Investieren in Megatrends: Smart Farming

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen, die wachsende Erdbevölkerung und knappe Ressourcen sind gewaltige und immer drängendere Probleme der Menschheit. Wir werden den radikalen Veränderungen und Herausforderungen in unserer (Um)Welt mit ebenso radikalen Innovationen und neuen Ideen begegnen müssen. Um beispielsweise die weiterwachsende Weltbevölkerung zu ernähren, muss sich laut der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft die Lebensmittelherstellung in 30 bis 40 Jahren verdoppeln. Doch wie, wenn wir die Anbaufläche kaum noch ausweiten können? Es braucht eine Revolution, die „dritte grüne Revolution“, wie Smart Farming auch bezeichnet wird. Smart Farming kann helfen, vorhandene Ressourcen sehr viel sparsamer zu nutzen, die Umwelt zu schonen und damit auch einen Beitrag zum Bremsen des Klimawandels leisten. Und: Auch Investoren kann es gute Erträge bescheren. Keine Frage – damit ist Smart Farming natürlich auch ein Fall für den Raiffeisen-MegaTrends-Aktien!

Der Bauernhof wird digitalisiert

Unter Smart Farming wird im weitesten Sinne ein ganzes Bündel an neuen Technologien und Methoden in der Landwirtschaft zusammengefasst. Einer der Schlüsselaspekte dabei ist die Digitalisierung der Landwirtschaft. Es geht dabei (noch) nicht um Gemüse aus dem 3D-Drucker, sondern darum, mit Hilfe digitaler Technik sehr viel ressourcenschonender, effizienter und umweltverträglicher zu „landwirtschaften“.

Lösung für den Arbeitskräftemangel am Land?

Diese Art der Landwirtschaft ist ganz und gar keine verrückte Idee irgendwelcher (amerikanischer) Mega-Farmen. Sie ermöglicht es tatsächlich, mehr Menschen mit weniger Kosten und geringerem Ressourcenverbrauch umweltfreundlicher und gesünder zu ernähren. Großbetriebe haben zweifellos einige Vorteile, die dafür notwendigen Investitionen zu stemmen. Smart Farming kann aber auch kleineren Familienbetrieben zu höherer Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität verhelfen, zumal diese Technologien immer erschwinglicher werden. Nicht zuletzt bietet sich damit auch eine Lösung für ein weithin unterschätztes Problem in den Industriestaaten: dem wachsenden Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft (unter anderem bedingt durch die Abwanderung in Städte beziehungsweise die schwindende Attraktivität landwirtschaftlicher Berufe).

Zentrale Technologiebereiche des Smart Farming erleben gerade einen noch nie dagewesenen Höhenflug!

Big Data

Das Sammeln, Auswerten und Reagieren auf Unmengen von Daten aus der Überwachung von Nutztieren, Feldern oder Umwelteinflüssen erleichtert und optimiert die Arbeit der Betriebe. Gleichzeitig kann durch genaues Tracking aller Arbeitsschritte die Produktion lückenlos nachverfolgt und beobachtet werden – eine passende Lösung für die stark wachsenden Transparenzanforderungen von Konsumentinnen und Konsumenten ebenso wie von Regulierungsbehörden.

Automatisierung und künstliche Intelligenz

Landwirtschaftliche Flächen sind bestens geeignet für den Einsatz von Drohnen sowie selbstfahrenden Fahrzeugen. Sie bieten meist eine ebene und relativ leicht überschaubare Umgebung. Das gilt vor allem für die großen Ebenen Nordamerikas und Russlands (aber natürlich nicht nur dort).

Präzisionsfarming (precision farming)

Durch eine zielgerichtete und auf Umgebung, Wetter und Bodenverhältnisse zugeschnittene Bewirtschaftung der Nutzflächen sinkt der Einsatz von Dünger, Wasser und Pflanzenschutzmitteln beziehungsweise Arzneimittel in der Tierzucht drastisch. Idealerweise sind am Ende in Brot, Äpfeln, Steak und Co. so gut wie keine Schadstoffe mehr nachweisbar. Das schont zum einen die Umwelt und die Budgets der Landwirtinnen und Landwirte. Zum anderen profitieren die Gesundheit der Bevölkerung sowie alle Tiere und Pflanzen.

Die Landwirtschaft der Zukunft ist „smart“

Speziell in den Agenden der Regierungen stark aufstrebender Regionen und Milliardenvölker, wie China oder Indien, nimmt Ernährungssicherheit seit jeher einen hohen Stellenwert ein. Gezielte Investments und Förderungen des Staates in Smart Farming erhöhen zusätzlich die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen für die E-Landwirtschaft.

Ist Smart Farming damit ein Allheilmittel oder ein Selbstläufer? Keineswegs! Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass man Smart Farming auch tatsächlich smart betreiben muss. Alles und jedes wahllos ohne vorherige Kosten-Nutzen-Analyse zu digitalisieren oder zu automatisieren zahlt sich nicht aus. Zudem stellen sich viele rechtliche, regulatorische und unternehmerische Fragen, speziell in Bezug auf Schutz und Eigentümerschaft der gewaltigen Datenmengen. Ungeachtet dessen ist die Frage längst nicht mehr, ob Smart Farming die Landwirtschaft der Zukunft ist, sondern wie die Umsetzung genau erfolgt und in welche Richtungen die Entwicklungen auf einzelnen Gebieten gehen werden. Wie bei allen technologischen Megatrends ist Smart Farming für Investoren daher keineswegs ein Selbstläufer, sondern eine genaue Beobachtung der technologischen Trends und der einzelnen Unternehmen ist unerlässlich.

Smart Farming im Raiffeisen-MegaTrends-Aktien

Wir sind der Ansicht, dass das Angebot von Dienstleistungen und Produkten rund um Smart Farming in den nächsten Jahren kräftig steigen wird. Der Markt für landwirtschaftliche Roboter aller Art könnte sich in den kommenden fünf Jahren sogar versechsfachen.

