Negativ-Rückkopplung treibt Safe Haven Assets an

von Aneeka Gupta, Associate Director beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Das Spiel zwischen Trump, China und der US-Notenbank (Fed) führt zu einer negativen Rückkopplungsschleife, die dazu führen dürfte, dass Anlagen wie Gold und Silber im Laufe des Jahres 2019 weiter hoch notieren. Trumps Ankündigung, die Zölle auf die verbleibenden chinesischen Waren im Wert von 300 Mrd. US-Dollar ab dem 1. September 2019 auf 10 Prozent zu erhöhen, hat die Finanzmärkte erschüttert und den Weg für einen signifikanten Marktverkauf geebnet. Die Ankündigung erfolgte zufällig einen Tag nach der Sitzung des Federal Open Market Committee (BOMK) vom 30. bis 31. Juli 2019. Wie erwartet senkte die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte (bps) und beendete das Programm der Quantitativen Straffung. Die eigentliche Überraschung gab es auf der Pressekonferenz nach der Sitzung, auf der der Fed-Vorsitzende Jay Powell kämpferisch auftrat, als er auf die Zinssenkung nur als "zyklische Anpassung der Politik" und "nicht als Beginn einer langen Serie von Zinssenkungen" anspielte und damit die Aussicht auf weitere Zinssenkungen dämpfte. Powell nannte auch die Handelsunsicherheiten als eine der drei Säulen, die zur Entscheidung über die Senkung der Quartalspunkte führten.

Trumps Ankündigung einer Zollerhöhung für chinesische Waren ist höchstwahrscheinlich eine Taktik, die von ihm verwendet wird, um die Fed zu veranlassen, die Zinsen weiter zu senken. Diese zielt darauf ab, den Schlag auf das US-Wirtschaftswachstum abzumildern, während Trump den Einsatz gegen China erhöht. Gleichzeitig ist China entschlossen, die führende Wirtschaftsmacht der Welt zu sein und wird sich von Trump nicht aufhalten lassen. Als Reaktion auf Trumps Zollankündigung hat die chinesische Regierung staatliche Unternehmen angewiesen, die Einfuhr von US-Agrarprodukten einzustellen und hat den chinesischen Yuan abgewertet. China ist sich auch strategisch des übergreifenden Ziels von Trump bewusst - die US-Präsidentschaftswahlen 2020 zu gewinnen, und wird wahrscheinlich eine härtere Handelsposition einnehmen, um Trumps Chancen auf den Sieg zu verringern. Die Realität ist, dass das US-Wirtschaftswachstum bisher stabil erscheint.

Der jüngste Beschäftigungsbericht bestätigt, dass sich die US-Verbraucher weiterhin in einer stabilen Verfassung befinden, sich aber das Wachstum der Arbeitsplatzschaffung verlangsamt. Das Lohnwachstum bleibt gedämpft und der PCE Core Deflator liegt bei 1,6 Prozent im Jahresvergleich (yoy), was die letzte Zinssenkung der USA rechtfertigt. Wir glauben, dass die Fed nur dann wieder zum Handeln gezwungen sein wird, wenn sich die Verschlechterung des Welthandels sich auf die US-Wirtschaft auszuwirken beginnt. Dies scheint wahrscheinlich zu sein, da die US-Regierung und die chinesische Regierung in der Handelspolitik eine harte Haltung einnehmen.

Die Goldpreise notieren auf einem 6-Jahres-Hoch, da sich die Spannungen zwischen den USA und China verschärfen. Die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit im Welthandel belebt den Safe-Haven-Status von Gold und steht weiterhin im Vordergrund der Anleger. Dies zeigt sich an den Netto-Positionierungsdaten für spekulative Futures auf Goldfutures, die nun bei 292.847 Kontrakten liegen - mehr als eine Standardabweichung über ihrem Fünfjahresdurchschnitt, so die Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Zudem beliefen sich die Netto-Notenbankkäufe im ersten Halbjahr 2019 auf 374,1 Tonnen, 57 Prozent mehr als im Vorjahr und den höchsten Stand seit ihrer Aufnahme als Nettokäufer im Jahr 2010 nach Angaben des World Gold Council (WGC).

