Impact-Fonds mit Blended Finance – vielversprechende Idee, wenn richtig ausgestaltet

von Berenice Brügel und Stefan Fritz, beide Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Der Sustainable Finance Beirat empfiehlt in seinem Abschlussbericht „Shifting the Trillions“ verschiedene Maßnahmen, um Impact Investments zu fördern. Vor zwei Wochen haben wir die Empfehlung 21 (Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen für Impact-Fonds) näher beleuchtet. Ebenso interessant ist die Empfehlung 20. So schlägt der Beirat die Auflage von Impact-Fonds vor, welche öffentliches und privates Investorenkapital bündeln, um das Wachstum des unverändert kleinen Marktes für Impact Investments zu stimulieren. Dies kann durch Mischfinanzierungsstrukturen, sogenannte Blended Finance-Strukturen, ermöglicht werden. Bisher sei der Markt an Blended Finance-Fonds wenigen professionellen und semiprofessionellen Investoren vorbehalten. Fast alle u. a. von der Bundesregierung finanzierten Blended-Finance-Fonds, die gemäß den OECD-Vorschlägen strukturiert sind, wurden zudem in Luxemburg aufgelegt, so der Befund des Beirats. Wesentliche Hürden seien hierzulande rechtliche Anlagegrenzen, die aktuelle Besteuerung sowie mangelnde Kenntnisse, wie die Anlage in Impact Investments umgesetzt werden kann. 

Internationale Entwicklungshilfefonds als Vorbild

Die Idee, privates Kapital für risikoreiche Unternehmen und Projekte zu mobilisieren, ist nicht neu. In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind solche Fonds bereits seit einigen Jahren am Markt etabliert. Öffentliche Investoren wie u.a. die KfW spielen dabei eine tragende Rolle. Zwei in Luxemburg aufgelegte Fonds seien hier beispielhaft vorgestellt: 

  • Der SANAD-Fonds (arabisch für „Unterstützung“) investiert im arabischsprachigen Markt. Der Fonds stellt privates Eigen- und Fremdkapital Partnerinstitutionen im Mittleren Osten sowie Nord- und Subsahara-Afrika zur Verfügung, mit dem im MKMU-Sektor (Mikro-, kleinere- und mittlere Unternehmen) Wachstum und Arbeitsplätze gefördert werden soll. 
  • Der European Fund for Southeast Europe (EFSE) verfolgt das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand in Südosteuropa zu fördern. Der Fonds vergibt dazu Darlehen an kleine Geschäftsbanken bzw. Mikrofinanzinstitute. 

In der Praxis funktionieren die Fonds so, dass sie in mehrere Eigen- und Fremdkapitaltranchen aufgeteilt sind (siehe Schaubild). Staatliche Instanzen gehen als Eigenkapitalgeber des Fonds in das höchste Risiko: Die öffentliche Hand investiert in „Junior Shares“, welche das höchste Risiko („First Loss Tranche“) tragen, danach folgen als „Senior Shares“-Investoren meist öffentliche Finanzinstitutionen. Dagegen investieren private Investor*innen in Schuldverschreibungen (sogenannte „Notes“). Diese Schuldverschreibungen sind erst ausfallgefährdet, wenn das Eigenkapital des Fonds aufgebraucht ist. Sie haben demzufolge eine hohe Bonität. 

Funktionsmechanismus EFSE


https://www.efse.lu/information-for-investors*

Übertragung der Fondsstruktur auf Deutschland vielversprechend

Auch hierzulande könnten private Investoren mittels solcher Fondsvehikel in innovative, junge Unternehmen und Projekte investieren, die zukunftsweisende sozial-ökologische Lösungen anbieten. Vor allem im Sozial- oder Bildungssektor, aber auch im Bereich Infrastruktur gibt es interessante Ideen und Projekte, die auf Kapital angewiesen sind. Diese Vehikel böten Chancen sowohl für die öffentliche Hand als auch private Anleger*innen: 

  • Die öffentliche Hand hätte damit einen Hebel, um mit (häufig bereits eingeplanten) Mitteln zusätzliches Kapital von privaten Anleger*innen für unterfinanzierte soziale und ökologische Programme zu mobilisieren. 
  • Private Investoren hätten somit die Möglichkeit, Investitionen mit einem attraktiven Risiko-Rendite-Impact-Profil zu tätigen. Dies wäre insbesondere für Impact Investoren interessant, bspw. Stiftungen, die in ihrer Satzung im Rahmen ihres Mission Investings klare soziale und ökologische Ziele formuliert haben. Bisher können diese Investoren aufgrund von Risikolimiten oder Anlagerichtlinien nicht in diese Unternehmen und Projekte anlegen.

