Nordic Properties a Plus in Regional Diversification

Jarkko Lehtonen from United Bankers in Helsinki speaks in the altii interview about the Nordic properties markets and the potential for diversification. He is the portfolio manager of the UB Nordic Property Fund that invests in commercial real estate in that region.

Arbeitsplätze in Schwellenländern mit nachhaltiger Entwicklung generieren

Edda Schröder, die Gründerin und Geschäftsführerin von Invest in Visions, spricht im altii Interview über ihre neue Strategie, in den Mittelstand zu investieren, und wie sie damit Arbeitsplätze in Schwellenländern schafft und nachhaltiges Wachstum generiert.

Investieren in Megatrends: Cashless Society

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Im 10. bis 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde erstmals in der Menschheitsgeschichte staatlich anerkannt Papiergeld eingeführt – und zwar in China. Rund 1000 Jahre später ist China erneut Vorreiter bei der Entwicklung neuer Formen des Geldes und des Bezahlens. Papiergeld und generell das Bargeld erscheinen zunehmend als Auslaufmodelle. Geld wird uns grundsätzlich bis auf weiteres erhalten bleiben, ist es doch das „Schmiermittel“ unserer modernen Zivilisation, in vielerlei Hinsicht. Jedoch wird dabei das Bargeld zunehmend durch neue, elektronische (digitale) Bezahlformen ergänzt beziehungsweise verdrängt. Das beinhaltet zahlreiche Umwälzungen in vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen. Diese Entwicklungen bieten gutes Ertragspotenzial für vorausschauende Investoren und bedeuten zugleich zusätzliche Risiken für all jene Unternehmen und Investoren, die diese Trends ignorieren.

Nur Bares ist Wahres?

Bargeld und seine Zukunft sind Themen, die sehr rasch zu erhitzten, emotionalen Debatten führen können. Für die einen hat es ausgedient und ist ein archaisches Relikt, das jede Menge Probleme und Nachteile mit sich bringt. Für die anderen ist es eine der wichtigsten Bastionen persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Für die einen ist es ein Ärgernis, das Geldwäsche, Geldfälschung und kriminelle Handlungen aller Art erleichtert und Geldpolitik erschwert. Für die anderen ist es ein robustes, bewährtes Bezahlverfahren, das auch dann noch problemlos funktioniert, wenn Stromversorgung oder Internet ausfallen und das für Hackerattacken unerreichbar ist.

Die Bezahlwelt ist im Umbruch

Wenn der „Durchschnittsbürger“ in Europa, Nordamerika oder Japan an bargeldloses Bezahlen denkt, dann verbindet er damit vor allem Bankomat-, Kreditkarte und Online-Überweisung. In China hingegen wird man in erster Linie an das Smartphone denken. Es ist absolut möglich, dass es junge Menschen in Shanghai, Peking oder Dalian gibt, die noch nie in ihrem Leben mit Bargeld oder Kreditkarten hantiert haben und dies auch niemals tun werden. Chinas Milliardenvolk hat die Kreditkarte weitgehend übersprungen – sehr zum Leidwesen der Branchenriesen Visa und Mastercard. Stattdessen ist das „Reich der Mitte“ Vorreiter bei Bezahl-Software, mit der Banktransaktionen und Bezahlvorgänge per Handy erfolgen.

Einfach das Handy im Supermarkt einzusetzen, findet aber auch hierzulande zunehmend Verbreitung. Die Covid-19-Pandemie und die Angst vor Virenübertragung durch Geldscheine und Münzen haben dem bargeldlosen Bezahlen auch in Europa einen starken Schub gegeben. Selbst in Ländern wie Österreich und Deutschland, in denen weiterhin viele Menschen Bargeld bevorzugen, ist der Anteil bargeldloser Transaktionen in den letzten 12 Monaten sprunghaft gestiegen. Hinzu kommt der zusätzliche starke Impuls für den – naturgemäß bargeldlosen – Online-Handel als Folge von Lockdowns und Kontaktbeschränkungen. Wichtig für Investoren ist dabei, dass der Trend zu bargeldlosen Zahlungen nicht durch die Pandemie geschaffen, sondern durch sie nur verstärkt wurde. Daher wird er auch nicht mit ihr enden. Ein weiterer starker Treiber für den Vormarsch elektronischer Bezahlformen zeichnet sich ab: die Notenbanken! Auch hier scheint China einer der Vorreiter zu sein, aber auch in der Eurozone, den USA, Japan und selbst in Staaten wie Venezuela, arbeiten die Zentralbanken offenbar mit Hochdruck an der Einführung „digitaler Währungen“. Sie würden ihnen unter anderem zusätzliche Möglichkeiten in der Geldpolitik eröffnen.

„Kryptowährungen“ – das Geld der Zukunft?

Beim Stichwort „digitale Währungen“ werden allerdings viele Menschen wohl nicht so sehr an Euro oder US-Dollar denken, sondern in erster Linie an Bitcoin und Co. Diese so genannten Kryptowährungen haben vor allem durch ihre gewaltigen Preisanstiege in den letzten Monaten (gegenüber den herkömmlichen „Papiergeldwährungen“) viele neue Fans gewonnen und auch so manchen Skeptiker in Unternehmen und bei institutionellen Investoren überzeugt. Allerdings: der Begriff „Kryptowährung“ ist eigentlich irreführend. Kaum einer dieser inzwischen tausenden verschiedenen „cryptocoins“ erfüllt auch nur annähernd die Kriterien einer Währung. Das gilt selbst für Bitcoin und Ethereum, die beiden Platzhirsche in dem Segment. Je nach Sichtweise sind sie aktuell in erster Linie Anlage- oder Spekulationsobjekte, die gehortet, aber nicht zum Bezahlen verwendet werden. Ganze Bücher lassen sich über Chancen, Risiken und mögliche Zukunftsanwendungen dieser meist auf so genannten Blockchains basierenden Anwendungen schreiben. Die zugrundeliegenden Technologien (beispielsweise „smarte Verträge“) oder deren Weiterentwicklungen könnten viele Vorgänge in modernen Volkswirtschaften stark verändern. Vor allem, aber nicht nur, in der Finanzbranche. Für den Moment und noch für längere Zeit sind die „cryptocoins“ in Bezug auf eine Funktion als Zahlungsmittel aber ein reines Nischenprodukt und kein ernstzunehmender Faktor im weltweiten Zahlungsverkehr. Ob sie jemals einer werden oder überhaupt überleben, ist derzeit noch völlig offen.

Der neue Goldrausch?

Es liegt auf der Hand, dass der stürmische Trend zu neuen Bezahlformen eine wahre Goldgrube sein kann für jene Unternehmen, die sich an die Spitze dieser Entwicklung setzen können und eine ernsthafte Bedrohung für diejenigen, die sie ignorieren. Etliche Unternehmen, die bargeldloses Bezahlen ermöglichen oder vereinfachen, haben gewaltige Wertsteigerungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erfahren. Angefangen bei den heute schon fast „traditionell“ wirkenden Kreditkartenanbietern Visa und Mastercard bis hin zu den deutlich jüngeren Unternehmen, wie PayPal, Square, Apple pay (Apple) oder Alipay (Alibaba). Fast allen ist gemeinsam, dass sie über eine enorme Skalierbarkeit verfügen und vergleichsweise wenig in Maschinen, Gebäude oder Personal investieren müssen. Skalierbarkeit bedeutet letztlich, dass mit minimalem zusätzlichen Kapitalaufwand große Mengen an zusätzlichen Erlösen möglich sind. Die Softwarebranche ist das Paradebeispiel dafür und im Grunde sind fast alle bargeldlosen Bezahlformen auch in erster Linie Softwarelösungen. Selbstverständlich sind solche Wertsteigerungen in der Vergangenheit aber keinerlei Gewähr oder Anhaltspunkt für zukünftige Kursentwicklungen.

Bezahlunternehmen – aussichtsreich, aber kein Selbstläufer

Wo neue Gewinner entstehen, gibt es naturgemäß immer auch Verlierer. Banken waren einst die Alleinherrscher beim Bezahlen, bis ihnen die Kreditkartenunternehmen zunehmend Teile des Geschäfts abgruben. Den Banken war es trotzdem lange Zeit recht, weil auch sie vom zusätzlichen Transaktionsvolumen profitierten. Inzwischen aber drohen sie weitgehend abgehängt zu werden in der Bezahl-Wertschöpfungskette. Zugleich sehen sich aber auch Kreditkartenunternehmen unter Druck durch neue Mitbewerber, die online oder auch im Supermarkt Zahlungen ganz ohne Kreditkarte (oder Bankomatkarte) ermöglichen.

Was bedeutet das für Anleger und Investoren? Nun, vor allem, dass auch ein vermeintlich klarer Trend, wie bargeldloses Bezahlen, keinesfalls automatisch zu Reichtum für Investoren führt. Und wie bei jedem vermeintlichen „Goldrausch“ gibt es natürlich auch etliche „schwarze Schafe“, die versuchen mit zu schwimmen und zu profitieren, Stichwort: Wirecard. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien war in Wirecard übrigens nicht investiert, da das Unternehmen vom Fondsmanagement als nicht gut genug befunden wurde. Stattdessen engagiert sich der Fonds in Unternehmen, wie beispielsweise Adyen, Worldline, Paypal, GMP Payment Gateway, Alibaba oder Visa.

