Wahl nachhaltiger Investmentfonds: Worauf Anleger*innen achten sollten

von Thomas Graf, Teamleiter Nachhaltigkeitsresearch, GLS Bank.

In jüngster Vergangenheit wird auf politischer Ebene viel über die Definition nachhaltiger (oder zumindest klimafreundlicher) Investments debattiert. Der regulatorische Druck wächst. In diesem Zuge berücksichtigen immer mehr Investoren Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien (englisch ESG für Environmental, Social, Governance) im Investmentprozess. Das Angebot an Fonds mit nachhaltigen Anlagestrategien wächst. Bereits heute haben viele Anleger*innen Schwierigkeiten, die sozial-ökologische Qualität von Nachhaltigkeitsfonds richtig einzuschätzen. Doch es gibt ein paar Hilfsmittel, mit denen Anleger*innen einen strengen und glaubwürdigen Nachhaltigkeitsansatz identifizieren können.

1) Die Motivation und Kriterien des Fondsanbieters hinterfragen

In Zeiten, in denen sich große Fondsanbieter als führende Nachhaltigkeitshäuser positionieren, gerät eine entscheidende Frage schnell in den Hintergrund: Warum beschäftigen sich Fondsanbieter eigentlich mit Nachhaltigkeit? Es gibt sicherlich unterschiedliche Motivationen für die Auflage von Nachhaltigkeitsfonds. Manche Asset Manager schielen auf die Fondseinnahmen, andere wollen eine Reputation als verantwortliches Haus aufbauen. Für eine dritte Gruppe wie Alternativbanken zählt Nachhaltigkeit zum Kerngeschäft. Sie wollen einen Fonds, der ihren Werten entspricht.

Anleger*innen können dies überprüfen. Viele Fondsanbieter veröffentlichen ihre Anlagekriterien im Internet. Es lässt sich darin nachlesen, ob kontroverse Geschäftsfelder (z.B. Atomkraft, Kohle, Massentierhaltung, Gentechnik) ebenso wie kritische Geschäftspraktiken (Korruption, Kinderarbeit, Umweltzerstörung, etc.) ausgeschlossen sind. Auf die Details ist zu achten: Gelten die Regeln nur für eine Gruppe an Fonds oder für das gesamte Wertpapiergeschäft? Darf ein kleiner Umsatzanteil doch in kontroversen Aktivitäten erwirtschaftet werden oder gilt die Nulltoleranz? Häufig werden hier Unterschiede gemacht.

Aber nur kritische Unternehmen auszuschließen, greift zu kurz. Wichtig ist es, Gelder der Kunden*innen bewusst in neue Projekte und Unternehmen zu leiten, die nachhaltige und zukunftsweisende Ziele verfolgen. Best-in-Class-Ansätze greifen dabei häufig zu kurz, da sich diese an gängigen Marktindizes orientieren, deren Mitgliedsunternehmen schon im hohen Maße mit Kapital versorgt sind. Stattdessen sollten sich Anleger*innen fragen: Gibt es spezielle Themenfelder, in die Fondsanbieter investieren. Handelt es sich dabei um Akteure in zukunftsweisenden Branchen, z.B. nachhaltige Mobilitätsdienstleister oder Erneuerbare Energien-Betreiber? Oder befinden sich beispielsweise auch Öl- und Kohlekonzerne im Portfolio, deren ökologischer Mehrwert sich auf ein branchenweit überdurchschnittliches gutes Umweltmanagementsystem beschränkt? Ein Blick auf die Portfoliozusammensetzung (Factsheet, Finanzberichte) gibt eine erste Orientierung.

Beispiel Kriterienkatalog der GLS Bank

 

2) Die Strenge der Nachhaltigkeitsbewertung überprüfen

Anleger*innen sollten sich bewusst sein, dass es trotz anspruchsvoller Anlagekriterien knifflige Fälle gibt. Multinationale Konzerne haben diverse Geschäftsfelder und sind weltweit tätig. Bei manchen Sachverhalten ist es schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen zu treffen. In welchem Maße ist ein Schlüsselkomponentenhersteller für Elektroautos investierungswürdig, der im Verdacht steht, Arbeitsrechte in der Zuliefererkette zu verletzten? Wie ist mit Unternehmen umzugehen, deren Produkte unter Umständen auch in militärischen Geräten verbaut werden können? Anleger*innen sollten fragen, wie kritisch ein Anbieter genau mit diesen Fällen umgeht. Standard ist, das Nachhaltigkeitsrating spezialisierter ESG-Agenturen zu beachten, welches eine gute erste Faktenlage liefert. Doch das ist erst der Anfang! Im Idealfall sollten Nachhaltigkeitsanalysten*innen mit langjähriger Erfahrung anhand dieser Daten und eigener Recherchen den Sachverhalt bereichern und um eine eigene ausgewogene Einschätzung ergänzen. Dabei geht es auch um das eigene kritische Urteilsvermögen. Denn ein Scoring-Modell, das mechanisch Plus- und Minuspunkte quantitativ verrechnet, kann nie die realen Gegebenheiten eines Unternehmens in seiner Komplexität erfassen.