Ausweitung auf Privatanleger*innen begrüßenswert

Bisherige Blended Finance-Fonds richten sich an professionelle Anleger*innen. Auch die Empfehlung des Beirats zielt darauf ab, diese Fonds in Deutschland als Spezial-AIF aufzulegen. Sicherlich wäre dies regulatorisch am schnellsten umsetzbar. Allerdings wären solche Fonds unverändert nicht für Privatanleger*innen zugänglich. Es wäre wünschenswert, wenn der Gesetzgeber eine größere Änderung anstößt und Blended Finance-Strukturen auch für Privatanleger*innen regulatorisch öffnet. Ähnlich wie bei der Empfehlung zur Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen hätten Privatanleger*innen damit die Möglichkeit, in wirkungsstarke Fonds zu investieren. Warum sollte dies nur professionellen Investoren vorbehalten sein? 

Dies wäre umso wünschenswerter, da die Auswahl an sozial-ökologisch wirkungsstarken Anlagen für Privatanleger*innen begrenzt ist. Häufig sind diese in Form von Genussscheinen oder kleineren Anleihen am sogenannten grauen Kapitalmarkt zu finden. Solche Investments bergen aber ein nicht zu unterschätzendes Risiko, wie der Ausfall vieler dieser Angebote in den vergangenen Jahren gezeigt hat.

Definition marktgängiger Impact-Standards sinnvoll

Grundsätzlich folgt diese Empfehlung des Beirats also bewährten Vorbildern und dürfte aus Investorensicht auch ökonomisch vielversprechend sein. Ebenso wichtig ist aber, dass mit den Fondsinvestitionen ein messbarer sozial-ökologischer Zusatznutzen („Additionalität“) neben der ökonomischen Rendite beabsichtigt und erzielt wird. Darüber sollten Anleger*innen transparent informiert werden.

Es reicht dazu nicht aus, sich ausschließlich an den gesetzlichen Voraussetzungen in Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung zu orientieren, wie das Beispiel Mikrofinanz dokumentiert. Vielmehr sollten die Fonds weitergehende Impact-Standards berücksichtigen. Der Beirat formuliert in seinem Bericht dazu in Empfehlung 28 (Transformations- und Impactfonds) Vorschläge: Diese Fonds sollten spezifische Elemente im Anlagekonzept enthalten, um dem Fondsnamen gerecht zu werden.

Die in der Empfehlung 28 vorgeschlagenen Merkmale bilden eine gute Grundlage für Impact Fonds mit Blended Finance-Strukturen. Sie sollten aber auf Standards angepasst werden, welche am Markt z.T. bereits angewendet werden:

  • Detaillierte Angaben zur Mittelverwendung (Impact-Rahmenwerk): Impact-Fondsmanager*innen sollten genau erläutern, in welcher Höhe sie Fondsgelder in welche soziale und ökologische Geschäftsfelder lenken wollen. Dies sollte eher ein konkreteres Zielbild sein als die bloße Angabe, die Fondsziele seien in Übereinstimmung mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens oder den Sustainable Development Goals. Denn leider wurde die eigentliche Bedeutung dieser Rahmenwerke mittlerweile am Fondsmarkt schon vielfach ausgehöhlt. Zur konkreten Bewertung ökologischer Projekte und Unternehmen gibt es am Markt bereits umfangreiche Klassifizierungssysteme. Für soziale Projekte und Unternehmen wären bisherige Ansätze weiterzuentwickeln. Der Wunsch des Beirats, Nachhaltigkeitsrisiken, Transformationsgrade und die Wirkung der Unternehmen und Projekte zu messen, erscheint in der derzeitigen Debatte ambitioniert. Hier wäre eine breite wissenschaftliche Diskussion mit den relevanten Marktteilnehmer*innen begrüßenswert.
  • Ambitionierte Ausschlusskriterien: Impact-Fonds-Manager*innen sollen auch darlegen, in welche Unternehmen und Projekte nicht investiert wird (kontroverse Branchen, kontroverse Geschäftspraktiken). Die Mindestgarantien der EU-Taxonomie, wie in Empfehlung 28 genannt, sind dabei ebenso wenig ausreichend wie bisherige Überlegungen zum Zielmarktkonzept im Rahmen der Mifid II-Ergänzung um Nachhaltigkeitspräferenzen.
  • Impact-Reporting mit sinnvollen Ergebniskennzahlen: Wichtig wäre es, dass alle Anleger*innen nachvollziehen können, wie ihr Geld wirkt. Abhängig vom unternehmerischen Zweck der Unternehmen sollten sinnvolle Kennzahlen kommuniziert werden. Der Anspruch des Beirats, transparent über das Nachhaltigkeitsprofil des Anlageportfolios auf Basis aussagekräftiger und zukunftsgerichteter Schlüsselindikatoren zu berichten, ist lobenswert. Mit schlichtem Storytelling lässt sich dies nicht erreichen. Entscheidend sind wenige Impact-Kennzahlen, die einfach für kleine und mittlere Unternehmen zu erheben sein müssen. Bei Klimainvestments gibt es bereits viele Indikatoren, bei sozialen Investments müsste z.T. noch Pionierarbeit geleistet werden. Es könnte aber bereits auf sehr gute Vorarbeiten wie dem Vorschlag des Südwind-Instituts zur sozialen Taxonomie aufgesetzt werden. Ebenfalls lohnt sich für genderspezifische Indikatoren ein Blick auf Kennzahlen aus dem Gender Lens Investing-Bereich. Es sollte überdies eine kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Darstellungspraktiken stattfinden. Mit der Darstellung eines CO2-Fußabdrucks oder SDG-Mappings allein lassen sich Transformationsgrade schwerlich messen.
  • Externe Verifizierung: Der Sustainable Finance Beirat empfiehlt eine Ex-Post-Überprüfung und jährliche Berichterstattung, inwieweit die Anlagen zu den Transformations- und Impact-Zielen beigetragen haben. Die Darstellung, inwiefern ein Blended-Finance-Fonds einen positiven Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen leistet, muss eine Überprüfung durch eine unabhängige Stelle standhalten können. Dies ist ein sinnvoller Schritt, um die Glaubwürdigkeit der Fonds zu steigern. Ergänzend wäre bei Fondsauflage eine externe Verifizierung des Impact-Rahmenwerks wünschenswert. Insgesamt ist hier allerdings ein maßvolles Vorgehen ratsam, welches die Wirkung des Fonds verifiziert, ohne die Kapazitäten der finanzierten Unternehmen und Projekte zu überfordern.