Diese Rekordkäufe der globalen Zentralbanken unterstreichen die Notwendigkeit, ihre Reserven vom US-Dollar weg zu diversifizieren. Der Kauf von Gold durch die Zentralbank ist in der Regel das klebrigere Geld und darf nicht unterschätzt werden. Gold steht auch in umgekehrter Relation zum US-Dollar, und wir erwarten, dass sich die weitere Schwäche des US-Dollars entfalten wird. Dies ist auf den zusätzlichen Druck von Trump auf die Fed, den reduzierten Renditevorteil des Dollars gegenüber Alternativen außerhalb des US-Dollar und die Ausweitung der Staatsverschuldung zurückzuführen ist, die mit dem Wirtschaftswachstum der USA überproportional wachsen wird. Die historische Verwendung von Silber als Währung, ein Mittel zur Werterhaltung und seine starke Korrelation zum Halten (fast 80 Prozent) in den letzten zehn Jahren sprechen dafür, dass Silber inmitten des volatilen Marktumfelds auf der Erfolgswelle des Goldes mitschwimmen wird.

Natixis Global Asset Management: Ist Fracking der neue Wirtschafts-Turbo in den USA?

Eine fortschrittlichere Technik bei der Horizontalbohrung und beim „Hydraulic Fracturing“ (Fracking) haben den USA den Zugang zu großen, in Gestein verborgenen Gas- und Ölvorräten ermöglicht. Die Folge ist eine boomende US-Ölproduktion, die mittlerweile eine regelrechte Energierevolution ausgelöst hat. Die Regierungsbehörde „US Energy Information Administration“ schätzt, dass die USA bereits 2016 in der Lage sein werden, fast 10 Millionen Barrel täglich zu fördern – und sich damit den Fördermengen von Russland mit 10,5 Millionen Barrel und Saudi-Arabien anzunähern. Laut den jüngst veröffentlichten Prognosen beim Energie-Ausblick der Regierungsagentur könnten sich die USA bis 2018 sogar zum Nettoexporteur von Erdgas entwickeln. Gleichzeitig dürften sich allerdings Nachfrageveränderungen auf die Ökonomien in China, Indien und Europa negativ auswirken. 

Wir nehmen deshalb das Fracking und seine jeweiligen Auswirkungen unter die Lupe: auf das Wirtschaftswachstum in den USA, den Ölpreis, die globale Wirtschaft und die Anleger weltweit. Verschiedene Experten von Natixis Global Asset Management erläutern, was der durch diese Technologie generierte Energieboom bewirken könnte.

Jörg Knaf, Managing Director Nordeuropa, Natixis Global Asset Management
Dass Fracking die konventionelle Förderung von Erdgas unter Druck setzt und damit auch indirekt den Ölpreis, ist längst unbestritten. Was viele Investoren aber beim Fracking nicht wissen, ist, dass es weniger um billiges Öl und Erdgas geht, sondern um eine kostbare Ressource, das Wasser, eine durchaus interessante alternative Anlage.

Jens Peers, CIO Sustainable Equities, MIROVA
Die Ausbeutung sogenannter unkonventioneller Gasvorkommen birgt im Vergleich zur traditionellen Gasförderung zusätzliche Risiken. Dazu zählen beispielsweise die Gefahr einer Verschmutzung des Grundwassers, das Problem des dadurch bedingten Wegfalls von Ackerflächen sowie eine stärkere Belastung des Klimas als bei einer konventionellen Gasförderung. Diese Auswirkungen müssen von Fall zu Fall analysiert und bewertet werden. Allerdings bringen diese Risiken auch Chancen mit sich, und zwar insbesondere für Unternehmen, die aktiv Lösungen zur Wasseraufbereitung entwickeln. Schließlich besteht das größte operative Risiko bei der Ausbeutung von Gasschiefer-Vorkommen in der Schadstoffbelastung infolge des so genannten ‚Hydraulic Fracturing‘.  Obwohl man diese Sicherheitsrisiken natürlich immer genau im Auge behalten muss, scheint es unangemessen, deshalb den gesamten Sektor in Frage zu stellen.

Michael Acton, Research Director, AEW Capital Management 
Seit Jahrzehnten verweisen Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft auf die zunehmende Ölknappheit und ihre Folgen. Mit der neuen Fracking-Technologie eröffnen sich jedoch für die USA, aber auch anderswo in der Welt, wesentlich größere Erdgas- und Ölreserven, als bisher vorstellbar. Diese Vorräte werden für weitere etwa 30 bis 50 Jahre reichen. Es gibt eine endliche Menge an kohlebasierten Energievorräten unter der Erde.  Dieser Zeitpunkt ist jedoch weiter in die Ferne gerückt. 

