Die Energiewende erfordert eine Technik- und Kapitalwende

 06.05.2014 - Investoren sind händeringend auf der Suche nach Investments, die ihnen eine ausreichende reale Rendite bei geringem Risiko bieten. Gleichzeitig muss der Bereich der Erneuerbaren Energien ausgebaut werden und ist deshalb auf der Suche nach ­Kapital. Schließen sich beide zusammen, wäre das eine Win-Win-Situation für beide Seiten. 

Sind Investitionen in die Energieinfrastruktur und in Erneuerbare Energien ein Modethema? Nein, sie sind vielmehr Ausdruck klarer wirtschaftlicher Notwendigkeit und politischer Vorgaben. Sind sie „nur“ ein deutsches Thema? Auch hier ein klares Nein. Weltweit sind institutionelle Investoren bereit, signifikante Beträge in Infrastrukturprojekte zu investieren. Laut der aktuellen Studie Power & Renewables Deals 2014 Outlook and 2013 Review der Unternehmensberatung PwC stieg der Transaktionswert im Bereich Erneuerbarer Energien im Jahr 2013 um 25 Prozent von knapp 13 auf 16,1 Milliarden Euro. Somit handelt es sich hier um einen globalen Trend. 

Dass institutionelle Anleger ihr Augenmerk verstärkt auf dieses Feld richten, hat gute Gründe. Angesichts des Niedrigzinsumfeldes, in dem zehnjährige Bundesanleihen mit nur rund 1,7 Prozent jährlich verzinst werden, einer vergleichsweise hohen Volatilität am Aktien­markt, häufig geringen Risikobudgets und Mindestrenditezielen in einer Band­breite von 3,5 bis etwa fünf Prozent pro Jahr sind sie gezwungen, sich mit der strate­gischen Neuausrichtung ihrer Kapitalanlage zu beschäftigen und Renditepotenziale ­abseits der klassischen Bondanlagen zu suchen. 

Gerade Investitionen in Infrastruktur sind hier attraktiv. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie bieten in der Regel ein attraktives Rendite-Risiko-Profil bei stabilen und langfristig planbaren Cashflows, verbunden mit einem hohen Werterhalt. Das haben australische und kanadische Pensionsfonds laut einer OECD-Studie aus dem Sommer 2013 bereits in den frühen 1990er-Jahren erkannt. Sie haben damals schon begonnen, diese Anlageklasse sehr erfolgreich für sich zu erschließen. 

Neu ist das Thema der Infrastrukturinvestitionen also nicht. Neu sind aber die Herausforderungen, vor denen die europäische Energiewirtschaft derzeit steht. Sie beschäftigt die Frage, wie sie angesichts der Energiewende und dem damit verbundenen, dringend notwendigen massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien ihr Geschäftsmodell anpassen kann, um langfristig profitabel arbeiten zu können. Erkennbare Wachstumspotenziale gibt es zwar beispielsweise im Netzgeschäft, im Bereich der Erneuerbaren Energien, im Vertriebs- und Endkundengeschäft sowie in den Bereichen der dezentralen Energieversorgung und der Energieeffizienz. Das Problem ist aber der dafür benötigte Finanzbedarf.

Die wesentlichen Elemente der Energiewende hierzulande sind dabei im Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, festgelegt. Laut den aktuellen Plänen der Bundesregierung ist das Ziel, bis 2050 die Kohlendioxid-Emissionen um 80 Prozent zu senken, 25 Prozent des Strombedarfs soll eingespart werden und der Anteil an erneuerbarer Energieerzeugung am Energiemix auf 80 Prozent steigen. 

Wie umfangreich, komplex und kapitalintensiv die Herausforderung dieses Projekts aber ist, das wird bei einem genaueren Blick auf die technischen Hintergründe der Energie­wende deutlich. Denn im Grundsatz ist die Energiewende zunächst einmal eine Techno­logie­wende. Das traditionelle, von fossiler Primärenergie dominierte Energiesystem soll in einem Zeitraum von knapp 40 Jahren in ein regeneratives System überführt werden. Wenn die Energiewende gelingen soll, dann muss dies jedoch mit einer Steigerung der ­Energieeffizienz auf der Anwendungsseite einhergehen. Daran wird deutlich, dass der Aufbau des beschriebenen Systems neue technische Realitäten schafft. Die Medien Strom, Wärme und Gas werden auf neue Weise gekoppelt und der horizontale Energieaustausch gewinnt an Bedeutung. Viele aktuell gültige gesetzliche Regelungen basieren auf dem traditionellen, von Großkraftwerken dominierten Energiesystem und bilden vertikale Energie­ströme ab. Hier sind daher Anpassungen erforderlich. Die Energiewende wird damit auch zu einer ordnungspolitischen Wende. 

Die für die Umsetzung der Energiewende erforderlichen technischen Bausteine sind heute im Grundsatz vorhanden. Doch darf bei all dem nicht vergessen werden, dass der Aufbau der beschriebenen Infrastruktur eine enorme Kapitalmenge erfordert, die langfris­tig gebunden ist. Die Energiewende stellt damit eine Kapitalwende dar. Das für diesen Transformationsprozess erforderliche Kapital kann zudem nur zu einem geringen Teil von der traditionellen Energiebranche aufgebracht werden. Denn den Versorgern eröffnet die Energiewende zwar neue Geschäftsmöglichkeiten, sie bedeutet zunächst aber rückläufige Umsätze im klassischen Versorgergeschäft. 

Auf der anderen Seite eröffnen sich Chancen für Investoren. Bürgergenossenschaften, Kapitalfonds, die Wohnungswirtschaft oder Industrie- und Gewerbebetriebe können Inves­toren und damit Teil der neuen Energiebranche werden. Tatsächlich finden sich inzwischen vermehrt Beispiele für Kooperationen zwischen Energieversorgern und Finanz­investoren. So kooperiert E.ON mit Finanzinvestoren aus Abu Dhabi und mit Pensions­fonds aus Dänemark. RWE dagegen strebt künftig nur noch Minderheits­beteiligungen bei Kraftwerksprojekten an. Vattenfall arbeitet mit einem Investmentfonds zusammen und Tennet kooperiert bei der Netzanbindung von Offshore-Windparks mit Mitsubishi.

Potenzielle Investoren sollten dabei zweierlei bedenken: Zum einen sollte der Blick nicht nur auf den deutschen Markt gehen. Denn die Energiewende ist kein rein ­deutsches Thema. Chancen liegen insbesondere auch in Norwegen, Schweden, Frankreich, ­Polen und Irland. Bis 2035 prognostiziert der Ölkonzern BP in seinem „BP Energy ­Outlook 2035“ zudem einen Anstieg des globalen Energieverbrauchs um 41 Prozent. Die ­globale Erzeugung Erneuerbarer Energien wird in diesem Zeitraum um das Dreifache gegenüber dem Niveau von 2010 steigen, woraus eine Zunahme des Anteils Erneuerbarer ­Energien innerhalb des globalen Energiemix von 20 auf 31 Prozent resultiert. Die deutsche Energie­wende reiht sich somit in die internationale Entwicklung ein. Das sollten ­Investoren ­nutzen, da ein international ausgerichtetes Portfolio zur effizienten Streuung der Investments beiträgt. So ergeben sich mehr und bessere Investmentchancen und das regulatorische Risiko kann insgesamt reduziert werden. 

Bei begrenzten internen Ressourcen eines Investors stellt sich deshalb die Frage, wie die Chancen im Bereich der Infrastruktur und insbesondere im Feld der Erneuerbaren Energien genutzt werden können. Der Zugang zu attraktiven Investitionen ist schwierig und die Risiko- sowie Beteiligungsbewertung komplex. Hier bietet sich die Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Service-KVG an. Diese übernimmt die Verwaltung der Sondervermögen eines oder mehrerer Anleger, wobei es sich meist um Spezialfonds handelt. Während Funktionen wie beispielsweise die Administration, das Risikomanagement, die Bewertung und das Reporting einheitlich von der Service-KVG übernommen werden, können für die Verwahrstelle und andere Funktionsbereiche jeweils die besten Anbieter ausgewählt werden. 

Eine weitere Lösung können partnerschaftliche Beteiligungsstrukturen sein. Diese sind auf drei Ebenen möglich: als Kooperation auf Ebene eines einzelnen Projektes, als Etablierung eines Joint Ventures, um gemeinsam in unterschiedliche Projekte, wie beispielsweise Windparks in Europa, zu investieren oder die Entwicklung und Umsetzung eines Investmentvehikels, das von einem Energieversorger verwaltet und gesteuert wird. 

Fazit: Die Neuausrichtung der Energiewirtschaft ist mit erheblichem Investitions- und Finanzierungsbedarf verbunden. Neben Desinvestitionen kommen Co-Investitionen mit institutionellen Investoren in Betracht, um diese Finanzierung sicherzustellen. Hierfür ist „Financial Engineering“ auf Projekt- und Investorenseite gefragt, um auch aufsichtsrechtlich optimierte Lösungen für regulierte Institutionelle zu erzielen. Zu denken ist hier insbesondere an Solvency II.

 

Die Autoren

Reinhard Liebing 
ist Geschäftsführer der Alceda Real Asset Trust GmbH. Zuvor war er in seiner Funktion als Principal bei Mercer Investment Consulting mit Alternativen Investments, steuereffizienten Investment- und Portfoliostrukturierungen, Asset Allokationen, Private Equity sowie Manager-auswahl betraut. Vor dieser Zeit war er als -Geschäftsführer eines renommierten -Multi -Family Offices und als Head of Wealth -Management bei der Tochtergesellschaft einer deutschen Großbank tätig.

Prof. Dr.-Ing. Peter Birkner 
verantwortet bei der Mainova AG die Bereiche Netze und Regulierung, Anlagenbau Erzeugung, Betrieb und Instandhaltung Kraftwerke, Arbeitsmedizinischer Dienst, Sicherheit und Umweltschutz sowie Innovations- und Wissensmanagement. Zuvor war er Technischer Vorstand der slowakischen Landesgesellschaft der RWE, der VSE, sowie Technischer Geschäftsführer der RWE Rhein-Ruhr Netzservice GmbH. Von 2001 bis 2004 war er Prokurist der LEW AG und verantwortlich für den Geschäftsbereich Netzbetrieb. 

Alceda Real Asset Trust (ARAT) 
begleitet institutionelle Klienten unabhängig und umfassend in Fragen der In- und Desinvestition von Real Assets. Der Fokus liegt dabei auf den Segmenten Infrastruktur, Erneuerbare Energien, Immobilien sowie Land- und Forstwirtschaft. Die Leistungen umfassen die Identifikation und Bewertung attraktiver Real Assets und ihre -Zusammenführung mit Investoren im Rahmen von Einzel- bzw. Club Deal-Transaktionen. Darüber hinaus werden maßgeschneiderte Strukturierungslösungen für Investitionsprojekte unter Beachtung von steuer- und aufsichtsrechtlichen Gesichtspunkten entwickelt. Im Rahmen der Bewertung und Strukturierung kann ARAT auf ein internationales Netzwerk aus externen Spezialisten und Beratern sowie Service-providern zurückgreifen.

Mainova AG 
versorgt als Energiepartner die Rhein-Main-Region zuverlässig und umweltschonend mit Strom, Erdgas, Wärme und Wasser.

Mit dem extreme VaR Portfolios gegen Naturkatastrophen absichern

05.02.2014 - Die Investmentindustrie sucht zunehmend nach Lösungen, um die erhöhte Fragilität der Finanzmärkte bei extremen Ereignissen zu berücksichtigen. Ein mittlerweile etabliertes Verfahren zur Messung extremer Risiken ist der „extreme Value-at-Risk“ (eVaR), der auf der Grundlage der Naturkatastrophenforschung entwickelt wurde. Wir haben Dr. Frank Schmielewski von der RC Banken Gruppe gefragt, was die Finanzwelt von den Naturwissenschaften lernen kann. 

altii: Was hat eine Portfoliokonstruktion mit Naturkatastrophen zu tun?
Dr. Frank Schmielewski: Diese Analogie ist recht einfach zu erklären. Naturkatastrophen sind extreme Ereignisse, die selten auftreten und mit großen Schäden verbunden sind. Gleiches gilt für Tsunamis an den Finanzmärkten, wie etwa die Subprime-Krise 2007/2008 drastisch vor Augen geführt hat. Es drängt sich daher förmlich auf, von Forschern, die sich mit der Abschätzung von Flutwellen, Hochwasserständen oder dramatischen Niederschlägen beschäftigen, zu lernen und die Extremwertstatistik auch für die Finanzmärkte anzuwenden.

altii: Sie sagten, Drawdowns sind für Anleger mit Schmerzen verbunden. Das ist eher ein Ausflug in die Medizin. Wie hängt das zusammen?
Schmielewski: Auch in diesem Fall greife ich gern auf Analogien zurück. Anleger, die die Rückschläge an den Aktienmärkten in den vergangenen zwei Dekaden miterlebt haben, wissen, was es heißt, schmerzvolle Drawdowns zu erfahren. Wir reden hier ja nicht über die Vernichtung von Vermögenswerten von einigen wenigen Prozent, sondern von massiven Verlusten von teilweise mehr als 50 Prozent. Wenn das keine Schmerzen im wahrsten Sinne verursacht?

altii: Wie kann man diese Schmerzen im Portfolio messen? 
Schmielewski: Die geläufigen Kennziffern, wie etwa die Sharpe Ratio oder die durchschnittlichen Drawdowns, sind aus Sicht des Investors abstrakte Größen. Einige meiner Kollegen aus der Finanzökonomie haben daher mit dem Pain Index oder dem Ulcer Index Kennziffern entwickelt, die schmerzhafte Drawdowns an den Finanzmärkten deutlich besser quantifizieren. Diese machen meines Erachtens die Bedrohung eines Portfolios in Krisenzeiten deutlich transparenter und gaukeln Investoren nicht eine scheinbare Sicherheit vor.

altii: Wie sieht ein Therapieansatz aus?
Schmielewski: Nun, Schmerzen kann man mit Schmerzmitteln reduzieren. Besser als eine symptomatische Behandlung ist allerdings eine kausale Therapie, sodass es erst gar nicht zu Schmerzen kommt. In unserem Fall hieße dies, extreme Verlustpotenziale zu vermeiden und auf krisenresistente Portfolios zu setzen. 
Herzstück unserer Therapieempfehlung ist der extreme VaR (eVaR), der auf der Grundlage von Extremwertverteilungen mit einer quasi deterministischen Parameterschätzung potenzielle Extremrisiken einzelner Finanzinstrumente oder eines Investmentportfolios abschätzt. Sind diese erst einmal besser zu diagnostizieren, ist die weitere Behandlung relativ nebenwirkungsarm.

altii: Weniger Risiko einzugehen bedeutet im Allgemeinen auch, weniger Rendite zu bekommen. Ist das kein Widerspruch zu Markowitz?
Schmielewski: Ja, diese Beobachtung ist ein Widerspruch zu Markowitz. Dessen theoretisches Kosten-Nutzen-Modell in extremen Verlustphasen an den Märkten wird auch immer wieder in Frage gestellt, weil es auf falschen Annahmen zur Verteilung von Verlusten und deren Korrela­tionen beruht. 
Wir konnten in breit angelegten Untersuchungen zeigen, dass weniger Risiko nicht mit weniger Rendite verbunden ist, ganz im Gegenteil: Das Nichteingehen extremer Risiken wird durch eine höhere Rendite belohnt. Mit dieser Ansicht stehe ich im Übrigen auch nicht allein, denn geschätzte Ökonomen wie Haugen und Heins oder auch Mandelbrot haben bereits Anfang der 1970er-Jahre auf diesen ökonomischen Widerspruch aufmerksam gemacht.

altii: Wie kann man die riskanten Tage erkennen?
Schmielewski: Hier will ich gern den Wissenschaftlern Taleb und Mandelbrot folgen, die ja gezeigt haben, dass diese riskanten Tage, die ganze Portfolios an den Rand des Ruins treiben können, nicht zu prognostizieren sind. Allerdings sind zumeist schon weit vor dem Ausbruch des Erdbebens die Vorbeben zu erkennen, sodass der Investor hinreichend Zeit findet, sein Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Dies ist der genau der Punkt, an dem wir mit unseren eVaR-Abschätzungen ansetzen.

altii: Damit sind wir bei der praktischen Anwendung. Wie können Investoren die Extremwerttheorie in ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen?
Schmielewski: Die einfachste Form der Risikoreduktion besteht darin, Extremrisiken zu begrenzen. Die Extremwertstatistik zielt genau darauf ab. Sie ist ebenso wenig in der Lage, in die Zukunft zu schauen und Punktprognosen zu liefern. Mithilfe der Extremwertverteilungen lassen sich für einzelne Investments und für das Portfolio jedoch potenzielle Schäden valide abschätzen und die Fragilität des Portfolios messen. Ich meine, das ist aus Sicht eines Investors schon ein signifikanter Fortschritt.

altii: Gibt es derzeit Assetklassen, die ein höheres Risiko haben als im vergangenen Jahr?
Schmielewski: Ein gutes Beispiel ist Gold, das einen signifikant höheren eVaR ausweist als noch vor einem Jahr und das Niveau der globalen Aktienmärkte längst erreicht hat.

altii: Kernstück der Therapie ist der eVaR. Was verbirgt sich dahinter?
Schmielewski: Der eVaR schätzt, wie bereits erwähnt, die fetten Enden der Verlustverteilungen, die ja genau das Extremrisiko repräsentieren, mit einer höheren Genauigkeit ab als die herkömmlichen Methodologien. Zur Abschätzung greifen wir dabei direkt auf die Erkenntnisse der Naturkatastrophenforschung zurück. Diese haben wir wesentlich weiterentwickelt und auf die Finanzmärkte adaptiert. In Märkte oder Assets zu investieren, die nur geringere eVaR-Werte ausweisen, ist meines Erachtens der richtige Weg, Schmerzen zu vermeiden, ohne Renditen opfern zu müssen.

altii: Der eVaR soll auch ein Frühwarnsystem sein, der vor Schwarzen Schwänen warnt. Lassen sich mit dieser Methode auch Prognosen erstellen?
Schmielewski: Der eVaR ist insofern ein Frühwarnsystem, als er es ermöglicht, in den verschiedenen Assetklassen oder für einzelne Investments sich aufbauende Extremrisiken frühzeitig zu erkennen. Dies impliziert jedoch nicht, dass wir vorhersagen könnten, wann ein Extremereignis an den Märkten eintritt. 
Auch hier möchte ich auf eine Analogie aus dem Bereich der Natur­katastrophen verweisen. Es ist sicherlich möglich, die Deichhöhe abzuschätzen, die erforderlich ist, um sich gegen eine Sturmflut zu schützen. Vorherzusagen, wann die Sturmflut in Zukunft eintreten wird, ist allerdings nicht möglich. Ich meine jedoch, einen guten Schutz vor drastischen Schäden zu haben, ist wichtiger, als die Prognose eines Ereignisses, dem man dann schutzlos ausgeliefert ist. Im Übrigen wird aus diesem Grunde der eVaR als Frühwarnindikator ganz wesentlich durch die Professional Risk Managers‘ International Association (PRMIA) vorangetrieben.