Darüber hinaus sollte ein unabhängiges Komitee aus Nachhaltigkeitsexpert*innen die Unternehmen und Projekte aus sozial-ökologischer Sicht kritisch prüfen und einer Investition zustimmen. Diese Expert*innen könnten sowohl aus dem privaten als auch öffentlichen Sektor kommen, um auf diesem Weg – als positiver Nebeneffekt – auch das Verständnis für diese Anlageformen wechselseitig zu stärken. Ebenfalls überlegenswert wäre – wie bei Green Bonds üblich – Mechanismen zu installieren, die sicherstellen, dass die vergebenen Kredite nicht für anderweitige Zwecke als im Impact-Rahmenwerk beabsichtigt, genutzt werden.

Fazit: Vielversprechende Idee, breite Diskussion zur Ausgestaltung der Fonds notwendig

Impact-Fonds mit Blended Finance-Strukturen haben ein hohes Potenzial, traditionelles Impact Investing zu fördern. Auf diese Weise können öffentliche Mittel mit privatem Anlagekapital wirkungsvoll gehebelt werden. Wünschenswert ist dabei die Schaffung von Blended Finance-Fondsvehikeln, die mittelfristig auch für Privatanleger*innen zugänglich sind. Der Fokus des Beirats auf professionelle Anleger*innen ist im ersten Schritt nachvollziehbar, sollte aber erweitert werden.

Auf der sozial-ökologischen Ebene ist es erforderlich, ein öffentlich transparentes Auswahlverfahren zu installieren, um das Anlegervertrauen nachhaltig zu stärken. Eine Orientierung an der Produktklassifikation der Offenlegungsverordnung reicht nicht aus, es bedarf wirksamerer Instrumente. In Empfehlung 28 stellt der Sustainable Finance Beirat begrüßenswerte Ansätze vor. Sie stellen eine gute Basis dar.

Richtig umgesetzt könnte dieser unverändert kleine Markt über diese Fondsvehikel dynamisch an Größe gewinnen. Im besten Falle wird das Geld (endlich) dorthin gelenkt, wo es wirklich gebraucht wird.


* Keine Anlageempfehlung! Informationen zu diesen strukturierten Entwicklungshilfefonds sind derzeit ausschließlich professionellen und semiprofessionellen Anleger*innen vorbehalten!

Hinweis: Dieser Artikel unterscheidet zwischen 1) öffentlichen Anlegern und privaten Anlegern sowie 2) Privatanlegern und (semi)professionellen Anlegern gemäß § 1 KAGB

Berenice Brügel ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Prüfung von Unternehmen und Finanzinstituten. Zuvor absolvierte sie einen internationalen Masterstudiengang an der Universität Hamburg im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement. Studienbegleitend war sie für das französische Researchunternehmen Novethic tätig und forschte zur Entwicklung des nachhaltigen Investmentmarkts.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Fondsgeschäft der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 900 Mio. Euro an (Stand 25.03.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
Newsletter-Anmeldung GLS Fonds

BRW Finanz AG: Transparenz als Pflicht und Schuldigkeit

Thomas Ritterbusch spricht im altii Interview über die BRW Finanz AG mit Sitz in Braunschweig und Hannover. Transparenz sieht er als Pflicht und Schuldigkeit, nicht nur gegenüber den Investoren, sondern auch den angeschlossenen Partner. Der Auftakt einer Serie über das Finanzinstitut.

DKF.events erstmalig als virtuelles Event mit rekordverdächtigen Teilnehmerzahlen

Die weltgrößte Marktdatenveranstaltung DKF.events findet dieses Jahr erstmalig als virtuelle Konferenz statt. Eine innovative digitale Plattform, interessante Aussteller und noch mehr Teilnehmer. Für altii-Nutzer gibt es limitierte Freikarten.

Do you value water?

