Keine Angst vor volatilen Märkten

11.03.2014 - Die Aktienmärkte sind für viele Anleger unerwartet holprig ins neue Jahr gestartet. Prognostizierten die meisten Experten zum Jahreswechsel ein weiterhin freundliches Aktienumfeld, scheint der Optimismus jetzt einer höheren Nervosität gewichen zu sein. Während Börsenturbulenzen der natürliche Feind vieler Anleger sind, nutzen Volatilitäts-Manager sie als Renditequelle und um Portfolios wetterfest zu machen. 

Wie schnell die Nervosität an die Kapitalmärkte zurückkehrt, hat sich letzten Sommer gezeigt, als die amerikanische Notenbank den Ausstieg aus ihrer ultra-lockeren Geldpolitik ankündigte. Und auch Ende Januar hat ein erheblicher Verkaufsdruck an den Aktienmärkten die Volatilitäten der meisten Anlageklassen nach oben schnellen lassen. Im Fokus standen dabei vor allem die Schwellenländer. 

Auffällig ist, dass der S&P 500 in den ersten zwei Monaten des neuen Jahres bereits an zwei Tagen einen Verlust von mehr als 2 Prozent zu verzeichnen hatte. Im gesamten vergangenen Jahr war dies nur vier Mal der Fall. Der die auf monatlicher Basis erwartete Schwankungsbreite des S&P 500 widerspiegelnde Volatilitätsindex VIX ist Anfang Februar in einer Woche um 65 Prozent nach oben geschnellt. Die vorherigen Peaks von Juni bis Oktober von 21,5 Prozent wurden dann durchbrochen. Dennoch ist an den Märkten keine Panik aufgekommen, was sich daran zeigt, dass die Intraday-Volatilität zum Teil deutlich höher war als die Schwankungsbreite auf Basis von Schlusskursen. Auch die implizite Volatilität des S&P 500 Index auf Jahressicht ist nur um 18 Prozent auf 17,4 Prozent gestiegen.

Ist die aktuelle Entwicklung also nur die Korrektur des Bullenmarkts? Wir erwarten, dass die Situation an den Schwellenländerbörsen, die Entwicklung der Unternehmens­gewinne und das Deflationsrisiko in der Eurozone die Anleger auch während der nächs­ten Monate beschäftigen sollten. Entsprechend gehen wir davon aus, dass die Volatilitäten 2014 wieder auf normale Niveaus steigen und zudem stärker oszillieren. 

Gerade in Zeiten größerer Kursschwankungen rückt die Volatilität nicht nur als Risikomaß, sondern auch als Assetklasse in den Fokus von Investoren. In Phasen, in denen die Märkte stark fallen, steigt nämlich die Volatilität sprunghaft an und kann somit zur Erwirtschaftung von Rendite und zur Absicherung von Portfolien genutzt werden. Volatilitätsbeimischungen sind aber auch wegen der häufig negativen Korrelation zu Aktien und Credit Spreads geeignet, das Risiko-Rendite-Profil von Aktien- und gemischten Portfolios deutlich zu verbessern. Ein Einstieg auf den aktuell relativ niedrigen Volatilitätsniveaus kann also als Absicherung gegen einen plötzlichen Schock genutzt werden. 

Zwei Kategorien von Volatilitätsstrategien haben sich inzwischen im Markt etabliert: marktneutrale Absolute-Return-Ansätze sowie direktionale Strategien. Marktneutrale Ansätze setzen auf Arbitragemöglichkeiten impliziter Volatilitäten innerhalb bestimmter Assetklassen oder Assetklassen übergreifend. Dabei lassen sich ineffiziente Bewertungen zwischen verschiedenen Laufzeitsegmenten ein und desselben Indexes oder zwischen unterschiedlichen Indizes arbitrieren. 

Ein Beispiel dafür ist die Convertible Bond Volatility Arbitrage Strategy. Diese verfolgt das Ziel, große Unterschiede der eingepreisten Volatilitäten bei Wandelanleihen und ­Optionen auf eine bestimmte Aktie mit gleicher Laufzeit und gleichem Ausübungspreis zu nutzen. Risikoreicher sind derzeit hingegen Short-Volatility-Strategien, da das Volatilitätsniveau noch vergleichsweise niedrig ist. 