altii: Wie lässt sich der eVaR mit anderen Investment-Strategien verbinden?
Schmielewski: Das zeigen unsere eVaR-Nutzer sehr eindrucksvoll, etwa die Acatis Investment GmbH, die den eVaR mit ihren Value-Ansätzen synergistisch nutzt, oder die Veritas Investment GmbH, die auf den eVaR, einen Quality-Value-Ansatz und einen ESG-Indikator setzt.

altii: Gibt es einen Index oder ähnliches, über den man direkt in den eVaR investieren kann?
Schmielewski: Seit Juni 2013 unterstreicht der Modulor Low eVaR Index, der durch die Solactive AG realtime berechnet wird, die Validität unserer Low-eVaR-Strategien. Natürlich ist es darüber hinaus möglich, in die Produkte unserer Partner, wie der Acatis Investment GmbH oder der Veritas Investment GmbH, zu investieren.

altii: Welche Vorteile hat der eVaR gegenüber herkömmlichen Volatilitätsstrategien oder dem normalen VaR-Ansatz?
Schmielewski: Unsere Vergleichsberechnungen zeigen, dass Low-eVaR-Strategien den Pain Index deutlicher reduzieren, als die weitverbreiteten Minimum-Variance- oder Low-VolatilityKonzepte. Für mich ist dies im Übrigen kein überraschendes Ergebnis, denn diese Strategien beruhen auf fälschlichen Verteilungsannahmen. Ein direkter Strategievergleich mit dem Modulor Low eVaR Index wird dies bestätigen.

altii: Warum werden Extremwerttheorien bisher im Risikomanagement kaum genutzt?
Schmielewski: In der Vergangenheit waren die Parameterschätzungen der Extremwertverteilungen mehr Kunst als Wissenschaft. Dies konnten wir in einem mehrjährigen Forschungs- und Entwicklungsprojekt korrigieren, sodass heute die Schätzungen nur noch mit geringen und akzeptablen Modellrisiken behaftet sind.

altii: Gibt es noch andere Analogien aus der Naturwissenschaft, die Anleger für sich nutzen können? Forschen Sie daran?
Schmielewski: Ja, es gibt weitere Analogien, die uns interessieren und an denen wir arbeiten. Sehr interessant sind für uns die in den Naturwissenschaften gut erforschten, sich selbst verstärkenden biokybernetischen Prozesse, die meines Erachtens die Dynamik auch der Finanzmärkte bestimmen. Ohne in die Einzelheiten gehen zu wollen, glaube ich feststellen zu können, dass wir von allen komplexen Systemen der Natur sinnhafte Zusammenhänge lernen und auf die Finanzmärkte adaptieren können.

 

Der Autor

Dr. Frank Schmielewski 
ist Mitglied der Geschäftsleitung der RC Banken Gruppe und seit mehr als 20 Jahren im Risikomanagement international führender Unternehmen tätig. In Zusammenarbeit mit führenden Asset Managern entwickelte er das eVaR-Konzept zum Monitoring extremer Risiken an den Finanz-märkten und unterschiedlicher Assetklassen sowie zur risikobasierten Portfoliokonstruktion und Portfoliooptimierung.

RC Banken Gruppe 
ist ein auf die Finanzindustrie spezialisiertes Beratungs- und Softwareunternehmen, das u.a. eine Lösung zur automatisierten Abschätzung von Extremwertverteilungen entwickelt hat, die weltweit bei Kapitalanlagegesellschaften und Banken im Einsatz ist.

Wie Investoren Chancen der Immobilienentwicklung nutzen können

Als „Königsdisziplin“ der Immobilienwirtschaft wird sie bezeichnet. Nicht zu unrecht. Projektentwicklung schafft Werte und leistet wertvolle volkswirtschaftliche Beiträge, beispielsweise  zur Reduzierung der Wohnungsnot in den Metropolen. Damit von der Kapitalakquise bis zur fertig gestellten Immobilie alles rund läuft, bedarf es langjährig erfahrener Kapital-anlage- und Immobilienspezialisten, die den ganzen Wertschöpfungsprozess abdecken.

Wertschöpfung war schon immer an der Quelle am lukrativsten: Bei Neubau oder Kernsanierung einer Immobilie sind nach der kurzen Zeit der Fertigstellung bereits hohe Renditechancen möglich. Jetzt können hohe Preise für die Immobilie erzielt werden, die bei Bestandsobjekten mit zunehmenden Alter und Abnutzungsgrad wieder absinken. Schnell stellt sich dabei die Frage, woran ein professioneller Partner zu erkennen ist. Tatsächlich gibt  eine Reihe von Sicherheitsmechanismen, die erfolgreiche Investmenthäuser und Projektentwickler einsetzen, um die Risiken effektiv zu minimieren.

1. Immobilienkompetenz und erfahrenes Asset Management:
All Business is local. Auf die Projektentwicklung übertragen bedeutet dies, dass ein Projektentwickler attraktive Grundstücke dann akquirieren, mit den regionalen Behörden Baupläne zügig abstimmen sowie die Projekte erfolgreich umsetzen und veräußern kann, wenn er mit erfahrenem Personal (Bauleiter, Architekten, Verkaufspersonal) physisch vor Ort präsent und greifbar ist. Vor allem, wenn externe Handwerksbetriebe eingesetzt werden, müssen die Arbeiten und Kosten tagesgenau kontrolliert werden, um Abweichungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Professionelle Immobilienentwicklung sollte von langjährig erfahrenen Spezialisten betrieben werden. Ein seriöser Anbieter wird die Kompetenz und die bisherige Leistung seiner handelnden Personen transparent nach außen darstellen.
Geradezu selbstverständlich ist die Bereitstellung einer Übersicht der bisher erzielten Ergebnisse, der sogenannte »Track Record«. Dieser ist lückenlos vorzulegen. Der Leistungsbilanz sollten Sie besondere Aufmerksamkeit widmen. So können Sie den Projektentwickler umfassend einschätzen und wissen, wem Sie Ihr Kapital anvertrauen. Es gilt: Der Projektentwickler sollte über die Ressourcen verfügen, um aus  dem zugesagten Kapitalzufluss die entsprechende Quantität an Immobilien bei gleichbleibender Qualität zu generieren.

2. Marktzugang – nachweisbare Objektpipeline:
Die Verfügbarkeit von Core-Objekten wird aufgrund der immensen Nachfrage in den Metropolregionen immer schwieriger. Und deren Einkaufspreise haben oft ein so hohes Niveau erreicht, dass man für Wertsteigerungsprognosen sehr viel Phantasie und Optimismus mitbringen muss. Projektentwicklungen eignen sich deshalb für institutionelle Investoren als ideale Portfoliobeimischung innerhalb eines existierenden Bestandsportfolios. Doch auch der Markt für attraktive Grundstücke ist in den Metropolen längst hart umkämpft. Bei der Auswahl des Projektentwicklers sollten Sie darauf achten, dass die Qualität und Quantität der möglichen Objektentwicklungen ausreichend groß ist: Eine Deal Pipeline von zwei oder mehr Milliarden Euro Immobilienentwicklungsvolumen in guten Lagen der deutschen A-Städte Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, München, Düsseldorf, Köln und Stuttgart ist eine Größenordnung, die für institutionelle Investoren relevant sein sollte.

3. Interessensidentität mit den Investoren:
Die Interessensidentität zwischen Investmenthaus, Investor und Projektentwickler ist nicht selbstverständlich gegeben. Viele Projektentwickler arbeiten sowohl für die eigene Bilanz als auch für externe Investoren. Manchmal kommt gerade dann die Kooperation mit einem Investmenthaus zustande, wenn der Projektentwickler dringend Fremdkapital benötigt, das ihm von Banken verweigert wird. In diesem Fall gehen der Fonds und seine Anleger ein höheres Risiko ein, weil mit dem Kapital vor allem der Teil der Projektentwicklung finanziert wird, der das höchste Risiko beinhaltet. Umgekehrt wird ein Projektentwickler aus einer gesunden unternehmerischen Situation heraus wenig Wert darauf legen, Investoren an einer Projektentwicklung zu beteiligen. Er wird sich selbst den größtmöglichen Gewinn aus der Projektentwicklung sichern.

Je nach finanzieller Lage des Projektentwicklers und der Tiefe der Geschäftsbeziehung zum Investmenthaus ist es also fraglich, ob der Projektentwickler die Sahnestücke unter den entwickelten Immobilien dem investierenden Fonds zuführt oder in seinem Sinne selbst verwertet. Das Investmenthaus sollte den Projektentwickler exklusiv an sich gebunden haben, um von vornherein eine Interessensidentität im Sinne der Investoren herzustellen. Dazu gehört auch, dass Investmenthaus und Projektentwickler auf das Abschöpfen von Zwischengewinnen beispielsweise beim Objekteinkauf verzichten und das Management erst nach erfolgreich abgeschlossener Projektentwicklung am Gewinn beteiligt wird.

4. Planbarer Exit – zügiger Abverkauf:
Das A und O jeder erfolgreichen Projektentwicklung ist der schnelle Verkauf beziehunsgweise Vermietung der entwickelten Immobilie. Wohnimmobilien sind als Nutzungsart besonders gut geeignet. Kurze Zeitspannen von sechs bis zwölf Monaten vom Grundstückserwerb bis zum Verkauf der ersten Einheiten erleichtern die Prognosen.

Bei Projektentwicklungen, die auf Eigennutzer als Käufer ausgerichtet sind, kann bereits unmittelbar nach der Planungs- und vor beziehungsweise während der Bauphase der Verkauf erfolgen, damit der Investor von schnellen Kapitalrückflüssen profitiert (vgl. Abbildung). Der Gewinn entsteht mit dem Verkauf oder der Vermietung der letzten Einheiten eines Vorhabens. Erfolgreiche Projektentwickler holen daher ihre Verkaufs- und Vermietungsprofis frühzeitig ins Boot, am besten bereits bei der Ankaufsentscheidung.

Der vornehmliche Verkauf an Eigennutzer bei Wohnimmobilien macht die Exit-Strategie auch in fallenden Märkten stabiler, da Eigennutzer nicht zum Zweck der Gewinnerzielungsabsicht kaufen, sondern in erster Linie an der Attraktivität der Lage, einer hohen Ausstattungsqualität ihrer Wohnung und einer stabilen Langfristperspektive interessiert sind.

5. Ausschluss von Leverage:
Die größtmögliche Anlagesicherheit besteht darin, jeglichen Finanzierungsanteil von vornherein kategorisch auszuschließen und zwar auch dann, wenn die Zinsen günstig sind. Über Fremdkapital gehebelte Renditen haben in der Vergangenheit schon oft Investoren und Fonds unterschiedlichster Asset-Klassen in Schieflage gebracht. Bei einer reinen Eigenkapitalstrategie greift der Fonds nur auf das Eigenkapital zurück, das er von den Investoren erhalten hat.

Wichtig: Der Einsatz von Fremdkapital muss auch auf Objektebene ausgeschlossen sein, da nur dann der Investor an erster Rangstelle steht und unmittelbaren Zugriff auf die schuldenfreien Grundbücher der entwickelten Immobilien hat.

6. Hoher Streuungsgrad:
Die Fokussierung auf eine einzelne Projektentwicklung oder einen Ein-Objekt-Fonds im Rahmen einer Single Asset / Single Tenant-Konstruktion hat schon oft zu Problemen geführt, beispielweise bei der Anschlussvermietung einer auf einen speziellen gewerblichen Mieter zugeschnittenen Büroimmobilie. Der Gesetzgeber hat im Rahmen der AIFM-Regulierung eine Streuung auf mindestens drei Objekte je Fonds vorgesehen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Für Investoren, die auf hohe Stabilität Wert legen, empfiehlt sich ein höherer Streuungsgrad. Ein Immobilienentwicklungsfonds sollte gleichzeitig in eine Vielzahl hochwertiger Objekte in unterschiedlichen Metropolregionen investieren. Bei einer Streuung in acht oder mehr Objekte je Fonds können auch vom Plan abweichende Immobilienprojekte durch die Mehrzahl der nach oder über Plan laufenden Entwicklungen abgefangen werden. 

 

Der Autor

 Jürgen Uriwa
ist Geschäftsführer der auf institutionelle Investments in Immobilienentwicklung spezialisierten PROJECT Real Estate Trust GmbH und besitzt über 20 Jahre Erfahrung im Finanzdienstleistungsbereich für private und institutionelle Investoren. Der Diplom-Volkswirt war zuvor bei KGAL und der SachsenFonds Gruppe in leitender Funktion tätig.

Die PROJECT Investment Gruppe
initiiert, verwaltet und vertreibt Immobilienbeteiligungen mit Schwerpunkt Wohnen für institutionelle und private Investoren in deutschen Metropolregionen. Das aktuell in Entwicklung befindliche Objektvolumen beträgt über 700 Millionen Euro.

Zinsflaute ade: Windinvestments bringen Rendite-Aufwind

Das anhaltende Niedrigzinsumfeld ist für institutionelle Investoren eine stetig wachsende Herausforderung. Wie ausreichende Renditen erwirtschaften, ohne ein unnötiges Risiko einzugehen? Oder anders: Gesucht sind alternative Investmentmöglichen zu festverzinslichen Wertpapieren, die ebenfalls langfristige, stabile und börsenunabhängige Erträge bringen. Eine mögliche Antwort auf die Frage liefert die Onshore-Windenergie.

Für Windinvestments werden langfristige Renditen von 6 bis 8 Prozent prognostiziert und das bei einer ähnlichen Cash-Flow-Struktur wie Staatsanleihen. Hinzu kommt eine geringere Abhängigkeit von den Finanzmärkten und damit auch die niedrige Korrelation zu anderen Asset-Klassen.

Basis der kontinuierlich zunehmenden Attraktivität der Windkraft als Investment in Deutschland ist deren Rolle in der voranschreitenden Neuordnung am Energiemarkt. So erhöhte sich der Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch im Jahr 2012 auf 22,9 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch 6,8 Prozent. Onshore-Windenergie ist dabei das Herz der Energiewende und nimmt einen besonderen Stellenwert ein. Mit über 45.000 Giga­wattstunden (GWh / 33,8 Prozent) stellt sie den größten Stromanteil unter den Erneuerbaren Energien bereit (2000: 9.513 GWh). Entwicklungen, die das Segment auch für institutionelle Investoren interessant machen.

Technischer Fortschritt: Die Bedingungen für einen Einstieg in die Onshore-Wind­energie sind derzeit günstig. Die Technologie ist in Deutschland langjährig erprobt, den ersten Windpark gab es beispielsweise in Deutschland bereits vor 25 Jahren. So ist der anhaltendende technische Fortschritt ein wichtiger Faktor für die positiven Rahmenbedingungen: Lag die Leistungsfähigkeit der Windräder 1995 noch bei 1 Million Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a), waren es 2005 bereits 5 bis 6 Millionen kWh/a. Auch der 2011 prognostizierte Leistungssprung mit einer Ertragsverdoppelung ist bereits eingetreten. Erste Anlagen erreichen heute 12,5 Millionen kWh/a und verdeutlichen damit das vorhandene technische Potenzial der Windenergie.

Mit den leistungsstärkeren Windrädern lassen sich zudem innerdeutsche Standorte erstmals kosteneffizient erschließen, da sie langlebiger sowie effizienter geworden sind und auch bei weniger Wind rentabel arbeiten. Und: Nicht nur neue Standorte profitieren. Durch den Ersatz alter Anlagen, dem sogenannten Repowering, können auch bewährte Standorte mehr Strom erzeugen. Bereits 2012 stammten über 20 Prozent des Leistungszubaus aus Repowering, das durch spezielle Fördermittel zusätzliche Einkünfte generiert.

Verstärkt werden die Einstiegschancen durch das bestehende Flächenpotenzial in Deutschland. Laut einer Studie des Bundesverbands Windenergie e.V. sind 8 Prozent der Gesamtfläche für die Nutzung dieser Technologie geeignet. Zählt man Wälder und Schutzgebiete hinzu, sind es sogar über 22 Prozent. Allein bei einer tatsächlichen Nutzung von nur knapp 2 Prozent wären bis zu 198 Gigawatt Leistung installierbar. Bei Erträgen von im Mittel 2.071 Volllaststunden ergibt sich ein potenzieller Energieertrag von 390 Terawatt-Stunden oder auch 65 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs 2010.

Einnahmensicherheit: Der technische Fortschritt in der Windenergie, das bestehende Flächenpotenzial und auch die gegenwärtigen Strompreise machen Windkraft schon jetzt auch ohne staatliche Förderung nahezu wirtschaftlich. Zudem sichert in Deutschland das Erneuerbare-Energien-Gesetz mittels festgeschriebener Einspeisevergütungen für die kommenden 20 Jahre solide Cash-Flows (siehe Abb. 2). Überraschende, politisch motivierte Förderkürzungen sind nicht zu befürchten, da Windkraft hierzulande eine viel stärkere Lobby hat als andere Erneuerbare Energien. Außerdem ist ohne Windenergie keine Energiewende möglich. Auch in anderen Ländern gibt es vergleichbare Systeme mit festen staatlichen Einspeisetarifen oder Vereinbarungen wie langfristigen Abnahmeverträgen, sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs), die den Markt selbst regeln.

Weltweite Chancen: Entsprechend der jeweiligen Rahmenbedingungen gibt es nicht nur attraktive Windpark-Projekte in Deutschland, sondern auch an anderen globalen Standorten, beispielsweise in den skandinavischen Ländern. Finnland zeichnet sich durch ­einen festen Einspeisetarif aus und dank des Euro als Zahlungsmittel entfällt zudem das Währungsrisiko. Auch Schweden ist eine reizvolle Windregion – mit dünner Besiedelung und entsprechenden Möglichkeiten und Projekten. Allerdings gibt es hier bislang keine festen Tarife, was die Attraktivität für institutionelle Investoren einschränkt. Indes ist ein weiterer Pluspunkt der „Windländer“ im Norden, dass die skandinavischen Staaten im Vergleich zu vielen anderen Standorten ein deutlich besseres Rating und damit stabilere Rahmenbedingungen für Investoren aufweisen.
In den USA versprechen hohe Sonderabschreibungsmöglichkeiten und PPAs eine attraktive Ertragssituation für Windparks mit garantierten Einnahmen über lange Zeiträume.

