UCITS Hedgefonds: Wunderwaffe gegen niedrige Zinsen und mehr Regulierung

Bei Hedgefondsanlagen haben zuletzt Onshore-Vehikel wie etwa UCITS an Bedeutung gewonnen. Die Beliebtheit überrascht nicht. Die UCITS-Instrumente schneiden im historischen Vergleich besser ab als andere Anlageklassen und nehmen sich einiger der dringlichsten Sorgen der Anleger an.

Hedgework: Herr Wiedemeijer, immer mehr Investmentfirmen legen Fonds mit alternativen UCITS-Strategien auf. Wie erklären Sie diese Entwicklung?
Oliver Wiedemeijer: In einer Welt, in der sich die Staatsanleihespreads auf historischen Tiefs bewegen und die Anleger nach Renditemöglichkeiten Ausschau halten, spielen alternative Anlagen eine wesentliche Rolle in den Portfolios, vor allem bei Anlegern, die keine Aktienrisiken eingehen können. Hedgefonds schneiden im historischen Vergleich sowohl auf absoluter als auch auf risikobereinigter Basis besser ab als andere Anlageklassen. Während Hedgefondsanlagen in der Vergangenheit über Offshore-Fondsstrukturen umgesetzt wurden, haben in den letzten Jahren Onshore-Vehikel wie etwa UCITS-Fonds an Bedeutung gewonnen. Dies ist auf Bemühungen von regulatorischer Seite zurückzuführen, sich der Bedenken der Anleger hinsichtlich Liquidität und Transparenz stärker anzunehmen. Die Beliebtheit überrascht nicht, denn die UCITS-Instrumente nehmen sich einiger Sorgenpunkte an, welche die Anleger infolge des 2008er-Krisenszenarios plagen, darunter Liquidität, Regulierung, Verwahrung von Vermögenswerten, Transparenz und Risikomanagement.

Hedgework: Welchen Einfluss hat die Regulierung auf die vestärkte Nachfrage?
Wiedemeijer: Der regulatorische und politische Fokus in Europa sowie die kontinuierliche Umsetzung der verschiedenen UCITS-Richtlinien haben UCITS zu einer guten Reputation verholfen und zu einem global anerkannten Markennamen für regulierte Investmentfonds werden lassen. Als Folge lancieren immer mehr Hedgefonds Onshore-Vehikel, die UCITS-kompatibel sind. Hinzu kommt, dass zusätzlicher Regulierungsdruck bei Investoren und Fondsmanagern zu weiterer Unsicherheit führt. Deshalb fällt die Wahl vermehrt auf eine bewährte Struktur wie UCITS.

Hedgework: Können Sie das etwas näher erläutern?
Wiedemeijer: Gern. Beispielsweise offerieren UCITS-Strukturen in einigen Ländern eine Steuer­transparenz, die von Offshore-Strukturen nicht geboten wird, was UCITS-Fonds für Anleger zugänglich macht, die sonst keine Anlagen in Hedgefonds tätigen könnten. Oder nehmen Sie Betrugsfälle wie der Skandal um Bernard Madoff, die dazu geführt haben, dass sich Anleger von Offshore-Hedgefonds abwenden und auf alternative UCITS-Fonds und andere regulierte Vehikel zurückgreifen. Aber auch ohne derartige Vorkommnisse liegen die Vorteile für Anleger auf der Hand: So wird bei einer Anlage in UCITS-Fonds beispielsweise die Gerichtsbarkeit nicht auf Offshore-Plätze wie die Cayman-Inseln verschoben. 

Hedgework: Welche Vorteile wären hier noch zu erwähnen?
Wiedemeijer: Die derzeitigen Bemühungen der Regierungen und Regulierungsbehörden um neue Kapitalmarktregulierungen führen zu größerer Unsicherheit unter den Anlegern und daher zu einem gestiegenen Interesse an UCITS-kompatiblen Anlageinstrumenten, denn diese fallen explizit nicht in den Zuständigkeitsbereich der AIFMD und verfügen bereits über einen europäi­schen Pass, durch den ein europaweiter Vertrieb ermöglicht wird.

