Mikrofinanz und das Ende von „Goldilocks“

von Michael Zink, Chief Customer Officer bei Invest in Visions.

Die Anleger:innen an den globalen Finanzmärkten erfreuten sich in den letzten Jahren am sogenannten „Goldilocks-Szenario“. Ein robustes Wirtschaftswachstum - angetrieben durch billiges Geld, niedrige Zinsen und moderate Inflation - sorgte für Rekorde an den Aktienmärkten und für die längste Hausse der Geschichte am Anleihemarkt. Selbst der Ausbruch der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr konnte dieses perfekte Kapitalmarkt-Szenario nicht nachhaltig brechen. Inzwischen aber scheint sich das Blatt gewendet zu haben: Die Renditen am langen Ende der Zinskurve steigen, die Inflationsraten in den USA und Europa ziehen deutlich an, Lieferengpässe sorgen zunehmend für Produktionseinbrüche und Werkschließungen und die wirtschaftlichen Wachstumsaussichten trüben sich global ein.

Droht Anlegern ein Stagflations-Szenario wie wir es in den 1970er-Jahren erlebt haben?

Ein solches Szenario erinnert an die Zeit der Ölkrise von 1973. Damals sorgten der Ölpreis-Schock und eine massive Abwertung des US-Dollar für einen rapiden Preisanstieg und gleichzeitig steigende Arbeitslosigkeit. Während dieser fast ein Jahrzehnt andauernden Periode der Stagflation waren Investments in Aktien und Anleihen keine gute Entscheidung. Lediglich mit Gold, Öl- und Rohstoffaktien ließen sich damals Kursgewinne realisieren. Auch wenn wir bei Invest in Visions ein langanhaltendes Stagflations-Szenario für die unwahrscheinlichere Variante erachten, sollten Anleger:innen sich über die Auswirkungen eines solchen Umfelds auf ihre Impact-Investitionen im Klaren sein.

Vor 50 Jahren gab es noch keine Mikrofinanzfonds in der uns heute bekannten Form. Dennoch gibt es gute Gründe anzunehmen, dass diese Form des Impact Investments in einer neuen Phase volatiler Märkte zu den stabilsten Anlageformen gehören wird.

Mikrofinanzfonds als attraktive Alternative

Bekanntlich zeichnen sich Mikrofinanzfonds durch eine geringe Korrelation zu anderen Assetklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffen) aus. Sie weisen eine moderate stetige Performance auf, begleitet von niedriger Volatilität und bieten darüber hinaus eine soziale Rendite. Dadurch eignen sie sich ideal zur Portfoliooptimierung. Die folgende Grafik zeigt am Beispiel des IIV Mikrofinanzfonds, wie die Effizienz von gemischten Investmentportfolien aus Aktien- und Anleiheprodukten durch die Beimischung des IIV Mikrofinanzfonds gesteigert wird. Ein solches Portfolio erzielt bei gleichem Risiko eine höhere Rendite bzw. bei gleicher Rendite wird das Portfoliorisiko gesenkt.

Schwankungsarm und Krisenresistent

Ein weiteres Merkmal von Mikrofinanzfonds ist die relative Immunität gegen Schwankungen der Zinskurve. Die durchschnittliche Laufzeit der vergebenen Darlehen im Fonds liegt unter 2 Jahren. Steigende Inflationserwartungen, die sich bei den Renditen am langen Ende der Staatsanleihen-Kurven zunehmend negativ bemerkbar machen, haben nahezu keinen Einfluss auf die durchschnittlich vergebenen Darlehenszinsen an die Mikrofinanzinstitute. Diese liegen im IIV Mikrofinanzfonds seit Jahren stabil bei ca. 6,2% in USD und 4% in EUR.

In der Pandemiephase hat sich bestätigt, dass Mikrofinanz in einer „Parallelwelt“ funktioniert. Es handelt sich größtenteils um Subsistenzwirtschaft (Händler:innen und Kleinfarmer:innen), die von der Welt der Zulieferer und globalen Märkte weitestgehend abgekoppelt ist. Wie die gegenwärtige Krise in Myanmar zeigt, braucht es nicht einmal ein funktionierendes Bankensystem, um die regelkonforme Bedienung der ausgegebenen Darlehen sicherzustellen. Und während in der „entwickelten Welt“ manchmal schon ein (!) querstehendes Schiff am Kanal zu massiven Beeinträchtigungen des Wirtschaftslebens führt, haben die Länder des globalen Südens aufgrund langjähriger und permanenter Krisenerfahrungen eine beachtliche Krisenresistenz entwickelt.

Investor:innen, die angesichts einer möglichen stagflationären Entwicklung ihr Portfolio immunisieren möchten sind gut beraten, die Assetklasse Mikrofinanz in Betracht zu ziehen. Sie stabilisiert das Portfolio, wenn die Kapitalmarkt-Zeiten unruhiger werden. Dass sich neben einer angemessenen finanziellen Rendite auch noch ein messbarer sozialer Ertrag erzielen lässt, macht die Anlage noch attraktiver.


Dieser Beitrag erschien zuerst im Invest In Visions Blog.

Wie ethische Investoren Green Bonds bewerten - Die Sicht der GLS Investments

Nachhaltige Anleihen erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit am Markt. Immer mehr Unternehmen, aber auch supranationale Institutionen oder Staaten begeben Anleihen, mit denen sie ihre Anstrengungen für mehr Klimaschutz oder soziale Gerechtigkeit unterstreichen wollen. Doch Vorsicht ist geboten. Nicht jede Anleihe hält, was sie verspricht. Worauf besonders zu achten ist, verrät Marieke Knußmann, Analystin aus dem Nachhaltigkeitsresearch der GLS Investment Management GmbH.

Frau Knußmann, die GLS Investment Management investiert über den GLS Bank Klimafonds in den Markt nachhaltiger Anleihen. Aus welchen Gründen sind Sie in dem Markt aktiv?

Wir sind eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der GLS Bank, dem Pionier für sozial-ökologisches Banking in Deutschland. Wir verstehen es als unsere Mission, Kapital dorthin zu lenken, wo es positiv wirkt – sowohl für die Umwelt als auch für die Gesellschaft. Genau dieses Versprechen geben die Emittenten nachhaltiger Anleihen. Die eingeworbenen Mittel fließen in Green Bonds, welche z.B. Erneuerbare Energien oder nachhaltige Mobilität, oder in Social Bonds, welche erschwinglichen Wohnraum finanzieren. Dies sind spannende Projekte, die wir für sehr attraktiv halten.

Wie gehen Sie vor, wenn eine nachhaltige Anleihe an den Markt kommt?

Wir haben intern einen eigenen Prüfprozess bei Anleiheemissionen installiert, der auf mehreren Stufen beruht. In diesem Prozess ist es wichtig, dass sowohl der Emittent als auch die Anleihe nachhaltig ist und unseren strengen Kriterien entspricht. Deswegen prüfen wir bestimmte Standards auf beiden Ebenen ab. Dies sehen wir als Auftrag unserer Kunden. Hier agieren wir aus unserer Sicht strenger als viele Wettbewerber am Markt.

Womit fangen Sie an?

Zunächst schauen wir uns den Emittenten an. Wir wollen verstehen, wie glaubwürdig er ist. Ist Nachhaltigkeit tief im Geschäftsmodell verankert oder ist es doch nur eher ein Werbeinstrument? Wir schauen uns dabei sehr genau an, wie der Emittent wirtschaftet. Wenn wir Umsätze entdecken, die sich aus fossilen Energien, Waffen oder kontroversen Geschäftspraktiken oder gar Kinderarbeit ergeben, dann investieren wir nicht. Erst wenn wir hier sicher sind, dass der Emittent hier nicht aktiv ist, schauen wir uns die Anleihe selbst an.

Welche Kriterien sind bei der Anleihe entscheidend?

Anfangs untersuchen wir, was der Emittent mit den Anleiheerlösen finanzieren möchte. Fließt das Kapital in Projekte, die unserem Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen? Bei Green Bonds bevorzugen wir Projekte, die den klimafreundlichen Transport, die Energieeffizienz von Gebäuden oder die Wasseraufbereitung in Emerging Markets unterstützen. Bei sozialen Anleihen orientieren wir uns an den Social Bond Principles der ICMA. Es geht also um bezahlbaren Wohnraum, Mikrofinanzierung oder Nahrungsmittelversorgung. In jüngster Zeit gewinnen aber auch Themen wie Diversität oder Geschlechtergerechtigkeit eine deutlich höhere Bedeutung für uns.

Wenn dies der Fall ist, wie gehen Sie weiter vor?

Wenn wir von den finanzierten Projekten überzeugt sind, prüfen wir die Prozesse und Transparenz des Emittenten. Wir schauen uns sehr genau die Second Party Opinion an. Wir wollen sicher sein, dass es ein ring fencing gibt. Emittenten sollten ein Framework haben, in dem sie ihre Kriterien öffentlich machen. Ebenso wichtig ist, dass Emittenten detailliert ihr Auswahlverfahren für die finanzierten Projekte beschreiben. Wir geben kein Geld in einen Blind Pool.

Damit ist unsere Arbeit nicht zu Ende. Wir schauen uns sehr genau das Impact Reporting an. Wir wollen wissen: Ist das Geld auch wirklich in die Projekte geflossen? Welche positiven Effekte hat die Finanzierung? Wie wurde dies gemessen? Zeigt sich ein zusätzlicher Nutzen?

Dann steht einer Investition nichts mehr im Wege, oder?

Wir sind ein ethischer Investor. Nachhaltigkeit lässt sich nicht nur in Zahlen ausdrücken. Deswegen gehen wir noch einen Schritt weiter: Auch wenn die meisten Vorzeichen gut aussehen, aber wir Bedenken haben, dann haben wir ein Vetorecht eingerichtet. Natürlich müssen Analysten dies begründen. Doch ist es uns wichtig, nicht nur auf kalte Zahlen und Fakten zu vertrauen, sondern auch auf den gesunden Menschenverstand. Es gibt immer tote Winkel, die selbst ein umfangreicher Bewertungsprozess nicht abdecken kann. Diese Bedenken offen äußern zu können, bereichert unsere Arbeit sehr.

Bei Anleiheemissionen muss es schnell gehen. Manchmal fehlt sicherlich die Zeit für eine ausführliche Analyse. Wie überprüfen Sie Ihre Entscheidung?

Ständige Prüfung ist für uns als einer der Qualitätsführer der Branche sehr wichtig. Alle Investitionen, die wir tätigen, lassen wir von unserem GLS Anlageausschuss noch einmal im Nachgang validieren. Der Ausschuss ist ein Entscheidungsgremium aus Nachhaltigkeitsexperten, der sich mehrmals im Jahr trifft. Er schaut noch einmal sehr genau hin, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Dies gibt uns, aber auch unseren Anlegern noch einmal Sicherheit, dass unsere Investments im Einklang mit unserem Nachhaltigkeitsverständnis sind.

Frau Knußmann, vielen Dank für das Gespräch


Marieke Knußmann ist seit Juni 2021 Senior Research Analystin im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Investments. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Emittentenprüfung aus den Bereichen Mobilität, Maschinenbau und Elektrotechnik. Zudem ist sie für die Themenbereiche Green Bonds, Monitoring und den Klimafonds zuständig. Nach dem Studium der Politikwissenschaften und Internationalen Studien/Friedens- und Konfliktforschung in Darmstadt, Aberystwyth und Frankfurt am Main arbeitete sie im Sekretariat der Deutschland Extractive Industries Transparency Initiative. Von 2016 bis 2021 war Sie ESG Corporate Rating Analystin bei der Nachhaltigkeitsratingagentur ISS ESG, wo sie für die Branche Aerospace & Defense und das SDG Solutions Assessment zuständig war.

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,2 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand: 08.10.2021).
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Das unterschätzte „S“ in ESG

von Johannes Haubrich, Head of Product Management Fixed Income & Equity bei Nordea Investment Funds S.A.

Investitionen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (Environmental, Social and Governance = ESG) sind beliebter denn je. Die verwalteten Vermögenswerte in diesem Segment werden voraussichtlich innerhalb der nächsten vier Jahre USD 53 Bio. erreichen und damit ein Drittel der erwarteten globalen AUM ausmachen1.

Während der ESG-Trend anhält, erweitern die Anleger ihren Horizont über das „E“ hinaus, um auch Faktoren zu berücksichtigen, die in die ‘Kategorie „S“, also den sozialen Bereich, fallen. Dazu gehören Arbeitnehmerrechte und -standards, Gesundheit und Sicherheit, Entwicklung des Humankapitals und Vielfalt – sei es im Hinblick auf Religion, Alter, Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft.

