Strenge Nachhaltigkeit erfordert ein eindeutiges Nachhaltigkeitsverständnis

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird dieser Tage viel über Nachhaltigkeit am Finanzmarkt gesprochen; darüber, dass das verwaltete Vermögen in Nachhaltigkeitsfonds steigt; dass nachhaltige Fonds keine Renditebremse sind oder dass Investoren mit diesen Fonds zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele („SDGs“) der Vereinten Nationen oder der Pariser Klimaziele beitragen.

Natürlich ist es erfreulich und unterstützenswert, wenn sich Finanzmarktteilnehmer auch von sozialen und ökologischen Erwägungen leiten lassen, wenn sie einen „positiven Beitrag“ leisten wollen. Doch es gibt erhebliche Unterschiede, aus welchen Gründen einzelne Finanzmarktteilnehmer Nachhaltigkeit berücksichtigen. Die entscheidende Frage ist: Haben sie überhaupt ein eindeutiges Nachhaltigkeitsverständnis, auf dem ihr Handeln gründet?

GLS Bank mit klarem öffentlichen Orientierungsrahmen

Wir bei der GLS Bank richten uns nach einem klaren Orientierungsrahmen: unseren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen. Grundlagen unserer Arbeit sind die Achtung der Vielfalt des Lebens und der Natur sowie die Sorge um eine friedliche Koexistenz aller Kulturen, die auf individuelle Freiheit und Verantwortung gegründet sind. Wir wollen die natürlichen Lebensgrundlagen heutiger und zukünftiger Generationen bewahren sowie ihre Weiterentwicklung fördern. Ökologie verstehen wir dabei ganzheitlich im Sinne einer Leben fördernden Einheit von Natur und Zivilisationsentwicklung.

Diese Sichtweise bestimmt unser Handeln und hat auch praktische Auswirkungen: Für unser gesamtes Bankgeschäft gelten diese sozialen und ökologischen Kriterien, die unser Investitions-, Anlage- und Finanzierungsgeschäft prägen. Wir haben keine separate Palette an Nachhaltigkeits- oder ESG-Fonds, sondern jede Investition über alle Fonds hinweg soll per se gut für Umwelt und Gesellschaft sein. Dieser Anspruch unterscheidet häufig Pioniere der nachhaltigen Finanzwirtschaft sowie Kirchenbanken von konventionellen Anbietern, die beabsichtigen, erst in den kommenden Jahren eine umfangreiche Expertise in diesem Bereich aufzubauen.

Ebenso gelten für alle Kredite sowie unser Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft eindeutige Kriterien. Dies beginnt mit klaren Ausschlusskriterien ohne Umsatztoleranzen: Atomenergie, Kohleenergie, Rüstung und Waffen, Gentechnik in der Landwirtschaft, chlororganische Massenprodukte, Massentierhaltung, Verletzung der Menschenrechte, Korruption; um nur die wichtigsten zu nennen. Wie glaubwürdig können Finanzinstitute hinsichtlich Nachhaltigkeit sein, wenn Ausschlusskriterien nur für ein Drittel oder noch weniger des gesamten Finanzportfolios angewandt werden oder Umsatztoleranzen den eigentlichen Zweck dieser Kriterien wieder aufweichen? NGOs weisen in unterschiedlichen Veröffentlichungen (WWF BankenratingFair Finance Guide, etc.) immer wieder darauf hin, dass sich zwischen Anspruch und Realität leider doch die ein oder andere Lücke auftut.

Positivkriterien – der Schlüssel zu zukunftsweisender Wirtschaft

Dennoch sind Ausschlusskriterien nur eine Voraussetzung. Nachhaltiges Handeln verstehen wir als zukunftsweisendes Handeln. Besonderen Wert legen wir daher auf Positivkriterien. Positiv sind für uns Projekte und Unternehmen, die nachhaltig menschliche und zukunftsweisende Ziele verfolgen. Im Mittelpunkt unserer Bewertung stehen immer die Menschen mit ihren Bedürfnissen. Daher ist ökonomischer Gewinn nie Zweck, sondern Folge unseres Handelns.

Was heißt dies praktisch? Wir wollen die uns anvertrauten Gelder dorthin lenken, wo sie am stärksten gebraucht werden. Die Auswahl unserer Investments gründen wir nicht auf gängigen Börsenindizes, sondern einzig und allein auf die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. Dafür investieren wir bewusst auch in kleine Unternehmen mit innovativen Ideen und zukunftsweisende Geschäftsfelder: Eneuerbare Energien, Ernährung, Land- und Forstwirtschaft, Soziales und Gesundheit, Entwicklungs- und Mikrofinanzierung, Nachhaltige Mobilität und Wirtschaft.