Take a step back and reflect on how we value and manage the world’s most vital resource, ask Thomas Schumann, Markus Barth and Teresa Russell.

2021 World Water Day is March 22nd. This day provides the opportunity to reassess how water is consumed and managed globally. This year’s theme of ‘valuing water’ is especially pertinent in the asset management context.

Water is invaluable to humanity in supporting life and overall well-being. However, there is also a business case for prioritizing water resource management.

Water risks including infrastructure breakdowns, pollution, and water-related natural disasters negatively impact a company’s bottom line, and these risks are only expected to grow as climate change effects intensify. Not only that, but the business costs associated with these risks are projected to be $300 Billion or five times greater if left unaddressed.

Until recently, climate risk has focused solely on the level of carbon emissions. However, companies can continue operating even while spewing massive amounts of carbon into the atmosphere. Without access to water, many companies simply have to shut down, which severely impacts their future viability and profitability.  As a result, investors increasingly use water security as a proxy for climate security.

As the financial pressure to remedy these issues mounts, so too does the value of water security. Good water stewardship by consumers, corporations, and investors alike is clearly key to a flourishing society and sustainable global markets. However, according to a recent update by UN-Water, we are not on track to meet Sustainable Development Goal (SDG) 6 and achieve a water-secure world by 2030. 785 million people still lack safe drinking water and 2 Billion people lack improved sanitation, and the COVID-19 pandemic has the potential to exacerbate water scarcity worldwide if no actions are taken.

As a last-ditch effort, UN-Water developed the SDG 6 Global Acceleration Framework which outlines how we can fast-track the path to water security. Its top recommendation is to optimize financing, calling out the financial sector’s capacity to create a game-changing positive impact.

Recent U.S. SEC and EMSA MiFID II regulations also promote responsible investing by integrating climate risk, sustainability and ESG into reporting requirements.

The stage is set for firms and investors. The question is, what is the most effective engagement strategy for improving water management?

The World Economic Forum identifies transformational investment as the solution to systemic risks such as water crises. These investments can tackle long-term water risks while also generating competitive returns, a win-win-win for the environment, society, and investors.

One responsible investment approach recommended by the DWS Research Institute for improved water management is Risk Control, which involves investing in the broad market while reducing exposure to companies with high water risk. This strategy is the best of both worlds: it provides attractive returns and encourages water stewardship. Thomas Schumann Capital’s investable water security indices and investment products embody this approach by simultaneously promoting water security and delivering sustainable returns while providing global capital markets with the world’s first ever water footprint in equities.

Other investment types include Thematic Equity Funds, which invest in water utilities and companies associated with water purification equipment manufacturing; Positive Approaches, which only invest in companies demonstrating good water stewardship, and Direct Investor Engagement with corporations on their water policies. These approaches can be limited by accepting greater trade-offs between return and positive impact.

Water is not a commercial “commodity” such as gold, oil, gas, sugar or wheat, and is neither sustainably viable nor commercially suited to be traded as such on Wall Street. Access to clean water and sanitation are recognized by the United Nations as human rights.

Clean air, and clean water are the world’s most precious resources, resources that require utmost stewardship, appreciation, and integrity. The value of water cannot be understated. Water risks are present in all industries and geographies. By aligning investor and business objectives with integrated water management, we can turn things around and achieve universal access to clean water in the coming decade.

What actions have you committed to in this Decade of Action?


Thomas Schumann is the founder of Thomas Schumann Capital® (TSC) is the only sponsor for investable indices and products for water security and responsible investing. TSC’s solutions enable investors to integrate water risk into investment decisions to achieve sustainable performance, positive impact, water stewardship, and engagement, fast-tracking the path to a water-secure world. 

Markus Barth is an index pioneer who has designed, developed highly successful investable indices throughout his over 30 years career. In 2007, Markus developed the first-ever climate-focused investable indices that included proprietary valuation metrics to ensure both a low carbon footprint and attractive valuations.

Teresa Russell is a sustainability communications expert with an MS in global sustainability science and BS in finance. She provides business services to mission-driven companies and collaborated with the Frankfurt School of Finance & Management to develop the Strategic Development of Sustainable Financial Investments workshop.

Wasser ist die Quelle des Lebens

von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei Raiffeisen Capital Management.

Wenn man über Wasser spricht, dann sind die Assoziationen zumeist durchaus positiv. Man denke etwa an „Wasser als Quelle des Lebens“ oder auch „Wasser als Sinnbild der Reinheit“. De facto ist Wasser das bei weitem wichtigste Lebensmittel für den Menschen, welches auch durch nichts ersetzt werden kann. Hochwertiges Wasser wird nicht nur als Trinkwasser verwendet, sondern auch zur Zubereitung von Speisen und Getränken, in der Körperpflege oder zur Reinigung von sensiblen Gegenständen.

