„Megatrends funktionieren“- Ein Jahr ERSTE FUTURE INVEST

Dieser Tage feierte ein Fonds seinen 1. Geburtstag, der die Aufmerksamkeit vieler AnlegerInnen auf sich gezogen hat: der Megatrends-Fonds ERSTE FUTURE INVEST. Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen. Trotz der Corona Pandemie liegt der Fonds ein Jahr nach dem Fondsstart komfortabel im Plus und lässt maßgebliche Börsenindizes hinter sich. Das erste Jahr war eine richtige Erfolgsgeschichte. Der ERSTE FUTURE INVEST umfasst bereits ein Fondsvermögen von über 200 Millionen Euro. Wer von Beginn an investiert war, darf sich über einen Vermögenszuwachs von 25,24 %* (per 30.10.2020, Quelle OeKB) freuen, siehe Chart.

*Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt lt. OeKB Methode. Die Wertentwicklung unterstellt eine vollständige Wiederveranlagung der Ausschüttung und berücksichtigt die Verwaltungsgebühr sowie eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 5,00 % und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Aktives Fondsmanagement macht sich bezahlt. Dieter Kerschbaum, Communications Specialist Österreich der Erste Asset Management, sprach mit Fondsmanager Bernhard Selinger, der für die Auswahl der spannenden und chancenreichen Unternehmen verantwortlich ist.

Was waren die Gründe für die herausragende Performance?

Eine Portion Glück gehört immer dazu beim Investieren, speziell wenn man das Timing richtig trifft. Aber der Erfolg des ERSTE FUTURE INVEST gründet viel tiefer: Es ist der breite Mix an Megatrends, den wir konsequent seit dem Start umsetzen. Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit, Technologie sowie Umwelt haben auf den Lockdown im März unterschiedlich reagiert.

Gesundheit, als antizyklischer Teil im Portfolio, blieb weitgehend stabil, während Technologie relativ früh auf den Markt reagierte. Sie war im Gegenzug auch bei der anschließenden Erholung vorne mit dabei war – zu einem Zeitpunkt als viele Umwelt-Werte noch unter Druck waren. Der breite Themen-Mix hat stabilisierend auf den Fonds gewirkt.

Wir haben letztendlich ein überdurchschnittliches Ergebnis für unsere AnlegerInnen erzielt, was uns sehr freut. Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass sich eine breite Streuung auf lange Sicht bezahlt macht.

Wie hat sich COVID-19 auf die unterschiedlichen Trends ausgewirkt? Wer waren die Gewinner, wer die Verlierer?

Klarerweise standen vor allem die Medizin und die Suche nach einem geeigneten Impfstoff an vorderster Stelle. Was nicht unbedingt bedeutet, dass der Pharma-Bereich der eindeutige Gewinner war. Auch die Produktion von medizinischen Einwegprodukten wie z.B. Masken und Handschuhen wurde enorm hochgefahren. Wie wir alle wissen, war das Beschaffen von Masken anfangs gar nicht so einfach, und Desinfektionsmittel waren stark nachgefragt.

„Profitieren“ von COVID unter Anführungszeichen konnten auch Unternehmen, welche Diagnosegeräte und Equipment für Corona-Tests herstellen. Das US-Unternehmen Abbott Laboratories beispielsweise kommt derzeit mit der Produktion von Antigen-Schnelltests kaum hinterher.

Die Medizin ist vordergründig die Branche mit dem größten Fokus auf COVID, aber auch andere Branchen profitierten, Stichwort Onlinehandel oder Homeoffice.

Ja, zweifelsohne, der Online-Handel ist der große Gewinner der COVID-Krise. Es wurden komplett neue Kundengruppen erschlossen, die davor gar nicht im Internet gekauft haben und es während des Lockdown zum ersten Mal probiert haben. Nutzer-Statistiken zeigen: der Großteil bleibt dabei und bestellt einen Teil der Einkäufe weiterhin online. Und die, die bereits Erfahrung hatten, haben noch mehr per PC oder Handy geordert.

Wir wollen nicht nur über Einkaufen reden. Praktisch über Nacht mussten Millionen Menschen von zuhause arbeiten und ihren Arbeitsalltag komplett umstellen. Moderne Technologien halfen dabei den Stress zu bewältigen bzw. mit dem eigenen Unternehmen und den Kunden Kontakt zu halten. In der Freizeit stieg die Nutzung von Video-Streaming oder Gaming rasant an. Schätzungen zufolge sind Netflix und YouTube zusammen für mittlerweile rund ein Viertel des weltweiten Internet-Traffics verantwortlich. Entsprechend groß ist weltweit die Nachfrage nach Server-Infrastruktur um die Datenmengen bewältigen zu können. Hiervon profitiert beispielsweise GDS Holdings, ein Betreiber von Rechenzentren in China.

Ungeachtet der Corona-Krise hat die grüne Technologie ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. Hier ist einfach der politische Wille da etwas weiter zu bringen?

Das kann man wohl so sagen. Es gibt ein Umdenken nicht nur in China sondern auch in Europa – Stichwort Green Deal – und in den USA. Der Fokus liegt hier klar auf dem Ausbau von erneuerbarer Energie aus Wind und Solar. Auch im Mobilitäts-Bereich tut sich einiges: Wasserstoff als Speicher von erneuerbarer Energie kommt vermehrt im öffentlichen Nahverkehr, in Linienbussen, zum Einsatz. Der in Drucktanks gespeicherte Wasserstoff erzeugt mit Hilfe einer Brennstoffzelle elektrische Energie, welche durch einen Elektromotor das Fahrzeug antreibt. Prominente Beispiele für Unternehmen im ERSTE FUTURE INVEST welche frühzeitig auf diese Trends gesetzt haben, sind beispielsweise der Energieversorger Iberdrola oder der Hersteller von Wasserstoff-Drucktanks Hexagon Composites.

Vieler der Anwendungen und Prozesse sind mit dem Begriff Digitalisierung verbunden. Wir sehr sind wir alle bereits „Gläserne Menschen“? Willkommen in der „Orwell‘schen Realität“?

Ganz so wild ist es zum Glück nicht. Aber sich mit neuen Entwicklungen auch mal kritisch auseinanderzusetzen ist durchaus wichtig. Historisch betrachtet hat technologischer Wandel wirtschaftlichen Fortschritt gebracht. Zu Zeiten der industriellen Revolution ermöglichten Dampf-Maschinen erstmals Waren über größere Distanzen auszutauschen. Es entstand der internationale Handel.

Telekommunikation brachte den globalen Austausch von Ideen und legte den Grundstein für aktuelle Entwicklungen. Software-Plattformen erlauben vollkommen ortsunabhängig miteinander zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Der digitale Wandel bietet viele Chancen. Es muss aber nicht zwingend jeder Lebensbereich danach ausgerichtet werden. Vielmehr sehen wir eine Vielzahl von Anwendungsfeldern, beruflich wie privat, wo es Sinn macht, weil Dinge dadurch einfacher und effizienter werden.

Der ERSTE FUTURE INVEST ist ein Fonds, der wie schon aus seinem Namen hervorgeht, auf Themen der Zukunft setzt. Was könnte die nächsten 20 Jahre spannend machen und was davon ist mit diesem Fonds schon jetzt investierbar?

Die Achillesferse der digitalen Wirtschaft ist die flächendeckende Verfügbarkeit von stabilem und schnellem Internet. Rund 46% der Weltbevölkerung fehlt ein derartiger Zugang und hemmt folglich die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern Afrikas und Südostasiens.

Weil herkömmliche Telekom-Infrastruktur (Glasfaser, Mobilfunkmasten) sehr teuer ist, planen aktuell zahlreiche Unternehmen, Internet über eine Vielzahl von miteinander verbundenen Satelliten in selbst die entlegensten Regionen der Welt zu bringen. Die Satelliten kommunizieren untereinander mittels Laser, während sie sich in einer erdnahen Umlaufbahn mit rund 7 Kilometern pro Sekunde fortbewegen. Eine technische Meisterleistung einer Handvoll hoch spezialisierter Unternehmen – für den ERSTE FUTURE INVEST die Gelegenheit bei einem vielversprechenden Trend frühzeitig mit dabei zu sein.