Der grundlegende Ansatz dabei: Das Fondsmanagement setzt auf ein relativ breites Spektrum sehr wahrscheinlicher Profiteure und versucht, etwaige Verlierer möglichst zu vermeiden. Es wird vermutlich mehr als nur einen großen Gewinner geben, bietet doch das bargeldlose Bezahlen eine ganze Reihe von unterschiedlichen profitablen Tätigkeitsfeldern für findige Unternehmer.

Übrigens: Viele Bezahlunternehmen dürften eine ausgezeichnete Absicherung gegen etwaige Inflationsrisiken bieten, die zuletzt ganz verstärkt im Rampenlicht vieler Investoren stehen. Denn mit generell anziehenden Preisen für Waren und Dienstleistungen steigen auch die Transaktionsvolumina und damit die Gebühren und Gewinne dieser Unternehmen.

Fazit

Bargeld wird zunehmend durch neue Formen des Bezahlens ergänzt und verdrängt. Dabei gibt es verschiedene konkurrierende Technologien und Anbieter und damit ist auch hier eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich „bargeldloses Bezahlen“ engagieren.

Auswirkungen der EU-Taxonomie auf die Immobilienwirtschaft

von Dr. Sebastian Orthmann, EMBA (M&A), und Sarah Kolodzik, CMS Deutschland.

Die EU soll bis zum Jahr 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent werden. Dieses Ziel hat die Europäische Kommission im Dezember 2019 im Rahmen des European Green Deal beschlossen. Als erstes Etappenziel sollen bis zum Jahr 2030 die Treibhausgase der EU um mindestens 55 % unter dem Wert von 1990 gesenkt werden.

Für die Erreichung dieser Ziele sind erhebliche Investitionen in nachhaltige Projekte erforderlich. Der Finanzsektor wird daher bei der Umsetzung des Green Deal eine Schlüsselrolle einnehmen.

Bereits im März 2018 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Der Aktionsplan verfolgt drei Ziele: Erstens die Umlenkung der Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen. Zweitens die Bewältigung der finanziellen Risiken, die sich aus dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit, der Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben. Drittens die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit von Finanz- und Wirtschaftstätigkeiten.

Zentraler legislativer Baustein zur Umsetzung des Aktionsplans ist die Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten im EU-Recht (Verordnung (EU) 2020/852 über die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen und zur Änderung der VO (EU) 2019/2088 ("Taxonomie-Verordnung")). Die Taxonomie-Verordnung legt verbindlich fest, wann eine Wirtschaftstätigkeit nachhaltig ist. Durch die Entwicklung eines einheitlichen Begriffsverständnisses soll der Gefahr eines "Green Washing" entgegengewirkt werden.

Nach der Taxonomie-Verordnung ist eine Wirtschaftstätigkeit ökologisch nachhaltig, wenn sie einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung eines oder mehrerer Umweltziele leistet, nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung eines oder mehrerer Umweltziele führt, unter Einhaltung eines festgelegten Mindestschutzes ausgeübt wird und technischen Bewertungskriterien entspricht. Die weitere Konkretisierung dieser Voraussetzungen erfolgt durch sogenannte delegierte Rechtsakte in Form regulatorischer und technischer Standards.

Konkretisierung der Nachhaltigkeit von Immobilien durch delegierte Rechtsakte zur Taxonomie-Verordnung

Die Europäische Kommission hat am 21. April 2021 einen ersten delegierten Rechtsakt zur Taxonomie-Verordnung im Hinblick auf die Umweltziele Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel vorgelegt.

Der delegierte Rechtsakt beinhaltet zwei Anhänge mit konkreten technischen Bewertungskriterien zur Bestimmung, wann eine Tätigkeit ökologisch nachhaltig ist. Anhang I enthält die technischen Bewertungskriterien für das Umweltziel des Klimawandels und legt fest, wann eine Wirtschaftstätigkeit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Anhang II gibt die technischen Bewertungskriterien für das Umweltziel der Anpassung an den Klimawandel vor. Die technischen Bewertungskriterien des delegierten Rechtsakts beinhalten für Immobilien insgesamt sieben Unterkategorien mit konkreten Vorgaben, unter anderem für den Neubau und die Renovierung von Gebäuden sowie den Gebäudebestand.

Gemäß Anhang I sind Neubauten mit Blick auf das Umweltziel des "Klimaschutzes" nur dann Taxonomie-konform, wenn der Primärenergiebedarf mindestens 10 % unter den nationalen Werten des Niedrigstenergiegebäudestandards liegt. Für Deutschland sind insoweit die Werte des zum 1. November 2020 in Kraft getretenen Gebäudeenergiegesetzes relevant. Für Renovierungs- bzw. Sanierungsmaßnahmen ist das Gebäudeenergiegesetz ebenfalls maßgeblich. Alternativ ist eine Renovierungs- bzw. Sanierungsmaßnahme auch dann Taxonomie-konform, wenn sie zu einer Reduzierung des Primärenergiebedarfs von mindestens 30 % führt.

Für den Gebäudebestand ist das Errichtungsdatum entscheidend. Differenziert wird zwischen Gebäuden, die vor dem 31. Dezember 2020 errichtet worden sind, und Gebäuden, die nach diesem Datum errichtet wurden. Gebäude, deren Errichtungsdatum vor dem 31. Dezember 2020 liegt, sind Taxonomie-konform, wenn sie mindestens den Energieeffizienzanforderungen des Energy Performance Certificate A entsprechen. Alternativ sind sie auch dann Taxonomie-konform, wenn sie zu den 15 % energieeffizientesten Gebäuden des nationalen oder regionalen Gebäudebestandes gehören. Gebäude, die nach dem 31. Dezember 2020 errichtet wurden, sind Taxonomie-konform, wenn sie den oben genannten Neubaukriterien des delegierten Rechtsakts entsprechen.

Anhang II verlangt zudem hinsichtlich des Umweltziels "Anpassung an den Klimawandel" für die Taxonomie-Konformität von Gebäuden eine Identifikation der für das jeweilige Gebäude einschlägigen Klimarisiken. Zudem müssen Anpassungslösungen existieren, die die wichtigsten Klimarisiken für das Gebäude wesentlich reduzieren.

Der delegierte Rechtsakt zur Taxonomie-Verordnung ist ab dem 1. Januar 2022 anzuwenden.

Weitere regulatorische Schritte

Bis zum 31. Dezember 2021 sollen weitere delegierte Rechtsakte zu den übrigen Umweltzielen der Taxonomie-Verordnung (Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung und Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme) vorgelegt werden und zum 1. Januar 2023 Anwendung finden.

In der Taxonomie-Verordnung werden zudem die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen erweitert. Unternehmen, die der EU-Richtlinie 2014/95/EU (sog. CSR-Richtlinie) unterliegen und zur nichtfinanziellen Berichterstattung verpflichtet sind, müssen künftig Angaben zur ökologischen Nachhaltigkeit ihrer Wirtschaftstätigkeit veröffentlichen. Zum 1. Juni 2021 sollen Konkretisierungen der erweiterten Publizitätspflichten ebenfalls im Wege eines delegierten Rechtsaktes veröffentlicht werden.

Auswirkungen der Taxonomie-Verordnung auf die Immobilienwirtschaft

Auch wenn derzeit noch einige Fragen bei der Auslegung des Regelwerks offen sind und noch weitere Rechtsakte folgen, kann allen Angehörigen der Immobilienwirtschaft nur dringend empfohlen werden, die durch die Taxonomie-Verordnung implementierten Kriterien im Hinblick auf die Nachhaltigkeit von Immobilien im Blick zu behalten.

In den direkten Anwendungsbereich der Taxonomie-Verordnung fallen zwar nur Finanzmarktteilnehmer, die bestimmte Finanzprodukte anbieten, wie beispielsweise Immobilienfonds, und Unternehmen, die von der CSR-Richtlinie erfasst sind. Die durch die Taxonomie-Verordnung normierten Offenlegungs- und Transparenzpflichten werden jedoch mittelbar die gesamte Immobilienwirtschaft betreffen.

Immobilien, die nicht Taxonomie-konform sind, dürften zumindest mittel- bis langfristig weniger stark im Markt nachgefragt werden und zudem ggf. auch weniger einfach mit Fremdkapital finanzierbar sein. Dies dürfte sich auf die Wertentwicklung solcher Immobilien auswirken. Darin liegt sicherlich auch eine Chance für bestimmte Marktteilnehmer.

Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Bestrebungen auf nationaler Ebene. Mit dem Gebäudeenergiegesetz werden erstmals konkrete Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden in einem Regelwerk zusammengefasst. Die im Gebäudeenergiegesetz enthaltenen Vorgaben werden spätestens im Jahr 2023 erneut auf den Prüfstand kommen. Momentan sind die darin enthaltenen Vorgaben weniger streng als die technischen Bewertungskriterien der Taxonomie-Verordnung. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass sich die Vorgaben mit Blick auf die ambitionierten Ziele des Green Deal in den kommenden Jahren immer weiter verschärfen werden.

Insgesamt steht daher zu erwarten, dass die Preisunterschiede zwischen energieeffizienten und nicht energieeffizienten Gebäuden in den nächsten Jahren steigen werden. Auch die weiteren noch zu konkretisierenden Nachhaltigkeitskriterien werden zeitnah zu wertbildenden Faktoren werden. Investoren sollten daher bereits jetzt diese Kriterien in ihrer Ankaufentscheidung berücksichtigen. Bestandshalter sollten zudem frühzeitig ihre Immobilien darauf überprüfen, ob diese bereits Taxonomie-konform sind und wenn nicht, mit welchem Aufwand dieses Ziel erreicht werden kann.