Unternehmen die diesen Aspekten nicht die angemessene Aufmerksamkeit schenken, laufen Gefahr, sich Reputations- und regulatorischen Risiken auszusetzen, die dauerhaften Schaden anrichten und den Aktienwert senken können. Unternehmen mit schwacher Bilanz bei der Einhaltung von Menschenrechten oder Arbeitspraktiken werden wahrscheinlich unter zunehmenden Störungen in der Lieferkette leiden. Das beeinträchtigt die operative Leistung als auch den Ruf der Marke2. Andererseits kann eine Führungsrolle im ESG-Bereich für Aufwärtspotenzial sorgen. Eine wachsende Zahl empirischer Daten deutet darauf hin, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen ESG und der Finanzperformance gibt3.

Soziale Erwägungen sind daher wichtige Faktoren, nicht nur für die Performance von Unternehmen, die dadurch vielfältiger, stabiler und widerstandsfähiger werden, sondern auch für die allgemeine soziale Verbesserung, indem Lieferketten und die Gesellschaft im Ganzen robuster werden.

Die Pandemie macht es deutlich: Soziale Aspekte sind wichtiger denn je

Wenn uns etwas die Bedeutung von sozialer Stabilität und Kohäsion gelehrt hat, dann ist es sicherlich der Ausbruch von Covid-19. Jedes Land, jeder Sektor und jede Einzelperson ist von der Pandemie betroffen. Dies hat die Bedeutung einer genaueren Untersuchung der Nachhaltigkeit globaler Geschäftsmodelle deutlich gemacht. Covid war auch ein guter Lackmustest für Investoren, um zu beurteilen, wie widerstandsfähig Unternehmen angesichts der Krise waren und wie sie auf zukünftige Störungen vorbereitet sind.

ESG-Überlegungen bei Investitionen haben angesichts der anhaltenden Gesundheitskrise eine besondere Bedeutung erlangt. Das Virus hatte einen grundlegenden Einfluss auf die Weltwirtschaft. Die als Reaktion darauf verhängten anfänglichen Lockdowns führten zu einem Einbruch des Ölpreises, einem breit angelegten Ausverkauf von Risikoanlagen und einer beispiellosen Abbremsung der Wirtschaftsleistung. In diesem Umfeld entwickelten sich ESG-Anlagelösungen stark und rückten den Bereich zusätzlich ins Rampenlicht.

Die Pandemie hat nicht nur die sozialen Herausforderungen, denen sich einige Geschäftsmodelle gegenübersehen, besonders deutlich gemacht. Sie hat auch gezeigt, dass die Agilität von Unternehmen, die sich leichter an neue Arbeitsweisen anpassen konnten und deren Geschäftsmodell im Kampf gegen die Herausforderungen der Pandemie gedeihen konnte, von zentraler Bedeutung sind. So war beispielsweise der chinesische E-Health-Anbieter Ping An für die rasant steigende Nachfrage nach seinen Dienstleistungen während der Covid-Pandemie besonders gut aufgestellt. Ping An bietet Online-Gesundheitsdienste an und ermöglicht es Menschen beispielsweise, sich online vom hauseigenen Ärzteteam beraten zu lassen. Mit rund 300 Millionen registrierten Nutzern erreichet der Software-Anbieter rund ein Fünftel der chinesischen Bevölkerung und trägt dazu bei, die medizinische Versorgung in schwer zugänglichen Landesteilen zu verbessern. Mit diesem Geschäftsmodell konnte Ping An in diesen schwierigen Zeiten dazu beitragen, die Belastung von Krankenhäusern zu verringern. Die Zahl der neuen Nutzer auf seiner digitalen Plattform stieg im Januar 2020 um fast 900% gegenüber dem Vormonat.

Langsam aber stetig: Die Verschiebung in Richtung “S”

Neben dem pandemiebedingten Anlegerfokus hat ESG auch innerhalb der Regulierungslandschaft an Bedeutung gewonnen. Dies zeigte sich in Form neuer Anforderungen zur Berichterstattung über bestimmte ESG-Aspekte – einst ausschließlich freiwillig, jetzt jedoch obligatorisch – in vielen Rechtsordnungen, darunter Großbritannien, die EU und Hongkong Kong (und die USA werden wahrscheinlich nachziehen)4.

Die Regulierung zu ESG-Themen hat sich bisher überwiegend auf das „E“ und das „G“ konzentriert – was wir auch in Bezug auf die Verfügbarkeit von Unternehmensdaten sehen. Dies liegt zum Teil daran, dass soziale Fragen etwas schwieriger zu definieren und qualitativ hochwertiger sind. Das zeigt sich auch an der Diskrepanz zwischen den Standards und Ratings, die den Anlegern zwischen „E“, „S“ und „G“’ zur Verfügung stehen. Die Finanz- und Anlagewelt hat eine Reihe von Instrumenten zur Messung und Berichterstattung von Umweltauswirkungen (z.B. CO2-Fußabdruck) identifiziert. Die Sozialberichterstattung hinkt hier weit hinterher, und es ist noch wenig Konsens darüber erzielt worden, wie oder was Unternehmen berichten sollten.

Aber das ändert sich. Die Regulierung wird im Hinblick auf soziale Belange stärker definiert und – wie schon bei der Umweltberichterstattung – entwickelt sich die Sozialberichterstattung von der Freiwilligkeit zur Verpflichtung. In Europa wird beispielsweise erwartet, dass die Europäische Kommission bald eine Richtlinie herausgibt, die eine Sorgfaltspflicht für Unternehmen mit Sitz (oder mit Niederlassungen) in der EU vorsieht5. Die im März 2021 in Kraft getretene EU-Offenlegungsverordnung für nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) verpflichtet die Finanzmarktteilnehmer, über die Nachhaltigkeit ihrer Fonds – einschließlich negativer Auswirkungen – zu berichten und dort zahlreiche soziale Aspekte mit abzudecken. Die erste obligatorische Berichterstattung soll im Juli 2022 erfolgen6.

Mit der EU-Taxonomie-Verordnung wurde das Fundament für mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft gelegt. Sie ist ein Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten und bildet einen Rahmen, anhand dessen wirtschaftliche Aktivitäten als nachhaltig oder nicht nachhaltig beurteilt werden können. Während sie sich derzeit nur auf die Ermittlung detaillierter Kriterien für die ökologische Nachhaltigkeit konzentriert, werden in den nächsten Schritten soziale Kriterien berücksichtigt.

Die Lücke schließen

Im Jahr 2015 hat die internationale Gemeinschaft die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen, in Anerkennung der Notwendigkeit, das zukünftige Wohlergehen unserer Gesellschaften zu sichern. Für Unternehmen und Investoren bieten die SDGs einen Rahmen, mit dem sie die langfristige Wertschöpfung mit den drängendsten Bedürfnissen der Gesellschaft in Einklang bringen können. Um die Ziele der SDGs bis 2030 zu erreichen, sind geschätzte jährliche Investitionen in Höhe von 5 bis 7 Bio. US-Dollar erforderlich. Die aktuellen Investitionen in SDG-bezogene Themen belaufen sich auf 3 Bio. US-Dollar pro Jahr, was eine jährliche Investitionslücke von 2 bis 4 Bio. US-Dollar hinterlässt7. Während die meisten ESG-Zuflüsse auf das „E“ in ESG ausgerichtet sind, orientieren sich 11 der 17 SDGs an der Stärkung sozialer Belange. Wir glauben, dass dies eine große Chance für Unternehmen darstellt, die diesen Bedarf erfüllen können. Für Investoren bedeutet dies, die bestehende finanzielle Kluft zu überbrücken, indem sie die Unternehmen unterstützen, die soziale Güter und Dienstleistungen anbieten. Dabei geht es nicht nur um die Priorisierung sozialer Fragen, sondern auch darum, ob es finanziell Sinn macht.

Vor allem für die Jüngeren werden soziale Aspekte immer wichtiger

Die jüngsten Bewegungen und Initiativen für soziale Gerechtigkeit und die Call-out-Kultur betonen, dass die Menschen mehr von den Unternehmen verlangen. In der Tat unterstreicht ein Bericht der OECD die Tatsache, dass Investoren zunehmend beides suchen: eine langfristig bessere Rendite und zudem eine gesellschaftliche Ausrichtung ihrer Investitionen, um die finanziellen und sozialen Renditen zu maximieren8. Dies gilt insbesondere für jüngere Anleger, die „den Maßnahmen der Unternehmen als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie und die unverhältnismäßigen finanziellen und sozialen Widrigkeiten von Covid-19“9 stärkere Aufmerksamkeit geschenkt haben. Da Millennials in den nächsten 40 Jahren 30 Billionen US-Dollar erben werden10, ist dies eine klare Gelegenheit, die Unternehmen und Investoren nutzen können, um die Nachfrage zu decken.

Jetzt ist die Zeit zu handeln

Auch wenn bisher die soziale Säule bei den Investitionszuflüssen vernachlässigt wurde, so hat sich der Anwendungsbereich von „S“ in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend erweitert. Darin erkennt man das sich entwickelnde Geschäftsumfeld des 21. Jahrhunderts, in dem Unternehmen und Märkte zunehmend miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Angesichts der immer offensichtlicher werdenden Ungleichheiten im Gesundheitswesen, im Bildungswesen und im Arbeitsschutz ist es unabdingbar, in Unternehmen zu investieren, die Lösungen für das „S“ priorisieren oder anbieten, wenn wir einen wirklichen Wandel zum Besseren erreichen wollen. Wir bei Nordea glauben, dass hinter diesem Megatrend eine spannende Investitionsmöglichkeit steckt. Jetzt ist die Zeit zu handeln.


Autor: Johannes Haubrich, Head of Product Management Fixed Income & Equity bei Nordea Investment Funds S.A.

1) Bloomberg Intelligence, ESG assets may hit $53 trn by 2025, a third of global AUM, 23 Feb 2021.
2) UNPRI, ‘ESG Integration: How Are Social Issues Influencing Investment Decisions?’ (2017)
3) Marina Apaydin et al, ‘The importance of Corporate Social Responsibility Strategic Fit and Times of Economic Hardship’ (2021) British Journal of Management, Vol.32, 399–415; Gunnar Friede et al, ‘ESG and Financial Performance: Aggregated Evidence from More than 2000 Empirical Studies’ (2015) Journal of Sustainable Finance & Investment, Vol.5, Issue 4, 210-233
4) Raconteur, ‘Sustainable Investing 2021’ (The Sunday Times, 14 February 2021)
5) Jacquelyn MacLennan et al, ‘Pressure mounts on EU regulator to deliver on Mandatory Human Rights, Environmental and Governance Due Diligence’ White & Case (17 March 2021)
6) PWC, ‘Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR)’ (2020)
7) Gemäß UNCTAD
8) OECD (2020), OECD Business and Finance Outlook 2020: Sustainable and Resilient Finance, OECD Publishing, Paris
9) Peter Goncalves, ‘ESG investors prioritising climate change over diversity – research’ (Investment Week, 20 May 2021)
10) N 9 (NYU Stern)

Nordea Asset Management ist der funktionelle Name des Vermögensverwaltungsgeschäftes, welches von den rechtlichen Einheiten Nordea Investment Funds S.A. und Nordea Investment Management AB (“rechtliche Einheiten”) sowie ihrer jeweiligen Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften betrieben wird. Dieses Dokument ist Werbematerial und bietet dem Leser Informationen zu den spezifischen Expertise-Feldern von Nordea. Dieses Dokument (bzw. jede in diesem Dokument dargestellte Ansicht oder Meinung) kommt keiner Anlageberatung gleich und stellt keine Empfehlung dar, in ein Finanzprodukt, eine Anlagestruktur oder ein Anlageinstrument zu investieren, eine Transaktion einzugehen oder aufzulösen oder an einer bestimmten Handelsstrategie teilzunehmen. Dieses Dokument ist weder ein Angebot für den Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots für den Kauf von Wertpapieren oder zur Teilnahme an einer bestimmten Handelsstrategie. Ein solches Angebot kann nur durch einen Verkaufsprospekt oder eine ähnliche vertragliche Vereinbarung abgegeben werden. Es enthält Informationen für institutionelle Anleger und unabhängige Anlageberater und ist nicht zur allgemeinen Veröffentlichung bestimmt. © Der rechtlichen Einheiten der Nordea Asset Management und jeder ihrer jeweiligen Zweigniederlassungen und/oder Tochtergesellschaften.

Investieren in Megatrends: Gaming und Streaming

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien.