Auch der externe Blick ist wichtig. Deswegen sollte die Diskussion und Bewertung eines Unternehmens in einem unabhängigen Expertengremium erfolgen. Dieses Verfahren ermöglicht eine umfassende Einschätzung, ob eine Investition den eigenen Anlagegrundsätzen gerecht wird oder nicht.

Researchprozess der GLS Bank

 

Unternehmen ändern sich, daher sollte jeder Titel im Portfolio kontinuierliche Überwachung auf mögliche Missstände und zweifelhafte Geschäftsfelder überwacht werden. Fällt ein Unternehmen negativ auf, kann es erneut dem externen Gremium vorgelegt werden, welches dann über das weitere Vorgehen entscheidet. Anleger*innen sollten schauen, ob Unternehmen, bei denen sozial-ökologische Kontroversen auftreten, auch wieder vom Fondsanbieter entfernt werden. Weitere externe Überprüfungen von unabhängigen Institutionen können zudem helfen, wie der Ansatz beurteilt wird. Der Fair Finance Guide beispielsweise prüft den Umfang interner Richtlinien und deren Umsetzung, also ob Banken sich an ihre eigenen Richtlinien halten.

3) Transparenz einfordern

Anleger*innen sollten die sozial-ökologische Qualität des Portfolios nachvollziehen können. Sie müssen verstehen, ob die Kriterien auch tatsächlich eingehalten werden. Dafür sollten sie ein leicht verständliches Reporting von Fondsanbietern verlangen. Hier zeigt sich, dass es am Markt bisher noch die größten Defizite gibt. Fehlende Berichtsstandards führen dazu, dass viele Fonds sich auf Finanzkennzahlen beschränken oder die erhobenen Umwelt- und Sozialindikatoren schwer zu interpretieren sind. Um zu beweisen, dass Fondsanbieter ihren Worten auch Taten folgen lassen, sollten sie in leicht verständlicher Art und Weise die Qualität ihrer Portfoliotitel aus sozial-ökologischer Sicht darstellen, sei es durch Kurzbeschreibung der Wertpapiere oder eingängige Graphiken.

Übersicht der Branchen, in die der GLS Bank Aktienfonds investiert


Quelle: Investitionsbericht des GLS Bank Aktienfonds

Wenn Anleger*innen zufriedenstellende Antworten auf diese Fragen erhalten, haben sie schon einen großen Schritt bei der Auswahl eines strengen sozial-ökologischen Fonds gemacht.


Thomas Graf arbeitet seit 2011 bei der GLS Bank und ist Teamleiter im Nachhaltigkeitsresearch. Neben der sozial-ökologischen Prüfung von Wertpapieren, Wertpapieremittenten und Entwicklungsfinanzierungsvehikeln, kümmern sich er und sein Team um die sozial-ökologische Begleitung neuer Angebote. Zudem ist er verantwortlich für die Moderation und Koordination des GLS Anlageausschusses.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

Zombies machen die Anleihenmärkte unsicher

In einem Beitrag für die Financial Times erklärt Senior Investmentmanagerin Galia Velimukhametova, warum Unternehmen, die durch niedrige Fremdkapitalkosten am Leben gehalten werden, einen Abschwung auslösen können.

Zombies machen weiterhin die Unternehmenslandschaft unsicher und es werden immer mehr.

Die Zahl der Unternehmen in Industrieländern, deren Zinsaufwand höher ist als ihre jährlichen Erträge – sogenannte „Zombie-Unternehmen“ –, ist so hoch wie seit der globalen Finanzkrise nicht mehr. Schätzungen von Bank of America Merrill Lynch zufolge gibt es 548 solcher Zombies in der OECD, dem „Club der reichsten Nationen“ – der höchste Stand während der Finanzkrise waren 626.

Diese Zombies werden seit Jahren durch günstige Fremdkapitalkosten am Leben gehalten. Nicht ganz unschuldig daran sind die Anleger, die während der langen Hausse am Markt für Staatsanleihen jeder nur möglichen Rendite nachgejagt sind. Das erklärt zum Teil, warum es heute fünfmal mehr Zombies gibt als Ende der 1990er Jahre, als die Zinssätze weltweit deutlich höher waren.

Der Coworking-Anbieter WeWork, der immer mehr Kapital aufsaugt, um sich über Wasser halten zu können, ist ein Zombie par excellence. Einer aktuellen Studie von Morgan Stanley zufolge gibt es jedoch jede Menge anderer grosser Unternehmen, die stark verschuldet sind und nicht genug Gewinn machen, um ihren Schuldendienst zu leisten, wie Telecom Italia und die griechische Lotteriegesellschaft Intralot.

