The added value of systematic decisions

Scientists have long known that models perform better than expert decisions in many areas. This article describes excerpts from the exciting history of this finding, explains the advantages of systematic decisions, and explains why quantitative models have not yet become widely accepted.

Der Mehrwert systematischer Entscheidungen

Wissenschaftler wissen schon lange, dass Modelle in vielen Bereich besser performen als die Entscheidungen von Experten. Dieser Artikel beschreibt Auszüge aus der spannenden Historie dieser Erkenntnis, erklärt die Vorteile systematischer Entscheidungen und geht darauf ein, warum sich quantitative Modelle trotz allem noch nicht in der Breite durchgesetzt haben.

Der CO2-Preis: Unverzichtbares Mittel im Kampf gegen die Klimakrise

von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Corporate Responsibility bei der Raiffeisen KAG.

Die sich immer schneller verschärfende Klimakrise hat weltweit enorme ökonomische, soziale und ökologische Schäden zur Folge. Die Verursacher oder Emittenten von Treibhausgasen werden in der Regel nicht für die Beseitigung dieser Schäden herangezogen. Eine Bepreisung von CO2 und anderen Treibhausgasen kann – richtig angesetzt – einen erheblichen Lenkungseffekt zur Reduktion der Emissionen entfalten.

Der sogenannte CO2-Preis ist ein für Emissionen von Kohlenstoffdioxid zu entrichtender Preis mit dem Ziel, externe und damit für die Gesellschaft insgesamt entstehende Kosten der Kohlendioxidfreisetzung dem Verursacher zuzurechnen (zu internalisieren). Damit werden die Risiken der globalen Erderwärmung zumindest teilweise berechenbar gemacht. Nicht vergessen werden darf, dass neben dem Thema Treibhausgase auch noch eine Vielzahl anderer, derzeit externalisierter Kosten im Zusammenhang mit Energieproduktion existieren, z. B. Umweltzerstörung und -verschmutzung durch Nuklearenergie.

Während im Zusammenhang mit dem Thema Treibhausgase oft vereinfacht von CO2-Emissionen die Rede ist, ist tatsächlich eine ganze Reihe von langlebigen Treibhausgasen in Berechnungen miteinzubeziehen, unter anderem Methan und Lachgas. Diese Gase weisen ein unterschiedliches Treibhausgaspotenzial oder CO2-Äquivalent auf. Darunter versteht man den relativen Beitrag zum Treibhauseffekt, also wie viel ein Treibhausgas im Vergleich zur entsprechenden Menge CO2 zur globalen Erwärmung beiträgt. Das CO2-Äquivalent beträgt beispielsweise für Methan 21, was bedeutet, dass ein Kilogramm Methan innerhalb der ersten 100 Jahre nach Freisetzung 21-mal so stark zum Treibhausgaseffekt beiträgt wie ein Kilogramm CO2.

Modelle der CO2-Bepreisung

Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten einer Ausgestaltung von CO2-Preisen:

  • Die erste Möglichkeit stellt ein Zertifikatehandel wie der existierende europäische Emissionshandel (EU ETS) dar. In diesem System entsteht ein CO2-Preis, weil Unternehmen, welche Emissionen ausstoßen, Zertifikate vorweisen müssen und diese handelbar sind. Im Emissionshandel ist die Menge der CO2-Emissionen begrenzt, der Preis variabel.
  • Die Alternative ist die direkte Festsetzung eines Preises. Möglichkeiten hierfür sind eine CO2-Steuer oder CO2-Abgabe.

Mit der Einführung eines CO2-Preises können CO2-Emissionen tatsächlich reduziert werden. Höhere Preise für klimaschädliche Güter führen zu einer geringeren Nachfrage oder zu einer sparsameren Verwendung. Alternativen wie die Entwicklung neuer, emissionsarmer und klimafreundlicher Produkte werden wirtschaftlicher. Mittels einer CO2-Bepreisung setzt Klimaschutz dort an, wo er am kostengünstigsten ist. Der Lenkungseffekt erfolgt über die Emissionsmenge oder den Emissionspreis. Die Alternative und in manchen Fällen als ergänzende Maßnahmen geeignet sind ordnungsrechtliche Maßnahmen wie ein Kohleausstieg oder Verbote von besonders klimaschädlichen Produkten. Der CO2-Preis basiert auf dem Verursacherprinzip – wer einen Schaden verursacht, der sollte auch dafür aufkommen.

Im übertragenen Sinn ist er eine „Abfallgebühr“ für das Deponieren von Treibhausgasen in der „atmosphärischen Müllhalde“. Einerseits werden Unternehmen dazu motiviert, emissionsärmer zu produzieren bzw. Produkte oder Wohnraum mit höherer Energieeffizienz auf den Markt zu bringen, andererseits werden Verbraucherinnen und Verbraucher in die Verantwortung genommen und zu Verhaltensänderungen angeregt.