Fazit: Der ERSTE FUTURE INVEST hat im ersten Jahr seines Bestehens das gehalten, was sich viele Anlegerinnen und Anleger von ihm versprochen haben: Eine langfristige Ausrichtung, ein breiter Mix an Themen und die Gewissheit, dass viele bahnbrechende Entwicklungen noch bevorstehen. Unter dem Aspekt der Risiko-Streuung sowie einem langfristigen Anlagehorizont kann sich eine Partizipation an den Megatrends bezahlt machen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Offene Immobilienfonds in Corona-Zeiten: Krisenfest dank neuer Regeln

von Robert Guzialowski, Leiter Real Assets Deutschland bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG.

Durch die Neuregulierung in Folge der Finanzkrise sind offene Immobilienfonds heute wesentlich weniger anfällig für externe Schocks. Somit haben sich Mindesthalte- und Kündigungsfristen in der Corona-Krise bewährt.

Weitere regulatorische Maßnahmen leisten ebenfalls Abhilfe bei der Erhaltung der Stabilität von offenen Immobilienfonds.

Vor mehr als zehn Jahren sind viele offene Immobilienfonds in der Finanzkrise in Schieflage geraten und mussten einen erheblichen Vertrauensverlust hinnehmen. Überraschenderweise waren beispielsweise offene Immobilienfonds im Kern von der Finanzkrise gar nicht betroffen. Im Gegenteil: Bis zur Finanzkrise erzielten offene Immobilienfonds eine durchschnittliche Rendite von 5,1 Prozent p.a.. Mietverträge mit längeren Laufzeiten waren zudem der Garant, dass die anstehende globale Rezession die Renditen kurz- bis mittelfristig nicht deutlich schmälern würde.

Aus Unsicherheit oder auch, um sich Liquidität zu verschaffen, zogen jedoch vor allem institutionelle Investoren von heute auf morgen Millionenbeträge ab. Die auf Fondsseite vorhandenen Liquiditätsreserven konnten die gesteigerten Rückgabeforderungen oftmals nicht decken. Das hatte zur Folge, dass die Rücknahme der Anteile ausgesetzt werden und Immobilien gewissermaßen im Schnellverfahren verkauft werden mussten, um Rückgabewünsche von Anteilsbesitzern zeitnah erfüllen zu können. Da ein Verkauf illiquider Vermögenswerte wie Immobilien allerdings oft über Jahre hinweg vorbereitet werden muss, ließen sich vielfach nicht die gewünschten Erlöse erzielen. Konnte ein offener Immobilienfonds daraufhin auch nach Aussetzung der Anteilsrücknahme nicht genügend liquide Mittel zur Auszahlung der Anleger auftreiben, so musste der Immobilienfonds geschlossen werden. Damit offenbarte sich ein entscheidender Konstruktionsfehler der Vehikel.

Der Regulator hat mit der Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) im Jahr 2013 – streng genommen bereits kurz zuvor durch das Inkrafttreten des Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes (AnsFuG) – diesen entscheidenden Konstruktionsfehler bei offenen Immobilienfonds behoben. Nunmehr gilt für offene Immobilienfonds eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren und eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten. Eine Flucht aus offenen Immobilienfonds, wie sie während der Finanzkrise zu beobachten war, ist faktisch nicht mehr möglich. Tatsächlich waren dann auch keine Mittelabflüsse in größerem Ausmaß zu verzeichnen (Stand Ende Mai 2020), sodass die Liquidität für offene Immobilienfonds weiterhin gesichert ist. Die Aussetzung von Anteilsrücknahmen gilt nun nicht nur theoretisch, sondern auch tatsächlich als „ultima ratio“, womit dem nicht volatilen Charakter der Immobilien Rechnung getragen wird.

Eine weitere regulatorische Folge der Finanzkrise ist die unabhängige quartalsweise Bewertung der Immobilien durch externe Bewerter. Mit der vierteljährlichen Bewertung soll mehr Transparenz geschaffen werden, denn die enormen Rückgabewünsche in der Finanzkrise waren nämlich unter anderem auf die Sorge vieler Anleger zurückzuführen, dass die Immobilien der Fonds nicht den Verkehrswert innehatten, der in den Fondsbüchern ausgewiesen war. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die quartalsweise Bewertung Immobilienfonds volatiler und damit für Krisen entgegen der gesetzgeberischen Intention anfälliger macht. So könnten sich bereits kurzfristige Mietausfälle während der Corona-Krise – vielfach befördert durch das Ende März verabschiedete Notgesetz, das Mietern den Kündigungsschutz auch bei Mietaussetzungen garantiert – negativ in der Immobilienbewertung niederschlagen. Entsprechend müsste sodann der Anteilspreis der offenen Immobilienfonds kurzfristig nach unten korrigiert werden. Fraglich erscheint, ob ein derartiges Prozedere dem Charakter von Immobilieninvestments gerecht wird. Als illiquide Vermögensgegenstände dienen sie zuvörderst der langfristig orientierten Kapitalanlage. Bewertungsansatz und -rhythmus sollten diese grundlegenden Eigenschaften einer Immobilie als Kapitalanlage nicht übermäßig konterkarieren und keine kurzfristigen Schwankungen der Verkehrswerte vorspiegeln, die auf bloßen Momentaufnahmen beruhen.

Bislang haben sich derartige Befürchtungen allerdings nicht bewahrheitet, wie während der Corona-Krise erstellte Bewertungen belegen. Nur temporäre Ertragsstörungen entfalten zunächst keinen wesentlichen Einfluss auf die Parameter zur Ermittlung des Verkehrswertes. Vielmehr gilt weiterhin der Grundsatz, diesen auf Basis eines durchschnittlichen Preises vieler Marktteilnehmer und Objekte zu einem bestimmten Zeitpunkt zu bestimmen, ohne kurzfristige individuelle Entwicklungen, wie einzelne Mietausfälle oder -stundungen, über Gebühr zu berücksichtigen. Insofern entfaltete das Notgesetz keine größeren Auswirkungen auf die Bewertung von Immobilien. Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass sich der Investor im Falle kurzfristiger Mietausfälle, die nicht in den Fondswert einfließen, im Zweifel nicht auf den aktuellen Fondswert verlassen kann. Durch die oben geschilderte Bewertungspraxis entsteht bei nur kurzfristigen Mietausfällen somit ein Spannungsverhältnis zwischen der Stabilität der Immobilienfonds auf der einen Seite und dem Vertrauen des Marktes auf die Richtigkeit des aktuellen Fondswertes auf der anderen Seite. Gerade letzteres stellt erhöhte Anforderungen an die Manager der AIF, um die Risiken zu messen sowie Maßnahmen zu treffen und diese dann an die Investoren zu kommunizieren.

Sollten Dauer und Ausmaß der Mietausfälle höher ausfallen und mittel- bis langfristiger Natur sein – etwa in Folge neuerlicher Verschärfungen der Corona-Regeln oder anhaltender Unsicherheit über den Fortgang der Krise – dürfte dies größere Auswirkungen auf die Bewertung von Immobilien mit sich bringen. Mittel- bis langfristige Mietausfälle, insbesondere aber auch dauerhafte Reduzierungen der Mieten, schlagen sich unweigerlich im Ertragswert von Immobilien nieder, was sich zwangsläufig auch auf die Bewertungen und damit auf den Anteilspreis offener Immobilienfonds auswirkt.