Dieser Beitrag wurde zuerst von der IREBS Immobilienakademie publiziert. Ein PDF des Beitrags finden Sie hier.

Dr. Sebastian Orthmann, EMBA (M&A)

Dr. Sebastian Orthmann ist Rechtsanwalt und Leiter des Geschäftsbereichs Real Estate & Public bei CMS Deutschland. Er berät nationale und internationale Investoren und Projektentwickler beim Erwerb und der Veräußerung von Immobilien und Immobilienportfolios im In- und Ausland. Weitere Schwerpunkte seiner Tätigkeit bilden die Beratung bei Projektentwicklungen, Fragen im gewerblichen Mietrecht sowie Rechtsfragen mit Bezug zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Immobilienwirtschaft.

Sarah Kolodzik

Sarah Kolodzik ist Rechtsanwältin und hat ihren fachlichen Schwerpunkt im Immobilienwirtschaftsrecht. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht das Knowledge Management des Geschäftsbereichs Real Estate & Public bei CMS Deutschland. Hier begleitet sie die Produktentwicklung, Vertragsgestaltung ebenso wie den Wissenstransfer im Immobilienwirtschaftsrecht.

Die neue GLS Investments: Den Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft gestalten

Mit der Gründung der GLS Investment Management GmbH (kurz: GLS Investments) schlägt die GLS Bank ein neues Kapitel im nachhaltigen Fondsgeschäft auf. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, zukunftsweisende Unternehmen und Projekte zu begleiten, die den Wandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung gestalten. Als sozial-ökologische Qualitätsführerin will sie Vorbild sein und Orientierung bieten für weitere Marktakteure.

Über Ziele, neue Angebote und künftige Wirkungsfelder spricht altii mit den beiden Geschäftsführern der GLS Investments, Karsten Kührlings und Marvin Mechelse.

Welche Ziele verfolgt die neue GLS Investments?

Karsten Kührlings: Unsere Mission entspricht dem Anliegen der GLS Bank. Wir entwickeln attraktive Angebote für die Anleger*innen auf Basis unserer strengen Kriterien. Glaubwürdigkeit und Qualität stehen dabei absolut im Vordergrund. Bisher haben wir vier Fonds, das Angebot soll weiter ausgebaut werden. Auf der anderen Seite wollen wir Geld genau dort investieren, wo das Geld tatsächlich gebraucht wird. Das ist zumeist nicht dort, wo sich unsere Mainstream Wettbewerber bewegen.

So gibt es viele, meist kleinere Akteure, die zum weiteren Aufbau ihrer Geschäftsaktivitäten Kapital benötigen und in keinen Benchmarks vertreten sind. Wir wissen zudem, dass im globalen Süden der Bedarf groß ist und können uns dank der Erfahrungen mit unserem Mikrofinanzfonds vorstellen, hier weitere Fondsangebote zu entwickeln.

Welchen Vorteil hat die Ausgliederung der bisherigen Abteilung?

Karsten Kührlings: Als bisherige Abteilung in der Bank waren wir in deren Strukturen, Prozesse und IT-Infrastruktur eingebunden. Diese sind nun aber auf das eigentliche Bankgeschäft ausgelegt und optimiert. Die Anforderungen im Investmentmanagement sind in Teilen andere und spezifischere im Vergleich zum Kredit- und Einlagengeschäft. Daher sind wir optimistisch mit einer auf unsere Bedürfnisse ausgelegten Struktur und Infrastruktur unserer Mission bestmöglich erfüllen zu können. Wichtig ist mir aber zu betonen, dass wir inhaltlich und kulturell weiterhin sehr eng mit der Bank und den anderen Tochtergesellschaften zusammenarbeiten werden.

Wie wird sich die GLS Investments weiterentwickeln, um diese Ziele zu erreichen?

Marvin Mechelse: Wir werden in den kommenden Jahren unser Fondsgeschäft organisatorisch fortentwickeln. Ein Kernelement dazu ist der Aufbau eines fondsspezifischen Risikomanagements, welches effiziente Impact Investments ermöglicht. Die bisherigen Strukturen der GLS, welche auf Kreditgeschäfte hierzulande ausgerichtet sind, reichen dafür leider nicht aus. Wir sind überzeugt, dass die Bewertung von Risiken ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Entwicklung dieser neuen Angebote ist.

Eine weitere Besonderheit der GLS Bank ist, dass wir zusammen mit unseren Kund*innen investieren, und zwar nennenswert. Die schätzen das, denn es bringt auch einen großen Vertrauensvorschuss mit sich, wenn wir als Bank selbst in ein Angebot investieren. Mit der GLS Investments stärken wir diesen Effekt, indem auch eine klare organisatorische Trennung des Risikomanagements zwischen Bankgeschäft und Investmentfondsgeschäft entsteht. Die neue Struktur erlaubt es, dass wir viel einfacher und häufiger in Unternehmen und Projekte aus der GLS Kundschaft mit den Fonds investieren können.

Wie arbeitet die GLS Investments?

Marvin Mechelse: In der GLS Investments bündeln wir das Management von vier eigenen bzw. Partner-Fonds, bestehend aus Angebots-Management, sozial-ökologisches Research und Fondsadvisory für die ökonomischen Analysen. Hinzu kommt das Team „Business Administration“, das sich etwa um Risikomanagement, Controlling und Compliance kümmert.

Auf welchen Märkten werdet ihr aktiv?

Karsten Kührlings: Internationale Beziehungen spielen für uns eine viel größere Rolle als für die Bank, denn auf der Anlageseite ist alles international, mit besonderem Schwerpunkt auf Länder des globalen Südens. Hier bauen wir permanent unsere Netzwerke aus. Aber auch auf Investorenseite ist es bei uns international. Unsere beiden größten Investorinnen sind aus Österreich und den Niederlanden.

Wo seht ihr die größten Chancen für die GLS Investments?

Karsten Kührlings: Wichtig für uns ist, dass wir unsere Pionierarbeit weiter vorantreiben, innovative und sinnvolle Angebote entwickeln und über eine hohe Qualität und Glaubwürdigkeit weiterhin punkten. Der Wettbewerb wird zunehmen, regulatorische Anforderungen steigen. Zugleich steigt aber auch die Verwirrung, welche Wirkung nachhaltige Anlagen haben können. Abstrakte Kennzahlen allein reichen nicht aus. Es herrscht ein riesiger Bedarf danach, glaubwürdig in wirkungsstarke sozial-ökologische Unternehmen zu investieren und verständlich darüber zu berichten. Schließlich kommt es genau darauf an: Wir wollen da wirken, wo Geld gebraucht wird, um Veränderungen anzustoßen. Das macht für uns den Unterschied und den Erfolg aus.

Wo steht die Tochter in fünf Jahren?

Marvin Mechelse: Kurz gesagt: Wir werden in fünf Jahren weiterhin sozial-ökologischer Qualitätsführer im Bereich nachhaltiger Investmentfonds sein, weitere wirkungsstarke Angebote entwickelt und dafür die Organisation entsprechend entwickelt haben.

Einige Abschnitte auf dem Weg dorthin zeichnen sich bereits deutlich ab. Wir werden zunächst unser bereits solides Fundament ausbauen und skalieren. So entstehen die Rahmenbedingungen und Ressourcen, um dann neue Angebote entwickeln zu können. Ein weiterer Wunsch ist es, tiefer in die Wertschöpfungskette zu gehen. Dies reduziert die Abhängigkeit von Dritten und öffnet weitere Wege, im Sinne unserer Mission das Geld wirklich dorthin zu bringen, wo es sinnvoll eingesetzt werden kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch


Karsten Kührlings ist Geschäftsleiter der GLS Investments. Zuvor hat er das Fondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Marvin Mechelse ist Geschäftsleiter der GLS Investments. Zwischen 2010 und 2018 verantwortete er mehrere Leitungsfunktionen in der GLS Bank. Bei der Strategie- und Managementberatung zeb erweiterte der BWL-Bank Bachelor zwischen 2019 bis 2020 seine Kenntnisse im agilen Projekt- und Prozessmanagement und brachte sein Wissen in Studien zur Nachhaltigkeit in der Finanzdienstleitungsbranche ein. Herrn Mechelse finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig.
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Technical Assistance – hoher Impact, wenig bekannt

von Lea Mohnen und Stefan Fritz, beide Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird viel dieser Tage über Impact gesprochen. Zuletzt stand der Impact von so genannten Blended Finance-Strukturen im Mittelpunkt. Diese strukturierten Fondsvehikel sind in der internationalen Entwicklungsfinanzierung bewährt. Sie wollen Impact dadurch erzielen, dass sie Kapital Unternehmen und Projekten in Ländern des globalen Südens direkt zur Verfügung stellen. Zur Steigerung des Impacts nutzen solche Fonds oder auch weitere Mikrofinanzfonds ein ergänzendes Instrument: Die Technical Assistance. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, was es mit dem Thema auf sich hat und wie der GLS AI-Mikrofinanzfonds dieses Instrument gezielt einsetzt.

Es ist den Fondspartnern des GLS AI – Mikrofinanzfonds ein besonderes Anliegen, die Mikrofinanzinstitute nicht nur finanziell sondern auch durch Weiterbildungsmöglichkeiten zu unterstützen. So können sie Instrumente und Fähigkeiten erwerben, die sie in ihrer täglichen Arbeit in den Mikrofinanzinstituten effektiv umsetzen und die Finanzdienstleistungen für ihre Kund*innen verbessern können. Dazu bieten die Fondspartner Angebote wie Schulungen, Weiterbildungsmaßnahmen und Austauschplattformen an. Die Mitarbeitenden können gemäß ihren individuellen Bedürfnissen aus dem Weiterbildungsangebot des Partnerinstituts auswählen. Das Themenspektrum erstreckt sich von Risikomanagement, Mikro- und KMU-Finanzierung, Mikroversicherung und Zugang zu Finanzdienstleistungen über Klima- und Energiefinanzierung bis hin zu Angeboten zur Digitalisierung. Diese Maßnahmen sind unter dem Begriff Technical Assistance zusammengefasst.