Die neue Technologie hat kurzfristig die US-Konjunktur angekurbelt und damit Investmentmöglichkeiten vor allem auf dem Immobilienmarkt geschaffen. Diese neuen Ölvorräte haben die Produktion in den USA bereits erhöht, was oft als „On-shoring“ bezeichnet wird. Viele Produktionsstätten, die zuvor aufgrund günstigerer Löhne nach Übersee ausgelagert worden waren, kehren nun angesichts niedriger Kosten und eines regelrechten Energieüberflusses wieder zurück. Wichtiger noch, die Produktion ist wieder näher am Markt und am Endverbraucher, dem US-Konsumenten. 

Die USA benötigen größere Lagerkapazitäten für Erdgas

Ein weiteres Thema ist die Schaffung von Lagerkapazitäten für diese neuen Energiemengen. Aktuell gibt es in den meisten Teilen der USA nicht genügend Lagerstätten für Erdgas. Das Gas wird direkt beim Austritt aus den Bohrlöchern regelrecht verbrannt, weil es nirgendwo gelagert werden kann. Kapazitäten zur Aufbewahrung von Erdgas, sowie Pipelines müssen also für die kommenden Jahre dringend bereitgestellt werden. Darüber hinaus muss an den Häfen die erforderliche Infrastruktur errichtet werden, damit das Öl nach Europa oder gar in den Asien-Pazifikraum exportiert werden kann. Uns interessiert dabei vor allem die Nachfrage bei kommerziell genutzten Flächen.

Energieboom schafft neue Jobs in den USA

Gleichwohl generiert der Energieboom mehr Verwaltungsjobs. Insbesondere ergeben sich technologieorientierte Aufgaben im Energiesektor. Diese Entwicklung ist besonders in der Gegend um Houston und Dallas, Texas zu beobachten. In diesen Städten ist das derzeitige Wirtschaftswachstum beachtlich. Der neu aufgeflammte Boom des Energiesektors wirkt sich auch auf andere Bereiche aus. In Dallas beispielsweise, ist der auf Energiethemen ausgerichtete Finanzsektor sehr stark – in Houston dagegen Forschung, Design und Entwicklung von energierelevanten Geräten. Insgesamt dürfte die Energierevolution die Kostenstruktur von Unternehmen in den USA niedrig halten, was jeder Branche zugute kommen wird.

Philippe Waechter, Chief Economist, Natixis Asset Management 
Es ist unbestritten, dass die Schiefergasrevolution in Nordamerika einen regelrechten Hype ausgelöst hat. Dennoch sind wir nicht davon überzeugt, dass dies weitreichende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben wird. Wir beobachten bereits seit 2000 eine ständig steigende Nachfrage nach Energie – vor allem seitdem die Schwellenländer zusätzliche Energiemengen für ihre wirtschaftliche Entwicklung benötigen. Angeführt von China, dem Land mit dem zweitgrößten Anteil an der Weltwirtschaft, ist die Nachfrage nach Öl immens angestiegen. Dadurch wurden die Ölpreise 2008 auf über 100 US-Dollar pro Barrel hochgetrieben. Das starke Wachstum der Schwellenländer hat somit enorme Änderungen in der Zusammensetzung des Welt-Bruttoinlandsproduktes mit sich gebracht. Die Spannungen der Ölpreisdiskussion wurden nach der Finanzkrise in den westlichen Ökonomien durch die Schiefergasrevolution allerdings abgeschwächt. Ohne dieses neue Angebot wären die Ölpreise vermutlich momentan höher, was sich nachteilig auf die ohnehin fragilen Ökonomien der Industrieländer ausgewirkt hätte.

Was die Unabhängigkeit vom Erdöl für die USA bedeuten könnte

Auf dem Weg der USA zur Unabhängigkeit bei der Energieversorgung spielen auch geopolitische Themen eine große Rolle. China hat längst Schritte zu einem offeneren Markt eingeleitet, unter anderem durch die Einführung des Yuan, einer konvertiblen Reservewährung. Das Land dürfte zudem in den kommenden Jahren auch seine Finanzmärkte für das Ausland öffnen. Damit dürfte China noch mächtiger im Wettbewerb mit den USA werden. Sollte dieses Szenario eintreffen, ist es für die USA von Vorteil, nicht von externen Energieressourcen abhängig zu sein. 

