„Unsere Fonds bewegen Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit“

Kann eine Fondsgesellschaft zur Verbesserung der Welt beitragen? Walter Hatak, Leiter Sustainable Investments in der Erste Asset Management (Erste AM), antwortet auf diese Frage mit einem klaren „Ja, – allerdings nur mit der Hilfe unserer Kundinnen und Kunden!“ Zum einen fließen immer mehr Kundengelder in klimafreundliche Unternehmen. Zum anderen nutzt die Erste Asset Management als Fondsgesellschaft ihre Stimmrechte in Unternehmen um sie zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen.

Mit den Millennium Sustainable Goals 2015 und dem EU-Aktionsplan 2018 zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums wurden die Weichen für ein nachhaltiges Finanzwesen gestellt. Diese beiden Wendepunkte haben die Zügel für nachhaltiges Investieren gestrafft, verbindliche Mindeststandards eingeführt und verdeutlicht, wie Fondsgesellschaften eine Schlüsselrolle spielen.

Indem sie das Geld von Investoren und Anlegern künftig vornehmlich in klimafreundliche Unternehmen und Projekte fließen lassen. In den letzten Jahren hat das Rad, das sich 2015 zu drehen begann, eine beispiellose Geschwindigkeit erreicht. Nachhaltiges Investieren hat sich von einem Trend zu einer Revolution entwickelt. 


Interview mit Walter Hatak, Leiter Sustainable Investments (Gesetzlicher Hinweis hier).

Nachhaltige Anlageprodukte werden bis 2025 konventionelle Fonds übertreffen

Laut dem Forum für Nachhaltige Geldanlagen (FNG) sind Privatinvestitionen in nachhaltige Fonds und Mandate in Österreich im Jahr 2019 um 77% im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Das Gesamtvolumen nachhaltiger Fonds hat sich seit 2017 sogar verdoppelt. Laut dem Beratungsunternehmen PwC wird das Vermögen in nachhaltigen Anlageprodukten in Europa bis 2025 voraussichtlich 7,6 Billionen Euro erreichen und damit die Zahl der konventionellen Fonds übertreffen.

Investoren beeinflussen mit Ihren Investitionsentscheidungen immer stärker die Strategie und Ausrichtung von Firmen. Die Erste Asset Management setzt für die anvertrauten Kundengelder ihre Stimmrechte bei Unternehmen gezielt ein. Dabei hält sie sich an eine nachhaltige Abstimmungsrichtlinie bei Hauptversammlungen, die öffentlich einsehbar ist und für sämtliche ihrer Publikumsfonds gilt.

„Wir haben dieses Jahr in 363 Hauptversammlungen für über 3 Milliarden Euro abgestimmt. Dies macht deutlich, welchen Einfluss Investoren und Anleger auf die Wirtschaft nehmen können. Als Fondsgesellschaft leisten wir seit 2001 Pionierarbeit für nachhaltiges Investieren. Wir befeuern weiterhin eine Dynamik, die mehr Menschen ermutigt in Unternehmen zu investieren, die Klimawandel ernst nehmen und damit die größte Herausforderung der Menschheit lösen wollen“, betont Hatak.

Transformation der Wirtschaft mit Aktionärsanträgen

Nachhaltiges Investieren und Engagement ist der größte Hebel, um die notwendige Transformation der Wirtschaft zu bewältigen. Unter Engagement verstehen wir den direkten Austausch mit Unternehmen im Rahmen von Gesprächen mit dem Management, Conference Calls, Workshops oder offenen Briefen.

Warum ist das alles wichtig? „Die größten Erfolge können dann erzielt werden, wenn Dialoge über mehrere Jahre geführt und Unternehmenskontakte regelmäßig wahrgenommen werden. Gerade in Österreich führen wir seit geraumer Zeit fortlaufende Gespräche um Klima und soziale Themen auf Managementebene zu adressieren. 2019 fanden mehr als 80 Gespräche mit Unternehmen statt, in denen Themen wie CO2, Lobbying oder Kinderarbeit in der Zulieferkette besprochen wurden“, so Hatak.

Die Erste AM unterstützte 2019 wie schon in den Vorjahren Anträge im Klimabereich, die das Ziel haben im Sinne des Pariser Abkommens die globale Erwärmung auf weniger als 2 Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Zudem wurden Soziales oder Anträge aus dem Gesundheitsbereich unterstützt. So forderten z.B. Aktionäre auf der Coca-Cola Hauptversammlung eine Auseinandersetzung des Unternehmens mit den gesellschaftlichen Risiken, die sich durch die Vermarktung von Getränken mit hohem Zuckeranteil ergeben.

Nachhaltige Unternehmen performen in Krisen besser

Unternehmen, die sich nicht nachhaltig und damit zukunftsorientiert aufstellen, können vom Kapitalmarkt mit der Herabsetzung des Ratings, höheren Risikoprämien und schlechteren Kreditkonditionen bestraft werden. Bereits vor dem Coronavirus gewann der Stakeholder-Kapitalismus – die Idee, dass sich Unternehmen nicht nur darauf konzentrieren sollten kurzfristig an Profit zu denken – an Popularität.

Die Pandemie wird diese Entwicklung wahrscheinlich noch beschleunigen. Bereits jetzt zeigen Studien des Branchendienstleisters MSCI, dass nachhaltige Unternehmen besser durch die Krise gekommen sind und zum großen Teil bessere Performance liefern konnten. „Diese globale Pandemie hat Unternehmen die Bedeutung des Umgangs mit ihrem Geschäftsmodel, ihren Mitarbeitern und ihren Werten wirklich deutlich vor Augen geführt“, betont Hatak abschließend.


Lesen Sie den ESGenius Newsletter der Erste AM hier: https://blog.de.erste-am.com/dossier/was-ist-eigentlich-nachhaltiges-investment/

Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

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„Megatrends funktionieren“- Ein Jahr ERSTE FUTURE INVEST

Dieser Tage feierte ein Fonds seinen 1. Geburtstag, der die Aufmerksamkeit vieler AnlegerInnen auf sich gezogen hat: der Megatrends-Fonds ERSTE FUTURE INVEST. Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen. Trotz der Corona Pandemie liegt der Fonds ein Jahr nach dem Fondsstart komfortabel im Plus und lässt maßgebliche Börsenindizes hinter sich. Das erste Jahr war eine richtige Erfolgsgeschichte. Der ERSTE FUTURE INVEST umfasst bereits ein Fondsvermögen von über 200 Millionen Euro. Wer von Beginn an investiert war, darf sich über einen Vermögenszuwachs von 25,24 %* (per 30.10.2020, Quelle OeKB) freuen, siehe Chart.

*Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt lt. OeKB Methode. Die Wertentwicklung unterstellt eine vollständige Wiederveranlagung der Ausschüttung und berücksichtigt die Verwaltungsgebühr sowie eine allfällige erfolgsbezogene Vergütung. Der bei Kauf gegebenenfalls anfallende einmalige Ausgabeaufschlag in Höhe von bis zu 5,00 % und allenfalls individuelle transaktionsbezogene oder laufend ertragsmindernde Kosten (z.B. Konto- und Depotgebühren) sind in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Fonds zu.

Aktives Fondsmanagement macht sich bezahlt. Dieter Kerschbaum, Communications Specialist Österreich der Erste Asset Management, sprach mit Fondsmanager Bernhard Selinger, der für die Auswahl der spannenden und chancenreichen Unternehmen verantwortlich ist.

Was waren die Gründe für die herausragende Performance?

Eine Portion Glück gehört immer dazu beim Investieren, speziell wenn man das Timing richtig trifft. Aber der Erfolg des ERSTE FUTURE INVEST gründet viel tiefer: Es ist der breite Mix an Megatrends, den wir konsequent seit dem Start umsetzen. Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit, Technologie sowie Umwelt haben auf den Lockdown im März unterschiedlich reagiert.

Gesundheit, als antizyklischer Teil im Portfolio, blieb weitgehend stabil, während Technologie relativ früh auf den Markt reagierte. Sie war im Gegenzug auch bei der anschließenden Erholung vorne mit dabei war – zu einem Zeitpunkt als viele Umwelt-Werte noch unter Druck waren. Der breite Themen-Mix hat stabilisierend auf den Fonds gewirkt.

Wir haben letztendlich ein überdurchschnittliches Ergebnis für unsere AnlegerInnen erzielt, was uns sehr freut. Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass sich eine breite Streuung auf lange Sicht bezahlt macht.

Wie hat sich COVID-19 auf die unterschiedlichen Trends ausgewirkt? Wer waren die Gewinner, wer die Verlierer?