Die Lockdowns während der Coronapandemie haben unter anderem zwei Sektoren besonders boomen lassen: Gaming (Spiele) und Streaming (digital übertragene Medieninhalte). Während Kinos, Stadien und Opernhäuser in vielen Ländern geschlossen blieben, profitieren vor allem jene Branchen, die ihr Angebot digital anbieten konnten.

Gaming und Streaming sind zwei Subsektoren, die dabei bereits einen großen Vorsprung haben. Millionen neuer Benutzer tauchen in dieser Zeit in diese faszinierenden Welten ein, die ohne jede Übertreibung Unmengen an Zeit und Geld verschlingen können.

Der digitale Wandel in der Welt der Medien

Doch auch unabhängig von der Pandemie werden klassische Unterhaltungsbranchen wie Film, Fernsehen, Radio und Printmedien immer weiter von digitalen Medien, wie Streaming, Soziale Medien und Gaming verdrängt.

Mittlerweile belegt die elektronische Spieleindustrie mit einem Jahresumsatz von 145 Milliarden US-Dollar den ersten Platz der Unterhaltungssubsektoren, mit weitem Vorsprung vor Kino (42 Milliarden US-Dollar) und Musik (20 Milliarden US-Dollar). Fast die Hälfte des Jahresumsatzes aus der Gaming-Industrie fällt dabei in die Kategorie Mobile Gaming, also Spiele auf Tablets oder Smartphones.

Auch die SVOD-Industrie (Streaming-Video-on-Demand) holt auf die traditionellen Branchen auf. So schätzt das Bankhaus UBS, dass der globale Markt für diese Dienstleistung bis 2025 um durchschnittlich 11 % pro Jahr wachsen wird. Allein in den USA verdoppelte sich 2020 die Anzahl der SVOD-Abonnements und die Streamingzeit erhöhte sich um 75 %.

Zukunftsträchtige Branchen

Die wichtigste Grundlage für den Erfolg von Gaming und Streaming sind unumstritten die jüngeren Generationen. Während bei älteren Menschen Fernsehapparat und Rundfunk noch immer die beliebtesten Formen der Unterhaltung sind, werden diese bei der Generation Z von Gaming, Streaming, Notebook und Smartphone überholt. Diese modernen Medien haben damit starken Rückenwind seitens der demografischen Entwicklung.

Auch neue Technologien wie 5G, künstliche Intelligenz, virtuelle Realität sowie Fortschritte bei Computerchips und Halbleitern eröffnen der Branche durch leistungsstärkere Smartphones und schnelleres Internet in Zukunft immer neue Möglichkeiten.

Gaming und Streaming am Finanzmarkt

Viele der großen Unternehmen in der Gaming- und Streaming-Industrie sind seit Jahren an den Finanzmärkten vertreten und etabliert. Unter den Trend Gaming fallen vor allem Werte in den Bereichen Halbleiter- und Chipherstellung, Software, genauso wie Spieleherausgeber, Grafikkartenhersteller oder Konsolen- und Spieleentwickler. Im Streaming sind alle marktdominierenden Unternehmen, wie Netflix, Amazon, Disney und Apple an der Börse vertreten, aber auch jüngere Unternehmen, wie FuboTV und Roku haben nicht zuletzt durch phänomenale Kursanstiege bereits von sich Reden gemacht.

Gaming und Streaming im Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien

Im Portfolio des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien befinden sich zum Thema Gaming ein Grafikchiphersteller (Nvidia), ein Konsolenhersteller (Sony) und ein Spieleherausgeber (Electronic Arts). Der Megatrend Streaming ist ebenfalls durch drei große SVOD-Anbieter (Amazon, Apple, Alphabet) sowie der Streaming-Plattform Spotify im Fonds vertreten. Bei der Auswahl der Positionen wird ein großer Fokus auf Treibhausgasbilanz, Privatsphäre und Datensicherheit gelegt.

Große Chancen, vor allem in Asien

Die größten Märkte für Gaming finden sich in China, den USA, Japan und Südkorea. Dabei ist vor allem in China Mobile Gaming ein großes Thema, mit Tencent und NetEase als marktdominierende Anbieter. Bis 2027 soll der chinesische Markt rund um Mobile Gaming auf 48 Milliarden US-Dollar anwachsen – bei einer jährlichen Wachstumsrate von 11,9 %. Ein Grund für dieses Wachstum sind die enormen Fortschritte in der Smartphone-Entwicklung. Leistungsstärkere Geräte und höhere mobile Datenübertragungsraten lassen die Kluft zwischen Konsolen- und Mobile-Gaming immer mehr verschwinden. In China sind wir diesbezüglich in Tencent engagiert.

Investments in die Branche bergen auch Risiken

Der Unterhaltungssektor befindet sich mitten in einem regen Wandel: Jedes Jahr betreten neue Anbieter die Bühne und kämpfen mit den etablierten Spielern um einen rasch wachsenden Markt. Den Konsumenten ist dabei vor allem ein umfangreiches und attraktives Angebot wichtig. Wer sich im Streaming und Gaming durchsetzen möchte, muss daher einerseits eine breite Auswahl an populären Filmen, Serien und Spielen bieten und andererseits attraktive Inhalte offerieren, dass die Kunden auch immer wieder zurückkommen. Das bedeutet unter anderem fortlaufende beträchtliche Investitionen, um immer wieder Neues anbieten zu können.

Darüber hinaus sind kürzlich vor allem chinesische Spieleentwickler und -verleger unter Druck geraten. Seitens der chinesischen Regierung verfügte man eine strengere Begrenzung der Spielzeiten bei Minderjährigen. Ähnlich drastische Maßnahmen sind in anderen Ländern zwar weniger wahrscheinlich, aber es bestehen zweifellos Risiken durch regulatorische Eingriffe. Diese werden die Branche kaum ernsthaft gefährden, könnten sich jedoch in unterschiedlicher Weise auf die einzelnen Unternehmen auswirken und damit auch neue Gewinner und Verlierer hervorbringen.

Ständige intensive Marktbeobachtung nötig

Daher ist auch in diesem Aktienmarktsegment eine kontinuierliche, sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich in den Bereichen Gaming und Streaming engagieren, also beispielsweise erhöhte Kursschwankungen und die Möglichkeit von Kapital und Wertverlusten.

Energiewende: Von grünem Strom bis zu smarten Gebäuden

von Mag. Hannes Loacker, Senior-Fondsmanager bei der Raiffeisen KAG.

Die Covid-19-Pandemie hat unser tägliches Leben verändert, der Klimawandel und die dafür notwendigen Maßnahmen werden das auch tun. Im Gegensatz zur Pandemie wird der Klimawandel langfristig unser Leben, die politischen Entscheidungen oder die Art, wie viele Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen herstellen und anbieten, beeinflussen. Denn der Klimawandel ist sprichwörtlich gekommen, um zu bleiben.

Im April 2021 nahmen 40 Staats- und Regierungschefs am Klimagipfel teil. Das nährte die Hoffnung, dass auch die Entscheidungsträger an den Schalthebeln der Macht die Zeichen der Zeit erkannt haben. Priorität Nummer eins bei diesem Klimagipfel hatte die Reduktion der Treibhausgase, speziell der CO2-Emissionen.

ENERGIESEKTOR GRÖSSTER TREIBHAUSGASVERURSACHER

Ein Blick auf die größten Emittenten von Treibhausgasen macht deutlich, dass der Energiesektor rund zwei Drittel der gesamten verursachten Treibhausgase produziert. Eine bedeutende Rolle kommt dabei der Stromproduktion zu, verursacht sie doch gut 40 % der gesamten energiebedingten CO2-Emissionen. Hier gilt es u. a. den Hebel anzusetzen. Ein bisschen mehr Strom aus Sonnenenergie und Windkraft wird aber zu wenig sein, um den Stromsektor grüner zu machen. Das wird noch offensichtlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass der weltweite Strombedarf laut Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) in den nächsten 20 Jahren u. a. aufgrund des Bevölkerungswachstums sowie einer zunehmenden Elektrifizierung des Verkehrssektors um rund 50 % zunehmen dürfte.

SOLAR- UND WINDBRANCHE STEHT LANGANHALTENDES WACHSTUM BEVOR

In der Konsequenz muss nicht nur der aktuelle Strommix „grüner“ werden, sondern auch die steigende Stromnachfrage so gut es geht mit Strom aus erneuerbaren Energien befriedigt werden. Dass dem auch so sein wird, daran führt kein Weg vorbei. Die IEA erwartet, dass sich die Stromerzeugungskapazitäten der erneuerbaren Energien bis 2040 (gegenüber 2019) nahezu verdreifachen werden. Der mit Abstand stärkste Zuwachs wird für Solarstrom prognostiziert. Die Kapazitäten sollen sich versechsfachen. Bei Windstrom wird eine Verdreifachung erwartet, während die Kapazitäten bei der Wasserkraft um „nur“ gut 35 % zunehmen sollen. Somit kommt der Sonnen- und Windenergie beim Kampf gegen den Klimawandel eine äußerst wichtige Rolle zu. Das hat nun auch die Politik verstanden. Neben dem Green Deal der EU, zweifelsfrei ein wichtiger Eckpfeiler im Kampf gegen den Klimawandel, haben sich nahezu alle Staaten zu einer Reduktion der CO2-Emissionen verpflichtet. So möchten die USA unter Präsient Joe Biden eine Art Vorreiterrolle in der Klimapolitik einnehmen, China wiederum strebt die Klimaneutralität bis 2060 an.

Der Solar- und Windbranche kann angesichts dieser durchaus ehrgeizigen Ziele ein langanhaltendes Wachstum prognostiziert werden. Schon jetzt ist im Solarbereich in einigen Bundesstaaten der USA, aber auch in Europa ein regelrechter Boom nach Solarmodulen auf Eigenheimen auszumachen. Die Betreiber von Solarparks wiederum profitieren von deutlich sinkenden Kosten in der Stromerzeugung. Diese sind in den letzten zehn Jahren um mehr als 85 % gefallen. Dank dieser vorteilhaften Entwicklungen auf der Kostenseite ist Solarstrom im Vergleich zu Gas-, Kohle- oder Atomstrom in weiten Teilen der Erde bereits wettbewerbsfähig.

Ähnlich verhält es sich mit Strom aus Windkraftanlagen. Auch hier sind die Kosten in den letzten Jahren sehr deutlich gefallen. Im Gegensatz zur Photovoltaik hat das aber weniger mit den fallenden Equipmentkosten zu tun als vielmehr mit der Dimensionierung der Windturbinen selbst. Immer höher, immer größer, immer leistungsfähiger lautet hier die Devise. Onshore-Windturbinen in klimatisch begünstigten Gebieten können sich im Wettbewerb sehr gut behaupten. Offshore-Windenergie profitiert zwar von höheren und konstanteren Windgeschwindigkeiten, allerdings sind die Kosten gegenüber den Windturbinen an Land aktuell noch höher, da sich zusätzliches Equipment (Transformatorstation, Kabel etc.) sowie höhere Montagekosten negativ zu Buche schlagen. Auch hier wird erwartet, dass die Kosten weiter nach unten gehen. Schon die aktuellen Dimensionen sind gigantisch. Der Industrieriese General Electric wird in zwei Jahren eine 13-Megawatt-Turbine mit einer Höhe von 260 Metern und einer Rotorblätterlänge von 107 Metern auf den Markt bringen. Mit einer einzigen Umdrehung dieser Rotorblätter kann ein durchschnittliches britisches Eigenheim für mehr als zwei volle Tage mit Strom versorgt werden und das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht. Vestas Wind Systems arbeitet gerade an einer 15-Megawatt-Turbine. An diesem Wachstum möchten auch Unternehmen, die aktuell noch in erster Linie als Treiber der Klimakrise gelten, partizipieren. So drängen seit zwei bis drei Jahren vermehrt auch einige der großen Öl- und Gaskonzerne auf den Markt. Diese versprechen sich zudem, dadurch ihre CO2-Bilanzen zu verbessern.