Mit Russland als größtem Ölproduzenten und wichtigem Player im weltweiten Energiemarkt bleiben die weiteren Beziehungen zu den USA spannend. Solange das globale Wachstum von Energie abhängig ist, wird sich das Machtgleichgewicht ändern: Mit Hilfe der größeren Energieressourcen bleiben die USA auch weiterhin ein globaler Player. Wir warnen jedoch so zu tun, als ob die Ölressourcen unendlich seien. Im Sinne einer ökonomischen und geopolitischen Nachhaltigkeit raten wir deshalb unbedingt dazu, alternative, erneuerbare Energien in den Vordergrund zu stellen.

Der Ölpreis
Wir rechnen für die kommenden Monate mit einem gleichbleibenden oder minimal sinkenden Ölpreis. Ein fallender Preis wird jedoch maßgeblich von Ländern wie Saudi Arabien abhängen, die einen Zielpreis pro Barrel haben, um das Landesbudget auszugleichen. Sollte der Ölpreis längerfristig unter das derzeitige Maß von etwa 90 US-Dollar fallen, würde Saudi Arabien möglicherweise seine Produktion herunterfahren. Dann dürfte der Ölpreis wieder steigen. 

Fazit
Wir beobachten in absehbarer Zukunft eine starke Abhängigkeit des Ölpreises von der Erholung der globalen Wirtschaft. Da zunehmend Länder, die nicht zur OPEC gehören, am Ölmarkt beteiligt sind, wird sich der Preis in den nächsten Jahren zwischen 90 und 110 US-Dollar pro Barrel einpendeln.

Matthew Eagan, Fixed-Income Manager, Loomis, Sayles & Company 
Die US-Wirtschaft erhält durch den neuen Öl- und Gasboom in mehrfacher Hinsicht Rückenwind. Es ist unbestritten ein großer Vorteil, wenn ein Land wie die USA Selbstversorger von Energie ist. Je weniger Energie importiert werden muss, desto stärker gehen die Nettoexporte zurück. Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird immens von dem weiteren Anstieg der Wirtschaftsaktivitäten profitieren: Diese betreffen vor allem die Förderung und Entwicklung von Öl- und Gasvorräten, sowie die Schaffung einer hierfür erforderlichen Infrastruktur. Diese muss für den Bau von Pipelines und Bohrungen erst aufgebaut werden – all dies wird das BIP in den USA aus unserer Sicht positiv beeinflussen. 

Wenn der Energieboom die Konjunktur in den USA weiter antreibt, werden auch die nordamerikanischen Handelspartner wie Kanada und Mexiko davon profitieren. Die neue Regierung in Mexiko hat Steuerreformen angekündigt und plant das Ölmonopol aufzuheben. Die mexikanische Regierung hat zudem weitere Reformen auf den Weg gebracht. Die Energiereform, die künftig auch private Investoren in diesem Sektor zulassen möchte, wird sich allerdings noch einige Jahre hinziehen. Mit diesem Ansatz möchte die Regierung ihre Energievorräte noch effizienter nutzen als bisher. Mit der Öffnung des Ölsektors in Mexiko dürfte der Erdgas- und Ölboom in den kommenden Jahren auch Mexiko erreichen. Dies wäre sehr vorteilhaft für das Wachstum der mexikanischen Wirtschaft, sowie für die Landeswährung Peso.

MFS Konjunkturausblick: Fiskal- und Geldpolitik der USA etwas berechenbarer

In den USA wurde im vergangenen Monat ein fiskal- sowie ein geldpolitischer Unsicherheitsfaktor entschärft. Erstens wurde nach einer weiteren Hängepartie im Kongress der kurzzeitige Government Shutdown aufgehoben und die Schuldenobergrenze angehoben – offenbar früh genug, um größere Auswirkungen auf die Konjunktur zu vermeiden. Zweitens nominierte Präsident Obama wie erwartet Fed-Vizepräsidentin Janet Yellen als Nachfolgerin von Ben Bernanke.