Im Anlagegeschäft lehnen wir bewusst den Best-in-Class-Ansatz oder benchmarkorientierte Ansätze ab. Denn diese Ansätze untermauern den Status Quo und führen dazu, dass die größten Unternehmen, die bereits eine große Investorenbasis haben, noch stärker mit Kapital versorgt werden. Dies sehen wir kritisch. Ein bekanntes Sprichtwort lautet: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Übertragen auf den Kapitalmarkt stellt sich die Frage: Können große börsennotierte Unternehmen wirklich die sozial-ökologischen Herausforderungen lösen, für die sie durch ihre Geschäftstätigkeit mitverantwortlich sind? Aus unserer Sicht sind dazu junge Unternehmen mit innovativen Lösungen besser geeignet. 

Einzelfallentscheidung statt Scoring-Modell

Der Fokus auf die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen erfordert auch eine differenzierte Analyse von Unternehmen, die wir finanzieren bzw. in die wir investieren. Einzelfallentscheidungen sind unser bewusst gewähltes Arbeitsprinzip. Zwar erscheint dies zunächst wenig systematisch, jedoch beugt es einem mechanischen und einseitigen Bewertungsschema vor. So kann das quantitative Verrechnen von Plus- und Minuspunkten nie die realen Gegebenheiten eines Unternehmens in seiner Komplexität erfassen. Die Kritik an der mangelnden Korrelation vieler ESG-Ratings zeigt, dass diese Gefahr verstärkt von Investor*innen gesehen wird. Hinzu kommt, dass viele große Unternehmen mittlerweile professionelle Nachhaltigkeits/CSR-Abteilungen gegründet haben, die Nachhaltigkeitsinformationen nach den gängigsten Standards (z.B. GRI) aufstellen. Dies können kleine Unternehmen oftmals gar nicht leisten. Deswegen werden sie allzuhäufig trotz zukunftsweisender Geschäftsmodelle gar nicht erfasst oder in der Bewertung wegen mangelnder Informationen abgestraft.

Statt also Scoringmodelle anzuwenden, prüfen wir umfassend die Geschäftsfelder und Geschäftspraktiken der Unternehmen und führen sie in Unternehmensprofilen zusammen. Diese werden dann in einem interdisziplinär zusammengesetzten, unabhängigen Anlageausschuss mit externen Experten diskutiert. Einzig dieser Ausschuss – kein*e Nachhaltigkeitsanalyst*in oder Portfoliomanager*in – entscheidet darüber, welche Titel wir in unser GLS Anlageuniversum aufnehmen. Die Diskussionen sind mitunter sehr intensiv. Auch vertreten unsere Nachhaltigkeitsanalyst*innen bei manchen Titeln eine andere Auffassung. Aber nur dieses zusätzliche Element in unserem Auswahlprozess ermöglicht es uns, eine ganzheitliche Betrachtung der Titel vorzunehmen und sicherzugehen, dass wir in die Unternehmen investieren, die unserem Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 700 Mio. Euro an (Stand 15.10.2020).

Weiterführende Informationen:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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Net Zero – Zukunft oder leere Versprechen?

von Alexander Weiss, Commodities Specialist der Erste Asset Management.

Der Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind spätestens seit Great Thunberg und Fridays for Future in aller Munde. Grüne Parteien erzielen Rekord-Ergebnisse, Regierungen schnüren Milliardenpakete zum Ausbau nachhaltiger Energiequellen und die EU verkündete Ende 2019 unter der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Plan, bis 2050 der erste „klimaneutrale Kontinent“ der Welt werden. So sehr COVID-19 die Welt auch aus den Angeln gerissen hat, ist es eher ein Trend-Beschleuniger als ein Trend-Stopper.

Die grüne Null

Die von der EU angestrebte Klimaneutralität oder „Net Zero“ wird notwendig sein, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Im Klima-Abkommen von Paris 2015 hat sich die internationale Gemeinschaft verpflichtet, die Erderwärmung auf unter 2% Grad Celcius zu halten, außerdem sollen Anstrengungen unternommen werden, den Temperaturanstieg sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Momentan sind wir von diesen Zielen jedoch weit entfernt. Erreicht werden kann die Klimaneutralität nur durch massive Investitionen in umweltfreundliche Technologien in Industrie, Bauwirtschaft, Verkehr sowie der Dekarbonisierung des Energiesektors.

Co2 Emmissionen Szenarien


Quelle: https://ourworldindata.org/co2-and-other-greenhouse-gas-emissions (Screenshot)

Europa als Nachhaltigkeits-Marktführer

Die EU gibt in Sachen Klimaschutz eindeutig den Ton an, über Regulierungen und Investitionen wird versucht, die Wirtschaft zukunftsfähig aufzustellen. So wird beispielsweise über die „Disclosure Verordnung“ geregelt, wie der Finanzdienstleistungssektor nachhaltige Kriterien künftig integrieren und offenlegen muss.

Auf der Finanzierungsseite, sieht die EU vor, 30% des Corona-Hilfspakets für Investitionen in den Klimaschutz (Erneuerbare Energien, öffentlicher Verkehr, Elektrifizierung und Gebäudeisolation) zu verwenden.