Hedgework: Ist dem Anlegerschutz damit Genüge getan?
Wiedemeijer: Eine der wohl effektivsten Maßnahmen der UCITS-Richtlinie zum Schutz der Anleger ist die Bedingung, dass UCITS-Fonds unabhängige Anbieter von Dienstleistungen wie Treuhänder, Prüfer, Administratoren und Depotstellen heranziehen müssen. Sicherlich ist der vollständige Ausschluss von Betrugsrisiken nicht möglich, aber die unabhängige Verwahrung des Vermögens von UCITS-Fonds dürfte den Schutz für die Anleger erheblich erhöhen.
Darüber hinaus ermöglichen UCITS-Fonds mindestens zweimal im Monat die Rückgabe von Anteilen, während Offshore-Hedgefonds üblicherweise Rücknahmen auf Monats- oder Quartals­basis begrenzen und überdies nicht selten die Möglichkeit haben, Einlagen für eine gewisse Zeit zu sperren. In der Praxis bieten über drei Viertel aller alternativen UCITS-Fonds tägliche und der Rest wöchentliche Liquidität. Das UCITS-Rahmenwerk definiert außerdem im Detail in welche Vermögenswerte investiert werden darf und setzt dabei Diversifizierungsstandards – Immobilien- oder Private-Equity-Anlagen sind nicht zulässig und die maximale Positionsgröße beträgt 10% –, was wiederum der zugrunde liegenden Liquidität der Anlagen zugute kommt.

Hedgework: Also Liquidität und Transparenz als wesentliche Faktoren? 
Wiedemeijer: Transparenz ist generell eines der wichtigsten Instrumente der UCITS-Regulierung, um den Anlegerschutz zu erhöhen. Es gibt klare Richtlinien für die Berichterstattung und den Ausweis von Ertrag, Risiken und Fondsstrategie sowie für den zugrunde liegenden Anlageprozess. Erst kürzlich wurde im Rahmen der UCITS-IV-Richtlinie ein neues Key Investor Information Document eingeführt, in dem Risiken und Anlageziele in klar verständlicher Sprache dargelegt werden müssen, um so die Transparenz für die Anleger weiter zu erhöhen.

Hedgework: Ein großer Vorteil von Hedgefonds ist die Flexibilität, die sie relativ frei macht in ihren Anlageentscheidungen. Wie passt das mit den regulierten UCITS-Fonds zusammen? 
Wiedemeijer: Viele Kritiker argumentieren, dass zwischen der Flexibilität der Hedgefonds und den Restriktionen bei UCITS ein grundsätzlicher Gegensatz besteht. Tatsächlich können die UCITS-Bestimmungen bezüglich der Zulässigkeit von Instrumenten, dem Einsatz von Hebeln und den Anforderungen an Liquidität und Diversifizierung einige Anlagestrategien beeinträchtigen. Unter Umständen kann dies zunächst auch zu einer tieferen Ertragserwartung im Vergleich zu Offshore-Hedgefonds führen. Die jüngsten empirischen Daten zeigen jedoch ein etwas anderes Bild – auch wenn man einräumen muss, dass der empirische Gehalt aufgrund der vergleichsweise kurzen Datenhistorie und kleineren Datenbasis noch eingeschränkt ist.