Aktuelle Fiskalpolitik kauft nur Zeit

Der Government Shutdown wird die Konjunktur wohl nur vorübergehend bremsen, auch wenn die Daten in den nächsten Wochen uneinheitlich sein könnten. Wichtiger ist, was als Nächstes geschieht. Der Haushaltskompromiss ist eine Übergangslösung, mit der nur Zeit gekauft wurde. Wichtige Probleme wie die Reform des Sozial- und Steuersystems klammerte man aus. Keine der großen politischen Differenzen wurde überwunden und der allseits verabscheute Sequester blieb in Kraft. Der Übergangshaushalt gilt nur bis Mitte Januar 2014. Die Schuldenobergrenze wurde bis Mitte Februar ausgesetzt

So könnte Anfang nächsten Jahres der nächste Akt des Washingtoner Dramas auf dem Spielplan stehen. Viel wird davon abhängen, ob sich die Parteien bis Mitte Dezember auf einen neuen Haushalt einigen. Vorsichtig optimistisch darf man sein: Nach dem Umfrageabsturz dürfte den Republikanern nicht viel an einem weiteren Shutdown liegen. Außerdem wird das Finanzministerium eine Verletzung der Schuldenobergrenze mit kreativen Maßnahmen wohl bis zum Frühjahr vermeiden können. Je näher der Wahlkampf für die Zwischenwahlen 2014 rückt, umso mehr werden die Politiker das Thema auf 2015 vertagen wollen.

Geldpolitik unter Yellen noch nicht abschätzbar

Ob sich die Ernennung von Janet Yellen zur Fed-Präsidentin auf den Tapering-Fahrplan auswirken wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Die Konjunkturdaten werden infolge des Shutdowns verspätet veröffentlicht werden und könnten auch Anfang nächsten Jahres noch unzuverlässig sein. Das spricht dafür, dass das Tapering erst im März 2014 eingeleitet wird, sechs Monate später als allgemein erwartet. Die Fed hat auf ihrer Oktober-Sitzung allerdings nicht ausgeschlossen, dass sie ihre Wertpapierkäufe ab Dezember reduziert.

Auch der nächste Zinserhöhungszyklus könnte sich unter Janet Yellen verzögern. Ihre jüngsten Reden machen deutlich, dass sie von einem großen Angebotsüberhang am Arbeitsmarkt ausgeht und an die Wachstumseffekte einer expansiven Geldpolitik glaubt. Wir werden beobachten, ob sie bei den Bestätigungsanhörungen im Senat eine andere Einschätzung zu erkennen gibt. Vorerst vermuten wir, dass Yellen im derzeitigen Konjunkturumfeld zu einer lockeren Geldpolitik neigt. Wenn sie als Fed-Präsidentin bestätigt wird, dürften die Zinserhöhungen eher später beginnen.

Stabile Aussichten für die Weltwirtschaft

Die Ereignisse in Washington haben die Aussichten für die Weltwirtschaft kaum verändert. Nach wie vor spricht fast alles für ein moderates Wachstum bei geringer Inflation. Die Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft sind allenfalls geringfügig zurückgegangen. So hat der IWF in seinem World Government Outlook vom Oktober seine Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum zurückgenommen. Für die Jahre 2013 und 2014 werden nun 2,9 % bzw. 3,6 % erwartet. Das sind 0,3 bzw. 0,2 Prozentpunkte weniger als im Juli.

Unterdessen werden für die Industrieländer unverändert 1,2 % (im Jahr 2013) und 2,0 % (im Jahr 2014) prognostiziert. Höhere Erwartungen für Europa und Großbritannien gleichen die etwas niedrigere US-Prognose aus. Die Bewertungen der Emerging Markets wurden dagegen um 0,4 bzw. 0,5 Prozentpunkte auf 4,5 % für 2013 und 5,1 % für 2014 gesenkt. Insbesondere die Erwartungen für China, Indien und Brasilien wurden sowohl aus konjunkturellen als auch strukturellen Gründen deutlich nach unten revidiert.

Im Aktienbereich spricht das eher für die Industrieländer als die Emerging Markets. Dort dürfte das schon seit einiger Zeit nachlassende Wachstum für weiter rückläufige Bewertungen sorgen. Rentenanleger hingegen können angesichts des nach wie vor mäßigen Wachstums bei niedriger Inflation davon ausgehen, dass die mittel- und langfristigen Renditen insbesondere in den Industrieländern nicht sehr stark steigen.