Gerade bei Gewerbeimmobilien, vor allem im Einzelhandels- und Hotelsegment, kam es bereits vermehrt zu Verhandlungen über die Stundung oder Reduzierung der Miete. Auch in diesem Fall spielen regulatorische Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. So sind die Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) bei Verhandlungen über Mietreduzierungen im Sinne eines „ordentlichen Geschäftsmanns“ verpflichtet, die Interessen der Anleger bestmöglich zu vertreten, sprich den Schaden so gering wie möglich zu halten. Hier ist auf Seiten der KVGen eine sorgfältige Abwägung gefordert: Inwieweit sind vorübergehende Mietausfälle, -stundungen oder gar dauerhafte Reduzierungen auch nach Auslaufen der gesetzlichen Sonderregeln zu akzeptieren, um Mietern untragbare finanzielle Belastungen zu ersparen und damit den langfristigen Investmenterfolg sicherzustellen? Zwar steht den KVGen hier in aller Regel ein großzügiger Verhandlungsspielraum zu, allerdings sind alle Entscheidungen sorgfältig zu begründen und zu dokumentieren. Im Zweifelsfall hat in diesem regulatorischen Spannungsverhältnis zudem auch die finanzierende Bank ein Wort mitzureden, wenn es entsprechende Vertragsklauseln gibt.

In welchem Ausmaß es hier zu Anpassungen kommen wird, hängt im Wesentlichen vom Fortgang der Corona-Krise ab. Ein neuerlicher Lockdown träfe etliche Mieter mit Sicherheit hart. Bislang aber bleibt positiv festzuhalten, dass die Pandemie, anders als zu Zeiten der Finanzkrise, dank der in großen Teilen umsichtigen Regulierung keine Panikverkäufe zur Folge hatte und offene Immobilienfonds wieder die Stabilität bieten, für die sie bei Anlegern vor der Finanzkrise lange Zeit standen.

Klar ist dabei, dass auch eine starke Regulierung nicht gänzlich vor den Folgen einer Krise schützen kann. Sie kann aber für Rahmenbedingungen sorgen, die einen angemessenen Schutz vor Überreaktionen der Investoren bieten. Wird sie, wie aktuell, von einem sensiblen Handeln der Aufsichtsbehörde – kurzfristig hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht das aus massiven Aktienverlusten resultierende Überschreiten der vorgegebenen Immobilienquote von 25 Prozent auf Seiten vieler institutioneller Investoren nicht moniert – flankiert, so leistet sie einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Immobilienfonds ihrem Anspruch als langfristig orientierte und krisenfeste Anlagelösungen neuerlich gerecht werden.


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 27. Oktober 2020.

Robert Guzialowski

Robert Guzialowski ist Leiter Real Assets Deutschland bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG. Er verantwortet neben Vertrieb und Kundenmanagement der AIF-Verwahrstelle die Begleitung der KVGen von der Aufnahme der Geschäftsbeziehung über das Onboarding bis hin zu den Fondstransaktionen. Robert Guzialowski ist Rechtsanwalt und veröffentlicht regelmäßig zu aufsichtsrechtlichen Entwicklungen.

GLS Bank Klimafonds wird 3 Jahre alt: Auch die ökonomische Bilanz stimmt

Als die GLS Bank im August 2017 den GLS Bank Klimafonds aufgelegt hat, wollte sie ihr Bekenntnis zum Klimaschutz unterstreichen. Nach drei Jahren ziehen Stefan Fritz und Tobias Baumann, beide GLS Bank, Bilanz, wie sich der Fonds ökonomisch entwickelt hat.

„Kosten- und Zeitersparnis sprechen für digitale Anlegermessen“

Am 15. Oktober war Premiere der FONDSTIQUE – der ersten virtuellen Fondsmesse, die von HANSAINVEST organisiert wurde. Aufgrund des guten Erfolgs werde die Messe im neuen Jahr fortgesetzt, wie Organisator Andreas Hausladen im Gespräch mit HEDGEWORK betont. Interessierte können noch alle Vorträge anhören.

HEDGEWORK: Herr Hausladen, Sie haben mit der FONDSTIQUE die erste virtuelle Fondsmesse organisiert. Können Sie einen ersten Erfahrungsbericht geben?

Andreas Hausladen: Auch mehr als eine Woche nach der Veranstaltung können wir sagen, dass es ein tolles Event war. Die Rückmeldungen waren insgesamt erfreulich positiv, zu verbessern gibt es natürlich immer noch ein paar „Kinderkrankheiten“. Aber alles, worüber wir uns und unsere Aussteller sich im Vorfeld Gedanken gemacht haben, können wir positiv bewerten. Die Technik hat einwandfrei funktioniert, die Vorträge waren nahezu alle sehr gut besucht und mit der Teilnehmerzahl waren wir auch zufrieden. Für die zweite Auflage gilt es natürlich, einige Details zu verbessern. Beispielweise wurde die Chat-Funktion noch nicht den umfangreichen Möglichkeiten entsprechend genutzt. Da braucht es sicher für alle noch etwas mehr Gewöhnung und Erfahrung für diese neue Art zu kommunizieren. Positiv angenommen wurde dagegen die Networking-Area. Hier wollen wir schauen, wie wir diese noch weiter ausbauen und prominenter einbinden können.

HEDGEWORK: Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights der FONDSTIQUE?

Hausladen: Natürlich können wir hier das Keynote-Interview mit Kai Diekmann oder die Podiumsdiskussion mit Leonhard Fischer, Marc Friedrich und Robert Halver nennen. Das eigentliche Highlight aber war die Gesamtveranstaltung an sich! Das Programm war stimmig und qualitativ sehr überzeugend, die Vorträge sind super angekommen und wir hatten eine mehr als zufriedenstellende Teilnehmeranzahl.

HEDGEWORK: Wie viele Besucher haben sich insgesamt zugeschaltet?

Hausladen: Über den Messetag verteilt hatten wir insgesamt 1200 Teilnehmer. Das war im Vorfeld der Veranstaltung auch unsere Black Box, da es wenig bis keine Erfahrungswerte gibt. Spannend im Übrigen, dass sich mehr als ein Drittel der Teilnehmer erst in den drei Tagen vor und am Veranstaltungstag selbst angemeldet haben. Dies zeigt einmal mehr den Unterschied zwischen Digital- und Präsenzveranstaltung.

HEDGEWORK: Wie viele Referate und wie viele Aussteller konnten Sie für die FONDSTIQUE aufbieten?

Hausladen: Wir hatten insgesamt 36 Aussteller – sowohl etablierte Top-Anbieter als auch unentdeckten Fondsperlen unabhängiger Asset-Manager, insgesamt ein „Best of“ aus der Welt der Fondsboutiquen. Das machte den Besuch für viele so interessant und lohnenswert. Außerdem haben sich die Service-Provider wie beispielsweise Verwahrstellen und Haftungsdächer präsentiert. Damit war es ein interessanter Mix aus Informationen für institutionelle Investoren und Privatanleger sowie Networking für die Branche. Dies spiegelte sich auch im vielfältigen Programm mit insgesamt über 50 Referenten wider, die eine spannende Mischung aus Digitalisierung, Kapitalmarkt und Fondslösungen präsentiert haben.

HEDGEWORK: Gibt es eine Möglichkeit, verpasste Präsentationen nachträglich anzuschauen?

Hausladen: Alle Vorträge können sich die Teilnehmer über vier Wochen noch in aller Ruhe im Archiv ansehen. Und wer die FONDSTIQUE verpasst hat, kann sich jetzt noch registrieren und auf die Vorträge zugreifen. Wir verzeichnen bis heute ein überraschend hohes Interesse an der Archivfunktion, die noch bis Mitte November freigeschaltet ist. Viele wollen sich Versäumtes anschauen, aber es finden sich auch zahlreiche Neubesucher ein.

HEDGEWORK: Planen Sie, die FONDSTIQUE im nächsten Jahr zu wiederholen?

Hausladen: In jedem Fall wird es im kommenden Jahr wieder eine FONDSTIQUE geben. Wir sind bereits in die Planung eingestiegen und werden wieder ein tolles digitales Event auf die Beine stellen.

