV Mikrofinanz-Anleihe).
Die Invest in Visions GmbH verwaltet per 05.01.2021 ein Vermögen von über 851 Millionen Euro in drei Impact-Investment-Fonds.

Impact Investing: Corona und die SDGs

von Ariane Schoen, Project Manager / Business Development, Invest in Visions.

Bereits vor der Corona-Pandemie drohte die Weltgemeinschaft das Erreichen der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die sogenannten „Sustainable Development Goals“ (SDGs) zu verfehlen. Aus diesem Grund hatten die Vereinten Nationen die verbleibende Zeit bis 2030 zum „Jahrzehnt des Handelns“ ausgerufen. Die Auswirkungen der Pandemie selbst sowie der Maßnahmen zur Einschränkung derselben haben dieses Verfehlen dramatisch verschärft.

Das genaue Ausmaß der Pandemie wird erst allmählich sichtbar. Klar ist, dass sie alle Bevölkerungsschichten, alle Wirtschaftszweige und alle Regionen der Welt erfasst hat. Vor allem haben sich die existierenden Ungleichheiten innerhalb von Gesellschaften und zwischen Ländern offenbart und verschärft, indem sie die vulnerabelsten Menschen der Welt am stärksten trifft. Daher sind alle Staaten der Weltgemeinschaft, so wie es die SDGs fordern, dazu angehalten, ihre Anstrengungen zu intensivieren, um die festgelegten Ziele zu erreichen.

Im aktuellen Bericht der Vereinten Nationen zur Erreichung der SDGs werden die umfassenden Auswirkungen der Pandemie ausführlich dargestellt.1 Im Folgenden möchten wir insbesondere auf die SDGs eingehen, zu denen wir durch unsere Investitionen in den Bereichen Mikrofinanz, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie finanzielle Inklusion beitragen.

SDG 1: Armut in allen ihren Formen und überall beenden

Seit 2010 hatte sich weltweit der Anteil der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben (1,90 US-Dollar pro Tag) von 15,7 auf 10% im Jahr 2015 verringert. Das Tempo dieser Reduktion hat sich jedoch bereits schon 2019 verlangsamt. Für vergangenes Jahr geht man von einer Verringerung auf 8,2% aus. Mit dieser Geschwindigkeit wäre das Ziel (Reduktion dieser Form der Armut auf 0 bis zum Jahr 2030) nicht erreicht worden. Schätzungen zufolge hat sich dieser Wert durch die Corona-Pandemie sogar auf 8,8% für das Jahr 2020 erhöht, eine Differenz von über einem Prozentpunkt gegenüber der ursprünglichen Annahme von 7,7%. Dies bedeutet, dass durch die Corona-Pandemie voraussichtlich zusätzlich 71 Millionen Menschen in extremer Armut leben werden, vor allem in Asien und Subsahara-Afrika. Dies ist umso verheerender, da die Sozialschutzsysteme in diesen Regionen meist nicht gut ausgebaut sind. In Zentral- und Südasien sowie in Subsahara-Afrika sind nur 4 respektive 7% der vulnerablen Bevölkerung durch Sozialschutzsysteme abgesichert, wie beispielsweise Versicherungen im Krankheitsfall oder für den Fall der Arbeitslosigkeit.

Anteil der weltweiten Bevölkerung, der unter 1,90 US-Dollar/Tag lebt


Quelle: United Nations (2020): The Sustainable Development Goals Report: https://unstats.un.org/sdgs/report/2020/ (zuletzt aufgerufen: 14.10.2020)

SDG 2: Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

Während die chronische Unterernährung seit 2014 relativ konstant bei knapp unter 9% liegt, hat sich der Anteil an Menschen, die an Nahrungsmittelunsicherheit leiden, seitdem weltweit von 22,4 auf 25,9% (oder auch um 2 Milliarden Menschen) erhöht. Durch die Corona-Pandemie könnten im Jahr 2020 zusätzlich bis zu 132 Millionen weitere Menschen, insbesondere benachteiligte Bevölkerungsgruppen, an Nahrungsmittelunsicherheit leiden. Hinzu kommen Konflikte und Klimaschocks, die eine zusätzliche Bedrohung für die Verlässlichkeit von Nahrungsmittelsystemen darstellen. Besonders für KleinbauerInnen stellt dies eine große Herausforderung dar. Die zur Eindämmung des Virus eingeführten Maßnahmen führten dazu, dass lokale Märkte schließen mussten und Produkte nicht zu den KonsumentInnen gelangen konnten.

Gerade für Kinder ist eine ausgewogene und gesicherte Ernährung zentral, da sonst Fehlentwicklungen im Wachstum die Folge sind. Im Jahr 2019 waren immer noch 144 Millionen (21,3%) Kinder im Alter von unter fünf Jahren weltweit von chronischer Unterernährung betroffen.2 Auch wenn dies bereits eine positive Entwicklung seit 2015 darstellt, wo die chronische Unterernährung von Kindern unter fünf Jahren bei 23% lag, so sind große Anstrengungen notwendig, um diesen Anteil auf den Zielwert von unter 
82 Millionen im Jahr 2030 zu bringen. Paradoxerweise nimmt gleichzeitig die Häufigkeit von Übergewicht bei Kleinkindern zu, welches als Warnzeichen für zukünftige Gesundheitsprobleme erachtet wird. Im Jahr 2019 waren weltweit 5,6% (oder 38 Millionen) der Kinder unter fünf Jahren übergewichtig. Übergewicht und Mangelernährung koexistieren oft in der gleichen Bevölkerung. In Südostasien beispielsweise lag die Mangelernährung im Jahr 2019 bei 8,2%, während Übergewicht 7,5% betrug. 

SDG 5: Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen

In den vergangenen Jahren konnten Erfolge in Bezug auf die Geschlechtergleichstellung erreicht werden, beispielsweise in der Reduktion von Kinderheirat und weiblicher Genitalverstümmelung sowie in der zunehmenden Vertretung von Frauen in Entscheidungspositionen. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg bis zur Zielerreichung und die Corona-Pandemie hat insbesondere Entwicklungen in Bezug auf dieses SDG zurückgeworfen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Frauen dem Risiko einer Coronavirus-Erkrankung am meisten ausgesetzt sind, da sie weltweit fast 70% der Gesundheits- und SozialarbeiterInnen ausmachen.

Durch die Umstände der Krise kam es bereits zu einem Anstieg der Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Ausgangsbeschränkungen verstärken das Risiko häuslicher Gewalt, weil Frauen mit gewaltbereiten Partnern eingeschlossen sind und Hilfsangebote schwerer wahrnehmen können. Ökonomische Engpässe verstärken diese Situation. Darüber hinaus übernehmen Frauen – sowohl in Industrienationen als auch in Schwellenländern – durch die Schließung von Kinderbetreuungseinrichtungen meistens zusätzliche Betreuungsaufgaben. Die Schließung führt auch dazu, dass Erfolge beim Zugang zu Bildung insbesondere für Mädchen zurückgeworfen werden. Unterstützungsprogramme für Frauen, wie beispielsweise gegen weibliche Genitalverstümmelung mussten durch die Corona-Pandemie unterbrochen werden, sodass Fortschritte in dieser Hinsicht verlangsamt bzw. sogar rückläufig sein werden.

SDG 8: Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

Nach dem globalen Wirtschaftsabschwung im Jahr 2009, erholten sich die Arbeitsproduktivität und Arbeitslosenzahlen wieder allmählich. Die Corona-Pandemie hat diese Erholung jedoch ins Stocken gebracht, da ihre Folgen sich nachteilig auf die Arbeitsmärkte der Welt auswirken, insbesondere auf Beschäftigte im informellen und störungsanfälligen Sektor sowie Selbstständige und Tagelöhner. Es ist mit dem höchsten Anstieg der Arbeitslosigkeit seit dem Zweiten Weltkrieg zu rechnen. Es könnten etwa 1,6 Milliarden Beschäftigte in der informellen Wirtschaft – die Hälfte der weltweiten Erwerbsbevölkerung – erheblich betroffen sein. Gleichzeitig ist ihr Einkommen in manchen Regionen der Welt in den ersten Monaten der Krise um bis zu 81% gesunken. Damit bis 2030 menschenwürdige Arbeit für alle erreicht werden kann, sind erhebliche politische Maßnahmen notwendig, besonders um Beschäftigte im informellen Sektor zu schützen.

Des Weiteren legt SDG 8 als Ziel fest, dass die sogenannten „least developed countries“ (LDCs) pro Jahr ein reales BIP-Wirtschaftswachstum von 7% aufweisen sollen. Bereits in den letzten Jahren wurde dieses Ziel verfehlt und es scheint relativ unwahrscheinlich, dass dies für die kommenden Jahre erreicht werden wird. Die Wachstumsrate des realen BIP der LDCs erreichte bereits 2019 nur 4,8%. Aufgrund der Corona-Pandemie wird erwartet, dass sich diese Rate auf 0,8% im Jahr 2020 abgeschwächt hat und 2021 mit einer Rate von 4,6% wieder ansteigen wird. 

Jährliche Wachstumsraten (in %) des weltweiten BIP/Kopf und BIP in LDCs


Quelle: United Nations (2020): The Sustainable Development Goals Report: https://unstats.un.org/sdgs/report/2020/ (zuletzt aufgerufen: 14.10.2020)

SDG 9: Eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen

Ein wichtiger Bestandteil zur Zielerreichung von SDG 9 ist das verarbeitende Gewerbe. Bereits vor der Corona-Pandemie verlangsamte sich das globale Wachstum dieses Sektors in allen Regionen. In den „least developed countries“ stieg der Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP von 10,0% im Jahr 2010 auf 12,4% im Jahr 2019. Dieser Anstieg war auch vor der Corona-Pandemie nicht ausreichend, um eine Verdopplung des Anteils der Industrie am BIP bis 2030 zu erreichen – so wie es die Zielerreichung von SDG 9 vorgibt. Corona hat diesen Trend verschärft: im ersten Quartal 2020 verzeichnete das verarbeitende Gewerbe aufgrund von Maßnahmen zur wirtschaftlichen Abschottung einen starken Rückgang um 6%. Aufgrund der Rolle des verarbeitenden Gewerbes am gesamtwirtschaftlichen Wachstum, hat dieser Einbruch schwerwiegende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Um die Weltwirtschaft wiederzubeleben und somit das Ziel von SDG 9 zu erreichen, ist außerdem ein besserer Zugang zu Finanzdienstleistungen für die Kleinindustrie erforderlich. Kleine Industrieunternehmen sind von zentraler Bedeutung für die Schaffung von Einkommen und die Linderung der Armut. Gleichzeitig sind kleine Industrieunternehmen aufgrund ihrer geringen Größe und begrenzter Ressourcen anfällig für unerwartete Ereignisse wie Naturkatastrophen oder auch Pandemien. Ohne finanzielle Auffangsysteme können sie Krisen nur schlecht bewältigen. Daher ist für sie der Zugang zu Krediten besonders wichtig. 