Hedgework: Was heißt das genau? 
Wiedemeijer: Zunächst muss klargestellt werden, dass alternative UCITS-Fonds in den letzten Jahren eine ähnliche risikobereinigte Performance wie Offshore-Hedgefonds erzielt haben. Einer Studie zufolge haben die Indizes für alternative UCITS im Zeitraum von 2008 bis 2010 sogar die Indizes von Offshore-Hedgefonds übertroffen. Dennoch liegt es auf der Hand, dass Manager, die geringeren Beschränkungen unterliegen, im Laufe der Zeit höhere Erträge verbuchen können. Laut einigen Studien scheint diese Annahme dann zuzutreffen, wenn die Fondsmanager bereits über entsprechende Erfahrungen als Hedgefondsmanager oder über relevante Fertigkeiten verfügen. Eine der umfassendsten Studien in diesem Bereich, die von Lyxor durchgeführt wurde, zeigt auf, dass alternative UCITS-Fonds eine geringere Volatilität aufweisen als Offshore-Fonds – ein Ergebnis, das auch die Studie von Tuchschmid, Wallerstein und Zanolin unterstützt.
Insgesamt weisen alternative UCITS-Fonds offenbar eine niedrigere durchschnittliche Volatilität als Offshore-Hedgefonds auf, haben aber ein ähnliches Risiko-Ertrags-Profil. Ob Offshore-Fonds tatsächlich alternative UCITS-Fonds outperformen, hängt allerdings von der Anlagestrategie ab, sowie davon, wie gut sie sich in eine UCITS-Struktur packen lässt. Es gibt durchaus Strategien wie etwa Equity Long/Short, die sehr gut in eine UCITS-Struktur passen. Andererseits gibt es beispielsweise illiquide Strategien, die aufgrund der UCITS-Bestimmungen nicht ideal umgesetzt werden können. Bei solchen Strategien ist dann in der Folge die Renditediskrepanz zwischen UCITS- und Offshore-Strukturen auch offensichtlicher.

Hedgework: UCITS-Fonds sind also stark reguliert. Muss man da überhaupt noch eine Due Diligence durchführen?
Wiedemeijer: Unter Anlegern herrscht eine gewisse Vorstellung, wonach bei der Auswahl von UCITS-Fonds die Due Diligence vernachlässigt werden kann, da jene reguliert und liquide sind. Unseres Erachtens nach ist aufgrund der besonderen Zusammensetzung von UCITS-Fonds eine genauso gründliche Due Diligence erforderlich, wie diese bei Offshore-Fonds durchgeführt wird, insbesondere auch auf der operativen Seite, wo zusätzliche Kontrollen entscheidend sind.
Da immer mehr Hedgefonds UCITS-Strukturen mit einer immer größeren Vielfalt an Strategien lancieren, sollte eine detaillierte Due Diligence durchgeführt werden, um zu gewährleisten, dass potenzielle Aktiv-Passiv-Inkongruenzen, Gegenparteirisiken, Kosten und Probleme bei der Umsetzung von Anlagestrategien im UCITS-Rahmen – um hier nur einige Punkte zu nennen – erfasst werden. Swap-basierte Strukturen müssen ebenfalls mit Blick auf Gegenparteirisiken, Collateral Management und Liquidität der zugrundeliegenden Instrumente sorgfältig überprüft werden.

Hedgework: Wie aufwendig ist solch eine Due Diligence?
Wiedemeijer: Der UCITS-Rahmen kann für Fondsmanager in operativer Hinsicht zur Last werden. Das Operational Due Diligence-Team der Credit Suisse bewertet den internen Kontrollrahmen der Investmentmanager, die Verfahren in Bezug auf das operative Risiko sowie die Kontrollmechanismen. Das Team prüft zudem die Fähigkeit der Manager in Bezug auf den Handel mit und den Abschluss von komplexen Derivatekontrakten und vergewissert sich, dass den Managern qualifiziertes Personal zur Seite steht. Auch eine Trennung von Front- und Backoffice muss sichergestellt sein, was wiederum die Erfassung, Überwachung und Prüfung der Verfahren, der Handelsströme und der nachgeschäftlichen Aktivitäten gewährleistet. Auch Referenzprüfungen mit dem Verwalter werden durchgeführt, um die tatsächliche Unabhängigkeit der Aktiva- und Preisgebungsüberprüfung sowie der NAV-Berechnungen festzustellen, welche häufiger durchgeführt werden als bei traditionellen Offshore-Hedgefonds. In ähnlicher Weise sollte der Investmentmanager die Abstimmung, Preisgebung, Bewertung, NAV-Berechnung, Überprüfung der Gebührenberechnung usw. im Tagesgeschäft operativ nachvollziehen können. 
Von großer Bedeutung ist auch die Bewertung des Risikomanagementverfahrens. Das Operational Due Diligence-Team listet dabei die Gegenparteien des Fonds auf und beurteilt das relevante Risikomanagement. Es wird auch beachtet, ob eine Governance besteht und wie deren Einhaltung gewährleistet wird. Zudem muss die interne Compliance bewertet werden, beispielsweise in Bezug auf Best-class-Execution, Insiderhandel, Marktmissbrauch, die Richtlinien für die Auftragszuteilung, Handelsfehler, PA-Handel, Soft-Dollar-Verwendung, Provisionen oder auch Beschwerdeverfahren. 

