Strenge Nachhaltigkeit erfordert ein eindeutiges Nachhaltigkeitsverständnis

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird dieser Tage viel über Nachhaltigkeit am Finanzmarkt gesprochen; darüber, dass das verwaltete Vermögen in Nachhaltigkeitsfonds steigt; dass nachhaltige Fonds keine Renditebremse sind oder dass Investoren mit diesen Fonds zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele („SDGs“) der Vereinten Nationen oder der Pariser Klimaziele beitragen.

Natürlich ist es erfreulich und unterstützenswert, wenn sich Finanzmarktteilnehmer auch von sozialen und ökologischen Erwägungen leiten lassen, wenn sie einen „positiven Beitrag“ leisten wollen. Doch es gibt erhebliche Unterschiede, aus welchen Gründen einzelne Finanzmarktteilnehmer Nachhaltigkeit berücksichtigen. Die entscheidende Frage ist: Haben sie überhaupt ein eindeutiges Nachhaltigkeitsverständnis, auf dem ihr Handeln gründet?

GLS Bank mit klarem öffentlichen Orientierungsrahmen

Wir bei der GLS Bank richten uns nach einem klaren Orientierungsrahmen: unseren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen. Grundlagen unserer Arbeit sind die Achtung der Vielfalt des Lebens und der Natur sowie die Sorge um eine friedliche Koexistenz aller Kulturen, die auf individuelle Freiheit und Verantwortung gegründet sind. Wir wollen die natürlichen Lebensgrundlagen heutiger und zukünftiger Generationen bewahren sowie ihre Weiterentwicklung fördern. Ökologie verstehen wir dabei ganzheitlich im Sinne einer Leben fördernden Einheit von Natur und Zivilisationsentwicklung.

Diese Sichtweise bestimmt unser Handeln und hat auch praktische Auswirkungen: Für unser gesamtes Bankgeschäft gelten diese sozialen und ökologischen Kriterien, die unser Investitions-, Anlage- und Finanzierungsgeschäft prägen. Wir haben keine separate Palette an Nachhaltigkeits- oder ESG-Fonds, sondern jede Investition über alle Fonds hinweg soll per se gut für Umwelt und Gesellschaft sein. Dieser Anspruch unterscheidet häufig Pioniere der nachhaltigen Finanzwirtschaft sowie Kirchenbanken von konventionellen Anbietern, die beabsichtigen, erst in den kommenden Jahren eine umfangreiche Expertise in diesem Bereich aufzubauen.

Ebenso gelten für alle Kredite sowie unser Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft eindeutige Kriterien. Dies beginnt mit klaren Ausschlusskriterien ohne Umsatztoleranzen: Atomenergie, Kohleenergie, Rüstung und Waffen, Gentechnik in der Landwirtschaft, chlororganische Massenprodukte, Massentierhaltung, Verletzung der Menschenrechte, Korruption; um nur die wichtigsten zu nennen. Wie glaubwürdig können Finanzinstitute hinsichtlich Nachhaltigkeit sein, wenn Ausschlusskriterien nur für ein Drittel oder noch weniger des gesamten Finanzportfolios angewandt werden oder Umsatztoleranzen den eigentlichen Zweck dieser Kriterien wieder aufweichen? NGOs weisen in unterschiedlichen Veröffentlichungen (WWF BankenratingFair Finance Guide, etc.) immer wieder darauf hin, dass sich zwischen Anspruch und Realität leider doch die ein oder andere Lücke auftut.

Positivkriterien – der Schlüssel zu zukunftsweisender Wirtschaft

Dennoch sind Ausschlusskriterien nur eine Voraussetzung. Nachhaltiges Handeln verstehen wir als zukunftsweisendes Handeln. Besonderen Wert legen wir daher auf Positivkriterien. Positiv sind für uns Projekte und Unternehmen, die nachhaltig menschliche und zukunftsweisende Ziele verfolgen. Im Mittelpunkt unserer Bewertung stehen immer die Menschen mit ihren Bedürfnissen. Daher ist ökonomischer Gewinn nie Zweck, sondern Folge unseres Handelns.

Was heißt dies praktisch? Wir wollen die uns anvertrauten Gelder dorthin lenken, wo sie am stärksten gebraucht werden. Die Auswahl unserer Investments gründen wir nicht auf gängigen Börsenindizes, sondern einzig und allein auf die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. Dafür investieren wir bewusst auch in kleine Unternehmen mit innovativen Ideen und zukunftsweisende Geschäftsfelder: Eneuerbare Energien, Ernährung, Land- und Forstwirtschaft, Soziales und Gesundheit, Entwicklungs- und Mikrofinanzierung, Nachhaltige Mobilität und Wirtschaft.

Im Anlagegeschäft lehnen wir bewusst den Best-in-Class-Ansatz oder benchmarkorientierte Ansätze ab. Denn diese Ansätze untermauern den Status Quo und führen dazu, dass die größten Unternehmen, die bereits eine große Investorenbasis haben, noch stärker mit Kapital versorgt werden. Dies sehen wir kritisch. Ein bekanntes Sprichtwort lautet: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Übertragen auf den Kapitalmarkt stellt sich die Frage: Können große börsennotierte Unternehmen wirklich die sozial-ökologischen Herausforderungen lösen, für die sie durch ihre Geschäftstätigkeit mitverantwortlich sind? Aus unserer Sicht sind dazu junge Unternehmen mit innovativen Lösungen besser geeignet. 

Einzelfallentscheidung statt Scoring-Modell

Der Fokus auf die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen erfordert auch eine differenzierte Analyse von Unternehmen, die wir finanzieren bzw. in die wir investieren. Einzelfallentscheidungen sind unser bewusst gewähltes Arbeitsprinzip. Zwar erscheint dies zunächst wenig systematisch, jedoch beugt es einem mechanischen und einseitigen Bewertungsschema vor. So kann das quantitative Verrechnen von Plus- und Minuspunkten nie die realen Gegebenheiten eines Unternehmens in seiner Komplexität erfassen. Die Kritik an der mangelnden Korrelation vieler ESG-Ratings zeigt, dass diese Gefahr verstärkt von Investor*innen gesehen wird. Hinzu kommt, dass viele große Unternehmen mittlerweile professionelle Nachhaltigkeits/CSR-Abteilungen gegründet haben, die Nachhaltigkeitsinformationen nach den gängigsten Standards (z.B. GRI) aufstellen. Dies können kleine Unternehmen oftmals gar nicht leisten. Deswegen werden sie allzuhäufig trotz zukunftsweisender Geschäftsmodelle gar nicht erfasst oder in der Bewertung wegen mangelnder Informationen abgestraft.

Statt also Scoringmodelle anzuwenden, prüfen wir umfassend die Geschäftsfelder und Geschäftspraktiken der Unternehmen und führen sie in Unternehmensprofilen zusammen. Diese werden dann in einem interdisziplinär zusammengesetzten, unabhängigen Anlageausschuss mit externen Experten diskutiert. Einzig dieser Ausschuss – kein*e Nachhaltigkeitsanalyst*in oder Portfoliomanager*in – entscheidet darüber, welche Titel wir in unser GLS Anlageuniversum aufnehmen. Die Diskussionen sind mitunter sehr intensiv. Auch vertreten unsere Nachhaltigkeitsanalyst*innen bei manchen Titeln eine andere Auffassung. Aber nur dieses zusätzliche Element in unserem Auswahlprozess ermöglicht es uns, eine ganzheitliche Betrachtung der Titel vorzunehmen und sicherzugehen, dass wir in die Unternehmen investieren, die unserem Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 700 Mio. Euro an (Stand 15.10.2020).

Weiterführende Informationen:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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Net Zero – Zukunft oder leere Versprechen?

von Alexander Weiss, Commodities Specialist der Erste Asset Management.