OHNE WASSERSTOFF WIRD DIE ENERGIEWENDE NICHT GELINGEN

Strom aus Sonnenenergie und Windkraft wird also zunehmend die Stromproduktion aus Kohle und Gas verdrängen. Da es sich bei Solar- und Windstrom allerdings um sogenannte intermittierende Stromquellen handelt – diese sind aufgrund der nicht konstanten Verfügbarkeit von Sonne und Wind deutlich weniger als 24 Stunden am Tag abrufbar –, kann ein zu hoher Anteil von Solar- und Windstrom am Gesamtstrommix die Versorgungssicherheit gefährden sowie die Energienetze zusätzlich belasten. Daher kommt dem Thema Energiespeicherung eine immer bedeutendere Rolle zu. Batterien haben den Nachteil, dass sie den Strombedarf nur für wenige Stunden, bestenfalls einige wenige Tage überbrücken können. Wasserstoff hingegen kann als mehrtägiger und saisonaler Energiespeicher für das Stromnetz dienen. Zudem ist Wasserstoff mehr als reichlich vorhanden. Etwa 75 % der gesamten Materie im Universum (nach Masse) sind Wasserstoff. Wasserstoff hat auch den Vorteil einer sehr hohen Energiedichte – ein Kilogramm Wasserstoff hat fast den dreifachen Energiegehalt von Benzin und mehr als den doppelten von Erdgas.

Grüner Wasserstoff kann nicht nur die bisherige Wasserstoffproduktion aus fossilen Energien ersetzen, er kann auch wesentlich zur Dekarbonisierung der weltweiten Stromerzeugung beitragen, ohne dass die Versorgungssicherheit gefährdet wird. Der Stromsektor ist jedoch nicht der einzige Sektor, in dem Wasserstoff zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen kann. Auch andere Sektoren wie die Stahlindustrie, die chemische Industrie oder der Transportsektor können mit Hilfe von Wasserstoff zumindest teilweise dekarbonisiert werden. Sowohl in der Stahlindustrie als auch in der chemischen Industrie gibt es eine Reihe von vielversprechenden Pilotprojekten.

ENERGIEEFFIZIENZ ALS WICHTIGER BAUSTEIN DER ENERGIEWENDE

Grüner Strom oder Wasserstoff stellen aber nur zwei Eckpfeiler dar, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Ein weiterer Schlüssel ist, die Energieeffizienz von Gebäuden zu verbessern. Das Potenzial in diesem Bereich ist enorm. In der EU entfallen rund 40 % der konsumierten Energie auf Gebäude. Gleichzeitig zeichnen diese für rund 36 % der energiebedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Der Grund für diesen hohen Anteil liegt in erster Linie darin, dass 35 % der Gebäude in der Europäischen Union über 50 Jahre alt sind und 75 % des Gebäudebestandes als energieineffizient eingestuft werden. Um hier Abhilfe zu schaffen, muss die Renovierungsrate von aktuell einem Prozent pro Jahr zumindest verdoppelt werden. Und genau das möchte die EU mit ihrer Renovierungsoffensive im Rahmen des Green Deals erreichen. Dazu nimmt die Staatengemeinschaft sehr viel Geld in die Hand. Bis zum Jahr 2030 dürften laut Schätzungen der EU jedes Jahr zusätzlich 275 Milliarden Euro an Investitionen in Gebäude nötig sein, damit sich die Renovierungsrate auf zwei Prozent erhöht.

Damit sollen aber nicht nur die CO2-Emissionen deutlich nach unten gebracht werden, die Investitionen sollen zudem auch einen wesentlichen Beitrag zur Ankurbelung der wirtschaftlichen Erholung und zur Verringerung von Energiearmut leisten. Laut EU-Kommission können es sich aktuell fast 34 Millionen Europäerinnen und Europäer nicht leisten, ihre Wohnung zu heizen. Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz dienen daher auch zur Bekämpfung von Energiearmut. Sie wirken sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen aus und helfen dabei, die Energierechnungen niedrig zu halten.

GREEN BUILDINGS

Gerade in Europa gibt es eine Fülle von Unternehmen, die sich dem Thema Green Buildings verschrieben haben und somit ihren Beitrag zur Erhöhung der Energieeffizienz bei Gebäuden leisten. Das beginnt schon bei einer verbesserten Isolierung. Dadurch wird nicht nur der Heizungs- und Kühlungsbedarf reduziert, sondern es können hier zusätzlich bei der Verwendung des Materials für die Gebäudeaußenhülle CO2-Einsparungen erzielt werden. Eines der größten europäischen Unternehmen in diesem Bereich setzt beispielsweise bei seinen Isolationskomponenten verstärkt auf die Wiederverwertung von Plastikmaterialien (z. B. PET-Flaschen oder Plastikmüll aus dem Ozean).

Eine verbesserte Isolation allein macht ein Gebäude aber noch lange nicht zu einem Green Building. Darunter versteht man vielmehr, dass Gebäude abseits der verwendeten Materialien mit einem umfassenden Energiemanagementsystem (Stichwort „Internet of Things“) ausgestattet werden. Dadurch lassen sich Daten von vernetzten Geräten nutzen, Wartungsarbeiten zeitnah durchführen, Gebäudesysteme und Räume verwalten, die Stromversorgung überwachen und der Energieverbrauch optimieren. Letzteres wird auch durch den Einsatz sogenannter Smart Meter unterstützt. Diese zeichnen die von einem Gebäude verbrauchte elektrische Energie auf und übertragen diese Daten in digitaler Form. Sie stellen nicht nur für die Versorgerunternehmen eine Möglichkeit dar, die Energienutzung zu optimieren, sondern liefern dem Energiekonsumenten Daten über das Energieangebot sowie den Energiebedarf zum Zeitpunkt der Nutzung. Somit kann der Verbraucher seine Energieverbrauchsgewohnheiten besser an den tatsächlichen Energiebedarf anpassen.

Eine weitere Komponente für ein „grünes“ Gebäude kommt aus der Beleuchtungsindustrie. Durch LED-basierte Lichtsysteme werden sowohl die CO2-Emissionen als auch die operativen Kosten gesenkt. Laut dem Unternehmen Signify könnten in den Benelux-Ländern rund 80 % der bestehenden Beleuchtungen durch LED-basierte Lichtsysteme ersetzt werden. Im Rest von Europa stellt sich die Situation nicht viel anders dar. Signify schätzt, dass durch eine solche Umstellung in Europa rund 40 Milliarden Euro an Einsparungseffekten erzielt werden könnten. Zudem rechnet das Unternehmen mit CO2-Einsparungen im Ausmaß von in etwa 100 Millionen Tonnen.

Wie man sieht, erstreckt sich der Kampf gegen den Klimawandel auf mehrere Schauplätze. Die Energiewende selbst ist bereits in vollem Gange, sie wird in den nächsten Jahren ein stetiger Begleiter sein. Und jeder von uns kann und muss ein Teil davon sein!

FAZIT & NACHHALTIGKEITSBEWERTUNG

Der Klimawandel und die Notwendigkeit einer Energiewende haben neue Entwicklungen in der Energieerzeugung vorangetrieben, die von ihren potenziellen Auswirkungen her für die Nachhaltigkeitsbetrachtung von extrem hoher Relevanz sind. Die Energiewende steht für die Umsetzung einer nachhaltigen Energieversorgung in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität mit erneuerbaren Energien. Dementsprechend finden Unternehmen speziell in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien ein äußerst positives Marktumfeld vor.

E (Environment)

Energiewende und die Bekämpfung des Klimawandels sind stark umweltbezogene Themen, es geht um die Eindämmung potenzieller Umweltzerstörungen, das Abwenden von Gefahren für Fauna und Flora sowie den Erhalt möglichst vieler Pflanzen- und Tierarten. Umweltzerstörung basiert auf der Tatsache, dass mit dem Klimawandel das Risiko für Wetterextreme wie Starkregen, Überschwemmungen, Hochwasser und andererseits Hitzeperioden steigt. Die verstärkte Gletscherschmelze sowie auch die thermische Ausdehnung des Wassers führen zu einem Anstieg des Meeresspiegels, zudem ist beispielsweise die Trinkwasserversorgung von auf die Gletscherschmelze angewiesenen Menschen gefährdet.

S (Social)

Der Klimawandel führt auf sozialer Ebene zu Problemen auf unterschiedlichen Ebenen. Dabei ist zunächst eine potenzielle Gesundheitsbelastung verursacht durch Wetter- und Klimaveränderungen zu nennen. Durch Wetterextreme wird außerdem die Gefahr von Hungersnöten erhöht. Und schließlich können einzelne Regionen der Welt in zunehmendem Ausmaß unbewohnbar werden, was zu Migrationsströmen führen kann.

G (Governance)

Staaten, aber auch Unternehmen müssen dem Klimawandel entgegenwirken. Das Problem dabei ist das Fehlen einer unmittelbaren Zurechenbarkeit des Phänomens zu Verantwortlichen, also die Existenz von Externalitäten. Die umfangreichen Förderprogramme des letzten Jahrzehnts für erneuerbare Energien haben frühzeitig zu einem schnellen Anstieg der Kapazitäten geführt, heute sind viele Technologien auch ohne staatliche Förderungen konkurrenzfähig. Trotzdem ist ein Eingriff des Regulators weiterhin wesentlich, man denke an Einspeisetarife in einer zunehmend dezentralen Struktur der Stromwirtschaft.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist die Energiewende ein wesentliches Zukunftsthema. Insbesondere bei Investments in Unternehmen und Emissionen im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien nimmt es eine wichtige Rolle ein.


Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Der Wald als Assetklasse

Der Wald hat sich seit Mitte der 1980er Jahre unter privaten und institutionellen Investoren zu einer etablierten Anlageklasse entwickelt, erklärt Felix Jenninger, Head of Investment & Transaction bei Salm-Salm & Partner GmbH.

Die Assetklasse Wald hebt sich durch mehrere, einzigartige Merkmale von anderen Anlageformen ab. So werden Renditen überwiegend von den Holzpreisen und dem biologischen Wachstum bestimmt. Holzpreise sind, wie andere Rohstoffpreise auch, das Ergebnis der Interaktion von Holzangebot und -nachfrage. Im Falle niedriger Holzpreise kann der Einschlag unterlassen werden, wobei unabhängig von allen Konjunkturzyklen und Finanzmarktgeschehnissen auf der Fläche immer biologischer (Wert-)Zuwachs stattfindet. Da die Renditen in der Forstwirtschaft von anderen wirtschaftlichen Größen getrieben werden als bei Aktien und Anleihen, korrelieren forstwirtschaftliche Vermögenswerte nur geringfügig oder sogar negativ mit den Preisen von Finanzanlagen. Dies bietet einem gemischten Portfolio das Potential zur Diversifikation und zur Verbesserung der Anlageperformance. Ein weiterer Vorteil eröffnet sich durch das Eigentum an Grund und Boden und das biologische, krisenunabhängige Wachstum von Wäldern: Die Assetklasse schützt vor Inflation. Wald bietet dem Investor daher einen langfristigen Vermögenszuwachs des gebundenen Kapitals bei gleichzeitigen Einnahmen aus dem Holzeinschlag.


Quelle: Salm-Salm (2020)

Chancen eines Waldinvestments

Cashflow-Renditen eines global diversifizierten Waldportfolios liegen im Schnitt der Jahre zwischen 2 und 3 %. Hinzu kommt eine potenzielle Wertsteigerung der Grundstücke. Eigentum von Grund und Boden bietet abhängig von Lage und Eignung der Waldfläche obendrein die Chance, weitere Einkommensquellen zu erschließen. Solche Einkommensquellen sind der Bau von Windkraft- oder Solaranlagen, die Verpachtung der Jagdrechte, der Abbau von Sanden und Kiesen oder die Generierung von CO2-Zertifikaten.

Im Vergleich zu Ackerland bieten Forstinvestitionen flexible Erntezeiten. In den meisten Fällen kann ein Ernteplan um mehrere Jahre beschleunigt oder verschoben werden, was dem Eigentümer die Möglichkeit bietet, die Ernte mit dem persönlichen Einkommensbedarf abzustimmen oder auf eine günstigere Preissituation zu warten.

Die Assetklasse besticht darüber hinaus auch auf anderen Ebenen: das Sachwertinvestment ist ein wahres Commitment hinsichtlich Klima- und Ressourcenschutz. Wald bietet einen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere und für den Menschen einen Ort der Erholung. Zusätzlich nehmen die Wälder dieser Welt eine signifikante Klimaschutzfunktion ein. Ein Investment in Wirtschaftswald unterstützt langfristig Anbau und Ernte von Holz unter kontrollierten Bedingungen. Einen Nachweis über die Nachhaltigkeit der forstwirtschaftlichen Praktiken können unabhängige Siegel, beispielsweise von FSC oder PEFC, liefern.