Hedgework: Das ist reichlich.
Wiedemeijer: Und es geht noch weiter. Es werden auch Verkaufsanreize wie Gebühren und Provisionen anhand des Fondsprospekts und des Finanzprüfungsberichts für direkte UCITS-Anlagen geprüft. Ebenso die Gebühren und Kosten für Anlagen via Plattformen. Alternative UCITS-Fonds, auf die über Anlageplattformen von Banken zugegriffen werden kann, benötigen ebenfalls eine zusätzliche Bewertung. Während diese Plattformen den operativen Aufwand von Fondsmanagern reduzieren können, bestehen zusätzliche Risiken, die zu berücksichtigen sind. Zu diesen zählen die geringere Asset-Kontrolle, die Verbindung zu anderen Fonds auf der Plattform, die geringere Gegenpartei-Diversifizierung und das Collateral Management. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Plattformen strukturierte Produkte verwenden können, die sich bei Auflösungen in Perioden mit Marktspannungen auf die Fonds der Plattform negativ auswirken können.

Hedgework: Wie erkennt ein Investor einen risikoreicheren Hedgefonds? An der Volatilität oder eher an der Strategie? 
Wiedemeijer: Anleger sollten sich die Risikokennzahlen von Hedgefonds genau ansehen, bevor sie in solche Strategien investieren. Zu den wichtigsten Risikokennzahlen zählen die Volatilität, die Schiefe, die Kurtosis sowie Value-at-Risk-Kennzahlen. Ferner sollte man darauf achten, dass der Leverage – das heißt der Grad der Fremdfinanzierung – angemessen ist. Je riskanter die Strategie ist, desto geringer sollte der Fremdfinanzierungshebel sein. Entscheidend aber ist, dass man vor der Investition die strategiespezifischen Risiken gut kennt. Auch bei Hedgefonds gilt: Eine Prämie über dem risikolosen Zinssatz kann man nur erzielen, wenn man Risiken eingeht.

Hedgework: Herr Wiedemeijer, am Markt kursieren viele Mythen über UCITS-Fonds. Welche hören Sie am häufigsten?
Wiedemeijer: Es gibt viele Vorbehalte innerhalb der Hedgefonds-Welt und vor allem bei jenen Investoren, die überwiegend in Offshore-Hedgefonds investieren. Manche dieser Vorbehalte treffen zu, während andere eher Vorurteilen gleichen und mit Zahlen entkräftet werden können. 

Hedgework: Wie sieht es mit der Behauptung aus, dass UCITS-Fonds aufgrund der Regulierung teurer sind als Offshore-Fonds?
Wiedemeijer: In Anbetracht der regulatorischen Anforderungen, wie regelmäßigem ­Reporting, Risikomanagementberechnungen, der notwendigen Swap-Absicherung oder den anfallenden Gebühren von Investment-Banking-Plattformen erscheint es logisch, dass bei alternativen UCITS-Fonds höhere durchschnittliche Gebühren anfallen. Jedoch wissen die Manager um das Kostenbewusstsein der Anleger, weshalb sie versuchen, die Gebühren an diejenigen ihrer Offshore-Fonds anzugleichen. Dies wird hauptsächlich dadurch erreicht, dass der Manager teilweise freiwillig auf Verwaltungsgebühren verzichtet oder eine Obergrenze für die Gesamtkosten einführt. Bei den Fondsanlagen, die die Alternative Funds Solution Gruppe der Credit Suisse tätigt, liegt die Gesamtkostenquote sogar leicht unter dem durchschnittlichen Vergleichswert für Offshore-Hedgefonds. Somit scheinen zwischen Offshore- und alternativen UCITS-Fonds lediglich minimale Gebührenunterschiede zu bestehen.

