Nachhaltigkeit braucht Beteiligung

Das „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ in Berlin hat am 26. November 2020 ihre begehrten FNG-Siegel vergeben. Unter den mit der Bestnote „3-Sterne“ ausgezeichneten Investmentfonds befindet sich auch der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix von Raiffeisen Capital Management. Der Fonds zählt – mit einem Volumen von mittlerweile rund 3 Mrd. Euro – zu den größten nachhaltig gemanagten Publikumsfonds Europas. Er ist der größte österreichische Publikumsfonds und trägt maßgeblich dazu bei, nachhaltige Investments in die Breite zu bringen.

Was charakterisiert den Fonds und warum zählen so viele Anlegerinnen und Anlegern auf dieses Investment? Ein Interview mit Thomas Motsch, hauptverantwortlicher Fondsmanager des Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix.

Warum entscheiden sich so viele Anlegerinnen und Anleger dazu, ihr Geld in den Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix zu legen?

Das hängt sehr stark mit seiner ausgewogenen Ausrichtung zusammen. Das Fondsportfolio ist relativ stabil in 50 % Aktien und 50 % Anleihen aufgeteilt. Diese Struktur bildet die Basis des Portfolios. D.h. bei Gewichtungsveränderungen als Folge von Anteils- oder Marktbewegungen erfolgt ein laufendes Rebalancing. In extremen Ausnahmesituationen ist ein vorübergehendes taktisches Abweichen im Sinne einer Risikoreduktion möglich.

Welche Auswirkungen haben diese strategischen Überlegungen auf die Entwicklung des Fonds?

Renten waren und sind ein Stabilitätsanker und Diversifikationsinstrument, auch wenn sie derzeit nur einen sehr geringen absoluten Ertrag beisteuern können. Aktien sind demgegenüber der langfristig sehr viel stärkere, aber auch volatilere und riskantere Renditebringer.

Der ESG-Ansatz des Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix wurde vom Forum Nachhaltige Geldanlagen mit einem „3-Sterne-Siegel“, der Bestnote, ausgezeichnet. Woran orientiert sich der Ansatz im Aktienbereich?

Wir sehen uns als einen der Pioniere und als Qualitätsführer in Österreich bei nachhaltigen Investments. Dies wird durch eine Vielzahl von Auszeichnungen und regelmäßigen Top-Bewertungen durch unabhängige Dritte untermauert. Wir verfolgen dabei einen eigenen, sehr umfassenden Nachhaltigkeitsansatz. Dieser beinhaltet unter anderem Ausschluss- und Negativkriterien, Positivkriterien, bezieht eine umfangreiche Stakeholder-Bewertung ein, definiert Schlüssel-Performancefaktoren, berücksichtigt auch eine SDG-Analyse (SDG= nachhaltige Entwicklungsziele der UN) und greift auf einen eigens geschaffenen und berechneten Raiffeisen ESG-Score zurück. Er umfasst zudem – im Unterschied zu vielen anderen Investmenthäusern – regelmäßige Kommunikation mit den Unternehmen zum Thema nachhaltiges Wirtschaften (Engagement) und ein entsprechendes Abstimmungsverhalten bei Aktionärsversammlungen. Wir ruhen uns aber nicht auf unseren Leistungen aus, sondern entwickeln unseren Nachhaltigkeitsansatz stetig weiter.

Auf welcher Basis werden die Einzeltitel ausgewählt?

Wie bereits angesprochen erstellen wir aus einer Vielzahl von Daten unseren eigenen ESG-Score. Diese Nachhaltigkeits-Kennzahl wird kombiniert mit Kennzahlen und Details zur finanziellen Unternehmenssituation. Nur wer in beiden Disziplinen gut abschneidet und gewisse Mindeststandards erfüllt, hat eine Chance auf Aufnahme ins Fondsportfolio. In diesem Zusammenhang wird der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix regelmäßig für seine hohe Managementqualität ausgezeichnet. Er trägt zahlreiche angesehene Nachhaltigkeits-Zertifizierungen, neben dem FNG-Siegel mit der höchstmöglichen Bewertung von drei Sternen auch das österreichische Umweltzeichen.

Wie gehen Sie bei Anleihen vor?