Risiken der Assetklasse Wald

Typische Risiken der Assetklasse Wald sind Markt- und Währungsschwankungen sowie biotische und abiotische Risiken. Unter biotische Risiken fallen Umweltfaktoren, an denen Lebewesen beteiligt sind, wie beispielsweise Schädlingsbefall. Abiotische Risiken sind Feuer und Wind. Alle Risiken im Wald können durch aktives Management deutlich verringert werden. Der entscheidende Faktor für ein risikoarmes Waldinvestment ist jedoch der Kauf des richtigen Grundstückes. Für das Risikoniveau entscheidend sind klimatische Lage, geografische Lage und Marktlage. Global empfiehlt es sich, sich auf rechtssichere Länder zu konzentrieren, die über gute Zuwachsraten und einen ausgeprägten forstwirtschaftlichen Sektor verfügen.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Waldinvestment

Die Basis für ein erfolgreiches Waldinvestment sind Rechtssicherheit und Absatzmarkt. Typisch für Waldinvestments sind Anlagehorizonte von über 15 Jahren. Aus Sicht eines Anlegers müssten daher alle Länder für ein Waldengagement ausgeschlossen werden, die über instabile politische Verhältnisse verfügen.

Auch der Holzmarkt ist ein entscheidendes Kriterium, da es sich bei Holzmärkten um regionale Märkte handelt. Um langfristig den Absatz des Holzes zu sichern, bedarf es einer diversifizierten Struktur an holzverarbeitenden Betrieben im direkten Umkreis des Waldgrundstücks.

Der Zugang zum Waldinvestment

Das Investment in Wald kann über verschiedene Wege und Möglichkeiten geschehen. Professionelle private und institutionelle Investoren suchen den Zugang zu Waldinvestments meist über geschlossene Fondslösungen oder Direktinvestments. Mindestinvestitionen liegen für Direktinvestments in Wald i. d. R. bei über 25 Mio. Euro. Fondslösungen eröffnen die Chance in der Regel ab 5 Mio. Euro, an den Vorteilen eines diversifizierten Waldportfolios zu partizipieren, ohne alle Grundstücke selbst erwerben zu müssen. Das Mitspracherecht bei Investmententscheidungen ist daher eingeschränkt. Wünscht der Anleger volle Flexibilität hinsichtlich der Grundstückswahl, der Bewirtschaftungsform sowie des perspektivischen Exits, fällt die Wahl meist auf ein Direktinvestment. Typischerweise werden dabei mehrere bestehende Forstbetriebe erworben und anschließend vollumfänglich bewirtschaftet.

Fazit und Ausblick

Wald bietet bei richtigem Ankauf und gutem aktiven Management die Möglichkeit, Investitionsportfolios auf vielfältigen Ebenen zu diversifizieren. Maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg des Investments haben grundlegende Faktoren wie Rechtssicherheit, Absatzmarkt, biologisches Wachstum und das forstliche Management. Stimmt die Strategie, eröffnet die Assetklasse attraktive Renditen – besonders im aktuellen Zinsumfeld.

Die USA bietet den größten Markt für Waldinvestitionen mit attraktiven biologischen Wachstumsbedingungen und einer sehr guten forstwirtschaftlichen Infrastruktur. Der aktuelle Zeitpunkt eignet sich optimal für den Einstieg in die Assetklasse, da sich der Holzpreis im Südosten der USA immer noch auf einem vergleichsweisen niedrigen Niveau befindet. Nachdem für die kommenden Jahre ein starkes Wachstum für die Holzpreise im Südosten der USA vorhergesagt wird, kann ein direkter Wertzuwachs der Bestände erwartet werden. Für steigende Holzpreise sprechen das Wachstum der Weltbevölkerung, hohe Investitionen von Sägewerken im Südosten der USA sowie die Erholung des US-Häusermarktes nach der Krise in den Jahren 2008/2009.

Vor dem Hintergrund des limitierten Holzangebots werden die Holzpreise und der Wert der Wälder, zum Vorteil aller Waldbesitzer weiterhin steigen, was das Waldinvestment neben stabilen Renditen, Nachhaltigkeit und Portfoliodiversifikation weiterhin zu einer attraktiven Assetklasse macht.


Dieser Text stammt von FONDSTRENDS.LU, veröffentlicht am 25. August 2021.

Felix Jenninger

Felix Jenninger arbeitet als Head of Investment & Transaction bei Salm-Salm & Partner GmbH, einer Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Wallhausen, die sich auf Holz- und Agrarinvestitionen in Europa und den USA spezialisiert hat. Zu seinem Aufgabenbereich gehören Markt- und Objektanalysen sowie die Kundenbetreuung. Bevor er seine Tätigkeit bei Salm-Salm aufnahm, studierte er Forst- und Agrarwirtschaft an der Georg-August-Universität Göttingen und schloss sein Studium mit einem Master in Agrarökonomie ab.

B.A.U.M. Fair Future Fonds wird 3 Jahre alt: Erfolgreich wie der Mittelstand

von Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds, und Christian Pass, Portfolioberater des B.A.U.M. Fair Future Fonds, beide GLS Investment Management GmbH.

Bitte beachten Sie die Hinweise zu den ökonomischen Aussagen am Ende des Artikels.

Der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft. Er gibt wichtige Impulse für ein nachhaltigeres Wirtschaften. Besonders in Deutschland spielt er eine herausragende Rolle. Mit Auflage des B.A.U.M. Fair Future Fonds wollten wir unseren Anleger*innen die Möglichkeit geben, den nachhaltigen Mittelstand bewusst zu stärken. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Maximilian Gege, Gründer und langjähriger Vorsitzender des Bundesarbeitskreises für Nachhaltiges Wirtschaften (B.A.U.M.) e.V., einem ausgewiesenen Experten für den Nachhaltigen Mittelstand, haben wir einen Aktienfonds aufgelegt, der diesen Ansprüchen gerecht wird. Zum dritten Geburtstag ziehen wir eine erste ökonomische Bilanz.

Ökonomische Ausrichtung des B.A.U.M. Fair Future Fonds

Anlagestrategie

Der B.A.U.M. Fair Future Fonds ist ein Aktienfonds. Das Fondsmanagement verfolgt eine langfristige Anlagestrategie. Letzteres spiegelt sich in einer geringen Portfolioumschlaghäufigkeit wider, die sich im vergangenen Geschäftsjahr im einstelligen Prozentbereich bewegt hat. Die Auswahl der Titel erfolgt in einem mehrdimensionalen, integrierten Auswahlprozess auf Basis sozial-ökologischer Anlagekriterien. Der Fonds investiert in die Branchen und Unternehmen, die die sich mit den wichtigen Zukunftsmärkten wie u.a. Energie, Ressourceneffizienz, Infrastruktur, Bauen und Wohnen, Mobilität, Wasser, Gesundheit, Abfallvermeidung oder Digitalisierung unter Beachtung nachhaltiger Aspekte beschäftigen. Der Fonds orientiert sich an keiner Benchmark, die einem sektoralen oder geografischen Ansatz folgt, sondern fokussiert sich ausschließlich auf Unternehmen, die den oben genannten Kriterien entsprechen. Zugleich wird kein Best-in-Class-Ansatz bei der Nachhaltigkeitsprüfung angewandt. Das bedeutet, dass Öl- und Gasunternehmen nicht im Portfolio sind. Zu Vergleichszwecken wird in diesem Artikel der MSCI Europe Small Cap Index (EUR) aufgrund des hohen Europa-Exposure des B.A.U.M. Fair Future Fonds als Maßstab herangezogen.

Portfoliostruktur

Der Fokus des Fonds liegt auf Industrieunternehmen, die IT-Branche sowie Gesundheit, die zusammengenommen mehr als 50 Prozent des Fondsvolumens ausmachen. Im Mittelpunkt stehen kleinere Unternehmen. Die Hälfte der investierten Titel erwirtschaften einen Umsatz von nicht mehr als 1 Mrd. Euro. Wert gelegt wird auf eine granulare Portfoliostruktur. Die Top 10-Positionen machen rund ein Sechstel des Fondsvolumens aus. Insgesamt hat der Fonds etwa 100 Positionen. Geographisch liegt der Schwerpunkt mit 75 Prozent des Portfolios auf Europa. Ein Drittel des Fonds besteht aus deutschen Titeln. Schweizerische, amerikanischen und japanische Unternehmen machen insgesamt 25 Prozent aus. In der Währungsstruktur dominiert Euro (60 Prozent), gefolgt von Dollar und Schweizer Franken mit jeweils rund 10 Prozent. Die Kassenposition liegt bei rund 15 Prozent.


Quelle: Factsheet Ultimo September, Anteilklasse B, Universal Investment
 

Performance und Volatilität des B.A.U.M. Fair Future Fonds

Der B.A.U.M. Fair Future Fonds hat seit seiner Auflage am 1. Oktober 2018 bis Ende September 2021 eine absolute Performance von 47,27 Prozent erzielt. Das entspricht einer durchschnittlichen Performance von 13,8 Prozent pro Jahr. Während der Fonds im Auflagejahr 2018 eine negative Wertentwicklung verzeichnete, weist der Fonds sowohl in den Jahren 2019 und 2020 als auch Year-to-Date eine positive Wertentwicklung im zweistelligen Prozentbereich auf. Zum Vergleich: Die jährliche Rendite des MSCI Europe Small Cap Index (EUR) der vergangenen 3 Jahre belief sich auf 11,2 Prozent (Stand 30.09.2021). 


Quelle: Factsheet Ultimo September, Anteilklasse B, Universal Investment


Quelle: Factsheet Ultimo September, Anteilklasse B, Universal Investment

Ausgeglichenes Chancen-Risiko-Verhältnis

Die hohe Anzahl kleinerer Portfoliotitel bedingt eine geringere Liquidität und in der Folge höhere Volatilität des Portfolios. Das Fondsmanagement legt Wert darauf, ein für den Anleger vorteilhaftes Risiko-Rendite-Verhältnis anzubieten, indem sie einen Ausgleich zwischen höherer Ertragschance und für die Assetklasse typischen höheren Wertschwankungen sicherstellt. Die Volatilität beläuft sich auf 15,21 Prozent. Zum Vergleich: Der MSCI Europe Small Cap Index (EUR) weist im selben Zeitraum eine Volatilität in Höhe von 21,85 Prozent aus (Stand 30.09.2021).

In das Verhältnis gesetzt mit der Rendite ergibt sich ein Sharpe Ratio von 0,94 über einen Zeitraum von 3 Jahren. Damit ist das historische Rendite-Risiko-Verhältnis vorteilhafter als dasjenige des MSCI Europe Small Cap Index (EUR) – das Sharpe Ratio beträgt hier 0,60. (Stand 30.09.2021).


Quelle: Eigene Darstellung, beruhend auf Universal Investment und MSCI-Factsheet, Stand 30.09.2021, Anteilklasse B

Fazit

Den nachhaltigen Mittelstand stärken steht beim B.A.U.M. Fair Future Fonds an erster Stelle. Die Kursentwicklung seit Auflage des Fonds zeigt darüber hinaus, dass sich eine konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit für Anleger*innen ökonomisch auszahlt – auch im Marktvergleich. Mit laufenden Kosten von 0,82 Prozent für die Anteilklasse B weist der Fonds ein attraktives Kostenprofil für einen aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds auf. Dies spiegelt sich auch in der dynamischen Zunahme des Fondsvolumens mit monatlichen Nettozuflüssen auch während der Covid-19-Pandemie wider. Lag das Fondsvolumen Ende 2020 noch bei 82 Mio. Euro, so liegt es per 30.09.2021 bei 156 Mio. Euro.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war. LinkedIn

Christian Pass arbeitet als Senior Experte Portfoliomanagement im Fondsadvisory der GLS Investments, wo er für das Management des B.A.U.M. Fair Future Fonds verantwortlich ist. Zuvor hat er u.a. als Berater für Finanzdienstleistungsunternehmen gearbeitet. Herr Pass hat einen Master in Finance an der European Business School absolviert und ist CFA Charterholder.

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,2 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand: 08.10.2021).
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Wichtige Hinweise zu den ökonomischen Aussagen dieses Artikels (Disclaimer)

Risikohinweis

Die Angaben dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung oder ein Angebot bzw. eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen dar. Sie richten sich nicht an natürliche und juristische Personen, deren Wohn- bzw. Geschäftssitz einer ausländischen Rechtsordnung unterliegt, die für die Verbreitung derartiger Angaben Beschränkungen vorsieht, insbesondere nicht für US-amerikanische Staatsbürger oder Personen mit Wohnsitz bzw. ständigem Aufenthalt in den USA. Alleinige Grundlage für den Kauf von Fondsanteilen sind die Verkaufsunterlagen (die wesentlichen Anlegerinformationen, der aktuelle Verkaufsprospekt inklusive Anlagebedingungen sowie der letztverfügbare Halbjahres- und Jahresbericht). Eine aktuelle Version der Verkaufsunterlagen in deutscher Sprache erhalten Sie kostenlos in Papierfassung bei der Verwahrstelle, der Kapitalverwaltungsgesellschaft sowie im Internet unter www.universal-investment.com und www.gls-investments.de. Das Investmentvermögen weist ein nicht auszuschließendes Risiko erhöhter Volatilität auf, d.h. in kurzen Zeiträumen nach oben oder unten stark schwankender Anteilspreise. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung und garantiert nicht notwendigerweise positive Entwicklungen in der Zukunft. Bei der Darstellung der Wertentwicklung handelt es sich um Nettowerte. Der Wert kann sich um individuell anfallende Depotkosten vermindern. Hinweise zu Chancen und Risiken entnehmen Sie bitte den aktuellen Verkaufsunterlagen.