Diese Förderprogramme bieten die Fondspartner seit 2018 an. Mitarbeitende der investierten Institute nehmen dazu an E-Learning-Kursen teil und verfassen im Anschluss Berichte und Essays über ein spezifisches Mikrofinanzthema. Auch die Fondspartner können so durch die Berichte und Essays ihr Wissen zu Themen, die die Institute bewegen, vertiefen. Die Verfasser*innen der Berichte, die aufgrund innovativer Ideen oder guter Analysen besonders überzeugen, werden nach Deutschland eingeladen, um persönlich mit den Fondspartnern die Themen zu diskutieren. Aufgrund der Corona-Pandemie ist dies im abgelaufenen Geschäftsjahr leider nicht möglich gewesen, wird aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Unterstützung von Projekten der Kreditnehmer*innen und Menschen vor Ort

Darüber hinaus werden seit 2020 auch für Kreditnehmer*innen vor Ort Weiterbildungen angeboten. Diese sollen beispielsweise für soziale und ökologische Auswirkungen bestimmter ökonomischer Aktivitäten sensibilisieren oder die positive Wirkung von Mikrofinanzdienstleistungen auf Endkund*innenebene stärken. Dies betrifft beispielsweise soziale und ökologische Risikofelder wie den Pestizideinsatz in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft.

Dazu fördern die Fondspartner zielgerichtet Projekte mit Kooperationspartnern in den Regionen, in denen der Fonds tätig ist. Bei der Auswahl der Partner wird Wert auf Expertise vor Ort sowie Glaubwürdigkeit und Transparenz gelegt. Die Auswahl der Themenfelder sowie Projektregionen und -partner erfolgt auf Grundlage einer Bedürfnisanalyse mit enger Einbindung der finanzierten Partnerinstitute. Die definierten Positivkriterien des GLS AI — Mikrofinanzfonds stellen den thematischen Rahmen.

Pestizidmanagement in Lateinamerika

Nichts veranschaulicht dies besser als ein Beispiel:

Hintergrund: Einsatz chemischer Düngemittel im globalen Süden weit verbreitet

Die Finanzierung ökologischer Landwirtschaft und die Erhaltung der Artenvielfalt sowie unserer natürlichen Lebensgrundlage spielen für die GLS Bank seit jeher eine zentrale Rolle. In Deutschland und anderen Ländern des Globalen Nordens ist der Trend zur Biolandwirtschaft deutlich spürbar. Angebot und Nachfrage steigen stetig. In Ländern des globalen Südens stellt sich die Situation mitunter anders dar: Es gibt eine Vielzahl an chemischen Düngeprodukten, die eine schnelle Lösung versprechen. Landwirte werden teilweise dazu gedrängt, sie einzusetzen, manchmal ohne eine wirkliche Anleitung, wie sie zu verwenden sind, oder Aufklärung zu den gesundheitlichen oder ökologischen Risiken und alternativen Optionen.

Ziel des Projekts: Landwirt*innen sensibilisieren und alternativer Einsatz

Um eine nachhaltigere Landwirtschaft auch bei Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im globalen Süden zu stärken, haben sich die Fondspartner zum Ziel gesetzt, landwirtschaftliche Erzeuger*innen, Kund*innen und Mitarbeitende von Partnerinstituten in Bezug auf die Nutzung von Pestiziden zu sensibilisieren. 

Im Mittelpunkt des Projektes stehen Fragen wie: Welche Risiken bergen die Inhaltsstoffe der verwendeten Pestizide? Wie können Verpackungsabfälle umweltgerecht entsorgt werden? Gibt es Alternativen zur konventionellen Landwirtschaft und dem Pestizideinsatz? Dazu haben die Fondspartner gemeinsam mit den International Advisory Services (IAS) der Frankfurt School, einem weltweit anerkannten Anbieter für Trainingsmaßnahmen im entwicklungspolitischen Kontext, ein Training mit den Instituten und Kreditnehmer*innen konzipiert.

Projektablauf und Ergebnisse

Insbesondere 4 Partnerinstitute in 2 Ländern signalisierten den Fondspartnern einen Bedarf an Trainingsmaßnahmen zu diesem Thema. Für jedes Partnerinstitut hat IAS eine mehrtägige Schulung organisiert, in der ausgewählte lokale Expert*innen die Teilnehmer*innen zu theoretischen und praktischen Grundlagen schulten. Bei der theoretischen Schulung achtete IAS auch auf eine visuelle Gestaltung der Inhalte, um die Workshops einer breiten Kund*innengruppe zugänglich machen zu können. Im Praxisteil wurde eine Farm oder eine landwirtschaftliche Fläche besucht und die im theoretischen Workshop vorgestellten alternativen Methoden in der Praxis gezeigt. Um einen Multiplikator*inneneffekt erzielen zu können, wurden neben Kleinbauern und Kleinbäuerinnen auch lokale Kreditberater*innnen der MFI geschult. Diese können so das erlernte Wissen künftig auch an neue Kund*innen weitergeben.

Insgesamt nahmen 143 Kleinbauern und Kleinbäuerinnen und 50 Kreditmanager*innen der Institute an den Schulungen teil. 

Eine Evaluierung der durchgeführten Schulungen durch die MFI zeigt eine sehr positive Resonanz seitens der Endkund*innen sowie der Mitarbeitenden. Gleichzeitig können die Fondspartner gemeinsam mit IAS durch die wertschätzende Rückmeldung der Institute die Maßnahme für eine künftig geplante erneute Umsetzung verbessern und weiterentwickeln.


Dies ist ein redaktionell leicht bearbeiteter Auszug aus dem Investitionsbericht 2020 des GLS AI – Mikrofinanzfonds.

Lea Mohnen ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der sozial-ökologischen Ausrichtung des GLS AI - Mikrofinanzfonds sowie der Einbindung von Klimazielen und Co2-Bilanzierung in das Fondsgeschäft. Zuvor absolvierte sie einen M.Sc. Studiengang Economics an der Universität zu Köln und war studienbegleitend in der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit, unter anderem bei der KfW Entwicklungsbank, tätig.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Fondsgeschäft der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von knapp 1 Mrd. Euro. an (Stand 25.03.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
Newsletter-Anmeldung GLS Fonds

Demografischer Wandel

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Die zunehmende Alterung der Gesellschaft sorgt für neue Herausforderungen. Besonders in den Industriestaaten und in China steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung immer weiter an. Dies setzt nicht nur die staatlichen Pensionssysteme unter Druck. Auch die Anforderungen an individuelle Pflege, Pflegeeinrichtungen und speziell für alte Menschen entwickelte oder an deren Bedürfnisse angepasste Produkte und Technologien gewinnen an Bedeutung. Ein anderer Aspekt des demografischen Wandels sind das weiterhin ungebremste Bevölkerungswachstum in den Emerging Markets und die dort zu beobachtenden Veränderungen der Einkaufsgewohnheiten.

Die Demografie als Bevölkerungswissenschaft beschäftigt sich statistisch und theoretisch mit der Entwicklung von Bevölkerungen und deren Strukturen. Oft liegt der Fokus dabei auf der Entwicklung der Alterspyramide einzelner Länder, welche die statistische, altersmäßige Verteilung der Bevölkerung zeigt. Charakteristische Formen der Alterspyramide sind die lineare oder klassische Pyramidenform und die Zwiebelform. Die lineare Alterspyramide basiert auf dem stetigen Abnehmen der Bevölkerungszahl je Altersgruppe mit steigendem Alter. Vielen geborenen Kindern steht eine geringe Lebenserwartung gegenüber. Diese Pyramidenform findet man heute noch in Südamerika und Indien. Um das Jahr 1890 war auch in Deutschland und Österreich diese Struktur vorherrschend. Heute ist für die Industriestaaten die Zwiebelform typisch, sie basiert auf einer niedrigen Geburtenrate und einem allmählichen Überhang älterer Menschen auf Basis einer hohen Lebenserwartung.

Eine durch die Veränderung in Lebenserwartung und Fertilität entstehende, alternde Gesellschaft zeigt durchaus nachhaltige Aspekte, da sie einem ungebremsten Bevölkerungswachstum entgegensteht. Andererseits führt eine alternde Gesellschaft potenziell zur sozialen Problematik der notwendigen Finanzierung des Lebens im Alter und den damit verbundenen höheren Kosten für das Sozialsystem. Durch das in der Mehrzahl der Industrieländer vorherrschende Umlageverfahren in der staatlichen Pensionsversicherung stehen durch demografisch bedingte höhere Sozialaufwendungen hohe Kosten an, die bei anderen zukunftsrelevanten Budgetposten – wie Bildung und Forschung – zu Engpässen führen können. Aus Umweltgesichtspunkten sind die Alterung der Gesellschaft und die geringere Fertilität wegen des weniger dynamischen Wachstums der Weltbevölkerung aus Sicht der begrenzten Ressourcen durchaus positiv zu beurteilen, wenn man von einem gleichbleibenden oder steigenden ökologischen Fußabdruck ausgeht.