Klarerweise standen vor allem die Medizin und die Suche nach einem geeigneten Impfstoff an vorderster Stelle. Was nicht unbedingt bedeutet, dass der Pharma-Bereich der eindeutige Gewinner war. Auch die Produktion von medizinischen Einwegprodukten wie z.B. Masken und Handschuhen wurde enorm hochgefahren. Wie wir alle wissen, war das Beschaffen von Masken anfangs gar nicht so einfach, und Desinfektionsmittel waren stark nachgefragt.

„Profitieren“ von COVID unter Anführungszeichen konnten auch Unternehmen, welche Diagnosegeräte und Equipment für Corona-Tests herstellen. Das US-Unternehmen Abbott Laboratories beispielsweise kommt derzeit mit der Produktion von Antigen-Schnelltests kaum hinterher.

Die Medizin ist vordergründig die Branche mit dem größten Fokus auf COVID, aber auch andere Branchen profitierten, Stichwort Onlinehandel oder Homeoffice.

Ja, zweifelsohne, der Online-Handel ist der große Gewinner der COVID-Krise. Es wurden komplett neue Kundengruppen erschlossen, die davor gar nicht im Internet gekauft haben und es während des Lockdown zum ersten Mal probiert haben. Nutzer-Statistiken zeigen: der Großteil bleibt dabei und bestellt einen Teil der Einkäufe weiterhin online. Und die, die bereits Erfahrung hatten, haben noch mehr per PC oder Handy geordert.

Wir wollen nicht nur über Einkaufen reden. Praktisch über Nacht mussten Millionen Menschen von zuhause arbeiten und ihren Arbeitsalltag komplett umstellen. Moderne Technologien halfen dabei den Stress zu bewältigen bzw. mit dem eigenen Unternehmen und den Kunden Kontakt zu halten. In der Freizeit stieg die Nutzung von Video-Streaming oder Gaming rasant an. Schätzungen zufolge sind Netflix und YouTube zusammen für mittlerweile rund ein Viertel des weltweiten Internet-Traffics verantwortlich. Entsprechend groß ist weltweit die Nachfrage nach Server-Infrastruktur um die Datenmengen bewältigen zu können. Hiervon profitiert beispielsweise GDS Holdings, ein Betreiber von Rechenzentren in China.

Ungeachtet der Corona-Krise hat die grüne Technologie ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. Hier ist einfach der politische Wille da etwas weiter zu bringen?

Das kann man wohl so sagen. Es gibt ein Umdenken nicht nur in China sondern auch in Europa – Stichwort Green Deal – und in den USA. Der Fokus liegt hier klar auf dem Ausbau von erneuerbarer Energie aus Wind und Solar. Auch im Mobilitäts-Bereich tut sich einiges: Wasserstoff als Speicher von erneuerbarer Energie kommt vermehrt im öffentlichen Nahverkehr, in Linienbussen, zum Einsatz. Der in Drucktanks gespeicherte Wasserstoff erzeugt mit Hilfe einer Brennstoffzelle elektrische Energie, welche durch einen Elektromotor das Fahrzeug antreibt. Prominente Beispiele für Unternehmen im ERSTE FUTURE INVEST welche frühzeitig auf diese Trends gesetzt haben, sind beispielsweise der Energieversorger Iberdrola oder der Hersteller von Wasserstoff-Drucktanks Hexagon Composites.

Vieler der Anwendungen und Prozesse sind mit dem Begriff Digitalisierung verbunden. Wir sehr sind wir alle bereits „Gläserne Menschen“? Willkommen in der „Orwell‘schen Realität“?

Ganz so wild ist es zum Glück nicht. Aber sich mit neuen Entwicklungen auch mal kritisch auseinanderzusetzen ist durchaus wichtig. Historisch betrachtet hat technologischer Wandel wirtschaftlichen Fortschritt gebracht. Zu Zeiten der industriellen Revolution ermöglichten Dampf-Maschinen erstmals Waren über größere Distanzen auszutauschen. Es entstand der internationale Handel.

Telekommunikation brachte den globalen Austausch von Ideen und legte den Grundstein für aktuelle Entwicklungen. Software-Plattformen erlauben vollkommen ortsunabhängig miteinander zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Der digitale Wandel bietet viele Chancen. Es muss aber nicht zwingend jeder Lebensbereich danach ausgerichtet werden. Vielmehr sehen wir eine Vielzahl von Anwendungsfeldern, beruflich wie privat, wo es Sinn macht, weil Dinge dadurch einfacher und effizienter werden.

Der ERSTE FUTURE INVEST ist ein Fonds, der wie schon aus seinem Namen hervorgeht, auf Themen der Zukunft setzt. Was könnte die nächsten 20 Jahre spannend machen und was davon ist mit diesem Fonds schon jetzt investierbar?

Die Achillesferse der digitalen Wirtschaft ist die flächendeckende Verfügbarkeit von stabilem und schnellem Internet. Rund 46% der Weltbevölkerung fehlt ein derartiger Zugang und hemmt folglich die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern Afrikas und Südostasiens.

Weil herkömmliche Telekom-Infrastruktur (Glasfaser, Mobilfunkmasten) sehr teuer ist, planen aktuell zahlreiche Unternehmen, Internet über eine Vielzahl von miteinander verbundenen Satelliten in selbst die entlegensten Regionen der Welt zu bringen. Die Satelliten kommunizieren untereinander mittels Laser, während sie sich in einer erdnahen Umlaufbahn mit rund 7 Kilometern pro Sekunde fortbewegen. Eine technische Meisterleistung einer Handvoll hoch spezialisierter Unternehmen – für den ERSTE FUTURE INVEST die Gelegenheit bei einem vielversprechenden Trend frühzeitig mit dabei zu sein.

Fazit: Der ERSTE FUTURE INVEST hat im ersten Jahr seines Bestehens das gehalten, was sich viele Anlegerinnen und Anleger von ihm versprochen haben: Eine langfristige Ausrichtung, ein breiter Mix an Themen und die Gewissheit, dass viele bahnbrechende Entwicklungen noch bevorstehen. Unter dem Aspekt der Risiko-Streuung sowie einem langfristigen Anlagehorizont kann sich eine Partizipation an den Megatrends bezahlt machen.


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Net Zero – Zukunft oder leere Versprechen?

von Alexander Weiss, Commodities Specialist der Erste Asset Management.

Der Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind spätestens seit Great Thunberg und Fridays for Future in aller Munde. Grüne Parteien erzielen Rekord-Ergebnisse, Regierungen schnüren Milliardenpakete zum Ausbau nachhaltiger Energiequellen und die EU verkündete Ende 2019 unter der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Plan, bis 2050 der erste „klimaneutrale Kontinent“ der Welt werden. So sehr COVID-19 die Welt auch aus den Angeln gerissen hat, ist es eher ein Trend-Beschleuniger als ein Trend-Stopper.

Die grüne Null

Die von der EU angestrebte Klimaneutralität oder „Net Zero“ wird notwendig sein, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Im Klima-Abkommen von Paris 2015 hat sich die internationale Gemeinschaft verpflichtet, die Erderwärmung auf unter 2% Grad Celcius zu halten, außerdem sollen Anstrengungen unternommen werden, den Temperaturanstieg sogar auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Momentan sind wir von diesen Zielen jedoch weit entfernt. Erreicht werden kann die Klimaneutralität nur durch massive Investitionen in umweltfreundliche Technologien in Industrie, Bauwirtschaft, Verkehr sowie der Dekarbonisierung des Energiesektors.

Co2 Emmissionen Szenarien


Quelle: https://ourworldindata.org/co2-and-other-greenhouse-gas-emissions (Screenshot)

Europa als Nachhaltigkeits-Marktführer

Die EU gibt in Sachen Klimaschutz eindeutig den Ton an, über Regulierungen und Investitionen wird versucht, die Wirtschaft zukunftsfähig aufzustellen. So wird beispielsweise über die „Disclosure Verordnung“ geregelt, wie der Finanzdienstleistungssektor nachhaltige Kriterien künftig integrieren und offenlegen muss.

Auf der Finanzierungsseite, sieht die EU vor, 30% des Corona-Hilfspakets für Investitionen in den Klimaschutz (Erneuerbare Energien, öffentlicher Verkehr, Elektrifizierung und Gebäudeisolation) zu verwenden.

„Rote“ Karte für Treibhausgase?

Doch auch vermeintliche Klima-„Sünder“ haben den Klimawandel mittlerweile als Problem erkannt. So kündigte Xi Jinping am 22. September gegenüber der UN Hauptversammlung an, dass China bis 2060 klimaneutral werden wird. Keine kleine Aufgabe, wenn man bedenkt, dass sich die CO2 Emissionen Chinas von 1990 auf 2018 mehr als vervierfacht haben, während sie in den restlichen OECD-Ländern großteils stabil blieben bzw. sogar sanken.

Doch China ist nicht nur der größte CO2-Emittent (2018 ~30% der Gesamt-Emissionen an CO2) der Welt, sondern auch der mit Abstand größte Investor, Produzent und Konsument von erneuerbaren Energien. Die Hälfte aller Elektro-Autos, 99% der Elektrobusse und 99% aller E-Roller werden in China verkauft.