Die Zahl steigt, vor allem bei US-amerikanischen KMU, in Europa und vor allem im Vereinigten Königreich. Immer mehr renommierte britische Markennamen sind überschuldet und erleiden Schiffbruch. Im Zuge des Brexit werden weitere folgen, denken wir nur an den in Konkurs gegangenen Reiseanbieter Thomas Cook.

Die steigende Schuldenlast der Unternehmen ist die natürliche Folge der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken, die die Zinssätze auf niedrigen Ständen verankert haben. Es ist offensichtlich, dass die Ursache für die zunehmende Verschuldung in den realen Schuldendienstkosten liegt. Die Fremdkapitalkosten der Unternehmen, abzulesen an der inflationsbereinigten Rendite von Investment-Grade-Unternehmensanleihen der Eurozone, liegt bei etwa -1%. In anderen Teilen der Welt sieht es ähnlich aus.

Unternehmen haben auf dieses Umfeld reagiert, indem sie ihre Finanzierungsquellen neu strukturiert haben. Nirgendwo wird dies deutlicher als in den USA, wo seit 2009 Unternehmen mehr als 3,1 Bio. US-$ über Schuldtitel und Kredite aufgenommen haben, wohingegen Aktien im Wert von 4 Bio. US-$ zurückgekauft wurden, so Daten der US-Notenbank.

In den meisten Filmen über Untote können auch Zombies noch getötet werden. Aufgrund von Handelskonflikten und einer allgemeinen wirtschaftlichen Abkühlung droht weiteren Unternehmen der Untergang, wenn ihre Gewinnmargen unter Druck geraten. Die Kreditqualität der Unternehmen ist in den letzten Jahrzehnten immer schlechter geworden. In den 1990er Jahren war das durchschnittliche Rating von Unternehmensanleihen der Ratingagentur S&P Global ein solides Investment-Grade. Heute liegt es bei nur einer Stufe über Junk-Status.

Das ist eine grosse Gefahr für die Gesundheit des breiteren Aktienmarkts. Ein Konjunktureinbruch macht eine plötzliche, drastische Welle von Herabstufungen wahrscheinlich. Viele grosse Anleger dürfen nur Investment-Grade-Anlagen halten, sodass sie Positionen verkaufen müssen, die auf Junk-Status gesunken sind. Das würde den relativ illiquiden Markt für Hochzinsanleihen überfluten und aushebeln, weil die verbleibenden Käufer das zusätzliche Angebot kaum absorbieren können.

Eine Verwässerung des traditionellen Anlegerschutzes macht eine plötzliche Krise noch wahrscheinlicher. Noch 2011 wurden nahezu alle europäischen Unternehmenskredite mit strengen Covenants vergeben, d. h. finanzielle Vorgaben, mit denen sichergestellt werden soll, dass ein Unternehmen seine Pflichten erfüllen kann.

Heute sind bei den grossen Unternehmen mehr als 80% der Finanzierungen „covenant lite“ ohne richtigen Gläubigerschutz.

Wer in notleidende Anlagen und Special Situations investiert, dem dürfte bekannt sein, dass 6 Prozent der europäischen Junk-Anleihen auf „Distressed“-Niveau bzw. mehr als 10 Prozentpunkte über Staatsanleihen notieren (Daten von Deutsche Bank). Der notleidende Anteil lag vor einem Jahr noch bei überschaubaren 3 Prozent. Ähnlich sieht es in den USA aus, wo 9,3 Prozent des Hochzins-Referenzindex auf Distressed-Niveau gehandelt werden – im September 2018 waren es nur 3,5%.

Bei den meisten Anleihenanlegern hat sich jedoch eine gewisse Selbstgefälligkeit eingestellt. Die durchschnittliche Rendite für eine Junk-Anleihe in Europa liegt bei gerade mal 3,1% – ein Jahr davor waren es 1,2 Prozentpunkte mehr. Der 20-Jahres-Durchschnitt ist mit 8,5% viel höher.

Durch Zentralbankmassnahmen wurde der Unternehmenssektor fast die ganzen letzten zehn Jahre über gepusht. Das kann noch so lange weitergehen, bis die Inflation anfängt zu steigen. Eine Lockerung der Fiskalpolitik und eine Entschärfung der handelspolitischen Spannungen könnten den Gewinnen auf die Sprünge helfen.

Wenn aber ein Konjunkturzyklus so lange hält wie jetzt, fängt die Lage an zu kippen. Es gibt Anzeichen, dass ein Abschwung am Markt für Unternehmensanleihen seinen Anfang nehmen könnte.


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Über die Autorin

Galia Velimukhametova ist seit Februar 2019 als Senior Investment Manager bei Pictet Asset Management beschäftigt und leitet das Distressed Debt and Special Situations Team bei Total Return Fixed Income. Vor ihrer Tätigkeit bei Pictet war sie von 2008 bis 2018 Distressed Debt Portfolio Manager bei Man GLG und war dort hauptsächlich für unter Druck geratene europäische Hochzins-Unternehmensanleihen und notleidende Schuldtitel verantwortlich. Davor war sie Managing Director, Partner und Mitglied des für die Anlagenauswahl und Portfoliozusammenstellung verantwortlichen Investment Committee bei King Street Capital, Europe. Galia Velimukhametova war zudem als Debt/Equity & Capital Structure Arbitrage Trader bei JP Morgan beschäftigt. Sie hat einen MBA der Washington University und einen Honours-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der Staatlichen Universität Moskau.