Der Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind spätestens seit Great Thunberg und Fridays for Future in aller Munde. Grüne Parteien erzielen Rekord-Ergebnisse, Regierungen schnüren Milliardenpakete zum Ausbau nachhaltiger Energiequellen und die EU verkündete Ende 2019 unter der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Plan, bis 2050 der erste „klimaneutrale Kontinent“ der Welt werden. So sehr COVID-19 die Welt auch aus den Angeln gerissen hat, ist es eher ein Trend-Beschleuniger als ein Trend-Stopper.

Die grüne Null

Die von der EU angestrebte Klimaneutralität oder „Net Zero“ wird notwendig sein, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Im Klima-Abkommen von Paris 2015 hat sich die internationale Gemeinschaft verpflichtet, die Erderwärmung auf unter 2% Grad Celcius zu halten, außerdem sollen Anstrengungen unternommen werden, den Temperaturanstieg sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Momentan sind wir von diesen Zielen jedoch weit entfernt. Erreicht werden kann die Klimaneutralität nur durch massive Investitionen in umweltfreundliche Technologien in Industrie, Bauwirtschaft, Verkehr sowie der Dekarbonisierung des Energiesektors.

Co2 Emmissionen Szenarien


Quelle: https://ourworldindata.org/co2-and-other-greenhouse-gas-emissions (Screenshot)

Europa als Nachhaltigkeits-Marktführer

Die EU gibt in Sachen Klimaschutz eindeutig den Ton an, über Regulierungen und Investitionen wird versucht, die Wirtschaft zukunftsfähig aufzustellen. So wird beispielsweise über die „Disclosure Verordnung“ geregelt, wie der Finanzdienstleistungssektor nachhaltige Kriterien künftig integrieren und offenlegen muss.

Auf der Finanzierungsseite, sieht die EU vor, 30% des Corona-Hilfspakets für Investitionen in den Klimaschutz (Erneuerbare Energien, öffentlicher Verkehr, Elektrifizierung und Gebäudeisolation) zu verwenden.

„Rote“ Karte für Treibhausgase?

Doch auch vermeintliche Klima-„Sünder“ haben den Klimawandel mittlerweile als Problem erkannt. So kündigte Xi Jinping am 22. September gegenüber der UN Hauptversammlung an, dass China bis 2060 klimaneutral werden wird. Keine kleine Aufgabe, wenn man bedenkt, dass sich die CO2 Emissionen Chinas von 1990 auf 2018 mehr als vervierfacht haben, während sie in den restlichen OECD-Ländern großteils stabil blieben bzw. sogar sanken.

Doch China ist nicht nur der größte CO2-Emittent (2018 ~30% der Gesamt-Emissionen an CO2) der Welt, sondern auch der mit Abstand größte Investor, Produzent und Konsument von erneuerbaren Energien. Die Hälfte aller Elektro-Autos, 99% der Elektrobusse und 99% aller E-Roller werden in China verkauft.

Die schiere Größe der chinesischen Wirtschaft macht es damit zu einem der wichtigsten Akteure im Kampf gegen den Klimawandel. Wie ernst China „Net Zero“ tatsächlich nimmt, wird man noch diesen Oktober sehen, wenn die kommunistische Partei Chinas ihren Fünfjahresplan für die wirtschaftliche Entwicklung vorgibt.

Electricity Generation (GWh)


Quelle: Irena, und https://www.theguardian.com/commentisfree/2020/oct/05/china-plan-net-zero-emissions-2060-clean-technology (Screenshot)

If you can’t beat them, join them

Firmen wie BP, Total oder Shell waren einst der Inbegriff von „Big Oil“. Mittlerweile sehen sich beide als Energieunternehmen, investieren in erneuerbare Energien und haben einen Net Zero Plan bis 2050 vorgelegt. Dieser Sinneswandel kann vor allem auf zwei Gründe zurückgeführt werden: Miserable Performance (ExxonMobil war 2013 noch größte Firma der Welt, 2020 fiel sie aus dem Dow Jones Index) sowie der Druck durch Aktionäre – sogenanntes Engagement.

Über Plattformen wie UNPRI oder Climate Action 100+ schließen sich große Investoren zusammen, und fordern von Unternehmen, ESG-Kriterien zu berücksichtigen. Auch die Erste Asset Management betreibt seit 2012 aktives Engagement rund um die Welt und hat unter anderem die Führung für das gemeinsame Engagement der Climate Action 100+ Partner mit der OMV AG übernommen.

The Long and Winding Road

Es wird an der Politik liegen, klare Rahmenbedingungen für eine klimaneutrale Welt zu schaffen. Doch auch wir als Investoren können unsere Verantwortung wahrnehmen. Insgesamt haben momentan nur ~10% der weltweiten Öl-Produzenten Pläne zur Klimaneutralität vorgelegt – zu wenig und zu schwammig formuliert. Durch aktives Engagement wird es gelingen, mehr Unternehmen dazu zu bringen, ihre Geschäftsmodelle nachhaltig auszurichten.

Doch wird die Adaption der Geschäftsmodelle allein nicht reichen – es wird auch Innovationen in Bereichen wie Mobilität, öffentlicher Verkehr, Bauressourcen, und erneuerbaren Energien benötigen. Die International Energy Agency geht davon aus, dass 50% der Technologien, die wir für eine klimaneutrale Welt benötigen noch nicht erfunden sind. Der Weg zur Klimaneutralität wird sich in den nächsten Jahren also noch stark ändern – wichtig ist allerdings, dass der erste Schritt genommen wurde und es ein gemeinsames Ziel gibt.

Der ERSTE GREEN INVEST investiert in Megatrends wie grüne Energie, Wasser und Recycling. Damit beteiligt man sich aktiv an Unternehmen, die einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten. Ein Teil der Erlöse gehen außerdem in Projekte zur Förderung des Klimaschutzes.

Größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte

Der Finanzsektor leistet mit der gezielten Steuerung von Investitionen einen wesentlichen Beitrag, um gegen den Klimawandel zu bestehen. Eines der wirkungsvollsten Instrumente ist das Impact Investing.

Unter Impact Investing (dt. Wirkungsorientiertes Investieren) versteht man Investitionen in Unternehmen, Organisationen und Fonds mit der Absicht, neben einer finanziellen Rendite messbare, positive Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft zu erzielen.

Genau nach diesem Prinzip funktioniert der neue Aktienfonds der Erste Asset Management – ERSTE GREEN INVEST. Der Fonds veranlagt sein Kapital in nachhaltige Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energie oder Wasserwirtschaft. Außerdem werden Unternehmen unterstützt, die eine Vorreiterrolle in der Umstellung von umweltbelastenden Prozessen der „Old Economy“ einnehmen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Bericht an den Club of Rome*: Mit diesen Handlungsprinzipien tragen Investoren und Unternehmen wirklich zu den SDGs bei

von Prof. Dr.-Ing. Christian Berg, Mitglied im Anlageausschuss der GLS Bank.

Die weltweite Staatengemeinschaft hat sich 2015 auf 17 Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals (SDGs), geeinigt, die ambitionierte Zielvorgaben für den Zeitraum bis 2030 formulieren. Ein Drittel dieser Zeit ist bereits verstrichen. Doch die Probleme von Klimaschutz und Artensterben, sozialer Ungleichheiten und gesellschaftlicher Polarisierung nehmen eher zu als ab. Dabei hat das Interesse an nachhaltigen Investments in jüngster Zeit unglaublich zugenommen.

Wie kommt es zu diesem Widerspruch? Es gibt am Kapitalmarkt – wie in der Realwirtschaft – viel Greenwashing. Es ist schwer, den Überblick zu behalten, die Spreu vom Weizen zu trennen und richtig einzuschätzen, welche Investitionen wirklich auf das Ziel der Nachhaltigkeit einzahlen und welche nicht.

Der neue Bericht an den Club of Rome schlägt eine überschaubare Anzahl an Handlungsprinzipien für Nachhaltigkeit vor. Diese Prinzipien bieten eine Orientierungshilfe, welche Option in einer Entscheidungssituation die nachhaltigere ist.