Generell gilt indes für Investitionen außerhalb der Euro-Region, das vorhandene Währungsrisiko zu prüfen. Um dieses zu senken, sollten Finanzierungen mit einer Bank vor Ort in der jeweiligen Fremdwährung durchgeführt werden. Auch Kosten für Wartung, Versicherung und weitere Ausgaben sind im Idealfall in der Investitionswährung zu begleichen. Das jeweils verbliebene Währungsrisiko sollte dann entsprechend abgesichert sein.

Beteiligungen an ausgewählten Onshore-Windparks sind für institutionelle Investoren aktuell eine renditestarke Alternative für die Portfolio-Beimischung. Mit einem überschaubaren Risiko und dem eingeschlagenen Kurs gilt dies für die Assetklasse Windenergie auch in Zukunft, gerade wenn sich Bundesanleihen weiterhin durch Niedrigzinsen und negative Realrenditen auszeichnen.

Institutionelle Investoren, die keine eigenen Windparks betreiben können oder dürfen, können sich mittlerweile über entsprechende Master-KAG-fähige Spezialfonds an Wind­investments beteiligen. Diese Fonds sollten allerdings nur Investitionen in direkte Beteiligungen an Windparkanlagen tätigen. Auch sollten sich die Anlagen nach Möglichkeit bereits im Bau befinden oder fertiggestellt sein, um Genehmigungsrisiken weitgehend auszuschließen und schnellstmöglich laufende Erträge zu generieren. 

 

Der Autor

Richard Zellmann
ist als Geschäftsführer der First Private Investment Management KAG mbH verantwortlich für die Produktentwicklung und Kundenbetreuung. Er verfügt über 17 Jahre Erfahrung im Wertpapierbereich, insbesondere im institutionellen Asset Management. Im Segment -Erneuerbare Energien/Infrastruktur ist er maßgeblich verantwortlich für den Aufbau eines der größten deutschen Fonds im Bereich Solar-Infrastruktur für institutionelle Kunden. 

First Private
ist eine international agierende, unabhängige und partnerschaftlich geführte Asset-Management-Boutique aus Frankfurt. Seit 2009 umfasst das Angebot auch Anlagelösungen in Infrastrukturprojekten im Bereich Erneuerbare Energien.

Die „neue Normalität“ an den ­Finanzmärkten: Sachwerte im Fokus

Die lange Zeit gültigen Regeln bei Investments in traditionelle Anlageklassen, wie Aktien und Anleihen, ändern sich grundlegend. Investoren sehen sich einer neuen Normalität ausgesetzt, die es ihnen verwehrt, ihre Renditeziele mit klassischen Assets und Investmentansätzen zu realisieren, ohne alternative Anlagen wie Sachwerte einzubeziehen.

Das Auseinanderklaffen der Risiko-Rendite-Schere spiegelt die Zwickmühle wider, in der sich institutionelle Anleger befinden. Einerseits haben die im Zuge der vergangenen Finanzkrisen entstandenen Verluste ihr Sicherheitsbedürfnis deutlich erhöht. Andererseits erwirtschaften gerade die als sicher und solide eingestuften Anlageklassen nicht mehr die Renditen, die Großinvestoren wie Versicherungen oder Stiftungen brauchen, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können. Nach Abzug der aktuellen Inflationsrate führen sie sogar sehr oft zu einem realen Vermögensverlust. Dieses Dilemma lässt sich grundsätzlich nur über die Inkaufnahme von Risiko auflösen. Institutionelle Investoren sind deshalb heute viel stärker darauf angewiesen, bei der Portfoliokonstruktion die Risikobeiträge jeder einzelnen Anlageklasse zu berücksichtigen. Deshalb kristallisiert sich der Fokus auf Risikofaktoren innerhalb der jeweiligen Anlageklasse als effektiverer Ansatz heraus, um das Risiko des Gesamtportfolios im Griff zu behalten und eine optimale ­Diversifikation zu erzielen.

Um ihre Anlageziele dennoch zu erreichen, berücksichtigen institutionelle Investoren zunehmend alternative Investments bei ihrer Portfolioallokation. Dazu zählen zunehmend auch Sachwerte wie Immobilien, Infrastruktur, erneuerbare Energien oder Wald- und Agrarinvestments. Investoren bekennen sich immer öfter dazu, den Anteil von Sachwerten in ihren Portfolios weiter ausbauen zu wollen. Dies belegen Umfragen, wie eine im Sommer 2012 von TNS Infratest im Auftrag von Aquila Capital durchgeführte Befragung zum Anlageverhalten institutioneller Investoren in Europa. Die Studie zeigt, dass klassische Investmentvehikel, insbesondere Staatsanleihen, an Attraktivität verlieren, während die Sachwertquote erhöht werden soll.

Mit Blick auf geplante Veränderungen der Allokation gibt etwa ein Fünftel der institutionellen Investoren in Europa an, den Portfolioanteil an Sachwerten erhöhen zu wollen. Zugleich planen 20% der Investoren, den Anteil an Staatspapieren in ihren Portfolios zu reduzieren. In Deutschland ist dieser Trend noch ausgeprägter. Hier beabsichtigen laut TNS-Infratest-Studie 24% der befragten institutionellen Anleger, den Anteil an Sachwerten aufzustocken.

Sie alle wissen, dass sie sich aus dem obersten Bereich der Liquiditätspyramide verabschieden und mit einem Teil des Portfolios in weniger sichere und weniger liquide Bereiche des Anlagespektrums investieren müssen, um ihre Renditeziele erreichen zu können – in Immobilien, Infrastruktur oder Erneuerbare-Energien-Projekte. Der geringeren Liquidität von Sachwerten stehen auch deutliche Vorteile gegenüber: das attraktive Rendite-Risiko-Profil aus überdurchschnittlichen Renditen bei überschaubarem Risiko, der (zumeist) eingebaute Inflationsschutz sowie der Diversifikationseffekt, da Sachwerte mit Aktien und Renten wenig bis gar nicht korrelieren. Noch größer wird der Diversifizierungseffekt im Übrigen, wenn über verschiedene Sachwertsegmente hinweg investiert wird, weil diese unterschiedlichen Zyklen unterliegen und sich von daher ideal ergänzen können.

Die Entwicklung von Sachwerten wird von langfris­tigen, kapitalmarktunabhängigen Makrotrends getrieben. Beispielsweise leben derzeit mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Erde, wobei das größte Bevölkerungswachstum vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern stattfindet. In diesen Ländern soll nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung die Bevölkerung in den nächsten 40 Jahren von 5,7 auf fast acht Milliarden Menschen anwachsen.

Unter agrarökonomischen Gesichtspunkten führt das Bevölkerungswachstum vor dem Hintergrund des zunehmenden Nahrungsmittelbedarfs sowie der Verknappung von Land und Wasser zu großen Herausforderungen. Laut OECD müsse die Lebensmittelproduktion allein in den nächsten 40 Jahren um mindestens 60% steigen, um die wachsende Nahrungsnachfrage zu decken. Aquila Capital hat daher einen Spezialfonds für institutionelle Investoren lanciert, der in Farmen investiert. Der Fonds ist keineswegs darauf ausgerichtet, mit Nahrungsmitteln zu spekulieren, sondern möchte im Gegenteil helfen, die landwirtschaftliche Produktion zu erhöhen und den beteiligten Farmen zu auskömmlicheren Erträgen zu verhelfen. Dieser Nachhaltigkeitsansatz ist durch die Kooperation von Aquila Capital mit dem Nachhaltigkeitsanalysten ECPI bestätigt und durch die Unterzeichnung der Principles for Responsible Investment in Farmland der Vereinten Nationen dokumentiert. Der Fonds investiert auch nicht in Emerging Markets, sondern in planbare Projekte in industrialisierten Ländern wie Australien und Neuseeland – damit am Ende beide Parteien profitieren: die Farmer und die Investoren.

Das mit dem Bevölkerungswachstum verbundene Wirtschaftswachstum führt zugleich zu einem steigenden Energie- und Rohstoffbedarf, und das bei drastisch schrumpfenden Ressourcen im Bereich der fossilen Energien. Vorausschauen­de Investoren richten ihren Fokus daher aus gutem Grund auf Sachwertinvestments. Erneuerbare Ener­gien wie Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft, aber auch Agrar- und Waldinvestments entsprechen diesem Trend und entwickeln sich als Sachwertanlage vergleichsweise stabil und unabhängig von den traditionellen Assetklassen. Überdies verbessert beispielsweise die Beimischung eines Erneuerbare-Energien-Portfolios das Rendite-Risiko-Profil des Ausgangsportfolios deutlich. Der Diversifikationsaspekt sowie die Eigenschaft, dass Investitio­nen in Sachwerten langfristig stabile Cashflows bieten, prädestinieren die Anlageklasse im Speziellen für das Asset-Liability-Management von Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass Sachwerte bei institutionellen Anlegern zukünftig noch stärker in den Blickpunkt rücken und ein fester Bestandteil der neuen Normalität an den Kapitalmärkten werden.

 

Der Autor

Michael Montag
ist Managing Director bei Aquila Capital und betreut Versicherungen, Versorgungswerke und Pensionskassen. Der Diplom-Kaufmann arbeitete bei der WestLB und Nomura Europe, bei CDC Asset Management und Pictet & Cie. sowie bei Harbert Management Corporation, wo er den Aufbau des institutionellen Vertriebs für Deutschland und Österreich leitete.

Aquila Capital
wurde 2001 gegründet und zählt zu den führenden Investmentgesellschaften für Alternative Investments und Sachwertinvestitionen. Aquila Capital ist Teil der eigentümergeführten Aquila Gruppe mit Hauptsitz in Hamburg. Weltweit beschäftigt die Gruppe über 250 Mitarbeiter und verwaltet ein Vermögen von über 7,5 Mrd. Euro.

Sachwerte - European Families are looking to New Zealand to grow their wealth

New Zealand’s leading Forestry / Timberland Investment Company Roger Dickie (NZ) Ltd is experiencing a significant increase in inquiries from European Family Offices looking to diversify investments into land based investments in the country. 

‘Our last five forests, have all sold to European Investors. Some mid rotation forests and some new plantings” said Richard Bourne, Sales and Marketing Manager for the company. 
“Overseas investors are attracted to New Zealand because of our stable government, our close exposure to the fast developing Asian markets and our established professional business practice. 

With our professional environment, New Zealand offers great reasons to consider creating financial wealth here” said Mr Bourne. “As a country New Zealand enjoys high world business rankings such as 1st in the world for protecting investors (World Bank) and 1st equal as least corrupt country’’ (Corruption Perceptions Index 2008) he said. “As well we are world leaders in both Forestry and Agricultural. Those Europeans that have visited us are amazed at our forest growth rates and leading edge farming techniques. And all who have visited with us in the last few years and have seen first hand the quality of our operation have proceeded to invest. We take great pride in that” said Mr Bourne.

Roger Dickie New Zealand Limited specialises in finding, securing and developing the best farm and forest opportunities on behalf of investors. All investments offered are backed by the security of land ownership. 

“Our role is to act as independent agent for our clients. We find them the best farms and forest properties that are available. We engage independent expert consultants to produce feasibilities, cashflows, and valuations etc. We provide management and administration services, and ensures that the investment is transparent, fully accountable and measurable by providing detailed monthly operating financial information to the owners” said Mr Bourne. 

Agricultural Investments: 
Blessed with ideal climate and wide open spaces New Zealand is the ideal country for pastoral farming that grows healthy livestock for the production of dairy products and meat. 
New Zealand farmers are among the most efficient in the world and there are no Government subsidies for agriculture. With a population of just 4.3 million New Zealand produces enough animal food products for over 50 million people per year. New Zealand’s grass based animal production systems, combined with the use of world leading technology, minimises labour inputs and generates maximum productivity.

Umfrage Sachwerte


Die Bedeutung institutioneller Anleger nimmt bei den Anbietern geschlossener Sachwertfonds deutlich zu. Im vergangenen Jahr steuerten diese mit 1,36 Milliarden Euro schon fast ein Drittel zum gesamten Eigenkapitalaufkommen der Fonds bei. Künftig wollen sich die Emissionshäuser noch stärker als Asset Manager für institutionelle Investoren positionieren. altii hat nachgefragt, welche Angebote die Unternehmen bereithalten.

Die Neuausrichtung ist notwendig, da der Absatz der Fonds an private Anleger seit Jahren abnimmt. Professionelle Anleger sollen die Lücke schließen. Dafür bieten die Fondshäuser Zugang zu Sachwerten, insbesondere Immobilien und Erneuerbare Energien. Immerhin die Hälfte der angeschriebenen Häuser nutzte die Chance, sich den Zielgruppen näherzubringen, auch wenn nicht alle schon Angebote für institutionelle Investoren vorweisen können, planen doch einige, künftig entsprechende Produkte aufzulegen.

Die meisten Häuser setzen auch für institutionelle Investoren auf den bisherigen geschlossenen Fonds in Form der GmbH & Co. KG. Daneben sollen die neuen Spezial-AIF und Zweckgesellschaften aufgelegt werden. Zur Hauptzielgruppe gehören neben Pensionskassen und Versorgungswerken insbesondere Family Offices und Stiftungen. Für die angesprochenen Zielgruppen erhöht sich die Auswahl an Fonds und der Zugang zu begehrten Sachwerten. Die einstigen Anbieter geschlossener Publikumsfonds sind entschlossen, im professionellen Markt mitzumischen.

Eine Tabelle mit den Ergebnissen der Umfrage finden Sie hier.

 

Infrastruktur - Wie institutionelle Investoren in Infrastruktur investieren können.

Institutionelle Investoren entdecken immer öfter die Chancen von Investments in Real Assets. Dabei stellt sich die Frage, über welches Anlagevehikel am besten in diese Assetklasse investiert werden kann: in Form einer direkten Beteiligung, als Loan oder als verbriefte Forderung.

alternative investor information sprach mit Dr. Sofia Harrschar über die Möglichkeiten, die sich institutionellen Investoren bieten.

altii: Brücken, Straßen und Flughäfen kennt jeder. Also kann auch jeder beim Thema Infrastruktur mitreden. Ist es denn bei den Investitionen genauso einfach oder ist dieses Halbwissen beim Investieren eher gefährlich?
Dr. Sofia Herrschar: Einerseits ist es ein Vorteil, dass die Anlageklasse den Investoren bekannt und auch im wahrsten Sinne des Wortes greifbar ist. Daraus sollte man jedoch nicht ableiten, dass man weiß, wie eine optimale Investitionsstruktur für Infrastruktur auszusehen hat und welche besonderen Chancen und Risiken sich daraus ergeben. Wesentliche Merkmale von Infrastrukturinvestitionen sind deren Dauer, die Zahl der beteiligten Parteien – vom Bauunternehmer bis zur Versicherung für die Bauleistungen – und auch die Rolle staatlicher Institutionen. Hier gilt es im Investitionsprozess besonderes Augenmerk zu haben.

altii: Infrastruktur verspricht sichere Cashflows, meist eine staatliche Garantie oder zumindest staatlicher Hintergrund. Macht das Infrastruktur-Investitionen zum Ersatz für Staatsanleihen?
Harrschar: Das ist eine interessante Betrachtungsweise! Abhängig von der Rolle staatlicher Institutionen beziehungsweise Garantien können in der Tat Vergleiche gezogen werden. Es weist auch darauf hin, dass das politische Risiko nicht zu vergessen ist. Allerdings gibt es eine Vielzahl anderer Einflussfaktoren auf das Investment, sodass Infrastruktur nur in sehr wenigen, sehr spezifischen Fällen als Ersatz gesehen werden könnte.

altii: Die technische Infrastruktur in den Industriestaaten gilt als völlig überaltert. Welche Chancen eröffnet das für Investoren?
Harrschar: Nun, im ersten Schritt bedeutet dies, dass es einen zunehmenden Bedarf an Infrastrukturinvestitionen gibt. Straßen, Kanalisation und auch sonstige Transportinfrastruktur wie Häfen müssen renoviert oder sogar komplett erneuert werden, damit ihre Funktionsfähigkeit gewährleistet ist. Für den Investor gibt dies Aufschluss über die Größe des Marktes. Im zweiten Schritt muss dann geschaut werden, ob bei allen diesen Projekten externe Finanzinvestoren zugelassen werden.

altii: In welchen Bereichen besteht denn der größte Investitionsbedarf?
Harrschar: Nach zwei aktuellen Studien der OECD bzw. von McKinsey liegt der weitaus größte Bedarf im Bereich des Straßenbaus. Ähnlich hoher Bedarf besteht auch im Bereich des Ausbaus der (erneuerbaren) Energieversorgung. Global betrachtet spielen auch die Versorgung mit Wasser und die Aufbereitung von Abwasser eine besondere Rolle.

altii: Und wonach schauen sich die Investoren Ihrer Erfahrung nach am meisten um?
Harrschar: Für viele Investoren ist der Bereich Infrastruktur eine neue Anlageklasse. Daher suchen sie nach Bereichen, in denen sie auf bestehende Erfahrungen aus anderen Anlageklassen aufbauen können und bei denen die Einstiegshürden als geringer angesehen werden. Der Fokus liegt daher vor allem auf europäischen Investitionen, wo sich die Investoren verständlicherweise insbesondere hinsichtlich der Einschätzung des politischen Risikos zu Hause fühlen. Bei vielen deutschen Investoren stehen natürlich Projekte in Deutschland im Vordergrund. Hinsichtlich der Art der Investitionen scheinen Präferenzen beim Straßenbau und bei der Energie zu bestehen.

altii: Welche Anlagevehikel stehen institutionellen Investoren zur Verfügung, um in diese Anlageklasse zu investieren?
Harrschar: Den Investoren stehen verschiedene Anlagevehikel zur Verfügung. Es gibt spezialisierte Infrastrukturfonds, die vergleichbar sind zu klassischen Private-Equity-Fonds. Daneben gibt es ähnliche Vehikel für den Bereich Debt. Es können aber auch Verbriefungen erworben werden. Bei größeren Volumina können auch innerhalb von deutschen oder Luxemburger Spezialfonds spezifische Strategien umgesetzt werden.

altii: Wie wird Ihrer Erfahrung nach hauptsächlich in Infrastruktur investiert?
Harrschar: Bisher haben die meisten Investoren hauptsächlich kleinere Anteile an bestehenden Fonds gekauft. Dies ändert sich im Moment bei den größeren Investoren, die zunehmend konkrete Vorstellungen entwickelt haben, wie und in welche Infrastrukturanlagen investiert werden soll.