Der Verbrauch von Trinkwasser liegt in Österreich pro Person bei 135 Litern täglich, weist aber global gesehen große Unterschiede auf. Wärmere Klimaregionen erfassen regelmäßig höhere Verbrauchsziffern. Auf unserem Planeten, dessen Oberfläche zu rund zwei Dritteln von Wasser bedeckt ist, liegen die Süßwasserreserven bei lediglich 2,5 % allen verfügbaren Wassers, der Anteil des Trinkwassers liegt mit 0,3 % noch einmal deutlich niedriger. Wasser – oder genauer gesagt der Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitärer Grundversorgung – wurde 2010 als Menschenrecht deklariert. Normen für die Reinheit von Trinkwasser existieren auf regionaler, europäischer und globaler Ebene.

Die Bedeutung des Wassers endet aber nicht beim Menschen selbst. Wasser ist die Basis jeder Art von Landwirtschaft und außerdem ein wichtiger Werkstoff in Gewerbe und Industrie. Die Behandlung des Abwassers zählt zu einem der wesentlichsten Aspekte des Umweltschutzes.

Das Nachhaltigkeitsteam von Raiffeisen Capital Management hat sich Unternehmen in Branchen zu den Themen Wasser genauer angesehen und Fragen rund um das Thema Wasseranalyse und -aufbereitung sowie Wasserversorgung gestellt.

Wasser wird immer mehr zum knappen Gut. Das hängt mit dem sprunghaften Anstieg des Wasserverbrauches zusammen. In den letzten einhundert Jahren stand einer Vervierfachung der Erdbevölkerung eine Verzehnfachung des Wasserverbrauches gegenüber. Gemäß Daten der FAO (Food and Agriculture Organization), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, sind vom geschätzten 2,5 % Süßwasseranteil an den weltweiten Wasservorkommen knapp 70 % in Gletschern und Eis gebunden. Der Süßwasservorrat der Erde bleibt insgesamt bestenfalls auf stabilem Niveau, was bereits in jüngster Vergangenheit zu steigendem Wassermangel und einer immer ungleicheren Verteilung des sauberen Trinkwassers auf der Erde geführt hat.

Die wesentlichen Gründe des sich immer mehr verschärfenden Wassermangels beruhen nach Einschätzungen der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, erstens auf dem Klimawandel, zweitens auf der Übernutzung der Wasserressourcen, drittens auf dem Bevölkerungswachstum und schließlich auf der zunehmenden Wasserverschmutzung.

Der Klimawandel führt zu veränderten und extremeren Niederschlagsmustern mit einer Zunahme an Starkregen, Überschwemmungen, Hochwasser und Hitzeperioden. Wenn Regenzeiten ungewöhnlich stark ausfallen und die Trockenzeiten in vielen Regionen länger werden, dann verschärft dies den Trend der ungleichen Verteilung von Wasser und Trinkwasser weltweit. Wasserkatastrophen können sich schnell zu Hungerkatastrophen entwickeln, da Land- und Viehwirtschaft direkt vom Wasser abhängig sind.

Die starke Steigerung der Nutzung der Wasserressourcen ist unter anderem auch ein Wohlstandsphänomen. Man denke dabei an die große Menge an Wasser, die benötigt wird um Swimmingpools zu füllen oder an die Bewässerungsanlagen auf Golfplätzen. Die steigenden Bewässerungsanstrengungen von immer trockeneren Gebieten zur landwirtschaftlichen Nutzung ist ein weiterer Aspekt. In Summe wird der Natur jedes Jahr mehr Wasser entnommen, als wieder bereitgestellt werden kann. Das natürliche Recycling-System gerät an die Grenze seiner Funktionsfähigkeit.

Wasserkatastrophen können sich schnell zu Hungerkatastrophen entwickeln, da Land- und Viehwirtschaft direkt vom Wasser abhängig sind.

Das Bevölkerungswachstum treibt den Wasserverbrauch einerseits über den bisherigen Pro-Kopf-Verbrauch in die Höhe. Andererseits ist aber auch ein qualitatives Wachstum zu beobachten. Ein höherer Lebensstandard ist unweigerlich mit einem höheren Wasserverbrauch verknüpft.

Es werden also nicht einfach mehr Nahrungsmittel konsumiert, sondern beispielsweise mehr Fleischprodukte, deren Produktion etwa im Falle von Rindfleisch mit mehr als 15.000 Litern Wasser pro Kilo als extrem wasserintensiv gilt.

Die Abnahme der Trinkwasservorräte hängt auch direkt mit der Abwasserproblematik zusammen. Die Verschmutzung von Wasser in Folge von Verstädterung, industriellen Abwässern und Abfällen nimmt zu – mit der Folge von zum Teil irreversiblen Umweltschäden.

Auf Basis der genannten Gründe nehmen die zur Verfügung stehenden Süßwasserressourcen ab. Je nach Umfang der Abnahme spricht man von Wasserknappheit, Wassermangel, Wassernotstand oder Wasserkrise. Die Trinkwasserressourcen pro Kopf sind gemäß Daten der Vereinten Nationen ungleich verteilt. Grönland weist als führende Nation 10.522.275 m3 je Einwohner auf, Island 538.878 m3, Brasilien mit seinen mächtigen Fluss-Systemen 43.891 m3 und Norwegen 80.564 m3. In Österreich liegt der Vergleichswert bei 10.075 m3, in Deutschland bei 2.285 m3 und in der Schweiz betragen die Trinkwasserressourcen pro Kopf 7.096 m3. Extrem niedrig ist die Wasserverfügbarkeit in Kuwait mit 7 m3, in Saudi-Arabien mit 95 m3 und in Bahrain, das mit –12 m3 sogar einen negativen Wert aufweist.