Was bedeuten diese Entwicklungen für Invest in Visions?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen alle Regionen, Wirtschaftszweige und Bevölkerungsschichten der Welt, besonders diejenigen, die sowieso schon am vulnerabelsten sind. Die Analyse des Status Quo der SDGs, die in diesem Artikel nicht erwähnt wurden, zeigt, dass auch hier umfassende Auswirkungen der Pandemie zu verzeichnen sind. Daher sind nun besonders große Anstrengungen von allen Akteuren des privaten und öffentlichen Sektors notwendig, um die Ziele noch annähernd zu erreichen.

Auch Invest in Visions möchte einen Beitrag zur Erreichung der SDGs leisten. Über den Mikrofinanzfonds werden Mikrofinanzinstitute und andere Kreditinstitute weltweit refinanziert, wodurch der Zugang zu Krediten insbesondere für KleinstunternehmerInnen ermöglicht wird. Auf diese Weise tragen wir direkt zur Erreichung der SDGs 8 und 9 bei. Des Weiteren fördert der Zugang zu Krediten für Frauen deren Selbstständigkeit und somit die Erreichung von SDG 5. Gleichzeitig hat die Aufnahme eines Kredits auch immer eine soziale Dimension, dadurch Armut reduziert und Nahrungsmittelsicherheit verbessert werden kann (SDG 1 und 2). Zudem können die Folgen einer Krise, wie sie sich derzeit global durch die Corona-Pandemie darstellt, abgefedert werden. Insofern stellen die Aktivitäten von IIV einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der SDGs dar.


1) Vollständiger Bericht zu lesen unter: United Nations (2020): The Sustainable Development Goals Report: https://unstats.un.org/sdgs/report/2020/ (zuletzt aufgerufen: 14.10.2020).
2) Für das Jahr 2020 liegen noch keine aktuellen Zahlen vor.

Über INVEST IN VISIONS

Die Invest in Visions GmbH wurde 2006 von Edda Schröder mit der Vision gegründet, institutionellen und privaten Anlegern den Zugang zu Impact Investments zu ermöglichen, also zu Anlagen, die neben finanziellen Erträgen auch positive gesellschaftliche Auswirkungen bieten.
Wir haben uns als Mikrofinanzinvestor der ersten Stunde einen Namen gemacht und im Jahr 2011 mit der Auflegung des IIV Mikrofinanzfonds als erstem Fonds dieser Anlageklasse in Deutschland für private und institutionelle Anleger einen wichtigen Meilenstein erreicht.
Neben Mikrofinanz beschäftigen wir uns mit den Bereichen Bildung, erneuerbare Energien (dezentrale Projekte) und nachhaltige Agrarwirtschaft sowie mit der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) und ganz allgemein mit sozialen Projekten und Wirkungskrediten. Unsere Produktlösungen sind dabei Fonds und eine Inhaberschuldverschreibung (IIV Mikrofinanz-Anleihe).
Die Invest in Visions GmbH verwaltet per 05.01.2021 ein Vermögen von über 851 Millionen Euro in drei Impact-Investment-Fonds.

Myanmar: Positive Aussichten für Mikrofinanz trotz Staatsstreich

von Dr. Carlos De las Salas Vega, Chief Investment Officer der Invest in Visions GmbH. 

Am 1. Februar 2021 hat in Myanmar das Militär durch einen Staatsstreich die Kontrolle übernommen. Ein einjähriger Ausnahmezustand wurde verhängt, zahlreiche PolitikerInnen der Partei „National League for Democracy“ (NLD) verhaftet. Die anfangs friedlichen Demonstrationen von NLD-AnhängerInnen verschärfen sich derzeit. Dennoch scheint das alltägliche Leben der Bevölkerung von diesen Ereignissen bis jetzt relativ unberührt, da beispielsweise Banken zum Großteil geöffnet sowie Internet- und Datenverbindungen größtenteils verfügbar sind. Soziale Medien sind jedoch weiterhin blockiert.

Wir sind mit unserem IIV Mikrofinanzfonds seit 2018 in Myanmar aktiv. Wir beobachten die aktuelle Situation aufmerksam, um unsere Aktivitäten im Land möglichst weiterführen zu können. Zum einen sehen wir ein großes Wachstumspotenzial für den dortigen Mikrofinanzsektor. Sollte sich die Wirtschaft von den Auswirkungen durch die Corona-Pandemie wie erwartet in den kommenden Monaten erholen, wird auch der Bedarf an Finanzierungen steigen. Zum anderen ist es gerade in Krisensituationen wie dieser wichtig, den Menschen vor Ort eine Hilfestellung zu bieten. Mikrofinanz ist ein leistungsfähiges Instrument, um Armut zu verringern und Lebensbedingungen zu verbessern. Mit Hilfe von Mikrokrediten können einkommensschaffende Aktivitäten aufgenommen und notwendige soziale Ausgaben wie beispielsweise für Bildung finanziert werden.

Nicht nur aufgrund der momentanen prekären Lage und um auf Herausforderungen, die daraus resultieren, gemeinsam reagieren zu können, sind wir im ständigen Austausch mit unseren Partnern vor Ort. Wir sprechen auch mit weiteren Mikrofinanzinstituten (MFIs), um auf eine steigende Finanzierungsnachfrage in Myanmar reagieren zu können. Wir werden neue Investitionen jedoch erst tätigen, wenn die politische Situation und die Auswirkungen des Putsches genauer einzuschätzen sind.

IIV Mikrofinanzfonds in Myanmar

In der Länderdiversifikation macht das Land mit einer Investitionssumme von 6 Millionen Euro derzeit 0,67 Prozent des Fondsvermögens aus. Erst im Dezember 2020 hat Invest in Visions ein Darlehen an das MFI LOLC Myanmar Microfinance Co Ltd. vergeben. Es bestehen außerdem Darlehensverträge mit dem MFI Alliance for Microfinance in Myanmar. Beide MFIs berichten uns, dass ihre Filialen weitgehend geöffnet sind. Zwar wurden Auszahlungen als Vorsichtsmaßnahme reduziert, Rückzahlungen werden jedoch weiterhin angenommen.

Der Fokus der von uns unterstützen MFIs in Myanmar liegt auf dem Zugang zu Krediten für Frauen. Zusammen bedienen beide MFIs mehr als 450.000 KundInnen im Land (86 Prozent Frauen), die Mehrheit ihrer MitarbeiterInnen sind Frauen (66 Prozent), auch auf der Management-Ebene (64 Prozent). Die MFIs vergeben Kredite von durchschnittlich 380 US-Dollar. Die Mehrheit der Kredite wird in ländlichen Gebieten vergeben (60 Prozent). Die dadurch geförderten wirtschaftlichen Aktivitäten finden größtenteils im Sektor Dienstleistungen und Handel (62 Prozent), gefolgt vom Bereich Landwirtschaft (29 Prozent) statt.


Über INVEST IN VISIONS

Die Invest in Visions GmbH wurde 2006 von Edda Schröder mit der Vision gegründet, institutionellen und privaten Anlegern den Zugang zu Impact Investments zu ermöglichen, also zu Anlagen, die neben finanziellen Erträgen auch positive gesellschaftliche Auswirkungen bieten. Wir haben uns als Mikrofinanzinvestor der ersten Stunde einen Namen gemacht und im Jahr 2011 mit der Auflegung des IIV Mikrofinanzfonds als erstem Fonds dieser Anlageklasse in Deutschland für private und institutionelle Anleger einen wichtigen Meilenstein erreicht.
Neben Mikrofinanz beschäftigen wir uns mit den Bereichen Bildung, erneuerbare Energien (dezentrale Projekte) und nachhaltige Agrarwirtschaft sowie mit der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) und ganz allgemein mit sozialen Projekten und Wirkungskrediten. Unsere Produktlösungen sind dabei Fonds und eine Inhaberschuldverschreibung (IIV Mikrofinanz-Anleihe).
Die Invest in Visions GmbH verwaltet per 05.01.2021 ein Vermögen von über 851 Millionen Euro in drei Impact-Investment-Fonds.
Aufgrund der langjährigen Erfahrung unseres internationalen mehrköpfigen Portfoliomanagement-Teams und unseres spezialisierten Netzwerks verfügen wir über umfassende Expertise in der Auswahl und Bewertung nachhaltiger und sozialer Investmentprodukte.

Wachsende Biotech-Erfolge bei Seltenen Krankheiten

von Mario Linimeier, Geschäftsführender Gesellschafter und Portfoliomanager der Medical Strategy GmbH, an der die apoAsset beteiligt ist.

In der EU gilt eine Krankheit als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen von ihr betroffen sind. Von diesen Seltenen Krankheiten (Orphan-Erkrankungen) gibt es weltweit rund 7.000. Forschungserfolge in der Medizin ermöglichen immer häufiger ihre Behandlung. Es handelt sich um einen Bereich des Gesundheitssektors mit sehr guten Wachstumsperspektiven.

Die Zahlen machen den Handlungsbedarf deutlich: In rund 50 Prozent der Fälle sind Kinder von Orphan‐Erkrankungen betroffen. Rund 30 Prozent von ihnen sterben, bevor sie fünf Jahre alt sind. Es handelt sich also häufig um sehr schwerwiegende und lebensbedrohliche Krankheiten.

Bislang sind erst fünf Prozent dieser Seltenen Erkrankungen mit zugelassenen Medikamenten behandelbar. Es besteht somit ein enormer Bedarf an neuen und innovativen Therapien. Allein in den USA, dem größten Healthcare‐Markt der Welt, leiden schätzungsweise 25 bis 30 Millionen Menschen unter Orphan‐Krankheiten und benötigen wirksame Behandlungsoptionen. In der EU leben ähnlich viele Menschen mit einer Seltenen Krankheit, allein in Deutschland sind es vier Millionen Menschen, so das Bundesministerium für Gesundheit.

Staatliche Unterstützung

Die Seltenheit der verschiedenen Krankheiten erschwert medizinisch und wirtschaftlich die Entwicklung neuer Medikamente und ihre Behandlung. Daher haben die Staaten für die Arzneimittelhersteller verschiedene Anreize geschaffen, damit für diese Nischen‐Indikationen neue Therapien entwickelt werden. So gilt in den USA eine siebenjährige Marktexklusivität. In Europa ist der Schutz sogar zehn Jahre lang gültig. Die Forschung ist aufwendig und von Rückschlägen begleitet, das Skalierungspotenzial erfolgreicher Therapien ist begrenzt. Die Behandlungskosten sind daher nicht mit anderen Medikamenten vergleichbar und können durchaus im sechsstelligen US‐Dollar‐Bereich liegen.

Die öffentliche Hand unterstützt Unternehmen in diesem Bereich mit steuerlichen Vergünstigungen und kurzen Zulassungswegen. In der Regel reichen positive Ergebnisse in kleinen Studien mit wenigen Patienten aus, um eine Zulassung zu erhalten. Für die entsprechenden Biopharma‐Unternehmen bringt das spürbare Vorteile. Die Entwicklungszeiten sind tendenziell kurz, was sich auch positiv auf die Kosten auswirkt.