Hedgework: Sie haben die Liquidität von UCITS erwähnt. Was kostet sie an Performance?
Wiedemeijer: Eine echte Underperformance wurde unseres Wissens bislang noch nicht empirisch nachgewiesen. Im Gegenteil sind mit einer besseren Liquidität Vorteile verbunden, wie die raschere Verfügbarkeit des Kapitals, was eine schnellere Wiederanlage ermöglicht. 

Hedgework: Wie sieht es mit der Volatiliät aus? Schneiden UCITS-Fonds hier besser ab als Offshore-Fonds?
Wiedemeijer: Da alternative UCITS-Fonds noch relativ jung sind, gibt es nicht viele empirische Studien hierzu. Und die vorhandenen Studien kommen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Aller­dings scheinen die Einschränkungen bezüglich Liquidität, Diversifikation und Leverage dazu zu führen, dass UCITS-Fonds über längere Zeit eine tiefere Volatilität aufweisen als Offshore-Hedgefonds. Das Risiko/Rendite-Profil von UCITS-Fonds gemessen an Sharpe Ratio oder Information Ratio dürfte hingegen vergleichbar ausfallen.

Hedgework: Wie kann eine Fund-of-Fund-Lösung zur Beruhigung der Vorbehalte beitragen?
Wiedemeijer: Dach-Hedgefonds sind seit Jahrzehnten im Offshore-Hedgefonds-Markt aktiv, wo sie Liquidität bieten, Zugangsbarrieren in Form von Mindestanlagelimits erleichtern und den Kunden einen Mehrwert durch Portfolio- und Risikomanagement sowie eine professionelle Managerauswahl bieten. Es spricht einiges dafür, dass dieser Mehrwert im Markt für alternative UCITS von noch größerer Bedeutung ist. Gleichwohl sollten bei der Auswahl der einzelnen Fondsmanager Aspekte wie Liquiditäts­mana­ge­ment, potenzielle Inkongruenzen, operative Risi­ken, Kosten, Performance und die Überwachung von UCITS-Anlagebeschränkungen berücksichtigt werden. 

Hedgework: Auch dies müssen Sie bitte näher erläutern.
Wiedemeijer: Alternative UCITS-Fonds sind heterogener als vergleichbare Offshore-Fonds. Die Ertragsabweichungen sind sehr hoch und so auch die Qualitätsunterschiede ihrer operativen Aufstellung und die unterschiedlich ausfallende Expertise der Fondsmanager. Daher ist die Auswahl der Manager von größter Bedeutung. Selbst innerhalb einer bestimmten Strategie ist die Streuung ihrer Wertentwicklung teilweise erheblich. In diesem Punkt unterscheiden sich diese Fonds signifikant von den traditionelle Anlagefonds, die sich weitgehend an einer Benchmark orientieren, weshalb die Streuung tendenziell um einiges geringer ist. Insofern kann die Managerselektion also einen beträchtlichen Mehrwert zur Outperformance beisteuern. Bei der historischen Performanceanalyse ist es entscheidend, auch Volatilität, Verlustpotenzial und eingegangenes Risiko zu berücksichtigen. Es ist auch von wesentlicher Bedeutung, das erwartete Risiko-Ertrags-Pprofil eines Fonds und dessen mögliche Rolle innerhalb eines Portfolios zu bestimmen. Hier können Dach-Hedgefonds einen erheblichen Mehrwert durch eine detaillierte Strategie- und Peer-Group-Analyse beisteuern.