Was die Höhe des CO2-Preises betrifft, so bieten Einschätzungen der gesellschaftlichen Kosten von CO2-Emissionen eine Orientierungshilfe. Das deutsche Umweltbundesamt schätzt aktuell, dass eine in Deutschland ausgestoßene Tonne CO2 etwa 180 Euro (rund 205 US-Dollar) an Schäden für Mensch und Umwelt verursacht. Höhere Bepreisungen beruhen auf neuen empirischen Einsichten zu wirtschaftlichen Produktivitätsverlusten bei hohen Temperaturen und auf robusteren Modellen zur Einschätzung, wie hoch CO2-Preise sein müssten, um einen globalen Temperaturanstieg unter der Marke von 1,5 Grad zu halten.

Auf globaler Ebene gibt es bereits eine Vielzahl von CO2-Preisen. Gemäß dem jährlich erscheinenden Weltbank-Bericht „State and Trends of Carbon Pricing“ waren 2020 weltweit 61 Systeme einer CO2-Bepreisung in Kraft oder vor ihrer Einführung. 31 Emissionshandelssysteme standen 30 CO2-Steuer-Modelle gegenüber. Betroffen sind unterschiedliche Regionen wie Chile, Kalifornien, Neuseeland, Norwegen, Südkorea und Südafrika. Mittlerweile hebt auch eine Reihe von EU-Mitgliedstaaten CO2-Steuern ein. Ihre Höhe bewegt sich nach Zahlen der Weltbank zwischen zwölf Euro pro Tonne CO2-Äquivalent in Lettland und 118 Euro in Schweden. In vielen Ländern existieren direkte Steuern oder andere Formen von Abgaben auf den Ausstoß von Treibhausgasen sowie Steuern auf die Nutzung von Kraft- und Brennstoffen, die oft nach den Emissionen beim Verbrauch eines Liters respektive einer Tonne Kraft- oder Brennstoff bemessen werden. Zusammengerechnet decken diese CO2-Preise aber lediglich rund 20 % der globalen Emissionen ab. Darüber hinaus ist die Höhe der Preise meist zu niedrig, um eine angemessene Wirkung entfalten zu können. Auf der anderen Seite werden fossile Energieträger in vielen Ländern und Regionen noch stark subventioniert.

Soziale Gerechtigkeit

Ohne Abfederungsmaßnahmen belastet ein CO2-Preis Haushalte mit niedrigen Einkommen überdurchschnittlich. Im Rahmen der Einführung eines CO2-Preises gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie dieser Preis zumindest verteilungsneutral oder sogar zum Vorteil von Haushalten mit niedrigen Einkommen ausfallen könnte. CO2-Preise resultieren in Preiserhöhungen von emissionsintensiven Gütern und Dienstleistungen, wie beispielsweise dem Betrieb großer Autos oder alter Heizungen. Haushalte mit niedrigen Einkommen geben in der Regel relativ zu ihrem Einkommen gesehen mehr Geld für diese Güter und Dienstleistungen aus. Absolut gesehen sind aber die Ausgaben reicher Haushalte höher. Die reale Auswirkung eines hohen CO2-Preises auf unterschiedliche Einkommensklassen hängt vor allem davon ab, was mit den Einnahmen aus dem CO2-Preis passiert. Die Auszahlung einer jährlichen Pro-Kopf-Pauschale oder „Klimaprämie“ ist eine Option, bei der die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an die Konsumenten und Konsumentinnen zurückfließen. Eine andere ist die Möglichkeit der Absenkung von Steuern, die einkommensschwache Haushalte belasten. Auf diese Art erhalten Haushalte mit niedrigen Einkommen (mehr) zurück, als sie bezahlen.

Ein Argument gegen einen nationalen CO2-Preis ist die Befürchtung, dass es zu einer Verschiebung der Emissionen in andere (ärmere) Länder kommen könnte. Die Verlagerung von energieintensiven Industrien in Länder mit weniger ambitionierten Klimazielen würde zu einer Auslagerung von Emissionen statt einer tatsächlichen Minderung führen. Es gibt allerdings wenig Anzeichen dafür, dass ein solches „Carbon Leakage“ häufig vorkommt. Ein Grund dafür ist, dass Energie meist nur für einen relativ geringen Teil der Gesamtkosten verantwortlich ist. Ausnahmen könnten allerdings einzelne energieintensive und stark gehandelte Industrien bzw. Güter, wie beispielsweise Stahl, Aluminium, Chemieprodukte oder Zement, sein. In diesem Zusammenhang ist die in der EU bereits praktizierte freie Vergabe von Emissionsrechten für Firmen mit hohem Risiko von Carbon Leakage zu nennen, ebenso wie die Ergänzung des Emissionshandelssystems um konsumbasierte Komponenten und CO2-Zölle für einen eng definierten Kreis energieintensiver Industrien.

