Themen-ETFs – Zukunftstrend oder Mode?

Themenfonds sind bei Anlegern zurzeit populär – egal ob ETF oder aktiver Fonds. Ein häufig genannter Grund dafür ist, dass Themenfonds nachvollziehbar und klar umgrenzt sind. Doch handelt es sich nicht einfach wieder um eine neue Mode in der Finanzbranche, bei der alle mitmachen? Philipp von Königsmarck, Head of Wholesale bei Legal und General Investment Management (LGIM) für Deutschland und Österreich, erklärt, worauf Finanzberater bei der Auswahl eines Themenfonds achten sollten:

„Themen-ETF ist nicht gleich Themen-ETF. Ein Themenfonds sollte sich dadurch auszeichnen, dass er strukturell langfristige Entwicklungen in Wirtschaft sowie Gesellschaft abbildet. Dabei geht es darum, solche Unternehmen zu identifizieren, die durch ihre innovativen Geschäftsmodelle überholte Modelle ablösen. Wichtig: Der Markt muss sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden, damit der Anleger das Wachstumspotenzial ausschöpfen kann. 

Wer erkennen möchte, ob ein Themen-ETF tatsächlich einen Zukunftstrend abbildet und nicht nur einem Hype folgt, sollte die folgende Faustregel berücksichtigen: Ein Thema entfaltet erst dann eine große Dynamik, wenn mindestens zwei der drei weltweiten Megatrends „Technologie“, „Energie & Ressourcen“ und „Demografie“ aufeinandertreffen. Ein Beispiel: Wenn technologischer Fortschritt auf eine wachsende Anzahl von kranken Menschen trifft, dann entsteht beispielsweise das Investmentthema „disruptive Gesundheitstechnologien“. Oder: Wenn Technologie auf den Trend „Energie & Ressourcen“ stößt, dann ist etwa die Entwicklung von Energiespeicherung ein relevantes Thema.

Branchenstandards – Blick in den Rückspiegel

Aber aufgepasst, das alleine reicht nicht! Denn in vielen Portfolios, die einen solchen Trend abbilden, befinden sich auch Unternehmen, die nur geringe Umsätze in diesem Feld erzielen. Meist handelt es sich dabei um reine Branchenfonds. Viele dieser Branchenfonds verwenden den Global Industry Classification Standard (kurz: GICS) von MSCI oder S&P zur Einordnung der jeweiligen Unternehmen zu einem Thema. Der Haken an der Sache: Der GICS wurden in den letzten 20 Jahren nur zwei Mal (!) verändert – zuletzt 2018.

Ein weiterer Haken: Nutzt ein Fonds die Standard-Klassifikation, setzt er auf die Gewinner von gestern. Denn in den meisten Indizes, die sich an den GICS orientieren, sind die Unternehmen nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Das heißt, die Unternehmen, die den höchsten Börsenwert haben, sind am stärksten vertreten. Die möglichen Gewinner von morgen fallen bei einer solchen Methodik durch das Netz. Sie haben die erforderliche Marktkapitalisierung (noch) nicht erreicht. Aber genau hier schlummert ihr Wachstumspotenzial.

Unser Fazit: Eine Kategorisierung, die sich an der Vergangenheit orientiert, ist nicht dafür geeignet, Zukunftsthemen für Kunden zu identifizieren. Im nächsten Kommentar erklären wir, wie Anleger Wachstumspotenziale der Zukunft erschließen können, anstatt auf die Vergangenheit zu setzen.


Wichtige Risikowarnung

Der Wert einer Investition und die daraus erzielten Erträge sind nicht garantiert und können sowohl steigen als auch fallen; Anleger erhalten möglicherweise nicht den ursprünglich investierten Betrag zurück.