Wie ethische Investoren Green Bonds bewerten - Die Sicht der GLS Investments

Nachhaltige Anleihen erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit am Markt. Immer mehr Unternehmen, aber auch supranationale Institutionen oder Staaten begeben Anleihen, mit denen sie ihre Anstrengungen für mehr Klimaschutz oder soziale Gerechtigkeit unterstreichen wollen. Doch Vorsicht ist geboten. Nicht jede Anleihe hält, was sie verspricht. Worauf besonders zu achten ist, verrät Marieke Knußmann, Analystin aus dem Nachhaltigkeitsresearch der GLS Investment Management GmbH.

Frau Knußmann, die GLS Investment Management investiert über den GLS Bank Klimafonds in den Markt nachhaltiger Anleihen. Aus welchen Gründen sind Sie in dem Markt aktiv?

Wir sind eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der GLS Bank, dem Pionier für sozial-ökologisches Banking in Deutschland. Wir verstehen es als unsere Mission, Kapital dorthin zu lenken, wo es positiv wirkt – sowohl für die Umwelt als auch für die Gesellschaft. Genau dieses Versprechen geben die Emittenten nachhaltiger Anleihen. Die eingeworbenen Mittel fließen in Green Bonds, welche z.B. Erneuerbare Energien oder nachhaltige Mobilität, oder in Social Bonds, welche erschwinglichen Wohnraum finanzieren. Dies sind spannende Projekte, die wir für sehr attraktiv halten.

Wie gehen Sie vor, wenn eine nachhaltige Anleihe an den Markt kommt?

Wir haben intern einen eigenen Prüfprozess bei Anleiheemissionen installiert, der auf mehreren Stufen beruht. In diesem Prozess ist es wichtig, dass sowohl der Emittent als auch die Anleihe nachhaltig ist und unseren strengen Kriterien entspricht. Deswegen prüfen wir bestimmte Standards auf beiden Ebenen ab. Dies sehen wir als Auftrag unserer Kunden. Hier agieren wir aus unserer Sicht strenger als viele Wettbewerber am Markt.

Womit fangen Sie an?

Zunächst schauen wir uns den Emittenten an. Wir wollen verstehen, wie glaubwürdig er ist. Ist Nachhaltigkeit tief im Geschäftsmodell verankert oder ist es doch nur eher ein Werbeinstrument? Wir schauen uns dabei sehr genau an, wie der Emittent wirtschaftet. Wenn wir Umsätze entdecken, die sich aus fossilen Energien, Waffen oder kontroversen Geschäftspraktiken oder gar Kinderarbeit ergeben, dann investieren wir nicht. Erst wenn wir hier sicher sind, dass der Emittent hier nicht aktiv ist, schauen wir uns die Anleihe selbst an.

Welche Kriterien sind bei der Anleihe entscheidend?

Anfangs untersuchen wir, was der Emittent mit den Anleiheerlösen finanzieren möchte. Fließt das Kapital in Projekte, die unserem Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen? Bei Green Bonds bevorzugen wir Projekte, die den klimafreundlichen Transport, die Energieeffizienz von Gebäuden oder die Wasseraufbereitung in Emerging Markets unterstützen. Bei sozialen Anleihen orientieren wir uns an den Social Bond Principles der ICMA. Es geht also um bezahlbaren Wohnraum, Mikrofinanzierung oder Nahrungsmittelversorgung. In jüngster Zeit gewinnen aber auch Themen wie Diversität oder Geschlechtergerechtigkeit eine deutlich höhere Bedeutung für uns.

Wenn dies der Fall ist, wie gehen Sie weiter vor?

Wenn wir von den finanzierten Projekten überzeugt sind, prüfen wir die Prozesse und Transparenz des Emittenten. Wir schauen uns sehr genau die Second Party Opinion an. Wir wollen sicher sein, dass es ein ring fencing gibt. Emittenten sollten ein Framework haben, in dem sie ihre Kriterien öffentlich machen. Ebenso wichtig ist, dass Emittenten detailliert ihr Auswahlverfahren für die finanzierten Projekte beschreiben. Wir geben kein Geld in einen Blind Pool.

Damit ist unsere Arbeit nicht zu Ende. Wir schauen uns sehr genau das Impact Reporting an. Wir wollen wissen: Ist das Geld auch wirklich in die Projekte geflossen? Welche positiven Effekte hat die Finanzierung? Wie wurde dies gemessen? Zeigt sich ein zusätzlicher Nutzen?

Dann steht einer Investition nichts mehr im Wege, oder?

Wir sind ein ethischer Investor. Nachhaltigkeit lässt sich nicht nur in Zahlen ausdrücken. Deswegen gehen wir noch einen Schritt weiter: Auch wenn die meisten Vorzeichen gut aussehen, aber wir Bedenken haben, dann haben wir ein Vetorecht eingerichtet. Natürlich müssen Analysten dies begründen. Doch ist es uns wichtig, nicht nur auf kalte Zahlen und Fakten zu vertrauen, sondern auch auf den gesunden Menschenverstand. Es gibt immer tote Winkel, die selbst ein umfangreicher Bewertungsprozess nicht abdecken kann. Diese Bedenken offen äußern zu können, bereichert unsere Arbeit sehr.

Bei Anleiheemissionen muss es schnell gehen. Manchmal fehlt sicherlich die Zeit für eine ausführliche Analyse. Wie überprüfen Sie Ihre Entscheidung?

Ständige Prüfung ist für uns als einer der Qualitätsführer der Branche sehr wichtig. Alle Investitionen, die wir tätigen, lassen wir von unserem GLS Anlageausschuss noch einmal im Nachgang validieren. Der Ausschuss ist ein Entscheidungsgremium aus Nachhaltigkeitsexperten, der sich mehrmals im Jahr trifft. Er schaut noch einmal sehr genau hin, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Dies gibt uns, aber auch unseren Anlegern noch einmal Sicherheit, dass unsere Investments im Einklang mit unserem Nachhaltigkeitsverständnis sind.

Frau Knußmann, vielen Dank für das Gespräch


Marieke Knußmann ist seit Juni 2021 Senior Research Analystin im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Investments. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Emittentenprüfung aus den Bereichen Mobilität, Maschinenbau und Elektrotechnik. Zudem ist sie für die Themenbereiche Green Bonds, Monitoring und den Klimafonds zuständig. Nach dem Studium der Politikwissenschaften und Internationalen Studien/Friedens- und Konfliktforschung in Darmstadt, Aberystwyth und Frankfurt am Main arbeitete sie im Sekretariat der Deutschland Extractive Industries Transparency Initiative. Von 2016 bis 2021 war Sie ESG Corporate Rating Analystin bei der Nachhaltigkeitsratingagentur ISS ESG, wo sie für die Branche Aerospace & Defense und das SDG Solutions Assessment zuständig war.

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,2 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand: 08.10.2021).
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.