Investoren und Unternehmen sollten insbesondere die folgenden 5 Prinzipien beherzigen:

1. Dekarbonisieren

Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit im 21. Jahrhundert. Sämtliche Prozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sind deshalb so rasch wie möglich zu dekarbonisieren, also so auszurichten, dass sie ohne fossile Energieträger auskommen. Als Fossil Fuel Divestment ist dies inzwischen unter Investoren sehr verbreitet. In finanzieller Hinsicht dürften Investitionen in fossile Energien langfristig immer unattraktiver werden. Dass vor kurzem ExxonMobil nach 92 Jahren aus dem Dow Jones geflogen ist, ist ein wichtiges Symbol dieser Entwicklung. Berücksichtigt man künftige Kosten für CO2-Emissionen, wären 42 Prozent der Kohlekraftwerke über ihre gesamte Lebensdauer hinweg unprofitabel – ihre Kosten übersteigen die Erträge, so jedenfalls urteilt der britische Think Tank Carbon Tracker nach der Analyse der weltweiten Kohlekraftwerkskapazitäten (Carbon Tracker 2018).

2. Vielfalt fördern

Eigentlich dürfte es das Wort Monokultur gar nicht geben. Es ist so etwas wie ein eckiger Kreis. Denn Kultur kann niemals in der Einzahl vorkommen, immer nur in der Mehrzahl. Wir wissen heute aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, von der Entstehung des Lebens über das Funktionieren von Ökosystemen bis zur Innovationsfähigkeit von Unternehmen, dass die spannenden Dinge nur passieren, wenn sich Systeme auf dem schmalen Grad von Chaos und Ordnung bewegen. Wenn alles ganz klar gegliedert und geordnet ist, wie in einer Monokultur, dann gibt es nichts neues, dann ist sozusagen alles vorherbestimmt. Wenn es, andererseits, nur Unordnung und Chaos gibt, kann auch nichts neues entstehen, weil man dafür immer auch eine gewisse Regelmäßigkeit und Struktur braucht. Neues entsteht nur in dem schmalen Bereich dazwischen. Und genau deshalb ist es so wichtig, Vielfalt zu fördern, denn Vielfalt ist die Voraussetzung dafür, dass Neues entstehen kann.

Für Investoren hat dies viele Implikationen. Zum einen sind Geschäftsfelder, die sozusagen per definitionem damit beschäftigt sind, Vielfalt zu fördern, per se schon attraktiv. Ökologische Landwirtschaft zum Beispiel hat immer auch das Ziel, Artenvielfalt zu befördern (SDG 2 fordert u.a. eine nachhaltigere Landwirtschaft und den Erhalt genetischer Vielfalt). Umgekehrt sind alle „Monokulturen“ zu vermeiden. Dies bezieht sich aber nicht nur auf das Geschäftsfeld, sondern auch auf die Geschäftspraxis. Wird auch im Unternehmen Diversität gefördert? Es gibt hinreichend viele und belastbare Studien, u.a. von McKinsey oder der Boston Consulting Group, die zeigen, dass Unternehmen, bei denen die Führungskräfte nach Kriterien der Diversität besetzt sind, erfolgreicher und innovativer sind als solche, die mit weißen Männern besetzt sind (was ja meist die Alternative ist).

3. Transparenz erhöhen

Eine große Hürde auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Entwicklung sind Interessenkonflikte. Unterschiedliche Menschen bzw. Gruppen haben mitunter gegensätzliche Interessen: Kohlearbeiter fürchten um ihren Arbeitsplatz, Umweltaktivisten sorgen sich ums Klima. Solche Interessenkonflikte sind dann kein Problem, wenn über die unterschiedlichen Interessen in einem offenen und fairen Verfahren diskutiert und ein Interessenausgleich gesucht werden kann. Genau deshalb ist es zum Beispiel so wichtig, dass moderne Rechtsstaaten Meinungs- und Pressefreiheit haben.

Ein fairer Ausgleich von Interessen wird aber verhindert, wenn eine der beteiligten Parteien versucht, sich durch geheime Absprachen oder Zuwendungen Vorteile zu verschaffen. Korruption und Lobbyeinfluss haben immer wieder öffentlich vereinbarte Kompromisse konterkarriert.

Entscheidend ist, dass Unternehmen und Politik transparent die Beweggründe für ihre Entscheidungen kommunizieren.

Für Unternehmen und Investoren hat diese Forderung nach Transparenz weitreichende Folgen, beispielsweise über die ohnehin gesetzlich geforderten Offenlegungspflichten hinaus auch ihren Stakeholdern Transparenz über die Geschäftstätigkeit zu ermöglichen. Mit der vor kurzem in Kraft getretenen CSR-Berichtspflicht für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden und /oder mehr als 50 Mio Euro Umsatz geht die EU in dieser Richtung ebenso voran wie mit der Taxonomie für nachhaltige Investitionen. Stets geht es darum, Transparenz zu erhöhen.

4. Kapital aufbauen – in vielen Dimensionen

Mit dem gewachsenen Interesse an einer ganzheitlichen Bilanzierung und der Bedeutung nicht-finanzieller Leistungsindikatoren hängt auch ein erweiterter Kapitalbegriff zusammen. Warum erlauben wir als Gesellschaft, dass Firmen ihre Renditen erhöhen zu Lasten der Allgemeinheit oder auf Kosten der Umwelt? Der Sportartikelhersteller PUMA hat in einer Bilanzierung von Umweltschäden gezeigt, dass es die Umwelt in einem einzigen Jahr in einer Größenordnung von 145 Millionen Euro schädigt, dabei aber „gute“ ökonomische Renditen erzielt. Das ist letztlich ein Profit zulasten der Allgemeinheit. Diese zweifelhafte Logik wird künftig immer mehr in Frage gestellt werden und es ist m.E. nur eine Frage der Zeit, wann Unternehmen nicht mehr nur nach ökonomischer Rendite, Arbeitsplätzen und Steuerbeiträgen beurteilt werden und darüber großzügig hinweggesehen wird, wieviel Naturkapital sie dabei zerstört haben. Es liegt in der Logik einer ganzheitlichen Bilanzierung, dass sämtliche Kapitalarten darin berücksichtigt werden. Und das Ziel muss sein, über alle Kapitalarten hinweg eine positive Ertragsbilanz zu erwirtschaften. Es gibt heute schon Nachhaltigkeitspioniere, die sich in dieser Richtung bewegen, zum Beispiel solche, die Gemeinwohlbilanzen veröffentlichen.

5. Lokale und regionale Wertschöpfungsprozesse fördern

Die Corona-Pandemie hat vieles ans Licht der Öffentlichkeit gebracht, was vorher nur Eingeweihten vorbehalten war. Die unerträglichen Zustände in der Fleischindustrie gehören dazu. Auch wurde uns schmerzlich bewusst, wie abhängig wir vom Funktionieren globaler Lieferketten sind – sei es bei medizinischer Schutzausrüstung, bei Medikamten oder im produzierenden Gewerbe. Hier trifft sich der Ruf nach einer resilienteren Wirtschaft mit dem nach mehr ökologischer und sozialer Verträglichkeit – denn ein wichtiger Motor für die global verteilten Wertschöpfungsketten sind ja die Kostenvorteile, die Unternehmen dadurch realisieren, dass andernorts günstiger produziert werden kann. In einem gewissen Rahmen ist das sinnvoll und legitim, ganz gewiss aber nicht, wenn der Kostendruck dazu führt, dass eine Verletzung ökologischer und sozialer Mindeststandards in anderen Weltgegenden bewusst in Kauf genommen wird.