Schließlich gelten die Patienten als gut informiert und untereinander eng vernetzt, um sich über Therapieansätze und ‐erfolge schnellstmöglich auszutauschen. Diese Diskussion hilft auch den Unternehmen bei der Entwicklung, Verbreitung und Optimierung der Therapien.

Aussichtsreicher Wachstumsmarkt

Angesichts der genannten Anreize ist die Entwicklung von Orphan‐Arzneimitteln für die Biopharma‐Industrie ein wichtiges Segment. Darüber hinaus ermöglichen neue Erkenntnisse in der molekularbiologischen Forschung die Entwicklung neuer, hochwirksamer Behandlungsansätze ‐ zum Beispiel von Gentherapien oder RNA‐basierten Therapien.

Dies schlägt sich auch in den Umsatz‐Prognosen für das Orphan‐Segment nieder: Der Umsatz für Arzneien zur Behandlung Seltener Krankheiten soll von 150 Milliarden US‐Dollar im Jahr 2020 auf mehr als 240 Milliarden US‐Dollar in 2024 wachsen. Das bedeutet einen Anstieg von 60 Prozent in gerade einmal vier Jahren beziehungsweise von 12,3 Prozent per annum. Zum Vergleich: Der Markt für herkömmliche Medikamente wächst jährlich um sechs Prozent.

Und noch eine Prognose weist auf die stark zunehmende Bedeutung von Therapien zur Behandlung Seltener Krankheiten hin: Der Anteil der Arzneimittel zur Behandlung von Orphan‐Krankheiten am gesamten Medikamentenmarkt soll sich bis 2024 im Vergleich zum Jahr 2010 auf 20 Prozent verdoppeln.

Aktien‐Segment mit Potenzial

Diese Zahlen verdeutlichen das enorme Wachstum dieses Marktsegments. Seltene Krankheiten sind für die entsprechenden Biopharma‐Unternehmen kein Randthema mehr, sondern ein zunehmend wichtiger Teil ihrer Aktivitäten. Sind diese Unternehmen börsennotiert, bieten sie Anlegern die Chance, an diesem medizinisch und sozial wichtigen Marktsegment wirtschaftlich teilzuhaben. Investoren sollten jedoch auch immer bedenken, dass es nicht unerhebliche Rückschlagrisiken gibt, wenn ein neuer und innovativer Wirkstoff nicht die Marktreife erlangt. Daher ist eine breite Streuung anzuraten. Angesichts der Fülle an potenziell bahnbrechenden Medikamenten, die sich derzeit in der Entwicklung befinden, gibt es zahlreiche Investmentopportunitäten.


Über Mario Linimeier

Mario Linimeier ist Geschäftsführender Gesellschafter und Portfoliomanager der Medical Strategy GmbH, an der die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) beteiligt ist. Der Betriebswirt und Molekularbiologe ist Co-Manager der Biotechnologie-Fonds von Medical Strategy sowie des Gesundheitsfonds apo Medical Opportunities, den apoAsset und Medical Strategy gemeinsam managen. Er ist seit 2013 bei Medical Strategy, zuerst als Healthcare-Analyst und seit 2016 als Geschäftsführer. Er studierte an der Universität Wien Genetik / Molekularbiologie sowie an der Johannes Kepler Universität Linz und der Seoul National University Wirtschaftswissenschaften.

Über Medical Strategy GmbH

Die Medical Strategy GmbH gehört zu den führenden unabhängigen Healthcare-Investmentberatern Europas und ist seit über 25 Jahren am Markt. Ihre Gesundheitsfonds umfassen ein Anlagevermögen von rund 1,4 Mrd. Euro und erhielten zahlreiche Preise. Das interdisziplinäre Expertenteam verfügt über ein tiefes biowissenschaftliches und anlagerelevantes Know-how. apoAsset und Medical Strategy sind seit 2005 Partner, seit 2019 ist apoAsset auch Mitgesellschafter. Weitere Informationen unter www.medicalstrategy.de.

Über Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,5 Milliarden Euro. Die Schwerpunkte sind ihre vielfach ausgezeichneten Gesundheitsfonds und Multi-Asset-Fonds. Das Unternehmen verfügt über ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung an der Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und die Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de.

Verantwortungsvolle Goldbeschaffung: Berücksichtigung von ESG-Standards

Gold sollte ein fester Bestandteil in jedem Portfolio sein. Denn in Zeiten wirtschaftlichen Schocks verhält sich das Edelmetall typischerweise defensiv, und bietet auch eine Absicherung im Fall einer Inflation, was in Zeiten wirtschaftlichen Wachstums von Vorteil sein kann. Nitesh Shah, Director, Commodity Strategist bei WisdomTree, erklärt im folgenden Kommentar, wie ESG-Faktoren bei Gold-ETPs berücksichtigt werden.

Die überwiegende Mehrheit der institutionellen Investitments in physisches Gold erfolgt über die Good Delivery Bars der London Bullion Metals Association (LBMA). Anleger können so über Finanzinstrumente wie Exchange Traded Products (ETPs) in Gold mit den höchsten ethischen Standards investieren, die einst großen Instituten vorbehalten waren. Das Liefersystem der LBMA setzt Maßstäbe in Bezug auf die Qualität des Edelmetalls, den ethischen Handel und die verantwortungsvolle Beschaffung. Anleger, die LBMA Good Delivery Bars kaufen, können sicher sein, dass ein gemeinsamer Standard erfüllt wurde. Darüber hinaus drängt die Organisation kontinuierlich darauf, dass jedes Jahr höhere Standards eingehalten werden. 

Verantwortungsbewusstes Sourcing

Die LBMA führte 2012 erstmals ein Responsible Sourcing-Programm für Gold ein, das einen gemeinsamen Standard für alle Raffinerien festlegt, obwohl viele der Standards bereits von Mitgliedern erfüllt wurden. Der anfängliche Schwerpunkt lag auf folgenden Bereichen: Menschenrechte, Konflikte und Regierungsführung. Ihre Standards stellten sicher, dass schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Gewinnung, dem Transport oder dem Handel mit Gold vermieden werden. Die Goldproduktion sollte bei Konflikten weder direkt noch indirekt nichtstaatliche bewaffnete Gruppen unterstützen. In Bezug auf die Governance legen die Standards Verfahren fest, um Bestechung, Betrug und Geldwäsche zu vermeiden.

Die Mitglieder der LBMA sind hauptsächlich Goldraffinerien. Die Raffinerien müssen nicht nur nachweisen, dass sie die Standards einhalten, sondern auch einen Due-Diligence-Prozess durchführen, um sicherzustellen, dass das Material, das sie entweder aus Minen oder aus recycelten Quellen verwenden, auch den Standards entspricht. Die LBMA verfügt über ein Netzwerk von Wirtschaftsprüfern, die von der LBMA speziell geschult wurden. 

ESG-Faktoren

Im Laufe der Jahre haben sich die Standards der LBMA für verantwortungsbewusstes Sourcing verschärft. Im Jahr 2019 wurden die erweiterten Standards implementiert und erstmals ESG-Bewertungen eingeführt. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie eine Goldraffinerie ihre ESG-Verantwortlichkeiten demonstrieren kann:

  1. durch ihre Tätigkeit als Raffinerie; oder 
  2. ihre verantwortungsvollen Beschaffungspraktiken mit der vorgelagerten Lieferkette

Raffinerien werden ermutigt, das unternehmerische Engagement mit dem liefernden Goldbergbau zu stärken, und diese Unternehmen beim Aufbau ihrer eigenen Due-Diligence-Kapazitäten zu unterstützen. Raffinerien müssen das Risiko in der gesamten Lieferkette einschließlich der Umweltpolitik und -praktiken der Minenarbeiter bewerten.

Maximieren von verantwortungsbewusstem Sourcing über WisdomTree

Bei WisdomTree erkennen wir die schrittweise Umsetzung der hohen Standards der LBMA an. 2012 war der Wendepunkt, an dem verantwortungsbewusstes Sourcing ein Merkmal des Goldmarktes wurde und 2019 das Jahr, in dem ESG-Faktoren zu einem formalen Standard auf dem Goldmarkt wurden.  Das gesamte physisch abgesicherte Gold-ETP-Sortiment von WisdomTree wird von LBMA Good Delivery Bars gesichert, die nach 2012 hergestellt wurden. Wir wechseln  in unserem Gold-ETP-Sortiment jedoch zunehmend zu Goldbarren, die nach 2019 hergestellt wurden.

Wir gehen davon aus, dass die Leitlinien für verantwortungsbewusstes Sourcing der LBMA die ESG-Anforderungen weiter stärken werden. Möglicherweise werden auch die Standards für recyceltes Gold verschärft. Das Ziel von WisdomTree ist es, Kunden die Einhaltung der höchstmöglichen ethischen Standards zu ermöglichen, wobei die Liquidität und Verfügbarkeit der neuesten Goldbarren berücksichtigt werden.


Weitere Informationen zu Investitionen in Gold finden Sie unter: wisdomtree.eu/gold

Infrastruktur als wesentlicher Treiber für nachhaltiges Wachstum in Schwellenländern

Die Folgen der Covid-19-Pandemie sind auch in manchen Infrastruktursektoren in den Entwicklungsländern zu spüren. Andererseits sind Megatrends wie die Energiewende, Urbanisierung und Digitalisierung jedoch ungebrochen und werden sich weiter in Infrastrukturinvestitionen niederschlagen. Gianfranco Saladino, Head of Sustainable Infrastructure Investments bei BlueOrchard, erläutert, warum Infrastrukturinvestments nach der Pandemie für nachhaltiges Wachstum in den Schwellenländern sorgen werden.

Die Infrastruktursektoren in Schwellenländern wurden unterschiedlich von der Corona-Pandemie getroffen. Vermögenswerte, die maßgeblich vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) abhängen, verloren an Wert, BIP-korrelierte Vermögenswerte im Transportwesen wie Flughäfen, Häfen und Mautstraßen gerieten unter Druck. Im Vergleich dazu erwiesen sich als relativ widerstandsfähig vertraglich festgeschriebene Vermögenswerte des Güterverkehrs, die im globalen Handels- und Warenflusses eingesetzt werden, wie Container, Eisenbahnwaggons und Flussschiffe. Weniger von der Pandemie betroffen waren soziale Infrastruktur, erneuerbare Energien und Telekommunikation, da sie von makroökonomischen Veränderungen geringer beeinträchtigt werden.

Erneuerbare Energien, Transportgüter und digitale Infrastruktur im Fokus

Viele Schwellenländer haben in den vergangenen Jahren bedeutende Infrastrukturprogramme aufgelegt, insbesondere im Energiesektor. Diese Investitionen dürften nicht in dem Maße zurückgehen wie in früheren Krisenzeiten. Daher werden sich Investoren weiterhin auf den Energiesektor und hier vor allem auf erneuerbare Energien fokussieren. Generell wird vermutlich mehr internationales Privatkapital in erneuerbare Energien in den Schwellenländern fließen. Grund dafür ist eine Kombination aus Spillover- und Lerneffekten in diesen Ländern, weiter sinkende Investitions- und Lebenszykluskosten für Anlagen erneuerbarer Energien sowie der zunehmenden politischen Bedeutung von Klimaschutz in Schwellenländern. Dies könnte zu einem zunehmenden Wettbewerb in bestimmten Ländern führen, was wiederum den Druck auf die Renditen erhöht. Hinsichtlich der Transportgüter dürfte die Bewertung von weniger BIP-bezogenen Anlagen 2021 relativ hoch bleiben, da Investoren deren Attraktivität und Stabilität über Zyklen hinweg erkennen. Darüber hinaus hat die Covid-19-Pandemie gezeigt, wie wichtig die digitale Konnektivität für die gesellschaftliche Resilienz und die Geschäftskontinuität in Krisenzeiten ist. Bereits 2020 stieg das Transaktionsvolumen im Bereich der Kommunikationsinfrastruktur in den Schwellenländern an. Dies wird sich 2021 vermutlich noch beschleunigen.

