Unter Solvency II zeigen Wandelanleihen ihre Qualitäten

von Lutz Morjan, Head of Insurance bei NN Investment Partners.

Mit der Zuweisung von Eigenmittelerfordernissen auf Basis ökonomischer Risiken verlangt Solvency II nach einer kritischen Prüfung der Risikoallokation. Die rückläufigen Renditen für Staats- und Unternehmensanleihen haben zu einer Senkung der von ihnen zukünftig zu erwartenden Renditen geführt. Ihr Preisrisiko hat zugenommen. Wandelanleihen (oder Convertible Bonds) sind Investments mit ähnlichen Risikoeigenschaften wie konventionelle Anleihen, deren erwartete Renditen aber an Aktienrenditen gekoppelt sind. Wir zeigen in dieser Ausgabe, dass sie ein effizientes Solvency II-Investment sind.

Mehr zu Convertible Bonds finden Sie in altii-Spezial.

WANDELANLEIHEN IN DER ASSET ALLOKATION

Wandelanleihen weisen wegen der Verknüpfung einer Anleihe mit der Option auf einen Aktienbezug eine asymmetrische Rendite- und Risikogestaltung auf. Theoretisch und empirisch untermauert erwarten wir Renditen für Wandelanleihen in Abhängigkeit davon, ob Aktien steigen oder fallen:

  • Bei steigenden Aktienmärkten: 60 bis 70% der Aktienrenditen
  • Bei fallenden Aktienmärkten: 30 bis 40% der Aktienrenditen
  • Langfristige Renditen von Wandelanleihen entsprechen den durchschnittlichen Aktienrenditen.

Ein Beispielportfolio aus Wandelanleihen weist etwa ein aggregiertes Solvenzkapitalerfordernis (SCR) für das Marktmodul von 18,3% bei einer Aktiensensitivität von 44% auf.* Das Verhältnis von SCR und Aktiensensitivität liegt somit bei 41%. Unsere Strategie hat eine mit Aktien vergleichbare Performance erzielt, dabei jedoch weniger als 50% der Aktienpreisschwankungen nachvollzogen.

Die Preisentwicklung eines Wandelanleiheportfolios ist vorteilhafter als ein Kombinationsportfolio aus Anleihen und Aktien mit gleichem Risiko. Zum einen ist der Preisrückgang bei fallenden Aktienmärkten bei Wandelanleihen begrenzt. Zum anderen weist das Kombinationsportfolio ein intrinsisches Durationsrisiko auf, wogegen Wandelanleiheportfolios historisch keine oder eine negative Korrelation mit Zinsen aufweisen.

Bei einem beschränkten SCR-Budget können Wandelanleihen deshalb ein Weg zur Minimierung des SCR, bei gleichzeitiger Maximierung der erwarteten Renditen sein.

SOLVENCY EFFIZIENTE WANDELANLEIHE- PORTFOLIOS

In der Vergangenheit wurden Portfolios nicht primär für eine SCR-Effizienz konstruiert, da das Regelwerk noch nicht in Kraft ist. Bei der Analyse unserer eigenen Wandelanleihestrategie haben wir jedoch Wege zur Erhöhung der Solvency II-Effizienz analysiert. So können  durch Anwendung von einigen Richtlinien bei der Portfoliokonstruktion die SCR-Kennnzahlen weiter verbessert werden:

  • Vermeidung von Cross-Currency-Wandelanleihen, bei denen die Hauptnotierung der zugrundeliegenden Aktien in einer anderen Währung erfolgt als die Anleihewährung.
  • Vermeidung von High Yield-Anleihen mit hohen Solvenzkapitalerfordernissen
  • Portfoliofokus auf 30% bis 50% Aktiensensitivität mit optimaler Konvexität.

Unter Anwendung dieser Regeln besteht die Möglichkeit, das SCR für das Marktmodul auf 15% oder niedriger zu reduzieren, bei einer gleichbleibenden Aktiensensitivität von etwa 40%. 

*Die Zahlen basieren auf dem NN (L) Global Convertible Opportunities Fonds von NN Investment Partners.