Es gibt viele gute Gründe, warum die Globalisierung zwar nicht rückgängig gemacht werden wird, es aber in den kommenden Jahren eine sehr viel stärkere Betonung lokaler und regionaler Wertschöpfungsprozesse geben wird:

  • Es gibt eine zunehmende Transparenz über die sozialen und ökologischen Standards in den Lieferketten bzw. auch die Verletzung entsprechender Mindeststandards (s.o.);
  • auch die Gesetzgebung wird in dieser Richtung aktiv („Lieferkettengesetz“);
  • bei Verbraucherinnen und Verbrauchern nimmt das Bewusstsein für die Implikationen ihrer Kaufentscheidungen zu;
  • die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, zumindest in Schlüsselbereichen notfalls auch im heimischen Markt deutlich autarker produzieren zu können als bisher;
  • die globalen ökologischen Krisen und ihre öffentliche Diskussion werden zu steigenden Preisen für Transporte führen („CO2-Steuer“), was die Transaktionskosten erhöht und Anreize zur Auslagerung nach Übersee reduziert;

Fazit

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass entschlossenes Handeln in Wirtschaft und Politik auch in relativer kurzer Zeit möglich ist. Bis zum Jahre 2030 sind es noch knapp 10 Jahre. Um die avisierten 17 Ziele zu erreichen, werden die in diesem Artikel vorgestellten Prinzipien für nachhaltige Investitionen – Dekarbonisieren, Vielfalt fördern, Transparenz erhöhen, ein erweitertes Kapitalverständnis und eine stärkere Gewichtung lokaler und regionaler Wertschöpfungsprozesse – eine wichtige Rolle spielen. Bereits heute gibt es für einige dieser Prinzipien klare Indizien, dass sich der Markt in diese Richtung entwickelt. In dem sehr dynamischen Markt nachhaltiger Geldanlagen werden wir noch manche Überraschungen erleben. Lange nicht alles, was glänzt, wird Gold sein. Man ist deshalb gut beraten, sich auf Prinzipien zu verlassen, die bei der Beurteilung helfen, ob eine Investition auch tatsächlich auf das einzahlt, was sie zu leisten verspricht: uns dem Ziel der Nachhaltigkeit näher zu bringen.


*Der folgende Beitrag führt einige Gedanken weiter aus, die der Verfasser in seinem jüngsten Buch formuliert hat, das als Sustainable Action. Overcoming the Barriers zunächst bei Routledge, als Ist Nachhaltigkeit utopisch? Wie wir Barrieren überwinden und zukunftsfähig handeln dann bei oekom auf Deutsch erschienen ist.

Prof. Dr.-Ing. Christian Berg
beschäftigt sich seit gut 20 Jahren mit Themen nachhaltiger Entwicklung, insbesondere mit Blick darauf, was dies für Unternehmen und die Finanzwirtschaft bedeutet. Er lehrt als Honorarprofessor für Nachhaltigkeit und Globalen Wandel an der Technischen Universität Clausthal und ist Gastprofessor für Corporate Sustainability an der Universität des Saarlands. Zuvor war er bei SAP Chief Sustainability Architect. Prof. Dr. Berg ist Mitglied im Anlageausschuss der GLS Bank. Weitere Informationen unter www.christianberg.net.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von rund 600 Mio. Euro und zusätzlich den B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 02.09.2020).

Weiterführende Informationen:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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Digitalisierte Arbeitswelt

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Die analoge Welt der Vergangenheit ist im Wandel – Digitalisierung gilt als neuer Megatrend. Dabei wird der Terminus „Digitalisierung“ vor allem in zweierlei Kontext verwendet: Zum einen geht es um digitale Daten, deren Umwandlung und Darstellung sowie die digitale Weiterentwicklung, das digitale „Aufrüsten“ von Instrumenten und Geräten. Zum anderen ist die digitale Revolution ein viel diskutiertes Thema, das die gesamtwirtschaftliche Entwicklung betrifft, begleitet von Schlagwörtern wie „digitale Wende“ oder „Computerisierung“.

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren zu vielfachen, grundlegenden Veränderungen im Wirtschaftsleben geführt, wie zur Vereinfachung von Kopier- und Distributionsmöglichkeiten von Inhalten, zur Verschmelzung von Virtualität und Realität und schließlich zu einer Neugestaltung der Arbeitswelt. Viele Unternehmen und Branchen wurden zu rigorosen Einschnitten und Anpassungsprozessen gezwungen – um beispielsweise gegenüber neuen Playern, die für ihr Unternehmen keine eigenen Gerätschaften, Fahrzeuge oder Immobilien benötigen, konkurrenzfähig zu bleiben. Als Beispiele für die – bedingt durch die Digitalisierung – neuen Rahmenbedingungen in der Wirtschaft seien der Aufstieg der sozialen Netzwerke sowie der Trend zu einerseits Automatisierung/Robotik und Künstlicher Intelligenz andererseits genannt.

Die Aspekte der Veränderung durch die Digitalisierung sind vielschichtig. Unternehmen, die hinter sozialen Netzwerken stehen, erstellen keine oder nur in geringem Ausmaß eigene Inhalte. Der von den Usern generierte Content wird analysiert und zur – für Werbezwecke verwendeten – Personalisierung genutzt. Hinter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ stehen eine fortschreitende Roboterisierung, automatisierte Prozessketten und das „Internet der Dinge“. Schließlich erlauben Big Data und Künstliche Intelligenz aktuelle und detaillierte Analysen in bisher nicht gekanntem Ausmaß.

EINE NEUE ARBEITSWELT

Die Arbeitswelt wird immer digitaler und globaler, sie hat bereits einen dynamischen Wandel hinter sich und wahrscheinlich einen noch dynamischeren vor sich. Zu den zuletzt auch durch die Corona-Pandemie verschuldeten wesentlichen Änderungen der vergangenen Monate und Jahre zählen nicht nur massive Steigerungen bei E-Commerce, kontaktlosem Bezahlen und Essenszustellungen nachhause, sondern auch viele Aspekte der täglichen Arbeit, des täglichen Agierens auf geschäftlicher Ebene. Das oft zitierte und postulierte papierlose Büro scheint immer mehr Wirklichkeit zu werden, es eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten einer Zusammenarbeit „auf Distanz“.

INDIVIDUELLE ARBEITSEINTEILUNG

Die Digitalisierung der Arbeitswelt führt zur verstärkten Möglichkeit einer individuellen Einteilung und Strukturierung der Arbeit. Diejenigen, die in der Digitalisierung schon sehr weit fortgeschritten sind, werden als „digitale Nomaden“ bezeichnet. Sie können von überall aus arbeiten und haben den Vorteil, nicht an stationäre Geräte gebunden zu sein. Aber für die meisten der täglich mit einem Computer arbeitenden Beschäftigten hat flexibles Arbeiten mittlerweile eine neue, wenngleich nicht derart ausgeprägte Dimension erreicht. Heimarbeit und Büroarbeit nebeneinander sind inzwischen auch von Seiten der Arbeitgeber immer mehr toleriert, teils sogar erwünscht. Man kann eine stete Weiterentwicklung weg von den klassischen Arbeitsmodellen, die bisher meist auf strikte Abläufe und Präsenzzeiten – man spricht oft von „9 to 5“-Jobs – gesetzt haben, beobachten.

HINDERNISSE BEI DER UMSETZBARKEIT VON HEIMARBEIT

Im Detail betrachtet, gibt es einige Hindernisse bei der Umsetzbarkeit einer digitalen Arbeitswelt zuhause. Denn der Trend zu Homeoffice oder Homeworking hat vielfältigste Aspekte, und nicht für alle Berufstätigen besteht überhaupt die Möglichkeit zur Heimarbeit. Unter dem finanziellen und damit sozialen Gesichtspunkt sind die Leistbarkeit von Raum und Equipment sowie die notwendige Ungestörtheit wesentliche Themen. Es stellt sich die Frage, ob der notwendige Raum für den Arbeitsplatz überhaupt vorhanden ist und wie die letztendlich großteils vom Arbeitnehmer bzw. von der Arbeitnehmerin zu finanzierende technische Ausstattung ausgestaltet ist, die ein effizientes Arbeiten zuhause überhaupt erst möglich macht. Zudem sind Ablenkungen durch Familie und Mitbewohner zum Teil schwer in den Griff zu bekommende Probleme.