altii: Thema Equity: Viele Investoren sind über ihre Aktienquote ohnehin schon über Telekommunikationsaktien, börsennotierte Hafenunternehmen oder im Bereich Erneuerbare Energien über Windparkbeteiligungen in Infrastruktur engagiert. Warum sollte der Anteil dennoch ausgebaut werden?
Harrschar: Über die Aktienquote können Investoren in bestehende Unternehmen investieren. Dabei kann es sein, dass ein Teil des Unternehmens auch in neue Infrastrukturprojekte investiert. Dies ist im Bereich der auf erneuerbare Energien spezialisierten Unternehmen sicher der Fall. Ansonsten ist die Idee der Infrastrukturinvestitionen ja gerade, diese neuen Projekte zu finanzieren. Eine sehr konkrete Ausrichtung hierauf dürfte über den bestehenden Aktienmarkt schwierig sein.

altii: Thema direkte Investments: Eine direkte Beteiligung heißt immer auch viel notwendiges Know-how. Können sich das alle Investoren leisten und welche Alternativen gibt es?
Harrschar: Direkte Anlagen sind nur jenen zu raten, die über genügend Ressourcen verfügen, um diese Investitionen bewerten und einordnen zu können und auch die damit verbundenen Risiken. Alternativ können Fondsanteile erworben werden, die Investments bündeln und damit das Risiko streuen.

altii: Sehr en vogue sind derzeit Investitionen in Debt-Strukturen. Angesichts der fehlenden Finanzierungen für viele Projekte müsste das doch die Form mit den meisten Chancen sein?
Harrschar: Da viele Banken vor dem Hintergrund der Eigenkapitalunterlegungsregeln in ihrer Finanzierungsleistung beschränkt sind, ergeben sich für institutionelle Investoren Chancen auf diesem Markt. Das hohe Interesse an dieser Art von Finanzierungen erzeugt aber auch Wettbewerb, sodass es interessant sein wird, zu beobachten, wie sich die effektiven Renditen entwickeln werden.

altii: Welche weiteren Hürden ergeben sich bei Debt-Investments für Investoren?
Harrschar: Kreditvergabe ist in Deutschland grundsätzlich ein lizenzpflichtiges Geschäft und die wenigsten institutionellen Investoren verfügen über eine entsprechende Lizenz. Hinzu kommt die geringe Erfahrung vieler Investoren in diesem Markt. Dies gilt es zu beachten, wenn eine geeignete Struktur gesucht, Prozesse aufgesetzt und Risiken bewertet werden.

altii: Welche Alternativen gibt es? Sind Anleihen die Lösung?
Harrschar: Vor dem Hintergrund der Anforderungen und Voraussetzungen institutioneller Investoren etablieren sich Anleihen zunehmend als eine Form der Finanzierungsstruktur. Wir sehen hier bereits einige Bewegung im Markt. Viele Investoren haben durch diesen Zugangsweg größere Möglichkeiten, an Infrastrukturfinanzierungen zu partizipieren. Dies wird auch auf europäischer Ebene erkannt und durch die Übernahme von Garantien wie im Fall der Project Bonds gefördert. Für Investoren bedeutet diese Garantie durch eine europäische Institution mehr Sicherheit, welches sich auch im Rating widerspiegelt.

altii: Über welche Strukturen investieren die Anleger, eher über deutsche oder über Luxemburger? Wo liegen die Vor- und Nachteile?
Harrschar: Trotz der Bestrebungen, den Markt für Fondsstrukturen in Europa zu harmonisieren, gibt es noch Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Manche Strukturen, die erst seit der Einführung des KAGB in regulierter Form in Deutschland umsetzbar sind, haben schon eine längere Tradition in Luxemburg. Daher sehen wir im Moment, dass viele Equity- aber auch Debt-Fonds in Luxemburg aufgelegt werden. Als Master-KAG haben wir aber auch einige Kunden, die die Größe des Master-Fonds nutzen, um in Infrastruktur zu investieren.

altii: Welche Infrastrukturquote haben deutsche institutionelle Investoren im Schnitt und wie sieht es im Ausland aus?
Harrschar: Leider liegen nur wenige Zahlen vor. Eine Studie der OECD legt nahe, dass internationale Versorgungseinrichtungen weniger als ein Prozent ihrer Kapitalanlagen in Infrastruktur investiert haben. Diese Zahl ist für die meisten Länder vergleichbar. Ausnahmen sind Kanada und Australien, wo traditionell eine höhere Neigung zu Investitionen in Infrastruktur besteht.

altii: In Europa und in Deutschland gibt es eine große Nachfrage nach Infrastrukturfinanzierungen. Warum ist die Quote der Investoren dennoch so gering?
Harrschar: Hier ist meines Erachtens Geduld gefragt. Wenn ich die Nachfrage nach Infrastruktur bedenke, die allein bei unseren Kunden derzeit zu spüren ist, besteht zumindest ein großes Interesse. Die effektive Quote an Post-Investments wird auch davon abhängen, ob geeignete Investitionsstrukturen umgesetzt werden können und das Risiko adäquat gemanagt wird.

altii: Ist das Angebot zu gering, um sinnvoll zu investieren?
Harrschar: Investoren sollten bei der Auswahl der Investitionen immer darauf achten, dass das Investment zu ihnen passt – zu internen und externen Vorgaben, der Sicht auf Risiko und darauf, welches Commitment die Strategie im Unternehmen bis hin zum Top-Management hat. Danach erst stellt sich die Frage nach dem Angebot. Und wie so oft im Leben gibt es selten ein Objekt, welches alle Anforderungen erfüllt. Daher ist es wichtig, dass sich Investoren darüber klar werden, welches ihre Zielhierarchie ist. Dann können die vorhandenen Angebote eingeordnet werden. Allerdings steigt mit zunehmendem Eintritt neuer Investoren in einen Markt auch immer der Wettbewerb um die vorhandenen Anlagemöglichkeiten. Auch hier hilft eine klare Strategie, die vorhandenen Angebote zu bewerten und keine übereilten Entscheidungen zu treffen.

Dr. Sofia Harrschar
ist seit 2011 bei der Universal-Investment und leitet die Abteilung Product Solutions. Der Tätigkeitsschwerpunkt der Abteilung liegt bei der Strukturierung und Umsetzung von Anlagen in Infrastruktur, Beteiligungen und Darlehensforderungen auf den UI-Plattformen in Deutschland oder Luxemburg. Dr. Harrschar ist seit über 12 Jahren im Bereich der Strukturierung alternativer Anlagen tätig.

Universal-Investment
gehört mit rund 170 Milliarden Euro verwaltetem Fondsvermögen (Stand: 30. Juni 2013), 1.000 Spezial- und Publikumsfondsmandaten und rund 500 Mitarbeitern zu den größten deutschen Kapitalverwaltungsgesellschaften.

So erzielen Profis positive reale Renditen trotz steigender Zinsen

Während die Finanzkrise immer noch nicht vorüber ist, werden Anleger bereits wieder mit neuen Szenarien konfrontiert. Die wirtschaftliche Erholung in den USA, eine mögliche Reflation in Japan und eine Reduzierung des Quantitative Easings üben Druck auf die Zinssätze aus. Wie Anleger in dieser Welt der Unsicherheiten positive reale Erträge generieren können, erklärt Peter Doherty von Tideway Investment Partners im Interview.

altii: Niedrige Volatilität, positive reale Erträge und ein handhabbares Risiko. Das mit festverzinslichen Wertpapieren zu erreichen klingt wie die Quadratur des Kreises. Ist das tatsächlich möglich?
Peter Doherty: Zwei wichtige Themen fördern derzeit die steigende Emission von Anleihen: Zum einen fahren Banken ihr Fremdkapitalengagement zurück. Daher geben viele Unternehmen zum ersten Mal selber Wertpapiere aus oder nutzen das Instrument stärker zur Finanzierung.
Zum anderen nutzen viele unterschiedliche Emittenten, also Banken, Versicherungen und Unternehmen, die Ausgabe neuer Anleihen als Alternative zu frischem Eigenkapital.
Obwohl diese Papiere per Definition riskanter sind, lässt sich das Risiko reduzieren, indem man die Emittenten mit der stärksten Bilanz wählt. So ist es durchaus möglich, positive reale Renditen zu bekommen und gleichzeitig ein hohes Maß an Sicherheit zu haben.

altii: Wie investieren Sie, ohne zu viel Risiko einzugehen?
Doherty: Ich sage gerne, dass ich immer versuche, das schlechteste Haus in der besten Straße zu kaufen. Gehen Sie kein unnötiges Emittenten- oder Ausfallrisiko ein. Wählen Sie stattdessen einen allgemein bekannten Namen mit einer starken Bilanz und einer guten Marke und suchen Sie dann nach einem Rentenpapier, das aus irgendeinem Grund ungewöhnlich günstig ist.

altii: Welche Zielrenditen sind bei solchen Rentenpapieren künftig realistisch?
Doherty: Durch das sorgfältige managen von Durations- und Kreditrisiken wird es immer noch möglich sein, 6 Prozent pro Jahr nach Gebühren zu liefern – über viele Jahre hinweg. Offensichtlich ist das mit 10-jährigen Staatspapieren für 1,8 Prozent schwieriger. Das ist das Feld, in dem sich der klare Mehrwert eines aktiven Managements und der täglichen Suche nach risikoadjustierten Erträgen auszahlt.

altii: Auf was für eine Wertentwicklung kann Ihr Fonds zurückblicken?
Doherty: Der Fonds startete im September 2011 und hat seitdem 27 Prozent nach Gebühren abgeliefert. In beiden Kalenderjahren waren die Erträge mit etwa 13,5 Prozent nahezu gleich. Das Jahr 2013 war bis zum heutigen Tag eine deutliche Herausforderung. Aber wir sind stetig im positiven Bereich mit über 3 Prozent (YTD) und müssen damit den Vergleich mit anderen Fonds nicht scheuen.

altii: Was war der maximale Verlust?
Doherty: Der maximale Drawdown seit Auflegung, gemessen am täglichen NAV war 4,1 Prozent. Mein Ziel ist es, niemals über 5 Prozent abzugeben. Das ist ein schwieriges Ziel, gemessen an dem Umfeld, in dem wir uns bewegen. Wenn wir aber nicht so strenge Ziele hätten, würden die Investoren sich zurecht fragen, warum sie uns ihr Geld anvertrauen sollten.

altii: Sie schauen sehr stark auf die fundamentalen Wirtschaftsdaten. Wann werden wir wieder steigende Zinsen sehen?
Doherty: Ich glaube, dass es 2014 keine Erhöhungen von offizieller Seite geben wird. Die Zinskurven könnten dennoch etwas steiler werden, um die anstehenden Zinsbewegungen im Jahr 2015 und darüber hinaus zu reflektieren. Wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und die Inflationserwartungen in den USA zunehmen, werden die Zinsen weit schneller und höher steigen, als dies gegenwärtig erwartet wird.

altii: Die Bilanz der US-Notenbank ist außer Kontrolle geraten. Was bedeutet das für Bond-Investoren?
Doherty: Ist die Bilanz wirklich aus dem Gleichgewicht? Wer weiß das schon? Ja, die Bilanz der FED ist mit 3,75 Billionen US-Dollar riesig. Doch im Kontext einer Wirtschaftsleistung von 15 Billionen Dollar ist das nicht notwendigerweise unverhältnismäßig. Sicherlich, wenn die Bedingungen für das Ende des QE einmal festgelegt sind und der größte Käufer der US-Schulden nicht länger aktiv sein wird, werden die Zinsen steigen, insbesondere für Hypotheken.

altii: Sollten Bond-Investoren vor einem solchen Wende-Szenario Angst haben?
Doherty: Jeder muss bereits sein, den Schmerz zu ertragen, wenn sich nach dem QE die Zinsen wieder hin zu einem „normalen“ Niveau bewegen. Die Frage ist: Welchen realen Zins können die Volkswirtschaften aushalten? Ich glaube, dieser kann nicht sehr hoch sein. Solange die Verschuldungsraten nicht von über 100 Prozent auf 70 bis 80 Prozent zurückgegangen sind, werden wir eine Periode mit negativen Realzinsen brauchen.

altii: Bei steigenden Zinsen heißt es immer: lange Laufzeiten sind schlecht, kurze sind gut. Ist das so einfach?
Doherty: Das ist keine schlechte Faustregel. Aber wenn die Zinsen nicht so schnell und so stark anziehen, wie viele glauben, dann verliert der Anleger, der auf kurze Laufzeiten setzt. Das ist jetzt tatsächlich fast fünf Jahre lang in den USA geschehen und in der Tat sind die Verluste, sogar bei den sehr langen Laufzeiten nicht wirklich katastrophal.

altii: Wie hedgen Sie die Durationsrisiken?
Doherty: Ich mache da einiges – manches ist konventionell, anderes eher weniger. Eine einfache Methode ist es, zehnjährige Futures auf US-Schatzbriefe, Gilt und Bunds zu verkaufen. Gegenwärtig schätze ich, dass bei einem Anstieg der zehnjährigen Zinsen um 100 Basispunkte der Fond nur 0,6 Prozent verlieren würde.
Auf dem Papier sieht das Durationsrisiko höher aus. Ein Bond wird bei einem gegebenen Preis auch von Kreditereignissen beeinflusst und das kann zu einer höheren Durationseinschätzung führen.
Ich versuche das zu kompensieren, weil in diesem Fall die Bond-Preis-Bewegung nicht ursächlich durch die Zinsen ausgelöst wird, sondern mit den Kredit-Spreads einhergeht, die sehr stark mit den Aktienmarktrisiken korrelieren. Ich glaube, das ist so ein Moment, bei dem ich mich einbringen kann. Da helfen keine Modelle und keine Formeln. Da helfen nur Erfahrung und Besonnenheit.

altii: Sie investieren in Finanzwerte systemrelevanter Institute. Dabei ist es doch das erklärte Ziel der Regierungen, diese Systemrelevanz künftig zu beseitigen.
Doherty: Banken und Versicherungen sind seit der Krise viel sicherer geworden. Ausschlaggebend aber ist, dass die emittierten Instrumente den Anlegern signifikant höhere und schnellere Verluste bescheren als die vorherigen Kapitalmarktinstrumente.
Also nein, ich stimme der These nicht zu, dass die Regierungen wollen, dass der Sektor uninvestierbar wird. Was gerade passiert ist ein geplanter und klarer Transfer von Risiken vom öffentlichen auf den privaten Sektor. Das ist etwas Gutes.

altii: Gibt es viele Bonds, die derzeit aufgrund der sich verändernden Verhältnisse fehlbepreist sind?
Doherty: Ich glaube, alle „zero recovery“ CoCo’s sollten gemieden werden. Ansonsten finde ich Tier 1 Bonds von Versicherungsunternehmen gut. Auf der Verkaufsseite gibt es relativ wenig Research bzgl. der Verschuldungssituation dieser Emittenten, dass es schon per Definition falsch bewertete Assets gibt.

altii: Würden Sie ein Investment in Banken und Versicherungen im Moment generell empfehlen.
Doherty: Meine Empfehlungen sind sehr selektiv, sogar innerhalb dieser Gesellschaften. Im Allgemeinen kämpfen die Anleger, die Banken und Versicherungen meiden noch auf verschiedenen Feldern gestrige Schlachten. Makroökonomische Risiken bestehen natürlich weiterhin aber die Reparatur der Bilanzen und die Transparenz machen Fortschritte, auch wenn es noch einigen Weg zu gehen gilt.

altii: Gibt es noch andere Sektoren außer der Finanzbranche mit einem ähnlichen Alpha für Bond-Investoren?
Doherty: Ich investiere nicht in Emerging Markets Anleihen, aber ich bin sicher, dass die letzte Verkaufswelle Preis-Anomalien verursacht hat, insbesondere wo liquide Bonds von gut geführten Unternehmen und sogar von Ländern Wert bieten.

altii: Was ist mit Versorgern? Sind die attraktiv?
Doherty: Der Versorgungssektor ist im Allgemeinen defensiv, aber einige Gesellschaften in Europa sollten gemieden werden. Ich fange an auf Länder zu schauen, die einen verlässlichen regulatorischen Rahmen und ein stabiles Umfeld für Unternehmen haben.

altii: Was ist mit Staatsanleihen? Was erwarten Sie hier für das nächste Jahr, insbesondere in der Euro-Zone und in den USA?
Doherty: Staatsanleihen bleiben als Folge des QE und der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (LRGs) in Europa, Japan, den USA und in Großbritannien künstlich teuer. Es ist diese Politik, die kaum vorhersagbar ist, die bestimmt, was künftig bei Staatsanleihen passiert.
Für Banken bedeuten Staatsanleihen immer noch Positionen für Null Prozent Risiko. So bleibt es ein Mechanismus, um mit der Zeit die Bilanzen zu bereinigen und um die lasterhaft spendablen Regierungen zu finanzieren. Ich glaube nicht, dass sich das ändern wird.

 

Im Interview

Peter Doherty, Tideway PartnersPeter Doherty
ist Partner und Chief Investment Officer bei Tideway Investment Partners. Der 46-Jährige hat mehr als 20 Jahre Erfahrung mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Derivaten bei Goldman Sachs, Bear Stearns, Bank of America, Solent Capital und Markit.

Tideway Investment Partners LLP
ist ein in London ansässiger Vermögensverwalter unter Aufsicht der englischen Finanzaufsichtsbehörde FSA (Financial Services Authority). Das Unternehmen wurde im Jahr 2009 gegründet und hat sich auf festverzinsliche Anlagen sowie Währungen (Overlay-Strategie) unter makroökonomischen Gesichtspunkten spezialisiert.

Sachwerte - Erbaugrundstücke sind die ideale Sachwertanlage

Investments, die auf dem Erbbaurecht basieren, sind sowohl für institutionelle Immobilienhalter interessant als auch für Kapitalanleger. An solche Grundstücke heranzukommen ist allerdings nicht einfach. Kirchen und andere Bestandshalter verkaufen nur selten. Es gibt jedoch die Möglichkeit, selber solche Grundstücke zu schaffen.

Abseits der Renten- und Aktienmärkte bieten sich, der markowitzschen Portfolio­theorie folgend, Sachwerte von jeher als Stabilisatoren für das Portfolio an. Die Investition in ein physisch vorhandenes Gut gilt als rentabel (Erträge + Wertsteigerung), sicher, inflationsgeschützt und korreliert kaum mit der Entwicklung an den Aktien- und Rentenmärkten. In Zeiten turbulenter Kapitalmärkten stehen Sachwerte besonders hoch im Kurs. Außer in Handelsschiffe wird so ziemlich in alle Assetklassen investiert, allen voran in Immobilien. Folge: Die Preise haben – zumindest in den guten Lagen – in den letzten Jahren deutlich angezogen. Die Bundesbank hat bei Eigentumswohnungen in den sieben größten deutschen Städten allein im Jahr 2012 eine Preissteigerung um 11% festgestellt. Der Preisindex für den Neubau von Mehrfamilienhäusern ist dem Statistischen Bundesamt zufolge von 2006 bis 2012 um rund 21% gestiegen.