Mit Idex Corp., AGCO und Lindsay Corp. sind wir in Unternehmen investiert, die die Kernbereiche des Smart Farming abdecken. Sie entwickeln insbesondere vernetzte Landschaftsmaschinen, Bewässerungssysteme und Sensoren zur Überwachung der landwirtschaftlichen Aktivität. Notwendige Robotik-Technologie stammt darüber hinaus von der japanischen Firma Nidec.

Diese Unternehmen sind ihrerseits auch auf Anwendungen von anderen High-Tec-Unternehmen – wie Infineon, Taiwan Semiconductor, U-Blox und Nividia – angewiesen.

Die Speicherung und Sicherung der generierten Datenberge kann über Cloudlösungen, beispielsweise von Cisco Systems oder Amazon, erfolgen.

Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien strebt danach, durch ständiges Durchleuchten der Märkte die aufstrebenden „shooting stars“ im Smart-Farming-Sektor zu identifizieren. Diese Aktien zeichnen sich durch ihr enormes Wachstumspotenzial und im Vergleich dazu relativ günstigen Bewertungen aus. Erfüllt ein Titel diese Anforderungen nicht mehr, fällt er aus dem Fonds, um den Weg für neue Ideen frei zu machen.

Fazit

Smart Farming bietet Lösungsmöglichkeiten für gleich mehrere drängende Menschheitsprobleme und zugleich viel Wachstums- und Ertragspotenzial für Investoren. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien ist in mehrere Unternehmen investiert, die davon direkt oder indirekt profitieren können und die aus Sicht des Fondsmanagements für die Zukunft aktuell besonders gut aufgestellt sind. Der technologische Umbruch ist dabei noch in vollem Gange. Daher sind auch in diesem Markt eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Smart Farming engagieren.

Law passed to regulate rental housing market in Berlin

Dr. Benjamin Schirmer and Dr. Julius Städele, LL.M., both lawyers at CMS, one of the leading commercial law firms in Germany, explain the regulation of Berlin's housing market in IRE|BS Immobilienakademie's publication Standpunkt.

Following months of political wrangling, on 30 January 2020 the Berlin House of Representatives passed the “Law on the Revision of Statutory Provisions for Rent Limitation” for the Federal State of Berlin. The new statute constitutes rent-control legislation under public law. Its purpose is to influence market developments with the aim of ensuring that housing remains affordable until the situation in the Berlin housing market eases. In addition to a rent freeze, i.e. a freezing of the rents as agreed at a certain reference date, the legislation also provides for absolute rent ceilings covering new and existing rents, thereby implementing a rent cap.

The law incorporates the key provisions approved by the Berlin Senate on 18 June 2019. The draft bill, which was initially introduced on 28 November 2019 after lengthy discussions, was substantially amended in the course of the subsequent legislative process. For the most part, the law will enter into force the day after its promulgation in the Berlin Law and Ordinance Gazette, which is expected to happen in February 2020. The rent cap for existing rents comes into force nine months after promulgation of the law.

I. Key provisions

The main provisions of the law, which is limited to five years, can be summarised as follows:

The law applies to all housing, with the exception of publicly funded housing and new construction, i.e. housing ready for first-time occupation on or after 1 January 2014. A total of around 1.5 million rented apartments will be covered by the law.

The law provides for a rent freeze (section 3 of the law) which is conceived as a statutory prohibition within the meaning of section 134 of the German Civil Code (BGB). Accordingly, the law imposes a ban on any rent (i.e. net rent excluding heating but including all additional charges) that exceeds the rent agreed with legally binding effect as at 18 June 2019 (the “reference date”). If a stepped or index-linked rent was agreed, the amount of rent due at the reference date applies. If this permitted rent is less than EUR 5.02 per square metre of living space, the rent may increase by EUR 1 when the apartment is re-let, provided it has two modern features (such as a fitted kitchen or high-quality sanitary fixtures). The increase must not lead to a rent that exceeds EUR 5.02 per square metre.

The maximum limits resulting from the rent freeze will increase annually from 1 January 2022 by the rate of inflation, but by no more than 1.3%. The rent ceilings likewise stipulated by the new legislation (see below) may not be exceeded.

The rent freeze is buttressed by rent ceilings which may not be exceeded when housing is re-let or let for the first time (section 4 of the law). This represents a rent cap on new lettings. The ceilings are detailed in the rent table set out in the law. This table stipulates the permissible rent, based on the date on which the apartment was ready for first-time occupation and on its fittings (section 6 of the law). The maximum permissible rent ranges from EUR 3.92 for first-time occupation up to 1918 without central heating and without a bathroom to EUR 9.80 for first-time occupation from 2003 to 2013 with central heating and bathroom. For housing with modern fittings (see above), an additional EUR 1 on the maximum rent is permitted. A rent increase due to modernisation is permissible if the rent-freeze compliant rent does not increase by more than EUR 1 per square metre and at the same time the relevant rent ceiling is not exceeded by more than EUR 1 (section 7 of the law).

The law does not provide for any distinction to be made depending on the location of the housing. An apartment on downtown Kurfürstendamm is subject to the same criteria as an apartment on the outer fringes of the city.

During the legislative process, substantial amendments were made to the provision relating to excessive rents, i.e. the rent cap for existing rents (section 5 of the law). Rent is excessive if it exceeds the maximum permissible rent by more than 20%, taking the area into account, and has not been approved. The area (poor/average/good) is only a factor with regard to the rent cap for existing rents: in poor and average areas, the rent ceiling is reduced by EUR 0.28 or EUR 0.09, respectively, while EUR 0.74 is added for good areas. It was originally envisaged that the relevant Senate Department would reduce the rent at the tenant’s request. The law now merely states that excessive rent is prohibited. Here again, this can be regarded as a statutory prohibition within the meaning of section 134 of the German Civil Code (BGB). As a result, it is necessary for the tenant to challenge excessive rent demands made by the landlord and to recover any excessive rent payments from the landlord. The disputes arising in this context are a matter for the civil courts. The competent Senate Department will monitor compliance with the ban on excessive rent and may, ex officio, take any measures necessary for enforcing the prohibition. The rent cap in relation to existing rents does not come into force until nine months after promulgation of the law.