VORTEILE UND CHANCEN

Zu den großen Vorteilen der Digitalisierung zählt zunächst die erhöhte Flexibilisierung, die nicht nur die Arbeitszeiten und das örtliche Umfeld, sondern den gesamten Arbeitsablauf betrifft. Diese neue Umfeldsituation kann zu besserer Motivation und zu einer Steigerung der Kreativität führen. Durch den Wegfall von Arbeitswegen ergibt sich eine mitunter deutliche Zeitersparnis, das Einsparen der Fahrzeit zum Arbeitsplatz bedeutet ein Mehr an Freizeit. Die vermehrte Anwesenheit zuhause und die Zeitersparnis können wiederum zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie führen.

SOZIALE FOLGEN

Mit der Digitalisierung wird die Arbeit dezentralisiert. Mitarbeitende erhalten die Chance, ihren Arbeitsalltag selbst zu bestimmen und zu gestalten, sie können nicht nur selbst festlegen, wann und wo sie arbeiten, sondern auch wie. Aber genau diese Entwicklung ist auch eine große Herausforderung an das eigene (Zeit-)Management.

Zu den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung in Zusammenhang mit einem höheren Anteil an Homeworking zählt ein potenzieller Rückgang an sozialen Kontakten, da die Kommunikation teils erschwert ist oder aktiv gesucht werden muss. Damit verbunden ist das Risiko einer akzentuierten Vereinsamung. Dazu zählt auch der Effekt des „Cocoonings“, des Sich-Zurückziehens aus der Zivilgesellschaft in das häusliche Privatleben. Dieser Trend ist generell in als bedrohlich empfundenen Krisenzeiten verstärkt zu beobachten und wird durch die aktuelle Pandemie zusätzlich befeuert.

Das Auseinanderhalten von Arbeitszeit und Freizeit und die permanente Erreichbarkeit sind oft vor allem für an Homeworking nicht gewöhnte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Herausforderung. Oft ist der Arbeitsalltag nur mangelhaft strukturiert. Das physische Verlassen des Arbeitsplatzes als Signal zur Beendigung der täglichen Arbeit fällt weg, ein psychologisch gefährliches Kontinuum stellt sich ein.

Der Aufbau einer Teamkultur wird durch ein hohes Ausmaß an Heimarbeit konterkariert. Die Teammitglieder müssen sich stärker um Kontakte bemühen, die bei einer gemeinsamen Präsenz im Büro automatisch gegeben wären.

EFFIZIENZ

Ohne physische Nähe zu der Kollegenschaft effizient zu arbeiten, ist durch die verbesserten Möglichkeiten des externen Zugriffs auf Daten und Systeme mittlerweile sehr einfach geworden. Auch der Kommunikationsaspekt – verbal wie visuell – kann zumindest theoretisch bereits gut abgebildet werden. Die digitale Arbeitswelt unterstützt die bereits in den letzten Jahren zu beobachtende Tendenz zu flacheren Hierarchien, auch können sich bestehende Kompetenzprofile verändern.

IT-VERSTÄNDNIS

Voraussetzung für das effektive Arbeiten zuhause ist neben dem Vorhandensein einer entsprechenden IT-Infrastruktur das Verständnis der sich immer schneller weiterentwickelnden IT-technischen Systemlandschaft. IT-Schulungen haben in diesem Kontext einen noch höheren Stellenwert, vor allem Ältere sind mit den entsprechenden Skills auszustatten, um in der digitalisierten Arbeitswelt erfolgreich sein zu können. Dem für den extern Arbeitenden rund um die Uhr verfügbaren IT-Support kommt hohe Bedeutung zu.

ÖKOLOGISCHE ASPEKTE DER NEUEN ARBEITSWELT

Die technische Ausstattung zweier Arbeitsplätze für jeden Mitarbeiter birgt große ressourcentechnische Nachteile. Auf der anderen Seite hat der Wegfall der An- und Abreise zum Arbeitsplatz positive ökologische Aspekte. Vor allem der individuelle Straßenverkehr sollte durch den Trend zum Homeworking rückläufig sein.

Eine verbesserte IT-Landschaft, die bereits erwähnte Duplizierung der Arbeitsplätze, aber auch jede zusätzliche Datenspeicherung und jede Erhöhung der Serverkapazität bedeuten nicht nur einen immer größeren ökologischen Fußabdruck des technischen Equipments selbst, sondern auch immer höhere Aufwendungen an Energie. Dabei kann man zwischen dem Stromverbrauch der Datenzentren (Cloud), der Haushalte und Wirtschaft über Endgeräte und jenem des Internets unterscheiden. Vor allem der Energieverbrauch der Datenzentren ist zuletzt sprunghaft angestiegen. Der IT-bezogene Stromverbrauch, also der gesamte Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), verursacht nach Schätzungen der französischen Non-Profit-Organisation „The Shift Project“1 etwa 3,7 % aller Treibhausgasemissionen weltweit, die Steigerungsraten betragen aber rund 9 % jährlich gegenüber einem Gesamtwachstum des globalen Stromverbrauchs von mittel- bis langfristig erwarteten 3 %2.

DIGITALISIERTE ARBEITSWELT IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITS- DIMENSIONEN ESG

E (Environment)

Die fortschreitende Digitalisierung birgt zwar das Potenzial für die Effizienzsteigerung von Prozessen, andererseits wächst wachstumsbedingt der Energiebedarf der Informations- und Kommunikationstechnologien sprunghaft und bewegt sich deutlich über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum.

S (Social)

Das Profitieren von der fortschreitenden Digitalisierung ist einerseits an eine geeignete IT-technische Ausstattung und andererseits an entsprechendes Know-how gebunden. Diese Kombination von höhere Einkommensschichten bevorzugenden Faktoren kann soziale Ungleichheiten verstärken.

G (Governance)

Digitalisierung und Datensicherheit sind zwei eng verwobene Themen. Regeln und Initiativen zum Thema Datensicherheit können sowohl von Unternehmens- wie auch von staatlicher Ebene kommen.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist Digitalisierung ein wesentliches Zukunftsthema. Der Sektor IT ist in nachhaltigen Investments strukturell übergewichtet.


1) Quelle: https://theshiftproject.org/en/article/lean-ict-our-new-report/
2) Quelle: IEA, BP

„It's all about risks“: Absolut Return auf der Basis von Aquakultur

von Reinhard Liebing, Geschäftsführer der SUSTAINABLE INVESTING TRUST StBG mbH.

Durch Innovationen, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Elektrifizierung, Prozessoptimierung von CO2 intensiven Prozessen, und Dekarbonisierung der globalen Wirtschaft kann eine nachhaltigere Zukunft gestaltet werden. Wie schnell und wie weit diese Veränderungen gehen werden, kann derzeit noch nicht gänzlich abgeschätzt werden. Das ökonomische und technische Umfeld steht vor größten Herausforderungen. Hinzu kommen das andauernde Niedrigzinsumfeld und die politischen Unsicherheiten sowie die Klimaveränderungen und ihre physischen Auswirkungen. Langfristige Trends wie das globale Bevölkerungswachstum, die Urbanisierung, und die nachhaltige Ernährung können hierbei allerdings als eine Richtschnur dienen, um die Chancen der Veränderungen auch positiv zu begreifen.

Bevölkerungswachstum, Überfischung, und Aquakultur

Aktuell leben ca. 7,6 Mrd. Menschen auf unserem Planeten. 2030 werden es ca. 8,6 Mrd. Menschen sein. 2050 werden voraussichtlich ca. 9,8 Mrd. Menschen unseren Planten bevölkern. Ein Wachstum um ca. 30 % bei konstanten Ozeanen und Meeren.