Der Raiffeisen-ESG-Score gilt für das gesamte Unternehmen. Diesbezüglich besteht also kein Unterschied bei der Einschätzung von Aktien- und Unternehmensanleihen desselben Emittenten. Für Staaten gibt es hingegen ein eigenes Set an Kriterien, da man diese nicht mit derselben Methodik beurteilen und kategorisieren kann wie Unternehmen.

Wie ist der Fonds durch dieses – nicht gerade einfache – Jahr gekommen?

Unsere Anlagestrategie ist breit diversifiziert und der Fonds daher gut aufgestellt für verschiedenste Marktphasen. Selbstverständlich hilft das nur sehr eingeschränkt bei einem generellen Aktiencrash, wie wir ihn im Frühjahr erlebten. Der Fonds hat dabei weniger stark verloren als der vergleichbare Gesamtmarkt. An der Aufwärtsbewegung seit dem Frühjahr hat er gut partizipiert. Dank seiner Qualitätsausrichtung war der Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Mix bereits vor der COVID-19 Pandemie in vielen von der Krise stark betroffenen Sektoren nicht investiert, wie etwa Öl-Exploration, Airlines und Flughäfen. Im Gegensatz dazu haben andere Sektoren besonders von der Pandemie profitiert, die bereits davor unter Nachhaltigkeits-Gesichtspunkten im Fokus standen, zum Beispiel Digitalisierung, Informationstechnologie, Gesundheit.

Hat Covid-19 und die damit verbunden Lockdowns das Investment-Thema „Nachhaltigkeit“ aus dem Blickwinkel der Investoren gedrängt?

Nein, ganz im Gegenteil. Covid-19 hat ein noch stärkeres Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit auch bei Investoren geschaffen und den Blickwinkel darauf sogar geschärft. War bislang bei vielen Anlegerinnen und Anlegern das E – für Umwelt – bei der ESG-Integration das dominierende Kriterium, so haben sowohl die soziale Komponente (S) als auch die Unternehmensführung (G) an Bedeutung gewonnen. Themen wie medizinische Versorgung, Mitarbeiterbindung oder verantwortungsvolle Unternehmensführung sind in den Fokus vieler Diskussionen gerückt. Allerdings ohne dadurch die Umweltthemen zu verdrängen, denn auch diese haben durch Covid-19 weiter massiv an Relevanz gewonnen.

Welche Branchen sind im Sinne der Nachhaltigkeit für den Fonds interessant?

Es gibt einige wenige Branchen, in die wir grundsätzlich nicht investieren, wie Tabak, Waffen oder Glücksspiel. In anderen ist ein sehr selektives Agieren geboten, etwa bei Versorgern, wo wir beispielsweise prinzipiell keine Atomstromerzeuger berücksichtigen. Generell lässt sich aber konstatieren, dass der Nachhaltigkeits-Trend immer mehr und nahezu alle Branchen erfasst, natürlich in unterschiedlichem Umfang und Tempo. Wir suchen und finden daher fast überall Unternehmen, die verantwortungsvoller und nachhaltiger wirtschaften als ihre Mitbewerber oder die innovative Nachhaltigkeitslösungen entwickeln. Letztere sind für uns oft besonders interessant, und sie finden sich beispielsweise vermehrt in Branchen wie erneuerbare Energien, Recycling und IT. Die Mitarbeiter und ein guter Umgang mit ihnen sind dabei übrigens tatsächlich sehr oft ein eminent wichtiges Asset, jenseits von Sonntagsreden und Lippenbekenntnissen.

Auf welchen Anlegertyp zielt der Fonds ab?

Einerseits auf Menschen, die bewusst nachhaltig leben und dies in der Geldanlage berücksichtigen wollen. Andererseits auf Anlegerinnen und Anleger, die vom Megatrend Nachhaltigkeit überzeugt sind, und davon ausgehen, dass nur ein derartiges Investment wirklich zukunftsfähig ist. Durch die ausgewogene Mischung von Aktien und Anleihen sprechen wir mit diesem Fonds eine breite Schicht an Investoren an. Dies ist uns insofern auch sehr wichtig, damit wir mit möglichst hoher Beteiligung an Investoren eine möglichst positive Wirkung in Bezug auf Umwelt und Gesellschaft erzielen können.