Schwerpunkt Asien

Ein Großteil der Infrastrukturausgaben könnte in Zukunft auf Asien entfallen. Steigende Einkommen und ein anhaltender Trend zur Urbanisierung werden zu einem wachsenden Bedarf an Infrastruktur führen, wie beispielsweise Smart Cities, Telekommunikationsinfrastruktur und städtische Mobilität. Die Stromnachfrage wird sich vermutlich weiterhin deutlich erhöhen. Angetrieben wird diese Nachfrage von der demografischen Entwicklung, der zunehmende Industrietätigkeit und der anhaltenden Kostensenkung für erneuerbare Energien. Die Renditen werden wahrscheinlich sinken, da internationale Investoren zunehmend in der Region, insbesondere in Südostasien, investieren.

Warum Infrastrukturinvestitionen in Schwellenländern lohnen

Schwellenländer bieten viele attraktive Investitionsmöglichkeiten in nachhaltige Infrastruktur, die es Investoren ermöglichen, robuste risikoadjustierte Renditen zu erzielen. Darüber hinaus bieten Investitionen in diesem Bereich die Möglichkeit, nicht nur zum Bau wichtiger Infrastruktur in Schwellenländern beizutragen, sondern auch zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Zukunft, zum Wirtschaftswachstum und zum Generieren von Arbeitsplätzen. Für dieses Jahr sehen wir eine Beschleunigung der Deal-Aktivitäten in widerstandsfähigen Infrastruktursektoren wie der erneuerbaren Energieerzeugung sowie der Dateninfrastruktur. Angetrieben werden diese Aktivitäten durch sich verbessernde Fundamentaldaten des Sektors sowie die steigende Nachfrage der Investoren nach stabilen, vertraglich gebundenen Vermögenswerten, die einen positiven Beitrag zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen liefern.


Über Blue Orchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges,integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 8 Mrd. USD in 80 Schwellen- und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter UCITS- sowie alternativer Investmentfondsmanager (AIFM). Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com.

Digitale Infrastruktur und langfristig vermietete Immobilien bieten beste Wachstumschancen

Aviva Investors, die global tätige Asset-Management-Gesellschaft des britischen Versicherers Aviva plc., erwartet die höchsten Renditen beim Aufbau digitaler Infrastrukturen. Dabei rechnet der Vermögensverwalter damit, dass Großbritannien mittelfristig in mehreren Real-Asset-Sektoren und -Strategien besser abschneiden wird als Europa. Das geht aus dem zweiten jährlichen Real Assets House View-Ausblick von Aviva Investors hervor, der heute veröffentlicht wurde.

Der Real Assets House View bündelt die Ansichten und Analysen der Investmentteams von Aviva Investors in den Bereichen Immobilien, Infrastruktur und Private Debt und dient als Grundlage für Relative-Value-Entscheidungen bei Multi-Asset-Allokationen.

Aviva Investors erwartet demnach die höchste Gesamtrendite über fünf Jahre für institutionelle Investoren beim Aufbau digitaler Infrastruktur, wie Glasfaser-Breitband in ländlichen Gebieten. Das entspricht den Ergebnissen der Real Assets Studie von Aviva Investors aus 2020. Dort gaben die befragten Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften an, Kapitalwachstum zunehmend als "integralen" oder "wichtigen" Bestandteil ihrer Sachwertinvestitionen anzusehen.

Mark Versey, Chief Executive Officer bei Aviva Investors, kommentiert: „Während Widerstandsfähigkeit und Cashflow-Matching nach wie vor stark favorisierte Eigenschaften von Real Assets sind, sind sich die Investoren zunehmend der Vorteile einer Renditediversifizierung bewusst. Das spiegelt sich bei der Entwicklung der Anlagestrategien wider. Digitale Infrastruktur ist ein gutes Beispiel für diesen Trend, der auch einen erheblichen gesellschaftlichen Nutzen mit sich bringt. Dazu zählt eine bessere Anbindung von Gemeinden sowie die Unterstützung von Unternehmen in ländlichen Gebieten."

Aviva Investors geht außerdem davon aus, dass fremdfinanzierte Immobilien mit langer Laufzeit in Großbritannien einen hohen relativen Wert liefern werden. Die Cashflow-Stabilität des Sektors und die Verfügbarkeit von wettbewerbsfähigen, langlaufenden Anleihen ermöglichen es, hochwertige Vermögenswerte fremd zu finanzieren, ohne das Risiko übermäßig zu erhöhen. In der Folge profitierten Long-Income-Strategien in den letzten zwölf Monaten von relativ sicheren Erträgen und Renditen. Auf einer risikobereinigten Basis hält Aviva Investors die Logistikbranche für einen besonders attraktiven Immobiliensektor, was sowohl von zyklischen als auch strukturellen Faktoren getrieben wird.

Chris Urwin, Director of Research, Real Assets, bei Aviva Investors, sagt: „Langfristig vermietete Immobilienanlagen, die an bonitätsstarke Mieter vermietet sind, haben in den letzten zwölf Monaten ihre Widerstandsfähigkeit bewiesen. Mit Blick auf die Zukunft lassen niedrige Investitionsausgaben und inflationsgebundenes Mietwachstum den Sektor attraktiv erscheinen. Da immer mehr Investoren die Attraktivität langfristiger Einnahmen erkennen, sehen wir einen größeren Wettbewerb um kleinere Assets. Infolgedessen könnten größere Assets in vielen Sektoren einen relativen Wert bieten. Deshalb erwarten wir, dass lang vermietete Anlagen eine wichtige Rolle bei Immobilienportfolios spielen werden. Die Pandemie hat außerdem das Augenmerk auf den Aufbau widerstandsfähiger Lieferketten und den Wert der Vorratshaltung gelenkt. Wir gehen von einer weiteren Entwicklung dieses Trends aus und sind mittel- bis langfristig sehr positiv für den Logistiksektor gestimmt."

Die Dekarbonisierung von Gebäuden ist wesentlich, um das Netto-Null-Emissionen-Ziel zu erreichen. Die Herausforderung für die Immobilienbranche besteht darin, dass die Vorteile dieser Initiativen über längere Zeiträume als die typischen Mietvertragslaufzeiten zum Tragen kommen. Dadurch wissen Vermieter nicht, ob sie für solche Investitionen entschädigt werden. Aviva Investors ist der Ansicht, dass Investoren in Immobilien mit langfristigen Mietverträgen gut positioniert sind, um diese Schieflage zu beheben: Da viele Mieter die Gebäude langfristig bewohnen, haben sie oft ein größeres Interesse an den Nachhaltigkeitskriterien der Immobilie, denn diese sorgen wiederum für niedrigere Energiekosten im Laufe der Zeit.

Aviva Investors geht außerdem davon aus, dass kohlenstoffarme Anlagen weiterhin einen Mehrwert für Infrastrukturinvestoren liefern werden. Der Sektor hat sich durch die Pandemie als widerstandsfähig erwiesen und bietet eine wachsende Bandbreite an Investitionschancen. Eine Wertschöpfung erwartet der Asset Manager zudem bei komplexeren Bereichen, wobei Investoren, die über Expertenwissen in diesen Sektoren und Technologien verfügen, wahrscheinlich den größten Vorteil haben werden.

Mark Versey ergänzt: „Als wir vor einem Jahr unseren ersten Real Assets House View veröffentlicht haben, war die Konjunkturlage ganz anders als heute. In Anbetracht der veränderten Wirtschaftsaussichten gehen wir davon aus, dass die Bedeutung von ESG-Kriterien für die langfristige Performance steigt. Da sich Unternehmen, Industrien und Nationen dazu verpflichten, ihre Emissionen bis spätestens 2050 auf Null zu reduzieren, sind Investitionen in die Dekarbonisierung von Gebäuden unerlässlich. Bislang preisen die Immobilienmärkte die Unterschiede in der Nachhaltigkeit von Gebäuden allerdings noch nicht ausreichend ein. Mit einer steigenden Nachfrage nach realen Vermögenswerten, sehen wir auch mehr Kunden, die Zugang zu komplexeren oder Nischensektoren suchen. Dies wiederum erhöht die Bedeutung von Fachwissen, anspruchsvoller Portfoliobildung und Research-basierten Investmentansätzen."


Den aktuellen Aviva Investors Real Assets House View finden Sie unter folgendem Link: https://www.avivainvestors.com/en-gb/views/real-assets-house-view/

AVIVA INVESTORS

Aviva Investors ist die global tätige Asset-Management-Gesellschaft des britischen Versicherers Aviva plc. Das Unternehmen liefert seinen Kunden weltweit Investmentmanagementlösungen, Dienstleistungen und kundenorientierte Performance. Aviva Investors ist in 14 Ländern im asiatisch-pazifischen Raum, in Europa, Nordamerika und Großbritannien tätig und verwaltet ein Vermögen von 389 Milliarden Euro per 30. Juni 2020.

Nachhaltig investieren – aktiv oder passiv? Am besten beides!

Während die Welt um Lösungen für mehr Nachhaltigkeit ringt, ist die Börsenwelt zusätzlich in zwei weitere Lager gespalten: aktive Investoren einerseits und passive ETF-Fans andererseits. Sollte nachhaltiges Investieren also eher mit aktiven Fonds oder passiven Indexfonds erfolgen? Marc Momberg, Leiter Portfoliomanagement bei der Apo Asset Management GmbH (apoAsset), plädiert in seiner Börsen-Visite für Dialog und gesunden Menschenverstand.

Aktive Fondsmanager suchen gezielt nach besonders aussichtsreichen Wertpapieren oder Zielfonds, um für ihre Anleger mehr Werte als reine Börsenindizes zu schaffen. Dafür gibt es sehr erfolgreiche Beispiele. Dagegen bilden passive börsengehandelte Indexfonds (ETFs) Indizes nach und können damit – unter bestimmten Voraussetzungen – ebenfalls Erfolg haben. Beim Thema Nachhaltigkeit – kurz ESG (Environment, Social, Governance) – gibt es gute Argumente für beide Seiten. In beiden Fällen geht es letztlich darum, das Leben für alle Lebewesen auf dem Planeten so zu beeinflussen, dass es möglichst vielen langfristig gut geht. Doch bei der Entscheidung sollten Anleger die Vor- und Nachteile beider Varianten in Betracht ziehen.

