Quantitative Easing der EZB unwahrscheinlich

Angesichts sinkender Inflationsraten in der Eurozone steht die Europäische Zentralbank (EZB) unter Handlungsdruck. Eine quantitative Lockerung der EZB ist derzeit dennoch nicht in Sicht, findet Tanguy Le Saout, Leiter European Fixed Income bei Pioneer Investments.
 
In ihrem Bemühen um geldpolitische Stimuli zur Erholung der Wirtschaft hat die EZB als einzige der großen Notenbanken bisher auf Quantitative Easing verzichtet. Stattdessen setzten die Notenbanker auf längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LTRO). Diese Offenmarktgeschäfte sind jedoch befristet und bisher durch keine weiteren Maßnahmen ersetzt worden. Sie laufen bis zur Mitte des nächsten Jahres aus.
 
Ein zusätzlicher Handlungsdruck resultiert aus der gegenwärtig sehr niedrigen Inflation in der Eurozone. Diese lässt die Option einer quantitativen Lockerung der Geldpolitik wieder ins Blickfeld rücken. Vorerst dürfte dieses Instrument allerdings im Werkzeugkasten der Notenbanker bleiben. Zu groß erscheinen die ökonomischen, rechtlichen und politischen Herausforderungen bei der Umsetzung, wie auch das EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch feststellte. Insbesondere Deutschland, wo das Verfassungsgericht sich bereits skeptisch geäußert hat, dürfte für ein solches Vorgehen kaum zu gewinnen sein. Zudem sind auch zahlreiche Verantwortliche der EZB nicht vom ökonomischen Nutzen eines QE-Programms überzeugt. Vor diesem Hintergrund genießt das Instrument der quantitativen Lockerung derzeit keine Priorität in Frankfurt. Eine Änderung dieser Haltung käme bestenfalls dann in Betracht, wenn die ökonomischen Daten in der Eurozone oder die Inflationsraten sich deutlich im Abwärtstrend befänden.  
 
Ein solches Szenario ist gegenwärtig allerdings nicht wirklich in Sicht. Die EZB dürfte stattdessen auf eine Entwicklung setzen, bei der sich das globale Wachstum stabilisiert, die US-Notenbank die Zinsen anhebt, der Euro gegenüber dem US-Dollar abwertet und die Inflation wieder leicht zulegt. In diesem Fall wären weitere und ungewöhnliche geldpolitische Maßnahmen nicht erforderlich. Sollte es anders kommen und das globale Wachstum enttäuschen, der Euro stärker und die Inflation noch schwächer werden, wäre die EZB jedoch zum Handeln gezwungen. Gegenwärtig erscheint es aber wahrscheinlicher, dass die europäischen Notenbanker in Frankfurt dann mit den bereits ins Spiel gebrachten Negativzinsen auf Bankeinlagen reagieren werden. 

GAM Marktkommentar: Quantitative Easing in der Eurozone zurzeit unwahrscheinlich

Die Europäische Zentralbank (EZB) diskutiert eine weitere Lockerung der Geldpolitik – doch ein Quantitative Easing in der Eurozone steht nicht unmittelbar bevor. Dieser Ansicht ist Sushil Wadhwani, Fondsmanager des GAM Star Keynes Quantitative Strategies. „Es sieht eher so aus, als würde EZB-Präsident Mario Draghi seine Werkzeuge zurechtlegen, statt konkrete Maßnahmen vorzubereiten“, analysiert der Experte. Auch für den Fall, dass die Inflation nicht wie erwartet im April und Mai ansteigt, rechnet er nicht mit einem breit angelegten Anleihenkaufprogramm. „Ein negativer Einlagezins ist die wahrscheinlichere Maßnahme, bevor die EZB zu unkonventionelleren Mitteln greift“, erklärt der Fondsmanager.

Zudem verliefen die Entscheidungsprozesse innerhalb der Zentralbank langsam, und es bestünden signifikante Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des richtigen Zeitpunkts für mögliche geldpolitische Maßnahmen. „Selbst wenn eine Entscheidung gefällt wird, ist eine schnelle Umsetzung unwahrscheinlich“, so Wadhwani.

Den detaillierten Marktkommentar entnehmen Sie bitte dem englischsprachigen Dokument.