Für Sie geeignet, wenn Sie

Nicht für Sie geeignet, wenn Sie

  • in eine faire Zukunft investieren wollen
  • soziale und ökologische Kriterien berücksichtigen möchten
  • erhebliche Wertschwankungen in Kauf nehmen
  • höhere Ertragschancen bei entsprechend höheren Risiken akzeptieren
  • eine langfristige Depotbeimischung wünschen
  • Anteile jederzeit zum aktuellen Tageswert verfügen möchten
  • keine erheblichen Wertschwankungen akzeptieren
  • Ihr Kapital nur kurz- bis mittelfristig anlegen möchten
  • einen sicheren Ertrag anstreben
  • mögliche Wechselkursverluste gegenüber Anlegerwährung nicht akzeptieren
  • keine erheblichen Wertschwankungen akzeptieren
  • Ihr Kapital nur kurz- bis mittelfristig anlegen möchten
  • einen sicheren Ertrag anstreben
  • mögliche Wechselkursverluste gegenüber Anlegerwährung nicht akzeptieren


Quelle der Daten:
 Die Angaben zu den ökonomischen Kennzahlen (Wertentwicklung/Performance, Kosten, Volatilität, Sharpe Ratio) beziehen sich alle auf die für institutionelle Investoren konzipierte Anteilklasse B, die im Vergleich zur Anteilklasse A ein vorteilhafteres Kostenprofil für Investoren aufweist. Anteile an der Klasse B sind ab einer Mindestanlagesumme von 200.000 Euro erwerbbar.

Stand der Daten: Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich alle Angaben auf den 30.09.2021.

Erläuterung zur Kostenquote: Die Gesamtkostenquote gilt für das aktuelle Geschäftsjahr und errechnet sich aus den Kosten des abgelaufenen Geschäftsjahres (01.09.2019 bis 31.08.2020). Die Gesamtkostenquote drückt sämtliche vom Sondervermögen im Jahresverlauf getragene Kosten und Zahlungen (ohne Transaktionskosten) im Verhältnis zum durchschnittlichen Nettoinventarwert des Sondervermögens aus.

Bei der Darstellung der Wertentwicklung handelt es sich um Nettowerte. Der Wert kann sich um individuell anfallenden Depotkosten vermindern. 

Sharpe-Ratio: Die Sharpe Ratio ist die Differenz zwischen erzielter Performance p.a. und risikolosem Zins (Citigroup Euro 3 M TR (EUR)) p.a., dividiert durch die Volatilität. Sie lässt sich daher als "Risikoprämie pro Einheit am eingegangenen Gesamtrisiko" interpretieren. Grundsätzlich ist es umso besser, je höher sie ist (hohe Performance bei geringem Risiko). Auf Grund ihrer Konzeption als relative Größe können Sharpe Ratios verschiedener Portfolios sowohl untereinander als auch mit der Benchmark verglichen werden.

Das eigene Zuhause gewinnt im Zuge der Pandemie an Bedeutung

von Tobias Just und Rupert K. Eisfeld, beide IREBS – Universität Regensburg.

Folgt man Berichten in Medien und Immobilienmarktprofessionals hatte die Covid-19-Pandemie bisher keine Auswirkungen auf die deutschen Wohnungsmärkte: Wohnungen sind vielerorts weiterhin knapp, und die Mieten und Preise sind bis zuletzt weiter gestiegen.

Diese Darstellung ist richtig und doch in (mindestens) dreifacher Hinsicht zu holzschnittartig. Erstens reagieren Wohnungsmärkte sehr langsam auf Schocks; Anpassungen benötigen mitunter Jahre. Wir erleben aktuell zunächst nur die unmittelbaren Auswirkungen. Immerhin. Zweitens greift der reine Blick auf die eingetretene Entwicklung dahingehend zu kurz, weil der Referenzpunkt fehlt. Ein richtiger Referenzpunkt ist aber nicht Stagnation, sondern wie sich die Märkte ohne die Pandemie entwickelt hätten. Dies hätte stürmischer oder weniger dynamisch sein können. Doch ohne ein Referenzszenario ist eine Analyse der Pandemieeffekte nicht sinnvoll. Drittens schmelzt das Eingangsstatement viele kleinräumige und qualitative Details und Verschiebungen zu einer einzigen Aussagelegierung zusammen. Das ist wie gesagt nicht falsch, aber manchmal lohnt es sich eben zusätzlich auf die Unterschiede hinter den Details zu achten.

In diesem Standpunkt gehen wir auf den dritten Aspekt ein und zeigen anhand von Analysen zum Internetsuchverhalten von Menschen in Deutschland, dass mit Verschiebungen in den Wohnpräferenzen zu rechnen ist. Es kam nämlich über viele Monate zu statistisch signifikanten Abweichungen darin, nach welchen Wohnungsattributen Menschen im Internet suchten im Vergleich zu den Quartalen vor der Pandemie.1

Die Analyse von Internet-Suchanfragen ist in den letzten Jahren zu einem regelrechten eigenen Forschungszweig gewachsen, da die investierte Zeit als klares Zeichen für die Suchbereitschaft gilt. Dann lässt sich eben auch vermuten, dass Veränderungen in den Suchanfragen einen gewissen Vorlauf zu Marktbewegungen haben (Choi & Varian 2012). Für Immobilien sind die Wirkungsverzögerungen natürlich länger als für Güter des täglichen Bedarfs, aber Bezüge sind hier feststellbar (Hohenstatt et al. 2011; Dietzel et al. 2014).

Mit „Google Trends“2 lassen sich z.B. die Suchanfragen für immobilienwirtschaftlich relevante Begriffe im Kontext der COVID-19-Pandemie analysieren: Wie häufig googelten Menschen z.B. nach den Begriffen „Garten“ oder „Balkon“. Die Suchanfragen werden dann auf wöchentlicher Basis zur Verfügung gestellt, der Wert mit den höchsten Suchanfragen erhält den Wert 100 zugeordnet, alle anderen werden entsprechend kalibriert. Absolute Zahlen gibt es also nicht, daher sind alle weiteren Auswertungen zunächst eher Indikationen für mögliche Bewegungen – ob die relativen Veränderungen nämlich reichen, um harten, nennenswerten Marktbewegungen vorauszulaufen, bleibt zum Teil abzuwarten.

Tatsächlich kam es in den Lockdown-Phasen zu einer deutlichen Veränderung im Suchverhalten, die vielfach als Bedeutungsgewinn des Wohnens und mitunter auch des Wohneigentums interpretiert werden könnten. Bestimmte Wohnungsmerkmale, die nämlich zudem im städtischen Umland angeboten werden, wurden häufiger gesucht. Neben die qualitativen Nachfrageverschiebungen könnten also auch regionale Verschiebungen treten.

Für die folgenden Grafiken wurde wie folgt vorgegangen: Es wurde zunächst für den Zeitraum von 2018 bis zum Beginn der Pandemie ein Trend berechnet. Dieser wurde dann für die Pandemie fortgeschrieben und dient als Referenzszenario. Weichen die realisierten Suchverläufe deutlich ab – hier außerhalb eines Prognoseintervalls, in dem sich 95% aller möglichen Werte befinden müssten – wurde dies besonders hervorgehoben. Hier können wir mit hoher statistischer Sicherheit von einer nennenswerten und dann wohl auch durch die Pandemie bewirkten Abweichung sprechen.

Die folgenden Abbildungen veranschaulichen, dass deutlich häufiger als vor der Pandemie nach „Haus kaufen“ oder „Balkon“ oder „Garten“ gesucht wurde. Der Zugang zur eigenen Freifläche, zur eigenen Grünfläche sprechen für eine Bedeutungsverschiebung wichtiger Wohnungsmerkmale: Vergleicht man zum Beispiel die Mittelwerte für „Haus kaufen“ und „Balkon“ vor der Pandemie mit jener während der Pandemie zeigt sich eine Zunahme der Suchanfragen von 26,6% bzw. 70,1%. Da Häuser viel seltener innerstädtisch als in der Peripherie erworben werden, spricht der starke Anstieg der Suchanfragen auch für eine Nachfrageverschiebung nach außen vor die Kernstädte.

Abbildung 1: Suchanfragen nach "Haus kaufen" (höchster Wert = 100), Lockdown-Phasen und linearer Trend bis zur 13. Kalenderwoche 2020. Rot: Unerwartet deutliche Abweichung. Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Nun muss man gerade bei solchen Schocks vorsichtig sein, ob Menschen nicht angesichts der Besonderheit der Situation erst einmal nur suchen, ohne zu handeln. Dies ist natürlich möglich, doch dagegen spricht, dass auch außerhalb der Lockdown-Phasen zum Teil heftige Abweichungen feststellbar sind. Außerdem wird in der Studie gezeigt, dass eben nicht nur Änderungen im Suchverhalten messbar waren. Für die weiteren Parameter verweisen wir auf die vollständige Studie.

Abbildung 2: Suchanfragen nach "Balkon" (höchster Wert = 100), Lockdown-Phasen und linearer Trend bis zur 13. Kalenderwoche 2020. Rot: Unerwartet deutliche Abweichung. Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Auch nach Wohnungen mit Arbeitszimmern wurde deutlich häufiger gesucht als das zuvor gezeigte Suchverhalten hätte nahelegen können. Die Abweichungen liegen zum Teil weit außerhalb des 95%-Intervalls.

Abbildung 3: Suchanfragen nach "Arbeitszimmer" (höchster Wert = 100), Lockdown-Phasen und linearer Trend bis zur 13. Kalenderwoche 2020. Rot: Unerwartet deutliche Abweichung. Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Und natürlich gibt es hier einen direkten Zusammenhang mit der Verlagerung des eigenen Arbeitsplatzes ins Homeoffice (Abbildung 4). Die Suche nach Arbeitszimmern war stärker eine transitorische Frage als die Suche nach dem Hauserwerb.

Abbildung 4: Suchanfragen nach "Homeoffice" und nach „Arbeitszimmer“ (höchster Wert = 100). Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Aktuell gehen die Infektionszahlen in Deutschland wieder hoch. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob die 4. Welle begonnen hat, sondern nur noch wie heftig sie ausfällt und ob dies auch angesichts relativ hoher Impfquoten zu ähnlichen Einschränkungen wie 2020 und zum Beginn des Jahres 2021 führen muss. Und in diesem Sinne stellt sich dann auch die Frage, ob es zu ähnlich starken Impulsen für geänderte Wohnpräferenzen kommen könnte. Dies steht sicherlich in direkter Verbindung zu den noch folgenden Maßnahmen. Werden nur wenig invasive Maßnahmen ergriffen, werden weniger Haushalte um eine Anpassung der Wohnverhältnisse bemüht sein. Doch gerade weil Immobilienkäufe mitunter jahrelange Vorbereitungen erfordern, dürfte jede weitere Welle der Unsicherheit im Zuge der Pandemie einige Haushalte, die zuvor eben nur gesucht hatten, auch zum Handeln führen. Für die innerstädtischen Mietmärkte dürfte dies tendenziell entspannend wirken. Die Mieten und vor allem Preise im Umland (wohl nicht im ländlichen Raum) dürften dann sogar weiterhin stark steigen. Und weil dies quasi eine „Single-Auskoppelung“ ist, verweisen wir für weitere Ergebnisse der Studie auf die Langspiel-Datei (siehe unten).


1) Für die anderen beiden Aspekte verweisen wir auf die Ergebnisse der Studie Eisfeld, Just (2021). Der Link zur Studie findet sich am Ende dieses Standpunkts.
2) https://trends.google.de

Dieser Standpunkt zeigt ein Teilergebnis aus der Studie: Eisfeld, R.K., Just, T. (2021). Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die deutschen Wohnungsmärkte. Hans-Böckler-Stiftung Study Nr. 74, September 2021. Die Studie kann kostenlos hier heruntergeladen werden.