A hardship clause provides that a higher rent may be approved to avoid undue hardship (section 8 of the law). Investitionsbank Berlin is responsible for this aspect. The law stipulates that undue hardship exists if maintaining the level of rent permitted by the law would result in long-term losses for the landlord or materially erode the value of the asset. The possibility that a higher rent may be charged in individual cases is cushioned by the possibility of a rent subsidy for the tenant concerned (section 9 of the law).

Lastly, the law provides for administrative offences, in particular for demanding undue rent. These offences are punishable with a fine of up to EUR 500,000 (section 11 of the law).

II. Concerns about the constitutionality of the law

As expected, political disputes have continued after publication of the draft bill and the amendments made during the legislative process have failed to dispel concerns around the constitutionality of the law.

In addition, the authority of the Federal State of Berlin to enact such legislation has been widely questioned. It is argued that the German federal government has already enacted definitive provisions by way of the rent regulations laid down in the German Civil Code. It is certainly the case that as a result of the new law landlords can no longer make use of the option of increasing the rent within the constraints of the “rent brake”. There is also a view that the law interferes disproportionately with landlords’ fundamental right of ownership. Linking the rent freeze to the reference date of 18 June 2019, meanwhile, has led to a discussion about retroactive effect, which the German constitution only permits within narrow limits.

The opposition in the Berlin House of Representatives has announced that it will ask the Berlin Constitutional Court to conduct an abstract judicial review of the law. An application to this effect is expected to be submitted before the summer break. Regardless of this move, it is possible that the Federal Constitutional Court will also be confronted with the new law in the context of civil court proceedings between tenants and landlords or through separate applications. Only a ruling at the highest level will deliver legal clarity. 

III. Consequences in practice

Until the constitutionality of the law has been definitively assessed, landlords should comply with its provisions.

Even at this stage, the initial effects of the law on the Berlin housing market are already evident – although not the effects intended by the law. Many landlords have reduced their investment in new builds and in modernisation and refurbishment. There are also cases of landlords agreeing two rents simultaneously: a “rent-cap rent” which meets the requirements of the law, and a “normal” rent in the event that the law fails to meet the constitutionality test. Lastly, there are already signs of a more cautious valuation of Berlin real estate.

The law now has to demonstrate that it can work in practice. It remains to be seen how many tenants will actually take civil court action against rents that are illegal under the law and what role the Berlin administration will play in enforcing the law. The Berlin administration will have to find workable answers to many unresolved issues. That includes dealing with unsettled rent claims in the event that the law is not upheld.


This article was first published by IRE|BS Immobilienakademie. Please find a PDF here.

Dr. Benjamin Schirmer

Benjamin Schirmer’s practice focuses on environmental, planning and construction law and specifically on infrastructure and energy sector projects. In case of large trans¬actions, he coordinates teams across CMS offices and practice areas and acts as a personal contact for all regulatory issues. His clients include public bodies as well as private companies across all industries.
Tel: +49 30 20360 2606
E-Mail: benjamin.schirmer@cms-hs.com

Dr. Julius Städele, LL.M. (Cambridge)

Julius Städele specialises in public commercial law and procurement, advising public authorities as well as German and international companies on all aspects of public and procurement law. He also represents clients in administrative proceedings and legal disputes and advises them in transactions.
Tel: +49 30 20360 2606
E-Mail: julius.staedele@cms-hs.com

Klimareporting von Investoren: Was man von Frankreich lernen kann

Die Diskussion am deutschen Kapitalmarkt zu klimafreundlichen Investments nimmt immer mehr Fahrt auf. Im Interview stellte Tobias Baumann aus der Portfolioberatung der GLS Bank den Ansatz des GLS Bank Klimafonds vor. Unter Branchenkennern heißt es oft, dass französische Investoren bei der Darstellung von Klimarisiken europaweit führend sind. Schon 2015 hat der französische Gesetzgeber Finanzinstitute mit mehr als 500 Mio. Euro an verwalteten Vermögen dazu verpflichtet, über die Klimarisiken ihrer Investments zu berichten („Artikel 173“). Seitdem schauen Investoren auch hierzulande jedes Jahr auf die Entwicklungen am französischen Markt. Gibt es dort Ansätze und Maßnahmen, von denen auch deutsche Finanzmarktakteure lernen können? Das französische Researchunternehmen Novethic veröffentlicht jedes Jahr eine Studie, in dem es über die neuesten Klimareportings großer Investoren berichtet. Dazu hat es die Berichtsdaten von 72 der größten Investmenthäuser Frankreichs mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 2.000 Mrd. Euro ausgewertet.

Hier sind die wesentlichen Erkenntnisse der jüngsten Studie:

Erkenntnis 1: Die Richtlinien der Task Force on Climate-related Financial Disclosure werden immer beliebter

Am deutschen Finanzmarkt weitgehend unbemerkt, tagte bereits 2017 unter dem Vorsitz des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Michael Bloomberg eine hochrangige Arbeitsgruppe mit einem klaren Ziel: Standards für Klimareportings weltweit zu etablieren. Ihr Name: Task Force for Climate-related Financial, kurz TCFD. Ein Investor sollte gemäß den TCFD-Richtlinien Auskunft auf vier Fragen geben: 1) Spielen klimabezogene Risiken in der Unternehmenspolitik und Führungsgremien eine Rolle? 2) Finden diese Risiken Eingang in die Unternehmensstrategie und 3) im Risikomanagement? 4) Mit welchen Kennzahlen werden sie gemanagt? Obwohl der französische Gesetzgeber keine Vorgaben zum Rahmenwerk der Klimaberichterstattung macht, richten sich immer mehr Investoren nach diesem Standard, vorrangig die Anbieter mit dem ehrgeizigsten Klimareporting. Auch die aktuellen Regulierungsvorhaben auf EU-Ebene orientieren sich an diesen Richtlinien.