Autor: Robert Spector, CFA Portfolio Manager bei MFS Investment Management

Natixis Global Asset Management: Verarbeitende Industrie meldet weltweit positive Zahlen

Weltweit verstärken sich die Anzeichen für eine höhere Produktionstätigkeit der verarbeitenden Industrie. In den USA etwa hat die verarbeitende Industrie laut „Manufacturing Report on Business“  des „Institute for Supply Management ISM™“ (USA) im August 2013 das höchste Tempo seit mehr als zwei Jahren vorgelegt. Das war unter anderem einem starken Produktionsanstieg im Vormonat Juli geschuldet. 

Verschiedene Experten von Natixis Global Asset Management geben Antworten auf die Fragen, was diese aktuelle Entwicklung bedeutet, ob die verarbeitende Industrie in den USA wettbewerbsfähiger wird und welche Auswirkungen das auf den US-Arbeitsmarkt und andere Märkte weltweit haben könnte.


Jörg Knaf, Managing Director Northern Europe
Natixis Global Asset Management 

„Aktuell deuten die Stimmungsindikatoren im Euro-Raum und in den USA auf eine – wenn auch sehr schleichende – Erholung hin. Die verarbeitende Industrie scheint die Talsohle durchschritten zu haben, doch die politische Ungewissheit, vor allem in den USA, birgt weiterhin Risiken für Anleger.

Im Moment sind die Märkte davon weniger betroffen, sollten sich jedoch die Auseinandersetzungen zwischen den Republikanern und Obama wieder zuspitzen, werden Anleger zwischen die Fronten geraten“.


Chris Wallis, President & Chief Executive Officer
Vaughan Nelson Investment Management 

„Wir beobachten, dass die Industrieproduktion in den USA wieder stärker und wettbewerbsfähiger geworden ist. Hierzu tragen insbesondere die geringeren Energiekosten bei, welche die Rückkehr einiger Bereiche des produzierenden Gewerbes nach Nordamerika ermöglicht haben. Die derzeitige Lage spiegelt tatsächlich die anhaltend holprig verlaufende Konjunktur mit stärkeren und schwächeren Phasen wider. Wir befinden uns gerade jetzt in einem der stärkeren Zyklen. Die positiven Entwicklungen der verarbeitenden Industrie stehen auch im Zusammenhang mit einer konjunkturellen Bodenbildung in Europa sowie stärkeren Wachstumsimpulsen aus China. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Industrieproduktion in den USA wieder zu einem sehr hohen Niveau zurückfindet. Kurz gefasst: Der Tiefpunkt ist allmählich überwunden und die US-Industrie gewinnt wieder an Fahrt.

Wir zögern zwar davor, einen langfristigen Ausblick zu geben, dennoch gibt es einige spezielle Industriezweige in der US-Wirtschaft, die wir auch auf längere Sicht hin positiv beurteilen. Wir erwarten ein moderates Wachstum in der Automobilindustrie sowie zunehmende Bewegung bei der Fertigung von Industrieanlagen und den damit einhergehenden industriellen Aktivitäten. Weiter sehen wir einen Aufschwung bei der Energieinfrastruktur, der allerdings nicht mehr so stark ausfällt wie in den Vorjahren.

Eine bevorstehende Renaissance der Großhandelsproduktion in den USA ist unwahrscheinlich. Daher wird diese Industrie auch keine zusätzlichen Impulse am Arbeitsmarkt in Form von Löhnen oder Arbeitsplätzen generieren können. Die Produktion sowie deren Lieferketten werden näher an den Markt rücken. Daher wird sich die Fertigung aus Niedriglohnländern wieder verlagern, und zwar vermutlich stärker in Richtung Mexiko, aber auch in die USA.

Ein Grund für die Rückkehr einiger Industriezweige ist die Erkenntnis der Unternehmen, dass der Kostenfaktor allein nicht immer ausschlaggebend für den Erfolg eines Unternehmens ist. Stattdessen gilt es, die Produktion näher an den Vertrieb zu bringen, da dies zu einem insgesamt besseren Prozess führt. Eine Auswirkung auf börsennotierte Unternehmen dürfte dieser Trend jedoch nicht haben.“


James Balfour, Senior Macro Strategy Analyst,
Loomis, Sayles & Company 

„Der aktuelle ISM Report zeigt, dass US-Unternehmen zum Zeitpunkt neuer Bestellungen nur geringe Lagerbestände hatten. Viele US-Unternehmen hatten mit dem hohen Auftragsvolumen nicht gerechnet, weshalb sie ihre Produktion weiter erhöhen mussten, um der Nachfrage gerecht zu werden. Dazu kommt, dass Europa gerade aus einer zweijährigen Rezession herauskommt. Vom aktuellen Trend die Produktion anzukurbeln, profitiert letztlich nicht nur die US-Produktion, sondern auch die globale verarbeitende Industrie.