Die schiere Größe der chinesischen Wirtschaft macht es damit zu einem der wichtigsten Akteure im Kampf gegen den Klimawandel. Wie ernst China „Net Zero“ tatsächlich nimmt, wird man noch diesen Oktober sehen, wenn die kommunistische Partei Chinas ihren Fünfjahresplan für die wirtschaftliche Entwicklung vorgibt.

Electricity Generation (GWh)


Quelle: Irena, und https://www.theguardian.com/commentisfree/2020/oct/05/china-plan-net-zero-emissions-2060-clean-technology (Screenshot)

If you can’t beat them, join them

Firmen wie BP, Total oder Shell waren einst der Inbegriff von „Big Oil“. Mittlerweile sehen sich beide als Energieunternehmen, investieren in erneuerbare Energien und haben einen Net Zero Plan bis 2050 vorgelegt. Dieser Sinneswandel kann vor allem auf zwei Gründe zurückgeführt werden: Miserable Performance (ExxonMobil war 2013 noch größte Firma der Welt, 2020 fiel sie aus dem Dow Jones Index) sowie der Druck durch Aktionäre – sogenanntes Engagement.

Über Plattformen wie UNPRI oder Climate Action 100+ schließen sich große Investoren zusammen, und fordern von Unternehmen, ESG-Kriterien zu berücksichtigen. Auch die Erste Asset Management betreibt seit 2012 aktives Engagement rund um die Welt und hat unter anderem die Führung für das gemeinsame Engagement der Climate Action 100+ Partner mit der OMV AG übernommen.

The Long and Winding Road

Es wird an der Politik liegen, klare Rahmenbedingungen für eine klimaneutrale Welt zu schaffen. Doch auch wir als Investoren können unsere Verantwortung wahrnehmen. Insgesamt haben momentan nur ~10% der weltweiten Öl-Produzenten Pläne zur Klimaneutralität vorgelegt – zu wenig und zu schwammig formuliert. Durch aktives Engagement wird es gelingen, mehr Unternehmen dazu zu bringen, ihre Geschäftsmodelle nachhaltig auszurichten.

Doch wird die Adaption der Geschäftsmodelle allein nicht reichen – es wird auch Innovationen in Bereichen wie Mobilität, öffentlicher Verkehr, Bauressourcen, und erneuerbaren Energien benötigen. Die International Energy Agency geht davon aus, dass 50% der Technologien, die wir für eine klimaneutrale Welt benötigen noch nicht erfunden sind. Der Weg zur Klimaneutralität wird sich in den nächsten Jahren also noch stark ändern – wichtig ist allerdings, dass der erste Schritt genommen wurde und es ein gemeinsames Ziel gibt.

Der ERSTE GREEN INVEST investiert in Megatrends wie grüne Energie, Wasser und Recycling. Damit beteiligt man sich aktiv an Unternehmen, die einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten. Ein Teil der Erlöse gehen außerdem in Projekte zur Förderung des Klimaschutzes.

Größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte

Der Finanzsektor leistet mit der gezielten Steuerung von Investitionen einen wesentlichen Beitrag, um gegen den Klimawandel zu bestehen. Eines der wirkungsvollsten Instrumente ist das Impact Investing.

Unter Impact Investing (dt. Wirkungsorientiertes Investieren) versteht man Investitionen in Unternehmen, Organisationen und Fonds mit der Absicht, neben einer finanziellen Rendite messbare, positive Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft zu erzielen.

Genau nach diesem Prinzip funktioniert der neue Aktienfonds der Erste Asset Management – ERSTE GREEN INVEST. Der Fonds veranlagt sein Kapital in nachhaltige Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energie oder Wasserwirtschaft. Außerdem werden Unternehmen unterstützt, die eine Vorreiterrolle in der Umstellung von umweltbelastenden Prozessen der „Old Economy“ einnehmen.


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Adaption und der Klimawandel

von Dominik Benedikt, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Gewisse Auswirkungen des Klimawandels könnten mit hoher Sicherheit eintreten, entweder weil die physikalischen Veränderungen schon zu weit fortgeschritten sind, um diese noch aufzuhalten, oder weil die Kosten um sie aufzuhalten exorbitant wären.

Dies ist der Grund, warum die internationalen Verträge wie das Klimaabkommen von Paris vom 1,5 – 2°C Ziel sprechen, aber niemals vom +/- 0°C-Ziel. Es geht darum den Klimawandel auf ein erträgliches Ausmaß zu beschränken, nicht (mehr) darum ihm gänzlich Einhalt zu gebieten. Wir müssen uns daher auf die neue Realität, wie im Weinbau, einstellen und uns dafür umstellen.

Die Prozesse dieser Umstellung werden unter dem Begriff Adaption zusammengefasst, dem letzten der fünf großen Themenblöcke des Erste Green Invest, die ich für Sie über die letzten Wochen beleuchten durfte. Während das Beispiel des Weinbaus gewissermaßen noch ein Luxusproblem umreißt, geht es in anderen Bereichen ums Überleben, wie in der Medizin und dem Küstenschutz.

Trockene Füße

Etwa zwei Drittel der Niederlande sind Überschwemmungsgebiet. Die modernen Schutzbauten gehen auf die 1920er Jahre zurück, selbst wenn die ersten Pläne dafür schon 17. Jahrhundert entstanden waren. Die so genannten Zuiderzeewerke trennten mit Hilfe hoher Dämme und Deiche die flachen Gewässer vor der niederländischen Küste von der Nordsee.

Durch den Bau von Poldern konnten beachtliche Landflächen gewonnen werden. Doch bereits 1937 stellte sich heraus, dass Teile der Schutzbauten unzureichend waren, ein Umstand den 1953 tausende Menschen mit ihrem Leben bezahlten. Die Niederlande antworteten mit dem Bau der noch fortgeschritteneren Deltawerke, die erst 1997 abgeschlossen wurden. Die Bauwerke wurden von der Amerikanischen Gesellschaft der Zivilingenieure sogar zu einem modernen Weltwunder erklärt.

Dennoch und trotz aller sukzessiven Verstärkungen der Schutzbauten, erkannten die niederländischen Ingenieure zuletzt, dass weiterhin Schwächen im Küstenschutz bestehen. Um den erwartbaren Folgen des Klimawandels – ein nur rund ein Meter höherer Meeresspiegel bis 2100 – zu widerstehen, müssen die aktuellen Dämme etwa auf die zehnfache Stärke ertüchtigt werden.

Andere Regionen können mit den gegenwärtigen Methoden nicht mehr geschützt werden. Stattdessen werden gewisse Gebiete aufgegeben und als Überflutungsbecken definiert. Das Ziel ist mit sanftem Küstenschutz dort Erfolg zu haben, wo die bisherigen schweren Verbauungen angesichts steigender Wasserspiegel nicht mehr funktionieren oder nicht mehr finanzierbar sind.

Unternehmen für Küstenschutz

Ein Unternehmen, das in diesem Bereich besonders aktiv ist, ist die niederländische Royal Boskalis, in die auch der ERSTE GREEN INVEST investiert ist. Das Unternehmen widmet sich allen Bereichen des Küstenschutzes. Es widmet sich insbesondere auch der Entwicklung neuer Lösungen sanften Küstenschutzes unter Berücksichtigung natürlicher Gegebenheiten, etwa durch künstliche Mangroven oder Korallenriffe.

Damit entstehen potentiell lebensrettende Antworten für ärmere Entwicklungsländer wie Bangladesch. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass das Land bis 2050 rund elf Prozent seiner Landfläche an das steigende Meer verlieren wird. Rund 15 Millionen Menschen werden durch diesen Anstieg des Wassers um nur 50cm ihre Heimat verlieren.

Aktuell arbeitet das Unternehmen an einem Pilotprojekt in Java, das als Low-Tech Lösung bei einer Vielzahl betroffener Küsten- oder Inselstaaten in Südostasien und Afrika dienen könnte, für die harte Verbauungen wie in den Niederlanden unfinanzierbar sind.

Adaption ist überall nötig

Viele Aspekte der Adaption stecken noch in den Kinderschuhen, werden aber mit Fortschreiten des Klimawandels immer bedeutender. Dies betrifft die Landwirtschaft und die damit verbundene Ernährungssicherheit, ebenso wie den Tourismus, gerade etwa in den Alpen.

Die Tropenmedizin wird durch die Ausbreitung von Tropenkrankheiten nach Europa an zentraler Bedeutung gewinnen, und die Pharmaforschung entsprechend umdenken müssen. Aber auch so banale Themen wie der steigende Bedarf an Klimatisierung verlangen nach neuen Lösungen, um nicht durch energiefressende Klimaanlagen, den Klimawandel noch zusätzlich zu befeuern.