Quelle: Novethic

Erkenntnis 2: Messung des CO2-Fußabdrucks auch in Frankreich eine Herausforderung

Sosehr die TCFD-Richtlinien an Akzeptanz gewinnen, so sehr bleibt die Messung und Darstellung des CO2-Fußabdrucks eine Herausforderung. Heterogene Berechnungsmethoden, geringe Abdeckung und verschiedene Darstellungsformen machen die Vergleichbarkeit sehr schwierig – eine Einschätzung, welche die GLS Bank teilt. Zwar berichten rund zwei Drittel der Befragten über diese Kennzahl. Doch herrschen zwischen den Assetklassen deutliche Unterschiede. Am weitesten verbreitet ist die Erhebung der Kennzahl für Unternehmensanleihen und Aktien, wohingegen bei Infrastruktur- und Immobilieninvestments nur wenige Investoren dazu Daten erheben. Häufig werden die hauseigenen Daten mit Benchmarks verglichen, um die Klimaleistung des Portfolios darzustellen.  Allerdings ist die Aussagekraft dieser Vergleiche sehr begrenzt, da der Benchmark selbst keine ESG-Kriterien berücksichtigt. Nichtsdestotrotz nutzen immer mehr Investoren die Kennzahl als ein Instrument, um den Fortschritt ihrer Klimaanstrengungen zu messen und zu überwachen.

Erkenntnis 3: Es gibt unterschiedliche Strategien, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren

Es gibt unter französischen Investoren sehr unterschiedliche Ansätze, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Die Studie unterscheidet vier Ansätze:

  1. Stockpicking: Die Investoren legen ihr Geld in Unternehmen mit geringen Treibhausgasemissionen an, z.B. Technologieunternehmen. Oder sie schließen die Unternehmen mit den höchsten Treibhausgasemissionen aus, z.B. durch den Ausschluss von Kohle.
  2. CO2-neutrale Zielsetzungen: Dieser neue Trend besteht darin, dass Investoren durch die Bündelung verschiedener Maßnahmen (Energieeffizienz, Emissionsreduzierung, Kompensation) bis zu einem bestimmten Zeitpunkt einen neutralen CO2-Fußabdruck erzielen wollen. Bisher ist dieser Ansatz nicht sehr ausgeprägt. Mit der Net-Zero Asset Owner Alliance, die im September 2019 startete, könnte hier eine neue Dynamik entstehen.
  3. Absolute Reduktionsziele: Dabei will der Investor seinen CO2-Fussabdrucks über die Zeit um einen bestimmten Prozentsatz senken. Mit dieser Maßnahme lässt sich aber nicht sagen, ob der Investor ein 2 Grad- kompatibles Portfolio hat oder nicht.
  4. Verringerung des CO2-Fußabdrucks von Immobilien: 25 Prozent der CO2-Emissionen Frankreichs stammen aus dem Immobilienbereich. Hier gibt es ein hohes Einsparpotenzial. Allerdings ist auch dies ein wenig verbreiteter Ansatz.

Erkenntnis 4: Der Anteil „grüner Investments“ steigt

Immer mehr institutionelle Investoren legen ihr Geld in Assets an, die als „grüne Investments“ ausgewiesen sind. Rund 1,4 Prozent des verwalteten Vermögens wurde entsprechend allokiert, eine Steigerung um 8,6 Mrd. Euro innerhalb eines Jahres. Auch setzen Investoren spezifische Ziele, ihren Anteil „grüner“ Investments kontinuierlich auszubauen.

Erkenntnis 5: Die Angabe einer Portfolio-Temperatur gewinnt an Bedeutung

Die GLS Bank hat auf ihrer Bilanzpressekonferenz Anfang Februar präsentiert, inwieweit ihr Klimafonds im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen steht. Auch auf dem französischen Markt zeigt sich, dass die Messung, inwiefern ein Portfolio kompatibel mit einem bestimmten Erderwärmungsszenario ist, an Relevanz gewinnt. 32 der 78 befragten Investoren haben dazu Messungen vorgenommen. Die Teilnehmer gehen dabei methodisch verschiedene Wege. Die eine Gruppe von Investoren berichtet, wie hoch die Portfoliotemperatur ausfällt. Manche von ihnen berücksichtigen dabei explizit spezifische Sektorbudgets. Die andere Gruppe verglich den Energiemix ihrer Investments mit den Szenarios der Internationalen Energie Agentur (IEA).

Fazit

Am französischen Markt gibt es eine Vielzahl an Mitteln und Wegen, die Klimarisiken im Portfolio großer institutioneller Investoren zu erfassen und zu managen. Zum Teil stoßen die befragten Institute auf die gleichen Herausforderungen wie deutsche Häuser. Die Ansätze erscheinen jedoch weitgehender und ausgereifter als hierzulande. Wenngleich gesetzliche Regulierung nicht immer ein Allheilmittel darstellt, so haben die gesetzlichen Reportingpflichten doch zu einer höheren Sensibilität bei institutionellen Investoren geführt. Die Praxis zeigt, dass es einige Musterschüler gibt, aber auch sehr viele, die sich mit dem Thema nur soviel befassen, wie sie müssen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weiterführende Informationen zum GLS Bank Klimafonds:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de

IFD / IFR – die neue Regulierung für Finanzdienstleister

von Jochen Kindermann und Lena Menger, Simmons & Simmons LLP.

Erst kürzlich hat sich die EU auf neue Aufsichtsregeln für Wertpapierdienstleistungsunternehmen („WpDU“) geeinigt. Diese neuen Regelungen finden ihren Niederschlag in der Investment Firm Directive1 („IFD“) und der Investment Firm Regulation2 („IFR“), welche beide am 5. Dezember 2019 veröffentlicht wurden.

