Die CORONA-KRISE: Welche Auswirkungen hat dies für Anleger*innen?

Interview mit Karsten Kührlings, Leiter Investmentfonds & Research der GLS Bank, zur aktuellen Marktentwicklung (Stand: 19.03.2020)

Herr Kührlings, diese Tage sind nichts für Anleger*innen mit schwachen Nerven. Können Sie uns kurz die Hintergründe für die Kursrückgänge erläutern?

Es gibt zwei Ursachen für die massiven Kursrückgänge. Einerseits ergeben sich erhebliche wirtschaftliche Verwerfungen aus der Corona-Pandemie. Diesen kann sich kaum ein Unternehmen auf der Welt entziehen. Zum zweiten findet ein massiver Ölpreisverfall statt, der auf eine wirtschaftliche Auseinandersetzung zwischen Russland und Saudi-Arabien zurückzuführen ist.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Alle, wenn auch im unterschiedlichen Ausmaß. Unter dem Ölpreisverfall leiden insbesondere die großen Ölkonzerne. Auch Aktien von Unternehmen aus dem Rohstoffsektor, der Konsumgüterindustrie oder der Finanzindustrie sind im hohen Maße rückläufig. Dies gilt ebenso für Unternehmen aus der Luftfahrt- und Tourismusindustrie.

Was bedeutet die aktuelle Marktentwicklung für GLS Investmentfonds?

Selbstverständlich konnten sich auch unsere Fonds nicht der aktuellen Marktentwicklung entziehen und haben signifikante Kursrückgänge verzeichnet. Im Vergleich zu gängigen Marktindizes ist die Marktentwicklung unserer Fonds aber durchaus nicht so schlecht. Wir investieren bewusst in zukunftsweisende Geschäftsfelder, wie sie in unseren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen beschrieben sind. Das sind Unternehmen, die Telearbeitslösungen anbieten statt Dienstreisen, Erzeuger Erneuerbarer Energien statt fossiler Energien. Im Portfolio befinden sich keine Fluglinien, keine Kreuzfahrten, keine Anbieter von Massentourismus. Wir haben auch sehr granulare Portfolien, um bewusst Klumpenrisiken zu vermeiden. Insbesondere in Krisenzeiten zahlt sich das aus.

Wie reagieren die Anleger*innen?

Unsere Berater*innen sind im engen Austausch mit unseren Kund*innen. Viele haben derzeit Gesprächsbedarf. Insgesamt reagieren unsere Investoren aber sehr besonnen. Wir verzeichnen keine Mittelabflüsse. Im Gegenteil, in den vergangenen Tagen haben wir sogar Mittelzuflüsse gehabt.

Das heißt, es gibt derzeit keinen Grund angesichts der aktuellen Marktentwicklung Anteile zu verkaufen?

Wir können hier keine pauschalen Kauf- und Verkaufsempfehlungen aussprechen. Dafür gibt es ja Beratungsgespräche. Ganz allgemein lässt sich sagen: Bei aller Sorge sollten Anleger*innen nicht vergessen, dass Panik-Verkäufe so ziemlich das schlechteste sind, was sie ihrem Vermögen antun können. In der Regel stabilisieren sich die Kurse nach Panikperioden. Anleger*innen sollten daher ihre Anteile als langfristiges Investment betrachten und auch größere Schwankungen aushalten. Dies entspricht auch unserer eigenen Anlagephilosophie. Wir verstehen uns als Buy- and Hold-Investor, der starke nachhaltige Unternehmen langfristig begleitet. Diesem Grundsatz werden wir auch in den kommenden Monaten treu bleiben. Denn wir sind überzeugt, dass die Aussichten für Aktien langfristig weiterhin gut sind.

Ist vielleicht sogar der Zeitpunkt gekommen, nachzukaufen?

Es ist ja eine alte Börsenweisheit, dass Kursrückgänge auf lange Sicht ein Mittel sein können, um Fondsanteile nachzukaufen. Doch müssen Anleger*innen sich einer Gefahr bewusst sein: Wenn sie zu früh kaufen und die Kurse weiter fallen, greifen sie in ein „fallendes Messer“. Deswegen raten viele Börsenexpert*innen, nicht alles auf einmal zu investieren, sondern über einen längeren Zeitraum sukzessive nachzukaufen.

Wie werden sich die Börsen in der Zukunft entwickeln?

Die derzeitige Situation ist für alle Beteiligten neu. Daher sind seriöse Aussagen über die Kursverläufe derzeit nicht möglich. Viele Experten, etwa große Investmenthäuser oder Börsenjournalisten, publizieren regelmäßig Markteinschätzungen, an denen sich Anleger*innen orientieren können. Wir haben organisatorisch alle Voraussetzungen geschaffen, um auch in den kommenden Wochen und Monaten im vollen Maße einsatzbereit zu sein. Unsere Portfolioberatung wird wie bereits in den vergangenen Tagen und Wochen den Markt sehr genau beobachten und vorsichtig im Interesse der Anleger*innen agieren.


Weitere Informationen zur Kursentwicklung der Fonds:

Informationen zu Chancen und Risiken: Die hier vorliegenden Aussagen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen dar. Investmentfonds weisen auf Grund ihrer Zusammensetzung und ihrer Anlagepolitik ein nicht auszuschließendes Risiko erhöhter Volatilität auf, d.h. in kurzen Zeiträumen nach oben oder unten stark schwankender Anteilpreise. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind die Verkaufsunterlagen (Wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt, Jahres- und Halbjahresbericht) zum Investmentvermögen. Verkaufsunterlagen zu allen Investmentvermögen sowie den ökonomischen Kennzahlen sind kostenlos bei Ihrem Berater / Vermittler, der zuständigen Verwahrstelle / Depotbank oder bei Universal-Investment unter www.universal-investment.com bzw. IP Concept unter www.ipconcept.com erhältlich.

Karsten Kührlings

Karsten Kührlings hat in den vergangenen fünf Jahren das Investmentfondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds sowie den B.A.U.M. Fair Future Fonds an.

Weiterführende Informationen zum GLS Bank Klimafonds:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de