Aus Kapitalanlagegesichtspunkten ist – für sich betrachtet – das Grundstück im Gegensatz zu den Gebäuden die werthaltigere Investition. Denn die klassischen Immobilienrisiken wie das Mietausfallrisiko sowie die Modernisierungs- und Instandhaltungskosten betreffen ausschließlich die Gebäude, nicht das Grundstück. Letzten Endes ist es immer das Grundstück, das den Wert einer Immobilie nicht nur hält, sondern über die Zeit auch steigert – im Durchschnitt 6,4% pro Jahr. 
Auch wenn die Preise für Immobilien seit Ausbruch der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise stark gestiegen sind, so darf unterstellt werden, dass der Wert für das bebaute Grundstück daran einen überproportionalen Anteil hat.

Trotzdem sind Grundstücke als Kapitalanlagen bei Investoren nicht besonders weit verbreitet. Dabei hat diese Anlageklasse eine jahrhundertelange Tradition. Kirchliche Einrichtungen und Kommunen halten von jeher Grundstücke, auf denen sie ein Erbbaurecht vergeben und welches ihnen damit sehr gut planbare und stabile Cashflows beschert – ­gesetzlich normiert und inflationsgeschützt.

Im Erbbaurechtsmodell werden Immobilien rechtlich in das Grundstück einerseits und das Gebäude andererseits getrennt und können danach vollkommen unabhängig voneinander vermarktet werden. Das Erbbaurecht ist ein dingliches Recht, welches dem Erbbaurechtsnehmer (= Gebäudeeigentümer) das Recht zuspricht, auf einem fremden Grundstück ein Bauwerk zu errichten bzw. zu besitzen. Dafür zahlt der Erbbaurechtsnehmer dem Erbbaurechtsgeber (= Grundstückseigentümer) eine Nutzungsgebühr, den sogenannten Erbbauzins.

Das Erbbaurecht wird in zwei Grundbüchern erfasst, zum einen erstrangig in der zweiten Abteilung im Grundbuch des belasteten Grundstücks (Grundstücksgrundbuch) und zum anderen im sogenannten Erbbaugrundbuch, ebenfalls im ersten Rang. Somit ist geregelt, dass auch ein neuer Gebäudeeigentümer in die Zinszahlungspflicht eintritt. Das Erbbaurecht kann als grundstücksgleiches Recht vererbt, veräußert, verschenkt und belastet werden.

Das führt zu einer Win-win-Situation. Der Eigentümer des Gebäudes verringert beim Kauf einer Immobilie seinen finanziellen Aufwand, da das Grundstück nicht mitfinanziert werden muss. Ebenso können Bestandshalter durch einen nachträglichen Grundstücksverkauf mittels Erbbaurechtsbestellung Kapital generieren – zum Beispiel für notwendige Sanierungsmaßnahmen oder Modernisierungen, die wiederum den Wert der Gebäude steigern. Der Grundstückseigentümer/Investor erhält einen sehr stabilen und langfristigen Cashflow, den Erbbauzins. Dieser bemisst sich in der Regel am Wert des Bodens. Der Erbbauzins ist indexiert. Das heißt, er ist an den Verbraucherpreisindex gekoppelt – mit steigender Inflation steigt auch der Zinssatz, sodass man hier von einer Realverzinsung sprechen kann. Die Anpassung an die Inflation ist vertraglich geregelt und wird bei Wohnimmo­bilien in der Regel alle drei Jahre vorgenommen, bei Gewerbeimmobilien sind die Intervalle kürzer. Somit ist ein laufender Inflationsschutz impliziert.

Darüber hinaus muss der Investor bei Erbbaugrundstücken nicht mit den üblichen Immobilienrisiken wie Mietausfall oder Instandhaltungskosten rechnen. Selbst Gebäudeversicherungen, die Grundsteuer und sonstige öffentliche Abgaben trägt der Gebäude­eigentümer. Durch die lange Laufzeit eines Erbbaurechtsvertrages – in der Regel 99 Jahre – erhalten alle Parteien Planungssicherheit. Nach Ablauf des Erbbaurechts kann dieses entweder verlängert werden oder der Grundstückseigentümer kauft das Gebäude, wobei er sich an dem dann aktuellen Verkehrswert orientiert.

Sollte der Gebäudeeigentümer Insolvenz anmelden, beziehungsweise mit der Erbbauzinszahlung in Höhe mindestens zweier Jahresbeiträge in Verzug sein, kann der Heimfall durch den Grundstückseigentümer betrieben werden. Dabei wird der Grundstückseigentümer das Gebäude verwerten, um seine Ansprüche zu decken und als Entschädigung den Verkehrswert des Gebäudes mit einem Abschlag zahlen (je nach Erbbaurechtsvertrag).

Der größte Haken ist die geringe Verfügbarkeit von Erbbaugrundstücken. Wer Erbbaugrundstücke als Kapitalanlage im Portfolio hat, der trennt sich in der Regel kaum von ihnen, weshalb Erbbaugrundstücke selten gehandelt werden. Daher generieren Spezia­lis­ten dieses Asset selbst, indem sie Vollimmobilien in Grundstück und Gebäude aufspalten und getrennt vermarkten. Die DGR-Deutsche Grundstücksverwaltungs GmbH räumt dem Erbbauberechtigten auf Wunsch das vertragliche Recht ein, dass das Grundstück nach einer fest definierten Laufzeit zu einem fest definierten Preis zurückgekauft werden kann; etwa wenn der Eigentümer der Gebäude das Objekt nach 10 Jahren als Vollimmobilie wieder veräußern möchte. Erbbaugrundstücke als Kapitalanlage müssen bestimmte Inves­titionskriterien erfüllen: Die Werthaltigkeit der Aufbauten auf dem Grundstück muss in einem vernünftigen Verhältnis zum aktuellen oder möglichen Mietertrag und dem Jahreserbbauzins stehen. Im aktuellen Zinsumfeld bieten Grundstücksinvestitionen dieser Art stabile Cashflows und attraktive Renditen von rund 4 bis 4,5% pro Jahr. Stresstests zeigen, dass eine Erbbaugrundstücksinvestition selbst unter Worst-Case-Szenarien (Grundstückswert nach 30 Jahren: 0,00 Euro) noch rund 3% Rendite erwirtschaften.

Investoren können sich nach ihren eigenen Investitionskriterien ein oder mehrere Erbbaugrundstücke zusammenstellen. Der Verwaltungsaufwand ist verhältnismäßig gering und kann auf Wunsch auch an Dritte vergeben werden. Aber auch strukturierte Poolinglösungen, sogenannte Club Deals, sind denkbar. Dabei investieren mehrere Investoren in eine neu gegründete Gesellschaft, die wiederum ein Grundstücksportfolio kauft und hält. Ein Blick in die Nische „Kapitalanlagen auf Basis des Erbbaurechtes“ kann sich für Investoren mit konservativem Anlageansatz im aktuellen Zinsumfeld also lohnen.

Der Autor

Klaus Secker
verfügt über langjährige Erfahrung im Versicherungs- und Immobilienbereich. Seit 2008 hat er sich auf die Bewertung und Neubildung von Erbbaugrundstücken spezialisiert und gründete mit Partnern aus dem Finanzdienstleistungsbereich die DGR - Grundstücksverwaltungs GmbH.

DGR Grundstücksverwaltungs GmbH
mit Sitz in Ahrensburg bei Hamburg ist als innovativer Finanzdienstleister in der Immobilienwirtschaft tätig und hat sich auf die Konzeption von Erbbaugrundstücks-Investments sowie die Akquisition und Verwaltung von Erbbaugrundstücken spezialisiert. 

 

Sachwerte - Stabile Kisten für Institutionelle

Ein Pensionsfonds kauft eine ganze Leasinggesellschaft. Ein US-Investor sichert sich ein großes Container-Portfolio. Während Container-Investments in Deutschland eher für Privatanleger strukturiert werden, haben international Institutionelle die Nase vorn. Dr. Dirk Baldeweg, geschäftsführender Gesellschafter des Container-Spezialisten Buss Capital, erklärt was Profi-Anleger an den bunten Boxen schätzen – und worauf sie achten sollten.

Rund 300.000 kanadische Lehrer verlassen sich bei ihrer Alterssicherung seit einigen Monaten auch auf Container. Mitte Januar kaufte sich der „Ontario Teachers‘ Pension Plan“ die Leasinggesellschaft SeaCube. Mit rund 930.000 TEU (Twenty-foot Equivalent Unit, Standardcontainer) verwalteter Container ist SeaCube der sechstgrößte Containervermieter der Welt. Zwei Wochen zuvor sicherte sich eine Tochterfirma des US-Investors Lindsay Goldberg das Portfolio der beiden Buss-Global-Fonds 2 und 3. Mit rund 275.000 Containern und einem Transaktionsvolumen von rund 410 Millionen US-Dollar war das unserer Kenntnis nach der größte Fondscontainerverkauf aller Zeiten.

Was macht Container so attraktiv für Institutionelle? Container sind einfache Stahl­kisten, die schnell hergestellt sind. Genau deshalb eignen sie sich gut für Investoren, die auf Sachwerte mit mittlerem bis langfristigem Investitionshorizont setzen. Denn Container werden erst dann bestellt, wenn der Bedarf konkret abzusehen ist. Gleichzeitig gehen permanent ältere Boxen aus dem Markt – der deshalb rasch auf Nachfrageänderungen reagieren kann. Das hat sich zum Beispiel im Jahr 2009 gezeigt, als der Containerumschlag zurückging. Während die Containerschifffahrt bis heute unter Überkapazitäten leidet, hat der Containermarkt rasch reagiert. Bis heute profitiert der Markt sogar von den finanziellen Problemen vieler Reedereien: Sie mieten lieber Container, als sie selbst zu kaufen. Der Trend geht zum Leasing.

Dazu kommt: Container sind sehr wertstabil. Sie bestehen zu vier Fünfteln aus ­einer Stahl-Legierung, die sie sehr widerstandsfähig macht. Standardcontainer werden gut 12 Jahre in der internationalen Transportlogistik eingesetzt. Anschließend werden sie einzeln in den Container-Zweitmarkt verkauft – und das immerhin noch für rund die Hälfte ihres Neupreises. In ihrem zweiten Leben dienen die Boxen dann als Baucontainer oder als stabile Einwegverpackung für Transporte in entlegene Gebiete, für die sich neue Container nicht lohnen würden, weil man sie leer über Land zurücktransportieren müsste. Dazu kommt: Container-Eigentümer müssen sich kaum Gedanken über den Fortschritt machen. Die Kisten sind technisch seit Jahren fast unverändert geblieben. Zwar gibt es immer mal wieder technische Innovationen wie etwa faltbare Container, die als „Neuheit“ vorgestellt werden, oder kürzlich zwei Zwanzigfüßer, die sich zu einem Vierzigfüßer koppeln lassen. Das sind aber Exoten ohne Chance, sich auf breiter Basis durchzusetzen. Denn die Kosten für solche Sonderlösungen sind weit höher, als die im normalen Betrieb möglichen positiven wirtschaftlichen Effekte.

Weiterer Vorteil: die Möglichkeit zur breiten Streuung. Professionelle Fondsmanager stellen Containerportfolios mit mehreren Hunderttausend einzelnen Containern zusammen und achten darauf, eine breite Mischung von Containertypen, Altersklassen, Mietern und Mietverträgen zu erreichen. Im Idealfall ist so ein Containerportfolio ein Abbild der Weltcontainerflotte – mit zum Teil mehreren Hundert Mietern. Ausfälle können so ausgeglichen werden. Das Ergebnis: Investments mit zuverlässigen Einnahmen, kontinuierlicher Performance und Wachstumschancen – so fasst der kanadische Pensionsfonds Ontario Teachers‘ Pension Plan, die Vorteile des Containerleasings zusammen.

Wie kommt der Container ins professionelle Portfolio? Grundsätzlich gibt es für institutionelle Anleger drei Möglichkeiten, in Container zu investieren: Sie können Anteile an Containerleasinggesellschaften erwerben, sie können von Containerleasinggesellschaften begebene Anleihen erwerben, oder sie können direkt in Containerportfolios investieren.

Der kanadische Pensionsfonds Ontario Teachers’ Pension Plan hat den ersten Weg gewählt: Er hat vor Kurzem die Leasinggesellschaft SeaCube gekauft. Die Kanadier folgten damit dem Beispiel einiger großer Private-Equity-Gesellschaften wie Kelso, Warburg Pincus oder Vestar Capital Partners, die ebenfalls Containerleasinggesellschaften übernommen haben. Dieser Weg steht letztlich nur großen Investoren offen, denn die Transaktionsvolumina liegen schnell über einer halben Milliarde US-Dollar. Zudem kauft sich der jeweilige Investor in ein operatives Unternehmen ein – mit den dafür typischen Risiken. Diese Form der Investition ist damit im Grundsatz vergleichsweise risikobehaftet, potenziell aber recht ertragreich. Ähnlich sieht es aus, wenn der institutionelle Investor sich Teile von Containervermietern kauft – etwa über Aktien. Dann kommt zu den operativen Risiken die zusätzliche Volatilität, die eine Börsennotierung mit sich bringt.

Die Investition in Anleihen ist demgegenüber sehr risikoarm und auch mit geringeren Investitionssummen möglich. Typischerweise strukturieren große Containerleasinggesellschaften ihre langfristige Darlehensfinanzierung über besicherte Anleihen. Diese werden im amerikanischen Kapitalmarkt bei institutionellen Investoren platziert. Die Sicherheit dieser zuletzt in der Regel mit einem Rating von „A-“ versehenen Anleihen ist hoch: Auch in der Finanzkrise im Jahr 2009 gab es keinen einzigen Ausfall. Entsprechend niedrig ist die erzielbare Rendite. Bei den letzten Emissionen lag sie bei rund 3%. Von diesem niedrigen Zinsniveau profitieren die Containerleasinggesellschaften und deren Kunden, weil ihre Zinslast entsprechend sinkt.

Die dritte Option ist, Eigenkapital in ein Containerportfolio zu investieren. Dies ist vom Risiko-Rendite-Profil die in vielen Fällen attraktivste Variante. Allerdings ist der Zugang zu entsprechenden Transaktionen begrenzt. Containerleasinggesellschaften, die börsennotiert sind oder deren Eigentümer eine Börsennotierung anstrebt, sind aktuell besonders interessiert, ihren eigenen Umsatz möglichst stark auszuweiten. Diese Fokus­sierung auf „Top Line Growth“ führt dazu, dass die Containerleasinggesellschaften ihre Container lieber selbst finanzieren und nicht am Finanzierungsmarkt anbieten. Aber auch ohne Börsenambitionen stellen Containerleasinggesellschaften kaum Container für Direkt­investitionen zur Verfügung, wenn der Gesellschafter dieses Leasingunternehmens selber ein institutioneller Anleger ist, der sein Kapital arbeiten lassen möchte. Es verbleibt somit eine kleine Anzahl geeigneter Quellen für direkte Investitionen in Container.

Wie bei anderen Investitionen gilt: Container-Investments erfordern ein erhebliches Know-how. Verträge mit Containerleasinggesellschaften müssen ausgehandelt, mögliche Containerinvestitionen begutachtet, fortlaufend muss die wirtschaftliche Entwicklung der Container überwacht und bei einem Exit muss ein möglichst effizienter Verkaufsprozess durchgeführt werden. Es ist daher sinnvoll, entsprechende Investitionen nur gemeinsam mit einem erfahrenen Assetmanager umzusetzen, die über einen aussagefähigen Track-Record und einen nachweisbaren Zugang zu geeigneten Transaktionen verfügt. 

Der Autor

Dr. Dirk Baldeweg
ist seit 2005 geschäftsführender Gesellschafter von Buss Capital. Zuvor war der promovierte Wirtschaftsingenieur als Unternehmensberater tätig – unter anderem bei Price Waterhouse und seiner eigenen Unternehmensberatung ConsultingContor, mit der er unter anderem Buss Capital beriet. 

 

Buss Capital
ist ein Containerfinanzierer und Fondshaus mit den Schwerpunkten Schifffahrt, Logistik und Immobilien. Bislang hat Buss Capital 37 Fonds und Direktinvestments aufgelegt, in die etwa 27.500 Investoren rund 860 Millionen Euro investiert haben. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf rund 2,3 Milliarden Euro. Buss Capital hat seinen Hauptsitz in Hamburg und Tochterfirmen in Singapur. Das Haus gehört zur 1920 gegründeten Hamburger Buss-Gruppe.

Covering ESG issues is increasingly important for institutional investors

Since 2006 the Generali group is giving the topic “sustainable developments” careful consideration. A dedicated team of professional analysts from Generali Investments Europe is developing its self-created ethical filter that comes into deployment in the investment process. alternative investor information asked Franca Perin and Murielle Villemin for background information.

altii: Why should institutional investors pay more attention to social responsible investments (SRI) at all?