Der Begriff „Peak Water“ beschreibt angelehnt an „Peak Oil“ das Szenario eines bereits in der Vergangenheit liegenden oder demnächst zu erwartenden Maximums in den weltweit entnommenen Wasserreserven. Die zunehmend beschränkten globalen Trinkwasserbestände werden auch durch die hohen Wasserentnahmen vor allem von Ländern im arabischen Raum belastet. Dabei werden in großen Tiefen liegende Wasserspeicher genutzt, die nur sehr langsam wieder aufgefüllt werden könnten.

Im deutschsprachigen Raum ist Trinkwasser das am intensivsten kontrollierte Lebensmittel. Es bestehen höhere Qualitätsanforderungen als für industriell abgepacktes Mineralwasser oder Tafelwasser. Der Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu sicherem Trinkwasser liegt in den Industriestaaten bei 100 %. Gemäß WHO und UNICEF nutzten 2015 noch immer 663 Millionen Menschen schlechtes Trinkwasser, 159 Millionen verwendeten vielfach verschmutztes Oberflächenwasser.

Während 1990 noch 43 % der Weltbevölkerung von 5,3 Milliarden in Städten lebten, waren es 2015 schon 54 % von 7,3 Milliarden Menschen. Die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum machen einen sparsamen Umgang mit Wasser unumgänglich. Einfache Möglichkeiten um Wasser zu sparen sind Spartasten am Spülkasten der Toiletten, die Nutzung von Brauchwasser, Duschen anstatt von Vollbädern sowie die Benutzung von modernen Geschirrspül- und Waschmaschinen.

Gemäß Untersuchungen der Universität für Bodenkultur in Wien lag der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf in Österreich im Jahr 2012 bei 135 Liter. Davon entfielen 36 Liter pro Tag auf Wasserhähne in Bad/ WC/Küche, 34 Liter auf WC-Spülungen, 25 Liter auf Duschen, 14 Liter auf Waschmaschinen und 12 Liter auf Pflanzen im Außenbereich. Badewannen zeichneten für 4 Liter verantwortlich, Geschirrspüler für 3 Liter.

Landwirtschaft und Industrie haben mittlerweile eine Reihe von wassersparenden Prozessen entwickelt. In der Landwirtschaft gewinnt die Tröpfchenbewässerung als sparsamstes aller Bewässerungsverfahren an Bedeutung. Bei dieser allerdings aufwendigen Technologie wird das Wasser mit Schlauch- bzw. Rohrleitungen direkt dem Wurzelbereich der Pflanze zugeführt. Industrieunternehmen setzen immer mehr auf in sich geschlossene Wasserkreisläufe.

Wasser ist auch ein wesentlicher Faktor in der Energieerzeugung, einerseits für hydraulische Kraftwerke, andererseits als Kühlmittel bei Atom- und Wärmekraftwerken. Da Kernkraftwerke enorm viel Wasser benötigen, liegen viele von ihnen an der Küste, was sie gegenüber Naturkatastrophen wie Stürmen anfällig macht. Alle Arten von Stromgeneratoren, auch jene in Kohle- und Gaskraftwerken, benötigen viel Wasser. Leichtwasserreaktoren in Atomkraftwerken setzen Wasser sogar als primäres Kühlmittel ein. Die benötigten lokalen Wasservorräte werden während des Kühlvorgangs erhitzt und dann zurück in Flüsse, Seen oder ins Meer gepumpt. Inlandsreaktoren beanspruchen die örtlichen Trinkwasservorkommen besonders stark.

WASSER IM KONTEXT DER DREI NACHHALTIGKEITSDIMENSIONEN

E (Environment): Wasser ist eine unverzichtbare Lebensgrundlage für jegliche Art von Leben. Eine Übernutzung und Verschmutzung der Wasserreserven ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Die weltweit verfügbaren Trinkwasservorräte sinken durch zunehmende Wasserverschmutzung in Folge von Urbanisierung, Industrialisierung und steigenden Abfallmengen. Der natürliche Wasserkreislauf über Niederschläge, Versickerung und wieder gereinigtem Quellwasser reicht nicht mehr aus, um die stetig steigende Wassernachfrage zu decken. Daher werden zunehmend Wasserressourcen abseits des natürlichen Kreislaufes in Anspruch genommen.

S (Social): Die generell ungleiche Verteilung der weltweiten Wasserreserven weist ein deutliches Gefälle zwischen entwickelter Welt und Entwicklungsländern auf. Eine immer höhere Wasserverwendung bei gleichzeitig verringertem Angebot führt zu immer höheren Preisen. Weiters besteht die mögliche Gefahr von sozialen Konflikten aufgrund von Wasserknappheit.