Aufgrund der massiven Überfischung sind die Ozeane und Weltmeere an ihrer Grenze. Bedingt durch das Bevölkerungswachstum entsteht eine zunehmende Nachfrage nach Meeresfrüchten als wertvolle Proteinquelle. So wächst die Nachfrage nach Meeresfrüchten und Fisch aktuell doppelt so schnell wie die Zunahme des Bevölkerungswachstums.

Aquakultur gehört nach einem Research Dokument der Rabobank aus dem Jahr 2018 zu den schnellsten wachsenden Sektoren zur Erzeugung von tierischen Proteinen. In nur 6 Jahren hat sich der Wert seit 2010 bis 2016 um fast 100 Mrd. US$ auf ca. 232 Mrd. US$ erhöht (eine durchschnittliche Wachstumsrate von ca. 10 %). In den Jahren davor dauerte es 15 Jahre, für einen Zuwachs von ca. 94 Mrd. US$.

Zu den Zugangswegen für Investoren zählen insbesondere börsengelistete Gesellschaften, Direktbeteiligungen, oder Fondsinvestments. Allerdings ist das Universum der Fondsinvestments mit entsprechenden Managern noch überschaubar.

Mehr als die Hälfte der konsumierten Meeresfrüchte stammt heute bereits aus der Aquakultur. Die bisherige Aquakultur in Teichen und Seegehegen ist stark von den Umweltbedingungen abhängig und unterliegt in deren Folge hohen Produktionsschwankungen.

Nach Angaben der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen aus 2018 haben 93% der Wildbestände die maximale Fangquote erreicht. Folglich ist die Steigerung der Produktion von Meeresfrüchten aus Aquakultur unerlässlich, um die gestiegene Nachfrage von ca. 33 Mio. Tonnen pro Jahr bis 2030 befriedigen zu können.

Fische – effizient und nachhaltig aufzuziehende Tiere

Fische gehören zu den am effizientesten aufzuziehenden Tieren, da ihr Futterverwertungsverhältnis so niedrig ist. Das Futterverwertungsverhältnis ist die Futtermenge, die ein Tier benötigt, um ein Kilogramm Körpergewicht zu erreichen. Aufgrund jahrelanger Forschung über die spezifischen Ernährungsbedürfnisse ist der Atlantische Lachs heute das am effizientesten aufzuziehende Tier mit dem niedrigsten Futterverwertungsverhältnis. Typischerweise benötigt Atlantischer Lachs 1,15 kg Futter, um 1 kg Körpergewicht zu erreichen. Schweine brauchen mehr als doppelt so viel Futter wie Lachse, um 1 kg zuzunehmen, während Schafe fast sechsmal so viel fressen müssen.

Quelle: https://www.skretting.com/en/faq/how-much-wild-fish-is-needed-to-feed-farmed-fish/

Fisch hat auch einen relativ hohen Ernteertrag im Vergleich zu anderen Zuchttieren. Der Ernteertrag ist der Prozentsatz des Tieres, der nach der Entfernung ungenießbarer Teile genutzt werden kann. So hat beispielsweise atlantischer Lachs einen Ertrag von ca. 86%. Huhn hat im Vergleich dazu einen Ernteertrag von nur 47 %.

Lachsaufzucht in Off- und On-Shore Aquakulturen

Im Mittelpunkt der Off-Shore Aquakultur steht die Aufzucht des atlantischen Lachs. Lachse benötigen eine Wassertemperatur von 2-20 Grad Celsius. Daher kann Lachs nur in bestimmten Regionen der Welt, wie Norwegen, Schottland, Chile, und Kanada aufgezogen werden. Die Aufzucht der Lachse im Meer ist jedoch nicht unproblematisch. So werden gegen Parasiten wir die Lachslaus erhebliche Mengen an Chemikalien und Pestiziden eingesetzt, um diese zu bekämpfen. Nach vorliegenden Schätzungen werden von den Gestehungskosten für 1 Kilogramm Lachsfleich ca. 25 % für die Bekämpfung der Lachslaus im Meer aufgewendet. Darüber hinaus belasten die Exkremente der Lachsfarmen das Meerwasser. Aufgrund der Stürme auf See entkommen häufiger größere Fischmengen aus den Gehegen. So sind bei einem der letzten Stürme im August dieses Jahrs vor Schottland Lachsfarmen vom Weltmarktführer Mowi schwer beschädigt worden. Etwa 30.000 Lachse starben in Folge des Sturmes und ca. 50.000 Lachse entkamen aus den Netzen. Ähnliche Vorkommnisse vor Britisch Columbia haben dazu geführt, dass die kanadische Regierung plant die Genehmigungen für die Off-Shore Aquakultur vor Britsch Columbia einzustellen, da die Zuchtlachse für die Meere und die Wildlachse ernstzunehmende Belastungen darstellen. So weist der Premierminister Justin Trudeau in einem Schreiben vom 13. Dezember 2019 die Ministerin für Fischerei an, „mit der Provinz Britisch Columbia und den indigenen Gemeinschaften zusammen zu arbeiten, um einen verantwortungsvollen Plan für den Übergang von der offenen Netzgehe-Lachszucht in den Küstengewässern Britsch-Kolumbiens bis 2025 zu erstellen, und mit der Arbeit an der Einführung des ersten kanadischen Aquakulturgesetztes überhaupt zu beginnen.“

Swiss Lachs als ein Erfolgsbeispiel

Eine Alternative zu der Off-Shore Aufzucht ist die landbasierte Aufzucht der Lachse in sogenannten Kreislaufanlagen, die bereits weltweit im Einsatz sind. Swiss Lachs, eine Indoor Lachsaufzucht im bündnerischen Misox, ist hierfür ein Erfolgsbeispiel, das aktuell sogar noch ausgebaut werden soll. Diese Kreislaufsysteme bestehen aus Aufzuchtbecken, die durch Rohre an ein Filtersystem (in der Regel Biofilter) miteinander verbunden sind. Wasser zirkuliert fortlaufend und bildet insoweit einen geschlossenen Kreislauf. Das Wasser wird ständig gefiltert und bei fortschrittlicher Technik ist nur ein minimaler Anteil an Wasser nachzufüllen. Pumpen lassen das Wasser zirkulieren und erzeugen in den Becken eine künstliche Strömung, die dem natürlichen Bewegungsdrang der Fische entgegenkommt. Durch die Abgeschlossenheit der Systeme wird sichergestellt, dass keine schädlichen Umwelteinflüsse auf die Tiere einwirken. Insofern bedarf es auch keiner Antibiotika und Zusatzstoffe wie Pestizide oder Hormone. Zugleich verbietet sich beim Einsatz von Biofiltern die Verwendung von Antibiotika.

Bislang wachsen alle geschlüpften Lachse zunächst an Land auf und werden erst später ins Meer ausgesetzt. Da in einigen Regionen der Welt mittlerweile keine weiteren Lizenzen für Off-Shore Lachsfarmen vergeben werden, wachsen die jungen Lachs in diesen Regionen der Welt nun schon fast 2 Jahre an Land auf, um die verbleibende Zeit bis zur „Ernte“ im Meer zu verbringen.

Aquakultur – Risikomanagement, Nachhaltigkeit, und Skalierbarkeit der Assetklasse

Bei landbasierten Kreislaufanlagen sind vier zentrale Risikotypen zu beachten:

  • Operationale Risiken, bspw. Technologische Probleme, Biologische Herausforderungen wie Krankheiten, Parasiten, Produktqualität wie Farbe, Geschmack, Struktur
  • Marketing und Vertriebsrisiken, wie Kundenakzeptanz, Preisrisiken, Vermarktungsrisiken
  • Regulatorische Risiken, wie Genehmigungen, Akzeptanz auf lokaler Ebene, Wasserver- und entsorgung
  • Finanzielle Risiken, bspw. hohe Investitionskosten und Profitabilität

Die meisten der vorstehenden Risiken lassen sich mit einem kompetenten und erfahrenen Team, einem passenden Standort und einem Industriepartner mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklung und der Umsetzung von Aquakultur Kreislaufanlagen erfolgreich managen, wenn zudem ein starkes Business- und Marketing Konzept vorliegt.