All dies sind Risiken, aber auch Chancen, für jene Unternehmen, die dafür Lösungen liefern. Aktuell macht der Themenblock Adaption nur rund 9% des ERSTE GREEN INVEST aus. Ein Anteil, der aber mit Sicherheit über die nächsten Jahre mit der Bedeutung des Themas steigen wird.


Der ERSTE GREEN INVEST investiert weltweit vor allem in Unternehmen aus dem Bereich Umwelttechnologie. Der Investmentprozess des Fonds basiert auf fundamentaler Unternehmensanalyse. Die Titelauswahl erfolgt mit Fokus auf Unternehmen welche vor allem in den Bereichen EnergieWasser, Abfall & RecyclingTransformation und Adaption tätig sind. Eine messbare positive Auswirkung (Impact) auf Umwelt beziehungsweise Gesellschaft steht bei der Investmententscheidung im Vordergrund.

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Transition: Nachhaltige Veränderung bringt finanziellen Erfolg

von Dominik Benedikt, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Eines der Schulbeispiele nachhaltiger Investoren berichtet von der Transformation von Alcoa, der Aluminum Company of America. Paul O’Neill tritt 1987 als neuer CEO an, um das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Unternehmen zu sanieren. Bei seiner ersten Investorenpräsentation erklärt er, dass der Erfolg des Unternehmens fortan an nur einer Zahl zu messen sei: der Rate an Arbeitsunfällen.

Investoren, die mit ihm stattdessen über seine Ziele zu klassischen finanziellen Kennzahlen sprechen wollen, schmettert er ab. Einer der anwesenden Investoren berichtete später, sofort zum Telefon gehechtet zu sein, um alle Anteile seines Investmenthauses an Alcoa zu verkaufen. Die Firma habe einen „wild gewordenen Hippie zum Chef gemacht, der die Firma zerstören werde“. Die anderen Teilnehmer sollen es ihm gleich getan haben. Ein schlechter Rat: wer bei O’Neills Amtsantritt 100 Dollar in Alcoa-Aktien investiert hat, hätte bis zu seinem Rücktritt 1999, 100 Dollar an Dividenden und 500 Dollar an Kursgewinnen lukriert.

Zufall?

Die akademischen Studien, die sich seither mit dem Fall auseinandergesetzt haben, sagen nein. Viel mehr habe O’Neill einen mit fast allen Unternehmensprozessen verwobenen Faktor identifiziert, die Arbeitssicherheit. Der Fokus darauf hat geholfen Prozesse zu optimieren und Effizienz zu steigern. Durch seine Ansage an alle Mitarbeiter ihn direkt zu kontaktieren, sollte das nötige Budget für Verbesserungen fehlen oder sich das lokale Management querstellen, wurden Blockaden im ganzen Unternehmen aufgebrochen.

Trotz der zusätzlichen Investitionen in Sicherheit, verdreifachte sich Alcoas Nettogewinn im ersten Jahr des Programms. Während O’Neills Amtszeit ist die Unfallrate des Unternehmens um knapp 90% gesunken, auf ein Zwanzigstel des US-Durchschnitts – trotz des scheinbar unumgänglichen, vielfach erhöhten Risikos in der Schwerindustrie.

Arbeitssicherheit schön und gut, aber der Klimawandel?

Natürlich ist Alcoa als immer noch extrem CO2-intensives Unternehmen kein Umwelttitel (und im ERSTE GREEN INVEST nicht investiert), selbst wenn die Firma das Ziel gesetzt hat die CO2-Intensität seiner Aluminiumproduktion bis 2030 zu halbieren. Doch auch hier werden Transformationsprozesse in Gang gesetzt die sowohl dem Kampf gegen den Klimawandel aber auch dem langfristigen finanziellen Erfolg des Unternehmens dienen werden.

Zusammen mit Apple und Rio Tinto hat das Unternehmen eine Technologie entwickelt Aluminium nur unter Ausstoß von Sauerstoff, statt der üblichen hohen prozessbedingten CO2-Emissionen, zu produzieren. Das erste kommerziell so produzierte Aluminium wurde Ende 2019 an Apple geliefert. Alcoa geht davon aus die Technologie ab 2024 vermarkten zu können.

Sollte diese Technik sich durchsetzen, wird sie langfristig dazu beitragen die gesamte Aluminiumindustrie aus Klimasicht vom Problem zur nachhaltigen Lösung umzuformen.

Wer sich nicht verändert…

Der Klimawandel verändert gerade die Spielregeln für viele Industrien der „Old Economy“, nicht zuletzt in Form des europäischen Green Deals, der vorsieht Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent umzubauen. Unternehmen, die diese Zeichen nicht sehen (wollen) riskieren langfristig die Licence to Operate, also die gesellschaftliche und regulatorische Berechtigung für ihr Geschäftsmodell. Ein Beispiel dafür sind fossile Energieträger, wie etwa Kohle.

Während das Geschäft mit letzterer durch keine Transformation zu retten ist – es ist schlicht inkompatibel mit dem 1,5°C-Ziel der Pariser Klimakonferenz, sind es Energieerzeuger sehr wohl.

Das nachhaltigste Unternehmen der Welt?

Orsted ist ein dänischer Energieversorger, der bis 2017 als DONG Energy, kurz für Dansk Olie og Naturgas A/S, firmierte. Der Name war Programm, und das Unternehmen vorallem der Energiegewinnung aus fossilen Energieträgern verschrieben. Vor zwanzig Jahren hatte DONG knapp einen doppelt so hohen CO2-Ausstoß pro produzierter kWh Strom als der Schnitt der großen europäischen Versorger – ein immenses Risiko aufgrund des beginnenden EU-Emissionshandels und den damit verbundenen. Nur die reinen Besitzer von Kohlekraftwerken standen noch schlechter da, illustriert durch den Niedergang der ehemals stolzen deutschen Betreibern von Stein- und Braunkohlekraftwerken.

Im Gegensatz zu diesen hat Orsted die Zeichen der Zeit erkannt, und über die letzten zehn Jahre sein Geschäftsmodell radikal umgebaut. Fossile Energieträger wurden durch erneuerbare ersetzt. Statt 85% fossiler Energie 2009, dem Jahr in dem die Transformation begann, produziert Orsted heute mehr als 85% des Stroms aus erneuerbaren Energieträgern. Bis 2025 soll die Stromproduktion gänzlich klimaneutral sein. Dabei ist das Unternehmen zum weltweiten Marktführer für Offshore-Windkraftwerke geworden und in der Entwicklung der Netze und Speicherlösungen für eine rein erneuerbares Elektrizitätssystem.

Zusätzlich tritt Orsted auch auf gesellschaftlicher und politischer Advokat für den Umbau unseres Energiesystems auf, da ohne diesen der Kampf gegen den Klimawandel praktisch vorab verloren wäre. All dies hat dem Unternehmen in Studien die Zuschreibung als möglicherweise nachhaltigstes Unternehmen der Welt eingebracht. Auch der ERSTE GREEN INVEST ist investiert.

Es besteht keine Nachfrage nach Kohle, Diesel und Konsorten.

Dieses Postulat mag absurd klingen, steht am im Herzen des Erfolgs von Transformationsprozessen im Angesicht des Klimawandels. Nachfrage besteht nach Energie um Haushalte, Wirtschaft oder Verkehr in Bewegung und warm zu halten. Nichts besagt, dass diese aus fossilen Quellen stammen muss, im Gegenteil.

Es besteht auch keine Nachfrage nach Dieselmotoren. Der Kunde kauft die Möglichkeit angenehm, in schöner Schale und mit gewisser Fahrfreude von A nach B zu kommen, wann immer er will. Kann diese Leistung etwa durch die Elektromobilität oder in weiterer Folge autonomes Fahren besser abgedeckt werden, so werden diese Lösungen den Markt übernehmen.

Gerade die Automobilindustrie ist massivem Transformationsbedarf unterworfen. Das Überleben der traditionellen Anbieter hängt davon ab, ob sie diese schaffen. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2050 40% der globalen Fahrzeugflotte autonome Fahrzeuge sein werden. Die Kosten pro gefahren Kilometer sollen dadurch zwischen 40 und 80% sinken, je nachdem wie diese eingesetzt werden. Davon können nicht nur die Konsumenten, sondern auch die Hersteller profitieren: es wird mehr Budget für margenstarke Premiumfahrzeuge frei. (Dass dabei auch klimaschonendes Aluminium für den Leichtbau nötig sein wird, erinnert an die Vernetzung all dieser Prozesse.)

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen, etwa in der Bauwirtschaft oder der IT. Wir kaufen Lösungen für Simulationen, Datenverarbeitung, Vernetzung oder auch nur den Konsum von Katzenvideos, nicht aber ressourcenhungrige Computerchips.