Wir rechnen aus mehreren Gründen mit einer weiteren Beschleunigung der Produktion: Der Rückenwind für die nächsten ein bis zwei Jahre wird gestärkt durch die nachlassenden Auswirkungen der Budgetrestriktionen. Antrieb ist hierfür eine Normalisierung der Aktivitäten im Immobiliensektor, die Wende zu unabhängiger Energieproduktion sowie grundsätzlich niedrige Energiepreise und der damit einhergehende Aufwärtstrend der verarbeitenden Industrie in den USA. So hat beispielsweise der Energieboom in Texas einen Anstieg der Staatseinnahmen, Privateinkommen und Immobilienpreise beschert; in West Virginia sanken 2012 Gas- und Stromrechnungen um 2,3 Prozent, in Pittsburgh trieb der Gas-Boom die Mieten zu einem Jahrzehnt-Hoch und Erdgastankstellen werden voraussichtlich an zahllosen Highways quer durch die USA aus dem Boden sprießen. Während die Produktionspreise in den USA in den letzten 30 Jahren unverändert blieben, sind sie in anderen Märkten gestiegen – hier zogen die USA mit einem Ausgleich um etwa +1% der Wirtschaft nach. Mit relativ steigenden Löhnen als Teil der wiederkehrenden Produktions-Renaissance wurde diese in den USA durch das Angebot niedriger Energiepreise forciert. Dank der positiven Entwicklung sind in diesem Bereich 400.000 neue Arbeitsplätze entstanden. 


Scott Davidson, Director of Research, 
Absolute Asia Asset Management 

„Wir führen die wachsende Wettbewerbsstärke der US-Wirtschaft auf mehrere Faktoren zurück: niedrigere Energiekosten in den USA, dem gestärkten US-Dollar sowie ein sich annäherndes Lohnniveau zwischen Asien und den USA. 

Dies wird vermutlich auf asiatische Exporteure Druck ausüben, besonders in energieintensiven Bereichen wie Stahl, Automobil und Petrochemie. Jedoch wird dies kurzfristig kaum Auswirkungen auf asiatische Märkte haben. Wir rechnen aus verschiedenen Gründen nicht damit, dass der derzeitige Aufschwung der verarbeitenden Industrie in den USA die asiatischen Märkte signifikant gefährden wird. Erstens haben die asiatischen Produzenten noch immer einen Kostenvorteil, auch wenn dieser geringer ist als zuvor. Außerdem sind asiatische Produzenten etablierter Bestandteil der US-Lieferketten, was sich so schnell nicht ändern wird. Drittens erwarten wir für Asien eine eigene grundsätzliche Umwälzung, die mit niedrigeren Energiekosten verbunden wird – auch wenn dies erst in fünf bis zehn Jahren passieren wird. Asien hat viertens bereits etwas getan, um die regionale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten: Länder wie China, die eine rapide Steigerung der Löhne erfahren, gehen dazu über, Produkte mit mehr Mehrwert herzustellen, während Produkte mit weniger Mehrwert immer mehr in Niedrigpreisregionen wie Thailand, Indonesien oder etwa die Philippinen abwandern. 

Für Fremdinvestitionen wird Asien weiterhin die attraktivste Region bleiben. Der Bevölkerungsboom sowie zunehmender Wohlstand werden jede denkbare Abwanderung in die USA abfangen – schließlich wächst der Handel innerhalb Asiens sowie die Investitionen, die auf eine Milliarde kaufkräftiger Bürger abgestellt sind. Wir prognostizieren, dass der Wettbewerb weltweit steigt und regionale Unterschiede zunehmend kleiner werden. Die Märkte mit dem stärkstem Wachstum und der höchsten Fähigkeit, die Nachfrage zu bedienen, werden am meisten profitieren. In diesem Kontext sind die USA und Asien gleichermaßen gut aufgestellt.“


Philippe Waechter, Chief Economist 
Natixis Asset Management 

„Aus makroökonomischer Sichtweise ist das Angebot der verarbeitenden Industrie in den USA derzeit positiv, die Nachfragesignale bleiben jedoch noch schwach. Die wöchentlichen Indizes im ISM Report für Produktion tendieren aufwärts und die Arbeitslosenmeldungen gehen zurück. Andererseits haben sich die Konsumausgaben kaum verändert und die Nachfrage nach Kapitalgütern deutet nicht auf kurzfristige große Investitionen hin. Damit sind die Aussichten aus unserer Sicht für die kommenden Monate sehr gemischt.