Zum Weiterlesen:

  • Choi, H., & Varian, H. (2012). Predicting the present with Google Trends. Economic record, 88, 2-9.
  • Dietzel, M. A. & Braun, N. & Schäfers, W. (2014). Sentiment-based commercial real estate forecasting with Google search volume data. Journal of Property Investment & Finance, 32(6), 540-569.
  • Hohenstatt, R. & Käsbauer, M. & Schäfers, W. (2011). " Geco" and its potential for real estate research: Evidence from the US housing market. Journal of Real Estate Research, 33(4), 471-506.

Langfristige Diversifikation mit Technologie- und Internetwerten

Jan Beckers, Chief Investment Officer von BIT Capital, gibt einen Einblick, wie es zur Gründung des Fonds kam und welche Werte für ihn interessant sind. Er beschreibt den Investmentprozess und spricht über die Tauglichkeit des Fonds für Institutionelle Investoren.

Institutional Access to Investments in the Nordic Regions

Patrick Anderson, the CEO of United Bankers from Helsinki, speaks in an altii interview about the attractiveness of the Nordic regions for institutional investors. He talks about the direction of his company and focuses on important investment strategies.

Impact-Steuerung von Portfolien – was Investoren beachten müssen

von Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation, GLS Investment Management.

Wirkung oder Impact ist das Wort der Stunde am Kapitalmarkt. Viele Fondsanbieter wollen mit ihren Finanzprodukten „einen Beitrag leisten“, „im Einklang sein“ bzw. „einzahlen“ auf die nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen („SDGs“) oder das Pariser Klimaschutzabkommen.

Über diese Marketingversprechen wird mit Einführung der Offenlegungsverordnung sowie der EU-Taxonomie ein einheitlicher Regulierungsrahmen gezogen. Künftig müssen Fondsanbieter über die nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Investitionen berichten oder die Gesamtnachhaltigkeitswirkung von Finanzprodukten offenlegen. Damit wächst der Anreiz aber auch Druck für viele Investoren, ihr Gesamtportfolio nicht nur nach finanziellen Kennzahlen, sondern auch sozialen und ökologischen Auswirkungen zu steuern.

Eine Lösung wäre, bestimmte Wirkungsziele auf Ebene des Gesamtportfolios zu etablieren, z.B. eine Verringerung der CO2-Emissionen oder des Wasserverbrauchs. Dies ist in der Praxis eine Herausforderung, die aufgrund ihrer technischen Komplexität gut durchdacht sein sollte.

Herausforderung 1: Bestimmung des Impactpotenzials einer Assetklasse

Ein Investor kann nur dann eine Wirkung erzielen, wenn durch sein Handeln ein erkennbarer sozialer oder ökologischer Nutzen („Additionalität“) gestiftet wird, beispielsweise mehr menschenwürdige Arbeitsplätze, ein höherer Anteil an erneuerbare Energien, etc.

Aus verschiedenen Assetklassen ergeben sich unterschiedliche Impactpotenziale. Ein alternativer Investmentfonds stellt Eigen- oder Fremdkapital direkt den Unternehmen zur Verfügung. Ein Wertpapierfonds kauft i.d.R. Aktien oder Anleihen über den Börsenhandel von einem anderen Investor. Aufgrund der unterschiedlichen Kapitalströme ist es nicht möglich – wie leider häufig am Markt zu beobachten ist – , eine direkte Zuordnung von Wirkung unabhängig von der Berücksichtigung der Assetklasse vorzunehmen. Daher müssten Investoren zunächst ausdifferenzieren, welche Impact-Potenziale ihre verschiedenen Assetklassen haben.

Herausforderung 2: Ermittlung des Impact der spezifischen Assetklasse

Impact Investing ist bisher ein Nischenthema gewesen. Es gibt bis heute keine allgemein standardisierten Verfahren, um den Impact einzelner Assetklassen zu ermitteln. Im alternativen Investmentfondsbereich können Investoren auf Vorarbeiten aus der Entwicklungsfinanzierung zurückgreifen. Staatliche Entwicklungsbanken wie die niederländische FMO oder die KfW-Tochter DEG haben Ansätze entwickelt, welche die tatsächliche Wirkung ihrer Finanzierungen nachhalten sollen (z.B. Development Effectiveness Rating). Ebenfalls wurden durch Initiativen wie dem Global Impact Investing Network (GIIN) erste Indikatorensets wie IRIS+ entworfen, um Wirkungskennzahlen zu ermitteln.

Demgegenüber ist die Lage bei Wertpapierinvestitionen unübersichtlich. So genannte SDG-Scoring-Modelle oder Klima-Portfolio-Daten von Wertpapierfonds verführen häufig zu Fehlschlüssen. Das tatsächliche Impactpotenzial in dieser Assetklasse liegt woanders: Im Dialog mit Unternehmen und durch die Teilnahme an Kapitalmaßnahmen unterfinanzierter Unternehmen.

Herausforderung 3: Datenerhebung

Die größte Herausforderung ist die Sammlung und Analyse von Daten. Im Wertpapierfondsbereich beschränken sich Investoren derzeit auf einfache Output-Faktoren wie Umsatz – ein Vorgehen, welches durch die Taxonomie weiter verstärkt werden wird. Die Ermittlung indirekter Wirkketten, z.B. durch Engagement, ist darüber hinaus quantitativ (derzeit) nicht möglich.

Investoren im alternativen Fondsbereich haben einen besserer Zugang zu investierten Unternehmen. V.a. Entwicklungsbanken haben einzelne aussagekräftige Indikatoren geschaffen, z.B. Reduktion der CO2-Emissionen oder Schaffung von Arbeitsplätzen. Sie setzen Geschäftsaktivitäten in Kontext mit den Gegebenheiten vor Ort oder sektorspezifischen Anforderungen. Dies ermöglicht eine tiefere Analyse, inwieweit der Output von Unternehmen tatsächlich zu Outcome und dann einen spezifischen Impact führen kann (siehe Grafik). Diese Analysen sind sehr komplex, kostenintensiv und erfordern ein umfangreiches Know-how über die Gegebenheiten vor Ort.


Quelle: European Venture Philanthropy Association, 2015

Herausforderung 4: Aggregation und Reporting des Impacts

Asset-Klassen und ihre Impactpotenziale unterscheiden sich. Dies macht ein umfassendes Reporting erforderlich, in welchem Investoren Potenziale aber auch Grenzen ihrer Impact-Aktivitäten darlegen. Angetrieben durch die Regulierung ist derzeit ein Trend zur Aggregation und Simplifizierung heterogener Daten erkennbar. Es wird dann häufig nicht mehr unterschieden, welche Wirkung ein Investor selbst hat, sondern das investierte Unternehmen.

Die hohe Verdichtung von Daten führt dazu, dass ihre Aussagekraft stark abnimmt bzw. Raum für Interpretationen lässt. Was möchte der Anbieter eines Aktienfonds sagen, wenn er angibt, mehr als 50 Prozent seines Portfolios trüge zu den SDGs bei? Wer ehrlich und transparent über seine Wirkung berichten will, darf sich Stand heute nicht zu sehr an der gängigen Marktpraxis oder gesetzlichen Vorgaben orientieren und muss Anleger*innen auch komplexe Wahrheiten zumuten.

Fazit

Das Gesamtportfolio nach bestimmten Impactzielen zu steuern ist in der Praxis sehr komplex und voller technischer Herausforderungen. Investoren haben die Wahl: Sie können „einfache Impact-Wahrheiten“ suchen, wie sie z.T. durch regulatorische Entwicklungen begünstigt werden. Oder sie können nach tatsächlichem Impact streben und über die damit verbundenen zahlreichen Hürden berichten. Der erste Weg mag auf den ersten Blick verführerischer sein. Doch wer seine Rolle als nachhaltiger Investor ernst meint, sollte diese Sisyphosarbeit nicht scheuen. Es bleibt zu hoffen, dass Anleger*innen sowie der Gesetzgeber diese Mühen eines Tages auch belohnen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war. LinkedIn

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,1 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand: 05.08.2021).
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

BRW Finanz AG: Kundenfokussierung in der Vermögensverwaltung

Frau Kerstin Borchardt spricht im altii Interview über die stringente Kundenfokussierung und das Wachstum der BRW Finanz AG. Sie ist im Vorstand des Vermögensverwalters und zeigt wie die Bedürfnisse der Investoren in den Mittelpunkt gestellt werden.

Mit Ethik die Kapitalanlage wertvoller gestalten

von Samuel Drempetic, Head of Ethics and Sustainability der Steyler Ethik Bank.

„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“ heißt es in der Verfassung des Freistaates Bayern. Die Praxis zeigt leider, dass dies nicht immer der Fall ist. Gerade die Finanzwirtschaft beweist leider oft genug, dass das goldene Dreieck der Geldanlage – bestehend aus Rendite, Sicherheit und Liquidität - einen höheren Stellenwert erhält als gesellschaftliche Werte. Dennoch spielt für viele Menschen eine weitere Dimension eine immer wichtigere Rolle. Konkret geht es um die Frage, welche unternehmerische Aktivität gut und moralisch ist. Gewinne sind aus dieser Perspektive weder Selbstzweck, noch rechtfertigen sie die Wahl der Mittel. 

In den vergangenen Jahren wurde gerade die Welt der Finanzwirtschaft um einige Begriffe reicher, die viele vor Jahrzenten dort nicht gesehen haben. Sie alle zielen auf Werte ab, die über reines Renditestreben hinausgehen: Nachhaltigkeit, ökologische, soziale und Governance-Kriterien (kurz ESG) sowie die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, bekannt als SDGs sind die prominentesten Beispiele hierfür. Mittlerweile wird in vielen Bereichen auch nicht mehr gefragt, ob die oben genannten Kriterien berücksichtigt werden sollen. Vielmehr stellt sich zunehmende die Frage, wie sie integriert werden können. Gerade das Engagement der EU für eine nachhaltige Finanzwirtschaft hat hier für einen enormen Schub gesorgt und jede Krise wird mittlerweile zurecht in den internationalen Kontext der Nachhaltigkeit gesetzt.

Ein Nischendasein hat jedoch weiterhin das ethische bzw. ethisch-nachhaltige Investment – der Ursprung des nachhaltigen Geldanlegens. Der Begriff ethisches Investment ist nicht eindeutig definiert, ebenso wie nachhaltiges Investment. In der wissenschaftlichen Literatur wird er mal als ursprünglicher Begriff für verantwortliches Investment gesehen, mal als Überbegriff. Als Ursprung gilt er, da die Religionsgemeinschaften der Quäker und Methodisten schon vor rund 200 Jahren Ausschlusskriterien für die Investition ihrer Gelder schufen, die als ethisches Investment bezeichnet wurden. Ähnliche Ansätze finden sich in diversen Religionen und religiösen Gemeinschaften. Die wichtigste Intention gläubiger Menschen ist dabei, kein Geld mit Produkten und Dienstleistungen zu verdienen, die sie grundsätzlich ablehnen. 

Spricht man über ethisches Investment, so ist dies nicht klar von einem nachhaltigen Investment abzugrenzen. Und häufig kommen beide Begriffe im Doppelpack als ethisch-nachhaltiges Investment daher, was die Grenzen noch einmal mehr verschwimmen lässt.

Auch wenn ethisches-nachhaltiges Investment aufgrund der Begriffsherkunft und geschichtlicher Vorbilder überwiegend mit Kirche bzw. allgemein mit Religion assoziiert wird, ist diese Verbindung nicht zwangsläufig. Christliche, jüdische oder muslimische Wertvorstellungen sind häufig Ausgangspunkt für ethisch-nachhaltiges Investment, aber es gibt ebenso nicht-religiöse Begründungen. Unseres Erachtens nach sollte man das Thema auch nicht auf die moralischen Kategorien von „gut“ oder „schlecht“ reduzieren. Vielmehr stellt sich die Frage, mit welchen Produkten und Dienstleistungen man Geld verdienen will bzw. was man unterstützen möchte. Ein Nicht-Investment oder auch Divestment ist nicht automatisch mit einer Verurteilung gleichzusetzen. Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis als Nachhaltigkeitsexperte der Steyler Ethik Bank soll dies verdeutlichen: Die Bewaffnung der Polizei ist unseres Erachtens moralisch nicht verwerflich. Schließlich erfüllt die Polizei wichtige hoheitliche Aufgaben und dient damit unserer Gesellschaft. Dennoch möchten wir als nachhaltiger Investor mit christlichen Wurzeln nicht an der Produktion von Waffen Geld verdienen. Das staatliche Gewaltmonopol stellen wir damit selbstverständlich nicht infrage.