Franca Perin: Most ‘mainstream’ fund managers do not research environmental, social and governance (ESG) issues in detail. As a result they can miss possible investment opportunities – or risks for the companies they invest in. This is particularly true for longer-term issues, but can also be related to the shorter term.
Companies that manage ESG issues well relatively to their peers will increasingly gain advantages, as they will be able to spot related business opportunities (and risks) ahead of their peers.
Murielle Villemin: Covering ESG issues is more and more important for both investee companies and institutional investors because regulation and legislation are driving the standards higher. The investment communities are therefore developing increasing interest in the demand for products and services.
Funds that invest in environmental solution driven companies are investing early into companies that may enjoy significant future growth.
Perin: At least: Companies that manage their use of natural resources well – including the cost of carbon emissions – can save money and generate higher profits for distribution to investors. A strong management of ESG issues is often regarded as an indicator of good overall company management in addition.

 altii: There is a straightforward presumption almost a myth that investments done under SRI principles are archiving less return than conventional investments. Is that really true and what is your experience?
Villemin: Socially responsible business is less likely to encounter regulatory penalties or harmful portrayals in the media. This mitigated risk will ideally be passed along to investors through higher returns. Our SRI funds have outperformed their benchmarks since inception and during the most volatile times. It is our belief that socially responsible companies create value for all stakeholders, not just shareholders.

altii: Investing under SRI principles has a wide universe of definitions and different understandings. How is Generali defining such investments in respect to SRI principals?
Franca Perin: For the selection of socially responsible investments, a proprietary methodology based on a best-effort approach has been developed. For each company analyzed, this methodology provides:
- An analysis of 34 ESG criteria, reviewed and updated annually, with the allocation of scores;
- The mapping of non-financial risks like reputational risk, class action, legislative pressure or carbon footprint that may have an impact on the price of company shares and the way in which they are regarded by corporate policies;
- The integration of financial criterias for the final selection of the companies identified.
- A team of five analysts, supported by a scientific committee, then selects the best companies with regard to corporate social responsibility and sustainable development policies, also by means of a process of dialogue aimed at improving the performance of the companies considered, as appropriate.
- This approach led to the creation of an internal database, called S.A.R.A. (Sustainability Analysis of Responsible Asset), through which dedicated funds have been established, including the fund under Luxembourg law - Generali Investments SICAV European SRI Equity.

altii: Some market players think SRI is the same like “green” investments. This is of course not the case. How does Generali draw the borderline?
Perin: Our funds are SRI because they take into account all the 3 ESG criteria and not only the environmental aspects.

altii: Generali Investments Europe developed an ethical filter that is called into action by considering the investment process. Please explain us briefly what you are taking into consideration and how does it work in reality.
Villemin: The Group has been implementing an ethical filter to its global investments since 2006, eschewing instruments of companies that violate human rights, directly or indirectly contribute to killing, torture, deprivation of freedom, or have a severely harmful impact on the environment or the production or sell of weapons. It is based on our ethical guidelines and exclusion list. By that filter we exclude 32 companies for all our direct funds.

altii: How many companies can you consider for investments after deploying this filter?
Villemin: We cover 460 large caps in the European universe. After deploying the filter, around 230 companies are integrated in our SRI buy-list. 

altii: How do you use your influence over selected companies? Are you actively using your power of influence and voice?
Perin: The SRI department is in charge of the proxy voting for all the assets, which supports our focus on engagement and corporate governance. We aim to ensure as a major shareholder that we are also acting as an active stakeholder in the companies that we hold. In this regard, we are one of the asset managers that opposes the most frequently to resolutions.

altii: What is happening when companies are breaching ESG rules after the filter is positively used and Generali already placed investments?
Perin: We write an alert that we send internally to the portfolio managers and, depending on the seriousness of the breach and its potential financial and reputational impact, we put the company under supervision or decide to exclude it from our SRI buy-list.

altii: How often are you checking and controlling your investments?
Perin: For the companies under coverage we check continuously according to public information and controversies. For the invested SRI funds we monitor performance through a monthly and quarterly reporting that include financial and non-financial data.

altii: As the general basis of the Generali approach you mentioned your own developed database S.A.R.A. Please explain us the principals.
Villemin: Through the platform S.A.R.A., the SRI research team helps our managers to integrate ESG issues and risks in the investment process.
To do so we use a risk scoring matrix to determine the most relevant issues of each sector:
- Damage to the image and reputation
- Legislative pressure to regulate the activities of the company
- Class action (direct and indirect costs)
- Immaterial Capital (long-lasting value of intangible capital)
- Carbon impact (trading price)
In each activity sector, the 34 criteria are variously pondered to take account of all underlying risks. This makes it possible to select the companies with the best practices in relation to the specific characteristics of their particular business.
Then, all the relevant information collected from public sources and company meetings are integrated in the database to explain the ratings and scorings assigned to each company under SRI coverage.

altii: Why is Generali spending the resources and developing an own build database? You could use Sustainalytics as an example.
Villemin: We have rather specific needs, so we use our own proprietary ESG database. Our Database allows the traceability of all ESG ratings and quantitative and qualitative data.
Our in-house database allows us to examine and integrate into our investment decisions a series of non-financial variables. Over the long term this information can have an impact on the economic and financial performance of our assets. Our in-house ESG research is a differentiation factor in the insurance industry.

altii: Right now Generali has approx. Eur 6 bln assets under management in SRI related assets selected by the described investment philosophy. Compared to the overall managed assets of Generali in the size of Eur 290 bln this seems to be just a smaller portion. Is this view correct and why is SRI such an important topic for the investment behavior of the near future?
Perin: It is our objective to convert more funds in the future under SRI principles.

 

Im Interview

Franca Perin
Leiterin SRI Research, kam 2010 als Leiterin des SRI Analysts Team zu Generali Investments Europe inParis. Sie definierte den ESG-Ansatz und entwickelte eine Rating-Datenbank für Mandate im GISEuropean SRI Equity Fund. Davor leitete sie das SRI Research & Analysis bei Dexia A.M. und Core Ratings, Fitch Group. Sie begann ihre Karriere 1999 als Projektmanager RSE in der NGO Friend of the Earth. Perin ist seit 2009 Partner-Professor im Bereich Umweltmanagement an den Universitäten Sète undVersailles.

MurielleVillemin
ist seit 2003 Equity Fund Manager bei Generali Investments Europe. Sie begann 1995 bei der Axa Finance Division als Finanzanalystin.

 

Generali Investments Europe (GIE)
ist mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 320 Mrd. Euro einer der führenden Asset Manager in Europa. Das Unternehmen, das zu 100% von der Generali Gruppe kontrolliert wird, verwaltet Vermögenswerte Dritter und der Gruppe und greift dabei auf die Expertise von mehr als 100 Experten zurück.

Zusätzlich zu traditionellen Aktien- und Rentenstrategien, Multi-Asset-Portfolios und Dachfonds baut Generali Investments Europe auf seine ausgewiesene Expertise und Möglichkeiten, die bei der Verwaltung der Vermögenswerte der Gruppe zum Einsatz kommen, um den bewährten flexiblen Absolute-Return-Ansatz und die Asset-Liability-Strategie zu entwickeln. 
Gleichzeitig verfügt das Unternehmen über eine eigene Screening-Methode für Socially Responsible Investments (SRI). Generali Investments Europe zeichnet sich durch seinen disziplinierten und umsichtigen Ansatz basierend auf konsequentem Risikomanagement und eigenem Research aus. Ziel sind langfristig konstante Renditen mit geringer Volatilität und Schutz des investierten Kapitals.

Mit Volatilitätsstrategien ­Rentenportfolios stärken

Seit Beginn der 1990er-Jahre befinden sich die Zinsen in einem Abwärtstrend – die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist von über 8% auf nunmehr 1,74% gefallen und bescherte Anleiheinvestoren hohe Kursgewinne. Gemessen am Renten­index REX-P ergibt sich für diesen Zeitraum ein durchschnittlicher Jahresgewinn von 6%. Doch was auf den ersten Blick sehr erfreulich aussieht, bedeutet eine extrem schwierige Situation für die Zukunft. 

Das aktuelle Zinsniveau von unter 2% für langlaufende erstklassige Staatsanleihen stellt institutionelle Investoren, die feste Zahlungsverpflichtungen erfüllen müssen, vor fast nicht zu lösende Herausforderungen. Für diese Investorengruppe ergeben sich drei Problemfelder. Erstens reicht das Zinsniveau für erstklassige Anleihen nicht aus, die gegebenen Gewinnversprechen langfristig zu erfüllen. Zweitens besteht das Risiko, dass ein deutlicher Zinsanstieg nicht nur die bestehenden Kursgewinne aufzehrt, sondern auch zu Abschreibungen oder stillen Lasten bei den vorhandenen Anleihen führt. Und drittens haben viele Anleger aufgrund des Drucks, vorgegebene Mindestrenditen erzielen zu müssen, in den letzten Jahren ihre Rentenportfolien stärker diversifiziert als in den Jahren davor. Hierdurch haben risikoreichere Assets wie Unternehmensanleihen, Hochzinsanleihen und Emerging-Markets-Anleihen hohe Zuflüsse erfahren. 

Gegen eine verbesserte Streuung aus Risikogesichtspunkten ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Doch es war nicht der Diversifikationswunsch, der diese Entwicklung herbeiführte, sondern das Ziel, durch Kreditrisiken die gesunkenen Zinseinnahmen zu erhöhen. Diese bewusste Inkaufnahme von zusätzlichen Kreditrisiken hat bei vielen Inves­toren jedoch dazu geführt, dass auch nach Diversifikation das absolute Risiko heute höher liegt als in früheren Zeiten.

Vor dem Hintergrund, dass auch für traditionell konservative Investorenkreise das Risiko­management sehr hohe Bedeutung erlangt hat, stellt sich die Frage, welche Entwicklung bei den wichtigsten Risikoparametern des Anleihemarktes in den kommenden Jahren zu erwarten ist. Auch wenn wir wissen, dass Aussagen über die Zukunft sich jederzeit als falsch heraus stellen können, wollen wir unsere Sichtweise wiedergeben, so wie sich nach gründlicher Analyse die Situation für unser Haus darstellt.

Die große Triebfeder des langen Zinsabstiegs war eine veränderte Geldpolitik der Noten­banken. Sie fokussierten sich nicht mehr auf die Inflationsbekämpfung, sondern versuchten jede Krise durch geldpolitische Maßnahmen zu überwinden. Die Idee, die hinter diesem Vorgehen steht, ist, durch erhöhte Kreditvergabe den Konsum und die Inves­titionen so weit zu stützen, dass die realwirtschaftlichen Auswirkungen einer Krise gering bleiben. Dies kann auch für die letzten Krisen durchaus als geglückt bezeichnet werden. Doch sind mit diesem Vorgehen zwei Effekte aufgetreten, die weniger erfreulich stimmen. So sind die Marktbereinigungskräfte, die zu einer funktionierenden Ökonomie gehören, zumindest abgeschwächt worden. Der bedeutendere Effekt dieser Entwicklung ist aber die ausufernde Kreditabhängigkeit der gesamten Weltwirtschaft.

Die realwirtschaftlichen Verschuldungsraten erreichen aktuell in den meisten Staaten annähernd das Dreifache der jährlichen Wirtschaftsleistung. Diese Kreditabhängigkeit, die auch Emerging Markets betrifft, bedeutet aber, dass ein starker Zinsanstieg das ökonomische Modell ins Mark treffen und eine Rezession auslösen würde. Vor diesem Hintergrund halten wir allenfalls einen langsamen Zinsanstieg für möglich, der das Zinsniveau auf niedrigem Stand belassen dürfte. Sollte es indes zu einem plötzlichen Vertrauensverlust in einem der anfälligeren Länder kommen, wofür Leistungsbilanzdefizite und aufgeblähte Immobilienmärkte genügend Raum bieten, besteht sogar die Möglichkeit, dass wir das Tief in der Zinsentwicklung der etablierten Märkte noch nicht gesehen haben. 

Aufgrund von verschiedenen Kundenanfragen hatten wir im Jahr 2011 begonnen, uns mit der Frage von rentenbasierten Optionsstrategien näher zu befassen. Dabei konnten wir auf die langjährigen Erfahrungen zurückgreifen, die wir mit Aktienoptionsstrategien gemacht haben und die auch in erfolgreichen Produkten wie dem Antecedo Independent Invest (ISIN: DE DE000A0RAD42) umgesetzt wurden. Auch wenn viele Zusammenhänge bei liquiden Anlagen gleichbehandelt werden können, mussten wir jedoch bedeutsame Unterschiede feststellen. Der augenfälligste Unterschied zwischen den Aktien- und den Zins-Optionsstrategien besteht in der deutlich geringeren Volatilität der Zinsoptionen. Hierdurch verringert sich das mögliche Optionsprämienvolumen einer Veroptionierung sehr drastisch. Deshalb eignen sich Zinsoptionsstrategien vor allem für konservative Anlagestrategien, die keine übertrieben hohen Ertragserwartungen beinhalten. 

Positiv mussten wir feststellen, dass Zins­optionsmärkte nicht so drastische Volatilitätsbewegungen kennen, wie wir sie von den Aktienmärkten gewohnt waren. Auch dies erwies sich als ein Faktor, der vor allem in einem konservativen Portfolio gewünscht wird. Die Summe unserer Erkenntnisse ist, dass unsere Optionsstrategien auch auf den Rentenmärkten erfolgreich anwendbar sind. Die Ertragserwartungen sind geringer als bei den Aktien-Optionsstrategien, dafür ist die Schwankungsbreite der Zins-Optionsstrategie deutlich niedriger.

Ein weiteres Ergebnis unserer Untersuchung war, dass wir den klassischen Aufbau unserer Optionsstrategie beibehalten konnten. Im ersten Schritt kaufen wir Call- und Put-Optionen direkt am Geld mit einer Laufzeit von drei bis sechs Monaten. Dieser Portfoliobestandteil liefert vor allem bei größeren Schwankungen gute Erträge. In einem zweiten Schritt verkaufen wir Zinsoptionen mit einer Laufzeit zwischen ein und zwei Monaten mit Basispreisen, die weit aus dem Geld liegen. Diese Optionen verbrauchen durch ihre kurze Laufzeit ihren Zeitwert schneller als die gekauften Optionen, sodass ein positiver Ertrag allein durch den Zeitablauf entsteht. Ein dritter Schritt beinhaltet eine Handelsstrategie, die dafür Sorge trägt, dass die verkauften Optionen nicht ins Geld laufen können, sondern vorher angepasst werden.

Aus der Kombination von Zinsoptionen entsteht ein Portfolio, das abhängig von der absoluten Höhe der Volatilität am Rentenmarkt ein Ergebnis zwischen 1% bis 3,5% p.a. erzielen sollte. Umgesetzt wurde diese Strategie im Rahmen des Rentenfonds Antecedo Euro Yield (ISIN: DE000A1J6B01), der diese Optionsstrategie aber nicht einfach nur als Absolute Return-Strategie umsetzt, sondern diese mit einem Rentenportfolio kombiniert. Hierbei erfolgt das physische Investment in ein optimiertes Rentenportfolio aus den Bestandteilen des IBOXX EUR AAA – AA Total Return Index. Dieser Index dient dem Fonds auch als Benchmark, wobei es das klare Ziel ist, diesen Index deutlich zu übertreffen.

Im ersten Jahr seines Bestehens konnte der Fonds unsere Erwartungen voll erfüllen. Der absolute Gewinn lag bei 0,92% und die Outperformance gegenüber der Benchmark bei 1,54% (siehe Grafik). Damit konnte der Fonds auch zeigen, dass die Zusatzerträge ihn in die Lage versetzen, eine leicht negative Entwicklung der Benchmark zu kompensieren. Neben der reinen Wertentwicklung war aber auch der Weg dorthin für uns sehr bedeutsam. Die relativ häufigen Trendwechsel am Rentenmarkt führten zu einer Vielzahl von Anpassungen, die zeigten, dass unsere Erwartungen auch in der Realität Bestand haben. Dies sollte sich in der zukünftigen Wertentwicklung widerspiegeln.

Die bisherigen Ergebnisse haben gezeigt, dass eine Optionsstrategie mit Zinsoptionen einen deutlichen Mehrwert liefern kann. Dabei ist bedeutsam, dass dieser Mehrwert nicht durch zusätzliche Kreditrisiken erkauft wird und die hohe Liquidität des Portfolios erhalten bleibt. Gerade dies macht die Strategie zu einem vielversprechenden Anteil in einem Rentenportfolio. Denn die Faktoren, auf denen die Strategie beruht, sind verschieden zu den Faktoren anderer Rentenstrategien.

 

Der Autor

Kay-Peter Tönnes 
ist Gründer und Geschäftsführer der Antecedo Asset Management GmbH und für die Anlagestrategie und das Fondsmanagement verantwortlich. Nach seinem BWL-Studium an der Universität zu Köln startete er 1992 seine Karriere bei der Basler Versicherungs AG. Weitere Stationen waren Metzler Investment GmbH und Lupus Alpha.

Antecedo Asset Management 
ist ein eigentümergeführter und unabhängiger Finanzportfolioverwalter und spezialisiert auf innovative Investmentkonzepte in den Anlageklassen Aktien, Renten und Absolute Return. Diese Strategien werden umgesetzt in Form von Publikumsfonds, Spezialfonds und im Overlay Management für institutionelle Investoren. Ein wesentlicher Bestandteil der Anlagestrategie der Fonds ist die Independent Strategie – eine aus-geklügelte und bewährte Optionsprämien- und Handelsstrategie. 

Infrastruktur – kein einfaches, aber ein lohnendes Investment

Das Thema Infrastruktur hat in den letzten Jahren verstärkt das Interesse deutscher Investoren geweckt. Mit der strategischen Ausgestaltung und insbesondere mit der Umsetzung tun sich viele jedoch schwer, denn die Anlageklasse ist noch jung und es gibt dementsprechend wenige erprobte Anlagestrategien.

Infrastrukturanlagen zeichnen sich aus Investorensicht durch zwei fundamentale Eigenschaften aus.  Erstens weisen Infrastrukturanlagen einen hohen Anteil an idiosynkratischen Risiken aus. Diese lassen sich in Gegenpartei-, projektspezifische und Ereignisrisiken einteilen. Bei Infrastrukturanlagen werden Marktrisiken häufig an eine Drittpartei transferiert. Ein typisches Beispiel sind Take-or-Pay-Kontrakte. Dadurch weisen Infrastrukturinvestitionen entsprechend konzentrierte und spezifische Gegenparteirisiken auf und ähneln dahin gehend einem Kreditinstrument. Baurisiken oder auch Umweltrisiken, wie zum Beispiel das Windaufkommen an einem bestimmten Standort, sind hingegen projektspezifisch und direkt mit der Anlage verbunden.

Darüber hinaus können exogene Ereignisse, insbesondere regulatorische und politische Entscheide, die Rendite von Infrastrukturinvestitionen stark beeinflussen. Innerhalb eines Landes oder eines Sektors treffen derartige Entscheide in der Regel alle Anlagen gleichermaßen, während Anlagen in anderen Ländern oder Sektoren nicht betroffen sind. Ereignisrisiken können also, wie Gegenparteirisiken und projektspezifische Risiken, durch eine bewusste Diversifikation stark verringert werden.

Obwohl viele Investitionen diesen Risiken ausgesetzt sind, treffen sie Infrastrukturinvestitionen besonders, da diese kapitalintensiv und ortsgebunden sind und somit nicht auf der Stufe der Einzelinvestition gehandhabt werden können. Eine Autobahn in Deutschland kann ihr Geschäft beispielsweise nicht nach China verlagern, wenn der Verkehr in Deutschland zurückgeht. Es ist deshalb Aufgabe des Portfoliomanagers die spezifischen Risiken von Infrastrukturanlagen durch seine Portfoliokonstruktion gezielt zu verringern. Da Infrastrukturanlagen besonders stark von lokalen Gegebenheiten abhängen, spielt die geografische Diversifikation dabei eine besondere Rolle. 

Ein ebenso wichtiger Aspekt der Portfoliokonstruktion ist die Erzielung einer attraktiven Rendite, denn letztendlich ist nicht Risikominimierung das Ziel der Portfoliokonstruktion, sondern ein optimales Verhältnis zwischen Rendite und Risiko. Hier stellt sich für den Investor insbesondere die Frage, welche Segmente er bei seiner Allokationsentscheidung mit einbeziehen soll, beziehungsweise wie diese zu gewichten sind. Dabei stellt sich wiederum die Frage, ob eine aktuelle Rendite von 8 bis 10% für Kerninfrastrukturanlagen, sogenannte Brownfield-Investitionen, in Kernländern immer noch attraktiv ist. Dies hängt in hohem Maße von den zugrunde liegenden Annahmen bezüglich Inflation, Zinsentwicklung und den erwarteten regulatorischen Veränderungen ab.