ETFs: Günstiger, aber statisch und weniger Einfluss auf Unternehmen

Passiv nachhaltig investieren können Anleger am einfachsten mit ETFs, die ESG-Indizes abbilden. So werden jene Unternehmen mit mehr Kapital belohnt, die gemäß den jeweiligen Index-Kriterien nachhaltig wirtschaften. Zu empfehlen ist dabei, nicht nur einen beliebigen Nachhaltigkeits-ETF zu kaufen, sondern auf Qualität und eine gute Mischung zu achten. Zum einen gibt es hier große Unterschiede bei Kosten und Handelbarkeit. Zum anderen sollten möglichst mehrere ETFs kombiniert werden, zum Beispiel für unterschiedliche Anlageklassen und Regionen. Dadurch kann die Geldanlage robuster und somit erfolgreicher werden. Passive Fonds verzichten allerdings auf einen wichtigen Einflussfaktor, den aktive Fondsmanager haben: der Dialog mit dem Management der Unternehmen und die aktiven Bemühungen, den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit zu begleiten.

Zwar nehmen auch große ETF-Anbieter Stimmrechte wahr. Aber sie sind trotzdem abhängig von den starren Regeln der Indexanbieter.

Aktive Fonds: Flexibler und mehr Druck auf Unternehmen möglich

Aktive Fondsmanager hingegen können bei Unternehmen, mit denen sie als Investoren im Dialog stehen, langfristig erfolgreiche Veränderungen verfolgen. Auf dieser Basis können sie auch einmal eine temporäre Schwächephase durchhalten oder diese sogar aktiv zum Ausbau von Positionen nutzen. Unternehmen, die sich langfristig nachhaltig verbessern, erhalten dadurch positive Anreize. Einige aktive Fondsgesellschaften übernehmen sogar die Aktionärsinteressen für ETF-Anbieter und verleihen somit dem konstruktiven Dialog noch mehr Gewicht. Die etwas höheren Gebühren sind aus Anlegersicht also eine Investition in Veränderung und schaffen einen Mehrwert, der über die reine Rendite hinausgeht. Hinzu kommt: Indizes enthalten nicht zwangsläufig die Unternehmen mit dem größten Entwicklungspotenzial. Das gilt vor allem für Zukunftsthemen wie Gesundheit, Umwelt, Klima und Technologien. Dafür bevorzugen wir eher aktive Fonds, die aufgrund ihrer Flexibilität und Expertise den ETFs oft überlegen sind.


Über Marc Momberg

Marc Momberg ist Leiter Portfoliomanagement der Apo Asset Management GmbH (apoAsset). Er verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,5 Mrd. Euro, darunter die Multi-Asset-Dachfonds apo Piano INKA, apo Mezzo INKA und apo Forte INKA, die vor rund 20 Jahren aufgelegt wurden. Das britische Fachmagazin Citywire kürte ihn 2019 und 2020 zu einem der führenden Fondsselektoren Europas. Seine Karriere startete er einst bei den VGH Versicherungen und der tecis Asset Management GmbH. Marc Momberg verfügt über einen Abschluss als Dipl.-Wirtschaftsjurist (FH).

Über die Apo Asset Management GmbH

Die Apo Asset Management GmbH (apoAsset) wurde 1999 gegründet und verwaltet ein Anlagevermögen von rund 3,5 Milliarden Euro. Ihre Schwerpunkte sind globale Gesundheitsfonds und Multi-Asset-Fonds. Das Unternehmen verfügt über ein europaweit einzigartiges Netzwerk für Gesundheits-Investments. Dazu gehören neben dem eigenen Fondsmanagement-Team auch die Beteiligung am Biotech-Investment-Spezialisten Medical Strategy GmbH und ein hochkarätiger wissenschaftlicher Beirat. Die Gesellschafter sind die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und Deutsche Ärzteversicherung AG. Weitere Informationen unter www.apoasset.de

Stabile Entwicklung für Mikrofinanzinvestments

„2020 war aufgrund der Corona-Pandemie ein schwieriges Jahr und die Auswirkungen weltweit waren herausfordernd – vor allem auch für die Emerging Markets“, sagt Dr. Carlos De las Salas Vega, Chief Investment Officer (CIO) der Invest in Visions GmbH. Die Weltbank geht davon aus, dass durch die Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens weltweit bis zu 115 Millionen Menschen zusätzlich von extremer Armut bedroht sein werden. Invest in Visions rechnet jedoch damit, dass sich die kontinuierliche Aufhebung der Lockdown-Regelungen positiv auf den Mikrofinanzsektor auswirken wird.

Maßnahmen greifen in Ecuador

„Die Umstände, die sich durch die Pandemie in den Emerging Markets ergeben hatten, waren nicht einfach“, so De las Salas Vega. So wurde Ecuador* im Vergleich zu anderen Ländern Lateinamerikas schwer getroffen, erholt sich davon aber beständig. Für den 7. Februar 2021 sind Präsidentschaftswahlen geplant, die den politischen Trend des Landes in den nächsten vier Jahren bestimmen werden, ist der Mikrofinanz-Experte überzeugt.

Die bisherige Regierung Ecuadors hat mehrere geldpolitische Maßnahmen getroffen. Im Bankensektor wurde unter anderem die Einziehung von Kreditraten für kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen bis zu 90 Tage aufgeschoben. Zur Unterstützung der Bevölkerung wurden beispielsweise die Lohn- und Gehaltsabgaben gestundet und außerordentliche Bargeldtransfers an mittellose Bevölkerungsgruppen in Höhe von 250 Millionen US-Dollar gewährt. Weitere Entlastungen im Privatsektor waren steuerliche Anreize und ein Konzessionsprogramm. De las Salas Vega sieht einen weiteren Hinweis für Stabilität: „Nachdem der Verfall der Rohölpreise durch die Corona-Pandemie starke Auswirkungen auf die ecuadorianische Wirtschaft hatte – Schätzungen zufolge ist das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2020 um 11,0 Prozent geschrumpft – haben sich diese nun auf einem höheren Niveau stabilisiert. Gleichzeitig wird erwartet, dass sich das BIP-Wachstum 2021 aufgrund der Reaktivierung der Exporte und einem Anstieg der Inlandsnachfrage um 4,8 Prozent wieder erholen wird.“ Und auch die Ratingagenturen Fitch und S&P haben Ecuadors Bonität im September 2020 wieder auf den vorherigen Wert gesetzt, nachdem diese im April herabgestuft wurde.

„Unser IIV-Portfolio in Ecuador ist weiterhin stabil. Derzeit werden elf Mikrofinanzinstitute (MFIs) mit Darlehen bedient. Diese haben insgesamt mehr als 1,6 Millionen KundInnen, davon sind 48 Prozent Frauen. Seit Beginn der Corona-Pandemie gab es keine Darlehensausfälle und seit Juni 2020 keine neuen Stundungsanfragen. Die MFIs bleiben profitabel und gut kapitalisiert“, berichtet De las Salas Vega. Zudem bestehen hier keine Währungsrisiken, da der US-Dollar die Währung Ecuadors ist.

Letzteres gilt jedoch nicht für alle Länder. „Wir gehen aber davon aus, dass die Kosten zur Absicherung von Währungsschwankungen zwischen Euro und US-Dollar auch im Jahr 2021 gering bleiben werden“, so der CIO.

Geringe Exporte beeinträchtigen Mexiko

Auch Mexiko* wurde stark von der Corona-Pandemie getroffen. Im Gegensatz zu anderen lateinamerikanischen Ländern wie Peru, Kolumbien und Bolivien, in denen die Wirtschaft vollständig heruntergefahren wurde, gab es in Mexiko vergleichsweise geringe öffentliche Einschränkungen. Mexikos Wirtschaft wurde jedoch durch einen Rückgang der Exportnachfrage beeinträchtigt. Laut der Ratingagentur Fitch Ratings ist das Wirtschaftswachstum im Jahr 2020 um 10,3 Prozent zurückgegangen. Jüngste Daten zeigen jedoch, dass das Schlimmste überstanden sein könnte. Insbesondere die Aussichten des Produktionssektors sind optimistisch, da dieser stark in die Lieferketten in Richtung USA integriert ist.

„In Mexiko bedienen wir mit dem IIV-Portfolio derzeit vier MFIs mit Darlehen, die insgesamt ungefähr 580.000 KundInnen haben. Davon sind 80 Prozent Frauen. Um auf eventuelle weitere Herausforderungen durch die Corona-Pandemie rechtzeitig reagieren zu können, sind wir auch mit diesen MFIs in stetigem Kontakt“, sagt De las Salas Vega.

Austausch zahlt sich aus

Auch Invest in Visions hat rechtzeitig Maßnahmen getroffen, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihre Fonds-Aktivitäten so gering wie möglich zu halten. „Die gute Wertentwicklung unserer Fonds im letzten Quartal hat gezeigt, dass der enge Austausch mit den MFIs und ein Entgegenkommen bei der Rückzahlung von Darlehen die richtige Strategie bei der Krisenbewältigung war. Wir standen unseren Partnern in dieser schwierigen Zeit zur Seite und konnten damit auch unserem sozialen Wirkungsanspruch als Impact Investor gerecht werden“, so De las Salas Vega. 2020 konnte der IIV Mikrofinanzfonds (ISIN: DE000A1H44T1 (R), DE000A1H44S3 (I)) positiv abschließen: In der I-Klasse lag die YTD-Rendite** bei 1,32 Prozent, in der R-Klasse bei 0,92 Prozent.

Der Experte ist optimistisch: „Eine Aufhebung der Reiseeinschränkungen wird sich positiv auf die Entwicklung unseres Portfolios auswirken, da wir neue MFIs aufzunehmen können. Dies wird auch positive Effekte für die Länderverteilung und somit Diversifizierung unseres Portfolios mit sich bringen.“ Nachdem Invest in Visions Ende des vergangenen Jahres einen Investitionsgrad von fast 80 Prozent erreichte, soll dieser im kommenden Jahr erhöht werden. „Die gute Kapitalisierung der MFIs hat dazu beigetragen, dass das Darlehensportfolio des IIV Mikrofinanzfonds für die Pandemie-Herausforderungen gut gewappnet war. Wir gehen davon aus, dass die MFIs auch im kommenden Jahr gesunde Eigenkapitalquoten halten werden. Auf diese Weise wird sich unsere Portfolioqualität und Profitabilität positiv entwickeln“, fasst De las Salas Vega zusammen.


*In der Länderdiversifikation des IIV Mikrofinanzfonds machen Ecuador 9,8 Prozent und Mexiko 6,9 Prozent des Portfolios aus (Stand Dezember 2020).
**31. Dezember 2020

8 Technologietrends für 2021

von Aleksandra Gadzala Tirziu, Head of Research, The Singularity Group.

Die heutige Technologielandschaft ist komplex und befindet sich kontinuierlich im Umbruch. Das macht es zu einer spannenden Zeit für Innovationsinvestoren. Wir haben acht Technologiethemen identifiziert, die in diesem Jahr besonders aussichtsreich sind. Einige folgen direkt aus der COVID-19-Krise, während andere sich schon seit einiger Zeit entwickeln und nun an ihrem Wendepunkt stehen.