Über Pictet Asset Management

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 176 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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GLS Bank Aktienfonds 2019: Auch strenge Nachhaltigkeit bringt Rendite

von Karsten Kührlings, Leiter Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Hartnäckig hält sich am Finanzmarkt das Vorurteil, Nachhaltigkeit koste Rendite. Dabei haben zahlreiche Studien das Gegenteil bewiesen oder zumindest festgestellt, dass sie keinen negativen Effekt auf die Performance habe. Insbesondere die im deutschsprachigen Raum viel beachtete Metastudie von Bassen und Friede aus dem Jahr 2015 hat dies noch einmal nachdrücklich belegt. Wir möchten diese Debatte zum Anlass nehmen, anhand der ökonomischen Entwicklung des GLS Bank Aktienfonds 2019 zu zeigen, inwieweit der strenge Nachhaltigkeitsansatz der GLS Bank - der GLS Bank Aktienfonds wurde im Oktober 2019 im ECOfondstest als sehr nachhaltig bezeichnet -, auch ökonomisch erfolgreich ist.

Bitte beachten Sie die Hinweise zu den ökonomischen Aussagen am Ende des Artikels.

Ökonomische Ausrichtung des GLS Bank Aktienfonds

Das Fondsmanagement verfolgt eine langfristige Anlagepolitik. Dies spiegelt sich in einer geringen Portfolioumschlaghäufigkeit von ca. 20 Prozent pro Jahr wider. Der Fonds investiert in die Branchen und Unternehmen, die im Sinne der GLS Bank zukunftsweisende Produkte und Dienstleistungen anbieten. Dies unterscheidet den Fonds von klassischen Best-in-Class-Fonds, die sich in ihrer Branchenaufteilung häufig sehr nahe an klassischen Indizes orientieren. Der Fokus des Fonds liegt auf Industrieunternehmen, Gesundheitsdienstleistungen sowie der IT-Branche. Auf Versorgerseite gibt es ausschließlich Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien, so genannte Independent Power Producer (IPP). Konsumgüterhersteller oder Finanzinstitute sind im Vergleich zu traditionellen Indizes untergewichtet. Wert gelegt wird auf eine granulare Portfoliostruktur. Die Top 10 Positionen machen rund ein Sechstel des Fondsvolumens aus. Insgesamt hat der Fonds durchschnittlich etwa 100 Aktienpositionen. Ähnlich verhält es sich bei der Länderallokation. Ein Sechstel kommt aus den USA, rund 10 Prozent aus Deutschland, gefolgt von Japan, Niederlande, Norwegen und Kanada. Die Kassenposition liegt bei rund 11 Prozent. 


Quelle: Universal Investment, Stand 30.12.2019

Performance des GLS Bank Aktienfonds 2019 besser als der MSCI World Index

Der GLS Bank Aktienfonds hat seit seiner Auflage im Dezember 2013 bis zum 30.12.2019 eine absolute Performance von 65,47 Prozent erzielt (jährliche Entwicklung siehe Tabelle). 2019 stieg der Anteilswert um 31,87 Prozent auf 72,99 Euro. Hinzu kommen jährliche Barausschüttungen. Für das Geschäftsjahr 2018/19 lag diese bei 1,76 Euro pro Anteil. Diese Entwicklung lässt sich auf das positive Kapitalmarktumfeld für Aktien zurückführen: Der MSCI World Index verzeichnete im selben Zeitraum einen Anstieg um 31,71 Prozent. Werttreiber des Fonds waren Unternehmen aus dem IT-Sektor, Versorger sowie Industrieunternehmen. Auf Morningstar ist der Fonds mit vier Sternen bewertet. Auf Fünfjahressicht verzeichnete der Fonds eine Performance in Höhe von 49,53 Prozent. Diese liegt höher als der europäische Referenzindex Stoxx 600, der 44,52 Prozent erzielte. Alle Angaben zum Fonds beziehen sich auf die Anteilklasse B.