„Rote“ Karte für Treibhausgase?

Doch auch vermeintliche Klima-„Sünder“ haben den Klimawandel mittlerweile als Problem erkannt. So kündigte Xi Jinping am 22. September gegenüber der UN Hauptversammlung an, dass China bis 2060 klimaneutral werden wird. Keine kleine Aufgabe, wenn man bedenkt, dass sich die CO2 Emissionen Chinas von 1990 auf 2018 mehr als vervierfacht haben, während sie in den restlichen OECD-Ländern großteils stabil blieben bzw. sogar sanken.

Doch China ist nicht nur der größte CO2-Emittent (2018 ~30% der Gesamt-Emissionen an CO2) der Welt, sondern auch der mit Abstand größte Investor, Produzent und Konsument von erneuerbaren Energien. Die Hälfte aller Elektro-Autos, 99% der Elektrobusse und 99% aller E-Roller werden in China verkauft.

Die schiere Größe der chinesischen Wirtschaft macht es damit zu einem der wichtigsten Akteure im Kampf gegen den Klimawandel. Wie ernst China „Net Zero“ tatsächlich nimmt, wird man noch diesen Oktober sehen, wenn die kommunistische Partei Chinas ihren Fünfjahresplan für die wirtschaftliche Entwicklung vorgibt.

Electricity Generation (GWh)


Quelle: Irena, und https://www.theguardian.com/commentisfree/2020/oct/05/china-plan-net-zero-emissions-2060-clean-technology (Screenshot)

If you can’t beat them, join them

Firmen wie BP, Total oder Shell waren einst der Inbegriff von „Big Oil“. Mittlerweile sehen sich beide als Energieunternehmen, investieren in erneuerbare Energien und haben einen Net Zero Plan bis 2050 vorgelegt. Dieser Sinneswandel kann vor allem auf zwei Gründe zurückgeführt werden: Miserable Performance (ExxonMobil war 2013 noch größte Firma der Welt, 2020 fiel sie aus dem Dow Jones Index) sowie der Druck durch Aktionäre – sogenanntes Engagement.

Über Plattformen wie UNPRI oder Climate Action 100+ schließen sich große Investoren zusammen, und fordern von Unternehmen, ESG-Kriterien zu berücksichtigen. Auch die Erste Asset Management betreibt seit 2012 aktives Engagement rund um die Welt und hat unter anderem die Führung für das gemeinsame Engagement der Climate Action 100+ Partner mit der OMV AG übernommen.

The Long and Winding Road

Es wird an der Politik liegen, klare Rahmenbedingungen für eine klimaneutrale Welt zu schaffen. Doch auch wir als Investoren können unsere Verantwortung wahrnehmen. Insgesamt haben momentan nur ~10% der weltweiten Öl-Produzenten Pläne zur Klimaneutralität vorgelegt – zu wenig und zu schwammig formuliert. Durch aktives Engagement wird es gelingen, mehr Unternehmen dazu zu bringen, ihre Geschäftsmodelle nachhaltig auszurichten.

Doch wird die Adaption der Geschäftsmodelle allein nicht reichen – es wird auch Innovationen in Bereichen wie Mobilität, öffentlicher Verkehr, Bauressourcen, und erneuerbaren Energien benötigen. Die International Energy Agency geht davon aus, dass 50% der Technologien, die wir für eine klimaneutrale Welt benötigen noch nicht erfunden sind. Der Weg zur Klimaneutralität wird sich in den nächsten Jahren also noch stark ändern – wichtig ist allerdings, dass der erste Schritt genommen wurde und es ein gemeinsames Ziel gibt.

Der ERSTE GREEN INVEST investiert in Megatrends wie grüne Energie, Wasser und Recycling. Damit beteiligt man sich aktiv an Unternehmen, die einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten. Ein Teil der Erlöse gehen außerdem in Projekte zur Förderung des Klimaschutzes.

Größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte

Der Finanzsektor leistet mit der gezielten Steuerung von Investitionen einen wesentlichen Beitrag, um gegen den Klimawandel zu bestehen. Eines der wirkungsvollsten Instrumente ist das Impact Investing.

Unter Impact Investing (dt. Wirkungsorientiertes Investieren) versteht man Investitionen in Unternehmen, Organisationen und Fonds mit der Absicht, neben einer finanziellen Rendite messbare, positive Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft zu erzielen.

Genau nach diesem Prinzip funktioniert der neue Aktienfonds der Erste Asset Management – ERSTE GREEN INVEST. Der Fonds veranlagt sein Kapital in nachhaltige Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energie oder Wasserwirtschaft. Außerdem werden Unternehmen unterstützt, die eine Vorreiterrolle in der Umstellung von umweltbelastenden Prozessen der „Old Economy“ einnehmen.


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.