In der Praxis sehen wir Projekte, bei denen nachhaltiger Landlachs unter Berücksichtigung der SDGs in Deutschland zu attraktiven Erträgen aufgezogen werden kann. Dieser Landlachs wächst bspw. in Ostdeutschland in Regionen auf, die hervorragende Wasserqualitäten und -mengen besitzen. Für geplante erste 5.000 Tonnen Jahresproduktionen liegen in dem Fall zudem schon schriftliche LOI´s für jährliche Abnahmemengen von über 7.000 Tonnen von größten deutschen Handelsorganisationen vor.

Fertigstellungsrisiken werden durch entsprechende Fertigstellungsgarantien bonitätsstarker Bauunternehmen abgesichert und der Betrieb der Anlagen in der Anlaufphase durch Funktionsgarantien von Weltmarktführern aus der Aquakulturindustrie reduziert.

Nachhaltig erzeugte landbasierte Lachsaufzucht mit skalierbarer erprobter Technologie für die Märkte der Regionen bittet attraktive Renditen mit einem hohen SDG Impact. Biosicherheit in Kombination mit Biofutter und Transparenz der Nahrungsmittelproduktionsketten lässt sich somit erreichen. Voraussetzung hierfür ist allerdings ein kompetentes und erfahrenes Team, dass gemeinsam die Herausforderungen der Aquakultur managend. Wie die Covid 19 Pandemie zeigt, unterliegen ganze Wirtschaftsstrukturen wie Luftfahrt, Transport und Touristik biologischen Risiken, die durch entsprechende Hygienekonzepte gesteuert werden müssen. Eine ganzheitliche Betrachtung der wirtschaftlichen Eco-Systeme verknüpft mit den ökologischen Eco-Systemen vor dem Hintergrund der vorhandenen Megatrends ist ein Schlüssel in eine nachhaltigere Welt.


Kontakt: info@susi-trust.com

Adaption und der Klimawandel

von Dominik Benedikt, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Gewisse Auswirkungen des Klimawandels könnten mit hoher Sicherheit eintreten, entweder weil die physikalischen Veränderungen schon zu weit fortgeschritten sind, um diese noch aufzuhalten, oder weil die Kosten um sie aufzuhalten exorbitant wären.

Dies ist der Grund, warum die internationalen Verträge wie das Klimaabkommen von Paris vom 1,5 – 2°C Ziel sprechen, aber niemals vom +/- 0°C-Ziel. Es geht darum den Klimawandel auf ein erträgliches Ausmaß zu beschränken, nicht (mehr) darum ihm gänzlich Einhalt zu gebieten. Wir müssen uns daher auf die neue Realität, wie im Weinbau, einstellen und uns dafür umstellen.

Die Prozesse dieser Umstellung werden unter dem Begriff Adaption zusammengefasst, dem letzten der fünf großen Themenblöcke des Erste Green Invest, die ich für Sie über die letzten Wochen beleuchten durfte. Während das Beispiel des Weinbaus gewissermaßen noch ein Luxusproblem umreißt, geht es in anderen Bereichen ums Überleben, wie in der Medizin und dem Küstenschutz.

Trockene Füße

Etwa zwei Drittel der Niederlande sind Überschwemmungsgebiet. Die modernen Schutzbauten gehen auf die 1920er Jahre zurück, selbst wenn die ersten Pläne dafür schon 17. Jahrhundert entstanden waren. Die so genannten Zuiderzeewerke trennten mit Hilfe hoher Dämme und Deiche die flachen Gewässer vor der niederländischen Küste von der Nordsee.

Durch den Bau von Poldern konnten beachtliche Landflächen gewonnen werden. Doch bereits 1937 stellte sich heraus, dass Teile der Schutzbauten unzureichend waren, ein Umstand den 1953 tausende Menschen mit ihrem Leben bezahlten. Die Niederlande antworteten mit dem Bau der noch fortgeschritteneren Deltawerke, die erst 1997 abgeschlossen wurden. Die Bauwerke wurden von der Amerikanischen Gesellschaft der Zivilingenieure sogar zu einem modernen Weltwunder erklärt.

Dennoch und trotz aller sukzessiven Verstärkungen der Schutzbauten, erkannten die niederländischen Ingenieure zuletzt, dass weiterhin Schwächen im Küstenschutz bestehen. Um den erwartbaren Folgen des Klimawandels – ein nur rund ein Meter höherer Meeresspiegel bis 2100 – zu widerstehen, müssen die aktuellen Dämme etwa auf die zehnfache Stärke ertüchtigt werden.

Andere Regionen können mit den gegenwärtigen Methoden nicht mehr geschützt werden. Stattdessen werden gewisse Gebiete aufgegeben und als Überflutungsbecken definiert. Das Ziel ist mit sanftem Küstenschutz dort Erfolg zu haben, wo die bisherigen schweren Verbauungen angesichts steigender Wasserspiegel nicht mehr funktionieren oder nicht mehr finanzierbar sind.

Unternehmen für Küstenschutz

Ein Unternehmen, das in diesem Bereich besonders aktiv ist, ist die niederländische Royal Boskalis, in die auch der ERSTE GREEN INVEST investiert ist. Das Unternehmen widmet sich allen Bereichen des Küstenschutzes. Es widmet sich insbesondere auch der Entwicklung neuer Lösungen sanften Küstenschutzes unter Berücksichtigung natürlicher Gegebenheiten, etwa durch künstliche Mangroven oder Korallenriffe.

Damit entstehen potentiell lebensrettende Antworten für ärmere Entwicklungsländer wie Bangladesch. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass das Land bis 2050 rund elf Prozent seiner Landfläche an das steigende Meer verlieren wird. Rund 15 Millionen Menschen werden durch diesen Anstieg des Wassers um nur 50cm ihre Heimat verlieren.

Aktuell arbeitet das Unternehmen an einem Pilotprojekt in Java, das als Low-Tech Lösung bei einer Vielzahl betroffener Küsten- oder Inselstaaten in Südostasien und Afrika dienen könnte, für die harte Verbauungen wie in den Niederlanden unfinanzierbar sind.

Adaption ist überall nötig

Viele Aspekte der Adaption stecken noch in den Kinderschuhen, werden aber mit Fortschreiten des Klimawandels immer bedeutender. Dies betrifft die Landwirtschaft und die damit verbundene Ernährungssicherheit, ebenso wie den Tourismus, gerade etwa in den Alpen.

Die Tropenmedizin wird durch die Ausbreitung von Tropenkrankheiten nach Europa an zentraler Bedeutung gewinnen, und die Pharmaforschung entsprechend umdenken müssen. Aber auch so banale Themen wie der steigende Bedarf an Klimatisierung verlangen nach neuen Lösungen, um nicht durch energiefressende Klimaanlagen, den Klimawandel noch zusätzlich zu befeuern.

All dies sind Risiken, aber auch Chancen, für jene Unternehmen, die dafür Lösungen liefern. Aktuell macht der Themenblock Adaption nur rund 9% des ERSTE GREEN INVEST aus. Ein Anteil, der aber mit Sicherheit über die nächsten Jahre mit der Bedeutung des Themas steigen wird.


Der ERSTE GREEN INVEST investiert weltweit vor allem in Unternehmen aus dem Bereich Umwelttechnologie. Der Investmentprozess des Fonds basiert auf fundamentaler Unternehmensanalyse. Die Titelauswahl erfolgt mit Fokus auf Unternehmen welche vor allem in den Bereichen EnergieWasser, Abfall & RecyclingTransformation und Adaption tätig sind. Eine messbare positive Auswirkung (Impact) auf Umwelt beziehungsweise Gesellschaft steht bei der Investmententscheidung im Vordergrund.