Unternehmen sind initiativ

Auf Unternehmensebene steigt die Anzahl der Betriebe immer mehr an, die auf einen internen Preis auf CO2 setzen. Das Ziel ist, sich strategisch auf eine kohlenstoffarme Welt vorzubereiten. Die Entwicklung hin zu immer mehr staatlichen und überstaatlichen Initiativen zur Besteuerung von Emissionen, auf Basis von Emissions-Handelssystemen oder direkten CO2-Steuern, macht hohe Emissionen für Unternehmen zunehmend zu einem Risikofaktor. Das Drohpotenzial besteht in zusätzlichen Kosten, die in Zukunft direkt – wie durch Steuern – oder indirekt – wie auf Basis eines veränderten Verbraucherverhaltens – entstehen.

Mit Hilfe eines internen CO2-Preises können mit Emissionen verbundene Risiken quantifiziert werden und strategische Entscheidungen bereits heute so ausgerichtet werden, dass Risiken reduziert werden. Man könnte in gewisser Weise von einer Simulation einer künftigen CO2-Bepreisung sprechen, mit der Unternehmen die Möglichkeit erhalten, Emissionen in monetäre Rechengrößen umzuwandeln.

Unternehmen können das Managementinstrument einer CO2-Bepreisung in unterschiedlicher Weise umsetzen. Zunächst besteht die Möglichkeit einer Einbindung von entweder verschiedenen Unternehmensabteilungen oder die Beschränkung auf die übergeordnete strategische Ebene. Außerdem kann das Unternehmen entweder einen realen internen Fluss von Geldströmen zulassen – eine „interne Emissionssteuer“ festlegen – oder den Preis lediglich zur besseren Entscheidungsfindung theoretisch berechnen – auf Basis eines „Schattenpreises“. In weiterer Folge können die mit den Emissionen verbundenen Kosten vergangen- oder zukunftsbezogen berechnet werden. Die wesentliche Stellschraube dabei ist das angenommene Preisniveau pro Tonne ausgestoßenes CO2.

Die Einführung einer „internen Emissionssteuer“ bei Unternehmen setzt einen fixen Preis pro Tonne CO2 an. Unternehmenseinheiten können entscheiden, ob sie die volle Abgabe zahlen oder durch Emissionsreduzierungen „Steuern“ sparen wollen. Die Einnahmen aus der „Emissionssteuer“ können vom Unternehmen in unterschiedlicher Art und Weise verwendet werden: etwa für interne Umweltschutzprojekte oder -investitionen oder auch für tatsächlich anfallende Emissionskosten. Interne Emissionssteuern führen zu einem direkten und transparenten Anreiz, den CO2-Ausstoß zu senken. Die Wahl des richtigen Preises nimmt bei der Emissionssteuer einen – im Vergleich zum im Folgenden ausgeführten Schattenpreis – noch wichtigeren Platz ein.

Der sogenannte Schattenpreis bildet einen virtuellen Preis als Entscheidungsgrundlage z. B. bei der Produktentwicklung oder bei Investitionsentscheidungen ab. Der Unterschied zu einer internen Emissionssteuer liegt darin, dass beim Konzept der Schattenpreise kein Geld fließt. Weil die Emissions-basierten Kosten die Entscheidungen für Projekte, Produkte oder Dienstleistungen strategisch beeinflussen, erfolgt ein Kostenaufschlag. Das bedeutet, dass ein einheitlicher CO2-Preis respektive eine Preisspanne als ergänzender Kostenfaktor bei der Einschätzung von Investitionen und Risiken angenommen wird. Dadurch werden externe Risiken angemessen in interne Entscheidungen einbezogen, Ziele wie Emissionsreduktion, Energieeinsparung und -effizienz gezielt gefördert und zukünftige Emissionen vermieden. Die Einführung von Schattenpreisen kann für sämtliche Investitionsentscheidungen oder nur für größere Projekte erfolgen. Das Konzept ist relativ einfach umzusetzen und gut verständlich. Eine wichtige Voraussetzung ist auch hier die Verwendung eines realistischen Preises. Schattenpreise führen – auf Basis der Entscheidung für umweltfreundlichere Investitionen – weniger zu kurz- als zu langfristigen Erfolgen in Richtung Klimaschutz.

Das Setzen eines internen CO2-Preises hat für Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. Dazu zählen eine Risikoreduktion im Hinblick auf Emissionen, die Integration des Themas Emissionen in die strategische Entscheidungsfindung, das Anstoßen von interner Innovation, eine gute Öffentlichkeitswirksamkeit und die Erfüllung von Vorgaben seitens NGOs, Kunden und Investoren. Aktuellen Erhebungen zufolge haben bereits mehr als 250 Unternehmen in Europa einen internen CO2-Preis regelmäßig auf Basis einer eigenen Klimastrategie eingeführt. Darunter befinden sich sowohl große Konzerne als auch mittlere Betriebe.

Unabhängig davon, welche Herangehensweise gewählt wird, kann ein Lenkungseffekt nur dann zur dringend benötigten Umgestaltung der Wirtschaft führen, wenn die Kosten der globalen Erderwärmung realistisch angesetzt werden. Aus unserer Sicht muss hier sowohl auf staatlicher Ebene als auch von Unternehmensseite rasch gehandelt werden, um das 1,5-Grad-Ziel noch halten zu können.


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