HEDGEWORK: Und wenn 2021 wieder Fondsmessen mit physischer Präsenz möglich sein werden … 

Hausladen: … wird es die FONDSTIQUE als digitale Anlegermesse der Fondsboutiquen weiterhin geben. Ich glaube, die offenkundigen Vorteile wie Kosten- und Zeitersparnis sowie die hohe Effizienz bezüglich der konzentrierten Informationsvermittlung sind für Besucher wie Aussteller einfach dermaßen überzeugend und sprechen für sich. Auch unabhängig von Corona werden die digitalen Networking-Komponenten immer mehr in den Alltagsgebrauch übergehen. Gerade Content-orientierte Besucher fühlen sich durch diese Messeform und den besonderen Mix extrem angezogen.

HEDGEWORK: Könnte eine hybride Fondsmesse – mit physischer und virtueller Präsenz – das Konzept der Zukunft sein?

Hausladen: Auch das wird es, wie wir jetzt schon sehen, in Zukunft definitiv verstärkt geben, die Gewichte werden sich aber aufgrund der genannten Vorteile eindeutig in Richtung der digitalen Komponenten verschieben. Es wird aber nach Corona immer noch eine Berechtigung für die zahlreichen guten physischen Veranstaltungsformate mit oder ohne virtueller Präsenz geben. Daher werden wir wie auch unsere Fondspartner hier weiterhin präsent sein und diese Formate nach wie vor unterstützen.


Hier geht’s zu den Vorträgen auf der FONDSTIQUE: https://fondstique.de/archiv

Strenge Nachhaltigkeit erfordert ein eindeutiges Nachhaltigkeitsverständnis

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird dieser Tage viel über Nachhaltigkeit am Finanzmarkt gesprochen; darüber, dass das verwaltete Vermögen in Nachhaltigkeitsfonds steigt; dass nachhaltige Fonds keine Renditebremse sind oder dass Investoren mit diesen Fonds zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele („SDGs“) der Vereinten Nationen oder der Pariser Klimaziele beitragen.

Natürlich ist es erfreulich und unterstützenswert, wenn sich Finanzmarktteilnehmer auch von sozialen und ökologischen Erwägungen leiten lassen, wenn sie einen „positiven Beitrag“ leisten wollen. Doch es gibt erhebliche Unterschiede, aus welchen Gründen einzelne Finanzmarktteilnehmer Nachhaltigkeit berücksichtigen. Die entscheidende Frage ist: Haben sie überhaupt ein eindeutiges Nachhaltigkeitsverständnis, auf dem ihr Handeln gründet?

GLS Bank mit klarem öffentlichen Orientierungsrahmen

Wir bei der GLS Bank richten uns nach einem klaren Orientierungsrahmen: unseren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen. Grundlagen unserer Arbeit sind die Achtung der Vielfalt des Lebens und der Natur sowie die Sorge um eine friedliche Koexistenz aller Kulturen, die auf individuelle Freiheit und Verantwortung gegründet sind. Wir wollen die natürlichen Lebensgrundlagen heutiger und zukünftiger Generationen bewahren sowie ihre Weiterentwicklung fördern. Ökologie verstehen wir dabei ganzheitlich im Sinne einer Leben fördernden Einheit von Natur und Zivilisationsentwicklung.

Diese Sichtweise bestimmt unser Handeln und hat auch praktische Auswirkungen: Für unser gesamtes Bankgeschäft gelten diese sozialen und ökologischen Kriterien, die unser Investitions-, Anlage- und Finanzierungsgeschäft prägen. Wir haben keine separate Palette an Nachhaltigkeits- oder ESG-Fonds, sondern jede Investition über alle Fonds hinweg soll per se gut für Umwelt und Gesellschaft sein. Dieser Anspruch unterscheidet häufig Pioniere der nachhaltigen Finanzwirtschaft sowie Kirchenbanken von konventionellen Anbietern, die beabsichtigen, erst in den kommenden Jahren eine umfangreiche Expertise in diesem Bereich aufzubauen.

Ebenso gelten für alle Kredite sowie unser Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft eindeutige Kriterien. Dies beginnt mit klaren Ausschlusskriterien ohne Umsatztoleranzen: Atomenergie, Kohleenergie, Rüstung und Waffen, Gentechnik in der Landwirtschaft, chlororganische Massenprodukte, Massentierhaltung, Verletzung der Menschenrechte, Korruption; um nur die wichtigsten zu nennen. Wie glaubwürdig können Finanzinstitute hinsichtlich Nachhaltigkeit sein, wenn Ausschlusskriterien nur für ein Drittel oder noch weniger des gesamten Finanzportfolios angewandt werden oder Umsatztoleranzen den eigentlichen Zweck dieser Kriterien wieder aufweichen? NGOs weisen in unterschiedlichen Veröffentlichungen (WWF BankenratingFair Finance Guide, etc.) immer wieder darauf hin, dass sich zwischen Anspruch und Realität leider doch die ein oder andere Lücke auftut.

Positivkriterien – der Schlüssel zu zukunftsweisender Wirtschaft

Dennoch sind Ausschlusskriterien nur eine Voraussetzung. Nachhaltiges Handeln verstehen wir als zukunftsweisendes Handeln. Besonderen Wert legen wir daher auf Positivkriterien. Positiv sind für uns Projekte und Unternehmen, die nachhaltig menschliche und zukunftsweisende Ziele verfolgen. Im Mittelpunkt unserer Bewertung stehen immer die Menschen mit ihren Bedürfnissen. Daher ist ökonomischer Gewinn nie Zweck, sondern Folge unseres Handelns.

Was heißt dies praktisch? Wir wollen die uns anvertrauten Gelder dorthin lenken, wo sie am stärksten gebraucht werden. Die Auswahl unserer Investments gründen wir nicht auf gängigen Börsenindizes, sondern einzig und allein auf die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. Dafür investieren wir bewusst auch in kleine Unternehmen mit innovativen Ideen und zukunftsweisende Geschäftsfelder: Eneuerbare Energien, Ernährung, Land- und Forstwirtschaft, Soziales und Gesundheit, Entwicklungs- und Mikrofinanzierung, Nachhaltige Mobilität und Wirtschaft.

Im Anlagegeschäft lehnen wir bewusst den Best-in-Class-Ansatz oder benchmarkorientierte Ansätze ab. Denn diese Ansätze untermauern den Status Quo und führen dazu, dass die größten Unternehmen, die bereits eine große Investorenbasis haben, noch stärker mit Kapital versorgt werden. Dies sehen wir kritisch. Ein bekanntes Sprichtwort lautet: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Übertragen auf den Kapitalmarkt stellt sich die Frage: Können große börsennotierte Unternehmen wirklich die sozial-ökologischen Herausforderungen lösen, für die sie durch ihre Geschäftstätigkeit mitverantwortlich sind? Aus unserer Sicht sind dazu junge Unternehmen mit innovativen Lösungen besser geeignet. 

Einzelfallentscheidung statt Scoring-Modell

Der Fokus auf die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen erfordert auch eine differenzierte Analyse von Unternehmen, die wir finanzieren bzw. in die wir investieren. Einzelfallentscheidungen sind unser bewusst gewähltes Arbeitsprinzip. Zwar erscheint dies zunächst wenig systematisch, jedoch beugt es einem mechanischen und einseitigen Bewertungsschema vor. So kann das quantitative Verrechnen von Plus- und Minuspunkten nie die realen Gegebenheiten eines Unternehmens in seiner Komplexität erfassen. Die Kritik an der mangelnden Korrelation vieler ESG-Ratings zeigt, dass diese Gefahr verstärkt von Investor*innen gesehen wird. Hinzu kommt, dass viele große Unternehmen mittlerweile professionelle Nachhaltigkeits/CSR-Abteilungen gegründet haben, die Nachhaltigkeitsinformationen nach den gängigsten Standards (z.B. GRI) aufstellen. Dies können kleine Unternehmen oftmals gar nicht leisten. Deswegen werden sie allzuhäufig trotz zukunftsweisender Geschäftsmodelle gar nicht erfasst oder in der Bewertung wegen mangelnder Informationen abgestraft.