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Die GLS Bank: Investitionen im globalen Süden

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Die GLS Bank ist als sozial-ökologische Universalbank bekannt, die viele soziale und ökologische Projekte in Deutschland finanziert und transparent darüber berichtet. Weit weniger bekannt ist, dass die Bank in den vergangenen Jahren auch verschiedene Instrumente und Aktivitäten entwickelt hat, um in Ländern des Globalen Südens (im Finanzmarkt Emerging Markets genannt) als gesellschaftlich verantwortungsbewusster Investor zu wirken. Ein Überblick.

Der GLS AI – Mikrofinanzfonds: Die finanzielle Teilhabe stärken

Im Dezember 2015 hat die GLS Bank einen Mikrofinanzfonds ins Leben gerufen.  Der Fonds will Menschen den Zugang zu Finanzdienstleistungen weltweit ermöglichen. Damit verfolgt der Fonds bewusst ein entwicklungspolitisches Ziel: Nur wer Zugriff auf Kredite, Sparangebote oder Versicherungen hat, kann auch am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Der Fokus liegt auf benachteiligten Bevölkerungsgruppen, vor allem in entlegenen Gebieten.

Bei der Kreditvergabe wird besonders auf faire Kreditkonditionen Wert gelegt. Dazu hat die GLS Bank spezielle Anlagerichtlinien für Mikrofinanz erarbeitet, die von einem Anlagebeirat festgelegt und regelmäßig überprüft werden. Zu den Ausschlusskriterien zählen u.a. ausbeuterische Kinderarbeit, Raubbau in (Regen-)Wäldern, Verletzung der Landrechte indigener Bevölkerungen oder intransparente Kostengestaltung. Um einer Überschuldung der Kreditnehmer*innen vorzubeugen, ist der Fonds nur sehr begrenzt in Ländern mit erhöhtem Aufkommen von Mikrokrediten aktiv. Der Fonds beabsichtigt eine breite geographische Streuung. Über die Hälfte der Kredite werden in Ländern mit geringen und mittleren Einkommen in Südeuropa, Lateinamerika, Asien und Afrika vergeben.

Der Fonds hat mittlerweile ein Volumen von knapp 190 Mio. Euro und verzeichnete auch im Rahmen der Corona-Pandemie monatlich Nettozuflüsse.

Platzierung und Zeichnung von Anleihen strukturierter Entwicklungshilfefonds

Die GLS Bank unterstützt strukturierte Entwicklungshilfefonds bei der Platzierung von Anleihetranchen und agiert auch selbst als Investor. Bei den als Private-Public-Partnerships ausgestalteten Fonds handelt es sich um moderne Instrumente der Entwicklungsfinanzierung: Öffentliche Investoren wie das BMZ oder die KfW stellen das Eigenkapital in den Junior-Tranchen bereit. Die Senior-Tranche steht privaten Investoren zur Verfügung. Sie können Inhaberschuldverschreibungen ab einer Investitionssumme von 200.000 Euro erwerben. Dieser Mechanismus bietet einen hohen Schutz, da die Anleihegläubiger erst im Risiko sind, wenn das Eigenkapital des Fonds aufgebraucht ist. Der Risikopuffer beträgt in der Regel 65 bis 80 Prozent. Die Platzierung erfolgt ausschließlich im Rahmen eines Private Placements und eine Zeichnung ist nur für so genannte "well-Informed Investors" möglich.

Inhaltlich finanzieren die Fonds kleingewerbliche Institute in benachteiligten Regionen im globalen Süden so wie der SANAD Fonds (arabisch für “Unterstützung“). Dieser fördert die Beschäftigung, insbesondere für junge Menschen, im Mittleren Osten und in Nordafrika. Mehr als 90 Prozent der Endkredite werden an Kleinstunternehmen (weniger als 10.000 US Dollar) vergeben. Wie bei den GLS Fonds gibt es auch hier strenge Positiv- und Ausschlusskriterien (keine Waffen, Zwangsarbeit, Glücksspiel, usw.) Darüber hinaus werden mittels eines Technical Assistance Programms Institute und Endkreditnehmer geschult und weitergebildet.

GLS Bank Klimafonds: Zeichnung von Anleihen mit hohem Impact

Der GLS Bank Klimafonds leistet auch in Ländern des globalen Südens einen Beitrag zum Klimaschutz. Dazu zeichnet der Fonds selektiv auch Anleihen von Unternehmen, mit denen klimafreundliche Vorhaben in Ländern des Globalen Süden finanziert werden.

  • Die Hylea-Gruppe: das Unternehmen aus Bolivien ist auf den Anbau sowie Vertrieb von Paranüssen spezialisiert. Die zu 100 Prozent ökologische Produktion leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die nusstragenden Bäume dienen als CO2-Speicher. Der Paranussbaum kann nur in einem intakten Ökosystem überleben. Die wirtschaftliche Nutzung des Baumes bildet somit einen Anreiz, den Regenwald zu schützen, und macht Rodungen mit anschließender land- oder viehwirtschaftlicher Nutzung unattraktiv.
  • Die Africa GreenTec AG: Das Unternehmen baut und betreibt Solarkraftwerke in Form mobiler Solarcontainer in Südmali. Nur 17 Prozent der dortigen Bevölkerung haben Zugang zu Strom. Dieser wird in der Regel mithilfe von Dieselkraftwerken und -generatoren erzeugt. Mit Emission der Anleihe will das Unternehmen Solarcontainer finanzieren, mit denen mindestens 250.000 Menschen vor allem in ländlichen Gebieten dezentral mit Solarstrom versorgt werden können. Die Wartung und Pflege erfolgen durch einen regionalen Partner. Für diese Arbeiten werden Servicemitarbeiter aus der Region entsprechend ausgebildet.

Technical Assistance und Mission Investing Forum

Auch über die Investition und Platzierung hinaus fördert die GLS Bank Aktivitäten im Globalen Süden:

  • Für ihren GLS AI – Mikrofinanzfonds hat sie eigene Technical Assistance Maßnahmen ins Leben gerufen. Der Begriff umfasst technisch Beratungs- und Unterstützungsdienstleistungen für Mitarbeitende von Finanzinstituten oder der Bevölkerung in den Regionen. Mit diesen Programmen leistet die Bank konkrete Hilfe vor Ort oder ermöglicht den Wissenstransfer zwischen den Kontinenten.
  • Mit den Einnahmen aus dem GLS Bank Klimafonds unterstützt die GLS Bank auch Klimaschutzprojekte in Afrika und Lateinamerika. Die Projekte verbinden Klimaschutz mit sozialen Aspekten. Dazu zählen dieses Jahr der Aufkauf und die biodynamische Bewirtschaftung von Regenwald zum Schutz vor Rodungen in Peru oder die finanzielle Förderung von Solarkiosken und Biogasanlagen, welche einen Ersatz für den Einsatz von Dieselgeneratoren oder für das Verbrennen von Feuerholz darstellen.
  • Seit 2012 veranstaltet die GLS Bank jährlich das Mission Investing Forum in Bochum. Dafür ging die Bank eine Partnerschaft mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen ein. Es werden abwechselnde inhaltliche Schwerpunkt gesetzt, um aktuell relevante Fragestellungen rund um Stiftungen aufzugreifen, u.a. zu Finanzierungsmöglichkeiten in Afrika.

Nicht nur die GLS Bank, sondern auch die GLS Treuhand ist aktiv in Ländern des Globalen Südens. Die GLS Treuhand will gemeinsam mit Stifter*innen und Spender*innen grundlegenden, gesellschaftlichen Wandel anregen, hin zu einer sozial gerechten, friedlichen und ökologischen Welt. Dies tut sie in ihren Handlungsfeldern mit Beratung und Förderung. Vor dem Hintergrund hat sie mehrere Stiftungen ins Leben gerufen, um u.a. Projekte in Ländern des Globalen Südens zu fördern. Ausführliche Informationen unter: https://www.gls-treuhand.de/


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von rund 630 Mio. Euro und zusätzlich den B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 02.09.2020).

Weiterführende Informationen:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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