Mit der IFD und der IFR, den beiden neuen Regelwerken für alle Finanzdienstleister, sollen Wertpapierdienstleistungsunternehmen (WpDU) administrativ entlastet und der Verwaltungsaufwand insbesondere bei kleineren WpDU reduziert werden. Grundlage bildet eine 3-Klasseneinteilung. Abhängig von der Eingruppierung unterscheiden sich diverse Anforderungen, wie zum Beispiel, die Eigenmittelanforderungen, die Offenlegungs- und Meldepflichten und die relevanten Liquiditätsanforderungen. Dieser Artikel gibt einen Ausblick auf das neue Regelwerk.

Mit der Einführung der neuen Regulierung soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass trotz sehr unterschiedlicher Risikoprofile zwischen WpDU und Kreditinstituten viele Unternehmen dem sehr komplexen Regelwerk der Capital Requirements Regulation („CRR“) unterliegen. Dass dieser Ansatz nicht sachgerecht ist, zeigt sich bereits daran, das WpDU gerade keine Kredite gewähren oder Einlagen entgegennehmen dürfen. In der Folge wurde schon länger an gesonderten Regelwerken für Kreditinstitute und WpDU gearbeitet.

Durch die IFR / IFD wird nicht nur ein neues Regelungssystem für WpDU eingeführt, sondern es erfolgt auch eine neue Kategorisierung der WpDU. Künftig wird zwischen drei verschiedenen Klassen von WpDU unterschieden:

  • Klasse 1: systemrelevante WpDU
  • Klasse 2: nicht-systemrelevante WpDU, die weder Klasse 1 noch Klasse 3 sind
  • Klasse 3: kleine und nicht verflochtene WpDU

In welche dieser Klassen ein WpDU einzustufen ist, entscheidet sich anhand des Risikos, welches grob nach der erbrachten Dienstleistungen des WpDU, seiner Bilanzsumme und seiner Einbettung in eine Gruppe bestimmt wird.

Als WpDU der Klasse 1 werden solche WpDU eingestuft, deren Bilanzsumme einzeln oder gruppenweit konsolidiert über 30 Mrd. € beträgt und die Eigenhandel oder Emissionsgeschäft betreiben. Sie werden künftig als Kreditinstitut eingestuft. Ausgenommen sind jedoch Kapitalverwaltungsgesellschaften und Versicherungsunternehmen.

WpDU, die das Emissionsgeschäft betreiben oder Eigenhandel erbringen und deren konsolidierte Bilanzsumme unter 30 Mrd. €, aber über 15 Mrd. € liegt, müssen weiterhin die Regelungen der CRR / CRD IV für CRR-Investmentfirmen anwenden.

Ob ein WpDU der Klasse 2 oder Klasse 3 unterfällt hängt von der jeweils ausgeübten Tätigkeit ab. Unter Klasse 3 fallen alle kleinen und nicht verflochtenen WpDU. Eine Einstufung als Klasse 3 erfolgt, sofern die in der Tabelle dargestellten Schwellenwerte eingehalten werden.

Kriterien

Schwellenwerte

Verwaltetes Vermögen*

< € 1.2 Mrd.

Täglich abgewickelte Kundenaufträge*

< € 100 Mrd. pro Tag für Kassageschäft oder € 1 Mrd. pro Tag für Derivate

Gesicherte und verwaltete Vermögenswerte

0

Gehaltene Kundengelder

0

Täglicher Handelsfluss

0

Nettopositionsrisiko

0

Ausfall des Handelspartners

0

Bilanzsumme*

< € 100 Mio.

Jährliche Gesamtbruttoeinnahmen aus Wertpapierdienstleistungen*

< € 30 Mio.

*Anwendungen auf konsolidierter Basis für die Gruppe

Was ändert sich nun?

Abhängig von der Einstufung wird die IFR / IFD für das betroffene WpDU zu vielen Veränderungen führen.

Für WpDU gilt sicher, dass sie ein höheres Anfangskapital aufzubringen haben. Die jeweiligen Erhöhungen des erforderlichen Anfangskapitals sind jedoch nur marginal. Zum Beispiel muss eine Wertpapierhandelsbank anstatt 730.00 € künftig 750.000 € Anfangskapital aufbringen.

Kompliziert sind die neuen Eigenmittelanforderungen, die für WpDU der Klasse 2 gelten. Danach dürfen Eigenmittel nicht niedriger sein als der höchste Betrag aus:

  • 1/4 der fixen Gemeinkosten des Vorjahres,
  • der permanenten Mindestkapitalanforderung oder
  • der nach der K-Faktor Berechnung ermittelte Wert.

Eine echte Herausforderung stellen die sog. K-Faktoren dar. Die K-Faktoren setzen sich zusammen aus den Risiken für den Kunden, den Markt sowie das WpDU. In Bezug auf die K-Faktoren ist noch vieles unklar, da es bisher keine Berechnungsmethoden gibt . Diese müssen noch von der EBA und der ESMA in Form sog. technischer Regulierungsstandards festgelegt werden. Auch in diesem Zusammenhang werden WpDU der Klasse 3 bevorzugt. Sie müssen die K-Faktor-Anforderungen nicht zu erfüllen.

Zudem müssen WpDU der Klasse 2 und 3 künftig auch Veränderungen an ihren liquiden Mitteln vornehmen. Nach der IFR / IFD müssen die liquiden Aktiva mind. 1/3 der Anforderungen für die fixen Gemeinkosten, welche mind. 1/4 der fixen Gemeinkosten des Vorjahres aus machen, betragen. Auch hier werden WpDU der Klasse 3 bevorzugt. Sie können durch die zuständige nationale Behörde von der Anwendung der neuen Liquiditätsvorgaben ausgenommen werden.