Transition – ein Kernthema

Der erfolgreiche Kampf gegen den Klimawandel hängt unmittelbar davon ab, wie große Teile der „alten“ Wirtschaft diesen Schritt in die Zukunft schaffen. Nur die reinen Lösungsanbieter alleine, werden dies nicht schaffen. Aus diesem Grund ist Transformation bzw. Transition eines der wichtigsten Kernthemen des ERSTE GREEN INVEST. Aktuell ist rund ein Viertel des Fonds in diesem Bereich investiert, übertroffen nur von der Energie.


Der Finanzsektor leistet mit der gezielten Steuerung von Investitionen einen wesentlichen Beitrag, um beim Klimawandel einen Umkehrtrend zu erreichen. In unserer neuen Serie blicken wir auf eines der Schwerpunktthemen des neuen Umweltfonds ERSTE GREEN INVEST.

Wichtige rechtliche Hinweise

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Wie man den Charakter von Managern beurteilen kann

von Mikuláš Splítek, Fondsmanager der Erste Asset Management.

Es ist ein wunderbarer Moment, bei der Aktienauswahl auf einen Faktor zu treffen, der wichtig, kenntlich und unbeachtet ist. Die Beurteilung des Charakters von Managern ist natürlich wichtig. Einerseits geht es um die Vermeidung von Fehlern (Betrug, Diebstahl, desaströse Akquisitionen, toxische Kultur). Andererseits handelt es sich bei Unternehmen um Gemeinschaften von Leuten. Diejenigen, die überleben und florieren sind jene, von denen Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten ein Teil sein wollen. Dies wird oft übersehen. Aufgrund der Tatsache, dass der Charakter von jemandem nur schwer fassbar ist, existiert keine standardisierte Methode um diesen zu beurteilen. Das Thema scheint nur selten in Lehrbüchern oder Lehrgängen auf, und Anleger sind generell pessimistisch, was ihre Fähigkeit der Beurteilung anbelangt. Was uns zum letzten Themenkreis führt: ist die Kenntnis des Charakters möglich? Anders formuliert, gibt es eine verlässliche Art und Weise einen Charakter zu beurteilen?

Viele Investoren erachten dies als unmöglich. Sie vermeiden generell den Kontakt mit dem Management des Unternehmens, um etwaige Beeinflussungen ihrer Urteilskraft hinsichtlich des Unternehmens selbst auszuschalten. Für mich überschätzen diese Personen die Möglichkeit, Finanzzahlen vorherzusagen und unterschätzen die Relevanz des Humanfaktors. Schließlich sind es Menschen, die die Unternehmensergebnisse herbeiführen, nicht umgekehrt. Man denke an Berkshire Hathaway in den 1960ern, als ein neuer CEO das Ruder übernahm – und hier waren es nicht die wirtschaftlichen Gegebenheiten in der Textilindustrie, die das Schicksal bestimmten. In der Tat sagte Warren Buffet, Berkshires CEO, folgendes: „Wenn ein Management-Team mit brillantem Track-Record auf ein Unternehmen mit einem Ruf für schlechte Gebarung trifft, dann bleibt der Ruf des Unternehmens intakt.“ Bis dato sind Menschen die einzige kreative Quelle, die den Weg eines Unternehmens verändern kann (obwohl manchmal die beste Variante die der Liquidation ist – wie im Falle des Textilbereichs von Berkshire).

Das Orakel von Omaha

Die Tatsache, dass die Beurteilung des Management-Charakters zumindest in einigen Fällen möglich ist, sollte aus den Kommentaren hervorgehen, die erfolgreiche Anleger zu dem Thema gemacht haben. „Wir verborgen Geld auf der Basis von Charakter,“ so J.P. Morgans berühmtes Zitat während eines Kongress-Hearings im Jahre 1912. „Er hatte keinen Hintergrund im Versicherungsgeschäft, ich mochte den Typen einfach,“ wie Warren Buffet in seiner Biographie in Bezug auf seinen nunmehrigen Star-Manager Ajit Jain zugab. „Ich glaube, wenn Sie mir diese Frage vor 25 Jahren gestellt hätten, wäre meine Anforderungsliste recht lang gewesen. Heute bin ich absolut überzeugt davon, dass es nichts Wichtigeres gibt, als großartige Leute als Partner zu haben,“ gab Yale Endowment Manager David Swensen auf die Frage hinsichtlich der Eckpfeiler seiner Anlagestrategie als Antwort. All diese Personen scheinen großes Vertrauen in die vorausblickende Beurteilung von Manager-Integrität zu besitzen. Für sie ist diese Beurteilung machbar.

Das bedeutet nicht, dass sie einfach wäre. Manager veröffentlichen nur selten negative Information, wenn sie nicht unbedingt müssen, und es ist schwierig, den Charakter von Managern von ihren geschäftlichen Fähigkeiten zu trennen. Schließlich verfügen wir alle über zumindest ein paar positive Charakteristika, und Manager treffen hinsichtlich ihrer eigenen Eigenschaften als die guten Verkäufer, die sie nun einmal sind, eine Auswahl, was sowohl gut als auch schlecht ist. Es besteht auch ein gesellschaftliches Tabu, negativ über andere zu sprechen. Darüber hinaus neigen Management-Sitzungen dazu, in einer fixen Umgebung einem vorgegebenen Skript zu folgen, was näheren Austausch einschränkt. Kein Wunder daher, dass viele Anleger aufgrund dieser Tatsachen nach wie vor andere Managerfähigkeiten (Führungsqualität, strategische Fähigkeiten, Anpassung etc.) als einfacher zu identifizieren ansehen, wie auch die Grafik zeigt. 

Quelle: Vinall, R. (2017). Identifying Managers with Talent and Integrity. Omaha, 5th May.

So viele Informationsquellen man auch anzapft (Geschäftsberichte über eine Vielzahl von Jahren hinweg, Konferenzgespräche, Management-Sitzungen, frühere Mitarbeiter, Wettbewerber, Zulieferer, Unternehmensbiographien usw.) – bezüglich des Charakters der Manager mag man nach wie vor im Dunklen tappen. In den Medien finden sich immer wieder Fälle von sehr fähigen und intelligenten Leuten (Analysten, Anleger, Geschäftspartner), die von unredlichen Managern betrogen wurden. Diese Fälle befeuern die schon angesprochene Skepsis auf der einen (weit größeren) Seite der Investment-Community hinsichtlich der (Un-)Möglichkeit, den Charakter von Managern zu beurteilen. Auf der anderen Seite sehen wir eine Handvoll an Individuen, die dies nicht nur als machbar ansehen, sondern sogar als beinahe selbstverständlichen Teil des Berufs als Anleger (Buffet verfügt über einen beinahe 100%ig positive Track-Record bei der Auswahl seiner Manager). Woher kommt diese Diskrepanz?

Wie meistert man die Fähigkeit, den richtigen Charakter auszuwählen?

Vielleicht ist die Fähigkeit nicht vermittelbar, da sie schwer zu erlangen ist. Finanzmodelle oder technische Analyse sind recht schnell begreifbar, und sie verlangen einem größtenteils keine Persönlichkeitsveränderung ab. Im Computer-Jargon könnte man von einer neuen „App“ sprechen. Aber die Fähigkeit, den Charakter von jemand anderen zu beurteilen, ist nicht annähernd dasselbe. Hierbei handelt es sich eher um ein Upgrade des Betriebssystems, welches direkt mit der eigenen Persönlichkeit verbunden ist. Man muss entsprechend jenen Werten leben, die man in Managern zu finden hofft, um zu wissen, um welche es sich dabei handelt. Es bedingt eines bestimmten moralischen Verständnisses, um die Moral anderer Leute einschätzen zu können. Wir mögen Menschen, die uns ähnlich sind. Daher können wir nur dann außerordentlich guten oder schlechten Charakter erkennen, wenn wir selbst dem Schatten der moralischen Mittelmäßigkeit entkommen. Nur dann kann man Gefallen oder Missfallen zu seinem Vorteil einsetzen. Anders ausgedrückt muss man seinen eigenen moralischen Anspruch erhöhen, um weiter zu sehen. Dies ist weder schnell noch einfach machbar, und niemand kann es einem beibringen. Tugendhaftigkeit kann nicht gelehrt werden, wie Plato in Menon vor mehr als 2300 Jahren argumentierte. Aber man kann sie lernen. Laut den Worten von Viktor Frankl und Carl Rogers kann sie über echtes und unnachgiebiges Engagement im und mit dem Leben erlernt werden.