Hedgework: Wie steht es um das Thema Risikokontrolle bei Dach-Hegefonds?
Wiedemeijer: Wie bereits aufgezeigt, sind alternative UCITS-Fonds nicht weniger risikobehaf­tet als Offshore-Hedgefonds. Beispielsweise gibt es operative Anforderungen, die bestimmte Fondsmanager belasten könnten, und für einige Strategien sind die UCITS-Regeln möglicherweise zu einschränkend. Zudem ist es wichtig zu verstehen, ob ein Fondsmanager über die notwendigen Kenntnisse verfügt, um die Strategie des Fonds innerhalb des UCITS-Rahmens anzuwenden. Aber auch das Management der Kontrahentenrisiken ist ein weiterer wichtiger Bereich. Werden die Fonds auf Plattformen geführt, wird hierdurch die Anzahl der Gegenparteien verringert, zugleich werden jedoch neue Fragen in Bezug auf das Collateral Management aufgeworfen.

Hedgework: Und wie steht es um die Liquiditätsinkongruenz?
Wiedemeijer: Hier kann ein Dachfonds insoweit hier Mehrwert liefern, indem er eine potenzielle Liquiditätsinkongruenz erkennt – zur Erinnerung: Alternative UCITS-Fonds müssen den Anlegern mindestens zweimal im Monat Liquidität anbieten – und indem er aktiv steuern kann, welche Strategien in einem UCITS-Rahmen angeboten werden können. Einige UCITS-Fonds investieren in Wertpapiere, die unter normalen Umständen häufig gehandelt werden, für die aber der Handel bei angespannter Marktlage zum Erliegen kommen kann. Entsprechend gibt es möglicherweise Fonds, die in außerbörsliche Kontrakte oder andere weniger liquide Finanzinstrumente investieren, welche nicht mit der gebotenen Liquiditätspolitik vereinbar sind. Nicht zuletzt könnte ein Fondsmanager eine Stilabweichung vornehmen oder damit beginnen, im Laufe der Zeit in weniger liquide Wertpapiere zu investieren. Dies alles muss vom Dachfondsmanager überwacht werden, um das Risikoprofil der Anlage zu verstehen.

Hedgework: Soviel also zu den Eigenschaften von Dach-Hedgefonds?
Wiedemeijer: Schlussendlich sollte nicht vergessen werden, dass Dach-Hedgefonds ein diversifiziertes Engagement in alternativen Strategien ermöglichen. Zudem eröffnen diese Fonds aufgrund ihrer Grösse Investments in Anteilsklassen mit potenziell niedrigeren Gebühren und verringern somit die Gesamtkosten bzw. mindern teilweise das Problem der doppelten Gebührenebenen.  

Hedgework: Sie nennen Ihre neu aufgelegten Fonds „Research-Driven Strategies“. Was verstehen Sie darunter?
Wiedemeijer: Darunter verstehen wir Strategien, die systematisch Risikoprämien ausnutzen, die in empirischen Forschungsarbeiten gut dokumentiert sind. Research-Driven drückt aus, dass die Strategien forschungsbasiert sind. Unsere Pure Momentum-Strategie nutzt die Momentum-Prämie aus und profitiert von verschiedenen Value-Prämien. Die Strategie sammelt systematisch Versicherungsprämien durch den Handel mit Optionen ein. In zahlreichen Forschungsarbeiten wurde aufgezeigt, dass diese Risikoprämien über unterschiedliche Zeiträume und in unterschiedlichen Ländern statistisch signifikant sind. Immer mehr institutionelle Kunden verfolgen einen Risikoprämien-Ansatz, bei dem sie neben traditionellen auch alternative Risikoprämien nutzen. Die Research-Driven Strategies (RDS) bieten einen kosteneffizienten, liquiden und transparenten Zugang zu alternativen Risikoprämien.

Hedgework: Welchen Erfolg haben Sie mit dieser Strategie bisher?
Wiedemeijer: Die Pure Momentum-Strategie liegt seit Jahresbeginn – bis zum 11. April 2014 – mit 4,97 Prozent im Plus, während die meisten Trendfolgestrategien und die gängigen CTA-Indizes 2 Prozent im Minus liegen. Seit Auflegung der Fonds am 21. Oktober 2013 ist die Pure Momentum-Strategie um 2,87 Prozent und die Pure Dividend-Strategie um 0,69 Prozent gestiegen. Die Pure Premium-Strategie ist erst am 9. Dezember 2013 aufgelegt worden und liegt seitdem knapp mit 4 Basispunkten im Plus. 