Ethik wird im allgemeinen Sprachgebrauch sehr oft mit Moral verwechselt. Die Ethik reflektiert jedoch nur das gesellschaftliche und individuelle Handeln. In der Reflexion ist es aber durchaus relevant, welche Wertevorstellung zugrunde gelegt wird.

Ethisches Investment ist kompliziert. Die Grenzen sind nicht eindeutig und durch individuell Vorstellungen bestimmt. Doch einer Gesellschaft, die allzu oft in den Schwarz-Weiß-Mustern denkt, fällt es manchmal schwer auszuhalten, dass es Graustufen gibt. Einige Investoren sehen ein Problem darin, dass die ESG Scores von Ratingagenturen nicht übereinstimmen. Der Frust ist einerseits verständlich, weil er die Arbeit der Investoren schwieriger macht. Andererseits zeigt sich hier schlicht, dass Nachhaltigkeit nicht auf einem Grundkonsens aufbaut, sondern ethisch begründet wird. Und je nach kulturellen Wertvorstellungen der Marktteilnehmer kommt es damit zu ganz unterschiedlichen Bewertungen. So sehen einige in der Nuklearenergie eine Chance, CO2-Emissionen zu reduzieren und dem Klima zu helfen. Andere lehnen die Technik als gefährlich für den Menschen ab und verweisen auf die ungelöste Frage sicherer Endlager. 

Eine vergleichbare Bewertung ist also nur unter der Annahme möglich, dass alle dieselbe Wertevorstellung teilen. Beim nachhaltigen Investment wird in letzter Zeit der Ruf nach einer einheitlichen Definition lauter. Genau in diese Richtung führt auch die Taxonomie-Verordnung der EU. Dennoch wird ethisch-nachhaltigem Investment seine Individualität behalten. Und in den meisten Fällen wird ethisch-nachhaltiges Investment den gesellschaftlichen definierten Nachhaltigkeitszielen nicht im Weg stehen.

Ethische Geldanlage ist kein Selbstläufer. Wer in diesem Feld mitmischen will, muss bereit sein, immer wieder um die besten Lösungen und Ansätze zu ringen. Denn ehrenwerte Motive allein, führen noch nicht zum gewünschten Ergebnis. Ein Beispiel aus dem Bereich der Arbeits- und Menschenrechte. In der aktuellen Pandemie haben viele Näherinnen und Näher ihren Job verloren oder wurden über einen längeren Zeitraum nicht gebraucht und folglich nicht bezahlt. Das dies zu enormen sozialen Problemen führt, ist offensichtlich. Doch wem wollen wir hierfür die Schuld geben? Zumal in einer Welt, in der die Verantwortlichkeiten durch internationale Arbeitsteilung nicht so leicht zuzuordnen sind. Ist das Zulieferunternehmen, das mangels Aufträgen Personal freigestellt hat, der Bösewicht? Oder ist es eher der weltbekannte Hersteller von Sportartikeln, der die Aufträge wegen fehlender Nachfrage storniert hat, während er trotz Corona weiter große Gewinne einfährt? Kritisieren kann man auch die Staaten, die sich – anders als Deutschland – kein Kurzarbeitergeld leisten konnten, wodurch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Armut stürzten. Und welche Rolle spielt der ethisch-nachhaltige Investor selbst? Darf er auf Kosten der Arbeiterinnen und Arbeiter von den Gewinnen der Unternehmen profitieren, die Teil dieser Lieferkette sind, ungeachtet der oben beschriebenen Probleme?

Ein anderes Beispiel aus dem Bereich der nachhaltigen Entwicklungsziele, die bei immer mehr Finanzprodukten berücksichtigt werden: Handelt man als Investor ethisch und nachhaltig, indem man in ein Krankenhaus investiert. Reicht also als Begründung aus, dass der Gesundheitssektor nach der Logik der SDGs dem Entwicklungsziel 3 „Good Health & Well-Being“ zugeordnet wird? Wie geht man dabei mit privaten Krankenhausketten um, die in vielen Ländern die Corona-Pandemie als eine Gelegenheit der Gewinnmaximierung gesehen haben – teilweise auf Kosten des Staates oder der Angestellten? Dieses Verhältnis von Medizin und Ökonomie ist als ethisch-nachhaltiger Investor durchaus zu diskutieren. Dabei reicht es eben nicht die Dienstleistung einem SDG zuzuordnen und sich als Investor wegen der guten Tat auf die Schulter zu klopfen. 

Ethisches Investment bedeutet Diskussion, Reflexion und ständiges Infragestellen der aktuellen Meinung. Ethisch-nachhaltiges Investment ist nicht aus einer Nachhaltigkeitsdatenbank abzulesen. Es ist mehr als nur das Anwenden von Zahlen und Scores. Es ist eine Auseinandersetzung mit sich und den eigenen Werten ohne die Verurteilung anderer Ansätze.


Samuel Drempetic

Als Head of Ethics and Sustainability verantwortet Herr Samuel Drempetic seit Mitte 2018 alle Themen rund um Nachhaltigkeit bei der Steyler Ethik Bank. Dies umfasst sowohl die eigene Nachhaltigkeit der Bank als auch die Überprüfung der Investments. Der diplomierte Volkswirt und Pädagoge betreut die beiden Gremien Ethik-Anlagerat und Ethik-Ausschuss.

Die Steyler Ethik Bank

Die Steyler Ethik Bank ist Anbieter von fairen Finanzdienstleistungen. Sie wurde 1964 vom katholischen Orden der Steyler Missionare gegründet und steht allen Privatkunden offen, unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung. Die Bank investiert nach sozialen und ökologischen Kriterien und ist Initiator von drei nachhaltigen Publikumsfonds der Marke Steyler Fair Invest. Seit ihrer Gründung förderte die älteste ethische Bank Deutschlands mit über 100 Millionen Euro Steyler Hilfsprojekte in 80 Ländern. www.steyler-ethik-bank.de, www.steyler-fair-invest.de

Kontakt

Oliver Müller, Senior Sales Manager DACH | Steyler Fair Invest
Steyler Bank GmbH, Arnold-Janssen-Str. 22, D-53757 Sankt Augustin
Telefon: 02241 120 51 72, E-Mail: oliver.mueller@steyler-fair-invest.de
www.steyler-fair-invest.de

Investieren in Megatrends: Smart Food

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien.

Zwischen Klimawandel-Ängsten und Coronapandemie ist ein Thema in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund getreten, das eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit darstellt: die gesunde und nachhaltige Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung.

Gewaltige Herausforderungen

Im Jahr 2050 werden 9,8 Milliarden Menschen die Erde bevölkern, rund zwei Milliarden mehr als gegenwärtig. Dieser Bevölkerungszuwachs ist in doppelter Hinsicht problematisch: Zum einen gilt es, zwei Milliarden mehr Menschen zu ernähren. Zum anderen bedeutet ein solcher Bevölkerungszuwachs zwangsläufig einen weiteren Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen und einen noch größeren Bedarf an natürlichen Ressourcen aller Art. Hinzu kommt, dass hunderte Millionen Menschen in höhere Einkommensklassen aufsteigen – und damit wird ihr Speiseplan umfangreicher und ihre Ernährungsgewohnheiten ändern sich. Man erinnere sich, dass sich auch in Europa vor noch gar nicht so langer Zeit große Teile der Bevölkerung eine Fleischmahlzeit nur hin und wieder leisten konnten. Gleichzeitig müssen trotz wachsender Nahrungsmittelproduktion Treibhausgasemissionen vermindert und weitere Umweltschäden vermieden werden.

Neue Konzepte und neue Trends...

Um diese Herausforderungen zu meistern, bedarf es neuer Konzepte, sowohl für unsere Ernährung als auch für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie, um künftig die gesamte Menschheit nachhaltiger und gesünder ernähren zu können. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daran. Nahrungsmittel werden dabei ja nicht nur konsumiert, um zu sättigen. Sie sind auch ein Genussmittel und dieser Aspekt wird mit steigendem Lebensstandard immer bedeutsamer. Je weniger sich jemand darum sorgen muss, ob er seinen Hunger stillen kann, umso mehr wird er sich darum kümmern können und wollen, wie er ihn am besten stillen kann.

Neben Sattwerden und Genießen legen immer mehr Menschen Wert auf weitere wichtige Gesichtspunkte: Qualität, Fairness und Transparenz beim Handel, Herstellung unter ethisch und ökologisch vertretbaren Bedingungen und vieles mehr. Mit wachsendem Problem- und Gesundheitsbewusstsein reduzieren dabei viele Menschen freiwillig ihren Fleischkonsum, greifen mehr zu Bioprodukten oder bevorzugen in ihrer Lebensregion erzeugte Lebensmittel. So ernähren sich zum Bespiel bereits heute 52 % der Deutschen „flexitarisch“, das heißt, sie essen an drei oder mehr Tagen in der Woche kein Fleisch. In Österreich haben sich (laut AMA Marketing) die Ausgaben für Bio-Lebensmittel 2020 um mehr als ein Fünftel erhöht und liegen nun bei 714 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gab ein durchschnittlicher, österreichischer Haushalt über 190 Euro für frische Bioprodukte aus.

...bedeuten auch neue Investmentchancen und -risiken

Das Thema Ernährung und die damit verbundenen Wachstumschancen finden inzwischen auch an den Finanzmärkten immer stärkere Beachtung. Um daran zu partizipieren, wurde Smart Food als neuer Sub-Trend in den Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien aufgenommen. Unter diesen Wachstumstrend fallen speziell Nahrungsmittel, die sowohl die Gesundheit als auch das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise biologisch angebaute Produkte, vegane und vegetarische Lebensmittel, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, aber auch spezielle Sportlernahrung, wie Energieriegel oder Proteinshakes.

Smart Food im Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien

Der Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien investiert dabei zum einen in Lebensmittelhersteller, die gesunde und nachhaltig erzeugte Lebensmittel herstellen (Sunopta oder Bellring Brands). Im Fondsportfolio finden sich zum anderen Zulieferer (DSM, Kerry Group), aber auch Unternehmen, die Altöle und Fette recyclen und wiederverwenden (Darling Ingredients). Bei der Auswahl der Unternehmen wird stark auf Nachhaltigkeit geachtet. Im Fokus stehen ein geringer CO2-Abdruck, niedriger Wasserbedarf und minimale Nahrungsmittelverschwendung.

Ein wichtiges Thema im Bereich gesunder und nachhaltiger Ernährung ist der zunehmende Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte. Das Unternehmen Sunopta etwa erzeugt Milch und Milchprodukte aus Hafer, Soja und Hanf und wies in den letzten Jahren starke Wachstumsraten auf. Auch ihr Geschäft mit funktionalen Lebensmitteln, also gesunden Snacks wie etwa Obstriegel, war in den letzten Jahren sehr profitabel.

Leistungsnahrung für Sportler ist ein weiterer wichtiger Baustein des Themas Smart Food. Ein bedeutendes Unternehmen in diesem Bereich ist Bellring Brands, vielen Sportlern mit den Energieriegeln oder Protein-Shakes der Marke „Power Bar“ und „Dymatize“ bekannt. Das Unternehmen konzentriert sich damit auf ein stark wachsendes Segment, in dem derzeit hohe Gewinnmargen erzielt werden können.

Unternehmen wie DSM oder Kerry Group sind weltweit führende Hersteller von Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminen, Enzymen, Geschmackstoffen oder probiotischen Kulturen. Damit sorgen sie nicht nur dafür, dass die Lebensmittel besser schmecken, sondern hauptsächlich auch dafür, dass sie weniger Fett und Zucker enthalten und somit insgesamt gesünder für den Menschen sind.

Ein besonders heißes Thema im Bereich Smart Food ist derzeit im Labor gezüchtetes Fleisch. Noch gibt es allerdings kein börsennotiertes Unternehmen, das sich speziell auf diesen Bereich konzentriert und eine Marktreife für solche Produkte liegt noch in weiter Ferne. Zugleich sollte man nie unterschätzen, wie schnell sich zuweilen neue Technologien und Produkte herausbilden und etablieren können. Langweilig wird es im Bereich Smart Food jedenfalls ganz sicher nicht!

Fazit

Unsere Ernährung und alle Prozesse rund um Erzeugung und Transport unserer Nahrungsmittel sind in einem regen Wandel begriffen, bei dem gleich mehrere drängende Herausforderungen zeitgleich zu meistern sind. Das eröffnet sowohl neue Chancen als auch neue Risiken für bestehende und neu auf den Markt drängende Anbieter. Daher ist hier eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Smart Food engagieren.