Zusammenfassend kann man also festhalten: um den Charakter eines Managers korrekt einschätzen zu können, muss man selbst ein guter Mensch sein (bzw. werden). Da keine universelle Definition von „gut“ in diesem Zusammenhang existiert, liegt es an jedem selbst, sein Bestes zu versuchen. Natürlich weiß man nie, inwieweit man mit seinen Bestrebungen erfolgreich ist, doch ist dies auch nicht notwendig. Ein Fortschritt wird in jedem Fall gemacht. Die meisten Leute werden diese Vorgaben vermutlich als zu vage einstufen um überhaupt einen Versuch zu lancieren. Daher wird derjenige, der hartnäckig bleibt, am Ende mit einem Wettbewerbsvorteil aussteigen. Es mag nicht eingängig erscheinen, dass das Streben nach dem Guten im Menschen in der Finanzwelt hilfreich sein solle, aber ich nehme an, das ist genau der Grund, warum nur eine Handvoll Leute den breiten Markt ständig schlagen.


Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Risikomanagement bei Immobilienfonds

Im Immobilienfondsrisikomanagement gelten eigene Spielregeln. Es prallen zwei unterschiedliche Welten aufeinander: der Immobilienmarkt und der Kapitalmarkt. Zusätzlich wurden durch neue gesetzliche Anforderungen strikte Regelungen für den Anlegerschutz definiert. Dieser Beitrag zeigt, wie die ERSTE Immobilien KAG gemeinsam mit KPMG diese Aufgaben löst.

Die Anforderungen an das Risk Management von Immobilien haben sich durch Erfahrungen aus der Finanzkrise, gestiegene Erwartungen der Investoren und nicht zuletzt aufgrund einschneidender gesetzlicher Anforderungen entscheidend geändert. Die Auswirkungen der zunehmenden Regulierungen sind für alle Immobilienunternehmen spürbar.

Ausgangslage

Die spezifische Herausforderung beim Management eines Immobilienfonds besteht darin, ein liquides Produkt (= Fonds) mit vorwiegend illiquiden Assets (= Immobilien) erfolgreich und effektiv zu managen. Die Rückgabe von Anteilsscheinen ist für den Anteilseigner in Österreich täglich möglich, die Liquidation einer Immobilie divergiert aufgrund der zu erwartenden Verwertungsdauer erheblich, abhängig vom Volumen im Durchschnitt sechs bis 18 Monate. Dies erfordert eine genaue Beobachtung der Anteilsscheinbewegungen und entsprechende Risk Tools, um dem Liquiditätsrisiko angemessen Rechnung zu tragen. Die Kapitalmarktrisiken (zB Zinsentwicklungen) sind relevant für Veranlagungsentscheidungen der liquiden Mittel des Fonds.

Der Ankauf von Immobilien ist ein Core-Prozess eines Immobilienportfolioverwalters. Um ein nachhaltiges und ertragreiches Immobilienportfolio aufzubauen, gilt es die damit verbundenen Risiken richtig einzuschätzen und zu steuern.

Im Immobilienfondsrisikomanagement prallen zwei unterschiedliche Welten aufeinander: einerseits der Immobilienmarkt, andererseits der Kapitalmarkt. Zusätzlich hat der Regulator strikte Regelungen mit Einführung des AIMFG (Alternatives Investmentfonds-Manager Gesetz) etabliert, um den Anleger entsprechend zu schützen. Dies stellt die Marktteilnehmer vor neue Aufgaben, bietet aber auch wesentliche Orientierungspunkte für alle mit dem Management von Immobilien befasste Unternehmen.

Nachstehend zeigen wir einige Lösungsansätze der ERSTE Immobilien KAG als einem der größten Immobilienportfolioverwalter auf, die sich in der Praxis bewährt haben. Diese wurden gemeinsam mit KPMG erarbeitet und werden seit nunmehr vier Jahren kontinuierlich weiterentwickelt.

First Steps

Grundsätzlich wird von der Unternehmensstrategie die Risikostrategie abgeleitet, entsprechend werden die Risikoprofile der einzelnen Fonds festgelegt. Nach Festlegung der Risikostrategie wird die Identifizierung und Klassifizierung der Risiken vorgenommen.

Eine mögliche Systematik, Risiken in Form eines Risikokatalogs zu unterteilen ist die Unterteilung in

  • Financial Risk: Marktrisiko, Kreditrisiko, Liquiditätsrisiko
  • Non-Financial Risk: Operationelles Risiko, Compliance Risiko

Die wichtigste Aufgabe ist die möglichst präzise Definition der einzelnen Immobilienrisiken bzw deren Risikoparameter.

Weiters ist eine Abgrenzung zwischen dem Risk Management und dem Risk Owner zu definieren, um eine klare Aufgabenverteilung festzulegen. In den meisten Fällen ist der Risk Owner (First Line of Defense) im operativen Bereich angesiedelt und das Risk Management (Second Line of Defense) als Risikocontrolling-Funktion anzusehen. Das Risikomanagement stellt die Systematik und die Tools für eine standardisierte Erfassung und Bewertung der Risiken zur Verfügung.

Bei der Analyse, Bewertung, Steuerung und Begrenzung der Risiken gibt es naturgemäß unterschiedliche Methoden zwischen Financial und Non-Financial Risks.

Financial Risk

Die Anwendung von qualitativen Messverfahren ist abhängig von der Komplexität der jeweiligen Investmentstrategie.

Für AIFs (Alternative Investment Funds) mit alternativen Investmentanlagen in Form von Immobilien kommt die im weiteren beschriebene Scoring-Methodologie mit folgenden grundsätzlichen Risikokategorien zur Anwendung:

  • Marktrisiken
  • Kreditrisiken
  • Liquiditätsrisiken

Non-Financial Risks werden mittels einer eigens entwickelten Methodologie separat gesteuert und danach aggregiert.

Das Scoring wurde auf Basis von Scorecards für diese Risikokategorien aufgesetzt. Hierbei werden drei Scorecards für die Risikokategorien „Marktrisiken“, „Kreditrisiken“ und „Liquiditätsrisiken“ definiert. 

Marktrisiko

Das Marktrisikomanagement der ERSTE Immobilien KAG basiert auf einem Scoring-Modell, das die Ermittlung, Messung, Steuerung und Überwachung aller Risiken ermöglicht, denen die Immobilienfonds ausgesetzt sind bzw ausgesetzt sein könnten. Kategorien dafür umfassen ua Zinsänderungsrisiko, Mietpreisrisiko, Preisänderungsrisiko der Immobilien.

Durch den Prozess des Scorings wird dem Marktrisiko und den in dieser Risikokategorie befindlichen Risikoklassen ein Wert („Score“) zwischen 0 und 9 zugewiesen. Ein Score von 0 bedeutet, dass kein Risiko existiert, ein Score von 9 geht mit einem sehr hohen Risiko einher. Durch geeignete Limitsetzung bzw Eskalationsprozesse und ständige Beobachtung der Scores und Limits wird sowohl eine Steuerung als auch eine Überwachung der Risiken sichergestellt.

Das Scoring wird regelmäßig durchgeführt. In diesem Zusammenhang werden für jeden Risikofaktor spezifische Stresstests durchgeführt. Diese Stresstests basieren auf der Annahme der Erhöhung der Volatilität der einzelnen Risikofaktoren.

Kreditrisiko

Unter „Kreditrisiken“ werden alle Risikoklassen berücksichtigt, die nicht in einer der anderen Risikokategorien erfasst wurden. Dabei handelt sich im Wesentlichen um das Bonitätsrisiko (Gegenpartei), das Konzentrationsrisiko, das Gegenparteiausfallrisiko und das Asset Allocation Risiko, die in der Scorecard Kreditrisiko dargestellt werden.

Mittels des Scoring-Modells ist auch für die Kategorie „Kreditrisiko“ jederzeit eine Messung der entsprechenden Risikoklassen gewährleistet. Analog zu der Risikokategorie „Marktrisiko“ wird auch hier im Rahmen des Scoring-Prozesses für jede Risikoklasse ein Wert ermittelt, der den entsprechenden Risikograd identifiziert.

Liquiditätsrisiko

Das Liquiditätsrisikomanagement-System für die Fonds der ERSTE Immobilien KAG basiert ebenso auf einem Scoring-Modell, welches die Anlagestrategie, das Liquiditätsprofil sowie die Rücknahmegrundsätze der Immobilienfonds berücksichtigt.

Hier wird zwischen zwei Risikoevaluierungsansätzen unterschieden. Dem „Going Concern“ und dem „Gone Concern“. Ersterer geht von einer Fortführung des Fonds aus und letzterer von dessen Liquidation.