G (Governance): Die regionale oder nationale Wasserversorgung ist teils staatlich und teils privatwirtschaftlich organisiert. Private Wasserversorgung unterliegt regelmäßig der Kritik eines „Geschäftemachens“ mit dem Menschenrecht des Zugangs zu sauberem Trinkwasser.

Fazit: Raiffeisen Capital Management setzt in vielen Einzelthemen auf den Megatrend Wasser. Dazu zählen Titel in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasser, und Wasseranalyse.

Sustainable Finance Beirat fordert Regulierungsrahmen für Impact Fonds – sinnvoller Ansatz, der viele Chancen bietet

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Am 25. Februar 2021 hat der Sustainable Finance Beirat seinen Abschlussbericht „Shifting the Trillions“ unter großer medialer Aufmerksamkeit veröffentlicht. Das Expertengremium formuliert darin 31 Empfehlungen an die Bundesregierung, wie ein nachhaltiges Finanzsystem zur großen Transformation beitragen kann. Neben der Forderung nach einem verlässlichen Politikrahmen (Kapitel 2), zukunftsgerichteter und integrierter Berichterstattung (Kapitel 3), systematischem Wissensaufbau (Kapitel 4) und institutioneller Verstetigung (Kapitel 6) haben die Ausführungen zu „Nachhaltigkeitswirksamen Finanzprodukten“ im Kapitel 5 eine besondere Relevanz für den Kapitalmarkt und Fondsanbieter.

Der Beirat fordert in den Empfehlungen 20 und 21 zu Blended Finance und Impact-Produkten die Ausgestaltung spezifischer rechtlicher Rahmenbedingungen, um die Auflage und Investition in Impact-Produkte zu erleichtern. Denn gerade Impact-Finanzprodukte würden einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeits- und Klimaziele leisten. Bislang, so die zutreffende Diagnose, scheitere der zügige Ausbau eines nachhaltigkeitswirksamen Produktangebots an regulatorischen und praktischen Hürden (Zu einer wesentlichen regulatorischen Hürde von Wertpapierfonds siehe den Artikel „Der Impact von Publikumsfonds“). Diese Hürden müssten abgebaut werden, um so den Akteuren an den Finanzmärkten die Ausweitung ihres nachhaltigen Produktangebots und die Bedienung der steigenden Nachfrage zu erleichtern.

Mikrofinanzparagraph als Regulierungsvorbild für Impact-Fonds

Erfreulicherweise bleibt der Beirat nicht bei dieser abstrakten Empfehlung stehen, sondern zeigt einen vielversprechenden Weg auf. So könnte als Vorbild für die Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen der sogenannte „Mikrofinanzparagraph“ (Paragraph 222) im Kapitalanlagegesetzbuch dienen. Dieser sollte um die Möglichkeit der Anlage in Impact-Produkte (Erneuerbare Energien, Sozialimmobilien und nachhaltige Infrastruktur, etc.) erweitert werden. Entsprechende Regelungen bei inländischen alternativen Publikumsinvestmentfonds sollten für Impact-Produkte geschaffen werden.

In der Tat liegt hier ein wirkungsvoller Hebel für wirkliche Impact Investments verborgen. Denn das Besondere an diesem Mikrofinanzparagraphen ist, dass Fondsanbieter bis zu 95 Prozent ihres Portfolios in unverbriefte Darlehensforderungen zur Refinanzierung von Mikrofinanzinstituten anlegen dürfen. Dieser hohe Anteil an unverbrieften Darlehensforderungen in einem Publikumsfonds ist bislang eine Ausnahme. Gewöhnlich sind hier deutlich strengere Grenzen von maximal 30 Prozent gesetzt, wie Paragraph 221 KAGB definiert.

Umformulierung des Paragraphen auf Impact-Unternehmen leicht umsetzbar

Drei Voraussetzungen müssen für eine Investition in Mikrofinanzinstitute gegeben sein. Zum einen müssen formelle Anforderungen wie die Zulassung durch Aufsichtsbehörden, Prüfung durch Wirtschaftsprüfer, etc. erfüllt sein. Zweitens muss das Institut in seiner Haupttätigkeit Gelddarlehen an Klein- und Kleinstunternehmer für deren unternehmerische Zwecke vergeben. Und drittens dürfen 60 Prozent der Darlehensvergaben an einen einzelnen Darlehensnehmer den Betrag von insgesamt 10 000 Euro nicht überschreiten.

Diese Anforderungen sollten leicht auf kleine und mittlere Unternehmen zu übertragen sein: Statt sich an der Zulassung durch nationale Aufsichtsbehörden zu orientieren, sind für diese Unternehmen übliche unternehmensrechtliche Anforderungen (Eintragung Handelsregister, geprüfte Jahresabschlüsse, etc.) zu definieren, wie sie in der mittelständischen Kreditvergabe gängige Praxis sind. Die Höhe der Darlehensvergabe müsste – statt an Klein- und Kleinstunternehmer – an den gängigen Finanzierungsbedarf von kleinen und mittleren Unternehmen sowie Start-Ups ausgerichtet werden. Dabei muss es darum gehen, dass Unternehmen mit dem Kapital der Investoren neue Projekte und Aktivitäten finanzieren (und nicht refinanzieren).