Des Weiteren gibt es neue Regelungen zur Vergütung und zur Unternehmensführung für WpDU der Klasse 2. Im Gegensatz zu den Regelungen in der CRR gibt es künftige keine Begrenzung der variablen Vergütung mehr. Die neuen Regelungen zur Unternehmensführung stellen eine Überarbeitung der Governance- und Vergütungsanforderungen aus der CRD IV dar.

Eine weitere Erschwernis für WpDU der Klasse 2 ergibt sich daraus, dass sie künftig die Obergrenzen für Großkredite aus der CRR beachten müssen. Diese wurden in den neuen Regelungen übernommen. Bei einer Überschreitung der Obergrenzen wird eine unverzügliche Meldepflicht an die zuständige Behörde ausgelöst.

Hinzu kommt, dass WpDU künftig weitere Melde- und Offenlegungspflichten beachten müssen. Den zuständigen Behörden müssen vierteljährlich Informationen in Bezug auf die Höhe und die Zusammensetzung der Eigenmittel, die Eigenmittelanforderungen sowie deren Berechnung und den Umfang der Tätigkeit gemeldet werden. Für WpDU der Klasse 3 gilt auch hier eine Erleichterung, denn hier genügt die Vorlage eines Jahresberichts . Darüber hinaus müssen WpDU der Klasse 2 sowie solche der Klasse 3, die Instrumente des zusätzlichen Kernkapitals (AT1) emittieren, mit der Veröffentlichung des Jahresabschlusses weitere Informationen wie die Risikomanagementziele und -politik, der Governance-Standard, die Eigenmittelausstattung, die Eigenkapitalanforderungen, die Vergütungs- und Anlagepolitik sowie die ESG-Risiken, offengelegen.

Wann gelten nun die neuen Regelungen?

Die IFD / IFR sind bereits am 25. Dezember 2019 in Kraft getreten. Die Mitgliedstaaten haben 18 Monate Zeit, um die IFD in nationales Recht umzusetzen. Die IFD ist demnach frühestens ab dem 26. Juni 2021 zu beachten. Die IFR gilt ab dem 26. Juni 2021.

Gibt es Ausnahmen?

Die IFR enthält in Art.57 eine Übergangsbestimmung, welche gleichzeitig eine Erleichterungen für WpDU darstellt. Danach dürfen WpDU für einen Zeitraum von fünf Jahren ab dem 26 Juni 2021 niedrigere Kapitalanforderungen anwenden. Dies gilt dann nicht, wenn am oder nach dem 26. Juni 2019 die Zulassung des WpDU erweitert wird.

Fazit

Es bleibt festzuhalten, dass die neuen Regelungen gravierende Änderungen bei den WpDU mit sich ziehen. Hiervon sind insbesondere WpDU der Klasse 2 betroffen. Aufgrund der Vielzahl der neuen Regelungen sind bei ihnen umfassende Systemveränderungen erforderlich. WpDU müssen nun im Rahmen einer Bestandsaufnahmen prüfen, ob sie als WpDU der Klasse 1, 2 oder 3 einzustufen sind. Im nächsten Schritt sind dann, je nach der Einstufung, entsprechende Veränderungen einzuleiten. Es bleibt abzuwarten, ob der deutsche Gesetzgeber sich entscheidet ein eigenes Gesetz für die neuen Klasse von WpDU zu verabschieden.


1) Richtlinie (EU) 2019/2034.
2) Verordnung (EU) 2019/2033.

Jochen Kindermann ist Partner bei der Kanzlei Simmons & Simmons LLP in Frankfurt am Main. Er berät seit mehr als 10 Jahren Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute in Bezug auf aufsichtsrechtliche Fragestellungen und insbesondere zu Compliance-Themen. Er verfügt darüber hinaus über eine umfassende Expertise im Bereich Asset Management.
Schwerpunkte seiner Tätigkeit bilden die aufsichtsrechtliche Beratung in Bezug auf grenzüberschreitende Sachverhalte und der internationale Vertrieb von Finanzinstrumenten. Als ehemaliger Compliance-Officer und Alumni der Börsenmakler-Ausbildung hat er umfangreiche Kenntnisse vom Handel mit Finanzinstrumenten und der Organisation von Finanzinstituten. Jochen Kindermann hat deutsche und ausländische Fondsstrukturen errichtet und Asset Manager hinsichtlich deren buy side- und sell side-Aktivitäten beraten. LinkedIn
Tel.: +49 69 907454 43
Email: jochen.kindermann@simmons-simmons.com

Lena Menger ist als Rechtsanwältin bei der Kanzlei Simmons & Simmons LLP in Frankfurt am Main tätig und berät Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute in Bezug auf aufsichtsrechtliche Fragestellungen. Sie berät Banken, Zahlungs- und Finanzdienstleister in Fragen der Compliance und des Risikomanagements vor und nach der Gründung ihres regulierten Geschäfts.
Tel.: +49 69 907454 30
Email: Lena.Menger@simmons-simmons.com

Wie kann ein Fonds einen Beitrag zum Klimaschutz leisten?

Klimaschutz ist am Kapitalmarkt das Thema der Stunde. Die Akteure am Finanzmarkt sollen ihren Beitrag leisten, um ehrgeizige Klimaschutzziele auf nationaler und internationaler Ebene zu erreichen. Initiativen wie die Taskforce on Climate-related Financial Disclosure (TCFD), Klimastresstests oder der EU Action Plan on Sustainable Finance sollen dazu den Weg weisen. Viele Fondsanbieter haben die Zeichen der Zeit erkannt und legen spezielle Anlageprodukte auf, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Auch die GLS Bank hat sich vor rund 2,5 Jahren zur Auflage eines Klimafonds entschieden. Der hauseigene Mischfonds legt in Aktien und Anleihen an, die aus Sicht der GLS Bank einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Zum Ansatz des Fonds spricht altii mit Tobias Baumann aus dem Portfolio Advisory der GLS Bank.