Performance (30.12.2014 – 30.12.2019)


Quelle: Eigene Berechnung, Wertentwicklung der Anteilklasse B 

Performance seit Auflage (in Prozent)


Quelle: Eigene Berechnung, Wertentwicklung der Anteilklasse B

Geringe Volatilität und hohe Sharpe Ratio

Die Performance allein ist natürlich nur die eine Seite der Medaille. Genauso wichtig ist für das Fondsmanagement, eine stabile Wertentwicklung zu erzielen. Es ist daher beabsichtigt, die Wertschwankungen (Volatilität) im Fonds gering zu halten. 2019 belief sie sich auf 8,59 Prozent. Zum Vergleich: Der MSCI World wies im gleichen Zeitraum eine Volatilität von 13,55 Prozent aus, der Stoxx600 15,16 Prozent, der DAX 17,51 Prozent. Die Sharpe Ratio beträgt 1,30 Prozent. (Erläuterung der Kennzahl siehe unten). Dementsprechend fällt das FWW-Fundstars-Rating des Fonds positiv aus. Die Kennzahl misst die risikoadjustierte Performance von Fonds, also das Verhältnis zwischen erzielter Wertentwicklung und dabei eingegangenem Risiko. Der Fonds wird derzeit mit 5 von 5 Sternen bewertet. Alle Angaben zum Fonds beziehen sich auf die Anteilklasse B, siehe weitere Erläuterung in den Hinweisen zu den ökonomischen Aussagen.


Quelle: Eigene Berechnung

Fazit

Nachhaltigkeit steht bei der GLS Bank an erster Stelle. Dies belegt nicht zuletzt der Fondstest des Ecoreporter zum GLS Bank Aktienfonds. Die Kursentwicklung seit Auflage zeigt aber auch, dass sich eine konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit nicht nur aus sozialökologischen Gründen lohnt, sondern Anleger*innen mit dem GLS Bank Aktienfonds auch ökonomisch eine im Marktvergleich interessante Anlagemöglichkeit haben. Zudem weist der Fonds mit laufenden Kosten von 0,88 Prozent für die Anteilklasse B ein attraktives Kostenprofil für einen aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds auf. Dies spiegelt sich auch in der dynamischen Zunahme des Fondsvolumens wider. Lag dieses Ende 2018 bei 148 Mio. Euro, so liegt es zum Jahresende bei 247 Mio. Euro.


Wichtige Hinweise zu den ökonomischen Aussagen dieses Artikels (Disclaimer):

Quelle der Daten: Die Angaben zu den ökonomischen Kennzahlen (Wertentwicklung/Performance, Kosten, Volatilität, Sharpe Ratio) beziehen sich alle auf die für institutionelle Investoren konzipierte Anteilklasse B, die im Vergleich zur Anteilklasse A ein vorteilhafteres Kostenprofil für Investoren aufweist. Anteile an der Klasse B sind ab einer Mindestanlagesumme von 200.000 Euro erwerbbar.
Stand der Daten: Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich alle Angaben auf den 30.12.2019.
Erläuterung zur Kostenquote: Die Gesamtkostenquote gilt für das aktuelle Geschäftsjahr und errechnet sich aus den Kosten des abgelaufenen Geschäftsjahres (01.10.2018 bis 30.09.2019). Die Gesamtkostenquote drückt sämtliche vom Sondervermögen im Jahresverlauf getragene Kosten und Zahlungen (ohne Transaktionskosten) im Verhältnis zum durchschnittlichen Nettoinventarwert des Sondervermögens aus.
Bei der Darstellung der Wertentwicklung handelt es sich um Nettowerte. Der Wert kann sich um individuell anfallenden Depotkosten vermindern.
Risikohinweis: Die hier vorliegenden Daten dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen dar. Der Fonds weist auf Grund seiner Zusammensetzung und seiner Anlagepolitik ein nicht auszuschließendes Risiko erhöhter Volatilität auf, d.h. in kurzen Zeiträumen nach oben oder unten stark schwankender Anteilpreise. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind die Verkaufsunterlagen (Wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt, Jahres- und Halbjahresbericht) zum Investmentvermögen. Verkaufsunterlagen zu allen Investmentvermögen der Universal-Investment sowie den ökonomischen Kennzahlen sind kostenlos bei Ihrem Berater / Vermittler, der zuständigen Verwahrstelle / Depotbank oder bei Universal-Investment unter www.universal-investment.com erhältlich.
Sharpe Ratio: Diese Kennzahl ist die Differenz zwischen erzielter Performance p.a. und risikolosem Zins p.a., dividiert durch die Volatilität. Sie lässt sich daher als „Risikoprämie pro Einheit am eingegangenen Gesamtrisiko“ interpretieren.  Grundsätzlich ist sie umso besser, je höher sie ist (hohe Performance bei geringem Risiko). Auf Grund ihrer Konzeption als relative Größe können Sharpe Ratios verschiedener Portfolios sowohl untereinander als auch mit der Benchmark verglichen werden.
Morningstar-Rating: ©2019 Morningstar, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Die hierin enthaltenen Informationen: (1) sind für Morningstar und/oder ihre Inhalte-Anbieter urheberrechtlich geschützt; (2) dürfen nicht vervielfältigt oder verbreitet werden; und (3) deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wird nicht garantiert. Weder Morningstar noch deren Inhalte-Anbieter sind verantwortlich für etwaige Schäden oder Verluste, die aus der Verwendung dieser Informationen entstehen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
FWW FundStars: Die FWW FundStars® basieren auf der RisikoAdjustieren Performance (RAP). Diese zweidimensionale Kennzahl errechnet sich aus der erzielten Wertentwicklung (Performance) und dem dabei eingegangene Risiko (Volatilität). Grundlage ist die RAP-Kennzahl für den 3-Jahres-Zeitraum. Zusätzlich werden Korrekturfaktoren herangezogen, die aus den RAP-Kennzahlen für den 1-Jahres-Zeitraum und, wenn vorhanden, für den 5-Jahres-Zeitraum berechnet werden. Dabei geht die Entwicklung des Fonds im Zeitraum 1 Jahr und, wenn vorhanden, 5 Jahre in Bezug auf den Basis-Zeitraum 3 Jahre mit jeweils 25 Prozent ein. Für die FWW FundStars® werden die Fonds in 5 Ranking-Studen à 20 Prozent klassifiziert, aus denen die Auszeichnung mit 5 bis 1 Sternen hervorgeht. Dabei erhalten die besten 20 Prozent der Fonds fünf Sterne. Der GLS Bank Aktienfonds befindet sich in der Kategorie Globaler Aktienfonds, All Cap, d.h. keine Beschränkung der Marktkapitalisierung. Weitere Informationen: https://www.fww.de/de/loesungen/fww-fundstars