Die Grafik zeigt, dass Investoren darüber hinaus eine Reihe von Risikoprämien verdienen können. Beispielsweise bieten Anlagen, die gewissen Marktrisiken ausgesetzt sind, und Sekundärmarkttransaktionen, die aufgrund der Komplexität und der oft begrenzten Informationslage mit einer Risikoprämie bewertet werden, Investoren zusätzliche Renditen.

Ebenso werden Investoren für Investitionen in der Bauphase, sogenannte Greenfield-Investitionen, und Anlagen in Ländern mit einer tieferen Bonität oder einem weniger stabilen Umfeld mit einer attraktiven Risikoprämie entschädigt. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Mehrheit der Investoren im heutigen Marktumfeld nach Brownfield-Anlagen in Kernländern sucht, was zu einer Erhöhung der Preise und damit zu einer Verringerung der erwarteten Renditen in diesen Segmenten führt. Gleichzeitig steht für Greenfield-Projekte in Ländern außerhalb der Kernzone wesentlich weniger Kapital zur Verfügung, was momentan zu entsprechenden Risikoprämien in diesem Segment führt. So investierte Partners Group 2012 in den Bau einer Meerwasserentsalzungsanlage in Südkalifornien. Die Baurisiken bezüglich Preis und Zeitpunkt der Fertigstellung wurden hier von einem Konsortium bestehend aus zwei erfahrenen Baufirmen übernommen. Weitestgehend werden Zeitverzögerungen und Kostenüberschreitungen dementsprechend nicht vom Eigenkapitalinvestor in der Anlage getragen.  Die Eigenkapitalrendite über die gesamte Vertragslaufzeit beträgt etwa 13 bis 15%.

Die zweite wichtige Eigenschaft von Infrastrukturanlagen, die erhebliche Konsequenzen für den Portfolioaufbau hat, ist die Schwankung der Bewertungen über die Zeit. Infrastrukturanlagen weisen zwar stabile Cashflows auf, die Bewertung dieser Cashflows schwankt hingegen. Grund für diese Schwankungen ist die hohe Sensitivität von Infrastrukturanlagen als langfristige Fixed-Return-Investitionen in Bezug auf eine Veränderung des Diskontsatzes. Hinzu kommt, dass private Märkte segmentiert sind und Kapital in bestimmte Regionen oder bestimmte Sektoren fließt, was nachhaltige Bewertungsunterschiede verursacht.

Im heutigen Umfeld besteht die Herausforderung darin, Kerninfrastrukturanlagen in Kernländern zu attraktiven Preisen zu erwerben. Partners Group investierte 2012 deshalb beispielsweise in ein Gas-Kombikraftwerk in Texas. Zwar gibt es in Texas nicht die Möglichkeit, langfristige Abnahmeverträge abzuschließen, was die Anlage den Schwankungen der Strom- und Gaspreise aussetzt, jedoch konnte Partners Group die Investition als nachrangiges Darlehen mit einem Eigenkapitalpolster von über 50% strukturieren. Die erwartete Rendite beträgt 13 bis 15%. Investitionen in das vorrangige Fremdkapital erscheinen vor dem Hintergrund hoher Bewertungen und der historisch tiefen Verzinsung, vor allem in den Kernländern, jedoch nicht attraktiv.

Zudem sind Investitionsmöglichkeiten relativ knapp. Mittel zum Erfolg sind daher ein globales Beziehungsnetzwerk und ein integrierter Investitionsansatz, der Investitionen über verschiedene Instrumente ermöglicht: indirekt über Fonds, den Erwerb von bestehenden Infrastrukturportfolios am Sekundärmarkt und über Direktbeteiligungen, wobei sowohl nachrangiges Fremdkapital als auch Eigenkapitalinvestitionen in Betracht gezogen werden kann. Das Resultat ist eine hohe Anzahl an Investitionsmöglichkeiten, die strenge Disziplin bei der Auswahl und eine konstante Investitionstätigkeit in unterschiedlichen Marktphasen ermöglicht.

Bei der Konzeption und der Umsetzung einer Anlagestrategie sollten sich Investoren diese zentralen Eigenschaften von Infrastrukturanlagen und die Gegebenheiten des Marktes zunutze machen, indem sie spezifische Risiken durch Diversifikation verringern, attraktive Zusatzrenditen durch Investitionen außerhalb der Kernbereiche erschließen und einen flexiblen, breit gefassten Investitionsansatz über verschiedene Investitionsinstrumente (indirekt und direkt) wählen, um jederzeit konstant attraktive Investitionen tätigen zu können. 

 

Der Autor:

 Michael Barben
ist seit 2000 bei der Partners Group und Co-Head des Private Infrastructure Teams. Vor seiner Zeit bei Partners Group war er für Zurmont Management und SBC Warburg tätig. Er hat einen Abschluss in Volkswirtschaft der Universität St. Gallen (HSG) in der Schweiz und ist Chartered Financial Analyst (CFA), in der Schweiz zugelassener Aktienhändler sowie Financial Risk Manager (FRM).

Partners Group 
ist ein globaler Manager mit einem verwalteten Vermögen von über 28 Mrd. Euro in den Bereichen Private Equity, Private Debt, Private Real Estate und Private Infrastructure. Das Anlageuniversum der Fonds erstreckt sich über die Sektoren Kommunikation, Transport, konventionelle und erneuerbare Energien, Energieinfrastruktur, Wasserversorgung, Abfallmanagement und soziale Infrastruktur.

Wie institutionelle Anleger in Infrastruktur investieren können

Institutionelle Investoren entdecken immer öfter die Chancen von Investments in Real Assets. Dabei stellt sich die Frage, über welches Anlagevehikel am besten in diese Assetklasse investiert werden kann: in Form einer direkten Beteiligung, als Loan oder als verbriefte Forderung.

alternative investor information sprach mit Dr. Sofia Harrschar über die Möglichkeiten, die sich institutionellen Investoren bieten.

altii: Brücken, Straßen und Flughäfen kennt jeder. Also kann auch jeder beim Thema Infrastruktur mitreden. Ist es denn bei den Investitionen genauso einfach oder ist dieses Halbwissen beim Investieren eher gefährlich?
Dr. Sofia Herrschar: Einerseits ist es ein Vorteil, dass die Anlageklasse den Investoren bekannt und auch im wahrsten Sinne des Wortes greifbar ist. Daraus sollte man jedoch nicht ableiten, dass man weiß, wie eine optimale Investitionsstruktur für Infrastruktur auszusehen hat und welche besonderen Chancen und Risiken sich daraus ergeben. Wesentliche Merkmale von Infrastrukturinvestitionen sind deren Dauer, die Zahl der beteiligten Parteien – vom Bauunternehmer bis zur Versicherung für die Bauleistungen – und auch die Rolle staatlicher Institutionen. Hier gilt es im Investitionsprozess besonderes Augenmerk zu haben.

altii: Infrastruktur verspricht sichere Cashflows, meist eine staatliche Garantie oder zumindest staatlicher Hintergrund. Macht das Infrastruktur-Investitionen zum Ersatz für Staatsanleihen?
Harrschar: Das ist eine interessante Betrachtungsweise! Abhängig von der Rolle staatlicher Institutionen beziehungsweise Garantien können in der Tat Vergleiche gezogen werden. Es weist auch darauf hin, dass das politische Risiko nicht zu vergessen ist. Allerdings gibt es eine Vielzahl anderer Einflussfaktoren auf das Investment, sodass Infrastruktur nur in sehr wenigen, sehr spezifischen Fällen als Ersatz gesehen werden könnte.

altii: Die technische Infrastruktur in den Industriestaaten gilt als völlig überaltert. Welche Chancen eröffnet das für Investoren?
Harrschar: Nun, im ersten Schritt bedeutet dies, dass es einen zunehmenden Bedarf an Infrastrukturinvestitionen gibt. Straßen, Kanalisation und auch sonstige Transportinfrastruktur wie Häfen müssen renoviert oder sogar komplett erneuert werden, damit ihre Funktionsfähigkeit gewährleistet ist. Für den Investor gibt dies Aufschluss über die Größe des Marktes. Im zweiten Schritt muss dann geschaut werden, ob bei allen diesen Projekten externe Finanzinvestoren zugelassen werden.

altii: In welchen Bereichen besteht denn der größte Investitionsbedarf?
Harrschar: Nach zwei aktuellen Studien der OECD bzw. von McKinsey liegt der weitaus größte Bedarf im Bereich des Straßenbaus. Ähnlich hoher Bedarf besteht auch im Bereich des Ausbaus der (erneuerbaren) Energieversorgung. Global betrachtet spielen auch die Versorgung mit Wasser und die Aufbereitung von Abwasser eine besondere Rolle.

altii: Und wonach schauen sich die Investoren Ihrer Erfahrung nach am meisten um?
Harrschar: Für viele Investoren ist der Bereich Infrastruktur eine neue Anlageklasse. Daher suchen sie nach Bereichen, in denen sie auf bestehende Erfahrungen aus anderen Anlageklassen aufbauen können und bei denen die Einstiegshürden als geringer angesehen werden. Der Fokus liegt daher vor allem auf europäischen Investitionen, wo sich die Investoren verständlicherweise insbesondere hinsichtlich der Einschätzung des politischen Risikos zu Hause fühlen. Bei vielen deutschen Investoren stehen natürlich Projekte in Deutschland im Vordergrund. Hinsichtlich der Art der Investitionen scheinen Präferenzen beim Straßenbau und bei der Energie zu bestehen.

altii: Welche Anlagevehikel stehen institutionellen Investoren zur Verfügung, um in diese Anlageklasse zu investieren?
Harrschar: Den Investoren stehen verschiedene Anlagevehikel zur Verfügung. Es gibt spezialisierte Infrastrukturfonds, die vergleichbar sind zu klassischen Private-Equity-Fonds. Daneben gibt es ähnliche Vehikel für den Bereich Debt. Es können aber auch Verbriefungen erworben werden. Bei größeren Volumina können auch innerhalb von deutschen oder Luxemburger Spezialfonds spezifische Strategien umgesetzt werden.

altii: Wie wird Ihrer Erfahrung nach hauptsächlich in Infrastruktur investiert?
Harrschar: Bisher haben die meisten Investoren hauptsächlich kleinere Anteile an bestehenden Fonds gekauft. Dies ändert sich im Moment bei den größeren Investoren, die zunehmend konkrete Vorstellungen entwickelt haben, wie und in welche Infrastrukturanlagen investiert werden soll.

altii: Thema Equity: Viele Investoren sind über ihre Aktienquote ohnehin schon über Telekommunikationsaktien, börsennotierte Hafenunternehmen oder im Bereich Erneuerbare Energien über Windparkbeteiligungen in Infrastruktur engagiert. Warum sollte der Anteil dennoch ausgebaut werden?
Harrschar: Über die Aktienquote können Investoren in bestehende Unternehmen investieren. Dabei kann es sein, dass ein Teil des Unternehmens auch in neue Infrastrukturprojekte investiert. Dies ist im Bereich der auf erneuerbare Energien spezialisierten Unternehmen sicher der Fall. Ansonsten ist die Idee der Infrastrukturinvestitionen ja gerade, diese neuen Projekte zu finanzieren. Eine sehr konkrete Ausrichtung hierauf dürfte über den bestehenden Aktienmarkt schwierig sein.

altii: Thema direkte Investments: Eine direkte Beteiligung heißt immer auch viel notwendiges Know-how. Können sich das alle Investoren leisten und welche Alternativen gibt es?
Harrschar: Direkte Anlagen sind nur jenen zu raten, die über genügend Ressourcen verfügen, um diese Investitionen bewerten und einordnen zu können und auch die damit verbundenen Risiken. Alternativ können Fondsanteile erworben werden, die Investments bündeln und damit das Risiko streuen.

altii: Sehr en vogue sind derzeit Investitionen in Debt-Strukturen. Angesichts der fehlenden Finanzierungen für viele Projekte müsste das doch die Form mit den meisten Chancen sein?
Harrschar: Da viele Banken vor dem Hintergrund der Eigenkapitalunterlegungsregeln in ihrer Finanzierungsleistung beschränkt sind, ergeben sich für institutionelle Investoren Chancen auf diesem Markt. Das hohe Interesse an dieser Art von Finanzierungen erzeugt aber auch Wettbewerb, sodass es interessant sein wird, zu beobachten, wie sich die effektiven Renditen entwickeln werden.

altii: Welche weiteren Hürden ergeben sich bei Debt-Investments für Investoren?
Harrschar: Kreditvergabe ist in Deutschland grundsätzlich ein lizenzpflichtiges Geschäft und die wenigsten institutionellen Investoren verfügen über eine entsprechende Lizenz. Hinzu kommt die geringe Erfahrung vieler Investoren in diesem Markt. Dies gilt es zu beachten, wenn eine geeignete Struktur gesucht, Prozesse aufgesetzt und Risiken bewertet werden.

altii: Welche Alternativen gibt es? Sind Anleihen die Lösung?
Harrschar: Vor dem Hintergrund der Anforderungen und Voraussetzungen institutioneller Investoren etablieren sich Anleihen zunehmend als eine Form der Finanzierungsstruktur. Wir sehen hier bereits einige Bewegung im Markt. Viele Investoren haben durch diesen Zugangsweg größere Möglichkeiten, an Infrastrukturfinanzierungen zu partizipieren. Dies wird auch auf europäischer Ebene erkannt und durch die Übernahme von Garantien wie im Fall der Project Bonds gefördert. Für Investoren bedeutet diese Garantie durch eine europäische Institution mehr Sicherheit, welches sich auch im Rating widerspiegelt.

altii: Über welche Strukturen investieren die Anleger, eher über deutsche oder über Luxemburger? Wo liegen die Vor- und Nachteile?
Harrschar: Trotz der Bestrebungen, den Markt für Fondsstrukturen in Europa zu harmonisieren, gibt es noch Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Manche Strukturen, die erst seit der Einführung des KAGB in regulierter Form in Deutschland umsetzbar sind, haben schon eine längere Tradition in Luxemburg. Daher sehen wir im Moment, dass viele Equity- aber auch Debt-Fonds in Luxemburg aufgelegt werden. Als Master-KAG haben wir aber auch einige Kunden, die die Größe des Master-Fonds nutzen, um in Infrastruktur zu investieren.

altii: Welche Infrastrukturquote haben deutsche institutionelle Investoren im Schnitt und wie sieht es im Ausland aus?
Harrschar: Leider liegen nur wenige Zahlen vor. Eine Studie der OECD legt nahe, dass internationale Versorgungseinrichtungen weniger als ein Prozent ihrer Kapitalanlagen in Infrastruktur investiert haben. Diese Zahl ist für die meisten Länder vergleichbar. Ausnahmen sind Kanada und Australien, wo traditionell eine höhere Neigung zu Investitionen in Infrastruktur besteht.

altii: In Europa und in Deutschland gibt es eine große Nachfrage nach Infrastrukturfinanzierungen. Warum ist die Quote der Investoren dennoch so gering?
Harrschar: Hier ist meines Erachtens Geduld gefragt. Wenn ich die Nachfrage nach Infrastruktur bedenke, die allein bei unseren Kunden derzeit zu spüren ist, besteht zumindest ein großes Interesse. Die effektive Quote an Post-Investments wird auch davon abhängen, ob geeignete Investitionsstrukturen umgesetzt werden können und das Risiko adäquat gemanagt wird.

altii: Ist das Angebot zu gering, um sinnvoll zu investieren?
Harrschar: Investoren sollten bei der Auswahl der Investitionen immer darauf achten, dass das Investment zu ihnen passt – zu internen und externen Vorgaben, der Sicht auf Risiko und darauf, welches Commitment die Strategie im Unternehmen bis hin zum Top-Management hat. Danach erst stellt sich die Frage nach dem Angebot. Und wie so oft im Leben gibt es selten ein Objekt, welches alle Anforderungen erfüllt. Daher ist es wichtig, dass sich Investoren darüber klar werden, welches ihre Zielhierarchie ist. Dann können die vorhandenen Angebote eingeordnet werden. Allerdings steigt mit zunehmendem Eintritt neuer Investoren in einen Markt auch immer der Wettbewerb um die vorhandenen Anlagemöglichkeiten. Auch hier hilft eine klare Strategie, die vorhandenen Angebote zu bewerten und keine übereilten Entscheidungen zu treffen.

altii: Frau Harrschar, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Alexander Heintze

Im Interview

Dr. Sofia Harrschar ist seit 2011 bei der Universal-Investment und leitet die Abteilung Product Solutions. Der Tätigkeitsschwerpunkt der Abteilung liegt bei der Strukturierung und Umsetzung von Anlagen in Infrastruktur, Beteiligungen und Darlehensforderungen auf den UI-Plattformen in Deutschland oder Luxemburg.
Dr. Harrschar ist seit über 12 Jahren im Bereich der Strukturierung alternativer Anlagen tätig.

Universal-Investment
gehört mit rund 170 Milliarden Euro verwaltetem Fondsvermögen (Stand: 30. Juni 2013), 1.000 Spezial- und Publikumsfondsmandaten und rund 500 Mitarbeitern zu den größten deutschen Kapitalverwaltungsgesellschaften.