Die GLS Bank ist Pionier des sozial-ökologischen Bankgeschäfts. Welche Position nimmt die Bank beim Klimaschutz ein?

Tobias Baumann: Klimaschutz liegt in der DNA der GLS Bank. Die Ursprünge reichen dabei weit zurück. Als eine der ersten Banken hat die GLS Bank Ende der 80er Jahre Finanzierungen für Windkraftanlagen bereitgestellt. In ihren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen hat sich die GLS Bank zum Ziel gesetzt, eine regenerative, dezentrale und bürgernahe Energieversorgung zu fördern. Die Bank möchte gezielt die gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, die sie als Bank hat.

Dafür beteiligt sie sich aktiv an der öffentlichen Debatte. So fordert sie eine ausnahmslose und gerechte Bepreisung auf den Ausstoß von Treibhausgasen. Zudem ist die GLS Bank Vorreiter. Bewusst setzt sie Zeichen. Gemeinsam mit sozial-ökologischen Banken weltweit hat sie sich Anfang 2019 dazu verpflichtet, innerhalb der nächsten drei Jahre die Klimawirkung ihres Kreditportfolios und ihrer Investments zu messen. Das Ziel dahinter ist klar. Das gesamte Anlage- und Finanzierungsportfolio soll bis Ende 2022 im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens stehen, sprich 1,5 Grad-kompatibel sein. Darüber hinaus nimmt sie im Rahmen von Companies for Future beim Klimastreik teil.

Dann lassen Sie uns näher über ihren Anspruch sprechen, Sie haben im August 2017 einen eigenen Klimafonds aufgelegt. Was sind die Hintergründe?

Tobias Baumann: Die GLS Bank wollte auch auf der Fondsseite ihr Bekenntnis zum Klimaschutz unterstreichen. Kund*innen soll die Möglichkeit geboten werden, einen aktiven Beitrag zur Eindämmung des Klimaschutzes zu leisten. Besonders im Blick hatte die GLS Bank bei Fondsauflage die Divestment-Bewegung. Staatlichen und öffentlichen Investoren, die ihr Geld aus fossilen Investments abgezogen hatten, wollte die GLS Bank eine sinnvolle Wiederanlagemöglichkeit ihres Kapitals bieten. Die Wahl fiel dabei auf einen Mischfonds. Damit konnte der Fonds auf der Anleiheseite auch in Green Bonds investieren, die zum damaligen Zeitpunkt von einer zunehmenden Anzahl an Emittenten und mit wachsendem Volumen begeben wurden.

Mit welchem Ansatz geht die GLS Bank an das Thema heran? Investiert der Fonds in alle Branchen?

Tobias Baumann: Der generelle Anspruch der GLS Bank ist es, ihren Investoren Anlagemöglichkeiten zu bieten, die die hohen sozialen und ökologischen Standards berücksichtigen. Deswegen gelten für den Fonds die hauseigenen, strengen Ausschlusskriterien: Unternehmen mit Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen, gentechnisch veränderte Nahrungsmittel, Atomkraft, Massentierhaltung, Waffenhersteller sind ohne Ausnahme ausgeschlossen. Auch müssen alle Unternehmen in zukunftsweisenden sozial-ökologischen Geschäftsfeldern aktiv sein. Investitionen in Energieeffizienzprojekte von Flughafenbetreibern oder Erdölförderern, die am Markt als klimafreundlich beworben werden, kommen daher für die GLS Bank nicht in Frage.

Wie stellt der Fonds sicher, in klimafreundliche Unternehmen zu investieren?

Tobias Baumann: Die GLS Bank hat dafür besondere Klimakriterien entwickelt. Zum einen investiert sie in Unternehmen, die einen hohen Anteil ihrer Umsätze in besonders klimaschützende Geschäftsfelder erwirtschaften und so einen positiven Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels leisten. Das sind Fahrradhersteller, Betreiber öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, Erzeuger erneuerbarer Energien, Produzenten ökologischer Dämmstoffe etc. Zum zweiten möchte der Fonds auch die Transformation zu einer CO2-armen Wirtschaft mitgestalten. Deswegen investiert er auch in Unternehmen, die entweder bereits viele Treibhausgasemissionen eingespart oder eine besonders anspruchsvolle Klimastrategie mit hohen Einsparzielen aufgestellt haben und darüber umfassend berichten.

Um die Wirkung des Fonds zu steigern, nimmt der Fonds regelmäßig an Kapitalmaßnahmen teil und stellt den Unternehmen Kapital direkt zur Verfügung. Dadurch ermöglicht sie den Unternehmen, ihre geplanten und notwendigen klimaschützenden Projekte zu realisieren. Beispielsweise zeichnete der Fonds neue Aktien der 7C Solarparken AG, einem kleinen deutschen Solarparkbetreiber, der mit dem eingeworbenen Geld seine Solarparks erweitert. Oder der Fonds beteiligte sich an der Anleiheemission der Africa GreenTec AG, die mit dem Erlös Solarcontainer für die ländliche Bevölkerung in Mali finanziert.

Der GLS Bank Klimafonds investiert auch in Green Bonds. Wie ist hier ihr Vorgehen?

Tobias Baumann: Die GLS Bank freut sich über die positive Marktentwicklung von Green Bonds. In der täglichen Arbeit im Portfoliomanagement und im Nachhaltigkeitsresearch stellen wir leider häufig einen Mangel an Transparenz und Standardisierung sowie teilweise eine zweifelhafte Mittelverwendung fest. Auch die Zweitmeinungen externer Researchagenturen, so genannte Second Party Opinions, geben nicht immer ausreichend Aufschluss über die Qualität.

Um den eigenen Anspruch gerecht zu werden, haben wir intern einen eigenen Green Bonds Prüfprozess ins Leben gerufen, der vier Bewertungsstufen umfasst, von der eingehenden Prüfung des Emittenten, über die Inhalte des Bonds, Prozesse und Transparenz bis hin zu einem internen Vetorecht. Damit gelingt es uns, schnell auf Neuemissionen zu reagieren und die inhaltliche Qualität sicherzustellen. Im Ergebnis zeigt sich, dass mehr als die Hälfte der Green Bonds die hauseigene Prüfung nicht bestehen.