In einer alternden Gesellschaft steigt die Anzahl der pflegebedürftigen Personen. Dabei ist die höhere Lebenserwartung nicht zuletzt auch dem allgemeinen medizinischen Fortschritt zu verdanken. Auch aus diesem Grund gehören die Pharma- und die Medizintechnikindustrie zu den wesentlichen Profiteuren der demografischen Veränderungen. Mit der Anzahl der im Alter zu betreuenden Personen steigt die Anzahl der benötigten Pflegeeinrichtungen und der Pflegeheime. Für die Finanzindustrie führt die zunehmende Überlastung der öffentlichen Pensionssysteme zum angenehmen Nebeneffekt, dass privates Vorsorgen oder Vorsorgesparen immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Unterschiedliche Alterspyramiden führen einerseits dazu, dass die Kalkulation von Daten zu Wertschöpfung und Wohlstand, die sich auf die Anzahl der Einwohner beziehen – wie BIP pro Kopf –, verfälscht werden. Dieselbe Verfälschung tritt in geringerem Ausmaß beispielsweise auch beim Vergleich von Deutschland und Frankreich auf, weil die Fertilitätsraten in den beiden Ländern große Unterschiede aufweisen. Eine hohe Anzahl von Kindern und jungen Menschen führt zu tendenziell geringeren Werten etwa bezüglich der Wirtschaftsleistung je Einwohner. Generell unterscheidet man in der Statistik zwischen der Gruppe der „wirtschaftlich abhängigen“ Personen, das sind Menschen bis 15 sowie über 65 Jahre, und den erwerbstätigen Personen. Wirtschaftlich abhängige Personen leisten vor allem in jungen Jahren einen geringen Beitrag zur Wertschöpfung, erwerbstätige Personen tragen über Arbeit und Sparen zur Steigerung der Wirtschaftskraft bei. Was Investments betrifft, können Pensionsvorsorgeeinrichtungen in den Industriestaaten von Geldanlagen in Ländern mit vergleichsweise „gesunden“ demografischen Strukturen profitieren. So könnte neben die durch die demografische Entwicklung ohnehin belasteten staatlichen Vorsorgesysteme eine zweite Säule treten, die über kapitalgedeckte Verfahren in Länder mit attraktiver Demografie – und damit verbunden hohem Potenzial für Wirtschaftswachstum – diversifiziert.

DEMOGRAFISCHE DIVIDENDEN VS. KOSTEN

Länder mit einem wachsenden Anteil an Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung profitieren in wirtschaftlicher Hinsicht davon, dass der produktive Teil der Bevölkerung weniger wirtschaftlich abhängige Personen versorgen muss. Die Menschen können mehr konsumieren, sparen und investieren. Dieser Faktor heißt „demografische Dividende“. Eine negative demografische Dividende wird als „demografische Kosten“ bezeichnet. Vor allem in Europa und noch stärker in Japan werden in den nächsten Jahrzehnten hohe demografische Kosten aufgrund des Rückgangs der Zahl der potenziell verfügbaren Erwerbstätigen erwartet. Demografische Entwicklungen beeinflussen das Wirtschaftswachstum und das Spar verhalten der jeweiligen Länder. In den Industriestaaten könnten die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1965 – die sogenannten Babyboomer – zur Finanzierung des Ruhestands einen Teil ihrer Investments in verschiedensten Assetklassen realisieren und über diesen Verkauf mit der Folge eines möglichen Angebotsüberhangs die Finanzmärkte belasten. Die generell längere Lebenserwartung der Weltbevölkerung und der steigende Anteil der Senioren werden zu stark steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen führen. Davon sollten die Branchen Pharma, Biotechnologie und Gesundheit allgemein profitieren.

AUSWIRKUNGEN AUF DEN CO2-FUSSABDRUCK

Die Demografie beschäftigt sich aber nicht nur mit der Entwicklung der Alterspyramide. Auch Faktoren wie Geschlecht, Sprachen, Wohnsituation und soziale Merkmale wie Beruf, Familienstand oder Einkommen sind Teil demografischer Analysen. Der laufend beobachtbare demografische Wandel ist auch durch Zuwanderung und Abwanderung geprägt. Interessant ist auch der ökologische Fußabdruck für verschiedene Lebensabschnitte. Emilio Zagheni, Demograf am Max-Planck-Institut in Rostock, hat diesbezüglich Untersuchungen für die USA angestellt. Die Grundaussage der Studie, die für alle entwickelten Volkswirtschaften der Welt Aussagekraft haben sollte, ist, dass die CO2-Emissionen pro Kopf in einem Alter von zehn bis sechzig Jahren kontinuierlich ansteigen und dann abnehmen. Dahinter steht das Phänomen, dass das durchschnittliche Einkommen mit dem Alter tendenziell zunimmt. Ältere Menschen leben in größeren Häusern und fahren weniger energieeffiziente Autos. Auch nehmen die konsumierten Flugkilometer mit dem Alter zu, es wird generell mehr Energie verbraucht. In der Seniorität nimmt der ökologische Fußabdruck dann wieder ab. Die Ausgaben pro Kopf werden zwar insgesamt nicht geringer, sie fließen aber stärker in den Bereich Gesundheit als in energieintensiven Konsum wie den Kauf von Kleidung oder die Reisetätigkeit.

Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass das weltweite Bevölkerungswachstum vorerst weiter anhalten wird, eine Trendwende ist, nach einer im Medizin-Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie einer Gruppe von Wissenschaftlern rund um Professor Stein Emil Vollset, erst für das Jahr 2064 zu erwarten. Für die Zeit danach rechnen die Forscher mit einer rückläufigen Geburtenrate. Bis dahin führt der sich aus dem Bevölkerungswachstum ergebende Nachfrageanstieg unter anderem zu potenziell wachsenden Absatzmärkten für Konsumgüter und zu einem erhöhten Materialeinsatz, was eine gesteigerte Nachfrage nach Rohstoffen mit sich bringt. Ein anderer Trend, der zum Teil demografisch und zum Teil durch das hohe Wirtschaftswachstum bedingt ist, betrifft das Wachstum der Mittelschichten der Gesellschaften vor allem in den Emerging Markets. Auch in diesem Fall sollte sich der prognostizierte Nachfrageanstieg in einem Absatzplus für die Hersteller von langlebigen Wirtschaftsgütern niederschlagen.

DER DEMOGRAFISCHE WANDEL IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN „ESG“:

E (Environment)

Aus dem für die nächsten Dekaden prognostizierten Bevölkerungswachstum ergeben sich vor allem Mengenaspekte aus einem steigenden Absatz von Produkten und Dienstleistungen, sind doch diese aus ökologischer Sicht vor allem mit problematischen quantitativen Konsequenzen verbunden. Neben der rein quantitativen Analyse könnte ein weiter wachsender durchschnittlicher ökologischer Fußabdruck der Bevölkerung das Problem weiter verschärfen. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt was die Ressourcen betrifft sind die Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie, die eine zunehmende Anzahl von Menschen ernähren müssen.

S (Social)

Die Veränderung der Demografie hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft führt zu neuen Herausforderungen in der Finanzierung des Sozialstaates. Höhere Aufwendungen für Sozialkosten könnten bei gleichbleibenden Finanzierungsstrukturen zu potenziell niedrigeren Leistungen führen.

G (Governance)

Aus Governance-Sicht ist die Frage zu erörtern, wer letztendlich die Kosten der Alterung der Gesellschaft zu tragen hat. Dabei sind privat und öffentlich finanzierte Modelle ebenso zu diskutieren wie die Zukunftsfähigkeit einer Finanzierung des Sozialstaates aus den laufenden staatlichen Budgets.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist die demografische Entwicklung ein wesentliches Zukunftsthema. Der Sektor Gesundheit und insbesondere Medizintechnik ist in den Investments von Raiffeisen strukturell übergewichtet.


Die vollständige Ausgabe 31 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Impact-Fonds mit Blended Finance – vielversprechende Idee, wenn richtig ausgestaltet

von Berenice Brügel und Stefan Fritz, beide Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Der Sustainable Finance Beirat empfiehlt in seinem Abschlussbericht „Shifting the Trillions“ verschiedene Maßnahmen, um Impact Investments zu fördern. Vor zwei Wochen haben wir die Empfehlung 21 (Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen für Impact-Fonds) näher beleuchtet. Ebenso interessant ist die Empfehlung 20. So schlägt der Beirat die Auflage von Impact-Fonds vor, welche öffentliches und privates Investorenkapital bündeln, um das Wachstum des unverändert kleinen Marktes für Impact Investments zu stimulieren. Dies kann durch Mischfinanzierungsstrukturen, sogenannte Blended Finance-Strukturen, ermöglicht werden. Bisher sei der Markt an Blended Finance-Fonds wenigen professionellen und semiprofessionellen Investoren vorbehalten. Fast alle u. a. von der Bundesregierung finanzierten Blended-Finance-Fonds, die gemäß den OECD-Vorschlägen strukturiert sind, wurden zudem in Luxemburg aufgelegt, so der Befund des Beirats. Wesentliche Hürden seien hierzulande rechtliche Anlagegrenzen, die aktuelle Besteuerung sowie mangelnde Kenntnisse, wie die Anlage in Impact Investments umgesetzt werden kann. 