1 - Ausbau der E-Commerce-Ökosysteme

E-Commerce wächst schon seit einiger Zeit stetig, aber die COVID-19-Pandemie hat diesen Trend noch einmal beschleunigt. In nur wenigen Monaten ist die globale E-Commerce-Branche in einem Tempo expandiert, für das sie normalerweise etwa fünf Jahre gebraucht hätte. Es gab nie einen kritischeren Moment für Unternehmen, ihr Publikum zu kennen – und ihre Prozesse zu optimieren, von der Art und Weise, wie Kunden bezahlen, bis hin zur Lieferung von Waren. Die Verbraucher von heute erwarten einfach zu bedienende, intuitive digitale Erlebnisse über alle Kanäle und Geräte hinweg. Marken, die diese Erlebnisse bieten können, erzielen die größten Gewinne. Laut Daten von Shopify ersetzten Händler mit einer Omnichannel-Strategie 94% der im ersten Monat der COVID-19-Pandemie verlorenen Point-of-Sale-Käufe (POS) durch Online-Verkäufe.

Unternehmen kombinieren zunehmend verschiedene Tools und Plattformen, darunter Daten, Marketing, digitale Vermittler, Finanzdienstleistungen und Handel, um ausgedehnte digitale Ökosysteme zu schaffen. Diese schaffen Netzwerke, die ein integriertes Nutzererlebnis ermöglichen, das Engagement der Verbraucher steigern, die Verweildauer auf einer bestimmten Plattform erhöhen und die Wechselkosten in die Höhe treiben. Zum Beispiel können Nutzer auf Instagram durch die Integration von PayPal-Funktionen Produkte in der App kaufen. Die "Pay-by-Link"-Lösung von Adyen ermöglicht es Nutzern von Plattformen wie Spotify und Groupon, Artikel zu kaufen, die sie in der App entdecken. Technologien wie KI, IoT und Robotik bieten Einzelhändlern und Marken die Möglichkeit, auf diese Dynamik zu reagieren.

2 - Blockchain treibt neue Generation von Tech-Unternehmen an

In Anbetracht des Bitcoin-Preisrausches Ende 2020, bei dem der Kurs um 300 % gestiegen ist, könnte man leicht annehmen, dass die Distributed-Ledger-Technologie (DLT)/Blockchain, die ihr zugrunde liegt, wieder eine Blase ist, die auf das Platzen wartet. Neue Entwicklungen rechtfertigen jedoch, diesem Sektor mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Die kollektive Stimmung über Blockchain steigt, zum Teil angetrieben durch sinnvolle Implementierungen im öffentlichen und privaten Sektor und das Experimentieren mit neuen Anwendungsfällen, die von Smart Contracts bis hin zu Blockchain-basiertem IoT, Logistik und Medien reichen. Im Medienbereich ist Steemit zum Beispiel eine Blockchain-basierte Blogging- und Social-Media-Website, die Nutzer mit der Kryptowährung STEEM für das Veröffentlichen und Kuratieren von Inhalten belohnt. Indem sie über Beiträge und Kommentare abstimmen, entscheiden die Nutzer über die Auszahlung dieser Beiträge. Die österreichische Blockchain-basierte IoT-Lösung Riddle&Code bietet kryptografische Tagging-Lösungen für Blockchains in der Smart Logistics und im Supply Chain Management.

Die stetige Entwicklung hin zu dezentralen Technologien gewann im Jahr 2020 durch das wachsende öffentliche Misstrauen gegenüber zentralisierten Institutionen an Dynamik. Sie wurde durch die Ereignisse Anfang 2021 weiter angeheizt, als die großen Technologiekonzerne Facebook, Amazon, Apple und Google Nutzerprofile und Apps von ihren Plattformen und Betriebssystemen sperrten und entfernten, was Bedenken über ihren übergroßen Einfluss auf die Infrastruktur des täglichen Lebens aufkommen ließ.

Wir treten in eine neue Ära ein, in der sich Kommunikation, Zahlungen und andere kritische Systeme von zentralisierten Strukturen weg entwickeln. Wir werden dezentralisierte Websites, dezentralisierte mobile Apps, dezentralisierte soziale Netzwerke und vieles mehr sehen. Diese Transformation wird nicht über Nacht geschehen. 2021 wird aber dennoch ein Wendepunkt für neue, dezentralisierte Technologieunternehmen sein, für die Blockchain unverzichtbar wird.

3 - Sputnik-Moment für Quantencomputing

Unternehmen müssen anfangen zu planen, wann und wie sie Quantencomputing-Funktionen nutzen werden. Obwohl der weit verbreitete Einsatz von Quantencomputern noch in weiter Ferne liegt, gab es im Jahr 2020 eine Reihe von Meilensteinen von zahlreichen Quantenindustrieführern, darunter IBM, Amazon und Google. Verschiedene Unternehmen und Institutionen haben Ansprüche auf Quantenvorteil oder -überlegenheit erhoben. Unter anderem hat China behauptet, dass es den "Quantenvorteil" mit seinem Photonen-basierten Quantencomputer demonstriert hat, der in der Lage ist, in Minuten zu berechnen, wofür der drittstärkste Supercomputer der Welt mehr als zwei Milliarden Jahre an Arbeit benötigen würde. Kurzum, das Rennen läuft.

Die Leistung und Skalierung von Quantencomputern dürfte weiter schnell zunehmen – mit der Möglichkeit, dass im Jahr 2021 ein Quantenprozessor mit über 100 Qubits entwickelt wird, der echte Quantenüberlegenheit erreichen würde. Gleichzeitig treiben signifikante Fortschritte in der Quantenforschung immer mehr Unternehmen dazu, nach konkreten Anwendungsfällen zu suchen. Die chemische Industrie ist bereit, ein früher Nutznießer der enormen Fähigkeiten des Quantencomputers zu sein, die die Möglichkeit eröffnen, quantenmechanische Systeme wie Moleküle, Polymere und Festkörper mit einer ganz anderen Präzision zu modellieren. Damit wäre es möglich, die effektivsten Moleküldesigns oder Strukturen zu identifizieren, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen und gewünschte Effekte zu erzielen – noch bevor ein einziges Molekül im Labor synthetisiert wird. Der Zugang zu dieser Art von Berechnungsressourcen könnte die Effektivität von F&E-Abteilungen dramatisch steigern und die Art und Weise, wie neue Produkte entwickelt werden, verändern.

4 - Gesundheitsdaten sind das neue Gold

Die COVID-19-Krise hat die digitale Transformation im Gesundheitswesen dramatisch beschleunigt. Unternehmen beeilen sich, neue Fähigkeiten zu entwickeln, um ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken und sich für die Zeit nach der Pandemie umzurüsten. Für sie ist es entscheidend, mit neuen Technologien Schritt zu halten. In der gesamten Wertschöpfungskette des Gesundheitswesens werden Fortschritte erwartet – und Gesundheitsdaten sind entscheidend.

Der Big-Data-Markt des Gesundheitswesens dürfte im Jahr 2025 etwa 70 Milliarden US-Dollar erreichen, fast das Sechsfache des Wertes von 2016. Die rasante Beschleunigung der Gesundheitsdatenerfassung bietet der Branche eine beispiellose Chance, verschiedene digitale Fähigkeiten wie KI, Blockchain und IoT zur Verbesserung der Behandlung zu nutzen und einzusetzen. Die intelligente Nutzung von Gesundheitsdaten hat zudem Potenzial, die Patientenversorgung dramatisch zu verbessern.

Die Versorgung könnte mit der zunehmenden Anzahl von Touchpoints und Dateneingaben (z.B. Hauszustellung von verschreibungspflichtigen Medikamenten, Gesundheits-Wearables) patientenzentrierter werden. Dadurch können Pflegeteams eine einheitliche Sicht auf die gesamte Patientenakte entwickeln. Dies könnte beispielsweis zu einer geringeren Rate an Medikationsfehlern führen: durch die Analyse der Patientenakte kann die KI-Software Unstimmigkeiten zwischen dem Gesundheitszustand eines Patienten und den Medikamentenverordnungen aufzeigen und das medizinische Personal warnen, wenn ein potenzielles Fehlerrisiko besteht. Regulierungsbehörden in den USA dürften in diesem Jahr ihren Ansatz für die Medikamentenentwicklung unter Verwendung von Real-World-Daten (RWD) erklären. Der Einsatz von RWD könnte dazu beitragen, eine fortschrittlichere Medikamentenentdeckung und -entwicklung zu ermöglichen. Prävention: Die Fähigkeit, den kompletten Datensatz eines Patienten zu analysieren, bevor er krank wird, wird einen enormen Einfluss auf die frühzeitige Erkennung und Prävention von Krankheiten haben.

5 - On-Orbit-Servicing von Raumfahrzeugen macht Fortschritte

Der Raumfahrtsektor befindet sich im Umbruch und es besteht ein wachsendes Interesse an alternativen Ansätzen für zukünftige Raumfahrtarchitekturen, die nicht nur die Kosten senken, sondern auch die Fähigkeiten im Weltraum verbessern. Staaten sowie private und internationale Unternehmen investieren zunehmend in On-Orbit-Aktivitäten, einschließlich Wartung, Montage und Fertigung, zusammenfassend als OSAM bezeichnet. Die USA verfügen über die größte Bandbreite an OSAM-Aktivitäten, gefolgt von Russland und China. Einige europäische Länder, wie z.B. Deutschland, verfügen zwar über die erforderlichen Basistechnologien oder entwickeln diese zügig weiter, sind aber noch nicht aktiv an OSAM-Missionen beteiligt.

Der On-Orbit-Servicemarkt ist derzeit der am weitesten fortgeschrittene unter den OSAM-Aktivitäten. Obwohl er noch klein ist, soll er bis 2028 auf etwa 4,5 Mrd. USD anwachsen, wobei auch für 2021 ein deutliches Wachstum erwartet wird. On-Orbit-Satellitenservice bezieht sich auf das Betanken oder Reparieren von Weltraumsatelliten, während sie sich in der Umlaufbahn befinden. Das wachsende kommerzielle Interesse liegt daran, dass Unternehmen nun bestehende Anlagen länger in der Umlaufbahn halten und so teure Rekapitalisierungskosten hinauszögern können. Unternehmen wie Maxar Technologies, Made in Space, Orbit Fab und SpaceLogistics LLC gehören zu den führenden Akteuren in dieser Branche. Fortschritte bei OSAM-Fähigkeiten treiben aber auch Entwicklungen in Technologien wie IoT und 5G-Netzwerke voran.