Statt also Scoringmodelle anzuwenden, prüfen wir umfassend die Geschäftsfelder und Geschäftspraktiken der Unternehmen und führen sie in Unternehmensprofilen zusammen. Diese werden dann in einem interdisziplinär zusammengesetzten, unabhängigen Anlageausschuss mit externen Experten diskutiert. Einzig dieser Ausschuss – kein*e Nachhaltigkeitsanalyst*in oder Portfoliomanager*in – entscheidet darüber, welche Titel wir in unser GLS Anlageuniversum aufnehmen. Die Diskussionen sind mitunter sehr intensiv. Auch vertreten unsere Nachhaltigkeitsanalyst*innen bei manchen Titeln eine andere Auffassung. Aber nur dieses zusätzliche Element in unserem Auswahlprozess ermöglicht es uns, eine ganzheitliche Betrachtung der Titel vorzunehmen und sicherzugehen, dass wir in die Unternehmen investieren, die unserem Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 700 Mio. Euro an (Stand 15.10.2020).

Weiterführende Informationen:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
Newsletter-Anmeldung GLS Fonds

Net Zero – Zukunft oder leere Versprechen?

von Alexander Weiss, Commodities Specialist der Erste Asset Management.

Der Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind spätestens seit Great Thunberg und Fridays for Future in aller Munde. Grüne Parteien erzielen Rekord-Ergebnisse, Regierungen schnüren Milliardenpakete zum Ausbau nachhaltiger Energiequellen und die EU verkündete Ende 2019 unter der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Plan, bis 2050 der erste „klimaneutrale Kontinent“ der Welt werden. So sehr COVID-19 die Welt auch aus den Angeln gerissen hat, ist es eher ein Trend-Beschleuniger als ein Trend-Stopper.

Die grüne Null

Die von der EU angestrebte Klimaneutralität oder „Net Zero“ wird notwendig sein, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Im Klima-Abkommen von Paris 2015 hat sich die internationale Gemeinschaft verpflichtet, die Erderwärmung auf unter 2% Grad Celcius zu halten, außerdem sollen Anstrengungen unternommen werden, den Temperaturanstieg sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Momentan sind wir von diesen Zielen jedoch weit entfernt. Erreicht werden kann die Klimaneutralität nur durch massive Investitionen in umweltfreundliche Technologien in Industrie, Bauwirtschaft, Verkehr sowie der Dekarbonisierung des Energiesektors.

Co2 Emmissionen Szenarien


Quelle: https://ourworldindata.org/co2-and-other-greenhouse-gas-emissions (Screenshot)

Europa als Nachhaltigkeits-Marktführer

Die EU gibt in Sachen Klimaschutz eindeutig den Ton an, über Regulierungen und Investitionen wird versucht, die Wirtschaft zukunftsfähig aufzustellen. So wird beispielsweise über die „Disclosure Verordnung“ geregelt, wie der Finanzdienstleistungssektor nachhaltige Kriterien künftig integrieren und offenlegen muss.

Auf der Finanzierungsseite, sieht die EU vor, 30% des Corona-Hilfspakets für Investitionen in den Klimaschutz (Erneuerbare Energien, öffentlicher Verkehr, Elektrifizierung und Gebäudeisolation) zu verwenden.

„Rote“ Karte für Treibhausgase?

Doch auch vermeintliche Klima-„Sünder“ haben den Klimawandel mittlerweile als Problem erkannt. So kündigte Xi Jinping am 22. September gegenüber der UN Hauptversammlung an, dass China bis 2060 klimaneutral werden wird. Keine kleine Aufgabe, wenn man bedenkt, dass sich die CO2 Emissionen Chinas von 1990 auf 2018 mehr als vervierfacht haben, während sie in den restlichen OECD-Ländern großteils stabil blieben bzw. sogar sanken.

Doch China ist nicht nur der größte CO2-Emittent (2018 ~30% der Gesamt-Emissionen an CO2) der Welt, sondern auch der mit Abstand größte Investor, Produzent und Konsument von erneuerbaren Energien. Die Hälfte aller Elektro-Autos, 99% der Elektrobusse und 99% aller E-Roller werden in China verkauft.

Die schiere Größe der chinesischen Wirtschaft macht es damit zu einem der wichtigsten Akteure im Kampf gegen den Klimawandel. Wie ernst China „Net Zero“ tatsächlich nimmt, wird man noch diesen Oktober sehen, wenn die kommunistische Partei Chinas ihren Fünfjahresplan für die wirtschaftliche Entwicklung vorgibt.

Electricity Generation (GWh)


Quelle: Irena, und https://www.theguardian.com/commentisfree/2020/oct/05/china-plan-net-zero-emissions-2060-clean-technology (Screenshot)

If you can’t beat them, join them

Firmen wie BP, Total oder Shell waren einst der Inbegriff von „Big Oil“. Mittlerweile sehen sich beide als Energieunternehmen, investieren in erneuerbare Energien und haben einen Net Zero Plan bis 2050 vorgelegt. Dieser Sinneswandel kann vor allem auf zwei Gründe zurückgeführt werden: Miserable Performance (ExxonMobil war 2013 noch größte Firma der Welt, 2020 fiel sie aus dem Dow Jones Index) sowie der Druck durch Aktionäre – sogenanntes Engagement.

Über Plattformen wie UNPRI oder Climate Action 100+ schließen sich große Investoren zusammen, und fordern von Unternehmen, ESG-Kriterien zu berücksichtigen. Auch die Erste Asset Management betreibt seit 2012 aktives Engagement rund um die Welt und hat unter anderem die Führung für das gemeinsame Engagement der Climate Action 100+ Partner mit der OMV AG übernommen.

The Long and Winding Road

Es wird an der Politik liegen, klare Rahmenbedingungen für eine klimaneutrale Welt zu schaffen. Doch auch wir als Investoren können unsere Verantwortung wahrnehmen. Insgesamt haben momentan nur ~10% der weltweiten Öl-Produzenten Pläne zur Klimaneutralität vorgelegt – zu wenig und zu schwammig formuliert. Durch aktives Engagement wird es gelingen, mehr Unternehmen dazu zu bringen, ihre Geschäftsmodelle nachhaltig auszurichten.

Doch wird die Adaption der Geschäftsmodelle allein nicht reichen – es wird auch Innovationen in Bereichen wie Mobilität, öffentlicher Verkehr, Bauressourcen, und erneuerbaren Energien benötigen. Die International Energy Agency geht davon aus, dass 50% der Technologien, die wir für eine klimaneutrale Welt benötigen noch nicht erfunden sind. Der Weg zur Klimaneutralität wird sich in den nächsten Jahren also noch stark ändern – wichtig ist allerdings, dass der erste Schritt genommen wurde und es ein gemeinsames Ziel gibt.

Der ERSTE GREEN INVEST investiert in Megatrends wie grüne Energie, Wasser und Recycling. Damit beteiligt man sich aktiv an Unternehmen, die einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten. Ein Teil der Erlöse gehen außerdem in Projekte zur Förderung des Klimaschutzes.

Größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte

Der Finanzsektor leistet mit der gezielten Steuerung von Investitionen einen wesentlichen Beitrag, um gegen den Klimawandel zu bestehen. Eines der wirkungsvollsten Instrumente ist das Impact Investing.

Unter Impact Investing (dt. Wirkungsorientiertes Investieren) versteht man Investitionen in Unternehmen, Organisationen und Fonds mit der Absicht, neben einer finanziellen Rendite messbare, positive Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft zu erzielen.