Internationale Entwicklungshilfefonds als Vorbild

Die Idee, privates Kapital für risikoreiche Unternehmen und Projekte zu mobilisieren, ist nicht neu. In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind solche Fonds bereits seit einigen Jahren am Markt etabliert. Öffentliche Investoren wie u.a. die KfW spielen dabei eine tragende Rolle. Zwei in Luxemburg aufgelegte Fonds seien hier beispielhaft vorgestellt: 

  • Der SANAD-Fonds (arabisch für „Unterstützung“) investiert im arabischsprachigen Markt. Der Fonds stellt privates Eigen- und Fremdkapital Partnerinstitutionen im Mittleren Osten sowie Nord- und Subsahara-Afrika zur Verfügung, mit dem im MKMU-Sektor (Mikro-, kleinere- und mittlere Unternehmen) Wachstum und Arbeitsplätze gefördert werden soll. 
  • Der European Fund for Southeast Europe (EFSE) verfolgt das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand in Südosteuropa zu fördern. Der Fonds vergibt dazu Darlehen an kleine Geschäftsbanken bzw. Mikrofinanzinstitute. 

In der Praxis funktionieren die Fonds so, dass sie in mehrere Eigen- und Fremdkapitaltranchen aufgeteilt sind (siehe Schaubild). Staatliche Instanzen gehen als Eigenkapitalgeber des Fonds in das höchste Risiko: Die öffentliche Hand investiert in „Junior Shares“, welche das höchste Risiko („First Loss Tranche“) tragen, danach folgen als „Senior Shares“-Investoren meist öffentliche Finanzinstitutionen. Dagegen investieren private Investor*innen in Schuldverschreibungen (sogenannte „Notes“). Diese Schuldverschreibungen sind erst ausfallgefährdet, wenn das Eigenkapital des Fonds aufgebraucht ist. Sie haben demzufolge eine hohe Bonität. 

Funktionsmechanismus EFSE


https://www.efse.lu/information-for-investors*

Übertragung der Fondsstruktur auf Deutschland vielversprechend

Auch hierzulande könnten private Investoren mittels solcher Fondsvehikel in innovative, junge Unternehmen und Projekte investieren, die zukunftsweisende sozial-ökologische Lösungen anbieten. Vor allem im Sozial- oder Bildungssektor, aber auch im Bereich Infrastruktur gibt es interessante Ideen und Projekte, die auf Kapital angewiesen sind. Diese Vehikel böten Chancen sowohl für die öffentliche Hand als auch private Anleger*innen: 

  • Die öffentliche Hand hätte damit einen Hebel, um mit (häufig bereits eingeplanten) Mitteln zusätzliches Kapital von privaten Anleger*innen für unterfinanzierte soziale und ökologische Programme zu mobilisieren. 
  • Private Investoren hätten somit die Möglichkeit, Investitionen mit einem attraktiven Risiko-Rendite-Impact-Profil zu tätigen. Dies wäre insbesondere für Impact Investoren interessant, bspw. Stiftungen, die in ihrer Satzung im Rahmen ihres Mission Investings klare soziale und ökologische Ziele formuliert haben. Bisher können diese Investoren aufgrund von Risikolimiten oder Anlagerichtlinien nicht in diese Unternehmen und Projekte anlegen.

Ausweitung auf Privatanleger*innen begrüßenswert

Bisherige Blended Finance-Fonds richten sich an professionelle Anleger*innen. Auch die Empfehlung des Beirats zielt darauf ab, diese Fonds in Deutschland als Spezial-AIF aufzulegen. Sicherlich wäre dies regulatorisch am schnellsten umsetzbar. Allerdings wären solche Fonds unverändert nicht für Privatanleger*innen zugänglich. Es wäre wünschenswert, wenn der Gesetzgeber eine größere Änderung anstößt und Blended Finance-Strukturen auch für Privatanleger*innen regulatorisch öffnet. Ähnlich wie bei der Empfehlung zur Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen hätten Privatanleger*innen damit die Möglichkeit, in wirkungsstarke Fonds zu investieren. Warum sollte dies nur professionellen Investoren vorbehalten sein? 

Dies wäre umso wünschenswerter, da die Auswahl an sozial-ökologisch wirkungsstarken Anlagen für Privatanleger*innen begrenzt ist. Häufig sind diese in Form von Genussscheinen oder kleineren Anleihen am sogenannten grauen Kapitalmarkt zu finden. Solche Investments bergen aber ein nicht zu unterschätzendes Risiko, wie der Ausfall vieler dieser Angebote in den vergangenen Jahren gezeigt hat.

Definition marktgängiger Impact-Standards sinnvoll

Grundsätzlich folgt diese Empfehlung des Beirats also bewährten Vorbildern und dürfte aus Investorensicht auch ökonomisch vielversprechend sein. Ebenso wichtig ist aber, dass mit den Fondsinvestitionen ein messbarer sozial-ökologischer Zusatznutzen („Additionalität“) neben der ökonomischen Rendite beabsichtigt und erzielt wird. Darüber sollten Anleger*innen transparent informiert werden.

Es reicht dazu nicht aus, sich ausschließlich an den gesetzlichen Voraussetzungen in Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung zu orientieren, wie das Beispiel Mikrofinanz dokumentiert. Vielmehr sollten die Fonds weitergehende Impact-Standards berücksichtigen. Der Beirat formuliert in seinem Bericht dazu in Empfehlung 28 (Transformations- und Impactfonds) Vorschläge: Diese Fonds sollten spezifische Elemente im Anlagekonzept enthalten, um dem Fondsnamen gerecht zu werden.

Die in der Empfehlung 28 vorgeschlagenen Merkmale bilden eine gute Grundlage für Impact Fonds mit Blended Finance-Strukturen. Sie sollten aber auf Standards angepasst werden, welche am Markt z.T. bereits angewendet werden:

  • Detaillierte Angaben zur Mittelverwendung (Impact-Rahmenwerk): Impact-Fondsmanager*innen sollten genau erläutern, in welcher Höhe sie Fondsgelder in welche soziale und ökologische Geschäftsfelder lenken wollen. Dies sollte eher ein konkreteres Zielbild sein als die bloße Angabe, die Fondsziele seien in Übereinstimmung mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens oder den Sustainable Development Goals. Denn leider wurde die eigentliche Bedeutung dieser Rahmenwerke mittlerweile am Fondsmarkt schon vielfach ausgehöhlt. Zur konkreten Bewertung ökologischer Projekte und Unternehmen gibt es am Markt bereits umfangreiche Klassifizierungssysteme. Für soziale Projekte und Unternehmen wären bisherige Ansätze weiterzuentwickeln. Der Wunsch des Beirats, Nachhaltigkeitsrisiken, Transformationsgrade und die Wirkung der Unternehmen und Projekte zu messen, erscheint in der derzeitigen Debatte ambitioniert. Hier wäre eine breite wissenschaftliche Diskussion mit den relevanten Marktteilnehmer*innen begrüßenswert.
  • Ambitionierte Ausschlusskriterien: Impact-Fonds-Manager*innen sollen auch darlegen, in welche Unternehmen und Projekte nicht investiert wird (kontroverse Branchen, kontroverse Geschäftspraktiken). Die Mindestgarantien der EU-Taxonomie, wie in Empfehlung 28 genannt, sind dabei ebenso wenig ausreichend wie bisherige Überlegungen zum Zielmarktkonzept im Rahmen der Mifid II-Ergänzung um Nachhaltigkeitspräferenzen.
  • Impact-Reporting mit sinnvollen Ergebniskennzahlen: Wichtig wäre es, dass alle Anleger*innen nachvollziehen können, wie ihr Geld wirkt. Abhängig vom unternehmerischen Zweck der Unternehmen sollten sinnvolle Kennzahlen kommuniziert werden. Der Anspruch des Beirats, transparent über das Nachhaltigkeitsprofil des Anlageportfolios auf Basis aussagekräftiger und zukunftsgerichteter Schlüsselindikatoren zu berichten, ist lobenswert. Mit schlichtem Storytelling lässt sich dies nicht erreichen. Entscheidend sind wenige Impact-Kennzahlen, die einfach für kleine und mittlere Unternehmen zu erheben sein müssen. Bei Klimainvestments gibt es bereits viele Indikatoren, bei sozialen Investments müsste z.T. noch Pionierarbeit geleistet werden. Es könnte aber bereits auf sehr gute Vorarbeiten wie dem Vorschlag des Südwind-Instituts zur sozialen Taxonomie aufgesetzt werden. Ebenfalls lohnt sich für genderspezifische Indikatoren ein Blick auf Kennzahlen aus dem Gender Lens Investing-Bereich. Es sollte überdies eine kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Darstellungspraktiken stattfinden. Mit der Darstellung eines CO2-Fußabdrucks oder SDG-Mappings allein lassen sich Transformationsgrade schwerlich messen.
  • Externe Verifizierung: Der Sustainable Finance Beirat empfiehlt eine Ex-Post-Überprüfung und jährliche Berichterstattung, inwieweit die Anlagen zu den Transformations- und Impact-Zielen beigetragen haben. Die Darstellung, inwiefern ein Blended-Finance-Fonds einen positiven Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen leistet, muss eine Überprüfung durch eine unabhängige Stelle standhalten können. Dies ist ein sinnvoller Schritt, um die Glaubwürdigkeit der Fonds zu steigern. Ergänzend wäre bei Fondsauflage eine externe Verifizierung des Impact-Rahmenwerks wünschenswert. Insgesamt ist hier allerdings ein maßvolles Vorgehen ratsam, welches die Wirkung des Fonds verifiziert, ohne die Kapazitäten der finanzierten Unternehmen und Projekte zu überfordern.