  • Going Concern-Ansatz
    Im Going Concern werden die liquiden Mittel des Fonds den laufenden Verbindlichkeiten gegenübergestellt. Es wird ermittelt, wie lange die liquiden Mittel ausreichen, um die laufenden Verbindlichkeiten zu decken. Unter die liquiden Mittel fallen beispielsweise Mieterträge, Erträge aus Anteilsscheinabsätzen und Erträgen aus liquidierten Veranlagungen. Es werden explizit keine Vermögensgegenstände zum Liquiditätserhalt veräußert. Die Ableitung der Verbindlichkeiten erfolgt aus einer Projektion historischer Rücknahmen und sonstiger Verbindlichkeiten (Prüfungskosten, Verwaltungsgebühren, Kaufpreisverbindlichkeiten etc).
    Der ermittelte Deckungsgrad zum Zeitpunkt t wird anschließend verwendet, um die Kennzahl Distance-to-Illiquidity (DTI) darzustellen. Hierbei gibt die DTI die Anzahl der NAV-Berechnungszeitpunkte bzw Monate an, an dem der Deckungsgrad erstmalig die Grenze von 100 Prozent (Deckungsgrad) unterschreitet. Zu diesem Zeitpunkt reichen die liquiden Mittel nicht mehr aus, um die Anteilscheinrückgaben zu bedienen, der AIF wäre somit illiquide. Die ermittelte DTI, die den Score-Indikator repräsentiert, wird auf die Score-Skala übertragen. Je höher der DTI-Wert zum Betrachtungsstichtag ist, umso kleiner ist der Score-Wert.
  • Gone Concern-Ansatz
    Im Gone Concern-Ansatz wird die Liquidation aller Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten simuliert. Auch in diesem Fall werden die liquiden Mittel den Geldmittelabflüssen gegenübergestellt. Hierbei wird gemessen, über welchen Zeitraum sich die Liquidation erstreckt und wie hoch der Wertverlust ist, den ein Investor im Zuge der Liquidation voraussichtlich tragen muss.
    Die ermittelte Kennzahl in diesem Fall ist die „Distance-to-Dissolution“ (DtD). Diese gibt den Zeitpunkt in Monaten an, zu welchen der Fonds theoretisch aufgelöst werden kann (dh nach Liquidation aller Assets).

Die zweite Kennzahl, „Contribution-Loss-Ratio“ (CLR), gibt in Prozent an, wie hoch der durchschnittliche potenzielle Verlust der Anleger im Laufe einer Liquidation voraussichtlich ist.

Maßnahmen im Falle normaler als auch außergewöhnlicher Umstände sind im Rahmen des Liquiditätsmanagements durch Stresstests im Scoring-Modell implementiert. Diese Stresstests werden sowohl auf Grundlage historischer als auch aktueller Daten aufgebaut und durch Stress-Szenarien ergänzt.

Prinzipien eines zuverlässigen Scoring Modells

Entscheidend für die Zuverlässigkeit der Risikobewertung sind objektive und verlässliche Daten und Informationen. Insofern sind im Allgemeinen verlässliche Markt- (zB Zinssätze) und Vertragsdaten die primären Quellen für die Ermittlung von Risikoindikatoren und entsprechenden Scores. Werden Expertenschätzungen dem Scoring zu Grunde gelegt oder in wesentlichem Umfang berücksichtigt, so sollten diese den nachfolgenden Qualitätsanforderungen genügen:

  • Verlässlichkeit
  • Überprüfbarkeit
  • Wiederholbarkeit der Bewertung und Ergebnisse
  • Nachvollziehbarkeit

Scorings, die auf Basis qualitativer Informationen wie zB Expertenschätzungen erstellt werden, sind in einem weiteren Schritt bzgl ihrer Zuverlässigkeit zu klassifizieren, um dem Risikomanager sowie den weiteren Entscheidungsträgern die Verlässlichkeit der Informationen klar erkenntlich zu machen. Hierbei sind die oa Qualitätsanforderungen maßgebliche Kriterien für eine derartige Beurteilung.

Auf Basis des Scoring-Modells werden Stresstestprogramme, Limits sowie die interne Berichterstattung festgelegt. Anforderungen aus der externen Berichterstattung, wie zB Reporting an Aufsichtsbehörden, werden soweit wie möglich und entsprechend der Relevanz für das Risikomanagement im Scoring-Modell berücksichtigt.

Mindestens einmal jährlich oder ad hoc (zB bei wesentlichen Änderungen der Risikomanagement-Grundsätze oder der Anlagestrategie der AIFs) wird durch den Manager eine Prüfung durchgeführt, welche die Adäquanz der Scoring-Methodologie validiert und rückblickend überprüft.

Non-Financial Risks

Die Identifikation und Evaluierung der Non-Financial Risks (Op Risk, AML und Compliance Risks) findet in der ERSTE Immobilien KAG im Rahmen der implementierten RSAs (Risk Self Assessments) statt. Es handelt sich dabei um eine strukturierte, regelmäßige Selbsteinschätzung der Non-Financial Risks, die mit Hilfe eines vom Risikomanagement entwickelten Tools dezentral in den jeweiligen Abteilungen durchgeführt wird. Innerhalb der RSAs identifizieren, evaluieren und ggf ergänzen die Risk Owner die jeweilige Risikorelevanz. Die Bewertung der Risikorelevanz der einzelnen Risikoevents wird durch das Risikomanagement überprüft und gemeinsam mit dem Risk Owner einer Qualitätssicherung unterzogen. Ziel ist es dabei, potenzielle Risiken im Detail darzustellen und Risikoevents zu definieren.

Brutto- und Nettorisiko

Den als relevant identifizierten Risikoevents wird ein Wert betreffend die potenzielle Schadenshöhe und die Schadenshäufigkeit zugeordnet. Dies dient der Ermittlung des Bruttorisikos, was bedeutet, dass bei dieser Zuordnung etwaige Kontrollen oder ein vorhandener Versicherungsschutz nicht miteinzubeziehen ist. Nach der Bewertung der potenziellen Schadenshöhe und -häufigkeit werden durch den Risk Owner, pro signifikantem Risiko, die implementierten Key Controls evaluiert und ggf ergänzt. Ziel ist es, alle wesentlichen Risiken durch eine effektive und inhaltlich entsprechend ausgestaltete Kontrolle zu begrenzen und somit das ermittelte Bruttorisiko zu senken.

Nach der Befüllung der RSAs ist Risk Management für die Qualitätssicherung der erhaltenen Information zuständig.

Das Nettorisiko ergibt sich aus dem Bruttorisiko nach Berücksichtigung der implementierten Kontrollen und abgeschlossenen Versicherungen im Falle des Operationellen Risikos. Analog zu den Financial Risks sind bei den Non-Financial Risks für die ermittelten Score-Werte Schwellenwerte und Limits implementiert, ab denen ein Eskalationsprozess startet. Die Ergebnisse der Risikobewertung und -steuerung werden in detaillierten Berichten, je nach Berichtsempfänger, zusammengefasst.

Benefit für das Management

Die erweiterten Risk Reportings und Kennzahlen ermöglichen dem Management eine bessere Übersicht über die Gesamtrisikosituation und Limitauslastung. Zudem tragen die zusätzlichen Informationen zu einer verbesserten Entscheidungsgrundlage bei. Einerseits ermöglicht dies, nachhaltigere Managemententscheidungen treffen zu können und unterstützt andererseits zB die Eigentümervertreter (Aufsichtsrat) in der Wahrnehmung ihrer Kontrollfunktion. Diese Maßnahmen stärken die Idee des modernen Anlegerschutzes.

Trends und Herausforderungen

  1. Automatisierung
    Die Automatisierung ist und bleibt ein zentrales Thema von Immobilienfondsmanagern im Allgemeinen und Immobilien KAGs im Speziellen. Geschuldet den hohen Anforderungen der Aufsichtsbehörden, der Investoren und internen Vorgaben, wird der Dokumentations- und Verarbeitungsaufwand weiter steigen. Eine manuelle Umsetzung ist in den meisten Fällen eine Notlösung und wird auf Dauer keinen Bestand haben. Daher ist es wichtig, schon heute die Schritte für die Zukunft zu setzen. Die automatisierte Verarbeitung von Standardprozessen sowie die automatisierte Anlieferung diverser Daten ist unseres Erachtens unumgänglich.
  1. Wichtigkeit des Risk Management Systems
    Aus Anlegerschutzgründen prüft die Aufsicht sehr genau, ob die Risk Management Systeme valide und effektiv sind. Die erhöhten Anforderungen treffen nicht nur die Investoren, sondern auch deren Partner (zB Projektentwickler, Generalunternehmer, Totalunternehmer).
    In Zukunft wird die Komponente professionelles Risikomanagement an Relevanz gewinnen, nicht nur für Immobilienfonds, sondern für die gesamte Immobilienbranche. Die derzeitige Marktsituation macht den professionellen Umgang mit und die Steuerung von Risiken zu einem Wettbewerbsvorteil, um in der Branche zu bestehen.
  1. Immobilienmarktdaten
    Die zunehmende Transparenz des Immobilienmarktes bietet neue Möglichkeiten. Die Datenverfügbarkeit wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Bei der Auswahl des richtigen Datenlieferanten ist jedoch mit der gebotenen Sorgfalt vorzugehen. Es muss hinterfragt werden, welche Daten gesammelt werden, wie diese verarbeitet und aufbereitet werden und ob diese den Markt objektiv abbilden. Die Risk Modelle profitieren von dieser Entwicklung, nicht zuletzt durch die steigende Reliabilität und Effizienz bedingt durch die höhere Qualität der Inputdaten.