Karsten Kührlings

Karsten Kührlings hat in den vergangenen fünf Jahren das Investmentfondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weitere Informationen:

www.gls-fonds.de

Green Bonds – wie tragen sie wirklich zu einer nachhaltigen Zukunft bei?

Mit Green Bonds werden ökologische Projekte mit Klimarelevanz finanziert. Der Gedanke des Klimaschutzes steht dabei im Vordergrund, erklärt Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

GREEN BOND PRINCIPLES

Die Entwicklung von Standards für Green Bonds geht bis in das Jahr 2014 zurück, als sich unterschiedliche Finanzmarktakteure zusammenfanden und mit den Green Bond Principles (GBP) ein Rahmenwerk für die Emission „Grüner Anleihen“ entwickelten. Die seinerzeit erstmals aufgesetzten Principles wurden zuletzt im Juni 2018 überarbeitet, aktualisiert und verbindlicher gestaltet. Generell handelt es sich dabei um freiwillige Prozessleitlinien, die Emittenten von Green Bonds zu Transparenz und Offenlegung anhalten sollen, sie geben eine Orientierung für die wichtigsten Prozessschritte bei der Emission eines „glaubwürdigen“ Green Bonds und erläutern geeignete Projektkategorien. Dazu zählen Investitionen in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz,Verschmutzungsprävention und -kontrolle, ökologisch nachhaltiges Management von lebenden natürlichen Ressourcen und Landnutzung, Erhaltung der terrestrischen und marinen Artenvielfalt, sauberer Transport, nachhaltiges Abwasser- und Wassermanagement, Maßnahmen zur Anpassung an den bereits existierenden Klimawandel, umwelteffiziente und/oder für die Kreislaufwirtschaft geeignete Produkte, Produkttechnologien und Prozesse sowie umweltfreundliche Gebäude.

Grundsätzlich sind die Green Bond Principles auf vier Eckpfeilern aufgebaut. Die vier Kernkomponenten umfassen zunächst die Verwendung der Emissionserlöse (Use of Proceeds). Dabei beschreiben die GBP wie bereits dargestellt verschiedene, breit gefächerte Kategorien für geeignete grüne Projekte, die unterschiedlichste Umweltschutzthemen abdecken. An zweiter Stelle steht die bei der Emission notwendige Darstellung des Prozesses der Projektbewertung und -auswahl (Process for Project Evaluation & Selection), da jedes Projekt auf seine Nachhaltigkeit im Sinne der GBP hin überwacht werden muss. Bei der Wahl der Projekte sollten folgende Themen adressiert werden: Erstens die ökologisch nachhaltige Zielsetzung, zweitens die Projektevaluierung und drittens eine Kriteriologie, die etwa Eignungskriterien, mögliche Ausschlusskriterien sowie andere Maßnahmen zur Identifikation und Steuerung potenzieller ökologischer und sozialer Risiken in Zusammenhang mit den Projekten im Mittelpunkt umfasst.

Die dritte Kernkomponente stellt das Management der Erlöse (Management of Proceeds) dar. Die via Green-Bond-Emission aufgenommenen Mittel sollen in einem Sub-Portfolio angelegt werden, auch eine Zweckwidmung ist wünschenswert. Wesentlich ist jedenfalls die Transparenz der Mittelverwendung, eventuell sollte auch an dieser Stelle eine Kontrolle durch externe Prüfer angedacht werden. Bis zur Fälligkeit des Green Bonds sollte die Aufteilung der Nettoerlöse auf die der Emission zugeordneten grünen Projekte periodisch angepasst und die geplante, zeitweise Platzierung von noch nicht zugeteilten Nettoerlösen offengelegt werden.