Genau nach diesem Prinzip funktioniert der neue Aktienfonds der Erste Asset Management – ERSTE GREEN INVEST. Der Fonds veranlagt sein Kapital in nachhaltige Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energie oder Wasserwirtschaft. Außerdem werden Unternehmen unterstützt, die eine Vorreiterrolle in der Umstellung von umweltbelastenden Prozessen der „Old Economy“ einnehmen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Bericht an den Club of Rome*: Mit diesen Handlungsprinzipien tragen Investoren und Unternehmen wirklich zu den SDGs bei

von Prof. Dr.-Ing. Christian Berg, Mitglied im Anlageausschuss der GLS Bank.

Die weltweite Staatengemeinschaft hat sich 2015 auf 17 Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals (SDGs), geeinigt, die ambitionierte Zielvorgaben für den Zeitraum bis 2030 formulieren. Ein Drittel dieser Zeit ist bereits verstrichen. Doch die Probleme von Klimaschutz und Artensterben, sozialer Ungleichheiten und gesellschaftlicher Polarisierung nehmen eher zu als ab. Dabei hat das Interesse an nachhaltigen Investments in jüngster Zeit unglaublich zugenommen.

Wie kommt es zu diesem Widerspruch? Es gibt am Kapitalmarkt – wie in der Realwirtschaft – viel Greenwashing. Es ist schwer, den Überblick zu behalten, die Spreu vom Weizen zu trennen und richtig einzuschätzen, welche Investitionen wirklich auf das Ziel der Nachhaltigkeit einzahlen und welche nicht.

Der neue Bericht an den Club of Rome schlägt eine überschaubare Anzahl an Handlungsprinzipien für Nachhaltigkeit vor. Diese Prinzipien bieten eine Orientierungshilfe, welche Option in einer Entscheidungssituation die nachhaltigere ist.

Investoren und Unternehmen sollten insbesondere die folgenden 5 Prinzipien beherzigen:

1. Dekarbonisieren

Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit im 21. Jahrhundert. Sämtliche Prozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sind deshalb so rasch wie möglich zu dekarbonisieren, also so auszurichten, dass sie ohne fossile Energieträger auskommen. Als Fossil Fuel Divestment ist dies inzwischen unter Investoren sehr verbreitet. In finanzieller Hinsicht dürften Investitionen in fossile Energien langfristig immer unattraktiver werden. Dass vor kurzem ExxonMobil nach 92 Jahren aus dem Dow Jones geflogen ist, ist ein wichtiges Symbol dieser Entwicklung. Berücksichtigt man künftige Kosten für CO2-Emissionen, wären 42 Prozent der Kohlekraftwerke über ihre gesamte Lebensdauer hinweg unprofitabel – ihre Kosten übersteigen die Erträge, so jedenfalls urteilt der britische Think Tank Carbon Tracker nach der Analyse der weltweiten Kohlekraftwerkskapazitäten (Carbon Tracker 2018).

2. Vielfalt fördern

Eigentlich dürfte es das Wort Monokultur gar nicht geben. Es ist so etwas wie ein eckiger Kreis. Denn Kultur kann niemals in der Einzahl vorkommen, immer nur in der Mehrzahl. Wir wissen heute aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, von der Entstehung des Lebens über das Funktionieren von Ökosystemen bis zur Innovationsfähigkeit von Unternehmen, dass die spannenden Dinge nur passieren, wenn sich Systeme auf dem schmalen Grad von Chaos und Ordnung bewegen. Wenn alles ganz klar gegliedert und geordnet ist, wie in einer Monokultur, dann gibt es nichts neues, dann ist sozusagen alles vorherbestimmt. Wenn es, andererseits, nur Unordnung und Chaos gibt, kann auch nichts neues entstehen, weil man dafür immer auch eine gewisse Regelmäßigkeit und Struktur braucht. Neues entsteht nur in dem schmalen Bereich dazwischen. Und genau deshalb ist es so wichtig, Vielfalt zu fördern, denn Vielfalt ist die Voraussetzung dafür, dass Neues entstehen kann.

Für Investoren hat dies viele Implikationen. Zum einen sind Geschäftsfelder, die sozusagen per definitionem damit beschäftigt sind, Vielfalt zu fördern, per se schon attraktiv. Ökologische Landwirtschaft zum Beispiel hat immer auch das Ziel, Artenvielfalt zu befördern (SDG 2 fordert u.a. eine nachhaltigere Landwirtschaft und den Erhalt genetischer Vielfalt). Umgekehrt sind alle „Monokulturen“ zu vermeiden. Dies bezieht sich aber nicht nur auf das Geschäftsfeld, sondern auch auf die Geschäftspraxis. Wird auch im Unternehmen Diversität gefördert? Es gibt hinreichend viele und belastbare Studien, u.a. von McKinsey oder der Boston Consulting Group, die zeigen, dass Unternehmen, bei denen die Führungskräfte nach Kriterien der Diversität besetzt sind, erfolgreicher und innovativer sind als solche, die mit weißen Männern besetzt sind (was ja meist die Alternative ist).

3. Transparenz erhöhen

Eine große Hürde auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Entwicklung sind Interessenkonflikte. Unterschiedliche Menschen bzw. Gruppen haben mitunter gegensätzliche Interessen: Kohlearbeiter fürchten um ihren Arbeitsplatz, Umweltaktivisten sorgen sich ums Klima. Solche Interessenkonflikte sind dann kein Problem, wenn über die unterschiedlichen Interessen in einem offenen und fairen Verfahren diskutiert und ein Interessenausgleich gesucht werden kann. Genau deshalb ist es zum Beispiel so wichtig, dass moderne Rechtsstaaten Meinungs- und Pressefreiheit haben.

Ein fairer Ausgleich von Interessen wird aber verhindert, wenn eine der beteiligten Parteien versucht, sich durch geheime Absprachen oder Zuwendungen Vorteile zu verschaffen. Korruption und Lobbyeinfluss haben immer wieder öffentlich vereinbarte Kompromisse konterkarriert.

Entscheidend ist, dass Unternehmen und Politik transparent die Beweggründe für ihre Entscheidungen kommunizieren.

Für Unternehmen und Investoren hat diese Forderung nach Transparenz weitreichende Folgen, beispielsweise über die ohnehin gesetzlich geforderten Offenlegungspflichten hinaus auch ihren Stakeholdern Transparenz über die Geschäftstätigkeit zu ermöglichen. Mit der vor kurzem in Kraft getretenen CSR-Berichtspflicht für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden und /oder mehr als 50 Mio Euro Umsatz geht die EU in dieser Richtung ebenso voran wie mit der Taxonomie für nachhaltige Investitionen. Stets geht es darum, Transparenz zu erhöhen.

4. Kapital aufbauen – in vielen Dimensionen

Mit dem gewachsenen Interesse an einer ganzheitlichen Bilanzierung und der Bedeutung nicht-finanzieller Leistungsindikatoren hängt auch ein erweiterter Kapitalbegriff zusammen. Warum erlauben wir als Gesellschaft, dass Firmen ihre Renditen erhöhen zu Lasten der Allgemeinheit oder auf Kosten der Umwelt? Der Sportartikelhersteller PUMA hat in einer Bilanzierung von Umweltschäden gezeigt, dass es die Umwelt in einem einzigen Jahr in einer Größenordnung von 145 Millionen Euro schädigt, dabei aber „gute“ ökonomische Renditen erzielt. Das ist letztlich ein Profit zulasten der Allgemeinheit. Diese zweifelhafte Logik wird künftig immer mehr in Frage gestellt werden und es ist m.E. nur eine Frage der Zeit, wann Unternehmen nicht mehr nur nach ökonomischer Rendite, Arbeitsplätzen und Steuerbeiträgen beurteilt werden und darüber großzügig hinweggesehen wird, wieviel Naturkapital sie dabei zerstört haben. Es liegt in der Logik einer ganzheitlichen Bilanzierung, dass sämtliche Kapitalarten darin berücksichtigt werden. Und das Ziel muss sein, über alle Kapitalarten hinweg eine positive Ertragsbilanz zu erwirtschaften. Es gibt heute schon Nachhaltigkeitspioniere, die sich in dieser Richtung bewegen, zum Beispiel solche, die Gemeinwohlbilanzen veröffentlichen.