Darüber hinaus sollte ein unabhängiges Komitee aus Nachhaltigkeitsexpert*innen die Unternehmen und Projekte aus sozial-ökologischer Sicht kritisch prüfen und einer Investition zustimmen. Diese Expert*innen könnten sowohl aus dem privaten als auch öffentlichen Sektor kommen, um auf diesem Weg – als positiver Nebeneffekt – auch das Verständnis für diese Anlageformen wechselseitig zu stärken. Ebenfalls überlegenswert wäre – wie bei Green Bonds üblich – Mechanismen zu installieren, die sicherstellen, dass die vergebenen Kredite nicht für anderweitige Zwecke als im Impact-Rahmenwerk beabsichtigt, genutzt werden.

Fazit: Vielversprechende Idee, breite Diskussion zur Ausgestaltung der Fonds notwendig

Impact-Fonds mit Blended Finance-Strukturen haben ein hohes Potenzial, traditionelles Impact Investing zu fördern. Auf diese Weise können öffentliche Mittel mit privatem Anlagekapital wirkungsvoll gehebelt werden. Wünschenswert ist dabei die Schaffung von Blended Finance-Fondsvehikeln, die mittelfristig auch für Privatanleger*innen zugänglich sind. Der Fokus des Beirats auf professionelle Anleger*innen ist im ersten Schritt nachvollziehbar, sollte aber erweitert werden.

Auf der sozial-ökologischen Ebene ist es erforderlich, ein öffentlich transparentes Auswahlverfahren zu installieren, um das Anlegervertrauen nachhaltig zu stärken. Eine Orientierung an der Produktklassifikation der Offenlegungsverordnung reicht nicht aus, es bedarf wirksamerer Instrumente. In Empfehlung 28 stellt der Sustainable Finance Beirat begrüßenswerte Ansätze vor. Sie stellen eine gute Basis dar.

Richtig umgesetzt könnte dieser unverändert kleine Markt über diese Fondsvehikel dynamisch an Größe gewinnen. Im besten Falle wird das Geld (endlich) dorthin gelenkt, wo es wirklich gebraucht wird.


* Keine Anlageempfehlung! Informationen zu diesen strukturierten Entwicklungshilfefonds sind derzeit ausschließlich professionellen und semiprofessionellen Anleger*innen vorbehalten!

Hinweis: Dieser Artikel unterscheidet zwischen 1) öffentlichen Anlegern und privaten Anlegern sowie 2) Privatanlegern und (semi)professionellen Anlegern gemäß § 1 KAGB

Berenice Brügel ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Prüfung von Unternehmen und Finanzinstituten. Zuvor absolvierte sie einen internationalen Masterstudiengang an der Universität Hamburg im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement. Studienbegleitend war sie für das französische Researchunternehmen Novethic tätig und forschte zur Entwicklung des nachhaltigen Investmentmarkts.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Fondsgeschäft der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 900 Mio. Euro an (Stand 25.03.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
Newsletter-Anmeldung GLS Fonds

BRW Finanz AG: Transparenz als Pflicht und Schuldigkeit

Thomas Ritterbusch spricht im altii Interview über die BRW Finanz AG mit Sitz in Braunschweig und Hannover. Transparenz sieht er als Pflicht und Schuldigkeit, nicht nur gegenüber den Investoren, sondern auch den angeschlossenen Partner. Der Auftakt einer Serie über das Finanzinstitut.

DKF.events erstmalig als virtuelles Event mit rekordverdächtigen Teilnehmerzahlen

Die weltgrößte Marktdatenveranstaltung DKF.events findet dieses Jahr erstmalig als virtuelle Konferenz statt. Eine innovative digitale Plattform, interessante Aussteller und noch mehr Teilnehmer. Für altii-Nutzer gibt es limitierte Freikarten.

Do you value water?

Take a step back and reflect on how we value and manage the world’s most vital resource, ask Thomas Schumann, Markus Barth and Teresa Russell.

2021 World Water Day is March 22nd. This day provides the opportunity to reassess how water is consumed and managed globally. This year’s theme of ‘valuing water’ is especially pertinent in the asset management context.

Water is invaluable to humanity in supporting life and overall well-being. However, there is also a business case for prioritizing water resource management.

Water risks including infrastructure breakdowns, pollution, and water-related natural disasters negatively impact a company’s bottom line, and these risks are only expected to grow as climate change effects intensify. Not only that, but the business costs associated with these risks are projected to be $300 Billion or five times greater if left unaddressed.

Until recently, climate risk has focused solely on the level of carbon emissions. However, companies can continue operating even while spewing massive amounts of carbon into the atmosphere. Without access to water, many companies simply have to shut down, which severely impacts their future viability and profitability.  As a result, investors increasingly use water security as a proxy for climate security.

As the financial pressure to remedy these issues mounts, so too does the value of water security. Good water stewardship by consumers, corporations, and investors alike is clearly key to a flourishing society and sustainable global markets. However, according to a recent update by UN-Water, we are not on track to meet Sustainable Development Goal (SDG) 6 and achieve a water-secure world by 2030. 785 million people still lack safe drinking water and 2 Billion people lack improved sanitation, and the COVID-19 pandemic has the potential to exacerbate water scarcity worldwide if no actions are taken.

As a last-ditch effort, UN-Water developed the SDG 6 Global Acceleration Framework which outlines how we can fast-track the path to water security. Its top recommendation is to optimize financing, calling out the financial sector’s capacity to create a game-changing positive impact.

Recent U.S. SEC and EMSA MiFID II regulations also promote responsible investing by integrating climate risk, sustainability and ESG into reporting requirements.

The stage is set for firms and investors. The question is, what is the most effective engagement strategy for improving water management?

The World Economic Forum identifies transformational investment as the solution to systemic risks such as water crises. These investments can tackle long-term water risks while also generating competitive returns, a win-win-win for the environment, society, and investors.

One responsible investment approach recommended by the DWS Research Institute for improved water management is Risk Control, which involves investing in the broad market while reducing exposure to companies with high water risk. This strategy is the best of both worlds: it provides attractive returns and encourages water stewardship. Thomas Schumann Capital’s investable water security indices and investment products embody this approach by simultaneously promoting water security and delivering sustainable returns while providing global capital markets with the world’s first ever water footprint in equities.

Other investment types include Thematic Equity Funds, which invest in water utilities and companies associated with water purification equipment manufacturing; Positive Approaches, which only invest in companies demonstrating good water stewardship, and Direct Investor Engagement with corporations on their water policies. These approaches can be limited by accepting greater trade-offs between return and positive impact.

Water is not a commercial “commodity” such as gold, oil, gas, sugar or wheat, and is neither sustainably viable nor commercially suited to be traded as such on Wall Street. Access to clean water and sanitation are recognized by the United Nations as human rights.

Clean air, and clean water are the world’s most precious resources, resources that require utmost stewardship, appreciation, and integrity. The value of water cannot be understated. Water risks are present in all industries and geographies. By aligning investor and business objectives with integrated water management, we can turn things around and achieve universal access to clean water in the coming decade.

What actions have you committed to in this Decade of Action?


Thomas Schumann is the founder of Thomas Schumann Capital® (TSC) is the only sponsor for investable indices and products for water security and responsible investing. TSC’s solutions enable investors to integrate water risk into investment decisions to achieve sustainable performance, positive impact, water stewardship, and engagement, fast-tracking the path to a water-secure world. 

Markus Barth is an index pioneer who has designed, developed highly successful investable indices throughout his over 30 years career. In 2007, Markus developed the first-ever climate-focused investable indices that included proprietary valuation metrics to ensure both a low carbon footprint and attractive valuations.

Teresa Russell is a sustainability communications expert with an MS in global sustainability science and BS in finance. She provides business services to mission-driven companies and collaborated with the Frankfurt School of Finance & Management to develop the Strategic Development of Sustainable Financial Investments workshop.

Wasser ist die Quelle des Lebens

von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei Raiffeisen Capital Management.

Wenn man über Wasser spricht, dann sind die Assoziationen zumeist durchaus positiv. Man denke etwa an „Wasser als Quelle des Lebens“ oder auch „Wasser als Sinnbild der Reinheit“. De facto ist Wasser das bei weitem wichtigste Lebensmittel für den Menschen, welches auch durch nichts ersetzt werden kann. Hochwertiges Wasser wird nicht nur als Trinkwasser verwendet, sondern auch zur Zubereitung von Speisen und Getränken, in der Körperpflege oder zur Reinigung von sensiblen Gegenständen.

Der Verbrauch von Trinkwasser liegt in Österreich pro Person bei 135 Litern täglich, weist aber global gesehen große Unterschiede auf. Wärmere Klimaregionen erfassen regelmäßig höhere Verbrauchsziffern. Auf unserem Planeten, dessen Oberfläche zu rund zwei Dritteln von Wasser bedeckt ist, liegen die Süßwasserreserven bei lediglich 2,5 % allen verfügbaren Wassers, der Anteil des Trinkwassers liegt mit 0,3 % noch einmal deutlich niedriger. Wasser – oder genauer gesagt der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitärer Grundversorgung – wurde 2010 als Menschenrecht deklariert. Normen für die Reinheit von Trinkwasser existieren auf regionaler, europäischer und globaler Ebene.

Die Bedeutung des Wassers endet aber nicht beim Menschen selbst. Wasser ist die Basis jeder Art von Landwirtschaft und außerdem ein wichtiger Werkstoff in Gewerbe und Industrie. Die Behandlung des Abwassers zählt zu einem der wesentlichsten Aspekte des Umweltschutzes.

