„Autotexting ermöglicht mehr als die Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen!“

Anders als Menschen können Computer innerhalb weniger Sekunden enorme Datenmengen auswerten und die wichtigsten Aussagen als Text darstellen. Johannes Bubenzer, Geschäftsführer von 2txt, spricht im Interview mit altii über die Anwendungsfelder von automatischer Textgenerierung im Asset Management. Einen Workshop von Herrn Bubenzer zum Thema "Automatic Content Generation" finden Sie in der altii academy.

altii: Herr Bubenzer, Sie sind Geschäftsführer von 2txt, einem Berliner Start-Up, das sich auf das Feld Textgenerierung spezialisiert hat. Was können wir uns darunter vorstellen?

Johannes Bubenzer: Textgenerierung ist ein Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz und bezeichnet Software, die in der Lage ist, aus Daten vollautomatisch Texte zu erzeugen. Die dabei entstehenden Texte sind so hochwertig, als hätte sie ein Mensch geschrieben. Nur dass ein Mensch nicht innerhalb von Sekundenbruchteilen gigantische Datenmengen durchsucht, die wichtigsten Themen und Kernaussagen herausfindet und diese in Textform bringt - die Textgenerierungssoftware aber schon. Textgenerierung wird in immer mehr Branchen wie zum Beispiel im E-Commerce, im News- und im Finanzbereich erfolgreich eingesetzt.

altii: Wie könnte eine Anwendung zum Beispiel für den Fondsbereich aussehen?

Bubenzer: Zu den Aufgaben eines Fondsmanagers gehört es monatliche, quartärliche oder auch jährliche Reportings zu erstellen. In diesen Reportings wird die Performance der einzelnen Fondsbestandteile analysiert und in Beziehung zu Referenzwerten gesetzt. Die Arbeit solche Reportings zu erstellen, kann heutzutage leicht von einer Textgenerierungsanwendung übernommen werden. Dadurch gewinnt der Fondsmanager viel Zeit, die er dann stattdessen etwa in die optimale Zusammenstellung seiner Fonds investieren kann.

altii: Haben Sie einen solchen Report-Generator im Einsatz?

Bubenzer: Tatsächlich arbeiten wir aktuell an einer leistungsstarken Lösung für den Finanzbereich. Wir haben ein großes EU-Forschungsprojekt für Innovationstechnologie gewonnen, mit dem wir die nötige Grundlagenarbeit leisten und konkrete Anwendungen entwickeln können. In diesem Projekt geht es unter anderem darum, unsere Software für den Bereich Fonds und Aktien fit zu machen. Aktuell sprechen wir mit verschiedenen Unternehmen aus der Finanzbranche, um ihre konkreten Bedürfnisse und Ideen als Projektpartner in unserem Forschungsprojekt zu berücksichtigen.

altii: Suchen Sie noch weitere Projektpartner?

Bubenzer: Wir freuen uns über jedes Unternehmen, welches das disruptive Potential der Textgenerierung erkennt und mit uns kooperieren möchte. Es gibt gerade in der Finanzbranche noch viele Bereiche, in denen Textgenerierung einen großen Mehrwert stiften kann. Wir sind auch weiterhin immer an gut vernetzten Partnern mit hoher Expertise im Finanzbereich interessiert.

altii: Gibt es Themen, die für eine Partnerschaft besonders interessant sind?

Bubenzer: Inhaltlich sind für uns besonders Bereiche spannend, in denen es um den Vergleich und die Interpretation der Entwicklung von Indizes, Fonds, Währungen oder anderen Werten geht. Interessant sind dabei natürlich besonders Ideen, die mit konkreten Geschäftsmodellen verknüpft sind und ganz konkrete Probleme in der Finanzbranche lösen.

altii: In letzter Zeit hört und liest man immer öfter über Textgenerierung. Wie kommt das gesteigerte Interesse zustande?

Bubenzer: Das Thema wird tatsächlich immer stärker wahrgenommen, nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Investorenszene und in den Unternehmen, die ja am Ende von unseren Lösungen profitieren. Begünstigt wird die Entwicklung durch stetig wachsende Datenmengen, die von Menschen per Hand gar nicht mehr interpretiert und analysiert werden können. Ein weiterer Faktor ist die stetig steigende Rechenpower und das Cloud-Computing, welches komplexe Analysen von Daten und Textgenerierung in ansprechender Zeit erst möglich machen. Nicht zu Letzt ist die Textgenerierung auch als ein Teil eines branchenübergreifenden Trends zur Automatisierung wissensbasierter Arbeit zu sehen.

altii: Es gibt unterschiedliche Anbieter und Ansätze bei der Textgenerierung, was sind die Unterschiede?

Bubenzer: Es gibt Unterschiede auf mehreren Ebenen: Zum einen ist da die Frage, wie viel Sprachverständnis die Software tatsächlich mitbringt? Es gibt Ansätze, wo die Maschine tatsächlich so schlau ist, dass sie Sprache in all ihren Facetten selbstständig bilden kann. In einem anderen Ansatz setzt der Generator seine Texte aus Textschnipseln zusammen, die vorher von Redakteuren eingetippt worden sind. Zum anderen gibt es erhebliche Unterschiede dabei, wie tief greifend ein Themengebiet von der Maschine verstanden wird. Auch hier reichen die Ansätze von eher einfachen Ad-hoc-Lösungen bis hin zu einem Detailgrad, der dem Wissensstand eines echten Experten nahekommt.

altii: Und welchen Ansatz verfolgen Sie bei 2txt?

Bubenzer: Wir setzen voll auf „Tiefe Textgenerierung“. Dabei werden sprachliche aber auch inhaltliche Aspekte eines Themas sehr tief gehend bearbeitet. Unsere Texte sind dadurch sprachlich sehr vielfältig und unser Generator ist innerhalb von Themenfeldern sehr flexibel einsetzbar. Er zeichnet sich außerdem dadurch aus, dass er auf unvorhergesehene, neue und unbekannte Ereignisse reagieren kann und diese korrekt vertextet.

altii: Welche Sprachen unterstützt Ihre Software zurzeit?

Bubenzer: Im Moment kann unsere Software Texte auf Deutsch generieren, Englisch unterstützen wir ebenfalls bald. Der genaue Zeitplan für weitere Sprachen ist noch nicht festgelegt.

altii: Heutzutage wird viel über die Künstliche Intelligenz geredet. Welchen Status hat Textgenerierung innerhalb der Künstlichen Intelligenz?

Bubenzer: Textgenerierung ist ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz. Viele Experten gehen heute ja davon aus, dass wir uns durch die Fortschritte der Künstlichen Intelligenz am Beginn einer neuen industriellen Revolution befinden. Diese Revolution wird die Welt, in der wir leben, vollkommen verändern. Die Fähigkeit von Maschinen, Geräten und digitalen Diensten zu sprechen, um mit Menschen zu kommunizieren, wird ein wichtiger Teil davon sein. Textgenerierung ermöglicht das und ist deswegen eine Schlüsseltechnologie bei der Entwicklung wirklich smarter und intelligenter Systeme.

altii: Danke für das Gespräch.

Kontakt:
Johannes Bubenzer, +49 30 558 765 26, bubenzer@2txt.de, http://2txt.de/