Der vierte und letzte Punkt der Green Bond Principles beschreibt die Berichterstattung (Reporting). Emittenten sollten jederzeit aktuelle Informationen über die Verwendung der Emissionserlöse bereitstellen. Das bedeutet, dass mindestens in einem jährlichen Rhythmus über den Stand ihrer durch Green Bonds finanzierten Projekte berichtet werden sollte, eine Darstellung des konkreten Effekts der Projekte – also des Impacts – ist anzustreben. In diesem Zusammenhang empfehlen die GBP die Verwendung qualitativer Leistungsindikatoren und, wenn möglich, quantitativer Kennzahlen – wie z. B. Treibhausgasreduzierung/-vermeidung, Verringerung des Wasserverbrauchs etc.

PRÜFUNG DURCH EXTERNE

  • Second Party Opinion (Zweite Meinung)
    In diesem Fall stellt eine Organisation, die über Exper tise in ökologischen Nachhaltigkeitsfragen verfügt und vom Emittenten unabhängig ist, eine Second Party Opinion (SPO) aus. Die SPO umfasst in der Regel eine Einschätzung der Emission bezüglich der GBP, oft wird auch auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) Bezug genommen.
  • Verifizierung
    Diese stellt auf einen festgelegten Kriterienkatalog ab, der sich auf Geschäftsprozesse respektive ökologische Kriterien bezieht.
  • Zertifizierung
    Green Bonds, das dazugehörige Rahmenwerk oder die Mittelverwendung können auf Basis anerkannter externer Standards oder Labels zertifiziert werden. Die Zertifizierung erfolgt durch qualifizierte, anerkannte Dritte.
  • Green Bond Scoring/Rating
    Green Bonds, das dazugehörige Rahmenwerk oder Schlüsselmerkmale wie die Verwendung der Emissionserlöse können beispielsweise durch spezialisierte Researchanbieter oder Ratingagenturen bewertet werden.

EUROPÄISCHEN STANDARD EINFÜHREN

Der EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums sieht die Schaffung europäischer Standards und offizieller EU-Labels vor. Dabei soll zunächst das Thema Green Bonds in Angriff genommen werden. Der Standard soll auf bestehenden Initiativen wie den Green Bond Principles und der Climate Bond Initiative aufbauen. Im Juni 2019 wurde ein erster Vorschlag der Technical Expert Group des Expertengremiums zur Erarbeitung technischer Details im Rahmen des EU-Aktionsplans veröffentlicht.

GREEN, SOCIAL, SUSTAINABILITY BONDS

Die ICMA – International Capital Market Association – hat nach der erstmaligen Veröffentlichung der Green Bond Principles im Jahr 2014 mittlerweile auch Prinzipien für Social Bonds und Sustainability Bonds erarbeitet. Der Unterschied liegt dabei im Wesentlichen in den Projektkategorien.

  • Green Bonds fokussieren auf Projekte, die im Bereich der fünf hochrangigen Umweltziele Eindämmung des Klimawandels, Anpassung an den bereits existierenden Klimawandel, Erhaltung natürlicher Ressourcen, Biodiversitätserhaltung sowie Verschmutzungsprävention und -kontrolle einen Beitrag leisten.
  • Social Bonds dienen der Finanzierung sozialer Projekte, wie finanziell tragbare Basisinfrastruktur, Zugang zur Grundversorgung an sozialen Dienstleistungen, bezahlbarer Wohnraum, Schaffung von Arbeitsplätzen, Nahrungsmittelsicherheit oder sozioökonomische Weiterentwicklung und Befähigung.
  • Sustainability Bonds sind Emissionen, deren Emissionserlöse zur Finanzierung einer Kombination aus Umwelt- und Sozialprojekten verwendet werden. Dementsprechend sind Sustainability Bonds an die Kernkomponenten der GBP und SBP angelehnt. Zudem werden zunehmend nachhaltig ausgerichtete Anleihen, die sich auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) beziehen, emittiert. Auch sie sind den Sustainability Bonds zuzuordnen.

Die Investmentlandschaft 2020: Unterschiedliche Schicksale

Der Höhenflug des US-Dollar dürfte bald ein Ende haben und US-Aktien unter Druck setzen. Schwellenländeranleihen, europäische Aktien und Substanzwerte haben Outperformance-Potenzial. Luca Paolini, Chief Strategist bei Pictet Asset Management, analysiert die Einflussfaktoren für die Weltwirtschaft.

Vorsicht ist das Gebot der Stunde. Der Weg zu robusten Investmentrenditen 2020 ist steinig. Das globale Wirtschaftswachstum lässt zu wünschen übrig und die Bewertungen der meisten grossen Anlageklassen erscheinen überzogen. Hinzu kommen die Risiken im Zusammenhang mit Handelskriegen und den Präsidentschaftswahlen in den USA. Nach unserer Einschätzung werden globale Aktien nur einstellige Renditen bringen und für Industrieländeranleihen sind die Aussichten noch düsterer.

Anleger müssen sich auf eine erhebliche Divergenz bei den Renditen der einzelnen Anlageklassen einstellen.