5. Lokale und regionale Wertschöpfungsprozesse fördern

Die Corona-Pandemie hat vieles ans Licht der Öffentlichkeit gebracht, was vorher nur Eingeweihten vorbehalten war. Die unerträglichen Zustände in der Fleischindustrie gehören dazu. Auch wurde uns schmerzlich bewusst, wie abhängig wir vom Funktionieren globaler Lieferketten sind – sei es bei medizinischer Schutzausrüstung, bei Medikamten oder im produzierenden Gewerbe. Hier trifft sich der Ruf nach einer resilienteren Wirtschaft mit dem nach mehr ökologischer und sozialer Verträglichkeit – denn ein wichtiger Motor für die global verteilten Wertschöpfungsketten sind ja die Kostenvorteile, die Unternehmen dadurch realisieren, dass andernorts günstiger produziert werden kann. In einem gewissen Rahmen ist das sinnvoll und legitim, ganz gewiss aber nicht, wenn der Kostendruck dazu führt, dass eine Verletzung ökologischer und sozialer Mindeststandards in anderen Weltgegenden bewusst in Kauf genommen wird.

Es gibt viele gute Gründe, warum die Globalisierung zwar nicht rückgängig gemacht werden wird, es aber in den kommenden Jahren eine sehr viel stärkere Betonung lokaler und regionaler Wertschöpfungsprozesse geben wird:

  • Es gibt eine zunehmende Transparenz über die sozialen und ökologischen Standards in den Lieferketten bzw. auch die Verletzung entsprechender Mindeststandards (s.o.);
  • auch die Gesetzgebung wird in dieser Richtung aktiv („Lieferkettengesetz“);
  • bei Verbraucherinnen und Verbrauchern nimmt das Bewusstsein für die Implikationen ihrer Kaufentscheidungen zu;
  • die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, zumindest in Schlüsselbereichen notfalls auch im heimischen Markt deutlich autarker produzieren zu können als bisher;
  • die globalen ökologischen Krisen und ihre öffentliche Diskussion werden zu steigenden Preisen für Transporte führen („CO2-Steuer“), was die Transaktionskosten erhöht und Anreize zur Auslagerung nach Übersee reduziert;

Fazit

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass entschlossenes Handeln in Wirtschaft und Politik auch in relativer kurzer Zeit möglich ist. Bis zum Jahre 2030 sind es noch knapp 10 Jahre. Um die avisierten 17 Ziele zu erreichen, werden die in diesem Artikel vorgestellten Prinzipien für nachhaltige Investitionen – Dekarbonisieren, Vielfalt fördern, Transparenz erhöhen, ein erweitertes Kapitalverständnis und eine stärkere Gewichtung lokaler und regionaler Wertschöpfungsprozesse – eine wichtige Rolle spielen. Bereits heute gibt es für einige dieser Prinzipien klare Indizien, dass sich der Markt in diese Richtung entwickelt. In dem sehr dynamischen Markt nachhaltiger Geldanlagen werden wir noch manche Überraschungen erleben. Lange nicht alles, was glänzt, wird Gold sein. Man ist deshalb gut beraten, sich auf Prinzipien zu verlassen, die bei der Beurteilung helfen, ob eine Investition auch tatsächlich auf das einzahlt, was sie zu leisten verspricht: uns dem Ziel der Nachhaltigkeit näher zu bringen.


*Der folgende Beitrag führt einige Gedanken weiter aus, die der Verfasser in seinem jüngsten Buch formuliert hat, das als Sustainable Action. Overcoming the Barriers zunächst bei Routledge, als Ist Nachhaltigkeit utopisch? Wie wir Barrieren überwinden und zukunftsfähig handeln dann bei oekom auf Deutsch erschienen ist.

Prof. Dr.-Ing. Christian Berg
beschäftigt sich seit gut 20 Jahren mit Themen nachhaltiger Entwicklung, insbesondere mit Blick darauf, was dies für Unternehmen und die Finanzwirtschaft bedeutet. Er lehrt als Honorarprofessor für Nachhaltigkeit und Globalen Wandel an der Technischen Universität Clausthal und ist Gastprofessor für Corporate Sustainability an der Universität des Saarlands. Zuvor war er bei SAP Chief Sustainability Architect. Prof. Dr. Berg ist Mitglied im Anlageausschuss der GLS Bank. Weitere Informationen unter www.christianberg.net.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von rund 600 Mio. Euro und zusätzlich den B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 02.09.2020).

Weiterführende Informationen:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
Newsletter-Anmeldung GLS Fonds

Digitalisierte Arbeitswelt

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Die analoge Welt der Vergangenheit ist im Wandel – Digitalisierung gilt als neuer Megatrend. Dabei wird der Terminus „Digitalisierung“ vor allem in zweierlei Kontext verwendet: Zum einen geht es um digitale Daten, deren Umwandlung und Darstellung sowie die digitale Weiterentwicklung, das digitale „Aufrüsten“ von Instrumenten und Geräten. Zum anderen ist die digitale Revolution ein viel diskutiertes Thema, das die gesamtwirtschaftliche Entwicklung betrifft, begleitet von Schlagwörtern wie „digitale Wende“ oder „Computerisierung“.

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren zu vielfachen, grundlegenden Veränderungen im Wirtschaftsleben geführt, wie zur Vereinfachung von Kopier- und Distributionsmöglichkeiten von Inhalten, zur Verschmelzung von Virtualität und Realität und schließlich zu einer Neugestaltung der Arbeitswelt. Viele Unternehmen und Branchen wurden zu rigorosen Einschnitten und Anpassungsprozessen gezwungen – um beispielsweise gegenüber neuen Playern, die für ihr Unternehmen keine eigenen Gerätschaften, Fahrzeuge oder Immobilien benötigen, konkurrenzfähig zu bleiben. Als Beispiele für die – bedingt durch die Digitalisierung – neuen Rahmenbedingungen in der Wirtschaft seien der Aufstieg der sozialen Netzwerke sowie der Trend zu einerseits Automatisierung/Robotik und Künstlicher Intelligenz andererseits genannt.

Die Aspekte der Veränderung durch die Digitalisierung sind vielschichtig. Unternehmen, die hinter sozialen Netzwerken stehen, erstellen keine oder nur in geringem Ausmaß eigene Inhalte. Der von den Usern generierte Content wird analysiert und zur – für Werbezwecke verwendeten – Personalisierung genutzt. Hinter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ stehen eine fortschreitende Roboterisierung, automatisierte Prozessketten und das „Internet der Dinge“. Schließlich erlauben Big Data und Künstliche Intelligenz aktuelle und detaillierte Analysen in bisher nicht gekanntem Ausmaß.

EINE NEUE ARBEITSWELT

Die Arbeitswelt wird immer digitaler und globaler, sie hat bereits einen dynamischen Wandel hinter sich und wahrscheinlich einen noch dynamischeren vor sich. Zu den zuletzt auch durch die Corona-Pandemie verschuldeten wesentlichen Änderungen der vergangenen Monate und Jahre zählen nicht nur massive Steigerungen bei E-Commerce, kontaktlosem Bezahlen und Essenszustellungen nachhause, sondern auch viele Aspekte der täglichen Arbeit, des täglichen Agierens auf geschäftlicher Ebene. Das oft zitierte und postulierte papierlose Büro scheint immer mehr Wirklichkeit zu werden, es eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten einer Zusammenarbeit „auf Distanz“.