Das Nachhaltigkeitsteam von Raiffeisen Capital Management hat sich Unternehmen in Branchen zu den Themen Wasser genauer angesehen und Fragen rund um das Thema Wasseranalyse und -aufbereitung sowie Wasserversorgung gestellt.

Wasser wird immer mehr zum knappen Gut. Das hängt mit dem sprunghaften Anstieg des Wasserverbrauches zusammen. In den letzten einhundert Jahren stand einer Vervierfachung der Erdbevölkerung eine Verzehnfachung des Wasserverbrauches gegenüber. Gemäß Daten der FAO (Food and Agriculture Organization), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, sind vom geschätzten 2,5 % Süßwasseranteil an den weltweiten Wasservorkommen knapp 70 % in Gletschern und Eis gebunden. Der Süßwasservorrat der Erde bleibt insgesamt bestenfalls auf stabilem Niveau, was bereits in jüngster Vergangenheit zu steigendem Wassermangel und einer immer ungleicheren Verteilung des sauberen Trinkwassers auf der Erde geführt hat.

Die wesentlichen Gründe des sich immer mehr verschärfenden Wassermangels beruhen nach Einschätzungen der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, erstens auf dem Klimawandel, zweitens auf der Übernutzung der Wasserressourcen, drittens auf dem Bevölkerungswachstum und schließlich auf der zunehmenden Wasserverschmutzung.

Der Klimawandel führt zu veränderten und extremeren Niederschlagsmustern mit einer Zunahme an Starkregen, Überschwemmungen, Hochwasser und Hitzeperioden. Wenn Regenzeiten ungewöhnlich stark ausfallen und die Trockenzeiten in vielen Regionen länger werden, dann verschärft dies den Trend der ungleichen Verteilung von Wasser und Trinkwasser weltweit. Wasserkatastrophen können sich schnell zu Hungerkatastrophen entwickeln, da Land- und Viehwirtschaft direkt vom Wasser abhängig sind.

Die starke Steigerung der Nutzung der Wasserressourcen ist unter anderem auch ein Wohlstandsphänomen. Man denke dabei an die große Menge an Wasser, die benötigt wird um Swimmingpools zu füllen oder an die Bewässerungsanlagen auf Golfplätzen. Die steigenden Bewässerungsanstrengungen von immer trockeneren Gebieten zur landwirtschaftlichen Nutzung ist ein weiterer Aspekt. In Summe wird der Natur jedes Jahr mehr Wasser entnommen, als wieder bereitgestellt werden kann. Das natürliche Recycling-System gerät an die Grenze seiner Funktionsfähigkeit.

Wasserkatastrophen können sich schnell zu Hungerkatastrophen entwickeln, da Land- und Viehwirtschaft direkt vom Wasser abhängig sind.

Das Bevölkerungswachstum treibt den Wasserverbrauch einerseits über den bisherigen Pro-Kopf-Verbrauch in die Höhe. Andererseits ist aber auch ein qualitatives Wachstum zu beobachten. Ein höherer Lebensstandard ist unweigerlich mit einem höheren Wasserverbrauch verknüpft.

Es werden also nicht einfach mehr Nahrungsmittel konsumiert, sondern beispielsweise mehr Fleischprodukte, deren Produktion etwa im Falle von Rindfleisch mit mehr als 15.000 Litern Wasser pro Kilo als extrem wasserintensiv gilt.

Die Abnahme der Trinkwasservorräte hängt auch direkt mit der Abwasserproblematik zusammen. Die Verschmutzung von Wasser in Folge von Verstädterung, industriellen Abwässern und Abfällen nimmt zu – mit der Folge von zum Teil irreversiblen Umweltschäden.

Auf Basis der genannten Gründe nehmen die zur Verfügung stehenden Süßwasserressourcen ab. Je nach Umfang der Abnahme spricht man von Wasserknappheit, Wassermangel, Wassernotstand oder Wasserkrise. Die Trinkwasserressourcen pro Kopf sind gemäß Daten der Vereinten Nationen ungleich verteilt. Grönland weist als führende Nation 10.522.275 m3 je Einwohner auf, Island 538.878 m3, Brasilien mit seinen mächtigen Fluss-Systemen 43.891 m3 und Norwegen 80.564 m3. In Österreich liegt der Vergleichswert bei 10.075 m3, in Deutschland bei 2.285 m3 und in der Schweiz betragen die Trinkwasserressourcen pro Kopf 7.096 m3. Extrem niedrig ist die Wasserverfügbarkeit in Kuwait mit 7 m3, in Saudi-Arabien mit 95 m3 und in Bahrain, das mit –12 m3 sogar einen negativen Wert aufweist.

Der Begriff „Peak Water“ beschreibt angelehnt an „Peak Oil“ das Szenario eines bereits in der Vergangenheit liegenden oder demnächst zu erwartenden Maximums in den weltweit entnommenen Wasserreserven. Die zunehmend beschränkten globalen Trinkwasserbestände werden auch durch die hohen Wasserentnahmen vor allem von Ländern im arabischen Raum belastet. Dabei werden in großen Tiefen liegende Wasserspeicher genutzt, die nur sehr langsam wieder aufgefüllt werden könnten.

Im deutschsprachigen Raum ist Trinkwasser das am intensivsten kontrollierte Lebensmittel. Es bestehen höhere Qualitätsanforderungen als für industriell abgepacktes Mineralwasser oder Tafelwasser. Der Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu sicherem Trinkwasser liegt in den Industriestaaten bei 100 %. Gemäß WHO und UNICEF nutzten 2015 noch immer 663 Millionen Menschen schlechtes Trinkwasser, 159 Millionen verwendeten vielfach verschmutztes Oberflächenwasser.

Während 1990 noch 43 % der Weltbevölkerung von 5,3 Milliarden in Städten lebten, waren es 2015 schon 54 % von 7,3 Milliarden Menschen. Die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum machen einen sparsamen Umgang mit Wasser unumgänglich. Einfache Möglichkeiten um Wasser zu sparen sind Spartasten am Spülkasten der Toiletten, die Nutzung von Brauchwasser, Duschen anstatt von Vollbädern sowie die Benutzung von modernen Geschirrspül- und Waschmaschinen.

Gemäß Untersuchungen der Universität für Bodenkultur in Wien lag der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf in Österreich im Jahr 2012 bei 135 Liter. Davon entfielen 36 Liter pro Tag auf Wasserhähne in Bad/ WC/Küche, 34 Liter auf WC-Spülungen, 25 Liter auf Duschen, 14 Liter auf Waschmaschinen und 12 Liter auf Pflanzen im Außenbereich. Badewannen zeichneten für 4 Liter verantwortlich, Geschirrspüler für 3 Liter.

Landwirtschaft und Industrie haben mittlerweile eine Reihe von wassersparenden Prozessen entwickelt. In der Landwirtschaft gewinnt die Tröpfchenbewässerung als sparsamstes aller Bewässerungsverfahren an Bedeutung. Bei dieser allerdings aufwendigen Technologie wird das Wasser mit Schlauch- bzw. Rohrleitungen direkt dem Wurzelbereich der Pflanze zugeführt. Industrieunternehmen setzen immer mehr auf in sich geschlossene Wasserkreisläufe.

Wasser ist auch ein wesentlicher Faktor in der Energieerzeugung, einerseits für hydraulische Kraftwerke, andererseits als Kühlmittel bei Atom- und Wärmekraftwerken. Da Kernkraftwerke enorm viel Wasser benötigen, liegen viele von ihnen an der Küste, was sie gegenüber Naturkatastrophen wie Stürmen anfällig macht. Alle Arten von Stromgeneratoren, auch jene in Kohle- und Gaskraftwerken, benötigen viel Wasser. Leichtwasserreaktoren in Atomkraftwerken setzen Wasser sogar als primäres Kühlmittel ein. Die benötigten lokalen Wasservorräte werden während des Kühlvorgangs erhitzt und dann zurück in Flüsse, Seen oder ins Meer gepumpt. Inlandsreaktoren beanspruchen die örtlichen Trinkwasservorkommen besonders stark.

WASSER IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN

E (Environment): Wasser ist eine unverzichtbare Lebensgrundlage für jegliche Art von Leben. Eine Übernutzung und Verschmutzung der Wasserreserven ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Die weltweit verfügbaren Trinkwasservorräte sinken durch zunehmende Wasserverschmutzung in Folge von Urbanisierung, Industrialisierung und steigenden Abfallmengen. Der natürliche Wasserkreislauf über Niederschläge, Versickerung und wieder gereinigtem Quellwasser reicht nicht mehr aus, um die stetig steigende Wassernachfrage zu decken. Daher werden zunehmend Wasserressourcen abseits des natürlichen Kreislaufes in Anspruch genommen.

S (Social): Die generell ungleiche Verteilung der weltweiten Wasserreserven weist ein deutliches Gefälle zwischen entwickelter Welt und Entwicklungsländern auf. Eine immer höhere Wasserverwendung bei gleichzeitig verringertem Angebot führt zu immer höheren Preisen. Weiters besteht die mögliche Gefahr von sozialen Konflikten aufgrund von Wasserknappheit.

G (Governance): Die regionale oder nationale Wasserversorgung ist teils staatlich und teils privatwirtschaftlich organisiert. Private Wasserversorgung unterliegt regelmäßig der Kritik eines „Geschäftemachens“ mit dem Menschenrecht des Zugangs zu sauberem Trinkwasser.

Fazit: Raiffeisen Capital Management setzt in vielen Einzelthemen auf den Megatrend Wasser. Dazu zählen Titel in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasser, und Wasseranalyse.