Obwohl der Produktionssektor sich gut erholt hat, bleibt die Jobsituation in diesem Bereich weiterhin schwach. Dies resultiert aus dem Einsatz von Technologie für die industrielle Produktion. Die Produktionsstätten sind heute völlig anders ausgestattet als früher, wodurch die Arbeit anspruchsvoller wird.

Dieses neue Umfeld ist dafür verantwortlich, dass einerseits einfachere Güter weiterhin in den Billiglohnländern produziert werden, während die anspruchsvolleren Güter zunehmend dafür sorgen, dass in Hochlohnländern neu entwickelte Dienstleistungen geschaffen werden. In diesem Punkt unterscheiden sich die USA von Europa, da amerikanische Verbraucher High-Tech-Dienste viel stärker nutzen. Mit steigender Produktionsaktivität sinken die Arbeitskosten pro Einheit und dies verbessert die gesamte Situation der verarbeitenden Industrie. Ein zentraler Punkt ist die ungleiche Verteilung der durch diesen Boom geschaffenen Vermögen: die Tatsache, dass das Gros der Gewinne an Management und Firmeninhaber gehen, könnte das Wachstum bremsen. Das exakte Verhältnis zwischen Einkommensverteilung und Wachstum ist nicht genau definiert. Dennoch kann es zu Problemen führen, wenn die Verteilung zu unfair ist.“


Über Natixis Global Asset Management, S.A. 

Natixis Global Asset Management, S.A. zählt bezogen auf das verwaltete Vermögen zu den 15 größten Vermögensverwaltern weltweit(1). Seine verbundenen Vermögensverwaltungsgesellschaften offerieren Anlageprodukte, die darauf abzielen, das Vermögen und die Altersvorsorgeanlagen institutioneller und privater Anleger zu vergrößern und zu schützen. Über sein unternehmenseigenes Vertriebsnetz werden Produkte seiner verbundenen Unternehmen weltweit gebündelt und vertrieben. Natixis Global Asset Management vereint das Fachwissen mehrerer spezialisierter, in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien ansässiger Anlageverwalter, die ein breites Spektrum an Aktien-, Renten- und alternativen Anlagestrategien anbieten.

Mit Firmenzentralen in Paris und Boston verwaltete Natixis Global Asset Management per 30. Juni 2013 ein Anlagevolumen von 602,5 Milliarden Euro(2). Natixis Global Asset Management gehört zu Natixis, einer in Paris börsennotierten Tochtergesellschaft von BPCE, der zweitgrössten Bankengruppe Frankreichs. Zu Natixis Global Asset Management gehören unter anderem folgende sogenannte Boutiquen: Absolute Asia Asset Management, AEW Capital Management, AEW Europe, AlphaSimplex Group, Aurora Investment Management, Capital Growth Management, Caspian Private Equity, Darius Capital Partners, Gateway Investment Advisers, H2O Asset Management, Hansberger Global Investors, Harris Associates, IDFC Asset Mangement Company, Loomis, Sayles & Company, Natixis Asset Management, Ossiam, Reich & Tang Asset Management, Snyder Capital Management, Vaughan Nelson Investment Management, und Vega Investment Managers. Weitere Informationen finden Sie unter www.ngam.natixis.com.

Zum weltweiten Vertriebsnetz von Natixis Global Asset Management gehört die NGAM S.A., eine durch die CSSF zugelassene Luxemburger Verwaltungsgesellschaft mit einer Zweigniederlassung in Deutschland, NGAM S.A. (HRB-Nummer 88541, Im Trutz Frankfurt 55, Westend Carrée, 7. Stock, 60322 Frankfurt am Main). 

Die hier genannten Informationen sind ausschließlich zu Informationszwecken publiziert und beinhalten kein Angebot für Finanzdienstleistungen oder Anlageberatung.