INDIVIDUELLE ARBEITSEINTEILUNG

Die Digitalisierung der Arbeitswelt führt zur verstärkten Möglichkeit einer individuellen Einteilung und Strukturierung der Arbeit. Diejenigen, die in der Digitalisierung schon sehr weit fortgeschritten sind, werden als „digitale Nomaden“ bezeichnet. Sie können von überall aus arbeiten und haben den Vorteil, nicht an stationäre Geräte gebunden zu sein. Aber für die meisten der täglich mit einem Computer arbeitenden Beschäftigten hat flexibles Arbeiten mittlerweile eine neue, wenngleich nicht derart ausgeprägte Dimension erreicht. Heimarbeit und Büroarbeit nebeneinander sind inzwischen auch von Seiten der Arbeitgeber immer mehr toleriert, teils sogar erwünscht. Man kann eine stete Weiterentwicklung weg von den klassischen Arbeitsmodellen, die bisher meist auf strikte Abläufe und Präsenzzeiten – man spricht oft von „9 to 5“-Jobs – gesetzt haben, beobachten.

HINDERNISSE BEI DER UMSETZBARKEIT VON HEIMARBEIT

Im Detail betrachtet, gibt es einige Hindernisse bei der Umsetzbarkeit einer digitalen Arbeitswelt zuhause. Denn der Trend zu Homeoffice oder Homeworking hat vielfältigste Aspekte, und nicht für alle Berufstätigen besteht überhaupt die Möglichkeit zur Heimarbeit. Unter dem finanziellen und damit sozialen Gesichtspunkt sind die Leistbarkeit von Raum und Equipment sowie die notwendige Ungestörtheit wesentliche Themen. Es stellt sich die Frage, ob der notwendige Raum für den Arbeitsplatz überhaupt vorhanden ist und wie die letztendlich großteils vom Arbeitnehmer bzw. von der Arbeitnehmerin zu finanzierende technische Ausstattung ausgestaltet ist, die ein effizientes Arbeiten zuhause überhaupt erst möglich macht. Zudem sind Ablenkungen durch Familie und Mitbewohner zum Teil schwer in den Griff zu bekommende Probleme.

VORTEILE UND CHANCEN

Zu den großen Vorteilen der Digitalisierung zählt zunächst die erhöhte Flexibilisierung, die nicht nur die Arbeitszeiten und das örtliche Umfeld, sondern den gesamten Arbeitsablauf betrifft. Diese neue Umfeldsituation kann zu besserer Motivation und zu einer Steigerung der Kreativität führen. Durch den Wegfall von Arbeitswegen ergibt sich eine mitunter deutliche Zeitersparnis, das Einsparen der Fahrzeit zum Arbeitsplatz bedeutet ein Mehr an Freizeit. Die vermehrte Anwesenheit zuhause und die Zeitersparnis können wiederum zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie führen.

SOZIALE FOLGEN

Mit der Digitalisierung wird die Arbeit dezentralisiert. Mitarbeitende erhalten die Chance, ihren Arbeitsalltag selbst zu bestimmen und zu gestalten, sie können nicht nur selbst festlegen, wann und wo sie arbeiten, sondern auch wie. Aber genau diese Entwicklung ist auch eine große Herausforderung an das eigene (Zeit-)Management.

Zu den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung in Zusammenhang mit einem höheren Anteil an Homeworking zählt ein potenzieller Rückgang an sozialen Kontakten, da die Kommunikation teils erschwert ist oder aktiv gesucht werden muss. Damit verbunden ist das Risiko einer akzentuierten Vereinsamung. Dazu zählt auch der Effekt des „Cocoonings“, des Sich-Zurückziehens aus der Zivilgesellschaft in das häusliche Privatleben. Dieser Trend ist generell in als bedrohlich empfundenen Krisenzeiten verstärkt zu beobachten und wird durch die aktuelle Pandemie zusätzlich befeuert.

Das Auseinanderhalten von Arbeitszeit und Freizeit und die permanente Erreichbarkeit sind oft vor allem für an Homeworking nicht gewöhnte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Herausforderung. Oft ist der Arbeitsalltag nur mangelhaft strukturiert. Das physische Verlassen des Arbeitsplatzes als Signal zur Beendigung der täglichen Arbeit fällt weg, ein psychologisch gefährliches Kontinuum stellt sich ein.

Der Aufbau einer Teamkultur wird durch ein hohes Ausmaß an Heimarbeit konterkariert. Die Teammitglieder müssen sich stärker um Kontakte bemühen, die bei einer gemeinsamen Präsenz im Büro automatisch gegeben wären.

EFFIZIENZ

Ohne physische Nähe zu der Kollegenschaft effizient zu arbeiten, ist durch die verbesserten Möglichkeiten des externen Zugriffs auf Daten und Systeme mittlerweile sehr einfach geworden. Auch der Kommunikationsaspekt – verbal wie visuell – kann zumindest theoretisch bereits gut abgebildet werden. Die digitale Arbeitswelt unterstützt die bereits in den letzten Jahren zu beobachtende Tendenz zu flacheren Hierarchien, auch können sich bestehende Kompetenzprofile verändern.

IT-VERSTÄNDNIS

Voraussetzung für das effektive Arbeiten zuhause ist neben dem Vorhandensein einer entsprechenden IT-Infrastruktur das Verständnis der sich immer schneller weiterentwickelnden IT-technischen Systemlandschaft. IT-Schulungen haben in diesem Kontext einen noch höheren Stellenwert, vor allem Ältere sind mit den entsprechenden Skills auszustatten, um in der digitalisierten Arbeitswelt erfolgreich sein zu können. Dem für den extern Arbeitenden rund um die Uhr verfügbaren IT-Support kommt hohe Bedeutung zu.

ÖKOLOGISCHE ASPEKTE DER NEUEN ARBEITSWELT

Die technische Ausstattung zweier Arbeitsplätze für jeden Mitarbeiter birgt große ressourcentechnische Nachteile. Auf der anderen Seite hat der Wegfall der An- und Abreise zum Arbeitsplatz positive ökologische Aspekte. Vor allem der individuelle Straßenverkehr sollte durch den Trend zum Homeworking rückläufig sein.

Eine verbesserte IT-Landschaft, die bereits erwähnte Duplizierung der Arbeitsplätze, aber auch jede zusätzliche Datenspeicherung und jede Erhöhung der Serverkapazität bedeuten nicht nur einen immer größeren ökologischen Fußabdruck des technischen Equipments selbst, sondern auch immer höhere Aufwendungen an Energie. Dabei kann man zwischen dem Stromverbrauch der Datenzentren (Cloud), der Haushalte und Wirtschaft über Endgeräte und jenem des Internets unterscheiden. Vor allem der Energieverbrauch der Datenzentren ist zuletzt sprunghaft angestiegen. Der IT-bezogene Stromverbrauch, also der gesamte Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), verursacht nach Schätzungen der französischen Non-Profit-Organisation „The Shift Project“1 etwa 3,7 % aller Treibhausgasemissionen weltweit, die Steigerungsraten betragen aber rund 9 % jährlich gegenüber einem Gesamtwachstum des globalen Stromverbrauchs von mittel- bis langfristig erwarteten 3 %2.

DIGITALISIERTE ARBEITSWELT IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITS- DIMENSIONEN ESG

E (Environment)

Die fortschreitende Digitalisierung birgt zwar das Potenzial für die Effizienzsteigerung von Prozessen, andererseits wächst wachstumsbedingt der Energiebedarf der Informations- und Kommunikationstechnologien sprunghaft und bewegt sich deutlich über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum.

S (Social)

Das Profitieren von der fortschreitenden Digitalisierung ist einerseits an eine geeignete IT-technische Ausstattung und andererseits an entsprechendes Know-how gebunden. Diese Kombination von höhere Einkommensschichten bevorzugenden Faktoren kann soziale Ungleichheiten verstärken.

G (Governance)

Digitalisierung und Datensicherheit sind zwei eng verwobene Themen. Regeln und Initiativen zum Thema Datensicherheit können sowohl von Unternehmens- wie auch von staatlicher Ebene kommen.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist Digitalisierung ein wesentliches Zukunftsthema. Der Sektor IT ist in nachhaltigen Investments strukturell übergewichtet.


1) Quelle: https://theshiftproject.org/en/article/lean-ict-our-new-report/
2) Quelle: IEA, BP