Die Kombination aus qualitativ hochwertigen Risikomodellen (-tools) und vorhandenen Erfahrungswerten der Immobilienmanager wird in Zukunft den Ausschlag über den Erfolg eines Unternehmers geben.


Die Autoren:
Elisabeth Lucius ist Direktor beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG und spezialisiert auf die Bereiche Investment und Risk Management.
Stefan Süschetz ist Leiter der Abteilung Risk Management & Compliance bei der ERSTE Immobilien KAG.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.

Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Alternative Strategien: Vor- und Nachteile

Christian Süttinger, Senior Fondsmanager Multi Asset Management bei der Erste Asset Management, widmet sich den Vor- und Nachteilen von verschiedenen alternativen Investment-Strategien.

Nachdem in Teil 1 erklärt wurde, was unter dem Begriff Alternative Strategien zu verstehen ist, wie sie funktionieren und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen, widmen wir uns jetzt den wichtigsten Vertretern.

Long/Short-Equity Market Neutral 

Bei dieser Strategie werden einzelne Unternehmen mit dem Ziel analysiert, Gewinner und Verlierer zu identifizieren und je­weils in beide gleichzeitig zu investieren. In Summe ergibt das ein Portfolio, das sich einerseits aus Aktien mit positiven Fundamentaldaten (Bilanzkennzahlen) und günstigen Bewertungen zusammensetzt („long-Portfolio“) und dem andererseits Aktien mit negativen Fundamentaldaten oder ungünstigen Bewertungen gegenübergestellt werden („short-Portfolio“). Beim „short-Portfolio“ wird durch sogenannte Leerverkäufe auf fallende Aktienkurse gesetzt. Im besten Fall profitiert man für den „long“-Teil von steigenden Aktienkursen und im „short-Teil“ von fallenden Kursen. Beide Komponenten tragen zum Gesamtertrag des Portfolios bei. Da das long- und das short-Portfolio voneinander unabhängig zusammengesetzt sind, ist die Strategie in Summe von der Wertentwicklung relativ stabil.

Die Auswahl der Aktien für das jeweilige Portfolio (long oder short) kann das Investment-Management-Team direkt (Experte) oder über Computermodelle vornehmen. Die Expertise liegt dabei beim Manager und seiner/ihrer Einschätzung der Situation und der Perspektive von Unternehmen und Industriesektoren.

Schwierig wird es, wenn sich die Börsenpreise von Aktien von ihrem sogenannten inneren Wert (auf Basis von fundamentalen Daten wie Unternehmensgewinn, Dividende, Umsatzerlöse etc.) entfernen, etwa wenn „billiges“ Geld zu Mittelzuflüssen führt, ohne dass dabei die Bewertungen einzelner Aktien eine angemessene Rolle einnimmt. Als Beispiel kann hier die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) angeführt werden. Durch die Entscheidung der EZB, neben der Verfolgung der Nullzinspolitik auch selbst als Käufer für Unternehmensanleihen aufzutreten, führte dazu, dass sich auch europäische Aktien von ihrem inneren Wert entfernt haben, immer höher bewertet und somit „teurer“ wurden. Nachteilig sind auch plötzliche Veränderungen in den Gewinnaussichten von Branchen, die durch gesamtwirtschaftliche Wendepunkte hervorgerufen werden können. Beispielsweise waren die Erwartungen für das globale Wirtschaftswachstum Anfang 2016 negativ, ausgelöst u.a. durch beängstigende Prognosen für China. Schon kurz danach hellte das Bild auf, und die Weltwirtschaft kehrt auf einen Wachstumspfad zurück.

In der „Market Neutral“Variante dieser Strategie wird die Abhängigkeit des Portfolios von den Aktienbörsen neutralisiert. Damit spiegeln sich die Schwankungen, denen Aktienmärkte grundsätzlich unterliegen, im Ergebnis nicht wider.

Long/Short-Equity Variable Bias

In der „Variable Bias“-Variante der Strategie wird die Abhängigkeit des Portfolios von den Aktienbörsen aktiv (vom Manager selbst) gesteuert und ist im Bestfall in steigenden Aktienmärkten positiv und in fallenden Aktienmärkten neutral oder negativ. Das Fondsergebnis setzt sich damit aus der Analysekompetenz des Managements einerseits, und der Markteinschätzung andererseits zusammen.

Global Macro

Auf Grundlage eines makroökonomischen Gesamtbildes wird in die Anlageklassen Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe und Zinsen veranlagt, mit der Möglichkeit, steigende als auch fallende Kursentwicklungen und Kurstrends auszunutzen. Ein makroökonomisches Gesamtbild entsteht u.a. durch volkswirtschaftliche Indikatoren und Stimmungsbarometer, historische Vergleichswerte und den Erfahrungsschatz des Fondsmanagements. Tritt beispielsweise ein Szenario ein, bei dem über einen längeren Zeitraum steigende Zinsen zu fallenden Anleihekursen führen, kann ein Global Macro Fonds weiterhin in Anleihen investiert bleiben und profitiert dabei auch noch von dieser Entwicklung.

Global Macro umfasst die risikokontrollierte Aufteilung des Kapitals auf jene Anlageklassen, denen volkswirtschaftliche Daten und historische Modelle die besten Aussichten zuschreiben. Die Einordnung eines Landes innerhalb des Konjunkturzyklus, wirtschaftliche Ungleichgewichte oder Verschiebungen zwischen Wirtschaftsräumen sind Faktoren, durch die eine Zusammensetzung des Fondsportfolios begründet werden kann. Währungen reagieren beispielsweise sehr empfindlich auf ökonomische Daten und die Politik der Notenbanken.

Häufig werden zwei Entwicklungen zueinander in Beziehung gebracht, bevor in eine oder in auch beide investiert wird. Zum Beispiel die wirtschaftliche Entwicklung des Landes A relativ zur Entwicklung des Landes B. Dadurch ist nur die Investmentidee für den Erfolg verantwortlich, und nicht die Stimmung an den Börsen insgesamt („Relative Value“).“

CTA Managed Futures

CTA steht für Commodity Trading Advisors, ist also ein Begriff für Manager spezieller Anlageprodukte. Bei den CTA Managed Futures wird computerbasiert nach Trends („Momentum“) in den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe und Zinsen  gesucht. Wird ein Trend (aufwärts- oder abwärts) erkannt, dann wird systematisch in diesen investiert. Nach dem erwarteten Trendende einer Anlageklasse wird das Kapital aus den Investments wieder abgezogen und in einen neuen Trend investiert. Um eine emotionale Komponente auszuschließen und das Risiko aufzuteilen, wird in viele verschiedene Märkte investiert. Im Bestfall fällt die tatsächliche Länge eines Auf- oder Abwärtstrends mit der angenommenen Modell-Trendlänge des Fonds zusammen.

Performance-Schwierigkeiten kann es bei dieser Strategie dann geben, wenn wichtige Trends, also Trends in die viel investiert wurde, abrupt enden, oder sich viele Anlageklassen plötzlich in identer Weise verhalten (zugleich steigen bzw. fallen), wie es unter bestimmten Umständen immer wieder passiert. Ein Beispiel für ein solches Szenario war die Ankündigung der US-Notenbank – aus dem Jahr 2013 – ihre unterstützende Geldpolitik einzuschränken. Das wurde von den Marktteilnehmern so nicht erwartet. Als Folge sind Aktien und Anleihen gleichzeitig im Kurs gefallen. Beide Anlageklassen waren vor dieser Ankündigung stark gestiegen.

Fazit

Long/Short-Equity-Strategien können dann vorteilhaft sind, wenn der Anleger in Aktien investieren möchte, diese aber derzeit als „teuer“ oder „überbewertet“ einschätzt.

Global Macro und Managed Futures haben Anleger in der Vergangenheit von den Turbulenzen des Aktienmarktes recht gut abgeschirmt. Sie sind Strategien „für jedes Wetter“ und eignen sich auch gut als Ergänzung in einer mit Aktien und Anleihen gemischten Anlagestrategie.

Eine Übersicht über weitere Vertreter der Alternativen Strategien folgt im dritten Teil der Blogserie.

Christian Süttinger ist seit 2002 bei der ERSTE-SPARINVEST KAG tätig. Er ist als Senior Fund Manager im Multi-Asset-Management-Team für Alternative Strategien zuständig. Er besitzt einen Abschluss der Wirtschaftsuniversität Wien in Betriebswirtschaftslehre, ist seit 2009 CFA Charterholder sowie seit 2010 CAIA Charterholder.