Hedgework: Haben Sie Ihr Anlageziel damit erreicht?
Wiedemeijer: Anleger werden uns daran messen, ob wir mit den RDS-Strategien langfristig tatsächlich Libor plus 300 bis plus 500 Basispunkte erwirtschaften. Das ist unser Ziel. Wir wollen Anlegern einen kosteneffizienten Zugang zu alternativen Risikoprämien geben.

Hedgework: Wie sieht es mit den Kosten aus?
Wiedemeijer: Institutionelle Kunden zahlen für die RDS-Produkte 0,75 Prozent Mangementgebühren, statt 2 Prozent, die bei klassischen Hedgefonds fällig werden. Die Performancegebühr liegt bei zwei der drei Fonds bei 10 Prozent. Bei klassischen Hedgefonds zahlen Anleger typischerweise 20 Prozent Performancegebühren. Zudem entfallen die zusätzlichen Gebühren, die Kunden bezahlen, wenn sie in Dach-Hedgefonds investieren. Wir verwalten die drei Fonds so, dass sich ein optimaler Diversifikationseffekt ergibt, wenn man gleichgewichtet in alle drei RDS-Strategien investiert. Im Vergleich zu herkömmlichen Dach-Hedgefonds sparen unsere Kunden somit rund zwei Drittel der Kosten. 

Hedgework: Kann ein Investor dies nicht auch mit Aktieninvestments nachvollziehen? Aktien sind schließlich in den letzten Jahren deutlich besser gelaufen als die meisten Hedgefonds. 
Wiedemeijer: Seit Ende 1989 gibt es den HFRI Fund of Funds Composite Index und seitdem haben Anleger mit Hedgefonds eine Rendite in Höhe von 7,4 Prozent pro Jahr erwirtschaftet, mit globalen Aktien hingegen nur 6,4 Prozent pro Jahr. Natürlich wird es immer Phasen geben, in denen Aktien besser laufen. Deshalb sollten Anleger ein ausgewogenes Portfolio bestehend aus Aktien, Anleihen, Hedgefonds und anderen Anlagen bilden. 

Hedgework: Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen, welche Innovationen erwarten Sie von der Hedgefonds-Branche in den nächsten Jahren?
Wiedemeijer: Innovation ist ein Wesensmerkmal der Hedgefonds-Industrie. Momentan entstehen viele innovative quantitative Strategien, die von der besseren und schnelleren Verfügbarkeit von ­Daten und leistungsstarken Computern profitieren. Ein großes Wachstum erleben wir derzeit zudem in Liquid Alternatives, das sind Strategien, die in liquider und kosteneffizienter Form aufgelegt werden. Hier besteht die Innovation darin, dass man Investoren einen besseren Zugang zu alternativen Risikoprämien gibt, wie beispielsweise über die RDS-Strategien. 

 

Das Interview führte Alexander Heintze.

Im Interview: 

Oliver Wiedemeijer 
ist Direktor bei der Credit Suisse im Port-folio Management Team der Alternative Funds Solution Group und dort für die Verwaltung und Implementierung der Portfolios von institutionellen Kunden zuständig. Er verwaltet einen der größten UCITS FoHF.

Credit Suisse
ist schon seit langem erfolgreich im Geschäft der alternativen Anlagen tätig. Das Angebot erstreckt sich auf das gesamte Spektrum, von Hedge Funds und Private Equity über Immobilien- und Rohstoffprodukte bis hin zu Kredit- und Volatilitätsprodukten. Credit Suisse Asset Management spielt eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung innovativer Hedgefondslösungen, die den Anlegern – von institutionellen Investoren über Family Offices bis zu vermögenden Privatkunden – zugute kommen sollen.