6 - Wendepunkt für Technologien zur Verbesserung des Datenschutzes

Da sich immer mehr Aspekte des täglichen Lebens ins Internet verlagern – und immer mehr Regierungen Datenschutzgesetze wie die europäische GDPR einführen – steigt auch die Nachfrage nach Technologien, die den Datenschutz verbessern, und nach vertrauenswürdigen Geschäftsmodellen. Die Technologien (Privacy-enhancing technologies, PETs) sind Software- und Hardware-Lösungen, die dazu dienen, Daten bei der Verwendung zu schützen und die Privatsphäre und Sicherheit zu erhöhen, während Suchen oder Analysen durchgeführt werden. Zu diesen Technologien gehören Nutzungsbeschränkung (z. B. e-Consent-System), Verschlüsselung (z.B. homomorphe Verschlüsselung), Pseudonymisierung (z.B. Tokenisierung) und Anonymisierung (z.B. sichere Mehrparteienberechnung, differentielle Privatsphäre). Viele dieser Lösungen überschneiden sich und können, je nach Anwendungsfall, in Verbindung miteinander verwendet werden.

Vollständig homomorphe Verschlüsselung (FHE) ist keine neue Technologie, sie wird seit mehr als 30 Jahren erforscht. Und während sie in der Vergangenheit sehr rechenintensiv war, machen die jüngsten Durchbrüche in der KI und im maschinellen Lernen sie für eine wachsende Anzahl kommerzieller Anwendungen zunehmend praktikabel. Etwa in stark regulierten Branchen, um Daten sicher in Cloud-Umgebungen auszulagern und Daten mit Partnern für Forschung und Analyse auszutauschen. Dies wirkt sich auf viele Branchen aus, darunter Finanzdienstleistungen, Informationstechnologie, Gesundheitswesen und weitere. Eines der Hindernisse für die breite Einführung von FHE ist, dass sie immer noch sehr langsam ist. Doch Unternehmen wie Microsoft und IBM arbeiten daran, die Prozesse so zu beschleunigen, sodass FHE mittlerweile "einen Wendepunkt erreicht hat, an dem ihre Leistung praktisch wird." Dies hat das Potenzial, den Datenschutz sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen zu revolutionieren.

7 - Kernfusion erregt Aufmerksamkeit bei Investoren

Die Kernfusion hat sich still und leise zum vielversprechendsten Thema in der Kernenergie entwickelt. Im Gegensatz zur Kernspaltung produziert die Kernfusion keine langlebigen radioaktiven Abfälle und erzeugt dennoch eine enorme Energiemenge – deutlich mehr als die Kernspaltung. Der Erfolg der Kernfusion würde eine leistungsstarke, saubere Energiequelle mit praktisch unbegrenztem Brennstoffvorrat freisetzen. Das wäre revolutionär für die gesamte Gesellschaft und Industrie.

Das Vereinigte Königreich plant den Bau seines Kernfusionskraftwerks, welcher bereits 2032 beginnen könnte, Inbetriebnahme bis 2040. Das ITER-Fusionsprojekt, das derzeit in Südfrankreich gebaut wird – und von 35 Nationen, darunter die EU, Indien, China, Japan, Südkorea, Russland und die USA, unterstützt wird – soll bereits 2030 Ergebnisse liefern. China hat im letzten Jahr seinen HL-2M Tokamak-Reaktor erfolgreich in Betrieb genommen, was einen großen Fortschritt in seiner Kernforschungskapazität darstellt. Auch Investitionen in private Fusionsprojekte sind in den letzten Jahren gestiegen und werden weiter zunehmen. Gemessen an der Höhe des eingeworbenen Kapitals führt TAE Technologies in Kalifornien mit 750 Mio. USD das Feld an.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass wir im Jahr 2021 konkrete Beiträge sehen werden, die die Kernfusion freisetzen, so deuten Fortschritte der Regierungen darauf hin, dass sie ein Hauptschwerpunkt für öffentliche und private Finanzierung sein wird.

8 - Steigende Nachfrage nach Bildungstechnologie wird Pandemie überdauern

Selbst wenn sich die Pandemie zurückzieht und die logistische Notwendigkeit von Fernunterricht schwindet, wird die Bildungstechnologie (EdTech) bleiben. Früher im Westen als Ergänzung zu den traditionellen Bildungssystemen gesehen, ist EdTech heute für die weitere soziale und wirtschaftliche Entwicklung aller Länder unerlässlich geworden. Die Weltbank hat ein EdTech-Team beauftragt, globale politische Entscheidungsträger bei der Erleichterung des Zugangs zu Bildung durch die Integration von Technologien wie Virtual Reality, KI und IoT zu unterstützen.

Der globale EdTech-Markt wurde 2019 auf 5,9 Billionen US-Dollar geschätzt und wird bis 2025 voraussichtlich 7,8 Billionen US-Dollar erreichen, was vor allem auf das Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern zurückzuführen ist. In Ländern wie Indien und China, die den Sektor anführen, hatte der kulturelle Schwerpunkt auf Bildung und außerschulischen Programmen schon vor der Pandemie eine Nachfrage nach Lernen von zu Hause geschaffen. In westlichen Märkten wie den USA, wo das Wachstum von EdTech stabil, aber relativ flach war, hat sich die Adaption in den letzten Monaten direkt proportional mit dem pandemiebedingten Aufenthalt zu Hause entwickelt. Während des letzten Jahrzehnts war der europäische EdTech-Markt weitgehend auf Großbritannien konzentriert, aber auch dieser Schwerpunkt beginnt sich zu verschieben. COVID-19 hat die Nachfrage nach Bildungsdienstleistungen in ganz Europa beschleunigt. Da immer mehr Schüler, Familien und Pädagogen mit Fernunterricht vertraut werden, wird die Nachfrage nach Bildungstechnologien weiter steigen.


Über The Singularity Group (TSG)

The Singularity Group ist ein unabhängiger Research-Spezialist und Anlageberater für Investitionen in weltweite Innovation. Die Investment-Boutique mit Sitz in der Schweiz wird von Mitbegründerin Evelyne Pflugi geführt und greift auf ein umfangreiches Netzwerk an Wissenschaftlern, Professoren und Praktikern zu, die sich zu einem weltweiten Think Tank für Innovationstrends vereinen. Der unternehmerisch geprägte Verwaltungsrat, bestehend aus Innovationsinvestor Eric G. Sarasin und Nachhaltigkeitspionier Dr. Tobias Reichmuth (Vorstand SUSI Partners AG) steht TSG beratend zur Seite.
The Singularity Group verfolgt das Ziel, exponentielle Innovationen investierbar zu machen. Hierfür hat TSG ein innovatives Klassifizierungssystem für Aktien entwickelt, welches die exponentielle Innovation von börsennotierten Unternehmen weltweit, über alle Marktkapitalisierungen und Branchen erfasst. Auf Basis dieser einzigartigen Datenbank lassen sich diejenigen Unternehmen identifizieren und filtern, die zu Innovationen in 12 Singularity-Sektoren beitragen und davon bereits heute profitieren. Dahinter steht die Philosophie, dass Innovation nicht nur in Technologieunternehmen stattfindet, sondern als Schlüssel zum Erfolg über alle Branchen und Wertschöpfungsketten hinweg anerkannt und entwickelt wird. Im Dezember 2017 lancierte TSG den Singularity Index™ (Bloomberg Ticker: NQ2045). Ein Jahr später folgte mit dem Singularity Fund das entsprechende Anlagevehikel, welches basierend auf dem SI in die weltweit innovativsten Unternehmen investiert.
Der SI ist ein revolutionäres Indexkonzept auf Basis der einzigartigen Datenbank von TSG und bildet die Singularity-Strategie ab. Als erster und einziger Aktienindex erfasst er die Wertschöpfung von börsennotierten Unternehmen durch exponentielle Innovationen über alle Länder, Branchen und Marktkapitalisierungen hinweg. Das SI-Portfolio wird zwei Mal im Jahr überprüft und neu zusammengesetzt. Das nächste Rebalancing findet im Mai 2021 statt.
Mehr unter: www.singularity-group.com

Deflation – das eigentliche Normal

von Ariel Bezalel, Head of Strategy, Fixed Income bei Jupiter Asset Management.

Vor einem Jahr waren die Märkte so euphorisch wie zuletzt 1999 und unsere Hauptsorgen galten einer möglichen Eintrübung der makroökonomischen Daten sowie politischen Risiken – nicht einer globalen Pandemie. Seither haben sich unsere Welt und unser Lebensalltag dramatisch verändert. Doch je mehr sich die Dinge verändern, desto mehr bleiben einige Dinge gleich. Ein Blick auf die Finanzmärkte scheint diese alte Lebensweisheit zu bestätigen. Ein Jahr nach Beginn der Pandemie sind die Märkte wieder in Partystimmung. Die begonnenen Massenimpfungen sorgen für Euphorie. Der Optimismus ist groß, dass es zu einem kräftigen Aufschwung kommt, wenn die Wirtschaft erst wieder hochgefahren werden kann und die aufgestaute Nachfrage einen Konsumrausch auslöst. Untermauert wird dieser Optimismus durch Konjunkturpakete wie das der neuen Biden-Regierung in den USA und die anhaltend expansive Geldpolitik der Zentralbanken.

Ende des „Zeitalters der Inflation“ in Sicht?

Der „Reflation Trade“ – die Positionierung für einen bevorstehenden Aufschwung mit anziehender Inflation nach dem Ende der Pandemie – spräche für den Verkauf von US-Dollar und US-Staatsanleihen und den Kauf von Rohstoffen. Doch wir sind weiterhin davon überzeugt, dass die deflationären und nicht die inflationären Kräfte überwiegen. Wir rechnen nicht mit einem Anstieg, sondern eher noch mit einem weiteren Rückgang der Staatsanleihenrenditen, und glauben, dass sich der US-Dollar stabilisieren wird und die Rohstoffpreise volatil bleiben werden.

Durch den pandemiebedingten Wachstumseinbruch und den entsprechenden Basiseffekt werden die Wachstums- und Inflationsraten hochschnellen, wenn die Wirtschaft wieder hochgefahren wird. Nach ein oder maximal zwei Quartalen dürfte dieser Effekt aber verpuffen. Den Beginn eines neuen Inflationstrends werden wir dadurch sicherlich nicht sehen. Selbst in China, wo die Wirtschaft seit Beginn ihrer Erholung von der Covid-19-Krise deutlich an Dynamik gewonnen hat, ist dies nicht mit einer höheren Inflation verbunden gewesen. Das liegt daran, dass die Inflation überall durch strukturelle Faktoren ausgebremst wird: die zu hohe Verschuldung, die alternden Bevölkerungen und die disruptiven Auswirkungen der Globalisierung, des technologischen Fortschritts und der Niedriglohnarbeit. Auch die gesellschaftliche Alterung in den entwickelten Volkswirtschaften wirkt langfristig deflationär. Die Abbildung (siehe Anhang) verdeutlicht die Korrelation zwischen dem Medianalter einer Bevölkerung und den langfristigen Staatsanleihenrenditen des entsprechenden Landes.

Abgesehen vom demographischen Wandel hat Covid-19 alle diese Trends beschleunigt. Auch die Überkapazitäten auf dem Arbeitsmarkt und die Inflationserwartungen der Verbraucher deuten derzeit auf eine längerfristig schwache Inflation hin. Ein über vier Jahrzehnte nur geringes Lohnwachstum hat die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer in den Industrieländern geschwächt. In Verbindung mit der hohen, pandemiebedingten Arbeitslosigkeit wird die wachsende Macht der globalen Monopole die Löhne noch länger deckeln.