Volatilitäts-Derivate verbessern das Rendite-Risiko-Profil von Portfolios

 Volatilitäts-Derivate sind als Anlageinstrument in Europa noch wenig verbreitet. Dabei können sie einen wichtigen Beitrag zur Risikoreduktion und Portfolio-Optimierung im Asset Management liefern. alternative investor information sprach mit Rex Jones von der Eurex Frankfurt AG über die Einsatzmöglichkeiten von Volatilitäts-Derivaten.

altii: Herr Jones, was unterscheidet einen Volatilitäts-Index von anderen Indexprodukten?
Rex Jones: Aktienindizes basieren gemäß den Auswahlkriterien auf einem definierten Korb an Aktien. Ein Volatilitäts-Index wie der VSTOXX setzt sich aus der Volatilität von EURO STOXX 50-Index-Optionen zusammen. Im Gegensatz zu frühesten Entwicklungen von Volatilitäts-Kennzahlen in den 1990er-Jahren misst VSTOXX nicht ausschließlich die implizite Volatilität von am Geld liegenden Optionen. Die Subindizes und der Hauptindex – als gewichteter, rollierender Index zwischen den ersten beiden EURO-STOXX-50-Indexoptions-Verfallmonaten – sind vielmehr ein Maß für die Volatilität aller verfügbaren Ausübungskurse.

altii: Dann gibt es sicherlich auch Produkte, in die institutionelle Anleger investieren können?
Jones: Neben den VSTOXX-Futures und -Optionen der Eurex Exchange haben zahlreiche Banken strukturierte Produkte basierend auf dem VSTOXX-Index emittiert. Dies können Zertifikate oder strukturierte Produkte sein, die die Wertentwicklung des VSTOXX auf Basis dynamischer Handelssignale einem Aktienindex-basierten Portfolio beimischen.

altii: Wie können institutionelle Investoren solche Volatilitäts-Derivate sinnvoll einsetzen?
Jones: Die Beimischung von Volatilitäts-Derivaten verbessert das Rendite-Risiko-Profil von Portfolios, insbesondere das von Aktienindex-basierten Portfolios. Mithilfe der effizienten Steuerung von Gesamtmarktrisiken mit Volatilitäts-Derivaten können sich Anleger auf die Fundamentalanalyse und Aktienselektion im Portfolio konzentrieren. Volatilität bietet zudem ein breites Spektrum an Anlagemöglichkeiten für aktive Portfoliomanager.

altii: Wie lässt sich über solche Produkte Alpha generieren?
Jones: Überrenditen gegenüber dem Markt-Beta, also Alpha, lassen sich durch aktive Handelsstrategien mit Unterstützung von Volatilitäts-Derivaten erzeugen. Am Markt beobachtet man, dass die implizite Volatilität typischerweise 20% über der realisierten Volatilität notiert. Mit Short-Positionen in Volatilitäts-Derivaten lassen sich so unabhängig von der Marktentwicklung des zugrunde liegenden Aktienindexes Überrenditen erzielen. Entsprechende Stop-Limits sind dabei unerlässlich, da Volatilität die Eigenschaft aufweist, zum langfristigen Mittelwert zurückzukehren, Kurssprünge nach oben aber in der Regel rasant erfolgen. Diese sogenannte Mean Reversion begründet auch eine weitere Alpha-Strategie, in der Anleger mit Volatilitäts-Derivaten in Phasen hoher Volatilität short gehen, in der Erwartung, dass die Volatilität nach einem Anstieg wieder zum langfristigen Mittelwert zurückkehrt.

altii: Gibt es auch ETPs auf den VSTOXX?
Jones: Seit 2010 gibt es eine Reihe von börsengehandelten Volatilitätsprodukten von namhaften Emittenten, die meist als Exchange Traded Notes begeben wurden. Diese Produkte nutzen einen rollierenden Handelsansatz zwischen den verschiedenen Verfallmonaten in VSTOXX-Futures, um Anlegern so eine konstante Position in diesen zu ermöglichen, ohne die Notwendigkeit, Futures-Positionen beim monatlichen Verfall zu rollen.

altii: Welche Rolle spielen diese Verfallsmonate beim Einsatz?
Jones: Eurex Exchange bietet in VSTOXX-Futures und -Optionen acht aufeinanderfolgende Verfallmonate. Ähnlich dem Prinzip der Versicherungswirtschaft sind die Absicherungskosten über einen längeren Zeitraum auch höher. So notieren die Kurse der späteren Verfallmonate in Zeiten niedriger Volatilität über denen der näheren Verfallmonate. Mit Long-Calendar- Spreads können Anleger von einem Anstieg der Volatilität profitieren, da die kurzfristigen Futures-Kontraktmonate sehr viel stärker auf einen Anstieg reagieren als längerfristige Verfallmonate. Man kann dies so interpretieren, dass der Markt einen kurzfristigen Anstieg der Volatilität einpreist, aber nicht der Ansicht ist, dass dieses hohe Niveau dauerhaft ist.

altii: Welche Strategien können Anleger anwenden und wo liegen die Einsatzmöglichkeiten und die Vorteile?
Jones: Neben dem direktionalen Handel auf steigende oder fallende Volatilitätsniveaus mit Positionen auf einzelne Verfallmonate kann man in Zeiten niedriger, respektive hoher Volatilität mit Calendar-Spread-Positionen das Wechselspiel zwischen der Volatilitäts-Strukturkurve in Contango und Backwardation nutzen. Calendar-Spreads handeln daher nicht nur zum Verfall, sondern bieten ein interessantes Risiko-Ertrags-Profil unter Berücksichtigung der Haltekosten von Volatilitäts-Futures. Diese liegen bei Einzelpositionen in bestimmten Verfallmonaten von VSTOXX-Futures unserer Erfahrung nach bei etwa einem Volatilitäts- Indexpunkt pro Monat, sodass die Haltekosten von Long-Positionen mit Calender-Spreads optimiert werden können.

altii: Wie hoch ist das Risiko bei diesen Volatilitäts-Strategien?
Jones: Spread-Strategien sind in sich weniger riskant als singuläre direktionale Positionen in einzelnen Futures und Options-Verfallmonaten. Der Effekt des Zeitwertverlusts wird mit Calendar-Spreads reduziert, der in Volatilitäts-Derivaten inhärent ist, aufgrund ihrer Konstruktion aus Indexoptionen, die mit abnehmender Restlaufzeit an Wert verlieren. Kursrisiken gibt es bei Calendar-Spreads allerdings genauso wie bei Einzelpositionen, die mit dem Einsatz von Stop-Limiten begrenzt werden sollten, um unerwartete Verluste zu minimieren.

altii: Was steht beim Vola-Hedging im Vordergrund?
Jones: Die negative Korrelation von Volatilität lässt sich zur Absicherung von Aktienindex- Portfolios nutzen. Fallen die Aktienkurse, steigt die Volatilität am Markt und damit auch der Wert einer Position mit Volatilitäts-Derivaten. Empirische Studien zeigen, dass die Absicherungskosten gegenüber Long Put und Put Spreads in Aktienindexoptionen durch den Einsatz von Volatilitäts-Derivaten reduziert werden können. 

altii: 2008 zeigte, dass traditionelle Diversifikationsstrategien versagen, wenn alles abwärts geht – also gerade dann, wenn man sie braucht. Gilt das für Volatilitäts-Derivate nicht? 
Jones: Die klassische Diversifikation mit niedrig korrelierten Anlageklassen wie Commodities versagte – insbesondere 2008 –, als Aktien- und Rohstoffkurse im Gleichschritt fielen. In einer akademischen Studie vom EDHEC Risk Institute wurde gezeigt, dass das Volatilitätsmaß VSTOXX bei langfristiger Betrachtung eine negative Korrelation von minus 0,75 gegenüber dem zugrunde liegenden Aktienindex aufweist. In Zeiten fallender Aktienkurse erhöht sich diese sogar auf minus 0,9, sodass Volatilität in allen Marktphasen zuverlässig zur Diversifikation genutzt werden kann.

altii: Sie bieten Ihre Produkte auf Basis des VSTOXX-Index an. Warum entschieden Sie sich für dieses Konzept und wählten nicht US- oder andere Produkte, wie etwa den VIX?
Jones: Für uns war es naheliegend, ein europäisches Produkt für Investoren anzubieten, zumal die Indexlizenz für den VIX von S&P exklusiv an die Chicago Board Options Exchange vergeben wurde. Mit dem VSTOXX des Indexanbieters STOXX nutzt Eurex Exchange ein Volatilitätsmaß, das auf Daten einer der weltweit liquidesten Indexoptionen beruht. Zudem haben wir die Indexmethodologie in einigen Punkten verbessert. So finden quasi wertlose Index-Optionen im VSTOXX keine Berücksichtigung. Dies verbessert die Handelbarkeit des VSTOXX Replikations-Portfolios für Market Maker, da in sehr weit aus dem Geld liegenden Optionen nur wenig Umsatz stattfindet und die Optionsserien auch keine signifikanten Mehrgewinne an Volatilitätsinformationen beinhalten.

altii: Der VSTOXX notiert zumeist über dem VIX, lässt sich das nutzen?
Jones: US- und europäische Aktienmärkte weisen eine hohe Korrelation auf. US-Nachrichten treiben die Aktienkurse in Europa und spätestens seit der Euro-Krise auch vice versa. Diese zwei Volatilitätsmaße haben daher eine langfristige Korrelation von 0,45. Der VSTOXX notiert meist 3 bis 8 Punkte höher als der VIX. Anleger nutzen diese Preisspanne im Rahmen vom Inter-Produkt-Spread-Handel mit VIX- und VSTOXX-Derivaten.

altii: Der Volatilitäts-Handel hat in Europa und in Deutschland noch längst nicht den Stellenwert wie in den USA. Woran liegt das?
Jones: Der Markt für Varianz-Swaps hat sich in Europa nie von dem Schock der Lehman- Krise erholt, und dieser Markt lieferte lange Zeit einen Grundstock von volatilitätsgebundenen Risiko-Positionen großer Handelshäuser. Bis 2008 waren Varianz-Swaps auf Indizes und Aktien in Europa mit bis zu 500.000 Euro Vega nominal handelbar. Sehr viele Anleger hatten zu der Zeit ungedeckte Short-Positionen, die hohe Verluste zur Folge hatten, sodass zahlreiche europäische Volatilitätsfonds geschlossen wurden mussten. Der Varianz-Swap-Markt in den USA ist heute noch sehr liquide für Indizes, aber auch für einzelne Aktientitel. Zudem ist die Aktienquote im Retail-Segment in den USA traditionell höher als in Europa. Dies zeigt sich im Einsatz von Futures und Optionen generell, aber auch in der Nutzung von Volatilitäts-ETNs und -Derivaten. Das gehandelte Nominalvolumen der Index-Optionen auf den S&P 500 ist daher um ein Vielfaches höher als in EURO STOXX 50-Index-Optionen. Auch wenn Investments in Volatilität in den USA populärer sind als in Europa, haben wir in Europa zahlreiche aktive Nutzer von europäischen Volatilitäts-Derivaten, vor allem im Management von alternativen Investments.

altii: Wie sieht es mit der Liquidität aus?
Jones: Die Orderbuch-Liquidität von VSTOXX-Futures zeigt typischerweise 100 bis 200 Kontrakte mit einem Spread von 0,1 Indexpunkten für die ersten vier Verfallmonate. Market Maker sorgen hier kontinuierlich für Liquidität, und wir beobachten, dass die quotierten Preise für Handelsgrößen bis 500 Kontrakte stabil sind. Daneben bieten 9 Banken Brokerage-Services für VSTOXX-Futures und –Optionen an. Im Orderbuch sehen wir Quotes in VSTOXX-Optionen mit bis zu 250 Kontrakten auf der Geld und Brief Seite. Im Telefonhandel sind problemlos 5.000 Kontrakte zu einem Spread von 0,10 bis 0,2 Volatilitäts-Indexpunkten als Block Geschäfte handelbar.

altii: Herr Jones, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Alexander Heintze

Im Interview

Rex Jones
ist seit 2003 Produktentwickler bei der Eurex Frankfurt AG. Zuvor war er dort zwei Jahre lang als Sales-Spezialist für Indexderivate tätig. Er entwickelt Produkte gemeinsam mit Händlern und Investoren und sucht Market Maker-Unterstützung zur Abdeckung der Endkundennachfrage nach Liquidität. Rex Jones verantwortete die Einführung des Options-Strategiehandels an der Eurex Exchange. Er war für den Start der VSTOXX®-Futures und –Optionen verantwortlich und betreut diese seither.

Eurex 
ist eine der international führenden Terminbörsen für Finanzderivate (Futures und Optionen). Weltweit erzielen die Marktteilnehmer über Eurex ein jährliches Handelsvolumen von weit über 1 Milliarde Kontrakte.

Sachwerte – Wer finanziert die Energiewende?

Es ist ein Mammutprojekt. Der Ausbau Erneuerbarer Energien erfordert bis 2020 etwa 240 bis 260 Milliarden Euro an Investitionen. Energieversorger, Netzagenturen, Banken und auch der Staat können diese Finanzierung nicht allein bewältigen. Damit ist die Beteiligung institutioneller Investoren gefragt. Ihnen bietet der Wandel in der Energieerzeugung attraktive Investitions- und Kooperationsmöglichkeiten.

Die Chancen entstehen vor allem aus Notwendigkeiten:  Die Infrastruktur­investitionen sind auf den niedrigsten Stand der letzten 20 Jahre gesunken. Nach der aktuellen Studie „Die Deutsche Energiewende – Chancen und Herausforderungen für Investoren“ von Deloitte und Norton Rose Fulbright, zu der 100 Energieunternehmen und institutionelle Investoren befragt wurden, besteht hoher Investitionsbedarf, vor allem bei Speichertechnologien und beim Ausbau der Transportnetze. Das Projekt ist kein Spaziergang. Und die Politik tut sich schwer, die zahlreichen ­Player und Projekte zu koordinieren. Neben den großen, nationalen Projekten erfordert die Energiewende intensives Engagement auf regionaler Ebene, vor allem im Bereich der Stadtwerke, Kommunen und Landkreise. Hier haben sich bereits Kooperationen zwischen institutionellen Investoren und den Energieversorgern als klare Trends herauskris­tallisiert. Es entstehen Co-Investments auf Projektebene mit Lead-Investoren aus dem Energie­bereich sowie Joint Ventures zwischen Energieversorgern und institutionellen Investoren. Dennoch steht der Trend in Deutschland noch am Anfang. Die größte Heraus­forderung besteht somit darin, Investitionskapital und Know-how auf Projekt­ebene zusammenzuführen.

Energieeffizienz birgt Potenzial für Investments

Neben den offensichtlichen Investitionsfeldern wie Windkraft-Anlagen und Transportnetzen gibt es auch weniger offensichtliche, aber nicht minder relevante Investitionsmöglichkeiten. Einer dieser Sektoren ist die Energieeffizienz. Bislang hat sich die staatliche Förderung stark auf die Energieerzeugung fokussiert, während die Energieeffizienz ein Randthema ist. Energie, die nicht verbraucht wird, muss jedoch nicht erzeugt werden und hierfür müssen auch keine Erzeugungskapazitäten vorgehalten werden. Diese Erzeugungskapazitäten müssen letztlich auch nicht finanziert werden. Insoweit ist zu erwarten, dass künftig der Fokus der staatlichen Förderung sich in Richtung Energieeffizienz insbesondere in den Bereichen Gebäude, Industrie und öffentlicher Sektor weiter entwickelt.

Es lohnt sich, abseits der gängigen Investmentthemen nach neuen attraktiven Möglichkeiten Ausschau zu halten. Klare Chancen bieten sich auf „Mikro-Infrastrukturebene“, die für institutionelle Investoren langfristige Vorteile haben. Zu denken wäre hier beispielsweise an die Finanzierung von dezentralen Blockheizkraftwerken, sofern entsprechende Volumina gebündelt werden. Hier müssen neue, innovative Finanzierungsmodelle geschaffen werden, um diese Investitionsoptionen für Versicherer und andere institutionelle Investoren zugänglich zu machen und die bisherige Zurückhaltung aufzubrechen.

Ungewissheit bei der rechtlichen Umsetzung, insbesondere jedoch die Unsicherheit im Hinblick auf eine Änderung des derzeit herrschenden Förderregimes, stellt für die Inves­toren derzeit die größte Investmentbarriere dar.

Die Beibehaltung der EEG-Förderung, zusätzliche Anreize zum Ausbau der Netzinfrastruktur sowie Anpassungen bei Basel III und Solvency II sind wichtige Voraussetzungen für die Investitionsförderung. Um die Attraktivität von Investitionen in Infrastruktur und erneuerbare Energien für die regulierten Investoren zu erhöhen, ist eine klare Position seitens des Gesetzgebers bedeutsam.

Passende Strukturen für Investoren gesucht

 Welches Investitionsmodell für welchen Investor passt, hängt meist von den Investitions­zielen ab. Bei institutionellen Investoren haben in der Regel Renditeziele einen höheren Stellenwert als strategische Überlegungen. Insbesondere steht die Verlässlichkeit der prog­nostizierten Cashflows über einen längeren Zeitraum im Vordergrund.
Bei Energieunternehmen sind demgegenüber in der Regel für die Projektauswahl die zu übertreffenden Kapitalkosten maßgeblich; in Einzelfällen auch strategische Aspekte. Die Renditeerwartungen sind überraschenderweise hier oft niedriger als für Versicherungen.

Energieversorgern bereiten die regelmäßig hohen Fremdfinanzierungen auf Ebene der Projektgesellschaften Probleme, da sie bei einer Vollkonsolidierung komplett in den Konzernabschluss übernommen werden müssen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die finanziellen Mittel der Energieversorger nicht ausreichen werden, um ihre Ausbauziele bei den Erneuerbaren Energien alleine zu erreichen. Energieversorger werden verstärkt Kooperationen eingehen, um Kapital über den Verkauf von Anteilen an produzierenden Wind- und Solarparks in neue Entwicklungsopportunitäten investieren zu können.

Co-Investmentstrukturen mit institutionellen Investoren werden somit interessant, wenn dabei zugleich eine Vollkonsolidierung der Schulden im Konzernabschluss der Versorger vermieden werden kann. Tragfähige Lösungen müssen insbesondere die Risiko/Rendite-Profile, die unterschiedlichen Unternehmenskulturen und regulatorischen Anforderungen berücksichtigen. Hier ist eine sensible Gesamtprojektsteuerung durch einen unabhängigen Dritten gefragt. Allein die formale Kenntnis von internationalem Bilanzrecht, Aufsichts- und Steuerrecht reicht nicht aus.

Fazit: Institutionelle Investoren und Versicherungen haben die Energiewende als Investitions­chance entdeckt. Der Kapital­bedarf und die Möglichkeiten sind allerdings noch um ein Vielfaches höher als die derzeitigen Investitionen. Investoren bieten sich auf allen Ebenen vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten. Fest steht, dass innovative Finanzierungsstrukturen und die Beseitigung regulatorischer Hürden für den Erfolg der Energiewende entscheidend sein werden.

 

Der Autor

David Krüger
ist seit 2006 Corporate Finance Partner bei Deloitte und leitet die deutsche Cleantech Plattform. Er fokussiert sich auf  M&A-Transaktionen in den Bereichen Cleantech, Energie und Infrastruktur. Er hat über 18 Jahre Erfahrung bei der M&A-Beratung von Unternehmen im Bereich Solar, Wind, Biogas, Energiehandel, Gas- & Strom-Netze, Gas-Speicher, konventionelle Kraftwerke und Wasser.

Deloitte & Touche GmbH („Deloitte“)
gehört zu den führenden Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland. Das breite Spektrum umfasst Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance-Beratung. Mit über 5.000 Mitarbeitern in 17 Niederlassungen betreut Deloitte teilweise seit mehr als 100 Jahren Unternehmen und Institutionen jeder Rechtsform und Größe aus allen Wirtschaftszweigen.