Ein Klimafonds sollte auch belegen, dass er gut für das Klima ist. Viele Fonds tun dies anhand des CO2-Fußabdrucks. Wie zeigen Sie dies?

Tobias Baumann: Die GLS Bank lässt auf verschiedene Art und Weise die Klimawirkung des Fonds feststellen. Zunächst prüft die Nachhaltigkeitsresearchagentur imug jedes Jahr den Auswahlprozess des Fonds und analysiert Titel im Portfolio darauf, inwiefern sie einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dies wird in einem Prüfvermerk festgehalten, der sich auch im Investitionsbericht des Fonds auf der Website wiederfindet.

Auch werden für den Fonds jährlich die CO2-Emissionen des Portfolios erhoben. Dazu Jahr arbeiteten wir zum ersten Mal mit dem renommierten Wuppertal-Institut zusammen. Es handelte sich dabei um eine sehr viel tiefergehende Analyse Bis auf einen Titel konnten alle Investments erfasst werden. Dies ist bemerkenswert, da sich im Fonds auch viele kleinere Titel befinden, die nicht immer von anderen Anbietern abgedeckt werden. Im Ergebnis werden pro 1 Mio. Euro Wertschöpfung bzw. Bondvolumen ca. 218 Tonnen Kohlenstoffäquivalente emittiert. Die Darstellung dieser Kennzahl betrachten wir aber mit gemischten Gefühlen.

Warum?

Tobias Baumann: Es gibt sehr viele Herausforderungen bei der Berechnung von CO2-Kennzahlen. Das fängt mit einer geringen Portfolioabdeckung an, da Datenanbieter nicht die Treibhausgasemissionen aller Unternehmen bereitstellen. Auch fehlen Standards, nach denen sich alle richten. Der GLS Bank Klimafonds orientiert sich an dem Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF)-Standard. Andere Fonds haben andere Berechnungsgrundlagen. Dadurch schwankt die Qualität der erhobenen Daten. Drittens gibt es keine einheitliche Darstellung am Markt. Beziehen sich Fondsanbieter auf die Marktkapitalisierung? Oder den Umsatz? Oder stellen sie absolute Werte dar? Manche Fonds werden zudem schöngerechnet, indem besonders schlechte Benchmarks gewählt werden. Oder die Sektorallokation des Fonds sieht so aus, dass sie nicht die Investmentwirklichkeit widerspiegelt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der CO2-Fußabdruck eine vergangenheitsbezogene Zahl ist, mit der keine Aussage zu künftigen Emissionen der Unternehmen im Fonds getroffen werden kann. Damit ist es für Investoren sehr schwierig, anhand dieser Kennzahl die Klimawirkung des Fonds abzulesen.

Kennen Sie einen anderen Weg, der aus Sicht der GLS Bank besser geeignet ist, die Klimawirkung zu erfassen?

Tobias Baumann: Der Ansatz der GLS Bank ist, sich bei der Messung der Klimawirkung stärker auf die Zukunft zu konzentrieren. Der Fokus sollte auf der Frage liegen: Ist der Fonds im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen? Dazu ist die Bank eine Entwicklungspartnerschaft mit right. based on science, einem Anbieter wissenschaftsbasierter Daten eingegangen. Bewusst verfolgt die GLS Bank damit das Ziel, eine Diskussion zu diesem Thema anzustoßen, die nicht in der Vergangenheit stehen bleibt. Auf der Bilanzpressekonferenz am 5. Februar wurde das Ergebnis der Ersterhebung präsentiert. Erfreulicherweise ist der Fonds im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens (Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen der Berechnung). In den kommenden Jahren soll der Ansatz sukzessive weiterentwickelt werden.

Findet ihr Konzept Anklang bei Investoren? Richtet es sich auch an institutionelle Investoren?

Tobias Baumann: Seit Auflage im August 2017 verzeichnet der Fonds kontinuierliche Zuflüsse. Die öffentlichen Diskussionen um das Klima haben dem Fonds in den vergangenen Monaten einen beachtlichen Volumenschub gegeben. Im laufenden Geschäftsjahr seit dem 1. August 2019 stieg das Fondsvolumen von 49 Mio. Euro auf 85 Mio. Euro an.

Mit der Anteilscheinklasse B, die ab einer Mindestanlagesumme von 200.000 Euro erwerbbar ist, spricht die GLS Bank gezielt institutionelle Investoren an. Zu den Anleger*innen dieser Tranche gehören einige semi-professionelle sowie institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Stiftungen oder Family Offices. Auch Akteure aus der Zivilgesellschaft mit sozialen Zielen wie z.B. NGOs zeigen starkes Interesse. Die laufenden Kosten betragen 1,0 Prozent.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Was erwarten Sie für den Fonds in den kommenden 12 Monaten?

Tobias Baumann: Die Klimadebatte wird weitergehen, sowohl öffentlich als auch am Kapitalmarkt. Dies dürfte den Fonds auch in den kommenden Monaten zu Gute kommen. Darüber hinaus wird der Fonds im August drei Jahre alt und weist damit ein Alter auf, in dem viele Fonds von großen Finanzplattformen bewertet werden. Dieser Track Record dürfte den Fonds für weitere Investorenkreise interessant werden lassen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.


Über Tobias Baumann

Tobias Baumann arbeitet seit knapp einem Jahr in der Portfolioberatung der GLS Bank und ist für das Management des GLS Bank Klimafonds verantwortlich. Zuvor war er mehrere Jahre als Portfoliomanager im Asset Management der Wüstenrot & Württembergischen AG tätig. Tobias Baumann ist seit 2015 CFA Charterholder und hat ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim abgeschlossen.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weiterführende Informationen 

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de