Direktionale Ansätze basieren hingegen auf folgenden Renditequellen: 

  • Langfristiger Mean-Reversion-Prozess: Die Volatilität bewegt sich in Zyklen und tendiert immer wieder zu ihrem Mittelwert zurück. Für den EuroStoxx 50 liegt dieser langfristige Durchschnitt in der Größenordnung von 23 Prozent. Folglich kauft das Fondsmanagement Volatilität, wenn diese unter ihrem langfristigen Durchschnitt notiert, und verkauft Volatilität, wenn sie darüber liegt. Je stärker die Volatilität ausschlägt, desto stärker ist in der Regel auch die Gegenbewegung zurück zum Durchschnitt. Um davon zu profitieren, legt das Management eine Gewichtungsmatrix zugrunde und investiert umso stärker in Volatilität, je weiter sie sich von ihrem Mittelwert entfernt hat.
  • Kurzfristiges Oszillieren der Märkte: Darüber hinaus nutzt das Fondsmanagement auch kurzfristige Volatilitätsschwankungen in engeren Bandbreiten. Oszillieren die Volatilitäten beispielsweise innerhalb bestimmter Bereiche, kann das Management durch eine aktive Strategiegewichtung auf kurzfristige Markterwartungen setzen.
  • Ländergewichtung: Die Volatilitäten verschiedener Regionen sind nicht perfekt korreliert. Dies nutzt das Portfolio Management des global ausgerichteten Amundi Volatilitätsfonds, um mit unterschiedlichen Allokationen europäischer, amerikanischer und asiatischer Volatilitäten zusätzlich Rendite zu erwirtschaften.

Dass Volatilitäts-Strategien einen Aufschwung erfahren haben, liegt nicht zuletzt an der Weiterentwicklung der Derivatemärkte. So stehen Volatilitätsmanagern heute für die Umsetzung ihrer Ansätze zahlreiche Instrumente zur Verfügung. Amundi konzentriert sich dabei auf börsengehandelte Optionen, da diese die Märkte gut abbilden und sich selbst in Krisenphasen als liquide erwiesen haben. Um beispielsweise ein reines long Aktien­volatilitätsinvestment zu erhalten, investieren die Manager in Optionen und ­sichern Aktien- und Zinsrisiken über Futures ab. Als Restgröße bleibt so die implizite Volatilität isoliert übrig. 

 

Die Autoren

Eric Hermitte 
ist Co-Head Volatility, Arbitrage & Convertible Bonds und managt seit 1998 bei Amundi Volatilitätsfonds. Zuvor war er Optionshändler bei der Dresdner Bank. Eric Hermitte hat Ökonomie studiert und einen Postgraduate-Abschluss in Banking und Finance an der Université Paris Panthéon Sorbonne erworben.

Gilbert Keskin 
ist Co-Head Volatility, Arbitrage & Convertible Bonds. Nach einer Station im Research von Amundi managt er seit 2002 Volatilitätsfonds. Gilbert Keskin hat angewandte Mathematik und Computerwissenschaften an der Technischen Hochschule ENSIMAG studiert.

Amundi 
ist bereits seit 1999 als -Volatilitätsmanager aktiv und zählt mit einem verwalteten Anlagevolumen von 2,5 Milliarden Euro in Volatilitätsfonds zu den führenden Adressen in diesem Segment. Das Team umfasst 10 Anlagespezialisten.
Mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 750 Milliarden Euro1 ist Amundi der größte Vermögensverwalter in Europa2 und die Nummer neun weltweit2. Amundi ist in den wichtigsten Regionen in rund 30 Ländern präsent und bietet eine umfassende Produktpalette, die sämtliche Anlageklassen und die wichtigsten Währungen abdeckt. 

1 Stand: 30. September 2013. 
2 Quelle: IPE Top 400-Ranking