2020 dürfte das Ende des Höhenflugs des US-Dollar markieren – und damit der Führungsrolle von US-Aktien. Im Gegensatz dazu weisen Substanzwerte, europäische Aktien und Schwellenländeranleihen Outperformance-Potenzial auf.

Unsere Konjunkturzyklusindikatoren unterstützen diese Sicht. Global deuten sie darauf hin, dass sich das Wachstum im kommenden Jahr leicht abkühlen wird – auf rund 2,7% annualisiert und somit 20 Basispunkte unter dem Potenzial. Dies täuscht jedoch darüber hinweg, dass die Aussichten regional unterschiedlich sind (siehe Abb. 1). In den meisten Industrieländern, insbesondere in den USA, wird das Wachstum nachlassen. Unseren Prognosen zufolge wird sich das US-Wachstum 2020 auf 1,5% abkühlen – das schwächste der letzten zehn Jahre. Eine ganz kleine technische Rezession in der ersten Jahreshälfte ist nicht auszuschliessen. In Schwellenländern wie Indien, Brasilien und Russland hingegen dürfte sich das Wachstum beschleunigen.

Wir gehen somit davon aus, dass der Abstand in den Zuwachsraten zwischen Industrie- und Schwellenländern bei 340 Basispunkten liegen wird – ein Siebenjahreshoch. Die Abkühlung in den USA macht auch den Vorsprung der nordamerikanischen Wirtschaft vor Europa zunichte, was europäischen Aktien und dem Euro zugute kommt.

Abb. 1: Schwellenländer an der Spitze

Erwartete Veränderung des Wirtschaftswachstums, 2020 gegenüber 2019, Prozentpunkte

Dunkle Farbe Schwellenländer, helle Farbe Industrieländer. Daten vom 29.10.2019. Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Refinitiv.

Die Inflation dürfte gedämpft bleiben, sodass die grossen Zentralbanken weiterhin geldpolitische Impulse geben werden, wenn auch nicht so aggressiv wie in den vergangenen Jahren. Wir gehen davon aus, dass die Notenbanken in den USA, Europa, Japan und China ihre Liquiditätsbereitstellung im nächsten Jahr um insgesamt 1 Bio. US-$ erhöhen werden. Das hört sich viel an, ist aber 20% weniger als die durchschnittlichen Liquiditätsspritzen der vergangenen elf Jahre.

Ein Teil dieser Lücke könnte durch fiskalpolitische Impulse geschlossen werden. Insbesondere im traditionell sparsamen Deutschland gibt es Hinweise, dass die Politik zunehmend bereit ist für höhere öffentliche Ausgaben. Wir glauben jedoch, dass weltweit der Höhepunkt der fiskalpolitischen Impulse bereits Ende 2018 erreicht war. Die aktuellen Haushaltsprognosen sowohl in China als auch in den USA lassen keinen Raum für umfassende neue Massnahmen.

Die erwartete Abkühlung des US-Wachstums und die begrenzten Möglichkeiten für Impulse bedeuten nichts Gutes für den US-Dollar, dessen Bewertung stark überzogen erscheint. Nach unseren Modellen ist der Dollar rund 20 Prozent überbewertet und wir gehen davon aus, dass sich dieser Aufschlag in den kommenden fünf Jahren nach und nach verkleinern wird. Das wiederum dürfte Schwellenländeranlagen zugute kommen.

Die USA gehören zu den teuersten Aktienmärkten in unserem Modell – das ist angesichts der nahezu stagnierenden Unternehmensgewinne, einer trägen Wirtschaft und einer expansiven Fed kaum haltbar.

Hingegen sehen wir gewisses Wertpotenzial bei US-Staatsanleihen (vor allem bei inflationsindexierten Papieren), Schwellenländerwährungen und Substanzwerten – Unternehmen, die zu einem niedrigeren Preis gehandelt werden als ihre Dividenden, Gewinne oder Umsätze es erwarten lassen.

Die markttechnischen Indikatoren deuten auf eine relativ vorsichtige Grundstimmung der Anleger hin. Daten von EPFR zufolge pumpten Anleger in den ersten zehn Monaten des Jahres 2019 netto 400 Mrd. US-$ in globale Anleihen und zogen 221 Mrd. US-$ aus Aktien ab. Aktienallokationen bewegen sich weiter in der Nähe ihres tiefsten Stands der letzten zehn Jahre. Sicher ist Vorsicht nicht verkehrt. Diese Positionierung der Allokationen dürfte in den kommenden Monaten den Aktienmarkt jedoch nach unten absichern, sodass die Renditen zwar eher moderat ausfallen werden, aber immerhin im positiven Bereich liegen.

Aktien: Unentspannte Märkte

2019 war ein gutes Jahr für Aktien. Im kommenden Jahr dürfte ihnen aber die Puste ausgehen. Erfahren Sie, warum wir bei den globalen Aktienindizes mit einstelligen Renditen rechnen und warum sich auch Anleihenanleger auf ein schwieriges Jahr einstellen sollten. Lesen Sie weiter auf am.pictet.


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