Sinnvolle Weiterentwicklung bisheriger Marktansätze

Die Erweiterung des Mikrofinanzparagraphen um Impact-Produkte hätte viele positive Effekte:

  • Sinnvolle Lenkung von Investorengeldern: Die Empfehlung bietet eine Lösung für einem häufig zu beobachtenden Missstand: Viele nachhaltige Anlageangebote orientieren sich an gängigen Marktindizes. Das Kapital fließt in Aktien großer multinationaler Konzerne, die bereits mit Geld überschüttet werden. Demgegenüber suchen kleine, innovative Unternehmen mit zukunftsweisenden sozial-ökologischen Geschäftsmodellen nicht selten händeringend Investorengelder. Meist können sich diese Unternehmen aber eine Börsennotierung mit Prospekt- und anschließenden Kapitalmarktpflichten nicht leisten. Investor*innen können schwerlich in sie investieren. (Auf die Investitionslücke dieser Unternehmen verweist Florian Heeb in einem Paper.) Durch das oben beschriebene Fondsvehikel würde sich dies ändern. Geld könnte somit dorthin gelenkt werden, wo es wirklich gebraucht wird.
  • Höhere Akzeptanz von Impact-Produkten bei (Privat)-Anleger*innen: In den vergangenen Wochen ist – zu Recht! – die Diskussion um den Impact von Nachhaltigkeitsfonds verstärkt geführt worden. Aufsehen erregt hat ein Gutachten von Prof. Dr. Klein und Prof. Dr. Wilkens im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband. Auch wenn es einigen Wirbel um die Interpretation der Aussagen gegeben hat, so ist eines offensichtlich: Fondsanbieter sollten sich Aussagen zur Wirkung von Nachhaltigkeitsfonds, die nur schwer belegbar sind, sehr gut überlegen. Es drohen rechtliche Konsequenzen. Mit der Auflage dieser Impact-Fonds könnten Fondsanbieter das Kapital den Unternehmen direkt zur Verfügung stellen und somit den Impact auch dokumentieren.
  • Bewahrung etablierter Marktstandards: Die Empfehlung ist zudem mit der gängigen Definition von Impact Investing des Global Impact Investing Network vereinbar: Gemäß dieser Definition sollte Kapital direkt den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, um neben der finanziellen auch eine soziale und/oder ökologische Rendite zu erzielen. Folgerichtig ordnet der Beirat die Impact-Produkte dem Bereich Alternativer Investmentfonds (AIF) zu – so wie es bei Impact Investments die Regel ist, da anderenfalls keine direkte Zuordnung von Wirkung durch Investments möglich ist. Es geht also darum, dass ein Fondsanbieter mit seinen Investitionen zusätzlichen sozial-ökologischen Impact schafft (und nicht bloß darum, dass er in Unternehmen investiert, die wirkungsvolle Geschäftsaktivitäten aufweisen). Ein jüngst erschienenes wissenschaftliches Paper macht die Unterschiede deutlich. Dieses Vorgehen erscheint durchdachter als jenes der EU-Kommission bei der Umsetzung der Offenlegungsverordnung 2019/2088. Diese Verordnung verfolgt grundsätzlich ein sinnvolles Ziel. Allerdings baut sie nicht auf bisherigen Marktstandards auf. Dies birgt die Gefahr, dass sie Greenwashing fördert statt zu bekämpfen – wie das Beispiel Mikrofinanz zeigt.

Fazit: Sehr guter Ansatz – auf die rasche und konkrete Ausgestaltung kommt es jetzt an

Die Expert*innen des Sustainable Finance Beirats setzen mit der Forderung nach Impact-Fonds an der richtigen Stelle an und formulieren sinnvolle Umsetzungsmöglichkeiten. Sie berücksichtigen gängige Marktstandards und identifizieren einen passenden regulatorischen Rahmen. Diese Empfehlung hat das Potenzial, den Markt für Impact Investments zu fördern und bietet die Chance, eine hohe Akzeptanz bei Anleger*innen zu erreichen. Damit ist diese Empfehlung in ihrer konkreten Ausgestaltung (derzeit) deutlich zielführender als die neue Produktklassifikation der Offenlegungsverordnung. Die Empfehlung hat das Potenzial, die Relevanz von Impact Investments am deutschsprachigen Markt deutlich zu steigern.

Ein ähnliches Potenzial hat die Auflage von Blended Finance-Fonds. Damit Anleger*innen Vertrauen in diese Fonds fassen, sind verschiedene Vorkehrungen zu treffen. Vorschläge dazu werden im kommenden Artikel vorgestellt, der in 2 Wochen erscheint.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 900 Mio. Euro an (Stand 23.02.2021).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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