Außerdem befinden wir uns an der Schwelle zu einer technologischen Revolution, die von Natur aus deflationär wirkt. Einen ersten Vorgeschmack dieser Entwicklung haben wir im zurückliegenden Jahr erhalten. Während der Pandemie fanden die Unternehmen immer neue Wege, um noch effizienter zu wirtschaften – mit negativen Auswirkungen auf die Löhne und die Beschäftigung. Und wir alle nutzten in allen Lebensbereichen günstige Onlinedienste und Apps – von Unterhaltungsangeboten über Gesundheitsleistungen bis hin zur Deckung unseres Grundbedarfs. Disruptive Technologien wie künstliche Intelligenz, Robotik und Automatisierung werden das schwache Lohnwachstum verstetigen. Ihre deflationäre Wirkung ist so ausgeprägt, dass der Technologieunternehmer Jeff Booth in seinem Buch „The Price of Tomorrow“ bereits das Ende des „Zeitalters der Inflation“ voraussagt.

Schulden, Demokraten und das Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs

Bei der letzten Zählung lag die weltweite Verschuldung bei 280 Billionen Dollar, Tendenz steigend. Angesichts einer so hohen – und zu großen Teilen unproduktiven – globalen Schuldenlast wird jeder Anstieg der Staatsanleihenrenditen zu Kursausschlägen bei risikoreicheren Vermögenswerten führen und damit wieder auf die Renditen drücken. Der Anstieg der Anleihenrenditen ist nicht förderlich für die Erfüllung der langfristigen Inflationsziele der US-Notenbank Fed. Wie die Investmentbank HSBC kürzlich feststellte, entspricht ein Zinsanstieg von einem Prozent heute einem Zinsanstieg von drei bis vier Prozent vor 20 Jahren.

Aber in einer hochverschuldeten Welt ist es extrem schwierig, Wachstum zu generieren. Die ökonomische Theorie besagt: Wenn einer der Produktionsfaktoren (Land, Arbeit oder Kapital) überbeansprucht wird, greift früher oder später das Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs. In diesem Fall haben wir das Fremdkapital überstrapaziert. Dadurch verliert die Fiskalpolitik an Wirkung – in den 1950er Jahren erzeugte 1 US-Dollar Schulden eine Wirtschaftsleistung (BIP) von rund 0,80 US-Dollar. Heute ist es weniger als 0,40 US-Dollar. Das ist einer von vielen Gründen, warum wir skeptisch sind, dass große Konjunkturpakete der Demokraten in den USA zu einer höheren Inflation führen werden.

Auf politischer Ebene bleibt der Kongress bei aller Euphorie über den klaren Sieg von Präsident Biden und den Demokraten gespalten. Die faktische Mehrheit im Senat haben die mit den Republikanern stimmengleichen Demokraten nur dadurch, dass Vizepräsidentin Harris als Präsidentin des Senats ein Patt mit ihrer Stimme zu Gunsten der Demokraten auflösen kann. Dadurch kann es für die neue US-Regierung schwieriger sein, große Konjunkturpakete durchzusetzen, als manche Verfechter des „Reflation Trade“ meinen. Zudem wird es in einem von so viel Bürokratie und Lobbyismus geprägten Land wie den USA vermutlich Jahre dauern, bis Infrastrukturprogramme umgesetzt werden und zu mehr Wachstum und Inflation führen.

Viele gute Anlagemöglichkeiten – aber sorgfältige Kreditanalyse entscheidend

Angesichts der weiterhin großzügigen geldpolitischen Unterstützung spricht immer noch viel für Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen. Allerdings sollten Anleger sehr selektiv vorgehen. Gründliche Kreditanalysen sind unverzichtbar, da viele Geschäftsmodelle in einem schwierigeren Wachstumsumfeld scheitern könnten. Das gilt insbesondere für konjunkturabhängige und hoch verschuldete Sektoren. In den USA dürfte sich der bereits eingesetzte Anstieg der Ausfallraten fortsetzen.

Unsere Strategie hat eine Allokation von über 40 Prozent in Hochzinsanleihen vorwiegend defensiv aufgestellter Unternehmen, von denen wir glauben, dass sie auch eine längere Phase wirtschaftlicher Unsicherheit gut überstehen können. Zu diesen konjunkturresistenten Unternehmen gehören Fast-Food-Anbieter und Lebensmittellieferanten, Supermärkte, Pharmaanbieter und Streamingdienste, die während der Pandemie allesamt einem Boom erlebt haben. Viele dieser Unternehmen haben ein BB-Rating. Dadurch erhalten wir Renditen von drei Prozent bis in den zweistelligen Bereich aus Titeln, die sowohl eine attraktive Kuponverzinsung als auch eine Kapitalrückzahlung versprechen. Außerdem haben wir eine Allokation von fünf Prozent in Öl- und Gasanleihen aufgebaut, da wir hier interessante Einstiegschancen bei ausgewählten High-Yield- und Investment-Grade-Anleihen US-amerikanischer und europäischer Produzenten aufgetan haben. Die Ölförderung wird in diesem Jahr voraussichtlich zurückgehen. Das sollte den Ölpreis stärken.

Darüber hinaus haben wir unlängst eine neue Position in 10-jährigen chinesischen Staatsanleihen aufgenommen – mit einer Rendite von 3,15 Prozent gegenüber 1,1 Prozent für US-Staatsanleihen bot sich uns hier eine attraktive Anlagechance. Wie bereits erwähnt, wächst die chinesische Wirtschaft wieder kräftig, ohne irgendwelche Anzeichen einer höheren Inflation zu zeigen. Ähnlich wie die Industrieländer zeichnet sich China dabei durch eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung, ein stagnierendes Bevölkerungs- und Produktivitätswachstum und eine Kreditblase aus. Daher ist auch in China mit einem im Trend schwächeren Wirtschaftswachstum zu rechnen. Vor diesem Hintergrund erscheint die positive Realverzinsung in China vergleichsweise attraktiv.

Warum Investoren auf nachhaltige Infrastruktur setzen sollten

Viele Investoren scheuen langfristige Investitionen in Entwicklungsländern aus Angst vor höheren Risiken. Damit entgehen ihnen aber auch Chancen wie Investitionen in nachhaltige Infrastruktur. Welche Risiken und Vorteile damit verbunden sind.

„Entwicklungsländer brauchen Investitionen in Infrastruktur. Die Vereinten Nationen (UN) schätzen, dass bis zum Jahr 2030 rund 1,88 Billionen US-Dollar fehlen, um die Entwicklungsziele der UN (UN Sustainable Development Goals) zu erreichen“, so Gianfranco Saladino, Head of Sustainable Infrastructure Investments bei BlueOrchard. „Diese Herausforderung ist eine Chance für Investoren, da lokale Quellen diese Investitionslücke nicht schließen können.

Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass Investments in Entwicklungsländer, besonders in Infrastruktur, öfters scheitern oder in finanziellen Verzug geraten als in Industrieländern. Es stimmt, dass es in Entwicklungs- und Schwellenländern spezifische Risiken und Eintrittshürden gibt. Investitionen in nachhaltige Infrastruktur sind aber ähnlich erfolgreich.

Unabhängig davon bleibt es wichtig, die Risiken eines Investments einzuschätzen. Dazu gehören Geschäftsrisiken, die mit dem Betrieb von Infrastrukturanlagen verbunden sind wie schwankende Preise, Nachfrageschocks oder zahlungsunfähige Geschäftspartner. Häufigkeit und Schwere dieser Risiken ähneln sich in Ländern unterschiedlicher Entwicklungsstufen. Hinzu kommen regulatorische und politische Risiken wie instabile Institutionen oder häufige Machtwechsel, mit denen politische Richtungswechsel einhergehen. Auch diese Risiken sind nicht zwingend mit dem Status eines Landes als Entwicklungs-, Schwellen- oder Industrieland verbunden. Wollen Investoren sie bewerten, hilft ein Blick auf die historische und aktuelle Situation des Investmentstandortes.

Ebenso werden Währungsrisiken oft mit Entwicklungsländern assoziiert. Besonders betroffen sind Investments, bei denen die Investitionswährung von der Währung des zugrundeliegenden Fonds abweicht. Schützen können sich Investoren hier mit einer Währungsabsicherung.

Wie unterschiedlich riskant Infrastrukturinvestments sind, zeigt ein globaler Vergleich der Verlustraten von Infrastrukturprojekten. In Entwicklungsländern gehen höhere Ausfallraten mit höheren Rückgewinnungsraten einher[FH1], wie eine Untersuchung der Ratingagentur Moody’s zeigt. Die Verlustraten unterscheiden sich daher nur wenig von denen in Industrieländern.

Zudem stehen den Risiken die Vorteile von Investitionen in nachhaltige Infrastruktur in Entwicklungsländern entgegen. Dazu gehören gut planbare, stabile Rückflüsse, da Infrastrukturunternehmen mit ihren Abnehmern langfristige Verträge schließen. Hinzu kommt, dass die Nachfrage für Güter und Dienstleistungen wie Wasser, Strom und Verkehrswege gering bis negativ mit dem Wirtschaftszyklus korreliert ist. So stabilisieren Infrastrukturobjekte Portfolios. Zusätzlich bieten Infrastrukturprojekte in Entwicklungsländern höhere Risikoprämien, trotz ähnlich hoher Verlustraten vergleichbarer Projekte in Industrieländern.

Investitionen in nachhaltige Infrastruktur in Entwicklungsländern bieten nicht nur attraktive risikobereinigte Renditen. Sie sind nötig, um die Investitionslücke zu schließen und so die UN SDG zu erfüllen, und unterstützen gleichzeitig den Wandel zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Zusätzlich fördern sie die gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung in Schwellen- und Entwicklungsländern auf lange Sicht und steigert zudem die globale Lebensqualität langfristig.“


Über Blue Orchard Finance AG

BlueOrchard ist ein weltweit führender Impact Investment Manager mit dem Ziel nachhaltiges,integratives und klimagerechtes Wachstum zu fördern und dabei attraktive Renditen für Investoren zu erzielen. BlueOrchard wurde 2001 auf Initiative der UN als weltweit erster kommerzieller Manager von Mikrofinanzanlagen gegründet. Heute bietet BlueOrchard Investoren auf der ganzen Welt erstklassige Anlagelösungen im Bereich Fremdkapital, Private Equity sowie nachhaltige Infrastruktur. Als Experte für innovative Blended Finance-Mandate ist das Unternehmen ein bewährter Partner international führender Entwicklungbanken. Mit einer breiten globalen Präsenz und Niederlassungen auf vier Kontinenten hat BlueOrchard bis heute mehr als 8 Mrd. USD in 80 Schwellen- und Entwicklungsländern investiert und damit messbaren sozialen und ökologischen Impact erzielt. BlueOrchard ist ein von der FINMA regulierter Vermögensverwalter. Seine luxemburgische Gesellschaft ist ein von der CSSF regulierter UCITS- sowie alternativer Investmentfondsmanager (AIFM). Weitere Informationen finden Sie hier: www.blueorchard.com.