GSAM Versicherungsstudie unter CIOs und CFOs: Sektor jetzt pessimistischer als in den vergangenen vier Jahren

NEW YORK/FRANKFURT, 23. April 2015 – Goldman Sachs Asset Management (GSAM) hat seine jährliche Versicherungsstudie unter dem Titel „Too Much Capital, Too Little Return“ veröffentlicht. Danach sind Versicherer zwar der Meinung, dass die Branche gut kapitalisiert sei, tun sich aber immer schwerer damit, in einem zunehmend herausfordernden Umfeld attraktive Anlagemöglichkeiten aufzutun. Belastende Faktoren sind dabei negative Renditen, enge Spreads und hohe Aktienkurse. Dieses Jahr sind Versicherer somit pessimistischer als in den vergangenen vier Jahren.

„Die Versicherungsgesellschaften bemühen sich zwar, neue Anlagemöglichkeiten ausfindig zu machen. Diese sind bei anhaltend niedrigen Renditen allerdings dünn gesät. Auch für dieses Jahr rechnet die Versicherungsbranche nicht mit einem deutlichen Renditeanstieg“, erklärte Michael Siegel, Global Head of Insurance Asset Management bei GSAM. „Dennoch will ein Drittel der befragten Versicherer weltweit das Portfoliorisiko insgesamt ausbauen. Die Befragten sind überzeugt, dass Aktien Kreditprodukte übertreffen werden. Der Trend geht hin zu einer Allokation in weniger liquide private Assetklassen.“  

Versicherer in EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) sowie in ganz Asien wiesen einen größeren Risikoappetit auf als ihre amerikanischen Pendants. Dort haben sie in den vergangenen Jahren einen starken Risikoappetit gezeigt und jetzt ein ausreichendes Risikoniveau erreicht. Daher wollen amerikanische Versicherer ihr Risikoniveau insgesamt beibehalten. In der EMEA-Region ist die Risikoneigung bei den Versicherern im Laufe der Zeit kontinuierlich gestiegen. Asiatische Versicherungsgesellschaften hingegen orientieren sich verstärkt in Richtung Kredit- und Aktienmarktrisiko.

Als größtes volkswirtschaftliches Risiko nannten die Befragten das Wachstumstempo der amerikanischen Wirtschaft. CIOs und CFOs erwarten im Zuge der lebhafteren US-Konjunktur und vergleichsweise höherer Zinsen eine weitere Stärkung des US-Dollar. Mit sinkenden Renditen im Jahr 2014 und der Ausweitung der quantitativen Lockerung durch die Zentralbanken hat die Versicherungsbranche ihre Zinserwartungen reduziert.


Weitere Kernaussagen der diesjährigen Studie: 

- Versicherer wollen weltweit die Allokation zu weniger liquiden privaten Assetklassen erhöhen. Das betrifft u. a. die Allokation zu gewerblichen Hypothekarkrediten, Infrastrukturkrediten, Private Equity und Krediten an mittelständische Unternehmen. Ihren Renditeerwartungen entsprechend wollen Versicherer ihre Allokationen zu hochliquiden Assets wie Bargeld und kurzlaufenden Papieren sowie Staatsanleihen und Agency-Schuldtiteln verringern. 

- Von Aktien wird eine bessere Performance erwartet als von Kreditprodukten. Versicherer gehen davon aus, dass in diesem Jahr die höchsten Renditen mit Private Equity sowie US- und europäischen Aktien zu erzielen sind.

- Trotz jahrelanger beispielloser geldpolitischer Lockerung bereitet der Versicherungsbranche Deflation auf kurze Sicht größere Sorgen. Grund ist das schleppende weltweite Wachstum und die gesunkenen Rohstoffpreise. Die Versicherungsgesellschaften erwarten, dass Rohstoffe in diesem Jahr zu den Anlageformen mit der niedrigsten Rendite zählen werden. Inflationssorgen sind auf kurze Sicht nicht mehr aktuell, sondern kommen eher mittelfristig zum Tragen.

- Versicherer wollen die Verwaltung sowohl von Kern- als auch Nischen-Assetklassen an externe Vermögensverwalter auslagern. Im Einzelnen wollen sie Hedgefonds (26 Prozent), Emerging-Market-Aktien (23 Prozent), US-Investment-Grade-Unternehmensanleihen (23 Prozent) und Private Equity (22 Prozent) outsourcen. 


Methodik:

GSAM Insurance Asset Management Survey führte die Studie in Zusammenarbeit mit KRC Research, einer unabhängigen Research-Firma, im Zeitraum vom 3. bis 25. Februar 2015 durch. Die Umfrage fand online statt. Es gab 267 Rückmeldungen, darunter 208 Chief Investment Officers (CIOs), 48 Finanzvorstände (CFOs) und 11 Personen, die beide Funktionen erfüllten. Die Studie erstreckte sich weltweit auf die Bereiche Leben, Schaden & Unfall, Komposit, Rückversicherung und Krankenversicherung.  Befragt wurden nur Versicherungsunternehmen mit einem globalen Bilanzvermögen von über 6 Billionen US-Dollar.